Nr. 356 ♦ 44.?aheg. Musgade A Nr. 1S2 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Ptennig. monatlich B,— Rctchsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband iur Deutschland. Dauzig. Saar, und Mcmelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg Zieichsmarl, tiir das übrige Ausland SLü Sieichsmarl pro Monat. Der.Vorwärts' mit der illulirier- ten Sonntagsbeilage.Voll und Zeit" sowie de» Beilagen.Unterhaltung und Wissen"..Aus der ffilmwelt", .Frauenstimme"..Der Kinder. freund".„Iugcnd-Vorwärtz".„Blick in die Bücherwclt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei» mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozioldemokrol Berlin** Morgenausgabe Derliner Volksvlski �10 Anzeigenpreise: Die e t n t p a! t t a e Zlonpareille- geile M Viennig issekloinczcUe i,— Neichsmart„Kleine Anzeigen* das fettgedruckte Wort Zb Viennig fznlässig zwei'etigebruckte Woriei. jedes weitere Wort IS Ptcnniy. Stellengesuche das eckt« Wort IS V sinnig, sedcs weitere Wort tll Pfennig Warle Uber IS Buch» ftaben zählen>ll: zwei Worre. Ardeitsmarkt Zeile Sl> Ptennig. Familienaiizelgen issr Abonneiiten Zeil« iü Pi-nnig Anzeigen«ür die n ä ch ss c Nummer müssen bis Vh Uhr nachmittags>1» Hauntgefchäft. Berlin SW Lö. Linden. ftratzc s. abgegeben werden Geöffnet von 8� Uhr'rüh bis s Uhr nachm. �endralorgan der Sozialdcmohratifchen parte! Deutfdilands Neüaktion und Verlag: S erlin SW. b8» Linöenstraße Z g-ernsprecher: Tönhoff ÄSÄ— SS7. vorwärts-verlag S.m.b.tz., öerlin SW. öS, Linüenstr.Z PoNschecklonto:«eeli» 87 öS»- BanNoNto: Bant»er Arbeiter. Annestegte» und Beainlen. Walls, r.«Si Dislouto.Selclllchaft. Dcoositeulalf« Liudenstl. 8. Man wühlt in alten Wunden! Auch ein Symptom deutschnationaler Außenpolitik. Der französische Ministerpräsident P o i n c a r 6 hat es nicht unterlassen können, anläßlich einer Denkmalseinweihung in O r ch i e s auf die Umstände hinzuweisen, unter denen dieses nord- französische Städtchen während des deutschen Vormarsches im September 1914 restlos niedergebrannt wurde. Diese Rede war sicher höchst überflüssig, denn, wer wirklich Friedenspolitik machen will, der sollte es unbedingt vermeiden,«en Anlaß zu solchen Polemiken zu liesern. Grcueldebatten hoben wir wahrhastig während des Krieges mehr als genug gehabt, wobei jedes Land das Bestreben hatte, die eigenen Sünden zu leugnen oder zu beschönigen und dem Feind vermeintliche Sünden anzudichten oder seine tat- sächlichen Sünden maßlos aufzubauschen. Verbrechen sind auf allen Seiten begongen worden und man sollte sich hüten, heute noch in das damalige Pharisäertum zu versallen, das nur durch die Kriegspsychose entschuldigt werden konnte. Im Falle Orchies hat zweifellos Poincare mit dieser über- flüssigen Debatte angefangen, und kein vernünftiger Mensch wird dies billigen können. Aber h ö ch st unklug ist es, daß die Reichsregierung sich sofort veranlaßt fühlte, ganz nach dem Muster des Großen Hauptquartiers in den Jahren 1914 bis 1918, durch MTB. mit endlosen Gegenerklärungen und Gegendarstellungen zu antworten. Jetzt läßt auch Poincare durch H a v a s ebenso aus- führlich erwidern, und das Resultat ist, daß wir dreizehn Jahre nach Kriegsausbruch, fast neun Jahre noch dem Wafsenstillstand und zwei Jahre nach Locarno öffentlich« G r e u e l d e b a t t« n zwischen Paris und Berlin über Ding« aus dem Herbst 1914 erleben müssen. Da» ist ein unmöglicher Zustand, gegen den sich der gesunde Menschenverstand in allen ehemals kriegführenden Landern entschieden wehren'müßte. Im Falle Orchies hat Poincare den Anfang gemocht,, aber im Falle der belgischen Deportati o- ntn und der sanstigen Streitsragen über Völkerrechtsnerletzungen während des Krieges ist es die Bürgerblockmehrheit des Untersuchungsausschusses gewesen, die mit einem ebenso unzeitgemäßen wie einseitigen fünfbändigen Bericht vor«inigen Wochen aufgetrumpft hat und damit den Belgiern den Borwond zur Abwehr geliefert hat. Dieser Bericht hat bereits in dem deutsch- belgischen Notenwechsel über die Anschuldigungen des Kriegs- Ministers de Broqueville ein« Rolle gespielt, obwohl er an sich mit dem eigentlichen Streitgegenstand nichts zu tun hatte. Wir fürchten, daß diese Glanzleistung unserer Bürgerblockpolitiker noch in der nächsten Zeit mehrfach Anlaß zu ebenso überflüsiigen wie schob- lichen internationalen Debatten geben wird. Die Reichsregierung beruft sich natürlich darauf, daß der Reichstag unabhängig sei, und daß sie für den Bericht seines Ausschusses kein« Verantwortung trage. Das ist zwar formell richtig, aber es hätte ein Wink der WilHslmstraße genügt, und die Berössentlichung des Ausschusses, ebenso wie die bombastische Berichterstattung im Reichstagsplenum durch Herrn Bell wäre unterblieben. Aber die Wilhelmstraße hat natürlich ein solches Abwinken nicht gewagt, weil die Deutsch- nationalen in der Regierung sitzen. Ergebnis: Anstatt, mit den geeigneten Mitteln für die Räumung des Rheinlandes zu kämpfen, hat sich die Bürgerblockregierung nach allen Seiten in eine sinnlose Kriegsgreuelpolemik ge- stürzt und sie muß dabei den für unsere jetzigen außenpolitischen Ziel« wabrlich nicht nützlichen Eindruck erwecken, daß die deutsche Republik sich mit allen möglichen Dingen solidarisiert, die während des Krieges das kaiserliche Deutschland verant- wartet hat. -i» Inzwischen läßt die Reichsregierung die im Kriegsorchio in Potsdam aufbewahrten Protokolle über Orchies oerösfentlichen. Es handelt sich um endlose Dokumente, aus denen in der Tat hervorgeht, daß in diesem Städtchen furchtbare Bestialitäten an Toten und vielleicht sogar an verwundeten Deutschen begangen worden sind. Das lassen insbesondere die eidlichen Bekundungen zweier sranzösischer Gei st lichen unzweiselhast erkennen. Ob diese Grausamkeiten von ortsansässigen oder ortssremden Zivi- listen, von französischen oder von farbigen Soldaten begangen wurden, läßt sich hingegen nicht einwandsrei feststellen. Die Doku- mente ergeben andererseits, daß die N i e d c r b r e n n u n g des Ortes bereits befohlen war, noch ehe diese Verstümmelungen bekannt waren, sondern lediglich wegen der Beschießung einer fahrenden Sanitätskolcnne Wenn durch diese Berössentlichung wenigstens erreicht werden könnt«, daß Poincare in Zukunst mit dem Borbringen semer An- klagen vorsichtiger sein würde, so wäre dies immerhin ein Gewinn. Aber wir fürchten, daß die Debatte im Monat August weitergehen wird, entweder über den Fall Orchies oder über andere Fälle. Jeder wird das letzte Wort behalten wollen. Ein wunderschöner Austakt zu der bevorstehenden Bölkerdunds- Versammlung! »assm-veimmMton am Montag, �.August, abends 2 Lthr auf dem Wittenbergp!ah: Gegen Krieg und Kneasaefabr; Für Frieden und Sozialismus? Parteigenossen! Vorwärtslescr! Niemand darf bei dieser wichtigen Kundgebung fehlen! Der Aufmarsch erfolgt gemeinschaftlich von den verschiedenen Stadtteilen aus. Der plan ist bereits veröffentlicht. Sorgt dafür, daß die Wucht der Kundgebung auch dem schlimmsten der Sriegsbegeisterten zum Bewußtsein kommt! Montag abend 7 Uhr! Die Wiener Gemeinüewache. Qbstruktionsversuch der Gcmeinderatsminderheit. Wien, 29. Juli.(Eigenbericht.) Heute beriet der Wiener Gemeinderat über die Aufstellung der Gemeindewache. Die Beratung selbst begann erst um MIO Uhr abends, da vorher der Gemeinderat als Landtag getagt hatte und da im Genieinderot selbst noch vorher einig« Vorlagen erledigt wur- den. Als der Berichterstatter Stadtrat Genosse Karl Richter Zur Reserententribüne schritt, machten die Christlichsozialen großen Lärm. Einzelne sprangen von ihren Sitzen aus und riefen dem Referenten zu:„Sie referieren über diese Schandvorlaye, ein Skandal ist es, daß über die rote Garde referiert wird". Der Lärm dauerte während des ganzen Referats an, das nur den in der nächsten Nähe stehenden Stenographen verständlich war. Richter führte aus, daß die Wache den Namen„Gemeindewach«" führen und ein Organ des öfsentlichen Sicherheitsdienstes sein werde. Ihr Bestand werde vom 1. Dezember an auf 10M Mann herabgesetzt Sie wird den Ordnungs- und Wachdienst in den städtischen Aemtern, Betrieben und Unternehmungen, insbesondere den Gartenanlagen, den Fried- Höfen, Markthallen, Märkten. Schlachthäusern, städtischen Bauten, Grundstücken und in den städtischen Wäldern zu besorgen haben. Sie wird auch zum Erhebungsdienst und zur Ueberwachung der Ein- Haltung landesgesetzlicher Borschriften verwendet werden. Als Kosten werden im Voranschlag für dieses Jahr 1,9 Millionen Schil- ling, das ist mehr als eine Million Mark, eingesetzt. Wöhrend die Sozialdemokraten das Referat mit stürmischem Beifall und Hoch- rufen aus den Bürgermeister und die neue Gemeinde- wach« aufnahmen, überschütteten die Mitglieder der Minderheit den Berichterstatter ununterbrochen mit Zwischenrufen und Zischen und bearbeiteten ihre Pultdeckel, so daß sogar ihr eigener Redner Kun- s ch a k sich nur schwer verständlich machen konnte. Er bezeichnete die Wache als überflüssig. Die Beratung geht unter großem Lärm weiter, es sind 21 Christlichsoziale zum Wort gemeldet. Die schließ- liche Annahme der Vorlage ist gesichert, denn.die Sozialdemokraten haben fast die Zweidrittelmehrheit. Regierungswechsel in Jslanü. Der Ruck nach links. Kopenhagen, 29. Juli.(Eigenbericht.) Das endgültige Ergebnis der isländischen Wahlen be- stätigt die Niederlage der Regierung durch den Bcrlust von mehreren Mandaten für die Konservativen und die anderen Regierungs- Parteien. Die Regierung ist auf Grund des amtlichen Ergebnisses sofort zurückgetreten. Voraussichtlich wird nunmehr ein Kabinett der Bauernpartei und der Sozialdemokraten ge- bildet. Wasserkotastrophe in Süüchina. Angeblich zehntausend Todesopfer. Schanghai. 29. Zuli.(wTv.) Itach einer Meldung des chinesischen Blattes„Shunpao" sind in. folge der Ueberschwemmungen des k o l i n g f l u f f e s in Tschang. tschausu, 45 Kilomeier westlich von Amoy, 10 000 Personen ertrunken und 100 000 obdachlos. Sieden Bezirke find überschwemmt und ihre Ernte stark beschädigt. Der Schaden soll 5 Millionen mexikanische Dollar betrogen. vis zu« Redaktionsschluß waren nähere Rochrichten nicht ein- getroffen. der Sturm auf das Reichsbanner Papiernc Flederwische. Die Rechtspresse kann sich immer noch nicht dabei be- ruhigen, daß ihr raffiniert angelegtes, aber allzu t ö l p e l- Haft durchgeführtes Intrigenspiel gegen die Organisation des„Reichsbonners Schmarz-Rot-Gold" klag- lich mißglückt ist. Nachdem die Berliner führenden Zentrums- Mitglieder des Reichsbanners ihre von uns bereits wieder- gegebene Meinungsäußerung veröffentlicht haben, hält es ein Hugenbsrgsches Spätabendblatt für notwendig, der Welt zu versichern, diese Meinungsäußerung gebe gar n i ch t d i e wirkliche Meinung wieder, insbesonde'-e sei das Be- dauern über den Austritt des 5)crrn Marx ganz fatsch aus- gelegt worden. Denn— man höre und staune— in Wirklichkeit hätten die Berliner Zentrumsführer vom Reichsbanner zum Ausdruck bringen wollen, es sei bedauerlich, daß Hörsing durch seinen Aufruf Marx zu seinein Austreten gezwungen habe. Hugenberg läßt also eine vollkommen klare Meinungsäußerung in ihr genaues Gegenteil u m f r i s i e r e n, um daraus dann wieder neue Mutinaßun- gen und Schlußfolgerungen abzuleiten. Gegenüber diesem Fälscher st ückchen wird vor- sichert, daß der Wortlaut jener Erklärung von allen in der Sigung anwesenden Reichsbannermitgliedern des Zentrums ausdrücklich gebilligt worden ist. Der betreffende Satz heißt wörtlich: „Die Zentrumsmitglieder im Reichsbanner sprachen ihr B e- dauern darüber aus, daß Reichskanzler Marx sich zum Ausscheiden.... veranlaßt gesehen habe. Einmütig wurde der Meinung Ausdruck verliehen, daß sich aus dieser be- dauerlichen Tatsache für die anderen Mitglieder des Zentrums im Reichsbanner nicht die Folgerung ergebe, gleichzeitig das Reichsbanner zu verlassen, Wenn die.Slahlhelmpresse der Hugenberg und Genossen an diesem klaren Wörtlaut noch nicht gönug haben sollte, so wird ihnen vielleicht die Entschiießnng wettere Aus- klärung geben, die eine am Mittwoch in Düsseldorf abge- haltene Konferenz von Zentrumsverirauenslenten aus Köln, Reuß, Barmen, Benrath, Duisburg, Cleve, München-G!ad- boch, Elberfeld und Düsseldorf gefaßt hat. I» dieser Em- schließung heißt es: „Mit Ausdauer und nicht ohne Erfolge kämpft die politische Reaktion um die Rückeroberung der politischen Macht. Im oegc»- märtige» Augenblick ist ihr offen zugegebenes Ziel die Unterwerfung der Zentrum sparte! un:cr ihren Willen.... Wir sind der lleberzeuzung, daß jede Schwächvng des Reichsbanners im gegenwärtigen Augenblick ebenso schwere Gefahren für die friedliche Entwicklung in Volk und Sinai nach sich i ziehen muß, wie die Preisgabe der Unabhängigkeit der Zentrums- parket sie mij sich(ningen würde. Schritte und Kundgebungen � einzelner parteisreunde. die ohne vorhergehende Fühlungnahme er- � folgen, müssen wir mißbilligen, weil sie die Lage nur verwirren können." Selbstverständlich fordern auch diese rheinischen Zen- trumsleute Garantien dafür,„daß parteipolitische Einseitigkeit und parteipolitischer Mißbrauch des Reichsbanners weder von seinen Gegnern behauptet werden können noch von seinen Freunden und Mitgliedern be- fürchtet zu werden Krauchen". Als solche Garantien werden unter anderem das V e r- bleiben der Zentrumsleute in de» Reichs- banner-Ortsvereinen und stärkere Aktivität der Zentrumsführer bezeichnet, die den obersten In- stanzen des Reichsbanners angehören. Der Zentrums- presse, und das gilt hauptsächlich wohl der„Kölnischen Volkszeitung", die sich immer gegen das Reichsbanner ausge- sprachen hat, wird gesagt, sie sollte„nie und nirgend- wo vergessen, daß auch Hörsing seine Ver- d i e n st e hat". Hugenberg und den Hugenbergern wird es zwar nicht schwer fallen, auch aus dieser Entschließung das Gegenteil ihres Inhaltes zu machen. Daran wird sie auch der Brief des Abgeordneten Ivos an die Zentrumsmitglieder im Bundesvorstand des Reichsbanners nicht hindern, den wir im„Westdeutschen Lolksblatt" abgedruckt finden und in dem auseinandergesetzt wird, daß das Reichsbanner heute eine ab- solute Notwendigkeit für die Republik sei. Zoos schreibt unter anderem, nachdem er versichert hat, grundsätzlich Gegner aller politischen Kampfverbände zu sein: „Im vorigen Jahre hatten wir uns, wie Sie wissen, mit dem Bundesvorsitzenden Hörsing in Magdeburg in Sache» eines gene- rellen Verbotes des Kleinkaliberschießens verstän- digt. Hörsing war ebenfalls für das Verbot und bat uns dringend, wir möchten eine Einigung aller republikauischrn Parteien auf ein einheitliches Vorgehen in diesem Sinne erwirke». Wir hatten daraufhin eine entsprechende Anregung formulert. Der Herr Reichekonzlec erklärte uns nach Rücksprache mit feinen juristischen Beratern, daß eine ausreichende Rechtsgrundlage sör ein solches vorgehen nicht vorhanden sei und daß darum die Reichs- regierung sich außerstande sehe, in der Angelegenheiet etwas zu tun. Wenn aber die Reichsregierung sich außerstande erklärt, nicht nnr das Kleinkaliberschießen, sondern die politischen kampsverbänd- überhaupt generell zu beseitigen, dann ist sür mich Existenz und Wirksamkeit einer ausgesprochenen republikanischen Zlbwehr- organisalion nicht zu umgehen. Ich brauche mich nur in nächster Nähe umzusehen, was alles in Kundgebungen sogenannter„natio- naler Verbände" mit mehr oder weniger militärischem Charakter geleistet wird.... Daß sich Republikaner von Ueber- zeugung bei diesen Kundgebungen etwas besonderes denken, daß sie sich sür alle Fälle ihre Freiheit wahren und darum die Abwehr- organisation betonen, ist selbstverständlich. Die Organisation des Reichsbanners will diese Organisation sein." Auch aus dieser Kundgebung erhellt ganz eindeutig, dag weite Schichten der Zentrumsanhänger klar darüber sind, wie notwendig gerade für die gesamtrepublikanische Idee die überparteiliche Abwehrorganijation des Reichs- banners jetzt und auch für die nächste Zukunft ist. Soweit wir sehen, macht sich in den jüngeren Zentrumskreisen eine tiefe Unzufriedenheit darüber geltend, daß die offizielle Zentrumspartei trotz ihrer republikanischen Erklärungen sich nicht mit aller Wärme und ihrer ganzen Kraft für das Reichsbanner und in ihm einsetzt. Das um so mehr, als man in diesen Kreisen sehr wohl erkennt, wie not- wendig die Reichsbanneridee gerade für die Stärkung des republikanischen Gedankens innerhalb des Zentrums selbst ist, und wie verheerend die Tren- nung vom Reichsbanner gerade in den Zentrumsreihen wirken würde. Das haben die rheinischen Zentrumsver- trauensmänner in ihrer Entschließung besonders betont, als sie auf das Bestreben der Reaktion hinwiesen, die Z en t r u m s p a rt e i ihrem Willen zu unter- werfen. Die Sozialdemokratie hat durch ihr Mitwirken im Reichsbanner ein Höchstmaß von staatspolitischem Willen zum Ausdruck gebracht. S i e hat den Farben des Reiches im Lande diejenige Geltung verschafft, die Regierung und Gesetzgebung ihnen zu verschaffen nicht in der Lage waren. Sie wird sich durch den Sturmlauf der Ritter von der traurigen Gestalt auf das Reichsbanner nicht ein- schüchtern lassen. Sie sieht den inneren Auseinander- setzungen des Zentrums mit wachen Augen zu, in der Ueber- zeugung, daß die Kräfte, die der Reaktion das Spiel ver- derben, trotz Marx stark im Wachsen sind. * Der Arbeitsausschuß der„Vereinigung Republi- konische Presse" hat in seiner letzten Sitzung mit Befriedigung Kenntnis genommen von den Bestrebungen, die im Reichsbanner entstandenen Auseinandersetzungen in kameradschaftlicher Weise zu beenden. Die Vereinigung ist gewillt, auch ihrerseits im Sinne der Einigung und Kräftigung des Reichs- banners zu wirken. Zweierlei Justiz. Nicht losgegangene und tödliche Schüsse. Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes wurde der 22- jährige Hausdiener Otto Rebber vom Schöffengericht Berlin-Mitte zu einem Jahr Gefängnis und zwei Wochen Haft verurteilt. Bewährungsfrist wurde abgelehnt. Der Staatsanwalt hatte neun Monate Gefängnis beantragt. Rebber war am Stahlhclmtage <7. Mai) von einem Schupobcamten in der Nähe des Bahnhofs RümmelWUrg dabei beobachtet worden, wie er mit einem Revolver auf einen der eben einrollenden Stahlhelmzüge anlegt«. Der Schutz Hing jedoch nicht los, und im nächsten Augenblick wurde Rebber die' Waffe von dem Beamten entrissen. Der Angeklagte ent- schuldigt« sich mit Trunkenheit. Selbstverständlich ist die Handlungsweise des Rebher in keiner Weife zu billigen. Aber angesichts des Umstandes, daß es hier bei einem untauglichen Versuch geblieben ist, muh das hohe Strafmaß Verwunderung erregen, wenn man es etwas ver- gleicht mit den Strafen, die für den Stahlhelmllberfall in Düsseldorf verhängt wurden, bei dem u. a. der Konsumarbeiter Erdmann von Stahlhelmleuten getötet wurde. Führer dieses Ueberfalles waren die vielfach vorbestraften Brüder Christian und Josef Vobis, die scharf mit Revolvern schosien und mit Messern um sich stachen. Der achtmal vorbestrafte Josef Vobis, der unter anderem auf den Arbeiter Zöllner einen scharfen Schutz abgegeben hatte, er- hielt nur s i« b e n M o n a t e Gefängnis, fein Bruder Christian für den vollendeten Totschlag zwei Jahre Gefängnis. Befremden mutz auch, daß im Falle Rebber die Strafbeftim- münzen über Transportgefährdung mit ihren besonders hohen Mindestfirafsätzen herangezogen wurden, obwohl doch der Vorsatz des Rebber auf«ine Gefährdung des Eisenbahntransportes im eigentlichen Sinne des Gesetzes kaum gegangen ist. Diese Kon- struktion erinnert stark an das Urteil gegen den Reichsbannermann Gurczinfki, der bei einer Prügelei mit Hakenkreuzlern auf der Straße einem Gegner feine Mütze entriß und deswegen tatsächlich wegen schweren Straßenraubes(!) angeklagt und zu einem Jahr Zuchthaus verurteill wurde. Wenn es gegen links geht, sind die Gerichte mit der Konstruktion allerschwerster Strastatbe- stände fehl- rasch bei der Hand. Die Gefahr üer Zwergschulen. Bedenken des Deutschen Landgemeindetngs zun» Schulgesetz. Lokstedt, 23. Juli.(MTB.) Der Vorstand des Deutschen Landgemeindetages, der augenblicklich hier Beratungen abhält, nahm zum Reichsfchul- gesetz folgende Entschließung am Der Vorstand des Deutschen Landgemeindetagcs erwartet von der endgültigen Regelung des Reichsschulgesetzes eine gebührende Berücksichtigung der Gemeindeinterejsen, zumal zu b e s ü r ch t e n ist, daß durch die mögliche Errichtung von Zwergschulen die gemeindliche Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete des Bolksfchulwesens gefährdet werden kann. verwaltungsreform unü Finanzpolitik. Vorstandstagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Königsberg, 29. Juli. Eine Sitzung des Präsidiums und Vorstandes des Reichs- Verbandes der Deutschen Industrie befaßte sich mit den Fragen der Verwaltungsvereinfachung und der Finanzpolitik. Die Referate ergaben, daß auch jetzt die Industrie ihr« Stellung zum Staate nicht geändert hat. Oberregiernngsrat A d a m e tz, der mit einer besonderen Erhebung darüber betraut war, berichtet über „Arbeiten und Ziele des Reichsverbandes auf dem Gebiete der Verwaltungsvereinfachung". Er schilderte das Slnwachsen der Ausgaben des Reiches, der Länder und der Geineinden feit Kriegs- beginn und kam.zu dem Ergebnis, daß die für Wirtschaft und Volk „nnerträglichen" öffentlichen Lasten sehr ermäßigt werden könnten, wenn zunächst ein« Einschränkung der Gesetz- gebungstätigkeit erfolgte, und zwar auf sozialpolitischem Gebiete. Eine Zusammenfassung der staatlichen Auf- gaben in den Mittel- und Lokalinstanzen, sowie eine bessere Ab- grenzung der Verwaltungsbezirke und eine Uebertragung von Staats- aufgaben auf die untergeordneten Instanzen und eine Selbst- Verwaltungsreform müsse durchgeführt werden. Neue reichs- eigene Behörden dürfen nur dor� geschaffen»erden, wo die entsprechenden Landesbehörden abgebaut werden. Der Nachdruck wird ober auf den Abbau staatlicher Aufgaben zu legen fein. Vorschläge hierzu würden den Jnhall einer besonderen Denkschrift bilden, zu der die Borarbeiten im Gange sind und in der auch auf die Frage der Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich, Ländern und Gemeinden eingegangen werden soll. Geheimrat Kastl sprach über das Verhältnis von Reich zu Ländern. Eine V er f a s fu n g s r e f o rm, die notwendig sei, müsse von dem Gesamtwillen der Nation getragen sein. Ein Zwang, auch ein solcher auf dem Wege über die Finanz- Politik, könne nur zu unbrauchbaren Ergebnissen führen. Vorher sei erforderlich die Finanzreform(Reichsrahmengesetz), die Der- Um verSun. Von Kurt Lenz. D erdau. Ende Juli 1927. Verdun lebt wieder. Noch hie und da auf der„Avenue de la 42. Division" oder auf der„Avenue du General Mangin" oder in kleineren Straßen sieht man plötzlich in der Häuserreihe eine starke Unterbrechung: Steine zeugen von Zerschossenem. Auch die Straßen, die völlig„wegrasiert" wurden, sollen langsam wieder neugeformt werden. Aber draußen um Verdun sieht es noch schauderhaft ans. Be- reits im Vorort Pave grüßt die erste Totenkammer. Als 1919 die Verehrung der Gefallenen einsetzte, wurden von der ganzen Front von der belgischen Küste bis hinunter nach Belfort acht unbekannte Soldaten nach Verdun gebracht. Einer davon wurde ausgelost, unter den Triumphbogen in Paris zu komwen(„Das Grab des unbekannten Soldaten"), während die anderen sieben im Vorort Paoe begraben liegen. Ueberschreitet man weiterhin die breite Straße, die von Verdun KS Kilometer weit nach Metz führt, so stößt man auf das jahrelang heiß umkämpfte Fort Douaumont. Das ist eins der 32 um Verdun liegenden Forts, das vom Februar bis zum 24. Oktober 1916 von den Deutschen besetzt war. Ein lebender französischer Soldat führt mich durch seine toten Gefährten. Gleich links am Forteingang zeigt er mir ein durchwühltes Stück Erde, unter dem noch heute 69 tote deutsche Soldaten liegen, die bei der französischen Rückeroberung des Forts durch die Offensive des Generals Mangin im Oktober 1916 da überrascht wurden. In einem dunklen Raum im Innern sind deutsche und französische Maschinengewehre, Granatenstücke, Säbel und sonstige Mordinstrumente dem wohlverdienten Verrosten übergeben. An einer Stelle lese ich auf einem kleinen Schild: „Wasserkeller". Das hatten damals die deutschen Soldaten zur Be- Zeichnung der Wasseroorratskommer geschrieben. Im Fort und außerhalb liegt noch heute alles voll Stacheldrähten, spanischen Reitern, abgeworfenen Handgranaten und ähnlichen Herrlichkeiten des Menschengeschlechts. Vor vier Jahren hat sich ein russischer Unternehmer sür 8 Millionen Franken das Recht vom französischen Staat erkaust, diese„Rote Zone", die sür alles Leben auf ewig vernichtet ist, nach alten Eisenstücken zu durchsuchen. Seit Anfang dieses Jahres beschäftigt er auch etwa 1999 Arbeiter zur Kupfer- suchung. An jeder Granate, die sie finden, ist etwa noch 3 Kilo- gramm Kupfer. Das Kilo wird ihnen mit 1,59 Frank bezahlt. Täg- lich explodieren da noch Granaten, täglich kommen entsetzliche Un- fälle bei diesem Knpfecgiaben vor 499 999 Franzosen find um Verdun gefallen. 399 999 Tote bleiben namenlos und können nie ihren Familien auch nur als Skelette zurückgegeben werden. 1199 999 Menjcheq sielet» uro Verdun. Deutsche, Marokkaner, Amerikaner. Der erste deutsch« Friedhof liegt 29 Kilometer von Verdun bei Eonsenvoy. Er wird von der deutschen Regierung unterhalten. 8999 Amerikaner haben einen Friedhof bei Romagne neben der berüchtigen.Höh« 394" am „Toten Mann". 25 999 Amerikaner fielen da. Bis zu dem Orte Soüville kamen die Deutschen»wr Berdum Das Standbild eines verwundeten Löwen erinnert an die Stelle. Soüville gibt es nicht mehr. 29 999 Tote lagen noch Anfang dieses Jahres auf den ver- fchiedenen kleinen Friedhösen der 52 französischen Gefechtsabtellun- gen. Jetzt brachte man sie alle zusammen neben das Grab des Reitergenerals Anfelin in die Vorhalle des 189 Meter langen großen Totenhauses. Dieses selbst wird erst in einigen Iahren fertiggestellt sein. Run liegen sie in der Vorhalle in dicken Särgen und»varten auf Einlaß ins Totenhaus. Wir öffnen einest Sarg. Knochen und Schädel von etwa 59 Toten starren uns wütend an. Ueber die Mitte der Halle kommt ein 49 Meter hoher Turn», der schon im September dieses Jahres eingeweiht wird. Ein Riesenscheinrverfer wird eben eingestellt, der jede Nacht weithin über das Schlachtfeld leuchten wird, um die Totenwach« zu ersetzen, welch« die Kämpfer im Weltkrieg vermisien mußten. Die Amerikaner kommen nicht mehr nach Derdun, weil sie von den Hoteliers zu sehr ausgeplündert wurden,— vor einem Jahr kamen die indes jämmerlich zusammengeschmolzenen Faschisten zur Veranstaltung einer Kundgebung, die den Teilnehmern fürstlich bezahlt wurde. Darauf machten die ehemaligen Frontkämpfer, Demokraten und Sozialisten von Verdun eine mächtig« Eegenkund- gebung von 2999 Personen. In den Cafes und Hotels weigerte sich sogar das Personal von Verdun. die Faschisten zu bedienen. Das war die erste große Nachtriegskundgebung auf dieser ruhigen Fläche, wo zur Ehre der Toten jeder Handel, auch der von Postkarten, verboten ist. Viel« Deutsche pilgern nach Verdun, meist ohne ein Wort französisch zu können. Nirgends spricht diese Be- völkerung von Verdun, die am härtesten litt, auch nur ein unfreuird- liches Wort gegen sie. Auf das Schild:„Man spricht deutsch" trifft man in Verdun öfter als in vielen größeren Städten. Di« saarländische„Friedensliga" macht nun am 31. Juli eine zweite große Kundgebung in Verdun. Arthur Höllischer und der Pariser Rechtsanwalt Henri Demont(Vorsitzender der„Vereinigung zur Abschaffung des Verbrechens: Krieg!") werden zur deutsch- französischen Verständigung das Wort ergreifen. Wo kann der „Nie-wieder-Krieg!"-Wunsch heiliger sein als in Verdun? Ein Völkerbund des Vogelschutzes. Die Ungarn haben an Mussolini die dringliche Aufforderung gerichtet, er möge doch dem Vogelmord in Italien ein Ende bereiten. Es gibt nämlich in Ungarn fast gar keine Schwalben mehr, und man schreibt diese traurige Tatsache der Vorliebe der Italiener sür Vogelbraten jeder An zu. Die so oft beklagte uuwürdige Rolle, die Italien der Vogelwell axsttungsrerorm und ein Finanzaus�eith. erst dann, wenn man deren Wirkung beobachtet habe, kämen weitere Schritte in Frage. In jedem Falle müsse die kulturpolitische Eigenart der mittleren und größeren Länder gewahrt bleiben. Den Weg zur Reichseinheit über die Bildung eines Grotzpreuhen lehnte der Redner ab, weil diese nur zur WiÄerausrichwng der Main- linie führe. In der Diskussion erklärte unter anderem der Reichstags- abgeordnete Most, die Durchführung einer Verwaltungsreform fei ohne Aenderung gewisser Berfassungsbestimmungen unmöglich. Er verlang!« anßerdem ein Z u s ch l a g s r e ch t für die Gemeinden zur Einkommensteuer bei gleichzeitiger Heranziehung des Existenzminimums zur Besteuerung. Turmhaus statt Gstmarkenpolitik. Tie Pläne des Deutschen Ostbundcs. Von besonderer Seite wird dem„Demokratischen Zeitung?- dienst" geschrieben: Durch die Rechtspresse geht immer wieder die Nachricht, daß der Deutsche O st b u n d sich in Berlin ein Turmhaus im ganz großen Stil erbauen wolle, für das er den Namen.Hindenburg- Haus" gewählt habe. Diese Nachricht ist geeignet, bei den aus der Ostmark verdrängten Deutschen, die zum Teil ihr Hab und Gut verloren haben, lebhaftestes Befremden auszulösen. Sollte der Deutsche Ostöund wirklich über Gelder versügen, die es ihm erniöglichen, ein Haus von dem Umfange, wie geplant, zu errichten, so wäre wohl die nächstliegende Forderung, diese Gelder den verdrängten D e u t s ch en der Ostmark, die sehnsüchtig auf Hilfe warten, direkt zuzuwenden, anstatt ganz zwecklose Reprä- sentationsaufgaben zu übernehmen, die mit dem Ziel des Ostbundes nicht das mindeste zu tun haben. Uns scheint da eine Groß- mannssucht am Werke zu sein, die daraus hinausgeht, den Ost- bund in ganz andere Bahnen hineinzudrängen, als es im Interesse seiner ursprünglichen Aufgaben zweckmäßig ist. Es wird auch viel- fach als wenig taktvoll empfunden, daß man oersucht, den RameN des Reichspräsidenten als Reklame und als Aushängeschild für dieses Vorhaben zu benutzen. Wir glauben zu wissen, daß der Herr Reichspräsident, der wenig Sinn sür leere Repräsentation, aber durchaus ein Herz für die verdrängten Ostdeutschen hat, diesqj: Vorhaben des Ostbundes mit großer Reserve gegenübersteA. Die Geldgeber des Ojstiundes aber, die der Ansicht sind, daß ihre Zuwendungen zweckmäßig für oerdrängte Grenzmarkdeutsche ver- wandt werden, sollten den unternehmungslustigen und sehr feudalen Herren der Bundesleitung einmal etwas mehr auf die Finger sehen. verworfene öerufung. Zum Ueberfall auf den rusfischen Konsul in Königsberg. Königsberg i.?r, 29. Juli. Die erweiterte Königsberger Strafkammer verhandelt« heute als Berufungsinstanz gegen den Hauslehrer Boris Lechel, der seiner- zeit wegen eines Ueberfalls auf den russischen Konsul Kantor zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis unter Anrechnung von drei Wochen Untersuchungshaft mit Inaussichtstellung bedingter Begnadigung verurteilt worden war. Der Staatsanwalt hatte gegen die Höhe des Strafmaßes Einspruch erhoben. Sein An- trag, der aus neun Monate und drei Wochen Gefängnis unter An- rechnung von drei Wochen Untersuchungshaft und Ablehnung der bedingten Begnadigung lautete, wurde verworfen mit der Be» gründung, es habe sich nicht nachweisen lassen, daß es dem Angeklagten vorher bekannt gewesen sei, daß es sich um den russischen Konsul handelle. Sozialversicherung im Saargebiet. Am 29. Juli paraphierten in Berlin Vertreter des Reichs und des Saargebietes vorbehaltlich der Genehmigung ihrer Regierungen ein Versicherungsab- kommen: danach tritt die Saaroersicherung in«in neues G e- genseitigkeitsverhältnis zur Relchsversicherung. An den Verhandluneen nahm für den Saarbergbau auch ein Vertreter des französischen Staates teil. gegenüber spielt, wird dadurch ins helle Licht gesetzt. Am 19. März 1992 unterzeichneten 12 Länder, darunter alle wichtigen Kulturländer Europas mit Ausnahme Italiens, eine internationale Vereinbarung, in der sie sich zum Schutze der Zugvögel, die als nützlich angesehen werden müssen, und darunter auch der Schwalben, verpflichteten. Italien aber setzt seinen Vogellnord munter fort, und da unglück- licherweise die Vögel bei ihrer Rückkehr nach Europa in jedem Frühling am italienischen Himmel vorbeiziehen, so winkt ihm reiche Beute. Jean Lecvcq regt im„Petit Journal" an, daß der„Völker- bund des Vogelschutzes" mit Ungarn zusammen geschlossen vorgehen solle, um auch von Italien die Unterzeichnung der Vereinbarung zu erlangen.„Kein Land dürfte sich einer solchen Pflicht entziehen," schreibt er, ,chenn es handelt sich da um einen Schutz, der allen gleich zugute kommt. Das Land, das die Schioalben schlachtet, schädigt sich nicht nur Übst, sondern auch alle seine Nachbarn. Früher galt die Schwalbe überall als heiliger Vogel: man glaubte, daß sie Glück bringe, wohin sie komme. In unseren Zeiten, die weniger glauben, «ls wissen wollen, bringt die Schwalbe noch dasselbe Glück, indem sie die den Ernten schädlichen Insekten vernichtet und den Ertrag der Felder dadurch vermehrt. Da kein frommer Glaube die Schwalbe mehr schützt, müssen strenge Gesetze an seine Stell« treten." Ein italienisches Versuchslheater. Die italienisch« Bühne befindet sich gegenwärtig in einer Krise, und man unternimmt mannigfache Versuche, um aus ihr herauszukommen. Der nationalistischen Slrö- mung entsprechend will man besonders die heimischen Dramatiker fördern, findet aber nicht viele gute und zugkräftige Stücke. Zur Förderung der heimischen Dramatik ist, wie C. G. Sarti in der „Comoedia" mitteilt, ein Versuchstheater in Bologna ins Leben ge- rufen worden. Seit 1922 hat sich dort eine Grupperochc,r Daß die einzelnen Reden 21mal übersetzt werden, kann natürlich nicht ernsthast in Erwägung gezogen werden. Es wäre im Gegenteil wünschenswert, eine einzige Sprache als Kongresz- spräche zu haben Mit der Bekanntgabe solcher Wünsche und Vor- schlüge von Delegierten, die, obwohl sie selber kein Wort Esperanto »erstehe», die Verwendung dieser Sprache vorschlagen, ist jedoch auch meinandem geholfen. Wenn Esperanto wirklich zur Welthilfssprache erhoben werden soll, ließe sich dies nur erreichen, wenn es in allen Ländern schon iir� Elementarunterricht als obligatorisches Fach ein- geführt würde, c-elbst in diesem Falle tonnte jedoch für die gegen- wärtige Generation E s p e r a n to nicht die Lösung der dringlichen Sprachcnfroge bedeuten. Denn wie zurzeit viele Arbeiterdelegierte nicht die Zeit finden können. Französisch, deutsch oder Englisch zu lernen, so haben sie auch nicht die nötige Mutze, um Esperanto so gründlich zu studieren, datz sie sich in dieser Sprache mit der erwünschten Deutlichkeit ausdrücken könnten. Di.-s gilt auch dann, wenn man das Argument gelten läßt, daß für die Erlernung von Esperanto eine kürzere Lehrzeit nötig ist als bei einer anderen Sprache. Um die bestehenden Schwierigkeiten zu mildern, wurde aus der diesjährigen Arbeitskonserenz beschlossen, datz die Delegierten in ihrer M u t t e r s p ra ch e reden und die offiziellen Uebersetzer des IAA. für die U e b e r s e tz u n g ins Englische und Französische Sorge tragen können, während früher vom Internationalen Arbeitsamt nur für die Uebersetzung vom Französischen ins Englische oder um- gekehrt gesorgt wurde. Dies ist ohne Zweifel ein Fortschritt, obwohl das Problem damit nicht gelöst ist. Vor allem bei den Ver- Handlungen in den Kommissionen, wo es gewöhnlich um schwierige und verwickelte� Angelegenheiten technischer Art geht, ist es für jene, die weder die französische noch die englische Sprache verstehen, fast unmöglich, intensiv an den Besprechungen teilzunehinen. Dies gilt vor ollem für die Arbeiterdelegierten, während die Re- gierungs- und Unternehmerabgeordneten, die meistens bis 18 oder ?ll Jahren und noch länger die Schulen besucht und dort Fremd- sprachen gelernt hoben, besser gestellt sind. Die meisten Arbeiter- delegierten hoben die Schulbank schon früh mit dem Arbeitsplatz vertauscht und somit wenig Zeit für Sprachstudien gehabt. Einer beträchtlichen Gruppe der Arbeiterdelegierten würde jedoch schon e l n großer Dienst geleistet, wenn in die deutsche und aus der deutschen Sprache übersetzt würde. Die meisten Arbciterdelegierten von Dänemark, Schweden, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, von Jugoslawien, Ungarn, Holland, Bulgarien, Estland und Lett- land, zusammen also von 11 Ländern, denen, insofern es die Arbeiter- delegierten betrifft, Deutschland, Oesterreich und die Schweiz bei- gefügt werden könnten, können sich wohl der deutschen, jedoch nicht der französischen oder englischen Sprach: bedienen. Vergleicht man nun noch die Bedeutung der Bewegungen dieser Länder mit jenen, wo englisch oder französisch gesprochen wird, so können sie ohne Zweisei auf die Perwendung der deutschen Sprache Anspruch erheben. Da das IAA., wie der Name besagt, eine In- stitution für die Arbeiter ist, mutz man ihnen auch die Möglichkeit geben, an der Arbeit in vollem Umfange teilzunehmen. Wie bereits gesagt, wurde auf der diesjährigen Konferenz ein Fortschritt erzielt. Trotzdem besteht jedoch in den Kreisen der Arbeiterdclegicrten noch kein Grund zur wirklichen Zufriedenheit, solange nicht die deutsche Sprache in jeder Hinsicht mit den zwei anderen offiziellen Perhandlungssprachen gleichgestellt ist. Selbst dann wird noch keine ideale Lösung erreicht sein. Denn jedes Jahr nimmt die Zahl der Arbeiterd'elegierten zu, die nur spanisch spricht. Immerhin wäre mit der Einführung der deutschen Sprache einer belangreichen Gruppe von 14 Ländern geholfen. Wenn man das Interesse für das IAA. und die Mitarbeit von Delegierten von Ländern fördern will, wo die Gewerkschaftsbewegung mindestens so bedeutend ist wie in den Ländern der Gruppen, wo französisch oder englisch gesprochen wird, so muß man in Genf auch einsehen, daß die deutsche Sprache nicht länger so st I e f IN ü t t e r l i ch behanoelt werden darf. Das Tempo der Diskussionen würde vielleicht darunter leiden, doch die Anteilnahme am Werk der inter- nationalen Arbeitsorganisation würde sicherlich wesentlich gestärkt werden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Zranzöjlscher Gewerkschaftskongreß. Eine Verschmelzung mit den Spaltern abgelehnt. Paris, 29. Juli.(Eigenbericht.) In der F r e i t a g s i tz u n g des Gewerkschaftskongresses er- statteten die ausländischen Delegierten Bericht über die Gewerkschaftsbewegung in den einzelnen Ländern. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes L e> p a r t gab ein ausführliches Bild von der glänzenden Entwicklung des deutschen Gewerkschastslebens. Cr betonte, daß die deutsche Arbeiterschaft stets mit Interesse das Werk der französischen Gewerkschaftsbewegung verfolgt habe Weder in Frankreich noch in Deutschland wünsche die Arbeiterklasse jemals einen Krieg, von dem sie das Opfer würden. Die deutsch« Gewerkschaitsbewegung habe es verstanden, dauernden Einfluß auf die Erziehung der Arbeiterjugend, die soziale Gesetzgebung und die Tätigkeit des deutschen Wirt- schaitslebens zu erzielen. Der holländische Delegierte Oudegeest gab seiner Genugtuung über das Wachstum der französischen Gewerkschaftsbewegung Aus- druck und betonte, daß eine wirtschaftliche Revolution viel schwieriger sei, als eine politische, denn sie könne nur durch auf- bauende Arbeit und nicht durch Zerstörung durchgeführt werden. Der Redner erzielte starke Heiterkeit, als er wörihch bemerkte:„In einem Punkte unterscheidet sich die holländische Ar- beiterbewegung von der französischen. In Frankreich sind die Kommuni st en zahlreicher als bei uns, aber in bezug auf die Qualität sind sie in beiden Ländern gleich!" Dann sprachen ein polnischer Delegierter und ein schwedischer Delegierter, der daraus hinwies, daß dank den Bemühungen der schwedischen Ge- wcrkschasten die Stabllisicrung der Währung durchgeführt sei. Das soziale Niveau des schwedischen Arbeiters hat sich gegenüber der Vorkriegszeit um 25 Proz. gehoben. Außerdem kamen noch Delegierte Belgiens, Kanadas, Spaniens, der Tschecho- slowakei und Lettlands zu Wort. Schließlich sprach noch der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas. Er stellte fest, daß trotz der Gleichgültigkeit, ja, sogar der Feindschaft gewisser Kreise gegen das Arbeitsamt in den ersten Jahren 23S internationale Abkommen ratifiziert worden seien. Die Nachtarbeit von Frauen und Kindern sei in zwanzig großen In- dustrieländern verboten worden und außerdem seien 3Z 000 Flüchtlinge, Opfer des Krieges und der Nachkriegszeit, in geordnete Ver- Hältnisse untergebracht worden. Paris, 29. Juli.(EP.) Der Kongreß des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes hat heute nachmittag eine Entschließung angenommen, in der die Vor- schlüge des Kommunistischen Gewerkschaftsbundes für die Wieder- Verschmelzung der beiden Gewerkschaftsbünde abgelehnt werden. Wie schon in früheren Jahren wird erklärt, daß es ja ein- zelnen kommunistischen Gewerkschaften freistehe, sich mit der sozialisti- schen Gewerkschaft zu verschmelzen, d. h. also in ihr aufzugehen. Die Entschließung verurteilt in diesem Zusanimenhang jede Art von politischer Betätigung der Gewerkschaften als solche, ob- wohl sie es den Mitgliedern der Gewerkschaften freistellt, sich irgend- einer politischen Partei anzuschließen. Seihilfe für Hamburger Seamte unü KngeßeUte. tiamburg, 29. Juli.(TU.) Die staatliche Pressestelle teil! mit: Angesichts der Tatsache, daß die in Aussicht genommene Besoldungsreform noch nicht hat durch- geführt werden können, muß bei den Familien der Prämien und Angestellten, die Kinder zu unterhalten haben, gegenwärtig durchweg eine besondere Hilssbedürftigkcit anerkannt werden. Der Staat hat daher in Ausführung des Beschlusses der Bürgerschaft vom 1. Juli 1927 genehmigt, daß die Peamten und Angestellten auch ohne besonderen Antrag für jedes Kind, für das im Monat Juli ein Kinderzuschlag ganz oder teilweise gezahlt wurde, eine einmalige besondere Unterstützung bis zum Petrage von 3 0 Mark gewährt wird. Die allgemeinen Bestimmungen über die Ge- Währung von Staotsbeihilfen und Unterstützungen im Einzelfalle werden hierdurch nicht berührt. Die Unfallgefahren üer Hafenarbeiter. In wenigen Berufen ist das Leben und die Gesundheit der Arbeiter so gefährdet, wie in der Hasenarbeit. Im Jahre 1925 verunglückten in Hamburg nicht weniger als 6393 Hafenarbeiter, so daß auf 100 Beschäftigte 35 Unfälle entfielen. Zur Verbesserung des Hafenarbeiterschutzes hat die Transportarbeiter-Jnternationale soeben eine Broschüre von 58 Seiten in deutscher Sprache herausgegeben, die die Schutzmaß- nahmen in Deutschland, England, Holland, Belgien und Schweden eingehend behandelt. Wie aus der Broschüre hervorgeht, haben die der Transportarbeiter-Jnternationale angeschlossenen Hasen- orbeiter-Gewerkschaften die Frage des gesetzlichen Schutzes der Hafenarbeit in internationaler Umfassung auf- gerollt und ein gemeinsames Programm entworfen, lieber die deutschen Schutzbestimmungen wird eine genaue historische Ueber- sicht gegeben, die bis auf das Jahr 1869 zurückgreift. Die Broschüre ist als' Nachschlagebuch und Informationsquelle sehr wertvoll und verdient weiteste Verbreitung unter der Hafenarbeiterschajt. eh Einfluß auf die kulturelle Entwicklung des Landes gewinnt.— Paula Förster setzte ihr Thema„Wanderungen durch die Mark" fort. Es ist zu begrüßen, daß die Vortragende neben anschaulichen Schilderungen in ihren Vorträgen auch genaue praktische Angaben bringt, die es den Funkhörern ermöglichen, solche Wanderungen selbst zu wiederholen.— Ein sehr gelungenes Abendkonzert— Haydns O-Dur-Sinfonie Nr. 104, Mozarts Jupiter-Sinfonie und Bachs Fünftes Brandenburgisches Konzert— wurde vom Berliner Sinfonieorchester unter Leitung von Camillo Hildebrand ausgeführt. schlüsten und nicht auf den Mund gefallen sind, traute sich doch keiner, den Mann nach dem ominösen Inhalt des Koffers zu fragen oder auch einem Schupopostsn die Erkundung zu überlasten. Hin und her wogte der Wortstreit, man machte sogar Wetten, wobei „Leiche" zu„K ä s e" wie 10: 1 stand. Der Mann mit dem Koffer kümmerte sich nicht im geringsten um das Gstuschel der anderen. Nachdem er in aller Ruhe seine„kühle Blonde" aus- getrunken hatte, legte er die Zeche auf den Tisch, nahm den im wahrsten Sinne des Wortes anrüchigen Koffer zur Hand und pilgerte weiter. Im Eiser des Wettens und Streitens hatte leider keiner der anderen den Koffer oder wenigstens den Mann genauer angesehen. Die Frage, was er im Koffer gehabt hatte, blieb also ungelöst und man wandte sich schließlich geradezu an die Mord» inspektion. Zur Beruhigung der Gemüter wäre es der Jnspektton recht erwünscht, wenn sich der Kofferträger, der es ja wohl am besten wissen muß, melden oder sonstwie mitteilen würde, was er denn nun eigentlich im Koffer gehabt hat. Daß einer die Frechheit besitzt, mit einer Leiche im Koffer ein Lokal zu betreten, ist kaum anzunehmen. Eine leichtsinnige Iahrsihülerin. Verkehrsunfall am Hallcschen Tor. Ew schwerer Verkehrsunsall, bei dem drei Personen erhebliche Verletzungen davontrugen, wurde gestern abend durch das leichtsinnige Fahren einer Fahrschüleriu am Halleschen Tor verursacht. Ein in Richtung Gstschiner Straße fahrendes Privatauto wurde unmittelbar vor dem Hochbahnhof Hallesches Tor von hinten von einem Autobus der Linie 29 angefahren, so daß der Kot- slügel abbrach. Als der Verkehrspolizist, der an der Straßenkreuzung Dienst tat, noch mit der Feststellung des Tatbestandes beschäftigt war, setzte die Fahrschülerin Agnes W. aus der Lennestraße den Wagen plötzlich in Bewegung. Sie verlor die Herrschaft über das Steuer, geriet auf den Bürgersteig und fuhr in die dort angesammelte Menschenmenge hinein. Drei Per- sonen, der 24jährige Monteur Walter Prange aus der Wöhlert- straße 6, der 61jährige Prioatbeamte Wilhelm Abel aus der Arndt- straße 15 und die 34jährige Frau Emma I e m m o ck aus den Zelten 9a, wurden hierbei ei heblich verletzt. Während Frau I., die sich schwere Verletzungen zuzog, in das Neuköllner Krankenhaus übergeführt werden muhte, konnten die anderen nach Behandlung auf der nächsten Rettungsstelle und nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen gebracht werden. Nur mit Mühe gelang es den Beamten, die erregte Menschenmenge, die gegen die leichtsinnige Fahrerin eine äußerst bedrohliche Haltung einnahm, von Tätlichkeiten abzuhalten. Schließung zweier Spielklubs. Eine durchgreifende Maßnahme ist gestern abend vom Polizei- Präsidium gegen zwei der bekanntesten Spielklubs Berlins durch» geführt worden. Um 6 Uhr abends wurde der Spielklub im Marmorhaus, Kurfürstendamm, und um 7 Uhr der Spielklub im Trocadero, Augsburger Straße 38, auf Grund einer Ver- fügung des Polizeipräsidenten durch Kriminalkommissar Greiner mit seinen Beamten endgültig geschlossen, weil in diesen Klubs gewohnheitsmäßig Glücksspiel getrieben wurde. Die Schließung stüzt sich auf den 8 10, Absatz 2,17 des allgemeinen Landrechts, der besagt, daß das Publikum vor den ihm drohenden Gefahren zu schützen ist. Die Klubinhaber sind von den Kriminalbeamten aus- gefordert worden, ihr« Räume binnen einer Viertel st unde zu schließen, während gleichzeitig die Mitglieder der Klubs ausgewiesen wurden. Arbeitersportler und Antikriegsdemonstration. Das Sportkartell Groß-Berlin hat beschlossen, daß für die Tage 1. und 4. August Start- und Spielverbot gelten soll, um die Teil- nähme an den AnHkriegsdeqionstrationerr zu ermöglichen. Demzufolge ergeht die Aufforderung an alle Arbeitersportler, die auf dem Boden der SPD. stehen, sich vollzählig am 1. August an der Demonstration aus dem Wittenbergplatz zu beteiligen und sich an den«ammelplätzen in den einzelnen Kreisen einzufin- den.— Der Touristenverein„Die Naturfreunde", Zentrole Wien, fordert ebenfalls seine Mitglieder auf, sich am 1. August geschlossen auf den Sammelplätzen zur Antikriegsdemon- stration einzufinden._ Ein noch ungeklärter Todessall heschäfttgt die Kriminalpolizei in Neukölln. Der 69 Jahre alte Obergeldzähler Richard La u b e aus der Friedelstraße 60 hatte kürzlich«inen Zahnarzt aufgesucht und sich insgesamt 22 Zähne ziehen lassen. Bald nach der Be» Handlung stellten sich bei' dem betagten Manne starke Blutungen im Munde ein. Der Zahnarzt, den er wiederum aufsuchte, empfahl ihm, mit Cssig fleißig zu spülen, was dfr Patient auch tat. Das Uebel wurde aber nicht bester und außerdem zeigte sich Gesicbls- schwellung und Rötung bis in den Prustkorb hinunter. Die An- gehörigen, denen der Zustand des allen Herrn Sorge machte, brachten ihn in das Krankenhaus, wo er gestern verschieden ist. Da die Familie oermutet, daß der Tod Laubes auf die unzweckmäßige Behandlung zurückzuführen ist, so wurde der Kriminalpolizei An- zeige erstattet._ Toüesurtei! gegen einen Millionär. Wegen Mordes einer Pariser Telcphonistin. Der Millionär heißt E u y o t. Er ist Farmer, Besitzer von 625 Hektar Land: im Nebenberuf Spekulant an der Bors«: hier verlor er, was ihm das Land einbrachte. Er besaß aber eine reiche Schwägerin, die Witwe seines verstorbenen Bruders, die ihm mit 250 000 Frank wieder auf die Beine half. Mit dieser reichen Schwägerin unterhielt Guyot ein Liebesverhältnis: sie wollte er heiraten. Er besaß aber außerdem noch zwei Mätresten— ein Millionär kann sich eben das leisten: die eine war eine frühere Zofe, die er nun aushielt, die andere die junge, schöne 21jährige Tele- phonistin Marie-Louise Boulegnet, der er«in- Wohnung eingerichtet hatte. Und eines Tages fanden Gendarmen auf dem Wege Metz— Paris ihren leblosen Körper in einem brennenden Heuschober. Di« Tele- phonistin war erwürgt worden. Guyot war d.-r Mörder. Als man ihn verhaften wollte, war er verschwunden. Er versuchte auch, den Staatsanwalt zu täuschen: er schickte ihm die angebliche Selbst- bezichtigung eines Chaufseurs. Als man seiner schließlich habhast wurde, war er geständig. Er habe sie Mi Streite, während einer rasenden Autofahrt, mit der einen freien Hand erwürgt, als sie ihm immer aufs neue seine Liebschaften vorwarf, ihn mit Schimpf- warten überhäufte und ihm ins Gesicht schlug. Er habe die Leiche in den Heuschober gesteckt und diesen aus Angst vor Entdeckung angezündet. Er sei kein kaltblütiger Mörder, er habe seine Geliebte in seinem maßlosen Zorn getötet. Die Gerichtsoerhandlung, die vor einigen Tagen in Melun statt- fand, hatte zu entscheiden, ob' die Darstellung G u y o t s der Wahrheit entspricht oder ob die Behauptung der Anklage richtig ist, näm- l-ch, daß der Mord nicht im Auto, sondern am Heuschober nach einem längeren Kampfe begangen worden war. Die Geschworenen ent- schieden sich für die Unterstellung der Anklag«: sie sprachen Guyot des Mordes schuldig: sie verweigerten ihm mildernde Um- stände. Das Gericht verurteilte den Millionär zum Tod«. Die Erklärung für dieses harte Urteil liegt in der Persönlichkeit Euyots. Kein einnehmender Mensch, dieser Angeklagte. Sein Leben weist mehr als einen dunklen Punkt auf. Er war zweimal verheiratet. Seine beiden Frauen starben durch Selbst- m o r d— die erste auf Guyots Gut in Frankreich, die zweite im Hotel in Monte Carlo. Und beide traf die selbstmörderische Kugel im Ehebett. Der tragische Tod seiner beiden Frauen machte aber auf Guyot nicht den geringsten Eindruck. Er tröstete sich mit seiner Schwägerin: er unterhielt zu gleicher Zeit drei Liebschaften, er spielte in Paris mit Erfolg den ländlichen Don Juan. Guyot, Pofeur und Zyniker, meinte, die Tote sei selbst an ihrem Tode schuld: sie sei schwere Hysteriterin gewesen, habe mehr als einen Liebhaber gehabt und habe ihn unablässig mit ihrer Eisersucht ver- folgt. Sie habe auch gedroht, ihn zu töten, habe von Selbstmord gesprochen. Mit anderen Worten: er gibt selbst zu, daß er ihrer überdrüssig gewesen sei. Er hatte sich in diesem Sinne seinen Freunden gegenüber geäußert. Die Anklage nahm an: Guyot habe die junge Telephonistin getötet, da sie von ihm nicht habe lallen wollen, er aber seine Schwägerin habe heiraten wollen. Die Ge- schworenen machten den Standpunkt der Anklage zu dem ihrigen. Awei Opfer eines Bootsunglücks geborgen. Am vergangenen Sonntag kenterte, wie schon berichtet, in der Nähe der Sakrower Fähre«in mit drei Personen besetztes Paddel- boot. Es gelang damals nur, die eine Insassin zu retten, die beiden anderen versanken. Donnerstag wurde an der Glienicker Brücke die Leiche eines jungen Mädchens, Freitag an derselben Stelle die Leiche eines jungen Mannes ge- borgen. Wie durch Angehörige festgestellt werden konnte, handelt es sich um die beiden Opfer vom Sonntag, die 17 Jahre alt« Frieda Schmolling aus der Neuen Friedrichstraße 71 und den Kontoristen Willy Hanschke, der in der Roßstr. 5 wohnte. Schwerer Motorradunfakl in Blankenburg. Auf der Blantenburger Chausiee, am Ausgang des Do'rfes Blankenburg, ereignete sich Freitag nachmittag gegen S Uhr ein folgenschweres Motorradunglüp. Der 32jährige Krankenpfleger Paul Fracht aus der. Weberstraße 14 zu W e i ß e n l e e unternahm gestern nachmittag mit dem 3Sjährigen Krankenpfleger Willi H. aus der Kanzowstraße 4 auf seinem Motor- rade emen Ausflug. Kurz hinter Blankenburg riß plötzlich der Mantel des Vorderrades. F. verlor infolge der Ge- schwindkeit die Gewalt über die Steuerung und fuhr in vollem Tempo in den Chausseegraben hinein, wobei sich das Nad mehr- mals überschlug. F. und sein Begleiter wurden in hohem Bogen auf das Pflaster geschleudert. Beide wurden in das Weißenseer Krankenhaus überführt, wo bei Fracht ein schwerer Schädel- und Schlüsselbeinbruch festgestellt wurde. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen Anlaß. Die Ver- letzungen von H. sind zum Glück nicht so schwerer Natur. Die schwedischen Journalisten unternahmen am Freitag vor- mittag in Rundfahrtwagen der Elite-Gesellschaft einen Ausflug nach Potsdam, wo sie, geführt von Vertretern der Stadt, zahlreiche historische Stätten und den neuen Sportplatz besichtigten. Nach dem Essen erfolgte die Rückfahrt nach Berlin durch den Grunewald. Nachmittags besuchten die nordischen Gäste den Flughafen auf dem Tempelhofer Feld und bewunderten auf Rundflügen Berlin aus der Vogelschau. Tödlicher Unfall auf einem Neubau. Auf einem Neubau in der B u ck o w e r Chaussee 48 zu Lichtenrade ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Bei Richten eines Balkens verlor der K3jähnge Zimmermann Ludwig L. aus der M e m e l e r S t r a ß e 61 plötzlich den Halt und stürzte in die Tiefe. L., der sich einen Schädelbruch und schwere innere Verletzungen zugezogen hatte, mußte in das Buckower Krankenhaus übergeführt werden, wo er im Laufe des Nachmittags starb. Der lltännergesongverein.Freihe»» fM. i>. A-S.-?.) gibt am Sonn- tag. 31. Fuli. zwei össentliche.gonzcrtc in KauISdorf aus dem Wilhelmplatz und in Mahlsdors auf dem Zeppclinplatz. Ansang 2 rcsp. 4 Uhr. ScblepperunfaU auf öer Weser. Vier Personen ertrunken. Gin schwerer Schlepperunfall ereignete sich heute mittag aus der Unterweser. Ein Hamburger Dampfer sollte durch den Schlepper der Unterweserreederei A.-G. Wietze vom Holz- zum Jndustriehafen geschleppt werden. Ehe der Schlepper losgeworfen hatte, wurde er von dem Dampfer gerammt und unter Wasser ge- drückt. Hierbei fanden von der Besatzung des Schleppers der Ka- pitän, der Maschinist und der Steuermann sowie dessen an Bord befindliches ösähriges Kind den Tod in den Wellen. Der Schlepper ist gesunken. ?n öeutschen ffohlen. Besuche der Höhlenwelt haben für jede Altersstufe des Menschen etwas Anziehendes. Die Verschönerungsvereine müssen Höhlener- schließungen für sehr dankbar halten, denn sie stecken viel Kapital hinein. Seit dem Einsetzen dieser Fremdcnpropaganda in der unter- irdischen Welt ist viel Romantik aus dieskn Regionen entwichen, dafür ist aber heute die Höhlenbesichtigung recht bequem geworden. In Deutschland sind wir reich gesegnet mit Höhlen. Im Rübelond im Harz haben wir zwei prachtvolle Tropf- st e i n h ö h l e n: die Hermannshöhle und die Baumannshöhle. Der Eingang zu diesen Rübeländer Höhlen wird durch die engen Felsen an den Ufern der Bode gebildet. Die Hermannshöble mit ihrer „Kristallkammer", ihrer uralten 3,50 Meter hohen Riesensäule, ist von einer phantastischen Schönheit. Auch wenn man nicht mit einem Organ für Aehnlichkeiten begabt ist, wird man diese Werte des Zufalls voll würdigen. Es ist'ja nicht unbedingt notwendig, daß sich diese Würdigung in Zerstörung äußert, indem man unbedingt ein Stückchen abbrechen muß, zum ewigen Beweis, auch„dagewesen zu fein". Im Harz liegt auch noch die größte Gipshöhle der Welt: die„Heimkehle". Besonders schön ist der Eingang zu dieser Höhle. Grünlich schimmernde Spiegel von 14 Höhlenteichen wechseln mit gewaltig aufragenden Hallen, die in einem Schlußakkord, dem „Großen Dom", ausklingen. Im benachbarten K y f f h ä u f e r g e b i r g e hat die Spielerei der Natur die eigenartige Gips- und Alabasterhöhle, die Barbarossa- höhle geschaffen. Der Zufall hat hier ungeahnte Formen hervor- gebracht, Decken und Wandgebilde, mächtige Lager von schneeweißem Alabaster, kristallklare Grottenseen, die Decken leuchtend wider- spiegelnd. DieFeengrottenbeiSaalfeld schalten ihren besonderen Reiz durch das Vorkommen von äußerst seltenen Mineralien in den verschiedensten Farben. Die Harmonie der Farben klingt im Hinter- grund m der„Gralsburg" aus. Sie wird von ungezählten Tropf- steinkristallen gebildet, die sich auf einer schneeweihen Fläche aufbau-n. Ganze Höhlenwanderungen kann man im Frankenjura machen. Der eigentliche Ausgangspunkt ist Forchheim, der Mittel- Punkt Müggendorf, das von annähernd 50 Höhlen umgeben wird. Dort liegt die nach ihrem Entdecker, dem Jenaer Professor Rosen- müller, genannte Rosenmüllerhöhle. Dort liegt auch die bekannte Binghöhle. Diese Hohle erinnert an eine Bildergalerie, sie übertrifft an Reichtum und Schönheit der Tropfsteinausscheidungen(Kerzensaal, Venusgrotte, Rixen-, Kristall- und Kellermannsgrotte) die meisten be- kannten Höhlen der Fränkischen Schweiz. Bei dem Schlößchen Burg- gailenreuth ist die Zoolithenhöhle, die oft erwähnt wirb durch die Funde großer Lager fossiler Knochen diluvialer Säugetiere, wie Mammut, Auerochs und Hyäne. Eine andere Form von Höhlen begegnet uns in den bayri- schen Alpen, dort kommen Eishohlen vor. Die Schellen- berger Eishöhle weist besonders im Frühjahr phantastische Formen auf. Ein ausgesprochenes Höhlengebiet ist die schwäbische Alp, das Urbild eines von Kalksteinschichten durchbrochenen Tafelgebirges. Das Innere der Berge ist von über 70 größeren Höhlen durchwühlt. Die schönste und längste aller schwäbischen Höhlen ist die Charlotten- höhle. Der Fremdenverkehr ist dort noch angenehm träge. Das klassische Höhlengebiet kann man die Gegend von Gutenberg nennen. Man braucht nur an Heppcnloch, Gußmanns, und Sybillenhöhle zu denken. Einzigartig die Flußhöhle, die Wilmser- oder Friedrichs- höhle! Und dann beim Besuch von Burg Lichtenstein die Nebelhöhle, der Hauffs Roman ihren eigenen Reiz verliehen hat, nicht vergessen. Am Pfingstmontag findet alljährlich dort ein großes Frühlingsfest (Grottenfest) statt. Diese Felsengrotten sind nicht für uns entstanden, aber solange wir dos Wunder der Natur, halb spielerisch, halb wissend, nicht ergründet haben, so lange werden wir uns hingezogen fühlen zu den Orten, wo uns ein begrenzter Einblick in die Unterwelt gewährt ist. Ein unehrlicher Schatzmeister. Nürnberg. 29. Juli.(WTB.) Ein hiesiger Bauunternehmer, der feit 1924 Schatz- meister der hiesigen Deutschen Bundesschützen-Gesell- schaft gewesen war, hat in den letzten Iahren der Kasse noch und nach Geldbeträge in Höhe von 140 000 Mark ent- nommen und diese teils im Geschäft, teils für sich verwendet. Die Kassenrevision ist noch nicht abgeschlossen. Der Fehlbetrag dürfte sich unter Umständen noch erhöhen. parteinachrichten kinleirdungeo für diese Nltbril sind Berlin CW 68, Lindenstratze 3, für Groß-Serlin stet, an das Bezirlsselretariat. 2. Hof, i Trev. rechts, richten 4. Neri» Prenzlauer Berg. Treffpunkt der Sreismitglieder zur Antikriegs. kundgebung am Montag, 1. August, 18>4 Uhr, auf dem Dennewitzplatz, nahe Hochbahnhof Blllowstrahe. FahrveMndungen: Siratzcnbahnlinien 51, S7, 60, 61, 62, 74 und 174, Hochbahn und Autobus Nr. 8. 7. Nrei» Sharlottcuburg. Zur Antilricgskundgebung treffen sich die Genossen auf dem Stuttgarter Platz. Von dort gemeiniamcr Abmarsch mit den Spandauer Genossen um 1S>4 Uhr. Jeder Genosse muß erscheinen. 11. Kreis Schöneberg. Die Parteigenossinnen und-genossen treffen sich zur Antikricaslundgebung am Montag 1814 Uhr auf dem Rudolf-Wilde-Dlatz. Abmarsch 18Vi Uhr mit Musik. Restlose Beteiligung wird erwartet.— Dienstag, 2. August, 16 Uhr, findet die Adfchiedsfcier der diesjährigen Ferienkolonie in Dahlem-Drunewald statt. Die Parteigenossinnen und -genossen und die Eltern der Kinder find freundlichst eingeladen. Fahr- geleaenheit: Linie 43 bis Endstation. Die Kinder fahren am Dienstag, 13 Uhr, von der bekannten Stelle Pelziger Straße. Bei sehr ungünstigem Wetter findet die Feier, am Mittwoch statt. 17. Kreis Lichtenberg. Die Dampserfahrkarten müssen bis zum 1. August � Nichwerkaufte Karten sind unoerzllglich zurückzugel abgerechnet werden. an Frau Scheibenhuber, Neue Vahnhosstr. 1, eben 4 Tr., nach 16 Uhr. heule. Sonnabend. 30. Juli: 86. und 81.«dt. Schöneberg. Die Abteilungsleiter der 80. und 81.«bteNung werden gebeten, die Handzettel für die Kundgebung am Montag aus der Spedition Pelziger Str. 27 abzuholen. Morgen. Sonntag, 31. Juli: 12. Bezirk,«bt. 82, 83 und 84. Kinderwaldfest im Grunewald. Treffpunkt Endstation der Straßenbahnlinie 43 in Dahlem um 16 Uhr. 110. Abt. Grünau. Familienausflug nach..Falkenhorst". K-sfeekoch-n und Spielen im Walde. Treffpunkt. 14 Uhr Kurfürsten, und Friedrichstraße Ecke. Franenveransialtunaen. lugust, Dampferfahrt nach Wo«! -,',„:--p.(T*:„.m,.. � m___■ 41. Abt. Freitag. 5. August, Dampferfahrt»ach Woltersdorfer Schleuse. Ab- fahrt 0 Uhr Odcrbaumorücke. Die Genossinnen beteiligen sich restlos daran. Erwachsene 1 M., Kinder 40 Pf. Karten sind bis Sonntag bei der Ge. noffiy Betnarek, Fidicinstr. 27, zu haben. Jungsozialisken. «chtunß, Jungsozialisten Groß-Berli»! Montag, 1. August, nehmen wir an der Antikricgskundgebung der Partei und der SA?, teil. Alle Gruppen halten sich gemeinsam am Hochbahnhof Bülowstraße eut, pünktlich 18-4 Uhr.— Gruppe Tiergarten- Die Gruppenzusammenkünfte fallen im August und September aus. Nächste Zusammenkunft Dienstag, 4. Oktober. Näheres wird rechtzeitig bekannt- gegeben.— Gruppe Neukölln- Treffpunkt für die Fahrt na» dem Blumenthal morgen, Sonntag, 7 Uhr, Schlcstfcher Bahnhof, Briczcncr Dahnsteig. 22.«dt. Treffpunkt zur Demonstration am Montag nicht Augsburaer Platz, sondern Sammelpunkt des 3.«reifes 18 Uhr Moabit, Strom. Ecke Turm- 36. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich am Montag, 1. August, 18 Uhr, pünktlich und vollzählig zur Demonstration am Dennewitzplatz. Bis Bülowstraße fahren und Fahnen mitbringen. 76. Abt. Schöneberg. Zu der am Montag stattfindenden Demonstration„Nie wieder Krieg" treffen sich die Genossinnen und Genossen pünktlich 1» Uhr mit Banner vor dem neuen Rathaus, Rudolf-Wildc-Platz. Es ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. 162. Abt. Baumschulenweg. Zur Friedenskundgebung treffen sich die Genossen pünktlich 17H4 Uhr am Dohnhof Belleuue. Die Genossinnen versammeln sich um 16% Udr am Bahndof Baumschulenweg zur gemeinsamen Fahrt nach Bcllevue. Die Bezirksfllhrer laden restlos ein. Sriefkasten üer ReSaktion. B. 88. I. Deutsches Konsulat in New York. 17. Amerikanische- Konsulat, Berlin 38 9, Bellevuestr. 6a., weilerberichl der öffentlichen wetterdlenstfleil« für Sertin und Umgegend (Nachdr. verb.) Wolkig bis Heller und ziemlich warm bei fortbestehender K-witterneigung.— Aür veulschlnad: Ueberoll wolkig bei wenig ge- änderten Temperaturen. Strichweise Gewitterneigung. Sozkattftisthe flrbektersugenö Groß-öerlitu Anti-Kriegs-Kundgebung. .Gegen Krieg und Kriegsgefahr, für Frieden»ud Sozialismus.' Montag. 1. Augnft, 19 Uhr, auf dem Wittenbcrgplatz. Treffpunkt sämtlicher Gruppe» 1814 Uhr Hochbahnhof Bülowstraße. 4! Siugkrei»: Die Uebungsstunde fällt am Montag, 1. August, aus und findet dafür am Dienstag, 2. August, 19% Uhr, in dem Sefangssaal Schule Koch» straße statt. Henke. Sonnabend. 30. Juli: Ziofenthaler Vorstadt! Treffpunkt zur Fahrt nach Birkenwerder 1914 Uhr Stettincr Vorortbahnhof. Nachzügler Sonntag 6 Uhr ebcndort.— Hasenhcide: Die Fahrt nach Wannsee findet nicht heute, sondern morgen, Sonntag, statt. Treffpunkt 6% Uhr Potsdamer Hauptdahnhof.— Neukölln l! Treffpunkt zur Fahrt 19 Uhr Bahnhof Neukölln.— Neukölln IV: Treffpunkt zur Fahrt nach Bernau 18 Uhr Bahnhof Neukölln. Musikinstrumente sind mitzubringen. Morgen, Sonnkag. 31. Juli: Neukölln TT: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Neukölln.— Steglitz Ii Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Rathaus.— Tempelhof-Mariendorf- Morgenspaziergang. Treffpunkt 414 Uhr Kanalbrücke.— Südwest: Treffpunkt zur Fahrt nach Wannsee fGroßes Fenster) 614 Uhr Potsdamer Bahnhof. Fahr. geld 60 Pf. Werdebezirk Kreuzberg. Die Gruppen treffen sich zur Fahrt nach Wannfec 614 Uhr am Potsdamer Dahnhof. Fahnen und Spielgeräte mitbringen. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. S7/ZS, Hof Z Tr. Beruau-Börnicke: Eo., d. 30., 1914 Uhr.Abmarfch nach Zepernick zur Teilnahme am Fackelzug in Röntgental. Sammelplatz 1914 Uhr Zepcr- Nicker Ecke Bismarckstraße. Bei schlechtem Wetter Abfahrt 20,26 Uhr. bis Zeper- nick.— Sonntag, 31. Juli: Mitte: Arbeitsdienst Sportplatz Karlshorst. Fried- richshain: 16 Uhr großes Sommerfest in der„Alten Taverne", Alt-Stralau, verbunden mit Konzert und Tanz. Eintritt 40 Pf. Gäste herzlich willkommen. Bcrnau-Börnicke: 12,46 Uhr Abfahrt nach Röntgental zur Teilnahme am Um- zug und republikanischen Volksfest. Bollzählige Beteiligung dringend erbeten. Angehörige an beiden Tagen herzlich willkommen.— Montag, 1. August: Mitte: Antreten 18 Uhr Untergrundbahnhof Wittenbergplatz. Eportmannschaft und sämtliche Schutzsportlcr um 20 Uhr Turnhalle Gartenstraße. Tiergarten: Ordner. dienst auf dem Wittenbergplatz. Antreten Moabit 1714 Uhr Kleiner Tiergarten; Westen 18 Uhr Magdeburger Platz.(Bannerkleidung ohne Fahnen.) Wedding: 18 Uhr Antreten Strom. Ecke Turmstraße. Friedrichshain: 1814 Uhr Antreten sämtlicher aktiver Kameraden am Wittenderqplatz. Nähe des KdW., in Banner. kleidung ohne Musik und Fahnen. Krcnzberg: Pünktlich 18 Uhr Antreten in Bundcskleibung ohne Tambourkorvs und Fahnen Yorck- Ecke Bülowstraße zur Kundgebung der SPD. Steglitz(Ortsvcrein): 18 llhr Antreten Düppelplatz zur Fahrt nach dem Wittcnbergplatz. Banncrkleibung ohne Fahnen. Tempelhof: 18V, Uhr Treffpunkt llntergrunddahnhof Belle-Alliaucc-Straße. Nachzügler Wittenbergplatz. Treptow: Zum Wittcnbergplatz 1714 Uhr mit Straßenbahn ad Niederfchöneweide. Schlesifches Tor umsteigen(Hochbahn). Treffpunkt Kleist- Ecke Banreuther Straße. Pankow: 17,40 Uhr Antrete» Bornholmcr Straße Ecke Schönhauser Allee. Naäizllgler Wittenberaplatz. Tambourkorps ebenfalls zur Stelle. Bannerkleidung.— Lichterfelde-Lankwitz: Lcipzia-Fohrer, erwcrbs- lose und minderbemittelte Kameraden(Lehrlinge) melden sich bis Do., d. 4., bei ihren Zugführern.— Reuenhagen, Hopoegartcn, Birkenstein: Leipzig-Fahrcr Meldung bis Mo., d. 1., bei den Bezirkskassierern unter Entrichtung von 8 M. Faurgeld und sseftbeitrag.— Wilmersdorf: Mo., d. 1., 18 Uhr, Antreten Fehrbelliner Platz. Leipzig.Fahrer zahlen das Fahrgeld bis spätestens 4. 8. an den Kameradschaftsführer bzw. an den Kameraden ffaulzeit.— Schöneberg. Friedenau: So., d. 80., 2014 Uhr, findet unser Ausmarfch vom Dhf. Ebers- straße statt. Fahrgeld 1,20 M. Anläßlich der Antikriegskundgebung am Mo., d. 1., tritt der gesamte Ortsverein um 17-% Uhr am Wartburgplatz an.- Rcuköllu-Britz: 1. Kameradschaft: Sonntag, d. 81., Dampferfahrt nach Schwie» bus, Restaurant Berliner Schweiz. Abfahrt 8 Uhr Wildendruchbrücke. Repa. blikoner sind heMichst eingeladen. Karten sind bei der Abfahrt zu haben.— Reukölln-Britz: Mo., d. 1., 1814 Uhr pünltlich. Antreten ohne Fahnen Witten» bergplatz zum Ordnerdicnst.___ Verein der Schleswig-Holstciner. Sonntag, 81. Juli, Familienausflug nach Falkenhain, Hotel und Restaurant„Keglerheim". Abfahrt Lehrter Bahnhof 18,66 llhr nach Finkenkrug. Landsleute und Gäste willkommen. Brbeiter-Schachklud. Abt. Westen: Dienstag. 2. August, 20 Uhr, findet bei Gottlieb Groß, Sedanstr. 17, anläßlich der Eport-Werbewoche eine Simultan- Vorstellung statt. Gäste herzlich eingeladen. Verband der Freidenker für Feuerbestattung. Sonnabend, 80. Juli, 1914 Uhr, im Evartristaurant(Garten) Opalfki, Exerzierplatz, Eingang Cantianstraßc, Protestverfammluna gegen Kulturrcaktion und Kriegsgefahr. Männerchoe Friedrichshain. Sonntag, 81. Juli, Bezirksfängerfest 1. Bezirk des Deutschen Arbeiter-Eängerbundes im Schloß Weißenfee. Die Sangesbrüder treffen sich pstnkilich 13?4 Uhr Prenzlauer Promenade Ecke Heinevsdorfer Straße zur Mitwirkung am Propagandamarfch. Vereinigung sozialdcmolraiifcher Studierender(Sozialistischer Studenten- bund). Die Gruppen beteiligen sich geschlossen an der Antikriegskiindgebung am Montag, 1. August. Sammelpunkt: Nollendorfplatz, U-'Bahn-Vogc», 1814 llhr. Männerchor Solidarität. Sonntag, 7. August, Propagandafahrt nach Potsdam. Gäste willkommen. Karten bei den Eangesbrüdern zu haben. Sport. Oänderwettskreit im ZNetropol-varietS. Von der stattlichen Teilnehmelschar an der Länder-Konkurrenz haben sich rund fünf Ringer für die Endkämpfe herausgearbeitet, die jetzt ernsthaft um die ersten Plätze streiten. Am Donnerstag erbrachte der sinnische Meister Huthanen den erneuten Beweis seines Könnens. Bon riesiger Kraft, gepaart mit kaum glaublicher Gewandtheit, steht er einzig da. Aus der für jeden anderen Ringer noch so heikelsten Situation entzieht er sich stets dank seiner groß- artigen Gelenkigkeit. Was Willing am Vorabend so sehr verblüfste, mußte nun der Westfale Grunewald ebenfalls durchkosten. Gegen diesen Beherrscher der Matle reichte auch sein Können nicht aus: nach 13 Minuten erlag er einem prächtigen Schlcudergrisf. Tornow- Finnland rechtfertigte aufs neue seinen großen Ruf als hervorragender Techniker im Kampf gegen den temperament- vollen Estländer N e st r ö m. Als er diesen nach einer Serie von Doppelnelsons reichlich mürbe gemacht hatte, zog er den Estländer durch Hüftschwunp mit Untergriff für die Zeit zu Boden. Ring- zeit: 1 Stunde 34 Minuten. Pietro Scholz, der durch sein gutes Können in die ersten Reihen der Ringer getreten ist, legte den 250 Pfund schweren Willing, der an eine schnell« Nieder- läge wohl nicht recht glaubte, überraschend schnell durch seinen ge- fährlichen Schleudergriff bereits nach 11 Minuten auf die Matte fest. „Alcyon" verbleiet Frcinh den Start aus der Rütt-Arena. Gestern er- hielt Rütt plötzlich ein Telegramm aus. Paris, dag die französische Fahr- radsirma„Aichtm", deren. Mannschaft der Tour de France-Sieger Frantz öelanntlich angehört, die Teilnahme des Luxemburgers ayi Vier-Slunden- Rennen aus der Rsttt-Arena am kommenden Sonntagnachmittag nicht zu- läßt, und zwar mit der Begründung, dag Frantz nicht berechtigt sei, eigen- mächlig Verträge abzuschließen und das gesamte Alcyon-Tcam eine Tournee durch Italien zu absolvieren babe. DaS plötzliche Verbot scheint jedoch in Wirklichkeit daraus zurückzusühren zu sein, dag die sranzösische Fahiradsirma eine bei der Schwere und starken Gegnerschaft des Rennens immerhin mögliche Blamage des Tour de Francc-Siegers vemciden möchte. Rütt hat jedoch sofort für einen gleichwertigen Ersatz für die Mannschaft Frantz-Bceckman gesorgt. � Jeder Artikel ein Schlager. Jetzt kaufen heißt sparen. Heute Sonnabend beginnt in den sämtlichen neun Häusern der Firma Hermann Tietz der E i n h e i t s p r e i o v e r k a u f. Es ist dies eine Veranstaltung größten Stils. Wie wir erfahren, bringt die Firma aus fast allen Abteilungen viele Waren ihrer bekannt guten Quali- täten zu vier Einheitspreisen: 0,95, 1,90, 2,85 und 4,50 M. Für diesen Einheitspreisverkauf, der erfahrungsgemäß eine selten günstige Kaufgelsgenheit für jedermann bietet, sind die Waren neben dem Verkauf in den Abteilungen auch in den Lichthöfen und Erd- geschossen aufgebaut, so daß jedem Käufer eine schnellste Bedienung zugesichert wird. .Billige August-Angebote." Unter dieser Bezeichnung veranstaltet das de- kannte Strumpfhaus Metzger ab heute einen grogcn Sonserocrkauf erstklassiger Qualitäten zu enorm billigen Preisen. Bei dem Angebot befinden sich teilweise, speziell in Strümpfen, auch schon wollene Qualitäten, die für die bald be- ginnende Herbstsaisan einen besonders günstigen Gelegenheitskauf darstellen. Es kann nicht genügend empfohlen werden, von diesem enorm dilligen An- gebot erstklassiger Qualitätsware regen Gebrauch zu machen. Hsz Insektenstieben Creme Leodor dick ausgestrichen verhindert schmerzhaftes Anschwelle» und Juckreiz, wirkt kühlend und reizmildernd, gleichzeitig beste Toilettecrem» von herrlichem Bwlengeruch, weder seUend noch klebend. Tube 60 Pfg. und L— Ml. Probetuben erhäüüch in all« Chlorodout-Berlauisstell«. Um die Kleidung des Volks. Genoffensckiaftliche Selbsthilfe.— Kattskraftsteigerung für den Arbeiterhaushalt. Wir haben jeden Monat Gelegenheit, den überraschend schnellen Aufstieg der Konsumgenossenschaft Berlin zu beobachten. Die Umsatz- Ziffern steigen ständig, und wenn wir auch noch weit davon entfernt sind, sämtliche Haushaltungen des arbeitenden Volkes der Weltstadt Berlin konsumgenossenschaftlich erfaßt zu sehen, so bedeutet doch der jetzt erreichte 4l)-Millionen-Umsatz einen jährlichen Einkauf von 20 Mark allein in der Konsumgenossenschaft Berlin für jeden selbständigen Berliner. Die KGB. produziert schon mancherlei selbst. Darüber wurde und wird zur gelegenen Zeit immer wieder berichtet. Leicht übersehen wird einer der achtunggebietendsten und auch zukunftsreichsten Zweige der Konsumgenofsenfchaftsaroeit in Berlin, das ist die Eigenproduktion der Bekleidung, die auch in der deutschen Konsumvereinsbewegung eine immer größere Be- dcutung erhält. Es handelt sich um die„Hoffnung", Bekleidungsindustrie G. m. b.H. in der Bruimenstraße im Norden Berlins. Als sie gegründet wurde, von begeisterten und opfer- bereiten Männern, die nur ihren Beruf und die Ueberzeugung hatten, daß dem arbeitenden Bolk sofort und durch eigene Kraft geholfen werden soll, da nannten diese Männer ihr Unter- nehmen„Hoffnung". Diese.�Hoffnung" ist seit vielen Jahren lebendige und immer wichtigere Wirtlichkeit. Anfäng dieses Jahres hatte die„Hoffnung" Bekleidungsindustrie G. m. b. H. eine 21jährige Tätigkeit hinter sich. Mit den be- fcheidensten Mitteln wurde fie im Februar 1906 von sieben organisierten Schneidern unter dem Namen„Hoffnung", Berliner Schneiderei-Genossenschaft e. G. m. b. H. gegründet, mit dem festen Borsatz, die Forderungen der Organisation voll und ganz zu erfüllen. Die bedeutendste Forderung, die Errichtung von Betriebs- Werkstätten, wurde sofort bei der Gründung der Genossenschaft durchgeführt. Eine Werkstätte, die für etwa 13 Personen Platz bot, wurde gleich mitgemietet. Wenn sie den Gründern anfangs sehr groß erschien, so zeigte schon am Ende des erstenJahres, daß > l« zu klein wo«-. Schon der Erfolg des ersten Jahres übertraf alle Erwartungen, und die Leitung der Genossenschaft war gezwungen, die Betriebs- und Geschäftsräume zu erweitern. Langsam» aber sicher wuchs die Hoffnung" durch die tatkräftige Unterstützung der genossenschaftlich gesinnten Arbeiterschaft. Im Jahre 1914 beschäftigte die Genossen- schaft bereits 54 Schneider, all« in Werkstätten. Der Krieg traf dos Unternehmen anfänglich sehr hart: die Geschäftsleitung war von großer Sorge erfüllt, über die Schwierig- leiten hinwegzukommeen. Als der.„Hoffnung" jedoch Gelegenheit geboten wurde zu zeigen, was sie zu leisten imstande ist, waren die Hindernisse überwunden. Auch die Genossenschaft'bekam von der Heeresleitung, die über die meisten Rohstoffe verfügte, soviel Arbeit» wie sie nur wünschte. Damit waren die wichtigsten Sorgen beseitigt und die geschäftliche Ueberwindung der Kriegsjahre gesichert. Abgesehen von der Rohstoffversorgung war ja die Lage auch deshalb so schwer, weil mit den„Soldaten" auch die Kunden der Genossen- schaft eingezogen wurden und als Konsumenten ausfielen. Im Jahre 1917 mietete die„Hoffnung" im Hause Brunnenstraß« 181 eine 400 Quadratmeter große Betriebswerkstätt«, die allen modernen Anforderungen entspricht. Diese bot etwa 80 Schneidern Platz. Damit war die Frage ausreichender Betriebsräume auf längere Zeit gelöst. Eine noch schwerere Krise als in den Kriegsjghr«« brachte d t e Inflation für di« Genossenschaft. Aber auch diese würde durch den guten genossenschaftlichen Zusammenhalt der Mitglieder, durch vorsichtige Geschäftsführung, das auch hier geltende Barzahlungs- prinzip und durch die Treue der Kundschaft gut überstanden. Am 1. Januar 1925 erfolgte der Zusammenschluß der „Hoffnung" mit der Konsumgenossenschaft Berlin. Seit dieser Zeit wird sie unter dem Namen„Hoffnung" Bekleidungs- Jndustrie G. m. b. H. als wichtiger Teil der KGB. weitergeführt. Am 20. März 1926 gliederte sich die Genossenschaft große, moderne Verkaufs- und Geschäftsräume im Haufe Brunnenstrahe 188/190 an und vollzog damit denselben Schritt systematischer Kunden- und Mitgliederwerbung in ernster und loyaler Konkurrenz mit der Privatwirtschaft, den di« moderne Konsumver einsbewegung Deutschlands feit einigen Jahren überhaupt auszeichnet. Natürlich ist dieser Kampf hart. Aber er war und ist erfolgreich. Die Entwicklung und die Leistungen der Genossenschaft in Zahlen ausgedrückt, zeigen folgendes Bild: Umsähe von 1906—1918 und 1924—1926. Die Umsätze zeigen einen stetigen und seit Ueberwindung der Inflation immer schnelleren Aufftieg. In den Zahlen der Kriegs- jähre find die Lieferungen für die Heeresverwaltung nicht mit ein- gerechnet, uni ein klares Bild des wirklichen eigenen Geschäfts zu geben. Die„Hoffnung" stellt heute schon ein beachtenswertes Unter- nehmen dar. Aber zweifellos könnte sie noch ein Vielfaches von heut« leisten. Gewaltige Lücken sind noch immer im Kleiderschrank des arbeitenden Volkes von Berlin. Die noch immer ungenügenden Lohn- und Gehaltsverhältnifse, die die Bekleidung hinter der Nahrung, den Mieten und der Heizung zurücktreten lassen, zwingen noch vielfach zur billigsten und gerade deshalb oft teuersten Ver- forgung. In dem ehrlichen Kampf um beste Versorgung der Kon- sumenten zum billigst möglichen Preise stehen die Genossenschafts- betriebe nicht hinter den privaten Betrieben zurück: im Gegenteil. Und auch jeder privat« Kaufmann muß trotz der Konkurrenz der Ge- nossenschaftsbetriebe Achtung haben nor dem Bestreben, durch Selbsthilfe die geringe deutsche Kaufkraft zum Nutzen aller noch zu erweitern. Dazu können nicht nur die Methoden der Konsumvereine noch viel mehr beitragen als bisher, sondern alle Arbeiter, Angestellten und Beamten. Man täusche sich doch nicht darüber, auch für den privaten Groß- und Kieinkaufmann ist nicht die Konkurrenz der Genosien- schaftsbetriebe heute das entscheidende Uebel, sondern die viel schwerer wiegende Tatsache, daß im ganzen nicht genug ver- braucht und gekauft werden kann. Daß mehr gekaust und verbraucht werden kann, gerade darauf wirkt die genossenschaflliche Selbsthilf« am stärksten hin. Das gilt nicht nur für die Konsum- vereine überhaupt, sondern auch für die Selbstversorgung mit Be- klerdung/ wie sie die„Hoffnung� betreibt. woher stammen Sie Solleinnahmen! Und die„niedrigeren" Agrarzöllc. Unsere Darstellung in Nr. 336 vom 19. Juli hat den Unwillen der„Deutschen Tageszeitung" erweckt. Sie behauptet, wir härten den Eindruck erwecken wollen, daß ein sehr wesentlicher Teil der Zolleinnahmcn aus den eigentlichen Lebensmittelzöllen stamme. Tatsächlich hat uns ein« solche Absicht ferngelegen. Zlndererseits aber ist nicht zu bestreiten, daß im ersten Halbjahr 1927 die Lebensmittel zölle eine ganz außerordent- lich große Bedeutung für das Zollaufkommen gehabt haben. Wir stellen nachstehend die wichtigsten Zölle � ausschließlich auf Lebensmittel im engsten Sinne mit einem Aufkommen von ins- gesamt 153,7 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1927 zusammen, in dem das Gesamtaufkommen an Zöllen sich auf 583,3 Millionen Mark belief. Diese Lcbensmittelzölle machten also 26,3 Prozent der Zolleinnahmen aus. Es erbrcchre der Zoll auf Weizen......... 61,1 Mill. Mark . Roggen......... 18,6 „ Bulter......... 18,2, » Rinder......... 9,3, „ Kaie.......... 6,4 „ Eier.......... 6,0„ „ Zucker.......... 5.9, » Schweinefleisch...... 4,9, „ Rindfleisch........ 4,6, » Aepfel......... 3,3„ , Weizenmehl....... 3,4, „ Schmalz......... 3,0„ „ Kodl.......... 2,9, „ Karroffeln........? 6, . M'.lch.......... 1,4 . Honig.......... 1,3 . Heringe......... 1,2„ » GeschlachleteS Geflügel... 1,2. . Fifchkonferven....... 1,1 , Schweine....... 1,0, . Fleischkonserven..... 0 8_ �_ Zusammen... 153,7 Mill. Mark Diese Liste der Lebenomittelzölle im engeren Sinne ist unvoll- ständig, weil erstens die Zölle auf Futtergetreide, die der Konsument im Fleischpreise zu zahlen hat, nicht in den Lebensmittelzöllen mitgerechnet sind, weil zweitens der Begriff„Lebensinittel" sehr eng begrenzt ist und weil drittens eine Fülle weniger wichtiger Lebensmittelzölle noch recht erheblich« Erträge geben. Daher geben wir nachstehend eine Aufstellung der Einnahme aus einer ganzen Reihe von Zöllen, die ebenfalls noch verteuernd auf den Bedarf des täglichen Lebens an Nahrung?- und Genußmittcln wirken.(Hier wie bei der vorstehenden Aufstellung handelt es sich selbstverständlich immer nur um die Wirkung der Zölle zu- gunsten der R e i ch s k a s s e. nicht um die B e l a st u n g der Ver- b r a u ch e r durch die Zölle, die selbstverständlich infolge der Zoll- Wirkung auf die inländischen Preise erheblich größer ist.) Es er- brachten der Zoll auf Fult-rgerste....... 17,3 Mill. Mark . Hafer.......... 6,2 „ Mais.......... 31,6 , getrocknete Pflaumen.... 1,2 „ Apfelsinen........ 4,3 , Korinthen und Rosinen.. 1,5 Zusammen... 62,1 Will. Mark Nimmt man diese Zölle noch zu den Lebensmittelzöllen im en- geren Sinne hinzu, so ergibt sich, daß über 3 5 Prozent des gesamten Zollauskommens auf Zölle entfallen, die Lebensmittel und verwandte Waren betreffen. Auch das übrige Zollaufkommen stellt zu einem Teil eine er- hebliche Belastung der Verbraucher dar. Es erbrachten insbesondere die Zölle auf alkoholische Getränke und die dazu ver- wandten Rohstoffe im ganzen 56 Millionen Mark, die sich im einzelnen wie folgt zusammensetzen: Ertrag der Zölle auf Braugerste........ 5,9 Mill. Marl , Malz.......... 3,9, „ Hopfen 1,2 m . Spirituosen........ 2,6, , Weine.......... 41,4, . Bier.......... 1_„ Zusammen 56 Mill. Mark Weit größere Erträge bringen natürlich diejenigen Zölle, die ausschließlich Finanzzölle sind. So erbrachte der Zoll auf Tabak.......... 36,6 Mill. Mark „ Kaffee..........<9,3. . Tee.......... 5,7 , Kakao.......... 14,1, . Pfeffer......... 1,6 » Kaviar......... 1,2 Zusammen 138,4 Mill. Stark AlS ertragreiche Zölle nennen wir dann noch die Zölle mit einem Erlrage von auf frische Blumen....... 1,6 Mill. Mark » Holz.......... 9,1 . Pferde......... 2,1 , Mineralöle........ 34,3 Zusammen 47,1 Mill. Mark Der Gesamtertrag der Zölle auf Lebens-, Futter- und Gennhmittel beträgt im ersten Halbjahr 1927 mit 410,2 Millionen Mark rund 70 Prozent des gesamten Aufkommens. Der Gesamtertrag der von uns im einzelnen an- geführten Zölle detrögt vier Fünftel des gesamten Zollauskommens im ersten Halbjahr 1927. Dies Ergebnis stimmt mit dem unserer Rechnung vom 19. Juli überein. Auch hier zeigt sich wieder, daß der Anteil der Indu- striezölle am Zollaufkommen sehr gering ist. Dies Er- gebnis ist angesichts der Tatsache wichtig, daß der Widerstand gegen den Abbau der Industriezölle immer wieder aus«ine angebliche Gefährdung der Zolleinnahmen durch diesen Abbau verweist. Diese Behauptung haben wir widerlegt, und wir würden uns freuen, wenn die„Deutsche Tageszeitung" das ihren Lesern mitteilen würde, statt in eine unsachliche Polemik gegen uns einzutreten. Gerade im Jntercffe der Landwirtschaft soll der Zollabbau vorge- »ommen werden, so daß der landwirtschaftliche Leserkreis der„Deut. schen Tageszeitung" gewiß Interesse daran hat, zu erfahren, daß der Abbau der Industriezölle auf keine ernsthaslen finanzpolitischen Hemmniff« stößt. * Der„Deutschen Tageszeitung" gefällt es auch, sich in einem anderen Punkte mit dem„Borwärts" zu reiben. Der„Vorwärts" hätte nämlich die wichtigen Belege des„Magazins der Wirtschaft", die dieses für den höheren Zollschutz der Landwirtschaft gegenüber der Industrie gebracht habe, nicht vollständig zitiert Das stimmt. Aber der„Vorwärts hat charakteristisch« Zölle de? langen Tabelle herausgezogen-, auch das vollständige Zitat hätte an dem Ergebnis nichts geändert, das Herrn Schiele ins Unrecht fetzt. Daß wir auf der anderen Seife in unserer Graphit die Wcrtbelastung des Weinzolls weggelassen haben, die wegen ihrer Größe die Graphik gesprengt hätte, das verschweigt die „Deutsche Tageszeitung" wieder ihren Lesern. Die Zoröerungen öer Roggenschulüner. Nicht die Banken— der Steuerzahler soll heran- gezogen werden. Gestern haben wir ausführlich von dem Wucher gesprochen, der unter staatlicher Aufsicht und deutschnationaler Führung an jenen Landwirten ausgeübt worden ist, die so unglücklich waren, sich auf der Helfferichjchen Roggenbasis zu verschulden. Unsere Angaben werden durch die Feststellungen des Reichsoerbandes der Roggen- und landwirtschaftlichen Pfandbriefschuldner nicht nur v v i l d e- st ä t i g t: die von uns angegebenen Z'ns- und Provisionsiätz« waren sogar zum Teil»och zu niedrig gegriffen. Der Reichsverband hat jetzt für die Sanierung der Roggenverfchuidung feine Borschläge gemacht. In erster Linie verlangt er die Umwandlung der Roggen- in Reichsmarkhypotheken. Grundlag« soll fein, daß der Landwirt die ihm ausgezahlre Geldsumme schuldig werden soll, zu der als Schuld noch 50 Proz. der Auszahlung hmzugenommen werden. Die Banken, die die Roggenrentenbriese ausgegeben haben, soiter.' 3 Proz. Provision zugebilligt erhalten, aus der Differenz bis zur tatsächlich verlangten Provision sollen die Banken gleichmäßig bei der Umwandlung in Markschulden einen Beitrag leisten. Die Hauptlast soll aber das Reich treffen. Es soll eine Schenkung an die Roggenschuldner machen(vorgesehen sind 25 Millionen Mark), und außerdem sollen 35 bis 40 Millionen Mark Kredite gcwähri werden. Schließlich soll das Reich auch noch erhebliche verlorene Zins Zuschüsse leisten. Die Basis zur Umwandlung der Roggen- in Markjchulden soll der jetzige Kurs der Roggearenten- brief« von rund 8 Mark sein, so daß die Schenkungen und Kredite des Reiches immer höher werden, je niedriger die Auszahlung war. Die hier von den Rozgenschuldnern vorgeschlagene Lösung mag angesichts des Widerstandes der Banken bequem iein, aber die Höhe der dem Reich, d. h. dem Steuerzahler zugemuteten Lasten ist abso- tut unerträglich. Bevor irgendwie daran gedacht werden kann, den vorgeschlagenen Weg zu gel.-st auf das genaueste zu prüfen, wie hoch'die Provisions-, Zin. und Kursgewinne der beteiligten Institute und der Besitzer von Roggenrentenbriefen waren. Es ist keinesfalls selbstverständlich, daß der Steuerzahkar ge- wissermaßen dafür in Strafe genommen werden soll, weil der Gesetzgeber die Auswucherung nicht verhindert hat. Und es ist durch- aus berechtigt, daß man bei dem verhältnismäßig kleinen Kreis der an den Vorteilen Beteiligten eine Haftung konstituiert, aus der der Steuerzahler ausscheidet. Ueber Kredite und Zinszuschüsse kann vielleicht geredet werden. Den verant- wortlichen Persönlichkeiten aber aus öffentlichen Mitteln die Rech- nung zu bezahlen für ihre die Landwirte schädigende B er- quickung von Politik und Geschäft, dazu ist das Reich und der Reichsbürger zu schade. Aeber den Wohnunasbau in Preuk«'» siegen setzt für das Jahr 1926 die abschließenden Ziffern vor. Demnach betrug im Vergleich zum Vorjahr � 0 1926 1925 der Reinzugang an Gebäuden überhaupt. 94 538 97 211 der Neinzugang an Wohngebäuden... 55 376 50 438 der Zugang an Wohnungen überhaupt�.. 129 092 109 501 der Zugang an Wohnungen in Wohngebäuden 125 215 105 909 Es sind demnach wesentlich mehr� Wohnungen als im ver- gangenen Jahre hergestellt worden, während die Iaht der Neu« bauten überhaupt etwas geringer, die vom Wohngebäuden allem etwas größer als sie im Vorjahr war. Die Abwchraktion der Wirtschaft gegen die Postgebühren zieht jetzt immer weitere Kreise. In den beteiligten zentralen Verbänden des Handels und der Industrie schweven noch weitere Beratungen mit dem Ziele, den angeschlossenen Firmen Vorschläge zur Porto- ersparnis durch Vereinsachimg des Geschäftsverkehrs zu machen, ähnlich wie es der Zemralverband des Deutschen Groß- und Ein- fuhrhandels getan hat. Im Bantverkehr will man alle ver- meidbaren Doppelbenachrichtigungen, die man bis jetzt zum Zweck einer gründlichen Kontrolle des Geschäftsverkehrs versandt hat, vermeiden und versuchen, Briese durch Drucksachen zu ersetzen, wo das unter Wahrung des Geschäftsgeheimnisses möglich ist. Der Post dürsten auf diese Weise große Teile der Mehlvinnahmen.�die sie von der Gebührenerhöhung erwartet hat. verlorengehe».� �a- bei ist di« Aktion noch nicht abgeschlossen. Schon legt lafzt sich sagen, daß der Postminister Schätze! mit seiner Portovorlage das Gegenteil von dein erzielt hat, was er vorher gehofft hatte. Robert Bosch meldet Verluste, die eigentlich keine sind. Die Robert Bosch A. G. in Stuttgart, eine der solidesten und bestgesührten deutschen Großuniernehmungen(Belieferung der Autoindustrie) m't einem Kapital von 30 Millionen Mark und 9 Millionen oifener Reserven, meldet für 1926 nicht unerhebliche Verluste. Sie betragen 856 000 Mark, nachdem im Jahre 1925 3,82 Millionen Mark Gewinne und 8 Proz. Dividende zu verzeichnen waren. Der Verlust scheint daurch eingetreten zu sein, daß das Krisenjahr der Automobilindustrie fast auf den Tag und die Stunde voll das Geschäftsjahr der Robert Bosch A. G. ausfüllte. Der Verlustabschluß wird damit begreif- lich, aus der anderen Seite aber auch unbedenklich. Es steht nämlich aus dem Vorjahr ein Bortrag von 718 000 M. zur Ber- sügung, außerdem wurde die gesetzlich Resevve aus den 1925er Ge- Winnen um 700 000 M. erhöht. Ein eigentlicher Verlust besteht alio kaum, wenn man nicht nur auf das Geschäftsjahr, sondern auch auf die Entwicklung des Unternehmens achtet. Die Loge scheint jetzt wieder sehr gut zu sein. Jedenfalls waren am 30. Juni wieZer mehr als 10 000 Beschäftigte vorhanden gegenüber 7031 Ende 1926, dem Bilanztermin. Außerdem sind trotz der Berluste die Finanz- Verhältnisse geradezu glänzend, auch wenn man die neue 3-Millionen- Dollar-Anieihe berücksichtigt. Die Rationalisierungsmaßvahmen haben sich noch nicht voll ausgewirkt, was auch zu beachten ist. Es kommt immer besser. Die New Porker„Herald Tribüne" berichtet zum Oeltrieg gegen Rußland, daßiSir Henry Deterding am 13. November 1926 mit Sir Serebrowsky, dem Leiter des russischen Naphtasyndikats, über den Ankauf der gesamten russischen Naphtaaussuhr verhandelt hat, und weiter darüber, daß sämtliche in Rußland lagernden Naphtaprodukle der Royal Dutch Shell Co. verkauft werden sollen! Diese liebliche und sehr genaue Anschuldigung wird Herr Deterding zu dementieren angefordert. Wir haben gar keinen Zweifel daran, daß die Behauptung st i m m t, denn als smarter Geschäftsmann mußte Herr Deterding einen solchen Versuch machen. Aber dann soll er sich schleunigst mit seiner moralischen politischen Offensive gegen das„gestohlene Oel" begraben lassen. Die jüdischen landwirtschastlichen Kolonien in Sowsetrutzland. In Sowjetrußland sind nunmehr drei Jahr« seit Erscheinen des Dekrets abgelaufen, durch welches den Juden aus den Schichien der Werktätigen Land zu Siedlungszwecken zugewiesen wurde. Es gibt jetzt in Weißrußland 160 jüdische Bauernkommunen, die von der Sowjelpresse als in blühendem Zustande befindlich geschildert werden. Auch die an Juden verteilten Ländereien in der Steppe nördlich der Krim im Bezirk Dshankof befinden sich in gutem Zustande. Die jetzt als Bauern tätigen Juden waren früher meist Handwerker, Heimarbeiter usw. Die Sowjetpresse weist immer wieder daraus hin, daß s i e dl u n g s l u st i g e Juden in den Sowjetländern die Mögsichkeit zu landwirtschaftlicher Betätigung sinden könnten.. Unterhaltung uns Wissen Lehrer und Schulgesetz. .lief« SaiBorf darf nie Oefet werden.' Deutsch« Lehrernerew. slus, Lehrer, hier ist einmal üer Hatel am Platze! Soaaabevö AH.Illll 1927 Verwechslung. Groteske von Elsa Maria Sud. Um 7 Uhr war die groß« Romvndichterin Maniera Fröhlich. Schundberg, w ihren roten Flanellschlafrock gehüllt, zur Küche ge» gangen und hatte Karlsbader Wasser getrunken. Ihr« Seele wurde danach fröhlich, und sie vergaß beinahe des Schundbergs, der höher und immer höher den Parnaß überschattete. Wären nicht die beiden Sekretärinnen gekommen, sie hätte an diesem Tage lieber Strümpfe und Garderobe durchgesehen und sich an der Erkenntnis genügen lassen, daß Strümpfe den Romanen ähnelten, die sie schrieb. Die Köchin unterbrach den Ansang der Arbeit mit Fragen: e» wurden Kohlrüben mit Schweineschuft bestimmt, Apfelschnitten da- nach Di« Dichterin war zerstreut und sah sich die beiden Romane, bei deren Diktat sie war, flüchtig durch, um den Faden weiterzu- spinnen. Maschine 1 schrieb den.Untergang des Grafen Born": Ma- fchine 2.Di« kleine Sünderin": in zwei Wochen sollten beide Ar- beiten abgeliefert sein; eilig mußte der Knoten verwirrt und wieder aufgelöst werden. „Der Graf Hot fünfhunderttausend Lire im Spiele verloreu—* sprach die Sekretärin eins. „Axel-Knud hotte die kleine Sünderin zu seiner Geliebten g«. macht—* erinnerte Dome zwei. „Schreiben Sie den Dankbrief Schema 3 an dies« Leute hier," wies die Dichterin der Dam« zwei Arbeit zu..ich werde den anderen Roman ansagen." Dann begann sie auf und ab zu pilgern: oerzehrte ein Schlack- wurstbrot und zapfte den Musenquell an. Ein Kobold war im Räume und vertauschte die Manuskripte: so kam«s. daß auf Seite 190, wo die Röte des Grafen Boni zu erwarten standen, es in die üppigen Lebensumstände der kleinen Sünderin hineinging. Die Sekretärin merkte nichts: sie lebte ja in beiden Romanen, die sie täglich sich fortentwickeln sah, hatte überdies noch einen Seelen- schnupfen vom vorigen Buche her, in welchem Frau Maniera Fröhlich ihrem dringenden Wunsche nach einem guten Ende nicht gefolgt war. „Schreiben Sie," sprach die Dichterin: „An diesem Wendepunkte des Daseins eines von den Frauen och so verwöhnten Mannes ergriff Karin, die klein« Sünderin, dos steuerlos hingleitende Schiff und brachte es mit ihren energischen Händen in gute Fahrt. Das Hausmütterchen konnte sich nirgends verleugnen:„Zwei Mädchen sind in deinem Hausholte überflüssig," erklärte sie.„Und wer soll die Pediküre besorgen," sprach sie hoch. atmend, und die Größe des Entschlusses blähte ihre Nasenflügel." Nach zwei Stunden war genügend Wortvorrat ins Manuskript eingeflossen, und der andere Roman wurde in fataler Weise mit den Schicksalen des Grafen Boni belastet. Bergab ging es, indes er feigem Freund« sich eröffnete. „Ich kann ihr nicht mehr den Luxus bieten, den sie gewöhnt mein hundertpferdiges Auto ist unter Siegel, wir werden künftig 2. Klasse reisen müssen!" „Unmöglich!" rief entsetzt der Freund. Doch der Graf sprach grabestief, mit einer von Eorgenqualen durchfurchten Stirn weiter:„Nichts bleibt mir erspart. In dem schrecklichen Augenblick«, als ich den letzten Tausendlireschein auf das grüne Tuch legte, sahen mich dämonisch« Augen an und ich erkannte — meine geschiedene Frau. „Das ist mein Triumph," zischte st« wie«ine Schlange. Ball» wird das Schloß meiner Döter von einem Spieler unter den Hammer gebracht sein, und i ch werde es wieder erwerben!". Sekretärin zwei hatte kopsschüttelnd bis hierhin geschrieben: nun' rief sie:„Er war ja gar nicht verheiratet!" „So? War er nicht verheiratet?" erkundigte sich die Dichterin betroffen. „Aber es hört sich so spannend an!" meinte die andere. Frau Fröhlich ging in tiefen Gedanken zweimal um den Tisch „Wenn es sich spannend anhört— ja, das ist sehr wichtig— mir kommt eine ungeheure Idee— dann wollen wir ihn noch nachträglich verheiraten. Blättern Sie auf Seit« 100 etwa zurück, was hoben wir da?" Die Sekretärin las vor:„Magda verließ das Bureau de» Agen- ten mit empörten Worten. Sie stand dann lange am Ufer des Kanals. Gut wäre es, dort unten zu liegen—* „Magda? Was lesen Sie? Ellen heißt sie doch" „Diese heißt Magda!" „Und in wen ist sie verliebt?" „Aber, Frau Fröhlich, in viele, Sie wissen doch Aber Haupt- sächlich in den geheimnisvollen Kavalier—* „Und wie heißt der?" fragte die Dichterin, mit der Hand am Kopfe. „Axel-Knud." „Allmächtiger— mir dreht sich olles im Kreise." rief die Dame. „Vertauscht!" dämmerte es endlich Frau Fröhlich atmete tief.„Wenn's weiter nichts ist! Dann setzen Sie nachher die richtigen Namen ein. Das andere merken die Leser nicht. Und— fahren wir fort--" 30 Jahre örahtlose Telegraphie. Bon Dipl.-Ing. Dr. A. Hamm. In diesem Sommer sind es gerade 30 Jahre her. daß Guglielmo Marconi, der italienische Ingenieur, die von dem deutschen Pbysiker Heinrich Hertz geschossene Anordnung zur Erzeugung elektrischer Wellen dazu verwendete, Signale über eine gewisse Entfernung zu übertragen. Drei Nationen haben zu dem Ergebnis, das damals dos größte Aufsehen erregte, mit beigetrogen: der Engländer James Elark Maxwell hatte die theoretischen Grundlagen geschaffen, die der Deutsche Hertz dann durch eine Reihe glänzend durchgeführter Experi- mente bestätigte. In ihnen erblickte Marconi mit dem Blicke des genialen Ingenieurs das Mittel, der Uebertragung von tele- graphischen Zeichen durch den Draht eine solche ohne Drahtleitung an die Seite zu setzen, und der Versuch gelang. Sloby schilderte anschaulich, mit welcher Erregung die Teilnehmer an den Versuchen dem Klopfen lauschten, das das Eintreffen der Wellen aus der nur wenige hundert Meter entfermen Sendestalion ankündigte, ein schmaler Meeresarm wurde damit überbrückt. Die Neuerungen, die Marconi damals anwendete, waren vor allem die Antenne, ein senk, recht in die Luft gehängter Draht, und gewisse Verbesserungen am Kchärer. Mit jenem Tage begann ein Siegeslaus der neuen Technik, wie er seinesgleichen kaum hat, und wer heute drahtlos über den Ozean telegraphiert oder sich an den Darbietungen des Rundfunks freut, denkt wohl nicht so leicht daran, daß die ganze Technik erst 30 Jahre alt ist. Marconis?1nordnung war noch denkbar einfach, er schattete die Funkenftrecke. die ihm zur Erzeugm-g txx hochfrequenten SMin- gungen diente, unmittelbar in die Antenne, die so in ihrer Tiger»- schwingung erregt wurde. Im folgenden Jahre erfanden gleichzeitig Braun in Strahburg und der Engländer Oliver Lodge das heute un- entbehrlichste Requisit der„Drahtlosen", die Abstimmung durch Ein- fügung von Kapazitäten und Jndukttvitäten. Erst damit wurde die Anordnung wirklich leistungsfähig, vor allem konnte die zur Schwin- gungserzeugung verwendete Energie und damit die Reichwette ver- vielsacht werden. Als dann Marconi noch das erfand, was wir heute bei unseren Radioempfängern Sekundärscholtung nennen, da war eine gewisse techmsch-industrielle Verwendbarkeit der Einrichtung gegeben, und tatsächlich gelang es Marconi bereits im Jahre 1901, mtt dieser uns primitiv erscheinenden Anordnung von Poldhu nach Neu-Fundland, das heißt über den Atlantischen Ozean in einer Breite von 2100 Kilometern hinweg zu telegraphieren. Kurz darauf konnte die Reichweite sogar bis auf über 3000 Kilometer gesteigert werden. Man hatte aber damals zum Abhören der ankommenden Signale noch immer kein anderes Mittel als das im Anfang vorhandene, den Kohärer mit einigen Verbesserungen und Abänderungen, der natür- lich ein äußerst primitives Hilfsmittel war. Es wird überraschen, zu hören, wie spät der heute übliche Detektor in die drahtlose Telegraphie eintrat, nämlich erst im Jahre 1906. Auch er wurde, wie übrigens fast alle bedeutenden Fortschritte der drahtlosen Telegraphie. von mehreren Erfindern zu gleicher Zeit entdeckt, nämlich von Braun in Straßburg, dem die grundlegenden deutschen Patente gehörten. und Durwoody, Pickard und anderen in Amerika. Der ätteste Zlrtstall- detektor, der auch heute noch teilweise sehr beliebt ist, war der mtt Karborundum zusammengesetzte: bald darauf wurde die Verwendung der Pyrite, die außerordentlich beständige Detektoren ergeben, eni- deckt. Heute ist die Anzahl der Kombinationen Legion, obwohl die Verwendung van Bleiglanz mit irgendeiner Edelmetollspitze wohl die weitaus beliebteste ist. Vor kurzem wurde in Deutschland der erste wesentliche Fortschritt auf diesem Gebiete seit über 20 Iahren erzielt, als man die Möglichkeit entdeckte, das Detektorkristall aus seinen Grundstoffen auf künstlichem Wege herzustellen, womit gleichzeitig sein« Eigenschaften erheblich verbessert wurden. Noch vor der Erfindung des Detektors wurden indessen zwei Hilfsmittel für die drahtlose Telegraphie erfunden, die erst viel später zur Wirksamkeit kamen, weil die Zett noch nicht reif für sie war. Dem Dänen Waldemar Poulsen wurde die Verwendung des Licht- bogens zur Erzeugung hochfrequenter Schwingungen patenttert, womtt ein Mittel gegeben war, weit größere Schwingungsenergien als bisher zu erzeugen und somit die Reichweite der Telegraphie abermals bedeutend zu vergrößern. Indessen dauerte es fast zehn Jahre, bis der Poulsen-Bogen wirklich angewendet wurde: erst kurz vor dem Kriege wurden die ersten Stationen mit Lichtbogensendern gebaut. Die zweite Erfindung, die eine noch unendlich viel größere Bedeutung als die des Poulsen-Bogens hatte, war die der Röhre, die heute als ununtbehrliches Requisit der drahtlosen Telegraphie und Telephonie gelten kann. Im Jahre 1904 erhielt der Engländer Fleming das erste Patent darauf, seine Röhre, die lediglich als Detektor dienen sollte, hatte aber nur zwei Elektroden, während die dritte und vielleicht wichtigste, das Gitter, im Jahre 1908 von Lee de Forest hinzugefügt wurde. Freilich hatten diese Röhren alle noch nicht das extrem hohe Vakuum, das heute als ununtbehrlich gilt, infolgedessen waren ihre Eigenschaften noch ziemlich unberechenbar: immerhin war die Grundlage gegeben. Es hat aber von Lee de Forests Erfindung ab noch fast ein Jahrzehnt gedauert, ehe die Röhre zu dem universell verwendbaren Instrument geworden ist, das sie heute darstellt, sowohl zur Schwingungserzeugung wie zum Empfang. Dazu trug eine Erfindung bei, die man" wohl zu den wichtigsten in der Hochfrequenztechnik rechnen kann, die auch wiederum von mehreren Seiten gleichzeitig gemocht wurde, nämlich die der Rückkopplung. Sie entstand im Winter 1912/13, und zwar in Amerika und Deutschland, dort von de Forest und Armstrong, hier von Dr. Meißner gemocht. Durch sie wurde es ermöglicht, die Röhre zur Schwingungserzeugung zu veranlassen, so daß sie als Sender von großer Konstanz der Wellenlänge brauchbar war, gleich- zeit wurde damit die denkbar größte Empfindlichkeit des Empfangs erreicht. Neben diesen grundlegenden Erfindungen treten die zahlreichen Schaltungspatente, an denen die drahtlose Technik von jeher reich war, naturgemäß an Wichtigkeit etwas zurück, ober um sie uner- wähnt zu lassen, sind sie doch zu einflußreich, denn es kommt ja nicht allein auf ein erfolgreiches und sauberes Senden, sondern mindestens ebenso sehr auf lausstarken und sauberen Empfang an. Das erste Patent dieser Art war das Marconische, das den von Braun und Lodge erfundenen abgestimmten Kreis aus den Empfänger an- wendete, womit die Möglichkeit gegeben war, den Empfänger aus verschiedene Wellenlängen abzustimmen. Diese Erfindung zahlt auch heute noch, wie man im Zeitalter des Radio nicht mehr ausein. anderzusetzen braucht, zu den allerwichtigsten. Sehr viel später liegen alle die Empfangscholtungen, die heute eine gewisse Rolle in der Telegraphie und namentlich Telephonie spielen, die als abgestimmte Hochfrequenzverstärkung, Neutrodynschaltnng usw. jedem Funk. freunde bekannt sind. Die große Leistungs?ühigkeit der drahtlosen Telegraphie namentlich— die Telegraphie kommt mit viel einfacheren Hilfsmitteln aus— ist durch sie erzielt worden, weil sie gestatten, auch ganz schwach ankommepde Signale, wenn sie nur überhaupt stärker sind als die atmosphärischen und anderen Störungen, gut hörbar zu machen. Meist sind diese Schaltungen unter englischen Namen be- kannt, well es die Amerikaner sind, die ihnen zur Geltung verholfen haben, aber m fast allen Fällen sind die hsttjchen Patente älter, nur wurde» sie während de» Krieg«« als Geheimpatent««rtevt und blieben so unbekannt. Bon den neueren Anwendungen der drahtlosen Telegraphie ist «in« der interessantesten zweifellos di« der drahtlosen Bildüber- tragung. Die bisherigen Erfolge sind sehr vielversprechend, obgleich die allgemeine Anwendung, ähnlich der des Rundfunks, noch nicht sichtbar ist. Aber die Uebertragung von Wetterkarten und einzelnen Bildern, d. h. die Anwendung ähnlich der Telegraphie, wird jetzt schon prakttsch ausgeführt, und vielleicht wird die diesjährige große Funkausstellung ein brauchbares BUdempfangsgerät bringen. Auf alle Fälle muß man bei der schnellen Entwicklung, di« alle Zweige dieser Technik zeigen, stets auf Ueberraschungen gesaßt sein. Wir grüßen weiter... 8a da» Antigrnßartikel oo» Dr. 38. Borgiu- i» Rr. Z4S sind uns manch« Snlgegnattgta tugegangen. Wir gtden d«r tolgendf» Zianm: Es erscheint kaum glaublich, daß man. wie es Dr. Borgius in seinem Aufsatz gelungen ist, auf Grund sozialistischen, proletarischen Denkens zu einer völligen Verdammung des Grüßens kommen könne. Darum, daß es Ueberreste hündelnder Grußformen gibt, nun schlankweg jeglicher Grußbindung zwischen Menschen ihre Be- rechtigung absprechen zu wollen, hieße doch wohl das Kind mit dem Bade ausschütten.»Verständlich ist zwar der Wunsch des Genossen mtt dem schlechte« Personengedächtnis, sich und ander« Leidens- gefährten zu«M lasten. Wenn er ober einen Bund der Nichtgrüßer. mit Hutabzeichcn, gründen wollte, so drängt sich einem die Befürch- tung auf, daß die Träger dieses Abzeichens b«im gegenseitigen freu- digen Erkennen auf der Straß« in die Versuchung kommen könnten, sich als Bundesbrüder mit einem verständnisinnigen Gruße zu b«- glücken. Diejenigen Mitmenschen dagegen, die eigentlich an seinem Un- willen über den Mißbrauch des Erüßens schuld sind, wird er mit seinem Bunde keinesfalls erfassen, sondern die werden es sich hübsch ausgebeten haben, daß man und daß er sie gebührend beachtet. Nein, durch eine Willenshandlung abschaffen läßt sich das Grüßen nicht, und wenn— was wäre damit gewonnen? Ist's nicht ganz schön, daß es das harmlose Band des Grüßens gibt, des Grüßens, das zwar gelegentlich zu einer Zwangsjacke ausarten kann, mtt dem man aber doch in d«n w«itaus meisten Fällen'wunderschön haus- halten kann, das einen freundliche Mienen geben und empfangen läßt, wo man sonst nur stosselig aneinander vorbeiliefe? Wann sonst könnte man, wann sonst dürfte man einen seelischen Austausch durch die Augcn von Mensch zu Menschen stattfinden lassen als beim Grüßen? Man kann aber auch, ja, beileibe, man kann auch Strafen austeilen durch Richtgrüßen: wann sonst könrrte man das in ja harmloser- und unerregender Art? Ein ganzes Farbenspiel von Ab- schattungen menschlicher Regungen gäben wir auf mit dem Grüßen. Der Großstädter zwar würde ein erzwungenes allgemeines Nicht- grüßen noch am ehesten ertragen, aber wie ist es in ländlichen Ber- Hältnissen, wo das Zusammenleben noch ganz auf Freundnachbar- lichkcit gestellt ist? Wie ist's, wenn ein Wanderer nicht nur Berge und Ruinen sehen, sondern auch seine Volks- und Ardeitsgenosfen kennenlernen will— ohne den„Hut in der Hand"? Schon jetzt versteht diese Kunst der eingesleischte Großstädter selten, und dieser Entfremdung von Volts- und Klassengenossen untereinander sollte ohne Not noch Vorschub geleistet werden? Dies alles schließt allerdings nicht aus, daß sich an der Art unseres Grüßens gern noch mancherlei ändern dürste. Und es gibt ja sogar, was Dr. Borgius übersehen zu haben scheint, schon jetzt Weisen des Grußes, die auch er vermutlich nicht in den Bann zu tun beabsichtigt. Nicht ein unterwürfiges oder herablassendes Kops- neigen, sondern ein frischer Blick mtt erhobenem Haupt begleitet dcn „Heil!"°Gruß der Jugendbewegten, das„Freundschaftl" der Kinder und Kindersreunde, das englische kameradschaftliche„hello!", dos straffe schwedische„bej I" der Vertreter kernhasten und frohen Leb«ns. So unmöglich und abwegig aber eine allgemeine Abschassung des Krüßens wäre, so schwer ist auch die Vorwärtsentwicklung unseres Grüßens in der eben angedeuteten Richtung. Innerhalb o«r bürger- lichen Welt von heute ist daran gar nicht zu denken, fast ebenso- wenig aber leider innerhalb der Kreise von Genossen, die sich, sagen wib einmal, noch auf der Bierbank wohlfühlen. Denn es würde dazu, wie zu so mancherlei Schönem, eben ein neuer, ein frischerer Geist gehören. Ein Iungsozialist. Schuh den Staren. Die Arbeitsgemeinschaft des Allgemeinen Deutschen Iagdschutzvereins und der Deutschen Jagdkammer hat sich kürzlich in einer Eingabe an den preußischen Minister für Land- Wirtschaft, Domänen und Forsten gegen den Erlaß einer örtlichen Behörde gewendet, die zur Vernichtung der Stare aufforderte. Ge- wiß macht der Star gelegentlich einmal Schaden an Obstbäumen. Doch steht der Schaden weit hinter dem Nutzen dieses wertvollen Insekten-, besonders Raupenvertilgers zurück. Regenwürmer, klein« Schnecken, Käfer und Käferlarven, Puppen, Maden, Bremsen,«�tech- fliegen, Zecken, Heuschrecken, Feld, und Maulwurfsgrillen sind seine Hauptnahrung, ferner sämtliche Schädlinge der Forstkultur. Doch am wichtigsten ist, neben dem Kuckuck ist er der einzig« Bogel, der sich von behaarten Raupen nährt und damit dos Hauptabwehrmittel gegen die unseren Wäldern so sehr gefährliche Ronnenraupenplage. Unter den Raupenvertilgern nimmt er die esst« Stelle ein. Mtt Recht wird er daher durch das Vogelschutzg-setz vom 30. Mai 1918 geschützt. Man gönne also.dem Star mal«nige Kirschen!. Aum internationalen Gewerkschastskongreß. Wie der englische Generalrat seine Aufgaben wertet. London. 29. Juli.(Eigenbericht.) Der Generalsekretär der britischen Gewerkschaften, C i t r i n e, äußerte sich, wie der Korrespondent des Sozialdemokratischen Presse- dienstes in London meldet, auf die Frage über seine Stellung z u den Problemen des Pariser Gcwerkschaftskon- g r e s s e s im Namen des britischen Generalrats folgendermaßen: Der Pariser Kongreß wird einer der wichtig st en unter den seit vielen Jahren abgehaltenen internationalen Gewerkschaft� tagungen sein. In der Frage der Einbeziehung der internationalen Berufssekretariate in den JGB. lehnen die britischen Ge werkschaften alle Versuche ab, die auf irgendeine Form der Doppel- Vertretung hinauslaufen. Die in den internationalen Berufs sekretariaten steckenden Möglichkeiten für die Gewerkschaftsbewegung müssen erst» noch weiter entwickelt werden. Die Briten wünschen vor allem eine Entwicklung in der Richtung, daß die ein zelnen Landesvertretungen die gesamte gewerkschaflliche Bewegung der betreffenden Länder repräsentieren sollen. Auf die Frage, wie er zur Einbeziehung Rußlands in den JGB. stehe, betonte Citrine, es sei unmöglich, Rußland zu übergehen. Die hier in Betracht kommenden Anstrengungen der Engländer seien bekannt. Man dürfe jedoch nicht vergessen, daß es noch verschiedene andere große Gewerkschaftsbünde gäbe, die eben falls nicht dem Internationalen Gewerkschaftsbund angehören, so zum Beispiel die amerikanische Arbeiterföderation, die Gewerkschaften Indiens und Australiens. Es sei bedauer- lich, daß es dem JGB. bisher nicht gelungen fei, diese Gruppen sich anzugliedern._ Gelb bleibt gelb! Ein Reinfall des Reichslandarbciterbundes. Seit Jahren bemüht sich der Reichslandarbeiterbund(RLAB.) darum, als wirtschaftliche Organisation von Arbeitnehmern im Sinne der arbeitsrechtlichen und wirtschaftspolitischen Gesetzgebung anerkannt zu werden. In zahlreichen Eingaben an den Reichs- tag, den Preußischen Landtag, den Reichsrat und den Reichswirt- schastsrat versuchte er seine Unabhängigkeit nachzuweisen und zu erreichen, mit den übrigen S p i tz e'n o r g a n i s a t i o n e n der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft gleichgestellt zu werden. Die Eingabe an den Reichswirtschaftsrat(RWR.) wurde noch unterstützt durch Eingaben des Reichsverbandes der deut- jchen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereini- g u n g e n vom 16. Juni, 6. Juli und 7. September 1926. Der erweiterte Vorstand des RWR. beschloß am 8. November 1926, diese Eingaben dem Verfassungsousschuß zu über- weisen, der wiederum einen besonderen Unterausschuß mit der Erledigung beauftragte. Die Gewerkschaften, insbesondere der Deutsche Land- arbeiterverband, hatten dem Unterausschuß genügend Material bei- gebracht, aus dem hervorging, deß dem RLAB. und seinen Unter- Organisationen die Eigenschaften als selbständige Vereinigung fehlen. Ebenfalls hatte der bekannte Arbeitsrechtslehrer an der Berliner Universität, Professor K a s k e l, ein Gutachten erstattet darüber, welche Bedingungen eine Organisation erfüllen müsse, um als selb- ständig zu gelten. Der zur Gcgcnäußerung aufgeforderte RLAB. konnte das vorgetragene Material der Gewerkschaften nicht entkräften. Der Unterausschuß kam, wie die„Gewerkschaftszeitung" in Nr. 31 mitteilt, einmütig zu der Auffassung, daß ein ge- nügender Beweis für die tatsächlich nicht vorhandene Selbständigkeit der Unterorganisationen des RLAB. aus den wiedergcgebenen Satzungsauszügen und den mitgeteilten anderen Angaben hervor- gehe. Infolgedessen kann auch die Spitzenorganisation, der Reichslandarbeiterbund, nicht als selbständige Arbeitnehmerorganisation bezeichnet werden. Da diese Selbständigkeit aber die Voraussetzung ist, um als wirtschastliche Vereinigung von Arbeitnehmern im Sinne der arbeitsrechtlichen und wirtschaftspolitischen Gesetzgebung anerkannt zu werden, muß der Unterausschuß die Eingabe des Reichslandarbciterbvndes ver- neinend beantworten und erklärt, daß dieser keine Vereini- gung von Arbeitnehmern im Sinne der arbeitsrcchtlichen und wirtschaftspolitischen Gesetzgebung ist. Diesem einmütigen Gut- achten des Unterausschusses ist ebenfalls einmütig der erweiterte Vorstand des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats beigetreten. Wir konnten damit die Angelegenheit als erledigt betrachten, wenn nicht der R L A B. in wilder Wut über den von ihm selbst provozierten Beschluß des RWR. die Mitglieder des Ausschusses nunmehr mit wüsten Beschimpfungen bedenkt. In seinem Organ„Der Reichslandarbeiterbund" verweist er darauf, daß der Ausschuß sich von sechs Gewerkschaftssekretären und zwei Juden zu seiner einmütigen Stellungnahme veranlassen ließ. Dem Aus- s ch u ß gehörten aber auch drei führende Mitglieder des Landbundes an. Was müssen das für Männer sein, wenn der Reichslandarbeiterbund recht hätte? Die Arbeitervertreter trifft das Geschimpfe des Reichslandarbeiterbundes nicht; wie sich die Unter- nehmer damit abfinden, ist ihre Sache. Lehrlingszüchtere» im Schuhmachergewerbe. Auf 35 000 Gesellen 60 000 Lehrlinge. Wie toll die Lehrlingszüchterei im Schuhmachergewerbe ist, geht aus den frappanten Zahlen hervor, die kürzlich Dr. Schild, der Syndikus der deutschen Schuhmacherinnungen, auf einer Tagung des Schuhmacher-Jnnungsverbandes für den Bezirk Kurhessen gegeben hat. Danach zählt man in Deutschland im Schuhmacher- gewerbe 166 666 Betriebe, wovon 36 666 von den Meisterorgani- sationen noch abseits stehen, wenn man auch die freien Innungen zu den Nichtorganisierten rechnet. Diese 166 666 Betriebe beschäftigen nur 36 666 Gesellen, dagegen aber fast 6 6 6 6 6 L e h r l i n g e. * Die Verhandlungen im Reichswirtschaftsrat über die Festsetzung van Lehrlingshöch st zahlen für das chandelsge- werbe sind, nachdem auch die Beratungen im Juli ergebnislos verlaufen sind, zunächst bis September oertagt worden. Sie sollen gleichzeitig mit der Inangriffnahme der Beratung des B c- rufsausbildungsgefetzes fortgeführt werden, weil die ganze Frage nur in größerem Zusammenhang zweckmäßig angepackt werden könne und grundsätzlich allgemein geklärt werden müsse. Die neuen Kündigungen der Saarbergleute. Prokest der Gewerkschaften. Saarbrücken. 29. Juli.(Mtb.) Wie bereits berichtet, ist die französische Saargrubenverwaltung dazu übergegangen, in großem Umfange Ärbeiterent- l a s f u n g e n vorzunehmen, die angesichts der völligen Verarmung der Bevölkerung eine wachsende Beunruhigung hervorgerufen haben. Es ist, wie von der französischen Grubenverwaltung ange- kündigt, jedenfalls mit der Entlassung von etwa 1666 Arbeitern zu rechnen. Aus diesem Grunde begaben sich die Bergarbeiter- organifationenzudem englischen Präsidenten der Regierungs- kommisfion, Sir W i l t o n, und wiesen daraus hin, daß man in der langen Zeit der Geschichte des Saargebietes niemals zu einer ähn- lichen Maßnahme gegriffen habe. Die Entlassung bedeute für die Saarbergleute die Untergrabung ihrer Existenz, da es sich bei den Saarbergleuten im Gegensatz zu den Bergleuten in Lothringen und dem Ruhrgebiet um eine seßhafte Belegschaft handele und es in dem wirtschaftlich engbegrenzten Saargebiet ihnen u n- möglich sei, in einem anderen Betrieb Arbeit zu finden. Die Organisationen stellten sich auf den Standpunkt, daß diese Maß- nahmen der Grubenoerwaltung nicht notwendig seien und daß die französische Saargrubenverwaltung, die in den vergangenen Jahren hohe Ueberschüsse zu verzeichnen habe, in der Lage sei, auf Grund der Rücklagen aus den guten Iahren zu be- stehen, ohne die Existenz der Bergleute aufs Spiel zu setzen Nicht die Interessen der französischen Wirtschaftspolitik dürften maßgebend sein, sondern auch die der Saarbeoölkerung müßten berücksichtigt werden. Sir Wilton sagte zu, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Not zu lindern._ Noch keine Cntjcheiöung in öer Schwerindustrie. Düsseldorf. 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen über den Schiedsspruch, der für die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie gefällt wurde. wurden erst am Freitagabend in Düsse! darf weiterge- führt. Man rechnet mit einer langen Dauer der Verhandlungen. Wahrscheinlich ist die Einleitung eines neuen Schlichtungsverfahrens notwendig._ Streik bei vaimler-öenz. Mannheim.� 29. Juli.(WTB.) Wie die„Arbeiterzeitung" meldet, haben die Arbeiter einzelner Abteilungen der Firma Daimler-Benz schon seit längerer Zeit die Forderungen auf Lohnerhöhung gestellt. Die Arbeiter der Lackiererei haben nun gestern mit 166 gegen 1 Stimme und zwei Stimmenthaltungen den Streik beschlossen. Heute früh sind sie geschlossen dem Werk ferngeblieben. Wie das Blatt weiter meldet, sollen Verhandlungen zwischen der Direktion und den streikenden Arbeitern eingeleitet werden. Die geforderten Lohn- erhöhungen betragen 2 6 P r o z. Der Mansfelüer Schieüsspruch verbinülich. Der für den Mansfelder K u p f e r s ch i e fe r b e r g b a u vor kurzem gefällte Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent und Verkürzung der Arbeitszeit an den Sonn- abenden vorsieht, wurde für verbindlich erklärt. Schluß öer englischen Sergarbeiterkonferenz. London. 29. Juli.(WTB.) In der gestrigen Schlußsitzung der Konferenz des Bergarbeiter. Verbandes in Southport wurde eine Entschließung der ex- tremen Linken zur Bildung einer Nationalen Bergarheiterunion zurückgezogen. Ein anderer Antrag, der die sofortige Ein.- sctzung eines englisch-russijchen Bergarbeiterausschusses verlangte, wurde von der Tagesordnung abgesetzt. flrbeiterbilöung in Amsterdam. In keiner anderen holländischen Stadt wird aus dem Gebiete der Arbeiterbildung so viel geleistet wie in Amsterdam. Wie Wien in Oesterreich, so scheint auch Amsterdam in Holland das Haupt- aktionszentrum zu sein. Es gibt in Amsterdam ein Arbeiter- bildungskomitee, im Rahmen dessen fünf verschiedene Arbeiterkörper- schoflen wirksam sind: die Arbeiterbildungszentrale (Niederländischer Gewcrkschaftsbund, Sozialistische Partei und Ar- beiterbildungsinstitut), das Amsterdamer Gewerkschaftskartell, die römisch-katholische nationale Liga, die christliche Arbeitertrustliga von Amsterdam und dos syndikalistische Arbeitersekretariat. Jede dieser Organisationen erhält Subventionen von der Gemeinde, und zwar unter der Bedingung, daß jede der Organisationen eine Summe beisteuert, die ein Drittel der Subvention beträgt. Die Gesamt- ausg.aben der genannten Körperschaften(Subventionen inbe- griffen) belief sich im Jahre 1926 aus 12 741, 3263, 1871, 676 und 268 Gulden. Das Geld wurde für die Veranstaltung von Vorträgen und Klassen, Besuche von Museen, Filme usw. oerausgabt. Frei«»er>schast»l»gend Kroß. Berlin. Heute!!)>£ Uhr tagt die Gruppe Baumschulenwcg: Gruppenheim Jugendheim Ernstste. 16. Heimabend.— Voranzeige: Sonntag, 14. August, Dampserfahrt nach Müggelheim. Teil. nchmerkarten sind in der Zentrale und den Iugcndgruppen erhältlich. Xomiis«I,s Oper SV. Uhn SV. Uhr Berlins einzigste Revue: ! Streng verttotenüll Die Revue der verboieoefi Leidensdiatten! I Ueber 200 Müwlrk. ✓ S Balletts. I | Vorverltaitf a. d. Theaterkasse ab 10 Uhr ununterbr.| WINTERGARTEN Die letzten Tage des erfolgreichen Juli-Spielplans. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet| Reichshaiien-Theater Bis Sonntage 31* 7.: Die beliebten Dresdner Viktoria-Sänger Ab 1. August: Stettiner Sänger Anlang 8 Uhr. Dönhoff- Brett'l: (Saal und Garten) ' Variete, Konzert, Tanz Soanabend, den 30. Jnli nachmittags 3 Uhr Täglich 8 Uhr £)ie Bajadere von Emme r ich Kaiman Beginn der Winterspielzeit 1. August. Vörrerk&uf tägl. an der Theaterkasse von 10— ö(Nollendorl 7360). A- Wertheim, EL d. Wn Tietz, Invalidendank, ferner bei allen bekannten Hotels u. Billettbüros. Volksbühne l liest« am Bülovplsli Täglich 8 Uhr: Zu ebener Erde und erster Stock OeDtsdiesTbeatkr Norden 10334—37 U. EndelO�aU. Der Kexer Die Komödie Bismarck 24)4/7516 S1/« Uhr, Ende 10'/. Uli Grün Sommerpr. 3— 10 M. Lustspielhaus 8V. Uhr. CaI6 Electrlk Sillenburg-Silhtien Ots. Künstler-Th. Heute V/t Uhr Premiere „Da wirst mich heiraten" Lesslng-Theater 8'/. Uhr Israel Hose-Theater Gartenbühne 5V, Uhr: Kodiert und Bunter Teil 8 Uhr: Die insttteWUwe Barrowsky-BQhnen Scnraerdirektion Benno Bis; Ih.Könlggrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: Dis Sdiale v.Dzsadi ttomomeniuKDS Norden 6304 Letzte AuftShiungen I 8 Uhr Weiße Fracht jüli ��1100 QalUnngs-.Rabsit- u.Reklamemsrken �egenNachahmung gesetzt, cesch. fertigt seit4S Jahr, als Spezialltat Conrad HfUler Leipzig- Schkeuditz Am 28. Juli perschied nach langer Krankheit unser Buchdinbermeister Emil Heft Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beleösdmü der Berliner Velvella&rfH Ääpenicker Str. 18/20. Achtung! Achtung! 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