Abendausgabe Nr. 357 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 176 B«MgsbedInaungr« Bub VnitloniBMlft smd in b»t SDJotfltnausflob««nfl�rebfn Rcbaftion: SO. SU, Cin&enflraft« 3 Aernsprecher: Dönhoff 292— 29t XoL-Sttccffe: SojlalO(ma(tal vor»» Vevlinev Volltsvlertt pksnnig) Sonnabenü Io.IAli 1927 Serlaz und Anzkigenabtiilungz S-fchiiftszeit»>� bis S Uhr DeBleger-vorn-Srts-verlagGmbH. Derlin SO. SS, Cittbenffcafie 3 Zernsprecher: Dönhoff 292-297 Zcntralorgan der Sozialdcmohratirchcn parte! Deutfcblands Ein Schloß für hmöenburg! Mit den Groschen der alten Soldaten gekauft! Der Neichspräsident wird wahrscheinlich aufs pein» lichste berührt fein von einem Aufruf, den im.Westdeutschen Tageblatt'(Deutsch-Eylauer Zeitung'), 52. Jahrgang, Nr. 163 vom 15. Juli 1S27 der Major a. D. v. Oldenburg.Januschau als Ehrenvorsitzender des Kreiskriegerverbandes Rosenberg-West- preußen gemeinschaftlich mit dem Stahlhelm erläßt. Dieser Aufruf, der die ganze erst« Seite des Blattes füllt, wendet sich an die„Soldaten der alten Armee'. Er sordert auf: „datz jeder Verein bzw. Gruppe so viele halb« Mark zahlen sollen, als sie Mitglieder haben'. Ueber die Beiträge soll im„Kyffhäuscr', ..Stahlhelm' und in den Offiziersblättern quittiert werden. Die Einzahlungen sollen bis zum 1. September erfolgen. Der Ertrag soll dazu benutzt werden, dem Reichspräsidenten von hindenburg ein Landgut zu schenken. Es handelt sich um ba» Gut Neudeck bei Deutsch. Eylau, das Stammhaus derer von Beneckendorff und Hindenburg, dessen Besitzerin zur Zeit Frau v. Hinden- bürg, Schwägerin und Kusine des Reichspräsidenten zugleich ist. Dieses Landgut soll dem Herrn Reichspräsidenten.als Morgengabe auf den Geburtstagstisch' gelegt werden. Als Vater dieses Gedankens läßt sich der Kammerherr v. Oldenburg auf Januschau in dem Aufruf feiern. Ganz abgesehen davon, daß die derzeitige Besitzerin des Gutes als Schwägerin und Kusine des Reichspräsidenten ihm auch so einen Erholungsaufenthalt auf diesem Stammsitz erlauben würde und es kaum nötig fein dürfte, dieser nahen Verwandten Hindenburgs die halben Markstück« der Kriegsvcteranen dafür zu opsern, wird es in den Kreisen all derer, die heut« schwer unter dem Wohnungsclend zu leiden haben, die es heute als«in Geschenk des Himmels be» trachten würden, ein« würdige Wohnung bekomiuen zu können, vor allem bei den wohnungslosen Familien der Kriegsbejchä- d igten Gefühle erwecken, daß dem ehemaligen Generalfeldmar- schall und heutigen Reichspräsiden5«n, aus den Groschen der„Sol. baten der alten Armee' ein weitere- Landggt gekauft werden soll, das sich zudem schon im Besitz der Familie v..Hindenburg befindet. Im Jahre 1917 schrieb der damalige. Generalseldmarschall, heutige Reichspräsident von Hindenburg an Adolf Damaschke einen Osfenen Brief, worin der Satz steht: „Das Vaterland soll jedem, der von ehrlicher Arbelt leben will, dazu verhelfen, ein vor Wuchcrh�nden geschütztes Heim zu gewinnen, worin deutsches Familienleben und Aufwuchs an Leib und Seele gesunder Kinder möglich ist.' Damit wollte Hindenburg vor dem ganzen Volk bekräfflgen. daß er sich zu den Anschauungen der deutschen Bodenreform be- kannt habe.-Damaschke erzählt in seinem Organ„Bodenreform' vom 3. Mai 1925 wie Hindenburg bei Aushändigung dq/s oer> abredeten Schreibens beim nochmaligen Durchlesen bei der Stelle „das Vaterland soll jedem, her von ehrlicher Arbeit leben will, dazu verhelfen, ein Heim au gewinnen...* gestutzt und ausgerufen habe:„Nein, da ist ja die Hauptsache veraessen!' und danach quer in den Brief die Worte hineinsetzte„vor Wucherhänden geschützt Dazu sagte v. Hindenburg:„Ich weiß, man wird mich gerade für diese Worte angreifen! aber sie sollen hinein, damit jeder erkenne, daß ich in dieser Frage auf Ihrem Standpunkt stehe.' Hindenburg war also schon damals über da« Wohnung«. elend unterrichtet. Er weiß heut« auch ganz gewiß, daß dieses Wohnungselend von Jahr zu Jahr schlimmer geworden und einen Grad erreicht hat, der die ärgsten Befürchtungen für die Zukunft unserer Nation.rechtfertigt. Es ist auch anzunehmen, daß Hinden- bürg aus dem Reichstagsstenogramm die Ausführungen des Abge- ordneten Kröger in der Sitzung des Reichstages vom 12. März dieses Jahres kennt, wonach wir gegenwärtig <1 S88 lungenkranke Dersorgungsberechtigte. darnaker 39 850 aus dem Kriege her, haben, und wonach, wenn es bei dem bisherigen Wohnungszuschuß für Kriegsbeschädigte verbliebe, ganze 625 Kriegsbeschädigte von dem bereitgestellten Kapital versorgt werden könnten, und 116 Jahre ver- gehen müßten, bis alle Kriegsbeschädigten in gesunden Wohnungen untergebracht wären. Es gibt also denrnach viele Tausende Kriegsteilnehmer, die sich unter der Führung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg ihre schweren Verletzungen geholt haben, und die noch heute kein Heim besitzen, worin das Hindenburgsche Ideal erfüllt, und da? Aufwuchs an Leib und Seele gesunder Kinder möglich wäre—, die im Gegenteil in Wohnungen hausen, die nach Urteil sachkundiger Aerzte Brutstätten von Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten und sittlicher Verwahrlosung der Kinder wie der Erwachsenen find. Hindenburg weiß bestimmt von diesem himmelschreienden Woh- nungselend, das unser Volt nun schon länger als ein Jahrzehnt quält. Um so peinlicher wird ihn das Vorhaben berühren, ihm aus den Beitragsgroschen der alten Soldattn ein Schloß zu kaufen, das seiner Verwandtschast schön gehört, und das er nach mensch- lichem Ermessen kaum noch persönlich bewohnen dürfte. Cooliüge gegen Englonö. Er bezeichnet die englischen Borschläge als'Nufriistung Washington, 36. Juli. Präsident Eoolidge erklärte die letzten englischen.Vorschläge auf der Seeabrüstungskonserenz für unannehmbar. Die drei be- teiligten Staaten müßten nach ihnen eine größere Flotte an- schaffen als jetzt, während die Konferenz doch gerade dazu anberaumt worden sei, um eine Herabsetzung der Flottenstreit- kräste herbeizuführen. Er glaube nicht, daß irgendeines der drei Länder einer so bedeutenden Flotte bedürfe, wie sie von England vorgeschlagen werde. Die Vorschläge über die Zahl der Kreuzer sind für Eoolidge der Hauptcinwand, während er die Vorschläge über die Ton- nage der Kreuzer oder der Kaliber der Geschütze als neben- sächlich betrachtet. Präsident Eoolidge sei der Ansicht, daß im Falle eines Abbruches es beim alten bliebe. Ein Rüstungswettlauf brauche nicht einzusetzen. CnglanSs Ilottenvorschlag. Genf, 36. Juli.(Eigenbericht.) Die neuen britischen Dorschläge lauten in der Hauptsache wie folgt: Die Gesamttonnage an Kreuzern, Zerstörern und Unter- seebooten soll bis zum Jahre 1936 vertraglich festgelegt werden auf je 596666 Tonnen für Großbritannien und die Vereinigten Staaten und auf 385 666 Tonnen für Japan. Dazu kann jede der drei Mächte noch 25 Proz. dieser Gesamttonnage an überalterten Schiffen beibehalten. Das Alter wird festgesetzt für die 16 666-Tonnen-Kieuzer aus 18 Jahre, für die anderen Kreuzer und die Zerstörer auf 16 und für die Unterfeeboote auf 13 Jahre. Sodann wird vorgesehen, daß Großbritannien 7 Kreuzer von 6666 bis 16 666 Tonnen Gehalt mit achtzölligen Kanonen beibehalten kann, ebenso die Dereinigten Staaten 16 Kreuzer mit sechszölligen Kanonen und Japan 4 Kreuzer mit achtzölligen Kanonen. Um den Vereinigten Staaten in diesem Punkte ent> gegenzukommen, ist England bereit, die Vereinigten Staaten noch so viele Kreuzer von 6666 bis 16 666 Tonnen bauen zu lassen, bis die Parität mit der vorhandenen englischen Fotte hergestellt ist. Im übrigen werden die Kreuzer in zwei Klassen eingeteilt, solche oon 16 666 Tonnen und solche bis höchstens 6666 Tonnen Gehalt. Die Zahl der 16 666-Tonnen-Kreuzer wird beschränkt für Groß- britannien und die Vereinigten Staaten auf 12 und für Japan auf 8. Die Zerstörer und Torpedoboote sollen aus 1856 bzw. 1566 Tonnen Gehalt beschränkt und mit höchstens sünszölligen Kanonen bespickt werden dürsen. Die Zerstörer sollen höchstens 16 Proz. der Gesamtt annage der Zerstörer und Torpedoboote ausmachen. Die Unterseeboote werden ebenfalls in zwei Klassen eingeteilt, solche oon 1666 bis 1866 Tonnen und solche bis höchstens 6666 Pannen Gehalt. Die Gefamttonnage an Unterseebooten beider Klaffen wird beschränkt auf 96 666 Tonnen für Großbritannien und die Vereinigten Staaten und 66 666 Tonnen für Japan, wovon höch- stens zwei Drittel in Unterseebooten der größeren Klasse angerechner werden sollen. Danach stimmt Großbritannien im Prinzip den Forderungen der Vereinigten Staaten nach Fest- setzung der Gesamttonnage für sämtliche Nebenstreitkräste zu. Auch ist es bereit, den Vereinigten Staaten für die Herstellung der Pari- tät mit den vorhandenen englischen Kreuzem von 6666 bis 16 666 Tonnen zuzustimmen, ohne sich jedoch hierin weder auf die Zahl noch Größe der Einheiten, noch der Kalibergröße der Kanonen zu binden. Ueber die Zerstörer und Torpedoboote sowie die Größe der Unterseeboote enthält der Vorschlag nichts Neues, dagegen fällt auf, daß die Gesamttonnage für Unterseeboote eine Gleich. stellung Japans n i ch t vorschlägt. �ie Vorbereitung der Aufrüstung. Washington, 36. Juli. In Washington hält man die Marinekonserenz für praktisch be- endet. Man sieht mit gewisser Besorgnis dem nächsten Kon- greß entgegen. Falls dieser unter Berufung auf den Genfer Fehlschlag ein W e t t r ü st e n gegen England beschließen sollte, so würde die Regierung sich dem widersetzen, aber es erscheint Zweifel- hast, ob Präsident Eoolidge mit Rücksicht auf die kommenden Wahlen ein Veto wagen könnt«, das von seinen Gegnern sofort gegen ihn ausgenützt werden würde. Die Regierung hofft, den Kongreß zu einem mäßigen Bauprogramm bewegen zu können. Dieses Programm umfaßt nach den vorläufigen Schätzungen amerikanischer Bedürfnisse und ohne Berücksichtigung der englischen Baupläne 18 bis 26 16 666-Tonnen.Kreuzer.(!) Hiervon sind 8 bereits bewilligt. Der Rest wäre innerhalb der nächsten zehn Jahre zu bauen. Diese 18 bis 26 großen Kreuzer bedeuten nach der Ansicht des Marine- amts kein Wettrüsten gegen Englands!), da Großbritanniens Pro- gramm den Bau von zwei 8666-Tonnen-Kreuzern für jeden 16 666-Tonnen-Kreuzer vorsieht. Da außerdem die englische Dele- gation in Genf 76 bis 75 Kreuzer als für England erforderlich be- zeichnet«, so würde dies bedeuten, daß es 26 bis 25 16 666.Tonnen- Kreuzer zu bauen plant, also erheblich mehr, als die Vereinigten Staaten je bauen werden. Was Polen dringend' braucht. > Paris, 36 Juli. Der außer Dienst gestellte Kreuzer„Cntrccasteaux' wurde der polnischen Regierung geschenkt. Als„Wladislaw IV' ist er unter polnischer Flagge nach Edingen abgefahren. Er wird als Schulschiff verwendet. Weltgeltung öer Sewerksthasten. Zu«» Internationalen Gewerkschaftskongress. Von Dr. Solomon Schwarz. „Der Internationale Gewierkschaftekongreh, der in den nächsten Tagen in Paris eröffnet wird, gibt den Freunden mid den Feinden der Gewerkschaftsinternationole Anlaß, ein Fazit der bisherigen Entwicklung zu ziehen. Der Bericht des IGV- weift zum 1. Januar 1926 eine Zahl von 13�» Millionen Gewerkschaftsmitgliedern auf, die in den dem IGB. angeschlossenen Gewerkschaften vereinigt sind, gegenüber 16)4 Millionen, die im Jahre 1921 in dem dem Wiener Kongreß vorgelegten Bericht verzeichnet waren. Dieser Rückgang von 3 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern ist fast ausschließlich auf einen Mitglicderschwund von 2,6 Mil- lionen in den deutschen freien Gewerkschaften(ADGB. und AfA) zurückzuführen. Aber auch in einer Reihe anderer Länder ist ein Rückgang der Zahl der gerverkschaftlich organi- sierten Arbeitnehmer zu verzeichnen. So hat sich nach denk Bericht die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in Oesterreich rund um 266 666 verringert, in Frankreich rund um 1S6 666, in Polen nahezu um 156 666, in Belgien und Kanada je nahezu um 56 666, in Ungarn und Jugoslawien rund fe um 16 666. Dies sind lauter Angaben, die aus dem Vergleich der Mitgliederzahlen für den 1. Januar 1921 und den 1. Januar 1926 berechnet find und die die l e tz t-e Etappe der rückläufigen Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung, wie sie im Jahre 1921 eingesetzt hat, zum Ausdruck bringen. Diese rückläufige Bewegung ist aber bereits fast überall abgeschlossen und die Kurve der Zahl der Gelverkschaftsmit- glieder ist in vielen Ländern wieder im Steigen begriffen. So ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Frank- reich, anscheinend auch in Belgien und der Tschechoslowakei das schwerste überwunden, und die Gewerkschaften gehen zu einer neuen Sammlung über. Für eine Reihe von Ländern weist bereits zum 1. Januar 1926 der Bericht des JGB. einen zahlenmäßigen Fortschttitt auf, fo für Schweden(ein Blus von über 76 666), Dänemark, Spanien, Richcricrnde, Lettland u. a. Von den Ländern mit einer bedeutenden Gewerk- fchaftobewegung scheint nur Oesterreich die Niedergangs- Periode noch nicht überwunden zu haben: aber auch hier sind die Verluste der Gewerkschaften, bedingt durch eine drückende chronische Arbcstslosigkeit, im letzten Jahre nicht mehr be- deutend gewesen(im Laufe des Jahres 1926 ein Minus von 6'A Proz.), was wohl darauf schließen läßt, daß selbst hier die Gewerkschaften auf die heutige Mitgliedschaft als auf einen sicheren Bestand rechnen können. Ist es aber so, so wird wohl auch hier der neue Fortschritt nicht lange auf sich warten lassen. Und nur Italien mit seiner vom Faschismus erdrosselten freien Gewerkschaftsbewegung scheidet aus dieser Betrachtung aus.> Der Rückgang der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder be- deutet aber bei weitem noch nicht eine entsprechend? Schwächung der Gewerkschaftsbewegung. Zahlenmäßig ist zwar die Gewerkschaftsbewegung in den Jahren 1921 bis 1925 bedeutend zurückgegangen. Zu gleicher Zeit wurde aber fast überall die innere Geschlossenheit der Gewerk- schaftsbewegung gefestigt, so daß durch eine qualitative Stärkung der Gewerkschpften ihre quantitative Schwächung zu einem Teil weit gemacht wurde. In den Ge- werkschaften fand nämlich in diesen Jahren eine natürliche Auslese der Mitgliedschaft statt: die Treue, Opfer- und Kampfesbereitschaft der Gewerkschaftsmitglieder wurde auf eine harte Probe gestellt; die Tausende und Millionen, die diese Probe bestanden haben, bilden heute den wertvollsten Besitz der Gewerkschaftsbewegung. Der Rückgang der Zahl der vom JGB. erfaßten Gewerk- schaftsmitgliedcr um rund 3 Millionen ist also bei weitem noch nicht als ein Zeichen einer bedeutenden Schwächung der internationalen Gewerkschaftsbewegung zu betrachten. Erst recht nicht, wenn man bei der Betrachtung der Frage die Be- tonung auf die internationale Verbindung der Ge- werkschaften legt. Der JGB. kann natürlich nicht mehr Ge- werkschaftsmitglieder erfassen, als die Gewerkschaften der ein- zelnen Länder Mitglieder zählen; die Mitgliederzahl der Ge- werkschaften ist aber keinesfalls bestimmend für die Stärke der internationalen Bande, durch die die Gewerkschaften in der Internationale verbunden sind: die Gewerkschaften der einzelnen Länder können zahlenmäßig sehr bedeutend sein, ihre Verbindung mit den Gewerkschaften der anderen Länder kann aber sehr.lose bleiben, und umgekehrt.> Von diesem Standpunkt aus ist ein F o r t f ch r i t t in der Entwicklung des JGB. nicht zu bezweifeln. Vor allem ist hier die durch die tatkräftige Vermittlung des IGT. er- reichte Einigung der deutschen und der tschechischen Gewerk- schaften in der Tschechoslowakei zu verzeichnen(bis jetzt ge- hörten nur die tschechischen Gewerkschaften dem JGB. an). Ferner ist der Wiederanschluß der norwegi- schen Gewerkschaften(der einzigen— außer Ruß- land— bedeutenden europäischen Gewerkschaftszentrale, die dem JGB. noch nicht angehört) angebahnt, und die norwegischen Vertreter wohnen als Gäste dem Pariser Kongreß bei. Auch in Finnland und Estland steht man dem! Gedanken des Anschlusses an den JGB. nicht mehr so feind- sich gegenüber wie es noch vor kurzem der Fall war. Litauen hat sich bereits angeschlossen. Sonst sind alle europäischen Länder— mit Ausnahme nur Rußlands, Griechenlands und Portugals— in dem JGB. vertreten. Außerhalb Europas steckt allerdings die Entwicklung des JGB. noch in den Kinder- schuhen, aber auch hier ist ein Fortschritt nicht zu verkennen.- In der Berichtsperiode hat zwar der IGB. eine Landes- zentrale, die South African Industrial Föderation, die „weihe" Gewerkschaftszeiürale von S-lldafrika, verloren: der Verlust ist aber nur nominell, da diese Landeszentrale seit Iahren bloß auf dem Papier dem IGB. angehörte und selbst auf dem Wiener Kongreß nicht vertreten war: dafür aber hat sich dem IGB. die sehr rührige„farbige" Gewerkschafts- zentrale für Südafrika angeschlossen, so daß der obige formelle Verlust sicherlich ausgeglichen ist. Darüber hinaus hat der IGB. außerhalb Europas gute Verbindungen in Amerika angeknüpft: die Argentinische Landeszentrale hat sich ihm an- geschlossen, Vertreter des Mexikanischen Gewerkschaftsbundes wohnen als Gäste dem Kongreß bei: mehrere Nordamerika- nische Gewerkschaften sind bereits den Amsterdamer inter- nationalen Berufssekretariaten beigetreten: die Gewerkschaften von Kanada gehören seit Jahren dem IGB. an. Sehr schwach ist noch die Stellung des IGB. in Asien. Hier gehören ihm nur die Gewerkschäften von Palästina an. Aber auch mit Indien wurden bereits ständige Beziehungen unterhalten(Unterstützung des Streiks von Bombay im Jahre 1925, Delegation der Textilarbeiterinternationale im Jahre 1927, Anschluß einzelner indischer Gewerkschaften an die internationalen Berufssekretariate) und auch indische Gewerkschaftsvertreter sind auf dem Pariser Kongreß als Gäste zugegen. Es bleibt noch mit der jungen ch i n e s i- sch e n Gewerkschaftsbewegung eine ständige Verbindung an- zuknüpfen: dies wird wohl allem Anschein nach nicht lange auf sich warten lassen. Will man nicht nur die Ausbreitung, sondern auch die Stärke der internationalen Beziehungen betrachten, so ist auch in dieser Hinsicht ein Fortschritt inerhalb des IGB. un- verkennbar. Noch vor kurzem, besonders im Jahre 1925, war das Verhältnis zwischen den englischen und den kontinentalen euroväischen Gewerkschaften zeitweise ein etwas gespanntes: die Engländer glaubten, auf dem Gebiete der internationalen Gewerkschaftspolitik andere Wege beschreiten zu können, als es die kontinentalen Gewerkschaften auf Grund ihrer Erfahrungen für richtig hielten. Die Zeit hat den kon- tinentalen Gewerkschaften recht gegeben, und heute sehen es auch die englischen Gewerkschaftsführer ein. In einzelnen Läudern— wir denken hier an Frankreich und die Tschechoslowakei— waren ferner die Amsterdamer Ge- werkschaften vor wenigen Jahren stark von den konkurrieren- den Verbänden Moskauer Richtung bedrängt, so daß die Ver- bindung des IGB. mit der Gewerkschaftsbewegung dieser Länder, als Ganzes genommen, stark gefährdet wurde. Heute ist auch diese Gefahr überwunden, und wie in Frankreich, so auch in der Tschechoslowakei ist die überragende Bedeutung der freien(Amsterdamer) Gewerkschaften selbst für die Gegner unverkennbar. Wenige Jahre sind verstrichen seit der Zeit, wo in Moskau ein Versuch unternommen wurde, die Amsterdamer Internationale zu zerschlagen, ihr eine Moskauer, die söge- nannte„Rote" Gewerkschaftsinternationale gegenüberzu- stellen. Heute glaubt selbst unter den Gegnern des IGB. kein Mensch mehr an die Möglichkeit, die Amsterdamer Inter- nationale zu vernichten, und die RGI. selbst hat sich endgültig als eine Mißgeburt entpuppt: Außer den zwangsläufig kom- munistischen russischen Gewerkschaften, der sichtlich welkenden Absplitterungen in der Tschechoslowakei und in Frankreich und manchen weiteren unbedeutenden Gruppen hat sie als ihrey Bestand fast nichts mehr aufzuweisen. Bis vor kurzem schien die chinesische Gewerkschaftsbewegung die Hoffnung der RGI. zu sein: die neuesten Ereignisse in China haben allerdings den Schleier etwas gelüstet und der Bannfluch der Komintern gegenüber dem chinesischen Kommunismus, der sozialdemokratisch„verseucht" sein soll, läßt erwarten, daß auch die chinesischen, bis vor kurzem kommunistenfreundlichen Gewerkschaften nicht lange in dem Fahrwasser der RGI. segeln werden. Kurz, die RGI. liegt nahezu in Trümmern. Seit 1924 kann sie sich nicht entschließen, einen Kongreß ein- zuberufen.. Ruinen mahnen. [j. Von Erich K u t t n e r. Ich habe das zerstörte O r ch i e s gesehen. Als Soldat, der mit Transport nach der Westfront ging. Nicht das ganze und nicht lange. Wenige Augenblicke haben genügt... In der Eisenbahn waren wir Muschkoten meist vergnügt. Das endlose Herumgesahrenwerden bildete eine angenehme Abweslung gegen die Strapazen der Märsche in Sommerglut, auch wenn es sich in primitiven Güterwagen(48 Mann oder 6 Pferde) vollzog. Soviel von uns Platz hatten, drängten sich in die offenstehende Schiebetür, ließen die Beine nach außen baumeln und be- staunten die Gegend. Da kam das Stationsschild: Orchies. Jeder wußte, was vor Monaten hier geschehen war. Kartenspieler vergaßen ihre Trümpfe, Essende legten das angebissene Brot beiseite, alles drängte zur Oeffnung um etwas zu sehen. Was wir sahen? Ein paar Straßen- züge ausgebrannter Ruinen. Nicht viel, nicht lange. Dann war es schon vorbei. Häuser in der Reihe, die einmal schmuck und sauber gewesen sein mußten, aber jetzt von Rauch geschwärzt, aus leeren Fenstern trostlos ins Weite stierten. Wäre nicht der ver- dächtige grauschwarze Ton der Wände gewesen, der Rest verkohlter Bäume, die absolute Leere,— man hätte auch glauben können, hier sei ein neues Stadtviertel im Rohbau stehen geblieben. Mit toten Häusern geht es wie mit toten Menschen. Auch diese sehen nicht immer fürchterlich aus. Die einen, mit glattem Kopfschuß, scheinen oft sich wie zum Schlafen hingelegt zu haben. Andere sind von Granaten zur Unkenntlichkeit zerrissen. Vielleicht haben die von Granaten zerfetzten Ruinen im Psergebiet auch schrecklicher ausgeschaut als die glatten und lotrechten Brandmauern von Orchies. Auch sonst haben tote Häuser mit toten Menschen viel gemein. Man fühlt: keine toten Dinge sind hier zerstört, sondern lebendige Heimstätten, man empfindet das Glück, das häusliche Behagen, das zugleich mit den Werten in Flammen unterging. � Niemand kann einem einreden, daß unbeseelte Materie hier zerstört wurde, ganz von selbst drängt sich die Erinnerung des Lebendigen auf. Das ver- nichtete Leben klagt an! Heute streiten sie um die Schuld. Deutsche und französische Regierungen bombardieren sich mit Noten, Havas und Wolff weit- eifern in der Veröffentlichung von Zeugenaussagen, die in Archiven längst entschlummert schienen. Und bemerken nicht, daß jedes Dokument nur beider oder keines Schuld beweist, oder vielmehr: die Schuld des Krieges und der an ihm Schuldigen. Sanitätsautos wurden beschossen, sagen die Deutschen. Gewiß, erwidern die Franzosen, aber sie schössen zuerst. Unser Sanitäts- personal war wasscnlos, sagen die Deutschen.— Gewiß, sagen � So schröiset, wenn auch langsamer als wir es möchten, aber doch unverkennbar die Amsterdamer Gewerkschaftsinter- nationale vorwärts. Freilich, die internationale Verknüpfung der täglichen Arbeit der Gewerkschaften gehört noch vorwiegend der Zukunft. Der Pariser Kongreß soll gerade auf diesem Gebiete einen Vorsprung bedeuten, indem hier die Frage der internationalen Unterstützung bei Arbeitskonstikten geregelt werden soll. Die Internationalität der Gewerk- schaftsbewegung in diesem Sinne läßt sich aber nicht einfach durch Beschlüsse der Kongresse erreichen. Sie erfordert zähe Arbeit, sie bedarf einer Pflege des Geistes der Internationali- tät der Bewegung in einem jeden Lande. Für diese inter- nationale Aufbauarbeit wird der Pariser Kongreß einen neuen Ansporn bilden._ Tannenberg-Denkmal und Reichsbanner. Keine Beteiligung bei der Einweihung. Von der G a u. l e i't u n g Ost Preußen des Reichsbanners Schwor z'-Rot-Gold wird uns geschrieben: Im September soll die Einweihung des Tannenberg- Denkmals erfolgen. Der Werbeausschuß für das Denkmal hat zu der Einweihung öffentlich alle Bevölksruingsschichten eingeladen. Das -Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wird an der Ein- weihungsfeier nicht teilnehmen. Zwar ist die öffentliche Einladung an der Feier außerordentlich vorsichtig abgefaßt, jedoch kann die Fonnalität der Einladung nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei der Einweihungsfcier, ebenso auch» wie bei der Feier der Grundsteinlegung des Denkmals, um eine monarchistische Kundgebung handeln wird. Die Worte des Generals Kahns bei der Grundsteinlegung ..nun schmiede neu die deutsche Kaiserkrone" sind nicht' in Vergessen- heit geraten. Derselbe General Kahns, der diese Worte als Bor- sitzender des Ausschusses für das Denkmal sprach, sitzt heute noch fllh- rend im Denkmals-2lusschuß. Er und seine Gesinnungsfreunde wollen voll bewußt die Einwcihungsfeier zu einer republikfcindlichen Kund- gebung gestalten. Herr Kahns hat schon erklärt, daß er dafür Sorge tragen wird, daß schwarzrotgoldene Fahnen bei der Feier nicht zugegen sein werden. Bei der Feier zur Grundsteinlegung des Denkmals flat- terten schwarzweihroteFahnen im Winde und ebenso wird es bei der Einweihungsfeier des Denkmals fein. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold kann sich unter diesen Umständen an einer solchen Feier nicht beteiligen und hält es auch für unvereinbar mit der Auf- rechterhaltung der Staotsautorität, wenn Vertreter der Staats- b e h ö r d e n an der Feier teilnehmen. Die chriftlich-soziale Obstruktion nutzlos. Die Gemeindeschuhwache bewilligt. Wien, 3l>. Juni. Die Debatte im Wiener Gemeinderat dauerte die ganze Nacht über bis heute früh 6 Uhr. Nach stürmischen Szenen beantragten um 6 Uhr morgens die Sozialdemokraten Schluß der Debatte, nachdem vorher die Christlichsozialen Schluß der Sitzung verlangt hatten. Der Antrag auf Schluß der Debatte wurde angenommen. Darauf verließ die christlichsoziale Minderheit unter großen Krawallen den Sitzungssaal. Der Antrag auf Ausstellung der Gemeindeschutzwache wurde von der sozialdemokratischen Mehrheit in Abwesenheit der Christlichsoziolen angenommen. „Em zweites Köm'ggrätz/ Die Abwehr gegen die prenftischen Junker. Wien. 30. Juli. Die„Grazer Tagespost", eine gemäßigt nationale Provinz- zeitung, greift die anschlußfeindlichen Artikel der.Kreuzzeitung" bitter an.„Der Artikel der ,Kreuzzcitung" sei der schwerste Schlag, der jemals von der Presse des Inlandes oder Auslandes gegen die Anschlußbewegung geführt worden ist. Der die Franzosen, nur ließen sie sich von Bewaffneten� begleiten.— Die Deutschen: entsetzlich wurden die Verwundeten verstümmelt.— Die Franzosen: Zugegeben, aber eure eigenen Dokumente ergeben, daß die Zerstörung von Orchies bereits angeordnet war, ehe diese Taten bekannt wurden. So geht es fort. Wer will hier von Schuld reden, wer von Unschuld? Wenn Heer gegen Heer, Volk gegen Volk ringt, beide in der Wut dessen, der sich angegriffen und überfallen glaubt! Wenn ringsum Kampf ist. wenn keine Zeit bleibt zur Ermittlung von Schuldigen, wenn statt Strafe Rache verübt wird, fummarisch und weit über das Ziel hinausschießend! Wenn jede Vergeltungs- Handlung hüben durch ihre Maßlosigkeit noch maßlosere Ver- geltungshandlung drüben herausfordert, bis die Zerstörung alles Vorhandenen der gegenseitigen Rachetaktit das äußerste Ziel setzt! Hier gibt es nur eine Anklag«: die Anklag« gegen den Kri«g, die Anklage gegen die Kriegsschuldigen. Und es gibt nur eine Lösung: den Vernichtungskompf gegen die Hetzer hüben und drüben. Es gibt nur eine Folgerung aus allem: Nie wieder Krieg! HeSämpfte Tragik. Im Theatergeschäft scheint man sich von neuem der Aufgabe bewußt zu werden, dem Publikum zu zeigen, wie traurig, im allge- mein«n das Leben einer Dirn« abläuft. Nachdem in letzter Zeit mehrere Dirnentragödien durchgefallen sind, fühlt die Gassspiel- truppe Kurt Labatt im„L u st s p i e l h a u s" das Bedürfnis, den Lebensweg einer Gefallenen zum Ruhm von Sitte und Tugend darzustellen. Das Stück besteht aus 21 Bildern, stammt von Felix Fischer und heißt„Cafe Electric". Vor einigen Jahrzehnten betitelte man eine derartige Sorte von Dramen„Von Stufe zu Stufe" und so ähnlich, um von vornherein Tragik und Milieu milde anzudeuten. Das Cafe Electric ist- ein sehr unmorali- sches Nachtlokal, in dem die lockere Hansi ihrem Beruf nachgeht, und Max. dessen Tüchtigkeit zu den schönsten Hoffnungen be- rechtigt, wird erst an dem süßen Mädel krank und geht dann an ihm kaputt. Hansi muß zu ihrem- Schmerz ins verhaßt« Cafe Electric zurückkehren und wird da von ihrem früheren Zuhälter ermordet. Vor dieser klotzigen Tragik ist dem Autor selbst bange ge. worden. Er kommt daher auf einen geschickten Trick, den ihm offen. bar Pirandello eingegeben hat. Die tragischen Vorgänge läßt er als Szenen eines Manuskriptes spielen, das sich der Theaterdirektor vorlegen läßt. Der Theaterdirektor stellt die Brücke her zwischen der gestorbenen realistischen Theatralik der dargestellten Bilder und den nüchtern-sachlichen Anschauungen von heute. Er spricht es rundweg aus:„Das Publikum will keinen Moralzimmt". Einige Szenen erinnern wieder stark an die„Schiffsbrüchigen" von Brieux, in denen die schlimmen Folgen der Geschlechtskrankheiten ge, zeigt werden. Immerhin ist zuzugeben: dem Autor ist in seiner Melange aus Pirandello und Brieux die Zeichnung menschlicher Züge geraten. Die Sehnsucht, sich aus der Dirnenwelt für immer loszulösen, klingt manchmal in erschütternden Tönen. Das ist aber auch das Verdienst Artikel könne als ein zweites KSniggrätz bezeichnet werden. Den echt preußischen Leuten sei es mit dieser Kundgebung ernst. Die Frage„Preußen und Oesterreich" sei wieder in aller Schärf« auf- gerollt." Eine Weltkohienkonferenz? Tie Arbeiterpartei gegen das Kohlendumping. London, 30. Juli. In der Schlußsitzung des Unterhauses wies W h i t e l e y (Arbeiterpartei) darauf hin, daß die Löhne der deutschen Bergleute nicht erhöht werden könnten wegen des niedrigen Export- Preises britischer Kohle. Er trat für die Einberufung einer inter- nationalen Konferenz der tohlenproduzierenden Länder ein, um«in Kontrollorgan für die Welterportpreise zu schaffen und dadurch die Lage der Bergleute in allen Ländern zu verbessern. Der Vertreter des Wirtschaftsministers sagte in seiner Antwort, in diesem Borschlage liege nicht viel Hoffnung, so anziehend er auch sei, denn das einzige Land, das eine Organisation besitze, welche imstand sei, Pläne für das ganze Land zu erörtern, sei Deutschland. Internationale Zusammenarbeit auf diesem Ge- biete sei ein Ideal, das im Augenblick nicht verwirklicht werden könnte. Die Militarisierung üer Jugenö. Ein französisches Gesetz in Borbereitung. Paris, 30. Juli. Zurzeit wird ein Gesetzentwurf über die Organisation der militärischen Vorbereitung der Jugend ausgearbeitet. Bereits jetzt werden den jungen Leuten, die di« Borbereitungs- kurfe besuchen, V e r g ü n st i g u n g c n für die Militärdienstzeit, wie freie Wahl des Truppenteil-, rasche Beförderung zum Unteroffizier und Offizier gewährt. Für die erfolgreiche Teilnahme an den Vor- bcreitungskursen werden Patente ausgestellt. Frankreich bleibt in Sprien. Es will seine„Entwicklung zur Unabhängigkeit" fördern. Paris, 30. Juli.(MTB.) Der französische Oberkommissar für Syrien Ponsot, hat an die Bevölkerung der Mandatsgebiete eine längere Proklamation ge- richtet, in der die Ziele der französischen Regierung dargelegt werden: Es könne keine Rede davon sein, daß Frankreich auf die vom Völkerbund übertragene M i s s i o n, die allmähliche Entwicklung Syriens und des Libanons zu unabhängigen Staaten zu fördern, verzichtet. Es sei die ständige Sorge der fran- zösischen Politik gewesen, die Wünsche der Beteiligten zu befriedigen. Als Mandatarmacht sei Frankreich entschlossen, sich nach diesen Wünschen zu richten, sofern sie ordnungsmäßig und f r i e d- l i ch zum Ausdruck kämen und die Rechte der Minderheit sowie die allgemeinen und höheren Interessen des Landes achteten. Republiksihutzgefetz gegen Arbeiterpartei. London, 30. Juli. Im irischen Parlament kam es bei der Beratung des nach der Ermordung O'Higgins ausgearbeiteten Republikfchutz- g e s c tz e s zu stürmischen Szenen. Der Kultusminister warf der Arbeiterpartei vor, sie suche aus dem Morde politisches Kapital zu schlagen. Die Linke forderte stürmisch die R ü ck n a h m« dieser Beschuldigung. Die Regierung lehnte das üb. Die Arbeiter- parte! verließ darauf t«n' Sitzungsfaat. Der Gesetz- entwurs wurde mit 48 gegen 18 Stimmen angenommen. Kein Attentat in Leningraö. TNoskau, 30. Juli. Di« Nachrichten von einem Attentat gegen den Lcningrnder Sowjet und der Zerstörung des Rogierungsgebäudcs durch eine Mine, der hundert Menschenleben zum Opfer gefallen sein sollen, sind frei erfunden. der Charlotte Ander, auf deren Konto der begeisterte Beifall zu buchen ist. Ihre Hansi ist ein übermütiges, fröhliches, liebes Ding, das nicht an das bittere Morgen denkt. Ihre Verdcrblheit wird überstrahlt von rührender Kindlichkeit, und wenn sie die Angst überkommt, ganz in den Sumpf zu g«raten, dann verkörpert sie ein stilles Duldertum, das lange im Zuschauer nachklingt. Der Re- gisseur Kurt Labatt verstand es, die 21 Bilder in rascher Folge abrollen zu lass«n, indem er die sehlende Drehbühne durch eine Iazzbandkappellc ersetzte. Di« Zeit des Bühnenumbaues füllten ihre Klänge, gleichzeitig färbten sie die Tragödie melodramatisch ein. Dgr. lieber 146 Millionen Russen. Die Volkszählung der Union der Sowjetrepubliken, die im vergangenen Dezember und Januar durch- geführt wurde, war die erste feit 1897. lieber die Ergebnisse' wer- den jetzt in den russischen Blättern genauere Angaben gemocht. Die Gesamtzisfer der Bevölkerung wird mit 146 200 000 Seelen angegeben. Die Verteilung auf die einzelnen Republiken zeigt, daß die eigentliche Sowjetunion 100 500 000 Einwohner hat, die Ukraine 28 872 000, Weißruhland 4 900 000, Transkaukasien 5 800 00 uno Turkmenenland 1000 000. Die Gesamtzahl der Städtsbewohner der Sowjetrepubliken beläuft sich auf 26 000 000. Obwohl im allge- meinen die Bevölkerung in den letzten 30 Iahren bedeutend zuge- nommen Hot, zeigen doch einige Gebiete beträchtliche Abnahme in den letzten Iahren, so die Provinz Samara, die deutschen Wolga- provin,z«n, die Urolgebiete, di« Provinz Orenburg und die„Tarta- rische Republik". Hier ist die Bevölkerung 14 bis 18 Proz geringer als 1920, hauptsächlich infolge der Hungersnot von 1921. Ueber die Dichttgkeit der Bevölkerung wird die Angabe gemacht, daß in der Ukraine durchschnittlich 64 Pessonen auf das Quadratkilometer kommen. 75 Jahre Germanisches Itationalmuseum. Im Jahre 1852 wurde von dem Freiherrn von Ausseß in Nürnberg das„Germanische Nationalmuseum" gegründet, dessen Kunst- und kulturhistorische Sammlungen einen umfangreichen Häuserblock einnehmen. Allein die Säle und Räume, die für die Schausammlungen zur Verfügung stehen, betragen rund 200 an Zahl. Daneben sind eine Fülle kultur- historisch wertvoller Dinge in Magazinen untergebracht. Berühmt ist das Kupferstichkabinett des Museums. Die Jubiläumsfefttage. die in ganz Deusschland Widerhall finden werden, sind für den 18. und 19. August angesetzt. ErflaussÜhrtragea der Boche. Dienst. Schloxpark-Tv:.Gräfin Mariza". Donnerst Role-Tb.:.2 i e b e t lt T r u m p f.— Renaicanssc, Theater:.Doktor B o l b o c". Di« Dlarbnrger Universität begeht ihre 400. Iahrseier. Am Freitag be. gannen die Festlichkeiten mit sportlichen Veranstallungen, Eröffnung de» gestisteten Karl-DuiSberg-Hauses und des Forsthofc«. Die knnstschänder ans Sesiellnng. Der Duisburger Polizei ist es gelungen, elf Personen sestzustellen. die an der Zerstörung de» Kunstwerk» .Die Knie« nde- beteiligt waren. Sech» von ihnen wurden wieder freigelassen, da sie nur Zuschauer waren. Sämtliche eis Personen sind Mitglieder de» katholischen kaufmännischen Verbände», junge Leute im Mter von 20 Jahren, die vorn katholischen LcreinZhauS au» sich zum Zer- ftörungSwerk aufmachten. Herlin, üer große Hinnenhafen. Vor wenigen Tagen berichtete der„Vorwärts" über die neuen Bauten am Westhafen, der heute Berlins modernster Hafen geworden ist. Unser Bild vermittelt einen guten Eindruck von den neugeschaffenen Anlagen. Rosengarten öer Großstadt. Er ist zwar nicht so ausgedehnt wie sein großer Bruder im Westen, trägt keine wandelnde, in Marmor gemeißelte„Hohe Frau" und wird nicht von soviel feinen Leuten besucht wie dieser, l. ist der Rosengarten der armen Leute und liegt mitten in ihrer Well, dort, wo die Maschinen der großen Fabrik nie stille stehen, und der Strom der Schassenden von und zur Arbeitsstelle sich ergießt. Und der Strom ist ruhelos wie die Maschinen, hat keine Zeit, seine Schönheit in sich auszunehmen. Nur im Vorbeigehen werfen die ineistcn einen Blick auf seine Pracht. Am Rande des Humboldchains, den der Nord-Berliner kurz seinen„Hain" nennt, liegt der Rosen- garten. Ich nehme mir jeden Morgen einige Zeit, um nicht durch- zuhasten, sondern eine kurze Weile dort zu verharren. Da sitzt eine Drossel im taufrischen Rasen und zieht ihren Morgenimbiß aus der Erde oder fliegt noch Hause, um bald wiederzukehren. Es ist noch früher Morgen, aber bald werden die täglichen Besucher er- scheinen, Mütter mit ihren Kindern, die zum Spielplatz geführt werden, Pensionäre. Arbeitsinvaliden. Langsam und beschaulich, versunken in die Schönheit der Natur, gehen die Menschen, sehen auch wohl hinauf zu der chinesischen Pollownia, mit ihren Riesen- blättern. Und wenn sich dann das Auge an den mit viel tausend Blüten aller Rosensarben versehenen Rankrosenbüschen„Veilchenblau",„Fragezeichen",„Leuchtstern", der wunderbar zarten .„Helene" erfreut hat, dann wird es angezogen durch die in seltener Farbenpracht leuchtenden Remontants und Hybriden, die in kräfti» gem Wuchs und Blühen sich der sorgfältigen Pflege dankbar er- weisen. Und die Remontanten sorgen dafür, daß selbst bis in den November hinein unter günstigen Bedingungen noch blühende Rosen in dem kleinen Garten erhalten bleiben. Am Eingang fällt der Blick aus die großblumige weiße Teerosen-Hybride„Pharisäer". In einem langen Streifenbeet steht die dankbare, kleinwüchsige„Lady Ashton". Geradezu entzückend, besonders in ihrer Knospe, wirkt die wunder- bare großblumige Lyon-Rose. Und noch vieles andere ist zu sehen. Der ganze Rosenflor in den mannigfaltigen Farbenvariationen läßt uns dies Stückchen Erde immer von neuem liebgewinnen. Hier ist für den Großstädter eine Stätte der Erholung geschossen, die all- scitiger Pflege und eines entsprechenden Besuches wert ist. Der Anschlag auf öen D-Aug. Verhaftung des Täters. Wie wir bereits berichteten, war es der Kriminalpolizei in Brandenburg a. H. gelungen, durch Zeugenvernehmungen die Be- ichreibung eines Mannes zu erlangen, der sich in der Gegend ver- dächtig umhergetrieben hotte. An Hand der Beschreibung wurde die Jahndung auch während der Nacht fortgesetzt und es gelang Krimi- nalkommissar Poggenklaß und seinen Beamten, den Verdächtigen in Brandenburg.zu ermitteln und fe st zunehmen. Nach anfangliche-m Leugnen gab er denn auch zu, das A t t e n t a t auf den O-Zug geplant und vorbreitet zu haben. Der Ver- haftete, ein 23 Jahr« alter Arbeiter Hans Schröder, ist erst vor kurzem aus der Strafanstalt in Magdeburg entlassen worden und hatte sich auf Wanderschaft begeben. Er hat eingestanden, an der Bahnstrecke Steine herbeigeschleppt und aus die Schienen getürmt zu hoben, um den Zug zum Entgleisen zu bringen, nachdem er sich fchon einige Tage an der Strecke ausgeholten hatte. Der Verbrecher wird dem Amtsgericht in Brandenburg eingeliefert werden. Helfers- Helfer will Schröder nicht gehabt haben. i'' Drei Rennpferde verbrannt. In dem sogenannten„Rennzug", der heute früh mit einem Transport von Rennpserdcn, für die morgen in Breslau stattfindenden Flachrennen, 5)oppe- garten.»erließ, brach kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof in Guben in einem Waggon Feuer aus. In wenigen Minuten stand der ganze Wagen in Flammen gehüllt. Während es gelang, den bekannten Hengst Kambrina im letzten Augenblick allerdings mit schweren Brandwunden zu retten, kamen die Rennpferde Dejouio, Burgunder und Konradi, die der Obhut des Trainers Streit unterstanden, in den Flammen um. Das Feuer soll durch die Fahrlässigkeit der beiden Jockeys, die den Wagen begleiteten, entstanden sein. Einer von ihnen wurde fest- genommen; der andere suchte das Weite. 12. Bezirk, Abteilung 82, 83 und 84. Das Kindcrwaldfcst im Grüne- Wald findet nicht, wie irrtümlich angegeben, am Sonntag, dem 31. Juli, sondern am Sonntag, dem 7. A u g u st, statt. Das vorgehen gegen Sie Spielklubs. Weitere Ichliehnngen. Nachdem gestern in den Abendstunden, wie wir bereits durch WTB. meldeten, die Spielklubs im Marmorhaus und im Trokadero geschlossen worden sind, wurden die Maßnahmen des Sonderdezernats der Kriminalpolizei im Laufe der Nacht noch auf zwei weitere Unternehmungen ausgedehnt. Die beiden oben erwähnten Klubs sind nunmehr endgültig geschloffen, da in den Räumen trotz wiederholter Ermahnun- gen die Glücksspiele Chouette und E c a r t e mit Bc- gleitung gespielt worden sind. Kriminalkommissar G r e i n e r und seine Beamten machten in der Nacht noch dem Klub„Boheme" in der Augsburger Str. 33 und dem„Sportklub Friedrich- st a d t" in der Mittelstraße 59 überraschende Besuche. Beide Klubs wurden schon seit längerer Zeit beobachtet und waren auch bereits ermahnt worden. An beiden Stellen war das Spiel im vollen Gange. Außer Ausländern, die nicht in der Mitgliederliste verzeichnet siitd und gewerbsmäßigen Spielern gehörten zu den Gästen auch eine Reihe von zweifelhaften Domen. Das Inventar wurde beschlagnahmt und die Teilnehmer festgestellt. Auch die Klubs in der A u g s b u r g e r Straße und in der M i t t e l st r a h e dürften demnächst geschlossen werden. Gegen die Unternehmer und Spielteilhaber wurde ein Strafverfahren in die Wege geleitet. Nächtliche Schlägereien. Gestern abend gegen 11 Uhr kam es auf dem Rummelplatz an der Ecke Grunewald- und Potsdamer Straße zu schweren Ausschreitungen. Mehrere junge Burschen gerieten in Streit, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Zwei Schupo- beamtc schritten ein und wollten die Unruhestifter sestnehmen. Die Rodwys, die ebey.»och anfeüiander eingeschlagen hatten, nahmen jetzt gegen die Schupo Stellüna und versuchten die Festnahme ihrer Kumpane zu verhindern. Die Beamten waren der Menge gegenüber zunächst mochtlos. Erst als dos alarmierte U e b e r f a l l- k o m m a n d o eintraf, gelang es die Ruhe allerdings erst nachdem ein Schreckschuß abgegeben werden mußte, unter Zuhilfenahme des Polizcitnüppels wiederherzustellen. Sieben jung« Bur- s ch c n mußten den Weg zur Revierwache antreten. Während fünf von ihnen nach Feststellung ihrer Personalien entlassen werden konnten, wurden die beiden anderen dem Polizeipräsidium zu- geführt. Fast um dieselbe Zeit wurde das Uebcrfallkammado nach der Weser st raßc alarmiert. Mehrere jung« Leute waren vor Geltungsbereich zu erhalten oder zu erweitern. Die Straßen- bahn wird vielleicht in der Herausnahme einer Linie aus dem Tiergarten den Anfang der Bestrebungen sehen, die darauf abzielen, dieses Verkehrsmittel überhaupt aus der Innenstadt zu verdrängen und ihm die Ausgabe zuzuweisen. Zubringerdienste für die übrigen Schnellverkehrsmittel zu leisten. Eine solche Entwicklungsmöglichkeit besteht in der Tat. Das alles kann aber nicht willkürlich geschehen, sondern sich je nach Lage der Verhältnisse nur langsam durchsetz.m. Dazu sind vor allem der Ausbau der Untergrundbahnen und die Verbesserung zahlreicher Straßen für schwere Äutolastfahrzeuge not- wendig. Man wird also die Entfernung der Straßenbahn aus dem Tiergarten vorläufig noch nicht als den Anfang der eben gekenn- zeichneten Entwicklung betrachten können. Man kann schließlich auch darauf hinweisen, daß die neuen Straßenbahnwagen, die eine wesentliche Verbesserung gegenüber den alten Typen darstellen, besonders dann, wenn sie infolge ihrer Gröh.' ohne Anhänger fahren dazu beitragen können, eine wesentlich schnellere Zugfolge zu ge- statten. Die endgültig« Entscheidung über diese Pläne liegt natürlich bei den Verkehrsgesellschgften und den in Frage kommenden Auf- sichtsbehörden. Aber schon heut.» kann man sagen, daß der Plan eines Schnellverkehrs mit dem Autobus durch den Tiergarten, durch den der Osten Berlins in begrüßenswerter Weife mit dem Westen ver- bunden würde, sicherlich die beste Lösung des Problems darstellte. Herlins Riesenverkehr. Wieder liegt eine neue Zusammenstellung der Berliner Ver- kehrsergebnisse vor, aus denen erneut hervorgeht, welche gewaltige Zunahme der Berliner Verkehr nach seiner Vereinheitlichung zu verzeichnen hat. Die vier Berliner Vertehrsgesell- s ch a f t e n haben in den ersten sechs Monaken dieses Jahres 779.3 Millionen Fahrgäste befördert. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von 10 Proz. Die Berliner Straßenbahn konnte zum erstenmal die Beförderungsziffer von 400 Millionen im halben Jahre überschreiten. Bei der hoch, und llnkergrundbahn stieg die Zahl der Fahrgäste von SO, 3 Millionen aus 104,3 Millionen. Die stärkste Zunahme hat infolge ihres ständiger» Aus- baues und der Einführung der Umsteigebercchtigung die Omnibus- gefellschaft, bei der sich die Zahl der beförderten Personen von 5? Millionen im Vorjahre aus 74 Millionen in diesem Jahre erhöhte. Die staatliche Stadt-, Ring- und Vorortbahn weist eine Zunahme von 4,5 Millionen Fahrgästen auf.- einem Restaurant an der Ecke Weser- und Gryphiusstraße in Streit geraten. Die Angreiser gingen mit Stöcken und Messern auf- einander los. Bei dem Erscheinen der Polizeibeamten«reriffcn die Streitenden die Flucht und entkamen in der Dunkelheit. Der 20jährige Walter P. aus der Beymestraße 2, der mehrere tieie Messerstiche in den Kopf und Rücken davongetragen hatte, mußte zur nächsten Rettungsstelle und von dor� in das Krankenhaus anr Friedrichshain übergefühtt werden. Sein Zustand i st sehr e r n st.___ Neberfall auf einen Stadtrat. Von zwei Rowdics wurde in der vergangenen Nacht Stadtrat P f ei f e r und Herr Emil Hahn aus der Seestrahe 33 ange- fallen. Mit einem Bekannten befand er sich auf dem Heimwege, als ihn vor dem Hause Seestraße 38 zwei Burschen anpöbelten. Als er, ohne ihre Flegeleien zu beachten, weitergehen wollte, wurden sie tätlich und schlugen zunächst mit Stöcken auf ihn ein. Damit nicht genug, ergriffen sie fünfeckige G r a n i t p l a t t e n, die zu Pflasterarbeiten dort lagen, und schleuderten sie gegen die beiden Herren. Herr Hahn wurde von den schweren Wurfgeschossen so erheblich verletzt, daß er zusammenbrach. Die Rohlinge ergriffen aber die Flucht, als Passanten sich näherten. Hahn und sein Be- cleiter wurden in das Virchow-Krankenbaus gebracht. Während der Stadtrat glimpflicher daoongekonmien war, hatte Herr Hahn ziem- iich schwere Kopsverletzungen und Rippenquelschungen erlitten. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde er nach Anlegung von Ver- bänden in seine Wohnung gebracht. Die Augenzeugen, die den Kriminalbeamten des 45. Reviers ihre Beobachtungen mitteilten, beschrieben die beiden Burschen, und bald konnten sie in einem Lokal in der Nähe festgenommer» werden. Sie sind ein Friseur Hans D e m u t h und ein Bureauangestellter Walter L i d t k e, beide aus der Seestraßs Nach anfänglichem Leugnen gab Lidtkc zu, daß Demuth der Steiywerfep gewesen sei. Dieser bestreitet vorläufig alles. Sie wollen' selbst nicht niehr wissen, wie sie zu dem lieber- fall gekommen sind. Sittlichkeitsattentat auf offener Straße. Als in der vergangenen Nacht eine 21 Jahr« alte Verkäuferin Grete G. aus der Brüsseler Straß« ihre Haustür aufschließen wollte, sprach sie ein fremder Mann an, umfaßte das Mädchen und riß es zu Boden. Das Mädchen rief laut um i)ilfe und schlug abwehrend ans den Wüstling ein. Zum Glück kamen Passanten hinzu und jetzt ergriff der Uebcltäter die Flucht. Es gelang, ihn eine Stunde später in einem benachbarten Lokal zu ermitteln, wo er bei einem Glase Bier saß und den Unschuldigen spielte. Auf der Wache des 44. Polizeireviers'wurde er festgestellt als ein 33 Jahre alter Techniker I. aus der Schulstraße. Zeugen, die am 25. Juli gesehen haben, wie in der Wilmers- dorfer Straße Ecke Pestalozzistraße ein Radfahrer der Firma W. O. A. Kasten zwischen Auto und Baum gequetscht wurde, wollen sich melden bei Welle, Klausewitzstr. 2, pari. Das Wohnungsamt Friedrichshoin teilt mit: Da außerordentlich dringliche Arbeiten im Interesse der Bevölkerung zu erledigen sind, u. a. die Zählung der Wohnungsuchenden im' Bezirk, muß das Bureau in der Markusstraßc 49 noch weiterhin bis zum 13. A u g u st für den Publikumsverkehr geschlossen bleiben. Die Bevölkerung wird gebeten, aus diese Zwangslage Rücksicht zu nehmen. AnfSagerkurse in Engllsch. französisch. Spanisch und Russisch. Ansang August beginnen die neuen Ansangerkurse«Abendunterrichts in den obigen Sprachen sür Genossinnen und Genossen ohne jegliche Vorkenntnisse. Teil- nehmer mit guten Vorkenntnissen tonnen jederzeit enlsprechcnden Mittel- bzw. Oberkursen beitreten. Anmeldungen zu allen Sprachkursen bis zum 6 August(schriftlich oder persönlich) beim Genossen£>. Fuchs, Berlin W 57. Zictenstr. 6 a, 1. Etg.«nabe Nollendorfplatz), Sprachenschulc der Arbeiter und Angestellten Groij-Bcrltns. l____ Die chinesische Eröbebenkatasirophe. Ein Augenzeugenbericht. London. 30. Juli. sTU.) lieber das chinesische Erdbeben, dem Taufende zum Opfer gefallen sein sollen, ist jetzt der erste Augenzeugenbericht in London eingetroffen. Der apostolisch« Vikar Buddenbrock in siansu teilt in einem Schreiben mit. daß das Erdbebengebiel 70 Ouadralmeilen umfaßt. Da alle Verbindungen zur Außenwelt durch das Erdbeben zerstört worden sind, werden Einzel- heilen über die Katastrophe erst nach und noch bekannt werden. Er selbst habe in Lantschau eine Wesse gelesen, als die erste schwere Erderschütterung gesckmh. Ins Freie geschleudert, habe er bewußtlos dagelegen. Als er wieder erwachte, fei die K i r ch e, in der er soeben noch gepredigt Halle, bereits eine Ruine gewesen. Wie durch ein Wunder sei der größte Teil der Kirchenbesulher mit dem Leben davongekommen. Dafür sei aber eine große Anzahl Kinder von den stürzenden Gesteinsmafsen er- schlagen worden. Dasselbe Schicksal traf eine Ordensschwester, die aus dem Irümmerselde einige ihrer Pslegebefohlenen retten wollte. Die Stadt Kulan sei heute nicht mehr vorhanden, das Erdbeben Hobe sie dem Erdboden gleichgemacht. Neuer Ausbruch des Vesuv. Nach Mitteilung des Leiters des Vesuv-Observatoriums ist der Vesuv nach 8 Monaten fast völliger Ruhe in der vergangenen Nacht wieder ausgelebt. Der L a v a st r o m habe eine Schnelligkeit von etwa 3 Metern in der Sekunde und seit etwa 15 Mc'.er breit. Neue Verkehrspläne. Um die Verkehrspläne durch den Tiergarten. Berlin ist bemüht, seinen Verkehr ständig zu verbessern. Man geht ollmählich dazu über, alle Stellen, die als Gefohrenpunkte des öfsentlichen Verkehrs erkannt wurden, jo zu gestalten, daß Unglücksfälle möglichst vermieden werden. Emer.dieser Gefahrenpunkte ist ohne Zweiefl der Platz vor dem Brandenburger Tor, der Giohe Stern und die Kreuzung mit der Hosjägerallee. Nun sind die Straßenbahngleise, die in der Charlottenburger Chaussee liegen und mitten durch den Tiergarten führen, in- zwischen so abgenutzt, daß es netwendig wäre, sie zu erneuern. So ist es denn kein Wunder, wenn bei dieser Gelegenheit eine Reihe von Plänen erörtert wird, die dazu dienen sollen, die erwähnten Ge- sahrenquellen zu verstopfen. Drei Pläne stehen im Augenblick zur Erörterung: der erste will die Straßenbahn in die Witte der Charlottenburger Chaussee legen. Bei dieser Gelegenheit müßte man selbstverständlich auch die Gleisanlagen vor dem Brandenburger Tor zweckentspreihend ver- ändern. Bei der Ausführung dieses Planes ergäbe sich der von der Bevölkerung zweifellos als unangenehm empfundene Uebelstand, daß man zur Herstellung einer genügend breiten Fahrbahn mindestens 400 Bäume in der Charlottenburger Chaussee fällen müßte. Es handelt sich hier um alten Baumbestand, dessen Beseitigung zweifellos eine Beeinträchtigung des Stadtbildes bedeutete. Der zw e i t e Plan sieht eine Umlegung der Straßenbahn in der Weise vor, daß der Tiergarten im Borden so umgangen wird, daß die Straßenbahn am Reichstag vorbei durch die Zelten, Händelstraße, zum Bahnhof Tiergarten gesührl wird. Mit Rücksicht aus die an den Zelten bestehenden Verhältnisse, in Sonderheit in Hinsicht auf dort vorhandene Kinderspielplätze, würde eine Straßenbahnlinie in diesen verhältnismäßig engen Fahrbahnen auch kein Idealzustand sein. Der dritte Plan will die Straßenbahn völlig aus dem Tiergarten herausnehmen und sie durch eine Autobuslinie ersehen. Es kämen zu diesem Zweck die auch im„Vorwärts" bereits geschil- dcrten Großuxigen in Frage, von denen jeder einzelne ein Fassungs- vermögen von 81 Personen hat. Diese Regelung würde in der Bevölkerung sicherlich die meisten Sympathien haben. Sie läßt sich auch im Hinblick daraus, daß Autobus, Hochbahn und Straßenbahn jetzt in einer Hand sind, viel leichter und reibungsloser durchführen als früher. Bis zur Aus- führung dieses Planes wird die allgemeine U m st e i g c- e r l a u b n i s zwischen sämtlichen Berliner VerkehrsinittAn, mit Ausnahme der Stadt- und Ringbahn, durchgeführt sein. Trotz der Vereinheitlichung des Berliner Verkehrs werden natürlich die Ver- waltungen der einzelnen Verkehrsmittel bestrebt sein, ihren eigenen Ms Sem Reich Hausgehilfinnen vor Unter der von der Republik abgeschafften Gesindeord- nung hießen sie„Dienstboten" und hatten den �Herrslhasten" gegenüber viele Pflichten aber sehr wenig Recht«. Wenn sie«in- mal ihre„Herrschaft" verklagen mußten, waren si« aus das um- ständliche und zeitraubende Verfahren beim Amtsgericht angewiesen. Heute können die Hausangestellten wie jeder gewerbliche Arbeiter ihr Recht vor dem Arbeitsgericht suchen. Die starke In- anspruchnahme di«ser Rechtsstätte spricht für ihre Notwendigkeit. — Hier ein paar Stichproben aus den Verhandlungen eines Sitzungstages: Beim Kleinbauern. Als Beklagte erscheint die Frau eines Kleinbauern. Sie ist kräftig gebaut und von resolutem Wesen. Klägerin ist ein kleines schwächliches Mädchen von 19 Jahren. Sie war bei der Beklagten „Dienstmädchen", wie beide Parteien nach altem Brauch sagen. Sie hat schon nach kurzer Zeit den„Dienst" gekündigt, weil ihr die Arbeit zu schwer war. Die„Herrschaft" hat aber den Ablaus der Kündigungsfrist nicht abgewartet, sondern das Mäd- chen entlassen, sobald sich Ersatz gefunden hatte. Die Klägerin sor- dert Lohn und Kostgeld für die Kündigungsz«it. Bei der Ent. lossung ging es nichts weniger als friedlich zu. Vor Gericht setzten beide Parteien den Streit mit solcher Lebhaftigkeit fort, daß der Richter Mühe hat, beider Redestrom soweit einzudämmen, daß eine sachliche Verhandlung möglich wird. Die Beklagte weiß nicht Worte genug des Tadel» zu finden. Das Mädchen war nachlässig in der Arbeit, und ist nie fertig ge- worden— sagt die Beklagte.„Ich mußte einmal selbst abwaschen, und wenn man ihr etwas sagte, ist sie frech geworden. Darum hat sie mein Mann rausgeschinissen."— In der Verhandlung stellt sich heraus, daß die Klägerin nicht nur die Hausarbeit zu machen hatte, sondern auch von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends auf dem Felde helfen mußte.— Das Gericht kam zu dem Urteil: Unter diesen U m st ä n d e n konnte man«ine pünktliche Erledigung der Haus- arbeit nicht erwarten. Ein Grund zur fristlosen Ent- lassung lag nicht vor, die geforderten S2 M. sind zu zahlen. „Damit bin ich nicht zufrieden", erklärt die Beklagte,„meist Mann hat gesagt, wir gehen welter."— Sie wird belehrt, daß das nicht geht, da das Urteil endgültig ist. Im bürgerlichen haushalk. Fräulein M. war Hausmädchen bei Dr. D., der in einer be- kannten chemischen Fabrik angestellt ist. Sie klagt auf Entschädigung wegen s r i st l o s e r Entlassung.— Warum ist die Klägerin entlasten worden?—„Wegen Frechheit", antwortet„Frau Doktor". —„Worin bestand die Frechheit,,, fragt der Richter?— Antwort der Beklagten:„Sie hat ihre Arbeit nicht zu meiner Zufriedenheit ge- macht, hat sich heimlich aus dem Hause entfernt, ihren B r ä u t i- g o m mit auf ihr Zimmer genommen. Sie war abends um%9 Uhr noch nicht mit der Küche fertig und als ich ihr des- der«-Gnädigen�. dem Arbeitsgericht. wegen Vorhaltungen machte, sagte sie, ich soll ihr den Buckel punter- rutschen."— Die Klägerin wendet ein, sie habe der Frau Doktor nie etwas recht machen können, jede Arbeit wurde getadelt. Sie ?ab« sich bemüht, ihre Pflicht zu tun, habe sogar einmal b i s 1 Uhr abends gewaschen, aber die Frau Doktor war ein- fach nicht zufrieden zu stellen. Der Besuch des Bräutigams war ein harmloser Sonntagnachmittagsbesuch.— Das Urteil lautete auf Zahlung von 99 M. an die Klägerin, weill ein Grund zur frist- losen Entlassung n i ch t v o r l a g.— Dr. D. fragt, ob er Berufung einlegen könne. Das wird verneint. Daraus Dr. D.:„Also muß man sich in seiner Wohnung von solchen Leuten frech kommen lassen. Das Urteil ist sehr bedauerlich."— Dr. D. wird vom Richter zur Ordnung gerufen. Abarbeitung von kurkosten. Fräulein R. war Patientin in der Prioatklinik einer Frau v. Z. Sie hatte zu dem von der Krankenkaste geleisteten Kostensatz 99 Pfg. je Tag hinzuzuzahlen und vereinbarte mit Frau o. Z., diesen Betrag später abzuarbeiten. Fräulein R. wurde danü auch nach ihrer Genesung als Stationsmädchen beschäftigt. Als der Monatslohn fällig war und Frau v. Z. diesen gegen den Kurkostenzuschuß aufrechnen wollte, erklärte das Mädchen:„Am neunten Tage nach der Operation mußte ich mein Bett räumen und auf einen Sofa schlafen. Dann mußte ich als Patientin vier Wochen in einer engen Kammer neben dem Baderaum zubringen. So oft dieser benutzt wurde, drangen Dampf und Dunst in meine Kammer. Für ein« solche Behandlung leiste ich keinen Kostenzuschuß".— Diese Angaben der Klägerin erwiesen sich als zutreffend. Die Beklagt« wurde zur Zahlung de» Lohne» verurteilt mit der Begründung: Die Klägerin hatte sich zum Abarbeiten des Zuschusses verpflichtet in der Voraussetzung, ebenso wie andere Patienten be- handelt und untergebracht zu werden. Da dies nicht geschehen ist, ist ihre Abmachung mit der Beklagten nicht in Wirksamkeit getreten. Rauchen als Enklaffungsgrund. Fräulein S., die als Stütze im Haushalt der Frau K. angestellt war. fordert Entschädigung wegen fristloser Ent- lassung. Als Gründe führt die Beklagte an: Schlechte Arbeit, Widerrede, Ungezogenheit, Zi�arrettenrauchen im Bett. Den un- mittelbaren Anlaß zur Entlassung gab«in von der Beklagten in der Küche gefundener Brief, worin die Klägerin einer Angehörigen schrieb, sie müsse hungern, was nach Angabe der Beklagten unwahr ist.— Weder dieser Brief, in den Frau K. unbefugt Einblick genommen hat, noch die anderen Gründe konnten zur fristlosen Ent- lassung ausreichen. Rur das Zigarettenrauchen im Bett entschied den Prozeß zu Ungunsten der Klägerin, denn die Beklagte hatte es ihr unter Androhung der Entlastung untersagt. Die Beklagte hat aber mit der Rase und dem Auge am Schlüsselloch der Mädchenkammer festgestellt, daß die Klägerin auch ferner im Bett geraucht hatte. Umfang üe? Schwangerschaft auföem�anüe Und dennoch schutzlos gelassen? Die bürgerliche Mehrheit des Reichstages hat es bekannttich für ratsam gehalten, den sozialdemokratischen Antrag auf Einbeziehung der Landarbeiterfrauen und weiblichen Hausangestellten in das Gesetz über den Schutz der Frauen vor und nach der Niederkunft abzulehnen. Wie weltfremd diese Handlungsweise ist, beweist ein Blick in die Geschäftsberichte der Land- und Ortskranken- kaffen, in denen über den Wochenhilfeaufwand an ländliche Mitglieder Angaben gemacht werden. Die Land- und Allgemeine Ortskrankenkaste des Kreises Ost- pri egn i tz hat im Jahre 1926 allein für Mitglieder der Landkranken- käste 46531 M. ausgegeben. Das sind 19,41 Proz. der Gesamteinnahmen. In dem neuesten Rechnungsabschluß der Ortskrankenkaste für den ländlichen Teil des Kreises Schleswig werden als Ausgabe für Wochen- und Familienhilfe 26 739 M. genannt. Die Gesamt- «innahme der Kasse betrug 298 999 M., so daß allein für Wochen- und Fcunilienhilse rund 9 Proz. verausgabt wurden. Von der Landkrankenkaste des Kreises Grottkau werden in dem Bericht für das Rechnungsjahr 1926 die Ausgaben für Wochenhilfeleistungen auf 33 666 M. oder 16,11 Proz. der Gesamteinnahmen beziffert. Im Rechnungsabschluß der Landkrankenkasse Delitzsch für das Jahr 1926 finden wir Wochenhilfeausgabe» in Höh« von 49 999 M. oder 19,16 Proz. der Gesamteinnahmen vermerkt. Die Landkrankenkasse des Kreises Hsiligenbeil mußte nach dem Rechnungsabschluß für das Jahr 1926 an Wochen- und Familienhllfe 34 599 M., das find 15,81 Proz. der Gesamteinnahmen, aufwenden. Die Landkrankenkass« des Kreises Franz bürg ver- ausgabte nmd 49 099 M. für Wochenhilfc, oder etwa 19 Proz. ihrer Gesamteinnahmen. Dies« Angaben lasten eine vielfach nicht erwartete Bedeutung der Schwangerschaft aus dem Lande erkennen. Durch sie wird erwiesen, wie falsch die Meinung ist, daß mit der Einbeziehung der in Industrie, Handel und Gewerbe beschäftigten Frauen in das Gesetz über den Schutz der Frauen vor und nach der Niederkunft hinreichend genug getan ist. Die vorstehend registrierten Angaben werden noch wirkungs- voller, wenn wir uns den Wochenhilfeaufwand einiger Krankenkassen für die in der Stadt wohnenden Mitglieder an- sehen. Die bereits erwähnte Land- und Allgemeine Ortskranken- käste des Kreises Oft priegnitz vermerkt in dem Rechnung»- abschluß der Allgemeinen Ortskrankenkasse für das Jahr 1926 eine Ausgabe für Wochenhilfeleistungen von rund 16 999 M oder 4,55 Prozent ihrer Einnechmen. Die Land- und Allgemeine Ortskranken- käste für den Landkreis Stendal beziffert in dem Bericht über die Landkrankentasse die Ausgab« für Wochenhilfe mit 11,42 Proz., in dem Bericht über die Ortskrankenkaste die Ausgabe für Wochenhilfe auf 3,48 Proz. Diese Gegenüberstellungen zeigen, wie falsch es war, die Landarbeiterinnen von dem Gesetz zum Schutze der schwangeren Frauen auszuschließen und daß mit allem Nachdruck ver- sucht werden muß, diesen Beschluß der bürgerlichen Mehrheit des Reichstages schnellstens zu korrigieren. Iranzöftscher Gewerkschaftskongreß. Ten Kommunisten stehen die Tore offen. Paris, 39. Juli.(Eigenbericht.) Der Kongreß des französischen Gewerkschaftsbundes ist am Freitag abend 9 Uhr zu Ende gegangen. Er hat, wie bereits mir- geteilt wurde, mit der Annahme einer Entschließung geendet, die den kommunistischen Manövern endgültig und aus Jahre hinaus die Türe verschließt. Diese Entschließung enthält vor allem die Bestimmung, daß die Wiederaufnahme der kommunistischen Gewerkschaften individuell vor sich gehen müsse und zwar müste die Aufnahme den Bedingungen untergeordnet sein, die durch die Statuten des sranzöflfchen Gewerkschaftsbundes vor- geschrieben sind. Eine Kesa'mtaufnahme der Gewerkschaften könne nicht ins Auge gefaßt werden. Immerhin versucht die Ent- schließung mit der'Einladung an die einzelnen Gewerkschaften die Durchführung der Einheit insofern zu erleichtern, als sie keine Sühne für den Austritt aus dem Gewerkschaftsbund für die betrefscnden Gewerkschaften vorsieht. Diese Entschließung ist vom Kongreß mit 4216 Stimmen gegen 643 Stimmen angenommen worden. 143 Stimmen entfielen auf eine kom- muntstische Entschließung die die Wiederausnahme der kommu- nistischen Gewerkschaften bedingungslos vornehmen wollte. 199 Delegiert« haben sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Sosort nach der Abstimmung erklärte ein Vertreter der Minderheit, daß sich di« Minderheit aus Gründen der Diszi- plin dem Beschlüsse des Kongresses unterordnen und alle Bemühungen unternehmen werde, um in den Gewerkschaften diesen Beschluß durchzusetzen. Weiter beschloß der Kongreß, daß unter keinen Umständen über die Frage der Einheit«in neuer Kongreß vor zwei Jahren stattfinden dürfe. Damit ist allen kommunistischen Manövern der Riegel endgültig vorgeschoben. Als Abschluß des Kongrestes findet am Sonnabend abend eine groß« Gedenkfeier zu Ehren von Jaures und Guides statt. VittflHöst Aast vier Millionen Angestellte und Beamte in der Wirtschaft. Den jüngst veröffentlichten Ergebnissen der Berufszählung(„Wirt- schaft und Statistik", 1. Juliheft) zufolge waren 1925 3 834 439 An- gestellte und Beamte in der Wirtschast tätig, die Arbeitnehmer, die in der Land- und Forstwirtschaft, Wasser-," Gas- und Elektrizitäts- Versorgung und im Verkehrswesen in Beamtenstellungen tätig sind, inbegriffen. In der Land- und Forstwirtschaft waren 161 777, in der Industrie und im Handwerk 1 451 835, im Handel und Verkehr 2 229 818 Angestellte und Beamte beschäftigt. In der Land- und Forstwirtschaft waren 76,2 Proz. der Angestellten als Fachpersonal, 12,7 Proz. als Aufsichtspersonal, 11,1 Proz. als Bureaupersonal tätig. In der Industrie 15,8 Proz. als technische Angestellte und Beamte, 29,5 Proz. Werkmeister, 63,7 Proz. kaufmännische Ange- stellte und Bureaupersonal. Im Handel und Verkehr 21,6 Proz. technische Angestellte, 2,6 Proz. Werkmeister, 75,8 Proz. kauf- männische Angestellte und Bureaupersonal. Das absolut größte An- gestelltenpersonal hat dos Handelsgewerbe mit 1 319 537 Köpfen, an zweiter Stelle steht das Verkehrswesen mit 726957 Angestellten und Beamten, von denen mehr als die Hälfte zum technischen Personal gehört. Was die Angestellten in der Industrie anbelangt, so ist hier das absolut größte Angestelltenpersonal im Maschinen-, Appa- rate- und Fahrzeugbau(237 487), im Nahrungsmittelgewerbe (164 379. das Verkaufspersonal der Bäckereien und Schlächtereien inbegrisfcn), im Baugewerbe(136112) und in der Textilinüustri« (125 928). Relativ(im Vergleich zur Gesamtbelegschaft) am größten ist die Zahl der Jndustrieangestellten in der chemischen Industrie, wo von 199 Erwerbstätigen 26,5 Proz. Angestellte und Beamte sind, bei den Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerken(25,8 Proz.), elektro- technische Industrie(19,6 Proz.), Kautschukindustrie(19,5 Proz.), Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbau(18 Proz.). Julius Berger Tiefbau A.-G. hat Aufträge für mehrere Jahre. Die große Berliner Baugesellschast Julius Berger A.-G. hat durch einen Beschluß vom Mai 1927 sein erst ein Jahr vorher von ZYt auf 5 Millionen erhöhtes Kapital um weitere 2,5 auf 7 Millionen erweitert. Nach dem zur Einführung der neuen Aktien veröffent- lichten Prospekt hat die Gesellschaft, die schon seit 1924 jedes Jahr 15 Prozent Dividende verteilt hat, ihre Finanzlage weiter außerordentlich verbessert. Für die große Ausdehnung der laufenden Geschäfte und für den reichen Ertrag aus ihnen sprechen folgende Veränderungen der Bilanz am 31. Mai d. I. gegenüber dem 31. De- zember v. I.: Die Forderungen aus Bauten haben sich von 9,56 auf 9,75, sonstige Außenstände von 9,34 auf 1,48 und B a n k g u t- haben von 2,72 auf 7,99 Millionen erhöht. Auf der anderen Seite sind die Verbindlichkeiten nur von 1,94 auf 3,55 Mit- lionen Mark gestiegen. Die Gesellschaft beschäftigt zurzeit im In- und Ausland zusammen etwa 4 999 Arbeiter und 159 An- g e st e l l t e. Große Auslandsaufträge, und zwar in der Türkei und in Kolumbien, geben ihr ausreichende Beschäftigung für mehrere Jahre. An den türkischen Aufträgen ist bekanntlich auch das Reich durch eine Aussallsgarantie für rund 69 Millionen Mark beteiligt. Endlich eine Produklionssialistik. Das Reichswirts chaftsministe- rium soll gemeinsam mit dem Statistischen Reichsamt gegenwärtig einen Gesetzentwurf vorbereiten, der für die Auskunftspflicht industrieller Betriebe zu statistischen Zwecken feste Unterlagen schaffen soll. Hoffentlich zerstört hier nicht wieder die kurzsichtige Geschäfts» moral des Prioatkapitals von vornherein eine der wichtigsten Auf» gaben der staatlichen Wirtschaftspolitik. Deutschlands Ankeil am ftanzösischen Außenhandel. Die frone zöfische Außenhandelsstatistik für die ersten sechs Monate des JahNtS zeigt, daß die Lag« des deutsth-franzöfischen Handels sich während dieser Zeit zuungunsten Deutschlands entwickelt hat. Während in der Vergleichszeit des Vorjahres Deutschland unter den Ländern, die die französische Ausfuhr aufnahmen, an fünfter Stelle stand(mit etwa 1>4 Milliarden Franken), ist es jetzt mit- etwa 2,9 Milliarden Franken, also fast dem doppelten Be- trag, an die dritte Stelle hinter Großbritannien(5,2 Milliarden Franken) und dem belgisch-luxemburgischeN Zollgebiet<3,7 Mil- liarden Franken) gerückt. Dagegen hat sich die französische Ein- fuhr deutscher Ware« von 2 Milliarden auf 2,2 Milliarden Franken nur unerheblich vermehrt: die erste Stelle nehmen hier die Vereinigten Staaten, die zweite Großbritannien ein. Theater See Woche. -Vom Zl. Juli bis 8. August 1927. Deutsch«» Theater: Dcr Hexer.— Di« Namödier Lisi(Brün.— Theater am Slollendorsplatz: ab 2. Ält.HeideU erg.— Theater i» der Näuiggräzrr Straße, Die Schule von Uxnach.— gvmädientzav»: 31. Weihe Fracht, ab 1. ge- schloffen.—«»mische Oper, Streng ueruoten.— Deuüchr» kunstlcrthcater: Da wirst mkch heiraten.— Lustspielhaue: Hase Elcrtri«.— Lelfiug-Theater! Israel.— Theaicr am ilursürstciidamm: Das btst Du.— Triaa-u-Theale«: Sunips.— Zeutral-Theater: 31. Menschenjagd: ad 1. Die Wette.— Aetr»p»l> Theater: Die Bajadere.— ftl«i»«« Thrateri Kurzschluß im Schlafzimmer.— Rrnaislauec-Theater: bis 3. ciefchlossen, ab 4. Doltor Voldec und sein Katte.— Walhalla-Theater: Der sröhlichc Weinberg.— HIese-.THeater(Sarteubühne)! bis 3. Di« lustige Witwe, ab 4. Liebe ist Trumps.— Theater>» der»l-fter- straß«: 31. und 4. bis 7. Raub der Ladinerinnen. 1. bis 3. Weideteufel.— Schloßparl Tbcater Strgliß: bis 1. Der fidele Dauer, ab 2. Srüfin Mariza.— Theater im«dmsralepalast! ab 1. An und aus.— Seal»: ad 1. Internationale» Variets.— Rrichshalleu.Theatcr: 31. Gastspiel Dresdener Viktoria- Sänger, ab 1. Stettiner Sänger.— Theater am Koitbisser Thor: Elitr-Sltngcr. Rochmittagsoorstellungeu: Rose.Thratrr<»«rtr»b»hue>! Konzert und bunter Teil.— Theater>u der Kloftrrstraie! 31. Liebe. 7. Kleine Sklavin.— Schloßparl-Theatcr Steglitz: 31. Der Vogelhändler.— Theater im Admiralspalast: 7. An und ans. Verantwortlich wr Politik!«ieto» Schill: Wirtschast:«.«lingelhöser: Dewirkschaftsbewegung: V. Schindler! Feuilleton:«. H. DSscher: Lokales und Sonstiges: Fei»«arstäd«: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich tu Berlin. Verl«: Vorwärts-Berlag G.m.b.H., Berlin. Druck:«orwärw-Buchdruck-re« und Berlagsanstalt Paul Einger u Do. Berlin SW t8, Lindenstraße 3. ÜGUSTAV RADBRUCH »- s ss 5 S KULTURLEHRE DES SOZIALISMUS IDEOLOGISCHE BETRACHTUNGEN eu BEZIEHEN DURCH SÄMTL. BOTENFRAUEN und Speditionen des „VORWÄRTS", SOWIE VOM VERLAG J. H. W. DIET2 NCHFL, BERLIN SW6a LINDENSTR. 3 s X O KARTONIERT 1.40 MARK 14 a: < Z o In vornehmer Ausstattunx. BERLIN W PotsdamerStr. 122. �efeucßiungskörper für �Woßnungen in äffen oftif arten Speziafbefeucßtungen für Verkaufsräume, ofcßaufen/ier, �Werkßätien tCciisaß fangen fcönnen auf Wanfcfi vereinbarl werden ffefeacßfungsförper 5. m. b.& 'Berlin WW 6 föeficftj'gen cf/e unfere fflusßeffungsrdume ßuifenjir, 35 Bevor SieTapeten kaufen! müssen Sie die Ausstellung»der Tapeten- Spezi alfirma Tapeten-Slahlke Lindov/cr StraB« 5 im Ringbahnbogen am Ausgang Bahnhof Wedding, Unter- grundbahn- Station Wedding gesehen htoen. nB 4 Schaufeniter lichibetiSiidif- Tapel-a'TN mit billigen Ingrosprciiea Oberzeugen. asnrta wajFtesw. Men udmfbezs* 1®. L> ifNMr»i»i— Her weitMi« WcSi»®«?~!> Armband- alasdraabm ----------- Mein Schlager>... Damen- Armbanduhren Ukar.Gild 26 M. Silberne Herren- Armbanduhren 13 M. Große Auswahl In jeder Preislage. HAnn Berlin IL, ArtlUeiieslr. 30 sncrm. VrlCSv» Nähe Oranienburger Tor Garantie»ör jede bei mir gckaoilc Uhr»a