Nr. 562» 44.�ahrg. Musgabe A Nr. 185 Bezugspreis: »Schentlich w Pfennig, mtmatfich B,— Zie>ch«nari voraus zahlbar. Unter Kreuzband tilr Deutschland. Danziz. Saar, und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg «.so Neichsmark. für das übrige Ausland SLV Reichsmari pro Monat. Der.Zorrvärts' mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Boll und Zeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen".»Aus der stilmwelt". -ssr-ucnstimme".»Der Kinder. freund".»Iugend-Lorwärts".»Blick in die Büchcrwelt" und»Kultur- arbeit" erscheint wochentiiglich zwei. «al, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »»»zlaldamotrat verllo» Morgenausgabe � 4 Rerliner Volksblstt (10 pksnnis) Anzeigenpreise: Di»«inivalttae Nonpareille- geile SO Btennia Retlamczeil» Rcichsmart»Kleine»n,«>«»»' das iettgedruckte Wort Ii Biennrg szulässia zwei«ettgedruckte Woricl. sedes weitere Wort IS Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Ptennig. lede, weitere W»rt. 1» Pfennig Worte Über 15 Buchstaben zählen tür zwei Warle. Ärbeitsmartt steil««II Pfennig. lfamilienanzeigen stlr Sbonnenten steil««0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis lib Uhr nachmittags im Sauptgeschätt, BerlinSWSS.Liuden- ftrahell, abgegeben werden Geöffnet von 8'b Uhr früh bis 5 Uhr nachm.. Zentralorgan der Sozialdemokrat! feben partei Deutfchlands Reüaktion und Verlag: Serlin EW. öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff LSÄ— SS7. Bekenntnis zum Reichsbanner. Eine Zentrumsstimme über die Vorgänge im Zentrum. Von sehr einer bekannten und politisch aktiven Persönlichkeit des Zentrums, die gleichzeitig im Reichsbanner in vorderster Front steht, wird dem Sozialdemokratischen Pressedienst zu der inzwischen etwas abgeklungenen Reichsbannerdebatte geschrieben: „Die Hetze, die die Rechtspresse anläßlich des Austrittes des Reichskanzlers gegen das Reichsbanner treibt, erweist sich als ein Teil jener Kraft, die das Böse will und das Gute schafft. Ungewollt haben die Gegner den Beweis dafür geliefert, wie stark heute das Reichsbanner ist. Der Sturm, der das imposante Gebäude dieser rSpubNkanischen Organisationen umstürzen sollte, hat keinen Schoden anrichten können. Im Gegenteil, seine letzte Auswirkung wird eine Stärkung des Reichsbanners bedeuten. Der Reichskanzler ist zwar aus der Organisation ausgetreten. Aber ist es nicht außerordentlich bezeichnend, daß ihm nicht ein ein- z i g e r. P a r t e i f r e u n d gefolgt ist? Freilich: die offiziellen Instanzen der Zentrumspartei sind an dieser erfreulichen Entwicklung unschuldig. Es gibt in ihnen zu viel« Kräfte, denen das Reichsbanner ein Dorn im Auge ist, die in seiner Wirksamkeit ein« Störung ihrer Bürger- b l o ck p l ä n e sehen, und deshalb seit langem bemüht sind, einen möglichst dicken Trennungsstrich zwischen Reichsbanner und Zentrum zu ziehen. An Versuchen, diese Trennung herbeizuführen, hat et nicht gefehlt. Selbst der geistlichen Autorität hat man sich dabei eifrig bedient. Die deutschen Bischöse haben z. B. schon vor Jahren«in« Warnung an die Katholiken vor dem Eintritt in di« rechtsradikalen Kampfverbände erlassen. Organisationen, wie der Stahlhelm und der Jungdo wurden dabei namentlich genannt, uicht aber das Reichsbanner. Das verdroß' alle, die seit Iahren auf einen Bruch mit dem Reichsbanner hinarbeiten, und besonders der Zentrumsadel wurde nicht müde, auf die Bischöfe einzuwirken, damit sie ihre Warnung auch aus das Reichsbanner ausdehnten. Bisher ohne Erfolg. Wohl erreichten sie im vorigen Jahre, daß der deutsche Episkopat nochmals vor den Kampsverbänden warnte. Da diesmal kein Ver- band mit Namen genannt wurde, folgerten die Reichsbannergegner im Zentrum, diese Warnung beziehe sich auch auf das Reichs- b a n n e r. Innerhalb der Zentrumspartei entstand damals eine lebhafte Diskussion über die Frage, ob die Zentrumsmit- gsieder weiterhin dem Reichsbanner angehören könnten. Die Gegner drängten nach„klarer Entscheidung" und suchten unter Hinweis auf die bischöfliche Autorität einen starken Druck aus die Zentrums- Mitglieder des Reichsbanners auszuüben. ZNarx und ein kleiner kreis um ihn schwankten schon damals. Aber di« entschlossene Haltung der Mehrzahl der Reichsbannermit- glieder führte die Entscheidung herbei. Auf der Erfurter Sitzung des Reichsparteiausschusses, die ursprünglich zu dem Zwecke einberufen worden war, die Operation zwischen Zentrum und Reichsbanner herbeizuführen. /wurde schließlich eine Resolution angenommen, die den Bruch verhütete. Das war nicht das Verdien st der Zentrums- l e i t u n g. Sie hätte eine Trennung gar zu gern gesehen. Aber sie muhte mit der Opposition der Zentrumsmitglieder rechnen und wagte deshalb den Konflikt nicht. Es ist ganz klar, daß die übergroße Mehrheit der Zentrumskameraden einer Parole zum Austritt nicht gefolgt wäre. Aber was damals nicht gelang, sollte jetzt endlich Wirklichkeit werden. Schon lange ärgerte es die reaktionären Kreise im Zentrum, daß Marx noch immer dem Reichsbanner angehörte. Marx selbst fühlte sich wohl durch die Wahlhilfe, die ihm das Reichsbanner bei der Präsidentenwahl geliehen hatte, ein wenig verpflichtet. Daß er bis zuletzt wenigstens noch innerlich zu ihm stand, kann man leider nicht behaupten. Er hat zwar erklärt, daß ihm der Austritt aus dem Reichsbanner sehr schwer gefallen sei. Aber lag denn in Wirklichkeit ein u n- ausweichlicher Zwang zum Austritt vor? Was war denn geschehen? Der Ausruf Hörsings sprach zwar von einer Hilflosigkeit der österreichischen Regierung. Aber es war kaum zu befürchten, daß es wegen dieser Wendung zum Kriege mit Oesterreich gekom- men wäre. Freilich runzelte man in Wien die Stirne, aber sind denn aus den Kreisen um Seipel bisher nur Liebes- erklärungen nach Berlin gedrungen und weih man gar nicht, was sich Herr Mataja schon alles an Freundlich- leiten für die deutsche republikanische Reichsregierung geseistet hat? Die R«ichsregierung hat offiziell ihr Bedauern ausgesprochen. Konnte das nicht auch für den Herrn Reichskanzler .genügen? In weitesten Kreisen der Zentrumspartci. ist man dieser Meinung und von Mund zu Mund geht gerade keine schmeichelhafte Kritik an dem Verhalten des Herrn Parteioorsigen- den. Aus Parteidisziplin und parteigenössischer Verbundenheit wird zwar der Ausritt Marxs offiziell verteidigt. Aber daß man Herrn Marx völlig allein gelassen hat, daß selbst sein Ministerkollege Köhler sich weigert, seinem Beispiel zu folgen, daß I o o s und U l i tz k a gar nicht an Austritt denken, daß sich die Reichsbannerkonserenzen der Zentrumsmitglicdcr in Berlin und Düsseldorf entschieden für ein Verbleiben im Reichs- banner ausgesprochen haben, sind eigentlich Zeichen, die auch Herr Marx richtig deuten könnte. Die Schlußsolgerung aus dem Zwischenfall Hörsing-Marx liegt klar auf der Hand: die Zenlrumsmitglicder werden dem Reichsbanner die Treue wahren und durch keinerlei Winkelzüge sich den Glauben an die Notwendigkeit einer starken republikanischen Organisation rauben lassen. Die Rechnung der Herren von rechts und ihrer stillen Ver- bündeten im Zentrum ist zwar sehr einfach. Sie meinen, wenn erst das Zentrum aus dem Reichsbaiiner ausgeschieden ist, werden die Demokraten bald folgen und dann scheint es ihnen leicht, das Reichsbanner und seine machtvollen Kundgebungen als „sozialdemokratische Mache" beiseite schieben zu können. Dieser saubere Plan wird nicht gelingen. Wir bleiben, was wir waren, treue Mitglieder des Reichsbanners, mit oder ohne Marx, und wenn es sein muß, auch gegen ihn." Die Vernunft marschiert. Ein großes Pariser Blatt gegen Friedensdiktaite und Anschlußverbot. Paris, 2. August. Unter der Ueberschrist..Arme« 0 e st e r r e i ch" veröffentlicht die„volontt" einen Aussah, in dem sie auf die Vorkriegsgeschichte und die Leiden 0« st erreich» durch den Friedens- verlrag eingehl. Es sei sicher, daß alle Völker ihren Teil an der Verantwortung des Krieges von 1314 hätten, und es-sei nur gerecht, daß alle ihr verbrechen sühnten: aber für Oesterreich über- schreite die Sühne das verbrechen. Es folg! eine Verteidigung der Haltung Oeslerreich-Ungarns nach der Ermordung Franz Ferdinands und eine Verurteilung de» Vorgehens der. Alliierten. Dann wird ausgeführt: Räch dem Siege habe da» Alliierleutribunal die Besiegten verurteil«, ohne ihre Bevollmächtig- ten anzuhören. Früher, als der Krieg noch ein Akt einfacher Räuberei gewesen sei, hätten die Sieger mil den Unterlegenen wenigsten» verhandelt. Jehl, da der Krieg unter dem vorwand« de» Triumphe» de« Rechtes, der Gerechtigkeit und der Ziolli- sation geführt worden sei, verurteile man die Besiegten ohne sie anzuhören. Der Anschluß sei nicht nur eine Forderung der Gerechligkeik. sondern auch der Vernunft und liege im Interesse Europa». Die Alliierten träumten ober ihren Traum von der Einkreisung Deutschland» in einem zer- stückelten Europa weiter. Wenn sie sich Lösungen wldersehlen. die der gesunde Menschenverstand verlange, so werde die Gewalt der Dinge sie ihnen auszwingen. Es gebe nur die Alter- native: Auferstehung oder Agonie für olle Völker. Die Isolierung Oesterreich«, der Danziger Korridor und die Rheinlandbesatzung jeieo Irrtümer, die Europa teuer zu stehen kommen könnten. Konkurrenz öer Schurken. Rom, 2. August. Der Sondergerichtshos zum Schuhe des Staate» Hot dieser Tage über«inen zurückgekehrten Emigranten 12'� Jahr Gefängnis verhängt. Der verurteilte war nach den Vereinigten Staaten ausgewandert, ohne von feiner Heimolbehörde, als de» Antifaschismus verdächtig, die Ausreiseerlaubnis erhalten zu haben. Es gelang ihm auch, ohne Pah und Visum noch den vereinigten Staaten einzuwandern. Er richtete dann sofort an den Einwände- rnngskommissor van Boston, seinem neuen Aufenthaltsort, ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung, in dem er die Anhaltborkeil feiner Lage als Anlifaschist in der Heimal und die Gründe seiner illegalen Einwanderung darlegte. Der Einwonderungskommissar lehnte das Gesuch nicht nur ab, sondern übermittelte eine Kopie davon ohne wissen des Antragsteller» dem italienischen Konsul in Boston, woraus der Italiener bei seiner Rückkehr noch Italien sofort in Haft genommen und verurteilt wurde. Cooliüge kommt entgegen. Wenn keine Einigung— Konferenzschluß. Rew Park. 2. August. Wie„Associated Preß" aus Rapid City meldet, hat Prä- > sident Eoolidge die amerikanische Delegation auf der Marine- ' konferenz angewiesen, olles mögliche zu tun, um zu einem Ueber- einkommen zu gelangen � Er erwartet aber, falls sich die» al» un- möglich erweisen sollte, die Vertagung der Konserenz auf un- bestimmte Zeit. hafteten Rechtsverleger sofo geführt. Per Staatsanwalt vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Linöenflr.3 Poftl«»«»»!»:«er«» 31 63$~«antlsat«:«an!««' Arbeit««. An#«»«««» ■ab Ccaaüc«.«»Iftr. 55:»i,k»»t».»«iell»-lt SctaRtcnlaff« Lmbtnftr. 3. Die Schnelljustiz. Eine Gefahr für das Rechtsleben. Wenn irgendwo, so hat sich in der S ch n e l l j u st i z der Satz bewahrheitet:„Vernunft wird Unsinn, Wohltar Plage". Der Gedanke, der der Eiljustiz zugrunde lag, war: das Verfahren abzukürzen, die Pein der Untersuchungshaft auf das Mindestmaß zu beschränken, die„Strafe" unmittel- bar auf die Tat folgen zu lassen. Die Eitjustiz sollte aber nicht den Sinn haben, daß die„Sachen" in aller Eilesim Gerichtssaal durchgepeitscht und mit einem Federstrich, unter Ignorierung der Motive der Tat und der Persönlichkeit des Täters, über dessen �Schicksal entschieden werde. Bei der heutigen u n v s y ch o l o g i s ch e-n und unsozialen Ein- stellung von Richter und Staatsanwalt mußte man befür'ch- ten, daß dies doch geschehen würde. Die E i l j u st i z hat solche Befürchtungen übertroffen— sie ist zum E i l p r o z e ß ausgeartet. Die Einzelrichterjustiz ist die Schöpfung Emminger» unseligen Andenkens vom Jahre 1924. Sie war durch die gleichen„Sparmaßnahmen" bedingt wie die Vernichtung der Schwurgerichte. Hier wurden an Stelle Geschworener, die setbständig urteilten, den Richtern Schöffen beigegeben, die nun von ihnen am Gängelband geführt werden konnten; dort darf der Amtsrichter ohne das störende An- hängsel der Laien seinen Spruch fällen. Der Einzel- richter wurde aber zum E i l r i ch t e r. Er erhält die ver- 'ort,, etwa am dritten Tage, vor? t erhebt mündljch die Anklage, die eilig geladenen Zeugen werden vernommen, das Urteil ge- fällt. Liegt ein Verbrechen vor, so darf der Angeklagte gege« die sofortige Verhandlung Einspruch erheben; dann wird er nach Moabit übergeführt und seine Sache kommt dann bor ein Schöffengericht. Das gleiche geschieht', wenn eine Ver- tagung notwendig wird. Mit Einverständnis des Angeklag- ten darf der Einzelrichter in allen den Fällen verhandeln, in denen die Strafe nicht mehr als zehn Jahre Zuchthaus beträgt. Das Justizministerium hat jedoch die Anweisung gegeben, in allen schwierigen oder für den Angeklckfften schwerwiegenden Fällen die Sachen an das Schöffengericht zu überweisen. Die Statistik der drei letzten Jahre zeigt, daß die Angeklagten nur in den seltensten Fällen gegen die sofor- tige Verhandlung Einspruch erhoben und von dem Rechte der Berufung gegen das gefällte Urteil Gebrauch machten. Darin erblicken die Anhänger der Eiljustiz eine Rechtser- tigung ihrer Existenz und einen Beweis für ihr richtiges Funktionieren. Die Statistik verschweigt aber, daß ein groher Teil der Angeklagten das Urteil nur annimmt, weil sie sonst in Untersuchungshaft blieben. Gegen die sofortige Aburteilung ist im Prinzip nichts einzuwenden. Sie entspricht in sehr vielen Fällest bestimmt dem Wunsch der wegen einer Rechtsverletzung Verhafteten; sie befindet sich auch im Einklang mit den Interessen der Justiz und des Staates. Widerspruch ruft nicht die Eilsustiz als solche hervor, sondern die E i l j u st i z, wie sie äugen- blicklich gehandhabt wird. Sie schlägt in vielen Fällen den elementarsten Forderungen einer humanen, auf die Interessen des Angeklagten und der Allgemeinheit hinzielen- den Strafrechtspflege direkt ins Gesicht, sie steht auch in krassem Gegensatz zum Erlaß des preußischen Justiz- Ministeriums' Dieser Justizerlaß hat den Staatsanwälten zur Pflicht gemacht, sich über alle Umstände zu unterrichten, die für die Beurteilung des Täters von Bedeutung sein könnten: wie über jene Ursachen der Tat, die dem Angeklagten nicht zum Vorwurf gemacht werden können, so auch über sein Vor- leben, seine wirtschaftlichen Verhältnisse, über das Maß seiner Einsicht, über die Einflüsse krankhafter Zustände. Noch mehr: Der Staatsanwalt hat in seinem Strafantrag die äugen- blicklichen persönlichen und wirtschaftlichen Verbältnisse des Angeklagten, wie auch die Folgen zu berücksichtigen, die eine Verurteilung und Strafvollstreckung für ihn und seine Angehörigen haben würde. Und zwar in jedem Versahren ohne Ausnahme. Nicht die Tat. sondern der Täter sollte zur Beurteilung stehen. Derselbe Erlaß rügt auch die„immer wiederkehrenden Redensarten" in den Urteilsbegründungen der erkennenden Gerichte, die auf all die oben aufgezählten Umstände nicht eingehen. Für oen Einzelrichter und. Eilstaatsanwalt existiert ober dieser Erlaß nicht. Dazu haben sie zu große Eil«. Wenn sich mal ein Vertreter des Justizministeriums als Zuhörer unter die Kriminalstudenten im Gerichtssaal in der Dircksenstraße mischte, er würde sein blaues Wunder erleben — bei einem Richter mehr, bei dem anderen weniger. Er wäre darüber bestürzt, daß preußische Jststizbeamte Erlasse der vorgesetzten Behörde einfach in den Wind schlagen und dem einzelnen Individuum wie dem Staate ungeheurer Schaden zufügen. Wenn irgend etwa» in der deutschen Justiz geeignet ist, oas Mißtrauen im Volke zu nähren, so ist es die Eilsustiz. Man stelle sich nur vor: In wenigen Stunden müssen oft 10 bis 15 oder mehr Sachen erledigt werden. Richter tmb Staatsanwalt haben die Akten in der Regel eben erst kennengelernt, beide sehen den Angeklagten zum erstenmal. Der'Tatbestand kann zum größten Teil durch die anwesenden Zeugen einwandfrei festgestellt werden. Wie steht es aber mit den Motiven zur Tat und mit der Persönlichkeit des Angeklagten? Fragt der Richter nach dessen Vorleben, so können ja einige nicht nachzukontrollierende Tatsachen zutage gefördert werden. Es gibt aber Richter und Staatsanwälte, die jede Feststellung in dieser Richtung für überflüssig halten— ja selbst dann, wenn junge und bisher unbestrafte Leute vor Gericht stehen. Ihre Persönlich- keit, die Motive der Tat, bleiben in völliges Dunkel gehüllt. Oder die Angeklagten erzählen von der Arbeit, die sie durch die Strafverbüßung verlieren würden, von kranken Frauen und Kindern, von Müttern, die sie ernähren müssen, von psychischen Krankheiten, an denen sie litten oder leiden— und allen muß aufs Wort geglaubt oder nicht geglaubt werden. So werden Strafurteile gefällt, die Fehlurteile fein können, sowohl durch Milde als auch durch Härte. Die Eiljustiz, wie sie augenblicklich ist, bedeutet nichts anderes als eine Tatbestandsfeststellungsmaschinerie, ein Rätselraten mit vielen Uebekannten, einen Hohn auf den oben erwähnten Justizerlaß. Sie muß es fein durch die Schuld de? Gesetzes selbst: sie wird es in erhöhtem Maße durch die völlig verfehlte Meinung des amtierenden erstmalig vernehmenden Richters, der Staatsanwälte und Richter. Könnte aber die Eiljüstiz unter gewissen Bedingungen ihren Aufgaben gerecht werden? Doch, das könnte sie. Was wäre dazu nötig? In erster Linie die humansten S t a a t s a n w ä l t rm n d Richter, die in jeder einzelnen Sache nicht eine zu erledigende unangenehme Angelegenheit sähen, sondern ein Menschenschicksal, das jedesmal aufs neue am Gewissen der Gesellschaft rüttelt. Zweitens: eist Apparat von Gerichtshelfern, durch den der erstmalig vernehmende Richter sich in die Lage versetzt sähe, unverzüglich die erforderlichen Recherchen über die persönlichen Verhältnisse der verhafteten Rechtsverletzer vorzunehmen, um sie hinterher bei der Strafzumessung, Haft- entlassung und bei der Frage der Bewährungsfrist in Rech- nung zu ziehen. Diese Helser müßten besoldete Angestellte der Gerichtshilfe für Erwachsene sein. Sie hätten auch der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Der Termin selbst müßte auf Grund einer entsprechenden Gesetzesnooelle um einige Tage hinausgeschoben oder oertagt wsrden dürfen, damit die Recherchen gemacht werd.en können. Alle Angeklagten ohne Ausnahme müßten schließlich von einem für den Ge- richtstag bestimmten Verteidiger vertreten werden. Nur unter diesen Voraussetzungen wäre die Gewähr geboten, daß die Eiljustiz aus einer Kamera für photo- graphische richterliche Momentaufnahmen das würde, was sie sein müßte: eine Institution zur Ersparnis menschlicher Pein in Erwartung des Gerichts, menschlichen Leidens und Un- glucks nach Fällung des Urteils, materieller udd leiblicher Güter der Bürger durch eine richtig verstandene Strafrechts- pflege, eine Ersparnis an Volksmitteln durch Entvölkerung der Gefängnisse. ,Hen Ostlanö wollen wir reiten/ Sergts Medc in Beuthcn. Was hat er wirklich gesagt? Im Leitartikel unserer Sonntagsnummer haben wir wieder einmal an die Rede des Vizekanzlers H e r g t erinnert, die er bei der deutschnationalen O st- marken ta gu n g in Beuthen gehalten und die unter der Spitzmarke„Gen Ostland wollen wir reiten" sozusagen Welt- berühmtheit erlangt hat. Die Erinnerung an diese Rede ist dem Herrn Vizekanzler begreiflicherweise sehr unbequem, um- so unbequemer, als sie Veranlassung dazu gegeben hat, daß eine— Aussprache zwischen dem polnischen Ge- sandten und dem deutschen Reichsaußenminister stattfand, über die soinerzeit folgendes Kommunique herausgegeben wurde: Wenn der polnische Außenminister sich durch Kund- gebungen apläßlich der Tagung in Beuthen tueun ruhigt suhl«, so sei das feito-eise auf e n tsst e kl t e und übertriebene Pressenachrichten, teilweise auf Mißverständnisse dessen, was gesagt worden ist, zurückzuführen. Herr Hergt legt Wert darauf, festzustellen, daß e r die Worte„Gen Ostland wollen wir reiten' nicht gebraucht und auch nicht irgendwelche Redewendung angewandt hätte, die in solchem Sinne gedeutet werden könnte. Fragt sich also, was Herr Hergt, der nicht nur deutschnaiionaler Äbgeord- neter, sondern zeitweilig auch Vertveter des Kanzlers ist, wirk- lich gesagt hat. Da es sich um eine improvisierte Diskussionsrede handelte, müssen wir schon die deutsch- nationale Presse zur Hilfe nehmen, um den Sinn seiner Ausführungen einigermaßen erfassen zu können. Wir schlagen zu diesem Zweck die Nr. 203 Abendausgabe der„Deutschen Tageszeitung" vom 2. Mai 1927 auf. Dort erscheint der Bericht über die Ostmarkentagung unter der fetten zwei- spaltigen Ueberschrift„Gen Ostland wollen wir reiten". Ueber die Red« Hergts heißt es, nachdem zunächst einer Ansprache des Herrn Wallraf gedacht ist: „Die zweite, ungleich wichtigere Seite dieser Schicksals- Verbundenheit zu behandeln, nämlich die des ganzen Zteiches des Nordens, der Mitte, des Südens mit der Grenzmark ist das Ziel der Rede Hergts, des Reichsjustizministers und stellvertreten- den Reichskanzlers. Eine wirkliche Grenzmarkxwlitik kann nur dann getrieben werden, wenn eben das ganze deutsche Volt und an seiner Spitze die Regierung den starten Rückhalt abgibt für die Bemühung der Grenzmarken, sich wieder h o ch z u- arbeiten. Hergt war einst selbst Regierungspräsident in Ober- schlesien: er kennt die Nöte der Grenzmark und das gibt seinen Ausführungen nicht bloß den warmen, sondern auch den scharsen Ton. Mit deutlicher Akzentuiertheit, die noch unterstrichen wird durch den stürmischen Beifall der Versammlung, erklärt er. daß solange die Deulschnationalen in der Regierung sitzen, an ein Ost- locarno gar nicht zu denken ist. Zm Auseinanderprallen der Gegen- sähe in der Grenzmark aber bildet sich die Kraft und die Stärke eines Volkes, ein Ziel, hinter dem die innerpolitischen. In Ober- schlesien vor allem die konfessionellen Streitigkeiten zurücktreten müssen. Und mit einem zweiten gleich scharf akzentuier- ten Ton schließt Hergt seine Rede mit dem Wunsch« an Oberschlesien, nicht bloß zu blühen und zu gedeihen, sondern vor allem zu wachsen." Der Eindruck, den Hergts Rede vor den deutsch* nationalen Ostmärkern machte, ist hier also ganz augenfällig einwandfrei wiedergegeben. Ob ein Stenogramm der Rede vorliegt, wissen wir nicht. Aber diejenigen, dSe an deutschnationale Satzgebilde gewöhnt sind, haben aus 5)ergts Ausssthrungen das herausgehört, was in der„Deut-. scheu Tageszeitung" wiedergegeben und von der Versarnm- lung mit demonstrativem Beifall unter» strichen wurde. Die deutschnationalc Presse hat sich unerschöpflich dar- über aufgeregt, daß Hörsing in Königsberg den Hergtschen „Ritt gen Ostland" unter die kritische Lupe genommen hatte. Noch mehr aber darüber, daß er als preußischer Staats- beamter und Bundesvorsitzender des Reichsbanners es gewagt hat, von.-.davrLHitftchfitzkaii�-de? estmuchifcheik.- Rvgienmg zu sprechen. Herr He rgt selbst aber.enzpfindpt««.bereits p e in l i ch wenn man an seine Beuthen klagten Erben der liebedurstigen Dörchläuchting von Strelitz sich jetzt bereitfinden müssen, einen Vergleich zu schließen, für dessen sachlichen Inhalt der höchste Gerichtshof der deutschen Republik die Verantwortung trägt. Die ehemalige Schauspielerin, jetzt durch Hei- rat„Gräfin" Matzenau, erhält tatsächlich.eine Iahresrente von 6000 Mark, monatlich 500 Mark, für Liebesdienste in vergangener Zeit! Die Kinder müssen für die verschiedenen Sündenfäll« des großherzoglichen Papas nachträglich blechen. Aus der Abfindung, die die Republik Mecklenburg-Strelitz den Erben der vormaligen Dynastie gewährte, werden die Liebchen des alten Herrn noch nachträglich besoldet. So will es das Reichsgericht. Und nun sage man noch, wir lebten in einer Zeit, deren Rechtspflege nicht voll von n-enschlicher Güte und menschlichem Verstehen sei! �■ tzugenbergs Di« sboC beftj Reichsaußenmimster kürzlich Unter Verlust an schwerindustrielle Kreise oeräußerte„Deutsche Allge- meine Zeitung" wird mit dem 1, April des kommenden Jahres nicht mehr in der Druckerei der preußischen Ztaatsregierung, sondern von Hugenberg gedruckt werden. Diese Acnderung im Verlagswesen der„DAZ." soll nach unseren Informationen gleichbedeutend sein mit dem völligen Uebergang der DAZ. in den Besitz des Hugenbergkonzcrus. Das einstige Organ von Stinnes dürfte aber auch dort auf die Dauer kaum existenzfähig sein. Au einem Uniformerlaß. Macht auch monotones Normen in der Industrie sich breit,— ' für die Reichswehruniformen winkt uns Mannigfaltigkeit. Geßler hat, ein edler Spender, unserer Zeiten Not erkannt: Kordeln, Litzen, Achselbänder, Biesen braucht das Baterland. Silberne und goldene Schnüre (wie das funkelt, wie das strahst!) kriegt ein jeder als Bordüre, falls er selbst den Krim» bezahlt. Huch, der Sonntagsausgehabend wird jetzt noch einmal so fein. Solchen schmucken Bräutjam habend. wie wird Minna glücklich sein! Generale, Offiziere prunken künftig pfauenbunt. Süßen Lohn dem Kavaliere spendet zarter Frauenmund. Gold und Silber überfunkelt gleißend den Ministersrack: und gerechterweis' verdunkelt seufzt das Zioilistenpack., Freu dich. Fritzchen! Forsch das tat Einglas dir ins Auge klemm! Nächstens kommt die Rückenfalte und der Treueid aus S. M. Mich, von Lindeuhecken. �Parasiten ües Alltags/ Von Kurt H i r ch e. Eine große Berliner Zeitung hat in ihrer illustrierten Beilage vor einiger Zeit das Wort von den„Parasiten des Alltags" geprägt. Im Bilde zeigte sie„Zaungäste beim Radrennen",„die ganze Fa- milie für 10 Pfennig aus der Automatenwage".„Kostprobe�im Deli- kateßladen",„Zeilungsnassmter",„Radfahrer inst Pferdekriiften" usw. Sie begegnen uns täglich in tausendfacher Gestalt, diese.Para- siten", nur daß ihr Erscheinen für den nachdenklichen Beobachter durchaus nicht immer humorvoll und satirisch wirkt. Es liegt im Grunde eine soziale Tragik in diesem Wort. Unter Parasit versteht man heute einen Schmarotzer, der sich auf Kosten anderer ernährt, oder allgemeiner: der sich widerrechtlich und im Gegensatz zum„Ueblichen" ohne Gegenleistung Vorteils oder Annehmlichkeiten sichert, dadurch aber in den Augen der „Guten", der„Arrivierten", verwerflich erscheint. So betrachtet, entbehrt das Parasiientum des Alltags durch- aus aller Lächerlichkeit, obwohl wir uns bewußt sind, daß inan sich recht oft über die mehr harmlosen, kleinen Parasiten lustig macht. Der �Zeitungsnassauer", der dem Nebenmann in der Straßenbahn in das Tageblatt schaut, bekommt sofort ein anderes Gesicht, wenn wir daran denken, daß es Tausende gibt, die sich aus Not keine Zeitung taufen können und zu den Schaukästen der Zeiwngsver- läge gehen, um dort die neuesten Nachrichten zu lesen. Der junge Mann im Cafe, ein schlechtbezahlter Angestellter, hat hier die ein- zige Möglichkeit, bei„einer Tasse Kaffee und 5 Glas Wasser 18 Zeitungen" zu lesen. Oder viele, die im Winter in die Museen und Lesesäle der Bibliotheken gehen, werden nicht vom Bildung?- bedürfnis getrieben, diej« kostenlosen„Wörmehallcn" auszusuchen. „Nassauer",„Parasiten" sind auch die vielen, die Handwagen mit schweren Losten zu ziehen haben und sich ihre Arbeit dadurch er- leichtern, daß sie sich an einen pferdebespannten Rollwagen an- hängen. Und doch, welche Wohltat ist es für solch einen Geplagten, wenn ihm seine Last durch diese Hilfe erleichtert wird! Di« kleinen Portokassenjünglinge, die in der Straßenbahn gern„blinde Passa- giere" spielen, die Kinobesucher, die nur ein« Karte für den schlechtesten Platz haben und sich auf einen besseren zu setzen suchen, die Familie, die die Automatenwage dazu benutzt, nicht nur«ine Per- son, sondern alle Familienangehörigen für den einen Groschen zu wiegen, die tausendfältigen Arten von„Zaungästen", sind all« Aus- druck einer Zeit, die mit ihren' Konfiimiionsmitteln zu sparsam und ungleichmäßig umgeht. Diese„Pfiffigkeit kleiner Leute", wie man mit Borliebe zu sagen pflegt, ist in Wttklichkeit eine Form des Daseinskampfes, die sich nur in einer Gesellschaftsordnung entwickeln kann, in der die Bolksmasse so arm ist, daß sie einfach dazu gedrängt wird, selbst wider Willen hier und da den„Parasiten im Alltag" zu spielen. Die Nassauer, die Parasiten, die auf Kosten ihrer„Freunde" leben, die jeden umschwärmen, der für sie„Geld übrig hat", sind damit nicht gemeint. Für sie paßt der.Name Schmarotzer. Und'es ist kaum fraglich, daß er auch für sehr viele paßt, die sich durch die Arbeit anderer bereichern, aber nicht für diejenigen, die Not dazu treibt. Fund römischer Altäre. Im Bereich der Grube Idylle bei Kruft wutde mehrere römische Altäre gefunden, die Kunde geben von einem ausgedehnten römischen Steinbruchbetrieb im 1. und 2. Jahr- bundert unserer Zeitrechnung, den verschiedene Truppen der römf- ichen Bcsätzungsarmee dort unterhielten, um Material für ihre Be- festigungsbauten zu gewinnen." Sven Heüins Menfahrt. Die größte wissenschaftliche Expedition, die je zu einer For- schungsreij« in das Herz Asiens ausgebrochen ist, befind.'t sich s-it Beginn des Sommers auf ihrem beschwerlichen Weg. Dieser Tage hat sie«in Lebenszeichen in die zivilisierte Welt gelangen lajs.'n, das letzt« für laiwe Zeit, denn die Forscher und Gelehrten, die die noch ungeklärten Geheimnisse Zeniralasiens nunmchr endgültig entschleiern wollen, werden für die nächsten sechs Monate von der übrigen Welt völlig abgeschnitten sein. Wieder ist es Sven Hedin, der diese Erpc- dition führt. Lang« Zeit schien es, als sollten die Widerstände, die sich in China gegen die Reisepläne des schwedischen. Forschers erhoben hatten, die Ausführung unmöglich machen. Aber schließlich siegte doch die bessere Einsicht. Chinesische Gelehrte nehmen selbst an der Forschungsreise teil: China erhält all« archäologischen Funde, die von der Expedition gemacht werden. Im übrigen ist du Unternehmung durch eine recht bunte Zusammensetzung der Teilnehmer ausgezeichnet. Beim Stab der Karawane befindet sich eine Anzahl deutscher Gelehrter, auch der vielgenannte„Herzog von Mongolei", Larsson, nimmt an der Expedition teil. Zu Beginn der Reise zählt: sie nicht weniger als SSS Kamele mit den dazugehörigen Begleii- Mannschaften, sowie eine Bedeckung von 20 Reitern, die kurioserweije von Beruf Räuber und als solche der zuverlässigste Schutz der Reisen- den sind. Ging doch der erste Teil des Marsches, von Paoto, dem Endpunkt der chinesischen Eisenbahn, bis nach Back Huthertugol, durch Räubergebret, wo dies« Legleitunp vorzüglich« Dienste leistete. Gerade die ausgedehnten Gebiete des zentralen Asiens sind Sven Hedins Spezialgebiet, das überhaupt von europäischen Forschern erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit gepflegt wird. Sicher ist jeden- falls, daß nördlich von den Abhängen von Hindukusch, des große« indischen Grenzgebiraes, im Nordwesten ein alter Mittelpunkt der Zivilisation lag, dex schon frühzeitig besiedelt worden war. Hier ist das Gebiet, wo Sven Hedin schon aus seinen früheren Forschunas- reisen Entd:ckungen von größtem Wert gemacht hat. Nordwestlich von Tibet entdeckte er die Reste verschütteter Städte, die wahrscheiu- lich aus ansehnlichen Doltsansiedlunaen stammten. Berühmter noch ist seine an wissenschaftlichen Ergebnissen außerordentlich reiche Fahrt zu Floß auf dem Tarim und eine Untersuchung der Wasserverhält- nisse des Binnensees Lop nor. Eine andere erfolgreiche zentral- asiatische Forschungsfahrt war die des Russen Michael Prschewalsti in den Iahren zwischen 1870 und 1885. Sven Hedin selbst hat im Jahre 1906 und in den folgenden Iahren die Quellen des Brahma- putra. Indus und Satledsch erreicht und den Transhimolaya festgestellt. Der erst«, der Zentralasien von Osten nach Westen durch- quert hat, war der englische Oberst Pounghusband, der im Jahre 1887 von Peking nach Indien zog. Auch' die Reisen von Koslow in der westlichen Mongolei und Osttibet haben großen Wissenschaft- liihen Erfolg gehabt. Diese sind nur die bekanntesten Forscher, die im Lauf der Jahrhunderte, seit Marvo Polos denkwürdiger Fahrt an den Hof des Mongolenchans, Hochasien besucht haben. Dennoch bleibt in den riesigen Bezirken Innerasiens noch genug zu entdecken, was der menschlichen Erkenntnis bisher verschlossen geblieben ist. Veussche Itaturschlihtagliag. Der in Kassel stattfindende 2. Deuliche Raturtchntztag begann gestern mit einem Begrnßungiabend. Die eigcnl- liche Tagung wurde heute vormittag eröffnet. Bekämpfung üer Geschlechtskrankheiten. Ein Preußisches SluSfiihrungsgesetz. Zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hat die Preußische Staatsregierung eine Ausführungsver» ordnung zum Reichsgesetz vom 18. Februar 1327 ausgearbeitet, durch die die durch das Reichsgesetz den Gesundheitsbehörden er- wachsende» Aufgaben den Stadt- und Landkreisen als S e l b st- Verwaltungsangelegenheiten übertragen werden. Da das Reichsgesetz künftig bei der Bekämpfung der Geschlechtskrank- heiten die sllrsorgerische Tätigkeit stärker in den Vordergrund gestellt wissen will und deswegen ein enges Zusammenarbeiten der Gesund- heitsbehörden mit den Einrichtungen der sozialen Fürsorge vor- schreibt, die soziale Fürsorge aber als Selbftoerwaltungsangelegen- heit ausgeübt wird, so Hot man es s«r zweckmäßig gehalten, den Kommunalverwallungen auch die Aufgaben der Gesundheitsbehör- den als solche Angelegenheiten zu übertragen. Mit der Verordnung wird sich am kommenden Montag der Ständige Ausschuß des preußischen Landtages befassen, der im übrigen noch über die Notoerordnung wegen Erhebung der Schul- beitrüge für Berussschulen zu beraten hat. Keine Dusstcht auf Amnestie. Hergt läßt dementieren. Amtlich wird mitgeteilt: Die Meldung des„Berliner Tage- blatte" in der Abendausgabe von 2. August, daß im Reichsjustiz- Ministerium ein Amnestiegesetzentwurf vorbereitet werde, der dem Reichstag in der Septembertagung vorgelegt werden soll, ist unrichtig. Es trifft übrigens auch nicht zu, daß der Reichstag den Erlaß einer neuen Amnestie angeregt habe. Der Reichstag hat vielmehr nur einige näher bezeichnete Gruppen von Einzelsällen der Gnadeninstonz zu wohlwollender Prüfung empfohlen, ein Amnestiegesetz aber abgelehnt. Der Zoll ZrieÜers. Allgemeine Forderung auf Nachprüfung. Die eindrucksvollen Darlegungen im Wiederaufnahmeantrag des wegen fahrlässigen Folscheides in Weimar verurteilten Oberstaats- nnwalts Frieders haben bewirkt, daß fast die gesamte Press« sich mit dem Fall Frieders beschäftigt. Di« Meinung ist fast allgemein, daß es sich in diesem Falle um einen Justizirrtum hau- delt, der in die Serie der berühmtesten Fehlurteile eingereiht wer- den muß. Verbliebe es bei dem Urteil, ohne daß eine N a ch p r ü- fang erfolgt, so würde die Beunruhigung ganz allgemein werden. Die Forderung der Nachprüfung wird deshalb ganz allgemein er- hoben—.Berliner Tageblatt",„Vosiische Zeitung",.Germania", „Tägliche Rundschau" stimmen in der Forderung einer Nachprüfung überein. Es gibt allerdings auch Kreise, die sich dieler Forderung wider- setzen. Diese Ztreise sitzen in Weimar. Sie gruppieren sich um den Staatsanwalt F l o e l. der im Frieders-Prozeß eine Rolle spielte, wie um. die Personen der früheren Ordnungsregierung. Diese Kreise haben alles Interesse daran, eine Wiederaufrollung des ganzen Kam- plexes zu scheuen. Sie haben jetzt, abgesehen von Thüringer Zei- tungen. ein Sprachrohr in der alldeutschen„Deutschen Zei- tung" gefunden, die von„Propaganda gegen die thüringische GM. Met..-WI' i«i- t,'.•v;: «chlimm genug, wenn die Propaganda für die W!«d e rh e r- st e l l u n g des Rechts als Propaganda gegen die thüringische Justiz empfunden werden kann! Defizit in Thüringen. Fünf Millionen Mark ohne Deckung. Weimar. 2. August.(Eigenbericht.) Die Bürgerblockregiertmg Thüringens hat nun endlich den Etat des Landes für 1927, der schon zum 31. März 1927 jällig gewesen ist, also vier Monate später, herausgebracht. Der Haushaltsplan schließt mit einem Fehlbetrag von 19,8 Millionen Mark gegenüber einem Defizit von 8,8 Millionen Mark im Jahre 1926 ab. Während das Defizit von 1926 noch voll aus den Be. ständen, die aus überraschend großen Steuerüberweisungen des Reiches entstanden waren, gedeckt werden konnte, geht dos in diesem Jahre nur bis zu etwa 6 Millionen Mark, denn dann sind die Be- stände vollkommen erschöpft. Etwa 5 Millionen Mark sind also im Augenblick in keiner Weise gedeckt. Gegen Keuüells Schulgefetz. Lehrerprotest aus Bayern. München, 2. August.(Eigenbericht.) Der bayerische Lehrerverein hält zurzeit in der niederbayerischen Kreishaupistgdt Landcshut seine 24. Hauptoer- sammlung ab, mit der gleichzeitig die 5. Hauptversammlung der bayerischen Junglehrer verbunden ist. Die Junglehrer protestierten entschieden gegen den neuen Reichsschulgesetzent- wurf in seiner heutigen Form. Cr stelle nicht mir eine Ver- fassungsoerletzung dar, sondern sei auch als eine schlimme Sock- g a s s e für die Fortentwicklung des deutschen Geistes- und Kultur- lebens zu betrachten. Schulreform in Deutschö'fterreich. Nach dem Vorbild des roten Nie«. Wien, 2. August.(Eigenbericht.) Der Nationalrat hat in seiner letzten Sitzung vor den Sommer- ferien eine grundlegende Reform des mittleren Schulwesens beschlossen. Nachdem im vorigen Jahre für alle Volksschulen ein grundsätzlich neuer Lehrplan erlassen worden ist, der sich auf der Grundlage der in Wien erprobten und durch- geführten Schulreform aufbaut, ist nunmehr das Werk der Schulreform, das in der Zeit der Regierung Renner von dem sozialdemokratischen Unterstaatssekretär G l ö ck e l begonnen und van ihm als Vorsitzenden des Wiener Stadtschulrats weitergesührt worden ist, für das ganze Bundesgebiet zu einem gewissen Abschluß gelangt. Das Gesetzwerk besteht aus einem Gesetz über die frühere Bürgerschule(das find die Schulkiassen vom 10. bis 14. Lebensjahr). die nun Hauptschule gennant wird,— einem Gesetz über die Mittel- schule(In Deutschland höhere Schule genannt) und einem Ver- fassungsgesetz, das bestimmt, daß die neuen Schulgesetze in Ab- änderung der Bestimmungen der Vundesverfasiung mit dem IS. August 1927 für das ganze Bundesgebiet iß Kraft treten. Die Bestimmungen über die Hauptschul« bedeuten einen großen Fortschritt und praktisch die Anerkennung der Re- fonnbeftrebungen. die vom Wiener Stadtschulrat in den letzten Jahren ausgegangen sind. Denn die Allgemeine Mittel- schule ist im wesentlichen nichts anderes als die Verwirklichung Die neue Teuerungswelle. Ihr Ende noch nicht abzusehen. Die Früchte der verfehlten Wirtschaftspolitik des Reiches reifen. In jedem Haushalt spürt man die Verteuerung der Lebensmittel und Bedarfswaren, die den Einzelhaushalt so schwer belasten. Die Lebenshaltungskosten sind seit September vorigen Jahres bis zum Monat Juli von 142 aus 150 Proz. des Vorkriegsstandes, also um mehr als 5 Proz. gestiegen. Neben die erhebliche Verteuerung der Wohnung tritt diejenige der Ernährungs- kosten. Wucherzölle und Weltteuerung wirken zusammen, uin den Lebensstandard der Zlrbeiterschast noch mehr zu erschweren, als es bei den knappen Reallöhnen ohnedies der Fall äst. Aber nicht nur diese soziale Seite der Teuerung verdient heute Beachtung. Unter großen Krämpsen und Zuckungen wurde die deutsche Volkswirtschaft nach den Wirren der Inflation wieder angekurbelt. Zu den unfreiwilligen Auslandsschulden der Daweslasten trat die jetzt bereits nach Milliarden zählende und in- zwischen noch größer werdende freiwillige Verschuldung durch Sredile, die die deutsche Wirtschaft ausnehmen mußte, um Produktion und Absatz finanzieren zu können. Gerade neuerdings sind die Be- nillhungen, Auslandskapitol hereinzuholen, wieder verstärkt war- den durch den Umstand, daß der deutsche Kapitalmarkt infolge der sich ausdehnenden Produktion und der trotz ihrer Lebhaftigkeit un- zureichenden Kapitalbildung im Inland, nicht zuletzt aber infolge der falschen Dispositionen der Banken und der Förderung der Börsenspekulation in Verwirrung geraten ist. Ob die neuen Kreditgesuche das Ziel, die Kapitaltnappheit zu bannen, erreichen, ist noch sraglich. Fehlen der Wirtschast die Be- triebsmittel, so muß sie ins Stocken kommen. Dies« Gefahr wird dadurch gesteigert, daß gleichzeitig der Kapitalbedarf infolge der steigenden Warenpreise wächst, ohne voll befriedigt werden zu können. Unter diesen Umständen ist es ein bedrohliches Zeichen, daß die Großhandelspreise etwa seit April eine fortgesetzte Steigerung aufweisen. Dabei ist es besonders � ausfallend, daß die rationalisierte Industrie, die der deutschen Volkswirt- schaft nichl nur riesiges Kapital, sondern auch eine ungeheure Um- stellungskrise mit phantastischen Arbcitslosenzahlen und Verlusten an Arbeitszeit gekostet hat, ihr« Preis« sortgesetzt erhöht. Der Preis- index der industriellen Fertigwaren ist mit einer geradezu un- heimlichen Gleichmäßigkeit seit Ansang dieses Jahres gestiegen und es sind weniger die Kapitalgüter, also insbesondere die Produktions- mittel, die sich so verteuert haben, als gerade die zum Konsum not- wendigen Gebrauchswarcn, die den Teuerungsgrad be- stimmen. Um volle 10 Punkte, von rund 151 auf 161, sind die Preise dieser Waren gestiegen in einer Zeit, wo die Lebensmittel- preise andauernd in die Höhe strebten. Das Ende dieser Teuerung ist vorläufig noch nicht abzusehen. Jeder Tag bringt auf mehr oder minder, bedeutenden Wirtschaftsgebieten neue Meldungen über Preiserhöhungen..Demgegenüber find die Preisabschläge, die hier und da verzeichnet werden können, beschränkt aus wenige Sondergebiete der Wirtschaft— z. B. Automobilindustrie, Stick- stoff u. a.— und bleiben auf deit allgemeinen Markt der Konsum- waren ohne Einfluß. Ueberschlägt sich die Preiswelle, halten die Löhne mit der Teuerung nicht Schritt, so ist die Absatzkrise die unweigerliche Folge, daß die erfreuliche Vesserung am Arbeits- markt während dieses Sommers wieder durch einen Rückschlag ab- gelöst wird, rückt so in unmittelbar« Nähe und mit ihr alle die schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die eine derartige Krise noch sich zieht.' Muß das so sein? Keineswegs. Viele der Preiserhöhungen auf dem industriellen Markt sind sichtbar diktiert von der rücksichts- losen Praxis der Kartelle, die jede Besserung der Konsunkttir zu einer Erhöhung der Profitrat« des Unternehmertums ausnutzen. Die Bürgerblockregierung oder besser ihr Vorläufer das Fachministerkabinett des Herrn Luther, hat das erkannt und daher jenes Kartellgesstz erlassen, das sich heute als nahezu unwirksam erweist. Es konnte eine Zeitlaug etwas ausrichten, als die Wirtschast noch unter dem unmittelbaren Einslutz der Inflation stand. Weil es aber mehr an juristische Tatbestände anknüpfte und volkswirtschaftlich keine klare Zielsetzung hatte, konnte es zwar überspannten Machtgelüftsn einzelner Syndizi entgegenwirken, nicht aber eine chronische schleichende Teuerung aufhalten oder gar ver- hindern. Die zweite unmittelbare Ursache ist die deutsche Zollpolitik. Eurtius, der volkspartciliche Wirtschaftsminister, mußte kürzlich selbst zugeben, daß die letzt«, jetzt verlängerte Zollvorlage uner- wünschte Folgen gehabt hat. Di« erhofften Handelsverträge, die die Zölle senke» sollten, sind nicht zustandegekommen und Deutsch- land bleibt auf einem Zollniveau sitzen, das sich jetzt als Sperre gegen die fremde Konkurrenz und als Mittel der Preishochhaltung erweist, ohne den internationalen Warenaustausch zu beleben, von dessen Auffrischung Deutschland profitieren wollte. Daher gerade die Teuerung der Industriewaren, und daher auch die Teuerung der Konsumgüter. Aus dem Markt der Fertigwaren galten Kartelle bis zum Krieg und noch später als schwach, weil die Kon- kurrenz der einzelnen Unteniehmer miteinander zu groß war. In den Zeiten der Absatzkrise hat sich auch ihr« wchwäche wiederum deutlich erwiesen. Als ober die Hochkonjunktur wieder be- gann, hatten die Führer der Wirtschast bereits aus den Er- sahrunaen der Vergangenheit ihre Folgerungen gezogen, und sie nutzten ihre ökononnsche vom Reich durch die Zollpolitik geförderte Macht, um planmäßig und fortgesetzt die Warenpreise in die 5iöhe zu schrauben. Gleichzeitig aber wirkt das Unheil fort, das mit der Neusest- setzung der Lebensmittclzölle und der Erschwerung des Nahrungs- mittelkonsums herbeigeführt worden ist. Der Rechtsblock setzte sich mit der ihm eigenen Herrjchergeste über alle Einwendungen der Oppo- sition fort. Herr Schiele hatte mit großem Pathos oerkündet, die Landwirtschaft brauche höhere Zölle, weil die Industriewaren durch den Zolltarif besonders begünstigt worden waren und damit der Landwirtschaft ein Ausgleich geboten werden mußt«. Heute zeigt sich, daß diese Beweisführung zusammengebrochen ist. Die Lebensmittelzölle haben die Verteuerung des Rahrungsmillelkonsums bewirkt. Gleichzeitig aber sind die Fabrikatspreise in anhaltendem Steigen. Die werktätige Landwirtschast, deren Verbrauch dem des städtischen Arbeiters näher als etwa dem des feudalen Groß- grundbesitzers ist, niuh die steigenden Jndustriewarenprcise tragen, genau so wie die übrigen Berbrnuchermassen. Sie spürt die Teue- rung nicht viel anders als der städtische Arbeiter und Angestellte. Man kann eben nicht mit dem Mittel der Zollschraube in da? Wirt- schaftsgetriebe eingreifen, ohne dem ökonomisch Stärkeren neue Machtmittel zu geben, den wirtschaftlich Schwächerin weit.er ins Elend zu stürzen. Die Teuerung, die wir jetzt erleben, ist wirtschaftlich und sozial gesehen, eine schwere Gefahr. Wenii se, so ist es jetzt Zeit, mit ent- schiedenen Maßnahmen einzugreifen. Wir erwarten sie vom Bürgerblock nicht. Aber die Arbeiterschaft muh erkennen, daß dieses Spiel nur dann ein Ende haben kann, wenn sich a.llc. Werktöttgen zum e nt s ch l o s sein en Kamps gegen diese � per- fehlte Wirtschaftsführung aufrichten.......... der alten sozialdemokratischen Forderung der Einheitsschule. In dem neuen Gesetzentwurf über die Hauptschul« sind die wesentlichen Bestimmungen der Allgemeinen Mittelschule übernommen woBen. Besonders wichtig ist, daß diese Schulreform nunmehr auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt wird. Auch das Mittelschulgesetz bringt wesentliche Fortschritte, wenn auch hier nicht alle sozialdemokratischen Forderungen durchgesetzt werden tonnten. Sozialpolitisch außerordentlich wichtig ist die Tat- sache, daß für junge Arbeiter, die bereits ihre Lehrzeit hinter sich haben oder älter als 17 Jahre sind, eine Arbeiter mittel- schule geschaffen wird. Sie soll den jungen Arbeitern die Möglich- teit geben, neben ihrer Berufstätigkeit die Mittelschule zu besuchen und das früher Versäumte nachz�t>olen. Die Sozialdemokratie darf das neue Schulgesetzwerk als einen großen Erfolg buchen. die beste Ehrung! Einweihung der Konrad-Hacnisch-Tchulc in Frankfurt Frankfurt a. Al., 2. August.(Eigenbericht.) Am Dienstag vormittag wurde in Anwesenheit der Witwe und des Sohnes des verstorbenen Staatsministers a. D. K o n r a d H a e n i s ch und zahlreicher Vertreter der Staats- und städtischen Behörden die ncuerbaute„Konrad-Haenisch-Schulc" eingeweiht. In allen Ansprachen w»rden die großen Verdienste Konrad Haenischs um das preußische Schulwesen hervorgehoben. Ein Vertreter des Lehrervereins seierte Haenisch als den B e- freier der preußischen Lehrerschaft, der für die soziale und politische Stellung dieses Berussstandes unbeschreiblich Großes geleistet habe. Die neue Schule ist nach den künstlerischen Entwürfen des Frankfurter Stadlbaumeisters Professor Elsässer im modernen Stile gebaut. Sie ist Musterschule und mit allen neu- zeitlichen Einrichlungen verschen. Die Baukosten betrugen 1.9 Mil- lionen Mark. Die neue Schule dürste in künstlerischer und zweckmäßiger Beziehung eine der schön st en Volksschulen Deutschlands sein. Die§iieoerpartei. Massenausschliissc aus der KPD. Mannheim, 2. August. Die Bezirksleitung der Kommunistischen Partei des Bezirks Baden hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, dem von der Bezirks- beschwerdekomiinssiou gestellten Antrag entsprechend die Mitglieder Kanzler, Ritter, 5)iirm. Mohr, Ried. Faul haber und Kalb, sämtlich aus Mannheim— Führer der Maslow-Ruth Fischer-Urbahns-Oppositlon innerhalb der Partei in Baden—„wegen fortgeseglen parteischädigenden Verhaltens" aus der Partei auszuschließen. Ferner wurde Frau Schenk- Mannheim auf Antrag der Beschwerdekommission wegen parteischädigender Hand- lungen, begangen durch Unterschlagung von Partei- und anderen Geldern, aus der Partei ausgeschlossen. Weiter wurde zwei Mit- gliedern namens Hehler eine Rüge erteilt und beide aus ein Jqhr der'Parteisunktionen enthoben, weil sie gemeinsam mit den ansge- schloss-nen Genossen an einer Fraktianssitzung in Mannheim teilgenommen und sich auch sonst im Sinne der Urbahns-Opposition be- tätigt haben. Die Beschlüsse wurden mit allen gegen eine Stimme gesaßl. Litauische Deutschenverfolgung. Im Memclland! Memel, 2. August. Am Dienstag wurde dem Redakteur Warm vom„Mcmcler Dampfboot", der als Vertreter feiner Zeitung auf Einladung der Hamburg-Amerika-Linie sich zu einer Presse fahrt mit dem Dampfer„New Vork" nach Hamburg begeben wollte, vom litauischen Gouvernement das Visum oerweigert, so daß er die Fahrt nicht antreten konnte. Ihm wurde erklärt, daß er wohl dos Aus- reiseoisum, jedoch nicht das Wiederei�xeljevisum erhalten könnte, was einer Verweigerung der Wiedereinreise und somit einer Aus- Weisung gleichkommt. An demselben Tage wurde der Frau des Chefred«kteurs Leubner, die zur Beerdigung ihrer verstorbenen Mutter heute nach Prenzlau fahren wollte, das Visum ver- weigert. Chefredakteur Leubuer'und Redakteur Warm vom „Memeter Dampfboot", sowie Redakteur Bricskorn von der „Memellöndischen Rundschau" waren am 1. Januar d. I. ausge- wiesen worden, doch war die Ausweisung auf deutsche Intervention in Kowno bis auf weiteres aufgeschoben worden. Eine Aufenthalts- bewilligung ist ihnen trotz Gesuches bisher nicht erteilt worden. Das Memclland ist dcutsdj. Bei den Wahlen für die Landwirtschaftskammer im Memelgcbict sind von den 37 Sitzen nur 6 den Litauern zugefallen. Ein neuer Beweis für das Deutschtum der bodenständigen Bevölkerung im Memellande. Heute Entscheiüungstag Sacco-vanzetti. Ter Gouverneur wird das Priifungsergebnis mitteilen. Boston, 2. August. Gouverneur Füller halle heule eine Besprechung mit einigen der letzten Zeugen des Falles der Anarchisten Socco und vanzelli. V a n z e t t i. der seinen Hungerstreik noch vierzehn Tagen eingestellt hotte, gewinnt schnell seine Kräfte wieder. Sacra dagegen verweigert jede Rahrungsausnahme. Vorsichtshalber sind Polizeiwachen vor den Häusern der Richter Thay und hugg ausgestellt worden; Thay war der Vorsitzende im Prozeß, hugg in der Berusungsverhaudlung. Morgen wird Gouverneur Füller das Ergebnis seiner Rochprüfungen bekanntgeben. eöblichc Einsich«. Di« Reichsregierung betrachtet die„ihr von Poincare aufgenötigte" Orchies-Debatte als erledigt. Abschluß der Voruntersuchung gegen Elaß? Die vom Reiche- anwatt seit mehr als einem Jahre geführte Voruntersuchung gegen Justizrat Claß wegen Hochverrat, die anläßlich der bekannten Haus- suchungsangelegenheit im vorigen Jahre ausgenommen wurde, nähert sich, wie verlautet, nunmehr ihrem Abschluß. Die teils direkt«, teils kommissarische Vernehmung einer größeren Anzahl von Personen erklärt die relativ lange Dauer der Voruntersuchung. Die isländische Sozialdemokratie wird sich nach einer Erklärung ihres Führers John Ä a l d w i n s s o n im Kopenhagener„Sozial- demokraten" nicht an der Regierungsbildung beteiligen. Sie beab- sichtigt dagegen, das zu erwartende Kabinett der Bauern parte! zu unterstützen, falls ein sozialer Kurs gesteuert wird. Internationaler Gewerksthastskongreß Die Differenzen in der Ruffenfrage. J. S. Paris, 2. August.(Eigenbericht.) -..lifoige der Red« Purcells kam es heute auf dem Internatio- i-oien Gewerkschaftskongreh zu äußerst unerquicklichen Ausein- ondersetzungen, die den ganzen Nachmittag in Anspruch nahmen und auch jetzt noch nicht beendet sind. Nach der Rede von G r a ß m a n n sprachen noch S t e n h u> s-Amsterdam und D ü r r-Schweiz. Nach- mittaps sprachen H i ck s-England, Mertens-Belgien. Brown, C i t r i n, Sekretär des englischen Gewerkschaftsbundes und schließ- lich O U d e g e e st. Die Diskussion konzcntriete sich in der Hauptsache auf Ausein- andersetzungen zwischen Brown und den Engländern einerseits und O u d e g e e st, Mertens und anderen leitenden Köpfen des internationalen Gcwerkschaftsbundes andererseits. Hicks kritisierte vor allem, daß der Internationale Gewerk- schaftsbund nicht genügend getan habe, damit die Russen sich anschließen und stützte sich auf einige Abschnitte des Berichts, worin die Haltung her Engländer nicht richtig gewürdigt worden ie'. Mertens antwortete und bedauerte die Angriffe von Dürr, der dem Internationalen Gewerkschaftsbund vorgeworfen hat, daß er in Genf auf der Internationalen Arbeitskonferenz keine kon- sequente Haltung eingenommen habe. Er kritisierte sehr heftig di!e Haltung von Brown, der aus eigener Machtoollkommcn- beit die Reife ach Mexiko organisiert habe außerhalb des Jnter- nationalen Gewerkschaftsbundes, also eine Aktion aus eigene Faust unternommen hätte, obwohl er wußte, daß an dieser Reise nicht nur Mitglieder des Internationalen Gewerkschastsbundes, son- dern auch Tomsky und auch ander« russische kommunistische Ge- werkschaftsführer teilnehmen würden. Brown zitierte darauf in seiner Antwort einen Brief vom Internationalen Arbeitsamt, der vor etwa zwei Wochen geschrieben wurde und in dem gesagt wird, man wünsche nicht, wenn der Gc- werkschaftsbund Delegiert« für die Kommission zur Untersuchung der Arbeiterwonderungen nach Genf schicke, daß unter diesen Mit- gliedern sich auch Brown befinde. Hicks zitierte sodann einen zweiten Brief, der vor 8� Jahren geschrieben sein soll und zwar von Oudegeest an Iouhaux, in dem gesagt wurde, daß die Russen bereit schienen, die Beschlüsse des Wiener Gewerkschaftskongresies anzunehmen und dem JGB. bei- zutreten, daß mau also zum Angriff übergehen müsse. Dann heißt es weiter, daß Hicks der nächsten Vorstandssitzung des JGB. als Vertreter Browns beiwdhnen werde und daß man sich vorher über den Kopf Hicks hinweg über die Russenfrage verständigen müsse. Eitrinne sagt, daß, wenn dieser Brief wirklich geschrieben sei, und wenn die Zitat« stimmten, dann müsse man sich fragen, ob der JGB. nicht der Politik der Hinterhältigkeit beschuldigt werden müsse, und man müsse sich bei seiner Stellungnahme gegen Hicks außerdem fragen, ob der Gewerkschaftsbund nicht antibritisch sei. Oudegeest erwidert kurz, man habe die Uebersetzung eines Brieses vorgelesen, dessen holländischen Text er haben möchte, um festzustellen, ob er wirklich Dinge in dem hier angeschnittenen Sinne geäußert habe. Er bittet daher den Vorstand zu beauftragen, sofort nach der Sitzung zusammenzutreten, um die Angelegenheit zu untersuchen. Von einer„geheimen Korrespondenz" könne gar keine Rede sein, da sonst Brown nicht im Besitze des Briefes fein könne. In der Mittwochsitzung werde er, Oudegeest, dann, nachdem der Vorstand selbst Stellung dazu genommen habe, sich ausführlich über die von Brown und Hicks gemachten Erklärungen aussprechen. Eins könne er jedoch sofort sagen: Daß er etwa prinzipieller Gegner der Einigkeit der Arbeiterklasse sei, auch wenn er überzeugt wäre, daß die Moskauer Zentrale diese Einigkeit ehrlich anstrebte, sei wohl für jeden vernünftigen Menschen undenkbar.— Der Zwischenfall rief unter den Delegierten starke Aufregung hervor. Moskau unü Amsterdam. Zu Purcells Liebeserklärung. Der derzeitige Vorsitzende des JGB., Purcell, hielt es für an- gebracht, im Gegensatz zu den Anschauungen der gesamten Gewerk- schoftsinternationale, seinen persönlichen Sympathien für die Mos- kauer Methoden in der feierlichen Rede, mit der er den Kongreß eröffnet hat, Ausdruck zu geben. Die Mehrheit des Amsterdamer Bureaus sah sich genötigt, unmittelbar darauf eine Erklärung ab- zugeben, in der sie von den Aeußerungen Purcells abrückt. An sich ist der Zwischenfall von einer geringen Bedeutung, um so mehr als die Einstellung Purcells selbst für die engli- schen Gewerkschoster nicht mehr charakteristisch ist. Er bringt aber einen schlagenden Beweis dafür, mit welcher Naivität Purcell immer noch dos Problem Rußland und insb«. sondere das Problem der Annäherung der russischen kommunistisch geleiteten Gewerkschaften an die Amsterdamer International« de- trachtet. Einige Totsachen aus den allerletzten Tagen mögen zur Klärung dieser Verhältnisse beitragen. In der zweiten Iulihälfte fand der englische Bergarbeiterkongreh statt, der erste nach dem großen Kampse vom vorigen Jahre. Der Kongreß zeigte ein Bild unerschütterlicher innerer Geschlossenheit des Verbandes, war aber den Moskauer Lockungen völlig unzugänglich und hat ins- besondere den Antrag, ein e ntg l i s ch- r u s s i s ch e s Berg- a r b ei t« r k o m i t e e zu bilden, mit 420 000 Stimmen gegen 22 000 abgelehnt. Ob dieses Kongresses herrscht buchstäb- lich eine, unbeschreibliche Wut in den Moskauer kommunistischen Kreisen: bilden doch die englischen Bergarbeiter den äußersten linke» Flügel der englischen Gewerkschaftsbewegung. Das gewerk. schaftliche Zentralblatt„Trud" schreibt am 29. Juli von einer „Einheitsfront von Chamberlain bis zum Gene- ralrat(der Gewerkschaften)", von einem„Block Smiths(des Borsitzenden des. Bergarbeiterverbondes) mit Chamberlain": „Mit einem Gefühl des äußer st en Ekels wird jeder Arbeiter der Sowjetunion die heutige Mitteilung der Telegraphen. ogentur lesen über die Aeußerungen der gelben Führer auf der Konserenz der Bergarbeiter und über die Erklärungen der Gene- ralratsmitglieder" usw. „Prawdä" vom 30. Juli widmet dem Bergarbeiterkongreß ihren Leitartikel, betitelt:„Die Einheitsfront der Verräter": „Die Macdonalds und die Thomas und nach ihnen die Smiths und die Purcells arbeiten energisch, um den Willen Churchills und Birtenheads zu er- füllen." Besonders scharf nimmt das Kommunistenblatt die Berg- orbeitersührer aufs Korn:„Schon im November vorigen Jahres haben diese Bergarbeiterfllhrer, insbesondere Herbert Smith, Tom Richards und Richardson, ihre wahre Natur gezeigt. Sie hoben die Anzeichen der Ermüdung unter den Bergarbeitern, die durch die schwere Hungersnot hervorgerufen war, ausgenutzt und hoben energisch den Kurs auf eine Kapitulation eingeschlagen. Dies« Führer wußten, daß sie nun obenan sind. daß die Bergarbeiter durch die Hungersnot er» schöpft und kraftlos sind gegenüber der Not einer- seits und der machtvollen Einheitsfront der Berg- Herren, der Regierung und der verräterischen Führer andrerseits" usw. Eins sei nochmals klar und deutlich gesagt: Nicht hinsichtlich des Willens, die russischen Gewerkschaften als gleichberechtigte Mit- glieder der internationalen Gemeinschaft der Gewerkschaften zu sehen, wie sie in der Amsterdamer International« verkörpert ist, unterscheidet sich die erdrückend« Mehrheit der Gewerkschafter von Purcell und seinen wenigen Gesinnungsgenossen, sondern durch vi« klare Erkenntnis, daß so lange die Auffassungen und Methoden in Moskau herrschen, die zu Wutausbrüchen, wie sie oben geschildert sind, führen, eine Einigung mit den russischen Gewerkschaften für die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale nicht in Frage kommen kann._ z-g.nd-n-p-e de, Zd«.»eut«. Mittwoch. 19* HI», P-ranst-ltung-n in folgenben Scjittcn: Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. ffllupjMn- besprechung.— Zteutölln: Jugendheim Nogatstr. öZ. Besuch her Wcrbcbeurlz- vcrsammluna.— Wedding- Sesundbrunnen: Jugendheim«chonstcdistr. 1 (Ledigenheim S Tr.). Srugpendesprechung.— aheirlottenburg: Jugendheim Z osinelistr. 4. Gruppenbesprechung.— Nordwest: Dl« Iugendmitglieder� de» Bezirks Nordwest beteiligen sich an der Veranstaltung des Bezirks Charlotten» Freie HeVerkstbaftsjugend. Leute, Mittwoch, 1S� Uhr, tagen die Gruppen: Renkölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29. Sof. Antiknegsabend.— Südwesten- Gruppenheim Bezirksjugendheim Vorckstr. 11. Heimoesprechung. Aehn.Minuten.Neferate.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Heim- vesprechung. Leseabend:„König Alkohol" von Jack London.— Rordnng: Gruppenheim Jugendheim Eberswalder Str. 10. Heimbesprechung.—©aum» scbulcnweg: Jugendheim Daumschulenweg, Ernftstr. IL. Heimbesprechung. Bis» kussionsabend:„Unsere bisherigen Wanderungen."— Weißensee: Jugendheim Parkstr. 36. Heimbesprechung.— Zentrnm: Jugendheim Zehdenickep Str. 24/25. Heimbcsprechung. Antikriegsabend.— Lichtenberg: Spielen im Treptower Park, Wiese 1.— Zeppclinplatz und Gesundbrunnen: Spielen äuf der Schitlerwiese im Schillerpark.—„Äch«iKerspiel": Heute ab 18 Uhr Probe im Arbeitslosen. saal des BMV., Linienstr. 83/85, Portal If, parterre. Verantwortlich für Politik: Vietsr Schiff; Wirtschaft: A. Sateruu«; Gewerkschoftsbeweauna: Friede. Eßkor«: Feuilleton: K. H. Dllscher: Lokale» und Sonstiges: Frig Sarftädt; Anzeigen: Th. Glscke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Puchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer v Co. Berlin ED 68. Lindenstraße». Hierzu 1©eilaae uud..Unterhalt»»g und Wisse»". HEIZ IN ALLEN S 1 AD Tll'E I L E N r Gl El NKEITSPRErS* VERKAUF IN DEN PREISLAGEN 95 PF, 1,90, 2,85,4,50 -----—---- �——• toiti' ftUTT rr inr■ n i i i i»> i>(ni n im——■ i n u Iii i.- vr"* te Strumpfe Damen-Strümpfe ae od. Hcrrexi-8ock�iy pa. ßeidenflor, m. Doppels.. 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GR O SSE R EIN HEITSPR El S- VERK A U F IN D E N PRE I S L A G E N 9 5 PF. ,1,90, 2,85, 4VS0 Nr. 362 ♦ 44.Iahrgang 1. Heilage öes vorwärts Mittwoch, 3. �Ugllst?H27 Ifk Millionen Hrote. Erfolg und Sieg der Berliner Konfumgenoffenschaft. Am N. Juni beendete die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend ihr 28. Geschäftsjahr, das einen Zeitraum timfaht, in dem die seit Jahren anhaltende Wirtschaitskrise ihren Höhe. punkt erreichte. Berlin hatte Anfang Juli 1326 27S 600, im Januar 1927 279 000 Arbeitslose. Besonders vom März ob erfolgte dann die Entlastung. Eine solche Arbeitslosigkeit reißt ein getoaltiges Loch in die Kausfähigkeit des Arbcitsoolkes. Aber die Berliner Konsum- genossenschaft wuchs und wuchs in dieser Zeit. Der Jahres- Umsatz erhöhte sich austlO 67 4 976 Mark, was gegen- über dem Borjahr mit 33 078S42 Biajf trotz der Krise eine Zu- nähme von 23 Proz. bedeutet. Die Konsumgenossenschaft Berlin hat sich damit 4hre Stellung als z«ei4 größter Kon- sumverein Deutschlands nach der Hamburger„Produktion" gewahrt, obwohl Dresden, Leipzig auch über einen starken Zluf- schwung berichten und daran sind, der Konsumgenossenschaft der Reichshauptstndt den Rang streitig zu machen. An der Umsatzsteigerung sind a l l e Z w e i g e der genossenschaft- lichen Warenvermittiung beteiligt, die Warenhäuser mit 13 Proz. (Umsatz: 1 891 145 Mark), die Fleischabgabestellen mit 69 Proz. (Umsatz: 1 478 442 Mark). Das Netz der A b g a b e st e l l e n wurde durch neun Lebensmittel- und drei Flcijchabgabestellen und durch eine zweite Wandcrabgabeftelle erweitert. Am 30. Juni 1927 erfaßte die Konsumgenossenschaft Berlin mit 247 Warenabgabestellen die kaufenden Massen. Die Zahl der vcschästigten ver- mehrte sich von 2028 auf 2309: davon kommen 1447 auf das kauf- männische und 862 auf das gewerbliche Personal. Mit den Tochter- gesellschaften(Neuköllner Großhanddsgcsellschaft und„Hoffnung") kommen noch 194 Betriebsangehörige.hinzu. Die Bäckereien mit ihren 7Z Doppelauszugöfen erzeugten Ii Millionen 426 tausend Brote. Der Wert der Brote und Backwaren betrug 9 938 700 Mark, fast den vierten Teil des Gesamtumsatzes. 15 Millionen Kilo Mehl wurden verarbeitet gegen 13 Millionen Kilo im Borjahr, also 16,4 Proz. mehr. Die Mineralwassersabrit erzeugte fast eine Million(938 910) Flaschen Selterwasser und Limonaden. In der Sosfeerösterei wurden 1 151 740 Pfund Rohkaffee und Roh- gerste geröstet. Die eigene Grohschlächterei. erst seit knapp einem halben Jahr in Betrieb, hatte 7466 Schweineschlachtungen und stellte 1 126 078 Pfund Wurst her: der Umsatz an Fleisch- und Wurst waren hatte einen Wert von 3 703 172 Mark. Es ist kein Zweifel, daß der Schlächtereibetrieb im laufenden Geschäftsjahr mit noch viel größeren Ziffern aufwarten wird. 26721 neue Mitglieüer— ein Rekorü! Die Mitgliederbewdgung brachte einen Zugang von 20 721 Genossen: das ist die höchste Zahl von Neuaufnahmen, die seit der Inflationszeit verzeichnet werden konnte. Es erfolgten 1924/25 2628 Ausnahmen. 1925/26 11 300 Aufnahmen. 1326/27 20 721 Auf- nahmen. Die Massen merken immer mehr, was der konsumgcnossen- schastliche Zusammenschluß für sie bedeutet. Wenn am Jahresschluß der Mitgliederbestand niedriger ist als am Jahres- beginn, so erklärt sich das aus dem Ausschluß von 22 800 „foulen" Genossen ,�die die Inflationszeit, als alles knapp war, angeschwemmt hatte. Dieser Ballast an Papicrsoldaten ist jetzt glücklicherweise ziemlich restlos entfernt. Am 30. Juni 1927 waren aui diese Weise 1ZS 683„gesunde" Mitglieder vorhandeir. Von größter Bedeutung ist, daß die Umsätze pro Kopf wachsen. Die Mit- glieder kaufen mehr. Dies zeigt sich aus der Steigerung des Durchschnittsumsatzes im G> chäftSjahr 1924/26 177,76 M. Umsatz pro Mitglied 1925/26 248,46.... 1926.27 316,08.... Der Durchschnittsumsatz je Mitglied hat heute den höchsten Stand der Borkriegsjahre bereits um 50 Proz. überschritten. Immerhin ist er noch viel zu niedrig. Die Gesamtheit der Mitglieder muß vollgenojsenschafter werden. Grundsätzlich muß in der Genossenschaft gekaust werden. Die Sparkasse wuchs um 57,7 Prozent. Eine außergewöhnlich starke Belebung zeigte sich in der Entwick- lung der konsumgenossenschaftlichen Sparkasse. Der Einlagen- bestand erhöhte sich von 10 123 303,33 Mark auf 15 967 321,50 Mark, also um 5 844 017,67 Mark— 57,7 Proz. In einem einzigen Jahre Ist die Zunahme der Spargelder größer als der gesamte Einlagenbestand der Vorkriegszeit. Hier zeigt sich noch mehr als beim Kaufen das starke Vertrauen der Mitglieder zum eigenen Unternehmen und der Wille, durch die eigenen Spargroschen, die absolut sicher sind, den weiteren Ausbau zu fördern und die Genossenschaft u n a b h ä n- gig vom Privatkapital zu machen. Gefördert wurde das rege Interesse der Mitglieder an der Sparkasse natürlich auch durch die vorbildliche Auswertung der älteren Spareinlogen. Die Betriebe der Konsumgenossenschaft wurden im Geschäftsjahr 1926/27 wesentlich erweitert, indem ein dreigeschossiges Betriebsgebäude von 100 Meter Länge und 20 Meter Breite errichtet wurde, das in den unteren Räumen Garagen für 50 Automobile Hai, im ersten Stock die Schlosserei und im zweiten Stock die Tischlerei bc- herbergt. Alle im inneren Betriebe notwendig werdenden Tischlerei- und Schlossereiarbeiten können in eigener Regie durchgeführt werden, wozu auch der Vau der eigenen Ladeneinrichtungen gehört! In den im vorigen Jahre erworbenen Lichtenbergcr Fabrikgebäuden de? Firma Lubczinski wurde nach gründlicher Erneuerung die Schläch- terei untergebracht, die in ihrer absolut modernen Einrichtung allen Fachleuten imponiert. Ein besonderer Teil der Fabrikgebäude nimmt die erweiterten Anlagen der Kaffeerösterei und der Wäscherei auf. Eine wertvolle Bereicherung der genossenschaftlichen Arbeit ist der Erwerb des großen Landgutes in Spercnberg(300 Morgen), in dessen ,,Herrschasts"h»us seit Mai 1327 ollmonatlich 30 erholungsbedürftige Kinder von Mitgliedern sich tummeln, worüber der„Vor- wärts" seinerzeit ausführlich berichtete. Im ganzen, das zeigen alle Einzelheiten, war das vergangene Jahr ein hocherfreuljches, rüstiges, von Erfolgen begleitetes Vor- wärtsschreuen. Auch das neu« Geschäftsjahr wird an Auf- gaben und sicher auch an Erfolgen reich fein. Unter anderem wird voraussichtlich der Bau einer vierten Bäckerei auf eigenem Grund und Boden in Spandau durchgeftihrt, damit von Westen und Osten die Produktion sich die Hand reicht. Ein Stein wird zum anderen gefügt, die heue ausdauernd« Mitarbeit unzähliger Genossenschafter türmt den Bau dem Ziele zu, durch Selbsthilfe mehr und Besseres zu leisten, als es das Prioatkapital kann und jemals können wird. Noch sehr beschleunigt könnte die Erreichung des genossenschaft- lichen Zieles werden, wenn dw Hunderttausende/ die heute noch, trotz aller genossenschaftsfreundlichen Gewerkschasts- mrd Parteibeschlüsse. trotz der gesteigerten Leistungen d�r Genossenschaft auf Wirtschaft- lichem und sozialem Gebiet, blind sind und träge fernstehen, ihre Gleichgültigkeit überwinden und den Weg zur Konsumgenossenschaft endlich finden, der nur ein Weg zum besseren Leben aller ist, die ihn gehen.__ Serlins Wohnungsbau. Die deutschen und amerikanische« Angebote. Der Magistrat Berlin hat durch die Wohnung?- und Sieblungs- deputation die letzten Lorschläge der'Firma Chapmann u.Eo., New Jork, überprüfen lassen. Im Verlauf der Prüfungen ist diese Kommission zu dem Beschluß gekommen, die größten Berliner Baugesellschasten aufzufordern, ähnlich« Angebote abzugeben, wie die Firma Chapman. Die Kommission stellt, um genau prüfen zu können, den größten Berliner Gesellschaften die gleichen Bedingungen, auf denen der Chapman-Lorschlag fußt. Die vorgelegten Bedingungen bestimmten einmal die Größe des Bauvorhabens, etwa 6000 Wohnungen, die Grundstücke, die durchweg im Besitz der Stadt sind, und stellen �ur Bedingung, daß das Bauvorhaben in 26 Iahren amortisiert sein muß. In der Baubeschreibung ist genau festgelegt, welche Höhe die Räume, welche Größe die Wohnungen haben müssen. Die Finanzierung ist den Ballgesellschaften überlassen geblieben. Haus- zinssteuerhypotheken sollen für dieses Bauvorhaben nicht ZUr Verfügung gestellt werden. Die Stadt Berlin hat däfür für 26 Jahre die Mietgarantie übernommen. Die acht Fragen, die äüs Gnmd der Bedingungen den.Baugesellschaften vorgelegt wurden, verlangen- als Antwort genaue Auskunft, wie hoch die Miete sein würde und welche Sätze für die Wöhnungserstellung berechnet werden. Ein Teil der Groß-Berliner Baugesellschasten haben abgelehnt, Äorschläge einzureichen, mit der Begründung, daß die gestellte Frist zu kurz sei. Angebote haben die Firmen Haberlands Philipp Holz- mann u. Lenz, die gemeinschaftlich bauen.wöllen,- R i ch t e r». Schädel und die G e h a g(Gemeinnützige Bau- und Heimstätten- A.-G.) abgegeben. Die Angebote weisen erhebliche Unterschiede im Metpreis und der Baukostenberechnung auf. Einzelne Firmen wie Haberland, haben sich Zur Finanzierung eine Bank, Haberland die Deutsche Bank, gesichert. Als Gelände für di� 6000- Äoh- uungen sind Gebiete in Treptow, Fürstenbrunn und Neukölln ausersehen. Die Baukosten des gesamten Bor- Habens werden auf etwa 90 Millionen Zu veranschlagen sein. 10 Millionen würden für die Grundstücke und 3 Millionen für die Erschließung des Geländes an den Magistrat zu zahlen sein. Di- Vorschläge werden durch die Wöhnungs- und Siedlungsdeputation geprüft und erst dann wird einWergieich der eingereichten Angebote möglich sein. Das Angebot der V i st a Building C o r p o- r a t i o n, das dem Reichsinnenministerium vor einigen Togen zu- geleitet wurde und den Bau von 60 000 Woltzuingen vorsieht, scheint wegen seiner Finanzierimgsbedingungen nicht viel Aussicht auf Ver- wirklichung zu haben. Es. wird angenommen, daß das Angebot, von dem die Stadt-offiziell noch nicht unterrichtet ist, von umerikauischer Seite lanciert wurde, um aus die öffentliche Meinung und auf die städtischen Körperschaften einen Druck auszuüben. Für diesen Umstand spricht, daß gerade in den Tagen, in denen deutsche Firmen ihre Angebote abgegeben haben, Nachrichten übet diese» Bauvorhaben an die Oefsentlichkeit gelangt, sind. Nach den bisher bekannt gewordenen Bedingungen, wenn sie überhaupt ernstlich ge- meint sind, scheint dieser ganze Vorschlag weniger ein Bäuprogramm als c i n e v c r st?ck t s Anleihe zu fein. Um die amerikanischen Finanzkreise zur Hergabe dieser Anleihe zu gewinnen, ist die Be- dingung gestellt, daß 100 Millionen Dollar nmerikamsches Geld als erste Hypothek gegeben werden und 50 Millionen Dollar als zweite Hypothek in Deutschland unterzubringen sind. Diese ver- steckte Anleihe, die ihr« Sicherung dadurch erhalten soll, daß an zweiter Stelle hinter denr' amerikanischen Kapital deutsches Geld steht, ist von einer Firma gemacht, die in deutschen Wirtschafts- kreisen fast völlig unbekannt ist. Erst nachdem das Angebot ab- gegeben wurde, sind von den Behörden Recherchen angestellt worden, um festzustellen, wie groß diese Gesellschaft ist und welche Finanz- kreise hinter ihr stehen Nicht einmal in der hiesigen amerikanischen Handelskammer ist über diese Firma etwas bekannt. Verbreiterte Zrieürich-Ebert-Straße. Völlige Umgestaltung. Die Friedrich. Evert-Straße bedarf zwischen dem Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz dringend einer durch- greifenden Umgestaltung. Ständig nimmt der Automobilverkehr in beiden Richtungen zu, eine Verbreiterung des Straßenzugcs ist unabweisbares Erfordernis. Soll diese durchgeführt werden, so müssen die V o r g ä x l e n im'südlichen Teil �zwischen Lennestraße und Potsdamer Platz beseitigt werden. Das ist, da hierdurch die Bürgcrsteige direkt an die Schaufenster herangerückt werden, für die Geschäftsleute in der Friedrich-Ebert-Straße keine Schädigung. Widerstand aber leisten die R e i ch s V e h ö r d e n, die von dieser Neugestaltung.betroffen würden: Die Gärten der Reichskanzlei und des Reichsminifteriums für auswärtige Angelegenheiten befinden sich zum Teil auf Vorgartenland. So mußten auch die Ministergärtc« einen Teil ihres Landes abtreten. Gegenüber der Einmündung der Lennestraße wären die Bütgersteige aus der Ostseite der Friedrich- Ebert-Straß? zurückzuschieben, um ein« Kreisinsel und damit die Durcbfützrung eines Kreisverkehrs möglich zu machen. In ihrem ganzen Zug erhält die Friedrich-Ebert-Sträße zwei Fahrdämme. Diese sollen gegenüber dem Tiergarten 8,30 und 10 Meter bkeit sein. Auf. der Ostseit« soll auf dieser Strecke noch ein Streifen von 5 Meier Breite längs dem mittleren Promenadenweg zum Parken eingerichtet werden. In ihrem südlichen Teil erhält die Straße zwei Fahrdämme von 10 Meter Breite auf der Westseite und von 8 Meter Breite auf der Ostseit.', sowie zwei Bürgersteige von Äie Silbers�roarrne 20] Von Dtef Beclft) INachdruck oerbDtCB Stator IJletU XCebtcfsfenng ane 6cm Englische» von Inlia Goppel Der Fischer berichtete, daß man sie bereits am Morgen gebracht hatte. „Sie liegt in der Kirche auf Eis, und wenn der Priester im nächsten Monat kommt, wird man sie begraben." „Es tut mir leid um den flinken Burschen," meinte Fräser, Hund wenn ihr mir nicht beigestanden hättet, dann würde ich das Kirchenfest mit ihm zusammen feiern köynen." „Wix geht es deinen Frostwunden?" fragte Emerson und erhob sich mühsam. „Gut, außer dieser elende Klaue," sagte er und hielt eine verbundene Hand hoch. „Habt ihr von dem Postdampfer gehört?" „Nein!" „Wir sind zu spät gekommen." „Was meinst du damit?" fragte George verständnislos. „Ich meine, der Sturm hat uns so lange ausgehalten, daß wir ruiniert sind. Der Dampfer legt hier vielleicht erst tn acht Wochen an." Palt glich in seiner Verzweiflung einem großen Jungen. sein Gesicht verzog sich, als ob er in laute Klagen ausbrechen wollte. Plötzlich aber war es, als ob ihm ein rettender Ge- danke käme, und er rief mit angenommener Lustigkeit, um Emerson Mut zu machen:„Ich weiß einen Ausweg! Wir ver- schieben die Ausführung unseres Planes und eröffnen unser Geschäft erst im nächsten Frühjahr." „Nein," antwortete Emerson, indem er verzweifelt den Kopf schütelte.„Wenn ich die Sache nicht jetzt durchsetzen kann, kann ich sie überhaupt nicht durchführen. Meine Zeit ist um. Unsere Pläne sind zerstört, du kannst ebensogut gleich nach Kaloit zurückkehren. George." Da erhob Balt sich und begann' zu toben. Daß die Rache ihm entgehen sollte, brachte ihn außer sich, er fluchte, drohte m-it geballten Fäusten, und als der Kaufmann in diesem Augenblick ins Zimmer trat, richtete sich seine Wut gegen- ihn: „Wo zum Teufel steckt dieser Dampfer?" „Irgendwo im Westen." „Und das soll ein Postdampfer sein! Warum legt er auf dem Rückweg hier nicht an?" Der dicke Mann zuckte die Achseln. „Er legt in der Uyak-Bucht an, wenn er nach Osten geht." Emerson blickte hastig auf. „Wo ist die� Uyak-Bucht? „Drüben auf der Insel Koviak," antwortete der große George und begann seine Wut von neuem an dem Kaufmann auszulassen. „Welches Recht hat die verfluchte Dampfschiffahrtsgesell- schast, diesen Platz auszuschließen! Die Gesellschaft besitzt bald das ganze Land und regiert es nach eigenem Gutdünken." „Es ist nicht mein Schiff," sagte der dicke Russe.„Ihr hättet ein paar Tage früher hier sein müssen�" „Bei Gott, ich bereue, daß wir damals beim Paß warte- ten," sagte Emerson,„das Wetter hätte nicht schlimmer sein können als an d-cm Tage, wo wir hinübergingen." Da George diese Bemerkung als eine Kritik auffaßte, die gegen ihn gerichtet war, drehte er sich um und sah Emerson grimmig an: als er aber Emerfons Blick begegnete, be- kämpfte er seine Heftigkeit, ergriff seine Mütze und stürzte in die Kälte hinaus, um seinen Zorn zu kühlen. „Wann soll das Schiff in Uyak sein?" fragte Emerson. „Im Laufe der nächsten Woche." „Wie weit ist es von hier bis Uyak?" „Nicht weit, nur ungefähr zwölf Meilen." Als aber der Russe den Ausdruck in Emerfons Gesicht sah. beeilte er sich hinzuzufügen:„Es ist aber unmöglich, dort- hm zu gelangen. Es liegt aus der anderen Seite des Shelikof- Sundes." „Warum? Wir können ein Segelboot mieten— und..." „Ich besitze kein Segelboot, ich habe es voriges Jahr bei einer Meecotternjagd verloren." „Dann können wir ein kleineres Boot mieten und uns von Eingeborenen hinüberrudern lassen. Boote genug muß es hier ja geben." „Nur Boote aus Häuten— Kyfaks und Bidartas. Und in dieser Jahreszeit können Sie auch nicht über den Sund komq�n; das Sktter ist viel zu stürmisch, und der Sund ist das schlimmste(«hrwasser in der ganzen Gegend. Es stützt nichts, Sie müssen auf den Dampfer warten." Emerson sank in seinen Stuhl zurück und starrte hoff- nungslos ins Feuer. „Essen Sie lieber etwas," fuhr der Kaufmann fort. Emerson aber schüttelte nur den Kopf. Und nachdem der dicke Mmm�ihm noch einen inquisitorischen Blick aus seinen schielenden Äugen zugeworfen halte, trollte er sich hinaus, um seinen Pflichten nachzugehen. „Ich habe häufig von diesem Shelikow Sund gehört," bemerkte Fräser.„Ich lebte einst mit einem Bärenjäger aus Kodiak zusammen, und der erzählte auch, daß er im Winter die reine Hölle sei." Als Emerson nicht antwortete, heftete Fräser seine färb- losen Augen, aus denen Mitgefühl sprach, auf ihn, und fuhr fort:„Es tut mir veifflucht leid, Kamerad, daß du verloren hast, vielleicht aber geschieht noch irgend etwas Unvorher- gesehenes." Als er aber sah, daß seine tröstenden Worte keinen Ein- druck aus den jungen Mann machten, murmelte er:„Aha, er steckt wieder in seiner verdrießlichen Ecke!" Und wie gewöhn- lich bei solchen Gelegenheiten, begann er sein Frage- und Antwortspiel/„Ja, jetzt.stecke ich wieder drin," sagte Herr Emerson redselig wie immer.„Ich bin wirklich schlechter Laune heute nachmittag, willst du mich nicht ein wenig auf- muntern? Ich fühle, daß der Laut einer befreundeten Stimme meine Sorgen vertreiben kann."„Mit Vergnügen," sage ich, „von Natur und durch Erziehung bin ich allerdings schweig- fam, und meine Gedanken sind wie Goldkärner, deinetwegen aber will ich sie um mich streuen, damit du sie aufpicken kannst. Siehst du, dieses Lachsgeschäst ist gar nicht so bc- rückend, wie man es sich vorstellt, wenn man es genau be- trachtet, ist es ein übelriechendes Unternehmen, und ich sehe dich lieber an einem weniger stinkenden Geschäft beteiligt, zum Beispiel an dem Handel mit wohlriechender Seife. Ich kannte einen Mann in Dysa, d-r'sein Giück damft machte, was meinst du dazu?"„Es ist dunkel draußen." sagte Herr Emerson,„und der Fuchs braut im Moor!"„Fuchs hin, Fuchs her, wo aber mag die-schöne Dame--" Ohne auf Fräsers Geschwätz Ri�ksicht zu nehmen, erhob Emexson sich, als ob ihn plötzlich' eine- Idee gekommen sei, und ging hinaus. Er ging über den Abhang, der zur Bucht hin- unterführte und musterte alle Kanus, die zum Dorfe gehörten. Eine Viertelstunde später hatte er den verdrießlichen Balt qc- sunden'und rief erregt:„Ich hab's! Wir können den Dampfer noch erreichen!" „Wie denn?" brummte der große' Mann mißmutig. „Am Strande liegt ein großes offenes Boot, ein Oomiak,' das wollen wir mieten und uns von den Eingeborenen nach Uysal hinüberrudern lassen."? (Fortsetzung folgt.) 5,60 und 6,20 Meter Breite. Die Straßenbahn wird in der Mitte auf eigenem Gleiskörper in Grünstreifen verlegt, und zwar auf dem Nordteil in 5,80 Meter Breite aus dem jetzigen Reitweg und auf dem Südteil in 6,03 Meter Breite. Die städtisch« Tiesbaudeputation hat sich, wie wir hören, mit diesen Plänen und den neuen Baufluchtlinien der Friedrich-Ebert-Stratze bereits grundsätzlich«inver- st a n d e n erklärt. wo ist üer Gattenmörüer? Der Friseur Walter Dittmer noch nicht ergriffen. Zu dem Gattenmord in der Zionskirch st ratze wird mitgeteilt, datz der Mörder, der flüchtige Friseur Walter Dittmer, noch nicht ergriffen ist. Die Besichtigung der Leiche durch den Gcrichtsarzt Professor Fraenkel hat ergeben, daß der tiefe Halssttch. den der Mörder seinem Opfer beibrachte, nicht un- bedingt den sofortigen Tod zur Folge haben mußte. Man hat im Bett noch ein Tuch gefunden, mit dem der Frau vermutlich der Mund zugedrückt wurde, um sie am Schreien zu verhindern. Zahl- reiche Blutspuren an den Wänden und unter dem Bett lassen' darauf schließen, daß die Frau sich aus allen Kräften zur Wehr gesetzt haben muß. Ihre Haarspangen haben sich bei dem Kampfe gelöst und lagen umher. Da äußerlich an der Leiche nicht viel Blut zu sehen war, so ist anzunehmen, daß die Frau an innerlicher Blutung erstickt ist. Völlige Klarheit hier- über wird die Obduktion ergeben. Der Mörder muß die Wohnung bald nach der Tat— also gegen 1 Uhr nachts— oerlassen haben. Er ist bisher noch nirgends ausgetaucht. Ob die Vermutung, daß er sich selbst das Leben genommen hat, zutrifft, bleibt abzuwarten. Dittmer ist 1,65 bis 1,68 Meter groß und von schlanker Gestalt, hat ein blasies, eingefallenes, etwas verlebtes Gesicht, blaue Augen und hellblondes nach hintengekämmtes dünnes Haar mit Wirbelglatze. Er trug einen dunkelblauen Iackettanzug, schwarze halbe Lack- schnürschuhe. einen grauen Schlapphut und eine helle Hornbrille mit goldenem Bügel. Bei sich hatte er wahrscheinlich einen gelben Krückstock. An seinen Händen werden vermutlich Kratzwunden zu sehen sein, die von dem Abwehrkampfe der Frau herrühren. Eine alte Schnittoerletzung am �rechten Daumen, deren zackige Ränder durch einen Scherben verursacht wurden, mag vielleicht als besonderes Merkmal dienen. Dittmer hat auch ein künstliches Gebiß. Die Vermutung, daß ein zunächst unbekannter Mann, der an der eisernen Brücke im Lustgarten sich' mit einem Dolch rncffcr die Pulsadern zu öffnen versuchte, der oerfolgte Gatten chörder sei, hat sich nicht bestätigt. Dieser Lebensmüde ist vielmehr ein Kaufmann Kurt I e d a m aus der Kommandantenstraße. Er wurde nach der Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Mitteilungen über das Auflauchen des gesuchten Dittmer nimmt die Mordkommission im Polizeipräsidium entgegen. Guarani Das gefährdete Dach über dem Kopf. Mit erstaunlicher Findigkeit ersinnen die Hauswirte neue Mittel, ihren Mietern das Leben sauer zu machen. Abgesehen von den zermürbenden und gänzlich aussichtslosen Kämpfen um die oller- notigsten I n st o n d s e tz u n g s a r b e i t e n in den oft mehr als menschenunwürdigen Wohnräumen, allerlei persönlichen Schikanen, haben jetzt verschiedene Hauswirte einen neuen Schreckschuh auf Lager. Sie träumen von der Aufhebung der Zwangswirtschaft. •r roDmn k*35 ZU ihren Gunsten meistern und spielen den klugen Mann, der da vorbaut. So oersenden sie eingeschriebene Briese an sämtliche Parteien, worin sie zum nächstmöglichen Termin das Mietsverhältnis als gelöst bezeichnen und die Mieter somit als vogelsrei, einzig auf ihre Gnade und Barmherzig- keit angewiesen, erklären. Natürlich ist dies Vorgehen ein nicht ernst zu nehmendes, aber es hat insofern seinen Menschenfreund- liehen Zweck erreicht, als die Hausbewohner aufs neue erschreckt und verängstigt werden und. ihres ohnepics so ärmlichen Zuhause gar nicht mehr froh sind. Ein solcher Menschenfreund ist der Wirt des Hauses Berlin NO., Watzmannstraße 3 7. Einer der Be- troffenen, der sich die Sache darum am meisten zu Herzen nimmt, weil er seine am höchsten Olymp des Hauses gelegene Dachwohnung mit unendlicher Mühe und vielen Kosten in einen bewohnbaren Zu- stand versetzte, ist der Händler W. Mit Frau und zwei Kindern bewohnt er Stube und Küche, die er im Jahre 1324 vom Wohnungs- amt als Zwangswohnung zugewiesen erhielt. Natürlich ist er dem Wirt von Anfang an ein Dorn im Auge, denn seine Vor- gängerin in der Wohnung zahlte weit mehr, während er, außer- stände, für eine Dach-Mansarden-Wohnung den hohen Mietebetrag von 50,— Mk. zu entrichten, die Wohnung, schätzen ließ, wobei sich der Preis aus 21,— Mk. reduzierte. Die Wohnung befindet�sich in äußerst schadhaftem Zustande, die einfachen Fenster sind vom Wind und Wetter derart mitgenommen, daß die Holzeinfassung ab- fault und die Feuchtigkeit an den Wänden und am Fußboden unter dem Fenster durchsickert. Tag und Nacht müssen die Fenster ge- öffnet sein, sonst hält man es vor Modergeruch und Feuchtigkeit nicht aus. Die Wohnung war beim Einzug von Ungeziefer aller Art verseucht, die Tapeten hingen in Fetzen von den Wänden. Nun, da man es endlich soweit gebracht hat, sich ein bescheidenes, aber halbwegs menschenwürdiges Heim zu gründen, kommt der Herr Wirt mit schärfster Brems«! Das„sterbende Haus". Zu den Ausführungen„Das sterbende Haus" in Nr. 353 vom 28. Juli erhalten wir vom Stadtbaurat für Hoch- und Städtebau nachstehende Aeußerung, um deren Abdruck wir gebeten werden: „Das Haus in der B e s s e l st r a ß e 2 2 wurde im Jahre 1303 errichtet. Da der B a u g r u n d dort schlecht ist, mußte das Haus auf Pfählen gegründet werden. Diese sind wahrscheinlich durch die Absenkung des Grundwassers, welche durch die in dieser Gegend vorgenommenen Bauten verschiedenster Art nötig wurde, oerfault. Dadurch hat sich der Mittelteil des Hauses gesenkt. Im Laufe der Jahre sind schon Unterstützungsarbeiten vorgenommen worden, deren Umfang nach der allgemeinen Beschaffenheit des dortigen Baugrundes für ausreichend gehalten werden mußte. Da aber der Baugrund an einzelnen Stellen anscheinend über das gewöhnliche Maß hinaus schlecht ist, werden nunmehr durchgreifende Arbeiten an den Fundamenten nötig, die in allerkürzester Zeit zur Ausführung kommen werden." Die neue Nummer der.Arbeiterwohlfahrt". Heft 15. vom 1. August, bringt einen Abschnitt aus dem demnächst erscheinenden „Lehrbuch der Wohlfahrtspflege", das der Hauptausschuß für Ar- beiterwohlfahrt herausgibt,„Voraussetzungen der Wohlfahrtspflege" von der bekannten Sozialpolititerin Genossin Dr. Helene Simon. Der Abschnitt ist gleichzeitig ein wertvoller Bettrag zu der Begriffs- bestimmung der Wohlfahrtspflege, um die man sich gegenwärtig in Fachkreisen bemüht. Ein Aufsatz„Psychologische Schwierigkeiten und Möglichkeiten sozialistischer Wohlfahrtsarbeit" von Genossin Dr. Clara Henriques führt in die schwierige Praxis des besoldeten und ehrenamtlichen sozialistischen Fürsorgers. In der Umschau be- richtet Genosse Dr. Walter Friedländer über die Tagung des „Deutschen Archivs für Jugendwohlfahrt", Genossin Paula Kur- g a ß über„Die Fürsorgeerziehung in der Presse", Genossin Pro- ch o w n i k- Breslau über die Bestrebungen der„Dinta" unter dem Titel„Der Kampf um die Seele des jugendlichen Arbeiters" Lei Insektenstichen Creme I-eodor dick und Juckreiz, wirkt kühlend und retzmi von herrlichem BllUengeruch, weder sellend UNd'_ SM.«rMHihh" // Unter diesem Namen wurde in der Staatlichen Ausstellung für bildende Kunst eine deutsch-brasilianisch« Kunstaus- st e l l u n g eröffnet, die unter der Leitung der Professoren Bruno Paul und Alexander Herborth steht. Professor Herborth hat in Brasilien sieben Jahre lang wissenschaftliche Studien über die Kunst des Guarani getrieben. Unter Guarani versteht man die Kunst der Ureingeborenen Brasiliens, die heute noch in vielen Kulturdenkmälern weiterlebt, obwohl das Volk der Guaranis längst ausgestorben resp, durch die weißen Eroberer ausgerottet worden ist. Man findet z. B. nicht nur in den Ortsnamen von Brasilien, Paraguay und Uruguay die Ueberreste der alten Jndianersprache. Auch in der Kunst und in den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens sind überall die Spuren jener alten Jndianerkultur deutlich sichtbar. Diese Indianer- k u n st, die natürlich nur mit primitiven Mitteln arbeitete, hat überraschend stark« Ausdrucksmöglichkeiten für die Eigenart ihres Landes. Die brasilianische Landschaft, Urwald, Sumpf und Morast, Dickicht und Stepp«,«Zebirge und Ozean, alles erfaßt sie klar und präzise, mit einem Reichtum der Farben, der geradezu imposant ist. Grün, schwarz, rot, braun und blau sind die Lieblingsfarben. Man findet besonders in der T ö p f e r k u n st ganz hervorragende Arbeiten, wobei die Motive aus dem Tierleben Brasiliens mit Nor- liebe genommen werden. Man findet dort das Krokodil, den Ja- guar, den Skorpion, den Adler, und vor allem das volkstümlichste Tier Brasiliens: die Schlange. Dieses Schlangenmotiv, gegen das allerdings die europäische Konvention ein traditionelles Vorurteil hat, wendet die Guaranikunst mit Vorliebe an. Man erinnert sich in diesem Zusammenhange an die berühmte Uebertragung des ur- alten„Liedes an die Schlange" durch Goethe, das dieser einer portugiesischen Sammlung von Guaram-Dichtungen entnommen hat. Di« Staatliche Porzellanmanufaktur hat übrigens gerade dieses Schlangenmotiv sehr geschmackvoll für verschiedene moderne Arbeiten, z. B. Vasen verwendet. Auch für die übrige Kunst bietet das Guarani eine Fülle von Anregungen. Besonders die moderne Architektur, immer auf der Suche nach neuartigen Ornamenten, hat aus den Anregungen dieser Ausstellung manchen praktischen Nutzen gezogen. Der architek- tonische Ausdruck des Guarani zeichnet sich aus durch Klarheit und Einfachheit. Sie verwendet mit Vorliebe die Bilder der heimischen Erde. Tiere, Blumen und Vögel. Aber sie kennt auch die Symbolik des Sternenhimmels. Der Tanz der Gestirne, Sonne, Mond und olle Sterne, ist ein beliebter. Schmuck der Guaranihauskunst und -kultur. Auch arithmetische und geometrische Zeichnungen finden reichliche Verwendung. Ein vollständiges Novum, das auch rein wissenschaftlich großes Interesse bietet, ist die Verwendung der söge- nannten Häkchenschrift, die mit den altgermanischen Runen eins manchmal verblüffende Aehnlichkeit besitzt. Die Ausstellung hat außer den rein künstlerischen auch eine große praktische Bedeutung. Man hat die vielleicht etwas kühne Absicht, die alte Guaranikunst und ihre Symbolik dem modernen Leben und seiner Technik anzupassen. Aus der Bindung und Ver- Mischung dieser uralten Naturkunst und moderner Sachlichkeit will man einen neuen brasilianischen Eigenstil schassen. Was man an ersten Versuchen in dieser Hinsicht zu sehen bekommt, wirkt zu mindestens ästhetisch angenehm, wenn auch für unseren europäischen Durchschnittsgeschmack zuerst etwas, fremdartig. Eindrucksvoll und überzeugend aber sind die Arbeiten der Töpferei und> Majolikakunst. Di« Vasen, Trinkgesäße und Geschirre, alle mit den alten Guarani- mustern geschmückt, haben eine graziöse Leichtigkeit der Form, die an die besten Zeiten alter nationaler Kulturen, etwa die griechische oder altägyptische erinnert. Bei den M o s a i k a r b e i t e n über- lascht die sarbentechnisch geschickte Verwendung nur weniger und eindrucksvoller Töne,, z. B. gold und schwarz oder grun und rot. Man hat hier einige Stücke ausgestellt, z. B. eine Eingeborenen- Hütte unter Palmen, die in der kühnen Naivität der Linienführung an die besten Arbeiten unserer Modernen, z. B. Pechstein oder Gau- gouin, erinnern nur daß bei diesen die wundervolle alte Selbstver- ständlichkeit einer Volkskultur, die sich selbst genug ist, oft allzu. sehr entartet ist. In Berlin hat sich eine Gesellschaft zur Förderung deutsch. brasilianischer geistiger Interessen gebildet. Die vorbereitenden Arbeiten sind einem Komitee übertragen worden, zu desien For- derern u. a. Exreichskanzler Dr. Luther, Prof. Herborth und der brasilianische Gesandte in Berlin gehören. WilSWW»S siit MellemWM M«NWS Dampferfahrt mit Musik Äbfahrt: Morgen» 9 Uhr pünktlich Berlin-Waisenbrücke und Obcrbaumbrückc, 930 Uhr Niederschöneweide-TreSlowbrücke, 9.45 Uhr Köpenick-Lmienhain, 10 Uhr FriedrichZhagcn-Slädlilcher Part.— Rote und schwarzrotgoldene Fahnen mitbringen. weibliche Polizei. Vorbeugen ist besser als Strafe! Wie bereits mehrfach im„Vorwärts" berichtet wurde, hat die Sonderinspektion der weiblichen Polizei, die der früheren Leiterin der Frauenhilfsstelle und der jetzigen Kriminalrätin Fräulein W i t t i n g untersteht, am 15. April 1927 ihre Tätigkeit begonnen. Sie kann somit auf mehr als ein Vierteljahr Arbeit zurückblicken. Diese Sonderinspektion besteht aus Fräulein Mitling und sieben Kriminalsekretärinnen, staatlich anerkannten Wohlfahrtspflegerinnen, die eine reiche Arbeit in Bezirks- und Kreisjugendämtern hinter sich haben. Sie durste zu Beginn ihrer Tätigkeit nicht allzuviel Verpflich- tungen auf sich nehmen, sondern mußte versuchen, nach und nach ihr Tätigkeitsfeld zu erweitern. Sie beschränkte sich deshalb in der Hauptsache auf die Behandlung von Kindern bis 14 Jahren und weib- licher Jugendlichen, auch Frauen, in den Fällen, in denen sie als Täter, als Verletzte und als Zeugen in Betracht kamen. Di« ver- schiedenen Dezernate bedienen sich der Sonderinspektion zum größten Teil in den Fällen, in denen Kinder als Zeugen vernommen werden müssen. Ein weiteres Gebiet sind die Gnadensachen: die Beam- tinnen der Sonderinspektion machen hier die erforderlichen Ermitl- lungen. Eine Ausdehnung der Tätigkeit wird erst möglich sein, nach- dem die 1 8 vorgesehenen Kriminalpolizeisekretärinnen ihxen Dienst aufgenommen haben werden. Augenblicklich befinden sie sich noch in der Ausbildung. 7 werden im August, 11 im Dezember ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Dann sollen die Beamtinnen auch zum Außendien st herangezogen werden. Sie werden bettelnde und handeltreibende Kinder beaufsichtigen, und die Lokale, Bahnhöfe usw. nach gefährdeten Kindern absuchen. Die Sonder- lnspektion der weiblichen Polizei hat sich sowohl im Polizeipräsidium selbst als auch beim Publikum eingebürgert. Die männlichen Kollegen haben sich davon überzeugen müssen, daß ihr« weiblichen Kolleginnen ihrem Dienste in vollem Maße gewachsen sind und mehr als eine Mutter hat ihrer Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, daß die Angelegenheiten ihres Kindes nicht von einem männlichen Kriminal- beamten, sondern von einer weiblichen Beamtin bearbeitet werden. Die B.'deutung der weiblichen Polizei reicht ober noch vi.'l weiter. Sie liegt im Unterschied in der Einstellung des männlichen und des weiblichen Polizeibeamten. Der vorbeugende Gedanke der Polizeitätigkeit, das Fürsorgerifche, das immer wieder sowohl vom Innenministerium als von den leitenden Stellen des Berliner Prolizeipräsidiums unterstrichen wird, muß selbstver- ständlich bei den speziell vorgebildeten Wohlfahrts- Pflegerinnen in viel höherem Maße zur Geltung kommen, als dies bei den früheren Kriminalbeamten der Fall sein kann. Es ist ober zu erwarten, daß die 25 Kriminalsokretärinnen der Entwicklung dieser fürsorgerischen Einstellung innerhalb der Polizei überhaupt einen kräftigen Anstoß geben werden. Man wird die Tätigkeit der weiblichen Polizei mit größtem Interesse verfolgen dürfen und man kann hoffen, daß sie für die Bevölkerung segensreich sein wird. Verzweifelt! Verzweiflung über das Unglück in der Familie trieb eine 33 Jahre alte Frau Charlotte L. ins Wasier. Sie sprang in den Teltow-Kanal, wurde aber von Passanten gerettet und in das Bukower Krankenhaus gebracht. Im Jahre ISA wanderte der Ehemann L., der sich als S ch r i f t st e l l e r betätigt, mit seiner Frau und drei kränklichen Kindern aus Russisch-Polen nach Deutschland ein und fand in der Prinz-Handjery-Stratze zu Karlshorst ein? Wohnung. Für seine schriftstellerischen Arbeiten fand er keinen genügenden Absatz und die Unterstützung in Höhe von 60 M., die er von einem Verbände erhielt, reichte zum Lebensunterhalt der fünf- töpfigen Familie nicht aus. Das Elend wurde noch größer, als die Frau vor zwei Jahren so schwer erkrankte, daß sie operiert werden mußte. Seit dieser Zeit war sie sehr hinfällig. In der Ver- -weiflung über die trostlose Lage versuchte sie gestern nun ihrem Leben ein Ende zu machen. Der arme„Gichtkranke". An einer höchst eigenartigen Krankheit scheint ein 34 Jahr« alter aus Budapest gebürtiger internationaler Taschendieb Simon Deutsch zu leiden, der gestern wieder«innjal auf friscGr Tat erwischt wurde. Deutsch, der im Aus- und Mlande wegen seiner „Fingerfertigkeit" stets von neuem mit den Strafbehörden in Kon-- flikt gerät und erst kürzlich ein Jahr Zuchchaus wegen Toschendieb- stahl abgesessen hat, leidet an einer Krankheit, die man vielleicht am besten als„P o l i z e i g i ch t" bezeichnen kann, denn sie tritt nur auf, wenn er festgenommen worden ist. Sein Houptarbeitsfeld waren in Berlin die D-Züge, die über die Stadtbahnhöf« verkehren. So hat Deutsch«cht groß« Untoslen und macht doch gut« Beut«. Gestern nahm er einen alten pensionierten Bahnbeamten aufs Korn, der im Begriff stand, sein« schwerkranke Tochter zu besuchen. Er drängte sich an den alten Herrn heran, stahl ihm die Brieftasche mit 80 M. und wollte damit verschwinden. Beamte der Taschendiebes- streif«, die den ihnen wohlbekannten Gauner schon beobachtet hatten, packten ihn aber rechtzeitig, obwohl er plötzlich wie ein Windhund laufen konnte. Kaum hatten die Beamten ihn beim Kragen, da befiel ihn wieder„seine schwere Gicht". Zu dem kurzen Wege vom Polizeigewahrsam bis in das Zimmer des vernehmenden Kom» missars brauchte der„arme kranke Mann" volle zwei Stun- den. Von dem Diebstahl wollt« er natürlich nichts wissen und erklärte, daß er viel zu schwach und leidend sei, um so etwas zu machen. Obwohl man die gestohlene Tasche bei ihm gefunden hatte, behauptete er dreist, die Beamten hätten gelogen, er hätte seine Hand nicht nach fremdem Gut ausgestreckt. Der durchtriebene Gauner, der natürlich kerngesund ist, wurde wiederum dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Kaufmann oder Ludewig? Ueber einen fast unglaublichen Dorfall berichtet uns ein Leser unseres Blattes: Vor elwa zehn Tagen wurde fem« Frau unter flrößtec Gefahr von einem toten Kinde entbunden. Dee Mann mußt« nun, noch völlig kopflos über die schwere Krankheit seiner Frau, zu den verschiedensten Dienststellen lausen, um die Ge* burt eines toten Kindes anzumelden. Als er die polizeilichen An* Meldungen besorgt hatte und zum Standesamt ging, wurde er dort auf eine sehr merkwürdige Art von dem diensthabenden Be* amten abgefertigt. Auf den Papieren, die von der Polizei ausge* stellt waren, fehlte der Beruf des Mannes. Recht patzig fragt« der Beamte:„Hier steht kein Beruf. Ich muß doch wissen, ob S!« Kaufmann oder Ludewig sind." Als der so Behandelte, empört über ein derartiges Verhalten eine» Beamten, den Namen dieses Beamten wissen wollte, wiederholt« der Beamte den Vergleich, behauptete aber, er wollte den Mann nicht beleidigen. Der Mann beschwerte sich bei der.zuständigen Stelle im Berliner Magistrat und erhielt folgende Antwort: „Auf Ihre Beschwerde vom 20. Juli 1327 über den Standes* beamten Wenzel teilen wir Ihnen«rgebenft mit, daß nach der Dar* stellung des Standesbeamten diesem eine Beleidigungsabsicht voll* kommen ferngelegen hat und eine Beleidigung auch nicht vorliegt. Der Standesbeamte hat Ihnen lediglich bedeutet, daß Sie selbst an der ordnungsmäßigen Eintragung Ihres Berufes interessiert seien und dabei bemerkt, daß es doch nicht gleichgültig wäre, ob jemand Kaufmann oder Ludewig sei. Er hat damit nur einen allgemeinen Vergleich ziehen wollen, der als persönliche Beleidigung nicht auf- gefaßt werden kann. Wir haben den Standesbeamten ersucht, künftig von solchen allgemeinen Redewendungen keinen Gebrauch zu machen." Das Standesamt, auf dem sich dieser Vorfall abgespielt hat, liegt in der K o p p e n st r a ß e, in einem rein proletarischen Bezirk. Vielleicht ist der Beamte der Usberzeugung, daß seine Art, Leute zu behandeln, die richtige ist Es entspräche dem Ansehen der Beamten- schaft mehr, wenn ihnen energischer klargewacht worden wäre, daß auch der Arbeiter sich nicht die Gleichstellung mit einem Zuhäller gefallen läßt. Zugentgleisung bei Germersheim. Ludwigshasen. 2. August.(WTB.) Die Reichsbahndirektion Ludwigshafen teilt mit: Heute nachmittag um �3 Uhr entgleiste auf dem Bahnhof Germers- h e i m der in der Ausfahrt nach Rheinheim begriffene Güterzug mit Lokomotive und zehn Wagen aus unbekannter Ur- lache. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhallen. Verletzt wurde niemand. Zu HaoslriiMiireii bei fiidil, Rbeamallsiniis. Iraker-, Nieren-, � Blasen-, Harnleiden(Barnsllnre), Arterien- � Mkallnind.Fraoenleiden, Magenleiden usw. Man befrage den Haaearit! ßninnensthriften durcfa das Fachln�er Zentmll>ftro9 Berlin Wt, Wi 1 hei matr aase». Erhkltlldi In Mlneralwasserhandlimgeii, Apotheken und Drogerlen sowie In Berlin bd der Versandstelle der Staats- r+clK 7\ vSl** —-----Öe der Staats- ou eilen Fadiingen und Nieder- Seiter», Berlin Sw 11, Schöneberper Strasse 16a. TeL: Lützow 8260; 8261. Zlugzeugvertehr über den Gzean. Wettkampf zwischen Lufthansa und Schiffahrt? Während in Deutschland mehrere Ozeanflugprojekte als spart- liche Unternehmungen dicht vor ihrer Verwirklichung stehen, be- schästigt man sich in maßgebenden Kreisen, und zwar ohne Rücksicht auf ein Gelingen oder Scheitern dieser Sportflüge, ernsthaft mit der Frage der Organisation eines deutschen Transatlantik- Luftverkehrs, also mit dem Problem, mit derselben Regel- Mäßigkeit wie im innerdeutschen und internationalen Luftverkehr Fluggäste, Post und Frachl auch über den Atlantischen Ozean zu transportieren. Die technischen Voraussetzungen hierfür sind zum Teil bereits gegeben, zum Teil werden sie spätestens im Laufe des kommenden Jahres erfüllt sein. Genau so wie die Erfolge der amerikanischen Ozeanflieger den Beweis dafür geliefert haben, daß man drüben über einen Flugmotor verfügt, der den Anforderungen eines Ozean- luitoerkehrs gerecht wird, so werden hoffentlich auch die noch in diesem Monat stattfindenden Ozeanslüge deutscher Sportmaschinen zeigen, daß die deutsche Motorenindustrie in dieser Beziehung hinter dem Ausland nicht zurücksteht. Und was die für ein solches Unternehmen, d. h. für«inen regelmäßigen Passagier- und Postverkehr über den Ozean notwendigen Flugzeuge betrifft, die ja nicht nur„fliegende Benzintanks" sein dürfen, so braucht nur auf das Riesenflugschiff hin- gewiesen werden, daß zurzeit bei den Dornier-Werken in Bau ist und im kommenden Jahr« slugbereit sein dürfte. Daneben bauen auch die Rohrbach-Werke ein besonders hochseetüchtiges Riesen- f l u g b o o t, das gleichfalls für dies« Zwecke in Frage käme. Liegen also die technischen Möglichkeiten bei dem augenblicklichen Entwick- lungstempo der Luftfahrt ziemlich klar, so herrscht aus der anderen Seite noch kein Einvernehmen über die Frage, wer der Unter- nehmer eines deutschen T r a n s o z e a n- L u f t v e r° k« h r s sein soll. Es liegt auf der Hand, daß der Gedanke eines Ozean-Luftverkehrs sofort die deutschen Schifsahrtsgesellschaften auf den Plan gerufen Hot, die angesichts der ungeahnten Entwicklungs- möglichketten bemüht sind, diesen Atlantikverkehr durch die Luft selbst zu ubernehmen bzw. entscheidenden Einfluß daraus zu gewinnen. Demgegenüber vertreten sowohl die Deutsche Lufthansa wie auch maßgebende behördlich« Stellen die Auffassung, daß die Organi- sation regelmäßiger Ozeanflüge mit Verkehrsmaschinen in erster Linie in der Hand eines Luftverkchrsunternehmens liegen muß, demnach also unter Führung der in Deutschland hierfür allein in Frage kommenden Lufthansa stehen müsse. Selbstverständlich wird nicht verkannt, daß auch für diesen Fall«ine engste Zusammenarbeit zwischen der Lufthansa und den am Amerika-Dienst betettigten Schifsahrtsgesellschaften Platz greifen müsie. Die großen Uebersee- dampfer werden die das Weltmeer überfliegenden Maschinen in vieler Hinsicht unterstützen müssen. Hierzu gehört in erster Linie der Funk- Wetterdienst, ferner die Funkpeilung bzi Nacht oder bei unsichtigem Wetter, sowie evtl. Hilfeleistung bei Gefahr. Als ein Anzeichen für das große Interesse der Ucberseeschiffahrt an den Ozeanflugprojekten mag auch die Meldung hingenommen werden, daß der Nord- deutsche Lloyd der Unternehmer des Üzeanfluges mit einer Junkers-Maschin« I ZZ von Dessau nach New Port sein wird. Es muß aber betont werden, daß dies« Bindungen erst in dem Augenblick zur Tatsach« werden, als die Junkers-Werke die hierfür in Aussicht genommene Maschine nach Durchführimg aller Versuche endgültig zur Verfügung stellen. Der letzte Versuch besteht bekannt- lich in dem jetzt vorbereiteten Dauerslug zum Angriff auf den Welt- rekord. Schraube«bruch a«f dem„Cosumbus". Wie der Norddeutsche Lloyd miteilt, hat der Doppelschrouben- dampfer„Eotumbus" auf der Fahrt nach New Port 1100 Seemeile» östlich von der amerikanischen Küste die Steuer» bordwelle gebrochen und die Steuerbordschraub« verloren. Der Dampfer setzt mit einer Schraube die Reise ver- langsamt fort. Nach Mitteilung des Kapitäns wird der Dampfer Freitag, den 8. August, um mittag, also mit nur eintägiger Verspätung in New Port eintreffen. An Bord ist alles wohl. Die Unglücksfälle der englischen Lufstreitkräste. London. 2. August. Die„Daily Mail" verlangt aus Anlaß des 40. tödlichen Un- glücksfalls, der sich in diesem Jahre in der englischen Krieg«- l u f t f l o t t e ereignet hat. die Einsetzung einer vom Luftministerium unabhängigen Untersuchungskommission. Das Blatt be- gründet seine Forderung mit dem Hinweis, daß in der Zivil- luftfahrt wesentlich niedrigere Unfallzahlen zu ver- zeichnen seien und weist dabei darauf hin, daß die Deutsche Lufthansa im vergangenen Jahre rfur«inen tödlichen Unfall bei 4 Millionen zurückgelegten Flugkilometern hatte. Krankentafsennöte in der Tscheche!. Au» Reichenberg wird uns geschrieben: Die Kranken- versicherungsan st alten befinden sich in einer furchtbaren Lage. Sie sollen rund 41 Millionen Kronen zurück- zahlen, die sie zuviel erhoben haben, insofern, als sie nämlich auch für die Tag« die. Beiträg« einnehmen, wo nicht gearbeitet wird. Dies« großen Summen sollen von den Einnahmen des zweiten Halbjahres 1326 rückvergütet werden. Dabei war 1926 ein normale» Krantenjahr, 1927 aber hatte viele Seuchenfälle, so daß schon in den ersten Monaten ein Millionenabgang«intrat. Es ist errechnet, daß in kurzer Zeit eine große Anzahl Anstalten ohne jeden Heller dastehen wird. Die Ueberweisungen zur Kur sind ge- sperrt, selbst die Ueberweisungen in eigene Heime, Lungenheilstätten usw. können nicht mehr durchgeführt werden. In vielen Fällen haben die Aerzte Anweisung, nur die ollerbilligsten Medizinen zu verschreiben. Die Ursache für die traurigen Zustände liegt in den herabgesetzten Beitragsleistungen. Die Jahne Irieörich Ludwig Jahns. Deutsche Turnerschuft für Schwarz-Weist-Rot. In Miltenberg am Main hielt der Main-Spessart- Gau der Deutschen Turnerschast sein Gauturnfest unter der Schirmherrschaft eines Ehrenausschusses, an dessen Spitz« der Für st von Löwen st ein-Wertheim und der F ü r st von Leiningen-Amorbach standen. Festrede des Bürgermeisters Dr. Schmidt:„Die Fahne Jahns wollen wir wieder entfalten. Ein Volk wollen wir wieder werden, getreu und geschlossen in sich selbst. Laßt uns pflegen den Geist Jahns." Die Fahne Jahns wollen wir wieder entfalten— aber weit und breit war auf diesem Turnfest der Deutschen Turnerschaft nicht ein« Fahne Jahns zu sehen.� Peinlich nämlich, daß der alte Jahn, der Vater der deutschen Tur- ncrei, ausgerechnet die schwarzrotgoldenen Farben auf dem bloßen Leibe gettagen hat! Man sang auf diesem Deut- schen Turnertag in Miltenberg auch nicht etwa„Deutschland über alles", sondern— das schwarzweißrote Flaggenlied. Die Fahne Jahns wollen wir wieder entfalten, und dazu das schwarzweißrote Floggenlied! Etwas viel Heuchelei auf einmal! Nächstens wird man erzählen, der alte Jahn habe schwarzweißrot für«ine heilige Farbe erklärt. wettttberichl der öffentlichen wetterdieastslelle für Berlin nnd Umgegend lNachdr. verb.) Wollig, zeitweise aufheiternd, etwa« llthler ohne stärkere Niederschläge.— Jür Veulschland: Im Süden trübe und regnerisch, sonst keine erheblichen Niederschlägi, überall ziemlich kühl. Dr. Kurt L. Heymann legte den Rundfunkhörern die Frag« vor: Was kann der Deutsche vom Amerikaner lernen, und beant- wortet« sie etwa so: Folgerichtigkeit in der technischen Entwicklung und Spezialisierung.— Dr. Karl Würzbuger begann einen Doppelvortrag über„Elternhaus und Schule" mit einer onschau- lichen Darstellung des modernen Elternhauses. Dabei ging der Lortragende vom berufstättgen Elternpoar als dem Gegebenen unserer Zeit aus. Eine Auffasiung. die sicher nicht alle Funkhöver teilen werden. In den ernsten Musikdarbietungen macht sich neuerdings das erfreuliche Streben nach einer Programmausaestaltung fühlbar. Unter älteren, mehr oder weniger vergesicn«n Werken wird dabei manches herausgefunden, was die Ausführung wirklich lohnt. Dieser Orchesterabend, von S«lma M e y r o w i tz kundig geleitet, brachte neben der im Rundfunk wohl schon gehörten F-Dur- Symphonie„Im Walde" von Raff zwei Kompositionen seines Zeitgenossen Robert V o l k m a n n, von denen besonders die fein«, anspruchslos« F-Dur-Serenade Freuds bereitet«. Tes. 11. Gutsbesitzer Kohlkopp ärgert sich blau: ihm werden seine Leute auf einmal zu schlau! Ich könnt'» ihm sagen wie's plötzlich geschah: ihr Blatt,„Der wahreZacob". Das ist wieder dalt � Q. „Oer Wibre Jicob". das weltbekannte Witzblatt. kostet trotz erhöhten Urnfanres nnr 30 Pf. Bestelle noch heute beim Zeltnngs. boten oder in deiner Volksbuchhandinn«. Cinfcnbnngen füt diese Rubrik find Berit» TW S8. Sintiesftrage 3, partemachrkchten für Groß-Serlin Net» an da, Bezirkesekretnriul. i. Hos, 2 Seth, recht», za richten. §ur den Verfassungstag am 71. August find schwarzrotgoldene und rote Jahnen in unserer Iahnenverlriebs- stelle. SB. 68, Lindenstr. 3, II. Hof. 2. Ir„ Zimmer 11, zu haben. (Geöffnet von 9— 17 Uhr. Mittwochs und Freitags von g— 19 Uhr.) «, 3. Ätci» Bcbbino. Bilbuncuausschuh: Die Starten zum 28. August find um» oehcnb com Genossen Schmidt abzuholen. 13. Ätci» Tempelhos, Roriendoes, Morienfelde, Lichtenrade. Freitag, 5. August. 19 Uhr, Sitzung des Areisbildungsausschusses bei Niendorf in Mariendors, Thausseestr. 19. 3S. Abt. Sonnabend. K. August, 14 Uhr, Naffeekochen im Rest, zum„Fllrsten Wolfgang", Weitzenseer Weg. Kinderspiele, Fackelzug, Tan,. Säfte will» kommen. Rege Beteiligung der Genossinnen erwartet die Abieilungs» leiierin. 17. di» 73. Abt. Die Genossinnen und Genossen werben aufgefordert, fich möglichst zahlreich an der Bersassungsfeier des Reichsbanners am Sonn» tag, 7. August, IS Uhr, im Biktoriagarien zu beieiligen. Karten find bei den Abteilungsleitern erhältlich. 104. Abt. Nieberfchöneweibe. Die Genossinnen und Genossen beteiligen fid> am Sonntag, 7. August, an der Berfossungsfeier des Reichsbanner» in Treptow, Restaurant„Altes Eierhäuschen". Abmarsch 13>a> Uhr vom Marktplatz in Oberschöneweide. Alles Nähere ist au» den Plakaten zu er» sehen. Einlatzkarten find bei dem Genossen Sofowski zu haben. Berein der Städtischen Kleingartenpächter der Stadt Berlin. Abt. Blanken» selbe. SPD.»Parteigenossen! Freitag 20 Uhr im Vereinshaus Zahlabend. heule, Mittwoch, 3. August: 74. Abt. Zehlendors. 20 Uhr Funktionärfitzung bei Millen, Potsdamer Straße. 1d2. Abt. Baittnfchnlenweg. Die Genossinnen und Genossen treffen fich heute 1S>4 Uhr an der Waldecke zum Spaziergang nach der KSnigsheide zum gemeinsamen Spiel. Restlose Beteiligung erwünscht. Abt. 149» Wittenau. 20 Uhr bei Boges Funktionärfitzung. Morgen, Donnerstag. 4. August: 78. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei König, Feurigstr. 51, Funktionärfitzung. Sämtliche Funktionär« sowie die Vertreter in den Ausschüssen und Kom» Missionen haben zu erscheinen. 114. Abt. Lichtenberg. 18 Uhr Vorstands» und Funktionärfitzung bei Schwarzer, SabrieI.Mox»Str. 17._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Abteilungsmitgliederversammlungen, heule. 19H Uhr: Wedding! Heim See» Ecke Turiner Straße.— Humannplatz» Heim Scheren. bergstr. 7.— Rosenthaler Vorstadt: Schule Gipsstr. 23«.— Andreasplatz: Heim Am Ostbahnhof 17.— Reichenberger Viertel: Heim Relchenberger Str. 66.— Westen II: Heim Dlllowstr. 88.— Spondon: Heim Lindenufer 1.— Tempelhos: Heim Germoniostr. 4/6— Falkenberg: Am Falienderg 117 lmit Vortrag:„Er. ziehungssragen").— Frlebrichsbagen: Seim Feiedrichstr. 87.— Friedrichsseld«: Seim Schloß» Ecke Berliner Stroße.— Koulsdorf: schule Abolfstraße.— Lichten, berg-Rord: Heim Vorkaue 10.— Llchtenberg-West» Heim Scharnweberstr. 29.— Lichtenberg. Mitte: Heim Dosseste. 22. * 9�pa?r?«filftrt»rnfciinrt f»»ti 5. August, 19 Uhr, im Heim in Weißensee, Porkstt. 36. vortrage, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäfts st eile: Berlin S 14, Eeballianflt. 87/38. Hak i 2 t. Lichtenberg nebst Unter« enppen: Mi., b. 8., 20 Uhr, Zug- und Ortsgruppcnfllhrcrfitzung bei Krllaer, Tilrrichmibtstr. 83.— Donner«, tag, 4. August: Köpenick: 19 Uhr Antreten Bhf. Friedrichshagen mit Tambour» korps und Fahnen. Friedrichshagen: Antreten 181b Uhr bei Otto. Platzkonzert und Ummarfch.— Freitag, 5. Angust: Tiergatten: Kameradschaft Arminiu» Kameradschafisversammluna bei Schmidt, Wielefstraße, um 20 Uhr. Prenzlauer Berg: 19 Uhr engere Darstandsfitzung, 20 Uhr erweiterte Vorsiandsfitzung bei Burg, Prenzlauer Allee. Leipztg.Fahrer Einzahlung des Fahrpreise» bis 8. August spätestens. Nachzügler können nicht bcrUckfichtigl werden. Nenkölln» Britz: 18 Uhr Treffen Schützenhau» Neukölln. Treptow. D>.. Satz-uji früher vor unproduktiven Anleihen der deutschen Gemeinde- uiix Provinzialverbände warnte., Von diesen Kreisen tauchen Versuck.e einer Propaganda aus, die Regierung der Vereinigten«tasten möge ein Embargo(Verb o4) auf so:che Anleihe n lege». Zu einem derartig drastischen Schritt wird sich allerdings die Re- gierung sicherlich nicht entschließen. Es ist jedoch denkbar, daß den New-$orker Bankiers unterderhand geraten wird, Vorsicht bei den Anleihen walten zu lassen." Wären die deutschen Gemeinden Pttvatunternehmungen. und Herr Dr. Schacht eine Privatperson, so könnten sie ihn wegen Kreditschädigung auf Schadenersatz- verklagen. Das ist leider nicht möglich, und, r»ie das Telegramm zeigt, hat die sortgesetztc Propaganda gegen die Aufnahme von Auslandsanleihen, die der Reichs- bankpräsident jetzt seit zweieinhalb Jahren treibt, Früchte getragen: es ist wahrscheinlich ein Unikum in der modernen F-inanzgeschichte, daß der Leiter einer ZeMralnotenbant die s i ch e r st e n Kredit- n e h m e r seines Landes— und das sind in Deutschland die Ge- meinden— im Auslande als kreditunwürdig hinstellt. Staatswittschaft und Privatwirtschaft im Tabakgewerbe. Das österreichische Tabakmonopol(Tavakregie) hat ei»� eigene Einkaufsorgonisation für Tabake gegründet, um seine Rohstoffe durch eine besonders zu bildende Aufkaufsorgani- sation direkt bei den Pflanzern von Levantiner Tabaken einholen zu können. Der Vorgang ist deswegen besonders interessant, weil die freie deutsche Zigarettenwittschost infolge des Vordringens der Tabakhändler nach und nach größtenteils überfremdet worden ist. Di« meisten Zigarettensirmen stehen in einem Ab- hängigkeitsverhältnis zu den ausländischen Lieferanten. Ini Gegen- satz dazu hat die monopolisierte österreichische Industrie es ver- standen, sich zu solcher Stärk« zu entwickeln, daß sie sich vom Tabakhandel freimachen kann. So ist das ganze ein geradezu charakteristischer Beitrag zu der Frage, welche Wittschastssorm nationaler ist, die sreie Wirtschaft oder die staatlich gebundene öffentliche Wittschaft. Die unsinnige Verschwendung in der kapitalistischen Wirtschaft zeigt sich. besonders in Zeiten starker Konjunkturschwankungen. Je nachdem, wo die Warenpreise gerade am höchsten sind, laufen die Transporte. So sind jetzt am Rohbaumwollmarkt 3000 Ballen amerikanischer Wolle, die seinerzeit zu niedrigen Preisen von B o st o n nach Liverpool geschickt worden waren, von Amerika wieder zurückgekauft und nach dorthin verladen worden, weil in- zwischen die Preise wesentlich gestiegen sind. Selbst die langen Frachtwege können den Gewinn nicht verzehren, den die Händlei be! diesem Hin- und Herschicken der Ware erzielen, das der Der- braucher mitbezohlen muß. Machtbildungen aus dem deutschen Silbermattt Die Bergbau- und Hütten-A.-G. Mansfeld in Eisleoen hat im Rahmen ihres Umstellungsprogramms mit der Deutschen Gold- und Silber- Scheideanstalt Frankfurt a. M.- Berlin- Pforzheim ein Abkommen getroffen, wodurch die Silbererzeugung von Mansfeld jetzt nur durch den Frankfurter Konzern und dessen Filialen oertrieben wird. Diese Vereinbarung bedeutet für Maus- feld einen Fortschritt in der Loslösung von dem reinen Metall- Handelsgeschäft und eine Neuorientierung In industrieller Beziehung. Schon vor kurzem wurden zur Vereinfachung und Vereinheitlichung die Bureauräume aus Berlin nach Eisleben verlegt. Die Verkaufs- abteilung für Metallhalbfabrikate befindet sich ebenfalls in Eisleben Die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vertreibt jetzt die Silberproduktion von Mansfeld und von der Norddeutschen Afsinerie in Homburg, deren Erzeugung die von Mansfeld übertrifft. Sie Hot sich außerdem vor wenigen Wochen durch Uebernahme eines Aktien- paketes an der Allgemeinen Gold- und Silber-Scheideanstalt in Pforzheim beteiligt, die ihr bisher im süddeutschen Jndustriebezirk die größie Konturrenz geboten hat. Durch die letzten Abkommen ist es der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt gelungen, ihre Monopol st ellung in der Silbererzeugung und im Silberhandel weiter auszubauen, so daß die Silberverarbeitung wesentlich von ihr abhängig geworden ist. Und wieder Preiserhöhungen bei den Zuteiudustriellen. Zum dritten Male innerhalb eines Monats hat die Interessengemeinschaft deutschet Juteindustrieller ihre Preise erhöht. Jedesmal um je 2 Pt. pro Kilo Iutegewebe. Ebenso naiv wie brutal wird die im gesamt- wirtschaftlichen Interesse h�rechtigte Abneigung der Reichsregierung und des Reichswirtschastsminifteriums ebenso beachtet wie gleichzeitig umgangen. Die Herren von der Iuteindustri« scheinen zu meinen, daß die deutsche Volkswirtschaft Preiserböhungen in kleinen, aber um so häufigeren Dosen leichter vetträgttols in großen. Wenn dos so weiter geht und die Regierung zu einem solchen Vorgehen schweigt. die eine krasse Ausnutzung der günstigen Konjunktur und in den heutigen Verhältnissen die:chädliche Ausnutzung einer wirt- schaftlichen Machtstellung bedeutet, wird die Arbeiterschaft an Gegenmittel zu denken haben, und zwar nurimInteresseder Gesaintwirtschast. Polens Handelspolitik wird durch die in der letzten Zeit erheblich verschlechterte Handelsbilanz sehr beeinflußt werden. Der Ausfuhrüberschuß von 239 Millionen Zloty im ersten Halbjahr 1926 hat sich im ersten Halbjahr 1927 nach den Mit- tellungen des Handelsministers Kwiatowfki in einen Einfuhr- Überschuh von III Millionen verwandelte Für Polen, das bisher noch wenig Auslandskredite erhatten kann, ist diese Aenderung allerdings bedeutsam. Der polnische Handeleminister hat bekannllich bereits früher die Konfeguenz daraus gezogen, die Einfuhr von Weizen und Weizenmehl zu verbieten und die Ein- fuhr von Luxusartikeln zu beschränken. Der Zolltarif sokl umgebaut werden, wenn man anch von der allgemeinen An- passung der Zölle an die seit seiner Einführung eingetretene Entwertung des Zloty zunächst noch abgesehen hat. Don der Regierung wird jedoch eine teilweise Balottjierung der Zölle erwogen, die nach dem Einbringen der Ernte erfolgen soll. Mittwoch Z. August?H27 Änterhalwng unö A�tssen Seilage ües vorwärts heimatlos. Äon Albert Leitich. Der alte Pfarrer von Sankt Lorenzen stand zornbrennend vor dem vierschrötigen Bauern, der gesenkten Hauptes die Strafpredigt über sich hatte ergehen lassen. „Und ich sage euch nochmals, Moosbauer," entschied der eisen- graue Benediktiner,„ihr seid ein schamloser Kindermacher. Achte am Leben... drei sind euch gestorben und jetzt sucht ihr euch der Pflichten zu entschlagen, wo die Kindesmutter tot ist. Der Teufel soll euch holen, wenn ihr euch um das arme Wurm nicht kümmert." Da der zerknirscht Tuende auch jetzt keine Antwort gab, war der Pfarrherr mit seinem Latein zu Ende. Der Schweiß stach ihm von der Stirne; er wischte ihn mit dem grünschillernden Aermel des Talars ab. Dann besann er sich: „Moosbauer, ich sage euch nochmals, ihr müht euch des Buben annehmen, er ist euer Fleisch und Blut. Wie ihr das mit eurer Ehehälfte in Ordnung bringt, ist eure Sache. Wer ich sage euch, daß ich das Vormundjchastsgericht zur Hilfe ruf, wenn ihr auskneifen wollt!" Der Pfarrherr schlug mit dem Handrücken auf den schweren Folianten, der am Tisch aufgeschlagen lag. Achzelzuckend verließ der Moosbauer die Pfarrstub«, in der die Unterredung unter den Augen der Gottesmutter und ihres Sohnes stattgefunden hatte. Es hatte alles seine Richtigleit, was der Pfarrherr gesagt hatte: im vergangenen Jahr unterm Blütenweih der Apfelbäume war die kleine Lisa Artner schwanger geworden. Der heiße Sommer schwellte die Frucht von Tag zu Tag. Und als der Kleine geboren war, lebte er zum grimmigen Berdmß des Moosbauers. Drunten vor dem Staketenzaun blieb er lange stehen. Um den Rand der Wälder schlang sich ein schwarzes Wolkenband und hie und da wetterleuchtete es ober den fahl aufblendenden Hügeln... In der Nacht war ein schweres Gewitter niedergegangen, nun strahlte Sankt Lorenzen in einem reinen, leuchtenden Morgenlicht. Vor einer halbverfallenen Hütte saß die Großmutter, hatte die runzligen Hände über den Griff des Stockes gefaltet und leise nickte der aufgestützte Kopf: rings um sie atmete das Leben, aber sie vernahm es nicht, ihre müden Augen waren geschlossen und ihr Blick ging nach innen. Drinnen in der Stube rief erwachend der kleine Bonifaz. Die alte Frau kam zu sich und tastete sich durch den schwarzen Küchenflur zur Wiege, ihre welke Hand griff nach des Kleinen heißer Stirn. Was sollte aus dem Kinde werden, das in seiner wurmstichigen Wiege nach einer Heimat schrie?„Nein, nein, du wirst nicht hungern, wirst nicht frieren, wirst nicht zu bösen Leuten kommen," sang ihm die Großmutter immer wieder in zärtlichen Lauten. ,�)ab keine Angst, Bübele, ist mit Gottes Hilfe noch keiner vor der Zeit zu- grundegegangen... hört einmal alles auf. fangt einmal alles an, es ist schon so auf dieser Welt...." Bonifaz, der nun ins sechste Lebensjahr ging, durste nicht länger elternlos sein. Das war der alten Frau klar geworden, denn sie spürte, daß sie selbst irdischer Zehrung bald nicht mehr bedurfte. Und sie hatte erfahren, wie nachdrücklich der Pfarrer das gute Recht des Kindes verteidigt hatte. Das Dorf lag stahlschillernd im steilen Sonnenbrand, als die Großmutter mit dem Enkelkind nach dem Gehöft des Moosbauers wanderte; das Dörfchen zog sich beidersetts der steilen Bergstraße gegen ein freundliches Tal hinab und ganz in der Höhe unter schwarzen Fichten ragte das Anwesen des begüterten Bauern hervor. Nur langsam vermocht« die alte Frau, das Vüblein an der Hand, emporzuklimmen. Hie und da muhte sie stehen bleiben, um zu rasten. Mühsam kam sie wieder zu Atem und strich sich die er- grauten Haarsträhnen unter dem Kopstuch zurecht. Schon waren beide in die Nähe des Moosbauerngutes ge- kommen. Eine wunderbare Ruhe lag über den Wäldern, deren dunkle Grenzlinien sich scharf vom sattblauen Himmel abhoben. Die alle Frau sah nach der Front des Bauernhofes, die ganz vom dichten Laubwerk der Weinstöcke verdeckt war: sie umfaßte den Enkel beim Kopf und drückte ihn fester an sich, dann schritt sie langsam den Pfad hinan zum Besitz des Moosbauern. Dicht an den Fenstern des Wohnhauses schlich sie mit dem Jungen vorüber und trat in den mit Sandstein ausgelegten Hausflur. Sie klopfte an der Wohntüre, erst zaghast und bange, und als sich keine Stimme vernehmen ließ, pochte sie herzhafter an. Doch wieder kein Laut. Nun öffnete sie behutsam die Türe einen Spalt brett, sah sich neugierig in der Stube um und während sie die Türe wieder zuzog, sagte sie leise zu Bonifaz:„Wo nur die junge Frau sein mag?" Dann ging sie mtt dem Buben langsam hinaus und schritt in den Hof hinein. Ganz am Ende, gegen die Felder zu, lag ein farbenflammendes Gärtlein, in dem eine Magd aus Leibeskräften arbeitete. Die alte Frau trat an den Heckenzaun heran, grüßte und fragte nach Bauer und Bäuerin. Der Bauer fei zeitlich morgens nach der Stadt gefahren, die Bäuerin besorge nur einige Einkäufe und müsse jeden Augenblick zurückkommen. Schon waren Großmutter und Magd im Gespräch: alles, was sie auf dem Herzen hatte, mußte herunter. Wie der Moosbauer ihre Lisa betört habe, wie er ihr versprochen hatte, ihr treu zu bleiben und sie zu ehelichen, wie er gegen seinen Vater, der nicht dulden wollte, daß er ein armes Mädel heirate, kämpfen wollte, um seinen Willen durchzusetzen. Wie sie eines Abends zu Tods erschrocken war, als Lisa herzbrechend zu weinen begonnen hatte und endlich nach langem Drängen mit der Sprache heraus rückte, daß es nimmer richtig mit ihr fei. Die alte Frau war damals von dieser Beichte so entsetzt gewesen, daß sie das Licht fallen gelassen hatte. Von diesem Augenblick an hatte sich der Moosbauer nimmer blicken lassen und ein halbes Jahr später habe es im Ort geheißen, daß er sich die reiche Bürgertochter zur Frau nehmen würde. Als das Gerücht im Dorf umging, war Lisa ins Wasser gegangen. „Der Bub, den ich da mitgebracht habe, ist der Lisa ihrer. Ich bin nun schon jahrelang mit dem Kind allein. Was ich alles durch- gemacht habe, tagelang könnte ich davon erzählen. Nun ist der arme Kerl wenigstens aus dem Gröbsten heraus. Was soll ich alte Frau nun mit ihm anfangen? Ich habe selber nichts zu beißen und nun muß ich einmal mit dem Moosbauer und der Moosbäuerin ein Wörtcl reden." Ehe noch die Großmutter ihre Erzählung beendet hatte, war die junge Frau durch den Hof hereingekommen und ins Hau? geschritten. Die alte Frau empsahl sich bei der Mood und ging der Bäuerin nach. Als diese sie mtt dem Jungen kommen sah, stieg ihr die Röte des Der letzte Mohikaner voller Neiü sehen alle öeutschen Monarchisten aus Rumänleo, denn dort regiert noch ein echter Hohenzoller. Unwillens ins Gesicht. Sie hatte schon unzählige Auseinander- setzungen mit ihren Mann gehabt und so oft der Pfarrer den Moos- bauer an seine Pflicht gemahnen mußte, so oft gab es Gewitter im Bauerngut. Ein Vaterunser lang war es so still, als seien alle drei unter dem Bann eines plötzlichen starken Zaubers eingeschlafen. Dann stellte die Bäuerin, ohne die alte Frau viel zu beachten und ohne deren verlegenen Gruß zu erwidern, Fleisch und Gemüse zum Kochen zu und sagte:„Ich Hab jetzt keine Zeit zum Diskurs, laßt den Buben da, das andere wird sich finden." Ihre Stimme klang dabei seltsam heiser. Der Junge sah aus runden Augen auf seinen neuen Feind. Auch die Frau starrte den Kleinen an. drei Herzschläge lang, dann wandte sich Bonifaz im jähen Erwachen und ging, nachdem er der Großmutter die Hand geküßt hatte, nach dem Garten zu. Ihm war es wirr zu Sinn. Am liebsten wäre er davongelaufen, wenn nicht die Großmutter tröstend in ihn hineingesprochen hätte... Von diesem Tag an brachte Bonifaz die meisten stunden und Tage auf der Weide zu, wo hinter bllltcnbeschlciertem Gesträuch herrliche Schlupfwinkel waren und er seinen Frühlingsträumen nachhängen tonnte. Es war schön so, von Wiese zu Wiese, von Wald zu Wald wandern, immer wieder dieses Lied von tausend Herrlich- keiten hören zu können, statt die eintönige Litanei der Scheltreden, Schläge und Tränen daheim. Bei seinen Kameraden war Bonifaz nicht beliebt. Er suchte Einsamkeit, mied die Gesellschaft der anderen, sie fürchteten ihn. Er hatte zwar keinem noch Leides getan, aber er sonderte sich von den Altersgenossen ab, nahm nicht teil an deren ausgelassenen Spielen, er kletterte nicht mit nach Nestern und das Gerücht seiner Herkunft war der ganzen Dorfjugend bekannt. Als der Junge unter Schlägen und Tränen dreizehn Lahre alt geworden war, gab ihn der Moosbauer w'it weg in die Lehre, um ihn aus den Augen zu bringen... Bonifaz mußte Hof und Heimat verlassen. Gelassen strich er durch Land und Sonnenschein, Saat und grünende Triften, immer weiter und weiter durch die flimmernde Niederung, durch Felder ohne Ende, vorbei an Weilern, an Bächen, an Blitzen der werkenden Pflüge, weiter und immer weiter ins Ungewisse, in die Fremde, ins Leben, in den Tod: die heimgekehrten Schwalben über sich und im Herzen eins zaas. niedergedrückte Hoffnung... v Zigeuneröamtmrung im neuen Das wilde glutvolle Melos der Zigcunermusik hat nicht nur das russische Kunstlied, die Romanzen eines Dargornyschski, Tschaikowsti und sogar Mussorgski befruchtet: oft glaubt man auch aus den Versen der russischen Dichter— etwa Puschkins, Lcrmontows oder Feths— bis zu den Jüngsten, bis zu Block oder Jessenin, die Rhythmen dieses Ztomadensangs mit Gitarrenklang zu vernehmen. Das Zigeunerlied blickt in Rußland auf eine lange glanzvolle Tradition zurück. Die leidenschaftliche Schwärmerei für die Zi- geunermusik datiert seit den 80er Iahren des 18. Jahrhunderts. Graf Alexej Orlow, der Favorit der Großen Katharina—„der" Orlen)— war es, der seinem Magnatenhosstaat den ersten Zigeuner- chor einverleibte. Doch die Keimzelle der späteren Zigeunerchöre — einer fast typischen Nummer bei allen russischen Lolksbclusti- gungen und in vielen Gaststätten, vom vornehmsten Luxusrestau« rant bis zur dunkelsten Kaschemme— war der berühmte Soko- lowsche Chor in Moskau, der vom Grafen Valerien Subow, einem Feldherrn Katharinas, protegiert wurde. Die Solistin dieses Chores, „Tanja", ist von Puschkin verherrlicht worden: unter den unzäh- ligen generösen Gunstbeweiscn, die Tanja während ihrer Laufbahn zuteil wurden, befand sich ein kostbarer Schal der Catolani, den die italienische Diva von ihren Schultern genommen und der„Kol- legin" als Zeichen ihres Entzückens geschenkt hatte. Bekannt ist Liszts Begeisterung für den Zigeunergesang, den er zu seinen un- vergeßlichen Moskauer Eindrücken zählte. Ja auch Leo Tolstoi, als junger, tatendurstiger Ofsizier und später als der Weltweise von Jaßnaja Poljano, hegte Zeit seines Lebens eine innige Vorliebe für das Zigeunerlied. Sobald sich auf Jaßnaja Poljana die Kunde verbrettcte, fahrende Zigeuner hätten>n der Umgegend des Herren- gutes ihr Feldlager ausgejchloaen, wanderte auch der Alte hinaus. um sich am Sang und Tanz dieser naturnahcn Menschenkinder zu erfreuen. Uns Westeuropäern, vor und nach Byron, ist diese Art von Romantik nicht gar so fremd: es sei nur an die dichterisch und mu- sikalisch verklärten Gestalten einer Esmeralda, Mignon, Fenella oder Preziosa erinnert. Die russische siebcnsaitige Gitarre war das alleinige Begleit- instriiment dieser �gemischten Vokalchöre: es handelt sich also nicht um Zimbel und Streicher wie bei den ungarischen oder rumänischen Zigennertapellen. Das singende Zigeunertum blühte ehemals besonders in Mos- kau. Adel und Großtaufmannschaft verschleuderten ganze Vermögen, um die Lust der Sänger anzuspornen und dieses oder jenes Mit- glied an sich � zu fesseln. Hochtitulierte Würdenträger heirateten Zigeunerinnen, wobei diese romantischen Ehen meist ein ebenso romantisches Ende nahmen: nämlich durch die jähe Flucht der oben- teucrnden Gallin oder einen standesgemäßen Rückzug des ernuch» terten Gemahls. Die Sowjetregierung hat etwa vor Jahresfrist den kühnen Ver» such unternommen, durch ein Ansiedlungsdekret die Se�hastiHkeit der russischen Zigeuner von Staats wegen zu erzwingen. Zugleich sollt? damit ein Kapitel russischen Rauschlebens aus alter Herrenzeit zu Grabe getragen werden. Nach den bisherigen Ergebnissen scheint das Unwahrscheinliche Wirtlicheit geworden zu sein. Jedenfalls be- währen sich die in Moskau erössneten drei Zigeunerschulen durch- Dort werden dunkclhüutige. glutäugige Kinder unterrichtet, aus. deren Väter sich noch als Pferdehändler oder Diebe, als Chorsänger oder Bärenführer schlecht und recht durchs Leben schlagen mußten. Auch bat sich in Moskau ein Zigeunernerband ausgetan, der bereits 2000 Mitglieder beiderlei Geschlechts zählt. Und damit der steife Ernst nicht fehle, beschäftigt sich eine jüngst gegründete Wissenschaft- liche.Gefells. hast.mit der systemmischen Ersorschpng d«s Zigeuner- gcsanges.. Heutzutage, im Zeitalter des Jazz, der Chansd:» und Operettenschloger muten uns diese rassigen Volksweisen ohnehin„ wie verschollene Klänge an. Andere Zeiten, andere Lieder. Doch wo Genossin Mignon in die Abc-Schule geht oder gar staubige Archioakten wälzt, da ist ihr lieberreicher Mund, der einst durch Wald und Steppe jauchzte, auf immer verstummt. Die �Lebenslänglichen". Wenn ein Schwerverbrecher als„Lebenslänglicher" hinter den Zuchthausinauern verschwindet, ist das Interesse für ihn, und wenn sein„Fall" nach so großes Aussehen erregt hatte, gewöhnlich völlig erloschen. Aber das Leben dieses Verurteilten ist damit noch lange nicht zu Ende..In einem Vortrag, den das„Archiv für Kriminologie� bespricht, weist der Jurist Dr. Lumpp vielmehr sehr wisscnswerle Einzelheiten über die weiteren Schicksale jener„Lebenslänglichen" nach, und zwar auf Grund von Beobachtungen, die man an fünfzig zu lebenslänglicher Zucht hausstrase verurteilten Verbrechern im Lauf von sicbenundvierzig Jahre» gemacht hat Die meisten dieser Verurteilten hatten ihre Tat im?llter zwischen 20 und 25 Jahren begangen. Nur sechs unter ihnen standen im Alter zwischen ZK und 40 unö vier zwischen 41 und 50 Jahren. Von den fünfzig Lebens- länglichen befanden sich nach 47 Jahren nach 18 im Zuchthaus: 15 der Sträflinge hatten das Glück gehabt, früher begnadigt zu werden, während 1? gestv'ben waren. Zwei hatten durch Selbstmord oeendet. und sechs von ihnen waren unheilbarer Geisteskrankheit vcr- fallm. Von den 15 Begnadigten waren 10 wieder ins bürgerliche Leben zurückgekehrt und hielten sich auch �weiterhin gut: Zwei der Begnadigten begingen nach mehrjähriger Freiheit Selbstmoid: nur einer fiel von neuem dem Verbrechen anHeim und mußte wieder bestraft werden. Zu bemerken ist hierbei noch, daß einer der Ve- gnadigten schwachsinnig war und ein anderer an einer Geistesschwäche litt, die zur Verblödung führte. Ein trübes Vild vermittelte die Statistik von den sozialen und häuslichen Verhältnissen, in denen die fünfzig Ltbenslänzlichen auf- gewochsen waren. Im Armenhaus waren sechs von ihnen erzagen >'worden, wogegen siebzehn im Elternhaus eine sehr schlechte Er- j Ziehung ei halten hatten Bei eis der Lebenslänglichen hatten die | Eltern an Trunksucht gelitten, bei acht hatten auch die Eitern schon ! Verbrechen begangen, und zwei van ihnen stammten überhaupt schon . von geisteskranken Ellcrn ab. Fast die Hülst«— 21— waren, j bevor sie ins Zuchthaus kamen, bereits mit schweren Strafen und ! 13 mit leichteren Strafen vorbestraft. Zehn van ihnen waren als | uneheliche Kinder geboren Wie das Strafmaß, ja überhaupt die Strafe eines Schwerverbrechers beschaffen sein sollte, ist ein« Frage, die unsere Kriminalisten heute mehr denn je beschäftigt. Am schlimmsten wirkt die lange Strashast natürlich fast immer auf dcn Geisteszustand des Sträflmgs ein, wie denn mir wenige Verbrecher lange Ziichtha»�tt'"'f--, o'm? Schädigung ihrer geistigen Verfassung überstehen Phosphatide, ein Gegenstück zu den Vitaminen. Was im Leben der Tiere und der Menschen die Vitamine, das scheinen bei den Pflanzen die Phosphatide zu sein, auf die man in neuerer Zeit mehr und mehr aufmerksam wird. Man hat früher die in den Zellen arveiiendni Swfsc meist in abgessoibenei» Zustande uiitersuchl. Die lebenden Stoffe haben aber ganz andere Eigenschaften, sie sind guellbar, wasserlöslich, aktiv. Außer dem Lecithinkern besitzen sie immer noch verschiedene Kohlchydratgruppen und Farbstoffe. In, chemischen Laboratorium der neuen Wiener Handelsakademie haben jetzt V. Gräfe und K. Magistris die Phosphat« an Mohrrüben und anderen Pflanzen untersucht und ein Diamino-Monophosphatid isoliert, unter dessen Spaltungsprodutten Palmitinsäure, Oelsäure, Cholin, Glyzerinphosphorsäur« und Zuckerstoffe nachweisbar waren, ferner fand sich Schwefel und Anthocyanin. Die Erforschung der Phosphatide wird in der nächsten Zeit eine der wichtigsten Aufgaben der Biochemie sein. Man vermutet, daß der Wert der Symbiose zwischen Baumwurzcln und Pilzen(Mykorrhiza) gleichfalls in der wichtigen Versorgung der Bäume mit Phosphatiden besteht, in. die vrosthtenorünung in öer Praxis. Seit dem 15. Juli ist in Berlin die neue Droschkenord- nung in Kraft. Wie stets nach dem Erlah neuer Verordnungen und gesetzlicher Bestimmungen herrschen auch bei den Personen widersprecheich« Auffassungen, die die Einhaltung der neuen Droschkenordnung zu überwachen oder zu befolgen hoben. Erinnert sei nur an die Streitfrage, wann der Chauffeur da« Schild„Außer Betrieb" aufftecken soll und wann nicht. Wir haben schon ein- mal an anderer Stelle de».Vorwärts" darauf hingewiesen, daß der Fahrer dieses Schild nur aufstecken muß, wenn er nach beendigter Fahrt nicht den nächsten, nicht voll besetzten Halteplatz aufsuchen will, sondern einen anderen Halteplatz. Streiten lägt sich jedoch darüber, was unter dem„nach st en, nicht vollbesetzten Halteplatz" zu verstehen ist, zumal an einer Zahl von Holte- platzen„Droschken nach Bedarf" Aufstellung nehmen können. Hier müßte also eine besondere Definition gegeben werden, um Klarhest zu Ichaffen. Der unverkennbar gut gemeinte Zweck dieser Bestimmung ist der, das sogenannte„Greifenfahren" zu unterbinden oder wenigstens einzudämmen. Die Droschkenführer sollen nicht mehr, nach Fahrgästen spähend, planlos durch die Straßen, sondern nach dem nächsten Halteplatz fahren. Nun sieht man aber, daß oft wenige Meter vor einem Halle- platz ankommend« Droschken angerufen werden und so ihren schon längere Zeit an den Plätzen haltenden Kollegen die Fahrgäste„weg- schnappen". Auch hier müßte durch eine Ergänzung Abhilf« geschaffen wer- den, indem man etwa den Fahrern untersagt, in einem begrenzten Umkreis der Halteplätze Fahrten anzunehmen, und Fahrlustige auf den nahen Halteplatz hinzuweisen. In diesem Zusammenhang sei noch an«inen Widerspruch erinnert, der unbedingt beseittgt weichen muß. Im§ 12 Abs. 2 der neuen Droschkenordnung ist vorgeschrieben, nicht mehr Per» s o n e n zu befördern, als Sitz« zugelassen sind. Im gleichen ?lbsotz heißt es weiter:„Ein etwa neben dem Führer noch ange- bracher Sitz darf von Fahrgästen nich benutzt werden." Nun sind aber in den meisten Droschkenscheinen entweder vier oder sechs Personen einschließlich des Führers zugelassen, wobei der Platz neben dem Führer einbegriffen fft. Es dürfen also auf dem Platz neben dem Führer Personen befördert werden, weil er zugelassen ist, es dürfen auf diesem Platz wiederum aber auch keine Personen befördert werden, weil das verboten ist. Dieser Knoten muß also ebenfalls gelöst werden. Da es das Bestreben das Polizeipräsidiums war, durch die neue Droschkenordnung eine Vereinfachung herbeizusühren, ist anzunehmen, daß es auch diese Widersprüche und Lücken be- seifigen wird. Es muß weiter angenommen werden, daß die Polizeibeamten an die Verfügung vom vorigen Jahre er- innert werden, wonach bei Fehlern, die sofort abge- stellt werden können, nicht gleich Strasanzeige erstattet, sondern erst eine Verwarnung erteill werden soll. Zu diesen Fragen, wie auch zum Ablauf des Tarifvertrages am 1. Oktober, der dringend einer Verbesserung bedarf, nehmen die im Deutschen Verkehrsbund organisierten Droschkenführer in einer Versammlung am Donnerstagabend im Gewerkschastshaus Stellung._ Unteeftützongsaktion für die Seamten. Die Oandtagsfrakkion au den Fluaazmiuister. Vom Sekretariat der sozialdemokratischen Land- t a g s f r a k t i o n ist zur Beamtenunterftützungsaktion des preu- bischer. Finanzministers folgendes Schreiben an den Fi- nanzmini st er gerichtet worden:„Auf Grund der Verfügung, die vom Finanzministerium herausgegangen ist, wodurch der Unter- stützungsfonds um 60 Prozent überschritten werden darf, erlauben wir uns folgende Vorschläge zu machen, damit eine etwaige, von den nachgeordneten Behörden ausgehende, Willkür oerhindert wird. Wir bitten, ohne besonderen Antrag den Beamten bis 200 M. Monatsgehalt 40 M., von 201 bis 300 M. 35 M., von 301 bis 500 Mark zu 30 M. zu geben, dazu für jedes Kind 5 M. Bei Beamten mit mehr als 500 M. Monatsgehalt kann auf Antrag eine besondere Regelung erfolgen. Diesen Vorschlag bitten wir auch sinngemäß auf die Angestellten anzuwenden. Wir bitten um freund- liche Mitteilung, ob dieser Vorschlag von dort aus veröffentlicht werden kann, oder was das Finanzministerium tun will, um«ine falsche Auslegung der Verfügung zu oerhindern." verbaaüstagswahl im Säckereiarbeiteeverbanö» Durchfall der Kommunisten. Wie wir schon berichtet haben, hatten sowohl bei der Auf- stellung der Kandidaten zum Verbandstage des Nahrungs- und Genuhmtttelarbeiterverbandes als auch bei der nachfolgenden Ur- wähl die Kommunisten sich außerordentliche Mühe gegeben, um diesmal ihren Auftraggebern mit einem kleinen Erfolg aufwarten zu können. Ihre einzelnen Mitglieder und Sympathisierenden hatten sie handschriftlich durch Postkarte zu den Wahlen eingeladen. Doch alle ihre Anstrengungen und Gekdausgaben sind erfolglos geblieben. Obwohl in der Urlaubszeit ein Teil der Mitglieder fehlt und die weniger geschulten Mitglieder in der heißen Jahreszeit«rfahrunxs- gemäß überall etwas phlegmatischer sind, ein Fehler, den die Kom- munisten für sich auszunutzen verstehen, hat die Liste Max Borth(SPD.-Liste) 702 Stimmen in der Spitze erhallen. während die Kommunisten trotz aller Bemühungen nur 328 Stim» men in der Spiptze zählen konnten. Das Pech der Kommunisten ist ober noch schlimmer. Eämt- »che Stimmen der Kommunisten mußten nach dem Wcchtregkement für ungültig erklärt werden. Denn mit Ausnahme eines einzigen Kandidaten hatten sämtliche vorgeschlagenen Kommunisten die Voraussetzung des Wahlreglements nicht er- füllt, daß sie seit drei Jahren agitatorisch tätig gewesen sein müssen. Aber auch die Sttmmen sür den übriggebliebenen tatsäch- ... gummiert-------------........, sehen, auf den amtlichen Stimmzettel aufgeklebt worden war. Diese Manipulation war unzulässig und deshalb mußten auch diese Sfim- men gestrichen werden. verteilten, hatte der Herr Kaspar. Mitglied des Landtages, sogar die lügnerische Behauptung ausgestellt, daß bei den Wahlen w den Urnen bereits Stimmzettel gewesen seien, was H«tzschold sogar für zulässig erklärt hätte, weil es immer so gewesen wäre. Trotz dieser unerhörten Lüge, die in der Vorstandssitzung am Montag abend selbst von Kommunisten als solche bezeichnet wurde. sind die kommunistischen Wahlmacher vor dem verdienten Reinsall nicht bewahrt geblieben._ Beendeter Streik bei Puls. Der am Freitag ohne Zustimmung der Organisation unter- nommene Metallaröeiterstteik bei der Firma Ed. Puls, G. m. b. f.., wurde am Montag mit folgendem Vergleich beendet: Die Firma zahlt vom 28. Juli ab die Stundenlohnsätze des am 26. Ssptembe: in Kraft tretenden Tarifs nebst einer Zulage von einem Pfenma für erwachsene und einer solchen von zwei Pfennigen fuv jugendliche männliche Arbeiter bis zum 25. September. Die Tfcheka gibt„AufklSrung". Riga. 2. August.(Eigenbericht.) Auf einer kommunistischen Bettiebsversammlung in Moskau, an der auch ein Mitglied des Zenttalkomitees teilnahm, richtete«in Arbetter an das Präsidium die Anfrage, was die feit längerer Zeit von der russischen Tscheka verhafteten 836 Arbeiter sich haben zuschulden kommen lasten. Diese Arbeiter seien bisher nicht einmal in Der Vorsts den Anklagezustand versetzt worden. n d« der Versammlung verwies den Fragesteller an die Tscheka. die ihm die notwendige Aus- klärung erteilen würde. Aus Prot«st gegen diese Er- klärung, die den Fragesteller praktisch ebenfalls der Tscheka ausge- liefert hätte, verließ ein großer Teil der Versammlungsteilnehmer den Saal. fiieafer, Uditspfcle usw. Wewer Norden 10334—37 8 1). EndelO>/,U Der Kexer Die Komödie Bismarck 2414/7516 8'/, Uhr, Ende 10'/. im Grün Sommerpr. 3—10 M. [asMeater IMer-ErättüDDg Freitag d. 12. Augast 8 Uhr Wamaua-Tbeai. Täglich 8'/, Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nar SO PI. Tkut. l Hillemiirfpliti Täglich 8 Uhr SitiiqitI»m hmr-Funkr httoal. Kupfer. SISml, ÜJrtets, Klint 1y% 2,-, 3,- M. usw. U in Adniralspaiast Täglich 8V, Uhr HMLER REVUE An und aus in der Orlgfnal- aufführung. Vorterk. ununterbr. Lustspielhaus 8>/i Uhr. Cafe ElectriK ftose-Tbeater Gartenbohne 5*/, Uhr; Konzert and Banter Teil 8 Uhr Die lastuemiwe Theater des Westras 8>.. Uhr: Die Tagend« Prinzessin Musik von Zorlig üoitn lihnr, Dil Boffmn«, Arths: Bill. Iirliai Ljdwij, lirtla Kitimr. Snti Scllis, K. LipnUti frltnon- Thealer Ab Donnerstag tägl. 8V|Uhr: Hansi Arnstadt in Demimonde (Halbwelt) UMr-Sdno. Blsg.Ua. ruh. Sdiüti SiiMurg-Blhiai Dts. Kflnstler-Th SV, Uhr «Da wirst micfa betraten" Letslog-Theater 8Vi Uhr Israel Anserate im LSß Vorwärts sichern Erfolg! Jj&Uli Barlinar Fanfaren-BISsarkorps Auf der Frei bOhne: 4 ADLON AS „Die fliegenden Menschen" 10 atemraubende Minuten Bio tritt 70 PI«.— Kinder«nSsr M Jahren frei Bis 6® Kaffee il Kcoben Im fflntr.-Geld einbegriffen ma Am T.August 1837 SONDERSUG nach MAGDEBURG Deutschen Theater-Auseiattuna Magdeburg 1027 FaHrprol» arm EOlgamg ) Hinfahrt: i ROokfahrt: Fahrpreis abT.tOUhr 1 an IZBUhr ab TAI Uhr 1 an 1.90 Uhr RM SZO an 9.33 Uhr j ab 2332 Uhr ErmUIgtar Etotrlttsprwta RM— Ä) • a— Tp'——'"rl ihmtsg •md • Berlin: ReisebOrD WerthelaL Berlin W"■■ atraSe 126/iy Relee- u. Verkehr« bOro KooS- hau« desWestonaQ.m.b.li. Berlin W BO. Tntientalon- «traBe 21/24 WeltralaebOro Union, Berlin W 8, Unter den binden 22 Stangen'a RalaebOro, Berlin NW7,Unterden UndenTBa a Retadam I ReisebOro der Potsdamer TageszeltunB, Potsdam, KaiserstmSe 3 Komische Oper 8-/. Uhr: 8'/. Uhr Berlins neueste Revue; Streng vcmoicnüfg Plötzlich und unerwartet verschied igust, i mn, Cr Montag, dem I. August, mein lieber Mann, unser guter Vater, Sonn, Großvater und Bruder, der Buchdrucker D» Bern d«r muten al Liidinutiattn! Ueber 200 Mltwirk./ 8 Balletts. I Vorverkauf i. i. Ttnatfrtrar ih 10 Uhr imitobrl METROPOL-THEATER Täglich 8>/i Uhr SHe föajadeve von Emmerich K&lm&n Otto Monsonlns Die traaeniden Hlnleruiebeiien Die Einäscherung findet am Donnerstag, nachm. SV, Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt Kranzspenden höflichst verbeten. Nollendorf 7360 Das große Eröffnungs- Programm! WINTERGARTEN 9 Im Rahmen d. August-Spielplans: H Das Dreigestirn des Humors: a Lotte verlanemer» Otto Beatter • otear sobo■ | Preise der Plätze I Mk. bis 8 Mk. WW Ant. 8 Uhr. Rauchen gestattet W Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr «ft Stettiner Sänger ,Ä5 zum SchluB: -a Eine Hochzeit afl'-fSf In der MöllcrstraBe M Dönhoff• Brett'l i (Saal und Garten) Variete Konzert, Ti anz teil zu Meru Mittwoch, den 3. Angnst nachm. 3(Ihr Theater ata KottUor » Kottb. Str. 6 flV Tägl. 8 Uhr: KElMjjjer Gewiitiges ProBramm. Blnaenspenden lebte Art i leiert p eel s wen faul Collets. Danksag-ung. Für die herzliche Teilnahme anläBlich des 1 : Hlnschetdens meines lieben, treusorgenden Mannes | des Qewerkschaftsbeamten Gustav Scheftel I sage ich den Angestellten des Vereins Berliner| Buchdrucker und SchriftgieBer, den Sängern der Typographia, der 7. Abt. der SPD, allen teilnehmenden Kollegen, sowie ganz besonders dem Vorsitzenden Robert Braun für seine lieben, anerkennenden Worte am Sarge unseres lieben| | Entschlafenen im Namen aller Hinterbliebenen| meinen innigsten Dank. Ww. Hartha Sehet*) Berlin N 4, Eichendorffstr. 3. Betöanö Der Oetneinüe- und StaatsardeUet Orfsoectoaltang Bettln Freitag. 5. August 1927, 16 Uhr. im Saal 4 de» Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25 Ordentliche Generalversammlung Tagesordnung: t. tirteasgefahr und»ewertschaften. Referent: ttoHeae Solensle. 2. Bericht Über bas 2. Quartal 19«:«)«efchüfts- richt, ftalleqe Schaum: b) ÄofTenberidit Kollege gittemann; c) Bericht der Revisoren, College Pczoid. 8. Berbanba- Angelegenheiten. Vollzähliges und bestimmte« Erscheinen nnbedwgt not- wendig I Mitgliedsbuch und Selegicrtenlarte legitimiert Ol« Ott« oactoattaag. ionmadirektien Bant 8)ig Tb.Könlggrätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr; Die Sdiolei.Bnadi vorm. fiebert Meeer MariannensiraQe 3, Ecke Raunvusiraße Planelarioin am Zoo Vwilnj. kuililaiftutir Stnt« Noll. 1578 Der Himmel der Heimat Kalbe Kassenpreise Eintritt 0,50 M. liDtirent. 15 Jibm 0.151 Inlerieren Amt anotigpUlOS'OS bringt ERPOLO I LJUERGENS ALEXAN.DEB PLATZ cVr?, Unser treuer Genosse, Buchdrucker Otto Hnnsonias Lichterfelbe. Lei 31. Juli, tfa 57. Ichlag verschieben. ze st tst am lebensjahre an Herz- 84 Jahre in Treue sehte»rast und Wissen der Partei und Getverkschast gewidmet, betrauern wir in dem Dabin» geschiedenen einen ausrichtigen und licbeuetviirbigen Genossen, dessen Andenken wir stet» in Ehren halten werben. Einäscherung Donnerstag. IN/, Uhr. Im ftremaiorium JBihnetsbors, Berliner Strasse 101. Um zahlreiche Beteiligung wirb gebeten. DavVoraeaad d. 88. Abtetlang Dnhdisr Metallar&eiter-TeitiaDd Toden-Anaclcen Den Mitgliedern«ttt Rachricht, baß unser ftoDcg«. her Schmied Karl Juritko am 27. ZuU gestorben ist. Die Beerdigung stehet heute, Mittwoch, den 8. August, 13-/, Uhr. von der Leichenhalle des Gemeinde- ffriebhoses in Ztenwlte, Marienborfer Weg, ans statt. Am 80. In» starb unser choveg e, der Mechaniker Franz Reiner Die Einäscherung stehet am Donnerstag, dem 4- Anauft, 18 Übt, tat Strernatociran«erste, Gericht. strasse. statt._ Ferner starb an St. Inst unser Kollege, der«iempner >Vill>elm TempUn Die Beerbiaung findet morgen, Donnerstag, den st August. 1b Uhr. von der Leichenhalle des N. Sillbt. Friedhofes in Schöneberg, Sythftrasse, ans statt. Ehre ihrem Anbenteul Rege Beteiligung erwartet vte OcfssttuHillaafl. Ehaiselongnes, Retallbetten, Auflege- Matratzen, Paientmatratzeu. Waller, Siargarberstrasse achtzehn, Spezial- gefchafU MM Preise, tzahlungserleich ling, Kastanienallee 58. Belle-Alliaaee. Möbelhaus, Friedrich- strasse 246, nur Etage. Seltenes An- eboi, ein grosser Posten gediegener .immereinrichtunaeu ju fabelhaft bil- igen Preisen, ll. a.: elegantes Speise- nmmer, süfett 1�0 breil mit grosser vlahagoni-stristallvitrine, herrNche In- iarfienarbett nur 806,—. 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