Nr. 364 ♦ 44.?ahrg. Ausgabe A Nr. 186 Bezugspreis: WSchkntlich 70 Pfennig, monatlich 8,— Aeichsmark corous zahlbar. Unter Kreuzband Mr Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg i,öu Reichsmarl, für das übrige «usland Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen',„Aus der ffilmwelt". .Frauenstimme",»Der Kinder- srcund".„Iugend-Dorwärts'.„Blick in die Bücherwelt" und„Kgltur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei» mal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm-Adress«: .Sozialdemokrat Serita- Morgenansgabe � VWV f> Derliner Volkstrlstt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- zeile 80 Pfennig. Rcklamezeil« b.— Reichsmart,.Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzulälsig zwei fettgedruckte Wortel. jedes weitere Wort 12 Pienntg. Stellengesuche das erst» Wort 12 Pfennig, icdes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 12 Buch- staben zählen stlr zwei Worte. Arbeitsmarli Zeile 00 Pfennig. Familienanzetgen«llr Abonnenten Zeil« 10 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Ilf- Uhr nachmittags i" Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Lindcu- straße 8, abgegeben werden. Geöffnet von Oib Uhr jrüh bis 2 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokrat! fehen parte» Deutfdjlands Reöaktion und Verlag: öerlin SW. H8, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— 297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin SW. b8, Lindenstr.Z Postfchecklonto: Perlt» 37 00«— PauNout»! Pauk de» Arbeiter. Augeftelte» »ud Peaulte». Wallst».«0: Diakouto-Sesellschalt. Depofitenlaste Lindcnftr. 3. Deutsche Sprengstoffe inrden: 1. Die vorläufigen Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich seien nur T e i l a b k o m m e» gewesen, die nicht alle Industriezweige betroffen hättm, während das neue Abkommen sich auf alle Zweige der industriellen Produktion beider Länder erstrecke. 2. Deutschland und Frankreich hätten sich in dem neUbn Ab- kommen gegenseitig die tatsächliche Meistbegünstigung zuzu- gesteben bemüht. 3. Das neue Abkommen umfasse alle diejenigen Bestimmun- gen, die gewöhnlich den Inhalt von ständigen Handels- vertrügen ausmachen. Auf diese Weise könnie das gegenryärtig behandelte Abkommen, falls die Umgestaltung der Zolltariffötze allen Bedürfnissen gerecht werden sollte, i zu einem endgültigen Handelsvertrag umgestellt werden. Zusammenfassend erklärte Serruys, daß das neue deutsch- französisch« Wirtschaftsabkommen, das in weitestem Maße von den Ideen der Genfer Wirtschastskonferenz beeinflußt worden fei, ihm die erste Verwirklichung der allgemein erhofften Zollentspdnnung zu bedeuten scheine. Dauüet entwischt. Trotz aller Polizeimatznahmen über die Grenze. Paris, 3. August. Die„Action Franyaife" gibt heute abend bekannt, daß Leon Daudet, geleitet von Camelots du Rois, sich nach Belgien begeben hat, um dort mit seiner Familie einige Wochen in der Sommerfrische zuzubringen. Bereits am Montag feien sämtliche Maßnahmen hierzu getroffen worden. Weder die auf den Straßen Frankreichs ausgeübt« Ueberwachung, noch die strenge Bewachung, die die Sicherheitspolizei auf den französischen Zollämtern organisierte, hätten seine Reise verhindern können. wer trägt die Steuerlast! Steigerung der Maffeubesteuerung.— Rückstand der Bermögensstener.— Erstattungen bei der Lohnsteuer. Die Finanzstatistik schafft Klarheit! Von Dr. Paul Hertz. Seit vielen Iahren unterschätzt die Reichsregierung die Einnahmen aus den Massensteuern, überschätzt aber die Ein» nahmen aus den Besitzsteuern. Es fällt schwer, dabei an einen Zufall zu glauben, zumal nie die Absicht erkennbar wurde, zu- verlässigcr und einwandfreier zu schätzen. Auch im Etatsjahr 1927 bahnt sich dieselbe Entwicklung an wie in den früheren Jahren. Es liegen jetzt die Ergebnisse der Ein- nahmen des Reiches aus Steuern und Zöllen für das erste Quartal(April bis Juni) des Rechnungsjahres 1927 vor. In dieser Zeit betrug der Gesamtbetrag der Steuern 1925 Mil- lionen gegenüber einem Voranschlag von 1937 Millionen, also ein Weniger von 12 Millionen. Trotzdem haben die Massen- steuern(Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Zölle und Verbrauchsab- gaben) statt der veranschlagten 1192 Millionen den Betrog von 1216 Millionen erzielt, also 24 Millionen mehr. Einem Rückgang der Betriebssteuern von 36 Millionen steht also eine Zunahme der Massenstcuern von 24 Millionen gegenüber. Sind diese Abweichungen gegenüber dem Voranschlag auch nicht sehr erheblich, so sind sie dennoch als Symptome be- deutungsvoll. Die Umsatzsteuer hat in diesem Quartal einen Minderertrag von fast 80 Millionen gehabt, auch die Lohn- steuer hat einen größeren Ertrag aufzuweisen, als er ausge- wiesen wurde. Denn zu den ausgewiesenen Einnahmen von 366 Millionen aus der Lohnsteuer muß man die Erstattungs- betröge hinzurechnen, die in diesem Quartal etwa 26 Millionen betragen haben. Beides läßt erkennen, daß im nächsten Quartal die Einnahmen aus Massensteuern erheblich höher fein werden. Umgekehrt ist es aber zum Beispiel bei der Ver- mögenssteuer. Sie hat ttn diesem Quartal 116 Millionen ge- bracht. Darin stecken aber 26 bis 25 Millionen aus rückstän- digen Vermögenssteuern des Vorjahres. Man kann aus alle- dem folgern, daß die nächsten Monate eine noch ungünstigere Entwicklung des Verhältnisses zwischen Besitz und Masten- steuern ergeben werden, d. h. also: bereits die gegenwärtige Gesetzgebung entlastet den Besitz und steigert die Lasten aus Arbeitseinkommen und Verbrauch. Zwei Sicherungen gegen zu geringe Be- lastung der Vermögen und zu hohe Belastung der Arbeitseinkommen sieht die Steuergesetzgebung vor. Der Gesamtertrag der Vermögenssteuer des Jahres 1926 war aussmindestens 466 Millionen festgesetzt wor- den. Falls"" diese Summe nicht erreicht wird, soll die Ver- mögenssteuer nachträglich um den Fehlbetrag erhöht werden. Da im Rechnungsjahr 1926 nur 359,3 Millionen eingegangen sind, so ist also noch ein Rest von 46,7 Millionen zu erheben. Auf sozialdemokratischen Antrag hat der Steuerausschuß des Reichstages bstchlosten, daß zur Durchführung dieser Nach- erhebung der Vermögenssteuer im Herbst ein besonderes Ge- setz erlassen wird. � Der Gesamtertrag der Lohnsteuer ist gesetzlich auf höchstens 166 Millionen monatlich begrenzt. Wenn in sechs aufemanderfolgenden Monaten dieser Betrag überschritten wird, muß eine Ermäßigung der Lohnsteuer erfolgen, und zwar durch Erhöhung der Freigrenzen und der Familien- ermäßigunqen. Im ersten Halbjahr 1927 hat die Lohnsteuer folgende.Bruttoerträge erzielt: Januar 112,4, Fe- bruar 95,2, März 98,1. April 162,4, Mai 165,7, Juni 168,6 Millionen. Die Nettoerträge(nach Abzug der Rücker-- stattungen) betrugen in der gleichen Zeit: Januar 163.6, Februar 79.7. Mcjrz 81,4, April 91,8, Mai 166, Juni 168,4 Millionen. Es ist" anzunehmen, daß im zweiten Halbjahr der Ertrag der Lohnsteuer ebenfalls über 166 Millionen monat» lich betragen wird. Selbst wenn man also nur die Netto- ertrüge zugrunde legt, so muß spätestens mit Wirkung vom 1. Januar 1628 ab eine wesentliche Senkung der Lohn st euer erfolgen. Daß bei der Vermögenssteuer ein Mindestertrag und bei der Lohnsteuer ein Höchstertrag vorgesehen sein, gehört zu den wichtigsten neueren Tatsachen im deutschen Steuerwesen. Beide Bestimmungen mußten der bürgerlichen Mehrheit des Reichstags in zähem Kampf abgerungen werden. Daß das aber gelang, ist ein Beweis dafür, daß man weder dem Fiskus den Schutz vor zu geringen Leistungen der Ver» mögenspflichtigen versagen konnte, noch dem Lohnsteuer- Pflichtigen den Schutz vor zu hohen Zahlungen. Durch die Besteuerung des Lohneinkommens an der Quelle find nämlich mehr Zahlungen an Lohnsteuer überaus häufig. Eine zu hohe Zahlung bei der Lohnsteuer liegt immer dann vor, wenn infolge Verdienstausfalls die steuer- freien Beträge nicht oder nicht voll berücksichtigt worden sind. Für das Jahr 1925 sind infolgedessen an 3 bis 4 Millionen Lohnsteuerpflichtige Rückzahlunen erfolgt, die den Gesamt» betrag von 53,6 Millionen Mark erreicht haben. Für das Jahr 1926 sind in den sechs Monaten Januar bis Jim i 1927 58,4 Millionen Lohnsteuer erstattet worden. Beide Schutzbestimmungen bei der Lohnsteuer erweisen sich also als / außerordentlich wirksam zur Milderung der Härten innerhalb der Lohnsteuer und zum Ausgleich des Mißverhältnisses zwischen Massenbelastung und Besitzbelastung. Von der lang erwarteten Finanzstatistik sind kürz- lich.die ersten Ergebnisse veröffentlicht worden. Sie werden aber von den Wirtschaftskreisen, auf deren Verlangen sie vorgenommen wurde und die sich bisher immer über die langsame Veröffentlichung beschwerten, fast nicht beachtet. Woran liegt das? Für denjenigen, der die Ursachen für die statistische Durchleuchtung der Finanzverhältnisse von Reich, Ländern und Gemeinden kennt, ist die Antwort leicht zu geben. Diese Statistik war gedacht als Tendenzstatistik. Man hoffte, in den Ergebnissen der Statistik den Beweis für zwei Behauptungen zu finden. Erstens für die Behauptung, daß in den Gemeinden die Steuerleistungen zu hoch angespannt sind: zweitens für die Behauptung, daß die Realsteucrn am allermeisten gestiegen sind. Die jetzt vorliegenden Teilergebnisse liefern aber keinerlei derartige Beweise. Danach sind die gesamtenSteuer- einnahmen des Reichs, der Länder und der Ge- meinden von 1913 zu 1925 gestiegen von 4958 Millionen auf 19 199 Millionen, also um 149,8 Proz. Die Einnahmen des Reiches allein sind in der gleichen Zeit gestiegen von 1639 auf 4272 Millionen, also um 162 Proz. Die Einnahmen der L ä n d e r von 781 auf 2412 Millionen, also um 299 Proz., die der Gemeinden von 1515 auf 3169 Millionen, also um 199 Proz., die der H a n s a st ä d t e von 131 auf 246 Mil- lionen, also um 87 Proz. Ein eindeutiger Beweis, daß die Steigerung der Steuereinnahmen der Ge- meinden wesentlich geringer ist als derLän- der, obwohl ihre Aufgaben größer sind als 1913. Falsch ist auch die Behauptung, daß die Realsteuern am meisten gestiegen seien. Die Grund- und Gebäude st euer ist gesteigert worden von 434 auf 878 Millionen, die G e- w e rbesteuer von 177 aus 568 Millionen. Beide zusammen also von 641 auf 1447, also um 835 Millionen gleich 139 Proz. In derselben Zeit aber ist die M a s s e n b e- l a st u n g(Umsatz-, Getränke-, Tabak-, Zucker-, Beförde- rungssteuer und Zölle) von 1318 Millionen auf 3734 Mil- lionen, also um 2416 Millionen gleich 189 Proz. gestiegen. Die Finanzstatistik ist also ebenfalls ein Beweis dafür, daß die Steuerlasten der Massen am aller- meisten gesteigert wurden und die deutsche Steuer- gesetzgebung nur eine Aufgabe> kennen dürfte: ihren raschen und erheblichen Abbau. Tonnen für Walfische. Daö nette Spiel um Hergt. Alan spricht davon, daß man Walfischen Tonnen zuwirft, mit denen sie spielen können, wenn sie gerade Langeweile habep. Man kommt ihnen dann menschlich näher mit dem Fanggeschoß. Ein solches Tonnenspiel versucht jetzt die halb oder ganz offiziöse Presse des Büraerblocks, um die Reputation des Herrn Hergt zu retten. Zwar hat noch nicht alle Welt ver- gesjen, daß die kaiserliche Exzellenz selbst in der eigenen Frak- tion sovicle Zweifel an ihrer Führerqualität hatte anwachsen lassen, daß schleunigst Graf Westarp an ihre Stelle gesetzt wurde. Aber wenn die O p p o s i t i o n es wagt, vor den politischen Leistungen dieses Vizekanzlers und Justiz- Verwalters nicht in Ehrfurcht zu ersterben, so stellt sie ihn in die„Drecklinie", wie der Offiziosus der„DÄZ." mit würde- vollein Augenaufschlag versichert, oder sie treibt„skrupellose Hetze", wie getreulich nachklappend die„Deutsche Tages- zeituug" feststellt. Selbstverständlich, daß der freiwillige Liebesdienst des in gewohntem Offiziosenium befangenen DAZ.-Mannes'als gewaltige politische Leistung in allen Rechtsblättern zustimmend abgedruckt wird.„Drecklinie"— vorrtefflich! Beinal>e so schön wie„das Attentat mit der Klystterspritze") Aber die Beflissenheit, für Hergt„eine warme Lanze einzulegen", sieht sehr stark danach aus, als wenn die Tonne dieser Verteidigung nur den Wahlfischen vorgeworfen werden sollte, um sie desto sicherer mit der Bürgerblock-Harpune ein- fangen zu können. Wir sind aber nicht gesonnen, das reiz- volle TonnÄstpiel weiter spielen zu lassen. Vielmehr wieder- holen wir, nach dem systematischen Ableugnen, die Frage: Wann wird Hergt das Stenogramm setner Beu- t h e n e r Rede vorlegen, die der„Deutschen Tageszeitung" Anlaß zu der begeisterten Ueberschrift gab: Gen Ostland wollen wir rei.ten? Wann wird er durch das Stenogramm den Nachweis führen, daß, um mit dem amtlich vereinbarten Kommunique zu reden, die deutschnationalen Berichte über diese Rede „entstellt und übertrieben" waren. Wir warten auf die Antwort. tzergt schützt Sie Stanüesherren. Gr will ihnen das Doppelte aeben wie Prcustcn. Die Reichsregierung hat— wie man von diesem Ka- binett des Besitzes von vornherein annehmen konnte— s i ch schützend vor die Ansprüche der Standesherren gestellt, die die preußische Regierung angefochten hat. Der Gegen- Vorschlag stergts ging nach dem„Demokratischen Zeitung s- d i e n st" darauf Hinaus, die Ansprüche mit 8 Proz. aufzuwerten, und zwar auch die Hoheitsrenten. Jedoch sollten die Renten, die für Abtretung von Liegenschaften gewährt worden waren, mit 25 Proz. abgegolten werden. Preußen hat selbstverständlich demgegenüber an seinem Vorschlag festgehalten, daß nur die allgemeine Auswertung von 5 Proz. in Betracht kommen kann und ferner betont, daß Liegenschaften nur dann mit 25 Proz. aufzuwerten sind, wenn sie privatrechtlichen Ursprungs sind. Die meisten dieser Renten sind jedoch entstanden durch Eigentum der Fürsten, das heute als Staatseigentum angeschen werden müßte. Mit Recht hat die preußische Regierung betont, daß eine Aufwertung, die über die allgemeinen Sätze der Anleiheauswertpng hinausgeht, für die Ren- teu aus überalrertcn feudalen Rechten, wie Brautabgaben, Juden- schutzabgaben usw. nicht in Betracht kommen könne. Eine weitere Erhöhung der Abfindung der Standesherren hat das Reich dadurch zu erreichen gesucist, daß es«inen ganz unge- wohnlich niedrigen Zins für die Rente annahm. Die preußi- sche Staatsregierung hatte vorgesehen, solche Kopitalabfindungen vorzunehmen, um endlich diese teilweise strittigen, teilweise heut« unmöglichen Ansprüche aus dem Staatshaushalt verschwinden zu lassen. Die preußische Regierung ging davon aus, daß eine solche Rente 5 Proz. des Kapitals ausmache, verlangte also die Muliipli- kation der Rente mit 29, um den Kapitalbetrag zu ermitteln. Die Reichsregierung aber, die nirgends in der ganzen Welt auch nur für 5 Proz. Anleihen erhält, wollte den Standesherren noch z u höheren Beträgen verhelfen und sah die Renten nur als einen oierprozentigen Zins an. Auf diese Weise kommt man zu einer Vervielfachung der Rente mit 25. Während also Preußen nur 5 Proz. der Ansprüche mal 20 gleich 100 Proz. der Rente einmal auszahlen will, möchte das Reich 8 Proz. mal 25 gleich 200 P r o z. der Rentenansprüche den notleidenden Standes- l)erren zuwenden— genau den doppelten Betrag! Für die Standcsherrcn hat eben der Rechtsblock Geld, für die betrogenen Sparer aber, minderen Wahlhilfe er entstanden ist, hat er es nicht! Obwohl Preußen seine Antwort schon vor längerer Zeit an das Reichskabinett gerichtet hat, fand dieses noch keine Zeit, daraus zu erwidern. Unter- diesen Umständen wird, wenn das Reich die Sache weiter verschleppt, in der Septembertagung des Reichs- t a g e s diese Frage noch einmal angeschnitten werden müssen. » Kuomintang gegen die Sowjetogeatur. Die Niederlassung der Russischen Telegraphenogentur in Kanton wurde aus An- ordnung der Rationalregierung geschlossen. Die National- reaierung begründet ihr Vorgehen damit, daß die„Taß" durch unwahre Meldungen Gegen die Nationalregierung gehetzt habe. verweigerte. Ein Vierteljahr lang lagen sie in allen Herbergen, verkamen von Tag zu Tag mehr, und ich habe nie gehört, daß sie heil in Berlin angekommen sind. Ganz selten nur kommt es vor, daß die Mädchen in eigener Person betteln gehen, meist sind sie auf Gnade und Ungnade auf die Kunden angewiesen. Sie würden immer und ewig in derselben Bude hocken bleiben, wenn nicht manchmal ein Kunde sie eine Strecke weit mitnähme. Ich kannte ein Pärchen, das schon 5� Jahre lang miteinander tippelte, immer im gleichen Revier, dem östlichen Deutschland. Hier war es umgekehrt, die Frau schaffte an, derweil der Mann in der Bude saß und einen Schnaps nach dem anderen soff. Di« Frau ver- kaufte bei den Bauern Silhouetten und Aquarelle. In Glas und Kalikorahmen, mit einer Schnur zum Aufhängen kosteten sie Stück zwei Mark. Zwanzig bis fünfundzwanzig Mark brachte die Frau jeden Tag bestimmt an den Laden, dazu Wurst und Brot und Speck. Aber der Mann verjoff alles. In Rostock sind„Der goldene Stern" und die„Kornbörse" als Weiberbuden bekannt. Um die Dcrmittlergebühr zu sparen, holen sich die Vorschnitter der Güter von dorther ihre Schnitterinnen und Rübenmädchen. Nach ein paar Wochen sind sie ober wieder zurück, abgerissener als zuvor. Sonst ist von den Tippelschicksen nichts mehr zu sagen. Viel- leicht das eine noch: Wie alle Polenmädchen und die ganze weibliche Landbevölkerung beherrschen sie aufs Beste die Kunst, mittelst einer Haarnadel unerwünschten Kindersegen zu verhüten. Eigenartiger venkmalswettbewerb. In Amerika ist kürzlich ein reicher Petroleumquellenbesitzer, Mr. E. W. Marland aus Ponca, Citn Oklahoma, auf die Idee gekommen, der amerikanischen Frau des Pionierzeitalters ein Denk- mal zu setzen. Dieser Gedanke ist durchaus berechtigt, denn die amerikanischen Pioniere wurden von ihren Frauen bei der Brach- legung des Landes, im Kampfe mit den Mächten der Natur, mit der Steppe, der Wildnis, den undurchdringlichen Wäldern und den wilden Tieren, außerordentlich nnterstützt. Gerade diese Frauen sind es, die eigentlich die Urgroßmütter des heutigen Amerika zu nennen find und die deshalb wirklich ein Denkmal verdienen. Die Entscheidung darüber, welcher Künstler dys Denkmal ausführen sollte, wollte Herr Marland nicht allein fällen.-Er oerfiel deshalb auf die Idee, sich durch die Majorität des sich für dieses Denkmal interessierenden Publikums bei der Entscheidung beraten zu lassen. Zwölf Bildhauer aller Richtungen wurden aufgefordert, Entwürfe zu liesern. Diese Entwürfe wurden in den größeren Städten aus- gestellt und jeder Beschauer wurde aufgefordert, seinen Wahlzettel für den besten Denkmalsentwurs abzugeben. Kürzlich wurden diese Entwürfe auch in New Port ousge- stellt. Am meisten Llnklang fand bis jetzt die Figur einer jungen � Mutter, die festen Schrittes und mit ihrem etwa zehnjährigen Knaben an der Seite dem Schicksal entgegenschreitet. Formal ist diese Figur zwar von einem technisch guten, aber doch oberflächlichen Realis- Gberverwaltungsgericht und Reichsfarben. Eine Aufgabe für die Preußische Regierung. Der Magistrat P o t s d am hatte es im Jahre 1025 abgelehnt, die Anordnung des Preußischen Kabinetts auszuführen und am Berfassungstag die Gebäude der Selbstverwaltungskörper mit den Reichssarben zu schmücken. Der Regierungspräsident als Aufsichtsbehörde beanstandete diesen Beschluß des Magistrats, Da- gegen erhob der Magistrat Potsdam Klage vor dem Bezirksausschuß, der diese Klage in zwei Verordnungen zurückwies. Gegen diese Entscheidung rief der Magistrat Potsdam die zweite und letzte Instanz, das Oderverwaltungsgericht, an. Zllles das geschah im Jahre 1926. Die Verhandlung des Oberverwaltungsgerichts in dieser Angelegenheit sand im Mai dieses Jahres statt. Jetzt, wenige Tage vor dem Versaffungstag, hält es das Oberverwaltungsgericht für nötig und richtig, sein Urteil in aus- führlicher Begründung den beteiligten Instanzen, also der Stadt Potsdam und dem Preußischen Ministerium des Innern zuzustellen. In diesem Urteil kommt das Oberoerwaltungsgericht in längeren, sehr gelehrten R e ch t s a u s f ü h r u n g c n zu dem Ve- fchluß, daß die Verwaltungen der kommunalen Gebäude, und dazu gehöre auch die Beflaggung, Angelegenheit der S e l b ft v e r w a l t u n g sei. Die Bcslaggung an bestimmten Tagen in den Reichsfarben anzuordnen, sei im Wege eines Kabinetts- beschlusses oder einer Anweisung der Aufsichtsbehörde nicht möglich. Die Reichsflagge anzuschaffen und zu hissen, sei die Gemeinde gesetzlich nicht verpflichtet. Mangels jeder gesetzlichen Grundlage sei auch dieses nicht im Wege einer Anordnung durch das Ministerium den Gemeinden vorzuschreiben. Wie gesagt, dieses Urteil zu veröffentlichen und den Beteiligten zuzustellen, hielt das Oberoerwaltungsgericht noch vor dem 11. August dieses Jahres für nötig. Damit ist selbstverständlich jeder Gemeindeverwaltung, deren Mehrhest der republikanischen Staatssorm ablehnend gegenübersteht, der Weg freigemacht, die Flagge Schwarzrotgold nicht nur am Versassungstage, sondern über- Haupt gänzlich zu ignorieren, und zwar von Rechts wegen auf Grund eines Urteils des höchsten preußischen Oberver- waltungsgerichts. Krasser kann— wir wollen milde sein— die Weltfremdheit richterlicher Körperschaften nicht gekennzeichnet werden. Für die preußische Regierung aber zeigt sich hier ge- bieterisch eine Aufgabe, die schleunig st erfüllt werden muß. Wenn das Oberverwaltungsgericht glaubt, daß die gesetz- liche Grundlage für eine Anweisung, in den Rcichsfarbcn Schwarz- rotgold zu flaggen, nicht vorhanden sei, nun gut, dann muß diese gesetzliche Regelung mit mögllchster Beschleunigung geschaffen werden. Dem preußischen Landtag und der preußi- schen Regierung erwächst hier eine Ausgabe, die baldigst gelöst werden muß. Untersuchung gegen einen Minister. Die falsche Auskunft. Ileustreliß, 3. August. In der heutigen Rachmittagssitzung des Mecklenburg-Strelitzsihen Landtages wurde das von der sozialdemokratischen Fraktion gegen die Regierung beantragte Mißtrauensvotum mit 19 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es zu einem heftigen Vorstoß der sozialdemokratischen Fraktion gegen den deutschnationalen Staatsministers Schwabe. In einer sozialdemo- kratischen Erklärung wird gesagt, daß bei der Beratung einer Großen Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion über Z a h l u N- gen der Staatspolizei anden Major a. D. Gehring der Staatsmi nister Schwabe zunächst der Beantwortung aus- gewichen sei und dann die erwähnten Zahlungen in Abrede gestellt habe. Die sozialdemokratische Fraktion erklärt, daß Staats» minister Schwabe die Unwahrheit gesagt habe. Sie er- wartet, daß der Minister gegen den Vorsitzenden der Fraktion, Abgeordneten Bartosch Strafantrag wegen Beleidigung stelle, damit Bnrtosch die Möglichkeit bekomme, zu beweisen, daß die von Staatsminister Schwabe in öffentlicher Plenarsitzung gemachten Ausführungen unwahr seien. Die sozialdemokratische Fraktion mus. An zweiter Stelle stand«ine Frau, die in der einen Hand ihr Kind trägt und in der anderen eine Axt, Der Einfluß von Rodin läßt sich bei der Betrachtung dieser Gestall nicht ableugnen. Zum Denkmalsentwurf allerdings ist keine der beiden Figuren geeignet, da sie nur von einer historischen Idee ausgehen und mehr illustrativ als monuniental wirken. Einer der besten amcrikamschen Bildhauer. Maurice Sterne, und zugleich ein Führer der modernen Bildhauer- fugend in Amerika, war ebenfalls aufgefordert worden. Sein Ent- murf fand weniger Anklang, trotzdem es sich nicht leugnen läßt, daß er zum mindesten auf Monumentalität hinzielt. Es bleibt ab- zuwarten, wie sich dieser Denkmalswettbewerb weiter entwickeln wird. In jedem Falle ist es gut, wenn auch einmal ein solcher Weg beschritten und die Allgemeinheit zur Beurteilung aufgerufen wird. O. B. Hygiene und Völkerbund. Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst vom Reichsansschuß für Hygienische Volksbelehrung ge- schrieben wird, wird unter Führung von Professor Dr. Olson vom Völkerbund eine Studisiirommijsion, die aus Vertreter» von 30 Staaten besteht, in der Zeit vom 19. bis 30. Oktober eine Studienreise durch Deutschland antreten. Es handelt sich dabei für die Teil- nehmer darum, sich über die staatlichen und kommnnalen Einrichtungen auf dein Gebiete des Gesundheits- und Wöhlfahrtswefens einen Ueberblick zu verschaffen. Folgende deutsche Städte werden das Ziel der Studienreise bilden: Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Halle, Dresden, Leipzig, Nürnberg, München und Rheinland und West- falen. Auf diese Weis.' wird der vom Völkerbund ins Letten ge- rusene„Internationale Austausch-Kurs für Medizinalbeamle" in diesem Jähre erstmalig in Deutschland tagen. Ein Grabdenkinal für de» Rafioualdichter der Ukraine. Die ukrainischen Zeitungen berichten, daß in letzter Zeit das Grab des größten Dichters der Ukraine, Taras Schewtschenko, viel häufiger besucht werde als früher. Sowohl große Gruppen von Ferienwanderern wie auch einzelne Personen besuchen die Grabstätte und die umgebende Landschaft, die schon vor einiger Zeit zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist. Die Bezirkooerroaltung l-eantrogt nun beim Bildungotommissciriat der Ukraine und bei der Ukrainischen Akademie der Wisicnschasten d'e Errichtung eines neuen Grabdenkmals für den Dichter, da das bisherige zu unschein- bar und des von der Nation verehrte» Poeten nicht würdig sei In dem Naturschutzgebiet will die Bezirksverwaltnug ein Hotel, ein Kino und«in besonderes Schcwtjchenko-Museum angelegt wissen. Die Leittäge»er voltsbutme. Mceenüber falschen Mitteilungen stellt die Leitung der VollZbnbne test, dan die Mitglieder des Vereins auch in: nächste» Jahr für den Besuch der Verstellungen nur 1,l0 M.(Sonntag nachinittogS) und I.5V M.(Bbendooistellungeni zu zahlen daben. Nur tür die staatsostcr wird der Preis noa 1,80 M. aus 2 M. erhöht. Einbegriffen sind die Kleiderablage und das Programmheft. Genosse p-os. Er. Grotfahn, Ordinarius für Sozialhygiene, ist zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Berliner Uuiversitäl jür das neue Studienjahr gewählt worden, Zotionne vybwad bv Zahre all. Die gröjste norwegische Schauspielerin. Frau Johanne D>> b w a d, feierte unter Nnteilnadme der ganzen Nation gestern ihren t>0. sAeburtstag, Sie bat 40 Jahre lang auf den norwegischen Bühnen gewirkt, debütierte in Bergen 1387 und hat nach der Errichtung des Nationaltheaters in Oslo das Repertoire dieser guten Bühne getragen. Tippelschicksen. ' Von A l. N e h l k e. Tippelichicksen nennt der Kunde seine weiblichen Leidens- geführten. Ihr Los ist noch viel trauriger cus ias seine, und ich, für meine Person, möchte alles fein, nur nicht das.' Im industriereichen West- und Mitteldeutschland sind die Tjvpel- schickjen selten, die meisten trifft man im agrarischen Ostelbien. Als ich in Mecklenburg und Pommern wanderte, sah ich überall Mädchen auf der Landstraße. In den Herberge» zu Güstrow, Stavenhagen usw. waren sogar mehr Mädchen als Männer, es sind richtige Weiberbuden. In die„Herbergen zur Heimat" dürfen Frauen nicht hinein. Der christliche, staatserhaltende Geist verbietet es. Die wilden Buden machen an ihnen das große Geschäft. Da sitzen die Mädchen vom Morgen bis zum Abend, essen und trinken, paffen eine Zigarette nach der anderen und warten auf den Freier, der ihnen die Zeche und das Schlasgeld bezahlen wird. Kommt ein Kunde in die Bude, der aussieht, als ob er Geld gemocht hätte, dann stürzen sie sich auf ihn und kleben sich an ihn wie Fliegen an ein Aas und ruhen und rasten nicht, bis er Schnaps bestellt und Brot und Geld mit ihnen teilt. Er teilt auch das Lager mit ihnen. Wenn soviel Bier und Schnaps getrunken ist, daß der Herbergsvater meint, für mehr reiche das Geld nicht, gebietet er Feierabend und schickt seine Gäste ins Bett, Zehn Pfennig kostet das Uebernachten auf dem Fußboden, für fünfzig Pfennig bekommt man ein Bett, die zu vieren oder fünf«» in einer größeren Stube stehen. Der Herbergsvater weist den Männern die Räume an— sie sind getrennt von denen der Frauen— und die Herbergsmutter bringt die Mädchen zu Bett. Es dauert nicht lange, dann liegen Männlein und Weiblein durcheinander und genießen die Freuden der Liebe. Die sür sie aber nichts anderes ist als eine Entleerung und Stillung eines physischen Bedürfnisses. Die Wirte hören nichts, oder tun so, und die Polizei bekümmert sich über- Haupt nicht darum. Niemals habe ich von einer Tippelschickse gehört, daß sie es aus Lust und Liebe war. Immer waren es mißliche wirtschaftliche Ber- Hältnisse, die die Mädch.'n auf die Straße getrieben hatte». �Früher waren sie njeist Erntemägde gewesen, Rübenmädchen und Tagelöhne- rinnen der Landwirtschast. Einmal waren von Berlin aus vierzehn erwerbslose Frauen und Mädchen nach Mecklenburg in die Rübenkampagne vermittelt worden. Rüben ernten ist ungefähr die schwerste Landarbeit, die es gibt, und die Schnitterkasernen sind ungefähr so gebaut und?inge- richtet, wie sich der Großstädler einen schlechten Stall vorstellt. Dazu wenig Lohn schlechtes Essen, schlechte Behandlung, sechzehn Stunden Arbeit, kurz und gut: Die vierzehn Frauen machten sich auf den Rückweg nach Berlin. Zu Fuß, da mau ihnen einen Fahrschein werde zu diesem Zwecke selbst beantragen, daß die Immunität ihres Vorsitzenden ausgehoben werde. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Falle Gehring ge- langte zur Annahme. Schulgesetz unö Lehrerschaft. Entrechtung und Gcwifscnsdruck. Der Zeitungsdienst des Deutschen Lehrervereins bringt folgend« interessanten Ausfuhrungen zum Schulgesetz. Schon jetzt ist die rechtliche Stellung der Lehrerschaft an Volksschulen nicht befriedigend. Wenn aber der neue Reichs- jchulgesetzentwurf Gesetz werde» sollt«, so würde die Rechtsstellung des Lehrers, der nach Art. 143 der Reichsoerfassung die„Rechte und Pflichten der Staatsbeamten" haben soll, in unerträglicher Weise verschlechtert werden, so sehr verschlechtert, daß eine Zeitung von dem Entwurf als von einem Gesetz gegen die Lehrer schreiben konnte. Allgemein gesehen, hört der Lehrer— der ja doch die Pflichten der Staatsbeamten haben soll— auf, für seine Arbeit allein dem Staate verantwortlich zu sein; in der B e- k enntn i s schule, die der Entwurf als Regelschule anzusehen scheint, wird er— wie in der Weltanschauungsschule— abhängig von der zur Pfleg« der Religion oder der Weltanschauung be- stehenden Körperschaft. Denn die Bekenntnisschule hat ihre Auf- gab«,„gemäß dem Glauben" zu erfülle», das heißt, daß nicht nur bekenntnismäßiger Religionsunterricht, sondern daß alle Fächer„gemäß dem Glauben" erteilt werden sollen. Der Lehrer ist in seiner Arbeit nicht mehr frei! Ob der Lehrer Religionsunterricht erteilen und kirchliche Ver- richtungen übernehmen will, ist nach Art. 149,2 der Reichsverfassung scmer Willenserklärung überlassen. Dies Recht wird ihm zwar nicht ausdrücklich genommen. Aber es steht für ihn nur auf dem Papier! Es ist nicht zu erwarten, daß ein Lehrer an einer Bekenntnisschule, der etwa den Religionsunterricht niederlegen wollte(ohne aus der Bekenntnisgemeinschaft auszutreten) oder dem man nachsagte, daß sein Naturgeschichtsunteiricht nicht„gemäß dem Glauben" erteilt würde— an der Bekenntnisschule bleiben könnte. Nur zweierlei bleibt ihm: Weiterleben unter Gewissens- druck oder sich eine Versetzung gefallen zu lassen. Zwar ist der aufsichtführenden Bekenntnis- oder Weltanschauungstörperschaft nicht das R«cht gegeben, die Abberufung des Lehrers rechtlich zu erzwingen— aber uns sind aus den Erfahrungen der letzten Jahre die Dinge geläufig, wie der Staat— der im ganzen die Rolle des Büttels zu spielen hat— gezwungen wird, dem„Willen" bestimmt gelenkter Elternmassen Rechnung zu tragen. Schon jetzt sind zahl- reiche Fälle von Rechtlosmachung der Lehrenden zu verzeichnen. Bej der vielfachen Aufteilung des Schulwesen« an Gruppen und Grüppchen, die nach dem Entwurf rechtens werden soll, werden die Möglichkeiten vermalt ungsrechtlicher Eingriffe zum Schaden des Lehrers unendlich wachsen: man muß dabei in Betracht ziehen, daß durch den in jedes Dorf getragenen Kamf um die Schulreform die Gemüter ganz besonders erregt werden und daß diejenigen, die„ihre" Schule erkämpft haben, nun auch be- sonders eifrig darüber wachen werden, daß der Lehrer streng „gemäß dem Glauben"— oder was man darunter versteht,— sein Amt führt. Es ist wirklich nicht zuviel gesagt, wenn ein angesehenes Blatt davon schreibt, daß der Lehrer �Freiwild" werde. Der Lehrer, der es versuchen wollte, seine verfassungsmäßigen Rechte M wahren, würde das zweifellas in vielen Fällen mit dem Verlust des Amtes- bezahlen. Der Lehrer, der dem ganzen Volke zu dienen hat, sollt« rechtlich geschützt werden, damit er seine Aufgabe gemäß Art. 148 erfüllen kann. Der Rcichsschulgesetzcntwurf schützt ihn nicht: er macht ihn unfrei, unterstellt ihn der Kontrolle von Körperschaften, die nur ihre Zwecke erreichen wollen. Cr gefährdet damit seine pädagogische und rechtliche Sicherheit aufs empfipdlichfte. Für den Lehrer steht viel auf dem Spiel, ob inan es von der Person des einzelnen oder von seiner oolkserzichcrischen Aufgabe her sieht. Er hört auf, dem Ganzen verantwortlich zu sein. Gewissensfreiheit gibt es für ihn nicht. Ist das der Lehrer, der an unseres Volkes Zukunft bauen soll? Um des Lehrers und seiner Aufgabe willen: Dieser Entwurf darf nicht Gesetz werden! Schoenaich als Lanöesverräte?... Das Reichswehrministerium macht sich lächerlich. D raunschweig, 3. August.(Eigenbericht.) In Braunschwcig hat eine von der Sozialdemokratie und den friedensfreundlichen Verbänden veranstaltete gemeinsame„Nie- wieder-Krieg!"-Kundgebung stattgefunden, die außerordentlich gut besucht war. Als Redner war Generalmajor v. Schoenaich gewonnen. Sehr interessant ist, daß gegen diesen bekannten früheren höheren preußischen Offizier auf Veranlassung des Reichswehrminists- riums jetzt auch ein Landesoerraisoerfahren wegen eines von ihm verfaßten Artikels schwebt. Generalmajor v. Schoenaich sagte in der Versammlung mit Bezug auf dieses angestrengte Ber- fahren:„Wenn das Reichswehrminiftetipm sich durchaus vor der Welt lächerlich machen will, so kann ich es daran nicht hindern!" Meftcrftecherei polnischer Matrosen. Der Danziger Senat fordert den Abzug polnischer Kriegsschiffe. Daazig, 3. August. Zwischen einem Danziger und drei polnischen Matrosen ist es zu einer Messer stecherei gekommen. Dabei wurde der Dan- ziger lebensgefährlich verletzt. Der Senat teilt dazu mit, daß er grade einen Tag vorher an den Rat des Völkerbundes das Ersuchen gerichtet hat, die Frage des Aufenthalts polnischer Kriegsschiffe im Danziger 1) a f e n auf die Tagesordnung der im September stattfindenden Ratstagung zu fetzen. Die Frage ist bereits früher von dem Rat des Völkerbundes behandelt worden. Danzig wurde damals ver- anlaßt, mit Polen ein provisorisches Abkommen über die Benutzung des Danziger Hafens durch polnische Kriegsschiffe ab- zuschließen, bis der Hafen von Edingen fertiggestellt sei. Der Rat beschloß dann im Jahre 1922, die Frage bei einer späteren Rats- tagung zu erledigen. Der Augenblick hierzu ist nach Ansicht des Senats nunmehr gekommen, da die Arbeiten in Edingen genü- gend fortgeschritten sind, die polnische Flotte bereits dort überwintert hat und kein Grund vorliegt, daß polnische Kriegsschiffe im Danziger Hafen irgendeine bevorzugte Stellung einnehmen, wie sie Kriegs- schiffe anderer Nationen in keinem Hafen der Welt innehaben. Der Senat hat zunächst versucht, die Zustimmung der polnischen Regierung zu einer Aufhebung des im Jahre 1921 geschlossenen vor- läusigen Abkommens zu erreichen. Da Polen dies abgelehnt hat,'muß sich der Rat wieder mit der Frage beschäftigen. Der Eiö voi Erlebnisse mi Redakteur C. I. Tönning- Kopenhagen, Vertreter eines konservativen dänischen Blattes, schreibt dem„Soz. Pressedienst": Als Vertreter der konservativen donischen Zeitung„Berlingste Tidende" besuchte ich am 2. Februar 1923 Ludendorss in seiner Villa auf Prinz-Ludwigshöh« außerhalb Münchens, um feine Ansichten über die damalige Ruhrfrage zu erfahren. Die Fron- zoscn waren vor wenigen Wochen eingerückt. Ludendorfs erzählte mir zunächst lächelnd, daß ein Landsmann von mir, Herr Th. S t e i n t h a l von der liberalen dänischen Zeitung„Politiken", soeben in der Villa gewesen war und er ihn unbesehen hätte a b- weisen lassen, weil er mit Herrn Steinthal und der liberalen „Politiken" nichts zu tun haben wollte, was er näher entwickelt«. Ohne die Namen zu nennen, erwähnte ich ganz kurz diese klein« Ouvertüre in meinem Artikel, der am S. Februar veröffentlicht wurde. Die Macht des Geldes. Daß Ludendorff mir die Wahrheit sagte(und weshalb sollte er hier auch lügen?), ging aus einem Briefe hervor, den Herr Steinthal sofort an Ludendorff schrieb, und wovon er später, auf Verlangen, dem Gericht eine Abschrift unterbreitete. Es heißt hier u. a.:„Bei meinem Besuch in Ludwigshöhe erklärte sich Ew. Ex- zellenz außerstand«, mich zu empfangen, weil Exzellenz keine Be- sprechungen gäbe. Ich war infolgedessen nicht in der Lage, meine Bitte an Sie persönlich vorzutragen, gestatte mir aber, sie schriftlich vorzubringen." Dann wird Ludendorfs ersucht, einen kleinen Aus- satz von 79 bis 199 Zeilen über die Ruhrfrag« zu schreiben, gegen das damals sehr hohe Honorar von einer Million Mark. Ludendorffs abweisend« Gesühle gegenüber Herrn Steinthal und„Politiken" wurde» durch diesen Brief sehr gemildert. Der General lehnte zwar das Angebot von 1 Million ab. osserierte aber. es für 2 Millionen machen zu wollen. Steinthal fragte darauf in Kopenhagen an, ob„Politiken" evtl. so viel Geld zahlen würde. Die Zeitung willigte ein, indem ausdrücklich vereinbart wurde, daß Ludcndorff sein Honorar für wohltätige Zwecke ver- wenden sollte. Inzwischen hatte die„Berlinske Tidende" mein Interview mit Ludendorff veröffentlicht. So wurde der von Ludendorff an Herrn Steinthal gesandte Aussatz journalistisch wertlos. Steinthal verzichtete deshalb auf ihn, indem er auf das Interview in der„Berlin gs ke Tidende" verwies. Ludcndorff weiß plötzlich von nichts. Ludendorff blieb also ohne die zwei Millionen. Das war schlimm, denn das Geld wurde von ihm dringend benötigt. Er wollte es nämlich, was durch eine gerichtliche Untersuchung fest- gestellt wurde, für zwei besondere Airecke verwenden: die eine Million wollte er den„M ünchener Neue st en Nach- richten" überweisen sllr eine politische Sammlung, an der er besonders interessiert war, und die andere Million wollte er auf ein Konto der Ofsiziers-Nothilse bei der Disconto-Gc- sellschaft in Berlin einzahlen. Ludendorfs schrieb deshalb unter dem 22. Februar 1923 an Steinthal solgenden Brief: „Die„Berlingste Tidende" hat nie ein Interview von mir erhalten. Ich lehnte den Empfang ab, und zwar in Rücksicht auf Sie. Hochachtungsvoll Ludendorfs." Steinthal glaubte das nicht ohne weiteres. Ludendorfs wiederholte aber in einem weiteren längeren B r i c s an Steinthal, mich niemals empfangen zu haben, und bat gleichzeitig den Artikel doch anzunehmen. Nachdem Ludendorss dann auch noch zum dritten Male, und zwar t ei« g ra p h i sich, die Richtigkeit seines Dementis versichert«, suhlte„Politiken" sich schließlich verpflichtet, den wiederholt angebotenen Artikel anzunehmen und das Honorar oon zwei Millionen zu zahlen. Die„Berlingste Tidende" hatte inzwischen ihren Anwalt beauf- tragt, gerichtlich gegen„Politiken" auf Grund der Veröffentlichung der Dementis von Ludendorss vorzugehen. Die„Münchener Neueste Nachrichten", die niir bei meinem Interview mit Ludendorss behils- lich gewesen waren, versuchten nun die Sache durch ein Kom- promiß zu erledigcn. Sie erklärten mir zunächst, Ludendorss habe ihnen b e st ä t i g t, daß ich seine Ansichten richtig wieder- gegeben habe, und zwar sei das in--inem Telephongespräch am 2. Februar geschehen. Das mir angebotene Kompromiß lehnte ich aber ab, weil ich von der absoluten Wahrl�it meines Artikels, in dem ich die Unlerhaltunll in Lüdendorffs Villa beschrieb, nicht abweichen wollte. Deutschamtliche Stellen, die nur ungern den großen Kriegsherrn in dies« gerichtliche Affäre hinein- tzezögen sahen, nahmen jetzt die Sache auf und glaubten schließlich einen Ausweg gesunden zu haben. Es wurde vereinbart, daß ein alter Freund von Ludendorss, General v. Eisenhart-Rothe. einen Brief an den„Feldherrn" schrieb und ihm den R a t gab. mich nochmals zu empfangen, um mir bei dieser Gelegenheit schrist- lich zu erklären, er habe sich früher geirrt. Gleichzeitig solle in dieser Erklärung festgestellt werden, daß ich in der von mir beschriebenen Weise von Ludendorss empfangen worden bin. Damit würde er aus dem Prozeß ausscheiden, und alles wäre in Ordnung. Ludendorff wies aber diese freundschaftlichen Ratschläge ab, und das dänische Gericht beschloß, jetzt bei dem Gericht in München seine Vernehmung zu beantragen. Ludendorsss Eid. Diese Vernehmung fand am 28. Juli 1923 statt.„Weil es Ludendorff war. im Dienstzimmer des Amtsgenchtspräsi- deuten. Nur der Präsident und ein Protokollführer, Ludendorfs mit zwei Anwälten, mein Anwalt und ich, waren zugegen. Der Ge- richtsvräsident unternahm alles mögliche, Ludendorfs schonend aus der Assäre zu ziehen.„Ich nehme an", jagte er z. B. im Lause der langen Vernehmung(ich zitiere meine damalige Notiz)„daß Ew. Exzellenz, wie ich, ein« große Anzahl Menschen sehen, und wie leicht ist es doch zu vergessen, daß man einen bestimmten Menschen, den man vorher gor nicht kannte, gesehen oder gesprochen hat!" Luden- dorss wollte aber nicht geholfen werden. Trotz vieler rücksichtsvoller Ermahnungen des Richters bestand er daraus, seine Er- klärungen in der„Politiken" aufrechtzuerhalten:„Er hätte mich in seiner Villa weder gesprochen noch gesehen!" Der Gerichtspräsident, der mehr und mehr besorgt wurde. mußte' zuletzt seine Bestrebungen aufgeben und fragte, ob ich ver- lange, daß Ludendorss seine Erklärungen beeidige. Aus Grün- den der Menschlichkeit verzichtet« ich hierauf. Ludendorss aber er erklärte, er verlange sie zu beeidigen und er leistete den Eid! An der Wand, Ludendorss gegenüber, hing ein Kruzisix. \ München. t Ludendorff. Im Laufe seiner Vernehmung hatte Ludendorss erwähnt, daß cine Hausangestellte, die mich am 2. Februar bei ihm angemeldet hatte, Alma G o t t s ch a l k hieß, aber nicht mehr in seinen Diensten wäre. Aus Fragen teilte er mit, daß seine Frau noch in Verbindung mit ihr stünde, so daß er ihre jetzige Adresse vermitteln konnte, falls man nähere Auskünfte von ihr haben möchte. Ich ließ deshalb am gleichen' Abend an die damalige Frau Ludendorfs, ge- borene Bolle, telephonieren und erhiell die Adresse: eine Pension in einer anderen Stadt. Zwei Tage später hatte ich eine Unterhaltung mit Fräulein Gott- schalk. Sie kannte mich sofort wieder und erklärte, daß sie sich sehr gut meines Besuches bei Ludendorff im Februar erinnerte. Sie bewies dies, indem sie eme Anzahl Einzelheiten genau wieder erzählte. Ich fragte sie, ob sie für meinen Prozeß in Kopenhagen eine kurze schrist- liche Erklärung abgeben würde, und als sie sofort einwilligte, faßten wir dieselbe wie folgt ab: „Ich bezeuge hierdurch gern, daß ich Anfang Februar(ich glaube, es war am 2. Februar) Herrn Könning in Exz. Ludendorsss Villa empfangen, ihn in die Halle hineingeführt und ihn Exz. Ludendorss gemeldet habe, der nachher sich mit Herrn Tönning in der Halle unterhalten hat." Diese Erklärung wurde bei meiner Rückkehr nach Kopenhagen dem Gericht übergeben, das dann beschloß, nochmals eine Ber- nehmung in München zu beantragen, an der auch Fräulein Gottschalk beteiligt sein sollte. Ludendorff entdeckte nun, wie Tönning weiter mitteilt, daß das Hausmädchen„stark hysterisch" sei und sein Anwalt wollte sie gar dem Irrenarzt ausliefern. Zitternd vor Angst erklärte sie dann auch bei der Ber- nehmung, daß sie an Gedächtnisschwäche leide und sich jetzt meines Besuches nicht mehr erinnern könne. Sie äußerte ferner, daß Ludendorff ihr bei einer ihrer Besprechungen gesagt hatte:„Sie haben das unterschrieben, sehen Sie zu, wie Sie wieder heraus- kommen." Sie versuchte nun, so gut es ging, dieser Instruktion nach- zukommen. Im Protokoll heißt es bezüglich ihrer schriftlichen Er- klärung:„Es wurde mir damals nichts davon gesagt, daß es sich um eine Prozeßsache handele, doch habe ich gesagt, daß Ich eine gute Ehristin bin und die reine Wahrheit sage. Damals hielt ich es auch für wahr, aber ich Hobe mir die Sache nur oberflächlich überlegt gehabt." Die größte Sorge des Fräulein Gottschalk war, daß ich ihre Bereihigung beantragen würde. Sie wollte ihre letzte Aussage nicht beeidigen— unter keinen Umständen. Ich beruhigte sie.„Ich verstehe," sagte ich und das Protokoll schließt: „Die Zeugin blieb unvereidigt." Lüdendorffs Zeugnis werttos. Ludendorff, der während der zweiten Vernehmung im November 1923 sich nebenbei als„Führer und Chef mit diktatorischer Gewalt der deutschen Nationalarmee" proklamieren ließ, um zuerst Boyern gegen Preuße» zu führen, das Sündenbabel Berlin einzunehmen, Paris zu erobern, und ein neues Deutschland zu gründen,„ein Deutschland der Macht und Größe, der Freiheit und der Herrlichkeit," erklärte schließlich, nachdem er als Hochverräter verhastet worden war, daß er von dem Kopenhagener Konslikt mit„tiefem Abscheu" erfüllt worden wäre und auf eine weitere Verteidigung verzichte, indem er auf seine frühere beeidigte Aussage verwies. Der Anwalt Ludendorsss vor dem Kopcnhagener Gericht hob dorb hervor, daß,„wenn General Ludendorss sein Wort gibt, und es sogar beeidigt, man danzi auch daran glauben kann". Es hat aber nichts genützt. Das dänische Gericht urkellle einstimmig, daß man Luden- dorsss Aussage nicht akzeptieren könue? * Das Urteil über den„großen Feldherrn" der Niederlagen ist. in Deutschland längst gesprochen. Daß aber auch ein aus- ländisches Gericht auf Grund der ihm vorliegenden Dokumente und Zeugnisse aussprechen kann, auf Ludendorsss beeidigtes Zeugnis fei kein Wert zu legen, das ist, angesichts der Ver- götterung, die diesem Heros des Weltkriegs von den deutschen Eisenfressern entgegengebracht wurde, nicht nur für Ludendorff blamabel. Spekulation auf Sie tzinüenburg-fimnestie. Ein seiger Nationalsozialist. Göllingen. 3. August.(Eigenbericht.) Vor den. Erweiterten Schöffengericht sollte gestern gegen den Dipl.-Landwirt Elsner von Gronow und den Studenten Groß wegen Beschimpfung der Deutschen Republik verhandelt werden. Die Angeklagten hatten im Schaufenster der deutsch-völkischen Buchhandlung in Göttingen eine mit den Farben Schwarz- rotgold gezierte Karte ausgestellt, die angeblich bereits 1917 vor Verdun von französischen Fliegern in Massen abgeworfen sein sollte, zum Verlassen der deutschen Fron: auf- forderte und von einem Angehörigen des RJR. 299 gefunden sein sollte. Di« Karte war mit den Unterschriften:„Schwarzrot- goldener Frontoerrat" und„Dokument des Dolch. stoße?" versehen worden. Hierin erblickt« die Göttinger Staats- nnwaltjchaft eine Beschimpfung der Republik.— Der Angeklagte Elsner war aber zu dem Termin nicht erschienen, angeblich hat er von dem Termin keine Kenntnis gehabt. Die Zustellung der Ladung ist an seine Mutter am 9. Juli erfolgt. Nach den Angaben des Ber- teidigers ist der Angeklagte angeblich seit längerer Zeit auf Reisen, sein gegenwärtiger Aufenthalt sei unbekannt. Der Verteidiger stellte daher einen Bertagungsantrag. Der Staatsanwalt stimmte diesem Antrag zwar zu, da der Angeklagte sich je- doch offenbar der Verhandlung entzogen habe, beantragte er Vor- führungsbefehl. Diesem Antrage entsprach das Gericht. Es beraumte den neuen Termin auf den 4. Oktober an. Der Vertei- diger betonte vorher, daß am 2. Oktober, als dem 89. Geburtstage des Reichspräsidenten, eine Amnestie zu erwarten sei, weshalb er die Verlegung auf einen späteren Termin beantragte. Wie wir hören, ist gegen diesen Dertagungsbeschluß, insbeson- dere gegen die späte Terminbestimmung, sofort Beschwerde beim Präsidenten des Oberlandesgerichts in Celle eingelegt worden.— Dieser Vorfall scheint uns wirklich ein Musterbeispiel nationalsoziali st ischen Bekenner mutes zu sein. Der Zusatz der Verteidigung, daß Elsner mit der R e i ch s o m n e st i e rechnet, läßt klar und deutlich erkennen, daß dieser absichtlich kneift! Am 2. Oktober soll die Reichsamnestie erfolgen, am 4. Oktober ist der neue Termin. Elsner wird nlso straffrei ausgehen, wenn er unter die Amnestie fällt. der IHS. und öle russischen Gewerkschaften Die ersten Tage des Pariser Kongresses stehen unter dem Zeichen der Russenfrage, und manchem mag es scheinen, als handele es sich darum, ob die russischen Gewerkschaften in die Amsterdamer Internationale aufgenommen werden sollten. In Wirklichkeit steht ober, die Sache so, daß der JGB. von Ansang an bestrebt war und auch heute noch bestrebt ist, die russischen Gewerkschaften zum Anschluß an die Internationale zu bewegen. Di« t o m m u n i st i- schen Führer der russischen Gewerkschaften ziehen es aber vor, draußen zu bleiben, und führen seit Iahren einen erbitterten Kampf und«in« Haßpropaganda gegen die Gewerkschastsinter- nationale. Es ist vom Nutzerl, an manche Tatsachen gerade jetzt zu erinnern., Daß die kommunistischen Führer der russischen Gewerkschaften seit Iahren die Amsterdamer Internaionale bekämpfen, dürste wohl bekannt sein. Nur einmal schien die Anti-Amsterdamer Ein- stellung der russischen kommunistischen Gewerkschaftsführer einen Riß zu geben:, auf dem XIV. Kongreß der kommunistischen Partei der Sowjetunion, Ende Dezember 192S, hat T o m s k i, wenn auch sehr schüchtern, von einer Möglichkeit eines eventuellen Anschlusses an den JGB. gesprochen. Dies hat«ine starke Entrüstung in den kommunistischen Kreisen hervorgerufen, und das Zentralkomitee der KPdSU, hat sich beeilt, Tomskis„Entgleisung" wieder gut zu machen. Er wandte sich bald nach dem Kongreß mit einem Rund- schreiben„an alle Sektionen der Komintern", in dem „alles konterrevolutionäre Geschwätz über den angeblich beabsichtigten Anschluß der Gewerk- schaften der Sowjetunion an den Amsterdamer Gewerts choftsb und"„auf das entschieden st e" „zurückgewiesen" wurde(„Prawda" vom 14. Januar 1S26). Bon nun ab ist man in Moskau wieder unerschütterlich in der Feindschaft gegenüber dem IDA., und bei jeder Gelegenheit wiederholen die russischen Gewerk- schaftführer— und Tomski bildet dabei keine Ausnahme—, daß die Frage des Anschlusses an die Amsterdamer Gewerkschaftsinter- nationale für sie nicht einmal diskutabel sei. Die Tiefe des Haffes und die Niedrigkeit der Kompfmethoden hat sich im Mai d. I. bei der Weltwirtschastskonferenz sehr drastisch gezeigt. Die Presse brachte nämlich anläßlich der Konferenz«ine Mitteilung, daß die Amsterdamer Führer mit den russischen Gewerkschaften, die zur Konferenz gekomrrfen sind, Fühlung genommen haben. Prompt haben die Russen eine giftig sein sollende Erklärung veröffentlicht. Das Zusammentreffen sei nicht durch Initiative der Smvjetdete- gierten hervorgerufen und hätte überhaupt keine Bedeuwng. „Es handelte sich um eine der hier täglich üblichen Zusammen- künft«, die sich in gar nichts von anderen ähnlichen unterschied, ob wir nun mit Delegierten zusammentreffen, die sich Sozial- Demokraten nennen(s), oder mit solchen, die Kapitalisten sind" („Imprekor" Nr. 53). Man sucht in- Moskau keine Annäherung an den JGB., man sucht den Kamps. Dies sei festgestellt. Der JGB. hat diesen Kampf nicht gewollt, will ihn auch heute nicht. Im Interesse der wirklichen Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung sucht er diesem, soweit es möglich ist, auszuweichen und seine grundsätz- liche Stellung zu wahren. Sollten einmal die kommunistischen Führer der russischen Gewerkschaften zur Vernunft kommen oder sollten die russischen Arbeitermassen, die in der Sowjetunion wie überall ehrlich die Einigung mit den Arbeitsbrüdern in dem Ausland« wollen, einen maßgebenden Einfluß auf die Führung der russischen Gewerkschaften gewinnen, dann wird sich die Einigung des JGB. mit den Russen von s e l b st ergeben._ Internationaler Gewerkschaftskongreß. Die Extratour der Engländer. Varls, 3. August.(Eigenbericht.) Es ist sehr fraglich, ob die für die Beilegung des Konflikts gefundene Kompromißlösung zu dessen Erledigung zu führen vermag: denn die Empörung über die bolschewistensüchtige Haltung der Engländer ist bei den Kongreßmitgliedern sehr groß. Sie findet auch in der hiesigen Linkspresse eine scharfe Kritik. So knüpft der„Paris-Soir" an die Erklärung des englischen Gewerk- schastsführers C i t r i n e über den jüngsten englischen Generalstreik an, der sagte,„daß die Bewegung keinen Augenblick lang einen revolutionären Charakter getragen und nie gegen die Verfassung gerichtet gewesen sei" und bemerkt ironisch dazu:„Nach dieser loyalen Erklärung zugunsten des englischen Königshauses hätte es niemanden gewundert, wenn die englischen Delegierten die englische National- Hymne angestiinmt hätten. Sie seien zwar nicht so weit gegangen, aber ihre Haltung sei sehr bezeichnend. Zu Hause sind die„Minder- heitler" in erster Linie Engländer und brave Untertanen Seiner Majestät. Sie entschädigen sich aber dafür auf dem Kongreß, wo sie dem Bolschewismus Vorschub leisteten. Die Revolution nach außen— aber England vor allem! Diese Darstellung ist tatsächlich sehr bequem!"_ Tagung der Gergarbeiter-Internationale. Der Exekutivausschuß der Bergarbeiterinternational« tritt heut« in Paris zu einer außerordentlichen zweitägigen Sitzung zusammen, um zu den aus der neuen Krise im englischen Berg- bau sich ergebenden Auswirkungen auf die Lage der Bergarbeiter- schaft in den Steinkohlen produzierenden Ländern und zu den all- gemein organisatorischen Fragen Stellung zu nehmen. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung wird der Bericht über den Fortgang der Enquete des Internationalen Arbeitsamts über die Arbeitsverhältnisse im Internationalen Bergbau bilden. Der provisorische Generalsekretär der Bergarbeiterinter- nationale, D e l a t t r e wird über die Verlegung des Sitzes der Bergarbeiterinternationale von London nach Brüssel berichten. Besondere Bedeutung gewinnt die Sitzung der Exekutive durch die Beratungen über Mittel und Wege zu einer großen Ein- flußnahme der Bergarbeiterinternational« auf die Weltkohlenmarkt- läge— ein Problem, das durch die bisher erfolglosen Kartellierungs- bestrebungen der Unternehmer und angesichts der drohenden Ver- schärfung der Weltkohlenkrise akut geworden ist. Es soll versucht werden, mit Hilfe des Internationalen Arbeitsamtes die schädi- gendcn Einflüsse, die sich aus der kritischen internationalen Kohlenmarktlage auf die Lag« der Bergarbeiterschaft ergeben, zu beseitigen. An den wichtigen Beratungen werden deutscherseits der Vorsitzende des Bergarbeiteroerbandes, H u s e m a n n. sowie L i m b« rtz und Dr. Berger teilnehmen. die öerufsftellung der ftrbeitslofe«. Die beruflicheGliederung der Arbeitsuchenden nach dem Stand vom 30. Juni 1927— die neueste Statistik— zeigt folgendes Bild: Verfügbare Arbeitsuchende in der Landwirtschaft 21 5M (1,81 Proz.), Bergbau 20 333(1.70 Proz.), Industrie der Steine und Erden 11232(0,94 Proz.), Metallverartyitung 166 63 4 (13,97 Proz., chemische Industrie 6991(0,59 Proz.), Spinnstoff- g« werbe 13 733(1,15 Proz.), Zellstoff- und Papierherstellung 9311 <0,78 Proz.), Lederindustrie 12 875(1,58 Proz.), Holz- und Schnitz- stoffgewerbe 45 590(3,82 Proz.), Nahrung?- und Genußmittelgcwerbe 42 212(3,54 Proz.), Bekleidungsgewerbe 54 436(4,57 Proz.), Reinigungsgewerbe 4933(0,41 Proz.), Baugewerbe 21737(1,82 Proz.), Vervielfältigungsgewerbe 5808(0,4ö Proz.), Kunstgewerbliche Berufe 1397(0,12 Proz.), Theater. Musik usw. 14 374(1,21 Proz.). Gast- und Schankwirtschaft 25 090(2,10 Proz.), Berkehrsgewerbe 64 134(5,38 Prozent), häusliche Dienste 61 409(5,15 Proz), Lohnarbeil wechselnder Art 3772 82(31,64 Proz). Heizer und Maschinisten 9317(0,78 Proz), kaufmännische Angestellte 149 973 (12,58 Proz). Bureauangestellte 25 669(2,15 Proz), Techniker 20 808(1,74 Proz), freie Berufe 5740(0,48 Proz.). ohne Berufs- ongabe 21(0,00 Proz). Die Verkürzung der Bezugsdauer der Erwerbslosen- Unterstützung ist bis jetzt angeordnet worden für Bergbau. Reim- gungsgewerbe(Friseure), Vervielfältigungs- undEpinn- stoffgewerbe: jedoch ist für die Sticker und Posamentierer wieder«ine Verlängerung bis zu 39 Wochen angeordnet worden: desgleichen für die G ä r t n e r. Beim Bergbau sah der Rdchsarbeits- minister von einer generellen Verkürzung der Bezugsdauer ab und übmieß es den Ländern, besondere Bestimmungen je noch der Loge des Baugewerkes in den einzelnen Bezirken zu treffen. vom Textilarbeiterkamps in der Rheinpfalz. In Lamprecht wurde dieser Tage auf die Wohnung des Vorsitzenden der Vereinigung pfälzischer Tuchsabrikanten, Kam- merzienrat Dr. Helm, ein"Anschlag verübt: es wurden Back- stein« in das Schlafzimmer Helms geworfen. An dem Fabrikgebäude der Firma Haas, deren Inhaber stellver- tretender Vorsitzender der Tuchvereinigung ist, wurden über 100 Fe n st e» f ch e i b e n eingeschlagen. Daraufhin hat die Vereinigung an den Deutschen und den Christlichen Textilarbeiterverband in Lamprecht ein S6)reiben gerichtet, worin es heißt:„Die Vorgänge von heute nacht sehen wir als«inen Versuch an, unser Verhalten bei den Lohnoerhandlungen zu beeinflussen. Da wir es ablehnen müssen, unter Druck zu verhandeln, können wir zu der angesetzten Besprechung nicht erscheinen. Wir erwarten entsprechende Auf- kläruna der Gewerkschaften zu obigen Vorkommnissen, gez. Ver- einigung pfälzischer Tuchsabrikanten. Und der Beweis dafür, daß bei dem Anschlag T e x t i l a r- b e i t e r beteiligt gewesen sind? Der Deutsche Textilarbeiterver- band hat die Ausfassung, daß ganz andere Leute als Textilarbeiter die Anschläge ausgeführt haben— Leute, die«in Interesse daran haben, die Textilarbeiter in Mißkredit zu bringen. Klarheit darüber wäre sehr erwünscht. Organisiert« Arbeiter wissen, daß durch solche Dummejungenstreiche oder Provokationen ihrer Sache nicht gedient wird. Zugendgr»vp« de, tzdA. Heute, Donnerstag, Uhr, im Bezirk Schöne- berg: Jugendheim Echöneberg, Hauptstr. IS lThitringenzimmer). Heim- bclprechung.— Ad IS Uhr Spielen auf der Spielwiese im Schillcrpark. Rasen. spiele, Volkstänze, Ballspiele. Freie Gewerkschastsjugcxd. Heute, Donnerstag, ISth Uhr, tagen die Gruppen: Siidweste»: Jugendheim Porckstr. 11. Hcimbcsprechung, Zehn- Minuten-Rcserate.— Köpenick: Gruppenhcim Jugendheim Grnllauer Str. 5. Heimbesprechung.— Lichtenberg: Gruppenheim Jugendheim Parkauc 10. Heim- besprechung.— Tempelhos: Gruppenheim Lyzeum, Gcrmaniastr.inerUIrle»irl 6ue bunten Wasdi- LUmai Kl eia Stocken. Lg. cm 1. aus Zephlrdmd Waechstoffen JUmpCr mit Krefcn u. lang. Aermeln Damen-Tdghemd sikLerei Trikotschlüpfer"Äf Knaben-Waschanzug �fhnl<>a Chine »Jcnal ca.» an breit Kissenplatte farbig Itlpe.geatlcirt heesisch Leinen 1VCCKC gezeichnet. Or. 1K/130 Jumperschürze f.™" Schlupfschürze«�lr Leder-Hausschuhe larbig Tischtuch geblelfriB. iso/190 cm 3 reinlein. Handtücher 6 Hohlsaumtüciier•mS" Holzschiebekasten etdi» Uhrwerkschiff acmiaug Roßhaarbesen Möbelbürste Wandkaffeemühle Wasserkessel tarbig,« em Ovale Wanne« cm, verzinkt Hocker aus Waldeidcorbgcfiedit 6 versilbert. Kaffeelöffel Elektr. Kochtopf zußLg Fleischmaschine"SSÄ" ü 90 1 Mtr.Yoile-Bordüre1� 4 Mtr. Louisianatuch 2 Mtr. Lakenstoff ÄT lumn�r aus Waschkunstseidc, mit j u j 1 1 Kragen und langen Aermeln Morgenrock ÄÄ» Nachthemd»Swe™ Einknöpf- Anzug ÄStoir Küchengarnitur hessisch Leinen, gezeichnet. LteCKC Größe 120x180 cm Schlupfschürze'orös?Z� Musselin-Bordürenkleid Ur.ffhnlfAr'»e»' �reü. 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Rasiergarnitur äapfuSd pillsd Bürstengarnitur"7m�iui� Schreibmappen"''Äß™' Bohner oder Wollbesen Quirl garnituren Blumenbretter Spirituskocher Ripskissen njil KTekÄ..<*t Schreibmappe sdüoßhn* Gold- Armband Elektr. Bügeleisen""u�T Detektor-Apparat ausiu™. Blumenkrippe grün,'Äeini' 4 90 Nr. 364 ♦ 44. Jahrgang • 1. 0ef löae öes VsrWärts t3»�j�.,wag.>yr�;7�rgBwae»n-iAU'�uBu/gRLj Vonnerstag» 4. August 1927 Des HureauhsM ö krektion Auf dem ISVM Quadratmeter orohen Grundstück zwischen Dernburgstraße und Herbart st raße, ganz in der Rühe des L i e tz e n s e e s, in Charlottenburg erhebt sich, schon von weitem sichtbar, das neue Bureauhaus der Oberpostdirektion. Sämtliche Ber- walwngsabteilungen, die noch vor wenigen 3ahr«n an sechzehn verschiedenen Stellen untergebracht waren, zuletzt im ehemaligen Hotel Cumberland am Kursürstendamm und in der Kömgstraße, werden spätestens im Frühjahr 1928 in dem umfangreichen Neubau unter- gebracht. Bon dem mächtigen, acht Stockwerke hohen Mittelbau, der zwei Höfe umschließt, stoßen gegen Osten zwei niedrigere Flügel vor:«in Rundbau, der ebenfalls nur Burcauräume enthält und die Wohmmg des Präsidenten. Zwischen diesen Flügeln wird ein ausgedehnter Garten angelegt. Durch geschickte Gruppierung der Baumassen und sparsamen Terrakottaschmuck wird ein wohltuender, sachlicher Eindruck erzielt, der durch die weiße Putzfassade und die flachen Dächer noch gesteigert wird. Sechs Treppenhäuser und vier Auszüge(darunter«in Paternoster) dienen dem Verkehr zwischen den Stockwerken. Zwei Aktenauszüge und ein neuzeitliches, selbsttätiges Hausanschlußamt sowie ein« Druckereianlage erleichtern den dienstlichen Verkehr der einzelnen Abteilungen. Prüfungs- zimmer, Versammlungssäle, � Garagen und ein« Kantine befinden sich ebenfalls in dem Riesenbau, der nach Entwürfen des Oberbaurats Hoffmmm ausgeführt wird. Der seltsame Posttarif. Der neu« Posttarif mit seine« erhöhten Inlandsgebühren führt dazu, daß verschiedene Sendungen in das Ausland weniger Porto beanspruchen als i m Inland. Während man eine Drucksach« von bv Gramm innerhalb Bejflin jetzt mit 5 Pf. sranckleren muß, kann man für denselben Tarifsatz die gleich« Drucksache auch bis Amerika und Australien senden. Ungünstiger noch gestalten sich aber für den deutschen Postbenutzer die Dinge bei Gejchäftspapieren von 250 Gramm. Eine solche Sendung kostet innerhalb Berlins, wie innerhalb Deutschlands 30 Pf., ins Ausland jedoch nur 2S Ps. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den Tarifsätzen für Warenproben. Die 190 Gramm-Sendung kostet innerhalb Deutschlands IS Pf., für das Ausland jedoch nur 10 Pf. Die 259 Gramrn�endung für das Inland 39 Pf., für das Aus- land nur LS Pf. Mischsendungen, soweit sie nur Drucksachen und Warenproben enthalten, kosten 199 Gramm in Deutschland IS Pf., ins Ausland jedoch nur 19 Ps. Während der neu« Posttarif nun auch im Briesverkehr die 8-Ps.-Stuse gebracht hat, weigert sich die Post nach wie vor, die Pfennigrechnung einzuführen. Gebühren, die für nicht- oder unzureichend freigemachte Briefe und Postkarten erhoben werden, und die das Eineinhalbfache des Fehlbetrages aus- machen sollen, werden ans volle S Pf. abgerundet und auch im Tele- graphenverkehr wird der Gesamtbetrag an Gebühret» für ein Tele- gramin auf einen durch S teilbaren Pfennigbelrag aufgerunder. Das steht im Widerspruch zu früheren Bekanntmachungen anderer Reichs- stellen, die darauf Hinaueliesen, die Psennigrechnung wieder zu Ehren zu bringen._ Große? DachftuhibrclNÄ fn Zrohnau. Eine Mansardenwohnung ausgebrannt.— Mehrere Feuerwehrbeamte verletzt. Ein verheerendes Feuer kam Festem abend gegen �7 Uhr in einer Villa In Frohnau. Fürstendamm 16, zum Ausbruch. Sieben Löschzüg« waren stundenlang an der Brandstätte tätig. Di« in Brand geratene Villa ist ein etwa IS Meter langes Gebäude, das von zwei Mietsparteien bewohnt wird. Kurz nach 6 Uhr brach in einem Zimmer des ersten Stockroerkes aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und auf die ganz« Etag« ausdehnte. Mit Mühe gelang es den Bewohnern, noch rechtzeitig das Freie zu gewinnen. Auf den Alarm eisten zunächst die freiwilligen Feuerwehren von Frohnau, Hermsdorf und Maidmannslust herbei. Bei deren Eintreffe« hatte da» Feuer ober schon eine so große Ausdehnung angenommen, daß 3. Alarm, d. h.„G r o ß f e u e r�, weitergegeben werden mußte. Die Berufswohr von Wittenau, Zug 42(Schillerpark), die freiwillige Feuerwehr Tegel sowie die Feuerwehr von Bors ig rückten hierauf zur weiteren Hilfeleistung an. Das erst« Stockwerk und der Dachstuhl bildeten bald nur noch ein einziges Flammenmeer. Große Schwierigkeiten bereitete die Wasser- zuftihr, da die Hydranten sehr weit entfernt logen. Aus zahl- reichen Schlauchleitungen wurde stundenlang Wasser ge- Die Silbersd�rmriue 21] Vorl£XejE Beach IR-chdruck verh-t-n HtttocffUzi» Tt-bersetzuvg an» de»(Sagllföcn x>mx Inlw SZopptl „Das läßt sich«z dieser Jahreszeit nicht machen/ sagte der große George barsch.„Der Shekikof Sund ist um diese Zeit sogar für Dampfschiffe ein böses Fahrrvasser. Er ist wie der Katmaipaß, nur noch schlimmer/ „Es sind nur zwölf Meilen/ „Zwölf Meilen auf solchem Fahrwasser in einem offenen Kanu können schlimmer sein als fünfhundert andere— wenn man kein Glück hat— und man kann nicht behaupten, daß das Glück uns besonders günstig ist/ „Wir haben keinen anderen Ausweg, es ist unser« einzige Chance. Vist du parat?" „Gut/ rief Bali,„wir wollen den Russen fragen/ Als dieser würdige Mann hörte, um was es sich handelte, rief er:„Rein!" „Im Sommer ja, jetzt aber geht es nicht. Der Versuch ist schon zu oft gemachte worden. Der Sund ist zu stürmisch und es ist zu kalt, um den ganzen Tag in oinem Oomiak zu sitzen." „Wir wollen es dennoch probieren." „Rein— nein— nein! Wenn der Sturm aufkommt, wird er Euch aufs offene Meer hinaustreiben. Es sind starke Strömungen im Sund, Ihr werdet den Kurs nicht halten können und—" „Wir werden einen Kompaß benutzen. Verschaffen Sie uns nur genügend Mannschaft zum rudern, dann sind Sie ein braver Bursche. Für den Rest werde ich schon selbst sorgen" „Es gibt sich keiner dazu her, sagte der dicke Mann eifrig,„jeder weiß, was es bedeutet und—" „Schaffen Sie nur Leute her. ich werde mit ihnen sprechen." Und der Kaufmann ging hinaus, um den Häuptling des Dorfes aufzusuchen, während er den Kopf schüttelte und etwas von„tollen Menschen" murmelte. Fräser, der die Veränderung bemerkte, die mit Bali und Emerlon vorgegangen war, fragte, als sie hereinkamen, was geschehen sei. Und der große George antwortete:„Wir wollen mit einem kloinen Boot über den Sund herüber/ „Um Gottes willen, das ist der größte Wahnsinn, den ich j« gehört habe. Wißt ihr denn nicht—. „Wir wissen alles," unterbrach Emerson ihn zornig,„und niemand verlangt von dir, daß du uns begleitest/ „Das könnte mir auch nie und nimmer einfallen." „Du kannst ja auf den Postdampfer warten." „Das kann ich und das will ich. Und ich werde mein Leben versichern lassen, damit ich auf alle Fälle geschützt bin." Obgleich Emerson und Balt durch die schwäche Möglich- keit, den Dampfer zu erreichen, hoffnungsvoller in die Ztckunft blickten, bekam ihre Hoffnungsfreudigkeit doch einen erheb- lichen Stoß, als der Kaufmann mit dem Hauptmann des Dorfes irnd einigen Jägern hereinkam, denn Emerson merkte bald, daß er hier mit Geld nichts erreichen würde. Er benutzte den Russen als Dolmetscher, sprach freundlich zu den Leuten, versuchte sie mit einem hohen Geldangebot zu locken, und als alles nichts nützte, stapelte er in seiner Ver- zweiflung jeden Schilling, den er besaß, auf dem Ladentisch vor ihnen aus. Die Männer ober schüttelten nur den Kopf, nachdem sie miteinander beraten hatten. „Sie sagen, es ist zu kalt," übersetzte der Russe,„sie werden erfrieren, und Tote haben nichts mehr von dem Geld." Ein anderer sagte:„Es ist sehr stürmisch in diesem Monat: ein offenes Boot wird in den hohen Wogen unter- sinken." „Dann könnt ihr uns in einem Bidarka übersetzen," er- widerte Emerson. Er hatte mehrere dieser kleinen Boote am Strande liegen sehen, lange Kanus, die aus Walroßhout ver- fertigt sind und nur in der Mitte kleine Löcher haben, wo die Ruderer sitzen.„Für die Rückfahrt könnt ihr den Dampfer in Uyak benutzen: ich biete euch mehr Geld, als ihr in zehn Jahren verdienen könnt." Alle Argumente aber waren fruchtlos, und nachdem Emerson eine Stunde veroeblich mit den Eingeborenen ver- handelt batte, und sie sich zurückziehen wollten, sagte er zuletzt: „Frage sie, ob sie mir«inen Bidarka verkaufen wollen und was er kosten soll." „Hundert Dollar/ sagte der Russe, nachdem er einen Augenblick mit den Leuten hin- und hergeredet hatte. „Willst du mit mir allein den Versuch machen?" fragte Einerson, indem er sich an George wendte. Der Fischer zögert«:„Zwei werden es nicht schaffen können, wenn du noch einen Dritten findest, bin ich dabei." Folglich begann Emerson wieder mit den Indianern zu verhandeln, setzt aber waren ihre Antworten kurz und be- stimmt. Nicht einer von ihnen wollte es wagen. Das Schicksal schien dem Wege der Weißen unübersteigbare Hinder- nisse in den Weg zu legen. Fräser, der der Szene schweigend beigewohnt hatte, geben. Erst geg«n 19 Uhr war die Hauptgefahr beseitigt: die Auf- räumungsarbeiten dauerten lange bis nach Mitternacht. Eine starke Brandwache verblieb an der Brandstätte. Der Sach- schiden ist sehr erheblich, da eine wertvolle Bibliothek des Dichters K., der das erste Stocknaerk bewohnt, ein Raub der Flammen wurde. Die Decke zun» Hochparterre ist teilweise durchgebrannt. Der Wasserschaden ist auch sehr groß. Der starke Feuerschein war lvsithm bis nach Reinickendorf erkennbar. Leider find bei den Lösch- arbeiten auch mehrere Feuerwehrbeamte verletzt war- den, die sich Brand- und Schnittwunden zuzogen. Die neue Schupo. Verkehrsbeamte ohne Seitengewehr und Schußwaffe! Von heute an tritt in der Bekleidung der Verkchrspoli- zeibeamten eine Aenderung dahin ein, daß die Verkehrspolizei. beamten ihren Dienst ohne Ueberschnallkoppel, Seiten» gewehr und Echuhwass« versehen. Sie tragen von diesem Zeitpunkt an, ebenso wie ihre englischen und ameri. konischen Kollegen, nur den Polizeigummiknüppel an einer Unterschnallvorichtung. Mit dieser Neuregelung hat der Polizeipräsident dankenswerterweise� den Verkehrspollzei beamten besonders in der jetzigen heißen Jahreszeit ein« wesentliche Er- leichterung in chrem schweren Dienste verschafft. Sie Sesliver OauerdauausftellunZ. Mit dem Plan der Bauwirtschast, in Berlin eine 1939 be- ginnende Dauerbouausstellung zu veranstalten, haben sich das Prä- sidlum und der Vorstand des Reichsverbandes der Deut. schen I n d u st r ie aus seiner Königsberger Tagung bejihäftigt. Präsidium und Vorstand haben gegen die Durchführung dieser von den Fachverbänben der Bauwirischaft getragene» Veranstaltung keine Bedenken. In einer von nahezu 199 Sachverständigen des Gas- und Wasserfaches aus alle», Teilen Deutschlands besuchten Konserenz im Vortragssaal des"Hauses der Fuiitindustrie, der zahlreiche Vertreter der einschicgigen Industrien beiwohnten, wurde die Ab- Haltung einer deutjch-en Fach- Ausstellung unter dem Namen „Deutsche Ausstellung Gas und Wasser Berlin 1929" beschlossen. Die Veranstaltung soll in dein genannten Jahre in der Zeit vom 1. März bis 19. Mai i» den Ausstellungshallen ain Kaiserdamm stattfinden. Die Durchführung der Ausstellung liegt in den Hände» des Ausstellungs-, Messe- und Jreindenverkchrs-Amtes der Stadt Berlin. Mit den Vorarbeiten ist bereits begonnen worden. S»s verfaffungsfeiern im Nimöfnn?. Am Donnerstag, dem 11. August, findet mittags 12 Uhr im Reichstagsgebäude die von der Reichsreglerung veranstaltete Verfassungsfeier statt. Als Redner werden Reichs- kanzler Dr. Marx und Reichstagsadqeordneter von K a r d o r f f auftreten. Für eine weitere rhetorische Umrahmung des Programms der Feier wird der Sprechchor an der Universität und am Sport» forum unter Leitung von Dr. Wilhelm Leyhausen sorgen, und zwar sind hierfür vorgesehen„Symbolum" und„Talismane" von Goethe. Ein gemeinsamer Gesang des Deutschlandliedes beschließt die Feier. Am Abend des gleichen Tages, um 7,30 Uhr, haben die preußische Staatsregierung und die Stadt Berlin eine Berfasfungsfeier im Hause der Funkindustrie(Witzleben) an- gesetzt. Die Festred« hält der preußische Kultusminister Professor O. Dr. Becke r: außer ihm werden noch Reichskanzler Dr. Marx und Oberbürgermeister Dr. Böß js ein« Ansprach« halten. Für die musikalische Urllermalung sind das Berliner Philhar- manische Orchester und Berliner Sinfonieorchester' unter Dr. Wilhelm Furtwängler, serner der Gruppenchor des Deutschen Arbeirersängerdundes unter Leitung von Walter Hänel mid der Berliner Sängerbund unter Max Wiedemann verpflichtet worden. Beide Feierlichkeiten werden von der Funkstunde Berlin auf ihre Sciider übernommen. sagte jetzt mit bitterem Vorwurf in der Stimme:„Ich muß' osso mal wieder heran, dachte ich«s mir doch gleich. Zum Donnerwetter noch einmal, wanim muß ich cmch immer herhalten!" „Du willst uns begleiten?" rief Emerson zweifelnd und über alle Maßen erstaunt über dieses Angebot. Fräser hatte bisher jede Mühe gescheut und sich geweigert, sich irgendeiner Gefahr auszusetzen, wie/lein sie auch gewesen sein mochte. „Ich kann nicht behaupten, daß mich dieser Ausflug be« sonders lockt, wenn aber diese Indianer zu klug sind, um an- zubeißen, bleibt mir nichts anderes übrig!" Er blickte kriege- rifch von einem zum endetn. „Kannst du denn rudern?" fragte George. „Ob ich rudern kann!" sagte Fräser höhnisch.„Weil du Schwielen an den Händen hast, so groß wie Pfannkuchen. brauchst du dir nicht einzubilden, daß du der einzigste Mensch bist, der ein Ruder hantieren kann." „Ich fürchte, Fräser," sagte Emerson,„daß du nicht Kräfte genug haben wirst. Wir werden vielleicht achtund- vierzig Stunden untmterbrochen gegen Wind imd Strom an- rudern müssen, bevor wir Uyrak erreichen. George und ich sind stark, du weiht aber, daß du—/ Da aber fuhr Fräser auf:„Verschone mich bitte mit solchem Unsinn! Weil ihr mir In dem verfluchten Katmai- Pah etwas unter die Arme greifen mußtet, werdet ihr mir das wohl beständig unter die Rase reiben. Nur weil meine Füße wund waren, konnte irf) es nicht mit euch aufnehmen. Meine Füße waren wund, meinen Händen aber fehlt nichts!" Er fing an zu weinen, und dieser unerwartete Einblick in den Charakter eines Menschen verwirrte die beiden anderen so völlig, daß sie nichts zu sogen mußten. Bevor sie sich aber noch gefaßt halten, fuhr Fräser fort:„Meinetwegen also kauft das Voot und laßt uns alle drei Selbstmord begehen/ Mit diesen Worten stampfte er beleidigt aus dem Zimmer, und seine beiden Kameraden sahen sich lächelnd an. Während der beiden nächsten Tage gönnten die Männer ich Rast und sammelten Kräfte. Fräser war in denkbar chlechtester Laune, man konnte ihm gar nicht nahe kommen; eine Frostwunden aber waren nicht sehr tief und bald ver- Kill, so daß er Emerson am Nachmittage des zweiten Tages mit saurer Miene die Mitteilung machte, daß er bereit sei, am nächsten Morgen aufzubrechen. So machten sie denn alles für den nächsten Morgen zum Aufbruch bereit, wählten das seetüchtigste Boot, obgleich auch das nur ein gebrechliches Fahrzeug war, und versahen sich reichlich mit Wasser, zube- rciteten Speisen und stärkenden Mitteln. (Fortsetzung folgt.) Staat und Parteien. Das Stiftungsfest der Berliner Universttat. Die Berliner Universität beging gestern chr Stiftungsfest. Der Rettor. Prof. Triepel. hielt die Festansprache, in der er als Hauptthema.Staat und Parteien" abhandelte. Bevor der Redner auf sein eigentliches Thema einging, gedacht« er Fried- rich Wilhelms III. als des Stifters der Berliner Universität und sagte von ihm, daß er zwar kein großer Herrscher, aber einer der redlichsten gewesen sei. Im weiteren Derlauf seiner Ausfüh- rungen wies der Rektor darauf hin, daß sich weite Kreise be- mühten, wissenschaftliche Forschungen zu unter- stützen. Leider aber würden viele Unterstützungen nicht in un- eigennütziger Weise gegeben. Heute sei es soweit gekommen, daß viele Hochschulen durch solche Spenden in ein Abhängigkeits« Verhältnis von Industrie und Wirtschaft gekom- men seien. Bei der Behandlung des eigentlichen Themas schilderte der Red- ner die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen Repräsentativver- fassung und Parteientwicklung. Früher habe die Regierung völlig über den Parteien gestanden, heute aber sei sie von den Parteien abhängig. Früher habe die Regierung geradezu die Fraktionsbil- dung m der Volksvertretung oerhindert. Seit 1848 aber sei die Bil- dung politischer Fraktionen unaufhaltsam vorgeschritten. Der Rektor untersuchte dann weiter die Frage, ob der moderne Staat bereits«in Parteien st aat geworden sei. Er lehnte es ab, diese Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten, denn es käme darauf an, ob man sie vom Standpunkt des bisher üblichen Rechts oder von dem des Politikers betradste. Nur die Staotsgebilde des Bolschewismus und des Faschismus seien tatsächlich auf der Macht einer Partei aufgebaut. Dort sind diese Parteien rechtlich anerkannt. Das sei bei uns nicht der Fall, wenn auch der Einfluß der Par- teien nicht zu leugnen sei. Es käme darauf an, d e n Staat nicht abzubauen, sondern ihn von unten her auszubauen. Nur dann werde er sich zu einem gesunden Organismus entwickeln. Leider vermied es der Redner, dies« letzteren Sätze«ingehender zu erttären. Man weiß also nicht, wie er sich diesen organischen, von unter her erfolgenden Aufbau denkt. Im Anschluß an die Festrede wurde das Ergebnis der wisien- schaftlichen Wettbewerbe mitgeteilt. Die größte Zahl der ge- stellten wissenschaftlichen Preisausgaben hatte nicht einen einzigen Bearbeiter gefunden. Für das von der theologischen Fakultät gestellte Thema hatten nur zwei Bewerber Arbeiten eingereicht, von denen Walter Götze, Berlin- Weißensee, einen halben Preis zuerkannt erhielt. Das für den staat- lichen Preis gestellte Thema hatte keine Bearbeiter gefunden. Weitere Preise erhielten noch cand. jur. Hans Brombach, Berlin-Neukölln, Hans Joachim Tiefe, Berlin-Hirschgarten und Leo R a u- Berlin. Mit Recht betonte der Rektor, daß an diesem Ergebnis der Umstand schuld sei, daß die nieisten Studenten gar keine Zeit hätten, sich um Einzelaufgaben zu kümmern und daß sie nur auf das Bestehen der Prüfung hinarbeiten. Vielleicht trägt zu diesem mangelhaften Er- gebnis auch die Tatsache bei, daß ein großer Teil der Studenten neben dem Studium für den Broterwerb tätig sein muß. Schwere Verkehrsunfälle. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag mp Schönhauser Tor. Beim Ueberschreiten des Fahrdammes wurde der 17jährige Laufbursche Adolf Wachs aus der Steinstraße von einem Geschäftskraftwagen überfahren. Der Verunglückte trug einen doppelten Schädelbruch davon und mußte in das Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt werden. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Die Schuld soll den Führer des Kraft- wagens treffen.— An der Ecke W i« b e- und S i ck i n g e n st r a ß e wurde der fünfjährige Harald Schlosser aus der Ufnaustraße 4 von einer Kraftdroscht« überfahren. Der verunglückte Knabe fand »n Moabiter Krankenhaus Aufnahme, wo schwere innere Verletzungen festgestellt wurden.— Auf der Belle- Alliance- Brücke wurde der 7ZiShrige Invalide Gustav Liepe aus der Möckernstraße IIS von einem Geschästsfuhrwerk überfahren. L. wurde zunächst zur Rettungsstelle und dann nach dem llrbankrankenhaus gebracht. Er hat schwere innere und Kopfverletzungen davongetragen.— An der Straßenkreu- zung Manteuffel- und Skalitzer Straße wurde der 2Aj ährige Werkzeugmacher Georg K l o s von einem Auto überfahren. Mit schweren Kopfverletzungen mußte K. in das Betha- nienkronkenhius übergeführt werden.— Ein weiterer schwerer Straßenunfall trug sich an der Ecke Haupt- und Rubensstraße in Schöneberg zu. Der LSjährige Radfahrer Erich R. aus der Alsenfftaße 11 zu Steglitz kam auf dem s ch l ü p f r i g e n P f l a st e r ins Rutschen und wurde von einem hinter ihm kommenden Lastkraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Der Ver- ungluckte wurde so unglücklich zwischen Wagen und Bord- sch w e l l e e i n g e k l e m m t, daß er erhebliche Verletzungen davon- trug, die seine Ueberführung in das Schöneberqer Krankenhaus not- wendig machten. Gastod ei«es Greisenpaares. In ihrer im Hause Friedelstrabe49zu Neukölln gelegenen Wohnung wurde gestern nachmittag der 70j ährige Tischler Hermann H a r s ch k a und dessen SSjährigeFrau Mathilde tot aufgefunden. Das Ehepaar war seit dem 1. August nicht mehr gesehen worden, so daß die Flurnachborn Verdacht schöpften. Als sich heute nachmittag auf der Treppe ein feiner Gasgeruch bemerkbar machte, der aus der G.schen Wohnung drang, benach- richtigte man die Polizei. Beamte oerschafften sich gewaltsam Ein- wtz in die völlig mit Gas angefüllte Wohnung. Die Schlafzimmertür war verschlossen und mußte ebenfalls gewaltsam geöffnet werden. In ihren Betten liegend wurden die alten Leute �..??gefunden. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden, ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt. Zum Gattenmord in der Zionskirchstdaste. Gestern nachmittag fand im Leichenschauhause die Obduktion der von ihrem Manne ermordeten Frau Anna D i t t m a r aus der Zionsttrchstraß« statt. Prof. Fraenkel stellt« fest, daß der Tod S durch Ersttcken eingetreten war. Der Mörder muß mit seinem fer m einen Kampf gekommen sein und es mit einem offenen esier bedroht haben. Es gelang ihm nicht, der Frau eine tödliche Verletzung am Halse beizubringen, da sie— wie die tiefen Schnitte an den Händen zeigen— mit diesen die gefährliche Stelle schützte. Höchstwahrscheinlich hat Ditimor dann sein Opfer auf das Bett geworfen und es mit dem Kopfkissen erstickt. Der Mörder ist bisher noch nirgends aufgetaucht. Die Fahndung nach ihm wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortgefetzt. Tod beim Funkempfang. Durch elektrischen Schlag fand in England eine 61jährige Frau den Tod, die sich im Bett die Kopf- hör?r ihres Radioapparates aufgesetzt hatte und darauf mit der Stehlampe in Berührung gekommen war. Unglücklicherweise war sowohl bei der L a m p e n l e i t u n g wie bei der Kopshörerleitung •je ein Draht ohne Isolierung, so daß doppelter Kurzschluß eintrat. Durch den Strom von 240 Volt wurde die Frau sofort getötet. Der Vorfall ist eine ernste Mahnung, gewissenhaft daraus zu achten, daß die elektrischen Beleudstungskörper stets genau geprüft und in Ordnung gehalten werden. Telephon Serlw— öoenos /llres. Die Fernsprechversuchs Berlin— Buenos Aires wurden gestern um 10,45 Uhr im Fox Hause vorgenommen An diesen Versuchen haben Vertreter des Rcichspostministeriums, des Telegraphentech- nischer. Reichsamts, des Verwoltungsrats der Deutschen Reichspost. des Rundfunktommissars, der Reichsrundfunkgesellschaft, der Funk- stunde A.-G., der Telefunkengefellschaft, der Transradio-Geseklschaft. der Deutsch-Atlaptischen Telegraphengesellchaft. der argentinischen Gesandtschast, des Auswärtigen Amtes, der Presseabteilung der Reichsregierung, der Internationalen Handelskammer, des deutsch- argentinischen Zentralverbandes und der großen Nachrichtenbureaus teilgenommen. Die Versuche dauerten drei Viertel Stunden und ergaben, wie Buenos-Aires, das über die nöttgen Telephonie- sendegeräte noch nicht verfügt, radiotelegraphisch wiederholt bestätigt, einen sehr guten Empfang. Die Enffernung zwischen Berlin und Buenos-Aires beträgt etwa 12 500 Kilometer. Gzeansiugverfuche. Die Finanzierung der Flüge. Aus Dessau wurde gestern m den späten Abendstunben gemeldet, daß die Iunkers-Maschine 33 L mit den Piloten Risticz und Edzard noch immer in der Luft ist. Sie fliege weiterhin zwischen Dessau und Leipzig. Die von anderer Seite verbreitete Nachricht, daß der Pendelflug abgebrochen sei und daß die Maschine nur noch über Desiau kreise, trifft nicht zu, da das Flugzeug nur einmal mehrere Schleifen über dem Heimathafen be- schrieben hat, um sich über den Verbleib der von der Wertleitung zur Landung veranloßten Maschine des Piloten Loose zu in- formieren. Ebenso wird von den Imrkers-Werken entschieden be- stritten, daß in diesem Fall eine Magnetstürung den Anlaß zur Nottandung bildete. Zu den zahlreichen Nachrichten über Ozeanslüge mit Sport- Maschinen und einen Transozeanlufwerkehr oerbreiten der Nord- deutsche Lloyd und die Junters-Werke ein ge- meinsames Kommunique folgenden Inhalts: „Die Presse beschäftigt sich in den letzten Tagen lebhast mit der Frage des Ozeansluges und knüpft daran allgemeine Er- örterungen über die voraussichtliche Art der Bearbeitung dieses Pro- fettes im Großen. Alle dies« Kombinationen sind irrig. Richtig ist, daß Junkers im Auftrage privater Unternehmen die Versuche und Vorarbeiten für einen Ozeanflug eingeleitet hat. Wenn diese Versuche erfolgversprechend verlaufen, soll zu einem Flug mit zwei Maschinen, die die Namen„Europa" und„Bremen" erhalten sollen, gestartet werden. Die Garantie für die Finan- zierung des Fluge» haben der Norddeutsche Lloyd und«ine Großbank gemeinsam übernommen. Vereinbarungen über die Aus- wertung des Fluges im Sinne der Schaffung eines regelmäßigen Verkehrs sind nicht getroffen. Die Hearst-Press« hat nach ent- sprechenden Verhandlungen mtt den deutsihen Partnern den einzig vorhandenen Passagierplatz belegt. Die endgülttge Besatzung der Flugzeuge für den Fall eines Ozeanstartes steht noch nicht fest." Dessau. 3. August.(MTB.) Um 22 Uhr hatten die beiden Flieger Edzard und Risticz in ihrem Iunker-Flugzeug auf der Strecke Dessau— Leipzig etwa 2000 Kilometer zurückgelegt. Sie waren um dies« Zeit 16 Stunde« ununterbrochen in der Luft. Rohrbach schläft den Strcckenweltrekord. Gestern vormittag startet« die„R o h r b a ch- R o l a n d" unter der Führung des Piloten Stahndorff mit 2000 Kilo Nutz- last und einem Fluggewicht von 7800 Kilo. Nach einem Start von 18 Sekunden flog die Maschine das Dreieck Nikolassee, Wittenberg, Rüthnick ab. Die„Roland" landet« gegen abend nach Zurücklegung einer Strecke von 1750 Kilometern und hat damit den Streckenweltretord mit 2000 Kilo Nutzlast um 130 Kilometer ge- schlagen. Dies« Flughöchstleistung wird der FAS. zur An- ertennung als Weltrekord unterbreitet. Die durchschnittliche Stundengeschwindigkeit betrug bei diesem Fluge 160 Kilometer._ Unwetterkatastrophen ln Norü und Süü. Schwere Schäden in der Schweiz und in Norwegen. Die Westschweiz, besonders die Gegend des Genfer Sees um Montreux und Veoey, wurde am Dienstag abend von schweren, wolkenbruchartigen Unwettern heimgesucht. Infolge der gewaltigen Regenmassen, die niedergingen, wurden, wie erst jetzt mitgeteilt wird, die Gebirg sbäche zu reißenden Strömen, die Felsblöck« und Baumstämme zu Tal führten und über die Ufer traten. Besonders gelitten hat die internatio- nal« Eisenbahnlinie über den Simplon. In der Nähe des berühmten Schlosses C h i l l o n am Genfer See wurde die Strecke meterhoch verschüttet, so daß der Berkehr völlig unterbunden wurde. Ein Zug blieb mit Lokomotive, dem Post- und zwei Personenwagen im Geröll stecken. Er war auch am Mittwoch vormittag noch nicht befreit, während auf dem anderen Gleis der Betrieb wieder aufgenommen werden konnte. Auch auf der Strecke Bern— Luz ern richtete das Unwetter so starke Verheerungen an, daß der Verkehr zeitweise eingestellt werden mußte. Die Berner Oberlandbahn stand längere Zeit völlig unter Wasser. Da hier eine Brücke sortgerissen wurde, dürste die Verkehrsunter- bindung längere Zeit dauern. Auch über andere Teil« der Schweiz gingen schwere Unwetter nieder. In der Gegend von Thun ver- nichtete ein Hagelwetter, das 20 Minuten dauerte, die Ernte nahezu vollständig.— Von folgenschweren Gewittern wurden wieder ver- schieden« Gebiete Badens betroffen. Bei einem mit schwerem Hagelschlag verbundenen Wolkenbruch, der über Pfullendorf und Umgebung niederging, wurden etwa 80 Proz. der Ernte ver- nichtet. Viele Keller standen tief unter Wasser. Durch Blitzschlag gingen zwei Wohnhäuser in Flammen auf. In Seckenheim bei Mannheim wurden zwei Scheunen durch Blitzschlag in Brand gesetzt und völlig eingeäschert. Auch in der Nähe von Schwetzingen zerstört« der Blitz die Scheune eines Landwirtes mit den Erntevorräten und in G ö r w i h l fiel ein Wohnhaus dem Blitz zum Opfer. Die 11 Kinder des Besitzers konnten mit knapper Not gerettet werden. Eine weitere Scheune wurde in R a i tb a ch vom Blitz vernichtet. * Wirbelsturm über Norwegen. Das norwegische Waldgebiet um E i d s b e r g wurde von einem furchtbaren Wirbel stürm heimgesucht, wobei auf einer Strecke von 14 Kilometern eine mehrere Professor Franz Goerke führte mit seinem Vortrag„Das Tal des Todes" die Funkhörer zu den Königsgräb-rn aus der ältesten historischen Zeit Aegyptens. Er gab eine anschaulich« Darstellung über Begräbnisstätten des Reiches von Theben, unter denen im Jahre 1922 das erste vollständig erhaltene Grab, das des Tut anch Aman, entdeckt wurde.— Einen Blick-in die Magazine der Staats- theater vermittelte Kurt Kramanski; man erfuhr von den großen Vorräten an Kulissen und anderem Ausstattungsmaterial, von denen gewiß manches nie mehr Auferstehung auf der Bühne feiern wird. Man erfuhr aber auch von den reichen Schätzen an Bühnenmanuskripten und Regiebüchern, die hier aufbewahrt werden. — Im Mittelpunkt der Abendveranstaltung standen Rezitationen aus dem hinterlasfenen Werk des genialen rufsifchen Feuilletonisten und Dichters Arkadi Awertschenko, die Julius Brandt scharf pointiert vermittelte. Dr. Becces Kammerorchester bot Tanzmusik der letzten zwei Generalionen. Tes. 100 Meter breite Dresche in die Landschaft gelegt wurde. Zahlreiche Gehöfte wurden zerstört. Mit dem Sturm war ein Gewitter verbunden. Durch die Gewatt des Sturmes wurden nicht nur breite Waldslächen mtt den ältesten Bäumen hinweggefegt, sondern auch Bauernhäuser von den Höhen ins Tal geschleudert. Bis jetzt steht noch nicht fest, ob und wie viele Menschen umgekommen sind. Parteinachrichten einlendunge» für diese Rubrtl sind verli» S« 68, Li-de-str-tze 3. für Hroß-öerlin stet» Trep. recht»,|» richte» Vezkrksvorstanö. Sonnabend, den 6. August, abends IS Uhr. Sitzung de» er- weilerken Bezirksvorstandes im Jugendheim. Linden straße 3. » 2. Kreis Tiergarten. Jede Abteilung bringt morgen, Freitag, zur Dampfer- fahrt Fahnen mit.._, 3. Kreis Wedding. Die erweiterte Kreisvorstandssitzung in dieser Woche fdllt aus. Dieselbe findet am Freitag, 12. August, 19 Uhr, au bekannter Stelle statt. K. Kreis Kreuzberg. Sonnabend, 6. August, 20 Uhr, Sitzung des Kreis- bildungsausschusies bei Krepp, Planufer 7S. Jede Abteilung mutz ver- 20. Kreis Rewi Sendorf. Freitag, S. Auaust, 19 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Nathaufes zu Wittenau Sitzung des erweiterten Kreisvorstandes. heute, Donnerstag. 4. August: 21. BM. Plaketten zum republikanischen Volksfest am Sonntag, 7. August, auf der Bllraerwiefe im Schillcrpark stnd beim Genossen«roll, lltrechter Straße 21, erhältlich. Preis Sv Pf. Die Mitglieder der Abteilung treffen sich Sonntag ISZ� Uhr zum gestzug nach dem Echillerpark am Binetaplatz. Rege Beteiligung wird erwartet. 38. Abk. 19% Uhr bei Lojak Funktwniirpersammlung der Abteilung. Wich- tige Tagesordnung._..,._.. 92. Abt. Reulölln. Punkt 20 Uhr bei Wolf,«alser-Friedrich-Str 178, Gcke Rofeggerstraße, Abteilungsfunktionärsttzung. Sehr wichtig,«etu Funkt w- när darf fehlen..„ 114. Abt. Lichtenberg. Die für heute bekanntgegebene Funktioniirstgung Iunglozia u ste'n. Gruppe Peen, lauer Berg! 20 Uhr Portrag:„Proletarische Außenpolitik.� Sieferent Genosse Waldmann. �..... Arbeitsgemeinschaft der«inderfreuade Groß-Berli». Heut« 18 Uhr Zeltlager- Zeitung Nr. 4 abholen. Morgen, Arettag. 5. August: 77. Abt. Schineberg. 20 Uhr Funktioniirsthung bei stllrgen, Barbarossastr. 8». »3.«dt. NeuISlla. 19% Uhr bei Pritzkow, Richardstr. 83, FunttionZrsitung. Jeder Bezirk muß vertreten sein. 101. Abt. Treptow. 19 Uhr Sitzung des Dorstonde, mit den Bezirksfllhrern und dem Bildnngsausichutz in der Spedition._ 120. Abt. Friedrichsfelde. 20 Uhr bei Schwarz wichtige Funkt ronärfigims. Arauenveranstalkuugen: 1«. Abt. Die Genossinnen, die an der Dampferfahrt teilnehmen, t reffe» sich 7% Uhr Bahnhof Bellevur. Genossen der»leingartenpächter der Stadt Berlln, Adteiluag Plaakenfelde- Rosenthal. Morgen, Freitag, 20 Uhr, im Verernshan, 8ahlabend, 8nsamm-N. kunft mtt) wichtige Besprechung. Kein Genosse und kerne Genossin darf fehlen. Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Abkeilungsmikgliederversammlungen: heute. 19%' Ahr: Norden: Scbule Putbusser Str. 8.— Südwest: Heim Lindenstr. 8.—«ose». thal: Schule Echillersftatze.—«itteuan: Heim Rofenthaler Str. 18. » Falkplatz: Heim Eberswalder Str. 10.— Schl-hauser B-ftiadt: D» Heim- abend fällt aus.— Britz: Heim Ghansseestratze Funktwniirsitzung. Da- Erscheinen eines jeden Funktionär» ist Pflicht.__... Werbebeziri Lichtenberg: 20 Uhr im Heim Dossestr. 28 wichtige Werbebezirk». vorstandssitzung._ Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Aol-Gold". Geschlktsstelle: Berlin 6 14,««dasttanstr. 87«. Hot 1£» Sa»»»rst»i>d: Die konderzllge zur Punbesverfassunlwfeto fahre» am 18. August ob Anh.«hf. 18.10 und 17,28 Uhr. Der letzte Du, führt demnach 20 Minuten früher als ursprün 6. August: Rei-ickeudorf.West! 20 Uhr«amerad Scharnweberstr. 80. Hermsdorf: Kameradschaft 181 Ecke Berliner und Bahnhofstratze. Borstandsmitglieder eine Stunde früher. Sämtliche Seipzig.Fahrer müssen erscheinen«eruau-BZlaickel»% Uhr«er. sammlung bei Modisch. Abrechnung Berfassungsfeier. Erscheinen der aktiven und passiven Kameraden Pflicht. Gruppenführer laden ein.— Soaaaoenv, 6. August: Weddtug: Sämtliche Kameraden, welche arbeit» los sind oder sich reve nauietau—«u* wk u'h/ w �•-7»•——----,... die Sportvorfllhrunaen am Sonntag müssen unbedingt a» Freitag 1»% Uhr und Sonnabend 19 Uhr in der Schule«othenburger Str.» erfcheine». Aebeitre-Abstinentendund.»enppe«eddi»a. Donnrestag, 4.«umttt.» Uhr, im Jugendheim Schönstettstratze, Eingang Orthstratze. Gruppenabend. Genosse Dr. Götz spricht über:„Eexualberatung und Eheberatung. Gäste willkommen. Sport. Rennen zu Strausberg am Mittwoch, dem 3. August. 1. R e n n e n. 1. Figaro fMüschen). 2. Florida(Derfchua), 1 Trier f Mannchen). Toto: SS: 10. Platz: IS, 20. IS: 10. Ferner urjen: Öfter- dingen, Arndt, San Marco. Katzbach. Mataja. 2. N e n n e n. 1. Luftoost(». Boecke), 2. Magier(Leutn. Momm), 3. Wunderbär(v. Motzner). Toto: 41: 10. Platz: 1t, IS, 14:10. Ferner liefen: Octavio, Oberjäger, Mumpitz. Toga. Hingebung, Mandarine. ».Rennen. 1. König Lear(Ientzich), 2. Aufklärung(Wolfs), 8. Fritz Fromm(Fister). Toto: 17: 10. Platz: 14. 48. 84: 10. Ferner liefen: Karl Ferdinand, Stummer Teufel, Fridolin, Firn ll, Hollunder, Daim II, Canto. 4. Rennen. 1. Grille(Känia). 2. Fuchste(Leutn. Momm), 8. Harz. reife(v. Borcke). Toto: 73:10. Platz: 18,25, 13: 10. Ferner liefen: Fünf Uhr. Theano, Albana, Felfenquelle, Silvaplana, Dleltel 3t b. Rennen. 1. Thalhsta(Kohoutel). 2. Rückfahrt(Lewtcki), 8. verifina (Majewski). Toto: 19: 10. Platz: 13, 21. 22: 10. Ferner tiefen: Daist) II, Kariffima, Sldgaffeln. Slaffelstein, Fechter. ö. R e n n e n. 1. Aase4(Magdeburg), Dorn-Wickel, Urban-Evert. Arndt- Mroezoezek. Stacke- K. Fronte, Bufe- M. Franke, Ktojj.Behnerl, Poefchke- PeterS. Elsholz-Rifch. Käber-Schimming, I. Fifcher-Lipke, Gebr. Brauer, v. Dagielslr-Dobrowolski. Wetterbericht der Sffcntlichen Wetterdienststelle für Bersin und Umgegend lNachdr. veib.) Wollig bis heiler, mit ansteigenden Temperaturen.— Für r'eittjchland: Nur im Osten noch trübe und lühi, sonst überall ziemlich heiler und Nocken mit Erwärmung. Borfache an lebenden Tieren haben bewiesen, daß knorr Haferflocken die nouentdoctiin Lobensstoffe— wissoiischaftlich als Bilamine b-z-ichnet— in rcichlickcr Meiicic onthalron. Füttert man nämlich versuchsweise eine Taub« nur mit geschäüiin Ziel«, wie er bei jedem Kaufmann erhältlich ist, so leidet das Tier schon nach einigen Tagen an Krämpsen(Beri-beri-Krankheit), während bei einer Vermengung des Futter!', mit Knorr Haferflocken außerordentliches lllohloefiuden eintritt. Kiwrr Hafersloct.'» bilden erst recht für den menschlichen Körper eine hervorragende Nahrung. Der hohe Gehalt an Leeithin- und Phos- vhorsalzen und die leichte Verdaulichkeit infolge der sorgfältigen Berarbeituna des ausgesuckiten Rohmaterials machen Knorr Haferflocken zu einem Frühstück, wie es idealer Nicht gedacht werden kann. Die Marke Knorr muß e» fein: Spelzenfrei, leicht quellend, milchig-sUß, Vitamine! Nr. 364 ♦ 44. Jahrgang 2. Heilage des Vorwärts Vonnerstag, 4. August 1927 Der Kampf ums Orot. Schlechte Ernten-höhere Einnahmen.— Kann sich Deutschland selbst versorgen? Die Klagen der deutschen Agrarier über die angeblich un- zureichende Rentabilität und über die Behauptung ihrer Gegner, die deutsche Landwirtschaft sei allein nicht in der Lage, Deutschland mit Brotgetreide, geschweige denn mit Futtergetreide vollaus zu versorgen, wollen trog wiederholler und hinreichender Beweise nicht verstummen. Diese Klagen haben sich seit einiger Zeit sogar verstärkt, trog aller Liebesgaben, die der deutschen Landwirtschaft in so reichem Maße zutell wurden, wiewohl diese sich als schädlich genug für die deutsche Bevölkerung erwiesen haben. Dsr"Wsrb der deiitsclven Getreide ern t eil 9 9 26/*t In Millionen Mark � 119«/« iR o�en>re izen�G erste Ha Per, Insgesamt In ihren eigennugigcn Bestrebungen werden die deutschen Agrarier von der rechtsgerichteten Mehrheit des Reichskabinetts gesliigt, deren Exponent der Reichsernährungsminister Schiele ist. Indessen, wie widersinnig die Bestrebungen der deutschen Agrarier sind, das geht aus unseren beiden Graphiken recht anschaulich hervor. Zunächst bezüglich des schlechten Verdienstes. Wiewohl die Brot- getreideernte 1926/27 schlecht war und nur rund 86 Proz. der Ernte von 1925/26 bzw. 67,4 Proz. der Ernte für den Durchschnitt 1911/13 ausmachte, vermochte die deutsche Landwirtschaft dennoch viel größere Gewinne als«in Jahr vorher zu erzielen, da die Getreidepreise in- zwischen stark gestiegen sind(z. B. für Roggen von 157 M. auf 228 M. per Tonne oder um 45,2 Proz. mehr!). Allein an Brot- getreide verdiente die deutsch« Landwirtschaft 1926/27 rund 116 Mil- lionen Mark mehr als im Vorjahr, und an den vier wichtigsten Getreidearten sogar 443 Millionen Mark! Weitere Zollerhöhungen sichern daher den deutschen Agrariern nur noch einen größeren Profit. Denn dadurch sollen die Getreideeinfuhr gedrosielt und die Inlandspreise noch mehr erhöht werden. D eja ts clil an ds. Br o t � e tr e i d e-Ver s or In dOOO"Xoniten Ii 911%i 9*5/a6*1H998 15350 F Er�arvzurt� U bis Ende des WrrtscKafbsjabrs 29�2 1695:19.62 _ Im I 9592 19599 11 996 Em t e Zm seKuß/Yer s op�un�. Die nimmer satt werdenden deutschen Agrarier wollen indessen nicht berücksichtigen, daß Deutschland niemals ohne beträchtliche Ge- treideeinfuhr auskommen konnte und kann. Schon vor dem Kriege, im Durchschnitt 1911/13, betrug der Einsuhrzuschuß allein an Brot- getreide über 1,6 Millionen Tonnen, und dies trotz der guten eigenen Ernte. Die schlechte Ernte im Jahre 1926 hat nun, ungeachtet der schlechten Wirtschaftslage Deutschlands, der Reparationszahlungen und sonstiger Lasten, einen Zuschuß von über 2,9 Millionen Tonnen nötig gemacht. Dennoch: 1911/13 rund 224 Kilogramm auf den Kops der Bevölkerung, und 1926/27 nur 196 Kilogramm oder 15 Proz. weniger! Soll der Schmachtriemen nicht noch enger zugezogen werden, so wird Deutschland, selbst unter günstigsten Verhältnissen, gezwungen sein, im Wirtschaftsjahr mindestens eine Million Tonnen Brotgetreide einzuführen. Die beiden Graphiken zeigen daher zur Genüge, wie unzulänglich die Behauptungen der deutschen Agrarier sind und wie verhängnisvoll deren Bestrebungen für die deutsche Volkswirtschaft wirken. Unvernunft üer Ueberanftrengung. Um die Arbeitszeit an den Hochöfen. Bevor die Kämpfe um die Ausdehnung des feit 1925 für die Hochofenarbeiter geltenden Achtstundensystems auf weiter« Gebiete der Eisenindustrie in ihr gegenwärtiges akutes Stadium traten, wurden aus dem Unternehmerlager Stimmen laut, die nicht nur die Einführung des Achtstundentages in bisher davon nicht er- faßten Zweigen der Eisenindustrie(Stahl- und Walzwerke) als ein Unglück ansahen, sondern auch die Abschaffung des Acht- stundentages der Hochofenorbeiter verlangten. Da der Kampf heute immer schärfere Formen annimmt, wird es von Interesse sein, das objektive Urteil einer Persönlichkeit zu zitieren, die ja sonst in ihren allgemeinen sozialpolitischen Forderungen heute keineswegs den Standpunkt der Gewerkschaften vertritt. Professor Zwiedineck-Südcnhorst(Universität München) schreibt in seinen(im„Vorwärts" bereits besprochenen)„Beiträgen zur Erklärung der strukturellen Arbeitslosigkeit" in dem neuesten Er- gänzungsheft des Instituts für Konjunkturforschung folgendes über das wirtschaftlich vernünftige Maß bei der Ausdehnung der Arbeitszeit an den Hochöfen: „Die Zuwachsquote der Arbeiterzahl wird bei konjunkturmäßigem Ansteigen der Erzeugung hinter der Zuwachsquote der Produktmenge zurückbleiben. Es kann wohl gesagt werden, daß im letzten Grunde die Er- klärung dafür in der Tatsache zu suchen ist, daß das optimale Verhältnis zwischen dem Sachkapital und menschlicher Arbeits- kraft immer nur vorübergehend im Laufe des Konjunkturwcchsels einmal eintritt, gewiß nicht im Tiespunkte der Konjunktur(bei niedrigster Erzeugungsmenge) aber wohl auch nicht am Wellenberg der Produktionskurvc, weil bei zu großer Inanspruchnahme der Arbeitskräste die Schonung der Apparatur unvermeidlich zu wünschen übrig läßt, was sich dann am wirtschaftlichen Ergebnisse des Betriebes bitter rächen kann. Dieser Zusammenhang ist gerade im Hochofenwerk deuttich zu beobachten. Der Hochofen ist mit all seinen Bestandteilen(den Möller- und Kokslransport- anlagen, den Cowpern, insbesondere aber dem Ofen selbst) ein Apparatkomplcx, der st ä» d i g e Beobachtung fordert, und namentlich die moderne Anlage des Hochofens selbst, insbesondere seine Einrichtungen zur Zufuhr der Verbrennungsluft, Heißwind- leitungen, Düsenstöcke und Formen, Kühlung, sind immer mehr vervollkommnet und namentlich darauf eingerichtet worden, daß die Fehlabstiche(Rohgänge) durch sorgsame Beobachtung der Ofen- leile vermieden werden können. Die Arbeit am Ofen ist also heute unvergleichlich mehr als in früheren Zeiten eine»eben der physischen Leistung(die im wesentlichen beim Abstich sich besonders steigert) beobachtend« Tätigkeit, eine Wartung des Apparates. Läßt die Ausmerksamkeik nach, versagt die Konzentrationskrast unter dem Einflüsse der körperlichen Inanspruchnahme und Ermüdung, so bringt das nicht nur der Arbeiterschaft Gefahr, zum Beispiel bei Reißen des Ofens infoige nicht genügender Kühlung, und Erhöhung der angestrengten körperlichen Arbeitsausgaben, sondern auch der Unternehmung schwere wirtschaftliche Nachteile, so daß die Unternehmungsleiter selbst daran interessiert sind, solche U e b e r l a st u n g e n der mit Beobachtung dör Apparatur betrauten Arbeiterschaft unbedingt zu oermeid en." Run befindet sich heute die Eisenindustrie in einer Hoch- konjunktur. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß in Deutschland im ersten Halbjahr d. J. 6.37 Millionen Tonnen Roheisen erzeugt wurden oder um 53 Proz. mehr als in der gleichen Periode de» Vorjahre» und um 5 Proz. mehr ol» in der zweiten vom englischen Streik begünstigten Hälft« des vorigen Jahres. In den Vereinigten Stahlroerken ist die Roheisenerzeugung pro Kopf nach eigenen Angaben der Werksvermaltung um 99 Proz. im März 1927 gegenüber April 1926 gestiegen. Unter diesen Um- ständen liegt die Befürchtung nahe, daß gerode die Zusammenhänge, die Professor Zwiedineck-Südenhorst als typische und gefährliche Erscheinungen der Hochkonjunktur angeführt hat, in unbeschränktem Maße eintreten würden, wenn nicht eine gesetzlich« Be- schränkung der Arbeitszeit vorläge. Der Leser weiß, daß wir mit dem allgemeinen Grundgedanken des Beitrags von Zwiedineck-Südenhorst, der der Frage der Arbeits- losigkeit gewidmet ist und diese in einen engen Zusammenhang mit der Lohnhöhe stellt, nicht einverstanden sind. Um so bedeutsamer scheint uns die mehr gelegentliche Aeuherung dieses Wisienfchaftler» zu der Frage der Arbeitszeit. Rekorükreüite gegen Wechsel. Die Reichsbank Ende Juli. Die gewerbliche Hochkonjunktur wirkt auf die Gestaltung der Geldverhältnisse der Reichsbank außerordentlich stark zurück. Ende Juli zeigt der Reichsbankausweis wieder Re- k o r d z a h l e n für die Vergebung von Wechselkrediten. Allerdings sind diesmal die Loinbardkredite nicht so hoch wie Ende Juni, und deshalb ist die Gesamtsumme der ausgeliehenen Wirt- schaftskredite etwas geringer als im vergangenen Monat. Da aber gleichzeitig die fremden Gelder einen um 136 Millionen niedrigeren Stand zeigen als am Ende des Vormonats, wird deutlich erkennbar, daß der starke Geldbedarf der Wirtschaft anhält. Im einzelnen er- gibt ein Vergleich der wichtigsten Reichsbankkonten zum Monats- ultimo seit Anfang des Jahres folgendes Bild. NiNum®oIb-.Deckung«. Wechsel. Lonidard- Noten- täglich fällige bestand fähige Devis. u. Schecks fordcrung. Umlauf Verbindlichleilen In Millionen Mark 31. Januar 1 834.7 421,1 1 415,0 81,6 3409,6 574,6 28. fsruar 1 g33,9 203,9 1643.8 154,8 3 465,2 539,4 81. März 1 851,7 203,0 1 962,7 81,1 3 588 7 616,4 30, April 1 850,3 170,6 2 067,5 66,6 3 676,2 581,5 31. Mai 1 815.6 78,6 2421,3 71,6 3719,2 699,8 30. Juni 1 802.6 67,0 2 494,6 146,6 3 815,2 669,5 30. Juli 1801.0 179,1 2 512,1 63,6 3 928,2 533,3 Aus den Bewegungen der letzten Woche ist hervorzuheben, daß sie im Zeichen der zum Monatsultimo üblichen Anspannung standen. Wieviel stärker diese Anspannung gegenüber den anderen Monaten ist. geht aus der wiedergegebenen Tabelle bereits hervor. In der letzten Woche hatte die Reichsbank wieder erhebliche Mengen frem- der Devisen hereingenommen, so daß sich diese um 81,6 Millionen auf 179,1 Millionen Mark vermehrten. Da aber gleichzeitig infolge der erhöhten Inanspruchnahme die ausgeliehenen Kredit« zugenoni- men und die Bestände der Reichsbank an fremden Geldern abge- nommen haben, vermehrte sich auch der Notenumlauf stark, so daß sich die Deckungsverhältnisse wesentlich veränderten. Di« Deckung der Noten durch Gold allein betrug 45,8 Proz. gegen- über 53,2 Proz. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungs- fähige Devisen 50,4 Proz. gegen 56,1 Pro. in der Vorwoche, Vier ist flüssiges Vrok— für die Aktionäre. Die Brauindustrie hat, wie im Jahr« 1925, auch für das abgelaufene Geschästsjahr riesige Gewinne zu verzeichnen. Wie jetzt oerlautet, wird die Reichelbräu A.-G, ün Ku l m b a ch wieder, wie im Vorjahr, 2 0 P r o z. Dividende für das am 30. Juni abgelaufen« Ge- schästsjahr zur Auszahlung bringen. Sevölkerungsprobleme üer Union. Kehrseite der amerikanischen Einwanderungsgeschc. Europa ohne Rußland ist um 26 Millionen Quadratkilo- meter kleiner als die nordamerikanijche Union; es hat aber 350 Millionen Einwohner, die Union hingegen erst 115 Millionen, In den Vereinigten Staaten wohnen durchschnitt. lich 14 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Europa ohne Rußland 67/ also 53 mehr. Die Bevölkerung der Union müßte sich also o e r v i e r f a che n, um die Dichtigkeit der europäischen zu erreichen. Die Einwanderung aus jedem Lande ist auf 2 Proz. derjenigen dort geborenen Personen beschränkt, die im Jahre 1890 in den Bereinigten Staaten lebten. Auswanderer nordeuropäischer Herkunft kommen dabei am g ü n st i g- sten, solche aus den Mittelmeer- oder slamjchen Ländern am schlechtesten weg, da die Einwanderung aus diesen Gegenden bis 1890 noch gering war. Auf Grund des Gesetzes von 1924 kann der Anteil des romanisch-slavischen Elements an der jährlichen Einwanderung nur 13,3 Proz., der nord- und westeuropäisä>e 86,6 Proz. betragen: von 165 000 zugelassenen Einwanderern können 62 000 Iren, 51 000 Deutsche, aber nur 3845 Italiener und 2248 Russen sein. Die Gründe für die einwanderungsseindliche Gesetzgebung der Vereinigten Staaten erklären sich aus der Rolle, die der „F r e m d e" im Wirtschaftsleben der Union spielt. Die Fische- r e i an der pazifischen Küste befindet sich in den Händen der Porlu- giesen, Griechen, Finnländer, Japaner, Sizilianer: der Baum- wollbau liegt hauptsächlich Negern und Mexikanern ob: Italiener und Armenier züchten Rosinen, Sil a wen aus den Donauländern Aepfel, Japaner Erdbeeren, Spargel und Me- lonen, Japaner und Hindus Reis und Zuckerrüben: die Milchwirtschaft befindet sich in den Händen von Schweizern, Deutschen und Italienern: Restaurationen haben in der Regel Franzosen, Griechen, Italiener, Dalmatiner als Inhaber; Mexi- k a n c r leisten die Erdarbeiten für den Bau von Eisenbahnen; die„Amerikaner" selbst leiten die großen Betriebe und sind darin als Angestellte und qualifizierte Arbeiter beschäftigt. Nach der Zählung von 1920 machen die„geborenen A m e- rikaner"(solche, deren Väter und Mütter schon amerikanische Bürger waren) 49,3 Proz. der Bevölkerung aus, die Einwohner fremden Ursprungs(solche, die entweder im Auslande geboren sind oder zwar in der Union geboren, aber einen„fremden" Vater oder eine„fremde" Mutter oder überhaupt„fremde" Eltern haben) 38,7 Proz,; dazu kommen die Angehörigen farbiger Rassen, die mit 12 Proz. an der Zusammensetzung des Volkes der Vereinigten Staaten beteiligt sind. Haben die„Amerikaner" die Mehrheit in den freien Berufen(62,2 Proz.), in der Landwirt- s ch a f t(58,4 Proz.), unter den Angestellten kaufmännischer oder industrieller Betriebe(55,7 Proz.), den Beamten(52,5 Proz.), im Handelsgewerbe(51,7 Proz.), Transportwesen(51,0 Proz.), unter den Mechanikern(59,4 Proz.), Elektrikern(58,3 Proz.), Zimmerleuten, Buchdruckern(50,9 Proz.), so sind sie überall sonst in der Minderheit. In den Bergwerken z. B. machen die Arbeiter'remder oder farbiger Herkunft 55,3 Proz. der Gesamtheit aus, 34,6 Proz. davon sind im Auslande geboren: in den Fabriken und Werkstätten sind 58 Proz. aller Beschäftigten „Fremde" oder Farbige, 28,3 Proz. im Auslande geboren: an der Gesamtheit der Hausangestellten ist das fremd« und farbige Element mit 70,2 Proz., das farbige allein mit 32,6 Proz. betet- ligt. Bestimmte Gewerbe sind fast von Einwanderern monopo- lisiert. Die Bäcker sind zu drei Vierteln„Fremde." Noch stärker wiegen dies« in der Konsektion vor. In der Me- tallurgie sind 14,6 Proz. der Beschäftigten Neger, 45,1 Proz. im Auslande aebore.ne Einwanderer, 13,3 Pro.z. zwar in der Union Geborene aber fremden Ursprungs und nur 27 Pryz.„echte- Zlmeri- kaner. Ohne die Hilfe„fremder" Handarbeit hätten einige der großen Industrien des Landes sich gar nicht entwickeln Können, und der Bau der hauptsächlichsten Bahnen wäre den größten Schwierig- keiten ausgesetzt gewesen. Dasselbe gilt für die Baumwollkulttir und den Gartenbau. Für die gelernten Arbeiter rein amerikanischer Herkunft hat die Einwanderungsbeschränkung keineswegs die Hoffnungen erfüllt, die sie darauf setzten. Sie hat vor allem die Lebenslage der„Fremden" und Farbigen gehoben und deren Zudrang zu den höher bezahlten Stellungen verstärkt. Die auf diese Weise vor sich gehende Nioellierung der Einkommensverhältnisse kommt vor ollem der Ausbildung des Nachwuchses des fremden und farbigen Elc- ments zustatten, so daß schließlich gerade die Einwandcrungsbe- schränkungsgesetze dazu führen müssen, das„hundertprozentige" Amerikanertum aus seinen wirtschaftlichen und politischen Vorzugs- stellungen in dem Maße zu verdrängen, wie es einem freien Weit- bewerb mit dem„fremden" Element nicht gewachsen ist. Otto C o r b a ch. Oer Absatz See eiektrotechniscben Industrie. Ueber die Lgge der elektrotechnischen Industrie im Monat Juli -berichten die Handelskammern u. a.: Der Geschäftsgang im Inland ist gut, aber u n s i'ch e r: es sind jedenfalls keine Anzeichen dafür vorhanden, daß die Konjunktur länger anhält. Es muß jeder- zeit mit einem Rückgang gerechnet werden. Die H e r st e l l u n g s- k o ft e n haben in den letzten Jahren ständig zugenommen, auf der anderen Seite verlangt die Kundschaft niedrigere Preise. Di« Preise könnten ermäßigt werden, wenn der Bestellungs. cingang fo gleichmäßig wäre wie vor dem Jahr« 1914. Die fort- währenden Umstellungen von Hochbetrieb aus gestreckte Arbeit und umgekehrt erschweren eine rationelle Herstellung. Die Städte' und öffentlichen Verwaltungen könnten viel zum Ausgleich tun. Ihre Bestellungen erfolgen erst im Spätsommer. Die Lieferung soll aber bereits im Herbst erfolgen. In vielen Fällen hätte die Bestelluttg ebensogut im Frühjahr erteilt werden können. Die Auslandsaufträge sind ungenügend. Besonders störend wirken die dauernden Zollveränderungen der europäischen Staaten. Mansseld verstärkt seinen Einsluh in der Zinkproduktion. Durch die Uebernahme eines Aktienpaketes der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in West- falen von der M a n s f e l d e r Bergbau- und Hütten-A.-G. in Eisleben ist es dem Mansseld-Konzern gelungen, seinen Einfluß in der deutschen Zinkhüttenindustrie weiter zu vergrößern. Die Mansfeld-Gesellschaft kontrolliert die Erzeugung der oberschle- fischen Hohenlohehütte, sie unterhält Beziehungen mit der sran- zösischen und belgischen Zinkproduktion und hat jetzt auch durch die Beteiligung bei Stolberg großen Einfluß auf die westdeutsche Zinkindustrie genommen. An diesen Gesellschaften ist aber neben Otto Wolff auch Harri man beteiligt, so daß die ameri- kanisch-deutsche Zinkkonzentrationsbewegung einen neuen Fort- schritt erfahren hat. Man rechnet damit, dctfj auf Grund der Entwicklung in Deutschland und Polnijch-Oberschlesien und der jetzt wieder aufgenommenen Verhandlungen der belgischen und englischen Zinkindustriellen in nächster Zeit ein europäisches Syndi- k a t mit amerikanischer Beeinflussung Zustandekommen wird. Die fortschreitende Uebererzeugung und die Zunahme der Vorräte bzw. die Krise im polnisch-oberschlesischen Zinkrcvier haben die Zu- sammenschlußpläne ganz erheblich gefördert. Die Weltzinkbestände haben sich in der Zeit vom 1. Juli 1926 bis 1. Juli 1927 mehr als verdoppelt, während der Verbrauch in Amerika und in Europa ständig im Rückgang begriffen ist. Das Ziel der Bewegung ist ein- heilliche Regelung der Erzeugung und Erhöhung der Preise. fe';| ufoodke,, �oho,-»teae AzM&U'&cLrA' // OeulsdiosIDeaier Norden 10334—37 KU. Ende 10'/, U. Ser Zlexsr Die Komödie Bismarck 2414/7516 a»/4 Uhr, Ende 10»/4 Iiis krM Sommerpr. 3—10 M. läsins-Tiieatef Wieder�iöltouEs Freitag d. 12. Augast 8 Uhr Theater des Wesleas »'. Uhr Die Tugend- Prinzessin Musik von Zorlig t'UilifMitigir.Elli Hoffmann. Arthsr Hell. X erllese Ludwig, Marlin Hell«!!. Gräle Sellin, H. Unsdiüh Harrcwikr-LüHnar Sdmmrdiiektu« Benno Bing rh.Köniftsriiti. Si. Hasenheide 2110 1 Uhr: Die Me v.Oznadi Lustspielhaus SV, Uhr. Cafe Electrik Wainana- Theas. Täglich 8-/, Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. lägt, auch Sonntags nur 60 PI. Tlieat. a. NolleUotfplati Täglich 8 Uhr Altheidelberg Siianipiel von IJeyer-Foenter Mattml, Knpfer, Srtuel. Ilarlels. Baiser 1,-. 2... 3,. M. usw. Bbse-Theater Gartenbühne 5�2 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhn Ble iKStifieWSiwe jallenhurg-3ühnen Dts. Künsfler-Th 8V« Uhr: „Du wirst midh heiraten" Lcssing-Thtater 8»/4 Uhr Israel Man kocht pro Person 1 starken ESlöffel voll Knorv Haferflocken'A Stunde in Milch oder Wasser und salzt oder zuckert je nach Geschmack. Das Gericht wird durch etwas braune Butter verfeinert „Knorritsch" das Rohkost-Frühstück. Für jede Person werden abends 2-3 gehSufte EBIoffel Knorr- Haferflocken, 1 schwacher EQIBffel Zucker mit 3 Eßlöffel Milch zusammengerührt, damit das Ganze Uber Nacht ziehen kann. Am anderen Morgen reibt man 1 Apfel samt der Schale und dem Gehäuse hinein, gibt den Saft einer viertel Zitrone und nach Belieben 1-2 Kaffeelöffel geriebene Haselnüsse, Mandeln oder beides hinzu. Der Apfel kann auch durch Apfelsinen, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen usw., Ja nach Jahreszeit, ersetzt, bezw. ergänzt werden. aJß&L waUi,'mJJ' T�hoVi üoflsnfßotßerL Bm Wäfdm faia®? Baisrnißrumpfc. Wenn Sie wissen wollen, welches Wasch- mittel sich am besten für Strümpfe eignet— einerlei ob aus Seide, Kunstseide oder Flor— dann vergleichen Sie einmal den Wascherfolg bei PERSIL mit dem irgend eines anderen Mittels. 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Am Waldessaume, vom Wege ab, Wo flüstern gespenstische Träume, Erhebt sich einsam ein stilles Grab Im Schotten der uralten Bäume. Hier grub man ihn ein, der frei und stolz Sein Teil vom Glück wollte haschen. Die Inschrift auf dem Kreuze von Holz Hat längst der Regen verwaschen. Der Wind, der harfend die Wipfel durchzieht, Erbarmt sich des Schläfers indessen Und singt in den Bäumen sein uraltes Lied Dom Werden, Vergehen, Vergessen. Huscht durch das üppig wuchernde Gras, Daß nickend die Halme sich biegen, Di« morgens vom blinkenden Taue naß Und abends im Schlafe sich wiegen. Nicht schmückt die Ruhstatt die zärtliche Hand, Die streichelnd ihn einst mochte kosen. Doch liebend umsäumet des Hügels Rand Ein Busch der verwilderten Rosen. So hat di« Natur das einsame Grab Bom Lärm der Welt abgeschieden. Nicht eine Träne fällt glitzernd herab, Kein Schluchzen durchzittert den Frieden. Und dennoch bringet der spielende Wind Am Tag und zu nächtlicher Stunde Aus ferner Heimat, vom Weib und vom Kind Dem einsamen Schläfer die Kunde. Es rauschen die Bäume im flandrischen Land, Sie klagen in dunklen Akkorden, Wie seiner Sehnsucht heißen Brand Erlösung nicht geworden-- Otto Meier. Der Reißnagel. Von Hasse Z e t t e r st r ö m. Ich wachte morgens auf, glücklich über das Leben und die Welt, knipste das Licht an, sah, daß es 7 Uhr 15 Min. war, warf die Decke ab und stand auf, bereit zu einem neuen Tag. Ich machte ein paar Schritte auf die Balkontür zu, um die Jalousie aufzuziehen und die wundervolle Morgenlust hereinzulassen. Plötzlich fühlt« ich einen hestig stechenden Schmerz in der Ferse, und m demselben Augenblick verschwand mein Glücksgefühl und mein schönes Lächeln über das Leben und die Menschen. Schnell hob ich den Fuß, und siehe da, mitten auf der Feigr saß ein Reißnagel, tief und fest. In der Sekunde darauf hatte ich ihn in der Hand, und nach zwei weiteren Sekunden hatte ich meine Frau, meine Dienstboten, alle meine Hunde und Kinder geweckt, und als sie um mich herumstanden, den Schlaf noch in den Augen, sagte ich hon und laut zu ihnen: „Wer von euch wirft Reißnägel herum, so daß man sie sich tief in die Fers« tritt, wenn man einen Schritt macht?* „Wie schrecklich!* sagte mein« Frau, die am wachsten war. „Aber es war doch nur einer.* „Einerl Ist das etwa nicht genug? Tritt du mal rauf und fühle, ob das nicht genügt!* „Du glaubst doch nicht etwa, daß wir es mit Absicht getan haben? Wir gehen doch nicht herum und legen ausgerechnet Reiß. nägel hin, damit du darauf trittst.* „Nein, aber das wäre besser gewesen. Wenn man wüßte, daß man mit Menschen zusammenlebt, die einem in dieser Weise nach dem Leben trachten, dann würde man sich danach richten. Dann würde man seine Maßnahmen treffen. Dann wüßte man, woran man wäre. So weiß man ja nicht, was geschehen kann. Es ist alles Jo unsicher.' „Ein Reißnagel ist eigentlich nichts Schlimmes.* „Kleine Wunden und arme Eltern soll man nicht verachten. Es gibt Menschen, die schon an einem Stecknadelstich gestorben sind. Es kann Blutvergiftung und Eiterbildung eMstehen. Denkt daran, wen die Verantwortung trifft, wenn etwa- passieren sollte." „Es ist am besten, daß du die Stelle mit Jod und essigsaurer Tonerde wäschst wie immer, dann wird es schon wieder gut werden. Und mache einen Verband herum.* „Wie komisch,* sagte mein ältester Sohn.„Ich nmß an eine Geschichte denken, die ich vor ein paar Tagen gelesen habe. Da war ein Mann, der ganz allein in einem kleinen Schiff um die Welt segelte, und als er an dl» Küste von Afrika kam und angelegt hatte, streute er nachts immer Reißnägel aufs Deck, um Ruhe vor den Negern zu haben, di« auf nackten Füßen herumschlichen.* „Ich bin kein Neger, und wir befinden uns Gott sei Dank nicht auf einer Weltumsegelung. Uebrigens ist die Geschichte Schwindel. Geh und hole die Jodflasche'.* Meine Wunde wurde gewaschen und verbunden, und meine Frau, meine Kinder, meine Dienstboten und meine Hunde kehrten in ihre Betten zurück. Ich selbst zog mich an und machte meinen üblichen Morgenspaziergang. Merkwürdig genug, daß ich gehen konnte. Als ich nach Hause kam, war meine Frau mit ihrer Toilette, dem Frühstück und einer ganzen Menge Gedanken über ihren Mann fertig. Sie sagte: „Ich werde dir ein« kleine Geschichte erzählen, die vielleicht gut für dich zu hören ist. Sie ist ziemlich kurz. In China— die Geschichte ereignete sich in diesem Lande— sind die Familien viel größer als hier. Da wohnt man mit Schwiegersöhnen, Kindern, Enkeln, Kusinen, Tanten, Schwiegermüttern und Halbkusinen zu- sammen, und da lebte in grauen Zeiten eine Familie, die aus etwa tausend Mitgliedern bestand." „Die werden wohl bei der Personenstandsaufnahme ihre liebe Not"gehabt haben. Aber fahre bitte fort." „Also, die groß« Familie zeichnete sich vor allen anderen durch Frieden und Harmonie aus. Nie wurde ein unfreundliches Wort gesprochen. Stets begegneten sich die Mitglieder mit Verständnis und Güte, Teilnahme und offene Herzen für di« allseitigen kleinen und großen Kümmernisse. Der Ruf dieser guten Familie verbreitete sich weit im Lande, und schließlich erfuhr auch der Kaiser von diesen guten Untertanen, die in ständiger Eintracht miteinander lebten. Einmal, als er sich auf Reisen befand, suchte er diese seltsame Fa> mili« auf, um sie aus nächster Nähe kennen zu lernen. Er traf den Familienvater an und bat ihn um den Schlüssel zu dem Rätsel. We Gräfin Natzenau. Do» Reichsgericht hat die Ansprüche der.Gräfin» Zllahenau au» ihrem LiebesverhSlwi« mit Adolf V. von Aleckleaburg.S'.relitz für berechtigt erklärt. Diese hat viel geliebt, üarum wirü ihr viel gegeben! konnten si»> in so ständigem Frieden miteinander leben? Der Haus- oater lächelte glücklich, nahm ein Stück Papier und schrieb hundert- mal ein und dasselbe Wort darauf. Der Kaiser nahm das Papier und las: „Verträglichkeit, Verträglichkeit...' „Was für ein« hübsche Geschichte," sagte ich.„Tie beweist etwas, worüber ich vorher nie ganz sicher war: daß man in China keine Reißnägel hat. Hätte es die gegeben, so wären die Familien kleiner gewesen und die Verträglichkeit auch, zum Nutzen und Frommen für den Kaiser, der nicht nötig gehabt hätte, sich in die Privat- angelegenheiten seiner Untertanen zu mischen." Da sprang die Tür auf, und meine Tochter kam au- der Schule nach Hause. Die kannte die Geschichte mit dem Reißnagel nicht, denn sie hat den festesten Schlaf in der Familie. Sie blieb stehen und sah uns mit den aufdringlich neugierigen und überlegenen Augen der modernen Jugend an, und dann erzählte ich ihr alles, von Anfang bis zu Ende, mit allen Einzelheiten. Als ich fertig war, sagte sie: „Sitzt der Reißnagel nach drin, oder hast du ihn heraus- gezogen?" „Ich habe ihn herausgezogen." „Na. dann brauchst du doch keine Gesch chte daraus zu machen'." Da ging ich hin und weinte. Wie einsam ist doch«in Mann unter Frauen! tAutoriliertc Uebersthung au» dem Schwedischen von Elisabeth Treitel.) Raöio unS Ueberseeflug. Von H. Hesse, New Pork. Von Ikarus bis Nungesser— welch /ein Weg durch die Jahr- tausendel Di« Hilfsmittel zeigen riesige Fortschritte und über- treffen alle kühnen Träume. Und doch ist das Schicksal de» Ikarus noch immer dos des modernen Fliegers, in deren langer Reihe im Augenblick Nungesser der letzte ist, der erdgebunden seine Kühnheit mit dem Leben bezahlte. Wenn nicht alles täuscht, versank er in den Wellen, und die Meercstiesen hüten ihre Geheinmissc. Sein Schicksal hätte vielleicht niemand abwenden können, wäre jedoch wahrscheinlich kein Geheimnis, hätte Nungesser nicht auf die Funkeinrichtung verzichtet, um das� Gewicht des Flügzeuges zu er- leichtern. Es ist nicht leicht einzusehen, wie Nungesser bei seinem Wagnis auf diese so wertvolle und wunderbare Hilfe in Not ver- zichten konnte, die von ihrem ersten großen Triumphe bei der Titanic-Katastrophe bis in die Gegenwart in zahllosen Fällen von Seenot Rettung cnnöglichte. In der Tat ist ein Flieger in Seenot ohne Funkeinrichtung hilflos wie ein Taubstummer, der im Dunkel der Nacht ertrinkt und seine Retter in der Nähe vermutet, sie jedoch nicht rufen kann. Ein Funkapporat jedoch ermöglicht«z ihm, oone irgendeiner Stelle des Weltmeeres Botschaften zum Festlande zu senden, denn mit einfachen kurzwelligen Einrichtungen funken Liebhaber um di« Erde. Und dann sind drei kühne Pfadfinder: Lindbergh, Chamber- lin und Byrd im Flugzeug über den Ozean geflogen teils mit teils ohne Funkanlage. Ja, der Flug glückte auch ohne Empfangs- gerät. Doch trotzdem bleibt es ein unerhörtes Wagnis, einsam ohne Vcrbindungsmögllchleit mit den Menschen über dem Ozean zu schweben. Gleich beim ersten Versuch eines Ueberseefluges er- wies sich das Radio als Retter. Das Marineflugzeug NC. 4 war mit zwei Begleitflugzeugen in Rockaway bei New Park aufgestiegen. Es hatte jedoch Boston kaum passiert, alz es Maschinenschaden er- litt. Man sing die Meldung am Lande auf, und bald verstummte das Flugzeug. Die beiden Begleiter meldeten auf Anfrage, das Flugzeug wäre nicht mehr zu sehen. Der Marinestation zu Otter Clifss im Staate Maine hatte seit dem Abfluge Verbindung mit dem Flugzeug gehabt. Berechnungen nach ihrem Radiokompaß ergaben, daß das letzte Zeichen vor Chatam in Massachusetts gc° funkt wurde. Auf drahtlose Anweisung machten sich Zerstörer auf die Suche in dem angegebenen Bezirk, und am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wurde das Flugzeug gefunden. Den ersten Flug über den Atlantischen Ozean ohne Zwischen- landung führten Alcock und Brown am 14. Juni 1919 in einem Vickers-Vimy-Bombenslugzeug aus, indem sie von Neufundland nach Clifden in Irland flogen. Sie legten diese Strecke von 1989 Meilen in 16 Stunden 20 Minuten zurück. Das Flugzeug besaß einen Radiorichtungsfinder. Auf Befragen, wo sie zu landen gedächten, soll Alcock geantwortet haben:„Wir hängen unsern Hut auf die Sendetürme zu Clifdenl* Das Flug- zeug stieg auf und verschwand in der Ferne. Während die Welt gespannt auf Nachricht wartete, orientierten sich die Flieger nach den Wellen des kraftvollen Senders in Irland. Dieses Verfahren be- währte sich so verblüffend, daß das Flugzeug direkt über die Türme zu Clifden flog und nur mit knapper Not einem Zufammen- ftoß entging. «Ine» Monat später versuchten der Engländer Harvke» und Leutnant Grieve das Wagnis. Wi« Nungesser vernichteten auch sie im letzten Augenblick auf die Funkausrüstung, um das Gewicht zu sparen. Länger als eine Woche waren sie verschollen und wurden für tot gehalten. Si« hatten jedoch Glück, denn ein dänischer Dampfer ohne Radio hatte sie 859 Meilen von Irland gerettet. Ende Juni 1919 flog das britische Luftschiff R 94 von Schott- land nach Long Island, New Port. Ueber der Fundy-Bucht schickte es dringende Notrufe, der Betriebsstoff ginge aus und es müsse vielleicht eine Notlandung vornehmen. Die Marinestation zu Otter Cliffs fing die Botschaft auf, und ein Schiff mit Brennstoff ging hundert Meilen von Bar Harbor ab. Als es das Luftschiff er- reichte, meldete dieses, man hoffe die Chatam-Luftstation zu er- reichen oder gar das Mincola-Flugfeld auf Long-Jsland, was auch gelang. Als 1924 der Zeppelin ZR 3 von Friedrichshafen nach Lake- hurst im Staat« New Jersey flog, blieb er in� beständiger Verbindung mit europäischen Landstationen und Schiffen auf See. Aus der zweiten Hälfte der Fahrt fingen amerikanische Küsten- stationen die Botschaften auf. Seit 1912 verlangt das Gesetz eine Funkausrllstung für alle Ueberseeschiffe. Einen gewaltigen Anstoß gab das Unglück der „Titanic", bei dem die drahtlose Telegraphie ihren größten Triumph feierte, denn ohne diese Hilfe waren außer den 1699 Opfern die 899 Uebcrlebenden wahrscheinlich auch noch umgekommen. Der Sender ist einem Flieger in Seenot nützlicher als ein Empfangsapparat. Daß der Flieger Botschaften ausfängt, ist weniger wichtig, dach bedeutet es eine große Erleichterung, von der oft der Erfolg abhängt, wenn die zur Hilfe Eilenden Rotzeichen vernehmen und die Position erfahren. Auch läßt sich ein Richtungs-- finder auf die Wellen einstellen, ganz gleich, ob sie verständliche Botschaften übermitteln oder nicht. In Zwischenräumen gefunkte Zeichen ermöglichen es einem Rettungsschiff, die Richtung auf den Sender einzuhalten und seinen Standort schließlich zu erreichen. So ist es denn nur eine Frage der Zeit, und Fernflugzeuge werden gesetzlich gehalten I«in,«ine Funkausrüstung mitzuführen. Rote Glatter. Die Erscheinung, daß sich grüne Blätter rot umfärben, wird im Pflanzenreich oft beobachtet. Um nun die Natur dieser Farbstoffe, durch deren Auftreten diese Umsärhung zustande kommt, zu ergründen. hat neuerdings der Forscher Lippmaa eingehende Untersuchungen vorgenommen. Hierbei hat sich vor allem gezeigt, daß die Rötung durch«inen neu auftretenden— also nicht durch Umwandlung«m- stehenden Farbstoff bedingt wird. Nach dem Bericht in den„Natur- Wissenschaften" wurde die Notfärbung hauptsächlich an der Reseda fUesecka odorata) studiert, in deren Zellen sich, sobald der Pflanze Zuckerläsung zugeführt wurde, stets sehr viel roter Farbstoff bildete, der sich bei entsprechender Behandlung auch isolieren ließ. Der Vorgang der Rötung geht in der Weise vor sich, daß sich das in den betreffenden Pflanzenteilen enthaltene Chlorophyll, d. h. der grüne Blattfarbstoff, vennindert, während gleichzeitig der neue rote Färb- stoff, das Rhodoxanthin, auftritt. Die Bildung des Rhodoxanthins erfolgt jedoch keineswegs au- den bereits vorhandenen oder sich ver- mindernden Farbstoffen der Zellen, sondern verläuft vielmehr ganz selbständig, so daß der rote Blattfarbstoff in diesem Falle, wie bereits erwähnt, nicht als Umwandlungsprodukt zu betrachten ist. Es sdzeint, daß das Rhodoxanthin in zahlreichen Pflanzen gebildet werden kann: nachgewiesen wurde es und zwar schon im Verlauf früherer Unter- suchungen z. B. in Eibe, Wacholder. Selaginellen und Schachtel- Halmen. Besonders bedeutsam war die Beobachtung, daß die Gewächse, di« die Fähigkeit besitzen, Rhodoxanthin zu bilden, kein Anthokyan. d. h. einen ebenfalls in den Zellen enthaltenen flüssigen roten Farbstoff, aufwiesen. In bezug auf die Verteilung der beiden Farbstoffe in den Zellen wie überhaupt auf ihre Bildung bestehen ind«s große Aehnlichkeiten, indem sie übereinstimmend infolge großer Kälte oder Trockenheit wie auch bei starker Belichtung oder nach Verletzungen in den Pflanzenteilen auftreten. Andererseits wird die Bildung der beiden roten Farbstoffe besonders auch durch Zuckerzufuhr erheblich gesteigert, so daß man tatsächlich für beide Stossx die gleiche Funktion annehmen könnte. Sichere Angaben lassen sich über diese Funktion allerdings bis jetzt nicht machen, wenn man auch vermutet, daß die Rotfärbung, durch die in der Zelle rotes Licht entsteht, eine„optische Schutzwirkung* darstellt, zumal da unter roter Belichtung die Bildung der grünen Blattfarbstofse am besten verläuft. Gleichzeitig werden auf diese Weise auch die di« Zellen schädigenden zu starken Licht- strahlen absorbiert, weshalb denn die Rötung sehr häufig unter dem Einfluß starker Lichtbestrahlung eintritt. Wenn nun auch' die Rotfärbung zum großen Teil in jungen, noch besonders empfindlichen Pflanzenteilen auftritt wie auch dann, wenn durch Kälte oder Trockenheit die normale Weiterentwicklung der Pflanze gehemmt ist, so kann man sie gleichwohl nicht nur allein als Schutzvorrichtung ansehen. Denn ebensogut wie die Anthokyan- mit der Assimilation der Pflanzen zusammenhängen, so konnte auch das Rhodoxanthin auf die Bildung organischer Substanzen in der Zelle Einfluß besitzen, und die Rotfärbung nur in zweiter Linie als Schutzeinrichtung in Betracht kommen. i a. Wollpopcxline, invielenl'arben, reizend verar- beite�mitweisg. Kragen n.Lac':- gOrtel, fOr Q53 ca. ti Jahre tzK Jede weitere Gr. 76 Pt mehr Mi\ Pyjack mitArmstiok. u. warmem Futter für 2-12 Jahre vorrätig, iy5i) tdr ca. 2 J. f Jede weitere Gr. 75 Pf. mebr, ab Grösse 7 1,25 mehr aus Waschsamt, gnte. geköperte Ware, Indanthren. in vielen Farben, lllr A75 ca 6 Jahre V Jede weitere Gr. 75 Pr. mehr Kinder'WMspJ*£. „ ,»..1-""'" f"' wasch«tojtt. D L I Knaben-Hemden«c" MSdd>en-Hemdeni;ir.,,.u««-= I IÖWWI. jfh* Knaben, Nachthemden � GclsSalorro, lartigflr öesdiz_» ________ ..... EßsndiermSBshieiiizgMn AK? aas.;-: ,°--am MlVN-EMHSWz �-it.Gr, MHchW'MMMr Mbachen 3" �weit.0,. WadenslrüffBe�fe»A'- .r tf5£? 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Nach einer Wartezeit von 26 Wochen erhöht sich da» Hausgelb auf das gesetzliche Zkrantenaeld. 2. Verstcheeten.»ir die kein Hansgelb zu zahlen ist, wirb neben der Krantcn- hausvflege ein Rrankengelb(Taschengeib) in Höhe von>/. des Kranhpgeldes gewähr!. Der§ 39 wird wie folgt geändert: Die Kastenbeiträge werden auf"lK des nach§ W festgesetzten Grundlohns fest- «'setzt. Genehmigt: Tharlott»nburg.> den.Zv. Juli ISZ7. Oberoerstcherungdamt Berlin. gez Unterschritt. Ausfertigung Rr. ll g. K. 335/27. � Unserem Bezirkssllhrer � t Emil Parlow und Frau| A: Adalderlsttatze 53 P G zu ihrer Silberhochzeik V die herzlichsten Dliitt ivänsche.'Ii & Die III. Abteilung. H y ssÄNssss»« Lltti- u. SMvmin Mlnilljl- e. s. m. b. H. zu Berlin. Freitag, den 12. August, nachm. 5 Uhr, iu den Räumen des..Soatendräu", Fliedrichstr. 172: Außerordentliche Generalversammlung. Tagksordnung: 1 Vorlage der »Wischenbilanz per 30. Juni er. 2. An- träge aus Satzungsänderung. Der Aufstchtsrat: Hilbenbranb, Varl. wlrlcsnmstnää!« Dcaullucr» Kleinen Anzeige« In der aesamt.Aatln«* Killio*! de« Vorwärts und trotzdem Auch bis zu IS Jfcnatsralen' Jtadflatz&tV| Ooriin. bnpzw Str.OZ-Ui_ fi ?lm Sonnabend, dem Zb. Juli, ver- schied nach längerem Leiden plötzlich und unerwartet unsev innigstgeliebter Sohn. Bruder und Schwager �Valter atatm � im blllhenden Alter von 25 Zahren Um stille» Beileid bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen pamilie Otto Zolin. Berlin-Mahl-""-"-n 2. August 1927. Göpenicker Str. 51. Trauerfeic, 5. Aug., nachm. 5 Uhr, von der Halle des Fcntralfeieb- Hofes. Brl.-Friebrich»fe!de. Gitbmnstr. 124. Abf.(Mahlsdorf) Am Sonnabend, 30. Juli, verstarb nach längerem Leiden unser Genosse Waltei' John im Alter von 25 Zahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andeuten bewahren. Beerdigung am Freitag. S. August, nachm. 5 Uhr. von der Halle des Zentrastriedhofes. Berlin-Friedrichs» selbe, Gudrunitrahe, aus. Rege Beteiligung erwartet Die AMeilungsleltung. Am 1. August, abends fP/» Uhr. entschlief sonst nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau Elise Mendler im 64. Lebensjahr. Dies zeigt an Hertnatui Mendler. Berlin, den S. August 1927. Diestenbach str. 64. Die Ginäscheruug findet am Freitag, dem 5. August, nachm. 4>/, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Vnnkfagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meine« lieben Mannes und guten Baters sagen wir allen Beteiligten. insbesondere den Rednern sfir ihre lroftreichen Worte am Sarge de» Berstordenen unseren innigsten Dank. «mma pnnlctl und Sohn. i&ar&miee. \f&hs0F&des' j mit Treilauf und | Bereifung in äilen Preislagen von \M*e\som Jm Katalog finden Sie Teilzahiungsräder schon," jTÖF�If�ä5t.5 GMBH ,- �Müstr. 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