Nr. 368 ♦ 44.�ahrg. Ausgabe A Nr. ISS Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monaMch 3,— Reichsmari voraus zahlbar. Unter Äreuzband tür Deutschland. Danzig. Saar» und Memelgcbiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4, üb Reichsmark, iür das übrige Ausland SLV Reichsmark pro Monat. Der„SorroStts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage»Boll und Zeit" sowie den Beilagen„Unlerhaliung und Wissen�,„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder. sreund".„Iugend-Vorwärts".„Blick in die BUchcrwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wocheniäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adress«: „Sozialdemokrat Berlin- Morgenausgabe H. Derliner Volksblatt (�10 Pfennig� Anzeigenpreise: Sie einspaltig, Nonpareille. »eil« 80 Pkennig Retlamezcile i.— Reichsmark..Kleine Anzeigen" das lettgedruckte Wort 2i Pfennig (zulässig zwei lettgedruckte Wortes, jedes weitere Wort IS Pfcnn*). Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. stabcn zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 00 PIcnnig. Familienanzeigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer Müssen bis 4sh Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 08. Linden. straße 8, abgegeben werden. Dcöftnet von 8ii Uhr srüh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fcbcti parte» Deutfcblands Neüaktion und Verlag: ö erlin SW. öS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Die öputsthe völterbunüsöelegation. Zusammensetzung unverändert. In der nächsten Sitzung der' Reichsregierung wird voraussichtlich über die deutsche Delegation zur Plenartagung des Völkerbundes Beschluß gefaßt werden. Nach den bisherigen Besprechungen ist anzunehmen, daß die Delegation ähnlich wie das erstemal zusammengesetzt werden wird. Die Reichsreglerung ist kürzlich an die Sozial- demokratische Partei mit dem Ansuchen herangetreten, wie im Vorjahr Genossen Dr. B r e i t s ch e i d nach Genf zu delegieren. Partei- und Fraktionsoorstand haben über dieses Ersuchen beraten und ihm schließlich, wenn auch unter starken Bedenken, zugestimmt. Maßgebend war dabei der Gesichtspunkt, daß die außenpolitische Linie, die die Regierung im Völkerbund einnimmt, mit der von der Paktei ein-i gehaltenen Richtung zurzeit übereinstimmt. Unter dieser Voraussetzung liegt es durchaus tm internationalen 'sozialistischen Intereffe, wenn der Sozialismus in Genf möglich st stark durch Delegierte vertreten ist. Die deutsche Partei würde von der Haltung anderer sozialistischen Parteien des Auslandes abweichen und deren Stellung in Genf schwächen, wenn sie wegen einer inneren Regierungsänderung sich in Genf nicht vertreten lassen wollte. Es entspricht nur der Praxis der Internationale, daß das nicht geschieht. So haben z. B. B r a n t i n g und U u d 6 n die sonservative schwedische Regierung, de Broucköre eine bürgerliche Re- gierung in Belgien in Genf vertretet» Voraussetzung bleibt dabei, daß die deutsche Delegation unter Führung Strese- mauns ihre bisher in Genf eingenommene Haltung nicht etwa umbiegt. Sonnabend, den August 1927 polnische Vermittlung? Aktion zur Wiederherstellung der russisch-englischen Beziehungen. Warschau. 4. August. Zu den warschauer politischen Kreisen hält sich das Gerücht, daß der aus Moskau eingetrofssne polnische Gesandte st o t e k konkrete Dorschlöge'TschitscheriaS zur Frage der llebernahme einer Vermittlung im Streit zwischen England und Sowjelrußland überbracht habe. Um Deutschlanös Manöatssitz. Bandcrveldc stimint dafür. Brüssel. 5. August. Das Kabinett beschäftigte sich mit der Frage, ob Belgien ebenso wie Frankreich und England einem deutschen Eitz in der Mandats- kommission zustimmen solle. Der Ministerpräsident Jasper und der Kriegsminister de Broqueville haben dem Bernehuzen nach sich heftig dagegen ausgesprochen, Bandervelde jedoch dafür. Die Mehrheit der Regierung ließ sich von den Argumenten Bänder- Veldes überzeugen. Europästrwehr gegen Javaner. Da nach einer Meldung des„Surabaja Handel sbl ad" der sogenannte Kommunismus unter den eingeborenen Soldaten schon viel weiter um sich gegrissen h,-/ a's die Regierung zugeben wolle, sind überoll auf Java europäische Bürgerwehren gebildet, oder, soweit sie schon bestanden, wesentlich verstärkt worden, Es ist offensichtlich, daß dadurch der Ra s s e n g e g e n j a tz erst recht verschärft wind. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin EW. b8, LinUnstr.Z Pvftfchtckkontv: Bttlin 87 53»- Bankkon, vi Bank 6««rbiiter.«nntflcltcn nnb Beamkon. Wallst,. 05: Miakonto-fSlfelfchaft, Scnofitcnlaff, Lindinstr. 3. Reorganisation im?G6. Die Aufgabe des Kongresses. J. S. Paris. 4. August. So unerquicklich der bisherige Verlauf der Verhand- lungen des Internationalen Gewerkschaftskongresses auch in feiner äußeren Wirkung ist, das schließliche Ergebnis und seine Auswirkungen werden voraussichtlich erheblich weniger pessimistisch zu bewerten sein. Es sind im Verlaufe der zweitägigen Debatte eine Reihe von Unzuträglichkeiten im Organismus des Internationalen Gewerkschaftsbundes bloßgelegt worden, deren Beseitigung der Vorstand des JGB. mit den ihm zur Verfügung stehenden unzulänglichen Vollmachten bisher sich vergebens bemüht hatte. Diese Unzuträglichkeiten gehen zurück auf die Tatsache, daß jeder der drei Sekretäre des ÄGB. auf eigene Faust handelt, eine Methode, die, wie Mertens erinnerte, von Fimmen eingeführt wurde. Hier weiß buchstäblich oft die rechte Hand nicht, was die linke tut, ja— und das ist noch weit schlimmer— sie will es nicht wissen! Das artete schließlich zu der grotesken Tatsache aus, daß einer der Sekretäre des JGB., Brown, in der Diskussion über den Rechenschaftsbericht einzelne Teile dieses Berichts einer scharfen Kritik unterzog, o b w o h l er Gelegenheit gehabt hätte, diesen Bericht vor seiner Drucklegung zur Kenntnis zu nehmen und die Richtig- st e l l u n g von Irrtümern zu veranlassen. Es handelt sich dabei z. B. um die Stelle des Berichts, die davon spricht, daß der JGB. über den Verlauf des e n g- lischen Streiks nur ungenügend informiert worden sei. C i t r i n e, der Sekretär des Gtjyeralrak der englischen Gewerkschaften, konnte in der Debatte nachweisen,' daß der auf Wunsch der englischen Gewerkschaften nach London entsandte Vertreter des JGB., Brown, an allen Verhandlungen, auch an den mit der englischen Regierung gepflogenen, persönlich teilgenommen hat, also über den Verlauf des Streiks besser informiert war als viele englische Gewerkschaften selbst. Wahrscheinlich bezog sich die kritisierte Stelle nur auf einen kurzen zeitlichen Abschnitt. Die Debatte darüber un-o die begreifliche Entrüstung der englischen Delegation, nicht zuletzt der dadurch hervorgerufene peinliche Eindruck konnten also vermieden werden» wenn Brown, statt damit bis zur Plenarsitzung des Kongresses zu warten, rechtzeitig seine Kollegen im Sekretariat auf die vielleicht ungenaue Uebersetzung des Berichts hingewiesen hätte. Und hier ist auf einen zweiten organischen Fehler hin- zuweisen, den Brown mit Recht kritisiert hat. Er wies dar- auf hin, daß das Personal des JGB. vor dem Kriege, als dessen Sitz in Berlin war, sich aus zwei Deutschen und zehn Ausländern zusammensetzte, während gegenwärtig in Amster- dam neben 15 Holländern sich nur fünf Ausländer befänden. Obwohl die Sprachkenntnisse dieser holländischen Ange- stellten ganz hervorragend sind, so liegt es ahne weiteres auf der Hand, daß unter diesen Umständen die Veröffentlichungen und brieflichen Mitteilungen des JGB. alle Nachteile einer Uebersetzung doppelt und dreifach aufweifen müssen. Das ist ja leider schließlich kein Geheimnis mehr, führt aber in heikle Situationen, d. h. immer dann, wenn es auf eine genaue Prägung der Begriffe ankommt, zu Schnitzern, die mehr als eine sprachliche Bedeutung annehmen. Wenn z. B. im JGB. nicht einmal eine Stenotypistin vorhanden ist. die die englische Sprache einwandfrei beherrscht, so ist das ein ganz unmöglicher Zustand. Aus diesen und anderen Ursachen heraus ist es verständ- lich, wenn der sonst so ruhige und überlegte Citrine sich unter dem unmittelbaren Eindruck der Rede Browns dazu hin- reißen ließ, die Frage aufzuwerfen, ob der JGB. eine a n t i- britische Organisation sei. Dazu war Citrinx ver- anlaßt worden hauptsächlich infolge jenes zur Stunde noch nicht völlig klargestellten Briefes von Oudegeeft an I o u h a u x, in dem O. gesagt haben soll, die Russen schienen jetzt(vor 2% Iahren) bereit zu sein, die Anschlußbedingungen des Wiener Kongresses anzunehmen und man„deshalb jetzt zum Angriff übergehen müsse; ferner daß „der Engländer H i ck s" in Vertretung des(damals) in Rußland weilenden Purcell der nächsten Vorstandssitzung des JGB. beiwohnen werde, weshalb es vielleicht angezeigt sei, sich über den zu fassenden Beschluß vorher ohne Hinzu- ziehung von Hicks zu verständigen. Oudegeeft erklärte dazu, es wäre ein Blödsinn gewesen, zu verlangen, man solle zum Angriff übergehen, weil die russischen Gewerkschaften bereit zu sein schienen, die Beschlüsse und Statuten des JGB. anzuerkennen. Aus dem da- mit im Zusammenhang stehenden, aber nichtoerlesencn Text des�Briefes geht auch ohne weiteres hervor, daß es sich bei der Formulierung, man müsse jetzt„zum'Angriff über- gehen",! um eine direkt sinne wt st eilende lieber- I e fc u n jx handeln muß, und daß es in Wirklichkeit heißen muß, man müsse jetzt Stellung nehmen. Denn in dem Briefe werden eine Reihe von präzisen Formulie- ruugen vorgeschlagen, die den Eintritt der russischen Die neue wiener 1OV0 Mann für die städtischen Anlagt Wien, 5. August.(Eigenbericht.) Der Bürgermeister von Wien hat am Freitag mehrere Erlasse über die Ausstellung der Gemeindeschutzwache auf Grund des Gemeindebeschlusses vom 39. Juli 1327 der Oefsentlichkeit übergeben. Der erste Erlaß an die Magistratsdirektion ordnet die Auf- l ö s u n g der Gemeindeschutzwache, die in den Tagen der Unruhen und für die Tage der Gefahr ange- ordnet wurde, an. Das Dienstverhältnis der Angehörigen dü e j e r Gemeindeschutzwache laust spätestens mit dem 8. August 1927 ab. Der zweite Erlaß des Bürgermeisters bezieht sich auf die Auf- stellung einer neuen Gemeindewache. In ihm wird als ihre Aufgabe bezeichnet: den erforderlichen Wach- und Ordnungs- d i c n st in den städtischen A e m t e r n, Anstalten, Betrieben und Unternehmungen, Gartenanlagen, Fabrikhöfen, Markt- Hollen, Märkten und Schlachthäusern, auf städtischen Bauten, städtischen Grund st ücken, mit Ausnahme der Stra- hen, Gassen und Plätze und der städtischen Forsten inner- halb des Wiener Gemeindegsbiets. Sie kann auch zum Ordnungs- dienst und zur Ueberwachung der landesgesetzlichen Vorschriften über die Kinos und neu zu erlassenden landesgesetzlichen Vorschriften verwandt werden. Die Aufgabe der Landespolizei bleibt davon un- berührt. Die Wache gliedert sich in verschiedene Abteilungen: die Marktwache, die Amts wach«, die insbesondere Dienst in den städtischen Aemtern, wie Arbeitslosen-, Invaliden- und Obdach. losen-Fllrsorgeinstituten zu verrichten hat, und in die Betriebs» wache, die in der« städtischen Betrieben. Friedhöfen und Garten- anlagen den Ordnungsdienst versehen soll. Di« Gesamtzahl aller Wachangehörigen darf keinesfalls tausend übersteigen. Aufnahmeberechitgt ist jeder österreichische Bundesbürger zwischen 29 und 39 Iahren, der unbescholten ist und die nötige Eig- nung besitzt. Das Kommando über die neue Wache versieht bis auf weiteres der Branddirektor der Stadt Wien. Die Arbeit des Untersuchungsausschusses. Wien, 5. August.(Eigenbericht.) Der vom Wiener Gemeinderat eingesetzte Untersuchungs» a u s s ch u ß hat am Freitag eine Sitzung.abgehalten, in der ein umfangreicher Bericht der Polizcidirektion über die Ereignisse in den Unruhetagen vorgelegt wurde. Die Kommission wird nächste Woche vom Dienstag an t jj g l i ch Sitzungen abhalten. Protest gegen Ginspruch üer Militärkontrollkommijston Wien, 5. August.(Eigenbericht.) Bürgermeister S e i tz hat in Beantwortung eines Schreibens des Bundeskanzlers vom 39. Juli, worin auf den Einspruch des Liquidierenden Organs des Militärüberwachungsausschusses ver- wiesen wird, an den Bundeskanzler folgende Antwort ge- richtet: Gememöewache. t.— Seitz gegen den Ententeeinspruch» „Herr Bundeskanzler! Auf die Mitteilung, daß das Liquidie- rcnde Organ der Interalliierten Militärkontrollkommission gegen die Aufstellung der Gemeindeschutzwache Einspruch erhoben habe, stelle ich zunächst fest, daß sich dieser Einspruch mit Unrecht aus den Artikel 123 des Staatsvertrages von Saint-Germain stützt. Dieser Artikel gibt den alliierten und assoziierten Mächten nur das Recht, ein« Ueberschreitung der in diesem sestge- setzten Gesamtzahl der Sicherheitsorgane anzufechten. Ob aber diese Sicherheitsorgane Gemeinde- oder Bundespolizeiorgane sind, ist eine innere Angelegenheit der Republik Oesterreich. Darauf steht nach dem Staatsvertrag den Mächten kein Einfluß zu. Wenn also das Liquidierende Organ in seiner Note die Auslösung der Gemeinde- schutzwache verlangt, so ist das unzroeiselhaft ein« Ueberschreitung seiner Befugnisse. Es kann nur im vorgeschriebenen Weg ver- anlassen, daß der Botschafterkonferenz der Antrag unterbreitet wird, zu verlangen, daß die Gesamtzahl der Sicherheitsorgaise der Gemeinde und des Bundes zusammen das im Artikel 123 des Staatsvertrages von Samt-Germäin festgesetzte Maximum nicht überschreitet. Aber es ist nicht Sache des Liquidierungs- organs, darauf Einfluß zu nehmen, wie sich diese Zahl auf die Gemeinde- und auf die Polizeiorgane verteilt. Ich erwarte daher, daß die Bundesregierung gegen die im Staatsoertrage von Saint- Germain nicht begründet« Einmischung des Liquidierungs- organs in innere Angelegenheilen der Republik Einspruch er- heben und den alliierten und assoziierten Möchten gegenüber das Recht der Republik wahren wird, selbst zu entscheiden, in welchem Verhältnis die nach dem Staatsvertrag zulässige Gesamt. zahl von Sicherheitsorganen auf den Bund und aus die Gemeinben zu verteilen ist. Im gegebenen Falle wird allerding» dieser Ein- spruch de» Liquidierungsorgans schon durch den Erlaß, den ich auf Grund des Gemeindevatsbeschlusjes vom 39. Juli gebe, gegen- st a n d s l o s werden. Ich habe heute an die Magiftratsbirektion einen Erlaß gerichtet, durch den die für die Tag« der Gefahr aus- gestellte Gemeindeschutzwache aufgelöst wird. Eine Abschrift dieses Erlasses lege ich bei. Durch die Auslösung der Gemeinde- schutzwache ist praktisch dem Verlangen dos Liquidierungsorganes unbeschadet unserer Rechtsauffassung Rechnung getragen. Ich glaube also, mit diesem Erlaß ihrem an mich gerichteten Ersuchen, alles vorzukehren, daß außenpolitische Komplikationen vermieden werden, entsprochen zu haben. Selbstverständlich hatte ich zugleich zu erwägen, in welcher Weise ich den zweiten Teil des Gemeinderatsbeschlusses vom 39. Juli durchzuführen hätte, der die Bildung einer a u s s ch l i e ß- lich für den Ordnung-- und Wachdienst in den städtischen Aemtern, Anstalten und Betrieben bestimmten G e> meindewache verfügt. Zu diesem Behuf habe ich den beiliegen- den zweiten Erlaß ausgegeben, der Sie, sehr geehrter Herr Bundes- tanzler, wie ich hoffe, überzeugen wird, daß es sich hier um die Aufstellung eines Wachkörpers handelt, der überhaupt nicht unter die Bestimmungen des Artikels 123 des Staatsvertrages von Saint- Germoin fallen kann."> Gewerkschaften in den JGB. regeln und erleichtern sollten. Aber ganz abgesehen von dem Verhalten Browns, zeigt diese sinnentstellende Uebersetzung auf— sofern der Brief über- Haupt abgeschickt und empfangen wurde, was noch umstritten ist—, zu welchen Konzessionen die erwähnten organischen Mängel im JOB. führen. Was nun den inkriminierten„Engländer chicks" betrifft, so ist die Betonung auf Hicks zu legen. Dieser war mit Purcell und Fimmeiz, der Herausgeber und Redakteur der „Trade Union Unity", die die sogenannte„Einheits- front" damit propagierte, daß sie die Beschlüsse und Kund- gedungen der dem JOB. angeschlossenen Gewerkschaften und ihrer Organe angriff und den Spaltungsversuchen und Verleumdungen der Bolschewisten gegenüber sich einer wohlwollenden Neutralität befleißigte. Während die Ge- werkschaften des Festlandes ihre besten Kräfte vergeuden mußten, um die Folgen der bolschewistischen Zerstörungs- arbeit zu beseitigen, verbündeten sich Hicks und Purcell mit denselben Bolschewisten.' Zu welchen groben Taktlosigkeiten, zu welchen Vergewaltigungen der Wahrheit sich diese Apostel der Ein- heitsfront hinreißen ließen, ist nur zu sehr bekannt. Purcell hat mit seiner Eröffnungsrede auf dem Pariser Kongreß ein neues Beispiel dafür geliefert. . Daß unter diesen Umständen Vorsicht, ja Mißtrauen gegenüber Purcell und seinen Freunden am Platze war, be- darf keiner weiteren Begründung. Es ist klar, daß es bei der Behebung der aufgezählten Mängel im Organismus des JGB. nicht bleiben kann. Es ist weiter notwendig, daß, wie Graßmann in seiner ausge- zeichneten Rede darlegte, die Einheitlichkeit der Führung sichergestellt werden muß, wobei die Betonung auf die F ü h r u n g zu legen ist. Es ist weiter notwendig, daß der JGB. sich in seiner intensiver zu gestaltenden Tätigkeit auf die Fragenkomplexe konzentrieren muß, die Graßmann programmatisch zusammengefaßt hat. Hier liegt die Zukunft und die Stärke des Internationalen Gewerkschafts- bundss. Die Zukunft und die Stärke des JGB. sind aber, trotz des unerfreulichen Verlaufs der bisherigen Verhandlungen, nichts weniger als pessimistisch zu betrachten. Das beweisen nicht allein die Anschlüsse aus außereuropäischen Ländern, die zahl- reichen Ankündigungen von Beitritten aus Mexiko, Indien, Neuseeland, Estland, Norwegen, die Symstgthieerklärungen aus China usw. Gerade die unverhüllte Auseinandersetzung auf dem Kongreß birgt die Gewähr in sich, daß Remedur geschaffen wird. Dazu sind alle entschlossen. Und hierbei wird sich zeigen, daß innerhalb des JGB. die Ein- heit der Grundsätze und Taktik besteht, die die Voraussetzung und Bürgschaft zum neuen Aufftieg ist. Die Sefteuerung ües Wertzuwachses. Die Neuregelung. In den letzten Iahren beschränkte sich die Wertzuwachs- besteuerung im wesentlichen auf die Erfasiung des Wert- Zuwachses aus dem in der Inflationszeit erworbenen Grundbesitz. Der sonstige Grundstückswechsel wurde im allgemeinen steuerlich nur durch die Grunderwerbs st euer erfaßt, zu der an Stelle einer besonderen Wertzuwachssteuer die Stadt- und Land- kreise erhöhte Zuschläge erheben durften. Diese Zuschläge sind nunmehr beseitigt worden, da es geboten erschien, an Stelle der automatischen, auf die Lage des Einzelfalles teitte Rücksicht nehmenden Besteuerung des Wertzuwachses durch Zuschläge zur Grunderwerbs- steuer eine den besonderen Verhältnisien des Einzelfalles jeweils angepaßt« Erfassung des tatsächlichen Wertzuwachses durch ein« besondere Wertzuwachssteuer treten zu lassen. Die Er- Hebung einer solchen Wertzuwachssteuer kann seitens der Stadt, und Landkreise nur im Wege des Erlasses besonderer Wertzuwachs- steuerordnungen erfolgen. v Und öie Braut weint. Von Erich Gott getreu. Hüft, inmitten der Karpathen und nahe der rumänischen Grenze gelegen, hat ungefähr 15 000 Einwohner, 5000 davon sind Juden, fast ßlle von ihnen Chassidim, also fromm, sehr fromm. Als ich nach Hüft kam, fand gerade eine Hochzeit statt. Aber das Weinen einer Mädchenstimme zitterte bei diesem freudigen Er- eignis aus dem Festhaus heraus. Ich ging, mit einem Huster Juden, der mich einführen wollte, hinein, der Sache nach, und dies ergab sich:. Hermann Herschowitsch und seine Frau, Händler in einem Dorf unweit van Hust, haben eine Tochter. Sie ist 14 Jahre alt, sie soll verheiratet werden. Die Familie fährt zum Markt nach Hüft, die Tochter bleibt zu Hause. Im Gasthaus wird ein Schadchen erfragt, Chaimonitsch heißt der Huster, er ist berühmt. Auch diesmal ver- sagt er nicht. Den Josowitsch aus Kapachlowo hat er zur Hand. Das ist«in sehr edler Hausjunge. Hausjunge, muß der Leser wissen, ist bei den vergessenen, weiten- fernen Juden jener Typ junger Juden, der nicht auf einen bestimmten Beruf hin erzogen wird, sondern das tut, was der Vater tut, ein braver Bocher ist und vor allem fleißig betet. Edel ist er wegen seiner starken Neigung für Buch und Gebet, mit einer gewissen Ver- geistigung, die davon die Folge ist, mit bleichen Wangen, mit körper- licher llncisiwickeltheit, physischer Schwäche. Nun soll er heiraten. Die Eltern der beiden Kinder treffen sich aus dem Markt, sie handeln um die Mitgift,-sie werden handelseinig. Man geht noch zum Rabbiner. Er heißt die Ehe gut. Beide Eltern ziehen zur symbolischen Andeutung des Abschlusses an den zwei Seiten eines länglich gefalteten Taschentuchs. Der Handel ist damit perfekt. Di« Kinder kennen einander nicht. Der Vater kommt nach Hause und sagt zur Tochter:„Du bist oerlobt." Die Tochter ist 14 Jahre alt. Der andere Vater kommt nach Hause und sagt zunz Sohn:„Du bist oerlobt." Der Äohn ist 18 Jahre alt. Zum erstenmal sehen sich Braut und Bräutigam eben bei jener Hochzeit eines ganz weitläufigen Anverwandten, der ich beiwohnte. Und da wird nun auch die eigene Verlobung gefeiert. Die Muttek sagt:„Komm ins Zimmer, hier ist dein Bräutigam." Das Mädchen will nicht und weint. Sie weint so laut, daß das Weinen auf die Straße dringt. Endlich bekommt sie von der Mutter zwei Klapse. Und wird so gewollt. Die Braut tritt«in. den Rücken dem Bräutigam zugekehrt. Nach einer Weile dreht sie sich.wider- willig um, er überreicht ihr schüchtern ein Geschenk, einen Armreif. und der interessiert sie mehr als der Mann, der dazu gehört. Oder vielmehr: er interessiert nicht. „Ich will einen Ring hoben!" Das weint. Das schreit. Und kann nur mit Mühe und mit der Ueberredungstunst der ganzen gleichfalls schreienden Hochzeitsgesellschaft dazu gebracht werden, vor- Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben die Steuerordnungen eine Mustersteuerordnung heraus- Steuerordnungen ein« Mustercheuerordnung heraus- gegeben. In diese sind die Bestimmungen des Wertzuwachssteuer- gesetzes und der früheren vor der Inflation veröffentlichten Muster- ordnung für eine allgemeine Wertzuwachssteuerverordnung, die sich in der Praxis bereits bewährt haben, aufgenommen worden. Be- sonders hervorzuheben ist der Staffeltarif, der die Höhe der Wprtsteigerung und die Besitzdauer berücksichtigt. In dem Begleit- erlaß ist betont, daß ein Hinausgehen über den Steuerhöchst- satz von 30 Proz. des Wertzuwachses nur in ganz besonders begründeten Ausnahmefällen mit Zustimmung der Minister zugelassen werden kann. Unbilligkeiten und Härten, die besonders infolge einer nachträglichen Aufwertung von Hypotheken entstehen können, soll in weitestgehendem Maße durch Steuererlaß und-ermäßigung oder-erstattung Rechnung getragen werden, während ein bis Ende d. I. abgeschlossener Rückkauf der in den Iahren 1322/24 aus Gründen persönlicher Not veräußerten Grundstücke wertzuwachsstcuerfrei bleiben soll, sofern der Erwerber der frühere Eigentümer, der Ehegatte oder dessen Kinder sind und die besonderen Umstände des Falles die Befreiung billig erscheinen lassen. Die Zlaggen-Notverorünung. Der Wortlaut fertiggestellt.— Montag Beratung im Ausschuß. Im Preußischen Staatsministerium ist der Entwurf einer Ver- ordnung über die Beflaggung der kommunalenDienst- g e b ä u de und der S ch u bg e b ä u d e fertiggestellt worden. Die Verordnung enchält einen einzigen Artikel, der den folgenden Wort- laut hat: „Die Beslaggung der Dienstgebäude der Gemeinden und Ge- meindeverbände gehört zu den örtlichen Geschäften der allgemeinen Landesverwaltung. Das gleiche gilt in Ansehung der Schulgebäude für die Unlerhaltsträger der nicht vom Staate allein unterhaltenen öffentlichen Schulen." In der dem Entwurf beigegebenen Begründung wird. Bezug genommen auf die Entscheidungen des Oberver- waltungsgerichts vom 20. Mai d. I. in Sachen der Magistrate in Potsdam und Hohenstein(Ostpreußen), die dahin gingen, daß nach geltendem Recht die Beslaggung kommunaler Dienstgebäude eine Selb st Verwaltungsangelegenheit sei, und daß eine Verpflichtung der Gemeinden und Gemeindeverbände zur Be- flaggung ihrer Dienstgebäude in den verfassungsHyäßigen Farben des Reiches und Preußens nicht bestehe und eine entsprechende An- Weisungsbefugnis der Aufsichtsbehörden nicht gegeben fei. Nach diesen Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts ist, so heißt es in der Begründung weiter, eine sofortige Aenderung der bestehenden Rechtslage geboten. da, wenn auf Grund dieser Entscheidungen Gemeinden das Flaggen in den verfassungsmäßigen Farben des Reiches und des Landes, insbesondere an dem bevorstehenden Verfassungstage, unterlassen würden, ein solches Verhalten von weiten Schichten der Bevölkerung als politische Demonstration aufgefaßt werden und zu Zwischenfällen führen könnte, deren Verhütung dringende Staats- Notwendigkeit ist. Die Kürze der bis zum Verfassungstage zur Verfügung stehen- den Zeit läßt daher den Erlaß einer Notverordnung gerechtfertigt erscheinen, die inhaltlich einem zu dem Entwurf einer neuen Land- gemeindeordnung in zweiter Lesung bereits gestellten Antrage der Sozialdemokraten, des. Zentrums und der Demokraten entspricht. Für die Schulgebäude der kommunalen öffentlichen Schulen soll Satz 2 der Verordnung die Rechtslage in gleicher Werse klarstellen. Schworzweißrote Aufregung. In einem Teil der deutschnationalen Presse herrscht tolle Aufregung über die Flaggennotverordnung. Die„Kreuz- zeitung" greift zu höchsten Tönen der Entrüstung: „Daraus geht deutlich hervor, daß es sich um ein an Ver- fafsungsbruch grenzendes Vorgehen der preußischen Staats- regienmg Handel?, das sich die Gemeindeverbända unterkeinen Umständen gefallen lassen könne n." Eine offene Aufforderung zum Ungehorsam gegen rechts- gültige Anordnungen der Landeszentralbehörde! Das nimmt sich sehr gut aus im Organ einer an die Reichsregierung be- teiligten Partei. Wozu die Aufregung, wozu das Geschrei vom Verfassungsbruch? Weil die preußische Regieruno Borsorge trifft, daß die Reichsfarben geehrt�oerden, auf die die deutsch- nationalen Rdchsminister vereidigt worden sind, und unter denen sie am 11. August den Berfassungstag feierlich begehen werden. �> Es geht nichts über die Berlogenheit der deutschnationalen Politik! Die„Deutsche Tageszeitung", das andere deutschnationale Organ, hat es angesichts der delikaten Situation der deutschnationalen Reichsminister am 11. August vorgezogen, zu schweigen. Die„Tägliche Rundschau" aber, an der Herr S t r e s e m a n n immer noch interessiert ist, muß ihr Mißbehagen äußern: „Diese Verordnung des preußischen Staatsministeriums stellt zum mindesten einen Eingriff in die Seist Verwaltung der Gemeinden dar. lieber die Verfassungsmäßig- k e i t dieser Verordnung kann man geteilter Meinung sein, da es doch zweifelhaft sein dürfte, ob die Richtbeslaggung der Dienstgebäude de? Gemeinden in den Reichsfarben die öffentliche Sicherheit bedrohte! r einen Notstand darstellt. Indessen pflegen die Weimarer Parteien im allgemeinen nicht über verfassungsrechtliche Zwirnsfäden zu stolpern, wenn es daraus ankommt, d i e Republik zu„schützen". Die V e r f a s s u n g s f e i« r scheint augenblicklich die größte Sorge des preußischen Kabinetts zu fein." Sehr hübsch, diese hämische, mißvergnügte, so gar nicht von staatspolitischer Gesinnung getragene Kritik an der Preußenregicrung. So recht die Kritik der Leute, die erbittert und mißvergnügt sind, weil sie vor der Tür zur Regierung stehen bleiben müssen. Als die Herrschaften von der Deutschen Volkspartei noch in der Preußenregierurnj saßen, dachten sie anders als heute; denn die Flaggenver- ordnung, der nun die angeblich fehlende Rechtsgrundlage ge- geben werden soll, wurde erlassen von derRegierungder Großen Koalition i�iit ausdrücklicher Zustimmung derBolkspartei.' Der Sprenystofftransport nach§ern-'> Internationaler Gewerksthastskongreß Versuch einer Zwischenlösung. J. S. Paris, 5. August.(Eigenbericht.) ou dem bereits in der gestrigen Abendausgabe mitgeteilten Beschluß betreffend die Organisation der Angestellten und Beamten ist noch nachzutragen: Die Kommission beantragte, daß die Landesorganisation durch Errichtung von Sektionen und Sekretariaten, sowie durch Aufnahme von deren Funktionären in leitende Stellungen, wie auch in ihren Publikationen, den Beamten und Angestellten entgegenkommen sollen. Die Landeszentralen sollen bei Delegationen auch die Organisationen der Beamten und Angestellten berücksichtigen, besonders auch bei der Wahl von Vertretern im Ausschuß des JGB. Auf Wunsch soll den Organisationen der Angestellten und Beamten Hilfe zuteil werden. Diese Anträge wurden nach dem Bericht von Aufhäuser angenommen, gegen die belgischen Stimmen. Ein weiterer Antrag, auch in die leitenden Stellen des JGB. Beamte und Angestellte zu wählen, wurde auf Antrag von S m i t, Sekretär der Angestelltenzentrale, dem Ausschuß überwiesen. Der Antrag 24, den JGB. zu beauftragen, die E i n f ü h- rung einer Hilfssprache zu prüfen, wurde bei zahlreichen Stimmenthaltungen angenommen, nachdem Fimmen mit großer Wärme für den Antrag gesprochen hatte. I o u h a u x er- stattete dann den Bericht über die Abrüstung und den Kamps gegen den ZNilUarismns. Er wies darauf hin, daß die hauptsächlichste Gewähr für die Er- Haltung des Friedens in der Stärke der Arbeiterorga- n i f a t i o n liege. Wenn der Vertrag von Versailles gewisse Länder gezwungen hätte abzurüsten, so dürfe man nicht vergessen, daß derselbe Vertrag von den anderen Staaten gleichfalls verlange, diesen Weg zu beschreiten. Die Anträge der Kommission wurden ein st immig angenommen. Ueber die Anträge der Kommission betrefsend den Kampf um den Achtstundentag berichtete Bernhardt. Er legte ausführliche Beschlüsse vor, die wir im Wortlaut veröffentlichen werden. Leiparts Bericht zu dieser Frage erklärt: In der Frage des Achtstundentages be- steht absolute Uebereinstimmung innerhalb des Kongresses. Es könne keine Meinungsverschiedenheit darüber geben, daß der Kampf um den Achtstundentag die erste und vornehmste Aufgabe der Gewerkschaften ist. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist die Voraussegung für die Erhöhung der Löhne, den geistigen Aufstieg und das Mitbestimmungsrecht in der Wirtschaft. Deswegen muh auch für die Ratifizierung des Abkommens von Washington eingetreten werden. Es ist festgestellt worden, daß in Deutschland seit 15 Jahren die Zahl der Berufstätigen um 26 Prozent zugenommen hat, während die Zahl der M a s ch i n e n- k r ä f t e um 180 Prozent zugenommen hat. Das heißt, wenn man 3)4 Menschenkräfte auf 1, Maschinenkraft rechnet, daß die Anzahl der Menschenkräfte um 40 Millionen zugenommen hat, ganz ungerechnet ihrer direkten Zunahme um 26 Prozent. Die Forderung des Achtstundentages war also niemals mehr berechtigt als jetzt. Aber auch die Steigerung der Krantheits- und Unfall- Ziffern macht es notwendig, für den Achsstundentag einzutreten. Die Menschen müssen vor den Folgen der Rationalisierung geschützt werden. Deshalb müssen die Regierungen das Washingtoner Abkommen ratifizieren, das aber nur als Minimum zu betrachten sei. Aber von der Kraft der gewerkschaftlichen Organisationen wird die Durchführung wesentlich abhängen. Daher rufe ich allen organisierten Arbeitern zu, die Maßnahmen der Gewerkschaften zu unter- stützen und allen Unorganisierten rufe ich zu: Tretet ein in die Gewerkschaften, und Ihr habt den Achsstunden- tag.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag der Kommission wird ein- st immig angenommen. Brandes- Stuttgart berichtet über die internationale Hilfe bei Lohnkämpfen. Die Kommission empfiehlt mit einigen redaktio- nellen Aenderungen die Annahme der Anträge von Sas- s e n b a ch. Weiterzugehen, sagt Brandes, würde trügerische Hoff- nungen erwecken. Die Anträge der Kommission werden a n- genommen. Schließlich berichtet Tornow über den organisatorischen Ausbau des ZGB. Die österreichische Delegation zog ihre bekannten Anträge nach den Beschlüssen der internationalen Berufssekretäre zurück. Sie be- antragte jedoch, daß der JGB. die Frage prüfen soll. Dieser An- trag wurde gleichfalls abgelehnt. Auch die anderen Vorschläge, be- treffend die engere Verbindung mit der Sozialistischen Arbeiter- internationale verfielen der Ablehnung. Die Anträge der Kom- Mission wurden angenommen. Die Wünsche der sogenannten Sport-Jnternationale, die in Luzern ihren Sitz hat, wurden dem Generalrat zur Prüfung überwiesen. Ueber die Frage der Sitzverlegung und der Wahl der künftigen Sekretäre ist noch keine Einigung erzielt. Es dürfte voraussichtlich auf diesem Kongreß zu einer proviso- rischen Lösung kommen. * Die erste Kommission, die sich mit dem Zwischenfall Oude- gee st- Brown beschäftigt, hat ihre Beratungen den ganzen Freitag über fortgesetzt. Die Mehrheit sprach sich für einen von dem französischen Delegierten Million vorgeschlagenen Text aus, in dem die Gewerkschaftsinternationale Brown, der, ohne das Bureau benachrichtigt zu haben, einen von Oudegeest vor Jahren geschriebenen Brief in die Debatte warf, ziemlich scharf tadelt. Die Leitung des Kongresses hat am Feitag abend die amerika- nifche Botschaft in Paris gebeten, am Sonnabend eine Delegation des Kongresses zu empfangen. Als Delegierte sind Jouhaux und Sassenbach bestimmt worden. Die amerikanische Botschaft hatte auf dieses Ersuchen bis Freitag abend noch nicht geantwortet. Achtung Bauarbeiter l Urwahl zum verbanüstag l � Morgen, Sonntag, von 9 bis 2 Uhr, findet in den bekannten Bezirkslokalen die Urwahl der Abgeordneten zum Bundes- tag bzw. Verbandstag statt. Jelkes Mitglied muß sich an der Wahl beteiligen. Die Beteiligung wird im Verbandsbuch oermerkt. Die Kollegen Glaser, Isolierer, Steinholzleger, Feuerungsmaurer wählen im Gewertschaftshaus. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Der Vorstand. Die öerliner 5leij/« Uhr, Ende 10V. Uli Grün Sommerpr. 3—10 M. ftose-Tbeater Gartenbühne zt/, Uhr; Konzert und Bunter Teil 8 Uhr: i 1*1 Trianon-Theater tägl. 8'/« Uhr; üansi Arnstadt in Demimonde (Halbwelt) SiMn-Sdir». Bin;. Autor. ruh. SdiSh itltordun-Siiim«: Ms. Kflnstler-Th 8«/« Uhr „Da wirst midi heiraten" Lesslng-Theeier 81/, Uhr Israel scava Nollendorf 7360 Das groBe Eröfffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags 2 Vorstell. 330 u. 8 Uhr— 3-° zu ermSBigtan Preisen das ganze Programm. Zü Sonnabend, b. nachmittags 3 Uhr Ii. im Idmiralspalas Täglich VjO Uhr HALLEK' REVUE „An und aus" 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhr u.>/,9Uhr üadui. dlsgaioi Vor- shlliiu n halb. Prtis Theatar des Westens »>,. Uhr Dfe Tugend' Prinzessin Musik von Zorlig Efll BoftaagD, Artbar Hill, kvllBi lodwig, Untli Arttner. Edith to». H. Utosdiäh Komische Oper! 8'/, Uhr;»'/, Uhr: Berlins neueste Revue: Streng vcr&otenüH Dil Rmi du verhöhnen liidensdiattiol Ueber 200 Mitwirk., 8 Balletts, f Vorverkauf a. t. Theaterhaae ab 11 Uhr anunrertr I OTT*» BBOTTBB J Waibalio- Theat. TägliClBSVe Uhr Oer frohiiche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags itnr 00 PI. Ibeat. a. Nollenilorlplati Täglich 8 Uhr iduttthiil na Mejer-Foenttr Mattoai. Riptar, SHstei. Bartels Preise: 1,-. 2,-, 3,- M. usw. Canonkl-Bihnt" Siminerdlrittton Bnito Dih; Th. Könlggräiz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr: OieSdiBle T.Uzaadi Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger zum Schluß: Eine Hochzelt In der Mullerstrafie Dönhoff- Brett'l: (Saal und Garten) Variate, Konzert, Tanz Planetarium am Zoo taling. Jeathimithaler SlraJe Noll. 1578 Dar Stsmenhimmel auf dar Rslsa van Berlin nach dem Aequator Vorführungen; TV», 6, 7'/», 0 Uhr. Eintritt 1 M. fitdirnt. ISJahiMO.SOH Inlerieren brlflgt ERFOLG l Theater am Kottb. Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: Hite-laiuw Gewalliges 'Programni. Lustspielhaus SV» Uhr. Catt Electrik CASINO-THEATESI Wiedereröffnung Täglich: Ihr dniiKler Fleckt HEUTE SOKFEST DER FUNKSTUNDE Das grosse Funkfestprogratum BiESENFEUEßWERK 87■ Eintritt 1 Mk,—— Selbe Ehren- und Freikarten auigshebet. Nr. 368 ♦ 44.Iahrgang 1. Seilage öes Vorwärts SonnabenS, 6. August 1427 Sonntägliche wanöerziele. Alt-Kremmen. Das Luch sei das Ziel unserer heutigen Wanderung. Di« weite Talebene, die sich nördlich von Oranienburg und Kremmen erstreckt, wollen'wir aufsuchen. Im Frühherbst, wenn die Sommerfäden ziehen, wenn das Sonnenlicht matter herabstrahlt, dann ist es schön, zum Luch zu wandern. Wir wählen als Ausgangspunkt der Wanderung Oranienburg, das wir mit den Vorortzügen vom Stettiner Bahnhof erreichen. Oranienburg. Vom Bahnhof wandern wir durch das freundliche chavel- städtchen. Nach Ueberfchreiten der Havel sind wir in der eigentlichen Altstadt, die aber garnichts Altertümliches mehr aufzuweisen hat. Zur Rechten liegt, von einem schönen Park umgeben, das ehemalige Schloß, das lang« Jahrzehnte, bis vor kurzem, ein Lehrerseminar beherbergte. Geradeaus, an dem kleinen Marktplatz, steht das bescheidene Rathaus, und am jenseitigen Ende der Straß« sehen wir ein großes Haus im niederländischen Backsteinstil, ein Waisen- haus.� Dieses Haus erinnert an die Kolonisationszeit des Großen Kurfürsten, der Niederländer in das Land zog und in dem marsch- ähnlichen Luch zwischen Oranienburg und Liebenwolde ansiedelte, wodurch die weitverzweigte, aus Cinzelhöfen bestehende Gemeinde Neu-Holland entstand. Auch die Stadt selbst hat ihren Namen Oranienburg in jener Zeit erhalten; bis dahin hieß ste Bötzow. Um diesen Namen nicht erlöschen zu lassen, wurde er auf das Dorf Kotzeband bei Velten übertragen, das von dieser Zett an Bötzow heißt. Zum Ruppiner Kanal. Wir wandern an der Kirche vorüber und auf dem G e r m e n- dorfer Wege zum Oranienburger Kanal, der westlich von der Havel angelegt wurde, um ein« bessere Schiffahrtsstraße an Stelle der auf dieser Strecke reich gewundenen Havel zu schaffen. Nach Ueberschreitew des Kanals haben wir bald die Obstbausiedelung Eden erreicht, die auf genossenschaft- licher Grundlage ausgebaut ist. Gegenüber liegt das ehemalige Vorwerk Louisen Hof, jetzt ein Erholungsheim der Nordöstlichen Eisen- und Stahlberufsgenossenschast. Oesllich davon führt unser Weg in nordwestlicher Richtung von der Chaussee ab zur Kuhbrücke über den R u p p i n e r Kanal. Das Gelände ist ziemlich eben, wir haben einen schönen Rückblick auf Oranienburg. Etwas vor dem Kanal liegt rechts abseits vom Wege der Kahle Berg, eine niedrige Bodenerhebung, die etwa drei Meter über ihre Umgebung ansteigt. Hier sind vorgeschichtliche Gefäßreste gefunden worden. Nach Ueberschreiten der Kuhbrücke wenden wir uns links,. am Kanal entlang. Bald sind wir in der schönen Forst Neu-� Holland, einem Mischwald aus Kiefern, Eichen und Birken,? besten Rand von Laubzebüsch eingerahmt wird. Der Ruppiner Kanal wurde in den Iahren 1786 bis 1791 angelegt. In 19 Kilometer langem Lauf führt er vom Rhin im Westen von Kremmen.Hurch den die tiefste Stelle des Rhinluchs ein- nehmenden Kr emmener See zur Havel nördlich von Oranienburg. In der Hauptsache wurde er angelegt, um den im Rhinluch, besonders in der Gegend von L i n u m, gewonnenen Torf auf billigem Wege nach Berlin zu schaffen. Bis vor etwa 56 Iahren zogen die schwarzen Torfkähne zur Reichshauptstadt hinab, wo sie in der Gegend des heutigen Bahnhofs Börse ihre Anlegestelle hatten. Nachdem der Torf in Berlin als Brennstoff von der Preßkohle verdrängt war, hatte der Ruppiner Kanal seine wesentlichste Bedeutung verloren. Nur selten noch gleitet heute eine schmale Zille durch die enge Fahrstraße. Schilf, Pfeilkraut. Frosch- löffel und Wasternmpfer besäumen heute die fast unbewegliche Wasserfläche, dessen dunkle Flut geheimnisvoll und schier unerqründ- lich erscheint. In gerader Strecke, immer durch den WalF>, führt der Kanal nach Behrensbrück, einer kleinen Siedbing. Nnl. Luch. Wir können nun weiterhin auf dem diesseitigen Ufer des Kanals bleiben, wir können auch den Kanal überschreiten und auf dem jenseitigen Ufer weiter wandern. Hier bleiben wir länger im Schatten des Waldes. Bei der Schleuse Hohenbruch bleibt der Wald auf dem rechten Ufer zurück. Der Ausblick öffnet sich weit nach Norden. Wir überschauen hier das Eberswalder Urstromtal, von dem das R h i n l u ch nur ein Teil ist, in seiner mehrere Kilometer breiten. Ausdehnung. Zerstreut auf der weiten Ebene liegen die einzelnen Anwesen, umgeben von ihren Aeckern und Wiesen. Bei Döringsbrück verläßt der Wald den Ruppiner Kanal gänzlich. Das Luch dehnt sich jetzt zu beiden Ufern aus. Nach rechts scheint es unabsehbar zu sein, nur ganz hinten, in weiter Ferne erblicken wir den Novdrand des Urstromtals, das Ruppiner Land, von desten Dörfern nur die Kirchtürme zu erkennen find. Links zieht sich in geringerer Entfernung der Wald hin. Am Waldrande liegt Verlorenort, eine nur aus wenigen Häusern bestehende Siedlung, die ihren Namen zu Recht trägt. Weit ab von allen anderen menschlichen Siedlungen führt sie ein träum- verlorenes Dasein am Rand« von Wald und Luch. Nach Kremmen. Wir setzen die Luchwanderung an der Seite des Ruppiner Kanals fort bis zum Kremmer Damm. Er bildete einst die einzige Uebergangsstelle auf weite Entfernungen hin über das in früheren Zeiten noch unwegsamer« Luch. Schon in vorgeschicht- licher Zeit soll hier ein Knüppeldamm durch das Luch geführt haben, wie man aus verschiedenen Funden und Beobachtungen schließt. Am Ausgang des Mittelalters entspann sich am Kremmer Damm mehrmals ein heftiges Ringen feindlicher Heerhaufen. In südlicher Richtung wandern wir aus dem Kremmer Damm, der jetzt nichts mehr von einem vor- und frühgeschichtlichen Knüppelwege zeigt, son- dern schon lang« zu einer festen Chaussee ausgebaut ist, nach Kremmen. Die Stadt hat bereits als wendische Siedlung bc- standen. Noch heute ist ein Kietz vorhanden, ein Stadtteil, der für die Behausungen der wendischen Fischer bestimmt war. Nach der deutschen Rückeroberung wurde in Kremmen eine Burg angelegt, um den wichtigen Uebergang über das Luch zu schützen. Eine Urkunde vom 8. Mai 1298 berichtet von der Umwandlung des Burg- fleckens Kremmen in eine Stadt. In Kremmen wurde auch am 20. Juni 1236 der wichtig« Vertrag zwischen den Markgrafen Johann I. und Otto II. und dem Herzog Wratislaw von Pommern geschloffen, worin dieser das Land Stargard an die Mark abtrat. Auf sonderbare Verhältnisse lassen einige Nachrichten aus früherer Zeit schließen: so war zur Entfernung der Hunde während der Predigt ein Hundepeitscher angenommen, und 1724 wird ein Kirchen- wecker genannt. An mittelalterlichen Baulichkeiten ist in Kremmen nichts mehr erhalten geblieben. Mehrere große Brände(der letzte um 1846 legte über die Hälfte der Stadt in Asche) haben alles vernichtet. Der Turm der Nikolaikirche ist vor einigen Jahren vom Blitz getroffen worden. Er mußte abgetragen werden. Einige alte Fachwerkhäuser mit recht verzogenem Gebälk in der Dammstraß« bilden wohl die ältesten erhalten gebliebenen Wohnhäuser der Stadt. Der Bahnof liegt südlich der Stadt. Um Fahrgeld zu sparen, können wir bis Velten mit dem Fernzug und dann mit dem Vorortzug fahren. Läng« der Wanderung etwa 24 Kilometer. Die �annowitzbrücke wisü abgerijsen. Umleitung des gesamten Wagenverkehrs. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, die Zweiglinie der Gesundbrunnen-Neukälln-Bahn durch die Alexanderstraße und Brückenstraß«, anstatt durch die Neue Friedrichstraße zu verlegen, bedingt den Abbruch der Ianno. mifi brücke. Noch in diesem Jahre wird daher die alte Brücke vollständig abgerissen. Für den Fußgängerverkehr wird eine Notbrücke errichtet. Der gesamt« Wagenverkehr wird um- geleitet. Der Abbruch der alten Brücke wird besonders von der Schiffahrt begrüßt, die zur Verkehrserleichterung und mit Rücksicht auf den später zu erwartenden 1666-Tonnen-Verkehr den Strom in seiner ganzen Breite zur Verfügung zu haben wünscht. Dieser Wunsch wird beim Bau der neuen Brücke berück- sichtigt, die als moderne Eifenkonstrukrion in. einem Bogen ohne jeglichen Strompfeiler die Spree überspannt. Die Schiff- fahrt braucht sich dann nicht, wie bei der alten Brücke, an die drei schmalen Durchfahrtstore zu halten. Alst Riicksichi auf den zu erwartenden starken Straßenverkehr wird die neue Brücke ungefähr 36 Meter breit sein, die beiden Fahrdämme haben eine Breite von je 8 Meter. In der Mitte wird ein besonderer Gleis- körper für die Straßenbahn errichtet. Mit dem Bau wird im nächsten Iahr begonnen werden. Gleichzeitig wird der Stadtbahn-Viadutt, an dem zur- zeit bereits Verftärkungsarbeiten im Gange sind, auf«ine Länge von 156 Meter umgebaut, und zwar zwischen dem Bahnhof Iannowitz- brücke und der Straßenunterführung„An der Stralau er Brücke". Zweck dieses Umbaues ist, den Verkehr von der D i r ck s e n st r» v« her in die B r ü ck e n st r a ß e in schlanker Linie einleiten zu können. Dies erfordert den Abbruch mehrerer Häuser; der Häuserblock zwischen der Iannowitzbücke und dem Südende der Dircksenstraße muh ganz ve r s ch w i n d e n. Die Dircksenstraße wird dann in Richtung Nord- Süd und die Alexanderstraße in Richtung Süd-Nord E i n b a h n- st r a ß e. Die Uferanlagen zwischen der W a i s e n b r ü ck e und der Iannowitzbrücke erfahren bedeutende Verbesserungen. Die Silbers chu) arm e 23] Voll SRozc Veaxf) IN achdruck tecdotm StafoctfUtt* an» bcm C£ngftf(f>en von In�la„Koppel „Hier gibt es keine Eingeborenen, Uyak ist kein Dorf. Hier sind nur die beiden Fabriken, und ich und der andere Aufseher dürfen unsere Posten nicht verlassen." Emerson richtete seine Augen auf den ausgezehrten Mann, der auf einem Stuhl ausgestreckt lag; und Fräser, der die flehende Bitte in seinem Blick las, antwortete tapfer mit einem gezwungenen Lächeln auf seinen verzerrten, blutlosen Lippen:„Ja, ja, Kamerad, ich bin bepeit, morgen früh weiter zu rudern I" Das alte russische Dorf Kodiak liegt auf der anderen Seite der Insel, zu der sie gekommen waren; es ist noch ein Ueberbleibsel aus jener Zeit, als das Land zum ersten�nal in Besitz genommen wurde, und obgleich es zum großen Teil von Eingeborenen und einigen Mischlingen bevölkert ist, leben hier auch etliche Weiße, für die Weihnachten eine feier- liche und festliche Zeit ist. Darum war die Mannschaft der „Dom" sehr zufrieden,-daß ste Weihnachten an einem Ort verbringen sollte, wo jeder herzlich willkommen war, und es schöne junge Mädchen gab. .Da der Winter hier eine Ruhezeit ist, wo nur die Dumm- dreisten sich den Gefahren des Meeres aussetzen, erweckte es großes Aufsehen, als am Nachnrittag des ersten Weihnachts- tages ein eisüberzogenes Kanu mit drei Weißen an Bord am Strande anlegte— aber waren es wirklich Weiße? Ihre Gesichter waren so dunkel und von der Kälte aufgesprungen, daß sie blutenden Masken glichen. Ihre- Hände waren in den Handschuhen erstarrt, sie waren hohläugig, und ihre Backen mager und eingefallen, sie tonnten nicht gehen, son- dern krochen auf Händen und Füßen über den schneebedeckten Strand, und als sie die Straße erreichten und zu humpeln versuchten, brachen sie in den Knien zusammen, als ob ihre Bein- lahm feien. Einer von ihnen war sogar so schwach, daß er das Kanu nicht verlassen konnte, und als zwei Seeleute hineilten und ihn heraushoben, plapperte er wirres Zeug. Ein anderer, ein großer, eckiger Riese taumelte auf den Dampfer zu. Sein Kopf wackelte von der einen Seite zur an- deren und seine Schultern hingen schlaff herab. Der dritte aber, der sich nur mit Mühe vorwärts schleppte, sah am seltsamsten aus. Er hatte etwas Unheim- liches, schlug jede 5)ilfe aus, richtete seinen schwankenden Körper auf, stemmte, seine erstarrten Beine gegen den Boden und starrte mit bösem Blick in die Richtung zurück, woher sie gekommen waren. Seine Augen glühten wie Kohlen in ihren tiefen Höhlen, während �seine geschwollenen Lippen sich zu einer Grimasse verzogen. Er hob seine Arme und schüttelte seine geballten Fäuste trotzig zum Polarhimmel, während er unverständliche Worte murmelte. Ddrauf folgte er schwankend seinem Kameraden.. � Eine Woche später sahen Boyd und George die Lichter von Port Townsendachtern durch die Dunkelheit schimmern. In Iuneau hatten sie einen schnelleren Dampfer de- kommen, der sie instand gesetzt hatte, den letzten Teil ihrer Reise in kürzerer Zeit zurückzulegen, als sie gehofft hatten, und die Fahrt, die sie von den arktischen Winden zu milde- rem Klima führte, hatte die Leidest, die die Kälte ihnen zuge- fügt hatte, fast verwischt. Das nachdenkliche Schweigen,-das zwischen beiden ge- herrscht hatte, wurde jetzt von George unterbrochen, der, je mehr sie sich zivilisierten Gegenden näherten, um so unruhiger wurde. „Wie lange wollen wir in Seattle bleiben," fragte er. „Nur so lange, bis ich mich mit einer Bank in Verbin- dung gesetzt habe. Bielleicht nur einen Tag," antwortet« Emerson. „In Chikago muß man sich wohl fein anziehen," fragte George vorsichtig. „Einige tun es." „Frack, nicht wahr?" „Auch das." „Hast du schon mal einen angehabt?" „Freilich." „Einen ganzen Tag lang." Boyd lachte.„Am Tage habe ich keinen angehabt, seit ich mein Examen an der Universität bestanden habe. Den Frack trägt man nur des Abends." George dachte über das Gehörte nach, während Emerson durch die sammelartige Tpnkelheit starrte, um nach einem Augenblick wieder gestört zu werden. „Jemand hat mir mal erzählt, daß es in Chikago reiche Leute gibt, die zu Frauen gehen, um sich die Nägel reinigen zu lassen, bis sie ganz blank schimmern. Ist das wahr?" '„Ja, das ist wahr." Wieder eine�Pause. darauf räusperte Bali sich und sagte mit gemachter Gleichgültigkeit:„Du hast dir deine Nägel wohl nicht blank machen lassen?" „Doch." Der große Mann öffnete den Mund, um zu sprechen, besann sich dann aber und bemerkte:„Ich glaube, es ist besser, daß ich in Seattle bleibe und auf dich warte." „Nein, nein," sagte Emerson eifrig,„ich brauche deinen Beistand als Fachmann, um das Geld für unser Unternehmen zu verschaffen. Es wird dir in Chikago schon gefallen," fügte er lächelnd hinzu. Jetzt trat Fräser zu ihnen, er war wieder ganz her- gestellt und sah vergnügt aus. Während des größten Teils der Reise hatte er sich, zu Boyds großer Erleichterung, den anderen Passagieren angeschlossen, so daß Balt und Emerson in Ruhe ihre Pläne miteinander besprechen konnten. „Wann wollen wir nach Chikago Weiterreisen?" fragte er Emerson. „Wir?" sagte Emerson.„Ich habe dir versprochen dich bis Seattle mitzunehmen, weiter nicht." „Na, wir werden sehen," bemerkte Fräser gleichgültig, sagte gute Nacht und verschwand. Als der Dampfer aber am yüchsten Morgen im Dock anlegte, stieg er unaufgefor- dert in ihren Wagen, fuhr mit ihnen zum Hotel und schrieb seinen Namen unter den ihren im Fremdenbuch ein. Sie verloren ihn indessen bald aus den Augen, denn ihr erster Gang galt einem Schneidergeschäft. Die Kleider, in denen sie angekommen waren, zeigten, woher sie kamen. Und dennoch weckte ihre merkwürdige Erscheinung wenig Auf» sehen, denn Seattlö ist das Eingangstor zu dem großen nörd- lichen Land, und alle, die von dort kommen und dorthin ab- reisen» treffen in Seattle zusammen. Auf unsere Reisenden aber wirkte die Stadt sehr seltsam und erregend. Die Par- füme der Zivilisation widerten ihren Geruchssinn an, die dichte Menschenmenge ging ihnen, die sie aus der Einsamkeit und Stille kamen, auf die Nerven, George lief über die Fahrdämme, als ob er verfolgt würde. Es dauerte mehrere Stunden, bevor sie passende Klei- dungsstücke für Georges riesigen Körper gefunden hatten, und als sie ins Hotel zurückkehrten, fanden sie dort den Vertreter einer Zeitung, der schon ungeduldig auf Emerson wartete. (Fortsetzung folgt.) Unerfreuliches an In Baltrum..... doch zuvor s«i mitgeteilt, daß Baltrum, noch in weitesten Kreisen unbekannt, die k lein st e der o st friesischen Inseln zwischen Norderney und Langeoog ist und zum preußischen Regierungsbezirk Aurich und zum Kreis Emden gehört. Also auf dieser kleinen Nordseeinsel scheint der Respekt vor der Nationalflagge nicht sehr groß zu lein. Wie man uns von dort schreibt, ist dort der Badestrand fiskalisch— gehört also dem Staate. Die Eemeinde bezahlt keinen Pfennig dafür. Zurzeit der Flut wenn Badezeit ist, weht die unveränderte schwarz- weißrote Flagge auf dem Badehaus. Man ist bei- dem Jnselvogt, dem Gemeindevorsteher und der Badeverwaltung vorstellig geworden. Es nutzt nichts. Die Fahne weht noch. Der Strand ist übersät mit schwarzweißroten Fahnen. Als zwei schwarz- rotgoldene Flaggen gehißt wurden, wurden beide heimlich heruntergerissen. Als kurze Zeit darauf acht schwarz- rotgoldene Fahnen wehten, wurden sie abermals nachts heruntergerissen und gestohlen. Die Bestohlenen beschwerten sich bei dem Jnselvogt, dem Gemeindevorsteher und bei der Bade- Verwaltung und baten um Schutz. Nichts ist geschehen. Man sandte Telegramme an den Oberpräsidenten und zuletzt an das Innenministerium. Wenn hier nicht eingegriffen wird, kann nächstens kein deutscher Republikaner ein Nordseebad besuchen.' Soweit die Zuschrift. Zunächst aber hätte wohl die zuständige Behörde allen Anlaß, ein wenig nach dem Rechten»zu sehen und dafür zu sorgen, daß die Reichsflagge unan- g e t a st e t bleibt. Es scheint hiernach nämlich, als ob Boltrum die„Germaneninsel Borkum", wie es so schön in der„Deutschen Zeitung" heißt, zum Vorbild nehmen will. Daß die Zeiten, wo man sich ungestraft eine Verhöhnung und Verächtlichmachung der Reichsflagge erlauben durfte, wohl bald vorüber sind, lehrt eine Notiz, die das N or d.s e e b a d Norderney in die Presse lanziert und in der es gleich zu Anfang heißt:„Der Burgensriede und Burgsriede in Norderney ist auch in diesem Jahr das sorgsam gehütete Gut aller Kurgäste. Es ist erfreulich festzustellen, wie von allen Seiten die Parole der Badeverwaltung befolgt wird, alles, wenn es auch noch so harmlos gemeint ist, zu unterlassen, was zu einer Störung führen könnte." Aus dieser Mitteilung ist deutlich zu erkennen, daß es die Badeverwaltung und die Kurdirektoren find, die, wenn sie wollen, dafür sorgen können, daß Ruhe und Fried« am Strand herrscht. Bekanntlich sind viele Kurdirektoren ehemalige Offiziere, und wie diese Herren vielfach eingestellt sind, \ Norö- lmö Oftfee. \ kleinen Bädern» weiß man. Daß das verständige Verhalten der Norderneyer Ber. waltung leider noch lange nicht Allgemeingeltung hat, beweist der Baltrumer Fall, beweist aber auch ein anderer Fall, den der Ber- band Deutscher Ostseebäder Zu verantworten hat. In dem offiziellen von diesem Berband für das Jahr 1S27 herausgegebenen Bäderführer„Die Ostsee" heißt es in der Be- schreibung des Ostseebades Bansin, das bekanntlich für die Ostsee das ist, was Borkum sür die Nordsee:„Ein Wald von schwarzweißroten Flaggen gibt dem Seebad Bansin das Gepräge." Diese Dreistigkeit macht sich wie gesagt in dem offiziellen Führer des Verbandes Deutscher Ostseebäder breit. Bon diesem germanischen Ostseebad Bansin nun schwärmt in der„Deutschen Zeitung" ein ge- wisser Paul Voelkel in folgender echt germanischer Weise:„Dem blauen Tag folgen die sternenhellen Abende, dann füllen sich die Säle mit tanzfreudiger Jugend, die Frauen erscheinen wie sektgefüllte Kelche, in denen lockende Süße perlt" Die germanischen Frauen und Mägdelein müssen ja wissen, ob dieser überschwengliche Vergleich aus sie paßt. Zum Schluß heißt es aber: „Nur die Töne der Jazzmusik ertönen ohne Unterlaß aus den Ber- gnügungsstStten." Wie? Bansin, das schwarzweißrote- völkisch- deutschnationale Bansin, die Hüterin aller wahren teutschen Sitte und Kultur leidet an einer chronischen Jazzvergiftung? Es ist unerhört, daß noch immer an der deutschen Ostsee und Nordsee die republikanischen Gäste infolge des Versagens der Kur- Verwaltungen durch die Frechheiten der Schwarzweißroten gereizt und brüskiert, und um ihre Erholung gebracht werden. Wenn die Ost- und Nordseebäder nicht endlich einen Frontwechsel vollziehen, wird man ernstlich darauf be- dacht sein müsien, alle Republikaner und überhaupt alle ruhe- und friedenliebenden Staatsbürger nach anderen Seebädern zu dirigieren. In den kleinen belgischen und holländischen Nordsee- bädern, in den dänischen, schwedischen, baltischen und sinnischen Ostseebädern sind die Deutschen, die sich den Sitten des Landes fügen, gern gesehene Gäste, und man lebt dort aus keinen Fall teurer als in unseren deutschen Nordsee- und Ostseebädern. Deutsche Gäste sind entzückt von der Gast- sreundschast und dem liebenswürdigen Entgegenkommen, den die Deutschen besonders in Schweden genießen. Zunächst aber wollen wir unseren Freunden, die an der Nord- und Ostsee weilen, oder noch dorthin gehen, raten, einmal darauf zu achten, wie die Kurverwaltungen und die Gemeindevorstände den Tag der Berfassung, den 11. August, begehen. Vor öem deutschen flmerikaflug. „Europa" und„Bremen" ab Montag startbereit! D e s s a u. S. August 1927. Nach den letzten Dispositionen, die in Dessau auf Grund des gestrigen alle Erwartungen übertreffenden Rekordfluges der Zunkers 33 L getroffen worden find, gelten die beiden Maschinen„E u r o p a" und„B r e m e n" nach Vollendung des be- stimmt Sonnabend erfolgenden Probefluges der Piloten Loose und stoehl vom Montag, den S. August ab als startbereit zum Ozeanflug. Bis zu diesem Termin nimmt man an, daß sich die Rekord- flieger R i st i c z und E d z a r d von den Strapazen ihres bZstündigen Fluges erholt haben werden und daß auch die Ueberholung ihrer Maschine und des Motors auf der Werft beendet fein wird. Insbesondere der Junkers I- S-Motor wird nach dieser ge-i waltigen Laufprobe bis in die kleinsten Konstruktionsteile auf etwaige Abnutzungen untersucht werden. Alles weitere wird nunmehr vom Wetter über dem Atlantik abhängen. Die Junkers- Werke werden von der Hamburger Seewette rw arte von jetzt ab fortlaufend über die atmosphärischen Verhältnisse über dem k�zean unterrichtet und durch einen besonderen Sachoer st an- d i g e n für ihrer etwaigen Maßnohmen beraten. Die Einrichtung der Ozeanmaschinen hat sich, was Anordnung der Benzintanks, Regelung der Brennstosszusuhr usw. betrifft, nach den Berichten von Risticz und Edzard als durchaus zweckent- sprechend erwiesen. Beide Piloten konnten in gewissen Ab- ständen immer wieder kurze Zeit in der Kabine der Ruhe pflegen, um dann wieder gekräftigt an das Steuer zurück- zukehren. A Dr. h. c. Koch las die Zeitung. Der Reichsverkehrsminister hat der Firma Junkers anläßlich des neu aufgestellten Weltdauerrekords folgendes Tele- gramm gesandt:„Ich ersehe aus den Zeitungen, daß es einem Flugzeug des Werkes gelungen ist, den W e l t d a u e r- rekord zu brechen. Indem ich ihnen hierzu mein« besten Glückwünsche ausspreche, wünsche ich, den weiteren Plänen des siegreichen Flugzeugs guten Erfolg. Dr. Koch, Reichs- vorkchrsminister." Wie gut, daß der deutschnationale Reichsverkehrsminister zu- weilen die Zeitung liest! Sonst hätte er höchstwahrschein- sich von dem Weltdauerrekord überhaupt nichts erfahren, da er sich dienstlich offenbar um die vielleicht nicht ganz unwichtige Angelegenheit seines Ressbrts nicht kümmerte. vor üem Arbeitsgericht. Ausschnitte aus dem Leben. So mannigfaltig wie das Leben, sind die kleinen Sachen und Sächelchen, die Tag für Tag das Arbeitsgericht beschäftigen. Bald sind es trockene Rechenexempel, die wenig Kopfzerbrechen machen und schnell erledigt sind. Bald sind es aber kleine Ausschnitte aus dem Leben, die nicht im Handumdrehen zu entscheiden sind und zuweilen sogar Spaß machen können. Der Beklagte, ein rundlicher Mann, dem man seinen Beruf an Nase lmd Bauch ansieht: Ein Rektaurateur. Die Klägerin, eine kleine schnippische Dam«, die ihre Sache sehr gut vertritt. Sie war von außerhalb noch Berlin gekommen und hatte beim Beklagten als Serviermamscll Anstellung bekommen. Die ganze Herrlichkeit, sür die sie 15 Mark einem Bermittlungsburevu gezahlt hatte, währte aber nicht länger als«ine W o ch e. Außer ihr war nämlich noch «in älteres Fräulein bereits vier Jahre in diesem Restaurant in Stellung. Und wie es so üblich ist, wurde viel getratscht: die Frau des Chefs sei früher Hausangestellte gewesen, seine Töchter trieben sich mit den Gästen herum und... schweigen wir besser, um nicht indiskret zu fein. Eines Tages hotte die neue Mamsell auch die Unvorsichtigkeit zu sagen, daß man eigentlich bei der Ordnung, die im Hause' herrsche, sehr' leicht den Wein nicht zu„markieren", d. h. verrechnen, brauche. Dann geschah aber das Unglück. Die beiden Mamsells, die jüngere und die ältere, gerieten einander in die Haare und warfen sich bei dieser Gelegenheit verschiedene unange- nehme Dinge an den Kopf, u. a. klagten sie einander auch der Ber- leumdung gegen. die Herrschast an. Die Herrschaft hörte es; der Deklagte war eben erst von seinem Urlaub zurückgekehrt und fo beschloß er Ordnung zu stiften; er setzte zuerst die jüngere Mamsell an die Luft und hinterdrein die ältere Mamsell. Beide klagten auf Gehaltsansprüche. Als erste kam die jüngere an die« Rcihe.� Der Beklagte erklärte, er könne doch nicht in seinem Haus- halt eine Person halten, die derart sein Weib und seine Tochter beschimpft und obendrein noch Wein stiehlt. Als Zeugin hatte er aber unvorstchtigerweise die ältere Mamsell geladen. Anstatt zu seinem Gunsten die Aussage zu machen, schimpfte sie auf den Beklagten los und �bestritt selbstverständlich aus dem Munde der Klägerin etwas Ungünstiges über dessen Frau und Tochter gehört zu haben.„Daß Ihre Töchter mit den Herren Sekt trinken, das wissen ja alle," meinte sie. Der Kläger aber erklärte, es gäbe keine Gerechtigkeit„hier" und zahlte die 1 Mark, die das Gericht im Vergleichswcge be- stimmt hgtte. Zum Abschied bekam er aber vom Vorsitzenden die Mahnung aus den Weg, in Zukunft seine Sero ierfräulein. nicht auf Prozente zu engagieren, sondern au� festes Gehalt,— wie das Gefetz es vorschreibe. Ein anderer Fall. Der Kläger ein Kellner. Der Beklagte der Chef des Restaurants. Der Kellner soll die Schwäche besitzen, während der Arbeit mehr Gläser Bier zu trinken, als es für ihn gut ist. Dos behauptet wenigstens der Chef. Als eines Tages einige Kunden sich nicht schnell genug bedient glaubten, ging der Chef nach hinten und machte dem Ober Vorhaltungen. Der meinte dazu: er könne doch nicht zu gleicher Zeit hinten und vorne sein. Das konnte er auch wahrhaftig nicht. Und dann kam es zum Zwischenfall. Der Kellner erhielt plötzlich von hinten eine Wucht Prügel. Er ging stracks zum Polizeirevier, holte sich hier Schutz, kam ins Restaurant zurück, packt« seine Sachen und stellte nun Gehaltsansprüche in Höhe von 100 Mark. Der Nebenkläger behauptet, er sei vom Kellner zuerst angefaßt worden, er habe sich nur gewehrt. Er ist bereit, darauf den Eid zu leisten. Der Vorsitzende warnt ihn:„M achen Sie sich nicht un- glücklich. Können Sie wirklich beschwören, daß e r Sie ge- schlagen hat, bevor Sie ihn geschlagen haben?"„Doch, ich kann es beschwören."„Mann, seien Sie vorsichtig. Das Gericht �macht Ihnen einen Vorschlag: Zahlen Sie 80 Mark."„Ich will keine 80 Mark zahlen."„Wieviel wollen Sie zahlen?"„20 Mark." „Und der Kläger will 120 Mark."„Also, mein letztes Wort, 70 Mark," sagt der Richter.„Gut, ich zahle 70 Mark." Ein eigen- tümlicher Beklagter. Er hat gut getan, im letzten Augenblick Angst vor seiner eigenen Courage zu bekommen. Es wäre wohl doch ein kleines Meineidsverfahren dabei herausgekommen. Keine Straßenbnh» durch die Zelten! Wir erhalten von ärztlicher Seite dies« Zuschrift: „Bei dem Interesse, welches Ihr Blatt an der Erhaltung des Bellevue-Parks und der Ruhe der nordwestlichen Stadtteile nimmt, gestatte ich mir, vom ärztlichen Standpunkt aus auf folgendes hinzuweisen. Vor allem aus sanitären Gründen bitte ich dringend als Arzt, von dem Plan, die Straßenbahn durch die Zelten zu legen, abzusehen. Als alter Anwohner der Zelten weiß ich, daß von jeh«r gerade nervöse Menschen mit Vorliebe in dieser schmalen, abgelegenen Straße Wohnung genommen haben, um nicht von der' Straßenbahn belästigt und gefährdet zu werden. Diese würden durch diese Verlegung der Straßenbahn aufs schwerste betroffen werden, ebenso die Nerven- leidenden der Heilanstalt In den Zelten 10 und öa, und auch die erholungsuchenden Spaziergänger, die seit atther in großen Scharen vor den Gaststätten der Zeltenwirtschastc� auf und ab- wandern, würden aufs schwerste gestört werden. Dazu kommt die ästhetische Berschandelung. Und warpm dies alles? Die Chor- lottenbupger Chaussee ist nicht so überfahren, um diesen Schritt zu rechtfertigen. Man sehe sich nur den Bois de Boulogne in Paris und den Hydepart in Lo n d o n an, wo der Verkehr viel stärker' ist. Darum die Hände weg von den ehrwürdigen Bäumen und alten Wegen unseres Tiergartens, wie es die Rück- ficht auf die Gesundheit, Schönheit und Pietät erfordert!" Schwerer EisenbahnunfaU in Zehlenöorf. Ein Lokomotivführer getötet. Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich gestern nachmittag auf dem Bahnhof B.e rl i n- Z« h le n d o rf ar« der Strecke von Berlin nach Potsdam. Ein von Berlin nach Pots- dam fahrender Güterzug stieß auf einen Güterwagen, der gerade entladen wurde und an der Lagerrampe von den Arbeitern zu weit vorgeschoben war. Däbii geriet der Loko- motivführer des Güterzuges, der auf dem Trittbrett seiner Maschine stand, zwischen den Güterwagen und the Lokomotive und wurde durch den Zusammenprall getötet. Auch drei Wagen des Güterzuges und ein Bretterschuppen, auf den die führer- lose Lokomotive, fuhr, wurden stark beschädigt. */ Von einer Lokomotive überfahren wurde gestern früh der Maler Paul H o l z n a g e l, Charlottenburg, Eosanderstr. 18, als er vor dem Kilomertestein 1,4 zwischen den Bahnhöfen Alexander- platz und Iannowitzbrücke mit A n st r« i ch e r a r b e i t e n an den Kabeln beschäftigt war. Mit schweren Verletzungen an Kopf und Hals bracht« man den Verunglückten nach dem Kranken- haus Friedrichshain. Die Ursache des Unfalls konnte noch nicht fe st g e st e l l t werden. Kuknkseier in Moabit. Unter dem Rubrum B. und Genossen sahen die wissenschaftlichen Naturalienhändler B. und K. auf der nAklagebank. Dazu 5)err I., der von seinem Vater eine große Eiersammlung geerbt hat. Eines Tages wird eine Postkarte nach Holland aufgegeben, die, statt befördert zu werden, zufällig in die Hände des bekannten Naturalienhändler B. und K. auf der Anklagebank. Dazu Herr I., die Händler Angebote von Kuckuckseiern machten. Nun muh man aber wissen, daß die Gehege des Kuckucks und anderer Vögel durch naturfchützlerische Polizeideftimmungen geschützt sind. Die Händler hatten sich also strafbar gemacht, wenn sie Eier dieser Vögel anboten. Wiewohl nun vor sechs Wochen bei Dr. H. eine erfolgreiche Haussuchung auf gleichfalls geschützte Insekten oorge- nommen worden war, steht Herr Dr. H. jetzt als Sachverständiger vor Gericht, um seine Beschlagnahme von Kuckucks- eiern zu rechtfertigen. Der Verteidiger Leo Iaff� plädiert auf Freisprechung, der Staatsanwalt verlangt, trotzdem er zugibt, daß die Angeklagfen bona ticke(im guten Glauben) gehandelt haben, 100 Mark Geldstrafe. Heitertett erwecken die ziemlich einseitigen Ausführungen des Sachverständigen H., und da« um so mehr, da er selbst bei der Firma des jetzt angeklagten K. Eier des gleichfalle geschlltz:en schwarzen Storches und des Schreiadlers bestellt hat. Erdrückend aber für den Sachverständigen sind die Gutachten der berühmtesten international anerkannten Autoritäten auf dem Naturschutzgebiet. Kein Wunder, daß der Richter das Urteil erst in acht Tagen verkünden will. Gebühr für Nohrpoftkarten'— beinahe Nepp. Die Post hatte es rnjt der Erhöhung des Portos so eilig, daß sie nicht einmal die Presse genau informieren konnte. So kommt es, daß heute bei den einzelnen Postämtern sich die Anfragen häufen. So schreibt uns ein Leser: Wer weiß, was eine Rohrpo st karte oder ein R o h r p o st b r i e f kostet? In der Presse habe ich nichts finden können. Es ist doch nicht anzunehmen, daß die Zeitungen gerade diese �Erhöhung bekanntzugeben vergessen haben sollten. Oder sollte es die Postbebörde aus irgendeinem Grunde vergessen haben? Die neuen Sätze sind aber auch so hoch, daß man oersucht sein kann, das letztere anzunehmen. Die Post hat alle Veranlassung gehabt, hierüber nicht allzuviel in die Oeffentlichkeit dringen zu lassen. Während die Eilzustellungen„nur" von 30 auf 40 Pf. erhöht wurden, hat sie bei den Rohrpostsendungen gleich ganze Arbeit gemacht. Kostet« früher die Rohrpostkarte 38 Pf. und der Brief 40 Pf., so jetzt 55 Pf. bezw. 58 Ps. Das sind Steigerungen von 19 und 18 Pfennig. Solches Per- holten der Post ist von Nepp nicht mehr weit entfernt, während man in der Tat nicht anders kann, als von glatten Nepp sprechen, wenn sich die Post für ein Automaten- g e s p r ä ch 10 Pf. zahlen läßt, ohne die Verpslichtung zu über- nehmen, das Gespräch auch zur Ausführung zu bringen. ?m brennenüen Fahrstuhl eingeschlossen. Rettung im letzten NugenbliS. (£in seltsamer Unfall, der große Aufregung verursachte, ereignete sich gestern nachmittag im Hause Kaiserin-Augusta-Straße 75/76 in Berlin W. Auf dem Treppenflur erschollen plötzlich laute Hilferufe. Hausbewohner eilten hinzu und bemerkten, wie aus dem Fahrstuhlschacht dicke Rauchwolken hervorquollen. Gleichzeitig ertönten wieder verzweifelte Hilferufe eines Mannes. Der �zahr- stuhl, in dem sich ein Briefträger befand, war insolge Kurzschlusses zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk stehen geblieben. Die Kabel unter dem Auszug gerieten ins Schmoren und setzten den B o d e n i n B r a n d. Auf den Ruf„M e n s ch e n l e b« n i n G e- fahr" eilte die Feuerwehr unter Leitung des Baurates F o o t h mit zwei Löschzügen herbei. Beim Erscheinen der Wehren brannte der untere Teil des Fahrstuhls bereits lichterloh. Durch das tat- kräfttge Eingreisen der Wehren, die von unten aus Wasser gaben und den Fahrstuhl durch eine Winde niederzogen, gelang es, den in Lebensgefahr schwebenden Briefträger, der schon stark benommen war, im letzten A u g e n b l i ck zu retten. Nur suns Minuten später wäre die Hilse schon vergebens gewesen. Das Feuer könnt? jchnell gelöscht werden.__ Ein Zeuge, öer nicht zeugt. Ein schwülstiger„offener Brief", den der Abendableger der Berliner„Prawda" an den Generalstaatsanwalt richtet, ergibt unter der Phrafenhülle folgenden verblüffenden Tatbestar�: Die Staat e- a n w a l t s ch a s t hat das Kommuni st enblatt ausgefordert, ihr den a n g e b l i ch e n Augenzeugen sür die von ihr behaup- teten Ulapmord«, mit dessen Perichten das Blatt tagelang Sen- s a t i o n gemacht hat, namhaft zu machen, damit er für die gericht- liche Untersuchung vernommen werden könnte. Diese Benennung wäre ein Gebot der Selbstverständlichkeit für jeden, der ernsthaft an Morde glaubt und ihre Aufklärung fordert. Aber das kommu- nlstenblakl lehnt sie unter den dümmsten und fadenscheinigsten vor- wänden ab. Dieser Zeuge zeugt also nicht, wenn es ernst wird. Viel- leicht deswegen, weil er selber noch gar nicht erzeugt ist und nur erst das Homunculusdasein einer redaktionellen Phantasiegeburt führt. Pielleicht auch umgekehrt: der Zeuge wird sich überlegt haben, daß jemand, der die Anlegung des Soldatenfriedhofs im Jahre 1813 mit angesehen hat, anstandshalber doch selber nicht mehr unter den Lebenden weilen kann. Noch nicht geboren oder schon längst ge- starben— jedenfalls ein wahrhast klassischer Zeuge! Magistrat, Polizei und Verkchrsordnnng. Der Magistrat hat an den Polizeipräsidenten ein Schreiben gerichtet, das gleichzeitig veröffentlicht wird, in dem eine einheitliche Polizeioerordnung oerlangt wird, in der alle Bestimmungen sür den Verkehr auf der Straße enthalten sein sollen. Pon zuständiger Stelle aus dem Polizeipräsidium wird� uns dazu mitgeteilt, daß 1. das Schreiben, das bereits veröffentlicht worden ist, beim Polizeipräsidium noch nicht eingelaufen ist; 2. dem Magistrat alle Bemühungen des Polizeipräsidiums um die Modisi- zierung der Verkehrsverordnungen auf das genaueste bekannt sind, ebenso die Gründe, die dazu geführt haben, daß die einheitliche Ber- kehrsverordnung bisher noch nicht fertiggestellt werden konnte. Die V-Bahn-Eingänge am Zbo. Die Einführung des Ringverkehrs um die Gedächtniskirche hatte bekanntlich zur Folge, daß dieser Platz monatelang ein Verkehrs- Hindernis bildete. Obgleich die Straßenbahn schon mehrere Wochen auf den neuen Gleisen fährt, sind die Vau- und Pflaster- arbeiten erst jetzt beendet. Die Schutzinseln sowie Zwischendämme sind fertig angelegt, die Kandelaber oersetzt sowie die Gitter zwischen den Gleisen bereits fast fertig gestrichen. Man räumt schon den letzten Schutt von den Dämmen. Nur die Geländer aus den Bür- gersttigen, die das Ueberschreiten des Dammes an unzweckmäßigen Stellen oerhindern sollen, müssen noch ausgestellt werden. Jetzt bat aber die U-Bahn den Einbau der neuen Zugänge zum Bahnhof Zoo von der Gedöchtniskirchen-Seite her begonnen und wird damit eine lange herbeigewünschte Verkehrsnotwendigkeit verwirklichen. Der Bauplan ist so vorbereitet, daß keine größeren Verkehrssperrungen eintreten werden. Der Bau selbst wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Bei Sonnenbrand Brennen der Haut, wirv kühlend und reizmildernd, gleichzeilig� beste Toi- lettecreme von herrlichem Blülenzeruch, weder fettend noch klebend. Tube LOPjz. und 1.— ML Probetubeu erhältUch in allen ChlorodoiU-BerlauIsjtellen. Merceöespalaft und flrbekterschast. Ein gerichtliches Nachspiel. In Neukölln wuröe ein neuer Filmpalast gebaut— der Mercedespalast. Neukölln ist ein A r b e i t e r v i« r t e l. Arbeiter werden das Publikum des neuen Kinotheaters sein. Trotzdem besitzt der Unternehmer den traurigen Mut. die organi- siene Arbeiterschast zu übergehen und seinen Bau mit Hilse Unorganisierter auszuführen. Neukölln murrt. Wir werden ihm zeigen! Wir werden das neue Kinotheater boykottieren! Der Besitzer wittert Gefahr, er fürchtet ein Fiasko seines Unter- nehmens und beschließt, sich bei den Arbeitern gut Kind zu machen. Gr kündigt eine Nachmittagsvorstellung für Arbeitslose an— etwa bei freiem Eintritt?— Keine Idee!— ZOPfennjgepro Person. Also Bauen unter Umgehung der Arbeiteroerbände, aber .billige" Lorstellungen für Arbeitslose! Das Doppelspiel erhöht den Widerwillen der Neuköllner Arbeiterschaft. Sie brauchen kein« billigen Borstellungen vom Mercedespalast..Arbeiter, bleibt zu Hause!" Die Filmgewerkschaft veriucht, zu intervenieren. Die Besitzer des Msrcedespalastes sollen die Vorstellung absagen. Sie denken nicht daran. Sie bitten die Polizei um Schutz. 20 Schupobeomte werden entsendet, um nach Ordnung zu sehen: die Schaulustigen sollen nicht gehindert werden, der Filmvorstellung beizuwohnen. Etwa 5000 Arbeiter haben sich vorm Mercedespalost eingesunden: sie agitieren gegen den Besuch der Vorstellung. Die Polizeibeamten sorgen dafür, daß di« Besuchswilligen nicht belästigt werden. Der Saal ist schon ziemlich voll. An einzelnen Stellen gibt es R a d a u l u st i g e. Bald hier, bald dort, wird der eine oder andere, der ins Kinv will, mit milder Gewalt abgehalten. Bald hier, bald dort haben die Schupobeomten schweren Stand. An einer Stelle ober geht ein junger Bursche ein wenig unsanft gegen eine Frau vor. Der Schupobeamte tritt dazwischen. Es gelingt ihm, den Mann zu s i st i e r e n. Da erhält er einen Faust schlag ins Gesicht. Der Zwangsgestellte macht sich dünne. Hinterher, als ein Ueberfallkommando bereits den Platz mit Gummiknüppeln räumt, stößt d.'r Schupobeamte erneut auf die jungen Burschen. Er oerhastet ihn, der Bursche leistet W i d e r st o n d. Also mußten sich letzthin vor dem Schöfsengericht Neukölln drei junge Leute verantworten, die in Derbindung mit diesem Lorsall festgestellt worden waren. Das Urteil lautete: Wochen, 10 Tage und 15 Tage Gefängnis. Außer- dem erhielten olle drei Lewährungssrist—.weil sie aus Leichtsinn gehandelt haben". Die Besitzer des Mercedespalastes haben sich unterdes eines Besseren besonnen: jetzt be- schäftigen sie nur organisiertes Personal. Das hätten sie aber von vornherein tun sollen. Nache und Eifersucht. Ein netter Liebhiiber. Unter der Beschuldigung des schweren Cinbruchhiebstohls wurde die 23jährige Frida P. aus der Untersuchungshaft dem Erweiterten Schöffengericht-Mitte vorgeführt. Die Festnahme des bildhübschen jungen Mädchens war von einem Schneidermeister L. veranlaßt worden, und die Anzeige ging�ahin, daß die P. als seine Wirtschafterin den Dienst heimlich verlassen habe, vorher aber ein Spind erbrochen und daraus«in Kleid, einen Jumper und eine Strick- jacke entwendet habe. Die Angeklagte bestritt ihre Schuld und behauptete, daß sie von dem Zeugen aus Roche und Eifer- sucht angezeigt worden sei, nachdem sie zu ihrem früheren Freunde zurückgekehrt war. Als sie vor einem halben Jahre sich mit dem letzteren verkracht hotte und gleichzeitig ihre Arbeit in der Fabrik verlor, habe sie dos Angebot des Zeugen, der von seiner Frau verlassen war, angenom- men, zu ihm zu ziehen und ihm den Haushalt zu führen. Sie habe dafür nie einen Pfennig b e t o m m e n, ,sei ober die g«nzo i-i-Zeit hindurch dem Schneidermeister mehr als ein« Wirtschafterin gewesen. Die Verhaftung sei auch nur erfolgt, weil sie polizeilich nicht angemeldet war, denn L. hätte, um seine Rache gründlich durchführen zu können, sie vor der Anzeige schnell ab- gemeldet gehabt. Das Gericht kam auch sofort zu der Ueberzeuguug, daß von einem Einbruch gar keine Rede sein könne, denn das Spind, das„erbrochen" fein sollte, hatte gar keinen Verschluß, sondern die Tür war von außen nur durch einen umgebogenen Nagel gegen das Ausgehen gesichert. Der Zeuge L. bestritt unter seinem Eide die Behauptung der Angeklagten, daß er ihr die Sachen geschenkt habe. Er mußte aber schließlich zugeben, daß er wenigstens das Kleid und den Jumper seiner Wirtschafterin und Freundin„zum Tragen gegeben" hatte, und daß er ihr auch in Aussicht gestellt habe, ihr beides zu schenken, wenn sie sich weiter gut führe. Dogegen bestritt der Belastungszeuge mit aller Bestimmtheit, daß er auch die Strickjacke seiner Freundin zum Tragen gegeben habe. Diese habe er für seine 17jährige Nichte gekaust, deren Besuch er erwartete, und er habe der Angeklagten verboten, die Jacke anzuziehen. Hin- sichtlich des Kleides und des Jumpers nahm das Gericht an, daß di« Angeklagte des Glaubens gewesen sein könnte, daß die Gegen- stände ihr gehörten. Ein Diebstahl lag jedoch nach Ansicht des Ge- richts auf Grund des Eides des Zeugen bei der Strickjacke vor. Dieser Diebstahl erschien dem Gericht aber als ein sehr milde zu beurteilender Fall. Nachweislich hätte die Angeklagte in einer Art wilder Ehe mit dem Zeugen zusammengelebt. Di« Ent- wendung sei daher nicht so scharf zu beurteilen, als wenn sie von einer fremden Person erfolgt wäre. Frida P., die bisher völlig un- bestraft gewesen war, wurde wegen Diebstahls zu 10 Mark G e l d st r a f e an Stelle von zwei Tagen Gefängnis verurteilt. Diese Strafe wurde als durch die erlittene siebenwöchige Unter- suchungshaft oerbüßt erklärt, und Frida wurde sofort aus der Haft entlassen._ Ist der Feldhüter ein Beamter? Eine für Ausflügler, Sportler, Wanderer und NaturfreinÄ« wichtige Entscheidung fällte kürtzbich das Kammergericht in Berlin. Als der Radfahrer K. einen Kirchsteg in der Nähe von G. mit seinem Rade befuhr, machte ihn ein Gutsbssitzer darauf aufmerksam, daß er den Weg mit einem Rade nicht befahren dürfe. Der Radfahrer beachtete aber den Rat des Gutsbesitzers nicht, sondern befuhr den Weg weiter, biservoneinemFeldhüter g«stellt wurde. Da der Radfahrer seinen Namen nicht nennen wollte, hielt der Feldhüter das Rad fest, bis eine Frau kam, di« den Radfahrer erkannte. Letzterer hatte versucht, sein Rad gewaltsam aus den Händen des Feldhüters zu befreien. Der Radfahrer hatte sich später vor dem Amtsgericht in Königsberg i. Pr. zu verantworten, das den Angeklagten verurteilte, weil er einem Beamten in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes durch Gewalt gemäß§ HZ des Strafgesetzbuchs W i d e r�t a n d geleistet habe. Diese Entscheidung focht der Radfahrer durch Revision beim Kammergericht an und stellte ln Ab- rede, daß ein Feldhüter zu den Beamten gerechnet werden könne: derselbe sei auch nicht befugt gewesen, das Rad des Radfahrers auf einem öffentlichen Wege mit Beschlag zu belegen. Der General- staatsanwalt entgegnete, wenn eine Verurteilung wegen Widerstands gegen einen Beamten nicht eintreten könne, so rechtfertig« sich doch die Verurteilung des Angeklagten wegen Nötigung gemäß ß 240 des Strafgesetzbuchs. Der I. Strafsenat des Kammergerichts wies die Revision des Angeklagten als unbegründet zurück und führte u. a. aus: Da der Feldhüter zum Schutze der Feld- mark mit Genehmigung des Landrats bestellt worden war, so sei er als Beamter insoweit anzusehen, als der Feldschutz tn Frage komme. Zur Wahrung der öffentlichen Ordnung auf Wegen sei aber der Landjäger bestellt worden. In Fällen der vorliegenden Art sei aber jeder Bürger nach§ 127 der Strafprozeß- ordnung— mithin auch der Feldhüter— befugt gewesen, den An- geklagten festzunehmen. Dies habe in der Absicht des Feldhüters ge- legen: er habe nicht die Absicht gehabt, das Fahrrad mit Beschlag zu belegen: er habe das Fahrrad sofort freigegeben, als der Name des Radfahrers durch eine Frau festgestellt worden war. Da der Angeklagt« seinen Namen nicht genannt und den Versuch gemacht habe, sich mit Gewalt freizumachen, erschoine die Verurteilung des Angeklagten wegen versuchter Nötigung gerechtfertigt.(I. S. 1065 1926. Nachdruck verboten.) Der unbeteiligte Zuschauer. In der Nacht qmn 6. zum 7. Mai wurden öffentlich« Gebäude und tiNenkmäler am Lustgarten und am Schloßplatz von einer Schar junger Burschen mit Farbe und Buchstaben besudelt. Am Dom z. B. war ein Sowjet- stern aufgemalt worden, am Kaiser-Wilhelm-Denkmol:„Berlin bleibt rot", am Marstallgebäude hatte man das Wort„Stahlhelm" zu schreiben begonnen, als eine Polizeistreife von dem auf das Treiben aufmerksam gewordenen Revier anrückte. Die Attentäter ergriffen die Flucht. Es gelang aber, einen der Flüchtlinge ein- zuholen, der sich nun qpr dem Schöffengericht Mitte zu verant- warten hatte.(|r bestritt, irgendwelche Beziehungen zu den Denkmalschändern gehabt zu haben und behauptet«, daß er des Weges kommend aus Neugierde zugesehen habe, was am Marstallgebäude getrieben werde. Mit den anderen, die er gar nicht kennen will, sei er mitgelaufen. Da der Polizeibeamte, der den Angeklagten festgenommen hatte, auch keine näheren An- gaben über die Beteiligung des Angeklagten machen konnte, war dem Angeklagten eine Schuld nicht nachzuweisen und das Gericht mußte ihn freisprechen. Berlins Fremdenverkehr. Der Berliner Fremdenverkehr, der sich nach Mitteilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin für die Zeit von Anfang Januar bis Ende Juni 1927 auf rund 8 31 00 0 in Hotels, Gasthöfen, Pensionen und Fremdenheimen abgestiegene Reisende bezifferte, hat, verglichen mit dem 1. Halbjahr 1926, um rund 50 900 oder 6,5 Proz. zugenommen. Von diesen 831 000 Gosthofsfremden waren 731500 oder 88 Proz. Deutsche und 99 500 oder 12 Proz. Ausländer. Bon allen in der Berichtszeit gemeldeten ausländischen Hotelgästen waren Amerikaner mit 13000 oder 13,3 Proz. aller Ausländer am stärksten vertreten: es folgen Oesterreicher mit 10 800 oder 10,9 Proz., Polen mit 8300 oder 8,5 Proz., Tschechoslowakei mit 7000 oder 7,2 Proz., Schweden mit 6700 oder 6,9 Proz. In England staatsangehörig waren rund 6500 oder 6,6 Proz. aller Ausländer, in Dänemark 5800 oder 5,9 Proz., in den Niederlanden 5700 oder 5,8 Proz., in Rußland einschließlich Ukraine und Georgien 4200 oder 4�5 Proz., in der Schweiz 3800 oder 3,9 Proz. Berfassungsfeier der Wassersportler.- Die Mitglieder der Wassersport-Abteilung Berlin des Reichsbanners beteiligen sich in großer Zahl am Sonntag, dem 13. August an der Bundesfeier in Leipzig. Die Sportler jedoch die verhindert sind, nach Leipzig zu fahren, werden es sich nicht nehmen lassen, den Tag kn Berlin festlich M begehen: sie veranstalten um 11 Uhr �vormittags am Birkenschlag, der allen Wassersportlern bekannten Stell« am Langen See gegenüber Carolinen Hof,-eine Feier, zu der alle republikanisch gesinnten Wassersportler, gleich ob sie einem Derein angehören oder nicht, herzlich eingeladen und willkommen sind. Der Platz wird mit schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmückt sein. Als Redner wird ein bekannter republikanischer Politiker sprechen. Für jeden Wasiersport treibenden Republikaner heißt e? deshalb am 13. August: Auf dem Birkenschlagl Schmückt eure Boote und demonstriert für Schwarz-Rot-Gold auf dem Wasser! Eine Wochenendfahrt nach Allrstenberg— himmelpsort— Wobsih- Kanal— Lychen veranstaltet der T o u r i st e'n v e re i n„D i e N a- t u r f r e u n d e". Zentrale Wien, am Sonntag, den 14. August. Die Fahrt nimmt folgenden Verlauf: Eisenbahnsahrt bis Fürstenberg (Mark). Nach kurzem Rundgang zur Dampferanlegestelle und dann Dampferfahrt durch die Siggel-Havel über den Stolpsee, vorbei an Himmelpfort mit alter Klosterruine, und dann durch den ild o b l i tz- Kanal, der an'beiden Ufern von herrlichem Buchenwald umgeben ist, und bald danach gelangt man in den großen Lychen-See, um am anderen Ufer den Dampfer zu verlosten. Nach kurzer Besichtigung von Lychen Mitt»gsrast. Anschließend findet eine kurze Wanderung durch die Lychener Stadtforst statt, und dann zurück über Fürstenberg nach Berlin. Preis der Teilnehmerkartve 5,30 M. (Eisenbahn hin und zurück, Dampferfahrten). Mittagessen für 1,65 M. kann besorgt werden. Karten sind an folgenden Stellen zu haben: B r. �D a m n i tz, N. 65, Lüderitzstr. 58, Thomas, N. 65, Luxemburger Straße 1(Laden), Sinn? N. 20, Stettiner Straße 30, Vorwärts-Spedition Treptow, Grätzstr. 50, Rich. Walter, Neukölln, Siegsriedstr. 55. Chamberliu will de« Weltrekord brechen. New Vork, 5. August. Chamberlin erklärte,»er beabsichtige, den von Deutsch- land errungenen Dauerblugrekord wieder an sich zu bringen. Nach Mitteilungen wird er versuchen, mit einer in Amerika gebauten Maschine 60 b i s 70 Stunden in der Luft zu bleiben. Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt! Frankfurt a. AI.. 5. August. Das preußische Staatsminrsterium hat den zum Tode oerurteilten Doppelmörder Willy Hermann aus Offenbach zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Hermann hatte im August vorigen Jahres die 26iährige Kindergärtnerin Kunigunde Hufnagel und ihre Schwägerin, die 26jährige Frau Mathilde Hufnagel aus Darmstadt durch Revoloerschuüsse getötet und die betagte Mutter der Frau Hufnagel schwer verletzt.-'Her- mann hatte die Tat aus Rache verübt, weil Kunigunde Hufnagel seine Bewerbung abgewiesen hatte. Der tote Kirsch enpflücker. Ein Raubmord an der Grenze. Ein Raubmord, der in Cunnersdorf in der Nähe der tschechischen Grenz« verübt wurde, beschäftigt auch die Berliner � Kriminalpolizei. Am 19. Juli fanden Waldarbeiter in der Staats- forst, etwa eine Wegstunde von der Grenze entfernt, die Leiche -ines Mannes, der erschlagen worden war. Der Tote wurde festgestellt als der 22 Jahre alte Zlrbeiter Karl Schlosser, der in Brunuersdorf in der Tschechoslowakei wohnte. Er hatte sich am Tage zuvor aus seinem Heimatort aufgemacht, um in der Gegend von Pirna in Sachsen Arbeit als Kirschen- Pflücker anzunehmen. Da er nicht im Besitz eines Ausweises war, so wurde ihm der Grenzllbertritr in Bodenbach verweigert und Schlosser kehrte wieder um. Zeugen beobachteten, daß er am nächsten Tage, also am 19. Juli, vornnttags gegen 11 Uhr, mit einem unbe- kannt gebliebenen jungen Manne sprach und sich mit diesem in der Richtung nach der sächsischen Grenze zu entfernte. Ohne Zweifel ist dieser Unbekannte einer jener„Schwarzgänger" gewesen, die auf geheimen Schleichwegen ohne Ausweis über die Grenze kommen und gelegentlich auch gegen Entgelt andere Personen hinübergeleiten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Schlosser mit seinem Führer wegen der Bezahlung in Streit geraten und dabei erschlagen worden ist. Der„Schwärzer" hat die Leiche dann beraubt und im Walde liegen gelassen. Seine Beute war nur gering. Er fand bei dem Toten etwa 50 Tschechokronen, eine silberne Remontoiruhr mit Goldrand und ein« gemustette Strickweste, die er sich aneignete. Gegen 6 Uhr abends wurde der Unbekannte wieder in Maxdorf gesehen. Ev saß dort am Straßenrand und betrachtete eine Uhr ohne Kette, die er in der Hand hielt. Dieser Unbekannte, in dem man wohl mit Recht den Mörder Schlossers vermutet, war etwa 25 Jahre alt, hatte eine untersetzte mittelgroße Gestalt, ein bartloses Gesicht und trug«in dunkles Jackett, dunkle Hose und graue oder braune Sportmütze. Mitteilungen von Personen, die vielleicht diesen Ver- dächttgen allein oder in Begleitung gesehen haben, nimmt in Berlin die Inspektion A. im Polizeipräsidium entgegen. Einer, der sich selbst das Sterbeglöckchen läutet. Wie aus B o ch o r gemeldet wird, stteg dort der 18jährige Franz Melar auf den 40 Meter hohen Kirchturm, um sich herabzustürzen. Er begann vorher das Sterbeglöckchen zu läuten. Dadurch wurde man auf- merksam und holte den jugendlichen Selbstmordkandidaten herab, Sport. Rennen der DR II. Die Deutsche Radfahr er- Union gab sich am Freitag. abend ein Stelldichein auf der Rütt-Arena. Ueber den Besuch dürfte die Union nickst zu klagen haben� ein gutes Zeichen dafür, daß eine vernünftige Preispolitik immer volle Bahnen schaffen wird. Sehr beachtlich waren auch die s p o r t l i ch e n L e i st u n g e n. Im Mittelpunkt der abendlichen Veranstaltung stand das lOO-Kilometer- Mannschaftsrennen um den„Großen B a lt i a- P r« i s", 10 Wertungen waren hierfür vorgesehen. 13 Paare stellten sich dem Starter. Im Verlauf des Rennens zogen die Mannschaften Buse-M. Franke, Käber-Schimming, Arndt» Mroczoczek ws, um das übrige Feld zu überrunden. Dorn»� Nickel, die als Anwärter auf den Siegerplatz galten, mußten eben- falls die Ueberrundung hinnehmen. Doch dabei sollte es nicht bleiben! Nach einer hätten Jagd holten f i e sich ihre verlorene Runde wieder. Buse-M. Frank« hatten die Führung. Als zweite Mannschaft folgte Dorn-Nickel, die in der entscheiden. den Schlußwertüng dominiert«. Mit 20 Punkten be- legte sie symit den Siegerplatz in 2 Stunden 24 Minuten vor Buse-M. Franke 13, Amdt-Mroczoczek 13 und Käber-Schimming 3 Pgnfte.. E iP« Ru n.h.e q�rück: 5. WAex.-Michaelis.�1 Punkte. Der Honnoveräner Kö tihe r- war ekst'Männ»es Spurts? holte er doch die meisten Punkte!' Uin dett„Kk?: i n B a lt i a 1P r ei s* ging ein 50-Runden-Punktefahren, das mit» 23 Punkten K n ö s ch vor Naue 14, Oloff 9 und Brinkmann 9 Punkte gewann. Alles in allentt Eine Amateurveranstaltung, die ihre» werbenden Zweck für den Radsport nicht verfehlt haben dürste! 1 Rennen zu Ruhleben am Freitag, dem S. Angusi. 1. Nennen, t. AugiaZ(I. MillZ), 2. Moralprediger(Besitzer)» 3. Maimorgen(Bahr). Toto:22:t0. Platz: 12, 12, 32: 10. Ferner liejenr Barkarole. Modena, Irrwisch, Nebelkappe, Dornzieher, Satan, Kardinal, Herzog, Baronetz. 2. R e n n e n. 1. Rotkäppchen kJ. Mills), 2. Johannisseuer(llauten- berger), 3. Morgentau(Schnitze). Toto: 48: 10. Platz: 20, 21, 30: 10, Ferner liefen: Kürassier, Langemann, Bessie, LinScolt jun., Louisiana, Hofmeisterm B., Eulenfpiegel, Natal, Punier. 3. Rennen. 1. Potsdam(Weiß), 2. Ludwig(I. Mills), 3. Crispa (Kozal)..Toto: 20: 10. Platz: 13, 14, 35: 10. Ferner liefen: Radiola, Blaumeise, Erster Wolferfomcr, Schwarzwaldmädcl, Esst, Vola FriZco, Malmö. Depesche, Benedict, Abdullah Silver, Baron TrcganIIe. 4. R e n n e n. 1. Zaunkönig(Ch. Mills), 2. Brltton(I. Mills), 3. Abendstern(Jautz jun.). Toto: 12: 10. Platz: 11, 14. 15: 10. Ferner liefen: Henny Cord, Nation. Antenne, Valencia l, Nelly Arnold, Adresse. 5. Rennen. 1. Ouisi quasi sJrmer), 2. Ltndowkind<(öiigat), 3. Frettchen(Brandt). Toto: 25: 10. Platz: 12. 17. 13:10. Ferner liefen: Blaue Adria, Altgold, Manzanares, Eckstein, Zeitgeist, Notula, Barometer, Kerrigan jun., Corona Mc. Kinney. 0. R e n n e n. 1. Francisco(Hlckh), 2. Clcmatis blau(Grube), 3. Manfred(Schuller). Toto: 102: 10. Platz: 51, 41, 13: 10. Ferner liefen: Wainsca, Natter, Buchdrucker, Crassus, Nachtfalter. 7. N e n n e n. 1. Beate 1922,622 kg, 1928 1017 kg 1924 707 kg. 1927 1018 kg (1 H-lölabr) teci allen Diskussionen über die Verteilung der Ratidnalisierungs- erfolge zwischen Unternehmern, Arbeitern und Konsumenten, d. h. in allen Kämpfen um den Preis der Kohle und um den Lohn des Kohlenarbeiters, wird man diese Steigerung der Arbeitsleistung im Auge behalten müssen, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Notwendigkeit verstärkten Kapitaldienstes. Erst die aller- letzten Lohnerhöhungen scheinen hier einen gewiflen Ausgleich geschaffen zu haben. Während die Produktivität der Arbeit im Durchschnitt des vorigen Jahres sowie im Durchschnitt des abgelaufenen Halbjahres 1927 die Leistung des Jahres 1925 um etwa 21 Proz. übersteigt, überstieg das Schichteirckommen des Bergarbeiters(einschließlich Ueberschichtenzuschläge, Dersicherungsgeld, Deputate und Urlaubsoergütung) in den oerflosienen Monaten das entsprechende Durschnittseinkommen von 1926 nur um folgende Prozentsätze: Januar 1926.. 9.0 Proz. Januar 1927 April 1926 Juli 1926 Oktob. 1926 8.5 9.2 13,6 Die Oeffentlichkeit und Rationalisierung begrüßen, daß sie sich auch wirklich günstigen Sinne auswirken. 14.6 Proz. 14.4. 13.7, 13,3, 18,5„ Febr. 1927 März 1927 April 1927 Mai 1927 die Arbeiterschaft kann die Erfolge ,der werden aber darüber wachen müssen, in einem für die Allgemeinheit Deutschlands Anteil am polnischen Außenhandel im Mai. Nach Angaben des Warschauer Hauptamts für Statistik stellte sich der Anteil Deutschlands am polnischen Gesamt- im p ort im Mai, der 163,7 Millionen Zloty(77 Millionen Mark) betrug, auf ,44,3 Millionen Zloty(20,8 Millionen Mark) oder 26,5 Prozent. Am Gesamt e x p o r t Polens, der 118 Millionen Zloty(66,4 Millionen Mark) betrug, war Deutschland mit 27,7 Proz. beteiligt.— Dieser trotz des Handelskrieges anhaltende lebhafte Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und Polen gibt eine ungefähre Vorstellung, in welchem Maß beide Länder aus- einander angewiesen sind. Wie lange wollen die Regie- rungen hüben und drüben eigentlich noch warten, bis im Interesse der Gesamtwirtschast beider Länder endlich wieder ein normaler Zustand hergestellt wird? flmerikomschespreisöiktat am Kupfermartt Die Kartellschraubc wird wieder angezogen. Daß die Amerikaner versuchen, die Wirtschaftsführung auf allen Gebieten an sich zu reißen und die übrigen Länder in immer größere Abhängigkeit von den Rohftofsproduzenten und den Finanz» gruppen der Vereinigten Staaten zu bringen, ist bekannt. Besonders stark treten die Diktaturplän« der amerikanischen Erzeuger seit letzter Zeit in der Metallroh st offproduktion hervor. Die Kupfer-Export-Vereinigung, das internationale Kupfer- kartell, ist ja im herbst vorigen Jahres wohl hauptsächlich deswegen gegründet worden, um für das nachlassende amerikanische Inlands- geschäft den Ausfuhrmarkt zu beherrschen und den europäischen Konsumenten einen Preis aufzuzwingen, der in der Hauptsache von den Erzeugern in Nordamerika bestimmt wird. Das Interesse für den europäischen Absatz in Kupfer hat sich bei den Amerikanern in demselben Maße erhöht, in dem der a m e r i- konische Verbrauch zurückgegangen ist und die Vorräte teils infolge der Uebererzeugung, teils infolge der geringeren Aus- nahmefähigkcit d.>r nordamerikanischen Automobil-, Elektro- und Kabelindustrie eine fortgesetzte Steigerung aufzuweisen haben. Es genügt der Hinweis darauf, daß in den Vereinigten Staaten im April 1927 etwa 68 000 Tonneu, im Mai 64 000 und im Juni nur 57 500 Tonnen verbraucht worden sind. Im Durchschnitt des Jahres 1926 aber betrug der nordamerikanische Monatskonsum ungefähr 70 000 Tonnen. Di« Erzeugung hat sich in den legt.'n Iahren folgendermaßen entwickelt: 1926 Iahreswelterzeugung in Tonnen 1,436 Millionen, 1926: 1,5 Millionen, erstes Halbjahr 1927 ungefähr 820 000. Auf Grund der bisherigen Ergebnisse des laufen- den Jahres würde man also für 1927 zu einer Gesamterzeugung von 1,640 Millionen Tonnen kommen. Die Verbrauchsverhältnisse waren in den Iahren 1926 und 1926 durchaus günstig: der Verbrauch stand bis Ende 1926 über der Erzeugung. Solange die Dinge so lagen, war an eine Ver- schlechterung des Geschäfts nicht zu denken. Doch sah man in den Vereinigten Staaten in den Kreisen der Kupferproduktion eine grund- legende Veränderung vor sich gehen durch den Konjunktur- Umschwung, der sich natürlich auch auf die m e t a l l v e r- arbeitenden Industriezweige in starkem Maße ausge- wirkt hat. Die Bildung eines Kupfermonopols, das seine Wirkung auch auf die nordamerikanischen Märkte ausübte, wurde verhindert durch die Gesetzgebung in Amerika, insbesondere durch das Sherman- Gesetz. Man sah sich daher gezwungen, unter dem Druck der Bundes- regierung das Kupferkartell nur für die Ausfuhr zu organisieren. Der Londoner Handel, der in den Bestrebungen der Kupfer-Export- Vereinigung mit Recht eine völlige Lahmlegung des freien Handels sah, bemüht« sich mit allen Mitteln, den Diktoturplänen des Kartells entgegenzuarbeiten. Solange der Absatz ungünstig war und die Außenseiter reichlich Material anbieten konnten, gelang«s, die Pläne der Kupfer-Export-Vereinigung zu durchkreuzen und sehr viel Kupfer unter dem Kartellpreis zu verkaufen. Bei einsetzender Konjunktur und der damit verbundenen Knappheit an Elektrolyt- und an Rohkupfer bekam jedoch das Kupfersyndikat wieder die Ober- Hand und der Einfluß des Handels ging immer weiter zurück. In England nahm die kupferverarbeitende Industrie die Preis. Politik der Kupferproduzenten zum Gegenstand einer Anfrage im Unterhaus, um zu erfahren, ob die Regierung den englischen Konsum gegen das Preisdiktat der Amerikaner unterstützen wolle. Eine direkte Intervention lehnte die britische Regierung ab, doch empfahl man den Ausbau der Erzförderung und der Kupfererzeugung. Für Deutschland bedeuten die Maß- nahmen des internationalen Kupserkartells eine weitere Verteuerung der Fabrikation in allen Zweigen der metallverarbeitenden In- dustrie, die letzten Endes wieder auf den Rücken der Arbeiterschaft abgewälzt wird. Bei der jetzt herrschenden Konjunktur, besonders in der Kabel- und Elektroindustrie, stellte sich nach und nach eine sehr große Steigerung des Kupferverbrauchs ein. In der Zeit vom 1. Januar 1927 bis 31. Mai 1927 führte Deutschland etwa 87 000 Tonnen Kupfer«in, während in derselben Zeit des ver- gangenen Jahres nur etwas über 48 000 Tqnnen zur Einfuhr ge- langten. Durch diese Entwicklung steht Deutschland wieder an der Spitze der kupferoerbrauchenden Länder. Ohne Rücksicht auf die Wichtigkeit der Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten nach Europa haben die Kupferproduzenten, die dem Kartell augehören, in den lekten Tagen die Preise sprunghaft heraufgesetzt. Der offizielle Kartellpreis für Elektrolyttupfer betrug am 30. Juni 13 Cents je amerikanisches Pfund mit 664 Gramm. Am 20. Juli belief sich der Kyrs auf 13,16 Cents, am 25. Juli auf 13,26 Cents, am 1. August. auf 13,37 Cents, am 2. August auf 13,50 Cents und am 3. August auf 13,66 Cents. In den europäischen Kreisen des Syndikats, be- sonders in Deutschland, ist man nicht mit dieser Preispolitik einverstanden. In Amerika kann man oft unter ds? amerikanischen Notierung, die im Durchschnitt noch unter dem europäischen Kartellpreis liegt, kaufen. Während die Amerikaner den Vorzug haben, weit billiger einzukaufen als die Europäer, ist man in Europa gezwungen, infolg« des großen Kupferverbrauches und der geringer� Erzeugung sich dem amerikanischen Diktat zu beugen, was um so erschwerender ist, als die Vereinigten Staaten 80 Proz. der Kupferwelterzeugung be- herrschen. Die Finanzierung des Landmaschinenabsahes. Die von öffenk» lichen und privaten Banken zur Absatzfinanzierung für landwirt- schaftliche Maschinen gegründete„F i n'a n zi e r u n g s g e s e l l � schaft für Landkraftmaschinen A.-G. i n Berlin" hat ihr erstes Geschäftsjahr mit V e r l u st abaeschlossen. Doch ist dieser so gering, daß er gegenüber dem Geschäftsumsang der Gesellschaft keine Rolle spielt. Wurden ducy allein für 6,83 Millionen Mark Wechsel im Lause des Jahres hereingenommen, während der Verlust nur 36 410 M. beträgt, hatte man ursprünglich nur daran gedacht, Motorpflüge, Traktoren und Dampfpflllge gegen langfristige Ab- zahlung zu vermitteln, so ging man bald dazu über, auch sogenannte Anhängegeräte zu finanzieren: das sind Maschinen, die mit Dampf- bzw. Oelmotoren betrieben werden können. Später dehnte man den Geschäftsbereich auf L o n d in a f ch i n e n a'l l e r Art aus. Im Laufe dieses Geschäftsjahres Hot der Wcchselbestand bereits den Betrag von 10 Millionen Mark erreicht So Hot diese vom Reich geförderte Gesellschaft weseMlich dazu beigetragen, daß der Land- Maschinenabsatz gesteigert werden konnte. Bayerns Dasierkräfle. Das bayerische statistische Landesamk hat soeben das Ergebnis einer allgemeinen Erhebung über sämtliche in Bayern vorhandenen und im Ausbau begriffenen Wasser- traftanlagen veröffentlicht. Danach bestehen zurzeit in Bayern 11 941 Wasserkrastanlagen mit einer Gcsamtausbauleiftung von 939 710 Pferdekräften. hiervon befinden sich im Bau 13 Anlagen mit einer Ausbauleistung von 91 006 Pferdekräften, in Erweiterung 14 Anlagen mit einer Endausbauleistung von 2324 Pferdekräften. Die b-Werischen Wasserkräfte sind danach zu 26,7 Proz. der möglichen Gesamtausbaulcistung und zu 27,6 Proz. der erzielbaren gesamten mittleren Leistung nutzbar gemacht. Preiserhöhung in der Feilenindustrie. Der Deuffche Feilen- bund beschloß vom 8. August ab auf die bisherige Preisstellung der Feilenindustrie einen lOprozenligen Aufschlag einzuführen. Ssnaabenö S. Mguft 1927 c— ragTPiajgfj'wiwfwiMRMiwi Habe ich Sie umgebracht! Don Heinz L i e p m a n n. Des Chauffeurs Andreas Taubers Jugend war ein verworrener Traum von dun'len Gaffen und lichtscheuen Menschen, von düsteren Höhlen und Not, viel Not. Er war das sechste unter acht Kindern, seiner Mutter erinnerte er sich, aber kaum des Daters— als kleiner tjunxe mußte er schon an den Bahnhöfen stehen und Koffer der Reisenden tragen. Sein unerschütterlicher Geiz nud seine Freud- iosigkeit an allen Genüssen des Alltags, seine Einsamkeit von Freun- den und seine Abkehr von Frauen ermöglichten es ihm, in zwölf (.«ahren harter Arbeit so viel Geld zu ersparen, dah er einen Auto- sahrkursus nehmen konnte. Das Geheimnis seines DurchHaltens wer aber nichts als die grenzenlose Sehnsucht nach einem höheren Menschendasein. Er hatte es erreicht. Seit vier Jahren war er Chauffeur einer Mietautodroschkengesellschaft und seit zwei Jahren verheiratet. Cr hatte eiite blonde, still« und gute Frau, einen einjährigen, blau- m-gigcn, strampelnden Jungen, ein Helles Heim, und er war glücklich. Sein einziger Fehler war feine seltsame Bescheidenheit. Noch war er Gast in dieser Sphäre von Glück, und vor jedem Satz, den er mit Fremden sprach, sagt« er„Verzeihung" und schlug die Äugen nieder. Ich sagte schon einmal, er war glücklich, aber man kann es gar nicht (temig sagen, daß er glücklich war— glücklich ununterbrochen seit zwei Jahren in dieser kleinen ruhigen Häuslichkeit, in der alles gleichmäßig, freundlich und sauber seinen geregelten Weg ging. lind nun ereignete sich folgendes: Der Chauffeur Andreas Tauber halte am 9. Juni Abendd-enst, ein Dienst, der mittags be- gnnn und bis weit in die Nacht hinejn dauerte. Also schlief er an diesem Tage länger als gewöhnlich, blickte, als er um ZI Uhr auf- stand, aus dem Fenster, bemerkte, daß es regnete, und plötzlich befiel ihn ein seltsames Gefühl von Angst. In seiner Wohnung war es so still. Er lief, noch in Socken, an die Wiege, in der sein Sohn schlief— er hatte die Faustchen an die winzige Nase gepreßt und hatte Schweißtropfen auf der Stirn. Es war auch seltsam schwül, merkte er plötzlich. Er ging seine Frau suchen. Im Wohnzimmer war sie nicht, da ging er leise auf den Socken in die Küche, und hier stand sie am Herd und sang leise vor sich hin, während sie an den Töpfen hantierte. Nun war die Angst von Ihm genommen, er atmet« tief auf. schlich sich leise hinter sie und küßte sie auf den Hals. Sie drehte sich, ohne erschrocken zu sein, lächelnd um und sah ihn an. Cr lacht« leise und verlegen auf und schlug die Augen nieder. Aber innerlich war er ganz erfüllt von Glücklichkeit. Und am Nachmittag dieses Tages, als er einen elligen Fahrgast m raschem Tempo über die regnerischen und belebten Asphaltstraßen ivr Stadt zum Bahnhof fuhr, lief ihm plötzlich ein Mann in den Weg. Cr wollt« den Fahrdamm überqueren und sah nach der falsch«» Seit«: Andreas tutete und pfiff, erwartete, daß der Mann nun weitergehen würde, stoppte kaum ab— da blieb der Mann stehen, knapp drei Schritte vor dem in schneller Fahrt heraneilenden Wagen—, Andreas versuchte zu bremsen—, nun war der Wagen auch schon vor dem Mann, Andreas riß an der Handbremse, daß der Wqgen schrie und ihm das Blut aus den Nägeln schoß—, da fuhr i-a? Auto über den Körper und stand.— Andreas blieb noch einen Augenblick sitzen. Seine Augen sahen noch immer diesen Mann, diesen Körper, der plötzlich vor ihm wegsackte—, er begriff dies alles nicht, und einzig ging ihm durch den Kopf, daß er h*ute morgen alles geahnt habe. Nun war das Unglück endlich wieder da. Er besann sich, sprang aus dem Wagen, da trugen die Leute auch schon den Mann hinter den Nädern fort. Sie wichen zurück, als Andreas sich ihnen näherte. Er ging ganz nahe an den Regungs- losen heran, der dalag mit blassem Gesicht, am Hals war eine ganz dünn« Blutspur. Er stand nun vor ihm und seine ganze Welt von Glück und Ruhe brach zusammen. Er stand wohl eine Minute, und den Umstehenden wurde es wohl zu lang, jemand räusperte sich laut hinter ihm. Der Cliausfeur fuhr zusammen, erwachte, begriff nun, er müsse jetzt etwas sogen und er sei ein Angestellter:„Derzeihung"— slüsterte er und er wünscht« nichts inniger, als an des Uebersahrenen Stell« zu fein.—„Verzeihung, habe ich Sie umgebracht?" Und, am eigen«» Wort erschreckend, ja. beinahe die Besinnung verlierend, dachte er:„Er ist tot, und setzt ist alles mit mir aus,"— er stöhnte aus und schrie leise einen dünnen Schrei, wie ein sterbender Vogel. da stürzte er zwischen den Menschen durch, die ihm scheu Platz machten, lief über Straßen und Plätze, weiter, immer weiter, immer weiier, bis er endlich, weit vor der Stadt, in«incm Gebüsch bc- wußtlos niedersank. Um diese Aeit hotte der Uebersahrene. der nur leichte Haut- abschürfungen davongetragen hatte, sich schon wieder aufgerichtet. Gestützt durch einige Polizisten, konnte er nach Feststellung der Dersonalien sein nahegelegenes Heim aufsuchen. Die Menge aber stand noch und diskutierte. Eine Dame sagte:„Der Chauffeur hat seine Schuld. Ich habe alles gesehen!" Ein Herr stimm!« ihr bei. Der Schutzmann nahm es zu Protokoll, er ließ den Wagen abfahren, und die Menge zerstreute sich longsam. Währenddes lag der Chauffeur Andreas Tauber draußen nor d>r Stadt in einem Gebüsch und kühlte mit den kalten Händen die brennende Stirn. Es wurde dunkel. Allmählich erwachte er zum Bewußtsein seiner Lage, und eine müde, ergebene Traurigkeit über- siel den einsamen Mann. Was würde werden? Er kannte das van vielen Beispielen aus seiner Jugendzeit: Ankiaq- wegen sahrlässiger Tökung. und dann muh er in der Zelle sitzen, Monat um Monat und muß wissen, daheim hungert die Frau und das Kind, und schließlich bleibt ihr nur noch ein Weg übrig: Für ihr Kind wird sie ihn gehen. lind er kommt dann eine» Tages aus dem Gefängnis, die Sonne schein!, es ist Frühling, und sie wird an der Pforte stehen, und dann werden sie sich erkenne», sich die Hand geben, schmerzlich und traurig lächeln und wissen: es ist olles vorbei. Und er ist vorbcstrost und bekommt keine Stellung mehr. Der Mann im Gebüsch vor der Stadt stöhnte wieder aus. Er sah von fern die Lichter und den Rausch der Stadt und empfand um so tieter die Stille seiner Rächt und seiner Einsamkeit. Endlich stand er auf. Es ist ja doch alles vorbei, dachte er, nun. dann will ich es noch auskosten, dieses wunderbare, entsstzl-che Leben, ehe sie mich kangen— und dann, am Ende, will ich still zu ihnen gehen und büßen. Er kehrt« in die Stadt zurück, aber nicht zu seiner kleinen lichten Wobnung, in der ihn seine blonde Frau sehnsüchtig erwartete, denn st« liebte ihn sehr—, sondern er ging in das enge und dunkle Bicrtel. in dem er oeborcn war, und hier ist er geblieben. Diel« Wochen späier— es wurde schon allmählich Herbst, und die junge Frau, di« bei ihren Eltern eine Zuflucht gefunden hatte und auf jeden Schritt an der Trepp? horchte, erwartel« dos zweite Kind—. da wurde er bei einem nächtlichen Einbruch-diebstahl gefaßt. Seine Diebesgenossen«ntkamen, er aber ließ sich widerstandslos abführen. Nun ist es soweit, sagte er. und dies Leben ist ja schal. Vor dem Richter löste sich endlich die Verworrenheit dieser selt- samen Begebnisse. Der Gerichtshof erlebte die selten« Stunde, daß ein Mensch erfuhr, daß er nicht schuldig war— der Chaufseur Andreas Tauber hörte, daß der von ihm Uebersahrene gar nicht tot, ja nicht einmal verletzt gewesen sei. Fassungslos starrte er den Mann an, der heute als Zeuge erschien. Der Zeuge berichtet«:„Ich lag noch bewußtlos, erwachte, da sah ich einen Menschen über mich gebeugt, diesen Menschen"— er wies auf Tauber—,„und der sagte zu mir mit toternstem Gesicht:„Verzeihung, habe ich Sie umge- bracht?" Der Gerichtshof lacht«, Andreas aber saß da und begriff nicht, warum er hotte so leiden müssen um«inen Irrtum.— Cr bekam eine milde Strafe mit Bewahrungsfrist. Dann leerte sich langsam der Saal. Er blieb zurück. Da trat die Frau aus ihn zu, seine kleine blonde, gute Frau, sie sagte:„Andreas"— sagt« sie—. „nun komm heim zu mir!", und sie legte ihren Kopf an seine Brust. Sie sind zusammen heimgegangen in ihr stilles ruhiges Heim, und sie sind beinah« ganz glücklich gewesen. Aber als getreuer Ehromst dieses Schicksals darf ich den'Bericht hier nicht schließen. Das große Ereignis im Leben dieses Menschen war erschüttert, nun war das grausame Leben unerschütterlich und verlangte sein Opfer. Der Ehaufseur Andreas Tauber, der in den Wochen der Not im dumpfen Viertel seiner Kindheit das wilde Leben des Rausches und des Abenteuers tennengelernt hatte, fand keinen Weg zurück in den Frieden seines Lebens. Er kehrte eines Nacht» um in die heimtichen Gassen der verborgenen Schenken. Er verließ seiift Frau und er blieb m dem dumpfen Viertel. Später ist er nur bevausgekommen aus den Gassen, wenn man ihn erwischt hatte und bestrafte. Nie sah er seine Frau wieder. �_ Mtlmg, tzitzs! Mit vielversprechenden Temperaturaraden Hot sich der August eingefunden, lm>d so gilt es wieder, den Kampf mit der sommerlichen Hitze auszunehmen. Die Urlauber, die sich in der freien Natur, am Wasser, im Wald und auf Bergeshöhen frei und ungezwungen haben bewegen und gegen sommerliche Wärme schützen können, fluten in die Heimat zurück—, di« Großstadt hat sie wieder. Und schon ge- bietet unerträglich« Hitze Vorsicht von früh bis spät, damit der Körper nicht Schaden leid«. Immer wieder werdcn �»ie selbstverständlichsten Vorsicktsnmßreqcln mißachtet und Warnungen in den Wind geschlagen, die zur Crhaltirng der Gesundheit und Abwehr oft rwbi unangenehmer Krankheitsfälle immer wieder gepredigt wer- den sollten. Besonders die Hausfrau spürt in ihrem Reich, in Küche und Vorratskammer, die gefähriiä�n Wirkungen sommerlicher' Wärme. Dos Problem d«» täglichen Küchenzettels bereitet ihr Kopp zerbrechen, denn nutcrderhond verdirbt die Speise im Dorrots- schrank. Mit ganz besonderer Borsicht ist in diesen Tagen das Fleisch zu b«l)and«ln. Besonders gilt dies vom Schwcnicfleijch! Lunge, Herz und Rierei, dürfen nicht lange liegen bleiben: am besten' werden sie sofort oerbraucht. Wer sich i» diesen warincil Wochen den Genuß von Geflügel nicht versagen kann, wt gut daran, immer nach der Echlachtwund« zu sehen. Die Ränder müssen nach außen klassen. die Augen rund und vcll. die Haut straff und weiß sein, der Schnabel soll die natürliche Farbe des lebenden Tieres haben. Die größte Angst empfindet die.Haussrau in dieser Jahres- zeit vor dein Fifchgenuh. Sie ist übertrieben, wenn nur solgende Borsichismaßregeln beobachtet werden: die Haut muß fest sein, die Kiemen müssen rot. die Augen dürfen nicht eingesunken sein. Im übrigen ist der Fisch nahrhaft und leicht verdaulich, beansprucht auch nur geringe Kochzeit. Vorzüge, die gerade im Sommer besonders ins Gewicht sollen. Recht gefährlich ist es, Eiweiß aufzuheben. Es kann nach einem Tag giftig werden. Auf Eigelb gießt man zweck- mäßiaerweise einige Tropfen Speiseöl, das man vor dem Gebrauch mit Löschpapier abtupft. Vanilletunke kann, w«nn auch nur leickt säuerlich, verhängnisvoll werden. Obst und Gemüse, die Haupt- bestondteile der sommerlichen Nahrung, müssen ganz srisch sein. Wurst, besonders Leberwurst, soll mau nur für den Tagesbedarf einkaufen: Fleischbrühe wird zweckmäßigerweise ohne Grün gekocht und noch dem Erkalten sorgfältig abgegossen.- da der Satz säuert. Aeußerste Vorsicht ist auch bei der Verwendung von Pilzen ge- boten. Weiche, schleimige, schimmelige und madige Pilze wirst man am liebsten schleunigst fort, Pilzkochwasser darf man nicht gebrauchen. Auch bei der Zusamnt«nstsllung der Bekleidung muß auf die besonderen Bedürfnisie des Körpers Rücksicht genommen werden. Mnn sollte glauben, nichts sei leichter, al» sich im Sommer hygie- nisch anzuziehen, und den Forderungen des gesunden Menschenver- stände» zu sorgen. Leider werden diese Forderungen viel zu wenig befolgt. Daß die weißen imd leichten Stoffe das beste für die heiße Zeit sind, ist hinlänglich bekannt. Wenn weiße Stoffe fast den größten Teil der Wärmestrahlen reflektieren, so ist das bei den schwarzen nicht einmal zur Hälft« der Fall. Hellgelb kommt den weißen Stessen ziemlich an Schutzwert gleich, hellgrün, rat und grau sind aber schon schlecht für di« heiße Jahreszeit. Baumwoll- fasern leiten die Wärme am besten ab, Leinen fast ebensogut: Wolle ist schon erheblich schlechter, Seide steht ungefähr in der Mitte, porös gewebter Baumwollstoff läßt den besten Gasaustausch zu. Auch« dah man sich im Sommer leichter kleiden muß als fönst, ist eine alte Erfahrung, die nur zu leicht vergessen wird. Wenn die Tempe- ratur des unbekleideten Körpers 27 bis. 32 Grad Celsius beträgt, hat di« bekleidete Haut— wenn man einmal die bei uns üblich« Bedeckung annimmt— schon bedeutend mehr, und hei einer Außen- temperatur, die über 24 Grad geht, leicht 34 bis 35 Grad. Diese hohe Körpertemperatur kann sich bei starker körperliäfer Tätigkeit und bei unzweckmäßiger Kleidung, wenn man die Feuchtigkeit nicht durchpassieren läßt und den Gasaustausch unterbindet, bis zu Fieber. temperaturen steigen. Sonnenstich und Hitzschlag sind dann die Folgen einer unzulänglichen Bekleidung. Unter den gefährlichen Wärmestauungen lzaben besonders die Säugling« zu leide». Bei ihnen wirkt die Hitze weniger auf das Hirn als auf den Darm. Man spricht von einein„Sommergipfel", der für die Säuglinge am gefährlichsten ist. In diesen Fällen handelt es sich eben um Würmestauungen, die durch mangelnden Luftzug und zu warm« Packungen verursacht werden. Die Folg« ist ein über- mäßiges Wuchern der Darmbakterien, die ganz verschiedenartig, oft gefährlicher, oft harmloser, manchmal epidemisch auftreten. Kruicl- heitssymvtome sind Brechdurchsall und Krämpfe, die in besonder» heißen Sommern viele Opfer fordern. Der Arzt weiß, daß ngtiir- lich genährte Kinder vor solchen Erkrankungen wesentlich bester ge- schützt sind als die künstlich genährten Säuglinge, die stets in großer Gcsohr schweben. Man dors die Kleinen nicht zu dick einpacken, von übersorplichen Müttern wird hier nur zu oft des Guten zu viel getan. Federbette«», Watte. Steckbett und dergleichen sind für dq» Kiird«ine uncrträaliche Belastung, wo oft ein Hemdchen vollauf genügen würde. Man bringt das Kleine an eine» kühlen, lustigen Ort und wasche es öster kühl ob. Wenn es Durst hat, gebe man ihm abgekochtes, kühles Wasser oder dünnen Tee, keinesfalls qbe? Milch: man loste es nicht zur Uebsrsältigung kommen, die meist den Brechdurchsall zur Folge hat. Noch in einer anderen Hinsicht ist jetzt Vorsicht geboten: di« Som>instrahlen können durch ihre chemischen Wirkungen den Körper recht ernstlich schädigen. Die sogenannten ultravioletten Strahlen führen oft zu schweren Verbrennungen der Haut. Besonder» im Gebirge, wo die staub- und wasserfreie Lust nicht die Bestandteile ausweist, die in der Ebene die ultravioletten Strahlen aufsaugen können, kommt es leicht zu Erkrankungen an Hautbrand, oder wie der technische Ausdruck beißt: Gletscherbrand. Auch die Bindehaut des Auges kann vom Sonnenbrand befallen werden. Nichts ist kurzsichtiger, als sich der Sonne allzu lange auszusetzen, ohne sich durch systematische Uebung an die Bestrahlung gewöhnt zu haben. Auch hier sehickt sich eines nicht für allel Nimmt ein untrainierter Körper ein Sonnenbad, das einem anderen vielleicht gut bekommt, so kann sich die Folge nicht nur in äußerst sebmerzhasten Verbrcn- nungserschcinungen der Haut, sondern auch in Nervenstörungen und mehr oder weniger schweren Lähmungen außen». Noch immer vier Millionen Sklaven. Sollte man es für möglich« halten, daß in dieser Zeit des Fort- schritte» und der Humanität über vier Millionen Menschen da» erbärmliche Dasein van Sklaven fristen müssen? In vielen Teilen Afrikas, vor allem an der Bcrberküste, in Südmarokko, in Tripolis und einigen an die Sahara grenzenden Gebieten blüht die Sklaverei noch heute. Jeden Tag werden dort auf öffentlichen Auktionen Frauen und Kinder verkaust: die Kunden sind meistens die Herrscher der kleinen, halbzivilierten Staaten. Biete von diesen Potentaten, die seinerzeit sogar den Beistand des Pölkerbundes für ihre„Intcr- essen" angenifen haben, wollen ihre Harems nicht auslösen und kaufen sich lebendige Ware auf den afrikanischen SNavenmärkten. Diese Unglücklichen werden im Kleinkrieg gefangen. Es geschieht nicht selten, daß eine Horde van Sklavenjägern über ein abgelegenes Dorf herfallt, die Männer kurzerhand niederknallt und Frauen und Kinder mit sich fortschleppt. Die meisten Sklavinnen haben eine dunkle Hautfarbe: trotzdem sieht man manche, die so weiß sind, daß man sie für europäische Frauen halten könnte. Für weihhäutige Frauen werden die höchsten Preise gezahlt. Auf de« Sklovenmärkten spielen sich die miderwärtiosten Szenen ab. Die Frauen werden schlimmer als Bich behandelt. Wie Tiere werden sie von den Käu» fern untersucht. Da«nan unter den zum Kauf angebotenen Frauen selten wirklich schöne Frauen findet, so werden für nach osrikanischein Bcgrisf gutaussehcnde„Exemplare" phantastische Summen bezahlt. Ohne Bannherziakeit werden Geschwister und Familienangehörige getrennt. Viele Frauen begehen Selbstmord, andere werden wahn» sinnig oder sterben vor Kummer. Man kann sich kaum ein schändlicheres Schauspiel vorstellen a'? einen Sklaventranspart van einem Markt zum anderen. Mit Peitschen werden die U«»glücklichen vor» wärt» getrieben: fällt semand nieder, so bleibt er liegen. Kein Mensch kümmert sich um den, der vor Erschöpfung stirbt. Als be» sonders ergiebiges Jagdrevier betrachten die Sklavenjäger Arabien. Dort werden allmonatlich Tmiserrde von jungen Mädchen«rbeutet. Mancher Sklavenhändler, der sein Geschäft mit nur wenigen Skia- ven angefangen hat, wird im Lauf kurzer Zeit Großhändler in seiner Branche. Besonders hübsche Mädchen werden allerdings besser be- handelt: sie werden sogar auf Kamelen transportiert. Es ist manch- mal nicht leicht, einen Sklnrenhändler seiner abscheulichen Taten tzu überführen, da er sich vorsiehe, Ein beliebter Trick besteht darin, den Transport der Opfer als einen hannlosen Pilgerzug erscheinen zu lassen. Der Pölkerbund beschäftigt sich zurzeit mit der Bekämpfung des Sklavenhandels, und es bleibt nur zu wünschen, daß bald«rwt, hafte Mittel und Wege ergriffen werden, um diesen Zuständen ein Ende zu machen. ml. Einsendungen für diese Nudril sind VerU» SWS«, LiadrustraHe a, T parte, Nachrichten für Groß-Serlin stet, an da»»»»irWsekretariat. i. Hak» 2 Zr,?. recht,, ,u richten heule, Sonnabend. 6. August: 2S. Abt. 20 Uhr bei fläftncr, 54. Abt. Sharlnttenburg. 94. Abt. Neuiölln. 19-4 sitzung. Erscheinen jedes Funktiontirs Pfticht. 7». Abt. Schöneierg. Pünktlich 20 Uhr bei Achtcnhaaen, Siedlung Lindcnhof, Funktionärvcrsammlung. Erscheinen aller Funktionäre notwendig. Morgen, Sonnlag 7. August: 9. Abt. Die Parteigenossen werden gebeten, recht»ahlreich die Persassungs. frier des Reichsbanners Echwarz»Rot-Golb, Kreis Tlcrgartcn, im Etablisie- ment Karlshof zu besuchen. tZ. Abt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich geschlossen an der Perfassungsfeicr des Reichsbanners in Karlshof. Abmarsch vom Kleinen Tiergarten um 14-4 Uhr. 20. Abt. Treffpunkt zur Teilnahme am Festzug de- Reichsbanner» 1Zs4 Uhr Vinctaplatz. 22. Abt. Republikanisches Volksfest im Schillerpark. Antreten zum Festzuae 1Z-4 Uhr auf dem Vinetaplah. Starke Beteiligung erwünscht. Die Funk. tionärsitzung am Dienstag fällt aus. 102. Abt. Baumfchnlcnweg. Die Parteigenossinnen und Genossen beteiligen sich restlos an der Bcrsassungsfeier de, Reichsbanner» im Alten Eierhanschen, Treptow. Das Nähcrc ist aus den Plakaten zu ersehen. Eintrittskarten sind bei den Funktionären des Reichsbanners erhältlich.— Montag, 0. August, pünktlich 10-4 Uhr, Funktionärkonfcrenz im Lokal von Haß, Vaumickiulenstrahe. Wichtige Tagesordnung. 10Z. Abt. Oberschöaeweid«. Die Genossen werden ersucht, sich an der vom Reichsbanner veranstalteten Berfassungsfeier im Alten Eierhäuschen in Treptow zu beteiligen. 100. Abt. Johannisthal. 12-4 Uhr Antreten zur Perfassungsfeier am Bürger- garten. Nack-Ügler Marktvlah Oberschöncwcide. Abt. 124ii Mahlsdors-Tiid. ssamilicnausfluq nach Heidemühl«. Treffpunkt 1Z-/z Uhr Kasianienallcc, Ecke BUIowstrasie., Jungiozialisten Neukölln. Treffpunkt für die Wanderung nach der Dubrow 0-4 Uhr Görlitzer Bahnhof. Svnntagrllckfahrkarte bis Teupitz 1,80 M. Arbeiteaemcinfchaft der Kindcrfreunde, Gruppe Kermsdorf. 8 Uhr treffen sich Kinderfreunde und Jugend am Bhf. Hermedorf, Nordausgang, zur gemein. famen Fahrt ins Grüne. Teller, Löffel, Badszeug und 40 Pf. sind mit» zubringen. Eltern und Freund« sind eingeladen. 80. Abt. Marlendorf. Montag, 8. August, 20 Uhr, wichtige Funktionärsitzung Ncumeycr, Schöncberger Str. 05. Sterbetafel öer Grost-öerliner partei-Grganifation 40. Abt. Der Genosse Gustav G r o g« r, Euvrnftr. 25, ist im Alter von 78 Iahren verstorben. Einäscherung heute, Sonnabend. 10 Uhr, Baumschulen. weg. Rege Beteiligung der Genossen erwünscht. Di« Abtcilungsleitung. Sozialistische firdeiteriugenü Grost-Serlin. Achtung!«ntzerordentliche Borsitzendeukonferen, Dienstag, 0. August. Alle Gruppen müssen vertreten fein. Näheres und Ort der Konferenz folgt durch Rundschreiben. Heute, Sonnabend: Roscnthaler Vorstadt: Treffpunkt zur Werbebezirlsfunktionärversammlung 18 Uhr Rosenthalcr Platz lRormaluhr).— Wilmersdorf: Fahrt. Treffpunkt 10 Uhr„Sozialisteneekc".— Tempelh-s- Fahrt. 20 Uhr Bhf— Neukölln II: Fahrt nach?osscn. Tiefpunkt 18 Uhr Bhf. Neukölln.— Neukölln IN: Fahrt nach Tiefensce. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Neukölln.— Reulöll» V: Fahrt Bernau. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Neukölln.— Neukölln VI; Fahrt Tiesensee. Treffpunkt pünktlich 17-4 Uhr Bhf. Kaiser-Friedrich-Strafi«.— Südwest: Fahrt Lanaelsbcrg(Marscc). Treffpunkt 10 Uhr Echlef. Bhf. Fahrgeld und Quartier 90 Pf. Rerbebezirk Prenzlauer Berg: Funktionärsitzung im Heim in Weitzcnse«, Barkstr. 80. Da die Tagesordnung von größter Wichtigkeit ist, müssen sämtliche Funktionäre der Abteilung erscheinen. Werbcbezirk Schöncbcrg: Aelterenfahrt Krcmmcncr Luchhütte des TBN. Treffpunkt 19-4 bis 1044 Uhr Stctt. Hauptbhf. Morgen, Sonnlag: Weste» I und N: Fahrt Neubabelsberg-Nutetal. Treffpunkt 6 Uhr pünkt. lich Bhf. Bülowstratze.— Steglitz 1: Baden. Treffpunkt 8 Uhr Rathaue.— Schönhauser Borstadt: Gruppenfahrt. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Werbebczirl Teltowkanal: Beteiligung am Kinderwaldfest der Partei. Treff» §unkt 18-4 Uhr Marktplatz Steglitz, Diippesstratzc(Nähe Bahnhof). Alle Fahnen, liusikinstrumcnte und Spielgcräte mitbringen. * Tempelhof-Mariendors: Der politisch.fatirischc Abend findet endgültig am 11. August in der Aula de» RcalgiMnasiums Katserin-Augusta-Etratz« statt. Arbeitersport. Jugendtreffen am Aalkenhagener See. Der Jugendausschutz de» 1. Kreises im ATSB. batte am Sonn- abend und Sonntag die Jugendlichen der Kreisvereine des Ay V�' ■'•J.-':. � fc.'IV..... yZ.»-v•*«vfr. . Danksagung. Für die mir beim Hinscheiclen meines lieben, un- vergeßlichen Mannes, des Ge werkschaf tsbeamten Otto Reiske bewiesene Teilnahme sap�e ich den Angestellten des Vereins der Berliner Buchdrucker und Sohriftgießer und allen Kollegan, die ihm das letzte Geleit gaben, insbesondere dem Vorsitzenden Herrn Robert Braun für seine lieben, anerkennenden Worte am Sarge des teuren Entschlafenen, meinen tiefgefühltesten Bank. Berlin NW, Alt-Moabit 133.> Emma Reiske. ftruguafl SÜIIOO Ouittungs-.Rabail- n.Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. cesch. fertigt seit 45 Jabr. als Spezialität Conrad NOller Leipzig- Schkeuditz B In der Gedamtauflage de«.VorwÄrt*" sind besonder» wirksam und trotzdem sehr billig! 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Vortrag Uder: .Da» ArbeitSzeitnolgefetz-. Ret.: Kollege Ztsta. 2 Stellungnahme zur Kündigung des Lohnadiommens ES ist Pflicht aller Kollegen zu erscheinen Miigiiedsbuch iegitimiert Die Srtsoermnltnng. lleiseli- inid Worslwaren-Verkauf Billig und dnt XhöCrStT. 40 BU'U und gut geöffnet von 8—3 Uhr, Freitags und Sonnabends 8— 7 Uhr Schönhauser AUec 33 fi�TUh? Gaskocher bis zu 13 Vlonak'Xatot iRaddah£&. Am Mittwoch, dem 8. August, borm. 10 Uhr. verschied nach schwerem Leiden a» den Folgen einer Opera. tion mein lieber guter Mann, unser herzensguter Vater KottÜsd Mnör im 71. Lebensjahre. In tiefem Schmerz Emma Fechner, geb. Hellermann{ Gustav Fechner. Arlur Fechner und Frau, Hans Gräzuweit u. Frau Leachen,| geb. Fechner. Berlin, 4 August 1927. Amsterdamer Str. 1. Die Einäscherung findet am Mon» tag, dem 8 August,»achm 2-, Uhr, im Krematorium Gerichlstraße statt. Stall Karlen Für die herzliche Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben Eni» fchlafenen, des Klempner» Mlhelm lemyM sagen wir allenVerwandten. Freunden und Betannten, besonder» den Herren der Firma W i n d h o f f»Friedenau und deren Abordnung, unseren herz. iichslen Dank. Beriin-Schöneberg DusIav.Müller»Slr. 88 Frleiirtdi Bruder Emma Bntder. flefi. Templtn Allgemeine Orttkrankenkatse für Berlin- Steglitz.» Bekanutmachnng. Die Vertreter der Ardeitaeber und Ber- sscherien im Ausschuß werben hiermit zu der am Freiiag, den 12, August 1027, abends 8 Ubr, im Kassenlolal, hier. Körner- straße 55, Natistndenden außerordentlichen Ausfchußsttzung Höst, ei» geladen. Tagesordnung: 1. Aenderung der Dienstordnung. 2 Aenderung der Satzung, 8. Verschiedenes. Berlin-Steglitz, den 4. August 1027 vor vorstund Finger«oglin Dorsitzeuder. Schrijtführer. y erKäufe DSrkopp.Nähmafchincn gegen Z-Mark. Wochenratcn. Wlosit, Brunnenstraße 185, zwischen Rosenthalcrplatz und Invalid denstraße. 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In der Kommunalverwaltung erfahrane Bewerber, welche die Befähigung zum Richteramte oder zum höheren Verwaltungsdienst haben, wollen ihre Meldung nebst Lebenslauf und Zeugnisabschriften bis zum 1. September ds. Js. einreichen. Die Stadt WesermOnde zählt 74 000 Einwohner, besitzt den größten Fischereihafen des Festlandes und befindet sich wirtschaftlich und kommunal in erfreulicher Entwicklung. Wesermünde, den 4. August 1927. Magistrat der Stadt Wcscrmünde. HE IVeiKzfttömaäief auf Schnitte und Stanzen Gate, Reichenberger Sir. 70/SO.