flf.37»» 44,7ol)tg. Musgabe A Nr. 189 Bezugspreis: «Schextlich TO Psenmg. monatlich Reichsmart voraus zahlbar. Tinter Kreuzband für Deutschland. Danzig� Äaar- Und Memelgediet. Oesterreich. Litauen, Luxemburg «.50 Reichsm-ri. für das übrige Ausland SL0 Reichsmark pro Monat. Der vorwärts' mit der illustrier» iea Sonntagsbeilage.Valt und Seit* sowie den Beilagen.Unterhaltung jinfc Bissen-,.Aus der ffilmwelt". .Arauenstimme-,.Der Kinder. freund. �ugend-Zorwärt»-..Blick '"�die Büch er weit- und Kultur. arbeit- erscheint wochentaglich zwei. Mal, Sonntags und Montags einmal. i Telegratmn.Adresse: j »Sozialdemokrat Berlin" Sonntagsausgabe r.W Verlinev Volksvltttt (�15 Pfennig) Anzeigenpreise: Sie einspaltige Nonpareille. zeile 80 ZZfennig. Retlamezeile d.— Reichsmart.»Kletae Anzejgen- das fettgedruckte Wort 28 Pfennig izulSssig zwei settgedruckt« Worte). jedes weitere Wort IS Plennig. Stellengesuche das erste Wort IZ Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stabcn zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reil« 50 Pfennig. vamilienanzetgen lür Abonnenten fieile<0 Pfennig. «n, eigen Mr die nächste Nummer Müssen bis Uhr nachmittags im �zuptgeschäft, Berlin EW 08, Linden. straße 3, abgegeben werden. Eeöffnet von 8)0 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben parte» Dcutfcblands Reüaktion and Verlag: öerUn Ew. öS, Linüenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff iiSS— SS7. Vorwärts-Verlag Serlin EW. 68, Linöenstr.Z Poftschecklsut»! Berlin 8T 030— Baukkont«:«an» der Arbeiter,«ngestelte» ua» Beamten,«allst». 05! Slsko-t-.üxsclllchast. Depesttenkast« Lindenftr. 3. Montag entstheiöet Jutler. Ueber eine Petition zur Einleitung eines neuen Prozesses. Boston, L. August. Der Sekretär des Gouverneurs Auller erklärte, der Gouverneur werde über die P e t i t i o n. in der er um Einleitung eines neuen Prozesses in der Sache Sacco- Panzetti ersucht wurde, erst am Montag entscheiden. die New gorker Explosion. Der Schaden nicht allzuarost. Aew Pork.6. August. Die Explosionen auf den llnlergrundbahnhösen ereigneten sich aus der Broadway-Linie, ZS. Straße, und aus der Aourth-Avenue- Linie, ZZ� ZS. und ZZ. Straße. Aach den blsherigeu Berichten wur- den durch die Broadway-Explosion sieben Personen ver- letzt. Aicht nur der llr.tergrundbahnverkehr wurde unterbrochen. sondern auch der Straßenbahnvertehr. Der Broadway war in der Zsähe der Explosionsstelle mit Glassplittern und mit waren be- deckt, die durch die Gewalt des Lustdrucks aus den Ladenfenstern herausgeschleudert worden waren. Die Polizei nahm Absperrungen vor. um Plünderungen der in Mitleidenschast gezogenen Läden und Banken zu verhüten. Zwei S t a t i o n« n an der Hauptstrecke der Untergrundbahn sind durch die Bombenanschläge vollständig zerstört worden. Etwa 12 Verwunde te sind ins Krankenhaus übergeführt worden. Daß sich verhältnismäßig wenig Unfälle zugetragen haben. ist hauptsächlich daraus zurückzuführen, daß sich die Besucher von Theatervorstellungen und. sonstigen Darbietungen noch n i ch t a u f dem Heimwege befanden. Am meisten hat der Broadway ge- litten, wo die Fenster der Hotels und der Läden zerstört und die Auslagen auf die Straße geschleudert wurden. Die Polizei umstellte sofort die in Mitleidenschaft gezogenen Häuserviertel und suchte nach Verdächtigen. In B o st o n wurden die Straßenbahnwagen� mit Doppelwachen besetzt. Alle Staatsgebäude sind ebenfalls von Doppelposten bewacht. Di« Gewalt der Explosion bei dem Bombenanschlag auf die Tiefbahnstation Broadway, 28. Straße, ist aus der Tatsache erficht- lich, daß ein« IS Zoll dicke Betonmauer wegge- sprengt wurde, deren Trümmer die vier Bahngleise oerschütteten. Di« Wiederaufnahme des Bahnbetriebes ist erst nach Wegräumung der etwa S Tonnen betragenden Schuttmenge möglich. In der St.-Patricks-Kathedrale wurde ein Mann, der sich verdächtig benommen haben soll, von der Kriminalpolizei verhastet. Der unter dein Verdacht, an den New Yorker Anschlägen beteiligt gewesen zu sein, festgehaltene Mann hat ausgesagt, er heiße Maurice S e i g e l. sei 36 Jahre all und von Beruf Zahnarzt. Er sei vor Ii Jahren aus Rußland eingewandert. Seigel b e st r e i t e t, irgend- wie an dem Fall Sacco-Vanzetti interessiert zu sein. panikmelüung öer Polizei. Die New-Yorker Polizei teill mit: Infolge der Heftigkeit de? Explosion in dem UMergrundbahnhof an der Kreuzung der 28. Straße und Fourth Avenue wurden anfänglich vier Explosionen vermutet; es ereigneten sich jedoch nur zwei Explosionen, bei denen mindestens eine Person getötet und über 12 verletzt wurden. Die Vermutung, daß sich noch weitere Explosionen ereignet hätten, wurde auch durch die allgemeine Verwirrung und Panik verursacht, die noch dadurch ver- mehrt wurde, daß in zahlreichen Geschäftsgebäuden die Ein- bruchsalarmglocken durch die Erschütterung in Tätigkeit gesetzt wurden. polizeimobilisierung. Die gesamten New. Yorker P o li ze i t r ä f t e in Stärke von 14 000 Mann sind Sonnabend früh plötzlich zum Schutz der öffentlichen Gebäude, Bahnstationen, Museen und Börsen mobilisiert worden. Aehnliche Vorsichtsmaßnahmen wurden auch in anderen Städten ergriffen. Hochbahnzüge unter Polizeischutz. Infolge der Bombenanschläge auf die Untergrundbahn sind fienLiche Stationen der Untergrund- und Hochbahn sowie die Züge unter polizeilich« Bewachung gestellt worden, um weitere Anschläge zu verhindern. Obwohl vielfach die Vermutung geäußert wird, daß die Anschläge als Protest gegen die Verurteilung Saccos und Van- zettis aufzufassen sind, hat die Polizei sich noch nicht über die mut- moßlichen Motive des Anschlags geäußert. Der einzig« An- Haltspunkt, der sich in den Händen der Polizei befindet, ist än« klein« Eisentiste, an der noch starker Ritroglyzeringeruch be- werkbar ist. Die Explosion in der Nntergrundbahnstation Broadway. S. Straße(fa» der da» dekamste» �Bugeleffen'-Vollen. tratzers), und in der Station 4. Avenue, 28. Straße, erfolgten s a st gleichzeitig, zerstörten das Mauerwerk und rissen Löcher in die Bürgersteige. Glücklicherweise hielten zur Zeit der Explosion auf beiden Bahnsteigen keine Züge, jedoch erloschen sämtliche Lichter der Untergrundbahn, wodurch die Panik erhöht wurde. Somden beim öürgermeifterhaus in Saltimore. In Baltimore ist gestern früh der Versuch gemacht worden, das Haus des Bürgermeisters durch eine Bombe in die Luft zu sprengen. Während der Bürgermeister sich gerade außerhalb der Stadt aushielt, befanden sich seine Gattin, seine Kinder und andere Angehörige im Hause. Die Bombe explodierte in der Nähe der Beranda, die sie zerstörte. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr fand in dem Wohnhause des Bürgermeisters noch eine zweite Bombe. öombenwurf in eine Kirche zu Philadelphia. Die in der Mitternachtsstimd« in das Kellergeschoß der presby- terianischen Emanuelkirche geschleuderte Bombe hat sämtliche Kirchen- senster zerstört, ein Loch in die Grundmauern der Kirche gerissen und einen Brand verursacht, der indessen bald gelöscht werden konnte. Sombe in Montevideo. New York, 6. August.(MTB.) , f Wie.aus Mont.epideo gemeldet wird, wurde eine nicht.exp-lo- dierte Bonib« vor der dortigen Zweigstelle der NewYorkar National City-Bank gefunden. Wilsons Schwiegersohn für Sacco und vanzetti. Die Blätter setzen die ausführliche Wiedergabe der Kundgebungen aus allen Ländern für Sacco und Donzetti fort. Den Verteidigern ist nun auch P r o s e s s o r Francis B. Sayre von der Haroard-Univsrsität beigetreten. Sayre ist«in S ch w i e g e r s o h n Wilsons. Die Verteidigung plaM weitere Schritte bei dem Oberster» Staatsgerichtshof von Massachusetts und beim Obersten Gericht in Washington, um die Aufschiebung der Hinrichtung zu erreichen. Das Oberst« Gericht«rhielt Drohbriefe. Die argentinische Volksvertretung appelliert an Nordamerika. Die Kammer in Vuenos-Aires beschloß, das Washingtoner Parlament aufzufordern, zugunsten Saccos und vanzellis einzugreifen. Die Bewegung für«inen Generalstreik in Argentinien als Sympathiekundgebung für Sacco und Vanzetti dehnt sich aus. In Pergamine in der Provinz Buenos Aires wurde vor einem Automobilgeschäft«in« Bombe geworfen. Die Schaufenster wurden zertrümmert. Eine weitere Bombe wurde auf eine Eisen- bahnstrecke geschleudert, richtete jedoch nur unbedeutenden Schaden an. In den Straßen von Buenos Aires fanden Demonstrationen statt. Die Ladenbesitzer wurden gezwungen, ihre Läden zu schließen. Diejenigen, die nicht geschlossen waren, wurden mit Steinen beworfen. demonstrationsverbot in Paris. Die für Sonntag in Paris geplante Demonstration für Sacco und Banzetti, an der außer der gesamten Arbeiterschaft von Paris auch demokratische Bürger teilzunehmen beabsichtigten, ist ohne Angabe von Gründen verboten und es sind umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Sowohl für die Polizei wie für die gesamte Garnison ist für Sonntag Alarmbereitschaft angeordnet. Die amerikanische Botschaft und das Konsiilatsgebäude sind von einer dichten Posten- kelle, die niemanden ohne Ausweis passieren läßt, umgeben. Demonstrationen in Lille. Der Bürgermeister von Lille hat im Namen des sozio. listischen Stadtrats an den Boffchafter der Vereinigten Staaten ein Protesttelegramm gegen die beabsichtigte Hinrichtung von Sacco und Vanzetll gerichtet, ebenso der sozialistische Stadtrat von R o u b a i x. Das Exekutivkomitee der Inter- nationale der Grubenarbeiter, das gegenwärtig in Paris tagt, hat eine Resolution angenommen, in welcher der Ober st e Gerichtshof der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, die Hinrichtung der beiden Unglücklichen zu verhindern. Am Freitagabend versuchten m Lille mehrere hundert Som- muniften vor dem amerikanischen Konsulat zu manifestieren. Sie wurden von der Polizei zerstreut; mehrere Personen wurden dabei verletzt, Todesurteil der Todesstrafe!, Denkt an Sacco und Banzetti. Sacco und Vanzetti— ihre Namen werden bis in ferne Zukunft leben als Anklage gegen den grauenhaftesten Justizmord, den die Welt erlebt hat. Es ist nicht Justizirrtum — es ist Justizmord. Die Stimme der ganzen Welt erhebt sich — in Boston aber sind wenigeMänner entschlossen, krast der Stellung, die sie einnehmen, zwei Menschen gewaltsam, in sorgfältig vorbereitetem Verfahren, vom Leben zum Tode bringen zu lassen. Weil ihre Ueberzeugung über Schuld und Unschuld eine andere ist als die Ueberzeugung von vielen Mil- lionen in allen 5wlturländern. Amerikaner, Deutsche, Franzosen, Engländer, Italiener, � Schweden, Russen, allen denen, die mit wachem Wissen dem" Furchtbaren entgegensehen, bebt das Herz bei dem Gedanken an das, was sich in der Nacht vom 19. zum 11. August voll- ziehen soll: daß zwei Menschen, über die sieben Jahre lang die Drohung des Vollzugs der Todesstrafe verhängt war, zum Tode geführt werden sollen. In jenen unbarmherzigen, nüchternen, unmenschlichen kahlen Raum, in dem der elektrische Stuhl steht.. i Sieden Jahre Todesdrohung— und die Unglücklichen.> für die Millionen Herzen beben, haben im Vertrauen auf Recht, im Bewußtsein ihrer Unschuld den Verstand behalten. Sie müssen mit klarem Verstand in die letzten sieben Minuten, in die letzten sieben Sekunden, in die letzte Sekunde hinein- gehen. Das ist entsetzlicher als jede Folter, die das Mittelalter erfunden hat. Ihr Männer von Boston, die ihr entschlossen seid, Sacco und Vanzetti hinrichten zu lassen, ihr foltert die Menschheit! Folter war es, daß jahrelang zUiernd mit den Verurteilten die Menschheit die Ungewißheit zwischen Tod und Leben mitfühlte— schrecklicher noch ist es, daß MWonen nun wissen, daß ihr morden wollte- und daßsie es nicht hindern können.■>.; Die Stimme der Menschheit und der Menschlichkeit hier— und der starre, unbeugsame Wille von wenigen Männern in Boston, töten zu lassen, dort. Aus allen Ländern der Erde tönt der Schrei nach Gerechtigkeit, der Schrei nach menschlichem Erbarmen, die Besten aller Völker erheben ihre Stimme— aher sie sind ohnmächtig gegen den starren, unbeugsamen Willen eines Mannes, gegen den Willen des Gouverneurs> Füller von Boston. Gegen den Willen eines Mannes, töten zu lassen.... Millionen wissen, daß in der Nacht vom 19. und 11. August grauenhaft Unmenschliches sich vollziehen soll, Millionen rufen nach Rettung, Gnade, Erbarmen, Menschlich» keit— aber sie sind ohnmächtig. Ohnmächtig gegen die Gewalt, die einem einzelnen gegeben worden ist. Die Ohnmacht der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit— das ist die Folter, die die Richter von Maffachuffefts und der Gouverneur von Boston über die Menschheit verhängt haben. Wir sind durch den Gouverneur Füller von Boston alle verurteilt, in der eigenen Brust den Schrecken des Todes, die Qual der zum Tode Verurteilten, das grauenvoll unerbittliche Verrinnen der letzten Stunden mitzuerleben. Genug der Todesstrafe! Mögen alle, die in der Nacht vom 19. zum 11. August den Atem anhalten und wissen: jetzt sterben Sacco und Vanzetti, mögen sie zu bewußten und un- ermüdlichen Kämpfern werden gegen die Todesstrafe! üe Sacco und Vanzetti sind am 7. Juli 1921 wegen Raub» mords an zwei Angestellten einer Schuhfabrik zum Tode ver- urteilt worden. Auf Grund eines lückenhaften Indizien- beweifes. Sacco und Vanzetti haben ihre Unschuld fest und leidenschaftlich beteuert. Ein Bandit, ein wegen Raub- mords verurtellter, wiederholt rückfälliger Portugiese hat im Gefängnis gestanden, daß er mit einer der Polizei bekannten Bande professioneller Räuber die Tat begangen habe. Der Täter gesteht— aber die Richter von Massachussetts haben beschlossen, daß Sacco und Banzetti die Täter sein müssen, sein sollen! Sie haben jedes Wiederaufnahme- verfahren, jede neue Nachprüfung abgelehnt. Der Gouverneur von Boston erklärt ruhig: Kein Rechtsirrtum, kein Justiz- irrtum. Sacco und Vanzetti müssen sterben. Er wägt nicht die Möglichkeit des Irrtums. Er erhebt den Anspruch, unfehlbar zu sein. Das ist das Furchtbare einer jeden Justiz, der die Todes- strafe in die Hand gegeben worden ist, daß sie richtet über Tod und Leben, als ob sie unfehlbar wäre! Dfefer Fall des Gouverneurs Füller von Boston ist der Fall eines jeden Richters, der über Tod und Leben zu entscheiden hat. Es ist dieser Fall— in unmenschliche, sinnlose Dimensionen gesteigert. Der Fall, daß Menschen sterben sollen, weil Urteil und Er- kenntnis von Menschen, von Richtern unzulänglich sind. Die Geschichte weiß von furchtbaren Justizmorden, die laut gegen die Todesstrafe sprechen. Der Fall Sacco-Van- z e t t i wird in diese erschütternde Chronik eingereiht werden. Um das Gewissen der Oeffentlichkeit g�gen die Todesstrafe zu schärfen, veröffentlichen wir kurz drei bekannte Fälle 1 furchtbarsten Justizirrtums. ' In Sem hannoverschen Städtchen Eldagsen wurden Frau und Magd eines Steuereinnehmers ermordet, die Kasse mit mehreren hundert Talern und die Schmucksachen der Frau geraubt. Der Verdacht lenkte sich auf den Bäckermeister Ziegenmeyer und den Maurer Busse. Haussuchung, Untersuchung der Kleider förderten nichts zutage, Ziegen- meyer konnte einen schlüssigen Alibibeweis führen. Die Ner- dächtigen wurden zunächst aus der Haft entlassen. Nach emigen Wochen gab der Nachtwächter des Ortes zu Protokoll, er sei in der Mordnacht den beiden Verdächtigen begegnet. Er habe in der Nacht darauf am. Fenster von Ziegenmeyer gehört, wie Ziegenmeyer seiner Frau gestanden habe, daß er die Magd getötet habe und Busse die Frau. Der Nachtwächter beschwor seine Aussage. Eine Reihe anderer belastender Zeugenaus- sagen kam noch hinzu. Das Schwurgericht oerurteilte Busse und Ziegenmeyer zum Tode. Am Tag nach dem Urteil erhängte sich Ziegenmeyer in seiner Zelle, Busse wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Im Jahre darauf wurde in einem Manne, der einen anderen Raubmordversuch gemacht hatte, der richtige T ä t e,r ermittelt. Er gestand, wurde verurteilt und hin- gerichtet. Busse wurde im Wiederaufnahmeverfahren frei- gesprochen. Der Nachtwächter, der eine wissentlich falsche Aussage gemacht hatte, um die aus die Entdeckung der Täter gesetzte Belohnung zu verdienen, wurde wegen Meineids zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Aber Ziegenmeyer war totz für ihn gab es keine Wiedergutmachung... * Ein anderer Fall, der in der Literatur als Ried er Justizmord bekannt ist. In Siegertshaft in Oberösterreich wurde eine Krämerin ermordet. Ein Ehepaar Grietzinger und ein gewisser Harter kamen in den Verdacht, den Mord ausgeführt zu Hadem Die öffentliche Meinung im Ort war von Ansang an überzeugt, daß nur die drei, die mißbeliebt waren, die Tat verübt haben könnten. Eine Reihe von Zeugen äußerte sich ausführlich über angeblich höchst verdächtiges Be- nehmen der Angeschuldigten vor und nach dem Mord. Die Aussagen der Zeugen waren auf das äußerste belastend. .Gegen alle drei Angeschuldigte wurde die Anklage wegen meuchlerischen Raubmordes erhoben. Am 15. Juni 1899 wurden Harter und Frau Grietzinger zum Tode ver- urteilt, der Ehemann Grietzinger aber freigesprochen. Die beiden Verurteilten wurden zu zwanzig Jahren schweren Kerkers begnadigt. Am 27. Mai 1901 starbHarterim Kerker. Zweieinhalb Jahre später stellte sich heraus, daß er und Frau Grietzinger unschuldig oerurteilt worden warem Der Mörder wurde gefaßt und, nachdem er gestanden hatte, verurteilt. Im Wi-ederausncchmeverfahren wurden Frau Grietzinger und der inzwischen verstorbene Harter frei- gesprochem Aber Harter war tot.*, i» Im Juli 1908 wurde in einer Scheune bei Holzminden bin alter Mann im Streit von dem Schlosser Hermann Kämpf und dem Arbeiter Robert Müller erschlagen. Müller, ein geistig minderwertiger, halbidiotischer Mensch beschuldigte sich und Kämpf des Mordes. Das Schwurgericht verurteilte Kämpf, der den Mord entschieden bestritt, wegen Mordes zum Tode und Müller, der den Mord zugegeben hatte, wegen Totschlages zufünsJahrenGe- f ä n g n i s. Der Verteidiger beantragte die Wieder- aufnähme, indem er sich auf das Zeugnis eines für Kämpf ungeheuer wichtigen Entlastungszeugen stützte, der nicht vernontinen worden war. Der Wiederoufnahmsantrag wurde abgelehnt mit der Begründung, daß ein Versuch, den Entlastungszeugen zu ermitteln, voraussichtlich ohne Er- folg sein würde. Gegen diesen Beschluß wurde B e- s ch w e r d e beim Oberlandesgericht eingereicht. Der Be- schwerde wurde st a t t g e g e kye n mit der Entscheidung, daß der Versuch gemacht werden müsse, den Aufenthalt des Ent- lastungszeugen zu ermitteln. Der Beschluß datierte vom 4. März 1909. Am 16. Juni 1909 teilte das Landgericht mit, Der Chef. Don FelixRiemkasten. Ich kenne einen Menschen, der es aus kleinen Anfängen zn etwas gebracht hat im Leben. Heute leitet er eine große Firma und ist nach Feierabend der liebenswürdigste und höflichst« Mensch, ein Mensch, mit dem sich reden läßt. »Sehen Sie, das ist doch das Schöne/ sagt er..chatz keinem Menschen etwas geschenkt wird. Wer ganz besonderes leistet, der hat auch ganz besonderen Lohn. Da macht die Arbeit erst Spaß. Ich zum Beispiel, mein Lieber, ich arbeite den ganzen Tag../ »Das ist nicht wahr/ sage ich still und zäh.»Sie arbeiten über- Haupt nicht../ Da steht dieser Mensch auf, ein großer, breiter, dicker Mensch, j»nd verdreht die Augen und Nagt mich an im Himmel.»Was sagen Sie da/ entgegnet er entsetzt und beschwörend.»Ich arbeite über- Haupt nicht? 3ch?� »Nein/ sagte ich nochmals,„Sie arbeiten nicht. Sondern Sie schaff ent Und schaffen ist nicht arbeiten. Ihnen geht es so, wie dem Manne, der lieber die Leitung einer großen Firma aufgibt, um dafür Minister zu werden. Ganz sicher verdient er als General- idirektor mehr denn als Minister, aber ihn lockt nicht der Lohn, son- dern die Macht. Und wenn er als Minister noch zusetzen müßte, so würde er es gleichwohl tun, denn die Arbeit als Minffter ist für ihn erst das rechte, volle Ausleben. Seinen Willen fetzt er durch. feine Gedanken bekommen Gestalt und Leben. Es geht ihm so, wie dem Denker oder dem Dichter oder dem Maler. Das sind Leute, die sich nur glücklich fühlen können, wenn sie ihrem Geist gemäß schassen können. Das Geld hat für sie wenig Wert. Sie sind vom Morgen bis in die Nacht hiyein tätig, sie hungern und entbehren, und sie würden auch weiterschaffen, wenn man sie verfolgt«. So eifrig und verzückt jagen sie ihrer Idee nach und kennen kein anderes Glück als dies.— Und genau so. mein Lieber, sind auch S i e in Ihrem Leitend-en Prisen fein tyltbeiiex, fonbern ein•Sc�offcnbcr; ohne Zweifel beziehen Sie Ihr Gehalt und Ihre Sonderanteile mit höch- stein Vergnügen, aber noch viel mehr Vergnügen hoben Sie daran, Ihre Gedmikcn durchzusetzen und Ihr« maßgebende Unterschrift mit schönem Schnörkel unter die Briefe zu setzen, die Sie diktieren nach Ihrem Gutdünken. Aber mit alledem arbeiten Sie nicht, son- dern Sie fchaffenl Und weil Sie genau wissen, wie herrlich solches Werk für Sie ist, möchten Sie gern, daß alle Arbeiter Ihres Be- tn'ebes Ihnen dienen/ »Solist es auch/ schreit der Mensch dazwinhen.„Genau so!" „3a, fno.c ich,„für Sie ist es so!— Uub Tie verachten auge- mein alle Ihre Arbeiter und Angestellten, daß diese Muschkoten immer nur Geld verlangen und Ruhe und Feierabend und Schluß «nd Pause und Erholung... Geradezu wütend sind Sie über solche Aaulheit und Verfressenheit,"' daß der Aufenthalt des Zeugen nicht ermittelt werden könne. Am 20. November 1909 wurde die Wiederaufnahme als unbegründet abgelehnt, mit der Begründung, daß der Eütlaswngszeuge nicht zu finden fei. Im Dezem- ber 1909 wies das Oberlandesgericht die sofortige Beschwerde als unbegründet zurück. In diesem Augenblick erschien der langgesuchte Zeuge bei dem Verteidiger des Verurteilten! Auf Befragen, wo er sich io lange aufgehalten habe, er- klärte er, daß er in den letzten Monaten ständig in Osnabrück gearbeitet habe und dort auch polizeilich angemeldet gewesen sei. Er sei auch eines Tages auf die Polizei gerufen worden, wo man ihm gesagt habe, daß er als Zeuge im Kämpf-Prozeh gesucht werde; es werde jedoch in sein Belieben gestellt, nach Braunschweig zu fahren, die Polizei habe keinerlei Veranlassung, ihn dorthin zu senden. Der Zeuge wurde nun vernommen, aber die Straf- kammer lehnte trotzdem die Wiederaufnahme des Verfahrens endgültig ab. Auf nochmalige Beschwerde ordnete das Oberlandes- gericht Braunschweig am 22. März 1910 die Aufhebung des Beschlusses der Strafkammer und die Erneuerung der Haupt- Verhandlung vor dem Schwurgericht an. Das Todes- urteil wurde aufgehoben und die Geschworenen sprachen Kämpf des Totschlags und des Diebstahls schuldig, er wurde zu zehn Iahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt. In allen diesen Fällen, in denen die Beweise weit stärker für die Schuld der Verurteilten zu sprechen schienen, als die Beweise für die Schuld von S a c c o und B a n z e t t i. sind die Todesurteile nicht vollstreckt worden— um der Möglichkeit des Justizirrtums willen. Der Gouverneur Füller von Boston, dem ein schlechter, lückenhafter Indizienbeweis vorgelegen hat, verneint die Möglichkeit eines Justizirrtums. Er nimmt es auf sich, mit außermensch- licher Gewißheit ein Urteil abzugeben über die Geschehnisse vor sieben Iahren. Er will, daß getätet werde. Er will es — aus dem Nnfehlbarkeitsdünkel der Gerichtsbarkeit heraus. Ep will es, weil sein Geist wie der Geist eines Teiles des amerikanischen Volkes voreingenommen und haßerfüllt ist gegen Anarchisten, die noch dazu Ausländer sind. Sein Wille zum Mord— der Ausfluß eines unmenschlichen, brutalen, mittelalterlichen Geistes. Wer aber wagt es, angesichts der Reihe der furchtbaren Justizirrtümer, angesichts des Justizmordes an Sacco und Bauzetti für die Ausrechterhaltung der Todesstrafe echzu- treten? Wer will es auf sein Gewissen nehmen, daß Un- schuldige Gefahr laufen, von Staats wegen kaltblütig, nach wohlgeordneter Vorbereitung, ermordet zu werden? Der Fall Sacco-Vanzetti muß der Ausgangs- punkt des Todesurteils über die Todesstrafe werden. Hier steht zitternd die Welt— dort läuft ein sinnlos, gerechtigkeitslos, über alle Maßen menschheitsfeind- lich gewordener Justizmechanismus einem furchtbaren Ende zu. Es ist eine Allegorie: die seelenlos gewordene Institution triumphiert, zwei Menschenleben verlöschen, und die Mensch- lichkeit verhüllt ihr Haupt. Zur Menschlichkeit- gegen Todesstrafe. Protestkundgebung der Sozialdemokratie und der Arbeiterjugend Berlins. Der erweiterte Bezirksvorstand der Sozialdemokratie und der Vorstand der Soziali st ischen Arbeiterjugend Eroß-Berlins haben an den Botschafter der Vereinigten Staaten ein Telegramm gerichtet, in dem sie in letzter Stunde noch einmal die Begnadigung Saccos und Vanzettis fordern. Beide Körperschaften nahmen folgende Entschließung an: »Die Bezirksverbände der Sozialdemokratischen Partei und der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß-Berlin fordern die B e g n a- »Das stimmt/ sagte er hart. „Für Sie, Verehrtester/ lächle ich,»für Sie!— Run aber stellen Sie sich vor, welche Freude es denn bedeuten kann für den kleinen Mann, in Ihrem Fabriksaal oder in Ihrem Kontor zu hocken und nur die Befehle auszuführen, die erteilt werden. Sehen Sie, diese Leute arbeiten, sie schuften, sie plagen sich ab. Wenn ein KontorsNave am Buche sitzt, und weiter nichts zu tun hat, als daß er Summen zusammenzieht, dann können sich diese Menschen durch nichts anderes beglückt fühlen, als durch den Lohn, den Sie dafür erhalten. Und Ihr« Freude ist allein der Feierabend. Denn da erst fangen sie.an, sich als Menschen zu fühlen. Und da es nicht j�der zum Direktor bringen kann, und da mancher wertvolle Mensch Interessen hat für Kunst und Wissen, die leider kein Geld einbringen, so sehen Sie, woher der Haß gegen Sie stammt und woher ich selber zu dem Schlüsse gelange, daß Sie, trotz Ihrer liebenswerten Eigenschaften, Reaktionär find mit Ihrem ewigen Verlangen nach mehr Arbeit. Sie vergessen nämlich ganz, daß Ihre schönsten Pläne. Ihre großartigste Industrie usw. nur ein Nichts ist gegen das, was ich Menschlichkeit nennen möchte. Ich sage Ihnen darum: Weim Sie Ihre Wirtfchaftsmaschin« mit Menschenglück heizen, statt mit Kohle und Oel, dann wird es stets den Kampf des Menschen gegen die Maschine geben, und ich bin Sozialist, weil ich auf seilen des Menschen stehe." Zum neuen NeLbewerb See Segelflieger. Die Wettkämpf« der Gleit» und Segelflieger baben wieder in der Rhön begonnen. Im Lahr« 1920 fand zum erstenmal solch ein Wettbewerb statt. Seit Otto Lilientbal, der Bater des motorlosen Fluges, dieser deutsche Pionier der Flugkunst, am 9. August 1896 nach erfolgreichen Gleitflügen tödlich abgestürzt war, hat der Segelflug, der motorlose Flug, erst nach dem großen Kriege wieder eine eigene Entwicklung aufzuweisen. Zwar kennzeichnen die Namen des englischen Marine- ivgenieurs Percy Pilcher, des Oesterreicherz Reimund Nimfiihr, der Amerikaner Ehanute und Herring eine Reihe von Versuchen mit Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfdeckern, bald"aber, schon Anfang des 20. Jahrhunderts bog die Entwicklung zur Epoche des lenkbaren Motorflugzeugs um. Erst nach dem Kriege kam neues Erwachen und man sah, daß man sehr zum Schaden der Flugkunst über- Haupt, den motorlosen Flug völlig vernachlässigt hatte. Deutsch« Ingenieure und Flugsportler waren es, die das Ansehen des motor- losen Fluges neu begründeten. Der motorlose Flug ist eine Nachohiramg des Vogelfluges, und zwar einer besonderen Art des Vogelflugzeuges. Das Sliidium des Voaeliluges, das erst in neuester Zeit mit Hille von Mesiinstrunienteu i und Kinemathographic zu einer fest gegründeten Wissenschail ge- j worden ist. hat eine große Zahl von Arten des Vogelfluges, wie den Ruderflug, den Finkenflug, den Schtvirrflng, den Gleitflug, das Segeln und das Schweben ergeben. Rur die drei letzten Arten sind es, die heute sür den motorlosen Flug von Interesse sucht. Drei d i g u n g Saccos und Vanzettis. Leide Organisationen erheben im Namen der Menschlichkeit schärfsten Protest gegen die uu- menschliche Grausamkeit der siebenjährigen Fol- terqual gegen die Verurteilten. Sie betonen auch bei dieser Gelegenheit wieder die sozialdemokratische Forderung der Ab- schaffung der Todesstrafe. Partei und Arbeflerjugend fordern alle Gesinnungsfreunde auf, unter der roten Fahne des Sozialismus den Kampf für Menschlichkeit und Recht weiterzuführen."_ Regierungsöank an yörstng. Ein Dank- und Anerkennungsschreiben des preußischen Innenministers. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern an den Oberpräsidenten z. D. Otto H ö r s i n g in Magdeburg folgendes Schreiben gerichtet: »Sehr geehrter Herr Oberpräsident! Bei Ihrem Rücktritt von dem Amte des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen namens der Staatsree. ierung Anerkennung und Dank zum Aus- druck zu bringen für Ihre treue Hingabe und Ihre ausopfernde Mitarbeit im Dienste des Staates. Sieben Jahre lang, in politisch und wirtschaftlich schwerster Zeit, haben Sie an der Spitze einer der größten und wichtigsten preußischen Provinzen gestanden und in dieser Stellung reiche Erfolg« erzielt. Wi«� einst in gefahrvollster Zeit als Reichs- und Staatskommissar in Schlesien, so haben Sie sich auch als Oberprästdent der Provinz Sachsen als«in Mann von ungewöhnlicher Tatkraft und Energie, Verantwortungsfreudig- kcit und Willensstärke erwiesen. Ihre Verdienste sind im Staats- Ministerium von allen Seiten dankbar anerkannt worden. Sie haben Ihre Tätigkeit nicht auf den engeren Rahmen Ihrer amtlichen Aus- gaben beschränkt, sondern darüber hinaus auch den großen all- gemeinen politischen Fragen Ihr Interesse zugewendet und sich namentlich als ein unerschrockener Vorkämpfer sür die Deutsche Republik jederzeit hervorgetan. Ihnen auch dafür zu danken, ist mir ein persönliches Bedürfnis.. Ich hoffe, daß auch in Zukunft Ihre starten Kräfte und Fähig- leiten dem Volke und Staate dienstbar und nutzbringend sein werden In aufrichtiger Wertschätzung bin ich Ihr ergebener gez.: Grzesinski. Die übliche Hetze Ser Reaktionäre. Die Hetze Ist dos höchste Gut der deutschnationalen Presse. Das war schon immer so und wird wahrscheinlich solang« so bleiben, bis die deutschnationale M on a rch i st e n p a r t e i aus- gestorben ist. Dos neueste Erzeugnis deutschnationaler Intrige be- steht in der Behauptung, daß der von seinem Amt zurückgetretene Oberpräsident Hörsing eine jährliche Pension von 16 000 Mark bezieht und so in der Lage wäre, ein angenehmes Leben zu führen. Diese Behauptung ist frei erfunden. Einmal ist Hörsing nicht pensioniert, sondern zur Disposition gestellt, d. h. er bezieht Wartegeld. Dieses Wartegeld wird nach bestimmten Sätzen errechnet und ist bisher noch nicht sestgelegk. Es wird aber trotz der verdienstvollen Tätigkeit Hörsings für die Republik weit unter dem Betrag von 10 000 Mark liegen. Was ist dies im Ver- gleich zu den endlosen und hohen Pensionen für d e u t s ch n a t i o- nale Persönlichkeiten und Generäle wie Ludendorff, die von dem Geld der Republik zwar ein herrliches Leben führen, aber trotzdem nur gegen sie hetzen!_ Zuwachs für die bayerische SPD. Frakllon. Der kommunistische Landtagsabgeordnete für Bayern Schlaffer, der sich vor mehr als einem Jahre mit seinem Kollegen Götz durch die tjluchi nach Rußland der Vollstreckung einer dreijährigen Gesängnisstras« wegen Hochverrats entzoa, hat dem Verlangen der kommunistischen Frakt-on des Bayerischen Landtags stattgegeben'und auf sein Mandat verzichtet. Sein Nachfolger ist der Hilfsarbeiter Tauber- Ingolstadt. Die kommunistische Fraktion wird dadurch wieder sieben Mann stark. An der iialienisch-sranzösischen Grenze ist schon wieder ein fron» zösischer Eisenbahnzug von einer Gruppe Italiener beschossen worden. Grundgesetze kennt die Wissenschaft heut«, nach denen der bewegungz- lose Flug des Vogels möglich ist. Erstens, wenn die Flugbahn nicht horizontal ist. zweitens wenn die Windströmungen nicht horizontal stick» und drittens, wenn der Wind nickst gleichförmig ist. Diesen drei Grundbedingungen entsprechen auch die drei Arten des motorlosen Fluges, die wir heute kennen. Der Gleitflug ist der Flug in nicht horizontaler Bahn. Das Flugzeug sinkt in tiefer Ebene nach vorwärts zur Erde nieder und durch eine be- stimmte Winkelstellung seiner Flügel zu dem entstehenden Luft- widerstand entsteht ein Gleitwinkel, der zwischen 1: 6 und 1:10 schwankt, das heißt bei 100 Meter Höhe würde das Flugzeug erst nach 1000 Meter Gleitflug den Boden berühren. Die zweite Flugart unter Ausnutzung einer nicht honzontalei, Wmdftrömung ist der Schwebefsug. Da» Flugzeug wird wieder durch eine bestimmte Flügelstellung in einen Winkel zu der aussteigenden Luffftrömung gebracht und bewegt sich nunmehr nach dem Gesetz vom Parallelogramm der Kräfte in der Luft vorwärts. Wenn es dem Flieger gelingt, den Gleitwinkel des Flugzeuges in ei» bestimmtes Verhältnis zum Anstiegwinkel der Luftströmungen zu bringen, so ergibt sich daraus ein horizontaler Flug, wie wir alle ihn schon bei der Möwe oder Schwalbe beobachtet haben. Das Ideal des Fluges ohne Motor und ohne Höhenverlust bleibt jedoch der S e g e l s l u g. Bei diesem werden Kräfte aus- genutzt, die in der Luft selbst gegeben sind, durch Unglelchförmigteit der Luftströmungen in horizontaler und vertikaler Richtung sowie durch die Verschiedenartigkeit der Stärke dieser Luftströme. Pelikan und Albatros sind unter den Vögeln die Künstler dieses Segelfluges. Ihre Kunst nachzuahmen, sst die Hauptaufgabe unserer Segelflieger bei der Konstruktion ihrer Flugzeuge und bei deren Steuerung. Im allgemeinen ist man heute davon überzeugt, daß die richtigen Segelflieger ausschließlich mit den Tragflächen steuern wollen, da die Schwayzsteuerunq mannigfache Nachteile in sich birgt. So liegt das Hauptproblem des motorlosen Fluges heute in der Form der Flügel, und die Mannigfaltigkeit unserer Segelflugzeuge zeigt, daß man von der endgültigen Lösung des Problems noch ziemlich weit entfernt ist. Zwar sind auch die Vogelflügel außerordentlich cker- schieden gestaltet, aber gerade die sklavische Nachahmung ihrer Form war eine Zeitlang eine große Gefahr für die Segelfliegerei. Heute wissen wir, daß die Ausgestaltung einer mechanischen Segelfläche keineswegs eine einfache Nachahmung de» Vogelflügels bedeuten kann. Wo allerdings nun die neue Form liegt, das werden erst noch einige Jahre von Versuchen ergeben müssen. L. P. Die Erweiterung der Münchener Forschungsomstall für Psych! a- lrle. Der Erweiterungsbau der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie schreitet rüstig fort, nachdem die Bausumme außer den bereits zugesagten SSO 000 Dollar von der Rockefeller-Stiftung um weitere 75 000 Dollar erhöht worden war. Wie im neuesten Tätig- keitsbench! der Gesellschatt zur Förderung der Wissenschaften, zu deren Instituten die Anstalt gehört, mitgeteilt wird, kann der Neubau im Frühjahr 1028 bezogen werden. Besonders wichtig ist es ober. daß die Stadt München ein eigenes Gebäude füy«ine psychiatrische Abteilung des Schwabing«? Krankenhauses in enger räumlicher Der» bindung inst der Forschungsanstast errichten wird, Zentrums- Antwort an Marx. > Nochmals: das Reichsbanner. Ein Vorstandsmitglied der württem- bergisch enZentrumspartei, Prof. Dr. Bauer in Ludwigsburg, der auf dem linken Flügel feiner Partei steht und auch dem Vorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und des Republikanischen Reichsbundes in Württemberg angehört, wendet sich in dem Landesorgan feiner Partei, das bisher fast nur das Sprachrohr der a n d e r e n Richtung war, energisch gegen den Kampf, der jetzt gegen das Reichsbanner geführt wird. Er sagt in seinem sehr lesenswerten Artikel u. a.: „Das Reichsbanner hat eine schwere Belastungsprobe hinter sich, aus der aber die Organisation geläutert und neu gefestigt her- vorgegangen ist. Es soll hier nicht über das Vorgehen chörsings/das er ja selbst bedauert hat und das zweifellos ein Mistgriff war, noch einmal lang und breit geredet werden, sondern nur über die peinliche Lage, in die viele Zentrumsanhänger, die für das Reichsbanner ein- treten, durch den darauf erfolgten Austritt des Reichs- kanzlers Marx geraten sind. Der Schritt des Kanzlers ist an und für sich verständlich, wenn auch eine andere Lösung recht wohl möglich gewesen wäre. Aber wenn Marx als oberster Beamter des Reichs unbedingte Rückenfreiheit sich wahren will, so bringt er damit seiner Unparteilichkeit ein Opfer, für das insbesondere der Nichtparteimann volles Verständnis aufbringen soll. Aber müstte mau dann nicht gerechlerweise verlangen, daß auch andere Reichs- minister ans den verbänden, wie Stahlhelm. Iungdeutschland usw.. die dem Reichsbanner gegenüberstehen, austreten, wenn etwa der Führer des Stahlhelms üler die Erfüllungspolilik Strefemanns oder über die„Zudenrepubiik" im ollgemeinen loszieht? Davon aber hört man nichts. Nur auf unserer Seite ist man so zartsiihlend und glaubt, jedem leisen Winke von rechts nachgeben zu müssen. Zwar war es diesmal schon ein Winken mit dem Zaunpfahl und schon der Uebereifer der gesamten Rechten, durch Sprengung des Reichs- banners die republikanische Idee im Innersten zu erschüttern, hätte manchen stutzig machen sollen... Wir brauchen die Frage, welche Organisationen dem Bestand der Zentrumspartei gefährlich sind, nicht mehr zu stellen; für uns, die wir mitten in der Kleinarbeit stehen, ist sie längst beantwortet. Fast sämtliche Austritte in den letzten Jahren kommen von Leuten, die durch sogenannte vater- ländische Verbände und R e cht s o r g a n i s a t i o n en gegen die Partei verhetzt wurden— während nicht ein überzeugter Reichsbannermann seiner Partei den Rücken zugewandt hat. Dafür haben wir Beweise... Das Reichsbanner wurde gegründet, als man von gewisier Seite her dazu überging, die Staatsmänner der Republik niederzuknallen, und an Stelle einer geordneten Regierung den Terror setzen wollte. Dies hörte auf, als Hörsing an der Spitze vor. 3 Millionen überzeugten Republikanern aus allen Lagern auf den Tisch schlug und fragte: Wir wollen sehen, ob auch künfttg unsere Staatsmänner wie Freiwild niedergehetzt werden dürfen oder nicht? So wurde es langsam bester... Wenn somit das Reichsbanner einen wesentlichen Anteil an der ruhig fortschreitenden Entwicklung des Staatswesens gehabt hat und »och hat, so sind seine Berdienste in bezug auf die Vertiefung und Verbreiterung des vaterländischen Ge- dankens noch viel größer. Mit Hurraschreien und Verherrlichen einer dahingeschwundenen Zeit wird keine Nation geschaffen... Wer hat Hunderttausenden von Arbeitern, die früher als vaterlandslose Gesellen verschrien waren und sich so notgedrungen an die Jnter- nationale anklammerten, das Vaterland zurückgegeben? Das Reichsbanner... Wer hat sich, unbekümmert um Partei und Konfession, dem Reichskanzler Dr. Marx zur Verfügung gestellt, als er Reichspräsident werden sollte und eine abscheuliche konfessionelle Hetze ihn sogar persönlich bedrohte? Das Reichsbanner. Heute ist das alles vergessen. Aber es gibt noch Leute, die Treue mit Treue belohnen, ohne deshalb ein Jota ihrer politischen Ueberzeugung zu opfern." Die Tendenz dieses Artikels entspricht vollkommen dem Inhalt der kürzlich von uns oerbreiteten Zuschrift.einer bekannten und führenden Persönlichkeit des Zentrums. Diese Zuschrift wurde von einem Teil der Zentrumspresse als Hetze gegen den Reichskanzler Marx be- zeichnet. Wenn das richtig ist, was ist dann der Artikel des Vorstandsmitgliedes der württembergischen Zentrumspartei, Professor Bauer � Etwa auch Hetze? i Cagesorönung öes Volterbunöes. � Die Septcmbcrfitzung des Rates. Genf, 6. August.(Eigenbericht.) Die am Sonnabend bekanntgegebene provisorische Tagesordnung der am 1. September»unter dem Vorsitz von V i l l e g a s(Chile) zu eröffnenden 46. Sitzung des Völkerbundsrates enthält außer der Prüfung der Berichte der verschiedenen Völkerbundskommissionen und der Welthilfekonferenz sowie der Ende August statt- findenden dritten internationalen Verkehrskon- ferenz und der Tagung der Pressesach verständigen die Stellungnahme zu dem schon mehrfach erörterten Problem der Finanzbeihilse des Völkerbundes für die kleinen Staaten im Falle eines Angrifsskrieges und die Behandlung der bulgarisch-griechisch- armenischen Flüchtlingssürsckrge. Außer den bekannten Fragen der polnischen Kriegsmaterialdurchsuhr durch Danziger Gebiet und der Befteiung der Danziger Flugzeugfobrikation stehen dann noch folgende wesentliche Probleme zur Debatte: 1. die Umgliederung des Wirtschastsaus- schusses des Völkerbundes gemäß der Empfehlung der Weitwirt- schaftskonferei�» S. die r u m ä n i s ch- u n g a r i s ch e Streit- frage über die Zuständigkeit des für die fiebenbürgijchen Eni- eignungen-ingesetzten gemischten Schiedsgerichts und 3. die zwischen der griechischen Regierung und der deutschen Dulkanwerft bestehende Meinungsverschiedenheit über die Lieferung che? für Griechenland gebauten Schlachtschiffes„Salamis". Bezüglich des letzten Punktes fordert die griechische Regierung die authentische Aus- legung des für Deutschland durch Artikel 190 und 192 des Versailler Vertrages gegebenen Verbots der Konstruktion von Scekriegsmaterial. Schwierige Vertragsverhanülungen. Das deutsch-franzofische Handelsabkommen noch immer nicht fertig. Paris. 6. August.(Eigenbericht.) Di« französische Regierung war für Sonnabend zu einem Kabinettsrat einberufen, um von dem InHall des deutsch- französischen Handelsvertrages, dessen Abschluß man für Sonnabend erwartet hatte, Kenntnis zu nehmen. Der Opiimis- mus des Handelsministers hotte sich jedoch wieder einmal als ver- triiht erwiesen. Trotz der beträchtlichen Fortschritte, die die Ver- Handlungen in den letzten Tagen gemacht hatten, ist es noch immer Der Kampf um öas Gel. Des Trustmagnaten Kampf gegen Rußland. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Einer der Wort- führer des brutalsten Kolonialkapitalismus, ein Gegner schärfster Tonart des bolschewistischen Rußland, aber nicht etwa aus politischer Ueberzeugung, sondern weil die Russen ihm schon mehrmals das Geschäft verdorben haben, ein Sittlichkeitsapostel, sobald er eine Gefahr für die Interessen des Großkapitals wittert, ist S i r H«n r y Deterding, der Präsident des niederländisch-britischen Petroleum- trustes Koninklijke Shell Petroleum Maatschappij, die kurz gewöhnlich Koninklijke Shell genannt wird und ihre deutschen Interessen durch die O s s a g- R h e n a n i a wahrnehmen läßt! Deterding, ein Brite niederländischer Abstammung, ist der Exponent einer auf Welt- Monopol gerichteten Politik, die selbst vor brutalem Vorgehen nicht zurückschreckt und leicht in blutige Konflikte ausmünden kann. Di« Koninklijke Shell ist bald nach 1899 auf nieder- ländisch-indischem Voden entstanden, auf jenen einstmals so weit- abgewandt gelegenen Sundainseln, daß das erstaunte Europa sie politisch eigentlich erst nach dem Weltkriege entdeckte, als es von dem Erwachen der urallen Kulturvölker indonesischer Rasse nach jahrhundertelanger Unterdrückung und Ausbeutung hörte. Hier, wo der Boden schier unermeßlich reich an Petroleum ist, verbanden sich um 1994 die beiden Petroleumunternehmungen Koninklijke Maatschappij auf Sumatra und Shell Company auf Borneo zu jenem heute so riesenhaften Unternehmen der Koninklijke Shell. Diese war eine englische Gesellschaft, die gute Verbindungen nach Nordamerika hatte. Sie oerstand es, nach der Fusion mit der Koninklijke, dies« Verbindungen dazu auszunutzen, um sich auch in den Vereinigten Staaten eine Machtstellung zu erwerben, von wo aus wieder die Fäden nach Venezuela und Mexiko hinübergesponnen wurden. Als man dann im letzten Jahrzehnt sich gar noch Argen- tinien sicherte, war der Weltkonzern fertig, an dessen Spitze seit einer Reihe von Jahren Herr Deterding steht. Eine ernsthaste Erschütterung drohte der Koninklijke Shell, als die deutsche I. G. Farbenindustrie mit ihren epochemachenden Erfindungen auf dem Gebiete der Flüssigmachung der Kohle und der synthetischen Venzingewinnung hervortrat. Deterding und sein im Hintergrund stehender niederländischer Freund C o l i j n, der frühere Direktor der zum Shell-Konzern gehörenden Bataassche Petroleum-Maatschappij und nachherige reaktionäre Finanzminister, der schließlich als Ministerpräsident am 9. November 192S hinweg. gefegt wurde, wußten Rat. Durch B e t e i l i g u n«g der Bataassche an der niederländischen Zweigunternehmung der I. G. Farben- Industrie wurde auch hier die Verbindung hergestellt, so daß nichts die Stellung der Koninklijke erschüttern konnte, bis die unter russischem Einfluß stehende Purfina in Europa auftrat und die Standard Oil of New Park sowie die amerikanische Vacuum Oil Company ihr Vertriebsabkommcn für Petroleum und Petroleum- Produkte mit den Russen abschlössen. Nun entdeckte Deterding sein antibolschewistisches Herz und die Bedrohung der heiligsten kapitalistischen Güter Europas. Er hat nicht immer so gedacht, noch mehr, er hat sogar sehr schnell u m- gelernt; er, der heute den Kreuzzug gegen das bolschewistische Rußland predigt. Herr Deterding hat noch am 5. Januar d. 3., also vor einem guten halben Jahre, den Russen eine Anleihe von IS Millionen Dollar angeboten, wenn diese seiner Koninklijke Shell die uneingeschränkte Kontrolle über die Aussuhr aller Petroleumprodukte zugestehen wollten. Diese Tatsache wird gerade zu einem Zeitpunkte bekannt, als«in schwülstiger Ausruf in der niederländischen Presse gegen Rußland wegen der Be- drohung des niederländischen Kapitals erschien. Es hieß darin mit kluger Berechnung, um auf die unaufgeklärten Massen des nieder, ländischen Publikums Eindruck zu machen, daß die russischen Ge- Winne zur Hcrvorrufung von Aufständen in Niederländisch- Indien Verwendung fänden. Daher war die BeröffentUchung Herrn Deterding ein Strich durchs Konzept, und seither äußert er sich alle paar Tage durch die ihm nahestehenden Zeitungen in einer Tonart, die oft hart die Grenzen des parlamentarisch Zulässigen streift. Er behauptet, daß sein Vorschlag, den er nicht gut mehr ab- streiten kann, die beiden Klauseln enthalten habe, daß kein Vertrag ohne Anerkennung der Rechte der früheren Eigentümer abgeschlossen werden solle, für die 19 Proz. des vollen Wertes in einer Trustgesellschaft deponiert werden sollten, und kein Produkt, das zu inländischem Bedarf Rußlands nötig sei, geliefert werden dürfe. Deterding, der Uneigennützige, erklärt dazu wörtlich, aus diesen Klauseln ergebe sich mit aller Deutlichkeit, daß es ihm nicht um finanziellen Gewinn zu tun gewesen sei und daß er aus den Entbehrungen des russischen Voltes keinen Vorteil zu. ziehen wünsch«. Er hält sein Publikum für naiver, als es. ist. Es liegt noch im Dunkeln, inwieweit auch Herr Deterding und seine Freunde an dem Bruch zwischen Großbritannien und Rußland interessiert waren. Mindestens ist es seltsam, daß dieser politische Bruch erfolgte, als die Verhand- lungen zwischen Herrn Deterding und den jetzt so bitter von ihm gehaßten Russen sich zer- schlagen hatten. So erklärt er denn auch jetzt öffentlich im Amsterdamer.„Telegraas" und anderen Blättern:„Wenn unsere direkten Interessen angerührt werden, so werden wir zurück- schlagen, und zwar kräftig!" Der große Vorstoß dieses inter- nationalen Ausbeuters größten Stiles ist erst in seinen Anfängen; was ihm vorschwebt, ist eine Zusammenfassung des ganzen fon- tinentalen Europa gegen das bolschewistische Ruhland. Wenn nun auch bei weitem nicht alle Blütenträume reifen, so ist Herr Deter- ding doch einer jener Leute, auf die die organisierte Arbeiterschaft Obacht geben muß. denn ihre Machinationen können früher oder später zu ernsten Konflikten führen. nicht gelungen, über einige Streitpunkte zur Verständigung zu gelangen. Während über die Frage der Konsulate«Ine befrie- digende Lösung dahingehend gefunden zu sein scheint, daß Deutsch- land zwar das uneingeschränkte Recht zur Errichtung von Konsu- laten erhält, davon aber, wenigstens fstr die nächsten Jahre, in Eljoß-Lochringen Abstand nimmt, stößt das deutsche. Verlangen auf völlige Gleichstellung mit anderen Ländern in Marokko noch immer auf französischen Widerstand. Auch über die Gestaltung des französischen Zolltarifs scheinen noch immer Differenzen zu be- stehen. Frankreich verlangt für seine Textilerzeugnisse niedrigere Sätze als bisher, aber die deutsche Delegation verweigert sie, da die von deutscher Seite dafür verlangten Kompensationen für Erzeugnisse der chemischen und elektrotechnischen Industrie von französischer Seite nicht zugestanden werden. Da der französische Handelsminister Bokanowski am nächsten Mittwoch seine bereits seit längerer Zeit angekündigte Reise nach Spanien antritt, nimmt man an, daß die Verhandlungen bis dahin zum endgültigen Abschluß gebracht sein werden. Aufgaben öer republikanischen presse. Zweck ihres Zusammenschlusses. Die vor wenigen Wochen ins Leben gerufene Vereinigung „Republikanische Presse" hat bei den republikanischen Journalisten im ganzen Reich starken Anklang gesunden. Das zeigt nicht nur das Echo der Gründung, sondern auch die ständig wachsende Mitgliederziffer. Die Zahl der in der Ver- einigung„Republikanische Kresse" zusammengeschlossenen Journalisten ist bereits so groß, daffsich zur besseren Fühlungnahme mit den einzelnen Mitgliedern und zu ihrer Orientierung die Her- ausgäbe eines fortlaufenden M i t t e i l u n g s b l at. tes als notwendig erwiesen hat. Dieses Blatt, das von dem ge- schäftsführeuden Vorsitzenden der Vereinigung, Ministerialdirektor z. D. Dr. Spiecker redigiert wird, ist am 1. August zum ersten- mal erschienen. In ihm wird einleitend der Z w e ck der Vereinigung „Republikanische Presse" wir folgt dargelegt: „Die Satzung macht klar, daß der Zweck unserer Vereinigung „Republikanische Presse" ein rein politischer ist. Sie will nicht nur eine Ver«inignng*ooii Redakteuren sein, sondern nimmt alle repuvli- konisch gesinnten geistigen Mitarbeiter der deutschen Presse, ob Redakteure, Verleger, freie Schriftsteller oder Pressezeichner in ihr« Reihen auf. Wir sind darum auch in keiner Hinsicht dem„Reichs- verband der Deutschen Presse" oder irgendeiner anderen journallsti- scheu oder Verlcger-Vereinigung, die Bernsssragen regeln oder wirtschaftliche und Standesinteressen wahren will, im Wege. Wir.wollen nur von all unseren Zeltungen und Zeitschristen alle Mitarbeiter zusammenführen» die im Bewußtsein der Bedeutung und Macht unserer Presse entschlossen sind, ihre Arbeit an die großen Auf- gaben unseres Volks st oates zu setzen und die politi- sche, wirtschaftliche und soziale Reaktion, so immer sie sich regt, zu bekämpfen. Im Verfolg dieses gemeinsamen Zieles wollen wir Mitglieder der Vereinigung„Republikanische Presse" einig gehen und wenn wir auch nicht immer gemeinsame Wege gehen können und wollen, ist das Bewußtsein und das Bekenntnis unserer republikanischen Gemeinsamkeit stark genug, um Meinungs- Verschiedenheiten nicht zu un überwindboren Hinder. nissen werden zu lasten. Jeder von uns bleibt, was er ist, gibt nichts von seiner politischen oder weltanschaulichen Ueberzeugung auf, oerpflichtet sich aber, an den sozialen und demokratischen Ausbau unseres Volks st aates seine ganze Kraft zu setzen undin derErfüllung dieser unserer Generation zufallenden Aufgabe mir allen Kollegen, die gleiches wollen, Hand in Hand zu arbeiten. Nicht mir Regierung und Parlament, auch wir, dos Sprachrohr der öffentlichen Meinung, sind ein« Macht. Wir wollen davon Gebrauch machen. Deshalb haben wir die Vereinigung„RepnlMcnüjche JgrejJe* gegründet" Ui Reaktionäres Mufterlänüle. Vorarlbcra verbietet ein internationales Arbeitertreffen. Seit vielen Iahren schon treffen sich um die Augustmitte die sozialistischen Arbeiter'�der B o d en j e e- U f e r- staaten in einer der Userstädte zu mehrtägigem Beisammensein und zur Bekundung internationaler Solidarität. In diesem Jahr sollte dieses Treffen auf deutschösterreichischem Gebiet in Bregcnz. der Hauptstadt des Bundeslandes Vorarlberg, vor sich gehen. Unter den angekündigten Rednern ist auch Reichstagspräsident Genosse Löbe. Zum letzten Mal war dieses Treffen auf österreichischem Boden im Jahre 1913. Damals hatten die k. k. B e h ö r d e n n i ch t das Geringste gegen die Veranstaltung einzuwenden. Diesmal aber haben die ch ri st l i ch s o zi al e n Behörden von Vorarlberg die Kundgebung mit der fadenscheinigen Begründung verboten. daß infolge der Wiener Ereignisse vom 15. und 16. Juli noch große Erregung herrsche und es zu Störungsoersuchen gegen die Kund- gebung kommen könnte. Solche Störungsversuche werden ganz gewiß nicht von den Bregenzern unternommen werden, die von einem solchen Fremdenzustrom ein gutes Geschäft erwarteten. Stören könnten höchstens die Heimatwehren, deren Oberster aber derselbe Landeshauptmann E n d e r ist, der Ruhe, Ordnung und Sicherheit und die verfassungsmäßigen Freiheiten aufrechterhalten müßte. Diesem Herrn geht aber das Parteiinteresse weit über die Amtspflicht und auf die Verfassung pfeift er überhaupt,, wie er schon durch die Einrichtung einer. Filmzensur in seinem Ländchen bewiesen hat. Das Tollste aber ist, daß auch die Bundesregierung ,in Wien den Einspruch gegen das Verbot zurückgewiesen, das Verbot also bestätigt, und damit den Weg gewiesen hat, wie man schließlich jede Arbeiterkundgebung verhindern könnte, indem man Gegeukund- gedungen androht. Das Internationale Treffen am Bodensee wird natürlich trotzdem vor sich gehen. Es wird eben nur ein paar KUomcter weiter westlich in die Schweizer Stadt Arbo» verlegt. Das Pro- gramm bleibt vollkommen das gleiche,, die auswärtigen Teilnehmer bleiben in Bregenz einquartiert. Grenzen öes �fplrechts. Verschwörer und Attentäter unerwünscht. Warschau. 6. August.(Cigendrahtbericht.) In den nächsten Tagen soll, wie mehrere Blätter aus angeblich zuverlässiger Quelle melden, eine große Sinznhl russischer Emigranten aus Polen ausgewiesen werden, die sich in einer nicht korrekten Weise in Polen betätigt haben. Diese Maßnahme steht höchst- wahrscheinlich mit der Ermordung Wojkows im Zusammenhang und dürste den Zweck verfolgen, die russische Mißstimmung gegen Polen beheben zu Helsen. Rüstungen üer Ranüstaaten. Kopenhagen. 6. August.(Eigenbericht.) Der dänjsche Viermastschoner„Eliire" flog vor einigen Tagen im Golf von Biskaya in die Luft: da« Schiff war mit 199 Tonnen Munition geladen, die sich auf irgendeine Weise entzündet hatten. Durch diesen Unglücksfall wird bekannt, daß in letzter Zeit sehr häufig dänische Schoner Munitionstransporte von Südfrankreich und Tunis noch Libau und Reval bringen. Die„Eline" hatte übrigens außer Munition auch einige Geschütze an Bord, beides war nach Libau bestimmt und in Tunis an Bord gebracht worden. Der Reeder verweigert jede Auskunst über Absender und Empsänger der Ware: angeblich hatte er die Schiffs- popicr« noch nicht erhalten. In Kapenhagener eingeweihten Kreisen nimmt man an, daß es sich bei den Transporten um französische Munition und Geschütze handelt, die au Hie b altijch c« Staate« billig »ertoch(vurdeu.;, Internationaler Hewerksihastskongreß Sechs Vorstandsmitglieder, kein Borsitzender gewählt. J. S. Paris, 6. August.(Eigenbericht.) ?lach einer Sitzung von möglichst tragischen Spannungen und sehr langer Dauer, in der es wiederholt zu den kritischsten Situatio- nen kam, ging heute der Internationale Gewerkschastskongreß zu Ende. Wenn das Ende ein gutes zu nennen ist, so ist das nicht zum geringsten das Verdienst des Genossen Jouhaur, der heute nachmittag Purcell als Vorsitzenden vertrat. Nur der Geistesgegen- wort und der Geschicklichkeit von Jouhoux ist es zu danken, wenn der Kongreß mit einer eindrucksvollen Kundgebung schloß. Nach dem Bericht von Graßmann ergriff E i t r i n e das Wort. Er kritisierte in schorfer Weis« die Dorschläge der Kvm- Mission. Die Kommission habe keine Klarheit geschaffen und auch nicht die Absicht gehabt, Klarheit zu schaffen, sondern die Wahrheit nur gestreift, indem nur Bruchstücke aus dem Briefe verlesen worden seien. Wenn der Kongreß den Gesamtbrief kennen würde, dann würde seine Stellung wohl eine andere sein. Er griff die Kom- Mission an, daß sie nicht unparteiisch gehandelt hätte, sondern nur bestrebt gewesen sei, Oudegeest zu decken. Daraus ergriff Oudegeest das Wort und erklärte, daß«r sich von vornherein vorgenommen Hab«, um jeden Schaden vom IGB. fernzuhalten, die ganze Angelegenheit mit der äußersten Ruhe und Reserve zu behandeln. Wenn jetzt Citrin« auftnete und sage, daß im 3GB. Intrigen geherrscht hätten, dann frage er, w o denn dies« Intrigen gesponnen worden seien. Brown habe drei Wochen nach Erhalt des Briefes in der Vorftvndssitzung vor mehr als zweieinhalb Zahren Gelegenheit gehobt, dies«n Brief, der gegen ihn jetzt ausgewertet werde, zu verlesen und Intrigen, wenn sie bestanden hätten, aufzu- decken. Er hat dos nicht getan. Eine halbe Stunde, bevor Brown im öffentlichen Kongreß das Wort ergriffen hatte und den Brief vorlas, habe Brown persönlich«rklärt, daß zwischen ihnen beiden nichts bestanden hätte. Trotzdem habe er die Drohung wahr- gemacht und ihm den Dolchstoß in den Rücken versetzt. Wo waren da die Intrigen? Seit neun Iahren, seit ich in der Gewerkschaftsinternatio- nale bin, habe ich mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Citrien hat mit keinem Wortoon derchaltung Zg r o w n s gesprochen, auch nicht von seinen Intrigen. Man hat mir das Leben fast unmöglich gemacht mit den Intrigen, die um vas onglo-rusfischc Komitee herum angezettelt worden sind. Oudegeest warnte die Engländer vor den Folgen dieser Ange- legenheit. Wenn jetzt in England das Antigewerkschaftsgesetz zur Durchführung kommt, dann wird nicht nur die Autorität im IGB., sondern auch die der englischen Gewerkschaften und die Widerstands- kraft der englischen Gewerkschaften geschwächt werden. Denkt auch an die Löhne der Bergorbeiter. Für eure Haltung und für die Folgen, die eintreten müssen, wird euch das Proletariat verurteilen. Der Vorsitzende ersuchte hier die Debatte abzubrechen und die Angelegenheit zu einer Abstimmung zu führen. Graßmann ergriff daraus als B« r i ch t e r st a t t e r da» Schlußwort. Seine außerordentlich fesselnde und geschickte Rede fand den ein- mütigen Beifall des Kongresses. Graßmann wendet sich gegen die Vorwürfe, daß die Kommission irgend etwas verdunkelt habe und erklärt, daß es eine Beleidigung sei, wenn man ihm vorwerfe, als habe er irgendwie eine Verdunkelung gewollt. Da aber Citrine ange- deutet hake, als ob in diesem Briefe noch besondere Angelegenheiten, die das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen hätten, ständen, so gebe er hiermit von dem Gesamtinhatt des Briefes Kenntnis. Graßmann verliest hierauf den vollständigen Text de» Brieses, der außer den schon bekannten Fragen, die sich auf die Rusien beziehen, nur rein sachliche Angelegenheiten behandett. Aber. fährt Graßmann fort, diese ganze Angelegenhett des Briefes, die hier so plötzlich hervorgezogen wurde, habe blitzartig die Hinter. gründe beleuchtet, denen die Kommission freilich nicht in allen Teilen nachgehen konnte. Wie auch eine Entscheidung ausfällt, jeder ist verpslichtet, sich dem Willen der Mehrheit zu beugen. Wir fordern absolutes Vertrauen gegeneinander, wir fordern. daß man mit offenem Visier kämpft. Wer sich dem Willen der Mehrheit nicht beugen kann, der muß gehen. Sonst ist eine Zusammenarbeit innerhalb des IGB. unmöglich. Di« Vorschläge der Kommission, soweit sie sich auf den sachlichen Teil beziehen, werden e in st i m m i g, der zweite Teil, die Briesangelegenheit Oudegeest— Brown wird mit öS gegen 14 Stimmen ange- nommen. In der Nachmittagssitzung teilt Iouhaux zunächst mit, daß die Sekretäre der amerikanischen Botschaft die Delegation des Kongresies, bestehend aus Eggert, Ben Tillett und I o u- haux, empfangen und erklärt habe, daß sie von dem Protest des Kongresses dem Botschafter Mitteilung machen werden, sobald dieser nach Paris zurückgekehrt sei. F i m m e n erklärt« hierzu, daß diese Antwort der Botschaftersekretäre eine wüste Ohrfeige für den IGB. sei und schlägt vor, einen internationalen Boykott gegen alle amerikanischen waren zu proklamieren. Das würde die Amerikaner am schwersten treffen. Tornow führte aus, daß es nicht ganz leicht sei, gegen etwas zu sprechen, was eine Hilfe für die beiden Verurteilten zu sein scheine, aber man solle nicht Machtmittel anwenden wollen, wenn man über diese Machtmittel nicht verfüg«. Ein internationaler Boykott sei vielleicht noch schwerer durchzuführen als ein internatio- naler Generalstreik. Tornow warnt vor einem übereilten Beschluß und empfiehlt, den Vorschlag von Fimmen dem Vorstand zur Prüfung und eventuellen Durchführung zu überweisen. Nachdem noch mehrere Redner für und gegen gesprochen haben, wird der Antrag Tornow angenommen. Dann erstattet Haß-Bersin den Bericht der S. Kom- Mission, die über die Statutenänderungen zu beraten hott«. Darin wird insbesondere vorgeschlagen, die Zahl der zu wählenden Vorstandsmitglieder von vier auf sechs zu erhöhen, also statt drei fünf Vicepräsidenten zu wählen. Die übrigen Vorschläge der Statutenkommission bringen wenig Aendc- rungen. Lei pari erklärt, daß die englisch« Delegation sich in einer schwierigen Lage befinde, weil sie den Auftrag habe, Purcell wieder als Vorsitzenden vorzuschlagen. Für die übrigen Delegationen sei dieser Dorschlag nicht akzeptabel. Er mache deshalb in seinem Namen und im Namen seiner Delegation den Vorschlag, diesmal nicht einen Vorsitzenden und fünf Vizepräsidenten, sondern sechs Vorstandsmitglieder zu wählen. die unter sich den Vorsitzenden bestimmen werden. Der neu« Aus- schuß müsse möglichst bald zusammentreten, um die nötigen Maß- nahmen zur Reorganisierung zu beschließen die Wahl der Sekretäre bzw. des Generalsekretärs vorzunehmen und die notwendigen Maß- nahmen zur Uebersiedlung an einen anderen Ort in die Wege zu leiten. Leiport sagt: Wir sind bereit, den englischen Gewerkschaften auch für die nächste Wahlperiode den Vorsitz im IGB. zu überlassen. Aber wir können nicht für Purcell stimmen. Wir schlagen deshalb vor. hick» au Stelle von Purcell zu wählen. Es kommt infolg« des Antrages zu einer sehr lang- wierigen und vielfach dramatisch zugespitzten Debatte. Hicks gibt zunächst eine versöhnliche Erklärung ob, in der er Graßmann gegenüber versichert, daß den Engländern nichts serner gelegen habe, als die Unparteilichkeit der Kommission und Graß- mann? anzuzweifeln. Sie tonnte aber nicht von ihrem Beschluß abgehen. Sie hatte einen Auftrag, Purcell in Dorschlog zu bringen und mußte daran festhalten. Es kommt infolge der weiteren Debatte schließlich zu der Drohung, die von Citrine ausgesprochen wird. daß, wenn der Kongreß die Kandidatur von Hicks aufrechterhalte. die englische Delegation den Kongreß verlassen würde. Infolge des Eingreifens von Iouhaux wird die Angelegen- heit aber soweit beigelegt, daß, nachdem die Schweizer Delegation, die Hicks vorgeschlagen hatte, den Dorschlag zurückzog, der Vor- schlag von Schweden, Holland. Deutschland und Dänemark wieder aufgenommen wurde. Schließlich wurden Hicks- England, Iouhaux- Frankreich, L e i p a r t- Deutschland, M a d s e n- Dänemark, Mertens- Belgien und Ta y e r l e- Tschechoslowakei als Vorstandsmitglieder gewählt. Nach einem Schlußwort von Iouhaux, in dem er besonder» dem Genossen Oudegeest dankt, fand der International« Gewerkschastskongreß sein Eiche. Heute Urwahl See Sauarbeiter. Ein letzter Versuch der SPD. mr-r Zur„Vorbereitung� des Bundestages der Bauarbeiter hat die „Gewerkschaftsabteilung der KPD.'' besondere Anweisungen ergehen lassen. Die Einzelheiten haben wir bereits vor einigen Wochen veröffentlicht. In den Anweisungen war u. a. gesagt, daß in der Zeit vom 11. Juli bis 7. August in Pressenotizen die„r e f o r- mistischen Führer' heruntergerissen,„die eigenen: Anträge begründet und die Reformisten kritisiert werden' sollten. Gleichzeitig sollte die Propaganda für„unsere Kandidaten' einsetzen. Die Beschlüsse des Baugewerksbundes erklären die F r a k- tionsbildung für unvereinbar mit der Mitgliedschaft im Bund. Deshalb gibt es auch bei der diesmaligen Wahl. keine Kandidaten einer bestimmten Parteirichtung. Das macht der „Fahne' natürlich«inige Sorgen. Wie soll sie den erhaltenen Anweisungen gerecht werden können? Der Berliner Ver- w a l t u n g des Baugewerksbundes kann sie nichts anhängen. Also raffte sie gestern noch einmal alle Kraft zusammen und erzählt fünf Minuten vor der Wahl, daß in Anhalt, Erfurt und Düsseldorf die Kandidatenaufstellung nicht ganz ordnungsmäßig vorgenommen sei. Aber etwas muß doch auch dem Berliner Vereinsvorstand angekreidet werden. Er habe erst einen Tag vor der Wahl„un- zulängliche Angaben über Wahllokal usw.' in der Presse gemocht. Die„Fahne' weiß alles. Weiß sie nicht auch, daß jedem Mitglied des Baugewerksbundes in der letzten Woche eine Aufforderung, heule zur Wahl zu gehen. ins Haus getragen wurde? Das braucht die„Fahne' nicht zu wissen. „Vom 11. Juli bis 7. August sikrd die Führer des Bau- gewerksbundes herunterzureißen', lautet die Parole. Di«„Fahne' hat die Parole zu befolgen. Die Bauarbeiter aber wissen ohne ihr« unerbetenen Rat- schlüge, was sie zu tun haben. Sie werden solche Gewerkschafter wählen, die die Interessen der Bauarbeiter wahrnehmen. Internationaler Metallarbeiterkongeeß. Morgen tritt in P a r i s der Internationale Metallarbeiter. kongreh zusammen. Auf dem Kongreß werd«n die Metallarbeiter- verbände aus 22 Ländern vertreten sein. Das Arbeitspraoramm des Kongresses umfaßt in der Hauptsache die Haltung des Metall- arbeiterverbandes gegenüber den internationalen Kattellen, den Be- richt über den Internationalen Gewerkschaftskongreß, die Wahl des Sitzes der Metallarbeiter-Internationale, ihres Sekretärs und des Exekutivkomitees. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wegen Tarifbruchs und Nicht- benutzung des öffentlichen Arbeitsnachweises sind folgende Betriebe vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafö-Angestellten für dessen Mitglieder gesperrt. Treptow- Obers chöne- weit Kaiserbad-Garten Inh. Jauernick: Knappe, früher Zenner, Inh. Dr. Körner: Sonnenwende Inh. Nischik: Blumengarten Oberschöneweid« Inh. Körtig. Tegel Konradshöher Terrassen Inh. Reinhold, Rest. Waldhütte Tegel, Inh. Kurtius. Pankow- Niederschönhausen Strauchwiese Inh. Lubosch. Wolters- dorfer Schleus« Restaurant Kranichsberg Inh. Günther: Rest. Zum Liebesquell Inh. Sträbel, Wilhelmsbad. Friedrichs- Hagen Gesellschaftshaus Inh. Ww. Schröder; Bellevue Inh. Ur- ban: Müggelsee-Kasino: Seeschlößchen: Ravensteiner Mühle: Rest. Müggelhort, Zentralrestaurant Inh. Büttner: Caft Mignon Inh. Danziger: St. Hubertus, Inh. Maus: Paradiesgarten-Rahnsdorfer Mühle, Rest. Bärenhöhle, Bahnhof Rahnsdorf. Frei« Sewersichaftistige»». Heute E-nnt-g B»A. Morgen, Montag, 19% Uhr, finden folgende Der- anstaltungen statt: Süd-st-Treptoro: Jugendheim Reichcnbcrger Str. es.„Die deutsche Reichsverfassung."— Nord«»: Jugendheim Schule Danziger Str. 23. „Wie finde ich mich im Gelände zurechtl— Zempclhof: Jugendheim Schule Germaniastr. 4— 6. Gruppenbesprechung.— Ab 19 Uhr Spielen auf de» Spielplatz imjjriedrich»hain, Eingang Pirchowstratze. Ziasenspiele, Dollstänze, Ballspiele. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft:». Sater»»»: Gewerlschaftideweguna: Friede. Enkorn: Feuilleton: st. K. Difcher: Lokale» und Sonstige«: Fritz starstädt! Anzeigen: Ih. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärt«»BerIag<5. m b H., Berlin. Druck: Vorwärto-Buchdruckeret und Verlag»anNalt Paul Singer u Co. Berlin EW 68. Linden strafte 3. Hierz» 2 Beilagen.„Uuterh-ltung»ad Wiste»-.„Ana der Filarnxlt- u»d„Blick i» die Bücherwelt-. DAMENWÄSCHE BETTWASCHE FROTTIER- UND HAUSWASCHE Taghemd b««ui mit a ng Stickerei-Motiven und Spitze U» 4 9 Nachthemdirt>.Battei/* AA mit Vatenclenna». Spitze D-t/il Hemdhose tut. Batist q mit Valencia»»»«» Spitz» Hemdhose saita.Q AA Crtpe de Chine mit Spitze Prinzeßrock Batuto-A mit Stlckeral n. Spitze O-UV SchlafanZUg(PyJama)n(wv färb Batist m.weiB.Aulechlig. I Deckbett berug/j AA starkfidlg. Linon, 130/300 cm O-IHI Kissenbezug-| »tarkHdlg. Linon, 80/80 cm X- I« Laken 0a»Iaa.I«/23Sctn 5.25 daglal Linon»handgez. Höh Is., u Überschlaglaken q AA ,140/240«f.WI Frottierhandtuch(\ AP eingekurb. Buchst 60x100"«i/O Frottierhandtuch-!.»■- weiß mit färb. Karos, 48/110 XgJLO Badelaken weiß-bunt_ weiß mit wbrxe3oö6»25 Uo!m8o5.45 Garte, n decke farbig gemustert, doppelseitig > 2 0 X Q.f, 120 X A 150 cm 0.4D 120cm im. 00 Stubenhandtuch 4 Relnleln. Jacquard, 48x100 X.ftSO Küchenhandtuch Halbleinen Drelloderfk H fr Oeratcnkern, 48 X 100 V. W 0 Küchenwischtuch RelnL rot kar.od.m.rot. Kante ÜOxTScmO.SO fiCxflOcmO.ßO Stanb-und Poliertuch a e stock= U.OO DAWElVKl.F,H>riVfi Hauskleider■ 1 ü K au» Z« p k I rJL.Ow Hauskleider a aa au»(e»trelftem Zephir u.t/O Servierkleider j �„ au»»chwarzem ZanclIa�l.aO Kl» Postea: Hochsom merkleider fk bedruckter Wollkrepp,— g rollest/.« 0 Kunstseide oder Vollv WIRKWAREN Damen Strümpfe Seidenflor, vorz. Qualitäten SSV 1.25 irl.äo Herren socken»k A[r Flor- Jacquard, 2. Wahl U.ef« Trikot- Badeanzug-a f. Damen,„Goldfisch", 44-48.IbTW Strickpullover fürDamcn.B'woilcm.K'seide, OA mit u. ohne Kraben, hellfarb.£•«/" Strickjacke für Damen, mit Plüschbesatz, C A Wolle mit K'seide, hellfarbig OsOv Strick-Kostüm für Damen, Pullover und"i ß � PC weißer Rode, maammeD JL"• i O KLEiPERSTOFFE SEIDENSTOFFE REISEARTIKEL MÖBELSTOFFE T E P PICH E GARDINEN Reinwoll Composä-«» e apart« Karo» und oniX.40 W o l 1 t a f t apart« vleltarblfcO Art Oruckmutter, 110 cm UtvO Vollvoile- Bordüren yo nOl I! c ha Quamai'J Bastseide rein. Saide, vleL Farb.,ca.80cm Kleidertaft mod.Frt). t. Stilkleid., ca. 85cm F o u 1 a r d reine Seide, tchwart, marine oder farbiger Fond, ca. 60 cm 2.90 8.90 5.9« saeucesi»«. In apart. Mustern, ca. 125 cm« a rn t Hemden-Trikolette-• g»kfip«r� i» lebhafte» S Qft vorzOgl. Qual., kariert u.(e*tr. X.OU Parva», ca. 70 e m X.tTV Kupeekoffer Hartplatta, Deckel»eh leite, 8 Vulkanfiberecke», 2 2 u i» c d 1 5»»« r, 75 cm Herrensportgürtel Vollrindled., Koppelschnalle Elektr. Heisekissen f. 2 Spannungen, 1101220 Volt Elektr. Plätteisen mit Znleltunf, 330 Volt 5.40 1.45 8.75 4.50 Dekorationsstoff j eA Knastsaida, 130 cm nt.eMI Dekorationsrips j 0. röm, festr., Indanth-, 130 cm Go be Ii n sto ff Verduremutter, 130 cm Axminster!i.�".>>» r«» 135 y 300 Plüschgewebe 170 X 240 300 x 300 4.25 Woll mokette beaond.(uta QuaL, 130 cm 11.00 31.50 46.00 69.00 IS 99.00 S- 138.00 Wollplüsch Vuh.TiVat 200 x 300 250 x 350 300 X 400 75.00 114.- 1,551- Halbstore m. groß. Filet-Mi ttelstück u. Klöppel-Einsatz Halbstore mit gebogeem Filet- Fries, Spitze und Hohlsäumen £tam ine•Garnitur breit gestr. m. Volant u. Eins. Madrasdecken «.PerUranae.ca. 1 29cm Dehrn. 6.50 8.50 7.75 3.50 I Hr. 370» 44. Jahrgang 1 ♦ Vellage öes Vorwärts Sonntag, 7. August t027 F�i) Das ist der Höhepunkt des Sommervergnügens für die Daheim- gebliebenen: die Dampferpartie. Sie ist wirklich so etwas wie«ine Ferienreise, zwar nur im bescheidensten Maßstab, denn sie dauert ja nur einen Tag—, aber diesen Tag kostet man auch gehörig aus: und wenn man Glück hat und einen Sonnentag erwischt, dann kommt man eingebrannt wie von einer richtigen Somnierreise zu- rück. Und dabei ist diese sommerliche Dampferportie nach dazu ein recht billiges Vergnügen! Für 1,Sl) bis 2 Mark kann mar» einige Stunden lang Dampfer fahren, und wer an der frischen Luft und den mitgebrachten Stullenpaketen noch nicht genug hat, der kann am Dampferbüfett auch noch allerlei andere Erfrischungen«zu volks- tümlichen" Preisen verkonsumieren: es ist ja alles da, vom Cognak bis zur Himbeerlimonade... Ja, solche Dampferpartie ist ein« herrliche Sache, und wenn man dann plötzlich im Gewerkfchaftsteil eine Notiz liest, daß fast alle die Reedereien, deren bunte Plakate an den Litfaßsäulen locken,.gesperrt" sind, dann empfindet man das fast als Schikane. Was gehn uns die Tarife an... Es ist eine alte Geschichte: Man kümmert sich am liebsten nur um die Tarife, die für das eigene Arbeitsverhältnis in Betracht kommen, und es muß den Menschen schon recht deutlich bewiesen werden, daß ihnen die Tarifverträge der anderen nicht„schnuppe" sein dürfen, wenn sie der Beweisführung Gehör schenken sollen. Wo mit den Tarisen der anderen aber gleichzeitig die eigene Sicherheit verknüpft ist, da sollten wir doch aber alle etwas hellhörig werden. Und das ist hier der Fall. Denn wenn wir schon in den Prozessen gegen unglückliche Lokomotivführer feststellen konnten, welche Ge- fahr für Leib und Leben der Passagiere«ine übermäßig lange Ar- beitszeit des Transportperfonals bedeutet, um wie viel mehr noch ist das beim Schiffspersonal der Fall! Oberspree und Havel find zwar an sich recht friedliche Gewässer, aber sie sind so belebt, daß man an mancher Ecke fast Sehnsucht nach einem Der- kehrsschutzmann kriegen kann—, und dabei hat das Schissspersonal unserer Spreedampser durchschnittlich eine 12- bis löstündige Ar- beitszeit, d. h. bei regelmäßiger Tourenfahrt. Es ist aber auch schon vorgekommen, daß dasselbe Schiff mit derselben Besatzung von der Reederei am gleichen Tage wieder zu einer„Blondscheinsahrt" verwendet wurde, so daß nicht einmal von einer einigermaßen ausreichen- den Nachtruhe für das Personal die Rede sein konnte! Nur dem, der diese Verhältnisse kennt, ist es klar, was die Forderung der ununter- brochenen„an Mann und Schisf gebundenen" zehnstündigen Nachtruhe auch für die Passagiere bedeutet. Uebrigens: der Zustand der Mannschastsräume auf den meisten Schissen ist derartig, daß die Mannschaft der Vergnügungsdampfer auf Spree und Havel es fast als ein Glück betrachten kann, wenn sie nicht mehr auf das Schlafen an Bord angewiesen ist. Selbst aus den neuesten Schiffen wird hier auf das äußerste an Raum gespart, und auf den älteren Dampfern, die nur jeden Sommer als Vergnügungsdampfer neu aufgefchminkt werden, werden die Mannschaftsräume meist nicht mit.überholt" und sind und bleiben die alten, üblen Drecklöcher. Die Kehrseite der Partie. Die Erholungsbedürftigkeit der Berliner ist schon immer«in gutes Spekulationsobjekt gewesen, und besonders die Spekulation auf das Erholungsbedürfnis des kleinen Mannes war immer«ine lohnende Sache, Denn es ist ganz unglaublich, was sich der sonst als so großschnäuzig und anspruchsvoll verschriene Berliner alles gefallen läßt, wenn man ihm eine einigermaßen billige Befriedigung seiner Natursehnsucht verspricht. Dann nimmt er sogar ein bißchen Lebensgefahr mit in Kauf... Und in weiser Erkenntnis dieser Tat- sache kommen allsommerlich viele, viele Dampfer nach Berlin, denen es wahrhaftig nicht an ihrer Wiege gesungen wurde, daß sie mal das Vergnügungs- und Erholungsbedürfnis der Berliner befriedigen würden. Frachtdampfer allerältesten Typs, die sonst brav und treu auf Oder und Elbe fahren, werden zur„Saison" neu aufgeschminkt: freilich sitzt die Schminke eben nur obenauf, und die„alten Schlitten" sind eigentlich durchaus nicht zur Personenbeförderung geeignet, wie die Kajüten- und Toilettenverhältnisse beweisen! Viel schlimmer aber noch ist es, daß sich die Landungsbrücken gewisser„Saisonreedereien" und mancher Wasserlokale in einem geradezu lcbensgesährtichen Zu- stand befinden, so daß sich die zuständigen Behörden einmal ernstlich darum kümmern sollten. Ein Beispiel für viele: Die vielbenutzte Anlegebrücke des Restaurants„Prinzengarten" am Müggelsee ist so verrottet, daß zwischen den einzelnen Bohlen Lücken von 30 bis 40 Zentimetern Länge und bis zu 10 Zentimetern Breite find! Welche Gefahr das bei dem üblichen„Sturm auf den Dampfer" bedeutet, ist ohne weiteres klar, und es ist wohl mehr dem reg- nerischen Sommer als der Sorgfalt der Behörden zu danken, daß es hier noch nicht zu ernsten Unglücksfällen gekommen ist. Auch die bauliche Ausführung noch neuer Anlegebrücken, besonders der nicht mit einem Lokal verbundenen, läßt oft recht viel zu wünschen übrig, und bei dem in Berlin üblichen Massenandrang an schönen Tagen kann es hier leicht einmal zu einer Einsturzkatastrrphe kommen. denn sehr solid gebaut sir>d diese Brücken zumeist nicht. Aber dar- über setzen sich die Reedereien leicht hinweg. Die Löhne, die dem Personal dieser Reedereien gezahlt werden, liegen natürlich winde- ftens 25 Proz. unter den Tariflöhnen, abgesehen davon, hat das Personal, wie schon berichtet, schwer unter der oft ins endlose ver- längerten Arbeitszeit zu leiden.— Und noch an eines sollten die vielen, die da ihre Sommerreise aus dem Spreedampfer machen, denken: Die„Stimmungskapelle", das unerläßliche Inventarstück einer richtigen Dampferpartie, deren Vorhandensein auf den bunten Plakaten der Reedereien auch oft extra erwähnt wird, geht jetzt meist auf eigenes Risiko mit. d. h. sie wird nicht von der Reederei entlohnt, sondern ist auf das Absammeln angewiesen. Nun mag man gewiß in bezug auf manche dieser Dampserkapellen der Meinung Wilhelm Büschs fein: „Musik wird oft nicht schön empfunden, Weil stets sie mit Geräusch verbunden". Aber die jetzt zumeist an die Stelle der Blasmusiker getretenen Schrammelmusiker bemühen sich wenigstens, das Höchstmaß beruflich produzierter„Stimmung" herzugeben: doch wenn nach Arbeitsschluß S)ie Silbers�rvärrne 2�]*23 on QJncid) INachdruck verboten Autvrkflert« T5«bersed»»g an» btm Eugllsche« vo» Q«Xla Goppel „Wir erfuhren, daß Sie aus dem Norden angekommen feien," begann der Journalist,„und Mr. Athems hat mich hierhergeschickt, um Sie zu interviewen." „Athems! Billy Athems?" „Ganz recht. Er ist unser Redakteur und ich glaube, er bat mit Ihnen zusammen die Universität besucht. Er meinte, Sie könnten gewiß etwas Interessantes aus Alaska berich- ten," fuhr der Journalist fort,„und Ihr Kompagnon hat mir schon von Ihrer Reise und Ihrem großen Erfolg erzählt." „Mein Kompagnon?" „Ja, Mr. Frobisher. Er hörte, daß ich nach Ihnen fragte und bot mir in Ihrem Namen ein Interview an." „Frobisher!" wiederholte Boyd Emerson ganz oerständ- nislos. „Ja, der Herr dort drüben." Der Journalist zeigte auf Fräser, der die Szene von weitem beobachtet hatte und jetzt verschmitzt das eine Auge zukniff. „Ach so, Frobisher, ja, ja!" stammelte Boyd. „Ein drolliger Mensch. Er hat mir erzählt, wie Sie das junge Dädchen retteten, das bei Kaloik mit ihrem Schlitten durchs Eis brach." „Was sie sagen!" „Das ist ja ein ganzer Roman. Ein vorzüglicher Artikel für unsere Zeitung. Er hat mir auch versprochen, daß ich mich an Ihrem hydraulischen Unternehmen beteiligen kann. Biel Geld besitze ich natürlich nicht, aber es klingt so ver- lockend, und—" „Wie weit sind Sie in Ihren Verhandlungen über dieses hydrauliche Unternehmen gekommen," sagte Boyd Emerson neugierig,„wenn ich fragen darf." „Soweit, daß ich ganz versessen darauf bin. Ich werde unter den jungen Leuten bei unserer Zeitung eine kleine Sammlung veranstalten und Ihnen noch heute abend, bevor Sie Weiterreisen, das Geld bringen." „Es tut mir leid," sagte Emerson kühl,„aber Herr Frobisher und ich müssen die Sache erst bereden. Ich denke, wir werden dieses hydraulische Unternehmen lieber— sozusagen— in der Familie behalten." „Schade! Ich hätte mich gern einem Minenunternehmer, der so vom Glück begünstigt ist, angeschlossen: wenn unser- Zins, mst femem kleinen Monatsgehalt.auskommen muß, wird man neidisch, wenn man die Goldgräber mit ihren Säcken voll Gold zur Stadt kommen sieht. Vielleicht geben Sie mir später noch eine Chance." „Vielleicht," sagte Emerson freundlich. Als der junge Mann aber fort war, ging Emerson hastig auf Fräser zu, der behaglich in einem Klubsessel saß und eine lange Zigarre mit Leibbinde rauchte. „Ich verbitte mir," sagte er mit leiser Stimme,„daß du mich in deine Gaunergeschichten hineinziehst! Diesmal habe ich dein Komplott noch hintertrieben, wenn du es aber noch einmal versucht, liefere ich dich der Polizei aus." „Schade," sagte der Abenteurer sanft,„daß dir mein hydraulisches Unternehmen nicht gefällt. Der Journalist war bereit Aktien zu zeichnen und wollte auch seinen Redakteur dazu überreden." „Seinen Redakteur!" rief Emerson erschrocken,„der Redakteur ist einer meiner alten Bekannten, dessen Unter- ftlltzung mir noch sehr wertvoll sein kann, wenn ich aus Chikago zurückkomme." Emerson war jetzt so böse, daß er Fräser den Rücken kehrte. Die Moral des Burschen war wirklich zu verdorben. Indessen konnte er nicht vergessen, daß er ohne seine Hilfe jetzt noch in dem Laden des Russen gesessen hätte, ohne Mög- lichkeit sein Vorhaben auszuführen, und darum schluckte er seinen Aerger hinunter. „He! wann reisen wir?" rief Fräser hinter ihm her. Emerson aber antwortete nicht und ging auf sein Zimmer, wo er sich mit Hilfe der neuen Kleidungsstücke in einen zivilisierten Menschen verwandelte. Als er sich umgekleidet hatte, eilte er zuni Telegraphenamt und sandte zwei Tele- gramme nach Chikago, das eine adressierte er an seinen Schneider, das andere an eine Nummer der Lakeshore Drive, der vornehmsten Straße der Stadt. Bevor er dieses letzte Telegramm niederschrieb, überlegte er lange, zerriß mehrere Kladden, die ihm nicht gefielen und gab dem Beamten schließ- lich das Telegramm mit einer seltsamen Mischung von Be- sorgnis und Trotz. Darauf begab er sich zu einer der Haupt- danken, und zwei Stunden später kehrte er strahlend ins Hotel zurück. In der Halle stieß er auf den großen George, der mit Interesse seine Nägel betrachtete, die merkwürdig rein und glänzend waren. „Sieh nur!" rief der Fischer bewundernd.„Schimmern sie nicht wie die Zähne eines Hundes?" „Ich habe eine Uebereinkunft mit einer Bank getroffen!" rief Boyd begeistert,„sie will mir hunderttausend Dollar leihen, so daß ich nur noch die anderen hunderttausend her- beizuschaffen brauche." das Ergebnis des Absammelns geteilt wird, dann werden die eben noch„Stimmung" und„Laune" markierenden Gesichter oft lang und länger. Denn viele Passagiere glauben, die sechs Stunden„Stim- mungsmusik" mit einem Groschen für die ganze Familie fürstlich abgegolten zu haben... Wenn auch gegenwärtig die Berliner Hochsaison für Dampfer- fahrten ist, so hat sich die Spreeschiffahrt doch längst aus dem Sta- dium des bloßen Sommergcfchäfts herausentwickelt. Die neueren Schiffe werden alle mit abzudichtendem Verdeck gebaut, so daß sie während des ganzen Jahres fahren können, und diese Fahrten in den Jahreszeiten, in denen früher niemand an eine Dampferpartie dachte, erfreuen sich einer stets steigenden Beliebtheit und tragen nicht wenig dazu bei, den Verdienst der Reedereien zu stabilisieren. Langwald und Schmolke, eine der drei nichtgesperrten, tariftreuen Reedereien, deren Inhaber selbst frühere Schiffsangestellte sind und mit kleinstem Kapital anfingen, haben jetzt auch einen Luxus- dampfer bauen lassen, der weit über 100 000 Mark kostet—, und das hat die Reederei in wenigen Iahren geschafft, trotzdem sie mit ihren Angestellten immer Tarifverträge abschloß. Oder stünde hier statt des„trotzdem" besser ein„weil"? Denn die Sperre, die der Verband gegen die Reedereien verhängt hat, wirkt sich doch erheblich aus, so daß eine der großer» Reedereien statt der 130 Vereinsfahrten, die sie sonst in jedem Sommer hatte, nur ungefähr 30 hat. Na, und die anderen Vereine haben doch keinesfalls auf ihre sommerliche Dampferparsie verzichtet, sie sind eben abgewandert zu den tarif- treuen Reedereien! Zrdbaö Wlmnsee. (Stoßseufzer bei 30 Grad.) Nackend, quakend, quäkend, quiekend Macht die halbe Welt hier Weekend. Paddelnd, quaddelnd, skullend, stakend Feiern auch die Ruderer Wakend. Skatend, ratend, roochend, smokend Machen die Papas hier Wokend. Krakelnd, mäkelnd, räkelnd, häkelnd Machen auch die Mütter Wäkeend. Ruhe suchend— Kuchen!— fluchend Pfeif ich auf das ganze Wukend.« Mich, von Lindenhecken. ....................... „Famos," sagte Bali, ohne von seinen Händen aufzu- sehen.„Sind sie nicht fein! Leuchten sie nicht geradezu?" „Gewiß, sehr nett. Weißt du, wenn man das erste Hunderttausend hat, ist es ein Kinderspiel das andere zu ver- schaffen. Diese Bankleute wissen, was ein Lachsgeschäft be- deutet. Der Direktor, mit dem ich sprach, sagte, wenn wir einen guten Fischplatz am Kalvikfluß hätten, sei das Geschäft so gut wie gemacht." „Da hat er recht. Ich glaube das Mädchen hielt mich für einen Goldgräber. Sie nahm doppelte Bezahlung, aber hübsch war sie. Ich war so verlegen, daß ich die ganze Zeit kein Wort gesagt habe. Sie aber nahm es mir gar nicht übel, denn als ich ging, forderte sie mich auf, recht bald wiederzu- kommen und dann länger zu bleiben. Ein allerliebstes Mädchen." „Nimm dich in acht," lachte Emerson.„Es liegt hier offenbar in der Luft, daß jeder, der aus Alaska kommt, sich in eine Maniküre-Dame verliebt. Für Liebes- und Heirats- gefchichten aber haben wir keine Zeit, vergiß das nicht." „Gott, so eine würde mich ja nie nehmen," sagte der Fischer und wurde so rot, wie ein gekochter Hummer. An diesem Abend aßen sie ein Diner, wie es sich für Männer geziemt, die lange Zeit in der Wildnis gelebt haben. Zuerst sahen sie sich nach Fräser um, aber er war Nirgends zu finden: denn der Abendteurer war durch alles, was sie auf der Reife zusammen durchgemacht mit unsichtbaren Banden an sie gebunden, und sie fanden, daß sie nicht von ihm scheiden könnten, ohne sich für die Opfer, die er für sie gebracht, er- kenntlich gezeigt zu haben. Er aber war nirgends zu finden, nicht einmal als die Zeit sich näherte, wo ihr Zug abgehen sollte. „Das gefällt mir nicht," bemerkte Boyd," wenigstens hätte er uns Lebewohl sagen und eine glückliche Reise wünschen können." „Wenn er da ist, ärgere ich mich über ihn, und wenn er nicht da ist, vermisse ich ihn," bemerkte George.„Wahr- scheinlich ist er unterwegs, um wieder etwas auszufressen." Am Bahnhof warteten sie, und hofften bis zum letzten Augenblick, dag Fräser noch auftauchen würde. Als aber das Abfahrtssignal gegeben worden war, suchten sie ihre Plätze in ihrem Abteil auf, indem sie sich enttäuschter fühlten, als sie zugestehen wollten. Als der Zug sich in Bewegung setzte, begaben sie sich in den Rauchwagen, während sie über solch unerwartete Treulosigkeit nachsamwn. Als sie aber im Begriff waren ihre Zigarren anzuzünden, hörten sie plötzlich eine bekannte Stimme:„Hallo, Ihr da!" Und dort stand Fräser und lachte über ihr Erstaunen. (Fortfetzung folgt.) J i ii- Llm die vertehrsbestimmungen. iöchrcibc« des Polizeipräsidenten an den Magistrat. > Der Polizeipräsident teilt mit: „Der M a p i st r a t Berlin hat es für nötig gehalten, an den Polizeipräsidenten ein Schreiben zu richten, in dem auf die Notwendigkeit einer Beschleunigung der Vereinheitlichung der Ver- kehrsbestimmungen hingewiesen wird, und er hat es für richtig gehalten, dieses Schreiben der Presse zur Veröffentlichung zu über- geben. Wenn es auch für den Polizeipräsidenten ein leichtes wäre, dem Magistrat auf diesem ungewöhnlichen Wege zu folgen und, geftügt auf beweiskräftige Unterlagen, auf die Oeffentlichkeit zu wirken, so must er doch dieses Versahren ablehnen, da er der Ansicht ist, dag sachliche Meinungsverschiedenheiten rein sachlich behandelt werden sollen. Der Polizeipräsident wird daher dem Magistrat in einem eingehenden Schreiben seine Antwort mit- teilen. Es sei aber mitgeteilt, dast die Arbeiten für die neue Straßenverkehrsordnung seit fast einem Jahr mit Nachdruck betrieben werden. Eine frühere Inangriffnahme war nicht möglich, da erst der Erlaß gewisser Reichs- und preußischer Bestimmungen über den Kraftsahrzeugver kehr und den sonstigen Straßenverkehr abgewartet werden mußte. Auch erschien es erforderlich, noch weitere Erfahrungen zu sammeln, ehe eine abschließende und durchgreifende Regelung versucht werden konnte. Die Schwierigkeiten sind noch viel größer als das Schreiben des Magistrats andeutet, da es sich um die Bearbeitung v o n m e h r als 15l) Verordnungen handelt, die zum Teil nur ört- liche Bedeutung haben und noch aus der Zeit vor der Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin stammen; auch ist ein sehr erheblicher Teil der zu lösenden Fragen bis heute lebhaft umstritten. E» darf nur an die Regelung des Radfahrverkehrs, des Straßenhandels und der Etrahenreklame erinnert werden. Der Polizeipräsident wird selbstverständlich derartige schwere in das Wirtschaftsleben einschneidende Fragen nicht lösen, ahne vorher die beteiligten Wirtschaststreise und interessierten Ver bände angehört zu haben. Der Fortschritt der Arbeiten und die genannten Schwierigkeiten sind dem Magistrat genau bekannt und es ist nicht zu verstehen, daß er sich plötzlich genötigt zu sehen glaubt, so unerfreuliche Erörterungen in der Oeffentlichkeit hervor zurufen. E» ist dies um so weniger zu oerstehen, als es beispiels weise bei der ersten Verkehrsordnung unb auch bei der Droschken ordnung Monate gedauert hat. bis die Zustimmung der Stadt auf die Vorschläge des P oliz eipräsi- dent e n erteilt wurde. Wollte der Polizeipräsident bei der Vereinheitlichung der Verkehrsvorschriften auf die Vorschläge des Magistrats warten, so würden nach den bisherigen Erfahrungen wahrscheinlich noch viele Jahre oergehen, ehe diese Vereinheitlichung zur Tatsache würdet__ Die Straßenbahn fahrt schneller. Verkürzung der Fahrzeit um 5 Minuten die Stunde. Vom Publikum wurde es allgemein als ein Uebelstand emp- funden, daß die Straßenbahn in den verkehrsschwachen Zeiten, während derer der Geschäfts, und Fuhrwerksverkehr nahezu ruht, zu langsam fährt. Im öffentlichen Verkehrsinteresse und um den Wünschen des Publikums Rechnung zu tragen, fährt die Straßen- bahn ab 7. Aupust zunächst an Sonn- und Feiertagen einen neuen Fahrplan ein, der eine Erhöhung der Reisegeschwindigkeit und damit eine Verkürzung der Fahrzeiten um etwa S Minuten auf die Stunde vorstehr. Später, voraussichtlich von Anfang September an, sollen die er- höhten Geschwindigkeiten auch auf die Zeit nach IüjOO Uhr werktags angewendet werden. Der Fahrplan hält sich im allgemeinen im Rahmen des bestehenden Fahrplans. Cin seltsamer Leichenfund. Ein Leichenfund rief die Mordkommission nach dem Westen der Stadt. Im Hause Kurfürsten st raße\i5 betreibt seit etwa einem Jahr ein Paul Gutowski ein Seifengeschäft. Nachbarn schildern ihn als fleißigen Mann, der sich aber in letzter Zeit als eifriger Damenfreund«mpuppte. Seit zwei Tagen war das Geschäft nicht mehr geöffnet. Man benachrichtigte das 32. Revier, besten Beamte die Tür öffneten. Nun spürt« man einen penetranten Geruch. Man schlug die Decke des Bettes zurück, da lag bis zum Hals zugedeckt, die Leiche einer Frau, die infolge der Warme stark in Verwesung übergegangen war. Gutowski selbst war nirgends zu finden. Man benachrichtigte die Mordkommission, und Kriminalrat G e n n a t und Kommissar N e b e eilten mit Beamten an den Tatort. Nachdem der Befund photo- graphisch festgelegt worden war, nahm der Gerichtsarzt Prof. Fraenkel die Besichtigung der Leiche vor. Dabei machte er ein« überraschende Entdeckung. Die Frau hatte vorzeitig geboren. Man fand bei ihr die Leiche des Kindes. Ohne Zweifel habe» die verfrühte Niederkunft und der damit verbundene starke Blutverlust den Tod venirsacht. Man rechnet indessen auch mit der Möglichkeit, daß die Geburt durch Mißhandlungen oder durch einen verbotenen Eingriff beschleunigt wurde. In wel- chen Beziehungen der verschwundene Gutowski zu der Toten gestanden hat, ließ sich noch nicht feststellen. Unverständlich ist sein Verhalten nach dem Unglück. Warnvnsi vor Grundstiicksankäufen. Di« Hochbaudeputation als federführende Stelle des Baukom- missars teilt mit: Wiederholt ist in der Presse darauf hingewiesen worden, daß beim Erwerb neuparzellierten Ge- ländes zum Zwecke der Bebauung äußerste Vorsicht am Platze ist. Nicht selten liegt für das von den Siedlern zu be- bauende Gelände ein amtlicher Bebauungsplan, der die örtlichen Gesamtinteressen für die künftige Bebauung festlegt, noch gar nicht vor. Ohne diese Gewißheit kann nicht dringend genug davor ge- warnt werden, einen Geländekauf vorzunehmen, bevor nicht beim zuständigen Bezirksamt cin« definitive AuskunftüberdieBe- bauungsplanverhältnisse eingeholt worden ist. Nur dann kann der Siedler vor der unliebsamen Ueberraschung. keine Bauerlaubnis für das von ihm erworbene Gelände zu erhalten, sowie vor Schäden bewahrt werden. Großfeuer in Reinickenöorf-West. Ein Teil der Jsolatorenwerke Meirowski A.-G. eingeäschert. Ein verheerendes Schadenfeuer, wie es in der Berliner Feuer- chronik seit langer Zeit nicht mehr zu verzeichnen war. beschäftigte gestern nachmittag viele Stunden lang bis in die Nacht hinein zehn L ö f ch z ü g e der Berliner Feuerwehr in der Waldstrage ZZ— 28 zu Reinickendorf- West. Ein großer Teil der in Brand geratenen Fabrikanlagen der Jsolatorenwerke M e i r o w s k i A..G. wurde völlig eingeäschert. Gewaltige Wassermengen mußten in das Flammenmeer geschleudert werden. Nur mit großer Blühe gelang es den vereinten Anstrengungen der wehren, eine noch weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern und somit eine Vrand- kalastrophe zu verhüten. Der Schaden gehl in die hunderttaufende. In der W a l d st r a ß e 22— 28, nicht weit vom Bahnhof Eich- bornstraße an der Veltener Strecke sind die ausgedehnten Fabrik- anlagen der Jsolatorenwerke Meirowski A.-G. Fünf große neben- einanderliegende massive Fabrilhallen von etwa SÜMeterLänge, 12 Meter Breite'und 1l) Meter Höhe bilden den Hauptbestandteil der Werke. Gegcn 4 Uhr bemerkte«in Angestellter, wie aus der äußersten Halle starke Rauchmassen hervorquollen. Von der Fabrikfeuerwehr sofort vorgenommene Löschversuche blieben erfolglos. Das Feuer halte das Innere der großen halle ergriffen und bereits einen Teil des Dachstuhles In Brand geseht. Die Feuerwehr wurde alarmiert, die auf den Alarm„M i t t e l f e u e r" zunächst mit drei Löschzügen anrückte. Beim Eintreffen der Wehren hatte das Feuer bereits eine nicht geahnte Ausdehnung angenommen. Die Flammen hatten inzwischen auf die angrenzenden hallen— die in der Inflation gebaut und nicht durch Brandmauern voneinander geschützt waren— über- gegriffen.- Sofort mußte der Alarm„Großfeuer" weitergegeben werden. Fünf Löschzüge unter Leitung des Branddirektors Mende rückten nacheinander zur weiteren Hilfeleistung heran. Den Feuer- wehrmännern stand bei der Hitze geradezu unmenschliche Arbeit bevor. Von vier Seiten wurde das Flammenmeer aus 12 Schlauch- leitungen größten Kalibers bekämpft. Alle Bemühungen der Wehren, den Brandherd zu lokalisieren, mißlangen. Das Feuer fraß sich bis zur vierten Halle weiter. Eine gewaltige Rauch- und Acuersäule stieg an der Brandstätte empor. Unter Gelöse stürzte eine Giebelwand plötzlich ein und riß das brennende Dach mit in die Tiefe. Auch in den anderen drei Hallen stürzten die Decken brennend«in. Ein: Kolonne von siebe> Feuerwehrleuten konnte sich noch im legten Augenblick in Sicherheit bringen. Immer neue Einstürze erfolgten. Zudem bereitete die Wasserzufuhr große Schwierig- leiten. Aus Berlin mußten noch zwei Motorspritzen mit Schlauch- Material angefordert werden, da zwei Hydranten(300 Meter von der Brandstätte entfernt lagen. Inzwischen wütete das Feuer in den hallen, wo es an Lacken. Isolationen, holzwaren, Fertigfabrikatcn und so weiter reiche Nahrung fand, mit ungeheurer Gewalt. Giltige Rauchschtvaden machten die Zuhilfenahme von Gas- und Rauchschutz- masken notwendig. Ein unmittelbar an die Halle grenzendes Wohn- haus mußte wegen der großen Gefahr geräumt werden. Die Flammen hatten bereits die Möbel eines Zimmers ergriffen, doch konnte das Feuer gelöscht und das Haus geschützt werden. Schließlich gelang es. das Feuer bei der fünften Halle abzuriegeln. Gegen 9 Uhr war dann die Hauptgefahr vorüber und die Aufräumunqs- arbeiten konnten vorgenommen werden. Drei Ablösungszüge trafen ein, um die völlig erschöpften Beamten abzulösen. Auch bei den Aufräumungsarbeiten mußte sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden, da fortwährend Mauer- und Dachteil« nachstürzten. Die Drandstälie bietet einen geradezu trostlosen Anblick. Nur die Umfastungsmauern von den vier großen Hallen stehen noch. Im Innern sieht es wüst aus. Die Maschinenanlagen sind so gut wie ver- n i ch t e t. Bedauerlicherweise haben sich bei den Löscharbeiten sechs Feuerwehrleute Schnill- und Brandwunden zugezogen. Mitglieder der freiwilligen Sanitätskolonne Tegel leisteten den Verunglückten die erste Hilfe. Ini Verlauf der Löscharbeiten erschien der Vizcpolizei- Präsident Dr. Weiß an der Brandstätte. Bei Redaktionsschluß sind noch zwei Löschziige an der Brandstelle als Wache anwesend. Die Entstehungzursache ist noch ungeklärt.. Die sechstausend Wohnungen. Chapman tritt zurück. Die Errichtung von SOOO Wohnungen ohne Inanspruchnahme der Hauszinssteuer war in der Sitzung des Unterausschusses der Deputation für das Siedlungs- und Woh- nungswesen gestern vormittag Gegenstand eingehender Be- ratungen. In Aussicht genommen war dabei, daß die Bau- firmen die Finanzierung des Bauvorhabens selbst beschaffen und der Stadt gegen eine bestinnnt« Pacht zur Verfügung stellen sollten, daß die errichteten Bauten nach 26 Iahren schulden- und lastenfrei in den Besitz der Stadt überzugehen haben, und daß der Stadt die Möglichkeit gegeben ist, die Bauten nach fünf, zehn,-fünfzehn oder zwanzig Jahre» zu vorher festzulegenden festen Kaufsummen zu erwerben. Zur Llbgabe von Angeboten waren acht Firmen ersucht worden. Von diesen haben vier Firmen Angebot« eingereicht, und zwar: C h a p m a n u Co. mit einer Pachtsumme von 10 227 000 Mark, Gemeinnützige Heimstätten Spar- und Bauaktiengesellschaft mit 7 719 000 Mark, Philip Holzmann A.-G., Berlinische Bodenaktiengesellfchaft und Lenz u. Eo. gemeinsam mit 7550000 Mark, Richter u. Schädel mit 7445500 Mark. Die Finna Ehapman u. Co. hat kurz vor der Sitzung ihr Angebot zurückgezogen. Der Ausschuß beschloß, den städtischen Körper- schoflen die Errichtung von 6000 Wohnungen aus der oben bezeich- nelen Grundlage zu empfehlen. Er will der Deputation und dem Magistrat in der nächsten Woche die Ängebote zur E n t s ch e i. dung unterbreiten. Schwarzrotgoldeue Fahnen. Für den Verfassungstag am 11. August sind schwarzrotgoldene und rote Fahnen in unserer Fahnenoertriebs stelle, SW. 68, Lindenstr. 3, II. Hof, 2. Tr., Zimmer 11, in reicher Aus- wähl zu mäßigen Preisen zu haben.(Geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Mittwoch» und Freitags von 9 bis 19 Uhr.)— Di« Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend weist darauf hin, daß sie in ihren Warenhäusern Charlottenburg, Rostnenstr. 4, Berlin N., Reinickendorfer Str. 21, S., Gräfestr. 21, O.. Frankfurter Allee 60, sowie in ihrer Tochtergesellschaft.Hoffnung", Bekleidungsindustrie, Brunnenstr. 188/90, Fahnen und Fahnen- stanzen in allen Preislagen am Lager hält. Sommerfest der Funkftunde. Eines solchen Massenbesuches tonnte sich der Lun apart seit Bestehen nicht rühmen. Der vorgestrige Kartenvorverkauf ergab bereits die stattliche Ziffer von 18000, am Nachmittag waren weitere 30 000 eingetroffen und abends um 8 Uhr standen wahre Riesen- mengen Einlaßheischender vor einem wegen Ueberfüllung ge- schlössen«» Paradies. In keiner Weise war man auf solch große Besucherzahl vorbereitet. Die in Bereitschaft gestandene Kuchen- parade von 5000 Stück war um 5 Uhr nachmittags bereits um 2000 Stück überzeichnet, und Hände und Beine mußten tüchtig schaffen, den Riesenkaffeebesuch zufriedenzustellen Der Park, ge- schmückt mit Girlanden, Lampions und den Funkemblemen, bot ein prächtiges, farbenfrohes Bild. Alle Attraktionen im vollen Betrieb. destaunt und belagert. An besonderen Ueberraschungen gab es außer dem Lunaparkorchester ein Konzert des Funkorchesters unter Prof. Seidler-Winkler, ab 7 Uhr abends alle zehn Minuten das sogenannte japanische Tagesfeuerwert, das sind Ballons aus Seide, die in der Luft zerplatzen und sich in allerhand lustigen Pilz- figuren auflösen. Dann stiegen Farbcnbomben gen Himmel, die das Firmament in verschiedene Farben hüllten. Um 3 Uhr abends traten verschiedene Variettnummern im Garten auf, dann sang Brons- geest, und um 9 Uhr sang der Funkchor mit sämtlichen Solisten. Ein Feuerwerk mit einem beweglichen Bild, darstellend die Familie am Radio, beschloß die Gartenvorsührungen. Dann gab's auf den Terrassen Kabarett und Musik bis 3 Uhr, im Wellenbad plätscherte oder bewunderte man ebenfalls, solange es einem Spaß machte. Der Reinertrag des wirklich wohlgelungenen Festes fließt restlos wohltätigen Zwecken zu. Alfred Braun war msitro de plaisir und machte in seiner Eigenschaft als Gastgeber die Honneurs. Das �luto am Drückengelänöer. Glück im Unglück. Cin eigenartiger Unfall, der mn«in Haar vier Menschenleben gefordert hätte, ereignete sich gestern nachmittag auf der Möckern- brücke im Südwesten Berlins. Der Führer eines mit drei Personen besetzten Autos verlor beim Einbiegen auf die Möckernbrücke die Gewalt über die Staue» rung, fuhr auf den Bürgersteig und prellte mit großer Wucht gegen das steinerne Brückengeländer. Das Blauerwert hielt dem Anprall nicht stand und stürzte in den Landwehrkanal. wie durch ein Wunder blieb das Auto an- einer nicht allzu starten eisernen Strebe stehen und schwebte so mit der vorderen Hälfte zwischen Himmel und Wasser. Zum Glück verhielten sich die Insassen ruhig, da ihnen die geringste Bewegung den Sturz in die Tiefe gebracht hätte. Passanten alarmierten die Feuerwehr� der es gelang, die gefährdeten Insassen und den Chauffeur zu retten. Die eigenartige Sensation hatte eine große Menschenansammlung zur Folge. * Am Halleschen Tor, vor dem Hause B l ü ch e r st r a ß e 1, wurde gestern nachmittag gegen 6 Uhr der Waschmeister Her- mann Meinicke aus der Gneisenaustraße 80 von einem Autobus der Linie 4 überfahren. Bereits auf dem Transport ins Urbankranken- haus erlag M. seinen schweren Verletzungen.— An der Ecke Humboldtstraße und Graf-Roedern-Allee zu Reinickendorf wurde fast um dieselbe Zeit der 2öjährige Arbeiter Hermann Schock aus der Friedhofstraße 3 in Hennigsdorf von einem Privatauto über- fahren und schwer verletzt. Man schaffte den Verunglückten in das Reinickendorfer Krankenhaus, wo er kurz nach der Einlieferung an den Folgen schwerer innerer Verletzungen starb. Die Schuldfrage ist in beiden Fälle» noch ungeklärt. Komm in den Park von Sanssouci. Ende Juli lernte eine verheiratete Dame aus Hamburg bei einem Ausflug nach Potsdam in Sanssouci«inen Herren kennen, der sich ihr als Dr. Berg vorstellte. Das Pärchen erging sich mehrere Stunden im Park von Sanssouci, und der Doktor versprach der Hamburgerin, recht bald an sie zu schreiben. Er hielt Wort: Ein toller Erpresserbrief, mit der Auf- forderung, 300 Mark unter Chiffre so und so am Postam Wil- helmplatz in Potsdam zu hinterlegen, andernfalls dein Gatten der Dame von dem Schäferstündchen in Sanssouci Mitteilung ge- macht würde, traf pünktlich ein! Di« Dame wandte sich sofort an die Potsdamer Kriminalpolizei. Diese ließ einen Brief mit der geforderten Chiffre herstellen und beim Postamt Wil- helmplatz m Potsdam einsenden. Der Brief wurde äußerlich kenntlich gemacht, und ein Kriminalbeamter beobachtete un- auffällig den Schalter. Heute kam«in Herr und forderte den Brief. Sofort sprang der Kriminalbeamte hervor und nahm den Herrn fest. Er ist ein Kaufmann aus Potsdam, verheiratet und Vater eines Kindes. Die Angelegenhest wird für ihn ein gerichtliches Nachspiel haben. zeisz-, zwei Betten nJhnen, die bis j et zt tadellos--- paul Seh -vo Bettfedern- Rupffedern 6raue Federn....Kd.SSpi. Entenfedern cm», ru 3.50 WeiSe Rupffedem m. in 5.10 Oberbett KSperslout,(ras mit«cht türkisch- , roten Streifen, mit ehines. � Entenfedern, 180x200... �Äe» Schleififedern Schleißfedern. ru. 3.90 Schleißfedem imii. pm. 5.50 Schleißfedern«eii. m. 7.90 Unterbett Efipantoot, grtn mit«cht tflrkiick. roten Streifen, mit ch Ines. t* Entenfedern, 100x200..äO»/D flOÖGSi*?- Daunen Monopo!daun.ectitchiites.pid.8.50 Matadordaunent>«eu pfil 2.60 Weiße Daunen.. pu.14.20 Kissen Köporitont, gran mit echt ttJrklach- ro;en Streifen, mit cbin«e.4 m«i«* Entenfedern, 80X30...■■«50 J?ebastian-�:r" WiSmersdörferStiT ��Bisrnorc�Str� Bettwäsche in einfacher und eleganter Ausführung In groB. Auswahl s*hr preiswert 1 11 a.1927. i Von seltener drucktechmk. Ts ist gar nicht einmal so leicht und einfach, sich mit den verschiedenen Drucktechniken vertraut zu machen. Die größeren graphischen Betriebe, die alle Druckverfahren pflegen, sind dem Laien schwer zuganglich, und der Schleier über sogenannte Betriebs- geheimnisf« will sich im deutschen Druckgewerb« nur svärlich lichten. Aus Büchern und Zeitungsaufsätzen kann der Nichtfochmann bei der Kompliziertheit buchgewcrblicher Dinge nur schwer in das Ber- siündnis der einzelnen Drucktechniken eindringen. Die beste Ein- führungsmethod« ist hier wie überall de Demonstrierung der Tech- niken und Handfertigkeiten mit Hilf« der in der Praxis gebrauch- lichen Materialien. Werkzeuge und Maschinen. Hier liegt der große erzieherisch« Wert gewerblicher Ausstellungen, und in dieser wichtigen Mission bewährt sich jetzt vor allem die Dresdner Papierausstellung. Hören wir, wie sie den Besucher mit unbekannten Drucktechniken vertraut macht! Da wird in einer Sonderschau der ausgezeichneten Dresdner Ausstellung der Sächsischen Landcsbibliothek das europäische Buch in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien ge- zeigt, u. a. auch der Notendruck. Die Kenntnis über die Ent- stehung eines Musiknotenbuches erschöpft sich meistens mit der eigenen handschriftlichen Wiedergabe von Noten. Die druck- technische Herstellung von Musiknotcn nimmt nun h«ut« im deutschen Buchgewerbe einen erheblichen Raum ein, ebenso sind die dabei geübten Techniken und Handfertigkeiten so mannigfaltiger Natur, daß es ein sehr reizvolles Beginnen ist, sich mit dem Wesen des Notendrucks vertraut zu machen. Auf der Ausstellung werden ins- besondere die An sänge des Notendrucks geschildert, die ebenso primitiv und bescheiden waren wie die des Buchdrucks, tn denen aber schon der Kernpunkt des modernen Notendrucks ent- halten ist. Das Bedürfnis, vokale oder instrumentale Töne durch Zeichen festzuhalten, ist so alt, wie die Laut- und Schriftsprache überhaupt. Wie wir vor Erfindung des Buchdrucks geistliche und weltliche Buchschreiber kennen, so gab es auch berufsmäßige Noten- schreibe?. Und wenn die frühesten Erzeugnisse des Buchdrucks den handgeschriebenen Büchern möglichst originalgetreu nachgeahmt wurden, so waren auch die ersten Musikaliendrucker bemüht, in Form, Zusammensetzung und drucktechnischer Wiedergabe es den alten Notenschrcibern gleichzutun. Diese Anfänge des Notendrucks zeigt die Ausstellung an Beispielen berühmter alter Notenwerks, bei denen die Linien mit der Hand vorgezeichnet und die Noten mit kleinen Stempeln eingedruckt wurden. Auch in Holz geschnittene Noten und solch« mit reichem illustrativen Schmuck werden gezeigt. Die Kenntnis dieser Ankänoe des Notendrucks ist zum Versiänlmis der Entstehung eines Musi- kaliendruckwerkes von höchster Wichtigkeit, si« leitet hinüber zum Wesen des modernen Notendrucks, der ähnlich wie beim Buchdruck durch die Königsche Schnellpresse mit Hilfe der durch Carl Gottlieb Röder Mitte vorigen Jahrhunderts eingeführten Notendruckschnell- presse größeren Umfang und weltumspannend« Bedeutung ge- wonnen hat. Mehr noch als beim Musikaliendruck kann man beim Offsetdruck von einer unbekannten Drucktechnik reden. Dieses erst� in der Nachkriegszeit in Deutschland in großem Umfange ein- geführte Perfahren ist selbst vielen Angehörigen des Buchgewerbes und der papierverarbeitenden Industrien unbekannt. Die Dresdner Ausstellung wird sich hier vor allem als die große Lehr- Meisterin bewähren. Die namhaftesten Fabrikanten des Osfstt- Maschinenbaus sind auf der Dresdner Ausstellung vertreten, Dresden ist ja auch der Sitz der größten europäischen Offsetmaschinenfabrik. Osssetmaschinen werden in den Ausstellungshallen— die im üblichen Sinne allerdings keinen Ausstellungen gleichen, denn sie stellen Werkstätten dar, in denen der graphische Produktionsprozeß vonstatten geht— praktisch vor- geführt, und das Auge des Laien wie das des Fachmanns kann sich davon überzeugen, wie mit Hilf« der Offsetdruckmojchinen all die vielen bunten Druckwerke entstehen, die uns in Gestalt von Buchillustrationen, Prospekten, Plakaten, Kartonnagen usw. ent- zücken. Die Ausstellung will nicht nur die verschiedenen Druckoer- fahren zeigen, sondern ein Bild von der gesamten Papiersrzeu- gung und-Verarbeitung geben, daß sie aber im besonderen die Kenntnis unbekannter Drucktechniken verbreiten Hilst, wird nian ihr als großes Verdienst, ja als kulturelle Tat anrechnen müssen. 5ür Zrieüen und Zusammenarbeit. f Eine Tagung der ehemaligen Kriegsgefangenen. ' In Bremen wurde gestern die zweite Haupttagung der Arbeitsgemeinschaft der Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands— Sitz Berlin-Friedenau— unter dem Protektorat des Reichstagspräsidenten Löbe beendet. Die Tagung, die von etwa 13t) Delegierten besucht war, erhiell ihr charakteristisches Moment durch die Anwesenheit des Prä- sidenteu der französischen Kriegsgesangenenorganisation, Jean Des- b o n s, der die Grüße von 10 Millionen ehemaligen Frontkämpfern der Alliierten überbrachte, die in der„ftederation interalliö« des vnchens Combattants" zusammengeschlossen sind. Oesterreich war vertreten durch Hans Baumgartner, Obmann der Bundes- Vereinigung ehemaliger österreichischer Kriegsgefangener, das Saar- gebiet durch Peter Scholl vom Saaroerband der ehemaligen Kriegsgefangenen. Die politischen Parteien und die Kriegsopferoerbände hatten Grüße entsandt. Die Sonn- tagskundgebung stand unter dem Motto, das der Reichstazspräsident dieser Tage gegeben halte:„Die Väter, die das schwere Los der Kriegsgefangenschaft trugen, werden die e r st e n sein, wenn es gilt, ihre Kinder vor dem gleichen Schicksal zu bewah- ren. Nicht Haß, sondern Liebe regiere die Welt." Am Nachmittag fand eine feierlich« Kranzniederlegung an den Gräbern der deutschen und fremdländischen Soldaten auf dem Bremen-Waller Ehrenfriedhof statt. Rosenberger (Berlin) sprach für die Deutschen, Baumgartner(Wien) für Oesterreich, Desbons(Paris) für Frankreich und feine Alliierten. Während die Kränze niedergelegt wurden, reichten sich Groß- deutschland und Frankreich symbolisch die Hand. Die Verhandlungen am Montag beschäftigten sich zuerst mit der Frage der Nochgefangenen. Hierüber referierte im Austrage des Auswärtigen Amts Major Mensch. Der Franzose Jean Des- b o n s legte Dokumente seiner Regierung vor und bestätigte bzw. ergänzte das Material der deutschen Regierung. Donach befinden sich in Eayenne 3 3 be st raste deutsche Nichtkriegs- gefangene. Wichtig ist, daß die französische Regierung sich be- reits mit der vom Weltkongreß der Kriegsgefangenen(Mai 1S27 in Luxemburg) gefordenen Entsendung von gemischten Nach- forschungskom Missionen nach Sibirien, Turkestan und in gewisse Gebiete der Türkei beschäftigt. Dos von Desbons vorgelegte Statut eines neuen Kriegs- gefangenenrechtes, das von sämtlichen alliierten Kriegs- gefangenenorganlfationen angenommen ist, wurde prinzipiell out- geheißen und wird den Gruppen im Reich zur endgültigen Stellungnahme vorgelegt. Dienstag und Mittwoch verhandelte man über Guthaben, Kriegsgefangenengräber. Vermißtenforschung und interne Angelegenheiren. Der Vorstand wurde wieder- gewählt und durch Beisitzer erweitert. Die Tagung schloß mit einem einmütigen Bekenntnis zur Idee des Friedens und dem Wunsch für ein käme- radschastliches Zusammenarbeiten aller deutschsprachi- gen Kriegsgefangenen. Die Vorbereitungen zum Gzeanflug. Beratungen über die Wetterlage. Wie nunmehr feststeht, hat die Junkers-Maschine 33 O aus ihrem großen> Weltrekordsluge bei einer aus Brennstoffersparnisgründen herabgeminderten Durchschnittsgeschwinoigkeit von 135 Stundenkilometern insgesamt mehr als 7000 Kilometer zurückgelegt. Da die Entfernung Dessau— New Dork rund 6000 Kilometer beträgt, so wäre das Flugzeug im Ernstfall noch etwa 1000 Kilometer über New Jork hinaus in das Innere Nordamerikas geflogen. Die zwischen den Wendemarken Dessau und Leipzig zurückgelegte, amtlich gemessene Flugstrecke beläust sich auf 4627 Kilometer. Zurzeit finden bei den Iunkers-Werken in Dessau Beratungen zwischen der Flugleitung und dem Leiter der Flugwetter- abteilung der Hamburger Seewetterwarte, Dr. S e i l k v p f, über die Wetterlage in Westeuropa und über dem Atlantischen Ozean statt. Dr. Seilkopf, der auf seinem Posten sehr stark in Anspruch genommen ist, ist zu diesem Zweck im Flugzeug nach Dessau gefahren. Es wird sich bei diesen Besprechungen in erster Linie auch um die F e st- legung der Flugroute über den Ozean handeln, für die bisher der Kurs über Südirland-Neufundlano, also über die so- genannte kürzeste Linie, in Aussicht genommen war. Immerhin ist es möglich, daß bei günstigeren Windverhältnissen auf einem süd- licheren Kurs von dieser Absicht abgegangen und eine dement- sprechende andere Route gewählt wird. Ferner werde» heute die technischen Leiter des Rekordfluges, die Oberingenieure Tiedemann und«chinzinger, den Bericht der Piloten Rifticz und Erzard über die bei dem Dauerslug gewonnenen Ersahrungen und etwaige not- wendig werdende kleine Abänderungen entgegennehmen. Die zweite Ozeanmoschin« mit den Piloten Loose und Köhl ist am Sonnabend zu kurzen Probeslügen gestartet, die sich über einige Stunden-erstrecken werden. kabar�ll der Komiker. Das Programmheft im August klagt in seinem„Leitartikel" über den Niedergang des Kabaretts, woran nicht zum kleinsten Teil die böse Presse infolge schlechter Spielplan- Placierung schuld sei. Der Vorwurf ist hart, aber ungerecht! Tar-' fache ist vielmehr, daß sich das Kabarett, entgegen allen anderen künstlerischen Darbietungen, eines geradezu rührenden Konserva- tivismus befleißigt, der naturgemäß eine Ueberfättigung des Publi- kums zur Folge haben muß. Das ewige, mehr oder minder witzig« Zerpflücken der Tagesereignisse hat mit der Zeit auch seine Zugkraft verloren. Es ist ja auch unmöglich, der Satire, die schließlich ein in sich begrenztes Gebiet ist, ständig ein neues Kleidchen anzuziehen. Trotzdem ist das Kabarett der Komiker noch der König unter seinen Fachgenossen. Paul Nikolqus, der Conseröncier, serviert mit Witz und Laune die einzelnen Künstler und jüllt die Zwischen- pausen mit wirklichen nettem Gemeckere. Rols Hansen zaubert einfach zauberhast, Kate Kühl bringt Wuchtig-Modernes von Liebe und Verlassenwerden. Die Freuden des Abends sind Ring ein atz und S ö n e l a n d. Ersterer in funkelnagelneuem Matrosendreß, verkatert wie stets, aber halt doch der Dichter Ringelnotz. Di« kesse Senta Söneland brilliert in ihrer herzerquickenden Schnoddrigkeit. Mit Sehnsucht harrt das Publikum dem angekündigten Neubau eines Theaters mit Sitzgelegenheiten. Die bisherige Ouetscbkiste mit Kinderstühlchen und Siedetemperatur ist eine starke Zumutung. Scala. Mit ihrem Eröffnungs-August-Programm hat sich die Scala wieder gut eingeführt. Das Ianowsky-Trio balanciert auf einem Schlappdrahtseil, Leo Z o l h a n a tanzt, unterstützt von wirkungsvollen Beleuchtungsesfekten. Anmutig und exakt tanzen und turnen auch die I a ck s o n- G i r l s. Harry R e s o, den wirk- sich Urkomischen, kann man nicht beschreiben, ihn muß man sehen. Auch die Illusion der Miß L e a h/ die in ihrem schrantartigen Kasten mit Degen, Rasierklingen und Pfeilen durchstochen wird, ist in dieser Vollendung noch nie gezeigt worden. Und R o b i n s! Schon bei seinem Austreten hat er die Lacher auf seiner Seite. Mit seinen unglaublich gut dressierten Hunden, Affen und einem sehr temperamentvollen Maulesel holt Pepino sich einen großen Applaus. Dann dirigiert Jean Gilsierk. Dirigiert mtt Schwung und Musik im Körper alle die fröhlichen Schlager, die ganz Berlin kennt und die ganz Berlin gesungen hat und noch singt. Sein Erfolg war un- oergleichlich. Stürmisch beklatscht wurde auch der große Frederic S y l v e st e r mit seinen kleinen Kompagnons. Den Schluß bildeten die beiden S k a m p, die am Reck Kapriolen von seltener Komik zeigten. Arbelter-Kulwr-Kartell. Sonntag, den 28. August. Gewerkschasts- fest in sämtlichen Lokalen Treptows. Dcmonslralwn aus der motzen Spielwiese. Konzert, ausgesüchrl von der Kapelle des Deutschen Musiker- Verbandes. Gesang, ausgeführt von den Chören des Deutschen Arbeiter- Sänger. LundeS. Künstlerische Darbietungen, Riesenfeucrwerk. grotze Tombola. Karten zu 50 Ps. bei allen Partei- und Gewerlschastssunktio- nären, sowie im Burxau des ADGB., Engelujer 24/25, in allen Verbands- bureauS, bei Lorsch, Engelufer 24/25, Tabakvertrieb GEG., Jnselstr. 6, in den.Vorwärts"- Speditionen und im Bureau deS Arbeiter-Kultur-KartellS, Lindenstr. 3, Hos II, Zimmer S. Karlen für Kinder und Erwerbslose werden am Tage der Veranstaltung am Eingang zu den Lokalen abgegeben. Sozialjftl'k8. im Ecisengcschäst. b. Kam.«Zungmannschafts: 18 Uhr Sportabcnd auf dem Platz in der Lcsfingstrotzc. LirMeifcldc'Sankwitz: Leipzig.ssahrer zahlen stahrgeld bi» Mo., d. 8., an Zrgführcr, tonst keine ssahrprciscrmätzigunz. Ablershof! Sportabend für alle aktiven Kameraden. Trefspunkt in Banner. kseidung um Ig Uhr auf dem Platz gcradeitbcr dem M7V.-Platz in der Birken- alle«.— Dienstag, 9. August, isiicdrichshai». Kam. Stralau: 1914 Uhr Ber. iammlung bei Vertala, Hohcnlohcstr. 3. Prenzlauer Berg, Kam. Ecnefelder- platz: Persammlung um 20 Uhr bei Büttner. Sckwcdtcr Strafte. Kreuzberg: 20 Uhr Versammluna der Abt. 10 bei Mllller, Echcnleinstr. 3. Iungmann» schaft I: Unterrichtsstunh« um 20 Uhr hei Sechak, Willibald-Alexls-Str. 5. Kchöneberg-ffriebenou. Kam. Rathaus: 20 Uhr Kameradschoftsversammlun» bei Knopf. MUHlenstr. 9. Wichtige Tageeordnung. Kam. Insel: 20 Uhr ber Warth, Monumentcnstr, 32. Kamerobslbaftsversammlung. Bernau-Börnickc: Bei gutem Wetter 19 Uhr Radfahrer Wahrt vom Wasserturm zum Baden. Bei schlechtem Wetter Uebungsstunde.— Mittwach, 10. August. Radsahrcrabt. Reu» löst»: 20 Uhr tzusammenkunst der Leipzig.ssahrer bei König, Wcserstr. 58, Ecke Wildenbruelistrafte.— Berlin-Ttegtitz: Leipzia-ssahrer am So., 13. August, Ab» fahrt vom Dllvpclplatz nach Anhalter Bhf, 15 Uhr. Nachzügler 1511 Uhr An. Halter Bahnhof. Verband für ikre'denkertnw und sseue.bestcttung,». V.(2- Bezirk, Tier. garten). Oeffentliche Versammlungen Montag, 8. Auaust, 19)4 tthr, Arminiu?- Kestläie, Bremer Strafte, und Ireitoa, 12. Auaust, 19)4 Uhr, Schulauta Kulm» strafte 18. Saacsordnuna:..Reichskonkorbat und Reichsschulgesetz." Arbeitcr-Esperanto-Buud Graft Berlin. Vortrageabend cm 9, August, IS'/r Uhr, Schule Gipsstr, 23o. Barankin. Delegierter zum 7. Arbeiter. Esperanto. songreft. Lnon. August 1927, spricht über„Das Leben und die Berhältniste (n Sowjetruftiaud. Anfchlicftcnd Monataversammlung. Gäste, Intcr- «ssenteu willkommen._■_ i. Sport. Rennen zu Hoppegarken am Sonnabend, dem 6. August. 1. R e n n en. t. Honnef(Kehrke), 2. Marianne(Böhlke), 3. Coriolan sDisck). Toto: 31:10. Platz: 14, 15:10, Ferner tiefen: LebenSlaus, Lcdlne. Palladio. Z.Rennen. I. Abteilung t. Wien(Böblke), 2. PrünaZ (Williams), 3, Schattenmorclle /Zcbmisch), Toto: 42: lö. Platz: 15, 24, 16:10, Ferner liefen: Hcclor. Rheinsonne. Arber, Vioat Neaina, Mh Lady, Pumpernickel, lkasner. Paradcnia,— L. Abieiluna.'• Ordensschwester sLudwigi, 2. Meton(D. Schmidt), 3. Liliensee iSchönftich). Toto: 47:>0. Platz: lt), 16, 41: 10. Ferner liefen: Prcupenilolz, Tagora, Sonnenlicht, Ormnzd, Euterpe, SangeSIust. Certosina, Mohrcnblume 3. R e n n e n. l. Patü(Williams), 2. Fürst Emmo(Grabsch), Z. Curagao (HahneSj, Toto: 76: 10. Platz: 35. 42, 84: 10. Ferner liefen: Favorit, Domlalke, Manncttrcuc, Maisobrt, Proivero. Grafcnli one. 4. R e n n c n. 1, Ausbund(O. Schmidt'. 2. Gcronium(Grabsch), 3. Baba lVarga). Toto: 22: 10, Platz: 16, ist: 10. Ferner lies: Mitra. 5. Rennen. 1 Periander'O. Schmidt). 2. Welkart(Vinzenz), 3. Grimm(Narr). Toto: 15:10. Platz: 10, 10:10. Ferner ltesen: Tai tar, Lour Is inöiite, Lirnrin, 6, Rennen. l Tecroie(Williami', 2. Heuschrecke(Huaucnin), 3. Clothilde(Gcbrke). Toto: 33: 10. Platz: 16. 25, 68: 10. Ferner liefen:! Ebristinchcn. Maicheia, Schnccloitlchcn, Panna, Fredigunde, Felienseit, Willa, Lichtelse, Miision, 7, Nennen. 1. Fi länd er(HahneS). 2. Cocklail(Narr), 3. Seichte Fiabet(Grabichl. Toto: 14: 10. Platz: 12, 21: 10. Ferner lieieii: Dietmar, Slaroste. Nordländer.__ Wetterbericht der Sfsentlichen wellerdtensl' elle für Berlin und Umgegend (Nachdr. oerb.i Meist wollig bei zunehmender Gewitterneigung. Sehr warm, mäbige östliche Winde. � Jür veutichland: Frn Westen und Süden Gewitter, auch in Milteldeutichland zunehmende Gewitterneigung, sonst leine wesentliche Acnderunz. S acKeiv Sie s so nne trnr! Empfehlzru Sie dem Jfeund� dem Gjast/ die 9&cls seury- Zigarette mit jener feinen ilnaufdring� lichkcit die dem anderen qestaitet, sich eine eigene Sföeinung bilden. 6s voird Jhrem Srcunde genau socgehen wie jlhnen: an der s s ary~%garette selbst erkennt er nach wenigen �ftlgcn daß ihm, hiet nichts JUltcug� Uches aebeten wird. i feines fgchelru sei 7hr£bb. begleitet von der * schlichten Aufforderung� mit der wir seit Jahren werben: smvyfed&L U PUßPUßMUMOStl- gfcdif NMUNOST�f Bh iunjoscjJSj p (iiifcntmngca für biefe Robrit sinb Drrli» SW SS, Liabenftrah« Z, partelnachrichten für Groß-öerlin flrt» un da« Be/>irtss«ketoriat. 2. Hof, i Tren. rechts, ju richten 2. Brei« Tiergarten. Die zum Montag, S, August, de! Krüger, Putlitzstr. lg, einberufene erweiterte Kreisrorstandsschung beginnt nicht um 20 Uhr, sondern um Igs� Uhr. Iugendoertreter und Funktionäre der Kinder. freunde werden bestimmt erwartet. Da in dem Raum später noch eine andere Sitzung stattfindet, wird pünktlich begonnen,— Die Genosünnen und Genossen beteiligen sich restlos an der Perfassungsfeier des Reichs- banner». Abmarsch mit Musik UVs Uhr vom Kleinen Tiergarten.— Voranzeige. Sonntag, lt. August, findet auf der Spielwiese Jungfern- Heide unser Waldfest statt. Für Musik und Belustigung von alt und jung ist gesorgt. Tresspunkt aller Teilnehmer Kleiner Tiergarten IZlh Uhr. Bon dort Abmarsch mit Musik. Um restlose Beteiligung wird gebeten, Bitte die Zahlabenbe am Mittwoch zu besuchen. Dort erfolgt weitere Mit» teilung 3. Brei» Wedding. Arbeiterwohlfahrt- Sonntag, 21. August, findet die De- sichtigung in Zossen statt. Gleichzeitig ist hie Fahrt als ein Familien- ausflug gedacht. Kinder kännen mtgenommen werden. Um Fahrpreis- ermäßigung zu erhalten, bedürfen wir dazu der genauen Teilnehmer- zahl. Die Genossinnen und Genossen wollen sich sofort bei ihrer Ab- teilungsleiterin bzw. dem Abteilungsleiter der Arbeiterwohlfahrt zwecks Teilnahme melden, 7. Brei» Charlotten dura. Die Bibliothek im Jugendheim Rosinensir, 4 ist gedffneti Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von lü— 21 Uhr. Bildungsausschnsimitglieder und Bllcherkreisleser können die Bücherkreis- bände und Marken aus der Bibliothek abholen und abrechnen,— Diens- tag, 20 Uhr, erweiterte Borstandssitzung im Zimmer l des Rathauses, 9. Brei« Wilmersdorf. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich recht-ahlreich an der Verfassnngsfeier des Reichsbanners 10 Uhr Viktoria- Sorten zu beteiligen. Abmarsch zum Umzug UVi Uhr Vrinireguit-nstrahe. reis Steglitz, Lankwitz, Lichterlelbe. Sonntag, 7, August. Kreiskinder- fest im Grunewald, ssahrverbindung Linien 40 und 174, dann links an den Schiesistünden entlang, Richtunasweiser beachten. Unkostenbeitrag 20 Pf. Beginn 10 Uhr. Bekannte und Freunde sind herzlichst eingeladen, 13. Kreis Tempelhof-Marienbors, Marienfelde, Lichtenrade, Am Sonnabend, 10. August, 16 Uhr, Berfassunqsfeier in Kellers Festsälen sfrüher Grasil) in Mariendorf, Chausseestr, 000, Festansprache: Etadtoerordnetenvorsteher Genosse Johannes Saß Konzert, Cborgesang, turnerische und sportliche Vorführungen, großes Varieto- und Kabarettproaramm mit ersten Künstler» aus Wintergarten und Skala, Tombola, Kinderspiele, Kaifeeküche. Eintrittspreis 60 Pf,?m Vorverkauf 00 Pf. Karlen bei allen Funktiv- när-n und in den Verkaulsstell-n der Konsumgenossenschaft, Arbeitslose Genossen und Kinder in Begleitung der Eltern frei.— Tempelhos: Die Genossen und Genossinnen werden gebeten, sich am Dienstag nachmittag an dem Kaffeekochen der Konsumgenossenschaft in Mariendorf, Chaussee-' strasie 300, zu beteiligen. 16. Kreis Köpenick. Montag, R. Avaust, 19l4 Uhr, wichtige Kreisvorstands- sitzi'ug,— Freie Schnlgemeinbe Köpenick: Dienstag 19Vi Uhr Mitglieder- Versammlung, Echlofistr. 27 I. 17. Brei» Lichtenberg. Montan, 6. August, 19 Uhr, im Arbeitsamt, Schreiber- Hauer Straße, Funktionärkonferenz. heute, Sonntag, 7. August: 14. Abt. Die Genossen beteiligen sich an der Veranstaltung des Reichsbanners auf der Echillerwiese, Treffpunkt zur Demonstratio» lOlh Uhr Binetavlatz. 17. Abt. beteiligt sich am Reichsbannersest im Schillerpark. Treffpunkt zum Umzug mit Banner 13 Uhr Lnnar-, Ecke Tegeler Straße, bei Werth, 191. Abt. Treptow. Alle Genossinnen und Genossen werde» hierdurch aus- gefordert, sich a» der Perfassungsfeier des Reichsbanners im Alten Eier- Häuschen, Inh, Genosse Bieler, zu beteillgen. Deginn 16 Uhr. Gemein- samcr Abmarsch 13lh Uhr Marktplatz in Oberschöneweide. Morgen, Montag, 6. August: 3. Abt. 20 Uhr Funktionärkonferenz bei Perschke, Georgenkirchstr, 14. 14. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Lauritzen, Putbusser Str. 11. 17. Abt. 19!b Uhr Funktionärkonferenz bei Dose, Rordhalen 6. 16. Abt. Die Funktionärkonferenz und die Zahlabende am Mittwoch fallen aus. 29. Abt. Die Fuiiktionärsitzung und die Zahlabende fallen aus und finden eine Woche später statt. Tl. Abt. 1914 Uhr Funktion!! rversammlung bei Kroll, Utrecht« Str. tL feute, Sonntag, beteiligen wir uns am Republikanischen Volksfest im chillerpark. Antreten zum Festzug 13lh Uhr Vinetaplatz. 24. Abt. Die Funktionärsitzung lällt aus, 26. Abt. 19-, 2 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Grtzger, Meyerbeerstr. 7. 28. Abt. lO's, Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 20, Sitzung der Funktionäre. 31. Abt. Iii-, Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Funktionärkonferenz mit den Betriebsvertrauensleuten. 30. Abt. Die Bezirkssührer werden gebeten, die Teilnehmerlisten für den Kreisausflug bis svätestens Montag 19 Uhr beim Genossen Viertel, Echreinerstr. 36, bestimmt abzugeben. 41. Abt. 20 Uhr bei Lipsert, Mariendorfer Str. 6, Sitzung sämtlicher Funk. tionäre, 43. Abt. 1961 Uhr Funktionärsitzung bei Frankenhanser, Iahnstr. 15. 44. Abt. Wichtige Funktionärversammlung 20 Uhr bei Ewald, Skalitzer Straße 126. Tagesordnung: Unsere Winterarbeit. Erscheinen sämtlicher Funktionäre unbedingt erforderlich, 40. Abt. 19 Uhr bei Wolf, Forsterstr. 44, Sitzung sämtlicher Funktionäre. 47. Abt. 20 Uhr Fi-nktionärversaminlung bei Gesche, Wrangelstr. 21. 48. Abt. Die Bezirkssührer werden ersucht, zur Mitgliederversanimlunaam 10. August, in welcher Genosse Dr. Schönherr einen Dortrag lloer„Wirtschaft und Politik" hält, einzuladen. 02. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Bade, Kaiserin- ?lug»sta-AIlee 52, Reukölln. 9t. Abt. Igs-b Uhr Funktionärsitzung bei Ramin, Mainzer Str. 10. — 90. Abt. 20 Uhr Sitzung aller Funktionäre und Kommissionen bei Hürtler, Prinz-Landjerv-Etr, 04, Feder Bezirk muß vertreten sein. Der Vorstand trifft sich bestimmt eine Stunde früher.— 96. Abt. 1914 Uhr bei Lohein, Lutherstr. 18—19, wichtige Funktionärsitzung.— 98. Abt. 20 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Teich, Knesebeckstr. 135. Erscheinen eines jeden Funktionärs Ehrenpflicht. Wichtige Tagesordnung, 99. Abt. Britz-Buckow. 1914 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Günther, Chausseestr, 48 II. Es wird um pünktliches Erscheine» drinsiend gebeten. 128./130. Abt. Pankow. 20 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Meetz, Ber- liner Straße, Ecke Lindenpromeuade. 137. Abt, Reinickendors-West. 20 Uhr Funktionärsitzung im Bolkshaus Scham- webrrstr. 114. F rauenveranskalkungen: 7. Abt. Fraurnausflug nach Pichelsdorf. Treffpunkt 814 Uhr am Kupfer- graben. Rur bei schönem Wetter. LLOYD BREMEN einzige deutsche Linie, mit regelmäßigen direkten aAbfahrten für Reisende und Auswanderer von Bremen nach €ÄMÄBA Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u.Abfahrten erteilt Berlin; Norddeutscher Lloyd, Agentur Berlin Q. m, b. lt.. Unter den Linden I(Hotel Adlon) „ F. Montanus, Generalvertretung des Norddeutschen Lloyd, invalidenstr. 93(zwischen Lehrter u. Stetüner Bahnhof) 84. Abt. r-nkwttz.« Uhr ln Lehmann, FestssNen, K-tfer-Wlkhekn�Str. n—n, Frauenabend, Vorführung des Hochfrcouenzapparates„Vhilantrop". 119. Abt. Grüna». Kaffeekochen in Schmöckwitz„Zur Palme. Die Frauen treffen sich um 10 Uhr Bahnhof- Ecke Friedrichstraß, in Grünau. Recht pünktlich fein. Zungsozialisten Grost-Berlin: Die Gessmtveranstaltung findet nicht am Montag, 8. August, statt, sondern ist wegen Verhinderung des Referenten auf Montag, 15. August, verlegt worden. Arbeiksgemeinschafk der kinderfreunde: Gruppe Ritt«: 20 Uhr Städt. Jugendheim Zehdenicker Str. 24—25. Thema: „Dom Wandervogel zur Arbeiterjugend." Freitag, 12. August, 20 Uhr, Jugend- heim Tieckstr. 18(nicht Zehdenicker Straße), Gruppcnleitersitzung. Dienstag. 9. August: 19. Abt. 1914 Uhr Mitgliederversammlung bei Krüger, Hussiten-, Ecke Scheringstraße, Vortrag des Genossen Gürtler:„Die Bedeutung der Konsum» genosscnsdiaft für den Arbeiterstand," 19. Abt. 19«, Uhr pünktlich bei Echrepel außerordentliche Funktionärsitzung. Alle Funktionäre müssen erscheinen. 27. Abt. Igi4 Uhr Funktionärsitzung bei Bogdanowitz, Sonnenburger Str. 1. 36. Aot. 1914 Uhr Funktionärsitzung bei Busch, Tilsiter Str. 27. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Arauenveranstalluugeu: 33. Abt. 1914 Uhr Bortrag und Besichtigung in der Gasanstalt Stralauer Straße. Vortrag:„Gasvcrwcrtung im Haushalt." Jungsozialisten: Gruppe Tempelhof-Mariendorf: Der Abend im Gemerkschastshaus katm nicht stattfinden, dafür Heimabend. » 40. Abt. Versammlung fällt aus, nächste Mittwoch, 24. August. Sterbetafel öer Groß-Serliner Partei-Grganisation 33. Abt. Am Dienstag, 2, August, verstarb durch Unfall plötzlich unser langjähriger Genosse und Funktionär der 33, Abt., Karl G r u h n, Simon- Dach-Str., 18. Die Einäscherung findet am 9, August, 1914 Uhr, im Krcma- torium Baumschulenwcg statt. Um recht zahlreich« Beteiligung ersucht der Vorstand. 38. Abt. Der Genosse Franz L ü b k e, Fricdenstr. 88, ist verstorben. Einäscherung Dienstag, 9. August, 1814 Uhr, Baumschulenwcg. Um rege Be- teiligung wird gebeten. 49. Abt. Unser Genosse Hans M a q, Hagelberger Str. 20», verstarb am 4, August im Alter von 31 Jahren. Einäscherung Montag, 8. August, 1614 Uhr, Krematorium Baumschulenwcg, 89. Abt. Schöueberg. Nach langem, schwerem Krankenlager verstarb in der Nacht vom 5. zum 6, August unser treues altes Mitglied August Peter, Hedwigstr, 7. Die Abteilung wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Näheres Uber die Leichenfeierlichkeit erfolgt später. Bad Laudcck in Schlesien. Welche Heilkraft Landecks Quellen in sich bergen, zeigt die täglich wadssende Besudierzahl, die das vergangene Jahr weit in den Schatten stellt. Und wen man spricht— sei e» auch der verwöhnteste Groß- städtcr—, allgemein herrscht nur eine Stimme des Lobes über die herrlichen Bäder, die einzigartige und wundervolle Lage, die Landeck stets die führende Stelle in der Reihe der sd)lesifchen Bäder einräumt und hält. Die Verwaltung bietet alles auf, um den Gästen den Aufenthalt so heimisch wie möglich zu machen und wird hierin von der ausgczeidineten Kurkapelle, die unter hervor- ragender Leitung steht, tatkräftig unterstützt. Es muß daher bei dem wachsen- den Besuch allen aufs wärmste geraten werden, sich für die Nachsaison schon jetzt anzumelden. Badeverwaltung und Kurverein erteilen gern kostenlos Auskunft, Da- Preisausschreiben der Firma Leiser au» Anlaß des„Tag der Schulen" für alle Berliner Schüler und Schülerinnen ist bis zum 15, September ver- längert. Es winken wertvoll« Preise: 3 Fahrräder, 3 Photoapvarate, Sport- geräte, Sportsdluhe, im ganzen 100 Preise. Nähere Bedingungen sind in allen Filialen des Schuhhauses Leiser gratis erhältlich. Wir empfehlen allen Eltern, ihre Kinder auf dieses Preisausschreiben aufmerksam zu machen. Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Lyon-Schnitimusier in allen 4 Geschäften Mode-Album Wertheim Ä. SOv- Wäsche Taghemden f. Madch., m. Slickcr. vJ Lünne 40-90 cm, von � � an Nachthemden für Mädchen, mit Einsaß Lünne 60-100 cm, von Schlüpfer sestreitle Kunstseide Länge 25-fco cm, von Prinzeßröcke cesireilte Kunstseide Länge 45-90 cm, von Taghemden f. Knab., halsfrei, kurze Aermel, Lg. 40- Sd cm, v. Nachthemden f. Knab„halsfrei, m. färb. Paspcl, Lg.60-Ilücm,v. Trikotagen Pullover k original englisch w 50 Sportanzüge-1.. schwarz, Länge cm I 40 (Jede weitere Größe 16 Pf. mehr) Schlüpfer lür Mädchen Kunstseide Baumwolle, kurze Form Soweit Vorrat Montag bis Donnerstag Ort»« 1-4 65 Strümpfe Kinderstrümpfe 1». I, guter Schul-—j /-w slrumuf, schwarz,/{ I Dl Grüöe 1 I yJ rt (Jede weitere Gr. 10 PI. mehr) KinderstrUmpfe 1 u.l.m.Seldenglanz, grau od. mode farbig, y pj, (Jede weitere Gr. 19 PL mehr) Söckchen«p;d. farbig, versch. Gr. w W Schuhe Spangenschuhe braun Leder, gute PaOform 31/» 7.75. 29'»«.75, � 27/28 5.95. 28/26 4.95, CA 23/24 4,35, Gr. 20/22 U OU Lackleder, gutes Malertal 31/35 9 50, 29/39 8.50, 27/28«.75, 28/26 5.95.'■< QC 23/24 5.25, Gr. 20 22 Hüte ■für 4 fahrt 975 295 12 so Velvet-Kappe n mit Gummizug/ QQ gewattell, neue Farben Stroh-Hüte garn. OOPf., 1,00 Matrosenform 75« Knaben-Kleidung Schulanzug (Bild 1) Sportform, gemustStoff, ganz gefütt., f. ca. 4-14 Jahre, f. 4 J. (Jede weitere Größe 1 M mehr) 9 75 Einknöpfanzug (Bild 4) Matrosenform, rein- B"!*, CA woll. Cheviot,f. ca. 2-8 J., f.2J.■■ (jede weitere Größe 1 M mehr) Kieler Anzug (Bild 2) blau Cheviot, für ca. 2-14"'■ Jso Windjacke Jahre, für ca. 2 Jahre (Jede weitere Größe 75 PL, ab 9 Jahre 1 M mehr) imprägnierter Stoff, für ca. 4-14 Jahre, für ca. 4 Jahre«"»w (Jede weil. Größe 30 PL, ab 9 Jahre S9 PI. mehr) Mädchen-Kleidung 295 Kinderkleid(Biid6) Baum wollschott., lange u. halblange Aermel, Lg. 55-90, Lg. 55 (Jede welicre Größe 40 Pf. mehr) Mäddienkieid o (Bild5), Waschgamt, lg. Aermel Ira CJJ Länge 60-90 cm, Länge 60 cm (Jede weitere Größe Tb PL wehr) Sdiuikleid (Bild 7), reinwollener Stoff, Läi änge 60-S5 cm, Länge 60. (Jede weitere Größe 1,25 mchrj 1250 Wettermantel (Bild 3), gute gezwirnte Stoffe, fescheKaros,Gr.50-105,Gr.5ü (jede weitere Größe 80 PL wehr) S» Bade-Arlikel.-Wische,-Mäntel SS Nr.A7S�»4.?ahrgakg 2. Seilage Ses vorwärts Soktttag, 7. �vguft 1927 Die Verteuerung öer Kleidung. Preiswillkür der Produzettieu.— Wirkungen der Schutzzölle. Die deutsche Textilwirtschast befindet sich im Stadium a u z g e- prägte st er Hochkonjunktur. Der Auftragsbestand der Spinnereien und Webereien reicht bereits bis in das erste Quartal 1928. Der Produktionsmittelapparat wird ständig erweitert: nach dem Bericht des Reparationsagentcn hat sich die Zahl der Spindeln in Deutschland vom 31. Juli 1926 bis 31. Januar 1927 um 426 666 auf etwa 11 Millionen Spindeln, also um fast 4 Proz. der insgesamt arbeitenden, erhöht, und in der soeben abgelaufenen zweiten Hälfte des Baumwolljahres dürste eine noch stärkere Ver- mehrung eingetreten sein. Die Rohstosfzufuhren haben sich gegenüber dem Vorjahre verdoppelt. Die Textilarbciterschaft ist fast voll beschäftigt, seit Juni 1926 ging die Erwerbslosenzahl von 19,4 Proz. auf 3,3 Proz., die Kurzarbeiterzahl von 46 Proz. auf 2,6 Proz. der Verbandsmitglieder zurück. Der Verbrauch ergibt gleichfalls ein günstiges Bild: Die Umsätze des Bekleidung?- einzelhandels im Juni liegen um etwa 36 Proz. über dem Durch- schnittsumsatz des Vorjahres und überschreiten den Umsatz des ersten Halbjahres 192S der Menge nach um etwa 26 Proz. Preissteigerung und Rohstoffmarkt. Seit Anfang de- Jahres ist nun für alle Textilsabrikate eine außergewöhnliche Preissteigerung eingetreten, die von den Produ- zenten vorwiegend mit den erhöhten Roh st offpreisen begrün- det wird. Diese Erklärung erscheint auf den ersten Blick einleuchtend, denn tatsächlich befinden wir uns mitten im Zeichen stark gestiegener " n den letzten Monaten um I l p re i s e sind seit April hat ihren Preistiesstand am Ende des vergangenen Jahres um etwa 56 Proz. auf» bessern können. Bei der B a u m w o l l e, dem wichtigsten Textil- rohstoff. hat die Spekulation die beunruhigenden Momente, die durch die Mississippiüberschwemmungen eintraten, geschickt ausgenutzt. Die Baumwollpreise stiegen von Woche zu Woche. Später erwiesen sich die pessimistischen Berichte als weit übertrieben. Man rechnet jetzt in maßgebenden englischen Handelskreisen immerhin mit einer Ernte von etwa 15 Millionen Ballen. Außerdem sind aus dem Vorjahre noch Reste von 4,7 Millionen Ballen vorhanden. Trotzdem tonnte das von den Haussiers hochgetriebene Niveau aufrechterhalten werden. Saumwollwarenpreise. Die Preise für Baumwollwaren nahmen in Deutschland nun die folgende Entwicklung: von Mitte September bis Mitte Dezember 1926, während der Baumwollpreis infolge der Rekordernte von etwa 87 Pf. auf 55 Pf. für ein englisches Pfund, also fast um 4 6 Proz. siel, wurden die Garnpreise nur um etwa 16 Proz., die G-webepreis« überhaupt nicht zurückgesetzt. Als die Vaumwollpreise jedoch wieder anzogen, folgten die Produzenten bereitwilligst dem Roh st offpreis. Insgesamt ergibt sich die solgende Preis- bewegung: oenn raiialyncy vefinoen wir uns minen im Rohstosfpreise. Der Flachspreis ist in fast 166 Proz. gestiegen. Die W o l l i im Anziehen, die Baumwolle hat Während die Rohbaumwolle heule um 5 Proz. unter dem Preise des Vorjahres liegt, sind die Garnpreise um mehr als 10 Proz., die Gewebepreife im Durchschnitt um mehr als 25 Proz. erhöht worden. Die Steigerung, die, am Preisstand des Rohstoffes gemessen, bei Garnen etwa 15 Proz., bei Geweben 36 Proz. beträgt, ist absolut ungerechtfertigt. Tatsächlich haben sich die Fabrikationsgewinne der Spinnereien und Webereien noch in viel stärkerem Umfange erhöht. als es die angegebenen Prozentzahlen zeigen. In der Baumwoll- inidustri« ist der Rohstoff der weit überwiegende Kostenfattor, die eigentlichen Derarbeitungskosten(Löhne, Betriebsausgaben, Steuern, Anlageamortisation) betragen nur einen Bruchteil des R o h st o f f a n te i l s. Man nennt die Differenz zwischen Garnpreis und Rohbaumwollpreis„S p i n n m a r g e", die Differenz zwischen Garn- und Gewebepreis die„W e b m a r g e". Beide zusammen geben erst einen Anhaltspunkt für die eigentlichen Produktions- gewinne. Die Spinnmarg« ist seit dem Vorjahr um mehr als 7 6 P r o z., die W e b m a r g e um fast 6 6 Proz. gestiegen. Die erster? beträgt heute fast das Dretfache der Vorkriegszeit! Die Auswendungen für Löhne und Gehälter, di« bei den gangbarsten, gröberen Garnsorten etwa die Hälfte der Fabrikationskosten betragen, sind seit der Vorkriegszeit nur um höchsten» 66 Proz. gestiegen. Seit dem Vorjahre sind die Textil- arbeiterlöhne nach schweren Taristämpfen in den einzelnen Bezirken nur um etwa 6 bis 16 Proz. erhöht worden, die Spinn- Marge des Fabrikanten aber um mehr als 76 Proz., also etwa um das Sieben- bisZwölffache. Ferner haben die Spinner in der Zeit des Preistiefstandes im voraus Rohstoffe gekaust. Spekulationsgewinne. Zollschuh und Auslandskonkurrenz. In den fünf Monaten Oktober 1926 bis Februar 1927 mit niedrigen Baumwollkursen sind etwa 2,8 Millionen Doppelzentner- ballen Baumwolle, das sind fast vier Fünftel des ganzen Vorjahres- bedarfs, importiert worden. So haben die Spinner neben den Gewinnen aus der laufenden Produttion noch sehr beträchtliche Preisdisserenzgewinne erzielt. Die außer- ordentliche Steigerung der Preise für Baumwollwaren ist nur durch den hohen Zollschutz ermöglicht worden. Die Garn- und Gewebe- preise der ausländischen Fabrikation liegen bereits beträchtlich unter den deutschen Preisen. Das hochgeschraubte deutsche Preisniveau er- möglicht den englischen, elsässischen und tschechischen Fabritanten, trotz der hohen Zollabgaben zu auskömmlichen Preisen den deutschen Markt beliefern zu können. pceiswillkür überall. Die Preiswillkür beschränkt sich nicht nur auf die Baumwoll- industrie, sondern greift auf alle Textilzweige über. So hat erst vor acht Tagen der führende Tuchfabrikantenver- band seinen Abnehmern in gemeinsamer Aktion eine 1 6- bis löprozentige Preiserhöhung mitgeteilt, nachdem er genau vor dr ei Monaten schon einmal ein« Erhöhung von 5 b i s 8 Proz. vorgenommen hatte. Bei reinen Wollstoffen schießt die Steigerung ganz offenkundig weit über dag Ziel hinaus. Die Wollpreise sind nach der Wollindexzisfer des englischen Wollzentrums Bradford(die Wolle, Kammzüge und Garne umfaßt), in den letzten zwölf Monaten nur um etwa 4 Proz. ge- st i e g e n. Für die Preisstellung der halbwollenen Stoffe und Mischgewebe ist die durchschnittliche Steigerung um 26 Proz. innerhalb der letzten drei Monate genau so wenig berechtigt, da in der Zeit der fallenden Rohmaterialpreise auch keine Preisermäßi- gung vorgenommen wurde. Zu einem Teil wendet sich die Preis- erhöhung gegen die Versuche der Abnehmer, die K a r t e l l w i l l- kür abzuwehren. Die deutsche Tuchkonvention hat nach langen Kämpfen mit den Abnehmerverbänden, die schließlich vor dem Kartellgericht beigelegt wurden, diesen einige geringe Vergünstigungen einräumen müssen. Sie q u i t t i e- ren diese Schlappe mit einer viel ausgiebigeren Preis- erhöhung. Ihre Politik wird gleichfalls zum großen Teil durch die hohen S t o f f z ö l l e erst ermöglicht. Die Wirkung auf die öekleiöung. Die hohen Preisforderungen der Lieseranten haben in der Be- kleidung noch nicht gewirkt. Das Bekleidungsgewerbe konnte seinen Bedarf noch zu relativ niedrigen Preisen eindecken. Vor der dies- jährigen Reisezeit lagen so die Preise für tonfektio- nierte Ware nur wenig über denen des Vorjahres. Seitdem sind sie von Woche zu Woche gestiegen und lagen Ende Juli schon mit 16 Proz., für Berufskleidung sogar mit mehr als 16 Proz. über dem Vorjahrsnioeau. Die neuen Preislisten der Fabrikanten müssen noch eine weitere Verteuerung der Beklei- dungsartikel nach sich ziehen. Der jetzige Preisauftrieb hemmt nicht nur den Export(im Juni dieses Jahres ging die Textilausfuhr um 26 Millionen zurück), son- der» muß auch schließlich zu Absatzschwierigkeiten auf dem Binnenmarkt führen, da die Kaufkraft der Bevölkerung mit solchen Preiserhöhungen nicht Schritt halten kann. Der gehobene Inlandskonsum der letzten Monate ist nicht, wie es jüngst der Vorsitzende der Fachgruppe der Textilindustrie darstellte,„e i n Luxus, den das verarmte Deutschland sich auf di« Dauer nicht leisten kann�, sondern vielmehr überhaupt erst die Grundlage für eine Gesundung der deutschen Textilwirt- s ch a f t und eine vollere Ausnutzung ihrer produktiven Kräfte. Die jetzige Zoll-, Preis- und Lohnpolitik der Produzenten tut jedoch das ihrige dazu, um der Textilkonjunktur die gesunde Grundlage zu rauben und, Tagesgcwinnen zuliebe, die gesamte deutsche Kon- junkturcntwicklung zu gefährden. Großhandelspreise. Leichter Rückgang der Lebensmittelpreise. Der reichsamtliche Index der Großhandelspreise weist am 3. August gegenüber der Vorwoche«inen Rückgang um 6,6 Proz., nämlich von 138 auf 137,2, auf. Diese Bewegung wurde bestimmt durch die Ermäßigung der Nahrung?- und Futter- m i t t e l p r e i s« um 3,1 bzw. 2,3 Proz. Industriewaren, und zwar sowohl Rohstoffe wie Fertigfabrikate, zeigen kein« Veränderung. Weiter langsame Belebung am flrbeitsmarkt In Berlin sind 7800 Erwerbslose weniger als vor einer Woche. Die Besserung auf dem Berliner Arbeitsmarkt schreitet in ziemlich gleichmäßigem Tempo fort. In der letzten Woche ist ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit von rund 7866 Personen zu verzeichnen, so daß die Zahl der gegen- wärtig Arbeitsuchenden 16 8 4 6 8 beträgt. Im allgemeinen hat sich gegen die Vorwoche die Nachfrage gesteigert, was ganz besonders für die Landwirtschaft in Erscheinung tritt, da diese für die einzubringende Ernte einen bedeutenden Kräftebedarf hat. Hier- bei ist es auch möglich, großstädtische Arbeitskräste vorübergehend unterzubringen. Eine Entlastung des weiblichen Arbeitsmarktes brachte auch die verstärkte Inangriffnahme von Aufforstungs- arbeiten. Die Besserung des Slrbeitsmarktes in der Metall- i n d u st r i e macht im allgemeinen weitere Fortschritte, was be- sonders auf eine fortschreitende Belebung im Werkzeug-, Groß- Maschinen-, Autobau und in der Elektroindustrie zurückzuführen ist. Auch das Bekleidungsgewerbe zeigt mit fortschreitender Saison erhöhte Ausnahmefähigkeit. Die gebesserten Vermtttlungs- ergebnisse für Handels- und Vureauangestellte dürften mit im Be- darf für Urlaubsvertretungen begründet fein. Von der allgemeinen Belebung der Beschäftigungsverhältnisse haben nunmehr auch die ungelernten Arbeiter Vorteil, da der Kräftebedarf nament- lich im Baugewerbe und in der Metallindustrie ja nicht auf Fach- arbeiter beschränkt bleibt. Es waren 16S40S Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 175 211 der Vorwoche. Darunter befanden sich 113312 (117 238) männliche und 56 696(57 973) weibliche Personen. Er- werbslosenunterstützung bezogen 51 687(53 541) männliche und 24 898(26 916) weibliche, insgesamt 76585(86457) Personen. Außerdem wurden noch 27 632(27 295) Personen durch die Erwerbs- l o s e n h i l f e der Stadtgemeinde Berlin und 27 418(28 496) Per- fönen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei N o t st a n d s- arbeiten wurden 4584(4625) Personen beschäftigt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in der M e t a l l I n d u st r i e von Spezialisten im Großmaschinen-, Werkzeugmaschinen- und Auto- bau ist unverändert groß, so daß die offenen Stellen nicht immer mit den gewünschten Kräften besetzt werden können. Auch die Elektro- industrie hat weiter starten Bedarf an Spezialarbeitern und -arbeiterinnen. Infolgedessen macht sich bereits eine ziemlich starke Fluktuation bemerkbar. Gut aufnahmefähig zeigten sich auch die Eisengießereien, während die Gelbmetallindustrie, beson- ders in den Berufen der Gürtler und Drücker, nur wenig Belebung erkennen läßt. Die Edelmetallindustrie weist recht un- günstige Veschäftigungsoerhältnisse auf, die erfahrungsgemäß um diese Jahreszeit immer wiederkehren. Bei den Kupferschmieden steht den gemeldeten offenen Stellen ein ebenso großer Kräftezugang gegenüber. Der Beschäftigungsgrad im Rohrlegergewerbe gestaltet sich weiter günstig, besonders in der Heizungsbranche. Im allgemeinen ist eine weitere Senkung der Arbeitslosenziffer von ungefähr 966 Personen eingetreten. Schwankungen öer Schweinepreise. Eine unzulängliche halbamtliche Untersuchung. Das„Institut für Konjunkturforschung" veröffentlicht soeben eine Arbeit von A. Hanau über„Die Prognose der S ch w e i n e p r e i s e". Bei der großen Bedeutung der Schweine- zucht für die V a u e r n p o l i t i k hätte man von einer solchen Untersuchung unter Heranziehung der Vorkriegserfahrungen mancherlei erwarten können. Tatsächlich bringt die Arbeit nichts wesentlich Neues zu dem, was man bereits weiß: Sind die Preise für Schweinesutter günstig, sind vor allem Kartoffeln, Gerste und Mais billig, so verstärken die Landwirte die Zucht und Mast von Schweinen. Das zeigt sich bei der Viehzählung am deutlichsten in der Bewegung des Anteils der jungen Tiere und der Zuchtsauen am Schweinebestand. Steigen jedoch die Futter- preise infolge ungünstigen Ernteausfalls, so wird die Mast unrentabel, die Zucht eingeschränkt, und die Zahl der zur Mast aufgestellten Schweine nimmt ab. Gleichzeitig aber kommen die in der günstigen Zeit aufgestellten Mastschweine überstürzt zum Verkauf, und die Schweinepreise sinken. Die zeitweilige Ueberproduktion ist ein typisches Merkmal der M a r k t w i r t- s ch a f t, der freien Konkurrenz, und ebenso typisch ist die Krise» die sich aus ihr ergibt. Diese Zusammenhänge sind längst bekannt. Auf ihnen versucht die Arbeit von Hanau eine Voraussage der Schweinepreise für die nächste Zukunft aufzubauen. Vergleiche ergeben, daß die Preife in Wirklichkeit neuerdings g ü n st i g e r waren, als sie nach der Berechnung hätten sein dürfen. Doch findet sich nirgends ein Ver- such, diese auffallende Tatsache zu erklären. Dabei ist das nicht schwer. Tatsächlich ist die Nachfrage des Konsums von größerer Bedeutung, als Hanau annimmt. Der Rückgang der Arbeitslosig- keit hat die Zahl derer, denen das Schweinefleisch erschwinglich ist, um Millionen vermehrt. Diese Verbreiterung des Mark- Haus Bergmann Zigarettenfabrik A-e Dresden EREIGNIS AUF DEM ZIGARETTEN MARKT Im Streben nach höchster Vollendung unserer Marken ist es uns gelungen, die volkstümliche Edelzigarette zu schaffen. In neuem, verstärktem Format, in überragender Qualität und künstlerischer Ausstattung erfüllt BERGMANN- EXTRA 44 bei niedrigem Preis die höchsten Ansprüche des Rauchers. t e s. hat das Ueberangebvi vvn Schweinen an den städtischen Märkten ausgeglichen, so daß die Preise nicht aus den nach der„Prognose" zu erwartenden Tiefstand sielen. Die Schweine- krise von 1927 ist infolge der Besserung der industriellen Konjunktur nicht so schwer geworden, wie man hätte annehmen sollen. Hier bestätigt sich das bekannte Wort Aereboes:„Hat der Industriearbeiter Geld, so hat's die ganze Welt. Abgesehen von diesem Mangel weist die Erhebung noch einen anderen entscheidenden Fehler auf. Bei der Berechnung der Rentabilität der Mast werden nur die Preise von Gerste und Kartoffeln herangezogen. Der Mais, der in diesem Jahr wegen seines billigeren Preises in besonders großem Umsange als Schweinesutter verwandt wird, bleibt unberücksichtigt. Damit wird ein Rentabilitätsfaktor ausgeschaltet, der in diesem Jahr das Er- gebnis der Schweinemast günstig beeinflußt hat. Dieser Mangel wiegt um so schwerer, als ja gerade die W a h l zwischen Gerste und Mais je nach ihrer Preislage die Schwankungen der Rentabilität ausgleichen Hilst. Ueberhaupt zeichnet sich auch diese Untersuchung, wie alle Arbeiten des„Instituts für Konjunkturforschung" durch einen rechnerisch- st ati st ischen Schematismus aus, der diesmal übersieht, daß im Laufe der Jahre und Jahrzehnte grundlegende Wandlungen in der deutschen Schweinewirtschaft vor sich gegangen sind. Besonders unzulänglich ist die Behandlung der Schweinewirt- schaft in ihrem Bcrhnltnis zur Rindviehwirtschast und damit zur gesamten deutschen F l e i s ch v e r s o r g u n g. Die Fleischzufuhr aus der Rindviehwirtschaft nimmt ständig ab, je mehr die letztere sich aus Milchwirtschaft umstellt. Das hat natürlich die deutschen S chw e i n e p r e i s e in die Höhe gedrängt. Diese Entwicklung war bereits vor dem Kriege zu beobachten: schon damals mußte das Schwein allein den Mehrbedarf an Fleisch liefern, den der Verbrauch hatte. Die Tendenz zur Preis steige- r u n g, die schon vor dem Kriege charakteristisch war, ist zweifellos auch für die Gegenwart wieder im wesentlichen aus gleichen Gründen eingetreten, wenngleich der zahlenmäßige Beweis wegen der Kürze des Zeitraums noch nicht möglich ist. Wie kann man den Schweinepreis stabilisie- ren? Die Schwankungen, die heute eintreten, sind solange un- vermeidbar, als kein Eingriff in die Schwankungen des Verhältnisses von Schweinepreis zu Futterpreisen erfolgt und als die deutsche Produktion bei ihrem Absatz aus das Inland beschränkt bleibt. Dann beschränkt sich nämlich jede Ueberfüllung der Märkte auf ein eng begrenztes Vcrbrauchsgcbiet, das nur bei erheblichen Preisnachlässen zu größerem Konsum in der Lage ist. Die erste Forderung ist demnach, daß die unsinnigen Fut- tergetrcidezölle zum allermindesten bei schlechter Rentabilität für die Schweinewirtschaft vorübergehend aufgehoben, die Produktionsbedingungen erleichtert werden. Die zweite Forderung muß dahin lauten, daß systematisch ein Veredelungsver- kehr mit Schweinen ermöglicht wird. Schwcincausfuhr gegen zollfreie Einfuhr der zur Zucht und Mast benötigten Futtermittel könnten der jetzt ain Weltmarkt konkurrenzunfähigen deutschen Schweinezucht eine breitere Basis geben, als es der deutsche Inlands- markt allein ist. Am besten wäre sowohl der zollfreie Futtermittel- einkauf wie der neue Export durch Genossenschaften zu organisieren. Roch wirkungsvoller wäre natürlich die gänzliche Beseitigung der Futtergetreidezölle. Wie sich in der Zukunft der Schweinepreis gestalten wird, das versucht der Bericht des Instituts für Konjunkturforschung dahin zu beantworten, die Preise würden b i s zum Oktober leicht a n- st e i g e n und dann wieder absinken. Wir möchten dagegen annehmen, daß infolge der veränderten Zollverhältnisse, die der Bericht überhaupt noch nicht untersucht, auch im Oktober und den folgenden Monaten eher Preissteigerungen als-senkungen zu erwarten sind— es sei denn, daß der Ausbruch einer neuen Wirtschaftskrise eine erneute Verringerung der Kaufkraft der städtischen Verbraucher bringt und zu einem Rückschlag auch bei den Schweincpreisen führt. - Schlesiens Großhandel rührt sich. Der Reichsverbaird des Deut- scheu Groß- und Uberseehandels hat an die Reichs- und Staats- rcgierung ein Schreiben gerichtet, in dem er um Hilfe für die schlesischen Großhandelsbetriebe bittet.„Der Hälfte des natürlichen Absatzgebietes beraubt, von den früheren Bezugsgebieten abge- schnitten, in ihrem natürlichen Absatzgebiet eingeengt, ist die Wirt- schaft der Provinz Niederschlesien durch die Wirkungen des Ber- sailler Vertrages in ihrer Grund struktur schicksalsschwer g e t r o f f e n", so heißt es in der Einleitung zu diesem Bittschreiben. Aehnlich wie die anderen Wirtschaftsverbände Schlesiens verlangt nian insbesondere Erleichterungen auf dem Gebiete des Ver- kehrswesens und der Siedlung. Ferner aber verlangt der Großhandel„nicht zu kurzfristige" Kredite und Regierungsaufträge. Wir können diesen Subocntionsmaßnahmen keine entscheidende Be- deutunq beimessen. Um so bedeutsamer aber ist es, daß die schlcsi- schcn Handelskreise mit erneutem Nachdruck eine Klärung der H a n d e l s v e r h ä l t n i s s e mit den Grenzländern Schlesiens wünschen. Der Kundige hört daraus den deutlichen Hinweis auf den noch immer bestehenden Zollkrieg mit Polen, der tatsächlich bald durch einen Handelsvertrag abgestellt werden müßte. Daß der Ver- trag noch immer nicht zustande kam. daran trägt allerdings der Großhandel zu einem guten Teil selbst die Schuld, da er die auf dem Gebiet« der Handelspolitik so aktionsunfähige Rechts block- rcgierung durch seine politischen Vertreter unterstützt. So sehr man also im Interesse des Großhandels wie auch in dem aller anderen Bevölkerungskreise erwarten möchte, daß zwischen Deutschland und Polen bald eine Entspannung erfolgt, so wird eine nach- drllckliche Förderung des deutschen Außenhandels doch nur dann zu erwarten sein, wenn die Vertreter der Wirtschaft aus hören. die Hoch schutzzollpolitiker zu unterstützen und dies nicht nur in Re'olutionen zum Ausdruck bringen. Diskontherabsehung in Amerika. Die amerikanischen Bundesreservebanken haben ihren Diskontsatz von 4 ans 3Vt P r o z. herabgesetzt. Die Maßnahme ist ein« Folge des starken Ueberflusies an anlagesuchendem Kappital, der sich jetzt am amerikanischen Markt« zeigt. Waren doch die privaten Diskontsätze schon vorher erheblich weiter heruntergegangen. Für die deutsche Industrie ist die Erleichterung am amerikanischen Geld- und Kapitalmarkt von ganz besonderem Interesse. Nach dem An- ziehen der Zinssätze in Deutschland ist die Beschaffung von Anleihen mir im Ausland möglich. Der englische Geldmarkt jedoch zeigt b«- rects eine gewisse Schwäche. Jedenfalls hat man sich gegenüber den Anleiheansprüchen der Gemeinden neuerdings ziemlich ab- lehnend verhalten. Die Senkung der Zinsrate in den V«reinigten Staaten eröffnet nur den deutschen Kreditsuchern die Aussicht, dort in verstärktem Maße Anleihen und wahrscheinlich auch zu g ü n- st igen B«dingungen aufnehmen zu können. Es muß aller- dings bedacht werden, daß auch Amerika gewöhnlich im Zeichen der Ernte einen stärkeren«igen«n Kreditbedarf zu zeigen pflegt. Man scheint ihn jedoch nicht mehr zu fürchten, sonst hätte man nicht gcrad« jetzt die Diskontrate ermäßigt, die nahezu ein volles Jahr unverändert 4 Proz. betragen hatte. MWänüe in üer In Berlin- Rummelsburg, unweit der Korrektionsanstalt, befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Anilinfabrik die K u n st s e i d e f a b r i k„A c e t a" G. m. b. H. Diese Fabrik wurde Ende 1926 in Gang gesetzt. In diejer kurzem Zeit haben sich Zu- stände herausgebildet, die für frei« Arbeiter als menschenun- würdig bezeichnet werden müssen. Die bestehende Werk- Polizei, verbunden mit einem raffiniert arbeitenden Spitzel- s y st e m, beobachten jeden Arbeiter, von dem man weiß, daß er freigewerkschaftlich organisiert ist. Bei dem geringsten Vergehen erfolgt Verwarnung mit anschließender Entlassung jür den„erwischten Missetäter". Ein Beispiel von vielen: Ein junger Arbeiter, der von der Küche des Werkes sein Essen bezog, bat. da er noch nicht satt war. um eine zweite Portion. Vom Essenausgeber wurde ihm bedeutet, daß er diese bekommen könne, wenn etwas übrig bleibt. Nach Schluß der Mittags- pause wurde dem 19jährigen Arbeiter mitgeteilt, daß noch Essen für ihn ba sei. Er ging also nochmals zum Essen und rvar zirka 7 Minuten seiner Arbeit entzogen. Kaum hatte er den letzten Bissen zum Munde geführt, als ein W e r k p o l i z i st erschien. Bon diesem wurde der Sünder der Direktion gemeldet. Neben dem tariflichen Stundenlohn von 61 Pf. erhielt der Arbeiter bis dahin, weil er tüchtig war.«ine Extrazulage von 8 Pf. pro Stunde. Für die gerine« Versäumnis wurde ihm nun diese Sonderzulage entzogen, weil er deren„nicht würdig sei." Der Arbeiterrat wird dort nur als ein unvermeidliches Uebel betrachtet. Wehe dem Arbeiter oder der Arbeiterin, die es wagen, dem Meister zu melden, daß sie zum Betriebsrat wollen. Kommt aber doch einmal«ine Beschwerde und der Borsitzende des Arbciierrats will sich von der Richtigkeit der Beschwerde in der be- treffenden Abteilung überzeugen, dann muß er sich erst bei dem zuständigen Meister melden. Mehrere Spitzel sind auch gleich zur Stelle, so daß die Beschwerdeführenden in der Abteilung gar nicht in der Lage sind, sich mch dem Betriebsrat zu verständigen. Ein besonders„tüchtiger Meister" hat es sogar fertig gebracht. als diese Abteilung von der Gewerbeaufsichtsbehörd« inspiziert wurde, den Betriebsrat zu ersuchen, mit dem Gcwerberat den Raum zu verlasien... v Gearbeitet wird unter dem P r a m i e n s y st e m. Die von der Betriebsleitung einseitig festgesetzte Mindestleistung wird trotz ange- strengter Arb«t nicht erreicht und werden deshalb Berwarnun- ge n g l e i ch serienweise herausgegeben. Der Wortlaut dieser Verwarnung Ist gleichlautend und zwar: „Sie wurden in der letzten Zeit vom Meister bzw. Meisterin wiederholt wegen ungenügend geleisteter Arbeit verwarnt. Wir teilen Ihnen hierdurch mit. daß wir das Arbeitsverbält- nis mit Ihnen lösen werden, falls Sie nicht die von der Be- triebsleitung festgelegte Mindestleistung er- reichen."„.. Da die Mindestleistung von vielen Arbeiterinnen beim besten Willen nicht erreicht werden kann, erfolgt natürlich einige Tage später die Entlassung. Reu eingestellte Arbeiterinnen werden bis aufs äußerste angespannt, hin und wieder ist doch eine dabei, die die Mindestleistung erreicht. t a Die Arbeiterinnen und Arbeiter der„Aceta" G.m.b.H. allein sind machtlos, sich gegen alle diese Schikanen zu wehren. Rur dann, wenn alle dort Beschäftigten sich ihrer Organisation anschließen, wird es möolich sein, auch in diesem Betriebe Zustände zu schassen, die eines freien Arbeiters würdig sind. Lohnbewegung in öer Herren- unb Knabenkonfektion. Bei den letzten Lohnabkommen zum Reich-tarifocrtrag für die Herren-'und Knabenkonfektion ist gegen den Willen der Arbeitnehmerverbände der Ablauftermin später festgesetzt wor- den, als die Zlrbeitnehmer vorschlugen. In der Zwischenzeit sind nun die Lebenshaltungskosten weiter gestiegen. Die Löhne für die Herrenkonfektion, standen aber schon bei Abschluß des letzten Lohn- abkoimnens gegenüber den Lohnen anderer vergleichbarer Branchen stark zurück. Die Arbeitnehmerverbände haben daher a n denArbeitgeberverband ein Schreiben gerichtet, worin eine Erhöhung der Löhne spätestens vom 1. Sep- tember ab gefordert wird. Sollte der Arbeitgeberoerband, so heißt es in dem Schreiben, wider Erwcrrten nicht geneigt sein, dem Vorschlag auf früheren Eintritt einer entsprechenden Lohnerhöhung statlzu geben, und darauf bestehen, daß die jetzigen Lahne bis zum 39. September in Geltung bleiben, dann könne der Verband keine Gewähr für eine restlose Durchführung der Vertragstreue über- nehmen._ Schwindel aus Prinzip. Ein abendlicher Ableger des Moskauer Organs in Verlin leistet sich am Sonnabendabend diesen unverschämten Schwindel: „Ueber die bzvorstehende Hinrichtung der beiden Arbeiter Sacco und Vanzetti wurde(Auf dem Internationalen Gewerk- schaftskongreß. Red. d.„V".) so gut wie nichts gesprochen. Der Kongreß beschloß nur eine platonische Erllärung, die den beiden gewiß nichts nützen kann. Der ,, Vorwärts" bringt davon ebenso wenig wie über Oudegeests Rück- tritt." Man kann in diesem Falle den Schwindel auf der Stelle nach- weisen: gegeben. Ihr folgt fast haux zugunsten von Sacco und Vanzetti. Jouhaur „appellierte an den Kongreß, alle Mittel in Bewegung zu setzen, um die Arbeiterschaft der ganzen Welt gegen dieses Attentat zum Pro- t e st aufzurufen". Das steht im„Vorwärts" halbfett gedruckt, so, daß es auch in der Redaktion dieses Abendblattes ohne Brille zu lesen war. In der Sonnabend-Moroenausgabe des„Vorwärts" wurde be- richtet, daß die Leitung des Internationalen Gewerkschaftskongresses am Freitag abend die amerikanische Botschaft in Paris gebeten hat, am Sonnabend eine Abordnung des Kongresses zu empfangen. Ferner, daß I o u h a u x und Saffenbach als die Ver- tretcr des Kongresses bestimmt wurden. Am Sonnabend nachmittag berichteten wir, daß die ameri- konische Botschaft in Paris sich bereit erklärt hat, die mit d«r Uebermittlung des Protestes gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti beaustragten Genossen zu empfangen. Für die ommunistischen Literaten gilt das Wort des alten Sigl in seiner kernhaften Sprache:«Sie lügen wie die Teufel und schwindeln aus Prinzip!"_ Der polnischeat.e. Eigene Reparaturwerkstatt. W. Vlchnceberg, Reichenbcrgcrstraße 78. hi«» Mr Haushalt und Gewerbe, erste Fabrikate, Pfasf, Phönix, Adler, auch in 24 Monatsraten. lothringerstraße 80. �Bcklfidunijsstüche, Wasche usw Wenig getragene Frackanzüge. Smo- lniganzüge. Gchrockanziige. Iacksttan. z.ige. Gabardincmäntcl, Gummimäntel, Eutaway-AnzÜge Taillenmäntel, fllr Tie Figur paffend. Spezialität: Bauch. gnzllge, spottbillig. Holpern. Rosen. '.lalersiraße 4, erste Etage.' Bcrlrjh pon I, aftsanzllgcn. 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Llnieuskr. 85/86 Vettlebsräteversammlung der haupfgruppc IV (Mclallverarbettung). Tagesordnung: 1. ,Arb«It«zeii arsetz und Tarile". Reserenl: stollege lisch II. 2. D!«ruiston. 3. Verband»- angelegenhetien und Verschiedenem Spielplan unserer aulkurabtelluug i Zu der«och« vom 8. b>» 14. August: 1. Sorrido(Uta). i. Der Mensch und sein« gähn«(Sil ärztlichem Vortrag). Zu der«och,»o» 15. di» 21. August: 1. wallenstein(1. Teil). 2 Idealveniil. 8. Aste guten Deister. Zu der«och« vorn 22. bis 28. August: L Wallenstein<2. Teil). 2 Liebeszauber. 8 Durchzug iormmaschin« mit hydram lischer Pressung. Zu der«och»»om 2». August dt» 4. September: 1. Amundien« Nordpoi-Expedillot». 2 Do» ffallboot. 8 Snobby aus der Bummelreis». Die Orlsoermolluug. Henenavzugsloffe Vieler 8«.>.»0. ,.7, SosküM' o. NtMlelsloffe dorne ZNustrr, 130 cm vre»•. Meter 3JI JJOpdinß 130 cn breit, bitte ffaiden Mir. Schollen- u. Sordllrevsloffe�d' Qualität, mod. garv,>30«o breit. 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Jahre, regte sich in ihm immer mäch- tiger jenes visionäre Schauen, das zu der damals herrschenden impressionistischen Kunst in so seltsamem Gegensatz stand. Zuerst kam diese Eigenart in seiner Graphik zum Ausdruck, in jenen merk- würdigen Radierungen. Lithographien und Holzschnitten, die aus den Tiefen des Unbewußten heraufzudämmern scheinen. Dann wandte er sich der farbigen Erfassung der Umwelt zu, ebenfalls in einem ganz unwirklichen, gesteigerten Sinne. So entstanden seine wundervollen Blumenstilleben, die von einer seltenen Leuchtkraft und Beseelung des Pflanzlichen sind, jene Stilleben, die er selbst bescheiden als„Fingerübungen" bezeichnet hat. In zwölsjähriger harter Arbeit schuf er sich die Ausdrucksmittel für seine religiösen Bilder, die den Höhepunkt seines Schaffens bilden. Es sind Schöpfungen, geboren aus den Urgründsn des religiösen Gefühls. Der Germane, in dem noch das Heidentum ferner Vorväter lebt, fühlte sich merkwürdig bestätigt durch die Borftellungen, die er bei den Kindern der Südsee fand. Die Gemälde Noldes, die in den großen Kompositionen der Passion, dem Triptychon der heiligen Maria von Aegypten, in dem„Einzug Ehristi in Jerusalem" und der„Grablegung" gipfeln, sind Hauptwerke der modernen religiösen Malerei und der Maltunst überholest, die dos dunkle gärende, inbrünstig zu Licht und Schönheit ringende Wesen unserer Zeit offenbaren. Dr. F. S. vie Servieae. Don Franz Molnor. Man«r�rlstt sich jetzt in Budapest allenthalben einen Witz von einem Me;4chen. der in den Speisesoal des Hotels Ritz nachtmahlen ging ux.o sich die Serviette nach alter bürgerlicher Sitte um den Hals band. Der Kellner trat, so lautet der Witz, zu diesem Mann und sprach zu ihm: „Bitte, hier wird nicht rasiert." So weit der Witz. Möglich, daß die Geschichte wahr ist, möglich, daß sie«ine jener Geschichten ist. aus die man zu sagen pflegt: den trovato. Wo immer ich sie hörte, überall unterhielt man sich köstlich darüber, und ine Menschen lachten solcherart indirekt den Einsaltspinsei aus, der sich die Serviette um den Hals band, und sie se.erten stumm den Kellner mit der raschen Auffassungsgabe und scharfen Zunge, der jepen so herrlich abgetrumpft hat. Mir kam von dieser Anekdote jener leibhastige Kult in den Sinn, den die Menschen hier in Budapest vor einigen Jahren mit jenem Verbot zu treiben begannen, daß man den Fisch nicht mit dem Messer essen darf. Diese Frage war nie und nirgends in der Welt der Stoff von Anstandsdebatten, nur bei uns in Budapest. Irgend jemand warf damals dies« Frage aus und dann ritt man jahrelang aus diesem Thema herum und man konnte allerorten Aus- spräche hären, wie:„Dieser Mensch ißt doch den Fisch mit einem Messer"— oder:„Na hören Sie, das ist gerade so, als wenn jemand den Fisch mit einem Messer essen würde,"— es wird gewiß noch Leute geben, die sich an diese Kampagne erinnern, die so lange währte, bis es sich herausstellte, daß man den Fisch tatsächlich mit einem Messer essen muß, oder mit einem silbernen Messer. Ich gehe sogar noch weiter: sie währte so lange, bis es sich herausstellte, daß man den Fisch auch mit einem ganz gewöhnlichen Stahlmesser esien datfr�fim diese ganze Frage hat mit Anstand, Mit Manier oder guter Erziehung nicht dos geringste gemein. Jene Budap�ster Anstandsprivatdozenten, die jetzt über die um den Hals gebundene Serviette so überlegen lachen und die eine höhnische Hetzjagd gegen jene armen Beamten eröffneten, die beim Bankett des Herrn Chefs mit einem Messer an den Fisch zu rühren wagten, wußten nicht, In welchem Verhältnis der Fisch zu dem Messer steht. Der Fisch steht mit dem Messer in einem solchen Verhältnis, daß er es schwarz macht, besonders dann, wenn es ein Seefisch ist, da» Messer aber ein Stahlmesser. Dos Meerwasser enthält, wie wir wissen, außer Salz noch viele ander« ätzende Bestandteile, die das Eisen angreifen, und die Fische, die in diesen ätzenden Bestandtei'en leben und die außerdem phosphorhältige Zusammensetzungen besitzen, greifen nun — wenn sie aus dem Teller mit der glänzenden Stahlklinge zu- sammentreffen— diese an und ätzen sie schwarz. Die Engländer und Franzosen, von welchen der Budapester Schmock essen gelernt hat und bei welchen der Beqrisf„Fisch" fast gleichbedeutend mit dem Begriss eines Seefisches ist, essen also den Fisch nicht mit einem Stohlmesser, sondern sie nehmen, wenn er nicht so zubereitet ist. daß er weich ist, ein Silbermesser zu Hilfe, denn das Silbermesser greift der Fisch nicht an. Es ist also nichts natürlicher, als daß der Budapester Schmock aus dieser chemischen Frage eine Anstandssrage machte und jene auslachte, die einen guten Donau, oder Plattensee- sisch mit einem Messer aßen, aber dieser selbe Budapester Schmock schälte den Apfel mit einem Stahlmesser, wo doch auch der Sast des Apfels auf dem Messer häßlich« schwarze Flecken zurückläßt, und dieser selbe Budapester Schmock legte die Silbergabel und den Silberlösfel in den Salat, wo doch sicher ist, daß der Salat diese angreist, ja die mit Kupfer gemengten„silbernen" Eßbestecke sogar vergiftet. Einerlei, es war Mode zu lachen und auch jetzt ist es Mode, jenen zu bemitleiden, der den aus dem Rost rösch gebratenen Fogasch mit einem Messer anzurühren wagt, nachdem er aus demselben eine halbe Stunde vergebens mit der Gabel herumgestochert hat. Die Anstandsprosessoren terrorisieren aber mit noch einigen solchen mißverstandenen Regeln den Mittelstand. Wer zum Frack keine ties ausgeschnittenen dünnen Lackschuhe anzieht, ist ein Kabs- kutscher. Dos ist so. als wenn er den Fisch mit dem Messer essen und sich die Serviette um den Hals binden würde. Und der arme, verängstigte befrackte Mann des Mittelstandes geht in der kalten Winternocht von der Abendunterhaltung oder vom Ball in solchen Schuhen zu Fuß nach Hause und zieht sich ganz bestimmt einen Schnupfen oder eine Lugenentzündung zu. Der Anstondsschmock weiß nämlich nicht, daß diese Tracht jene sehr sehr großen englischen Herren erfunden haben, die von dem Augenblick an, wo sie im Frack durch das Tor treten, keinen Schritt zu Fuß machen, nur vom Tor zu ihrem Wagen und vom Wagen zum Tor Der Budapester Schmock weiß nicht, daß hier bei uns von hundert befrackten Menschen achtzig zu Fuß in der Winternacht nach Hause gehen, sie also be- stimmt eine Dummheit begehen, wenn sie sich dem Anstand zulieb Halbschuhe anziehen. Er weiß nur, daß der englische Gentleman solche trägt, folglich müssen auch auf den Füßen des Ungarn, wenn er einen Frack anzieht, solche sein. Es erfaßt einen langsam irgendeine demokratische Wut, wenn man sieht, wie gut sich die Leute über den Mann im Hotel Ritz unterhalten. Ein naiveres, geduldigeres Publikum von kindlichcrem Gemüt, als unser Budapest« Publikum, gibt es schon wirklich nirgends auf der Welt. Das ist das einzige Publikum, mit welchem man sich sogar das erlauben kann, daß man ihm für fein teures Geld vom Kellner Unterricht erteilen läßt, wie man zu essen hat. Und es ist jenes Publikum, das verdient, daß sich ihm in Fragen des öffentlichen Anstondes Pofeure auf den Nacken setzen, denn es ist jenes Publikum, das nicht den sittlichen Mut aufbringt so zu leben, wie es Gott erschaffen hat, nach den natürlichen und gesellschaft- liehen Verhältnissen dieses Landes, dieses Volkes und dieser Stadt, nach seinem Geschmack, seinem Gelde und seinem nüchternen gesunden Anstandswissen. Bei den Haltestellen der Elektrischen drängen und stoßen sie einander, wie die Passagiere des sinkenden Schisses bei den Rettungsbooten, im Kosseehaus werfen sich Fremde solche Blicke zu, wie vorgeschobene Vorposten aus dem Schlachtfelde, in den Gast- Häusern reden sie so laut, wie gut« Dolksredner, fünfzig Bäcker können in einer Woche nicht soviel Kipfel erzeugen, wie viele an einem schönen Sommerabcnd in der Au abgeleugnet werden, die Frauen werden auf der Straße angesprochen, in der Elektrischen liest man in der Zeitung des Nachbars, aber sie schämen sich schrecklich, wenn sie den. Huhntnochen. zufSlllg sn chi«' Hand genommen haben und sie unterhalten sich kösttich, weil sich ein aufrichtiger, einfacher und ehrlicher Ungar im Hotel Ritz die Serviette um den Hals gebunden hat. Es erfaßt einen eine gewisse demokratische Wut, wenn man daran denkt, daß das starke und natürliche Volk mit seiner sagen- hasten Ungezogenheit so stolz und mit ein kr solch unerbittlichen De« harrlichkeit durch die Welt reist, als ob das eine nationale Eine richtung wäre, und daß diesem Volke selbst der ritzeste Kellner, selbst im wirklichen, im Londoner Hotel Ritz nachsieht, daß es überallhin- die Füße hinauflegt, wohin es nicht gestaltet ist, und demgegenüber will uns eine Emporkömmlingsanstandslehre unterrichten, wo es doch sicher ist. daß nicht der Emporkömmling den Anstand bestimmt, sondern das Leben. Di« Füße auf die Sessel hinaufzugeben ist en, englisches nationales Rechl, der Franzose hat ein Recht darüber zu lachen, aber in London lacht niemand darüber Und die Serviette sich um den Hals zu binden, was übrigens als Anblick lieb, unier- haltlich, familiär, rein, jovial, vernünftig ist und keinerlei feineres Gefühl eines nüchternen Menschen beleidigt, ist ein ungarischer nationaler, oder wenn es?o beliebt: ein altmodischer Budapeste� bürgerlicher Gebrauch, den Ritz erlernen soll, wenn er ihn noch nicht gekannt hat, und er halte es für seine Pflicht und Schuldigkeit, sich an ihn zu gewöhnen, ja ihn sogar zu respektieren. Das Buda- pester Publikum wäre verrückt, wenn es sich in solchen Angelegen- Helten von seinen eigenen Schmökern terrorisieren ließe. Aber laßt sich diese» nur das Budapester Publikum gefallen?- x (Autorisierte Uebersetzung aus dem Ungarischen von Maurus Mezch.) Das Geheimnis öes Rheumatismus. Die rheumatischen Leiden sind so unendlich verbreitet und doch noch so wenig erforscht. Man hat augenscheinlich bisher die Gefähr- lichkeit dieser Erkrankungen unterschätzt. Das betont der oberste Medizinalbeamte des englischen Gesundheitswin.steriums Sir George Newman in einem ofsiziellen Berich! über„den Rheumatismus bei Kindern in seinem Zusammenhang mit Herzkrankheiten". Er nennt den Rheumatismus„eins der heimtückischsten und gefährlichsten aller großen Krankheiten" und fordert Gelehrte und Aerzte dringend aur. die bisher unbekannten Ursachen des Rheumatismus zu entdecken und sein„Geheimnis" zu enthüllen. Newman hebt die Tatsache hervor, daß die Herzkrankheiten in beständiger Zunahme begriffen sind und das voll« 40 Proz. van denen, die in England sterben, an Herzleiden zugrunde gehen, die irgendwie durch rheumatische Infektionen be- dingt sind.„Die Gefahr einer fieberhasten rheumatischen Erkrankung bei Kindern liegt in zwei Tassachen," heißt es dann weiter.„Einmal. ist es an und für sich eine schwere Krankheit, die das Kind sehr mü- nimmt, und dann werden dadurch dauernde Herzkrankheiten hervor» gerufen, die das Leben vorzeitig beenden oder lebenslange Invalidität hervorrufen. Rur bei möglichst frühzeitiger, beständiger und aründ- sicher Behandlung dieser Infektion kann man diesen schweren Folgen vorzubeugen hoffen. Der Anstieg der Sterblichkeit durch Herzkrank- hellen wird von Jahr zu Jahr beunruhigender. Im Jahre 1926 wurden von 10 Todesfällen in England und Wales 142 Erkran- kungen des Herzens zugeschrieben, und wenn man noch die Leiden de» Blutkreislaufes hinzunimmt, so steigt die Ziffer auf 188. Selbst wenn wir annehmen, daß die Hälfte dieser Todesfälle die Folge von Alterserscheinungen»st, so bleibt dennoch die andere Hälfte übrig, die Kinder, Jugendliche oder Menschen in mittlerem Alter dahinrafft und ihren Hauptgrund in einer Infektion hat, wie sie das rheumatische Fieber darstellt." Nach den Schätzungen Newmans sind Diphcheriti», Scharlachfieber und Grippe für etwa 10 Proz. der Todesfälle unter' Jugendlichen verantwortlich, während 40 Proz. der Todesfälle durch: die aus Rheumatisnius entstandenen Herzkrankheiten verursacht! werden. Bisher hat man das Geheimnis des Rheumatismus nicht zu erklären verstanden. Man weiß nicht, rb diese Krankhell durch. einen Bazillus, eine erbliche Anlage oder durch sonstige Bedingungen� hervorgerufen wird. Deshalb ist es zunächst notwendig, daß die- genaue Ursache des Rheuniatismus festgestellt wird. Der Bericht! enthält die wichtige Feststellung, daß die vollständige Entfernung der. Rachenmandeln bei Kindern nicht nur dazu Hilst, den ersten Angriif des Rheumatismus abzuwehren, sondern auch den dauernden!� Schaden für das Herz abwendet, wenn«in Kind bereits vor der' Operation von Rheumatismus befallen ist. Er hast daher die Ent-- fernung der Rachenmandeln für besonder? wichtig. Des wettere». wird empfohlen, die siebe, haften rheumatischen Erkrankungen der- Anzeigepslicht zu unterwerfen, da Rheumatismus ansteckend ist und- es gefährlich ist, ein daran erkrantles Kind in jedem Stadium der Kranlhcit zu Hause zu halten, wenn noch andere Kinder vorhanden. sind. i Wenn Sie befürchten, dass durch anhaltenden ßenuss Coffein ha Itiger- Getränke 3hre Gesundheit oder!Jhr Wohl befinden in irgendeiner Weise leiden konnte� so trinken Sie Kaffee Hag, den feinen, echten. coffe'infreien Bohnenkaffee. 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August 1937 befindet sieb unser Bureau nicht mehr Leipsiger Straße 90, sondern Berlin W 10 Margaretensir. 8> Nibe Potsdamer Platz Telephon! Lülzow 3873 u. 2874 Dr. Erich Juliusbernerdl) Rechtsanwalt und Notar Dr. Walter fiottbardt Rechtsanwalt- Von dar Reise zurück Dr. Alffred Caro Westend, Ahorn-Allee 29. anz neu erschlossen, von 60 Pf. und pro □ m an, direkt am Bahn- 900 Landparzellen ga M. I|,l« U III Mlll„„III,- hol Ahrensfelde Ii. Verkauf tiglich im BahnholsrestaurantBOttner. Noch ca. 200 Landparzellcn ca. 20 Min. v. Bhf. Fredersdorf, n m v. 40 Pf. an. Verk. Sonnt, Dienst u.Sonn- abends i.Restaur.„Zu den dreiLlnden" Bieger, Berlin C. 23, Gontardstr. 3 Dirne Mhitu eeDimüra Li" väiV. qm. 6,80—1,00 M.. monatlich 20,— Abzaht oecfanfl Hein, SöBatoRcobe 38, bei Gerloch Konkurrenzlos!!! n et all Denen...... 10410 an ran PotsieranflaOen■- SO--. Sola..........»v-. »mkaf-Citasseioaoaes.- 24.-, ClMil»e!onftcllung bemühten sich Dorothea Wieck als Studentenbraut, vor Sehnsucht verschmachtend, A. v. S ch l e t t o w als ehrlich verliebter Ehemann. Carl P l a t e n als famoser alter Korpsdicner sowie Bauriedl als ewig durstiger Student und Nirian E i b s o n als verführerische Kokette.— r. ,Cin rheinisches Maüchen bei rheinischem Nein." (Primuspalaft.) Der deutschen Automobilindustrie ist geraten worden, Serien« artikel herzustellen-, sonderbarerweise hat die deutsche Filmindustrie diesen nicht an ihre Adresse gerichteten Rat befolgt. Diesmal geht's wieder an den Rhein, wo die Mädchen so süß sind und der Wein so süsfig ist. Walter R e i s ch schrieb ein Filmmanuskript, in dem ein Oberkellner in seinen Ferien sich als Baron ausgibt. Er hat, ohne es zu wissen, eine uneheliche Tochter, die ihn erst nach dem Tote ihrer Mutter aufsucht. Er denkt: es kommt ein Baby, es erscheint jedoch ein heiratsfähiges Mädel vom Rhein, in das sich prompt— o erschauere in Wonne, lieber Zuschauer— ein richtiger Graf vor- liebt. Der läßt auf sein Schloß den betrunkenen Pseudo-Baron und dessen nichtsahnende Tochter bringen: Situationskomik und Entklei- dungsszenen entwickeln sich daraus. Doch das Mädel vom Rhein nimmt nicht den Grafen, sondern einen Musikstudenten, der eingeführt wird, damit das Publikum zu einer„Rheinischen Legende" Rhein- landschaften zu sehen bekommt. Die hätte man auch als Landschafts- film bieten können. Um sie unterzubringen, war wahthoft kein ganzer Spielfilm erforderlich. Vor allen Dingen hätte die Loreley nicht persönlich erscheinen brauchen, denn sie sah aus, als ob sie verpflichtet wäre, für den neuesten Lippenstift Reklame zu machen. Und um dieses Mädchen, das nicht gerade nianierlich auf einen Felsen hin- und herrutscht, ertrinkt ein handfester Schiffer. Es ist doch wirk- lich schauerlich. Ebenso ist die Rheinweinreklanie ziemlich aufdring- lich. Dem unmöglichen Manuskript war Dr. Johannes Gurers Lustspielroutine von größtem Nutzen. Viel« betrachteten diesen Re- gisseur einst als eine Hoffnung des deutschen Films, doch wirkt er jetzt konsequent durch derart billige Mätzchen, daß seine Arbeiten keine besondere Beachtung mehr wert sind. Tema D e s n i sieht immer fabelhast aus, sie ist in allen ihren letzten Rollen gleich, sie wird zum Abziehbild„Das süße Mädchen". Hans B r a u's e w e t t e r sieht man gern, da er einen aufrichtigen Menschen vorzüglich darstellen kann, und Jack T r e v o r hat ein Filmgesicht und Filmschneid. R. A. Roberts spielte den Oberkellner. Ein guter Stchauspieler hatte hier«ine große Rolle. Es ist ober doch schade, daß Können durch solche Manuskripte verschludert wird. e. b. iidemidl man nur dem Slachwri, Ar» Deulschm Muslkervrcbandl-a, B-rlin. Kam- mandanlonstr. KZ, er. Donhoff 3277—78. veichästazeil 9—5, Sonntag» 10—2 Uhr. Auf Wunsch! 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Wochentags 7, 9 Sonntags 5. 7, 9 WZINQERQSWEO Wochentags?, 9 Sonntags 5, 7. 9 FRIEORiCHSHAfN Wooheniags 7, 9 Sonntags 5, 7. 9 Leo JParry in Regine Iis Tragödie einer Frau ileinlioid Sciiiitue! Der Kimmet auf Erden Sien dichter>°; Sie schönsten; Beine v. Berllr i Der Wilderer lugendllclie ta«. Zutritt 71 ur noch kurze 2eii Oer XJtAkrlts Sin historischer Film Laura ia Plante in Sanatorium zur Liebe Der heilige Berg Jugendliche hab. Zutritt Bühnenschau Lnurn la Plante In Sanatorium zur Liebe Hüitncnschau Oer Benzin- leuFel ioz«oBI>ci>» Hab. Zutritt OerBenxin- leutel JuccnKtlcbc bab. Zutritt Bühnenschau Die von der MraBe leben (Jliegitlm) Bunncnschau ÜBERML Uf AtyfiC NEN&C HAU-, Rcichshallen-Theater Ailabendlich 8 Ubr Stettiner Sünger zum SchluB: Eine Hochzeit in der Müllerstraße Dönhoff-Grett'l: (Saal und Garten) Variete, Konzert, Tanz b. im Atiiiralspalas " Täglich',,9 Uhr' OALLEK- BEVÜE „An und aus" 2 Heute Sonntag Vorstellung. 3 Uhr u.1/, 9 Uhr fladim. die ganze l'or- stelionq zu halb. Preis ftose-Theatcr Qartenbühne 5 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr Liebe ts« Trampi Idealer am Haltd. w kvilb. 815. d . Tägl. 8 Uhr: l!e«äll!ges 'krogr»ww. 7sh?s8sckQu DRESDEN 1TumZ0Le?tsmvs? 1327 POLkE pflusr T L U M mvÄ': . MB SCHACH' Ein Film von Liebe und Freiheit aus der Zeit Kaiharinas der Grossen WtMwüth rQ&n- 1 M Vorverkauf ab Montag den ganren Tag ab tt TJhp. Konz.. Dir. C. de H. Ebner Freitag, 12. Aug., 8 Uhr im B«thov;.n'ij> j Amerikas be- rühtn'e Neger- !,rupp?:üllca- ZWÜBSAMI» -rgo - 3o Ab MONTAG yis gis ▼ orrerkauf 12—1 Nollendorf 7098 REGIE: GERHARD LAMPRECHT MANUSKRIPTS L. HEILBOKN-KÖRBITZ Komposition der Begleitmusik: Dr. Glaseppe Becce S C H M I D T-G ENTNER DIRIGIERT £& emef* Viert �dieWb�efteia\ /. V "Jst die Waschlauge fichtia beneilet(d.h. kalt und allein mit Pensil) dann lassen Sie die locken hineingelegte Wäsche langsam zum Kochen kommen und halten sie eine Oienfelsfunde kochend. Ven» gessen Sie dabei das Umniihi nen nicht, es ist wichtig! Mäch Abkühlen auf Handwänme wind �Sjoulh erst gut warm, dann Dos ist die ganze Arbeit! � Persit 'hält, was es verspächh. oec cls aar tsj V��sucheo, Jje es so nebmea Je Tfea/ro Txira ciaweicbeo " Serie:„ Das sparsame Waschea" BUd 4?' Jensen zu Ksrkhorst Sonntag, den 7. August 1927 nuchm. 3 Uhr El e r o B i n a. Montag, den 8. August nachm. 3 Uhr § ZOOLOGISCHER GARTEN| ' 4 Uhr' nachm. KONZERT ■«-IBßrLSintOD/örili. :| Dir.: Clemens SdinalstidL AQU Aß IHM Wilh. Kuhnert geöffn. 9— 7 Uhr. Atrilca-Ausstellung. Besucht d. Sonderschau d. Zoo Tripolis in Berlin Direkter Eingang: Stadtbahn Zoologisch. Garten Jg • 6****#*#*#0*0 Dienstag- Donnersta Sonnabem Abond Berliner||lk-TriO M e u k ö II n. HO Lshnslr. 74 75 k JSBSS Zu noch nie ESEOB� dagewesenen Preisen a bringen wir bringen Stores, Gardinen, Bettdecken iKOnstlcr-Gardmen in besten Qualitäten für 5.90, 7.50, 8.90 M. | Halbstores in allen Webearten 1.75, 4.50, 5.50 8.— M. iCardSnen-Resfc rnuti-idäi■. tiDzel-rtDsJer zum halben Preis. — Einzelverkauf von 9—7 Uhr.— �liai-Uga-Mätteo NenUöiln,Ber&