flbenöausgabe Nr. 371 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 1SZ SeMgÄbedingungen nnb Anzeig«np«kk find in der Morgenausgabe angegeben «edaktioa: Sw. SS,£inI>enflto|]e 3 Jernfprechec: VSnhoff 292— 297 IcL-äJöccffe: So jial&emottaf BetUa Derlinev VolKsvl�kt Zcntralorgan der Boziatdemokratifd�cn parte» Deutfchlands (lO Pfennig) Montag S./luguft 1927 Verlag und Anzelgenadteilung: G-schüft-zett bi» S Uhr Verleger: vorwärls-verlag GmbH. Berit» SV». SS, Lindenftrabe 3 Aernsprecher: VSnhoff 282— 29; Reichsbanner feiert Verfassungstag. Zentrumskameraden fest zum Reichsbauner. Köln, 8. August.(Eigenbericht.) Der Gau Rheinland des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold veranstaltete seine diesjährige Verfastungsfeier in der kleinen In- dustriestadt S i e g b u r g. Schon am Sonnabend waren tausende von Reichsbonnerkameraden zusammengeströmt. Den Höhepunkt er- reichte die Veranstaltung am Sonntag mit einem imposanten Festzug. Vor allem ist bemerkenswert, daß sich die Reichsbonnerkameraden aus dem Zentrum trotz der gegen das Reichsbanner besonders in einem Teil der rheinischen Zentrumspresse geführten Hetze außer- ordentlich stark an der Kundgebung beteiligten. Sie denken gar nicht daran, dem Reichsbanner den Rücken zu kehren, selbst wenn die Fahnenflucht des Reichskanzlers Marx den Zentrumsangehörigen im Reichsbanner offiziell zur Nachahmung empfohlen werden sollt«. Krefeld, 8. August. Auf dem Verfassungstag des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold sprach in der Stadthalle anstelle des aus dienstlichen Gründen ver- hinderten Staatsministers Hirtfiefer Dr. Sch r e i b e r- D ü ff e l- dorf, der betonte, daß das Zentrum streng auf dem Boden der Republik und der Weimarer Verfassung stehe. Das Zentrum sei ge- willt, dem Reichsbanner nach wie vor die Treue zu halten. Die Hetze gegen deki' Bundesführer Hörsing im Zusammenhang mit den Wiener Vorfällen könne nicht entschieden genug zurückgewiesen werden. Die bedauerlichen Entgleisungen, die vorgekommen seien, müßten auf dem Verhandlungswege aus der Welt geschafft werden, um wieder die feste Basis enger Zusammenarbeit herzustellen. Der hdhe Gc- danke des Reichsbanners verlange überparteiliche Einstellung oben und unten. Die Arbeit der Zentrumsleute im Reichsbanner würde weitergehen, solange wahrhafte Tolerenz und absolute Ueberpartei- lichkeit im Reichsbanner herrschen, getragen von engem gegenseitigen Vertrauen. Für die Demokraten sprach der Abgeordnete Erkelenz. KdtHoÜsiHe Kirche und Verfassungstag. lieber den Verfassungstag und seine Feier durch die katholische Kirche war im kirchlichen Amtsblatt der Diözese Fulda angeordnet: „Die Reichsregierung hat beschlossen, auch in diesem Jahre den Verfassungstag am 11. August in besonderer Weise zu begehen. Diese Gedenkfeier möge dazu dienen, um nach all den Leiden und Stürmen der letzten Jahre die Liebe des Volkes zu einer sicheren staatlichen Ordnung im deutschen Vaterland zu bekunden und zu befestigen. Darum veranlassen wir die Geistlichkeit, am Sonntag, dem 7. August, in der Predigtauf den Verfassungs. tag hinzuweisen und nach der Predigt mit den Gläubigen die Litanei von der göttlichen Vorsehung.für den Frieden im Baterland und für die Versöhnung der Völker zu beten.* weltgewissen gegen �ussizmorö. Temonstrationen iu Paris und London.— Proteststreik in Argentinien. Paris, 8. August.(Eigenbericht.) Die D e m o n st r a t i o n der Pariser Bevölkerung zugunsten der zum Tode verurteilten Anarchisten Sacco und Vanzetti ist über alle Erwartungen imposant verlausen. Dem Ausruf des„Ko- mitees zur Verteidigung der Gerechtigkeit* waren die Gewert- fchaften, die Arbeiterparteien und die Liga für Men- schenrechte in einer Anzahl von über hunderttausend Demonstranten gefolgt. Da die Regierung tags zuvor jede Kundgebung innerhalb der Stadt verboten hatte, fand die Manifestation in dem außer- halb des Stadtweichbildes gelegenen Wäldchen von Vincennes statt. Die Demonstranten versammelten sich vor den Toren der Stadtmauer und zogen dann mit entrollten Fahnen zum Demon- strationsort. An der Spitze des Zuges marschierte Julia Van- z e t t i, die Schwester des einen der zum Tod« Verurteilten. Es wurde vor ihr ein Plakat vorangetragen, auf dem sie der Pariser Bevölkerung für ihr« Bemühungen zur Rettung ihres Bruders dankt und sie auffordert, dieselben auch weiterhin fortzusetzen. Obwohl die Regierung außer der Polizei und der republikanischen Garde noch einen großen Teil der pariser Garnison alarmbereit gehalten hatte, ist es n i r g e n d s zu irgendwelchen Zwischen- fällen gekommen, da die Demonstranten der von der Leitung der Kundgebung ausgegebenen Parole nach Disziplinhaltung musterhaft folgten. Lediglich nach Schluß der Kundgebung versuchten einige hundert Anarchisten einen Zug zu bilden, um in die innere Stadt zum amerikanischen Konsulat zu ziehen: der Zug wurde aber sofort von der Polizei aufgelöst und die Teilnehmer zer- streut. Die amerikanische Botschaft und das Konsulatsgebäud« waren den ganzen Sonntag über von republikanischer Garde zu Fuß und zu Pferds bewacht. 1' Wie stark die Anteilnahme an dem Schicksal Saccos und Van- zettis ist, geht auch aus der Tatsache hervor, daß der frühere Prä- sident der Republik, Loubet, an den Gouverneur von Masfachu- setts ein Telegramm gerichtet hat, in dem er an den Gouverneur einen dringenden Appell zur Menschlichkeit zugunsten der beiden Todeskandidaten richtet. Wie bereits gemeldet, hatte die kommunistische Gewerkschafts- zentrale für heute zu einem S 1 st ü n d i g e n P r o t« st st r e i k auf- gerufen. Nach den bisherigen Feststellungen sind diesem Aufruf bis- her nur die Bauarbeiter und die Chauffeure der Auto- droschken gefolgt. Die EGT. hatte ihre Mitglieder veranlaßt, nicht an diesem Proteststreik teilzunehmen, um her ganzen Bewegung zugunsten der beiden Verurteilten damit nicht zu schaden. Infolgedessen haben auch die von der Kommu- nistischen Partei an die Beamten und Angestellten der Unter- g r u n d- und Straßenbahn gerichteten Ausforderungen, am Montag den gesamten Verkehr auf zehn Minuten völlig stillzulegen, keinen Erfolg gehabt: nur ein verschwindend kleiner Teil von Unter- grundbahnangestellten versuchte, dieser Parole zu folgen. Auch in der gesamten Provinz war die Teilnahme an den Demonstrationen zugunsten, der beiden Verurteilten überaus stark. Hier hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, daß die ameri- tonische Justiz angesichts des Protestes fast der gesamten zivilisierten Welt die Vollstreckung des Urteils noch in letzter Stunde an- halten wird. Die Blätter berichten, hochstehende katholische Persönlichkeiten hätten den P a p st gebeten, bei der amerikanischen Regierung zu- gunsten der Verurteilten vorstellig zu werden. Eine Zeitung meldet, im WiuAerrat hahx em Minister die Krage eines..Schrittes der französischen Regierung beim Gouverneur von Massachusetts auf- geworfen. Der Ministerrat habe sich mit diesem Vorschlag offiziell nicht beschäftigen können, aber es�sei nicht ausgeschlossen, daß amerikanische Persönlichkeiten gebeten werden.würden, über die in Frankreich herrschend« Erregung nach Amerika zu berichten. Der elektrische Stuhl auf Trafalgar-Square. London, 8. August. Auf dem Trafalgarplatz wurde Sonntag nachmittag eine von 5000 Personen besuchte Protestversammlung gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti abgehalten. Ein Kriegsteilnehmer mit vier Kriegsmedaillen geschmückt, saß während der Kundgebung aus einem Modell des amerikanischen Elektrischen Stuhls mit einer schwarzen Kappe über dem Gesicht. Im Anschluß an die Protestversammlung begab sich eine Ab- ordnung der Demonstranten zum amerikanischen Botschafter, um diesem eine Protest zu überreichen. Das ganze diplomatisch« Per- sonal der Botschaft war aber abwesend, so daß die Deputation unverrichteter Sache abziehen mußte. Die Behörden haben gegen weitere Demonstrationen eine oerstärkte Bewachung der Botschaft angeordnet. Macdonald hat ein Telegramm an den Präsidenten C o o l i d g e gerichtet, worin er um Begnadigung Saccos und Vanzettis ersucht. In einem Telegramm an die beiden Verurteilten sagt er: Gebt die Hoffnung noch nicht auf, die politischen Glaubensgenossen wachen! protestssreik in Argentinien. vuenos-AIr«, 8. August. Die argentinischen Eisenbahner haben beschlossen, als Pro. test gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti am Mittwoch einen eintägigen Streit zu unternehmen. Tschechischer Protest. Prag, 8. August. Der Vorstand der Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei sandte an den hiesigen amerikanischen Gesandten ein Telegramm, in welchem gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti auf das Entschiedenste protestiert wird. ,vle Dernunfi* gegen ein Vlederanfnahmeverfahren Boston, 8. August. Der vom Gouverneur Füller eingesetzte Ausschuß, unter Vorsitz von Präsident Lowell von der Harvard-Universität, der den Fall Sacco-Vanzetti noch einmal überprüfen sollte, ist— ebenso wie der Gouverneur in einer von ihm s e l b st ä n d i g ge- führten Untersuchung— zu dem Resultat gekommen, daß zwar der Richter des Oberen Gerichtshof von Massachusetts, T h a y e r, während des Prozesses in Unterhaltungen mit außenstehenden Per- sonen nicht die erforderliche Zurückhaltung bewahrt habe, daß er aber in der Führung des Prozesses selbst sich der striktesten Unparteilichkeit befleißigt habe. Der Prozeß sei durchaus unparteiischerweise geführt worden. Die Aussagen, auf die sich die Anträge zur Wiederaufnahme des Verfahrens stützen, würden nicht hinreichen, um die Geschworenen zugunsten der Angeklagten zu be< einslnssen, falls ein Wiederaufnahmeverfahren zugelassen werden sollt«. Der Ausschuh kommt zu dem Schluß, daß die Vernunft einen Zweifel an der Schuld Saccos und Vanzettis nicht zulasse,(!) Ein Krisenkongreß. Nachwort zum Internationalen Gelverkschaftskongrest. ?, K. Paris. 7. August. Der Internationale Gewerkschaftskongreß, der am Sonnabend in vorgerückter Abendstunde einen immerhin be- frbedigenden Ausgang nahm, war von der ersten bis zur letzten Sitzung von Krisen durchschüttelt, die ein weniger festes Gebäude, wie es der Internationale Gewerkschastsbund ist, in seinem Bestände ernsthast bedroht haben würde. Am Schluß des Kongresses, nach den dramatischen Zwischenfällen, die um ein Haar dazu geführt hätten, daß die englische Delegation den Kongreß verließ, nachdem der Kongreß bei- nahe außerstande war, feinen Vorstand zu wählen, bereits die Wahl der Sekretäre, sowie die Bestimmung des Sitzes des JGB. und seines nächsten Kongreßortes an den Aus- sch-uß verwiesen worden war, erwies sich wieder, wie fest trotz allem das Vertrauen in den JGB. ist, bewies die Rede des Indiers S e t h i, der im Namen des Indischen Gewerkschoftsbundes erklärte, daß das indische Proletariat seine Hoffnungen auf den Internationalen Gewerkschaftsbund setzte. Für den oberflächlichen Beobachter konnte es so aus- sehen, als stehe im Mittelpunkt der Verhandlungen der Gegensatz zwischen der englischen un�d der Gewerkschaftsbewegung der übrigen Länder. In Wirklichkeit besteht ein solcher Gegensatz nicht, weder in den Grundsätzen noch in der Taktik. Es besteht auch in der englischen Gewerkschaftsbewegung nichts weniger als eine Neigung, mit den Bolfchewisten zu praktieren. Die englischen Gewerkschaften sind nach Tradition, Struktur und Taktik eher„konservativer" als so manche der Gewerkschaften anderer Länder. Die Krisen und dramatischen Zwischenfälle des Kongresses waren gewissermaßen die letzten Aus- läufer des bolschewistischen Sprengungs- Versuchs. Dieser begann mit der Gründung der so- genannte Roten Gewerkschaftsinternativnale im Jahre 1920, setzte sich fort mit der Z e l l e n b i l d u n g und deg Spaltungen von 1921 bis 1925 und führte schließlich, mit der Organisierung der Rußlandreisen, zur Bildung des anglo- russischen Einheitskomitees. i Was die Bosschewisten mit diesem Komitee bezweckten, braucht nicht erläutert werden. Die englischen Gewerk- fchaften, di>e bis dahin von Svaltungen und Zellsnbildunqen verschont geblieben waren, glaubten ehrlich, daß ibre V>"-- Mittlerrolle zur Beseitigung der vermuteten Mißverständnisse zum Beitritt der russischen Gewerkschaften führen könne. Mit der ganzen englischen Zähigkeit setzten sie sich also für dieses Ziel ein. Die Bosschewisten ließen sie immer in dem Glauben, daß sie zur Einheit bereit feien, während die aus den bitteren Erfahrungen eingegangenen Vorsichtsmaßnahmen der fest- ländischen Gewerkschaften bei den englischen Gewerkschaften den Verdacht aufkommen ließen, die festländischen Gewerkschaften wollten jeden ehrlichen Einigungsversuch sabotieren. Wenn die englischen Gewerkschaften jetzt von den Bolfchewisten ebenso als„Verräter" behandelt werden, wie die festländischen, weil sie sich weigerten, den JGB. zu ver- lassen und sich unter die Herrschaft Moskaus zu begeben, so haben die englischen Gewerkschafter die Ueberzeugung, daß ihnen dieses Lo? erspart geblieben wäre, wenn die anderen Gewerkschaften sich den Einigungsversuchen nicht widersetzt hätten. Aus diesen Gefühlen heraus erklärt sich die auch sonst ungeschickte Rede P u r c e l l s, erklärt sich das Empfinden der Engländer, brüskiert worden zu fein, als Iouhaux im Namen der übrigen Vorstandsmitglieder die Erklärung abgab. mit der Eröffnungsrede Purcells nicht einverstanden zu sein. Brown, der seine Stellung mit Recht für u n- haltbar erachtete, hielt darauf seine Rede, die einem Bombenwurf gleichkam und in der er den Nachweis zu erbringen versuchte, daß der JGB. a n t i b r i t i s ch gesinnt sei, sich selbst aber als«in O p f e r dieser Gesinnung aufspielte, durch willkürliche Zitate den Anschein erweckte, als habe der Vorstand, insbesondere Oudegeest, jeden ehrlichen Eini- gungsversuch mit den Russen absichtlich sabotiert. Dazu kam schließlich die Ablehnung der von dem englischen Gewerkschaftsbunde vorgeschlagenen Vorstandskandidaten. Man muß sich in die Lage der englischen Gewerkschaften hineinversetzen, wenn man sie gerecht beurteilen und wenn man die Tragweite abschätzen will, die die Kongreßkrisen in der Folge haben können. Diese doppelte Ablehnung von zwei Männern, die von den englischen Gewerkschaften vor- geschlagen wurden, ist ein ganz außergewöhnlicher Vorfall, den auch die Gewerkschaften eines jeden anderen Landes sehr peinlich empfinden würden. Dazu kam der Zwischenfall Brown-Qudegvest. Wenn eine ernsthafte Krisb schließlich vermieden wurde, so beweist das gerade, wie sehr die englischeck Gewerkschaften an dem JGB. fest- halten und wie irrig die Auffassung ist, daß zwischen dom JGB. und den englischen Gewerkschaften irgendwelche taktische oder grundsätzliche Gegensätze bestehen. So sehr scheinbar dazu keine Veranlassung vorliegt, so muß doch den englischen Freunden gedankt werden für die Ueber- windung, die. sie aufbrachten. Wenn es nicht zu einem unheilvollen Zusammenstoß kam, so zeugt das für die Reife und den Weitblick der Gewerkschaftsvertreter aller Länder. Leixart, Iouhaux. p■-- Graßmann, tycfs haben sich äks M e k st e r ehrlicher Arbeiterdiolomatie erwiesen. Die strenge Sach- lichkeit unb Arbeltsfreudigkeit£> a s s e n b a ch s hat sich als Schwerpunkt des JGB. bewährt, so daß Sassenbach, obwohl er die Absicht gehabt hatte, eine Wiederwahl abzu- lehnen, als einziger Sekretär des IGB. e i n st i m m i g gewählt wurde, um die Geschäfte bis zur Konstituierung des künftigen Sekretariats weiterzuführen. Die bolschewistische Krise und ihre» Auswirkungen auf dem Kongreß sind überwunden. Es wird jetzt die Aufgabe aller sein, die bedeutsamen Beschlüsse des Poriser Kongresses durchzuführen, in gemeinsamer Arbeit für gemein- same Ziele! Die Irieöensresolution. Der Internationale Gewerkschaftskongreß hat die folgende Resolution beschlossen: Der Kongreß erklärt, daß die Arbeiterbewegung der entscheidend«. Faktor im Kampfe für den Frieden, das wichtigste Element der Annäherung der Völker ist. Nur sie verkörpert die Macht, die berufen ist, die Kriegspläne der Herrschenden sür immer zunichte zu machen. Der Kongreß fordert daher alle Kriegsgegner und.Freunde der Völkerfolidorilät auf, die Aktionen, die die Arbeitcrorgani- sationen im Kampfe gegen die Völkerverhetzung führen, zu fördern und wirksamer zu gestalten. Der Kongreß erklärt, daß die Grundsätze, die auf dem Wiener Kongreß für den Kampf gegen den Krieg aufgestellt wurden— darunter auch die Proklamierung eines Generalstreik» auch heute noch ihre volle Geltung haben. Um sie im Falle einer Kriegsgefahr unmittelbar wirksam zu machen, haben die nationalen und internationalen Arbetterorganisationen die Pflicht, diese Grund- sätz« möglichst eingehend zu studieren und zu propagieren. Der Kongreß ruft ln Erinnerung, daß es Ausgabe de» IGB. ist, eine fortgesetzte Friedenspropaganda zu entwickeln und dabei alle verfügbaren Mittel anzuwenden(Aufrufe, Broschüren, Plakate und dergleichen). Der Kongreß fordert ganz besonders die Mütter und Jugenderzieher auf, die heranwachsende Gene- ration im Geiste des Bölkerfrieden« zu erziehen, die Grundsähe der TstenschtichkeU und vrüderllchkeil in ihr wachzurufen, damit in einer nahen Zukunft die Völkerver, söhnung lebendige Wirklichkeit werde. Der Kongreß bestätigt dos Prinzig der Schiedsgerichte und die Notwendigkeit der obligatorischen Schlichtung aller zwischen den Nationen sich ergebenden Konflikt« durch den Völkerbund. Er fordert auch ganz besonders auf, dafür zu sorgen, daß die Konflikte im fernen Osten einer Läsung im Sinne der Gerechtigkeit und des Friedens zugeführt werden. Der Kongreß erinnert daran, daß die Friedensverträge, die einzelne Länder entwaffnet haben, die Regierungen, die diese Ver- träge mitunterschrieben haben, verpflichten, den Weg der Ab- r ü st u n g zu beschreiten. In diesem Geiste und um da» Werk der allgemeinen Abrüstung zu beginnen, fordert her Kongreß die Lande». zentralen auf, die notwendigen Schritte zu unternehmen, damit die Vertreter ihrer Länder beim Völkerbund Maßnahmen durchsetzen, d>e der privaten Erzeugung von Waffen und Kriegsnutte- riol ein Ende machen und den Handel mit Waffen und Munition unter international« Kontrolle stellen. Die Errichtung von Zslugplähen im besehen Gebiet ist genehmigt. Di« Rheinlandkommission hat der Errichtung von drei Flugplätzen zugestimmt. Der erst« Landungsplatz soll in der Nähe von Kaisers- lautern für die Pfalz errichtet werden, der zweite wird nach Koblenz oder in unmittelbarer Nähe der Stadt kommen, während der dritte für die Städte Mainz und Wiesbaden auf der Pferderennenbahn Erbenheim geschaffen wird. Zunick auf Nanking! Zwischen den Truppen von Hankau und Nanking ist in Wuhu— allerdings nach einer Reutermeldung— eine Verständigung erzielt worden, wonach die Truppen Tschiang- kaischeks bald nach Nanking zurückkehren werden. US/,. Von Hans Bauer. Amerika... Das ist doch wohl das Land der Unabhängigkeit»- erklärung, das Land der Freiheitsstatue im New sgorker Hafen, da» Land der hohen Löhne und sozialen Unooreingenommenheit, der Unbeschwertheit von Traditionsplunder, de, unbureaukratischen Kaufmannssinncs, der fortschrittsfreudigen Großzügigkeit, der mild- herzigen Quäker. Zunächst einmal ist die schnellfertige Rubrlzlerung eines Landes unter einen generellen Begriff ja überhaupt so eine von Kriegszeiten her übriggebliebene Zwangsvorstellung, denn überall auf Erven gibt es Freiheitsdichter und Henkerkreaturen, friedfertiges Arbeitsvolt und raufsüchtiges Drohnentum, Schwärmer und Pharisäer gleichermaßen. Aber wenn man mit der Kritik eines Landes seine offizielle Moral und den Geist seiner herrschenden Gedankenrlchtungen treffen will, dann ist zu sagen, daß die Würdigung Amerikas als des Landes moderner Liberalität eine etwas veraltete Borstellung ist. Sie stammt aus der Zeit des deutschen Monarchismus, als nicht allzuviel dazu gehörte, gegenüber einem von Kasten regierten und in altmodischem Formelquart erstickten Staat alz freiheitlich zu gelten. Die Zeiten haben sich geändert. Die republikanische Staatsform allein kann uns an Amerika nicht mehr imponieren. Wir sehen heute mehr, Amerika hat das beschämende Schauspiel des lächerlichen Daytoner Assenprozesses geboten, es hat um den Besuch der Königin Marie von Rumänien herum einen beispiellos lärmenden Rummel aufgeführt. Amerika ist das Land des Teerens und Federn», das Land der Lynchjustiz. Amerika ist das Land einer sinnlosen Sportüberschätzung und das der Idiotischsten Rekorde dazu, gleichviel ob sie sich auf die Schnelligkeit beziehen, die jemand in der Lektüre der Bibel aufbringt oder auf die Ausdauer, mit der ein Musikant, auf dem Kopf stehend, Geige spielen kann. Amerika ist das Land des geisttötenden Fun- damentalismus, der jede Kritik an der Bibel verpönt. Amerika ist dos Paradies aller grilligen und hysterischen Weiber, dos Land einer unwürdigen Frauenvergottung, das sogar an das lchhe Kllnstlertum eines Chaplin mit der Sonde seiner bornierten Auffassung von den Rechten und Pflichten der Geschlechter herantritt. Amerika Ist da» Land einer verlogenen Prüderie, dys sogar Eheleuten den Kuß auf offener Straße als strafwürdiges Vergehen anrechnet, das Land de« Kommerzialismus als Weltanschauung, das Land der stupiden Hundertprozentigkeit, das Land der Motive eine» Sinclair Lewis und Upton Sinclair. Amerika ist das Land des Gouverneurs Füller ' von Massachusetts... Es bedarf heut? keines Wortes mehr über dos Ausmaß der an Sacco und Banzctti bewiesenen Unmenschlichkeit. Die Beweisauf- nähme ist längst abgeschlossen. Der oberste Gerichtshof des Welt- gewissen? hat den Urteilsspruch gefällt. Gouverneur Füller von Massachusetts hat die Wenschlichteltsgesühle von Hunderten pon Amtliche Lynchjustiz. Aufhetzung der Mordinstinkte gegen das Nechtsgefühl. Eine geschäftige Propaganda ist in den Vereinigten Staaten am Werke, um den Schrei nach dem Justiz- m o r d allgemein zu machen. Die Stichworte dieser Propaganda sind: Bomben inNew Dort, Bomben in Philadelphia, Bomben in Montevideo. Das Gewissen der Richter von Massachusetts sucht Deckung hinter einem künstlich erzeugten Massenwahn, Das Urteil gegen Sacco und V a n z e t t i ist ein Er- zsngnis des Massenwahns, des auf die Spitze getriebenen Klassenhasses und des Rassenhasses der Anglo- Amerikaner gegen die Italiener. Eine Folge der Bolsche- wisten- und Anarchistenpanik von 1S21. Die Geschworenen wurden aufgestachelt zu„politischer Leidenschaft und zu patriotischem Empfinde n". Der Obmann der Geschworenen wies Zweifel an der Schuld von Sacco und Vanzetti mit den Worten zurück:„5) o l sie der Teufel, sie müssen auf jeden Fall hängen." Diese P a n i k st i m m u n g, der nach Mord schreiende Massenwahn soll durch die Bombcngeschichten künstlich wieder erzeugt werden. Im allgemeinen Rausch der Mordlust sollen zwei Unschuldige erwürgt werden. Nordamerika ist heute in derselben Stimmung wie 1887, als die Justiz von Chikago sich anschickte, die wegen des Bombenattentats vom Haymarket 1886 fünf Verurteilten zu hängen— vier darunter unschuldig. Der Bombenschrecken ging um, die Stadt zitterte vor eingebildetem anarcbistischen Terror, jeder bewaffnete sich gegen Anarchisten, und allgemein war der Schrei: hängt sie! hängt sie! Nicht aus Gerechtigkeit, sondern als Opfer für den Schrecken des Bürgertums. Vier U n- schuldige wurden gehängt, vier Unschuldige, deren Unschuld später amtlich festgestellt wurde! Die Hinrichtung von 1887 war ein Akt der Lynch- i u st i z an Unschuldigen. Das Urteil von 1921 gegen Sacco und Banzetti ist gefällt worden nicht im Geiste des Rechts, sondern im Geiste der Lynchjustiz. Und nun wird der Geist der Lynchjustiz aufs neue propagandistisch angefacht, damit Gouverneur Füller von Boston das Verlangen des Volkes zur-Rechtfertigung des Mordes erhält, wo von Recht nicht mehr die Rede ist. Ein Todesurteil, geboren aus Lynchstimmuntz—- das ist entsetzlich. Aber di� kaltblütige Vollstreckung eines Todes- urteile, nachdem man die Menge künstlich aufgestachelt hat, tötet, tötet! zu rufen das ist ein Verbrechen. Diese Methode durch künstlichen Bombenschrecken die Mord- instinkte gegen das Rechtsgefühl auszurufen, ist das Ende jeder Gerechtigkeit. Richter Lynch regiert in Boston, nicht die Gerechtigkeit, und Gouverneur Füller ist sein Sklave. Gegen schwarzweißrotes Subentum. Republikaner erzwingen die Achtung für Schwarzrotgold. Westerland- 5ylt. 8. August.(Eigenbericht.) Wegen wiederholt vorgekommener Schändung der National- flagge am Badestrand in W« st e r l a n d hat die dortige Polizei- Verwaltung unter Druck republikanischer Badegäste, die mit Selbst- hilse drohten. 200 Reichsmart Belohnung für die Ergreifung der Uebeltäter ausgesetzt. Außerdem hat der Oberpräsident in Kiel ein Landjägerkommando nach Westerland gelegt. Der Direktor der Kurverwaltung, Hofrat Anders, erläßt eine Bekanntmachung, die überall öffentlich angeschlqAvn ist und in der es u. a. heißt: Leute von Charakter und. Erziehung achten die Gesinnung anderer. Andersdenkende dadurch zu kränken, daß man das Symbol ihrer Anschauung beschimpft, beschädigt oder gewaltsam entfernt, verrät weder gute Kinderstube, noch ist es ein Beweis vaterländischer Gesinnung. Die schwarzrotgoldene Flagge war durch ein halbes Jahrhundert Symbol aller nationalen Eini- Millionen Bürgern dieser Erde beleidigt: von Europäern. Asiaten, Australiern, Ameritanern, Afrikanern. Si« alle, verschieden in der Sprache, in der nationalen Zugehörigkeit, in der Art des Denkens, haben sich gesunden in der Entrüstung über die Schmach einer un- erhörten Rechtsbeugung. Von einer Handvoll Anarchisten abgesehen, sympathisiert kein Mensch mit den Ideen Saccos und Vanzettis, aber von einer Handpoll Uninteressierter und Verrohter abgesehen, sympathisiert da« Erdenrund mit dem Leid der zu siebenjähriger Todesmarter Verdammten, und kein gestelltes und kein wirkliches Bombenottentat kann daran etwas ändern. Amerika hat versagt. Und mit ihm der Amerikanismus. Der Firnis der Ueberzivilisotion ist abgesprungen, und die Fratze der Barbarei ist sichtbar geworden. Die Gedanken der Welt eilen am 10, August itt die Todeszelle von Boston, und vom Strom, den der elektrische Stuhl aussendet, wird unser Herz mit ergriffen werden. Möge den Märtyrern Sacco und Vanzetti die Todesstunde leichter werden als dem Gouverneur Füller von Massachusetts einstmals die seine. Zwanzig Jahre Dauerflugrekorüe. Eine Liste der bisherigen Dauerflug-Rekorde wird dartun, mit wie gewaltiger Schnelligkeit das Flugzeug sich entwickelt hat. Es sind jetzt gerade 20 Jahre her, daß der erste Sprung mit einem Eindecker auf eine Entfernung von 150 Metern von Bleriot gemacht wurde. Dieser kleine Flug war der erste Dauerslugrekord der Welt. Die kurze Liste der hauptsächlichsten Rekordslüge, die die Fortschritte der Fliegerei oeranschaulichen, lautet: Im August ISO? inachte Bleriot einen Sprung von 150 Metern (Eindecker). Am 30: September 1907 machte Farman einen Flug von 90 Metern mit dem Doppeldecker Voisin. Am 13. Januar 1908 macht Farman den ersten 1000-Meter- Rundslug. Am 29. Mai 1908 fliegt Dclagrangc 10 000 Meter. Am selben Tage mattste Farman mit Archideacon den ersten Passagicrslug über 1241 Meter. Am 9. weptember 1908 fliegt Orville Wright M Kilometer. Am 30. Oktober 1908 fliegt Farman mit Doppeldecker von Chalon? nach Relms und zurück. Am ZI. Dezember 1908 fliegt Wilbur Wright 2 Stunden 20 Minute» ununterbrochen. Am 25. Juli 1909 überfliegt Bleriot den Aermeltanal. Am 3. Februar 1914 erringt der deutsche Flieger Langer den Weltrekord- mit 14 Stunden 5 Minuten. Am 4. Juli 1914 fliegt der Deutsche Basser 18 Stunden. Landmann erhöht kurz darauf den Weltrekord auf 21 Stunden 49 Minute» und der deutsche Flieger Böhm hält ihn bei Kriegs- ausbruch mit 24 Stunden 8 Minuten. Im Jahre 1920 erringt Frankreich den Rekord mit 24 Stunden 18 Minuten, Im Jahr? 1923 fliegt Mister Ready 36 Stunden. gungsössire�ungen.'finrie Ist sie ffr amtliche Reichs? flagge. Wer die schwarzrotgoldene Flagge beschädigt oder be«- schimpft, verleugnet ein wertvolle« Teil deutscher Entwicklungs-e gefchichte, zeigt einen Mangel an Ehrfurcht vor der Ver, gangcnheit seines Volkes, beschmutzt Vaterland und Reich, dessen Hoheitszeichen jehl diese Flagge ist. macht sich selbst verächtlich vor jedem Ausländer. Es ist nicht patriotischer Ueberschwang, es ist nationale Würdelosigkeit, bubenhast die Reichsslagge zu behandeln. Die strafrechtliche Seite dieser Ungezogenheit ist Polizeisache. Das gesamte Badepersonal ist angewiesen, derartige Entgleisungen zu verhindern, jeden Einzelsall der Badeverwaltung mitzuteilen. Wer einwandfrei als Beschimpfer der Reichsflagge fest- gestellt wird, dem wird die Kurkarte entzogen und der Zu� tritt zu allen Bade- und Kuranlagen gesperrt. Man braucht diesen Worten eines politisch rechtsgerichteten Mannes kaum etwas hinzuzufügen. Selten ist dem nationalistischen Rowdytum aus diesem Lager derart die Wahrheit gesagt worden: bedauerlich bleibt nur, daß die Kurverwaltung selbst bisher versäumt hat, unter ihren zahlreichen Flaggen die Rationalsarbcn zu zeigen. Am Strande selbst setzt sich Schwarzrotgold trotz aller Anfeindungen immer mehr und mehr durch. Solfour nicht hoffnungslos.' Er glaubt an zukünftige Flotteuvereinbaruuge«. condon. 7. August.(Eigenbericht.) Balsour, der erfolgreiche Führer der englisckcn Delegation auf der Konferenz von Washington, erklärte: Wenn in Genf Verhältnis- mäßig nicbts erreicht worden sei, so sei das ein Unglück, das bloß vorübergehend sei. Auf alle Fälle werde der größte Teil seiner Zuhörer noch da? Zustandekommen einer Vereinbarung erleben, auf Grund deren alle Mächt« sich der Ersparnisse und der Sicherheit erßceuen könnten, die der Präsident der Vereinigten Staaten so glühend wünsche. Er habe durchaus die Hoffnung, daß die Frage von neuem in Angrisf genommen werde. Er sehe der weiteren Entwicklung der Auseinandersetzung über die Seerüstungen keineswegs mit einem Gefühl der Hoffnungslosig,. k e i t entgegen. Die Behauptung, daß England in Washington erklärt habe, sich mit nur 450 000 Tonnen Hilsskriegsschiffen begnügen zu können, während es in Genf wesentlich mehr beanspruchte, erklärte Balsour als ein Mißverständnis. Er habe damals nur von den Hilf-, kriegsschiffen sü�r die Schlachtschiffe gesprochen, während jetzt in Genf es sich um die ganze sür Großbritanniens Sicherheit notwendige Kreuzerflotte gehandelt habe. vertrauen auf gesunden Menfihenverftand. London. 7. August.(TU.) Ramsay M a c d o� a l d erklärte in einem Interview über die erfolglos verlaufene Genfer Konferenz, daß es nach seiner Ansicht am zweckmäßigsten sei, die Genfer Arbeiten vollständig ruhen zu lassen und statt dessen die ganze Angelegenheit von neuem in Angrisf zu nehmen. Für eine gewisse Zeit würden die englisch- amerikanischen Beziehungen vielleicht eine Verschlechterung erfahren, aber der gesunde Menschenverstand in beiden Ländern sei zu groß, um sür längere Zest ernst hasten Schaden anrichten zu können. /tos öer Partei. Oskar Geck 69 Zahre alt. Genosse Oskar Geck aus Mannheim, Redakteur der Mannheimer Volksstimme und Mitglied des Reichs- tages, vollendet heute sein sechzigstes Lebensjahr. Als Nachfolger des im Weltkrieg gefallenen Genossen Ludwig Frank wurde Genoss? Geck, der seit 1901 an der Voltestimme tätig ist, im November 1914 zuerst in den Reichetag gewählt, dem er bis zur Revolution an- gehörte. Er wurde dann Mitglied der Nationalversammlung und seit 1920 ist er wieder Vertreter Badens im Reichstag der Republik. Wir wünschen dem Scchzigjährigen noch lange Jahre tatkräftigen Schaffens. Im Jahre 1925 stellt Frankreich einen Weltrekord von 45 Stun- den 11 Minuten auf und Chamberlin fliegt im April 1927 51 Stunden 10 Minuten. Am 20. Mai 1927 floK Lindbcrgh von New Port nach Paris. Am Pfingsten 1927 slog Chamberlin mit Passagier von New Park nach Kottbus, Am 5. August beendete Risticz seinen Dauerweltretordflug mit 62 Stunden und 11 Minuten. Die Inlernatianale der Arbeilermusik. Als Höhepunkt und zu gleicher Zeit als Abschluß der Frankfurter Arbeiter-Musikwoche fand am Sonntag vormittag um l�ll Uhr ein Meeting im Schu- manntheater statt. Der Internationale Arbeiter-Sän- g e r b u n d und der Deutsche ArbeiterSängerbund bc- nutzten zusammen m-t den örtlichen Parteiorganisationen die An- Wesenheit so vieler ausländischer Arbeiter-Gesangvereine dazu, um erstmalig den internationalen Gedanken innerhalb der Arbeiter- sänger zu propagieren. Bor dem Meeting wurden aus sechs Plätzen öffentliche Konzerte abgehalten, bei denen immer ein auswärtiger Verein und Frankfurter Arbeiter-Gesangvereine Freiheitschöre zum Vortrag brachten. Noch den Platzkonzerten marschierten die Vereins geschlossen ins Schumanntheater. In dem das Meeting um 10,30 Uhr begann. Als Redner traten der belgische Außenminister, Genosse Emil Vandervelde und der Staatsminister a. D. Genosse Karl, S e v e r i n g auf. Die Referate wurden von Massenchören der Frankfurter Arbeiter-Gesangvereine umrahmt. Zum Schluß sangen alle Anwesenden die Internationale. Der Bühnenvolksbund bekennt Farbe. Der Chrlstlich.Deutsche Bühnenoolksbund hielt am Sonntag einen Reichsjugendtag in Magdeburg ab. Jugendgruppen, die sich von den Bürger- blocksparteien haben einsangen lassen, waren in kläglicher Zahl er. schienen. Den Höhepunkt des Tressens bildete eine Kundgebung m der Theaterausstellung. Dabei sollte, wie es sich gehört, eine schwarzrotgoldene Fahne dem Festzug« vorangetrage» werden. Nach heftigen Auseinandersetzungen der Festleitung mit den Stahlhelm- sührern marschierten schließlich Himer der Reichsfahne zunächst Gruppen i>zr katholischen Jugend, Wandervögel und Spiclscharcn. Erst nach fünf Minuten folgten mit Blechmusik»er Stahlhelm und die Deulschnntional« Jugend. Aber welcher Schreck! Als man auf den Fcstplaß kam, erblickte man schon wieder die verhaßte Fahne hinter dem Rednerpult. Das hielten die deutschnationalen Jünglinge nicht aus, also rückte die Hälfte der deutschnationolen Gruppen mit Musik ab, während die andere Hälfte in die erste Strophe des Deutschlandsliedcs miteinstimmte.„Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen." Der deutsche Arbelter-Theoter-Vund hielt am 7. August in Magdeburg ein Reichstreffen ab. Mit einer Werbeoeranstaltung wurde am Sonnabend die Tagung eingeleitet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die neben Instrumental- und Gesangvorträgen die Aufführung des Pajsionsspteles„Der proletarifckic' Mensch" von Georg Hennig vorsah, stand ein Vortrag von Zllfred Auerbach (Frankfurt a. M.) über das proletarische Laienspiel. Am zweiten Tagungstag fand ein weiterer Vortrag Auerbachs mit dem Thema „Deutsche Theaterausstcllung und Deutscher Arbeiter-Theater-Bund" statt. t Betrüger i Ungetreue Lotteriebeamte.—? Am Sonnabendoormiklag sind auf Anzeige der General- direkiion der Klassenlotterie die beiden Beamten B o e h m und Scha'rnheim vom vernehmungsrichler im Polizei- Präsidium, Amtsgerichlsrat Struckmann vernommen worden. Nach der Vernehmung wurden beide Beamte verhaftet. In einer getrennten Vernehmung hallen beide das Geständnis abgelegt, sich aus bisher noch nicht geklärte Art in den Desih zweier Hauptgewinne über 100 000 und 50 000 Blark gebracht zu haben. Auf recht eigenartige Weise ist die Direktion der Klastenlotterie hinter den Betrug ihrer beiden Beamten gekommen. Bor einigen Tagen erschien bei dem Direktor P o n s der Klassenlotterie ein Einnehmer, der über merkwürdige Beobachtungen berichtete. Er berichtete, daß vor einigen Tagen bei ihm zwei Männer erschienen mären, um einen Gewinn über 100 000 Mark abzuheben. Das Benehmen der beiden war sehr auffällig, sie zählten das Geld nicht nach, sondern verschwanden sofort mit ihm. Der Einnehmer verfolgte beide. Er sah wie sie in ein Nachbarhaus gingen, dort kurz miteinander konferierten und sich dann trennten. Der Ein- nehmer folgte dem einen und sah, wie er im Gebäude deh Klassenlotterie verschwand. Er ging nun zur Direktion, teilte dort den Borfall mit und beschrieb den Mann. Der Direktor behielt diesen Beamten, der eine hohe Bertrauensstellung bekleidete, im Auge. Er wollte nicht ohne weitere Beweismittel einschreiten. Kurze Zeit später traf sich der Direktor mit einem anderen Ein- nehmer, um mit ihm organisatorische Maßnahmen zu besprechen: durch die verhindert werden sollte, daß nach der Ziehung die gezogenen Lose bei den Einnehmern gekauft werden können. Auch dieser Einnehmer berichtete über ein merkwürdiges Vorkommnis bei der Auszahlung eines Gewinnes über 50 000 Mark. Durch weitere Beobachtungen hatten sich noch mehr Beweise für die Schuld der Beamten gefunden. Am Freitag stellte die Direktion Strafantrag. Am Sonnabend wurden die Beamten ver- nommen und verhaftet. Sie gaben selbst zu, beide Ge- winne durch Betrug an sich gebracht zu haben. Bisher ist noch nicht festgestellt, wie es den Beamten möglich war die Losnummern zu vertauschen. Der eine der beiden Verhafteten zog die Los- nummern und der andere die Gewinne. Beide Beamte müssen durch geschickte Manipulationen die Kontrollen getäuscht haben. Ein unmittelbarer Schaden soll noch nicht entstanden sein, da es gelang, das unterschlagene Geld zu beschlagnahmen. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die beiden Beamten schon bei früheren Ziehungen lN Großen. �er seltsame Gerichtsverwalter. derartigen Betrug verübt haben. Für die Klassenlotterie entsteht nehmehr die Frage, ob nicht die ganze letzte Ziehung für ungültig erklärt werden muß, da zwei größere Gewinne nicht richtig gezogen sind. Die Generaldirektion hat zu heute eine außerordentliche Sitzung des Präsidiums einberufen, um diese Frage zu klären und die Untersuchung der Betrugsafsäre durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen. ISS 000 Mark Erbgut verspekuliert? Schwere Beschuldigungen werden gegen den beim Amtsgericht Berlin-Wilmersdorf bestellten Gerichtsverwalter Paul Ruppolt aus der Berliner Straße 18 zu Wilmersdorf erhoben. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Um das Vermögen des verstorbenen Direktors Rudolf T e u f f e r, das aus 125 000 Mark in bar und 175 000 Mark in Hypotheken, Grundbesitz und Wertpapieren besteht, schwebt seit Januar 1926 von mehreren Erbberechtigten ein Prozeß. Nach Abschluß des Prozesses wurde Ruppolt ein Schreiben zugestellt, in dem man ihn aufforderte, die Erbmasse an die Berechtigten aus- zuzahlen. Der Brief erreichte den Gerichtsverwalter in Binz, wo er sich mit seiner Familie befand. Ruppold verließ den Bodeort, ohne seiner Frau über Zweck und Ziel seiner Reise Auskunft zu geben. In seiner Berliner Wohnung traf er aber wider Erwarten nicht ein und ließ auch sonst nichts mehr von sich hören. Die Aus- Zahlung der Gelder ist bisher nicht erfolgt. Die allgemeine An- nähme geht nun dahin, daß Ruppolt, der vielleicht mit einer längeren Dauer des Prozesses rechnete, über die Gelder verfügt hat. Vom Nachlaßrichter wurde ein neuer Vermögensverwalter bestellt, der vor dessen Abreise noch mit Ruppolt Rücksprache hatte. Als er von dem Verschwinden des Mannes erfuhr und ihn auch in seiner Wohnung nicht antraf, begab.er sich zum 155. Polizeirevier und erstattete Anzeige. Ein Krimnalbeamter beschlagnahmte in den Räumen die auf die Erbangelegenheit bezügliche Korrespondenz. Das Material wird heute der Staatsanwaltschaft zugeleitet werden. Frau Ruppolt� erstattete jetzt ebenfalls eine Vermißtenonzeige, da sie mit der Möglichkeit rechnet, daß ihr Mann sich ein Leid angetan hat. Wie wir von anderer Seite noch erfahren, fand gestern in der Wohnung des jetzigen Sachwalters eine Versammlung der Erb- berechtigten statt, die aber zu keinem posittven Ergebnis führte. Aus den Papieren soll hervorgehen, daß die 125 000 Mark Bar- geld verloren sind. Man nimmt an. daß R. spekuliert hat. Die Nachforschungen nach Ruppoll sind eingeleitet worden. Hochbetrieb am Sonntag. Tie Massenflucht der Berliner. Wieder einmal ein schöner Sonntag, der zweite in diesem Som- mer! Der Wettergott scheint den Berlinern jetzt gnädiger gesinnt zu sein. Das heiße Sommerwetter— schon in den Vormittagsstunden wurden 28 Grad gemessen— hat denn auch wiederg zu machen. Die Herrschaften können sehr wohl aus- kömmlichere Löhne zahlen, allein sie wollen es nicht. Die Haupt- fache ist der Profit. Wo der Arbeiter dabei bleibt, das kümmert sie nicht. Die Hungerpeitsche der Aussperrung wird geschwun- gen, selbst wenn die Arbeiter sich mit einem dürftigen Schiedsspruch begnügen wollen. * Krefeld. 8. August.(EJIB.) Da die ausständigen 265 Spulerinnen, Winderinnen und Schererinnen in den vier Seidenwebereien heule vormittag die Ar- beit nicht aufgenommen haben, ist der Arbeitgeberverband der rheinischen Seidenslosfindustrie dazu übergegangen, alle Arbeiter in den rheinischen Seidenwebereien für heute abend zu kündigen. Stillgelegt werden durch diesen Schritt 35 Fabriken mit rund 4000 Arbeitern. 3n dieser Zahl sind auch die Arbeiter der vier Fabriken enthalten, in denen zurzeit gestreikt wird. Am kommenden Mittwoch finden in Köln Verhandlungen über eine Verbindlichkeits- crklärung des Schiedsspruches statt. /imerikanijche �rbeiteröelegatson. Nach dem gelobten Sowjetruhland. Aus den Vereinigten Staaten begibt sich eine Delegation nach Sowjetrußland, die sich als A r b e i t e r d e l e g a t i o n bezeichnet. Sie besteht aus Funktionären und' ehemaligen Angestellten einiger Gewerkschaften, hauptsächlich der der Eisenbahner. Sie gibt an, die Lage in Sowjetrußland zu„erforschen" und nach ihrer Rückkehr die Ergebnisse ihrer„Forschungen" der Oeffentlichkeit bekannt- zugeben. Hierzu wird von den nichtkommunistischen Arbeiter- Zeitungen Amerikas einmütig festgestellt: 1. Daß die„Delegierten" von niemandem delegiert werden: die Gewerkschaften, denen die Rußlandfahrer angehören, haben sie zur Studienreise nicht ermächtigt, sie sahren also auf eigene Verantwortung und durchaus als Privatpersonen: 2. daß die Mehrzahl der„Delegierten" aus ehemaligen Gc- werkschaftsangestellten besteht, die jetzt in der Arbeiterbewegung keine Rolle mehr spielen; die einzigen prominenten Mitglieder der Delegation sind Beamte der„Lokomotiv- und Jngenieur-Union". Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß sie sich nach Rußland begeben, um Handelsverbindungen mit der Sowjet- regierung anzuknüpfen und über Konzessionen zu verhandeln, nicht aber um die Lage der russischen Arbeiter zu untersuchen. Die Geschäfte dieser Union sollen jetzt nicht gut stehen. 3. Versteht keiner der Delegierten auch nur ein Wort Russisch. — Geleitet werden sie von einem Herrn D a w i s als Finanzexperten, der in den letzten Jahren öfter Gast in Moskau war und jedesmal nach seiner Rückkehr in der Presse und in Vorträgen die Lage Sowjetrußlands als glänzend bezeichnete. 4. Werden die Kosten der Reise, nach Angabe der„Delegierten" selbst, von gewissen„P h i l a n t r o p e n" gedeckt. Die Namen der Geldgeber werden sticht genannt. Hinter dieser Delegation stehen also außer Zweifel kapita- listische Unternehmer, die mit Rußland Geschäfte machen wollen(was an sich nur zu begrüßen ist), dabei aber natürlich nur ihren Profit im Auge haben. Daß die kommunistische Presse die „Studienreise dieser„Arbeiter"delegatlon mit ihrer Reklamepauke begleitet und sie umschmeichelt— das versteht sich von selbst. F. K. Lohnbewegung der Lokomotivheizer in Chikago. Chikago, 8. August.(MTB.) Vertreter von 5l)lX1l1 Heizern und Hilfsarbeitern von 65 westlichen Eisenbahnen haben mit den Arbeitgebern ein« Vereinbarung ge- troffen, wonach die Forderung nach einer Lohnerhöhung von 1 Dollar pro Tag einem Schiedsrichter unter- breitet werden soll. Die Lohnerhöhung würde im Jahre un- gefähr 12 Millionen Dollar ausmachen. Die Sparkaste der Dank der Arbeiter, Angestellken und Beamten A.-G„ Berlin. Wallstr. öS. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. Dcrantrwrtlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschast: A. Saternus; Dewerkschattsbeweauna: Kriedr. CWorn; iseuilletvn: Ä. K. Dilcher: Lotale» und Eoustiqcs: grijj Karstädt; ilnzeiaen: Th. Gloike; sämtlich in Berlin. Bcrlaa: Borwärts.Pcrlag E. m. b H., Berlin. Druck: Borwiirts.Buckdruckcret und Berlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SW 63, Lindenstrabe 3. Erfurt....«r.r. Goldnes Rad 100 km.... Sieger Krewer auf Opel Z. R. III Amsterdam.... Welimeisfersdiafts-Revanche..... Sieger Sawall auf Opel Z.R.III Köln....... Goldpokal Deutscher Radrennbahnen ,-,=. Sieger Krewer auf Opel Z.R.III Forst....... Stundenrennen.................,» Sieger Thomas auf Opel Z.R.III Nürnberg..... Stundenrennen................. Sieger Leddy auf Opel Z. R.III Theater des Westens 8'. Uhr. Die Tugendprinzessin Musik von Zorlig Elli Hoffntasn. Arthur Hell, Hailine Liilwig. Birtln Rettncr, Edith Karin, H. LSpidiütz Thea), a.(lollendorfpiatl Täglich 6 Uhr Altheideiberg Sdianipial«n Miyer-Foarstw Hattoni, Rnnfar. Sthsal, Bartels Preise: 1,-. 3,-, 3,- M. usw. Bann»sl>»»Bühnan Sontmerdiralrtisn Benno Bing rn.Küniggrätz. Sl. Hasenheide 2110 8 Uhr: Tie Sehnte v.llznadi Rose-Theater Gartenbühne 5 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr: Liebe Ist Tnimpl svaUioiia-Theai. Täglich 8V, Uhr: 8er fröhliche Weinberg Lustspiel in 3Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk tägl. auch Sonntags nur»0 PI. Lustspielhaus 8'/, Uhr. CaI6 Electrlk Planetariuni am Zoo Verläng. Jcadilnuthakr StraBe Noll. 1578 Der Stern enhini Niel auf der Reise von Berlin nach dem Aequator Votführungen: 4>/z, 6, 7'/,, 9 Uhr. Eintritt I M. Binder unt. 15 Jahren 0,5011. ReUhshallen-Theater Allabendlicil 8 Uhr Stettiner Sänger zum SchluB: Eine Hochzelt In der MBIIerstraB« Dönhoff- Brett'l: (Saalrund Garten) ' Variete, Konzert, Tanz „\Vr.s- 7 Sie- und 50 km zu Fufj... 7* „Tja, Fräulein- macht„Lebewohl"*!" *) Gemeint ist natürlich das berühmte.von vielen Aerzten empfohleno Hfihaernugen. Lebewohl und Lebewohl« iallenr cheiben, Blechdose(8 Pflaster) 75 Pfg, Lebewohl. PuUbad gegen empfindliche FüBe und Fußschweiß, Schachtel r? 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Sdretz Vorzeiger dieses zahlen für Parkett tägl. auch Sonntags nur 00 Pf._ Thealsr am Kotth. Toi tkonb. Str. 6 Tägi.8Uhr: Elito-Säipr Gewaltiges Proaramm. Pumpe nfabrik Berlin N 65, Roini iendorfBr S tr. 95 Inserieren hrlnj-f ERFOLG! A Müshtc sind die größte Plage für jeden tätigen Menschen. Gerade in der heutigen Zeit, die die Nerven durch ständige Aufregungen, wie sie mit dem aufreibenden Kampf ums Dasein verbunden sind, aufs Aeußcrste anspannt, müssen die Nerven durch Kalkzufuhr dauernd gestärkt werden. Diese Stärkung der Nerven geschieht am besten durch den Gebrauch von Hubertusbader Quellsalz, dem einzigen rein natürlichen Calciumsalz, welches in geeigneter Form die für die Nerven unentbehrlichen Kalksalze enthält. Durch diese Ka kzufuhr ruhiger Schlaf und gesteigerte Arbeitsfähigkeit. Nehmen Sie also regelmäßig fcibetftasbadel* faeBlsalz Zu haben in allen Apotheken und Drogerien. Originalpackung 3— Mk. 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