Mxrgrnmlsgal»!(jöl Bezugspreis: Anz Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich.* Sie« t n(( S,— Reichsmarl voraus zahlbar. ��S9A\ JBUjSf'/, �¥/ V Mf>«ile 80 i Anter«reuzbanb liir Deutschland. MWWlW.>.< �. Jb. y A.' � mM i.— Reichsni D-nzig. Saar- and Memelgebiei. WS � Ar i H das tettaedi Oesterreich, Litauen, Luxemburg iMZ M» A| Izuliislia zw 4,50 Reichsmark, für das übrig. M« VW �ätrOeW/ tiBrVy iSl■ Bif Ms MfX � ed., weite »u-l-nd SL0 Reichsmark vro Monat. W W«lM W � W W W W Ms Ktellengeiue! — W W MB M) W H BH HM W W f( BS HM is Pfennig Der.Rormärtz' mit der illustrier- äSQ&A sHäl H fli HM BW BH HWB BW H H bf) HB IM. // io Pfennig t-n Sonntag-b.il-g..Volk und Zeit-«SSS rBS■■■ HBH HB H�H H mL staben ,-hI towie den Beilagen.Unterhaltung WW WWW B W B B B B H«rbeitsmar und Wissen"..Aus der Kilmwelt". WiA W M«We AM.xM»xW�V MM.Ms B» B „Frauenstimme"..Der Kinder- IM? LA» M{Bll IfjjS&y JB\ H I L-milien-n ftcunb",„Zugend-Vorwärts".„Blick HH BS JBst�W�- � MWMX JH, // ß'' in die Bücherwelt" und.Kultur- BM SWX"▼/ �B\ // MB I orbert erscheint wochentäglich zwei. JgHH*- HHl Anzeigen st! pial. Sonntags und Montags einmal. müssen bis ■ �äää, Derlinev SS Zcntratorgan der Sozialdemokratifchcn parte! Deutfdjlande eigenpreise: o a l t t a e Nonpareille- vfennig Reklamezeile iart..Kleine Anzeigen- mckte Wort!S Pfennig >e> fettgedruckte Worteh re Wort 12 Pfennig. S» das erste Wort i, fedcs weitere Woe« Worte llber 18 Buch- len für zwei Worte, It steile 80 Pfennig. zeigen sttr Abonnenten le<0 Pfennig. ir die nächste Nummer 4ih Uhr nachmittags im ft, Berlin EWW. Linden. egeben werden GeLffnet r früh bis 8 Uhr nachm. Reöaktion uns Verlag: öerlin EW. bL, Linsenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. D e d h a m. S. August. Richter Thayer hak es abgelehnt, das Todesurteil gegen Sacco und vanzetti zu widerrufen und die Hinrichtung auf- zuschieben. Die Verteidiger Saccos und Vanzettis erklärten, der Wortlaut der Entscheidung Thayers, durch die der Antrag auf Widerruf des Urteils abgewiesen werde, berechtige die Anwälte der Angeklagten, die Einwände geltend zu machen. die sie erhoben hätten, falls die Entscheidung in offener Ge- richtssitzung ergangen wäre, hierdurch sei die Möglich- keit einer Appellation an den Obersten Staats- Gerichtshof gegeben. tzeute abend tzinrichtuny. London, 9. August.(Eigenbericht.) Die' hier vorliegenden Meldungen aus Rew Dort lassen keinen Zweifel darüber, daß die Hinrichtung von Sacra und Vanzetti am Mittwoch abend erfolgen dürfte. Auch die letzten Schritte der Verteidiger zur Hinderung eines ge- meinen Mordes sind nach den neuesten Meldungen ohne Erfolg geblieben. Demonstration zur hinrichtungsstunöe. Rem"Q ort, 9. August. , Das Hilfskomitee für Sacco und Vanzetti hat an führende Persönlichkeiten von Rem Jork und vielen anderen Städten der Der- e n'citen Staaten lclegraphisch die Aufforderung gerichtet, sich nach voston zu begeben und an der friedlichen Demonstration teil- z'mehmen. die um die Stunde der Hinrichtung— morgen kurz nach Mitlernacht— vor dem Eharlestomn-Gesängnis fiallfiaden soll. verööchtig! Auffällig! Jeuer! Rem Jork, 9. A gusl. Die Polizei hat verschiedentlich Anweisung erhalten, sofort mit der Schuhwasse vorzugehen, falls Personen in verdächtiger Weise herumstehen oder sich sonstwie ausfällig benehmen. wo ist öer Henker! Paris, S. August. Wie die„Paris Times" aus Boston erfahren, ist der G e- fängniselektriker, der die Hinrichtung Saccos und Banzettis vorzunehmen hat, aus seiner, in einer Vorstadt gelegenen Wohnung verschwunden. Es ist noch nicht dekann!, ob er sich aus Furcht vor Repressalien verborgen hält, oder ob er entführt worden ist, oder ober ob er sich, um sich gegen Ausschreitungen zu schützen, schon ins Gefängnis begeben Hot. Im Falle seines Ver- fchwindens mühte die Hinrichtung durch den Gefängnis wärter vorgenommen werden. Aber es müht« doch Richter Thayer oder Gouverneur Füller vorbehalten bleiben, auf den Schaltknopf zu drücken!... Der proteststurm üer firbeiterweit. Zn zahlreichen Betrieben Groh-Lerlins haben die Lelegschaslen Proteste gegen die Hinrichtung Saccos und vanzettis beschlossen, zum Teil auch die Arbeit einige Zeit zum Zeichen des Protestes ruhen lassen. Die Fälle der uns zugesandten Beschlüsse macht es ganz unmöglich, ihren Wortlaut zu veröfsentlichen. Was an Argu- menten und Appellen gegen den bevorstehenden Justizmord von Boston nur gesagt werden kann, hat der.vorwärts" in eindringlichster und ausführlichster Weise gesagt, er hat damit die Empfindungen der deutschen Arbeiterwclt laut verkündet. Demonstrationsversuche vor der nordamerikanischen Bolschast. also im Bannkreis, verhinderte die Polizei. Zwölf Personen wurden dabei verhastet. Wien. 9. August.(Eigenbericht.) Folgendes Telegramm ist der hiesigen Gesandlschast Nordamerikas zugegangen: Im Ramen der deutschösterreichischen Sozialdemokratie bitten wir Sie. Ihrer Regierung nahezulegen, sie möge nicht zulassen, doh sich die Vollstreckung eines Fehlurteils, die die Leidenschaft der Arbeiter und aller rechtlich denkenden Menschen erregt. zwischen die amerikanische Ration und das Gewissen der ganzen Welt stelle. Unsere Partei fordert mit allen Gleichgesinnten: kein Justizmord an Sacco und vanzetti! (gez.) Seih. Skarel. Danneberg. Frankfurt a. M.. S. August. Zu Beginn der heutigen Stadtoerordnetenverlamm- lung wurde von den Kommunisten ein Dringlichkeitsantrag ein- gebracht, das Präsidium der Stadtverordnetenversammlung zu be» austragen, an die amerikanisch« Botschaft in Berlin folgen- des Telegramm zu senden:„Die Frankfurter Stadtverordneten- Versammlung ersucht die amerikanische Botschaft, bei der Regierung Mittwoch, den 10. August 1927 der Bereinigten Staaten dahin zu wirken, dah die Arbeiter Sacco und Banzetti begnadigt werden." Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Wiesbaden, 9. August. Eine Volksoersammlung protestierte gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. Ein weiterer Protest richtete sich gegen die Beibehaltung der Todesstrafe im neuen deutschen Strafgesetz. Basel. 9. August. Das Genfer Komitee für Sacco und Banzetti, das ein Protest- telegramm an die amerikanische Gesandtschaft in Bern ausgegeben hatte, erhielt von der Telegraphenoerwaltung die Mitteilung, dah das Telegramm einstweilen zurückgehalten werde. Das Komitee hat gegen die Zurückhaltung protestiert und erklärt, daß in der Resolution beleidigende Ausdrücke gegen die amerikanischen Be- Hörden nicht enthalten seien. Ein« vom antifaschistischen Komitee in Basel einberufene Protestocrsammlung beschloß für Mittwoch nachmittag 4 Uhr in Basel einen P r o t e st st r e i k. Im Anschluß an die Versammlung fand ein Demonstrationszug statt. Aufammenstöße in Irontreich. Paris, 9. August.(Eigenbericht.) In verschiedenen Stödten, wie Cherbourg, Mans, P e r p i g n a n u. a., gab es heute große Protestkiindgebungen gegen die beabsichtigte Hinrichtung von Sacco und Vanzetti. In Cherbourg beschlossen die Kommunisten, sich für den Fall der Hinrichtung der beiden Anarchisten d e r Ausschiffung der„amerikani- schen Legion", die im September Frankreich besuchen will, zu widersetzen. In Casablanca(Marokko) war eine Manisestatian vor dem amerikanischen Konsulat, wobei eine amerikanische Fahne verbrannt wurde. Ein Vertreter der französischen Regierung hat dem ainerikanischen Konsul das Bedauern darüber ausgedrückt. In Paris-I v r y kam es bei einer Kundgebung zu schweren Zwischenfällen. Etwa 3000 Arbeiter, die von der Protestaktion zurückkehrten, drangen in eine auf ihrem Wege befindliche Fabrik ein, wo 500 Arbeiter beschäftigt waren, die sich g e w e i g e r t hotten, an der Demonstration teilzunehmen. Es kam zu einer wilden Schlägerei, in deren Verlauf sämtliche Maschinen und alles Mobiliar mit Eisenstangen in Stücke geschlagen wurde. Zahlreiche in der Fabrik tätige Arbeiter sind verletzt worden. Als Polizei- kröfte auf Autos herannahten, ergriffen die Manifestanten die Flucht. Der französische M i n i st e r r a t hat beschlossen, gegen alle Be- amten disziplinarisch vorzugehen, die zum Protest gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzetti die Arbeit eingestellt haben. Rleriko-Eity. 9. August.(Eigenbericht.) Der Gewerkschastsbund sandte an den amerikanischen Präsiden- tcn E o o l i d g e in der Angelegenheit Sacco und Vanzetii ein Prolestteiegramm. Er ordnete gleichzeitig T e i l st r e i k s im ganzen Lande an. Die Arbeiterschaft der Hauptstadt wird dieser Anordnung am Mittwoch durch einen halbstündigen Generalstreik Folge leisten. Rew Jork. 9. August. Wie aus Südamerika gemeldet wird, nehmen in Uruguay die Proteststreiks ein b e d r o h l i ch e s Zl u s m a ß an. Die Polizei ist verstärkt worden. Die amerikanische Gesandtschast und die Kon- sulatc werden von Soldaten hinter Gewehr bewacht. V e r s ch i e- dene Regimenter der Armee sind 20 Meilen von Monte- video zusammengezogen worden. Infolge des Streiks sind keine Zeitungen erschienen. Das Parlament hat Präsident Eoolidge telegraphisch ersucht, zugunsten der beiden Verurteilten ein- zuschreiten. Auch aus Panama, Asuncion, Guayaquil und Buenos Aires wird große Erregung in Arbeiter- kreisen berichtet, doch hat die Polizei dort alle Versammlungen und Straßenkundgebungen verboten. Selbst Mussolini hat zu vermitteln gesucht. Rom, 9. August. „Giornale d'Italia" meldet, daß der Vater des zum Tode ver- urteilten Sacco an den Premierminister ein Telegramm richtete mit der Bitte, sich dafür einzusetzen, daß sein Sohn, von dessen U n- schuld er überzeugt sei, nicht hingerichtet werde. Der Premierminister sandte an den Podesta der heimatgemeinde Saccos zur Uebermittlung an dessen Vater die telegraphische Versicherung, daß er sich seit langer Zeit für das Schicksal Saccos und Banzettis interessiere und daß er alles getan habe, was mit den inter- nationalen Bräuchen vereinbar war, um sie vor der Exekution zu retten. In dem Jtalieneroiertel Chikagos explodierte eine Bombe in einer katholischen Kirckje. Die Glasfenster und verschiedene Säulen wurden zerstört. Es ist bezeichnend, daß n a ch der Explosion überall Flugblätter verteilt wurden, in denen zu einer Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos und Vanzettis aufgefordert wird. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Derlin SW. 6S, Llnüenstr.Z CsftfAeCbntat««Ii»»1 83«-»«»Roat«: Sank der«rbritrr. B»aeft«Ite» »ad Btamirn, CBaBfft.(5;»Irbnto-ftefentAoft,«(»»Rtrnlaflr Linbenflt. S. Der neue Strastwllzug. Strafvollzug in Stufen ohne pädagogisch geschulte Beamte. Bon Felix Fechenbach. Dem Reichsrat ist der Entwurf eines Strasoollzugsgesetzes zugegangen, das nun endlich den Strafvollzug im ganzen Reich einheitlich regeln soll. Dieses Gesetz hat zwei Vorläufer. Im Jahre 1897 hatten sich die Bundesstaaten auf „Grundsätze" über den Strafvollzug geeinigt, um den nach dem Reichsstrafgesetzbuch ergangenen Urteilen einen an- nähernd gleichmäßigen Vollzug in den siebenundzwanzig deutschen Ländern zu sichern. Der gewünschte Erfolg blieb aus. Etwas besser war die Wirkung der„G r u n d- sätze über den Dollzug der Freiheitsstrafe n", die von den Justizverwaltungen der Länder im Juni 1923 gemeinsam aufgestellt wurden. Aber trotzdem blieben noch so große Unterschiede in der Handhabung des Strafvollzugs in den einzelnen Freistaaten, daß ohne Uebertreibung gesagt werden kann: Die Unterscheidung des Strafgesetzbuches zwischen Festung, Gefängnis und Zuchthaus ist für die tatsächliche Härte der Strafe zuweilen weniger ent- scheidend als die Tatsache, ob ein Verurteilter seine Strafe in Bayern, Preußen oder Hamburg zu verbüßen hat. Der Entwurf zum Reichsstrasvollzugsgesctz will nicht nur die Vereinheitlichung des Strafvollzugs im ganzen Reich durch- führen, fondern vor allem auch seme Humanisierung erreichen, indem er an Stelle des Vergeltungsprinzips ein System der Erziehung und Besserung setzt. Es muß auch zugegeben werden, daß der Entwurf von einem neuen, humanen Geist beherrscht wird, wobei aber nicht übersehen werden darf, daß trotz allem noch schwere Mängel zu beseitigen sein werden, bis der Entwurf den Anforderungen moderner Kriminalpsychologie und Pädagogik entspricht. Es soll hier ein bedeutsames Spezialgebiet aus dem Ent- wurf herausgegriffen werden: Der Strafvollzug in Stufen. Er ist die Grundlage der Strafvollzugsresonn, die der Entwurf bringt. Dieses Stufensystem kann aber das gesteckte Ziel der erziehlichen Beeinflussung der Gefangenen nicht erreichen, wenn nicht zugleich die Möglichkeit der Ein- Wirkung pädagogisch und psychologisch ge- schulter Beamten auf die Gefangenen gegeben ist. Hier ist eine ungeheure Lücke im Entwurf, die vom Reichsrat und Reichstag bei den bevorstehenden Vera- tungen ausgefüllt werden muß. Der Strafvollzug in Stufen soll nach 8 156 die Erziehung zum gesetzmäßigen Leben dadurch fördern, daß dem Gesänge- nen Ziele gesetzt werden, die es ihm lohnend erscheinen lassen, seinen Willen anzuspannen und zu beherrschen. In stufen- weise steigendem Maße werden Milderungen des Voll- zugs gewährt, durch die ein allmählicher Uebergang zum Leben in der Freiheit erreicht werden soll. Drei Stufen sieht der Entwurf vor, die immer größere Erleichterungen und Milderungen für den Gefangenen bedeuten. Die Voraus- fetzungen für das Aufrücken zur höheren Stufe regelt der 8 159. Der Gefangene rückt von der ersten zur zweiten Stufe auf, wenn sich aus feinem Gesamtverhalten An- zeichen dafür ergeben, daß er erzieherischer Einwir- kung zugänglich ist. Von der zweiten zur dritten Stufe rückt er auf, wenn sein Gcsamtverholten darauf schließen läßt, daß die erzieherische Einwirkung Erfolg hat. Theoretisch ist dies ein Bekenntnis zum Er- z i e h u n g s- und Besserungsgedanken. Jedermann erwartet als Schlußfolgerung aus dieser Bestimmung die For- demtg nach pädagogisch und psychologisch ge- schulten Strafanstaltsbeamten, sucht sie aber vergebens im Entwurf. Und nun stelle man sich vor, wer darüber zu entscheiden hat, ob ein Gefangener sich erziehlicher Einwirkung zugänglich erwiesen, oder ob ein« solche Einwirkung Erfolg gehabt hat! I u r i st e n sind die Leiter von Straf- anstalten, ehemalige Feldwebel und Unteroffiziere die Unterbeamten. Ihrer„erziehlichen" Einwirkung sind die Gefangenen ausgesetzt. Die Folge davon ist, daß das theo- r e t i s ch gewollte Erziehungssystem praktisch sehr oft ins Vergeltungsprinzip umschlägt. Di« jetzige Strafvollzugs- Praxis, die ja zum Teil schon nach Stufensystem gemäß den Grundsätzen von 1923 gehandhabt wird, zeigt— von einigen Ausnahmen abgesehen—, daß von den Juristen in den Strafanstaltsleitungen und von den Unterbeamten mit militä- nscher Vergangenheit immer wieder gegen die allsrelementar- sten Grundbegriffe der Pädagogik und Psychologie aufs gröblichste oerstoßen wird. Kein Wunder auch: fehlt doch den meisten dieser Beamten die für einen modernen Straf- Vollzug notwendige Schulung. Das Wort Vamb�rys vom Washingtoner Gefängniskongreß ist auch heute noch be- rechtigt:„Der Gefängnisbeamte von heute ist für die BeHand- lung der Kriminellen ebensogut ausgebildet, wie eine Kranken» schwester vor einem Jahrhundert für die BeHand- lung der Kronken ausgebildet war." Die Reichsgrundsätze vom Jahre 1923 enthielten in richtiger Erkenntnis dieser Sach- läge deshalb auch die Forderung, daß nur pädagogisch 9er?uftiAmorö wirö vollbracht. Heute Hinrichtung, wenn auch Füller versagt. üttß psyHoko glsH g e s ch u l k e Männer und Frauen als Strafanstaltsbeamte tätig sein dürfen. Im neuen Gesetzentwurf fehlt diese Forderung. Damit entsteht gleichzeitig die Gefahr, daß d'e systemotifche Schulung von Strafanstaltsbeamten unterbleibt. Hier bringt der Eni- wurf also einen ungeheuren Rückschritt, so sehr er auch in manch anderen Punkten erfreuliche Neuerungen fest- legt. Es wird intereant sein, zu erfahren, welche Erwägungen das Reichsfustizministerium veranlaßt haben, die grundlegende Forderung nach pädagogisch geschulten Beamten im Entwurf fallen zu lassen. Mit den so vorgebildeten Beamten steht und fällt die ganze Strasvollzugsrcform, weil die Verwirklichung der schönsten Grundsätze in der Praxis illusorisch wird, wenn man neuen Wein in alte Schläuche gießt, das heißt, wenn erziehliche Beeinflussung der Gefangenen pädagogisch unge- schulten Beamten überlassen wird. Eine weitere Verschlechterung bedeutet die' Einführung des Begriffs der„unverbesserlichen Gefangenen" in den Stufenstrafvollzug. Die Rsichsgmndsätze wissen nichts von solchen„Unverbesserlichen". Der neue Entwurf dagegen bestimmt in seinem ß 161, daß ein Gefangener vom Strafvoll- zug in Stufen auszuschließen ist, wenn sein Gesamtvcr- halten zeigt, daß ihm die Fähigkeit oder der Wille zur Besse- rung fehlt und daß eine Erziehungs- und Vesserungoarbeit im Strafvollzug in Stufen vergeblich sein wird. Eine geradezu gefährliche Bestimmung, die den Strafvollzug in Stufen unter- bricht und die als„unverbesserlich" gebrandmarkten Gesang?- ncn vom Stufensystem und seinen Milderungen ausschließt, also Ausnahmerccht schafft. Der Willkür werden damit Dur und Tor geöffnet sein. Wer entscheidet darüber, ob ein Ge- fangener„unverbesserlich" ist? Soll das bayerische System der erbbiologischen Untersuchung der Gefangenen in allen deutschen Strafanstalten eingeführt werden, um so die „Unverbesscrlichkcit" festzustellen? Soll die Liste der Bor- strafen den Ausschlag geben, oder werden die Strafanstalts- direktoren, die gute Juristen sein mögen, aber oft miserable Pädagogen und Psychologen sind, die Entscheidung fällen? Es ist leicht abzusehen, zu welchen Ungerechtigkeiten und Miß- griffen es in manchen Strafanstalten kommen muß, wenn der i? 161, der den„Unverbesserlichen" erfunden hat, nicht aus dem Gesetz gestrichen wird.* Im neuen Entwurf zum deutschen Strafgesetzbuch ist neben dein Gelegenheits- und GewohnlMsvcrbrecher auch der Ueberzeugnngsoer brechen anerkannt. Die bishe- rigen Entwürfe von 1922 und 1S21 hatten für Ueberzeugungs- verbrechen statt Gefängms- und Zuchthausstrafen die leichtere Strafe der Einschließung vorgesehen. Die Einschließung hat auch der neue Entwurf beibehalten: sie wird aber nicht mehr an dos Bewußtsein des Täters geknüpft, daß er aus seiner weltanschaulichen oder politischen Ueberzeugung l>eraus handelt, sondern an das r i ch t e r l i ch e E r m e s s e n, daß die Tat aus achtenswerten Beweggründen geschah. Bei der bekannten Praxis der meisten in Frage kommenden deutschen Gerichte werden Fememörder sehr oft aus„achtens- werten" Beweggründen gehandelt haben, den wegen poli- tischer Straftaten vor Gericht koimnenden Republikanern, Sozialdemokraten und Kommunisten werden aber ebenso oft die„achtenswerten" Beweggründe abgesprochen und sie nicht zur Einschließung, sondern zu Gefängnis oder Zuchthaus ver- urteilt werden. Das gleiche gilt für Redakteure in po l i ti- s ch e n Beleidigungsprozessen. Die so wegen politischer Straftaten zu Gefängnis und Zuchthaus Verurteilten unterstehen dann dem Strafvollzug in Stufen, wenn sie eine Strafe von mindestens sechs Monaten zu verbüßen haben. Der Straf- anstcrltsdirektor hat min die Wahl, einen solchen Gefangenen auf Grund des§ 161 für„unverbesserlich" zu erklären imd ihn vom Strafvollzug in Stufen und damit von ollen Milderungen und Erleichterungen auszuschließen. Er kann sich dabei sogar darauf berufen, daß er dem Gefangenen seine politische Ueberzeugung, die das Gericht ja nicht als„achtens- werten" Beweggrund anerkannt hat, nicht austreiben könne. Der Gefangene fft also„unverbesserlich". Oder'aber der Direktor reiht den politischen„Verbrecher" in den Strafvollzug In Stufen ein und muß sich dann nach einigen Monaten darüber informieren, ob sich„Anzeichen dafür ergeben, daß der Gefangene erzieherischen Einwirkungen zugänglich ist", beziehungsweise, ob„die erzieherische Einwir- kung Erfolg hat". Dam, erst kann er ihn in eine höhere Stufe aufrücken,'hm also Strafmilderungen zuteil werden lassen. Die Abwegigkeit eine solchen Verfahrens ergibt sich von selbst und muß dazu führen, daß im Entwurf zum deutschen Strafgesetzbuch wieder die frühere Formulierung vom Ueber- zeugungsverbrecher an Stelle des Handelns aus„achtens- werten" Beweggründen tritt. »Nationale� gegen Nationalfarben. ' Die Wut der Gestäupten. Im deutschnationalen Blätterwalds rauscht es unheil- drohend. Die preußische Regierung hat mit ihrer Notverord- uung zur Sicherung der Reichsflagge am Ver- faffungstage die fchwarzweißrolen Regierungsparteiler an ihrem empfindlichsten Punkte getroffen. Zwar ha, sich um einiger Mimstersitze willen die Deutschnationale Partei im Reiche verpflichtet, die Verfassung der deutscht, Re- publik und ihre Symbole zu schützen, aber wenn die preußische Staatoregierung mit diesem Schutz der republikani- schen Symbole ernst macht, dann heulen alle deutschnatio- nalen Regierungstruppen auf wie geprügelte Hunde. Daß sie sich dabei verleiten lassen, auch dem Zentrum in einer Tonart ,zu kommen, als wenn es nur ein gedul- d e t e s Anhängsel der Deutschnationalen wäre, ent- spricht zwar ganz den Herrschergewohnheiten dieser Ewig- Gestrigen, verrät aber einen so großen Mangel an Menschen- kenntnis. wie er eben nur bei den Anhängern des alten Ritter- fystems erwsftei werden kann. Die„Gsmania" klopft den Herrschaften deshalb recht unsanft ans die Finger, indem sie von dem Formalen auf den Kern der Dinge weist: „Der game Kampf richtet sich gegen die Farben der deutschen Republik, und alles Drum und Dran ist ledig- I i ch M a ch e zur Verdeckung der wahren Beweggründe. Wenn die „Kmiz-ZeiNing" meint, daß das Zentrum, das im Reichstag Wert auf loyales Zusammenarbeiten mit Deutschnationalen und Deutscher Voltspartei innerhalb der Reichsregierung lege, eine solche Illoyalität nicht begehen dürste, so sind wir der Meinung, daß die deukschaalio- nale Regierungspartei die Pflicht hätte, entsprechend ihrer Zusage für den Schuh der Reichsslagze einzutreten und dafür z» sdrqen, daß dieser Flagge die Achtung bezeugt wird, auf die sie Anspruch erheben kann. Der Kamps der Deulschnationaten in Preußen gegen die Farben des Reichs steht!m Gegensatz zn den von den Deutsch- nationalen in den Richtlinien eingegangenen Verpflichtungen. Die deuischnationale Presse ist zwar haftig dabei, den Streitpunkt auf das Farmale zu verschieben. Richi das ist das Wichtige, ab die preußische Regierung befugt ist, durch den ständigen Ausschuß die Verordnung beschließen zu lasse». Daß eine solche Verordnung not- wendig ist, kann niemand bestreiten, dem es wirklich ernst ist mit der Anerkennung der Reichsflagge." Wie wenig sich die Deutschnationalen aus feierlichen Ber- vflichtungen und aus der Sorge um das Reich machen, illu- striert wieder einmal die„Kreuz-Zeitung", in der der bekannte Fürstenamvali Ev e rl i n g einen giftgeschwollenen Leit- artikel veröffentlicht, in dem er dauernd von der„schwarzrot- gelben" Flagge spricht und behauptet, daß die preußische Re- gierung„mit der Z w a n g s f l a g g e ein Zeichen einer staatsrechtlich nicht haltbaren Reichshoheit Itabilieren" wolle. Das schlimmste, was er gegen die ireußifche Notverordnung vorbringen kann, ist allerdings die Behauptung, sie sei ein Akt des— U n i t a r i s m u s? Dieser Rechtsanwalt Eoerling sollte sich sein juristisches Lehrgeld wiedergeben lassen: denn auch ein politischer Abcschütze weiß heute, daß die deutsche Republik nichi au-S „Bundesstaaten" besteht wie das alte Kaiserreich, und daß die heutigen„Länder" staatsrechtlich einen anderen Charakter haben als die durch ihre Fürsten repräsentierten Bundesstaaten der bismarckschen Verfassung. Aber ob Unitarismus oder nicht: worauf es Herrn Ever- ling ankommt, ist, daß vom Rathause der, wie er sagt, „königlichen Residenzstadt" Potsdam nicht die Fahne des Reiches wehen soll. Deswegen das Meer von Tinte, das über die Notverordnung der preußischen Regierung ausgegossen wird! Die prinzlichen Herrschaften, die in Potsdamer Schlössern noch immer einer Wiederauf-' erstehung der Monarchie entgegenträumen, sollen auf jeden Fall vor dem Anblick der Rationalfahne bewahrt bleiben, die als Hoheitszeichen des neuen Deutschland selbst der kaiserliche Marschall Hindenburg als Reichspräsident zeigt. Der Streit ist kaum das Papier wert, auf dem er aus- gefochten wird. Er zeigt nur aufs neue, wie wenig Ver- trauen deutschnationale Versprechungen verdienen, selbst wenn sie in der feierlichen Form von Regierungserklärungen und in Treufchwllren auf die Verfassung abgegeben wurden! öopern unö üie Reichsflagge. Aus Bayern kommt die kaum unerwartete Meldung, daß am Verfassungstage aus den bayerischen Staatogebäuden nur die weißbloue Landesflagge gezeigt werden wird. Das ist nichts Neues und bleibt nur im Rahmen der bayerischen „Tradition". Gerade in diesen Tagen ist es von einigem Reiz. daran zu erinnern, daß schon im Jahre 1366 ein Flaggen- Zwischenfall in Bayern peinliches Aufsehen bei allen deutschen Patrioten erregt«. Damals war am Geburtstag des letzten Kaisers in Würzburg auf dem Gebäude der Universität und auf anderen staatlichen Häusern die damalige R-ichsflagge Schwarzweißrot aufgezogen worden. Sie mußte aber auf amtlich« Anweisung wieder heruntergeholt werden, weil in Bayern eine Verfügung bestand, wonach auf staatlichen Gebäuden n u r am Geburt-- und Namenstage des Königs und des Prinzrcgenten geflaggt werden dürfe und dann auch n u r in den bayerischen Landesfarben! Als die Niederholung der Rekchsflagge im übrigen Deuffchlanb bekannt wurde, gab es in allen kaisertreuen Gemütern ein« kleine Boyernvcrfolgung. Auf Grund der solcherweise entstandenen Er- regung sah sich das bayerische Ministerium veranlaßt, zu erklären, daß die alte Verordnung nicht mehr gelten solle und in Zukunft am Geburtstag des Kaisers a u ch die Reichsslagg« gezeigt werden dürfe. Das war immerhin schon dreißig Jahre nach Gründung des Reichs. Wir dürfen also hoffen, daß mindestens im dreißigsten Jahre der Republik auch in Bayern die neue Reichsfahne amtlich gezeigt werden wird. Wenn Preußen nicht so lange warten will und schon vorher die Flagge der Ration auf den Staats- und den städtischen Häusern zeigt, so wird da- die bayerischen Volksparteiler nur veranlassen, den Schritt des R a ch h i N k e n s noch um einiges zu verlangsamen.___ Rudolf Hilferding 50 Zahre alk! Heilte begeht Genosse Rudolf Hilferding das Fest seines 50. Geburtstages. Der jetzt Fünfzig- jährige hat von seiner frühen Jugend an dem Sozialismus in der verschiedensten Weise gedient. Heute Mitglied de- Parteivorstondes und Schriftleiter der„Gesellschaft", hat er jahrelang der Redaktion der„Reuen Zeit" und des„Vorwärts" angehört. Sein 1910 er- schienenes und später neu bearbeitetes Werk„Das Finanzkapital" gehört zu den wertvollsten Beiträgen zur theoretischen Grundlegung des Sozialismus. Hilferdings Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Finanzpolitik waren es auch, die ihn weit über den Rahmen der Partei hinaus bekanntmachten und ihm den Auftrag zur sachverständigen Vertretung der Arbeiter- interessen im Reichswirtschaftsrai und vielen anderen Stellen ver- schafften. Seine Mitwirkung an der Stabilisierung der Mark als Finanzminister wird heute'elbst von Kreisen gewürdigt, die dem Parteipolitiker Hilserding ablehnend gegenüberstehen. So verdankt ihm die modern« Arbeiterbewegung viel. Wir wünschen dem Gc- nassen Hilferding, der zurzeit auf einer Reise nach Brasilien unter- wegs ist, zu seinem 50. Geburi-tage alles Glück für weitere erfolg- reiche Arbeit im Dienste der Arbeiterklasse. schaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Völkern enger zu! knüpfen. Man hofft, bereits in diesem Herbst dos Frieden-haus in Dunsord eröffnen zu können. Von diesem Haus au- hat Eobden die Reise zu der Sitzung des Unterhaufes angetreten, um gegen einen Gesetzesantrag auf Befestigung der kanadischen Grenze zu stimmen. Als er auf dem Bahnhof von Midhurst seinen Zug erwartete, holte er üch die Erkältung, an deren Folgen er starb. Die Carnegie- Stiftung zur Förderung der internationalen Friedcnsidee nimmt lebhaften Anteil an der Gründung und wird sich auch finanziell daran beteiligen Das Haus in Dunford ist der Cobden-Gesellschoft von den bisherigen Besitzern zur Verfügung gestellt worden. Rückkehr der deutschen Island-Expedition. Die mit Unterstützung der Notgemeiirschast der deutschen Wissenschast, der Hamburger Hochschulbehövde, der deutschen Tuberkirlose-Forschungsanstalt Eppendorf und der deutsche» Seewarte nach Island entsandte strahlungsbiologssch« und meteorologische Expedition hat ihre Arbeiten mit Erfolg beendet. Sie war andauernd von bestem Wetter begünstigt. Es wunden in gemeinsamer Arbeit wichtige klimatische Faktoren in ihrer Auswirkung auf die Volksgefundcheit, msbesonderc aus Rachitis und Tuberkulose, festgestellt, über die in Kürze berichtet werden wird. Der Panzerkreuzer als Heilanstalt. Die ausrangierte„Amptst- trite", die noch vor Jahresfrist in die Kategorie der Panzerkreuzer der Vereinigten Staaten gehörte, wurde von einer Unternehmer- gefellschast in eine Heilanstalt für Lungenkranke umgewandelt. Die Kanonen und die verschiedenen Kriegsmaschinen verschwanden. Lururiös eingerichtet« Kabinen, ein großes Promenadendeck ent- standen. Sonnenbäder, Baderäume, ein Zanderinstiliit und alles, was-in Kranker braucht, wurden errichtet. Jetzt liegt die„Ampchi- trite" im Dorado der Lungenkranken, im Hasen von Key West im Süden von Florida, und erwartet die ersten Heilungsuchenden. Brasiliens größte Kaffee-Ernte. Die Kaffee-Ernte, die Brasilien in dieseni Jahre z» erwarten Hai, wird auf nicht weniger als 22 M!l- lionen Sack geschätzt. Es ist die größte Kaffee-Ernte der Welt, und ihr Ergft'Nis ist im, so eindrucksvoller, als der Durchschnitt der brasilianischen Kaffee-Erzeugung bisher noch niemals den Stand von 16 Millionen Sack überschritten hatte. Von den 22 Millionen Sack entfallen allein 14 Millionen auf die Ernte im Staate Sao Paolo. Der Präsident der Republik hat sich persönlich mit den Er- zeugerstaaien in Verbindung gesetzt, um slcb mit ihnen über die Transportregelung und die Valorikation der Ernte zu verständigen. Ob der Kaffee nun billiger wird? Sicher nicht. Der Deutsche Rlonlstenbund zu dem Enkwurs eines Reichsschulgesetzes. Der Deutsche Monistenbund hat eine Entschließung zu dem Entwurf eines Reschsschulgefetzes gefaßt, in der erklärt wird, der vorgelegte Entwurf stehe in unversöhnlichem Gegensatz zur Reichs- Verfassung und den Gesetzen der soziologischen Entwicklung, die in allen Kulturländern der Welt auf Verstaatlichung und Vcrwclt- lichung des Unterrichts- und ErziehungswKfdns hindränge. ber 5)umor!st l'.o rv» Zciroiiy ßeilorben. AUiuciner b�deuiiiften Jöurnorl, der beliebte Hnmoriil RschuS Jabob» wuree in der«äbc seiner Villa am Starnberger See von einem Lastkrasltvagen»bcrsahrcn und so schwer»erletzt, daß er bald daraus im Krankenhaus verstarb. Jacvby bat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Der hochselige König. Von Lucia». In seiner Festrede zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Berliner Universität gedachte der Rektor in Dankbarkeit des Gründers Friedrich Wilhelm III., des„hochseligen"-Königs. Scheinbar eine Kleinigkeit, kaum der Rede wert, wenn man, wie es in Deutsch- land üblich ist, Symbolen keine Bedeutung schenkt, lvenigstens nicht den Symbolen des Staates. Aber hinter dieser Kleinigkeit kommt für denjenigen, der sehen kann, eine große Absicht zum Vorschein, die schon in der die Staatsverfassung behandelirden Rektoratsrede angedeutet war. Es mag schwer sein, sich inmitten des mittelalterlichen Pomps einer Universitätsfeier, umgeben von den in vollem Wichs aufmarschierten Chargierten und den buntfarbig maskierten Professoren einen modernen Geist zu bewahren, aber der Diener der Republik müßte soviel Takt haben, zwischen einem König und den höchsten Vertretern des jetzigen Staates keinen Unterschied zu machen. Würde er den toten Friedrich Cbert als hochselig bezeichnen? Jene lächerliche Form beweist nichts anderes als ein geistiges Strammstehen vor der gewesenen Macht. Sie beweist andererseits eine Geringschätzung der Republik und der in ihr üblichen Formen, die unter keinen Umständen geduldet werden sollte. Die Liebedienerei hinter den früheren Monarchen ist nichts anderes als eine Demon- stration, wie sie fanst durch das Zeigen der fchwarzweißroten Flagge geschieht. In keiner anderen Republik dürfte sich ein hoher Staat-- beamter derartiges gestatten, ohne daß ein sofortiger Protest erfolgte. Mögen die Verdienste jenes unbedeutenden Königs um das geistige Leben der preußischen Hauptstadt besondere gewesen sein, was wir nicht erörtern wollen, als Gründer der Universität soll ihn der der- zeitige Rektor wie irgendeinen um das Vilduiigswesen verdienten Mann feiern, der als Toter keine höhere Seligkeit als andere Sterb- liche genießt. In der Republik darf zwar noch immer das Andenken eines großen. Präsidenten verunglimpft werden, aber«in kleiner König weilt erhaben unter den Hochseligen. Auch die toten Könige dürsen sich noch immer auf bessere Stühle setzen als die lebenden Staats- Oberhäupter. In der Ewigkeit ist noch immer auch dem taleut- ärmsten König eine Sonderklasse reserviert. Ein Domela kann zwar Grasen und Generale, Oberbürgermeister und Intendanten vor sich auf den Knien rutschen sehen, niemals wird er zur Hochseligkeit ge- langen. Er hat nur den Trost, im Jenseits einmal in derselben Sphäre zu weilen, wo auch die großen Toten seines Landes ver- sammelt sind. Eine Bagatelle, die keine Bagatelle ist, Herr Rektor. Hunderle von jungen Leuten, die zukünftigen Würdenträger und Gcistesstützen des Staates hören Ihren Worten zu und empfangen den Eindruck, daß dieser Staat zweiten Ranges fei. So geht es ständig in dieser Republik, im Qeinjten wie im größten, offen oder verdeckt, mit Ge- walttnt oder Feigheit. Ob dem Prinzen Domela ein Sonderwagen zur Bersllgung gestellt wird, ob dem verstorbenen Monarchen die Hochseligkeit zuerlannt wird, der Untertanengeist ist immer der gleiche. Und wann eine Rede noch so vorsichtig und nur dem Ein- geweihten verständlich gehalten wird, der Pserdefuß kommt doch zum Vorschein. Das Sporiherz. Vielfach ist die Anschauung verbreitet, daß durch«ine starke und dauernde sportlich« Betätigung eine Erweite- rung und Erkrankung des HerZcns eintreten kann. Nun ist aller- dings durch die neuesten sportärztlichen Untersuchungen eine Ver- größerung des Herzens bei eifrigen Anhängern des Lauf-, Spring- und Rudersports nachgewiesen, aber die Gefahren, die man daraus ableitet, sind zum mindesten stark übertrieben. Die Vergrößerung des Herzens durch dauernde sportliche Uebungen vollzieht sich all- mählich und im Verhältnis z» der besseren Ausbildung des übrigen Körpers. Ein großes starkes Herz schlägt langsam, aber wenn ein Herz mit einem Pulsschlag von 60 Schlägen in der Minute dieselbe Arbeit leistet und dieselbe Menge Blut durch die Arterien pumpt wie ein Herz mit einem Pulsschlag von 72, so hat das gewiß nichts auf sich. In Amerika hat man«ine Reih« interessanter Experimente an einer Gruppe tüchtiger Sportsleut« vorgenommen, die von einem bedeutenden Sportsarzt untersucht würden. Bei einem berühmten Läufer, der eine englische Meile in 7 Minuten zurücklegte, ergab eine Untersiichung, daß sich sc!» Herz um% Zoll ausgedehnt tzatte. Ein nicht trainierter Mann, der ein« halbe Meile in 6 Minuten zurücklegt«, also kaum die Hälfte der Schnelligkeit des Trainierten entfaltete, wurde dann untersucht, und man fand, daß sich sein Herz um 1% Zoll erweitert hatte. Zlehnl'che Ergebnisse fand man bei trainierten und untrainierten Läufern auf mittlere Entfernungen. Ein Mann, der zwei Jahre trainiert hatte, machte einen Schnell- lauf auf 150 Meter, ohne daß sein 5zerz überhaupt eine Veränderung erfuhr: ein untrainierter Mann, der dieselbe Strecke mit nur drei Viertel der Schnelligkeit des anderen zurücklegte, war ganz erschöpst und hatte Herzbeschwerden. Die amerikanischen Beobachtungen zeigten, daß Sportleute, die Zigaretten rauchten und nicht aenügend trainiert waren, die stärksten Herzbeschwerden aufwiesen. Man steht heute auf dem Standpiliikt, daß der Sportsmann, der keine ZIga- retten raucht, nicht trinkt und sachgemäß trainiert, nicht die geringsten Beschwerden von seinem„Sportherzen" z» fürchten hat. Gesunde sportliche llebungen stärken das Herz und härten es gegen Schädi- aungen ab, die durch eine plötzliche Erregung hervorgerufen werden können. V. Richard Eobden» Haus als Friedenszenlrale. Das Hau», in dem Richard Eobden, der englische Vorkämpfer für Freihandel und Welt- frieden, am 3. Juni 1804 geboren wnrde und das er bis z» seinem Tode am 2. April 1865 bewohnt hat, ein hübsches, in Dunford bei Midhurst in der enqliichen Grasschaft Süsser gelegenes Haus, ist be- stimmt, ein Heim der Meltsriedensb-m-gung zu merden H'er tn der friedlichen Stille der Höhen von Snller sollen Debaitirrklnbs und Sommerschulen ihren Sitz finden und Versammlungen und Kongrelle veranstaltet werden: man will, mit einem Wort, eine Zentralstelle schassen, die alle Eiazelbestrebungen in einem Punkt« zusammenfassen . joll. um die Friedensbewegung in Fluß zu erhalten und die{raind- verfassungstag im Reich. Sonntagsdienst in Reichsbetricben. Die Zlimmerkifte öer Reichswehr. Zur amtlichen Untersuchung. Das Reichsmehrministerium hat eine amtliche Untersuchung über die Vorwürfe angekündigt, die wegen der Jnteressenverfilzung zwischen Reichswehr und Reichsmarine auf der einen und der Filmindustrie auf der anderen Seite gegen Neichsstellen und gegen Kapitän Lohmann erHoden worden sind. Man vermutet wohl mit Recht, daß die Ma- rineverwaltung diesen Antrag nicht aus freier Entschlußkraft gestellt hat. Sonst wären die ersten Versuche einer A b- l e u g n u n g dieser Zusammenhänge ebenso überflüssig gewesen wie sie blamabel waren. Offenbar hat die Reichsregierung selber in der Veranstaltung einer derartigen Untersuchung den einzigen Ausweg gesehen, um der D i s- k u s s i o n ein Ende zu machen, und erst dann ist die Reichsmarinevcrwaltung mit ihren Antrag hervorgetreten. Der„Reichsdienst der deutschen Presse" weiß hierzu zu melden, daß das Reichswehrministerium die Zufammenstel- lung einer Denkschrift beabsichtigt, die auf die erhobenen Borwürfe eingeht und gleichzeitig zeigen soll, wie wichtig und notwendig Subventionen der Industrie für die Wahrung der deutschen Interessen sind. Wir haben nichts dagegen, wenn die Reichswehr Maßnahmen verteidigen will, die getroffen m haben sie in aller Oeffentlichkeit bestreitet. Schließlich braucht ja das Reichswehrministe- rium sich nicht nur durch Landesverratsverfahren gegen alte Generäle lächerlich zu machen. Aber die Absicht dieser Denk- schrift leuchtet dost) in Zusammenhänge hinein, an denen die deutsche Oeffentlichkeit nicht achtlos vorübergehen kann. Denn es ist in Wirklichkeit nicht so sehr von Belang, ob das Reichswehrministerium aus dem reichen Schatz seines Haushalts ein paar Millionen der Filmindustrie, als der In- dustrie der geistiaenRüstung des Volkes, oder ob sie sie einer sowjetrussischen Granatenfabrik zugute gebracht hat. Irgend etwas muß doch mit den großen Fonds angefangen werden, die die Reichswehr nun einmal für sich beanchrucht und von der Bürgerblockmehrheit auch glatt bewilligt erhalten hat. Etwas anderes jedoch ist es, ob das Reichswehrnün-fterium mit feinen Mahnabmen im Bereich seiner Amtstätigkeit geblieben oder seine Befugnisse über- schritten hat. Es ist für ein freies Volk doch ein unerträglicher Zustand, wenn man fürchten muß. daß hinter jeder Film- Vorführung ein illegitimer, uniformierter Zen- f o r st eh t, den man bloß deshalb nicht kennt, weil sich eine derartige Tätigkeit hinter mancherlei Kulissen verbergen läßt. Die Fragen der Filmzensur unterstehen dem Reichsinnen- Ministerium. Bei aller bewährten Geistesverwandtschaft zwischen Herrn v. Keudell und den reaktionären Offizieren von der Bendlerftraße kann man doch nicht annehmen, daß die Entscheidungen des Innenministeriums ähnlich aussehen würden wie die versilberten Versuche einer Beeinfluffung der Filmproduktion durch Reichswehr und Marine. Es braucht nur darauf verwiesen zu werden, daß zur Wahrung der be- rechtigten Interessen der Regierung in der Volksaufklärung ja die Zentrale für Heimatdicnst besteht. Dieses Institut ist einem interfraktionellen parlamen- t a r i s ch e n Ausschuh unterstellt. Seine Tätigkeit in der Oeffentlichkeit �ann kontrolliert werden. Neben dieser omt- lichen Dolksaufklärung aber scheint« noch— und das ist der politische Sinn der ganzen Enthüllungen— eine unverantwortliche nichtamtliche und tvntzdem von öffentlichen GeDern gespeiste Beeinflussung der Filmvorführungen zu geben. Sie hat ihren Sitz in dem Ministerium, das solche Maßnahmen in seiner Denkschrift zu verteidigen beabsichtigt. Run, wir werden ja sehen, was das Wehrministerium dazu zu sagen hat. Iodenfalls möchten wir betonen, daß nach der ganzen Art der Enthüllungen die Untersuchung eine öffentliche sein muß. Nicht nur wegen der korruptiven Bcgleiterscl)ei- nungen, die dabei zur Sprache gekommen sind, sondern vor allen Dingen wegen der politischen Folgewirkungen. die jede Verheimlichung nach sich ziehen muß, bedarf die Zusammenarbeit von Wehrministerium und Filmgesellschaften einwandfreiester Klarstellung. Es geht um die Frage, ob neben der Staatsautorität auch in kulturellen Dingen eine ei genmächt i-ge Gruppe beamteter Offiziere ein Recht auf die Beeinflussung des Volkes mit öffentlichen Geldern beanspruchen darf oder nicht. Für Demokraten gibt es keinen Zweifel bei der Beantwortung. Wir find neu- gierig, ob es etwa bei den Sachwaltern eines demo- kratischen Staates solche Zweifel gibt. Sekämpfung üer Geschlechtskrankheiten. Die Preußische Ausführungsverordnung. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags beschäftigte sich am Dienstag mit der Ausführungsoerordnung zum Reichsgesetz zur Bekänipfung der Geschlechtstrank- Helten. Nach der Verordnung soll die Durchführung der zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten vorgesehenen Maßnahmen als Selb st Verwaltungsangelegenheit die Gesundheits- behörde zuständig sein, in deren Bezirk der Verdacht der Weiter- v-rbreitung der Krankheit bei einem Krankheitsvcrdächtigen oder Kranken hervortritt. Die Kosten haben die Stadt- und Landkreise zu tragen. Die Durchführung der den Landkreisen zustehenden Auf- gaben kann durch Beschluß des Kreisausschusses kreisangehörigen Gemeinden und engeren Gemeindeverbänden(rheinischen Bürger- meistern und westfälischen Aemtern von mehr als tODOV Einwohnern und in der Provinz Hannover den selbständigen Städten übertragen werden, wenn die ordnungsmäßig« Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten dadurch nicht gesährdet wird. Unter dieser Voraussetzung können auch Gemeinden und Gemcindeverbände die Uebertragung beantragen. Die Uebertragung bedarf der Genehmi- gung des Negierungsprästdenten, der sie nur mit Zustimmung des Bezirksausschusses versagen kann. Kreisangehörige Gemeinden und engere Gemeindeverbände, denen die Durchführung übertragen ist, haben von dem sächlichen Aufwand drei Zehntel, die Landkreise sieben Zehntel zu tragen. Die Verordnung soll am 1. Oktober 1927 zugleich mit dem Reichsgesetz in Kraft treten. Abg. Dr. G r u n d m a n n(D. V.) wies als Berichterstatter darauf hin. daß es besonders auf den Geist ankomme, mit dem die zuständigen Stellen die Verordnung durchführten. Er rügte, daß die preußische Staatsregierung denselben Fehler mache wie das Reich, nämlich den unteren Instanzen neue Aufgaben zu überweisen, sich aber an den Kosten nicht zu beteiligen. Dann habe man kein Recht, den Gemeinden Sparsamkeit zu empfehlen. Abg. Schwenk(Komm.) bezeichnete die Berordnung geradezu als Berhinderungsinahnahme zur Bekämpfung der Geschiechlskrank- -Heiken. Zur Regelung der Perfassungsfeier in der R e i ch s v e r w a l t u n g hat die Reichsregierung folgend« Der- s ü g u n g erlassen: „Rcichsbesoldungsblatt Rr. 16 vom 3. August 1927 Nr. 1561. Feier des Verfassungstages. Nach einem Beschluß der Reichs- regierung wird am Berfassnngstage in der Reichsverwaltung durch- gängig Sonntagsdienst gehalten. Für den Betriebsdienst der Reichsverwaltung wird die durch die Natur der Sache gebotene Sonderregelung von den Der- ivaltungschess getroffen. Für den Zollabfertigungsdienst habe ich bestimmt, daß er der für den Betriebsdienst der Reichsbahn und Reichspost etwa getrossenen örtlichen Sonderregelung je nach dem Bedürfnis anzupassen ist; hierbei ist den Beamten, Angestellten und Zlrbeitcrn zur Teilnahme an Bersassungsfeiern oder Festgottesdionften die erforderlich« Zeit freizugeben, soweit die dienstlichen Verhältnisse es irgend gestatten. Lohnabzug oder Lohnkürzung tritt aus Anlaß der Dienitbesrctungen nach Absatz 1 und 2 nicht ein. Die A b g e l t u n g des am Bersassungstag geleisteten Dienstes erfolgt in den Ländern, in denen der Bersassungslag gesetzlicher Feiertag ist, nach den tariflichen Bestimmungen über Wochcnfeier- tage, im übrigen nach den für SonNtogsarbeit geltenden Vestim- mungen. Berlin, den 4. August 1927. I.B. 11272. Der Reichsininister der Finanzen. In Vertretung des Staatssekretärs: Dr. Zarden." Die überwiegende Mehrheit der Beamtenschaft, die ja auf dem Boden der republikanischen Berfasiung steht, wird dies« Regelung im Reiche begrüßen. Verfassungsfeier unü Reichsbahn. Der Generaldirektor hat durch Verfügung vom 4. August dieses Jahres nähere Anweisungen über die Feier des Berfassungstagos für die Reichsbahnstellen herausgegeben. Darin werden die nachgeord- neten Dienststellen angewiesen, die Feier des Verfasiungstages in Anlehnung an die von der Reichsrcgierung g«. troffencn Maßnahmen wie in den Borjahren festlich zu begehen. Die Rsichsbahnstellcn werden angehalten, vorschrifts- mäßig zu flaggen und sich an der Feier zu beteiligen, sowie gegebenenfalls ihre repräsentative Vertretung zu übernehmen. Der Dienst soll wie folgt geregelt werden: In Ländern, in denen der Bersassungstag als gesetzlicher Feier- t a g anerkannt ist, soll der Personen- und Güterverkehr den Bedürj- nissen des Bezirke entsprechend, eventuell im Benehmen mit den Nachbarbezirken, geregelt werden. Im übrigen ist der Dienst wie an Feiertagen zu regeln. In den Ländern, in denen der Bersassungstag kein gesetzlicher Feiertag ist und der Eisenbahnverkehr wr« an Werktagen bedient werden muß, ist den Bediensteten nach Mög- lichkeit Gelegenheit zur Teilnahme an staatlichen und kirchlichen Feiertagen zu geben. Es ist angeordnet worden, daß in den Bu- reaus der Reichsbahndirektion, zentralen Aemtern und Reichsbahn- äintern grundsätzlich Sonntagsdienst zu verrichten ist. Der Dienst soll insoweit aufrechterhalten werden, als dies durch die Verkehrsbedienung wie an Werktagen ersordcrlich ist. In den Aus- besienmgswerken und Hauptwerkstätten sowie in der Bahnunter. Haltung ist die Arbeit um 13 Uhr zu beenden: bei der� Festsetzung des Dienstschlusfes kann auf die Zugfolge entsprechend Rücksicht genommen werden. Abg. L c t n e r t(Soz.) forderte, daß die Berordnung nur als Notverordnung gelten solle, und daß ein entsprechendes Aus- sührungsgcsctz dem Landtag nach seinem Wiederzusammen- tritt vorgelegt werde. Die Bezeichnung„Selbstoerwaltungsangelegen- heit" sei anscheinend nur gewählt worden, da der Staat die Kosten nicht tragen wolle. Von Selbstverwaltung sei wenig zu spüren. Die Kosten müßten de in Staat zur Last fallen, da die Bekänipfung der Geschlechtskrankheiten eine große allgemeine Auf- gäbe sei. Zum mindesten müsse man eine Beteiligung des Staates an den Kosten fordern. Nach weiteren Slusführnngen der Parteivertreter wurde der Antrag, einen Unterausschuß einzusetzen, mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. In der Einzelberarung wurde beschlossen. einem Antrag des Zentrums entsprechend, daß zur Durchführung der Aufgaben sachlich vorgebildete Aerzte heran zu, ziehen seien. Ferner wurde beschlossen, bestehende Veratungs- stellen, die den behördlichen Anforderungen genügen und die Er- richtung neuer Stellen überflüssig machen, heranzuziehen und anteils- mäßig mit Mitteln auszustatten. Die Uebertragung der Kosten auf den Staat wurde abgelehnt. Die zur Durchführung der Verordnung erforderlichen Bestimmungen müssen dem Landtag vor- gelegt und auf sei» Verlangen abgeändert werden. Schließlich wurde die Berordnung selbst gleichfalls mit IS gegen 14 Stimmen an- genommen. Chrharüt will Amnestie! Er appcNiert an Hindenburg für Max Hölz. Im neuesten Heft des„Arminius" erhebt der Oberputschist Ehrhardt sein« Stimme für eine H i n d« n b u r g- A m n e st i e. Cr appelliert in Tönen tiefster Entrüstung über„parlamentarischen Kuhhandel" an den Reichspräsidenten persönlich,«ine„große, eine ganz große Amnestie" zu gewähren, auch für Max Hölz und andere Kommunisten, von denen er sagt: „Zn meinen Augen und in den Augen von Millionen Deutscher sind diese Männer kein« ehrlosen Verbrecher, alle haben sie ge- glaubt, durch Ihre Tat dem Valcrlande, dem deutschen Volte Helsen zu können." Soweit Hölz und die Kommunisten in Frage kommen, ist das Geständnis Ehrhardts sehr interessant. Aber soll sein Plädoyer für die Ehrenhaftigkeit der politischen Bevgehen auch seinen Meineid decken? verpufftes tzetzmanöver. Frankreich hat keinen Anlaß zu RüstungSbeschwerdcn gegen Deutschland. Pari». 9. August.(Eigenbericht.) Der Ministerrat beriet heute über den jüngst durch Indiskretion veröffentlichten Bericht des Rsteinland-Generals G u i l l a n m a t über kriegerische Rüstungen Deutschlands im Rheinland. Nach dem ossiziellen Kommunique, das den Bericht für überholt erklärt und ausdrücklich hinzusügt. daß seit seiner Slbsassung am 22. Fe- bruar dieses Jahres die französische Regierung keinerieiAnlaß Im Betriebs- und Verkehrsdienst ist dem Personal Dienstbesreiung zur Teilnahme an Bersassungsfeiern oder Fest- gottesdionsten zu gewähren, soweit dies die Rücksichtnahme auf den Betriebs- und Verkehrsdienst gestattet. Der Lohn ist für die da- durch eintretend« Arbeitsversäumnis fortzuzahlen. Diese D e r s ü g u n g. die im Benehmen mit dem Haupt- beamten- und Hauptbetriebsamt ergangen ist, bedeutet gegen- über dem Borjahr einen Fortschritt. Wir sind jedoch der Meinung, daß auch im Betriebs- und Berkehrsdienst eine stärkere Arbeiteruhe, zum Beispiel bei den Güter- böden, Uwladehallen und in den Werkstätten der Bahnbetriebswerke durchzuführen wäre. Zum anderen muß jedoch zugegeben werden, daß die richtig« Durch- führung der Arbeitsruhe im Betriebe- und Berkehrsdienst davon abhängig ist. inwieweit die Berfassungeseier in der Privatindustric und im Speditionsgewerbe durchgeführt wird. Die Personalvertretungen werden gut tun, sich rechtzeitig um die richtige Durchführung dieser Verfügung zu kümmern und ihrer- seit» dazu beitragen, um«ine würdige Feier des Ver- f a s s u n g S t a g e s bei der Reichsbahn zu gewährleisten. Reichs- unü Staatsbehöröen. Für die preußischen Staatsarbeiter ist der Bersassungstag eine voin Staatsministerium im Sinne der Mantel- tarifbestimmungen angeordneter Feiertag, an dem auch dann, wenn nicht gearbeitet wird, der Lohn weiterzuzahlen ist. Das geht aus dem Runderlaß hervor, der in dem am 5. August erschienenen Preußischen Besoldungsblatt Nr. 85 zum Abdruck ge- bracht ist. Der Runderlaß lautet: Runderlaß des Finanzministers, zugleich im Namen des Ministerpräsidenten und sämtlicher Staatsminister vom 27. Juli 1927. betreffend die Verfassungsfeier. (Br>. 9572b) Die Ziffer 5 des aus Seit« 193 des Preußischen Besoldunos- bialtes 1927 abgedruckten Beschlusses des Preußischen Staats-, Ministeriums vom 8. Juli 1927, FM. Sckr. 181. gilt sinngemäß auch für Angestellte und Arbeiter. Hinsichtlich der Lohnempfänger sind hierbei die Bestimmungen der ZZ 12 und 15 des Manteltarifes zu beachten. An die nachgeordnete« Behörden sämtlicher Zweige der preußischen Staatsverwaltung. Leider hat das R e i ch bis zum heutigen Tage seinen Kabinetts- beschluß noch nicht veröffentlicht. Soviel wir aber in Erfahrung bringen konnten, ist auch dort geplant, in ähnlicher Weise wl« in Preußen zu verfahren. Die meisten Schwierigkeiten sind im vorigen Jahre un Bereich des Reichswehr- mini st er ume eingetreten. Um jeder Unannehmlichkeit aus venr Wegs zu gehen, hat der Verband der Gemeinde- Und Staatsarbeiter deshalb vor einiger Zeil an das Reichswehr- Ministerin geschrieben und unUr dem 1. August nachstehendes Schreiben erhalten: „Reichswehrministerium(Heer) Nr. 838/. 27. V. 1. Aus Grund eines Kaknnettsbejchlusjes ist angeordnet worden, daß am 11. August 1987(Bersassungstag) im Bereich der He-res- Verwaltung Sonntagsdienst stattfindet. I. A. gez. Schönfelder." Damit ist also für den Bereich des Reichswehrministeriums die nötig« Klarheit geschaffen. mehr gehabt Hab«, sich über deutsche Rüstungen im Rheinland zu beschweren, dürfte die Angelegenheit geklärt sein. Der ,.S o I r" sieht in der Aufbauschung dieses Berichts durch die Rechtspresse ein Manöver gegen die Locarnopolitik. Man rechne da- mit, daß Stresemann in Genf unter Hinweis auf die in Locarno gemachten Versprechungen die Frag« der Räumung des Rhein- landes auswerfen wird und wolle deshalb im voraus eine Ein- schüchlerungskampagne mit angeblichen deutschen Rüstun- gen einleiten. Dadurch solle Briand gezwungen werden, die Streie- mannschen Forderungen abzulehn«n. Doch noch Einigung? Der.-Temps" über die deutsch-frcrnzösischen Wirt- fchaftsvcrhnndlungen. Paris, 9. August.(WTB.) Der„T e m p s" berichtet über den Stand der deutsch-franzosi- scheu Handlsvertragsverhandlungen folgendes: Die heikle Frage der Zölle, die für die Einfuhr französischer landwirtschastlicher Erzeugnisse nach Deutschland angewendet werden sollen, insbesondere in der Frage der Weinzölle, scheinen nahezu geregelt zu sein, ebenso diejenigen der Behandlung der deutschen mechanischen, chemischen und elektrischen Industrie. Die von den deutschen Delegierten gestellten Forderungen betrasen die Be- dingungen, unter denen gewisse sranzöfische T e x t i l- erzeugnisse in Deutschland Eingang finden sollen: sie hatten zu besonders schwierigen Erörterungen Anlaß gegeben. Auch in dieser Hinsicht scheinen die Schwierigkeiten auf dem Wege zu einer Lösung zu sein. Starte Reibungep unkte bestehen nichtsdestoweniger. Sie sind zugleich kommerzieller wie allgemein wirtschaftlichar Art. Sie betresfen besonders die französischen Kolonien oder die Schutzgebiete. Bei einigen dieser Länder scheinen gewisse deutsche Forderungen in Widerspruch mit den Bestimmungen des Bersaillcr Vertrages zu stehen. Diese Schwierigkeiten sind also noch längst nicht gelöst. Indessen hoffen die beiden Delegationen, daß das Abkommen noch vor der Abreise des Handelsininisiers, die bekanntlich auf Mittwoch festgesetzt ist, wird zum Abschluß gebracht werden können. 3n Wien verhastet sind wegen der Juliereignisse rund 699 Personen und etwa 269 dem Landesgericht eingeliefert. Maffenunglück in Schanghai. Einsturz einer Markthalle. Tote, 1000 Verletzte. London. 8. August. Im Cingeborenenviertel Schanghais stürzte heute eine groß« einstöckige Markthalle zusammen. 69 Personen karfien ums Leben und rund 1999 weitere wurden verletzt. Hundertc von Freiwilligen halfen bei der Bergung der Opfer. Der größte Teil der Verwundeten wurde nach dem britischen Hospital befördert. Der Zusammensturz erfolgte so plötzlich und verursach!« so starke Verwirrung, daß es beträchtliche Zeit dauerte, bis die Ambulanzen herbeigerufen wurden.", Um Ken Vorsitz bei Ken Ist eine kostspielige Re Der organisatorische Aufbau des Arbeitsnachweiswesens und der damit verbundenen Erwcrbslosenfürsorge gliederte sich in Arbeitsämter und Landesarbeitsämter der Provinzen oder Länder imd hatte an der Spitze das Reichsamt für Arbeitsvermittlung. An der Spitze der Landesarbeitsämter standen bisher die Direktoren, die die gesamte Arbeit theoretisch und praktisch durch- zuführen hatten. Ihnen übergeordnet war in der Regel ein Bor- sitzender: in Preußen meistens der Landeshauptmann (Landesdirektor) oder ein anderer höherer Beamter. Diese Bor- sitzenden waren, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, R e p r ä- s e n t a n t e n. Sie konnten sich mit der praktischen Arbeit der Landesarbeitsämter nicht eingehend beschäftigen, da sie ja von ihren Kommunalverwoltungen vollständig in Anspruch genommen wurden. Sie verwalteten das Nebenamt als Vorsitzender der Landesarbeits- ämter ehrenamtlich. Eine Belastung der Erwerbslosenfürsorge, die sonst zwei Drittel der gesamten Unkosten für das Arbeitsnach- meiswesen zu tragen hatte, trat durch die Tätigkeit der Vorsitzenden nicht ein. Die mit dem 1. Oktober in Kraft tretende Ärbeitslosenver- sicherung ist mit dem Arbeitsnachweiswefcn verbunden und bedingt eine gewisse Neuorganisation. Die Gliederung des Arbeitsnachweis- wefens in Arbeitsämter, Landesarbeitsämter, wird beibehalten. An Stelle des Ncichsamts für Arbeitsvermitilung tritt der Vorstand der Reichsanstalt, an dessen Spitze der Präsident steht. Der 8 34 des neuen Gesetzes bestimmt, daß ein Vorsitzender und ein Stellvertreter jedem Landcsamt vorstehen sollen und daß diese vom Reichspräsidenten im Benehmen mit dem Vorstand der Reichs- onstalt und der obersten Landesbehörde ernannt werden sollen. Da die bisherigen Vorsitzenden fast ausnahmslos in ihren Hauptämtern verbleiben, macht sich ein W e t t l a u f v o n A e m t e r- jägern aller Art um die Vorsitzendenposten bei den 20 Landes- crbeitsämtern unangenehm bemerkbar. Each- und Fachkenntnis LanKesarbeitsämtern» räsentation notwendig? spielt für die meisten Bewerber keikie Rolle, die Hauptsache ist das Jahresgehalt von etwa 12 000 bis 15 000 Mark. Für die Erwerbslofenversicherung bedeutete die Besetzung der Landesarbeitsämter mit neuen besoldeten Vorsitzenden zu Repräsen- tativzwecken eine Belastung von über eine Viertelmillion Mark. Eine solche Belastung ist jedoch absolut unnütz. Die Direktoren der Landesarbeitsämter müssen nicht erst den neu anzustellenden Vorsitzenden als Stellvertreter beigegeben werden. Die kost- spielige Personalvermehrung in der Spitze ist keineswegs notwendig. Gegenwärtig leiten die Direktoren die Asmter und nehmen ihre Stellvertreter aus den Reihen der Referenten ihres Amtes. Dieser Zustand kann durchaus weiter bestehen bleiben, indem die D i r e k- toren zu Vorsitzenden der Landesarbeitsämter ernannt werden und wie bisher ihren Stellvertreter aus den Referenten aus- wählen. Es ist durchaus überflüssig, die Direktoren als Vertreter von neu hinzukommenden Vorsitzenden zu ernennen und damit eine große Belastung der jungen Anstalt herbeizuführen. Weit zweck- mäßiger und ohne besondere finanziell« Belastung ist es, die Direktoren, die sich bisher auf diesem Gebiete besonders be- währt haben, zu Vorsitzenden zu ernennen. Wo etwa die Direktoren bisher versagt haben, können an ihre Stelle geeigneter« fachkundige Kräfte als Direktoren bzw. als Vorsitzende der Aemtcr gebracht werden. Die Arbeitnehmer- wie Arbeitgebcrvertreter haben das aller- größte Interesse daran, möglichst sparsam mit den Mitteln der Reichsanstalt umzugehen. Sie können sich also den Luxus von Repräfentatioposten nicht leisten und müssen schon jetzt keinen Zweifel darüber lassen, daß sie nicht gewillt sind, die aufgebrachten Mittel für solche Zwecke zu verwenden. Die hier vorgeschlagene Lösung der Frage der Vorsitzenden ent- spricht am besten dem Zweck und dem Sinn des neuen Gesetzes und vermeidet jede überflüssige Mehrbelastung. Die künftigen Lanöwirtschoftskammern. Wie sie der Landdund haben will. Der von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte und vom Preußischen Landtag am 20. Juni 1927 angenommene Entschließungs- antrag zur Frage der Umgestaltung der Landwirt- schastskammern in Preußen stndet begreiflicherweise nicht den Beifall des Reichslandbundes. Der Landbund wärmt deshalb eine vor vier Jahren von ihm gefaßte Entschließung hierzu aus. Darin wird„die schematische Uebertragung der Zweiteilung des landwirtschaftlichen Berufs st an des in Arbeit- geber und Arbeitnehmer für die Zusammensetzung der Landwirtschafts- kammern" mit der Motivierung abgelehnt, daß„der Reichs- lündbund getreu dem Landbundgedanken und feiner berufsständischen Grundauffassung stets dafür eingelreten ist, daß das ganze Landvolk eine Einheit ist, und daß der Landarbeiter genau so zur Landwirtschaft gehört, wie der Groß-, Mittel- und Klein- besitz«? und deren mittätigen Familienmitglieder." Die Botschaft hören wir.... Gefordert wird,„daß in den künftigen Landwirlschastskainmern je nach den örtlichen Verhältnissen die einzelnen Glieder des land- wirtschastlichen Bcrufsstandes ihrer Bedeutung entsprechend zur Geltung kommen". Diese Landbundentschtießung ist ein Verlcgenheitsprodukt. Auf der einen Seite will man dem heutigen, einer absoluten Vorherrschast der landwirtschaftlichen Untenichmer gleichkommenden Zustand in den Landwirtschastskammern nicht missen, auf der anderen Seite will man bei den Landarbeitern aber auch nicht den Eindruck er- wecken, als sei man ein Gegner ihrer Mitwirkung. Man verfällt deshalb aus den psiffigen Ausweg, die Umänderung der Land- roirtschaftskammern nach örtlichen Gesichtspunkten und Verhältnissen durchzuführen. Mit anderen Worten, es soll hübsch alles beim alten bleiben und die Landarbeiter mit glattzüngigen Redensarten um ihre durch die Reichsverfassung zugesicherte Mit- Wirkung in den Landwirtschaftskammern erneut geprellt werden. Dem Plan der biederen Herren vom Reichslandbund muß mit allen Kräften begegnet weiden. Notwendig ist eine gesetzliche Regelung, wie sie den Beschlüssen des Versassungsausschusses des Vorläufigen Reichswirtschastsrats vom Jahre 1922 entspricht. Dadurch würde den Landarbeitern ein Drittel der Sitze in den Landwirtschastskammern und damit das min-' beste an Einfluß zugesichert sein, was sie auf Grund ihrer Bedeutung im landwirtschaftlichen Produktionsprozeß zu beanspruchen haben. die Lage öer Theaterarbeite?. Reichskonserenz in Magdeburg. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Theaterarbeiter stand im Mittelpunkt der Beratungen einer Konferenz, die dieser Tage im Rahmen der Theaterausstellung in Magdeburg stattfand und vom Verband der Gemeinde- und Staalsarbeiter zu- sammenberufen worden war. An der Konferenz beteiligten sich Vertreter des in den deutschen Theaterbetrieben beschästigen tech- nischen Bühnenpersonals: es waren Vertreter aller nämhasten Theoterbühnen Deutschlands anwesend. In 97 von der Organisation statistisch erfaßten Theatcrbetrie- den waren am 1. Januar d. I. insgesamt 4 865 Personen ve- schäftigt. Von den 97 Theatern befinden sich 67 in kommunaler, 17 in staatlicher und 13 in gemischtwirtschaftlicher Verwaltung. Die gewerkschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit Hai sich durchweg zum Vorteil des technischen Bühnen- personale ausgewirkt. Während früher in den Theaterbetrieben, besonders in den königlichen Hostheatern nur ganz rückständige Arbeitsverordnungen vorhanden waren, sine Mitwirkung des Per- sonals bzw. der gewerkschaftlichen Organisation vollständig ausge- schlössen war, fallen jetzt sämtliche Theaterarbeiter unter Lohn- und Manteltarifoerträge, die günstigere soziale Be- stimmungen aufweisen, wie Urlaub im Höchstsatz bis zu 3�- Wochen, Lohnsortzahlung in Krankheitsfällen, Lohnfortzahlung bei kurzen Arbeitszeitoersäumnissen sowie Ruhelohn- und Hinterblicbenenoer- sorgungseinrichtungen. Auch die Arbeitszeit ist überall tarifvcrtraglich geregelt. Für SS, 2 Proz. der Beschäftigten besteht die achtstündige Arbeits- zeit, sür den übrigen Teil die Lstastündige. Die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Tage, die im Theaterbetrieb immer einige Schwierigkeiten macht, ist vielfach durch Ergänzungsbestim- mungen örtlich geregelt. Ueberstundenzuschlagsbezahlung erfolgt fast ausnahmslos, teilweise wird die Ueberzeitarbeir auch durch Freizeit abgegolten. Zur Besserung der früher recht trostlosen Verhältnisse ist, wie aus dem Referat„Die soziale Gesetzgebung und die Theaterarbciter" hervorgeht, der Verband der Gemeinde- und Staalsarbeiter unablässig bemüht gewesen, doch bleibt noch viel zu tun übrig. Vor allem muß eine restlose Unterstellung des Theater- Personals unter die Unfallversicherung erfolgen, wie eine angenommene Entschließung verlangt. Besonderes Interesse erweckte aus der Konferenz noch ein von dem Direktor der Dresdener Staarsoper, Herrn H a s a i t, gehaltener Vortrag über moderne Bühnentechnik. Der Vortrag zeigte, daß in Deutschland heute noch eine ganze Menge technisch rückständiger Bühnen vorhanden ist. Der öuchbinöerverbanö im krisenjahr. Das Jahr 1326 gul überstanden. Der vor kurzem erschienene umfangreiche Jahresbericht des Ver- bandes der Buchbinder und Papieroerarbeiter gibt ein anscha'.iliches' Bild von der Entwicklung des Verbandes im Jahre 1926. Mehr als die anderen graphischen Verbände hatte der Buchbinderverband unter der Wirtschaftskrise zu leiden, die bereits Ende des Jahres 1925 einsetzte und sich dann immer mehr verschärfte. Dadurch stieg die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter außerordentlich. Ueber die Hälfte allerMitglieder waren während des größten Teiles des Jahres von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen. Im August war der Höhepunkt er- reicht: es trat allmählich wieder eine Besserung ein. Am Schluß des Jahres wurden noch insgesamt 5640 Arbeitslose und 3857 Kurzarbeiter gezählt, das sind 11,1 Proz. Die Folge der langandanernden schlechten Beschästigungsmöglichkeit war ein Verlust an Mitgliedern, der sich besonders bei den Arbeite- rinnen durch Berusswechsel bemerkbar machte. Im vierten Quartal 1926 zählte der Verband insgesamt 48883 Mitglieder, davon 16 560 männliche und 32 293 wcib- liche. Außerdem gehören dem Verband noch Handwerkslehrlinge an, deren Zahl im Geschäftsjahr auf 984 gestiegen ist. Die finanziellen Verhältnisse können trotz der großen Ausgaben für Unterstützungszwecke als gut bezeichnet werden. Der Vermögensbestand ist fast unverändert. Nachdem der sogenannte„Opposttionsverband" gänzlich Schiff- bruch erlitten hatte, sahen sich die Führer dieser Sonderorganisation im April 1926 genötigt, in einem Schreiben an die Ortsverwaltung Berlin um die Wiederaufnahme ihrer Organisation in den Buch- binderoerband nachzusuchen. Nach der Auflösung der Sonderorgani- sation erfolgte schließlich die Wiederaufnahme der Mitglieder in den Verband. Vor allem galt die Tätigkeit der Organisation der E r h a l t u n g der bestehenden Arbeitsbedingungen. Um die Durchsührung der Reichstarife für die einzelnen Branchen zu ermöglichen, mußten alle Kräfte angespannt werden. Im Laufe des Jahres sind mehr als 100 Bewegungen ge- führt worden. Teilweise kam es zu Arbeitseinstellungen. Die Tarifpositionen konnten überall gehalten werden. Es ist den Unternehmern nicht gelungen, die beabsichtigten Lohn- kürzungen durchzusetzen. Wenn man die Krise in Betracht zieht, so liegt darin ein nicht zu unterschätzender gewerkschaftlicher Erfolg. Das Verbandsorgan, die„Buchbinder-Zeitung", wurde weiter ausgebaut. Der Jahresbericht gibt ferner Aufschluß über Jugendbewegung, Lehrlingswesen, Betriebsrütebewegung, Bildungsbestrebungen, Agitation und dergleichen.. Im ganzen gesehen, hat der Buchbindertkerband das Krisen- jähr 1926 gut überstanden. Er beendet sich wieder in erfreulichem A u f st i e g._ Wilöer Streik im Saargebiet. Saarbrücken. 9. August.(T.-Union.) Infolge falscher kommunistischer Streikparole sind die Beleg- schaften von„St. Ingbert",„Jägersfreude",„Wreden" und „Velsen" Dienstag morgen nicht zur Frühschicht eingefahren. Die Bergarbeiterorganisationen erklären, daß sie- keinen Streikbeschluß: gefaßt haben und daß augenblicklich ein Streik überhaupt undenkbar- sei. Die Gewerkschaftsführer haben Verhandlungen mit der Re- gierungskommisiion aufgenommen. Die Zwischensälle am Montag stellen sich übrigens— wie Mtb. berichtet— als weit harmloser heraus, als sie gerücht- weise in der Oessentlichkeit dargestellt werden. Nur drei Personen sind wegen Widerstandes festgenommen und nach ihrer Vernehmung wieder entlassen worden. Drei Demonstranten muhten sich im Kran- kcnhaus verbinden lassen, konnten jedoch schon nach einer Stunde wieder entlassen werden. Auch die Verletzungen der Landjäger, die zum größten Teil Zufälligkeitsergebnisse sind, waren durchaus leichter Natur. Es besteht kein Zweifel darüber, daß sich Me Zwischenfälle überhaupt hätten vermeiden lassen, wenn die Regierungstommission den Polizeischutz, wie es von den freien und christlichen Gcwsrk- schasten dringend anempfohlen worden war, möglichst unsichtbar gestaltet hätte. Die kommunistischen Hetzreden hätten dann keinen Erfolg haben können. Nach WTB. sind 35 Landjäger und 6 Pferde verletzt worden. Wieviel Demonstranten verletzt wurden, war nicht festzustellen. Neichskonferenz öer öergarbeiter. Bochum, 9. August.(Eigenbericht.) Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands hat zum 15. August eine Reichskonferenz nach München einberufen. Die Ver- bandlvngen werden drei Tage in Anspruch nehmen. Besondere Bedeutung erhält die Konserenz durch die eingehende Erörterung aller aktuellen Fragen der Kohlenwirtschaft(Preiserhöhungs- antrage usw.). Der Direktor des Reichskohlenverbandes Loesfler wird über Kohlenwirtschastefragen referieren. Diesem Referat wird «in Vortrag von Dr. B e r g e r, der einen Ueberblick über die gesamtwirtschastliche Situation geben wird, vorausgehen. Gleich großes Interesse dürfte ein Vortrag des stellvertretenden Geschäfts- führers des Reichskohlenrats, zur Nedden, über:„Mensch und Technik im Bergbau" finden. Weiter« Verhandlungspunkte der Tagesordnung bilden„Tarisfrag«n und Soziallohn"(Schmidt- Bochum),„Das Arbeitslosenoersicherungsgesetz(Becker- Harborn), „Wohnungsfragen"(I a n s ch e k). ftrbelterbehanölung auf üem Lanöe. Der Herr schlägt und die Söhne schlagen mit. Welche hinterwäldlerischen Auffasiungen vom Arbeitsverhältnis noch oieljach auf dem Lande herrschen, zeigt solgender Vorfall, bei dem«in 16jährrger Junge ums Leben kam. Der Sohn des Flüchtlings Proboll war von dem Landwirt Luft in B ä r w a l d e in der Neumark als Knecht beschäftigt. Der Junge war wohl nicht kräftig genug, so daß beim Abladen ein«s Wagens dem Besitzer die Arbeit zu langsam ging. Der Herr schlug deshalb seinen 16sähngen Knecht derart ins Gesicht, daß er vom Wagen fiel. Die tüchtigen Söhne des biederen Landwirts hielten sich verpflichtet, ein übriges zu tun und bearbeiteten den Jungen mitFußtcitten. � Als der junge Proboll nach dieser Behandlung nach Hause gehen wollte, wurde er nochmals geschlagen. Einige Stunden später stellten sich bei dem jugendlichen Knecht heftige Schmerzen ein. Der Arzt wurde geholt, doch erst drei Tage späier kam der mißhandelte Junge nach Küstrin ins Krankenhaus. Am nächsten Tage ist er gestorben. Der Deutsche Landarbeiterverbond stellte gemeinsam mit dem Vat«r des Verstorbenen S t r a s a n t r a g bei der Staats- anwaltschaft gegen den Landwirt Luft. Bei der Obduktion konnte merkwürdigerweise die Todesursache nicht festgestellt werden. Wird nun wenigstens die Untersuchung der Staatsanwalt- schaft zu einem positiveren Ergebnis kommen? Wer wundert sich angesichts solcher Vorfälle noch über die Landflucht und über die L e u t e n o t in der Landwirtschaft? Zum Gesetz über die Arbeitslosenversicherung wird bei der Der- lagsgesellschast des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes in Berlin S 14 Anfang September ein Kommentar erscheinen, der von den Genossen Franz S p l i e d t und Dr. Bruno B r o e ck e r, Sekre- täre der Sozialpolitischen Abteilung des ADGB.,'bearbeitet ist. Der AfS-Burd(vrt-k-rtcll Berlin) hält seine Seschäftestell« am Ver- sassungstage(morgen, Tonncrslag) geschlossen. gentrnloerbnr.d der Angestellten, Ortzgrnpoc Sroß-Berlin. Au« Anlaß de» Berfassungstage« bleiben d!e Bureaus des Verbandes am 11. August ge» schlössen. Ctcllenloscnuntcrsllltzung wird ausgezahlt. Deutscher Wcrl-.n« stervcrband, S«schäst,stelle Bezirk 1». Der Verfassung». feier wegen werden unsere Bureouräume am ll. August um lZ Uhr gcschsosscn. Zentraloerbard»er Maschinisten und Heizer sowie Bcrussaenossen Deutsch. lands. Wirtschastsbezirk Brandenburg.&t! Berlin. Aus Anlaß der Ver» fassungsfeicr oleibt unser Bureau morgen, Donnerstag, geschlossen. Iuger.darupp« de« ZdB. Heute, Mittwoch, WM Uhr, Veranstaltungen in folgenden Bezirken: Osten: Iug-ndheim Schule Litauer Str. 1«.„Antirriegs- abend.-— Neukölln: Jugendheim Zlogatstr. 53.„Die deutsche Reichsverfassung." — Wedding-Sesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1 sLedigenheim S Tr.). Bunter Abend.— Nordwest: Realgymnasium Schleswiger Ufer u. Be. sprechung der weiteren Arbeiten. Freie Sewerkschastajugend. Heute, Mittwoch, IDVi Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Gruppenheini Vezirks-Iugcndheim Boretstr. ll. Arbeitsabend.— Rcukelln:«rupp-nhctm Jugendheim Bergftr. Ä, Hof. Heimbcsprechung.— Moabit: Iugcudbcini Lehrter Str. 18/19. Bortrag:„Arbcitszeitnotgcsctz."— Rordring: Gruppenhcim Jugendheim Gbcrswalder Str. 10. Iaa-London- Abend.— Baumschulenwcg: Jugendheim Baumsäiuienweg, Ernststr. lg. Unter. Haltungsabend.— Weißcnsec: Jugendheim Partstr. ZS. Vortrag:„Der Welt- (ricg und seine Auswirkung auf die prol»tarische Jugend."— Zentrum: Jugendheim Aehdcniitcr Str. 24/25. Vortrag:„Das Spiel der proletarischen Jugend."— Die Iugendzcntrale ist heute bis 19 Uhr geöffnet. Rechnet die Karten vom Sommcrsest ab! Verantwortlich fllr Politik: Richard Bernsteiu; Wirtschaft: A. Salernu«: Gewertschaftsbeweaung: Fricdr. Gdkoru: Feuilleton: jk. S. Döscher: Lokal«» und Eonstigca: Frist Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärt»>Derlag G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Einger u To. Berlin EW 88. Lindenstraße 2. Hierzu 2 Beilaae» und„llnterbaltnna und Wissen". Auf allgemeinen Wnnsch bringen wir die beliebte Enver Bey Fabelhaft auch ohne Mnndstück, dick und rund. Verlangen Sie diese neue toa|itflta�gl�rejt�j|le b>t überall au haben. | I tlt. 374 ❖ 44. Jahrgang 1. Beilage ües Vorwärts Mittwoch, 70. August 7927 Eine Hauhaus-Nuftersieölung. Wenn man schon den Wert einer Idee an der Leistung erkennen will, so muh man die Fertigstellung dieser ersten Bauhaus- siedlung mit einiger Spannung erwarten. Das Bauhaus in seiner jetzigen Verfassung wird als Endziel immer wieder die Er- fassung des Raumes haben. Was als Ausbildungsarbeit dort ge- leistet wird, ist aber auch wirklich nur als Lehrweg aufzufassen. Man lehnt dort ziemlich schroff alle bildende Kunst ab oder räumt ihr nur soviel Platz ein. wie zur Befruchtung und Förderung der eigentlichen Arbeit notwendig ist. Auch über die Zwecklosigkeit dos Kunst- eewerbes ist man sich dort klar geworden und wird es strikte ab- lehnen, eine Generation von chungcrleidern und unproduktiven Men- schen heranzuziehen. vor öer Errichtung von 00 Sieölungshäusern. Di« Stadt Dessau hat nun in großem Entgegenkommen dem Bauhaus Gelände, welches sie vom Staate Anhalt erworben hat, zur Verfügung gestellt. Das Terrain ist in unmittelbarer Nähe von Dessau, in Törten. Es sollen öll Siedlungshäuser errichtet , vcrden. Die Häuser find als Reichsheimstätten gedacht und tosten inklustve 4ZV Quadratmeter Grundstück, Straßenbaukosten und Regie 9200 M. Es muß eine Anzahlung in Höhe von 1000 M. geleistet werden, der Rest ist als städtische Hypothek zu betrachten und muß mit 27 M. monatlich verzinst werden. Das Ziel für die Organisation des Grundrisses war. eine sünsräumige Reichs- Heimstätte von 70 Ouadratmeler Wohnsläche zu schassen und mit der im Rahmen des Wirtschaftlichen denkbar besten Ausstattung zu ver- sehen. Bon der Zahlungsfähigkeit der Besitzer ausgehend, wurde die Bausumme vorher bestimmt und dann versucht, durch Anspannung oller rationalisierenden Faktoren, ein Maximum an Leistung heraus- zubringen. Die Häuser weisen folgende Einzelheiten auf: im Erd- peschoß befindet sich ein geräumiger Wohnraum mit Sihnisch« und eine Küche, die dadurch als Wohnküche benutzbar wird daß sie einen besonders abgetrennten Vorraum besitzt, in dem die Ein- r-chtungen zum Waschen, Baden und Spülen gesondert untergebracht ' sind. Dies« Spülküche ist durchweg in weißem geschliffenem Terrazzo hergestellt. Vorrichtungen zur Warmwasserbereitunq und zum Kochen auf Gas find außer dem eingebauten Kohlenherd vorgesehen. Der Herd ist kombiniert mit einem zweiten Feuerloch, von dem aus das gesamte Haus geheizt wird,'so daß die gesamten haus- wirtschaftlichen Einrichtungen konzentriert nebeneinander liegen, vor der Küche ist ein Küchenvorplah für den Sommer eingerichtet, vor der Splllküche befindet sich ein Stallraum und ein Klosett. Die gesamten Küchen- und Dachwässer werden durch Kanalisation abgeführt. Im Vckrraum zum Stall ist Platz für Fahrräder, eine besondere Speisekammer liegt an der Spülküche. Die Flur- eingangswand besteht aus Glasbausteinen, um unter Ver- meidung von Fenstern volles Licht in das Treppenhaus einzuführen. Die doppelt überfälzten Eisenfenster mit Kristallglasscheiben sind mit besonderen kleinen Lüstungsklappflügeln versehen. Im Obergeschoß liegen drei Schlasränme, deren Maße so gewählt wurden, daß in jedem bequem zwei Betten untergebracht werden können. Das Dach über dem Stall dient als Balkon. Sämtliche Türen liegen als glatte Sperrholztüren in gezogenen eisernen Zargen. Die Be- schlüge sind aus vernickelter Weißbronze. Möglichst günstige wirtschaftliche Resultate! Diese Aufgaben hätten auch wo anders gelöst werden können als am Bauhaus. Das Besondere der Siedlung Törten liegt in den Wegen zur Erreichung der günstigsten wirtschaftlichen Resultate in bezug auf Billigkeit und Zeitersparnis. Die ge- samten Pläne wurden vor Vergabe der Arbeiten im Maßstabe 1: 20 durchgearbeitet, so daß auch sämtliche Installationen von vornherein in Maßen und Rohrführung genau festlagen. Der Auswahl des Materials und der Pauweife gingen sorgfältige Unter- s u ch u n g e n voraus. Für den vorliegenden Fall wurde errechnet, daß die Verwendung eines Kranes für zirka 1,S Tonnen rentabel ist. Eine Untersuchung des Baugeländes ergab das reichlich« Vorhanden- sein an gutem Bausand und Kies. Infolgedessen entschloß sich die Bauleitung, die Baukörper in einer Betonbauweise nach eignem Plan zu errichten. Dadurch wurde es möglich, daß nur ausge- Aufbauschema: Der Baukasten Im Großen. glühte Schlacke und Zement angefahren werden mußte. Typisch Bauhaus ist auch das Konstruklionoprinzip. Da es sich um Reihenhäuser handelt: tragende Brandwände aus Schlackenbeton- Hohlkörpern von 22,5, 25 und 50 Zentimeter, also von einer Größe. die man versetzen kann. Decken frei gespannt von Brandwand zu Brandwand aus Bctonrapidbalken, die ohne Zwischenfüllung, Balken neben Balken, trocken verlegt werden. Die Frontwände werden durch isolierende, nichttragende Füllwände aus Schlackenbetonhohl- steinen gebildet, die auf armierten freitragenden Betonbalken, mit direkter Lastübermittlung auf die Brandwände ruhen. Die A r- beitszeit versuchte man dadurch zu kürzen, daß man ein und denselben Mann immer wieder für die gleiche Phase in jeder Haus- gruppe einsetzte. Es war vorher ein genauer Zeitplan nach Art der Eisenbahnbetriebspläne theoretisch aufgestellt worden, der nach Fertigstellung der ersten acht Häusergruppen entsprechend ergänzt wurde. Einige Mängel. Einen Haken hat die durchaus zweckentsprechende Siedlung Törten: die Einrichtung ist wahlfrei. Es ist zwar die Möglich- keit gegeben, die Möblicrung für 1350 M., oder mit Vorhängen, Be- leuchtungskörpern und Teppichen für 2000 M. auch geliefert zu be- kommen. Wandschränke wurden nur in begrenztem Maße verwendet, damit es dem Siedler möglich ist, beim Wechsel feines Wohnungsplatzes feine Möbel mitzunehmen. Sämtliche Möbel sind aber aus Grundelementen aufgebaut, so daß der Siedler die Möglich- keit hat, die einzelnen Möbelstücke nach und nach zu vergrößern. Die alten Vertikos und verschnörkelten Möbel sehen in dieser neuen Um- gebung so ziemlich unmöglich aus. Die Größenmaße waren doch für ganz andere Raumverhältnisse bestimmt. Die Farben wollen sich nicht zu einer. H a r m o n i e vereinigen. Zwei Weltanschau- -ungen sprechen zwei verschiedene Sprachen. Nun kann man diese Disharmonie aber wirklich nicht dem Bauhaus vorwerfen. Die Bau- leitung hat ihre Aufgaben glänzend gelöst und man kann aufrichtig wünschen, daß diese Hochschule für Gestaltung bald wieder einen Auf- trag bekommt, um ihr Können zu zeigen. Das nächste Mal soll aber unbedingt der Möblicrungsvorschlag, der die Absicht hat, anzuregen, daß bei größeren Siedlungsvorhaben allgemein den Siedlern die in Serien herzustellende und daher billige Inneneinrichtung gleichzeitig zu dem Haufe übergeben wird, und zwar dadurch, daß die B e z u- schussung der Häuser prozentual auch aus die Möblierung ausgedehnt wird, durchgeführt werden. Die neue Lotteriekontrolle. Das große Los gerettet. Die Ziehung der fünften Klasse der Preuhisch-Süd- deutschen Klassenlotterie wird wahrscheinlich am Montag oder Dienstag der nächsten Woche beginnen. Das Preußische Fi n a n z m I n i st e r i u m hat in enger Verbindung mit der Gene- raldirektion die Kontrollen erheblich verstärkt. Wahr- scheinlich wird bei der demnächst stattfindenden Ziehung hinler jeden beteiligten Beamten noch eine Kontrollperson gesetzt. Auch eine mehrmalige Ablösung der Beamten ist vorgesehen. Die Ermittlungen, ob die beiden Beamten auch für die fünfte Ziehung einen Betrug vorbereitet haben, ergaben, daß latsächlich der Beamte Böhm einen neuen Coup vorbereitet hatte, und zwar war diesmal beabsichtigt, das große Los auf eine vorher präparierte Rummer zu ziehen. Bei der Vernehmung des zweiten beschuldigten Beamten Schleinstein gestand dieser, ein Depot zu besitzen. Das Depot wurde geöffnet, dort der Betrag von 150 000 M. beschlagnahmt und dabei ein ganzes Los gesunden. Das Los trug die Rr. 330 672. Wie bei den geglückten Versuchen hatte auch diesmal der mit der Zu- teilung betraute Beamte Böhm ein Nummernröllchen mit hoher Nummer an sich gebracht. Nachdem er diese Nummernrolle hatte, teilte er das dazugehörige Los einem Einnehmer zu, um sich dort das Los kaufen zu können. Wie wir bereits mitteilten, sind die N u m- mernröllchen für die fünfte Klasse neu angzser- t i g t. Sie werden vor der Ziehung öffentlich eingeschüttet. Jeder Losinhaber kann sich selbst vorher überzeugen, daß seine Nummer- rolle in das richtige Rad eingefüllt wird. Von den veruntreuten Geldern fehlen bisher noch 20 000 Mark. Böhm behauptet, daß ihm das Geld, das aus einzelnen Tausendmarkscheinen bestand, auf einem Berliner Autobus Die Silbersd)Wcxrrne 23] Von ZRex Beach IN-chdruck v-rbotm Autorlflert» IXebersrtzimg ans fc«ia Evgttschc« vo» Inlla-Koppel „Ob irgend ein anderer Mann aus meinem Bekannten- kreis sich meinetwegen solchen Gefahren aussetzen würde?" „Die physischen Gefahren und Unannehmlichkeiten waren nicht das schlimmste. Schlimmer war die unendliche quälende Einsamkeit, und der Gedanke, daß ein anderer Mann, während meiner Abwesenheit—" „Unsinn," unterbrach Mildred ihn, jetzt wirklich böse. „Sagte ich dir nicht, daß du selbst die Zeit bestimmen solltest und daß ich auf dich warten wollte! Ich würde mein Wort ge- halten haben, wenn ich dich auch weniger gern gehabt hätte. So sind wir Waylands nun einmal. Wie die Verhältnisse lagen, ist es mir auf eine Weise sogar leicht aeworden." „Du liebst mich also wirklich, Geliebte?' „Brauchst du zu fragen?" flüsterte sie, von seinen starken Armen umschlossen.„Du bezauberst mich noch wie damals, als ich ein Backfisch war, erinnerst du dich noch, wie ich deinet- wegen den Kopf verlor?" Sie lachte leise.„Ich fand, daß du in deinem Sportkostüm besser aussahst als irgend ein anderer. Bisweilen meine ich, daß es nur eine jugendliche Schwärmerei ist, die nicht dauern kann, bisher aber hat sie gehalten, und drei Jahre sind eine lange Wartezeit für ein Mädchen wie mich." „Ich weiß es. ich weiß es." antwortete er eifrig.„Ich aber habe die ganze Zeit nur von der Erinnerung gezehrt, während du dir mit vielen Dingen die Zeit vertreiben konntest. Man schmeichelt dir und viele Männer machen dir den Hof, Scharen von Männern—" „Oh!" „Legionen von Männern! Ich weiß es. Habe ich doch meterlange Spalten über die gute Gesellschaft in Zeitungen gelesen, die sechs Monate alt waren. Jedesmal wenn ich deinen Namen las, war es, als ob mir ein Messerstich durch die Seele ging. Ich war so eifersüchtig, daß ich mich des Namens jedes Mannes erinnerte, mit dem du gesehen worden warst, und ich beschwor alles Unglück auf ihre Häupter herab. Ich pflegte meine einsame Seele zu quälen, indem ich mir häßliche Bilder von dir ausmalte—" „Häßliche Bilder von mir?" Dasf Mädchen legte den Kopf auf die Seite und sah kokett zu ihm auf..Las ist nicht sehr schmeichelhaft."....,} „Jedenfalls stellte ich mir vor, wie du dein berauschendes Leben lebtest, immer umgeben von Blumenduft und Festlich- leiten, umwogt von strahlendem Licht und sanfter Musik. Gott, wie habe ich mich selbst gequält! Alle Stünden des Tages warst du in meinen Gedanken. Ich gab dir meine Tage und betete daß auch meine Träume nur von dir handeln möchten. Du bist vom ersten Tage an, als ich dich traf, mein Fetisch gewesen, und meine Anbetung ist mit jeder Stunde blinder geworden, Mildred." Er machte eine Pause, um sich in ihren Anblick zu versenken und schloß dann halb flüsternd: „Oh, Geliebte, wie bist du schön!" Und das war sie wirklich, denn ihr Gesicht, für gewöhnlich ziemlich hochmütig, hatte jetzt einen sanften Ausdruck, ihre Augen, die andere Männer kalt fanden, strahlten mit warmen Glanz. Ihr Lächeln war voll nachdenklichem Liebreiz. Der junge Mann, der sie liebte, meinte, sie müsse unter der Fülle ihres braunen Haares niedergedrückt werden, ihre zarte Ge- stalt aber besaß die Kraft und das Gleichgewicht, die ererbte gute Gesundheit und ein fröhlicher Humor verleihen. Jede Bewegung, jede natürliche Stellung offenbarte die Frau aus guter Familie. Tatsächlich war es diese Seite ihres Wesens, die ihn zuerst angezogen hatte. Er erinnerte sich, daß sie ihn lange bevor er erfuhr wer sie war, interessiert hatte. Im An- fang ihrer Bekanntschaft hatte er ihre Bornehmheit für gemacht gehalten, bei näherer Bekanntschaft aber hatte er«in- gesehen, daß sie ganz natürlich war. Sie war wirklich so aristokratisch wie ihr Vater Wayne Wayland sie sich nur wünschen konnte. Die Besitztümer Waylands waren um- fassender als die vieler Fürsten, und seine Macht absoluter. Er verhätschelte seine Tochter ebenso unbedingt wie er die finanzielle Welt beherrschte, und als die eigensinnige Mildred sich nun einmal in den jungen Studenten verliebt hatte, blieb ste nicht auf halben Wege stehen, sondern gab zu erkennen, daß sie ihn allen anderen vorzog, und eröffnete dem jungen Mann dadurch strahlende Zukunftsmöglichkeiten. Er entsann sich noch deutlich seiner Verwirrung in jenen ersten be- rauschenden Tagen, als sie ihm ihre Neigung zu oerstehen gab. Sie war so himmelhoch über alles, was er bisher gekannt hatte, erhaben, daß er seinen eigenen Sinnen nicht zu trauen wagte. Gleichzeitig aber entging es ihm nicht, daß seine eigene Lage sich unmerklich verändert hatte, seitdem es bekannt ge- worden, daß er der begünstigte Freier von Wayne Waylands Tochter sei. Es machte keinen Eindruck auf ihn, bestärkte ihn nur in seiner Anbetung für das Mädchen, das er wie etwas Heiliges betrachtete. Sie ihrerseits zeigte ihre Neigung un-. angefochten von der Meinung der Welt, indem sie sich zu dem Mann, den sie liebte, ebenso offen bekannte, wie sie gegen andere unzugänglich und zurückhaltend war. Wie war er stolz gewesen, wie wenig hatte er des Abgrundes geachtet, der zwischen ihnen lag, und wie plötzlich war ihm seine Lage klar geworden. Wayne Wayland hatte ihm selbst die Augen dafür ge- öffnet. Er hatte freundlich, wenn auch bestimmt mit dem jungen Ingenieur gesprochen, da er viel zu klug und diplomatisch war, um eine halsstarrige Liebe durch Wider- stand zu reizen. Der große Finanzmann hatte zu Boyd gesagt:„Mildred ist ein reiches junges Mädchen, eines der reichsten der ganzen Welt, und was haben Sie junger Mann ihr zu bieten?" „Nichts, Sie aber sind auch nicht immer gewesen, was Sie jetzt sind, Herr Waylands," hatte Emerson geantwortet. „Jeder muß ja einmal den Anfang machen. Als Sie heirateten, waren Sie ebenso arm wie ich." „Ganz recht! Aber ich heiratete auch ein armes Mädchen aus meiner eigenen Gesellschaftsklasse. Glücklicherweise war sie im Besitz von schlummernden Kräften, sodaß sie in ihrer Entwicklung mit mir Schritt halten konnte. Mildred aber ist im Luxus aufgewachsen, ihre Freunde sind alle reich, sie kennt kein anderes Leben. Ihr Geschmack, ihre Gewohnheiten und Neigungen sind mehr als extravagant. Sie ist ungefähr das reichste Mädchen unseres Landes, und auf Grund ihres Reich- tums und ihrer Erziehung gehört sie zu der amerikanischen Aristokratie. Ach, die Leute mögen sagen, was sie wollen, wir haben auch eine Aristokratie, die nicht weniger exklusiv ist, weil sie auf Bankaktien anstatt auf dem Adelskalender basiert ist." „Wenn ich reich und Mildred arm wäre, hätten Sie wahr- scheinlich nichts gegen eine Heirat," hatte Emerson zynisch gesagt. „Vielleicht nicht. Ein armes Mädchen kann eher einen reichen Mann heiraten und glücklich werden, wenn sie Verstand hat. Ein sehr reiches Mädchen aber kann keinen sehr armen Mann heiraten und dennoch glücklich werden. Ich kenne meine Tochter, sie kann ohne den Luxus, an den sie gewöhnt ist, nicht leben. Vielleicht würde sie den Versuch machen, für eine kurze Zeit, aber ich kenne sie besser als ste sich selbst kennt. Sie ist eine Treibhauspflanze und würde unter bescheidenen Verhältnissen zugrunde gehen. Der junge Mann aber, der meine Tochter bekommt, soll sie glücklich machen, sonst werde ich ihn verflucht unglücklich machen!" Bei diesen Worten sah der alte Herr ganz kriegerisch aus. (Fortsetzung folgt.)] von einem Taschendiebe gestohlen worden sei. Da er sich aber nach. weislich vor der Aufdeckung des Betruges im Seebad fifranj befunden hat, so nimmt die Staatsanwaltschaft an, daß er dax Geld dort irgendwo untergebracht hat. Die Ermittlungen nach dieser Richtung werden von der Dienststelle F. 7 der Kriminalpolizei geführt. i Zuchthnusparagraph gegen die Lotteriebetrüger. Die beiden ung-treuen Lottericbeamten werden für ihre Straf- taten schwer büßen müssen, denn die Staatsanwaltschaft! wird vor- aussichtlich gegen sie den Zuchthausparagraphen für Beamte in An- wendung bringen. Es soll Anklage erhoben werden wegen Ur- kundenvernichtung durch einen Beamten in gewinnsüchtiger Absicht aus ZZ 348 und 349 des Strafgesetzbuches. Für dieses Verbrechen find Mildernde Umstände ausgeschlossen, und es kann nur auf Zucht- Haus erkannt werden. Böhm behauptet übrigens, daß er von den erbeuteten Gewinnen 29 090 M. auf dem Autobus verloren habe. Im Lauf« der Vernehmungen hat sich auch ergeben, daß Böhm versucht hat, seinen Spießgesellen Schleinstein um 89 999 M. zu prellen. Die Prüfung öer GZeanmaschinen. ' v. Auch Könnecke ist bereit. ' Dessau,?. August. heute werden die beiden Ozeanmaschinen der Iunkers-Werke vollkommen aueelndergcnommen werden. Es soll eine genaue Nachprüfung der einzelnen Teile stalisinden, und es sollen hierbei die bei dem großen Probeflug gewonnenen Ersah rungen in weitestgehendem Maße technisch verwertet werden. Aus diesem Grunde werden bis zum Donnerstag irgendwelche Probe- s l ti g e mit den beiden Maschinen nicht stattfinden. Das Be- treken des Flugplatzes ist bis Donnerstag für jedermann verboten. Travemünde. 9. August. Könnecke trifft gegenwärtig die letzten Vorbereitungen für seinen Ozeanflug. Nachdem die Maschine inzwischen aus vielen Probe- flögen in allen Einzelheiten geprüft worden ist und mancherlei kleine Äenderungen vorgenommen wurden, will Könnecke zu einem letzten, voraussichtlich zwanzig Kündigen Probeslug starten., Wenn dieser Flug glatt verläuft, wird Könneck« morgen nach Berlin fliegen, um dort die letzten Formalitäten zu erledigen. Der end- gültige S l a r t soll, wie Könnecke hofft, noch in dieser Woche in Köln erfolgen. Wegen der besseren atmosphärischen Verhältnisse soll die südliche Route über die Azoren eingeschlagen werden.— Das von Könnecke verwendete Flugzeug ist unter Zu- arundclegung der Caspar L a st f l u g z e u g t y p e C 32 für Schädlingsbekämpfung von dem Chefkonstrukteur Mewes konstruiert worden und hat eine Spannweite von IS Meter, eine Länge von 9.1 Meter und eine höhe von 3,9 Meter. Die Flügelfläche umfaßt 53 Quadratmeter. Der Motor ist ein 289 P8 Iunkers-Motor der Type L. Auf den ursprünglich in Aussicht genommenen stärkeren Motor der gleichen Type will Könnecke verzichten, weil sich der Einbau zu sehr verzögern würde und der gegenwärtig benutzte Motor sich durchaus bewährt hat. Bei einer Geschwindigkeit von 179 Stun- denkilometern und einer Zuladung von 2499 Kilogramm Benzin, die dem Flugzeug gestattet, S9 bis 69 Stunden in der Luft zu bleiben, beträgt der Aktionsradius über 8999 Kilometer. Zur Unterbringung des Benzins dienen an Stelle weniger großer Tanks zahlreiche kleine Benzinkanisten. Travemünde, 9. August. Der Flieger Könnecke ist mit dem von den Kasperwerken erbauten Ozeanflugzeug v 1145 heute abend um �7 Uhr Zu einem Dauerflug von mindestens 29 Stunden im Flughafen Dübeck-Travemünde gestartet. Cr wird sich die Nacht über an der Ostseeküste aufhalten und zwischen Lübeck, Parchim und Warnemünde kreuzen. der Kampf um öen Schaöenerfatz. Der R e i ch s f i n a n z m i n i st e r hatte die Arbeitsgemeinschaft für den Ersatz von Kriegs- und Verdrängungsfchädcn, den Ring- verband der geschädigten Auslandsdeutschen und Verdrängten, die Vertretung der deutschen Außenhandels- kammern und die Spitzenoerbände der deutschen Wirtschaft zu einer Besprechung des Entwurfes zu einem Schlußgesetz für Liquidations- und Gewaltschäden eingeladen. Den genannten Perbänden, die sich seit Monaten vergeblich darum bemüht hatten, bei den Vorarbeiten zu diesem Gesetz zugelassen zu werden, wurde in dieser Sitzung der von dem Kabinett bereits gebilligte Entwurf, der jetzt dem Reichsrat und dem Reichswirtschafts- rat zugeht, im mündlichen Referat auszugsweise zur Kenntnis gegeben. Sämtliche Verbände ließen aber durch das geschäftsführende Präsidialmitglied de» Deutschen Industrie- und Handelstages, Ge- heimrat Dr. Hu der, erklären, daß sie nicht in der Lage seien, zu dem mündlich vorgetragenen Auszug aus dem Entwurf sofort Stellung zu nehmen. Ihre Bereitwilligkeit zur sachlichen Mitarbeit habe aber trotz der späten Zuziehung keine Beeinträchtigung erlitten. Reichsfinanzminister Dr. Köhler erklärte darauf, daß er die Verbände für den kommenden Montag einladen werde, um ihre Stellungnahme kennen zu lernen, nachdem sie in der Zwischen- zeit die Möglichkeit gehabt haben, den ihnen nach Schluß der Sitzung zur Verfügung gestellten Entwurf zu prüfen. Der Reichsfinanz. minister versprach weiter„wohlwollende Berücksichtigung" der An- sichten der Verbände. Die„Arbeitsgemeinschaft für den Ersatz von Kriegs- und Ver- drängungsschäden" steht auf dem Standpunkt, daß sie keinen Anlaß hat, von ihren Vorschlägen irgendwie abzugehen; sie will olle Mittel anwenden, um eine Annahme de» Regicrungsentwurfes zu verhindern. Diese Bemühungen werden durch die Tatsache unterstützt, daß der Versuch der Regierung, die Mehrheitsparteien im Reichstag auf den Regierungsentwurf festzulegen, bisher gescheitert ist. Die Regierung macht gegenüber den Forderungen der Arbeitsgemein- jetjaft geltend, daß diese eine zu große Belastung der Steuerzahler nach sich ziehen, darüber hinaus die Kredit- Möglichkeiten auf dem Geldmarkt eingeengt würden und schließlich da» heftig umstrittene Problem der Ausgleichs- fchuldenregelung eine neue Aufrollung erfährt. Im„Vorwärts" sind die Bedenken, die sich an die Milliarden- forderunaen(es handelt sich um die Mindestsumme von 2.8 Milliarden Mark) der der genannten Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Verbände knüpfen, schon ausführlich behandelt worden. Es bleibt nun abzuwarten, welchen Verlauf die kommenden Verhandlungen nehmen werden. Arbeitersportausstellung im Bezirk Friedrichshain. Als Abschluß der Arbeitersportwerbewoche veranstaltet das Kartell im Bezirk Friedrichshain eine Sportaus- ftellung, die wert ist, von der nichtsporttreibenden Bevölkerung gesehen zu werden. In den Comeniussälen, Memeler Straße 67, haben die Sportvereine die Eigenarten ihrer Sport- arten in Gerätschaften, graphischen Darstellungen, Bildern und sonstigem Anschauungsmaterial ausgestellt, so daß jedem Gelegen- heit gegeben ist, sich zu informieren und die seinem Geschmack und seinem Streben zusagende Sportart zu finden. Neben den Turn. und Leichtathletikvereinen sind die Krastsportklubs, der Touristen- verein„Die Naturfreunde", der Rudsrverein„Freiheit", der Schwimmverein„Welle" und die vielen Kulturorganisationen ver- treten. Eine umfangreiche Sonderschau hat die Sozialistische Arbeiterjugend ausgebaut. In der Ausstellung, die vom 9. bis zum 12. August von 18 bis 22H Uhr geöffnet ist, finden jeden Abend Musik, und Lichtbildervorträge statt. Der Eintritt kostet nur 19 Pfennige. Die Richter sinö unerbittlich. Aber milde, wenn ein Hakenkreuzler weillt. V' H Vier Prozesse wegen Ausschreitungen politischer Art sind auf einmal ein bißchen viel und zeigen deutlich, daß die Faust oder der Gummiknüppel doch nicht die richtigen Werkzeuge sind, mit denen die Köpfe von Gegnern bearbeitet werden sollen. Zum dritten Male hatte sich das Erweiterte Schöffengericht Wedding mit den Vorgängen in und vor den Pharus-Sälen in der Müllerstraße, in der eine nationalsozialistische Versammlung stattge- funden hatte, zu beschäftigen. Vor etwa einer Woche wurde ein Kommunist von demselben Gericht zu 6Monaten Gefängnis verurteilt, weil er in der Versammlung mit Stühlen und Bier- s e i d e l n ein Bombardement auf die Versammlungsteilnehmer er- öffnet hatte. Das Schöffengericht hatte den am schwersten belasteten Angeklagten zu 1 Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung verurteilt. Nunmehr waren nochmals sechs Mitglieder des Roten Jungsturms wegen Landfriedensbruchs angeklagt. Der Angeklagte B. wurde durch die Zeugenaussagen für überführt angesehen, einen Gegner, der schon zu Boden geschlagen worden war, noch mit Fußtritten bearbeitet zu haben. Er erhielt dafür 9 M o- nate Gefängnis, und Angeklagter W., bei dem ein Totschläger gefunden worden war, wurde zu 5 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Eine Bewährungsfrist lehnte Landgerichtsrat Schuster wegen der Schwere der Tat bei beiden Angeklagten ab. Am 29. Januar war einem Tambourkorps des Reichsbanners bei einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten im Osten Berlins der Paukenschlägel von einem Unbekannten entrissen worden. Nach einem Gerücht sollte dieser abhanden gekommene Paukenschlägel sich im Besitz einer nationalsozialistischen Gruppe be- finden, die in einem Lokal in der Warschauer Straße ihre Sitzungen abhielt. Um diesen Schlägel entstand nun Streit und entbrannte ein wütender Kampf. Die Gegner verbissen sich derart ineinander, daß es blutige Köpfe gab. Ein ganz Unbeteiligter erhielt einen Bauch- schuß. Run standen sie, mehrere Kommunisten,«in Reichsbanner- mann und ein Mitglied der nationalsozialistischen Arbeiterpartei vor Gericht. Zum Teil wollten die Angeklagten nur als unbeteiligte Zuschauer dazugekommen sein. Die Zeugenaussagen widersprachen sich auch in vielen Punkten. Das Gericht hielt jedoch sämtliche Angeklagten für schuldig. Es wurden verurteilt ein Kommunist zu 7 Monate Gefängnis, ein Rcichsbannermann und ein Nationalsozialist zu je 1 I a h r G e f ä n g n i s. In der Urteilsbe- gründung meinte Amtsgerichtsrat Ueberhocst, der Staat dürfe es nicht zulassen, daß friedliche Bürger durch politisierend« junge Leute zu Schaden kämen. Die Jugend sollte lieber an sich selber arbeiten, als sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Unter der Anklage des schweren Landfriedens- b r u ch s hatten sich der 24jährige Werkzeugmacher Paul M und die S9jährige Witwe H. vor dem Großen Schöffengericht Neukölln zu verantworten. Es wurde ihnen zur Lost gelegt, am 8. Mai, also am Stahlhelmtag, ein Auto, in dem eine Frau und deren vierjähriges Töchterchen faß, und in dem sich außerdem noch drei Stahl- h e l m l e u t e befanden, mit Steinen beworfen zu haben. Die An- geklagte H. gab ohne weiteres zu, auf das Auto einen Stein ge-� warfen zu haben. Unter Tränen bat sie, ihre Schuld doch mit einer Geldstrafe sühnen zu können. Sie beteuerte unausgesetzt:„Ulir tut alles hundertfach leid!" Der AngeklagteM. wurde in der VerHand- lung nur von dem einen Zeugen wiedererkannt, auf dessen Veranlassung M. in Haft genommen worden war. Trotzdem glaubte die Staatsanwaltschaft und das Gericht, beide Ange- klagte als überführt ansehen zu müssen. Der Staatsanwalt beantragte für beide je 8 Monate Gefängnis. Das Gericht glaubte, bei Frau H. nicht über die gesetzlich zulässige Mindestftrase von 6 Monaten hinausgehen zu sollen, während der Angeklagte M. 8 Monate Gefänonis erhielt.„Infolge der Roheit der Tat" wurde beiden Angeklagten eine Bewährungsfrist nicht zugestanden. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik hatte sich der Bäcker R e i n h o l d S ch. aus Berlin vor dem Potsdamer Schöffengericht zu verantworten. Der Angekelagte ist Gruppen- und Fahnenfühm imFridericianischenBund. Am 15. Mai d. I. kam er mit mehreren Mitgliedern des Bundes vom Potsdamer Schützenhaus und fang dabei das Friesenlied mit dem Refrain:„Blut muß fließen, knüppeldick, wir pfeifen auf die Judenrepublik! Zwei Schupobeamte untersagten das Absingen des Liedes und stellten die Personalien des Führers fest. Bor Gericht b-strilk der Angeklagte feige, das Li-d gesungen zu haben. Dieser fridericia.nischc 27jährige Gruppenführer sing sogar vor Gericht an zu weinen. Ter Staatsanwalt Dr. Münster, der einen Monat Gefängnis beantragte, hob in der Begründung her- vor. daß dieser Mann, der jetzt vor Gericht weint, große Blassen dazu bringt, die Gesetze zu durchbrechen. Vor vier Wochen sei hier ein Kommunist mit einem Mona! Gefängnis bestraft, weil er das wort..Räuberrepublik" gebraucht hat. Mit dem gleichen Maße müsse auch dieser Gruppenführer bestrast werden. Das Urteil lautete aber an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 14 Tagen auf nur 79 W. Geldstrafe. Diese Strafe kann in Ratenzahlung ab- getragen werden. Die Milde dieses Urteils, die im Gegensatz steht zu dem gegen den Kommunisten begründete der Vorsitzende damit, daß der Kommunist das Wort Röuberrepublik gebraucht habe. während in dem Friesenlied gegen die Republik nur der Vorwurf erhoben wird, daß sie zuviel jüdische Männer in leitende Stellen aufnimmt. Der Ausgang dieser Prozesse läßt deutlich erkennen, daß die Richter nicht gesonnen sind, Milde walten zu lassen, selbst nicht in solchen Fällen, in denen sie einsehen mühten, daß es die Leiden- schaften und vielfach auch der Alkohol sind, die sonst ruhige ehren- hafte Menschen zeitweilig um die Besinnung bringen. Ein Urteil allerdings, wie es jetzt wieder in Potsdam gefällt wurde, ist nicht geeignet, die leidenschaftliche Empörung der Staatsbürger über das zweierlei Maß der Justiz zu dämpfen. Und weiter: in Potsdam kommt ein reuiger nationalsozialistischer Sünder, der vor Gericht weint, mit Geldstrafe davon, in Neukölln bekommt eine Frau. die in aufrichtigen Reuetränen ihre Tat bedauert, nicht einmal Bewährungsfrist. So geht es wirklich nicht. Herr Justizminister! Donnerstag, dem Hof. 3 Tr.. Das zweite amerikanische Angebot abgelehnt. Das Reichsarbeits Ministerium gibt bekannt, daß das zweit« amerikanisch« Angebot über den Bau von 69999 Wohnungen, das die Firma„Vista Building" zunächst telegraphisch eingereicht hatte, nach Prüfung der weiteren Unterlagen nicht durchführbar ist. Die Unterlagen haben bestätigt, daß tatsächlich die Amerikaner daran gedacht l)aben, hinter die amerikanische Anleihe in Höhe von 199 Millionen Dollar eine deutsche Anleihe von 50 Millionen zu setzen."Die Amerikaner hatten die Hoffnung, daß durch diese Sicherung die Unterbringung der amerikanischen Anleihe in Amerika leichter möglich ist. Bei der Unsicherheit des Kapitalmarktes ist nicht damit zu rechnen, daß eine Anleihe in der genannten 5)öhe beschafft werden kann. Wir wir noch erfahren, haben auch die deutschen Firmen nicht nur deutsche Banken zur Finanzieruno ihres Angebotes heran-*' herangezogen, sondern auch mit der Möglichkeit gerechnet, amerika- nisches Geld zu mobilisieren. Die G e h a g hat in enger Ä erb i n- dung mit der Arbeiterbank und den Gewerkschaften ihr Angebot abgegeben. Die Preisspanne zwischen den deutschen und amerikanischen Angeboten erklärt sich aus dem Umstand, daß Chopmann wohl iiy Unsicherheit über das Angebot einen über- mäßigen Gewinn einkaltkulicrt hat. Aus Verärgerung darüber, daß die deutschen Firmen genauer kalkuliert haben, hat er dann wohl sein Angebot zurückgezogen. Verfassungsfeier der Berliner Polizei. Die Berliner Polizei veranstaltet auch in diesem Jahre wieder eine besondere Feier des Verfassungstages, die am 11. August, vormittags 9 Uhr, auf dem festlich geschmückten Hofe der Polizei- Unterkunft in der Friesenstraße stattfindet. Das Programm dieser Feier besteht in Musikstücken, die von den drei Musikoereini- gungen der Schutzpolizei vorgetragen werden, in Gesangs- vortrügen des Chors der Kriminalbeamten, in einer Festrede des Polizeipräsidenten Zörgiebel. Nach der Rede folgt der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes sowie ein Vorbeimarsch der Schutzpolizei vor dem Polizeipräsidenten. Zln der Feier nehmen alle Polfzeibeamten teil, soweit sie dienstlich ab- kömmlich sind. Sämtliche Polizeidien st gebäude werden in den Reichs- und Landesfarben geflaggt. Die Polizei- beamten haben am Verfassungstage auf der Straße mir im t.schako zu erscheinen. Für die Polizeidienststellen ist Sonntagsdienst an- gesetzt. * Die Berfassungsfeler im Bezirk Prenzlauer Berg findet wieder wie im Vorjahre für alle Schulen gemeinsam auf dem Sportplatz an der Einsamen Pappel, vormittags 19 Uhr statt und wird in einer allgemeinen Feier mit Festansprache, Sportkämpfen ü. a. m. bestehen. Um den Aufmarsch der Kinder eindrucks- voll und feierlich zu gestalten, werden alle Genossen ersucht, soweit irgend möglich, ihre Kinder mit kleinen schwarzrot- goldenen Fahnen und Schleifen für den Festzug auszurüsten.— Anläßlich des Verfassungstages findet für den Bezirk Lichtenberg am 19. August von 18 bis 19 Uhr im Stadtpark ein Konzer-t der Berliner Schutzpolizei statt. Das Reichsbanner informiert Herr» Rauscher! Nachdem die Notverordnung des preußischen Staatsministe- riums wegen der Beflaggung der Dienstgebäude der Genieinden mit den Reichsfarben Gesetzeskraft erhalten hat, wandte sich das Potsdamer Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an den O b e r b ü r g e r- meister Rauscher, und gab ihm di« Adressen von Potsdamer Geschäften an, an denen die Stadlverwaltung Potsdam zum Ber- fossuggstag noch Flaggen in den Reichsfarbcn erwerben kann. Et- waige spätere Ausreden, daß keine Möglichkeit zum Flaggcnerwerb bestanden habe, sind dadurch von vornherein hinfällig. Farben heraus! Aller Voraussicht nach, so schreibt man uns, wird diese Ver- fassungsfeier bedeutender und umfassender, als alle bisherigen. Man wird die Reichsflaggen aus Gebäuden sehen, die noch im vorigen Jahre den Schmuck von Schwarzrotgold nicht getrogen haben. Um so mehr sollten alle Republikaner Wert darauf legen, an diesem Tage auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, daß sie auf ihre Ueberzeueung stolz sind und sie sollten sich mit den Farben der Repubkit schmücken, sei es durch eine schwarzrotgoldene Litze im Knopfloch, sei es durch ein als solches bekanntes republikanisches Abzeichen. Selbstverständlich ist es, daß Der Gau Lerlin des Reichsbundes der Srirg»brschSdIgIea, Scirgsteil-- nehmer und üriegerhinlerblicbeuen. Berlin C. 2, An der stralauer Brücke 6, 1. teilt uns mit. dah am 11. August 1027 zur Seiet des VersassungstageZ seine Burcauräume geschlossen sind. Der Berliner voik-Thor veranstaltet am Donnerstag, dem 11. August. abends 8 llyr, pünillich in der Aula, Koppenstr. 76, einen Lichtbildervortrag über Wien und die Wachau, der gleichzeitig ein Einsührungsvor- trag zur Konzertreise des Chors nach Wien vom 19.-— 18. September sein wird. D-e Lichlbiidcr sind vom RcichSausichub sür sozialistische BildungS- arbeit und von der Oefterrcichi'chen Gesandtschaft freundlichst zur Dersügunz gestellt worden. Gaste find willkommen. Das Explosionsunglück in Magdeburg. Einer der Schwerverletzten gcstordcn. Magdeburg. 9. August. Wir wir zu dem Explosionsunglück in dem Betriebe einer Feuerwerkegesellschaft noch hören, ist der Gartenbesitzer Karl hci» necke seinen Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Von der ver» mißten Arbeiterin hat man noch keine Spur. Man glaubt, ihre Schuhe gefunden zu haben, doch ist es auch möglich, daß sie diese bei der Arbeit ausgezogen hat. Bis jetzt nimmt man als Ursache der Explosion an, daß einer der Angestellten entgegen der Borschrist gerauchr und die noch glimmende Zigarette sortgeworfen hat. Zur Zeit der Explosion waren auf dem Fort fünf Italiener und zwei deutsche Arbeiterinnen beschäftigt. Die Unglücksstälte bietet das Bild einer grauenvollen A e r w ü st u n g. Die in ihrer Nähe gelegenen Fabrikanlagen und Wohnhäuser sind wie vom Sturm abgedeckt. Die Inneneinrichtungen der Wohnhäuser sind zum größten Teil vernichtet. Zementblöcke von mehr als Zentnergewicht find durch die Wucht der Explosion über 39 bis 49 Meter weit fortgeschleudert worden. Die Höhe des Schadens konnte noch nicht ermittelt werden. DombenexplosioninüecLonöonerUntergrunö Niemand verletzt. London. 9. August. Auf der Untergrundbahnstation Aldwych explodierte heule vormitiag 19 Uhr eine selbstgefertigle Bombe, verletzt wurde niemand. London, 9. August. Die Explosion auf dem Unlergrundbahnhof Aldwych erschüllerle das ganze Gebäude. Die Bahnar.gestelllen. die sofort die Treppe hinuntereilten, siclllen fest, daß die he r r e n t o i l e l t e einen, wenn auch nicht tiefgehenden. Riß erhallen Halle, und fanden die Trümmer einer Bombe, die anscheinend von dem Täler selbst angesertigl worden ist. Ein Stalionsbeamler, der in dem über der Erde gelegenen Teil des Bahnhofs beschäftigt war, erklärte, daß der Lärm der Explosion nicht besonders erschreckend war. sondern wie ein tiefes gedämpftes Dröhnen, ähnlich fernem Donner, geklungen habe. Kurz vor 19 Uhr sind zwei Männer beim verlassen der herrcnioiietle beobachtet worden. Bergttnglück im Waldcnburger Revier. Waldenburg, 9. August, f Heute vormittag verunglückten im Steinkohlenberg- werk K u l m i g in Dittersbach bei Waldenburg im Senk- schacht Nr. 29 der M e l ch i o r g r u b e durch Zusammenbrechen einer Schachtbllhne sieben Arbeiter, die zirka 15 Meter in die Tiefe stürzten und sich dabei innere und äußere Verletzungen zu- zogen. Sechs wurden in schwerverletztem Zustande in das Knapp- [chaftslazarett eingeliefert, während einer mit leichten Verletzungen davonkam. Typcgraphia"! Wiederbeginn der Vormittags-Sinastunden am 11. Pugust, im„Soz. Jugendheim", Lindensir. 3,[auch aus den Fenstern der Wohnungen der Republikaner die 1 schwarzrotgoldenen Fahnen slattern, iel iMskteastlcIion :-'■••aajxrr-- aBSSSSSEJISSSE Creme I.eo<5«r hi ausgestrichen verhindert schnierzhastes Anschwellen und Juckreiz, wir« liihlend und reizmildernd, gleichzcinz beste Toilellecrem« von herrlichem Blülengeruch, weder seUend noch tiebend. Tube 60 Big. unfr X,-— Ml. nifrcn in li|]fn fr 11 Mittrvsch 10. August 1927 oltung unö Settage des vorwärts Die Gelchichte vom Dachdecker Strang. i Von T e h a T e h a. Nicht weit von Stuttgart, einige Eisenbahnstunden südwärts, liegt ein kleines Städtchen, in dem es sich recht gut leben läßt. Kommt man zu Fuß in dies Gemeinwesen, so muß man erst an einem kleinen Fluß entlang gehen, dann bergauf-bergab wandern. Auf einmal öfsnet sich das Tal, man sieht wie hinter einem plötzlich geöffneten Theateroorhang die ganze Herrlichkeit: hochgieblig» Häufer, zwischen engen Gassen wächst noch heute Gras, sieben oder acht Türme, die wie Fragezeichen in die Landschaft blicken, weil sie eigentlich so gar keinen Daseinszweck haben. Die Leute hocken abends vor den Türen, mitten dazwischen halbnackt die Kinder. Es sind lauter Arbeiter, man sieht es an ihren bleichen Gesichtern. Fast alle tragen graue Kleidung. So etwas wie eine chemische Fabrik liegt seit Jahren hier, um die billige Arbeitskraft in Gold zu verwandeln. Geht man weiter, steht man auf einmal vor einem großen Hof, in dem der Dachdeckermsister Peter sein« Niederlage aufgeschlagen hat. Man braucht gor nicht das große Firmenschild zu lesen, auf dem der Meister seine Kunst anpreist, schon die schieferbeschlogen« Hauswand, die kunstgerecht mit Dachsteinen eingefaßten Gartenbeete zeigen an, daß hier einer haust, der anderen Leuten auf das Dach steigt. Bei Tage sieht seder, der vorübergeht, ständig den alten Meister im Garten arbeiten, er«rsetzt den Nachbarn eine Uhr, so regelrecht ist sein Tagewerk. Pünktlich um 8 Uhr tritt er über die Schwell«, um Zehn humpelt er in die Küche, um sein Brot zu essen. Dann steht ihn der Gatren wieder bis Zwölf. Ebenso pünktlich geht es hier am Nachmittag zu. Es ist, als ob den Alten ein« innere Unruhe zu bestimmter Stunde in und aus dem Hause triebe. Jeder fremd« Dachdecker, der hier zuspricht, erhält 3 M. Zehr- geld. Das ist bekannt. Viele, die die Straße von Konstanz nach Stuttgart gewandert sind, wissen den Ort, kennen den Meister, kennen vielleicht auch den Grund, warum er gerade 3 M. gibt, ganz gleich, unter welchen Umständen ein«r kommt. Nur sein« richtigen Vapiere muß er haben, Dachdecker muß er sein, dann ist ihm der Taler sicher. * ' Es ist Ende der achtziger Jahre. Da war der Alte noch ein riiftig«r sunger Meister, der drei Arbeit«? ersetzte. Er war selbst niemals in der Welt herumgekommen, sondern hatte das Geschäft schon von seinem Vater übernommen, aber auch der deckt« schon lange die Dächer seiner Vaterstadt. Dabei waren die Peters etwas einseitig geworden, hatten k«in«n W«ltgeist, keinen Humor, keinen Sinn für andere» als Arbeit. Früh vor Fünfe wurden die Lehrlinge geweckt. Dann wurden Dachböcke, Leitern ausgeladen, Stränge und Werkzeug. So mar- schierten sie in der fünften Stunde los. Wenn di« Kundschaft in Fünflingen, Hatterlingen oder Himmelsbach so gegen s47 Uhr die Läden ausstieß, dann kletterten die Dachdecker bereits auf dem gegenüberliegenden Dache umher, nachdem sie zwei Stunden wie die Gäule geschleppt und wohl zweimal di« Hemden und Hosen durchgeschwitzt hatten. Abends zogen sie erst heim, wenn die Land- fchaft seierabendlich in Rot dalag, wenn die taufeuchten Wiesen längst schlafen gegangen waren und das Wasser sein Nachthemd überwarf. Ja— das waren noch Zeiten. Wie die Zementsäcke fielen sie dann abends um vor Müdigkeit. Ach.�die liebe, gute alte ZeitI ' Peters hatten für nichts Sinn als für die Arbeit. Recht bald ein neues Haus bauen, Grundstück dazu kaufen, der Tochter einen anständigen Hausrat und die Taler mitgeben, dem Sohn ein schulden- freies Anwesen hinterlassen, darin gipfelten ihre Lebenswünsche. Kam dann mal so ein armer Schlucker zuzusprechen, der vor Hunger kaum Stuhlgang hatte, da empörte sich alles in der warmen Stube. „Solche Faulenzer, solche Rumtreiber. Bloß dem 5)«rrgott die Zeit wegstehlen. Macht, daß Ihr weiterkommt, hier gibt es nichts." Das ging, wie gesagt, so bis Ende der achtziger Jahre. Da kam eines Tages ein wandernder Dachdecker in dies Städtchen. Man hatte ihn schon frierend nachmittags auf einem Kilometerstein sitzen sehen, ein kleines Päckchen vor sich im Schnee, die Augen geradeaus gerichtet. Er sah nicht die spielende Kinder- schar am Fluß, beachtete nicht den roten Sonnenball, er blickte nur unverwandt vor sich hin. Es war der Dachdecker Eornelius Strang, der müde und gebrochen auf dem Stein saß. Er war schon von Rorddeutschland aus ge- wandert. Nirgends bekam er Arbeft. Es waren die Jahre, wo die Krise durch Deutschland schritt, wo es auch noch kein« Reiseunter- stützung gab, wo nichts Hilse bot. Im letzten Dorfe hatte man Strang ausgewiesen, der Amtmann duldete keine Bettler, nun saß er hier ohne jede Wegzehrung vor dem Städtchen. Schließlich wendete er sich doch den sechs Türmen zu. Am Arme sein Päckchen, schritt er die Landstraße weiter. Vor dem ersten Wirts- hause machte er halt, srug, ob man ihm um einen Gotteslohn im Stroh schlafen lassen wolle. Die Hoffnung, heute noch etwas zu essen zu bekommen, hatte er schon ausgegeben. Aber er wurde schroff abgewiesen. Nun fragte er sich nach den zwei Dachdeckermeistern durch, die am Orte wohnten. Der erste war nicht da, sein Haus verschlossen. Beim Meister Peter traf er sie alle um den Abendbrottisch verscnnmelt an. Man ließ ihn gar nicht zu Worte kommen, sondern Peter schob ihn mit krästigen Armen gleich wieder zur Tür hinaus: „Geht hin, wo ihr im'Sommer euer Geld verfressen und ver- soffen habt und belästigt die Leute im Winter nicht. Wir können auch nicht betteln gehen." Mit diesen Worten schmiß er die Tür zu, zog den Riegel vor, schloß die Läden und warf sich dann schimpfend wieder auf den Stuhl, nachdem er vorher noch seinen beiden Lehrlingen gesagt hatte, ja nie unter diese Slraßenräuber zu gehen. Eornelius Strang aber stand wie geistesabwesend im Flur, das heißt nur im ersten Augenblick. Dann überkam ihn eine unbändige Wut, die zu einer förmlichen Raserei ausartete. Strang, durch diese lieblose Behandlung aufs äußerste erregt, trat die Tür ein, die seinen gewaltigen Füßen bald nachgab, dann— in einem nie gekannten Zorn— stürzte er auf die Gruppe los. Meister Pcler war im erste» Augenblick wie gelähmt. Der fremde Dachdecker entwickelte Riesen- kräfte, hob ihn wie ein K'.nd auf, schmiß ihn durchs Fenster, warf ihm die beiden Lehrjungen nach, während der Sohn von Peter und das Mädchen sowie die Meisterin ihr Heil in der Flucht suchten. Das alles ging rasend schnell. Bei dem Ringen war die Petroleumlampe umgefallen, die Flamme brannte lichterloh— es war wie eine Zauberei: in kurzer Zeft schlugen die Flammen aus fünf— sechs Stellen heraus. Trotz- dem die Meisterin und die anderen gleich Hilfe herbeiholten, war von dem Haus, von der Werkstatt sowie noch von fünf anderen Häusern nachts nach zwölf nichts mehr vorhanden. Der rasende Dachdecker hatte sich in der brennenden Stube verbarrikadiert, ließ niemand an sich herankommen, so daß er buchstäblich mitocrbrannte und— wie alle, die es sahen, beteuerten— jede Rettung zurückwies. Nur draußen auf dem Flur fand man sein armseliges Bündelchen: unter anderen schnell geretteten Sachen war dieses mit dabei. In ihm entdeckten sie auch ein kleines Buch, in dem der Cor- nelius Strang mit ungelenken Schristzügen einiges eingetragen hatte. Da hieß es: „Nun schon neunzehn Wochen ohne Arbeit. Wenn nur der Hunger nicht wäre." Ein andermal: „Hütt ich nur einmal wieder 3 Mark in der Hand, ich wollt mich mal so recht an Kartoffeln und Hering sattesten.. Dann wieder: „Kälte und Ungeziefer sind noch schlimmer wie der Hunger. Heute Hab' ich von einem Bauer Prügel gekriegt. O. ich hätt' ihn totschlagen können." An einer anderen Stelle: „Diese Dachdecker«— die Hälfte im Jahre schiebt man Kohlen- dampf. Mir träumt immer von einem Tater und einem großen Topf Kartoffeln. Ich glaube, ich könnte um dreißig Silberlinge auch jemand ordentlich vertobrken." Ueberhaupt kam in dem Heft der Taler öfter vor. Er schien zu einer fixen Idee geworden zu fein. Wenige Stunden vor dem schauerlichen Ende hat er noch ein- geschrieben: „Nun heute wieder feste gehungert. Wenn ich doch nur bester laufen könnte. Das Aas, der Amtmann, der hat in seinem Leben auch immer Brot gehabt. Ach, warum finde ich nicht mal 3 Mark im Schnee." Das war der letzte Eintrag! Dann war die Tragödie passiert, die letzte Verzweiflungetat, halb vor Hunger, halb vor Wut, mit dem Feuertod als Ende. «- Im Haus von Peter bekommt seitdem jeder Dachdecker seine 3 Mark. Und zwar immer einen runden harten Taler. Der Alte war in der Inflation todunglücklich, als dies nicht ging— jetzt aber ist er wieder da mit seinen silbernen Rädchen... Wer heute an dem sauberen, mit Schiefer gedeckten Häuschen, dem graziös eingesahten Gärtchen vorübergeht, der ahnt nicht, welch Drama sich damals abspielte. Doch viele von denen, die in der Herberge zur Heimat ihren Taler wechseln lassen, kennen seinen Ursprung, andere wissen den Grund nicht, weil nach und nach die Geschichte von Mestter Peter und Cornelius Strang vergessen worden ist. KilM-parole öer Marine: .Unsere Zukunft liegt in üee Gelatine!' Ein Such über Krebsverhütung. Von Dr. W. Wächter. Wenn Laien medizinische Bücher lesen, so ergreift sie in der Regel eine heillose Angst vor all den entsetzlichen Krankheiten, mit denen sich die Bücher beschäftigen. Es geht ihnen nicht bester als den jungen Medizinstudierenden, wenn sie anfangen in die Kliniken zu gehen. Sie diagnostizieren an sich zum Entsetzen ihrer Professoren all« möglichen Krankheiten und es dauert oft lange, bis sie von ihrer Hypochondrie geheilt sind. Ganz durch Zufall geriet kürzlich ein, wie es scheint, noch viel zu unbekanntes Buch, in meine Hände, dessen Lektüre ich allen denen aufs wärmste empfehlen möchte, die sich vor unserer entsetzlichsten Volkskrankheit, dem Krebs, ein wenig fürchten. Dieses Buch besitzt die merkwürdige Eigentümlichkeit, äußerst beruhigend zu wirken und zwar ganz besonders zur Sommerzeit, in der wir keinen Mangel an frischen Gemüsen haben. Bohnen, Erbsen, Salate aller Art, gelbe und rote Rüben, Rettiche, Tomaten usw. usw. stehen uns in Hülle und Fülle zur Verfügung und gerade diese vitaminreichen frischen Gemüse sollen uns vor dem Krebs bewahren, wenn I. Ellis B a r k e r, der Verfasser unseres Buches, recht hat. Barker, ein Laie, nennt sein Buch: Krebs, sein« Ursachen und sichere Verhütung. (Deutsch von Dr. August v. Borosini, Lugano, Verlag für angewandte Lebenspflege Emil Pähl, Dresden.) Dr. Sir W. Arbuthnot Lane, beratender Chirurg am Guys Spital in London und Generalarzt Dr. F. Buttersack schreiben anerkennende Geleitworte, und so braucht man keine Angst zu haben, einem Kurpfuscher in die Hände gefallen zu sein. Barker hat mit ungeheurem Fleiß alles zusammengetragen, was unsere Mediziner über die Krebskrankheit wissen— es ist leider immer noch sehr wenig—, aber er kommt auf Grund seiner ein- gehenden Studien doch zu Resultaten, die von großem allgemeinen Interesse sind. Mediziner sind ja im allgemeinen nicht' entzückt, wenn Laien sich in ihre Angelegenheiten mischen, aber selbst die- jenigen Aerzte, di« gewohnt sind, zunächst alle Laienärzte ohne weiteres abzulehnen, werden nicht umhin können, die Arbeit Barkers gutzuheißen, weil er sich nicht vermißt, den Krebs zu heilen, sondern nur Anweisungen gibt, ihm aus dem Weg« zu gehen.— Barker geht von der statistisch nachweisbaren Tatsache aus, daß die Krcbskrankheit unter den Naturvölkern fast unbekannt ist, und daß sie unter den zivilisierten Menschen in geradezu erschreckender Weise zunimmt. Besonders interessant sind die Untersuchungen von Aerzten, di« jähre- lang die Indianer studiert haben, die eng mit den Weißen zusammen- leben. Nehmen die Indianer die Lebensgewohnheiten, besonders die Ernährungsgewohnheiten der Weißen an, so erkranken sie ebenso an Krebs wie die Weißen. Behalten sie aber ihre Lebensweise bei, so bleiben sie verschont. Darin besonders sieht der Verfasser den Beweis, daß iveder Vererbung noch Ansteckung mit dem Krebs etwas zu tun haben. Worin besteht nun der Unterschied in der Ernährung der Weißen und der„Wilden"? Vor allem darin, daß die Naturvölker viel mehr ungekochte«speisen essen und mehr Balaststofse zu sich nehmen, wo- durch die Darmtätigkeit angeregt und ein« öftere Entleerung nol- ivendig wird. Di« Verstopfung und damit die Bildung von Zer- setzungsproduktcn im Darm hält Barkcr für die wesentlichste Krebsurjache neben der Vergiftung durch Konservierunqsminel und dem Mangel an Vitaminen. Die immer mehr um sich greifende Konservierung der Nahrungsmittel sei«in großer Verderb, besonders wenn chemische Konservierungsmittel, wie Borsäure oder Salizyl- säure, gebraucht werden. Der Einwand, daß diese Konseroierungs- mittel nur in klelnen unschädlichen Mengen gebraucht würden, ist ganz hinfällig. Denn die Wirkung kann sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten bemerkbar machen. Barker erinnert an die Arbeiter in Anilinfarbenfabriken, die nach IS- bis ISjähriger Arbeit an Krebs erkranken und an den bekannten Schornsteinfegerkrebs. Es soll sich also die Giftwirkung der Chemikalien ebenso wie die dauernde Selbstvergiftung durch die Zersetzungsprozesse im Darm summieren und eine Veranlassung zur. Krehsbildmrg fein. Ferner, sollen die Vitamine wie durch zu starkes Erhitzen, so auch durch die chemischen Konservierungsmittel zerstört werden.— Die sogenannte leichtver- bauliche Nahrung, mit der Magen und Darm wenig zu tun haben, ist vitaminarm, und das ist vom Uebcl. Barker empfiehlt also grobes Brot, viel frisches Gemüse, rohes Obst und nicht zu stark gekochtes Fleisch. Dann wird keine Verstopfung eintreten, und dem Vitamin- bedllrsnis ist Genüge getan, zumal wenn man dann noch rohe Milch, Eier und Käse ißt. Abführmittel sind immer schädlich, wenn sie regelmäßig gebraucht werden müssen. In England und Wales kamen auf eine Million Todesfälle im Jahre 1890 678. 190» 829, 1910 907, 1920 1101� und 1922 1229 Krebs als Ursache in Betracht, also eine dauernde Steigerung. Man kann natürlich nicht annehmen, daß man im Jahre 1890 etwa den Krebs noch nicht genau feststellen konnte, also die Zahlen werden schon stimmen, und die Zunahme der Krebstodcssällc ist in der Tat erschreckend. Sie geht parallel der Zunahme der leichtverdaulichen Nahrung und der Konserven.— Also:.„Zurück zur Natur." Dieser Ruf erschallt zwar seit Rousseau im Lager aller möglichen Resorma- toren, besonders der Ernährungsneuerer, aber man muß Barker das Zeugnis ausstellen, daß er nicht mit vorgesaßten Meinungen und vagen Hypothesen arbeitet, sondern daß er rein induktiv vorgeht und sich besonders auf das statistische Material stützt, das von Wissen- jchastlern zusammengetragen wurde. Es sei noch erwähnt, daß der Verfasser vorschlägt, in der gemüse- armen Zeit Erbsen und Bohnen erst ankeimen zu lassen und dann zu kochen, wie es die Chinesen machen. Durch den Kcimunzsprozeß bilden sich reichlich Vitamine. Barker ist auf seine Krebsforschung durch seinen eigenen Gesundheitszustand gekommen. Er glaubte, ein Krebskandidat zu sein: er war absolut hinfällig, magerte ab, war ständig müde usw. usw. Mit Aenderung seiner Ernährungsweise kam die völlige Gesundheit und Leistungsfähigkeit wieder, so daß wir wohl verstehen können, daß der Verfasser mit einer gewissen Be- geisterung seine Theorie vertritt.— Ganz besonders beruhigend wirkt das Buch auf alle diejenigen, die dem Laster des Tabakrauchens frönen und den Kaffee, den Tee und den Alkohol lieben. Dies« Gifte sind keine Krebserzeuger und der Zungen- und Lippenkrebs der Raucher ist keine Nikotinwirkung. Barkcr behauptet) sei: der Trockenlegung Amerikas feien dort am Zuckergenuß mehr Menschen zugrunde gegangen als früher am Alkohol, denn den Zucker hält unser Gewährsmann für ganz besonders verderblich, da er ein schweres Reizmittel sei. Selbst wenn Barker nicht verhindern kann, daß in Zukunft der Krebs wieder zurückgeht, so ist sein Buch geeignet, manchem Trost zu bringen und vielen Freude zu machen. Ein Roman aus der Teuselsinscl. Der französische Justizminister Barthou' hat erklärt, daß der Verbrecher Dieudonne, von dessen dramatischer Flucht von der Teufelsinsel bereits berichtet wurde, be- gnadigt werden soll. Die Behörde wurde gerührt durch den Liebes- und Abenleurerroman, den das Schicksal dieses Mannes darftcllr. Wie Pariser Blätter berichten, wurde seine Fluch: nur möglich durch den Mut und die Ausopferung einer Amerikanerin, die ihm in Paris vor 16 Jahren begegnet war und die um seinetwillen Eltern und Freunde verließ. Sie blieb dem Geliebten auch treu, als er wegen feiner Verbrechen auf die Teufelsinsel geschickt wurde und folgte ihm in der Verkleidung als Krankenschwester dahin. Sie bereitete alles für die Flucht vor und war bereits mit ihm auf einem Schiff, als Dieudonne erklärte, er könne nicht fliehen, ohne vorher sein Ver- brechen eingelöst und vier seiner Mitgefangenen befreit zu haben. r ruderte mit dem Mädchen nach dem verabredeten Platz: dort fanden sie die vier anderen und die fünf Verbrecher versuchten nun mit dem Mädchen auf dem kleinen Boot, das für fünf Tage Wasser- und Nahrungsvorrot hatte, das Festland zu erreichen. Die fünf Tage verstrichen, ohne daß Land zu sehen war. Sie starben fast vor Hunger und Durst und losten zuletzt denjenigen aus, der für die anderen geopser: werden sollte. Das Los fiel auf Dieudonne, aber wenige Stunden vor der Zeit, in der er sterben sollte, kam Land in Sicht: sie erreichten Brasilien und wurden nach zehn Tagen ent» deckt und verhaftet. M Parteigenossen! Republikaner! Mm Verfassungstag, Donnerstag, 1 1. August Fahnen heraus! Einsendungen ffir diese Rubrik sind Berlin SW S». Lindenstraße 3, parteinachrichten wS� für Groß-öerlin stet» an da» Bezirkssekretariat Z. Hof, i Trep. recht», zu richten «. strel» Prenzlauer Berg,«rbcitcrwohlfahrt: Die Aktenausgabe findet wegen der Versassungsseier am Freitag, 12. August, um 19 Uhr an der bekannten Stelle statt. !. Are,» Friedrichshaia. Genossinnen und Genossen! Besucht die Ausstellung des Arbeiter-Eport» und Ztulturkartells in den Comeniussälcn, Memeler Straße 97. Auch unsere Jugend stellt aus. Schluß der Ausstellung am 13. Kreis Tempelhof, Maricndorf, Marienfelde, Lichtenrade. Freitag. 12. August, t-iinktlich 19 Uhr, Sitzung des Bildunasausschusses mit den Helfern fiir die Verfaffungsfeicr bei Niendorf in Mariendorf, Chaussee. straße 19. Da das Eitzungszimmer pünktlich 22 Uhr geräumt lein muß, wird um ganz pünktliches Erscheinen gebeten. U. Stet» Neukölln. Die Abteilungsleiter werden gebeten, Material abzu» holen vom Partcidureau Ncckarftr. Z. Heute. Mittwoch. 10. August: 22. Abt. Der Zahlabcnd findet heute nicht statt. 33. Abt. Fahlaoende bei Hoffmann, Stralauer Allee 17; Wertalla, Hohenlohe» des Arbeiter. straße Zl Kienitz, Simon-Dach-Str. 24. 34. Abt. Pom 8. bis einschl. 12. August findet eine Ausstellung Sportkartclls in den Comeniusfälen statt. Die Genossen werden dringend gebeten, die Ausstellung zu besuchen, insbesondere den Raum der Eozia» listischcn Arbeiterjugend. 35. Abt. Iahlabcnde pünktlich 1S1H Uhr: Gruppe Otto Rigaer Str. 85; Bor- trag:„Politische Satire", Genosse Heinz Löwi. Gruppe Borkowski Schreiner. straße 32;„Arbeitsgcrichtsgesetz", Referent Genosse Bach. Gruppe Bombe Voigtstr. 25. Gruppe Schule Samariterstr. 20. 39. Abt. Mitgliederversammlung Igsh Uhr Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Hof 3 Tr. Vortrag des Genossen Neumann:„Die Abstammung des Menschen", 2. Teil. Borher Aussprache eines Vertreters der Freien Volksbühne. 4S. Abt. 19 Uhr Gruppcnvcrsammlungcn: Minnig, Lausstzer Str. 44; Mat. schen,, Förster Str. 9; Liebia, Wiener Str. 58; Wicngiers, Reichenbcrgcr Straße 104. Gemeinsamer Spaziergang nach Treptow. Treffpunkt Glo. aauer Ecke Rcichcnberger Straße, Ig�h llhr. 32. Abt. Siemensstadt-Kaselhorst. LOW. Uhr bei Marsand, Heidekrug, Ab- teilungsvcrsammlung. Vortrag Uber die politische Lage. 82. Abt. Steglitz, ffahlabcndc in folgenden Lokalen: 1., 2., 3. und 4. Bezirk bei Schellhase, Ahornstr. 15. 5. und 3. Bezirk bei Selix, Bismarckstr. 65; ----.— Be MilB»" Bezirk tn Munds Festfälen, Referent Genosse Dr. Arische. 7. 'Ich""-"*"■ ___ SÜdcnde, Lichterfeldrr Str. 17. Beginn 20 Uhr. 84. Abi. Lankwitz. Die fällige Mitgliederversammlung findet umständehalber erst am Mittwoch, 17. August, statt. Gleichzeitig werden die Partei. genossen gebeten, sich an der am Donnerstag stattfindenden Verfassungs- frier zu beteiligen. Treffpunkt 18 Uhr Steglitz, Düppelplatz. Platzkonzert. 85. Abt. Temprlbof. Der heutige siahlabend fällt aus. 83. Abt. Maricndorf. 1., 2. und 7. Bezirk bei Reumeper, Schönebergcr Straße 3ö. 3. bis 3. Bezirk bei Niendorf, Chausseestr. 19. 8. bis 10. Be- zirk bei Schräder, Dricdenstr. 3. Reukölln. 90. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlungen in folgenden Lokalen: 13., 17. und 24. Bezirk bei Lehmann, Tellstr. 8. 15. und 23. Bezirk bei Jahn, Fuldastr. 45. 13. und 25. Bezirk bei Janicke, Zansastr. 11. 22., 23. und 38. Bezirk bei Echbeiko, Weichlelstr. 5. 34. und 43. Bezirk bei Äleistner, Miinchener Str. 53. 35. Bezirk im Idealkastno, Weichsclstr. 8. — 91. Abt. 37., 42. und 48. Bezirk Fahlabend bei Stahmann, Mllnchener Ecke Reutcrstraße: Vortrag des Genossen Dr. A. Stein Uber„Berufs- Hygiene." 40. und 50. Bezirk bei Lüddecke, Aarlsgartenstr. 12.— 92. Abt. 20 Uhr Fahlabende. 14., 29., 30. Bezirk bei Ganter, Harzer Str. 88; Bortrag des Genossen Hermann Kunze. 27., 28., 32. Bezirk bei Ewald, Elbe- Ecke Weserstraße; Vortrag. 31., 44., 45., 55. Bezirk bei Wolf, Kaiser-Friedrich» Ecke Roseqgerstraße; Vortrag des Genossen Georg Reuter. 43., 47., 59., 71. Und 72. Bezirk bei Kanserfki, Richardstr. 108, Ecke Bcrthelsdorfer Straße: Bortrag. In allen Fahlabendcn außerdem wichtige Mitteilungen. Erscheinen aller Abteilungsmitglieder dringend erforder. lich.— 95. Abt. 20 Uhr Abteilungsverfammlung bei Grllacr, Lessingstr. 9. Vortrag des Genossen Harnisch über„Arbeitszeitgesctz. Reger Besuch wird erwartet. 402. Abt. Baumschulenweg. Mitgliederversammlung 1914 Uhr bei Borgmann, Kiefholz- Ecke Baumschulenstraßc. Vortrag des Genossen Pietzncr. 418. Abt. Lichtenberg. 1914 Uhr Zahlabend bei Gustav Tcippcl, Gudrunstr. 4. Morgen. Donnerstag. 11. August: 85. Abt. Tempclhof. Die Parteigenossen werden gebeten, den Satirischen Abend der Arbeiterjugend in der Aula des Realgymnasiums Kaiserin. Augusta-Straße um 20 Uhr zu besuchen. Eintritt 50 Pf. 403. Abt. Johannisthal. Die Mitgliederversammlung findet erst am 47. d. M. 408.!>bt? Köpenick. Anläßlich des Verfassungstagrs findet im Schloßpark vom Musikvcrein„Echo" ein Platzkonzert statt. Alle Portoigenossinncn und-genossen werde» gebeten, daran teilzunehmen. 434. Abt. Riederschönhausen. 20 Uhr Wilhclmshof, Kaifer-Wilhelm-Straße, Verfassungsfeier. Festredner Genosse E. Fächert, M. d. L. Anschließend zwangloses Beisammensein. Auch die SÄI. sei hierdurch nochmals ein- geladen. 435. Abt. Karow. Mitgliederversammlung Restaurant Fum Pankgrafcn, Pank. grafcnstr. 3. Thema:„Die deutsche Reichsvcrfassung." Referent Hans Willige. Gäste sind eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamter(DBB.-Mitglicdcr) hält Freitag, 12. August, 20 Uhr, in den Kammersälen lTäeilicnsaa», Teltower Straße 4/5, eine Versammlung ab. Tagesordnung:„Sozialistenhetze von Beamtenabgcordnetcn im Deutschen Beamtenbund. Erscheinen dringend ersorderlich. Sterbetafel üer Groß-Serliner partei-Grganifation 47. Abt. Am 7. August verstarb nach schwerem Leiden im 48. Jahre der Genosse Richard Krause. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Verbrennung am Mittwoch um II«, Uhr im Krematorium Baumschulenweg. 99. Abt. Britz. Buckow. Unser Genosse Otto E n g- l r c, Kaufmann, ist am 7. August verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, 13 Uhr, auf dem Gemeindefriedhof Britz, Chausseestr. 143, statt. Um reg- Beteiligung bittet die Abtcilungsleitung. Sozialistische �rbeiterjugenö Groß-Serlin. Achtung, Lüncburg.Fahrcrs Die Teilnehmer der zweiten Fahrt treffen sich Sonnabend pünktlich 23 Uhr am Schlestschcn Fcrnbahnhof. heule. Mittwoch. 10. August, 19% Uhr: Wcdding: Jugendheim See. Ecke Turiner Straße. Bortrag:„Sozialismus und Sozialdemokratie."— Humannplatz: Jugendheim Ebcrswaldcr Str. 10. Vortrag:„Der Weltkrieg."— Rofenthaler Vorstadt: Jugendheim Gipsstr. 23a. Gcdenkabend der Führer.— Südost, Rcichenberxer Viertel: Jugendheim Reichen. bergcr Etr. 33. Vortrag:„Die Weimarer Verfassung."— Westen II: Jugendheim BUlowstr. 88. Vortrag:„„Wie der Weltkrieg entstand.— Tempclhof: Jugendheim Ecrmaniastr. 4/3. Was jeder junge Arbeiter ans der Reichs- Verfassung wissen muß.— Friedrichshagen: Jugendheim Fricdrichstr. 87.„Der Weg zur neuen Reichsverfassung."— Friedrick.sselde: Jugendheim Schloß. Ecke Berliner Straße. Amerikanischer Humor.— Neu-Lichtenberg: Jugendheim Schule Lllckstr. 30. Antikricgsabcnd.— Lichtendero-Nord: Jugendheim Park. aue 10. Auslprachtzobend:„Gemeinschaftssinn."— Lichtcrscldc: Tresspunkt zur Versassungsseier morgen, 17tz4 Uhr, aus dem Dllppcimarkt, Steglitz. Fahnen mitbringen. Werbcbezirk Osten. Genossinnen, Genossen, besucht die Sport- und Kultur. ausstellung in den Comeniusfälen, Memeler Str. 37. Ausstellungsschluß Frei. tag, 12. August. Vorträge, vereine unö Versammlungen. G Ueichsbanner.Schwar�-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Scbastianstr. 37/38. Hak 2 Tr. Bohnsdors: Mi., d. 10., 10 Uhr, Fackelzug Köpenick. 19 Uhr Ufer. bahn Grünau.— Donnerstag, 11. August: Tiergarten: Antreten zur Derfassungsfcicr 1S% Uhr Reichsianzlerplatz vor Eaf« Stadion. Treff. punkte: Arminius 18 Uhr Ringbahnhof Beussclstraße: Westen I: 18V4 Uhr Loch» bahnhof Bülowstraßc; Westen II: 17% Uhr bei Rickert, Steinmctzstr. 33: Hansa und Stephan Reichskanzlerplatz 13,40 Uhr. Wilmersdorf: Antreten zum Fackel. zug 19-4 Uhr Bahnhof Witzleben, Ausgang Autohallen. Dortselbst Ausgabe der Fahrkarten nach Leipzig. Wedding: Antreten 19 Uhr mit Kapelle und Tambourkorps bei Müller, Uferstr. 12. Straßenleitcr laden ein. Köpenick: MM''. wie angegeben, im Stadtpark, sondern im Versassungsseier: Köpenick 17,53 Uhr ab Bahn- .. W ,.„ 7,43 Uhr ab Bahnhof Friedrichshaqcn: Grünau, vhnsdorf 17,43 Uhr ab Bahnhof Grünau. Nachzügler 20-4 Uhr Bahnhof Witzlebcn.— Lichtenberg nebst Untergruppen: Fahrkarten nach Leipzig werden Donncrstag an der Funkhalls ausgegeben. Reinickendorf: 19 llhr Antreten Bahnhos Westend. Pflichtveranstaltung. Hcrmedorf fkameradschaft): Für Verfaftungsfeicr 18,13 Uhr Bahnhof Hcrmsdorf. Bohnsdorf: Versassungsseier Funkhalle. Näheres in der Versammlung. Banmschulenweg: Versassungsseier und Fackelzug. Abfahrt 18 Uhr Bahnhof. Erscheinen eine« jeden Kameraden ist Pflicht. Reuenhagen, Koppegarte«, Birkenstein: Pflichtbeteiligung an der Gcmeindcverfassungsseicr vor dem Rathaus. Platzkonzert, Eesangsvorträge, Der erste Teil des Abendpragramms bringt Virtuoses, kleine Stücke von Rimfky-Korsakow oder Kreisler, die Niko Buica mit Bravour auf der Geige herunterrast. Manchmal zu viel Koketterie mit Flogeolettönen, aber man freut sich über den stürmt- schen Elan, über dieses Temperament und über die exakte Aus- führung. Es ist hübsches Kabarett und unter dieser Rubrik standen ebenfalls die Klamerproduktionen von Sula Lewitsch und Adam Gelbtrunk. Auch hier glänzende Virtuosität. Mit Lermu schließt der Abend. Fränze Roloff rezitiert. Trotz einer forciert scharten Ton- gebung, die an Kortner erinnert, gelingt ihr hin und wieder un- oerfälschte Melancholie. Sie zerreißt stellenweise den Rhythmus und gibt Lenau zu viel von cheinescher Schärfe. Der Bariton Paul Kleinwächter singt Vertonungen Lenauscher Godichie von Mendels- söhn, Robert Franz und Liszt. Eine schöne, warme und ausdruck- gesättigt? Stimme, die in der chöhe allerdings merkwürdig tenoral klingt. Sehr vorsichtig äußert sich Prof. Dr. Adolf Marcuse über den Einfluß der Sonnenflecken auf die Temperatur und die meteoro- logischen Verhältnisse der Erde. Da nicht einmal der Ursprung der Flecke genau festgestellt ist, so bleibt ihre Einwirkung auf die Pla- neten noch problemalischer. Es handelt sich hier um chypochesen, deren exakte wissenschaftliche Begründung der Zukunft vor- behalten ist. F. S. Festredner Gemeindevorsteher Thormann, Fackelzug. Antreten 19-/4 Uhr Ge nossenschaftshaus Birkenstein. Sennigsdorf: Betecligung an der Gemeinde versassungsseier und Fahnen.- Haus Neukölln. Antreten 19 Uhr im Vcreinsbcim zum' Fackelzug mit Musik "ritz: 18 Uhr Treben Schützen. 12. August: Nculölln-i . aulow: Alle Kameraden, auch die Leipzig.Fahrer, 18/4 Uhr Andreas-Hofer-Platz. Vaumschulenwcg: Treffen aller Leipzig.Fahrer bei Borg. mann 19>4 Uhr. Letzte Mitieilungen und Ausgabe der Fahrkarten. Abfahrt für alle Baumschulenwegcr Sonnabend 17% Uhr ab Anhalter Bahnhos.— Charlottendnrg: Leipzig.Fahrer treffen sich Mi., d. 10., pünktlich 20 Uhr, zur — Treptow skrci»): Do., öneweide 17% Uhr. Fahrt bis Zerfassungsfeier auf dem Markt. platz. Referent Kamerad Fränkel._ Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhiuter. blicbenen, Gau Berlin. Die Mitglieder sämtlicher Ortsaruppen treffen sich zwecks Teilnahme an dem Fackelzug anläßlich der Versassungsseier am 11. August, 18-4 llhr, in Charlottenburg, am Lictzensccpark, Eingang Kaiser- dämm. Der Kinderchor des Berliner Bolkschors(Mitglied de» DASB.) übt regel- mäßig Tonnerstags 17(4-19-4 Uhr unter der Leitung von Walter Hänel in der Aula der Volksschule Andreasstr. 13o. Ausnahme von Kindern Uber 9 Jahre ebenda. Verband für Freidcnkertum und Feuerbestatiung, Bezirk 9 Wilmersdorf. Donnerstag, II. August, 20 llhr, Mitgliederoersammlung im Restaurant KuIIa, Wilmersdorf, Lancnburger Etr. 21. Tagesordnung: Die Bczirksgcneralver. fammlung.— Bezirk 5 Fricdrichshai«: Freitag, 12. August, 19 Uhr, M S alicderversammlung Bocckcrs Festsälc, Wcberstr. 17. Tagesordnung:„Gegen den Reichzschulgesetzentwurs" und Stellungnahme zur Bezirksgeneraloersamm. lung. Arbeitcr-Radiobund Deutschlands E. 93. Gruppe Neukölln: 12. August Bastelabend Prinz-Handjery-Str. 72.— Gruppe Schöueberg: Sonnabend, 13. August, findet in der Kolonie des Funkgcnosscn Maroske(Heiterkeit Nr. 37) ein Nachtempfangsabcnd ferner Stationen statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Beginn 20 Uhr.— Gruppe Wedding: Donnerstag jeder Woche im Gruppenlokal Pasewalkcr Straße Erperimentier- und Bastelabend für seder. mann.— Gruppe krcuzbcrg: 12. August außerordentliche Mitgliederversamm. lung 20 Uhr im Gruppenlolal ILgerhcim Nostizstr. 29. Neuwahl des 1. Vor- sitzenden. Arbeiter-Lamariterkolonne«. D. Geschäftsstelle Schröderstr. 9, Telephon Norden 3340. Freitag, 12. August, Mitgliederversammlung Abt. Neukölln Lokal . Ecke Lenaustraßc. Wille, Reuter' Heimattreue»_____ fammlung Freitag, 12. August, 20 Uhr, im Berliner Klubhaus, Berlin, Obm» straße. Kartenverkauf für das am 3. September statifinbende Stiftungsfest. llcstpecnßen, Berlin-Süden, 8. 95. Mitglicdervcr. wetierberichl der Sffenllichcn Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Meist wolkig, doch zeilweis» heiter, immer noch eiwoS Gewitterneigung, Temperaturen wenig verändert.— Jfic Leuischland; In der westlichen Hölste etwa? Besserung, doch Temperaturen wenig vcr- ändert, Ocstiich der Weichsel Abkühlung mit Gewittern, im Zwischen- gebiet leichte Besserung doch noch etwaZ Gewitterneigung. Trotz knappe» Wirtschaftsgeldes nach der Ferienreise braucht die kluge Hausfrau sich in ihren Ausgaben für Kaffee, Schokolade, Kakao, Tee, Keks usw. keinerlei Einschränkungen aufzuerlegen, wenn sie die allwöchentlichen Carisch.Ausnahmctagc wahrnimmt. Immer Freitags und Eonnabends finden diese billigen Earisch-Tagc in allen Carisch-Läden statt, die sich in jeder Etadtgegcnd befinden. Die an sich schon billigen Carisch-Preise sind an diesen Tagen für Kaffee, Echokolade, Kalo, Tee, Keks usw. noch mehr herab. ._„es jeder Hausfrau, auch der mit knappstem Wirtschaftsgelde, möglich ist, ihren_ Bedarf bei Earisch zu decken. Bitte achten Sie aber auf gesetzt, so daß den Namen Earisch(Carl Richard Schmidt). sind nur in de» Carisch-Läden erhältlich. Die beliebten Carisch-Erzeugnissc trnsn m- £,,C Jl ■iL-'fiU ■■- n\ '"Vr iwrt-zrt Ii. Beim fröhlichen Spiel der Kinder denken wir an die eigene Jugend Jung erJiSlf uns die Erinnenung und der Genuß einen kosfhchen Joseiii JTimo Berlins meistgerauchier 4u8 Cigarette Nr. Z74«44. Jahrgang 2. Beilage öes Vorwärts Mittwoch, 70. Kttgust 1927 Lohn unö Kaufkraft. Die neueste Lohnentwicklnng im Lichte der Statistik. Die Lohnsntwicklung zeigt in den letzten Jahren ein be- wegtes Bild. Die Lohnsätze waren durch die Inflation so tief herab- gedrückt worden, dah unmittelbar nach der Markstabilisierung eine Bewegung zur Steigerung der Lohnsätze mit einer geradezu spon- tineä Gewalt einsetzen mußte. Di« Jahre 1924 und 192S waren in der Tat durch«ine stark« Steigerung der Löhne gekennzeichnet. Ins- gesamt sind die Stundenlöhne der gelernten Arbeiter vom Januar bis Dezember 1924 um 32,7 Proz., vom Januar bis De- -ember 1925 um 18 Proz. gestiegen, die der ungelernten Arbeiter entsprechend um 22,5 Proz. und 18,5 Proz. Da die Lebens- Haltungskosten gleichzeitig eine wesentlich geringere Steige- i ung aufgewiesen haben— um 7,5 Proz. im Jahr« 1924 und 4,1 Proz. im Jahre 1925—, brachte die Lohnentwicklung in den ersten weiJahren nach der Markstabilisierung eine wesentliche Erhöhung der .Kaufkraft. Die schwere K r i s e, die Ende 1925 einsetzte, hat diese Ent- Wicklung j.'doch jäh unterbrochen. Das Jahr 1926 brachte im großen ganzen einen Stillstand in der Lohnentwicklung: die Stundenlöhne der gelernten Arbeiter sind von Januar bis Dezember 1926 nur um 9,9 Proz., die der ungelernten um 1,1 Proz. gestiegen bei einer gleichzeitigen Steigerung der Lebenshaliungskosten um 3,2 Proz. Der durchschnittliche Stundenlohn ist während d:s Jahres 1926 in seiner realen Kaufkraft sogar etwas gesunken. Bon wenigen Ausnahmen abgesehen(im Bergbau fängt die aufsteigende Lohn- entwicklung im Seplember. in der Textilindustrie im November 1926 an), ist nur mit dem Anfang 1927 die Bewegung zur Steige- rung der Lohnsätze wieder zum Durchbruch gelangt. Augenblicklich kann man diese Entwicklung als vorläufig ab- geschlossen betrachten: die Festsetzung neuer Tarifsätze ist so gut wie beendet; bis Herbst, für viele Arbeitsgruppen bis 1928, ist mit einer merklichen Aenderung der Lohnsätze nicht mehr zu rechnen. Beachten wir das zahlenmäßig« Ergebnis dieser Ent- wickkung.') Tarifliche Stundenlöhne gelernter Arbeiter. pn Pfennigen.) ') ES muß beachtet werden, daß während der letzten Monate des Jahres 1S2S die tariflichen Stundenlöhne der gelernten Bergarbeiter Um 4,1 Proz., die der männlichen resp. weiblichen Textilarbeiter um 6,3 und 4,3 Proz. gestiegen sind. Wegen Raummangels müssen wi« von einer«ingehenden Dar- stellung der Bewegung der Stundenlöhne der ungelernten Arbeiter sowie der Wochenlöhne der gelernten und ungelernten Arbeiter ab- sehen; wir bringen hier daher lediglich die entsprechenden Durch- s chn i t t s z a h l« n für die Arbeiterschaft insgesamt: Stundenlohn de» W ochenlohn de» Wochenlohn de» ungelernten Ar- gelernten Ar. ungelernten Arbeiter»(in Psg.) bettet»(in M.) deiler»(in M.) .. 40,2 35.33 23.52 .. 66.7 46,36 34,46 .. 66.3 46,43 34,52 .. 67,4 46,92 34,80 .. 79.0 47.97 36.91 .. 72,5 43,83 36.59 .. 72,7 49,17 36,79 72,7 49,17 36,79 1913.... �. Januar 1927..... Februar...... :6l ärz....... t'ipril........ Mai........ ,> unr........ : t ulr...».... Steigerung in Proz. vom 1. Januar bis 1. Juli. 9,9 «.1 6.5 Die Stundenlöhne der gelernten Arbeiter sind somit' vom Januar bis zum 1. Juli(wenn man von den Löhnen der Textil- arbeiter, bei denen die Steigerung Ende 1926 vorgenommen wurde, absieht) von 4,1 Proz. in der Brauindustrie bis 12,5 Proz. im Holz- eewerb«, im Durchschnitt um 6,1 Proz. gestiegen, die Stundenlöhne der ungelernten Arbeiter im Durchschnitt um 9,9 Proz., die Wochenlöhne entsprechend um 6,1 resp. 6,5 Proz., in� absoluten Zahlen: bei den gelernten Arbeitern um 2,81 M,, bei den ungelerten um 2,24 M. pro Woche, Diese sehx mäßige Lohnsteigerung ist aber zum Teil durch die gleichzeitige Steigerung der L:bens< baltung'S kosten— von Januar bis Juni um 2,1 Proz.— wettgemacht, zum Teil bedeutet sie einen Ausgleich für die lnchte Senkung des realen Lohnniveaus im Jahre 1926. Die Stelgerung gegenüber dem realen Lohnniveau zu Ansang 1926 ist somit ganz minimal und beträgt im Durchschnitt kaum mehr als 2 bis 3 Proz. Auch in einer anderen Hinsicht sind die obigen Zahlen von Interesse. Die Lebenshaltungskosten sind bekanntlich heute wesentlich höher als vor dem Krieg«. Der Lebenshaltung-- index, der trotz aller Berbesierung der Jndexberechnung immer noch wohl die Steigerung der Lebenshaltungskosten nicht voll zum Aus- druck bringt, weist im Juni 1927 eine Steigerung geggpllber dem Vorkriegsniveau von 47,7 Proz. auf. Der tariflicheStunden- lohn weist dagegen, wie aus den obigen Zahlen nicht schwer zu berechnen ist, gegenüber dem Stand von 1913 eine Erhöhung von 49,6 Proz, für die gelernten und 89,8 Proz. für die ungelernten Arbeiter, der tarifliche Wochenlohn entsprechend nur 39,2 Proz. und 56,9 Proz. Nur bei den ungelernten Arbeitern ist somit die Steigerung der tariflichen Stundenlöhne merklich größer als die Steigerung der amtlichen Lebenshaltungskosten, so daß der reale tarifliche Stundenlohn eine Erhöhung von etwas über 29 Proz. gegenüber dem Vorkriegsstand aufweist. Aber bereit» der tarifliche Slundcnlohn des gelernten Arbeiters hat kaum die offizielle Steigerung der Lebenshaltungskosten überschritten, der reale tarifliche Stundenlohn des gelernten Arbeiters erhebt sich also ganz minimal über das Vorkrieasniveau, Jedoch selbst dieses nicht zu sehr erfreu- liche Ergebnis wird erschüttert, wenn man von den Stunden- *) Alle Zahlen sind der„Wirtschaft und Statistik" entnommen oder auf Grund der hier angegebenen Zahlen berechnet worden; für die Jahre 1924 bis 1926 sei auf zwei instruktive Artikel im „R.'ichsarbeitsblatt"(1926 Nr. 24 und 1927 Nr, 16) verwiesen: aus dem letzten Artikel sind auch die Angaben über die Vorkriegslöhne (siehe Tabelle) entnommen. löhnen zu den für die Beurteilung des Lebensniveaus der Arbeiterschaft in erster Linie maßgebenden realen Wochen löhnm übergeht: die Steigerung der Wochenlöhne der gelernten Arbeiter bleibt immer noch hinter der offiziell erkannten Steigerung der Lebenshaltungskosten zurück, und selbst bei den ungelernten Arbei- kern, deren Entlohnung vor dem Kriege besonders dürftig war, überschreitet der so errechnete reale Wochenlohn das Porkriegsniveau um weniger als 5,9 Proz. Die obigen Zahlen charakterisieren allerdings nur die Cntwick- lung der tarislichen Lohnsätze, nicht die der tatsächlichen Verdien st e, deren Erforschung naturgemäß auf Schwierig- keiten stößt. Für die Beurteilung des Gesamtergebnisses der Entwicklung mag es aber von einer geringen Bedeutung sein. Dieses Ergebnis ist noch viel zu bescheiden, und es mahnt gebieterisch die deutsche Arbeiterschaft, für einen weiteren harten und zähen Kamps um die Hebung des Lohnes unermüdlich zu rüsten. S. S. daß die Genfer internationalen Aufmerksamkeit Arbeitsamt mit seiner '§ür internationale Kohlenverftänüigung. Bcrgarbeitcrinternationale und Kohlenproblem. Die Pariser Sitzung des Internationalen Bsrgarbeiter-Komiiees, an der vom Deutschen Bergarbeiterverband Husemann, Limbertz und Dr. Beraer teilnahmen, hat sich u, a. auch eingehend mit der Verschärfung der internationalen Kohlenkrise befaßt. Die einzelnen Berichte ließen fast durchweg eine erheblich« Verschlech-teruna. Stillegungen und Feierschichten er- kennen. So sind in England in den letzten sechs Monaten 398 Gruben stillgelegt worden, zum Teil wohl als Wirkung der Produktionezusammenfassung, zuin Teil als Folge des Absatzrückganges. Ob der dort vertragsweise für einzelne Arbeiterk.rtegorien eingeführte numerus clausus die erhoffte Ent- lastung des- Arbeiismarktes bringt, wird von den englischen Berg- orbeitern, die diese Maßnahme auf all« Arbeiterkategorien aus- aedehnt wisien wollen, bezweifelt. Auch in Belgien und Frankreich ist die Lage gedrückt. Hier haben die Halden- bestände beträchtlich zugenommen, Bon allen Seiten wurde bedauert, Weltwirtschaftskonferenz dem K o h l en p r o b l e m keine größere geschenkt habe und auch das Internationale schon 1925 begonnenen Enquete über die Lage der Bergarbeiter wegen der Säumigkeit einzelner Regierungen und der manaelndn Bereitwilligkeit großer Unternebmeroraanisationen in der Bereit- stellung internationaler vergleichbarer Dvten nicht recht vorankommt. Das internationale Bsrgarbeiter-Komttee beabsichtigt nun, den Gedanken der internationalen Kohlenverständi- g u n g von sich aus stärker zu propagieren und die bereits vor- liegenden statistischen Zahlen zu vervollständigen Man will so de» vielfachen Schwierigkeiten der internationalen Koblenmarktverein- barungen, die auch' kürzlich wieder im englischen linterhaus hervor- traten, als ein Arbeitervertreter die Einberufung einer internativ- nalen Konferenz der kahlenproduzierenden Länder zur Schaffung eines Kontrollorgans für die W e l t e x p o r t p r e i s e an- regte, besser begegnen. Welche Ausgestaltung da? internationale Beraarbeiterbureau, das inzwischen nach Brüssel verlegt wurde und von dem belgischen Abgeordneten D c'l a i t r c bis Ende dieses Jahres provisorisch verwaltet wird, zu diesem Zwecke erfahren muß. wird von den angeschlossenen Organisationen bis zur nächsten Zusammenkunst am 19. Oktober, in Warschau, geprüft werden. Jedenfalls kann der Zl u s b a u eines eigenen regelmäßigen internationalen statistischen Nachrichten- dien st es der Bergarbeiter als gesichert betrachtet werden. ' ver??rbeitsmarkt kn öer ersten flugustwoche. Die Besserung der Arbeitsmarkilage schreitet fort. In erster Linie ist die Entlastung aus die mit dem Fortgang der Ernte esn- letzenden verstärkten Anforderungen der Landwirt- ichast zurückzuführen. Auch das Baugewerbe und die Eisen- und Metallindustrie baben weite? Nachfrage nach Arbeitskrästen. Die Besserung in der Metallindustrie ist besonders auf eine fortschreitende Belebung im Werkzeug- Großmaschinen- und A»tob au sowie in der Elektro- i n d ii st r i e zurückzuführen. Die umfangreiche Nachfrage nach Arbeitskräften tonnte in einzelnen Bezirken nicht r e st j o s vr- friedigt werden._____ Neichsfinanzen im ersten Quartni. Rückgang der Ausgaben für Enverbslosenfürforge. Aus dem Aierteljahresnachweis über die R c i ch s s i n a n z e n, der jetzt in wesentlich ausführlicherer und übersichtlicherer Form als früher erscheint, sind diesmal besonders interessante Ergebnisse zu verzeichnen. In den Monaten April bis Juni wurden im ordeut- lichen Haushalt eingenommen 2999 Millionen Mark, ausgegeben 1987,4 Millionen Mark, so daß ein Ueberschuß von 21,6 Mil- lionen Mark verbleibt. Dieser kam zustande, obwohl die Einnahmen in diesen drei Monaten hinter dem Voranschlag um 166 Millionen Mark znrückblieben. Unter den Ersparnissen machen die Ausgaben für die unter st ützende Erwerbslosenfürsorge einen beträcht- Der Offügere gibt nadu- Qjzmig xler tr�nnenolav Worte! SüuL noch, S�assorp�garctteri da? JDann roird bald alles wieder sein. JDenih die Stflassaiy ��gareite in, ihrer besänftigenden Milde und be�gubemden fDnftköstlichkeit überbrückt rasch,-jede Mißstimmung. Sf&asseLry rauchen,- Mass ary reichen: welch kluge und zugleich c/iar« mantc Jbfdes{lTachgebens/ lliteilen Sie selbst? WassaaiSiiita/i Musary-SMe/ GOLD- ulS EIDEN MDST WV. GOLDru-TÜRKiS MDSt«7£ GOLD-a BURPUHMDSCli lichen Posten aus. Im Monat AprU erforderten diese 45,7 Millionen Mark, würden also im ganzen Quartal bei gleichbleibender Arbeitslosigkeit 137,1 Millionen Mark in Anspruch genommen haben. Tatsächlich gingen sie aber im Mai auf 21,7, un Juni auf 14,8 Millionen zurück und erforderten so nur 82,2 Millionen Mark. Freilich sind die im außerordentlichen Haushalt verbuchten Aus- gaben für produktive Erwerbslosenunterstützung mittlerweile an- gewachsen: s>« betrugen im April 0,1, tm Mai 4,9, im Juni 11,7 Millionen, zusammen also 16,7 Millionen Mark. Doch bleiben diese Mehraufwendungen an Erwerbslosenunterstützung hinter den Ein- sparungen im ordentlichen Haushalt zurück. Der außerordentliche Etat erforderte im ersten Viertel- fahr 138,7 Millionen Mark, denen an Einnahmen nur 85,8 Millionen Mark gegenüberstehen. Es bleibt also ein Zuschußbedarf von 52,9 Millionen Mark. Durch das Defizit, das dieser Haushaltsposten im Jahre 1926 gebracht hatte, waren noch von früher her ungedeckt 290 Millionen Mark. Insgesamt also mußten auf den außerordent- lichen Haushalt 342,9 Millionen Mark an Zuschüssen geleistet werden. Da aber der ordentliche Haushalt sowohl im Vorjahr wie in diesem ersten Vierteljahr mit Ueberschüsscn abgeschnitten hatte, verbleibt ihm am Schluß des abgelaufenen Quartals noch ein Bestand von 226,7 Millionen Mark. Im ganzen ist also das Bild des Reichshaushalts nicht ungünstig und seine Aussichten könnten als gut bezeichnet werden, wenn man hofft, daß die Wirtschaftslage sich nicht verschlechtert. Das aber ist noch durchaus unbestimmt. Roheisenpreisermäßigung. Der Roheisenverband hat, um der Konkurrenz eines Außenseiters zu begegnen, die Preise für Gießerei-Roheisen III und englische und luxem- burgische Qualitäten erheblich heruntergesetzt. Bemerkenswen an dieser Kampsmaßnahme ist, daß sie durchgeführt wird in einer Zeit, wo die Schwerindustrie aus sozialem Gebiete jede Mchrauj' Wendung als unerträglich bekämpft. Die Bedeutung des Abzahlungsgeschäfts in der amerikanischen Automobilindustrie wird durch die Meldung beleuchtet, daß die mit Ford konkurrierende Gesellschaft General Motors, die nur ein Aktienkapital von 50 Millionen Dollar hat, durch ihr Handels- unternehmen nicht weniger als 2 Milliarden Dollar an Krediten I für Abzahlungsgeschäfte gegeben hat. jed M Bei jeder Versammlung, im polit'schen Verein, da legt der Herr Müller 'eden Gegner hineinl an achtet, man schätzt ihn. man sveiß weit und breit: Der Monn liest den„Zacob" Drum ist er gescheit! 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Vorwärts-Verlsg G. m. b. lt. u. Kollegen der Spedition Neukölln, Neckarstraße. Die Beerdigung findet om Donnerstag. nachm. Vz5 Uhr, auf dem Thomas- fitchhof, Neukölln. Lermannftr, statt.> Komische Oper 8V, Uhr 8V, Uhr Berlins neueste Revue: ISIrcR� verftoicnftil Die Revue der verbotenst! teidenschaftea!| Ueber 200 Mitwirk.> 8 Balletts. 1 j Vorverkauf a, 1 Theetorkassc ab 10 Uhr mwulerbr| WU�WW Nollendorf 7340 Das groB« Eröffnungs- Programm! Sonnabends u. Sonntags 2 Vorstell. 330 u. 8 Uhr— 3"° zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. CASIN O-THE ATER»Uhr Ihr dnnKier Fiec« Ausschneiden! Outschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel nur 1,60 M. IdiBi. a. Hollmdorlplsli Täglich 8V, Uhr Ait-Keideiberg Sduu.piil m Kittr-foentir Miäogl. Rgpftr, StUsjtl.Eartth Preise: 1,-. 2,-, 3,- M. usw. Reichshallen.Theater Allabendlich 8 Uhr Stettiner Sänger zum Schiuli: Eine Hochzelt In der MüIIerstraGe Dönhoff• Brett'l: (Saal und Garten) Variati, Konzflrt, Tanz Lustspielhaus 8"/, Uhr. 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Da die Versammlung van ausserordentlicher Wichligleit ist. ist es Pflicht jedes einzelnen, unbedingt anwesend zu sein. vi» Orfsu»riuulluu(|. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin-Pankow. Bekanntmachung. Hiermit geben wir bekannt, daß am Montag, dem 15. August 1927, unsere Bureauräume nach dem Verwaltungsgebäude Florapromenade 4 verlegt werden. Aus ditsem Anlaß bleibt das Kassenlokal an diesem Tage geschlossen. Berlin-Pankow, den 6. August 1927, Der Vorstand. C. Gütig, Vorsitzender. MMMme kör die Oewerbe der Mer it. PiaootaMßitsr zq Berlin Di« Vertreter der Arbeitgeber und der Verflcherten werden hierdurch zu der Außerordentlichen Ausschußsihung am Oonnetsfap, dem IS. August, nuthrn. S Ahr. im.Retchenberg er Hol". Re:chenberger Str. 147 eingeladen. Tagesordnung: 1. Aendernng der Sattung. 2. Aenderung der Dienstordnung 3 Verschiedene«. Die Ausschussmitglieder erhallen noch eine besondere schnnliche Einladung. Berlin, den 9. August 1927. Oer Vorstand rl. Meersdach, Vorsitzender. 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