flc. 380 Musgabe A Nr. 194 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfenniq, monatlich S— Reichsmark voraus /tabibar. Itnter Streifband im In. und Ausland dLO Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der Ulufiricr- ton Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Mimwelt". „Zrauenssimme",„Der Kinder- freund".„Iugend-Vorwärts".„Blick in die Bilcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochcntäglich zwei, Mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Morgenausgabe orwnr Derlinev Volksblstt (10 t»k«iHNia) Anzeig-nprckise: Die einspaltige Nonpareille» geile SO Bfennia. Reklame, eiie S,— Reichsmark.„Kleine An, eigen" das fettgedruckte Wort 2d Pfennig k,ulassia ,wri fettgedruckte Wartet. jede» weitere Wort 1? Ptennia. Stellengesuche das erll« Wort IS Ptennia. iedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buch» stoben zählen für ,wc! Worte. Arbeitsmarkt Zeile Lg Pfennig. ffamilienan, eigen fllr Abonnenten Zeile iv Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis V.i Uhr nachmittags im k>auptgeschSft. Berlin SWKZ.Linden» strafte ll. abgegeben werden. Geöffnet von 8'.h Uhr früh bis d Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifcben parte» Deutfcblatide Neüaktion und Verlag: Herlin SW. öS, �inöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonnabend, den 13. August 1927 vorwärtS'verlag G.m.b.H., Herlin SW. HS, Linüenstr.Z Pofttcheckkonto! Berliu 37 sz»— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angeftelten »ad Beamten. Wallftr. U; Biokouto-Selelllchalt. Dcoofitenkasse Lindenftr. 3. Der geftohic General Sagurski durch gefälschten Warschau, 12. August.(Eigenbericht.) Die Nachforschungen noch dem Verbleib des Generals Sagurski haben trog eifrigster Tätigkeit der Gendarmerie, der Militärbehörden sowie der Stoat-anwoltschost noch zu keinem Er- gebnis geführt. Der General ist und bleibt unauffindbar, was schließlich dadurch erklärlich ist, daß er seit seinem Verschwinden am Sonnabend ein« Woche Vorsprung gewonnen hat. Dem Pilsudski- Blatt„Glos Prody" ist gemeldet worden, daß er in der Nähe des polnischen Badeortes Druskjeniki gesehen worden sei. In diesem VadeArt befindet sich ober Pilsudski seit einigen Tagen.zur Llur. Ob diese Meldung des Pilsudski-Blattes stimmt und welchen Zweck Sagurski mit der Flucht gerade in diese Gegend verbindet, bleibt rätselhaft. Die Pilsudski-Presse erklärt, daß Sagurski als Deserteur zu betrachten sei: die Staatsanwaltschaft werde einen Steckbrief hinter ihm hersenden. Die Rechtspresse hält nach wii vor an der Vermutung fest, daß das Verschwinden des Generals mit. eine? Maßnahme der Pilsudski-Leute in Zusammenhang stehe, !ie den ihnen unangenehmen General beiseite schassen wollten. Im übrigen sprechen gewiss« Anzeichen dasür, daß die Befreiung des Generals aus seiner vierzehnmonatigcn Wilnacr Hast auf einem Mißverständnis beruht und aus Grund eines ge- fälscht cn Befehls von Parteifreunden des Generals aus- geführt.worden sei. Danach sollen diese gerade den Sonnabend deju benutzt haben, an dem Pilsudski und seine Freunde in Kalisch zu oer Legionärseier weilten, da aus diese Weise eine Rückfrage in Das Steuerprivileg üer Lanüwirtfchast. Bcvorzugnng des Großgrundbesitzes. Neue statistische Erhebungen über die Steuerleistungen der Landwirtschaft haben geradezu sensationelle Er- g e b n i s s e gezeitigt. Dieser große Berufszweig, dessen Ver- Ireter über die Belastung der öandwirtschast andauernd Klage führen, der serner durch hohe Schutzzölle zu einer Ab- w ä l z u n g seiner Steuern instand gesetzt wurde, zahlt an Einkotranen- und Umsatzsteuern einen geradezu ver- schwindenden Anteil. Die Gestaltung der Ver- mögenssteuer. zu der die Landwirtschaft in wesentlichem Maße beiträgt, ist so, daß das Arbeitsvermögen des werktätigen Bauern scharf, das Rentenvermögen des Großgrundbesitzes dagegen in viel geringerem Maße herangezogen wird. Das ganze System begünstigt den ex- tensiven Betrieb und wirkt geradezu als P r ä m i e auf j e n e Latifundien, die sich ihren Verpflichtungen gegenüber dem übrigen Volk entziehen. Es ist volkswirtschaftlich und sozial gleich verderblich. Wir bringen in unserem Wirtschaftsteil eine eingehende fachkritische Abhandlung zu dieser ganzen Frage. Hier aber ist daraus hinzuweisen, daß es so wie bisher nicht weitergeht. Gerade die steuerlich begün st igten Betriebe sind es, die verhindern, daß eine aktive Siedlungs- Politik wachsende Kreise des Volkes an die Scholle bindet. �n Stelle der Bauernsöhne, die wider ihren Willen nach der Stadt gehen und hier arbeitslos werden müssen, bolen sie ausländische Wanderarbeiter heran. Wenn sie nur genügend Lohndrücker ins Land bekommen, pfeifen die Großagrarier auf„nationale Belange". Obendrein entziehen sie sich mit den Mitteln der Staatspolitik ihrer steuerlichen Pflicht. Das ist ein s k a n d a l ö s e r Z u st a n d. Er macht aber die Parole des Landbundes verständlich, der„ran an den Staat" will, um die Privilegien des Großgrundbesitzes nach auf Kosten der Lerbrauchermassen und der Werktätigen in Stadt und Land zu vergrößern. Dem wird die Sozialdemo- kratie entschiedensten Wider st and entgegensetzen. Z u fordern ist in jedem Falle eine Reform des Steuer- fystems, die den arbeitenden Landwirten das Gefühl einer gerechten Behandlung wiedergibt, die dem tüchtigen Be- trieb die Freude an der Arbeit erhält, die Siedlungs- tätigkeit fördert und so den volkswirtschaftlichen und sozialen Erfordernissen der Neuzeit gerecht wird. Eine der- artige Reform aber kann nur gegen den Reichslandbund und gegen die deutschnationalen Schützer des Großgrund- jbesitzes in der Regierung erkämpft werden. Der Erfolg ües proteftsturms. Aufschub wcgcn Auslandsstimmung? New Dork, 12. August. „World" setzt sich in der Sache Sacco— Vanzetti weiterhin für Eicherungsmaßnahmen gegen„die Möglichkeit eines nicht wieder gutzumachenden Irrtums" ein. Der New D orker Verteidigungs- oxieschuß erklärt, die Aufschiebung der Hinrichtung sei durch das ßtaatsdexartement auf Grund der Bernte der awerj- m General. Befehl aus dem Gefängnis geholt. Warschau, ob der Befehl, Sagurski zu befreien, richtig war, zweck- los gewesen wäre. öefreit durch gefälschten öefehl. Es scheint nunmehr fe st zu stehen, paß General Sagurski van drei Männern in Offiziersunisvrm am vergangenen Sonnabend aus dem Wilnoer Gefängnis auf Grund eines gefälschten Befehls herausgestohlen wurde. Als der Kommandant des Gefängnisses am Sonntag das Warschauer Kriegsministerium von der erfolgten Auslieserung des Generals verständigte, entstand in Warschau große Aufregung, da hier von einem derartigen Befehl nichts bekannt war. Eine sofort eingeleitete Untersuchung ergab keinerlei Anhaltspunkte. Der Gcfängniskommandant wurde verhasiet. Da in der letzten Zeit mif Grund der Zeugenaussagen die gegen den General erhobenen Anklagen wegen zahlreicher Mißbräuche, die er als Chef des Flugwesens be- gangen haben soll, für ihn bedrohlich wurden, beschloß er, sein« Flucht jetzt auszuführen und wählte fllr diesen Termin das Legionärfest in Kalisch, da an diesem Tage weder Pilsudski noch sonst jemand von den höheren Militärbeawien in Warschau anwesend war. Aufzuklären bleibt, weshalb er nach Warschau und stracks zu Pilsudski ging, wenn«r aus dem Gefängnis entwichen war. Wollte er etwa den Marschall umbringen?(Red.) konischen Auslandsmissionen über die Stimmung des Auslands veranlaß: worden. Der Ausschuß in Boston behauptet, eine(bereits abgelehnte! Red.) Berössentlichung der Geheimakten des Iuftizamts würde den Beweis liefern, daß map ver- sucht Hobe, unbequeme Agitatoren durch die Hinrichtung loszuwerden. Sacco m Lebensgefahr. £o n d o n. 12. August. wie aus Voston gemeldet wird, befürchtet man, daß Sacco, der weiter jede Nahrungsausnahme verweigert, die 5rist bis zum 22. August, bis zu welchem Tage die Hinrichtung verschoben worden ist. nicht ü b e r st e h e n werde. Dem Reuter-Sorrespondenten wurde von der Gefängnis. Verwaltung jedoch versichert, daß der Zustand Sacra» nicht als kritisch bezeichnet werden könne Banzettis Schwester unterwegs. BanzeUis Schwester wird, so meldet man uns aus Paris, sich heute, Sonnabend, in Cherbourg nach New Pork«inschiisen, wo sie drei Tage vor Ablauf des den Verurteilten zugestände- nen Hinrichtungsaufschubs eintrefsen wird. New LZorker polizeimethoöen. New Jork, 12. August. Der norwegische Gesandte in Washington wandte sich beschwerdeführend an die amcrikaaijche Regierung, weil der unter Mordverdacht verhaflele Norweger Ludwig Lee von der New Zorker Polizei in grausamer weise mißhandelt und gefoltert wurde. Die Polizei versuchte, ihm ein Geständnis zu erpressen, und mißhandelte Lee so schwer, daß ihm Zwei Rippen gebrochen und sein Körper mit Brandwunden be- deckt wurde. Die Bemühungen seines Verteidigers. Lee von einem Arzt untersuchen und die Brandwunden photogrophieren zu lassen, scheiterten bei der New Zorker Polizei und den zuständigen Richtern vollständig. Aus die Beschwerde des Gesandten hat jetzt die amerikanische Regierung den Gouverneur Smith beaustragt, den Fall Lee gründlich zu untersuchen. Ausländer, fremde ftnüs zumeist. New Jork, 12. August. Das 75 000 Arbeitgeber umfassende National Industrial Council gab bekann� daß es daran mitwirken wolle, arbeitsuchende Aus- ländsr auf die Gesetzmäßigkeit ihrer Einwanderung zu unter- suchen. Diese Bestrebungen werden jetzt auch mit dem Hinweis dar- auf begründet, daß die Zlnzeichen zunehmendcrArbeits- l o s i g k e i t die schärfste Handhabung der Einwanderungsgesctze wünschenswert erscheinen lassen.„World" erfährt aus Washington, daß bei der gegenwärtigen Stimmung in Regierung und Kongreß jede Hoffnung aus eine Milderung der Einwanderungsgesetzc aussichtslos sei. Das Blatt meint jedoch, der wiederholt gefaßte Plan einer Registrierung der Fremden mit Finger- a b d r u ck werde erst dann ausgeführt, wenn sich sonstige Maß- nahmen zur Fernhaltung radikaler Agitatoren als erfolglos erwiesen hätten. Dos Justizomt habe bereits bei einem früheren Anlaß eint Liste voii 20l100ls Personen aufgestellt, die ihrer xoütische« Sesimumg wegen deportiert werden sollten. Sozialismus unö Recht. Der vergesellschaftete Mensch setzt sich durch. Von Gustav Radbruch. Wir entnehmen den folgenden Aufsatz der in Vor- bcreitung befindlichen im Verlag I. H. W. Dietz Nachs. erscheinenden 2. Auslage der„Kulturlehre des Sozialis- mus" des Verfassers. Das liberale Zeitalter hat so gründliche und eindringliche Geistesarbeit getan, daß uns der vereinzelte Mensch, von dem es ausging, nicht mehr als eine Abstraktion, sondern als eine Realität erscheint, die einfache Tatsache aber, daß es den ver- einzelten Menschen gar nicht gibt, daß der einzelne in allen seinen Beziehungen und Eigenschaften durch und durch ver- gesellschafteter Mensch ist, erst wieder dem Bewußtsein nahe- gebracht werden muß. Das liberale Zeitalter hat uns in einen Geisteszustand versetzt, in dem wir recht eigentlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen vermögen. Wir haben diese Tatsache aufgewiesen an der liberalen Kulturidee, an der demokratischen Ideologie, am beweiskräftigsten aber tritt sie uns in der individualistischen Rechtsauffassung entgegen, die heute das Rechtsdenken beherrscht und erst langsam durch eine neue soziale Rechtsauffassung verdrängt zu werden beginnt. Wir können diese individualistische Rechlsauffassung als die privatrechtliche Rechtsauffassung bezeichnen, denn vom Prioatrecht, dem Rechte des einzelnen, geht sie aus. Das Privotrecht, insbesondere das Privateigentum, ist ihr die Herz- kammer alles Rechts, das öffentliche Recht, das Recht des Staates, nur ein schmaler, schützender Rahmen, der sich um Prioatrecht und Privateigentum legt. Der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 ist die Krone ein Amt im Dienste der Allgemeinheit, das Privateigentum aber ein unverletzliches, unverjährbares, geheiligtes Recht— den Thron, den die absolute Monarchie räumen muß, besteigt da? absolute Kapital. Privat- eigentum und Vertragsfreiheit sind nun die Griindsäulen des Rechtssystems. Die ganze Rechtswelt wird ideologisch alz ein Gewebe freiwillig eingegangener gegenseitiger Verpslich- tungen aufgefaßt. Man verkennt, daß Privateigentum und Vertragsfreiheit zueinander in Widerspruch stehen, daß Privateigentum verbunden ist mit Benragssrei- heit, nicht nur eine Macht über Sachen, sondern eine Macht über Menschen bedeutet und Vertragsfreiheit Freiheit wohl für denjenigen ist, der diele Macht besitzt, Webrlosigkeit aber für den, gegen den diese Macht sich richtet. Gestützt auf sein Privateigentum kann der Besitzende wanen, bis sich ihm die arbeitenden Hände zu den ihm genehmen Arbeitsbedin- gungen anbieten, während der Nichtbesitzende früher oder später genötigt ist, seine Arbeitskraft um den Preis zu ver- kaufen, den'ihm der Besitzende bietet. Wir nennen Privat- eigentum, insofern es nicht nur über Sachen Macht verleiht, sondern über Menschen. Kapital. Das kapitalistische Rechts- system bedeutet unter dem Scheine einer auf Freiheit und Gleichheit aller gegründeten Ortmung in Wahrheit nichts an- deres als das von ihm überwundene System der Hörigkeit der Werktätigen— nur daß dieses, indem es in verschiedenen Rechtsformen Hintersassen ihrem Grundherren zu eigen gab, diesem eben damit auch Pflichten der Treue und Fürsorge gegen die ihm anvertrauten Menschen auferleate, während das System des dem Rechtsscheine nach nur auf Sachen bezogenen Privateigentums und der dem Rechtsscheine nach bestehenden Vertragsfrciheit die Beziehungen zwischen Kapitalisten und Werktätigen obne jeden sozialethischen Hintergrund lediglich auf die letzten Endes von der einen Seite diktierten Vertrags- pflichten beschränkte. Das Hörigkeitsverhältnis war zwar ein menschenunwürdiges Rechtsverhältnis gewesen, aber doch ein Rechtsverhältnis, das, weil es unverhohlen Menschen zu seinem Gegenstand hatte, auf Menschen als seinen Gegenstand zugeschnitten, von sozialer Sittlichkeit durchdrungen war. Das System des auf Sachen beschränkten Privateigentums und der Vertragsfreiheit zwischen Menschen sieht im Arbeitsvcr- hältnis nur noch den Austausch zweier als gleichartig ange- sehener Vermögensgüter, Arbeit und Lohn, verkennt also, daß Arbeit nicht ein Vermögensgut wie andere Bermögensgüter ist, sondern nichts anderes als der ganze Mensch, und gestaltet das Arbeitsverhältnis dementsprechend, d. h. so, als wenn Ar- beitskraft eine Sache märe und nicht ein Mensch. Nicht obne Grund wendet die juristische Bezeichnung des Arbeitsverhält- nisses als Dienstmiete, als Werkmiete auf die Arbeitskraft den gleichen Rechtsbegriff an wie auf Sachgüter, den Begriff der Miete. Die geschilderte Auswirkung des kapitalistischen Privat- rechts kann aber letzten Grundes dahin ausgedrückt werden, daß die individualistische Rechtsauffassung sowohl in dem Be- sitzenden wie in dem Nichtbesitzenden nur den isolierten Einjzel- menschen, nicht den vergesellschafteten Menschen, die soziale Machtposition unb die soziale Ohnmachtsposition erblickte. Diese individualistische Rechtsauffassung durchdrang aber nicht nur das Privatrecht, sondern alle Rechtsgebiete, vor allem auch das Strafrecht. Wie im Arbeitsverhältnis Arbeit und Lohn sich gegenübertreten, so stellt überkommenes Ver- geltungsstrafrecht Verbrechen und Strafe als Aequivalente einander gegenüber. Wir dort die Arbeit, so wird hier das Verbrechen losgelöst aus dem DekrnUu- sammenhanq der Persönlichkeit, als ein Sachwerl belrachfd, den man mit anderen Sachwerten vergleichen könne, wird verkannt, daß nicht ein Verbrechen sich selber verwirklicht, son- dem em Mensch ein Verbrechen begangen hatte und ein Mensch der Strafe unterzogen werden soll, erst recht verkannt die Einbettung dieses Menschen in die gesamte Gesellschaft und die gesellschaftlichen Wurzeln seines Verbrechens. Dem über- kommenen Strafrecht ist der Verbrecher lediglich der„Täter". Wie die Arbeiter nur„chände" sind, nicht, wie sogar nach dem Sprachgebrauch der russischen Leibeigenschaft,„Seelen", also lediglich als Täter ihrer Arbeit vom Privatrechte ins Auge gefaßt werden, so sieht das überkommene Strafrecht den Ver- brecher lediglich in der Beziehung auf feine Tat, nicht in seiner Überwiegendenteils gesellschaftlich bedingten Gesamtpersön- lichkcit. Schon hat aber das Bild des vergesellschafteten Menschen begonnen, sich auch im heutigen Rechte Geltung zu verschaffen. So ist vor allem die individualistische Auffassung des Eltern- rechts mehr und mehr überwunden worden. Familien- erziehung ist uns schon heute nicht mehr ein ursprüng- liches Elternrecht, sondern anvertraute Gemeinschaftser- ziehung, welche bei Mißbrauch oder Vernachlässigung die Ge- dieser Richtung. Auch das Strofrecht ist in einer Umbildung begriffen, die von dem Verbrechen als sozialpathologischer Er- scheinung ausgeht und die Strafe unter dem Gesichtspunkt der sozialen Sicherung auffaßt und ausbildet. Freilich, in einer ungerechten Gefellsctzaft kann auch das gerechteste Strafrecht immer nur relativ gerecht sein, muß die Hauptlast auch des gerechtesten Strafgesetzbuchs immer auf die Schultern der Be- sitzlosen fallen. In einer Gesellschaft der Ungleichheit bedeutet gerade gleiches Strafrecht für alle die erschütterndste Ungleich- heit gegen die Besitzlosen.„Das Gesetz verbietet in seiner majestätischen Gleichheit dem Reichen wie dem Armen, unter den Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen", sagt Änatoke France, und mit dem Zynismus der Selbstverständlichkeit sagt schon ein altes deutsches Sprichwort: „Zum Müßiggange gehören entweder hohe Zinsen oder hohe Galgen." Wenn nach Franz v. Liszts berühmtem Wort eine gute Sozialpolitik zugleich die beste Kriminalpolitik ist, dann holt das Strafrecht im Grunde zum Schaden des Verbrechers nach, was die Sozialpolitik im Dienste an ihm oersäumt hat. Gewiß wird es auch in der besten Gesellschaftsordnung noch «in Verbrechertum geben und eine Gegenwirkung der Gesell- schaft gegen dieses Verbrechertum geben müssen, ein Ver- brechertum, das nicht auf der proletarischen Lage, sondern auf biologischer Entartung beruht. Das Proletarial ist durch eine bestimmte Stellung im Produktionsprozeß gekennzeichnet, diese Stellung wird sich durch die sozialistische Umbildung der Gesellschaft von Grund aus ändern, und mit dieser Aenderung wird auch die durch die proletarische Lage bedingte Kriminal!- tät verschwinden. Das biologisch bedingte Verbrechertum aber gehört zum großen Teil dem„Lumpenproletariat" an. rekru- tiert sich ke-inesweqs nur, aus dem Proletariat, sondern gleichermaßen aus Deklassierten aller Gesellschaftsklassen, die sich infolge ihrer biologischen Entartung in den Produktions- prozeß nicht einzuordnen vermochten, steht also ganz außer- halb des Produktionsprozesses— keine noch so zweckmäßige Regelung des Produktionsprozesses kann es zum Verschwinden bringen. Die Entwicklungsrichtung des Strafrechts schon in der gegenwärtigen Gesellschaft aber muß die sein, die dem heutigen Strafrecht entsprechende Gegenwirkung immer mehr aus diese Kerntruppe des Verbrechertums zu beschränken, der mit keinerlei Sozialpolitik beizukommen ist, dem Verbrechen gegenüber aber, das aus der Unvollkommen- heit unserer sozialen Zustände entspringt, das Strafrecht immer mehr durch Fürsorge zu ersetzen. Ein solcher fort- schreitender Abbau des Strafrechts, zumal der Freiheitsstrafe, ist auch bereits im Gange. Am sichtbarsten aber zeigt sich die Hinwendung schon des heutigen Rechtes zum vergesellschafteten Menschen in der Reu- gestaltung des Arbeitsverhältnisses. Das über- kommen« Privatrecht, das„bürgerliches" Recht auch im Klassensinne heißen konnte, kannte nur gleiche Rechtssubjekte, die in beiderseits freiem Entschlüsse miteinander Verträge ein- gingen, nicht den Arbeiter in seiner Machtunterlegenheit gegenüber dem Unternehmer. Es wußte auch nichts von der Solidarität der Arbeiterschaft, welche diese Machtunterlegen- heit des einzelnen Arbeiters gegenüber dem Unternehmer aus- zugleichen suchte, nichts von den großen Berufsverbänden, die mit ihren Tarifverträgen die eigentlichen Vertragschließen- den des Arbeitsvertrages sind, es sah ausschließlich den ein- zelnen Kontrahenten und den einzelnen Arbeitsvertrag. Es wußte schließlich nichts von der Verbandseinheit des Be- triebest das bürgerliche Recht vermochte nur eine Vielheit von Arbeitsverträgen desselben Arbeitgebers mit untereinander durch keinerlei Rechtsband verbundenen Arbeitnehmern zu sehen, aber nicht die Belegschaft des Betriebes als eine ge- schlössen« soziologische Einheit. Dies aber ist das Wesen des neuen Arbeitsrechtes, daß es nicht wie das abstrakte bürger- liche Recht nur Personen, sondern Unternehmer, Arbeiter, An- gestellte, nicht nur Einzelpersonen sieht, sondern Verbände und Betriebe, nicht nur die freien Verträge, sondern auch die schweren wirtschaftlichen Machtkämpfe, die den Hintergrund dieser angeblich freien Verträge bilden, daß es die Einzel- menschen als Glieder ihres Verbandes, ihres Betriebes, letzten Endes der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft sieht mit all den Motiven, die sich daraus ergeben, den Motiven des Gemein- sinns oder zum mindesten jenes erweiterten Egoismus, den wir Solidarität nennen. Konnte nach bisherigem Recht der Unternehmer das Wort Ludwigs XIV. abgewandelt auf sich anwenden: der Betrieb bin ich, so kann schon heute auf Grund des Betviebsrätegefetzes in gewissem Sinne jeder Arbeiter sagen: der Betrieb sind wir alle. Im Betriebsrötegesetz hat sich die gedanklich größte Rechtsrevolution seit 1789, freilich nur in ersten Anfängen, zu vollziehen begonnen. Den Kollektivmenschen als Gegenstand der Rechtsordnung denken, heißt aber gleichzeitig ein Stück kollektiver Sittlichkeit in ihn mit eindenken. Eine neue Versittlichung des Rechts ist im Begriff, sich zu vollziehen, eine neue Erfüllung des Rechts mit ethischem Pslichtgehalt. Eigentum verpflichtet, sagt die Reichsverfassung, sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das gemeine Beste. Schon beginnt diese Anschauung, wo nicht zum wirklichen Ethos, so doch zur konventionellen Lüge zu werden, die bekanntlich den Tribut des Lasters an die Sitt- lichkeit, das wenigstens theoretische Bekenntnis zu ihr bedeutet. Schon scheut sich das Kapital, sich selber Kapital zu nennen und damit seine bloß eigennützige Funktion zuzugeben. Innner lieber nennt sich das Kapital die Wirtschaft, der Kapitalist Wirtschastsführer und gibt so wenigstens theoretisch der Ansicht Ausdruck, daß nur in der volkswirtschaftlichen Funktion des Kapitals und des Kapitalisten ihre Rechtferti- gung gesucht werden könne. Privateigentum und Vertrags- sreiheit erscheinen immer mehr als ein der Privatinitiative innerhalb des allumfassenden öffentlichen Rechts vorläufig und bedingt gewährter Spielraum, gewährt in der Erwar- tung, daß die Privatinitiative, indem sie ihren Nutzen sucht, zugleich dem Allgemeinwohl diene, entziehbar, sobald diese Er- Wartung sich als unzutreffend erweisen sollt«. Und so zeichnen sich schon in der gegenwärtigen Rechtsordnung Gnindlinien einer zukünftigen sozialistischen Rechtsordnung ab, einer Rechtsordnung, in der das Privatrecht, heute mehr und mehr vom öffentlichen Recht beherrscht und durchdrungen, im öffentlichen Recht völlig aufzugehen bestimmt ist. Diese Ausfasiung des Rechts ist es, der das Heidelberger Programm in der Forderung Ausdruck gibt:„Unterordnung des Vermögensrechts unter das Recht der sozialen Gemein- schaft."__ verhastete Friedhosschänder. Der Kölner Kriminalpolizei ist es nach längere» Bemühungen gelungen, mehrere Friedhofschänder, die in der vergangenen Woche den Friedhof der jüdischen Gemeinde in Köln-Teckstein in vandalischer Weise ver- wüsteten, festzunehmen. Die Festgenommenen sind Mitglieder der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei; weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Fabrik als Erlebnis. Es gibt noch Studienräte, die nicht nur„preußische Geschichte" pauken, Stahlhelmgesinnung predigen, mit ihren Schülern Wände- rungen inachen auf deutsche Raubritterburgen, sondern auch Prima- ner dorthin führen, wo der Arbeiter zehn Stunden vor dem Hvchosen steht und von Gefahren mnlaiiert ist. Ein Studienrat aus Itzehoe hol mit seinen Primanern in> Sommer eine Rheinlandreise geinacht und sich nicht nur mit der Besichtigung alter Burgen begnügt, nicht nur den köstlichen Rhein- wein probiert, sondern er bat die Direktion eines großen Werkes der Schwerindustrie bei Dortmund um Besichtigung der Industrieanlag«. Zurückgekehrt, ließ er sich von seinen Schülern die Eindrücke der Reise schildern.- Run beschrieb fast keiner der Gymnasiasten die Schönheiten des Rheinlandes, des grünen Rheines, sondern alle gaben ihren Eindruck von dem gewaltigen Walzwerk wieder und schrieben Zlufsätze über das schwere Los des Arbeiters. Junge Menschen wurden dadurch in eine vollkommen im- bekannte Welt geführt, sie erlebten des Lebens soziale Wirklichkeit, empfanden de» Arbeiters schicksalhafte Gebundenheit an Fabrik und Maschine, und erschlossen In sich das Verständnis sür die Welt des bisher verachteten Arbeiters. Wir bringen leider nur auszngs- weise einige Stellen aus den außerordentlich interessanten Dokumenten junger Menschen, die wohlbehütet in ihrer Familie lebten, keine Ahnung von dem wirklichen Leben hatten, und nun einen Blick in das Leben des schwerarbeitenden Proletariers werfen konnten. » Hier ihre Meinung: „Ich sah z. B. eine» Arbeiter, dessen Tätigkeit tagaus, lagein darin bestand, eine geringe Anzahl von Hebeln zu bedienen. Dies mußte dann mit der strengsten Präzision geschehen, die die Maschine unerbittlich vorschrieb. Der Mensch war zu einer mechanischen Ein- richtung herabgesunken.— Als ich den Hochofen bestieg, taumelte ich. Siechende Gase drangen auf mich ein, daß es einem fast un- möglich wurde, dort sich aufzuhalten. Und in dieser giftgeschwän- gerten Atmosphäre befand sich der Posten vieler, vieler arbeitenden, schaffenden Mitmenschen, die doch eigentlich dieselben natürlichen Rechte haben sollten wie ich.— vor der Glut der Gießöfen traf Ich ein« Schar, in zerrissene Sackleinwand gekleidet, mit versengtem Haar. Immer wieder tauchten vor unseren Augen Schilder aus: Hütet euch vor Unfall! Als dann das weißglühende Erz aus dem bergenden Ofen in die Form floß, sich auf jede Art zu befreien suchte, und alle Anwesenden mit einem Funkenregen übersprühte, kam mw die ganze Tragik dieser Schilder zum Vewußtsein. Und so ist mir das Verständnis für vieles, was man allgemein als„soziale Fragen' bezeichnet, ausgeggitgen.. % „An einer solchen Stätte wird einem erst das Los eines deutschen Industrie ar bettos klar, der vom frühen Morgen bis zum fpäten Nachmittag unermüdlich bei seiner Arbeit ausharrt, ausharren muß, damit die deutsche Jndustie der ausländischen gegenüber konkurrenz- fähig bleiben kann. Im Schweiß gebadet steht der Mann vor seinem Hochofen, Arme und Bein« hat er sich mit alten Säcken umwickelt, um sich vor den umherfliegenden giühend-flüssigen Erzteilchen zu schützen. Um nicht selbst Feuer zu sapgen, sieht man ihn öfter Arme und Beine in kaltes Wasser tauchen.' Durch große Lederhüt« und Brillen sucht er Kopf und Augen zu schützen. Kaum eine Minute halte ich es wegen der zahllosen Staubteilchen am Hochofen aus. So kann es einem recht klar werden, wie schwer und sauer ein Industriearbeiter sein Brot verdienen muh, der treu an einem solchen Ofen anshält..." » „In diesem Augenblick ging mir zuerst das Berständnis für das Leid dieser Klassen aus, aus dem sich so vieles erklärt, ihre politische Einstellung und ihre Empfänglichkeit für gewisse Ideen. Im stillen aber gelobte ich mir. Achtung und Liebe zu hegen vor diesen unseren Brüdern, die sich opfern für des deutschen Volkes Auferstehung." Ku-Klux-Klan korrumpiert Amerikas Rechtspflege. lieber die Erregung, die die ganz« Kulturmepschheit erfaßte, ob des drohenden Justizmordes an Sacco und Vanzetti, blieben— auch in Amerika— fast ganz unbeachtet die Riesenprozesie gegen den amerikanischen Geheimbund Ku-Klux-Klan, die seit Wochen die Ge- richte der Vereinigten Staaten beschästigen. Ku-Klux-Klan ist die faschistische Organisation Amerikas. Anti- semitismu» und Rassenhaß sind die ausgeprägtesten Seiten dieses eigenartigen Geheimbundcs.� Dazu wirft er sich neuerdings plötzlich zu dem recht zweifelhaften Schutzherrn der christlichen Religion auf. Und wie auf das Konto der Ku-Klux-Klan-Leute die zahllosen, durch Lynchjustiz ermordeten Neger kommen, so auch die Auspeitschung von Farmern, die ihre Kinder nicht zur Sonntagsschule schicken oder selbst nicht zur Kirche gehen. Gegen 119 Fälle von Lynchjustiz im Vorjahre wartet bereits die erste Hälfte des laufenden Jahres mit der erschreckenden Zahl von 327 Negern auf. die von sanatisierten Menschen, unter der Leitung von Mitgliedern des Geheimbundes gehängt, verbrannt oder zu Tode gepeitscht wurden. Aber erst seil sich Ku-Klux-Klan auch an Leute weißer Hautfarbe heranmacht, sie wegen Nichtbe'uches des Gottesdienstes auspeitscht, wenden die Behörden dem gesetzwidrigen Treiben des Bundes ihre Aufmerksamkeit zu. Und doch ist es sehr schwer ihm beizukommen, da viele hohe Beamte zu seinen Mit- gliedern zählen. In De Maines wo gegenwärtig einer der größten Prozesse gegen Ku-Klux-Klan-Mitglieder stattfindet, drehten die Angeklagten den Spieß einfach um und klagten die Polizei an. So laufen dort zwei Prozesse nebeneinander, einer, in dem die Polizei als Zeuge gegen Ku-Klux-Klan austritt, und einer in dem die Ku-Klux-Klan- Anhänger Zeugen gegen die Polizei sind. Generaistaatsanwall Sharp in New Nork erklärt ösfcntlich den Ku-Klux-Klan für die gefährlichste Sekte des Staates und kündigt schärfstes Vorgehe» gegen die Mitglieder an, vnd dach schleppen die Hintermänner üer d�F. Das Blatt der„potenten Wirtsrhaftskrcisc". Im Zusammenhang mit der Nachricht über die zukünftige Druckerei der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" interessiert der folgende Brief, den der Verlag der„DAZ." an Firmen der Schwerindustrie gerichtet hat: Sehr geehrte Direktion! Die„DAZ-", die nicht lange nach dem Tode von Hugo S t i n n e s ihren Eigentümer wechselte, ist aus dem Besitz des Reiches in denjenigen eines Konsortiums übergegangen, das sich aus führenden Gruppen der Industrie, des Handels und der Schiffahrt zusammensetzt. Bei der industriellen Gruppe steht im Vordergrund die rheinisch-westfälische Industrie. als deren Exponent unserem Unternehmen gegenüber Herr General- dircktor Dr. D ö g l e r gelten kann, und zu der zweiten Gruppe. dem Handel, zählen in erster Linie eine Anzahl der größten deutschen Banken. Die Tatsache, daß so potente Kreise sich für den Ankauf der„DAZ." interessiert haben, mag Ihnen als Beweis dafür dienen, welche Bedeutung der„DAZ." innerhalb der deutschen Presse zugemesien ist. Es handelt sich hierbei ebensosehr um die anerkannt hohe Qualität der„DAZ." wie auch um die im Verhältnis zu dieser Qualität(I!) außerordentlich große Auflage, die durch den letzten Besttzwechsel naturgemäß eine weitere erhebliche Steigerung erfahren wird. Die„DAZ." darf sich unter ihren jetzigen Besitzern als das Blatt der deutschen Wirt- schaft par excellence betrachten, dessen Geltung im In- und Auslande gleich stark sein wird. Wir hoffen, daß unsere Aus- führungen vor allem dazu beitragen, die geschäftlichen Be- Ziehungen zwischen Ihrer geschätzten Firma und unserem Blatte zu fördern. Mit vorzüglicher Hochachtung Norddeutsche Buchdruckerei und Verlagsanstalt, A.-G." Es ist interessant, daß der Verlag der„DAZ." zwar nicht den Lesern der Zeitung, aber der Schwerindustrie Rechenschaft über seine Hintermänner und damit den Charakter des Blattes schuldig zu sein glaubt. Immerhin er- laubt er sich auch hier im Interesse des Anzeigengeschästs eine kleine Abweichung von der Wahrheit, indem er von der außerordentlich hohen Auflage spricht» über die er sich freilich „im Verhältnis zur Qualität" selbst zu wundern scheint. Die Tatsache, daß„so potente Kreise"(die der Verlag übrigens sogar der Schwerindustrie nicht klar und vollzählig nennt) die„DAZ." angekauft haben, ist jedoch weniger ein Beweis für die Bedeutung des Blattes als für die Ahnungslosigkxit der Jndustrieherren in publizistischen Angelegenheiten. Das Konsortium wird sein Lehrgeld zahlen, wie Stinnes es gezahlt hat. Der nicht in ihm vertretenen Industrie fällt es gar nicht ein, die„DA Z." in 50 bis 100 Exemplaren zu abonnieren. Und die zahlreichen Angestellten der Vöglerschen Vereinigten Stahlwerke, denen die „DAZ." Abonnements zum Vorzugspreis an- bietet, werden nicht so gut bezahlt, um sich neben ihrem lokalen Parteiblatt noch das Blatt ihres Chefs halten zu können. Gegen üas Reichsfchulgesetz. Protest der hannoverschen Lehrerschaft. Hannover, 12. August.(TU.) Gegen den Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des Arti- kels 116 Abs. 2 und 119 der Reichsversassung erhebt der Vorstand der Hannoverschen P r o v i n z i a l l e h r e r v e r e i n e Ein- spruch. In dem Protest heißt es u. a., daß der Entwurf die S ch u l- Hoheit des Staates zerstöre und doppelte kirchlich« Ueberwachung des Religionsunterrichts festlege. Leistungs- fähige Volksschulen würden zu Zwergschulen zerschlagen und wich- lige kulturelle und soziale Aufgaben blieben unerfüllt. Der Ein- spruch der hannoverschen Lehrerschaft schließt mit einer Warnung an Lehrer, Eltern und alle Volksgenossen. sich diese in fast allen Städten Amerikas stattfindenden Riesen- Prozesse nun schon durch Monate hindurch, enden dann plötzlich hier und dort mit einem unerwarteten Freispruch der Angeklagten, die wieder auf ihre Mitmenschen losgelassen werden. » Richter Ben B. L i n d s e y, der weltbekannte Leiter des Jugendgerichtshofes in Denver und Versasser der temperamentvollen„Revolution der modernen Jugend"(Deulsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) ist im langen Kamps gegen den Ku-Klux-Klan er- legen und zurzeit seines Postens enthoben. Die„New"Republic' schreibt dazu: Richter Lindsey kann ohne Denver auskommen. Er ist eine internationale Berühmtheit. Wie aber wird Denver ohn« Lindsey fertig werden? Seine Entlassung ist eine Tragödie süi Tausende von Kindern. Eine Kunstausstellung gehörloser Künstler wurde in Alton« eröffnet. Sie ist vom Derein gehörloser, bildender Künstler Deutsch lands(Eitz Berlin) veranstaltet und umfaßt Gemälde, Plastiken unl Graphik. In einer Ansprache schilderte der Leiter der Städtische, Zentralstelle für die Wohlfahrt der Gehörlosen Groß-Berlins, Lie, polt, die großen Schwierigkeiten, unter denen die gehörlosen Künstlei zu schaffen gezwungen sind. Als Abgesandter des Magistrats Berti, und gleichzeitig als Vertreter der deutschen Taubstummenlehrer über brachte Direktor Schorsch der Ausstellung die besten Glückwünsche. Ein flämischer Volksbühnenverband. Die Organisation de> Theaterbesucher in Voltsbühnengemeinden, die sich in Deutschland si glänzend bewährt hat, fand im letzten Jahr auch im Ausland mehr fach Nachahmung. Insbesondere bildeten sich in verschiedenen bei gischon Städten Bolksbühnengemeinden nach deutschem Muster. Voi ihnen nahmen besonders die Dlaamsche Tooneelgemeenschap in A n t w e r p e n und die Tooneelgemeenschap in Gent eine ausgezeichnet Entwicklung. Nunmehr plant die Antwerpener Organisation unts Führung ihres Sekretärs Dolf Roels, die vorhandenen Organisa tionen und Gründungsausschüsse zu einem Verband der flämisch« Volksbühnengemeinden zusammenzufasien. Der Ausbau der Weltunioersität in Daoos. Auf dem Kongr«! des Weltstndentenmerkes, der dieser Tage in Schiers(Schweiz) statt fand, sind die Vorarbeiten für die mit Unterstützung des Völtei bundes geplante internationale Universität in Davos weiter gefördei worden. Für die obligatorischen Fächer sollen die deutsche und di französische Sprache gleichberechtigt zugelassen sein, für die übrige- Fächer auch die Sprachen anderer Nationen, soweit sie spezielle Lehi stuhle stiften. Die Diplome der Universität sollen für die Heimai länder der Studierenden gleichmäßig Gültigkeit haben: hierüber wir dem Völkerbund ein Vorschlag unterbreitet. Bis jetzt sind als Fond für Studienunterstützungen 12 Millionen Schweizer Franken auf gebracht. Einzelne Staaten beabsichtigen, sür die ihnen angehörige Studierenden besondere Internate zu errichten. Das neuste Werk von Tlfaxlm Gort!, der soeben in Moskau ei icheiiieiidc Roman, fl I i m L a m a i n§-.'eben", siclli den eriicn Ti einer vom gcvlanirn Romanlrilozie dar. Tie-Handlung spielt- den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jab-hunderts und läi . iu der Hauptsache die ruisische« Voltsmassen als Träger der Geschich lebendig«erden. Reichsbanner in Leipzig. BundcsvsrfassungSfcier am 13. und 14. August. Das Reichsbanner hält ssine diesjährige Bundesoer- fasiungsfeier am Sannabend und Sonntag in Leipzig ab. Der Aufmarsch des Reichsbanners wird eine machtvolle Kund- gebung für die Republik fein. Folgende Veranstaltungen sind vorgesehen: Sonnabend, den lZ. August: Empfang in den Standquartieren und auf den Bahnhöfen Leipzigs. Weiterleitung in die Standquartiere. 14 Uhr: Führungen und Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten Leipzigs. 13 Uhr: Ankunft des Dundesvorstandes auf dem Hauptbahnhof. 19 Uhr: Begrüßungsfeier im Festsaal des Neuen Rathauses. Redner: Buttdesvorsitzender O. Hörsing, Magdeburg: Professor Dr. N ö l t i n g. Frankfurt a. M. Mitwirkende: D.A.-S.-B. 20.30 Uhr: Großer Zapfenstreich auf dem Augustusplatz. Red- mr: 2. Gauvorsitzender R. L i p i n s k i, Leipzig: Reichskanzler a. D. W i r t h, M. d. R.. Berlin. Mitwirkende: Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Leipzig: die Spielmannszüge der Pflichtgaue Leipzig, Chemnitz� Dresden, Zwickau, Berlin-Brandenburg, Görlitz, Halle an der Saale, Magdeburg, Groß-Thüringen. 21 Uhr: Begrüßungsfeiern in 28 Lokalen und Konzertgärten. Redner: Mitglieder des Bundesvorstandes, des Reichsausschustes und Vertreter der auswärtigen Gaue. Mitwirkende: die Reichs- bannerkapellen der Pflichtgaue, Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Leipzig. 21 Uhr: Begrüßungsabend desIungbannersim städtischen Kaufhaussaal, Neumarkt 28. Redner: Karl Bröger, Nürnberg: Prioatdozent Dr. Heller, Berlin; Kamerad Pape, Magdeburg. Sonnlag. den l4. August: Empfang in den Standquartieren und auf den Lahnhöfen Leipzigs. 7.30 Uhr: Weckruf in den Außenbezirken: die Spielmannszüge der Pflichtgaue. 9.30 Uhr: Sammeln der Reichsbonnerabteilungen auf den Stell- platzen. 10 Uhr: Abmarsch nach dem Augustusplatz. 11 Uhr: Republikanisch? Kundgebung und Weihe des neuen Bundesbanners auf dem Augustusplatz. Redner: Gauvorsitzender Kreishauptmann a. D. Heinrich Lange, Leipzig; Peter G r a ß m a n n, M d. R.. Vorsitzender de, ADGV.: Zoos. Reichs- tagsabgeordneter, Berlin; A. Erkelenz, Parteivorsigender der DDP.. Reichstagsabgeordneter, Berlin: Konrad Kübler, Vor- sitzender des Bauernbundes. Reichstagsabgeordneter. R-gensburg: Otto Hörsing, Bundesvorsitzender, Magdeburg. 12.30 Uhr: Vorbeimarsch der Reichsbannerformatio- nen am Bundesvorstand vor dem Volkshaus, Zeitzer Straße. Die Führer des Reiässbanners werden in ihren Reden betonen, daß an der Ueberparteilichkeit des Reichsbanners nicht gerüttelt werden darf. Einig und geschloffen, trotz des Ansturms der Gegner, wird das Reichsbanner seine Bundes- verfassungsfeier begehen. Karöorff hätte besser geschwiegen. �...P�iser Pressestimmcn zur Berfassungsfeier. Paris, 12. August.(Eigenbericht.) Die Presie unterstreicht mit besonderer Genugtuung den glän- zenden Charakter, den dieses Jahr die Berfasiungsfeier in Deutsch- land angenommen hat. Selbst einig« Rechtsblätter müssen sich do-u herbeilassen, zuzugestehen, daß der republikanische Gedanke in Deutschland in siegreichem Fortschreiten begriffen ist. Der Berliner Korrespondent des„Paris-Midi" gibt eine eingehende Beschreibung der Feier und kommt in seinem Bericht zu dem Schluß,„daß Deutsch land zwar noch lange Royalisten haben wird, daß man aber am Verfassungstag habe feststellen können, daß es auch viele Republikaner gäbe". Auch der„Temps" gibt zu. daß die Reichsregierung, obwohl Nationalisten in ihr säßen, auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen sei. das republikanische Regime zu feiern. Im Anschluß daran be- dauert aber das Blatt, daß bei dieser Feier K a r d o r f s eine Rede gehalten habe, die einige Wochen vor der Genfer Völkerbundskonfc- renz und unter den gegenwärtigen Umständen besser unter- blieben wäre. Weiter greift das Blatt in gehässiger Form Deutschland an. Diese Angriffe sind um so unbegründeter, als die vom„Temps� und anderen Blättern unternommene Hetzkampagne gerade die Hauptschuld an der Zuspitzung der Verhältnisse trägt. Der Artikel beweist aber jedenfalls wieder, wie auf beiden Seiten des Rheins die Nationalisten sich gegenseitig in die Hände arbeiten. Schwarzrotgolü in Sofia. Oeffcntliche Verfassungsfeier. Sofia, 12. August.(Eigenbericht.) Der kürzlich gegründete Deutsche Bund Schwarzroigold veran- staltet« am Donnerstag abend zum erstenmal in Sofia eine ö f f e n t- l i ch e Verfassungsfeier, die sich zu einer großen Kundgebung für die Republik und das Weimarer Werk gestaltete. An ihr nahmen der deutsche Konsul. Gesandtschoflsvertrcter sowie zahlreiche Oesterreicher und Bulgaren teil. Bundesvorsitzender Dr. L a u f e r betonte in feiner Ansprache vornehmlich die Notwendigkeit der Mitarbeit oller Doltskreise an Deutschlands Erneuerung auf der Grundlage des Weimarer Programms. �in Einführungsgesetz zum Strafgesetzbuch. Strafprozeßordnung und Nebcngcsctze. Im Reichsjustizministerium wird, wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, ein Einführung-gesetz zum Strafgesetzbuch ausgearbeitet. Dieser Entwurf bringt insbesondere die notwendigen Abänderungen der Strafprozeßordnung und der strafrecht- lichen Nebengesetze, die sich durch das neue Strafrecht ergeben. Das Gesetz soll noch in diesen: Jahre vor das Kabinett kommen, da es gleichzeitig mit dem Strafgesetzbuch verabschiedet werden muß. Das Memelianü ist deutsch. Amtliches Ergebnis der Landwirtewahl. Riemel, 12. August. Das amtliche Ergebnis der Landwirtschaftskammerwahlen im Memelgebiet am 22. Juli bestätigt, daß die Großlitauer nur sechs von 37 Sitzen erringen konnten, obwohl die Wahlbeteiligung der Deutschen nur rund 40 Proz. betrug, während die der Litauer auf nahezu 90 Proz. veranschlagt werden kann. Die geringe Wahl- beteiligung der deutschen Landwirte ist auf die mangelnd« Wahl- Propaganda, die durch den Kriegszustand erschwert wurde, zurückzuführen. Verfassungstag in öer Kinöerrepublik. Severing spricht über Verfassung und Anschluß. Kiel, 12. August.(Eigenbericht.) Eine Bersassungsfeier, die im Ausdruck und Willen zu den schönsten und bekenntniskrästigsten im Rahmen des Verfassungs- taaes gehört, fand am 11. August, 4 Uhr nachmiltage, in der Kinderrepublit Seekamp bei Kiel statt. Bon den Kindern i aus allen Teilen Deutschlands, aus Oesterreich und der Tschecho-' slowakei freudig begrüßt, mit frischen Freundschaftsrufen empfangen, betrat Genosse Severing das freie Kinderland. Dann mar- schieren die Zeltgemeinschasien zu einem Karre« auf. Nach dem Gelöbnislied:„Wir treten zusammen und schwören zur Stund", von den Kindern gläubig gesungen, sprach Genosse Severing: „Liebe Kinder! Ihr seid heute zusammengetreten, den Ver- fassungstag der deutschen Republik zu seiern. Im alten Deutschland war es nicht ein B e r s a s s u n g s t a g, der als Nationalfeiertag galt. Zwei andere Feste. Kaisers Geburtstag und Sedanseier waren die Nationalfeiertage einer unterdrückten Nation. An diesen Tagen wurde die Person des Kaisers gefeiert, wurde gesagt, welcher vorzügliche Mensch er ist, wurden Geschichten aus seinem Leben erzählt. Am Sedantage wurde über den Erbfeind Frankreich geschimpst, wurden Lieder gesungen mit dein Inhalt:„Haut ihn daß die Fetzen fliegen". Solch« Feiern gibt es heute„gottseidank" nicht mehr, sind auch nicht mehr in Einklang zu bringen mit dem Lauf der Geschichte. Solche Feiern schüren den 5)ah der Völker. Die Verfassung der dcuischen Republik verlangt, dem inneren und äußeren Frieden zu dienen. Vorläufig sind dieses noch schöne Versprechungen. Wir haben noch keinen inneren Frieden in Deutschland. Noch herrschen keine Gleichheit und Freiheit. Um dieses Ziel zu erreichen, find harte Kämpfe notwendig. Um allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein zu geben, ist die wirtschaftliche Gleichheit erforderlich. Wir haben nach der Verfassung ein Recht auf wirtschaftliche Freiheit und Unab- hänoigkcit. Ihr werdet später, wenn ihr im Schacht und in der Fabrik, an der Maschine oder am Webstuhl steht, verstehen, wo» dieses bedeutet. Der Arbeit ihren Lohn, das ist es. was wir auf Grund der Veifassung ve> langen können. Dann erst wird der innere Frieden gewährleistet fein. Aber ebenso wichüg wie der innere Friede ist für das Gedeihen der Republik der äußere Frieds notwendig und darum singen wir nicht wie die Nationalisten:„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen". Wir würden es mit Freuden begrüßen, wenn wir in unserem Kreise, hier in der Kinderrepublik neben Deutschen und Ocsterreichern auch französische und englische Kinder begrüßen kö nuten. Wir wollen dafür eintreten, daß die Völker in Freundschaft zusaniinen gehen. Als im Jahre 1918 die alte Verfassung beseitigt wurde, 28 Fürstenkronen beiseste geworfen, geschah dieses auf Grund eine» empörten Volkswillen. Das deutsche Volk gab sich eine Verfassung, die es ihm erlaubte, einen Fortschritt zu sehen. Unter der alten kaiserlichen Verfassung hatte der etwas zu sagen, der das Geld hatte. Lzeute soll und muh es anders sein. Heut? geht die Staatsgewalt vom ganzen Volke aus. Hat uns die Verfassung nicht alle Wünsche erfüllt, so ist sie doch der Boden. auf dem wir fortbauen können. In einem alten Liede heißt es: Mrbeiterregierung in Irlanö. Ter Komps um die volle Unabhängigkeit. Eine Kette blutiger Ereignisse des Bürgerkrieges war mit einem englifch-irilchen Vertrag abgeschlossen worden, die der irischen Unabhängigkeit und den englischen Eingriisen in irische Verhältnisse Grenzen setzte. Dieser Zustand wurde garantiert durch eine Regierung der sogenannten Freistaatler uiiter Cosgrave, der unterstützt wurde von der Bauernpartei und einem Teil der Unabhängigen. Aber die letzten Wahlen haben der republikanisch- irischen Partei, die unter Führung de Valeras steht, eins so starke Position gebracht, daß von vornherein die Möglichkeit bestand, die Regierung durch eine Koalllion der republitanisch-irischen Partei und der Arbeiterpartei zu ersetzen. De Balera und seine 242 engeren Gefolgsleute im Parlament wollten aber den Eid auf die Verfassung nicht ablege», blieben also reine Obstruktionsgruppe. Nun sind die irischen Republikaner geschlossen in das Regie- rungsgebäude gegangen und haben dort dem Sekretär des Paria- ments den Treueid abgelegt. Das hat seine Vorgeschichte. Die Freistaatregierung hatte einen Zusatzantrog zum Wahlgesetz ein- gebracht, wonach von jedem Abgeordneten vor seiner Auf- stellung die Abgabe einer Erklärung zu verlangen ist, daß er sich verpflichte, nach seiner Wahl den Eid auf die Verfassung zu leisten. De Valera und seine Anhänger sind dazu nicht bereit, aber sie woll- tcn sich für die Zukunft nicht noch mehr binden lassen als bislicr und deshalb jetzt in die Regierung eintreten, um diese Aeudorung der Wahlbestimmungen nicht Gesetz werden zu lassen. Sic selbst haben den Eid pblegcn müssen, um regierungsfähig zu werden: aber sie wollen den Nachwuchs der Unabhängigkcitskömpscr, mit dem sie rechnen, nicht In Fesseln schlagen lassen. Jehl wird die Arbeiterpartei, deren Führer Thomas Johnson ist, die Regierung übernehmen, mit Hilfe der kleinen nationalen Liga und mit Unterstützung der starken Partei der Republikaner. Die englische Presse gibt zu er- kennen, daß Bestrebungen im Gange sind, den Dersassungseid der irischen Republikaner nicht als gültig anzuerkennen, und vor allen Dingen wenden sich Londoner Blätter gegen etwaige neue Ver- Handlungen zwischen England und Irland zur Abänderung des da- mals geschlossenen Vertrages. Jedenfalls ist die Lage in Irland vollkommen verändert und mit M i ß t r a u.c n sieht man von London aus den Dingen zu. Es ist nicht zu erwarte», daß die irische» Republikaner den einmal abgelegten Eid als gegenstnizdeios hinstellen wollen. Sie haben sich gebunden und die weitere Entwicklung auf dem Wege des irischen Unabhängigkeitskampfes wird vorderhand in gesetzlichen Bah. nen vor sich gehen müssen. Aber darüber wollen eben de Valera und seine Anhänger keinen Zweifel bestehen lassen, daß die irische Unabhängigkeitsbcwegung nicht dauernd ihren revolutionären Eho- rakter verleugnen wird, wenn England nicht Schritt für Schritt Zu- geständnisse macht. Hochspannung km Parlament. Dublin, 12. August. Johnson, der Führer der Arbeiterpartei, hat sofort nach Beginn der heutigen Sitzung des irischen Parlaments einen Miß- trauensantrag gegen die Regierung eingebracht. Die Partei der nationalen Liga, die sieben Mit- glieder zählt, hat beschlossen, gegen die Regierung zu stimmen, so daß die Niederlage derselben nun als gewiß erscheint. Vor dicht- „Sohn, da Host du meinen Speer, meinem Arm würde er zu schwer". Das soll heißen: Wenn wir als Alte zurücklreien müssen von der Kampsbahn, so sollt ihr jungen werdenden Menschen den Kamps für die Verfassung ausnehmen und fortsetzen. In eurer Kinder- republik fandet ihr euch zusammen, um den Geist der G e. meinschast zu pflegen und zu festigen. Dieses wird euch stär- ken für den Kampf der Zukunft. Ihr wißt aus eurem Leben in der Kinderrcpublik von den Schwierigkeiten, die zu überwinden sind. Aber Schwierigkeiten sind dazu da, daß sie überwunden werden. Sie werden immer überwunden, wenn jeder bedenkt, daß er nichr nur ein Recht, sondern auch Pflichten hat. Ich freue mich ganz besonders, in eurem Kreise die Kinder aus Oesterreich zu sehen. Damit seid ihr der Geschichte voraus- geeilt. Der Kampf um ein Großdeutfchland, das im großen politischen Leben noch nicht Wirtlichkeit werden kann, bei euch ist er Tat geworden. 5)offen wir. daß aus diesem Symbol eines Großdeutschland das große deutsch« Reich werden möge, damit der Satz: Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen, zur Wirklichkeit wird. D'« Verfassung ist ein Rahmen, den wir mit republikanischen Gedanken und Willen ausfüllen. Ihr sollt die gefestigte und ge- sicherte Republik erleben. Das Ziel unserer Wünsche ist: Eine Republik, erfüllt von dem Geiste der gsreiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit!" Max Winter-Wien, der Präsident der Kinderrcpublik �'c- kamp, dankte dein Genossen Severing für die warmen Worte, die �r für ein Grohdeutschland gesprochen hat. Ein Kinderchor sprach einige Säge aus der Verjassung. Die Kinderstimmen vereinigten sick) zil einem festen Glaubensbekcnnmis. da sie die Worte sprechen: Das Deutsch« Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke a u s." Selten mögen die Worte von einer so heiligen lleberzeugung getragen sein wie hier, lind wenn sie zum Schluß die Won? sagten:„Wir wollen treu zu der Verfassung stehen", und diese Worte ausgenommen wurden von allen 2000 Kindern, so haben sie eine Geltung, die mehr ist. als das geschriebene Wort. Diese Worie kommen aus gläubigen Kinderherzen. Diese Worie werden Ersüllung sein. GiänzenSee verkauf in Thüringen. Weimar, 12. August.(Eigenbericht.) In Thüringen haben am 11. August in ciwa 18 0 Gemein- den Verfassungsscier» stattgefunden, so daß alle Orte Thüringens init über 4000 Einwohnern den 11. August festlich be- gangen haben. Zum Teil haben die K o in m u n a l b e h ö r d e ir Festakte veranstaltet, in anderen Fällen hatten sich Reichsbanncr und Behörden verständigt oder es fanden, wie in Weimar, affizielle und Rcichsbanner-Feiern nacheinander statt. In Gera und Weimar wurden imposante Fackelzüge oeranstaltct, die eine riesige Bc- leiligung hatten. In den mittleren Waldgemeiuden war teilweile die Hälfte der Bevölkerung bei den Feiern, licbcrall vcrlieien die Festakte eindrucksvoll. Zwischenscille sind nicht gemeldet worden. besetzten Tribünen hielten heute die republikanischen Abgeordneten zum erstenmal seit Gründung des Freistaates ihren Einzug in den Doil Eireann. Präsident Cosgrave erklärte, er habe sich noch nicht cutschieden, ob er Generalwahlen ausschreiben werde, ohne die Niederlage der Regierung durch die Opposition abzuwarten, oder ob er die Niederlage annehmen und als Präsident des Exekutivrates zurücktreten solle. Daraus wurde die Sitzung auf Sonnabend vertagt. Falls Cosgrave nicht inzwischen demissioniert, ist die Niederlage der Regierung unvermeidlich, da die aus der Arbeiterpartei, den Republikanern und der Nationalliga bestehende Opposition zu- sammen 74 Sitze zählen, wahrend die R-gierungspartelcn höchstens 67 Stimmen aufbringen. Man erblickt also in Johnson den Nachfolger Eosgraves. diskufiion in öer KM. Eine nicht«llflemeinc ScUcflc bet„Prawda". Moskau, 1?. August.(Ost-Expreß.) Joroslawski, Generalsekretär der Zentralkommission de? Kommunistischen Partei, veröffentlicht in der„Prawda" nochmals eine heftige Polemik gegen die Opposition, deren erbitterter Ton nach der inühsam erreichten zeitweiligen Einigung deutlich zeigt, wie schwer es den führenden Politikern der Parteimehrheit war, sich zu der Milde gegen die Opposition zu entschließen. Doch geht aus Jaroslawskis Llrtikcl hervor, daß der Opposition ein Ventil geöffnet werden wird, und zwar in dem sogenannten„D i s- k u s s i o n s b l a t t", einer Beilage der„Prawda". In diesem nicht für die breite Oeffentlichkeit bc stimmten Blatt soll die Opposition ihre„Gcgenthescn" abdrucken und verfechten dürfen. Nicht gerade klar sormuliert wird auch die Möglichkeit der „Behandlung von Fragen" in P a r t o i v e r s a m m l u n g e n zu- gesichert, jedoch dürse von einer„großen Diskussion" nicht mehr die Rede sein. Toüesurtei! gegen weiße Generäle. Gnadengesuch eingereicht. Moskau. 12. August.(Sowjetagentur.) In dem Prozeß gegen den ehemaligen General A n n e n k o f f und seinen Stabschef D e n i s o f f, die des b e w a s s n e l e n Kampfes gegen die Sowjetmacht im Fernen Osten 1918— 1920 und des Masse ir nrordcs an Sowjetbeamtcn und friedlichen Einwohnern angeklagt find, wurde nach lOtägiger Verhandlung gegen beide Angeklagte auf Todesstrafe erkannt. Die Per- urteilten haben ein Gnadengesuch eingereicht. Eugen Tschen zurückgetreten. Tie Rechtsschwenkung der Hankauregicrung. London, 12. August. Räch einer Meldung aus Schanghai ist der Außenminister der Hankauer Regierung. Eugen Tschen. zurückgelretea. noch. dem er bereits zuvor vom Oberfikommandierenda der Armee zum verlassen der Stadt gezwungen worden war. Tschen hat seinen Ein. fluh seit der Abreise Borodins, mit den er eng befreundet war, voll- ständig verloren. Der Rückt'ilt Tjchcns wird dahin ausgelegt, daß die hankaner Regierung sich jetzt mehr nach rechts orientiert. was ja schon seit einiger Zeil aus den Angrissen der Sowjetpresse gegen die Hankauer Regierung ersehen werden konnte. Internationaler Netallarbeiterkongreß. Kartelle, Arbeitszeit und internationale Hilfe. Der Kongreß der„Eisernen Internationale", der soeben in Paris zu Ende gegangen ist, und dessen kameradschaftliche Beratungen in einem wohltuenden Gegensatz zur Pariser Tagung des IGB standen, brachte an den beiden letzten VerHand- lungstagen ein« ganze Reihe hochinteressanter und beachtenswerter Darlegungen. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen di« Frage des Anschlusses der amerikanischen Metallarbeiter. der Kamps gegen die Uebermacht der Trusts und Kartelle und oor ollem die Frage des Achtstundentages in der Eisenindustrie. Im Verlauf der Beratungen traf auch der amerikanische Kol- lege Coalsield ein, der Grüße der Metallarbeitergewerkschasten des amerikanischen Gewerkschostsbundes überbrachte. Zunächst wurde die Aussprache über den Bericht des internationalen Sekretärs zu Ende geführt. Grospiere- Schweiz bemerkte gegenüber Dirta-Finnland, in Rußland, das viel Geld nach Finnland geschickt habe, bestehe heute ebensowenig Freiheit wie in Italien. Mit den russischen Arbeitern wolle man sich gerne oerständigen, das sei ober heute unmög- l i ch, da noch immer die russischen Gewerkschaflen einen Teil der Moskauer Regierung bildeten. I l g, der internationale Sekretär, warnte oor Ueberschätzung der internationalen Erhebungen. Sie kosten viel Geld, eine Bei- tragserhöhung sei aber heute nicht ratsam. Ueber die Bekämpfung der Kriegsgesahr sei schon sehr viel geschrieben worden. Der Bund habe über die in der Kriegsindustrie tätigen Metallarbeiter eine Umfrage angestellt, aber nur von drei Ländern seien brauchbare Berichte eingelaufen, Ilg forderte allgemeine Anerkennung des Artikels 9 der Bundessatzung, die die internationale hilse für verbindlich erklärt. Der Kongreß sprach die Anerkennung einmütig aus, erteilte dem Sekretär Entlastung und bewilligte ihm 2999 Franken für seine Tätigkeit. Hieraus beschloß er einmütig einen scharfen P r o t e st gegen die Verurteilung von Sacco und Vonzetii. Zur Frage des Anschlusses der Amerikaner be- merkte Brownlie-England, der wieder angeschlossene amerikanische Maschinenbaueroerband habe bereits oor dem Kriege dem Bunde angehört. Wenn die anderen Metallarbeiterverbönde mit dem Anschluß zögerten, so liege der Grund in finanziellen Bedenken und in der Furcht, der Anschluß könne ihre Selb- ständigkeit beeinträchtigen. Kummer-Stuttgart hat wenig Hoffnung, daß auch die anderen amerikanischen Metallarbeiteroerbände bald für den An- " schluß zu gewinnen seien. Die Amerikaner glaubten, ihr Augen- merk besonders auf Südamerika richten zu müssen, von wo den nordameritanischen Arbeitern Konkurrenz drohe. Im übrigen seien die amerikanischen Gewerkschaften jetzt in keiner günstigen organi- satirischen und finanziellen Lage. Sekretär I l g sieht eine der Hauptursachcn für das Fernbleiben der amerikanischen Verbände darin, daß die nach den Bereinigten Staaten gehenden Metall- arbciter sich nur selten der amerikanischen Organisation anschließen. Würden sie das tun, dann wäre die Anschlußfrage bald gelöst. Ueber die K o r t e l l s r a g e legte Rcichcl-Stuttgart einen gedruckten Bericht vor, der von ihm mündlich ergänzt wurde. Die oft mühselig erreichte Lohnerhöhung wird vielfach durch die Preissteigerung der Kartelle und Händlcroereinigungcn wieder aus- gewischt. Zum Lohnkampf muß deshalb ergänzend praktische Tvirlichastspolitik der Gewerkschaften hinzutreten. Zur Eindämmung der Preissteigerung der Kartelle fordern wir K a r t e l l ä in t e r. Ihre Einrichtung setzt aber poli- fische Tätigkeit der Gewerkschaften voraus. Bei den leitenden Stellen der Kartelle müssen die Arbeiter mitbestimmenden Einfluß ausüben können. Domes-Wien wies darauf hin, daß sich die Kartelle nicht mit der Preissteigerung begnügen, sondern sogar den Händlerorgoni- sotionen vorschreiben, wo sie ihre Waren zu beziehen hoben. Zur Beschneidung dieser Willkür sei gesetzliche Kontrolle der Kartelle notwendig. Die Organisationsschwierigkeiten in der stark kartellierten europäischen Hüttenindustrie liege vor allem in der außergewöhnlich harten Fron der Arbeiter und in der brutalen Rücksichtslosigkeit der Schwerindustriellen. die auch vor schwarzen Listen nicht zurückschreckten. Aus dem eng- tischen Bergarbesterstreik wisse man. daß die Kartellherren einfach bestimmte Betriebe stillegen, so daß dann die Arbeiter oft ohne jede Aussicht auf Erfolg streiken. Der Bund müsse daher die Arbeiter der kartellierten Industrien enger zusammenführen. Die von Reichel vorgetragenen Grundsätze fanden die Billigung des Kongresses. Ueber die Arbeitszeitsrage referierte Labe-Frank- reich. Er zeigte, wie eng der Kamps um die Arbeitszeitverkürzung mit der internationalen Unterstützung verknüpft ist und fordert Kon- Zentrierung der Kräfte auf die Anerkennung und Durchführung des Washingtoner Abkommens, das erst von acht Ländern angenommen sei. Werde in Deutsch- l a n d die Arbeitszeit nicht bald auf den Achtstundentag ge- kürzt, dann werde dieser auch in England und Frankreich bedroht sein. In Frankreich sei die Verschlechterung des Abkommens durch den Widerstand des Arbeitsministers verhütet worden. In der Schweiz sei der Achtstundentag durch zweifache Volks- a b st i m m u n g gerettet worden. Rußland mache Ueberstunden in unermeßlicher Menge. In Italien hätten die foschistilchen Ge- werkschosten nichts gegen die Einführung des R eunstundentages getan. Der Achtstundentag könne nur gehalten werden, wenn die Gewerkschaften stark seien. Hodge-England(Stablschmelzer) erinnert daran, daß bei den englischen Hüttenarbeitern die 47stündige Arbeitswoche besteht. Werden Ueberstunden gemacht, wird ein Zuschlag von 50 Proz gezahlt, für Sonntagsarbeit der doppelte Lohn. Demgegenüber seien die kontinentalen Gewerkschaften noch zurück. Unsere kurze Arbeits- zeit, erklärte Hodge, haben wir aus eigener Kraft errungen. ohne dafür die Hilfe einer anderen Organisation oder des Bundes in Anspruch zu nehmen. Die internationale Hilfe auch für den Kampf um Arbeitszeitoerkürzung zu gewähren, bedeute einen Ein- griff in die Selbständigkeit unserer Gewerkschaften und sei daher abzulehnen. Wolf-Deutschland bemerkt zu dem Hinweis Solaus, die belgischen Schwerindustriellen stellten die lange Arbeitszeit i n D e u t s ch l a n d als einen Hinderungsgrund der Lohnaufbesserung hin, und daß die deutschen Schwerindustriellen die niedrigen Preise und Löhne in Belgien und Frankreich als Vorwand einer Ver- schlechtcrung der deutschen Arbeitsbedingungen gebrauchen. So werde das eine Land gegen das andere ausgespielt. Eine Konferenz zur Förderung der Organisierung der Hüttenarbeiter sei daher zu begrüßen. Brownlie-England führte aus: Von der Annahme des Washingtoner Abkommens werden in England nur 7 Proz. der Ar- beiterschoft berührt. Dessenungeachtet verlangen die englischen Ge- werkschasten die Annahme des Washingtoner Abkommens. Solange ober kii Deutschland zum Teil noch SS Stunden die Wocke gearbeitet wird, haben die englischen Unternehmer einen durchschlagenden Grund geaen die Forderungen der englischen Arbeiter. Die D e u t- s ch e n müssen daher alles tun, um die gesetzliche Sicherung der 48 st und igen Arbeitszeit einzuführen. vethi-Indien erklärt, daß sein« Regierung zwar das Ab kommen über die 48stündige Arbeitszeit angenommen habe, daß Mtsächlich aber die Arbeiter in den Eisenwerken noch bis <59«stunden wöchentlich bei einer unmenschlichen Hitze zu ar beiten hätten und dafür ZH bis 5 Schilling pro Tag erhielten. Die indischen Arbeiter seien infolge ihrer Unwissenheit und Unbeholfen� heit auf die Unterstützung der europäischen Genossen angewiesen. Der international« Sekretär Ilg betont gegenüber den Eng- ländern, daß auch aus dem Kontinent der Achtstundentag nicht un bekannt sei, so z. B. in Skandinavien, Belgien, in der Schweiz, in Oesterreich und anderswo. Im Augenblick liege das Haupthindernis gegen d>e Ratifizierung des Washingtoner Abkommens bei der eng tischen Regierung. Der Kongreß bestimmt zum Schluß als künftigen Sitz des Bundes wiederum Bern, ebenso wurde Ilg wieder zum internationalen Sekretär gewählt. Die Zahl der Mitglieder des Vollzugsausschusses(Vorstand) des Bundes wird von fünf auf sechs erhöht. Der Vollzugsausschuß besteht aus Brandes- Deutschland, B r o w n l i e- England, Domes- Wien, K j e r b ö l- Dänemark, Labe- Frankreich und dem Sekretär Ilg-Schweiz; die französische Verbandsgruppe soll wechselweise von Labe- Frankreich und S o l a u Belgien im Vollzugsausschuß vertreten wereden. s wir schon so oft gesagt, daß es wirklich überflüssig ist, es cknchmals zu wiederholen. Wenn schließlich in dem Artikel der„Roten Fahne" behaup:et wird, daß Mertens und I o u h a u x sich irgendwie im Gegensatz zu deutschen Delegation befunden hätten, so dürste über diese Behauptung niemand mehr erstaunt sein als Iouhaux und Mertens selbst. Wenn das der„genaue Bericht vom Pariser Kongreß" sein soll, den die Gewerkschastsmitglieder nach dem Rat der„Ro:en Fahne" zu verlangen hätten, dann müßten die Gewerkschaften freilich dazu ausschließlich kommunistische Märchenerzähler vom Schlage des Enderle engagieren. Kommunistische Märchenerzähler. Sic wissen nichts- aber fic reden. Angeblich aus Paris läßt sich die„Rote Fahne" einen Artikel über den Internationalen Gewerkschaftskongreß von dem Moskauer Angestellten August E n d e r l e schrechen. Dieses Phantasieprodukt ist so vollgepfropft von sachlichen Unrichtigkeiten, daß man es nur scherzhast behandeln kann. Daß die Berichte über die oersästedenen Tagesordnungspunkie vorher den Delegierten schriftlich zugegangen sind, und eine Wiederholung dieser Referate auf dem Kongreß überflüssig war, weiß E. offenbar nicht. Er weiß auch nicht, daß diese Fragen in den Kommisstonen, in denen die Gcwerkschastsdelegationen der ver- schiedenen Länder vertreten waren, eingehend besprochen wurden. Das Ergebnis dieser Aussprache wurde dann in den Bs- richten der Kommission bzw. deren Beschlüssen dem Kongreß unter- breitet. Da über olle diese wichtigen Fragen Einmütigkeit erzielt wurde, da in keiner grundsätzlichen Frage Gegensätze inner- halb des JGB. bestehen, erübrigte sich auch eine längere Diskussion. Das mag für die Kommunisten sehr unangenehm sein, wir können es aber nicht ändern. Daß die Delegationen nicht wußten, worüber sie abstimmten, und daß bei den Abstimmungen sich nur ein geringer Bruchteil der Delegierten beteiligte, sind so lächerliche Behauptungen, daß es sich wirtlich nicht lohnt, darauf zu erwidern. Am dümmsten sind aber die Behauptungen, die darauf berechnet sind, die Delegationen der anderen Länder gegen die deutschen Ge- werkschasten aufzuputschen. Es wird da behauptet, daß, die deutschen Gewerkschaften nach der Leitung im JGB. streben, daß sie bis kurz vor Schluß des Kongresses sich im Hintergrund ge- halten hätten. Dazu stellen wir fest, daß die Berichterstatter der Kommissionen in der übergroßen Mehrheit deutsche Gewerkschafts- Vertreter waren. Wir stellen weiter sest, daß am Vormittag des zwei!«n Verhandlungstoges, nachdem Brown seine sensationelle Rede gehalten halte. Graßmann im Namen der deutschen Delp- gation und mit' Zustimmung der Übergrößen Mehrhelr des Kon- gresses eine Programm otischeRedc gehalten hat. Gewiß sind die deutschen Delegierten nicht als Diktatoren und nicht als Schulmeister ausgetreten. Das steht ihnen nicht zu und liegt ihnen auch nicht. Sie sprachen als Kameraden und bemühten sich, einen internationalen Ausgleich herzustellen. Das mag wohl. auch die Ursache ihres Erfolges sein, den selbst E. zugeben muß. Daß die deutschen Gewerkschaften weder nach der Leitung des JGB. streben, noch den Wunsch oder die Absicht haben, die Ver- legung des Sitzes des' JGB. nach Deutschland vorzuschlagen, haben BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN« BEAMTEN, A-G. BERLIN S14, WALLSTRASSE 65 POSTSCHECK-KONTO: BERLIN 3898 FILIALEN: BREMEN, BRESLAU, DRESDEN, FRANKFURT A.M., HAMBURG ZINSSÄTZE AUF SPAREINLAGEN: 47,% BEI TÄGLICHER KÜNDIGUNG 5V>% BEI MONATLICHER KÜNDIGUNG 6% BEI VIERTELJÄHRLICHER KÜNDIGUNG SPARKASSENSTUNDEN: VON 9 BIS 3, 4 BIS 6 UHR SONNABENDS VON 9 BIS 1 UHR Nachklänge zum Kongreß öes J66. Der Pariser Kongreß des Internationalen Gewerkschostsbundes findet, wie nicht anders zu erwarten war, einen starken k r i t- s ch e n Nachhall in der europäischen Presse. So bemerkt das englische Blatt„New Statesma n", der JGB. sej ungefähr gleichviel wert wie die Genfer Abrüstungskonferenz, da er Jahre hindurch nichts anderes getan habe, als über die Russenfrags� zu streiten. Dazu bemerkt das sozialistische Amsterdamer Blan„Hr t V o l k", ähnlich sei wohl auch in Paris gesprochen worden, dennoch sei die Behauptung, der JGB. habe nichts geleistet. unrichtig. Man brauche nur an die Arbeit seiner Vertreter in Genf, sowohl im Arbeitsamt wie im Völkerbund, zu denken, an seine Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung auf dem Balkan wie in den baltischen Ländern, an seine erfolgreichen Einigung-bemühungen in der Tschechoslowakei und in Norwegen, sowie an di« von ihm in den europäischen Weltteilen angeknüpften Verbindungen. Das Blatt geht auf die Haltung der einzelnen Delegationenjiuf dem Kongreß näher ein und schließt mit der beachtenswerten Fest- stellung, daß die deutsch« Delegation aus dem Pariser Kongreß von einem wohlerwogenen und festent- schlossenen Willen di« deutlichsten Beweise abgelegt habe Die Zeiten von Deutschlands Demütigung seien vorbei. Aus d:esem Kongreß habe die deutsche Delegation in jeder Hinsicht die Führung übernommen, die intellektuelle, moralische und organisatorische Führung. Sie habe mit den Engländern gemeinsam die Maß- nahmen getrosfen, um den Wiederaufbau des JGB. zu sichern. Da- her könne sich dos Vertrauen in die Zukunft des JGB. vor allem auf die organisatorische Festigkeit, auf das starke internationale Ver- ständnis des Deutschen Gcwerkschaftsbundcs stützen. Das Problem der Eingeborenenarbeit. Der Sachverständigenausschuß des Internationalen Arbeitsamtes für Eingeborenensragen hat die Zwangsarbeit, di« bei der soeben auch von Purcell aus dem Pariser Gewerkschasts- kongreß berührten Kolonialfroge eine große Rolle spielt, scharf verurteilt und ihre Beseitigung verlangt. Bis zur rest- losen Verwirklichung dieser Forderung haben di« Sachverständigen eine Regelung vorgeschlagen, die einem dreifachen Zweck dienen loll: zunächst soll diese Art der Arbeit schon jetzt �von allen Um- ständen befreit werden, die ihr den Charakter der«klaverei geben, zweitens sollen die aus ihr hervorgehenden Uebel beseitigt und drittens soll die vollständige Abschaffung vorbereitet werden. Der Bericht des Ä r b e i I s a m t c s, der die volle Zustim- mung der Sachverständigen gefunden hat, schlägt vor, daß Zwangsarbeit nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen verlangt werden darf, wobei in erster Linie eine unbedingte Notwendigkeit dafür bestehen muß. Die Notwendigkeit besteht nur, wenn ein öfsentlichcs Interesse vorliegt, und wenn es un- möglich ist, sich die erforderlichen freien Arbeitskräfte.zu beschaffen. Ferner darf keine Arbeit oder Dienstleistung, die geeignet ist. die normalen Lebensbedingungen der Bevölkerung des Gebietes zu ge- sährden, aus dem Wege deir Zwangsarbeit unternommen werde». In allen Fällen sind bei Inanspruchnahme der Zwangsarbeit die für das betreffende Gebiet zuständigen Zentralbehörden verantwortlich. Bezüglich großer öffentlicher Arbeiten, wie Eisenbahn- und Straßen- bauten, Hasenanlagen, Meliorationen usw. sieht der Bericht Schutz. maßnahmen sür die Begrenzung der zu Zwangsarbeit heranzu- ziehenden Personengruppen vor, sowie Vorsichtsmaßregeln, wie z. B. vorherige ärztliche Untersuchung, Sicherung der Ernährung und Verpflegung, Gesundheitsschutz, Unsallentschädigung usw. Di« Uebereinstimmung der Sachverständigen in diesen Fragen zeigt, daß das Problem der Eingeborenen ar b e i t für eine internationale Regelung reis ist. freilich wird eine solche Regelung nur dann praktischen Werl haben, wenn sie in ihrer Durchsührung scharf kontrolliert wird. Sonst kann man das bekannte russische Sprichwort:„Rußland ist groß und der Zar ist weit!" dahin variieren: Die Kolonien sind groß und das Jnternati»- nale Arbeitsamt ist weit!_ Streik der Prager Bauarbeiter. Prag. 12. August.(TU.) Im Streik der Bauarbeiter hat sich die Lage auch heute nicht geändert. Die Arbeitgeber haben mitgeteilt, daß sie in Unterhand- lungen eintreten würden, wenn die Arbeiter die Arbeit wieder aus- nehmen. Da dies aber nicht geschah, haben die Arbeilgeber freie Hcknd. Der Streit hat sich unterdessen auf sämtliche Neubauten Prags ausgedehnt. Nur an dem Haufe des Prager Kommunisten- führors Wenzel Sturz wird weitergearbeitet. Die Vertrauensleute der Zimmerleute haben einstimmig den Beschluß gefaßt, sofort in den Streik zu treten, da ihre Forderungen von den Meistern ab- gelehnt worden sind. Lohnkämpfe der Metallarbeiter in Ungarn. Budapest. 12. August. EP. Die Streikbewegung in der Metallindustrie hat an Ausdehnung gewonnen. 2599 Arbeiter der Ganz'schen Waggonfabrik in Steinbruch haben die Arbeit niedergelegt, nachdem die Direktion ihnen den Vorschlag übermitteln ließ, die Arbeitszeit von acht auf zehn Stunden auszudehnen und aus dieser Vasis über eine neue Lohnregelung zu verhandeln. Auch die Arbeiter der Waffen fabrik A.-G. sind in den Streik getreten, nachdem die Direktion ihre Forderung nach einer 25prozentigen Lohnerhöhung abgelehnt hatte. Die Direktion antwortete mit der sofortigen Zl u s s p e r r u n g v o n 6 9 9 A r b e i t e r n der Fabrik. Durch diese neue Verschärfung des Lohnkampfes in der ungarischen Metall- industrie erhöht sich die Zahl der Streikenden um rund 3999 auf 15 999. 3999 ausgesperrte Arbeiter der Vereinigten Glüh- lampen- und Elektriziläts- A.-G. haben das Angebot der Direktion, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder auszunehmen, abgelehnt. Der Ausstand dauert hier seit drei Wochen an. Auch die 7999 Metallarbeiter der Manfred Weitzschen Werke in T s ch e p e l setzen den Streik fort. Jiz der P r o v i n z gewinnt die Streikbewegung an Boden. In Raab sind heute«5 9 9 Bau- a r b e i t e r wegen abgelehnter Lohnforderungen in den Streik getreten. Deutscher Tertilarbeikerverbaud. »rolje ölf-ntlichr»«rs-mmluna ffir da» oetomte I» ber Ä9nfeftl»n»fti4cKi b«s „Ich will dir auseinandersetzen, um was es sich handelt. dann kannst du selbst urteilen. „Ich verstehe allerdings kein Wort von solchen Dingen," gestand Clyde, aber leg nur los, ich bin. ganz Ohr," Er zog seinen Stuhl näher heran und lauschte interessiert, während Emerson seinen Plan entwarf. Während er sprach, ruhten Altons matte, graue Augen bewundernd auf ihm, denn Emerson war für ihn immer das Ideal von Männlichkeit und Tüchtigkeit gewesen. „Das sieht ja alles sehr günstig aus," sagte er, als Emerson schwieg,„ich bin bereit Geld zuzuschießen, wenn du mich mit nach Alaska nehmen willst." „Dich mitnehmen! Es würde dir dort oben kaum ge- fallen," sagte Emerson etwas verwirrt. „Im Gegenteil! Ich sehne mich ja gerade nach einem freien Leben in frischer Lust." Er warf seine schmalen Schultern zurück.„Ich bin ein wahrer Riese, wenn es gilt Strapazen zu überwinden. Ich habe einen ganzen Sommer, als wir auf der Jagd waren, in einem Zelt gewohnt, oh, ich kenne das Leben in den Bergen." „Das ist etwas ganz anderes," warf Voyd ein; Estst�es Begeisterung aber ließ sich nicht dämpfen. „Ich bin auch ein ausgezeichneter Fischer und besitze eine Menge Fischereigerätschasten.". „Wir verwenden Netze." „Das ist falsch und auch nicht sportmäßig. Ich werde ein Buch über Fischereimethoden mitbringen." Emerson unter- .brach ihn kurz und erklärte ihm die Mechode bei der Lachs- fischerei; der junge Mann aber ließ sich nicht abschrecken.„Gib mir nur etwas zu tun und du sollst sehen, daß ich arbeiten kann! Darauf habe ich schon lange gewartet, ohne, daß es mir selbst bewußt geworden war. Ich will ebensolch tiefen Baß bekommen und ebenso sonnenverbrannt werden wie du. Sage mir nur, welche Art Pelzwerk und welche Sorten Pistolen ich kaufen soll und ich werde zehntausend Dollar in dein Unternehmen stecken; das ist alles, was ich zurzeit ent- kehren kann." ,Du wirst weder Pelzwerk noch Pistolen gebrauchen," lachte Boyd,„ wenn wir nach Kalvik zurückkommen, werden die Tage lang und warm, und das ganze Land mit wilden Blumen bedeckt sein." „Großartig! Ich liebe Blumen. Und wenn ich für die Fabrik nicht fischen kann, werde ich mich auf andere Weise nützlich machen." „Kannst du Bücher führen?" „Nein, aber ich kann Mandoline spielen." sagte Clyde optimistisch." Musik wird dort oben in der Wildnis sicher sehr wohltuend sein, „Nimm ihn mit!" sagte Fräser, der sich vor Lachen kaum mehr halten konnte.„Er kann vor der Fabrik sitzen, mit wilden Blumen im Haar und La Paloma spielen. Die anderen Fabriken werden vor Eifersucht platzen. Schaff einen Blumen- balkon und eine Hängematte an und du sollst sehen, daß Willis Marsh uns jeden Abend besucht." Der junge Mann aber ließ sich in seiner Begeisterung nicht stören. „Ueberleg es dir, Boyd, inzwischen werde ich einige Kameraden zusammentrommeln, denen du deine Sache vor- legen kannst. Plötzlich rief Fräser: „Hallo! Da steht George!" Emerson drehte sich um und sah Balts große Gestalt, die die Türöffnung füllte. Offenbar fehlte es ihm an Mut, durch den übersllllten Raum-zu gehen, denn als er jetzt Boyds Blick auffing, winkte er ihm heftig.„Rufe ihn heran," sagte Clyde schnell, ,chen möchte ich kennenlernen, der ist gerade mein Fall." Emerson winkte dem Fischer, näherzukommen. Als George sah, daß es keinen Ausweg mehr gab, nahm er sich zusammen, wagte sich furchtsam durch die Tür und steuerte in einem Zickzack-Kurs auf seine Freunde zu. Das ungewohnte Fahrwasser aber war voller Gefahren. Als er mit einem Kellner zusammenzustoßen fürchtete, steuerte er Steuerbord, und kam dadurch in Kollffion mit einem Tisch, an dem eine größere Gesellschaft saß. Als er sich zu entschuldigen ver- suchte, stieß er mit dem Rücken gegen eine Blumenoase, die bei dem Zusammenstoß wackelte und fast von ihrer Säule herunter gefallen wäre. Als er merkte, daß er allgemeines Aufsehen erregte, geriet er immer mehr in Berlegenheit. Sein Gesicht glühte, und der Schweiß brach ihm aus der Stirn. Da sah Emerson, wie ein Kellner auf George zuging und etwas zu ihm sagte, worauf der große Mann mit zorniger Stimme erwiderte:„Nein, ich irre mich nicht. Ich wohne hier. Geh mir aus dem Weg. sonst trete ich dir auf deine Hühner- äugen," worauf er drohend weitersteuerte, bis er sich ganz erschöpft an seinem Bestimmungsort auf einen Stuhl nieder- sinken ließ, der unter feinem Gewicht krachte. „Gebt mir eine Limonade, ich platze vor Hitze," sagte er, und nachdem er Alton Clyde, der ihm vorgestellt wurde, geistesabwesend zugenickt hatte, fuhr er fort:„Schon seit zehn Minuten habe ich versucht dir zu signalisieren." Er trocknete sich ganz ermattet die Stirn. �. � �......(Fortsetzung folgt.) Musflug in unsere Havelmoore. Die Forschung über die Entstehung der Kohle, insbesondere der Steinkohle, hat erst vor etwa hundert Jahren den Beweis erbracht, daß auch die Steinkohle nicht, wie früher angenommen, mineralischer Art wäre, sondern organischen Ursprungs. Der Naturforscher Friedrich Moor stellte dabei eine Theorie auf, die viel Wahrschein- liches für sich hat: die großen losgerissenen Tangmassen der Meere, die noch heute Hunderte von Ouadratmeilen stellenweise bedecken, sollten untersinkend in Tausenden und aber Tausenden von Jahren sich zu Humusmassen anhäufen, die endlich zu Kohlenlagern würden. Auch die Anschwemmungs-sTransport-fTheorie hat viele Anhänger gefunden. Ueber die Torftheorie, die ebenfalls zur Bildung der Kohle mit herangezogen wird, gibt Professor Dr. Paul L i n d n e r in seinem Werk„Entdeckte Verborgenheiten aus dem Alltagsgetriebe des Mikrokosmos" recht interessante Aufschlüsse, die uns noch um so mehr fesseln, weil sie speziell auf die Haoelmoore Bezug nehmen. Die organische Substanz unterliegt im Wasser entweder der Verwesung oder der Vermoderung, der Vertorfung oder der Fäulnis. Der Humusboden stagnierender Gewässer gibt den sogenannten Faulschlamm, in welchem alle Tier- und Pflanzen- formen mehr oder weniger gut erhalten bleiben. In der Havel ist z. B. bei S ch i l d h o r n solcher Faulschlamm bei niedrigem Wasserstand auf weite Strecken des Ufers hin sichtbar. Die Havel ist weiter nichts als der langsam fließende Verbindungs- weg zwischen den einzelnen Gliedern einer Seenkette. Wenn, wie in der Havel, zu dem Faulschlamm noch Sand, Kalk und Ton hinzu- kommen, kann man eigentlich von Faulschlammgestein reden. Wir haben in Norddeutschland Seen, die soweit mit Faulschlammgestein gefüllt sind, daß sie nicht mehr mit Booten befahren werden können. Wenn die Anhäufung«ine so beträchtliche geworden ist, daß Sumpf- pflanzen sich darauf ansiedeln können, wie Schilf, Schachtelhalme usw., so ist die «Versandung- de» Sees nah« bevorstehend. Ist der Boden einigermaßen tragfähig, zur sogenannten„Schwingwiese" geworden, so siedeln sich Bäume an, besonders Erlen und Weiden, und es entsteht das Flachmoor, der„Bruch". Solche Erlenbrllche z. B. hat der Grüne- wald bei Hundekehle aufzuweisen. Sowie nun diese Brüche alt genug sind, d. h. die Torfansammlung so beträchtlich geworden, daß Wasser von außen nicht mehr hineinzudringen vermag, dann ändern sich die Bedingungen für das Pflanzenwachstum ganz wesentlich. Es ist nicht mehr die reichliche Nahrung vorhanden, und die Erlen und Birken, Kiefern und dergleichen gehen allmählich ein, verkrüppeln(Krüppelkiefer), um bedürfnisloseren Pflanzen Platz zu machen, den Heidepflanzen. Aus dem F l a ch m o o r ist ein Hoch- m o o r entstanden, das in der Mitte höher als an den Rändern und nur noch auf nahrungsarmes Regenwasser angewiesen ist. Ei:, Hochmoor kann aber auch auf Sandboden entstehen, wenn dieser unfruchtbar und gusgelaugt ist. Ein gutes Beispiel ist dafür die Lüneburger Heide. Der genannte Verfasser benennt die Strecke zwischen dem Grunewaldsee und Hundckehle als ein echtes Hochmoor.! dagegen bei Paulsborn als ein mit Kiefern und Birken bestandenes Zwischenmoor, das in der Nähe des Riemeisterfees in ein Flachmooc (Erlenbruch) übergeht. Gerade darum, daß sich auf diesem verhält- nismäßig kleinen Raum in nächster Nähe Berlins alle die charak- teristischen Merkmale der Formbildung von Mooren aufzeigen und außerdem der damit wechselnde Pflanzenbestand mit höchst selten: gewordenen Pflanzengruppon, ist es notwendig, daß uns dieses einzigartige Naturdenkmal erhalten bleibt, was sich auch darin kund- gibt, daß diese Grunewaldmoor« von der Regierung als Naturschutz- park erklärt wurden. Ein Betreten dieser Moore und Abpflücken dort lebender Pflanzen ist streng verboten. Professor Lindner geht nunmehr zur Untersuchung dieser Moorflächen über. In der Mitte des Grunewaldsess hat man eine Alächtigkeit des Faulfchwamms von 12 vletera � i festgestellt, an den Rändern«ine solche von 2 Metern. Drei Faul- schlammgesteine sind besonders bemerkenswert: die Faulschlamm, kalke, die Kieselgure und gewisse Schlickarten. Erstere, aus kalk- absondernden Pflanzen gebildet, bieten ein brauchbares Kalkdünge- mittel. Beim Bau des Teltowkanals sind solche Kalkfaulichlarnme reichlich gesunden worden. Die„Stinkkalke" sind fossile Kalkfaul- schlämme. Kieselgur ist aus kalkarmen, aber kieselfäurereichen Wassern entstanden durch die Tätigkeit der Kisselalgcn. Beträchtliche Lager von solchen sind unter Berlin vorhanden. Bei den Schlick- bildungen gesellt sich dem Faulschlamm noch Tonsedimcnt hinzu. Die Faulkohlen sind matte Kohlen, die Steinkohlen Glanzkohlen. Steinkohlenlager, die unten aus e-ner Lage Mattkohlen, oben aus einer Lage Glanzkohlen bestehen, sind so entstanden, daß zuerst Faulschlamm erzeugt wurde und darauf Torf. Das hochwissenschaftliche und lehrreiche Werk Professor Lindners verfolgt, wie schon sein eigenartiger Titel zum Teil verrät, die Tendenz, die geheimnisvollen Vorgänge in der Natur in ihren Umwandlungen den Gärungserrcgern zuzuschreiben und, wie wir es hier bei der Entstehung der Moore und der Kohle gesehen haben, sind tatsächlich die Totengräber und Neucrrcger zum Leben jene ziffernmäßig nicht zu erfassenden Wellen von Kleinlebewesen, Mikroben und Gärungserregern, die die chemische Umwandlung vollziehen. � fibsthluß ÜerUnterfuchungim Lotterieskanöal Ziehung mit Kontvollc des Publikums. T Die Voruntersuchung gegen die ungetreuen Lotteriebeamten Böhm und S ch l e i n st e i n ist fast abgeschlossen. Es ist damit zu rechnen, daß schon in den nach st en Tagen die Anklage- erhebung erfolgt. Die Voruntersuchung hat sich auch darauf er- streckt, ob die beiden Beamten noch Helfershelfer gehabt haben. Die ausgedehnten Vernehmungen der Angeklagten und der anderen De- amten und auch die Durchsicht des, bei den Haussuchungen beschlag- nahmten, Materials hat ergeben, daß weitere Beamte nicht in diesen Lotterieskandal verwickelt sind. Die Generallotteriedirektion hat in diesen Tagen die Bestimmungen über die verschärften Kontrollen bei der nächsten Ziehung bei dem Finanzministerium zur Genehmigung eingereicht. Außer der Bestimmung, daß hinter jeden Beamten noch ein Kontroll- beamter gestellt wird, ist vorgesehen, den Tisch, an dem die iehungsbeamten sitzen, weiter an den Zuschauerraum heranzurücken. as Publikum soll durch diese Maßnahme die Möglichkeit einer Kontrolle erhalten. Die Zichungsbeamten werden schon zur nächsten Ziehung aus Beamten anderer Behörden ausgewählt. Das Personal, das die Vorarbeiten zur Ziehung geleistet hat, wird bei der Ziehung vollständig ausgeschaltet. Den Ziehunasbeamten wird erst kurz vor Beginn ihrer Tätigkeit gesagt, welchen Posten sie bei der Ziehung übernehmen sollen. Die Direktion glaubt mit diesen Maßnahmen alles getan zu haben, um einen erneuten Betrug zu verhindern. Alle V o r s ch l ä g e, die in der letzten Woche von Er- findern und Technikern zur Automatisierung gemacht worden sind. werden sorgfältig geprüft. Noch ist nicht zu übersehen, ob sich die ein« oder andere Anregung praktisch bewähren wird. Die Direktion hofft, daß durch die Nachprüfungen der verschiedenen Vorschläge ein brauchbarer Apparat gefunden wird. Die durch die Betrügereien den Losinhabern entgangenen Ge- winne sollen, wie wir bereits berichteten, den Geschädigten zugänglich gemacht werden. Eine Wiederholung der S. Klaff« der letzte» Ziehung kommt nicht in Frage. Es werden lediglich die Fehllose(Nieten), die nach Abschluß der letzten Klasse der vorigen Ziehung im Rade verblieben sind, gezogen. In das Gewinnrod kommen zwei Gewinne, einer über 100 voll und einer über 25000 Mk. Aus der Lostrommel werden nur zwei Lose gezogen, auf die dann die beiden Gewinne in Ab- teilung A und B fallen. Leider ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Gewinne auf Lose fallen, die längst vernichtet sind. Denn es ist nicht anzunehmen, daß alle Losinhaber ihre Lose vom März auf- gehoben haben. Man kann damit rechnen, daß die Ziehung der 5. Klasse der jetzt laufenden Serie am Mittwoch oder D o n n e r s t ag der nächsten Woche mit der Einschüttung der Lose und Gewinne in Gegenwart des Publikums und der Presse beginnt. Die Großkollekteure. Weitere Mißstände im Lotteriewefe«. " Die Affäre der Lotteriebctrüger gibt Anlaß, auf einen anderen Mißstand bei der Preußischen Klassenlotterie hinzuweisen, der sich auf das Gebiet des Vertriebes der Lose, d. h. der„Kollekten", bezieht. Es ist nämlich eine bekannte Tatsache, daß manche Groß- kollekteure über einen Vertrieb von 2000 Losen und mehr verfügen: während es zahlreichen geeigneten Bewerbern um eine Kollekte überhaupt nicht möglich ist, eine solche auch nur mit einer wesentlich geringeren Anzahl von Losen zu erhalten. An- gesichts der heutigen erheblichen„Schreibgebühren, die die General- lotteriedircktion vergütet, und angesichts der riesigen Nachfrage nach Losen erzielen diese Großkollekteure mühelos ein Jahres- e Ankommen, das das Dreifache eines Minister- e h a l t e s übersteigt. Der Auswand, der dementsprechend inner- alb dieser Kreise getrieben wird, steht in einem schreienden Miß- Verhältnis zu der Not, in der sich weite Kreise gerade des Mittel- ftandes befinden, zu dem die Kollekteure gehören. Mit diesem Uebelstand muß jetzt ebenfalls im Zusammenhang mit der in Arbeit befindlichen Reorganisation des Lotteriewesens aufgeräumt werden. Es darf nicht gestattet werden, daß einzelne Kollekteure mehr als 500 bis 1000 Lose oertreiben. Ein solcher Vertrieb sichert ihnen ein auskömmliches Einkommen. Die darüber hinausgehende Anzahl von Losen muß ihnen genommen und neu zuzulassenden Kollekteuren, geeigneten, einwandfreien, bedürftigen Persönlichkeiten zugeteilt werden, deren es— leider— eine genügende Menge gibt. Die Neuregelung des Verkaufes der Lose an die Spieler der bis- herigen Großkollekteure bietet keine Schwierigkeiten. Dr. B. Ein falscher Professor festgenommen. Ein Schwindler und Dieb, den die Kriminalpolizei schon lange suchte, wurde durch die Aufmerksamkeit eines Post- b e a m t e n in Eharlottenburg endlich unschädlich gemacht. Zunächst in zahllosen Prooinzstädten und seit Mai d. I. auch in Groß-Berlin trat ein älterer Mann mit gebildeten Umgangsformen auf, der sich „Professor Dr. meß. Graudauer",„Underwert" usw. nannte und Zimmeroermieterinnen und Pensionsinhaberinnen erzählte, daß er in der Stadt, wo er gerade erschien, ein« Anstellung erhalten habe und Wohnung suche. Bei der Besichtigung der Zimmer erbat er sich ein Glas Wasser oder erreichte es durch andere Tricks, daß man ihn einen Augenblick allein ließ und dann stahl er, was ihm erreichbar war. Ueberall schenkte man ihm Vertrauen und er erbeutete stellenweise sehr erhebliche Werte. So wanderte er von einer Stadt zur anderen und überall wurde er gesucht, bis jetzt aber immer vergeblich. Gestern kam der angeblich« Professor zu einem Postbeamten in Charlottenburg, der auch ein Zimmer zu ver- mieten hatte. Dieser schöpfte Verdacht, entdeckte bald einen kleinen Diebstahl, verfolgte den„Mieter", den er auf der Straße noch sah und übergab ihn dem. nächsten Schupoheamten. Die Kriminalpolizei sah in dem endlich Erwischten einen Bekannten «-eder, einen 50 Jahre alten Kaufmann Julius Jakobi, der seine Familie im Stich gelassen hat und sich ohne feste Wohnung überall umhertrieb. Betrogene und Bestohlene, die noch keine Anzeige er- stattet haben, werden gebeten, sich bei Kriminalsekretär Stiller im Zimmer 202 des Polizeipräsidiums zu melden. Ein„schwerer" Diebstahl. Vor etwa l4 Tagen wurden in der Wisbyer Straße Pflastersteine abgeladen; die Anwohner freuten sich schon, daß die Straße wieder ein ordentliches Pflaster bekommen würde, da sich infolge des sumpfigen Untergrundes groheSenkungen gebildet hatten. Es erregte daher allgemeines Kopsschütteln, als nach einer Woche wieder ein Lastwagen anfuhr und Arbeiter die Steine auf- luden. Einige Tage später erschien eine Arbeitskolonne, um die Straße zu pstastern. Es waren aber kein« Steine da. Jetzt hält man überall Umfrag«, ob jemand weiß, wer die Leute waren, die den rätselhaften Abtransport bewerkstelligt haben, und man Ist zu dem Resultat gekommen, daß es sich um einen„schweren" Diebstahl handelt. Ordnungsstrafe für Rechtsanwalt Herold. Auch der dritte Prozeß wegen Beleidigung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht vor der 3. Großen Ferienstrafkammer des Landgerichts II, der die Berufung des Be- triebsanwalts Gustav Adolf Winter gegen seine Verurteilung zu sechs Wochen Gefängnis betraf, verfiel der Vertagung. Der auch"zu dieser Verhandlung als Zeuge geladene Rechtsanwalt Dr. Herold wurde, weil er trotz ordnungsmäßiger Ladung ohne genügende Entschuldigung ausgeblieben war. nochmals zu 300 Mark Ordnung» st rafe verurteilt, so daß der Zeuge im ganzen gestern mit 1300 Mark Ordnungsstrafe belegt worden ist._____.______.. Das ausgerissene slktenblatt. Wie man seine« Frennd' hineinlegt. Wegen Aktenvernichtung hatte sich der früher« Polizeisekretär Spieß vor dem erweiterten Schöffengericht zu verantrvorten. Spieß war wegen dunkler Privatgeschäste aus dem Polizeidienst disziplinarisch entlassen worden. Zu seinen zweifelhasten Eründungsgeschäften gehörte auch die .Lnfrag", eine Internationale Frachten-A.-.G. Spieß war mit seinen Mitdirektoren Moses und Pontag in Differenzen geraten, und von dem letzteren waren gegen ihn eine Reihe von Meineids- anzeigen gemacht worden. Vor einiger Zeit ist auch Spieß vom Landgericht II des Meineides in mehreren Fällen schuldig befunden und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Wäh- rend diese Anzeigen schon liefen, kam Mose» als wohlmeinender Freund zu Spieß und machte ihn darauf aufmerksam, daß Pontag herausbekommen habe, daß von ihm auch eine falsche eidesstattliche Versicherung zu den Registerakten gegeben worden sei. M. riet ihm, dieses Blatt aus den Akten zu entfernen, und es wurde dann auch verabredet, daß Sp. sich zu diesem Zweck zum Gericht begeben sollte. Das war aber nur e f n e Falle, die Sp. gestellt war, denn M. hatte nichts Schleunigeres zu tun, als zur Gerichts- schreiberei zu eilen und den Sekretär darauf aufmerksam zu machen, daß ein Mann erscheinen werde, der die Akten ei-rsehen und bei dieser Gelegenheit«in Blatt an sich nehmen würde. Während Moses noch mit dem Beamten verhandelte, erschien Pontag auf der Ge- richtsschreiberei und verlangte Akteneinsicht. Als der Beamte fragte, ob dos der Mann sei, verneinte es M. und nieinte, der Betreffende wolle sich nur erst über das Vorhandensein des Blatte» informieren. Der richtige Attentäter komme erst am nächsten Tage. Wie gngekündigt, erschien dann auch Spieß und erhielt die Akten zur Einsicht. Beim Weggang wurde er an der Tür angehalten. Eine Durchsuchung der Taschen brachte das herausgerissene Register- blatt an» Tageslicht. Mit Rücksicht auf die wenig einwandfreie Art, wie dem Angeklagten ein Bein gestellt worden war, kam er mit der milden Strafe von sechs Wochen Gefängnis davon. Gefährdete Menschenleben. Unter dem Titel.Menschenleben" veröffentlicht die Volks- fürsorge, das offizielle Organ der Volksfürsorge, Gewerkschaftlich- Genossenschaftliche Versicherung A. G. in Hamburg einen Beitrag, der in fesselnder Weife die Blutopfer behandelt, die der moderne Beruf und der moderne Verkehr fordern. Besonders anziehend werden die unaufhörlich sich mehrenden Straßenverkehrsunfälle be- sprachen. Es heißt da: „Die Kraftwagenunfälle mehren sich gleichfalls be- denklich. Leider fallen ihnen viele Menschenleben zum Opfer. Wenn auch hin und wieder dieSchuldbeiden Fahrzeug. sührern liegt, so ist her Grund doch vor allem in dem ins Unermeßliche gestiegenen Großstadtverkehr zu suchen. Besonders groß ist natürlich die Unfallgefahr in den Riesenstädten. Die Verkehrsunfall st ati st it für Groß-Berlin weist nach, daß die Unfälle hauptsächlich durch Ueber- bzw. Anfahren von Fußgängern erfolgen, durch Zusammen- stöße der verschiedenen Fahrzeuge untereinander, Anfahren an Bäume, Straßenlaternen usw. Die Ursache ist gewohnlich ein zu schnelles oder unvorsichtiges Fahren, falsches Einbiegen oder Ueberholen, Trunk esrheit und in«inigen Fällen schlüpfriges Pflaster. Ziemlich ungletchmäßig verteilt sich die Schuld auf die einzelnen Fahrzeugführer. In zahlreichen Fällen sind Fußgänger die Schuldigen. In Berlin ist die Zahl der Verkehrsunfälle im ersten Vierteljahr 1927 wieder höher als im letzten Vierteljahr 1926. Aehnliche Wahrnehmungen könnte man auch in anderen großen Städten machen. Und doch kann diep. 62 des Conradin Creutzer. F. S. RH5n-Segelflug-Vettbewerb. F. W. Wasserkuppe, IL August. Der für gestern angesagte steife Westwind ist leider ausgeblieben. Es wehte ein Wind, wechselnd aus SSW., WSW. und W., der vorübergehend nur 11 Metersekunden erreichte. Mittags glaubte N e h r i n g den Augenblick für günstig, nach dem Heidelftein zu fliegen. Cr startete 13.50 Uhr, flog in weiiem Bogen nach dem Heidelftein, überflog ihn und kehrte auf demselben"Wege zurück. Nach- einer Flugdauer von 30 Min. 25 Sek. landete er glatt 500 Meter bei der F u l d a q u« l l e. Sein Borhaben war ihm gut geglückt. Zum ersten Male ist dieser Flug ausgeführt worden. Nehring ist somit Anwärter aus den Heidelsteinpreis geworden. Ob er ihn damit auch gewonnen hat, werden die nächsten Tage zeigen, denn auch andere Bewerber wollen Nehring nacheifern. Für den Uebungswettbewerb ist ein Sonderpreis für die größte Flugdauer, mindestens aber 15 Minuten ausgeschrieben wor- den. Schleicher brachte es bisher nur auf 13 Minuten. Der Wind hatte inzwischen wieder sehr abgeflaut, so daß es augenblicklich wieder über einen Schulbetrieb nicht hinausgeht. Den für gestern ausgeschriebenen Preis der Sadt Eersfeld holte sich noch kurz vor Toresschluß N e u m a n n von der akademischen Fliegerschaft „Marcho Silesia" Breslau auf dem Eindecker„Seppl". Er flog nach Gersfeld, begab sich von der Landesstelle zum Rathaus und benötigte hierzu 11 Minuten. Nach Startschluh unternahm noch B e d a l auf dem neuen„Z a u n k ö n i g" einen Flug in Richtung Gersseld. Auf dem halben Wege hatte er nicht mehr genügend Höhe, so daß er landen muß�e. Hierbei geriet er mit dem rechten Flügel in die Telegraphenleitung mtd schlug auf die zur Wasser- kuppe führende Fahrstraß« auf. Die gute Flugeigenschaften zeigende Maschine wurde zertrümmert, während der Führer un- o e r l e tz t blieb. Thea Rasche verunglsickt. New Jork. 12. August.(WTB.)' Die deutsche Kunstfliegerin Thea Rasche versuchte heute früh unter der Eisenbahnbrück« von Poughkeepsie hindurch- zufliegen. Der Versuch schlug indes fehl und Thea Rasche stürzte in den Hudson River. Die Fliegerin blieb unverletzt und wurde von zwei Insassen eines Ruderbootes ausgefischt. Die Maschine ist gesunken, nur das Schwanzstück ragt noch aus dem Wasser. Man ist bereits dabei, den Apparat zu bergen. Man vermutet, daß die Fliegerin bei dem Versuch, die Brücke zu unter- fliegen, diese mit ihrem Flugzeug berührt hat. Sommersest der ArbelterfSnger. Somitag, 14. August, hält der X. Bezirk deS Deutschen Arbeiter-Sängerbundes iGau Berlin) im Saal bau Friedrichshain ein Sommersest ab. ES Wirten mit: Massen- und Einzclchöre, das neue Tonkünstlerorchestcr und eine Tanzgruppe. Einlas; 3 Uhr nachmittags. Eintritt 50 Pf. Die Cböre des Bezirks stellen sich stets den Arbeiterorganisationen zur Bersügung, sie bitten'um zahlreichen Besuch der Arbeiterschast. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 1t Uhr, Pappelallee 15. Vor- rag deS Herrn Dr. H. Hasse: Die Beherrschung unseres KesühIslebcnS. Harmonium: Du bist Orplid, mein Land.(Wolf). Gäste willkommen. Einsendung«a für diese Rubrik sind verlio SW 68, Lindenstratze 3. Parteinachrichten für Groß-öerlin stets na da» Bezirkssekretariat, 2. Hos, 2 Zrep. rechts, zu richten. L. ftrei» Tiergarte». Parteigenossen wie Kindersreunde, die Rinder au» Hindenburg zum Ucbcrnachtcn hatten, werden gebeten, am Sonnabend» 13. August, 2m Uhr, im Kleinen Tiergarten zu sein, um ihre Pfleglinge wieder in Empfang zu nehmcn. z. Kreis Wcddiag. Arbciterwohlfahrt! Die Abteilungsleiter bzw.-leiterinnen der Arbeiterwohlfahrt der 14., Id., 18., 19., 20., 21., 22., 23. Abteilung werden ersucht, sosort die Tcilnchmcrzohl für die gössen. Fuhrt am 21. August der Kreisleiterin zu melden, ssahrpreis nach Zossen lmit dem Vorortzugs 1,20 M. hin und zurück. Genaue Abfahrtzelt usw. wird noch bekanntgegeben. heule, Sonnabend, 13. August: Z4. Abt. Das Fahrgeld illr den Kreisansflug am 21. August betrSgt für Erwachsen« 80 Pf., flu Binder und Jugendliche ron 4— 20 Jahren 40 Pf. Treffpunkt 7 Uhr Eomeniusplah,©onMasicn. Wir bitten die Bezirks» kassicrer, das Fahrgeld wie oben angegeben zu kassieren und bis späte- Sens Dienstag, 18. August, be'm Genossen Fräntzel abzurechnen. bt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich heute an der Ver- fassunasfeier des Kreises Tempelhof in Kellers Festsälen, Maricndorf» Ehaussecstr. 305. 47. Abt. Die Genossinnen und Genosse» werden ersucht, sich recht zahlreich an der Verfassungssxier des Kreises Tempclhof heute, Sonnabend, 18 Uhr, in Kellers Fcstsälen in Maricndorf, Ehaussecstr. 303, zu beteilig.». Iungsozialistische Vereinigung: Groh-Berlin: Die Gruppenleiter werben gebeten, di« Monatsprogramms für September dem Genossen Zingclmann, Berlin-Schöncbcrg. Fritz.Aeutcr. Straße 3, bis zum 1Z. August spätestens einzusenden.— Gruppe Mitte: Wanderung ins Krenimcncr Luch. Treffpunkt heute 18lh Uhr Stcttiner Vorort- bahnhof. Morgen. Sonntag. 14. August: 5. Abt. Familienäusilug nach Birlcnwcrdcr, Restaurant zur Briese. Ab- fahrt 9 Uhr vom Stettiner Vorortbahnhof nach Birkcnwerder. Nachzügler treffen uns im Restaurant zur Briese im Walde. l«.«bt. 10 Uhr im Lokal von Krüger. Hussitcnstr. 34, zur Feier des 70. Geburtstages unseres Genossen Wolgast, sind alle Denossinen und Genossen herzlichst eingeladen. 8». Abt. NeukiMn. Ausflug nach Falkcnhorsi bei Grünau. Treffpunkt 9 Uhr 168. Ad 15 Uhr«erfassun-sf-ier. des Reichsbanners im Restaurant Wendenschloß, Inh, Uhde. Abmarsch Wilhclmplatz 14 Uhr. Beteiligung aller Genossen und Genossinnen wird erwartet. Sterbetafel üer Grost-öerliner Partei-Grganisation 89. Abt. Wilmersdorf. Unser tätiger Geiiossc Mar D i e t r i ch, Pfalz. bnrger Str. 08, ist an den Folgen einer Blinddarmoperation im 39, Lebens. jähr nerstorben. Einäscherung Dienstag, 16, August, 18.h Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. Vollzählige Beteiligung erwartet der Vorstand. Sport. Nennen zu Hoppegarten am Freitag, dem 12. August. 1 R e n»- n. 1. Ordensschwester(0. Schmidt). 2. Rückkunft(Hahnes),' Leichte Isabel(Grabschi. Toto: 29:10. Platz: 11, 11, 12: 10. Ferner liesen: Hecior, Bergsalte, Forelle, Wausi, 2 R e n n c n, 1. SzenteS(Teichmanns. 2. Amenophis(Grabt), 3. Pistole(Varga). Toto: 299: 10. Platz: 63, 52. 22: 10. Ferner Uesen: Dominikus. California. Tornado, Gberarde belle Nolti, Rom, Perscphone, Allenberg, Reichstag, Enkel. Farren, Piaski. Saladin, Mignon. 3 Rennen, 1. Adilja(Janel), 2. Farinelli(O. Schmidt), 3, Guten- berg(HayneS). Toto: 24:10, Platz: 11, 10:10. Ferner lief: Geselle. 4, Rennen, 1. Indigo(O, Schmidt), 2. Stolzenfels(Huguenin). 3. Rheinwein(Tarras). Toto: 16: 10, 5, R e n n e n. 1. Kowpsr icksin(Zehmisch). 2. Wineta(O. Schmidt), 3. Zllsteriust(Braun). Toto: 21: 10. Platz: 15, 23: 10. ferner liesen: Elea, Valor, Schall. � � 6 Rennen. 1. Meto»(O. Schmidt). 2. Melkart(Janek), 3. Prell- stein lHaynesi. Toto: 60: 10. Platz: 12. 11. 11: 10. Ferner liesen: Mnraviglia, Falkenseder, Sonnengöttin, Patron, Nordländer, Fritjos II, Sturinbraut..„._ 7. Rennen. 1. Gute Sitte lHahnes). 2. Otsricd(O. Schmidt), 3. Hermes(Grabsch). Toto: 25:10. Platz: 14, 14, 20: 10. Ferner Uesen: Mohrenglück. Catania, Erosa, Lemmel, Maikäfer. Wetterbericht der öffentlichen wetlerdleoslsteUe für Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Kübl bei stark wechselnder Bewölkung, einzelne Regen- schauer, frische westliche Winde.— Für Veulfchland: Im Süden wolkig bis heiter und vorwiegend trocken, sonst unbeständig mit Regenschauern, überall kühl. Sei Sonnenbrand Creme I.eodor ist ein vorzügliche« Dorbeugungsmittel gegen schmerzhafte« Brennen der Haut, wirll kühlend und reizmildernd, gleichzeitig beste Toi- lettecrem« von herrlichem Blülengeruch, weder fettend noch liebend. Xubt fiOPfg. und 1.— Ml. Probetubeu erhästllch in allen Chwrodom-Werlaussstellea. Ä Das Steuerprivileg öer �anöwirtsthaft Der Großgrundbesitz zahlt so gut wie gar keine Steuern— der werktätige Bauer dasür um so mehr. Die deutsche Landwirtschaft pflegt durch ihre berufenen und unberufenen Vertreter über den hohen Steuerdruck zu klagen, der angeblich auf ihr lastet. An der Berechtigung dieser Klagen hat man schon längst Zweifel gehegt. Tatsächlich trägt, wie man seit langem annimmt, die Landwirtschaft nicht einen übermäßigen An- teil an der deutschen Steuerlast, sondern ist im Gegenteil einem unverhältnismäßig geringen Steuerdruck ausgesetzt, so daß sie tat- sächlich ein S t e u e r p r i v i l« g genießt. Die erste Bestätigung dieser Auffassung brachte die Statistik über die Steuereinnahmen von Reich, Ländern und Gemeinden im Jahre 1923. Danach be- tragen die Einnahmen aus Grund- und Gebäude st euern, die zu einem erheblichen Teil von der Landwirtschaft aufgebracht werden, im erwähnten Jahre 878,7 Millionen Mark gegen 434 Mil- lionen Mark im Jahre 1913: sie waren also insgesamt etwa a u f das Doppelte gestiegen. Die Einnahmen aus Gewerbesteuern hingegen stellten sich. 1925 auf 588,4 Millionen Mark gegen 177,7 Millionen Mark 1913, haben sich also mehr als verdreifacht!— Damit zeigte sich deutlich, daß die Landwirtschaft steuerlich besser als die Industrie behandelt wird. Das wird jetzt durch eine Statistik über die Besteuerung von Umsatz, Vermögen und Einkommen der deutschen Land- Wirtschaft nach den Ergebnissen der Veranlagung von 1924 bestätigt. Hiernach versteuerte die Landwirtschaft einen Umsatz von rund 7,3 Milliarden Mark. Nun soll die Umsatzsteuer theoretisch nicht nur den Umsatz der verkauften Produkte, sondern auch den Ver- brauch der landwirtschaftlichen Erzeugnisse innerhalb des Be- triebes. vor allem auch den landwirtschaftlichen Eigenverbrauch, er- fassen. Nach landwirtschaftlichen Schätzungen soll aber der Ge- samtwert der landwirtschaftlichen Produktion 15— 17 Milliarden Mark betragen. Cs Ist also lalsächlich höchstens die Hälfte dessen versteuert worden, was halle versteuert werden sollen. Daraus ergab sich 1924/25, in einem Jahre, in dem die Umsatz. steuer im Durchschnitt über 2 Prozent betrug, eine Ersparnis an Umsatz st euer für die Landwirtschaft in Höhe von rund 159 Millionen Mark. Mgrarifthe Einkommensteuer. Interessante Verhältnisse ergeben sich auch bei der Ein- k o m me n st e u e r l e i st u n g der Landwirtschast. We kürzlich behauptet wurde, soll die Einkommensteuerleistung der gesamten Landwirtschaft etwa 79— 89 Millionen Mark im Jahre betragen. Nach der vorliegenden Statistik waren im ganzen nur 1,6 Mil- lionen Landwirte«inkoinmensteuerpflichtig. Offensichtlich zahlte demnach ein großer Teil der Landwirte überhaupt keine Einkommensteuer: denn Umsatz steuerpflichtig waren trog der weitgehenden Befreiung immerhin rund 2,3 Millionen Landwirte. Diese Land- wirt« oersteuerten nach der Veranlagung für das Finanzjahr 1925 insgesamt ein Einkommen von 2,1 Milliarden Mark. Noch am 1. November 1924 waren nicht weniger als 1,8 Millionen Landwirte einkommensteuerpflichlig. Zhre Zahl hat sich also in der kurzen Zeit um 11— 12 Prozent verringert. Man muß diese Zahlen niit den Steuerleistungen der Arbeiter vergleichen, um zu erkennen, wie sehr die Landwirtschast begünstigt wud. Im Kalenderjahr 1924 versteuerten 2 2,3 Millionen Lohnsteuerpflichtig« ein Einkommen von mehr vis 2 5 Milliarden Mark. Die Steuerstatistik will uns also einreden, daß im Jahre 1925 das Einkommen pro Kopf des Steuer- Pflichtigen in der Landwirtschaft ka um größer war, als pro Kopf des steuerpflichtigen Arbeiters im Jahre 1924, in dem wir noch außerordentlich niedrig« Nominal- und Reallöhne hatten. Die Prwilegierung der Landwirtschaft wird hier handgreiflich. Noch krasser sieht es freilich aus. wenn man einzelne Bezirke betrachtet. In Ostpreußen, der Steueroase des Großgrundbesitzes, zahlten 41 793 Landwirte Einkommensteuer von einem Einkommen von 41,5 Millionen Mark nach der Veranlagung für 1923. während im Kalenderjahr 1924 637 168 L o h n st e u e r p f l i ch- tige von rund 699 Millionen Mark Einkommen Steuern zahlten. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie außerordentlich gering die Steuerlei st ung der Landwirtschaft in Ost- Preußen ist. Noch klarer wird das, wenn man die Zahl der Einkommen- steuerpflichtigen mit der Zahl der Vermögens st euerpflich- tigen vergleicht. Vermögenssteuerpflichtig waren im Deutschen Reich 1,55 Millionen Landwirte. Im Durchschnitt ist also die Zahl der einkommensteuerpflichtigen Landwirte größer als die Zahl der vermögenssteuerpflichtigen. In O st p r e u ß e n ist es aber u m- gekehrt. Dort stehen den 55 333 vermögenssteuerpflichtigen Land- Wirten nur 41 793 einkommen steuerpflichtige Land- wirte gegenüber. Im Reich versteuern die einkommensteuerpflich- tigen Landwirte etwa 7 Prozent des vermögenssteuerpflich- tigen Vermögens: in Ostpreußen noch nicht 3 Prozent. Diese Zahlen zeigen, daß die vor längerer Zeit von der Genossin Oesterreicher vorgebrachte Beschwerde über die gering« Steuer- leistung der oft preußischen Landwirtschaft vollauf gerechtfertigt war. Die 2,1 Milliarden steuerpflichtigen Einkommens geben auch Aufschlüsse nach anderer Richtung. Dank dem Entgegenkomme» der Steuerbehörden ist das durchschnittliche Einkommen pro Kopf des Steuerpflichtigen mit nur 1314 M. jährlich veran- schlagt. Nach Abzug der Freibeträge zahlt die Landwirtschast wahr- scheinlich noch weniger als 79—89 Millionen jährliche Ein- kommensteuer. Das kommt praktisch einer fast völligen Einkommensteuerbesreiung gleich. Eine sorgfältig« Kalkulation würde zeigen, daß die landwirtschaft- liche Einkommensteuer so wenig einbringt, daß es für das Reich fast rentabler wäre, auf diese Beträge zu verzichten. Sie lohnen wahrscheinlich nicht mehr die Mühe der Veranlagung. Wenn man die Landwirtschaft mit dem Privileg der Einkomnienstsuerfrei- Heft beschenken will, so ist es vorzuziehen, daß man ihr ein 1 9 9- /irozentiges Privileg gibr, statt eines etwa 69prozentigen, �«s von geschäftstüchtigen Syndizi noch als eine erdrückende Heber- .'astung hingestellt wird! Es ist immer besser, daß Man die wirklike L a st e n v e r t e i l u n g in der Volks- Wirtschaft k l a r st e l l t, als daß man sie verschleiert. Die heutige landwirtschaftliche Einkommensteuer ist eine solche Verschleierung. Ihre finanzielle Bedeutung ist gleich Null. Von der Umsahsteuer und Einkommensteuer, die jährlich ins- gesamt 3,5 Milliarden einbringt, zahlt die Landwirtschaft heule höchstens 130 Millionen Mark, d. h. weniger als ein Aünfund- uvanstgstel! Dabei behauptet sie, die Hälfte der deutschen Produktion zu leisten und hält sich für ollein produktiv. Ein solches Steuerprioileg kann sich schon sehe» lassen! Leider gestattet die lückenhafte Statistik, die bisher vorliegt, nicht die Feststellung, nie sich diese„Steuerlast" auf Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe verteilt. Wir hoffen, daß hierzu noch weiteres Material in der ausführlicheren Statistik beigebracht wird. Die Vermögenssteuer öer Dauern. Daß im ganzen keineswegs eine Benachteiligung des Groß- grundbesitzes erfolgt, sondern daß man es vorzieht, den kleinen Mann möglichst chiel und den Rittergutsbesitzern möglichst wenig zahlen zu lassen, das ergibt die V s r m ö g e n s st e u e r st a t i st i k. Hierzu liegen ausführliche Zahlenangaben vor. Vermögenssteuer- p f.l i ch t i g sind 1,5 5 Millionen Landwirte mir einem Vermögenssteuerwert von 39,8 Milliarden M. und einem Grund- besitz von 29,3 Millionen Hektar. Im Durchschnitt ist also der Hektar mit 1952 Mark Ver mögens st euerwert veran- lagt. Jedoch ist der durchschnittliche Vermögenssteuerwcrt des Hektars je nach der Betriebsgrößenklasse ganz verschieden. Er beträgt bei einer Besitzgröße von Zahl der Steuer- SrSbe der ver- Pflichtigen steuerten Fläch« unter 5 sin.. 2004 M. 531 299 1 219 999 ha 5— 29,.. 1239, 793 909 7 325 000„ 20— 50„.. 1075. 241 200 7 300 000. 50— 199... 994. 52 759 3 519 999, 199—1999... 931. 21990 5132 099. über 1000... 665. 1790 4 812 909. Der Hektar des bäuerlichen Besitzes ist demnach viel stärker belastet als der durchschnittliche vermögenssteuerpflichtige Hektar des landwirtschaftlichen Grundbesitzes, der Hektar des Großgrundbesitzes medriger. Das ist ein erstaunliches Mißverhältnis. Es wird auch dadurch nur unzureichend gemildert, daß die Be- lastung durch die Vermögenssteuer p r o g r e s s i o ist. So ergibt sich schätzungsweise das folgende Bild: Landwirte zahlen für im Werte von Vermögenssteuer 1 356 969 12 896 999 Hektar 13 159 999 999 M. rund 40 Mill. M. 168 193 6 859 000. 8 229 000 000,. 37,.* 24 440 3 885 000. 4 540 000 000,, 27., 3 250 3 077 000. 2 885 000 000,. 19,. 473 2 663 000. 2 048 000 000.. 14.. Dies Bild ist freilich nur annähernd zutreffend: denn wir mußten es aus den amtlichen Unterlagen errechnen. Wie weit etwa Stundungen von Steuern oder gar Steuererlaß es ver- ändern, läßt sich angesichts des vorliegenden Zahlenmaterials nicht übersehen. Ein« Ergänzung des statistischen Materials ist unbedingt ngtwendig. Die Dermögeussleuer ist die einzige Reichssteuer, an deren Auskommen die Landwirtschaft in wirklich nennenswertem Umfange beteillgt ist. hier muß der kleine und mittlere Landwirt- schaft gehörig heran. Das Ergebnis macht eine Aendening dringend erwünscht. Die hohe Bewertung des Bodens in den Klassen der niedrigen Betriebs- größen findet ihren Grund darin, daß der klein« landwirtschaftliche Betrieb je Flächeneinheit zunächst«inen weit stärkeren Besatz mit Vieh und anderem Inventar ausweist als der Großbetrieb. Auch der Wert der Gebäude ist bei dem kleinen Besitz auf den einzelnen Hektar weit größer als beim Großgrundbesitz, zumal dieser ja seine Laadarbeiter in den elendesten Löchern hausen läßt. Die extensive Betriebsweise, die elenden Wohnungsverhältnisse des deutschen Landarbeiters, das Recht, polnische Wanderarbeiter zu verwenden und in schmutzigen, verwahrlosten und billigen Schnitterkasernen zu behausen, wirken also sür den Großgrundbesitz als steuerliche vorteile. Der kleine Landwirt ist oft gezwungen, aus einem unzureichenden Stück Land sich und seine Familie zu ernähren, muß darum Aufwendungen machen, die weit über das Maß dessen hinausgehen, was der Groß- grundbesitz auf entsprechender Fläche aufwendet: ja. die Aus- Wendungen gehen oft genug über die Grenze hinaus, die bei ratio- neller Wirtschast noch verantwortet werden könnte, weil der Bauer auf den Rohertrag seiner Arbeit ohne Rücksicht auf ihren Wert bedacht sein muß. Dieser Bauer nun wird für den 5leiß und die Arbeit, die seine Armut ihm ausnötigen, von der Steuerbehörde mit einer hohen Veranlagung bestraft. Das ist ein unerträglicher Zustand. Ihm kann nur dadurch abgeholfen werden, daß die Besteuerung des landwirtschaftlichen Vermögens wenigstens zu einem Teil aus Grund des Umfanges der bewirtschafteten Fläche und nur zu einem Teil auf Grund des Wertes dieser Fläche, wie er sich in Geld ausdrückt, erfolgt. Notwendige Neformen. Nach den Erfahrungen bei der Vermögenssteuer möchten wir annehmen, daß ein ähnliches Mißverhältnis zwischen bäuerlicher und großgrundbesitzerlicher Steuerleistung sich auch bei der Einkommenbesteuerung zeigt. Wie oben dargelegt, ist die Besteuerung des landwirtschaftlichen Einkommens tatsächlich erfolglos. Ein Zuschlag zu der Flächen st euer, die we- nigsteas teilweise die heutig« Vermögenssteuer ersetzen sollte, würde wahrscheinlich mit geringerer Verwaltungsarbeit den gleichen Ertrag bringen und ihn gerechter verteilen. Die Zahlen über die Vermögenssteuer zeigen sicherlich nur einen Teil des landwirtschaftlichen Steuerunrechts: für die Be- wertung von Einkommen und Vermögen in der Landwirtschaft werden unrichtige Maßstäbe angelegt, die zu einer Bevor- zugung des Großgrundbesitzes führen müsien. Die Zahlen über Einkommen- und Umsatzsteuer zeigen die weitgehende Steuerbe- f r e i u n g der Landwirtschaft überhaupt. Das ganze System der landwirtschaftlichen Besteuerung erscheint nach diesen statistischen Feststellungen völlig unzureichend. Es wäre die Pflicht der Finanzverwaltung schon lange ge- wesen, auf die bedenkliche Entwicklung, die hier stattgefunden hat, hinzuweisen, statt abzuwarten, bis eine beinah« als zufällig anzu- sehende statistische Veröffentlichung sie beleuchtet. Nachdem sie aber klargestellt ist, erscheint ein« Reform dringend geboten. Deutschland kann es sich nicht leisten, einen großen und leistungsfähigen Wirtschaftszweig, dem ein unsinniges Zoll- fystem die ganze übrig« Wirtschaft tributpflichtig macht, noch überdies so weitgehend st e u e r f r e i zu lassen und obendrein noch die geringe Steuerlast auf seine Angehörigen so ungerecht zu ver- teilen, wie es bisher der Fall ist. gesprochen hatten. Man kann die Ausführungen des Regierung»- Vertreters kurz auf die Formel bringen:— ein« gewisie Not bei den Roggenschuldnern wird anerkannt, das Reich kann zwar nicht helfen, aber zu Pessimismus liegt kein Grund vor. Entgegen dem Vertreter des R e i ch s l a n d b u n d e s, der sich in der Hauptsache mit der Erfüllung seiner altbekannten Forderungen — Herabsetzung des Verwaltungskostenbeitrages und Streichung des Ablösungszuschlages bei Umwandlung der Roggenschuld— zufrieden geben wollte und sich resigniert mit der Ablehnung geldlicher Unter- stützung abfand, vertrat der Vorstand des Reichsverbandes der Roggen- und Landwirtschaftlichen Pfandbriefschuldner sein wieder- holt in der Oeffentlichkeit erörtertes Programm. Mit allem Nach- druck wurde von ihm ein energisches Durchgreisen der Reichsregierung im Sinne der Reichstagsentschließung, die Heran- Ziehung verschiedener Institut« zu der Sanierungsaktion, ein« recht- lichen Gepflogenheiten entsprechende Prüfung der ange- prangerten Verhältnisse und der Sanierungsmöglich- keiten, sowie vor ollem eine Bereit st ellung von öffentlichen Mitteln im Wege eines billigen Kredites gefordert. Die Vertreter des Reichsverbandes erklärten, daß die jetzt zum Ausdruck gebrachte Stellungnahme des Reichsernährungsministeriums die ganze Reichstagsaktion als einen„Schlag ins Wasser" erscheinen lasse. Sie fordert deshalb, zur Verhütung einer weiteren Abschwächung des Willens und der guten Absichten des Reichstags, den von den Instituten gesürchteten Erlaß einer Notverordnung zur Verhütung der Durchführung von Zwangs- Versteigerungen, um dem Reichstag nach seinem Wiederzusammen- tritt die Möglichkeit einer zweckdienlichen Weiterbehandlung der Fragen zu geben. Das Reichsernährungsministerium wollte offenbar dem klaren Ersuchen des Reichstags nicht entsprechen. Die„Sanierung" üer NoggenfihulSen. Die Regierung beunruhigt sich nicht. Der Fortgang der Sanierungsverhandlungen der Roggen schulden gestaltet sich, wie uns vom Reichsverband der Roggenschuldner geschrieben wird, sehr schwierig. So fand am 9. August d. I. im NeichsernäHrungsministerium mit verschiedenen Berufsorgansationen der Landwirtschaft eine eingehende Verhandlung über die Roggenschuldner und die Auswirkungen der bekannten Reichstagsentschließungen vom 9. Juli d, I. statt. Ministerialrat O u a s s o w s k i legte in längeren Ausführungen den Standpunkt des Reichsernährungsministeriums dar und berichtete über die Be- sprechungen mit den Länderregierungen, die sich für die Schaffung der vorgesehenen Sanierungsstellen bei den Ländern aus- Preistreiberei an üen kNetallmärkten. Fortgesetzte Zunahme des deutschen Metallverbrauchs. Während bis zur Mitte des vergangenen Monats im Metall- geschäft eine ununterbrochene Senkung der Preise und ein Nach- lassen der Umsätze zu beobachten war, hat sich etwa seit dem 20. Juli «ine dauernd« Aufwärtsbewegung eingestellt, die teil- weise auf die größere Aktivität des Börsenhandels und teilweis« auf die günstige Entwicklung des deutschen Metallverbrauchs zurückzuführen ist. Deutschland führte in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni dieses Jahres 106 446 Tonnen Kupfer, 66 057 Tonnen Blei und 104 236 Tonnen Zink ein. Die Zinn- einfuhr belies sich in derselben Zeit auf 7344 Tonnen. Im ersten Halbjahr 192 6 wurden dagegen nur ungefähr 62 000 Tonnen Kupfer, 36 699 Tonnen Blei, 92 099 Tonnen Zink und 4909 Tonnen Zinn eingeführt. Der Vergleich der Einfuhrziffern des laufenden Jahres mit denen des Jahres 1926 zeigt deutlich die Hochkonjunktur in der gesamten metallverarbeitenden Industrie und besonders sind es die Elektro-, Kabel- und die Weihblechindustrie, die einen starken Anteil an der Einfuhr genommen haben. Fest steht, daß zurzeit in Deutschland keine wesentlichen Vorräte an Kupfer, Blei und Zinn vorhanden sind, so daß tatsächlich die zur Einfuhr gelangten Mengen fast resllos von den oben bezeichneten Fabri- kationszweigen aufgenommen worden sind. Wenn früher auf Grund des Metallrohstoffverbrauchs Schlüsse auf den Geschäftsgang der Industrie gezogen worden sind, so machte die Fabrikation den Einwand, daß die Einsuhrstatistit nicht unbedingt als Maßstab für den Gesck�iftsgang dienen kann, da sich daraus nicht ergibt, welche Mengen vom Handel bzw. für Lagerzwecke aufgenommen wurden. Es läßt sich aber'einwandfrei beobachten, daß die deutsche metallverarbeitende Industrie seit mehr als einem Jahr nur das tauft, was sie braucht, und daß der Handel seit der letzten großen Frühjahrsbaisse sehr vorsichtig geworden ist. Die Spekulation betätigt sich sowohl in London als auch in Berlin und Homburg nur in geringem Umfange. Seit Anfang August wurde zwar etwas lebhafter gehandelt, doch kommen die Umsätze nicht annähernd an diejenigen des vergangenen Jahres heran. Auch die englisch« I n d u st r i e hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres mit Ausnahme von Zinn mehr Metalle aufnehmen können als im vergangenen Jahr. Die A m e r i- k a n e r haben aber ein bedeutendes Nachlossen ihres Metall- verbvauchs zu verzeichnen, was man auf die Verschlechterung der Beschäftigung in der Automobil- und Elektroindustrie zurücksühren kann, während die amerikanisch« Weißblechfabrikation nach vor- übergehender leichter Verschlechterung des Geschäfts wieder mit Hochdruck unter neunzigprozentiger Auenutzung ihrer Leistungs- fähigkeit arbeitet. Trotz der günstigen Entwicklung, die der Metallverbmuch in Europa genommen hat, muß man aber die Loge der Metall- Hüttenindustrie als unsicher bezeichnen, weil die U e b« r- erzeugung immer mehr und mehr das Geschäft beeinflußt. Während beispielsweise im Jahre 1926 die Welterzeugung an Kupfer sich auf 1,435 Millionen Tonnen belief, ist sie im ersten Halbjahr 1927 allein bereits auf über 779 999 Tonnen gestiegen. Bei Blei beträgt die Steigerung zirka 8 bis 19 Proz. und bei Zink 7 bis 8 Proz. Die Zinkoorrät« der Welt sind stark ange- schwollen. Sie bezifferten sich am 1. Dezember 1926 auf 45 000 Tonnen und am 1. Juli 19� auf 60 300 Tonnen. Die Preisfrage ober spielt eine entscheidende Roll« nur in der Zink- und in der Bleiindustrie. Hier wird teilweise schon mit Verlust gearbeitet. Das ist«ine Folge der Konkurrenzmaßnahmen der großen ameri- kanischen Konzern«, die die kleinen und mittleren Betriebe ab- würgen wollen. Während die Zinnerzeugung im Durchschnitt eine Gewinnquote von 79 bis 89 Proz. und die Kupfererzeugung eine solche von ungefähr 30 Proz. offen läßt. Di« Selbstkosten für Kupfer konnte man seit Anfang 1926 nach und nach um 19 Proz. senken. Im Durchschnitt kann man jetzt bei einem Marktpreis von ungefähr 127 M. Elektrolytrupfer mit etwa 199 M. je 199 Kilo herstellen. Die Preisentwicklung selbst ergibt sich aus nachstehender Zusammenstellung: 27. Mal 20. Juli 1. August 11. Aug. 1927 Elektrolbtkupfer 122 M. 121»/, M. 125 M. 127»/. M. je 190 Kilo Hüttenblei.. 48. 47. 50. 48.... Zink.... 57. 5«, 59, 58... Zinn.... 604. 590, 598, 605.... Die Tabelle zeigt deutlich die Wendung in der Preisentnrck- lung, die am Metollmarkt schon etwa drei Wochen ziemlich gleich» mäßig zu beobachten ist. Die Vildqieüerei Gladenbeck wird nicht stillgeleat. Die in Kon- kurz befindliche Bildpießerei Aktiengesellschaft vorm. H. G l a d e n- b e ck u. Sohn, Berlin-Friedrichsbaaen wird nicht st i l l a e l e g t. Der Betrieb wird von dem neuen Besitzer der Aktienmajorität, Herrn Willi Bender, von der Firma Calm u. Bender A.-G. Berlin, weitergeführt werden. Auch die Gläubiger der Gladenbeck A.-G. kommen, wie von der Gesellschaft mitgeteilt wurde, erheblich besser weg, als angenommen wurde. Insbesondere sind die Hnvotheken- forderungen der Deutschen Giro-Zentrale in Höhe von rund 264 909 M. bereits vollkommen befriedigt. französisch« koloniolaufträge für die deutsche Schwerindustrie. Das französische Kolonialministerium hat dem Stumm-Konzern und den Burbacher Hüttenwerken einen Auftrag über 69 900 Tonnen Schienen und Schwellen erteilt. Sonnabenü August 1927 nterhaltung unö Settage ües vorwärts Meine Zrau will nicht �oktobern"... Russische Humoreske von W. Schischkow. In der Eowietunion wericn d!e Neugeborenen meistens nicht mebr getauft, sondern„oktobert"08 bis 0,06' Milli- meiern beherrschen, sind die nächsten Verwandten der elektro- magnetischen Wellen, deren Reich etwa bei einer Wellenlänge von 3 Millimetern beginnt. Wenn also die kurzen Wärmestrohlen und die noch kürzeren Röntgenstrahlen erhebliche Wirkungen auf den Menschen auszuüben vermögen, warum sollen dann nicht auch die elektromagnetischen Wellen irgendeinen Einfluß auf den menschlichen Organismus haben? Wir haben es hier mit Wellenlängen von 3 Millimetern bis zu 74 Kilometern zu tun. Es ist durchaus möglich, daß eine längere Beobachtungsdauer am menschlichen Objekte zu den merkwürdigsten Feststellungen führt. Der Tierversuch hat bereits den Einfluß dieser bisher als unschädlich oder mindestens als unwesentlich bezeichneten Wellen festgestellt. Der Schweizer Forscher Müller aus Vilchberg-Zürich hat z. B. Blutegel beobachtet, die sich in der Näh« eines Tesla-Transformators befanden. Er berichtet,„daß diese Tiere in auffällig lebhafte Bewegung geraten, sobald und solange 'r den Raum niit elektromagnetischen Schwingungen jener hohen Frequenz, die dieser Apparat lieferte, füllte". Man muß die Träg- bzit des Blutegels kennen, um diesen Vorgang recht würdigen zu können. Allerdings ist auch bekannt, daß sich diese Tiere aizch vor Gewittern recht lebendig zeigen. Sie unterliegen dann'ebenfalls der elektrischen Ladung der Atmosphäre, die irgendwie auf ihr Nerven- knstem eine beunruhigende Wirkung hervorruft. Diese Beobachtung läßt den Schluß zu, daß die elektromagnetischen Wellen vor allem auf das Nervensystem wirken. Der erwähnte Forscher hat weitere sehr interessante Versuch« über das elektrische Verhalten eines Ahornbaumes gemacht. Zur Untersuchung hatte er an einem der oberen Aeste und am Stamme Mctallnägel eingeschlagen, die dazu dienten, Drähte nach einem elektrischen Meßgeräte zu führen. Der Baum erwies sich als«in vorzüglicher Anzeiger aller atmosphärischen Veränderungen. Besonders starke Ströme traten auf bei Nebel und Schnee. Bei Gewittern aber zeigten die Meßgeräte die Entladungen Arbeitersugend-Fürsorge des Mgerblocks. ttnter dem Achtstundentag. „Jede Stunde Freiheit bedeutet einen kulturellen Gewinn!" Aach dem Serlust des Achtstundentages. „Was heißt hier Kultur! Scher' dich in die Fabrik!" durch besonders starke Ausschläge an. Man ging diesen Erscheinungen nach und stellte fest, daß sie nicht etwa durch Erdströme, sondern durch die elektrischen Borgänge der Atmosphäre hervorgerufen wurden. Wir beobachten aber auch sehr häufig, daß Menschen vor Ge- wittern besonders niedergedrückt erscheinen, und daß sie während des Gewitters geradezu krankhaft erregt sind. Auch diese Erscheinungen hat ein anderer Schweizer, der Forscher ch u b e r aus A l t d o r f ein- gehend untersucht. Es ist bekannt, daß jeder Mensch unter normalen Verhältnissen einen bestimmten, ihm eigenen elektrischen Widerstand Hot, der zwischen 10 000 Ohm und etwa 650 Ohm schwankt. Menschen mit hohem Widerstande pflegen im allgemeinen gegen äußere Ein- slüsse höchst unempfindlich zu bleiben. Menschen mit geringerem elektrischen Widerstande sind meist nervös, oft aber auch über- empfindlich, chier gäbe es vielleicht einen objektiven Maßstab bei psychoanalytischen Prüfungen. Dr. Huber untersuchte nun die Knaben des Altdorser Gymnasiums auf ihr Verhalten bei irgend- welchen elektromagnetischen Veränderungen in der Atmosphäre und stellte als guten Durchschnitt fest, daß sich die Leitfähigkeit des menschlichen Körpers mit der der Atmosphäre erhöht, daß sich also der Widerstand dementsprechend oermindert. Bei besonders starken elektrischen Veränderungen der Atmosphäre sinkt der Widerstand zu- weilen um das Dreisache des Normalen. Wetterempfindliche Menschen lieferten dagegen eine völlig andere Stromkurve. Bei ihnen zeigte sich oft schon lange vor den zu erwartenden Aenderungen der atmosphärischen Verhältnisse ein völlig anderer Stromkurven- oerlauf wie bei den Gesunden. Ein ganz besonders empfindlicher junger Mann zeigte mit absoluter Regelmäßigkeit schon tagelang vor dem Ereignis das Nahen des Föhn an. Sein« Stromkurve ließ sich ohne weiteres zur Wettervorhersage benutzen. Er war zuverlässiger als die besten Instrumente. Diese Wirkungen der in der Natur vorhandenen elektro- magnetischen Wellen erklären sich vielleicht durch die relativ hohen Kräfte, die hier in weitem Umfange wirken und in hochgespannten Entladungen, bei allerdings geringer Stromstärke, ihren Ausdruck finden. Man strebt bereits danach, größere elektrische Kräste, mit denen man Maschinen treiben oder elektrische Lampen zum Brennen bringen kann, drahtlos zu übertragen. Vielleicht gelingt es, dieses Problem zu lösen. Vielleicht aber wird seiner praktischen Anwendung durch schädliche Einflüsse auf den menschlichen Organismus ein Ziel gesetzt. Wir stehen ja erst am Anfange der drahtlosen Technik. Niemand kann sagen, welche Wirkungen sie noch zeitigen wird, und ob die erstrebten Verbesserungen wirklich eine sinnvolle Förderung unseres Daseins bewirken._ Schwarzrotgolö. Annust Julius Lanzb-hn, dcr Ncmbrandt.Deutsche, schreibt Uber die Nctchsfarbcn Cchwarzrotgold in seinem schein im Jahre 1888 erschienenen Luche„Rembrandt»Is Erzieher" folgende heute in Erfüllung gegangenen Anregungen nieder: Die Farbe des Eisens, welche alle Völker befriedet und das deutsche Volk befreite, ist— schwarz: schwarz ist auch die Farbe der Erde, welche der Bauer pflügt und welcher der vaterländische Künstler seine Eigenart verdankt. Fügt man dies dunkelste aller Elemente zu jenen beiden anderen, zu Blut und Gold: so hat man die Farben des einstigen idealen Deutschlands— Schwarzrotgold. Wenn es irgendeine Farbenzusammenstellung gibt, die vornehmer ist als schwarz und gold, so ist es rot und gold, und wenn es irgendeine Farbenzusammenstellung gibt, die vornehmer ist als beide, so ist's Schwarzrotgold Rubens hat die letztere zuweilen mit be- wunderunqswürdigem Effekt angebracht: fö w dem Bilde des bcthlehemitischen Kindermords zu München und in seinem bekannten „Liebesgarten". Die Farbcngebung Rembrandtscher Bilder bewegt sich sogar vorzugsweise in diesem Dreiklang: wiewohl in gedämpfterer und vornehmerer Weis«, als es bei dem großen flämischen Virtuosen der Fall ist. Zu den schwarzen und goldenen Tönen, welche im wesentlichen die Rembrandtsche Palette beherrschen, geselll sich häufig als dritter entscheidender Faktor das dunkle Wutrot. Rembrandt malte schwarzrotgold. Und es ist vom malerisch-technischen Gesichts- punkte aus bezeichnend, daß zwischen dem dunklen und dem hellen Element, zwischen der tiefschwarzen Finsternis und dem goldigen Lichtreflex, aus welchem sich fast jedes seiner Gemälde zusammensetzt, jenem blutroten Farbenton oft die Vermittlerrolle zufällt. Blut bindet. Dieser Maler ist ein Dichter: seine Bilder sind Volkslieder: sie sind im Bolkston gehalten, und sogar in den Farben des Volkes. Man kehrt stets zu seiner alten Liebe zurück. Deutschlands äußere politische Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen: es könnte recht wohl sein und muß sogar in gewisser Hinsicht sein, daß irgend- wie ein abermaliger Wechsel der Nationalfarben folgt. Sie haben sich von Schwarzweiß zu Schwarzweißrot verwandelt: möglicher- weise verwandeln sie sich noch wieder zu Schwarzrotgold. Was wächst, verändert sich. Wenn man die geistige und die Rassengemein- schaft in Betracht zieht, welche das jetzige Deutschland mit Oesterreich verbindet und dieser irgendeinen nationalen Farbenausdruck geben wollte, so dürfte sich eine Herübernahme des österreichischen Gelb in die deutsche Flagge am ersten empfehlen. Auch auf diesem Weg« würde man wieder zu Schwarzrotgold gelangen. Noch jetzt flaggt man in Oesterreich gelegentlich Schwarzrotgold. Die deutschen Ideal- färben sind noch nicht ganz erloschen. Ja, es gibt sogar einen Ort, wo sie noch jetzt vollkommen lebendig sind. Ein moderner Staat, der seinem Inhalt nach wesentlich niederdeutsch ist: das Land der Flamen weist dieselben Farben auf. Blau, Weiß und Rot ist holländisch: Schwarz, Rot und Gelb ist belgisch: es ist bekannt, welche Rolle diese beiden Farbengruppen beim ersten politischen Erwachen des neuen Deutschland 1848 gespielt haben. Es könnte sein und ist zu wünschen, daß wie der Ausgangs- so auch der Endpunkt der Eni- wicklung des neuen Deutschland in diesen Farben gipfele. Die Politik schafft zuweilen neu« Farbenzusammenstellungen: es könnte aber sein, daß sie auch einmal durch alte Farbenzusammen- stellungen bestimmt würde. Wollte man diese den Bildern Rembrandt? entnehmen, so würde es eine echt deutsche Politik sein. Wenn die deutsche Erde im vaterländischen Kampfe von deutschem Blute feucht wird, und wenn ein deutscher Sonnenstrahl das Haupt des sterbenden Kriegers verklärt: dann glänzt es— fchwarzrotgoldl Der Toö öer Mutter. Von S. Lewin. In den leergebliebenen Stuben von Reb Awruhm, dem Holz- Händler, hat die Totentrauer schwer gelastet. Iossef ließ sich müde und gebrochen auf einen Stuhl in der Stube sinken, in der sein Vater vor acht Tagen gestorben war, als er von seiner Schwester nach Hause kam) Bald'kam die Mutter, die wie ein Schatten aus einem Winkel herauswuchs. „Wo ist Miriam?" Iossef konnte nicht antworten. Wie eine zusammengerollte Schlange saß er auf dem Stuht, den Kopf schwer gesenkt, das Gesicht war aschig. Die Augen sahen leer zu Boden. Aber der Schatten mit den beiden schwarzen erloschenen Höhlen im Schädel, die Mutter, wartet« mit stummem Starrsinn auf seine Antwort. Die Stube war vernachlässigt, kalt und klamm. Es war, als stehe die traurige Seele des toten Reb Awruhm, des Holzhändlers, mitten in der Stube. Wieder fragt« die Mutter:„Wo ist Miriam?" Und wieder wartete sie aus Iossefs Antwort, wartete unablässig. Iossef würgte heraus:„Sie wird nicht mehr heimkommen! Sie liebt den Sohn des Müllers. Taufen wird sie sich nicht!" Der Schatten drehte sich wirbelnd«in paar mal um sich selbst, griff dann nach etwas Weichem, Großem, Schwarzem und ver- schwand. Vor der Stadt bei der alten Mühle war in der finsteren Nacht alles so geheimnisvoll. Der Fluß kräuselte sich, und wenn man in ihn hineinsah, schaute man in den schwarzen Himmel. Still strömte das Wasser, oder es stand, es erstarrte vor dem frostigen Atem des Winters. Aber dort, wo die großen Räder waren, stürzte das Wasser brausend, und es war, als ob ganze Heere von Teufeln dort ihre Kriege führten. Grauen kroch heran. „Miriam!..." Die tiefe Finsternis überall antwortete:„...iam!" Sie rief nochmals und nochmals, und immer dieselbe Antwort. Schrecken quoll aus der Mühle. „Mein Kind!" ..... ind!" Iossef lief die ganze Nacht, die Mutter zu suchen. Er suchte sie bei der Mühle, rannt« wie ein Wahnsinniger den Fluß aus und ab, blickte ins Wasser, griff ein paar mal mit der Hand hinein und fand sie nicht. Cr lief wieder nach Hause. Es graute der Morgen. Er dachte, daß sie vielleicht schon wieder zu Hause wäre, aber sie war nicht da. Er suchte im Bett, wie man eine Nadel sucht, unter dem Bett, in allen Stuben, in jedem Winkel. Das Herz schlug ihm immer unruhiger, die Hände und Füße flogen ihm. Er fühlte, daß etwa- mit der Mutter geschehen sei. Er suchte sie wieder im Bett, in allen Stuben, in jedem Winkel. Kolter Schweiß bedeckte ihn. Er setzte sich an den Tisch, sprang wieder auf und lief hinaus. Er blickte nach allen Seiten, lief von einer Straße in die andere. Das Städtchen war schon erwacht. Er fror. Die Arbeiter liefen in die Fabriken: Frauen, warm eingehüllt in grobe Wolltücher, trugen Körbe Brot und Kannen Milch. Jeder Frau, an der er vorbeiging, sah er scharf ins Gesicht. Sah er einige Frauen in einer Gruppe, die zusammen sprachen, so stürzte er hin und schrie ver- zweifelt:„Meine Mutter?" Die Frauen verstummten, antworteten nicht. Er stieß einen noch verzweifelteren und wilderen Schrei aus:„Ertrunken?" Eine alte Frau, die einsah, daß nicht antworten noch grau- samer war, sagte:„Ein Bauer kam in die Stadt und erzählte, daß eine tote Frau in einem braunen Tuch bei der Mühle liege. Man brachte sie schon, sie liegt in der Vorhalle vom Bethaus." Uebersetzung von E. F.-K. versuche zur Dunkelsärbung von Schmetterlingen. Ueber inter- esiante Bersuche an einigen Schmetterlingsarten, die in England vor- genommen worden sind, wird in den„Naturwissenschaften" berichtet. Es war aufgefallen, daß ganz plötzlich in bestimmten Gegenden dunkel gefärbte Formen auftraten, die früher nie be- obachtet worden waren, und daß sie dann so schnell zunahmen, daß sie die normalen heller gefärbten zum Teil vollständig verdrängten. Dieses Austreten dunkler Formen wurde aber stets nur in der Nähe von Industriegebieten gefunden und zwar im Ruhrgebiet, in Ober- schlesien, in der Umgebung der amerikanischen Stadt Pitts- b u r g h, so gut wie in England. Die englischen Forscher Harri- son und Garrett kamen aus die Vermutung, daß die in der Nähe von Fabriken rauchgeschwärzten Blätter der Pflanzen, die den Schmetterlingsraupen als Nahrung dienten, die Ursache dieser Ver- änderung der Färbung seien. Sie stellten Versuche mit Raupen dreier verschiedenen Arten an, die mit künstlich infiltrierten Blättern oder mit solchen aus der Umgebung einer rauchigen Fabrikstadt gc- füttert wurden, und fanden ihre Vermutung bestätigt. Bei zahl- reichen Kontrollversuchen, in denen die Raupen mit normalen Blättern gefüttert wurden, trat niemals die Dunkelfärbung auf. Bei den mit infiltrierten oder rauchigen Blättern gefütterten Raupen traten dagegen bei allen drei Arten zwar nicht in der ersten Gene- ration, wohl aber in den folgenden zahlreiche dunkelgefärbte Exem- plare auf. Für die Frage der Entstehung von plötzlichen Verände- rungen, sogenannten Mutationen, bei bestimmten Arten, die sogar Anlaß zur Bildung ganz neuer Arten sein können, dürften diese Ver- suche von besonderem Werte sein. Sozialiftische �rbeiterjugenö Groß-Serlin. Achtung, Wandcr. und Spielleiter! Bringt morgen, Sonntag, Bälle mit. Treffpunkt T6 Uhr Bahnhof Wannsee. Achtung, Lüneburg- Fahrer» 1. Fahrt: Treffpunkt heute, Eonnabend, l7!4 Uhr, Potsdamer Fernbahnhof. 2. Fahrt: Treffpunkt Sonnabend, 20. Augufr, 23 Uhr, Echlesifchcr Bahnhof. Heule. Sonnabend, l3. August: Rculölln I: Fahrt: Tiefensec. Treffpunkt I9H Uhr Wrie�cncr Bahnhof. Tecks und Zeltbahn mitbringen.— Reutöll» II: Fahrt: Bubrow. Treffpunkt 2t Uhr Bahnhof Neukölln,— Reuiöllu V» Heim Kanner Straß«. Antiiriegs- f-icr mit besonderem Programm. Ansang 20 Uhr. Werbt unter Eltern und Berufskollegen für diesen Abend. Parteigenossen, kommt zu unserem Abend! — Wilmersdorf: Fahrt. Treffpunkt lg Uhr„Sozialistenccke".— Steglij I: Fahrt. Treffpunkt 20 Uhr Bahnhof Südende. Werbebezirk Pankow: Heim Görfchstr. U. Erweiterte Berbebezirkavor» standssstzung. Jede Gruppe entsendet einen Borstand. Feto Gruppe muß der wichtigen Tagesordnung wegen vertreten fein. ZNorgen. Sonntag. 14. August: Lichtbilder:»Fahrten." W Lichten» Fahrt:" Hangelsberg— Marsec. Treffpunkt Sth Uhr Bahnhof Stra. lamRummeisburg. Fahrtkosten 10 P Bunter Abend. Werbebezirk Renkölln: Die Werbebezirksfunktionärsstzung findet nunmehr bestimmt am Freitag, IS. August, im Heim Etcinmetzstraße statt. Sharlottcnbrrg.Rord: Heim Olbcstraßc. berg-Weft: Fahrt: Hangelsberg—Ma�fee. Vorttäge, vereine unö Versammlungen. # Reichsbanner»Schwär,.Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E U. E-bastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Niederbaraim-Vft(lircis): Achtung, Leipzig-Fahrer! So., d. 13,. Treffpunkt zur gemeinsamen Fahrt pünktlich 1b Uhr Bhf. Alex., Dircksenstraß«. Sriefkaften öer ReÜaktion. Bayer». Berlin NW 7, Neue WUHelmstr. 12/14. SV ¥orwärts"-Ausgabestellen u. Inseraten-Annahme Haupterpedition: Berlin. Lindenstraße 3, Laden. hoff 232—297. �Zeutrum: Ackerstr. 174, am Koppenplah. Nord. 121 35. „ Nenmann, Grunstr. 21(Ausgabe: Kleine Kurstr. 4»). „ Walter, Wwe., Kroncnstr. 2. Westen: Steglitzer Str. 37, Ecke Magdeburger Straße. »Tüdea: Bärwaldstr. 47, a. d. Gncisenaustraße. Hasen- Heide i>31 3. „ Prinzcnstr. 31. Hof rechts parterre. �Ostca: Markusstr. 36. Alex. 3735. * Petersburger Platz 4. Alex. 9734. "Südosten: Lausitzer Platz 14/15. Mpl. 334. 'Nordosten: Jmmanuclkirchstr. 24. Aleff. 9735. „ Carmen-Svlva-Str. 57, G t l l m a n n. 'Moabit: WilhelniShaoener Str. 43. Hansa 4992. Huttenstr. 67. bei.B> t t e r I l n g. 'Wedding: Müllcrstr. 34, Ecke Utrechter Str. Hansa 4694. 'Rosenthaler und Oranienburger Barstadt: Wattstr. 9. Humboldt 7875, 'Gesundbrunnen: Baslianstr, 7. Humboldt 7874. 'Schönhauser Borstadt: Ereifenhagener Str. 22. Hum- boldt 7305, Adlershos: Frau Walter, Genosscnschaftsstr. 6, Part. Altglienicke: Frau N o ck a, Wcndcnstr. 34. 'Baiimscholenweg: Strahl, Kiesholzstr. 179. Oder- fchöncweide 1673 Bernau, Röntaental, Zepernick, SchSubrück, Karow und Buch: Heinrich Brase, Bernau, Mühlenstr. 5. Bergfelde: T i l ch, Hohenneuendorscr Straße. Biesdors-Nord: W, Tanneberg, Viltoriastr. II. Biesdors-Eüd: Georg Wtnkler, Fortuna-Allee 46. Birkinwerder: Frau Z o o r, Bcrkselder Str. 6. Bohnsdors: Karl K u s k e, Elchbnschstr. 9. Borgsdors: Oswald Börner, Siedl. Borgsdors 36. Borsigwald-: Gebauer, Schubertstr. 32, v. 3 Tr. 'Buchholz-Blankeuburg: Wagner. Burgmallstraßc 63. Pankow 333. Cablow. Neu« Mühle: Jäkel, Cablow, Mühlenweg 53. Caputh: Fritz Tau, Krnghofstr, 23. Cliarlottenburg l: Sescnhcimer Str. 1. Stcinpl. 4156. 'Charlottenburg II: Eisfeld, Tauroggcner Str. 11. Wilhelm 7798. 'Eharlotrenbarg IN: F o a ch l m i, Kaiferdamm 35, Ein- gang Rcgnitzslraßc. Westend 3154. Tön- Eharlattenburg IV: P u f« n i a k, Augsburger Str. 47, Portler. Charlottenburg V: Schulz, Drohsenstr. 12, I. Garten- Haus 3 Tr. Charlottenburg VI: Treptow. Kantstr. 128, Laden, geöffnet 2—6 Uhr.* Dabendors: Walter Hohls, Dabendorf, Provinzial- Chaussee. Töberitz: D i t t f e l d, Buchhandlung am Bahnhof. Eichwalde: H ei u s D ü I l. Waldstr. 24/27, Siedl. DBB. Erkner: Polle, Flalenstr. 3. Fichtenau: K r o e ß k e. Bismarckstr, 1. Falkeuberg: S a l z m a n n, Falkenberg, Gartenstadt- straße 16. FrederSdors-Betershagen: Otto Wilinikt, Freders- dorf, Arndtstraße, Friedenau: Peter mann, Rheinstr. 28 Ecke Rönne- bergstraß«. Rheingou 3654 und 3627 und Wilmers- dorf, Lauenburger Str. 23, Laden. FrirdrichShageu: M i t l e n z w e i, Lindenallee 14. Frohnau: Adolf Zurlie«, Hermsdorf, Schloßstr. 8. Glienicke a. d. Rordbahn: Willi Engler, Hohen- zollernallee 268. Grätzwalde: M ü h l b a ch, Fichtenau, Mittclstr. 14. Grünau: P f ü tz n e r, Köpcnicker Str. 165. Halcnfee, Grunewald, Cichkamp: Frau N o a ck, Kwsk Henriettenplatz. Privatwohnniig: Katharinenstr. 4. Heinersdarf: Schulz, Hildestr. 28. Hennigsdorf: Frau Kordasinski, Rathcnaustr. 3. HermSdorf: Gustav Schley, Moltlestr. 11. Hohenueucndorf: Frau Neuendorf, Berliner Str. 28. Hoheufchönhausen: Margarete Steffen, Freien- walder Str. 6, Hos 2 Tr. Hoppegartcn: R a n f ch, Hoppegarten-Birkenstein, Par- zclle Nr, 113, Johannisthal: Lehmann, Kaifer-Wilhelm-Str. 6. Karlshorst: B e r n d t, Kiosk, Bahnhosspiatz. Kauisdorf: Bogt, Brcderclkftr. 13, Königswusterhauseu: E, Meyer, Potsdamer Str. 3. Köpenick, Hirschgartc«, Mahlsdors-Siid: Schlag, Kö- penick, Kictzcr Str. 6(Ladens. 'Lichtenberg 1: Lichtenberg, Dartenbergstr. 1. Lichtenberg 1536. 'Lichtenberg ll, Rum««lSbur� Stralau: Vorhagener Straße''62. Tel.: Andreas 733. Lichtenberg III. griebrichfelde: Frankfurter All« 185. Laden. Lichterselde-Ost, Lankwitz: H. Wenzel» Lankwitz, Zieteustr. 15. Tel.: Lichterfilde G.III Nr. 2763. 'Lichtcorade: Brink. Bahnhofstr. 24-». Lichtenrade 191. Lichteurad« Ost.Dest: Frau Jonas» Angermunder Straße 19. Llchterfelde-West: Söhn» Zehlendorf. Teltower Str. 3. Telephon: Zehlendorf 1853. M-hlSdarf: Wilhelm Kur,. Hönower Str. 177. Marienborf: August Leip, Chanffeestr. 29. Marieufeld«: Greulich, Berliner Str. 143. Marzahn: Siedlung der Kinderreichen. G i v» p« r- lein, Landsberger Chaussee?3c, Block I, Wohnung 4. Neuenhagen: W e n z k e, Zicgclstr. 71. 'Neulölln I: Neckarstr. 2. Neukölln 5767. 'Neurölln II: Siegsriedstr. 28/29. NeuköNn 576«. Neukölln III: Winkler. Hobrechtstr. 46, v i Tr. Neukölln-Britz: Mittag. Britz, Chansseestr. 82. Ren- kölln 2556. Nen-Schulzendarf: Wilhelm Kuh!» vrnnostr. 77. Niederschöneweide: FriedrichStaakewetz» Spree- straße 4, v. 3 Tr. NIederschönhausen-Oft: Frau G o l b b a ch, Schloß- alle« 45, v. 3 Tr. Nowaw«: Karl Krohnbera. Eifendabnstr. 16. Oranienburg: Heinr. Leonhardt. Stralsund«» Straße 6. 'Oberschöneweide: Paul» Oberschöneweide 4321. Pankow: R i ß m a n n, Mühlenstr. 76. Potsdam: Gebr. Schubert, Breite Str. 4. Rahnsdorf: Urbaniak, Rahnsdorf Mühle» zollernstr. 186. Rswickendors-Oft: Wahle. Provinzstraße M. öffnet 2—6, Reiulckendarf-West: veudt. Scharnweberstr. 114» vollk- hau«. Rosenthal: Max Dehmtk, Schillerst». 13. Rudow: Ott» Kaiser. Waltersdorfer Chaussee. Rüdersdorf,«allberge, Tasdorf: Adolf G o e r k«, Kalk- berge, Rhedenstr. 15. Wilhelmtnenhosstraße 44». Hohen- Ge- Sabowa, KaulSdors-Süd: Henschk«, Kaulsdorf-Süd, Waldstraße 66. »Schmargendorf I: Nehab, Breite Str. 3. Pfalz- bürg 3541. Schmargendorf II: Frau Schröder, Cunostr. 66. »Schäueberg: Belziger Str. 27. Stephan 7469. Senzig! Friedewald. Chausseestr. 54. SiemenSstadt: Stenzel, Brunnenstr. 6, v. 1 Tr. Steglitz: Frost, Schadcnrute 2. Südende: Ludwig, Halskestr. 36. Tegel. Tegelort: Spieß. Tegel. Schlieperstr. 52. Teltow: Hasel, Ritterstr. 23. T-mp-lhas: Harsdorf, Werderstr. 81 d. Part. Reutempelhos: Rindfleisch. Fidicinstr. 35, v. ptr. Trebbin: G o r i n g, Bahnhofstr. 62. 'Treptow: Meckelburg. Grätzstr. 56. Mpl. 8648. Waidmaunilust: Roh de, Oraniendamm 16. Wannsee: Wolter, Glienicker Str. 29. Weißense«: Reinknecht» Rölckestr. 175, v. 1 Tr. Weißense« 973. «ilbau, Hoherlehme: Rud. Lettow» Hoherlehme. Chausseestr. 66. «NmerSdorf I! Schubert, Wilhelmsaue 27, Hof l. Wilmersdorf N: Friedrich Bauer. Paulsdoruer Straße Ä. l. Stfl. IV. «ilhelmshaze». Hessenwinkel: Schulze, Wilhelms- Hägen, Wilhelmstr. 31. Wittenau: Z i b e l I, Hauptstr. 65. Woltersdarf: Fritz Erdmann, Schleusenstr. 24. «Zehlendorf, Schlachteusee, RikolaSs«: Höhn. Zchlen- dorf. Teltower Str. 3. Zehlendorf 1853. ZeruSdors. Riederlehme: Otto Liesegang, Zerns- dorf, Aue 18. Zeuthen, MierSdorf: Alb, Behling, Bahnstr. 2. Zossen: Witt. Baruther Str. 12. Sämtlich« Literatur sowie werden alle wisienschaftNchen Werke geliefert. Sonntag» sind die Geschäftsstelle» geschlossen. Die mit eine«' versehenen Ausgabestellen sind MchmittaoS von 2—6 Uhr unter der angegebenen Rum- mer telepyonisch zu erreichen. UssMiellte nri KesDite sollen sich nach den Beschlüssen des Gewcrkschafis- kopgresses, de* Afobundes, des AUgetn. deutschen Beamienbunde« und der Genossen»«hattstage nur versichern bei dem eigenen Unternehmen der Volksfürsorge Gewerftsditiifjtgi- ��ossessdiaillidis Ver§I(S8enmg§'Jl!ili£E!Sesel9§(üdl! Auskunft erteilt bzw. Material versendet kostenlos die Redinungssfelle I Berlin 5 42. Rilterstr. 126, oder der Vorstand der VolksfQrsorge in Hamburg 5, An der Alster 58�59. e oocrrxjnc cxxy«acnäCry««vviv-ca GüülJdissIlioätor Norden 10334—37 6U Ende 10'/, U Zum 7 8. Male Ser Jtexer l3le Komödie Bismarck 2414/7516 S'/d Uhr, Hnde 10 ZcrabO.Nale Der Snob Sommerpr. 3—10 M. Trianoc-Tltesisr tägl. 8'/, Uhr: GansSArnstHdl in Deinimop.de (halhwelt) SärUn-Slrora. Bin;, isdgt Tirll, Sdiät; Vorzeiger dieses zahlen für Parkett tägl. auch Sonntags nur«0 Pt RelliaHB• Tiseai, Täglich 8", Uhr: Huf noüi bis Monlas! Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk lägl. auch Sonntags nur so Pi. Hose-Theater 8'/, Uhr: Förstenwende Gartenbohne SV, Uhr: Konzerl und Bunter Teil 8 Uhr liebe ist Tnmtpi Lustspielhaus 8'/, Uhr. Catt Electrlk itezt. s. Bollendorijlsti Täglich 8'/« Uhr Alt-Heidelberg dunpid nn Unur-FoOTUr lattoiii. Kopte, StfcHl.Borttl! Preiset 1.-. 2,-. 3,- M. usw. Bornoeiin-EZIiiiP' Icnatriinttioi Erniw Binz Th. Kdnleorätz St. Hasenheide 21)0 8 Uhr Zum 119. Male: Die Sdiüle i.Oniadi KoraSdienhaus Norden 5304 8'/, Uhr Nur nid 4 ÜjtfStinijtn! Lili Grün vntnzn. Hiiy, Lite Tbeate: des Westeas 8'. Uhr Die Tugcnd- prinzessin Musik von Zorlig Elll Hpffnumi.(rttnr Hell. Mainesi Lpdw 4. Hirtin Kittner. Edith Kuin, Briler, H. linsdilh b. im liliirallpalasi Täglich 0,9 Uhr" mm- Anundaus" 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhr u.'/, 9 Uhr Nidn. die pann Vor- stiünnq in UkPriii Plasetariom am Zoo Vtriln?. Jtidiinullultr Stnli Noll. 1573 Oer ttarnenhininel auf der Reite von Berlin necli dem Aequator Vorführungen: «>/„ 6, 7V,, 9 Uhr. Eintritt I M. Ander cnl. Ii JahiraOJSI Silinburvinnon 615. KDnstler-Th. 8'/, Uhr „Do wirst Mick» heiraten" „.!■ i Ziehung 23.- 27. Aug. Warf Iburg"1 Geld-Lotterle 8683 Gewinne u. 1 Prämie Mark 1 MBWO 1100000 75000 250001 10000 ug zahlbar. «tg&bUhr u. 5tB 35 PI 15M.| Heept- ewinn Prämie Heupl- wir fem»» Alle Gewinne ber ohne Abzug»hlbir. Lose zu 3 M. EÄVI: 5 Lose'0rt"9in"hl ' Porto o. Liste 1 überall erbältlich. öentsclie LoUßriß-Einisjioas-ßßS. Berlin W 9, Lanndalr. 4. Postscheckkonio Berlin 13870. iKontische Operj 87, Uhr 87, Uhr Berlins neueste Revue: ISircmS verftoicnftfg Oll Bim der vcrtcltnu Uidentdufttn I Ucber 200 MUwirk. ✓ S Ballette. g | Vorverkauf ,, d.Theeterkputiii UlUB'gnnnteb:> CASINO-THEATER«uhr Ihr aanuier Fiecs Ausschneiden I Gutschein 1— I Pers. Fauteuil nur 1,10 M_ Sessel nur 1350 M. 8ü Nollendork 7360 Das sroBe Eröffnungs- Programm! 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Verwaltungsgebäude und Mitglied des Oesamtbeuiebsrates der Siemens-Werke, Kollege Max Dietrich Wir betrauern in dem viel zu früh Dahingeschiedenen einen aufrichtigen Freund und unermüdlichen Mitarberter, der das Wohl und die Interessen aller Kol egen stets mit ganzer Kraft vertreten hat Ueber das Grab hinaus werden wir das Andenken seiner vorbildlichen Tätigkeit in Ehren halten. Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 16. August 1927, IS1/, Uhr, im Krematorium zu Wilmersdorf statt Gcsamtbetrlebtrat der Oroü-Berllner Werke des Siemens-Konzerns. Betriebsrat der Siemens-Schuckertwerke All. Verwaltungsgebäude. Betleib boAdeaanlti GelellfdiaFts- Anzüae. Ccihbaus Lotnicki, Prinzen. ftraftt 185.__ venig getragene, teils auf Sctbv gearbeitete, erstklassige Iacketlanzllge. Frack- anzüge. Emokinganzüae, GeHrockanzllge, Gabärbine-Paletofs. 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