�benSausgabe Nr. 381* 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 188 ««MMbkdinsmiqea wA«mtiflmwetfc iind i» btt Morg-nausgab« cngeatbt« Bebaffloa: Sffi. S».£ia&«nffcaf|c i S»rosprech-r: VSnhoff 2S2— 2g7 »ozhilOmotril« Berlin 9} Derliner Vollisblerkk (lO Pfanitlg) SonnaberZ 1Z.flugust 1927 Lerlag und Anzligenabteilunzi Geschäftszeit 8 Vi bis 5 Uhr Verleger: OoriDdrts-BccIag GmbH. Berlin STB. 68, Cinöcnfltafje 3 Aemsprecher: VSnhoss 292— 29» Zcntralorgan der Sozialdcmokratircben parte» Deutfchlands heute kein Start öer GZeanstieger. Vielleicht Sonntag früh. Dessau. lZ. Zlugost. Die Ozeanfiieger werden heute nicht starten: das ist das Er- gebni» der Besprechungen, die heute vormittag bei Zvnkers stattfanden und an Hand der heutigen Arühnachrichten über die Wetterlage auf dem Ozean die Frage des Starttermin» klären sollten. Gewiß hat flch der Swrm aus dem Atlantik vermindert, hatte er gestern noch eine Stundengeschwindigkeit von 50— V0 Kilometer, so werden heule nur 30— 40 Kilometer gemeldet— also so viel, wie die Veranstalter als ungünstigstes Flugwetter durchaus in ihre Berechnungen eingestellt hatten. Dazu kommt aber noch, daß die Wolken sehr lies Höngen und über starken Bebel berichtet wird. Das lief, das von den Bermudas komm», hat sich noch Borden verschoben und somit quer über die Fluglinie gelegt. Man wird also zunächst abwarten müssen, wie schnell es sich weiter nach Borden verlagert, damit die Flugstrecke wieder frei wird. Deshalb VI» Flugroute Oer 3unkerspl loten hat man es vorgezogen, den Abslug zu verschieben. Dieser Entschluß ist sicher nicht mit großer Begeisterung gesaßt worden, denn schließlich ist gerade das Aus und Ab von Hoffnung und Verzögerung den Veranstaltern de» Fluges nicht genehm. Daß sie selbst sobald at» möglich beginnen wollen, geht schon daraus hervor, daß als srühstmöglicher Storltermin seht der Sonntag- morgen angegeben wird, man also bereit ist, die bisherige Absicht äufzugebeu, unter allen Umständen abend» zu starten. Ernstlich wird doch nicht daran geglaubt, daß der Start Sonntag früh erfolgt. beizustehen. denn die ganze Wetterlage gestattet jetzt noch keineswegs Schlüsse auf ein« so schnelle Wandlung. Mi» dieser neuen Verzögerung hat die starke Spannung ihr Ende gefunden, die heute früh in Dessau herrschte. Zn dem Goldenen Beutel, dem Hauptquartier der Zour- nalisten, ging es schon in den frühen Morgenstunden lebhast zu. Zeder wartete aus die für 11 Uhr angekündigten Wetternochrichten. von denen die Frage abhing, ob die Ozeanslieger nun endlich heule abend starten sollten. Auch auf dem Flugplatz herrschte schon früh reges Leben. Die Maschinen stehen noch vor den hallen. Monteure und Anstreicher legen die letzte Hand an. Beben den Flugzeugen ist der Betriebsstoss ausgestapelt, um in die Flugzeug- «anks gefüllt zu werden. Die Maschinen werden zur Startbahn gerollt, um dort, fix und fertig, günstigere Wettermeldungen abzuwarten und dann sofort starten zu können. Zunächst aber hat es damit noch seine gute weile. Wenn dieses Warten aber auch nicht gerade ein Vergnügen ist. so kann man andererseits doch nicht sagen. daß die Leitung der Zunkers-werke dadurch übermäßig nervös würde. Man weiß, daß auch kein anderer Bewerber absliegen kann, solange die„Europa" und die„Bremen" durch die Ungunst der Witterung noch zurückgehalten werden. Könneckes Transozeanflug. Köenneckes Start ab Berliner Flughafen mutzte v e r- schoben werden und erfolgt endgültig heute, Sonnabend. nachmittag 3 Uhr. Abends etwa 7 Uhr Uhr Zwischenlandung in Köln: dort Start zum Transozeanflug aller Voraussicht nach Montag. Es fehlen noch Versicherungsprämien und ander« Gelder. Die kameradschaftliche Vereinigung elzemaliger Fliegerbataillone hat Reichsbankdirektor a. D. Paget in Berlin gewonnen, der alle Be- träge, die auf sein Konto auf der Reichsbank Berlin-Schöneberg für Könneckc eingehen, weiterleitet. In Dessau liegen Nachrichten vor, wonach in Amerika Meldun- gen evrbreitet worden sind, denen zufolge die Iunkers-Werke den Abflug Köenneckes absichtlich verzögert hätten, indem sie den bestellten Motor nicht rechtzeitig lieferten. Eine solche Absicht wird von der Leitung der Iunkers-Werke mit aller Ent- schiedenheit bestritten. Es wird hinzugefügt, dotz Koennicke «inen Junkers-Spezialmotor der Art bestellt habe, wie ihn die „Europa" und die„Bremen" führen. Herrn Koennicke ist daraus als Liefertermin Mitte August angegeben worden, da die besonders sorgfältige Ausproblerung durch Durchleuchtung des Motors eine kürzere Lieferfrist beim besten Willen unmöglich mache. Daraufhin hat Herr Koennicke sich entschlossen, den Serienmotor zu nehmen und aus die Durchleuchtung zu verzichten, da auch dieser Motor noch seiner Ansicht ausgezeichnet funktioniert. S t. Zahns(Beusundland), 13. August. Da» französische kriegsschiss„Ville d'Zs" ist heute nach dem D lä m i s ch Kap, einem Teil der Grand Bank, abgefahren, wo es oerbleiben wird, bis die bevorstehende Reihe der atlantischen Flüge beendet ist, um ollen Fliegern, die sich in Schwierigkeiten befinden, Reichsbannertag in Leipzig. Letzte Vorbereitungen— erste Gäste. W. Tr. Leipzig. 13. August.(Eigenbericht.) Den Abschluh der deutschen Bersassungsseicrn wird die B e r- fassungsseier des Reichsbanners bilden, die am Sonn- abend und am Sonntag in Leipzig stattfindet. Zu dieser Beran- staltung sind bisher 50 000 bis 00 000 Rsichsbannerleut« angemeldet, wozu noch die Mitglieder der Arbeiter-, Angestellten- und Beamten- verbände hinzukommen. Man rechnet mit einer Teilnahme von achtzig- bis hunderttausend Personen. Ist doch eine sehr grohe Zahl von Sonder- und Borzügen gemeldet, die im Lause des Tages ein- treffen werden. Aus Berlin waren ursprünglich 3000 Kameroden angemeldet, doch wird diese Zahl wahrscheinlich noch weit über- troffen werden. Bisher sind nicht weniger als 30 000 Quartiere zur Beifügung gestellt, ober sie werden vermutlich nicht ausreichen. Jedoch gewinnt man aus der Arbeit der Quartierkommission den Eindruck, daß alles ausgezeichnet vorbereitet worden ist, so daß keinerlei Sorge besteht, die noch später Eintressenden unterzubringen. Der Plag vor dem Hauptbahnhof ist durch etwa zwanzig schwarzrotgoldene Fahnen geschmückt. Auf dem Wege vom Georgring zur Stadt sieht man auf dem Reuen Theater die schwarzrotgoldene Fahne flottern. Unmittelbar dahinter liegt der Augustusplatz, der heute Abend und am morgigen Sonntag die De- monstrationszüge aufnehmen wird. Die dort auf dem Platz ge- holtenen Reden der Führer werden durch sieben Lautsprecher verstärkt, so dotz sie jedem Teilnehmer verständlich sind. Einen besonders erfreulichen und schönen Eindruck macht die Fassade des Hauses unseres Parteiorgans, der.Leipziger Vollszeitung" in der Tauchaer Stratze, von der je eine mächtige schwarzrotgoldene und rote Fahne herabwallt. Die Fenster sind mit Girlanden geschmückt, die mit schwarzrotgoldenen Fähnchen verziert sind. In. der Mitte des Hauses befindet sich ein Reichsadler, von reichem Girlanden- und Blumenschmuck umgeben. Die.Leipziger Volks- zeitung" wird zur Feier des Reichsbanners eine besonders reich ausgestattete Sondernummer herausbringen. Merkwürdigerweise hat sich die Leipziger Rundsunkgesellschast Mira? geweigert, die Reden am Augustusplatz durch Uebertragung ihren Hörern zu- gänglich zu machen, mir der Begründung, datz das Reichsbanner ein«— politische Organisation sei! Das Reichsbonner hat sich an die Aufsichtsinstanzen der Mirak gewendet, von denen aber bisher tise Antwort nicht eingegangen ist. Die Stimmung in der Stadt stellt sich mehr und mehr auf das große Ereignis ein. Aus den Vororten und aus der Provinz kommen bereits die Lokalzüge an. die die Reichsbannerorganisationen mit sich führen. Aus dem Reiche sind bisher Reichsbannerorganisationen aus Baden und vom Nieder- rhein eingetroffen, die mit flatternden Fahnen und klingendem Spiel durch die dem Bahnhof nahegelegenen Stratzen zu ihrem Quartier marschierten._ Verfassungstag im Runüfunk. Sabotage in'München. Aus München schreibt man uns: Während die großen Rundfunksender außerhalb Bayerns am 11. August teils eigene Versassungsseiern boten, teils die Beran- staltung im Reichstag übertrugen, hat die Programmleitung der Deutschen Stunde in Bayern es auch in diesem Jahre„übersehen", des Versassungstages in würdiger Weise zu gedenken. Wie zum Hohn übertrug der Mllnchener Rundfunk am Donnerstag abend eine— hans�>urstiade aus dem Münchener Hof- bräuhaus. Man erinnert sich noch, datz die Deutsche Stunde lif Bayern an dem Trauertag für die Kriegsgefallenen im ganzen Reich ausgerechnet die geistlosen hanswurstiaden von der Eröffnung des Salvatorausschanks am Rockherberg in München übermittelte. Enülich wieüer ein putsch. Portugal war schon zu lauge ruhig.— Tie Regierung �zuversichtlich". Lissaboa. 13. August. Ein heut« früh unternommener Staatsstreichversuch wurde durch die rasche Aktion der Regierung im Keime er st ick t. Es wird erklärt, die Regierung sei Herrin der Loge, und ein überwältigender Teil des Heeres unterstütze die Regierung, die zuver- sichtlich sei, dotz sie imstande sein werde. Motznahmen für die ösfeMliche Sicherheit zu treffen. All« Minister und die Befehls- hober sämtlicher Militärgarn'sonen seien in der Verteidigung de« bestehenden Regimes vereint. Veutsth-Süötirols Marterung. „Ter Faschio wird die«eue Geschichte Bozens machen." Innsbruck. Anfang August. Das Joch der unter Fremdherrschaft geratenen 23V 000 Deutschen in Südtirol wird seit der bereits fünf Jahre währen- den Faschistenherrschaft immer drückender. Der Faschismus fühlt sich ja berufen, die politische und wirtschaftliche Freiheit des einzelnen zugunsten. des Staates aufzuheben. Die faschi- stische Justiz— so schrieb man dieser Tage in dem von Musso- linis Bruder geleiteten„II popolo d'Italia"— gelangt vom Staat herab und wird in den Personen zu Fleisch und Blut: um dies zu erreichen, muß unbedingter Gehorsam geübt wer- den gegenüber dem Oberhaupt und den Gesetzen der Re- oolution, müssen alle unreinen Vorbehalte verschwinden, muß jedes selbstsüchtige Bestreben bekämpft werden. Alle müssen mit vollem Verantwortungsgefühl und mit absoluter Selbst- losigkeit zum Leben der"Nation beitragen. In allererster Linie haben die nationalen Fremdkörper im italienischen Staate die volle Wucht einer solchen Lehre zu spüren, zumal der allgewaltige Staat einerseits von den Faschistenverbänden, andererseits von den Trientinern immer wieder zur voll- ständigen Unterdrückung des Deutschtums in der Provinz Bozen fortgesetzt aufgestachelt wird. Man haßt diese mit den herrlichsten Kleinodien der Natur gefaßte deutsche Reliquie mit aller südländischen Leidenschaft. Man haßt sie noch mehr, weil sie würdevoll und unver- zagt Widerstand l e i st e t und leidend und duldend der Befreiung harrt. Wer etwa geglaubt hat, daß die eigene Provinz Bozen und der eigene, scheinbar entgegenkommende Präfekt die Leidenszeit der Südtiroler Deutschen beendige, der wurde bald durch drakonische Urteile und Verbannungen eines Schlechteren belehrt. Während beispielsweise ein königliches Dekret vom 31. Januar 1924 die Errichtung von a r a b i- scheu Schulen für die Staatsbürger l y b i s ch e r Natio- nalität und mohammedanischer Religion in Tripoli- tanien und in der Cyrenaika vorschrieb, erklärte der Unter- richtsminister C a f a t i einige Monate später den deutschen Abgeordneten Dr. Tinzl und Sternbach die E n t n a t i o- nalisierung der sprachlichen Minderheiten als dasZiel der i t a l i e n i s ch e n S ch u l p o l i t i k, welche aus den Deutschen„national gesinnte Italiener" machen müsse. Der deutsche Privatunterricht wurde durch eine geheime Feme bis in die unterirdischen Keller verfolgt und unmöglich gemacht, so daß heute die Ausbildung unserer heranwachsenden Landsleute in der deutschen Sprache sich nur mehr auf das Elternhaus beschränkt. Eine Reihe drücken- der Ausnahmegesetze— so die Unterdrückung des Landes- namens Südtirol, die oersuchte Ausmerzung der deutschen Familiennamen, die Beseitigung der deutschen Aufschriften, die Unterdrückung der deutschen Presse usw.— vervollständi- gen mit stets wachsamer Ergänzung die planmäßige und völlige Unterdrückung des deutschen Wesens in Südtirol. Noch gewaltsamer und gefährlicher fast sind die Be- mühungen der Faschisten, das deutsche Wirtschaftsleben zu vernichten. Ein Blick in den Handelsteil der reichsitalienischen Zeitungen zeigt, wie groß die Zahl der I n s o l v e n z e n in allen Städten und Gebieten des Landes ist. Die verschiede- nen faschistischen Anleihen und insbesondere das durch nichts zu rechtfertigende Hinauftreiben der Lira auf 90 für das englische Pfund hat eine fast beispiellose Wirtschaft- liche Not hervorgerufen, die noch dadurch gesteigert wird, daß die wichtigste Einnahmequelle des Reiches, der Fremden- verkehr, fast vollständig versiegt. Südtirol leidet schrecklich unter dem Ausbleiben der Frem- den. Im Pustertal. auf der Mendel, in Bozen und in den Dolomitenhotels find nur ein Bruchteil der Gäste früherer Jahre zu treffen. Man bemüht sich nach Möglichkeit, billige Preise anzubieten. Umsonst. Der Ruf, daß Italien heute dös teuerste Land Europas ist. noch mehr aber dieScheuvor den faschistischen Handschellen hält insbesondere die Deutschen vom Besuche Italiens ab. Immer und immer wieder auch jetzt noch hört man, daß harmlose Passagiers wegen einer unbedachten Aeußerung oder wegen kleinlicher Paßvergehen mit den italienischen Gefängnissen Bekanntschaft inachen müssen. Sie werden auch vielfach durch Berufs- a n g e b« r, die bis in die tiefften Täler und auf den höchsten Schutzhütten ihrem schuftigen Gewerbe nachgehen, in Kon- flikte mit den unzähligen Gesetzen, Verordnungen und Vor- schriften verstrickt. Als abschreckendes Beispiel für die Frem- den und Einheimischen gehts dann mit schweren Ketten und unter Bewachung, wie sie sonst für Rebellen oder Raubmörder üblich ist, ins Gefängnis. So ist es kein Wunder, wenn es auch in dem seinerzeit reichen Südtirol mit seiner tüchtigen und sparsamen Bevölkerung zu großen Insolvenzen kommt. Das letzte größer« deutsche Geldinstitut, die Bozener Zentralkasse, mußte zu Beginn des Sommers in den Ausgleich gehen, weil die italienische Regierung gerade in Südtirol die Auszahlung der Krregsanleihegarantien im Gegensatz zu allen anderen Gebieten verweigert hatte. Auch ein gewaltsamer Ein- bruch der Faschisten in den Verwaltungsrat des Instituts, das Zentralstelle der Raiffetsenkasien und Genossenschaften war. führte zum Zusammenbruch Zwei fast hundert Jahre alte Bozener Firmen von internationalem Ruf teilten das gleiche Schicksal. Weittragender sind noch die Schäden, die der Fa- schismus den südtirolischen Gemeinden und den gemeinnützigen oder politischen Verbänden schlägt. Sozi a ld e m o k r a- tisch«, Eigentum in Siidtirnl, ä»T>rsiwsik!if dos Gewerk- s-Ha fls hau s und d ie„V o lk s re ch t"- Drucke r ei in Bozen, ebenso die Schutzhütten der Älpenvereine wur- den einfach geraubt. Sozusagen die furchtbarste Waffe des Faschismus gegen die bodenständige Bevölkerung sind die nach der Zertrümmerung der Selbstverwaltung der Gemein- den ins Laad gerufenen Amtsbürgermeister (podesto) und deren Sekretäre. Sie suchen in ihrem natio- nalen Eifer die Bexationen gegen das deutsche Volk noch zu überbieten, regieren mit Karabinierigewalt und mit Ohr» feigen gegen wehrlose Bürger und Arbeiter und plündern und brandschatzen das Gemeindevermögen. Insbesondere der in den Wäldern gelegen« Reichtum fällt dem Luxus einer solchen Gemeindeverwaltung zum Opfer. Gemeinden, die früher jahrzehntelang Umlagen nicht erhoben haben, können heute nur mit größter Mühe die Zinsen für die von den Amtsbürgermeistern angehäuften Schulden auf- bringen. Die wohl sonst überall in Europa als Anachronis- mus betrachtete Form drückender Steuerverpachtung, die wohl vielfach noch in den Händen deutscher Sparkassen liegt, droht nach und nach in privat« Hände überzugehen. Ein solcher Wechsel würde bei der schier undenkbaren Ueberbesteuerung trostlose Ausfichten eröffnen. In zwei Iahren find trotz der Wertsteigerung der Lira die Steuer- leistungen der Süd tiroler auf das Zweiein- h a l b f a ch e angewachsen. Die durch Zwangskredite an den Staat, durch erzwungene Aufwendungen für nationale und persönliche Zwecke gesteigerte Geldknappheit würgt an der Gurgel. Die großen Zeitungen Altitaliens machen gerade in diesen Tagen Festparade mit der„Opera Nazionale Eombattenti nell' Alto Ädige", weiche die den Fremden llies: Deutschen) enteigneten Besitzungen von der Regierung zur Verwertung erhielt. Kostbares deutsches Gut, darunter acht Schlösser, mehrere große Hotels und Pensionen, Villen, Fischzuchtan- stalten, Kellerelen, im ganzen ungefähr 300 Objekte, verstreut zwischen dem Brenner und der Berner(Veronesen) Klause, werden den Italiener zum Kaufe angepriesen. Die Ver- Handlungen wegen der Rückgabe dieser Objekte an die recht- mäßigen deutschen Besitzer sind also gescheitert. Neue Italiener, neue Bedrücker können durch billigen Erwerb deutschen Besitzes die gewaltige Garde der schon jetzt mehr als genug zahlreichen Kolonisten in Südtirol vervollständigen. Der Kampf gegen das nationale— und mit der Verfolgung der deutschen Geistlichkeit auch gegen das religiöse— Bewußtsein, gegen die deutsche Schule ist zu Ende, der Kampf gegen den deutschen Besitz an Grund und Boden tritt in eine neue, vielleicht entscheidende Phase. Der Mechanismus eines in der modernen Geschichte fast beispiellosen Terrors und einer Intoleranz bis in die Knochen arbeitet schon lange unaufhaltsam und unerbittlich im Reiche. Wieviel mehr erst in den sagenannten eroberten Gc- bieten! Am meisten sicher in Südtirol. Aus Erscheinun- gen der jüngsten Zeit gewinnt man den Eindruck, daß von nun ab eine noch schärfere Tonart, eine neue Aera der Unterdrückung beginnt. Giarrantana, der vor kurzer Zeit ernannte neue Leiter der beiden in Bozen erscheinenden faschistischen Tageblätter, gibt in einem publi- zistischen Manifest an diejenigen, die nunmehr gezwungen werden sollen, Abnehmer der„Provmcia di Bolzana" und der„Alpenzeitung" zu werden, folgenden Wink mit dem Zaunpfahl:„Unser Faschismus wird nicht darin bestehen, unter den Augen des melancholischen Walther von der Vogel- weide das Schwert des Artagnan funkeln zu lassen, sondern um den Widerstand auch der h ä r t e st g es o t t e n e n Etschländer zu brechen, um, wenn schon keinen italienischen Gedanken, doch einen Gedanken der Italienität bei ihnen hervorzubringen." Die beiden noch geduldeten Ab- geordneten, Dr. Tinzl und Sternbach, die in einer Denkschrift die Bahauptung Mussolinis, Bozen fei noch vor 50 Jahren eine italienische Stadt gewesen, auf Grund eingehender Studien und sorgfältiger Geschichtsforschung widerlegten, werden als„unverschämte Narren und Hanswurste" hinge- Da die Häuptlinge der faschistischen Lokalbehörden und Lokalblätter die Ehefs der Regierungsbehörden an Macht und Einfluß immer übertreffen und diese sich vielfach nur als ausführende Organe der Parteiführer zu betätigen haben, kann man nur mit Bangen und Sorge die Drohung Giarra- tanas:„Der Faschio wird die neue Geschichte Bozens machen" zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls kün- den diese Worte neue Sorgen und Leiden an für die Süd- tiroler, welche noch obendrein gezwungen werden, binnen kurzer Zeit in allen Gast- und Geschäftslokalen dem Bilde ihres Henkers Mussolini einen Ehrenplatz einzuräumen. Reichswehr unü verfasiungstag. Ein Zwischenfall in Giehen. Wie in Halle, so hat sich auch in Gießen ein be- merkenswerter Z'w ischenfallbeiderBerfassungs- f e j e r abgespielt. Dort hielt der Oberstudißnrat Dr. Hüter die Festrede, bei der er auch von dem dynastischen Ge- schichtsunterricht unter der Monarchie sprach und auch die- Fürstenabfindung streifte, bei der die Nach- Wirkung jenes Geschichtsunterrichts zutage trat. Plötzlich erhob sich bei dieser Stelle der Rede der K o m- mandeur der dortigen Reichswehrabteilung und verließ demonstrativ den Saal. Ihm folgten bald die übrigen Offiziere und Unteroffiziere die anwesend waren, und schließlich die R e i ch s w e h r k a p e l l e, die zu Konzert- zwecken oerpflichtet war. Daß die letztere ihren Auszug so lärmend gestaltete, daß die Feier vollkommen gestört wurde, ist begreiflich. Der Reichswehrkommandeur gab durch seine demonstra- tive Entfernung das Signal zum Aufbruch auch für seine Untergebenen. Er hat damit eine gewollte mon- a r ch i st i s ch e Demonstration begangen. Da das am Ver- fafsungstage geschah, wird das Reichswehrministerium ihn hoffentlich bald die Treppe— hinauffallen' lassen! Uebrigens wird auch aus Donaueschingen gemeldet, daß bei der dortigen amtlichen Verfassungsfeier die Reichswehr- offiziere und Mannschaften im Verlauf der Festrede ebenfalls das Lokal verließen, weil sie sich angeblich durch den Redner beleidigt fühlten. May sollte ein neues„Reglement" einführen, wonach die amtlichen Verfassungsreden vorher dem zuständigen Reichs- wehrkommando zur Zensur eingereicht werden müssen. Die Kriegszeit fände so ihre logische Fortsetzung. Der tzerr Professor. Untersuchung durch das Unterrichtsministerium. Der preußisch« Minister für Unterricht hat dem Ministerialrat Dr. Bräuer nach Hall« zur Untersuchung des Verhaltens des Unioersitätsprofessors M e n z e r bei der Verfassungsfeier entsandt. Wie bereits gemeldet, hatte Menzer, der von den Behördenoorständen als Festredner gewählt worden war, eine Kampfrede gegen denpreußischenUnterrschtsminister gehalten. Zwanzig Minuten lang ließ die öffentliche Versammlung das über sich ergehen. Dann aber entstand zunehmend« Unruhe, so daß sogar der Polizei- Präsident den Redner aufforderte, doch endlich über die Ver- f a s s u n g zu sprechen. Das. nutzte aber nichts. Menzer fuhr in seiner Kampfrede fort, bis ihm schließlich der Unwille der ver- sammelten Republikaner das Wort entzog und nun eine wirtliche Verfassungsfeier veranstaltet wurde. Herr Menzer soll übrigens nicht einmal ein ausgesprochener Rechtsparteiler sein, sondern ein altliberaler Mann: aber er hat offenbar nicht den Takt aufgebracht, als Festredner bei der Ver- fafsungsfeier seinen Grollgegen denMinister zurückzustellen und dafür die Reichsverfassung zu seiern, was seine selbstverständliche Pflicht gewesen wäre. Wenn die Monarchistenpresse jetzt diesen Skandal durch Angriff« auf das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold oerhüllen und vertuschen will, so wird demgegenüber von zuständiger Stelle betont, daß das Verhalten des Reichsbanners vollkommen einwandfrei gewesen ist. Auch die Voltsmassen haben bei ihrem Umzug am Abend ihrer Erregung über die Störung der Verfassungsfeier nicht etwa durch einen Besuch im Hause des Herrn Menzer Ausdruck gegeben, sondern es ist nicht zu dem geringsten Zwischenfall gekommen. In diesem Zusammenhang stellen wir übrigens fest, daß nicht Berghauptmann Cleff für die Veranstaltung in Halle verantwort- lich ist, wie in unserem Bericht gesagt war, sondern sein Nach- folg er. Herr Clefs lebt seit April im Ruhestand. Abschluß üer pariser verhanölungen. Kein Provisorium, sondern ei« endgültigerHaudelsvertrag Gestern fand unter Vorsitz des Reichskanzlers Marx eine Kabinettsfitzung statt, die sich mit dem Stand der deutsch- französischen Handelsvertragsoerhandlungen be- schästigte. An der Besprechung nahmen außer dem Reichsaußen- minister Dr. Stresemann und dem Staatssekretär Trendelen- bürg auch der Reichsernährungsminister Schiele teil. Zur Debatte standen die Punkte, über die bisher in den Pariser Ver- Handlungen noch keine Einigung erzielt werden konnte, das sind die Fragen der Geltungsdauer und der Kündigungs- Möglichkeit des Vertrages. In hiesigen amtlichen Kreisen rechnet man trotz einiger noch ungeklärter Fragen mit einem Ab- schluß des Vertrages in wenigen Tagen. Aus Parts erfahren wir hierzu noch folgendes: Das deutsch- französische Handelsabkommen wird sich von allen vorangegangenen Handelsabkommen durch seine Ausdehnung, seine Dauer und seinen Charakter unterscheiden. Es wird nicht nur einige wirtschaftliche Kategorien beider Vertragsländer regeln, sondern von wenigen Ausnahmen abgesehen die Gesamtheit der Außen- Handelsinteressen umfassen. Frankreich, das in dem am 30. Juni abgelaufenen Provisorium bisher nur für Seiden- waren eine Vorzugsbehandlung bei der Einfuhr genoß, erhält diese jetzt auch für landwirtschaftlich« Produkte und für seine Baumwoll- und Wollindustrie. Auch der Eisen» industri« und verschiedenen Metallprodukten wird diese Vorzugs- behandlung zuteil. Auf der Gegenseite wird der französische Markt fast der gesamten deutschen Industri« geöffnet, ins- besondere für die Produkte der Maschinen-, Elektro- und der chemischen Industrie. Der Vertrag wird auf der Basis der vollen Gegenseitig- keit der Rechte unter Durchführung des Prinzips der Meistbegünstigung abgeschlossen werden. Um dieses Ergebnis zu erreichen, hat Frankreich durch Eimühnmg neuer Zollsätze und Deutschland durch vertragliche Zollherabsetzungen das Zollstatut der neuen Lage anpassen müssen. Damit ist endlich nach langen, schwierigen Verhandlungen, die sich oft genug kritisch zuspitzten, der Weg für einen normalen deutsch- französischen Wirtschaftsverkehr freigemacht. Bei der umfassen- den Regelung der gegenseitigen Ausfuhrinteressen ist zu erwarten, daß auch die Dauer des Vertrages die eines sogenannten Provisoriums weit überschreitet. Dadurch würden di« Ab- machungen eine erheblich« innere Festigung erfahren. Schanghai beüroht! Die Nordtruppe« rücke« vor Schanghai. Schanghai. 13. August. Die Nord kr Uppen unter Sunlschuaugfang erzielten weitere Erfolge. Suntschuangsang wird möglicherweise Schanghai innerhalb einer Woche bedrohe». Angesichts des er wartelen Angriffes auf ttauking sind die dortigen ausländischeu Einwohner aufgefordert worden, sich bereitznhalten, Zuflucht an Bord von Sriegsschissen zu suchen. Da» Sonfularkorp» in Schanghai verbot die Erhebung uagejehlicher Steuern iu der internationalen Niederlassung. Ein polnische« Flugzeug über Kowao. lieber Kowno wurde eml polnische» Flugzeug gesichtet, welche» m einer Höhe von etwa 600 Meter über der Stadt kreiste. Al, ein litauisches Militärflugzeug ausstieg, um die Sache aufzuklären, ergriff der polnssche Flieger die Flucht und entkam über die Grenze, ohne daß etwas Genaueres festgestellt werden tonnte. Der Stranökorbbesitzer. von Hon» Bauer. Herr X. P. ist fetz: 14 kurze Fenentage lang mein Quartier- Herr gewesen, aber man darf nicht an eine prunkvolle Villa oder auch nur ein bescheidenes Häuschen denken, darinnen mir Herr X- P. etwa ein Stäbchen zur Verfügung gestellt hätte. Herrn X. P.s Hausherrlichkeit bezieht sich nur auf den Besitz von einigen Dutzend Strandkörben, deren einen ich ihm abgemietet hatte. Wir haben uns gut miteinander verstanden. Herr X- U. und ich und er hat mir aus seinem Leben erzählt. Herr X. P. ist also früher einmal Fischer gewesen. Und das sieht man ihm freilich an. Sein Gesicht ist wettergebräunt, feine Fäuste sind derb und schwielig und noch heute trägt er Fischertracht: blauen Anzug, kragenlose» Reghemd, schwarze Schirmmütze. Vor Jahr und Tag ist er so in See g«. fahren mit seinem Kutter, hat die Netze ausfleworfen und seinen Fang ans Land gesteuert. Herr X. P. ist inzwischen dahinter gekommen, daß das Hand- werk des Fischers nicht so ganz den goldenen Boden hat, der ihm im Sprichwort nachgerühmt wird. Er entreißt daher nicht länger mehr das Fischvolt der Behausung seiner salzigen Fluten, sondern er verschafft jetzt dem Menschenoolk Behausungen. Ehemals stand er am Strand und hielt die Augen aus das Meer gerichtet. Am Strand steht er auch jetzt noch, aber er wendet dem Wasser den Rücken zu, es gleichsam einladend, ihm da herunterzurutschen und sucht das Land nach Neuankömmlingen ab. Herr X. U. hat den rechten Blick für sein Gewerbe. Viele hundert Badegäste kommen tagsüber zum Strand. Herr X. 2). ist unfehlbar in der Herausfin- dung der Neulinge, der mit einem Strandkorb noch nicht Bedachten. Er steht immer ein wenig versteckt und der normal« Kurgast de- kommt ihn kaum zu Gesicht-- dafür entgeht ihm aber kein Neuer. Mit unheimlicher Raschheit pirscht er sich an ihn heran, verwickelt er ihn in ein Gespräch, oermietet er ihm einen Korb. Der Preis für solch ein primitives Ding ist unerhört hoch: 10 bis 1ö Mark pro Woche. In der Stadt bekommt man annähernd eine Drei- zimmerwohnung dafür. Will man weitere volkswirtschaftliche Er. örterungen an den Preis knüpfen, so wäre festzustellen, daß nur etwa 120 bis 150 Mark Kapital in solch einem geflochtenen Hau» investiert sind, ein Betrag also, der sich mtt zehn Prozent in einer •inzigen Woche verzinst und in einer einzigen Saison amortisiert ist. Herrn T. P. liegen nationalökonomische Erwägungen völlig 'er» und er macht sich keine unnützen Gedanken über die Ethik jdner Preise. Er nimmt, was zu kriegen ist und freut sich seiner Tüchtigkeit, die ihn einer mühseligen Arbeit enthoben und einer be- bequemen zugeführt hat. Herr X. Y. hat Kollegen von früher, die noch immer av.f den Fischfang gehen. Sie haben nicht das nötige Ans-ngskapital oder nicht den Geschäftssinn wie er gehabt. Er sieht nicht gerade herab aus sie und oemchM sie rücht, gcher««eiß Ötdfc daß er der Lebensgewandtere ist. Jetzt eben sitzt er im Vollgefühl einer satten Besitzfreudigkeit, in einem seiner gerade nicht oermiete- ten Körbe und blickc sinnend ins Weite: den Rücken natürlich dem Meer zugewandt, für das er keinerlei Interesse mehr aufzubringen. geneigt ist. Woran er wohl denkt? An seine Kinder vielleicht, di« ans den paar Dutzend Strandkörben, über die er verfügt, viele hundert machen werden. Die werden dann in einer schönen Villa wohnen können, und es wird von ihnen heißen, daß ihr Vater als Neiner Fischer angefangen habe, durch guten Blick für die mit der Saisonkonjunktur sich ergebenden Möglichkeiten aber zum größten Strandkorbbesitzer des Bades sich emporgearbeitet habe.... Ja, schön ist Gottes leuchtende Welt und herrlich die Weite des unendlichen Meeres. Herr I. P. kann das am besten beurteilen: denn wie würden seine Mieter sonst 15 Mark für einen Strand» korb anlegen, wenn dem nicht so wäre! Utica �ubilee Singers. Das sind wohl die gleichen Sänger, die im Mal vorigen Jahres im Beethovensaal Negerhymnen und Plantagenliedsr sangen. Damals eine Frau und ein Männerquartett, jetzt eine Frau und fünf Männer. Stimmlich auffallend nur der grundierende Bah, der, emsthaft wie humorvoll, auch auf dm Platten den Ton angiebt. Der lyrische Sopran tritt nur weiblich hervor, wenn er ein Solo hat: sonst akklimatisiert sich das Organ sehr schnell den Baritonen und Halbtmören. Eine präzise, geschlossene Einheit, mit großer Ausdruckskultur, aber ohne gesanglichen Schliff. Einfache Har- monim, primitiv« Melodien, ein bißchen einförmig das ganze. Der Unterschied in den Gesichtsfarben der sechs Sänger ist größer als der in der Tonfarbe des Singens. Drei von den Leuten sehen nicht 'W Neger aus: ihre Spirituals mögen auch schon ein wenig frisiert sein, aber sie wirken in Schlichtheit und Einfachheit durchzogen vom Gefühl echter Frömmigkeit ergreifend. Di« Dialektgesönge schlagen einen humoristischen Ton an. Hier gebt auch das Publikum mit, wenn es nicht versteht, worin der dialektische Witz besteht. Be- wegung, Ernst oder Schelmerei des Blicks, drohen des Fingers, An- einander, und Abrücken vom Zentrum her, zum Zentrum hin, er- setzen den Text. Das erstemal, als wir diese Sänger hörten, schienen sie uns frischer, elementarer, größer. Inzwischen hat Jazz sein Werk der Vernichtung getan. Und bei der klassischen Prosillosigteit dieser Sängertypen, bei der bewundernswerten Nwellierung zum exakten, maschinellen Hochgesang ist«igmtlich di« Platte ein vollwertiger Ersatz für die Menschen geworden. Schade! K. S. Schauerromanlik Im Kleinen Thealer. Selbst Friedrich Kayßler zückt Papiennesserchen und Drohsäuste. Von dm drei Personen, di« seinen Einakter„Der Befehl" mit wilden Reden bevölkern, sind zwei am Schluß schöne Leichen, und die dritte hat sich für mildm Wahn- sinn entschieden. In dem zweiten Skessch geht es harmloser zu. Hiex zerschlägt«in Verbrecher nur eine Wsintslasch« auf dem Kopf eines angeblichen Toten und benimmt sich darauf sehr geständig. Dazu hemützep sich die Andre d« Lord« und s«orge Montiguax um einen guten, französischen Dialog im Stil des Konversations- stückes. Und im �rotm Strich" des Arnim Friedmann geht beinahe eine Blutschande in Szm«, eine Beschäftigung, die für das Theater wenig geeignet ist, und am Ende kommt der Blusf mit dem Zensor, aus den das Publikum mit mathematischer Sicherheit hineinfällt. Es tobt, rast und verprügelt beinahe den armen Schauspieler. Ein Programm also der Smsattonen, der Schauerromantit und der starken Nerven, Kientoppiaden auf der Bühne, derb, schreiend grell. handwerklich gut gemacht und spannend. Es ist eben Hochsommer. Der Schauspieler und Regisseur Hugo Werner. Kahle hat für diese Ding« den richtigen Schmiß, die notwendige Robustheit im Zupacken. Es wird sehr ordentlich gespielt.— t, Unkersuchungen über Arbeitsphysiologie. Im Kaiser-Wilhelm- Institut für Arbeitsphysiologie in Berlin haben Prof. Dr. Atzler und sein« Mitarbeiter neue vhysiologische Eignungsprüfmethoden ausge- arbeitet und auf dem schwierigen Gebiet der Ermüdungsforschung einig« Fortschritt« erzielt. Die praktische Bedeutung dieser Labora- toriumstätigkeit wird von der Oeffentlichkeit in immer zunehmendem Maße erkannt. Im Einvernehmen mit dem Internationalen Arbeits- amt in Genf hat das Berliner Institut Versuche durchgeführt, z. B. »der das Beladen von Schiffen. Die Arbeiten des Instituts haben nun einen Umfang angenommen, der die Raumfroge immer dringen- der macht. Ein nener Volticelll. Dr. Wilhelm R. Valentiner. der Direktor des Museums in Detroit, hat da» Glück gehabt, für die dortigen Sammlungen einen bisher unbekannten Botticelli zu erwerben. Es ist das Brustbild des wiederauferstandenen Christus in segnender Haltung. Ein ähnliches Bild befindet sich in der Sammlung des Senators Morelli, des berühmten Kenners aus dem 19. Jahrhundert, im Museum von Bergamo. Doch erklärt Professor Yukio Pashiro. der jüngste Biograph des florentinischen Meisters, ein Japaner, dos Bild für ein unzweifelhaftes Original des Meisters aus den 1480er Iahren. Erslo»ssühr««gen der Woche, vleaitog Zentraltheater: Der Be» t e i d t g e r. Zoryfrei« ftunfffchao. Vom 13. bis 18. 8. 1927 find ewige Vilderiäle der Iurhjreien Kunsljchau im LandeSauSslellungSaebäude am L-brler Sabnhof sür die HSngung der zweiten Zlbteilung geschloffcn. Degen Raummangels muhte in diesem Jabre die Iurhireie in zwei Abteilungen auSliellen. Di« Abteilung der Suiqsreien Kunstschau.Religiöse Kunst' ebenso wie die .Grohe Berliner Kunstausstellung- bleiben während dieser Tag« geöffnet. vi« Max ciebermonn-Ausslelluag der Preufiischen Akademie der Kirnil« am Pariser Ptah, die auherordenltich stark besucht ist, wird aus vielseitigen Wunsch noch bis einichliehlich Donnerstag, den 18. A u g u st. ge. öffnet bleiben. Eine weitere Verlängerung der Ausstellung ist nicht möglich. Dr. 3IJa woiylew vom Moskauer Künstler-Theaker wurde für die In. szenierung von MoliereS»Keorge Dandin', mit der die Voltsbilhne in» Theater am Schijsbauerdamm ihre Spielzeit beginnt,»«pflichtet. Professor Alfred Zoff geslordea. Am Freitag ist der Maler Pros.»Ulred Zoff, Direktor der Landeskunstschute in Graz, im Atter von 7S Jahren gestorben. vi« cveseUschaft für Lichtsorschuag hält w den Tagen vom IS. bis I«. September in Hamburg ihre erste Tagung ab. Die Tagung soll gleichzeitig auch d« Ttöjsiumg der Deutsche» Forsch uagSanjtalt für Tuberkulose die»«». Der Wohnhausturm. Fast unmittelbar am V-Bahnhaf Hauptstraße erhebt sich der eindrucksvolle, sechsgeschossige Wohnhausturm, den die Architekten Mebes und Emmerich unter möglichster Schonung des alten Baumbestandes als nördlichen Abschluß der neuen„Wohngruppe Hauptstraße" gestalteten. Dieses Musterbeispiel eines modernen, großen, städtischen Wohnbaues liegt zwischen Innsbruck«?, Voßberg- und Martin-Luther-Straße und erstreckt sich in Form eines Rechteckes mit vorgeschobenem Flügel bis an die Hauptstraße. Ohne ornamentale Zutaten wird durch geschickte Alieöeru'ng der Massen, durch die Farbengebung (braungelber Putz für die Flächen und scharrierter Porphyrbeton für die Loggien, Fensterpfe'iler und Abschlu�band) und durch das flache Dach eine Wirkung erzielt, gegen die die benachbarten Hausfronten in der Hauptstraße mit ihrem Ueberfluß an Fassadenschmuck wie ein Gegenbeispiel einer hoffentlich überwundenen Bauperiode dastehen. In dem etwa SOmol 50 Meter großen Innenhof überrascht eine Gruppe prächtiger, alter Bäume, in der Hauptsache Birke» und Kastanien, die zahlreichen Vögeln Unterschlupf bieten. Di« übrige Fläche füllt gepflegter Rasen, auch ein für die Mllllkästeck bestimmtes Häuschen ist vorhanden. Die Baugruppe enthäst an 16 Treppen- Häusern, von denen der sechsgeschossige Bauteil mit Fahrstuhl ausgestattet ist, 185 Wohnungen mit 2, 3 und 4 Zimmern einschließlich Kammer. Küche, Vad. Niedrige Ladenarkaden sollen noch längs der Hauptstraße die Ecken verbind«», wodurch ein ruhiger, mit Ulmen bestandener Borhof geschaffen wird. Jede Wohnung hat einen ge- schlossenen Glasbalkon oder eine Loggia nach dem Hofe'hinaus zur Verfügung. Iod«r Ausgang hat seine Waschküche. Aehnlich wie das Turmhaus am Knie der dortigen Gegend modernen Charakter auf- prägt, bildet nunmehr der Wohnhausturm ein Wahrzeichen der südlichen Hauptstraße. Die Schau ües Kaufmanns. Die heutige Eröffnung der Rekofa am Kaiserdamm. Eine d«r schönsten, buntesten und geschmackvollsten Ausstellun- gen, die in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm bisher getagt haben, wurde heute vormittag eröffnet. Es handelt sich um di« Reichsousstellung für Kolonickl waren und Fein- kost, die darum al» geschmackvoll im doppelten Sinne des Wortes genannt werden kann, weil sie sich nicht nur an die Sinne, sondern auch an den Magen richtet. Oberbürgermeister B ö h begrüßte die zahlreich erschienenen Ehrengäste aus den Kreisen der Reiche, und Staatsregierung, der städtischen Körperschaften und der Wirtschaft. Cr kennzeichnet« die Rekofa al» neuen Schritt zur Konzentrierung des Fachmeslenwesens in Berlin, da sie zum ersten Male die bisherige Ausstellung de» Edekaverbandes sowie die Ausstellung des Reichsverbandes der Kauf- leute de» Kolonialwaren- und Lcbensmittel-Einzelhandels, ferner auch die Berliner Kolonialwarenmesse zusammenfaßt. Er degrüßt« weiterhin di« wertvolle Beteiligung des Auslandes, das durch seine zuständigen Organisationen die Ausstellung reich beschickt hat. Staatssekretär Trendelenburg führte aus, daß di« Ausstellung durch den Zusammenschluß der Verbände ein weiteres Kampfmittel im Kampfe des Einzelhandel» um seine Existenz durch Verbreitung und Vertiefung des Genossenschaftsgedankens werden soll. Der Rund« gang durch di« Ausstellung zeigt tatsächlich viel Originelles und Schönes, speziell was die Ausstattung der Waren, die alle in erster Güte vorliegen, anbetrifft. Ueber 400 Firmen haben au»- gestellt, darunter ekn« Anzahl beruslicher Organisationen de» Auslandes. Die Schweiz stellt ihren weltberühinten Emmenthaler Käse her, der eine Jahresproduktion von 43 Millionen Kilogramm ausweist. Dänemark zeigt sein landwjrtschaftltches Genossenschaftswesen in der Herstellung von Eier-, Molkerei- und Schlächterei- Produkten. Die griechische Handelskammer in Deutschland hat die Ausstellung von Weinen, Rosinen und Feigen veranlaßt. Zum erstenmal stellt die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken in Berlin aus, die Getreide, Pflanzenöle und andere landwirtschaftliche Produkte sowie Kaviar, Konfitüren und Tabakworen zeigt. Süd- rmerika wird durch Guatemala und Columbien repräsentiert, die Kaffees und Bananen ausstellen. Man kann sich denken, daß im Rahmen dieser hochwichtigen Erzeugnisse fremder Länder die deutschen Aussteller wettetsern, ihre Produkt« vorteilhaft heraus- zuheben, was sich ganz besonders In der Anordnung der Stände und dem Aufbau sowie der Dekoration der Waren bemerkbar macht. Die Ausstellung bketet auch nebenher sehr v'el Lehrreiches über den Werdeprozeß der Waren vom Erzeuger bis zum Konsu- menten, so daß sich ein Desuch wohl lohnen dürfte. Der Nachlaß-Schmarotzer. Die Suche»ach dem flüchtigen Ruppolt. Das Ermittlungsverfahren gegen den flüchtigen Gerichtsoer- walter und Nachlaßpfleger Paul Ruppolt hat wieder drei neue Fälle von Veruntreuungen aufgedeckt. Auf die Deröfsentlichungen hin haben sich neuerdings die Erben eines alten Amtsgerichtsrats a. D. aus Westpreußen, die einer Gräsin und die eines mittleren Beamten gemeldet, die von dem Flüchtigen ebenfalls schwer betrogen worden sind. Der Amts- gerichtsrat hatte durch Testament seine Vaterstadt in Westpreußen zur alleinigen Erbin seines Vermögens eingesetzt mit der Bedin- auna daß sie an zwei in Berlin in dürftigen Verhält- niss'en lebende alte Frauen eine jährlich« Rente zahlen sollt«. Der Magistrat prüfte die Verhältnisse dieser Damen und kam so zu dem Entschluß, das Vermächtnis dahin abzuändern, daß die beiden Damen bis zu ihrem Tode den Genuß des ganzen Nachlasses haben sollten. Als Pfleger wurde Ruppolt eingesetzt. Dieser verstand es, die rechts, und geschäftsunknndigen Damen zu täuschen und immer wieder hinzuhalten. Aehnlich. aber noch kürzer, verfuhr Ruppolt gegenüber den Erben eines mittleren Bcamlen, der ihnen ein bescheidenes Vermögen himerlasien hatte. Er be- bauptete barsch und drelst. daß.nichts da fei" und wies den Leuten die Tür. Eine Gräfin hinterließ für etwa 25 000 Mark Schmuck- und Wertsachen, die in einem Bantsafe aufbewahrt wur- den. und auch ein Verzeichnis darüber. Ruppolt fertigte für sich ollein. ohne einen der Erben oder sonst jemand zuzuziehen, ein neues Verzeichnis an. das weniger Sachen enthielt. Diesem ent- sprach schließlich der Bestand in dem Safe, zu dem Ruppolt mit jeinem Ausweiß als Nachlaßverwalter Zutritt gehabt hatte. Als tee Erbe» ihn auj die Dfliereuz zwischen den heiten Listeq flW mertsam machten, schüchterte er auch sie ein und brachte sie zum Schweigen, indem er ihnen mit einer Klage wegen Beleidigung drohte. Die Klärung der bisher bekannt gewordenen Ver- untreuungen, im ganzen in sieben Fällen, und des übrigen Ge- schästsgebahrens sowie des Privaklebens des Flüchtigen zeigen, daß Ruppolt ein Doppelleben führt« und beweisen seinen hinter- hältigen Charakter. Ruppolt, der nicht Beamter, sondern bestellter Gerichtsoerwalter und Nachlaßpfleger war, spielte den Behörden gegenüber stets den bescheidenen und korrekten Biedermann. Zwischen seinem diesjährigen Aufenthalt ln Marienbad und dem in Binz klafft« eine Lücke von zehn Tagen. Jetzt ist festgestellt, daß er sich in dieser Zeit in Montreux aufgehalten hat. Ob Ruppolt unter seinem eigenen oder falschen Namen oder unter dem Namen wirklich oder angeblich Veistorbener noch irgendwo Bankkonten hat, wird noch weiter nachgeprüft. Sein Lichtbild wird überall hin, auch durch Kinosteckbries, verbreitet. Zweckdienliche Mittelungen zur weiteren Ausklärung nimmt nach wie vor die Dienststelle?. 3 in der Georgenkirchstraße 30» entgegen. Lotterie-Ziehung bestimmt Mittwoch. Die Borbereitungsarbeiten für die Ziehung der 5. Klasse der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotterie sind abgeschlossen. Am Dienstag werden Lose und Gewinne in die Trommeln eingeschüttet� Das Publikum kann, soweit der Zuschauerraum ausreicht, bei der Einschüttung zugegen fem. Am Mittwoch beginnt die Ziehung. lieber die Ziehung der beiden veruntreuten Gewinne wird noch bekanntgemacht. Wer sein Los nicht mehr aufgehoben hat, muß, wenn auf seine Nummer ein Gewinn fällt, sofort eine Derlust- anzeige aufgeben. Der Einnehmer, bei dem das Los gekauft wurde, muß hen Kauf bestätigen. Die Auszahlung des Gewinnes wird dann gesperrt. Nach einer festgesetzten Frist wird der Gewinn auf- gerufen. Meldet sich kein anderer Inhaber des Loses, so wird der Gewinn.ausbezahlt. Sollte das Los von anderer Seite präsentiert werden, so wird der Gewinn erst auebezahlt, wenn die gerichtliche Feststellung des richtigen Losinhabefp erfolgt ist. Schadenfeuer im Landkreistag. Im Bureau des Deutschen und Preußischen Landkreis- tag es, Belleouestraßc 5a, brach in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend gegen 2 Uhr morgens infolge Kurzschluß ein Zimmer- b r a n d aus, der mit großer Schnelligkeit erheblichen Umfang an- nahm. Einem Beamten des zuständigen Polizeireviers ist es zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden konnre. Er erbrach die Haustür und arbeitete sich unter Lebensgefahr durch den Qualm, so daß es ihm gelang, die zwei in der mit den Bureau- räumen verbundenen Wohnung befindlichen Kinder ungefährdet ins Freie zu bringen. Da das Feuer vom Wohnungsinhaber bei seiner Entstehung nicht sofort beobachtet wurde, hatte es beim Anrücken der Wehren bereits einen so großen Umfang angenommen, daß es die gesamte Bureau» und Wohnungseinrichtung restlos zerstörte. Nachklänge zum Verfassnngstag! Eine ganze Anzahl der sogenannten„besseren Restaurants" konnte sich früher nicht genug tun. wenn der Deserteur in Holland seinen Geburtstag feierte. Festlich« Beleuchtung der Fenster, um- rahmte Büste usw. war die landläufige Dekoration. Anders heute: Die Republik feiert ihren 8. Geburtstag. Wir wollen deshalb nur zwei Restaurants herausgreifen. Einer unserer Genossen srug gestern im C a f 6 F ü r st e n h o f den bedienenden Kellner, warum nicht geflaggt sei. Schmunzelnd erklärte der Kellner, den gerade anwesen- den Geschäftsführer zu fragen. Auf die Frage eines Genossen, ob Aschinger ans Republikaner verzichte, wurde ihm die Antwort zuteil, daß am Tage vorher 250 Amerikaner eingetroffen seien und dieserhalb die amerikanische Flagge gehißt worden sei. Schräg über vom Cafe Fürstenhof befindet sich Cafe I o st y, in dem auch ein Teil unserer Parteigenossen oerkehrt. Frage an den Geschäftsführer, ob man es nicht für nötig halte, am Tage der Ver- sasfung die Farben des Reiches zu zeigen, erfolgt die geradezu lächer- liche Antwort:„Ich war gestern nicht da." Und dann folgt Frag« nach Name und Adresse, damit man es der Direktion mitteilen könne. Unser Gewährsmann gab aber gleich zu verstehen, daß er dazu nicht den Geschäftsführer benötige, sondern seine Beschwerde direkt an- bringen werde, an einer Stelle, die dafür Interesse habe. Und zum Schluß noch eine ander? bescheidene Frage: Im Hause Belleouestr. 15 wohnt Herr Reichsminister a. D. F. H. Albert, srüher Staats- felretär beim verstorbenen Reichspräsidenten Genoffen Ebert. Auch an diesem Haus« keinerlei Flaggenschmuck. Dielleicht weist da» Reichs- banner liebenswürdigerweise uuch Herrn Reichsminister a. D. Albert einige Firmen nach, von denen schwarzrotgoldenes Fahnentuch be- xtezk werde» latin- 150000 Mark unterschlagen. Ter Schuldige flüchtig. Fortgesetzte Unterschlagungen, die sich auf mindestens drei Jahre erstrecken, wurden auf dem Umwege über«in Finanz- amt, in einem großen Fabrikbetrieb im Osten der Stadt jetzt aufgedeckt. In den Betrieb trat im Jabre 1912 ein am 15. November 1897 zu Berlin geborener Kurt Richter als Lehrling ein. Er erwies sich als fleißig und zuverlässig. Nach dem Weltkriege kehrte der junge Mann in sein« Stellung zurück und arbeitete sich allmählich auf einen Vertrauensposten empor. Er wurde Buchhalter und Kassierer, und jedermann, auch sein Chef, hielt ihn für unantastbar. Erst jetzt kam ans Licht, daß man ihm doch zuviel Bertrauen ge- schenkt hatte. Das zuständige Finanzamt sah bei der Kontrolle der Bücher, daß sie Gelder verzeichnet enthielten, die über die Beträge, für die die Lohnsummensteuer abgeführt worden war, hinausgingen. Eine Nachprüfung im Betriebe ergab nun, daß Richter, der die Bücher, die Kasse und auch die Lohnbücher führte und die Gehälter und Löhn« zahlte, seit mindestens drei öahren aus Schecks, die der Chef im vollen vertrauen zu ihm unterzeichnete, von der Bank fort- gesetzt größere Summen erhoben hat, als er zu den Lohnzahlungen brauchte. Den Ueberschuh steckte er in seine eigene Tasche. Nach den bisherigen Ermittlungen berechnet man die Summe der Veruntreuungen auf 150 000 M. Richter ist verschwunden. Nach Vereinbarung mit seinem Ewes hatte er gerade vor der Entdeckung seiner Veruntreuung, und Bücherfälschung seinen Sonnnerurlaub angetreten. Wie er sagte, hatte er die Absicht, eine große Fußwande- rung durch Bayern zu machen. Richter ist seit drei Jahren ver- heiratet und wohnte mit seiner Frau und seinem kleinen Kinde noch bei den Schwiegereltern in öer Velle-Alliance-Skraße. Verkehrspolizei auf Motorrädern. Di« Verkehrswacht Berlin-Brandenburg E. V., deren Geschäftsstelle sich Berlin S61, Planufer 61, befindet, hatte sich an das Kommando der Schutzpolizei gewandt mit der Bitte, namentlich den Radfahrerverkehr in Berlin schärfer zu überwachen. Besondere Motorradpatrouillen der Schutzpolizei sollten eingestellt werden. Die VBB. hat nunmehr vom Kommando der Schutzpolizei die Nachricht erhalten, daß ihrer Anregung Folg« geleistet wird. Die Berliner Radfahrer tun also gut daran, die bestehenden Ver- kehrsvorschriften zu beachten._ Zum Leichenfund in der kursürstenstraße erfahren wir, daß sich der bisher flüchtige Seifenhändler Paul G u t o w s k i gestern der Kriminalpolizei gestellt hat. Gutowski erschien zunächst bei seinem Bruder, der ebenfalls in Berlin wohnt und der in Berbin- dung mit der Kriminalpolizei auch nach dem Vermißten forschte. Der Bruder begab sich dann mit ihm zur Kriminalpolizei. Der Zurückgekehrte versichert, daß er an dem Tod« des Mädchens durch- au» keine Schuld trog«. Die Obduktion der Leiche hat ja auch keine Spur irgendeiner Gewalttat ergeben. Wie Gutowski sagt, fand er seine Begleiterin plötzlich tot im Bett liegen. Er ver- suchte, sie noch aufzurütteln, als ihm aber das nicht gelang, verlieb er die Wohnung, weil er vor Schreck nicht wußte, was er beginnen fallt«, suchte ein Lokal aus und nahm verschiedene Getränke, um sich zu beruhigen. Er ging dann wieder nach Hause, schlief bis morgens auf dem Sofa und ging endlich wieder weg, ohne auch jetzt recht zu wissen, was er anfangen sollte. Ohnehin von Geldnöten bedrängt, verlor er jetzt ganz und gar den Kopf. Im Laufe des Tages fuhr er nach Magdeburg, wo er früher als Soldat gestanden hat. Hier versuchte er alle die Tage hindurch, von Bekannten Geld zu be- kommen. Nach fruchtlosen Bemühungen entschloß er sich, nach Verlin zurückzukehren. Die Kriminalpolizei nahm ihn vorläufig in Schutzhaft. wieder eine Denkmalsschändung. Mit einer roten Säure besudelt wurde in der vergangenen Nacht das Denkmal M o l t k e s auf dem Platz der Republik. Nach den bisherigen Ermittelungen hat den Schänder niemand gesehen. Die Besudelung wurde erst heute morgen entdeckt. Zung-Arankreich, Zung-Deulschland. Vor kurzem trafen, wie mitgeteilt, deutsche Schüler, die als Gäste bei f r a n z ö s i fch e n Familien ihre Ferien verbrachten, in Gesellschaft ihrer Gastgeber wieder in der Heimat ein. Ihnen zu Ehren veranstaltete die Liga für Menschenrechte in ihren Räumen einen Nachmittags- empfang. Die jugendlichen Gäste wurden von Dr. Kaschinsti aufs herzlichste begrüßt, worauf Frau Leire, die den ganzen Schüler- austausch technisch leitete, eine Ansprache hielt. Unter den Anwesenden waren Vertreter des Londesjugendamtes Berlin, des französischen Konsulates und der französischen Gesandtschaft. Nach den Großen ergriffen dann die Kleinen das Wort, berichteten über die Erlebnisse ihrer Reise und lobten einstimmig das herzliche Entgegenkommen, das man ihnen in Frankreich geboten hatte. Als jüngster Vertreter Frankreichs sprach ein vierzehnjähriacr Franzose, der am Schluß seiner hübschen Ansprache die kleine deutsche-fronzüsische Allianz als geschlossen und besiegelt bezeichnete. Hierauf gab's Kaffee und Kuchen, es wurde photographiert und geplaudert. Vergnügte Jugend, die leicht und schnell die Brücke zueinander findet. Sonnlagstonzert der Schutzpolizei. Die Musikvereinigung III der Schutzpolizei veranstaltet am Sonntag, 14. August, mittags von 12 bis 1 Uhr, amRathauseinSchönebergein Platzkonzert. IvohNSllgteilssest Sarlshorst. Am Sonntag, dem 14. Slugust, findet aus der Rennbahn K a r l« h o r ft(2. Platz) eine grotze WofjltStigkeit«- Veranstaltung statt, deren Reinertrag zur Schaffung eines Kranlentransport- auto» für die Freiwillige Feuerwehr Karlshorst verwendet wird. Anßer dem Konzert der Feuerwehrlapelle gelangt eine Revue.Ariisten einst und jetzt', dargestellt von 60 erstklaifigen engagementSIoscn Artisten, zur Bor- sühruNg. StntrittStarten 1 R., Kinder die Hälfte. Nhön-Segeiflug-Vettbewerb. F, W, wasserkuppe, 12. August.(Eigenbericht. Von den gestrigen Tagespreisen sind nur di« im Schulung»» Wettbewerb ausgeflogen worden. Für die größte Gesamtflug- dauer in mehreren Flügen erhielt mit einer Gesamtflugzeit von ?9 Minuten 5 Sekunden Schleicher auf„Djevelar anama" den ersten Preis und mit 21 Minuten 37 Sekunden S ch l t e d t auf„Götz von Berlichingen" den zweiten Preis. Heute herrschte wieder emsiges Treiben auf der Wasserkuppe. Mitunter waren mehrer« Flugzeuge zu gleicher Zeit in der Luft. Der Münchener T ö n n i e» auf.Munchener Kindl" führt« einen Flug von 1 Stunde 40 Minuten Dauer aus. Seine Landung erfolgte beim Heidelstein. Mit der „Darmstadt" machte R« h r i n g zuerst«inen 40-Minuten-Flug; später legte er noch einen Streckenilug von 21 Kilometer zurück und landete bei Wolsertshausen. Dirtmar führt« schöne Flüge auf dem Eindecker»Albert" aus; desgleichen Kegel auf seinem Ein- decker N e u m a n n von der Marcho Silesia-Breslau blieb 24 Minuten in der Luft. Bei allen Flügen wurden durchweg Höhen von 150 bis 200 Meter über Startstelle erreicht. Dr. Q u a t t e I- bäum- Frankfurt a. M. erlitt bei der Landung in der Nähe van Sieblos eine Fußverletzung._ Unwetter in Frankreich. pari», 13. August. Gewaltige Stürme haben in den Gegenden des Rhone- und Saonetals bedeutenden Schaden angerichtet. An verschiedenen Stellen sind die Bahnstrecken aufgerissen worden: die Ernte in fünf Departements ist völlig vernichtet. In vielen Ortschaften sind die Dcicher von den Häusern abgedeckt worden. Besonders schwer ist die Gegend von M a n tu a heimgesucht worden. Todes. fälle sind bisher nicht gemeldet. s t 1 die Arbeitsgerichte 1 �26. Sie Bedeutung des Betriebsrätegesetzes. Tin« amtliche Statistik gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit der Gewerbegerichte, Kaufmonnsgerichte und vorläufigen Arbeits- gerichte im Deutschen Reich im Jahr 1925. Da am 1. Juli 1927 die neuen Arbeitsgerichte noch dem im Frühjahr verabschiedeten Gesetz in Kraft getreten sind, kommt die llebersicht über die Tätigkeit ihrer ZZorgänger im letzten abgeschlossenen Jahr erhöhte Bedeutung zu. Im Jahre 1926 betrug die Zahl der im Deutschen Reich vor- handenen kommunalen Gewerbegerichte S60. Daneben standen 12 staattiche und 12 Lerggewerbegerichte. Die Zahl der von ihnen bearbeiteten Streitigkeiten ist gegenüber dem Vorjahr g e st i e g e n, wenn auch nicht so stark wie im Jahre 192S gegenüber 1924. Insgesamt wurden 147 42S Fälle erledigt, von denen 7ZS2 allerdings noch aus dem Borjahr übernommen waren. In der Mehrzahl der Klagesachen stritten erklärlicherweis« Arbeitnehmer gegen Arbeitgeber. Der Anteil der Arbeitnehmer klagen ist sogar noch größer als im Vorjahre, wo er nur 94,6 Proz. oller Fälle gegenüber 97,8 Proz. im Jahre 1926 betrug. Die Streitigkeiten der Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer haben sich da- gegen von Z,Z auf 2,1 Proz., diejenigen von Arbeitnehmern des gleichen Arbeitgebers gegeneinander von 2,1 auf l>,1 Proz. ermäßigt. � Di« Beschäftigung der einzelnen Gerichte war außerordentlich verschieden. Etwa vier Fünftel aller Gewerbegerichte waren mit weniger als 290 im Berichtsjahr anhängigen Sachen befaßt. 11,3 Proz. der Gerichte erledigten 299 bis S99, während die Zahl der mit über 500 Streitfällen belasteten Gericht» nur etwa 7 Proz. betrug: IL Proz. oller Gewerbegericht« sind im Berichtsjahr über- Haupt nicht in Tätigkeit getreten. Was die Kaufmonnsgerichte anlangt, so Hot sich deren Zahl im Berichtsjahr um 3 auf 341 erhöht, 242 waren für Einzel- gemeinden zuständig, die übrigen für die Bezirke weiterer Gemeinden oder Kommunaloerbände. Ihre durchschnittlich« Beschäftigung ist von 143 Sachen im Jahre 1926 auf 134 zurückgegangen. Während die Zahl der bearbeiteten Rechtsstreitigkeiten bei den Gewerbe- gerichten wenn auch mäßig gestiegen war, ist sie bei den Kaufmanns- geeichten um SL Proz. von 48 446 auf 45 759 Fälle zurückgegangen. Auch hier ist der Anteil der Arbeitnehmerklagen mit 98,1 Proz. gegenüber dem Vorjahr(97,9 Proz.) g e st i e g e n. Die Verteilung der Fälle auf die einzelnen Gerichte war ähnlich wie bei den Gewerbegerichten, sehr ungleichmäßig, weit über vier Fünftel oller Kaufmonnsgerichte waren mit weniger als 299 Streitsachen befaßt und 8 Gerichte, d. h. 2,3 Proz. der Gesamtzahl traten gar nicht in Tätigkeit. Zu den genannten Kammern kommen noch die vorläufigen Arbeitsgerichte, d. h. die orbeitsgerichtlichen Kammern der Schlichtungsaus schösse hinzu, von denen im Jahre 1926 263 vorhanden waren. Von den Arbeitgebern wurden die vor- läufigen Arbeitsgerichte im llrteilsoerfahren im Berichtsjahr fast um die Hälfte weniger als im Jahre 1925 in Anspruch genommen: die Klageerhebungen der Arbeitnehmer sind dagegen in geringem Maße, die der Betriebsvertretungen aber»m mehr als 76 Proz. g e st i e g e n. Gegliedert nach der Prozeßart«ntfiel in den Vorjahren der größte Teil auf Klogen gemäß Zß 84 bis 99 des Betriebsrätegesetzes(Entlassung von Arbeitern, Entschädi- gungspllicht des Arbeitgebers). Die anderen arbeitsgerichtlichen Prozeßstoffe traten daneben stark zhrück. Im Urteilsversahren be- irajejt y, a. Lohnstpestigkeiten landwirtschaftlicher Arbeiter in 1,3 Pro�. der Fäll« gegen 2,1 Proz. der Fälle im Vorjahr, im Be- schlüßversahren die Betriebsvertretungen bei 2,3 Proz., Ersetzung der Zustimmung der Betriebsvertretungen zur Kündigung ihrer Mitglieder bei 3,2 Proz. oller Sachen. Diese llebersicht zeigt, welch große Bedeutung die Arbeits- gerichte für die Arbeiterschaft haben. Es geht aus ihr hervor, wie wenig genau es die Unternehmer mit den gesetzlichen Bestimmungen Nehmen. Die llebersicht zeigt aber auch, wie wichtig die durch das Betriebsrätegesetz geschossenen Schutzbestimmungen find. Gerade der außerordentlich hohe Prozentsatz der.Klagen, die sich aus diese Schutzbestimmungen stützen, zeigt auf, wie groß ihre Bedeutung für die Arbeiterschast ist. aber auch, daß die Unternehmer sich nur schwer an die Einhaltung dieser Bestimmungen gewöhnen können. Im übrigen gibt der Beschäftigungsgrad der Gericht« auch Fingerzeig« für die Orgonisation der neuen Arbeitsgerichte. Die Verlegenheit üer Spalter. Sie verleugne« die eigenen Beschlüsse. Wir haben in unserer Abendausgabe vom Freitag einen Brief des kommunistischen Abg. Stöcker an dos Zentralkomitee der KPD. veröffenllicht und gleichzeitig an den Beschlüssen der KPD. aufgezeigt, wie die Spaltung der Gewerkschas. ten von Moskau aus organisiert worden ist. Die KPD. selbst hatte wohl gegen die Gewerkschaften gehetzt und die Gründung von kommunistischen Gewerkschaftsorganisationen gebilligt. Sie schätzte aber ganz richtig die Kraft der deutschen Gewert. s ch a f t« n ein und traute sich deshalb nicht recht, die Spaltung im großen zu betreiben. Sie wollte wohl, aber sie konnte nicht. Da kam jener Brief von Stöcker und die Umstellung er- folgte sofort. Die Spaltung sollt« nunmehr als die Politik der KPD. mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln durchgeführt werden. Wenn e» nicht dazu gekommen ist, so ist das gewiß nicht, wie der Wortlaut der von uns veröffentlichten Beschlüsse zeigt, das Verdienst der KPD. Die Widerstandstraft der Gewerkschaften, da» Mißtrauen der Arbeiterschast in die KPD., der Widerwille, sich Unter da« Joch von Moskau zu begeben, waren größer uftd stärker als de? Einfluß der ZkPD., unterstützt von den unerschöpflich stießen- den Geldmitteln Moskaus. Nichts zeugt besser sür das böse Gewissen dieser Gewerkschafts- spolter, als daß sie mühsam um unsere Beröffentlichung herumreden und die vom Zentralkomitee der KPD. gefaßten und von der„Roten Fahne" selbst vor drei Jahren oeröffentlichien Beschlüsse mit keinem Wort zu erwähnen wagen. Diese Beschlüste, die o s s e n � zur Schau getragene Absicht, die G e w e r k s ch a s te n zu s p a l t e n, die in a n d« r en Ländern auch zur Durchführung kam, erklären erst, warum Oudegeest und mit ihm viel« andere den Bolschewisten gegenüber mit durchaus berechtigtem Mißtrauen han- delten. Das ist der Kern der ganzen Angelegenheit, auf den die Gewerkschastsspalter nicht einzugehen wagen. Die or�anisierten�Arteiter in OesterreicK 19�1-19�6 In*! 000 Personen z 1079.8 1049.9 1896.8 1 82.8.1 807.5 756. m B Männer I FVi III •auen yse.u. AniLänder 67.i Otcrosterr.6i.» SteierrnarWu NiederMtereß�i Wi enHil.a 19*1***3»*4,*5 19*6 Verteilunl Tarifabkommen im Hastwirtsgewerbe. Im Stuttgarter Gostwirtsgewerb« ist nach monate- langen Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß ein neues Tarifabkommen zustandegetommcn. Darin wird die r e g« l- mäßige reine Arbeitszeit ausschließlich der Pausen auf 48 Stunden in der Woche festgesetzt, jedoch für die Dauer des Der- träges auf 9 Stunden täglich bzw. 64 Wochenstunden verlängert. In einem Zeitraum von 13 Stunden sind also täglich 2 Stunden für Essenszeiten und 2 Stunden für Ruhepausen einzulegen. Während der Ruhepausen dürfen die Arbeitnehmer die Arbeitsstelle verlosten, aber zu keinerlei Arbeit herangezogen werden. Für die 49. bis 54. Wochenarbeitsstundc wird ein Zuschlag von 6 M. zum Arbeitslohn gezahlt. Wenn der Betrieb eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 19 Stunden nötig macht, ja ist diese Mehrarbeit bis zum Ablauf der folgenden Wochc wieder auszugleichen. Jugendliche, Männlich« Arbeitskräfte unter 16 Jähren und weiblich« ckntee 1» Jähren dürfen vor 6 Uhr morgens Und nach 19 Uhr abends nicht mehr beschäftigt werden. Die G a r a n t i e l ö h n e des männlichen Personals werden ob 1. Juli 1927 um 26 Proz., die des weiblichen Personals um 16 Pro.z. erhöht. Im gleichen Berhältnis erhöhen sich die Sätze des Aushilfs- Personals. Die Sätze des feftbesoldeten Personals erfahren eine Er- höhung um 19 Proz., womit die 64stündige Wochenarbeitszeit ein- schließlich des Zuschlages ausgeglichen ist. Die Löhne der Köche beginnen mit 169 M. für alleinarbeitende Köche und steigern sich sür Küchenmeister mit mindestens 8 Köchen bis 369 M. Aussperrung in üer Krefelüer Seiüeninüustrie. so ovo Arbeiter ausgesperrt. Krefeld, 13. August.(MTB.) wie wir erfahren, hat der Arbeilerverbaud der rheiulfchen Seiden iaduflrie wegen de« bekonnten Streitsalles heute vormittag sämtlichen Arbeitern iu den Betrieben der Beredelungsindnstrie in feinem Verbandsbereich gekündigt, von dieser erweiterten Aus- sperrnag. die heute abend in Kraft tritt, werden rund 4000 Arbeiter betroffen, so daß sich die Gefomt�phl der ausgefperrten Arbeiter auf rand Ml» stellt._. Vrohenüer Generalstreik in �oüz. Eingreifen des Arbeitsministeriums. Die Zwischenoerbondskommiffion der großen Perbände m Lodz hat beschlossen, die streikenden Straßenbahner durch einen General- streik zu unterstützen, sosern die Wieder einstellung der beiden ent- lastenen Straßenbahner nicht erfolgt. Das Arbeitsministerium Hot bereit» vermittelnd eingegriffen. Bor»ene» Lohnkämpfe» iu der saarländische« Schwerindustrie. Saarbrücken, 13. August.(TU.) Die Lohnsrage in der saarländischen Schwerindustrie scheint zu einem neuen Streik Anlaß zu geben. Erst kürzlich stnd die Organi- sotionen der Metallarbeiter bei dem Arbeitgeberverband vorstellig geworden, um �ire Erhöhmrg der Barkflöhne mid dartlder(hwrn* eine ollgemein« Lohnerhöhung zu. beantragen. Es wurde in der Begründung auf die steigende Teuerung und die durch den Abbau verschärste Not in den Familien hingewiesen. Der Arbeilgeberver- band hat weitere Lohnoerhandlungen abgelehnt mit der Begrün- düng, daß ein« Rentabilität der saarländischen Hüttenbeiriebe trotz Senkung der Löhne und Kohlenpreisc noch immer nicht vorhanden sei. Ebenfalls wird eine Steigerung der Teuerung bestritten. Der Schlichtungsausschuß, von den die Angelegenheit gebracht wurde, hat erklart, daß er nichr in der Lage sei. einen Spruch zu fällen. Es ist daher anzunehmen, daß in der nächsten Zeit weitere schwere Kämpfe um ein« Lohnerhöhung austreten werden. Wirtschaft Der Sparst»« üer Masten. Ueber 4 Milliarden Spareinlagen in 2V£ Jahren! Nicht spricht so sehr für die Widerstandssähigkeit der deutschen Dolks- Wirtschaft und sür den wirtschaftlichen Sinn der arbeitenden Schichten in Deutschland, wie das stetige Anwachsen der Spareinlagen. Nach dem Iuniausweis haben die gesamten Einlagen an deutschen Spar- tasten die vierte Milliarde bcreitsübersch ritten. Gegenüber dem Bestand im Juni 1926 haben sich die Einlagen fast oerdoppelt. Das ist eine geradezu gewaltige Leistung der ver- armten Masten im Rachkriegsdeuffchland. Man kann den jetzt vor- handenen 4 Milliarden nicht die rund 29 Milliarden Spar- einlagen aus dem Jahre 1914 gegenüberstellen. Diese 29 Milliarden sammelten sich im Lauf von über 49 Friedensjahren in einer Zeit an, wo Deuffchlands Wirtschaft einen ungeheuren Ausschwung nahm, wo Mastenarbeitslosigkeit und Mastenarmut im heutigen Sinne ganz unbekannte Dinge waren. Die jetzt ersparten 4 Milliarden aber sind Pfennig für Pfennig von einer im Krieg a b- gerissenen, in der Inflation enteigneten und enterbten und in der Stabilisierungszeit durch schwere Arbeitslosigkeit heim- gesuchten Bevölkerung zusammengetrogen, obwohl das tag- liche Leben heute ganz andere Ansprüche an den einzelnen stellt als vor dem Kriege. Die Ziffern allein, ohne jeden Kommentar, sollten endlich einmal den Unternehmern und all den Neunmalklugen, die stets von der Leichtfertigkeit des Arbeiters im Geldausgeben reden. Beweis genug sein, mit ihrem Geschwätz auszuhören. Folgende Tabelle zeigt das Ansteigen der Spareinlagen von kleinsten Ansängen im ersten Jahr nach der Inflation bis heme. In Millionen Mark betrugen die Spareinlagen: Ende Dezember 1924 1926. 1926 . April 1927 , Juni 1927. 698,9 1696,9 3 996.4 3 864 4 022,7 Das Ergebnis ist um so erstaunlicher, als in dieser Einlagen» ftotistik die aufgewerteten Guthoben von früherer Zeit nicht enthalten sind. Steigende Rohstoffeinfuhr der Leinen- und Znteiadustrie. Di« gegenüber dem Borjahr« gebesserte Beschäftigung in der Leinen- und Iuteindustrie sowie die steigende Tendenz für Rohflachs und R o h j u t e hat zu einer starken Zunahme der Rohstofseinfuhr in beiden Industriezweigen geführt. Es wurden an Rohflach» in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 216615 Doppelzentner importiert gegen nur 47 184 Doppelzentner in der gleichen Zeit 1926. also über viermal soviel! Dem Werte nach stieg die Emsuhr von 6 439 999 M. auf 26 989 999 M. Gleichzeitig erhöht« sich auch der Import von Flachs-, Werg- und Leinengarnen, und zwar von 15 396 Doppclzentner im Werte von 6 469 999 M. auf 71 397 Doppclzentner im Werte von 26 241 999 M. Dagegen hat sich die Ausfuhr mit 1622 Doppelzentner in der ersten Häkste de» lausenden Jahres gegen 1289 Doppelzentner im Borjahre nur relativ wenig erhöht. Bon der Iuteindustrie wurden in diesem Jahre beinahe doppelt soviel Rohstoffe eingeführt wie im Bor» jähre. Der Import von Jute und Werg stellt sich für da» erste Haldjahr 1927 auf 689 226 Doppelzentner gegen 373 946 Doppel- zentner im ersten Halbjahre 1926. Insgesamt Hot sich die Jute- und Jutewareneinfuhr von 389 964 Doppelzentner aus 719 669 Doppelzentner erhöht, während der Export von 164 817 Doppelzentner auf 93 266 Doppelzentner zurückgegangen ist. Südafrika braucht Lokomotiven. Der Eisenbahnrat der S ü d- afrikanischen Union hat die Lieferung von 126 Lokomotiven ausgeschrieben. Der Wert der Ausschreibung betrögt etwa 26 Mil- lionen Mark. Di« deutsche Lokomotioindustrie. die in den letzte» Jahren mit Erfolg an den südafrikanischen Konkurrenzen teilgenom- wen hat, wird sich auch an dieser Ausschreibung beteiligen. Theater üer Woche. »o« 14. August bis 2«. August 1927. «t»at»th««trr!». St.. 2Z«in degerer Herr. SchMer Theater: ZV. N.?Z. Theater de»«est»»,! Die Tuaendprinzessln.»««Ische Oper: Streng verboien!!! «eutsch«»«»»stlrr.Theater: Du wirst mich heiraten. Lnstsptelhan»: Sase Clrclrit. Lesstng.Theater! Israel. Trs-non-Theater: Drmimonde. geatral-Theater: lt. M-ZSetle 15. grschlossrn. Ad lS. Drr Hrrr Brrtridiger.«athalla-The-ter: Drr fröhliche Weinberg. Rose.Theatrr: Fllrlienwende Danenbühne: Liebe ist Trumpf. «d«tral»p«laft: An und au«. Wintergarten: Pariet«. Seala: Internationale» EMe-Eäng?' Etettiner Sanger Theatrr am«ottbufler Tor: B.ranlwortlich für Politik:»ich. ei.«er. stein: Wirtschaft:«.«aternn,: Drwerkfchaftsb-weguiig:»riebr. e,t,r»! geuilltton:».». DI,-her: Lokale» und Sonstige,:?ri»«arftldt; stnjeigen: Th.»locke! sämtlich in Berlin. Berlag: B»rwart».Verlag D. m. b. H., Berlin. Druck: BorwärU-Buchdruckeret unk Verlagsanstall Paul Einger o So. Berlin 638 68, Lindcnftrahe 3. TRAURINGE I Ring Dukatengold<900 gest.) zum Reklameprels von.... Mk. 18.— Gediegen und modern.... Mk. 22.— Schwere Austührung..... Mk. 28.— [£ I JnliaSf 8 kam«. Ring* v. Mk. 4- bis p. 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