Nr. ZS2 ♦ 44,?ahrg. Ausgabe A Nr. 195 Bezugspreis. WSchintlich 70 Pfennig, vwnaflich S,— Reichsmark voraus jachrbat. Unter Etreifbant im Zn» unt, Ausland SLO Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissem"..Aus der Filmwelt". .Frauenstimme"..Der Kinder. freund"..Iugend-Vorwärts",.Blick in die BUcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochcntiiglich zwei. mal. Sonntags und Montags einmal. L Telegramm-Adreste: 1 �Sozialdemokrat Berlin' Sonntagsausgabe Derliner VolksblÄkt 15 Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. »eile M Pfennig. Rcklameteile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig fzuliifstg zwei fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuch« das erste Wort 1Z Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 1Z Buch- ftaben zählen fUr zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 00 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen fitr die nächste Nummer muffen bis iMi Uhr nachmittags im Sauptgefchäft. Berlin SW 08, Linden. strasteZ, abgegeben werden. Geöffnet von 8Vi Uhr frUH bis s Uhr nachm. Zentralorgan der 8oz»aldcmokrati fehen Partei Deutfd�lands Redaktion und Verlag: Serlin SW. HS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. b8, Linöenftr.Z Poftfcheckloat»!»erli» Xt SS*— Bankkonto! B-at der«rdeiter, Angefteltr» und BeanUe», Walftr. 01: Diskonto. Gefestlchast. Deoostteukaffe Lindenstr. 0, Der Staat den Republikanern! Gewaltige Berfaffungskundgebung des Reichsbanners in Leipzig. W. Tr. Leipzig, 13. August.(Eigenbericht.) Am frühen Nachmittag setzte der Zustrom aus den Provinzen kraftvoll ein und steigerte sich fortgesetzt bis zum Abend und in öie Nacht. Am Sonntag früh werden aus der näheren Umgebung lediglich die letzten Zehntausend« eintreffen. Am Sonnabend, 6 Uhr nachm., trafen pünktlich der Bundesleiter Hörfing und Reichskanzler o. D. Dr. Wirth ein. Sie und die übrigen Ehrengäste wurden auf dem Bahnsteig von den Leipziger Kameraden lebhast begrüßt. An der Ostseite des Bahnhofs hatte zum Empfang des Bundesleiters eine Abteilung Reichsbanner mit Musikkapelle und Spielleuten Auf- stellung genommen. Brausende Freiheilrufe begrüßten den Bundes- führcr Hörsing und die übrigen Gäste beim Detreten des Bahn- Hofs. Der Platz war von Zehntausenden von Zuschauern dicht umsäumt. Unter Borontritt der Musikkapelle wurde der Marsch nach dem Bundeshauptquartier angetreten. Bon dort begab sich Bundessührer Hörsing mit den anderen Ehrengästen zum Neuen Rathaus, wo die Eröffnungsfeier vor sich ging. Der Deutsche Arbeitersängerbund Leipzig sang in prachtvoller Reinheit den„Tord Foleson". Dann bestieg, von herzlichsten Zu- rufen begrüßt, Bundesführer hörstng das Podium und nahm für den Bundesvorstand das Wort. Cr hieß die Erschienenen herzlich willkommen, begrüßte zunächst die Vertreter der Feier, dann die Vcr- treter des Rates der Stadt Leipzig und die Leipziger Bürgerschaft, die Vertreter der republikanischen akademischen Jugend und des Republikanischen Richterbundes, die Vertreter der freien Gewerk- fchaften und der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, der republi- konischen Presse und fand zuletzt herzliche Worte der Begrüßung für Prof. Götz- Leipzig, Kreishauptmann Lange. Reichstagsabgeord- neten L i p i n s k i und Reichskanzler a. D. Dr. W i r t h. Nun hielt Bundesführer hörsing, von lebhaftem Beifall unterbrochen, folgende Ansprache: Sunöesvorsitzenöer Otto herfing. Im neunten Jahre der deutschen Republik jährt sich zum achten Male der Tag, an dem sich die deutsche Nation selbst für mündig erklärt und ihre Geschicke selbst in die Hand genommen hat. Bor acht Jahren hat die deutsche Nationalversammlung, trotz der Stürme der Außenpolitik, trotz des rasenden Orkans Im Innern des Land«s, der deutschen Nation ein« Verfassung geschenkt, die mit Recht als die demokratischste der Welt bezeichnet worden ist und die die Rettung ver deutschen Nation geworden ist. Die deutsche Nation hätte sich selbst geehrt, wenn sie, dem Beispiel großer Kulturnationen folgend, den Tag, an dem die Versassung be- schlössen wurde, zum Feiertag der Nation erklärt hätte. Aber leider, vier lange Jahre hindurch hat fast niemand daran gedacht, diesen Tag zu einem Nationalfest zu gestalten. Vier volle Jahre hindurch stürmten die Reaktionäre von rechts und links gegen die Republik, gegen die Verfassung mit aller Macht an. Endlich in der zwölften Stunde traten wir, die physische Kraft der Republikaner, das Reichsbanner Schwor z-Rot-Gold auf den Plan und warfen uns mit der ganzen Wucht den Feinden der Republik«nt- gegen,.stellten uns wie ein Mann vor die Reichsver- s a s s u n g. Mr nxiren die ersten, die vor aller Well den verfassungslag der Republik als Festlog 1924 in Weimar und im ganzen Reiche seierteni Unsere unermüdliche Arbeit, unterstützt von den Parteien der Wei- marer Berfassungskoalition, ist nicht vergeblich gewesen. Mit immer größerer Wucht veranstalteten wir die Feiern von Jahr zu Jahr, und wenn wir in diesem Jahr« die Versossungsseiern beobachten, wenn wir sehen, daß alle Regierungen, wie si« auch zusammengesetzt sein mögen, Bersassungsfeiern veranstalten, wie die Behörd'ii alle Volksschichten an den Feiern beteiligen, dann darf ich wohl'agen, die Saal, die wir. das Reichsbanner Schwarz-Rot-Goid. 1921 mit der ersten verfassungsseier säten, ist ausgegangen und hat Früchte getragen. Aber gewaltige Arbeit liegt noch vor uns, und wieviel Schweres ist noch zu leisten! Leider ist ein großer Teil der deutschen Nation noch nicht bereit, das Hohe und Erhabene der Verfassung der Re« publik zu erkennen. Leider ist es den Reaktionären noch einmal ge- lungen, die Erklärung des Verfassungstages der Republik zum gssetz- lichen Feiertag zu verhindern. Das ist sicher kein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Nation! Aber alle di«se bedauerlich.'« Vorgänge, auch die empörende Nichtachtung der gesetzlichen und verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarzrotgold durch die Reaktio- näre von rechts und links können den Siegeszug der republikanischen Parteien, des sozialen und republikanischen Gedankens, das Vor- wärtsstürmen des Reichsbanners nicht mehr lähmen oder gor auf- halten. Das Reichsbanner hat in Deutschlands schwerster und trau- rigster Zeit die Fahne der Republik in die Hand genommen, hat gezeigt, welch ungeheure Massen bereit sind, für die Republik zu streiten. wir haben das verkraaen zur Republik zurückerobert und ge- festigt. Mr haben das Banner Schwarzrotgold zu hohen Ehren gebracht; Schwarzrotgold, dt« Symbole unserer Väter, die ein einiges und freies Großdeutjchland wollten, diese Farben wollen wir, das geloben wir auch am Verfassungstage, dem höchsten Ehrentag der Republik, weiter vorantragen, bis unser hohes Ziel erreicht ist, bis die Repu- blik, ihre Verfassung und ihre Farben Allgemeingut der ganzen deutschen Nation geworden sind! Nach einer von starkem Beifall begleiteten Ansprach« nahm Prof. Erik Nölking- Frankfurt a. M. das Wort zu einem tiefdurch- dachten Bortrag: Prof. Dr. Srik Nolting-Irankfurt a. Nl. Was der deutschen Republik den Weg zum Herzen breiter Bolksschichten lange verwehrte, ist ihr angeblicher Geburtsmakel. Ihre Existenz ist verknüpft mit der Erinnerung an Niederlage und Zusammenbruch. Es ist aber gerade die Revolution des Jahres 1918, die für die deutsch« demokratische Republik die Legitimation und die Rechtfertigung bedeutet. 1918 zeigte auf, daß 1871 nur eine Schein- lösung war, brillant und effektvoll in Szene gesetzt, von der Sieges- gloriole überstrahlt, aber doch nur eine Scheinlösung, die im tiefsten Grunde keine Lösung der deutschen Frage bedeutete. In der demokratischen Republik fällt der Verfassung eine ganz andere Bedeutung und Funktion zu als im alten Staat. Alle über- zeugten Republikaner erheben seit langem den berechtigten Anspruch darauf, dag der Tag der Versassungsoeradschiedung zum Nationalfeiertag erhoben werde. Man hat uns geantwortet, daß einer solchen Forderung eine starke Ueberschätzung der Bedeutung und Volks- tümlichkeit der Verfassung zugrunde liege. Diese Entgegnung ver- kennt, daß die Versoffungsurkunde in einem monarchistischen Ge- meinwesen ein ganz anderes Gesicht hat als in einem demokratischen Einheitsstaat. Die Verfassung ist«in Dokument der Selbstoerwal- tung, die staotsrechte Form für unser staatspolitssches Sittlichkeits- gefühl und unser soziales Verantwortungsbewußtsein. Di« Urkunde ist die Form, in der ein freies Volk seine öffentlich« Schicksalsgewalt vollziehen will. Freilich gibt es nicht nur die Bindung des Volkes an seine Verfassung, es gibt auch eine Bindung und Verpflichtung der Verfassung gegenüber dem Volk. Wenn der Weimarer Ver- fassung die breite Volkstümlichkeit bis heute vielfach verjagt geblieben ist. jo nicht zuletzt deshalb, weil alle Grundsätze einer Verbesserung bis beute unerfüllt« Versprechungen sind. Die deutsche Republik und ihre Verfassung sind in eine Der? trauenskrise hineingeraten, die aus die Dauer verhängnisvoll werden muß, wenn man keinen Ausweg findet. Die Massen sehen den Wert der Berfassung besonders auch darin, daß sie hilft, die sozio- len und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten auszu- gleichen. In diesem Kampf zur Erreichung einer vernünftigen und menschenwürdigen Lebenslage richten sich heute die Augen der vom Besitzmonopol ausgeschlossenen Massen auf den Staat. Eni- täuscht der Staat die Hoffnung, das Vertrauen der Massen, so muß die Staatsentsremdung und der Staatshaß der Massen die unauf- haltsame Folge sein. Heuteglertdie Wirtschaft nachdem Staat, sucht ihn zu überwachsen und zu überwuchern mit ihren egoistischen Interessenforderungen. Verstärken sich die plutokratischen und kapitalistischen Verhältnisse unseres Staatswesens, so muß es dahin kommen, daß die Arbeiterschaft diesem Staat gegenüber schließ- lich ihre Jnteressenlosigkeit erklärt. Wird aber der Staar der Schirmherr eines sozialen Rechts, der Förderer einer all- gemeinen Wohlfahrt, der Träger einer wahren Volkshiltur, so muß ein« erstickte Flamme der Lieb« das durchbrechen, was Lassalle einmal die besondere Staatsidee des Arbeiterstandes genannt hat. Das ist der beste Weg, diese Berfassung im Bewußtsein des Volkes zu ver- ankern: mit ihrer Existenz die' Hoffnung zu verknüpfen aus soziale Befreiung und kulturellen Aufstieg. Nachdem Rölting unter dem brausenden Beifall der Zuhörer geendet hätte, schloß hörsing mit einem dreifachen Frei Heil auf die Republik den Eröffnungsakt. Inzwischen vollzog sich auf dem riesengroßen Platz in der Mitte der Altstadt der Aufmarsch der Kolonnen.'- Der mächtige Platz war für jeden Berkehr vollkommen gesperrt. Gewaltig« Massen umsäumten ihn in dichten Scharen. Das un- geheure V'sreck log schließlich von allem Verkehr entblößt in voll- kommener Stille und Ruhe unter dem nächtlichen Himmel da. Drei riesenhaften Fahnen von ungewöhnlichem Ausmaße, die schwarzrot- goldene Nationakfahne, die grünweihe Handesfahne und die blaugelbe Stadtfahne wehten auf dem Platz. Dann scholl geisterhaft.durch den Lautsprecher ein Signal und 2500 Spielleute spielten mit un- übertrefslicher Sicherheit und prachtvoller Verve den Reichs- bannermarsch. Darauf ergriff der Reichstagsabgeordnete L i p i n s k i das Wort. Reichstagsabgeorüneter Lipinski-Leipzig. Aus dem militärisch-monarchistischen Zusammenbruch entstand im November 1918 unter vollem Einsatz der Sozialdemokratie sür den Wiederausbau und die Neubildung des Staates die deutsche Republik. Die Notionalversammlung zu Weimar bestätigte die neue Staatsform. An die Stelle des alten Obrigkeitssraates trat die Volkssouveränität. Die Staatsgewalt geht vom Bolke aus, so beginnt stolz die neue deutsche Verfassung. Viel zu lange und geduldig hat das deutsche Volk als Untertan im halbabsolutistischcn Staat gelebt, um sich völlig der Freiheit im neuen Deutschland be- wüßt zu werden! Die Wahlen nach der' Nationalversammlung zeigten immer stärkeren Rückgang der republikanischen Stimmen, die Monarchisten erhielten durch die Gleichgültigen Oberwasser. Sie schufen sich in den national! st ischen Wehrverbänden eine starke Truppe gegen die Republik, sür die Monarchie. Der Ruhrkampf mit der folgenden Inflation schien die Republik an den Die Waffe öer Menfthlichkeit. Die große Aufgabe des Flugzeugs.— Ansprache von Professor Junkers in Dessau über die Ziele der Junkers-Werke. Dessau. 13. August(Eigenbericht.) Professor Junkers hielt auf einem Presseempfang, den der Bürgermeister von Dessau heute nachmittag veranstaltete, eine kurze Ansprache, die folgendermaßen lautete: „Ich möchte in diesem Augenblick, wo ich Gelegenheit habe, vor einem so großen Kreise von Presseleuten zu sprechen, Sie am liebsten bitten, mir einige von Ihren Fähigkeiten, sich auszudrücken, zu leihen, denn große und weitumspannende Fragen drängen sich mir und meinen Mitarbeitern bei unserer Tätigkeit für die Luft- fahrt auf. und gerne würde ich die Gelegenheit wahrnehmen, diese Fragen jetzt Ihnen, meine Herren von der Presse, ans Herz zu legen. Als ich hierherkam, dachte ich eine kleine Tafelrunde zu finden, mit der ich diskutieren könnte. Ich bin, was man so einen Kampfhahn nennt und lasse mich nicht so leicht unterkriegen. Eine Rede zu. halten ist mir dagegen weniger angenehm, denn ich bin kein Redner. Trotzdem will ich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um Ihnen einiges auf die Seele zu binden. Meine Mitarbeiter bemühen sich mit mir um den Flugzeugbau nicht nur, um damit Luftlinien betreiben zu können, nicht nur seiner großen volkswirtschaftlichen Bedeutung wegen. Unsere Ziele sind höhergesteckl, nämlich das Flugzeug zu benutzen. um die Alenschen und die Rationen einander näher zu bringen. Ich bin kein Politiker. Sehr oft trennt die Politik die Menschen. Wohl ist Politik Kampf, und Kampf ist unerläßlich. Aber der Kampf muß fruchtbar sein, und Politik ist häufig unfrucht» barer Kamjjs. Onset schönster Gedanke ist es, einen frucht- baren Kampf zu führen, der selbst den Unterlegenen noch fördert. Die politischen Interessen glaubt man ausfechten zu müssen zwischen den Nationen mit Feuerwaffen. Wir sind der Ansicht: es gibl stärkere Waffen als diese, und ihre Erfolge haben im Gegensah zu den Feuerwaffen eine Dauerwirkung. Wir sind in Deutschland ver- urteilt zur Wasfcnlosigkeit. Der Gedanke liegt nicht fern, diese unsere Lage zu benutzen, um daraus Vorteil zu ziehen. Solche Gelegenheit gibt das Flugzeug. Nach innen und außen kann das Flugzeug einen gewaltigen Einfluß nehmen. In Deutschland war bisher(und ich hoffe fest auch in Zukunft) die Lustfahrt das Gebiet, auf dem die politischen Gegensätze schweigen. Auch dieser gefüllte Saal ist wieder ein Beweis dafür. Vertreter aller politischen Parteien sind hier, und alle sind vom gleichen Interesse bewegt. So sollte es auch unter den Nationen sein. Wir sollten unsere Ausnahmestellung unter den Nationen, unsere Wafenlosigkeit, dazu benutzen, um der ganzen Welt zu zeigen: Es gibt noch stärkere Waffen als Kanonen. Wenn man sich losmacht von der Kriegspsychose, dann kann man sogar aus der Lage, in die uns vielleicht ein gütiges Schicksal versetzt hat, eine tiesliegende Verpflichtung ableiten. Unsere Aufgabe wäre es dann, mil der Waffe der Wenschlich- keit uns vorwärtszubringen. Ich bin fest überzeugt, daß gerade dieses Mittel der Menschlichkeit uns und damit auch andere Nationen vorwärtsbringt. Gerade wir dürfen dieses große und nachhaltig wirkende Mittel nicht meiden: denn die anderen können es ja sticht. Sie werden durch ihre Oeberfülle an SUSaff en daran gehindert.� Am Schlüsse der Ausführungen des Redners wollte das Hände- klatschen kein Ende nehmen. Ämb des Abgrundes zu drängen. Hier griff das Reichsbanner ein. Es sammelte die Republikaner. Unker dem Banner der Republik hämmerte es die republikanische Idee in die Köpfe des republikanischen Volkes, brachte das Banner der Republik zu neuem Ansehen. So scheint die Republik augenblicklich außer Gefahr zu sein. Der Schein trügt aber. Nur die Kampfesmittel der Monarchisten sind andere geworden. Wie kann die Republik gesichert sein, wenn Monarchisten sie verwalten! Wien zeigt, wie schwankend die Macht- grenze der Republik ist. Es gilt doppelle Anstrengung und Wach- samkeit für' die Erhallung und Sicherung der Republik. Darum entbot die Bundesleitung des Reichsbanners Sie nach Leipzig, um erneut das tausendfältig« Bekenntnis für die Republik ablegen zu lassen und zugleich für die republikanische Idee zu werben.- In Weimar gaben die einzelnen deutschen Volksstämme den Ausschlag. Di« 1848 erstrebte deutsche Einheit wurde auch in Weimar nicht ge- boren. Die Republik mußte sich mit den Ländern m Deutschland abfinden. Die Republik kann aber nur gedeihen, wenn die Stammes- interesien zurückgestellt und alle Kleinstaaten zusammengefaßt werden. Dieses hohe Ziel kann aber nur im Einheitsstaat erreicht werden. Au den deutschen Stammesgenossen gehören auch unser« ö st e r- reichischen Brüder. Gerade die Wiener Vorgänge zeigen die Sinnlosigkeit der Friedensverträge, die Staatsgebiloe zerrisien und neue schufen, ohne ihnen die Lebensfähigkeit zu gewährleisten. Erst recht fordern wir die Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland, damit die österreichischen Brüder mit uns vereint arbeiten und aufbauen können. Die heutige Kundgebung möge ein mächtiges Bekenntnis sein für die Republik, für den deutschen Einheitsstaat und für die Vereinigung Oeslerreichs mit Deutschland! Nachdem Lipinski geendet hatte, betrat Reichskanzler a. D. Dr. Wirth, von Beifall begrüßt, das Podium. Reichskanzler a. v. Dr. Vieth: Wir haben schon viele große Kundgebungen gesehen. Ich glaube aber, niemals in den letzten Jahren waren soviel Männer und Frauen aus Deutschland versammelt, nüt soviel innerer Hingabe und Be- geisterungsfähigkeit für den neuen Staat, wie heute abend hier auf dem Augustiisplatz. Gerade in diesem Augenblick wollen wir aber auch jener gedenken, die nicht mehr hier sein können, die aber für den Staat und für das Reich, das wir aufbauen wollen, ihr Leben im Kriege hingegeben haben, die vielen Männer, Frauen und Kinder: aber auch jener wollen wir gedenken, die im und nach dem November 1S1'8 das Reich und die Einheit des deutschen Volkes ge- rettet haben, vor allem des'' ersten Reichspräsidenten Friedrich E b e r t, der Rcichsminister R a t h e n a u und Erzberger. 2lber wir wollen nicht in Trauer versinken. Wir sind lebendige, politische Menschen, wollen Menschen der Tat sein. Mit emster Betonung sage ich, die Republik ist eine Sache des Volkes. Die Sache des Volkes wird entschieden im Staat, und wir machen den Staat. Unser Stärke im Deutschen Reich liegt nicht darin, daß wir wild uzn uns schlagen. Diese vier Kolonnen Reichsbanner, Männer und Jünglinge, müssen politische Menschen werden. Wir müssen die Hand nach der Staatsgewalt ausstrecken. Den Staat erobern aber können nur die republikani- sehen Parteien. Ich beschwöre euch dämm, Kameraden, ver- liert euch nicht in leere Vereinsmeierei, sondem betrachtet das Reichsbanner als die hohe Schule sta a t s p o l i t i s ch e n Denkens und Fühlens im Rahmen der politischen Parteien. Denn wenn wir nicht mit aller Kraft zum Staate streben, wird e» die Reaktion tun; sie' wartet nur darauf. Unter jubelnden Zurufen der Menge dankte Wirth Hörsing für feine bisherige unermüdliche Tätigkeit und wünschte, daß diese Tätigkeit dem Reichsbanner und der Republik weiter erhalten bleibe. Dann ermahnte er die Massen zu gemeinsamer Arbeit. Alle Kräfte müssen konzentriert werden auf die poli- tische Entscheidung, die im nächsten Jahre fallen wird. Zeige« wir. daß wir ernste Republikaner sind und sorgen wir dafür, daß vom Zahre l9ZS ab die deutsche Republik von deutschen Republikanern regiert wird. Empor die Fahnen, empor die Herzen, erhebt die Hände zum Schwur für unseren Führer Hörsingl Für die Freiheit, für das deutsche Vaterland! Herstellung von Glück. Von Paul Weerth. In einem seiner humoristischen Gedichte träumt Christian Morgenstern von einem Warenhaus für kleines Glück.„Palmström kann nicht ohne Post leben; sie ist seiner Tage Kost." Jener arme Palmström lebt inmitten unserer bunten, geräuschvollen Welt ohne Beziehungen, als eins der unzähligen Atome im wirbelnden Kreis- laus der großen Städte. Keiner denkt an ihn, keiner teilt sich ihm mit, wie es das Schicksal von Hunterttausenden ist.„Selten hört er seillen Brief plumpsen in den Kasten breit und ties." Er ist neidisch auf alle, die ein beziehungsreiches Leben führen. Ein« geniale Idee versetzt ihn mitten ins Leben hinew. Das„Warenhaus für kleines Glück" liefert ihm im Abonnement ein Quartal gemischte Post. In den Zeitungen las er bisher nur von dem rauschenden Leben der anderen. Jetzt bringt ihm der Postbote von früh bis spät Briese aller Art. worin Fremde sich ihm mitteilen und an ihn denken. „Palmström sieht sich in die Welt plötzlich überall hineingestellt." Er ist ein Mensch von Bedeutung, kein einsames, wesenloses Geschöpf mehr, und nur in seltenen Momenten dämmert ihm die schmerzliche Erkenntnis, daß sein vermeintliches Glück eine Schwindellieferung vom ,MKG." ist. In dieser- kleinen Groteske ist der Wunschtraum zahlloser Men- scheu ausgedrückt: Wie mache ich es, um glücklich zu fein? Ein bürgerliches Glücksmittcl ist auch die Couämethode, die den Glauben, der sich bisher auf ein Jenseits und einen darin befindlichen Gott richtete, nunmehr ins Innere des Menschen verlegt. Die Formel: „Mir geht es schon in jeder Hinsicht besser" soll das Wohlbefinden gleichsam durch ein Zaubermittel herbeiführen. Ein bequemes Mittel, um den kritischen Verstand durch eine Glaubenshypnose zu betäuben. Aber waren die Methoden des Obrigkeitsstaates und sind etwa die- jenigen der heute herrschenden Klasse anders? Kriegsruhm, Größe der Natton, Glanz des Herrscherhauses auf der einen Seit«, Pflicht- treue des Untergebenen, Bescheidenheit, Demut und Gehorsam auf der anderen, sind sie nicht ebenfalls Vorspiegelungen eines erlogenen Glücks? Bedurfte es nicht einer jahrhundertelangen Hypnose, um in einem ehrsamen Bäckermeister den Wunsch reifen zu lassen, einem abenteuernden Prinzen die Hand zu küssen? Hatte nicht ein Domela deshalb so leichtes Spiel, weil die ganze in Schulen und Kasernen betriebene Erziehung ein schwindelhaftes Warenhaus für kleines Glück gewesen ist? Um wahres Glück kennenzulernen, dazu genügt es, in einem jener Züge zu fahren, der die Massen am Sonntag aus den Frei- hadern und aus den Wäldern in die Stadt zurückführt. Das kurze Glück eines Sonnentages hat mürrische, grobjchnäuzige Menschen in fröhliche, mitteilsame Wesen verwandelt. Wo früher gehässige Redensarten steten, hört man Witzworte und Lachen. Ließe sich solch ein Glück nicht verhundertfachen? Ich erlebte dieser Tage ein Vei- Zehntausende von Händen werden mit Gewalt emporgerisseu. Zehntausend« von Händen recken sich zum nächtlich stillen Himmel empor. Totenstille herrscht auf dem weiten Plag. Jeder Lärm der Großstadt schweigt weit und breit. Kein Laut fällt in diesen packen- den Augenblick, den gewaltigsten der ganzen Feier. Dann löst sich der Bann. Roch einmal wirbeln die Takte der Spielleute über den Platz. Dann marschieren die Züge durch die stillen Straßen ab zu den in den Vororten gelegenen Quartieren. Die Stadt, die am frühen Morgen noch ziemlich farblos war, hat sich im Laufe des Nachmittags ziemlich stark verwandelt Ganz besonders in den Arbeitervororten war der Anblick überraschend, er- freuend und überwältigend. Ganze Straßen erstrahllen in Schwarz- rotgold. Man sieht Häuser, die vom Erdgeschoß bis zum vierten Stock mit schwarzrotgoldenen Fahnen und Fähnchen, mit Kränzen und Emblemen geschmückt waren. Wieder bewahrheitet sich das Wort Brögers, daß der ärmste Sohn auch der treuest« Sohn der Republik ist, denn gerade die ärmsten Quartiere, die Quartiere des Proletariats, haben es sich wieder nicht nehmen lasten, für ihre Kameraden und Arbeitsfr«unde ihre Häuser prächtig zu schmücken. Dieser Anblick wird unvergeßlich bleiben! Verfassungsfeier und flrbeiterfänger. Ueberraschcndes vom Funkhans. Im Zusammenhang mit dem Bericht über die D e r f a s s u n g s- seiet im Funkhause haben wir die Ueberraschung erwähnt, die den Besuchern durch das Fernbleiben der Arbeiter- sänget bereitet wurde. Sie waren zwar auf dem vorher ver- öffentlichten Programm mit bestimmten Chorliedern angekündigt, waren aber sang- und klanglos— in des Wortes doppelter Bedeu- tung— von der Bildfläche verschwunden. E» war selbstverständlich, daß zahlreiche Besucher der vom Magistrat Berlin und der Preußenregierung gemeinsam mit der Reichsregierung veranstalteten Feier nach den Ursachen dieser Beränderung fragten und mehr oder weniger boshafte Mosten dazu machten. Inzwischen erfahren wir aus dem preußischen Ministerium, daß unsere Vermutung, an dem Lied„Tord Foleson" wäre Anstoß ge- nommen worden, falsch sei. Bielmehr hat der Arbeiter-Sängerbund von sich aus— oder doch seine einzelnen Chöre— abgelehnt, sich an der Berfassungsfeier gesanglich zu beteiligen. Wir gestehen, daß wir diesen in der Oeffentlichkeit bisher unbekannten Entschluß außerordentlich bedauerlich finden. Nicht nur, daß die Absage der Arbeitersänger im letzten Augenblick rein künstlerisch schon, der Veranstaltung die so dringend erforderliche Kampfes- note nahm: der Schritt ist auch deshalb zu bedauern, weil die Arbeitersängerchöre jede Gelegenheit benutzen sollten, um vor der breiten Oeffentlichkeit ihr Können zu zeigen. Sie haben keine Ursache, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Und wo von der Republik und ihrer Verfassung zu„singen und sagen" ist, da dürfen die Arbeitersänger nicht fehlen. Sie dürfen sich vor allem nicht selbst beiseite stellen. Brückenbau für Keuöell. Damit er sich nicht zu entschuldige« brancht. Die„Tägliche Rundschau" teilt mit: „Der Zwischenfall im Reichsrat, bei dem der Reichsinnen- minister von Ksudell dem preußischen Vertreter Dr. Badt Vertrauensbruch vorwarf, hat wtederholt den Geschästs- ordnungsausschuß des Reichsrates beschäftigt. Man bemühte sich, diesen Zwischenfall auf dem Wege der Ve r st ä n d i g u n g aus der Welt zu schaffen. Am Freitag hat erneut eine Beratung der Reichs- ratskommission mit dem Kanzler stattgefunden. Es ist anzunehmen, daß nunmehr ein Weg zu einer Verständigung gefunden ist. Die Besprechungen können jedoch erst im September nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus seinem Urlaut» fortgesetzt werden." Man sucht einen Weg, um Herrn v. Keudell zu er- sparen, was jeder aufrechte Mann als Ehrensache ansehen würde: offenkundiges Unrecht einzugestehen und sich zu ent- schuldigen. spiel dafür, was Luft, Licht und Freiheit aus einem Menschen machen können. In einem jener grauen AnUszimmer, wo verdrossene Beamte kaum den Kopf aus den Akten hoben, wenn du eintratest, und beileibe nicht deinen Gruß erwiderten, herrschte die Munterkeit eines Geburtstagsfestes. Krause, jenes finstere Schreckgespenst der Par- teien, war vor fünf Minuten aus dem Urlaub zurückgekommen. „Sie wünschen, mein Herr?" Lachend, strahlend vor Liebenswürdig- keit hörte Krause mein Anliegen. Der Akt Nr. 10472 war ihm Nebensache. Sonst von ekelhafter Sachlichkeit— ich traute meinen Ohren nicht—, redet Krause immer dazwischen.„Und dann diese fabelhaften Wälder und das Master und die Wiesen, einfach ein Märchen. Ich bitte um Ihre Vollmacht. Der Stempel ist nicht ganz in Ordnung, aber das bedeutet nichts. Jeden Tag Hab ich geangelt. Und dann diese Kühe und Pferd« und Schafe." Krause befindet sich in einem Rausch, ist ganz Verklärung, Menschenliebe und Seligkeit. Zwei Wochen Urlaub haben aus diesem widerwärtigen Anschnauzer einen entzückenden Kerl gemacht. Wie-wäre es, wenn man nicht jenes phantastische Warenhaus für kleines Glück, sondern ernsthaft ein« Zentrale für„Volksglück" errichtete? Daß der Achtstundentag ein« Mindestforderung bedeutet, ist selbstverständlich. Hierbei handelt es sich nicht um die großen sozialen Pflichten. Jeder schön angelegte Platz in der Großstadt ist ein Mehr an Glück. Jede Entfernung häßlicher Bauten, jede Hin- Zuziehung von Künstlern bei öffentlichen Arbeiten, jede Verkehrs- erleichterung, jede Erschließung schöner Punkte in der Natur erhöht das Glücksgefühl. Was hätte diese Zentrale in Berlin bereits erreichen können. Einige Beispiele: Eine Oase in Berlin war der höfische Man- bijoupark. Aber dem Volk wurde das angrenzende Spreeufer durch bodenlos häßliche Bauten versperrt. Man vergleiche hiermit die herrlichen Uferstraßen in Paris, Prag, Budapest und in anderen Hauptstädten. Die Ufer des Wannsees gehören zum großen Teil nur den Reichen. Auch der Müggelsee ist verbaut. Was sonst in Berlin in früheren Jahrzehnten verschandelt wurde, schreit zum Himmel. Alles Verluste an Glück. Jedes Mehr an Zell, an Freiheit, an hei- teren Eindrücken, an gemeinsamem Kunsterleben bedeutet eine Be- reicherung an Arbeitskrast und Arbeitswillen, die durch nichts auf- gewogen werden können. Hierbei sparen zu wollen, ist Wahnsinn. Aus einem bedrückten und oerärgerten Volt könnte das heiterste und lebenssroheste gemacht werden. Nicht nur das Brot, auch die heitere Festlichkeit gehört zum Leben. Eine Ausstellung Münchener Bolkssängertums. In einer alten Münchener Gaststätte, in den„Drei Rosen" am Rindermartt, wo heute noch gotische Lüstcrweibchen und verstaubte Zunftzeichen von der Decke hängen, findet zurzeit eine originelle Ausstellung statt. Hier hat das„Münchner Urviech", wie er sich selbst gern nennt, der lokalste aller Lokattroubadore, Karl Valentin, zusammen mit seiner Partnerin Lisl Karlstadt, mit zähem Fleiß Hunderte von Bildern, Liedern, Programmen usw. zusammengetragen und so die erste retrospektive Ausstellung des Münchvuer Bolkssimger» und Volks, Sruhn und die»Wahrheit�. Auch eine Berichtigung. Wir erhalten von dem deutschnationalen Reichstagsabge- ordneten Bruhn die folgende Berichtigung: „Es ist unwahr, daß der ftühere Anzeigemverber der„Wahr- heit", Paul S., durch Anzeigenaufträge in meiner Zeitung„Die Wahrheit" ösfentliche Angriff« abgebogen hat. Ebenso unwahr ist. daß dasselbe durch eine Frau H., wie dies von S. in dem gegen diesen anhängigen Betrugsprozeß behauptet worden sein soll, ge- schehen ist." Herr Bruhn berichtigt also Dinge, die v o r G e r i ch t behauptet worden sind, und deren Richtigkeit das Gericht im weiteren Verlauf des Prozesses gegen den Anzeigenwerber der „Wahrheit" prüfen wird. Wir werden uns für den weiteren Berlauf dieses Prozesses interessieren. Ainsheraussetzung der Reichsanleihe. Eine Folge des starken Kursrückganges. Mit dem Versuch, zum ersten Male nach der Stabilisierung ein» große inländische Anleihe aufzunehmen, hatte die Reichs- regierung wenig Glück. Im Berttauen auf die Verhältnis» mäßig günstige Lage des Kapitalmarktes hatte man die Anleihe nur mit einem Zins von fünf Prozent ausgestattet. Trotzdem kam sie in diesem Frühjahr glatt unter, zumal die öffentlichen Geld- und Wirtschaftsinstitute an ihr sich stark beteiligten. Wie immer in Zeiten steigender Zinssätze aber, so fiel auch jetzt im Laufe des Com- mers die neue Anleihe immer mehr, brachte den Zeichnern Verluste und schmälerte den Anleihekredit des Reiches. War sie mit 92 Proz. seinerzeit aufgelegt worden, so sank sie noch unter 86 Proz. im Kurs. Das R e! ch s f i n a n z m i n i st e r i u m hat sich daher ver» anlaßt gesehen, bis zum 1. Juli 1934, dem Zeitpunkt der ersten Auslosung, den Zinssatz für die Reichsanleihe auf sechs Prozent heraufzusetzen, um den Kredit des Reiches wieder- herzustellen. An dem Tilgungsplan der Anleihe ändert sich nichts. Die Rheinlandbesetzung. Wieder einmal Prüfung der Truppenstärke! London, 13. August.(Reuter.)' Es wird erwartet, daß die ganze Frag« der alliierten Truppen im Rheinland während der bevorstehenden Völkerbundsrats- tagung in Genf einer neuen Prüfung unterzogen werden wird. Die Stärk« der britischen Rhetnarmee beträgt zurzeit 7318 Mann. Angesichts der Tatsache, daß die Frage der alliierten Streitkräfte am Rhein wahrscheinlich in Genf aufgeworfen werden wird, sind Besprechungen London?Paris im Gange. Wie man glaubt, wird die Haltung Englands in rveitem Ausmaß durch eine etwaige Entschließung der französischen Regierung hinsichtlich der Verminderung ihrer Truppen beeinflußt werden. Jede Ver- Minderung der britischen Truppen wir sicherlich in entsprechendem Verhältnis zu der ftanzösischen Truppenverminderung stehen. Offensive gegen Nanking. Widerstand gegen Spstemwechsel im Außen- Ministerium. Schanghai. 13. August. Suntschu ansang, der Gouverneur der Provinz Schon- tung, hat die Offensive gegen die Rantingtruppen ergriffen und nacheinander die Städte Pukau und Yang-tschau eingenommen. Die Südtruppen sind bis an den Pangtsekiang zurückgegangen. Man be- fürchtet ernsthaft einen Vormarsch Suntschuanfangs nach Nanking. Nach einer Meldung aus Hankau ist Ku-ming-yu zum Nachfolger Tschens als Außenminister der Hankauer Regierung ernannt worden. Es hat aber den Anschein, daß dieser Wechsel zu Komplikationen führen wird, da die Beamten des Außen- Ministeriums mit dem Aus st and gedroht haben, falls Ku-ming-yu den Posten antreten sollte. dichtertums geschaffen. Fast ein ganzes Jahrhundert des Münchener Liedes und Humors Ist hier dokumentarisch niedergelegt. Da er- scheint der„Papa Geis" wieder mit seinen Trabanten, der im „Oberoollinger" wirkte, der alten gemütlichen Gaststätte, die längst dem Warenhaus gleichen Namens weichen mußte. All die toten Spaßmacher erwachen wieder: Hesselschwert, ein Hofbediensteter, der, als das Hofnarrentum zu Ende ging, aus der Residenz ins Wirtshaus zog, der„Urböhm" Haibl, der über die Nationalschwächen seines Stammes nicht genug zu spötteln wußte. Welsch, dessen Lied vom„Schimmel" ganz München jahrelang sang, die„Meistersänger", die„Neue Welt" bis herauf zu den Heutigen und zu Valentin selbst. Auch der Originale ist nicht vergessen, an denen das alte München so reich nxir, des Papa Kern, des„Schöpfers" der Frühschoppen- konzerte. Schichtig und seines Zaubertheaters, des beredten Schuh- putzers am Karlstor. der Biergourmands, die ihr ganzes Leben der Erforschung des jeweils besten Tropfens widmeten, u. a. Diese münchnerichste aller Münchener Ausstellungen ist keine bloße Saison- Veranstaltung. Der ganze Bestand an Bildern und Dokumenten wird dem Münchener Stadtmuseum einverleibt werden. Der Mann, den man nicht hängen kann. Die vertagte Entschei- dung im Fall Sacco-Vanzetti, der die ganze Welt in dauernder Spannung hält, gibt Gelegenheit, daran zu erinnern, daß sich im Gefängnis von Chicago ein anderer zum Tode verurteilter Mann Russell Scott befindet, der ebenfalls seit fast drei Jahren zwischen Tod und Hoffnung schwebt. Man hatte ihm, der sein Schicksal mit stoischem Gleichmut ttägt. den Namen gegeben:„Der Mann, den man nicht hängen kann". In der Tat hat Scott viermal den Galgen gestteist: immer aber kam jedesmal im letzten Augenblick der Befehl. die Hinrichtung aufzuschieben. Scott war im April des Jahres 1925 wegen Ermordung eines Apothekerlehrlings zum Tods verurteilt worden. Ohne daß man die Gründe erfuhr, wurde wenige Wochen später der Strafvollzug vertagt. Ein zweitesmal war Scott bereits dem Henker übergeben und schickte ssch gerade an, den Gang zum Schaffot anzutreten, als im Gefängnis ein Brief einging, in dem sein Bruder Robert, der wegen Beihilfe zum Mord zu lebensläng- lichem Zuchthaus verurteilt worden war, versicherte, daß er und nicht sein Bruder die Tat begangen habe. Diese Selbstbezichtigung stellte sich zwar bald als eine Mystifikation heraus, gleichwohl aber rettete sie Russell Scott vor dem Strick. Ein drittesmal gelang es seinen Verteidigern, Zweifel an der geistigen Zurechnungssähigkeit des Verurteilten zu erwecken und dadurch zu bewirken, daß ihr Klient zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Irrenanstalt über- wiesen wurde. Nach eimaen Monaten erklärten, ihn die Aerztc in. dessen für geistig normal und für seine Tat voll verantwortlich. Kürzlich nun gelang es dem Todeskandidaten, aufs neue dem Galgen aus dem Wege.zu gehen. Der Oberste Gerichtshof des Staates Illinois hat jetzt in der Tat verfügt, daß der Verurteilte erneut auf seinen geistigen Zustand untersucht werde. Opernvorslellunzen sör die voiksdkihn-. In der kommenden Spielzeit erhält die BolkSbühne monallich an 11 bis 12 ttbend-ii das ganze HauS am Platz der Republik für sich. Jedes Mitglied der Volksbühne(abgesehen von den Mitgliedern der So uderabte üun gen) hat so im Jahr zwei Oper» aussührungcu zu je 2 Sla, Volk, Mehr, Mirtschsst. Kleine Skandale und große Politik. Ueberall, Ivo der Sinn für Demokratie die Gemüter von Republikanern eint, mar die letzte Woche beherrscht von festlicher Feier der Stunde, die dem deutschen Volke kündete: Dein ist der Staat, sein höchstes Wohl ist dein Wohl, sei wachsam und arbeite, daß es(o bleibt. Mitten in das erhebende Fest der Freude und ernster Selbstbesinnung platzten ein paar kleine und ein größerer Skandal. In H a l l e glaubte ein Professor die Feier zu_ einer Propaganda der Fürstenoerherrlichung und zur Bekämpfung der preußischen Regierung ausnützen zu können. Die Untersuchung über diesen Fall ist im Gange. In Gießen verließ ein führender Ossi- zier mit der Reichswehrkapelle demonstrativ den Saal, als ein ZMmer anzudeuten wagte, daß Treue zum Volk mehr gelte als Treue zu den abfindungsfreudigen Ausreißerfürsten. Ob hier eine Untersuchung stattfindet, weiß man nicht, ist eigentlich auch belanglos. Denn bisher hat die Bekundung republikfeiirdlicher Gesinnung den Führern der Wehrmacht eher genützt als geschadet. Schwang man sich wirklich dazu auf, sie zu pensionieren, so trieb man der Reaktion neue Agitatoren zu, die vom Staat bezahlt wurden. Meist jedoch blieben sie Beamte der Republik und wurden von dem einstmals demokra- tischen Herrn Geßler brav gehalten oder befördert. In Preußen war es möglich, widerspenstige Gemeinden zur Achtung vor dem Reich und seinen Farben zu zwingen. Im Reiche aber sieht man noch allzu oft— besonders seit der Rechtsblockregierung— das Bekenntnis zur Republik als eine Angelegenheit des Mundes und allenfalls der Gehalts- und Pensionsguittung an. Feindschaft gegenden Geist des Volts st aates, Nichtachtung und Verachtung seiner opferfreudigsten Bekenner sind dort eher eine Em p seh- l u n g, als ein Zeugnis mangelnder Eignung, diesem Staat zu dienen. Und so kämpfen in der Regierung des Rechts- blocks, der die Republik zu führen sich anmaßt, offen und vor aller Augen die der Republik feindlichen gegen die staats- fördernden Kräfte. Selten erkannte man das mit solcher Deut- lichkeit wie in dem Filmskandal, der den Widerstreit zwischen Volks-, Offiziers- und Wirtschaftspolitt? in krasser Weise bloßlegte. * Was ist geschehen? Zieht man von den sensationellen Veröffentlichungen alles ab, was vielleicht strittig sein könnte, beschränkt man sich auf die vom Wehrministerium zugestan- denen oder sonst verbürgten Tatsachen, so ist das Bild das folgende: Im Reichswehrministerium sitzen Leute, die die deutschen Filmvorführungen überwachen und nach ihrem Geschmack zu lenken suchen. Sei es, daß man zu gewissen Aufnahmen Reichswehr zur Verfügung stellte, sei es. daß man auf die Gesellschaften persönlichen Einfluß nimmt— immer ist man irgendwie beteiligt. So ist unbestritten, daß der Kapitän Lohmann als Verbindungsmann zwischen der Reichswehr und der Phoebus-Film°A.-G. gewirkt hat. Inwieweit auch zu anderen Gesellschaften ähnliche Beziehun- gen bestanden, das bedarf noch der Aufklärung. Sicher ist, daß eine Ufa unter Hugenbergsche Führustg nicht anders wie die Deulig-Filmgefellschaft, die u. a. den Film„Land unterm Kreuzt herausbrachte, schon aus„nationaler" Gesinnung von sich aus darauf Wert legen muß, es mit der einflußreichen Offizierscligue nicht zu verderben. Man weiß, wie derartige Machtzentren der Bureaukratie weiter wirken. Was man aber nicht wußte, das ist die beschämende Tat- fache, daß das Reichswehrministerium auch materiell Filmgesellschaften unterstützt hat. Durch die Bürgschaftsleistung für Millivnenkredite der notleidenden Filmgesellschaft Phoebus hat sie auf das Programm dieser Unternehmung eingewirkt. Die Phoebus verzichtete zu der Zeit, wo sie das Geld erhielt, auf den Potemkin-Film. Die Reichs- wehr aber konnte oder wollte vielmehr nicht verhindern, daß ausgesprochen militaristische Filme das deutsche Publikum beglückten und dem Ausland gefährliche Potemkinfche Dörfer von der Freude des deutschen Volkes am Soldatenspiel aufbauten. Mitverantwortlich an dieser Tendenz der von ihr materiell geförderten Gesellschaft ist die Reichswehr in jedem Falle, ob sie nun das ganze Geschäft als ein p r i o a t w i r t- schaftliches hinstellt oder nicht. Denn auch der deutschnationale Herr Hugenberg betreibt ja sein« vergiftende Pro- paganda„nur" privatwirtschaftlich mit Zeitungen, Zeit- schriften, Mlmen und Korrespondenzen. Hält man neben die Kreditbürgschaft der Reichswehr die steuerliche Begünstigung solcher nationaler Filme, wie sie im „Vorwärts" geschildert wurde, so erkennt man, daß die vom Militär verfolgte Filmpolitik mit Mitteln der Verwal- tungspraxis auf Kosten der Steuerzahler unterstützt wird. Millionen an Prüfgebühren und Lustbarkeitssteuern gehen verloren und kommen denjenigen Gesellschaften zugute, deren Produktion sich den Anforderungen berufener und unberufener„höchster Stellen" anpaßt, « Der unbefangene deutsche Bürgersmann, dem aus der Leinwand das Bild alter deutscher Herrlichkeit mit Pickel- Haube und Fürsten runnnel bis zum Gähnen vorgeleiert wird, konnte bisher glauben, das müsse eigentlich alles so sein. Denn— so meinte man— diese Filme waren eben der G e- s ch m a ck d e r Zeit, und vor allem brachten sie den Unter- nehmern Geld, wofür schließlich jeder in dieser kapitalisti- scheu Wirtschast Verständnis hat. Heute wissen wir, daß diese Filme Geld oder geldwerten Kredit von der Reichswehr und Steuerbegünstigungen von der Prüfstelle und dem Finanz- Ministerium brachten. Der Geschmack des deutschen Publikums war es nicht, wohl aber der Geschmack hoher Beamter und besonders der Reichswehrleitung, die bereit war, seiner Ver- breitung ein paar Milliönchen aus der Tasche des Steuer- zahlers zu opfern. Bestand seit jeher und besteht noch heute die Zusammenarbeit der schweren Rüstungsindustrie und ihrer Presse mit den amtlichen Vertretern des Wehr- gedankens, so ist h e u t e der Zusammenhang zwischen der leichteren Industrie der geistigen Rüstung und den Generälen evident. Wie der romantische Traum der Militärs von Vaterland und Freiheit sich in den Köpfen und Büchern der Schwerindustrie zu Milliarde nprofilen an Gewehren, Ge- schützen, Panzerplatten, Tanks und Gasen oerwandelte, so setzte er sich hier um in S t a a t s u n t e r st ü tz u n g für das flimmernde Band, das„patriotischen", schwarzweißrolen Rummel gegen angemessenes Eintrittsgeld produziert Auf ein« kleine Provokation mehr oder weniger kommt es dabei- mckst an, wenn sie nur dem Republikaner galt, der mitzählen Gefährdung des deutsih- Schiele und die Par Die amtlichen Stellen in Deutschland zeigen sich, wie wir gestern beobachteten, in bezug auf den Ausgang der Pariser Handelsoertragsverhandlungen im ganzen nach wie vor optimistisch. Dagegen besteht in Paris nach den neuesten Meldungen der Eindruck, daß die Entscheidung davon abhängig sei, welche Anweisungen die deutschen Beamten mitbringen würden, die dem Reichskabinett das bisherige Berhandlungs- ergebnis in diesen Tagen mitgeteilt haben. Das Reichskabinett hat wie immer hinter verschlossenen Türen getagt, und offiziell ist nichts über das Ergebnis der Kabinettssttzung bekannt geworden, die den Bericht aus Paris entgegengenommen hat. Dies allgemeine Schweigen ist erfreuerlicherwcise vom Reichs- ernährungsmini st erium gebrochen worden. In der schwer- industriellen„R h e i n i s ch- W e st f ä l i s che n Zeitung" erscheinen soeben Mitteilungen über den Verlauf und das Ergebnis der Kabinettssigung, die ein wesentlich anderes Bild vom Stand der Pariser Verhandlungen und ihren Aussichten geben als die sonstigen Verlautbarungen. Danach haben die Franzosen ein vierteljährliches kündigungsrecht für zwei Fäll« verlangt. Wenn nämlich die Kammer einen Zolltarif beschließen sollte, der dem Abkommen widerspricht, und wenn der seit acht Monaten stabilisierte Frank wieder ins Wanken kommen sollte, wollen die Franzosen das Recht haben, den Vertrag zu kündigen. Das bedeutet selbstverständlich ein« Ver- schlechterung des Abkommens, das ursprünglich bis zum 1. April 1923 befristet werden sollte. Dennoch sollte man das Ab- kommen unterzeichnen. Sein Wert für Deutschland wird durch die Kündigungsfrist nicht entscheidend beeinträchtigt. Der Erfolg aber, den das Abkommen anscheinend für die Gedanken der Welt- wirtschoftskonferenz bedeutet, wird durch ein« solche Klausel nicht allzusehr gemindert, wenn die Franzosen aus einer Achtung vor dem parlamentarischen Gesetzgebungsrecht verlangen, die in Deutsch- land bei den amtlichen Stellen noch unbekannt ist. Gegenüber dieser Sachlage hat der deutsche landwirtschaftliche Sachverständige(lies: Weinbauvertreter) Freiherr o. Schorlemer- L i e s e r Bedenken erhoben, denen sich der Reichsernährungs- mini st er angeschlossen hat. Die Gegner des Verlrage».' die, wie üblich im Reichsernährungsministerium und in den Kreisen des deutschen Weinbaus zu sinden sind, haben also diese Formfrage benutzt, um den Pariser Unterhändlern doch noch ein Bein zu stellen auf die Gefahr hin, den Vertrag überhaupt zu Fall zu bringen. Nach der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" hat sich die Mehrheit des Sabinelks dem Gedanken angeschlossen. Cs waren dies die Minister der Dcutichnationalen wie die des Zentrums—, die von alters her gewohnt sind, den deutschen Weinbau für wichtiger zu halten als die Lebensinteressen der deutschen Industrie und die Zukunft der europäischen Handelspolitik. und— so meint man— sogar im Parlament mitbe- stimmen darf. * Doch mit dieser Mitbestimmung ist es nichts. Auf Drän- gen der Wirtschaft hat das Parlament einqchende R i ch t- l i n i e n über die Unterstützung von InÄustrieunternchmun- gen mit Staatsmitteln aufgestellt. Manche schönen Dinge stehen darin. Sie sollen eingeschränkt, und wenn überhaupt, so nur über ein Gesetz gegeben werden. In Sonderfällen müssen zwingende Gründe des Staatswohls festgestellt sein. Das Reich müsse sich Beteiligung und Kon- trolle an den sanierten Unternehmungen und bei BürjJ- schaften Kreditunterlagen beschaffen. So beschloß man i.n Dezember vorigen Jahres. Reichsregierung und Reichswirtschaftsministerium find an diese Richtlinien gebunden. Sie sind das Ergebnis einer langjährigen öffentlichen Diskussion, seit deren Beginn alle Amtsstcllen die sinnlose Vergeudung von Staatsmitteln an untüchtige Unternehmer wenigstens ange- halten hoben. Für ähnliche Bürgschaftsleistungen, z. B. im Exportgeschäft, hat sich der Reichswirtlchafts- und der Reichs- sinanzminister die Genehmigung des Parlaments geHoll. Die Reichswehr hatte dergleichen nicht notwendig. Sie überging bei dem erwähnten Kredit an die Filmgefell- schaft mit aller Ruhe das für diese Fragen zuständige Wirt- schaftsministerium, sagte auch im Haushalt darüber nichts, fühlte sich der Volksvertretung gegenüber nach keiner Richtung hin verantwortlich: Ein Staat im Staate. » Als die Sozialdemokratie gegen Ende vorigen Jahres die Minderheitsregierung der Mitte stürzte und den Rück- tritt Geßlers verlangte, da wußte man von den Miß- ständen innerhalb der Reichswehr, nicht ober davon, daß sich die reaktionäre Führung des vom Volke erhaltenen Heeres sogar an privatwirtschastlichen Geschäften zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung beteiligte. Nach diesem Film- manöver würden wir uns über nichts mehr wundern, auch darüber nicht, wenn man etwa hörte, daß der planmäßige „antimarristifche" Feldzug eines Teils der bürgerlichen Presse unter Billigung und materieller Förderung der Reichswehr erfolgt. Das Flimmerlicht des Phoebus hat ja nur einen der dunklen Winkel der Vendlerstraße erleuchtet. Was in den anderen Winkeln vorgeht, wo das Geld ebenfalls in Hülle und Fülle steckt, weiß man nicht. * Man darf auch nicht glauben, daß die amtliche Unter- s u ch u n g allzuviel aufhellen wird. Wo so hin und her, drunter und drüber regiert wird, wie man es hier beobachten konnte, da gibt es in der Regel zuviel Mitverant- w o r t l i ch e, als daß man nicht die Folgen eines weit große- ren Skandals zu fürchten hätte. Und der muß eintreten, wenn man einzelne preisgibt, ohne mit dem System Schluß zu machen, das diese Mißstände ermöglicht. Kein seines Rechts auf Geistesfreiheit bewußtes Volt aber kann dulden, daß ihm mit Hilfe unkontrollierter amtlicher Stellen und mit seinen eigenen Steuer- geldern eine gegen seine Staatsform gerichtete Propaganda vorgesetzt wird. Der Staat des Volkes hat nach der Verfassung ein ureigen st es Recht über seine Wehnnacht und über seine Wirtschaft. Die Sozialdemv- kratie wird zu verhindern wissen, daß verblendete und profststisterne Repräsentanten der letzteren beiden Mächte diese Verfassung umbiegen, um das Volk zum Objekt ihrer militaristischen„Aufklärungsbestrebungen" zu machen und es mit dem demokratischen Staat, seinem Staat, zu veruneinigen. 'ftanzösisihen verträgst iser Verhandlungen. Di« neuen Instruktionen der Pariser Delegation sind also einem Vertragsabschluß hinderlich, erschweren ihn zum mindesten sehr, wenn sie ihn nicht unmöglich machen. Bemerkenswert ist es, daß das schwerindustrielle Blatt die Wendung, die in dieser Form wohl nur aus dem Reichsernährungs- Ministerium berichtet werden konnte, freudig begrüßt. Um des Eisenpakts der Schwerindustrie, um der Ausrechterhaltung ihrer Zölle willen sind die deutsch-französischen Handelsvertragsverhand- lungen so außerordentlich schwierig geworden. Die Reichsregierung hat auch jetzt noch bei den Verhandlungen' darauf verzichtet, den Franzosen gegenüber das außerordentlich wirksame Mittel einer Kündigung des Eisenpakts anzuwenden. Die verarbeitende Industrie hat also Opfer über Opfer für die Interessen der Herren von Eisen und Stahl bringen müssen.— Trotz alledem hält es das Sprachrohr der Montanindustriellen für richtig, der verarbeitenden Industrie in ihrem schweren Kampf um den ftanzösischenn Markt in dieser Weise in den Rücken zu fallen. Schwerindustrie und Weinbau unter Führung des Reichs- ernährungsministers stehen Arm in Arm gegen die Interessen der übrigen deutschen Wirtschaft, und das Reichskabinett gehorcht bescheiden und einfältig den Ve» fehlen dieser Herren. Das ist das wahre Bild unserer Handelspolitik. Der Wirtschaftsminifter Curtws und seine Beamten mögen sich noch so sehr bemühen, diese Koalition wird auf die Dauer immer siegen, solange der Bürgerblock herrscht. Wenn nicht alles trügt, macht dies« letzte Entscheidung des Reichs- kabinetts die Handelsvertragsverhandlungen aussichtslos, es sei denn, daß es dem vielgcplagtsn Derhandlungsleiter Herrp Posse noch in letzter Minute glückt, die Situation zu retten und die Ab- sichten Herrn Schieles zu vereiteln. Wo bleibt der Zollabbau? Der vom Rcichskabinett feierlich angekündigte Zollabbau, der auf dem Wege einer großzügigen Handelsvertragspolitik in erster Linie erfolgen sollte, scheitert an formalistischen Bedenken, hinter denen die Interessen einer demagogischen Winzerpolitik stehen. Wenn die deutsche Aussuhr sich nicht schnell genug ent- wickelt, so hat das deutsche Volk das zu einem großen Teil dieser tHandelspolitik zu denken. Die gespannte Lage der deutschen Wirt- schaft, die sich zweifellos im Augenblick erheblich zu verschlechtern droht, könnte durch eine Politik guter Handelsverträge stark ver« bessert werden. Das Reichskabinett hat mit seinem Beschluß über den deutsch-französischen Handelsvertrag eine für die wirt- schaftliche Entwicklung vielleicht verhängnisvolle Entscheidung ge- troffen: über ihre Tragweite waren die Minister sich zweifelos nicht klar. Schieles Handelspolitik muß zur Wirtschaftskrise führen, wenn sie sich durchsetzt, und die christliche Arbeiterschaft und der Herr Reichsarbeitsminister, die diese Handelspolitik mitmachen, wissen nicht, welche Gefahren in ihr liegen. Die Untersuchung öer Neichswehrfilmgejchäste. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler hat dem Präsidenten des Rechnsngshofs des Deutschen Reichs, Siaatsimnister a. D. Sae misch, ddmit be- auftragt, als Kommissar der Reichsregierung eine vollständige Klärung des Sachverhalis bezüglich der in der Presse geschilderten Subventionierung der Phoebus-Film- Gesell- schaft durch das Reichswehrmlnisterium sowie der anderen im Zusammenhang hiermit in der Presse mitgeteilten wirtschaftlichen Maßnahmen des Reichswehrministeriums herbeizuführen. Genf gescheitert- neuer Kriegsschiffbau. Ausführung des nordamerikanischen Banprogramms. Rapid City. 13. August. General Herbert Lord, Ehef der Abteilung für den Haushalts. plan im Schatzamt, der zu einer Besprechung mit Präsident Coo- lidge hier eingetroffen ist, erklärte, es würden in den Haushalts- Voranschlag des nächsten Jahres ausreicheftve Summen eingesetzt werden für das erste Baujahr sämtlicher bewilligter Kriegsschiff«, darunter auch der sechs im vergangenen Winter vom Kongreß beantragten Kreuzer. Ausgenommen wurden lediglich drei bewilligte Unterseeboote, deren Baupläne noch geprüft würden. Der Reaktionsputsch in Lissabon. Monarchisten beschießen die Minister der Republik, Paris, 13. August.(Eigenbericht.) Als Ursache des Lissaboner Putschversuchs wird folgendes an. gegeben: Der General C a r m o n a, gleichzeitig Ministerpräsident und Präsident der Republik, ist bereits mehrfach aufgefordert worden, eines der beiden Aemter aufzugeben. Er ließ sich endlich dazu herbei, den Oberst Pasos Sonza zum Vizeministerpräsidenten zu er- nennen. Dieser Offizier, welcher der Linken angehört, war der Mehrzahl der Mitarbeiter des Präsidenten verhaßt, da im Mini« sterium noch Mönarchisten sitzen. Es bildet« sich«ine Ber- schwörung, an der sich zahlreiche Offiziere beteiligten. Sie drangen am Freitag mit vorgehaltenem Revolver in den M i n i st e r r a t ein und forderten die sofortige Demission Car- monas. Als der Ministerpräsident sich weigerte, gaben die Ver- schwörer mehrere Schüsse ab. die Carmona und einige Mi- n i st e r v e r l e tz t e n. In der Aufregung entkamen die Attentäter. Die Garnison wurde alarmiert, es kam aber bisher nicht zu weiteren Zwischenfällen. Im Lande herrscht nach einem amtlichen Kommu, nique Ruhe. Der Chef der Aufständischen, Oberst C a m a r a, wurde fe st genommen. Zahlreiche Eisenbahnverbindungen sind unter- krochen, auch der Telegraphen- und Telephondienst wurde ein- gestellt. London, 13. August. Tamara ist an Bord des Kreuzers„Don Fernando" gebracht, die übrigen Offiziere in die Festung San Julian. Das royalistischs Organ teilt mit, die Royalisten hätten mit dem Pronunciamenta nichts zu tun. Der Kommandant der Organisation Oporto pro- testiert öfsentlich dagegen, daß die Rebellen seinen Namen auf ih-r« MImsterllste gesetzt hätten, da er Anhänger des Generals Ear- mona sei. Aus Vollvien wird gemeldet, daß dort SV 000 Indianer revoltiert haben, um sich die Ländereien anzueignen, auf denen sie ent- setzlich ausgebeutet werden. Di« Regierungstruppen sollen eine ernste Schlappe erlitten und über 100 Tote zu verzeichnen haben. Die Regierung befürchtet, daß der Aufruhr sich auf die 200 000 in Bolivien angesiedelten Indianer ausdehnen wird,.. Organisation, nicht Krähwintelei! Zur Neuordnung der Arbeitsnachweisbezirke. Die er st«Aufgabe, die der vorläufigeBor st andder Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversiche- rung sofort nach seinem Zusammentritt um die Mitte des Monats zu bewältigen hat, ist die Um- und Neubildung der Arbeitsnachweisbezirke. Wie in Z 2 des Arbeitslosen- versicherungesgesetzes bestimmt ist, kann der Borstand der Reichs- anstatt nach Anhörung der Verwaltungsausschüsse der Arbeitsämter oder Londesarbeitsämter im Benehmen mit der obersten Landes- behörde die Grenzen der Arbeitsämter und der Landesarbeitsämter unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Zu- sammenhänge ändern: er kann Bezirke zusammenlegen, Ein- richtungen aufheben und nach Bedarf neue schassen. Die Neuordnung der Arbeitsnachweisbezirke ist ein schweres Stück Arbeit. Es wäre verkehrt, die Gefahren und Wider st ände, die einer rein sachlichen Lösung des Problems entgegenstehen, leicht zu nehmen. Tausend Wünsche und Forderungen werden bei der Neubildung der Bezirke geltend gemacht werden. Viele dieser Wünsche können nicht erfüllt werden, wenn nicht der vorläufige Vorstand der Reichsanstolt beim Legen der Fundamente Stümperei treiben soll. Lebensfähige Arbeitsnachweisbezirke— das ist das Gebot der Stunde. Zwergarbeitsnachweise haben keine Existenzberechtigung mehr. Was soll zum Beispiel ein Arbeitsnachweisbezirk wie der der Grenzmark, der zehn kleinere Arbeitsnachweise umfaßt, von denen, wenn wir recht unterrichtet sind, im Augenblick nur einer mehr als 20 Erwerbslose zu betreuen hat? Solche Gebilde sind nicht lebensfähig. Es geht hier ähnlich wie beim Aufbau der Arbeitsgerichte, wenngleich man die Organi- sotion hier und dort nicht ohne weiteres in Parallele stellen kann. Die Zahl der Arbeitsnachweisämter wird erheblich geringer werden. Gegenüber der Befürchtung, daß das f l a ch e L a n d durch die größere Entfernung der ländlichen Arbeitslosen vom Sitz des Ar- beitsamts in eine schwierige Sstuation kommt, darf daran erinnert werden, daß der neue Arbeitsnachweis sich vom alten durch stärkere Inifiatwe unterscheiden soll. In der Zeit der Autos und Motor- räder darf die Entfernung zwischen den ländlichen Arbeitslosen und dem Sitz des Arbeitsamts, das einen gut funktionierenden Außendienst einzurichten hat, keine große Rolle spielen. Der moderne Arbeits- Nachweis soll ja nicht wie der alte, bureaukratisch aufgezogene Nach- weis die Dinge nur an sich herankommen lasten, sondern er soll in' der Ausstöbervng der Arbeitsmöglichkeiten zeigen, was er kann. Von den wirtschaftlichen Zentren des Reiches aus muß die Arbeitsnachweisorganisation ausstrahlen. Das wirtschaftliche Gesicht Deutschlands ist ein anderes als sein länderpolitisches. Nicht die politische Gliederung des Reiches, d. h. nicht die Länder-, Pro- vinz- oder Gemeindegrenzen, sondern die Linien der wirlschastlichen Entwicklung müssen den neuen Grundriß der Arbeitsnachweis- organisation bestimmen. In dieser Kernfrage darf es keine schwächliche Rücksichtnahme auf allerhand Sonder- wünsche, lokal- oder parteipolitische Interessen geben. Werden in irgendeinem Teil des Reiches derartige Sonderwünsche berücksichtigt, dann gibt es kein Halten mehr. Den hier drohenden Gefahren muß der vorläufige Vorstand der Reichsanstalt von vornherein mit unerbittlicher Sachlichkeit entgegentreten. Jede Annäherung des Grund- ristes an Sonderwünsche bringt Verkrüppelung, Starrhest und Un- beweglichkeit in den Organismus der neuen Arbeitsnachweisgliede- rung. Das gist es aber gerade zu vermeiden: denn die wir t- schaftliche Entwicklung steht nicht still und in Zukunft muß sich die Arbeitsnachweisgliederung immer wieder von neuem elastisch dem Wechsel der Standorte der Industrie und der Fluk- tuatton der Arbeiterbevölkerung anpassen. Nicht die Unterstützung, so wichtig sie auch sein mag, ist beim Arbeitslosenproblem die Hauptsache, sondern die planmäßige Arbeitsmarktpositik. Diese ist aber nur möglich, wenn die neue Arbeitsnachweisgliederung in der Struktur der Wirtschaft, nicht aber in länderpolstischen. gemeindepolitischen und parteipolitischen Krähwinkeln verankert wird. üie Straßenbahn ein ftäütisther Setrieb? Die Direktron sagt«ein. Seit dem Monat Juni stehen die Organisationen(Deutscher Berkehrsbund und Metallorbeiteroerband) in Verhandlungen mit der Berliner Straßenbahn über den Neuabs chluß eines Mantelvertrages. Die Straßenbahner verlangen nicht mehr und nicht weniger als das, was den anderen städtischen Arbeitern gewährt wird. Sie fühlen sich mit Recht Äs Arbester der Stadt Berlin. Die Direktion steht auf einem anderen Standpunkt. Sie weigert sich, den Straßenbahnern den Krankenlohn zuzuge- stehen, sie will nur schlechtere Ferien- und Arbeitszeit- bedingungen zugestehen. Wenn die Verhandlungen setzt als gescheitert anzusehen sind, so liegt das an dem Verhallen der Direktion, die nicht nur die Verhandlungen so lange hmausgeschleppt hat, sondern auch in den erwähnten Fragen ein« Zugeknöpftheit zeigt, die schon mehr an Provokation grenzt. Sie vertritt sogar den Standpunkt, daß eine Notwendigkest zum Abschluß eines neuen Vertrages überhaupt nicht vorläge. Leider muß gesagt werden, daß ein Test Straßenbahner sich im gelben Lager befindet, ein anderer Test im deutschnatio- nalen Fahrwasser segelt, wodurch die Direktion geradezu er- muntert wird, alle Verbesterungen auf sozialem Gebiete kategorisch Äs nicht notwendig abzulehnen. Dieses Verhalten der Direktion sollte aber den Straßenbahnern zu denken geben. Sie sollten sich einmal fragen, ob sie weiter Arbeiter zweiter Klasse sein wollen. Die Straßenbahner werden am Montag in zwei Dersamm- lungen, �10 Uhr vormittags und abends 7� Uhr, bei Boecker, Weberstraß« 17, Stellung zu den gescheiterten Verhandlungen nehmen. Pflicht jedes dienstfreien Sttaßenbahners ist es, in einer dieser Versammlungen zu erscheinen, um gegen das Verhalten der Straßenbahn Protest zu erheben. Keiner darf fehlen! Dke Ueberstunüen tn der chemifthett Inöuftrke. Ein Erfolg der AfZl.-Berbäude. In Nr. 310 des„Vorwärts" vom 3. Juli wurde hingewiesen auf die fkandÄöfe Regelung der Arbeitszeit bzw. der U eberstunden- bezahlung für die Angestellten der chemischen Industrie zwischen dem GdA. und dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie. Diese Regelung befriedigte wohl den krankhasten Ehrgeiz des Vertteters des GdA., des Herrn K e m p e l, alleiniger Tarifkonttahent zu bleiben, sie mißachtete aber die Angestelltenrechte aus der Arbeitszeitverordnung vom 14. April 1327 in jeder Weise. Die AfA-Verbände konnten infolgedessen ihren Mitgliedern in der chemischen Industrie nicht zumuten, sich diesen Tarifbestimmungen des GdA.-Tarifoerttages zu unterwerfen. Sie verlangten vielmehr vom Arbeitgeberverband eine andere, der angezogenen Arbeitszeit- Verordnung entsprechende Regelung. Da der Arbeitgeberoerband solche Verhandlungen ablehnte, mußte gemäß§ Ka der Schlichter um Entscheidung angerufen werden. Die ergangen« Entscheidung lautet folgendermaßen: „In dem Streit zwischen den in der AfA zusammengeschlostenen Verbänden und dem Arbeitgeberverband der chemischen Industtie Deutschlands. Sektion 1a. über die Höhe der für Mehrarbeit fest- zusetzenden Vergütung setze ich aus Grund des§ 6a der Verordnung über die Arbeitszeit vom 14. Aprst 1927 folgendes bindend fest: Für Mehrarbeit, die über die im 8 1, Satz 2 und 3 a. o. O. bezeichnete Grenze hinausgeht, wird in_ den im§ 6a, 1. Absatz, Sag 1 genannten Fällen eine Vergütung gezahlt. Diese bettägt für jede Stunde Mehrarbeit der vorbezeichneten Art Va» des Monatsgehaltes und 23 Proz. dieses Be- träges als Zuschlag.— Diese Regelung gill ab 1. August 1327. Sie ist mit einmonafiger Frist erstmalig zum 31. März 1328 kündbar und verlängert sich jeweils um einen Monat, wenn sie nicht fristgemäß durch eingeschriebenen Brief gekündigt wird." Diese Entscheidung bedeutet eine aber- malige Verurteilung der Tarifpolitit des GdA., wie sie deutlicher kaum vorgenommen werden kann. Die Ange- stellten in der chemischen Industrie werden aus diesen erfolgreichen Bemühungen der AfA-Verbände die Lehre ziehen müsten, daß nur ein restloser Zusammenschluß in den AfA-Derbänden zu einer wirk- samen Vertretung ihrer Jnteresten führen kann. Feeie«ewettichast-i-glnd. Heute, Sonntag, Sommerfest i» Müggelheim. an der großen tzrampe. Abfahrt 7Vs Uhr ab Waisenbrucke. DampjcrlarltN stnd nie'—--------"""—:j—' buo Bt«! finden folgende Ber» ierger Etr. 66. Be. jrten: Zugendheim Schule Dan. heutigen Staate.�— Tempelhof: !ügendheiin Schäle Eermaniästr. 4 6..Nikotin und Alkohol."— Ab 18 Uhr Spielen auf dem Spielplan im Friebrich-Hain, Eingang Virchowstraße. Nasen, spiele, Lolkstänzc. Ballfpiel«. Achtung, Baudelegierte de» Baugemerlsbundc»! Am Montag, 15. August, 17 Uhr, findet im großen Saal des Gewerkschaftshauses eine Baudelegierten. Versammlung aller Baudelegierten statt. Tagesordnung:»Der Bauarbeiter. schütz und d>« Aufgaben der Baudelegierten." In dieser Bersaimnlung werden die Reichs» und Bezirkstarife ausgegeben. Für die tu der Herren., ilnaben. uud Burfchenlonfektio« Beschäftigten einschl. der Zuschneider und Zuschneiderinnen hält der Deutsch« Bekleidung-. arbeiterverband am Montag 1SH Uhr in den Residenzfestsalen, Landsberger Straße ZI, eine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1..Unsere Lohnforderung in der Herrenkonfektion." Referent stolleg« jtutzcbach. j. Mit» teilungen und Verschiedenes. Mitgliedsbuch oder-karte legitimiert. t mehr erhältlich. llggelheim. Iugendgruppe de, ZdA. anstaltungen statt: Süd-. rufsiundlicher Arbeitsabcnd ost-Treptow: Jugendheim Ren end lSchumann).— Ro iiger Str. 2Z..Die Stellung der Frau im Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein: Wirtschaft: A. Sater»»»: Dewerksckaftsbeweauna: Friedr. e»kor»: Feuilleton: X. S. Dllcher: Lokale» und Sonstiges: Fritz Xarstädt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Dorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstall Paul Einger u Co, Berlin EW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilage»,„U»tcrhaltuag»ad Wiste»",„Au» der Filunvelt" ZI1K 91 ERTEPPICHE R R Ü C K E 97 Persisch«, kaukasische, anatollsche Brücken Jeder Art n. Größe Hervorragende Angwahl perslaeher Tepplehe aller Provlnces la den OrSBen 200/800 bis 376/675 Afghanistan.............. ca-aicwss'ärOO." ca. 230*3306 25." HenS....W290 675." 270/370 925." 2BOflOoX100." ijoraghan___«. 22*350 6 7 5." ca. 250/3« 7 50." Joraghan___________...». 280/375 SoO."«. 300/400 9 50." Täbris ca. 3(XV30o6 7 5«" ca. 250/350 7 7 5." OL 280/300 900." Galeriestücke w» s Mtr. tan«...... 4o0."' m« 500." Kelim-Decken 60." 75." 80." tom Wohnnngs-Einrichtniigen Speisezim mer Birke mit Intarsien and Schnitzerei 1 Sideboard, 230 cm breit, 1 Vitrine m. Kristall- Glas, 1 Tisch, rund, 130 cm Durchmesser, mit 4 Einlagen, 2 Annsessel mit Epingls bezogen, 6 Stühle mit EpinglS bezogen.............. Herrenziminer Makasgar-Ebenholr 1 Bibliothek. 260 ein breit. I Schreibtisch, 160 cm breit, 1 Tisch, rund, 105 cm Durchmesser, 2 StOhle, m. EpingU bezogen, 1 Schrei b- •euel, mit Epingl« bezogen................. 2275.- 1740.- 1718- }•, 460.- v Ständige Ausstellung von Einzelmöbeln und vollständig eingerichteten Zimmern Möbelstoffe and Gardinen in größter Auswahl und bekannter Preiswurdigkeit Schlafzimmer Scbleinack-EUenbeln od. fraise w. 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Also Zacker sind Menschen, die vom Spiel oder im Spiel so leben, daß sie ihm vorfallen sind mit chaut und Haaren, bei Tag und bei Nacht. Und jetzt soll gezeigt werden, wo man in Berlin solche Spieler findet, die aber nicht zu verwechseln sind mit den gemütlichen Familienskatlern, die sich zu ihnen oerhalten wie der Wolf zum Wolfshund. Wo wird gespielt! Wir laufen die Friedrichstraße fünf Minuten lang, dann zwei Querstraßen durch und wir sind am Ort. Wer sich die Umwelt dieser Spieler etwa so vorstellt, wie die prunkenden Marmorsäle Monte Carlos auf den Photos aussehen, der möge sich vor einer Eni- täuschung bewahren und gar nicht mitkommen. Ein rauchiger, verqualmter Raum, durchaus nicht an Dr. Mobuses Spielhöllen gemahnend, ein Gemisch aus altmodischem Wiener Cafe und un- aufgeräumtem Wartesaal vierter Klasse, ein Ober in speckigem Lüsterjackett, schmierige Porzellantassen auf schmutziggrau« Marmor- tische schleudernd, im Hintergrund ein mächtiger Zeitungsständer und ein breit ausladendes Küchenbüfett. Die Tische, soweit sie nicht von Kafseetasien und Zeitungen überdacht sind, mit grünem Tuche bedeckt, aus denen Karten, französische und deutsche, Skat und Tarock spielen. Die spielenden Karten werden von Menschen gehalten, die schwitzend, bebend, geifernd, ruhig und spöttisch, fluchend und seufzend, vor Aufregung in der Zitrone naturelle mit der Zigarette herumrühren. Denn hier spielt man nicht zum Zeitvertreib, auch nicht zum Nerven- kitzel, hier geht es um Geld. Das Spielercafö ist genau so eine Stätte kapitalistischer Betriebsamkeit wie all die anderen Handels- stätten der Weltstadt. Wer spielt! Wie wird der normale Mensch zum Svieler? Er rekrutiert sich zum größeren Teil aus kaufmännischen Berufen, aus Vertretern, kleinen Angestellten. Menschen, denen es im Leben nicht allzu gut geht. Aus der Reise, im langweilig öden Kleinstadthotel oder, er- müdet von ihren Geschäftsgängen treppauf, treppab in den Groß- stadtkasernen, gehen sie sich ins Cafe ausruhen. Den Kopf voller Sorgen, müde und abgequält, voll Angst vor dem Morgen, werden sie ins Spiel gerissen, nur um nicht denken zu müssen, und werden so bald Sklaven des Spieles. Das Heer der Zuhälter, der halb- und Garr, Verbrecher, von der Polizei gesuchler nicht konzessionierter Puchmacher, bummelnder Kellner, das ist das Gros der Spieler. Aber die reichen Pelzhändler, die großen Konfektionäre, die Pro- minenten der„Eierbörse"— sie gehören auch zu der großen Ge- meinde der Zocker, denn nichts gleicht so soziale Schichtungen aus, nichts deklassiert so rasch und gründlich, wie das Spiel. Gespielt wird hauptsächlich Skat. Klabrias.„66" und Tarock und dann hier und da auch die richtigen 5iasardspiele:„Mauscheln",„schlesische Lot-erie",„Gottes Segen im Haufe Kohn" und das vielbeliebte „17 und 4". Eingeteilt sind die agirenden Personen im Spieler- lokal in die eigentlichen Kämpen, die da an den Tischen mit„Grand" und„Re". mit einer„fünfzig König belle" und all den anderen Aus- drücken vom Bau um sich werfenden Spieler. Dann die Armee der K i b i tz e, die durch das Wetten auf das eine oder andere„Pferd" interessierten und fanatisierten Zuschauer, und schließlich das Heer der Schlachtenbummler, die mit viel Interesse und noch mehr Witz das große Spiel begleiten. Und sie erzählen von der berühmten Skatpartie, bei der nach elfftündiger Spieldauer einen der Beteiligten, den alten Krotoschiner aus der Konfektion, der Schlag traf. Einen Augenblick große Bestürzung und dann meinte einer der Kibitze äußerst mitleidsvoll:„Seht doch einer mal nach, was für Karten der selig dahingestorbene Krotoschiner in der Hand hat, damit wir die Todesursache feststellen können!"— Eln großer Teil der Spieler sitzt den ganzen Tag da, kennt keine Familie, keine reget- mäßige Rahrungsausnahme, kein warmes Essen, sitzt nur und wartet aus den„Coup". Um alle Beträge wird hier gespielt, in der Inflationszeit spielte man um Billionen, um abessinisches Muschel- geld und um Dollarschatzanwelsungen, heute geht es um Mark und Groschen. Aber trotz der Rationalisierung kommt es nicht nur vor, daß Arbeiter auf ein paar Zügen ihren Wochenlohn verspielen, das Spielercafö hat auch heute noch feine großen Tage, wo die Partie um fünfzig, sechzig, ja auch um hundert Mark geht. Dann ist der Kampf natürlich besonders hart und zähe, und wird mit allen Kräften des Verstandes, der Routine und der besseren Neroenkrafl geführt. Und nicht nur Beschimpfungen, auch Prügel setzt es da monchmal im Eiser des Geldverdienens und„im Kampf ums tägliche Brot". Es vergehen aber keine fünf Minuten und die Kampfhähne von vorhin sitzen wieder friedlich beieinander am grünen Tisch und duzen sich, wie wenn nichts passiert wäre. Warum wirü gespielt! Fragen muß man sich natürlich bei dem ganzen Spielbetrieb, handelt es sich hierbei um«ine Angelegenheit des Glückes oder der Berechnung, worin besteht die Ueberlegenheit des besseren„Pferdes", wieso kann das Spiel ass„Beruf" seinen Mann ernähren und hat es je«inen Dr. Mabuse gegeben? Soviel« Fragen, soviel Probleme! Wenn man das Spiel stundenlang beobachtet, so wird man nach einiger Zeit bemerken, daß sich das„Glück" auf die eine oder andere Seite wendet, es„läuft" günstig oder ungünstig, sagen die Spieler. Zufall oder rechnerische Ueberlegenheit? Es kann wochenlang vor- kommen, daß die„ganz Großen" gegen Außenseiter verlieren. Ich konnte einmal beobachten, wie so ein armer Irrer, der vom Spiel keine Ahnung hatte, eine ganze Weile, es mögen vielleicht acht bis zehn Tage gewesen sein, täglich mal kleinere, mal größere Beträge einer internationalen Kanone abgewonnen hatte. Es war eben eine „Glückssträhne", sagten die Fachleute. Und eines Abends ging das große Ringen wieder vor sich, doch da hatte der.Laie" kein Glück mehr, seine Karten„liefen" nicht mehr von alleine, und an dem Abend verlor der Mann viele Tausend Mark, zum Schluß ihm an- vertrautes Geld und bei Morgengrauen machte er einen Selbstmord- versuch. Denn was den Spieler in so vielen Fällen zugrunde richkel, ist nicht allein die Spielwut. sondern der dem Spiel Verfallene glaubt an Glück und Unglück. Hat er Glück, spielt er weiter, um noch mehr zu gewinnen, hat er Unglück,„rechnet" er sich aus, daß ja nach der Pechsträhne die Glückssträhne kommen muß; und er spielt so lange weiter— bis er auf jeden Fall keinen Pfennig mehr in der Tasche hat und dem armen Ober die Zeche schuldig bleiben muß. Es gibt auch beim Kartenspiel Gewinner, denn irgendwohin muß ja das Geld hinkommen. Während man aber beim Spiel im Bekanntenkreis sicher fein kann, daß alles mit richtigen Dingen zugeht, ist es dort anders, wo, wie in den meisten SpielercafSs, Halb- oder Ganz-Prosessionals ihr Unwesen treiben. Sie leben vom Spiel, sie und ihre Familien, und da man zum erfolgreichen Spiel„Glück" braucht, sich das Glück aber nicht kommandieren läßt, wird es korrigert, man spielt falsch. Und es gibt Künstler auf diesem Gebiete. Leute, die mit seltenem Geschick Karten„zinken", für den Gebrauch präparieren, andere wieder, die ihrem Geschäftspartner des Gegners Karten mit der Schuhspitze, mit dem Zeigefinger, dem Taschentuch oder der beliebten Zigarre„telegraphieren". 3n der Mitte sitzt der„Freier", der nicht weiß, was außer den karten noch gespielt wird, und er verliert aus die sicherste Manier sein Geld. Spiel in diesen Kreisen bedeutet fast immer etwas, das zumindest nahe an Fafchspiel grenzt, wenn es nicht vollendetes ist. Das Spiel ruiniert aber Charakter und Moral derart, daß selbst derjenige falsch spielt, der es wirtschaftlich nicht notwendig hat. Es ist gerade vom aesellschaftskritischen Standpunkt aus sehr interessant, daß die Inflation, die den Typus des anständigen Kaufmanns vergangener Zeiten fast zum Verschwinden brachte, ähnliche Folgen auch in der Spielerwelt bewirkte. 4- Das Spiel und die Spieler sind genau so von den kapitalistischen Wirtschafts- und Entwicklungsgesetzen abhängig, wie alle anderen Angelegenheiten des täglichen Lebens, die mit dem Geld und dem Gelderwerb zusammenhängen. Das Spiel in seiner heutigen Form, die Berufsspieler als parasitäre Existenzen, werden so lange bestehen können, wie es einen Kapitalismus gibt. Der Sozialismus, der das wirtschaftliche Elend und die wirtschaftliche Ungleichheit beseitigt, wird uns auch eine neue, höhere Lebensgestaltung, ein Geschlecht von neuen, besseren Menschen bringen! 5)ie Silbers �rvarme gQj QJon SKejc Baach IR-chdruck verboten Rlltoriflert, Ttebersetznng ao» htm Englischrn von Ialia Goppel „Was ist denn los?" fragte Emerson. „Es ist zu viel Spektakel in diesem Hotel. Seit drei Stunden habe ich zu schlafen versucht. Das Orchester aber macht einen Höllenlärm, und immerwährend läuten Glocken, Ich will in ein ruhiges Wirtshaus, wo man ein paar Stunden Schlaf finden kann. Bringt mich in sine� Mafchinenwerkftatt oder in einen Schuppen, wo man von diesem verfluchten Lärm befreit ist." „Du wirst dich bald daran gewöhnen," antwortete Boyd. „Ich? Niemals! Ich will zurück zu Gottes freier Natur." „Hurra! Ganz mein Fall!" rief Clyde.„Ich begleite euch." „Was soll das heißen," fragte George. „Herr Clyde will zehntausend Dollar in unser Unter- nehmen stecken, wenn wir ihn mitnehmen und bei der Fabrik beschäftigen," erklärte Emerson. George musterte den jungen Mann von oben bis unten, sein pomadisiertes Haar, seine schmalen Lackschuhe, worauf sein Gesicht sich zu einem breiten Lächeln verzog. „Meinetwegen, wenn Herr Emerson nichts dagegen hat." Elyde war beglückt und begann sich über seine eigenen vor- trefflichen Eigenschaften auszubreiten. Während er noch sprach. kam eine Gesellschaft von drei Herren durch den Saal und ließ sich am Nebentisch nieder. Indem sie ihre Stühle rückten, wurde George auf sie aufmerksam, und setzte sein Limonaden- glas fo heftig auf den Tisch, daß es zerbrach. „Was ist los," fragte Emecjon, denn er sah, daß George lÄchenolaß geworden war.„Er ist es! brummte George,„der verfluchte Hund!" „Wo?" Emerson drehte sich neugierig um: George aber brauchte seinen Feind nicht näher zu bezeichnen, denn einer der drei Herren war wie versteinert stehen geblieben, die Hand auf dem Rücken des Stuhls. Das Lächeln war auf seinen Lippen erstarrt. Boy sah einen plumpen, breitschultrigen Mann von un- gefähr achtunddreißig Jahren. Sein Teint war hell, sein Mund klein und weibisch, das Haar rot. Er sah gepflegt und gutgenährt aus: in jeder Beziehung ein typischer Stadtmensch, der jetzt bewies, daß er auch ein Mann von Welt war, dep seine Gefühle zu beherrschen verstand. Denn als er Bali erkannte und seinen Schreck überwunden hatte, zog er nur die Augenbrauen hoch, nickte Bali freundlich zu, entschuldigte sich bei seinen Begleitern und gingauf ihn zu. „Wie geht es dir, George? Was in aller Welt treibst du hier, ich hatte dich kaum erkannt." Marshs Stimme klang weich und musikalisch, und mit einem herzlichen Ausdruck streckte er Balt seine Hand entgegen. Bali hatte sich geräuschvoll von seinem Stuhl erhoben, groß und wuchtig stand er vor seinem Feind, ohne dessen Hand anzunehmen. Marsh richtete seine klaren, neugierigen Augen auf Georges Begleiter, die sich ebenfalls erhoben hatten, wie um eine Erklärung von ihnen zu erlangen. Er sah mit einem hastigen Blick von Clyde zu Fräser, um seine Äugen darauf forschend auf Emerson ruhen zu lassen. „Zwischen Herrn Balt und mir herrschte ein Mißver- ständnis." sagte er ruhig,„ich hoffte aber, es wäre bereits aus der Welt geschafft." Bei diesen Worten stieß Balt ein halbersticktes Brummen aus und machte einen Schritt, als ob er auf seinen Gegner zugehen wollte, stieß aber aus Boyd, der sich mit Geistesgegen- wart vor ihm aufgepflanzt hatte. „Keine Szene," befahl er leise. Und bevor der große Mann wußte, wie ihm geschah, hatte Boyd ihm unterm Arm gefaßt und herumgedreht. Keiner von den Gästen im Restaurant hatte die kleine Szene bemerkt. Marsh verbeugte sich höflich und kehrte zu seinem Platz zurück, während Boyd George auf den Ausgang zusteuerte; sein Grift um Georges Arm war hart wie Eisen. Als sie draußen waren, sagte er ruhig:„Geh auf dein Zimmer und kühle dich ab. Fast hättest du unsere ganze Sache umgeworfen." „Er wollte mir die Hand geben," murmelte George. „M ir dsie Hand geben!— Der Schurke—." Er murmelte Drohungen und Flüche, während er die Treppe hin- aufftieg. Als Emerson zurückkehrte, verlangte Alton Clyde eine Aufklärung. „Mit diesem Mann werden wir einen Kampf auf Leben und Tod zu bestehen haben," erklärte Boyd.„Er steht an der Spitze der Bereinigten Kalvik-Fabriken und ist Georges größter Feind. Wenn er etwas von unseren Plänen erfährt, wird es mit unserem Unternehmen aus sein!" Clyde sagte, und er sprach jetzt ernster, als er es den ganzen Abend getan hatte: «Mein Entschluß ist gefaßt." „Du meinst, du willst dich unserem Unternehmen nicht an» schließen." „Im Gegenteil, unter solchen Umständen lockt es mich gerade. Zehntausend Dollar stehen dir zur Verfügung und wenn du mich nicht mitnimmst, fahre ich als blinder Passagier mit hinüber." 11. Fast ein Monat war vergangen, da gab Emerson schließlich der Mutlosigkeit Ausdruck ,die seit mehreren Tagen auf den beiden Männern gelastet hatte, und sagte zu George: „Ich fürchte, die Sache geht schief." „Du hast alles versucht." „Alles, ausgenommen Einbruch. Ich kann die hundert» tausend Dollar nicht ausbringen. Anfangs sah es so leicht aus, aber die Zeiten sind schlecht, und meine Freunde haben getan, was sie konnten." „Ja, ja, es ist viel Geld," räumte Balt mit einem Seufzer ein. „Wenn ich die Hunderttausend nicht beisammen habe, wird mir auch die Bank in Seattle die anderen Hundert- tausend nicht leihen." George überlegte einen Augenblick:„Lange können wir nicht mehr warten. Wir müßten schon jetzt an der Küste sein. Es fehlen noch fünfundzwanzigtausend Dollar, nicht wahr?" „Ja, und ich sehe keine Möglichkeit, wie ich die schaffen soll. Ich habe getan, was ich konnte, und Clyde auch. Wir sind am Ende." Die Anstrengungen des letzten Monats hatten deutlich« Spuren auf Emersons Gesicht hinterlassen, er war müde und erschöpft wie nach schlaflosen Nächten. In der letzten Zeit hatte die niedergedrückte Gemütsstimmung, die ihn in Alaska beherrsch: hatte, sich seiner wieder bemächtigt und je mehr die kostbaren Tage schwanden, desto verzweifelter wurde seine Gemütsverfassung. Er hatte seine ganze Willenskraft und all seine physischen Kräfte daran gewandt, um sein Vorhaben durchzusetzen. Er hatte über Absagen gelacht und sich gegen Mutlosigkeit gewehrt. Er hatte sich an alle Leute gewandt, von denen er annehmen konnte, daß sie sich für die Sache interessieren würden. Er war von Kontor zu Kontor ge- gangen, hatte dieselben Tatsachen wieder und wieder mit überzeugendem und ruhigem Enthusiasmus klargelegt. Geld aber war knapp, und wer Geld befaß, hatte es in besseren Unternehmungen stehen, oder fürchtete, es in einem Geschäft, das so weit fort und so unsicher mar, anzulegen. (Fortjetzung folgt.) nächsten Jahrs elektrische StaAtbahn. � Auch die Fernzüge in der Stadt ohne Dampf» lokomotive. Die Elektrifizierungsarbeitsn an der Berliner Stadt- und Ring- bahn werden programmmäßig fortgeführt und angefichtz des bisher frhr guten Bauwetters kann damit gerechnet werden, daß im Juli oder August des nächsten Jahres der erste Teil, nämlich die Stadtbahnstrecke Charlotten bürg— Schlesi scher Bahnhof elektrisch betrieben werden kann. Die Elektrifizierung der Berliner Stadt- und Ringbahn bringt aber nicht nur den Borteil der schnelleren und besseren Fahrt der Auge mit sich, sondern hat auch den hygienische» Vorzug, daß die lästige Rauchentwicklung, durch die hauptsächlich die Berliner Luft verschlechtert wird, von diesem Zeitpunkt ab verschwindet. Die Reichsbahnoerwcltung�wird ober, wie wir aus zuverlässiger Quells erfahren, noch einen Schritt weitergehen und auch die durch Berlin fahrenden Fernzüge innerhalb der Stadt mit elek- irisch en Triebwagen verkehren lassen, um auch hier die Rauchentwicklung der Lokomotiven zu beseitigen. Die Fernzüge sollen in Charlottenburg bzw. am Schlesischcn Bahnhof mit einem elektrischen Triebwagen ausgerüstet werden. Um diesen Betrieb durchführen zu können, braucht man nach Ansicht der zuständigen Stellen vorläufig etwa 12 Triebwagen, deren Konstruktion und Aus- rüstung von den im Stadtbahnverkehr verwendeten Wagen durch- aus abweichen wird. Gegenwärtig findet die Untersuchung der Probemaschine statt, da man bisher auf diesem Gebiet« noch gar keine Erfahrungen gesammelt hat. Nach Möglichkeit sollen diese Triebwagen auch nüt einem Heizkessel ausqerüstet werden, damit auch während des Winters die Heizung der Züge, die sonst bei den mit einer Dampflokomotive versehenen Zügen von dem Kessel aus erfolgt, während der Fahrt durch Berlin keine Untvbrechung er» le'del. Die Ferngleise im Bereich der Stadtbahn werden mit einer dritten Stromschiene versehen werden, und auch sonst wird man all« Einrichtungen dem elektrifizierten Betriebe anpassen. Durch die Auswechslung der Lokomotiven gegen elektrische Trieb- wagen an den Bahnhöfen Charlottenburg oder Schlesischer Bahnhof wwd keinerlei Verzögerung der Züge eintreten, da an diesen Holte- stellen sowieso ein längerer Aufenthalt infolge des Post- und Ge- päckwechsels eintritt, während dessen die Lokomotive umgewechselt werden kann. Im übrigen ermöglicht der elektrische Triebwagen aber eine Beschleunigung der Fahrzeit innerhalb des Stadtbildes, so daß irgendwie auftretende Verzögerungen rasch wieder eingeholt werden können. Eine Elektrifizierung der Ferngleise auch auf der Anhalter Bahn läßt sich vorläufig nicht durführen, weil diese Bahn- anlagen nur sehr schwer modernisiert werden können. Auch das schon seit langem bestehende Projekt, die verschiedenen Berliner Bahnhöfe durch eine Untergrundbahnstrecke der Reichsbahn mitein- ander z» verbinden, hat kaum Aussicht auf Verwirklichung, da die dazu nötigen Mittel in Höhe von 80 Millionen Mark schwerlich bei der jetzigen Wirtschaftslage aufgebrocht werden können. flus üem Leben eines Hochstaplers. l>. Der Fall Sgloffstcin-Oertcl. Die Untersuchung gegen den vielseitigen'Hochstapler und Aktenschieber Cgloffstein-Oertel, die nun schon seit Wochen unaus- gesetzt geführt wird, zeitigt immer noch neue Bilder eines seltsamen Treibens. In den letzten Tagen trug Oertel nicht nur ein sehr anmaßendes Wesen zur Schau, sondern auch erklärte er, der vernehmende Kommissar-sei ihm so„unjyinphatisch", daß er sich künftighin jeder Aussage enthalten werde. Nachdem er aber zur Erkenntnis ge- kommen war, daß auf diesem Wege nichts Gutes für ihn heraus- kommen konnte, besann er sich eines anderen. Ein M i t g e f a n- g e n e r schien ihm der geeignete Mittelsmann. Diesen instruierte er genau, was er alles von ihm— Oertel— erzählen sollte. Der Mitgefangene war aber etwas schwer von Begriff und bat Oertel, ihm lieber alles aufzuschreiben, ehe er nach Tegel eingeliefert werde. Dort wollte er alles auswendig lernen und den verräterischen Brief dann vernichten, ehe er mit seiner Weisheit ans Licht käme. Oertel schrieb fein säuberlich alles auf und steckte den umfangreichen Kassiber dem Mitgefangenen zu. Zum Auswendiglernen kam der Man» aber nicht mehr. Der Brief wurde bei ihm gesunden und ihm abgenommen. Bei seiner erneuten Vernehmung schlug. Oertel nun eine andere Taktik ein, er leugnet alles, was ihm nachgewiesen werden kannte, bekannte aber alle Aktenschiebungen und Schwindeleien, bei denen seine Teilnahme zwar oer. mutet, aber noch nicht bestimmt festgestellt war. Er hat sich z. B. auf raffinierte Weise in den Besitz der Strafakten einer Berliner Hausbesitzerin zu fetzen gewußt, die wegen Kuppelei angeklagt war. Die Straftaten waren ihm daher bekannt, weil er bei dieser Frau in Wien als„Rechtsberater" und Chauffeur tätig war. Als er noch in Berlin wohnte, hatte er mit seiner Freundin Anna Bonnet ein« Behausung in der Kantstraße. Aus seine Veranlassung schrieb nun die Bonnet der Hausbesitzerin einen sehr beleidigenden Brief, auf den prompt die Privatklage folgte. Die Bonner' gab zu, den Brief geschrieben zu haben, hielt ihre Behauptungen aufrecht und er- zielte so, daß die Strafakten der Frau herbeigeholt wurden. Oertel hatie erreicht, was er wollte. Er stahl die Akten und beseitigte sie, angeblich lediglich in seiner Eigenschaft als„Rechtsberater", da die Hausbesitzerin von seiner Verbindung mit der Bonnet nichts wußte. Man hatte unter seinen Besitztümern eine Reihe von Blanko- Gerich:sformuloren gefunden und beschlagnahmt. Oertel behauptete nun, daß er diese Formulare von einem 41 Jahr« alten„Kauf- mann" Paul Kindermann erhalten habe, einer dunklen Per- sönlichkeit, die den Strafbehörden nicht unbekannt ist. Dieser Kindermann bewohnte eine S-Zimmerwohnung in der Kantstraße und war der Begleiter des Oertel, als er End« vorigen Jahres mit einem Auto aus Berlin flüchtete. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß Kindermann totsächlich die auf irgendeinem Wege gestohlenen Gerichtsformulare an Oertel abgegeben hat. Mancher große Plan des Oertel ist aber auch ins Wasser eefallen. So hatte er z. B. die Absicht gehabt, die Akten eines Lebelokalbesitzers aus der Friedrichstraße zu beseitigen. Diese„Tätigkeit" erübrigte sich aber, da der Angeschuldigte vor dem Prozeh starb. Ein Widersinn in den Lotteriebeftimmungen. Zu dem Artikel„Die Großkollekteure" werden wir, ebenfalls aus Spielerkreisen, auf einen weiteren Mißstand aufmerksam gemacht. Bei dem Lotteriekollekteur Müller spielt beispiels- weiss der Arbeiter Lehmann ein A ch t e l l o s. Dieses Los kostet pro Klasse drei Mark. Der Spieler hat von seinem Lohn jeden Monat den Taler, den das Achtellos kostet, bis jetzt vier Klassen zu drei Mark, also zwölf Mark, an den Kollekteur bezahlt. Kurz vor Beginn der fünften Klasse, also der großen Ziehung, wo die meisten Gewinne ausgespiest werden, wird Lehmann krank oder arbeitslos, so daß es ihm unmöglich ist, den Taler, den dos Los für die letzte Klasse kostet, zu bezahlen. Kollekteur Müller darf ihm aber das Achtellos der fünften Klasse, also der Hauptziehung, ohne Zahlung nicht aushändigen, da dies gegen die Lotterie- best immun gen verstößt. Wohl aber darf der Kollekteur, wenn er nicht selbst dieses Achtellos spielt, dieses selbe Los fünfter 'Klasse anderweitig verkaufen und— jetzt kommt der Widersinn der Lotteriebestimmungen I— von dem neuen Käufer den vollen Lospreis, also auch den für die vorhergegangenen, von Lehmann mit 4mal 3 M= 12 TO. bezahlten, also zusammen mit dem Losüetrag der letzten fünften Klasse fünfzehn Mark fordern. Der Kollekteur hat für dieses Achtellos 12-s- 15 TO.—27 Mark eingenommen, dieses Achtellos ist also überbezahlt worden. Diese Fälle stehen nicht ver- einzell da. sondern ereignen sich heute in der wirtschaftlichen Krise wann starken öle GZeanstieger? Sonntagsanssichten 50: 50.— Die abschreckenden Wettermeldungen. Dessau, 13. August. Um S Uhr abends erführk man von der Leitung der tzunkers- Werke. daß die offizielle Prognose für den Start auch weiterhin lautet, daß er für den Sonntag unwahrscheinlich fei. Es wird aber hinzugefügt, daß die Wetlernachrichten die H o f f n u n g auf eine gewisse Besserung zulassen und man namentlich im Laufe des Spätabends noch einen widstigcn Bericht erwartet. Die Aussichten für den Abslug am Sonntagabend könnten am besten mit SV: 50 gekennzeichnet werden. Zu weitergehendem Optimismus liegt im Augenblick noch keine greifbare Unterlage vor. Dcssm», 13. August. Wie es später heißt, haben sich im Laufe des gestrigen Sonnabendabend die Aussichten dafür, daß der Start zum Ozeanflug am Heuligen Sonntagabend vor sich gehen wird, ganz erheblich gebessert. Die letzten Wettermeldungen vom Atlantik lauten be- deutend günstiger und besagen, daß sich das Tief nach Nordosten ver- ziehe, bereits dicht vor Irland stehe. Unter diesen Umständen sind die Piloten, falls nicht am Sonntag vormittag eine neue Ver- fchlechterung gemeldet wird, gewillt, sobald wie möglich zu starten. Aus dem bereits bekannten Grunde kommt der Abslug nur für die Abendstunden in Frage. Infolgedessen ist es möglich, daß die Junkers-Maschinen„B r e m e n" und„Europa" im Laufe des heutigen Sonntagabend zwischen 6 und 7 Uhr, wenn die Windver- Hältnisse auf dem Dessaucr Flugplatz es erlauben, den Flug nach Amerika antreten werden. Dessau. 13. August.(Eigenbericht.) Der Chef der Junkers-Werk« in Dessau, Professor Junkers» empfing am Sonnabend die in Dessau anläßlich des beverstehenden Starts zum Ozeanslug anwesenden Pressevertreter. Er führte dabei aus, daß seine Mitarbeiter und er sich um den Flugzeugbau nicht nur der Luftlinien wegen und aus Gründen seiner großen volks- wirtschaftlichen Bedeutung bemühen, sondern vor allem, um die Menschen und die Rationen einander näher zu bringen. Es gäbe noch stärkere Waffen in der Welt als Kanonen, und das sei die Kunst, friedliche Beziehungen zu den Völkern zu schaffen. Das Flugzeug sei hierzu besonders berufen. In diesem Sinne würden die Junkers- Werke die ihr gestellte Aufgab« der Flugzeugkonstruktion zu voll- enden suchen. Dem Redner wurde von den Pressevertretern eine stürmische Ovation dargebracht. Der Sonderberichterstatter des WTB. unterhielt sich gestern mit einem der Piloten darüber, wie die Flieger sich den Verlauf des Ozeanfluges vorstellen. Danach werden die Maschinen gleich nach dem Start zum Streckenflug übergehen. Bei der Schwierigkeit der Aufgabe und der Läng« des Weges kommt es eben auf jede kleinste Ersparnis von Betriebs st off und die Ver- meidung alles unnötigen Weges an. Deshalb verzichten die Flieger auf die sonst übliche Start- und Abschiedsrunde. Auf dem größten Teil des Weges wird möglichst gedrosselt geflogen, um den Moior zu schonen und Betriebsstoff zu sparem Sollten sich sehr oft. Der Gewinner ist der Kollekteur. Diese Bestimmung müßte dahin abgeändert werden, daß Käufer solcher Lose, die in ihren Vorklassen von Borbesitzern bezahlt sind, die aber die folgenden Klassen nicht mehr bezahlen können, dem Kollekteur eben dann n u r die noch nicht bezahlte Klasse des betreffenden Loses bezahlen! ?m Zuchthaus ergraut. 22 Jahre hinter Mauern. Ob der Angeklagte, der sich wegen vierzigfachen Be- truges vor dem Erweiterten Schöffengcriicht Mitte zu verani- wort'sn hatte, seine mit treuherziger Miene abgegebene Versiche- rung, daß er die ihm diesmal vom Gericht erwiesene Milde be- herzigen werde und daß er nie wieder vor Gericht erscheinen werde, ernst gemeint hat, muh leider bezweifelt werden. Der Zimmer- mann Wilhelm Kupfer ist ein 63 Jahre alter Mann und buch- stäblich im Zuchthaus ergraut. Seit dem Jahre 1892 hat er nicht weniger als 2214 Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern, zuletzt überhaupt nur noch im Zuchthaus, zugebracht. Er bat das Gericht, ihn wieder nach Sonnenburg zu schicken. Da habe er es sehr gut, kenne den Werkmeister und könne das ihm liebgewordene Tischlerhandwerk ausüben. Kupfer ist eigentlich Stellungs- vermittlungsschwindler. Als er im Februar aus dem Zuchthaus entlassen wurde, nahm er sein altes Betrügerhandwerk wieder auf. Er studierte fleißig den Arbeitsmarkt und suchte Leute, die sich um Stellungen bewarben, in ihrer Wohnung auf. Indem er den Namen eines soliden Stellenoermiltlers mißbrauchte, schwindelte er den Leuten vor, daß er ihnen eine gute Stellung als Gärtner, Hausdiener, Pförtner, Kraftwa-genführer usw. nach» weisen könne. Die Leute waren sehr erfreut und bewirteten nicht nur den Ueberbringer der guten Nachricht reichlich, sondern halfen ihm auch mit kleinen Beträgen aus, da er„zufällig immer" etwas zu besorgen und sein Geld zu Hause gelassen hatte. Im all- gemeinen waren es nur kleine Geldsummen, mit denen der Schwindler sich begnügte, 59 Pf. bis 1 Mk.. nur in wenigen Fällen hatte er mehr, 5 bis 19 Mk., ergattert. Trotzdem der Angeklagte sagte:„Lieber ins Zuchthaus, statt ins Gefängnis", nahm das Ge- rrcht Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter und billigte ihm mildernde Umstände zu. Kupfer wurde zu einem Jahr Ge- fängnis verurteilt, er war mit der Strafe so zufrieden, daß er sie gleich antrat. Und keiner ist da, der es versuchen wird, diesem Unglücklichen, nachdem er das letzte Jahr seiner Strafe verbüßt hat, in seinen alten Tagen der Not zu entziehen. Wer soll nachher den 64jährigen Greis beschäftigen, der 23 Jahre seines Lebens hinter Mauern zu- gebracht hat? Er wird zu neuen Betrügereien greifen, um dem Hunger zu entgehen und die letzte Heimstatt im Gefängnis zu finden._ Ein Feldbahnzug in den Landwehrkanal gestürzt. Vor dem Hause Planufer 92 in unmittelbarer Nähe der Admiralsbrücke ereignete sich gestern nachmittag gegen 143 Uhr ein eigenartiger Unfall. Ein aus vier Wagen bestehender Feldbahn- zug stürzte von der Laderampe in den Landwehr- k a n a l und konnte erst nach mehrstündiger Arbeit wieder in die Höhe gewunden werden. Für die im Vau befindliche Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neukölln werden am Planufer seit einiger Zeit Ausschachtungs- arbeiten vorgenommen. Dicht an der Kanalböschimg führen aus einer Laderampe die Schienen her Feldbahn entlang, auf der die aus- geschachteten Sandmassen in Lastkähne transportiert werden. Als gestern nachmittag der Lokomotivführer den Feldbahnzug in Be- wegung setzte, ströniten plötzlich, wahrscheinlich infolge eines Ventil- bruches, große Dampfmassen aus. Um nicht verbrüht zu werden, mußte der Führer von dem fahrenden Zug abspringen, der mit großer Geschwindigkeit weiterrollte. An einer Kurve sprang die Lokomotive aus den Schienen, und d-r ganze Zug stürzte in den Landwehrkanol. Zum Glück sind Personen nicht zu Schaden ge- kommen. Im Laufe der Nachmittagsstunden wurde der abgestürzte Zug mit Hilfe der Feuerwehr geborgen, �_______ unterwegs kleine Schäden am Motor herausstellen, so würde man oersuchen, diese von Bord aus zu beheben, doch rechnen die Flieger damit, daß die Motoren ununterbrochen tadellos arbeiten. Sie weisem darauf hin, daß sie sich bei den Probeflügen ausgezeichnet bewöhrr !)aben und auch nach jeder Richtung hin geprüft sind. Das Material ist auf die Möglichkeii des kleinsten Fehlers hin durchleuchtet worden. Deshalb war es möglich, alles genau aufemander abzustimmen und die Motoren den Bedürfnissen der Aufgabe genau anzupassen. Das ist bisher noch bei keiner anderen Ozeanmaschine möglich gewesen. Beim Start rechnen die Flieger übrigens nicht mit Schwierigkeiten, da des Abends— nach Möglichkeit soll doch immerhin abends ge- startet werden— in dieser Gegend gewöhnlich ziemliche Windstille ist. so daß der Abflug bei der schweren Belastung nicht durch starkem Rückenwind erschwert wird. Bei den Versuchsflügen mit voller Be- lastung waren die Motoren wesentlich schwächer. Der Start zum Ozeanflug kann also nun leichter vonstatten gehen. Unterwegs wer- den die beiden Maschinen, wenn natürlich auch jede in erster Linie sehen muß, wie sie selbst durchkommt, nach Möglichkeit Fühlung miteinander behalten. Die Besatzungen haben ausgemacht, daß sie sich durch Winken und L i ch t s i g n a l e miteinander ver- ständigen. Sie glauben, daß diele Gemeinsamkeit des Fluges sich auch durchholten läßt, soweit die Verbindung nicht durch Nebel ge- stört wird. Sollte«ine der Maschinen gezwungen sein, auf dem Ozean niederzugehen, so würde die andere versuchen, auf ihrem Wege einen Dampfer zu finden, dem sie durch Beutelabwurf Stand- ort, Zeit und Situation der Schwestermaschin« mitteilt. Die Maschinen sind so eingerichtet, daß sie nach dem Betrjebsstoffver- brauch vom Verlassen der irischen Küste ab d u r ch a u s sch w i m m- fähig sind und sich lange Zeit über Wasser halten können. Außer- dem führt jede Maschine bekanntlich Gummiboote mit sich, die vier Mann zu tragen vermögen. Die Flieger rechnen aber damit, daß solche Eventualitäten nicht auftreten, sondern daß sie glatt hin- überkommen. Allerdings ist das jetzige Warten auf günstigere Wetterberichte eine harte Nervenprobe, da die Piloten naturgemäß den Wunsch haben, sobald wie möglich starten zu können. Könnecke in Köln gelandet. Ilm 4.28 Uhr ist Koennecke vom Flughafen Tempelhof ja seinem Fluge nach Köln gestartet. Köln. 13. August. Bei dem Eintreffen der Nachricht, daß Koennecke heute nach- mittag in Berlin zum Flug nach Köln gestartet ist, wurde das Bild auf dem Kölner Flughafen bei schönem Wetter belebter. Die Flughafenanlage ist geflaggt. Ein starkes Polizeiaufgebot sicherte die nötigen Absperrungen. Es wird ollgemein erwartet, daß Koennecke morgen mit seinen hier noch beabsichtigten Belastungs- flügen beginnen und bei einem zufriedenstellenden Resultat und guter Wetterlage dann bald zu seinem Amerikaflug aufsteigen wird. Unter den bereits anwesenden Gästen befinden sich auch Vertreter des amerikanischen und des französischen Konsulats. koennecke und Solms sind glücklich und glatl um 20.50 Uhr In Köln ge landet. Eine kleine Erinnerung l Aus unserem Leserkreis schreibt man uns: „Anläßlich des unflätigen Verhaltens des„Berliner Lo� kal-Anzeigers" am Verfassungstag sei das Haus Scherl wtf ein kleines Gedenkblatt aus der Revolutionszeit hin- gewiesen. Sie alle, die heute über den neuen Staat maulen, haben in den ersten Monaten der Republik sich nicht genug tun können mit Bitten und Betteln. Mir liegt eine der Wachmeldungen aus den Dezcmbertagen 1918 vor, die zeigt, wie neben den Smatsgebäuden auch die Hotels, Zellungsgebäude und andere von der Republikanischen Soldatenwehr mit Wachmannschaf- t e n belegt waren.— Unter anderen hatte der„Berliner Lokal-An- zeiger" eine Schutzwache in Stärke von 49(vierzig) Mann. Diese Wache war gut dreimal so st a r k wie jene der übrigen Privat- gebäude. Als Anfang Januar 1919 die Wache im„Lokal-Anzeiger vermindert werden sollte, weil man die Mannschaften anders- wo dringender benötigte, wurde der„Lokal-Anzeiger" bei der Revolutionskommandantur vorstellig mit der Bitte, doch von einer Reduzierung der Wache abzusehen, und konnte sich nicht genug tun mit der Versicherung seiner Sympathie mit der neuen Regie- rung. Da diesem Jammern trotzdem nicht stattgegeben werden sollte, kam am 9. Januar 1919 vom Verlag des„Lokal-Anzeigers" ein Schreiben, dessen mir vorliegendes Original die Worte enthüllt Wir stellen in unserem Namen das ergebene Ersuchen, doch die erforderlichen Mannschaften für ausreichenden Schutz auch weiter zu stellen und noch Verstärkungen zum Schutze unseres Hauses bei der Republikanischen Soldaten-» wehr anzufordern. Hat der„Lokal-Anzeiger" heute dies alles vergessen? Selbst-- verständlich! Heute hat er nämlich nicht mehr die bibbernda Angstoondamals!" .„Jürstenwendc". Paul Bader hat es verstanden, in seinem Schauspiel„F ü r st e n w e n de", das jetzt im Rose-Theater seine Uraufführung erlebt, den Wahnwitz der Monarchie, ohne polemisch und etwa gar parteiisch zu werden, zu oeranschaulichen. Freiligrath sagte in der Kontrovers«, die er mit Herwegh ausfocht: „Der Dichter steht auf einer höheren Wart« als auf der Zinne der Partei." Und wenn der Poet nicht Kämpfe der Gegenwart, sondern Ereignisse der Vergangenheit darstellt, so hat er sich nach oiejen Worten des Sängers der Revolution von 1848 zu richten. Paul Bader tat es. Er hat gelernt zu beobachten, und er schildert uns die Zustände in den depossedierten Fürstenhäusern, wie sie tatsächlich sind. Da ist der König, der noch immer nicht begreifen kann, daß er nicht mehr Herrscher ist und deshalb seine Familie bedrängt und tyrannisiert. Da sind die Prinzen, die— just, wie wir es im Hohen- zollernhaus« in den letzten Jahren erlebten— froh sind, einer Unter, drückung entronnen zu sein, die unerträglich war und dennoch er- tragen wurde, well man eben.Königliche Hoheit" war. Seine Majestät lauert auf Rehabilitierung, der einstmalige Thronerbe aber macht, vernünftiger als Vater Rex. sein Baumeistersxamen und ver- liebt sich bei dieser Gelegenheit in ein simples Töchterlein seines Professors. Der Wut von S. M. zum Trotz wird eine leibhaftige Prinzessin sage und schreibe Kunstmalerin, und eine andere Ange- hörige des Allerhöchsten Hauses verlobt sich mit einem simplen Adligen! Furchtbar, furchtbar, furchtbar! Wo bleibt da die Ligilimität? Aber— und das ist das Traurige für alle Fürsten- dienert— Baders Schilderung entspricht den Tatsachen. Er schlldert die Dinge so, wie sie eben sind. Und die Darsteller im Rose-Theater haben begriffen, was sie geben sollen. Paul Rose bietet einen König, der fürwahr wilhelminiert ist. Manfred Roses Krön- prinz a. D. ist vortrefflich. Großherzog Kuttner sei weiterhin besonders rühmend erwähnt. Anny Glienke, Hilde Hofer, Erna R u s s i g und Traut« Rose wollen wir nicht vergessen. Es klappte famos! j Um den deutschen �letna. Wer weiß, daß es in deutschen Landen immer noch kaum ent- decktes Neuland gibt? Land, das in holder Unberührtheit den Dorn- röschenschlas schläft und wie geschaffen dazu scheint, all denen seine Schönheit zu offenbaren, die Erholung im Sinne körperlicher und seelischer Entspannung von> Wust des Alltagstrubels suchen. Für diese Menschen erschließen sich immer wieder neue und interessante Gebiete landschastlicher Schönheit, gepaart mit dem Reiz antiker Baukunst, überstrahlt vom Zauber längst vergangener Zeiten. „Deutschen Aetna", so nennt man das altoulkanisch? Vasaltgebirge um den Vogelsberg, das größte Deutschlands, wegen seiner dem Berge des Südens verwandten stumpfen Kegel- gcstait. Die Landschaft wechselt im Charakter zwischen weitgedehnten prächtigen Laubwäldern und üppigem Wiesengrund, am Osthang mit den Wasserflächen der Mooser Teiche geschmückt. Im Westen treten aus der Tiefe der Salzlagsr vorgeschichtlicher Meere kräftige Heil- quellen zutage. Von Gießen geht die Fahrt durch den grünen Bering der Außenstraßcn mit dem Gesellschaftsauto des Gemeinde- Verbandes Wiesack-Altenbuseck auf guter Straße nach L i ch im Wettertal mit dem alten Residenzschloß der Fürsten Solms-Hohen- solms-Lich, wo der Kammerherr die Säle mit kostbaren Sammlungen und kunstvollen holländischen Gobelins aus dem 17. Jahrhundert zeigte. Auch das Schloß von L a u b a ch wird von Solmser Grafen bewohnt, die Kunst und Wissenschaft pflegen; seine berühmte Arns- burger Klosterbibliothek zählt öl) Gill Bände. In Schotten ist man schon in voller Bcrglandschaft am Ursprung der Nidda und trinkt im alten Rathaus den dargebotenen Wein aus den Silber- bechern der Ratsherren. Dann zeichnet sich zur Rechten die Haupt- erhcbung des Gebirges ab, der O b e r w a l d mit dem steinernen Bismarckturm des Vogelsberger Höhenklubs auf dem 7/2 Meter hohen Taufstein. Am Abend wird Alsfeld er- reicht mit dem wundersamen alten Marktplatz, umstanden von Fach- wcrkgiebelhäusern, dem Rathaus als Meisterwert gotischer Bürger- kunsr und der bOlljährigen Walpurgiskirche. Zum Abendtisch im neuzeitlich guten Gasthaus erklingt das Spiel der Jugendkapelle. Der Morgen trögt uns dem Fuldatal entgegen. Ein reizvoll mittelalterliches Stadtbild steigt auf. Schlitz, alte Residenz, ragt vor uns mit Schlössern und Türmen. Die grj/nen Talflächen sind bedeckt mit schimmernder Leinwand; diese Industrie findet hier in der Eigenart des Flußwasfers eine besondere Stütze. Es ist Sonn- tvgmorgen; auf der Landstrahe wallen die Frauen in der bunten Schlitzer Tracht zum Gotteshaus. In Lauterbach— wer kennt es nicht von dem Volksliede vom verlorenen Strumpf?— ertönt von der Turmgalerie der Kirche feierlicher Choral nach dem Hochamt. Statt der Glocken wird hier auch nach Begräbnissen der Choral gesungen, und«in Dankchoral ertönt nach jedem über die Stadt gezogenen Unwetter. Lauterbach ist Luftkurort und hat «in vorzüglich gehaltenes Gasthaus. Zwischen den Baumriesen des Parks steigt das Schloß E i s e n b a ch der Freiherrn von Riedesel über dem Waldgrunde auf; von seinem Basaltkegel blickt Herb- st e i n mit dem um die Kirche gezogenen Häuserring nach Osten in die Landschaft. Nun klimmt unser Wagen entlang der Hauptbahn Lauterbach— Frankfurt der Gebirgsscheide zwischen Weser und Rhein entgegen, den Oberwald heute wieder zur Rechten. Wir halten auf dem Höhepunkt bei Herchcnhain und erschauen die weite Pracht der o-fenen Landschaft. Die Abfahrt geht durch Gedern ins Tal der Nidda, die bei Liß- berg zu Kraftzwccken stufenförmig in Seebecken gestaut ist. Orten- b e r g mit dem Schloßberg zeigt ein hübsches Bild; dann weitet sich das Tal gegen Bad Selters mit dem Homburg und Nauheim verwandten Bencdiktussprudel Im neuen Kurhaus halten wir zur Mittagsrast. Zwischen den äußersten Vorbergen liegt das Städtchen Nidda mit dreihundertjährigem Marktbrunnen und dein Schloß, einer einstigen Wasserburg."Nochmals bietet bald Bad Salz- Hausen, wo sieben Heilquellen aus basaltischer Tiefe der Bade-. und Trinkkur im prunkvollen Park dienen, angeregte Eindrücke in den vornehmen Räumen des Kurhauses. Durch die sonnige Wetterau geht es nun dem Endziel entgegen: der Stadt Friedberg. Friedbergs weite Häuserftraße erinnert etwas an das alte Augsburg: die gewaltige Burg mit dem Wahr- zeichen der Stadt, dem hohen Adolfsturm von 1347, an das südlichere Maulbronn, das 24 Meter tiefe jüdische Frauenbad von 12W an dunkle Vergangenheit. Die gotische Liebfrauenkirche aus dem 14. Jahrhundert aber ist die kostbarste Hallenkirche de? Landes. Abseits des Getriebes der Gegenwart bietet der Vogelsberg in erfrischender Landschaft mit guten Gasthäusern überall preiswerte Unterkunft._, Für 10 Mark in die Sächsische Schweiz. Die Reichsbahndireklion Berlin teilt mit, daß am kommenden Sonntag, dem 21. August, ein Sonderzug 4, Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Dresden und der Sächsischen Schweiz bei genügender Beteiligung verkehren wird. Der Zug fährt ab Berlin Anhalter Bahnhof 6 Uhr und wird in Dresden um 9.25 Uhr, in Rathen um 19.15. in Königstein-�im 19.25 und in Schandau um 19.34 eintreffen. Die Rückfahrt erfolgt ab Schandau um 18.52 Uhr, ab Königstein 19.91, ab Rathen 19.11, ab Dresden 29.94, und der Zug trifft 9.96 Uhr wieder in Berlin ein. Zu den Sonderzugkarien nach Dresden werden auch Anschlußkarten zum Preise von 2,49 Mk. ausgegeben, die auf der Hinfahrt von Dresden bis Pötzscha-Wehlen oder Rathen auf dem Dampfschiff und zurück bis Dresden im Sonderzug oder in fahrplanmäßigen Zügen retten. Di« Fahrpreise betragen nach Dresden 8,19 Mk.. nach Rathen 9.39 Mk., nach Königstein 9,69 Mk. und nach Bad Schandau 9,89 Mk. Der Fahrkartcnverkaus beginnt am Dienstag, dem 16. August bei der Fahrkartenausgabe des Anhalter Bahnhofs, sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus, Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Reisebureau Unter den Linden 57/58. Verkauf des Sticniüwaldes? Uns wird geschrieben: Der Stienitzwald bei Petershagen soll verkauft und parzelliert werden! Schon seit längerer Zeit schweben zwischen dem Forstsiskus und der Stadt Strausberg Verkaufs- Verhandlungen. Ein Gelände von etwa 2999 Morgen soll unter die Axt. Welcher Naturfreund kennt diesen herrlichen Wald nicht? Tausende und aber Tausende machen den schönen Spaziergang vom Bahnhof Petershagen oder vom Bahnhof Straus- berg nach dem Seebad S t i e n itz s e e. Es ist keine Ucbertreibung, zu behaupten, daß dieser Wald zu den schönsten in der Nähe Groß- Berlins gehört. Mag das etwas zügellose Treiben einer reichlich bewegten Jugend, die man hier als Kieskutenindianer zu bezeichnen pflegt, den einen oder andern abstoßen, der große Wald ist still u n d r e i n g e b l i e b e n. Die Sandberge am See— die Peters- Hagener Schweiz— gehören zwar zum Rittergut Rüdersdorf. ober auch hier soll der äußerst rührige Bürgermeister der Stadt Strausberg schon Fühlung genommen haben. Die Berliner werden sich diesen, aus nüchternen Geschäftsspekulationen geborenen Frevel nickt gefallen lassen. Es ist auch zu hoffen, daß der W o h l- fahrtsminister und der Magistrat Berlin ihr Veto ein- leosn werden. Für Petershagen, die rasch aufblühende Gartenstadt, wäre es der R u i n. Längs der ganzen Ostbahn ist Petershagen der erste Ort, der einen so herrlichen Wald besitzt. Die mehr als 2999 Siedler, die hier ihre Wochenendheime besitzen oder ständig hier wohnen, um ihren Familien ein Leben in der schönen freien Natur zu ermöglichen, wären um ihre sauer verdienten Groschen betrogen. Der Wald soll und muß erhalten bleiben! Eine zweite Dampferfahrt der Allen veranstaltete der Berwal- tungsbezirk Treptow am letzten Freitag. Wieder, wie vor fünf Wochen, ging es nach Rauchfangwerder. Die Wohlfahrtskommissio- nen hatten diesmal Anweisung, solche Allen, besonders Verein- lamte, einzuladen, die das letztemal nicht mitkonnten. Trotz des Regenwetters nahmen immerhin etwa 259 Personen teil, die durch den späten Sonnenschein und einen herrlichen Abend auf dem Wasser reichlich belohnt wurden. Der in den Reichsfarben geschmückte Dampfer wurde von den beiden städttschen Freibädern und den Insassen der Tageskurstätte Oberschöneweide bei der Borbeifahrt freudig begrüßt. An der Krampenburg wurden mit den dort aus gleichem Anlaß eingetroffenen Kleinrentnern vom Prenzlauer Berg Grüße getauscht. Und dann das freudige Ereignis: eine Kaffee- t a f e l, die von zarter Hand für über 399 Gäste gedeckt war und die nun von so viel weniger Essern„erledigt" werden mußte. Ins- gesamt sind nun durch diese zwei Dampfersahrten in diesem Sommer über 599 Alte auf einen Tag dem Einerlei ihres Lebens entführt worden. am Dienstag, dem tö. August. ISVz Uhr. im Oehrervereinshaus, Alexanderstraße 41. Sie in Mm Referent: Abg. Dr. Julius Deutsch, Mitglied des öfter- reichifchen parteivorftandes.— FunktionSrausweis für 1SZ7 und Mitgliedsbuch gelten als Auswels. Der Bezirksvorstand. Darf ein öeamter Sozialüemokrat sein! Die deutschnationalen Abgeordneten Schmidt- Stettin, Schulze- Frankfurt, H a r m o n y, der Volksparteiler M o r a t h, der Wirtschaftsporteiler Lücke und die Zentrumsabge- ordneten A l l e k o t t e und Groß, die nicht nur bürgerliche Ab- geordnete, sondern auch Mitglieder des„Deutschen Beamtenbundes" sind— was man nach ihrer Haltung im Parlament nicht vermuten sollte— haben an den Bundesvorstand des DBB. ein Schreiben gerichtet, in dem sie behaupten, daß die politische Neu- t r a l i t ä t des DBB. verletzt werde, weil die sozialdemokratischen Mitglieder des DBB. sich in zwanglosen Zusammenkünften in einer sogenannten Arbeitsgemeinschaft von Zeit zu Zeit ver- sammeln. Die Herren Morath und Genossen wollen also damit sagen, daß die Beamten, soweit sie Mitglieder des DBB. sind, nur dann ein Recht haben, sich politisch zu betätigen, wenn sie den bürgerlichen Parteien angehören und etwa für die Schmidt- Stettin und Konsorten zu stimmen bereit sind. Gegen diese Heraus- forderung nahm am Freitag die sozialdemokratische Arbeitsgemcin- schaft unter dem Vorsitz des Genossen L o ck e n v i tz entschieden Stellung. Genosse Thurau, der das Referat hielt, ging mit den sieben bürgerlichen Abgeordneten scharf ins Gericht. Auch in der Diskussion unterstrichen die verschiedenen Redner die Aussührun- gen des Borsitzenden und des Referenten. Es wurde schließlich eine Resolution einstimmig angenommen, in der es heißt: „Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten(DBB.- Mitglieder) erkennt in dem Vorgehen der Schmidt-Stettin, Morath und Genossen gegen den Deutschen Beamtenbund nur den Versuch einer Verschleierung der durch diese Beamtenabgeordneten betriebenen beamtenschädigenden Politik. Sie muß es als u n o e r- a n t w o r t l i ch bezeichnen, daß diese Abgeordneten die ihnen be- kannten Beschlüsse, Rundschreiben und Antwortschreiben an die Fach- verbände, die die Vorwürfe der Abgeordneten sofort als ungerecht- fertigt erkennen.lassen, der Oeffentlichkeit. vorenthalten haben. Kein Selbstmord, sondern ein Badennfall.. Die Leichen des Konditors F r i ck und der Stütze Engel, die fest Anfang der Woche vermißt wurden, konnten gestern geborgen werden. Wie wir mitteilten, fand man ihre Kleidungsstück« auf einer Bank in der Nähe des M ü g g e l f ch l ö ß ch e n s."Man nahm zunächst an, daß das Paar gemeinsam sreiwillig in den Tod ge° gangen sei, weil Frick, der ohne Beschäftigung war, seiner früheren Wirtin gegenüber Selbstmordgedanken geäußert hatte. Die Ermitt- lungen der Beamten des 241. Reviers haben jedoch nunmehr er- geben, daß nach der ganzen Sachlage ein Unglück beim Baden vorliegt. Die Toten trugen beide Badeanzüge, das Mädchen auch Badeschuhe.__ Von„Seidenwanzen", die nicht etwa in ferttgen Seidenwaren, wie Kleidungs- und Wäschestücken oder Bettzeug sich bemerkbar machen, sondern die Seide spinnen sollen, war in unserem Bericht über die recht minderwertige Seidenausstellung die Rede. Dadurch fühlen sich die Seidenraupen, auch Seidenwürmer genannt, mit Recht beleidigt und wir entschuldigen uns mit dem Hinweis darauf, daß dem altehrwürdigen Segerkobold vielleicht die Erinnerung vor- geschwebt ist, daß man einst die rote Farbe Cochenille aus einer Laus gewonnen hat. Ein Siebzigjähriger. Genosse Albert Wolgast, Filialleiter der ,.Vorwärts"-Filial« Wattstraße, begeht am 15. August seinen 79. Geburtstag. Frühzeitig hat er den Weg zur Partei gefunden. Seit 1879 ist Wolgast Mitglied der Partei. Während des Sozia- listengesetzes war er Kreisvertreter des alten sächsischen Wahlkreises im Zentralkomitee. In den letzten Iahren vor dem Kriege war er noch Bezirkssührer und Mitglied des Vorstandes. Gewerkschaftlich gehörte Genosse Wolgast seit 1879 dem Töpferverein an, später dem Zentralverband der Töpfer, gegenwärtig dem Zentraloerbond der Angestellten. Sein 25jähriges Jubiläum als Leiter der„Vorwärts"- filiale Prinzenstraße 31 begeht heute der Genosse Stefan Fritz. kein Obst im Postpaket verschicken. Die Post klagt darüber, daß jetzt Fruchtsendungen und dergleichen in großer Zahl als Päckchen eingeliefert werden, deren Inhalt während der Beförderung meist verdirbt, ausläuft und andere Sendungen beschmutzt und beschädigt. Wir machen daher darauf aufmerksam, daß die Versendung von schnellverderbenden und nässenden Sachen, wie Früchten. Beeren, Butter. Fetten usw. im Päckchen während der heißen Jahreszeit, wenn nach dem Wärmegrad die Gefahr besteht, daß der Inhalt ver- dirbt und Flüssigkeit absetzt, unzulässig und im übrigen nur dann gestattet ist. wenn die Verpackung und namentlich die innere Um- hüllung zweckentsprechend eingerichtet sind. Arbeiter-SuIIur-karlell. Sonntag, den 28. August, Gcwerkschasts. iest in sämtlichen Lokalen Treptows. Demonstration aus der grohen Spielwiese. Konzert, ausgesührt von der Kapelle des Deutschen Musiker- Verbandes. Mesang, ausgcsübrt von Mitgliedern des Deutschen Arbeiter- Sängcr-Bundes. Künstlerische Darbietungen. Riescnfeuerwerk. grone Tombola. Karten zu 50 Pf. bei allen Partei- und Eewerkschastsfunktionären, sowie im Bureau des ADGB., Engeluscr 24/25. in allen Vcrbandsbureaus, bei Horsch. Engcluser 24/25, Tabakoertrieb GEG., Intelftr. 6. in den„Vor- warlS'-Speditimien uno im Bureau des Arbeiter-Kulturkarlells. Linden- slrahe 3. 2. Hos II. Zimmer 8. Karten sür Kinder und Erwerbslose werden am Tage der Veranstaltung am Eingang zu den Lokalen abgegeben. Die Jugendweihen der wellliche» Schulen im 17. verwallungsbezirk finden am Sonnabend, 18. u. Sonntag. 25. September, in der Aula der Schule in der Parkaue statt, und zwar sür die 34. Schule, Scharnweberstr. am 18. Sept., nachmittags 4 Uhr; 35. Schule, Psarrstrahe, am 25. September, nachm. 4 Uhr; 36a. u. b-Schule, Luck-Friedrichstrahe, am 18. September, vorm. 19 Uhr; 37. Schule. Marltstrasze, am 25. September, vormittags 16 Uhr; 38. Schule. Holteiitrahe. am 25. September, vormittags l9 Uhr. Das Em- schreibegeld beträgt 59 Ps. Der Vorbereitungsunierricht beginnt am Dienstag, dem 16. Augusts Meldungen sind beim Schulleiter der be- treffenden Schulen erwünscht/ An einzelnen Jugendweihen können noch Kinder, die nicht die westliche Schule besuchen, teilnehmen. Anmeldung beim Genossen A. Ralewitz, Berlin O 112, Gärtnerstr. 6. �Salon�-Soote. �Mehrere Berliner Reedereien haben in diesem Jahre söge- nannte Salondampfer und Salonmotorboote für längere Touren von sechs bis acht Stunden in die Fahrpläne eingestellt. Es find nicht durchweg neuörbaute Fahrzeuge. Bei den besten der älteren Boote werden für bestimmte Tage die Holzbänke abge- n o m m e n und durch Korbmöbel ersetz l. Das ganze Deck ist also mit kleinen Tischen und Korbsefsela bestellt, wodurch natür- lieh die Zahl der Plätze um mehr als die Hälfte verringert wird. Wer nicht frühzeitig kommt und auf dem Deck keinen Platz findet, muß mit den gepolsterten Bänken in den Kabinen vorlieb nehmen. Di« Mittelkajütte ist als Speiseraum eingerichtet, da bei diesen langen Fahrten auch Mittagstafel vorgesehen ist. Die bei ungünstiger Witterung herabzulassenden hellgelben wasserdichten Seitenpläne zeigen große Fensterausschnitte, die mit Marienglas abgedeckt werden. Das ist alles ganz schön und gut, bietet große Vorzüge und Bequemlichkeiten gegenüber den harten Sitzen und dem Ge- dränge, in den an schönen Tagen oft überfüllten übrigen Booten, aber— die Preise! Die Reedereien dachten an ein großes Geschäft, ohne deshalb ihren Angestellten die Tariflöhne zu be- willigen, weshalb bekanntlich sämtlich« Groß-Berlinor Reedereien bis auf drei wegen Tariffeindschaft gesperrt worden sind. Das gute Geschäft blieb aus. Dem Publikum war der Preis von 7 bis 8 M. für Hin- und Rückfahrt zu hoch. Vielfach war bei Antritt der Fahrt noch nicht die Hälfte der Plätze besetzt. Nach Ferienschluß sind die Preise auf 4 bis 5 M. pro Nase herabgesetzt worden, aber auch das ist mit allen sonstigen Ausgaben für die werktätigen Berufe zu teuer. Neben den Fahrtkosten sind auch die Kosten für Restaurierung während der Fahrt unverhältnismäßig hoch. Es ist alles darauf zugeschnitten, die Zwangslage durstiger Kehlen aus- zunützen. Allein an Flaschenbier werden dadurch, daß man mit zwei Flaschen drei Gläser mit hohem„Stehkragen" füllt, 299 Proz. ver- dient, für einen Kognak läßt man sich eine Mark und mehr be- zahlen. Das kommt daher, daß die Pacht der Bootsreftauralionen zuweilen durch drei Hände geht. Mühelos streichen die Hauptpächter den Verdienst ein. Alle diese Zustände, durch die das er- holungsfuchende Publikum unverschämt ausgebeutet wird, schreien noch gründlicher Reform. Drei Bergleute verschüttet. Datteln. 13. August. Auf der Zeche Emscher-Lippe, Schacht 1/11, wurden am Freitag nachmittag drei Bergleute durch niedergehende Gesteins- maffen verschüttet. Zwei der Berunglückten konnten nur als Leichen geborgen werden, während der dritte schwere Verletzungen erlitt. Eine neue Schwebebahn im Riesengebirge. Im Riesengebirge bei dem idyllischen Badeorte I o- hannisbad wird eine neue moderne Schwebebahn errichtet werden. Sie führt von Iohannisbad auf den Gipfel des 1399 Meter hohen Schwarzen Berges. Die Bahn wird 3)� Kilometer lang fein. Der Bau soll bis 21. Dezember fertiggestellt sein. Die Bahn, die also zu Weihnachten in Betrieb genommen wird, ist die erste in der Tschechoslowakei. Der Fahrpreis wird 12 Kronen(1,59 M.) für die Berg- und 8 Kronen für die Talfahrt betragen. Heil Schilda! Ein Stück urechtes Schilda hat sich letzter Tage in Kaaden ereigner, wo ein feit 15 Iahren gutgehendes Braunkohlen- bergwerk infolge Ueberfchuldung versteigert wurde. Die In- haber hatten die Steuern nicht bezahlt. Nun leistete man sich ein artiges Stücklein und verkaufte nämlich 1. das Bergwerk und Ge- bäude aber ohne zugehörigen Grund. 2. Die Grundstücke, die teil- weife schon Abbaugebiet sind und 3. die in einem Nachbarorle ge- legenen Grundstücke und Gebäude. Der Erfolg ist glänzend:' die Besitzer von 1. und 2. raufen sich ständig, denn der„Bergwerks- befitzer" darf nicht aus feinem Haufe treten, nicht ins Hofgebäude, nicht in die Anlagen gehen, darf nicht auf die Aschehalde, nicht ins' Kesselhaus, kurz überhaupt nicht aus dem Hause heraus. Auch der neue teure Luftschachr liegt auf einem Felde und gehört also gar nicht dem Bergwerke. Fnnkverbindung Dentschland— Philippinen. Bon der T r a n s r a d i o A.- G. für drahtlosen Ueberseeverkchr wird am 15. August eine Funkverbindung zwischen D e u t j ch- l a n d und den Philippinen(Nauen— Manila) dem allgemeinen öffentlichen Verkehr übergeben. Ueber diese Verbindung können gewöhnliche, dringende LC- und Pressetelegramm« von und nach den Philippinen befördert werden. Die Telegramme können bei sämtlichen Post- und Telegraphenanstalten am Schalter oder durch Fernsprecher ausgeliefert werden. Der gebührenfreie Leit- oermerk lautet„via Transradio". Sozialistische flrbeiterjugend Groß-Herlin. heute. Sonntag. 14. August: > HangelÄerg— Maxfce. Treffpunkt 6'� Uhr Bahnhof Stra. lau-Rummclöbürg. Fahrikostcn 70 Pf.— Reiaickendorf-Weft: Heim Seidelsir. 1. Charlottenburg-Nord: Heim Ofhestraße. Lichtbilder:„ssahrten."— Lichten. berg.Wcst! Fahrt: 5~~.......~ lau-Rummelsbu Bunter Abend Werbebezirk NculiUIn: Die Wcrbebczirksfnnliionärsitziing findet nunmehr bestimmt am Freitag, lg. August, im Heim Eieinmetzftrahe statt. Werbebezirk Tiergarten: Beteiligung am Woldfcst der Partei. Triffpunkt 1314 Uhr Bahnhof«euffelstraße. Fahnen und Spiclgeräte find mitzubringen. Neukölln IV: Spielen in der«önlgsheide. Treffpunkt« Uhr Hertzbergplah Geitungokiosk). Genossen anderer Gruppen find eingeladen. Instrumente find mitzubringen. Morgen. Montag. 15. August. IS'ch Uhr: Der Singkreis übt pünktlich lSV, im Lindcnhcim.„,,„ Sohenf-bönhonfen: Heim Freicnmalder Str. 51«...August Bebel."-f Westen Ii Heim Hauptstr. 15.„Darum müssen wir gewerkschaftlich organisiert sein?"— eharlottcnbnrg-Nord: Heim Olbestrahe,„Jugend— ilirche— Reli- aion."— Pankow-Süd: Heim Kissingenstr. 4«.„Was konnten wir au» deu Ickten Heimabenden lernen?" Werbebezirk Osten: Heim Litauer Str. 18. Borstandsfltzung pünktlich 20 Uhr. Vport. Reunen zu üarlshorsl am Sonnabend, dem 13. August. 1. Rennen. 1. Narrenzeit(Hauser). 2. Edelweiß fBismark), S. Schlebbluie(Schrelerl. Toto: 41: 19. Platz: 17, 23, 39: 19.(ferner iiesen: Donnerschlag, Sonne, Greis an, Exusu, Lebensmut, Schildkröte, Golondrina. 2. R e n n e n. 1. Meisterpolier(M. Schmidt), 2. Maskerade(Varga), 3. Rosenherzog(Kosma). Toto: 39: 19. Platz: 16, 15, 26: 19. /ferner liefen: Immortelle, Ordinaria, Mohrevpuppe, Gilde, Patacca, Kaisertag, Sentis. 3. R e n n e n. 1. Panna fMoritz), 2. Hazard(Lüder), Z. Sigtuna (Kukuliess. Toto: 2g: 19. Platz: 16, 37, 16: 19. Ferner liefen: Aland, Adony. Prinz Christian, Rubel. Panier. Fechter. 4. R e n n e n. 1. Rheinland lLeutn. v. Metzsch), 2. Amersfoort(Leuin. v. Götz), 3. Oberjäger(Schnitzerl. Toto: 39:19. Platz: 22, 17: 19. Ferner Uesen: Jrkutsk, Genius. Eichkaler. 5. R e n n e n. 1. Maestoso(Thiel), 2. Dorn II fOertclf, 3. Steinadler (Stolpe). Toio:.75: 19. Platz: 33, 21, 38; 19. Ferner liefen: Morgen- prach!. Per Dark, Hochstapler, Fateider, Magnolie, Contrahent, Prospero, Brandmeister. 6. R e n n e n. 1. Mundschenk(Schnitzer), 2. Ilse Xlll(H. Schmidt), 3. Barcarole(Siaudinger). Toto: 18: 19. Platz: 11, 12, 28:19. Ferner liefen:?er mal», Mirabelle, Traumliese, Mandarine. 7. Renne». 1. Frintrop(Wurst), 2. Erlkönig II(Moritz), 3. Mataja �Novak). Toto: 25: 19. Platz: 13, 14: 19. Ferner lief: Franzis. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend «Nachdr. verb.) Wechselnd belstölkt bei wenig veränderten Temperaturen, w den Tagesstunden Neigung zu gemitterartigcn Regenschauern, frische Winde aus westlicher Richtung.— Für Leulfchland: Ueberall weilerhin kühl, in den Tagesstunden Neigung zu lokalen gewilterartigeu Regenschauern. Frische bis mäßige Winde aus weWchm Richtungen. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz (&Ddß Besonders billig g***■ m m nnimiHninuiiiiiiiHniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiinmminmiiimnnimiiiiJiiiHiiiminmmmiiiimiimiiuifli Rcinhardf-Bamowslty-Robert-Bühnen Thcqf er- Abonnement iO*7 m*? � M der Spielzeit 1927-28 Vorstellungen i e*'ri � NodLfrstfJ% Tr" Theaterkasse Wert he im""/mJ-T mit fehlem Speiseteller____ nach 25 pt � 28 r. Dessertteller............. 22pf. Terrinen---- 2vs 2?- Kaffeekanne.. 95pr Schüssel Ivo Teekanne...... los Saucieren 75pt.«.las Miichtöpfe 20 m« 60pt Platten... TOpc dw lso Zuckerdose____ lOpr. 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Crwerbslosenunterstützung bezogen 49 737(51 687) männliche und 22 789-(24 898) weibliche, insgesamt 72 526(76 585) Personen. Außerdem wurden noch 26 424(27 032) Personen durch die Er- werbslosenhilfe der Stadtgemeinde Berlin und 26 237 (27 418) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Not- standsarbeiten wurden 4798(4534) Personen beschäftigt. Die Haltung öer Englänöer. Nachklänge zum Internationalen Gewerkschaftskongreß. Wieüer steinende GroßhanSelspreise. Da die Nahrungsmittel und die Industriewaren in letzter Woche wieder teurer geworden sind, stellt sich der amtliche Groß- h a n d e l s i n d e x am 10. August um 0,6 Proz. höher als in der Vorwoche, nämlich auf 138 Proz. der Vorkriegszeit. Bemerkenswert ist dabei, daß auch die Rohstoffe und Halbwaren unter dem Einfluß der Konjunktur um 0,5 Proz., nämlich von 132,8 auf 13.3,4 gestiegen ist. Die erhöht ihr Kapital. � Die Ilmsätze um 60 Proz. gestiegen. Die AEG., die bisher mit einem Aktienkapital von 120 Mil- lionen Mark arbeitete, will eine Kapitalerhöhung um 30 auf 150 Millionen Mark vornehmen. Wie hierzu von der Verwaltung mitgeteilt wird, machen die Erweiterungsbauten und Umstellungen der Betriebe, sowie die wachüsendeAusdehnung des Geschäfts neue Mittel erforderlich. Dltkil!unss!2lücl«e. Wzicsie usw Wenig getragen« ssrackanzlla«. Smo- kinganzllge. Eehrockanzüge, Iacketton. züge, Eabardincmäntel, Gummimantel, Eutawap-Anzllge. Taillcnmäntel. für jede Figur passend. Spezialität: Bauch. auzllge, spottbillig. Halpern. Roscw thalerstraße 4, erste Etage._ Bcrlcid von hocheleganten Gesell» lchoftsanzllaen. Rolentbalerftraß« 4. Norden 8393._ Getragene Serrengarderobe, Sveziall» iät Bauchfiguren, spottbillig. Naß. Gor» mannstraße 25128. trüber Mulackstraß«." Steppdecke» 13,—, Daunendecken 39.— an. Aufarbeiten alter Decken. 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Gememsehaftsfahrten von Leipzig nach Berlin zurücl stellt das Internationale Verhehrslüro des Leipziger Meßamts G.m, h.H., Leipzig, 7*Iarkt4, zusammen. LEIPZIGER MESSAMT LEIPZIG UM »»SGASSWS»» W Unserem langjährigen Genossen V Ulbert>Vo!8SSt W sseiiungslpediieur. Wailstr�. � p. zu seinem TO. Geburt, löge die S- Ä herzlichsten Glückwansch«. K � 16. Abteilunz. � «SSSZSSSS»« OOeeEGe«« Am Mittwoch, dem 10. August, ist unser Vorstandsmitglied Kamerad Max Dietrich im dliihendlN Alter oon SS Jahren wahrend seines ErhoiungsnrlauSs in Sangerhausen pldtziich verstorben. Wir betrauern in dem Verblichenen einen lieben pflichttreuen Kameraden und Freund, der sew unentwegtes Iii- teresse slir unsere Ideen alle Jett de- tätigte. Sein Hinscheiden läßt in un- seien Herzen und in unseren Rethen eine Lücke, welche nicht mehr auszu- tüflen ist, zurück, sein Verdienst um ! unsere Organisation sichern ihm ein unvergeßliches Gedenken. I ReicbsbannerSchwarz-Rot-Gold | XiiUmeis WilmmM. liniert, Xreiifübrer. Die Einäscherung findet Dienstag. den IS. August lt!,iiO Uhr im Krematorium Bilmersdorf statt. Uanksagung. Fiir die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Trauerseier meines lieben unvergeßlichen Mannes, unsere» guten Vater» und Schwiegervater« Franz Lübke sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten, derKoniumgenossen» schalt Groß-Berlin. der SS Abt. des Wahloereins der SPD., der 2S. Wohl- fahrt»- und Iugendkommission. dem Deutschen Verkehrsbund Sektion II und insbesondere dem Redner Herrn Oderüder vom Verein der Freidenker unseren herzlichsten Dank. ktrnn Emma Lübbe nebst Kindern und Schwiegersohn. Für die bieten Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden > meiner lieben Frau sage ich allen | Beteiligten, insbesondere dem Redner für die trostreichen Warle j am ZargederPerstorbenen meinen | innigsten Dank. Hermann MendEer. 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Ablauf unsere» 3« Spielplan unserer AnltacabMtaa«: Z» der Dache vom 15. 6U 2t, August: 1. Wallenstein(l. Teil). 2. Idealventtl. 3. Alle guten Geister. der Bache va» 22. ii» 28. Anglest: I. Wallenstein(2. Teil). 2. Liebeszauber. Z. Durchzug f oimmaschine mit Hydra»- lischer Pressung. der Dache vom 22. August dt» 4. September: 1. Amundsens Nordpol-Sypeditio». 2. Da» Faltboot. 3. Snobby auf der Bumtnelreise. 3» der Dache»am 5. bl» ll. September: 1. Au» eigener Kraft. 2. Mit dem Dampf« Bayer»»ach Südamerika. Z. Nur keine Angst. Z» der Woche»am 12. bi» 18. Septeulber: 1. Die Leuchte Asien». 2. Spiel, Tanz und Sport. S. Die Kadeloerlegung und-Herstellung. 3» der Woche vom 12. bi» 25. Septemb«: 1. Da» Paiadie» der Südsee. 2. Bulch Ootit. 3. geichenicherze von Paul Simmel. 3» der Wache»am 2«.Sept»r. bi» 2. Oktbr.: l. Verlorene Welt. 2. Kabinett 12. 3. Achtung! Strafmandat. 3» der Dache vom 3. bi» 2. Ottpber: l. Wild und Mensch im Seblrgsschnee. Einladung zur auhersrdentl. ilusschußsitzung der Letriebskraukenkassc der Stadt Verlin am vieaakag, 23. August, nachm. 2 Uhr, i» Stadtbause zu Berlin. Eingang Klofterftraße, Zimmer 33g. Tagesordnung: l. Satzungsänderung s S). 2. Verschiedenes. 2l»fragen oder Uefdjmerdeu, zu bereu Erledigung Atteueiustcht oder auderrnetle ZeNslellungen erforderlieh find, müssen mindestens drei Tage vorher beim vorsshende» de» Vorstandes eingereicht merden. Bor der Sitzung findet um 12 Uhr in demielden Zimmer des Stadlhauses die übliche Borbesprechung unter den Aus- fchußmitgliedern statt. Punkt Itche» Erscheinen ist dringend not- wendig, da die Benutzungszeit de» Zimmer» '-tschränkt ist. B«lin, den 9. August 1927. Der Vorsiheude de» Vorstaude» derveiriebskraukeu- toste der Stob« verlin._ 2, Tierwelt in der Nordsee. �"b s I 4. Fünf Tag» Haft. 3. Fördermittel«inst und jetzt. 3» der Woche vom 10, bi» 16. Oktober: l. Skifahrt tn» Glück 2. Pressen von Nichtmetallen. 3. Fix und Fax fahren verkehrt. 3» der Bache vom 17. dt» 22. Oktober: l. Moana, Sohn der Südfee. 2, Immer vorsichtig. 3. Der Glekttoofen. 3» der Woche vom 24. dt» 28. Oktober> 1. Wüste am Meer. 2. Blaue Adria du. 2. Kleider machen Leute. Vi» 0rt»oermalt»»g. Von der Reise zurück! Dr. Eridi Wossldio Facharzt für Nieren-, Biaien-, Harnleiden AmKarUbad Ia.Mont,-Fr.4-6,Sonnah.8-U Von der Rette xarOck Dr. Th. Rachwalsky Steglitzer StraCe 20. MetallbcUen 1050 Sclilafcliaiseloiigues24.- Plüschsofas 30 M., Ratenzahlung dühl* Berlin, Pappelallee 12 Will Pankow, Schmidtstr.l frei jeder Bahnstation. Auch bis zu TIS Jicnoisralen Jtäddatz&t? ReAnndfirS"leksamsmddie Kleinen Anzeigei in der Oesamt« Aufläse des Vorwärts und trotzdem kzllllgl Vclouc-Tcppicbe«»». Prim« isx 34.- �47.-�68.-3�115 Bouclü« Läufe« e�390 �,280 Velour-Läufet Marke»0 1 4 70 67 a->t Diwandecke..l-ox«o 4�25 Keiimart mit Franse Tisd) decke...... 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Das liegt vornehmlich an der laufenden Berichterstattung über die Durchführung der Pro- hibition, die nichts meldet, als Auffallendes und Skandalöses» als die wirklich oder angeblich nicht erfolgreiche Bekämpfung des Alkoholschmuggels, die heimliche„Hüftenflasche" in der Tasche des Yankees, die in den Bergen verborgene Destillerie. die den„moonsliive", Mondschein, genannten Wisky brennt; das liegt auch an der Unkenntnis über die Entstehungs- geschichte. Der Puritanismus hat eine mit den Erfordernisten der Wirtschaft sich gut vertragende Neigung zu Eingriffen in das private Leben des einzelnen. Die verschiedenen anglo- amerikanischen Blue Laws(Blaue Gesetze) etwa, die Ge- setze über Sonntagsheiligung, haben ihren ökonomi- schen Sinn: vom Arbeitgeber her gesehen bezwecken sie die Nüchternheit des Arbeiters wenigstens für die Tage vom („Blauen") Montag bis zum Samstag abend sicherzustellen. Das erste Prohibitionsgesetz erging bezeichnenderweise im nordöstlichsten, also zugleich puritanischsten aller Staaten der Union, im kleinen Staate Maine, schon 18 4 6. Der Einfluß der nordamerikanischen Frauenbewegung, die lange weniger auf die Errichtung politischer Ziele gestellt war als auf Sozialreform, wirkte feit je für Prohibition. Die Organisation der aggressiven Antialkohol-Bewegung war und ist es noch, die aus Puritanerkreisen entsprungene „Antikneipen-Liga"(Anti-Saloon-League), die, im Staate Ohio entstanden, um die Mitte der Wer Jahre ihre Tätigkeit über die gesamte Union ausbreitete; sie verdankt ihre reichsten Propaganda-Fonds der Industrie. Ihr Ziel war nicht die Totalabstinenz, die sie nicht einmal von ihren Mitgliedern verlangte, sondern die Abschaffung des„Saloons" als Sitz der Trunksucht, als Treffpunkt vor allem der nichtgelernten Arbeiterschaft, der Neueingewanderten, der Farbigen. Der Saloon war gewiß kein Ehrenplatz der amerikanischen Zi- vilisation. Für den Neuankömmling, der des Englischen sobald nicht mächtig wurde, war oft der Inhaber des Saloons, ein Landsmann, die einzige Vermittlung zwischen sich und der ihm fremdbleibenden amerikanischen Welt; das war meist für den Saloon-Keeper bekömmlicher als für den Neuling selbst. In seinem Alkohol wurde manches Heimweh ertränkt. Dieser Dolmetsch und der Verkehr in seinem Lokal hielt oft den Prozeß der Angliederung des Neuankömmlings an den Ame- rikaner auf. So waren der Prohibition bereits bis zum Weltkriege manche Positionen erobert worden. Einzelne Staaten waren „trockengelegt", darunter besonders die l a n d w i r t- schaftlichen, wie Kansas und Nord-Dakota; andere hatten Gemeindebestimmungsrecht. Schon 1914 hatte ein An- trag, in die Verfassung der Prohibition aufzunehmen, im Repräsentantenhaus eine Mehrheit gefunden. Dann kam auch für Amerika der Krieg. Die Bewegung berief sich auf die Notwendigkeit einer Bewirtschaftung der Getreidevorräte und erreichte ein Brennvcrbot und die einstweilige S ch l i e- ßung der Schankstätten durch die Bundesregierung auf dem Wege einer Kriegsverordnung. Im Dezember 1917 beschlossen beide Häuser des»Kon- gresses, dem Alkoholverbot durch einen Zusatz zur Ver- fastung dauernde Geltung zu geben; dieser 18. Zusatz wurde den Staaten zur Ratifizierung unterbreitet. Nachdem die da- für hinreichende Zweidrittelmehrheit erreicht war, trat am 16. Januar 1920 das nach einem Parlamentarier sogenannte Volstead-Gesetz in Kraft, das dem neuen Verfassungsartikel praktische Wirkung verlieh. Dies Volstead- Gesetz— das wie andere auch jederzeit vom Kongreß um- geändert werden kann— verbietet Herstellung» Verkauf und Transport von Getränten mit mehr als>4 Volumprozent Alkohol. Es unter- stellt die Durchführung des Verbots einer besonderen Behörde in Washington, neben der Behörden der Einzelstaaten das Alkoholverbot durchzuführen bemüht sind. Das Nebenein- ander von Bundes- und einzelstaatlichen Behörden ist nicht immer reibungslos verlaufen. Manche Staaten, wie die sehr „feuchtxn" von New York und Maryland, haben kein eigenes Durchführungsgesetz, sondern überlassen der Bundesregierung die Durchführung. Die später oft wiederholte Behauptung. das Land fei durch das 18.„Amendment" und das Volstead- Gesetz,„Ausgeburten einer fanatischen Minderheit", über- rumpelt worden, trifft, geschichtlich betrachtet, nicht recht zu. Ute dies Gesetz in Kraft trat, hatten bereits zwei Drittel aller Einzelstaaten sich Prohibitionsgesetze gegeben, waren dadurch schon 90 Prozent des Gesamtgebiets und fast 70 Pro- zent der Gesamtbevölkerung der Union„trockengelegt". Be- sonders die großen Industriegebiete kannten noch keine Pro- hibition, der u. a. die Gewerkschaften Widerstand entgegen- setzten, bei dem sie, aus Gründen der Toleranz, des Lebens und Lebenlastens, auch heute noch verharren. Die Klage, mit der Prohibition überrumpelt zu sein, stammt erst aus der Zeit der trog aller Durchstecherei zunehmenden Durchführung der Prohibition. In den ersten Jahren seines Bestehens verursachte das Alkoholverbot keine großen Schwierigkeiten. In den Konsumgewohnheiten der ärmeren Bevölkerungsteile traten tiefgreifende Veränderungen ein. Sie zeigten sich im stärkeren Verbrauch von Verbraucherartikeln, besonders von Zuckerwaren, in stärkerem Besuch von Kinos, im er- höhten Erwerb von Automobilen, Wohnhäusern, auch von Grund und Boden. Der Kleinhändler, der Warenhausbesitzer, der Automobilhändler, der Industrielle unterstützten dem- entsprechend den Prohibitionismus. Der Alkoholverbrauch ging vor allem bis in die Jahre 1920/21 bemerkenswert zurück: die Zahl der wegen Trunkenheit Ver- hafteten und Verurteilten, die Zahl der wegen A l- toholerkrankungen in die Kranken- und Irrenhäuser eingelieferten und von dort behandelten Personen, die Zahl der Todesfälle infolge alkoholischer Erkrankungen ver- minderte sich. Das Problematische an dem völligen Alkoholverbot ist die Durchführung. Immer deutlicher zeigt sich, daß in ihr etwas Gesetz geworden war, was ein großer Teil der Be- völkerung heute nicht mehr will. Dieser Widerspruch zwischen Gesetz und seiner Erfüllung gelangt im persönlichen Leben manches Amerikaners, besonders manches Parlamentariers, darin zum Ausdruck, daß er kurz sagt„trocken stimmt und feucht lebt", d. h. für Prohibition der anderen ist und sich selbst davon ausgeschlossen halten will. Man mag das pu- ritanifche Heuchelei nennen: jedenfalls steht heute ein öffentliches Wollen für Prohibition und ein heim- liches Nichtwollen der Prohibition im fortdauernden Widerstreit. In den Gebieten mit starker Einwanderer- Bevölkerung, wie in den atlantischen Hafenstädten und Chi- cago, in denen nach der Volkszählung von 1920 allein 7 Pro- zent aller im Ausland geborenen Amerikaner leben, erfuhr die Prohibition einen Widerstand, den man begreift, wenn man sich vorstellt, wie einem totalen Alkoholverbot in War- schau oder Berlin, Dublin oder Neapel widerstrebt werden würde. Der Widerstand gegen die Volstead-Akte hat nicht nur ungesetzliche Formen angenommen. Einzelne Staaten hatten sich niemals eigene Ausführungsgesetze gegeben, andere haben ihre Gesetze hierüber aufgehoben. Im Staat Nevada z. B. hat im November 1926 sich eine Volksabstimmung mit 12 500 gegen 3290 für eine Aenderung der Antialkoholgesetzgebung ausgesprochen. Der mehr agrarische Staat Colorado hat in volkstümlicher Abstimmung demgegenüber die Prohibttion als erfolgreich bezeichnet. Eine Erklärung, wenn auch nicht die einzige für die Verschiedenheit dieser Resultate mag sein, daß Nevada in der Hauptsache einen Bergwerksdistrikt bildet mit überwiegend männlichem Bcvölkerungsanteil. Die Entscheidung der nächsten Jahre geht darum, ob noch entschiedener als bisher die Durchführung des totalen Alkoholverbots versucht werden soll oder ob man auf das Volstead-Gesetz verzichten und es ändern soll: über die Notwendigkeit der Beschränkung von A l k o h o l a u s s ch a n k und-Produktion auch für die Zukunft sind sich alle verantwortlichen Politiker einig. Wegen dieser Entscheidung ist jede der beiden großen politischen Parteien der Union in sich gespalten. Jede hat ihren feuchten, jede ihren trockenen Flügel. Bei der Nominierung der Kandidaten für die nächstjährigen Präsidentschaftswahlen spielt die Erwägung, ob eine„feuchte Planke" in der Plattform tragbar ist, ob sie gar zum Siege tragen kann, eine dementsprechend gewichtige Rolle. Eine Entscheidung darüber hat noch keine Partei gefällt, aber die Führer auf beiden Seiten erforschen eifrig die Stimmung des Landes, ob feucht oder trocken, um danach die Plattform, das Wahlprogramm zusammenzusetzen. Vorträge, vereine unü Versammlungen. # Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". T-kchSft-st.IIe? Berlin£ 14, SebaNianstr, 37/38. Kol 2 Tr. Montag, 15. August: Neulölln-Brig: 2. Kameradschaft: Die plaii- mäßigcn Zugversammlungcn am 15. August fallc» aus, Mo„ d. 22., lüV� Uhr, dafür Kamcradschaftsvcrsammlung bei Thomählen, HerKbergstr. 23. ?r., b. 13., IShi Uhr, FunktionLrversammIung W-ichsclstr. 5, Ecke Douau. straße. 5. Kameradschaft(Iungmannschaft): Mo., d. 15., sällt der Eportabend aus. Weisjenscc: 20 Uhr erweiterte Vorstandssitzung im„Grünen Baum", Berliner Allee 204. Adlcrshof: Eporiabcnd für alle altiven Kameraden. Treff- Punkt in Bannerkleidung um 19 Uhr auf dem Platz gegenüber dem MTB.» Platz in der Birkcnallce.— Dienstag, lS. Angust: Wilmersdorf: Unser Vor- standsmitglied Kamerad Dietrich ist plötzlich verstorben. Einäscherung Di., d. 1«.. nachmittags, im Krematorium Wilmersdorf. Antreten sämtlicher Kameraden, auch passive, 17% Uhr, Fehrbcllincr Platz.— Mittwoch, 17. August: Prenz. lauer Berg: Kameradschaft Heinrich Wurr Versammlung um 20 Uhr bei Baronsli, Pastcurstr. 6. Kameradschaft Wörthcr Platz 20 Uhr Versammlung bei Treuer, Kastanicnallee 23. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 14. August: 6.30: Prühkonzsrt. 9: Morgenfeier. T1.30: Komert. IS: ZeitgemSOe Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschait. 15.30: Märchen. 16.30: Erlauschtes ans dem Volksleben. 17: Johannes Trojan. 17.30: Unterhaltnngs- mnsik. 19.05: Städtebilder. 19.30: Der Humor als Weltanschauung. 20: Ueber- tragang Prankturt a. M.: Klassische chinesische Musik. 22.30: Tanzmusik. Montag, 15. August: 15.30: Mütter berühmter Männer. 16.30: Mit dem Schnellzug In die Wüste. 17; Novellen von Boris Silber. 17.30: Unterhaltungsmusik. 18.40: Technische Wochenplauderei. 19.05: Vom Bilderschmuck unserer Sprache. 19.30: Die Kunst der Nation«». 20: Das Erdbeben In Palästina. 20.30: Vortrag. 21: Kammermusik. Dienstag, 16. August; 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16.30: Uebertragung: Kurmnsik Swinemünde. 18.40: Stunde mit Büchern. 19.05: Der Ursprung des Rechts. 19.30: Graphik und Zeichnung früher und jetzt. 19.55: Bayreuth und die deutsche Kultur. 20.30:„Mutter Erde"(Lieder, Rezitationen, Musikvorträge). Mittwoch, 17. August: 13.45: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Die soziale Liebestätigkeit der Prau. 16.30: Geographische Merkwürdigkeiten. 17: Jugendbühne. 17.30; Sonaten. 18.40: Wie versorgen wir unsere Kranken? 19.05: Die Vorzugsrente des Anleihe-Ablösnngsgcsetzes. 19.30: Russische Volkskunst. 19.55: Gibt es unproduktive Berufe? 20.30: Konzert. 22.30; Koloratur(Konzert). Donnerstag, 18. August: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16.30: Uebertragung; Kurmnsik Ahlbeck. 18.40: Wanderungen durch die Mark. 19.05: Neue Wege im Uftr kJti ß% WHinUM Der Forschungsreisendc Dr. Adolf B e ß l e r spricht über Ecuador, Land und Leute. Bereits vor einipen Monaten entwarf Beßler ein sehr anschauliches Bild von dem Leben der Cholos, der indianischen Urbevölkerung Perus. Wie damals vermeidet Beßler auch heute, sich in der Schilderung von Landschaflen und Städten zu verlieren, Beschreibungen zu geben, die doch nur dann Be- deutung erlangen, wenn sie durch Lichtbilder Anschaulichkeit ge- Winnen. Dr. Dobbernack bearbeitet das für einen Laien recht schwierige Gebiet der Angestellten- und Invalidenversicherung. Sicherlich ist dieses Thema kaum saßlich sür ein unbelastetes Ge- mül zu behandeln. Man erkennt die Schwierigkeiten, die sich der Popularisierung entgegenstellen, aber vielleicht wäre es doch mög- lich, spezifisch technische Ausdrücke zu vermeiden und den an sich trockenen Stoff etwas lebhafter zu gestalten. Am Abend werden die Darbietungen aus dem Hotel Atlantic inHeringsdors über- tragen. Nach der recht temperamentvoll gespielten Ouvertüre zur „Fledermaus" singen Alexandrine Alexandrowa, Bronsgeest und andere bekannte Berliner Künstler. Alfred Braun ist der Kon- serenzicr. Virtuos wie immer fingt Alexandrine Alexandrowa die Arie der„Königin der Nacht". Die Uebertragung ist im Durch- schnitt gut, nur hin und wieder stören Gewittergeröusche. F. S. �pparstebsu. 19.30: Romantisclie Figuren der Weltgeschichte. 19.55: Sozialpolitik und Geistesarbeiter. 20.30; Fröhliches(Lieder). 21; Max Brod(aus eigenen V�crken). 21.30; Das Lied. 22.30: Tanzmusik. Freitas, 19. August: 15.30: Die Ergebnisse der letzten- Berufszählung. 16.30; Momcntbildcr vom Berliner Arbeitsgericht. 17: Uebertragung der Feierlichkeiten anläßlich der Eröffnung der Schweriner Besprechungsstellc 19.05: Unser Garten als Kinderstube. 19.30: Die Weltorganisation der Esperantobewegung. 19 55: Philosophie des Geldes. 20.30: Symphonie-Konzert. 22.30: Kommers(Lieder). Socnalend, 20. August: 11.45: Uebertragung aus Kiel: Stapellauf des Kreuzers C der Reichst marine. 12.45: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Uebertragung: Kurmusik Heringsdorf. 19.05: Spanisch. 19.30: Schule und Haus. 19.55: Buch und Rundfunk. 20.30; Charles de Coster. Anschließend Lieder zur Laute, 22.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 14. August: Ab 6.30; Uebertragung aus Berlin. Montag, 15. August: 16: Witz und Humor. 17; Schachfunk. 18: Die deutsche Jugend und das Auslandsdeutschtum. 18.30: Der Dienst am Kunden. 19.20; Die deutsche Ballade von Gottfried Aug. Bürger bis Böries von Mönchhausen. Ab 21: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 16. August: 16; Busch und Morgenstern. 17; Der Werdegang der deutschen Wirtschaft von den Anfängen bis zar Gegenwart. 18: Die Feststellung streitiger Tatbestände in der Rechtspflege. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Mafthias Claudius. 19.20: Reisefunk. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 17. August: 16: Deutsche Grammatik in Berliner Schulen. 16.30: Der Werdegang der deutschen Wirtschaft von den Anfängen bis zur Gegenwart. 17.30: Die komische Oper. 18; Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Mechanik. 18.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Die italienische Arbeitsverfassung. 19.20: Die Technik des modernen Staates. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Doncerslag, 18. August: 16: Bilder von der Studienfahrt des Zentralinsiitu- mch Griechenland. 16.30: Uebertragung der Kurmusik aus dem Ostseebad Ahlbeck. 18: Von den Formengcsetzcn der Musik. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Richard von Schaukai. 19.20: Der Hering— ein Volksnahrungsmittcl. Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. Freitag, 19. August: 16: Ueber Pilze und PilzveniftunEen. 16.30: Hclmatschutz und Heimat- P liege. 17; Das Heilige im Leben der Menschheit. 18; Die Bedeutung der Isolierstoffe für die weitere Elektrifizierung. 18.30: Englisch für Port« geschrittene. 18.55: Philosophierende Gespräche. 19.20: Wissenschaftliche! Vortrag für Aerzte. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 20. August; 16: Englisch für Fortgeschrittene. 16.30: Das Neueste aus der pädagogischen Zeitschriftenliteratur. 17: Verwaltungsprobleme der Gemeinden. 17.30: Der Werkgedanke und der deutsche Arbeiter. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Technische Physik. IS.30: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 18.55: Begegnungen mit Menschen und Tieren. 19.20: Johann Christian Günther. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Derflensth Hebt die Abwechslung. Verlange darum bei Deinem Cigaretfen' händler diese beiden neuen Marken, ohne Mundstück dick u. rund, und Du wirst begeisterter ENVER BEY-RAUCHER � werden. wäscht man. empfindliche fachen lOolle. Seide. Kunstseide— ~ä?os es auch sei: kalte Oepsillauge- (in denTempepatus* des jCeitungsusossers) ist in jeden rolle das Hechte!~- jPig wäscht man? Alles honte Reiben isKzwuemeiden Dos StUckzutind nun kurze Zeit in der rouge bewegt s leicht dunchgedniickt ••••; und dos Trocknen: D/fem ols au/hängen und nicht in Hitze ü Sonne trocknen! lOolle auf Tüchern aus* breiten. Seide einrollen s feucht bügeln- gas Spülen farbiger Sachen: Man spült in kaltem iPossen, dem zum Auffrischen der rorben etwas Kuchenessig beigegeben ist*-—- ÜhrsU wäscht alles. waschbar (Die Waschbarkeit eines Stoffes erprobt man' an einen verdeckten Stelle durch festes Ausdrücken, in klarem lOasser� ■ V-v''■ SM-.v'•■2S IPaschmiUe! für alle Wäsche 1 Der Vormarsch der KPD. Sonntag 14. August 1927 kanzleirat Heröina. Von Albert L e i t i ch. Der Kanzleirat Florian Herdina hatte einen Bruder, der viele Jahre als verschollen galt. Peter Herdina hatte sein 18. Lebensjahr erreicht, ohne etwas anderes geworden zu sein als ein vollkommener Taugenichts. Als zwanzigjähriger Bursche war er dann von den Eltern nach Amerika spediert worden, da er am Ende das ganze Anwesen des Vaters verklopst hätte und schließlich den Landjägern in die Hände gefallen wäre. Die Eltern starben kurz nacheinander, und die lieb« Verwandt- schaft hörte fünszehn Jahre nichts von Peter, bis er eines Tages wisijer in Schwallenbach auftauchte. Er war gekleidet wie ein Herr, trug eine goldene Uhr mit dicker goldener Kette und brachte «ine Meng« Geld mit. Er wohnte bei seinem Bruder Florian, der ihn mit Rücksicht auf seinen Dermögen-stand gerne aufnahm, um 1o mehr, als er unaufgefordert Haus und Garten instand setzt« und zudem ein stiller, bescheidener Hausgenosse war, der ihm die «infamen, langen Winterabende erträglicher machte. Florian Herdina war seit drei Jahren Witwer und hatte sich, da er das Alleinsein schlecht vertrug, einige Zeit mit dem Gedanken getragen, eine junge glatte Person zu heiraten. So war es be- greifiich, daß ihn der Besuch des Amerikafahrers sehr willkommen war, denn er gehörte zu den Menschen, die Gesellschaft haben müssen. Seit seine Frau tot war, wußte er mit sich nichts anzu- fangen in der Welt. Er war über fünfzig, ein mittelgroßer Mann, dem das wohl- gerundete Bäuchlein, der graugesprenkelte Wangenbart und die goldene Brille ein fast gelehrtes Aussehen gaben. Hatte er schon zu Lebzeiten seiner Frau seine Amtsftunden redlich abgesessen, so wurde der Herr Kanzleirat jetzt ein lebendes Muster von einem Beamten. Von acht bis zwei und von drei bis sieben sah Florian Herdina täglich in seiner Amtsstube und kritzelte mit einer scharrenden. spitzigen Feder Akten ins reine, von schmierigen Konzepten auf schönes dickes Kanzleipapier. Er schrieb sehr langsam, damit die Tinte gut fließen konnte und die Buchstaben sich schön und schnür- gerade auf das Papier malten. Lieber langsam, ab«r sicher. Schreibt man rasch und der Teufel juckt einen, gleich ist ein Wort windschief geworden und der ganze Akt verdorben. Hie und da mußt« er sich von seiner anstrengenden Tätigkeit erholen, und da kaut« er dann beschaulich an seinem dicken Federstiel«. In solchen Pausen entdeckte er dann immer sein einsames Herz. Er wurde da ein anderer Mensch. Er beäugte den blühenden Hollunderstrauch vor seiner verräucherten Amtsstube und seine begehrliche Phantasie malle ein blühendes, gertenschlankes Mädelchen dazu. Langsam erwachte er wieder aus seinen Träumen. Er nahm den Federhaller aus dem Munde und starrte eine Fliege an, die sich dick und fett auf seinem Tintenfaß niedergelassen hatte. Dann versuchte er weiter zu schreiben, aber es ging nicht und immer wieder fiel Florion Herdina in sein Traumland zurück.... Eines Sonnabends fuhr er mit Peter in die nahegelegene Stadt, um verschiedene Einkäufe zu besorgen. Auch wollte sich-der Kanzleirat einen modernen eleganten Anzug bauen lassen. Als die Brüder ihre Geschäfte besorgt hatten, kehrten sie in einem Garten- restaurant«in, in dem eine Damenkapell« konzertierte. Dort fielen Florians Augen auf die schlanke Primgeigerin, die ihm mit ihrem weißen Meid und der hellblauen Schärpe wie ein holdes Frühlings- wunder erschien. In der Seele des Kanzleirates war es bisher dunkel gewesen, nun sprang irgendwo eine Tür auf. Glanz kam in seine Augen, und er fühlte mit schmerzvollem Behagen die zierlichen Bewegungen des schlanken Mädchens, er hörte ihren leichten Schritt und die leise Unruhe ihres Wesens. Von diesem Tag an fuhr Florian Herdina fast jeden Tag nach Bureauschluß nach der Stadt, denn er wurde von den Wirbeln seines Blutes immer wieder dorthin getrieben., In der Tat hieß es kurze Zeit danach, daß er sich mit einer Künstlerin verheiraten werde. Er selbst machte kein Hehl daraus und erzählte jedem, der es hören wollte, daß seine Braut schön, ge- bildet und untadlig sei, schöner und vornehmer als alle Schwallen- dache rinnen. Florian Herdina rüstete zur Hochzeit: er zog die alte Kinder. wiege hinter dem verstaubten Kram der Dachkammer hervor und reinigte sie von Spinnweben. Er schloß sein Herz weit auf und staunt«, was für eine Verwandlung in der Welt vorgegangen war, denn Himmel und Erde standen wie ein buntes, festliches Tor um ihn, in das er hineinging. Die Felder wogten in silbrigem Licht und ganz Schwallenbach war wie selig verwunschen. Die Augen schimmerten, der Mund stammelte unterdrückte Laute des Glückes, und er mußte mit den Fingern den Mund zusammenpressen, um «inen lauten Jubelausbruch zu verhindern.... Es dauert« nicht lange, da nahm die junge Frau Fanny Herdina «in hochfahrendes Wesen an. Sie ließ allerlei spitze Bemerkungen gegen ihren Gatten fallen, die ihn kränkten und heruntersetzten. Um so vertraulicher und anschmiegsamer verkehrt« sie mit Peter. Die Galle regte sich in Florian Herdina, sein Blut begann zu kochen, die kräftigen Zähne preßten sich knirschend aufeinander, daß die Wangenknochen scharf hervorsprangen und in die Augen, kam ein Glimmen wie von Haß und Zorn. Als das Verhältnis zwischen Frau Fanny und ihrem Schwager immer zärtlicher wurde, hielt er ihr eine Standrede, wie sie sich mit einem solchen Beutelschneider wie seinen Bruder gemein machen könne: der sei sein ganzes Leben lang ein Ausbund gewesen, was dagegen ihn, Florian Herdina betreffe, so brauche er nicht«in Wort über sich zu verlieren, man kenne hier im Ort seinen ganzen Lebenslauf. Eine Zeitlang wurde es wieder still in dem kleinen Häuschen, aber es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn von beiden Seiten schwoll die Erbitterung derart an, daß ein neuerlicher und heftiger Zusammenstoß bald erfolgen mußt«. Die Veranlasiung hierzu ließ nicht lange auf sich warten. Frau Herdina hatte mit Peter einen Ausflug gemocht, von dem die Beiden erst spät in der Nacht heimkehrten. Da standen sich Mann und Frau erst ein« Weil«, Aug in Aug gebohrt, schweigend gegenüber, dann begannen sie sich', zu sagen, und zwar so gründlich, daß sie im Verlauf ihrer Auseinandersetzung aufeinander losstürzten, mit der brennenden Lust, einander durch- zuwalken. Am Ende kamen sie überein, ganz auseinanderzugehen. Auf dieser Schneide stand die Sache, die jung und alt im Markt angelegentlich beschäftigte, als sich förmlich vor den Augen der gesamten mit Schadenfreude beobachtenden Einwohnerschaft die Flucht Peters mit Frau Fanny abspielte. Florian Herdina fühlte, daß das Entweichen des Pärchens in jedem Haus bekannt war und daß, wenn er sich sehen ließe, die Fenster zu klein waren, alle höhnischen und schadenfrohen Gesichter zu fasien. Eines Tages bekamen alle Bekannten eine elsenbeinfarbene feine Karte von Peter Herdina geschickt, auf der zu lesen stand, daß er sic� mit Frau Fanny Stoiber, geschiedene Herdina, ver- heiratet habe. Da warf der Herr Kanzleirat die alte instandgesetzte Wiege zu dem alten Bodenkram zurück, und das stille Schimmern im Traum- fenster seiner Seele wachte nicht mehr aus. Seit diesem Tag be- herrscht« ihn ein Zustand, wie er einen Menschen plagt, der zu keinem Atemzug mehr Mut und Kraft findet. Sein Schritt wurde schusserig, sein ganzes Leben war beschwert und im Amt wurde er nie mehr die Besorgnis los, grobe Fehler gemacht zu haben. Kein Fleiß befreite ihn von diesem Gedanken. Der Legrünöer öes C!ektromagnetismus Zum 150. Geburlsiag von Oersied am 14. August. Don Dr. S i e g s r i e d K u r t h. Während man in Eoma durch Veranstaltungen verschiedenster Art, die zum Teil mit der Elektrizität wenig zu tun Haben, das Andenken an Alesfandro Volta wachhalt«n will, rüstet man sich in Dänemark, die 150. Wiederkehr des Geburtstages von Hans Christian Oersted würdig zu begehen. Hatte Volta, der Galvanis Entdeckung weiter ausbaute und richtig deutete, eine ganz neue, schier unerschöpfliche Quelle für Erzeugung der elektrischen Energie geschaffen, so wies Oersted nach, daß dies« strömende Elektrizitäts- energie in engster Verbindung mit dem Magnetismus st«hen müsse. Die Grundlagen für den Elektromagnetismus und die ganze Elektro- dynamik, die haute unsere Elektrotechnik beherrscht, wurden freilich in sehr bescheidener Form— bereits im Jahre 1820 von C h r i st i a n Hans Oersted gesunden. Man sagt, es sei eine Zufallsentdeckung gewestn, als ein Student, der der Vorlesung Oersteds beiwohnte, bemerkt habe, wie plötzlich die Magnetnadel, als sie sich in der Nähe eine« Drahtes, durch den der galvanische Strom floß, befand, einen Ausschlag ge- geben habe. Mag sein, daß di«se Erzählung wirtlich der Wahrheit entspricht. An alle großen physikalischen Entdeckungen knüpfen sich ja legendenhafte Erzählungen. Jedenfalls war Hans Christian Oersted, obwohl er ganz im Bann der damals herrschenden Natur- Philosophie stand, ein scharfer Beobachter. Das hatte er schon in der kleinen Apotheke seines Vaters zu Rudkjöbing auf der Insel Langeland gelernt, wo er am 14. August 1777 geboren wurde. Nach den Lehrjahren in des Daters Offizin besuchte er die Unioersi- tat Kopenhagen. Der junge Pharmazeut' wurde Adjunkt in der medizinischen Fakultät und übernahm die Verwaltung einer Apotheke. Daneben hielt er bereits Vorlesungen. Man war auf dem begabten Jüngling aufmerksam geworden. Als er nach ausgedehnten Studienreisen nach Kopenhagen zurückgekehrt war, erhielt er ein« außerordentliche Professur für Physik an der Universität. Als 1829 in Kopenhagen eine polytechnische Schul« gegründet wurde, trat er an deren Spitze. Er entfalrete daneben«ine außerordentliche Tätigkeit, um das wissenschaftliche Leben seines Vaterlandes zu vertiefen. In zahlreichen Werken sucht« er die Ergebnisse der natur- wissenschaftlichen Forschung von der philosophischen Seite zu be- leuchten, sie mit den Forderungen der Religion in Einklang zu bringen und den weitesten Kreisen der Gebildeten zugänglich zu machen. So großen Anklang auch seinerzeit Oersteds Vorlesungen und Schriften fanden, sie werden von dem Ruhm überstrahlt, den ihm seine Entdeckung der Ablenkung der Magnetnadel durch den elektri- schen Strom eintrug. Gewiß hat man lange vor ihm schon eine Reihe von Tatsachen gekonnt, die auf gewisse Beziehungen zwischen magnetischen und elektrischen Erscheinungen hinwiesen. So wußte man, daß der Blitz ebenso wie die. Funken einer Leydener Flasche die Pole von Magnetnadeln umkehren können, oder daß eine Magnetnadel infolge des Blitzschlages ihren Magnetismus verliert. Umgekehrt kann der Blitz ein« nichtmagnetische Stahlnadel zu einem Magneten machen. Mit Hilf« großer Elektrisiermaschinen suchte man weiter diese Beziehungen zwischen Magn«ttsmus und Reibungs. elektrizitöt zu ergründen. Aber man kam zu keinerlei Ergebnissen, Da erfolgte Oersteds überraschende Entdeckung. Nicht die Reibungs- «lektrizität, nicht die am Körper fest gebundene geheimnisvolle Kraft ist es, die den Magnetismus beeinslußt, sondern die strömende galvanische Elektrizität. Sicherlich hat es einiger Zeit bedurft, bis sich Oersted über das Wesen seiner Entdeckung klar war. Jur Winter 1820 hate er— oder vielleicht einer seiner Hörer gesehen, wie sich die Magnetnadel'aus der Richtung des magnttischen Meridians l?erausb«wegte, als in ihrer Nähe ein elektrischer Strom durch den Platindraht floß. Als gewüsenhafter Experimentator wiederholte Oersted unter Hinzuziehung hervorragender Wissen- schastler, Physiker und Chemiker seine Experimente. Erst am 21. Juli 1820 versandte er eine Mitteilung seiner Entdeckung in lateinischer Sprache an hervoragende Forscher. Ein solches Blatt erhielt u. a. Pictet in Genf, acrad« als Arago bei ihm weilte. Dieser erzählte nach seiner Rückkehr in Paris Ampere davon, der alsbald die Oerstedichsn Experimente wiederholte und zu weiteren Einsichten über die Beziehungen zwischen Eleltrizität und Magnetis- mus kam. Seine berühmte Echwimmerregcl über das Verhalten des elektrischen Stroms zur Magnetnadel ist heute jedem Schüler geläufig. Oerstedts Schrift f., Experimente über die Wirkung des elektrischen Stroms auf die Magnetnadel") hatte eine geradezu zauberhafl« Wirkung. Wie nach der Entdeckung Galvanis unzählige Frösche ihr Leben lassen mußten, so stellte man jetzt überall Ver- suche über Einwirkung des elektrischen Stroms auf die Magnet- nadel an. Alle möglichen Stosfe wurden dabei ai-f ihr Verhalten gegen den elektrischen Strom untersucht: aber es schien, als ob nur die magnetischen beeinslußt würden. Eine der schönsten Früchte der von Oersted gemachten Entdeckungen war die elektromagnetische Telegravhie. Nachdem Schweigger und Pogaendorf die Oerstedsch« Entdeckung benutzt hatten, um ein Galvanometer zu i onstruieren, war der Weg geebnet, um die Erscheinungen der strömenden Elektrizität messend zu verfolgen. Georg Simon Ohm fand das Gesetz, das die erste und festeste Grundlage für die madern? Elettrotechnik wurde. Faraday baute weiter auf Oersteds Entdeckung, der selber für die wissenschaftliche Vertiefung des Elektromagnetismus nichts mehr tat. Was Faraday experimentell erkannte, dafür schuf Maxwell die theoretischen Grundlagen. Das magnetische Feld, das bereits Oersted erkannt hatte, wenn er ausdrücklich betont, daß die Wirkung der Elektrizität nicht im Draht selbst, sondern in seiner Umgebung sich äußere, wurde von Maxwell in inhaltsschwere matheniatische Formeln gefaßt. Aus ihnen schöpfte Heinrich Hertz neu« Einblicke in das Wesen nicht nur der Elektrizität und des Magnetismus, sondern auch in ihre Beziehungen zum Licht. Oersted, der bereits 1821 erklärt hatte, das Licht sei eine elektromagnetische Erscheinung, sollte sich fast sieben Jahrzehnte nach seinem Ausspruch in gewissem Sinne als wahrer Prophet erweisen. Mit anderen Augen als die Physiker um die Mitte des vorigen Jahrbunderts lesen wir die Worte Oersteds, die er am Schluß seiner Mitteilung vom 21. Juli 1820 aufschrieb:„Ich füge dem Gesagten noch hinzu, daß ich in einem vor sieben Jahren herausgekommenen Werke bewiesen habe, daß die Wärme und das Licht der elektrische Strom sind. Aus den neu hinzugekommenen Beobachtungen läßt sich schließen, daß die Bewegung in Kreisen auch in diesen Wirkungen vorkomme, welche zur Aufklärung der Tatsachen, die man die Polarität des Lichts nennt, wie ich glaube, viel beitragen kann." So hat die Entdeckung Oersteds, der nebenbei sebr beachtenswerte Experimente über die Zusammendrückbarkeit des Wassers durchgeführt hat, dem die Chemie eine Reihe schätzenswerter Untersuchungen verdankt, bis auf unsere Tage gewirkt. Wenn man die Namen eines Galvoni, Volta, Ohm, Faraday, Hertz nennt, so darf man den eines Oersted nicht vergessen. Nullmannwerk. Ein Elektrizitätswerk, das ohne jede Bedienung van selber arbeitet, ist das Kyllwerk von Trier. Dort wird eine älter« Anlage durch Umbau �modernisiert und zugleich durch ent« sprechende Einrichtungen vollständig automatisch gemacht. Es handelt sich um ein Flußwerk, das mit einer Walzenwehr von veränderlicher Höhe arbeitet. Da die Wasserführung der Kyll zwischen 1,2 und 000 Kubikmeter schwankt, war die Ausnutzung der Wasserkraft durch das alte eingebaute Wehr sehr schlecht. Nach amerikanischem Vor- bild ist nun durch dos bewegliche Wehr eine gute Slusnützung erreicht, und der kleine Fluß vermag 1.6 Millionen Kilowattstunden jährlich abzugeben. Das automatische Arbeiten des Werkes kann im Bureau der Stadtverwaltung ständig überwacht werden., � u Srief an dich. Von Franziska Mann. „Wenn ich nur recht viel Sonne hätte", sagtest Du beim Ab- fchied.„Und liebenswürdige Wirte. Und— Ich erinnere mich micht genau, wieviel Gutes Du außerdem noch auf Deiner Erholungsreise von anderen erwartest. Und mit Recht. Aber an das Wich- tigste dachtest Du nicht: ohne die innere Bereitschaft, Dich von den unzähligen kleinen Aergmiissen des Lebens und von seinen großen Enttäuschungen energisch einmal zu lösen, hast Du Zeit und Mittel verschwendet— magst Du auch vom schönsten Wetter be- günstigt sein. Es kommt viel weniger auf Deinen Arzt an als auf Dich, vorausgesetzt, daß kein schweres körperliches Leiden Dich hemmt. Entscheidend für Deinen Erfolg kann es nicht sein, bis zu welcher Höhe Du Berge besteigst oder ob Dein Zimmer fehlerfrei oder Deine Bekanntschaften anregend. Erst wenn Du zu fühlen beginnst, daß der Strom Deiner seelischen Kräfte wieder einmal so machtvoll fluten will, daß er alle Mauern niederreißen kann, die das Leben im Gewohnten und Gewöhnlichen meisterhaft aufzu- türmen oersteht, erst dann darfst Du hoffen, Du hast das Ziel Deiner Reife nicht oerfehlt. Ein schwer erreichbares Ziel! Eine Kunst und eine Gnade, auslöschen und sich ganz wie einst— wieder fast kindlich erwartungsvoll— von der Freude zu leben durch- pulsen lassen zu können! Vielleicht glückt es überhaupt nicht ohne dichterische Phantasie. Da aber zu den Reizen einer Fahrt auch Entdeckerlust gehören soll, so könntest Du, obwohl Du glaubtest, das Leben habe Dich längst nüchtern gehämmert, jetzt wertbeständig« Schätze in Dir entdecken, von denen Du kaum noch etwas wußtest. Du ließest sie von den verzerrenden und aufzehrenden Einflüssen Deiner Umgebung— selbst wenn sie gutartig ist— oder von den unabänderlichen Kämpfen im Beruf— wohl auch von beiden— und von manchem sonst überfanden. Das Leben gab Dir anderes, als Du ersehntest. Du hast zu viel welken sehen. Kaum berauscht Dich noch irgend etwas. Das ist das schlimmste. Versuche es doch einmal wieder nur allein in Deiner Gesellschaft. Vielleicht solltest Du Dich wieder— weltcntfernt— Dir selbst anvertrauen, fort von der Heerstraße auf Deine eigenen Tiefen hören. Du hast nur das Lauschen oerleimt. Wenn grüne Zweige über Dir sich hin und her bewegen, so laß sie Himmelsbotschaft werden, nicht nur Geräusch. Denk«, was Dich freut. Schwellende Gedanken lassen sich erzwingen — aber oereilehe sie nicht, falls sie Dich betören wollen. Seelische Betörtheit ist köstlicher als alles andere Gut auf Erden. Ohne äußerliche Glücksziifälle erreicht ein Mensch zuweilen am meisten. Du glaubst vielleicht, einsam am Meer dahin zu wandeln oder durch duftende Wiesen zu schreiten, aber Du bist gar nicht allein. Seltsame und klangvolle Mächte gesellten sich Dir zu, die von der Großstadt in die Flucht gejagt waren oder vom Alltag oertrieben. Sie wollen Dich vielsricht aus Wirrnissen der Gefühle befreien, die sich so eisern an Dich geklammert hatten, daß Du an keine Bs- freiung mehr zu glauben wagtest. In diesen Tagen der Stille arbeiten Schöpferkräfte Äi Dir. Du bemerktest anfangs wohl kaum ihre Nähe. Sanft und vorsichtig ketten sie Dich los. Nicht mit bru- taler Gewalt. Liebevoll lassen sie Dich allem entgleiten, was Dir sonst unoerhältnismähig wichtig dünkte. Sie flüstern: Fälschungen alles Fälschungen. Deutlich beginnst Du die falschen Götter zu i erkennen, denen Du allmählich verfallen bist. Du beginnst wieder die wahren Triebkräfte für ein höheres Leben zu ahnen. Du er- rötest über Dein Abgleiten. Wie kam es nur, daß Du so kläglich I Weht Dich anzupassen lerntest? Mit dem Anpassen an Forderungen fern Deiner eigenen Persönlichkeit begann es. Auch dann, wenn es nicht nötig war, sondern nur bequemer, weil es alle toten. Du ließest widerstandslos Dir vieles gefallen, viele- weißmachen: die Mode forderte es oder die Gesellschaft oder die allgemein verbreiteten Gebrechen unserer Zeit.— Ich bitte Dich: bringe mehr heim als frische Farben. Di« kann sich jeder kaufen, wenn das Wetter ihm nichr abhold. Vergiß auch nicht, daß fast jede Reife nicht nur Geld kostet, sondern auch Geduld fordert, meist viel Geduld. Man hat sich manches„draußen" anders gedacht. Wenn ich Dir rate:„fei nicht genügsam", so meine ich: sei nicht genügsam mit Deinen eingekerkerlen Gedanken. Nütz« die Stunden ohne Zwang, die Tage, an denen Dich nichts hetzt." Be- schreite sichere Brücken. Leide an Deinen Verunstaltungen. Ringe noch einmal um die Kraft zur Illusion; sie ist von unschätz- barem Wert. Nur wer diese Kraft nie besaß oder rettungslos be- grub, nur der ist der wahrhaft Verarmte. Das bedenke. Wann aber willst Du versuchen. Verlorenes wiederzugewinnen, wenn nicht heure im Frieden der Landschaft? Vielleicht denkst Du:„Unsinn— wir kämpfen doch gerade am vergeblichsten mit den schadhaft gewordenen„Stellen" in uns—; es bleibt ja doch alles beim Alten— solche Erlebnisfähigkeit gehört zu den Einbildungen von Franziska Mann." Und wenn sie zu ihnen gehörte: beneide mich auch dann! Dichter und Schriftsteller sind nun mal unkluge Menschen, die immer wieder einer inneren Notwendigkeit folgen zu müssen sich einbilden, auch wenn sie wissen, daß ihre Worte besten Falles so lange im Ge- dächtnis haften wie der Klang einer Harfe, über die ein rascher Wind jagt. /kus öer Gesihichte öer Lotterie. Don Otto Meier. Die Betrügereien zweier Staatsbeamter haben die Aufmerksam- keit der Oefsentlichkeit auf die Lotterie gelenkt. So merkwürdig es klingen mag: auch die Lotterie hat ihre Geschichte, und zwar eine nicht uninteressante. Der Ursprung der Lotterien ist in Italien zu suchen. Es scheint so. daß dort im Jahre 153V vom florentinischen Staate zum ersten Male der Versuch unternommen wurde, ein« solche ins Leben zu rufen. Es ist sicher kein erfolgloses Unternehmen gewesen, denn es war der Anreiz für die verschiedensten Staaten, ähnliche Institute einzurichten. Wöhrend die Lotterie z. B. in den einzelnen Ländern der italienischen Halbinsel sich schnell einbürgerte, scheiterte sie aber in Frankreich vollständig. Erst vom 17. Jahrhundert an verbreitete sich die K l a s s« n l o t t e r i e, die als die älteste Form der Lotterie anzusprechen ist, auch in den germanischen LSndenr 1610 wurde sie in Hamburg, 1694 in England'und 1699 in Nürnberg eingeführt. In Preußen wurde die erste Lotterie 1703 errichtet, später auch in Dänemark, Hannover, Hessen, Mecklenburg-Schwertn, Braunschweig, Frankfurt und Osnabrück. Eine jüngere Abart der eigentlichen Lotterie ist das Zahlen- l o t t o. Es wurde 1620 zum ersten Male von Genua als Staatsbetrieb eingeführt. Seine Entstehung ist eigenartig genug. Die dort in jedem Jahr stattfindenden Wahlen zum Großen Rat wurden so vorgenommen, daß eine Liste von 90 Bewerbern auf- gestellt und aus dieser fünf Nomen herausgezogen wurden Mehr und mehr bürgerte sich der Brauch ein, auf die einzelnen umstrittenen Personen Wetten abzuschließen. Später ersetzte man die Namen durch Zahlen. Die Erkenntnis, daß ein solches Unternehmen nicht unrentabel war, veronlaßis schließlich die sehr geschäftstüchtig« Eenuefer Regierung, ein solches Lotto als Staatsmonopol einzu- richten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand das Lotto auch in Frankreich und Deutschland Eingang, wo es die einzelnen Staaten teils in eigene Regte übernahmen und verpachteten. In Italien ist es noch heute ebenso wie in O est e»r eich staat- liches Unternehmen. Oesterreich, das das Zahlenlotto 1813 einführte, hat jedoch schon vor dem Kriege daneben noch eine staat- liche Klassenlotterie eingerichtet, weil es beabsichtigte, das Lotto nach und nach abzubauen. Es ist dort aber bei dem Vorsatz des Abbaues geblieben, weil das Lotto erheblich mehr abwirft als die eigentliche Klassenlotterie. Man glaubt auf die nicht unerhebliche Einnahme daraus bei der schlechten Finanzlage des Donaulandes nicht vsr- zichten zu können Aber seit Genua sind die Zahlen 90 und 5 für den Lottobetrieb typisch. Man sieht, auch das Glücksspiel hat seine Tradition. In Preußen wurde, wie schon erwähnt, die erste Lotterie 1703 errichtet. Es war zunächst eine staatlich konzessioniert« Privatlotterie, die 1767 durch ein Staatsmonopol abgelöst und vom Staat verpachtet wurde. Erst 1794 wurde die Lotterie von Preußen in eigene Regie übernommen. Die Preußische Staatslotterie ist also bereits über 133 Jahre alt. Während in der ersten Zeit ihres Be- stehens ihre Erträge ausschließlich wohltätigen Zwecken zugeführt wurden, bilden diese, seitdem der Staat nach den unglücklichen Kriegsjahren 1806/1807 alle finanziellen Hilfsmittel ausschöpfen mußte, einen Teil der allgemeinen Staat sein- nahmen. Zeitweilig nahm auch Frankreich, während der Besatzung, den Reingewinn für sich in Anspruch. Di« erst« Staatslotterie spielte im Jahre 1794 im ganzen 55 000 Lose aus. Heute sind es in zwei Serien 350 000, also insgesamt 700 000 Lose. Wie groß die Beteiligung der Bevölkerung am staat- lichen Lotteriespiel ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß ein großer Teil der Lose, die im ganzen 120 M. kosten, in Achtellose gespielt werden. Da jährlich zwei Lotterien gespielt werden, beträgt der Einsatz der Spieler 168 Millionen Mark, von denen 100 Millionen als Gewinne an die Spieler zurückfließen. Die Differenz fetzt sich zusammen aus der Lotteriesteuer, die an das Reich abgeführt werden muß und die 1925 bei 550 000 ausgespielten Losen beinahe 22 Mil- lionen betrug, den Renten an die Vertragsstaaten, da Preußen mit den meisten deutschen Staaten zur Vereinheitlichung des Lotterie- betriebes in ein Vertragsverhältnis getreten ist, den Schreib- oder Reklamegebühren der Einnehmer, den Verwaltungskosten der Generallotteriedirektion, die mit etwa 400 000 Mark auffallend niedrig sind und dem verbleibenden Reingewinn des Staates, der 1925 etwas über 12� Millionen Mark betrug. Technisch ist es unmöglich, 700 000 Lose in die Trommel ein- zuschütten. Es blieb nur übrig, 350 000 Lose in zwei Serien aus- zuspielen. Diese Nummernröllchen im Gewinnrad haben das respektable Gewicht von 41- Zentnern. Da die Ziehungen in vcr- hältnismäßig kurzer Zeit erfolgen müssen, ist man dcmvon abge- kommen, Waisenkinder mit dem Ziehen zu betrauen. So seltsam es klingen mag: jede Ziehung ist wegen der großen Losezahl ein« nicht unbeträchtliche körperliche Anstrengung für die Beteiligten und er- fordert groß« Sorgfalt. Bisher ist es aber nicht gelungen, die menschliche Kraft durch exakt arbeitende maschinelle Einrichtungen zu ersetzen. Diesen Umstand haben sich, trotz schärfster Kontrolle, be- kanntlich die beiden ungetreuen Beamten zunutze gemacht. Ein neuer Staatsvertrag zwischen Preußen und den süddeutschen Staaten sollte am 1. Oktober 1927 in Kraft treten. Er ist vom Staatsrat nicht verabschiedet worden, weil u. a. die bis jetzt durch einen parlamentarischen Verwaltungsrat bestehende parlamentarische Kontroll« des Landtages ausgeschaltet werden sollte. Daß aber ein staatliches Glücksspielunternehmen— solange es besteht— mehr wie jedes andere Unternehmen die Kontrolle der Oeffenllichteit nötig hat, dürfte sich von selbst verstehen. AusnahmeAngebote Waschseide Ktmstftcide mit BanrnwoUe, moderne ilaetar, Meter Pf. Pt Pf. 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Sudermanns historischer Roman, der auf dem Untergründe des preußischen Zusammenbruchs von 1806 und der sogenannten Befreiungskriege Einzelschicksale dort weit hinten in Ostpreußen mit starkem landsmannschaftlichen Einschlag gestaltet, ist schon vor Jahren einmal verfilmt worden von Max Macf Wenn Luise H e i l b o r n- Kürbitz noch einmal zu demselben Stoff gegriffen hat, so mögen sie mancherlei Motive dazu geführt haben. Der Roman strotzt von Kontrasten: Franzosen gegen Deutsche, ein Junker mit polnischen Neigungen verrät fein eigenes Volk, die Bauern zünden ihm das Haus an und zwingen ihn zu einem Einsiedlerleben. Sein Sohn, ein enragierter Preuße, gibt Namen und Heimat auf und kehrt 1813 als geehrter und beliebter Offizier zurück. Aber nun, da die Bauern feinem Vater ein ehrlich Begräbnis oerweigern, bekennt er sich zu ihm und bestellt ihm mit Hilfe seiner treuen Kampfgefährten gegen den unchristlichen Pastor und die aufgereizte Bauernschar das Grab. Wie der Sohn nun selber das Schicksal seines Vaters weiter erleben muß, gemieden und ausgestoßen von den anderen und treue Hilfe imd schließlich Liebe bei Siegin«, der armen Tischlerstochter findet, die wie er verfemt ist, wie sie von ihrem eigenen Vater, der dem jungen Baron ans Leben will, getötet wird, und wie dann Napoleons Flucht von Elba aufs neue die Menschen aus ihren persönlichen Vcr- hältmssen herausreißt und der Sohn an der Spitze feiner ihm nun wieder anhängenden Landsleute ins Feld zieht(auf Nimmerwieder- sehen), das ist der weitere Inhalt der an dramatischen Akzenten reichen Begebenheit. Durch den Film werden die Unstimmigkeiten und Schwächen der Sudermannschen psychologischen Verknüpfungen manchmal recht deullich, andererseits profitiert er von den starken und immer bis auf die Spitze getriebenen Gegensätzen. Gerhard Lamprecht hat mit besonderer Vorliebe das Milieu entwickelt, in allen Milieu- und Massenszenen zeigt er seine besondere Begabung, er weiß farbiges Leben zu entwickeln. Besonders ist er darauf er- picht, die Nachtfzensn mit Rembrandtschen Halbdunkel herauszu- arbeiten. Das Unheimliche und Gespenstische nächtlicher Wanderungen über den Katzensteg, das Begräbnis des alten Barons bei Fackel- beleuchtung ist ihm besonders gelungen. Auch die militärischen Szenen, die Anzettelungen der Bauern im Wirtshaus, sind alle auf der Plusseite zu notieren. Dagegen läßt in der Charakterisierung des Cinzelschicksals die Kraft nach. Jack T r e v o r in seiner Zwiespältigkeit des jungen Barons läßt kalt, sein Ausdruck bleibt in der Maske stecken, und doch ist hier die Angel der ganzen Handlung. Hier hätte viel stärker motiviert werden müssen, womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß diese sonst einfache und sympathische Darstellung in eine wilde Geste bätte ausarten sollen. Ganz aus der Höhe ihrer Ausgabe war Lissy A r n a als Regine. Dieses getretene, verfolgte Mädchen, das mit hündischer Anhänglichkeit an ihrem Herrn hängt und das Wunder der Liebe erlebt, war ganz aus einem Guß und löste seelische Kon- takte aus. Die zahlreichen Einzelrollen waren alle gut besetzt, wenn sie auch für sich nicht all zu sehr in den Vordergrund treten. Der alte Baron Gustav R o d e g g s, der schlaue Schulze Rudolf Lettingers und vor allem der versoffene Tischler Max Maximilians, der überpatriotische Pfarrer des A. Behrens seien rühmend hervorgehoben. Die Photographie Hasselmanns schafft prächtige Bildwirkunqen besonders in den nächllichen Szenen, die Musik B e c c e s, die Schmidt-Gentner dirigierte, gab eine be- sonders wirksame rhythmische und harmonische Untermalung der Filmvorgänge._ D. .Senorlta.� (Gloria Palast.) Man sollte es nicht für möglich halten, daß der groß« Douglas Fairbanks, das Urbild männlicher Gewandtheit und Kühnheit, Held im Fechten, Springen und allen körperlichen Künsten, von einer Frau kopiert werden könnte. Und doch ist es in diesem Film im vollsten Maße der Fall. Bede Daniels, ein� Schülerin des großen Meisters, imitiert ihn aber auch in all seinen Vorzügen. Sie ist ebenso keck, ja draufgängerisch, ebenso gewandt im Fechten und Reiten, sie hat ihren Körper in gleicher Weis« in Gewalt wie jener— und man hat bei ihr noch den Ertragenuß, dieses ganze Helden- und Aden- teucrtum durch sie leicht parodiert zu fühlen. Es ist eine Lust, ihr zuzusehen, wie sie als Enkel in eines südamerikanischen Haziendabesttzers den Mann spielt, dem Alten die von den wilden Nachbarn gestohlenen Herden zurückerobert und allein den Kampf mit einer ganzen Bande aufnimmt, bis endlich Entsatz kommt und sie nun den letzten schwersten Kampf ausfechten muß mit dem Chef der Gegner, in den sie sich verliebt hat. Sie wird verwundet, und nun kommt ihr Geschlecht zutage, die kämpfenden Parteien versöhnen sich, und aus dem eben noch kühnen Manne wird ein hingebungs- volles süßes Mädchen. Bei all ihrer Bravour verliert Bebe nie ihre Anmut und man weiß nicht, in welcher Rolle man sie mehr be- wundern soll, in der des Mädchens oder in der des Mannes. Unter den Männern, die die Wildheit südamerikanischer Sitten illustrieren, finden sich prächtig« Typen, und der Regisseur B a d g e r versteht es, alle diese Elemente toll durcheinander wirbeln zu lassen und den Zuschauer unbeschwert von aller Literatur aus das prächtigste zu unterhalten._ r. «.Die fuße Sünöe/ (IL£„ kursürstendamm.) Die Amerikaner haben ein besonderes Faible für die leichten Chestücke, in denen man von einem Partner zum anderen übergeht, und wenns das Glück will, wieder beim Ausgang landet. Wie die amerikanische Ehescheidungsstatistik ausweist, sind die realen Grund- lagen für diese„Ehe im Kreise", wie Lubitsch seinen Beitrag zu dieser Sparte nannte, reichlich vorhanden. Trotzdem lieben es die Amerikaner, solche Affären nach Paris zu verlegen. Denn Paris ist für Amerika immer noch das Vorbild und die Metropole für Leichtlebigkeit und Eleganz. Malcolin St. C l a i r versteht es, in seiner Regie für dieses Genre den rechten Ton zu treffen. Alles ist leicht, luftig, es gibt keine moralischen Anstände, noch viel weniger ernst« Konflikte. Warum soll der Regisseur das Leben einer Ge- selljchaf:sklasse, deren einziger Inhalt Geld und Vergnügen ist, höher bewerten als diese selbst? Die erste Ehe geht in die Brüche, wenn dies nicht schon ein zu harter Ausdruck ist, will sagen: löst sich sanft auf, als die Frau merkt, daß ihr Gatte den Schwerpunkt nach einer anderen Seite verlegt hat, und sie sich überzeugt hat, daß ein Schriftsteller, der die Parole: eine Frau oer- tritt, der richtige Mann für sie ist. Aber die kecke Schau- spielerin, die sein Stück zum Triumphe führt, verführt gleich- zeitig ihn. Zufällig ist es der Mann aus der ersten Ehe, der hier die Erbschaft antritt: sehr nett, wie die beiden Männer nun die Rollen getauscht haben. Jetzt kann der Schriftsteller zu seiner ersten Frau zurückkehren, da beide einsehen, daß nur eine Irrung sie aus- einanderbrachte. Florence V i d o r ist nicht nur die elegante, schöne, hold lächelnde Frau, sondern läßt darüber auch Geist und Güte ausblitzen. Clive Brook ist ihr als Partner fast ebenbürtig und das sagt viel._ D. letztes Liebesabenteuer." (Emelka.Palast.) Ihr letztes Liebesabenteuer wird manchen erfreuen, denn es ist ein leichtbeschwingter, lustiger, wirtlich netter Film geworden. Ein junger Astronom heiratet, und als er von der Hochzeitsreise zurück- kommt, da bekommt seine Frau einen Brief von Tante Pvonne, welche die Nichte gern unter die Haube bringen möchte. Tante Poonne ist sehr exzentrisch, aber schließlich, Tante Dvonne ist eine Filmerbtante, sie hat ein paar Millionen. Infolgedessen reift das junge Frauchen zu Tante Doonne, der junge Ehegatte kommt nach, sie wollen sich unter Tante Uvonnes Augen prompt verlieben und unter einein Millionensegen die Ehe schließen. Aber es konimt anders. Be- wußte Tante verliebt sich in den jungen Mann, und als die Beichte des jungen Paares erfolgt, nun, da ist die Tante die Dame von Welt — sie hat die beiden ja nur prüfen wollen, und überdies heiratet sie selbst in 14 Tagen. Diese ganze Sache ist durch und durch filmisch und durch und"durch gut gemacht. Max R e i ch m a n n führte die Regie mit stets richtiger Erkenntnis der Erfordernisse des Augenblicks. Fein— freilich ohne jede herb« Kritik— ist das Milieu der großen Lcbedamen geschildert, die immer fabelhaft aussehen, immer Ab- wechslung haben müssen und immer unglücklich oerliebt sind. Wun- derschöne Landschaften bekommt man zu Gesicht, meist als Fahrt- bilder, nicht krampfhaft als Kulisse oder Atelier. Gustav F r ö h- l i ch spielte den jungen Astronomen, naiv, phlegmatisch und kern- gesund. Seine Partnerin war Vera S ch m i t e r l ö w, ein erfolg- versprechendes Talent. Carmen B o n i war als Tante Noonne elegant, interessant und schr schön. Der Regisseur und sie hatten genügend Geschmack und Verständnis, um die lebenslustige Tante nicht, wie filmüblich, als große Kokotte, sondern als charmante Frau erstehen zu lassen._ e. b. ,Llebe geht seltsame Wege." (Richard-Osrvald-Lichtspiele.) Die Verfilmung dieses Romans von Maurice Decobra befriedigt weder als Manuskript noch in der Regie. Ein Bankier wird von seinem Prokuristen bestohlen. Der Geschädigte kann den Dieb nicht zur Anzeige bringen, weil der nicht nur Geld, sondern auch den Bankier belastende Dokumente an sich gebracht hat. Der Prokurist fährt nach Paris und die Tochter des Bankiers eilt ihm nach, um ihm die Dokumente abzujagen. Der Defraudant verliebt sich in die Bankierstochter, ohne von ihr erhört zu werden. Doch zu Paris gehört Liebe: sie hat sich inzwischen in einen Maler verliebt und bekommt ihn auch: desgleichen erhält sie die Dokumente. Der Dieb, der von ihnen Platten anfertigen ließ, kann die nicht mehr gebrauchen und mißbrauchen, da er von seiner Geliebten erschossen wird. Der Regisseur Fritz Kaufmann wäre der Welt des Films gerecht geworden, wenn er entweder auf Spannung und Tempo oder auf Charakterisierungskunst und seelische Begründungen hätte spielen lassen. So schleicht sich der schwere Fehler ein, den Bankier ohne weiteres als edle Figur auszugeben. Kaufmann vermeint das ganze Thema durch Revueszenen, Lichtreklamen und Modevorführungen zu Beklage öes vorwärts „erfassen". Die Schauspieler versagen allesamt- So ist Gaston I a c q u e t ein Erpresser ohne Dämonie, die für den Film nun ein- mal unbedingt nötig ist, Walter S l e z a k ist trotz dunkler Haare, die für ihn photographifch viel wirksamer sind, als sein lichtes Blond es ist, ein fader Liebhaber, Maly D e t s ch a f t(gerade sie gebraucht die Führung eines Regisseurs) ist eine ewig wehleidige, höchst un- interessante Geliebte und bei Genevieve C arg es«, der Vertreterin der Hauptrolle, ist auch nicht ein einziges Mal eine der vielen Groß- aufnahmen gerechtfertigt._— g. , Telephon: Amt Norden 1813, 804. VKfStmm Komische Oper 8V, Uhr 8V, Uhr Berlins neueste Revue: Sirene veriaolcatüj Die Revue der verbotenen Leidenschaften I Ucbcr 200 Mitwirk. ✓ 0 Ballett*, j Vorverkauf z. d. Theaterkasse ab 10 Uhr anunterbr I CAS1NO-THEATER suhr: mr dnnstler Fiecu Aasschneiden! Gutschein 1— 4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M_ Sessel nur 1,60 M. L-Ordi. o• GMOPOOS» ZOOLOGISCHER GARTEN Täglich ab 4 Uhr nachm. 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