Nr. 386 ♦ 44. �ahrg. Musgabe A Nr. 197 Bezugspreis. Büch entlich 70 Pfennig monatlich B,— Steidfjsntnrf vorans iKchlbor. Unter Streifband im Zn. und Ausland 5,50 Reichsmari pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. t-n Sonntagsbeilage.Voll nnd Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt". .Frauenstimme"..Der Kinder- freund".„Jugend-Vorwärts",„Blick in die Bitchcrwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreste: „Sozialtemoicai Berlin"' Morgenansgabe W G Rerliner Volksbl�kt �10 pksnnig) Anzeigenpreise: Di« einspaltige Nonpareille- »eile 80 Pfennig. Retlamezeile d.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" da« fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzuläfstg zwei fettgedruckte Worte). iede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« das erste Zlxrt 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Wort- über 15 Buch- stoben zählen fllr zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigcn fltr Abonnenten Zeil« 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rümmer Müssen bis 4i4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 08, Linden. strasteZ, abgegeben werden. Geöffnet von 8ib Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat! fehen Partei Deutfcblands Reöaktion und Verlag: öerlln SW. b8, Linöenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— SS7. Mittwoch, den»7. August!SS7 vorwärts-verlag G.m.b.H., öerlin EW. 68, Linüenftr.Z Post, che Konto: Berlin 17 5»-»anNonto: Bank der Arbeite,. Angefteilten »ad Beamten. Wallftr. 05: Biakoato-Sefelllchatt. Depofttentasse iiadenftr. 5. Der Kampf um Irlands Regierung. Das Mißtrauensvotum der Arbeiterpartei abgelehnt. Dublin, Ib. August. Zohusous Mihlrauensvotum im Parlament des irischen Frei- staates wurde mit7Z gegeu71 Stimmen verworfen. Der Sprecher gab den Ausschlag, indem er gegen den Antrag stimmte. lieber die vorhergegangenen Debatten meldet unser Londoner Berichterstatter: Genosse Tom Johnson begann mit einem Angriff auf die Gesetzgebungsarbeit der gegenwärtigen Regierung. die nicht geeignet sei. ein« Besserung der Verhältnisse herbeizuführen. Er entwickelte hierauf die politische These, daß durch den Eintritt der 43 Republikaner eine grundsätzlich neue poli- tische Lage in Irland eingetreten sei, die zum ersten Male seit der Begründung des Freistaales«inen Wechsel in der Regierung möglich mache. Für Irland sei in diesem Augenblick eine Regie- rung nötig mit Ausschluß der beiden Parteien, welche sich in schweren iunerpolitischen Kämpfen der vergangenen Jahre mit sol- cher Heftigkeit gegenübergestanden hätten. Friede, Ordnung und gute Verwaltung in Irland könnten lediglich durch eine Partei oder ein« Parteienkombinotion gefördert werden, die außerhalb der anderen kämpfenden Parteien stünden. Johnson schloß mit einem Bekenntnis zum e n g li s ch. i r i s che n Friedensvertrag von 1921; Im Rahmen dieses Friedensvertrags fei die irische Nation in allen ihren politischen Fragen völlig souverän. Anschließend erkundigte fich Präsident Cosgrave nach den .geheimen Koalitionsabmachmigen" der Opposition. Dann sprach der Führer der Nationalen Liga R e d m o n d, dessen kleine Partei das Zünglein an der Wog« bei der Lösung der Krise bildet. Rebrnorrv griff die Regierung Cosgrave auf» schärffte an; es sei nicht einzusehen, warum der Führer der Republikaner de Valera .ein schlechterer Wildtöter" sein soll als der gegenwärtige Präsident. Seine Partei bekenne sich zum mglisch-irischen Vertrag. Sie anerkenne aber das Recht de Baleras, auf demokratischem Wege die Au f h e b u n g dieses Vertrags zu versuchen. Seine Partei werde dem Mißtrau ensvowm der Arbeiterpartei zustimmen. Hoffnung für Sacco und vanzetti. Das Wiederaufnahmeverfahren. Boston, 16. August.(Eigenbericht.) vor dem Obersten Gerichishos m Massachusetts begann am Dienstag die Verhandlung über die Wiederaufnahme des Gerichlsversahrens gegen Sacco und Vanzeili. Herbert Hills sprach im Namen der Verteidigung. Die Entscheidung ist.nicht vor Donnerstag oder Freitag zu erwarten. Eine Aktion des Papstes. Der Papst hat zugunsten Saccos und Vanzettis Schritte unter- nommen, da er vom Vater Vanzettis telegraphijch er- sucht wurde, sich seines Sohnes anzunehmen. Pius XI. beauftragte durch den Kardinalstaotssekretär Gasparri den Nuntius in Washington iirt Verein mit den amerikanischen Kardinälen zugunsten der beiden Verurteilten bei den amerikanischen Behörden einzutreten. Attentat auf einen Saceo-Vanzctti-Gcschworenen. Boston, 16. August. Bei der Polizei ist eine Meldung aus E a st- M i l t o n ein- gelaufen, wonach heute sriih 3>i Uhr dos Haus von Lewis M c' h a r d y, der als Geschworener in dem sieben Jahre zurückliegenden ersten Prozeß gegen Sacco und Vanzetti tätig war, durch eine Explosion zerstört worden ist. Alle Anwesen- den erlitten Schnitt- und Stoßverletzungen. Die Polizei äußert die Meinung, daß die Explosion durch eine Vombe herbei- geführt worden ist. Die Ilucht öes Genossen Turati. Seine Freunde unschuldig vor dem Faschistengericht. Part». 16. August.(Eigenbericht.) Am 19. August beginnt vor dem Gericht in Savona in Italien der Prozeß gegen den früheren sozialistischen Abgeordneten Filippo Turati, der am 11. Dezember 1926 ohne Paß aus Italien geflohen fft. Genosie Turati hält sich seither in Paris auf. Elf Personen, darunter mehrere, die Turati auf der Flucht bis Korsika begleitet haben und inzwischen den Faschisten in die Hände fielen, sind wegen Beihilfe angeklagt, darunter der ehemalige Chefredakteur des„Corriere della Sera", P a r r i, der Genueser Unioersitätsprofesior R o s s o l i n i und der ehemalige Theater- kritiker des„Avant!", Albini. Turati äußerte sich vor Pressevertretern in Paris über seinen Prozeß und die Ursachen wie folgt:„Wenn ein Mann wie ich, mit 70 Jahren und trank, sich noch entschließt, nach unmenschlichen Per- solgungen durch die Faschisten aus Italien zu fliehen, so können Sie versichert sein, daß nur die dringendsten Gründe ihn dazu ver- anlaßt haben. Ich bin monatelang gefangen geholten worden in meinem eigenen Hause und läglichen Verfolgungen und Beobachtungen ousgeseht. die mit der elementarsten Würde eines Staatsbürgers unvereinbar sind. Ich habe bereits durch die Vermittlung des Abg. Blum an den Präsidenten des Gerichts in Savona einen Bericht geschickt, in dem ich allein die volle Verantwortung für meine Flucht aus mich nehme und der Wahrheit entsprechend erkläre, daß meine Freunde, die heute mitangeklagt sind, an meiner Flucht u n- schuldig sind. Trotzdem nach dem italienischen Gesetz der Gerichts- Präsident einen solchen Bericht in Betracht ziehen muß. ist nicht sicher, daß dies auch geschieht, da ein Italienischer Richter nach dem Gesetz seine Stellung verliert. „wenn sein Urteil im Gegensatz zur Politik der Regierung steht". Deshalb bitte ich, die unabhängige Presse Europas über meinen Bericht in Kenntnis zu setzen. Ich habe nicht die geringsten Hofs- nungen, meine Freunde zu retten, aber ich will, daß ihre ungerechte Verurteilung von allen freien Menschen nach Gebühr ge- würdigt wird. In den Monaten September bis Dezember 1926 war ich, wie aus mehreren ärztlichen Zeugnissen hervorgeht, schwer leidend. Ich verlangte daraufhin von dem Präfekten von Mailand einen Paß, um mich zur Genesung in einen ausländischen Kurort zu begeben. Als Antwort hierauf wurden die Polizeiposten vor meiner Tür Tag und Nacht verstärkt und ich nicht nur in meiner Wohnung überwacht, sondern ich wurde von ihnen auf Schritt und Tritt verfolgt und beob- achtet. In wenigen Tagen war ich deshalb völlig vereinsamt, denn kein vlensch wagte mehr mich zu besuchen, da er befürchten mußte, sofort ein Opfer der faschistischen Polizei zu werden. Ich protestierte beim Präsekten vergeblich gegen diese»nmensch- liche Behandlung, durch die mir das Leben unmöglich gemacht wurde. Es war eine Behandlung, schlimmer als die der Ver- brecher im Gefängnis. Als das letzt« Attentat auf Mussolini ver- übt wurde, brachte man mich ganz plötzlich des Nachts in einem Auto in Begleitung von Polizisten nach einem anderen Ort. Um mir die Freiheit zu verschaffen, beschloß ich, selbst auf die Gefahr hin. getötet zu werden, mein Haus heimlich zu verlassen. Dies gelang mir auch. Ich verließ eines Nachts durch eine Hintertür meine Wohnung, ungesehen von den Polizisten und verbrachte einige Wochen bei einem mir treu ergebenen Freunde. Da ich ihn aber selbst keinerlei Verfolgungen aussetzen wollte, verlieh ich in der Nacht zum 2. Sep- tember das Landhaus. Acht Tage flüchtete ich unter unerträglichen Verfolgungen von Ort zu Ort. bis ich mich entschloß, Italien zu verlassen. Die Abfahrt erfolgte in der Nacht zum 11. Dezember bei heftigem Sturm. Am 12. Dezember landete ich bei Caloi, wo wir das Schiff nach Nizza bestiegen, be- gleitet von Pertini, Parri und Rosselli, die mich lediglich aus Freund- fchaft begleitet hatten. Sie kehrten später nach Italien zurück, wo sie sofort verhaftet wurden. In edelster Selbstausopferung nahmen sie dann alle Schuld auf sich. Sie behaupteten sogar, daß sie mich zu der Flucht veranlaßt hätten. In Wirklichkeit aber ist die Initiative hierzu von mir selbst ausgegangen. Ich habe weder Komplicen noch irgendeine Hilfe dazu notwendig gehabt. Im Jnter- esie der Mitangeklagten halte ich diese Feststellung für notwendig." Das antibolschewistische Noröchina. Semjonoff bei Tschangtsoli». Der früher« zaristische General S e m j o n o f f ist in Be- gleitung japanischer Offiziere in Peking eingetrossen. Semjonosf beabsichtigt, neu« russische Formationen aus Weißgardisten aufzu» stellen. Er soll den Posten eines Stabschef« bei den Nord- truppen übernehmen. Die /ingestelltenversicherung. 33 Millionen Rentenleistungen— 207 Millionen Ueberschuff. Der jetzt vorliegende Bericht des Direktoriums der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte über das Geschäftsjahr 1926 g-rbt einen aufschlußreichen Einblick in die Entwicklung dieses bedeutsamen Versicherungsträgers. Er bestätigt, daß die im März 1925 von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion aufgestellten Forderungen zum Ausbau der An- gestelltenverficherung durchführbar gewesen sind. Die bürgerliche Mehrheit des Reichstages hat damals diese Forderungen abgelehnt und sich mit einer geringen Er- höhung der Rententeistungen begnügt, gleichzeitig jedoch die Beiträge erhöht. Die Folge davon war eine gewaltige Steigern n g der Beitragseinnahmen und eine nur gering- fügige Erhöhung der Ausgäben für Rentenleistungen. Im Jahre 1925 würden 185 769 322,99 M. an Bei- trägen eingenommen, im Jahre 1926 waren es 245 779 342,36 Mark. Das ist eine Mehreinnahme allein an Büträqcn von rund 69 Millionen Mark. Aber auch die Ein- nähme an Zinsen ist von rund 24 Millionen Mark im Jahre 1925 auf rund 37 Millionen Mark im Jahre 1926, also um 13 Millionen Mark gestiegen. Die Ausgaben für Ruhegeld und Renten betrugen im Jahre 1925 insgesamt 43 796 626,65 M., sie steigerten sich im Jahre 1926 auf 53 224 958,37 M., also um rund 9�2 Millionen Mark. Bei der Begründung der Regierungsvorlage über den Ausbau der Angestelltenversicherung erklärte der Reichs- arbeitsminister Dr. Brauns in seiner Reichstagsrede am 4. Juti 1925, daß durch die neuen Leistungen die Rentenlast um mehr als ein Drittel steige und deshalb auch der Beitrag um rund ein Drittel erhöht werden muß. Die bürgerlichen Parteien find im Gegensatz zur Haltung der sozialdemokro- tischen Reichstagsfraklion dieser Logik gefolgt. Wie sieht nun das Ergebnis aus? Einer Mehreinnahme an Beiträgen und Zinsen in Höhe von 73 Millionen Mark steht eine Mehraus- gäbe an Ruhegeld und Renten von 9� Millionen Mark gegenüber; oder: die gesamten Rentenleistungen bleiben noch um 29 Millionen Mark allein hinter den Mehreinnahmen zurück. Das muß sich natürlich auch in der Bermögensansamm- lung widerspiegeln. Der Ueberschuß steigerte sich von rund 14414 Millionen Mark im Jahre 1925 auf rund 29714 Mil-' lionen im Jahre 1926. Allein in diesen beiden Jahren hat die Reichsversicherungsanstalt ein Vermögen von rund 352 Millionen Mark angesammelt; das gesamte Vermögen betrug am 31. Dezember 1926 rund 633 Millionen Mark. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte bei dem damaligen Beratungen im Reichstage eine Verdoppe- lung der Rentenleistungen gefordert. Die> monatliche Grundrente sollte von 39 M. auf 69 M. erhöht' werden. Zu dieser Grundrente kommt der Steigerungsbetrag.f der sich nach der Summe der geleisteten Beiträge richtet.� Die sozialdemokratische Reichstagsfraktivn forderte die Er»� höhung des Steigerungsbetrages von 19 auf 29 Proz. Diese Borschläge wurden abgelehnt und nur eine Erhöhung des; Grundbetrages von 39 auf 49 M. monatlich und der Er-' höhung des Steigerungsbetrages von 19 auf 15 Proz. de-'. schlössen. Die Jahresrente errechnet sich also jetzt nach einenrl Grundbetrag von 489 M., dazu kommt als Steigerungssasti 15 Proz. von der Eesamthöhe der für den Versicherten seit!' dem 1. Januar 1924 geleisteten Beiträge und außerdem noch auf Grund des Gesetzes vom 23. März 1925 Zusatzsteigerungs- beträge für Beiträge der Gehaltsklassen? bis 1 aus der Zeit- vom 1. Januar 1913 bis 31. Juli 1921. Diese Zusatzsteige-, rungsbeträge erhöhen die Jahresrente in den Gehalts- tlasien? um 1 M., G um 2 M. H um 3 M. und I um 4 M.> pro Beitrag: im günstigsten Falle können 193 Beitrüge zun Anrechnung kommen. Von dieser Art Aufwertung sind die unteren Beitragsklassen ausgeschlossen. In seiner bereits erwähnten Reichstagsrede am 4. Juli 1925 Hot der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklärt, daß seines Erachtens die Rentenbemesinng an der Grenze des Möglichen angelangt sei. Der letzte Jahresbericht der Reichs- Versicherungsanstalt beweist dagegen, daß bereits da- m a l s die Forderungen der Sozialdemokratie durchführt bar gewesen sind; der Reichstag hat deshalb die Pflicht, das' Versäumte schleunigst nachzuholen.■- Die Ausgaben fllr das Heilverfahren stiegen von 11 843 144,71 M. im Jahre 1925 auf 16 949 222.49 M. im Jahre 1926, das ist eine Mehrausgabe von rund 4 299 999 M. Die Zahl der Anträge auf ständige Heilverfahren betrug im Jahre 1925: 49 926; entschieden wurde über 47 796 Anträge, davon wurden 69,7 Proz. bewilligt. Im Jahre 1926 erhöhte sich die Zahl aus 54 427, davon gelangten 52 879 zur Eni» scheidung, dewilligt wurden 61,8 Proz. Das Verhältnis der Bewilligungen hat sich also ein wenig gebessert, immerhin ist die Zahl der abgelehnten Anträge noch sehr groß. Durch das Heilverfahren soll der Eintritt der B e- rvfsvnfähigkeit rierhinöert oder eingetretene Berufs- unfähigkert wieder beseitigt werden. Deshalb ist auch für eine Nenienoersichcrung itas Heilverfahren von der größten BeÄetrtmtg. Gegenwärtig ist die Gewährung des Heiloer- fahretts in das Belieben des Versicherungsträgers gestellt. Die fozialdemvkrvtische Reichstagsfraktion hatte bei den da- maligen Beratungen an Stelle der Willkür die Einführung von Rechtssicherungen gefordert. Die Berechtigung dieser Forderung ist damals auch von einzelnen Vertretern der bürgerlichen Parteien anerkannt worden; dennoch wurde auch dieses Verlangen von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Ein durchschlagender Grund für das Versagen solcher Rechts- garan-tien kann ernsthaft nicht ins Feld geführt werden. Die immer noch erschreckend hohe Zahl der Ablehnungen beweist vielmehr, wie dringend notwendig eine Aenderung des gegen- wärtigen Zuftandes ist. Sie ist angesichts der Vermögenslage der Reichsversicherungsanstalt auch durchaus tragbar. Der Jahresbericht der Reichsverficherungsanftalt ist eine Mahnung an Reichsregierung und Reichstag, den Ausbau der Angestelltenversicherung unverzüglich in Angriff zu nehmen, damit sie für den berufsunfähigen oder alten oder heilbedürf» tigen Angestellten einen wirklich ausreichenden Schutz be- deutet. Ebenso dringlich ist aber auch ein Ausbau ihrer Selbstverwaltung. Der maßgebende Einfluß der Versicherten, wie ihn die Reichs Verfassung für die gesamte Sozialversick)e- nrng verspricht, muß auch in der Angestelltenversicherung ein- geführt werden. Die Sozialdemokratie wird sich bei den kom- Menden Auseinandersetzungen, wie bisher, mit aller Kraft für die Drnchfetzung dieser Forderungen einsetzen. Sorsigs Sozialpolitik. r ►»(?§ kann sei«, daß 30 000 Menschen zugrunde gehen." Wie erinnerlich, hat der Führer der Bereinigung Deut- scher Arbeitgeberverbände, Ernst o. Bvrsig, vor der Deut- schen Gesellschaft im Mai eine Rede gehalten, in der er die bekannten Bedenken der Unternehmer gegen eine positive Sozialpolitik zum Ausdruck brachte. Da- bei sind Aeußerungen gefallen, die den Teilnehmern jener Versammlung als eine ausgesprochene Aufforderung zum Klassenhaß erschienen und von uns auch als solche gewürdigt wurden. In der„B o r f i g- Z e i t u n g" ver- offen tlicht nun der bekannte Berliner Metallindustrielle einen Aufsatz, der größtenteils eine wörtliche Wiedergabe des Vor- träges ist. Hier lautet die umstrittene Stelle folgendermaßen: In diesem Zusammenhang mächt« ich auch auf ein« grund» fätzliche Erwägung hinweisen, mit der man sich, gleichgültig, zu welchem praktischen Ergebnis man kommt, einmal auseinandersetzen muß, wenn man sich überhaupt mit den Problemen der Sozialpolitik beschäftigt; das ist die folgende: die soziolpoliti- fchen Maßnahmen des Staates sollen denjenigen Gliedern des Volkes, die ohne solche Fürsorge iu wirtschaftliche oder kultn- ■pelle Not geraten würden, helfen, mit dem Leben fertig zu wer- den. Die anderen, die zufolge ihrer größeren eigenen Energie, körperlichen und geistigen Begabung urch Beweglichkeit schon an sich lebenskräftiger sind, werden durch diese Maßnahmen, die, wie alle Fürsorgcmaßnahmen, zugleich eine gewiss« Beoormon- d u n g darstellen, in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und damit in ihren, Leistungen wahrscheinlich mehr gehemmt als gefördert. Dinkt m.q..n sich nun einmal die hanptsLchlichsten Maßnahmen der"Sozio lpolitik weg, so können— -�.zweierlei Folgen eintreten, die durch ein Bei- spiel»eronschaulicht seien: Es kann allerdings sein, daß ohne die vom Staat ausgeübte Jfltfergc vielleicht 50 000 ZNenschca, die heule mit Hilfe dieser Fürsorge mit dem Leben fertig werden, zugrunde gehen. Es kann aber auch etwas ganz anderes eintreten, nämlich, daß 4000 bt» 50 00 andere schon an sich leistungsfähigere und lebenskräftigere Menschen bei dem Wegfall der ihnen heute aus der Sozialpolitik entstehenden Hemmungen der oben geschilderten Art ihre Fähig- ketten in solchem Maße entwickeln und ihre Leistim- Hotel am Vauquois. Bon Hermann Schützinger. So ein Hotel an dem zertrampelten Erdstreifen, der sich vom lhartmannsweilerkopf zum Kurhotel von Ostende zieht, hat ja seit Jahren sein eigenes Gesicht angenommen und beibehalten, etwas Reklame für das„große Geschäft" der Fremdensaison der„regions d'evastes", eine etwas stillere Werbung für die Angehörigen„cke noz soldats glorieux", die hier bestattet find und drittens den simplen, regionalen Kur- und Erholungsbetrieb der kleinen Leute aus den umliegenden Mittelstädten, deren Geldbeutel weder für Nizza noch für die große Badestadt Deauville geschaffen ist. Je nach dem Bor- herrschen einer der drei Elemente ändert sich das Gesicht des „Schlachtfelder-Hotels": Am Fuß des Hartmannsweilerkopfs steht so ein ganz neuer, von der.Friedhofkonjunktur emporgetriebener Kasten, dessen Plakate durch das ganze Elsaß schreien:„Grande Hotel St. Anne",„au pied du Hartrnannsweilerkopf";„herrlicher Blick auf das Schlachtfeld", den „Vieil Armand" und den„Grand Ballon",„120 Betten, Zentralheizung, Schwimmbad, Große Garage". Auf den„Salon- Schlacht- feldern", in Berdun und Reims steht ein Dutzend ähnlicher Klötze und den Rekord schlägt das Ostender Kurhotel, da gibt es Stahlhelme als Blumentöpfe auf der Bive. o'clock- Terrasse und Tanztees mit Chorleston auf den gesprengten Panzerbatterien der„großen Zeit". Unser Hotel in Barennes am Bauquois in den Argonnen ist ein ganz kleines, stilwerträumtes Ding. Als wir im Jahr 14 nach dem ersten großen Chok der Angriffsschlacht in den ersten, richtigen Gräben aus den Bergen lagen, schauten wir voll brennender Sehn- sucht auf das Argonnenstädtchen und sein schmuckes Hotel am Markt- platz hinab. Aus der Sphäre der Unterstände und Gräben voll Schlamm und Dreck nahm sich dieses Hotel wie der Inbegriff aller Wunschträume aus; Madame Curie schenkte damals am weißge- deckten Tisch schon weißen Burgunder aus und wir aßen Weißbrot dazu und waren furchtbar stolz darüber, daß wir alles bezahlten. Frau Curie ist etwas dicker geworden, ihre Hüften find nicht mehr so schlank wie damals, am Ende der großen Bewegungsschlacht und Herr Curie hat einen regelrechten Bauch� Dafür haben sie beide ein entzückendes Mädelchen hervorgebracht, die kleine Uvonn«. Die tanzt wie ein Bögelchen auf dem vom Granatensegen immer noch recht holprigen Marktplatz umher, und wenn man sie fragt:„Yvonne — wo warst du eigentlich im großen Krieg? Weißt du das große Geschieße nicht mehr?" Dann trillert sie wie eine Lerche:„Da war ich doch noch da oben am Mond, mein Herr!" „Na, und möchtest du nicht wieder Krieg haben? Da war doch allerhand los am Vauquois?" .„Nein, mein Herr! Bater ist arg traurig, wenn man davon spricht und Mutter heult immer gleich los— beim ersten Wort!" Das Essen!-- Gut ist nur der Wein! Madame Eurie schlägt zum Abendessen den Gong und ein Dutzend Männlein und Weiblein oersammelt sich auf der kleinen Terrasse des Hotels— kleine Leute, ehrbare Bürger aus Valmy und St. Menehould, Postsekretäre und Handlungsgehilfe« cm» Nancy gen dementsprechend in solchem Maße steigern könnten, daß sie zu- folge ihrer erhöhten Leistungen und mit Hilfe der von ihnen ge- schaffenen größeren wirtschaftlichen Werte imstande wären, auch jene 50 0000, die der Fürsorge bedürfen, mit durch. zuschleppen. Aber das sind natürlich Ding«, bei denen jeder einzelne schon rein gefühlsmäßig die Bedeutung der verschiedenen Faktoren ganz verschieden bewertet. Daraus geht hervor, daß der Industrielle und Wirt- schastsführer infeiner theoretischen Betrachtung g a n z p o s i- t i o mit der Möglichkeit gerechnet hat, daß bei einer Preisgabe der Sozialpolitik SVOOV Menschen dem Verderben ausgeliefert würden. Er nannte die Zahl nur als Beispiel— wer könnte sie auch genau schätzen! Seine These ging dahin, es sei allerdings möglich, daß zehn Pro- zent dieser 50 000 in Werte schaffender Arbeit für die Be- drohten den Lebensunterhalt mitverdienen könnten. Wohl- gemerkt: könnten! Herr v. Borsig wagt selbst es nicht zu sagen, daß diese zweite Möglichkeit auch wirklich eintreffen muß. Er findet sich eben damit ab, daß das Risiko Äner Vernichtung von— um bei der Zahl zu bleiben— 50 000 Menschenleben eingegangen werden müßte, bloß weil unseren madernen Wirtschaftsführern die Art und die Richtung der Sozialpolitik nicht gefällt. Als Elemenceau das Wort nachgesagt wurde, es lebten 20 Millionen Menschen zuviel in Deutschland, erhob sich ein wahrer Sturm der Entrüstung aller nationachenkenden Kreise. Lediglich der Reichslandbund brachte damals den traurigen Mnt auf, dieses Wort ihrer Propaganda für eine staatliche Unterstützung der Landwirt- schaft zugrundezulegen. Jetzt kommt der gewählte Führer der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberver- b än.d« und begründet seine neue Theorie von der Minder- Wertigkeit staatlicher Sozialpolitik mit Beispielen, die be- weisen, daß das deutsche Unternehmertum sich der G e f a h- ren einer sozialen Reaktion für das Volk voll bewußt ist und sie verrannter Ideologie zuliebe trotzdem eingehen will. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, die man nicht niedrig genug hängen kann, damit alle Arbeiter wissen, was ihr Leben in den Augen der Industriellen wert ist. Es ist keine Eni- schuldigung. wenn man dieser Auffassung gegenüber erklärt, es handele sich ja nur um theoretische Darlegungen. Das arbeitende Volk muß verhindern, daß derartige brutale Theorien durch einen sozialpolitischen Dilettantismus grausame Wahrheit werden. Tage Sarmat-prozeß. Schluß der Beweisaufnahme Ende des Jahres? Am gestrigen Dienstag fand in Moabit ein stilles I u b i- l ä u m statt, denn gestern erfolgte die 10 0. Verhandlung im Barmat-Prozeß, der am 11. Januar d. I. begann und Voraussicht- lich das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Neumann noch bis Ende dieses Jahres beschäftigen wird. Dieser Monstre-Prozeß steht in der Kriminalgeschichte einzig da, denn vor ihm hat es wohl keinen Prozeß gegeben, der das Gericht solange in Anspruch genommen hat, wie das Verfahren gegen Barmat und Genossen. Nach fiebenmonatiger Ver- Handlung ist man jetzt endlich nach Erledigung der Anklage- punkte, die sich mit der Geschäftsverbindung zwischen der Preußi- schen Staatsbank und der„Amcxtma" Barmats, mit dem Fall Lange-Hegermann, mit den Beziehungen Barmats zur Deutschen Girozentrale und der Reichspost bzw. zur Brandenburgifchen Giro- zentrale beschäftigten, zum 6. Teil der Anklageschrift vor- gedrungen, der die Ausgabe der I. Roth-Obligationsanleihe behan- delt, bei der Barmat nur eine Nebenrolle spielt. Es sind noch drei Teile der insgesamt 648 Seiten umfassenden Anklageschrift zu behandeln. Bisher hat das Gericht, dem mehrere Ersatzrichter und -Schöffen zur Verfügung stehen, etwa 185 Zeugen vernommen, allerdings einige davon mehrere Wochen hintereinander Tag für und Bar le Duc, lediglich der glattrasierte Herr mir gegenüber steht etwas interessanter aus. Er ist höflich, reicht uns dienstbeflissen die Platten, das Brot und den Wein und erzählt ganz interessant von Reims und Ehalons. „Er war capitaine du geniek", flüstert mir Madame Curie ins Ohr. Merkwürdig. Da sitzt man sich gegenüber, reicht sich das Essen, trinkt zusammen vorzüglichen Wein, gibt sich Auskunft über die Auwbusverbindung und die Eisenbahn und reibt sich die Augen: Da draußen steht doch noch die Kulisse vom Vauquois? Tatsächlich! Vor zehn Jahren schlug man sich an dem braunen Buckel da oben noch den Schädel ein! Wir wünschen uns„Gute Mahlzeit", stellen uns in Gruppen auf den Marktplatz und, da wir als Deussche erkannt sind, erzählt man sich vom Krieg.— Nicht von Heldentaten und herrlichen Attacken, sondern vom Alltag. Wie wir uns hier im Wald von.�arazee" über die„Bour de Paris", die„Bille Morte" zum„Vauquois" und zur Höhe 304, drüben bei Verdun einander gegenüberlagen. Die Aire rauscht in ihrem steinigen Bett und füllt die August- nacht. Es ist wie damals, als die Muschkoten der fünften Armee das Lied vom„Argonnerwald" zu singen begannen. „Wir hatten auch unser Argonnerlied", sagt der Kapitän, ,cha war auch von einem großen Friedhof die Rede! Den Text weiß ich nicht mehr genau! Unser Oberst fluchte wie Ihr Major, wenn meine Kompagnie ihn sang!— Das Nicht-Sterbenwollen und„Dom Friedhof-Singen" scheint mir ein internationales Laster zu sein!" „Stimmt! Wie das Kanonenmachen und die Schlachtfeld-Hotel- Industrie!" „Jawohl! Aber Madame Curie nehmen wir aus! Die hat zwei Brüder da oben liegen, zwsschen Berdun und dem Bauquoisi" Wir steigen die klapperige Treppe in unsere Hotelzimmer hinauf. Geschlafen haben wir alle beide nicht allzuviel in dieser Nacht. Die Aire, der verfluchte Argonnerbach hielt keinen Augenblick mit dem Singen ein, die alten Bäume warfen wie damals ruhelos ihre breiten Wipfel hm und her und der Vauquois, der Block mit dem heruntergefressenen Dorf hat ja mit den zehntausend Toten den Teufel im Leibi_ Gibt es heute noch Genies? Diese Frage hat der Präsident der xColumbia-Unioersität in New Bork, Dr. Nicholas Murray Butt- ler, aufgeworfen, und er hat ein« lebhafte Erörterung im amen- konischen und englischen Blättterwald hervorgerufen, indem er sie entschieden verneinte. Es wäre heute kein überragendes Genie am Leben, versicherte er mit großer Sicherheit. Man hält ihm nun entgegen, daß zunächst das Wort Genie nicht genügend definiert wäre, aber selbst wenn man eine genaue Bestimmung treffen könnte, wer nun ein Genie ist und wer nicht, so könMe doch niemand etwas darüber sogen, ob heute ein so großer Mann lebt. Es kann sehr wohl ein hoch entwickeltes Genie auf dem Gebiete der Philosophie oder der Naturwissenschaften existieren, das nur einem ganz kleinen Kreise bekannt wird. Die Ergebnisse seiner Arbeit können Jahre brauchen, bevor sie in das allgemeine Bewußtsein dringen und als cvochemachend erkannt werden. Ost genug wird aber ein Mann von Genie von seiner eigenen Generation überhaupt nicht erkannt, eben well er ein- Genie sst und gan.z neue, tiefe Erkenntnisse bringt. Er wivd«cht anerkannt in seiner Zeit, wie ja auch der Prophet m Tag hindurch. An prominenten Persönlichketten traten bisher im Barmat-Prozeß dp: jetzige Reichspostminister Dr. Schägel. der frühere Reichskanzler Dr. Luther, der frühere Reichswirtschafts- minister Robert Schmidt und der frühere preußische Finanz. minister o. Richter, Generaldirektor Jacob G o l d s ch m i d t von der Darmstädter und Nationalbank auf. Auch mehrere Staatssekre- täre und Ministerialdirektoren des Reichspostministeriums muhten während des Falles Lange-Hegermann. wobei auch die Zu. Wendungen an den stüheren Reichspostminister Dr. Höfte eine Rolls spielten, längere Zeit hindurch als Zeugen Aufklärung geben. Während das Gericht seit dem ersten Tage dieselbe Zusammen- setzung zeigt, hat sich die Zahl der E r s a tz s ch ö f s e n, die zuerst 6 betrug, inzwischen durch Erkrankung des einen bereits auf 5 verringert. Die Anforderungen, die dieser Prozeß an alle Be- teiligten stellt, sind ganz ungeheure. Besonders schwierig sind aber die wirtschaftlichen Folgen für die Schöffen, die zum Teil Gewerbetreibende sind und sich zur Aufrechterhal'ung chrer Ge- schäste einen Stellvertreter haben annehmen müssen, dessen Gchalt allerdings von der Gerichtskasse bezahlt wird, da die Schössen selbst derartige Lasten aus die Dauer nicht tragen können. Die K o st e n dieses Prozesses sind natürlich ungeheuer groß und lassen sich bisher auch nicht annähernd schätzen Das schwierige Schweriner Lonü. Neue Regierungskrise. Schwerin. 16. August.(Eigenbericht.) Die langwierigen Verhandlungen der mecklenburgischen Regierungsparteien,'Sozialdemokraten und Demokraten, mit der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei, die sich seit Ende Juli zwecks Erweiterung der Regierung hinzogen, sind am Dienstag ergebnislos abgebrochen worden. Die Bolkspartei ver- langte den Rücktritt des demokratischen Kultusministers Dr. M ä l l e r und wollte der demokratischen Gruppe überhaupt keinen Minister zubilligen. Der frei werdende Ministersitz sollte von der Deutschen Volkspartei besetzt werden. Die Regierungsparteien lehnten diese Forderung entschieden ab. Die sozialdemokratische Fraktion hatte den Vorschlag gemacht, das Ministerium um einen Ministersitz zu erweitern, so daß sich die Regierung aus zwei Sozialdemo- traten und je einem Demokraten und Volksparteiler zusammengesetzt hätte. Dieser Vorschlag wurde jedoch von Bolkspartei und Wirtschafts- parte! abgelehnt. Darüber hinaus wurde ein nichtiger Dorfall zum Vorwand für den Abbruch der Berhandlungen genommen. Die Regie- rung hatte sich nämlich veranlaßt gesehen, den offiziellen Regierung?- Vertreter zu der am Sonntag stattgefundenen Deutschen MeistcrschaflS- ruderregatta in Schwerin zurückzuziehen, weil diese Deranstaltung unter einseitig schwarzweißroter Beflaggung durchgeführt und die Hissung der Reichsflagge abgelehnt wurde. Durch den Abbruch der Koalitionsverhandlungen sst die Regierungskrise wieder akut ge- worden. Im Landtag wurde am Dienstag der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den demokratischen Staatsminister Dr. Möller von den Rechtsparteien unter st ützt und mit 26 gegen 24 Stimmen angenommen. Dr. Möller nahm daraufhin seine Entlassung, er führt sein Amt jedoch bis zur Reu- wähl eines Nachfolgers weiter. Da das Etatnotgesetz am 1. September abläuft, legte die mecklen- burgische Staatsregierung den im April abgelehnten Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1927 wiederum dem Landtage vor. Nach eingehender' Beratung in erster Lesung wurde der Boranschlag zur beschleunigten Verabschiedung dem Hauptausschuß überwiesen Sem Schicksal ist noch ungewiß. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, daß der Haushalt auch diesmal in dritter Lesung abgelehnt wird. verfassungsgrnß aus Mexiko. An den Reichstag gelangte aus Mexiko-City folgendes Telegramm:„Die Vercini- gung deutscher Republikaner in Mexiko, oersamme.t zu einer eindrucksvollen Bersossungsfeier, entsende: dem deutschen Dolksstaai das Gelöbnis treuen Einstehens für deutschen Geist und deutsches Volkstum." seinem Baterlande nichts gilt. Erst die künftige Generation erkennt seine Bedeutung und gibt dem Toten die ihm gebührende Ehre. Es ist ja auch viel leichter, die Größe eines Menschen zu beurteilen, wenn man Distanz zu ihm gewonnen hat und wenn die Wirkung seiner Arbeit erkennbar wird. Eine merkwürdige Erscheinung ist es auch, daß jedermann nur schwer dazu zu bringen ist, zu glauben, daß ein ihm persönlich Bekannter oder auch nur ein Zeitgenoise wirklich ein großes Genie sein könnte. Erst wenn eine Berühmtheit die Zeitprob« bestanden hat, erkennt man das Große. Aus diesem Grunde ist es auch unmöglich, festzustellen, daß es in der heutigen Welt an Genies fehle; eher kann man annehmen, daß es so viele gibt wie zu anderen Zeiten auch— das sst das Resultat der meisten Stimmen, die sich gegen den amerikanischen Professor erheben. Photographien der Sonnencorona bei Tageslicht. Der Präsident der britischen astronomischen Gesellschaft Dr. Steavenson will in kurzem Versuche machen, die Sonnencorona bei Tageslicht zu photo- araphieren. Dr. Steavenson sah während der letzten totalen Sonnen- sinsternis den geheimnisvollen Kreis von Feuerstrahlen drei Minuten lang nach dem Ende der völligen Verfinsterung, obwohl er gewöhn- lich für das Auge unsichtbar bleibt und nur bei diesen Gelegenheilen zu sehen ist. Dr. Steavenson hat sich nach Zermatt begeben, wo er seine photographischen Versuche vom Gipfel des Gornergrat, des großen Gletschers, ausnehmen will. Es ist dazu ein besonderer Apparat gebaut worden, mit dem viele Photographien der Sonne aufgenommen werden. Das zerstreute Himmelslicht wird durch Filter abgehalten, und man hofft, ein klares Bild der Corona zu erlangen, in dem das eigentliche Sonnenbild vollständig abgedeckt wird. Die Expedition will etwa zwei Wochen arbetten. Ein Denkmal der Tungsra« von Orleans. In New Dort besteht eine Gesellschaft, die es sich besonderen Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Jungfrau von Orleans wachzichalten. Auf ihr Betreiben ist soeben eine Stawe der Jungfrau zu Pferde der Stadt San Franziska zum Geschenk gemacht worden. Es ist eine Wieder- holung des Werkes von Miß Anna Vaughan Hyatt Huntington. das bereits in New York an den Usern des Hudjon aufgestellt worden ist. Ein englisches Aationallhealer. Nach lanawierigsn Verhand- lungen wird der englische Ehakespeare-Erinnerungsfands nunmehr verwandt werden, ein englisches Nationaltheater in London zu errichten. In Aussicht genommen ist dos Dorchester House, Park Lane. Der Fonds beträgt zurzeit 80 000 Pfund Sterling, und die Regierung sowohl wie die Stadt London haben sich bereiterklärt, im Falle der Verwirklichung des Planes dem Theater eine laufende Subvention zur Verfügung zu stellen. Neue römische Ausgrabungen in England. Die Ausgrabungs- arbeiten an dem alten romischen Kastell Canovium, fünf Meilen süd- lich von Eonway. dessen erste Spuren im vorigen Jahre entdeckt worden waren, sind nach einem Bericht der Ausgrabungskommission in diesem Jahre mit gutem Erfolg weitergeführt worden. Man hat dabei neben den üblichen Toren solcher Kastefle auch die Fundamente eines Stalles und einer großen Reithalle entdeckt, woraus geschlossen wird, daß di? römischen Bosatzungstruppen in dem ihnen unge- wohnten feuchten Klima einen Teil ihrer Hebungen in gedecktem Raum ausführte«. Der Schlchbunö im Rullkamps. Genosse Dentsch-Wien vor den Berliner Funktionären. In der Funktionärversammlung unserer Partei am gestrigen Abend sprach Genosse Dr. Julius Deuts ch-Wien über«Die Vor- oänge in Wien am 15. Juli". Lange oor-Erössnung der Versammlung war der Riesensaal des Lehreroereinshaujes überfüllt. Einleitend bemerkte Genosse L i e d t k e, daß sich der Bezirksverband wegen der Angriff« und der A-rleumdunocn, die auf unsere Wiener Genossen wegen der Julivorgänge geworfen worden sind, veran- laßt gesehen hat, aus berufenem Munde vor Berliner Arbeitem berichten zu lassen. Genosse Dr. Deutsch, lebhaft begrüßt, führte aus: Wien, die sonst so ruhige Stadt, die Stadt des Sozialismus, war nicht imstande, die blutigen Vorgänge am 15. Juli zu bannen. Wenn man eine richtige Meinung von den Vorkommnissen erhalten will, muß man Wien und Deutjchösterreich näher kennen. Der Frieden von Saint Germain hat diesen Nachfolgestaat des alten Oesterreich-Ungarn künstlich als ein wirtschaftlich und industriell unselbständiges Gebilde geschossen, das sich überall von Zollmauern umgeben sah. Arbeitslosigkeit und namenloses Elend haben neben dem Ruin der Währung den Staat fast zum Zusammenbrechen gebracht. Aber im Staat selbst regten sich die Kräfte, die den Zusammenbruch abwendeten. Di« Sozialdemokratie sagte, daß es möglich sein müsse, Deutschösterreich zu retten, wenn alle Klassen Opfer zu bringen bereit sind, bis es gelingt, den Anschluß an den lebenskräftigen deutschen Staat zu erreichen: daß dabei die Arbeiterschaft ihren Teil Opfer gern tragen wollte, versteht sich von selbst. Dieser Vorschlag wurde von den bürgerlichen Parteien nichr angenommen. Das Bürgertum wollte gar nicht das Land mit Hilfe der Sozial- demokcatie hochbringen, weil es sich vor den Konsequenzen der Arbeiterschaft gegenüber fürchtete. Scipel zog vor, Deutschösler- reich mit Hilfe ausländischen Kapitals zu sanieren, d. h. er lieferte das Land dem fremden Kapital aus und verzichtete auf die Selbsthilfe. Bald sah man, warum das fremde Kapital zu Hilfe gerufen wurde: die Opfer der Sanierung sollt« die Arbeiter- schast allein tragen. Gewiß, der Staat machte einen armseligen Eindruck, die Volks- Wirtschaft mußte große Summen Goldes ans Ausland abtreten. Aber eine durchgreifende Besserung trat nicht ein. Die Not der großen Massen blieb konstant. Das größte Gemeimr-efen im Staat, die sozialdemokratisch regierte Stadt Wien, hat sich nicht ans Ausland verschuldet. Sie zog es vor, die Lasten der Sanierung auf die tragsähigen Schultern zu legen, im übrigen aber durch Selbsthilfe hochzukommen. Während also der Staat kümmerlich dahinvegetierte, blühte Wien auf. Die Arbeitslosigkeit nahm ab, das Elend verringerte sich, Wien wurde im Sinne einer sozialen Kultur aufgebaut. Selbstverständlich rief diese Aufbauarbeit den haß der Reaktion her- vor. Ohne Bedenken wurde der Patriotismus über Bord geworfen, mit Petitionen und Denkschriften wandle man sich an das Aus- l a n d, um Wien und die Sozialdemokratie zu verleumden. Reaktiv- näre'Zeitungen in aller Welt arbeiteten für die christlichsoziale Partei. Gemeinsam gehen semitisches Kapital und ÄnWfemiten gegen die verhaßte Sozialdemokratie vor. Dazu kommt der Ein- fluh der katholischen Kirche, die bei uns eine Vormachtstellung in der Politik hat. Sie brachte das Bündnis zwischen allen„Änti- Marxisten" in Stadt und Land zustande. Man stellte die öfter- reichische Sozialdemokratie als den Ausbund ollen Radikalismus hin, jederzeit bereit, den blutigen Umsturz herbeizuführen. Demgegenüber kann ich erklären: wir waren in allen Phasen unseres Kampfes nichts als Sozial- demokralen und sind nicht einen Schritt von dem sozialistischen Programm abgewichen,(Lebhaftes Bravo! und Händeklatschen.) Nun kam der Wahlkompf im April dieses Jahres. Der erhoffte (und bereits vor der Wahl oerteilte) Mandatsgewinn des Kärger- lichen Partcimischmasches blieb aus. Die Ehristtichsozialen verloren von ihren 67 Mandaten volle 9, wohingegen die Sozialdemokratie ihre Mandate um 3 vermehren konnte. Mit der erträumten Mehr- heit im Parlament war es für die Christlichsozialen au«. Selbstver- ständlich steigerte der Wahlsieg das Selbstbewußtsein unserer Ge- nassen. Dabei ist verständlich, daß die politischen Zusammenhänge im Stadt- und im Staatsmaßstab nicht auch von allen Partei- genosien begriffen werden. In den Industriezentren und in den Slödlen sind wir so stark. daß der Arbeiter leicht die politische Konstellation im Gesamtstaat übersieht. Er glaubt aus seiner Umwelt heraus, daß es möglich sein müsse, in kurzer Zeit den Staatsapparat in die Hand zu bekommen. Wenn auch beispielsweise das Bundesheer, die Gendarmerie und die Polizei durchaus nicht Werkzeuge des Bürgertums sind, so fehlt doch an der Erringung der Macht noch vieles. Bei uns hat eine starke Klassentrennung eine klare Scheidung der politischen Parteien herbeigeführt. Da? Bürgertum in einem solchen Lande hat einen besonderenhah gegen die Sozialdemo- kratie: man beginnt im kapitalistischen Lager einzusehen, daß man auf die Dauer die politische Macht nicht wird halten können. Die Reaktion begann aufzurüsten; Faschistcnverbänd«, hakenkrcuzlerorganisationen, heimwehren wurden gegründet, so daß die Sozialdemokratie ihren Schußbund aufstellen mußte. Dieser Schußbund hat die Republik gefestigt, er ist so stark, daß er imstande ist, der Reaktion ein Paroli zu bieten. In all den Jahren ist niemand vom Schutzbund ein haar gekrümmt worden, wohl aber hat der Schutzbund ein« R«ihe von braven Kameraden zu Grabe tragen müssen, die von bürgerlicher Mörderhand fielen.(Zufru: Wie bei uns!) Die Justiz versagte: die hakenkreuzler blieben straffrei(erneute Zurufe: Wie bei uns!), und so stieg die Erbitterung der Arbeiter. schast. Die Arbeiterschaft, die weiß, daß sie in den Gemeinden die Verwaltung unbestreitbar gut versieht, diese Arbeiterschaft sah, wie eine völlig entartete Zustiz nur gegen sie auftritt und alle anderen straffrei läßt. Da kam der Mord von S ch a t t e n d o r f. Aus dem Hinterhalt wurden Schutz- bündler und sogar ein Kind erschosien und die Geschworenenmehrheir sprach im Bewußtsein ihrer Parteizugehörigkeit die Mörder frei. Die Arbeiterschaft führte in namenloser Empörung einen viertelstündigen Proteststreik durch, wohldiszipliniert wie sonst immer. Aber dann kam mit jäher, elementarer Gewalt der Ausbruch des Rechtsgesühls der wassen, eine Explosion des gläubigen Volksgeiste», der Recht für Recht hielt und sich schamlos betrogen sah. Der Aufruhr brach aus. Die Sozialdemokratie stand vor einer fertigen Tatsache, die Arbeiterschaft verließ die Betriebe und ging auf die Straß«. Es fragt sich heute, ob nicht damals von der Partei oder dein Schutzbund eine Aktion unternommen werden mußte. Aber es ging alles so schnell, daß man kaum Zeit zum Denken hatte. Schließ- lich wurde der Schutzbund alarmiert. Inzwischen waren aber die Zusanimenstöße mit der Polizei erfolgt. In einem Teil der Stadt wurde durch den Schutzbund die Ruhe ohne Blutvergießen wieder- hergestellt, die Polizei zurückgezogen und es schien, daß der höhe- punkt des Ausstandes überschritten war. Da zog die Menge, ver- stärkt durch unverantwortliche Elemente, die in jeder Stadt zu finden sind, zum Justizpalast und setzte ihn in Brand. Die Polizei schritt wieder ein, doch der Schuhbund befreite die Feuerwehr und Pollzlsten, die im Iustizpalast eingeschlossen waren. Diese Abteilung des Schutzbundes hatte dabei stark mit den anti- sozialen Elementen zu kämpfen, fortgesetzt erfolgten Angriffe, nie einen vierzehnfach angesetzten Sturm zur Befreiung des Justiz. Palastes erforderlich machten. In dem Augenblick, als Durchbruch und Befreiung vollbracht war, erschien abermals ungerufen die Polizei, diesmal von ihrer kopflosen Führung mit Gewehren ausgerüstet, und eröffnete ein Salvenseuer gegen Demon- stranten, Feuerwehr und Schutzbund. Dutzend« fielen, dar- unter viele Schutzbündler. Darauf lehnte es der Schutz- bund ab, gemeinsam mit der schießenden Polizei gegen die Demoa- stranten vorzugehen. Mit der brutalen Gewollt wollte der Schuhbund nicht gemeinsame Sache machen. Er hatte bisher waffenlos, nur mit der Macht der Ueberredung—> allerdings manchmal auch mit Fäusten— die Ordnung hergestellt. Gegen die Polizei konnte der Schutzbund nicht vorgehen, es sei denn, er hätte ebenfalls zu den Waffen gegriffen. Aber das hätte nicht nur in Wien, sondern im ganzen Lande den Bürger- krieg bedeutet. Die Sozialdemokratie und ihre Organisationen konnten diese Verantwortung nicht auf sich nehmen: ein Kampf in Oesterreich hätte das Eingreifen der Nachbar st aaten be- deutet, Reaktion und Faschismus hätten triumphiert, die Arbeiter- klasie, die Sozialdemokratie wären erledigt gewesen. Das war nicht der Preis des Kampfes, deshalb erfolgte der Befehl zum Ab» marsch des Schutzbundes. Schweren Herzens wurde die bereits ge- säuberte Straße freigegeben und nun sehte das furchtbare Blutvergießen durch die Polizei ein. Dabei zeigte es lich, daß nicht all« Polizisten so brutal vor- gingen. Besonders waren es die P o l i z e i s ch ü l e r, die von den Offizieren mit Schauermärcken aufgestachelt, glaubten ihre Käme- raden rächen zu müssen. Wie Amokläufer rasten sie durch die Straßen, überall schießend und blutvergießcnd. Jetzt erst sielen so zahlreiche Opfer. Es war ein Exzeß geboren aus Angst und Wut. Die Arbeiterschaft trat in den Generalstreik«in, dem ein Verkehrs- streik folgte, die dann abgebrochen wurden. Schließlich wurde die Gemeindcwache aufgestellt, nachdem die staatliche Polizei zurückge» zogen war. Deutsch verwahrte sich gegen die Behauptung, als ob die Kommuni st en irgendwie ausschlaggebend an den Vorkommnissen beteiligt wären. Dazu ist der Kommunismus in Wien zu schwach und zu unpopulär. Die Vorgänge geben jedoch den Bürger» lichen das Selbstbewußtsein zurück. Sie suhlten wieder Boden unter den Füßen, als sie sahen, daß auch im Roten Wien die Flinte schießt und der Säbel haut. Im Parlament wollte man sofort die in Vor- berettung befindlichen reaktionären Gesetze durchpeitschen, aber unser« Parteigenossen, die 43 Proz. der Sitze haben, konnten das verhindern. Man drohte mit Parlamentsauflösung und sonstigen Maßnahmen. Die Abwehr war jedoch so stark, daß das Parlament unverrichteter Sache nach Hause ging. Die Erklärung unserer Ge- nassen, daß trotz des großen, über Wiens Arbeiterschaft gekommene Unglück die Sozialdemokratie zum politischen Kampf bereit und entschlossen ist, tat ihre Wirkung. Di« Aktionen der im Lande plötzlich aufgetauchten Heimwehren verpuff- t e n wirkungslos, die österreichische Arbeiterschaft war stark genug. durch eine bloße Kampfandrohung diese Gefahren abzuwenden. Mit besonderem Nachdruck betonte Genosie Dr. Deutsch, daß die österreichische Sozialdemokratie aus diesem Kamps ungeschlagen und ungcschwächt hervorgegangen ist. Bei allen gegenteiligen Behauptungen ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Vorgänge in Wien haben aber darüber hinaus bewiesen, daß es für die Arbeiterklasse stets gut ist, ruhiges, kaltes Blut zu bewahren und die Disziplin hoch- zuhalten. Mit sundikalistifchen Kampsmethoden ist im Befrei- ungskampf der Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie nichts ausge- richtet. Rur auf dem Boden der Demckkralie. die deswegen noch kein Jdealzustand zu sein braucht, ist der Kamps möglich. Wir Oesterreicher, erklärte der Redner unter dem starken Beifall der Ver- sammlung, sind Sozialdemokraten und werden es bleiben. W i r erblicken in de in Kapitalismus unseren Todfeind, den wir mit den Mitteln der Sozialdemokratie bekämpfen werden. Die Macht der bürgerlichen Parteien in Oesterreich wird an der alten Tradition der österreichischen Sozial- demokratte zuschanden gehen, das können wir unseren deutschen Ge- nassen versichern. Stürmischer Beifall dankte dem Referenten für seinen instruk- tiven Vortrag. Von einer Diskusston wurde Abstand genommen. Der Versammlungsleiter, Genosse Litke, gab am Schluß der Versammlung dem Genossen Dr. Deutsch die besten Grüße der Ber- liner Sozialdemokraten an die Wiener Genossen mit aus den Weg. �rbeiterfänger und verfaffungsfeler. Eine Erklärung des Schubertchors. Zu unserer Bemerkung über die Absage des Arberter- söngerbundes bei der Berfassungsfeier im Funk- Hause erhalten wir folgende Zuschrift, die wir in ihrem vollen Wortlaut wiedergeben: Nachdem die Stadt Berlin den Plan gefaßt hotte, ein« Ner- faffungsfeier zu veranstalten, trat sie durch ihre berufenen Organe solgerichtig auch an den Arbeiter-Sämzerbund betreffs Mitwirkung heran, damit dieser durch Stellung eines Männermofsenchores das Programm bereichern helfe Der Arbeiter-Sängcrbund konnte seine Zusage jedoch erst dann geben, wenn die Bereitwilligkeit der hierfür in Aussicht genommenen Chöre seststand. Durch ein Rund- schreiben des Arbeiter-Sängerbundes wurden die einzelnen Chöre aufgefordert, zur Frage der Mitwirkung schleunigst Stellung zu nehmen.(Die Zeit war reichlich knapp bis zur Verfassungsfeier.) In diesem Rundschreiben waren alle'mit- wirkenden Faktoren ausgeführt, als letzter der Arbeiter-Sängerbund, vor ihm rangierte der bürgerliche Sänger- bund. Nun enthielt jedoch dieses Rundschreiben betreffs Mitwirkung das Wörtchen„getrennt" in Parenthese, so daß die Annahme ent- stand, daß eine getrennte Feier gemeint sei. Denn daß das Auf- treten der bürgerlichen Sänger und der Arbeiter-Sänger getrennt stattfände, war doch eine Selbstverständlichkeit und brauchte nicht besonders betont zu werden. Soweit mir bekannt ist, gaben daraufhin alle aufgefor- derten A r b e i t« r- C hö r e ihre Zustimmung zur Mit- Wirkung, darunter auch der Bersiner Schubertchor. Etwa acht Tage später veröffentlichte die Tagespresse das offizielle Fest- Programm. Dieses wurde nach einem Uebungsabend des Berliner Schubertchores zur Verlesung gebracht und entfesselte eine stürmische Debatte, in welcher alle Redner die Zurückziehung unserer bereits schriftlich erteilten Zusage verlangten mit der Begründung, daß wir in diesen Rahmen nicht hineinpasien und nicht gewillt sind, mit Mußrepublikanern vom Schlage eines Keudell, Schiele und anderer die Verfassung zu feiern. Kurz vorher hatte der Reichs- kanzler Marx demonstrativ seine Mitgliedschaft im Reichsbanner auf- gegeben, was ihm den letzten Rest von Sympathie in Arbeiterkreisen genommen hat und was auch diesen Beschluß beeinflußt haben mag, der nun einstimmig gefaßt wurde und die Zurücknahme unserer Zusage verlangte. Genosse Schneider, der Gauoorsitzende des Arbeiter-Sängerbundes hatte es nun in eigener Person unter- nommen, am folgenden Uebungsabend des Schubcrtchores diesen von seinem Beschluß abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang, da der Chor einmütig auf seinem Standpunkt beharrte. Nachdem nun der als Leiter des Arbeiter-Sängerbundes im Funkhaus vorgesehene Ge- nosse Walter H ä n e l sich mit dem Schubertchor solidarisch erklärte, dürfte diese Stellungnahme weitere Kreise gezogen und die Leitung des Arbeiter-Sängerbundes veranlaßt haben, die Mit- Wirkung abzusagen. Inwieweit oder ob die anderen beteiligten Chöre dem Beschluß des Schubertchores beigetreten sind, ist mir nicht bekannt. Dies sind die Motive de» Fernbleibens der Arbeiter-Sänger und alles andere muß ms Reich der Fabel verwiesen werden. Wenn auch außerdem noch technische Bedenken bestanden, so lag selbstverständlich kein An- stoßnehmen an„Tord Foleson" vor, noch waren die Arbeiter-Sänger genötigt, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Betrüblich und unverständlich für echte und ehrliche Republikaner dürfte da» Fernbleiben der Arbeiter-Sänger bei der Verfassung sfeier und die hierdurch bedingte Verkürzung des Festprogramms wohl gewesen sein, doch wir dürfen wohl hoffen, daß unsere Motive gerade von den Kreisen, auf die es uns ankommt, voll gewürdigt werden. Es ist schon richtig, daß Politik nicht mit dem Ge- fühl, sondern mit dem Verstand gemacht werden muß, aber in diese» Falle ließ sich da» Gefühl doch nicht ganz ausschalten. Franz Bachmann, Borsitzender des Berliner Schubertchors. Wir glauben, daß nach Wiedergabe dieser Darlegung an unserer Aufassung nichts geändert werden braucht. Tatsächlich haben die Arbeitersänger durch ihre nachträgliche Absage nicht nur unsere Genossen in der Berliner Stadtverwaltung und in der Preußenregierung in peinlichste Situationen gebracht, sie haben dadurch auch ihrem eigenen künstlerischen Ansehen geschadet. Durch ihre Mitwirkung hätten sie schwankenden Gestalten gezeigt, daß die Republik trotz Keudell und Schiele noch fest in den Gleisen steht, zum anderen aber auch dar- getan, daß bei überzeugungstreuen Republikanern eben die Politik mit dem Verstände gemacht wird. So aber haben sie nur das Gefühl sprechen lasten und den Leuten vom Schlage Keudells einen sehr großen Gefallen getan. Und das war falsch, trotz alledem! ver üeutsch-französische vertrag. Bevorstehende Unterzeichnung? Paris, 18. August.(TU.) Der deutsch-französische Handelsvertrag wird nach zuverlässiger Nachricht am Mittwoch, vormittag 9 Uhr 39 im französischen Han- delsministerium unterzeichnet. Auf deutscher Seite wird die Unterschrift durch den deutschen Botschafter, Herrn von H o e s ch, den Ministerialdirektor, Herrn Dr. Posse, auf französischer Seite von Handelsminister Bokanowski vollzogen werden. Augenblicklich sind die beiden Delegationen mit der Paraphierung des Vertrages beschäftigt, die sich bis in die späten Nachtstunden hinziehen dürft«. Kunügebung am voöensee. Viele Tausende aus den Ufcrstaaten. Am Sonntag tagte in A r b o n in der Schweiz ein« Drei- länderkundgebnng der Sozialisten aus Deutsch- öfter r e i ch, der Schweiz und Deutschland, die sich unter zahlreicher Beteiligung, vom schönsten Wetter begünstigt, zu einer machtvollen Demonstration gestaltete. Borauf ging am Sonnabend abend in dem größten Saale zu Bregenz eine stark besuchte Volks- Versammlung, in der Friedrich A d l e r- Zürich. Nattonalrat Ellen- bogen- Wien und Reichstagsprästdent L ö b e- Berlin sprachen. Friedrich Adler und Ellenbogen streiften dabei die Wiener Vorkomm- nisse vom 15. Juli, während Lobe auf den Faschismus einging. Am Sonntag morgen kamen von allen Uferstädten am Bodensee, von Lindau in Bayern, Friedrichzhafcn in Württemberg, Konstanz in Baden, von Bregenz und aus dem Vorarlberger Hochlande, von St. Gallen, Winterthur, Rorschach, Romanshorn und Kreuzlingen festlich geschmückte Schiffe und Züge an, die viele Tau sende von Sozialisten nach Arbon auf die herrliche Festwiese am grünen See brachten. Aus allen Städten waren.die Parteigenossen mtt Musikkqp-llen, Bannern und Fahnen in großer Menge erschienen und ein imposanter Festzug bewegte sich durch und in die Stadt zu dem Festplatz. Außer den Rednern, die schon in Bregenz gesprochen hatten, hielten hier noch Nationalrat Huber-St. Gallen, der Vertreter der italienischen Sozialisten in der Schweiz, Domzetti, der Führer der österreichischen Metallarbeiter, Domes, der Vater der Kinderfreunde, Max Winter, der Dichter vieler herrlicher Frei- hcitslieder, Max Henkel, und Andersen Nexö Ansprachen. Das bunte Bild der Demonstration wurde verschönt durch die vielen Gruppen, die bis aus Mannheim, Heidelberg und tief aus Bayern unv Württemberg gekommen waren. Salzburg hatte eine große Abtei- lung de» Republikanischen Schutzbundes entsandt. In der Stadt Arbon, die eine sozialdemokratisch« Mehrheit hat, war nahezu jedes Haus mit Fahnen und Girlanden geschmückt. � Die Veranstaltung verlief glänzend und wurde zu einer prächtigen Kundgebung für die Internationale der Arbeit und gegen den Faschismus. Transatlantischer tvettflua. Oaklaud(Kalifornien), 16. August. Heute mittag begann hier der erste transatlantische Wettflug. Als erstes Flugzeug startete vor einer riesigen Menschenmenge der Eindecker Oklahoma zum Wettflug nach H a w a i. Der Eindecker Elcanto stürzte kurz nach dem Start herab. Eine Tragfläche wurde beschädigt. Die Insassen wurden nicht verletzt. Das Unglück wird auf starken Seitenwind beim Start zurückgeführt. Infolge des Sturzes der Elcanto wurde der Start von sieben wetteren Flug- zeugen stark verzögert._ Berufung In die Preußische Pressestelle. Wie verlautet, ist der frühere Verlagsdirektor der Germania", Dr. Katzenberge r, in die Preußische Pressestelle berufen worden. Es grollt in öer Tiefe! Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Im mitteldeutschen Vrcnmkohlenbergbou muß es in kurzer Zeit zu einer schweren Erschütterung kommen, weil weder die Unter- nehmer noch die Reichst«hörden Verständnis für die geradezu u n- würdige Entlohnung der Bergarbeiter Hadem Wenn nicht noch im letzten Augenblick die dringende Notwendigkeit einer durchgreifenden Lohnreform erkannt wird, dann ist eine unab- fehbare Rückwirkung der jetzigen Lohnpolitik für die gesamte mittel- deutsche Industrie unvermeidlich. Die Bergarbeiter wollen sich die nichtswürdige Behandlung nicht länger mehr gefallen lassen. Das Recht ist zweifellos auf ihrer Seite. Rund um den Bergbau herum in ollen anderen Industriezweigen werden heute wesentlich höhere Löhne gezahlt als im Bergbau. Es ist daher kein Wunder, daß ein fühlbarer Arbeitermangel im Braunkohlenbergbau herrscht. Wer nicht durch Wohnungs- oder sonst besondere Verhältnisse an den Bergbau gebunden ist, läuft davon und sucht und findet anderswo angenehmere und besser bezahlte Beschäftigung. Die Arbeitgeber holen dann mit großen Spesenaufwcndungen Ar- beiter aus den entferntesten Gegenden Deutschlands und o e r- sprechen sogar„Bergbaufremden" Schichtlöhne von 9 bis 12 Mark. Trotzdem haben die Reich sbehördcn den geringen Lohnzuschlag von 3 Proz.— das sind für die Schicht durchschnittlich 17 Pfennig oerhindert. Dabei handelt es sich keineswegs um eine verarmte, um ihre Existenz ringend« Industrie oder um kapitalfchwache Einzelunternehmsr. Letztere gibt es nur noch wenige, die jedoch für die gesamte mitteldeutsche Braunkohlen- vzirtschast völlig bedeutungslos, höchstens noch von lokaler Bcdeu- tung sind. Der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau, auf dem sich eine gewaltige Krafterzeugungswirtschaft und die glänzend verdienende Chemie aufbauen, ist heute fast gänzlich kartelliert und in seiner Verbundenheit mit den genannten Industrien durchaus gesund sundamentiert. Der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau ist das Fundament der Amerikanisierung der mitteldeutschen Wirtschaft überhaupt. Die Konzerne sind aus dem besten Wege zur Vertrustung. So die beiden Petfchct-Konzerne, Michel, die Gesellschaften der D e a, der I G.- F a r b e n und der A E G. Schon die Auf- Zählung dieser Gruppen und der Hinweis, daß deren Aktien an der Börse stark begehrt werden, zeigen, daß die Unternehmer im Braun- kohlenbergbau sehr wohl anständige Löhne zahlen können. Trotzdem d.'e üble Lohndrückerei, trotzdem die Mithilse der Reichs- behörden, die Löhne niedrig zu halten. Es handelt sich hier zunächst um eine Machtstage zwischen Ar- beiter und Direktionen. Die Werksleitungen— mit wenigen Ausnahmen— wollen keine Verständigung mit ihren Arbeitern, sie wollen teilen und herrschen. Daher auch die Gründung und Unlerstühung der gelben werkvereinc durch die Direktoren. Der gesunde Sinn des größten Teiles der Belegschaften, die sich in den Gewerkschaften zusammengeschlossen haben, hat allerdings dazu geführt, diesen Gründungen bis aus einige kümmerliche Reste den Garaus zu machen. Die Führung der gesamten Braunkohlenindustrie ist höchst gcwerkschaftsfeindlich. Es stände weit besser um die Ar- beitsoerhältnisie im Braunkohlenbergbau, wenn die Unternehmer in den Gewerkschaften einen gleichberechtigten Wirtschastsfaktor er- kennen würden. Statt dessen sucht man die Funktionäre der Gewerkschaften maßlos zu schikanieren und zu maßregeln. Der deutschnationale Allgewaltige, Leopold, hat den Berg- arbeitern die.Mahre" Freiheit erst dann vorausgesagt, wenn sie seien. aus„den Klanen der Gewerkschoflen" besteil Die große Flucht aus der Werksgemeinschaft beweist stdoch, daß die Herren unter der„wahren" Freiheit, die Freiheit zügelloser Plusmacherei verstehen. Die Profitwirtschaft erheischt Verminderung der Betriebe, Der- Minderung der Belegschaften, Herabdrückung der Gestehungskosten auf Kosten langer Arbeitszeit und niedriger Löhne bei Steigerung der Einzelleistunqem In dieser Jagd um den höchsten Profit, bilden die Gewerkschaften ein starkes Hemmnis. Di« Industrie hat sich daher nicht ohne Erfolg um die Gunst der zuständigen Reichs- behörden gegen die Forderungen der Gewerkschaften bemüht. Der Generaldirektor Büren erklärte:„Ehe wir an„Der- günstigungen" für die Arbeiter denken, sind wir verpflichtet, an unsere Aktionäre zu denken." Die Braunkohlenaktionär« erhalten durchweg 10 Proz Dividende. Die Jnteresien der Aktionäre scheinen von den Behörden wohl- wollender beachtet zu werden als die der schlecht entlohnten Berg- a r b e i t e r. Es sollte aber auch den Behörden zu denken geben, wenn der Vertreter eines der größten der JG.-Farben nahestehenden Werkes kürzlich bei einem Lohnstreite erklärte: „Es liegt im wirtschaftlichen Wesen unserer Betriebswirtschaft, daß wir alle materiellen Risikos der Betriebsführung auf die Ar- beiter abwälzen. Das kann uns niemand übelnehmen, im Wirt- schoftsleben ist das eben einmal nicht anders." Dos war offen und deutlich. So denken und handeln ober fast alle Leiter des Braunkohlenbergbaues. Da darf man sich im Reichs- arbeitsministerium nicht wundern, wenn eines Tages den Arbeitern der Geduldsfaden reißt. Die Reichsbehörden sollten jedenfalls die die Oeffentlichkeit irre- führenden, zu bestimmten Zwecken zurechtgemachten Berichte der Braunkohlenindustrie über deren angeblich schlechte Wirtschaftslage nicht für bare Münze nehmen und sich daraufhin gegen die Berg- arbeiter wenden. Der Braunkohlenbergbau kann heute ein« Lohn- erhöhung sehr wohl tragen. Die Sitzvedegimg öes Amsterdamer Stimmen. Der Beschluß des Pariser Gewerkschaftskongresses, den Sitz des Internationalen Gewerkschaftsbundes von Amsterdam zu verlegen, wird begreiflicherweise in A m st e r d o m besonders lebhaft be- sprachen. Die Sitzverlegung ist für Amsterdam eine t i e f e i n- schneidende Maßnahme: denn dort haben auch große inter- nationale Berusssekretariate, wie die der Transportarveiter, Fabrik- a'beiter, der Angestellten und des Behördenpersonols ihren Sitz. Aber nicht die technischen Vorteile, die die Gemeinsamkeit des Sitzes großer gewerkschaftlicher Organisationen mit sich brachte, sind es. warum in Amsterdam der Weggang der IGB.-Leitung bedauert wird. Was man bedauert, ist die Sitzverlegung im jetzigen Augenblick. Auch die leitenden Parteikreise und die führenden Gewerkschafter der niederländischen Bewegung verhehlen sich nicht die Notwendig- keit einer tiefgehenden Reorganisation des IGB. Sie wissen, daß für diese Reorganisation nicht der finanziell« Gesichtspunkt allein ausschlaggebend ist, sondern vor allem dos große Problem, wie die Arbeiterschast in einer Zeit allgemeiner Sammlung der Reaktion wieder zu einer größeren Einheitlichkeit und Geschlossen- Keit gelangen kann. Für die Lösung dieses Problems hat dieser Tage dos führende sozialdemokratische Blatt in Holland,„H e t Volk", eine Anregung gegeben, die auf dem Wege einer Z u- sammenfassung in Kontinente eine universale Gruppierung der Arbeiterbewegung herbeiführen will. „Het Volk" sieht in dem englisch-russischen Ausschuß, der so viel Verwirrung gestiftet und die englische Arbeiterschast so vielfach noch- teilig beeinflußt hat, nichts als«ine jener vorübergehenden Irrungen, wie sie eine große Masienbewegung auf dem Weg zu ihren gewaltigen Zielen notwendig durchlaufen muß. Das Blatt schlägt vor, an Stelle dieses Ausschusses einen europäisch- russischen Ausschuß zu schaffen, der zunächst jedem der beiden Kontrahenten in den eigenen Angelegenheiten frei« Bahn läßt, aber doch einem allmählichen gegenseitigen Verstehen vorarbeiten soll. Gleichberechtigt daneben stellt das Blatt einen europäisch- amerikanischen Ausschuß, der das Proletariat der beiden gro- ßen Kontinent«, deren kapitalistische Kreise sich längst die Hand zu reichen verstanden haben, in engere Beziehung bringt, und einen asiatisch-europäischen Ausschuß, der die Millionen schwer arbeitender Menschen in China, Japan und den beiden Indien aus ihrer Isolierung befreit. Auf diese Weis«, sagt.Het Volk", würde die Arbeiterschaft erst einmal zum Denken in Kontinenten erzogen und zugleich darüber hinaus universalen Blick gewinnen, so t«ß früher oder später daraus die wahre, allumfassende Internationale erwachsen würde. Wir können uns allerdings nicht recht vorstellen, was so ein Ausschuß tun, wie er— außerhalb oder innerhalb des IGB.— wirken soll, um die Arbeiterschaft im„Denken in Kontinenten" zu erziehen, ganz abgesehen davon, daß auch zu einem solchen Ausschuß zwei— in Wirklichkeit natürlich viel mehr— gehören. Wenn die Russen, wenn die Amerikaner usw. bereit sind, mit den Gewerk- schaften der anderen Länder freundnachbarliche Beziehungen ein- zugehen, ohne deshalb sich zu binden, so wird sich auch im IGB. ein Weg dazu finden. Der anglo-russische Ausschuß ist tot, weil die Russen ihn als politisches Instrument benutzen wollten. Kann jemand nach den kommunistischen Aeußerungcn zum Poriser Kon- greß glauben, die Bolschewisten v'ären bereit, umzulernen? Man sollte endlich aus der Vergangenheit lernen. Lei lvsoktvllsüvdon Creme Eeodor dick-ufatstrichen verhindert schmerzhafte» Anschwelle» und Juckreiz, wirft kühlend und reizmiidernd, gleichzeitig beste ToUeftecrem« van herrlichem Blütengeruch, weder f-Uend noch� klebend. JEul* 60 Psg. und 1.— Ml. Probemb« erhältlich i» alle» Jeäer Arbeiter, Angestellte und Beamte beleiligt sich am Sonnlag, dem 28. August, an der HpHiOii M limttü und anschließend an dem Gewerkschaflsfest in Treptow. Die Amsterdamer Internationale hat bereits ihre Geschichte. Gegenüber den vielen kritischen Stimmen, die während des Kon- gresses und nach diesem laut wurden, wäre endlich auch einmal eine gerechte Würdigung am Platze. Ihr Werk war der Wiederaufbau, in einer Zeit, wo diesem Ausbau schier unüber- windliche wirtschaftliche und politische Widerstände im Wege standen. Was trog der furchtbaren Zersplitterung hierfür in diesen Jahren in Amsterdam geleistet worden ist. kann sich sehr wohl sehen lassen. Die Gründe für die jetzt notwendig gewordene Reorgani- sation liegen in der Notwendigkeit, den Notb-au, den die Amster» damer Internationale darstellte, durch einen soliden Neubau zu ersetzen. Die Reichsregierung als Unternehmer. Sie mißachtet die gesetzlichen Bestimmungen. Schon seit Monaten stehen die am R c i ch s o n g e st e l l t e n. tarifvertrag(RAT.) beteiligten Organisationen mit der Reichsregierung in Verhandlungen über die Abgeltung der Ueberzeitarbeit der Angestellten in den Reichsverwol- tungen. Das Angebot der Regierung trägt den gesetzlichen Bestim- mungen in keiner Weise Rechnung. Infolgedessen sind die Verhand- hingen am Sonnabend, dem 13. August, gescheitert. Die Tarif- organisationen haben deshalb am 15. August beim Reichsarbeitsminister die beschleunigte Durchführung eines Schlichtung»- verfahren? beantragt. Was bei diesem Schlichtungsverfahren herauskommen wird, kann man sich ungefähr vorstellen. In diesem Fall kann man wirk- lich davon sprechen, daß der Teufel bei seiner Großmutter verklagt wird— soweit man den Reichsarbeitsminister mit dem Teufel i» Beziehung bringen darf. Die Angestellten werden kräftig nach- helfen und der Reichsregiening in nicht mißzuoerstehender Weise klarmachen müssen, daß die Gesetze nicht nur für das gemeine Volk, sondern auch für die Regierung gelten. Leüigenheime für �anüarbeiter. Heranziehung der produktiven Crwervsloscnfiirsorge. Um die Ablösung fremdstämmiger landwirtschaftlicher Arbeits- kräft« noch weiter zu erleichtern, erklärt sich der preußisch« Minister für Volkswohlfahrt im Einvernehmen mit dem Präsidenten der Reichsarbeitsverwaliung bereit, zunächst versuchsweise auch den N e u- bau ländlicher Ledigenheime, die ausschließlich zur Unterbringung deutschstämmigpr Landarbeiter(Landorbeiterinnen) bestimmt sind, aus Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorge zu fördern. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst weiter dem Runderlah des Ministers entnimmt, können Umbauten vor- handener Massiogebäude zu Ledigenheimen für deutschstämmiae Landarbeiter(Landarbeiberinnen) gleichfalls gefördert wxrden, falls arbeitsmarktpolitische Gründe dies dringend geboten erscheinen lassen und es sich um einen größeren Umbau handelt. Jedes Bauvorhaben muß mindestens vorsehen: s) getrennte heizbare Schlasröume für männliche und weib- lich« Arbeitskräfte mit völlig getrennten Aufgängen für beide Ab- teilungen: b)«ine gemeinsame Küche für die Zubereitung von Gemein- schaftsessen und Einzelessen(größere Herdanlage, gegebenenfalls mit anschließender Grude): c) Waschküche und Abstellraum: d) Möglichkelten, eine oder mehrere Familien, die nach dein Ermessen des Regierungspräsidenten tma zur Betreuung der Ledigenhennwsassen erforderlich sind, angemessen unterzubringen: e)(bei größeren Anlagen) einen gemeinsamen Speise- unk» Aufenthaltsraum. Bauten, die für weniger als sechs Personen berechnet sind, kommen für eine Förderung nicht in Betracht. Als Wohnfläche gilt die gesamte Grundfläche des Ledigen- heims abzüglich der Wandstärken. Einbegriffen sind ausgebaute heizbare Dachroum«, sofern für einwandfreien Wärmeschutz gesorgt ist. Dachräum«, deren schräge Wände tiefer als 1,20 Meter über Fußbodenkante herabgeführt werden, kommen für die Förderung nicht in Frage. Keller, Abstellräume, nicht massive Abortanlagen sowie die Grundfläche von Treppen bzw. des Treppenhauses sind von der Förderung ausgeschlossen. §ür Sacco unü vanzetti. Die Proteste der Gewerkschaften. In der Bezirksoersammlung des Vereins der Berliner Buch- drucker und Schristgieher wurde am Montag die nachfolgende Reso- lution angenommen: Die am 15. August 1927 tagende Bezirksversammlung des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schristgießer stellt mit Eni- rüstung das barbarische Verhalten der amerikanischen Justiz fest, die zwei aufrechte Arbeiter, Sacco und V a n z e t t i, seit sieben Iahren mit dem Todesurteil foltert. Da die Unschuld dieser beiden längst erwiesen ist, fordert die Versammlung die Freilassung von Sacco und Vanzetti aus menschlichen und Gerechtigkeitsgründen. Auch in äußerst zahlreichen Belegschastsversammlungen wurden und werden ähnliche Protestresolutionen angenommen, auf deren Wiedergabe wir jedoch aus Raumgründen verzichten müssen. Für NeorganZfierung öer Arbeitsnachweise. Zu viele Tagungen? An der Häufung der Arbeitsnachweistagungen in den letzten sechs Monaten wird in dem Fachblatt„Der öffentliche Ar- beitsnachweis" herbe Kritik geübt. Das Blatt bemängelt die Häufigkeit der Tagungen und ihre zu zahlreiche Beschickung. Die „Deutsche Arbeitgeberzeitung"(Nr. 133) stürzt sich mit Freude auf diese Kritik, wodurch diese natürlich noch lange nicht stichhaltig wird. „Der öffentliche Arbeitsnachweis" vergißt, daß gerade im letzten Halbjahr die Probleme der Arbeitsnachweise eine gründliche Be- Handlung sehr wohl verdienten. Gerade in diesem Jahre mußten im Zusammenhang mit der Arbeitslosenversicherung die Arbeitsnach- weisprobleme von Grund auf angepackt und einer endgültigen Lösung zugeführt werden. Wenn daher mehr Arbeitsnachweis- tagungen stattfanden als sonst, so ist daran wirklich nichts Auf- fälliges. Unter den vielen Kongressen, die im Laufe dieses Jahres in Deutschland abgehalten wurden, sind die Arbeitsnachweistagungen sicherlich am wenigsten überflüssig gewesen. Lohnbewegung in der rheinisch-westfälischen Brau- industrie. Dortmund. 16. August.(Mtb.) In einer Versammlung der Brauereiarbeiter von Dortmund und Umgegend wurden die Gewsrkschaften ermächtigt, das bestehende Lohnabkommen zum 30. September zu kündigen und eine Lohner- höhung von 25 Proz. zu fordern. Während der Verhandlungen wurde darauf hingewiesen, daß die Brauerei arbeiter im Rheinland und Westfalen in der letzten Zeit in der Lohnsrage ins Hintertreffen geraten seien. Keine Industrie stehe so gut da wie die Brauindustrie. Für technische Verbesserungen und Neubauten würden ungeheuere Summen aufgewendet. Auch mit der Dividend« stünden die Brauereien an erster Stelle.— Der Vertreter der christlichen Ge- werkschasten schloß sich den neuen Lohnforderungen an. Er hob her- vor, daß der Bierpreis feit der Vorkriegszeit um 60 Proz. gestiegen sei, während der Reallohn der Brauereiarbeiter noch weit unter dem der Vorkriegszeit stehe.__ Der Lodzer Streik erfolgreich beendet. Warschau. 16. August.(Eigenbericht.) Der Streik der Straßenbahner in Lodz ist nunmehr beigelegt worden, nachdem aus Grund der Vermittlung des Arbeits- Ministeriums die beiden entlassenen Arbeiter wieder ei n g e- st e l l t worden sind. Gleichzeitig hat das Arbeitsministerium den Angestellten die Versicherung gegeben, daß es sich auch für die verlangen Gehaltserhöhungen bei der Direktion«nfetze« werde. AES.-Treptl»». H»utr, Mittwoch, 17. Äliflust, 15 M: Uhr, wichtige Versammlung samtlicher in her AES.»TrepIow beschäftigten SPD.» Genossen und Snmpatbisserender bei George lSportrcstaurant). Da die Tagesordnung sehr wichtig ist, wird um restlose» Erscheinen ersucht. Der AraNion»vorsta»d. Frei« Gew«rkschaft»iuge»d Groh. Berlin. Heute 1S>4 Uhr tagen die Gruppen: Zteukölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Vortragsabend.— Südwesten: Gruppenheim Bezirksiugendheim Städt. Schwimmhalle Bärwaldstr. 04. Reigentaaz-Uebungsabend.— Mcabit: Jugendheim Lehrter Straße 18—1». Friß-Reuter-Abend.— Zlordring: Gruppenheim Jugendheim Ebrrswaldcr Str. 10. Aussprache über Bctricbsverhältnisse.— Baumschulen- weg: Jugendheim Baumschulenw.-g, Ernstsir. 1«. Vortrag:„Dewerlschafts. kämpfe einst und jetzt."— Weißcnsce: Iuqendhcim Parkstr. zn. Liederabend.— Zentrum: Jugendheim tzlhdenilkcr Str. 24—25. Vortrag:.Arbeitersport oder Wertsport?"— Achtung, Spielleiter! Der Mustcrspieltag findet am 20. und 21. August in Brieselang statt. Tressen Sonnabend, 20. August, 18 Uhr, Lehrter Bahnhof. Ingendarupp- de» ZdA. Heute, Mittwoch, Iflph Uhr. Veranstaltungen in folgenden Bt,lrken: vstea: Jugendheim Schule Litauer Str. 18.„Jugend in Rot.'— Zleulcln: Jugendheim Nogatstr. 58. Spiel» und Liederabend.— Wedding-Gelundbrunnen: Jugendheim Schönstedtfir. 1, 5 Tr.(Ledigenheim). „Bürgerlicher oder Arbeiterspori?"- EUarlottenburg: Jugendheim Rostnen. straßc 4. Berufskundlichcr Arbeitkabend iSchumann).— Rordwefl: Realgymna» fium Schleswiger Ufer 14. Unterhaltungsabend. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein: Wirtschaft: A. Saternv«: Sewerlschattsbeweaunq: Friedr. Ehkarn: Feuilleton: st. H. Difcher: Lokale» und Sonstiges: Friß starftädt: Anzeigen: Td. Glocke; sämtlich in Berlin Berlag: Borwärts-Verlag G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanftalt Paul Einger u Co. Berlin CW 08. Lindenstraße Z. Hierzu 1 Beilage und..Unterhaltung und Wifsrn*. Vorbeugend bei Neigung zu Gicht usw. Siaail. Fachingen erhält Körper und Geist frisch und gesandt Brunnenschriften durch Jas Fachinger Zentral* büro, Berlin WS, Wilhelmstrasse 55» Erhältlich in M ineral vasserhan dl ungen, Apotheken und Drogerien sowie in Berlin bei der Versandstelle der StaatsqucUen Fachingen und Niederselters, Berlin SW ii, Schöneherger Strasse 16a. Telefon: Uäxov S260,6u Nr. 586 ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 17. August 1927 �Haureifes Lanö Zu vergebend Die geprellten Kleinsiedler. Von Königswusterhausen eine Stunde Bahnfahrt mit der Kleinbahn nach Storkow. Vorbei an blühendem Wiesen- land, KleinwiNschaflen mit Obst- und Gemüsebau und allerlei kleinem Hausgetier: dann wieder wechselt die Szenerie mit Wal- düngen, hinter denen sich den ganzen Weg entlang, der K r ü p e l- s e e gleich einem blauschillernden Seidenband schlängelt. Das Ganze ein Bild friedvoller, ländlicher Behaglichkeit mit dem bescheidenen Wohlstand, aufgebaut aus emsigem, frohem Schassen ums täglich« Brot. Dies wohltuende Bild mag auch all denen vorgeschwebt haben, die unter Entbehrungen ihre paar Groschen dahin trugen, wo man ihnen mit allerhand schönen Worten vom eigenen Heim und seinen Freuden erzählte. Vor längerer Zeit fand sich in einer Berliner Zeitung ein Inserat, wonach für 2,50 M. Wochen- roten baureifes Land in der Wochenendsiedlung„Guts- Hof Storkow"" zu vergeben sei. Die Käufer mußten sich ver- pflichten, diese Wochenraten so lange zu entrichten, bis der Kauf- preis von 1200 bis 1500 M. getilgt ist. Blieb aber der Käufer mit der Ratenzahlung im Rückstand, so fiel laut den geschlossenen Bedingungen die ganze bisher geleistet« Einzahlung dem Unternehmer zu. Das Siedlungsland, von dem hier die Rede ist, liegt am Ende des hübschen Städtchens Storkow, zu beiden Seiten der Cummersdorser Chaussee, und ist in mehr als 200 Parzellen eingeteilt. Praktisch angesiedelt hatten sich bis jetzt ungefähr 10 Familien, und zwar in der Hauptsache natür- lich selche, die zu den Ovfern der zeitgemäßen Tragödie„Wohnungs- no:" zählten und schleunigst sehen mußten, ein Dach über den Kopf zu bekommen. Zur näheren Beleuchtung sei hier ein besonders krasser Fall angeführt: Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Schwiegertochter und Schwiegersohn nebst Kindern, harte bisher eine Wohnung in Neukölln bewohnt, die sie durch Will- kür des Derwaliers räumen mußte. Der Mann besaß eine Fahr- radreparaturwerkstätte, die er nun ebenfalls aufgeben mußte und nunmehr gezwungen war, sich nach einer neuen Wohnung und nach einer neuen Existenz umzusehen. Er hatte in Storkow Arbeit ge- fundcn und sich daraushin dort angekauft. Die Leute hatten ins- gesamt drei Parzellen und bereits 100 bzw. 50 M. auf diese an- bezahlt. Dazu kommt noch, daß der Schwiegersohn seit langer Zeit arbeitslos ist, feine Frau jeden Tag ihrer Niederkunft ent- gegensieht und die beiden Menschen sich das Geld buchstäblich er- hungert hatten, um wenigstens für die nahe schwere Stunde der Frau ein Plätzchen zu haben, wo sie ihrem Kinde das Leben geben konnte. �., Im guten Glauben, für ihr ehrlich bezahltes Geld auch bauen zu dürfen, wurde nun auch gleich überall mit der Arbeit begonnem Es wurde Holz herbeigeschleppt. Bohlen wurden zusammengesetzt, Mörtel angefahren, und bald war der Rohbau so weit beendet, um, wenn auch notdürftig, begünstigt durch die schöne Jahreszeit, darin hausen zu können. Es dauerte jedoch gar nich' lang«, da prangte auf beiden Siedlungsgeländen ein« Bekannt- machung der Storkower Polizei, enthaltend das Bauverbot auf diesem Gelände. Da die Siedler mit der Gemeinde Storkow gar nichts zu tun hatten, sondern das Bauland von Berlin aus erworben hatten, nahmen sie von diesem Verbot keine weitere Notiz. Daraufhin erschien einige Tage später ein Polizeiaufgebot, bestehend aus 6 Wachtmeistern und 3— 4 Polizisten, die kurzerhand die U n t e r st ä n d e— man hatte auch unterirdisch in Größe von ein paar Quadratmetern gebaut— zuschütteten: von den ober- irdischen Siedlungshäusern, die aus ein paar notdürftig zusammen- gehaltenen Bohlenstangen und einem darübergenagelten Holzdach bestanden, rissen sie einfach das Dach ab, so daß das Ganze in sich zusammenfiel und von der Herrlichkeit nichts als ein Trümmerhaufen von Holzstücken, Schutt und Dreck verblieb. In einem Hause, wo die Leute gerade ab- wesend waren, verfuhr man in derselben Weise: Hühner und an- deres Getier, das sich im Hause befand, wurde nach Storkow gebracht und irgendwo eingestellt. Als die Siedler am nächsten Tage wieder- kamen, fanden sie statt einer im Werden begriffenen Behausung einen Schutthaufen vor. Einem der Siedler, der energisch Auf- klärung über dies Vorgehen verlangte, drückte man die polizeiliche Abmeldung samt Fahrgeld nach Berlin in die Hand und forderte ihn auf, sich nach einer anderen Wohnstätte umzusMbn. Ein Teil der Siedler bezog daraufhin den naheliegenden l e?rst e he n d e n G u t s h o f. Wer Glück hatte und ein Zimmer erwerben konnte, Die„ Wohnung" im Stall. war ja gut untergebracht. Die vielen ober, denen dies nicht gelungen war, krochen mit Kind und Kegel in die Waschküche, in die Keller, blieben im Korridor oder im Stall. Ganz schrecklich haust ein altes Ehepaar in einem Stallabteil, das der nebenan untergebrachten Hühner wegen ganz verbarrikadiert ist, sein Licht durch zwei winzig kleine Stalluken bezieht. In diesem ganz kleinen stockfinsteren muffigen Raum stehen zwei große Betten, Küchengerät und der ganze übrige Hausrat. Wie aber erst all die Menschen hausen, denen der Gutshof keinen Platz mehr bot, spottet jeder Beschreibung. Zum Teil auf freiem Felde, als Bett eine alte Schub- lade, daneben der Spirituskocher, im Wögelchen ein wenige Monate altes Kind: als Meublement dienen Margarinekisten, die paar Hab- seligkeiten liegen bunt verstreut auf der Erde herum und über all das Elend ist ein Zeltdach gespannt, bestehend aus Salzsäcken und altersschwachen, fadenscheinigen Decken. Andere wieder sitzen im Glashaus, d. h. ohne Tür, ohne Wände, bloß das Gc- rippe einer Behausung ist noch vorhanden. Der Kochherd steht draußen, der Boden ist bedeckt mit dem bißchen armseligen Hausrat. In einem Haus, das noch ganz im Anfangsstadium des Werdens war, als die hohe Obrigkeit gleich einem rauhen Wirbelwind dar- So sahen die„Heimstätten" aus! über hinwegfegte, fault das mühsam angepflanzte Gemüse, denn die Leute mußten schleunigst bei Bekannten in Berlin Zuflucht suchen und haben natürlich nicht dos nötige Fahrgeld, um fort- während zwischen Berlin und Storkow hin- und herzupendeln. Rundherum überall armselig« Reste künftiger Wohnstätten. Ein Friedhof begrabener Siedlerträume. Gegen den Unternehmer dieser Siedlung schwebt wegen seiner unlauteren Machenschaften bereits das g e r i ch t l i ch e B e r- fahren: er hat das Gutshaus Storkow samt dem Gelände ohne einen Pfennig eigener Mittel gekauft. Inzwischen soll beides in den Besitz einer Genossenschaft m. b. H. übergegangen sein. Man darf gespannt sein, wie sich die Sache weiterentwickeln wird. Den im Gutshof wohnenden Leuten wurde ebenfalls bereits klargemacht, daß sie das Feld räumen müßten. Gesellschaftssahrten zur Leipziger Aleffe. Anläßlich der am 28. August beginnenden Leipziger Herbstmesse ist B e s u ch e r n aus Berlin die Möglichkeit geboten, mit 25 Proz. Fahrpreis- ermäßigung an allen Tagen und mit allen Zügen nach Leipzig und zurück zu fahren, wenn für jeden Zug eine Reisegesellschaft von min bestens 20P«rsonenzu Gemeinschaftsfahrten /zusammen- kommen. Sammellisten für solche Gemeinschastssahrten liegen an folgenden Stellen aus: 1. Berliner Geschäftsstelle des Leipziger Meßamts: Dr. Westphal, Kurfürstenstr. 23 hpt. rechts, Untergrundbahnhof„Kurfürstenstraße" Südausgang(Olivia 1783 und Lützow 1799). 2. Ehrenamt! icheVertretung des Leipziger Meßamts: Direktor G. Bach,(Derband Deutscher Waren- und Kaufhäuser), Potsdamer Straße 21(Lützow 3360). 3. Industrie- und Handelskammer, Klosterstr. 41(Merkur 2033— 2038). 4. Verein Berliner Handelsvertreter E. V., Georgenstr. 47(Zentrum 587). 5. Reichszentrole für Deutsche Verkehrswerbung, Auskunstsstelle Potsdamer Bahnhof(Nollendorf 8550) und Norddeutscher Lloyd, Unter den Linden 1(Hotel Adlon, Zentrum 1300) und Jnvalidenstr. 93.— Meßabgeichen zu Vorzugspreisen sind bei allen obengenannten Stellen zu erhalten. Von diesen Stellen aus wird für die Fahrt Berlin— Leipzig alles weitere oeranlaßt. 5)ie Silbers�rvarrne g2j Von Beach fN-chdruck»«b-tm � ÄntorlfUrt* XUBetfcfenttg an« bsxa Englischen von Inlta Slt>ppti „George und ich werden uns in Seattle einige Wochen aufhalten, dann kannst du uns nachkommen." „Nein, mein Herr! Ich will mit euch zusammen fahren. Wenn ich hier allein zurückbleibe, bezahle ich vielleicht noch Neugeld. Aber ich wettde meinen Schneider veranlassen, daß er die ganze Nacht durcharbeitet." Es wurde ein geschäftiger Tag für Emerson, aber er war viel zu glücklich, um Müdigkeit zu spüren, als er sich schließlich umkleidete, um zu Waylands zu gehen. Er hatte gesagt, daß er eine Stunde vor dem Mittagessen kommen wollte, damit er mit Mildred eine Weile allein sein und ihr das glückliche Resultat seiner Bemühungen erzählen konnte. Und in seinem Eifer war er sogar schon vor der Zeit da. Mildred ließ ihn indessen nicht warten und als sie in ihrer Abendtoilette in� Zimmer trat, rief er ihr entgegen:„Liebling, es ist geglückt, jetzt geht die Sache vorwärts." '„Ich sah es gleich an deinem Lächeln," sagte sie. „Ja, ich habe die Summe, die ich nötig hatte, beisammen. „Morgen reise ich nach Alaska zurück." „Oh!" Sie zog sich etwas von ihm zurück.„Morgen schon? Und du scheinst noch dazu froh zu sein!" „Ja, das bin ich." „Du bist mir ein unhöflicher Freier!" Sie setzte solch de- leidigtes Gesicht auf, daß seine strahlenden Augen ernst wurden. „Du bist traurig? „Traurig?" Sie zuckte ihre nackten Schultern und warf den Kopf in den Nacken.„Oh, ich werde meinen Stolz zu Hilfe nehmen, ich werde lachen und singen!" Als sie aber sein niedergeschlagenes Gesicht sah, wurde ihr weich ums Herz: „Erzähl' mir alles, Lieber!"* Er hielt ihre schlanke Hand.„Heute morgen war ich der Verzweiflung nahe, jetzt aber bin ich im siebenten Himmel, denn ich habe die größte Schwierigkeit überwunden. Jetzt wird es nur noch Monate dauern, bis ich zu deinem Vater gehen und um deine Hand bitten kann. Natürlich besteht noch immer eine Möglichkeit, daß mein Unternehmen fehl- jchiägt, daran aber will ich garmcht denken. Ich bin von solchem Uebermaß von Mut beseelt, daß ich mir eine Nieder- läge überhaupt nicht vorstellen kann." „Weißt du," sagte sie zögernd, ,chaß du mich noch niemals ins Vertrauen gezogen hast?" „Liebling, ich glaubte nicht, daß Einzelheiten dich interessieren würden. Es handelt sich um eine ganz alltägliche Geschäftssache, und du bist so himmelhoch über alles, was all- täglich und gewöhnlich ist, erhaben. Meine Gedanken können dich garmcht mit Geschäften in Verbindung bringen. Ich habe immer Weihrauch zu deiner Ehre verbrannt, habe dich immer in gedämpfter Beleuchtung, sozusagen durch den Rauch eines Altarfeuers gesehen." „Ich möchte doch gern etwas von diesem neuen Abenteuer hören," sagte das junge Mädchen. „Ich sage dir im voraus, daß es gar nicht romantisch ist," lächelte er und erzählte in Kürze von dem Fischereiunter- nehmen und den Schwierigkeiten, die er hatte überwinden müssen. Und er schloß: „Was jetzt noch geleistet werden muß, ist strenge Arbeit, aber das ist mir gerade recht: denn dadurch wird die Zeit schneller vergehen, bis ich dich wiedersehe. Wenn wir erst den Dampfer in Seattle bestiegen haben, wird zwischen uns und der Außenwelt kaum irgendeine Verbindungsmöglichkeit mehr bestehen. Aber ich bin überzeugt, du wirst fühlen, daß ich jede Stunde des Tages an dich denke." „Du willst also Fische auf Dosen füllen," sagte Mildred. „Das ist sehr prosaisch, nicht wahr?" „Du hast wohl deine Leute dazu, so etwas tust du doch nicht selbst?" „Nein, natürlich nicht. Wir werden Hunderte von Chinesen beschäftigen." „Aber wirst du selbst fischen? Mit einer langen Angel- schnür? Oh, das ist amüsant. „Nein," lachte er,„auch das nicht." „Jedenfalls aber wirst du Oelzeug und Südwester tragen wie ein richtiger Seemann, nicht wahr?" „Ja, wie auf den Bildern, die man aus Zeitschriften kennt." Sie überlegte einen Augenblick:„Warum baust du nicht Eisenbahnen, wie Vater? Damit verdient er eine Menge Geld." „Er ist aber auch Direktor einer der größten Konserven- dosen-Gesellschasten," sagte Vorst»,„Das ist etwas ganz ähnliches,"______________.> „Ja, das ist wahr. Weißt du, er hat sich in der letzten Zeit sehr für dein Land interessiert. Ich habe ihn häufig von Alaska sprechen hören. Ich glaube, er ist so nett gegen dich gewesen, weil er von dir etwas über die Verhältnisse dort erfahren wollte." „Warum interessiert er sich dafür?" � „Seine Beweggründe kenne ich nicht." „Sag mal, macht er noch immer Propaganda für den mystischen Freier, von dem du mir erzählt hast?" „Unsinn," sagte das junge Mädchen.„Es gibt keinen mystischen Freier, und Vater macht weder für den einen noch für den anderen Propaganda. Das ist nicht seine Art." „Warum bin ich diesem Fremden nie begegnet?" „Das ist deine eigene Schuld, du hast mich ja nie auf Gesellschaften begleitet. Uobrigens wirft du ihn noch heute abend kennenlernen. Vater hat telephoniert, daß er ihn zum Diner mitbringt." „Es ist unser letzter Abend, Mildred," sagte Emerson ernst,„können wir nicht allein bleiben?" „Ich kann daran nichts ändern, Boyd. Es handelt sich um eine geschäftliche Angelegenheit." Eine' Geschäftsverbindung des Millionärs, dachte Boyd bei sich. Laut sagte er:„Wer ist er?" „Du wirst dich gleich selbst davon überzeugen können," sagte Mildred, indem sie hinaushorchte.„Da sind sie schon. Sieh nicht so tragisch aus, mein Othello." Boyd hatte noch Zeit, ihr schnell zuzuflüstern:„Sorge wenigstens dafür, daß wir einen Augenblick allein sein können. Ich muß zeitig fort." „Wir können uns ins Musikzimmer zurückziehen, während die anderen rauchen." Da wurde die Portiere zur Seite geschlagen, und Wayne Wayland kam herein, von einem anderen Herrn gefolgt. Bei dem Anblick desselben stutzte Emerson, und seine Gedanken waren ein Wirrwarr von Zweifel und Staunen. War es möglich! Das war ja grotesk, lächerlich! Welchen Streich hatte das böse Schicksal ihm hier wieder gespielt? Er richtete seine Augen auf die Tür, ob vielleicht noch ein dritter Gast folgte, aber es kam keiner, und er war gezwungen, auf Herrn Waylands Begrüßung zu antworten. Der andere war inzwischen auf Mildred zugegangen, als ob er für niemand anderes Augen habe, und beugte sich über ihre Hand. „Herr Emerson, darf ich Ihnen Herrn Marsh vorstellen. Ich glaube, die Herren kennen sich nicht." (Fortsetzung folgt.) Trübe Aussichten für öen Gzeanflug. Man ist.klug geworden. Dessau, lb. August. Die Besprechungen, die heule bei, Professor Junkers mit den leitenden Männern der Zunkers-Werke und der Piloten der.Bremen" und.Europa" flallsanden. dauerten bis in die späten Nachmitwgs- stunden. Sie beschäftigten sich vor allem mit der Sichtung und Er- örterung der Ersahrungen des ersten Versuchs und führten zu- nächst zu dem Ergebnis, dah fürs erste eine Wiederholung des Fluges nicht in Aroge kommt, auch wenn günstige Wetterkonstellationen eintreten sollten, würde in den nächsten Tagen ein neuer Start also nicht erfolgen. Ob er darüber hinaus noch vor dem Eintritt der Herbslwettcr Periode stallsindet, hängt von dem weiteren Verlaus der Besprechungen ab. Jedenfalls ist die Leitung der Zuitters-Werke der Auffassung, daß die.Bremen" die Probe bestanden und ihre Eignung für da» Projekt des Ozeanfluges bewiesen hat, um so mehr will man eine lleberstürzung der Wiederholung vermeiden und sich auch durch andere Ozeanflüge nicht beeinflussen lassen. In diesem Zusammenhang wird von den Zunkers-Werken auch betont, daß sie den Amerikastug nicht in erster Linie von der sportlichen Seite her ansehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der technischen, der wissenschastlicheo und der praktischen Entwicklung des Flugwesens. Von anderer Seite wird gemeldet: Die Iunkers-Werke werden auch weiterbin von der Hamburger Seewarte sortlaufend über die Wetteraussichten beraten werden. Auf jeden Fall steht entgegen anders lautenden Meldungen fest, daß weder bei den Junkers- Werken noch bei den Piloten, die am liebsten in den nächsten Tagen wieder starten wollen, das Interesse an dem Ozeanflugprojekt nach- gelassen hat. Ebenso sicher ist aber auch, daß man die Frage der Wiederholung dieses Versuchs nicht von irgendwelchen Rücksichten auf die Zeit oder auf das Prestige eines ersten Fluges beeinflussen lassen will. Die Lehren der deutschen Ozeanflugversuche.. Aus Luftfahrtkreisen wird geschrieben: Der Ozeanflugverkehr kommt, und das Interesse, das jetzt der Norddeutsche Lloyd und die Dannstädter und Nationalbank gezeigt haben, beweist allein schon, daß die ernsthaftesten Kreise, dah die Träger des Schiffsverkehrs mit diesen Dingen rechnen. Die Herumleitung des Luftverkehrs um die Nordsee ist heute schon ein Anachronismus. Die Linienführung London— Amsterdam— Bremen— Hamburg— Kopenhagen wird durch ein über die Nordsee gelegtes Luftnetz ersetzt werden. Dieser See- luftoerkehr wird aber nicht ein Landslugzeug sein, sondern nam- hafte LuftfahrtlFute sind davon überzeugt, daß das Ueberseeflugzeug ein Wasserflugzeug ist. Für unseren fliegerischen Nachwuchs ist daher das Fliegen mit Wasserflugzeugen ein dringendes Er- fordernis und erforderlich ist auch, daß unsere Flieger die Seever- Hältnisse gründlich kennen lernen. Die Schwierigkeiten, die die Nord- see mit ihren Gezeiten bietet, tonnen und müssen überwunden werden. Was den Verkehr Europa— Amerika und umgekehrt selbst anlangt, so wird auch hier vorerst nicht ein ununterbrochener, sondern ein gebrochener Flugverkehr eingeführt werden. Reisende werden künftig, wenn sie mit einem bestimmten Schiff zu bestimmter Zeit in New Port ankommen wollen, dieses Schist mit einem Seeflugzeug auf dem Ozean einholen und dann vom Flug- zeug in den Schnelldampfer umsteigen. Dem stehen natürlich heute noch große Schwierigkeiten im Wege, kober auch diese Schwierig- leiten sind nicht unüberwindbar. Im übrigen brauchte«in solcher Dampfer ja auch nicht auf dem Meere eingeholt zu werden, sondern er wäre vorerst an einem Landeplatz, z. B. in Plynwuth, zu er- reichen. Als die„Bremen" zu ihrem Ozeanflug gestört� war, hatte sie sofort mit schlechtem Wetter, zu kämpfen und erst wrzch einem stunvienlangen schwierigen Kampf erreichte sie über Norderney die offene See. Dieser erste und vielleicht schwierigste Kampf wäre fortgefallen, wenn man gleich von Norderney aus abgeflogen wäre. Und in diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß gerade Norderney einen der größten und modernsten Flug- Haien besitzt, der sowohl als Seeflughafen als auch aus Wasserflug- Hafen in Frage kommt. Die Flugeinrichtungen in Norderney, die immerhin einen Wert von mehr als zehn Millionen Mark repräsentieren, gehören dem Reich, und es ist deshalb notwendig, daß man sich der Bedeutung dieses Hasens auch erinnert. Der Sprung über den Rasen. Ein kleines Versehen, wie es jeden Tag vorkommt, wurde einem lang« gesuchten„schweren Jungen" zum Verhängnis. In der Greifs- walder Straße lief ein Mann über den Rasenstreifen. Weil das verboten ist, so erwischte ihn ein Schupomann, der in der Nähe stand und auf seine Umgebung scharf aufpaßte. Der Ertapot« weigerte sich, seinen Namen zu nennen. Da er obendrein nocy ausfallend wurde, so brachte ihn der Beamte nach der nächsten Wache. Hier gab er so undeutlich als möglich einen Namen an, der„Soda",„Sowa" oder auch ähnlich lauten konnte. Gerade dieser Name aber fiel den Beamten auf, weil sie sich erinnerten, daß ein 30 Jahre alter Franz Sowa, ein Fleischer und Seemann, wegen schweren Raubes von Bremen her schon längst gesucht wurde. Die Feststellungen ergaben, daß der Uebertreter des Rasenverbots in der Tat dieser vielgesuchte Seemann war, der stets seinen Namen zu verschleiern suchte. Er behauptet allerdings, daß er ihn überall und immer richtig gesagt habe. Die Beamten hörten nur nicht richtig hin und schrieben ihn deshalb falsch auf. So sei er ohne seine Schuld zu den vielen Namen gekommen, wie„Sahawe",„Sower" und anderen Variationen seines Familiennamens. Sowa, in seinen Kreisen auch unter dem Namen „B o x e r f r a n z" bekannt, ist gefürchtet wegen zweier Tricks. In Berlin ist er auch als Kircheneinbrecher bereits bekannt. Bei Raubüberfällen oerläßt er sich auf den„dänischen K u ß", das ist ein Seemannsausdruck für einen Schlag mit der Handkant« gegen die Halsschlagader, der den Gegner unweigerlich zu Boden streckt. Der„L i p p« n t r i l l e r", den„Boxerfranz", ein Mann, der auf seiner Brust ein großes Vollschiff tätowiert hat, eben- falls gern anwendet, ist ein Schlag mit den Knöcheln der geballten Faust gegen die'Vorderzähne. Er streckt zwar nicht immer gleich zu Boden, wirkt aber doch auch so, daß der, der ihn erhält, für eine Weile außer Gefecht gesetzt ist. Dem Schupo- mann gegenüber verzichtete der„schwere Junge" auf beide Tricks. Er dachte auch wohl nicht daran, daß ihm die einfache Uebertretung eines PolizeiverSots so gefährlich werden könne. Der Verhastet« wird auf dem nächsten Wege nach Bremen gebracht. Paßfälscher. Interessante Einblicke in das Auswanderungswesen, insbesondere in die Kreise der östlichen Auswanderer nach Amerika, gewährte eine Verhandlung vor der Strafkammer des Land- gerichts I. An der holländischen Grenze in Bentheim war ein Reisender ohne Sichtvermerk angehalten worden, weil er dem Grenzbeamten dadurch aufgefallen war, daß sein Dialekt ihn als Polen verriet, obgleich sein Ausweis auf den deutschen Namen „Ritter" lautete. Bei seiner Festnahme stellte sich dann heraus, daß er seinen Ausweis, der von der Polizeidirektion Oppeln stammt«. in Danzig von einem gewissen Z e m a k o w i k z gekauft hatte. In seiner Vaterstadt Bialystok wohnte ein Verwandter dieses Z., der ihm seinerzeit angeboten halte, ihm das Fortkommen durch Empfehlung an einen Herrn in Danzig zu erleichtern. Dieser würde ihm alle notwendigen Papiere beschaffen. Als er auf dieses An- gebot eingegangen war, hatte er dann an der verabredeten Stelle den Z. vorgefunden, der ihm für 400 Dollar olles übergab, was er für die Schiffsreise brauchte. Beim Eintreffen im Hafen von New Pork wurde jedoch dank eines besonderen Ueberwachungs- systems entdeckt, dah der Namenszug des amerikanischen Konsuls, der den Sichtvermerk angeblich erteilt hatte, o e- fälscht war. Infolgedessen wurde der Festgenommene mit dem nächsten Dampfer nach Europa Zurucktransportiert. Die Einzelheiten dieses Vorfalles hatten nun auf eine Fälscherzentrale hingewiesen, deren Kopt ein gewisser K a p l a n a s sein sollte. Unter diesem Namen hielt sich nämlich in Berlin ein Litauer aus, der durch seinen Verkehr mit den Kreisen der Auswanderer in den Hotels am Stettiner Bahnhos Verdacht erregt hatte. Er wurde infolgedessen verhaftet und eine Reihe von Zeugen erkannten auch in Kaplanas denjenigen wieder, der bei den Auswanderern sich Zemakowikz genannt hatte. Der eingelegten Haftbeschwerde wurde von der Straskammer mit der Begründung nicht stattgegeben, daß außer einem dringenden Tatverdacht bei Kaplanas als Ausländer gerade deswegen auch Fluchtverdacht begründet sei, weil er durch die ihm zur Last gelegten Taten seine Geschicklichkeit in der Anfertigung falscher Pässe' für andere und natürlich erst recht für sich selbst bewiesen habe.__ tzalensee-Witzleben. Eine newe Brücke zur Erschließung des Messegeländes. Die in der sogenannten Fiskalischen Straße über die Gleise der Stadtbahn führende und unmittelbar an der Avus liegende kleine Brücke wird demnächst abgerissen und durch ein« drei» mal so große ersetzt werden, die SO Meter weiter südlich liegen wird. Es handelt sich um eine moderne, eiserne Bogenbrück«, die ungefähr 60 Meter lang und 30 Meter breit sein wird. Ueber konstruktive Einzelheiten schweben zurzeit noch Verhandlungen. An- schließend an den Neubau wird mit der ebenfalls dringend notwen- digen Verbreiterung und Verbesserung der jetzigen Fiskalischen Straße begonnen werden, die am Kronprinzendamm beginnt und in die Königin-Elisabeth-Straße mündet und die über der Straßenbahn durch die vorerwähnte Brücke unterbrochen wird. Mit dem Brücken- neubau und der Verbresterung der Straße soll eine direkte Ver- k ehr s ve rb i n dun g zwischen Halense« und Witz- leben bzw. dem Messegelände geschaffen werden. Bisher mußt« der starke von Grunewald, Halensee usw. kommende Wagenverkehr nach Witzleben, Pichelsdorf usw. über den Umweg durch die Holtzen- dorfstraße geleitet werden. Nach Vollendung der Straße wird die Straßenbahn auch eine direkte Linie von Grunewald nach Ehar- lottenburg laufen lassen. Die Kosten für das Gesamtprojekt sind mit etwa 3 Millionen Mark oeranschlagt. Auch mit der B e b au u ng des Messegeländes dürfte demnächst begonnen werden._ �Gegner von Schwarzrotgolö/ Aus Lehrerkreisen erhalten wir folgende Zuschrift: Unter diesem Thema wurde in der Abendausgabe des„Vor- wärts" vom Freitag kritisiert, wie sich die Schüler der„Liebig- Realschule" am Verfassungstage anfänglich geweigert haben, am Festzuge zum Sportplatz Friedrichshain teilzunehmen, weil eine Reichsflagge vorangetragen wurde. Die Brandmarkung dieses Falles ist durchaus berechtigt. Die aufrechten Republikaner haben die Pflicht, solche Vorkommnisse allemal bekanntzugeben und da- gegen einzuschreiten. Ob aber die Bemerkung, dah das Verhalten der Schüler„ein recht trauriges Zeichen für den Geist, der in der Verwaltung-der Liebig-Realschule herrscht," sei, zutrifft, ist nicht ohne weitereit sicher. Unter durchaus republikbejahenedr Leitung hat sich bei der Verfassungsfeier einer Berliner Berufsschule folgendes gezeigt: Schon bei der Rede und den Rezitationen, die ein starkes Bekenntnis zur demokratischen Republik waren, zeigte sich in ein- zelnen Grüppchen der Schülerschaft eine gewisse Unruhe, ja, schüchtern« Ansätze zu leichten Störungen. Nach einem sehr schwach aufgenommenen„ihoch" auf die Republik folgte das Deutschlandlied, das fast ausschließlich vom Lehrerkollegium gesungen wurde. Nach der Entlassung der Schüler fand sich im Hausflur erne kleine Gruppe, die die„Internationale" anstimmte.„Woher rührt solche Verhetzung, die den Jugendlichen den Begriff des neuen Staa- tes und damit den Begriff des Vaterlandes verekell?" Die Hetzer sitzen hier links, ganz links. Andere Begeben- heften an der Schule bekräftigen das. Es ist eine Schwäch« im republikanischen Lager, die Schädlinge am Dolksstaat immer nur bei der politischen Rechten zu suchen: die Kommunisten sind mindestens ebenso skrupellos. Es ist z. V. völlig abwegig, wenn eine große weltliche Schule im Berliner Osten ihrem Festzuge keine Reichsfahne voranträgt, um„böses Blut" zu ver- meiden. So macht man Kommunisten nicht still, so läßt man sie Triumphe feiern! So hält man der Schule nicht Erschütterungen fern, sondern so untergräbt man ihre Autorität vollends! So wirbt man nicht für den Volksstaat, sondern man hilft ihm das Grab schaufeln! Es muß das Ziel aller derer sein, die irgendwie mit der Jugend zu tun haben, in ihrem Herzen die Idee des Volts- staates fest zu verantern. Und gerade die Arbeiter- j u g e n d hat darin voranzugehen. Sie hat sich dessen bewußt zu sein, daß sie das Erbe ihrer Väter, das unter unsäglichen Mühen aufgeschichtet wurde, zu wahren und zu mehren hat. Reicher Heringssegen. Der Beginn des Herinysfanges der beut- schen Hochseefischerei ist bisher von großem Erfolg gewesen. Die Heringe sind in diesem Jahre großfallend und von hervorragender Qualität. Es kommen in dieser Woche zum Derkauf: frische geräu- cherte Bücklinge Pfund nur 45 Pf., ferner frische Heringe Pfund 25 bis 30 Pf., frischer Kabliau, im ganzen Fisch Pfund 35 Pf., im Anschnitt entsprechend: frischer Rotbars Pfund 35 Pf. Die Verkaufsstellen sind durch Plakat« kenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen und auf den Wochenmärtten. Bücklinge sind sehr vitaminreich und daher nahrhaft. Es ist außerordentlich verdienstvoll, heute das Problem Bayreuth auch im Rundfunk vor einer großen Hörerschaft zu diskutieren, allerdings nicht in der Art Dr. Hans Siegfried Webers, der sein Referat„Bayreuth und die deutsche Kultur" durchaus dithyrambisch ausgestaltet. Wir brauchen augenblicklich keine pathetische Reklame für Bayreuth und für Richard Wagner, der noch immer zu den am meisten ausgeführten Komponisten gehört. Das große Erlebnis, das der„Ring" oder„Tristan" vermittelt, tritt für Empsängliche in der Berliner Oper genau so gut ein wie in Bayreuth, und in Berlin noch eher, rvemr man die Liste der aufführenden Sänger betrachtet. Man soll endlich den alten geschwollenen Phrasenkram von echtem Volkstum, Religion, Mystik und Siegfried Wagner in Verbindung mit Bayreuth erledigen. Vorschläge wären notwendig, wie man das durchaus private Bayreuth zu einem Sitz wahrer deutscher Volks- kunft machen könnte: aber der Rundfunk darf fein« Hörer nicht mit längst überlebten Herzensergießungen einer schönen Bayreuthseele tödlich langweilen. Di« Abendveranstaltung heißt„Mutter Erde". In einer beruhigend kurzen Einleitung sprüht Dr. Paul Kaßner von der Sehnsucht der Großstadtmenschen nach EidoerbuNdenheft. nach Wald und Sonne. Einen Abglanz der Welt da draußen, die der Großstädter nicht mehr als sein eigen ansprechen darf, soll die Ver- anstcrltung„Mutter Erde" vermitteln. Wunderschön der Auftakt „Schumanns Genoveva" unter M e y r o w i tz. Aber die Gedichte und die Prosa, unter anderen auch von Wagner und Zech, von Walter F r a n ck krafwoll und tönend ohne seine übliche Schärfe des Vortrags gesprochen, beschäsngen sich nicht immer mit der Erde. Hin imd wieder als Kontrast etwas Städtisches. Doch in der Musik Schumanns und Schuberts lebt das Naturhafte am stärksten. Bronegeest ist wie immer ein meisterhaster Liedersänger. F.€. ftuch ein»Diebstahl. Weil er„nicht die Form wahrte"., Die Ueberlastung der Gerichte wird hin und wieder durch eins Verhandlung eigenartig beleuchtet, denn trotz aller Anordnungen und Verfügungen gibt es immer noch Anklagen, die nicht nur un« haltbar, sondern geradezu unnötig oder unverständlich sind. Em Schulbeispiel hierfür war die gestern vor der Berufung?« straskammer des Landgerichts III anstsbende Verhandlung gegen einen Forstarbeiter L., die auch in juristischer Beziehung sonderbor anmutete. L., der auf dem Rittergute Glienecke arbeitete, hatte auf dem Gutshofe einen Hühnerstall zur Benutzung überwiesen erhallen. Da dieser sehr reparaturbedürftig war, wurde ihm dann für die Ausbesserung auch Holz zugeteilt. Anstatt dieses jedoch aus einem ihm bezeichneten Stapel zu nehmen, nahm er, um die Ausbesserung des Daches und der Tür gründlich und besser machen zu können, sechzehn Latten aus einem Haufen, die für andeoe Zwecke bestimmt und schon besonders zugeschnitten waren. Der Gursoberinjpektor machte daraufhin L. Vorhaltungen und da, wie er als Zeug« vor Gericht bekundete. L. ihn deswegen zur Redck! stellte, und„nicht die Form wahrte", erstattete er gegen ihn Anzeige wegen Diebstahls. Merkwürdigerweise erhieft der 62jährige bisher völlig unbestrafte Mann dann nicht nur eine Anklage wegen„Diebstahls". sondern er wurde auch vom Schöffengericht Spandau wegen dieses Vergehens zu 20 M. Geldstraf« verurteilt, obgleich doch das an- geblich gestohlene Holz zur Reparatur des dem Rittergut gehörigen Hühnerstalles oerwendet worden war und dort geblieben wäre, wenn der Angeklagte sein« Stellung verlassen hätte. Von einer rechts- widrigen Zueignung im Sinne des Diebstahlsparagraphen konm: also nicht die Rede sein. Der Staatsanwalt des Berufungsgerichtes und dieses selbst revidierten auch ohne weiteres das schöffengericht- liche Urteil, indem L. von der Anklage des Diebstahls noch dem Antvage des Staatsanwalts freigespro che n wurde. Ruppolts Schulökonto. Immer wieder«tette Verfehlungen. Die Untersuchung gegen den ungetreuen Rachlaßpfleger Paul Ruppolt bringt fast täglich neu« Verfehlungen an den Tag. Wir berichteten bereits über die gestern vorgenommene Haus. suchung. die anschließend an die Festnahme der Ehefrau des Flüchtigen von Kriminalkommissar Kanthack und seinen Beamten vorgenommen wurde. Zu den 10 000 M., die Frau Ruppolt von einem Geheimkonto abgehoben und angeblich„verlegt" hatte, sind noch weitere 1000 0 M. gekommen, also insgesamt 20 000 M. Man hat jetzt auch den Verbleib des Geldes aussindig gemacht. Frau Ruppolt hatte«s zusammen mit einer Anzahl wertvoller Schmucksachen und einem Kästchen mit goldenen Zwanzigmartstücken bei einer Firma im Westen der Stadt„sichergestellt". Dort wurde der Schatz gefunden und beschlagnahmt. Auch verschiedene kostbare Pelze, die einer Großhandlung zur Konservierung übergeben worden waren, sind ohne Zweifel von den unterschlagenen Geldern gekauft und daher ebenfalls beschlagnahmt worden. Nach Abschluß ihrer Vernehmung wurde Frau Ruppolt wieder auf freien Fuß gesetzt, da einerseits eine Verdunkelungsgefahr kaum noch zu befürchten ist und anderer« seits die Kinder des Paares nicht ohne Wartung bleiben können.— Inzwischen schwillt dos Schuldtonto Ruppolts täglich mehr an. Jetzt haben sich wieder ErbenausSpanien gemeldet, in deren Auf- trag Ruppolt erst kürzlich ein großes Miethaus im Westen verkaufte. Nach Abzug sämtlicher Unkosten sollten nach seiner Angabe von dem Erlös nur 3000 M. übriggeblieben fein, aber auch dieses Geld haben die Erben noch nicht zu sehen bekommen. Die Dienststelle ss. 3 der Kriminalpolizei ist immer noch mit der weiteren Aufklärung seines Treibens beschäftigt und nimmt nach wie vor all« zweckdienlichen Mittellungen entgegen. Wochenende mit den NatvrfreuaSen. Der Touristenverein„Die Naturfreunde", Zen« trale W i e n, hat es sich zur Aufgabe gestellt, neben seinen ständigen Fahrten für seine Mitglieder auch weiteren Kreisen der arbeitenden Bevölkerung die Kenntnis von Land und Leuten zu vermitteln. Er hat die Einrichtung der billigen Wochenendfahrten geschossen, bei der jedem, also besonders auch N i cht Mitgliedern, die Möglich- keit gegeben ist, für geringes Geld einen Tag lang au« der stickigen Großstodtluit heraus in Feld und Wald zu kommen. Daß dabei nicht nur auf die ideelle, sondern auch auf die materiell« Seite die notwendige Rücksicht genommen wird, bewies eine Fahrt am letzten Sonntag nach Fürstenberg in Mecklen- bürg bis Lychen. Für 5,30 Mark hatte man die Bahnfahrt in einem Extrawagen und zweimalige Motorbootfahrt. Die leiblichen Bedürf. nisse konnte jeder selbst nach Können und Geschmack befriedigen: Eß- und Trintzwang kennt man beim Touristenverein nicht. Früh um HS Uhr gings vom Stettiner Bahnhof los nach dem freundlichen Städtchen in Mecklenburg, das auch jetzt von den schönen, aber etwas teuren Wochenendvmnibussen der Aboag besucht wird. Nach hurzem Rundgang durch das Oertchen sührte«in bequemes Motor- boot in einer Extrasahrt die Großstadtflüchtlinge über den B a g l e n- und S t o l p s e« ins Brandenburgisch« hinein nach dem alten Himmelpsort mit seiner Zistersiensterklosterruine. Der in seiner ganzen herrlichen Natürlichkeit erhaltene Woblitzkanal wurde in langsamster Fahrt durchfahren, und schließlich ging's über den großen L y ch e n s e e nach Lychen selbst. Ein Spaziergang im Lychener Stadtforst vermittelte den Teilnehmern einen seltenen Genuß. Laub- und Nadelwald im saftigsten Grün nahm die Won- der« auf, dazwischen leuchteten die klarblauen Fluten de« großen Sees. Eine Rast im beschaulich-stillen Städtchen, die Wassersahrt zurück und schließlich ein« angenehm« Bahnfahrt im eigenen Bahn- wagen beschlossen den schönen Ausslug. Die Wochenendfahrten der Naturfreunde sind auch für ältere Leute gut ausführbar. Man kann nur wünschen, daß recht viele von der Gelegenheit, zu erschwinglichen Preisen einen Tag lang in die Natur zu kommen, Gebrauch machen. Die nach st en Fahrten finden statt: am 3. bis A. September durch die Märkische Schweiz, am 11. bi? 12. September durch den Spreewald, am 17. bis 1». September durch denWörlitzerParkbei Dessau. Di« Ankündigungen erfolgen rechtzeftig im lokalen Tell des„Vorwärts". Selbstverständlich verfolgen die Naturfreunde keinerlei Erwerbsabsichlen mit diesen Veranstaltungen. Die OrMmisation und die Führung ist völlig kostenfrei. Milch-Fachleute in Berlin. Vom 16. bis 13. August tagt der Verband Deutsches Molkereifachleute E. V. in den Räumen des Zoologischen Gartens(Lichtenstsinsaal). Der Verband, dem 36 Vereine mit rund 4500 Mitgliedern angehören, erstrebt, gleich allen anderen Er- werbszweigen, Hebung des Umsatzes durch qualitativ« Verbesserung der Ware und in weiterer Folqe Verdrängung ausländischer Er- Zeugnisse, verbunden mit der Lerbairdstagung llt eine A u s st e l- lung von Neuheiten und Verbesserungen auf dem Gebiete des Lerpackungswesensfür MUch und all« milchwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Ausstellung wurde gestern in Anwesenheft von Bertreiern des Ernährung-- und Landwirt- schaft-ministeriums eröffnet. Für die besten Leistungen wurden von den Ministerien wie auch von verschiedenen Verbänden und Ver- «inen Ehrenpreise in Form von Medaillen und Porzellangegen- ständen gespendet. Die Ausstellung enthält u. o. verschiedenartige neue Milchslaschenverschlüsse. deren Bedeutung in hygienischer Be- ziehunq ja«ine ziemlich weittragende ist. Reinigung«, und Füll. anlagen, verbesserte Melkmaschinen, Filterapparatur« usw. Flugzeugabsturz ln Staaken. Pilot und Begleiter verletzt.— Ter Apparat verbrannt. 3n de? Ztähe des Dorfes Dallgow bei Spandau flürzie gestern abend kurz nach 1 Uhr ein doppelmotoriges 5>ugzeug der Deutschen verkehrssliegerjchule, Zweigstelle Staaken, aus etwa 8!) Meter ab. Der Pilot und dessen Begleiter wurden verletzt. Sie konnten sich im letzten Augenblick aus dem brennenden Apparat retten. Folgende Einzelheiten werden hieran noch bekannt: Gestern abend um 19 Uhr 2 Minuten startete aus dem Flugplatz in Staaken der Leiter der Deutschen Verkehrssliegerschule, Major a� D. K e l l e r, mit einem zweimotorigen Flugzeug zu einem Probeflug. In seiner Begleitung befand sich der Flugschüler I n r in e s Der Apparat bc< fand sich in etwa ISO Meter Höhe Über dem Dorfe Dallgow. Aus noch unbekannter Ursache entstand in dem rechten Motor plötzlich ein Lergaierbrand. Der Pilot oersuchte, in einer Rechtskurve auf dem Truppenübungsplatz in Dötxritz zu notlanden. Aus 89 M�ier.Höhe rutschte das Flugzeug jedoch ob, sauste mit großer Schnelligkeit in die Tiefe und schlug auf dem Erdboden auf. Major Kelle? und seine Legleiter, die beide scstgeschnallt waren, wurden durch den heftigen Anprall glücklicherweise von ihren Sitzen tos- a s r i s I e n und etwa 15 Meter ieldeinworis zu Boden geschleudert. Glücklicherweise hatten beide keine lebensgefährlichen Verletzungen davongetragen: sie wurden in dos Spondauer Kronkenhaus über- geführt. Diesem Umstand haben die beiden Flieger ihr Leben zu oer- danken. Die Flammen«rgrifsen das ganze Flugzeug, das in wenigen Minuten völlig zerstört wurde. Die Einschüttung öer Lose. Zur Ziehung in der 5. Klasse. Gestern erfolgte die Einschüttung der Lose der preußischen Staaislotterie. Dabei war die Oeffentlichkeit im wahrsten Sinn« des Wortes hergestellt. Wo sonst kaum ein halbes Dutzend Men- schen im Ziehunassaal die sogenannte Oessentlichkeit darstellen, da drängten sich Hunderte, um sich davon zu überzeugen, daß wirtlich i b r Los in der Glückstrommel sich befand und auch sonst nicht die Finget f-rtigkeit irgendeines geschickten Betrügers«ine ungewünschte Korrektur des Schicksals vornahm. Die Anträge auf Nachprüfung über das wirkliche Vorhandensein der Los« in der Trommel wurden in so zahlreicher Höhe gestellt, daß die Arbeit, die in jedem ein- zelnsn Falle peinlichst genau vorgenommen werden mußte, st u n- d e n l a n g gedauert hat. Aber nicht nur, daß die vielen, die persönlich erschienen waren, dokumentiert haben, wie sehr Fortuna an Vertrauen eingebüßt hatte, nein, es waren sogar noch sehr zahl- reiche schriftliche Anträge vorhanden, die ausdrückkichst verlangten, daß nachgeprüft würde, ob auch ihr« Nummer sich unier den anderen befände. Dauerte das Spiel bei der Einschültung der Lose schon stundenlang, so mußten sich die Mißtrauischen noch eine weitere Verzögerung gefallen lassen. Bei der Ein- schüttung der Gewinnröllchen nämlich wurden ebenfalls sämtliche großen Gewinne aufgerollt und laut verlesen, sodah endlich jeder wirklich davon überzeugt sein konnte, daß nun- mehr auch sämtliche sechsstelligen und fünfstelligen Gewinnlose vor- Händen waren. Erleichtert hoben nicht nur die Beamten, sondern auch zum Schluß sämtliche Besucher aufgeatmet, als die gefährliche Prozedur der Kontrolle der Glücksgöttin endlich beendigt war. Aber es war eine Mühe, die sich gelohnt hat. Ein Sportfest der Schutzpolizei. Auf dem in den Reichsfarben geschmückten Polizeisportplatz in der Golßener Straße veranstaltete das Kommando der Schutz- polize! Berlin aus Anlaß der Verfassungsseier am Montag nachmittag ein großaufgezogenes Sportfest. An den Westbe- werben nahmen Beamte aller Berliner Polizeigruppen teil. Don hohen eichenumkränzten Masten grüßte überall Schwarzrot» g o l d, große Banner und viele kleine Wimpel. Unter den zahl- reichen Gästen sah man den Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und den Berliner Stadttommandanten, Generalmajor Severin. Die Veranstaltung wurde mit einem eindrucksvollen Einmarsch aller Teil- nehmer in den Innenraum des Platzes und mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes eröffnet. In flotter Folg« wurde dann das vielseitige Programm abgewickelt. Die Polizei- beamten zeigten, daß sie auch im Sport durchaus auf der Höhe sind. Die Leistungen ragten oft weit über den Durchschnitt hinaus. Eine besondere Spitzenleistung bot Polizeiwachtmeister Brauch von der Polizeigruppe Süd. der im 10-Kilomet«r-Geländelauf in der guten Zeit von 33,55,1 Minuten als überlegener Sieger durchs Ziel ging. Polizeiwachtmeister Lerch von der Polizeigruppe West erreichte beim Stabhochsprung 3.30 Meter. Viel Heiterkeit erregt« ein Mann- schaftshindernislouf, der komischer Situationen nicht entbehrte. Alles in allem:«in gelungenes Sportfest. Sielultat«: Hochlvruag: 1. Slocjimlti, 1,83 Meter:!. PetvlN, l.N Meter.— StabhoiSsprxng: 1. Lerch. 3,30 Meter: 2. Bor», 2. SN Meter.— lMC-9Rftet*8««|: 1. fltaft 4:24,4; 2. MllHer 4:30,3.—»ugeln-ßeu: 1. Hänchen. 12,70 Meter: 2. Hase. 12,48 Meter.— Distn«: 1. Hänchen, 42,05 Meter: 2. Lerch, 35,78 Meter. — ie-RiI»mrtet.etISiib«lB«f: 1. Brauch 33:55,1; 2. Lachmann 37:57.— 4X1##- Meter-Ttafsel für Ossizlere, Klasse X: Siefler Grurve West 49,9; Klasse B: Kruppe Nord 49,1.— Speerwerfen: 1. Soest, 42,82 Meter: 2. Prltschow, 46,57 Meter.— MauaschastshinderniMlauf:*) 1. Inspektion WeddiNfl 16:36; b) 1. Inspektion Steglitz 16:34.— 4X400.Rctci.St-IIel für Neni-rbeamte: «) 1. Kruppe Mitte 4:6,4; h) 1. Kruppe Nord 4:6.2.— Handballspiel: Siefler Kruope West gegen lombinierte Mannschaft Nord-Mitt« mit 8: 2 Toren(5: 2). — Dreikawps slOO-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen): 1. Karalus, 175 P.; 2. Biermann, 133 Punkte: 3. Dzubos, 101 Punkte. Vas SaSehoschen von Hannover. Hannover ist ein« sittliche Stadt. Wer wollt« es bezweifeln? Es duldet keine Unsittlichteit in seinen Mauern, geschweige denn in seiner B a d e a n st a l t. Di« Hannoverschen Normalmenschen, will sagen die Senatoren G r o i h e(Deutschnational), Dunkelberg(Zen- trum)— Dunkelberg, man muß diesen Namen nur recht genießen— und Ott»(Welse) tonnten es nicht vertragen, daß ein Wandbild im Erfrischungsraum des städtischen Bades ein« dezn Wasser entsteigend« schlanke Frauenge st alt ohne Feigenblatt darstellt. Nun haben sie sich doch durchgesetzt und haben es glücklich«r- reicht, daß der breite Pinsel sittlicher Tünche die Erregung männ- licher Normalgefühle durch weibliche Natürlichkeit.zugedeckt Hot. Jen« schlanke nackte Frauengestall ist von der Künstlerin noch einmal in die Mache genommen worden. Sie ist zwar nicht mit einem Feigenblatt versehen worden, sondern ganz prosaisch mit einem Badehöschen. Einem richtiggehenden kürzen Badehöschen. Nun können sich die Normalmännchen davor hinstellen und phantasievoll raten: Was mag wohl hinter dem Badehöschen sein, was mag wohl vor der lieber- pinselung darunter gewesen sein? Sie können hingehen und sich Photographien des Originalbildes ohne Badehöschen heschaksen. und nachdem sie durch die Normalzenfur daraus hingelenkt worden sind, mit„hm hm" und.ei ei" Heine zitieren: Den plasttschen Schöpfer offenbart der Hüsten Parallele. Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt ist auch eine schöne Stelle. Die braven und sittenstrengen 5)annoveroner Senatoren hätten sicherlich Aphrodite, fre Wellenschaumgeborene, nach ihrem Auftauchen aus dem Meere von Normalpolizisten verhasten und wegen Erregung ösfentlichen Aerpernisses einsperren lassen. Aber ist es nicht ein Symbol, daß in Hannooer. einer Musterstadt des Spieß- bürgerwms und des Provinzialismus, die sogenannte llnsittlichkeit über tüncht wird?_ Das..Rote kreuz" am Feldberg niedergebrannt. Die vielen Touristen sehr bekannte Gaststätte„Rotes Kreuz" auf der Paß- höhe unterhalb des Feldberge,(Taunus) wurde durch Feuer oer- richtet. Auch die Einrichtung de» Hotels ist vollständig vernichtet. harunUr die dem Frankfurter Skiklub gehörigen Sachen. Dem Ein- greises der Feuerwehren aus. des nächstliegendes Orte», die erst sehr spät an der Brandstelle anlangten, weil keine Telephonver- bindung vorhanden war, gelang es, wenigstens den alten Bau zu retten._ Internationales Ilugmeeting in Zürich. FW. Zürich. 15. August. Den größten aller diesjährigen Flugwettbewerbe stellt das Internationale Flugmesting in Zürich dar. Wah- rend man allerorts mit größter Spannung dein Start der deutschen Ozeanflieger entgegensieht, sind hier in Zürich auf dem Flugplatz D ü b e n d o r f die nanihastesten Flieger und Flugzeuge von 10 Staaten vertreten. Daß das veranstaltend« Land, die Schweiz, unter den Teilnehmern sehr stark vertreten ist, versteht sich von selbst. Daneben finden wir noch Vertreter aus Deutschland, Eng- land, Frankreich, Holland, Italien, Jugoslawien. Polen, Schweden und der Tschechoslowakei. Im Mittelpunkt der Veranstaltung ssohen die internationalen Wettbewerbe wie der Alpenflug für Verkehrsflugzeuge um den„Chaoez-Bider-Wanderpreis", für den 6 Bewerber gemeldet sind, der internationale Kunstslugwetibewerb mit 30 Bewerbern, unter denen die besten deutschen Kunstflieger mit ersten Größen des Auslandes zusommentresfen, der Geschwindigkeits- Wettbewerb mit 23 Teilnehmern und der Wettbewerb für Leichtslug- zeuge, in dem drei deutsche Leichtslugzeuge mit je einem englischen und iranzösischen zusommeniressen werden. Nur selten war bisher ein Wettbewerb so gut beschickt und in seinen einzelnen Prüfungen so vielsellig, wie diese gegenwärtig hier stattfindende Beransiallung, der aus allen Ländern größtes Interesse entgegengebracht wird. Der berühmte italienische Flieger de P i n e d o ist heute ebenfalls hier auf dem Luftweg«ingetroffen. Der Wettbewerb hat bereits am Freitag mit den nationalen schweizerischen Konkurrenzen seinen An- sang genommen. Die Vorführung des Raab-Katzenstein- Schleppslugzeuges hat großes Aufsehen hervorgerufen. Mrbeiterfpsrt. Ittler 0$ schlägt U.'Srüssel 7: 2. Mehr als 1000 Zuschauer umsäumten den Norden-Nord- westplatz am Bahnhof Gesundbrunnen, um Zeugen eines Spieles zu fein, wie es in Berlin wohl selten gezeigt wird. Hauptsächlich Adler führte ein Spiel vor, dos dem der Rusienmannschaften wohl an nicht» nachsteht. Mit einigen Ausnahmen zeigten auch die Belgier hervorragendes Können. Trotzdem bleibt es unbegreiflich, wie die Belgier in den bisher absolvierten Spielen stets siegreich sein konnten. Der Grund mag wohl darin zu sehen sein, daß die Mannschaften durch übermäßiges Spielen müde und abgespannt waren. Wenn man bedenkt, daß die Mannschaften in den letzten 14 Tagen acht Spiele absolviert hatten, so erscheint es auch be- gre'iflich, daß sie nicht mehr in der Form spielen können wie bisher. Trotzdem soll dadurch der Sieg Adlers nicht geschmälett werden. Zum Spiel selbst. Die Belgier eröffnen das Spiel, doch wird der Anstoß vom gegnerischen Sturm bereit» abgewehrt. Genaues Paßspiel drängt Adler vor das Tor der Belgier. Doch auch hier reicht es nur zur Ecke, die wohl gut eingegeben, ober vom Innen- stürm verpaßt wird. In der fünften Minute spielt sich Adler halb- rechts gut durch und gibt nach links. Di« noch innen gegebene Flanke wird von halbrechts zum ersten Tor cingeköpst. Durch diesen Er- folg wird die delglsche Mannschaft etwas deprimiert. Adler ist dadurch im Vorteil und erringt drei Minuten später den zweiten Erfolg. Die Hintermannschast Belgiens wird nun reichlich nervös. Sie läßt es hauptsächlich au der nötigen Zerstorungsorbeil fehlen, so daß Adlers Stürmer immer ungedeckt stehen und frei aufs Tor schießen können. Dies wird auch in ausgiebiger Weise ausgenutzt. Aber nur einige Ecken sind die Slusbcute, die aber nichts einbringen. Ein Handstrafftciß in der 21. Minute fegt knapp neben den Posten. Wieder ist es halbrechts von Zldlcr, der trotz starker Bedrängnis den Ball vor dos Tor bringt Kurz vor der Linie gibt er den Ball zur Mitte, wo halblinks das Uebrig« besorgt. In der 26. Minute ein cntschlosiencr Schuß des belgischen Mittelstürmers und unhaltbar sitzt der Ball zum ersten Tor für Belgien im Netz. Dadurch erholten die Brüsseler wieder Mut, ohne jedoch richtig zur Gellung zu kommen. Adlers Sturm ist dagegen glücklicher. Der nach links gelaufene Mittelstürmer gibt den Ball hoch zur Mitte und halbrechts köpft zum vierten Tor ein. Einige Minuten später erweisen sich die Pon- kower gerade nicht sehr sportlich. Ein wegen Hand gegebener Elf- meter wird M dci 41. Minute zum fünften Tor verwandelt Zwei Minuten vor der Pause nimmt Adlers Mittelstürmer dem Torwort den Boll direkt vom Fuß und sendet zum sechsten Male ein. Bei Miede rbeginn hat Belgien den Torwan gewechselt. Jetzt ist auch mehr Schwung in die ganze Mannschaft gekommen. Fortwährend bedrängen die Belgier das gegnerische Tor, ohne jedoch erfolgreich zu sein. In der fünften Minute bekommen sie einen Handelsmeter zugesprochen, der im sportlichen Anstand dem Torwart in die Hände gespielt wird. Nachdem Adler dem Gästetor einige Besuch« abgestattet hat, übernehmen die Belgier wieder das Kom- mando. Dauernd belagern sie das Adlertor, ohne jedoch vorerst er- folgreich zu sein. Erst in der 17. Minute fällt durch halbrechts der zweit« Treffer. Nun wird das Spiel sehr hart. Hauptsächlich Adlers Läufer versuchen, sich den Angriffen der Belgier durch körperliches Spielen zu erwehren, dem sich der Schiedsrichter nicht gewachsen zeigt. Adlers Sturm dagegen oersucht durch technisches Spielen den Vorsprung zu erhöhen. Alle Angriffe scheitern jedoch durch dauerndes Abseitsstehen. Aber auch der neue Torwart der Belgier erweift sich als sehr gut. In den letzten 20 Minuten gibt es einen Endspurt, wie ihn die Berliner wohl selten sehen. Schnell geht der Ball von einer Seite zur anderen. Die Belgier schießen aber zu wenig aufs Tor und Adler zu ungenau. Em schneller Laus des Adler Halbrechten wird von der Verteidigung Belgiens noch in letzter Sekunde zur Ecke abgelenkt. In der 42 Minute ein scharfer Schuß des Mittel- stürmers von Adler und über den gefallenen Torwart findet der Ball zum siebenten Male seinen Weg ms Tor. älm Da,.Facht»gor Waffir" war zu allen Ketten al» Kffundhettjgetränk be. liebt. In der Tat wohnt gerade diesem Naturbrunnen die Kraft inne, da, Blut von schlechten Deimischungcn zu befreien/ e» ksarer und belebter durch die Adern strömen zu lassen und dadurch den Menschen im weitcstcn Sinne de, Worte, zu verjüngen. Ätos fagl öer IBEe? Auch nach RückKohr von einem Höhenflüge bleibi men in höheren Regionen beim Genu Fl einer Josetti Juno Berlins meistgersuchier 4A Cignreiie Das Problem der„Spitze". notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Elektrizitätsbetriebs. --�us Elektrizitätswerk unterscheidet sich van allen anderen indu- �llen Betrieben dadurch, daß bei ihm Erzeugung und Absatz des Produktes gleichzeitig stattfinden. Der Strom wird in dem- selben M o m e n t, da er die Glühlampe zum Leuchten bringt, in den Generatoren der elektrischen Zentrale erzeugt. Der Umstand, daß Herstellung und Verbrauch zeitlich zusammenfallen, macht es erforderlich, dah alle technischen Anlagen des Elektrizi- tätsuntsrnehmens, von den Kesseln und den Maschinen in dem Kraft- wer� anqefangen, durch alle Uebcrtragungsmittel, wie Leitungen, Umformer, Tronssarmatoren usw. hindurch so leistungsfähig sein müssen, daß sie dem Höchstbedarf der Abnehmer gewachsen sind. Der Höchstbedarf tritt aber in jedem Jahre nur einmal auf, er ist, streng genommen, nur einen Augenblick lang vorhanden. Das hat zur Folge, daß ein gewisser Teil der Gesamtanlage auch nur einen Augenblick lang in Benutzung ist. In Berlin stellt sich die höchste Belastung der Werk« regelmäßig an einem Tag« der Woche vor Weihnachten ein, und zwar in den Nachmittags- stunden zwischen 16 und 18 Uhr, also zu einer Zeit, wo in den Läden, den Restaurants und auf den elektrischen Bahnen der stärkste� Verkehr herrscht. Das hier wiedergegebcne Schaubild zeigt die Kurve des Ve- lastungsverlaufs in Berlin an demjenigen Tage des vergangenen Jahres, an dem die Höchstbelastung vorhanden war. Es war dies der 20. Dezember. Die Höchstbelastung der Kraftwerke, auch Spitzenleistung genannt, betrug an diesem Tage 299 600 Kilowatt. Diese Leistung wurde am Nachmittag um 16% Uhr festgestellt. An keinem anderen Tage des Jahres, weder vor noch nach dem 20. Dezember, wurde eine gleich hohe Leistung ermittelt. Abgesehen davon hat die Belastungskurve an allen Tagen dieselbe Farm, wenngleich natürlich hier die Jahres- zciten mit ihrem früheren oder späteren Eintritt der Dunkelheit ge- wisse Unterschiede bewirken. Am geringsten sind die Werke morgens zwischen 3 und 4 Uhr belastet. Die Belastung steigt dann bis zu der— im Winter— gegen 8 Uhr auftreten!�» Früh- spitze. Danach fällt die Belastung wieder und zeigt die für alle groß- städtischen Kraftwerk« charakteristische mittägliche Einsen- k u n g. Dann erhebt sich die Belastung wieder bis zu der Abend- spitz«, die ist Berlin im Winter zwischen 16 und 17 Uhr eintritt. Schließlich fällt die Belastung wieder ab, erst langsamer, von 19 Uhr ab(Ladenschluß) schneller. Am nächsten Tage wiederholt sich das gleiche Spiel. Die Schwankungen in dem Lelasiungsveriauf, das starke Auf und Nieder der abzugebenden Leistungen bringen viel Unruhe und damit Un Wirtschaftlichkeit in den KraftPerksbetriet. Fortwährend müssen'Kessel, Rohrleitungen, Ma- schinen usw. entweder zu- oder abgeschaltet werden. Gewisse Teile der Anlage sind dadurch nur viertel oder halb belastet, weswegen sie unrentabel arbeiten. Es hat sich beispielsweise heraus- gestellt, daß Kessel, die täglich angeheizt und wieder abgekühlt wer- den, infolge dieser dauernden Temperoturschwankungen viel häufiger Defekte erleiden.und deshalb viel größere Ausgaben für Repa- raturen benötigen als andere Kessel, die gleschmäßig mit immer derselben Belastung arbeiten. Das Hineinwersen bzw. Heraue- nehmen von Kesseln und Maschinen erfordert auch«in Verhältnis- mäßig großes Personal. Es ergibt sich somit das technische Problem, wie es zu erreichen ist, den Betrieb der Kraft- werke gleichmäßiger zu gestalten, trotz der großen Schwankungen, die durch die wechselnden Vedürfnist'e der AZnehmer verursacht werden. Mit anderen Worten: es entsteht die Aufgabe, den Spitzen bedarf der Elektrizitätswerke besser als bisher zu befriedigen. Auf der letzten Jahresversammlung des Verban- des Deutscher Elektrotechniker, die in Kiel vom ?,0. Juni bis 2. Juli d. I. tagte, war die Frage der Spitzen- deckung bei Elektrizitätswerken ein Hauptthema der Besprechungen. Es wurde eine Anzahl van Vorträgen über ver- schieden« Methoden der Spitzendcckung gehalten. Mehrere Spei- tberungsverfahren wurden in Vorschlag gebracht, wie Speicherung durch Dampf(nach ihrem Erfinder R u t h s- S p e i- cher genannt). Speicherung durch Wasser und Speicherung durch elektrische Akkumulatorenbatterien. Alle diese Verfahren laufen dar- auf hinaus, in den Stunden der schwachen Belastung, d. h. vor- nehmlich während der Nacht, den Speicher aufzuladen, und in den Stunden der starken Belastung den Speicher zur Deckung der Spitzenleistung mit heranzuziehen, d. h. ihn wieder zu entladen. Der Idealfall eines derartigen Betriebes, wie er freilich in dieser Vollkommenheit in der Praxis nicht zu erreichen ist, stellt in der Zeichnung die wagerechte Linie von A nach B dar. Diese Linie besagt, daß die Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von etwa 180 000 Kilowatt gleichmäßig durcharbeiten. Die Leistun- gen unterhalb der Linie A— B, soweit die Abnehmer sie nicht ver- brauchen, dies« sreien Leistungen, die in der Zeichnung wagerecht schraffiert sind, werden dazu benutzt, den Speicher aufzu- laden. Die oberhalb der Linie A— B liegenden, von den Abnehmern benötigten Leistungen— in der Zeichnung senkrecht schraffiert — werden durch Entladung des Speichers gedeckt. Spitzenbelastung der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke am 20. Dezember 1926. Die Speicherung hat natürlich wie jedes technische Verfahren ihre Vorteile und ihre Nachteike. Der Haupt vorteil liegt darin, dah sie die Ausgaben für den Dampfbetrieb vermin- d e r t. Die Nachteile sind indessen die beträchtlichen Anlagekosten, die die Speicheranlagen verursachen, und die ziemlich bedeutenden E n e r g i e v e r l u st e, die die mit der Ladung und Entladung ver- knüpft sind. Allgemeine Regeln für die Anwendung der Speicherung lassen sich nicht aufstellen, es iniiß vielmehr jeder Fall für sich geprüft werden. Erwähnenswert sind noch zwei weitere Vorschläge, die in Kiel für die Spitzendcckung der Elektrizitätswerke gemacht wurden. Der eine betrifft die Spitzendeckung durch besondere G r o ß g a s- motoren. Der andere will die Hochfpannungsleitun- gen der Fernkraftwerke zur Lieferung von Spitzenkraft heranziehen. Der letzter« Dorschlag hat für Berlin eine gewisse Bedeutung, da Berlin bekanntlich zu einem Teil von den Reichs- Elektrowerken her mit Fernstrom versorgt wird. Dr. Ing. W. M a j e r c z i k. Der Großgüterwagen. Ein Schulbeispiel der Neichsvcrkehrspolitik. Reichsverkehrsministerium und Reichsbahn kämpfen äugen- blicklich schwer um eine Frage, die tief in die Problein« der deutschon Verkehrs- und Energiepolitik eingreift. Durch die Einführung des neuartigen Großgüterwagens und durch die Gewährung eines verbilligten Tarifs, der die Vorteile dieser tech- nischen Neuerung der Wirtschaft zugute kommen ließe, könnte die leidenschaftliche Diskussion, die in der Oeffentlichkeit um den K a n a l b a u und um die Ferngasfrage geführt wurde, wenigstens zum Teil gelöst werden. 1 7 neue Großgüterwagen können über 10v0TonnenLast befördern bei nur 1 7 0 M e t e r Zuglänge gegenüber 68 Wagen der alten Bauart von 15 Tonnen Fassung mit zusammen 570 Meter Zuglänge. Die Eni- l a d u n g eines Kohlenzuges, der aus derartigen Wagen besteht, läßt sich durch zwei Mann bewerkstelligen und dauert nur acht Sekunden je Wagen und 2% Minuten für den ganzen Zug. Bei Massengüterleistungen, die ja allein für diese Wagen in Betracht tomrtien, fällt auch ein großer Teil der Verzögerungen durch Ran- gierarbeiten usw. weg. So ist anzunehmen, daß die etwa 2gprozentige Tarifherabsetzung, die die Reichsbahn für Massen- sendungen auf diesen Wagen gewähren will, keineswegs etwa ein Geschenk der Reichsbahn darstellt, sondern lediglich die tatsächliche Kostenverminderung zum Ausdruck bringt. Die Frachworteile, die man sich von dem K a n a l b a u ver- spricht, auch die Ersparnisse der Kohlenfrachten, die die Ferngas- Versorgung dem Publikum in Aussicht stellt, sind sicherlich nicht bedeutend größer, im ersten Falle sogar nach Meinung Berufener bestimmt kleiner als die Vorteile der neuen Wagenart. Eni- scheidend ist ferner, daß der Vau von Kanälen nicht minder als der Bau von Fernleitungen große einmalige Bauausgaben bedeutet, während der allmähliche Ausbau eines Großgüterwagen- parks kein derartiges Risiko darstellt und im gegebenen Augenblick gestoppt werden kann. Der gleiche Gesichtspunkt gilt auch für die Frage der elektrischen Fernleitungen: das Berliner Kraftwerk Klingenberg, das große Muster einer modernen Nahoer- sorgung mit Strom, ist nicht minder leistungsfähig als die Werke, die den billigen Braunkohlenstrom von ferne holen, seine Leistungs- fähigkeit kann aber erst durch die Kohlentransportreform voll zur Geltung kommen. Was wäre da einfacher, als die?« Vorteile s o bald wie möglich der Volkswirtschaft zur Verfügung zu stellen. Statt dessen erleben wir einen monatelangen Ressort- streit. Die billige Belieferung der Berliner Elektrizitäts- und Gaswerke mit oberfchlesischer und rheinisch-westfälischer Kehle, die schon vor langem in Aussicht gestellt wurde! verzögert sich von Tag zu Tag. Das Reichsvertchrsministsrium hat der Reichsbahn dem Ver- nehmen nach drei Bedingungen gestellt, von denen sie die Genehmigung der Tarife abhängig macht: 1. Die Ausdehnung des neuen Tarifs auf alle Fälle, wo der Verfrachter bestimmte Mindest mengen der Reichsbahn garantieren kann(im Falle der Berliner Werke handelt es sich um ein« jährliche Menge von 800 000 Tonnen). 2. Diese Mindestmenge von 800 000 Tonnen soll aber gleich- zeitig auch die höchst« zulässige Menge darstellen; darüber hinaus soll der gewöhnliche Tarif gelten. 3. Die Elektrizitäts-, Gas- und Wasierwerke Groß-Berlins sollen sich im Fall« der Einführung des neuen Tarifs ver- pflichten, grundsätzlich kein« ausländischen Kohlen zu beziehen, mit Ausnahm« von Streikfällen und von Fällen er- heblicher Steigerung der deutschen Kohlenpreise. Die erste Forderung wird wohl kaum auf sachlichen Wider- stand stoßen. Zweifellos ist es richtig, wenn man möglichst weite Kreise der Wirtschaft in den Genuß des neuen Fort- schritts der Transporttechnik bringen will. Die Zahl der Groß- güterwagen mit je 50 Tonnen Ladegewicht betrug ja nach dem letzten Jahresbericht der Reichsbahn nur 2 00; selbst eine ideale Ausnutzung des Wagenraums gestattet kaum größere Transporte als 200 000 Tonnen monatlich. Demgegenüber betrug die G e- samtbeförderung von geschlossenen Massensendungen(neben Kohle auch Kalk, Erze usw.) in Zügen oder Zuqteilen in einem einzigen von der Reichsbahn untersuchten Monat(Oktober 1925, also lange vor der Einführung des neuen Wagentyps) 2,56 M i l- l i o n e n Tonnen. Es wäre also möglich, den Massenverkehr in Großgüterwagen vielleicht zu verzehnfachen. Damit würde eine Gütermenge aus diesem billigen Wege befördert, die ungefähr einem Drittel des gesamten deutschen Binnenschiffahrts- verkehrs entspricht! Doch hier stellt gerade das Reichsverkehrsministerium selbst mit dem zweiten Punkt seiner Bedingungen Schranken auf, indem es sich zum Vertreter der Interessen der Binnenschiff» fahrt macht, der der wichtigste Konkurrent der Reichsbahn ist. Durch die Beschränkung der dem neuen Tarif unterliegenden� Men- g«n soll die Konkurrenzföhigkeil der Vinnenschisfahrt künstlich er- Halts, bleiben. Volkswirtschaftlich ist diese Forderung absolut un- gerechtfertigt. Wenn die Eisenbahn imstande ist, billiger zu be- fördern als die Binnenschiffahrt, dann ist jeder Schuh der überHollen höheren Frachten durch zünftlerische Vorschriften schädlich. Die Er- klärung für diese Politik des Reichsverkehrsministeriums wird man wohl am besten nach dem Beispiel des Deutschen Berkehrsbunde» formulieren, der in seinem letzten Jahresbericht(anläßlich der Kanal- diskussion) sagt: „Nachdem die Weimarer Berfasiung auch die Verwaltung der Wasserstraßen zu einer Angelegenheit des Reichs gemacht hatte, waren die besten Voraussetzungen zu«iner systematischen Reichs- Verkehrspolitik geschaffen worden. Leider ober hat das Dawes- Abkommen die Reichsbahn verselbständigt und der Herrschafts- sphäre des Reichsoerkehrsministeriums entzogen Das Verkehrs- Ministerium ist zu einem„Rumpfministerium" geworden, dessen Arbeitsgebiet sich im wesentlichen auf die Binnenschiffahrt beschränkt. Es macht sich bei der Reichsbahn auf der einen und im Reichsverkehrsministerium auf der anderen Seite ein uner- freulicher„Ressortpatriolismus" geltend, und es fehlt die Znstanz. die leidenschaftslos die Interessen der Eisenbahn- und des Schiff- fahrtswefens ausgleicht. Unwillkürlich finden weitgehende Pro- jekte, die von privaten Interessenten der Oeffentlichkeit unterbreitet werden, die Unterstützung der durch Fachbegeisterung und Ehrgeiz angefeuerten Ministerialräte." Ebenso verfehlt ist auch die dritte Bedingung, die das Reichsverkehrsministerium für die Einführung des Großgüierwagen- tariies aufstellt. Sogar die schwerindustrielle Zeitschrift„Stahl und Eisen" findet diese Bedingungen etwas„eigentümlich". Freilich liegt eine den Kohlenabnehmern auferlegte Verpflichtung, keine ausländischen Kohlen zu gebrauchen, im Interesse des«in- heimischen Bergbaues, aber es liegt nicht im Interesse zum Bei- spiel des Berliner Stromabnehmers, daß die Berliner Elektrizitätswerke vor die Wahl gestellt werden, entweder auf die billige englische Kohle oder auf den billigen deutschen Tarif zu verzichten. Die obige Aeußerung des deutschen Dertehrsbundes zeigt, boß die Arbeiterschaft wohl imstande ist, volkswirtschaftlich zu denken und die volkswirtschaftlichen Interesien höher zu stellen als die Interessen eines Wirtschaftszweiges. Der Verkehrsbund nach seiner Mitgliederzusammensetzung ist viel stärker an der Binnenschiff- fahrt als an der Eisenbahn interessiert, und trotzdem hat er sich von jeder einseitigen Begünstigung der Binnen- schiffahrtsinteressen im Kampfe um die billige und e i n h c i t- lichedeutscheVerkehrspolitikterngehalten. Könnte das Reichsverkshrsministerium sich an dieser Organisation der Ar- beiierschaft nicht«in Beispiel nehmen? Sie Neiherstieg-werst versthwinöet. Der Starke schluckt den Schwachen. Trotz der bisher erfolgten Umgruppierungen befindet sich die deutsche Werftindustrie erst in den Ansägen einer umfang- reichen Zusammenschlußbewegung. Dem Beispiel Bremens folgt jetzt die Hamburger Werftindustrie. Die Aufsichts- räte der Deutschen Werft A. G. und der R e i h e r st i e g Werst A. G. in Hamburg haben eine V o l l f u f i o n der beiden Werften beschlossen, zu der in nächster Zeit einzuberufenden Generalversammlungen Stellung nehmen sollen. Die Reiherstieg-Werft ist bekanntlich in den letzten Jahren aus den Schwierigkeiten nicht herausgekommen. Nach der langen Still- legungsperiode im Jahre 1925 wurde die erste Sanierung durch die Hamburger Wetzel und Freitag-Gruppe durch Aktienumtausch im Verhällnis 10: 1 vorgenommen und das Unter- nehmen unter gemeinsamen Namen weitergeführt. Zur Befriedi- gung der Gläubiger mußte damals das wertvollste Schwimmdock der Werft für zwei Millionen ins Ausland verkauft werden. Da die neue Gesellschaft in dieser Zusammensetzung gleichfalls nicht lebensfähig war, erfolgte unter Mitwirkung der Deut- schen Werft Anfang dieses Jahres eine zweit« Sanierung»- a k t i o n. Das von 1,8 auf 1,5 Millionen Mark zusammengelegte Kapital wurde aus 3,6 Millionen erhöht, von denen 2,1 Millionen in Händen der Deutschen Werft blieben. Der dritte und letzte Akt ist jetzt das gänzliche Aufgehen der Reiherstieg-Werft in der Deutschen Werft. Damit verschwindet eine der ältesten deutschen Werften, die bereits 1706 ge- gründet wurde und deren Name Weltruf befaß, aus der Reihe der selbständigen Unternehmen. Die Deutsche Werft, hinter der die Rheinisch-Westfälische Schwerindustrie und die AEG. Berlin stehen, begründet die beabsichtigte Fusion mit der Notwendigkeit weiterer Betriebsrationalisierung, Leistungssteige- rung, sowie Senkung der Gestehungskosten. Die erste Wirkung der Fusion bekommen die A r b e i t n e h m e r zu spüren. Einer Anzahl Angestellter der Reiherstieg-Werft, darunter lange Jahre im Dienst Befindlichen, ist bereits gekündigt worden. Diese Kündigung stellt eine um so größere Härte gegen die Betroffenen dar, als sie bereits vor zwei Jahren in der Stillcgungsperiode lange Monate arbeits- los waren. Crnteaussichten in Preußen. Das Preußische Statistische Landesamt gibt folgende Etntcvorschätzung für das Jahr 1927, die wir den tatsäch- lichen Ergebnissen der Jahre 1926, 1925, 1924 gegenüberstellen: 1927 1 926 1925 1924 «in Doppelzentner pro Heltaat Winterweizen....... 20 4 17,2 22,6 17,7 Sommerweizen...... 20,2 17,7 19,7 19,1 Spelz.......... 13.« 11 3 18,1 9,7 Winterroggen....... 16,7 13,7 17,4 13,6 Sommerroggen...... 13,1 11,3 12,1 11,3 Wintergerste....... 21,7 214 25,6 20.3 Sommergerste....... ig.g 17,1 19,3 18,9 Haser.......... 19,5 18,8 17,3 16,9 Geinenge au« Getreide ohne Hülsenfrüchte...... 17,3 16 16,1 15,3 Buchweizen........ 10,5 9,1 6,7 10 Die Veröffentlichungen des Landesomts sind durchaus geeignet, die Schwarzmalerei, mit der interessiert« Kreise die kommende Ernte beurteilen, zu widerlegen. Man kann damit rechnen, dah die in diesem Jahr pro Flächeninhalt zu erzielenden Erträge im allge- meinen über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen werden. Was die Güte der Körnererträge anbetrifft, so soll sie nach den vorliegenden Angaben der Berichterstatter bei allen Ge- treidearten iin Durchschnitt befriedigen. weiterhin gute Aussichten für die Kaliindustrie. Der neuest« Wochenbericht der Gebr.-Dammann-Bank in Hannooer, die der Kdlimdustne nahesteht, stellt die weitere Entwicklung im Kali» bergbau sehr günstig dar. Der Augustabsatz wird von der Syndikatsleitung vorläufig auf 950 000 Doppelzentner Reinkali ge- schätzt, doch erwartet man in industriellen Kreisen, daß das Er. gebnis des vorjährigen Verglcichsmonats von 1019 000 Doppel- zentnern mindestens wieder erreicht wird. Trifft die letztere Schätzung zu, so erhöht sich der G« s a m t k a l i a b s a tz in den ersten acht Monaten dieses Jahres aus 9,04 gegen 7,8 Millionen Doppelzenrner Reinkali im vergangenen Jahre. Man erwartet für die nächsten Monate eine erhebliche Belebung des Inlands- Marktes, da bei Anhalten der günstigen Witterungsverhältnisse mit einer bedeutend besseren Ernte als im Vorjahre gerechnet wird. Bekanntlich war gerade da» Herbstgeschäft 1926 durch die Mißerme sehr stark beeinträchtigt worden. Auch die Abrufe des Auslandes weisen eine ansteigende Tendenz auf. / et» Unterhaltung und ÄVissen Patriotenkummer. Von Joh. Komarom i. Ich erinnerte mich nicht mehr, wann wir aufgebrochen waren. i'.nd ich hatte keine Ahnung, wo wir einmal aussteigen würden. Es war späte Nacht. Draußen wirbelte der Swrm. Wir saßen zu achten im Abteil. In dem der Tür benachbarten .est spielten vier Fahrgäste andauernd Einundzwanzig, seit Abend i hon. Die vier waren allesamt verfettete Figuren, tranhäutig, glog- üugig. Es mochten Reiseagenten sein. Mir gegenüber saß ein älterer Herr, eingezogen in die Ecke. Gerade so wie ich. Dieser älter« Herr seufzte ein ums andere Mal n längeren Zwischenpausen. Er saß dort in einem abgetragenen Lederrock, trug auf dem schmalen Schädel eine runde Schlaskappe, nd so oft er im schweigsamen Kauern einmal schluckte, lief in einer truthahnähnlichen Kehle der Adamsapfel hin und her, wie in der Dreschmaschine der Streuer. Dazu wiegte er das Haupt und tat dazu so: „Hm... hm..." Ich hielt ihn für einen Kleinrentner. Ihm zur Seite saß zusammengekauert eine ältere Dame. In "elz und Schneeschuhen. Von Gestalt mußte sie klein sein, denn sie aing fast völlig verloren im Pelz, hinter Muff und Schals. Der ältere Herr seufzte tr-ieder. Danach entstand Stille. Nur die vier Brüder quälten die karten. Weiter, weiter rollte der Zug, der Wind schleudert« Schneeballen an das Fenster des Abteils. Draußen toste der Sturm. Und wenn mir zcilweilig hielten, hörten wir die Namen unbekannter Stationen rufen. Wir mochten irgendwo auf der großen Tiefebene fein. Neben mir saß zurückgelehnt ein kleiner, magerer Mensch. Der > reite Rand seines Hutes rollte sich am zerschundenen Polster des lbteils auf, sein schwarzer Schnurrbart baumelte sorglos nieder. Es war«in kleiner schäbiger Mann. So«ine Art Volkslehrer. Er ichlies mit offenen, Mund und es war, als späche er mit sich selbsch Der Zug lief durch die Nacht. Ich fiel wieder in Halbschlaf. Als ich so dahindämmerte, kämpften die vier Agenten brüllend. Draußen rief jemand den Namen einer unbekannten Station. Viel- lucht der Schaffner. Wieder seufzte der alte Herr bekümmert. Die alte Dame wandt« sich ihm kaum merklich zu: „Der Mensch hat heutzutage viel Sorgen.. Der alte Herr regte sich nicht. Er antwortete nur so aus der Ecke: „Wohl, wohl, gnädige Frau. In mir zehren in der Tat viele Sorgen.. Die Dame sagte nichts. Der alte Herr verstummte. Später erwachte ich davon, daß der alte Herr sprach. Die Agen- len stritten miteinander und schrien. „Der Patriotenkummer frißt an mir, gnädige Frau. Darum 'um ich jetzt nie schlafen. Auch daheim wälze ich mich im Bett, immer wälz« ich mich. Manchmal fragt meine Frau aus dem an- rren Bett herüber: Schläfst du nicht, Vater? Ich schlafe nicht, Mutter! sage ich zu ihr. Warum kannst du nicht einschlasen, Vater? Weil es nicht geht, Mutter. Es verzehrt mich der Patrioten- kummer....* Er neigte sich zur alten Dame hin und sagte: „Wahrlich, gnädige Frau, das Schicksal meiner Heimat bereiter mir oftmals schwere Unruhe." „Der Mensch hat heutzutage viel Sorgen," bestätigte die Reise- eefährtin. Der kleine, magere Herr neben mir redete. Er richtete seine Worte an den allen Herrn und an die ältliche Dame: „Es ist schon das sechste Jahr, daß sie mich davonjagten, bitte � Hr. Jeden Abend denk ich an mein Heim, gnädige Frau. Und ist mir selbst unbegreiflich, daß mir da stets dies« eine Sache ein- stillt. Vor Tisch, wenn ich die Kinder aus der Schule heimschickte, ring ich noch ein wenig dort hinter dem Hause im Kärtchen spa- iercn. Im äußersten Ende des Gärtchens blühte ein Holunder- « rauch und an diesem Strauch war ein aufwärts geknickter Zweig. So im Rechteck knickt« er ab, bitte sehr, und so wuchs er wieder rn. Auf diesem aufwärts geknickten Zweig hüpfte immer ein Vogel ruf und ab und ich sah dem Vögelchen vom Frühjahr bis zum Sommer oft zu. Damals brachte ich dem nicht weiter Aufmerksam- ':it entgegen, gerade nur, daß ich mir's merkte. Und ist es nicht � sttsam, gnädige Frau, daß ich jetzt, wenn ich mich abends niederlege und an meine ferne Heimat denke, Nacht für Nacht an dieses Vögel- c en und diesen abgebrochenen Zweig denken muh?..." Er verstummte. Und als er noch einmal zu reden begann, 'tterte seine Stimme: „Ich weiß nicht, gnädige Frau, ob ich die Heimat wiedersehen r-erde. Aber ich weiß, daß dieses Vögelchen und dieser abgeknickte '««ig nicht mehr in meiner Gartenecke sein werden. Der Vogel irbt, der gebrochene Zweig wächst weiter. Niemand wird mich dort niedererkennen." Er bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Di« Dame nickte wort- los, der alte Herr begann zu rücken: „Auch mir geht es so damit, bitte. Patriotenkummer verzehrt mich jede Nacht." Der Zug hielt bei irgendeiner Station. Das Fenster war von Schnee verweht. Die Oelslamme glimmte kaum. Ein neuer Fahrgast schnaufte über den finsteren Gang und ließ r(f) im Nebenabteil nieder. Weiter, vielleicht im anschließenden Wagen, begann jemand auf einer Ziehharmonika zu spielen. Der Zug bohrte sich weiter in die von Schnee durchtobte Nacht. ~«r alte Herr und der Dorfschullehrer sprachen vom Patrioten- luinmer, jedoch in stets wachsenden Pausen. Ich schloß die Augen nd begann auf die Harmonika zu achten. Sie näherte sich uns ''ortwährend, mit einem kriegerischen Soldatenlied. Jemand spielte immer das gleiche und sang dazu von Zeit zu Zeit: Marketenderin, mein Täubchen, Balde kehr' ich niemals wieder Bei euch ein--- Di« Ziehharmonika kam immer näher. Plötzlich sprang die Tür auf und es schrillte aus der Tür das Lied der einst ins Feld rchenden Soldaten: Die Herbstwinde wehen, Balde muh ich gehen, Sagt mein Kamerad---- Wir blickten alle hin. In der halb offenen Tür spielte ein lahmer Geselle die Har. monika. Aber es war schmerzhast, ihn nur anzusehen. Die zerdrückte Soldatenmütze auf dem Kopse, war er so recht abgerissen, dieser lahme Geselle, und während er spielte, warf er sich hin und her, wie ein Fallsüchtiger. Die linke Gesichtshälfte war von einer Narbe ganz verdeckt, daher sein Auge kreisrund offen stand. Kopf und Hals zuckten immerfort, aber darum grinst« der arme Teufel denn- noch, während er aufgeräumt zum Liede gröhlte. Die gestörten Agenten schrien ihn wütend an: „Was willst du hier?" „Ich bin, bitte, zu-Diensten, der Narrenjosef, ehemals Honved," antwortete der abgerissene Kämpser grinsend. Sie warfen ihm irgendein Geldstück zu. Narrenjosef sing es mit einer Hand aus der Luft auf. Dann gab er sich einen Ruck, warf sein schütterndes Haupt trotzig zurück und begann ein neues feuriges Lied: Garibaldi, Garibaldi Rührt die Werbetrommel--- Der alte Herr kam in Wut. Er begann zu schreien. „Unverschämtheit, daß man selbst hier nicht in Ruhe gelösten wird! Betreln! Arbeiten freilich, das paßt den Herren Vagabun- den nicht! Nichts geb ich! Nicht einen Kreuzer geb ich!" Die ältliche Dame holte Geld hervor, der kleine Lehrer eben- falls. Der Lehrer bemerkte bescheiden: „Das ist ein Invalide, bitte sehr---. Er kämpfte fürs Vaterland, bitte sehr!" Narrenjosef fing das Geld auf und spielte dann noch wilder. Kreischend knarrte die Ziehharmonika, Narrenjoses warf den Kopf zurück und während sein Haupt häßlich schütterte, grinste er. ... Ich weiß nicht, wann Narrenjosef aus der Tür verschwand. Als ich zu mir kam, spielte und schütterte er vielleicht schon im dritten Wagen. Immer ferner, ferner klang die Werbung. Das Herz tat mir weh. Dunkel war es, sehr dunkel. Auch die vier Agen- ten legten die Karten fort und verstummten. Die alle Dame schlum. mert« friedlich, der alte Herr kroch in der Ecke zusammen und seufzte von Zeit zu Zeit: „Oft zehrt an mir der Patriotenkummer..." Neben mir kauert« der Lehrer. Im Halbtraum sprach er mit sich selbst. Draußen war fürchterliches Wetter. Das Oellämpchen flackerte noch ein-, zweimal und ging dann aus. Von da ab sah ich niemand mehr. Manchmal rief jemand die Namen unbekannter Stationen. Vielleicht der Schaffner. Dann keuchte der Zug weiter. Ich entsann mich nicht, wann wir ausgebrochen waren. Und ich hatte keine Ahnung, wo wir einmal aussteigen würden. Es war dunkel, sehr dunkel. tUcbcrsetzuiig aus dem Ungarischen von Alexander Clement!.) Ehrharöt, öer Engel. . Ärei» ssricdrichshain. Der strcisausflug am Sonntag, II. August, geht nach dem Wcrisec Mi! der Bahn bis strkner, von dort mit Musik, gu ffug oder mit Molorboot, nach Lokal„Zum Seeblick", ffangschlruse-Grilnhelde, SJccliccftr. 48, Inhaber Max Hiller. Treffpunkt am Schleftschen Bahnhof, Ecke Fruchtstrahe, gegenüber dem Postamt!7. Die 82., 84. und 88. Abt. trifft sich um Uhr und die 88., 8ö., 87. und 88. Abt. um 7?i Uhr. Sliiher« Auskunft erteilen die Abteilung«- und Bezirksleitcr allen Mit- gliedern, die sich noch nicht gemeldet Häven. 7.?.r«:o Eharlottcilbnrg. Bilbungsausschust: Donnerstag, 20 Uhr, Des- kusstons. und Leseabcnd im Iugendhciin Ziostnenstr. 4. Thema:„Die Frau im politischen und wirtschaftlichen Kampf."„Borwärts"-L«ktllre. heuie, Miklwoch. l7. August. 24. Abt. 196 Uhr Mitgliederversammlung im Altersheim Dan-ig-r Str. 62. Bortrag:„Die bürgerliche— die sozialistisch« Presse." Referent Genosse Dr. Gutmann... �_ TS. Abt. Die Bezirksfiihrcr werden gebeten, in ben nächsten Tagen abzurechnen. Die Feriensammellisten sind bi, fpätcstenz Ende bes Monats endgültig abzurechnen. Arauenvsranflaltungen. auellstr. 15: für Tegel bei Genossin Schräder: für Reinickendorf bei den Genossinnen Kiesel, Raum und Dröhs. Erwachsene 13 M., Kinder unter 14 Iahren frei. Arbeitsgemeinschaft der Siudersreunde. Morgen. Doauerstag. IS. August. 108. Abt. Käpcaick. 1g>h Uhr Vorstandssitzung mit den B-zirksfllhrera au der bekannten Stelle. Bernau. 20 Uhr im Restaurant Dellevue Frauenabend. Bortrag de« Genossen Willige über„Die Abschaffung der Todesstrafe". Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Eroh-Berlin. zg Uhr Fortsetzung des Kursus über Friedrichsroba in der Se- schäftsstelle Lindenstr. 8. 6. Kreis Kreuzberg. ISfh Uhr Kreizhelfersttzung der Faustmann. Sterbetafel öer Groß-Serliner Partei-Grgantfatton 18. Abt. Unser Genosse Stieß ist verstorben. Die Einäscherung findet Freitag, Ig. August, 12ih Uhr, im Krematorium Gerichtstraß« statt. Um rege Beteiligung wird gebeten._ Sozialistische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. B.-B.-Sitzung morgen, Donnerstag, pünktlich lg Uhr. Die Monatsprogramme wr September sowie die noch ausstehende» Be- richts. unb Fragebogen müstcn sosort abgeliesert werden. Die Bücherstube ist heute, Mittwoch, von 17—1» Uhr geöffnet. heute. Mittwoch. t7. August. 19tf Uhr. Wkdding: Seim See-, Ecke Turiner Siraße.„Unser Wandern."— Kvmann- Platz: Schule Scherenbcrgstr. 7. Glaßbrenner-Abend.— Rosenthaler Vorstadt: Schule Gipsstr. 23o. Uebungsabcnd. Sonntag, 21. August, Werbe-Motorboat. fahrt nach Grllnheide. Abfahrt T6 Uhr von der Michaelkirchbrücke. Fahrpreis für Hin» und Rückfahrt 2 M., Kinoer 1 M. Karten sind bei sämtlichen Funktionären der Gruppe und beim Genossen Martin Kellermann, Zehdcnicker Straße 14, zu haben.— Reichenberger viertel: Heim Reichenberaer Str. 66. ..Sozsalistisch« Schul» und Erzichungsfragen."— Eharlottenburg-Rord- Helm Oldestraße.„Kampflieder."— Tempclhof: Heim Germaniastr. 4—6.„Krieg dem Kriege."— Reu.Lichtenberg: Lvzeum Prinz-Albert-Straße.„Ehina."— Lichteaberiz-Mitte,-Rord»nd-West: Heim Parkaue 16.""""" Die Abteilungsvcranstaltungen fallen aus" bücher sind zwecks Revision vorzulegen. ... 20 Uhr Uebunasabend. Lichtenbcrg-Mitte: Die Mitglieds- Vorträge, Vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold". Gifchäftsstell«: Berlin S 14. Sebastianstr. 67/88. Hof t St Mittwoch, 17. August. Lichtenberg: 20 Uhr Ortsgruppen-, Zug- und Gruppensllhrerfltzung bei Krüger, Türrfäimidlstraßc.— Doaucr». f?«: 1«. August. Prenztouer Berg: 20 Udr Bcrfammlungen: Kameradschaft Robert Blum bei Klug, Danzigcr Str. 71: Kameradschaft Rordkap bei Sachetzki, Echivelbeiner Str. 10. Vortrag des Kam. Wieloch. Die Kameraden können ihre G Frauen mitbringen. Eharlottenburg: Jugend und Sportler: 20 Uhr Turn» beginn in der Turnhalle Schillerftr. 26. Die Kamcradfchaftsführer werden an die Einreichung der Liften erinnert. Weißcnfec: 20 Uhr„Grüner Baum" Komeradschaftslitzung. Adlcrshof: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Kam. L-Hngut, E-danstr. 2.— Freitag. IS. August. Prenzlauer Berg:»ersamm. lungen um 20 Uhr: Kameradschaft Arnswalder Platz im Wcrneuchener Schloß, Kameradschaft Humaunplatz bei Pohst, Stargardcr Str. 19. Reukölln-Britz: 2. Kameradschaft 19S Uhr Funktionärversammlung, Weichselstr. 5, Ecke �.onau» straße. 18 Uhr Treffen Echlltz-nhous Neukölln.— Sportplatz Frledrichsfelde: Achtung! Die festgelegten Arbeitsdienstabende der am Sportplatz beteiligten fünf Kreise bleiben di- aus weiteres in derselben R-ih-nfolge bestehen. Siehe Pressenotiz„Vorwärts" vom 23. Juli 1g27.— Wiutersportabteilung: Sonn- abend, 20. August. Fahrt nach Finkenirug. Treffen 17 Vi Uhr Vorhalle Lehrter F-rnbhf. Nachzügler Sonntag 6% Uhr Bhf. Finlenkrug. Badezeug und Schlaf- decke mitbringen.__ G-w-rksch-st Deutscher Voll-lchrcr, Provinzialverband. Berlin Nächst- Sitzung Freitag, 13. August, ISMi Uhr, Berliner Rathaus, Zimmer 5s. Tages- ordnung: 1. Bssoldungs- und Schulfragen. 2. Verschiedenes. Deutscher Efperauto-Buud, vrt»aruppe Berli». Freitag, IS. August, 20 Uhr. Konditorei Dobrin, Hackefcher Markt, Uebungsabcnd. Deutscher Arbeiter.Abftiaenten.Bnnd, Gruppe Rorden. Am Donnerstag, 18. August. 2« Uhr, im Lediaenheim Echönstedtstt. 1, Eingang Orthstr. 1«<°m Brunnenvlatz), Mitgliederversammlung. Rcfercn? Genaue Hummel. Aussprache über„Alkodolfreie Jugenderziehung". Gäste willkommen...., «erbaud für Feeideniertum und Feuerbestattung, 26. Bezirk. Donnerstao. 18. August, von 4-6 Uhr beginnt der B-rbercitungs»ntcrricht.zur Ingendweihe in folgenden Schulen: Tegel: 2. Gemeindeschule, Tre�owstratze: Reinickendor,. Ost: 8. Eemeinbcschule, Lettcallee: RelNickendorf-West: oo-Demeindeschule, Auguste-Diktoria-Allee. Anmeldungen werden dort noch entgegengenommen. Sport. Rennen zu Hoppegarlcn am Dienstag, dem 16. August. I.Rennen. 1.?lmelung(Entrich). 2. TIchierva s Steffen). 3. Frei. wez II(Behrens). Toto: 7S: 10. Platz: Sl. 23, 14-10. ßerner liesen: Honnef, Taugenichts. BardeS Bruder, Twoltep. Frage. Lakl. 2. R e n n e n. 1. Jrländer(HayneS). 2. Maskerade(Barga), 3. Belüg» (Krabfch). Toto: 1«: 10. Platz: 12, 13: 10. Ferner liefen: Dietmar, Vincill», Klimbim.. �. 3. Rennen. 1. Heuschrecke(Huguenln). 2. SoS(AwerS). 3. Locken. köpf(O. Schmidt!. Toto: 39:10. Platz: 15. 13, 14:10. Fe�er liefen: Semper idem, Adiantum. Sandoval, FormofuS, Munin. Tuor,«ebaillano. 4 Rennen. 1. Ott,(O. Schmidt), 2. ASkari(Jane!). 3. TeukroS (Srabfch). Toto: 12:10. � � S.Rennen. 1. Lätvenherz II(TarraS). 2. Domsalke(Varga), 3. Judigo lO. Schmidt). Toto: 54 10. Platz: 33, 30: 10. Ferner liefen: Bonfburg, Feenkönigin, Pnlü. m L„ 6. Rennen. 1. Prcugenstolz(TarraS). 2. Nnton(Ladendarst). 3. Freier Wille(Jane!). Toto: 25: 10. Platz: 23. III, 21: 10. Ferner liefen: Filigran. Sigberte. Larida. Tramincr. Sulcrpe. Verwechslung, Rheinsonne, Narrengold, Eerlofina, Mohrenblume, Svekulatton, Mira. 7. Rennen. 1. Otfried(O. Schmidt). 2. Mansbach lSl,Iem). 3. Elca (Zehmifch). Toto: 35:10. Platz: 15, 13. 33: 10. Ferner liefen: Sanktton. Sea Lord. Geldulf, Grosso, Osiris. Hochachtungsvoll, Ad hoc, Rapier, Semmel, Teneriffc, Felsenfpltze, Herbert. weNerberlcht der SffenMchen wetlerdienstsless« fSr BerNn«nd Umgegend lRachdr. Verb.) Feiiweise etwa, aufheiternd, sonst noch kühl, windig und vereinzelte Regenschauer.— Aiir veutschland: Von Westen nach Osten fortfchieitende Beruhigung de! Wetter», aber weiter kühl. t�oräen 10884— 37 6 U. Ende 10»/, U. Zam 09, Male Der}(exer Die taödie Bismarck 2414/7516 Uhr, Ende 10 Her inoü Sommerpr,3— 10 M. Barrowiky-pLanen 'omn:pr(nr3hilon Benno Bing Th.Könfnfprätz Sr. Hasenheide 2110 8 Uhr Diz Sdiaie v.Uzüsdi KoBiSdicnhnns Norden 6304 8'. 4 Uhr "nlctit« ÜBifüfinilig! Lili€rün Kurän. H'div, lobe 'slUnLuni-Zälmin Iis. KünMlcr-Xh 8>/. Uhr ,J>'j wirst m'.di heiraten" Lesaing-Theaicr 8'/. Uhr Bsrael TriSDon-Thealer tägi. z',, Uhr: NansiArnstätH in Demimonde (Halbwelt) Sdirtto-SArati, Bin?, Asto. Tlrtr. Srbüh Preise 1.2.3 M. usw. waihana- raeai Täglich 91, Uhr: P.Qrsodi wenige läse! Der fröhliche Weinberg Lustspiel In 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk tägl. auch Sonntags nnr 60 Vi. iled. 2. Hollandcrfpiih Täglich 8-, 4 Uhr Ait-Heidelberg diaTOkl ra B-sirt«nw /. Uhr Fürstenivende Gartenbühne 5 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr: Uc&e ist TrnmDi Plaeetarimn ara Zoo Viriaj. Jca-himithcier Stral: Noll 1578 Der Himmel der Heimat Halbe Kassenpreise Eintritt 0,50 M. Hinter ant. 15 Jahren 6,25 i. Fb/üg Adoiiiaispalas Täglich>/,? Uhr Miim- WVvL „An und aus" Ibeaier am Kaub. Tot tKotft.Str.5 Tägl. 8 Uhr: Elite-Sänagr CewaKiges Profjraiaai. iKomlseheOperj 8V, Uhr 8'/, Uhr Berlins neneste Revne: veraolewülj Die Seme der verbelenen leidensdialten! Ueber 200 Mitwirk, x H Balletts. 1 [ Varysriauf a, d. Uialirtiiie Ii IG lilir nnnnlartr.| CASINÖ-THEATER suhr ihr dnhHler FlecK Aassclaneiden! Outschein 1— 4 Pers. Fauieuil nur 1,10 M- Sessel nur 1,60 M. Nollendorf 7360 Das groüe Eröfffnungs- Programm! , Sonnabends u. Sonntags 2 Vorstell. | 3»«. 8 Uhr— 3-*° lu erm86igten Preisen das gamo Programm. m PISCAIOR-BtlHNE IM THEATER AM HOLLEN DORF PLATZ TELEFONS KURFÜRST 2C9i;9i Abonnement für die Spielzeit 1927/28 ABONNEMENTSPREISE r Serie A 1.80 f't slait 5.—, e.— Kassenpreis „ B 3.— jjv» 8.—. 9.— „ C 4.50„ W. 10.-. 12.-. 14.-. 7 VORSTELLUNGEN DARSTELLER:, Svbüle Binder, Tilla Duricux, Rene Stcbrawa, Helene Wcigel, Marg. Wcllhöner.— hans Baumann, Gerhard Biencrt, Viktor Blum, Emst Busch, Hans Maria Böhmer, Emst Deutsch, Gustav Fröhlich, Fritz Genschow, Paul Graetz, Alexander Qranach, Günter Haeccl, Karl Hannemann, Werner Hollmann, Erwin Kaiser. Fritz Kortner, Leopold Lindtbcrg, Ernst Lönner, Max Pallenberg, Oscar S.raa, Leonhard Stcckel. Hermann Valentin, Albert Venoht Kurt Weisse. STOCKE: „Hoppla, wir leben" von Ems! Toller.... „Konjunkhir" von Leo tonla., „Rings um den Slaehenwalt" von\Vilh. Herzog (Urounührung) (Uraulführung) (Urouijührung) (Uraufführung) HDer letzte Kaiser" von]ecn Richard „Der brave Soldat Schwejk" noch jaroslav Hasek von Max Brod und Hans Relmcnn(Uraufführung) �Galgenvögel" von Uplon Sinclair........(Uroufiührung) �isw" von Alexe) Tolstoi................(Uraufführung) „Generalstreik" von Leo Lanla............(Uraufführung) „RospuHn" von Alexe) Tolstoi.............(Urau||ühiung) „Pelroleumlnseln" von Llcn Peuchfwangor(Uraufführung) „Welzen" von Berl Brecht..............(Uraufführung) „Trollus und Cresslda" von Shakespeare. „Wozzek" von Georg Büchner. Inszenierung, Erwin Plscalor, Mui&i Edmund Meiscf. PÜmi Curl OertcL Bühnenbilder: TrougoH Möller. Bestellungen und Auskünfte: �bonnementsbQro der Piscaiorbühne im Theater am Noliendorfplatz und an den Theaferkassen Wertheim RATENZAHLUNGEN eioxkkmpfe! Heute Übend 9 Vbr: Rntsebelduiiffsl&ämpfe ».«Inn- BlillEBtS CSBM OfiJSS- 1. PACLSE Harte Kämpfe mit Entecheidahg' Öoa Eintritt 80 Vta. Quedlinburg die alte schöne Stadt Kostenlos« Auskunft d. Verkehrsamt Reichshallen»Theater Anfang 8 Uhr , Stettiner Sänger i ZumSchluB: Eine Hochzeit In de Müllerstraße r Sonntag, 28. August: I i9 l. Nachmitt.- Vorstellung m Hill,:» Prtlian mit ralliro Pnur. I Ä Dönhoff•Brelt'l: Vsrieti, Konzert, Tanz Mittwoch, den 17. August nacfaniilagt S Uhr. y Unserem Senessen und Genossin | Friedrich Schulze iFran 'S di- besten«lückwünsche zur Silberhochzeit Die 37. Abteilaas.% ö SZGÄSSSN»» eeceGOGC» Uanknagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die vielen Blnmenspendeu bei der Tcauerfeier meines lieben Mannes und Vater, Jeaef Kardaszynskl sagen wir allen Verwandten, Freunden und Betannten, der Verwaltung, towt« den Kollegen der Koiisumaenossenschoft, dem Nahrung«- und Genußmtttelardeiter-Ver» band und der Sozialdemokratischen Partei der 36. Abt unseren herzlichsten Dank. Frau Kentesagnsl-t, geb Oanlher.ntMt Kindern. Geritard Kohncn Das Haas für Volkskleldang und Bernfskleldund NEUKÖLLN nerraannüraHe 76-71 g Schnell und unerwartet entriß uns der unerbittliche Tod am Sonn- abend, dem 18. August früh, nach schwerem, kurzem Kranlenlager mei- nm unoergeßiichen, innigstgeliebten Mann, lieben Schwager und Onkel, den Gastwirt Gustav Müller im noch nicht vollendeten 54. Lebens- jähre. Um stilleg Beileid wird gebeten. In tiefetn Schmerz Ida Müller nebst Angehürlgen. Neulölln, Thüringerstraße 5. Die Einäscherung findet Donners- tag, den 18. Augult, 14 Uhr, im Krematorium Vaumschulenweg stau. Am Sonntag, dem 14. Augult. enischlies sonst nach langem, schwerem Leiden mein guter Mann, unser lieber, treusorgender Vater und Schwiegervater, unser Bruder, Schwager und Onteh der Arbeits- vermilller Paul Schliebs Im 58. Lebensjahre. Die» zeigen tiefbetrübt an die trauernden Hinterbliebenen Helene Schliebs geb. Holze u. Kinder Die Einäscherung findet am Freitag, dem Ig. August, 17 Uhr, izn Krematorium Derichtstraße statt. M«l«MldM-W Freitag, ben 10.«ngust, abend» T'/s Ahr. in der �Schleflichea Heimat". Jtcue Ieiedr!ch,ir. 1 Branchenversammlung der Uulogen- und Llchlbogeu- schweißer. Tagesordnung: I. Vortrag:„Das Arbeilsgerichlsgesetz". Referent: Otto «och IL 2. B-Iri-bsangelegenhelten. 8. Verschiedenes. Vollzählige, Erscheinen der Kollegen erwünscht. Mitgliedsbuch legltimierL WrilSler v.«evisma! Die vranchen-verlrauensmdnner. konsereoz fällt in diesen Monat ans Die Orlooerwallnna. Von äer Reise zurück! Dr. Erldi Wossldlo Facharzt für Nitren-, Blasen-, Harnleiden 4mKarltbad la. Mont.-Fr.4-6, Sonnab. 8-1 1 Parzellen an Bahnst, u. Dorf m so Pf. ist. Litt. Wlaasfr. 68 f nserate im Vorwärts sicher« lkrfoltz! fltzf.»f.»86! 8v!i!io!!Siiei « 62. LeldenttsSe 12 von der kdse lUFÜck y*! kaufe Bcachteaswett! Deutsches Tepvichhaus Emil Lefdore seit 1882 nur Oranien- üraße 158. 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