itg. 3 HS ♦ 44.?ahrg. Kusgabe H Nr. 199 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfenniq, monatlich 3.— Reichsnr�rl voraus»ablchor. Unter Streifband im In. und Ausland ö.SO Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen",„Aus der ffilmwelt". „Iraucnstimmc",„Der Kinder. freund".„Iugend-Vorwärts".„Blick in die Bitcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozicldenlolrat Berlin** Morgenausgabe Derliner Volksblak! Pfennig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Ronvareille. iteil« 80 Pfennig. Reklame, eile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" dos fettgedruckte Wort 23 Pfennig lzuläfstg zwei fettgedruckte Dortel. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Etellengefuche das erste Dort 1Z Pfennig, jedes. weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 1ö Buch» ftaben zählen fiir zwei Worte. Arbcitsmarkt Keile 80 Pfennig. gamilienanzeige» fUr Abonnenten Keile 10 Pfennig. Anzeigen fiir die nächste Nummer müssen bis i'/i Uhr nachmittags im Lauptgefchäft. Berlin SW 68. Linden. ftrahc g. abgegeben werden. Geöffnet von 8>.h Uhr früh bis S Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat! feben partel Deutfchlands Nedaktion und Verlag: Serlin EW. HS, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS, Lindenflr.3 Postscheckkonto! Berlin 8? 83»— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» und Beamten. Salstr.»3: Diokonto-Sefelllchalt. Denosttcnkast« Lindenftr. 3. Die Hinrichtung muß unterbleiben! Neue Aktion der Berliner Gewerkschaften für Saceo und Banzetti. Die Ortsausschüsse Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestellten- bundes haben folgendes Schreiben an die Botschaft der Ber- einigten Staaten von Nordamerika zu Berlin gerichtet: Die Vollstreckung des Todesurteils an Sarco und Vanzetli ist aus den 22. August festgeseht, eine Vachprüfung der von der Der- teidigung beantragten Aushebung des Urteils Ist zwar angeordnet worden, das Leben der beiden Gequälten ist dadurch aber noch iminer nicht gerettet. War es schon eine beispiellose Barbarei, die Verurteilten sieben Zahre aus die Vollstreckung des Urteils warten zu lassen, anstatt eine Wiederaufnahme des Prozesses zu ermöglichen, da die Unschuld von Sacro und Vanzctti vor aller Welt offen liegt, so ist diese Barbarei noch schändlicher, wenn Aacco und Vonzetti wiederum Tage in qual- voller Pein verleben müssen. Menschlichkeit und Gerechtigkeit gebieten ihre Freilassung. Die Foltern des Mittelalters waren Harm- los gegenüber solcher amerikanischen Schandjusliz, welche die ver- urteilten angesichts des Todesurteils noch den fürchterlichen Seelen- quälen preisgibt. Die unterzeichneten Ortsausschüsse als Stimme der werktätigen Bevölkerung Berlins wiederholen ihren bereits erhobenen Protest gegen das Urteil und die noch immer drohende Hinrichtung. Sie er- suchen die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika dringend. das Leben der Verurteilten zu schützen, das Urteil zu kassieren und d"r Wiederaufnahme de, Prozesse» st a« l- zu g e b? u. wir erheben diese Forderung im verirauen darauf, dah die lln- schuld von Sacco und Vanzelli erwiesen ist und ihr Frcispruch er- folgen muß. i fiuch Galsworthp protestiert. London, 18. August.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Daily herald" hat von dem gefeierten Dichter Galsworthy eine Zuschrift gegen den Justizmord an Sacco und Vonzetti erhalten. Galsworthy sagt u. a.: er sei nach einer kühlen und überaus kritischen Prüfung des Materials zu der Ueberzeugunz gekommen, daß das Urteil an Sacco und Vanzetti einen Irrtum darstelle. Schon ein gewöhnlicher Justiz- irrtum sei widerwärtig, aber ein Justizmord sei grauenhast. Er hoffe aus ganzem herzen, daß der alte und ehrenvolle Staat Massachusetts ein« Vollstreckung vermeiden werde, die als eine grauenvolle Tat auf die Nachwelt übergehen würde. Der britischen Presse ist am Donnerstag außerdem eine Zu- schrift der beiden nicht minderberühmten Schriftsteller I. G. h. Wells i und Arnold Venett zugegangen, in der es heißt:„Wir Unter- zeichneten, treue Freunde und Bewunderer Amerika- und der amerikanischen Einrichtungen, sind vom Beweismaterial gegen die Verurteilten Sacco und Vanzetti tief erschüttert. Wir flehen den Gouverneur und das Volt von Massachusoits an, die Geschichte ihres Staates nicht mit dem Blut zweier n n i ch ii i dr ge n Männer zu beflecken!" Neuaufrollung dar Rhanlcmöfrage. Truppenherabfetzung um IDOOV Mann?— Botfchafter Hoefch bei Poincar�. London, 18. August. � Während in den zuständigen britischen Kreisen über die fron- z ö s i s ch e Antwort auf die britischen Noten über die Herab- setzung der alliierten Militärstrcitkräfte im Rheinlande äußerst« Zurückhaltung beobachtet wird, erfährt Reuter von zuver- lässiger Seite, daß die französische Regierung vorgeschlagen habe, ihre Truppen, die zurzeit etwa SS Mg Mann stark sind, um 3 0 0 g Mann zu vermindern. Gleichzeitig hat es den Anschein, als ob die französische Regierung erwarte, daß die britische und die belgische Regierung ebenfalls Truppen in einer Gesamt- stärke von Z00g Mann zurückziehen, so daß also eine gesamte Herabsetzung der vesahungstruppen um 10 000 ManM stattfinden würde. Die französischen Vorschläge werden gegenwärtig von der britischen Regierung geprüft. Möglicherweise wird man den Eindruck haben, daß die vorgeschlagene Zurückziehung britischer und belgischer Truppen unverhällnismäßig sei, da die Gesamtstärke der französischen Streitkräfte im Rheinland die britischen und belgischen Streitkräfte um einige 40000 Mann übersteigt. Es muß daran erinnert werden, daß die Botschaftsrkonferenz in ihrer Rote vom November 10?S der deutschen Regierung ver- sprachen hat, im Rheinland die Zahl der alliierten Triwpen merk- lich herabzvsehcn. Sc.t diesem Zeitpunkt hat die deutsche Regierung bei jeder möglichen Gelegenheit die Richtersüllung des Versprechens durch die Alliierten als Beschwerdegrund vorgebracht. Um ähnlich« Beschwerdegründe seitens der deutschen Regierung zu beseitigen, wird die britische Regierung jetzt daraus bedacht sein, die von der Botschaflerkonserenz versprochene merklich? Zurückziehung von Truppen durchzuführen. Während in der Note der Votschafterkonjerenz keine b e st i m irr t e Zahl genannt ist, und noch keine Geneigtheit besteht, in unnötig« Einzelheiten der Frage einzutreten, solange die Angelegenheit noch erörtert wird, glaubt man doch allgemein, daß die Herabsetzung der gesamten alliierten Truppen im Rhcinlande auf einige SS 000 Mann die Billigimg der britischen Regierung finden würde. Hoefch bei poincare. Paris. IS. August.(Eigenbericht.) Der deutsche Vvkschafier v. h 0 e s ch hatle am Donnerstag eine längere Besprechung mit p 0 i n c a r e. Da es sonst nlchl üblich ist. daß der MlnisterprSfidevt. wann cr nicht gle'.chzellig Außenminister ist. einen hohen ausländischen Diplomaten empfängt, nimmt man in Hieflgen politischen«reisen an. daß es sich bei der Uniercedung um wichtige polltlsckie Frag-n ha'>d-lke. An zuständiger Stelle erklärt man, daß die Besprechung des Bolschafkers auf dessen Wunsch staltsand, da er poincare persönlich für seine Anteil- nähme, die dieser ihm anläßlich seiner Erkrankung bezeugt hat, danken wollte. Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß sich daraus eine allgemeine Aussprache der beiden über die gegenwärtig zwischen Deulschlond und Frankreich schwebenden Fragen, insbe- sondere über die Rheinlandsrage, angeknüpft hat. Der Zeitpunkt hierzu wäre auch umso mehr dazu geeignet gewesen, al» der am Mittwoch abgeschlossene Handelsvertrag eine sühlbare Entspannung zwischen beiden Ländern gebracht hat. politische Entspannung infolge des Handelsvertrags. Der Eindruck, daß der Abschluß des deutsch-französischen Handels- Vertrages eine politische Entspannung außerordentlich gefördert hat. findet seine Bestätigung in den Slimmen der französischen Presse. Allgemein, auch in solchen Blättern, die man weder übertriebener Regierungsfreundlichkeit noch besonderer Freund- schast für Deutschland bezichtigen kann, klingt die Befriedigung über das Abkommen durch. Natürlich fehlt es nicht an Stimmen vor- sichtiger Zurückhaltung. Trotzdem erkennen zum Beispiel.Figaro" und„G a u l 0 i s" den Schritt friedlicher Zusammenarbeit an, der sich in dem Vertrag bekundet, und betonen seine politische Be- deutung. Interessant sind auch die Urteile ausgesprochener Linksblättcr, so schreibt„0 e u v r e": Die Wichtigkeit liegt darin, daß man zur Unterzeichnung gekommen ist. Es wäre tief bedauerlich ge- wefen, wenn die normalen Beziehungen zwischen beiden Ländern unterbrochen worden wären. „E r e N 0 u v e l l«" erklärt: Man darf den aktiven guten Willen des Ministerialdirektors Posse, der es verstanden hat, die In- struklionen aus Berlin den Erfordernissen der schwierigen Lage an- zupassen, nicht mit Stillschweigen übergehen. Man hat von einem wirtschaftlichen Locarno gesprochen. Die Formel ist ver- sührerisch, aber nicht durchaus richtig. Es ist richtiger, zu erklären, daß das Abkommen im Geiste von Locarno abgefaßt ist. Zum ersten Male bei einem Vertrage, der nur materielle Interessen in Frage stellt, wagt man es. sich auf die i d e a l e Auffassung zu berufen, der der Völkerbund seine Existenz verdankt. Das Ab- kommen bedeutet den Beweis eines neuen Geistes in den Wirtschaft- lichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern. Ein neues Hindernis auf dem Wege zum Frieden ist nieder- gelegt worden. Diese Ausführungen der französischen Presse entsprechen durch- aus der Bedeutung des Vertragswerks für die S t a a t e n p 0 l i t i t der beiden Nachbarländer. Sie deuten aber auch darauf hin wie nachteilig es für das ganze deutsche Volk gewesen ist, daß durch die Bildung der Rechtsregierung die handelspolitische Ver- ständigung erschwert und oerzögert worden ist. Zeine Regierungspartei! Schwarzrotgold verstößt gegen das Regierungs- Programm? In der Presse der stärksten Regierungspartei des Reiches hat sich ein Riesenlärm erhoben. Wilde Beschuldigungen gegen einen Minister, Anzweiflung der Loyalität der Koaü-� tionspartner, Drohung mit der Regierungskrise, mit dcm Rückzug der Deutschnationalen aus der Regierung. Das schwere Geschütz wird aufgefahren. Warum der Lärm? Weil die Reichswehr der Republik die schwarzrotgoldene Fahne der Republik zeigen soll. Und darum Lärm in einem Teil der Regierungspresse? Die Regierung des Reiches ist stockreaktionär, eine Bürger- blockregierung� gewiß, aber hat die stärkste Regierungspartei. ernsthaft gehofft, daß sie eine Regierung der Sabotage der Reichsverfassung, der stillen Rüstung für einen inneren Uni- stürz sein werde? Die deuffchnationale Reichstagsfraktion hat die bekannten Richtlinien angenommen, in der sie sich zum Schutze der Verfassung und der verfassungsmäßigen Reichs- färben verpflichtete, und die Herren Hergt, v. Kendel!, Schiele und Koch haben den Eid auf die Verfassung von Weimar und auf Schwarzrotgold abgelegt. Nun soll es plötzlich nicht so, sondern ganz anders gemeint gewesen sein! Jetzt soll es Plötz- lich gegen die Regierungsrichtlinien verstoßen, wenn di: Reichswehr die schwarzrotgoldenen Farben zeigt. Die famosen Richtlinien, sozusagen die dlo�nii Cstarts, die Menschenrechte des Bürgerblocks, auf die er stabilisiert worden ist, gleich einem Eoeder de Bronce, waren ein faules Kam- promiß zwischen Schwarzrotgold und Schwarzweißrot. Sie stellten fest: „Anerkennung der Rechtsgültigkeit der in der Verscisiung von Weimar begründeten republikanischen Stantssorm. l! n b e d i n g- t e r Schutz dieser Verfassung in ihrer Gesamtheit sowie der verfassungsmäßigen Reichsfarben(Art. 3 der Reichs- Verfassung) gegen alle herabsetzenden Verunglimpfungen und rechts- widrigen Angriffe. Der Schutz der verfassungsmäßigen Reichsfarben erstreckt sich, wie sich aus dem Zusatz des Artikels 3 ergibt, auch auf die Handels- flagge. Der Vergangenheit und ihren Symbolen muß gleichfalls Achtung bezeugt werden und dieser Gedanke soll in der Regierungserklärung feinen Ausdruck finden." Die Deutschnationalen verpflichteten sich, Schwarzrotgo'd anzuerkennen und zu schützen, während das Zentrum sich zur Duldung schwarzweißroter Propaganda und zu höflicher amtlicher Verbeugung vor Schwarqweißrot herbeiließ. Aehnlich, wie es jetzt in der Geßlerfchen Flaggen- Verordnung geschieht, wobei wir finden, daß Herr Geßler über die Richtlinien hinaus der schwarzweißroten Propaganda noch erhebliche Konzessionen gemacht hat. Wozu also der Lärm? Wie haben die Deutschnationalen sonst diese famosen Richtlinien aufgefaßt? Es stellt sich heraus, daß sie einen stillen Akkord zu haben glaubten, eine Art Gentleman-Agrement: macht mit Schwarz- rotgold, was ihr wollt— aber die Reichswehr bleibt schwarz- wcißrot. Die haben wir, in der sitzen w i r, das ist der schwarzweißrote Sauerteig in Deutschland, die vom Staat bezahlte schwarzweißrote Propagandaorganisation für mvn- archische Tradition und gegen die Republik. So«eine Art Verteilung der Macht, wobei sie das Machtinstrument der Republik gegen die Republik iif ihre Hand bekommen wollten. Wir verstehen recht gut, daß die Herrschaften in Auf- regung geraten, wenn die Reichswehr das Symbol der Republik, die schwarzrotgoldene Fahne zeigen soll. Das ver- träge sich wirklich nicht gut mit der Auffassung, die sie vom Wesen der Reichswehr und ihrem Zweck haben. Das ist, wie wenn ein dicker Schlußstrich unter die antirepublikanischen Hoffnungen gezogen wird, die trotz Derfassungseid und Regie- rungsteilnahme immer noch bei den Unentwegtesten der Deutschnationalen lebendig sind. Die Reichswehr wird damit zwar noch lange nicht zu einer republikanischen Musterorga- nisation— hinter der schwarzrotgoldenen Fahne verschwinden die Probleme von Offiziers- und Mannschaftsersatz so wenig wie die Reichswehrskandale und so wenig wie der Kapitän Lohmann vom Phöbusfilm— aber mit der ganzen deuffch- nationalen Mache gegen Schwarzrotgold in der Reichswehr ist es aus, wenn über der Reichswehr die schwarzrotgoldene Fahne weht. Oder will man den Soldaten lehren, sie sollten die Fahne verachten und bekämpfen, zu der sie geschworen haben?« Wir verstehen schon recht gut, daß es den Herrschaften, die jetzt so ausgeregt sind, schwer fällt, der Fahne ihres Landes Achtung zu beweisen. Wir verstehen auch ihre Enttäuschung. Aber Enttäuschung und Aufregung— sie kommen beide in einem sehr schlecht gewählten Zeitpunkt. Haben sich die Herren Deutschnationalsn nicht eben erst in feierlicher Kundgebung im Beisein ihrer Minister ein Kolleg über das Thema halten lassen, daß ein Land, das seine Farben nicht achte, keinen An- spruch auf die Achtung der Welt habe? Ist die Aufregung über die Tatsache, daß die deutsche Reichswehr die deutschen Farben zeigen soll, die Antwort der Deutsch • nationalen an Herrn v. Kardorff?> Haben nicht eben erst die Herren Hergt, v. Keudell und Schiele die Verfassung von Weimar im Zeichen von Schwarzrotgold gefeiert? Hat nicht eben erst der Reichspräsident o. Hindenburg unter dem Wehen schwarzrotgoldener Fahnen feierliche Reichswehrparade auf dem Platze der Republik ab- genommen? Wir wollen nicht reden von früheren Dingen, von der deutfchnationalen Zustimmung zum Republik schu tzg e s etz und zum Landesverbot für Wilhelm von Doorn — aber acht Tage nach der Verfaffungsfeier diese Aufregung: das ist sehr schlechte Regie. Und wenn nun gar noch die„K r e u z z e i t u n g" die rhetorische Frage stellt: „Will auch die Reichsregierung, in der vier deutfchnationate Minister sitzen, zum Wegbereiter einer inzwischen vom Reichsbanner mit Beschlag belegten und zum Partei- symbol gemachten Fahne werden—" so ist das nach der Verfassungsfeier, nach Kardorff und Hindenburg und nach den deutschnationalen M i n i st e r n eine etwas naive Frage, die von noch naiverer Auffassung von den Pflichten einer Regierung und von feier- lichen Verfassungseiden zeugt. Gar nicht zu reden von der seltsamen Auffassung der Treue der Reichswehr zu der Fahne, der sie dient. Noch schlechtere Regie jedoch, wenn man die Frage auf- wirft, was hinter dem Gelärm die deutfchnationale Presse. positiv will. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Wir können uns nicht denken, datz der R e i ch s w e h r m i n i- st e r, wie es bei der Bedeutung eines derartigen Vorgehens eigent- lich selbstverständlich sein sollte, sich mit dem Reichskabinetr vor dem Erlaß seiner Verordnung irgendwie ins Benehmen gesetzt hat. Denn es ist nicht vorstellbar, datz ihm in einem Falle sein« Ministerkollegen den Hinweis auf seinen Verstoß gegen die Richt- linien erspart hätten. Der Herr Reichswehrminister hat also mit diesem seinem Vorgehen eine Unzuverlässigkeit gegen- über bindenden Zusagen erwiesen, die nicht Widerspruchs. los hingenommen werden darf, und an der auch der Chef des Kabinetts, der ja schließlich in erster Linie sür die loyale Bcob- achtuna der Richtlinien seiner Politik veramwortlich ist, nicht ein- fach vorbeigehen kann. Die deutschnationalen Ml- nister haben gerade in der rückliegendne Woche ihre absolut u n a n- tastbare Loyalität gegenüber den Regierungsrichtlinien, ins- besondere auch bezüglich der Verfassung und der Flaggen- frage, bewiesen. Man wird nicht von ihnen verlangen können, datz sie in dieser Beziehung allein die ragenden Säulen des Kabi- netts bleiben: hier mutz es heißen: Eine Loyalität ist der anderen wert. Hier handelt es sich um eine ganz schwer- wiegende Frage für die Möglichkeit weiterer gedeihlicher Arbelt innerhalb der Reichsrcglernng." Bindende Zusagen an diie Deutschnationalen, daß die Reichswehr schwarzwsißrot bleiben müsse? Eine interessante Behauptung! Wir glaubten jedoch eher, daß der C-eßlersche Flaggenerlaß die ausdrückliche Zustimmung des Reichspräsidenten v. Hindenburg hat— wodurch die Position der aufgeregten Deutschnationalen noch kläglicher wird. Aber was wollen sie? Soll Herr Marx Herrn G e ß l e r befehlen, den Flaggeiterlaß zurückzunehmen? Soll er ausdrücklich vor dem Inland wie vor dem Ausland feststellen, daß die Reichswehr der deutschen RepiibÄt nicht die Flagge der deutschen Republik, sondern ausschließlich die Flagge des Kaiserreiches zeigen darf— laut Regierungsbeschluß? _ Und dos unter der Drohung der Regierungs- k r i s c! Wenn Worte einen Sinn haben, so bedeuten die Sätze der„Deutschen Tageszeitung: fort mit dem Flaggencrlaß oder Austritt der Deutfchnationalen aus der Reichsregierung. Wir verstehen sehr gut, daß die Deutsch- nationalen eine Situation suchen, um sich aus der Nerantwvr- tung zu lösen und unter schwarzwcißroter Fahne in den Wahlkampf zu ziehen. Wir verstehen sehr gut, daß die Auf- regung von heute die Teilnahme der deutschnationalen Mini- ster an der Verfaffungsfeier von gestern überdecken soll. Aber Regierungskrise ist Wahlkampf, und deutschnationaler Wahl- kämpf unter der Parole: gegen Geßler und Hindenburg— das ist schlechteste Regie. Was bleibt von dem Lärm übrig? Ein neuer Beweis für die maßlose Wut, mit der die Deutfchnationalen ohnmächtig das Bordringen von Schwarzrotgokd verfolgen, ein neuer Beweis für die Doppelzüngigkeit deutschnationaler Politik, ein neuer Beweis dafür, daßldie stärkste Regierungspartei imGrund« genommen immer noch die Partei der unversöhnlichen Oppo- sition gegen den neuen deutschen Staat, eine staatsfeindlich« Partei ist. Ein« Partei, die sich aufregt, weil die deutsche Reichswehr die deutschen Farben zeigen soll. Nachspiele zu üen verfaffungsfeiern. Parlamentarische Anfrage wegen der Sabotage durch die württembergische Regierung. Die Versuche, die Verfassungsfeier zu reaktionären Zwecken zu mißbrauchen oder zu einer privaten Angelegenheit der Republikaner abzustempeln, werden noch die Länder- Parlamente beschäftigen. So hat im württembergischen Land- tag der sozialdemokratische Reichstags- und württembergische Landtagsabgeordnete Keil folgende Kleine Anfrage eingebracht: Die Reichsregierung und die Regierungen fast aller deutschen Länder haben auch in diesem Jahr am 11. August zur Würdigung des Verfaffungswerkes von Weimar Feiern veranstaltet. Bei diesen Feiern sowohl als in den Aufsätzen, die aus diesem An- laß in fast allen deutschen Zeitungen erschienen sind, ist die Not- wendigkeit betont worden, die Verfassung der deutschen Republik zur Sache des Volkes zu machen, das Staatsbewußtsein in allen Volksschichten zu stärken, das Bekenntnis zum nationalen Volksstaat zu festigen. In dem führenden Organ einer der beiden württcmbergischen Regierungsparteien, dem„Deutschen Volksblatt", wurde am 11. August gesagt:„Keine noch so edle Begeisterung in diesen Tagen darf uns darüber hinwegtäuschen, datz die neue Ver- fassung noch viel wenig Sache des Volkes ist". Die Bemühungen der Regierungen, der Gemeindebehörden und weiter Kreise der Staatsbürger, den vom„Deutschen Volksblatt" be- klagten Mangel zu beheben, sind in diesem Jahre von guten Erfolgen begleitet gewesen. Die Verfassungsfeiern legten überall Zeugnis ab von der wachsenden Beteiligung und dem erfreulichen Verständnis des deutschen Voltes für den Sinn der Weimarer Verfassung. Abseits stand jedoch am 11. August die württembergi- che Regierung. Weder hat sie selbst eine Verfassungsfeier veranstaltet, noch sich an der Veranstaltung einer solchen Feier durch andere Kreise beteiligt. Während an der von der Reichsregierung veranstalteten Feier nahezu sämtliche Reichsminister teilnahmen, während der Herr Reichspräsident seinen Erholungsurlaub verschob, um persönlich an der Verfassungsfeier teilnehmen zu können, be> teiligte sich an der von der Stadt Stuttgart veranstalteten Ver- fassungsfeier nur ein württembergischer Minister. Der „S t a a t s a nz e i g e r", das offizielle Organ der württembergischcn Regierung, widmete dem Geburtstag der Verfassung nicht ein Wort. Ich ersuche die Staatsregierung um Auskunft darüber, aus welchen Gründen sie nicht in ähnlicher Weise, wie es im Reich und in den meisten Ländern geschah, an der Pflege des nationalen Bewußtseins anläßlich des Verfassungstages sich beteiligt und aus welchen Gründen der württembergische„Staatsanzeiger" darauf ver- zichtet hat, am Verfassungstag die deutsche Republik zu feiern. Der Fall Meitzer. Der sozialdemokratische Abgeordnete Drescher hat im Preußischen Landtag folgende»Kleine Anfrage" eingebracht: Bei der amtlichen verfaffungsfeier in Halle a. d. Saat« an» 11. August hat Herr Professor Menzer einen Vortrag gehalten. der bei allen verfassungstreuen Teilnehmern grötzte Erbitte- r u n g ausgelöst hat. Mit seinem Vortrag hat der Redner seine Ab- Neigung gegen die heutige Reichsverfassung eindeutig zum Ausdruck gebracht. Die Taktlosigkeit dieses Festredners rief den offenen Un- willen der Versammlung hervor. Er wurde wiederHoll durch Zwischenrufe unterbrochen und schlietzllch am Weiterreden verhindert. Bei den Teilnehmern an der Verfassungsseier mutzte über diesen unerhörten Mißbrauch einer amtlichen Verfassungsseier helle Empörung auflodern. Zur Kennzeichnung des Jnhalls und der Tendenz des Vortrages verweise ich auf die Abschrift stenographi- scher Aufzeichnungen eines Pressevertreters, die ich durch die Sozial- demokratische Fraktion bereits dem Staatsminlsterium einreichte. Ist die Staatsregierung von diesen Vorfällen unterrichtet? Ist sie bereit, eine exemplarische Bestrafung dieses„vorbild- lichen" Jugenderziehers herbeizuführen, um in Zukunft Wieder- holungen ähnlicher Vorfälle zu vermeiden? »Keine(pperettensigurenl/ Sagt Hugenberg... In der„Nachtausgabe" des Hugenbergfchen„Tag" ist in der zweiten Beilage eine amüsante Photographie abgebildet. Man sieht darauf prunkvoll uniformierte O f i z i e r e mit prächtigen Czapkas und halbmeterhohen Helmbüschen mit blinkenden Ordens- blechen und wundervollen bunten Schärpen, und man sieht ein paar Zivilisten, die bezylindert und mit Ketten und Medaillen aus- staffiert sind. Die Ueberfchrist lautet:.Keine Operetten- f i g u r e n". Wenn man von Operettenfiguren lieft und auf einem Bilde so ein« kleine Generalität mit allem Drum und Dran auf- marschiert sieht, sucht man natürlich zuerst noch Seiner Majestät, dem sogenannten König Rupprecht von Bayern oder— falls dieser nicht da sein sollte,— nach seinem sonst in derartigen Fällen doch unvermeidlichen Todfeind Exzellenz Ludendorff. Beide Herren sind nicht vertreten, und um das zu oerstehen, müssen wir den Text im ganzen lesen. Die„Nachtausgabe" schreibt nämlich:.Keine Operettenfiguren, sondern Angehörige der polnischen Armee und der polnischen Schützenoereine, die sich in Graudenz zu einem großen Armeetag vereinigten." Wählt die Hugenbergpresse ähnliche Ueberschriften, wenn es sich darum handelt, die Zusammenkünfte verflossener deutscher Prinzen und Genemle zu charakterisieren? Sie denkt nicht daran. Denn sie bekämpft bekanntlich Kundgebungen nationalistischer Kraftmeierei und militärische Paraden mir dann, wenn sie jenseits der deutschen Grenzen stattfinden. Aber wir haben ein schönes altes Sprichwort: Wer im Glas- kästen sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! Finnland will abrüsten. Dem finnischen Reichstag schlägt die Linksregierung vor, die Militärausgaben um 16l) Millionen sinn- ländische Mark zu vermindern. Gestrichen stnd die für den Selbst- schütz vorgesehenen 42 Millionen. Teilweise Beseitigung der Getreidezöll« ist vorgesehen. Die Annahme dieser Vorschläge ist zweifelhaft. Ein Drama im Bagno. Auf einer italienischen Insel, die den Antifaschisten als Zwongsaufenthalt zugewiesen wurde, ist der Anarchist S t a g n e t t i im Streit mit anderen Deportierten e r st o ch e n worden. So berichtet wenigstens ein römisches Blatt. Ob er nicht das Opfer eines der Schergen geworden ist. wird man vielleicht noch erfahren. Die Anführer des letzten Aufruhr» in Olffabon stnd nach dop Strafkolonie St. Thomas im Golf von Guinea verschifft worden. Ein türkisch- persischer Konflikt hebt an. Don Persten ans soll — nach türkischer Behauptung— ein neuer Kurdenaufstand gefördert werden. Die Lustrüsiung. Auf Veranlassung de» italienischen Aerottubs soll jede Provinz mit je einem Flugzeug zur Luftflotte beisteuern. Das Geld soll durch öffentliche Zeichnungen anfgeiaucht werden. Sie tote Staöt. Von Erich Grisar. Einst war Brügge das Venedig des Nordens. Und es waren nicht nur die stillen Kanäle, auf denen du in kleinen Booten unter moosbewachsenen, von Anglern bewachten Steinbrücken dahingleitest, die der Stadt diesen Namen gaben. Sie war in jedem Sinne das Venedig des Nordens. Sie war Mittelpunkt des Handels der alten Welt und Stätte gepflegter Kunst. Hier stapelten neben den aus aller Welt herbeigeholten Kostbarkeiten die schweren Tuche Flan- derns und die Spitzen Brabants,«he sie auf den Schiffen der Hansa ihren Weg über das Meer nahmen. Und die schönen Frauen, zu deren Ehre festliches Leben die Straßen Brügges erfüllt«, waren reicher als manche Königin, deren Neid ste weckten. Heute ist nicht viel mehr von dem alten Glänze zu sehen. Andere Städte wurden Mittelpunkt des Haadels und Stätten des Reichtums. Brügge liegt still und beschaulich im Glanz seiner Tage und lebt d& Erinnerung. Fremde kommen jeden Tag und staunen in den Museen und Kirchen die Zkugen ihrer großen Vergangenheit an. Alte Frauen gehen gemächlich in ihrer seltsamen Tracht zur Kirche, während die Männer die Reste überkommener Künste pflegen. Sie basteln an kostbarem Schmiedewerk herum oder schaffen in Buntglasfabriken, deren es hier etliche gibt. Die Gärten, die die Stadt umgeben, geben den übrigen Männern und Frauen Nahrung. Einer hat gar fein Brot als Verkehrsschutzmann gefunden. Er steht am Grand Place und hebt lässtg die Hand, wenn eines der von Brüssel zu den Seebädern Flanderns rasenden Autos die Stadt durchfährt. Kurzes Kopfnicken. Ein Blick zu dem hohen Turm der schönen Tuchhalle. Tücher wehen. Schon vorbei. Ein» sonn steht wieder der Hüter der Ordnung an seinem Platz in der Sonne. Es ist„die tote Stadt", die er zu bewachen hat. Kommt jedoch der Abend, dann erwacht die Stadt au» ihrem Schlaf. Autos hupen heran. Eins hinter dem anderen. In wenigen Minuten sind die Straßen rund um den Grand Plaoe verstopft. Die jetzt noch kommen, müssen schon einen Umweg machen. Die Gast» wirte am Markt stellen Stühle und Tische heraus. Tausende gut gekle-deicr Menschen schwärmen schon über den Platz und richten ihre Blicke erwartend zu dem mehr als hundert Meter hohen Turm der Tuchhalle herauf. Die Postkartenläden bekommen Kundschaft. Und während die Sprachen aller Völker durcheinander tönen, kommt bleich der Mond herauf und überstrahlt das schüchterne Licht auf- geflammter Laternen. Und immer noch hupen Autos heran. Scbmere Autraars sind darunter, die gleich dreißig oder vierzig Gäste brm.'en, die die A-unten der Reisebureaus am Tage, als die Wagen noch über die„Vattlefislds" rasten, zusammensuchten, daß „sie sich anhören das wunderbar« Konzert des Glockenspiels in Brügge" � Der wgs so still« Marktplatz, dessen seltene Geschlossenheit dir wohltat, ist nun voll Menschen, die wie ein Ameisenschwarm schwatzend und flirtend durcheinander fluten. Fähnchen wehen. Eine Glocke tönt. Es wird füll auf dem großen Platz. In den Nebenstraßen hupen noch einige Autos. Dann erwacht das seltsam« Konzert. Der hohe Turm beginnt zu klingen. Helle und dunkle Glocken, 49 Glocken in jeder Klangfarbe erlieben ihre Stimm« zu Chorälen und Sinfonien. Flotte Tempis und getragene Weisen er- reichen dein den Tönen einer vergangenen Epoche hingegebenes Ohr. Zwei Stunden dauert das, die die Menschen schweigend oder in stillen Nebenstraßen sich ergehend, verbringen. Doch kaum verklang der letzte Ton des Programms, da löst sich die Stille. Beifall bricht auf wie in den Konzertsälen der großen Städte. Der unstcht- bar« Künstler in dem von dunklen Wolken umjagten Turm gibt eine Zugabe. Wieder der Sturm klatschender Hände, doch das Ge- rausch angekurbelter Wagen, erste Hupentöne rufen zur Abfahrt. Auto auf Auto erhebt seine Stimme und fährt an dem weiß- behelmten Schutzmann vorüber, der flüchtig grüßend den Weg frei gibt. Zehn Minuten noch dauert dieses künstliche Leben. Dann hat der letzte Wagen die Stadt oerlassen. Ungesehen kommt der Künstter von seinem Turm und wandert durch die stille Stadt nach Hause. Cr allein hat das Leben nicht gesehen, zu dem sein Spiel die tote Stadt erweckte._ Ein freier Tag öen Schauspielern! Unter obiger Ueberschrift brachte der„Vorwärts" in Nr. 342 eine bemerkenswerte Notiz aus Paris betreffend Wandertruppen. die das ständige Ensemble in den verschiedenen Pariser Theatern einmal in der Woche ablösen sollen. Im Zusammenhang mit solchen Plänen dürfte überhaupt einmal die Beschäftigung der Bühnen- Mitglieder besonders an den Sonntag-Nachmittagen behandelt wer- den. Die Sonntagnachmittag-Vorstellungen sind eine besondere Sache für sich! Wir wollen aber von der Qualität und Güte, die natürlich unter den verschiedensten Umständen verschieden sind, ganz absehen. Könnte es jedoch nicht genügen, wenn nur Sonntag abends gespielt wird? Bei schönem Wetter geht„man" doch au» der Stadt hinaus ins Freie, bei schlechtem ist immerhin die Kino- konkurrenz, natürlich rem finanziell betrachtet, nicht aus der Welt geschafft. Aber selbst von den Sonntagnachmittagen abgesehen: muß unter allen Umständen an den sogenannten hohen Feiertagen nach- mittags und abends gespielt werden? Haben die Bühnenmitglieder nicht das Bedürfnis, Im Kreise der Familie oder der Freunde und Bekannten diese Festtage mitzufeiern? Sollen sie nur dafür da sein, um dem Spießer die Zeit an solchen Nachmittagen von der Bühne herab zu verleiben? Im 17. und 18. Jahrhundert gab es, wenn man Theaterzettel von damals durchsieht, entweder nur Nachmittag- oder später nur Abendvorstellungen, nicht aber beide zusammen. Seitdem jedoch nur kapitalistisch interessierte Direktoren und Inten- danten das Spielen an Nachmittagen und Abenden eingeführt haben, ist der Darsteller um so mehr zur Maschin« herabgewürdigt worden. Wenn er zum Teil selbst auf dem Standpunkt des Nachmittag- und Abendspielens steht, so nur aus Angst, damit er, wenn er etwas in dem Punkte verlauten ließe, nicht an die Luft gesetzt wird. Darumspielter jahrelang getrost nachmittags und abends auf Wunsch seines Direktors und um die Spießer zu befriedigen! Sollte das in Zeiten, in denen wir uns mit Recht um menschenwürdige Behandlung be- mühen und in denen wir unser Recht auf solche Behandlung haben, nicht auch endlich einmal eine Aenderung erfahren? Sascha Schneider gestorben. Der bekannt« Dresdener Kunst- maler Professor Sascha Schneider ist gestern in Swinemünde gestorben. Die Persönlichkeit Schneiders war einstmals umstritten, damals, als der dekorativ« Symbolismus in der Kunst erstarkte, als man wieder Ideen dem Realismus gegenüber ausspielte. Aber es erging Schneider wie den meisten deutschen Jdeenmalern, sie hatten Ideen, aber nicht die Kraft, diesen Ideen die große, künstlerische Form zu geben. Man sehnt« sich nach monumentalem Ausdruck und glaubte, diesen gefunden zu haben, wenn man die Formen der Der- gangenheit übernahm. Oft hat Schneider Luzifer, Jesus und Judas behandelt, überhaupt religiös gefärbte Stoffe. Er kokettierte dabei, wie auch der Münchener Schuch, mit Dämonie und diesen Dingen, die er dann ins Salonfähige abbog.. Das Grausige war meistens nur Maske, manchmal, grotesk verzerrt, und in der Ueberspitzung lag eine gewisse Unsicherheit. Den meisten wird Sascha Schneider als Embandzeichner der Reiseerzählungen Karl Mays bekannt sein. Aufdeckung eines berühmten Werks der Dürerzeik. Schon bisher wußte man, daß das ehemalige Karmeliterkloster in Frankfurt a. M. 1517 im Auftrag« der Kaufmannsbruderschaft St. Anna, die dort tagte, durch den Stuttgarter Maler Jörg Ratgeb ausgemalt worden war. Don diesen zu ihrer Zeit hochberühmten Gemälden war nichts mehr zu ßnden als ganz zerstörte Reste im Kreuzgang. Jetzt ist Restaurationsar�tten auf eine sehr gut erhaltene, große L a nd schas t s k o m p osi t i o n Ratgebs gestoßen. Ihr Gegenstand ist die Besteiung des Kloster» Karmel von den Türken durch Ludwig den Helligen von Frankreich, der mit seiner Flotte den Bedrängten zu Hilfe kam. Neben der hohen künstlerischen Bedeutung des Werks, das vor �tlem eine für jene Zeit ganz außerordentliche Mcerland- fchast zeigt, tritt noch der kulturgeschichtliche Wert der Entdeckung, da die Kostüme und besonders die Schiss« ganz getreu der Zeit um 1517 entsprechend wiedergegeben sind. n- rj?£0n�l'ani— flonle Wussollni. Die Annexionsgelüste der Faschisten machen auch vor den Namen der Alpengipfcl nicht halt. Leider steht der höchste dieser Gipfel, der Montblanc, zum größten Teil nicht aus italienischem Gebiet: dies hat jedoch den Professor Turati nicht gehindert, gemeinsam mit einigen hundert Studenten wenigstens den italienischen Teil des Montblanc in einer feierlichen Zeremonie, die sich dieser Tage vollzog, Monte Mlissolini zu taufen. Derbok von Weltkrlegssilmen in Dänemark. Von der Filmzensur ist ein Verbat hinsichtlich der Vorführung aller Filme beschlossen worden, die Episoden aus dem Weltkriege darstellen. Als Grund wird angegeben, daß in der letzten Zeit eine große Meng« von Pro- pagandafilmen an die dänischen Kinotheater verkaust worden ist. Den eigentlichen Anlaß zu dem Verbot dürfte jedoch der„Emde n"- Film abgegeben haben. Mussolinis Kngss vor öem Proletariat. Gesetz gegen die Industrialisierung der Großstädte. Mailaad. IS. August.(TU.) Die ilalienische Regierung wird in den nächfleu Tagen ein Dekret veröfsenllichen, wonach in den Provinzhauplorlen, die mehr als 100 000 Einwohner haben, die Errichlnng neuer Zndustrieunlernehmungeu mit mehr als 100 Arbeitern verboten wird, um eine allzu starke Industrialisierung der Städte zu verhindern. vie neue Rettungsparole öes Faschismus. Der hier angekündigte Gesetzentwurf ist ein Teil der Matz- nahmen, mit denen Mussolini sich der Proletarisierung der Arbeitermassen cntgegenwerfen will. Er hat Angst vor der Zu- sammenballung großer Volksmassen in den Großstädten, eine Angst, die begreiflich ist; denn Industrialisierung und Diktatur vertragen sich wie Master und Feuer. Das Problem dieser Menschenansamm- lung steht als Problem des„Ii r b an i s mu s" bereits seit längerer Zeit im Mittelpunkt der Erörterungen der faschistischen Prest«. Die Art, wie man es lösen will, ist so kopflos, so angstgeboren und so unlogisch, daß man darauf besonders eingehen mutz. Niemand verkennt die Schäden des„Urbanismus" für die Ge- sundheit und Fruchtbarkeit eines Volkes. Es ist auch bekannt, dah Italien eine historisch bedingt« Form des Urbanismus hat in dem Zusammendrängen der Einwohner in ländlichen Zentren, die in gesundheitlicher Beziehung all« Nachteile der Großstadt haben; diese Erscheinung geht auf die Malaria zurück und auf die feindlichen Einfälle, die beide die Einwohner nötigten, von den Fel- dern entfemt.zu wohnen, die sie bestellten. Die Ursachen haben heute aufgehört, aber die Wirkungen dauern fort, so daß heut« kleine süd- italienisch« Städte, wie zum Beispiel Cerignola, mit einer vor- wiegend ländlichen Bevölkerung, eine erschreckende Bevöl- kerungsdichtigkeit haben. Diese Form des Urbanismus, deren Ursachen überlebt sind, wäre natürlich am leidjtesten zu beseitigen; sie ist wirtschaftlich ebenso unrationell wie vom hygienischen Standpunkt aus. Sie besteht nur fort als Ausdruck von Eigentumsverhältnissen. chier wäre durch Bau hygienischer Wohnungen aus dem Lande, in der Nähe der Felder, einzusetzen. Ebenso könnt« man die nicht mehr im Wirtschaftsleben stehenden Elemente der Bevölkerung aufs Land ziehen durch Schaffung angemessener Verhältnisse. Solange aber die meisten italienischen Dörfer weder Kanalisation noch Wasser- l e i t u n g haben und durch einen Wall von Dreck und U n g e- ziefer den Städler abschrecken, wird man einen spontanen Rück- zug aufs Land kaum eintreten sehen. Aber um diese Dinge kümmert sich die Regierung nicht, so wenig, wie um das Fehlen von Mittelschulen in den kleinen Städten, das die Eltern nötigt, um der Erziehung ihrer Kinder willen in die Großstadt zu ziehen. Sie spricht einfach ein Machtwort und verbietet die Anlage neuer Fabriken; es be- zieht sich nur auf die industriellen Zentren. Die Bevölkerung sieht in der Matznahm« eine Vorbeugung gegen weiter« Arbeits» l o s i g k e i t, aber damit hat das geplante Dekret natürlich gar nichts zu tun. Niemand wird einen neuen Betrieb einrichten, um ihn stillzulegen. Er wird ein industrielles Zentrum vorziehen, weil dort gelernte Arbeiter an Ort und Stelle sind, ebenso «ine Organisation für den Bezug der Rohmaterialien und für den Absatz. Das verbot schafsl einfach den bestehenden Fabriken eine Monopolstellung. Dah es einen Abfluh der städtischen Bevölkerung auf das Land zur Folge haben könnte, wird kein vernünftiger Mensch annehmen. Wo die Grotzindustrie auf billige, willige und wenig qualifizierte Arbeiterschaft rechnet, wie zum Beispiel im Textilgewerbe, hat sie den„Drang nach dem Landleben" gespürt, längst ehe er ihr von Mussolini suggeriert wurde. Die ländlichen Aspirationen des Faschismus hoben aber einen doppelten Zweck; sie wollen die trotz aller Eintragung in die Syn- dikate eben doch antifaschistische städtische Arbeiterschaft verringern und die Geburtenzahl heben. Die italienische Ge- burtenziffer ist nämlich auch im Sinken: in den letzten fünf Monaten sind 3S 000 Lebendgeburten weniger zu verzeichnen als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Und das trotz des Verbots der neomalthufianistischen Propaganda! Das Zurücktreiben der in der Stadt mißglückten Arbeiter aufs Land wird kaum das geeignete Mittel sein, die Verbreitung der Geburtenvorbeugung unter dem Landvolk zu verhindern. Im Gegenteil. Kopflose Wirtschaftspolitik im Dienste des Groß- kapitals, Angst vor den Kräften, die man mit der Förderung der nationalen Produktion weckte, kennzeichnen diese neuen Bemühungen Mussolinis. Der jammervolle Dilettantismus, mit dem hier die Wirt- fchaft„geführt" wird, mutz sich früher oder später an dem Unglück- lichen Volke rächen, das heute der Willkür der faschistischen Macht- Haber preisgegeben ist. vie Flucht Turatis. Flammende Worte der Angeklagten. Paris. 18. August.(Eigenbericht.) Heute hat in S a o o n n a der Prozeß gegen die Freund« Turatis begonnen. Er verspricht sich zu einem Prozeß gegen das faschistische Regime zu gestalten. Nach den Erklärungen, die uns am Mittwoch Genosse Turati zur Verfügung gestellt hatte, erhalten wir heut« folgende Aussagen, die die beiden Mitangeklagten R o s e l l i und P a r r i dem Untersuchungsrichter zu Protokoll ge- geben haben und deren Veröffentlichung die faschistische Zensur mit allen Mitteln verhindert. Professor R o s e l l i ist 29 Jahre alt. Er trat 1923 zur Sozia- listischen Partei über, als man dafür schon verfolgt wurde. Er ist Professor der Nationalökonomie an der Universität Genua, und gründete 1926 eine sozialistische Monatsschrift, die natürlich sofort verboten wurde. Am IS. Juli 192S wurde sein Haus in Florenz von den Faschisten g e st ü r m t und verwüstet.— Professor Parri war nie Sozialist. Den Krieg hat er als Hauptmann mitgemacht. Nach dem Kriege übernahm er die Chef- redaktion des„C o r r i e r e d e l l a Sera". R o f e l l i erklärte dem Untersuchungsrichter folgendes: Der Faschismus hol das Werk zerrissen, das in dreißigjähriger Arbeit die italienische Arbeiterschaft aufgebaut hatte. Er hat mit der Peitsche RUllionen Bürger versklavt und sie vor die furchtbare Alternative gestellt, entweder zu schweigen oder Hunger, oder Verbannung auf sich zu nehmen. Er allein ist schuld an dem freiwilligen Exil derer, die er jetzt des Landesverrats beschuldigt. Er allein nur hat die Grundlagen des Lebens und der Moral der italienischen Nation zerstört. Da blieb der Opposition nur noch ein Ausweg übrig, nämlich auszuwandern. Die Minderheit ist in diesem Kamme des Sieges sicher, den st« der Jugend überläßt. Aus diesem heißen Glauben heraus, Herr Richter, habe ich absichtlich die faschistische Justiz ver- letzt und bin glücklich, ihre Absurdität und Ohnmacht, die alle Aus- wüchse des Despotismus gutheißt, nachweisen zu können. Turati im Auslande bedeutet für mich den feierlichen Protest gegen das faschistische Regime; er soll ein A l a r m r u f an die ganze zivilisierte Welt sein und den Beweis erbringen für den Bruch zwischen den beiden Italien und beiden Lebensauffassungen. Im Exil dieses Siebzigjährigen wird Europa den Beweis für den Niedergang zwischen dem faschistischen Italien und dem früheren Italien sehen. Ich bin Sozialist und bin zu seiner Unterstützung gekommen, weil ich erkannt habe, datz die Befreiung der Arbeiterschaft nur auf der uner- schütterlichen Grundlage der Freiheit des Landes sich gründen soll. Professor Parri hat vor dem Untersuchungsrichter folgendes erklärt: Ich habe, da ich der Politik stets fern stand, aus keinerlei persönlichem Haß gegen das Regime oder um Rachegelüste zu stillen, die Tat vollbracht, die man mir vorwirft. Tausenden und aber Tausenden junger Leute in Italien, die die Zukunft Italiens bilden, wird der Faschismus eines Tages Rechenschaft ablegen müssen für die Tränen und das Blut, das er vergossen, für die Moral, die er mit Füßen tritt. Der Faschis- mus kann sie verfolgen und zerstreuen, aber er wird nicht fähig sein, ihre moralische Ueberzeugung zu töten. Wir verteidigen die altehrwürdige Tradition der Freiheit und Gerechtigkeit unserer Nation. Wer sie wie der Faschismus verleugnet, muß seine politische Herrschaft in Despotismus verwandeln. Dann werden. Haß und Lüge zu Regierungsmitteln. Jede Beleidigung der persönlichen Würde und des Anstandes ist erlaubt. Man kann Uns in Ketten schlagen, beleidigen, verurtellen, ober nicht unseren Glauben töten! Aus diesem Glauben heraus habe ich gehandelt, denn die Gesetze, die so Moral und Gerechtigkeit mit Füßen treten, führen zu Auf- lehnung. Die«dl« Persönlichkeit eines Turati wird der euro- päischen Zivilisation gegenüber die Verurteilung des despotischen Regimes in Italien und Verachtung der Bestimmungen der freiheit- lichen Errungenschaften der modernen Geschichte verkörpern. Es liegt uns jede Prahlerei fern, aber wenn der Faschismus uns auffordert. uns für unsere Taten zu verantworten, nehmen wir sie freudig auf uns. wir sind stolz, die Heucheleien des öfsenllichen Lebens und die Feigheil der reglerenden Klassen zu brandmarken. Herr Richter, wenn das faschistische Gesetz uns verurteilt, wird es uns nur ehren! Die so vor dem Untersuchungsrichter gesprochen, werden es vor dem Gerichtshof nicht unterlassen. Dieser wird kein Wort davon auf normalem Wege ins Ausland bringen. Aber so wenig sie die Stimmen dieser Helden ersticken können, da sie noch(eben, so wenig können sie den Geist töten, der daraus spricht— des künftigen Sieges gewiß._ Europas Nlinüerhektsvölker. Europäischer Kongreß am Sitz des Völkerbundes. Genf, 18. August.(Eigenbericht.) Der am Sonnabend in Genf beginnende 3. Europäische Nationalitätenkongreß tagt bis 22. August noch in- offiziell in Sitzungen des Vorbereitenden Ausschusses sowie Vor- beratungen mit Vertretern der neu auszunehmenden Gruppen. Der eigentliche Kongreß wird am Montag, dem 22. August, durch Er- öffnungsreden des Präsidenten, Erklärungen der neu aufgenommenen Gruppen usw. eröffnet und am gleichen Nachmittag durch Sitzungen der Kommissionen sortgesetzt. Der zweite Sitzungstag ist Ref:raten über„Gefährdung des europäischen Friedens durch nationale Unduldsamkeit", über„Die innen- und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Nationalitäten" und über„Das Sprachenproblem" gewidmet. Den letzten Konferenztag füllt die Bearbeitung folgender Probleme aus: 1. Staatssouoeränität und Minderheitenrccht; 2. Fragen der Ratio- nalitäten(Bestimmung der Zugehörigkeit zur Nationalität, statistische und sonstige Erhebungen) und 3. Fragen der Organisation und Pro- paganda. Kapitel Ostoberschlcsien. Die durch den schweizerischen Schulfachmann Maurer auf Grund des sogenannten Genfer Kompromisses vorgenommenen Schulprüfungen in Ost-Oberschlesien sind jetzt zu einem Teil abgeschlossen..Das Genfer Kompromiß brachte die ausnahmsweise Regelung für das laufende Schuljahr, daß die für die Minderheit». schulen bestimmten doppelsprachigen und nur polnisch sprechenden Kinder auf ihre Kenntnis der deutschen Sprache geprüft werden sollten. Von 6512 Kindern, die vom Besuch der Mindcrhcitsschule zurückgewiesen worden waren, hatten 1S08 bis zur Genfer Entscheidung im Schulstreik verharrt, da die Erziehungsberechtigten sich weigerten, sie der polnischen Schule zuzuführen. Der Rest von 5000 Kindern war dagegen vor den Genfer Verhandlungen vorläufig der polnischen Schule zugeführt worden, da die Erziehung»- berechtigten die Kinder nach Zurückweisung von der deutschen Schule bis zur endgültigen Entscheidung nicht ganz ohne Schulunterricht lassen wollten. Von den 1508 streikenden Kin» dern hat die Wojewodschaft dem Prüfer nur 425 Kinder vor- geführt, von denen 170 genügende, 255 ungenügende deutsche Sprachkennrnisse auswiesen. Von den streikenden 1508 Kindern sind also der deutschen Schule erhalten geblieben die 1085 Kinder, die dem Prüfer überhaupt nicht vorgeführt worden sind, und die 170, die die Prüfung bestanden, insgesamt also rund 1250, d. i. 8 3 P r o z. d e r G e s a m t z a h l. Die restlichen 255, also 17 Proz., sind der polnischen Schule überwiesen. Damit sind die Prüfungen der Kinder, die noch im Streit waren, abgeschlossen: die vorstehenden Ziffern sind endgültig. Die Prüfung der weiteren 5000 Kinder, die vorläufig in polnischen Schulen sind, kann erst im September, nach Rückkehr Maurers vom Urlaub, beginnen. Es ist naturgemäß noch nicht zu übersehen, wieviele von diesen Kin- dern zu Beginn des neuen Schuljahres in die Minderheitsschule ein- treten und auf Grund der Prüfungen Maurers dann in ihr ver- bleiben werden. Bis dahin ist keine van beiden Parteien berech- tigt, diese Kinder für die polnische oder für die deutsche Schule in Anspruch zu nehmen. - � peinliche fragen für Schober. Scipel erspart ihm die Antwort. Wien, 18. August.(Eigenbericht.) Im Untersuchungsausschuß des Gemeinderats über die Vorgänge des 15. Juli wurde ein Schreiben der Polizei- d i r e k t i o n verlesen, in dem sie mitteilt, nicht in der Lage zu sein, die Fragen, die der Untersuchungsausschuß an sie ge- richtet hat, zu beantworten. Sie habe sich an die B u n d e s r e g i e- rung pm Auskunft darüber gewandt, ob sie verpflichtet sei, die Fragen des Untersuchungsausschusses zu beantworten, und habe von ihr die A n w e i s u n g bekommen, dies zu unterlassen. Es handelt sich bei den Anfragen des Untersuchungsausschusses um Auf- sthluß darüber, ob es Polizeivorschristen über die Anwendung von Schießwafsen gebe, ob die Polizei am 15. Juli die für das Militär geltenden Vorschriften«ingehalten habe, was für Munition verwendet worden ist und ob es bei der Verfolgung der Demon- stranten vorgekommen sei, daß sich Wachabteilungen gegen- seitig beschossen haben und dadurch Polizeiorgane verletzt worden sind. Schließlich wurde noch um Mitteilung er- sucht, wieviel Sicherheit-wachbeamte zu Fuß bei Beginn der De- monstration bereitgestellt worden seien, die den Tumult hätten ver- hindern können. Die sozialdemokratischen Gemeinderäte im Unter- stxchungsausschuß haben auf die Weigerung der Polizeidirektion er- klärt, daß die Angelegenheit noch im Gemeinderat zur Sprache kom- mcn wird. Der Ausschuß beschloß hierauf, seine Sitzung abzubrechen, und auf Freilag zu vertagen, wo der Bericht des Referenten Genossen Dr. Danneberg zur Verlesung kommt. Wenn nicht schon früher— bei den Prozessen gegen die massenhaft verhafteten Arbeiter wird die Polizei antworten müssen! Zusammenstoß in Litauen. Eine typisch arbeiterfeindliche Darstellung. kowno, 18. August.(OE.) In der Kreisstadt Telschi ist es zu blutigen Unruhen gekommen. Arbeiter gingen gegen die Polizei mit Steinen und Messern vor(was hat sie vorher getan? Red. d. V.) zwei Polizisten wurden lebensgefährlich und viele andere leichter ver- wundet. Da die Pollzei der Situation nicht gewachsen war, mußt« die Garnison alarmiert werden. Die Arbeiter empfingen das anrückende Militär mit Stsinwürfsn. dieses gab darauf mehrere Salven ab, wodurch die Menge auseinandergetrieben wurde. 14 Rädelsführer sind o e r h a f t e t worden. Die bereits gemeldeten Ausfälle de» Regierungsblattes .Lietuoo" sollen in die angekündigte deutsche Protest- a k t i o n bei der Putschregierung in Kowno einbezogen werden. Räch dem Austritt der Liberalen aus der Danziger Regierung hat die Restkoalilion von Deutschnationalen, Zentrum und Beamten höchstens 57 Stimmen unter 120. Am 13. November ist Neuwahl des Volkstags. Nanking unter Granaten und ßliegerbomben Englische Förderung der Nordarmec. London, 18. August.(Eigenbericht.) R a n k i n g steht unter schwerem Geschühfeucr und außerdem wird die 5 ladt, die von den aus kuku geflüchteten Truppen der Rationalarmee überschwemmt wird, von der Rord- armee aus Flugzeugen mit Bomben belegt. Die Truppenbewegungen der Ralionalarmee sind durch die vom britischen Kommandeur am Mittwoch erfolgte Abschneidung der Eisenbahnlinie in Schanghai schwer behindert worden, so daß das vorgehen des brilischcn Oberkommandeurs indirekt eine Anter st ühung der Rordarmee gewesen ist. Der britisch-chinesische Zwischenfall wegen der Rückgabe eines auf chinesischem Boden notgelandelen britischen Flugzeuges ist wenigstens äußerlich beigelegt. Die Chinesen haben die ab- genommenen Tragflächen zurückgeschickt, worauf der britische General D u n c a n die Anordnung gegeben hat, die am Mittwoch abgeschnittene Eisenbahnlinie wiederherzustellen. Gegen Keuüells Schulgesetz. Protest der freigeistigcn Verbände. Gegen den vom Reichsinnenminister Keudell vorgelegten Entwurf eines Reichsschulgesetzes wendet sich jetzt auch die Reichsarbeitsgemeinschaft der freigeistigen Verbände und der ihr nahestehenden Organisationen. Eine Entschließung, die am 11. August angenommen wurde, betont, daß die R e i ch s o e r f a s s u n g mit ihren Schulartikeln einen Schritt auf dem Wege zur Einheit- lichkeit und Weltlichkeit des gesamten Schulerzichungs- wefens brachte. Der vorliegende Entwurf aber widerspricht der Reichsverfassung, da er die Macht der Kirche über die Volks- schule neu zu begründen sucht, die Bekenntnisschule zur R« g e l s ch u l e macht, die weltliche Gemeinschaftsschule beseitigt und die weltliche Schule zum Sammelbecken aller möglichen Religion?- und Weltanschauungen herabwürdigt. Weiter heißt.es in der Ent» schließung: „Als Ersatz der Gemeinschaftsschule des Art. 146 Abs. 1 bietet der" Entwurf die christliche Simultanschule, die aus die Kinder der freigeistigen Bevölkcrungsgruppen keinerlei Rücksicht c'n nimmt. Deshalb lehnen wir dies« oerkappten Be- kenntnisfchulen all. Nach dem Entwurf erhalten die Kirchen weitestgehenden Einfluß auf den Unterricht, indem ihren Vertretern Sitz und Stimme in den örtlichen Schulverwaltungskörperschaften zu- gebilligt wird. Ferner gibt man der Kirche das Recht, den Unterricht zu beaufsichtigen und zu beeinflussen: alle vorhandenen evangelischen. katholischen und jüdischen Volksschulen haben ohne Aiurag als Bekenntnisschulen zu gelten. Ihre Lehrpläne, Lehr- und Lern- bücher bedürfen kirchlicher Genehmigung. In ihnen müssen religiöse Uebungen und Gebräuche ge- pflegt werden. Dadurch wird die in der Reichsverfassung den Lehrern und Schülern zugesicherte Glaubens- und G e- Wissensfreiheit aufgehoben und di» geistliche Schul- aussieht wieder eingeführt. Unter Nichtachtung der einschlägigen Versassungsbestimmungen macht der Entwurf die A n st e l l u n g der Lehrer und Schul- aufsichtsbeomten von ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Religionsgemeinschaften abhängig. Diesem Schulgesetz gegenüber gibt es nur schärfste Ablehnung!" Demgegenüber fordert die Slrbeitsgeineinschast ein ver- fassungsmäßiges Schulgesetz. Sie begrüßt den Wider- stand der linksgerichteten Parteien gegen die lirchlich-deutschnotionalcn Pläne und kündigt einen Gegenentwurf gegen das Reichsschulgesetz an. Sie verlangt ferner die Hinzuziehung der Kultur- und Schulorganisationen zu den oorberotenden Be- sprechungen. Durch eine Stimmcnzählung unter den Anhängern der freiheitlichen Schule will sie den Beweis erbringen, daß weiteste Kreise der deutschen Bevölkerung die Verkirchlichung der Volksschule ablehnen. Unternehmersthre; nach Sozialpolitik. Die gelbe Gefahr. Mehr Sozialpolitik, mehr internationale Sozialpolitik! Diese Forderung wurde von der d e u t- schen Delegation auf dem Pariser Gewerkschafte- k o n g r c ß dem JGB. als eine feiner Hauptaufgaben für die nächsten Jahre ans Herz gelegt. Wie sehr die deutsche Delegation mit dieser Forderung ins Schwarze getroffen hat, zeigen die von Tag zu Tag sich häufenden Stimmen, die im Hinblick auf den wirt- schosllichen Neuausstieg der großen asiatischen Kulturzentren durch- greifende sozialpolitische Reformen für die Arbeiter- schoft in den kolonialen und halbkolonialen Gebieten, vor allem i m fernen O st e n, forden,. Auch dem Unternehmertum, dem vor der drohenden, auf der Ausbeutung der Arbeitermasse beruhenden Schinutzkonkur- renz des Kapitals in China und Indien schwül zumute wird, ist all- mählich ein Licht aufgegangen. So veröffentlicht in der „Nationalliberalen Correspondenz" der bekannte Reichstagsabgeordnete Dr. Cremer einen bemerkenswerten Artikel Internationale Sozialpolitik", worin er u. a. schreibt: „Die Märkte des asiatischen Ostens können ihre mögliche und notwendige Bedeutung für die Ausnahme der industriellen Pro- duktion der übrigen Länder der Erde nur erhalten, wenn es ge- lingt, die dortigen Industrien zur Beachtung derselben sozialpoli- tischen Grundsätze zu zwingen, die in den übrigen Ländern beob- achtet werden. Bis zum Augenblick kann hiervon nicht im ent- ferntesten die Rede sein." Cremer schildert, wie in China nicht nur in den Fabriken, die Europäern gehören, sondern auch in den rein chinesischen Fabizjken in geradezu skandalöser Weise die menschliche Arbeitskraft aus-- gebeutet wird, wie soziale Schutzgesetze, staatliche Kontrollen und dergleichen bis zum Augenblick nicht existieren und wie schon die schlechtesten Arbeitsbedingungen, die von der Arbeiterschaft der übrigen Welt aufs schärffte bekämpft werden, der Arbeiterschaft in China noch als ein Segen des Himmels erscheinen.„Kein Wunder", so fährt Cremer fort,„daß unter solchen Berhältnissen die chinesische Industrie ihre Waren zu Preisen anbieten kann, die jede Konkurrenz der übrigen Länder in Massenkonsumartikeln unmöglich machen. Es besteht daher ein Interesse für alle übrigen sozialpolitisch fort- geschrittenen Länder daran, auf eine Besserung der sozialen Verhält- niste im fernen Osten hinzuwirken." Vollbringt, so schließt Cremer, das werdende neue China auf dem Gebiet der sozialen Gesetzgebung und Fürsorge nicht die gleichen Leistungen wie die übrigen Länder, dann wird der Jndustrialisierungsprozeß im fernen Osten zu einer größeren Gefahr für die Kultur und Wirtschaft der übrigen Welt, als es jemals die Mougoleneinfälle eines Tschingis-Chan waren. Der U n t e r n e h m c r a n g st s ch r e i vor der drohenden Kon- kurrenz des fernen Ostens ist eine geradezu klassische Rechtfertigung für den sozialpolitischen Kampf der Arbeiter. Ohne internationale Sozialpolitik wird der deutsche, der europäische Arbeiter zum Kuli yerabgedrückt. Je tiefer die Basis der Pyrannd«, desto tiefer auch ihre Spitze. Der Kampf um die Hebung dieser Basis ist ein Kampf um die Hebung der ganzen Pyramide, ist zugleich Selbst- erhaltungskampf der europäischen Arbeiterschaft. Das Kapital sucht seine Anlage auf dem Wege des geringsten sozialpolitischen Widerstandes. Es setzt mit Vorliebe dort den In- dustriolisierungshebel an, wo infoige leichterer Ausbeutung der menschlichen Arbeitskrast der größere Profit winkt. Die Wände- ryng des Weltkapitals nach dem fernen Osten voll- zieht sich deshalb in einem geradezu stürmischen Tempo. Seit 1lll3 haben sich z. B. die amerikanischen Kapitalsanlagen in Ostasien v e r- s e ch s f a ch t. Während für 1313 in China und Japan die amerika- Nischen Kapitalsanlagen auf 100 Millionen Dollar und in den Phi- lippinen auf 73 Millionen Dollar geschätzt werden, werden dieselben Anlagen in Asien für 1323 vom U. S. Departement of Commerce mit 000 Millionen Dollar angegeben. Daß diese Zahlen hinter der Wirklichkeit noch weit zurückbleiben, liegt auf der Hand, da ja Kapital- Wanderungen vielfach unterirdisch vor sich gehen und statistisch nur schwer zu erfassen sind. Hält die sozialpolitische Bewegung in den neuindustrialisierten Gebieten des fernen Ostens mit der In- dustrialisierungsbewegung nicht bald wenigstens einigermaßen gleichen Schritt, dann wird der sozialpolitische Standard der euro- päischen Arbeiterschaft aufs ernsteste bedroht. Dieser Standard darf nicht sinken: er soll steigen, er muß steigen: denn die Arbeiterschaft ist in den europäischen Industrieländern wahrhaftig nicht auf Rosen gebettet. Der Kanipfruf„Mehr Sozialpolitik, mehr internationale So- zialpolitik!" muß zum Feldgeschrei der Weltarbeiter- schaft werden: nickst weltrevolutionäre Moskauer Barrikaden- romantik, sondern mehr sozialpolitischer Fortschritt befreit die Welt von dem sozialen Aussatz unmenschlicher Ausbeutung der Arbeiter- schoft. ZcLer Arftegf€r, Angcsieläfc mü Beamte beleiligk sich am Sonnlag, dem 28. August, an der ftoppMiiliii M taiUii und anschließend an dem Gewerkschaflsfest in Treptow. Lohnforüerungen üer Schuhmacher. Gegen Lohndruck und Uebcrstundcn. Eine am 17. August 1327 gut besuchte Funktionärversammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher nahm nach einem Referat über die neuen Arbeitsgerichte Stellung zum Ablauf des Lohnabkommens des Reichstarisvertrages für die Schuh- industrie. Es wurde einstimmig beschlossen, den Zenttalvorstand zu ersuchen, den Zusatzvertrag zum Rcichstarifoertrag zum 30. Sep- tembsr zu kündigen und folgende Forderungen an die Unter- nehmerverbände zu richten: Eine Lohnzuloge in Höhe von 12 Pf. pro Stunde für alle Arbeiter und Arbeiterinnen über 21 Jahre, 10 Pf. für alle im Alter von 18— 21 Iahren. 8 Pf. für olle im Alter von 16 bis 18 Iahren und 6 Pf. für alle Arbeiter und Arbeiterinnen unter 16 Jahren. Die bisherigen Lohn- und Akkordsätze sollen unverändert bestehen bleiben und diese neue Lohnzulage als f e st e Stunden- Zulage an alle Zeitlohn- und Akkordlohnarbeiter gezahlt werden. Diese vom Z 7 des Tarifvertrages abweichende Forderung wurde damit begründet, daß in zunehmendem Maße in allen Schuhfabriken weibliche und jugendliche Arbeitskräfte Verwendung finden, was auf deren äußerst niedrigen Lohnsätze zurückzuführen ist. Es sind zur- zeit die Hälfte aller Beschäftigten weibliche Arbeitskräfte und ein gutes Drittel aller Arbeiter und Arbeiterinnen sind Jugendliche. Diese Entwicklung ist noch lange nicht zum Abschluß gelangt und würde durch Jortbestchen der jetzigen niedrigen Löhne für die weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte in übermäßiger Weife gefördert. Die Höhe der Forderung rechtfertigt sich aus 3 Tatsachen: 1. in- folge der eingetretenen und'in den nächsten Wochen zu erwartenden Verteuerung der Lebenshaltung: 2. durch stärkere Ausnützung der Arbeitskraft, insbesondere der weiblichen und jugendlichen Arbeiter: 3. als teilweiser Ausgleich für die in der letzten Krisenzeit erfolgten Lohnreduzierungen. Die Versammlung sprach sich ferner gegen das lieber- stunden-Unwesen aus. Verschiedene Redner berichteten aus ihren Betrieben, daß der Unternehmer erst durch eine falsche Ver- teilung der Arbeitskräfte und teilweise sogar durch Arheiterent- lassungen Arbeitshäusungen in einzelnen Abteilungen oder des ganzen Betriebes hervorruft, dann zur Bewältigung der Aufträge Ueberstunden verlangt, die leider zeitweise geleistet werden. In letzter Zeit sind vielfach diese Ueberstunden jedoch verweigert worden, was die Fabrikanten fälschlicherweise als T a r i f v e r- l e tz u n bezeichneten, denn die durch Verschulden der Fabrikanten notwendig werdenden Ueberstunden gellen nicht als Bedarf im Sinne des Tarifoertrages und können somit verweigert werden. Die Versammlung verlangt� daß sowohl von ollen Arbettern wie auch den Funktionären, der Ortsoerwaltung und dem Zentralvor- stände olle Mittel zur Bekämpfung der Ueberstunden angewandt werden Im weiteren Verlaufe der Tagung fand eine eingehende Aus- spräche über die letzten Proteststreits in der Schuhindustrie gegen die beabsichtigte Ermordung der Revolutionäre ts a c c o und V a n z e t t i statt. Die Versammlung erhob erneut flammenden Protest gegen die beabsichtigte Hinrichtung am 22. August und be- trachtet diese als einen Justizmord der amerikanischen Justiz als Helferin des amerikanischen Kopitals zur Unterdrückung der er- wachenden Arbeiterklasse. Es wurde beschlossen, den Protest an die amerikanische Votschaft weiterzuleiten. Streik am Gberrhein. Ter Schiffahrtsverkehr stiklgelegt. Mannheim. 18. August. fMTv.) In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung haben die Vertreter des Deck, und Maschinenpersonals der Rheinschifsahrl beschlossen. die Arbeit sofort einzustclleu. da die Verhandlungen am 15. August in Duisburg nicht das geringste Entgegenkommen der Arbeilgeber gebracht hätten. Der Deutsche verkchrsbund teilt hierzu mit, daß seit heule vormittag die Arbeit in den Mannheimer Häsen, serner in Karlsruhe, Kehl und Worms ruht und daß mit weilerer Ausdehnung des Streiks mit großer Wahrscheinlichkeit zu rechnen sei._ ßrieöenssthluß am Nittel- unö Unterrhein. Lohnerhöhung und Arbeitszcitvcrbcffcrung. Duisburg. 18. August.(Eigenbericht.) Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer hat für das Maschinen- und K-sselpersonal der Rhcinschiss- fahrt einen Tarifvertrag abgeschlossen, der am Mittwoch, dem 17. August, einer Funktionärkonserenz der Maschinisten und Heizer in Duisburg zur B.'schlußfassung vorlag. Die Konserenz hat nach längeren Beratungen dem Verhandlungsergebnis ihre Zustimmung gegeben. Nach diesem Ergebnis erhielt das Maschinen- und Kessel-- personal eine Lohnerhöhung von 7 bis 10 Proz. Ferner konnten wesentliche Verbesserungen in der S o n n t a g s r u h e erzielr werden. Die Ueberstundenklausel wurde vollständig be- seitigt. Durch diesen Beschluß der Funktionäre des Zentralver- bandes der Maschinisten und Heizer ist in der Rh-inschifsahrt wieder Ruhe eingetreten. Damit ist ein allgemeiner Rhcinschiffahrtsstreik oerhindert worden. Verschärfung des Lohnkonfliktes im polnischen Bergbau. Warschau. 17. August.(O.E.) In einer Konferenz der Delegierten der Bergarbeiterverbände des Dombrowaer Kohlenreviers und der Delegierten der übrigen Bergarbeiteroerbände wurde nach einer Meldung des„Robotnik" beschlossen, die Regierung um Vermittlung in der Lohnaktion zu ersuchen, nachdem die Industriellen die Forderungen der Arbeiter zurückgewiesen haben. Für den Fall, daß die Regierung eine Ver- mittlung ablehnen sollte, wurde beschlossen, in einer neuen Konferenz die Streikparole auszugeben. A«ie»ew«rllchaft»j»gci>l>«roß.ZScill». Leute, Freitaa, 19V> Ahr, tagen die Gruppen: Hermaunplatz: Gruppenheim Jugendheim sanderstr. II, Ecks Hobrechtstraße.„Wir heulen mit den Wölfen.— Schöneseide: Gruppen- heim Jugendheim Laufcncr Str. 2(Roter Saal). Tanz» und Liederaöcnd.— Moabit: Spielabcnd. Treffen Ig Uhr Bhf. BeuffelftraKc.— Rordring: Gruppcnhcim Jugendheim Ebeiowaldei Str. 10, Zimmer 12.„Wir machen heute Wochenende."— Zeppelinplag: Gruppcnheim Etiidt. Jugendheim Turiner, Ecke Sceftraßc. Dtskuffio novo rtrag:„Gleiche Arbeit— gleicher Lohn." Die Zugendzcntrale ist heute bis IS Uhr geöffnet. Zentraloerband ber Gchoenfteinlegergelellen Dentlchlanb», Ortsgruppe Berlin. Potsdam. Monatsoersammlung am Eonnabend, 20. August, 18 Uhr, in Haver- lands Fcstfälcn, Neue Friedrichstr. 35. Erscheinen aller Kollegen ist Pflichl. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstctn: Wirtschaft: A. Saternus: Eewerllckiaftsbeweauna: iZriedr. Eetorn: lkeuilletou: K. v. Bischer: Lotale» und Sonstige,: FriZ Karstadt: Anzeigen: Zh.«locke; sämtlich in Berlin. Lerlaa: Borwärts-Berlag S. m. d H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer u Eo. Berlin SW 68. Lindenstrahe Z. Lierzn 2 Beilaae» und..llnterbaltuna und Wiste»". � 3 � lldergidt man nur dem Nachsei, de, »IBIB Deutschen Muflkeroerbande,, Berlin,«om- llllr Mandanten, tr. 63,6t Dönhoff 3277-78. vr!chäft,,-it 8-5, Sonntag« 10-2 Uhr. Auf Wunsch:«ertreterbesuch. WERTHEIM Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise soweit Vorrat, Fleisch, Fische, Obst u. Gemüse werden nicht zugesandt Grobe Mettwurst...p�nd 95*. Landleberwurst Ptund l.io Leberwurst'eine, pkur.-t 1,60 Schinkenspeck. Pfund 1.65 Zervelat u. Salami Ävvp-el» Zitronen- Garungsgetrank Verkauf: Drogen-Ableilung Ausschank: In den ErfrUch ungBrfiumen Einkochgläser„Globus '/«'/,'/4 1 Ltr. V, iU fti l'/r 2 Ltr. eng 30 32 34 36 pt weit 36 38 10 Gummiringe 30». 50 m. 42 48 pt Dampfwurst... piund l.io Speck feit, Pld. 1.15 mager 1.25 Schinkenwurst..Pfund 1.45 Filet-u. Jagdwurst Pfd 1.45 Mettwurst�r�PfciS 1-45 Bierwurst..... Pfund 1.60 ohne Kopf, ganze Ftsrhc, Pfd. 14 Pf. Grüne Heringe Pfund 15 Pt Kabeljau'�"022, 28 pi. holsteinische. Pfund 1.70 Nußschinken Ci2 p'� 1.75 HniCstniU PescnlbJln stiitB, Korlliplsir Teewurst..... Pfund 1.60 Holländer u. Edamer 68 Pf. Steinbuschervoui.68, 65 Pt Tilsiter voiiieit, pid. 78 u 95 Pf. Schweizer � 1.35 1.55 Speisetalg i-pid.-Paket sopr. Margarine...Pfund sspi Tafelbutter... Pfund 1.92 Dänische Butter P» 2.02 Haferflocken. Weiße Bohnen Pfund 16 Pf. Linsen...... Pfund 24 Pt Viktoria-Erbsen Pfund 27 Pf. Hühner-Bouillon-Würfel"fÄS"50" s® 95Pf i? 2.25 Qiinna„n>,l..>_ nach böhmischer Arl: Scholen mit Kalbfleisch,„__ ouppenpuiver plecr. nvhncr. teher, Rindfleisch, 1 Pld.. zzTeU-r 1.95 ...... Pfund 28 Pf. Burma-Reis.. Piund 22 Pf. Patna-Reis.. Piund 28 pi. Java-Reis...Pfund 38 Pf. Konserven ltt Dose Erbsen lein, mit Karotten 1.25 Erbsen fem........ 1.30 Spinat••••••••• 44 Pt Stachelbeeren.... 90 Pt Tomatenmark slnoos. 45 Pf Speiseöl k-i 60". 90Pf 1.50 Oelsardinen Dose 50, 78 Pf. Ravensberger Würstchen Inhalt 4 StUdt, Dose 48 Pf Bienenhonig LPfd.,_ reiner, I Pfd-Gl. Glas �»4.0 KoRlitfircn, 2»Pfunc£»E:nter Pflaumen 1.08 Johannisb., Drang. 1.15 Aprikosen 1.35 Himbeer, Kirschen 1.40 Erdbeeren 1.45 Ananas 1.65 Ananas""Ä« 82 Pf. 1.50 Goldbarsohn« Kopl, Pld. 16Pt Filet vom Kabeljau, Pfund 28 Pt Rotzungen piund igpi. 23 Pt Schellfische.. Pfund 32 Pt Lebende Aale Piund von 95 Pt an Gamembert vontett.... sdiodiM 15*• AIIgäuerLf�;;eru-pfc| 33 Pt Schweizer danisch..pfd. 93 Pt Frisches Fleisch Schweinebauch u. Blatt..Mond 86 pt Schweinekamm u. Rücken p*«.d 92«. Kalbskamm u. Brust..... Mond 38 p KaBbsnierenbraten....... Mund SO? Schmorfleisch mit Knodiea..... Pfand 10 Querrippe................ Pfund 75 rt Hammelfleisch diu-- Rippe n. Bru.t, Pfand 96 Pt Hammelrücken........... Ph»d 1 m Liesen Pfand 75 p<. Gehacktes Pfand 75 p». Prima Ochsenfleisch gefroren Suppenfleisch............. Pfand 50«. Kamm u. Brust........... Pfand 53 rt Schmorfleisch-->» ica«»«,..... pf-md 65 r<- Rehragout____ Hirschblätter. Pfund 76 Pf Rehbiätter P'und 1,10 1.20 Suppenhühner ...... Pfund 28 Pf. Gänse... Pfund von 93 Pf an Junge Hühner Pfd. 1.10 1,35 Ptund 1.10 1.25 Fettbücklinge Schellfische sifiucii., 35 pi. Makrelen gerauch.Pfd 38 Pf- Räucheraale vuad 43 Pt ...... Pfund 8 Q Pf. Seelachs auch, pfuna 40 rt Sprotien.....Piuod 42 Pf. Tomaten----- Pf i 3 U m en Werdersche, Pfd. 18 Pf. Eßbirnen Pfund 15 Pt 20 Pt Eßbirnen �p* �'Ain? 32 ff ....... Pfund 12 Pf. Strudeläpfel..Pfund 24 Pf. Pfirsiche P'und 30 Pt 33 Pf. Ital. Weintrauben Pid 40Pf. Kartoffeln... 5 ptmd 20*.» 26*. Weißkohl Pfd 4 Rotkohl 7 Pt Salat-Gurken hoii.,st. gptan Mohrrüben srcwasch.pw. spi. Schmorgurken Pfd. 5 u 3 Pf. Gebrannt Kaffee 220 Haushalt-Misch. Pfund 2.6O Globus-Misch.. Piund 3.80 Sonder-Misch..Piund 3 m Residenz-Misch. Pfd 4.20 Olympia-Misch. Pfund 3.40 Elite-Mischung Pfund 4.60 Messina-Drops____ 18*. Eisbonbon v« Pfund 13Pf. Gelee-Himbeeren■< Pfund 25 Pt Schmelzreliefs Vollmilchborke„ _ Pfund■dDP'-__ Hlund 55 Wein Preise für-/» Hasche ohne Qlat, Rackles Urgueü'einer Frankfurler Apfelwein....... 65 Pf Schnitlgebäck P'->,. Piund 30 Pt Cydar sUSvergorcner Apfelwein 1924 Ockfener Bocksteiner würziger saarwein... 1921 Neumagener Enoeloruba w«ch»tLa-nmermeyer —....=»» mild u voll 1923 Serriger Hindenburolav wachsr, PreuB. siaa;»- .... y' domanc. sprch Saarw. ly�l mersteiner Domtal blumig,»ehr lern« Ari.,. Gold-Malaga lelnsllß, vorillgliche................ Besonders zu empfehlen 1920 Dürkheimer Schenkenböhl 1.40 1920 Haardter Kirchsnstück WaAt�,l�lo3iUt' 1 55 1920 DQrkheimer Ortwingert d*�äÄn 1.33 1920 Forster Schnepfanfiug Wac$lruZXZTin- 2 m 3 Svriett(Süeln u. Spifttuoman vom$aß 85 Pt 1.45 1.65 1.80 2.50 1.40 naturreine Plälzer Creszentcn/ Nr. 390 ♦ 44. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Lreitag, 19. Mgust 1927 Serliner Vungsihiffahrt. Das ist kein Druckfehler— so etwas gibt; wirklich'. Denn e- gibt ja immerhin in Berlin noch eine ganz« Anzahl Pferd«, und was die so aus Straßen und Plätzen hinterlassen, kann schließlich nicht reMos von den Großstadtspatzen verkonsumiert werden. Also muß die Stadt für die Beseitigung dieser Andenken Sorg« tragen. damit Berlin seinem früheren Rufe als sauberste Stadt der Welt wenigstens nicht allzuviel Schande macht. So weit, so out, und die Straßenreimgung funktioniert ja richtig. Aber über den»eiteren Transport und den Abtransport des Mistes aus der Großi.adt— darüber wissen nur die etwas, die darunter zu leiden haben. Man muß es gesehen haben, um es zu glauben: Die Stadt Berlin unterhält an den Kanälen und Wallerläufen Berlins eine ganze Anzahl von Dungsammelplätzen— mitten in Berlin, in rundum bebauter Gegend! Bor mehr als M Iahren wurden diese Plätze angelegt, u»d damals mögen sie ja auch in freier, unbebauter Gegend gelegen haben, ober nun sind rundum vierstöckige Miettasernen hochgeschossen, und dies« Mistplätze werden in alter Form und„Schönheit' beibehalten und stinken zum Himmel! Vergeben- haben bisher die Anwohner dagegen protestiert, angeblich ist der Gestank nicht gesundheitsschädlich, und so sind sie eben»er- dämmt, an heißen und feuchten Tagen die Fenster ihrer Wohnungen möglichst luftdicht zu schließen.— Warum werden die Mistplätze nun nicht weiter hinausverlegt? Weil dann der Abtransport zu teuer wird? Aber dem könnte die Stadt vielleicht dadurch begegnen, daß sie endlich das„Mistsuhrwesen' in eigene Regie nähme! Vor- läufig besorgen das nämlich durchaus Privatunternehmer. Die Ab- fahrt des Straßendungs von der Straß« bis zum Kanal haben einige große Fuhrunternehmen, und die Schifser, die dann den Dung in ihre Zillen laden, find auch klein« Unternehmer. Freilich können die bei ihrem Geschäft nicht reich werden, und es sind auch nur die schlechtesten und ältesten„Zillen*, die man in diesen Dienst stellt: einem Schiffer mit gutem Schiff ist sein Fahrzeug dafür zu schade. 100 Mark bekommt der Schifser von Berlin für den Abtranzport einer Zillenladung voll Straßendung, und 300 M. zahlt man ihm im Mecklenburgischen oder auf anderen großen Gütern für die Zillenladung Straßendung. Die einfach« Tour dauert 12 bis 14 Tag«, und wenn auch in Berlin der Dung auf Rutschen eingeladen wird, so erfolgt doch das Aus- laden auf uroäterliche Weise: der Dung wird ausgekarrt, und das ist die Sache des Schiffers.— Natürlich bekommt er für diese Dreck. arbeit, die noch dazu schlecht bezahlt wird, nur Leute, die keine andere Schisssarbeit kriegen können und die meist noch nirgend anders gefahren haben, denn auch die Wohnverhältnisse an Bord sind entsprechend schlecht. Besonders ekelhaft wird es, wenn viel „Schlamm", das heißt Schlanrm aus den Gullys geladen werden mußte: dann treibt die stinkende Brühe durch die Fugen der Logiswand. Die.Mistfahrzeuge* sind ja all« alt und spack, und mancher Schifser hofft wohl heimlich, daß sein Kahn mal bei guter Gelegenheit absacken möchte— wenn er einigermaßen gut versichert ist, denn von dem nassen Dreck faulen ihm mit der Zeit die Wände der Holzzille, und schließlich muß er sie sonst abwracken lassen... Das obige Bild zeigt den Mistladeplatz am Görlitzer Ufer: leider läßt sich der Duft, den er ausströmt, nicht mit zeichnen... Die Anwohner haben hier noch besonders darunter zu leiden, daß sich in nächster Nähe auch noch eine Gerberei befindet, so daß sie nicht einmal durch den Windwechsel eine Weile von jeg- lichem„Wohlgeruch* verschont werden. Bisher waren aber alle Proteste der Anwohner gegen die BeibehaUung des Mistablade- platze- wie des weiteren Betriebes der Gerberei erfolglos— denn es ist ja schließlich nur eine proletarische Gegend, und da können sich die Leute wohl an den Geruch gewöhnen! Tanz nnö Entführung aus den» Elternhans. Die Entführung eines Chorgirls aus dem Elternhause, die in manchen Einzelheiten an den Fall der Frau K o l o m a k in Bremen erinnert«, bildete den Gegenstand einer Anklage vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Schöneberg. Angeklagt war hier der jetzt 23jährig« angebliche Schriftsteller Karl R., der Stiefsohn eines ehe- maligen sehr bekannten Kabarettdireltors. R. hatte als Lljährizer die damals 16 Jahre alt« Tänzerin Hildegard M., die lochier eines mittleren Beamten, die nach ihrer Angabe vor Gericht tanzen„studiert* hat und in einem Tanzlotai der Lebewelt in der Friedrichstadt damals beschäftigt war, kennen und lieben gelernt. Offenbar schien den Eltern des Mädchens, das jetzt als Chorgirl in einer vielgespielten Revue auf- tritt, eine Verbindung mit dem Sohn eines großen Kabarettdirektors sehr vorteilhaft sür die Zukunft der Tochter. Sie willigten deshalb in die offizielle Verlobung ein, die das erst 2 1- bzw. 1 7 jährige Paar in Arunshaupten geschlossen hatte. Nach diesem Seebad, war es mit Einwilligung der Eltern gemeinsmn gereist, allerdings, wie der Vater sagt«, erst noch dem Ehrenwort des Jünglings, sich höchst sittsam zu benehmen. Bald merkten jedoch die Eltern, daß der berühmt« Stiefvater sich um den Stiefsohn gar nicht kümmerte, und dessen angebliche monatliche Einkünfte von 600— 700 M. völlig in der Luft schwebten. Deshalb suchten sie das Verhältnis wieder zu lösen, zumal der künftig« Schwiegersohn die merkwürdige Art hatte, mit allen Mitteln seine Braut an der An- nähme eines Engagements zu hindern, und sie schon einmal 14 Tage lang von Hause fort und bei ihm geblieben war. An- geblich hat der immer sehr früh aufstehende Vater davon nichts gemerkt. Als dem jungen Mann dies Bestreben der Eltern un- ängenehm wurde, griff er, um das Mädchen, vor dem er nach dessen Angabe in leidenschaftlicher Liebe„auf den Knien* lag, bei sich zu behalten, zu einem Trick. Dieser Trick war nicht nur unschön, sondern auch derart, daß er eine List darstellte, mft der ein zu bestrafender Entführer nach dem Gesetz ein Kind der elterlichen Gewalt entzogen haben muß. Der Angeklagte fcjtjte nämlich bei einer Zusammenkunft seiner Btaut, die Eltern hatten von ihrem allerdings wenig schonen Liebesabenteuer mit einem ehemals viel- genannten, jetzt aber in der Zigarettenbranche tätigen Hunger- künftler erfahren und furchtbar darüber geschimpft. Auch ihm hätte ihre Mutter gesagt, ihr« Tochter könne jetzt vor ihrer Tür verrecken. Das Mädchen traute sich jetzt deshalb nicht mehr nach Hause und blieb bei dem Angeklagten wohnen, obwohl das Paar Nacht für Nacht von einem zweifelhasten Quartier in das andere zog und es einmal wegen Geldmangels auf einem Bahnhof nächtigen muhte. Trotz Vermißtenanzeige suchten die Eltern lange Zeit ihre Tochter, bis endlich der Angeklagte durch einen Zufall verhaftet wurde und die Tochter dadurch wieder in das Elterichaus kam. Mer Wochen Gefängnis beantragte der Staatsanwalt/ während Rechtsanwalt Dr. Harry P i n c u s bestritt, daß eine List vorlag, weil das Mädchen später mit ihrem Fernbleiben einverstanden ge- wefen wäre. Das Gericht hielt jedoch eine Lift für vorliegend, da «in späteres Einverständnis nicht maßgebend wäre, weil der frag- liche Paragraph nur das Auffichtsrecht der Eltern schützen wollte. Der Angeklagte, der sich bei den Eltern seiner früheren Braut im Hinblick aus die Brunshauptener Reife durch ein« Anzeige wegen Kuppelei revanchiert hatte, wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als ver- büßt angesehen wurden. Maßgebend dafür war sein durch die frivole Anzeige gekennzeichneter schlechter Charakter, andererseits der Umstand, daß das Chorgirl auch kein„unbeschriebenes Blatt* gewesen war._ Fleischvergiftung in Staaken. 19 Personen erkrankt. In Staaken bei Spandau sind neunzehn Personen unter eigenartigen Bergiftungserscheinungen, die vermutlich auf den Genuß von frischem Schabefleisch zurückzuführen sind, erkrankt. Bei mehreren Einwohnern der Ortschaft Staaken, die nach den angestellten Ermittlungen Hackfleisch aus einer dortigen Echläch- terei bezogen hatten, stellten sich Bergiftungserschei- nungen, die sich in Brechreiz und Durchfall äußerten, ein. Die Zahl wuchs im Laufe des gestrigen Tages aus neunzehn Erkrankte an. Der Kreisarzt und Polizeitierarzt wurden sofort von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt, die die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Die betreffende Schlächterei wurde polizeilich geschlossen und einig« Fleischvorrät« zur Untersuchung beschlag- nahmt. Ueber das Ergebnis ist bis zur Stunde noch nichts bekannt- geworden. Von den erkrankten Personen liegen einige schwer dar- nieder, doch soll kein« Lebensgefahr bestehen. Ilug-�isenbahnverkehr. Die.Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Luft- Hansa haben sür den Güterverkehr über die Zusammen- arbeit von Flugdienst und Eisenbahn Abmachungen getroffen, die es ermöglichen, daß Frachtfendungen mrf Luftfrachtbriefe für den gc- samten Verkehr aufgegeben werden, ohne daß es für den Uebergang der Güter von einem zum anderen Beförderungsmittel erforderlich wäre, einen neuen Transportvertrag auszuschreiben. Diese neue Beförderungsart wird ab 1. Oktober 1927 unter dem Namen „Flug-Eisenbahnverkehr*(Flei-Verkehr) eingc- führt. Die Güter können auf jeder Reichsbahnstation und jeder Dienststelle der Lufthansa aufgegeben werden. Es ist als großer Fortschritt in der Entwicklung des tnodernen Verkehrs anzusehen, daß sich die Deutsche Reichsbahn entschlossen hat, in eine so enge Gc- meinschaft mit dem jüngsten Verkehrsunternehmen zu treten. Der Lustfrachtverkehr ist zwar heute schon sür Industrie und Handel un- entbehrlich geworden, wird aber durch die Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten— vor allem durch die Ausnutzung der Nachtzeit— neue hervorragende Bedeutung erreichen. L)ie Silbers�roSrme 3,JJ Von£Rc3C Baach lNachdmck-erbot« ZZot-rlgort»«» Sern Enzllsche--an Julia IZoppet if f, 12. Als Herr Waylarch fort war. begann Willis Marsh:..Sie sagten vorhin, daß Herr Emerson etwas vorhabe, das besser fei als Goldgraben?* Marfh war Inbegriff freundschaftlichen Interesses und trug einen passenden Grad von Erwartung ur Schau.„Es würde mich interessieren, zu erfahren, welches Internehmen so verlockend ist, daß es einen jungen Mann veranlaßt, so reizvolle Gesellschaft im Stich zu lassen, um in wilden Gegenden mitten im Winter zu leben.* Fräulein Wayland antwortete ausweichend, und dadurch bekam Emerson einen Augenblick Zeit, seine Gedanken zu sammeln. Noch war er zu verwirrt über die letzten Ereig- nisse, um Herr der Situation zu sein. Darüber aber war er sich klar, daß er Marsh so wenig Aufschlüsse wie möglich geben wollte. Wenn Marsh erst erfuhr, daß er und George im Begriff waren, eine selbständige Lachsfabrik in Kalvik zu zründen, konnte und würde er ohne Zweifel und auch mit Er- .olg ihre Pläne durchkreuzen. Solche und ähnliche Gedanken jagten sich mft erstaunlicher Geschwindigkeit in seinem Kopfe, dennoch glückte es ihm, ein gleichgültiges Aeußere zu be- wahren, als er bemerkte:„Meine Pläne sind noch nicht reif genug, um darüber zu sprechen.* „Vielleicht könnte ich, wenn ich wüßte, um was es sich handelt—.* Boyd lachte.„Ich fürchte, daß«in hydraulisches Unter- nehmen einen so gerissenen Geschäftsmann wie Sie nicht inter- elfteren kann.* Großer Gott, dachte er bei ftch, ich bin schlimmer als Fräser mit seinen Luftprojekten. „Ach so. Gol�raben durch Wasserkraft.* antwortete Marsh.„Das intersftert mich allerdings wenig.* „Wenn man einmal Goldgräber gewesen ist* sagte Emerson gleichgültig,„kommt man nie mehr davon los.* Marsh fragte, als ob er seiner Sache noch nicht ganz sicher sei:„Sah ich Sie neulich nicht in dem pompejanischen Saal?* Boyd bestätigte es wie femand, der nur etwas sagt, damit das Gespräch nicht ins Stocken gerät. Er wunderte sich über seine eigene Verstellungskunst. „Sie waren mit George Bali zusammen?* „Ja, ich sammelte ihn aus meinem Weg nach Name auf: er hatte einen wahren Abscheu vor Alaska bekommen, und ich war ihm behilflich, nach den Vereinigten Staaten zurück- zukehren.*'j Bei dieser Mitteilung leuchteten Marshs Augen auf. An Mildred gewandt, erklärte er:„Der Mann, von dem wir sprechen, ist ein seltsames, verstörtes Wild, das einen wüten- den Haß auf mich geworfen hat. Der Mann hat mal für mich gearbeitet, doch mußte ich ihn wegen Untauglichkeit entlassen, und seitdem hat er mir mehrmals mit Rache gedroht. Darum können Sie meinen Schreck begreifen, als ich ihn neulich in einem Restaurant an einem Tisch dicht neben mir sitzen sah.* „Wie seltsam!* bemerkte Fräulein Wayland.„Und was tat er?" „Er wollte gerade eine Szene machen, als Herr Emerson dazwischentrat.* i Boyd konnte nicht umhin, Betrachtungen darüber anzu- stellen, ob Morsh wirklich solch Ungeheuer war, wie Cherry und George Balt ihn geschildert hatten, oder ob ihr Urteil durch persönliche Empfindungen getrübt war. Heute abend machte er jedenfalls den Eindruck eines freundlichen und Höf- lichen Mannes. Als Herr Wayland zurückkam, war die Unterhaltung, dank Mildreds geschicktem Manövrieren, in harmlosere Bahnen gelenkt worden. Boyd aber sah Wayland plötzlich in einem ganz neuen Licht. Bis heute hatte er ihn für einen eigensinnigen, rechthaberischen, älteren Herrn ge- halten, der ihn duldete, ohne ihm offen« Ablehnung zu zeigen. Jetzt aber sah er in Wayne Wayland einen Geschaftsfeind, und was er heute von dem Charakter dieses Mannes erfahren hatte, überzeugte ihn davon, daß er weder auf Rücksicht noch Mitleid von ihm rechnen könnte, wenn er erfuhr, daß ihre Geldinteressen sie zu Gegnern machte. Zum erstenmal wurde es Boyd klar, welch unpassende Stellung er eigentlich hier im Hause einnahm. Er kam sich selbst wie ein Spion vor. Man hatte ihm Geheimnisse offenbart, aus denen er Vorteil ziehen konnte. Wenn Wayland von seinen Plänen erfuhr, würde er ihn nicht nur als einen Feind, sondern auch als einen Verräter betrachten. Das Unternehmen, das ihm noch vor einer Stunde so hoffnungsvoll erschienen war, erschien ihm jetzt vollständig sinnlos. Er war sich klar darüber, daß es unmöglich sein würde, gegen diese Männer aufzutreten, die mit unbegrenzten Mitteln und Erfahrungen ausgestattet waren: die Tatsache dieser Erkenntnis drang mit solcher Wucht auf ihn ein, daß er fast ein physisches Unbehagen fühlte. Er wußte, wenn seine Fabrik fertig urH in Betrieb gewesen wäre, würden diese beiden ihn dennoch nie in ihren Bund aufge- nommen haben. Boyd wurde von einer Art Panik ergriffen. Was sollte er machen, wenn sein Plan mißlang? Wohin sollte er sich wenden, um nur sein Leben zu fristen? Ihm blieb nichts au- deres übrig, als zu dem Leben der Goldgräber und der ver- haßten Einsamkeit zurückzukehren. Wenn er Mildred jemals gewinnen wollte, mußte er dieses verzweifelte Spiel zu Ende spielen. Jetzt meldete der Diener, daß das Essen serviert sei. und seine traurigen Betrachtungen wurden unterbrochen. Herr Wayland steckte seinen Arm unter den seinen und überließ es Willis Marsh, Mildred zu Tisch zu führen, als ob er diesem jeden Vorteil zuschieben wollte.>' Bei Tisch war das Gespräch allgemein und drehte sich um Tagesereignisse, wie es bei solchen Gelegenheiten der Fall zu sein pflegt: merkwürdigerweise aber kehrte Fräulein Wayland immer wieder zu den: früheren Thema zurück und zeigte so viel Interesse für die„Nordamerikanische Konseroendosen-Äesell- schaft", daß es ihrem Vater schließlich ausiiel. „Was ist denn mit dir los. Mildred?" sagte er,„du hast dich sonst nicht für meine Geschäfte interessiert." „Vielleicht ist meine eigene kleine Welt mir langweilig geworden," bemerkte Mildred nachdenklich. „Fräulein Mildrcd ist nicht umsonst Ähre Tochter," sagte Marsh.„Doch fürchte ich, daß Herr Emerson sich nicht für. unsere Sache interessiert.", „O gewiß," antwortete Mildred lächelnd.„Nicht wahr, Boyd?"?> Er errötete, indem er zustimmte. „Also laßt uns etwa von eurem Generalcoup hören," sagte das junge Mädchen. Wayland war offenbar sehr erfreut über das uneriportete Interesse seiner Tochter, und ganz bereit, auf ihren Wunsch einzugehen. Tatsächlich waren beide Männer so erfüllt von der Sache, mit der sie sich während der letzten Monate be- schäftigt hatten, daß sie nichts lieber taten, als darüber zu fpreckzen, und sie erzählten von den Hindernissen, die sie hatten überwinden müssen, scherzten über Schwierigkeiten, die ihre Pläne fast umgeworfen hatten, und machten sich gegenseitig Komplimente über ihre Klugheit und Ausdauer., tFortsetzung folgt.) fv .Großfeuer in Gberschöneweiüe. >>.> � Ein Dampfsägewerk in Flammen. » In' dem Dampfsägewerk der Firma O. Nadge, Nobels- h o f 4 zu Oberfchöneweide, kam gestern abend kurz vor 10 Uhr ein oerljeerendes Schadenfeuer zum Ausbruch, das fast den ganzen Betrieb in Asche legte. Auf den Feueralarm rückten zunächst drei Löschzüge an die Brandstätte. Das Feuer, das in dem Sägewerk ausgebrochen war, hatte inzwischen eine so gewaltige Ausdehnung angenommen, daß die höchste Alarmstufe„Großfeuer� an die Berliner chauptfeuerwache weitergegeben werden mußte. Fünf weitere Löschzllge eilten hierauf unter der Leitung des Berliner Oberbranddirektors G e m p p an. Das große weite Gelände mit seinen Halbmassiven Gebäuden, Schuppen und cholzvorräten bildete ein großes Flammenmeer. Bon allen Seiten wurden aus 21 Schlauchleitungen ungeheure Wassermengen in die Flammen geschleudert. Wegen der riesigen chitze gestalteten sich die Löscharbeiten äußerst schwierig. Da das Feuer immer größere Ausdehnung annahm, wurde noch das Berliner Feuerlöschboot zur Hilfeleistung herangezogen, das nur unter Um- wegen an die. Brandstelle gelangen konnte, da die Mühlen- dammschleuse unbegreiflicherweise nicht mehr geöffnet werden konnte. Bei Redaktionsschluß sind die Löscharbeiten noch voll im Gange. Es ist kaum anzunehmen, daß bei der Gewalt des Feuers nach etwas zu retten sein wird. Das Feuermeer färbte den Himmel blutrot und der gewaltige Schein war bis nach Lichtenberg hinein deutlich erkennbar. >» In einem>> Bodenverschlag des Vorderhauses Schiller- straße 98/99 z» Charlottenbura brach gestern nachmittag gegen %5 Uhr Feuer ans, das sich aus den Dachstuhl ausdehnte. G e- waltige Rauchmassen erfüllten die umliegenden Straßen- züge mit dichten Schwaden. Die Feuerwehr rückte mit d r e i L ö s ch- zügen unter Leistung der Bauräte Lebbe und Scheele an. Ucber eine mechamsche Leiter und die völlig verqualmten Treppen- Häuser drangen die mit Schugmasken versehenen Feuerwehrbeamten nach oben vor. Es gelang, den Brandherd einzukreisen und nach etwa einstöndiger Tätigkeit niederzukämpfen. Bei den Aufräu- mungsarbeiten, die länaere Zeit dauerten, ergaben sich Anhalts- punkte dafür, daß dais Feuer von verbrecherischer Hand angelegt worden Ist. Die Kriminalpolizei wurde verständigt, die sich mit der Aufklärung des Falles befaßt. Durch die starke Rauch- entwicklung.war eine,. große Menschenmenge angelockt worden. 2�2 Unfälle im Großberliner verkehr. 7,>\ Das Ergebnis des Juli. Nach einer Zusammenstellung des Kommandos der Schutzpolizei ist die Zahl der Ilnfäll« im Monat Juli gegen den Monat Juni von 1929 auf 2012 gestiegen. Davon entfallen auf die 2E943(20179) Privatkrastwagen 46(33), auf die 10 640(10 459) Last- und Geschästskraftwagen mit Anhänger 12(13), auf die 4934 (4946) Großkraftdroschken 110(129), auf die 4176(4146) Kleinkraft- droschken 164(170), auf die 180(180) Motorraddroschken 16(16), auf die 520(517) Kraftomnibusse 67(44), auf die 15 436(18 248) Privat- krafträder 128(120), auf die 3800(3057) Straßenbahnwagen 109 (104), auf die mit 44 528 Pferden(Stand vom 1. Dezember 1926) bespannten Wagen 215(177), auf die Handwagen 48(43), auf die Treträder 612(539), auf die Fußgänger bis zu 14 Jahren 44(74), auf die Fußgänger über 14 Jahren 324(338), auf die Häuser, Laternen, Bäume, Gitter, Zäune, Bordschwellen, Türen usw. 64 (78) Unfälle. An diesen Unfällen waren als Wegebenutzer 4108(3954) Fuhr- werte, Pdrsötten bzw. Gegenstände beteiligt. Wenn man die Unfälle auf die dinzelnen Tage der Woche verteilt, so ergeben sich für die Sonntage 154(167), Montage 261(251), Dienstage 294 t26H�, Mittwoche 320(286), Donnerstage 294(267), Freitage 348(328) und die Sonnabende 34 1(366) Unfälle. Freitag und Sonnabend sind auch diesmal wieder d i e am meisten belasteten Tage. Die weitaus meisten Unfälle ereigneten sich in den N a ch m i t t a g s st u n d e n, zwischen 15 und 19 Uhr, die wenigsten in den Nachtstunden von 1 bis 6 Uhr. Bei den Unfällen wurden insgesamt 14(11) männliche Personen' getötet und 575(625) männlich« und 268(264) weibliche Personen verletzt. Post und Rundfunkgebühren. Zu den umlaufenden Gerüchten, daß das Reichspostminifterium sich mit dem Gedanken trägt, noch in diesem Herbste die Rundfunk- gebühr von mpnatlich 2 M. auf 3 M. z u erhöhen, wird ge- meidet, daß alle derartigen Behauptungen jeder Grundlage entbehren. Das Reichspostministerium gedenkt zunächst einmal„ab zu- warten", wie die jüngst beschlossenen Portoerhöhungcn sich aus- wirken werden. Demgemäß sind jetzt noch keinerlei Beschlüsse auf weitere Erhöhungen erwogen oder gar gesaßt worden.— Die Tatsache des„Abwärtsns" wird zahlreiche Rundfunkhörer in Unruhe versetzen. Eine Erhöhung der Rundfunkgebühren erscheint völlig unangebracht. Die Rundsunkhörer erwarten viel«her eine Herab- segung der Gebühren. Ihnen allen wird mit einer Erhöhung um 50 Prozevt wirklich keine Freude gemacht. Hier hätten die Organi- sationen der Rundfunkhörer ein wichtiges Arbeitsfeld. Gerade das „Abwarten" der Post fordert ihre Wachsamkeit heraus! Cstie gefährliche Verhaftung. . Zwei Einbrecher und Diebe, die von der Provinz schon länger gesucht wurden, gerieten gestern in Berlin in die Hände der Kriminalpolizei. Es handelt sich um einen Max Groß und«inen Walter Prigert, die u a. ein Jagdhaus in Gennendorf ausplünderten und einen großen Zigarreneinbruch in Strasburg i. Mark oerübten. Beamte der Dienststelle L. 4 spürten die beiden in einem Quartier in der Nahe des städtischen Obdachs auf. Als sie sich erkannt sahen und merkten, wem sie gegenüber standen, zogen die «erfolgten sofort ihre Pistolen, um sich der Festnahme mit Gewalt zu entziehen. Die Beamten schlugen ihnen aber die Waffen aus den Händen, fesselten beide und brachten sie nach dem Polizeipräsidium. Idyll Groh-Dammer. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: �.Bon der großzügig und mit den modernsten Einrichtungen v»rsel>en angelegten Eisenbahnsiedlung Neu-Bentschen wenige Schritte entfernt belegen, ist der Ort G r o ß- D a m m e r. Kreis Meseritz, die größte geschlossene Ortschaft genannten Kreises. In der Mitte des Dorfes, das etwa 1500 Einwohner hat, liegt das Rittergut Groß-Dammer mit einem geradezu fürstlichem Schloß und vier schon von großer Weite sichtbaren Türmen, die einen herrlichen Anblick bieten. Wenn man sich die Schönheiten von nächster Nähe betrachtet, erlebt man jedoch die allergrößten Enttäuschungen, die jedem Menschen, der noch etwas Rücksicht auf dfe Gesundheit seiner Mitmenschen zu nehmen imstande ist, mit banger SorgeHmd Abscheu erfüllen müssen. Dicht neben der größten Bäckerei des Ortes, die mit einem Lebensmittelgeschäft verbunden ist. liegt ein größerer Teich, der durch die ekelhafte Ber- s ch m u tz u n g und Aufnahme von Abwässern einer Fäkaliengrube in keiner Hinsicht nachsteht, so daß schon der Aufenthalt in der Nähe, ganz besonders in wärmeren Jahreszeiten zur Unmöglichkeit gemacht wird, wenn man nicht, wie im Weltkriege, mit einer Gasmaske ausgerüstet ist. Daß diese Sammelstelle ein Brutherd der gefähr- lichslen Insekten und Krankheitserreger ist, dürste sicher begreiflich erscheinen. Ein weiterer im Dorfe vor dem Schlosse belegener größerer Teich vervollkommnet das Bild, indem dieser neben über- mäßigem Schlamm auch noch die Klosettabgänge der adligen Schloßherrschaft ausnimmt. Ob diese Zustände für die Gesundheit der Bewohner und zur Berhütung von Viehseuchen(das Rindvieh der anliegenden Besitzer wird notgedrungen regelmäßig am Teiche getränkt) dienlich ist, überlassen wir dem Gutachten der hierzu be- rufenen amtlichen Stellen und schließlich auch der Oeffentlichkeit, die hieran ein Interesse findet. Es ließen sich ein« Reihe ähnlicher Mißstände anführen, doch fehlt hierzu die kostbare Zeit. Schon vor sechs Jahren hat der damalige Kreisarzt Dr. Michaelis die Mängel gerügt, auch kürzlich sein Amtsnachfolger gelegentlich einer auf Anregung der Gemeindebehörde stattgehabten Gesundheitsbe- fichtigung des Ortes, ohne daß von einer amtlichen Stelle Schritte zur Abstellung des Uebelstandes bemerkbar geworden sind. Sollte es wirklich so schwer halten, den adligen Großgrundbesitzer, der nebenbei den Rang eines Hauptmanns führt und dem sicher etwas Sinn für Ordnung und Sauberkeit zuzumuten ist, der aber wohl persönlich nicht unter diesen Zuständen leidet, dazu zu bewegen, noch im Laufe dieses Sommers die angeführten unwürdigen Ber- Hältnisse abzustellen, zumal schon häufig und besonders im letzten Frühjahr hier Krankheitsepedemien grafiert haben, so daß sogar die Schulen geschlossen werden muhten?" Amerikanische Journalisten bei Siemens. Eine Anzahl amerika- nischer Journalisten, denen wegen der Sacco-Vanzetti- Affäre in Rotterdam mit Steinwllrfen ein unliebsamer Empfang bereitet wurde, besichtigte gestern die Anlagen der Siemens-Werke. Außer den Betrieben konnte den Gästen auch der soeben eingetroffene Film der Elektrifizierungsarbeiten von Siemens in Irland und der Kabel- Verlegung zwischen dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet und Baden unter Ueberkreuzung des Rheines gezeigt werden. Den be- sonderen Beifall der Gäste fand das im Bau begriffene Industrie- Hochhaus, das mit elf Stockwerken eine Höhe von 55 Metern bei einer Länge von 175 Metern erreicht. In diesem Gebäude soll besonders die Herstellung von Schaltungen am laufenden Band vorgenommen werden. In der Begrüßungsansprache wies der Chef der Firma, Herr von Siemens, darauf hin, daß Länder wie Amerika und Deutschland durch solche gemeinsamen Journalistenreisen am besten aus den gegenseitigen Stärken und Schwächen lernen könnten. Der Sprecher der amerikanischen Gäste erklärte, sie seien nach Europa gekommen, um sich als Journalisten vorurteilsfrei eine Meinung über die hiesigen Zustände zu bilden. Sie verließen das gastliche Deutschland mit den besten Eindrücken über das Wiederaufkommen seiner Wirtschaft und die Befestigung seiner inneren Verhältnisse. Diese Leistung Deutschlands nach den Jahren des Niederbruchs habe von allem, was sie in Europa gesehen, den tiefsten Eindruck hinter- lassen._ Könneckes Gzeanflug. Finanzielle Unterstützung durch die Stadt Köln! Die Tatsache, daß die erste Ueberquerung des Atlantischen Ozeans in der Richtung Ost— West durch einen deutschen Flieger von Köln aus beabsichtigt ist, hat die Kölner S t a d t o e r- w a l t u n g und die Internationale Presseaus st el- I u n g veranlaßt, den Flug Könneckes auch ihrerseits zu unter- stützen. Der Flieger wird eine Anzahl Briefe des Reichskommissars und des Präsidenten der Pressa an sührende Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten, die an der Kölner Pressa interessiert sind, mit nach drüben nehmen und außerdem dem Vorsitzenden des vor- bereitenden amerikanischen Ausschusses John Clyde Oswald in New Pork persönlich Grüße des Präsidiums der Pressa Überbingen. Er soll ferner Begrüßungsschreiben der Kölner Stadtverordneten an die Bürgermeister von Philadelphia und New Pork übermitteln. Das Flugzeug Könneckes wird bei seiner Landung in Amerika und bei seinem Rundflug in den Vereinigtn Staaten die Wimpel der Stadt Köln und der' Pressa tragen. Diese Verlautbarung der Stadt bzw. der Ausstellungsleitung bedsutet, daß die V e r h a n d l u n- gen über eine finanzielle Unterstützung des Ozeanflugs zu einem Ergebnis geführt haben. Die Stadt Köln wird Könnecke einen Betrag zu seinem Unternehmen zuschießen, der die bisher noch ungetätigte Persicherung des Flug- zeugs und der Flieger möglich macht. Morgen wird«in Pertreter von Lloyds in London in Köln eintreffen, um die Ber- sicherung für Flugzeug und Besatzung abzuschließen. Direktor Moll von den Casparwerkcn in Travemünde erklärte, daß als Begleiter Könneckes nur noch zwei Funker in die enger« Wahl kom- men. Im Laufe des Nachmittags traf aus Heddernheim der neue Propeller für das Ozeanslugzeug in Köln ein. Er wurde sofort«in- gebaut, damit morgen vormittag die letzten Probeflüge unternom- men werden können. Bor Sonnabend nachmittag kann nicht mit dem Start Könneckes gerechnet werden. Vorbereitungen der Rohrbach-Werke zum ezeanflug. Die Borbereitungen der Rohrbach-Werke für einen Ozeanslug. für den man bekanntlich mit dem Flieger U d e t in Berhandlungen getreten war, sind nunmehr soweit gediehen, daß in den nächsten Tagen die für das Unternehmen bestimmte Maschine, ein drei- motoriges Landflugzeug vom Typ„Rohrbach- Roland, von Staaken nach dem Halle-Leipziger F l u g- platz Schkeuditz übergeführt werden wird, um von hier aus die Probeslüge mit hoher Belastung durchzuführen. Der Flugplatz Schkeuditz eignet sich für diese Versuche bedeutend besser als der Staakener Platz, auf dessen etwas sumpfigem Gelände schwer- belastete Maschinen kaum starten können. Der Rohrbach-Roland ist Das Nachtkonzert am Mittwoch ist mit„Koloratur" bezeichnet, weil Romana Hambrigk drei Koloraturarien singt: Die Wahn- sinnsarie der Lucia,„O friedlich Land" aus den.Hugenotten" und Mozarts„il re pastore. Man steht heute der Koloratur, diesem virtuosen Ziergesang, kühl gegenüber, aber man wird trotzdem mit- gerissen, wenn Frieda Hempel oder Marie Jvogün beispielsweise die Zerbinetta-Arie oder Molettas„Mit der Freuden Blumen- kränze" mit unerhörter Meisterschaft herausschmettern. Romana Hambrigks Stimme ist dagegen klein im Umfang und in der Kraft, sie ist gut gebildet, überwindet Schwierigkeiten, doch ihr fehlt es an Klangsülle, besonders in der Mittellage, die dünn und beinahe spröde klingt. Schließlich muß auch eine Koloratursängerin in allen Tonlagen sieghaft das Orchester, besonders ein so einfaches wie bei Donizetti, übersingen. Das Beste des Abends blieb deshalb die Orchestermusik, vor allem Donizettis melodienreiche und gut orchestrierte Ouvertüre zur„Favoritin". Lisa F r a n ck, die am Donnerstag Lieder von Max Brod, Schumann und Brahms singt, verfügt ebenfalls nur über eine kleine, grazile Stimme, die sehr ausdrucksvoll ist, aber mit Schwierigkeiten in der Tongebung zu kämpfen hat, hinzu kommt eine ungenügende Artikulation der Worte. Interessant ist Max Brod als Komponist, der in dem Konzert mit zwei im sakralen Schema komponierten Liedern vertreten ist. Vorher liest er aus eigenen Werken. Er ist kein guter Sprecher von Versen, bessert, sich aber bei Prosa. Leider liest er nicht aus seinen Romanen, sondern nur eine Novelle, die merkwürdige Ver- wandtschaft mit einer kleinen Skizze Poes' aufweist. Noch ein Wort zur Programmgestaltung: Teilung des Abendprogramms ist empfehlenswert. Es bleibt aber geschmacklos, Max Brod mit so- genannten heiteren Liedern, die der Tenor Hans Schwarz recht an- ständig singt, einzuführen. Diese Lieder hätten bessere Figur in einem Nachtkonzert gemacht. In dem Vortrag Dr. Otto E o e r- l i n g s über„Sozialpolitik und Geistesarbeiter" bleibt manches problematisch, unbedingt richtig ist aber, daß der geisttg« Mensch bisher mehr als stiefmütterlich behandelt worden, und daß hier ein« Wandlung unter allen Umständen notwendig ist. F. S. bereits für den Ozeanflug entsprechend hergerichtet worden. Der Führersitz ist genau so wie bei den Junkers-Flugzeugen durch einen Cellon-Aufbau oerdeckt worden, die Vorbauten der Motoren sind in ihrer Form abgeändert, um den Luftwiderstand möglichst zu ver- ringern, die Tragkabel von den Tragflächen zum Rumpf haben eine Blechverkleidung erhalten und schließlich sind die Fenster- öffnungen der Kabine durch dünnes Fournierholz verschalt worden. In der Kabine sind große Reservebenzintanks eingebaut worden. Bei den bisherigen Probeflügen hat die mit drei B. M. W.- IV-Motoren von insgesamt 750 P S. ausgerüstete Maschine eine Geschwindigkeit von mehr als 216 Stundenkilometern ent- wickelt. Von dem Ergebnis der Höchstbelastungs- und Dauerflüge, bei denen der Rohrbach-Roland wie bisher vom Chefpiloten

l.l.. t, 2.•.UHUUUtl.UUCbz-U�. Ioachim-Friedrich-Str. 85—36...VSlkerbund und China.— Britz: Rathaus. Chaussecftr.<8.„Bub und Mädel."—«anmschulenwea: Heim Ernststr. 1«. „Unsere einheimische Bogelwelt."— Rlederschöneweide: Schule Berliner Str. 31. „Wir und die gegnerische Jugendbewegung.— Lichtenberg. Nord: Heim Bark- auc 10. llammliederabend. sLicdcrbiichcr mitbringen.)— Tegel: Heim Bahn- hofstr. 15.„Sozialismus in der Familie."— Paulo w-Rorb: Heim«Srsch. straße 14. Iv-Minuten-Referate._ Wcrbcbezirk jtrcuzberg: Heim Linbenstr. 8. Werbebezirksvorftandslitzung. Werbcbezirk Reukölla: Heim' Etcinmctzstr. 114. Werdebezirtsfunktionär. sitzung. « Roseuthaler Vorstadt: Sonntag, 21. August, Werbe-Notorbootfahrt nach Grünheide. Abfahrt 8% Uhr ab Michaelkirchdrücke. Die noch nicht verkauften Karten müssen spätesten, heute. Freitag, beim Genossen Martin Kevermann, Fehdenicker Str. 14, oder im Jugendheim abgerechnet werden. Nicht abgc- rechnete Karten gelten als verkauft und müssen bezahlt werden. Sport. Voxkampfabend des Polizeisporkoereins. Bar einer recht stattlichen Zuschauermenge wurde der in der vergangenen Woche verregnete Kampfabend, für den der P o l i z e i- Sport-Berein(PSP.) verantwortlich zeichnete, im Polizei- stadion in der Chausseestraße nachgeholt. Das reichhaltige Pro- gramm brachte mit wenigen Ausnahmen interessant« und harte Kämpfe, die in slotter Folge abgewickell wurden. Alle Kämpfe gingen über dreiRunden. Es siegten Poutz(PSA.) über Pistulla(Heros), Kapschinius(Heros) über Onderka I(PSA.), Schwiewa(PSA.) über Brunkow(Weißensee), Bitzkowski(Schult- heiß) über Ansorg(PSV.), Schwerg(PSV.) über Moeller(Schutt- heiß), Donner(PSV.) über Sawinski(Heros), Marten(Aftoria) über Blumel(PSV.), Reuse(Heros) über Reichert(PSP.) und Ulrich(Heros) über Kaul(PSP.). Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 18. August. 1. Rennen. 1. dlutstis wutanckis(Paschle). 2. Schaumichläaer (Broda). 3. Seldrastein(Weiß). Toto: 70:10. Platz: 33"3 119-10 Ferner Uesen: Carl Heinz, Anita, Victoria, Magharin, Royal Blue'. ZiaSvidr' Brigant. Lall, Wolkenschieber. 2. R e n n- n. 1. Turmalln(Franzke), 2. Rakete(Kukulie,), 3. Ancilla lMoritz). Toto: 37: 10. Platz: 15, 17, 16: 10. Ferner liescn: Jrrmal, Graziclla, Va via, Feierabend. Friemersheim. 3. Kennen. 1. Lan,(Dippell), 2. DaS Lied(Häuser), 3. Flämin (Franzke). Toto: 44:10. Platz: 16, 12: 10. Ferner liefen: Lotte. Arndt. 4. Rennen. 1. Flamberq(Leutn. v. Götz), 2. Cocrnr der Teilnehmer 14)� Uhr vor dem Gebäude des Bezirks- amtes, Da�ziger Straße 64. Auf dem Festplatz werden die Kinder durch Spiels, Kasperle-Theater und sonstige Belustigungen unter- halten. Zum Abschluß des Festes wird ein Fackelzug und Feuerwerk veranstaltet wimden. Der Eintrittspreis beträgt für Kinder 26 Pf., für Erwachsene SO Pf. Karten sind im Jugendamt Danziger Str. 64, Zimmer 117, und an der Kasse zu haben. Freilustkonzert im Friedrichshain. Das Volksbildungsamt Friedrichshain veranstaltet am Sonntag, dem 21. August 1927, in der Zeit von 10M biet 1 Uhr mittags, an der Denkmalssäule Friedrichs II. im Friedr.ichshain, ein Freiluftkonzert, in dem der Rheinische Männergesangverein zu Berlin 1900 E. B.„Volkslieder vom Rhein" zum Gehör bringen wird. Za der Städtischen Iugendbühne Lichlenberg, cholteistraße 7—9, gelangen ab Freitag, den 19., Rs Donnerstag, den 2Z. August 1927, unter dem Titel„Mürig, ein Kinderparadies an der Ostsee", eigen« Aufnahmen vom Kindererholungsheim des Bezirksamts Lichtenberg in Müritz zur Dorführung. Der Film zeigt nicht nur die Ein- richtungen des Heimes, sondern gibt auch ein anschauliches Bild von der schönen Lage und Umgebung des Ostseebades Müritz.— Buster Kevton in der Grotesk«„Der General" vervollständigt das Programm, zu dem auch Jugendliche Zutritt haben. Beginn der Vorstellungen täglich um 7 und 9 Uhr abends. Slraßenneubcnennung in Johannisthal. Preußischen Staatsministeriums erhalten folgSnde teil Johannisthal Neubezeichnungen: Die Straße 23 nebst dem südlich anschließenden Birkenweg den Namen„Eibemveg", die Straße 25 den Namen„S t a u d e n w« g". Neue Straßennamen im Verwaltungsbezirk Pankows Unter Zustimmung der Aufsichtsbehörden sind für den Verwaltungsbezirk Pankow folgende Straßenbenennungen neu festgesetzt worden: A. im Ortsgebiet Niederschönhausen: die Straße Nr. 57„Büchnerweg": B. im Ortsgebiet Heinersdorf: die Straße Nr. 6„Mimestraße", die Strasse Nr. 7„C r d a st r a ß e", die Straße Nr. 8„Fa f o{ t• st r a ß e", die Straße Nr. 9 ,L o kift ro ß e", die Straße Nr. 10 „F r o stst raß e": C. im Ortsgebiet Buchholz: die Straße Nr. 34 in Nordend„Am R o l l b e r g". die Straß« Nr. 114 in Nordend „D a m m s m ü h l e r Straße", die Straße Nr. 3„Buch- hör st er Straße", die Straße Nr. 6„M öllersfelder Straße". Ivgeudweiheu Im 17. Verwaltungsbezirk. Die Jugendweihen der Welt- lichen Schulen in Lichtenberg finden statt: Für die 31. Schule(Schorn- webcrstrahe) am Soimtag, 18. September, 13 Uhr: für die 35. Schule lPlarrliraste) am Sonntag, 25. September, 13Ubr: für die 36». u. b. Schule (Lück-Friedrichstrahe) am Sonntag, 18. September, 10 Uhr; für die 37. u. 38. Schule(Morkt-Holteiftraße) am Sonntag, 23. September, 10 Uhr, im Festsaal des Resornl-Realgyinnafiums, an der Parkaue. Die Lebenekundevorbereitung für die Jugendweihe in Pankow beginnt am Mittwoch, dem 24. August, nachm. von 4—6 Uhr, im Jugendheim, Pankow, Kissingenstr. 48. Vorträge, Vereine vnö Versammlungen. Reichsbanner„ S chwarz-Rok-Gold". G e f S S f t s st e l l e: Berlin E It. Eebastianftr. S7/ZS, chof Z Tr. Sonnabend, 2«. August. Ritte: Nachmittags Arbeitsdienst Karls. horst.� Rullölln-Beitz: t» Uhr Pflichtantrcten Reuterplatz. Winter. Ilcibung und mit Instrumenten um 8 Uhr auf Bhf. Hirsthgartcn. Auch die neuen Spieler hoben anwesend zu sein.— Montag, 22. August. ReukSIu. Britz, 2. Kameradschaft: ISZH Uhr Komeradschafteversammlung bei ThomSIen, September, Gründungefest. Antreten Eonnabend, z. September, Antreten Hertzbergstr. 28.— Wildau: Sonntag, 4. S: 14 Uhr Gasthof„Zum grünen ySaiun".£, I zum Fackelzug 20 Uhr gleichfalls„Zum grünen Biochemischer Verein Srotz-Bctlin. 22. August: Adlcrshof: Ziege» Ge. sellschafishaus, Bismarckstr. 29.— 23. August: Stralau: Restaurant Echonert, Lynaststraße. Oranienburg: Echlltzcnbaus, Königsallee(an der Bahn). Schön» hauser Vorstadt: Ledigenheim. Pappclallce 15.— 25. Auzust: Tegel: Restaurant Hamuseck, Hauptslr.«. Reinickendorf-West: Hartmann« Brauerei, Scharn» sederstr. 104. Gesundbrunnen: Restaurant Schmidt, Prinzenallee ZZ. Kreuz. bcrg: Backbrauerei, Fidicinstraße.— 2«. August: Hohenneuendorf: Lindemanns Eeiellschaftshaus, Berliner Straße.— 2». August: Oberschöneweide: Imbergs Gefellschaftsgaus, Wilhelminenhofstr. 84. guternatioualer Srbeiter.zdo.Vund. Fahrt nach Motzener See(Natur. freundegelände). Treffpuntt Sonntag 7 Uhr Echlefischer Bhf.(Haupteingang). Verein für Sinhcitsiurzschrift zu Charlottenburg. Freitag, 19zh— 21ZH Uhr, Eiemens-Oberrealschule, Echloßstr. 27 1, Anfänger». Fortgeschrittene-, Rede. schrift-Lehrgänge. Auskunft über sämtliche Berliner Bildungsstätten für Gin» heitskurzschriit erteilt Otto Adam, 1. Vorsitzender. Ortooerei» Berlin im Verband Voltsgcsundheit, Zugendgruppe Osten. Freitag, 19. August. 19i4 Uhr, Eoßlerstr. 61, Diskusstonsabend über„Er. nährunostorheit, die Ursache von Krankheiten".— Zugcndgrupp« Südeui Frei» tag, 13. August,]9'4 Uhr, Neukölln, Echierkrstr. 44, Diskussiansabend über „Vererbung. 20.121. August Fahrt zum Hölzernen und Schmöldcsee in der Dubrow. Treffpunkt Dörlitzer Bhf. 17'� Uhr. Fahrgeld IM M. Gäste willkommen. Ein Konzert mit Dolkslicdcra am Plötzens««, gegenüber dem Wassersport- platz, veranstaltet Eonnabend, 20. August, und Mittwoch, 24. August, 1914 Uhr, die Singegemeinschaft am Wedding(DASB.). gemischter Chor der weltlichen Schulen Pankstr. 20—22. Arbeitsgcmeinfchast für Forstschutz und Naturkunde, e. B. Die am Sann- tag, 21. August, stattfindende 46. Arfo-Wanderung für von Fürstenwalde über die Rauenschen Berge nach dem Scharmützelse«. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Friedrichshagcn, SZi Uhr Bhf. Erkner(Zug nach Fllrstcnwalde), 9)4 Uhr Bhf. 'Fllrstrnwalde. Führung: Etudienrat Dr. Stachowitz. Iluseudungeu für dies« Rubrik sind verlia SV«80 Liudenstraße 3, parteinachrichten fn&k für Groß-öerlka stet« au da» Bezirkasekretariat. 2. Hof. 2 Trep. recht», zu richte». 3. Rttit Wedding. Arbeitcrwohlsa�rt: Die Besschtigung des Iugendlandes August, statt. Zossen findet am Eonntw damer Ring, und Vorartdahnhof vor dein Aufgang. 8.08 Uhr. Ankunft in Zossen 9.02 llht "'""".58 Uhr."" Ankunft in Berlin 18. esfierte Parteigenossinnen 4. strel» Prenzlauer Berg. Treffpunkt 7% Uhr Pot«. gang. Abfahrt des Zuge» Heimfahrt ab Zossen 18.0« Uhr. Fahrpreis IM M. hin und zurück. Jnter und»genossen können noch teilnehmen. Agitation und Arbeitcrwohlfahrt: Mittwoch, Henke. Freitag, 19. August. 33. Abt. Die Mitglieder holen ssch ihre bestellten Karten zur Fahrt nach Erkner sofort von den B-zirksfllhrcrn ab. Die in Umlauf oefindlichen Sammellisten sind sofort mit tem Genossen Bey abzurechnen. 35. Abt. Die Genossinnen und Genossen, die sich zum Kreisausflug am emeldet haben, können inder und Jugendlich« ....., pünktlich 548 Uhr Schlesi. schen Bahnhof(Südseite), Fruchtstraße, gegenüber Postamt 17. 75. Abt. Wanusee. 20 Uhr Monatsversammlung im Reichsadler. Oberschöaeweide. Achtung� Eltern der weltlichen Schule s 20 Uhr Elternver- sammlung der weltlichen Schule, Oberschöneweid«, Echulaula Frischen- straße. Alle Eltern sowie das Lehrerkollegium haben restlos zu erscheinen. Jungsozialisten. Gruppe Wedding-Gcsnndbrunnen: 20 Uhr Diskussion über da» Buch„Kunst und Kunstpolitik" von Anna Siemsen. Leiter Genosse Eduard Lewan» dowski. Die älteren Genossinnen und Genossen der SAI. find freund. lich eingeladen. Gruppe Süden. 20 Uhr i« der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. S, Fort. fetzuna der Aussprach«»Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik". Gruppe Schöneterg. Jugendheim Hauptstr. 15. Literarischer Abend:.Gerhart nnd Karl Hauptmann." Referent Senosse Barth«!. Morgen, Sonnabend, 20. August. 117. Abt. Lichtenberg. 19Z4 Uhr Funktionärkonfere», bei Emil«rüg«,. Tstrr. schmidtstr. 83. Jeder muß erscheinen. Zllugsozialisten. Tempekhos-Mariendors. Fahrt nach abend 17(4 Uhr Kaiserin-Augusta-Straß«. am Stettiner Bahnhof. Isen. Treffpunkt Sann. >zügler Sonntag 6% Uhr Arbeitsgemeiaschaft der kinderfreunde. Gruppe Südwest. Die Wanderung fällt umständehalber au». « 99. Abt Britz-Bnckow. Sonntag, ZI. August, Besichtigung der Garienarbeiter» schule an der Wussowstraße. Die Genossinnen und Genossen treffe» sich früh 9 Uhr am Rathaus Britz. Um rege Beteiligung wird gebeten. Volksfest de« 366(weltliche) Schule Berlin-Lichtenberg am Sonntag, 21. August, auf dem Städt. Spielplatz Wuhlheide. Konzert, Kasperletheater. Märchen. Vorlesung, Bücherverlosung, Volkstanz, Eprechchor, Feuerwerk ufw. Er. wachsen« 30 Pf.» Kinder frei. Abmarsch 8 Uhr mit Musik von der Schule Leopoldstraße._ Arbeitersport. Bahngaumcisierschaflen der Arbeiter-Radfahrert Nachdem in den Bezirken, die den Rennsport pflegen, dir Bezirksmeister. fchaften ausgetragen worden sind, werde» am Sonntag, 21. August, 15 Uhr, auf der Rütt-Arena in der Hasenheide die Goumelsterschaften au«. getragen. Im 1-, 2-, 5- und 10.Kilomet«r.Rennen der Haupt, und Alter». klasse sind die Gaumcister zu ermitteln. Schwer ist«s hier, im voraus zu sagen, wer als Sieger hervorgehen wird. Im freien Wettbewerb über 5 und 10 Kilometer werden ebenfalls die Fahrer ihr Beste» hergeben. Das Ereignis des Tages dürfte das 25. und 50.Kilometer.Rennen nach Eechstageart werden. Hier dürften die bekanntesten Fahrer der 8. Abt. Berlin, von Schöne- berg ufw. um den Sieg harte Kämpfe liefern. Allen Anhängern und Gönnern des Rennsports der Arbciterradfahrer ist der Besuch der Veranstaltung zu empfehlen. «- 1. Bezirk: Zanrrn am Sonntag, 21. Angust. Iugendgenosse» beteilige» sich Sonnabend an der Bezrrksjugendfahrt nach dem kleinen Bäterfe«(Schorf. Heide). Quartier bis 22 Uhr Ferienh-imäenossenschaft.— 1. Abt.: 5 und 12 Uhr Krossinsee. Start Bülowstr. 55.— 3. Abt.: 5 Uhr Gussow, 13 Uhr Tour am Start Lausitzer Platz.— 4. Abt.: 6 und 12 Uhr Müggelhort. Start Weber. wiese.— B. Abt.: 5 Uhr Störltzsee, 12 Uhr Rahnsdorf. Start Landsberger Platz.— I. Abt.: 6 Uhr Summt, 12 Uhr Rittt.Arena. Start Schönhauser ?Mee 164.— 7. Abt.: 5 Uhr Tiefensee, 13 Uhr Ahrensfelde. Start Kolonie» straße 147.— 8. Abt.: 20. August, 17 Uhr, Groß-Glienicker See: 5 Uhr eben- Der Kampf um die punkte beginnt. Am kommenden Sonntag eröffnet die Märkische Spielpereini- g u n g die diesjährige Fußballsaison. So mancher Berrin, der durch einige glückliche Umstände zur ersten Klasse kam, wird bald einsehe», daß sein Bleiben an der Sonn« nur von kurzer Dauer ist. Aber auch einige spielstarke Mannschaften haben schon jetzt, beoor die Spiele überhaupt begonnen haben, einige Punktverluste zu verzeichnen dadurch, daß sie sich nicht am Auf- ...._..... Sonntag folgende Vereine am Start: Bezirk ~-' Rath,~"" «zuwwey VIIIIUC sie flu marsch zum„Rast" detgiligt haben. Die 1. Klasse steht am Son....„.„........................... Norde»! Rathenow gegen Fichte.Rord in Rathenow. Borussia gegen Adler 12 in Reinickendorf, Lindenauer Straße, f—'"•-----■-'------ straße. Spandau 25 gegen Bernau in in Reinickendorf, Lindenauer Straße. Tegel 24 gegen Volten in Tegel, Krupp- straße. Spandau 25 gegen Bernau in Spandau, Stadion Hakenfelde.— Be. zirk Osten: Alt-Glienicke gegen Lichtenberg III in Alt-Glienicke, am Kiesberg. Treptower Ballfpiel-Elub gegen Frirbrichshagen in Treptow, .________„„_______________ JIBtttenwu. Brandenburg 02 gegen Britannia in Lichtenberg, Sophienstraße. Lichten» bcrg I gegen Johannisthal am Bahnhof Stralau-Rummelsdurg. Askania gegen Verein für Vewegnugsspiele in Köpenick, Grün« Trift. Sparta gegen Ketschendorf in Lichtenberg, Hauffstraße.— Bezirk Südwest: Luckenwalde I gegen Kreuzderg in Luckenwalde, Hetzheid«. Woltcrsdors gegen Luckenwalde II in Woltersdorf bei Luckenwalde. Tempelhof gegen Luckenwalde III in Tempel. Hof, verlängerte Kaiserin-Augusta-Straße. Neukölln gegen Nowawes In Neu- kölln, Dammweg. Wilmersdorf gegen Frifch.Auf in Wilmersdorf, Wllrttcm. bergische. Ecke Zähringerstraß«. Siuhlsdorf gegen Ficht« 21 in Ruhlsdorf. Luckrnwalde V gegen Lankwitz in Luckenwalde. Resultate der letzten Gesellschaftsspiele: Roch einmal, bevor die neu« Serie beginnt, haben einige Vereine ihr« Mannschaften erprobt. Arbeitersport- verein 24 verlor gegen Eparia 11 aus eigenem Platz mit 0: 4. Treptow und Brandenburg 02 trennten sich 4: 3. Aolania schlug Wacker 20 mit«: 2. Fichtc-Rord gegen Eiemenssiadt 1: 1. Titania gegen Sadowa 5: 0. Lichten. bcrg II gegen Berliner Sportoerein 22 4: 1. Lichtenberg I gegen Stralau 8: 1. Weddingcr Sportfreunde gegen Fichte-Gesundbrunnen 1: 3. Rordiska gegen Wacker SO 9: L Fichte-Rord gegen Siemensstadt 2: Z. Pankow OS gegen Lichtenberg 19:2. Oranienburg gegen Lichtenrade 1: 9. Fichte-Rord gegen V kB-»Sparta 3:2. Teltow gegen Eintracht 2:2. Rordiska gegen Birken- Werder 3: 1. Stern gegen Dahme 3: 2. Alemannia gegen Borussia 4: 0. Teutonia 09 gegen Lichtenberg II 3:0. Peißens« gegen Schöneberg 3: 0. Amateure gegen Velten 3: 7. Heloctia gegen Neuköllner Ballspiel-Club 2: 0. Stralau gegen Kreuzderg 4: 2. Tempelhof gegen Rathenow 5: 2. Fortuna 23 gegen Berlin XII 0: 8. Adler 12 gegen Rüitig.Borwarts 2: 0. Kurz vor Serienbeginn hat der Arbeiter- Sportverein 1924 am 21. August einen auswärtigen Gegner nach Berlin verpflichtet. SE. Bor- wärts-Groß-Räschen(R.-L.) ist der Gegner. Er hat in der Serie nur mit einem Punkt hinter dem Meister seiner Klasse gestanden. Die Hauptstützen der Mannschaft sind die Verteidiger, in der der rechte ein überragender Spieler ist, der MittellLuf«, Mannschaft von Sieg tonia�tz-Platz in der die Verteidiger, IN»er der rechte ein uoerragenoer ivpleier und der Halblinke, der durch seinen scharfen Torschuß die g zu Sieg geführt hat. Der Kampf findet aus dem Tcu- r Ehriftianiastraße statt. Akhletlk-veranstaltuugell. A« Sonnabend, 20. August, veranstaltet der SC. Alt.Wedding 83 in den Pharus-Sälen, MWerstr. 142,-in großes Sportfest unter Mitwirkung erster Varietekräste mit anschließendem Sommernachtsball. Den � Höhepunkt bilden acht Ringkämpfe erster Berliner Klasse. Für die Jugsndmitglieder Bcrtz und Echeliga find Segner aus Norden und Roter Stsrn eingeladen. Außerdem gehen auf die Matte: Blumenscheid-A.-W.— Elster-A.-W., Droas-Ber.— Iahnkc» A.-W., Erkner-Lur.— Schlichtenberg.A.-W., Stock-Lib.— Becker-A.-W., Mietzner. Lur.— Eckert.A.-W. und BatheRorden— Michael.A..W. Beginn der Vera». staltung 19 Uhr. 18. Stiftungsfest de, SE. Siegfried 0«. Im Moabiter Gcsellschastshaus, Wiclefstr. 24, feiert Sonnabend, 20. August, 21 Ilhr, der im AAB. b-k-nnt- SE. Siegfried 00 sein IZ. Etistuiig-f-st, anschließend Sommernachtsball, per. bunden mit bumoristischen und sportlichen Einlagen. Eintritt IM. Der Arbeiter-Tnrnverei» Pankow veranstaltet am 20. und 21. Angust auf eigenem Sportplatz in Pankow-Seinersdors(Fahrverbindung: Borortbahn bis Pankow.Heinersdorf und Straßenbahn 45 und 24) einen Spieltag sämtlicher Abteilungen. Sonnabend, 20. August, Ansang 16 Uhr. werden die Schüler-»nd Mädchenabteilunqen sportliche und hmnorist-sche Bor. fllhrungen zeigen. Sonntag, 21. August, 10 Uhr, beginnen die leichtathletischen Wettkämpf-, woran sich sämtliche Abteilungen beteiligen. Um(414 Uhr be- ginnt das Fußdollserienspiel ATB. Pankow— Bavaria. Nachdem folgt ein Hockenspiel«TB. Pankow— Schönholz. Den Abschluß der Beranstaltung bildet ein Sandballspiel ATB. Pankow— Roscnthal._. «lubwettstreit de« SC. Lurich 02. Freitag, 19. August, 19(4 Uhr, beginn: der diesjährige Klubwettstreit des Sport-Elub Lurich im Ringen>n der Turn. hall« Wrangelstr. 128. Bei der Gleichwertigkeit der Kämpfer muß man harte spannend- Gänge erwarten, manch« Uebcrraschung wird nicht auebleibrn. Am ersten Tag starten die Jugendklassen bis zu 80 Pfd., 90 Pfd., 100 Pfd., 110 Pfd. sowie die Bantom- und Leichtgewichtsklassen. Touristea-Verein„Die Naturfreunde", Zentrale Dien. «dt. Ebarlottendnrg: Freitag, 19. August, 20 Uhr, Spree str»0. Fährt. aenoß-Diskussion.- Abt. Südost- Freitag, 19. August. 20 Uhr, Reichenberger Straße 66, Musskabend.— Abt.«csnndbrnnnen! Freitag, 19.«ugust, nach dem Bolkspark. Treffpunkt 18(4 Uhr Endstation der Linien 35 und 99, See- straße)- Abt. Zreptow: Freitag, 19. August, 20 Uhr, Eisens«. 3. Rhgthmus und Bewegung.— Abt. Reuköll», Iugcndgrnppci Freitag, 19. Augusi. Seim Kopfstr. 55.—«emischter Chor: Freitag, 19. Asigust, 20 Uhr, Altereheim Danziger Str. 62, Baracke HI, Uebungsabend.— Photegemeinschaft: Montag, 22, August.(490 Uhr, Heim Ebertystr. 12, 2. Dastelahend.— Abt. Schöneberg: ""~.st,"•"~'--------" Handballspiele der Dache. i.Rord I um Freitag, IS. August, spielt Neukölln I 1. Männer gegen. 19 Uhr in Neulölln, Dammweg, Kaulsdorf spielt am Sonnabend, 20. August, um 18(4 Uhr gegen Luckenwalde. Es spielen die Männermannschaften Reu. kölln 1 I gegen Kaulsdorf I in Reukölln, Dammweg; Schönow I gegen Fichte. Süd I in Zepernick: Rieterschöneweide I gegen Adlershof I in Niederschöne. weide, Berliner Straße(Gasanstalt); Köpenick I gegen Lichtenberg 2 I in Köpenick, Maricnstraßc: Adlcrshof II gegen Riederschöncweide II in Adlershof: Groß-Berlin-Weddinq II gegen Fichte 2 1; Neukölln I 1. Frauen gegen Rüstig. Borwärt» I in Neukölln, Hertzbcrgplatz, und Fichte 7 1. �Jugend gegrn Jahn. 14 Uhr, die 1. Männermannschaften um 15 Uhr und um 16 Uhr die Frauen. Mannschaften, Kaulsdorf 1. Männer spielt gegen Frei« Schwimmer Ehar- lottenburg I um 10 Uhr in Kaulsdorf. Spandau 3. Männer und Freie Schwimmer Eharlottcndurg II spielen um 10 Uhr in Spandau, ssalkenhagener Chaussee. Di« Iugendmannschaften Fichte 22 und Fichte 3 spielen in Hohen. schönhausen, Sommerstraße: die 2. Iugendmannschaften um 15 Ilhr und die 1. Iugendmannschaften um 1«>/4 Uhr, Fichte 3 1. Iuaend um 10 Uhr erst gegen Schwimmer Charlottenburg I in Baumschulenweg. Am Mittwoch, 24. August. spielen Fichte 20 B 1. Manner gegen Groß-Berlin-Süden in Maricndorf und Fichte z I gegen Lichtenberg 4 I in Baumschulenweg um 19 Uhr. Zugendlreffea des Freien Seglerverbandes zwar Gruppe Ost vor dem Bootsplätz des in Schmöckwitz(Nähe Restaurant Waldidpll): a« Sonnlag, ZI. August, und Wassersportvereins 1921, e. V..,, W Gruppe West an der Bürgerablage Papenberge. Dortselbst finden unter den Jugendliche» folgend« Wettkämpfe und»spiele statt: Brustschwimmen 100 Meter, Faustball, Handball. Stafettenlauf 4X100 Meter, Stafettenschwimmc» 4X50 Meter. Den Schluß der Veranstaltung bildet ein Geschwadcrsegeln. Gäste willkommen. Jugendliche, welche ssch dem freien Segelsport anschließen Wösten, erhalten näher« Auskunft beim Obmann de» Iugendausschusses dl» FSB.. Alfons Sachs, Neukölln, Elster str. 4. Verschiedenes. Anfänger-Zenniaturnlee»am 7. b!» IL September. Tellnahmebrrechtigt an dem diesjährigen Anfänger.Tennisturnier stnd sämtlich« Mitglieder, die NN Jahre 1927 mit dem Tenniespielen begonnen haben. Meldegebühr 1 M. Meldungen an Georg Friedman», R. 54, Rofenthaler Str. 45, bis spätesten« zum 5. September. Auslosung am 6. September im LichtenHerger Stadion. Es werden Männer-Einzelspiele und Frauen-Einzelspiele ausgetragen. Der Berein Freie Schwimmer Roiden 1893 veranstaltet Sonntag, 21. August, 15 Uhr, ein internes Sommerschwimmfcst im Seebad Wilhelmsruh, Berlin- Rosenthal. Es kommen u. a. Etafettenkämpfe, Reigen, und Wasserballspicle zur Vorführung. Der Berein will mit dieser Veranstalwng seinen Freunden Teilnchmerliste für die Vorrunde Straße 62, Hos 1 Tr., Epi-ll-itersitzung. Die zum Meisterturnier ist abgeschlossen. «rbeiter-Radsahrrrpereia Sraß.Brrli». Tonntag, 21. August, 5 Uhr, Preisfahren Buckower See bei Sophienstädt. 13 Udr Röntgental, Bärwolf. straße, Restaurant Waldhau». Start W-Idcmarstraß-, Ecke Mariannenplali. Gäste willkommen. Mvtorfahrcr: 21. August, 5 Uhr, Sophienstädt. Start Mariannenplatz. Arbeiter-Schachabtellung Ostkap. 19. August, 20 Uhr, Rigaer Str. 67. Wettkampf gegen Lichtenberg II. Gäste stnd willkommen. Richtspieler werde» angelernt. ii Ereignis für Berlin isi die öl« Wüsterwarettsch aü Mshrüngs ünö-s Ksttußinittet fowie - ßetnhoft— s Fflr daa Fachmann,»awla kve ckl« Hamfrau und den Feinsohmeoker tat ata In glxtohae Weis« Interessant und unterrichtend. Sie gibt einen mustergOliigen und«MflaaWll«aa Ueborblick Ober die gesamte deutsche und ausländische Nahrunga-, Genußmittel- und Feinkost-Fabrikation, sowie die emsohUglge Bedarf sarUkel-lnduslrie. vom August isar In den beiden Aasstellungehallen am Kaiser dämm SM Eintrittskarten, dla rar freien Hin- und ROok- fahrt von allen Bahnhöfen der Stadt- und ' Ringbahn(1. Zone), auf der Untorgrund- baha und den Straßen- bahnllnien Nr. 63, 72, 76,03 berechtigen, sind an den betreffenden Fahrkartenaohaltem, bzw.bei den Sohaffnam rum Prelaov. RM.1.50 erhältlich. Dauerkarten(ohne Fahrver- günstlgung) RM. 5.— Vom 19. bis 27. August, also nur 9 Tage Außergewöhnlich billig Alle Gröben Alle Stoffe Alle Preise Sircifcnhösen Arbeitshosen Sporthosen Hauptgeschäft Berlin, Alexanderstraße 12 Zwelggeachlftai Rosantlialar Str. 83/ Turmstr. 30a I Brunnensir. 120/ Londaberger Allee 148/ Boxhegeaer SlraOeSO/ Wiener Str. 11/ Frankfurter Allee 323/ Neukölln, Bergstr. 68/ Friedrich»Hägen, Frladrickatr, 78/ NlederaehSnaweide, BrOckanstr. 18 .«asr.ft'.th KAü O T m.-g-.«.?« 2. Heilage öes Vorwärts 5reitag, August 1927 Das Monopol öer Zementinöuftrie. Preisdiktatur der Syndikate.— Außenseiter und Verbandskrise. Die deutsche Zementindustrie gehört zu den Industrien, die in ihrer Organisation eine gewisse Höchstform erreicht haben. Bis zu Anfang dieses Jahres gab es außerhalb der d?ei großen Verbände, dem Norddeutschen, dem We st deutschen und dem Süddeutschen Z« m e n t o er b a n d, die den Gesamt- versand regelten, nur wenige Außenseiter, deren Einfluß auf die Syndikatspolitik sich so gut wie gar nicht bemerkbar macht. Die An- sänge dieser Entwicklung zum Zusammenschluß im großen gehen schon auf die 9l)er Jahre zurück, in denen die Ueberproduktion der in Deutschland vorhandenen Zementwerke bereits z» einer planmäßigen Regelung von Produktion und Absatz nötigte. Trotzdem konnte auch im Rekordjahr 1913, wo 7,3 Millionen Tonnen zum Ver- fand kamen, die Zemeirtindustrie nur 69 Proz. ihrer vorhandenen Anlagen ausnutzen. In der Kriegs- und Nachkriegszeit erlebte sie einen schweren Rückschlag, der den Gesamtversand von 1,8 Millionen im Jahre 1919 auf den Stand von 1899 zurückdrückte. Die Politik üer Aementspnüikate. Der Neuaufbau und die innere Festigung der Zementindustrie und Zementvcrbände nach der Inflationszeit er- reicht« im vorigen Jahre einen gewissen Abschluß. Zu den drei ge- nannten großen P o r t l a n d- Zementverbänden trat jetzt noch der bisher als Außenseiter arbeitende Hüttenzement- Verband in Düsseldorf hinzu, so daß Ende 1929 die deutsche Zementindustrie nahezu lückenlos geschlossen war. Da die Absatzgebiete der«in. zelnen Verbände scharf abgegrenzt und die ausländische Kon- k u r r e n z durch den hohen Zollsatz von 199 M. pro 19 Tonnen, das sind 25 Proz. des Kaufwertes, so gut wie ausgeschaltet war, besaß jeder Verl>and in seinem Gebiet und die Zementindustrie für das gesamt« Inland eine geradezu monopolartige Macht- stellung. Diese Machtstellung hat die Zementindustrie gegenüber den Händlern und Konsumenten auch weidlich ausgenutzt. Abgesehen von dem scharfen Preisdiktat, das nicht einmal in der Zeit der schweren Baumarktkrise 1925/26 gemildert wurde, haben die Zement- syndikate gegen die Händler- und Berbraucherschast, die von Außenseiter» oder von, Ausland kaufte, Maßnahmen ge- troffen, die die Rücksichtslosigkeit der industriellen Kartell- Politik grell beleuchten. Von der Lieferung konnte man diese Abnehmer nicht ausschließen, da dies ein offener Verstoß gegen das Kartcllgefetz gewesen wäre. So erreichte man durch«ine rigoros« Verweigerung der in dieser Industrie üblichen Rabatte und Lieferungskredit«, daß die Sünder auf schnellstem Wege reumütig zu den Syndikatswerken zurückkehren, wollten sie nicht wirtschaftlich ruiniert werden. Wenn die Zementindustrie heute gegenüber den vielfachen Preis- erhöhungen in Baustoffen auf ihren seit etwa zwei Jahre stabil gehaltenen Preis hinweist, so ist dies richtig. Sic verschweigt jedoch, daß fast die gesamten Baustoffe in der schn'eren Krise 1925/28 eine sehr scharfe Senkung erfuhren und heute bei der anhaltenden Konjunktur auf dein Baumartt wieder ruckweise anziehen, während dje Zcmentpreise, die auch. in. der Krtsenzett sich nicht« rm ätz i g- t«.n, bei ihrem vorhandene» Hochstand einfach keine weitere steige- rung vertragen. Ein Vergleich»nit anderen Baustoffen zeigt, dies zur Genüge. Gegenüber einem Vorkriegsindex von 199 betrug Ende 1926 der Durchschnittsindex für Zement....... Stabeisen....... Schalbretter...... Grubenkies...... Baustoffe lReichSdurchschnitt) Großhandelsindex..... 169-162 Proz. 125. 150. 145—150. 148. 135—140. f Die Zementpreise liegen also 39 Proz. über den Stab- essenpreisen und 29 Proz. über den, Großhandelsindex. Wenn im ersten Vierteljahr 1927 der Index für die Baustoff« im allgemeinen von 148 aus 158 Proz. kletterte, so liegt doch immer jroch kein ersichtlicher Grund für die Zementindustrie vor, voller stolz auf ihre stabilen Preise hinzuweisen, denn diese liegen auch heute noch immer über dem Reichsindex der Baustoffe. Daß unter den besonderen Bedingungen, unter denen die Bauindustrie arbeitet, feste Preise notwendig sind, ist klar, denn das Baugewerbe muß möglichst über das ganze Baujahr hin mit festen Kalkulationen rechnen können, aber die Zementpreise sind viel zu hoch stabilisiert. Darauf sollten die maßgebenden Stellen schon durch den Verbrauch der privaten Auftraggeber hingewiesen wsrden, auf die der hohe Preis lähmend wirkt. Bekanntlich ist der Zementbedarf beim Wohnungsbau sehr gering, er umfaßt etwa nur 3 bis 4 Proz. der Baukosten. Die Zementindustrie ist da- her bei privater Auftragherteilimg überwiegend von der in- d u st r i e l l e n Bautätigkeit abhängig. Ein Vergleich in der Eni- wicklung des mdustriellen und des Wohnungsbaumarktes zeigt aber deutlich, wie hemmend der Zementpreis auf ersteren--eingewirkt hat. Die Bauerlaubnis betrug für: Wohnniigsbauten Industriebauten 1924.... 190 Proz. 199 Proz. 1925.... 142. 94. 1926.... 167. 61, vas Inland zahlt das Dumping. Bei der starken Ausnah mesähigteit des deutschen Baumarktes ist die Zementindustrie in weit geringerem Maße auf das Ausland angewiesen als andere Industrien. Bon den im Jahre 1926 abgesetzten sechs Millionen Tonnen ging noch nicht «ine Million ins Ausland, Um so unerhörter ist die Preisschleuderei, die die Zementsyndikate im Ausland betreiben. Diese Schlcuderei hat auf dem holländischen Markt besonders krasse Formen angenommen, wo der deutschen Zementindustrie die belgische ins Gehege kommt. In einer parlamentarischen Anfrag« an den h o l l ä n- dischen Arbeitsminister wurde festgestellt, daß deurscher Zement, der in Aachen 455 M. oder 278 Gulden kostet, in Holland mit 159 Gulden oerkauft wird. Noch größer ist die Preisspanne bei dem hochwertigen Dijkarhof-Zement, der in Aachen 890 M. oder 489 Gulden, ln Holland dagegen nur 229 Gulden kostet. Während also die Zementindustrie mit ihrem Preisdiktat den industriellen Baumarkt im Inland drosielt, beliefert sie das Ausland um fast 55 Proz. billiger. Die ihr dabei im Ausland entgehenden Gewinne werden schonungslos aus dem Inland wieder herausgeholt. Daß die Zementsyndikate dann noch über den fast zehnprozcntigen Absatzrückgang im Vorjahr klagen, den sie ihrer eigenen Politik zu- zuschreiben haben, beweist nur erneut, wie engbegrenzt das wirt- schostlich« Denken vieler Jndustrieführer ist. Kleiner Umsatz, großer Nutzen. Trotz des ziemlich bedeutenden Absatzrückganges haben nicht nur die drei großen Konzerne, die Schlesische Port- land-Zement- Industrie mit 27,9 Millionen Mark, die Portlond- Zementwerk« Heidelberg- Mannheim- Stuttgart mit 25D Millionen Mark und der Wicking- Konzern mit 29,9 Millionen Mark Aktienkapital, enorme Gewinne erzielt, sondern in gleichem Maße auch die mittleren Unternehmen. Die hohen Vorjahrsdividcnden konnten sogar vielfach noch gesteigert werden. Die von den einzelnen Unternehmen gezahlten Dividenden betrugen: 1925 1926 WickingsSe Portland-Cement-A.-G... 19 Proz. 19 Proz. Schief. Portland-Cement-Jnd.-A.-G.').— 19„ Porll.-Ccm.-WerkeHeidelbg.-Mannheim« Stuttgart......*... 8 Proz. 8, Portl.-Cement-Werle Saxonia.... 19, 8. , Schwanebeck., 7, 9„ Neubeckum... 8, 19. Ber. Harzer Portl.-Cem.-Jndustrie.. 6, 8, ») Erst im Vorjahr durch Fusion zustande gekommen. Dabei sind die ta i s ä ch l i ch rn Gewinne in diesen Dividenden- Ziffern nicht entfernt enthalten. Motze Summen sind aus laufenden Betriebseinnahmen für umfassende Rationalisierung und Mechanisierung der Betriebe verwandt und außerdem sind die Abschreibungsbeträge in der Zementindustrie durchgängig sehr hoch. Letzteres hat insofern seine Berechtigung, als der Maschinenpark der Zementfabriken sich überwiegend aus Arbeitsmaschinen zusammensegl, die schwere und harte Rohstoffe zu zerkleinern und zu bearbeiten haben. Dadurch ist die Lebensdauer der Maschinen sehr verkürzt. Welclze gewaltige Summen, die nicht mehr im Gewinnausweis erscheinen, für die Betriebs- Mechanisierung von den drei großen Konzernen verbraucht wurden geht aus folgendem hervor: Es betrugen Zugänge auf Anlag. Ab'�breiSungen 1325 in-25 1325 1926 in Millionen Mark beim Oberfiblesischen Cement-Konzern— 1.3— 2.6 . Heivelberger., 1,3 2,7 1.1 1,45 . Westdtfch. Wicking,, 8,0 1,2 0,9 0,7 Trotz der Dividendenzahlung und der Unkosten für die Betriebs- Umstellungen ist die finanzielle Lage dieser Konzerne ausge- zeichnet. Der Oberfchlefifche Zementkonzern weist 5,2 Millionen Forderungen gegen 4,9 Millionen Schulden aus, der W i ck i n g- K o n z e r n 9,2 Millionen Forderungen gegen 4,9 Millionen Schulden und der He i d e l b c r g- M n n n h c i ni- Konzern 8,3 Millionen gegen l>8 Millionen Mark Schulden. Angesichts eines so guten Standes der Zementindustrie, die nach ihnen Bilan.zausweisen geradezu im Geld« schwimmt, haben die Syndikate alle Ursache, endlich an«inen xnergischen Preis- a b b a u heranzugehen. Die Krise in öen Zementverbänüen. Mit diesem Preisabbtiu lönnte die Zementindustrie sich selbst am meisten nützen, denn damit würde den iin letzten Jahre hoch- gekommenen Außenseitern der Wind aus den Segeln ge- nommen und der Westdeutsch« Zementverband, dessen Mitglieder zum l. Januar gekündigt lmben, würde aus diese Art ain ehesten, die Lerbandskris« überwinden.' Die Keife im West- deutschcn Zementverband hat ihre Ursach« in einem überraschend hochgekommenen Außenseitertum. Nach dem alten Grundsatz, daß dos Kapital sich zu den profitreichsten Industrien hingezogen fühlt, haben ich laufenden Jahr auch in der Zementindustrie eine Anzahl N e u g r ü n d u n g e n stattgefunden, denen es ein Leichtes war, di« hohen Syndikotsprcife zu unterbieten und trotzdem gut zu o e r d i e n e n. Da die Syndikatspreise jo angesetzt sind, daß den ani teuersten arbeitenden Werken noch ein Nutzen bleibt, ist die Opposition gegen das Syndikat von den am rationellsten arbeitenden Unternehnien ausgegangen, die sich mit Recht dagegen wenden, daß die nicht rentablen Werke mit den hohen Preisen durchgeschleppt werden sollen, wodurch nur die Außenseiter hochgezüchtet werden. Da die Zementindustrie auch heute trotz des hohen Beschäfti- gungsgrades höchstens 69 Proz. ihrer technischen Anlagen aus- nutzen kann, so liegt den Neugründungen tatsächlich keine andere Ursache zugrunde, als der Anreiz der hohen Renten in dieser Industrie und der monopolistischen Preispolitik der Verbände. Wenn jetzt daher die durch das Ucbcrhandnehmen der Außenseiter geschädigten rationellen Großbetriebe rebellisch werden und mit der V e r b o n d s s p r e n g u n g drohen, so kann diese Maßnahme in ihrer weiteren Auswirkung zu begrüßen sein. Di« ver- antwortlichen Leiter in dem Westdeutschen Zcmcntjyndikat werden sich hüten, es zum Aeußersten kommen zu lassen. Der Schutz der unrentablen Werke durch hohe" Preise wird ihnen nicht so wichtig erscheinen, wie der Bestand des Syndikats. So sieht zu erwarten, daß die Zementsyndikate im Kampf gegen die Zlußenseiter eine Herabsetzung der Zementp reise vor- nehmen, die der inländische Baumarkt dringend nötig hat. U. B— e. wirtschostUche und unwirtschaftliche Warenverteilung. Die KGD. erweitert ihr Abgabeslellennetz. Aus Genossenschaftskreisen wird uns geschrieben: Der lebhaste Aufschwung der Berliner Konsumgenossenschast im letzten, am 39. Juni 1927 abgeschlossenen Geschästsjahr bedingte naturgemäß auch eine Vermehrung der War«»abgab«- stellen, deren Zahl sich von 292 am Jahresbeginn aus 215 am Schluß des Geschäftsjahres, also um 13 erhöhte: es wurden neu er- richtet 19 Lebensmittel- und 3 Fleisch abgab« stellen. Einschließlich der Abgabestetten der beiden Tochtergesellschaften, „Neuköllner GroßhandelZ-Gesellschaft" und„Hoffnung", Bekleidung?- industrie G. m. b. H., belief sich die Zahl der gesamten genossenschaft- lichen Abgabestellen in Berlin am Geschäftsjahresschluß auf 2 4 7. Diesen Zahlen gegenüber ist es von Interesse, zu erfahren, wie- viel handelsgewerbliche Niederlassungen in Groß-Berlin überhaupt bestehen. Die gewerbliche Betriebszählung vom 16. Juni 1925 stellt in Berlin insgesamt 121 569 Niederlassungen des gewerb- lichen Handel- mit 445 497 beschäftigten Personen. Es entfielen davon auf den Einzclljandel 55 899 Niederlassungen, wozu u. a. noch 7532 Geschäfte des Tabakworenhandels und 16 911 im Hausier- und Straßenhandel treten. Daß es sich hierbei in der Mehrzahl um Handeltreibende kleinsten Ilmfanges handelt, das ist daraus zu ersehen, daß auf jede» Einzelhandelsbetrieb durch- schnittlich nur 2,7, auf jedes Geschäft im Tabakwarenhandel nur 1,6 beschäftigte Personen errechnet werden. Die sich be- reite aus der Reichsstatistik ergebende, voikswirtfchaftlich unverant» wortliche Ueberfetzung des Handels tritt in Berlin in noch gesteigerter Form in die Erscheinung. 55 899 Einzelhandelzgeschäft« aus die Einwohnerzahl von Berlin verteilt ergeben, daß bereit» auf rund 70 Einwohner oder rund 29 Familien«in Einzelhandelsgeschäft entfällt! Setzt man hingegen in der Konsumgenossenschaft di« am 30, Juni vorhandenen 215 Abgabestellen in Beziehung zu der damals festgestellten Mitgliederzahl von 128 683, so zeigt sich, daß in der Genossenschaft auf 529Fa mitten eine Abgabe- stelle entfällt. In der Konsumgenossenschast weist also das Bild der Warenoermittlung eine Konzentration zum Zweck Wirtschaft- licher Ersparnisse auf, während im Privathandel eine starke Ueber- setzung schlimm st er Art zu verzeichnen ist.diein volks- wirtschaftlicher Hinsicht eine Vergeudung bedeutet. Die Kosten dieser Dergeudung trägt letzten Endes der Konsument. Der ständig aichaltenie Zustrom neuer Mitglieder in der Kon- sumgenossenschaft— im Juli allein wurden wiederum 1649 Aufnahmen vollzogen— zwingt die genossenschaftliche Organisation, im neuen Geschäftsjahr di« Ausdehnung des Ab- gabestellennetzcs in verstärktem Maße in Angriff zu nehmen. Der Juli brachte die Eröffnung der 194. Abgabestelle in Köpenick, Mahls- dorfer Stvaße, Ecke Straße K, im August gelangten zur Eröffnung die 195. Abgabestelle in Tegel, Freie Scholle, Straße 32, Nr. 1, und die 14. und 15. Fleischabgabestelle, Berlin N, Weißenburger Str. 39 und Seestraße 36 belegen. Ungefähr ein Dutzend weiterer Abgab»- stellen befindet sich in Vorbereitung, von denen einige bereit- im September ihre Tätigkeit aufnehmen werden, U. o. die 198. Abgabe- stelle m der Gehag-Siedlung in Zehlendorf. Kartelle und Abnehmer. Protest der Bekleidungsindustrie gegen die Preis- Willkür der Tuchfabriken. Wie die„Textil-Zeitung" meldet, ist durch die jüngsten starfen Preiserhöhungen der Tuchfabrikanten«in Konflikt zwischen dex Tuchindustrie und den Abnehmern heraufbeschworen worden. Das Vorgehen der Fabrikanten, die ihre Preise ohne jegliche Berechtigung um 19 bis 15 Pro.z. erhöhten, haben wir ber«its aufs schärfst« kritisiert. Die tuchoerarbeitende Industrie und die Tuch- großbänbler haben nun nach der„Textil-Zeitung" die Kartell- stelle beim Reichsverband der deutschen Industrie ersucht,„gegen diese Preiserhöhung einzuschreiten und Maßnahmen gegen die R-ck- Wirkung dieser Preisentwicklung zu treffen". Es wird weiterhin bemerkt, daß die Abnehmerschaft bei der früheren Preiserhöhung im April d. I. noch nicht protestiert hatte,„da inan einerseits erst di« praktische Auswirkung dieser Maßnahmen abwarten wollte und andererseits die ausländische Konkurrenz die deutsche Kundschaft zu unveränderten Preisen beliefert habe. Erst die jetzt vorgenommene Preiserhöhung um 19 bis 15 Proz., die �uf die Fertigwaren und damit auf die letzte Preisbildung einen verheerenden Einfluß ausüben müsse, habe notgedrungen zu einem offiziellen Vorgehen genötigt." Wird der Reichsverband der Industrie gegen die maßlose„Kon- junkturpolitik" seiner Unterverbändo energisch einschreiten? Wir haben wenig Vertrauen. Aber schließlich besteht ja noch ein Kartillgerickst, das freilich bisher in den Fragen der Preise kaum etwas ausgerichtet hat. Hier wäre eine Gelegenheit, festzustellen, ob die Kartellserord- nung dazu. ausreicht, der ganz offenkundigen' Usberspannüng de» Kartellgedankens in der Preisbildung«ntzeaenzutreten. Die Tieichsbank taust ruffisches Gold. Der Reichsbank- o u s w e i s vom lös August weist«ine weitere Senkung der gesamten Kopitalonlage an Wechseln, Schecks, Lombards und Effekten um 146,5 auf 2332,5 Mill. M. auf. Davon hat sich der Bestand an Wechsel» und Schecks um 163,4 auf 2193,9 Mill. M. vermindert, mährend der Lombordbestand um 16,9 auf 46,4 Mlll. M. angewachsen ist. Der Umlauf an Reichsbanknoten ermäßigle sich auf 3592,5, der �on Rsntenbankschein-;n aus 962,5 Millionen Mark. Trotz dieser Senkung des Notenumlaufs stellen die insgesamt 4555 Mill. M. umlaufenden Noten ein? Rekordhöhe für die Medioousweif? der Reichsdank seit Jahresbeginn dar. Der Zuwachs an fremden Geldern ist mit nur 28,7 Mill. M. auffallend gering. Der Kalddeftond weist mit 1.8 Milliarden ein« seit langem nickst erreichte Höhe auf. der Zuwachs, der im wesentlichen aus russischen Verkäufen stammt, beträgt 26,1 Mill. M. Die N o t e n d e ck n n g durch Gold besserte sich von 47,9 Proz. in der Vorwoche auf 51 Proz., die Deckunlg durch Gold und deckungs- fähige Devisen von 53 auf 55,7 Proz. Ausbau der Elcktrowerke des Reiches. Im Zusammenhang mit der Ausdehnung des schlesischen Stromversorguneegebiets der Elektrowerke-A.-G. und der beabsichtigten S.romlieserung an die Berliner Stadt- und Ringbahn wird das Großkraftwerk Tratten- darf weiter ausgebaut werden. Das Kraftwerk wird jetzt auf eine Leistung von 139 99 9 Kilowatt gebracht. Das Kraft- werk Trattendorf liegr bekanntlich unmittelbar aiis der Nieder- lausitzcr Braunkohle und ist mit den anderen beiden Großkraftwerken der Clettroweike Louta und Golpa-Zschorncwitz technisch und wirt- schostlich zusammengefaßt. Die in diesen Großkraftwerken zur Ver- fügung stehende Maschiuenleiftung steigert sich durch den Ausbau von Trattendorf auf 699 99 9 Pferdestärken. Bei der zunehmen- den Verwendung der elektrischen Energie haben die Eleklrowerke sich veranlaßt gesehen, sich rechtzeitig für den kommenden steigenden Verbrauch vorzubereiten. Zollermäßigung für Reparationssachlieserungen. Jitz Amtsblatt der sronzösischen Regierung ist jetzt das Gesetz veröffentlicht, das die französische Regierung ermächtigt, die Zollsäge für alle auf Repa- ratio nsko ii to gelieferten Waren z» ermäßigen, soweit sie in Frankreich nicht genügend hergestellt werden und für öffentliche Arbeiten verwandt werden sollen. Die Ermächtigung gilt auch für Kolonien und die Mandatsgebiete. Die französische Regierung beob- fichligt damit, die im letzten Jahre zurückgegangenen Reparations- jachlieferungen stärker zu fördern. Die Gründung der österreichischen Girozentrale vollzogen. Die Gründung der Girozentrale der österreichischen Ge- n o s s e» s ch a f t e n ist nunmehr am 16. August in Wien erfolgt. Di« Girozentrole wird, wie wir bereits berichteten, die Spitzen- organffation der landwirtschostlichen und gewerblichen Kreditge- nossenschaften darstellen. Von dem 5 Millionen Schilling betragenden Aktienkapital übernehmen di« deutschen Genossen- schaften 3 Millionen. Dementsprechend werden im Verwaltungs- rat von reichsdeuffchen Genossenschaftsverbänden di« Deutsche Raisfeisenbank, der Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften und die Preußische Zentralgenossen schoftskafse oertreten sein. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in Frankreich, die Ende März 79 159 betrug, ging vis zum 1. Juni auf 26 892 zurück. Die bei den Arbeitsnachweisen gemeldeten Arbeitslosen verringerten sich in demselben Zeitabschnitt von 84 999 auf 36 099. Die Einwanderung ausländischer Arbeiter hat gleichzeitig in geringerem Maße zuge- nommen»nd zwar fast auzschließlich infolge der Zulassung land- wirtschastlichct Arbeiter. Die Gesamtzahl der eingewanderten aus- ländischen Arbeiter betrug seit Jahresbeginn 13 944, die Gesamt- zahl der Rückwanderer 48 396. Der Umfang der Arbeitslosigkeit i» Frankreich kommt in diesen Zahlen auch nicht annähernd zum Au? druck. Diese Zahlen können mr als Bewegungstendenz gewert-! werden. ItedissWer Norden 10334—37 d U. EndelOVjü Zam 100. Male Der teer Die Komödie Bismarck 2414/ 7S16 «'I, Uhr, Ende 10 Der Snob Sommerpr. 3—10 M. ilinilwikr-Böbnir SomiamlirEktwD Beanoßiog rii.Königiiräti. St. Hasenheide 2110 « Uhr Oie Sdiole v.llziiad! KomOdienhaa* {iesdilossen! iaitenborg-Bühnm Ols. KQnstler-Tb 8 Vi Uhr: „Da wirst mich heiraten" Lessing-Theater 8V, Uhr Israel TrianoQ-Tbeder tägl. SV, Uhr: Demimoode (Halbwelt) Stbrnttr-Sdinm. Äidw, Helens baesdiswska. Preise 1,2, 3 M. usw. WatnaUa- Theoi Täglich 8V. Uhr: ßer fröbiiehe Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer Parkett statt 4 Mk tägl. auch Sonntags nur 00 PL Ihsatsr des Westens 8>, Uhr Die Tugendprinzessin Musik von Zorlig tili ilaffnun. Arltar Hell, Marlica bdelj. Hidls Kattner, Edith Carla 5r/lct, H. lüoidiih Preise 1,2, 3 M. usw. Lust spielhaus 8V. Uhr, Care Electrik Jlose-Theater 8V. Uhr Fürstenwende Gartenbohne 5 Uhr: Konzert und Bunter Teil 8 Uhr LleBe isi Trainpl h. im Admiralspalast Täglich'i,9 Uhr Mim- REVUE „An und aus" 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhru.'/«9Uhr Hadm. dlggaui»ar- rtel'Dnj za halb. Prtii. Thea), a. Nollenilorfpliti Täglich 8'/i Uhr Alt-Heidelberg Sdiastkial m Kijit'-Fatrslti Kattoni, Rapier, Slhsel.fiartslt Preiset 1.-. 2.-. 3,- M. usw. Planetarium am Zoo VsrlSng. Joadiimslbakr Stratk Noll. 1578 Der Sternenhimmel auf der Reite von Berlin nach dem Aequator Vorführungen: 4'/». 6, 7V3, 9 Uhr. Eintritt 1 M. Kinder nnt. 15 Jahna 0,50 M. Theater am Kotth. Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: iElMDgU Gevaltiges - Programm. [jJf rm /V 11 - �;.r.. Ol; v-;'-1 "Met so WWW ./■ v--v., ■„.'A i.V..,-Vi*'; if'-t:>6 MMM? Ägypter- SZttnai .••..jNv.V- ;'/...: i.' 1■i.-. V''.' Gataniizrf der teste TahaK* derneuen Srtite Komische Oper 8'/. Uhr 8V, Uhr Berlins neueste Revue: I Streng verteotenttti Dia Unna dir iirbalaeao Laidannhaftia! 1 Ueber 200 Mitwirk./ 8 Balleiti.l 1 Vomrkaiifa.d.Thnlerkautah lOmirinntntr 1 Hl TcUZZ NollendorE 7360 Das groBe Eröffnungs- Programm! Sonnabends H. Sonntags 2 VorstelL 3 30 u. 8 Uhr— 3Ä zu srmiBigUn Preisen das ganze Programm. mit Stock, Dtz. 60, 75 Pfg. Pockeln Dtz. 60 Pfg. Lamptona Dtz. 75 Ptg Japanlaternan v. 60 Pfg. an. Papiermützen Sfodüafernen 7g. an, echte fg. an. Paplermü Dtz. von 20 Pfg. an. Glrlanilen Dtz. von 50 Pfg. an. 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Trenn- den und Belannten dem Pflanzer- verein Pappelheim, der Deschäsls- leiwng und den Kolleginnen und Kollegen der Vorwäris-Buchbruckerei, dem Buchdinderverdanb und ins- besondere dem Kollegen Richard Barth für seine trostreichen Worte uusetn hetziichsten Dant. Berlin, den 18. August 1927. Mutter und Kinder. Jtenhd's- Schßußr�Pulvjßr in* JicuttiUcher Streuflasche/ Sichert fpatjam/te fawendwig Fllr die Beweise herzL Tettndhme bei «r Beer-------------------- unseres< der Beerdigung meine» lieb. Manne». ere» aulen Baler», sagen wir dem Berlag de».Vorwärts", den Kollegen u. Kolleginnen der Buchbinderei, dem Verband d. Buchbinder und der SPD. sowie d. Freunden n. Befaunten unsern innigsten Danf. Ww. Mnrtha HSbn u Kinder, Steglitz, Kisfinger Str. 16. CüilMIIlMIiM-WUS «chwng! gWNdSlüfe Soggabeab. den 20. Vagtzff, mittag» 12 Ahr, bei L a a sc r, Lggsthcr Stv.25 Erwerbslosen Versammlung sSmllicherMekalldrücker«.polier er. Jeder erwerbslose Kollege noch de» stimmt erscheinen. UWiMsgeflevetteW* bezügsbereSkigte Mliebed Am Montag, dem 22. Anggst, . vienstag,. 23.» . Mit tu? ad,.. 28». finden in der gelt van 10— 1 Ahr porSa lütUUimo d««ahltörper im P-rtro» aal de« Verbandshause« am Schotter 1 >U S die Eintragungen statt.* Sic OrUocrtoafhmo. innanäsKranKenKasse der TlsdUer- Innung zn Berlin. allkerokbevtl. MssÄßMllttg der Vertreter der Kasfenmilglieder und der Znnunosmttglieder am Montag, de« 29. August, abend» 6 Uhr, im Holzarbeiter- uerbaudshaus, Ruugeftr. 3« Stfl. pari. (Sitzungssaal). Tagesor änderungen. 2 Besch! d nun g: L Sotzunas lutzfassung über d! ng. 8. A: i« eänderte Wahlordnung� 8. Benderung r Dienüordnung. 4. Verschiedene». Den Ausschußmitgliedern werden b«> sondere Einladungen llbersandt. Berlin, den 17. August 1927, Der Borstand Otto Sronau, W. Lindemanit, Borsitzender._ Schristfllhrer. \m wi Berlin-Hambg.-Bahn). Erfolgreichstes 5ad gegen Gicht, Rheuma, Ischias und Frauenleiden. Erfolg tausendfach bestätigt. Eröffnung 1. Mai 1927. Kurzeit ganzjährig. Prospekte durch die Bade- Verwaltung und diverser Reisebureaus mmmm Ziehung 20.» 27, Aug. Wartborg Geld-Lotferie 9603 Gewinn« u. 1 Prämie Mark t 2NVVSD 1100000 75000 25000 Hauptgewinn Prämie 10000 Alls Gewinne bar ahne Abzug zahlbar. Lose zu 3 M. Wg» Haupt gawina 5 lose ÄS 1 5 M. überall erhältlich. flenSsciic Lolterlß-Enüssiaas-Ges Berlin W 9, Lennästr. 4, Poitseheckkonto Berlin 13870 Ireitag 79. /lugufi 7927 Unterhaltung unö Aussen öeklage öes vorwärts Chaim. Von Jakob Pat. M«si Novelle Ist der Zlovellensammlung«vier dem allgemeinen Titel„Sunbifhn* entnommen, die auf Grund der Materialien und Aufzeichnungen des Archive« des Jüdischen Sozialdemolrati. fchen Partei. Bundes geschrieben worden find. Der erste Band der Zlovellensammlung sie Erzählungen) ist lS27 in drei Auflagen er. erschienen. Diese Geschichten beziehen sich aus die Zahre 18SS— ISiK. Niemand gab Chaim den Auftrag, den Polizeivorsteher zu er- schießen. Er tat es aus eigenem Antrieb. Nicht einmal richtig schießen konnte er. Es sind zioar nur zwei Monate seitdem vergangen, aber in der Gefängniszelle kommt ihm die ganze Geschichte vor, als ob sie bereits vor sehr langer Zeit passiert wäre, und sie scheint ihm ver. worren und verschwommen, wie ein langes, dunkles Floß auf dem heimatlichen Fluß. In der Nacht ist es weggeschwommen, ein Balken löste sich los und streift im Wasser umher... Vor seinen Augen taucht das kupferne mit Flecken bedeckte Tablett auf, auf dem seine Mutter den Samowar zu reichen pflegte— genau so sah das Gesicht des Polizeioorstehers aus, den die Kugel nur gestreift hatte und der mit seinem glattrasierten Gesicht verdutzt auf dem Trottoir stehen blieb, mit der Hand an den großen Messinggriff seines kurzen Säbels greifend. Chaim tat dies ganz allein und hat mit niemand konspiriert. Cr hat nur an diesem Tage anders als sonst sich in dem leeren Zimmer umgesehen, wo er allein mit seiner Mutter wohnt«. Der Vater, der Schreiber in einem Holzgeschäst gewesen ist, hatte de- reits vor zwei Jahren das Zeitliche gesegnet, der ältere Bruder Meier ist schon das dritte Jahr in Sibirien, und die Mutter geht im Zimmer herum, wie ein älteres, schwaches Huhn. Und er, Chaim, ist neunzehn Jahr« alt. Er hat bereits zwei Monate Gefängnis hinter sich, in seinem Zimmer waren schon zwei Haussuchungen, und er weiß, daß er Revolutionär ist, der sein Leben der Freiheit geweiht hat... Er war zwar fast nie im Dorf, aber er weiß, daß er für SO Millionen Bauern, für löst Millionen Menschen lebt, und in seinem jungen Blut braust ein langgezogener. zitternder Schmerz: Hunger— Gewalt— Tod... Heut« geht Chaim nicht ins Holzgeschäft, wo er angestellt war. das ist dasselbe Holzgeschäft, wo bereits sein Vater gedient hat, Heute geht er auf die Straße, um dem Polizeivorsteher Peter auf- zulauern. Er hat heute den Lederriemen enger gezogen und die Hosen steifer geschnallt. Den abgenutzten schwarzen Hut mit dem losgelösten Band stülpt er sich leicht auf den Kopf, der ihm heute merkwürdig überflüssig vorkommt, wie ein ausgeflogener Vogel. In der Tasche drückt schwer der Revolver, den er für selbstverdiente elf Rubel gekauft hat. Auf der Orlowitzkagasse beim Revier neben der Laterne mit der eingeschlagenen Scheibe lauert er den Polizeivorsteher auf. Ja.--- T Und jetzt in der Gefängniszelle kommt ihm dies alles wie ein dunkler Balken vor, der losgelöst vom Floß allein in der Sommer- nacht schwimmt.,„ * Der Polizeivorsteher heißt Peter. Er ist kein hiesiger Mensch. Man hat ihn von weit her aus einer anderen Stadt versetzt. Er konnte dort nicht länger bleiben. Dort, in jener Stadt, wo am blutigen Sonnabend in den Gassen 41 tote Menschen liegen blieben. Dort zitterte die Rache. Da— der Polizeivorsteher Peter befahl in ein Fenster zu schießen, und tot sank die Jüdin Chaje nieder. Auf dem Hof fiel eine andere Jüdin, Beile, zu seinen Füßen nieder, umschlang mit beiden Händen seine blankgeputzten Stiefel:»Väterchen, habe Mit- leid!"— Aber er lachte nur, stieß sie mit dem Fuß zurück und befahl, sie niederzuknallen. Die Jüdin Beile schlug einen Purzel- bäum und blieb mit dem Bauch nach unten, mit dem Berg zer. lumpter Kleider nach oben liegen. Der Schuster Abraham Leib saß im verschlossenen Zimmer neben dem Fenster und las die Psalmen. Eine Kugel traf ihn in den Kopf und er steh seinen durchlöcherten, mit Blut bedeckten Kopf auf die Psalmen sinken: ein Bächlein Blut rieselte von seiner Stirn auf das Gebetbuch. Der kleine Leiserke war erst zwölf Jahre alt. Cr war ober allein mit den kleineren Kindern in der Wohnung geblieben, als Peter mit den Soldaten durch die Straßen zog und»in die Revolution hinein" schoß. Er stellte sich vor die Wieg«, in der sein einjähriger Bruder lag und deckte ihn mit seinem zwölfjährigen Körper zu. Aber die Tür auf die Straße war mit Glasscheiben. Der Reservist Paul aus dem Gouvernement Perm kam gerade vor- bei, bückte durch die Scheibe mit seinem gelben Gesicht in die Stube, blinzelle dem Polizeivorsteher Peter zu und schoß mitten ins Zimmer. Und da gab es keinen Leiserke mehr in dieser Welt. Der Polizeivorsteher Peter und der Reservist Paul— zwei Heilige: Peter und Paul— gingen tobend durch die Gassen der Stadt. Sie stießen auf den Schreiber beim Assessor und wollten ihn erschießen. »Du bist ein Aufwiegler, ein Jude..."—„Ich bin ein Christ."— »He! Sag die Wahrheit! Bist du Jude oder Christ?"—„Ich bin ein Christ."—»Na. dann los, bekreuzige dich. Gut, du verstehst es. Na, dann sag mal das.Vaterunser" auf. Gut, du kannst nach Hause gehen. Verstecke dein Gesicht, hast'n« Judenfresse." Peter und Paul gingen weiter durch die Straßen. Nachts fragt« Peter:»Na, wieviel hoben wir zur Strecke ge- bracht?"—»41. Jhro Hochwohlgeboren," erwiderte der älter« Polizist, dessen von Pockennarben bedecktes Gesicht wie ein Sieb aussah.—»Ha, wenig, ich dacht«, daß mehr..." sagte Peter. « Peter hat danach in jener Stadt nicht mehr bleiben können und wurde weitab oersetzt: Polizeivorsteher vom Ornowitztarevier, in jener Stadt, wo Ehaim war. Chaim, der neunzehn Jahr« alt ist, der einen Bruder in Sibirien hat und der bereits selbst seit zwei Jahren an unterirdischer Arbeit teilnimmt. Und irgendwo las Chaim auf dünnseidenem Papier mit kleinen Buchstaben:»Geht auseia- ander!" Es hat der Polizeivorsteher am blutigen Sonnabend geschrien: »Ich warne euch alle, ich werde schießen!"—»Schieße, und warne nicht!" so antwortete man Ihm aus der Arbeitsgruppe. Und die Genossin Hinde sank tot nieder... tot... tot... In einem jungen Herzen läßt so eine tote Hinde«inen unvergeßlichen Ein- druck, und man trägt in sich die Erinnerung an die für die heilige Sache Umgekommene. Wie ein Kamel, das sich wiegend entfernt und zwischen den Bergen verschwindet, so geht auch da» eigen« pmge«eben weg. Man muß« opsra» r-r hingeben. Und so ging Chaim, an Peter Rache zu nehmen. Er konnte nicht einmal richtig schießen. Der neugekaufte Revolver zog durch seine Schwere die Tasche zur Erde hinunter. Konnte Chaim denn anders handeln?— Bleib du gesund, mein Mütterchen. (Schluß folgt.) Geßlers Flaggen-Erlaß. 3m Lager rechts bewirkt dies Bild, Saß die Entrüstung mächtig schwillt. SS habe nämlich Oskar Sergt Sen Aationalgeist abgewercht, Zndem er zu verruchter Gabe Sie Letter noch gehalten habe. i-teng� Man fordert wütend Äechenschast. Auch Sindenburg wird angeblafft. Sie Flagge selbst bleibt äußerst kühl Sei so beleidigtem Gefühl sind deutet an, daß da« Geschrei Zhr wirklich völlig schnuppe sei! vom altrömifihen Sücherwesen. Von Artur von Strom. Schnellpressen! Setzmaschinen! Tempo, Tempo, denn morgen ist alles veraltet! Indem wir noch darüber nachsinnen, kommt viel- leicht einer, der alles ganz anders und natürlich viel besser macht. O, man muß sich beeilen. Eigentlich kann ja niemand mehr recht mit, aber das ist ja gerade das Großartige. Wir waten förmlich in Zeichen und Wundern. Träume? O, nein, wir brauchen und dulden keine Träume mehr, denn wir leben im Jahrhundert der erfüllten Träume, wir sind, bitte sehr, endlich glücklich geworden. Jeder Romanschreiber darf bakterienhafte Vermehrung seiner„opera" er- warten und jede Hohepriesterin des Kitsches sieht ihre Offenbarungen möbelwagenweise zu Markte gekarrt. Es ist ganz fabelhaft. Inmitten dieser ehrfurchterregenden Hetze fällt mir der alte Ben Akiba mit seiner talmudischcn Mahnung ein: Alles ist schon einmal dagewesen. So lesen wir in alten Berichten, daß bereits der Kaiser Augustus 2000 Exemplare eines ihm mißliebigen Werkes ton- fisziercn lassen konnte. Mein Gott, bei uns beginnt ja die Durch- schnittsauflage so etwa mit 200 000, aber immerhin, man fühlt sich sympathisch berührt, man wird aufmerksam, man beginnt nachzu- denken. Zweitausend Bände!— Wie war es denn nur möglich, daß ausgerechnet Bücher im kaiferlich-kviegerischen Rom... Wie ging das alles zu? � Auf den Umwegen eines kleinen stöbernden Fleißes gelangt man zu folgenden Resultaten: War der Autor ein begüterter Mann, so fand sich unter seinen griechischen Sklaven sicher ein„litenitus, einer der schreiben konnte. Denn der gelehrte Sklave war auch im Altertum der eigentliche Geistesträger. Er fertigt« Abschriften an, er schrieb nach Diktat und bediente sich dabei der sogenannten ,.tiro- nischen Noten", einer Art Kurzschrift, die Tiro, ein Freigelassener des Cicero, erdacht hatte. Eo schrieb der Sklave die Dichtungen seines Herrn in sehr kurzer Zeit nieder und dachte selten daran, selber zu dichten, denn das ist eine Angelegenheit beschwingter Ge- müter. Er war Stenograph. Das Manuskript wurde dann in die Werkstätten der Buchhändler geschafft, die neben ihrem ossenen Laden sehr oft eine Offizin mit menschlicher Schnellpresse besaßen: Sklaven wiederum, gelehrte Sklaven, die von den einschlägigen Werken der Literatur durch Ab- schriften Auflagen von mehreren tausend Exemplaren herstellen konnten, und zwar in recht kurzer Zeit. Was wäre wohl aus dem römischen Schriftwesen und seinen Autoren ohne die Sklaven ge- worden! Sie waren die Seele des Altertums. War der Dichter ein armer Teufel, der die Herstellung seines Buches nicht bezahlen konnte, so hatte er es mit den Verlegern genau so schwer, wie sein« Kollegen des 20. Jahrhunderts. Er muhte überall herumlaufen und den achfelzuckcnden Herren die Güte seiner poetischen Ware anpreisen. Hatte er Glück, so stellte man sein Werk in mehr oder minder kostbaren Einbänden her und warf es der Hyäne Publikum vor. Dann konnte sein Anstieg zum Gipfel des Parnaß beginnen. Und das war damals viel schwieriger al» heute, denn es gab so viele glückliche Analphabeten. Oester noch als bei uns befanden sich Verlag und Sortiment in gleichen Händen. Eine ganze Anzahl von Namen berühmter Der- lagsfirmen ist uns bekannt geworden. Wohlgenährt saßen die Buchhändler In ihren Geschäften und «hrfurchthcischend, denn sie hüteten den Hort des lateinischen Geistes. Am Forum, im Vicus Sandolarius, in allen belebteren Gegenden Roms hatten sie ihr« Tavernen. Wohlgeordnet lagen dort die Bücherrollen der Dichter in ihren Fächern. Auf bequemen Lesesitzen konnten sich Käufer und Besucher mit den Neuerscheinungen bekannt machen. Der Buchhändler legte ihnen seine günstigste Erwerbung vor und beteuerte, daß bei allen Göttern niemals ein größeres Genie den Boden des Altertums beschritten habe, als gerade sein Autor, von dem nur deshalb noch niemand etwas wisse, weil die Götter mit Blindheit zu schlagen pflegen, wen st« verderben wollen. Spitzenleistungen, meine Herrschaften! Ja, das ist was! Welch ausgespartes Können! Beim Apoll, welche Grazie!.. ... Der Preis?... Lächerlich! Ich setze mein Vermögen zu bei der Förderung solcher Talente. So wurden damals die Inserate, die wir heute im„Buch- händler-Börsenblatt" lesen, in allen Buchläden Roms mündlich er- ledigt, denn jeder Verleger besaß den einzigen Dichter der Zeit, er allein hatte seinen wahren Wert erkannt, er hatte ihn gemacht und war bereit, für ihn zu sterben. War das nicht eine ganz ehrenhafte Art des Bekanntwerdens für die Dichter? Ja, das schon, aber zahllose Poeten der Stadt Rom erstrebten«ine Abkürzung dieses offiziellen Vorganges. Es war ja auch ein« mißliche Geschichte, andauernd von Pontius zu Pilatus rennen zu müssen, bis man einen verfluchten Gauner aufgetrieben hatte, der... hm... Und schon zur Zeit des Augustus verfielen die Dichter auf einen schrecklichen Ausweg: Sie veranstalteren Vorlesungen! Genau wie heute!— Ja sie lasen selber, sie lasen aus ihren eigenen Werken vor, und von allen Schicksalsschlägen, welche jemals die herrliche Roma trafen, war dies der bitterste. Ueberall lasen die Dichter. Sie lasen im Kreise beklommener Freunde, sie lasen auf dem Forum, in den Theatern, in den Bädern, in irgendwelchen Hallen, es kam ihnen aar nicht darauf an. lieber- all, wo der Bürger, vom klassischen Tagewerk ermüdet, aus ein ruhiges Plätzchen hoffte, lasen die Dichter. Und sie lasen jeden Tag. Kein Tag verging, an dem nicht Anschlagzettel neue Vorlesungen verkündeten. Schwer hatte Rom unter dieser geistigen Pest zu leiden. Dennoch war die Lesegier groß und die Verbreitung der Schrif. ten beliebter Autoren erstaunlich. Selbst die armen Schulkinder wurden auf die Literatur gehetzt: Sie besaßen grammatische Lehr- bücher und Chrestomatien. Die Verbreitung des Schrifttums lieh also wenig zu wünschen übrig. Man schrieb mit einem Griffel, dem„stilus", auf Wachstäfcl- chen, aber auch mit Tinte aus Ruß und Gummi mit dem Schreib- rohr, dem.calamus", auf Papyrus oder Pergament. Die beschrie- denen Blätter wurden an Stäbchen, die länger waren als die Bogen, aufgerollt. Das Ende des Stäbchens ziert« ein Knopf aus Elfenbein öder Metall, der zur Befestigung des Buchtitels diente, den man vermittels eines Bändchens anbrachte. Auch an Biblis- theken war im alten Italien kein Mangel. Selbst in dem kleinen Herkulaneum fand man ein wohlerhaltenes Bücherzimmer mit 1700 Schrittrollen in offenen Repositorien. Und endlich fehlte auch der amüsante Bllcherraffke im klassischen Italien nicht. Leutchen gab es, die, wie bei uns, der Meinung waren, das Vornehmheit unter anderem am besten durch gewaltige Büchermengen gestützt werde. Niemals wurde ihren Bibliotheken ein Buch zum Zwecke des Lesens entnommen, dafür standen aber rings umher die Büsten der großen Dichter in Gold, Silber oder Erz getrieben. Bis unter das Dach waren, wie Seneca erzählt, die Schätz« des Geistes in den Häusern der Reichen angehäuft. Von Zeit zu Zeit stellte sich der Hausvater friedlich gähnend davor auf und freute sich an den Titelaufschriften seiner gekauften Bildung. Denn alles ist schon einmal dagewesen! Was der amerikanische§ilm einbringt. Arnaldo Fraccaroli, ein italienischer Berichterstatter, der zurzeit in Hollywood weilt, hotte vor seiner Abreise nach Kalifornien eine Unterredung mit seinem Landsmann H. Giannini, der nach Amerika eingewandert ist und heute als Präsident einer der bedeutendsten Großbanken New Uorks im Finanzleben der Vereinigten Staaten eine führende Rolle spielt. Er war der erste der amerikanischen Großfinanziers, der schon vor Jahren im Vertrauen auf die Eni- wicklungsmögtichkoiten der noch in den Kinderschuhen steckenden Filmindustrie ihre Entwicklung durch freigebige Kreditgewährung förderte.»Wir haben heute in Amerika rund ein Dutzend großer Firmen von Weltruf," erklärte der Bankier von Hollywood,»und über hundert Firmen geringeren Umsangs, die indessen ebenfalls zumeist vorzügliche Geschäfte machen. Unsere Organisation ist heute so weit gediehen, daß Amerika 80 Proz. der Filme der ganzen Welt produzier). Die Vereinigten Staaten sind schon an sich ein riesiger Markt: aber von nicht geringerer Bedeutung als der heimische Absatz ist unser Export. Wir arbeiten für verschiedene Nationen, und unsere Filmtitel werden in 37 verschiedene Sprachen übersetzt. Im vergangenen Jahr hat Amerika Filme im Werte von 235 Millionen Dollar ausgeführt. Der größte Teil davon entfällt auf Europa, das mehr als die Hälfte der gesamten Ausfuhr auf- nimmt. Vor zehn Jahren versandten die Vereinigten Staaten Film- streifen in einer Länge von 8000 Kilometern: im vergangenen Jahre hat sich diese Ziffer auf 28 000 Kilometex erhöht. Der größte Verbraucher sind die 4000 Theater Englands, Schottlands und Irlands, wo Sö Proz. aller vorgeführten Filme amerikanischen Ursprungs sind. Selbst in Deutschland werden 60 Proz. der Kino- theater von Amerika beliefett. Wollen Sie, der Kuriosität halber, wissen, wie hoch sich dos Rohmaterial beziffert, das die„Eastman Kodak Co." für die amerikanische Filmindustrie liefert? Es find im Jahr rund 300 000 Kilometer Filmstreifen." Giannini führte dann weiterhin aus, daß es in Amerika keine Seltenheit sei, wenn ein Film monatelang in einem Theater laufe. Das eindruckvollste Schulbeispiel für die Zugkraft einer solchen Serienaufsührung ist der Film, der unter dem Titel„Die große Parade" in New Park seit mehr als einem Jahr« alltäglich in demselben Theater vorgeführt wird. Es ist das freilich auch einer der erfolgreichsten Filme. Er hat nur 600 000 Dollar gekostet und heute bereits einen Gewinn von 6 Millionen eingebracht. Dagegen war der Sensationsfilm„Ben Hur", der phantastische Summen gekostet hat und«inen ungeheuren Arbeitsaufwand forderte, angesichts der Herstellungskosten von drei Millionen ein recht schlechtes Geschäft. Aber das macht nichts, da andere Stücke für den Mißerfolg des einen entschädigen. Die letzte Arbeit großen Stils ist der Religionsfilm„Der König der Könige". der in diesem Monat dem Publikum gezeigt wird. Er hat zwei Jahre Vorbereitung und 2,3 Millionen Dollar an Herstellungskosten erfordert. Aber das sind Ausnahmefälle, normalerweise kosten die Filme, die durchschnittlich zwei bis drei Monat« Vorbereitung er- fordern, 200 000 bis 300 000 Dollar, bescheidene Summen, wenn man sich den Tanz der Millionen oergegenwärttgt. Mcviel Sterne gibt es? Die alte Frag« des Volksliedes »Weißt Du wieviel Sternlein stehen?" wird heute nicht inehr der Beantwortung durch Gott überlassen, sondern die Astronomie hat in den letzten Jahren immer genauere Angaben gemacht, die wenigstens eine ungefähr« Abschätzung der Sternenzahl gestatten. Di« Zahl der Sterne, die man mit dem bloßen Auge sieht, ist nicht sehr beträchtlich. Man kann an einer bestimmten Stelle höchstens 2000 Himmelslichter zählen, und wenn man um die ganze Erde herumreist und die sternenreichsten Teile des Himmels berücksichtigt. kommt man auf nicht mehr als 60 000. Es bedurfte daher schon einer orientalischen Einblidungstraft, um die Zahl der Sterne mit den Sandkörnern am Meer« zu vergleichen. Mit der Vervollkomin- nung der astronomischen Instrumente aber hat man immer mehr Sterne gezählt, und erst kürzlich hat der Astronom C. G. Abbot die Sternenzahl der Milchstraße einer genauere» Untersuchung unter- warfen. Er gelangt bei einer bescheidenen Schätzung zu der Zahl von 30 Milliarden Sternen, eine Ziffer, die aber von andern Astronomen für zu hoch Gehalten wird. Sie wollen der Milchstraß? xmx«we Menge voa 3 bis 4 Milliarden zugestehen. Leipziger Str./ Alcxanderplatz/ Frankfurter Allee/ Belle-Alllance-Str./ Frisches PBeSsch Berliner Sctalaclitliaasware Pa-SctoineMncIi 85pt PaiMnesciislIerlilaH m96pt. Pa.SMDeliG(eIen..... F�d 1,38 Pa.KassIer 1.18 Paiisfieln S�...?.ttJCd' 56«. PaJaiaielüeisili! Pa.Bafflinell(enl8fl 1,10 iPt. Pa.!WenW bratfertig, Pfand 78pt KalfisKaimn................ ptnnd 86p.. Pa.ScIiiorilels(;iiI�e�»d 1,26 BeöacWos.............. Pa.RiBflerle!ier........ � Pfand 74pf. . Pfand 92pf. Gefx>iex>fleiscli Pa. Hammelfleisch d. Rippe, Pfand 78Pt Pa. Hammelracken....... Pfund SSPf. Pa. Hammelkeulen....... PfundOSPf. Pa. Rinderherzen......... Pfand 44Pt Pa.Ochsengulasch....... Pfand 68Pf. Pa. Ochsensnppenflelsch Pfand SOPf. Pa. Kuheuter............... Pfand 22 Pf. 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Ziehungstag 17- August 19l7 In der NachmittagSziehung wurden Gewinne Uber 150 M. gezogen 6 Otlainne ,» BODO fflt. 25 158 141098 276378 8-S-Winn««n 3000 M. 62031 178240 219805 2515«) 16 Oetoian« ju 2000 M. 25429 45237 94031 202157 218345 241928 29830 ffiftotnnf ja 1000 M. 7770 23344 34419 35184 82191 82796 134467 156155 192731 193619 224274 231086 252813 279828 317856 72 Ocöinn« ja 500 TO. 2511 19351 47346 52453 52525 79562 90536 90893 97624 106924 116050 121433 134928 135432'43527 160993 161543 169709 173059 179473 186555 246161 249971 254530 261753 264668 267552 286026 287700 296751 298823 299157 302405 304390 335734 342863 202 Gewinne 300 98. 1406 6904 9765 18648 24015 27394 36139 43745 50179 53699 57613 61383 63870 64316 64737 6610g 76167 79133 80702 80706 83788 83968 93184 1 04 1 03 104172 111213 1 1 62„5 117168 118475 120131 121239 121397 121887 129166 130932 132008 139035 141835 14234t 142475 143735 146653 146150 1 51 449 154622 154913 161292 163133 176337 176662 161767 1E3267 165174 187886 192944 208607 210521 218633 219973 225003 229558 230182 231681 231891 234391 239342 240846 243757 249870 250037 2o0305 254019 256519 261017 264927 265110 266412 270218 274840 279212 280887 281949 282436 284230 284868 289593 295475 297133 298808 301902 316014 317603 320558 327223 327991 329142 333458 335668 345702 347831 349953 2. Ziehungstag 18- August 1927, 3« der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 12 Gewraa« ja Z900 TO. 25966 34356 39400 40831 123556 266918 10»ewiaa-|u 2000 TO. 50802 131070 192511 254 1 59 34686 1 165®etmnn«»a 1000 TO. 117158 162649 170019 194994 237623 283697 279481 345495_„„„„„„„„„„ 96 Bcffitna«>n 500 TO. 1 1 099 1 4494 37940 38085 48772 50629 60072 62601 65158 84319 94727 97460 98699 105099 110672 1 1 7231 118319 120559 158540 158763 171466 1S2S21 187196 189397 191927 199464 210603 217423 227794 232236 245219 245549 253466 255413 269001 269672 272791 278027 280730 280872 284796 298045 308135 325949 329638 332994 339796 343005__________ 186 Gewiaa« ,» 300 TO. 559 12341 17197 22509 23964 29757 30482 31266 32536 42346 44740 45135 46460 50134 52967 54261 57918 64273 66082 66379 67474 71067 76050 62373 89241 91202 99928 101305 101431 102359 110003 113461 113616 117445 117607 119726 120132 122057 122358 123639 123957 126372 147377 153333 154465 155493 155581 158017 162934 165663 175964 183899 184069 189057 207520 212703 212963 215171 219394 222928 231)06 238246 242436 247456 250924 251734 255472 256203 257188 258493 259311 259463 260790 261662 263746 264754 264801 270511 271227 279590 281864 283392 288208 289848 296791 298396 302110 308727 324788 324906 337768 344768 345741 MeftaBlbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten güiutig an Prli Kat, 650 ir. 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