Nr. 3�6 ♦ 44. Jahrg. Musgabe A Nr. 202 Bezugspreis. WSKentlich 70 Pfenni«. monatlich S.— Zleichsmarl voraus sahldar. Unter Streifband im In- und Ausland 2,50 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen",„Aus der Filmwelt". „Frauenstimme",„Der Kinder» freund".„Iugend-Vorwärts",„Blick in die Bücherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei» mal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm-Adress e: „Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe /. Verliner VolksMskt (lO Pfannig) Anzeigenpreise: Die einspaltiae Nonpareille. iieile 80 Pfennig, Reklame, eile 2.— Reichsmark.„Kleine An, eigen" das fettgedruckte Wort 25 Ptennia tiuläfsta zwei fcttaed ruckte Wortes. jedes weitere Gort 12 Pfennig. SIellenacluche das erste Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Familicnan, eigen für Abonnenten Zeile 10 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4V6 Uhr nachmittggs im SouvIgefchLft. Berlin SW 6», Linden- strastcZ. abgegeben werden, Gcäffnet von S'ii Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben Partei Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Serlin SW. H8, Ändenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Dienstag, den 23. August 1927 Vonvärts-Verlag S. m.b.H., Serlin EW. öS, Lindenstr.Z Postscheckkonto! Berlin Z7 53«— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angeftelten und Beamten. Wastftr.»5: Dtokonto'Sesellfchaft, Denolitcnkasse Liudcnstr, 3. Drei Minuten nach Mitternacht... Alle Rettungsversuche gescheitert. Boston, 22. August. Sacco und Banzelii haben allen religiösen Zuspruch ob- gewiesen. Sämtliche Einzelheiken für die Hinrichtung sind bereits angeordnet. Aus den Beamten und A e r z t e n werden als einzige Zeugen der Hinrichtung ein Vertreter der „Associated Preff" und der Agentur Reuter beiwohnen. Der elektrische Hinrichtungsstuhl ist vorbereitet. Die Hinrichtung soll um Rlitternacht nach amerikanischer Zeit beginnen— 7 Uhr morgens europäischer Zeit— und gegen 0,30 Uhr beendet sein. In der Stunde, da diese Zeilen den Leser erreichen, werden Sacoo, Vanzetti und der Portugiese Madeiras wohl gerade zur Hinrichtung geführt, wenn nicht inzwischen doch noch das gewählle Staatsoberhaupt von Massachusetts, Eon- verneur Füller, Aufschub oder Begnadigung verfügt. Alle anderen, die um rettendes Eingreifen bestürmt oder auch an- gefleht worden sind, haben versagt: die obersten Richter des Staales und des Staatenbundes, das Iustizomt in Washington und der Präsident der Vereinigten Staaten, der gerade am Vortag der Exekution eine Erholungreise in das abgelegene und weit entfernte Naturschutzgebiet des Pellowstone-Parks angetreten hat, vielleicht auch, um weiteren Bitten unerreich- bar?.u sein. Dem Reichsgerichtspräsidentert Taft, ehemals Präsident der Union, gab die Tatsache, daß er seine Ferien nicht im Lande der Sterne und Streifen verbringt, sondern im nördlichen Nochbarlande Kanada, die billige Ausrede, einen Aufschubantrag nicht entgegennehmen zu können, weil er außerhalb seines Machtbereichs eine Amtshandlung nicht vornehmen könne. Wollte er hekfen, so brauchte er ja nur auf den ersten Grenzposten, um sich telephonisch mit Wafhing- ton oder Boston verbinden.zu lassen.... So bleibt zur Stunde, da dieses Blatt gedruckt wird, nur die fast vollkommene Gewißheit dieser Hinrichtung zweier Männer, die vom Augenblick ihrer Verhaftung bis zuletzt versichern, nicht die Täter jenes Geldtransportüberfalls zu sein. Sacco und Vanzetti haben niemals um Gnade gefleht, sie haben ihren unversöhnlichen Haß der Gesellschaft und den Richtern ins Antlitz geschrien, haben ihn in zahllosen Briefen verkündet, deren anscheinend legale Herausbeförderung aus dem Gefängnis für uns auch zu den Besonderheiten der no rda mc ri k an ische n Justiz gegenüber der unsrigen gehört. Man behauptet entschieden, daß Sacco und Vanzetti wegen dieser Gesinnung verurteilt worden sind, wie denn der Gcschworenenobmann schon vor der Schuldigsprechung gesagt hatte:„Hol sie der Teufel— sie müssen jedenfalls hängen." Aber ob schuldig oder nicht: Nach siebenjähriger Todesdr.ohung, nachdem man sie schon einmal zum Hinrichtungsstuhl geführt hat, diese Männer wirklich noch hinzurichten, das ist eine ins Phantastisch-Außermenschliche übersteigerte Gesetzbuchstabentreue, eine Paragraphenreiterei, eine herzlose.G r a u s a m k e i t, die fast an den Sadismus eines Nero oder Timurleng grenzt und für die ungezählten Millionen Messchen von heute aus der ganzen Erde das Ver- ftändnis fehlt. Weil s i e aber Menschen und nicht fleisch- gewordene Paragraphen sind, erwägen und konstatieren sie nicht kalt, sondern flammen aus in heißer Empörung gegen die Verantwortlichen an solcher Unmenschlichkeit. Die geschlossene Nichterkasse. Der Oberrichler Stove lehnte es ab, eine Verfügung über die Hinansschiebung des Hinrichtungstermins zu erlassen. Richter Sisk vom Staatsgerichtshof des Staates Massachusetts hat gleichfalls die Verschiebung der Hinrichtung Saccos und van- zeltis verweigert. von 5uller ist nichts zu erwarten. Dosion, 22. August. Der Gefängnisdirektor, der„Elektriker", die Polizeiwachen und selbst die Verteidiger der Verurteilten sind fest überzeugt, daß die hin. richtung tatsächlich geschehen wird, da von Gouverneur Füller eine Begnadigung nicht zu erwarten sei.— Dem Zuge, mit dem heule Präsident Coolidge von Rapid City nach Pellowstone- Park reist, flog ein Flugzeug voraus, um die Strecke zu beobachten und jeden Anschlag auf den Präsidenten zu verhindern. Much Tast lehnt ab. Rew Jork. 22. August. Aus die Litte der Verteidiger um seine Znlervention antwortete der Oberkte Richter der vereinigten Staaten. VrSsident a. v. last. daß auä) er nichts für die Verurteilten tun könne, da er nicht zuständig sei.— Belm Lundesgericht in Washington sind am Montag zwei Revisionsaaträge in der Sache Sacco-Van- zetli eingereicht Die Anträge wurden in das Gerichtsverzeichnis eingetragen. Der Anwalt Saccos, M u s s m a n v, erklärte zu der Ableh- nung Tafts, dos Gesuch um hinausschiebung des hinrichtunos- termins entgegenzunehmen, Taft Hab« ihm geraten, telegraphijch das Gesuch einem d«r drei Bundesrichter des Bezirkes Boston zu unterbreiren. Mussmano erklärte, er habe von vornherein ange- nommen, Taft werde seine Unzuständigkeit erklären, weil er sich außerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten (in Kanada) aufhalt«. Er habe jedoch gehosft, ihn bewegen zu können, sofort einen Ort innerhalb der Vereinigten Staaten aufzusuchen. Aus diesem Grunde habe er auch Vorbereitungen ge- troffen, um Taft mit eiqem Flugzeug« aufzusuchen. Ieüe Hoffnung aufgegeben. Snccos Abschiebswort an seinen Sohn. London, 22. August.(Eigenbericht.) Zn London hat man am Montagabend jede Hoffnung ausge» geben, daß Sacco und vanzetti noch gerettet werden. Bei der amerikanischen Botschaft in London sind Taufende von Briefen und Telegrammen aus ganz England eingelausen, welche um Intervention in Washington bitten. Die amerikanische Bolschaft ist von berittener Polizei beschützt, wie berichtet wird. hat der zum Tode verurteille Sacco einen Brief an seinen Sohn gerichtet, der wörtlich sagt:„Weine nicht, sei stark! Tröste deine Mutter. Vergiß nie. de» Schwachen zu Helsen, die um hilse rufen. Hits den versolglen, sie sind deine besten Freunde, sie sind Kameraden, die für deinen Vater fochten und sielen für die Herr- schast, die Lebensfreude und die Freiheit oller armen Arbeiter!" Die Sossoner Sefängnisgegenö abgesperrt! v Boston. 22. August. heute vormittag um 10 Uhr wurde hier der Generalstreik ver- kündet. Wie vo: 12 Tagen sind auch heute die Straßen in der Nähe des Gefängnisses, in dem sich Sacco und Vanzetti befinden. für den Verkehr gesperrt.. Das Gebäude selbst wird scharf bewacht. Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht. Die etwas weiter entfernt liegenden Häuserviertel sind für olle Per- sonen, die sich nicht im Besitze eines Ausweises befinden, gesperrt. Verhaftungen in öofton. Boston. 22. August. Bis jetzt liegen ernstliche Ruhestörungen im Zusammenhang mit den Protestkundgebungen nicht vor. Dagegen wurden hier S 2 B e r- Haftungen vorgenommen, als die Polizei die?treikv>-sten vor dem Kapital zerstreute. Gewerkschaflsmeinung über protejlftreiks. Amsterdam. 22. August.(MTB.) Der Vorsitzendes des Niederländischen Gewerkschajtsbundes, Stonhulst, erklärte in einer Presseunterredung, es würde der Gipfel des Wuhnsinns sein, wenn die Arbeiter in Amsterdam zu- gunsten Saccos und Vanzettis streiken würden. Ein Proteststreik wegen dieser Frage wäre nur dann von Wert, wenn die arnerika- nische Arbeiterschaft spontan derartige Kundgebungen veranstaltet. Ich halte es, so erklärte Stonhuist, für vollkommen aus- geschlossen, daß ein Streik in unserem Lande mehr Ein- druck auf die amerikanische Regierurig machen würde als eine große Massenkundgebung in Amerika. Wer das Kampf- mittel des Streiks gegen eine weit entfernte Regierung g«. brauchen will, macht sich selbst nur lächerlich. Zusammenstöße in Haste. halle. 22. August.(WTB.) Auf kommunistiscbe Aufforderung gingen die Arbeirer heute nachmittag 3 Uhr zum großen Teil aus den Betrieben und ver- anstalteten auf dem h a l l m a r k t eine Kundgebung für Sacco und Vanzetti. Nach Schluß der Kundgebung räumten sie nicht den Platz, sondern nahmen gegen die Polizei eine drohende Haltung ein, wobei sie auch mit Steinen warfen, so daß die Polizei den Platz mit dem Gummiknüppel räumen mußte. Dabei wurden 63 Personen festgestellt. Die Arbeiter sammelten sich immer wieder und umlagerten auch das Polizeipräsidium. Um 22 Uhr wurde das Ueberfallkommanda noch der Vorstadt Glauch ge- rufen, wo die Polizei mit Steinen angegriffen wurde. Dombe gegen JorSwerk in Mrgentinien. Cordoba(Argentinien), 22. August. heute früh explodierte in der hiesigen Niederlassung der Ford- Werk««in« Bombe, die außerordentlichen Schaden an- richtete. Die Mauern des Eebändes wurden durch die Gewalt der Explosion nack außen gedrückt, mehrere benachbarte Häuser teil- weis« zerstört. Zahlreiche Personen flüchteten auf die Straß«. Man bringt das Attentat tn Zusammenhang mit den Protestkundgebungen gegen die hu, richtung Sacco»«ad Vanzettis. Organisierte öedarfsdeckung. Tie Bedeutung des internationalen(Yenoffenschaftsbundes (Von unserem Sonderberichter st atter.) Stockholm, 21. August 1927. Der vom 15. bis 18. August in Stockholm abgehaltene Internationale Genossenschaftskongreß ver- anschaulichte sowohl durch das dem Kongreß unterbreitete Material über den Bestand und die Tätigkeit des Jnternatio- nalen Genossenschaftsbundes(JGB.), als auch durch die ge- faßten Beschlüsse den wachsenden Einfluß der genossenschaft- lichen Verbraucherorganiscuionen in der National- und Welt- Wirtschaft der Völker. Schon in der vom Kongreß in einer Entschließung unterstrichenen Tatsache, daß der Gcnossenschafts- bund vom Völkerbundsrat offiziell zu den Verhandlungen der Weltwirtschaftskonferenz in Genf berufen wurde, kam seine wachsende Bedeutung zum Ausdruck. Aber daneben ist es vor allem der Bestand und die Tätigkeit des Bundes als weltwirtschaftliche Genossenschaftsorganisation, die seine Bedeutung ausmacht und die seine Berufung nach Genf als selbstverständlich erscheinen läßt. Der Internationale Genossenschaftsbund umfaßt gegen- wärtig die Genossenschaftsbewegung von 35 Ländern der Welt(1913 waren es 23) mit 103.(55) nationalen Genossenschaftsoerbänden und rund 100 000(3870) Genossen- schaften mit etwa 45(20) Millionen Einzel- Mitgliedern. Von Deutschland ist dem Bund der Zentral- verband Deutscher Konsumvereine mit 1090 Konsumgeschästen und 3,2 Millionen Einzelmitgliedern angeschlossen. An journalistischen Propagandamitteln stechen den Nationalver- bänden insgesamt 1000 periodisch erscheinende Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 6 Millionen zur Verfügung, von denen auf den Deutschen Zentraloerband rund VA Millionen entfallen. In dem ersten. 1909 erschienenen Adreßbuch der genossenschaftlichen Zeitschriften sind 146 Zeitungen mit un- bekannter Auflage verzeichnet. Diese größte internationale wirtschaftliche Weltorqani» sation betätigt sich nun nicht nur organisatorisÄ), publizistisch und auf internationalen Kongressen, sondern sie kann auch mit ganz ansehnlichen Ziffern im weltwirtschaftlichen Verkehr aufwarten. So betrugen die von den Mitgliedern der Internationalen Großeinkaufsgesellschaft im Auslande berichteten Einkäufe im Jahre 1926 45,8 Millionen Pfund Sterling(1925: 40,4 Millionen). Die Hauptimportwaren be- standen in Butter, Speck und Schmalz, Weizen, Tee, Kaffee, Zucker und Reis. Daraus geht hervor, daß der genosien- schaftlich organisierte Welthandel noch am Anfang seiner Ent- wickiung steht, daß aber sein Wachstum automatisch vor sich gehen wird, nachdem die organisatorischen Grundlaaen ge- geben sind. Dazu gehört auch das im ersten Entwicklung?- stadium begriffene internationale genossenschaftliche Bankwesen, zu dem der Internationale Genossenlchasts- kongreß in Basel(1921) den Grundstein gelegt hat. Die Un- abhängigkeit vom privaten Bankkavital bildet eine der Vor- aussetzungsn für die ökonomische Selbständigkeit und Usber- legenheit der genossenschaftlichen Gemeinwirtschaft. Außer der rein wirtschaftlichen Tätigkeit erstreckt sich die nationale und internationale Genossenschaftsbewegung auch auf das V e rsicherungswesen, da gerade auf diesem Gebiete wichtig« sozialökonomische Slufgaben im Interesse der breiten Massen zu erfüllen sind. Zlndererseits ist bekannt, daß das Versicherungswesen für das kapitalistische Wirtschaftssystem eine außerordentlich ergiebige Betriebskaoital- «referve bildet. Warum soll das nicht auch für das ge- nosstn schaftlicbe Wirtschaftssystem der Fall sein? Tatsächlich sind bereits 20 von 35 dem JGB. angeschlossenen Ländern am genossenschaftlichen Versicherungswesen beteiligt, wobei vielfach die Gewerkschaften Teilhaber find.(In Deutschland die„Volksfürsorge", gewerkschaftlich-genossenschaftliche Ver- sicherung-A.-G. in Hamburg.) Aus allen diesen Gründen und Tatsachen ist leicht erklär- lich, daß dem alle drei Jahre stattfindenden internationalen Genossenschaftskongreß in den beteiligten Kreisen ein starkes Interesse entgegengebracht wird Die Teilnahme der ge- nossenschaftlichen Nationalorganisationen am Stockholmer Kongreß hat das wieder deutlich gezeigt. Ebenio erklärlich ist allerdings, daß die kommunistisch geführte s o w j e t- russische Genossenschaftsbewegung bcherr- schenden Einfluß auf den Bund zu gewinnen sucht, um für die kommunistischen Ziele eine reale wirtschaftliche Grundlage zu schaffen. Nur so wird es verständlich, daß auf allen drei Kongressen nach dem Kriege(Basel 1921, Gent 1924, Stock- Holm 1927) die kommunistischen Genossenschaftsvertreter mit größter Aktivität ihre„revolutionäre Genossenfchaftspolitik" dem Bund«rufzwingen wollten. Da? wird ihnen keinesfalls gelingen, obwohl einzelne genossenschaftliche Organisationen von der Gesetzgebung ihres Landes nicht behindert sind, sich so viel In allgemeiner und Parteipolitik zu betätigen, als ihnen— bekommt. Die russische Genossenschaftsbewegung ist selbstverständlich zwangsläufig kommunistisch, weist aber des- halb noch lange nicht die wirtschaftlichen Ergebnisse anderer unpolitischer Genoflenschaftsbewog-imgeo auf,' Sorift ist nur die belgische Bemessung rein parteipolitisch(sozialdemokratisch) aufgezogen, was dort durch ijie politische Entwicklung zu er- klären ich Die Folge war eine klerikale und eine liberale Genossenschaftsbewegung in Belgien, was, wirtschaftlich ge- sehen, keinen Anreiz zur Nachahmung bieten kann. Der englische Genossenschaftskongreß hat in diesem Jahre den bedeutsamen Beschluß gefaßt, den Grundsatz der politischen Neutralität aufzugeben und für die politischen Wahlen ein K a r t e l l v e r h ä l t n i s mit der Arbeiterpartei einzugehen. Allerdings hat es in England schon früher eine Genossenschaitspartei mit eigenen Kandidaten und einzelnen Abgeordneten gegeben. Der jetzt gefaßte Beschluß ist einst- weilen noch sehr umstritten. Der Stockholmer Kongreß hat klar gezeigt, daß er von diesen Strömungen vollkommen unberührt ist und bleibt. Denn das Gegenteil würde ganz automatisch seine Sprengung bedeuten. Alle Anstrengungen der kommunisti- schen Vertreter in dieser Beziehung sahen eine geschlossene Phalcprx gegen sich, deren Zentrum die deutschen und franzö- fischen Vertreter bildeten. Der JGB. ist nach seinen Satzun- gen parteipolitisch neutral, macht aber den angeschlossenen Organisationen in dieser Beziehung keine bindenden Vor- schriften. Die wirtschastspolitische Stellung des Internationalen Ge- nosfenschaftsbundes wird durch eine Resolution des Zentral- Vorstandes und des Ausschusses gekennzeichnet, in der Befeiti- gung der Zollschranken, Freiheit des wirtschaftlichen Verkehrs und Handelsverträge gefordert werden. Da dies« Wirtschafts- Politik als zweckmäßigst« Friedenspolitik erkannt ist, wurden die nationalen Genosfenschastsbewegungen verpflich- tet,„ollen ihren Einfluß bei ihrer eigenen Regierung zur Geltung zu bringen, um deren volle und wirksame Unter- stützung der Vorschläge der Genfer Internationalen Wirt- schaftskonserenz zu sichern". Die Verhandlungen und Beschlüsse des Internationalen Genossenschaftskongresses zu Stockholm zeigen die Bedeutung der weltwirtschaftlichen Organisation des JGB. Er bildet den praktischen Beweis für die absolute Möglichkeit einer sozial! st ischen Wirtschaftsorganisation, die von„nationaler Stufenleiter" aus, wie Karl Marx sich in der Genossenschastsrefolution des ersten Genfer Internatio- nalen Arbeiterkongresses ausdrückte, sich zur organisier- t e n W e l t w i r t s ch a f t auf genossenschastlicher Grundlage entwickelt. Dies ist die weltwirtschaftliche Bedeutung des Internationalen Genvssenschaftsbundes, für dessen Entwicklung Stockholm eine weitere Etappe bildet. Zeigt Schwarzrotgolö! Die Maggenskandale in den oldenburgischen Ostseebädern. Aus Kiel geht uns folgende Zuschrift des Gauvorstandes des Reichsbanners zu: Wiederholt ist durch die republikanische Presse die Mitteilung gegangen, daß in den oldenburgischen Ostseebädern, insbesondere Niendorf, Travemünde und Timmdarfsrstrand, Republikaner, die dort die deutsche Reichsslagge zeigten, belästigt und angepöbelt worden sind. In vielen Fällen sind von den Sandburgen die schwarzrotgoldenen Fahnen gestohlen oder zerrissen worden, ohne daß von den Badedirektianen oder den Einwohnern mit genügendem Nachdruck gegen diese unerhörten Rüpeleien vorgegangen wurde. Es gibt aber noch ein.Mittel, um die Republikaner vor' Belästigungen zu schützen, allerdings kann unter Umständen durch dieses Mittel jeder Badeort, der auf dieses Publikuin eingestellt ist, in ganz kurzer Zeit zum finanziellen Zusammenbruch kommen. Der Unterzeichnete hat schon vor etwa einem Jahr gelegentlich eines Zusammentreffens in Bad Grömitz«inen dortigen Hotelbesitzer bei einer solchen Auseinandersetzung darauf hingewiesen, datz es für das Reichsbanner eine Kleinigkeit sei, auch in den Badeorten den Reichsfarben Achtung zu verschasfen. Wenn das bisher nicht geschehen ist. dann nur mit Rücksicht aus die Einwohner Spätromantisches. Bon Heinz Eisgrube r. In alten Zeiten, als es noch keine Bücher gab und auch ine kühnsten Träumer in chren kühnsten Träumen sich nicht träumen ließen, daß einst-so etwas wie Radiosendestationen und Sechs- röhrenempfangsapparate existieren würde, da zog das damals spar- liche Volk der Dichter von Burg zu Burg und von Stadt zu Stadt, um sich Hochderowohlgeboren dem Herrn Raubritter oder Bürger- meister persönlich vorzustellen, dem bezechten Burgherrn ein Saus. oder Raufliedlein aufzuspielen, dem Bürgermeistertöchterleiu«in zart Herzensliedchen mehr oder weniger stttiglich vorzudeklamieren. und dann, mit Zehrgeld bis zum nächsten Quartier versehen, wieder loszutippeln. Gar manches Lied, das damals von ebnem fahrenden Sänger in lauer Sommernacht erdacht wurde, schallt heute noch von jungen Lippen, trotzdem die Zeit höchst unromanttsch— wenigstens im alten Sinne— geworden ist. Daß ich über diesen reproduzierenden Nachhall dei fahrenden Sängertums hinaus heute noch einem richtigen fahrenden Sänger begegnen würde, habe ich mir nicht träumen lassen. Und dennoch sah ich einen. Mitten im hundertprozentigen Weltstadtgetrieb«.'Das heiszt: so ganz richtig und echt war er nicht. Er sah aus wie ein richtiger Moschinenzeit-Genosse. Keine Spur von Zigeunertum war in seinen kühlen nüchternen Kaufmannsougen zu erblicken. Sein Habitus war der des modernen Konfektionärs. Und als er von mir gegangen war. steckte er sich eine Zigarette an. Er sagte auch nicht etwa, er sei ein brotloser Dichter. Sachlich und ehrlich stellte er sich als reisender Handlungsgehilfe vor, der arbeitslos und unter- stützungsbedürftig sei. Aber da er als reeller Kaufmann den Grund- satz in sich trage, keipe Leistung ohne Gegenleistung anzunehmen. gestatte er sich als solch« ein selbstverfertigtes Gedicht anzubieten. Er nütze die Zeit auf seiner Reise durch Anfertigung von Ge- dichten. Und ich möge mir eines nach meinem Geschmack aussuchen. Er überreichte mir einen Notizblock, der in soliden kaufmännischen Schrifizügen brave, sentimental schillernde, über bewährten Leisten genagelte Konfektionepocsie enthielt. Ich behielt keines der Voeme, sondern erklärt« dem reisenden Konfektionsdichter, der zunächst mit sachlichem Nachdruck auf An- nähme der Ware drängte daß ich selbst in einer ähnlichen Branche arbeite und mich im übrigen schadlos halten würde, indem ich sein konfektioniertes Sängertum, das mir als aparte Nuance in dieser Zeit erscheine, schriftstellerisch auswerten würde. Er erblickte in meiner Erklärung eine sachliche Erledigung des Handels und empfahl sich mit einem verbindlichen und zuversichtlichen„Auf Wiedersehen, mein Herr!". Ich pniß sagen, daß M�ch dieser modern-unmoderne fahrend« Sänger igbr gerührt hat. Zuerst wollte ich solche Rührung mit soziologischen Erwägungen an die Wand drücken. Aber sie ließen dieser Orte, die zum Teil von den Erträgen der Saison leben Müssen. Wer kann es dem Reichsbanner verwehren, wenn es Abend für Abend und Sonntags mit 3, 4, 6 oder 10 Lastwagen, besetzt mit Reichsbannerleuten, i n die Badeorte fährt unddortdie Reichsfahne zeigt. Es liegen um diese Badeorte herum soviel Ortegruppen unseres Gaues, es kommen außerdem in Frage eine ganze Anzahl großer Ortsvereine wie Lübeck, Kiel, Ncumünster, Hamburg, die auf Aufforderung des Ganvorstandes gern und bereit- willigst diese Fahrten in die Bäder mitmachen würden. Ich weiß nicht, ob die Gegner v-m Schwarzrotgold dann auch den Mut hätten, die Fahnen niederzureißen, oder ob sie nicht lieber der Tapferkeit besseres Teil erwählen würden, die Flucht zu ergreifen und damit die Badeorte ihrem Schicksal überlassen. Es ist nun eine Verordnung der oldenburgischen Regi.'rung ergongen, durch die der Schutz der Reichs- sahne gewährleister werden soll. Es bleibt abzuwarten, was daraus entsteht. Sollten die Belästigungen der Republikaner nicht aufhören, dann werden wir Reichsbannerleute zur S e l b st h i l f e schreiten müssen und durch Massenaufmärsche in den Bade- orten der Reichsfahne Gestung verschasfen. Es bleibt dann abzuwarten, wer dabei den kürzeren zieht, ob die Badeverwaltungen oder die Reichsfahne. Richard Hansen, Vorsitzender des Reichsbanners, Gau Schleswig-Holstein. die hakenkreuzbanüiten. Wichtige Feststellungen.— Nach eingehendem Verhör entlassen. Die gestern früh in Teltow aus dem Zuge heraus verhasteten 135 Haken kreüzler wurden aus dem Berliner Polizeipräsidium im Laufe des Tages einem eingehenden verhör unterzogen, das sich his in die Nachmitlagsslunden hinein ausdehnte. Es scheint festiu- stehen, daß die im Mai d. 3. für Groß-Berlin verbotene Organisa. tion der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei geheim weiter. bestand. Nach den Aussagen einzelner Mitglieder der NSDAP. sollen die Berliner Teilnehmer als offizielle„Berliner Ortsgruppe" an dem Nürnberger Beichsparteitag leilgenommen haben. 2m übrigen wurden bei fast sämtlichen(festgenommenen provisorische Mitgliederkarlen der verbotenen NSDAP, vorgefunden, aus denen einwandfrei hervorgeht, daß die aufgelöste Ortsgruppe dieser Partei trotz de» Verbote» im Stillen weiierbestanden hat. Die verhafteten wurden gegen 5 Uhr nachmittags sämtlich aus freien Fuß gesetzt. * Die zweckentsprechende Haltung der Berliner Polizei hat in der Rechtspresse Erregung hervorgerufen. Aus der Stellungnahme der mit den Bölkischen sympathisierenden Blätter kann man entnehmen, daß in ver Tat durch Ber- mittlung des völkischen Landtagsabgeordneten Haake der Versuch gemacht worden ist, die aufgelöste Hakenkreuz- Ortsgruppe in verschleierter Form weiterzu- führen. Die Rechtspresse nimmt die Hcckenkreuzbanditen von Er- langen gegen die Polizei in Schutz. Sie findet kein Wort der Kritik an dem unsäglich feigen Verhalten dieser Burschen, die in Erlangen Kinder von 12 Jahren überfallen und miß- handelt haben. Arbeiterkinder sind dieser Sorte von Presse gerade gut genug als Objekte für die Rowdymanieren der Burschen vom Hakenkreuz._ Fortschritt üer Erkenntnis. Folgen des Anschlußverbots. New Jork, SL. August. Professor B e a t y von der Southern Methodist University hat der Albert-Kahn-Stiftung für Lehrerreisen feinen Bericht über eine Studienreise durch die Nachfolgestaaten unterbreitet. Er hebt darin hervor, daß die Auflösung der Doppel-. Monarchie«ine außerordentlich schwier i-Fe Lage geschaffen habe, die dadurch noch verschlimmert werde, daß Oesterreich am Anschluß an Deutschland verhindert wird. sich nicht. Sie konzentrierten sich aus die unabweisbar« Ahnung, daß dieser dichtende Händler«in direkter Nachkomm« eines mittel- alterlichen Minnesängers fei, der Nachfahre eines minnesängerischen Liebespfandes. Der zeitgenössische Endesfekt einer Entwicklung»- reihe, deren Endglieder durch moderne Fabrikbetriebe gelaufen sind, über das endlose Band einer Ford-Fabrik. Ihm fehlt nur das Kapital, um sein atavistisches Talent modern zu organisieren und maschinenmäßig auszubeuten. So fiel er in die primitive Methode des wandernden Handels zurück. Und bot so das rührende Zwitter- bild eines durchaus und organisch modernen Menschen mit«iner unbewußt romantischen Geste aus längst vergangener Zeit. Es scheint, daß die Väter noch au» hundertjährigen Gräbern nach uns greifen._ öotticelli als Erlebnis eknes Japaners. Kürzlich stand im.Vorwärts" eine Notiz, daß der Direktor des Museums In Detroit, Dr. Wilhelm R. Valentiner, für sein Museum «inen bisher unbekannten Botticelli erworben hätte. Und serner ansclssießend, daß der japanisch« Professor Pukio Pashiro, der jüngste Mograph des florentinischen Meisters, das Bild für ein unzweifel- Haftes Original erklärt hätte. Dies« Mitteilung siel nicht sonderlich auf, und doch zeijst sie etwas Neuartiges, ja geradezu Ueber- raschendes. Denn bisher war man der Meinung, daß die in Europa studierenden Japaner wesentlich technisctP Kenntnisse zu erwerben suchen. Um die europäisch« Geistes- und Kulturwelt kümmerten sie sich nur nebenbei, ohne scheinbar tiefer einzudringen. Von der japanischen Lebensaussassung und Kunst hörten wir dagegen nur durch Europäer, die Ostasiaten selbst blieben in Reserve, und nur sehr wenig drang zu uns, das japanisch« Meinungen über sich selbst oder gar über Europa verriet. Dies scheint neuedings anders zu werden. Jedenfalls muß anerkannt werden, daß der Professor der Kunstgeschichte in Tokio, Dukio Pashiro, sehr intensiv in die europäische Kunst eingedrungen Ist Uno zweifellos eine kunstkenne- rische Kapazität der Werke Botticellis genannt werden muß. Er reifte im Auftrag der japanischen Regierung zu Studienzwecken nach Europa, und nach vierjährigem Ausenthalt erschien in London sein Aufsehen erregendes Buch, das Botticelli als Hauptvertreter der Renaissancemalerei in kunstwissenschaftliche Parallele mit den Kunst- lern seiner Heimat bringt. Schlicht und einfach bekennt er ein- leitend, daß dieses Buch aus Liebs für den eigenartigen, Linie und Farbe innerhalb der ganz diesseitig eingestellten Renaissance gotisch vergeistigenden Künstler entstanden sei, und fast nebenbei macht er historisch und kunstwissenschaftlich sehr wichtige Feststellungen. Roch interessanter ist die Art, mit der er mit sachlicher, nicht sentimentaler Innigkeit die Darstellung der Landschast, der Köpfe, Hände, Haare, Gewänder und zumal der Blumen bei Botticelli beschreibt. Ueber- raschend ist dabei, daß dieser Japaner behauptet, Bolllcelli sei als Blumenmaler einzigartig, und nur die Blumen m Utamaros Insektenbuch könnten allenfalls einen Vergleich aushalten. Dies ist um so verwunderlicher, als gerade. Japan in Karin und Satatsu wirklich ein bezauberndes Weltgefühl hervorbringende Blumen- und Naturdarstsller besitzt. Es ist wohl kein reiner Zufall, daß Pukio Aashiro gerade Botticelli zum Gegenstand seiner Betrachtung«r- Lügen von üer„Roten Zensur�« Reaktionäres Machwerk. Rechtsstehende Zeitungen verbreiten solgende Behauptung: „Der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Eberl der Aeltere über seine noch lebenden Parteigenossen, namenl- in Buchform herausgeben, und zwar nicht in einem sozialistischen, sondern in einem bürgerlichen Dresdner Verlag. Der sozialdemo- kratische Parteivorstand teilt dem jungen Ebert mit, daß dem Parteivorstand das Druckmanujkript zuerst vor- gelegt werden müsse, da es van einem zuverlässigen Manne auf seine Wirtungen auf die Parteigegenwort geprüft werden müsse. Fritz Ebert der Jüngere mußte diesem Befehl gehorchen, und so wurde aus dem Manuskript alles herausgestrichen, was Friedrich Ebert der Aeltere übe seine noch lebenden Parteigenossen, nament- lich über Scheidemann gesagt hat." Diese Behauptung ist von A bi» Zerlegen. Der schrift- liche Nachlaß von Friedrich Ebert, herausgegeben von seinem Sohne, ist bereits erschienen. Der sozialdemokratische Parteivorstand hat von dem Buch erst Kenntnis erhalten, als es bereits im Buchhandel zum Verkauf angeboten wurde. Genosse Friedrich Ebert hat dem„Striegauer Anzeiger" die folgende Berichtigung gesandt: .Auf Grund des � 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie, in der nächsten zum Druck noch nicht abgeschlossenen Nummer des .Striegauer Anzeigers" die nachstehende Berichtigung zu Ihrer in Nummer 193 vom 19. August 1927 veröffentlichten Notiz „Rote Zensur" an derselben Stelle und in derselben Schrift zu veröffentlichen. Unwahr ist, daß der sozialdemokratische P a r t« i v o r- stand als solcher oder irgendein Mitglied des sozialdemokra- tischen Parteivorstandes jemals an mich das Ersuchen gerichtet hat, das Druckmanuskript zu den beiden Bänden.Friedrich Ebert, Schriften, Auszeichnungen, Reden" ihm zur Zensur oorzu- legen. Wahr ist vielmehr, daß außer meinem Verleger niemand vorher die Manuskripte zu Gesicht bekommen hat. Unwahr ist deswegen auch, daß von einem Zensor des sozialdemokratischen Parteivorstandes„aus dem Manuskript alles herausgestrichen" wurde,„was Friedrich Ebert der Aeltere Übex seine noch lebenden Parteigenossen... gesagt hat." Wahr ist vielmehr, daß keinerlei Zensur vom Parteivorstand ausgeübt worden ist, und daß auch von mir keinerlei Streichungen in den zum Abdruck gekommenen Reden, Aufzeichnungen usw. vorgenommen wurden. Wahr ist vielmehr, daß alles, was in den von mir heraus. gegebenen beiden Bänden enthalten ist, so abgedruckt wurde, w i e i ch es im Nachlaß meines Vaters vorfand." Womit die reaktionäre Mache hoffentlich ihre Erledigung ge- funden hat— wenn es noch Anstand in der deutschnationalen Publi- zistik gibt._ Stahlhelmer unter sich. Ein Beleidigungsprozeß. Leipzig. 22. August.(Eigenbericht.) Der völkische Rechtsanwalt und frühere Stahlhelmführer Dr. Metz er in Leipzig hatte sich am Montag vor dem Amtsgericht wegen schwerer Beleidigung zu verantworten. Melzer hatte im Dezember vorigen Jahres in einer internen Besprechung mit zwei ehemaligen Offizieren in der Landesleitung des Stahlhelms in Dresden dem Leipziger Stahlhelmsührer Schwarz nachgesagt, er habe sich sein schweres Ohrenleiden durch Syphilis. als er noch Matrose war, zugezogen. In Wirklichkeit aber hat sich Schwarz sein'Ohrenleiden durch. Flugzeugabsturz im Felde zugezogen- Diese Zwistigkeiten führten nun dazu, daß Dr. Melzer als Gauleiter des Stahlhelms abtreten muhte und aus dem Stahl- Helm herausgeworfen wurde. Schwarz strengte gegen seinen ehe- maligen Kameraden Melzer Prioatbeleidigungsklage an. In. der Verhandlung erlitt Dr. Melz«r ein« schwere Niederlage, da es ihm nicht gelang, den Wahrheitsbeweis zu führen. Er wurde nach ß 186 des Strafgesetzbuches zu 3000 Mt. Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis verurteilt. wählt hat. Vieles in der fast arabesksnhaften Linienführung diese» Malers hat eine gewisse Verwandtschaft mit der Darstellungsart der japanischen Kunst. Wenn Botticelli jetzt aus diese Weise ganz neu- artig beleuchtet wird, so ist das unbedingt ein kunstwissenschaftliches Verdienst. Begrüßenswerter ist es aber noch, wenn durch dieses Buch dl« bisherige Einseitigkeit zugunsten«iner völkerverbindenden Wissenschaft des Ausgleichs überwunden wird. Dr. Otto B r a t t s t o v« n. Die„Hamlet"- Bearbeitung Serhart Hauptmann». Ueber Die „Hamlet'-Bearbsitung Gerhart Hauptmanns, die in diesem Winter auf die Bühne kommen soll, erfährt man jetzt insokern genaueres. als der Dichter erklärt hat. daß er sich bei seiner Arbeit streng an die neueren Ergebnisse der„Haml«t"-Forschung gehalten habe. In Uebereinstimmung mit ihnen sieht er in dem Dänenprinzen das Haupt einer gegen das Königshaus gerichteten republikanischen Ofsiziersrevolte und rückt das Schicksal Hamlets Innerhalb dieses Konflikt» in den Mittelpunkt der Handlung. Internationale Kunstausstellung in Bordeaux. Das städtische Museum in Bordeaux plant für den Juni nächsten Jahres eins umfangreiche Gemäldeausstellung internationalen Ehnrnkters. Als Organisator wird der Muler Be'ltran- Masses genannt, dessen sran» zäsisch- spanische Ausstellung in Saragossa sehr ersolgreich war. Französische Meldungen erklären die Teilnahme von 32 Nationen bereits als gesichert: an deutscher amtlicher Stelle ist jedoch bis jetzt noch nichts darüber bekannt. Barbusse gegen die llesuslegende. Henri Barbusse, von dem vor kurzem bekanntlich«in Buch„(Usus" erschien, da» eine Art von synoptischem Laienevangelium darstellt und die Person Jesu in neuem Licht zu zeigen versucht, hat sich gleichzeitig mit den Quellen der Iefusgeschichte auseinandergesetzt. Das kritische Buch, das hieraus entstanden ist. betitelt sich„L e s Judas de Jesus". Wie schon der Titel andeute), sieht der französische Dichter in den jetzt kanonischen Schriften eine im Widerspruch gegen die wahre Lehre Jesu stehende verräterische Legende, die er zu zerstören sucht. Die Verbreitung des Krebses nach Rassen. Der Professor der Anthropologie an der Universität Genf. Eugen Pitlard, Mitglied de' Krebskominisston des Völkerbundes, berichtet in„Woxlds Health" über seine Studien zur Verteilung der Krebskrankheit unier den Rassen Europas. Danach scheint es, als sei die nordische Rasse an- fälliger für Krebs als die keltische, mlttelländisckie nnd die odrialischcn Rassen. Diese, die nördlichen Albauier, Bosnier, Montenegriner u a.. scheinen sogar fast immun gegen die Krankheit zu sein Es dürsten hier freilich auch andere Ursachen, wie besonders die Lebensgewehn- Helten, eine Rolle spielen. Ein 5000jähriger Indianertempel. Dei Erdarbeiten im Innern von Panama stieß man auf Uebcrreste alter Tempelanlagcn. D'e Ausgrabungsarbeiten, die dann unternommen wurden, söiderten die Grundmauern eine» Tempels zutage, dessen Alter von den Fach. leuten aus etwa 3000 Jahre v, Ehr, angesetzt wird. In einem Grabe wurde das Skelett eines Häuptlings oder Königs gefunden, mit einer Rüstung aus vergoldetem Kupfer und einem Brustpanzer aus reinem Gold. Methoden des Mords. Die Todesstrafe als„administrative Maßnahme" in Italien. Man schreibt uns aus Paris: Bei Verschickungen ins Zwangsdomizil, die besonders großen Interessen oder besonders hefligem Hasse genug taten, haben wir wiederholt in der Presse die Worte gelesen:„Der Mensch darf nicht mehr zurückkommen." Bei der Verschickung des Großmeisters Torriggiani schrieb ein römisches Mittagsblatt geradezu:„er soll das Licht der Sonn« nicht wieder erblicken", was in sofern nicht ganz die angemessene Formel war, als die Zwangsverschicktcn von der Sonne buchstäblich gebraten werden. Immerhin zeigten diese Redensarten, daß man in faschistischen Kreisen vielfach mit der Per- schickung den Begriff einer definitiven Beseitigung verbindet. In der Tat hört man häufig die Bemerkung:„lebend darf keiner zurück- kommen", man hört sie von Faschisten, die dabei auch den„guten Namen" des Regimes im Auge haben, und die die Lebenden furchten als Zeugen und Ankläger. In den Kreisen, die die Ehre haben, das Material für die Ber- schickung zu liefern, hat man sich nun oft die Frage gestellt: Wie denkt sich das Regime die Beseitigung der Verschickten? Wird man sie an Seuchen sterben lassen, an Mangel an Wasser und Hygiene? Sollen sie von der Miliz zu Tode geschunden werden? Die„Sach- verständigen" lächelten über diese Fragen. Gibt es doch ein un- endlich einfaches und bequemes Mittel, die politisch Verschickten los zu werden, ohne sich irgendwie bloszustellen! Auf den Sträflingsinseln sind auch wirkliche Delinquenten, Mörder, Raufbolde, Zu- hälter usw. Man braucht diesen noch nicht einmal Vorteile in Aus- ficht zu stellen, wenn sie einem der„Politischen" den Garaus maä>en; sie tun es aus Liebe zur Sache,„lart pour l'art". Man lese das nachstehende Kommunique: „Dem„Lavoro d'Jtalia" wird gemeldet, dost der bekannte Anarchist Spartaco Stagnetti, der seit mehreren Monaten sich im Zwangsdomszil in Ustica befindet, am Abend des 16. d. M., als er sich in Gesellschaft von einigen Eträslingen, die wegen gemeiner Verbrechen versch ckt sind, befand, mit diesen in Streit kam. Bei dem heftigen Charakter des Stagnetti artete der Streit in eine Rauferei aus, so daß der Gegner des Anarchisten plötzlich ein Messer zog und ihm mehrere Stiche versetzte, bis Stagnetti blutend zusammenbrach. Von einigen Gefährten wurde der Ver- mundete in die Krankenstation gebracht, wo er als Leiche ankam." Kein Wort des Kommentars: ein programmäßiges Ereignis. Trotzdem war es sehr unvorsichtig, es zu veröffentlichen. Viel ein- fa'cher wäre es gewesen, zu sagen, Stagnetti hätte sich z. B. mit Austern den Magen verdorben und wäre trotz liebevollster Pfleg« gestorben. Das hätte in England und in Amerika— auf die anderen Länder kommt es nicht an und auf Italien schon ganz und gar nicht— einen viel besseren Eindruck gemacht. Heute sagt man sich verschiedenes. Man erinnert sich z. B., daß Mussolini feierlich in der Kammer erklärt hat, die politischen Verschickten wären von den wegen gemeiner Verbrechen Verschickten völlig getrennt. Man erinnert sich weiter, daß das Tragen von Stichwofsen in ganz Italien oerboten ist und aus den Sträflingsinseln nur mit Wissen und Willen der Aufsichtsbehörden möglich ist. Warum hat man Stagnettt, der wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit ein all- gemein geschätzter Mann war, in Kontakt gebracht mit gemeinen Verbrechern, von denen man wußte, daß sie«in Messer trugen? Wir wissen sehr wohl das Warum. Wenn es aber die kreditfähigen Staaten nicht wissen wollen, dann raten wir dringend zur Austern- legende. Wir sehen voraus, daß der„hestige Charakter" des Ge- nassen Maflarenti oder, des Großmeisters Torriggiani über kurz oder lang aus einer Diskussion mit einem Mörder oder Zuhälter—: welche Diskussion durch die völlige Trennung von„Politischen" und Gemeinen besonders erleichtert wird— dazu führen wird, daß die Diskujsionsfreudigen als Leichen ankommen. Zweifellos wird für den Fall von Ustica eine streng« Unter- suchung angeordnet werden. Natürlich nicht gegen den Verbrecher, der als solcher funktioniert hat, wohl aber, um zu erfahren, auf welchem Wege die Nachricht in die Press« gekommen ist. Will man derartige Zwischenfälle bekannt geben, so verliert das Zwangs- domizil einen großen Teil seines Zwecks. Soll es doch eine Oase fem, in der die gemeine Delinquenz und die Behörden aus der emen Seite und die Antisaschsstcn auf der anderen Seite ihre Aus- einandersetzungen austragen. Was braucht man die Oessentlichkett über die einzelnen Episoden zu unterrichten! Uebrigens hat das Zwangsdomizil in diesen Tagen wieder von sich reden gemacht, weil man am 16. August— ausgerechnet an einem hohen Kirchenfeste— fünf katholische Priester und Seelsorger aus der Provinz Udine wegen ihrer anti- faschistischen Ueberzeugung zur Verschickung bestimmt hat. Ihre Be- rufung schwebt noch. Hoffenllich haben die Priester— es sind auch ein paar sehr alte Männer darunter— keinen heftigen Charakter. Die Ilaggenverorönung rechtsgültig! Zum Verfahren vor dem Staatsgerichtshof. Kommunisten untereinander. Tic linke Opposition beantragt Wiederaufnahme. Die hinausgeworfenen linken Kommunisten sehen in der Tat- fache, daß T r o tz k i und S i n o w s e w nicht ausgeschlossen worden sind, eine Niederlage Stalins und ziehen daraus die Konse- quonzen. Die„Fahne des Kommunismus" teilt mit: „Wir Linken Kommunisten sind selbstverständlich jederzeit bereit, in die Reihen der Komintern zurückzulehren. Wir schließen uns dem Antrag der russischen Ge- nassen an. Die R e j ch s l e i t u n g der Linken K o m m u- nisten(Ilrbahns-Gruppe) richtet einen ausführlichen, begründeten Antrag an das Ekki.der den Schritt der russischen Opposition in dieser Richtung aufnimmt. Wir drucken diesen Antrag hier noch nicht ab, um niemandem formal« Vorwände zu geben, ihn von vornherein abzulehnen. Wir sagen aber von vornherein: auf unser ehrliche», aufrichtiges, loyales und durch die gesamte politische Lage unbedingt gerechtsertigtss Angebot werden diejenigen, welche die kommunistische Bewegung in Deutschland gespalten haben, nurmitWutgeheulundeiner Flpt von Beschimpfungen antworten. 'Wir stellen den Antrag auf Wiedervereinigung der Kommu- nisten. An der jetzigen„Führung" der KPD. und der Komintern ist es, zu antworten. Wir wissen, daß viele deutsche Arbeiter, welche ZK.-Anhänger sind,' unseren Schritt unterstützen werden." Einigkeit und Bruderliebe! Aus der„Fahne des Kammunismus":„Eine von den Linken Kommunisten einberufene Öffentliche Versammlung in Aachen wurde von einigen KPD.-Mitgliedern unter Führung von Winterich dadurch gesprengt, daß sie eine Prügelei provozier- t e n und dann mit Hilfe des Wirt» und der herbeigeholten P o- l i z e i die Fortsetzung der Versammlung verhinderten. Unsere Ge- nassen prangerten diese Heldentat der Winteriche ln einem Flugblatt an, das dann anläßlich eines internationalen Treffens verteilt wurde und die hell« Wut des Aachener Parteiorgane erregt hat." Der Potsdamer Magistrat hat bekanntlich die Flaggenverordnung der preußischen Regierung angefochten und an den Staatsgerichtshof appelliert. Vor- beugend hat die Parteikorrespondenz der Deutschnationasen in dem Streit Stellung zu nehmen und den Obersten Gerichts- Hof der preußischen Republik zu beeinflussen versucht vor allem deshalb, roeil bei der Abstimmung im Siändigen Ausschuß des Landtages das Zentrum zwei seiner fünf Stimmen an die Soualdemokratie abgegeben hat. Angesichts des großen Interesses, das der Streit in der gesamten republikanischen Oeffentlichkeit für sich beansprucht, sind die nachfolgenden Ausführungen beachtenswert, die der„Demokratische Zeitungsdienst" von besonderer juristischer Seite erhält: Bei Ueberlassung von Sitzen an eine andere Fraktion einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Landtags festzustellen, er- scheint durchaus unzutreffend. Besagt doch ß 92 der Geschäfts- ordnung im Satz 3 ausdrücklich, daß eine Abtretung von Sitzen an Abgeordnete, die nicht zur Frktion gehören, zulässig ist: und dieser Z 92 Ist In dem die Bestimmung des Ständigen Aus- schusses behandelnden fj 15 der Geschäftsordnung ausdrücklich an- geführt. Andere Auffassungen sind zweifellos falsch. Auch die Sätze 2 und 3 des§ 92 beziehen sich auf das Verhältniswahlrecht der Fraktionen zu den Ausschüssen. Es ist züläsiia, schon bei der ersten Wahl des Ständigen Ausschusses, also mit Wirkung für seine ganze Tätigkeit. Sitze an Abgeordnete anderer Fraktionen abzutreten, so muß es erst recht zulässig sein, lediglich für eine einzeln« Sitzung eine Abtretung von Sitzen zu bewirken. In diesem Zusammenhang sei noch bemerkt, daß der Ge- schäftsordnungsausschuh des Landtags, der sich seit langer Zeit mit einer Ucberarbeitung der Geschäftsordnung befaßt, hierbei dem Vornehmen nach bereits den Beschluß gefaßt hat, im Z 15 Absatz 2 Satz 1 der Geschäftsordnung den Relativsatz zu st r e i ch e n. Offenbar geht er hierbeit von der Erwägung aus, daß dieser Relativsatz- eine Selbstverständlichkeit enchalte. Hiernach kann angenommen werden, daß auch der Geschäftsordnungsaus- schuß desLandtag«» ein« Abtretung von Sitzen an Abgeord- schuh des Landtag» eine Abtretung on Sitzen an Abgeoxd- digen Ausschuß für zulässig hält. Die Zusammensetzung de» Ständigen Ausschusses, die über die Verordnung befunden hat, entsprach also durchaus der Regelung. die die Geschäftsordnung getroffen hat, und war damit ver- fassungsmäßig(Artikel 26 Satz der preußischen Ver- fassung). Uebrigens sei noch erwähnt, daß die Annahme des Verfassers des Artikels, der Staatsgerichtshof würde aus den angenommenen Gründen die Verordnung aufheben müssen, selbst dann u n z u- treffend ist, wenn vie zwei Sitze des Zentrums zu Unrecht ab- getreten worden wären. In diesem Falle könnte der Staatsgerichts- Hof nur feststellen, daß die Verordnung statt mit 15 mit 13 Stimmen angenommen war. Der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses hat nämlich bei der Beratung nur festgestellt, wieviel Stimmen f ü r die Verordnung abgegeben wurden, nicht jedoch, wieviel Abgeordnet« dagegen gestimmt haben. Infolgedessen kann nicht festgestellt werden, ob alle 14 Abgeordnete, die nicht für die Verordnung ge- stimmt haben, gegen sie gestimmt haben würden. Di« Wahr- scheinlichkeit spricht dagegen, wenn man sich vergegenwärtigt, dag «zum Beispiel die kommunistische Reichstagssraktion bei Beratung de» Gesetzes über den Nationalfeiertag erklärt hat, sie würde sich der Stimme enthalten. Man wird annehmen können, daß die kommunistischen Mitglieder des Ständigen Ausschusse» des Land- tage» in ähnlicher Weise vorgegangen wären. Unter diesen Umständen würden aber— selbst wenn man die Abtretung der beiden Zentrumssitze für unwirksam anselxn würde— immer noch 13 gegen 12 Stimmen, d. h. also eine Mehrheit für die Ver- ordnung vorhanden sein. Infolgedessen wird der Staatsgerichte- hoft jedenfalls nicht feststellen können, daß sich für die Verordnung nur eine Minderheit ausgesprochen Hot. Er wird also ihre Rechts- gültigkeit nicht verneinen können. Ehrender Tadel für vanöervelde. Pariser Nationalistcnneschrei gegen unparteiische Kriegsforschung. Pari». 22. August.(Eigenbericht.) Der Vorschlag des belgischen Außenminister, Vandervelde, die deutsch-belgisch« Kontroverse über den Franktireurkrieg zum Gegenstand einer unparteiischen Enquete zu machen, hat die französischen Nationalisten in die hellste Wut versetzt. Die gesamte Rechtspresse greift Bandervelde in schärfster Weise an. Ihr lächer- sicher Vorwurf, daß Vandervelde auf Geheiß der sozialistischen International« gehandelt habe, soll seine mutige Initiativ« im eigenen Lande diskreditieren. Der wahr« Grund für den Wut- ausbruch der Hetzblätter„Temps",„Figaro",„Echo de Paris" usw. ist aber zweifellos in der Furcht zu erblicken, daß die Unter- suchung durch eine neutrale Kommission der Kriegsgreuel- legende ein Ende machen wird, mit der die Nationalisten noch heute den Haß gegen DeutschlanS aufrechtzuerhalten oersuchen, um die Verständigungspolitik zu sabotieren. Ja einem Augenblick, in dem die öffentliche Meinung Frankreich» mit Recht gegen die amerikanische Justiz schärfste Proteste richtet, bringt e» die französische Nationgsistenpresse fertig, zu schreiben, daß sie sich gegen jede Revision des ein für allemal abgeschlossenen Prozesse» über die deutschen Kriegsperbrechen wenden würde. Dieser Prozeß, der in Wirklichkeit niemals geführt worden ist, da die Ankläger sich vermaßen, auch Richter in eigener Sache zu sein, wird erst durch den mutigen Vorschlag Vandervelde, mög- sich gemacht, darum das ihn ehrende Toben. Eine hetzerische Lügenmelöung. Tie„Telegraphen-Union" fälscht einen polnisch» sozialistischen Zeitungsartikel. Warschau, 22 August.(Eigenbericht.) Vor einigen Tagen hat die e le g r a p h e n- U n i o n" in Berlin einen Artikel des Warschauer sozialistischen„Robotnik" wieder- gegeben, in dem es angeblich geheißen haben sollte, daß der deutsch. französische izandelsvertrag ein« Gefahr für Polen bedeute und die Grundlage zu einem gemeinsamen Krieg Deutschlands und Frankreichs gegen Polen bilde! Durch den Abschluß des Handelsvertrags wolle man in Deutschland, so soll der„Tele- graphen-Union" zufolge der„Robotnik" weiter gesagt haben, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit von den Strömungen ablenken, die in Deutschland einen Krieg mit Polen wistrschten und ihn vor- bereiteten? man könnte nur hassen, daß diese zweigleisige deutsche Politik, die aus einen Frieden im Westen und einen Krieg im Osten ausginge, nicht gelingen werde. Diese Darstellung ist eine boshafte Verdrehung dessen, wq» der„Robotnik" wirklich gesagt hat und soll in durchsichtiger Weise dazu dienen, die deutsch-polnischen Beziehungen und wohl auch die Aussicht für einen deutsch-polnischen Handelsvertrag zu ver- s ch ch t e r.n. Im„Robotnik" hieß es vielmehr mit aller Deutlich- keit, daß eine dappelgleisize Politik Deutschlands, besonders der west- deutschen Wirtschaftsmöchte von vornherein gänzlich aussichtslos wäre, da sie infolge des Loearno-Bertrage� völlig unmöglich sei. Das Zustandekommen des Handelsvertrages mit Frankreich zeige mit aller Deutlichkeit, daß für Deutschland sogar«ine Verständigung mit dem„Erbfeind" möglich sei. Während der Vertrag mit Frankreich den Abschluß eines Wcst-Locarno bedeute, könnte ein Vertrag mit Polen.den Anfang zu einem Ost-Locarno bar- stellen. Zum Schluß schrieb der„Robotnik" wörtlich:„Wir zweifeln nicht daran, daß die polnische Regierung alles versuchen wird, um die Verständigung mit Deutschland zu ermöglichen. Der Standpunkt der deutschen Regierung wird ein Probierstein sein, nicht nur dafür, daß es ein friedliches Zusammenleben mit un» wünscht, sondern auch dafür, daß es Locarno als solche» tiefer auffaßt. Denn ein West-Lecarno in Verbindung mit dem Kriegsgedanken im Osten ist nicht denkbar und überhaupt nicht ausführbar." Litauisches Konkordat. Der litauisch« Ministerpräsident Wal- d e m a r a z wird im Herbst zu Pom das Konkordat abschließen. Dabei wiid er die vorher von Litauen angegriffenen Bestimmungen des Konkordats mit Polen, in denen das" W i l n a g« b i e t als polnische Kirchenprovinz bezeichnet wird, anerkennen. Di« in das jüngste Komplott zugunsten des Exdiklaior» Van- galos oernnckcllen griechischen Ossizlere sind einem a u ß e r o r- d e n t l i ch e n Kriegsgericht überwiesen worden. die Hilfsaktion in Wien. Selbsthilfe der Arbeiterschaft. Die Sammlungen der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften in dem verarmten Deutschöfterreich für die Opfer des 15. und 16. Juli haben bisher den Betrag von 214 000 Schilling, gleich 129 000 M. ergeben. Das Hilfsaktionskomitee hatte vor allem sich um die in den Spitälern liegenden Schweroerwundeten zu kümmern. Bertrauens- personen des Fürsorgevereins Societas wurden damit betraut, die Verwundeten zu besuchen, jedem von ihnen zehn Schilling auszu- folgen und sie mit Rauchwaren zu versorgen. Bisher sind alle Ber» mündeten zweimal von Funktionären des Hilfskomitee» besucht worden. Bisher sind 187 Verhafteten Anwälte zugewiesen worden. Die Angehörigen der Verwundeten und Berhafteten er» holten regelmäßig« Unter st ützungen von je zwanzig und dreißig Schilling, je nach den Familien- und Erwerbsverhöltnissen. Das Hilfskomitee konnte bei den Besuchen in den Spitälern feststellen, daß«» unter den Verwundeten leider viele gibt, die In- folge der von der Polizei verwendeten Geschosse wohl für ihr ganzes Leben invalid bleiben wer�rn. * Die ersten Strafoerhandlungen gegen die Iulidemon. stranten werden am 3. September vor zwei Schösfensenaten des Landesgerichtes Wien I durchgeführt. Man hält es für notwendig, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Diese Angst ist begreiflich, aber ganz unbegründet. 5och als Mikelfchreiber. Sr will Deutschlands Außenpolitik bestimme». New Vork, 22. August. „World" bringt einen längeren Artikel von Marscholl Foch, der in Ruhland und Deutschland nach wie vor Gefahren für den europäischen Frieden sieht. Foch schreibt, Deutschland werde sich demnächst(?) entscheiden müssen, ob es sich östlich oder westlich orientieren wolle. England und Frankreich müßten in ihrer Lntente coyckiale darauf achten, daß Rußland nicht den Frieden störe und daß Deutschland den Versailler Frieden, der trotz Locarno das oberste Gesetz in Deutschlands Beziehungen zum Ausland« bleiben müsse, genau befolge. Der linksstehende P a r i f e r„E o i r e" greift Foch wegen seiner Artikel oder Interviews an. Die Wehrpflicht in Ungarn« Der Botschafterkonfcrenz wohlbekannt. Genf, 22. August.(Eigenbericht.) Da» Bölkerbundssekretariat veröffentlicht heute einen von Briand unterzeichneten Brief der Botschafterkonferenz, der dem Bölkerbundssekretariat offiziell die Zlufhebung der Interalliierten Misitgrkpmmission in Ungarn mitteilt. Nach dem Wortlaut des Brieses glaubt die Konferenz die Pflicht zu haben, die Aufmerk- samkeit de? Völkerbundsrates auf die von der Kontrollkommission ausgedrückten Vorbehalte bezüglich der von Ungarn ange- wandten Rekrutierungsgesetze lenken zu müssen. Nanking unter schwerem Zeuer. VereinigungSstreben Nanking— Hankau. London, 22. August.(Eigenbericht). Sie schwere Beschießung Nankings durch die Ka- nonen der Nordacmee dauert an. Die Nordarmee hat Versuche zur Ueberschrejtung des Jangtseflusses unterhalb der Stadt gemacht. Der Rückzug der Südtruppen in Richtung Schanghai ist» o ch immer durch die Abschneidung der Eisenbahn- l i n i e auf Befehl des britischen Kommandeurs erschwert. In einem gemeinsamen Manifest der Regierungen Hankqu und Nanking wird verkündet, daß die Bildung einer gemein- samen Regierung mit dem Sitz in Nanking unmittelbar beoorsteh.'. Au» den letzten Meldungen gewinnt man jedoch den Eindruck, daß die Durchführung dieses Planes sich als u n m ö g l i ch erweisen wird. da die demoralislerten Truppen der Rankingregierun' außerstande sein dürften, die Besetzung Nankings durch die N" arme« zu hindern. Die Seörohung öer Zreizügigkeit. Immer neue Schikanen. Die Sklaverei ist ab g e s ch a f s t. So steht es in allen Schul- b ü ch e r n zu lesen. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, wie auch aus den neuen Feststellungen des Internationalen Arbeitsamtes hervorgeht, daß das für die Kolonien nicht stimmt. Bei noch genauerem Zusehen kann man feststellen, daß auch bei uns die Sklaverei in immer neuen Formen und Verkleidungen aufrecht zu erhalten versuchr wird. Zu dieser modernen Sklaverei gehören vor allem die brutalen und schamlosen E i n s ch r ä n- kungen der Freizügigkeit der Arbeiter. Fast jede Woche werden aus irgendeinem Berufszweig oder einem Landstrich neue Uebergrisfe der Arbeitgeber gegen das Recht der Freizügigkeit gemeldet. Bor kurzem erst muß- ten wir ein Rundschreiben des Arbeitgeberverban- des E. B., Trier(Weinbau Mosel), vom 7. Juli 1927 veröffent- lichen, worin von den Mitgliedssirmen verlangt wird, daß b e i jeder Neueinstellung von Arbeitskräften möglichst telepho- nisch der bisherige Arbeit oe der gefragt werden soll, ob er der Einstellung zustimmt. Im verneinenden Falle soll die Arbeitskraft abgewiesen werden. Der Arbeitgeberverband der sächsischen Textilindu- st r i e schloß unter seinen Mitgliedern Verträge ab, durch welche die Arbeiterschaft ebenfalls um ihr« Freizügigkeit gebracht werden soll. Ein vertrauliches Rundschreiben des Verbandes der Arbeitgeber der sächsischen Textilindustrie Chemnitz, das dieser Tage dem Deulschen Textilarbeiterverband in die Hände gefallen ist, enl- bält die Abschrift eines Vertrages. der Crimmitschauer Unternehmer zum Zweck der Boykottierung derjenigen Arbeitnehmer, die ohne Zustimmung des Firmeninhabers die Ar- beit wechseln. „Die Firmen haben sich/ so heißt es in dem Rundschreiben, ..verpflichtet, keine Arbeiter und Arbeiterinnen aus den dem Ab. kommen angeschlossenen Firmen einzustellen, bevor sie nicht hierzu die Zustimmung des letzten Arbeitgebers haben, bei dem der Arbeitsuchende beschäftigt ist oder war." Ausdrücklich wird in dem Rundschreiben darauf hingewiesen, die Abmachung sei„so zu verstehen, daß sie nicht allein auf die- jenigen Arbeiter und Arbeiterinnen zutrifft, die ohne Einhaltung der Kündigungsfrist weggegangen sind, sondern auf sämtliche Ar- beitnehmer, auch wenn sie bei der anderen Firma ordnungs- gemäß abgehen oder bereits abgegangen find." Diese üblen Praktiken zur Unterbindung, der Freizügigkeit haben nun auch bei den schlesischen Arbeitgebern Schule gemacht. Die Zentralstelle der schlesischen Arbeitgeberverbände ver- ösfentlicht ein Schreiben, worin die angeschlossenen Organisationen aufgefordert werden, bindende Verpflichtungen über die Erteilung von Abkehrscheinen an die zur Entlassung kommenden Arbeiter einzugehen. Die Mit gliederverbände der Zentralstelle sollen sich verpflichten, bei Ar beitskämpfen keine durch�die Arbeitskämpfe freigestellten Arbeits kräfte auch in anderen Sparten einzustellen bzw. sofern sie ein- gestellt wurden, sich„mit allen satzungsmäßigen Zwangs- Mitteln" dafür einsetzen, daß die sofortige Entlassung erfolgt. Weiter sollen sich die Verbände verpflichten, in jedem einzelnen Entlassungssall«inen Abkehrschein zu geben, sofern die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ordnungsmäßig erfolgt sei.(Als„nicht- ordnungsmäßig" führt die Zentralstelle Entlassung« an, die unter Vertragsbruch, wegen einer strafbaren Handlung oder nichlord- nungsmäßiger Ablieferung des Eigentums des letzten Arbeitgebers oder wegen Richträumung einer Werkswohnung er- folgt feien.) Arbeiter, die keinen Abkehrschein besitzen, sollen nur eingestellt werden, wenn der früher« Arbeilgeber mit der Einstellung einverstanden ist. Außerdem sollen sich die Ar- beitgeberverbände verpflichten, auf ihre Mitglieder dahin einzu- wirken, daß alle entgegen dieser Bestimmung eingestellten Arbeiter sofort wieder enklassen werden, wenn der vorhergehend« Arbeitgeber es fordert. Alle derarrigen Anträge sollen über die Zentralstelle der schlesischen Arbeitgeber- verbände gehen, so daß also praktisch eine Kontrolle der Ein- stellungen hinsichllich des letzten Arbeitsverhältnisses durchgeführt wird. Mgderner Sklavenmarkt! Man will in der Derwen- dung oder NichtVerwendung der Arbeitskraft nach Gutdünken schalten und walten Mit einer Art maskierten gelben Arbeitgeber. nachweisen will man die Löhne drücken, den Brotkorb höher hängen und dem Arbeiter die bescheidenen Möglichkeiten, sich irgend- wo eine bessere und erträglichere Arbeitsstelle zu suchen, rauben. Ein schamloses Treiben, gegen das allmählich nicht nur die gerade zufällig betroffenen Gewerkschaften, sondern die gesamte Arbeilerschast sich zur wehr setzen muß. Die verfassungsmäßigen Rechte der Arbeiterschast werden mit Füßen getreten, die alten schöbigen Knüppel- Methoden der Vorkriegszeit wieder eingeführt. Die Arbeiter wollen nicht nur bloß platonisclie Liebeserklärungen für die Reichsverfas- sung an den Versassungstagen, sondern Respektierung der sozialen Bestimmungen dieser Reichsoerfassung, vor allem des Artikels III, der allen Deutschen Freizügigkeit zusichert. Wann wird endlich einmal den Arbeitgebern die Rechtswidrigkeit der Frei- zügigkeitsunterbindung klargemacht? Wo bleiben die Staatsan- wälte? Wo bleibt vor allem der Reichsarbeitsminister? Der Aufschwung. Ter Baugetverksbund nahe an 400(MX). Die Gewerkschaften haben die rückläufige Mitgliederbewegung ziemlich überwunden und sind aus dem besten Wege zu neuem Aus- schwung. Bei einer ganzen Reihe freigcwerkschaftlicher Organisationen sind bemerkenswerte organisatorische Fortschritte während des letzten halben Jahres zu verzeichnen. So hat der Deuksche Baugcwerksbund bereits im ersten Vierteljahr den Mitglicderrückgäng aus dem Jahre 1926 wieder wettgemacht. Der Bund hatte im vergangenen Jahr 3976 Mitglieder eingebüßt: neu erobert wurden im ersten Vierteljahr 6329 Mitglieder, also ein Plus von über 3999 neuen Mitgliedern. Im zweiten Vierteljahr setzte sich dieser Aufftieg fort. Zählte der Bund am Schluß des ersten Quartals insgesamt 351 552 Mitglieder, so hob sich der Gesamtbestand bis zum Schluß des zweiten Quartals auf 388 192 Mitglieder. Schaltet man die 6999 beitrags- freien Mitglieder aus, dann hat die Zahl der beitragspflichtigen Mit- glieder im ersten Halbjahr um 4 2 5 6 5 oder 12,6 Proz. zuge- n o m m e n. Die Bezirksverbänd« Magdeburg und Dortmund weisen mit 295 und 24,2 Proz. die kräftigste Mitgliederzunahme auf. In den Bezirksoerbänden Erfurt, Hannover, Nürnberg, Breslau, Köln, Stettin und Königsberg bewegt sich die Mitgliederzunahme zwischen einem Siebentel und einem Fünftel des Jahi'esansangsbestandes Auch in den übrigen Bezirken ist die Mitgliedcrzunahme be- achtenswert. Gliedert man die Mitgliederzunahmen nach Berufs- g r u p p« n, dann zeigt sich, daß die Hilfsarbeiterberufe durchweg eine st ä r k e r e Mitgliederzunahme zu ver- zeichnen haben als die Gruppen der gelernten Berufe. Besonders auffallend ist die Mitgliederzunahme bei den A f p h a l t i e r e r n: bei diesen beträgt die Z u n a h m e 5 8,5 Proz., bei den Feuerungs- und Schorn ft einmaurern 28 Proz., bei den Fliesen- l e g e r n 19,8 Proz., auch bei den Bauwerkmeistern, den Maurern, den Töpfern und in der Stuckgruppe ist die Zunahme bemerkenswert. Hoch erfreulich ist die kräftige Mitgliederzunahme in den Jugend- gruppen.— Hoffentlich gelingt es, bis zum 25. September, den Beginn des zweiten ordentlichen Bundestages, den Mitgliederbestand auf 499999 zu bringen. vom Streik öer Nheinschiffer. MTB. meldet: In einer am Sonnabend abgehaltenen Der- sammlung des streikenden Deck- und Maschinenpersonals wurde folgende Entschließung angenommen: Die am 29. August in Mannheim tagende Streikversammlung des im Deutschen Ver- kehrsbund organisierten Dock- und Maschinenpersonals der Rheinschiffahrt beschloß nach Kenntnisnahme des Berichts über die Situation in der Rheinschiffahrt: Mit den Maßnahmen der Organisationsleitung erklärt sich die Streikversammlung einverstanden) Sie hegriißt die Streikbeschlüsiti in den anderen Hasenplätzen, die auis neue bestätigen, daß all« Versuche, die Streikenden mißmutig zu machen, an deren fester Haltung ge- scheitert sind. Eine weitere WTB.-Meldung au? Mannheim, wonach die Streikbewegung jetzt auch auf einen Teil des im Zentralverbond der Maschinisten und Heizer organisierten Personals übergegriffen habe, wird durch die folgende entkräftet, daß die Versammlung der Mannheimer Maschinisten und Heizer der Rheinschiffahrt der Leitung des Zentralverbandes vollkommenes Vertrauen aus- gesprochen hat. Für die Mitglieder dieses Verbandes ist die Bewegung durch Tarifabschluß beendet. �_ Vi* kämpfe in öer Textilindustrie. Warum der Krefelder Schiedsspruch unverbindlich blieb. Für die sächsisch-tbüringischen Webereien haben am gestrigen Montag in Gera Schlichtungsverhandlungen be- gönnen. In der K r e f e l d e r S e i d e n i n d u st r i e ist bis jetzt keine Aenderung der Situation eingetreten: der Kampf geht weiter. In diesem Kampf leisten sich die Arbeitgeber merkwürdige ?lrg»m eilte zur Rechtfertigung der Aussperrung. So schreibt die„Kölnische Zeiti-na", die Verbindlichkeitserklärung sei schon des- wegen nicht mögt gewesen, weil die Akkordlohnfraqe nicht schematisch zu.äsen sei. Bei gleichen Akkordsätzen werde der Umstellungs- und Rationalifierungsprozeß in einem Teil der Be- triebe aufgehalten. Sonderbare Logik! Sollen den rückständigen Beirieben billiger« Akkordsätze gewährt werden? Werden sie sich dann— ohne den Druck der Konkurrenz— eher zur Umstellung bequemen? Arbeitszeitkündigung im Braunkohlenbergbau. Eine Revierfunktionärkonferenz des Verbandes der Berg- arbeit er Deutschlands für das rheinische Braunkohlen- r e o i e r beschloß am Sonntag im Kölner Bolkshaus im Einvernehmen mit den übrigen beteiligten freien Gewerkschaften die Organisation mit der Kündigung des Arbeitszeit- abkommen? im Braunkohlenbergbau zum 39. September zu be- auftragen. Gleichzeitig wurde ein« Entschließung ein- st i m m i g angenommen, die die Freigabe der beiden Verurteilten Sacco und Vanzetti in Amerika fordert. Einigung in der Orsoyer Tabakindustrie. Duisburg, 22. August.(WTB.) Die Verhandlungen beim Reichsschlichtungsausschuß über die Lohnstreitigkeiten zwischen den Orsoyer Zigarrensabrikanten und Tabakarbeiter haben zu einer Einigung geführt. Neue Feierschicht im Saargebiet. Saarbrücken, 22. August.(Mtb.) Die Saargruben haben heute wiederum eine Feierschicht ein- gelegt. Es ist das die fünfzehnte innerhalb der letzten zwanzig Wochen. Wenn man bedenkt, daß die hier gezahlten Löhne der Bergleute sehr gering sind, vermag man zu ermessen, wie groß die Not in den Kreisen der Bergarbeitersamilien ist. Angestclltcnstrcik in Lodz. Warschau, 22. August.(Eigenbericht.) In Lodz steht«in Streik der Bureauangestelltcn bevor, die eine 39prozentige Gehaltserhöhung verlangt haben. Auch die st ä d t i- schen Angestellten hoben sich dieser Lohnbewegung an- geschlossen._ Ungarische Löhne. Die Lohn kämpfe in Ungarn, die sich in jüngster Zeit häufen, sind leicht verständlich, wenn man sich die ungarischen Hungerlöhn« vergegenwärtigt. Für die Eisen- und Maschinen- arbeiter in Groh-Budapest, deren Zahl sich auf etwa 39 999 be- zisfert, liegt für Ende 1926 eine genaue Lohnstatistik vor, die vom Verband der Eisenwerke und Maschinenfabriken, also einem Unter- nehmerverband, ausgestellt wurde. Danach betrugen die Real- löhne der Facharbeiter im Jahre 1926 84 Proz. des Lohnes vor dem Krieg, die Reallöhne der angelernten Arbeiter 81 Proz., der ungelernten Arbeiter 85 Proz), der Frauen 88 Proz., der Lehrlinge 84 Proz. und der jugendlichen Arbeiter 93 Proz. der Vorkriegslöhne. Die Arbeiterstimme in Ehicago. Die Radiosende st ation, die die Chicagoer Ge- werkschasten vor etwa Jahresfrist errichtet haben, übermitteln jetzt auch telegrophische Nachrichten an Stationen in Detroit und andere große Städte des Seengebietes. Ebenso ist ein Apparat für kurze Wellen im Bau, mit welchen man einen Nachrichtendienst auf große Entfernungen aufnehmen will. Die Station gibt jeden Abend ein Unterhaltungsprogramm von 6 bis 12 Uhr nachts. Finanziert wurde das Unternehmen durch einen freiwilligen Extrabeitrog von 2 Dollar pro Mitglied, der in zwei Jahren zu bezahlen ist. Das bedeutet etwa einen Pfennig pro Tag. Die Station, die den Namen„Die Arbeiterstimme" trägt, ist vollständig bezahlt und gehört den organisierten Arbeitern. Die Sperre über das Etablissement Knappe, früher Zenaer. Treptow(Inhaber Dr. Körner), wird hierdurch ausgehoben. Die Forderungen des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe angestellten wurden bewilligt. Die Sparkasse der Dank der Arbeiter. Angestellten und Beamten 2l.-G., Berlin, wallstr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. ttdünng, SPD. g>ihl«rf»brit Ackerst rahc! Am Mittwoch, 24. August, sl 15Z4 Uhr, bei Leuschncr, Ackerstr. Uli, Fraltionsversammlung aller£j ÖPT.-Ibcnoflcn. Wichtigc Tagesordnung. Jeder muß erscheinen. � � D»r Fraktion»vorstand. g Frei« Sewerkschoitojugend©roh•Berlin. Heute, Dienstag, I!>>4 Uhr, tagen die iSruvvcn: Frankfurter Allee:------- dat"»----- o:.—... Strohe 18, Zimmer 3. Vortrog: Plag: Truppenhcim Diestelmeyer_W W �W>W.W Kiuppenheim Jugendheim Dosscstr. 22. Vortrag:„Gelbe Gewerkschaften und Werksport."— Treptow: Gruppenheim Schule Wildcnbruchstr. h3IH IHort» zimmer). Lichtbilderabend:„Wilhelm Busch.— Brist: Gruppenheim Ehaulsce» Ecke Hannemannstrahc. Geselliges Beisammensein.— Humbvldt: Jugendheim Lorsting. Eck« Graunstrahe. Epaziergang durch den Wedding. Zugenbgrupp« de» ZdA. Heute, Dienstag, ab 19 Uhr, Spielen auf der Spielwiese 7 im Treptower Park und auf dem Spielplatz an der«atzbach- strahc fstrcuzberg). Rasenspielc, Volkstänze, Ballspiele. � Polier-, Werk- und Schachtmeisterbund für da» Bangewerbe. B«zlrl»,«reia G rah- Berlin. Zm Herbst dieses Jahres finde» die Vertrauensmännerwahlen für die Angestclltenverstcheruug statt. Aus diesem Grunde beschäftigt stch die Versammlung morgen, Mittwoch, xg'h Uhr. in den Sophiensälen, Sophien. strahe 17/18, mit der Bedeutung der Angcftelltenverstcherung für Polier- und Schachtmeistcr. Referent Bezirksleiter Alb. Werner. Ferner mit dem Ge- "fr'fiiiaftsfcft am Sonntag. In Anbetracht der aktuellen Tagesordnung ist es Pflicht jedes auf dem Boden der freien Angestelltendewegung srehend-n Poliers und Schachtmciftcrs, Iii dieser Versammlung zu erscheinen. Der Borstand. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein! Wirtschaft:«. Saterna«: Gewerkschaftsbeweauna: Friedr.«stkora: Feuilleton: t». K. Tischer: Lokale» und Sonstiges: Fritz«karftadt! Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärls-Verlag G. m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und V-rlag-anstal» Paul Singer u Co. Berlin EW 88. Lindenstrahe ll. Hierzu 2 Beilaar»»ad..Uaterbaltuna»ad Wiste»'. Splttmlmarkt Eck» W allsirnß* AlmMmnamrplatM nmben Aschingm W Frlmdrlch-Str, 193a Eck» Leipziger Straß» Unit» Str. f Edez Potsdamer Straße N Schönhauser Aflea 91 am Bahnhof Nnrdring Frladrlch-Str. 106 Ecke Ziegelstraße Invaliamn-Str. ISA Eck» Brannenstraße inwanaen• Str. III am Stettiner Bahnho/ ChauMsea'Str. 79 nahe Müllerstraße Frankfurter Allee 14 nahe Tieta SO Oranlen- Str. 44 zn>.Moritz- a.Oranitnpla Das ist die Brille, die Sie suchen! Die Ruhnke Paientbrille aus Gold-Double ohne Rand' kostet nur m. 5� denn 1 Jahr Ruhnke'Garantie, QlSser werden extra berechnet. Reparaturen werden sofort erledigt. Kneifer in jeder Ausführung mir und ohne Randfassung aus Gold-DoubU Ohne Gläser t 1 Jahr Garantie.... M. 2,SO 3, SO S,— 9,— 2 Jahre Garantie... M. 9.— 10,— /5,— 14 Karat Gold• 2 Jahre Garantie»- M. 19,— SO,— 24.— (il&serpreise Rathenower Bi- Gläser... pro Stück M. 1,— Ruhnke-Menisken- Gläser.. pro Stück H. 2.— „Punktorik", unser Markenglas p. Stck. 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August 1927 Das verkaufte Seegut Rangsdorf. Durch den soeben erfolgten Abschluß des Kaufes von Gut Rangodorf durch den Kreis Teltow wird wieder ein größeres, zur Erholung des Berliners gut geeignetes Terrain der Privatspekulation entzogen. Rangsdorf— an der Borortstrecke Berlin— Zossen gelegen— hatte in den Jahren vor der Revolution einen etwas bedrohlichen Ruf: der Besitzer Spiekermann ließ durch den Jäger jeden auf seinen privaten Waldungen Wandelnden zur Anzeige bringen. Seitdem Genosse Rapp den Posten als Amts- Vorsteher bekleidet, ist diesem Unfug ein Ende gemacht: nur wirklich« Waldfrevel werden durch Strafmandat geahndet. In den letzten Jahren hat Rangsdorf denn auch durch sein„Seebad" sich Volks- tümlichkeit unter den Berlinern zu verschaffen gewußt: auf Guts- terrain wurde an der dem Dorf zunächst gelegenen Seeseite ein Uferstreifen als Badestrand hergestellt: zwei lang« Holzstege führen in den dort nur allmählich an Tiefe zunehmenden See hinaus, so daß eine Wasserfläche zur Verfügung der Nichtschwimmer steht, die wohl einige Tausend« Besucher aufnehmen kann. Verbesserungen des Ufers usw. werden notwendig sein, um dem Bade den Charakter eines Freibades zu geben: zurzeit ist der Betrieb verpachtet, und Eintritt(20 Pennigj sowie Kabinengebühr machen mit dem Fahr- preis(ab Berlin 40 Pfennig) für eine Familie schon ein kleines Sümmchen aus. Vom Bahnhof kommend, erreicht man in wenigen Minuten auf der rechts von„verbotenem" Wald flankierten Chaussee den A n- sang des Dorfes: links die langgestreckte Mauer des Guts- parks, dann das einstöckige, mit Mansardengiebeln versehene Guts- haus, das mit den gegenüberliegenden und anschließenden massiven Wirtschaftsgebäuden einen großen Hof bildet. Der Weg gabelt sich: in der Gabelung die Kirche, der alte Kirchhof mit dem Bäume und Boden überwuchernden Efeu. Der Weg rechts führt schnell zum Seebad: der frühere tiefe Sand ist durch ein Pflaster gebändigt word«n. Die Gemeinde, die jetzt durch das Gutsseebad nur Lasten aus- gebürdet erhalten hat, erhofft von der neuen Gestaltung der Dinge einige Vorteile für sich: Siedlungsland zum Beispiel, aucy Zuteilung von Wiesen, ferner Bauverbot für die nach D a h l e lp i tz sich erstreckende Ausbuchtung des Sees, die den auch sonst bei Berlin sich findenden Namen„Krumme Lanke" führt. Früher mußte bei Siedlungsfragen meist der Weg der Klage gegen Spiekermann be- schritten werden, der für seine„Fasanerie" Schaden befürchtete: bei Uebernahme durch den Kreis wird natürlich der Gutsbezirk ein- gemeindet. Der verstorbene Gutsherr war, wie wohl schon aus dem Mitgeteilten hevorgeht, eine etwas autokratische Natur:„Sozis" waren ihm nicht genehm, und als einst ein Genosse sein zwei Morgen großes Grundstück in Dahlewitz für«in« Versammlung(Säle bekam Das Outshaus man damals nicht) zur Verfügung stellte, verbot der Herr Amts- vorster die Versammlung, da„der Raum nichl ausreichen würde". Die Beschwerde trug ihm einen Rüffel ein, aber seinen Willen hatte er durchgesetzt. Am Seeufer Aus der Geschichte von Rangsdorf sei bemerkt, daß es bereits im 14. Jahrhundert an Berliner Bürger verpachtet war. Nach dem Dreißigjährigen Kriege war von 18 Hüfnern und Kossäten nur noch ein Bauer übrig, und die Neubesetzung der Stellen ging langsam vor sich, so daß 1800 erst 14 Haushaltungen bestanden. Gegenwärtig haben Dorf und Guts- bezirk 462 Einwohner. Die Anbauflächen sind 2S9 resp. 711 Hektar. Eine Neusiedlung auf dem Wald� und Wassererholung bietenden Terrain sollte wohl bei der günstigen Lag« zur Bahn Erfolg haben. Wenn Klingelfahrer Pech haben. Zwei erprobte Klingelfahrer sind Paul Lopata und Bryzzmann, beide aus öftstlichen Ländern stammend und angeblich Konditor und Dekorationsmaler. Als sie aber hier ihre erste gemeinsame Tour machten, hatten sie Pech. Sie wurden in einem Hause in der Landsberger Allee, wo sie nach Klingelsahrerart«ine Wohnung zu plündern gedachten, überrascht und di«je Ueberraschuna brachte ihnen je 5 Monate Gefängnis ein. Bei der nächsten Fahrt zu zweien hatten sie anfänglich mehr Glück, dann aber ereilte sie wieder ihr Pech. Nachdem sie an einem Sonntag an einer Woh- nung vorsichtigerweise zweimal geklingelt hatten, ohne daß'sich jemand meldete, hatten sie die Korridortür mit einem Dietrich geöffnet und dann in den Zimmern einen Schreibtisch durchwühlt. Eine Geldbörse mit 180 M. und mehrere Goldsachen hatten sie bereits eingesteckt, als sie merkten, daß der Wohnungs- inhaber zurückgekehrt war und in die Wohnung wollte. Schleu- nigst schlössen sie die Vordertür ab und verdufteten durch den Hinter- ausgang. Jedoch war d«r Bestohlene schneller als sie, so daß sie wieder verhaftet wurden. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitle, vor dem sie sich wegen schweren Diebstahls zu verantworten hatten, wollt« einer von dem andern verleitet worden sein.„Hohes Ge- richtshof", m«int« der eine in unbeholfenem Deutsch,„der Mann da hat mich verführt."„Hochwohlg«boren", sagte der andere,„das ist nicht wahr, ich war fleißig und arbeitsam und erst durch ihn bin ich auf diese Bahn gekommen." Das Gericht dachte aber„gleiche Brüder, gleiche Kappen und oerurteilte jeden zu einem Jahr Ge- sängnis und drei Jahren Ehrverlust. tzochbahnhof �Kottbujser Tor" wirü verlegt. Rolltreppe zum U-Vahnhof. Demnächst wird— wie wir erfahren— mit der Verlegung des Hochbahnhofes„Kottbusjer Tor" begonnen werden. Der jetzige Hochbahnhof wird mit Rücksicht auf den im Bau befindlichen Ge- sundbrunnen— Neukölln-Bahnhof„Kottbusser Tor" ungefähr fünf. zig Meter weiter westlich oerlegt werden und unmittel- bar über dem G.-N.-Bahnhof liegen. Beide Bahnhöfe werden durch Rolltreppen verbunden werden. Inzwischen schreiten die Umbau- arbeiten am Hochbahnhof„Schlesischcs Tor" rüstig fort. Die Aus- schachtungsarbeiten auf der südlichen Strecke der G.-R.-Bahn machen an vielen Stellen Häuser- und Kanalunterführungen in einem bis- her noch nie dagewesenen Umfange notwendig. Nachdem bereits der Landwehrkanal am Kottbusser Tor und die Häuser Reichenberger Straße Nr.' 13 und 14 untertunnelt wurden, wird demnächst mit der U n t e rf ü h r u n g von acht Häusern an der Ecke Ritter- urrd Prinzenstraße begonnen werden. Um eine Einsturzgesahr zu vermeiden, müssen die Häuser vorher abgefangen werden. Vor dem Bau des eigentlichen Tunnels werden unter den Häusern riesige Ringmauern errichtet, auf denen ein Trägerrost ruht, der die Be- lastung der Häuser aufsängt. Diese Abfangvorrichtung ist so konstruiert, daß darauf bei einem eventuell notwendig werdenden Ab- riß der alten Häuser ohne weiteres ein neuer großer fünfstöckiger Geschäftsbau errichtet werden kann. Die ganze Strecke führt vom Kottbusser Tor durch die Reichenberger, Ritter- und Prinzenstraße zum Moritzplatz. Der neue Bahnhof„Moritzplatz" wird sehr tief liegen, weil er gleich als Kreuzungsbahnhof aus- gestaltet werden wird. Hier wird später die neue Schnellbahnlini« Moabit— Treptow die G.-N.-Bahn kreuzen. Große Wertpapier-Iälschungen. 700000 Mark falsche Rentenbriefe beschlagnahmt. In Straßburg wurde soeben ein 26 Jahre alter aus Thüringen gebürtiger Kaufinaun Richard hoyer verhaftet, der früher Rankbeamter war. Die Ermittlungen, die die Kriminalpolizei nach seiner Flucht zur weiteren Aufdeckung seiner Machenschaften anstellte. und im Laufe der Zeit fortsehte, halten das überraschende Ergebnis. daß Fälschungen dieser Art in einem riesigen Umfange verübt worden sind. Hoyer war wohl der erste, der„a u f g e w e r t e t c" Renten- und Pfandbriefe in den Verkehr brachte. Er ist aber nicht der einzige Fälscher. In Zusammenhang mit ihm und unabhängig von ihm sind eine ganze Reihe von„Aufwertern" an der Arbeit gewesen und zum größten Teil auch schon unschädlich gemacht worden. Ende März, als die Fälschungen Hogers ans Licht kamen, wurden noch 70 Stück Rentenbriefe ä 5000 Mark beschlagnahmt. Erst vor einigen Tagen aber fand und beschlagnahmte die Kriminal- polizei bei einer hiesigen Bank für 700 000 Mark gefälschte alle pommersch« Rentenbrlese, auf die die Bank einen Rargeidkredit von 120 000 Mark gewährt hatte. Von diesen„ausgewerteten" Renten- briefen sollen im ganzen für 3 Millionen in Umlauf gebracht worden s«in. Was alles in Umlauf gebracht worden ist, weiß man noch nicht. Die„Aufwertung" erfolgt durch A«nd«rung des Ausstellungsjahres und der Seriennummer. Meist wird ein Datum aus der Vorkriegs- zeit gewählt. Der Schwindel scheint auch nach anderen Stödten, z. B. nach Hamburg und München, übergegriffen zu haben. Dort tauchten vor einigen Wochen Pfandbriefe der Stadt Berlin auf. Sie waren aber mit einem Typenstempel so plump gefälscht, daß man die Fälschung sofort erkannte. Zwei Mann wurden in Hamburg fest- genommen. Auch in Berlin haben zahlreiche Verhaftungen stattge- funden. Die Schwindler zeigen dem Verkäufer ein echtes Stück, da- mit er es prüfen lasse. Auf diese Weise sicher gemacht, nimmt er auch die gefälschten zum Pfand. Einen Schutz gegen derartige Be- trügereien gibt es allerdings, aber er wird bisher selt«n benutzt. Jeder, dem Renten- und Pfandbriefe in Zahlung oder Depot gegeben werden, sollte sie alle, nicht nur ein einzelnes Stück, auf der Zentral- stelle einer großen Bank mit der Quarzlampe prüfen lassen. Dann würden alle Fälschungen sofort erkannt werden. Hoyer scheint sein Treiben auch von Paris aus noch fortgesetzt zu haben. Gefälschte Wertpapiere inag wohl noch mancher im Besitz haben, ohne es zu wissen. Weitere Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Seifert, Dienststelle?. 7 im Polizeidienstgebäude in der Georgen- kirchstraße 30 A entgegen. iDie 0l(6erfrf)tDärme g7j Von 5Xe? Vearf) INachdruck oetbotm SttttocifUrt* XCcbecfcfeimg aas den» Englischen von Ialla-Koppel 13. Als Emerson ins Hotel zurückkehrte, fand er Clyde und Fräser vor, die in Balts Zimmer auf ihn warteten. Sie waren alle vergnügt, weil die Sache jetzt endlich in Angriff genommen werden sollte. Boyd deutete die Neuigkeit, die er erfahren hatte, nur kurz an, erwähnte nur flüchtig, daß er Marsh kennengelernt und daß dieser einen Trust der Konservenfabriken gegründet habe. Die Bedeutung des Trusts wurde seinen Kameraden erst am nächsten Tage klar, als sie in der Eisenbahn saßen und die Bekanntmachung der Gründung in den Zeitungen lasen. Balt wütete über das Glück seines Feindes, und Alton Clyde war entzückt, daß er Mitglied einer Verschwörung ge- worden war, die von einem so mächtigen Feinde bedroht wurde Und als Emerson ihn zu einer Art Sekretär ernannte, dessen Pflicht hauptsächlich darin bestand, Telegramme abzu- senden und entgegenzunehmen, kannte sein Entzücken keine Grenzen. Er wurde unerträglich eingebildet und von der Wichtigkeit seiner Person durchdrungen, so daß er Fräser zu sarkastischen Bemerkungen und Foppereien reizte. Emerson legte seinen Kameraden und vor allem Clyde ans Herz, daß strengste Verschwiegenheit jetzt doppelt notwendig sei, sollte ihr Unternehmen glücken. Unterwegs begann Emerson die endgültige Form ihrer Pläne auszuarbeiten. Er und George berieten alle Einzel- heiten ihres Unternehmens imd sandten viele Telegramme ab, mit dem Resultat, daß sie bei ihrer Ankunft in Seattle Dutzende von Händlern vorfanden, die auf sie warteten- Ohne eine Stunde zu verlieren, quartierte Boyd sich und seine Freunde in einem Hotel ein und engagierte einen tüchtigen und diskreten Stenographen: darauf suchte er den Bankier auf, der ihni die hunderttausend Dollar zugesagt hatte. Herr Hilliard empfing ihn freundlich. „Wie ich sehe." sagte er,„haben Sie Ihren Teil der Uebereinkunft erfüllt. Bevor wir aber näher auf Ihren Vor- schlag eingehen, möchte ich wissen, welchen Einfluß der neue Trust auf das Lachsgeschäft haben wird. Unser Korrespondent in Chikago wußte nichts anderes, als was in den Zeitungen steht. Wir müssen natürlich vorsichtig sein, bevor wir Geld in ein Konkurrenzunternehmen stecken, und müssen uns erst vergewissern, was der Trust beabsichtigt." Die Frage hatte Boyd befürchtet und darum war er vor- bereitet, als er antwortete:„Der Trust ist natürlich zu dem Zweck gebildet worden, um Geld zu verdienen, und daß er gebildet worden ist, beweist ja nur, daß es auf diesem Gebiet Geld zu verdienen gibt. Sie haben ja schon in vielen Lachs- fabriken Geld angelegt, wissen darum selbst, wie vorteilhaft das Geschäft ist." „Darum handelt es sich nicht. Unter gewöhnlichen Um- ständen würden wir keinen Augenblick schwanken: der Wayland-Marsh-Zusammenschluß aber wird wahrscheinlich die Verhältnisse ändern. Wenn ich nur wüßte—■" „Das weiß ich," erklärte Boyd kühn,„Herr Wayland hat mir seine Politik kurz skizziert, bevor er sie der Oesfentlichkeit übergab" „Ah, Sie kennen Wayne Wayland?" fragte Herr Hilliard interessiert. „Ich kenne ihn sogar sehr gut." „Haben Sie das Geld vielleicht von Herrn Wayland be- kommen?" „Darüber darf ich nicht sprechen," antwortete der junge Mann ausweichend.„Um aber Ihr Darlehen absolut sicher- zustellen, habe ich Schritte unternommen, um den Fang dieses Jahres im voraus zu verkaufen. Die Agenten werden bald hier in der Stadt eintreffen und ich werde einen Kontrakt für den ganzen Fang zu einem vereinbarten Preis aufsetzen. Genügt Ihnen das?" „Vollständig," erklärte Herr Hilliard herzlich.„Machen Sie Ihre Bestellungen auf Maschinen, Vorrat und allem, was dazu gehört." Als Boyd sich zum Gehen anschickte, fügte er noch hinzu: „Apropos, wissen Sie etwas von den Möglichkeiten der Minen in dem Lande hinter Kalvik?" „Nicht viel, es ist neues Land. In Kalvik lebt eine Frau, die graben läßt."> „Cherry Malotte?" „Sie kennen sie?" fragt« Boyd. „Ja, sogar sehr gut. Ich habe erst kürzlich mit ihr korre- spondiert."> Als er Boyds offenkundiges Interesse sah, fügte er hinzu: „Ich habe ziemlich viel Geld in die Minen im Norden ge- steckt— ganz auf eigene Rechnung." beeilte er sich hinzuzu- fügen,„die Bant tonnte es natürlich nicht tun. Meine Unter- nehmungen aber waren biher so vom Glück begünstigt, daß ich immer Leute in Bereitschaft halte, die ich sofort bei neuen Entdeckungen aussende." „Haben Fräulein Malottes Leute eine neue Goldmine entdeckt?" „Das nicht, aber sie haben einige vielversprechende Kupferminen gefunden." „Hm, das ist mir neu." Gern hätte er dem Bankier noch einige weitere Fragen gestellt, aber er widerstand der Ver- suchung und stürzte sich darauf mit solcher Vehemenz in seine Arbeit, daß er die Sache ganz vergaß. Jetzt war die Zeit gekommen, wo George Balt seine Tauglichkeit beweisen sollte. Während der folgenden Tage arbeiteten er und Boyd von morgens bis abends. Zehn- tausend Dinge mußten auf einmal erledigt werden. Vor allen Dingen kam es darauf an, daß alles sich so schnell wie mög- lich abwickelte. Und Holzhändler, Kohlenhändler, Maschinen- fabrikanten und Schiffsagenten, mit denen sie zu tun hatten, schworen darauf, daß sie noch niemals Männer getroffen hätten, die so schnell und gleichzeitig so sicher arbeiteten. George wußte genau, was er wollte und kannte durch lange Erfahrung jede Einzelheit, die zu dem Geschäft gehörte. Drei Wochen waren mit angespannter Arbeit vergangen, als die Kompagnons eines Morgens mit dem Bewußtsein erwachten, daß fast nichts mehr auszurichten war. Alle Orders waren gegeben, der Versand hatte begonnen. Sie hatten ein Schiff geschachtert, das Datum der Abreise war be- stimmt. Was jetzt noch fehlte, waren nur noch Kleinigkeiten, und trotz ihrer Hast hatten sie dank Georges Fachkenntnis keinen Fehler begangen. Clyde hatte ihnen die ganze Zeit begeistert beigestanden, wenn die Hilfe, die er leisten konnte, auch nur gering war. Jetzt, wo die Spannung überstanden war, fand er es ange- bracht, seiner Freude dadurch Ausdruck zu geben, daß er sich betrank. Gegen Mitternacht fand Fräser, der auf eigene Faust herumstreifte, ihn in betrunkenem Zustand zwischen einer Tafelrunde von zweifelhaften Existenzen, wo er sich aufgeblasen brüstet«. Als Fräser das Wort Kalvik-Fischerei aufschnappt«, zog er ihn vorsichtshalber mit sich, brachte ihn nach Haus und ins Bett und stand vor seiner Tür Wache, bis er sich davon überzeugt hatte, daß der betrunkene und geschwätzige Mann schlief. Zeitig am nächsten Morgen wurde der Abenteurer von Emerson geweckt, der heftig gegen feine Tür klopfte. (Fortsetzung folgt.) Einbrecher, Sie sich wecken lasien. Ein großer Einbruch wurde in der Zeit vom Sonnabend bis zum Montag in der Alexander-Passage verübt. Die uiy bekannten Täter stiegen vom Dach aus durch den Fahrstuhl- s ch a ch t bis an die Luke des 4. Stockes hinab, schlugen diese auf und gelangten so in eine Wäschesabrik. Nachdem ste � für 15 000 M. Hemden zusammengepackt hatten, rissen sie andere Wäsche aus den Regalen heraus und machten daraus eine Lagerstatt für drei oder vier Mann zurecht. Hieraus kochten ste noch den Kakao, den Angestellte in den Räumen zurückgelassen hotten, holten sich nach einer Stärkung aus dem Bureau eine Weckeruhr, stellten sie auf 2 Uhr und legten sich nun beruhigt schlafen. Wahrscheinlich sind sie mit der großen Beute erst in der Nacht zum Montag um 2 Uhr aufgebrochen. Ganz sinnlos haben die Verbrecher die Scheiben zweier großer Glasschränk« eingeschlagen und die darin aufbewahrten Muster vollständig zerristen und verstreut. Auf ihre Ergreifung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mittei- lungen an die Dienststelle B. 5 im Polizeiprästdium. Raserei eines Angeklagten. Bei einer Verhandlung gegen einen gewissen Bollnow, einen bereits mehrfach vorbestraften Mann, der erneut wegen Betrugs- und Urkundenfälschung angeklagt war, geriet der Angeklagte, nach- dem der Staatsanwalt acht Monate Gefängnis beantragt hatte, in Raserei. Er beschimpfte die Richter, u. a. auch den die Verhandlung führenden Landgtrichisrat Härtung, in uirslätiger Weise, rief.Wenn ich auch nur einen Monat bekomm«, schlage ich euch tot�, bewarf die Richter, als sie au» dem Beratungszimmer kamen, mit allen möglichen Gegenständen, die er ergreifen tonnte, so mit dem Barett eines Richters, mit Akten und dergleichen. Der Justizwachtmeister konnte sich des Angreifers nicht erwehren. Trotzdem der Beamte die Ausgangstür, die der Angeklagte mit Händen und Füßen be- arbeitet«, oersperrt«, gewann Bollnow das Freie und slüchtete. Eine sofort vorgenommene Durchsuchung des Gerichtsgebäude» war erfolglos, der Angeklagte war verschwunden. Schwerer Verkehrsunfall am Belle-Alliance-Platz. Am Belle- Alliance-Platz ereignet« sich gestern abend i«egen K7 Uhr ein folgenschwerer eigenarttger Unfall. Eine Zug- ! Maschine, sogenannte»„eisernes Pferd" mit Anhänger, dessen t Führer vom Halleschen Tor tomcmnd in den Belle-Alliance-Platz ein- - biegen wollte, fuhr infolge Bruche» des Führersitzes rauf den Bürgersteig. Während der Führer vom Fahrzeug i stürzt« und unverletzt blieb, wurde ein ISjähriger Journalist au» der ? Wilmeredorfer Straße, der in diesem Augenblick die Unfallstell« f passiert«, von der Maschine ersaßt und schwer ver'letzt. � H. mußte durch die Feuerwehr in das Urbankrankenhau» geschafft ; werden. Das führerlose Fahrzeug richtete noch erheblichen Sach- >- schaden an. Es prallte mit großer Wucht gegen die steinerne Um- p sriedigung des Eingangs zum U-Bahnhof Belle-Alliance-Platz und bracht« einen großen Teil zum Einsturz. Zum Glück w»rden Fahr- gaste von den niederstürzenden Mauerteilen nicht getroffen. Da be- fürchtet wurde, daß infolge der Erschütterungen durch die vorüber- fehrenden Autobusse noch weitere Mauerteile nachstürzten, wurde der Zugang für den Verkehr gesperrt. Nur einem Zufall ist es zu ver- danken, daß die Maschine nicht in die Tiefe stützte und auch der Führer unverletzt blieb._ Die Sommunistenkundgebungen für Saccos und vanzetti» Befreiung, die gestern veranstaltet wurden, sind ruhig verlaufen. An etwa 15 Plätzen sammelten sich die Anhänger der einzelnen Verband«, die zu diesen Kundgebungen aufgerufen hatten. Die«in- zelnen Züge waren etwa 500 Mann stark. Nach kurzen Umzügen durch die Bezirke lösten sich die Züge wieder auf. Da die Kommu- rnsten beinahe jeden Tag Kundgedungen veranstalten, beachtet die Berliner Bevölkerung die Kommunistenzüge kaum noch. Um Zu- sammenstöße zu verhindern, war das Gebiet der Bannmeile durch starke Polizeiposten abgeriegelt. Am Wilhelmplatz, vor der A m e r i- kanischen Botschaft und vor den Amtsgcbäuden der Reichs- und Siaatsregierung waren Doppelposten aufgestellt. Die Umzüge sind überall ohne nennenswert« Zwischenfälle ver- lausen. Lediglich an der Ecke Zossener- und Bergmann» U ra ß t kam es ZU V eibereien zwischen Demonstranten und Schutzpolizisten des Begleitkommandos, wobei«ine Person zwang«- gestellt und der Abteilung Is im Polizeipräsidium zugeführt werden ! mutzte. Entdeckung eines Fememordes? Bei Ludwigslust, an der Eisenbahnstrecke Ber- l i n— H a m b u r g, wurde ein junger Mann mit einem Strick um den Hals und deutlichen Merkmalen einer Erdrosselung i tn einem Teich« tot aufgefunden. Der Tot« trug ein Hemd wie «s die Völkischen zu tragen pflegen und hatte ein« General- ftabs karte bei sich, auf der d«r Name Köhne stand. Di« Polizei vermutet, daß es sich bei dem Toten um den in Bremen bekannten völkischen Agitator Köhne handelt. Der Er- mordete war zuletzt am Freitag in Begleitung von zwei Männern ? m der Nähe der Leichenfundstelle gesehen worden. Anscheinend ist t er am Freitagabend gegen 9 Uhr ermordet und sein« Leiche dann b m den Teich geworfen worden. Die Staatsanwaltschaft von . Schwerin ist mit der Aufklärung des Verbrechens beschäftigt. I_ 6>n Verkehrsflugzeug abgestürzt. Auf dem Fluge von dem j Londoner Flughafen C r o y d o m nach Amsterdam ist am Man- js tagvormittag ein holländisches Passagierflugzeug mi: : 11 Passagieren in der englischen Grasschaft Kent abgestürzt. F Das Flugzeug, das in einen Baum fiel, wurde vollst an die t zertrümmert. Der Mechaniker, ein Holländer, wurde ge. [ tötet, der Flugzeugführer und sieben Reisende erheblich oerletzt. s- 10e««rberich» der öffeaMcheu weNerdieastflel« sile Verb» ua» Bmzegetid lNachdr. Verb.) Wollig bi« beiter, am Tage Schauer, Temperaturen wenia , verändert, frische südwest. bis weliliche Winde.— Jflt veulschlaad: Ich , langsame Besserung bei wenig veränderte» Temperaturen, . Neigung zu lokalen Schauern. Sozialistische �rbeitersugenü Groß-Serlin, wu Heule, Dienstag. 19� Uhr: «»»»«»plag- Schule Wiesen- Eck« Pankstraße..Wir und die Äusst.llung i.D?«,iung- Deutschland.- Weddlng.Rard: Helm See. Ecke Turiner Slrage. �Elnflllirung in be» Sozialismus."— Kaltplag i Heim Eberswalder Sic!i>. .Unsere Kerienfahrt."— Nordost 1: Heim Landsberger Str. 50..Sport 7�— «chonhansee«orstadt: Heim Driesener Ste. 22..Arbeitcrioolilfakirt"— Seneseldcr.viertel! Ecknile Danziaer Str. A...Die Bedeutung der jiunen."— Weibcnse«: Heim Parlstr. z«. gunliioniirsijung.— Haserhride: Heim Borck. praße 11.Was ist Imperialismus?»— Halenle«: Schule Zoochim-Knedrich. Straße 35. Heitere Dichtungen.— Wilmersdsrf: Heim Hildegardstr.<...iinti. l-schismu»— Proletarische Wehrhaftigkeit.»— Rariexdoef: Plt« Schul«, Dorf. ftralje..Warum Neicheausschuß der deutschen Iuoendserbände, warum» cht R-ichsou-lchuß der-rb«!tend-n Jugend?»- Steglii, l» Heim«ldrechtstr. 47 �nternanonale und Krieg.»— Neukölln Ij Heim Sander. Eckt Hobrcchtstraß«. .zoll« und Zolllämpfe.»— Neukilla lll: Heim kteinmeßstr. N4..Zuaend. fllrsorae.»— Neulöll» l\, Heim Nogatstr. 53.„Karl Liebknecht.» � Ne». toll» v: Heim Lnzeum Richardplatz.„Wa, ist Sozialismus?»— Ne»tt»» VI: Schule Hertzbergplatz.„Unsere Gegner: Christuche Jugend.»— Köpenick: Heim iZrllnauer Str. 5...Kaust.»— Neinickendors-West: Heim Seideistr. 1 »Die politische Lage aller Staaten.»— Buch holz: Schul- Berliner Str. 31. »Sozialismus in der Kamille.»— Nlederlchöahanse»: Schule Blanlendurger Straß, 7».„Wie lese ich ein« Landkarte?�— P»»k«».«»r»: Heu» Draß« 14. Lichtbild« rvorwag!.Körpertuiwr.» Sörsch. Sriefkasten der Reöaktion. «.». l». tzweifelhast, nach u»ser«r Ansicht»ein.— 0. 4t 25. Der Hau» wirt ist zur Leröfsentlichung der Namen nicht berechtigt. DI«, kann ihm durch einsnpeilixe Verfügung»erboten werden.— H. H. Kommen Sie in »»ser« Juristische Sprechstund«.— Sch.». E» find nur 5 Pro,, zu entrichten. Lege» Sie gegen de» Kirchensteuer bescheid Einsprach ein. Hauunglück bei öer„Hewag" Alauerstraße. Ein Maurer getötet, Auf dem Neubau der„Bewag" in der Mauer st r. S0,'S1 ereignete sich gestern gegen 15,30 Uhr ein schweres Einsturz- unglück. bei dem drei Maurer unter den Trümmern begroben wurden, während es der Feuerwehr gelang, zwei der verunglückten noch lebend zu bergen, konnte der dritte nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Zu dem ealsehlichea Unglück werden folgende Einzelhelteo bekannt: Auf dem ersten und zweiten Hof des Grundstücke» Mauer- stroße 80/81, dem sogenannten„Buchhändlerhof", das nach der anderen Seite bis zur Wilhelmstraße hindurchgeht, wird von den Berliner Elektrizitätswerken A.-G. ein großes Umformerwert aufgeführt, dessen Bau bereits vor langer Zeit in Angriff genommen worden ist. Im Erdgeschoß auf dem zweiten Hof des Neubaues waren dreiMaurer, jung« Leute im Alter von 18 und 19 Jahren, mit dem Tünchen mehrerer etwa sieben Meter longer, fünf Meter hoher und vier Meter breiter Räume, in denen die Transformatoren Aufstellung finden sollten, beschäftigt. Die Decken der Räume bestanden aus sogenannten Zementkoppen- gewölben. Die Wölbung de» letzten Transformatorenraum«» war am Donnerstag voriger Woche fertiggestellt worden. Um den frischen, viele Zentner schweren Zementdecken bi« zur Bindung— die gewöhnlich acht bis neun Tag« Zeit erfordert— den nötigen Halt zu geben, wurde eine Verschalung angebracht, die durch starte Bohlen gestützt wurde. Dieses Gerüst war den Arbeitern beim Tünchen der Wände offenbar hinderlich. Sie nahmen die Der- steifung, ohne an eine Gefahr zu denken, fort. Ihre, halle» beraubt. stürzte die Decke plötzlich zusammen. Die völlig überraschleu Ar- zwei andere verletzt. beiter konnten sich nicht mehr relteu und wurden unter den schweren Zementlilöcken, holzleilen und Alauerwerk verschüttet. Di« Feuer- wehr wurde gerufen, die auf den Alarm„Besonderes—, Menschenleben in Gefahr" unter Leitung des Oberbrand- direktors Gempp mit mehreren Rettungswagen an die Unglücksstelle eilte. Nur mit größter Vorsicht konnten die Wehrleute in den Raum vordringen, da ein weitere« Nachstürzen von Zementblöcken be- fürchtet werden mußt«. Zwei Arbeiter, der neunzehnjährige Maurer Walter Marquardt au« der Eotheniusstr. 11 und der achtzehnjährige Maurer Gustav Schreiber aus der Ringstr. 5 zu Steglitz, konnten mit nicht allzu schweren Verletzun- gen aus dem Trümmerhaufen geborgen werden. Der neunzehnjährige Maurer Aritz Bause aus der Sorsörer Straße 7 dagegen wurde nur noch als Leiche aufgefunden. Dem Unglücklichen war ein Holzteil in die Schädeldecke gedrungen, was seinen sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Die Verletzten wurden zur nächsten Rettunge- stelle gebracht, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. Die Leiche des tödlich Verunglückten wurde in das Schauhau» gebracht. Nach den bisherigen Feststellungen scheint die Schuld die Verunglückten selbst zu treffen, die in Verkennung der furchtbaren Gefahr die Versteifungen zu früh gelöst hatten. Die von der Baupolizei geführte Untersuchung wird sich aber vor allen Dingen darauf erstrecken müssen, ob nicht auch die Bauleitung fahrlässig ge- handell hat, indem sie die Räume zu dieser Arbeit vorzeitig freigab. Auf demselben Bau ereignete sich, wie erinnerlich, vor etwa Halb- jahressrist ein Kraneiusturz. bei dem gleichfalls mehrere Arbeiter zu Schaden kamen. e>nse»v»»i«» fti» diel« NnvrN Pud «eeli» CO 48. LtabesftTnße K Partemachrichten für Groß-Serlia Net»»» da» Bezirkoierretariat. X, Hot, 1 Sex», recht»,|» richten. I. Beet« Bilme robotf. Freie vchnlgemeind«: Dirnotaa,». AnZnP. 2»«he, Gieseler str. 1/7. Vortrag:.Au» per Praxis der weltlichen Schule» Heule. Dienstag, den 23. August: ». Abt mi Uhr wichtig- Funktionörsitzung bei Dodrohlaw, Sw>»«mltnd-r Strafte 11. 12». Abt Panlorn. Gruppen 4, 5 und« UZH Uhr Funkti-nörlons-ren, bei Wolf, Grunow- Eike Schulstraße. Sämtliche Funktionär« müssen erscheinen. Arai'.enveranstalwngen: 7. Kreis Ed-rl«tt«»b,tg. Mittwoch, 24. August, 18 Uhr. im Zugenphew- Rolinenstraße Funklianiirinnensitzung.__ 17. Keei» Lichtenberg. Der Keeiofraiienabenb Nnbet umständehalber Mittwoch, 24. August, 1BK Uhr, hei Albeecht, O 112. Neue«ahnhof. Elke Borhagener Straße statt Genosse Stimming spricht Uder Wohnungowescu in Groß. Berlin unter Berücksichtigung her Lichtcnberger Verhältnisse. Um zahl- reichen Besuch wird gebeten. Jungsozialifien: Gruppe Lichtenberg: 20 Uhr Jugendheim Parka»« 7/1#.Eiutkihrung in die Wirtschastogeschichtr.» Hans Weidmann. Hlnderfreunde. 82.»bt. Stegtiß. 18-18 Uhr Spielen im Heim Arbrechkstr. 87. Morgen. Mittwoch, den 24. August: Mitgliederversammlungen und Zahlabende. Beginn WA Ahr. (. Abt gahsabenhe in den bekannten Lokalen. 7. Abt Kahlabend« bei Döll. Lerastr. 71 iBortvag Genosse Kurt Lücke): Dam». Schlegelsir. S: Beira». Schwartzkopssstr. 1; R-user,«oo-nstr. 19; Knbt, Strehlitzer Str. 55. 8. Abt. Ratlonalhos, BiUowstr. VI. Genosse Dr. Fried länd er:.Mein« Er- lebniss« in Rußland.» � �„ 9. Abt. Fader, Stephanstr. U..«rbeitogcrichte.» Referent Genosse Swo- 14. Abt � Schule Putbusser Str. 8.„Komnwnale Arbeit ber SPD. vor und nach dem Kriege.» Referent Genosse Weibe. Sympathisierende und Porwärts".Leser sind eingeladen. Bezlrtssiihrer laden ein.___ 15. Abt Bei Schmidt, Pinetaplotz 7..Dl« Bedeutung der Volkobsthne für die Arbeiterschaft.» 18.«dt. Bei Sachse. Lindower Str.«. Vortrag de, S«noss-n Erich Fraenkel. 2«.«bt«ei«ende. Koloniestr. 147. Vortrag des Genossen Poltersdorf Über .Abstammnngotheorie.» 2t Abt Im Schraderhan«, Mnlplaquetstr. 15/16. Portrag de» Genosse» Hildebrandt Uber„Polizei und Arbeiterschaft.» 22. Abt Gemeinsamer fkchrabend bei Bartsch, Fehmarnstr. 1.„Sozial. Kragen in der Republik» Referent Genosse Dr. Körting. >t Alteroheim Danziger Str. 92.„Die bürgerliche und die sozialistisch« Presse.» Referent Genosse Dr. Gutmann. 28. Abt. Saalbau ssriedrich-hain(kleiner Saal).„Soziale Gesetzgebung.» Referent Genosse RaGow. 28. Ad«. Bei Bllitner, Cchwedter Str. 28.«ortrag über.Berufoberatnng.» Referent Genosse Iiola. 29. Abt gahlobende in folgenden Lokalen: Bez. 72, 78, 74, 75, 79, 80, 81. 82 bei«lug, Danziger Str. 71: Bez. 103, 134. HZ. 118 bei Richter, Schliemann. straße 89; Bez. 105, 10«, 107, 114, 113, 11» bei Buchholz. Pr-nzlou-r Wec Eck- Stargorder Straße; Bez. 10«, 109, 110, 111 bei Riebe, Duckerstr, 15. Die Bezirloführer ladtn ein, 89. Abt Vappelollee 15, Kasino-Festsäle.„S-Npolitische«erslechtungen« Referent Genosse Willig«. Zt Abt. Schulaula Schön, li�er Str. 7.„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der nächsten Zeit.» Referent Genosse Martin Stein. »I. Abt. Schmidt» Sesellschaftohau», Fruchtstr. 3«.„Reichoschulgesetzentwurs.» Referentin Irma gechendach. Dt« Vezirkoführer laden eilt Gäste will- kommen. Nach tastenden Versuchen scheinen die Dortragenden über„Euro- pärsche Hauptstädte" endlich eine für den Rundfunk befriedigende Form gesunden zu haben. Vrattstooen wendet sich in„Paris" von der bloßen Schilderung des Architektonischen ab uttd versucht sich erfolgreich an einem umfassenden Gemälde über die geistige Struktur der französischen Hauptstadt. Er behandelt jetzt das rein bautechnische und baukünstlerische Element gewissermaßen nur in Nebensätzen, allein als Ausstrahlung des Pariser Geistes, den er auf allen kulturellen Gebieten deuten will. Vielleicht ist das Thema für einen Rundsuntvortrag zu weit gespannt, aber immerhin ver- mittelt diese Interpretation ein Bild von Paris, das in der Phantasie der Hörer hasten bleibt. Auch Eohn-Wiener bietet in dem letzten Vortrag seines Zyklus„Die Kunst der Nationen" über„Rußland" fein Bestes. Nicht mehr das Eingehen auf einzelne Künstler oder Kunstepochen, sondern der Gesamtumriß wird zu geben versucht über Kunst und Kultur des modenien Rußlands. Von größtem Interesse sind die Ausführungen Albert Falkenbergs über„Die moderne Boamtenbewegung". Immer mieder ist auf den Wert dieser Art von Vortrögen hinzuweisen, die das Wesen und die Bestre- bungen einer gewissen Gesellschastsschicht für olle Hörer erklären, es ist«in Vortrag von instruktivem Wert. Doch was soll ein Referat wie„Frau, Politik und Presse"? Sicherlich ist es ein Thema, au» dem etwa» zu machen ist. Leider steht ihm Edith Wolfs hilflos gegenüber. Sie kommt über allgemeines„Magozin'-Gewälch nicht yinous. Und man fragt sich am Schluß, wird der Berüf der Parlo. inentsjournalisten durch iolche feuilletonistischen Entstellungen nicht diskreditiert? Das eigentliche Thema wird überhaupt nicht berührt. Der Hörer wird bei solchen ganz unmöglichen Herzensergießungen an der Leiwng des Rundfunks irre. Beide Abendveranstaltungen am Sonntag und am Montag haben Niveau. Bernhard B ö t e l und Hedwig Francillo-Kauffmann singen mit sehr schönem Sinn Duette und Lieder von Leo Fall und Lortzing, übrigens ein« merkwürdige Zusammensetzung, und am Montag in dem Programm „Die Heide" liest Renöe S t o b r a w a Löns. Liliencron Storm und Droste-Hülshoff mit schwermütig schleppender Stimme, aber trotzdem reich in der Nuancierung. Das schönste jedoch der Chor der Funk- stund« unter Dübel m dam Jjeiderösleai". 8. S. 33. Abt. Aula Hohen loh estr. 19. Lortvaa be» Genossen Kutzen stein. 34. Abt Eomeniuosäle, Memeler Str. 84.„Wirts chaftopolittsch« Tage» fragen.» Referent Genosse Raible. Die Bezirkoführer loben ein. 35.«bt Psinltlich 1»>4 Uhr Schulaula Samaeiterste. 29..Reicholchulgefetz. entwurf.» Referent Eiadtschulrat Dr. Löwensiein, SR. b. R. Diese Ver. anftaltung ist als Äerdeverfammlung für bie Frei« Schulgemeinöe gedacht. All- Parteimitglieder sind oerpslichtet, Freunb« unserer Bewegung, in». besondere Eltern, einzuladen. 39.«bt. Schulaula Straßmannstr. 8.„Theorte de» Sozi-liomno.» Referent Genosse Erwin Marquardt. »7. Abt. Die Abteilungsversammlung in der Patzenhofer-Braverei sällt au». 42.«bt. Zehlabende: Wiersdorf, llrbanste. 9; Bratn», Planuser 8»; Boaeler, .Mittenwalder Str. 19; Buhr, Blllcherstr. 88; Seehaak, Willidold-Alexi». Straß« 5; Hchlke, Pergmannstr. 99. 43.«bt. Be! Rabe, Fichtestr. 29..Jugend und Partei.» Referent»enoss« Wilhelm Lewinski. 45. Abt Förster Ecke Rcichenberger Straß»(Schill»)..Dta englische Ar. beiterdeweaung.» Reserent Genosse Floert«. 48. Abt Zahlabcnde sollen am Mittwoch aus. 47. Abt. Die Abteilungoversammlung in diesem Monat(Zllt an». Die G«- nossen werden ersucht, sich vollzählig an der Sewerrschafisdemoastratioa am Sonntag in Dreptvw zu beteiligen. Eharlotlenburg. 51. Abt. 20 Uhr Lokal Schellbach, Köniain-ENsabeth.Str. 8. „Konkordat und Reichofchulgefetz.» Referent Genoss« Wilbelm Riethke,— 83. Abt 20 Uhr bei Pommerenke. Rechlinftr. 1. Ecke Kaiseiln-Augusta- Allee,„Arbe-tsloscnvcrsichernngsaes-tz,» Referent Genosse Hornisch.— 36. Abt. Iaskowiack, Holtzsndorffstr. 20. Vortrag de» Genossen Reichie». Bezirks/ührer laben ein.— 57. Abt. Tbunack, Wielandstr. 4.„Problem der Weltwirtschaft.» Referent Dr. BIcnsiock. 8t Abt. Friedenau. Gekellschasts, immer de« Ratskellers, Lauterplatz..Da» Reichslchulgefetz.» Referent Genoss« Dr. Kaweran. 88. Abt Lichteeiclse, 20 Uhr bei K-ttum, SSäteftr. 7. Utr-ssensnft!,.» Ret«. rent Genosse Felir Fechcnbach. 93. Abt. Rentöll». vokar Wolfs. Kirchhosst?, 41..Faschistisch« Arbeit«. ersas. sung.» Referent Genosse Richard Joachim. 109. Abt. Friedrichohagen. Scholz, Fricdrichslr. 81,.Arbeitogerichtogesetz.» Reserent Weck, III. Abt Bohnobors. Bei Heimann, Walicrodorfer Straß«, Kahlabenb. 114. Abt Lichtenbera. 4, Gruppe de: Schwarzer, Gadrlel.Mar-Str. 17. 123. Abt Saalsbart 20 Uhr be! Eßrich, sstankfurter Ecke Doesstroße„Gt»I- lungnahme zu den kommenden Bahlen,» Reserent Genoss» stochert, 139. Abt ReiniSenbars.Ofl. SchUtzenban«. Ressdenzftr. t„Arbeitoloscnver. ficherung.» Referent Genosse Zubrian. Frmienverlmskallungen: 44. Abt. Kaffeekochen in Baumschulenweg(Königsheide). Zresfvunkt 14 Uhr Kottbusser Tor. Gäste Herzsich willkommen. 94. Abt. Renköll». 19Zb Uhr Frauenabeiib der Ssinther, Schwerpromenade u. Bortrag. 85. Abt. Temprihof. Donnerotag, 23, August. 20 Uhr, bei Primus(stur Linde). Werder. Eck« Friedrich-Karl-Straße. Sitzung de» engeren Lorstandcs. Sich- tig- Tagesordnung.__ Vorträge, vereine und Versammlungen, Arbelter-SchLtzenbnnb, Ortsgruppe Bsrli». Heut«, Dienotas, 22. August, 20 Uhr. Im Kartclldurcau Landsberger Str. 82 Groß-Berliner Funktionär. Versammlung. Berliner Arbeitee-Vchachilub, Werbebezlrk Best. Dienstag. 28.»ngnst. 20 Udr: Abt. Charlottenburg: Kaiser.gr!cdrich.S»r, 57; �Korresvondenzparrie am Brett» Abt. Rordwest: Bremer Str. 72/73;„Problem«(Tteffpunfi)." Abt. West: Schöneberg, Sedanstr. 17;„Geheimnisse her Kombination» Abt. Steglitz: Echildhornstr. 98; freier Schachverkchr. Abt. Lichterfelde: Hindenburg- dämm Ecke Auauftastraße(bei Wilhelm); freier Schachverkehr, Bund entschiedener Schulresormer. Dienstag 19>� Uhr im Werner-Siemens- Realgymnasium, Hohenstaufcnstr, 47/43, Kundgebung gegen das Reichoschul» acsetz. So sprechen die Genossen Siudicnrat Riebel-Dresoeu und Professor Paul Ocstreich über da» ReichoschulLesetz und dir autonome Schule. Jedermann will. kommen, Gew hinauszog v. Klaff« 29. Preußisch-Sadbeolsche Klassen-Lotteel«. Ohne Gewähr Nachdruck verhole» Aus jede gezogen» Nummer sino zwei gleich hohe Gewiaa« gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer tu den beiden Ableiluoge« l uno U L Ztehungslag 20. August 1927 I» der Nachmittaggziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen s»slown, tu IO&00 M, 161608 4»su»»,«|n 5000 JH. 95967 343310 10«eis-mu» 3000 M. 7478 939 iQ 163316 300347 363649 10 Sswian, n 20O0 M, 44745 80516 146376 160968 192468 24«»»w„n. 1000 an. 4277 76085 81468 82712 101686 127327 136378 146240 135913 204434 3S3488 283029 68»sw.nn«|« 600 M, 8074 21013 30482 41164 68908 76921 90833 92031 93497 113668 113876 113906 131842 121822 130388 1427,07 166416 170176 187652 1S--S2S 210965 224576 226216 232630 266'4« 273397 287269 288392 294867 294935 303054 31 7403 31 7451 336387 188«-Winne ,» 300 X1. 206 905 6262 10463 11445 15219 16803 20177 28261 30902 31135 29646 43822 43881 44078 45683 47631 49075 53696 65969 58976 60608 62196 63860 68788 69042 76340 79617 94713 94068 97274 99777 102166 104424 106156 107964 114025 119528 116848 122298 126274 134080 134095 154666 168034 160265 160933 161863 162535 163989 133260 186406 186465 189602 191168 191918 197944 207642 210202 212197 213876 216946 220203 224738 225162 225847 229176 234618 234740 241636 247257 249897 264630 236383 269280 269203 269716 271310 271543 272439 280897 283454 297424 299275 302337 303471 312713 314097 317607 327294 329022 336129 340491 341439 5. Fiehungstag 22. August 1097 8a der Bonnittagoziehung wurden Gewioue über ISO M. gezogen 2»swin,«„ 10000 M. 21273 2»«wu.», tu 3000 St 6644 237766*241852* 2000 � 48,26 72900>30796 165667 211736 236227 32 Sswinn, in 1000 Xt 18964 30014 33923 34666 53728 128680 181577 187096 191676 302880 3032 14 315458 332 970 3M700 326087 342459 1 00 Sswlnn» in 600 M 1583 1783 7489 8828 10066 13480 16240 16385 33015 41874 52551 58094 5931) 81641 100216 107883 112764 117411 148519 169894 1 66 536 179464 182670 187669 200169 209203 210611 216371 231809 2 36967 240007 244813 247861 253565 258179 2636)8 276361 278248 281657 295918 296598 301826 303644 307686 anftHOO 317087 336831 Q37A8* 162943 163999 164725 166114 173638 177946 170989 182236 197640 198)26 206047 211546 223182 226095 238997 241080 244815 247691 240675 260577 261761 263411 286736 2933,33 302307 303287 304221 305573 30649) 3)1947 316080 317414 331223 333735 33397u 335116 336108 340180 344884 346874 846486 S48666 348808 Vkeastag 23. August 1927 ntechaltung unö issen Sellage Ses vorwärt» Die Schiene. Von Armin T. Wegner. D«s Menschen?un steht nicht in seiner Gewalt und steht in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte. Jeremias. Stefan Kraas, Waldarbeiter im sechsten Bezirk der staatlichen Forste des Kreises Sagan, stieg mit breiten Schritten die Böschung des Bahndammes hinauf, an dem die Blütenstauden des Sauer- ampfers, die sich eben zu besamen begannen, in großen roten Flammen brannten. Es war verboten, den Bahndamm zu über- schreiten. Da ab«r»die Straße erst«ine halbe Stunde jenseits de» Dorfes unter der eisernen Brücke hindurch zu den kahlen Höfen der Stärkefabrik führte, schlich Stefan an jedem Abend in der Dämmerung über die Schienen, um auf der anderen Seite Milka Rubinski. die Gxliebt«, zu treffen, die Dienstmagd im Hause des Stärkedirettors'war. „Nun, Milka... liebst du mich?" Seine Hände, die hart waren wie Holz, legten sich um ihr« runden, warmen Schultern.„Liebst du mich?" fragte er noch einmal mit unbeholfener Begierde. Sie drängte zärtlich den Kopf an seinen Rock, der nach Erde und Baumharz roch. „Wie longo noch?" sagte sie. .Ln zwei Wochen." Seine Hand strich leise über ihr Haar. „Gestern hat der Händler aus der Stadt die Möbel geschickt. Die A eine Stube habe ich streichen lassen, Milka, der Kalt war von der Decke geschilen... nun ist sie blank wie deine Haut." Finster hoben sich die Schlote der Stärkefabrik gegen den ver- blassenden Himmel, und die weiten Schwemmbecken, aus denen es nach lZ�räbsrn und Kartoffelabfällen roch, lagen oerlassen mit großen, leere» Augen. „In zwei Wochen." Ihre Blicke suchten von neuem feinen Kopf, de? eine halbe Armlänge über ihr in unbekümmerter Festheit ragte. Sie schwieg. �„Es ist Zeit." sagte sie endlich, sich mit einem Seufzer langsam ' von seiner Brust lösend, und verschwand mit dem Flattern ihrer weißen Schürze hinter dem hohen Bretterzaun, der die Fabrik mit einer finsteren Umarmung einschloß. Stefan Kroos stieg die Böschung des Bahndammes wieder chinauf.� Auf der Höhe blieb er einen Augenblick stehen, im Abend- nebel öffneten sich die Lichter de« Dorfes, das long an die Erde geschmiegt lag, wie ein« schnurrende Katze. Di« Schiene lief vor ihm her, hell durchschnitt sie die Ebene, in der zu beiden Seiten unabsehbar die Wälder lagen. Nur dort, wo ein schmaler Seitendamm abbog, der nach den Fabriken hinüber. führte, bildete die Weiche in den Schienen ein spitzes Dreieck wie «inen lauernden Mund. Den Geschmack von den Küssen Milka» noch auf den Lippen, fühlte Stefan sein Blut aufsteigen. Wie seit- sam und beglückend die» war! Obwohl für ihn die Natur ein gleich- gültiger Gegenstand blieb, der seiner Arbeit diente, erfüllte der Abend mit seiner hochmütigen Stummheit ihn doch mit einem ruhigen Frieden. Spielend setzte er den nägelbeschlagenen Stiefel aus ven blanken Stahl und begann mit ausgebreiteten Armen wie als Knabe «mf che»" Schiene entlangzulaufen,'Mühsam mit"den Armen W« Gleichgewicht haltend. Die Weiche starrte ihn an, je näher er kam: ihre kalten Mundwinkel schienen sich auseinanderzuzerren zu einem boshaften Lächeln. Er aber blickte verzückt darüber hinweg in die abendlich« Wolke. Sie wuchs aus der Erde empor gleich dem Schaft «ine» Kreuze», desien Balken vor ihm wie der riesenhaft« Schatten seiner eigenen ausgebreiteten Arme am Himmel schwebte, und glüht« rot wie verwundetes Fleisch. Plötzlich glitt Stefan Kraas aus und fuhr mit dem Stiefel zwischen die Schienen. Ueberrascht sah er, daß sein Fuß in der Weiche stecken geblieben war. Stefan liebte seine Stiefel, zwei hohe schwarze Schäfte, die er jeden Morgen wie die Haut eines Pferdes striegelte. Verdammt, daß der Absatz nicht abriß!... Aber zu seiner Verwunderung wollte der Stiefel nicht nochgeben.„Nun, macht nichts." dachte er mit erstauntem Lächeln und zuckte die Schultern.„Macht nichts... werden schon los kommen." Aber während er den freien Fuß voll llngeduld gegen die Schienen stemmte, verlor sein schwerer Körper das Gleichgewicht, und er fiel hart auf die Erde. Der Schmerz war so heftig, daß er «inen Augenblick neben dem umgebogenen Fuß sitzen blieb. Müh- sam erhob er sich,«ine sinnenlose Wut überkam ihn. das stille, träum. haste Glücksgesüht war einem ohnmächtigen Zorn gewichen. In wilder Erregung begann er an seinem Beine zu reihen. „Verfluchtes Aas!"... '■ Der Schweiß rann ihm von der Stirn: aber der Fuß, dessen Schmerzen bei jeder Bewegung zunahmen, wollte nicht nachgeben. Der Himmel hatte sich plötzlich verfinstert wie ein erloschenes Fenster. Erschöpft hielt Stefan Kraas inne: er dachte daran, daß in einer halben Stunde der Posener Schnellzug vorüberkommen mußte, der an jedem Abend nach Sonnenuntergang dos kleine Dorf für wenige Sekunden mit seinem Donner erfüllte. Entsetzliche Angst lähmte fein« Glieder, die tiefe Stille schien von einem furchtbaren Grauen durchzittert. Wieder begann er an seinem Fuß wie an einer sestgewachscnen Baumwurzel zu ziehen. Stöhnend beugt« er sich nieder, untersuchte den Fuß, der bis über den Knöchel in der Bertiefung steckte. Bor- sichtig suchte er ihn aus dem Stiefel zu lösen, zerschnitt das Leder. ober der Fuß, der offenbor dicht unter dein Knöchel gebrochen und stark geschwollen war. füllte den ganzen Raum zwischen den Schienen aus. Bon neuem brach der Angstschweiß auf seiner Stirn hervor, er lauschte. Tönte nicht aus den Bäumen schon das Rauschen des Zuges, Lichter streiften ihn. ein- Faust stieß ihn vor die Brust, ihn für immer aus dem Dorf, dem Rauch der Gaststube, den warmen Armen Milkas zu führen? Unaufhörlich sangen die Grillen in den Gräsern am Bahndamin. „He! Heda... Leute!" Schwaches Hundegebell antwortete ibm, der weiße Schatten de« nächsten Hauses zittert« in der dunklen Stille. Es war dos Hau» Philipps, eines jungen Schmiedemeisters, der dicht hinter dem Bahn- dämm wohnte. Sie haßten sich, seit sie einmal auf dem Tanzboden msteinander In Streit gerieten. Philipp war reich, und seit seiner Verheiratung hatte er sich«in zweistöckiges Haus gebaut, dos sich frech wie die Brust einer Stallmogd über das Hau» seines Vater» lehnte. „Philipp!" schrie Stefan Kraas.„Phi— lipp!" „Was gibt es?" fragte eine ruhige, dunkle Stimme, Schritte stolperten die Böschung hinauf.„Ach, du bist es, Stefan." Stefan Kraas erzählte gleichmütig, er wäre soeben über den Bahndamm gegangen und mit dem Fuß hier stecken geblieben.„Ach. Hie Schiene, c, schnappt zu wie«in Hund," sagt« er. L, Das Turnier. Man befürchtet üas Schlimmste für üie braven Richtlinien! „Was kümmert mich dasl" Der Schatten sprang von der Böschung in das Dunkel zurück. Stefan Kraas stieß einen Fluch aus, um sofort die Stimm« in flehender Angst zu dämpfen.„Hilf mir. Gleich wird der Zug kommen, Philipp!... Du... willst doch nicht... daß ich hier von den Rädern zerschlagen werde!" Di« breite, schiefe Gestalt, deren rechte Schulter von dem Heben des Schmiedehammers etwas höher stand, wie«in erhobener Pumpenschwengel, schlich zögernd um Stefan und begann gleich Ihm an dem eingeklemmten Fuße zu reißen. „Es geht nicht." Philipp ließ das Bein wieder los und beugt« sich prüfend über die Schien«.„Man fallt« versuchen, die Laschen zu lösen. Vielleicht... warte, ich hole Hilfe." Eine Weile später kehrte er mit seinem Vater, der Frau und zwei Männern zurück. Sie hielten eine Laterne in der Hand. Ein Hund stutzte und bellte Stefan an, zwischen den Gestalten der Männer blickten die Augen der Dorfkinder erstaunt auf sein Gesicht, das bleich und erhitzt war. Eine Strähne nasser Haare hing über seine Stirn.' Die Männer faßten ihn unter den Schultern. „Eins— zwei," fagien sie, um sich anzufeuern.„Eins, zwei— hopp!" und begannen mit aller Macht an seinem Körper zu ziehen. Stefan Kraas biß die Zähne zusammen, dann fing er laut und tierisch vor unerträglichem Schmerz an zu brüllen. Der Fuß rührte sich nicht.(Schluß folgt.) Glaube unö Technik. Von Alfons Paquet. Dos neunzehnte Jahrhundert in Europa ist angefüllt mit den Triumphen der Naturwissenschaft. Die Bemunderuna und die immer tiefere Erforschung der Natur- gcsetzc ist für viele Menschen an die Stelle der Religion geireten. Die Religion verlor an Boden, Darwin und Haeckcl, große Forscher, wurden zu Begründern von Weltanschauungen erhoben.-Die großen Finder und Bezwinger der in der Naiur oerborgenen Kräfte und Strahlungen brachten promeiheische Gaben, vor denen der Verstand sich beugt: dos Gebiet des Technikers erschien als das eigentliche Reich der Wunder. Nh wurden die uralten Utopien der Menschheit, ihre Sagen, ihre Reich-Gottes-Hoffnungen in die Sprache des Technikers umgeschrieben, unter den großen Bahnbrechern des Fort- schritte» wurden Edison und Röntgen wie große Verkünder gefeiert. Di« Enttäuschung kam. Was hat sich durch die Erfüllung der technischen Wunder an dem Gut und Böse der menschlichen Natur geändert? Der Mensch ist durch diese Geschenke nicht besser ge- worden, er ist eher wie ein überbeschenktes Kind, dos sich langweilt. Er ist sachlicher geworden. Aber hinter dieser Sachlichkeit verbirgt sich eine Unersättlichkeit der Ansprüche, ein Unmaß von Undank, andachtlose Naturentfremdung: die seelische Verarmung. Jahrzehntelang baute die europäische Technik ihre kühnen Eisen- konstruktionsbrücken, Schiffe, Fahrzeuge. Arbeitsmoschinen, um plötzlich nach einem sinzigen Kommando das Wert von Millionen von Menschen und Fabriken bis auf den Grund zu zerstören. Die Technik zeigte sich fähig, das eine wie das andere zu tun. Wir kannten sie als unsere Dienerin, die uns verwöhnte, plötzlich war sie Todjeindin. Und dennoch läßt es sich nicht leugnen: die Technisierung aller Berufe schreitet immer weiter. Zlrzt oder Landwirt, Möbel- tischier oder Graphiker, Seemann oder Bergarbeiter, die ver- schiedcnsten Berufe sind durch«ine Fülle mechanisch-technischcr Probleme miteinander verknüpft und erscheinen immer mehr als Spezialitäten eines unbegrenzten Könnens. Präzision im Sinne der schärfsten, verstandesmäßigen Erfassung der Arbeiteaufgabc tritt dabei immer mehr an die Stelle der erworbenen praktischen Erfahrungen. Aber es muß nicht notwendig so sein, daß der Techniker nur Nüchternheit und Dürre mit sich herumträgt. Wahres technisches Können mündet in der unbegrenzten Freiheit der Kunst. Auch der abgezogene Diener am Technischen hat sein Arbeitsgehdmnis, dos in der Erfahrung und in dem Liebesverhältnis zu einer Aufgabe wurzelt. Nichts ist unwiderstehlicher, hinreißender, als die Schwung- kraft einer technisch disziplinierten Phantasie! Ja, es gibt ein Gewissen des Technikers, das nicht nur Präzision heißt. In dieses lebendige Gewissen ist die Entscheidimg gelegt, ob die Technik nur ein Zweck für sich selber sei oder darüber hinaus ein Mittel, dem Lebendigen zu dienen. Die Meisterichost im Kamps gegen schädliche Bakterien, die spielende Herrschaft über Massen van Beton und Eisen, die Nutzbarmachung tobender Wasserkräfte, die Ueberlistung der Schwerkraft durch die Flugtechnik bedeuten nirgend« schon an sich eine Ehrsurchtslosigkeit vor dem Unerforschten. Warum erscheint uns aber die technische Zivilisation, die uns umgibt, zuweilen als ein Abbild des babtilonilchen Turmes mit seiner Sprechen- Verwirrung und seinem schließlichen Zusammenbruch" Wtr singen h-er kein Klagelied des Kulturpessimismus, noch treiben wir«ine wohlfeile Reaktion gegen da», was dem Techniker die Freude an seinem Beruf bedeutet. Es scheint un» nur, ol» be» dürfe die Seele des Technikers in manchen Zweifeln, die sie heute erfassen, eines Aufschwung». Eine» Aufschwung», der nur aus einem Glauben kommen kann, der mehr ist als blinder Fortschrittsglaube. Zwischen dem Begriffenen und dem Unbegrisfenen in der Schöpfung gibt es die Grenzgebiete, auf die wir hinunterschauen wie Moses vom Berge in da» verheißene noch unbewältiqte Land: e» sind die Grenz- gebiet« der Forschung, der Versuche. Wer sind hier die Führer? Sicherlich nur der Mensch, dessen Auftrieb dem Glauben, dessen Standkraft der Technik angehört, das Genie, dessen Geist beflügelt und dessen Fuß doch In ollem Irdischen bewandert ist. Einst war die Technik eine geweihte, dem Dienst de» Tages vor- gerückte Kunst. So die Baukunst des Mittelalters und des Altertums, die Dom« und Tempel baute und uns noch immer ein Rätsel mensch- lichen Könnens ist. Welche Maschinen bewegten die ungefügen Baumassen der Pyramiden, wer löste die Säulen de» Tempels von Basalbek aus den Steinbrüchen und richtete sie lotrecht unter ihr Gebälk? Vielleicht waren es nur die vom dünnen Klang der Flöte rhythmisch bewegten Glieder lebendiger Menschen, geschult in den Tänzen, Aufzügen und Arbeitshandlungen einer priesterlich ver- walteten Kunst. Die Baukunst des Mittelalter» hinterließ uns mit ihren großen Werken nicht einmal die Namen ihrer Urheber, denn auch diese Namenlosigkeit der Leistung war Hingabe an ein unnenn- bares Wesen, ein unendlicher Dienst, ein Stück Religion. Wir wissen von einem fremden Volk, dem chinesischen, das bis vor wenigen Jahren noch zu den konservativsten zählte, daß es bei Bahnbauten in feinem Lande den fremden Ingenieuren die Be- dingung stellte, sie müßten ihre Eisenbahnlinien um die Ruhestötten der Toten, an heiligen Berghöhen und Bauwerken in weitem Bogen vorüberführen. Wir haben mit dem Aberglauben nichts zu tun, der solchen Forderungen zugrunde liegt. Wohl aber sollten wir uns diesen Glauben zu eigen machen, der aus der Pietät feine Kräfte nimmt und die ahnungsvoll« Einsicht bedeutet, daß geistiges Wesen in allen Dingen gegenwärtig ist. Nur in üer Grsßftaüt ist Nuhe. Sind ihre Nerven überanstrengt? Suchen sie einen friedlichen, stillen Winkel? Dann packen sie ihren Koffer und kommen sie in die Großstadt. Wenn sie aber schon in einer solchen leben, dann lassen sie den Koffer ungepackt und bleiben sie hier! So lauset der über- raschendc Ratschlag, den der bekannte Romanschriftsteller Thomas Burke in einem Londoner Blatte gibt. Und er fügt aus der Fülle trauriger Erfahrungen/die er auf seiner Sommerreisc gemacht hat, einige Beispiele hinzu:„Ich komme soeben von einer Fahrt, die ich durch eine Reihe„verschlafener, altertümlicher Städtchen" unter- noinmen habe. Ich habe manche Rechnung für Schlafzimmer be- zahlt, aber geschlafen habe ich in keinem einzigen. Früher habe auch ich geglaubt, daß London eine lärmcrfüllte Stadt ist. Jetzt zweifle ich, ob selbst Neapel so geräuschvoll ist wie mancher dieser kleinen Orte. Jeder, auch der geringste Lärm tritt am Lande in unser Bewußtsein, während er in der Großstadt in der Gesamtheit der Geräusche unbemerkt untergeht. Als ich am Morgen nach meiner Heimkehr aufwachte, in Erwartung des in meinem ländlichen Alyl gewohnten Worgenspeltakels, hörte ich nichts als einen so unbe- stimmten Laut, wie ihn gleitende Wagen hervorrufen. Neunzig Autoomnibusse, die am Fenster vorbeifahren, werden weniger Lärm macheu als einer in der Kleinstadt, uuv eine Wohnung in ooc Nähe vielbefahrener Bahnstrecken hat zur Folge, daß man niemals, nicht bei Tag und nicht bei Nacht, einen einzigen Zug fahren hört. Ganz anders am Lande oder in der Kleinstadt. Da gibt es Hunde, Katzen, Nadsahrer, eiserne Wagen, Holzwagen, Hühner und Hähne, einen Bruder, der sich mit seinem Bruder aus eine Entfernung von einer halben Meile üntcrhallcn muß— alles Geräusche, die sich nie zu einer großen Harmonie ineinander finden werden. Wenn ein Land- mann eine Milchkanne auf den Boden stellt, so macht das einen größeren Lärm, als ein tüchtiger Trommler hervorrufen kann. Er ist in einem Umkreis von zwei Meilen vernehmbar, während man an einem großstädtischen Verkehrspunkt zwanzig Milchkannen noch so nachdrücklich niederstellen kann, ohne daß auch nur die nächste Ilm- gebung etwas davon bemerkt. Ländlicher Lärm und Großstadt!ä:m verhalten sich zueinander wie ein Solo zu einem Orchester Nicht etwa, daß das Ohr des Großstädters ertauben würde: aber die Ge- täusche bekäinpfen einander hier gegenseitig und löschen einander gleichsam aus. Sie berühien uns nur noch wie ein dunkles, unbe» stimmbares Dröhnen."_ Das erste Holzgasautomobil, dos von einer französischen Auto- mnbilsabrik konstruiert wurde, hat kürzlich mit Erfolg eine Rund- fahrt von 5000 Kilometern durch Frankreich gemacht. Es ist ein Biertonnenfrachtauto, bei dem an Stelle des üblichen Benzintanks ein vierkantiger vertikaler Kessel neben der Bank des Chauffeurs unter- gebracht ist. Dieser Kessel wird mit kleinen Holzblöcken gefüllt und von oben luftdicht abgeschlossen. Durch die von unten in den Kessel hineinführende runde'Oesfming wird das Holz onqezündet, während eine Pumpvorrichtung an der anderen Seite des Wogens dem Feuer Luft zuführt. In drei bis fünf Minuten entwickelt das brennende Holz Gas, das sich in einem Räume bei dem Kess-l anhäuft und dann in vier Zylinder gesaugt wird, die unter dem Wagen in seiner ganzen Länge befestigt sind, und in denen das Gas gesäubert und abgekühlt wird, um dann dem Motor zugeführt zu werden und die Triebkraft zu liesern. Die au? dem Holz im Kessel gewinnbare Gasmeng« reicht hin, um 100 Kilo'veier zurückzulegen, und die Triebkraft ist um 80 Proz. billiger als Benzin. Seide aus Mai». In dem nordamerikanisch«» Staate Illinois wurde in Danville eine Fabrik gegründet, die nach einem neuen Verfahren aus Maisstengeln Kunstseide erzeugt. Vorerst ist ein« Tagesleistung von zehn Tonnen Seide vorgesehen, die später auf 50 Tonnen gesteigert werden soll. Für viele Länder bedeutet die Möglichkeit, auch aus Maisstengeln, die sonst fast wertlos sind, Kunstseide herzustellen, eine große wirtschaftliche Möglichkeit, in»- besondere für Italien und Jugoslawien, wo die Maisfrüchte ein wichtiges Voltsnahrun gsmfttel sind(Kukuruz. Polenta). etwa wie bei uns die Kartoffeln. Kommumstifthes im Arbeitersport. Lüqen der„Roten Fnhne".— Politik im„Arbeiter-Fußball".— Kommunistische Praktiken. Das Lügen und Verdrehen war immer das Metier der„R o t e n Fahne* und von ihr und von der Kommunistischen Zentralleitung haben es ihre Anhänger übernommen. Am letzten Montag regte sich das Bolschewistenblatt über eine angebliche„Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Presse, besonders des„Vorwärts*, mit der bürgerlichen Sportbewegung* auf, während nach demselben Artikel von der SPD.-Presse gleichzeitig die Arbeitersportbewegung den bürgerlichen Sportverbänden als kommunistisch denunziert werde. Zu den„schamlosen Lügen* des„Vorwärts* stellt die„Rote Fahne* fest, daß in der letzthin stattgefundenen Kartellhauptoer- sammlung unser Genosse Bartelmann betont hätte, die SPD. „werde nunmehr ihre Macht* gebrauchen und ein anderer Genosse hätte diesen Ausspruch dahin definiert, daß„in einer sozialdemo- kratischen Fraktionssitzung beschlossen worden sei, die Berliner Ar- bcitersportbewegung bei den Behörden als kommunistisch zu denun- zieren und eine Sperrung der Beihilfen zu verlangen!* Soviel Worte soviel Lügen! Wohl hat unser Ge- nosse Bartelmann nach der Vergewaltigung der sozialdemokratisch gesonnenen Mitglieder auf der Kartellhauptversammlung tn einer kurzen Bemerkung erklärt, daß nunmehr die SPD.-Sportler ihre Macht an anderer Stelle gebrauchen werden. Aus dem logischen Zusammenhang der Vorgänge auf der Hauptversammlung ergibt. sich also für jeden Klardenkenden— außer bei den„Rote-Fahne*- Leuten—, daß die SPD.-Sportler sich in Zukunft nicht mehr ver- gewaltigen und mundtot machen lassen wollen. Die„Rote Fahne* fälscht das in das Obengesagte um. Aber nicht genug damit: die Definition der Bartelmannschen Erklärung gab nicht ein SPD.-Sportler, sondern der Kommunist o b e l, der Vertreter der Fußballer im geschäftsführenden Aus- schuß, der nach Bartelmann zum Wort kam. Das ist die Wahrheit, die sich die„Rote Fahne* von ihren eigenen Genossen bestätigen lassen kann. Wenn die kommunistischen Drahtzieher im Berliner Arbeiter- spart trotzdem immer noch der Mitwelt plausibel machen wollen, daß sie im Arbeitersport nur des Sportes wegen arbeiten und keinerlei politische Anweisungen ihrer Zentralstellen befolgen, so gestatten wir uns, noch einmal an den Aufruf des Turnvereins„Fichte* für die Wahl des Trancportarbeitersportlers Thälmann zum Reichspräsidenten zu«rinnern. Eine Karttlloerfammlung in Wilmersdorf begrüßte in einer Resolution die Aufforde- rung der KPD. an die SPD. und an die Gewerkschaften zu einer gemeinsamen Protestdemonstration gegen den Krieg. Die Kartell- dclegiertenoersammlung des Bezirks Friedrichshain forderte die Spottvereine auf, sich restlos an der A n t i k ri e g s d e m o n- st r a t i o n a m 4. A u g u st(bekanntlich die kommunistische Demon- ftration) zu beteiligen. Der Kommunist P i e r q u i n vom Sport- ausschuß des Arbeiterradfahrcrbundes„Solidarität* versuchte im Juni in einem Aufruf die Arbeiterradfahrer zu der kommu- nistischen Sonnenwendfeier am Kroßen Plötzsee zu veranlassen und schließlich durfte der Spottklub.Rurich 02" im Frühjahr dieses Jahres nüt allerhöchster Genehmigung einen Groß- lampftag z u g u n st e n d e r„R o t e n H i l f e* veranstalten. Als neuestes können wir in diesem Zusammenhang aus die Ab- Weisung des„Vorwärts*- Berichtes st atfers beim Schwimmen„Quer durch Berlin" durch den Schwimmoerein„Vorwärts* hinweisen. So ficht die Arbeit der Kommunisten im Berliner Arbester- sport aus. Der„Vorwärts* braucht wahrlich nicht zu denunzieren; für di» Ausstafficrung vieler Sportvereine als„kommunistische Zellen" sorgen die Freunde der„Roten Fahne* und sie selbst genug. 7' ♦. Der„Arbeiter-Fußball*, das offizielle Organ der „Märkischen Spielvcreinigung* im Arbeiter-Turn- und Sportbund scheint es sich zur Aufgabe gesetzt zu haben, seinen Lesern neben den sportlichen Dingen auch etwas von der Politik beizubringen. In der Nr. 33 vom 17. August erfolgt gleich eine Serie von Angriffen gegen die Reichsfarben, das Reichsbanner und unsere Partei, die wirklich erkennen lassen, daß der Leiter des Blattes «in Kommunist ist. In gleicher Weise hat auch schon in stüheren Nummern der„Fußball* seine Kompetenzen überschritten, ohne daß wir Anlaß nahmen die Angriffe zu parieren. Der Beweis dafür, daß System in der Sache liegt, ist nunmehr erbracht; der „Arbeiter-Fußball* ist ein kommunistisches Blatt, das den N�t men des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes für seine kommunistische Parteipropa- ganda mißbraucht. Wie lange werden sich die nicht kommu- nistischen Fußballer das gefallen lassen und wird in Zukunft der Vorstand des Bundes weiter zulassen, daß der„Arbeiter-Fußball" em Ableger der„Roten Fahne* ist? * Man schreibt uns aus Arbeitersportlerkreisen: Vom g bis 12. August veranstaltete das Bezirks kartell Friedrichs- Hain eine Sport- und Kulturaus st ellung. In der vorher stottgcfundcnen Technikersitzung wurde einstimmig beschlossen, daß die Organisationen einmal«inen viertelstündigen Werbevortraq halten können. Auch sollten Schriften und Bilder, die etwa einen Kampf der Vereine untereinander darstellen, nicht ausgestellt werden. Für den Donnerstag sollten erst die Fichte-Wanderer sprechen und dann der Vertreter des Touristenvereins„Die Natur- freunde*. Am Ansang des Programms verlangten die Fichte- Leute, daß der Touristenvereinsocrtreter zuerst sprechen sollte, da sie ein Programm von l'A Stunden hätten. Alles war erstaunt, daß die ivichtesparte solche lang« Vorführung bringen wollte, da sie selbst im Ausschuß dafür einget--ten sind, jedem Verein 15 Minuten zur Verfügung zu stellen. Unsere Mitglieder rochen den Braten und protestierten energisch dagegen. Man befürchtete mit Recht, daß der Fichte-Redner gegen den Touristenverein polemisch werden würde, was im Interesse der propagandistischen Wirkung zu vermeiden war. schließlich begannen dann auch die Fichte-Leute mit einem Licht- bildervortrag. Der Referent rühmte, daß alle Bilder von den Mit- gliedern aufgenommen worden sind, man mußte aber feststellen, daß sämtliche Bilder vom hiesigen Jugendamt ge- liehen wurden. Nachdem verschiedene Lügen und Verdrehungen vom Referenten hervorgebracht wurden, brachten die Kommunisten Musik- und Gesangsdorbietungen, bis sie die Gäste halb her- ausgegrault hatten. Wir verlangten immer wieder, daß auch der Naturfreundevertreter sprechen sollte, der Vorsitzende des Kartells konnte sich aber bei seinen Parteifreunden nicht durchsetzen. Endlich, um 10 Uhr, als der Saal fast leer war, wollte man den Touristenvereinsvorsitzenden vor leeren Stühlen sprechen lassen. Dieser lehnte jetzt natürlich ab und unter Protest verließen die Mit- glieder des Touristenvereins, der SAJ., sowie die als Gäste an- Nach langem, schwerem Leiden ver- schied am Sanntag, dem 21. August, vorm. Uhr. unser Bater liobert-K.Si'iiei' im 83> Lebensjahre. Die trauernden SSfinc Robert und Paul. Die Beerdigung findet am ffreitag, dem 26 August, nachm. 4>,z Uhr. von der Leichenhalle des Thomas-Kirch- ho>e, in Neukölln, Hermannstrahe, au» statt. ffur die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden meine» lieben Satten. unsere» guten Vater» psul Sckliebs saa en wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonder» dem Redner de» Verein» der Freidenker, den De» nassen der Z0. Abteilung und dem Verein.Sutcntolomc" unseren herzlichen Dank. Helene Schlieb» und Kinder. wesenden Patteigenossen und Reichsbannerkameraden den Aus- stellungsraum.— Wie lange sehen sich die Berliner Arbeitersportler dieses Theater noch mit an. Es wird endlich Zeit, daß unsere Ge- nossen energischer den Kommunisten entgegentreten. Die Arbeiter- s p o r l l e r stehen auf unserer Seite, nur die„Versammlung?- sportler* versuchen, unsere Bewegung vor ihren Parteikarren zu spannen, und denen muß ein mächtiger Block entgegengesetzt werden. Da die Kommunisten im Kreisrat die Mehrheit.erobert* babe» und nun nach Liquidierung der Aera Lieste der größte Teil der Feinde von ehemals wieder einträchtig beisammen ist, ist man auf dem besten Wege, das im 1. Kreise zur Durchführung zu bringen, was einem Lieste im Bundesmahstabe nicht gelingen konnte. Von den Mehrheitsverhältnissen macht man in brutalster Rück- sichtslosigkeit Gebrauch. Beschimpfungen des„Vorwärts* und seiner Leser sowie der Führer der Sozialdemokratischen Partei sind an der Tagesordnung. Wenn sich unsere Genossen dagegen wehren, werden sie in der üblichen kommunistischen Art angelümmelt. Heilig sind nur die KPD.-Phrasen und-Parolen, und diese müssen befehlsmäßig befolgt werden, andernfalls Ausschlußan- d r o h u n g aus der Pattei erfolgt. Besonders der Obmann des Jugendausjchusscs, ein gewisser Dr. Bergmann, glaubt sich be- rufen, die rednerische Nachfolgerschaft eines Lieste antreten zu müssen und bringt durch Zunge und Handbewegung und Außeracht- lassung der elementarsten Anstandspflichten, die man bei einem Mann seines Bildungsganges voraussetzt, nur seine„Meinung* zum Durchbruch. Interessant dürfte den Arbeitersportlern immerhin sein, daß das von dem Kommunisten Friedmann aufgezogene Jnter- nationale Tennisturnier eine große finanziell- Pleite geworden ist. Man hat nach altbekannter Art wieder«in- mal den Mund übervoll genommen, und die Mitgliedsckaft darf nun die finanziellen Lasten tragen. Jedenfalls hat die KPD.-Leitung bzw.„Rot Front* und was sonst noch an..Bruderorganisationen* henimfunktioniett, in der Propaganda- und Eintrittsfrage allzu viel Spielraum bekommen; auch beim letzten Kreisfest haben sich diele „Bruderorganisationen" einigemal eingedrängt und dabei sogar die Zahlung ihres Eintrittsgeldes vergessen. Man „arbeitet überall gern mit", um sein politisches Süppchen zu kochen, nur kosten darf es nichts. So auch beim letzten internationalen Spielertag, wo man sich so weit zusammengewittschaftet hatte, daß man nicht einmal in der Lag.» war, die auswärtigen Teilnehmer finanziell zu befriedigen. Der Kreisrat beschloß selbstverständlich die Einlösung der finanziellen Verpflichtungen und hat vielleicht damit geholfen,' daß ein großer Skandal vermieden wurde. Aber die Groschen der Arbeitersportler könnten anders ver- wertet werden als für die kommunistische Reklame. Sporkfest„All-Wedding*. Der Sportklub„A l t- W e d d i n g* hatte seine Anhänger am Sonnabend zu einem Sportfest nach den Pharus-Sälen eingeladen. Bei gutem Besuch zeigte der Arbeitersportverein, daß-neben guten sportlichen Leistungen bei ihm auch der Humor und gute Stimmung nicht zu kurz koimnen. Mit Borführungen der H e b e r r i e gF be- gann das Programm. Die teilweise ausgezeichneten Leistungen der sieben Mann starken Riege fanden reichen Beifall. Im einarmig Stoßen zeigten Athleten Leistungen bis zu 140 Pfund. Im zwei- armig Stoßen kam die geschlossene Riege bis zu 180 Pfund, einzelne bis zu 2 Zentnern. Besonders reichen Befall fand die Leistung eines Sportgenossen, der aus der Armstütze dreimal hintereinander 2 Zentner stoßen konnte. Nach den Leistungen der Heberriege wechselten humoristische Vorführungen in bunter Folge mit Variete. Besonders gefielen hier Leistungen der„Drei F r a n z e l l i s", die Krastbalanceakte zeigten. Den Abschluß des reichhaltigen Programms bildeten Ringerwettkämpfe der Mannschaften Alt-Weddings mit den eingeladenen Mitgliedern anderer Arbeiterathletenvercine. Auch diese Kämpfe zeigten durchschnittlich recht gute Leistungen, wenn auch gesagt werden muß, daß mancher Ringer mangelnde Technik durch Kraft ersetzen wollte.__ Verregnete Radrennen. Di? Gaumeisterschoften des Arbeiter- ladfahrerbundes„Solidarität", die am Sonntag auf der Rütt-Arena ausgefahren werden sollten, mußten wegen des Regenwetters ab- gesagt werden. Die Rennen sind auf Sonntag, den 18. September, verlegt worden. Beginn der Veranstaltung 2 Uhr nachmittags. Gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit. Spielsest der Freien Turnerschast Groß-Derlin. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin veranstaltet am Sonntag, 28. August,«in S p i e l f e st auf dem Sportplatz Reinickendorf, S ch a r n w e b e r- st r a ß e. Die Veranstaltting beginnt um 9 Uhr vormittags mit den Hand- und Faustballspielen. Um 14 Uhr beginnen die Haupt- spiele. Hierzu treten folgende Mannschaften an. Handball: Knaben: Stettin-Bredow gegen Wedding, Jugend: Frankfurt a. d. O. gegen Süden, Männer: Brandenburg gegen Rosenthal, Fichte-Nord gegen Wedding. Schlagball: Friedenau gegen Fichtc-Spielabteilung. Faustball: Brandenburg gegen Süden. Hockey: Nordring gegen Lichtcnberg-Sportler und Turner. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pf. für Erwachsene und 10 Pf. für Jugendliche. Die Pankower Turner- kapelle hat ihre Mitwirkung zugesagt. Die Berliner Arbeitettchast wird um Besuch dieser Veranstaltung gebeten. Zußballresulkake vom 21. August: Der Start zur neuen Serie fand unter sehr schlechten Witterungsverhält- nissen statt. Eine große Anzahl der Plätze war vom Regen vollständig aus- geweicht. Die dadurch erzielten Resultate können also als� nicht vollkommen einwandfrei gelte». Trvtzdrui lommt die Niederlage, die Lichtenberg Nl von Alt. Glienicke mit 2:? bezog, sehr llberrasihend. Galten doch die Llchtenberger bereits als Abteilungsmeister. Ebenso llbrraschend ist die hohe 1:4- Niederlage der Borussen gegen Adler 12. Erst nach der Pause sl: 4) leisteten die RelNlckcn- dorser größeren Widerstand, s» daß Adler trotz größter Anstrengung t-in« Erfolge mehr erzielen tonnte. Treptow konnte gegen Friedrichshagcn erst nach hartem Kampf 3: 0 gewinnen. Brandenburg 02 hatte gegen 93ntanma leichtes Spiel, so daß das Resultat am Schluß 1: 7 stand. In Köpenick scheint oas Glück bald diesem, bald jenem Verein zur Seite zu stehen. Der Kampf der Ortsrivalcn Askania gegen Verein für Bewegungsspiele endete 1: 2 für die VfB. er. Trotz dauernder Ueberlegenheit mußte Frisch-Frei von Adlershof eine 1: 3. Niederlage einstecken. Einige gute Durchbrüche verhalfen die Adlershofer zum Sieg. Sparta 11 hatte g-gen die Ketschendorfer keinen leichten Stand: aber schließlich siegte die größere Spielerfahrung mit 4: 2. Das Spiel Lichtenberg I gegen Johannisthal wurde als Gesellschaftsspiel durchgeführt und endete 3: 1 für Lichtenberg. Luckenwalde hatte seinen Großkampstag. Die erste Abteilung der Luckenwaldcr Turner gewann nur knapp mit 2: 1 geern Kreuzberg. Mit dem gleichen Resultat wurde die zweite Abteilung von Woltersdorf geschlagen. Die dritte Abteilung aewann gegen Tempelhof 3: 1, während d.e fünfte Abteilung gegen Wacker-Lankwitz ein 2: 1 errang. Von besonderer Be- deutung war der Ausgang des Spiels Neukölln-Britz gegen Nowawes. Gab es doch in allen bisherigen Kämpfen immer nur sehr knappe Ergebnisse mit weck)sclscitigen Siegen. Diesesmal blieben die Neuköllner mit 4: 1 siegreich. Im Spiel Wilmersdorf gegen ssrisch.Auf gab es den ersten Spielabbruch beim Stande von 2: 0 für Wilmersdorf. Der Arbeiter.Cportvercin 24 und Stralau hatten noch zum letztenmal vor der Serie auswärtige Gäste. Während der Rordvcrein den Groß-Räschenern ein 3:3 abzwingen konnte, wurden die Stralaucr mit 2�4 von Petershain ge. schlagen._ Ausschreibung. Der Sportverein Moabit erläßt zu seinem 5. Herbstsportfest am Sonntag, 4. September, auf dem Sportplatz Tiergarten folgend- Ausschreibung: Vorkämpfc 12H llhr, Hanptkämpfe im Uhr. W-ttlämpf», offen s«r den 1. Krei» be,«TSV. Männer: lMi.Metcr.Vorgabeiaufen, lOM-Meter. Laufen fiir Anfänger, ZOM.Met-r-Einzcl. und Mannschaftslaufen(3 Man» ge. wertet), Hochsprung, Stabhochsprniia, Kugelstoßen recht» und link», Diskus- werfen, 8X2«>.Meter.Etafsel«Klasse.1— v), Schwedcnftafsel(Klaffe C— l), 3XI«X>.Meter.Staffel(offen),'/-.Stunden.Paargehen für Verem». und kom. dinierte Ranns-baften.— Aelter« Sportler(Iahre-klasse ISZIlSI und 1892/96); Dreikampf«Ivo.Meter-Laufen. Kugelstoßen, Weitsprung au»' dem Stand), 4 X Ivv-Meter. Staffel.— S portlerinnen: IllO-Metcr-Launn: ») Iahrcsklasse 1911/13. b) Iahre-klasse 1910 und älter..Weitsprung,.Diskus. werfen, Speerwerfen, 4X100-Me>kr.Staffcl.— I n g e ft d f;iof)re»k[asscn 1A10 13); I00.Meter.Laufen:.) Iahre-klasse 0910, d) Iahresklasse 11/13, ISOO.Mcter. Laufen(nur für 0910). Weitsprung,«ugclstogen:->) Iahrettlasse 09,10, b) Iahresklasse 1113, Olympls-b- Staffel.— Knaben und M ck d-b e n: lOXIOO-Meter-Staffel. Meldeschluß 25. August. Meldungen und Auskunft: Wilhelm S ch u l» r, Berlin NW. 21, Alt.Moabit 93 II. Die Paar.Wettbcwcrbe()(,. Stunden.Paargrhcn) nach Art der wechselseitigen Ablösung finden in weiten Kreisen de» Arbeitersport» scharfe Gegnerschaft. Einerseits ist ihr sportlicher Wert als Leistungsvergleich umstritten, anderer. feits wird eine Ueberanstrengung der Wettkämpfer durch den stetig scharren Kampf ohne genllgcnde Zwischenpausen befürchtet. Aber auch hier soll man nicht allgemein verdammen, sondern nur die Auswüchse und Sensationen de- kämpfen. Die Grdfrortlrr wollen durch das vß.Stunden.Paargchen beim Hrrbst. sportfcst de» SV. Moabit am 4. September auf dem Erortvlatz Tiergarten das Wettgehen als Mannsckaftskampf demonstrieren. Da Ablösungen nur auf der Zielscite zugelassen sind, haben die Pertncr genügende Pause zur Erholung und Massage und kommen zudem höchstens sieben» bis achtmal über eine Runde in den Kampf. Versuchsweise sollen auch Iugcndpaare(Iahresklasse 191011) unter besonderer Wertung zugelassen werden. Eine sportärztliche Untersuchung der Geher wird über den gesundheitlichen W-rt al» Wettkampfüdung das Urteil fällen. Meldungen zum Paargchcn bis 25. August an R. Schüler, Alt-Moabit 93._ Der»Berliner Fußballring 191»" ist der einzige fußballsporttreibende A» beiter-Sportverein in Moabit. Zur Vcrvollstnädigung der Iugendmannsckiaftcn sucht der Verein junge Leute im Alter von 14— 17 Iahren. Zweck» Gründung einer Altjiigcndmannschalt können sich junge Leute im Alter von 18— 19 Iahren melden. Die Iugendabtcilung tagt leben Freitag ab 1» Uhr bei Howald, Veusselstr. 441t, wosetbst Ausnahmen stattfinden. Touristenvcrein.Die Naturfreunde", Zentrale Wie»,«dt. Friedrichehai»: Dienstag. 23. August, 20 Uhr, im Heim Ebertpstr. 12.— Abt. Friede»»«: Dienstag, 23. August, 20 Uhr. Offenbacher Str. 5». Map Barchel.— Abt. Norden: Dienstag, 23. August, 20 Uhr, Sonnendurger Str. 20. Spiele.— Abt. Wcbding: Dienstag, 23. Aunust. 20 Uhr, Turiner Eck« Seestraße..Platt. deutscher Humor"(Franz Ketzlaff).— Abt. Pankow: Dienstag, 23. August, 20 Uhr, Görschstr. 14. Heimabend.— Abt. Steglitz! Mittwoch, 24. August, 20 Uhr, Heim Aldrechtstt. 43.—»dt. SSdaft, Zuge-dgrupp«: Mittwoch. 24. August, 20 Uhr, Reichciidcrgcr Str. 66. Vortrag.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag. 25. August, 20 Uhr, Danziger Str. 23. Fahrtaenoß-Diskussion.— Abt. Neinickenborf: Donnerstag, 25. Augnst, 20 Uhr, im Heim Reinickendorf- Ost, Seebad.— Abt. Tiergarten: Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, im Heim Lehrter Str. 1819.— Abt. Lick-t-nberg: Donnerstag, 25. August, Adendspazicr. gang. Treffpunkt 1901 Uhr Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde.—»bt. Neu- ksl»! Donnerstag, 25. August, 20 Uhr. Steinmctzstr. 114.„Menschen unter- einander."— Abt. Südwest: Donnerstag, 2b. Auauft, vottspark Neukölln, Tempcchofrr Feld, Sptclabenb.— NatarwiffiUfcheftlich« Abt.! Donnerstag, 25. August, 20 Uhr. Stralaucr Str. 55.„Tierbau und Tierleben."— Abi. Mahlsdorf: Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, Jugendheim Kaulsdorf, Adolf- straße 25. Wasscrfportorrrl»„Helios". Donnerstag. 2!!. August, bei Reimer, Ehar- lottcnburg. Bilmcrsdorfer Ecke Kanalfttaße, Persammlung. Vorstandsfitzuiig ebenda 191,4 Uhr. Altersturncn in Schöneberg. Di« Freie Sportvereinigung Schönebcrg. Friedenau eröffnet Dienstag, 23. August. 20 Uhr, Turnhalle Röter- Ecke Erfurter Straße, eine Mänper-Altersabteilung für Turner über 30 Jahre. Achtung, Sportler« Bilder vom Reichs-Arbeitcr-Sport-Tag im Stadion Grunewald sind einzusehen und zu haben im Sparthaus„Fichte", Köpenick«! Straße 108. Ausbildungskurfe für Trommler and Pfeifer beginnen jetzt nach dem Ab- turnen in allen Arbeiter-Turnvereinen Berlin». Arbeiter, Genossen, die Luft haben, diesen Sport z» betreiben, melden sich unter Angab« idrcr genauen Adresse beim Arbeiter. Sportkartrll, Berlin E 25, Landsberger Str. 82, ohcr telephonisch ebendort(Königstadt 304). Es wird ihnen dann in der Näh« ihrer Wohnung Gelegenheit zum Ueben nachgewiesen. Photographien vom Spielleuteaufmarsch beim Sreisfest und beim Reichs- Ardeiter-Sport-Tag sind in der Geschäftsstelle der Märkischen Spielvereinigung, Berlin C 25, Landsberger Str. 82, in Karten und Großformat billig zu haben. Etwaige Anfragen unter Königstadt 1592. Gehlportler-Sitzung. Die Gehfportlcr im Arbeiteresport werden hiermit zu einer Besprechung über weitere Weg« zur Förderung des Gehsports zu Sonntag. 28. August, 10Zv llhr, nach dem Lokal Dornbusch, See-, Ecke Afri- konische Straße, eingeladen. II. a. Zusammenstellung der kombinierten Mann- schaft-n zum'�-Stunden. Paargehen am 4. September. Echiedsrichterfraacn, sportärztliche llniersuckung. gemeinsames Winlcrtraining. Vorher ab 9 Usr gemeinschaftliche, Straßentraining. Bahntraining jetzt Donnerstag, ab 6 llhr Sportplatz Schönhauser Allee. Arbeiter-Radsahrerbnnd„Solidarität". Achtung, Rennfahrer und Wettfahr- ausschuß! Mittwoch. 24. August, 19«� Uhr, im Pereinshaus Südost, Michael- kirchstr. 29-, Versammlung aller Rennfahrer und Wetlfahrausschußmitglieder. B-otstaufe im Freien»anuverein Stralau. Zu der am Sonntag, 28. August, 9 Uhr, in Alt-Stralau Nr. 32d(bei Genschmer) stattfindenden Bootstaufe unseres felbstcrbauten Vereinsvierers laden mir alle Bruderoereinc und Freunde des Ardriter-Kanufports freundlichst ein und bitten um recht zahlreiche De- teiligung. Abends gemütliches Beisammensein im Bootsbau». Gleichzeitig geben wir bekannt, daß wir eine Iugendabteilung gegründet haben. Met- düngen beim Vorstand oder in der Versammlung am Donnerstag, I. Scl> tember, 20 Uhr, bei Dollcndach, Alt» Stralau Nr. 8. Neuaufnahmen von älteren Genossen erfolgen ebenfalls jederzeit. HliieMMrtM Oonnerstag. den 25. August, übend« 7 Ahr. im grasten Saal de» Sewerk- lchaftehanses,«ogetufer 24 2» Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer. Tagesordnung: l. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 2. Verschiedenes Mitgliedsbuch legitimiert. flgy* Da in die'er Versammlung zu wichtigen Verbands- und Branchenange. legendeiten Slellung genommen werden soll, sind alle organisierten Kollegen ver. pflichtet, zu erscheinen. Nichtorganisierte haben kein Zutritt. Dannerslaa. Heu 23. August, nach. mittags 3 Ahe, Im Sistungssnal des Aerbandshaufe«. Llnienstraste 83 85 Branchenversammlung der Zigaretlenmaschinenführer mid Sclriebshandwcrker. Tagesordnung: I. Vortrag vder: „Arbeitsgerichtsgesetz". Referent: Kollege I a n k e. 2. Branchenangclegenheiten 3. Verschiedene». Pünttliches Erscheinen wird erwartet. Die Orksoeemalknug. Dienstag, den 23. August nachmittags S Uhr. fn erstk/assfger Ausführung und tadelloser Paßform. Beste Zutaten l Reiches Lager moderner in- und ausländischer Stoffe Preise atsßer&ewöSknlidi (Bmew tfofin F.-K. Üftaussecsiraße 29-30 Nr. 396 4 44. Jahrgang Die Angestellten in öer wirtsthast. Eine Statistik des AfA-Bundes.- Eine erfolgreiche Arbeit der Gewerkschaften. Tic Auswirkungen gewerkschaftlicher Kämpfe auf das Wirt- fchaftsleben lassen sich nur selten feststellen. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß der AsA-Bund dazu übergegangen ist, auf um- ' rssender Grundlage eine Statistik der Tarifbewegungen aufzubauen und— über die ähnlichen Erhebungen des ADGB. hin- ausgehend— auch die finanziellen Auswirtungen der C-shaltsbewegungen zu berechnen. Leider liegen jetzt erst die Re- mltate für 1925 vor. Wenn auch die amtliche Tarifstatistik für das �ahr 1925 gleichfalls erst in diesen Tagen veröffentlicht worden ist, so wäre sehr zu wünschen, daß die Gewerkschaften künftig ihre Er- Hebungen in kürzeren Zeiträumen veröffentlichen würden. Im Jahre 1925 haben die dem AsA-Bund angeschlossenen An- "istelltenverbände nicht weniger als 921 Tacifbewegungen geführt. (.'ntsprechend dem allgemeinen Krästeverhältnis in der Angestellten- .wegung waren an den meisten Tarifen auch gegnerische Verbände beteiligt, doch lag die Federführung sehr häusig bei den sreigcwcrk- ' haftlichen Verbänden. An den Bewegungen waren nahezu ''4 Millionen Angestellte in 289 000 Betrieben be- "iligt, aber nur etwa die Hälfte der von der Bewegung miterfaßten Angestellten waren überhaupt organisiert, die anderen waren Nutz- ießer fremder Arbeit und der Ausopferung der Gewerkschaften. Der Erfolg der Kämpfe wäre größer gewesen, wenn noch mehr Angestellte in den freien Gewerkschaften organisiert wären. Vielleicht überzeugen aber die Zahlen des Erfolges die Außenstehenden, die Schwankenden nnd Zögernden: 67 proz. aller Kämpfe um höheres Gehalt, um längeren Urlaub, um kürzere Arbeitszeit waren 1925 erfolgreich! Die weitaus meisten Kämpfe gallen der besseren Bezahlung der Trbeit der Angestellten, wurden also um die Existenz der Angestellten geführt. Ueber die Erfolge dieser Arbeit in den einzelnen Wirt- schaftszweigen gibt nachstehende Tabelle Auskunft: Iinanzielles Ergebnis öer Gehaltsbewegungen. Wirtschaftszweig Anzahl der Bewe- gungen Industrie und Handel.... Allgem. Industrie..... Schwerindustrie...... Metallindustrie...... Elektroindustrie...... Ebemifche Industrie.... Holzindustrie....... Baugewerbe....... Steine und Erden..... Textilindustrie...... Buch« und Papierindustrie.. 9ebens- u. Genußmittelindustrie Einzelhandel....... Großhandel....... Spedition und Verkehr... Theater......... Verschiedenes....... 99 123 22 68 12 21 12 25 17 22 13 21 166 30 20 13 7 681 Anzahl der beteiligten Angeftelllen 110 383 100 946 57 237 51635 1082 5 670 811 7 452 2 703 10 209 4 069 7 608 78 593 65 010 2 623 631 25 859 535 531 Durchühn. monatl.Lr- höhung des Hehails in Marl Ä' WSgefamt 17,30 33,90 17,20 22,10 26.70 26,15 35,75 26,05 37,95 45,45 26,20 19,20 21,35 19,90 26,70 24,30 30 35 23.50 1 909 906 3 418 209 983 471 1 207 018 28 865 148 257 28 992 200 779 102 564 464 836 106 471 145 976 1 675 885 1 292 316 69 991 15 339 784 746 12 586 000 (rund) Das Endergebnis der Kämpfe der Gewerkschaften um Erhöhung der Gehälter wird den Außenstehenden überraschen: Ende 1925 erhielt jeder Angestellte durch- schnittlich monatlich 23,50 M. mehr an Gehalt als zu Beginn des Jahres. 151 Millionen Mark— auf das 3ahr umgerechnet— haben die Gewerkschaften für ihre MIlglieder herausgeholt. Dieses Ergebnis ist nach zwei Seiten außerordentlich interessant: 23 50 Mk. im Durchschnitt monatlich mehr bedeuten für den An- gestellten eine wesentliche Steigerung seines Berdienstes. Allerdings bat diese Summe heute eine andere Bedeutung als vor zwei Jahren. �rotz dieser Erhöhung genügen die Gehälter der Angestellten heute immer noch nicht den notwendigsten Lebensbedürfnissen. Diese 23,50 Mk. sind nur ein Beweis, wie außerordentlich gering, die Gehälter bei der Umstellung von Papier- zu Goldmark gewesen sind. Nachdem in der Inflation die Angestellten fast ganz um ihre Ge- hälter betrogen worden sind, hat sich die Umstellung zur Goldmark auf dem Rücken der Angestellten vollzogen, weil die Kraft der Ge- werkschaften durch die zerstörende Wirkung der letzten Jnflations- wachen gebrochen war. Die aufbauende Arbeit der nächsten ändert- halb Jahre hat den Erfolg der Tarifbewegungen ermöglicht. Die Beiträge zur Gewerkschaft haben sich für ihre Mitglieder besser als jede Versicherungsprämie rentiert. Die im ersten Halbjahr 1925 erreichte Aufbesserung der Gehälter war naturgemäß zum großen Teil nur ein Aequivalent für die gleich- zeitig eingetretene Verteuerung der Lebenshaltung. tum Teil bedeuten diese Gehaltsausbesserungen aber auch eine teigerung der Kauskrast der Gehälter. Besser als alle Methoden der Konsumfinanzierung, die später Mode wurden und von denen heute niemand mehr redet, dienen Gehaltserhöhung der Finan- zierung des Konsums. Um die wirtschaftliche Bedeutung dieser Gehaltsbewegungen der Gewerkschaften richtig zu bewerten, muß man sich die wirtschaftliche Lage im ersten Halbjahr 1925, in dem diese Kämpfe geführt worden sind, noch einmal vergegenwärtigen. Es ist die Zeit vor der großen Krists des Winters 1925/26. Die ersten Schwierigkeiten der stabili- sterten Währung waren überwunden, die Lage wurde von angeb- lichen„Wirtschaftsfühvern" verhältnismäßig optimistisch angesehen. Dieser Optimismus findet seinen kennzeichnenden Ausdruck in der Tatsache, daß in jenen Monaten immer noch mehr Unter- nehmen gegrün de t als aufgelöst wurden. Die neuen Firmen sind später wohl sämtlich wieder der großen Reinigungs- krisis zum Opfer gefallen— ein Beweis für die F e h l l e i t u n g des Kapitals! Man kann rückblickend nur bedauern, daß es den Gewerkschaften nicht gelungen ist, in jenen Monaten, in denen die Unternehmer sich weigerten, ihre Preise abzubauen, eine stärkere Erhöhung der Gehälter durchzusetzen. Eine mik den Gehaltserhöhungen herbeigeführte andere Verteilung des wirtschaftlichen Ertrages hätte in der Folgezeit dazu beigetragen, die Auswirkungen der krisis zu mildern. Man muß sich aber die Schwierigkeiten ver- gegenwärtigen, unter denen die Gewerkschaften damals zu kämpfen hatten. Während die Angestellten um ihre Existenz rangen, war der Kampf der Unternehmer aus Zerschlagung der Tarif- vertrüge eingestellt. Es ist bezeichnend für die Situation 1925, daß die Erneuerung eines Manteltarifvertrages ganz besondere Schwierigkeiten kostete. Während nach der AsÄ-Statistik die durch- schnittliche Dauer einer Tarifbcwegung damals drei Monate war, mußten die Geweekschaften um die Erneuerung eines Tarifoertrages fast fünf Monate kämpfen! Die Bewegungen um Urlaub und Arbeitszeitverkürzung, die seit 1926 eine nahezu ausschlaggebende Rolle im Tarifkampf spielen, standen 1925 im Hintergrund, Charakteristischerweise befanden sich die Angestellten aber schon damals hierbei in der Abwehr. Die Gewerkschaften muhten gegen Arbeitszeitoerlängerung und gegen Urlaubsoerkürzung sich zur Wehr setzen. Entgegen der vielfach herrschenden Meinung, daß die staatlichen Schlichtungsinstanzen die Mehrzahl gewerkschaftlicher Kämpfe ent- scheiden, muß hervorgehoben werden, daß 61 Prozent aller Tarifbewegungen der Angestelltenoerbände 1925 durch srele Bereinbarung beendigt wurden. Dazu kommen noch die Tarifstrcstigkeiten, die durch Vergleich vor dem Schlichtungsausschuß oder dem Schlichter zu Ende geführt worden sind(etwa 7 Proz.). Nur weniger als ein Drittel aller Tarifkämpfe wurden 1925 durch Schiedsspruch entschieden, davon etwa ein Zehntel durch den Schlichter oder das Reichsarbeits- Ministerium verbindlich erklärt. Die Angestellten sind dabei nicht immer so glücklich gefahren, wie es die Unternehmerverbände in ihren Angriffen gegen die amtliche Schlichtungspraxis darzustellen belieben. Der Erfolg der freigewerlschastlichen Angestelltenver- bände beruht auf den Kämpfen, die sie aus eigener Kraft mit eigenen Mitteln zu einem siegreichen Ende geführt haben. Der Kampf der Gewerkschaften um die Existenz ihrer Mitglieder dient zugleich der Entfaltung aller wirtschaftlichen Kräfte. Hinnenmarkt unü Schutzzoll. Irrwege grotzagrarischcr Demagogie. Die„Deutsche Tageszeitung' überrascht ihre Leser mit einer schönen graphischen Darstellung, die die Bedeutung des Binnen- ,n a r k t e s für die deutsche Wirtschaft vor Augen führen soll. Die Zahlen sind einem Aufsatz von dem Aufsichtsratsvorsitzenden der I. G. Farbenindustrie D u i s b e r g entnommen und weifen nach. daß 95 Proz. der Steinkohlenförderung, 90 Proz. der Stahlerzeugung, 83 Proz. der elektrotech- Nischen Erzeugung und 77 Proz. der chemischen Erzeugung auf den Binnenmarkt und nur der Rest der Produktion dieser Industriezweige auf den Auslandsmarkt kommt. Wir würden daraus folgern, daß 1. die P r e i s p o l i t i k des deutschen Kohlenbergbaues, der deutschen Stahlindustrie, ja die gesamte von den Kartellen prote- giert« und von dem Reichsoerband der deutschen Industrie eben- sowenig wie von der Rechtspresse bekämpft« Preispolitik der deutschen Großindustrie ein volkswirtschaftlicher Widersinn ist. Die Preiserhöhungen, mit denen z. B. die Schwerindustrie an- dauernd droht, bedeuten doch nichts anderes als«in« Ein- fchränkung des Binnenmarktes zugunsten des Exports, der durch künstliche Preishochhaltun� im Innern hochgezüchtet werden soll. Gerade die vier angeführten Großindustrien haben übrigens ihre Ausfuhr in viel geringerem Grade eingebüßt als die veredelnden und verarbeitenden Kleinindustrien, für die der Export eine Lebensnotmendigkeit ist. 2. Die L o h n p o l i t i k der deutschen Industrie, nicht minder als die Lohnpolitik der„Deutschen Tageszeitung' ist ebenfalls«in volkswirtschaftlicher Widersinn, insofern als sie den Binnen. markt wiederunt einschränkt. Die Bedeutung des Binnenmarktes folgt aber aus den von der„Deutschen Tages- zeitung' veröffentlichen Zeichnungen. 3. Die übertrieben ängstlichen Hinweise der Rechtspresse auf die Passivität der deutschen Handelsbilanz, mit denen man schon seit drei Jahren alle Sozialpolitik ersticken will und alle Steuern von der Unternehmerschaft auf die Arbeiterschaft und den Konsum abzuwälzen sucht, erscheinen auf Grund dieser Zahlen ebenfalls stark entkräftet. Der erstaunte Leser fragt sich, wozu sich die„Deutsche Tages- zeitung' in lichographische Ausgaben gestürzt hat, um nur das Gegenteil davon zu beweisen, was sie bisher ihren Lesern täg- lich«ingehämmert hat. Eine redaktionelle Erläuterung sucht nun die Zahlen auszudeuten: Da die Landwirtschaft einen großen Teil des Binnenmarktes ausmacht, müßte die Steigerung der Kauf- kraft der Landwirtschaft eine bedeutende Steigerung z. B. des ge- samten Eisenverbrauchs zur Folge hoben. Wir würden daraus folgern, daß das Eisen im Interesse der Laadwirtschaft und der Eisenindustrie selber verbilligt werden muß; wir würden noch hinzufügen, daß nach Angabe der letzten Betriebszählung die städtische Bevölkerung einen größeren Anteil an dem gesamten..Binnenmarkt hat als die landwirtschast- l i ch e, und daß daher auch die für den städtischen Verbrauch be- stimmten Waren>in Interesse des Verbrauchs verbilligt werden könnten, ohne der Rentabilität der Massenproduktion Abbruch zu tun. Daraus folgt aber, daß die gegenwärtige Zollpolitik falsch ist. Die„Deutsche Tageszeitung" scheint aber unverständlicher. weise die von ihr veröffentlichten Zahlen als Argument für ihre Politik zu betrachten. 6 Proz. Dividende bei den Warsteiner Eisenwerken. Trotz der erheblichen Betriebseinschränkungen in der ersten Hälfte des Berichts- jahres können die War st einer undH crzoglich Schleswig- Holsteinischen Eisenwerke zu Warstein in Westfalen einen gleich hohen Gewinnabschluß wie im Vorjahr vorlegen. Di« Bc- lebung des E i s« n m a r k t e s, die sich im vergangenen Herbst all- gemein durchsetzte, hat also bis zum Geschäftsabschluß am 31. März 1927 die Absatzschwierigkeiten der ersten sechs Monate weit- gemocht. Die Gesellschaft, die in der Hauptsache Heizvorrichtungen und Gußteil« für industrielle Anlagen liefert, bemerkt im Geschäftsbericht, daß der Auftragseingang und Absatz seit dem Früh- jähr die Ziffern des Vorjahres erheblich überschreitet. Dies läßt auf starke industrielle Neubauten und Ergänzung der Werksanlagen schließen.— Der ausgewiesene R o h g e rv i n n ist ab- züglich der Handelsuntosten von 0,53 aus 0,66 Millionen Mark g e- stiegen. Nach Abzug der um fast 50 Proz. erhöhten Abschreibungen oerbleiben 0,47 Millionen Reingewinn, von dem wie im Vorjahr eine Dividende von 8 Proz. gezahlt wird. In der Bilanz erscheinen Grundstücke und Werksanlagen nahezu unverändert. Sehr hoch sind die Reserven, die über 25 Proz. des Aktienkapitals von 4,3 Millionen betragen. Auch finanziell steht das Unternehmen gut da. Den von 1,0 auf 0,9 Mil- lionen Mark gesenkten Schulden stehen 1,6 Millionen Mark Forderungen gegenüber, zu denen noch 1,0 Millionen F a b r i- kate und 0,77 Millionen Mark Vorräte kommen. Zurzeit be- schäftigt die Gesellschaft etwa 2200 Arbeiter und Angestellte. Die Berliner Bäcker fordern ein Ausfuhrverbot für Boggen. Die„Freie Bereinigung Groß-Berliner Bäcker- meister' beschäftigte sich in ihrer letzten Versammlung mit der Brot- und Getreidebewirtschaftung im neuen Geschäftsjahr. Sie nahm über dieses Thema ein Referat des Verbandsvorfitzendcn Schubert entgegen, der darauf hinwies, daß wie in jrüheren Jahren auch jetzt bereits erhebliche Mengen der neuen Ernte ins Ausland gegangen feien. Dadurch würden nicht nur die Preise künstlich hochgehalten, sondern die Qualität der Ware, die hier in Deutschland verarbeitet wird, leide auch darunter, denn man müsse im Frühjahr, wenn die Roggenvorräte aufgebraucht sind, teueren und qualitativ schlechten Auslands- roggen einführen. In einer einstimmig zur Annahme ge- langten Entschließung wurden diese Zustände aufs schärfste gegeißelt und an die Regierung die Forderung gestellt, daß sie zum Schutze der Konsumenten ein vollständiges Ausfuhrverbot für Roggen und Roggenmehl der neuen Ernte erläßt: Die Emailleindustrie und ihr Herbstgeschäft. Das übliche Herb ft-. g s f ch ä f t der Emailleindustrie macht sich in seinen ersten Anfängen bereits bemerkbar. Bon den Werken wird nach den stillen Sommermonaten ein zunehmender Auftragseingang geineldet. Man sollte meinen, daß die Emailleindustrie alles daran setzen wird, durch billige Preise den Massenkonsum während der Saison möglichst auszudehnen, um so die Flaute im Sommer weit- zumachen. Die Herren Industriellen denken aber anders. Der stei- gende Auftragseingang hat ihren Appetit angeregt und so wollen sie die Kauflust des Publikums durch eine 12prozentige Preis- erhöhung anstacheln. Die neuen Preise sollen etwa Mitte Sep- tember in Kraft treten. Wenn die Emailleindustrie glaubt, mit dieser Preiserhöhung ein besonderes Geichäst zu machen, so befindet sie sich auf dem Holzweg. Der einzige Erfolg wird sein, daß die Käufer wegbleiben. Die Konjunktur, die sich jetzt in ihren ersten An- sängen auf dem Emaillemarkt abzeichnet, wird also durch die sinnlose Politik der Fabrikanten selbst gedrosselt werden. Ein Beispiel für viele! Geschäft bleibt Geschäft. Ungeachtet der Schwierigkeiten, auf die die englisch-russischen Handelsbeziehungen in letzter Zeit gestoßen sind, zeigt der Abschluß der Bank für Ruhlandhandel, des Londoner Bankinstitutes für die in England ansässigen sowjetrufsischen Ein- und Verkaufsstellen, per 30. Juni d. I. Anzeichen einer lebhaften Tätigkeit. Gegenüber dem letzten Abschluß vom 31. Dezember 1926 sind die Wechsel der Bank von 3 545 395 engl. Pfund auf 4 291 444 Pfund gestiegen, die Außenstände von 881938 Pfund auf 1049809 Pfund. Demgegenüber sind sowohl Darlehen als Bevorschussungen zurückgegangen, und zwar auf 527 309 Pfund(1 009 181 Pfund) bzw. 536 619 Pfund(1 140 646 Pfund). Die Bank hat bei diesem Geschäft natürlich ausgezeichnet oerdient, bei einem Aktienkapital von 559 000 Pfund hat die Bant bis jetzt 140 000 Pfund Reserven gesammelt. 15. Deutsche Ostmesse. Am Sonntag wurde in Königsberg unter der Beteiligung der Staats- und Reichsbehörden die 15. Deutsche O st messe eröffnet. Allem Anschein nach ist die Nachfrage nach Waren recht erheblich. Das dürste insbesondere für Textilwaren zutreffen. Das Ausland ist besonders durch Sowjet- rußland vertreten. Im allgemeinen rechnet man mit einer weiteren Konsolidierung der osteuropäischen Märkte, was sich für den Verlauf der Messe günstig bemerkbar machen dürste. „Ak gufe /HaUke" raucfist Du, Du heii wohl Lohnerhöhung bekommen?" „Nee Mensch, das ist die neue dicke und runde Zigarette der Firma Enver Bey, die trotz des billigen Preises ein so fabelhaftes Aroma und einen so tarien und milden Geschmack hat Jeder ist erstaunt Ober diese Zigarette. FAB1E.HAIT � 5,5 ENVER BEV-ZICAREITENFABRIK P L R S t ßs gibt sm. sichßtes TRtttel zur sotgsameTi Pflege zartgefacbter Seidensachea. Die heiße, staubige Somnicneif er- fordert täglichen Wäschewechsel und tägliche sorgsame Pßege Ihrer fein» gewebten Strümpfe und zarten Unterwäsche, farbenfrohen Kleider und Sweaters. 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