Nr. 40» ♦ 44. �ahrg. Ausgabe ü Nr. 204 Bezugspreis. WScheutlich TD Pfenni«. minatliä 3.— Reichimnrk voraus»a&Ibot. Uiüet Streifband im In. und Ausland 5,50 Reichsrnar! pro Monat. Der.Borwärts� mit der illustrier- .len Sonntagsbeilage»Boll und Zeit" sowie den Beilagen„Unierhaltung und Wisieu�.„Aus der Mlmwelt". „Frauenstimnie",„Der Sinder. freund�.„Iugend-Vorwärts�. �Zlick in die Bücher welt" und Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal. Sonntag» und Montags einmal. Tel egramw-Adr esse: „Sozialdrarolrat verlin- Morgenansgabe Derlinev Volksblatt (10 Pfennig) Anzeigenpreise: Die«insvaltige Zlonvareille. »eile 30 Pfennig. Reklame, eile 3.— Reichsmark.„Sleine Anzeigen' dos kettaedrurkt« Wort 2i Pkennia (zulässig zwei settaedruckte Worte). iede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig. ledes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Auch- fiaben zählen für»wei Worte. Ärbeitsmarkt steile 00 Pfennig. ssamilienan, eigen für Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4)4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin S3B 68, Sünden- straheg. abgegeben werden. Geöffnet von 8)4 Uhr früh bis b Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratircben parte! Dcutfchlands Neüaktion und Verlag: ö erlin EW. SS, LinSenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff SS2— SS7. Donnerstag, den AS. August 1927 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS, Linöenstr.Z Postich« iklonto! Berlin»7 08«— BanNont»! Bank der Ardeite«, Angestelte» und Beamten. Balstr.«Ii Dislonto-Selegschaft. Desositcnkass, Lindenktr. 8. Dokumentenraub in Prag. Fafchistenhorden überfallen einen Ministerialrat.— Haussuchung bei den Tätern. . Prag. 24. August.(Eigenbericht.) Am Mittwoch vormittag wurde im Sekretariat der Aa- schiften in Prag eine Haussuchung vorgenommen, bei der u. a. auch der Exgeneral Gaida anwesend war. Die hausdurch. suchung dauerte Stunden. Heber ihr Ergebnis bewahrt die Polizei vorläufig Stillschweigen. Nach den Meldungen eines Halbsaschistischen Plattes wurden bei der Haussuchung alle Proto. k o l l e und alle Richtlinien beschlagnahmt, ebenso das gesamte Adressenmaterial und verschiedene Manuskripte. Zu gleicher Zeiet wurde auch bei faschistischen Führern Haussuchung vorgenommen und sechs diese? Leute der Polizei vor- geführt. Die Abendausgabe des Prager rechtsnalionalistischen tschechischen Blattes bringt diese Haussuchungen in Zusammenhang mit der Nachricht, dah vergangene Nacht aus der Wohnung eines Mitgliedes des Disziplinarausschusses gegen Gaida Dokumente. die diese Affäre betreffen, gestohlen wurden. Die Polizeidireklion teilt spät abends mit: „Gestern morgen drangen sechs bewaffnete Männbr, die im Automobil angefahren kamen, in die Sommerwohnung des Ministerialrat» im Verteidigungsministerium. Vorel, in Sasawa bei Prag ein und verlangten von ihm mit schußbereiten R e. voloer» die Heransgabe gewisser amtlicher Do- k u m e n t e, die sich allem Anschein nach aus die G a j d a- A f f ä r e beziehen. Der Ministerialrat erNärte jedoch, daß er die betreffenden Akten nicht besitze. Darauf hielten ihn einige der Angreifer mit dem Revolver in Schach, während die übrigen seinen Schreib- tisch durchwühlten und verschiedene Aktenstücke au sich nahmen. Das Auto fuhr sodann mit ihnen in rasender Fahrt davon. Die Prager Polizei hat bereits zwei Präger Za- schiften, die als Täter in Betracht kommen, verhaftet. » Das Disziplinarverfahren gegen Gaida hatte letzthin zur Ab- erkennung der Generalcharge für den ehemaligen Chef des Generalstabs geführt. preffeverfolgung in polen. Die Lodzer..Bolkszeitnng" beschlagnahmt. Warschau, 24. August.(Eigenbericht.) Nachdem in letzter Zeit sast ausschließlich rechts- stehende Zeitungen dem Preffedrekret zum Opfer gc- fallen sind, ist nunmehr die sozialistische deutsche„Volks- z e i t u n g" in Lodz wegen eines Artikels über Pilsudski beschlag- nahmt worden. Außerdem ist am Mittwoch wiederum die„Gazeta Warszawska Poranna" wegen eines Artikels, in dem eine Unter- suchung gegen die Offiziere verlangt wird, die Gsperal Zagurski auf seiner Reise von Wilna nach Warschau begleitet haben, der Beschlagnahme oerfallen. Die Rechtspresse führt den Kampf um die Aufklärung des rätselhaften Verschwindens des Generals immer noch recht hartnäckig, während die der Regierung nahestehenden Zeitungen sich über diese» Thema ausschweigen. Am Mittwoch vormittag sind in Warschau löKommunisten verhaftet worden. Sie werden beschuldigt, der verbotenen kommunistischen Partei Polens anzugehören und in Prövinzstädten kommunistische Gruppen organisiert zu haben. 500 Verletzte in Paris. Davon angeblich 299 Polizisten. Paris. 24. August.(Eigenbericht.) Bei den blutigen Zwischenfällen der letzten Nacht sind nach amtlicher Darstellung 121 Polizisten, darunter mehrere lebens- gefährlich verletzt worden, 200 Personen wurden festgenommen. Wieviel Manifestanten verwundet wurden, ist nicht bekannt ge- worden, da zahlreiche Leichtverletzte es vorgezogen hatten, ihre Personalien nid# anzugeben, doch dürft« die Zahl der Ver- mündeten 300 über st eigen. Die Entrüstung über die Roheit der Polizei ist in der Oeffentlichkeit sehr groß. Die Linkspresse greift den Polizeipräfekten ob seiner r ü ck s i ch t s- losen Befehle scharf an; der„S o i r* sagt, daß die Regierung allein die Verantwortung trage, da sie die Manifestation, die völlig harmlos verlausen wäre, verboten hat.„P a r i s- S o i r" meint, daß die Fäuste und die Gummiknüppel der Polizei selten mit soviel Eifer funktioniert hätten.— Der Polizeipräsekt sucht da» verhalten der Polizei an den wirtlich gefährdeten Stellen auf ihre numerische Schwäche zurückzuführen und kündigt an, daß er in kürzester Zeit den Antrag aus Erhöhung der Polizei stärke stellen werde. Aus den zahlreichen, sich zum Teil widersprechenden Angaben über die Zwischenfälle geht hervor, daß die Zahl der Manifestanten, die die Exzesie begannen, nur S000 betrug. Anfangs lag die Absicht vor, vor der nordameritanischen Botschaft zu manifestieren, aber die starke polizeiliche Absperrung hinderte die Manifestanten daran: sie zerstreuten sich in mehrer« Abteilungen und verschiedene Teile der Stadt, wo nur schwache Polizeikräfte aufgestellt waren. Diese wurden überrannt und so waren die Manifestanten etwa eine Stunde lang Herr des Montmartre. Als dann Verstärkung in Autos herbeieilte, waren diese Polizisten derart überreizt, daß sie sich auch aus harmlose Spaziergänger und Passanten stürzten und einschlugen. An fünf Punkten der Stadt wurde scharf geschossen. Auf dem Montmartre gingen die Manifestanten gegen die Kaffeehäuser und das Theater„Moulin Rouge" vor, in dem viele Amerikaner der Vorstellung beiwohnten, wobei etwa 100 Schllsie abgegeben wurden. Am Mittwoch herrscht Ruhe in ganz Paris. Die nord- vmerikanisch« Botschaft und das Generalkonsulat sind immer noch scharf bewacht. Paris. 24. August.(WIR.) Gegen 10% Ahr abends geriet ein Zug von etwa Z 0 0 Moni- se stauten auf dem Boulevard Sebaflopol, wo gestern nacht bereits schwere Ausschreitungen stattfanden, mit Polizei zu- s a m m e n. Mehrere Schüsse fielen. Es gelang der Polizei, die Demonstranten zu vertreiben. Eisenbahnunglück in England. Elf Tote, 50 Verletzte. London. 24. August. Bei einem Eisenbahnunglück in der Nähe von S e v e- n o a k» wurden elf Personen gelötet. 2 0 schwer und 30 leicht verletzt. Der im Zuge mitlausende Pull- man lvagen wurde vollständig zertrümmert. London. 24. August.(TU.) Aus der Strecke London— Deal trug sich heule abend ein schweres Eisenbahnunglück zu. Der In London in den Abendstunden abgehende Zug kam um 5.30 Uhr zwischen den Stationen Dunton— Green und Sevenoaks zur Entgleisung, wodurch 10 Per- scnen gelötet und eine große Reihe verletzt wurden. Die Southern Railway veröfsenllichte einige Zeil nach dem Unglück ein Kom- munique, wonach neun Personen getötet und zwanzig ernsthast verwundet wurden, während eine größere Anzahl von Personen mit leichleren Verletzungen davonkam und nicht in das Hospital überführt werden brauchte. Hilfszüge sind sofort an die Unglücks- stelle abgesandt worden. Eine spätere Mitteilung der Eisenbahngesellschast besagt, daß elf Personen getötet wurden. Am späten Abend waren jedoch erst die Namen von drei Getöteten festgestellt. Die verletzun- gen der zwanzig Personen sind, wie bestätigt wird, sehr e r n st e r Natur. Die Ausräumungsarbeilen werden gegenwärtig bei Fackel- licht betrieben. Einer der unverletzt gebliebenen Passagiere sagte aus, daß der Zug auf einer Strecke von zehn bis fünfzehn Metern schwankte, bevor er sich nach der einen Seite überschlug. Der letzte wagen wurde, obwohl er gleichfalls entgleiste, nicht so schwer beschädigt wie die übrigen, von denen die meisten vollständig zertrümmert wurden. Von den im Hospital befindlichen Personen befinden sich eine ganze Anzahl in L e b c n s g e s a h r. so daß sich die Zahl der Toten, wie man befürchtet, noch erhöhen wird. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig, und die unter den Trümmern begrabenen Toten und Verletzten konnten erst nach einiger Zeit aus ihrer ftirchlerlichen Lage befreit werden, lleber die Ursachen de» Unglück» ist zunächst noch nichts bekannt. Verteidigung der Schulreaktion. Begründung zum Reichsschulgesetz. Endlich, nach mehr als sechs Wochen, die seit der Ver- öffentlichung des Reichsschulgesetzentwurfes ver- gangen sind, gibt das Reichsinnenministerium des Herrn Keudell auch die Begründung bekannt, die dem Ent- würfe zur Erläuterung dienen soll. Wenn man die kleine Schrift von zehn Seiten in die Hand nimmt, fragt man sich allerdings vergeblich, warum es so lange dauern mußte, bis eine so klägliche Verteidigungsschrift heraus- kam. Der Gesetzentwurf, den wir seinerzeit im vollen Wort- laut veröffentlichten, stülpt die Verfassungsbestimmungen einfach um. Er setzt an die Stelle der Gemeinschafts- schulen, die in der Verfassung als die Regelschulen dar- gestellt werden, einfach drei Arten von Schulen als gleichberechtigt nebeneinander, und zwar in erster Linie die Bekenntnisschule, dann die Gemein- s ch a f t s s ch u l e(mit Religionsunterricht) und schließlich die bekenntnisfreie oder weltliche Schule. Man erwartete nun, daß die Begründung wenigstens Aufschluß darüber geben würde, warum diese v o l l kommen« Umkehrung als Ausfllhrungsgesetz zu den Verfassungsbestimmungen ausgegeben wird. In dieser Er- Wartung wird man jedoch vollkommen enttäuscht. Die Be- gründung macht sich die Sache viel einfacher, als selbst der kühnste Optimist anzunehmen wagte. Sie bezeichnet schon in der Ueberschrift den Gesetzentwurf nicht als Entwurf eines Reichsschulgesetzes, sondern als den„Entwurf eines G?setzes zur Ausführung der Artikel 146 Abs 2. und 149 der Reichsverfassung". Dadurch glaubt sie dem grundlegenden Absatz 1 des Artikel 146 völlig aus dem Wege gehen zu können. Dieser ist aber nicht hinwegzudisputieren. Wir geben ihn zu leichterem Verständnis des Folgenden noch ein- mal im Wortlaut wieder: „Das öffentliche Schulwefen ist orgonifch auszugestalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mitt- lere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Ausbau ist die Mannig- falligkeit der Lebensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmt« Schule sind feine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekennwis feiner Eltern maßgebend." Nach dem folgenden Absatz 2, der in dem neuen Ent- wurf angeblich ausgeführt werden soll, wird weiter bestimmt, daß„innerhalb der Gemeinden indes auf Antrag von Erziehungsberechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung einzurichten" seien, soweit dadurch ein geordneter Schulbetrieb nicht beeinträchtigt wird. Die„f ü r alle gemeinsame Grundschule" ist danach für die Ver- faffung das zunächst Gegebene, während besondere Konfessions- oder Bekenntnisschulen„indes" nur auf Antrag der Erziehungsberechtigten eingerichtet werden dürfen. Die Keudellsche Begründung zu dem reaktionären Schul- gesetzentwurf gib5 sich nun den Anschein, als wolle sie nur die gesetzlichen Grundlagen für die Schaffung von Be- kenntnisschulen herstellen. Sie betont die Dringlichkeit des Gesetzes, indem sie behauptet, die Landesgesetzgebung könne keine Maßnahmen treffen, solange nicht dieses Reichsschul- gesetz die Richtlinien für die Einrichtung von Bekenntnis- schulen festgelegt habe. Trotzdem der Gesetzentwurf das� ganze Schulwesen, wie es der Verfassung vorschwebte, völlig umzuge- st a l t e n bestimmt ist, behauptet die Begründung, der Entwurf sei„von der Absicht geleitet, das Volksschulwesen der Länder vor Erschütterungen und t i e f g r e i f e n- den Umgestaltungen zu bewahren". Rur zu diesem Zwecke sei in den Entwurf die Bestimmung aufgenommen, daß nach Inkrafttreten des Gesetzes die schon b e st e h e n- den Schulen als„auf Antrag errichtet" anzusehen seien. Durch diese kleine und unauffällige Schiebung würde erreicht, daß die Länder, soweit sie bisher Konfessionsschulen hatten, vor der Errichtung der in der Verfassung als Regel vorge- sehenen Gemeinschaftsschulen bewahrt bleiben, und daß auch die Anhänger der Konfessionsschulen der Mühe enthoben werden, ihrerseits Anträge auf Errichtung von Schulen ihres Bekenntnisses zu stellen. Dagegen ist Herr Keudell und mit ihm das Reichs- kabinett so gnädig, zu gestatten, daß die Anhänger von Gemeinschaftsschulen von sich aus Anträge stellen, die von der Verfassung vorgesehene R e g e l s ch u l e als Ausnahme einzurichten. Diese Bestimmung des Entwurfes, daß auch die Gemeinschaftsschule auf Antrag ein- zurichten sei, soll jedoch nach der Begründung keine Stellungnahme zu der Frage bedeuten, inwieweit die Verfassung der Gemeinschaftsschule eine Vor- zugsstellung zuweisen wollte. Dadurch, daß in dem 8 2 des Gesetzentwurfs ein ausdrücklicher Hinweis auf den Ar- tikel 146 Abs. 1 der Verfassung aufgenommen wurde, soll nach der Begründung k l a r g e st e l l t werden, daß der Ent- wurf die Rechtsstellung der Gemeinschaftsschule nicht erschöpfend regeln will, sondern, daß den Ländern esuubenommeu bleibt, weitere Bestimmungen über die Gemeinschaftsschule zu treffen, also etwa anzuordnen, daß Schulen, die wegen der Zunahme der Schülerzahl in einer Gemeinde n e u zu errichten sind, den Charakter als Gemein- schaftsschule erhalten. Von besonderem Interesse ist in der Begründung auch die Bemerkung über die„Weltanschauungsschulen". Zwar ist im Artikel 149 der Verfassung nur von„b e k e n n t n i s- freien(weltlichen) Schulen" die Rede, aber da im Ar- tikel 146 bei den Anträgen neben dem Bekenntnis auch von der„Weltanschauung" der Erziehungsberechtigten ge- sprachen wird, so hält es der Keudell-Entwurf für selbstver- ständlich, daß außer weltlichen Schulen auch noch„Welt- anschauungsschulen'' errichtet werden können, so daß wir neben der Dreigliederung auch noch eine V e r v i e l- fachung der Schulsysteme nach der Richtung er- warten dürfen, daß nicht als Religionsgemeinschaften aner- kannte religiöse Sekten oder neuaufkommende„Welt- anschauungsgemeinschaften", wie etwa die Gruppe des „neuen Nationalismus" für ihre Kinder selbständige Schul- systeme mit Erfolg beantragen dürfen. Für die Wiedereinführung der g e i st l i ch e n Schul- auf ficht, wenigstens soweit der Religionsunterricht in Frage kommt, hat die„Begründung" überhaupt keine Gründe, es fei denn, daß man den einen Saß als solche an- erkennen wollte, daß es wiederholt zu Meinungs- Verschiedenheiten zwischen Staat und Religionsgesell- schaft über die Frage gekommen sei, wie der Religionsunter- richt„in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der Ree Garn jölt-r firrb freilich nur ganz unerhebttch abgeba«� so daß die Baumwollgarnzölle- noch immer erheblich über dem Börkricgs- Niveau liegen. Stärkere Konzcsiionen mußten für die Wall- g e w e b e, besonders für die elsässischen Fabrikat«(Wollmusselin), �eingeräumt werden. Auch bei diesen Sähen kann von einer Ge- söhrdung der Industrie nicht die Red« fein. Di« deutschen Seiden- Zölle, die im Schweizer Handelsvertrag nur sehr geringfügig herabgesetzt wurden und heute im Durchschnitt mehr als 20 Proz. betragen, sind auf etwa 17 Proz. ermäßigt worden; ferner ist Ivan französischen Spezialindustrien, wie der Porzellan- und Fayencen-Herstellung, Uhrenteilen sowie den französischen Luxusindustrien, speziell Seifen und Parfümerlen, mit Abschlägen von 5 bis 15 Proz. entgegengekommen. In einem sehr wichtigen Punkte, dem Mehlzoll, hat man nur den früheren Sah von 11,50 Ist. wiederhergestellt. Es ist dringend zu fordern, daß die Regierung ihr versprechen, die willkürliche heraufsehung de» Mehlzolles wieder abzubauen, bei den bevorstehenden kanadischen Verhandlungen «inhält.> Neben dem eigentlichen Tarifabkommen ist die umfassende Regelung der gesamten Handelsbeziehungen von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Hier wäre zu erwähnen die gegenseitige Zusicherung der Aufhebung sämtlicher Ein- und Ausfuhrverbote, die Regelung des Niederlassung»- rechtes, der freien Schiffahrt und die Einräumung der vollen Meist- begünstigung auch auf allen Nebengebieten, wie Zollberechnung, Zollformalitäten, Frachttarife, Durchgangsverkehr usw. Die deutsch-französische Handelsverständieung ist auf zdllpoli- tischem Gebiete noch weit entfernt von den Richtlinien des Zollab- baues, die man in Genf sich stellte. Jedenfalls bleiben als große Vorteile die gegenseitig« Meistbegünstigung, die langfristige zweijährige Dauer und in der Absicht wenigstens ein Abrücken vom sinnlosen Ucberprotektionismus, der die wirt- schastliche und zugleich die politische Verständigung der beiden Nach- barländer bisher verhindert hat. von ihm vorgebrachte Resolution eröffnet werden konnte, erklärte Kaczmarek im Ramen der In Deutschland lebenden Minder h«il»vvlker den Austritt aus dem Kongreß, der seinen Sinn nicht erfülle. Der reichsdeutsch« Däne Christiansen, der vor allen Dingen die Zurückweisung des Auf- nahmegesuihe» der friesische» Gruppe als Grund angab sowie ein Pol« au» einem anderen nichtpolnifchen Staat schlosicn sich der Erklärung an. Präsident Dr. Wilson bedauerte diese Erklärung, be- tonte aber, daß durch sie die gesunde Idee des Kongresses nicht be- graben werden könne. Zu dem Ausscheiden der im Verbände der nationalen Minder- heiten in Deutschland zusammengeschlossenen Gruppen, das mit der Ablehnung der Ausnahm- der friesischen Minderheilengruppe begründet wurde, wird aus maßgebenden Konfcrenzkreissn folgen- des mitgeteilt: Die Aufnahme der friesischen Minderheitengruppe ist vom Präsidium abgelehnt worden, da der statutenmäßig' notwendige Beschluß der friesisch.'» Minderheit, sich zu einer Minderheiten- gruppe zusammenzuschließen, nicht vorlag. Vielmehr hat die weit überwiegend« Mehrheit der friesischen Bevölkerung es abgelehnt,-sich als ein« Min- derheit in Deutschland anzusehen. Aus diesem Grunde mußt« die von der polnischen Minderheitegruppe beantragte Ausnahme einer besonderen friesischen Minderheiten- gruppe abgelehnt werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die polnischen Minderheitengruppen in Lettland und der Tschechoslowakei sich dem Vorgehen der polnischen Minderheit in Deutschland nicht an- geschlossen haben und nach wie vor im Kongreß verblieben sind. Polen befolgt endlich die Entscheide Ealonders. Satlowih, 23. August. Nachdem die polnischen Behörden seit zwei Jahren die Eröff- nung einer deutschen Minderheitsschule in Brzozowitz, Krei» Schjentochlowitz verhindert hatten, ist endlich auf Grund einer Ent- scheidung des Präsidenten Calonder die Eröffnung von der Woj- wodschaft sichergestellt und die vor zwei Jahren angemeldeten 41 Kinder müssen nunmehr der Schule zugeführt werden. Seit einiger Zeit werden die Entscheidungen Ealonders von den polni- Ichen Behörden respektiert. Dl« Kündigungen, die vor drei Monaten einer Anzahl beut- scher Lehrer an den höheren Schulen in Kattowitz und Königs- Hütte ausgesprochen wurden, sind von der Wojwodschoft zurück- gezogen, da es trotz der Zusicherung de« Wojwoden. daß ge- � nügend geeignete Lehrkräfte für die. Minderheitsschulen vorhanden 1 feien, nicht gelungen Ist, die. gekündigten Lehrkräfte zu ersetzen;-ob- I wohl die Stellen mehrfach ausgeschrieben worden find, Die Reichsanstalt für Mbeitslosenverstcherung. Erste Vorstandssitzung. Der Vorstand der neugebildeten Reichsanstalt für Arbeitsver- mittlung und Arbeitslosenversicherung trat am 24. August zum erstenmal zusammen. Der neuernannte Präsident der Reichs� anstatt Geheimer Regierungsrat Dr. Syrup machte zunächst Aus- führungen über die U e b e r l e i t u n g der bisherigen Organisation der Arbeitsvermittlung und der Erwerbslosensürsorge in die Reichs- onstalt. Es ist zu erwarten, daß am IS. September das Reichsamt für Arbeitsvermittlung als Hauptstelle in die neue Reichsanstalt ein- gegliedert wird. Die Eingliederung der Landesarbeilsämter dürste frühestens ngch 2— Z Monaten möglich fein, noch- dem ihre Bezirke vom Vorstand festgesetzt worden sind. Dann erst folgt die Eingliederung der Arbeitsämter. Weiter wurde iü der Sitzung die künftige Abgrenzung der Landesarbcitsämtcr besprochen. Erst nach Abschluß der Verhandlungen im Vorstand, die bei der Bedeutung der Angelegenheit mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird, wird die im Gesetz vorgesehene weitere Fühlungnahme mit den Verwaltungsausschüssen der Landesarbeitsämter und den obersten Landesbehörden erfolgen. Die offizielle Ernennung Dr. Syrups zum Präsidenten der Reichsanstalt ist in Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkreisen mit Befriedigung aufgenommen worden. Dr. Syrup hat sich bisher als Präsident der Reichsarbeitsverwaltung in den Ver- Handlungen mit den Gewerkschaften als vorurteilsfreie und gerecht- denkende Persönlichkeit gezeigt. Syrup ist 1881 in Hannooer ge- boren. Nach seiner Staatsprüfung als Diplomingenieur studierte er Rechts- und Staatswisienschaften und trat dann in die preußische Verwaltung ein. Nach der Staatsumwölzung wurde er aus dem preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe in das Demobil- machungsamt beurlaubt und trat danach als Präsident der Reichs- arbeitsverwaltung in den Reichsdienst. Seine Kommentare arbeits» rechtlicher Gefetze, vor allem über die Arbeitszeitfragen, haben ihm rasch einen Namen gemacht. Das zurzeit unter seiner Leitung er- scheinende große Handbuch des Arbeiterschutzes— soeben ist der zweite Band davon erschienen— stellt eine beachtenswerte Lei- stung dar. Neben Dr. Syrup sind die maßgebenden Vorstands- poften der Reichsänftalt durch Franz Spliedt vom Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbund und durch Dr. E r d m a n n von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberoerbände besetzt. Die Leitung der Reichsanstalt liegt also in der Hand von Persönlichkeiten, deren Sachkenntnis auf dem Gebiet der Arbeitsvermittlung und Ar- beitslofenunterstützung die Gewähr dafür bietet, daß die schwierigen Probleme, die beim Ucbergang von der Erwerbslosenfürsorge zur Arbeitslosenversicherung zu bewältigen sind, in sachlicher und be- friedigender Form gelöst werden. Um Sie Arbeitszeit im Saugewerbe. hier gibt'» keine lleberzeikarbeik. ' Die Arbeitgeber des Baugewerbes haben sich in dem Streit um die Arbeitszeit endlich dazu bequemt, das Haupttarifamt onZurufep. Ihr Mißerfolg bei den Bemühungen, das Reichs- arbeitsminifterium zur Einleitung von Schlichtungsoerhandlungen zu zwingen, veranlaßt sie, dem Ministerium vorzuwerfen, es habe mit ollen Mitteln versucht, selbst eine„M ehrarbeit" für die Saison zu vermeiden, die„nur f i n e n Ausgleich" der saisonmoßig bedingten Minderarbeit im Winter darstellen wurde. � Was die Arbeitgeber dem Arbeitsminifterium vor- werfen, gereicht diesem eher zum Lob als zum Tadel! denn die Baukanjunktur ist zurzeit nicht schlecht, wenn auch für den Winter noch etwas zu tun übrigbleibt, so ist das wirklich kein Unglück. Der Schrei nach Verlängerung der Arbeitszeit im Bau- geyzerbe ist durch nichts gerechtfertigt. Di« Arbeitgeber sollten schon die Kirche im Dorf lassen! vas Problem der Seamtenbefolöung. Zur Klärung des Deamtenbesoldnngsproblems treten, wie wir hören, Anfang der kommenden Woche die Fachreferenten der Länder zusammen. Im Anschluß an die Besprechung mit den Ländern folgt dann die Aussprache des Reichssinanzministers mit den Spitzenorganisationen der Beamtenschaft. Die Geheimniskrämerei, die das Reichsfinanz- Ministerium bisher mit feinen Plänen über die Neuregelung der Be- amlenbesoldung trieb, ruft immer neue Vermutungen über die Absichten des Reichsfinanzminifters hervor. So heißt es in einem Teil der Presse, es habe den Anschein, als wolle der Reichs- Mitglieder des DMV.! Besucht die Wahlkörper-Versammlungen. finanzminifter jetzt von einer völligen Neugestaltung des Besoldung?- systems absehen und nur, entsprechend den Wünschen der höheren Beamten, das Lausbahnsystem etwas stärker hervortreten lassen. Es hat wenig Zweck, sich auf das Gebiet bloßer Der- inutungen zu begeben und mit der Stange im Nebel herumzufahren. Das verschleierte Bild der Beamtenbesoldungsreform muß so rasch wie möglich entschleiert werden, damit die Beamtenschaft endlich weiß, wohin die Reise geht. »Hilfsaktion für Sie öeamten.� Unter dieser Ueberschrift berichteten wir in Nr. 378, daß auf Anregung der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Land- tages im preußischen Finanzministerium„unter Ausschüttung der vorhandenen Mittel" Unterstützungen gezahlt würden, und zwar ohne Antrag für die verheirateten Beamten der Gruppen bis IV, darüber hinaus auf Antrag, 50 Mark und 10 Mark für jedes Kind. Im preußischen Statistischen Landesamt wurde die Auszahlung von dem Vizepräsidenten Höpker abgelehnt. Statt dessen wurde den Angestellten eine Bekanntmachung des Herrn Vizepräsidenten vor- gelesen, wonach das preußische Ministerium des Innern die Anweisung gegeben habe, sparsam zu sein. Da es mithin aussichtslos sei. Unter- stützungen zu erhalten, habe es der Herr Vizepräsident Höpker ab- gelehnt, die Unterstützungsgesuche von Angestellten des Statistischen Landesamts weiterzugeben. Die dem preußischen Innenminister nicht sonderlich holden Kreise suchen so die Erregung der enttäuschten Angestellten gegen den Mie nister Grzesinsti zu lenken.... Vom Präsidenten des Statistischen Rerchsamts liegt uns ein Entscheid vor, daß Unterstützungen nur im Falle einer außerordentlichen unverschuldeten Notlage, ver- ursacht durch besonder« Vorkommnisse(Tod, Krankheit usw.), ge- währt werden dürfen. Die Notlag« muß nachgewiesen werden. Warum werden die Angestellten und Beamten erst auf llnter- stützungen hingewiesen, wenn sie ihnen doch nicht gezahlt werden. Ohne eine einheitliche Handhabung in der Eewahrung von Unterstützungen durch alle Ministerien für sämtliche Umtsslellen wird nur böses Blut gemacht._ Einigung in den fächfifch-thüringifchen Webereien. Ein Erfolg des Textilarbeiterverbendes. Die Geraer Verhandlungen zur Beilegung des Loh n- streits in den sächsisch-thüringischen W�ebereien führten zu einer Einigung. Danach werden die ivtundenlohne um 8a/io Proz. erhöht. Derselbe Prozentsatz findet auch aus die Akkordsätze Anwendung, mit Ausnahme der Seideoinduftrie. jur welche auf dem Weg« betrieblicher Verhandlungen eine befoncere Verständigung herbeigeführt werden soll. Die neue Lohnverein- barung läuft vom 1. September 1327 bis 30. September 13.8.-Li« Heimarbeiter sollen dieselben Löhne erhalten wie im Betrieb, wenn gleiche Arbeit und gleiche Leistung vorliegen. Das Verhandlungsresultat stellt einen Erfolg für die Arbeiterschaft dar._ Keine Einigung in üer Krefelüer Seiseninöufteie. Köln, 24. August. Bei den heutigen Einigungsverhandlungen in der Krcfelder Seidenindustrie machte der staatliche Schlichter den Vorschlag, an Stell« der im Spruch vorgesehenen generellen Akkordlohnerhöhung die Akkordarbeiter durch eine andere Regelung an der Konjunktur teilnehmen zu lassen. Di« Arbeitgeber lehnten ein Eingehen auf diesen Dorschlag ab, während die Gewerkschaften bereit waren, ain dieser Grundlog« zu verhandeln. Hierdurch zerschlugen sich die Einigungsverhandlungen. Der Schlichter wird nunmehr von sich aus die Streitsache dem Reichsarbeitsministerium zur weiteren Er- ledigung zuleiten._ Fnie®cnicH(cfoftsiugtnl) Groß.Bcrlin. Hkutk, Donnerstag, W/i Uhr, tagen die Druvpcn: Südwesten: Jugendheim Aorckfir. II. Bunter Abend. Köpenick: Eruppenhciin Jugendheim Grünauer Str. 5. Lichtbildervortrag: „Rllgenfahrt."— Lichtenberg: Gruppcnhcim Jugendheim Parkaue 10. Gewerk. schattlichc Sprechstunde.— Tempelhöf: Gruppcnheim Lnzeum, D-rmanlastr. 4J. Frih-Reuter-Abend.— Südosten: Eruppenheim Aeichcnbcrger Str. 6»(Feuer. wehrhaue) Hosemann liest:„Die Fahnenweihe" und andere Satiren von Ludwig Thoma.— Sesnndbrnnne«: Gruppenheim Rote Schule, Gotenourger Strohe. Ein Abend unter uns.— Sewcrkschestosest: Die Jugend marschiert am Sonntag mit ihren Berbünden. Iugendgrnpp« de» IdA. Heute, Donnerstag, findet lSiä Uhr folgende Per. anstaltung statt: Bezirk Schünebcrg: Jugendheim Schönebcrg, Hauptsir. 1- (Thllringenzimmer).„Unsere Technik."— Ad 1!) Uhr Spielen aus der Spiel- wiese im Schillerpark. Rascnspiele, Volkstänze, Ballspiele. Verband der Maler und Lackierer. Morgen, Freitag. ISfh Uhr. im Gewerk» schastshaus. Saal 4. Engclufer 2b, Mitgliederversammlung.„Unfallgefahrcn— llnsallschuü." Referent Arbcitersekretär Gustav Link. Diskussion und Bcr- schiedcnes. Die Ortsperwaltnng. Verband der Gemeinde, nnd«ta»t»ardeitcr, Bezirk 15. Morgen, Freitao. 19 Uhr, im Lokal von Imberg, OberschSneweide, Wilhelminenhofsir. Z4, Bezirks- Mitgliederversammlung.„Das neue Arbcitsgerichtsgesetz." Referent Kolleg» Schaum. Bcrbandsangelegenheiten. Bollzähliges Erscheinen nller�Kollegen� ist erforderlich. Die. Bezirkslei! Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein! Wirtschaft: A. Satcrnn»: Gewerkschastsbeweguna: Friede. Ezkorn: Feuilleton: K. S. DIscher: Lokale» und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich IN Berlin. Verlag: Borwärls-Berlag G m. b H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruaeret und Lcrlagsanstalt Paul Singer» Eo. Berlin SW 68 Lindenstrahe 3. Hierzu 1 Beilage und„Unterhaltung uud Wiste»". Nutzen Sie DONNERSTAG* FREI unsere /kusnuhmc-Anfiehota Frankfurter Allee, Wilmeredorfer Strusen 00 Heveen-Äleiisel Tierren- �Sevven Meiduna Perkai-Oberhemd Z" Trikotagen—; pefüttono Brnsr, mit Kragen............... �.......... W0 ridldl jg! rn■»» a �"VK � paaieiware.in mod-eleg. Fasson u. neueT&t Nachthemd 8». 390475 Qualität, mit Kragen oder Geishaforra.. Selbstbinder 95 In grousser Aufwchl..................... 1,s», 1,25 mr Selbstbinder 2 *75 Smeii'Mkii Isnltlc t Qnalit 225 Mako imitiert, kräftige Qualität reine Seide. 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Häusern ZO— 60 Zentimeter unter Wasser, ebenso sind auch hier die Gärten überschwemmt und olles Obst und Gemüse vernichtet. Hier handelt es sich um Häuser, die zum Teil schon seit 25 Jahren stehen und bisher noch niemals unter der- ortigen Ueberschwemmungsschäden zu leiden hatten. Die Ursache wird in diesem Falle auf steigendes Grundwasser zurück- geführt, das vom Lauen eines Brunnens herrührt. Man kann sich die Verzweiflung der Bewohner wohl vorstellen, deren bischen Hab und Gut, das sie sich unter allerlei Entbehrungen erworben haben, ganz plötzlich und noch dazu auf lange Zeit hinaus vernichtet wurde. Die Lebensfähigkeit und vor allem die Tragfähigkeit der Obstbäume ist in den meisten Fällen gänzlich zerstört. Einer der Siedler hatte sich erst im vorigen Jahre für 3S0 Mark Obstbäume gekaust, die jetzt vernichtet sind. Abhilfe zu schassen wäre natürlich nur im Wege der Kanalisierung des Terrains möglich, doch mangelt es den Siedlern hierzu am nötigen Kleingeld. Man kann also nur hoffen und wünschen, daß bessere Wittcrungsverhältnisse den Jammer beenden. Tote Gärten.— Seit sieben Monaten unter Wasser. Die ursprüngliche sommerliche Erholungslaube da draußen vor deK Toren der Stadt ist bei vielen Siedlern längst zur ständigen „Bleibe" geworden. Lieber kampiert man noch dürftiger als bisher, lieber läuft man täglich den oft langen und beschwerlichen Weg von und zur Arbeitsstätte, als das ewig drohende Damoklesschwert des Hausgestrengen mit all seinen Härten über dem Haupt zu sühlen. Und dann ist da auch noch ein wenig Licht und Freude mit dabei. Das selbst gepflanzt« Obst und Gemüse, die Blumen, das frische Grün und die gute, reine Luft und Sonne nach all dem Staub und Dreck, den man jahraus, jahrein den ganzen Tag über in sich hinein- frißt. Aber, wie schon ein alter Baumeisterspruch sogt,„zum Bauen gehört Geld". Und ein paar notdürftig zurechtgeschusterte Bohlen- stanzen, auch selbst die ordnungsmäßig aufgebauten Puppenhäuschen halten Wind und Wetter natürlich nur ungenügend Stand. Und dann, was die Hauptsache dabei ist, es fehlt halt wieder einmal das feste Fundament. Die Bodenbeschoffenheit all dieser Wiesengclände, die von den Siedlern einfach zum Baugelände erhoben wurden, ist keine solche, um eilten stabilen Baugrund darzustellen. Der lockere, lehmige oder moorige Boden gibt naturgemäß großen Feuchtigkeits- mengen nach und das Wasser, das durch keinerlei Kanalisation in Abflußbahnen gelenkt wurde, staut sich, unterspült die Keller, über- schwemmt die Gärten und all die mühsame Arbeit und Freude der Bewohner ist mit einem Schlage vernichtet. Der diesjährige regen- reiche Sommer mit seiner unangenehmen Gefolgschaft von Wolken- brächen meinte es mit den Kleinhäuslern besonders schlecht. Tag- täglich ertönen von allen Seiten oerzweifelte Hilferuf« in die Oeffentlichkeit. Ein besonders trostloses Bild solcher Regcnverwüstung bietet das Gelände, das sich von Marienfelde längs der Lichten- rader Chaussee nach Lichtenrade zieht. Die ganze Chaussee hat sich in ein Wasserbecken verwandelt, da» sich in einer Läng« von mehreren hundert Metern flußartig dahinzieht, alle in unmittelbarer Nähe liegenden Gärten samt Obstbäumen ebenfalls unter Wasser gesetzt hat und den Zugang zu den Häusern einfach aushob. Die Leute müssen, um in ihre Wohnungen zu ge- langen, Schuhe und Strümpfe in der Hand, durchs Wasser waten, die ganz« Ernte ist vernichtet, im Keller, wo das Wasier steht, ver- fault Gemüse und Kartoffeln und außerdem bringt diese starke Feuchtigkeit natürlich eine Gefährdung der Gesundheit mit sich. Etwas Aehnliches gibt es in Ruhlsdorf bei Teltow. Hier stehen feit Monaten die Keller von drei Keller eines Hauses der Sputendorfer Straße. Zahrpreisermäßigung auf öer Reichsbahn. Wer sie erhalten kann! Nach den neuen Beförderungsbestimmungen genießen eine ganze Reihe von Fahrgästen auf der deutschen Reichsbahn eine Fahrpreisvergünstigung, die sich teilweise auf den halben Fahrpreis, in einzelnen Fällen sogar auf frei« Fahrt erstreckt. Zweifellos sind diese Personenkreise größer, als man allgemein annimmt. Im Nach- folgenk»:n sollen die hauptsächlichsten Kategorien ge- nannt werden und die Bedingungen, dt« zur Fahrpreisermäßigung führen. Bei Ausflügen zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken werden Studierenden der akademischenAn st alten, Schülern von Fachschulen und öffentlichen Schu- l e n bei einer Winde st teilneh in erzähl von 10 Per- s o n« n halbe Fahrpreise für die 3. und 4. Wagenklasse gewährt, den Studierenden auch solche für die 2. Klasse. Bei Verschickung von Kindern in Ferienkolonien gilt ebenfalls die Ermäßigung bis zur Hälfte in der 3. und 4. Klasse für Eil- und Personenzüge, auch die mitreisenden Begleiter bekommen die gleiche Be�günstixnng. Jugendgruppen von behördlich anerkannten Bereinen" werden bei eirnr Mindestzahl von 10 Personen bei einer Mindestentfernung von 10 Kilometern ebenso befördert. Die Mitglieder von Theatern und Orchestern gemeinnütziger Art, Angehörige von Vereinen, die sich der öffentlichen Krankenpflege widmen und ebensolche, die als Leiter und Pfleger der Bahnhofsmission Berufsreisen unterneh- men, haben bei entsprechenden Personalausweisen lUugünstigung auf halbe Fahrt in den unteren Klasien. Ein Akt öffentlicher Für- sorge ist es, wenn die Reichsbahn mittellosen Kranken und den kranken Kindern Erwerbsloser bei Aufnahm« in öffentlichen Anstal- ten, bei Besuchsbehandlung und Ueberführuna in Heilstätten die ge- nannte Ermäßigung gewährt, sofern ein Astest auf Mittellosigkeit beigebracht wird. Dasselbe gilf�auch für Zöglinge von Blinden- anstalten, Waisenhäusern, mittellose Blinde, Taubstumme, Schwer- hörig« und deren Begleitpersonen, soweit sie unbedingt nötig sind. Soweit eine amtlich anerkannte Dienstbeschädigung vorliegt, er- halten Kriegsbeschädigte die bisher erwähnte Fahrtvergünstigung. Das Zeugnis muß vom Arzt oder der amtlichen Fürsorg« ausgestellt sein. Solch: Kriegsbeschädigte, die sich durch amtliches Zeugnis ausweisen, daß sie sitzen müssen, zahlen den Preis für 4, Klasse bei Benutzung der 3. Klasse. Der Begleiter eines Schwerkriegsbeschädigten, der die Bescheinigung der Ortsbehörde über die Notwendigkeit der Begjntung beibringt, erhält die Fahrt frei. Auch die Beförderung der Führerhunde bei Kriegs- blinden ist frei, wenn der Blinde Inhaber eines Eisenbahnaus- weises für den genannten Zweck ist. Die Bestimmungen über dt: Ermäßigung bei Schülermonats- karten, Arbeiterwochenkarten, Schüler- und Arbeiterrückfahrkarten und Arbeiterkorten für Binnenschiffer sind ja allgemein bekannt, daß sie nicht besonders hervorzuheben sind. Die Bahn gibt ferner Schülerferienkarten zu halben Preisen und solche für die Verschickung von Stadtkindern aufs Land. Auch Kleingärtn:r sind Nutznießer der Vergünstigung, wenn die Höchstenifernung zu ihrem Grundstück nicht über 40 Kilometer beträgt und dieses nicht über 2300 Quadratmeter Größe hat. „In wieviel Banken sind Sie gewesen?" ,In dreien. Morgen will ich es bei den anderen ver- suchen. Und wie ist es Ihnen ergangen?" „Glänzend! Ich merke, daß Herr Hilliard in mein Netz gehen wird. Aber jetzt kein Wort mehr von geschäftlichen Dingen. Nein, nicht eine Silbe. Ihnen tut eine Ausspannung not. Wissen Sie, daß Sie ganz vergrämt aussehen? Sie sind erschöpft." „Ich glaube, Sie haben recht," räumte er nach einer Weile ein. Ich, ich bin sehr froh, daß Sie hier sind, Cherry." 14. Trotz der niederdrückenden Ereignisse des Tages schlief Boyd Emerson gut in dieser Nacht, dank Cherrys taktvoller Art, mit der sie jedes Gespräch über Geschäfte, Trust und Lachskonserven vermied, wie ein tüchtiger Trainer, der vor dem Tag der Entscheidung den Athleten von der ermüdenden Einförmigkeit des Trainievens befreit. Das Gehirn ist auch nur ein« Masse aus Fleisch und Blut und wie die Muskeln der Ruhe bedürfen, so muß man auch den Gedanken eine Ausspannung gewähren. Sie hatten eine vergnügte Mahlzeit zu Zweien gehabt, und Sorgen und Beschwerlichkeiten hatten Cherrys über- strömender Laune weichen müssen. Darauf waren sie ins Theater gegangen, und später hatte das Abendessen, das sie mit George und Alton Clyde zusammen einnahmen, Boyd zu Cherrys großer Freude wieder ganz ins Gleichgewicht gebracht. Es schien wirklich, als ob seine öffentliche Feindschaft gegen den Trust ihn zum Feinde der ganzen Finanzwelt er- klärt hätte. Die Banken, die er am nächsten Tage aussuchte, lehnten ebenfalls jedes Darlehen ab, und zwar auf eine Weise, die deutlich zeigte, daß sie sich vor den Kopf gestoßen fühlten. Die Gründe, die man ihm gab, waren ebenso bestimmt wie unklar, und als der Abend kam. war der junge Handelsmann ganz außer sich über das Unglück, das ihm während der letzten sech�unddreißig Stunden überfallen hatte. In seiner Ver- zweiflung wandte er sich natürlich an Cherry, die seinen Bericht mit gerunzelten Brauen anhörte und sich die Sache ernst und gründlich überlegte, als ob sie die Verantwortung zu tragen hätte. Schließlich sagte sie:„Der Kampf hat schneller begonnen als ich erwartet habe. Ich glaubte nicht, daß. der Trust so bald Einfluß auf die Banken gewinnen würde." „Ich kann mir nicht denken, daß der Trust dahintersteht," meinte Emerson zweifelnd. (Fortsetzung folgt.) Äie Silbers�rvcxrme ggj"23 ON QScarf) flwchdruck verbetn» l&zforijteri* Hc&ccjefenng au» btm Englischem von Julia Goppel Inzwischen waren sie zu Emersons Hotel gekommen und er führte sie ins Restaurant, wo er, während sie aßen, seine Erlebnisse schilderte, von dem Tage an, als er ihr im Schnee in Kalvik Lebewohl gesagt hatte. Sie hatten ihre Mahlzeit beendet, bevor er mit seinem Bericht fertig war. „Heute ließ Hilliard mich zu sich rusen und teilte mir ohne Umschweife mit, daß die Bank mir die Anleihe, die er mir versprochen hatte, nicht geben könne, obgleich ich auf Grund seines Versprechens bereits alle Bestellungen an Material und Vorräten gemacht hatte." „Hat er Ihnen einen Grund für sein Verhalten an- gegeben?" „Er gab allerhand Gründe an, aber er kleidete sie in so viele Redensarten, daß das Ganze in Nebel verschwamm. Aus dem Dunkel ging nur das eine hervor, daß er kein Geld geben wollte. Er sagte, daß die Bank überlastet sei und daß der Vorstand seine Einwilligung nicht gegeben hätte. Es ist erstaunlich, wie geschickt ein Bankdirektor sich hinter dem Vorstand verschanzen kann." „Und dennoch hatten Sie, wenn ich Sie recht oerstanden habe, die ganze Produktion im voraus zu festgesetzten Preisen verkauft." „Ganz richtig." „Die Bank hätte also volle Sicherheit gehabt! Seltsam! Auf irgendeine Weise aber müssen wir das Geld schaffen, sonst sind wir ruiniert," fügte Cherry entschlossen hinzu. „Das sind wir" stimmte Boyd mit einer verzweifelten Grimasse bei. Cherry lachte.„Herr Hilliard und ich haben uns heute Vormittag nur auf den Zahn gefühlt. Ich soll um vier Uhr wieder zu ihm kommen." Cherrys Anwesenheit hatte außerordentlich belebend auf Boyd eingewirkt. Ihr strahlendes, lebhaftes Gesicht ihm gegenüber am Tische flößte ihm eine Art frohen Mutes ein, wie er ihn seit ihrer Trennung kaum empfunden hatte. In ihrer Gesellschaft war er drauf und dran seine Sorgen zu vergessen. „Wenn Herr Hilliard die Kupfermine ausbeutet," sagte sie mit strahlenden Augen,„werde ich reich— reich werden! Und ich kann Ihnen nicht sagen, was das für mich bedeutet, Sie würden es auch gar nicht verstehen. Ich könnte dieses nörd- liche Land und alles, was es für mich bedeutet, verlassen. Ich könnte werden, was ich sein möchte— und was ich wirklich bin." Boyd sah die große Sehnsucht in ihren Augen, sah, daß die Aussicht auf Verwirklichung ihrer Wünsche ihr fast den Atem benahm. Er streckte ihr sein« Hände entgegen und sagte freimütig:„Wenn ich Ihnen auf irgendeine Weise behilflich sein kann, stehe ich Ihnen mit dem größten Vergnügen zur Verfügung." Bei seinem ruhigen Blick schlug sie die Augen nieder und antwortete:„Sie sind ein guter Mensch, und ich bin froh, daß ich Sie als Freund zur Seite habe. Aber entschuldigen Sie meinen Egoismus, daß ich von meinen eigenen Sachen spreche, während es mit den Ährigen so schlecht steht. Glauben Sie, daß der Zeitungsartikel an Herrn Hilliards verändertem Benehmen Schuld ist?" „Ich konnte nicht klug daraus werden." .Lassen Sie mal sehen! Ist es nicht ungefähr eine Woche her, seit er erschien?" „Genau fünf Tage." „Ein Brief nach Chikago gebraucht drei Tage, nicht war?" „Was hat das damit zu tun?" „Finden Sie es nicht auffallend, daß Herr Hilliard mit angesehen hat, daß Sie sich in ein ganzes Gewebe von Kontrakten und Verpflichtungen verwickelten, bevor er Ihnen die schlechte Nachricht mitteilte." „Sie meinen, daß Marsh und sein Trust dahinter stehen? Das hätte ja alles telegraphisch erledigt werden können." „Nicht alle Dinge lassen sich telegraphisch erledigen. Im übrigen," fuhr sie nachdenklich fort,„wenn der Trust wirklich dahinter steht, wird es Ihnen nicht leicht fallen, in Seattle andere hunderttausend Dollar aufzutreiben." „Wir werden ja sehen," sagte er, indem er sich erhob. „Ich hole Sie um sieben Uhr ab und möchte daraus wetten, daß Ihre Furcht unbegründet ist." „Sieben Uhr präzise," sagte sie..Inzwischen werde ich die Modengefchäfte unsicher machen." Als sie um sieben Uhr in die Hotelhalle kam, ging er mit einem trotzigen Gesicht auf und ab. „Na, wie steht," fragte sie. „Sie haben richtig geweissagt. Es ist wirklich sehr schwer, in Seattle Geld aufzutreiben." ]• P» t i-L Der ewige Zriüericus. Nationalistischer Rummel bei Berlin. Fridericus Rex spukt durch die Mark: Mal taucht er hier auf, mal tritt er dort in Erscheinung, und immer läßt er sich sehen, wenn schwarzweißrote Vereinsspektakel stattfinden. Liegt da am Ostrande Berlins das Oertchen S ch ö n e i ch e, das ror kurzem der Schauplatz eines denkwürdigen Ereignisses wurde. Der„M ilitäroerein Kleinschonebecf-Schoneiche" beging nämlich sein 26. Stiftungsfest, und als Hauptstück des Pro- gramms war für 3 Uhr nachmittags vorgesehen:„Festlicher Umzug, Reitergruppe: Fridericus Rex und seine Generale: Festwagen: Germania". Unter schwarz weiß- roten Fahnen nahte die preußische Majestät hoch zu Roß, und auf dem Wagen der Germania hatten„Generale" aus dem sieb- ziger Kriege sich ausgebaut. Wer aber denkt, daß der König den .�ug geführt hat, der ist im Irrtum! An der Spitz« marschierte ein Herr Lyons, Rittergutsbesitzerssohn und Major seines Zeichens— in einer Festgewandung, die der Reichswehruniform ver- flucht ähnelte. Wenn es sich nicht um eine Werwolf-Mystisikation handelt, erhebt sich freilich trotz aller Heiterkeit, die solche schwarz- weißroten Scharlatanereien bei allen Vernünftigen erwecken, die Frage: Ist Herr Lyons früherer Reichswehrofsizier? Wenn ja, erhielt er bei seiner Verabschiedung die Erlaubnis zum Trogen der Uniform? Wenn ja, soll diese Erlaubnis auch weiterhin aufrecht- erhalten bleiben? Daß Herr Lyons etwa gar aktiver Reichswehr- offizier ist, vermögen wir natürlich nicht anzunehmen. So also produziert« sich Fridericus in Schöneiche. Er kann ober nicht nur reiten, er kann auch Kahn fahren. Jn Pots- dam rollte letzthin ein Wasserfest unter der Aegide des„Stahl- helm.s" ab, und als der Abend niedersank, ward plötzlich auf dem Wasser ein Baggerboot sichtbar. Und, siehe da, wen erblickte man täuschend nachgemacht? Fridericus und Bismarck Schulter an Schulterl Da dem Altreichskanzler der Helm vier Nummern zu klein geraten war und wie ein Zündhütchen auf den drei Haaren saß, zog er es vor, sich zurückzuhalten, und schwieg sich aus. Dafür hielt aber der„König" ein prophetische Rede über den Stahlhelmgeist und ähnliche Belanglosigkeiten. Außerdem sagte er ein Gedicht auf, das herzlich schlecht war, was wohl auf die be kannte Abneigung des Alten Fritzen gegen die deutsche Sprache zu rückzusühren ist. Immerhin: Rauschender Beifall lohnte den treffe lichen Darbietungen. Gibt es etwas Ulkigeres und Groteskeres als solchen schwarz- weißroten Mummenschanz? Lächerlichkeit, sagt man, tötet,— in Potsdam und im Kriegerverein Schöneiche freilich nicht! Ergebnisse öer wohnungszählung. Ein Setrüger aus Sombap. Ginc Berliner Firma um 250 000 Mark geschädigt 3m 3ahr« 1923 reiste ein aus Lahors stammender Kaufmann namens Ganpat-Rai-Sharma nach Deutschland zu und bezog als angeblich vermögender Mann eine elegante Wohnung am Kur- f ü r st e n d a m m. Es gelang dem Inder bald, Beziehungen zu Berliner Handelskreisen anzuknüpfen, wo er, dank der vorgelegten guten Empfehlungen und Referenzen, auch gern aufgenommen wurde. Vor ungefähr t'A Iahren trat Ganpat-Rai-Sharma in nähere geschäftliche Beziehungen zu einem Fabrikanten und wußte ihn zu überreden, mit ihm gemeinsam eine G. m. b. H. zu gründen, die hauptsächlich sich mit dem Export von Elektromaterial nach Borderindien befassen sollte. Der Berliner gab als Geschästseinloge bei der Gründung der G. m. b. H. bares Geld in Höhe von 150 000 Mark. Der Inder, der nicht über Barmittel zu ver- fügen behauptete, erklärte, daß er dieses Manko durch seine aus- gedehnten Beziehungen zu der indischen eingeborenen Handels� weit wieder wettmachen werde. Auch feine Familie, die zu den am gesehensten gehöre, werde, sobald er ihr von der Gründung Mit- teiluna gemacht habe, finanziell beispringen. Leider ließ das erhoffte gut« Geschäft auf sich warten, so daß dem Berliner Bedenken aus. stiegen. Der Inder erklärte das mit dem Mißtrauen seiner Lands- leute und meinte, daß ein persönlicher Besuch schnelle Wandlung schaffen würde. Sein gutgläubiger Teilhaber hatte gegen die Reise, die im November 1926 angetreten wurde, nichts«inzu- wenden und gab außer reichlich bemessenen Reise spesen dem Inder für etwa 96666 Mk. Muster und Waren mit. Longe Zeit wartete er vergeblich auf Nachrichten aus Indien, endlich trafen sie auch ein, ober Geld kam nicht, weder für die verkauften Waren noch als Anzahlung auf Bestellungen. Nun entschloß sich der Berliner, die Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch zu nehmen. Bei den Nachforschungen, die Kriminalkommissar Kanthack mit seinen Be- amten anstellte, ergab sich, daß Ganpart-Rai-Sharma die ihm anver- trauten Muster usw. für 26666 M. in Bombay verschleu- d e r t und das Geld, das etwa den vierten Teil des wirklichen Wertes ausmachte, für sich verwendet und verjubelt hatte. In der gleichen Weise wie seinen Berliner Kompagnon, hatte der schlaue Inder eine Exportfirma in Lahors betrogen. Die Nachforschungen in Berlin ergaben, daß der Inder am Kurfürstendamm gänzlich unbe- k a n n t ist. Man zweifelt nun, ob der angegebene Name der richtige gewesen ist und oermutet, daß die vorgelegten Empfehlungen und Referenzen gefälscht waren. Ganpat-Rai-Sharma soll sich äugen- blicklich wieder in Berlin aufhalten, es ist aber bisher noch nicht gelungen, seine Wohnung aufzuspüren. Wahrscheinlich wird er in einer Penston oder in einem Hotel— vielleicht unter falschem Namen — Unterkunft suchen. Mitteilungen, die geeignet sind, seiner Hab- Haft zu werden, erbittet Kriminalkommissar Kanthock, Dienststelle? 3, im Polizeidienstgebäude in der Georgenkirchstr. 36 A. Fabrikfeuer in der Frankfurter Allee» Gestern nachmittag waren sechs Löschzüge der Berliner Feuer- wehr in der Frankfurter Allee 288 längere Zeit mit der Bekämpfung eines gefährlichen Fabrikfeuers beschäftigt. Aus noch ungeklärter Ursache, vermutlich infolge Funkenfluges, war im Kesselhaus der Wägenbau- und Karosseriefabrik von Lange u. Gut- z c i t ein mit 366 Litern Oel gefüllter Behälter in Brand geraten. Gewaltige Stichflammen schössen hervor, so daß in wenigen Minuten «in Teil des Erdgeschosses und des ersten Stockwerkes lichterloh brannte. Die Fabrikfeuerwehr trat sofort in Aktion, konnte aber nicht verhindern, daß die Flammen auch a-uf den D a ch st u h l des Fabrikgebäudes übergriffen. Inzwischen waren mehrere Löschzüae der Feuerwehr an der Brandstätte eingetroffen, denen es in ver- haltnismaßig kurzer Zeit gelang, den Brandherd zu lokalisieren. Das Kesselhaus ist stark in Mitleidenschaft gezogen, doch erleidet der Betrieb keine Unterbrechung. Musik wird oft nicht schön empfunden... O, i®in bo£jeä.enbe m*>m für den 53 Jahre allen„Hofsänger" Andreas M. eine Gastrolle, die er gestern nachmittag auf dem Grundstuck E l b i n g e r S t r. 4 1 gab. Es öffneten sich zwar. cw« üblich, alle Fenster am Hofe, aber statt der erwarteten kleinen Münzen wurde dem Sänger von oben herab nur eine sehr ab- fällig« Kritik zuteil. Das war begreiflich, seine Stimme halte unter der Mrkung von etwas reichlich genossenem Alkohol stark an Reiz eingebüßt. Der Sänger selbst aber wollte das augenscheinlich nicht telten lassen. Die vernichtende Kritik versetzte ihn in Wui. schimpfend drohte er zu den Fenstern hinauf, er werde gleich kommen, um sich sein„Honorar" zu holen, wenn man es ihm nich» herabwerfen wolle. J» dieser Situation kehrte ein Postaushelfer vom Postamt 66, der im Ouergebäude eine Depesche bestellt hatte, über den Hof zurück. Der mußte nun den„Blitzableiter" abgeben. Der wütende Sänger siel über ihn her. wie vermutet wird, um sich aus seiner Tasche selbst zu bezahlen. Der Versuch, ihm die Tasche zu entreißen, mißlang. Der Bote setzte sich zur Wehr und der Sänger ergriff jetzt die Flucht. Auf einem Straßenbahnwagen der Linie 74 duldete ihn der Schaffner nichl. weil er betrunken war. Jetzt lief er in den Friedrichshain hinein und wurde nach längerer Verfolgung von einem Wächter gestellt und festgenommen. Die Reichswohnungszählung am 16. Mai wurde in Preußen in sämtlichen Gemeinden mit mehr als 6666 Einwohnern und in einer Auswahl kleinerer, insgesamt in 3187 Gemeinden durch- geführt. Die Wohnungszählung sollte nicht so sehr die Zahl der Wohnungen ermitteln, als Aufklärung über die Wohnverhält» nisse der Bevölkerung, insbesondere über das Zusammen- leben mehrerer Familien und Haushaltungen in einer Wohnung bringen. Ihr Ergebnis soll Anhaltspunkte für die Feststellung der Zahl der fehlenden Wohnungen Nefern. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" einer vorläufigen Uebersicht der Statistischen Korrespondenz entnimmt, betrug die Wohnbevölkerung Berlins nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung 1926 unter Be- rücksichtigung der kommunalen Veränderungen bis zum 16� Mai d. I. 4 624 166: bewohnte Wohnungen waren insgesamt 1 212 491 vor- handen. Von leerstehenden Wohnungen waren noch oder bereits vermietet 1296, 1673 standen zur Verfügung des Wohnungsamtes, 214 waxen baufällig, 796 waren aus sonstigen Gründen nicht ver- mietet. Haushaltungen wurden insgesamt gezählt 1 361 638. davon zweite und weitere Haushaltungen 89 147. Diese Haushaltungen find von besonderem Interesse: es sind diejenigen, die zwar eine selb- ständige Hauswirtschaft führen, aber keine eigene Wohnung haben. sondern die Wohnung anderer 5)aushaltungen tellen, also z. B Familien mit eigener Hauswirtschaft, die in Untermiete wohnen. Bei einem anderen Beorbeitungsgang sind ferner außer den„zweiten und weiteren Haushaltungen" die bei der Zählung festgestellten „weiteren Familien" gezählt worden. Das sind diejenigen, die eben- falls keine eigene Wohnung haben, aber auch keine eigene Hauswirt- schast führen, sondern WohnungundHaushalt anderer teilen, also z. B. Eltern, die mit ihren verheirateten Kindern zusammenleben. Die Zahl d-eser„weiteren Familien" betrug in Hannover 3679, in Gelsenkirchen 763, in Hamborn 367, in Münster 312, in Bochum 1612 und in Erfurt 1698. Die Wohnbevölkerung B a r m e n s betrug 187 699 Einwohner mit insgesamt 61 646 bewohnten Wohnungen. An leerstehenden Wohnungen standen zur Verfügung des Wohnungsamtes 87, bau- fällig waren 38: Haushaltungen gab es insgesamt 63 862, davon zweite und weitere Haushaltungen 2167. Die Stadt Altona zählt« 186 683 Einwohne:, bewohnt« Wohnungen waren insgesamt 49 922 vorhanden. Zur Verfügung des Wohnungsamtes standen 38 Woh- nungen, 33 waren aus sonstigen Gründen nicht vermietet. Bon den insgesamt 86 226 Haushaltungen waren 5298 zweite und weitere Haushaltungen. Die Stadt Bochum hatte bei einer Bevölkerungs- zahl von 211249 Einwohnern 46 781 bewohnte Wohnungen, an leer- stehenden Wohnungen zur Verfügung des Wohnungsamtes 16, an baufälligen 22. Von je 166 Haushaltungen insgesamt waren zweite und weitere Haushaltungen 7,79. Königsberg hatte eine Ein- wohnerzahl von 279 926 Personen, bewohnte Wohnungen 69 142, von leerstehenden Wohnungen noch oder bereits vermietet 66, zur Ver- fügung des Wohnungsamtes 16, baufällig 8, aus sonstigen Gründen nicht vermietet 22. Von den insgesamt 76731 Haushaltungen waren zweite und weitere Haushaltungen 7689, von je 166 also 9,89. Die Uebersichten über die Zahl der leerstehenden Wohnungen wurden, um gleichzeitig ihre tatsächliche Bedeutüng für den Woh- nungsmarkt klarzustellen, soweit als möglich nach den Gründen des Leerstehens gegeben. Diese Gliederung zeigt zahlenmäßig, was man von vornherein vermuten konnte: daß nämlich trotz der Neubautätig- keit und trotz zum Teil sehr hohen Mieten für Neubauwohnungen von einem irgendwie nennenswerten Leerbestand in diesen Städten nicht gesprochen werden kann. Der Leichenfunü bei �uüwigslust. Offenbar ein Raubmord. Wie wir mitteillen, wurde am Sonnabend voriger Woche frühmorgens auf der Feldmark Kummer bei Ludwigslust ein junger Mann von einem Mädchen ermordet aufgefunden. Die Leiche lag in der Nähe der Chaussee Hamburg— Berlin in einem Graben mit dem Gesicht im Wasser und war mit Gras zugedeckt. Dem jungen Manne war der Gurt eines Brotbeutels um den Hals fest zugeknotet, außerdem war ihm der Schädel eingeschlagen. Nach den Ermittelungen der Schweriner Kriminalpolizei liegt ein Raub- mord vor. Dem Opfer müssen die Ausweispapiere, die Uhr und ein Geldbetrag geraubt worden sein. In seinen Taschen fand man Fahrscheine der Berliner Straßenbahn, einen der Linie 76 und einen zweiten der Linie 69, die am 14. d. M. gelocht worden sind. Der Ermordete gehörte zu drei Wanderburschen, die vor der Aus- findung der Leiche in der Gegend gesehen worden waren. Einer von ihnen, ein gewisser Niewiera aus Ostpreußen, wurde wegen eines Uhrendiebstahls in Ludwigslust festgenommen. Wie er sagt, traf er auf der Wanderung mit einem anderen jungen Manne in Nauen zufammen, der sich„Ernst Brandt" nannte und Fein- Mechaniker aus Berlin fein soll. Dieser angebliche Brandt soll der Ermordete sein. Niewiera wanderte mit seinem neuen Bekannten gemeinsam nach Mecklenburg weiter. Vor Ludwigslust trafen die beiden einen angeblichen„Adalbert Reich aus Berlin". Alle drei begaben sich nach Ludwigslust. Dort wurde Niewiera dann fest genommen,„Brandt" und„Reich" wanderten weiter. Es gilt nun, zunächst die Personen des angeblichen Brandt und des Reich sestzu stellen. Der Ermordete ist 1,76 Meter-grob und schmächtig und trug einen grauen Rock, eine graue Manchesterhose,.graue Stutzen mit grünem Rand, eine himkelblauc Schirmmütze mit hellgelbem Lederriemen, ein gelbes Hemd und schwarze Schnürschuhe. Alle Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Johannes Müller im Zimmer 79 des Polizeipräsidiums entgegen. Stralauer Zischzug ohne Zksihe. An jedem 24. August, dem Tage des Bartholomäi, den die Fischer als ihren Kalenderheiligen verehren, nahmen seit 1674 die Stralauer Fischer wieder ihren Fischzug auf, der ihnen vom Grün- donnerstag ab durch eine Verordnung des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg verboten war. Die Schonzeit der Fische war dann vorüber und von Jubel und Trubel begleitet, wurde das„große Garn" wieder durch die Fluten der Spree ge- zogen. Bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts hinein hatte sich dieser Brauch, der zu Glaßbrenners Zeiten seine Höhepunkte erlebte, erhalten. Die neu« Zeit weiß von ihm nur als etwas Vergangenes, an das dann und wann einige klägliche Sommerfeste erinnerten. Nun ist im vorigen Jahre ein Verein gegründet worden, dessen Mitglieder es sich in den Kopf gesetzt haben, den Berlinern den Straiauer Fisch, zug als ein Volksfest wiederzuerobern. Von dem großen Fest zug, der sich am vergangenen Sonntag durch Alt- Stralau bewegte, haben wir schon berichtet. Am Mittwoch fand nun der eigentliche F i s ch z u g statt, den der Fischmeister Finkelde mit seinen Gehilfen auf der Spree unternahm. Große Zuschauer- mengen hatten sich am Treptower Ufer und auf der Stralauer Seite eingefunden, um das Schauspiel ,zu beobachten. Auf dem Wasser wimmelte es von Kähnen, Motorbooten und Dampfern, die chwimmenden Tribünen glichen. Die Drängelei über den Wellen war manchmal beängstigend groß.(Unter den Wellen ging es viel ruhiger zu, wie durch das Resultat des Fischzuaes bewiesen wurde.) Kurz nach 11 Uhr erschien die von einem Motorboot geschleppte Zille, auf der sich der auf einem Fisch reitende Neptun mit der Bayernkapelle, die Biedermeierdgmcn, einige Fischer und— rätselhaft genug— ein Haufen Indianer befanden. Vier Fischzüge, die quer durch die Spree gingen, wurden unternommen. Als erste Beute zogen die Fischer einen Marmeladeneimer aus dem Netz. Dann folgte eine ganze Weile gar nichts, worauf«in paar S t i ch l i n g e erschienen, hinter denen einige Plötzen das Licht der Oberwelt erblickten: schließlich holten die Fischer drei Aale aus dem Netz. Das gleiche wiederholte sich ungefähr bei den anderen drei Zügen. Die Fische machen einfach nicht mehr mit, Sie scheinen abgewandert zu sein. Das Wasser der Spree schmeckt zu sehr nach„Industrie", d. h. nach Petroleum, Oel, Benzin und den giftigen Abwässern der Fabriken. Also.... warum Mühe und Schrpeiß an eine Sache gesetzt. der sich die Hauptbeteiligten längst entzogen haben? Oder kommt es auf den„Fischzug" der Stralauer Schaubudenbesitzer an? Die Kommunisten veranstalteten gestern abend gemeinsam mit der Internationalen Arbeiterhilfe eine Protestkundgebung gegen die Ermordung Saccos und Vanzettis. An etwa 26 Sammel- Plätzen trafen die einzelnen Verbände zufammen und marschierten von dort zum Lustgarten. Der Anmarsch der Züge dauerte über ein« Stunde. Die Beteiligung war sehr gut. Nach kurzen Ansprachen und stillen Gedenkfeiern für die beiden Hingerichteten marschierten die Züge wieder in voller Ordnung ab. Die Polizei war sehr zurückhaltend, zu Zusammenstößen ist es nicht gekommen. Das Hotel Adlon, wo der Bürgermeister von New Park abgesttegen ist, und die amerikanische Botschaft waren gestern wie an Vortagen polizeilich geschützt. Kleine Ansammlungen vor den beiden Gebäuden konnten leicht zerstreut werden. Ein Sonder, ua zur Leipziger Herbstmesse. Die Reichsbahn- direktion Berlin läßt am Mittwoch, dem 31. Au g u st, bei genügender Beteiligung einen Sonderzug 4. Klafle zu ermäßigten Fahrpreisen verkehren. Der Zug fährt ab Berlin Anhalter Bahnhof 6,37 Uhr und trifft in Leipzig um 9,19 Uhr ein. Die Rückfahrt erfolgt ab Leipzig 21,26 Uhr: der Zug ist um 6,15 Uhr wieder in Berlin. Der Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt be- trägt 7,46 M. Gleichzeitig mit den Fqhrkarten werden auch er- mäßigte Karten verkauft: zum Besuch der Technischen Messe (1,56 M.). des Völkerschlachtdenkmals(1,56 M.) und Straßenbahn- fahrkarten für Hin- und Rückfahrt(6,26 M.). Der Kartenverkauf beginnt am Freitag, dem 26. August, bei den Fahrkartenausgaben: Anhalter Bahnhof und Bahnhof Lichterfelde-Ost sowie bei den Aus- gabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahn- Hof, Bahnhof Friedrichstraß«, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58._ Schweres Hootsunglück bei Storkow. Zwei Frauen ertrunken. 3n der Nähe von Storkow ereignete sich gestern nachmittag ein schweres Lootsunglück. hinter der Schleuse am werlsee kenterte ein mit vier Personen besetztes Boot. Zwei Z n- sassen, die Frau eines Steuerbeamten Lorenz au» Zeuthen und die Frau eines Fuhrherrn Nikolai aus Berlin fanden den Tod in den Wellen. Die Männer konnten im letzten Augen- blick gerettet werden._ »Grüen und Ehrenzeichen/ Eine wertlose Gabe ans Amerika. Aus New P o r k kommt uns die seltsame Kunde, daß ein Oberstleutnant her USA,, namens George Croyse Cook sich auf die Meerfahrt nach Germany begeben Hat, um das deutsche Bolk mit einer köstlichen Gabe zu bedenken. Er will nämlich nicht weniger als 566 deutsche Orden und Ehrenzeichen, die seinerzeit an der Front gefunden und gesammelt worden waren, den ehemaligen deutschen Kriegsteilnehmern zurückerstatten. Er er- klärte, daß er nicht mehr an ihrem Besitz interessiert sei. Sehr schön, Mister Cook! Aber glauben Sie wirklich, daß die Mehrheit der deutschen Kriegsteilnehmer an den Klunkerorden Wilhelms und seiner bundesfürstlichen Kollegen heute noch i n t e r- e s s i e r t ist? Doch halt, Sie haben ja recht! Werwölfe und Stahlhelmer, in Kompagniefront angetreten zum Ordensempsang beim Herrn Oberstleutnant Cook! Sonntagsausflnq an die dänische Küste. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, wird bei ge- nügender Beteiligung am kommenden Sonntag, dem 2 8. August, ein Sonder zug mit ermäßigten Fahrpreisen nach Warnemünde verkehren. Anschließend ist Gelegenheit zu einer See- fahrt nach Gjedser mit dem neuen großen Trojektschisf gegeben. Auch dazu werden Fahrkarten zu ermäßigten Preisen(6 Mark für die Hin- und Rückfahrt) ausgegeben, die gleichzeitig mit der Fahrkarte gelöst werden können. Die Hinfahrt erfolgt ab Berlin Stettiner Bahnhof 6,15, an Warnemünde 16,21, Rückfahrt ob Warnemünde 26,66, an Berlin, Stettiner Bahnhof, 6,67. Der Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt beträgt 16 M. Der Fahr- kartenverkauf beginnt am Dienstag, 23. August, bei der Fahr- kartenau-gabe Stettiner Bahnhof sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58. Fallender Kessel beschädigt einen D-Zug. Hamburg, 24. August. Bei Einfahrt des von Wilhelmsburg kommenden Güterzuges 8923 in den Hauptbahnhof Hamburg fiel«in schwerer Kessel von einem Rungenwogen herab, der infolge der Gleich- gewichtsstörung mit einem anderen Wagen entgleiste. Im Fallen beschädigte der Kessel Teile de? im Nachbargleises in Richtung Köln ausfahrenden O-Zuges 9 4. Der vorder« Teil des Ö-Zuges konnte die Fahrt fortsetzen, während die letzten Wagen dieses Zuges loufunfähig wurden. Zurückgekehrt. Der Gärtner Ernst Rothb erger aus Buchau, der vor dem Kriege zur aktiven Militärdienstleistung«inrückte, im Kriege an die Front kam und in russische Gefangenschast geriet, galt als vermißt. Jahrelang war von ihm nichts zu hören. Jetzt ist er nun nach fünfwöchiger Fahrt aus Sibirien wohlbehalten zurück- gekehrt. Er war feit vielen Jahren in Sibirien in einem Eisen- werk beschäftigt und hat sich dort die Kosten der Fahrt in die al:e Heimat mühsam erarbeitet. Der Sohn Hermann des Trichinenbeschauers Grunze! in R oft o ck war 1917 in der Ukraine in Gefangenschaft geraten. Nach- wrschungen brachten die Nachricht, daß der Sohn im Lazarett in der Gekangenschaft gestorben sei. Vor etwa einem Bicrteljahr er- hielten die Eltern jedoch von dem totgeglaubten Sohn einen Brief, aus dem hervorging, daß er noch am Leben sei, sich aber nicht weiter ausführlich äußern könne. Inzwischen ist nun durch Vermittlung des Auswärtigen?lmtes dem Totgeglaubten die Heimkehrer- m ö g l i ch t worden. Hermann Grunzet ist vor einigen Tagen '» Berlin eingetroffen. Aus dem Halensee geborgen. Gestern nachmittag konnte die Leiche des am Montag dieser Woche bei einer Schwimmstund« im Sportbod Halensee ertrunkenen 14jährigen Schülers Robert Heyden geborgen werden. Bekanntlich war Heyden unbemerkt ertrunken, und fein Verschwinden wurde erst bemerkt, als man zum Aufbruch rüstete. 1 Die öeutfthe Elettrowirtsthast. Ihr Ausbau und ihre Gliederung. Die lHsktn�ittnswirtschnst ist für die Geiamtwirtsckzajt von her- vorragender Bedeutung. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß der Deutsche Metallarbeiterverband ein ausgezeichnetes Auch über die deutsche Elektrizitätsversorgung herausgebracht hat. Das Buch, das bei der Verlagsgeselischast des Deutschen Metallarbeiteroerbandes in Stuttgart erschienen ist, gibt eine ausführliche und erschöpfende Darstellung der deutschen Elektrizitätswirtschaft, wie sie bisher in dieser Fonn der Oesfentlichkeit noch nicht geboten wurde. Das Buch umsaßt mit 70 Abbildungen und 23 graphischen Darstellungen 280 Seiten. Es ist durch die Verwaltungsstellen des Deutschen Mclallnrbeiterverbandes oder die freien Oewerlschasten zum Preise von 3 M. oder durch den Buchhandel zum Preise von 8 M. zu bc- ziehen. Die nachstehenden Ausführungen gründen sich auf dieses ausgezeichnete Werk. Aus den sehr übersichtlichen Statistiken geht hervor, daß in Deutschland die Leistungen der großen Kraftwerke ständig zunehmen, während gleichzeitig eine Abnahme in der Gesamtzahl der Werke zu verzeichnen ist. Die Zahl der mit Strom versorgten Ortschaften wächst in ständiger Folge. Von den 64 000 deutschen Gemeinden ist der überwiegende Teil bereits an das Stromnetz angeschlossen, darüber hinaus aber geht man dazu über, den elektrischen Strom auch nach dem Ausland zu liefern. V-rnunftgründe drängen zweifellos nach einer st r a f f e n Zu- s a m m« n f a s s u n g der gesamten deutschen Elektrizitätswirtschaft. Die Gestaltung der Tarife ist eine Angelegenheit, die die gesamte Leffentlichkeit interessiert und die ouf die Dauer unter keinen Um- ständen dem mehr oder minder großen Einfluß der zur cherrschqt , gelangenden Elektrizitätswerke überlassen bleiben kann. Die deutschen Elektrizitätsunternehmungen. Nach der Reichsstatistik gab es im Jahre 1925 1370 Erzeuger- werke und 1234 Verteilerwerke für die öffentlich« Stromversorgung in Deutschland. Die meisten dieser Werke sind der Vereinigung deutscher Elektrizitätswerke(VdE.) angeschlossen. Nach der Statistik dieser Vereinigung gehören ihr 2442 Kraftwerke und 683 Verteiler- weike an. Die installierte Maschinenleistung beträgt 3 843 232 Kilo- watt. Von fast 2300 Werken sind aber nur 63 als Großkraftwerke zu bezeichnen, wenn man zu diesen alle Werke mit einer Maschinen- leistung von über 20 000 Kilowatt rechnet. Die in diesen Groß- werken installierte Maschinenleistung übertrifft bei weitem die der übrigen 2379 Werke. Sie beträgt 2 910 605 Kilowatt. Es handelt sich bei diesen kleinen Werken vielfach um solche, die nur einen oder nur wenige Orte mit Strom versorgen. An der Spitze der großen Werke steht das Rheinisch-We st sälische Elek- trizitätswerk A.- G. mit 473 100 Kilowatt hinsichtlich der Maschinenleistung, hinsichtlich der abzugebenden Kraft stehen die staatlichen Elektrowerke mit VA Milliarden Kilowattstunden an der Spitze. Die Berliner Elektrizitätswerke nehmen mit 221 500 Kilowatt Maschinenleistung und 661,7 Millionen Kilowattstunden die dritte Stelle ein. Konzerne in üer öeutfihen Elektrizitätswirtschast. Auf dem Gebiete der Elektrizitätsversorgung ist bei weitem noch nicht das wünschenswerte Maß an Konzentration und Rationalisie- rimg erreicht. Das Ziel der Konzernbildung, der Zusammenfassung sollte«ine rationelle Produktionsgestaltung sein. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Es gibt in der deutschen Elektrizitätswirtschaft nicht weniger als 28 Konzerne, die prioatwirtschaftliche, gemijchtroirtschaftliche und kommtmalc und staatliche Unternehmungen umfassen. Die kommunalen Elektrizitäts- werke haben sich zu einem besonderen Verband(der Interessen- xcmeinschaft kommunaler Elektrizitätswerke, Ike) zusammengeschlossen. Die Gemeinschaft vertritt die Interessen der gesamten kommunalen Elektrizitätswirlschast. Alle deutschen Großstädte sind ihr angeschlossen. Ihr Versorgunasgebiet umfaßt 96 300 Quadrat- lilometcr mit 21 Millionen Einwohnern. Ihr cherrschbereich um- faßt also ein Fünftel des deutschen Landes und ein Drittel der Gesamteinwohnerschaft. Außerdem gehören auch die kommunalen Werke genau wie die privatwirtschaftlichen, gentischtwirtsäzaftlichen oder staatlichen Unter- nchmungen fast restlos der Vereinigung der Elektrizi- t ä t s w e r k e e. V. an. Dieser Verband umfaßt 392 rechtlich selb- ständige, in privatwirtschastlicher Form geleitete Unternehmungen der Elektrizitätswirtschast, von denen etwa die Hälfte im Besitz der öffentlichen Hand ist. Auch bei den Elektrizitätswerken, die dem preußischen und bayerischen Staat gehören, machen sich Konzernbestrebungen bemerkbar. So wurde das preu- ßische Staatsministerium ermächtigt, einen Zusammenschluß des Großkraftwerks Hannover A.-G., der preußischen Kraftwerke O b e r w e s« r A.- E. und des Großkraftwerks Main- Weser in Kassel in der Weise durchzuführen, daß sämtliche Aktien der als Aktiengesellschaften zu betreibenden Unternehmungen Eigen- tum des Staates sein müssen und daß dieser Gesellschaft die gesamten Beteiligungen des preußischen Staates an die elektrowirtschastlichen Unternehmungen gegen Aktien der neuen Gesellschaft zu über- tragen sind. Das Statistische Reichsamt kommt in seiner Denkschrift über „Konzerne, Jnteressengemcinschasten und ähnliche Zusammenschlüsse im Deutschen Reich Ende 1926" zu dem Ergebnis, daß von den am Schluß des Jahres 1926 in Deutschland vorhandenen 2 0 6 Aktien- g c s e l l s ch a f t« n der Elektrizitätsgewinrning und der Elcltri- zitätsversorgung mit einem Nominalkapital von 1,349 Milliarden Mark 133 Aktiengesellschaften mit einem Nominalkapital von insgesamt 1,117 Milliarden Mark in Konzernen zu- sammengefaßt sind. Dieses Kapital beträgt 82,8 Proz. des Gesamtkapitals der in der Elektrizitätswirtschaft vorhandenen Aktien- gesellschaften. In der Elektrizitätswirtschast wird das Problem Staat und Wirtschaft eine ganz besondere Bedeutung erlangen, und sicher- lich wird der Einfluß der öffentlichen Hand hier ständig Boden ae- Winnen. Mit Fug und Recht darf man annehmen, daß sich bei dieser Auseinandersetzung zwischen Staat und Wirtschaft sozialistische Jdeengäng« mit Erfolg durchsetzen werden. Die Elektrizitätstarife. Ein Ueberblick übe- die Strompreise für 240 Orte und 20 Ueber- landwerke läßt«ine Anarchie erkennen, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Die Strompreise für Krait schwanken zwischen 10 und 33 Pf., die für Licht zwischen 10 und 30 Pf. pro Kilowatt- stunde. Die billig st en Strompreise hat Giengen an der Brenz mit 10 Pf. für Licht und Kraft, es folgt Buchenau für den Kreis Frankenberg mit 11 Pf. für Kraft und 22 Pf. für Licht, an der dritten Stelle steht Berlin mit 16 Pf. für Licht und Kraft pro Kilowattstunde. Natürlich gibt es auch hier noch Sonderbestimmun- gen, die ein nicht unerhebliches Zlbweichen von diesen Sätzen zulassen. Diese Anarchie auf dem Gebiete der Tarifgestaltung zeigt, wie notwendig die Vereinheitlichung der Krafterzeugung und-Verteilung ist. Das Ideal wäre zweifellos eine einheit- lich« Reichskrosterzeugung, Versorgung und Verteilung. Nur die Durchführung dieses Plans gäbe eine Gewähr für preiswerte und leistungsfähige Stromlieferung. Die staatlichen Elektrowerke können als der größte Stromlieferant Deutschlands bereits wieder als Keimzelle dieser Entwicklung betrachtet werden. Ein Privat- Monopol auf diesem Gebiete wäre vom Standpunkt der Oeffcntlich- keit aus unerträglich. Selbstverständlich muh sich auch der Staat davor hüten, ein Elektrizitätsmonopol zu fiskalischen Zwecken aus- zunutzen. Kleinverbraucher, Industrie, Handel, Gewerbe und Land- Wirtschaft, sie alle haben Interesse daran, Strom zu den niedrig- sten Preisen zu beziehe». Deshalb muß das Streben daraus gerichtet sein, elektrischen Strom als Handelsartikel auszuschalten. Heute herrscht die privatwirtschastliche Konkurrenz, bei der die ein- zelnen Werke nur die niedrigsten Preise gewähren, zu denen sie g e- z wungen werden. Die Uebersührung der gesamten Elek- trizitätsindustrie in die öffentliche Hand wird so zu einer der wich- tigsten Ausgaben. W. M ö b u s. die Gefunüung üer Waggonbauinöuftrie. Gewinnabschlüsse und guter Beschäftigungsstand. In der Geschichte der schweren Deflationskrise bildet die Krise in der Waggonbauindustrie ein besonderes Kapitel. Eine Anzahl Momente wirkten hier zusammen, um die allgemeinen Schwierigkeiten der Wirtschaft in diesem Industriezweig auf die Spitze zu treiben. Durch Neugründungen und planlose Ausbauten während der Inflation bestanden im Jahre 1925 etwa 60 Waggonfabriken in Deutschland, die Aufträge an Werten von etwa 400 Millionen Mark jährlich bewältigen konnten. Der Auftragsbestand wurde jedoch Ende 1923 auf nur 15 Millionen beziffert. Die Sünden der Industrie in der Inflationszeit rächten sich um so schwerer, als mit der Einführung der Festmark ruckartig die Reichsbahn auftrüge aufhörten und dazu noch die un- geheuren Auslandsaufträge in Fortfall kamen. Außerdem erfolgt« auch«ine erhebliche Einschränkung der Reparations- auftrage. Um die Situation bis zum äußersten zu verschärfen. setzten bei dem fallenden Franken die belgischen und französischen Waggonfabriken bei den großen internationalen Zlusschreibungen die deutsch« Konkurrenz schachmatt oder zwangen sie, z» erheblichen Verlustpreisen abzuschließen. So stand die deutsche Waggonindustrie einige Jahr« zwischen der Szylla der Veschäftigungslosigkeit und der Charybdis der Verlustaufträge. Diesem chaotischen Zustand fiel im Sommer 1923 auch die bekannte Hannoversche Waggonfabrik zum Opfer, deren erster Jahresabschluß nach Beendigung des Sanierung-- Prozesses jetzt vorliegt. Durch Einspringen der Stadt Hau n o ve r, die für 800 000 M. Grundstück« übernahm, durch Schulden- stundung der Banken und Zusammenlegung des Aktienkapitals von 3,0 auf 0,3 Millionen, sowie Wiedererhöhung auf 2.0 Mill. Mark, wurde das Unternehmen finanziell auf feste Füße gestellt, während durch Aufstellung eines neuen Produk- tionsprogrammes und straffe Zusammenfassung der Betriebe ein« grundlegende Rationalisierung durchgeführt wurde. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist nicht ausgeblieben. Nach Tilgung des Vorjahrsverl uft es von 103 000 M. konnte ein Rein- gewinn van 75 000 Ai erzielt werden. Di« General Unkosten konnten durch die Umstellung mit 1.4 Mill. Mark fast auf ein Drittel heruntergedrückt werden, die Abschreibungen von 125 000 M. sind mäßig, da im Vorjahre zur Sanierung 1,16 Mill. Mark von den Zlnlagcwerten abgebucht wurden. Durch die genannten Sanierungsverläufe hat sich der Wert der Grund- stücke und Gebäude um eine Million auf 2,8 Mill Mark ermäßigt. In den laufenden Konten tritt die finanzielle Bereinigung deutlich in Erscheinung. Die Warenschulden sind von 4,26 auf 0,56 Millionen abgezahlt, zu denen noch rund 0,3 Mill. Mark kurz- fristige Bankschulden kommen. Die restlichen Bankschulden von 1,9 Millionen aus der Krisenzeit find langfristig gestundet worden. Demgegenüber stehen rund 0,9 Mill. Mark Forderungen. Die zinsenfressenden Vorräte konnten von 4,43 auf 2,33 Mill. Mark gesenkt werden. Eine gewisse Belastung aus der vergangenen Epoche ist noch unverkennbar, jedoch glaubt die Verwaltung bei dem guten Auftragsbestand mit einer stetigen Aufwärtsbewegung rechnen zu können. Den Belegschaften, die durch Neuein- stellungen um einige hundert Mann erhöht werden tonnten, ist bis in das Jahr 1928 hinein Beschäftigung gesichert. Auch bei der Waggonfabrik Joses Rathgeber A.-G., München, drückt sich die Besserung der Verhältnisse in dem gleichfalls vorliegenden Geschäftsabschluß aus. Das Borjahr brachte einen Verlust von über 130 000 M., dem im Berichtsjahr ein Reingewinn von fast 60 000 M. gegenübersteht. Die Bilanz erscheint zwar bei einer Gesamtfovderungshöhc von 160 000 M. gegen 466 000 M. Schulden noch reichlich gespannt. Sie hat sich aber gegenüber dem Vorjahr, das 0,54 Mill. Mark Schulden gegen nur 0,13 Mill. Mark Forderungen auswies, erheblich ver- bessert. Der Auftragsbestand hat auch bei diesem Unternehmen zu- genommen, insbesondere werden sich erst im lausenden Jahr die von der Reichsbahn vergebenen Bestellungen auswirken. Alles in allem scheint es nach diesen Beispielen, daß die Waggonbauindustrie auf dem Weg« zur Wiederherstellung der Rentabilität ist, womit sich auch dieser Gewerbezweig dem Bild der allgemeinen Aufwärtsbewegung in der Industrie«in- gliedert. Erst die Zukunft kann zeigen, ob diese Gesundung lediglich der guten Konjunktur in der letzten Zeit zu verdanken ist, oder ob die Grundlagen für ein« dauernde Rentabilität geschaffen werden konnten. Oer Güterverkehr auf öer Neichsbahn. In der Woche vom 7. August bis 13. August(sechs Arbeitstage) sind bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft 896 000 Güterwagen gestellt worden gegen 785 100 in der entsprechenden Woche 1926 und 897 300 in der Vorwoche 1927. Die Wagenge st ellung in 1000 Stück: Woche wöchentlich durchschnittlich vro Ardriietag Der Güterverkehr der Reichsbahn ist ein wichtiger Grad- niesser für den jeweiligen Stand der Wirtschaftslage. Die Ergebnisse der letzten Berichtswoche sind nur ganz unwesentlich hinter denen der Vorwoche zurückgeblieben. Auch gegenüber den Höchstverkehrs- Ziffern im Juli ist die Differenz verhältnismäßig gering. Umstellung bei Ford. Die Berliner Ford-Werke wollen die Montagewerkstätten am 1. September zwecks Umstellung auf das neue Modell, das in den amerikanischen Werkstätten bereits in allen Einzelteilen fertiggestellt sein soll, schließen. Der Um- stellungsprozeß wird etwa ein bis zwei Monate in Anspruch nehnten. Wie in den meisten Fällen trägt die Arbeiterschaft durch die Beschäftigungslosigkeit die Kosten der Umstellung zu einem wesentlichen Teil. «veitzTol.? RAVENKLAtJ LÖVVENBRÜCK CÜIDENRING Cl fiemand wurde daran denken, einer Wein deshalb zu empfehlen, weil er aus der letzten Ernte stammt. Denn jeder weiss.dass der Wein mehijahriger Lagerung bedarf, um seine Qualitätseigen- schaften zu entwickeln. Ebensowenig ist es ein\brzug, wenn eine Zigarette ausschliesslich Tabake der letzten Ernte enthalt. Der Orienttabak macht denselben Ga- rungsprozess durch wie der Wein;eine Tabaksorts durchläuft ihn schneller, die andere langsamer. Auch hier gilt das Ge- setz. 3e besser das Produkt. umso langsamer steigt die Kurve der Qualitatf die Tabaksorten brauchen5 Jahre, bis sie den Höhepunkt dieser Kurve erreicht haben. Wir stellen deshalb unsere Zigaretten grundsätzlich aus mehreren Tabakjahrgängen her. Nur dadurch ist es uns möglich jede einzelne Tabaksorte im Stadium ihrer höchsten Reife zu verarbeiten und die Eigenschaften der guten Provenienzen, die wir zu kaufen pflegen, voll zur Entfaltung zu bringen. Diesem Grundsatz verdanken unsere Zigarettenden ausgereift edlen Geschmack und ihre Be- kömmlichkeit. " •infeubmigm fftt dies« Shidtil sind «eeli» CS«». Lindensteaße ä. parteinachrkchten für Groß-Serlfn stet« ob da» Bcjirtifelretotiat. Z. Hos. I Step, recht». ,» richte» I»rei« Rmibet«. Freitag. 26. August. 1914 Uhr, erweiterte«r-i-v-rst-nd». sihung bei striiger, Grimmstr. 1........... 7.«Mi» 6h°rl-tt-uborg. Freitag. 26. August. 20 Uhr, tn der weltlichen Schul« P-ftolozzistr.«0 Elternbeiriiteversainmlung aller auf der List-.schul. aufbau' gewählten Elternbeiräte und deren Ersahperlonen. Erscheinen un- bedingt erforderlich..... 13.«Mi» Zempelhof. A-beiterw-hlfahrti Achtung! Die gestern gebracht« Notiz betreffend«reiesttzung bei Niendorf, Mariendorf, Ehausteestr. 19. ist keine strei»vorstand»sttzung. sondern Arbeiterwohlfahrtsnersammlung. 1«. strei» Neukölln. Freitag. 26. August. 19 Uhr. engere»rcisnorstandssihung im Parteiburcau..__,... 20.«Mi» Sieiulikendors.«ebeiterwohlf-hr«: Freitag. 26. August. l9'4 ,Uhr, in den Varocken Linbauer Straße Funktionärsthung der Arbeißerwohlfahrl. Die Wohlfahrtspsleger werden gebeten, sich daran zu beteiligen. heuie, Donnerstag. 25. August: 21. Abt. 19 Uhr Vorstandssitzung bei«roll, Utrechter Etr. 21. 79. Abt. Schöneberg. Zu der heute, 20 Uhr, bei Will. Mortin-Luther. Straß«, stattfindenden erweiterten«reisvorstandssitzung mit Vortrag ersuchen wir erscheinen. »ezirl: 19>4 Uhr bei Meehs. Berliner Straße Ecke unsere Funktionäre, zu 126. /1 30.«dt. Panlaw. 2-. Lindenpromcnade, erweiterte Funktionärkonserenz. Zungsozialisten, heule. Donnerstag. 25. August: Cruppe Neukölln: 20 Uhr in der stinderlesehalle, Nogatstr. ll>. Bortrag über Irland. Referent Studienrat Dr. Sturm.— Srupge Pankow: 20 Uhr im Jugendheim Sörschstr. 1t außerordentliche Mitgliederversammlung. Frauenveranstaltungen. Bernau. Donnerztag. 2Z. August. 20 Uhr, Frauenabend Im Restaurant.Belle» Vortrag des Genoffen Willige llber:»Die Abschasfung der Todes» strafe. 3.«rei» Wedding. Freitag, 26. Au ;, Funktionärinnenkonferenz bei Radza», "' Alle Abteilungen müssen Brüsseler Str. 43, Ecke Amsterdamer Straße. vertreten sein. Wichtige Besprechung. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Birke: Freitag, 26. August, 16'4 Uhr, bei schönem Wetter Herfurth- platz, bei schlechtem Wetter im Heim. Meldezettel für Echulverwaltung mit- dringen._ Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Heute. Donnerstag. 25. August. 19% Ahr: Norden: Schule Putbusser Str. 3. Glaßbrenner-Abend.— Schönhauser Bor. stodt: Schule Driesener Str. 22. Humoristischer Abend,— Hohenschönhausen: Beim Genosse» Lolatzky, Paul-stönig-Str. 72, Funktionärversammlung.— Süd» west: Heim Lindenstr. 3.„Jugend und Alkohol." Auch Richtmitgliedcr sind willkommen.— Friedenau: Heim Offenbachcr Etr. Sa.„Die deutsche Jugendbewegung."— Schöneberg III: Heim Hauptstr. 16.„Sternenkunde."— Zchlen- dors: Südschulc. Wilhelmstraße.„Sozialismus und Religion."— Wittenau- Heim Roscnthaler Str. 16.„Zweck und Ziele der EAI." Werbedezirk Reuköllu: Heim Dcrgstr. 29. Bildungsausschußsißung. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold". Geschatt, stell«: Berlin S 14. Sebastianstr. 37/36. Hof L Tr. G Tempelhof sstamerodschaft): Do., d. 26., Funktionärsitzung bei Primus, Werder- Ecke Friedrich-starl-Straße.— Frritag, 20. August: Tiergarten: 20 Uhr Erzberger-Gedächtnisfeier. Antreten: Moabit 19 Uhr Kleiner Tiergarten: Westen Illsh Uhr Magdeburger Platz. Ehalotteuburg: 19>». Uhr Antreten auf dem Wittcnbergplatz zur Erzberger-Gedächtnisfeier. Um- florte Fahnen. Pflichtveranstaltung. Reinickendorf: 20 Uhr Reinickendorf. Schützenhaus. Rcsidenzstr, 1. Vollversammlung. Erscheinen aller aktiven uns passiven Kameraden unbedingt notwendig. Vorstandsmitglieder 19 Uhr.— Sonnabend, 27. August- Treptow-Ortsverein): Zur Bannerwcihe nach Reukölln Antreten l7>.z W4 Uhr bei| Kameraden Bhf. Ebersstratze zur Veranstaltung nach Neukölln. Köpenick: Bohnsdorf, Friedrichshogen, Grünau Bannerweihe in Neukölln. Die Fahneudelcgation trifft sich 16>4 Uhr Köpenick, Lindenstraße. Fahrt mit der 96 bis Neukölln, Rcutcrplatz. Kameraden, die Zeit hoben, haben sich unbedingt zu beteiligen. Teltow: Waldschlößchen Sechof Versammlung. Anschließend gemütliches Bei- sammeusein.— Reuköllu-Britz: 1. Kameradschaft: Fr., d. 26., 20 Uhr, Frauen. komitec für die Bannerweihe. Echlußversammlung bei Wille, Reutcrstr. 47. 20 Uhr. Iugendgenosscn sind zur Mitarbeit stet» willkommen. Der Bolischor Osten, Mitglied de» DAS., unter Leitung de» Chormeister» E. Runge, singt von jetzt ab in der Echulaula Frankfurter Allee 37 jeden Dienstag von 20—22 Uhr. Verein für Sinheit»turzschrist zu Eharlotteuburg. Freitag W-i— 2114 Uhr Anfänger-, Fortgeschrittenen,, Redcschrist-Lehrgänge Sirmens-Oberrealschule. öchloßstr. 27, l. Auskunft über sämtliche Berliner Bildungsstätten für Einheit». kurzfchrift erteilt: Otto Adam, 1. Vorsitzender, Eharlottenburg, Sophie-Charlotte. Straße 76. Telephon Westend 16,60. Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Genosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Freitag, 26. August, 1914 Uhr, in der Aula der Kaiser-Fricdrich. Schule, Charlottenburg, stnesebeckstraße, am Savignilplatz, über das Thema:„Sozialismus und Krieg."_ Freie Schulgcmeinde Berlin-Bohnsdorf. Freitag. 26. August, Mitglieder. Versammlung bei Keimann. Vortrag:„Jugend und die sexuelle Frage. Sonn- tag, 26. August,«indcrtreffcn in Treptow. Sport. 3- Stunden-Rennen aus der Rükt-Arena. Die drei überaus starken ausländischen Teams P i e t van Kempen-Dewolf, Letourneur-Rouyer und Del- becque-Stockelynck, die am 3-Stunden-Rennen am kommen- den Sonntaq auf der R ü t t- Ar e n a teilnehmen, werden auf ein« starke deutsche Gegnerschaft stoßen. Neben den Berlinern Dorn- Nickel, die ins Lager der Berussfahrer übergegangen sind und ihr Debüt auf der Arena geben, sind von Rütt bereits Knappe-Miethe, ferner Ehmer-Krofchel, die feit längerer Zeit zum ersten Male wieder zusammen starten und die starte Kombination Koch-Krellmann ver- pflichtet worden. Berhandlungen mit einer Reihe weiterer guter Paare stehen dicht vor dem Abschluß. Was Studienrat Dr. Hermann K ü g l e r über den Stralauer Fischzug, seine Geschichte und Bedeutung erzählt, interessiert. Aber Kllgler sollte seine Geste aufgeben. Bemerkungen wie die, daß Ver- gnllgungen der unteren Bevölkerungsschichten immer ausarten und zügellos werden, unterbleiben lieber. Auch die leise Wehmutsträne, die der Monarchie heimlich nachgeweint wird, ist überflüssig. Die Leitung des Berliner Senders dürste unter keinen Umständen der- artig taktlose Entgleisungen zulassen, die viele Hörer verletzen. Felix S t i e m e r behandelt in der Reihe„Arbeit, Beruf und Wirtschast" das Verhältnis von Kopf- und Handarbeitern. Diese Teilung ist erst im Ib. Jahrhundert, also im Maschinenzeitalter, entstanden. Denn wo findet man sie bei den sogenannten Naturvölkern oder selbst in Europa bis zum Beginn der Neuzeit? War bei der Herstellung eines Gebrauchsgegenstandes im Mittelalter nicht Kopf und Hand gleich- mäßig beteiligt? Die Maschine hat eine früher unteilbare Einheit aufgelöst. Dock) über die berufliche Scheidung hinaus kommt es wieder zu einer Annäherung durch die geistigen Bestrebungen der Arbeitenden und durch das sportliche Training des Jntellektuells. Die in dieser Woche fällige Operette heißt„Die schöne Rivalin" von S. Linne, der wenigstens über ein reichhaltiges Repertoire von Melodien verfügt und gut gebaute Enscmblesätze komponiert. Sonst das alte Schema: der übliche hergebrachte Dialog, ein paar Stepp- schlager und die rührende Gartenlaubenszene als Blues kostümiert. Inge Gleichen, die Sängerin der Hauptrolle, verfügt über einen gut gebildeten klingenden Sopran. Auch Matzner singt sprühend. Ueber- Haupt ist die Ausführung unter Roths Leitung durchaus befriedigend. Warum aber immer wieder Operelten? Warum seit Wochen keine Oper? F. S. Renne« zv Grunewald am ZNikkwoch. dem 24. August. 1. Rennen. 1. Abteilung: 1. Partisane(O. Schmidt), 2. TaSna lWilliamZt, 3. Liliensee(Vmzenzl. Tvtv: 28:10. Platz: 11,11,13:10. Ferner liefen: Woglinde, Blaugelb, Halde, Cäsarea, Sonnengöttin, Lrdinaria.— 2. Abteilung. 1. Rückkunft(HaqneS). 2. Honoria(Varga). 3. Alsteiblüm-ben IZ-hmisch). Toto: 18: 10. Platz: 12, 13, 39: 10. Ferner liefen: Richtlinie, Falkenseder, Sturmbraut, Santslina. Beluga. Latona. 2. R e n n e n. 1. Mignon(Zebmilch), 2. 8ans Ätout(Kurzawa). 3. Avec Dieux(Huguenin). Toto: 57:10. Platz: 20, 34, 23:10. Ferner liefen: Rapier, Tannkönig. Arndt. Elea, Pedro, Claudius, Finsteraarhorn, Morgenstern, Kadewilt, Primo, Wesel. 3. R e n n e n. 1. Pelopea(O.Schmidt), 2. Farn(Williams), 3. Jngraban (Varga). Toto: 27: 10. Platz: 17, 23: 10. Ferner liefen: Aditja, Kaiserlag. 4. Zi e n n e n. Tomfalke(Varga), 2. Silbersasan(M. Schmidt), 3. Pala- medes(O. Schmidt). Toto: 21: 10. Platz: 12. 16. 13: 10. Ferner Uesen- Favorit. Maifahrt, Leibkürassicr, Jmpresfiontst. Caprivi. S.Rennen. 1. Lampos(O. Schmidt), 2. Indigo(Wermann), 3. Marcellus(Janek). Toto: 15: 10. Platz: 11, 17: 10. Ferner Uesen: Dorn II. Pcince of Thüle. 6. Rennen. 1. Postenkette(Hahnes), 2. Gute Sitte(Huguenin). 3. Tschi-rva lKorb). Toto: 15:10. Platz: 13, 18: 10. Ferner Uesen: Augenweide, Oldwiga. 7. Rennen. I.Schneewittchen(Zehmisch), 2. Heidjer(Wenzel).?. Lind- wurm(Hannes). Toto: 64:10. Platz: 26, 22, 44:10. Ferner Uesen: Lederstrumps, Rosanera,'Fundin, Manitou. wellerberlcht der öffealllche» kvellerdieustssege für Berlin und Umgegend (Rachdr. verb.) Meist bewölkt, mit Neigung zu Regensällen. Temperaluren wenig verändert.— Jflr veutschland: Im größten Teile von Deutschland lang anhaltende Niederschläge, in Mitteldeutschland und Ostpreußen nur Strichregen. Ein Sothreiner-Sonderzug zum Landerkampf. Zum Leichtathelik- Länderkampf Deutschland— Frankreich hatte die Firma Kathreiners Malzkaffee einen Sonderzug ausgerüstet, der die Teilnehmer nach Paris brachte. Kurz vor der Abfahrt erschien Oberbürgermeister Böß und gab den deutschen Sportlern beste Glückwünsche mit auf den Weg. An den Kämpfen im Stadion oern C o i o m b e s nahmen etwa 20 000 Zuschauer teil, die die Deutschen freudig begrüßten. Der deutsche Sprinter Körnig gewann den 100-Meter-Lauf in IOP Sekunden vor houben und den beiden teilnehmenden Franzosen. Die 200- Meter-Strecke lief Körnig in der guten Zeit von 21,8 Sekunden. Der Deutsche Schüller folgte dichtauf. Die deutsche 4X100-Meter- Staffel siegte wie sie wollte Der Ostpreuße S ch l o k a t schleuderte den Speer noch über die 60-Met«r-Marke, h o f f m e i st e r warf den Diskus 44,87 Meter weit und war damit der Beste und K ö p k e siegte mit einem 1,90-MeIer-Sprung. Der Berliner K o h n konnte das SOOO-Meter-Lausen für sich entscheiden. Die Franzosen waren über 1500 Meter und I10-Meter-Hürd«n siegreich. Ebenso siel der Sieg im Stabhochsprung an die Franzosen. Mit 83:62 Punkten konnten die Deutschen den Sieg für sich sicherstellen. Botschafter v. hoesch wohnte den Kämpfen in dem mit den Reichsfarben geschmückten Stadion interessiert bei. Der auf dem Pariser Ostbahnhof bereitgestellte Kathreiner- Sonderzug brachte die deutschen Leichtathleten in die Heimat zurück. Alchiager» frühere» Kofbeäv-Nestauraut, Leipziger Str. 66, gegenüber Tietz, wird in den nächsten Tagen srincr Bestimmung wieder übergeben werden. To. mit öffnet eine der ältesten Berliner Gaststätten wieber ihre Pforten. Da» Haus machte dem jetzt sich fertig präfenticrenben Neubau Platz, dem die Architekten eine besondere Note zu geben verstanden haben. Im Rcich»ballcn. Theater findet om Sonntag, 26. August, die erste Nach» Mittagsvorstellung der Stettiner Sänger zu halben Preisen statt. Anfang 16 Uhr. Der Vorverkauf hat schon begonnen. AI» Schlußstück bleibt weiter „Eine Hochzeit tn be Müllerstrohe" auf dem Spielplan. Bad Landeck>. Schles. Die Freguenz des Bades(bi« 13. August 1927 6991 Kurgäste und 6460 Passanten) kann im Gegensatz zu der vergangener Jahre als gut bezeichnet werben. Der Besuch hat bisher den Erwartungen voll entsprochen. Aon kann, wenn die Witterungsoerhältnisse nicht ungünstig werden, mit einer guten Nachsaison rechnen, wofür Londcck mit seiner Pracht» vollen waldreichen Umgebung und seinen heilkräftigen Bädern sich ganz de- sonder» eignet. W. WOOLWOÜTH CO. G< B. H, rr 25 50 Berlin N 65, MOIIersfraBe 153a-154 g'�.'txau.'exdu.'iaoii.'OO-�.-eacdurtXhii.-evv-A'cys-x-awA-aftii.-chi�o-A-aeaft-A-hift-A-aipii.'fto.A'Cnd-A-ow.A.ewa-�'CMSyao-x-eiou-o Marenbaus Eröffnung Freitag, 26. August 1927, nachm. 2 Uhr Wir beehren uns, die Einwohner von Berlin zu einer Besichtigung von 2— ö% Uhr einzuladen S77? u s ik Während der Besichtigung am Freitag Nachmittag kein Verkauf. Der Verkauf beginnt am Sonnabend, den 27. August 1927, 830 morgens Nichts Ober 50 Pf. 6'.rag?r�>gye>®gX86>�<5'.t�gXe>gXSS?rS6XSg�S6?re><äXS Berlin N 65, NOIIerstraße 153a-154 F. W. WOOLWORYH CO. G. N. B. H Vonnerstag 25. August 1927 Unterhaltung unö ÄVissen Settoge Ses vorwärts Mustela. Von Charles G. D. Roberts. Tief ins Herz des nördlichen Urwalds, wo die dunkelgrünen dichten Reihen der Föhren, Pechtannen und Schierlinge sich düster zusammendrängen und Baumbrüche kreuz und quer von zahllosen tturmgepeitschten Wintern erzählen, hatte die Sommersonne ihre glühenden Pfeil« gesandt und die modernde Finsternis in ihren tiefsten Tiefen getroffen. Schwärme bunter Fliegen tanzten sum- mend in dem Irrgarten der Schatten, und die warm« Luft war er- füllt von dem dünnen, zarten Gezwitscher der Zikaden und des Blauspechtes, in das hin und wieder das durchdringende Schelten des kanadischen Hähers schrillt«. Bon den schlaftrunkenen Baum- spitzen lösten sich balsamische Wohlxerüche, die wie Weihrauch die Schwüle durchzitterten. Die uralte Wildnis träumte— sie dehnte sich wollüstig der Sonne entgegen und schien in unaussprechlichem Wohlbehagen zu seufzen. Hoch oben im grauen Stamme eines halbabgestorbenen Wald- riefen war ein rundes Loch— der Eingang zu dem ehemaligen Neste eines Spechtpärchens, jener Art, der die goldgelben Schwm- gen den Namen„Goldammer" eingetragen haben. Sie waren seit langem von dem jetzigen Inhaber des Nestes vertrieben worden. mit der räuberischen Gewalt, die ihn auszeichnete— Mustela, den blutgierigen. Eingerahmt von dem Dunkel des runden Astloches, spähte ein kleiner dreieckiger Kopf mit langen spitzen Ohren und kühnen, zügel- los wilden Lichtern gespannt in die Welt hinaus. Nichts konnte seinem Blicke entgehen, weder auf dem schattigen Woldboden tief unter ihm, noch zwischen der Wirrnis der Baumbrüche oder gar in den sonnigen Wipfeln zu seinen Häuptem Doch im Augenblick hatte Mustela gut gefrühstückt: er war träge und in dieser heißen Mittags- stunde nicht zur Jagd aufgelegt. Mochte das rote Eichhörnchen, das drüben in der Nachbarföhre arglos schwatzte, ruhig seine Tannenzapfen sammeln und der feiste Hase da unten zwischen den Schatten des Waldbodens unbesorgt seine langen Löffel drehen und wenden, Mustela war im Augenblick nicht aus seiner Mittagsruhe zu bringen. Er schleckte nur die schmalen schwarzen Lippen bei dem Gedanken an die möglichen Taten des Nachmittags. Da plötzlich tauchte eine Gestalt auf, die auf ihn doch Eindruck macht?. Seine dünnen Lippen runzelten sich tonlos über den langen schneeweihen, tödlich scharfen Fangzähnen, und ein roter Schein von Haß glomm in seinen hellen Augen. Doch nicht kleiner als fein Haß war seine Neugierde— die gefährlichste Schwäche seines ganzen Stammes. Der spitz« Kopf schoß voll lebhasten In- teresses aus seinem Loche heraus, um den Mann bester sehen zu können, der unter seinem Baum« soeben vorüberging. Ein Mensch war ein seltener Anblick in dieser unzugänglichen Berlassenheit der nördlichen Wildnis. Es war ein Forstmann oder Waldläuser— so pflegt man die Leute zu nennen, die auf der Suche nach neuer, ge- winnbringender Arbeit für die Holzfäller die Forste durchkreuzen. Er trux> ein rot- und gelbslammendes Schnupftuch um den braunen Hals geknüpft und hatte eine Axt geschultert, deren glänzender Stahl grell in der Sonne aufleuchtete. Dieses Blinken und Flam- men erregt« Mustelas Neugierde derart, daß er wie«in Blitz aus seinem Loche schlüpfte und um den Stamm herumfuhr. Breit- beinig wie ein Eichhörnchen um den Baum geklammert, lugte er um die Eck« und folgte neugierig erregt jeder Bewegung des Mannes. Doch trotz allen Interesses für die selten« Erscheinung sing Mustelas erstaunlich lebhaftes Gehör plötzlich gedämpftes Flüeelraufchen über sich, und ohne erst dessen Ursprung nachzu- 'orschen, huschte er wie ein roter Blitzstrahl um den Baum herum in sein Loch zurück und verschwand in demselben Moment, als stahl- harte Klauen eines prächtig beschwingten Hühnerhabichts hart auf den Rand des Einschlupfs niederschlugen. Mustelas Beweglichkeit war unbeschreiblich. Wie ein Aal hatte er sich in voller Flucht blitzartig wieder herumgefchnellt, und in der halben Sekunde, die- die Klauen des Raubvogels am Rand« des Loches hafteten, waren seine zielsicheren Fänge rachedurstig um das letzte Glied der längsten Klaue geschnappt und hatten sie ein bis zwei Zoll in das Loch hineingezogen. Mit einem gellenden Wutschrei versuchte der überrascht« Habicht sich in die Lüfte zu schwingen— aber die Fänge Mustelas hielten ihn eisern gefangen. Er schlug, in wilder Raserei sich windend, mit den mächtigen Schwingen und stemmte die frei« Klaue mit aller Kraft gegen den Stamm. Aber Mustela hatte sein ganzes Gewicht nach hinten geworfen und hing mit allen vier Füßen sicher verankert wie ein schwerer Sack im Gegengewicht, jede Sehnen- schnür gespannt. Mustela wußte, wenn er nur einen Augenblick den Biß lockerte, um besser nachzusasseri, so würde der Feind sich losreißen. Deshalb hielt er fest, als gelte es sein Leben. Durch den plötzlichen gellenden Schrei des Habichts und sein rasendes Flügelschlagen aufmerksam geworden, sah der Waldläufer mit zusammengekniffenen Augen zu Mustelas Baumloch empor. Ein schadenfrohes Lächeln huschte über sein wetterhartes Gesicht. denn er konnte Habichte nicht leiden und wunderte sich, welches Tier in solch' kleinem Loche diesen mächtigen Bogel halten konnte. Er war ein todsicherer Schütze und führte auf allen seinen Krouz- fahrten durch die Wälder nur einen langläufigen„Smith and Wesson"-Revolver bei sich. Den zog er jetzt aus dem Gürtel, zielte sorgfältig und feuerte. Das Tierchen im Loch« schien beim Dröhnen des Schusses seine Beut« erschreckt fahren gelassen zu haben, denn der große Bogel fiel, langsam sich überschlagend, mit dumpsem Ausschlag zu Boden— in den Klauen zuckte der Todesschauer. Der Holzfäller sah auf und erblickte das bösartig fauchende kleine gelb« Gesicht Mustelas, der es sich in seiner unersättlichen Neugierde nicht versagen konnte, aus dem sicheren Loch« zu spitzen. „Sieh' da—. ein Marder! Das hätte ich mir gleich denken können," murmelle der Forstmann,„denn kein anderes Tier dieser Größe hätten den Mut gehabt, einen Hühnerhabicht anzugreifen." So kostbar auch das Fell des Tannenmarders oder„amerikani- ichen Zobels" war. so brachte der Läufer es doch nicht übers Herz. auch den tapferen kleinen Kämpfer herabzuschießen. Es wäre ihm wie Verrat an einem Berbündeten erschienen, denn wie die meisten seiner Art verband ihn ein warmes Gefühlt mit den Tieren der Wildnis. „Magst deinen Pelz behalten, dachte er und betrachtete den giftig fauchenden kleinen Kopf.„Bist ein tapferes Kerlchen!" Da- mit nahm er den toten Habicht aus, band die Klauen zusammen und hing sie über die Axt. Dann schritt er durch den Wald davon. Befriedigt von seinem Siege über den Habicht— denn er nahm die volle Ehr« für sich— rollte sich Mustela wieder auf seinem weich mit Moos ausgelegten Nest« zusammen und nahm den unterbrochenen Schlaf wieder aus. Die Hitze sank schwer und schwül Der verliner Sär unö öie Hotels ohne Nationalflagge. »danke verbinölichfl! Ich habe mir mal an Schwarzweißrot öen Magen verSorben! /iußeröem weröe ich hier viel netter beüient!' immer tiefer über die trägen Stunden des Nachmittags, Das leise sonore Summen der Gistfliegen schien die regungslose Stille des Waldes nur noch zu vertiefen, während würziger Duft den träumen- den Tannen entströmte. Erst als die Schatten länger wurden, erwachte Mustela und war hungrig. Sogleich schlüpfte er aus dem Loche, lief«ine kleine Strecke den Stamm hinab und sprang leicht und flüchtig wie ein Eichhörnchen in das Gezweig einer benachbarten großen Schier- lingstanne. In einer Geästgabel machte er halt und spähte in starrer Haltung nach Beute. So— in gutem Gleichgewicht gestrafft— ausrecht und wachsam, war Mustela eine Schönheit. Goldbraun war sein Fell, Hals und Brust deckte ein zarteres Gelb, und seine Rute, die ihm bei den langen Sprüngen von Baum Kl Baum als Balance diente, war lang und buschig. Die langen spitzen Gehöre lauerten beständig auf all die heimlichen Laute, die versteckt durch die Wildnis husch- ten— ja. Mustela war ein erlesenes Exemplar seiner Art; reichlich zwei Fuß lang, graziös wie ein Wiesel und an Stärke seinein großen Stammverwandten und bittersten Feind, dem Fischotter, wohl zu vergleichen. Nichts regte sich— da plötzlich tönte ein schwaches, ober doch in der Stille schrilles Chrrr— rr— r— r des roten Eichhörnchens, dessen Ursprung Mustelas feines forschendes Gehör sofort örtlich festlegte. Als habe er all« Energie in diesem einen Augenblick gesammelt, setzt« Mustela mit flüchtiger Geschwindigkeit lautlos durch die Zweige.(Schluß folgt.) Vas„Wunder" von Könnersreuth In Bayern passiert wieder einmal ein„Wunder". In dem ober- pfälzischen Ort Konnersreuth, Bezirksamt Tirschenreuth, der etwa 900 fast ausnahmslos katholische Einwohner zählt. Solange nur klein« Blättchen der Bayerischen Volkspartei von dem „Wunder" berichteten, braucht« man sich nicht damit zu beschäftigen. Nun aber hat die Großstadtpresse in sicherem Instinkt dafür, was ihre mehr auf Gefühl als auf Verstand geeichten Leser interessiert, das„Wunder" von Konnersreuth aufgegriffen. Deshalb uns wegen des Unfugs, der mit der ganzen Sache nun schon in katholischen Gegenden ganz Deutschlands getrieben wird, muß man doch von der Sache Notiz nehmen. Der Tatbestand ist kurz folgender: ein heute im 20. Lebensjahre stehendes Bauernmädch«n, Theres« Neumann, soll im Jahre 1018 als Magd bei Rettungsorbeiten gelegentlich eines Brandes sich eine Verletzung zugezogen hoben, die Lähmung und longjährige Betllägerigkeit bedingte. Da�u soll sich später auch noch Blindheit gesellt haben. Später soll die Therese Neumann, nachdem sie sich eindringlich mit religiöser Lektüre, besonders mit der Passions- geschicht« und der Hestigengeschichte ihrer französischen Namens- kollegin Therese'Martin(vom derzeitigen Papst hcilig- gesprochen) beschäftigt hatte, von Blindheit und Lähmung geheilt worden sein. Seit einiger Zeit— so wird weiter behauptet— durchlebt Therese Neumann allwöchentlich am Freitag die Ge- sangennahme, Vernehmung, Geißelung und Kreuzigung TEHristi. Wundmale an den Händen, zeitweis« an den Füßen, brechen aus: rund um den Kopf fließt aus acht Wunden Blut(„Dornenkrone"), blutige Tränen werden geweint, und auch aus der Brustwunde be- ginnt Blut zu fließen. Dr. Freiherr von Ar et in beschreibt in der Beilage der„Münchener Neuesten Nachrichten" den Vorgang in einer Fülle von Einzelheiten und fügt hinzu, daß die„Res(" die ihr doch unverständliche aramäische Sprache in den zu Beginn unserer Zeitrechnung herrschenden Dialekten so rein wiedergegeben habe, daß sein Führer imstande war.„den galiläischen Dialekt des Petrus von der reinen judäischen Redeform des Kaiphas zu unterscheiden". Vorher hat Aretin bereits gesagt:„Nun muß man wissen, daß mein Führer, mit dem mich von früher her Freundschaft verbindet, unter den heute lebenden Kennern des alten Orients einen der ersten Plätze einnimmt, daß ihm die Sprachen der Zeit Christi in allen Dialetten geläufig sind, daß er das alle Palästina und seine Sitten kennt, wie kaum ein anderer..." Das Bluten Stigmatisierter ist nichts Neues. Vor 50 Jahren lag in Belgien der Fall der Louise L a t e a u vor, die im all- gemeinen die gleichen Zustände zeigte, wie jetzt das Mädchen in Konnersreuth. Als damals die resolute Schwester der Kranken eingriff und Besuche von der Stigmattsierten fernhielt, da ver- schwanden nach und nach die Erscheinungen und kehrten bis zu dem 1883 ersalgten Tode des Mädchens nicht wieder. Etwas „Uebernatürliches" ist bei diesen Wunden und Blutungen nicht im Spiel. Bei geeigneter Veranlassung der Persönlichkeit können sie durch trankhast« Einbildung oder auch fremden Willen entstehen. Dafür gibt es in der medizinischen Literatur mancherlei Belege. So erzählt uns der Arzt Karl Ludwig Schleich:„Ich habe selbst zweimal Hysterische gesehen, welche ihre Brustwarzen auf Kom- mando bluten lassen konnten, ungefähr ein bis zwei Teelöffel voll." Das plötzliche Summen eines elektrischen Luftregulators erschreckte eine Frau, welche das Summen einer Biene zu vernehmen glaubte und sich dann am Auge gestochen fühlte. Wirklich entstand sofort am Auge eine Entzündung oder Geschwulst." Ein großes . Rätsel gibt folgender ärztlicher Bericht Schleichs auf:„Bei einem mir betannten Gynäkologen wurde ein siebzehnjähriges Mädchen in die Anstalt gebracht, welches behauptete, guter Hoffnung zu sein. Von wem, wollte sie nicht sagen. Obwohl das unentwickelte Kind unberührte Jungfrau war, sollte die Möglichkeit einer Schwängerung wegen des schweren seelischen Leidens der Kleinen nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Und siehe dal Im dritten Monat war wirklich Schwangerschaft zu konstatieren. Im fünften Monat fühlten wir unter wachsender Gebärmutteroergröße- rung kleine Teile, hörten die Herztöne des Kindes, wie stets ab- weichend vom Puls der jungen Mutter. Im sechsten Monat subjek« tive Bcwegpngsstöße des Kindes, im neunten Monat normaler Stand der Gebärmutter. W i r glaubten, Schädellage des Kindes feststellen zu können. Im zehnten und elften Monat Stillstand. Im zwölften Monat erklärte der Professor:„Meine Herren, wir müssen uns geirrt haben; es ist kein- Schwangerschaft, sondern ein« Geschwulst. Operieren wir!" Der Leib wurde geöffnet, und es ergab sich— nichts. Alles war normal und keine Geschwulst im Leibe.„Also Hysterie!" sagte kopfschüttelnd der Professor!" Man sieht also, daß solche Erscheinungen, wie sie bei der The- rese Neumann in Konnersreuth austreten, sehr wohl zu erklären sind. Bor kurzem hat eine ärztliche Kommission das Mädchen untersucht. Darunter befand sich auch Professor Dr. Ewald von der Psychiatrischen und Nervenklinik in Erlangen. In der Presse der Bayerischen Volkspartei werden nun die Aussprüche dieses Gelehrten in völlig ireführender Weise als Belege für den Wundercharakter des Falles angeführt. Das hat diesen Gelehrten zu Feststellungen veranlaßt, in denen er unter anderem sagt:„Nach. dem mit der Tatsache meiner Untersuchung der Therese Neumann in Kvnnersreuth, die anläßlich der durch das Ordinariat Regens- bürg verfügten Ueberwachuuß des Mädchens von feiten des mit der Untersuchung beauftragten Arztes gewünscht war, nicht nur von kleinen Lokalanzeigern und Provinzblättchen, sondern auch von großen ernstzunehmenden Zeitungen grober Unfug getrieben wird, sehe ich mich veranlaßt, folgendes zu erklären:„Der viel zitierte und mir in den Mund gelegte Ausspruch, daß die Nerven der Therese Neumann vollständig gesund seien, entspricht in gar keiner Weise meinem Unterfuchungsergebnis und kann, wenn er tatsächlich ge- fallen sein sollt«, sich nur auf das Fehlen organischer Rervenläh- mungen bezogen haben, wie sie für die angebliche Wirbelverren- kung oder Riickenmarkverletzung der Therese anzunehmen gewesen wären. Er ist also eher geeignet, eine Waffe gegen als für die Wunderheilung der gelähmten Therese zu werden. Was mit oder ohne Namensnennung über das Ergebnis meiner Untersuchung in die Tagespresse kam, war stets Mißbrauch mit meinem Namen und inhaltlich den Tatsachen nicht ent- sprechend, verkehrte, entstellte oder total mißverstandene Einzel- äußerungen gegenüber lästigen, aber nicht immer voll abweisbaren zudringlichen Fragestellern." Mit dem Wunder der aramäischen Sprache hat Dr. Freiherr v. Aretin entschieden Pech. Ihm tritt auch hier die Fachwissen- schast entgegen, und zwar Professor Dr. Klittel-Leipzig, der unter anderem bemängelt, daß Freiherr v. Aretin seinen Führer, den an- geblichen Fachgelehrten, nicht nennt, und der eine genau« Untersuchung fordert, bei der N i ch t o r i« n t a li st e n die von der „Resl" hervorgebrachten Worte phonetisch auszeichnen und Kenner der aramäischen Dialekte dann die Auszeichnungen aus ihre Zu- gehörigkeit zur aramäischen Sprache prüfen sollen. Der Gelehrte fügte allerdings resigniert bei: wenn es dazu nicht schon zu fpät sein sollte!" In der Tat ist die Möglichkeit gegeben, daß die augenscheinlich nicht ganz unbegabte Therese Neumann öfters ge- hörte Worte mittlerweile in ihrem Gedächtnis behalten hat und sie daraus wiedergibt. Das„Wunder" von Konnersreuth ist kein Wunder, sondern nur ein neuerlicher Beleg dafür, wieviel noch an Aufklärungsarbeit in allen Schiten der Bevölkerung zu leisten ist. Sind die Menschen kleiner geworden? Für die Aufführung einer Liebhaberbühne, die diesen Sommer aus einem schottischen Adelssitz ein historisches Drama vorführen wollte, hatte der Schloß- Herr den ganzen Bestand an. Rüstungen, Panzern und Waffen zur Verfügung gestellt, der sich von seinen Ahnen her angesammelt hatte. Die Teilnehmer waren leichtfinnig genug, bei den Proben die Rüstungen fortzulassen. Als sie sich zur Vorstellung fertigmachen wollten, ergab sich, daß alle Rüstungen bei weitem zu groß waren. Die Vorstellung mußte abgesagt werden, um ein allzu klägliches Bild zu vermeiden. Die Größenentwicklung der Menschen in den letzten Jahrhunderten scheint sich allerdings in den verschiedenen Ländern Europos verschieden gestaltet zu haben: so sind bei den letzten wissenschaftlichen Versuchen vor etwa 15 Iahren die deutschen Rüstungen im Durchschnitt gegenüber dem heutigen Wuchs als zu klein befunden worden. I M>HMAKK>KI UMHHW i Theafer Lidiifpieie iieTI »ielej ■ f!■■■ Staats- Theater Schauspielhaus 8 Uhr: E(n besserer Herr Scblller>Tbeater 8 Uhr Im walBco RöB'l Deolsdies Theater Norden 10334—37 8 U. Ende 10«/, U. Oer Kexer 9dH)(8SilB94ie 5.«lafie SS. Preukilch-Saddeollche«a�li-Sotterle. Ohne Gewähr Nachdruck verböte» Aus jede. gesalleu. unl Nmnmer find zwar Je einer aus die Lose gleicher tu de» beide» Abtellooge» I»ab II »wei gleich die Lose gl hohe Sewiuae Rümmer vi« liomvliie vismsk-ck 2414/7516 SV« Uhr, Ende 10 Der Snob Trianon- Theater So 8W: ein Mädel (Das Extemporale) üühpltl ng Stura g. Ferbin HsisStara. Irma Klein, Malbnig. legi Km. Arnim. Luslspielhaus S'/a Uhr. Cafe Eiectrlk K'amalia• Ttieai Täglich 8«/, Uhr: Der griGte Erfolg Berlins! Der frohücbe Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayet Lobe, Ebelsbacher Parkett statt 4 Mk tägl. auch Sonntags BOT SO P?. S. Ziehungstag 28. August 1027 In der Stachmittaggziohurig wurde» Gewinne über 160 M. gezogen 4®f»inn. M 10000 M- 180365 239739 2•etsiniu» 6000 all. 35744 14»etninn. ,» 3000 90. 09806 114766 186904 198939 199338 327839 278973 10 OetDlnnc|u 2000 90. 57110 219444 298669 300178 342039 30®tnnt ga 1000 90. 50266 60465 96696 103906 184802 207714 246817 248218 251736 291 1 1? 303476 307924 308939 312966 322049 74 eemmn» n 600 90. 2551 6371 19498 49377 68376 77643 82918 84431 87376 96855 96359 193743 107808 116697 122987 129919 131377 135000 137346 146210 166107 166208 166885 173983 183637 189147 192983 218727 226034 227368 236210 268189 272208 303430 327424 334096 345734 220«nmnnc ga 300 90. 2428 4278 6952 8612 11689 11727 13356 15217 18029 18717 18833 22026 22106 23716 31949 33127 34034 35329 36517 41938 42211 42603 49716 63166 57730 69233 62389 63266 63511 63941 69317 70277 71026 73599 76529 81763 84540 86479 90934 93378 95741 96044 96605 105871 106563 114770 1 16139 116151 123593 130109 134268 143736 146383 147388 147632 148106 148466 162676 163232 165346 188463 168818 172222 176129 179824 180784 197216 197717 203287 204883 207068 207569 210544 213806 214465 210442 223785 224146 224699 226261 232928 234006 240982 242812 243556 244972 252550 253891 264862 287382 268149 278743 280793 284260 287025 288173 294239 296908 297018 301962 306182 307167 311 781 316577 321300 333701 336579 337670 338072 344666 7. Ziehungstag 24■ August 1027 Dn der Bormittagsziehung wurden Sewluae über 150 M. gezogen 2®«a>lan« ga 1 0000 QU. 116816 6»«»Ina« gn 5000 M. 114887 216147 246296 4»«tmnn« ga 3000 M. 42014 106640_____,,, 18 et»tan* JS �000®L mlo 69557 213574 228803 260382 292242 �48 ftOO�nt. 20223 26791 62814 68614 71299 82099 82464 86654 116611 126494 183581 192743 201644 203629 211131 212717 222816 229060 239939 240843 253674 306832 336276 349414 222 Vtmnn, gn SOO m. 6453 14588 16663 21412 26264 28671 30909 35639 41340 41626 49388 49726 50506 53136 63382 55805 60106 63969 70000 72208 73805 8248? 8515? 68068 90143 91849 91862 96626 98055 99916 102809 103291 104286 106978 107891 108635 111217 120243 120487 121121 125837 131983 134478 139673 150923 161428 164693 154365 154956 161180 162661 163779 176662 177884 180586 183809 196464 200373 200406 203899 210790 218684 223868 224352 237163 240404 241607 242095 245943 246321 248293 249468 257495 260839 264116 266277 271246 274127 277075 278289 0 78954 279343 279861 281675 284045 286298 286332 286658 288705 298658 300098 304192 304789 305730 307)94 307620 309544 31 1280 313326 316177 316704 321404 328261 327197 336068 336134 338883 340891 341324 342737 349189 ftiss-Tbeater 8'/, Uhr: Förstenwende Gartenbohne 5>l, Uhr: Bunter TeiL 8 Uhr: Liebe IM Trnniü! IbeatBr des Westens Der Täglich 8'/, Uhr: Die Tugendprinzessin tili Hgltmann. Arttior Hill, KitUu Lööwig, Biriln Settmr. Edith Kirin, Keglet, L Untihält Preise l, 2, 3 M. usw. Sanumkg-SShnee Imandirittton Beuge Bing Th.KSnlgerätz. St. Hasenheide 2110 R Uhr Donnerstag: Zum 150, Male OieGdinle v.Uznad) Nach langem, schwerem Leiben verschieb am Freitag, dem IS. August, Karl tlerrler Er war bei mir 30 Jahre hin- durch tätig«nb hat er stch durch Treue, Fleiß und Ehrlichkeit bei mir ein ehrendes Andenkeu bewahrt. S. Heymaim, Wcberstr. 12. Die Einäscherung hat bereits stall» gefunden. Danksagung Für dir herzliche Teilnahm- beim Hemtgange meine» lieben Sohnes und Bruders Walter Schneider sagen wir allen unseren innigsten Dant! Anna Schneider geb. Dietrich und Wim Schneider. SlnifbUn, 24. August 1927. Am Dienstag, nachm. 1«/, Uhr, ent- ichliel sanft nach langem, mit großer Gebulb getragenem Leiben unsere herzensgute Mutter Emilie Bruckner geb. Stüwert nach vollendetem 72. Lebensjahre. Zn tieiem Schmerz Margarete Bruckner. Berlin SO. 36, den 23. August 1927. Reichenberger Str. 114. Einäscherung Sonnabend, 27. Aug., nachm. 3'/, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Ktesholzstraß». Id. im AteelZiiZlesI Tbeater am Botfb. Toi kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: aEMnuej Cewaldges Programm. zur neuen DAUER- REVUE icsonden wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „Vorwirts" und trotzdem itibiuutn Komische Oper 8'/« Uhr: 8>/. Uhr Berlins neueste Revue: I Sirene verboten!!!| , die Kern der»erbelentn Leidnidtatten! I Ueber 200 Mitwirk, x S Balletti.l I YorrerksMl a. d. Ihegttrteneih lllllhrggggtetbr.f CASINO-THEATER suhr Ihr dnnhler FlecK Ansscfanel den t Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M,, Sessel nur 1,60 M. 8s MUTZ Nollendorf 7360 Das groß« Eröffnungs- Programm! Sonnabend« u. Sonntags 2 Verstell. S31 u. I Uhr— 3 V zu ermällgten Preisen das ganz» Prograntm. Kennen Karlshorst Donnerstag, den 25. August nacbm» S Uhr Deutsches Bflrdenrenuen. i IhBBt. l HglliMorfpläh nur codihisGUigis Täglich S>/e Uhr Alt-Heidelberg ItbUDM im Minr-Fnntir lattni, Kepler, SIE«1 Hertel Preise: 2,-, 3,- M. usw. SjllcBbsrg-BübBen Dts. Künstler-Th 8«/, Uhr j�Dn wirst Neida heiraten" < Lessing Theater 8'/, Uhr Israel PlaDeteriDBi am Zso Ivllsg. Jndiontbilti Stnlc Noll. 1578 Oer Sternenhlmnielaef der R e 1• s»es Beeil» nach dem Aequatsr Vorführungen; 4'/,, 6, 7"/», 9 Uhr. Eintritt I M. Kinder irrt. 11 Jabrn O.MI. Hochfeiner, echter boilM Edaoier Kugel- od. Brotform wilfitf K. Pfd... 11.1.11 halbiittp, Md... Ik. 0,15 Postkart ca. 8 Pfd. franco Nachnahme Gar.: Zurücknahme find. Höver. Verband der Lithographen. Stein- druckcr und»erwandten Berufe (Deutscher Senefelder-Bund) Am 23 Auguit 1927 verstarb unser langjäHrigesiMitglied, derSteindrucker Bruno Schellberger Im Alter von 68 Jahren an Magen- und Ledertreds. Wir werden ihm et» ehrendes Andenten bewahren. Die Einäscherung findet am Sann- abend, dem 27. August, mittaas IV, Uhr, im Krematorium Gericht- straße statt Um rege Beteiligung ersucht Die OrtsTerwaUnng. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiiigang und die vielen Blumenspenden bei der Trauerseier meines lieben Mannes, unseres lieben Sohne» und Bruders Bruno Biscker sagen wirallenDerwandten. Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen und den Eongesbrüdern de» Mozartchor» 1315 unfern allerherzlichsten Dant Frieda Fischer geb. CtidKtüi als Frau. Richard Fischer und Frau Berta geb. Kraft als Eltern. Margarete Fischer als Schwester. ZDie föittfafftnargarint mit öem Qvößtm V&cLtmDjßfy zur miete WSO, Ansbacherstr.l pwospeUtmoz BDI».UlUchT Nur aroß-Bttrlln AI exanderplata SegenfZ Monatsraten yjtadJak» Berlin, leipzige* Sir. 122-Ui Wolle, Slriimpfe D.&.jC. 5Der bunte JCadcn 107 Spezialgeßikft Trikotagen SO., Onnim/h. 202. N, Chau/Ttt/h. SO. IF, Molzflr. 20. O, Kenigibrrgtr Str. II Chtrloftenburg: Sanrren/ir. 38. Friedensa: flaupt/h. 74. .— vnd jBleichJbda das altbewährte Goureiobmätel! DeiüdieiitallailiMM Wahltörperversammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper i. Sonnobenb, den 27.«ngnst, wor- mittags 11 Ahr, im Slhnngssaal Oes veedandshanses, Cietienfttobe 03/86 Hobler. Bohrer, Stöger, Arckfer, Schnittarbeiter, Vrahtarbeiter Autogenschweiher. Wahlkörper II. moniog, den 26. Ungnff. aoemiffngs 11 Ahe, im Sihungsfaal Oes vor donvo Hauses. Clnienftc. 83«5 Eisen-, Metall- und Revolver- dreher, Karussell- und Rohrwerk«- dreher, Ruudschleifer, Schraubendreher und Automaieaeiarichter. Wahlkörper III. Dienstag, den 30. KugnfL noemitfags 11 Ahr. im Sitzungssaal Oes Bat- banbshaufcs, Liatauskr. 83/65 Essenfarmer. Melallformer. Kernmacher.. Tagesordnung in allen Ber- sammlungen: I. Beratung der Anträge zur Generalversammlung am l�Septemder. 2. Wahl der Delegiertelt Zutritt haben nur bielenigen Mitglieber. dieimVerdandsbw'"-- haben. Illr welche gerufen ist Ohne Mil karte teln Zutrift dieBerutsbezeichnuNl >ic Versammlung aus und Arbeitslosen� »»» Unserem lieben Krriskasfirrrr \l\\Mm Grunow and Frau| dir heften«laaw«usche zur Silberhochzelt. Der 9. Kreis SPD. Unserem lieben, verdienten Genossen� Andreas Köhler p ■■ Psalzburger Str. 34 zum 30 jährigen Parteijudilaum die Reichshallen•Theater Antaag 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzell In der MüllerstraBe Nachmittags: Halbe Preise,»olles Prograntm. Dönhoff. BreH'l; Variati, Konzert, Tanz Verkäufe müüüI BenooltiitHitgliebei! Freiing, den 26. August, adends X Ahr WdT Sitzung"W« der MtMeren Ortsverwatlung. VI» Ortsuermnltuug. «chkuog! MxfQtttiUtell M'<,tun<1' Btanlag, den 29. August, n Kaubs 2 Ahr. im Saalban Arledrlchshutu, Arn Zriebrtchhaiu 16/23 - Versammlung aller vertroucnsleute und vetriebarota- dcleglerleu oua den Betrieben bea Ber- boubea der Betstnet HietaUinbnffriellen. Tagesordnung: Tarifvertrag oder freie Lohnoeretndanmg.• Zutritt nur gegrn Boriegung de. Mit. gliedsbuche» einer dem Mitallkartell an. leschlostenen Dewerlschast und der mit >«m VBMI.'Ste>npet versehenen Legiii. .------- � maNonskarte. Das Btctadtarfed Von der Reise zurück Dentist Georg Israel Berlin C, Breite Str. to. erwogen durch Plattenausbau aus : großen prima Leiter, und Rasten. , selbst leicht herstellbar. Georg SIlei meine wagen selbst leicht herstellbar. Georg Wagner, Rdpenick-rstr-ß« 71, Hof. Rein Laden, dafür billigere Preise» �fUekoap-Rähmaschtnen gegen».Marl. Svihenraten. Wlosit. Brunnenftraße 185. zwischen Rosenth-I-rpIaß und Inoali- denstraß». Norden 118. Getragene Serrrngarderode. Sveziali. tat Bauehiiauren. svottbillio. Naß. Gar- mannstroße 25/25, trüber Mulackstrafie.' Hobel Achtung! Ankleideschränke, Nußbaum. dreiteilig, mit Wäscheeinrichtung und Spiegel nur 105,—, Bertiko 85,—, Tru» meau 30,—, Nußbaum.tische, poliert. 43,—, Zlußdaumdüsett 150,—, Schien. mmet. 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