Nr. 402 ♦ 44. Fohrs. Busgabe M Nr. 205 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfenniq, monatlich 3,— Reichsmorl voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Borwärts" mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen',„Aus der Filmwrlt". „Frauenstimme",„Der Kinder. ir-und',„Iugend-Vorwörts".„Blick in die BUcherwelt' und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei» mal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: »SozialOeinotcal varlin» Morgenausgabe Nerlinev VolKsblÄkt (�10 pksnnis) Anzeigenpreise: Die«tnspaltig« Ronpaxeillc. »eile 80 Pfennig. Reklame, eile 6,— Reichsmark.»Klein« Anzeigen' da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig lzuläfstg zwei fettgedruckte Wortel. iedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 50 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. 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Mit besonderer Spannung sah man der Rede des Ministerpräsidenten Poincarö entgegen: man war im Ungewissen darüber, ob er dem.völkerversöhnenden©eiste der Versammlung Konzessionen machen werde. Poincare hat diese Hoff- nungen nicht enttäuscht. Seine Rede war in einem bei ihm ungewohnten versöhnlichen Tone gehalten. Mit Geschick ging er den politischen Tagesfragen aus dem Weg«, um den festen Willen Frankreichs zu betonen. mitallenKräftenzurVer- söhnung der Völker und zum Erfolg der Arbeiten der Kon- ferenz beizutragen. Die Rede Paincarös hatte starken Erfolg. Zahl- reiche Delegierte erhoben sich, als er die Tribüne verließ, von ihren Sitzen und klatschten dem Ministerpräsidenten Beifall. War P o i n c a r e der Diskussion der politischen Fragen aus dem Wege gegangen, so hat mit um so größerer Entschiedenheit Reichstagsprästdent L ö b e sich darüber, speziell über die deutsch- französischen Beziehungen und Hofsnungen Deutschland» ausge- sprachen. Seine Bede- hat außerordentlich starken Eindruck ge- macht. Er hat mit seltener Offenheit den„genrissen Still- st a n d" in der so hoffnungsvoll eingeleiteten Annähern ngs- po l i t ick v o n L 0 c a r n o festgestellt und rückhaltslos den Wunsch Deutschlands nach baldiger Räumung des Rheinlandes Ausdruck verliehen. Lobe führfe aus, die Interparlamentarische Union seh« ihre Aufgabe be- sonders darin, den Gedanken der internationalen Schieds- g e r i ch t e immer mehr in die Praxis umzusetzen. Leider seien aber die großen Hoffnungen, die in den letzten beiden Jahren be- sonders die deutsch« Oesfentlichkeit beseelt haben, nicht erfüllt worden. Ein gewister Still st and in der Annäherungs- Politik sei eingetreten. Die Gründe dafür lägen eher auf mo- ralisckfem als auf politischem Gebiete, Hier sei der Ausspruch des französischen Kriegsministers PainlevS am Platze, daß nämlich das Mißtrauen zwischen den Völkern schlimmer sei als der Haß. Es gelte endlich, von Worten der Versöhnung zu Taten überzugehen. Da der Kongreß gerade in Paris tage, erhebe sich die Frage, ob Frankreich nicht öffentlich erklären sollte, daß vom 1. Januar 1928 at kein französischer Soldat mehr auf deutschem Loden stehen werde. Es widerspreche doch ohne Zweifel der Tatsache der deutsch- französischen Annäherung ebenso wie der Aufnahme Deutschlands als gleichberechtigtes Mitglied in den Völkerbund, wie endlich dem Geiste von Lorarno, daß die militärische Besetzung im Rheinlande andaueren Auf der anderen Seite freilich müsi« apch Deutschland erklären und durch Tatsachen beweisen, daß es keine geheimen Rüstungen betreibt, daß es ehrlich und loyal die Ab- r ü st u n g im Rahmen des Friedens von Versailles auf lüg OVO Mann Reichswehr durchgeführt habe und daß es vor allem die moralische Entwaffnung des deutschen Volkes auf dem Gebiete der Jugenderziehung und der Schule in die Tat umzu- setzen gedenke. Nach Staatsmännern mit solchen Taten rufen die Völker. Diese Rede hat in der Nachmittagssitzung eine eigenartig« Antwort des Senators de Iouvenel erfahren, der jüngst sein Amt als französischer Delegierter beim Völkerbund niedergelegt hat. Die Rede de Iouvenelz hat den ersten Mißklang in die Konferenz getragen. 0 De Zauvenel erklärte, daß die Konferenz zusammengetreten sei, um sich so ehr- lich wie möglich auszusprechen unb der Verständigung der Völker zu dienen. Löbe habe gesagt, man müsse zuerst, wenn man der Verständigung dienen wolle, die Vergangenheit ver- g e s s e n. Frankreich könne darauf nicht ohne weiteres eingehen, es wolle mindestens die Lehren aus der Vergangen- heit ziehen: seine Blicke müßten auf die Zukunft gerichtet sein. Po- litiker müßten sich weniger mit den Gründen, als mit den F o lg e n von Handlungen beschäftigen. Die gegenwärtige Generation sei noch nicht imstande, unparteiisch die Ereignisse zu betrachten, die sich in den letzten Iahren abgespielt haben. Um am Friedenswerk zu arbeiten, müsse man sich bemühen, der wirtschaftlichen Aulsassung zum Siege über die territoriale Auffassung zu verhelfen. sonst wäre ein Konflikt unvermeidlich. Man müsse den ersten Brand, der ausbreche, löschen, wenn man nicht walle, daß er die ganz« menschliche Gemeinschaft vernichte. Man müsse die Friedenssolidaritäl herstellen und zu organisieren ver- suchen, wenn man nicht der Kriegssolidarität unterliegen wolle. LSbe habe gesagt, es sei ein gewisser Stillstand in der Friedens- bewegung eingetreten. Das rührt nach Ansicht des Redners daher, daß zwei Europa geschaffen worden seien: das Europa im Westen, wo das territoriale Slatut von Deutschland anerkannt worden sei, und ein Europa im Osten, wo das nicht der Fall sei. Das einzige Mittel geg�n den Krieg bestehe nur darin, dem Angreiser eine derartige Macht entgegenzustellen, daß dieser den Mut verliert. Lobe habe ebenfalls gesagt, man möge am 1. Ja- nuar 1928 die Rheinlande räumen, aber er scheine zu vergessen, daß die militärische Besehung der Rheinlande die einzige Garantie für die Stabilität Ost-Europas sei. Wenn Frankreich den Rhein räumt«, wenn in 2 bis 3 Iahren die vom Dawes-Plan vorgesehenen Zahlungen nicht Gewerkschastskundgebung am 28. August 1927. Brbeiter, Bngestellte, Seamte Berlins l Erneut sollt ihr am Sonntag durch eine machtvolle Kundgebung aus der Treptower Spielwiese für den gewerkschaftlichen Gedanken demonstrieren. Soll die Kundgebung Erfolg haben, muß Berlin im Zeichen wuchtigsten Massenausmarschs stehen, muß auch der Letzte, vom lebhaftesten Werbewillen durchglüht, erscheinen. Das Massenaufgebot soll unseren Gegnern . unsere Einigkeil, Geschlossenheil, unsere lebendige stampfkrafl zeigen. Es soll den Indifferenten und Fernstehenden eine Mahnung, ein Ruf sein, sich emzuglieder.« in die tätige Gemeinschaft der Gewerk- schasten. Die Kundgebung soll werben für die gewerkschaftliche Idee. In ihr ist eingeschlossen die Fülle der besonderen gewerkschaftlichen Forderungen: Ausreichende Entlohnung, Achtstundentag/ Fünf- undvierzigstundenwoche/ Wochenend-Zrühschluß/ Seseitigung aller Aeberstunden/ Ausbau des Arbeiterrechtes undZugendschuheS- Ausbau der Soztalpolitll. Jeder einzelne muß an seinem Platz rastlos wirken. Die lebensvolle Anteilnahme an der Arbeit der Organisationen wird und muß uns den Erfolg sichern. Die bewußt und tätig um die Verbesserung der Lebensbedingungen ringenden Kolleginnen und Kollegen soll die Wucht der Demonstration eindringlich mahnen: hinein in die gewerkschaftliche Klassenfronli Die Gewerkschaften sind die Hüter der Interessen der Arbeit- nehmerschaft. Ohne starke Gewerkschaften würden die Arbeiter rettungslos der Willkür des Unternehmertums preisgegeben sein. Wer hieran zweifelte, dem hat es die Zeit während und nach der Inflation bewiesen, die das brutale und eigenwillige Machtstreben der Arbeitgeber rückhaltlos offenborte. Damals waren die Gewerk- schaften durch Geldentwertuntz finanziell geschwächt: die Ungeschulten und Wankelmütigen wandten sich von ihnen ab. Jehl geht es wieder aufwärlsi Die Reihen füllen sich wieder! Noch genügt aber der bisherige Zugang nicht. Die Gedanken- losen und Verblendeten, die noch immer abseits stehen, müssen auf- geklärt werden, auf daß sie begreifen, daß sie als Unorganisierte Schädlinge ihrer eigenen Klasse, Hilfstruppen der Gegner sind. Ruft ihnen zu: hinein in die Gewerkschaften! Zeigt durch eure wuchtige Geschlossenheit:.Kampf unseren Gegnern. Brbelter, Bngestellte, Beamte Berlins! Der Sonnlag, der 28. August, ist der Tag der freien Gewerk- schaslenl Der Zweck, der Sinn des Tages seien zusammengefaßt in die Parole: Werbung für die gewerkschaftliche Organisation! Pflicht zur gewerkschaftlichen Mitarbeit! Beweist durch euren Massenaufmarsch euren Willen und die Stärke der Gewerkschaften, die machtvoll vorwärts drängen. Zlllgemeiuer Deutscher Gewerkschaftsbund.OrlsausschußLerlin. Zlllgemeiner freier Angesielltenbund, vrkskartell Verlin. Allgemeiner DeutscherBealuieubuud.Orlsausschuh Grotz-Berlin mehr eingingen und Frankreich plötzlich morgen seine neue deutsche Freundin in Konflikt mit seinen früheren Alliierten sähe, was würde dann von der deutschen Freundschaft übrigbleiben? Wenn man in langer Feindschaft gelebt hat, so müsse man n>i r- langsam die Freundschaftsbande anknüpfen, sonst gehe man nur einem neuen Bruch entgegen. Frankreich will den Frieden, schloß de Iouvenel, ober es ist keineswegs gewillt, seinen Frieden von dem der anderen zu trennen. Ein Europa— ein Frieden! Das ist unsere Aussassung! Die Rede de Jouoenels fand, besonders bei den sranzösischen Delegierten, brausenden Beifall. Senator Karl heller-Deutschböhmen(Soz.) erklärte, es sei für jeden Deutschen schmerzlich gewesen, die Aeußerungen de Jouoenels anzuhören, die sicherlich der Gemein- schaftsarbeit in der Interparlamentarischen Union nicht nützlich sein werden. * Löbe hat in Paris als der Redner der deutschen Nation gesprochen. Er hat einem Wunsch Ausdruck ge- geben, der vom ganzen deutschen Volk getragen wird, und er hat sich zu seiner Begründung einer Argumentation bedient, die jedem Deutschen unwiderleglich erscheint. Aber dieser Redner der deutschen Nation war nicht der Wortführer der deutschen Reichsregierung. Nicht ein Vertreter dieser deutsch- national durchsetzten Reichsregierung, die mit soviel Miß- trauen belastet ist, nur ein Sozialdemokrat konnte so sprechen, wie Lobe gesprochen hat, nur e r konnte vor der Welt als der Redner der Nation auftreten. Auf der anderen Seite ist auch Herr de Iouvenel ein Mann der Opposition. Er ist von der Vertretung Frank- reichs im Völkerbund zurückgetreten, um gegen die Außen- Politik B r i a n d s zu demonstrieren. Diese außenpolitische Opposition gegen Briand, die Iouvenel vertritt, ist sehr stark. Sie sitzt mit in der französischen Regierung und ist imstande, die auf Verständigung gerichtete Politik Briands zu hemmen. Ein Wortführer Frankreichs in dem Sinne, in dem Löbe als Wortführer Deutschlands auftreten konnte, ist Iouvenel trotzdem nicht. Sein Widerstand gegen die Räumung des besetzten Gebiets findet schärfste Gegnerschaft in Frankreich � selbst, vor allem bei unseren französischen Genossen, die sich � längst für die Räumung ausgesprochen haben. Löbe hat das Wort des französischen Kriegsministers PainlevH zitiert, daß Mißtrauen zwischen den Völkern schlimmer als Haß ist. Jouoenels Antwort ist geradezu ein Beweis für die Wahrheit dieses Wortes. Diese Antwort ist angefüllt mit Mißtrauen von oben bis unten. Mißtrauen ist das einzige Argument, das sie der Forderung Löbes nach Räumung der besetzten Gebiete entgegenzuhalten vermag. Die Besetzung soll, nach Iouvenel, die einzige Garantie für die Stabilität Osteuropas sein! Aber in wenig mehr als zwei Iahren soll vertragsmäßig die Besetzung auf die Hälfte ihres gegenwärtigen territorialen Standes vermin- dert werden, in sieben Iahren soll sie ganz aufhören. Wird bis dahin die„Stabilität Osteuropas" nach den Auffassungen Jouoenels und der ihm nahestehenden Kreise gesichert sein? Und wenn nicht— dann bleibt das politische Argument für die Fortdauer der Besetzung bestehen, während auch der letzte Schein einer vertragsmäßigen Begründung wegfällt. Was dann? Mißtrauen gebiert Mißtrauen. In Deutschland wird man aus der Rede Jouoenels den Wunsch herauslesen, d i e Besetzung zu verewigen. Und damit soll dem Frieden gedient sein? Wem will man das einreden? Welchen Sinn hat die Phrase von der gefährdeten Sta- bilität Osteuropas? Sie kann nur einen Sinn haben: Iouvenel fürchtet, daß Deutschland nach dem Aufhören der Besetzung gegen Polen losschlagen könnte, um sich den Korridor und Ostoberschlesien wiederzuholen. Deutsch- land würde jedoch durch ein solches Verhalten in mehr als einer Beziehung vertragsbrüchig werden, sowohl als Mitglied des Völkerbundes wie auch als Locarnomacht. Sollte es Herrn Iouvenel unbekannt sein, daß sowohl das Völker- bundsstatut als auch der Locarnovertrag gegen einen deut- schen Angriff auf Polen die stärksten Sicherungen geben, die durch Verträge überhaupt gegeben werden können? Wohl ist es richtig, daß niemand in Deutschland die oft- liche Grenzziehung für gerecht und praktisch hält, aber es ist genau ebenso richtig, daß die erdrückende Mehrheit des deutschen Volkes den Frieden will und jeden Krieg zum ! Zweck efner Grenzrevision als verbrecherischen Wahnsinn betrachten würde. Hat Jouvenel gar kein Vertrauen zu den Verträgen, zu den Mächten, die sie garantieren, zur Friedens- liebe des deutschen Volkes? Nur zu den 60 000 bis 70 000 Ententesoldaten, die in deutschen Städten überflüssig herum- lungern? Die Diskussion zwischen Löbe und Jouvenel geht nicht nur zwischen einem Deutschen und einem Franzosen, sondern auch zwischen einem Soziali st en und einem Nationali st en, zwischen einem Vertreter der Arbeiter- klaffe und einem Vertreter des Kapitalismus. Sie wirft auf die außenpolitische Verwirrung, die durch das neue Vor- dringen des Nationalismus entstanden ist, ein grelles Schein- werferlicht. Ein positives Ergebnis wird ihr jedoch kaum be- schieden sein. Die Räumung wird wohl erst kommen, wenn in beiden Ländern bei den nächsten Wahlen ein ent- scheidender Ruck nach links eintreten wird. Löbe erläutert seine Rede. Paris, W. August. Ueber feine Rede auf der Konferenz hat Reichstagspräsident Löbe dem Pariser Vertreter des WTB. folgende Aufklärungen gegeben: „Ich bin in meinen Ausführungen ausgegangen von der Um- stellung der Reparationsfrage aus der Atmosphäre der Sanktionen und Gewaltmaßnahmen auf die der f r ie d l i ch e n wirt- schaftlichen und schiedsgerichtlichen Verständigung. Die Welt hat diese Wendung als eine allgemeine Erleichterung mit Genug- tuung begrüßt, nicht nur wegen der Behebung der augenblicklichen Schwierigkeiten, sondern auch als Anfang einer versöhn- lichen Lösung der noch ausstehenden Streit- fragen und als Wendung zu einer vertrauensvolleren Stimmung. Dank dem mutigen Eintreten des Außenministers B r i a n d ist das in den ersten Jahren gelungen. Jetzt beklagt man, wenn nicht einen Rückschlag, so doch einen Stillstand dieser Entwicklung, nicht nur bei den Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich, sondern auch bei mancherlei Anläufen, wie in Genf bei der Begrenzung der Rüstungen. Durch den Abschluß des deutsch-französischen Handelsoertrages, den wir mit Freuden begrüßen, ist wieber eine Wendung zum Besseren eingetreten. Welches sind nun die Gründe für den Sltllstcmd? Einmal das Wühlen. in alten Wunden und das Her- vorsuchen früherer Sünden, was nur neue Leidenschaft und neuen Haß wecken kann. Wie zwei Menschen, die sich wieder vertragen wollen, sich nicht alte Sünden vorwerfen, sondern ver- gessen und vergeben, müssen es auch die Völker tun. Weiter die Heimlichkeit der Diplomati« und der militärischen Vorbereitungen, die das Mißtrauen wecken und die Völker in den Zustand versetzen, als ob das eine von dem anderen erwarten müsse, bei günstiger Gelegenheit hinter- rücks wieder überfallen Ziz werden. Geheimhaltung auf irgendeinem Gebiet haf das Gleiche aus anderen Gebieten zur Folge und schafft Immer wieder neue, Mißtrauen.» Vielleicht ist die Schwerfälligkeit des Völkerbunds- opparates schuld daran, der wichtigere und leichtere Fragen mit dem gleichen Instrument behandeln will, daß die Staatsmänner wieder den Weg der Sonderverhandlungen beschreiten, über den sich die neutralen und kleineren Staaten beklagen. Wir sollten darum wieder den Bestrebungen Beachtung schenken, regionale Fragen auch regional zu verhandeln, wie z. B, die Föderation für europäische Verständigung und die paneurvpäische Bewegung. Es fehlt in unseren Tagen an dem großen Zug sreiwilligeu Entgegenkommens, der bezwingt und überwältigl, der durch Offenheit und Ehrlichkeit und Vertrauen die Völker zur Nachahmung zwingt. Als solche würde ich es ansehen, wenn Frankreich zu Deutsch- land sagte, vom 1. Januar kW an steht kein französischer Soldat mehr auf deutschem Boden. Nachdem wir gleichberechtigt im Völker- bund sind, Sicherheitsvcrträge abgeschlossen haben und unsere Staatsmänner freundschaftlich miteinander verkehren, ist es naturwidrig, daß ein Nachbar den anderen noch leilwelse militärisch beherrscht. oder wenn Deutschland zu Frankreich sagen würde: Wir erklären offen, daß wir auf jede Vermehrung unserer Heeres- Wieweröe ich ein prominentester! Von Arih Korn. War auch mein Ehrgeiz nicht von schlechten Eltern, die Hemmun- gen, denen er begegnete, waren so stark, daß ich mich damit abfinden mußte, es in meinem Leben nie zum Prominenten zu bringen. Der ganzen Tragik dieses Schicksals wurde ich mir erst bewußt, als ich auf einem Berliner Bezirkstag einen Antrag meiner Abteilung zu begründen hatte, dessen Urheber ich war. Da trat mir ein schlichter Genosse mit dem vernichtenden Argument entgegen, daß ich nicht ein- mal ein prominenter Genosse sei. Damit war ich samt meinem Antrage glatt erledigt. Don diesem Schlage habe ich mich nicht wieder erholt: Ich resignierte und gab es auf, jemals ein„Promi- nenter" zu werden. Doch der Mensch soll die Hoffnung nicht aufgeben. Man sagt, das Glück sei ein Rindviech und suche seinesgleichen. Ohne das ge- ringstc Zutun habe ich es jetzt zum— Prominenten gebracht und hätte es sogar in der Hand, mit zu einem„der prominentesten Männer" zu werden. Hätte, denn der Spaß tostet 42 Mark, die ich jetzt nicht in der Hand habe. Deshalb muß ich mich einstweilen damit begnügen, Pro- minenter geworden zu sein. Freilich nicht in Berlin, denn der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande. Dafür aber in Amerika. Wie ich wurde? Ganz einfach! Ein Herausgeber in New Park mit dem poetischen Namen Hyazint Ringrose gibt„Das Internatio- nale Blaue Buch" heraus,„einen biographischen Führer der promi- nentesten Männer und Frauen der Welt", in fünf Sprachen. Von diesem Herrn erhielt ich heute ein Schreiben, das mein neues Pro- minententum mit den Worten verkündet, ganz als ob es sich von selbst verstände: „Da Ihr Name ruf der Liste prominenter Persönlichkeiten an- geführt ist, bitten wir Sie..." Nach der ersten Ueberraschung hielt ich die Sache für einen Irrtum des Briefträgers und sah mir das Kuvert näher an. Doch nein!— Die Sache ist in Ordnung, obwohl aus meinem Friedrich ein „Fredrick" gemacht wurde: Mein Name ist auf der Liste pro- minenter Persönlichkeiten aufgeführt. Dies unerwartete Glück lohnte natürlich die Mühe, den bcigegebenen Fragebogen auszufüllen. Die Geschichte hat— wie gesagt— nur den Haken mit den 42 Mark. Es heißt kurz und bündig: „Hiermit überweise Ich Ihnen(Ihnen ist Hyazint Ringrose) Mark 42,—(zweiundvierzig Mark), indem ich mich einverstanden erkläre, daß meine biographisch« Nctiz... in der Neuerscheinung... gedruckt wird und daß ich ein Ex.-inplar des genannten Buches.... erhalte." Mir genügt vollauf, zu wissen, aus der Prominentenliste zu stehen, wofür ich Hyazint Ringrose zu Dank oerpflichtet bin. Meinen stärke verzichten, weil ja die deutsche Abrüstung der Anfang der allgemeinen Abrüstung sein solsi daß wir unsere Jugend im Sinne des Friedens und nicht im Sinne des Krieges erziehen wollen, weil wieder Gerechtigkeit unter den Nationen herrscht; wir sind auch bereit, euch zu überzeugen, daß es potentielle Kriegs- rüstungen nicht gibt, sondern daß sie meist nur in der Einbildung bestehen. Einen solchen Schritt würde ich darin sehen, wenn Eng- land oder Amerika, trotz des Scheiterns der Abrüstungsver- Handlungen, von sich aus erklärten: Wir werden unser« Rüstungen um 20 Prozent vermindern und dadurch ein weithin leuchtendes Beispiel geben. Wir rufen nach dem Staatsmann, der einen solchen kühnen Schritt wagt auch gegenüber dem Mißtrauen bei seinem eigenen Volke und wir sagen, daß Mut und Tapfer. keit nicht nur kriegerische Tugenden sind, sondern daß ein schönerer Lorbeer denjenigen schmückt, der Mut und Tapferkeit beweist i m Dien st e desFriedens. Heute Antwort auf Jouvenels Rede. Die deutsch« Delegation wird höchstwahrscheinlich heute eine Erklärung abgeben, um auf die Rede de Jouvenels zu antworten, weil sie den Eindruck hat, daß diese Rede sich gegen die Locarno- Politik richtet. Senat und Kammer in Frank- reich haben den Locarnovertrag gebilligt, so erklärt man innerhalb der deutschen Delegation, während de Jouvenel ihn jetzt mit so großen Zweifeln umgibt. Seine Rede sei e i n H i« b gewesen gegen das Prinzip der schiedsgerichtlichen Verständigung, besonders wenn er die Bajonette als einzige Garantie des Friedens bezeichnet, während die interparlamentarische Friedens- Union doch gerade die schiedsgerichtlichen Verträge an die Stelle der Bajonette setzen will. Zlaggenkrieg. Die Luxushotels und ihre Helfer. ' Den unter Führung eines deutschnationalen Syndikus und Stadtverordneten stehenden Berliner Luxushotels erwachsen in der deutschnattonalen Presse dienstwillige Helfer, wenn es sich um den Kamps gegen die Nationalflagge handelt. Die„Deutsche Tageszeitung" weiß ihren agrarischen Lesern tröstend zu versichern, die deutschnattonalen Minister hätten„ihre Volksmassen" der Re- gierung zugeführt und sie zur„Achtung der von ihnen jahrelang bekämpften Farben" verpflichtet. Da nun aber trotzdem auch andere dafür sorgen wollen, daß diese Farben auch von den Nutz- nießern des Fremdenverkehrs geachtet werden, so bleibt nach der Meinung des agrarischen Blattes nichts anderes übrig, als den Kampf durchzufechten und zu einem einheitlichen Symbol zu kommen. Die„Kreuz-Zeitung" fordert schon den V o l k s e n t- scheid, den die„Tageszeitung" noch Pis grundsätzlichen Bedenken ablehnt. Ganz aufgeregt ist die„Pommersche Tagespost", das Hauptblatt der pommerschen Konservativen, die sich heute auch„deutsch- national" nennen. Sie hat es besonders auf den F l a g g« n e r l a ß Geßlers abgesehen, von dem sie behauptet, er habe„wie kaum ein anderes Ereignis seit den Novembertagen 1313 das deutsch« Volt-zerrissen und im Innersten aufgewühlt"! In der gesamten Reichswehr herrsche Trauer und Empörung, weil sie, die auf die Verfassung der Republik vereidigt ist, auch die Farben der Republik zeigen sollen. Wo soviel„Trauer und Empörung" über eine Selbstverständ- ttchkeit entdeckt wird, darf natürlich auch nichts anderes erwartet werden, als daß der Berliner Magistrat wegen seiner Abneigung, in republikseindlichen Gasthäusern offiziell« Festlichkeiten mttzu- machen, entsprechend geliebkost wird. Fast so stark, wie die preu- ßische Regierung, die den Reichsfarben bei schwerhörigen Behörden Achtung zu verschaffen sucht. . Inzwischen geht der Flaggenkrieg in Berlin weiter. Außer dem Hotel Exzelflor am Anhalter Bahnhof hat auch da» „Hotel Eden" erklären lassen, daß es bisher schon in den National- färben geflaggt habe und dies auch weiter tun werde. Die bisherigen Erklärungen der Hotelbesitzer-Vereinigung beruhen nicht auf Vorstands- oder Versammlungsbeschlüssen—«ine Sitzung soll strebsamen Mitmenschen aber, die es gleich mir zum Prominenten bringen und nicht so lange darauf warten wollen, sei hier der Weg gezeigt. Freie Bahn den Tüchtigen— sie haben nur 42 Mark zu überweisen, um zu den Prominenten ins Blaue Buch zu kommen. Ich verrate jedem die Adresse der Fifth Avenue in New Park, ver- lange dafür aber, daß ich fortab im Zahlabend und auf Bezirkstagen der SPD. als„Prominenter" estimiert werde. Strahlenbünüel-Telegraphie New gort— London. Nächsten Monat wird die Ksckia-Corporation o! America«in schnelles, direktes System der Strahlenbündel-Tele- araphie New Vort— London eröffnen und zur Benutzung für ge- schäftliche Zwecke dem Verkehr übergeben. Auf Grund täglicher Versuche und Experimente steht fest, daß das neue Telefunken-System das verhältnismäßig schwere Buch- stabieren von Worten aus Punkten und Strichen, wie es beim Morse- Alphabeth üblich ist, ausschaltet. Dies bedeutet in der Praxis die größtmöglichste Geheimhaltung der über den Ozean gefunkten Botschaft. Di« Strahlenbündel-Telegraphi« arbeitet serner mindestens zehnmal so schnell als die bisher ausprobierte und gelungene trans- ozeanische Bildiibertragung, da sie wahrscheinlich nur 2 bis 3 Minuten zu ihrer Handhabung bei Uebersendung eines Briefes beansprucht. Das Ergebnis ist dasselbe, als wenn man etwa eine Seite aus einer Zeitung herausreißen und als Brief über den Atlantik schicken wollte, nur daß die ganze Manipulation eben in zirka ö Minuten zwischen Sender und Empfangsstation erledigt ist.» Gerade wie Postsendungen nur an dem aus der Adresse bezeich- ncten Ort abgeliefert werden, so kann die durch Strahlenbündel- Telegraphie beförderte Nachricht nur der Ort empsangen, für den sie bestimmt ist. Mit einer Geschwindigkeit von 250 Worten in der Minute wird jedes Abhorchen der Depesche unmöglich gemacht, da die rasche Reihenfolge der Zeichen das Unterscheidungsoermögen des menschlichen Ohres übersteigt. Nur durch mechanische Aufnahm« der Depesche an der Empfangsstation ist die Uebertragung der Depesche möglich. Durch Gebrauch eines elektrischen Reflektors wird die Energie des Senders auf einen Winkel von IS Grad konzentriert— ähnlich wie in einem Scheinwerfer— im Gegensatz zu der jetzt üb- lichen Telegraphie, die über die gesamten 360 Grade des Erdkreises verteilt ist. Di« Strahlen werden nicht mittels einer Antenne, sondern in einem Drahtnetz von der Empfangsstation aufgefangen. Dieses System ist eine Erfindung, die schon von der englischen Marcom- Company benutzt wird, doch besitzt die Kackio-Sorporatton of America eigene, davon unabhängige Bersuche mit viel mehr Experimenten und mit kurzen Wellenlängen. Es werden bei der Strahlenbündel-Tele- graphie nur Wellen von 15 bis 30 Meter Läng» benutzt. Das System der Strahlenbündel ist ebenfalls schon längere Zeit bekannt, tritt aber hier zum ersten Male praktisch in den Dienst des Verkehrs. Die Sendestation für New Park wird auf Rocky-Potnt(Long Island) eröffnet. Sollten die geschäftlichen Erwartungen der Radio- Corporation of America erfüllt werden, wird Man auch auf dem europäischen Festlande Empfangs- und Sendestationen errichten. erst heute stattfinden— sondern auf privater Vereinbarung der hauptsächlich in Frage kommenden großen Hotels. Führend bei dieser Aktion ist der Aschinger-Konzern, dem unter anderen das Hotel Fürstenhof, das Palafthotel und der Kaiserhof gehören._ Kampf dem Reichsschulgesetz! Selbst Deutschnationale gegen Kcudells Entwurf! Der Entwurf des Reichsschulgesetzes wird in Baden nicht nur von der gesamten Lehrerschaft, dem übergroßen Teil der Gesamlbeoölke- rung und den Linksparteien abgelehnt, sondern auch von jenen beiden Parteien, deren Vertreter in der Reichsregierung jür den Entwurf des Gesetzes stimmten. Die Deutsche Voltspartei hatte im Badischen Landtag eine förmliche Anfrage eingereicht, in der die Re- gierung gefragt wurde, was fie bei der Reichsregierung zur Er- Haltung der badischen Simultanschule getan habe. In der Be- sprechung der förmlichen Anfrage traten alle Parteien— mit Ausnahme des Zentrums und der Kommunisten— für die Erhaltung der badischen Simultanschule, die sich seit nunmehr über 50 Jahren bestens bewährt hat, ein. Ein Antrag in diesem Sinne wurde mit sehr großer Mehrheit angenommen. Entsprechend dieser Haltung im Landtag wenden sich nun auch die deutschvolksparteilichen und deutschnationalen Blätter scharf gegen den.Entwurf des Reichsschulgesetzes und lehnen ihn entschieden ab, vor allem deshalb, weil er die Zer- schlagung der badischen Simultanschule bringt. Mit besonderer Schärfe lehnte der Führer der badischen Deutschnationalen, der Ober- kirchenrat und Landtagsabgeordnete Mayer, in einer ganzen Artikelserie den Entwurf ab- Kurz und bündig erklärt Abg. Mayer, wie er es auch schon bei der volksparteilichen Interpellation im Land- tag getan hat:„WirinBadenwollenkeinReichssch'ul- g e s e tz und brauchen keins, wir wollen den Schulsrieden in der Be- völkerung behalten." Zum mindesten erwartet der deutschnationale Führer, daß die Verkündung des Rcichsschulgesetzes für Baden nicht nur aufgeschoben wird, sondern unterbleibt. Diese Opposition der badischen LZolksparteiler und Deutschnatio- nalen ist ja recht schön. Die Frage ist aber nur, ob ihre Opposition bei ihren gesinnungsgleichen Vertretern in der Reichsregie- rung Eindruck machen wird. So interessant ihre Argumente gegen den Gesetzentwurf sind, so interessant wäre nun auch zu erfahren. welche Schritte die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Volkspartei von Baden bei ihren Parteifreunden in der Reichs- regierung unternommen haben oder unternehmen werden; um sie von den: Unheil abzubringen, das die Keudcll und Schiele, Curtms und Stresemann anzurichten beabsichtigen. Das Land Baden stellt immerhin noch einige feste Stützen im Parteigefüge der Deutschen und der Deutschnationalen Volkspartei, so daß man wohl annehmen darf, daß Proteste aus diesem Lande nicht unbeachtet bleiben. Vor- ausgesetzt natürlich, daß diese Proteste ernst g e m e r nt sind und ernst genommen werden. Deutschnationale Entstellungen. � Weimar. 25. August(Eigenbericht). Unter gröblicher Täuschung der Oessentlichkeit behauptet eine Verlautbarung der Deusschnattonaken Thüringens, daß ihr Kulturaus- fchuß in Uebereinstimmung mit dem Landestirchenrat Thüringens und dem thüringischen Lehrerverein die evangelische Schule als das mit der Traditton Thüringens Er- forderliche ansehen. Demgegenüber ist festzustellen, daß Landes- kirchenrat und thüringischer Lehrerverein als Korporattonen erklärt haben, an de» Gemeinschaftsschule, die bekanntlich ent- sprechend dem Artikel 174 der Reichsverfassung wie die badische und hessische Schule unter besonderem Schutz stehen, festzuhalten. Die Behauptung der Deutschnationalen schrumpft also auf die Stel- lungnahme einzelner Mitglieder ihrer Partei im Landes- kirchenrat und in der Lehrerschaft zusammen. Die Hinrichtungen in Sowjelrußland gehen weiter; Gnaden- gesuche der ehemaligen Generale Annenkoff und Denissosf wurden abgelehnt, beide sind bereits erschossen. Sie waren freiwillig nach Rußland zurückgekehrt und hatten sich gestellt! Eine Wanderoper der Preußische« llandesbühne. Die Vor- bereitungen zur Schaffung einer Wandcroper im Rahmen der Preußischen Landesbühne sind so weit abgeschlossen, daß mit dem Aufbau dieser Wanderoper spätestens im Frühjahr des nächsten Jahres zu rechnen sein wird. Obwohl die angeschlossenen Bühnen, und insbesondere die Stadtverwaltungen die Schaffung dieser Wanderoper immer gefördert hatten, so waren doch recht erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Diese bestanden hauptsächlich darin. daß es so gut wie keine Operntexte gibt, die bei ernsthaften An- sprüchen eine einfache und im Rahmen der finanziellen Möglichkeit liegend« Ausstattung zuließen. Schuh der Sumpsschildkrölel Die Sumpfs-Hildtröte ist zwar in ganz Preußen geschützt, aber in letzter Zeit sind verschiedene Nach- richten über den Fang dieses seltenen Tieres aufgetaucht. Vielleicht handelt es sich dabei auch um entlaufene Exemplare der griechischen Landschildkröte. Der Kommissar für Naturdenkmalpflege in Osna- brück, Dr. Preuß, weist im„Naturforscher" darauf hin, daß die europäische Sumpfschildkröte trotz vielfacher gegenteiliger Behaup- tung bei uns heimisch ist. Ihre Knochenpanzer hat man in sub- fossilem Zustande in tieferen Torflagen gefunden: ihr ursprüngliches Vorkommen ist für die benachbarten Gebiete von Osnabrück nach- gewiesen. Preuß fordert, daß gefangen« Tiere unter allen Um- ständen wieder ins Freie gesetzt werden und bittet um Mittei» lungen über das Vorkommen dieses Tieres in unserer Heimat. cillputseeslugzeuge. Aus Paris wird berichtet: Die fran- zösische Marine hat jetzt einen außerordentlich kleinen Wasserflug- zeugtyp für den Dienst in Zusammenarbeit mit Unterseebooten eingeführt. Die Flugzeuge können sehr rasch Stück für Stück innerhalb drei Minuten an Deck des aufgetauchten Unterseebootes zusammen- gesetzt werden. In neun Sekunden erheben sie sich vom Wasser und erreichen rasch eine Höhe von über 600 Metern. Jedes Unterseeboot der französischen Marine soll jetzt zu Rekognoszierungszwecken ein solches Liliputwasserslugzeug mit an Bord führen. Sieinzeitsunde In Ostasrika. Wie aus Nairobi berichtet wird, sind die beiden Führer der englischen Ostafrikanischen Archäologischen Expedition. Leakey und Newsam, jetzt aus dem Heimweg und haben in mehr als hundert Kisten Ueberreste des Steinzeitatters in der Kenia-Kolonie gesammelt. Von besonderer Bedeutung sind die Ent- deckungen in den Höhlengebietcn des Elmenteita-Landes Hier wurden zahlreiche wohlerhalten« Skelette geborgen, von denen man annimmt, daß sie aus der älteren Pleistozän-Epoche stammen. Man glaubt, daß dies« Entdeckungen auf den Ursprung der steinzeitlichen Kultur in Europa neues Licht werfen werden Eine größere Expedition soll im nächsten Jahre ausgesandt werden. Die Schwierigkeiten der deutschen Sprache. Die Wiesbadener Volks. stimme erzählt eine reizende Geschichte. Sin Dürger Kreuznachs erhielt einen Sttaibesehl über 20 Mark mit folgender vearündung:.Die Staats- anwaltschast beschuldigt Sie des Vergeben« gegen die niehieuchenpolizcilichcn Anordnungen betr. Abwebr und Unterdrückung der Tollwut de« LandratZ tn Bad Kreuznach vom lO. Februar IS.'S. Scholjopios«uitiicher Besitz brichtagnahmt. Wie aus MoSka» amtlich gemeldet wird, veröffentlicht der Ztat der Volkskommissare etne Mitteiluna, in der der berühmte Sänger Schaljapin Sc« Range« eine« VolkSIchau- spiele,« verlustig«rklüit wird. Sein russischer Delitz wird konsiSzicr». Dtese Matznabme erfolge, weil Schaljapin Smigrausenorganisationen unterstützt Hab«. Sei» Talent tan« man glücklicherweise nicht konfiszieren. % Reichsrat und Handelsvertrag. Genehmigung des deutsch-französischen Abkommens. Der R e i ch s r o t trat am Donnerstag nachmittag zu einer öffentlichen Vollsitzung zusammen, auf deren Tagesordnung als Hauptgegenstand eine Verordnung der Reichsregierung über die vor- läufige Anwendung des Handelsabkommens zwischen Deutschland und' Frankreich stand. Da der deutsch- französische Handelsvertrag am Mittwoch im„Reichsanzeiger" ver- öffenllicht worden ist, wurde von einem Referat über den Inhalt des Vertrages abgesehen. Die Ausschüsse des Reichsrats für aus- wärtige Angelegenheiten, für Steuer- und Zollwesen, für Volkswirt- fchast, für Verkehrswesen und für Rechtspfleg« hatten am Donnerstag vormittag den Vertrag eingehend beraten und die Verordnung über die vorläufige Anwendung des Vertrages und damit auch den Inhalt des Vertrages selbst gutgeheitzen. Di« Vollversammlung beschloß ebenso. Gegen den Vertrag stimmte nur Hessen. Der hessische Vertreter gab folgende Erklärung ab: Der Abschluß eines Handelsvertrages mit Frankreich ist auch nach Ansicht meiner Regierung eine nationaleRotwendig- k e i t. Bei aller Anerkennung dieser Notwendigkeit kann man es aber der Regierung meines Landes nicht zumuten, die Mitverant- Wartung für diesen Vertrag zu übernehmen, weil sie überzeugt ist, daß durch das Abkommen ein wichtiger Produktionszweig, der Weinbau, in seiner Lebensmöglichkeit getroffen wird. Die hessische Regierung sieht sich daher genötigt, entsprechend ihrer bis- herigen Haltung gegen den Vertrag zu stimmen. Der Reichscat erklärte sich ferner einverstanden mit einer Regierungsoerordnung über die vorläufig« Anwendung einer Ver- einbarung mit Norwegen über Einführung eines Vertrags- Zollsatzes für gewisse norwegisch« Fischkonserven in Tomaten. Nach dieser Vereinbarung sollen au« Norwegen«ingeführt« Seefische aller Art(Länge des lebenden Fisches nicht über 16 Zentimeter) mit Tomaten zubereitet und mit einem geringen Zusatz von Oel, Pfeffer und Lorbeerblättern in luftdicht geschlossenen Behältnissen bei der Cin- fuhr nach Deutschland den mit Portugal und Italien für Sardinen vereinbarten Bertragszoll von 30 M. für den Doppelzentner genießen, solange Deutschland Portugal und Italien oder einem anderen Lande diesen Vertragszoll gewährt. Die Vereinbarung kann mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. Reichs«irtschastsrat und Zollabbau. Der Ende September zusammentretende R e i ch s w i r t»' s ch a s t s r a t wird sich, wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, im Zu- sammenhang mit den Vorschlägen der Weltwirtschaftskonfcrenz mit der Frage zu beschäftigen haben, welche autonomen Zoll- sätz« des deutschen Tarifs, soweit sie für Handelsvertrags- Verhandlungen nicht in Frage kommen, abgebaut werden sollen. Industriezölle, die in der Nachkriegszeit übermäßig erhöht wurden, sollen aus ein erträgliche»'Maß herabgesetzt werden. Ferner sind gutachtliche Aeußerungen des Reichswirffchaftsrates über die allge- meinen Prinzipien, die in den Beschlüssen der Weltwirtschaftskonserenz enthalten sind, vorgesehen. Das Reichskabinett wird die Gutachten prüfen und sich darüber schlüssig werden, welche Dorschläge und Prinzipien durch gesetzliche Vorschriften für Deutschland verbindlich werden sollen. In dem soeben zustandegekommenen deutsch- französischen Handelsvertrag sind die Empfehlungen der Weltwirtschaftskonserenz erstmalig in einer ganzen Reihe von Punkten berücksichtigt. Es be- steht die Absicht, auch die noch zu führenden Handelsvertragsvcrhand- "lungen dem Geiste der Genfer Beschlüsse anzupassen. Der Reiche- wirtschaftsrat soll unter Zuziehung des Handelspolitischen Ausschusses des Reichstage» die Revision des deutschen Zolltarifgesetzes zweck» Herabsetzung des Zollniveaus noch im Herbst diesesJohres beenden. Reichstag und Handelsvertrag. Der HandelspolitischeAusschußbesReichstages tritt am Dienstag, dem 30. August zu seiner nächsten Sitzung zu- sammen, um sich mit dem deutsch-französischen Handelsvertrage und der Verordnung der Reichsregierung über die vorläufige Anwendung der Vereinbarung mit Norwegen über die Einführung eines Ver- tragszollsatzes für gewisse Fischtonserven in Tomaten zu beschäftigen. Kommuna!wahlen in den Unterelbestäöten. Die ersten Wahlen nach den Umgemeindungcn. harburg-wilhelmsburg(Elbe), 25. August.(Eigenbericht.) In den Monaten September uird Oktober gehen die drei Groß- siädte des Unterelbegebietes in den Kampf um die Neuwahl ihrer Bürgeroorsteher, Kollegien und Senate. Hamburg wählt, weil die Wahlperiode der jetzigen Vertretungen um fft; Harburg- Wilhelmsburg und Altona müssen wählen infolge der durch Gesetz vom 29. Juli im Preußischen Landtag beschlossenen großen Eingemeindungen. Durch sie ist Harburg-Wilhelmsburg Großstadl geworden, mit rund 105 000 Einwohnern. Die Wahl- Vorbereitungen sind in allen drei Städten bereits i n vollem Gange. Wo die Einreichung der Listen noch nicht erfolgte, wird sie im Laufe der jetzigen oder der kommenden Woche vor sich gehen In Hamburg und Harburg-Wilhelmsburg werden die Listen der Sozialdemokratie von den Vorsitzenden der Bürgerschaft, Genossen Roß(Hamburg) und Genossen Andreas Müller, Mitglied des Preußischen Staatsrats(Harburg-Wilhelms- bürg) geführt. Bekanntlich haben Altona und Harburg-Wilhelms- bürg neben sozialdemokratischen Polizeipräsidenten sozialdemokratisch« Oberbürgermeister: in Hamburg ist der Einfluß der Sozialdemo- kratie gleichfalls überwiegend, so daß hart« Kämpf« zu«r- warten sind. Da außerdem die drei Kommunen ausgesprochene Industrie- und Handelsstädte sind, werden die Wahlen im September und Oktober einen Gradmesser dafür bilden, welch« Lehren die Wählarmassen aus den Erfahrungen der letzten Jahr« zogen und wie weit besonders der Gesundungsprozeß in der Arbeiterschaft fort- geschritten ist. In Hamburg ist Thälmann Spitzenkandidat der Kam- mu nisten: die Demokraten führt der Fraktionsvorsttzende Plate». Die Deutschnationalen haben sich mit Dr. Koch einen neuen Führer zugelegt, während an der Spitz« der volksparteilichen List« Bürgermeister Schröder steht. Interessant ist in Altona die Tatsach«, daß dort die Mieter es ablehnten, eine eigene Liste aufzustellen: In Harburg- Wilhelmsburg wollen ihre Bemühungen auch nicht recht voran. Die organisierten Mieter sagen sich mit Recht, daß jede weitere Zersplitterung von U«b«l ist und daß ihre Interessen durch die Sozialdemokratie am besten gewahrt werden. Eine sonderbare Rolle spielen die bürgerlichen Beamtenorgan i- sationcn, die bei allen(!) Parteien anfragten, ob man von ihnen präsentierte Kandidaten berücksichtigen werde. Die Kam- m u n i st e n können in Harburg-Wilhelmsburg nur unter schweren Wehen zu einer Liste kommen. Sie hatten sich schon in den letzen Parlamenten tot gelaufen; in Wilhelmsburg waren drei ihrer Bürgervorsteher noch kurz vor der Auflösung des alten Kollegiums zur Sozialdemokratie gegangen. Wirrwarr herrscht auch im bürgerlichen Lager, seitdem die Demokraten eine Einheits- lsst« ablehnten. Die Sozialdemokratie geht in ollen drei Großstädten zuversichtlich in den Wahltampf. Sie hat In der Vergangenheit gute Arbeit getan und darf der Wählerschaft getrost gegenübertreten. Sozialdemokratische Kulturarbeit. Es ist übrigens von Interesse, daß selbst Rechtsblätter der in Hamburg unter Mitwirkung der Sozialdemokratie geleisteten Aufbauarbeit ihre Anerkennung nicht versagen können. Nach allgemeinen Lobsvrüchen für di«' Arbeit der Regierung, an der die Sozialdemokratie führend beteiligt war, erklärt die„Tägliche Rund- schau" wörtlich: Da» kulturelle Leben Hamburg» wurde, soweit der Staat dabei in Frage kommt, gefestigt und vertieft. Denn hier wie an allen Stellen, wo die Sozialdemokratie mit in der Führung und Verantwortung steht, machte man die gleich« Erfahrung, daß sie ihre politischen Lorbeeren besonders beim Auebau der kulturellen Einrichtungen des Staates sucht. So bekam Hamburg ein f a st neue», wenn auch umkämpftes Opern- haus, und die Universität, die sich im Bewußtsein der Stadt erfreulicherweise immer mehr festsetzt, erhielt vor allem durch die nun Gesetz gew irdene akademische Vorbildung der Lehrer neuen Zustrom. S.'lbst die berufsmäßigen Marxistentöter, zu denen sich das Blatt Stresemanns gelegentlich bekennt, müssen also den f r u ch t- baren Einfluß der Sozialdemokratie auf das Kulturleben zu- geben— ein wertvolles Eingeständnis, an das man sich wohl wird erinnern müssen! Dank an yörsing. Die Zusammenarbeit der Staatsaufsicht mit der Selbstverwaltung. Der Landeshauptmann der Provinz Sachsen hat an den ausscheidenden Obcrpräsidenten Hörsing ein Dank- schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Indem ich für die freundliche Benachrichtigung von der Niederlegung Ihres Amtes als Oberpräsident der Provinz Sachsen bestens danke, ist es mir«in Bedürfnis, Ihnen meine und der Provinzialoerwaltung besten Wünsch« für Ihr s«rne- res Wohlergehen zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig aber möchte ich Ihnen sowohl in meiner Eigen- schaft als Landeshauptmann der Provinz Sachsen wie auch im eigenen Namen herzlichen Dank sagen für die überaus angenehirt-e jahrelange Zusammenarbeit. Wenn überall im deutschen Vaterlande da» Zusammenwirken oyn Staats- aufsichtsbehörde und Selbstverwaltung so wäre, wie es sich in der Provinzialinstanz der Provinz Sachsen herausgebildet hat, würden die vielen berechtigten Klagen in den Kreisen der Selbst- Verwaltung verstummen und sicherlich die Autorität des Staates stark gefestigt w«rd«n." �anöwerkertag über Verwaltungsreform. Das Reichsrahmensteuergesetz. Alünchen, 25. August.(Eigenbericht.) Unter Teilnahme von Vertretern der Reich»- und Länder- regierungen, zahlreicher Reichstagsabgeordneter und der großen Spitzenverbände der Wirtschast hielten am 25. August in München die deutschen Handwerk,- und Gewerbetammern ihre Tagung ab. Von den Verhandlungen interessiert die breite Oeffentlichkeit nur ein Referat des Oberregierungsrats Adametz-Derlin über:„Die Stellungnahme der wirt- schastlichen Spitzenverbände zur Verwaltungsrcform". Der Redner vertrat dabei grundsätzlich die Ausfassung, daß der einzige Weg, der zu großen Ersparnissen führen kann, eine großzügige Ver- fassungsreform sei. Don einer Begründung dieser Ansicht sah er ab. da ihm nur die Aufgabe zugewiesen sei. di- Verwaltungs- reform im Rahmen der bestehenden Verfassung zu untersuchen. Die notwendige Versassungsresorm könne erst dann In die Wege geleitet werden, wenn man sich endlich freimache von den Schlagworten: Unitarismus und Föderalismus, wenn da» von allen Deutschen an- gestrebte Ziel der Reichseinheit durch die übertriebenen Forderungen nach dem Einheitsreich und wenn unzweideutig erklärt werde, daß alle großen und mittleren Länder bestehen bleiben sollen und ihre Selbständigkeit nicht mehr bedroht wird. Di« Der- walwngsreform unter der bestehenden Verfassung sei nur möglich durch eine Einschränkung der gesetzgeberischen Tätigkeit, besonder» aus dem Gebiet« der sozialen Auf» gaben und außerdem durch«ine bessere Abgrenzung der Zu- ständigkeiten zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. In dem. zweiten Referat polemisierte der Generalsekretär Hermann- Berlin gegen den neuen Entwurf der Reichsregierung zum Reichsrahmensteuergesetz. Dieser Entwurf bringe wiederum kein« Vereinheitlichung de» Realsteuerrecht». Die Verschiedenheit des Steuerdrucks in den Ländern und Gemeinden bleibe nach wie vor bestehen. Außerdem enttäusche die Wirtschast besonders die Taffache, daß auch im neuen Entwurf, wenn er Gesetz wird, die von der Reichsregierung anerkannt« Senkung der Realsteuer nicht eintritt. Die Forderung der Wirtschaft, daß der Real- steuextarif in ein festes Verhältnis zum Einkommensteuertarif gebracht wird, fei nicht erfüllt. Trotz dieser schweren Mängel sei es aber unklug, den Entwurf�rundweg abzulehnen. Zur das Landesarbeitsamt der Grenzmark. Eine Deputation beim preußischen Ministerpräsidenten. Der preußisch« Ministerpräsident Dr. Braun empfing am 25. August«ine Deputation der Provinz Grenzmark» Posen»We st preutzen, die von d«m Landeshauptmann Dr. C a s p a r i geführt wurde und Vertreter der politischen Par- teien der Grenzmark umfaßte. Di« Deputation stellte dem Minist«r- Präsidenten die dringende Notwendigkeit der Erhaltung des Landesarbeiteamtes für die Provinz Grenz- mark-Pos«n-Westpr«uben vor. Der Ministerpräsident sagt« eine gründliche Prüfung d«r Materie im Anschluß an die ihm gemachten Angaben und di« ihm überreichte Denkschrift des Landeshauptmann«» zu. ßolgen kommunistischer Ausschreitungen. Verbot kommunistischer Kundgebungen in Hamburg. Hamburg, 26. August.(WTB.) Wegen der Zusammenstöße, die sich im Anschluß an die am Mittwoch von der Kommunistischen Partei aus dem Helligeng«istseld veranstalteten Sacco-Danzetti-Demonstrotionen ereignet haben, hat die Polizeibehörde In Hamburg Demonstrationen der KPD. bis auf weiteres verboten. demonstratlonsverbote in fächfischen Städten. Wegen der Vorkommnisse in Leipzig wurden dort sowie in Dresden und Chemnitz alle Demonstrationen und Umzüge von von Polizeipräsidenten verboten. öotschast der verbannten. Italienische Arbeitersührer an den Kongreß des JGB. Die nach einer oerödeten Ins:el verbannten Führer und Organisatoren der italienischen Gewerkschastsbewegung, die in dieser Hölle unter den schrecklichsten Bedingungen und Aussichten leben, richteten an den Kongreß des Inter- nationalen Gewerkschaftsbundes eine Boffchast, die leider nicht rechtzeitig eintreffen konnte und Nachstehend wieder- gegeben wird. Sie zeigt, daß diese Führer, trotzdem sie den schlimmsten Repressalien ausgesetzt sind, nicht müde werden, sich zu ihrer Sache zu bekennen und daß ihr Glaube an di« Arbeiter- bewegung und die Freiheit unerschütterlich bleibt. Die Boffchaft lautet: „Don einer der Inseln, nach der uns die Regierung Mussolinis deportiert hat. senden ehemalige Organisatoren und organisierte Ar- beiter des Italienischen Gewerkschastsbundes den in der Hauptstadt der freien Erde Frankreichs versammelten Vertvtern de» Prole- tariats aller Länder ihren Gruß und ihre besten Wünsche. Wir tun dies nicht, um in lärmender Weffe ein demagogisches Bedürfnis zu befriedigen, sondern es ist uns ein Herzensbedürfnis, dem inter- nationalen Proletariat zu sagen, daß unser Wille zum Kampf nicht gebrochen ist und nicht erlöschen wird, trotz- dem wir wegen unserer Ueberzeugung deportiert wurden und Geiseln der saschistischen Regierung sind. Da» italienische Proletariat ist heute mehr als je antifaschistisch. Jeden Tag treffen neue Verbannte auf den berüchtigten Inseln ein. Der alte und ruhmreiche italienische Gewerkschast»bund lebt in den Herzen der Arbeiter nicht nur als eine Erinnerung weiter, sondern als Wille zum neuen Leben. Selbst unter der schrecklichsten Gewaltherrschaft strebt das italienische Proletariat nach seiner Befreiung und will von einem Paktieren mit dem Faschismus nicht» wissen. Unser Kamps wird lang, bitter und opservoll sein. Der Sieg der Freiheit der Arbeiter muß ein enffchiedener und klarer sein. Demütigungen, Entbehrungen, mora» lisch« Peinigungen und materielle Leiden können uns nicht schrecken und uns nicht müde machen. Auch wissen wir, daß uns ine Soli» darität des internationalen Proletariats nie fehlen wird. Kameraden! Es erübrigt sich, euch das Leben zu schildern, das wir hier führen müssen. Es genügt euch, zu wissen, daß die Uber- wachung der Inseln der faschistischen Miliz anvertraut ist, daß die Zensur uns jeden Kontakt mit den Kameraden des Konti- nents unmöglich macht, daß wir praktisch den Beamten der Re- gierung Mussolinis und den Kommandanten der Schwarzhemden äusgeliesert sind. Wir sind Gefangene an einem Orte, der viel- leicht ein bißchen geräumiger ist als«in gewöhnliches Gefängnis. Wir wollen nicht die Pose von Märtyrern annehmen, die unserem Temperament widerspricht, sondern freuen un» lediglich, di« Gelegen- heit zum Bekenntnis zu haben, daß un» die Sache der Gegner- fchast gegen den Faschlsmus aller Länder wachsam und bereit findet! Wir wünschen euch gut« und erfolgreiche Arbeit. E» lebe die Inter- national«! Neuwahlen in Irland. Angeordnet nach einem Wahlerfolg der Regierung. Bei Nachwahlen In Dublin(Stadt und Grafschaft) hat die irisch« Regierung gestern zwei Mandate gewonnen. Darauf hat der Generalgouverneur die Nationalversammlung aufgelöst und Reu- wählen aus Mitte September ausgeschrieben. Eisenbahnunglück am Montblanc. IL Tote, 20 Verletzte. Chamounix, 25. August,(havas.) Ein Zug der Strecke Monteaver»— Ehamounix entgleiste heute nachmittag gegen fünf Uhr. Die Lokomotive und der erste wagen stürzten fünfzehn Meter tief ln eine Schlucht. Nach der Zeitung ..L'Auto" soll das Unglück auf ein Versagen der Bremse zurückzuführen sein. 3n dem wagen saßen 60 Personen. Man zähle bisher gegen 15 Tote und 20 verletzte, darunter einige sehr schwer verletz«. Unter den Talen sind auch Bergsteiger. 12 Todesopfer des Unglücks in England. London, 25. August. Wie jetzt amtlich mitgeteilt wird, sind bei dem gestrigen Eisenbahnunglück bei Eevenoots zwölf Personen ge- tötet und 24 schwerverletzt worden. Dazu tomm«n noch 24 Leichtverletzte. Besonders schwer heimgesucht ist eine Familie, von der ein Mitglied getötet und visr ander« schwer verletzt wurden. Schiffstragödie auf der Sstfee. Bier Menschen ertrunken, zwei in Todesgewißheit den Tod gesucht. Stockholm. 25. August. Der Untergang de» schwedischen Dampfer»„S t r y g g v e" im Ostseesturm stellt eln« wahre Tragödie dar. ver einzig Ge- rettete, der Heizer des Dampfer», erzählte, daß sechs Per- sone« sich ln«ln Retlungsboot retten konnten. Ohne jede Nah. rung und ohne Sicht eine« Schisses sei diese» ein« wache lang ans der stürmischen See umhergeirrt. Den sicheren Tod vor Augen, hätte sich ein unter den Schiffbrüchigen befindliches junges Ehepaar ins Meer gestürzt. Die anderen Schiff. brüchigen worden tot im Baal aufgefunden. Der Tote von Ludwigsluft. Der Ermordete von Ludwigslust ist festgestellt als der 20jährige Feinmechaniker Ernst Brandt aus der Frankfurter Allee 4. Bor etwa drei Wochen war er mit zwei bisher unbekannten Freunden auf Wanderschaft' gegangen Die Eltern stnd vollkommen verzweifelt und können«instweilen keine Auskunft geben. Die Feststellung de« Toten gelang durch Anfrag« bei der kommunistischen Jugendorganisation, da man Anhaltspunkte gewonnen hatte, daß er zu thr gehört hatte. Mißhanölung von Landarbeitern. So kann es nicht weitergehen! Di« Kette der Landarbeitermißhandlungen reißt nicht ab. Kaum ist ein Fall in der Press« erörtert worden, melden sich neue Klagen und Beschwerden über menschenunwürdige Behandlung der Land- arbeiter. Di« Häufung der Mißhandlungsfäll« wirkt allmählich beunruhigend. Wenn das preußische Landwirt- schaftsministerium darauf hinweist, daß die Verwaltung alles getan höbe, um die Arbeiteroerhältnisie auf den Domänen zu bessern, so ändert das nichts daran, daß traurigerweise auch die staatlichen Domänengüter mit der Schande der Arbeitermißhandlungen behaftet sind. Daß die Dinge auf den privaten Gütern noch taufend- mal schlimmer sind als auf den Domänen, braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden. Gegen die Kulturschande der Arbeitermißhandlungeu in der Landwirtschaft muß deshalb in der Oeffentlichkeit und in Kürze auch in den Parlamenten energisch Front ge- macht werden: denn nicht nur die Fälle häufen sich, sondern auch der Grad der Brulalitäl der Mißd-sblungen stöigt. wie folgender Vorfall beweist. Der auf dem Gut Alt-L., Kreis beschäftigte Schnitter L. wollte ein« Maschine überholen. Er tonmr die Arbeit nicht ver- richten, weil der Inspektor das Arbeitszeug- angeschlossen und das Gut verlassen hatte. Als der Inspektor siss nieder einfand, macht« ver Schnitter ihn darauf aufmerkscu», dal«* ohne Handwerkszeug die ihm übertragene Arbeit nicht erledigen Nennte. Er betont« dabei,' daß man ihm gegenüber doch nicht so mißtrauisch sein soll«. Es gab einen Wortwechsel, in dessen Verlauf Schnitter und Inspektor beinah« aneinandergeraten wären. Die Folge war, daß der Inspektor die fristlos« Entlassung aussprach. Am Nachmittag nach dem Vorfall kam der Inspektor zu dem Schnitter und forderte ihn auf, wieder weiter zu arbeiten. Der Schnitter oerlangte jedoch in höflicher Form Papier« und Lohn. daraufhin wurde der Schnitter aufgefordert, auf den Gutshof zu kommen. Als er dort ankam, rief ihm der Inspektor aus feinem von innen verschlossenen Zimmer zu:„Sie kriegen nichts, machen Sie, daß Sie wegkommen! Der Arbeiter trat nun an das Zimmer. senfter heran und erklärte dem Inspektor:„Wenn Sie mir meine Papiere und den Lohn nicht geben, werde ich Sie verklagen!' Hierauf zog der Inspektor einen Revolver und schoß dem Arbeiter ins Gesicht. Die Kugel ging durch die Oberlipp«, glitt an den Zähnen ab, durch- schlug den rechten Unterkiefer und blieb in dem rechten Armmuskel stecken. r Wiederkehr der alten„patriarchalischen' Verhältnisse, wie sie in der Vorkriegszeit in vielen agrarifchen Gegenden geherrscht haben! Wir sind also glücklich wieder so weit, daß sich die Landarbeiter, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, mißhandelt, totgeschlagen oder er- schössen zu werden, jede Unverschämtheit, Beleidigung und Bedrohung von brutalen landwirtschaftlichen Unternehmern und ihren Gehilien widerspruchslos gefallen lassen müssen. Und dann bringt es der Pommersche Landbund fertig, in einer Broschüre die deutschen Wanderarbeiter und Schnitter als unzufriedene und für die Landwirtschaft unbrauchbar« Menschen zu be- zeichnen. Wollen die Behörden gegenüber diesen Vorgängen noch länger die Hände in den Schoß legen? Sind sie mit Blindheit geschlagen? Sehen sie nicht die Gefahren, die mit den fortgesetzten Landarbeitermißhandlungen verbunden sind? Werden die Warnungen de» Deutschen Dandarbelterverbande» in den Wind geschlagen, dann dürfen sich die verantwortlichen Stellen auch nicht über die Früchte wundern, die aus der D r a ch e n- fast der Landarbeitermißhandlungen emporschießen werden. Zur öesolüungsfrage. Beratungen zwischen Reich und Preußen. Der„RS.' berichtet: Ueber Einzelheiten der neuen Befoldungs- ordnung können heute noch keine näheren Mitteilungen gemacht werden, weil zwsschen dem Reich und Preußen noch nicht all« Froren bereinigt sind. Die preußischen Vorschläge gehen ins- �psondere in der Frage der Besoldung der politischen B e- a m t e n und sämtlicher Beamten der Zentralbehörden über die Vorschläge des Reichsfinanzministers hinaus. Auf preu- bischer Seite ist man der Auffassung, daß die politischen Beamten und die der Zentralbehörden eine besonders verantwortungs- volle und schwierige Ausgabe haben, und Arbeiten ltiftin müssen, die sie zeitlich weit über die normale Dienstzeit beanspruchen, so daß die Bemühungen dieser Be- amten in einer verhältnismäßig besseren Besoldung anerkannt werden müßten. Die Durchführung einer solchen höheren Besoldung wird für um so weniger bedenklich angesehen, als die politischen Beamten und die Mitglieder der Zentralbehörden der Zahl nach gegenüber der Gesamtbeamtenschaft sehr gering sind, so daß' eine Mthrauswendung im Verhältnis zu den Kosten der gesamten Beamtenbesoldung nicht ins Gewicht fällt und von einer Benach- teiligung der übrigen Bcamtenkategorien keine Rede sein kann. In den Kreisen der Berliner Zentralbehörden macht sich beretts ein« unverkennbare Unruhe bemerkbar. Man nimmt in preußischen RegierungSkreisess an, daß das Reichsfinanzministerium trotz des starken Drängens der Wirtschaftstreise sich den Anschau- üngen Preußens annähern wird. Die Lohnbewegung in öer Herrenkonfektion. Kündigung des sechsten Oohnabtommens. Der Ärbeitgeberverband der Herrenkonfektion weicht trotz wiederholten Ersuchens der Arbeitnehmer, sofort über neue er- höhte Lhhnsätze zu verhandeln und dos neue Abkommen mit Wirkung ab 1. September in Kraft zu setzen, einer klaren Stellungnahme au». Anfangs erklärte der Arbeitgeberverband, er könne mit Rückficht auf die Einhaltung künftiger Verträge nicht in Verhandlungen zum Ab- schluß«!n«s neuen Lohnabkommens eintreten. Auf ein zweite» Schreiben der Zentralleitung des Deutschen Bekleidungsarbeiterver- bände» hat der Arbeitgeberverband mitgeteilt, daß i n f o l g« der R e i se t ä t ig k e i t verschiedener Herren die Beantwortung des Schreibens eine Verzögerung erfahren könne. Daraufhin ist nun dem Arbeitgeberverband von den Arbeitnehmern mitgeteilt worden, daß sie sich aus formalrechtlichen Gründen gezwungen sehen, nunmehr ausdrücklich unter Bezugnahme auf die bereits bekannten Anträge die Kündigung für das sechste Lohnabkommen auszu- sprechen. Gleichzeitig wurde auch das Lohnabkommen für die Gummimäntelkonfektion gekündigt, unter Bei- fügung derselben Anträge, wie sie für die Herren- und Knaben- konfektion gestellt wurden und zwar mit folgender Ergänzung: „Hinter dem Abschnitt der Akkordlohnberechnung ist ein neuer Ab- schnitt für die Festlegung des Heimarbeiter zufchlages ein- zufügen. Di« Höhe desselben soll mit 10 Proz. vom verdienten Lohn festgelegt werden.'_ verkehrsbunü und Nheinfchiffahrtsstreik. Ein Rachwort. Gegen den Verkehrsbund, unt«r dessen Führung das organi- sierte Deck-- und Maschinenpersonal der Rheinschiffahrt in einem sechstägigen Streik sich einen neuen Tarifvertrag erkämpft hat, wird in der bürgerlichen Presse der Vorwurf erhoben, der Bund habe, ohne das Eingreisen des Reichsarbeitsministers abzü- warten, die Stillegung der Schiffahrt am Oberrhein oeranlaßt und eine schwer« Schädigung der deutschen Verkehrsschisfahrt her. heigesührt. Dieser Vorwurf muß zurückgewiesen werden. Die Arbeit'gtder haben gewußt, daß da» Personal zmm Kampf entschlossen war. Wenn er zum Ausbruch kam, so sind sie allein schuld daram Durch entsprechend« Zuge- ständnisse wäre er vermieden worden. Die Verhandlungen in Köln stünden unter dem Eindruck des Streiks am Oberrhein und unt«r dem Druck eines drohenden all- gemeinen Rh«inschisfahrtsst?eits, der von den Mitgliedern des Ver- lehrsbundes beschlossen und bei unzulänglichem Verhandlungsergeb. nis sofort proklamiert werden sollte. Der Tarifvertrag des Verkehrsbundes sieht Lohn. erhöhungen von IVi bis 10 Proz. vor. Sämtliche be- sonderen Vergütungen sind erhöht. Wesenttiche Verbesse- rungen sind auch für die einzelnen Gruppen erziett. Insbesondere für die H a f e n b o o t e und deren Maschinisten. Di« Neuregelung der Arbeitszeit war der Kardinal- punkl. Das Personal erhält zwei absolut freie Sonntage. die in jedem Monat innezuhalten sind. Die Hafenboote erhaltw außerdem noch jeden Monat einen halben Sonntag frei. Die Ar- beitszeit beim Laden und Löschen betrug seither 10 Stun- den: sie ist neu geregelt auf der achtstündigen Basis. Ferner wurden die Pflichtüberstunden(3— 4 in der Woche) beseitigt. In drei überfüllten Versammlungen der Streikenden(sämtlich- Streikposten waren eingezogen) wurde am Mittwoch in Kehl und Karlsruhe einstimmig, in Mannheim gegen wenige Stimmen der Tarifvertrag anerkannt und der Lohn- kommission, die fast restlos aus Streitenden bestanden hatte, ein- stimmig das Vertrauen ausgesprochen. Die gleichen Beschlüsse wurden in den Versammlungen der anderen Orte gefaßt. Maß- regelungen aus Anlaß des Arbeitskonfliktes dürfen nicht stattfinden. Di« Disziplin des Personals war mustergültig. Streikdeginn und Arbeitsausnahm« erfolgte nach den Beschlüssen. Wenn die KPD. sagt, es sei nichts erreicht, so mag sie die Beurtei- lung der Sachlage ruhig den Mitgliedern des Verkehrsbundes über» lassen, der am Mittwoch, dem 24. August, 200 Neuaufnah- m e n verzeichnen kann. Das im Vertehrsbund organisierte P-rio. nal kann seinen Streik mit einem vollen Erfolg abschließen. Albert Thomas kommt nach Berlin. Wie die Telegraphen-Union erfährt, wird der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, am 29. August in Verlin Eintreffen. Seine Anwesenheit in Berlin gilt der Vor- besprechung des Programms des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes, der in der Zeit vom 10. bis 15. Oktober in Berlin tagen wird. Der Tagung kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als der Verwaltungsrat zum erstenmal seit seinem Bestehen in Deutschland tagen wird. Außer dem Arbeitsprogramm ist auch ein äußerer Empfangs- abend vorgesehen: so werden u. a. die, Teilnehmer vom Reichs-» Präsidenten und von der Stadt Berlin empfangen werden. Auch an einen Ausflug nach Potsdam ist gedacht. Großzügigkeit bei den Textilindustriellcn. Der Arbeitgeberverband der Textilindustrie für den B e z i r 5 Hannover hat in der Verhandlung vom 23. August den Gewerk- schaften die horrende Zulagevon3,3 Proz.— K2Pfennig Spitzenlohn in Klasse 1 für hie Zeit bis 31. Juli 1928 angeboten. Di« Mehrarbeitszeitregelung<6 Stunden pro Woche mit 15 Proz. Zuschlag pro Stunde) sollte für diesen Zeitraum bestehen bleiben. Die A r b e i t e r lehnten dieses großartige Entgegenkommen d«- armen Textilindustriellen a b. Infolge der Haltung der Arbeitgeber muß für den Bezirk Hannooer- Braunschweig mit wirtschaftlichen Störungen gerechnet werden._ Arbeitsniederlegung in einem Eisenwerk in Lollar. Mittwoch vormittag legten die Former der Radiatorengießereien der Buderusschen Eisenwerke in Lollar bei Gießen plötzlich die Arbeit nieder, weil sie der Ansicht sind, daß sie bei dem neuen Ar- beitsoerfahren in der Gießerei.Verdienstausfall erleiden würden. Die Werksleitung bezeichnet das Vorgehen der Leute als Vertrags- bruch. Falls die Former nicht bald die Arbeit wieder aufnehmen, werde in einigen Tagen für weitere Belegschaftsteile keine Arbeits- Möglichkeit mehr vorhanden fein. Fr«,« Eewerkfchaftsjugend IS roß. Belli«. Heut», Freitoa, Uhr, logl« Sie Gruppen: Hermonuplog: Gcuppcnßrirn Jugendheim Sanderftr. 11, Ecke Hobrechtstraße. Lichtbilderoortrag:„Unser Wald."— Schönelpeide: Gruppen. heim Jugendheim Laufcner Str. 2< Sinter Enal). Bortrag:»Sportbewegung und Jugend."— Zlordring: Gruppenheim. Jugendheim Eberowalder Str. Ist, Ii TON er 12. Musik, und Liederabend.— tzeppellnplaß: Gruppenheim Stiidtischez Jugendheim Turiner Ecke Seestraße. Unsere Mädels berichten vom Wochenend- am.e kursus. Zugendgrupp« de» ZdA. Heute, Freitag, ISZH Uhr, in folgenden Bezirken: Lichtenberg: Gesangsraum de» Sicalgtimnaslums Parkauc 12.»Praktisches Wandern.— Südwest: Jugendheim Belle-Alliance-Etr. 7/10. Lichtbilder» Vortrag.— Spandau: Jugendheim Lindcnufer 1. Liederabend. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft:«. Sater»«»: Glwertschasl-bewcauna: Friedr.«hkor«: Feuilleton:«. S. DIscher: Lokale» und Sonstige»: Friß Dorstadt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Lerlag: Borwärls-Perlag G. m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Berlagsanstal» Paul Singer u En. Berlin SW SS. Lindensiraße 3. Hierzu 2 Beilagen.»Unterhaltung und Wiste»"»»d.Stadtbetloge". WERTHEIM Leipziger Str. Königetraße Rosentbaler Str. Moritzplatz Preise soweit Vorrat; Fleisch, Fische, Obst u. Gemüse werden nicht zugesandt Zitronen- Gärungsgctrank Verkoufc DroiCB-AbleOung Ausschank: fa) äe» EHrlschungsrSumcn Besonders preiswerte Gaskocher iäüSi ,pVÄ« 1 LlSi£?Uou* äÄr 4 u*Äbr"0"er 90 pf. 675 Pf. 075 975 II50 1950 32m Teilzahlung für Gasabnehmer der SlSdt. Werke Dampfwurst.. Landleberwurst pwnck 1.15 Rotwurst..... p>unck 1,15 Westf. Mettwurst Pm. 1.30 Hildesheimer.. Pfund 1.30 Speck tttt, Pfd. 1.20 mogerl.30 MettwurSFtrsÄ1-45 Jagdwurst.... Pfund 1.45 Polnische, Piletwurst 1.50 ........ Pfund 1l5 Bierwurst.... Pfund 1.65 Leberwurst keine. Pfund 1.65 Zervelat u.Salami Pfd. 1.70 Schinkenspeck. Pfund 1.70 Nußschinken" 1.95 loDlittritt, ItsnlhilK Urite. Kutizlitc Weiche Mettwurst Pfd. 1.20 Teewurst..... Pfund 1.70 Frisches Fleisch Pfood Kaibskamm u. Brust Kalbsnierenbraten. Schweinebauch.u neiu«. pnmd Schweinekamm Schmorfleisch Querrippe Find Blatt and Röcken Pfand mit Knodren, Piund Pfand Hammelfleisch Fiand Pfand Hammelrücken____ Kaßfer, Speer u. Kamm pfud Liesen pfd.80p� Gehacktes Pfd. 90 pt 92 pt 92 pt 95". Iio 80 pt 98« Im Izo 80 f Prima Ochsenfleisch gefroren Suppenfleisch........."«d 52" Kamm u. Brust....... pfa«d 58 pt Allgäuer uSZSZS™. 38"tZ'i 85p,. Holländer u. Edamer 68 Pf. ZtOinbuscher"oiu 72, 85 Pf. Tilsiter V°Ä 75, SS. 93" Schweizer dünisch., pm 85" Schweizer b«yr-. Pfund 1.38 Emmentlraler 1.50-n KokOSfett l-Plund-Taftl 55 Pf. Margarine..."und 58 Pf. Tafelbutter... Pfund i.go Dänische Butter Pfd. 2 m Lachsherfnge 10 n°. 14p, Schellfische itriNL, ftt 3S?,. Sprotten..... Pfund 40". Fettb0cklinge"d.4O, 43". Seelachs k«riuch. Pfund 45". _ Räucheraale Pfund von 2.35«« Bund 48"_ Auszugmehl 2 56«. s-Ä'« Bosn. Pflaumen Pfund 30". Eier-Makkaroni vruch 4 5 Pf. Gem. Backobst"und 48" Eier-Schnittnud. pm 45 Pf. Kaliforn. Birnen P'und 65". Eler-PadennudelnPM 52". Konserven Blaue Pflaumen Eßbirnen"lbe B«h™dr 14 Pf. Beurre blanc Pfund 20" Klaps Liebling.Pfund 23 Pf. Alexanderäpfel Pfund 22" Strudeläpfel-.Pfund 24". Pfirsiche Pfund 30 Pf. 38". Ananas g'nM PrtIS?„d 88" grofe Bühler"»nUlf, ansprechend.......... 1.45 1925 Liebfraumilch o>i«u« Kop»»i) ucuich, besicchend 1.55 1921 Wiltinger diumig«- s««rwein............ 1.70 Fische Seelachs otoÄWP,-a 12" 18" Schellfische....... p.a.d20"25" Goldbers ohne Kopf,..Pfand 24" 32" Grüne Heringe............ 24" Rotzungen............ Pfand 25" Filet von Kabeljau 45" Lebende Karpfen.... pfUDd i2s Wiid u. Geflügel Hirschragout........... 40"« Hirschblätter...... 80"» Gänse................. 90"- Suppenhühner �«.h»°. p.a»d los.. Brathühner......... Pfand 1-»» >« FL 1925 Niersteiner Domtal»iahiiy, von 1921 Gundersheimer Berg»aiee Ti»diroiw»in Tarragona Rot ous, vorzügliche Quainit< Hlmbeer-, Johannisbeer- u, Zitronensaft 86 pt ..Klosterbrand" Deatochcr Weinbrand........... Feiner Apfelwein vom p«b............. lu« wmmmmmmmmmmmmEmmmmmmmmBm 1.90 1.30 1.15 V,PL 1.40 3.40 52 Pf. Holl. Kakao"'IVÄtr,' Messina-Drops v. p.und 18". Eisbonbon.>>"und 13". Gelee-Himbeeren>- pm. 25 Pf. Schnittgebäck v. Pfd. 30" Borkenschokolada voiimiich. v« Pfund 55". Gebrannt Katfee 220« Nr. 402 ♦ 44.Fahrg«g 1« Heilage öes Vorwärts frettag, 24. Jaguft 1427 Die heilsihule auf öem Exer. Draußen auf dem allen Txerzierplaß. an der Ebers- walder Straße, liegt eine Schule, die ihresgleichen in Berlin nicht hat: die Freiluftschul« für TuberlulSf«. 250 Kinder, denen ihr Leiden die Teilnahme am regulären Schul- betrieb ganz oder zeitweise unmöglich macht, werden hier unter- richtet.— Ein Gewimmel sonnenbrauner Körper m den Liegehallen und auf der großen, grünen Wiese läßt dem Besucher nur schwer glauben, daß er es hier mit lauter tranken Kindern zu tun hat, die von den Schulärzten eigens zur Behandlung in das auf dem gleichen Grundstück befindlich« Ambulatorium geschickt wurden, mit lauter Kindern, die an tuberkulösen Erkrankungen der Knochen, der Gelenke, der Drüsen oder der Haut leiden. Darum ist der ge- samt« Unterricht auf die Unterstützung der Heilbehandlung zu- geschnitten. Sommer wie Winter wird völlig im Freien unterrichtet, Mädel und Jungen tragen dabei gleiche Kleidung: Badehosen, und bei gar zu rauhem Wetter noch«ine kurze Jacke mit Aermeln. Nur an jedem zweiten Tag ist Unterricht, und auch dann nur vier Stunden. Die Kinder bleiben den ganzen Tag, nachmittags werden sie von Schwestern beaufsichtigt, und neben der Frühstücks- und Nachmittagsmilch wird ihnen auch das Mittag- essen geliefert. 32 Kinder, deren häusliche Wohnungsverhältnisse gar zu schlecht sind oder deren Leiden besonders schwer ist, schlafen nachts im Neubau des Ambulawriums in vier schönen, luftigen Sälen. Im Unterricht wird das besondere Leiden der Kinder andauernd berücksichtigt: Im Handfertigkeitsunterricht wird beson- dsrs auf die Entwicklung der Linkshändigkeit Wert gelegt, weil viele dieser Kinder einmal den vollen Gebrauch der rechten Hand ver- lieren können, im naturkundlichen Unterricht nimmt der Gesundheits- und Tuberkuloseunterricht einen breiten Raum ein, und durch Garten- bau als Arbeilsunterricht und Tierpflege wird nicht nur das natur- kundliche Wissen gemehrt, sondern die Kinder auch von ihrer Schwerkranke in der Umgebung Gesunder sich oft aneignen. Welch« Frücht« dieser Unterricht trägt, sieht man an den freiwillig angelegten Beeten der Schüler, an den großen.Karnickeldiskusiionen", die über die Unterbringung der überzähligen Produkte karnickeliger Frucht- barkeit gepflegt werden, und sicher wären ohne die Mllarbeit der Lehrer, die hier unter wirklich erschwerenden Umständen arbeiten, auch die Heilerfolge des Ambulatoriums wefenttich geringer. Darum kann man nur Bedauern empfinden, wenn man feststellen muß, wie wenig diese, bei dem ewigen Schülerwechsel(durchschnittlich er- neuert sich in einem Jahr das gesamt« Schülermaterial) und den oft schwer deprimierten und nervösen Kindern so ausreibende päda- gogische Arbeit gewürdigt und unterstützt wird. Wäre es der Stadt wirklich unmöglich, noch ein« Baracke für drei Klassen zu bauen? Der Zweck der Schule ist, nach den Bestimmungen, die Kinder während ihrer ärzllichen Heilbehandlung so well zu fördern, daß sie nach ihrer Wiederherstellung ohne wesentliche Schädigung ihrer geistigen Entwicklung der Normalschule zurückgegeben werden können. Zurzett aber müssen, aus Raummangel, die oberen drei Klassen gemeinsam unterrichtet werden, und die Klasse hat 45 Schüler! Das sind Verhältnisse, die an zweiNossige Dorfschulen«rinnern I— Auch hat der Rektor weder ein Amtszimmer, noch steht der Lehrerschgst ein Frühstückszimmer zur Verfügung. Der Rektor hat nur ein großes Pull in dem Klassenraum, der gleichzeitig die Lehrmittelsammlung beherbergt) und die Lehrerschaft muh auf den von kranken Kindern Der Uaierricbt Im Freiem benutzten Bänken frühstücken— ein trauriger Gegensatz zu der fast luxuriös anmutenden Einrichtung des Ambulatoriums, besonders der mit Lederklubsesseln ausgestatteten Einrichtung des Sprechzimmers des ärztlichen Leiters!— Die Schule untersteht dem Provinzial- schulkollegium. Das sollte füglich ein Interesse daran haben, dieser Lehrerschaft all« Arbeitserleichterungen, die möglich sind, zu ver- schassen— außerdem aber sieht sich vielleicht einmal der eine oder der andere Bezirksverordnete die Schule an: er wird bald sehen, was hier fehlt, und staunen, was hier von der Schule trotzdem geleistet wird! 9er Regen unö seine Zolgen. Di« großen Regenmengen, die während des gestrigen Tages un- aufhörlich niedergingen, haben in verschiedenen Stadtteilen wieder erhebliche Ueberschwemmungen verursacht. In mehreren Fällen mußte die Feuerwehr alarmiert werdem Emen besonders großen Umfang nahmen die Ueberschwemmungen an der Bahnunter- führung in der Stadthaus st raße zu Lichtenberg an. Da sich an diesem sehr tief liegenden Straßenabschnitt jedesmal bei heftigen Regenfällen infolge der ungenügenden Kanalisation große Seen bildeten, wurden vor einiger Zeit bereits Erweiterungsarbeiten in Angriff genommen, die gegenwärtig noch im Gange sind. Infolge des starken Regens stauten sich gestern an. dieser Stelle die Wasser- Massen in einem noch nicht dagewesenen Ausmaß. Bereits in den Nachmittagsstunden hatte sich an der Unterführung ein elwa 1 Meter tiefer See gebildet. Die Feuerwehr wurde alarmiert, die mit einer Motorspritze die Wassermengen abzusaugen oersuchte. Nach fast zwei- stündiger Tätigkeit mußten die Arbeiten jedoch, obgleich die Pumpe in der Minute über 1000 Liter absaugte, als aussichtslos ausgegeben werden, da zu allem Unglück auch noch aus den höhergelegcnen Stadt- teilen erhebliche Wassermengen in dos tieferliegende Zweignetz und aus den Gullys an die Oberfläche gedrückt wurden. Der gesamte Straßenbahn- und Fuhrw er ksv ertehr mußte umge- teilet werden. Die mangelhaste KanaUsattoa auf dem Flugplatz Tempel- Hof hatte auch dort wieder große Ueberschwemmungen zur Folge. Die zementierten Flächen vor den Hallen und große Teile des Geländes bildeten einen einzigen großen See. Die Feuerwehr war mll drei Motorspritzen bis in den späten Abend hinein mit Pumparbeiten beschäftigt. Für die Gebäude soll keine Gefahr bestehen. Wie es bei jedem größeren Regenwetter üblich ist, hat auch Z e h l e n- darf wieder unter Ueberschwemmung einer seiner Hauptverkehrsstraßen zu leiden. Unter der Ueberführung am Bahuhof Zehlendorf-Mstte hatte sich gestern abend wie stets in solchen Fällen ein veritabler See gebildet, der es den Autos, Wagen und Fußgängern umnöglich machte, durchzu- kommen. Die Bahn baute wieder ihre extra zu diesem Zwecke be- reiigestellten Notbrücken oust Der gegenwärttge Zustand wird immer unerträglicher und an der Kanolisatton, die diesem Mißstand endlich ein Ende machen soll, wird bereits im zweiten Jahr gearbeitet. Der D o r f t e i ch in Zehlenhorf war über feine Ufer getreten und hatte den Fahrdamm in erheblicher Breite überflutet. Verkehrsnöte am£>a(leschea Tor. Zwei neue Bauprojekte- Die Verkehrsverhältnisse am Halleschen Tor sind trotz der vom Verkehrs- und gartenbautechnischen Standpunkte sehr praktischen Neueinteilung des Belle-Alliance-Platzes immer noch unhaltbare, so daß die städttschen Körperschaften erneut eine andere Rege- lung des Verkehrs vor dem Halleschen Tore und aus dem Blücherplatz anstreben. Hierzu liegen verschiedene Projekte vor, deren hauptsächlichste Grundzüge hier besprochen werden sollen. Ein Projekt sieht in seineu Grundzügen vor: i. den Fortfall beider Torgebäude, 2. eine Verbreiterung der Belle-Alliance- Brücke aus zirka 120 Meter, also ungefähr das Dreifache der jetzigen Breite, so daß eine Ueberleitung der Königgrätzer Straße in gerader Flucht zum Blücherplatz möglich würde, 3. auf dem Blüchcrplatz einen kreisrunden Schutzdamm mit zwei Ausbauten für Rolltreppen zur"D-Bahn und Kreisverkehr der Straßenbahn nach fünf Richtungen, 4. Abriß einiger Häuser auf der Südseite des Blücherplatzcs zwecks Verbreiterung der Blücher- und Belle-Alliance-Straße. Ms Variatton käme dann noch eine Lösung in Frage mit Doppelgeleisen.ähnlich den auf dem Spitt«!- markt angelegtes die sich gut bewährt haben. Das Gesamtprojekt wird nach vorsichtiger Berechnung auf 5 bis 6 Millionen Mark geschätzt. Ein Vorschlag des Vezirksbcruamts Kreuzberg will unter allen Umständen die vom städtebaulichen Standpunkte aus sehr wert- Die SilbersGroSrnre 40] Vo» ZKex Beach l«»ch druck 3Ut»ri{Ur<« au brrm Tngllschu voa Ialla Sl»pp*l „Ich wünschte, daß es nicht der Fall wäre/ antwortete sie.„Irgend etwas Unerwartetes aber muß eingetroffen sein. daß Herrn Hilliard veranlaßt hat, seine Ansicht in dieser Frage so plötzlich zu ändern. Kann es etwas anderes sein als ein Druck von oben?" „Hat er Ihnen gegenüber eine Andeutung gemacht?" „Nicht die allergeringste, Er war sehr vorsichtig m seinen Aeußerungem „Ja. man sagt, daß er in geschäftlichen Dingen ebenso vorsichtig handelt, wie er in seinem Privatleben skrupelos ist." „So?" sagte Cherry leichthin. „Da seine Extravaganzen aber abends um zehn Uhr beginnen und morgens um zehn Uhr aufhören, scheinen sie seiner geschäftlichen Stellung nicht zu schaden. Aber genug von Herrn Hilliard. Wollen Sie heute abend mit mir speisen, dann können wir die Sache weiter besprechen." „Ich soll mit Herrn Hilliard speisen," sagte Cherry. .Ah!" Boyd versuchte seine Enttäuschung zu verbergen, indem er leichthin sagt«:„Sie scheinen in exklusiven Kreisen l verkehren, man sagt, daß Herr Hilliard einen wahren alast bewohnt." „Wir werden nicht bei ihm zu Hause essen." Eherry zögerte und Boyd sandte ihr«inen scharfen Blick. Ihre Wangen röteten sich leicht, indem sie erklärte:„Er konnte mich heute nicht mehr in seinem Bureau empfangen, darum haben wir verabredet, daß wir zusammen speisen wollen." „Ich verstehe." Boyd war über den Klang seiner eigenen Stimme erstaunt.„Morgen will ich noch einen Versuch bei den Banken in Tacoma machen. Haben Sie Lust, mich morgen dorthin zu begleiten? Die Fahrt über den Sund ist sehr schon." „Gern." rief sie.„Wellercht bringe ich Herrn Hilliard zum Reden und kann Ihnen dann den gewünschten Aufschluß geben." „Ja, es würde mich interessieren, seine Beweggründe zu erfahren." sagte Boyd, indem er gedankenverloren in einer Zeitschrift blätterte, die neben Eherrys Tasche lag. Er wollte sie gerade beiseite legen, als sein Aua« auf ein Bild siel: er stutzt« und sah nach dem Datum der Zeitschrift. Es war dieselbe k Nummer, die seinerzeit in Cherrys Haus in Kaloik solch starken Eindruck aus ihn gemacht hatte. Er blickte aus und sah, daß sie ihn beobachtete. „Nein, heute dürfen Sie die Seite nicht herausreißen," sagte sie mit einem verlegeneu Lachen. „Wo kommt diese Zeitschrist her?" „Ich habe heute morgen alle Buchhändlerläden abgesucht, um diese Nummer aufzutreiben. Sie wissen ja, daß man von den Frauen behauptet, sie seien neugierig," „Ich verstehe Sie nicht." „Die Seite, die Sie damals herausrissen, hat mir seit Monaten Kopfzerbrechen verursacht. Jetzt aber bin ich ebenso klug wie vorher, denn aus der betreffenden Seite stehen zwei Bilder, und ich weiß nicht, welches das richtige ist— die Dame aus der Gesellschaft oder der Filmstar?" „Ich weiß gar nicht, was Sie meinen," antwortete er steif- Seine Liebe zu Mildred Wayland war für ihn so heilig und unantastbar, daß Cherrys freimüttge Neugierde ihn un- angenehm berührte. „Ich hole Sie morgen früh rechtzeitig ab, damit wir den Dampfer um neun Uhr erreichen," fügte' er hinzu, indem er sich erhob, um zu gehen.„Inzwischen wäre es wünschenswert, daß Sie etwas von Hilliard erfahren." Sich selbst überlassen, verbrachte Boyd den Abend einsam und verstimmt. Obgleich seine eigenen Angelegenheiten ihn vor alley Dingen niederdrückten, konnte er sich auch nicht von einer leisen Verstimmung gegen Cherry freimachen. Sie wußte sicher, wie unvorsichtig es war, mit dem Bankdirektor, dessen Ruf nicht der beste war, allein zu speisen! Obgleich er sich sagte, daß sie im Interesse ihrer geschäftlichen Unter- nehmungen handelte, und obgleich er sich gestand, daß weib- liche Geschäftsmethoden nicht immer für Männer verständlich waren, konnte er sich dennoch nicht mit der Situation ver- söhnen. Schließsich mußte er einräumen, daß der Gedanke daran ihm höchst peinlich war. Am Morgen aber fand er, daß es sehr schwierig war, Cherry gegenüber eine kritische Haltung zu bewahren. Sie hatte schon gefrühstückt als er sie abholte, und erwartete ihn in einem neuen Kostüm, das ihr vorzüglich stand. Sie war schön wie der junge Morgen. „Na, fragte er, indem sie zum Hafen gingen,„hat Hilliard das Mysterium aufgeklärt?" „Ja. er hat mir die Lösung des Rätsels gegeben." .Hat er etwas von dem Zeitungsartikel gesagt." fragte Boyd erschrocken� „Nein!" „Nicht. Woher wissen Sie?" „Er hat mich darüber aufgeklärk, daß Sie in die Dame der Gesellschaft und nicht in den Filmstar verliebt sind. Er sagte, Sie seien mit Fräulein Wayland verlobt." „Was hat das mit der Anleihe zu tun?"! „Alles. Wären Sie weniger geheimnisvoll gewesen, hätte ich die Sache gleich durchschaut. Wayne Wayland und Mllis Marfh schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, sie wollen Sie als Konkurrenten und als unwillkommenen Freier unschädlich machen." „Wer sagt Ihnen, daß ich ei« unwillkommener Freier bin?". i „Das. haben Sie mir selbst erzählt, ohne es zu wissen. Wären- Sie ein willkommener Freier gewesen, hatten Sie ohne die geringsten Schwierigkeiten das Geld in Chikago bekommen. Außerdem erinnerte ich mich Ihres Gemütszu- standes in Kalvik— und manche and«re kleinen Beobachtungen haben mir die Lage vollkommen erklärt." „Was Hot das alles mit meinen jetzigen Schwierigkeiten zu tun?"\ 1 ,D)as ist doch höchst einfach! Sie wollen die Toch't» des reichsten Mannes im Lande heiraten, er aber will Sie nicht als Schwiegersohn. Sie rufen ein Unternehmen ins Leben, das seine finanziellen Interessen ernstlich bedroht, und wenn Sie damit Glück haben, können Sie auch seinem Widerstand in der anderen Sache trotzen. Alles geht gut, bis er ihre Pläne kennen lernt, da schlägt er Sic mit Ihren eigenen Waffen. Die Banken bekommen einen Wink und Ihr schönes Luftschloß stürzt zusammen. Ich glaubte, Sie hätten eine schärfere Be- obachtungsgabe." Cherrys Stimme klang hart, und ihr Gesicht trug jenen Ausdruck alternder Müdigkeit, den. Boyd schon früher bevb» achtet hatte. Er dachte, welche bittere Erfahrung sie wohl um ihre Illusionen gebracht, welche� Umgebung ihre Weltklugheit und Menschenkenntnis so geschärft hatte! „Und welche Rolle teilen Sie Marsh in diesem Stück zu?" fragte er zögernd. „Das werde ich Ihnen gleich zeigen. Sehen Sie drüben auf der anderen Seite jenen kleinen grauen Mann?" Als Boyd sich umdrehte, sah er einen Mann im grauen Anzug mit einem spritzen Mausgesicht, der offenbar auch auf dem Weg. zum Tacomadampfer war. „Sie glauben, daß er uns verfolgt? Sollte er ein Spion von Marsh sein?" i „Ich sehe ihn wo wir gehen und stehen." (Fortsetzung folgt.) pnlfcn Torg«bSude«rhaltcn und unter Fortfall d«r beiden Bürsiersteige vor den Kolonnaden den Fußgängerverkehr durch lentere leiten. Ferner ist eine Verbreiterung der Belle-Allianc« Brücke auf zirka 80 Meter, also das Doppelte der jetzigen Breite, vorgesehen. Der Stratzenbahnverkehr soll durch Umleitung einiger Linien bewirkt werden, die von der Yorck- durch die Qneisenmi- und �oslener Strotze uiid unigckehrt geleitet würden. Ein Ankauf und Abriß von.stäusern am Blüchcrplatz käme hiernach nicht in Frage. Es ist aber ins Auge gefaßt, eventuell die den Halleschen Tor nebäuden benachbarten Häuser anzukaufen und zur Bewältigung des Fußgängerverkehrs mit je einer Passage zu versehen. In diesem Falle ließe sich der Einbau der Rolltreppen zur El- B a h n auch unter den Kolonnaden ermöglichen. Im Interesse einer Erhaltung der historisch wertvollen Tor- aebäude und im Hinblick aus die erheblich geringeren Baukosten dürfte dem letzteren Vorschlag der Vorrang gebühren. Nuppolt, üer Selbstversorger. Cr möblierte die Wohnungen seiner Verwandten mit fremden Nachlatzstücken. Die Untersuchung gegen den flüchtigen ungetreuen Nachlaß- Pfleger Paul Ruppolt, über die wir schon wiederholt berichtet haben, hat wieder eine Reihe bemerkenswerter Einzelheiten zutage gefördert. Die Zahl der Anzeigen, die zuletzt 25 betrug, ist in- zwif hcn um ein Beträchtliches gestiegen. Weiter hat man jetzt festgestellt, was zu Anfang der Nach- forschungen nur als Vermutung auftauchte, daß nämlich Ruppolt nicht nur bares Geld und Wertpapiere veruntreut, sondern d i e anvertrauten Nachlässe auch direkt bestohlen hat. Er ist dabei nicht wählerisch verfahren und hat weder große»och kleine Gegenstände verschmäht, wie Haussuchungen bei Ver- wandten und Bekannten Ruppolts ergaben. Im ganzen wurden s'chs Wohnungen aufgesucht. Das Ergebnis übertras alle Er- Wartungen. An mehreren Stellen wurden Möbelstücke ent- deckt und sichergestellt, die Ruppolt entweder den Leuten geschenkt oder zu einem lächerlichen Preise„überlassen" hatte. Die Durch- suchunaen förderten aber noch andere Dinge zutage, die sofort von den Beamten zur Beschlagnahme verpackt und mitgenommen wurden. Es befanden sich darunter- Wäsche aller Art, silberne Eßbestecke und verschiedenst« Schmucksachen, sowohl aus Gold als aus Platin. Silber- und Schmucksachen, waren in so eroßer Menge vertreten, daß man zwei Pappkartons mit ihnen Tillen konnte im Gesamtgewicht von 30 Pfund. Sämtliche be- schlaonahmten Gegenstände werden von Sachverständigen taxiert werden, um den wirtlichen Wert festzustellen. Hieraus wird man untersuchen, aus welchen Nachlässen sie entwendet worden sind, um sie den rechtmäßigen Eigentümern zustellen zu können. Die Er- mittlungen haben ergeben, daß«in Teil der Sachen erst nach der Flucht des Nnchlabpslsoers von seiner Frau beiseite gc- bracht worden ist. Wie wahllos Rupvolt alles an sich rasste, arht auch daraus hervor, daß an einer Stelle«ine Anzahl künst- licher Zähne und Gebisse beschlagnahmt wurden, die oisenbar aus dem Nochlaß eines Zahnarztes stammten. Die Inbabex der durchuichten Wohnungen wurden zwangsgeftellt und roA eingchend-mi Verhör vorläufig wieder entlassen. Zu gleicher Zeit mit der Berliner Aktion wurde auch in Binz eine Beschlag- »ahme durchgeführt. Dort hatte Ruppolt für annähernd 10 00 0 Mark Schmucksachen in Pfand gegeben. Die Sachen werden nach Berlin befördert werden. In die Durchsuchungen einbezogen wurde auch die Wohnung von Ruvpolts Schreibhilfe. Dort fand und beschlagnahmte man einen kleineren Geldbetrag, der von Rupvolt stammt und den sie bei ihrer„plötzlichen Abreise" zurück- gelaüen hatte Verschiedene Spuren des Flüchtigen scheinen nach dem Aus- l a n d zu weisen. Gefährliche tzeizfonne. Im Badezimmer durch Körperstrom getötet. Ein tödlich verlaufener Unglücksfall, der von ejner sogenannten Heizsonne verursacht wurde, bildete vor dem Großen Schössen- gericht Eharlottenburg de» Gegenstand einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Diese Verhandlung, die sich gegen den Fabritanten Lublinsti richtete, enthielt für das Publikum die dringenc.« Warnung, derartig« elektrische Apparate in feuchten Zimmern, insbesondere im Badezimmer, aufzustellen, wenn sie auch im Gegensatz zun, vorliegenden Fall sachgemäß konstruiert sind. Eines Tages wollte ein Fräulein B. im Badezimmer eine Heizsonne, noch mit dem einen Fuß im Wasser stehend, beiseite- schieben oder ausschalten. Als sie den Reflektor kaum berührt hatte, hörte die neben ihr stehende Ptutter, die die Tochter ab- trocknen wallte, einen markerschütternden Aufschrei und sah, wie sich hie Hände der Tochter zusammenkrampsten. Sie hatte zwar noch soviel Kraft, den Apparat beiseite zu schleudern, dann aber brach sie zusammen. Der hinzugerufene Arzt � konnte nur den Tod feststellen, den er auf den erhaltenen elektrischen Schlag zurückführte. Allerdings war die Verstorbene b e r z k r a n k gewesen, ferner hatte das Wasser, sowie der nasse Körper besondeis eingewirkt, den Strom zu verstärken. Die Unter- suchung ergab dann, daß die fraglich? Heizsonne erhebliche Konstruttionssehler aufwies und infolgecessen, sobald sie in einen feuchte» Raum kam, Körper ström abgab. Eine andere Heizsonne, die von einem Sachverständigen in dem gleichen Kaushause gekauft wurde, zeigte dieselben Mängel, so daß also all- gemein ein Fabrikationsfehler vorlag und alle diese Avparate, so- weit noch erreichbar, als lebensgefäh'rlich aus dem Verkehr ge- zogen wnrden. Der Hersteller, ein Fabrikant L., erhielt'daraufhin die Anklage. Er erklärt«, bestrebt gewesen zu sHn, möglichst billig Heizsonnen herzustellen, bestritt aber im übrigen seine Verantwortlichkeit und führte den traurigen Vorgang auf eine Reihe von unglücklichen Zufällen.zurück. Der Staatsanwalt aber dielt ihn für schuldig und beantragt« 9 Monate Gefängnis, weil der Anacklagte eine unerhörte Pfuscharbeit geliefert und mit dem Leben seiner Mitmenschen gespielt habe. Auch das Gericht kam auf Grund der Sachverständigengutachten zu einem Schuldig, bcmaß aber die Strafe auf 6 Monate Gefängnis unter Zubilligung einer dreijährigen Bewährungsfrist. Taxensrage und Droschkenordnnng. Der Polizeipräsident von Berlin hatte zu gestern vor- mittag alle Vertreter der Kraftdroschkenbesitzcrverbände und die Ver- treter des Verkehrsbundes, der zuständigen Jnteressenoertreter der Berliner Kraftdroschkensahrer, zu einer Aussprache über die Taxenfrage und die neue Droschkenordnung geladen. Bekanntlich haben die Unternehmer des Kraftdroschkengewerbes sowohl wie auch die Kraftdtoschkenfahrer gegen den Taxen- Wirrwarr und gegen einzelne Bestimmungen der neuen Droschken- ordnung Einwendungen erhoben, die dem Polizeipräsidenten Anlaß zu dieser Aussprache gaben. Nach einer sehr eingehenden Be- sprechung wurde vom Polizeipräsidenten versichert, daß er bemüht sein werde, mit Rllsicht auf die Dringlichkeit in allerkürzester Zeit eine Lösung in der Taxensrage zu finden, die alle Teile besrie- dioen solle, die aber auch die Gewähr bietet, daß die Kraftdroschke für die weitesten Kreise der Bevölkerung als Verkehrsmittel in Frage kommen kann. Hinsichtlich der neuen Droschkenordnung wurde zugesichert, daß auch hier einzelne in ihr enthaltene Härten beseitigt werden sollen. Der Polizeipräsident betonte aber auch mit allem Nachdruck, daß die Polizcibeamten solange auf die Kraftdroschken- sührer besonders aufpassen müssen, als die Zahl der Unfälle nicht nachläßt. Vor allem wenn sie durch Trunkenheit der Führer verursacht wird. Die Vertreter des Verkehrsbundes betonten, daß nachweislich durch solche Fahrer ein großer Teil der Unfälle herbeigeführt wird, die erst kurze Zeit den Alte Erinnernngen ans einer schweren Zeit. Der eine sah vor kurzem die alte Heimat wieder, deren Macht- haber ihn in die Fremd« getrieben hatten; dreißig Jahre sind es her, daß Paul Fläschel nach dem harten Urteilsspruch der Breslauer Strafkammer ftllchten mußte. Kampf- und Weg- genossen drückten ihm vor wenigen Wochen die Hand und grüßten den um die schlesische Parteibewegung in den achtziger Jahren an vorderster Stelle Stehenden in ihrer Mitte. Der zweite steht mitten unter uns am heutigen Tage (nicht wie seinerzeit irrtümlich berichtet am 20. August) an der gleichen Lebensschwelle, Max Schütte, der Siebzigjährige: auch er gehört zu dem Fähnlein der schlesischen Kampsgenossen, deren zu- sammengeschmolzener Rest noch manche Erinnerungen an die Tage des Einsatzes von Leben und Existenz in sich trägt. In der ge- schichtlichen Wertung erscheinen sie als Ausschnitte zielbewußten Ringens um Recht und Freiheit, in dem persönlichen Rückblick als Bildner und Former von Charakter und Weltanschauung. Wer sie erlebt und erlitten— Fläschel wie Schütte wissen davon—, dessen Ueberzeugungskraft hat die Gefährniss« des Alltagslebens zu überwinden vermocht, Treue um Treue hat er der Ideenwelt, die er als die richtige erkannt hatte, gegeben. Schlesien und Posen haben in den 12 Jahren des Sozialistengesetzes mit am brutalsten unter der Knut« von Polizei und Justiz gestanden: dort war es die Stärke der Bewegung, die zu zertrümmern besonders reizte, hier das schon aus nationalen Gründen aufsässige Poleutum, das man vor dem Uebcrspringen sozialistische? Funken zu demarkieren suchte. So erstanden in dem niederen Polizeiapparat, von Regierung und Staatsanwaltschaft ge- spornt und getrieben, die berüchtigsten Spitzel und Angeber, und bis zu den Schulbänken hinein erstreckten sich Verfolgungen und Zwangsmaßnahmen. Diese gewaltsame Knebelung, jeder sreihcit. lichen Anschauung fand ihren übelsten Schutzherrn in Schlesien in dem seinerzeitigen Straskammeroorsitzenden Freytag, dessen drako- Nische Urteil« erst mit dem sichtbaren Hervortreten einer Geistes- Umnachtung ihr Ende fanden, deren Spuren und Symplome.aber tanze Zeit hindurch das Handeln dieses Mannes beherrscht hatten. All! diesem Boden von Schnüffelei und Verfolgungswahn er- der nach seinem Breslauer Studium als Gymnasiallehrer in Stral- sund wirkte, als Zeuge aufgebolen war. Der Spitzeldienst hatte wacker funktioniert, Lauscher und Ohrenbläser hatten sich überall eingeschlichen, in Kaschemmen wie auf den Studentenbuden— die Eigenart dieses Sozialistenprozesses war die Durchsetzung der An- klagebank mit Arbeitern und Akademikern—, in Biergärten und Ausflugspunkten: wie Ungezicssr krochen sie herum und nisteten sich ein. Es bleibt unvergeßlich, wie ein Schweidnitzer Kellner, Führerschein besitzen. Fahrern, die sich während ihres Dienstes be- trinken, wird bei Unfällen von der Organisation kein Rechtsschutz bewilligt.__ wie man Wohnungen vermittelt. Eine gcldbringende Methode. Letzthin fand eine wohnungslose Frau aus dem Mittelstand in einer bürgerlichen Zeitung eine kleine Anzeige, die sie hoch erfreute. Sie las nämbch: Zweizimmerwohnung, A... straße, Zentralheizung, Warm- waster, Miete 42,—, gegen mäßige Umzugsentschädigung vom Hauswirt zu verniieten. Bertold C..., D... straße. (10—6 Uhr.) Sofort eilte sie hin, in der Annahme, daß in der D...straße der Hauswirt wohne, ward aber von diesem, nachdem sie 10 Reichs- m a r t entrichtet hatte, nach der A... Straße verwiesen. Dort mußte sie leider erfahren, daß die Wohnung just am Abend zuvor vermietet worden sei. Entrüstet wandte sie sich telcphonisch an Herrn C... in der D... straße und bekam von diesem am nächsten Tag eine Postkarte, daß statt der Wohnung in der A... straße er ihr eine gleichwertige in der E... st r a ß e zur Verfügung stelle. Wieder machte sie sich auf die Socken, um die angegebene Wohnung fest verschlossen zu finden. Erkundigungen beim Portier ergaben,, daß es sich um gar keine Zweizimmerwohnung, sondern um Z i m m e r u n d K ü ch e handle. Die Wohnung gehöre einem Herrn F.... letzthin seien andere Leute eingezogen, die aber nach vier Wochen vom Wohnungsamt exmittiert seien, da die Wohnung nicht freigegeben sei. Mit Besorgnis dachte die Frau an die 2.30 Mark Umzugsentschädigüng, die sie Herrn E... bei einem ähnlichen'Abschluß häite bezahlen müssen! Als sie ging, entdeckte sie zu ihrem Erstaunen im nächsten Zigarettenladcn«in Schild mit dem Namen des Herrn F... Es hieß:„Billige Rechts- Vermittlung in allen einschlägigen Fragen. R a t s ch fa g e in Wohnungsvermittlung gratis." Da ging ihr ein Kirchen- licht auf: Gewisse Herren schienen unter einer Decke zu stecken! Vorsicht vor V e r m i t t l u n g s s ch w i n d l e r n, die gemein genug sind, di-- Wohnungsnot der Großstadt zu Betrügereien auszunutzen! Der erste Teil der Abendveranstaltung heißt:„Maschine und D i ch t u mg". Leo L a n i a, der Konserenzier des Abends, sieht in allen Richtungen der Literatur im letzten Jahrzehnt eine Auseinandersetzung mit der Maschine, eine Behauptung, die zu stark verallgemeinert. Aber Lania sagt dann wesentliches über Sinclair Lewis, über den jungen Russen Gladkoff und über die Unterschiede zwischen ihrer kühlen Sachlichkeit und der noch immer lebenden ver- hüllten Romantik eines Zola oder Verhaeren, daß sich jedoch der Am«rikanismus, übrigens ein schlimmes Modewort, am reinsten in Rußland offenban, klingt merkwürdig. Ferdinand Hardt vom Staatlichen Schauspielhaus liest, ohne pathetisch zu werden, mit der ruhigen Distanz eines Chronisten Abschnitte der von Lania charakte- risierten Autoren. Rur hin und wieder setzt seine Stimme Akzente. Leider fehlt ihm bei Kaisers„Gas" die überzeugende Beredtsamkeit, das mitreißende Tempo. Bolksliederduette nach Brahms und Rilchcr schließen sich der Rezitation an. Bruno B l c y h o e s s e r spricht über chinesische Dichtkunst. Etwas trocken und dozierend im Ton. umreißt er ganz knapp die Z000 Jahre chinesischen Schrifttums. Bei der Fülle des Materials kann es selbstverständlich allein bei An- deutungen bleiben, können die Haupterschemungen nur gestreift, nicht einmal kurz skizziert werden. Ein paar Gedichte aus dem Tschi-King und aus der Zeit der Hang- und Tang-Dynaltie ver- Mitteln ein ungefähres Bild von der Gefühlswelt der Chinesen, weniger allerdings von ihrer sprachlichen Form, die nach den Worten des Vortragenden in keiner europäischen Sprache wiederzugeben ist. Pascal Fortund, der Pariser Telepath, steht im Mittelpunkt der Ausführungen Max H o ch d o r f s über„Stimmen aus dem Jen- seits". Hochdors versucht keine Erklärungen zu geben, er schildert nur das merkwürdige Phänomen mit dem Unterton eines Gläubigen. Schließlich ist aber der Skeptizismus dies»» metaphysischen Dingen gegenüber die beste Haltung. F. S. Karl Grillenberger, eine solche Kreatur, deren Ohren bis zum Nachbartisch sich verlängerten, mit einem Handstreich über di« Back? zur Tür hinausjagte. Und was sie nicht mit ihren Ohren und Augen erhaschten, das wurde erfunden und hinzugelogen, und so erstand jene selbst in der damaligen Zeit des Sozialistengesetzes berüchtigte Anklage gegen 37 Führer und Angehörige der Partei, wobei man die organiso- torische Tätigkeit der paricunentarischen Vertreter(Kräcker, Geiser usw.) und der Unterorgane mit der aufkeimenden Bewegung für politische Jdcengänge in der Breslauer Studentenschaft verwob. Fläschel brachte schon von Briea aus, seinem Heimatsort. die polizeiliche Stempelung eines äußerst regsamen Agitators und Feindes der bestehenden Gesellschaftsordnung mit nach Breslau. Daß er dort Paul Singer vom Bahnhof abholt«, mit Hasenclever und Kayser Briefwechsel pflog und in einem seiner Schreiben ein „Glück aus der Organisation" zurief, waren überwältigende Be- weise seiner Gemeingefährlichkeit. Dies und ähnliches verhalf ihm zu einer Gefängnisstrasc von 7 Monaten, aber in contumaciam, denn er benutzte die Frist zwischen Urteil und Strafantritt zu einer Fahrt übers Meer. Di« zeitweilige Rückkehr erfolgte, wie oben erwähnt, erst in jüngster Zeit. Nach 30 Jahren sah er jenes rote Gemäuer am Schweidnitzer Stadtgraben wieder, das ihn nie er- reichte! Max Schütte, dessen Breslauer Studienaufenthalt vor Entfachung des Geheimbundsprozestes lag, hatte die polizeilichen Spüheraugen durch seine» Verkehr in Parteikreisen auf sich ge- lenkt. Seine Zeugenschaft sollte dazu dienen, die Geheimhaltung der Zusammenkünfte wie die Gruppenbildunq als gesetzwidrige Zcllenorganisationen zu bekunden. In dem Massenaufgebot von Zeugen— damals erschien auch Gerhart Hauptmann, der dem im„Vor Sonnenaufgang" beschriebenen Kreise freundschaft- lich nahe stand, vor Gericht— arbeiteten die Fuchsfallen von Staatsanwalt und Gerichtsoorsttzenden in nahezu gleicher Typisie. rung, und manche unbefangene Aeußerung wurde zum Fallstrick für die Angeklagten. In der Phantasie der Anklagevertreter wie ihrer richterlichen Mithelfer hatte vor allem der Eintritt von Studenten in die Arbeiterbewegung einen staatsbedrohenden Charakter, datier das Unmaß von Strafdauer, das sich in brutaler Derbisienheit über die drei Angeklagten— Heinrich Lux, Jan Nafprowicz, dem späteren großen polnischen Dichter, und Julian Marcus«— ergoß. Der viert«, Karl Steinmetz— der berühmte Physiker und einstige Mitarbeiter Disons— wählte den von Fläschel ein- geschlagenen Weg und ging nach Amerika. Wenn am 26. August die noch übriggebliebenen Weggenossen. unter denen vor allem auch Kurt Vaake zu nennen ist, sich um Fläschel und Schütte scharen, dann möge das an dieser Stelle aus der Erinnerung geweckte gemeinsame Erleben als Zeichen innerer Verbundenheit gelten!> Dr. Julian Marcus«, München. heute abend Erzberger-Gedächtnisseier. Heute jährt zum sechstenmal der Tag, an dem Erzberger von Angehörigen der Erhardt-Organisation O. C. in Griesbach in Baden ermordet wurde. Aus diesem Anlaß veranstalten westliche Ortsoereine des Berliner Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold heute abend 8 Uhr auf dem Wittenbergplatz eine Gedächtnisfeier, bei der der Vorsitzende des Berliner Zentrunis, Rektor Keller ma n n, sowie Landtagsabgeordneter Otto Meier und Redakteur N o w a ck sprechen werden. Anläßlich der Ausstellung„Das junge Deutschland" finden in den nächsten Tagen aus der deutschen Welle(Welle 12L0) folgende Rundfunkvorträge statt: Freitag, den 26. August, 18,55 Uhr bis 19,20 Uhr. Ministerialrat Dr. Strunden:„Aus- stellung der deutschen Jugend." Sonnabend, den 27. August. 15,15 bis 16 Uhr, Dr. Heinz Dähnhardt:„Der Kullurwille der deutschen Jugend." Dienstag, den 30. August, 15,45 Uhr bis 16 Uhr, Erich Ollenhauer, I.Vorsitzender des Reichsausschusses der deutschen Jugendoerbände:„Die Lebens- und Arbeitsoerhüllniss« der deutschen Jugend." Mittwoch, den 31. August, 15,45 Uhr bis 16 Uhr. Hermann M a a ß. Geschäftsführer des Reichsausschusses der deutschen Iugendverbände:„Die deutschen Jugendverbände und ihre Zusammenarbeit im Reichsausschuß der deutschen Jugend- oerbände." ver Frouenhilfsverein beim Dolizetprösidium, der im Januar dieses Jahres zur Linderung von Rot und Sorgen der Angehörigen dieser Behörde ins Leben gerufen worden ist, veranstaltet am kommenden Montag, 29. August, eine Dampferfahrt, die bereits für den 19. August geplant war, an diesem Tage aber wegen des schlechten Wetters aussallen mußte. Der Zweck dieses Ausflugs ist einmal, die Angehörigen der Behörde und ihre Familien persön- lich einander näherzubringen, dann aber auch, ihnen einmal Gelegen- heit zu einem billigen Dampferausflug— der Preis für Hin- und Rückfahrt beträgt nur 50 Pf.— zu geben. Für die Unterhaltung der Erwachsenen und auch der Kinder, die durch 25 Kindcrgärt- nerinnen betreut werden, ist durch Konzerte und Spiele gesorgt. Die Frau, da» Sind und da» gemütliche heim. Im Marmorsaal und sä mtlichcn Räumen des Zoo findet vom 3. bis 7. Oktober eine LluZficllunn statt, die besonders die täglichen DcdarsSartikel des bürgerlichen HauSbaitc» präsentiert. Die einzelnen Gebiete— die Frau, das Kind, das gemütliche Heim— find von ersten Firmen Berlins beschickt. Die Ausstellung findet im Anschluß an die Berliner September-Zest-Woche statt. Flug Nordamerika— Brasilien. Der Flieger Paul Redfern ist aus einer Stinsonmaschine in Brunswick im Staat Georgia(Ver- einigte Staaten) zu einem Fluge ohne Zwischenlandung nach Bra- silien ausgestiegen.__ Sport. Rennen zu«arlshorst am Donnerskag. dem 25. August. 1. Rennen 1. Mumpitz(Pafchlc), 2. Philister(Broda!, 3. Treu b er, tTorke). Toto: 4g: 10. Platz: 22. 23. 22: 10. Ferner Uesen: Tullius, Karissima. Sieglinde, Cäsar II, Karrara, Eigilols. 2. Rennen. L Rohling(Leuln. Iah). 2. Traumliese sv. Borcke), 3. Trompeter(Schnitzer). Toto: 74: 10. Platz: 17, 14, 12: 10. Ferner Uesen: Baiadin, Wctterdexe, Barcarole, Jrkutsk. g. Rennen. I. Lanz(Dippelt), 2. Das Lied(Hauser), 3. Altpreuhe (Bismarl). Toto: 21: 10. Platz: 14, 20: 10. Ferner Uesen: Rivalin, Flämin. 4. R e n n- n. 1. Ozcma(Ackermann), 2. Räubcrhauptmann lLeutn. v. Götz), 3. Laus(Oerteii. Toto: 125: 10. Platz: 28. IS, 21: 10. Ferner Uesen: Sahara, Girant, Primavera, Grille, Liebhaber, Mirabe, Javari, Rosenkönig. 5. Rennen. I. Panna(Moritz). 2. Sigiuna(Wurst). 3. Jlsenstein (BiSmarl). Toto: 21: 10. Platz: 12, 13, 14: 10. Ferner Uesen: Aland, LejclS, Osando, Merkur II. «.Rennen. 1. Sanssouci(Elslcin). 2. Minnellcd(Ludwig). 3. Heide- lerche(O. Müller). Toio: 252: 10. Plav: 46, 58, 18: 10. Ferner liefen: Cinpschlung, CaScnra. Tanit. Fürstenruf. Kö'uiaslrone. Hadrian, Latona, Rostnherzog..SangeSlust, Altenau. StaluS, Forelle. Maskerade. 7. Rennen. I. Spcrrmai(Häuser), 2. Großsürstin(Leutn. v. Götz), 3. Lebensmut(KukuiicS). Toto: 21: 10. Platz: 12, ig, 31: 10. Ferner Uesen: Goldener Friede, ilaro-Damc, Fciciabcnd, Lslcrdingeii, Prüm, Chrvsolidc, Jrrmal. wcllcrberichl der öffentlichen wetterdienstffelle für Berlin und Umgegend tRachdr. verb.l Nachlassen der Niederschläge, aber immer noch kühl, leichte westliche Winde.— Zür Vculschlond: Im Osten trübe und regnerisch, sonst zeitweise aujheilernd, Temperatur wenig verändert. Die Arbeiten öes neuen Serlin. Ans dem Bezirk Krenzberg. Der Jnnenbezirk Krerlzberg ist bei der Schaffung des Einheits- r�rbandes Groß-Berlin willkürlich aus dem Siadiinnern heraus- geschnitten worden. Teile der Weltstadt, die in ihrer Struktur reescntliche Unterschied« zeigen, wurden zu einem Verwaltungs- ! ezirk vereinigt. Neben dem Gefchösls- und Fabrikviertel der Luisenstadt und dem Zeitungs- und Filmviertel in der Friedrichstraße, umsaßt er noch das vornehm« Wohnviertel am Viktoriapark und das Wohnviertel der ärmsten Berliner Bevölkerung um den Gör- li'ger Bahnhof. Die Verwaltung eines solchen Bezirks ist natürlich sehr schwierig. Der„Segen" der GrundstüSssPckulation. Kreuzberg, ist neben Schönsberg der Bezirk, der am meisten von dem„Segen" einer ungesunden Grund st ücksspe ku- i a t i o n zu spüren bekommen hat. Noch heute rächt der Umstand sich, daß Berlin während der Blütezeit der Seitenflügel und Hinterhäuser keinen energischen Mann als Stadtbaurat gehabt hat. Hu Tausenden zusammengepreßt in hohen Mietkasernen, in die nie Luft und Sonne gelangen können, weil zwei, drei, höchstens vier Meter vor dem Fenster der Giebel des nächsten Hauses brutal feden Zugang versperrt, wohnt dort die Bevölkerung. Kreuzberg i't mit etwa 380000 Einwohnern der größte unter Berlins Bezirken. Hier sind von 1065 Hektar nur noch 17 Hektar unbebaut. Ein« Auflockerung wäre unbedingt notwendig. Ein Teil der Bevölkerung muß in andere Bezirke abwandern. Ein großes Projekt, das den Bezirk noch Jahrzehnte beschästieen wird, iaeil es sofort gar nicht ausgeführt werden kann, ist die Aus- lackerung im Mietkasernenviertel am Görlitzer Bahnhof. Es muß dahin kommen, daß die Hinterhäuser und Seitenslügel geräumt und abgerissen werden. Nur mit größter Mühe gelingt es der Ver- waltung, Gelände zu erhalten, um die dichtbevölkerten Wohn- viertel"mit kleinen Grünanlagen zu durchsetzen. Es ist geplant, einen Grüngürtel, am Landwehrkanal entlang, anzulegen. Dieser Grüngürtel'soll ein direkter Zugang zu den Parkanlagen in Trep- -ow sein. Eine weitere Grünanlage hosst man auf dem Gelände des Görlitzsr Bahnhofs errichten zu können. Dieser Bahn- Inf soll stillgelegt werden, da sein geringer Berkehr auf den Schle- fischen Bahnhof umgeleitet werden kann! mit der Stillegung ist schon in den nächsten Jahren zu rechnen. Weitere Freiflächen können ._.. durch Trockenlegung■■._. m ,md einen Spielplatz zu schassen. Hierfür sind die Borarbeiten schon im Gange. Auf dem Gelände in der Urbanstraße, das jetzt der Straßenbahn gehört, will der Bezirk die von unserer Fraktion ge- sorderte Lithographenschule errichten. Für die bessere ver- t.hrstechnische Ausschließung besteht ein großes Hindernis: die Hochbahn, die den Bezirk durchschneidet. Erst in den letzten Tagen hat der„Vorwärts" über die Berbreilerung des Halleschen Tores berichtet. Schon bei dieser Arbeit störten die Aufbauten der Hoch- bahn außerordetitlich. Wenn auch auf Jahre keine Mittel zur Ver- fügung stehen werden, um die Hochbahn in eine Untergrundbahn umzuwandeln, wird infolge der fortschreitenden Entwicklung des Bezirks vom Wohnviertel zum Industrieviertel, in einigen Jahr- zehnten diese Bexlcgung notwendig werden. Eine für ganz Berlin vorbildliche Schöpfung ist das G e s u n d h e i t s h a u s mit seiner sozialhygienischen Aus- stellung. Dort ist wertvoller Anschauungsstoff zusammengetragen, der in öffentlichen Dorträgen und Führungen durch die Ausstellung der Bevölkerung nahegebracht wird. Neben der Aufstellung sind in diesem„Gesundheitshaus" auch die einzelnen Fürsorgestellen für Schwangere, für Geschlechtskranke und dergleichen untergebracht. Eine besondere Aufgabe der Verwaltung und der Bezirksversamm- lung ist die Neugestaltung des Krankenhauswesens. Das Kranken- Haus an der Gitfchiner Straße, dessen Einrichtungen modernen hygienischen Ansprüchen nicht mehr genügen, soll aufgehoben wer- den. Das Krankenhaus am Urban, das vor dem Kriege interna- tionalen Ruf hatte, muß eine gründliche Umgestaltung erfahren. Hier sind die Räumlichkeiten durch enge Belegung und Ein- ziehung der Tagesräume unzureichend. Auch der Krankenhaus- betrieb, besonders in der chirurgischen Abteilung, genügt nicht mehr den Anforderungen. Nach vielen eingehenden Beratungen hat das Bezirksamt das folgende Programm zur Berbesserung des Kranken Hauswesens aufgestellt: Aufhebung des Städtischen Krankenhauses Gitfchiner Straße und Schassung der als Ersatz notwendigen 150 Krankenhausbetten durch einen Neu- bau. Entlastung des gegenwärtigen Krankenhauses am Urban da- durch, daß für die chirurgische Abteilung ein Neubau errichtet wird, so daß das bisherige Krankenhaus den„inneren Abteilungen" vor- behalten bleibt. Das Krankenhaus am Urban wird nach dieser Neuregelung nur noch 500 Betten haben. Die chirurgische Ab- teilung wird ebenfalls in der Urbanstraße errichtet werden. Es wird ein geschlossener Hochbau mit vier Stockwerken werden. Am Kottbusscr User, an der Ecke Lausitzer Straße, soll ein Ledigen- heim für junge Arbeiter und Arbeiterinnen entstehen. Das Pro- jekt ist bereits genehmigt und für die Aussührung sind in diesem Etat Mittel zur Verfügung gestellt. Im ganzen zeigt auch die Verwaltungsarbeit im Bezirk Kreuz- berg, wie schwer es gerade in den alten Teilen Berlins ist, etwas grundlegend Neues zu schaffen. Hier/- wo es kein Neuland gibt, muß um jeden Schritt vorwärts gekämpft werden. Ahm Schulftreik in Oberfthö'neweiöe. Eine Acusicrung best Bezirksamtes Treptow. Zu dem Schulstreik in der 10. Volksschule in Oberschöneweide wird uns von der Pressestelle des Bezirksamts Treptow folgendes geschrieben: Die in der Presse erschienenen Nachrichten über den Schulstreik in der 10. Volksschule inOberschöneweide sind geeignet, ialsche Vorstellungen über die Ursachen des vom Bezirksamt ver- sügten Schulgcbäudewechsels zu erwecken. Wir geben daher zur allgemeinen Klärung der Verhältnisse folgend« sachliche Darstellung: Im September 1925 sorderte das Prooin.zialschulkollegium das Bezirksamt auf. für eine anderweite Unterbringung des Lyzeums in Oberschöneweide besorgt zu sein. In dieser Verfügung war hin- sichtlich der von dxm Lyzeum im Hause Luisenstraße seit vielen Jahren benutzten Schulräume keineswegs die grundsätzliche Un- aeeignetheit bemängelt, vielmehr war darauf hingewiesen, daß die Räume für die Durchführung des Arbeitsunterrichts bei der� vor- '•indenen Zahl der Schülerinnen nicht genügend Platz boten. An die Errichtung eines Schulneubaues für das Lyzeum war bei der starken iinanziellen BelastungBerlins nicht zu denken, solange lich die Möglichkeit zeigte, su? das Lyzeum andere ausreichende Räume zu beschaffen. Diese Möglichkeit iand sich in dem Gebäude- »ausch mit der unmittelbar neben dem Lyzeum in der Kottmeier- riraße gelegenen 10. Volksschule. Die 10. Volksschule, eine Sammel- schule für Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, hat nur einen kleinen Umfang: gegenüber den konfessionellen Schulen mit 400 bis 600 Kindern weist sie nur eine Schülerzahl von ■88 Köpfen auf. Sie hat seit dem Jahre 1925 eine Rückentwicklung urchgemacht, indem ihre Schülerzahl in knapp zwei Jahren in '�etigem Fall von 298 auf 188 herabgesunken ist. Bei dem Vor- indensein von nur acht Klassen hat sie eine Durchschnittzbeletzung in rund 23 Kindern. Das Lyzeum dagegen hat in 10 Klassen 67 Schülerinnen. Bei dieser Sachlage beschloß das Bezirksamt nach Anhörung der Schuldcputation und des Bezirksjchulausschusscs den Gebäudewechsel vorzunehmen. Auch der Magistrat gab hierzu seine Zustimmung, indem er gleichzeitig auf Antrag des Bezirks- amtes für eine würdige Ausgestaltung des ganzen S ch u l h a u s e s in der Luisenstroße die Mittel zur Verfügung stellte. Unter Verwendung dieser Mittel sind während der Sommer- ferien alle Klassen mit neuem Anstrich versehen, Klassen und Treppen- Haus sind mit Linoleum belegt worden, das Haus hat elektrische Bs- lcuchtungseinrichtung erhalten. Die Räume sind für die verhält- nismäßig geringe Besetzung groß genug: Die staatlichen Vorschriften fordern für jedes Kind 5,25 Kubikmeter Lustraum: es sind für jedes Kind 6 Kubikmeter Luftraum, in den Klassen mit kleinerer Kinderzahl sogar 8 Kubikmeter Luftraum für jedes Kind vorhanden. Hierzu kommt noch, daß für Physik und Chemie, Zeichnen und Ge- sang besondere Räume vorhanden sind. Die staatlichen Vorschriften fordern weiter, daß die Fensterslächen, im lichten Mauerwerk ge- messen, mindestens ein Fünstel der Bodenfläche enthalten müssen. Die Fenstergrößen gehen in allen Klassenräumen über dieses Pflicht- maß hinaus. Aborte, die allen hygienischen Anforderungen cnt- sprechen, sind in ausreichender Zahl angelegt. So präsentiert sich das Haus in der Luisenstraße heute als eine Schule, die in unter- richtlicher und hygienischer Beziehung allen Anforderungen ent- spricht. Ein Schulhof ist in genügender Größe vorhanden, seine ordnungsmäßige Befestigung, die in den Ferien begonnen ist, wird in Kürz« fertiggestellt sein. Es liegt hiernach für die Erziehungsverpflichteten kein berech- tigter Grund vor, die Benutzung des Schulhauses abzulehnen und die Kinder vom Besuch der Schule zurückzuhalten. Eine Rück- Verlegung der beiden Schulen kann nach Fertigstellung der Umbau- arbeiten nicht mehr erfolgen, da es dem Lyzeum jetzt an der er- forderlichen Zahl von Räumen im Schulgebäude in der Luisenstraße fehlen würde._ 16. Bezirk— Köpenick. Di« K l e i n r e n t n e r u n t e r- st ü tz u n g wird im Verwaltungsbezirk Köpenick ab 1. September den Empfangsberechtigten portosrei durch die Po st zugestellt. Eine Auszahlung der laufenden Unterstützung in den bisherigen Auszahlungsstellen erfolgt von dem genannten Zeitpunkt ab nicht mehr. Warnung vor Grunöftücksankäufen. In der Tagespresie ist mehrfach darüber berichtet worden, daß beim Erwerb von Grundstücken zum Zwecke der Bebauung den Käufern nachträglich Schwierigkeiten entstanden sind, so daß sie nicht zu der erhofften Wohnung kamen. Wie der Amt- liche Preußische Pressedienst betont, müssen die Käufe? neuparzel- lierten Geländes zum Zwecke der Bebauung zur äußersten Vorsicht ermahnt wurden. Vor allen Dingen ist die F e st- st e l l u n g notwendig, ob für das von den Siedlern zu be- bauende Gelände bereits ein amtlicher Bebauungs- plan— für das Land(Eutsbezirk) eine Ansiedlungs- g e n e h m i g u n g— vorliegt, wodurch die örtlichen Gesamtinterefsen für die künftige Bebauung festgelegt sind. Ohne diese Gewißheit kann nicht dringend genug davor gewarnt werden. einen Geländckauf vorzunehmen. Die zuständigen Behörden(Bc- zirksamt, Magistrat, Stadterweiterungsamt oder Stadtbauamt, Gemeindevorsteher) geben endgültige Auskunft über die Bebauungsplanverhältnisse. Der Käufer erfährt durch das Grund- buch, ob der Verkäufer Eigentümer ist und welche Lasten bereits auf dem Grundstück liegen. Nur bei Kenntnis dieser notwendigen Tatsachen kann der Siedler vor der unliebsamen Ucberraschung, keine Bauerlaubnis für das von ihm erworbene Gelände zu erhalten, sowie vor sonstigen Schäden bewahrt bleiben. �zür Schäden, die leichtgläubigen, von Bodenspekulanten irre- geführten Siedlern etwa entstehen, können naturgemäß die Behörden nicht aufkonimen: der Siedler muß in solchen Fällen seine Schaden- ersatzansprüche gegen die Veräußerer auf dem Wege der Zivilklage geltend machen. Mehr Licht im Nathaus! Im alten Berliner Rathaus wird renoviert: nicht die vergol- deten Gipsornamente oder ähnliche Schönheiten des roten Stein- baukaftengebäudes werden erneuert, sondern die elektrischen Beleuchtungsanlagen sollen modernisiert und umgelegt werden. Den meisten Berlinern wird das groß« Haus in der Königstraße nur von außen bekannt sein, und darum kommt es ihnen kaum zum Bewußtsein, was für ein unpraktischer Kasten diese ganze backsteincrne Herrlichkeit eigentlich ist. Das Haus stammt aus der Mitte der sechziger Jahre und trägt in der ganzen Anord- nung und Ausschmückung seiner Räume das Gepräge einer von allen guten Geistern des Geschmacks verlassenen Zeit. Ursprünglich waren die Beleuchtungskörper und-anlagen im Rathaus nur für Gas eingerichtet, und als sie endlich fiir elek- irisches Licht umgearbeitet wurden, machte man sich die Sache sehr bequem:>m Festsaal wurden z. B. die Leitungsdrähte einfach außen an den Kronleuchtern heruntergeführt, ein Verfahren, das heute kein Elektrizitätswerk mehr zulassen würde. Und bei der Vertei- lung der Lichtquellen wurde damals auf die praktischen Bedürfnisse nur die denkbar geringste Rücksicht genommen. So ist zum Bei- spiel die Magistratsbibliothek an Wintertagen bisher kaum in den Mittagsstunden benutzbar gewesen, denn wohl schwebten an der Decke des hohen Raumes in unerreichbarer Fern« einige Bogenlampen, die Nischen aber mit den Arbeitstischen für die Benutzer der Bibliothek waren stets in dämmerndes Zwielicht gehüllt, weil selbst die wenigen Wandbeleuchtungskörper an der dem Mittclraum zugekehrten Seite der Pfeiler saßen, denn das sah schöner und feierlicher aus! Oben bei den Bücherständen aber war pietätvoll die alte Gasbeleuchtung beibehalten worden, wenn sie auch zumeist nicht benutzt wurde. Nun wird endlich darin Wandel geschaffen werden, wenigstens hoffen das alle Besucher und Be- nutzer der Bibliothek. Pessimisten behaupten sreilich, vorerst seien für die Arbeitsnischen erst mal die Steckkontakte bewilligt, und Arbeitslampen gäbe es erst im nächsten Etatsjahr, in dem auch das Dichtungsmaterial für die klapperigen Fenster in den Etat ein- gestellt werden solle.... Wohnungsamt Neukölln. Infolge der„Zählung der Wohnungsuchenden vom 16. Mgi 1927" und im Hinblick aus die demnächst zu erwartende einheit- liche Gestaltung aller Groß-Berliner Vormerk- listen für Wohnungsuchende werden die Aufgaben der A b f e r t i g u n g s st e l l c Britz mit dem 1. September d. I. vom Wohnungsamt Neukölln übernommen. Der von diesem Zeitpunkt ab innerhalb des ganzen Verwaltungsbezirks Neukölln(also ein- schließlich Britz, Buckow und Rudow) sreiwerdende Wohnraum wird nur noch vom Wohnungsamt Neukölln erfaßt und nach Maßgabe der vorhandenen Bewsrberlisten allen zur Berücksichtigung heranstehenden Wohnungsuchenden des Verwaltungsbezirks zu- geführt. Den bisher in den Listen der Abfertigungsftelle Britz ein- getragenen Wohnungsuchenden entstehen daraus keinerlei Nachteile. eher insofern Vorteile, als das Angebot an brauchbaren Altwohnun- gen in den Ortsteilen Britz, Buckow und Rudow allmählich immer geringer geworden ist. Die nach§ 3 des neuen Berliner Wohnung»- »otrechts vom 21. Mai 1927 für die Hausbesitzer oder sonstige Ver- sügungsberechtigte— oder ihre Stellvertreter— vorgeschriebene Anzeige über unbenutzte Wohnungen in. Berlin-Britz, Buckow oder Rudow hat somit vom 1. September 1927 ab ausschließlich an das Wohnungsamt Neukölln zu erfolgen. Die Dien st räume des Wohnungsamtes Neukölln befinden sich zurzeit im 3. Stockwerk des Rathauses, Eingang Berliner Straße 64. Die Sprechstunden des Wohnungsamtes Neukölln sind auf Montag und Freitag, vormittags von 9 bis 12 Uhr, die des Wohnungsnachweises Neukölln(Zimmer 349) außerdem auf Mitt- woch, vormittags von 9 bis 12 Uhr, festgesetzt. „& f&aut Aaucfteet Sie i „Ja Herr, diese Zigaietie kostet zwar nur 4 Pf., kann sich aber in QualUSt und Aroma mit Ihren viel teueren Marken in jeder Hinsicht messen. Madien Sie einen Versuch und auch Sie werden freudig überrascht sein, was diese Zigarette Ihnen bietet" BAUNACHT DIE NEUE DICKE UND RUNDE ZIGARETTE As CJNYEB BEV-BGAREITENFABSIK Die Siedlung Storkow. Ser„Bormärfs* brychte am 17. August einen Artikel über blerschicksale in Storkow. Aus Grund neuer Jnsormatlonen sind wir in der Lage, folgendes über das betreffende Siedlungs- unternehmen in Storkow(Mark) zu berichten:„Der Kaufmann Hubert V e r st e e g e n erwarb 1SZ2 aus eigenen Mitteln das Gut Storkow(Mark). Er unterbreitete Anfang dieses Jahres den zw stcin&igen Behörden einen Siedlungs- und FluchtUmenplan, nach dem er fein Gut in 1250 Quadratmeter große Par- zellen aufzuteilen und unter günstigen Bedingungen an Arbeiter. Angestellte, Kriegsinvaliden und Beamte abzugeben beabsichtigt«. Nachdem die Behörden ihr prinzipielles Einoerftändnis erklärt hatten, begann V. mit der Parzellierung: er veräußerte die 1250 Quadratmeter große Parzellen für einen Preis von 1250 M., d. h. 1 M. pro Quadratmeter, ein Satz, der von der Behörde als angemessen er- klärt worden ist. Die Bedingungen waren folgende: Keine An- Zahlung, 2,50 M. wöchentliche Abzahlung, keine Verzinsung des jeweiligen Re st kapital s. Wenn sich infolge der günstigen Zahlungsbedingungen einige Familien an- siedelten, die sogenannten„Wild-West-Zustände" schufen, so geschah dies ohne Wissen des Verkäufers, dem an diesen Zuständen deshalb auch nicht die geringste Schuld beizumessen ist. Tatsache ist auf jeden Fall, daß'Versteegen durch sein System es auch dem klein- st e n Mann möglich machte, sich mit der Zeit ein eigenes Grund- stück und cheim zu verschaffen. Die Handlungsweise Versteegens wurde auch in der letzten Siedlerversammlung allgemein an- erkannt. Er hatte seinerzeit den Siedlern versprochen, daß sie in absehbarer Zeit mit der Baugenehmigung rechnen könnten. Zu dieser Versicherung war er aus Grund der eingangs erwähnten Ver- Handlungen mit den Behörden zweifellos berechtigt. Eine aus den Siedlern gebildete Kommission unter Führung des Vorsitzenden der inzwischen gegründeten..Storkower Siedler- g e n o s s e n s ch a f t, e. Ä. m. b. H.", T h ä l e. konnte sich davon überzeugen, daß die Behauptungen Versteegens in jeder Weise den Tatsachen entsprachen. Zur Wahrung gemeinschaftlicher Interessen haben sich die Siedler zusammengeschlosien, und zwar zu der„Stor- kower Siedlergenossenlchaft, e. G. m. b. H., Storkow(Mark)". Betsteegen hat dieser Genossenschaft seinen Grundbesitz über- eignet, ein weiterer Beweis dafür, daß V. es mit seinem Projekt nach jeder Richtung hin ernst meinte. Durch diese Handlungsweise dürste wohl auch der leiseste Verdacht eines Schwindelunternehmens jeglicher Grundlage entbehre», wie auch irgendein Strafverfahren wegen der Siedlung weder geschwebt hat noch schwebt. Dadurch, daß die Siedler jetzt nach jeder Richtung hin gesickert sind, indem sie selbst über das Grund st ück v e r k ü g e n können, ist auf weitgehendstes Entgegenkommen der Behörden zu rechnen. Die formelle Genehmigung des Siedlungs- bzw. Bebauungsplanes wird nunmehr in kurzer Zeit erwartet. Es wäre auf jeden Fall im sozialen Interesse zu begrüßen, wenn das Siedlungsunternehmen, das hauptlächlich auf den kleinen Mann zugeschnitten ist, von den Behörden Verständnis- voll unterstützt würde.__/ verschmutzte Parkanlagen. , Das Straßenbild Berlins wird häufig durch größere oder kleiners Grünflächen unterbrochen. Besonders die früheren„Vororte", die jetzigen Außenbezirke, besitzen fast alle mehrere Parkanlagen und Schmuckplätze. Werden diese Gartenanlogen jedoch nicht dauernd gepflegt und beaufsichtigt, so sind sie bald derartig verschmutzt, daß der Aufenthalt in ihnen nur sehr gemischt« Gefühle bei den Er- hokungsuchenden auelöse» kann.— Zu den ungepslogtesten Anlagen gehört der„Seepark" in Wilmersdorf. Die Grundlage der Wege ist Koksschlacke. Spielende Kleinkinder, die man nicht auf die zwei vor- handencn„Bazillenkrabbelkistcn" beschränkt, müssen nach der Rück- kehr aus dem Park meist von Kops bis Fuß umgezogen werden. Der Sportplatz an der Auguftaftraße ist der am meisten ver- wohrloste Teil des Parkes. Vor ungefähr einem Jahr hat das Jugendamt eine Umkleidezelle für dch Schüler und«in Aborthäuschen errichten lassen, aber beide find nur noch Rutnen: von der Umkleide- zelle sind die Türen entfe-nt worden, und das andere„städlifche Etablissement" ist zum Teil abgedeckt. Teilweise hängt dieser Zustand damit zusammen, daß die Aussührung dieser Bauten von Anfang an höchst mangelhast war: es ist fast keine der Planken ohne Astlöcher, und da das Holz anscheinend nicht durch Kresolanstrich geschützt war, sind die Türen versault, denn bei einigermaßen feuckiem Wetter stehen am Rand« des Spielplatzes wochenlang große Wasserlachen.— Schlimm sieht es auch in dein nach Schmargendorf zu liegenden Teil des Parkes au«. Die Kolon oden an der llnte'rgrund- bahnunterführung werden von größeren Kindern als Abort benutzt, kleinere kriechen in dos Gebüsch, das nie gesäubert wird, denn das Wilm ersdorfer Gartcnbauanit beschäftigt ganze 4(vier) Reinemachefrauen, die für die Sauberkeit folgender Llnlagen jorgen sollen: Preuße„park, Seepark(reicht von Schmargendorf bis Schöneberg). Rüdesheimer, Kaiser-, Brabanter, Hohenzollernplatz— ungerech- net eine Anzahl kleinerer Schmuckplätze! Da wird natürlich kaum der Umkreis der Bänke täglich gesäubert, denn die Frauen müssen auch noch Gras reche».— Besonders bedenklich ist es, daß infolge de-- zweifelhaften Elementen geworden ist. Es vergehen kaum zwei .Wochen, in denen hier nicht Frauen und Schulmädchen belästigt Propaganda- Kundgebung der Freien Gewerkschaften am Sonntag, dem 28. August, H1/? Uhr, lu Treptow (Spielwiese). Die Kundgebung beginnt mit Gesang von Thören des Ardester- sängerbundes. Dann folgt: Ansprache des Kollegen Eggert (Riesenlautsprecher). Sprechchor und gemeinsamer Schlußgesang(die Internationale). Sammelplätze: Deutscher Baugewerksbund: Baltenplatz, Reuterplatz(Neukölln), Hochbahn Stalitzer Straße, von Lausttzer Platz bis Oranienstrahe. Landsberger Allee Ecke Thorner Straße. Bekleidungsindustrie: Dönhoffplatz. Abmarsch 12 Uhr. Verband der Böttcher: Schlesisches Tor. Graphische Zndustlie: Spreewoldplatz(Görlitzer Bahnhof). Zenlraloerband der Dachdecker und Berufsseuerwehrmänner: Kott- busser Tor(Hochbahn). Einheilsverband der Eisenbahner: Bethanienufer(Verbandshaus). verband der Fabrikarbeiter Deutschlands: Andreasplatz. Filmgewerkschaft: Alexandrinen- Ecke Oranienftiaße.« Zentralverband der Fleischer: Michaeltirchbrück« Ecke Holzmartt- straße. Verband der Gärtner und Deutscher Musikerverband: Oranienbrücke. Gemeinde- und Slaalsarbeiler: Lausitzer Platz. Küstriner Platz, Johannisstraß«(Berbandshaus), Horn- Ecke Yorckstraße. Deutscher Holzarbeiterverhand: Am Köllrnschen Park. Hotel-, Resiaurani- und Coseangefiellle: Elsasier» Ecke Ackerstraße. Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter: Warschauer Platz. Lederindustrie: Michaelkirchplatz. Verband der Maler: Melchiorstraß« /Berbandshaus). Maschinisten und Heizer: Lausitz« Platz(Hochbahn bis Schlesisches Tor). Mctallarbeilerverband und gupserschm.iede: Mariannenplatz. Bohrvngs- und Genußmitl-larbeiteroerband: Michaelkirchstrahe Ecke Köpenicker Straße. Zcniralverband der Slelnarbetter: Bethanienufer. Tabokarbeiterverband: Inselstraße(Bundeshaus). Terttlarbeiiervcrband: Stralauer Platz. Deutscher verkehrsbund: Weberwiese. Zentralverband der Zimmerer: Engelufer, von Köpenicker bis Zldal- bertstraße. AsA-Organisalionen: Dorck-Gneisenaustraße. Abmarsch 12 Uhr. Der Abmarsch von allen Plähen(mit Ausnahme der ZlfA> Organisationen und der Bekleidungsindustrie) erfolgt 12 5* Ahr. Arbeiter. Angestellte, Beamte, es ist eure Pjlicht, an dieser Kundgebung teilzunehmen. Sämtliche Lokale, die für das Gewerkschastssest in Frage kommen, haben die T a r i f e� für das Gastwirtsgewerbe a n- erkannt, weshalb die Sperren ausgehoben sind. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuh vertia. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. AllgemeinerDeutscherBeamtenbund.OrlsausjchuhGrod-Berlin werden. Bezirks- und Gartenbauomt in Wilmersdorf aber scheinen eine merkwürdige �Reinung von den Rechten und Pflichten des Publi- kums zu haben. Schon will man die„Bürgerwiese" im Preußenpart wieder sperren,„weil die Leute zuviel schmutzig machen", und der von steilen Löschungen eingefaßte See wird nicht am unteren Ufer durch eine Umzäunung gesichert, auf die Böschung liefen" „weil sonst die Kinder noch mehr Hunöebaü des Westens. Ein Badeort ist das„Hundebad" zwar nun nicht— wer es sich aber mal genau angesehen hat, der wundert sich einfach über gar nichts mehr: der würde sich auch nicht im geringsten darüber wundern, wenn nächstens die Sommerfrische.Llein-Muckepick" ihre besondere Eignung zum Hundekurort entdeckte, um endlich zu vor- nehmem, fashionablem Publikum zu kommen. Da hat in einer Straße nahe dem Wittenbergplatz ein Tierarzt, der nicht nur die Krankheiten seiner vierbeinigen Patienten kurieren, sondern auch die Eigenheiten der Menschen des westlichen Berlin be- und auswerten kann, ein Hundebad, d. h. eins Hundebade- anstalt aufgemacht: besser noch würde man diese Anstalt freilich einen Hundeverschönerungs- und Frisiersalon nennen. Hier wird wirklich„Schönheitspflege" für Hunde getrieben— die drahthaarigen Hunde werden„getrimmt", d. h. es wird ihnen das Haar regelrecht„gerupft", damit sie ein„schnittiges" Aussehen bekommen und ihr Haar recht fest wird. Zur Heilung und Verschönerung stehen nicht nur die elektrische Schermaschine und zwei e( e- gante Kachelbadewannen mit Bürstenbrausen zur Verfügung, sondern die modernsten Apparate: Föhn und Wärmesonne zum Haartrocknen, Höhensonne gegen Haut- krankheiten und— Rachitis, B i b r a t i o n s- und andere Massage____ Die Mehrzahl der i.Herrchen" und„Frauchen" hier gehört ja auch nicht zu den Minderbemittelten, sondern zu den Leuten, die eS„sich leisten� können, für Bad und Scheren eine« Hundes mehr auszugeben, als die Erwerbslosenunterstützung eines alleinstehenden Jugendlichen betrögt. Darum find diese Hunde auch oft so vornehm geworden, daß sie das„Hundeleben" von uns gewöhnlichen Menschen abgrundtief verachteten, wenn sie je Gelegen- heit hätten, es kennen zu lernen. Was würde wohl jener rein- rassige Pudel, der in einer Villa des westlichen Berlin zwei komfortabel eingerichtete Zimmer bewohnt, dazu sage», wenn man ihm zumuten wollte, mal in einer unserer Ber- liner Mietstafernen mit 9 oder 10 Personen in Stube und Küche zu Hausen? Aber vielleicht würden alle diese so verzärtelten Hunde herzlich gern einmal mit einem dreckigen, ruppigen Dorfköter, der sich seiner Freiheit erfreut, oder mit dem vernünftig„als Hund be- handelten Hund" tauschen, statt halb Spielzeug und halb Götze von Müßiggängern zu sein, vielleicht suhlen sie sich in der ausgezwun- genen.Lultur" ebenso unglücklich, wie die Menschen, die jetzt zu einem„Hundeleben" verdammt sind. Und noch eines lernt man hie? in diesem Hundebad des Westens: Wie ungerecht die heutige Hundesteuer ist, die diese Luxushunde mit genau demselben Satz besteuert, wie den Hund, dessen Herr mit ihm ein oft genug recht schmales Stück Brot teilt, bis der Steuerexetutor den vierbeinigen Freund erbarmungs- los wegpfändet...__ Eine zweit« Dampferfahrt der Allen veranstaltete der Verwal- tungsbezirk Treptow am letzten Freitag. Wieder wie vor fünf Wochen ging es nach Rauchfangswerder. Freilich waren die Teilnehmer diesmal andere, da die Wohlfahrtskommissionen An- Weisung hatten, solche Alten, besonders Vereinsamt«, einzuladen, die das letztemal nicht mst konnten. Das den ganzen Vormittag vor- herrschend« Regenwetter hotte wohl manchen von der Teil- nähme abgehalten. Immerhin fanden etwa 2 5 0 P« r f o n e n den Mut dazu, der durch den längeren Sonnenschein und einen herrlichen Abend aus dem Wasier reichlich belohnt wurde. Der in den Reichsfarben geschmückte Dampfer wurde von den beiden städtischen Freibädern und den Insassen der Tageskurstätie Oberschöneweide bei der Vorbeifahrt freudig begrüßt. Die Bäder hatten zu Ehren der Alten ihre Flaggen gezogen. An der Kram- p e n b u r g wurden mst den dort aus gleichem Anlaß«ingetroffenen Kleinrentnern vom Prenzlauer Berg Grüße getauscht. Als lieber- raschung wurde der Umwog über Seddinsee, Spree-Oder- Kanal, Krofsinsee freudig aufgenommen. Und dann das freudige Ereignis: eine Kaffeetafel, die von zart« Hand für über 300 Gäste gedeckt war und die von um so viel weniger Essern .erledigt" werden mußte. Ein kleiner Regenspritzer konnte die Freude nicht stören, die nun wohl alle mit heim nahmen. Ins- gesamt sind nun durch diese zwei Dampferfahrten in diesem Sommer über 500 Alte aus einen Tag dem Einerlei ihres Alltags entrisien morden. Schüleraufnahme'in den Aufbaufchvlen. Die Groß-B«liner Aufbauschulen Köllnisches Gymnasium(nebst Real- gymnasium) und Kaempsschule(Realschule) nehmen zu Mickjaelis noch Schüler auf. Beide Anstalten beginnen mit Unter- tertia und führen in drei Jahren bis zur Obersekunda bzw. in fechs Iahren bis zur Reife für Universität und Hochschule. Freischule, frei« Lernmittel, Wirtschastsbeihilse, Fahrkostenentschädigung, nach bestandener Reifeprüfung auch Stipendien für das«tudium werden nach den Bestimmungen des Magistrats gemährt. Anmeldungen be- gabt« Gemeindefchülrr der Klaffen 2m und 1 zur Aufnahmeprüfung find an den Bezirksschutausschuß Berlin 1-— 6 im Stadthaus Kloster straße bis zum 24. August durch die Herren Rektoren der Volks- schulen zu richten. Auskunft erteilt auch der Direktor des Köllnischen Gymnasiums, Inselstraße 2—5. Die Herbstjugendweihe für Tharlollenburg findet Sonntag, 25. September, 11 Uhr, im Staatlichen Schillertheater statt. Die Weiherede hält Genosse Arthur Crispien. Den Vorbereitungsunt«- richt erteilt Genosse Rektor Schümeler. Unterricht jeden Dienstdg 16— 18 Uhr in der weltlichen Schule Pestalozzistr. 40. Beginn am nächsten Dienstag. Anmeldungen dorlfelbst. Aufnahmegebühr 50 Pf. Arbeitersport. /lm Soontag�öemonfirieren öie Gewerkschaften. Sein Arbeikersportler darf fehlen. Di« Propagandakundgebung der freien Ee- w e r k s ch a f t e n ist auch ein« Angelegenheit der Arbeiter- sp ortler. Kein sreigewerkfchaftlich organisierter Arbeitersportler (es sollte keinen gedcn, der das nicht ist!) wird sich am Sonntag seinen Verpflichtungen den Gewerkschaften gegenüber entziehen: er wird an diesem einen Tag« Sportplatz und Sportgerät ruhen lassen und sich dem Demonstrationszug seines Verbandes a,n- schließen. Wir Unterlasten es daher, die üblichen Sportankündi- gungen an dieser Stelle des.Vorwärts" zu veröffentlichen. Arbeitersportler! Auf zur Werbekundgebung d« freien Gewerkschaften! * freie Ruder- und Sanusahrer, 1. Sreis. Nach«inem Beschluß partenausschuhsitzung veranstalten die Oberspreeoereine aus Anlaß der Gewertschaftsveranstaltung am Sonntag eine P r o p a- gandafohrt nach Treptow. Sammelpunkt der Boot« vor dem Bootshaus„Vorwärts". Die Auffahrt beginnt um 18 Uhr.' vdergitl man nur dem de, Deultchen Musikrrverdande«, Berlin. Ztarn» mandaiUenstr. 63,01. Dönhoff 327?— 7a velchätt«z«ll 9—5, Sonntag, 10—2 Uhr. Vut Wunich- Vertreterbesuch. Zzuf ÜSUÜ können Se Ohr MadeL oder Thien Hungen so U gut kleiden., wie Sie es M l iuu? irgend wünschen 0 durch unser System dee M 0 großer AnswaliL M Z? 0 OtoerHenuieia. Kra-gcra. M KraLweufaterv. M Hu±e, ScKLrmjß M lär fflUjß AX12LU3 421S C[ul.bldii£ra-. Cteylotjuic- te&uq. solide VeyajrbeihjLnn Qflg.Kläddaen scüwict Ic-seii Taffet,' » Nr. 402 ♦ 44. Jahrgang 2. Seilage des vorwärts 5reitag, 24. August 1927 Die wirtfthastslage der Gaswerke. Von Stadtbaurat Oefverberg, Mainz. Die Gaswerke erzeugen neben Gas in der Hauptsache Koks, Teer, Ammoniak und Benzol, Produkte, die von weit- tragender Bedeutung für die Bolkswirtschaft sind. Koks ist der wichtigst« Faktor bei der Erzeugung des Gases tetd hat den größten Anteil an den Produkten, die bei der Eni- gasung der Kohle gewonnen werden. Die Absatzmöglichkeit des Kokses beeinflußt daher sehr die Wirtschaftlichkeit der Gaswerke und letzten Endes den G a s p r e i s. Bestimmend für die Absatz- tnöglichkeil ist die Güte des Kokses. Die Großgaswerke haben dieses erkannt und sich im Laufe der Jahre umgestellt. Sie sind zur Entgasung von für die Erzeugung von gutem Koks geeignete Kohle übergegangen und haben sich auch im übrigen den Zechen- Verhältnissen angepaßt. Diese Gaswerke erzeugen heut« einen Koks, der dem Zechenkoks vollständig gleichwertig ist. In letzterer Beziehung wurde schon die Erfahrung gemacht, daß dieser Gaskoks von Händlern direkt als Zechenkoks in den Handel gebracht worden ist. Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß die Gaswerke von den Zechen die für die Heistellung von gutem Koks geeignete Kohle erhalten. Mit ihrer Koksproduktion bilden die Gaswerke einen für die Bolkswirtschaft nicht unbedeutenden Preisregulator. Der von den Gaswerken erzeugte Koks macht immerhin ungefähr 25 Proz. der auf den Markt kommenden Gesamtkoksmenge(Zechen- und Gaskoks) aus. Mit dem zunehmenden Gasverbrauch wird die Kokserzeugung felbstverständlich größer, und es könnten Absatzschwierigkeiten für den Koks und ungünstige Beeinflussung der Gaspreise eintreten. Doch auch dafür hat die Gastechnik heute schon Mittel und Wege gefunden. Die Gastechnik ist in der Lage, so zu arbeiten, daß Gas- und Koksproduktion im Einklang stehen. Die Erzeugungsöfen selbst können der Marktlage für Koks angepaßt werden. Der Koks kann aber auch restlos in Gas umgewandelt werden zum Antrieb, von Elektrizität. Letzteres ist für die Zukunft von nicht zu unterschätzender Bedeutung, inbesondere dort, wo Gas- und Elektrizitätswerk« sich in einer Hand befinden. Der Koks kann aber auch restlos in Gas verwandelt werden, das zur Versorgung der Bevölkerung dient. Selbstverständlich ist hierbei, daß dieses gewonnen« sogenannte Koksgas karburiert, das Heißt auf einen höheren Heizwert gebracht werden muß. Für diese Karburierung werden aller Boraussicht nach aus anderen noch in der Entwicklung begriffenen Kohlenveredelungs- Prozessen billig« Stoffe zur Verfügung stehen. Der Technik ist es aber auch bereits gelungen, den in den Gaswerken selbst ge- wonnenen Teer für die Karburierung nutzbar zu machen. Eine Absahschwierigkeit für Koks wird es somit für die Gaswerke in Zukunft nicht geben, im Gegenteil, die Gaswerke find durch die Entwicklung der Technik sehr gut in der Lage, die Koksproduklion entsprechend der Marktlage für Koks anzupassen und darüber hin- aus noch so zu arbeiten, daß der Gaspreis günstig be- e i n f l u ß t wird. Von einer Koksgasschere kann man daher heute, die vielleicht früher vorhanden war, nicht mehr reden. Der anfallende Gaskoks setzt heute der Erzeugung von Gas keine Grenzen mehr. Von den übrigen Produkten aus der Entgasung der Kohle ist insbesondere der Teer von großer Bedeutung geworden. Die Gas- werke sind heute, insbesondere durch Anwendung der Rohgas- k ü h l u n g und anschließender Kühlung der Kondensate, in der Lage, einen hochwertigen Teer zu erzeugen. Der Teer spielt aber auch heute im Haushalt der Städte und Kommunaloerbände«ine große Rolle. Hier wird er insbesondere als destillierter Teer für die Straßenteerung benutzt und gewinnt in dieser Beziehung iminer mehr an Bedeutung. Großgaswerke sind daher dazu übergegangen, Einrichtungen zur Herstellung von destilliertem Ter zu schaffen. Ganz abgesehen von diesen inneren Zusammenhöngen, die eine gesunde Entwicklung der Gaswerke im Sinne der Gaspreissenkung bedeuten, haben konzentrierte Erzeugung und Verwaltung eben- falls dazu beigetragen, eine Entwicklung in der Gasversorgung hervorzurufen, die geeignet ist, das Gas wirklich zum Allgemeingut zu machen und die festen Brennstosfe zu verdrängen. Trotz des immer mehr zunehmenden Elektrizitätsverbrauches hoben die Gas- werke es verstanden, dank ihrer technischen Entwicklung, Gas- t a r i f e herauszubringen, die die Möglichkeit bieten, das Gas immer mehr zur Anwendung zu bringen. Dies gilt insbesondere auf dem Gebiete der Wärmeversorgung in Haus und Landwirtschaft, im Kleingewerbe und in der Industrie. So manche Beispiele hierfür wären zu nennen. Es gibt Gaswerke, die bei ihrer Abgabe eine Zunahm« von 25 bis 30 Proz. gegenüber dem Vorjahre aufzuweisen haben. Wir stehen somit bei unseren Gaswerken in einer Entwicklung, die für unsere Volkswirtschaft von großer Bedeutung ist und deren weitere Entwicklungsmöglichkeiten noch nicht vorauszusehen sind. Die Erfolge aber, die die Gaswerke bisher erzielt haben, sollten für jeden volkswirtschaftlich Denkenden Ansporn sein, mit- zuhelfen an ihrer Weiterentwicklung, damit die Gaswerke immer mehr in der Lag« sind, dem Haushalt des einzelnen, dem Mein- gewerbe und der Industrie zu dienen. Preispolitik und Konzernverschachteluny. Die Technik und der Kampf um die Nebenprodukte. Der Kampf, der zwischen dem Kohlcnsyndikat auf der. einen Seite ifnb der Arbeiterschaft sowie sicherlich dem größten Teil der öfsent- liehen Meinung andererseits um den Kohlen preis geführt wurde, ist nicht abgeschlossen. Die Versuche der Unternehmer, durch regelmäßige Wiederholung der Prciserhöhungsanträge die Arbeiter- fchast und auch den Widerstand des Reichswirtschaftsministeriums zu zermürben, haben zwar bisher zu keinem Erfolg geführt. Es scheint, daß in diesem Monat ein Preiserhöhungsantrag ausnahinsweise nicht eingebracht wird. Doch ist mit einer erneuten Aufrollung der Frag« in absehbarer Zeil wohl wieder zu rechnen: wenigstens lassen Aeußerungen der Bergbaupresse darauf schließen, daß die Unternehmerschaft sich nur durch eine ungünstige Konstellation für vorübergehend besiegt hält und bei der geringsten Wandlung in den Macht- und Arbeitsmarktverhältnissen ihren Willen äußern wird. Eine Frage, in der heute die Unternehmerschaft ziemlich allein steht, ist unter anderem das Problem, ob dieOrganederReichs- kohlenwirtschaft(Reichskohlenrat bzw. Neichswirtschafts- minister) zur Festsetzung der Kohlen- und Kokspreise auch in die Preise der Nebenprodukte Einblick haben müssen und daher Auskunft verlangen können. Der Reichswirtschaftsminister hat sich zuletzt sehr eindeutig in diesem Sinne geäußert, und andererseits hat auch die letzte Reichskonferenz der Bergarbeiter denselben Standpunkt deutlich zum Ausdruck gebracht. Nun ist es interessant zu hören. was der T« ch n i t er zun, Problem sagt. Der angesehenen Monats- schrift des Vereins deutscher Ärgenieure„Technik und Wirtschaft" entnehmen wir(Augustheft 1927) folgendes: „Der Reichswirtschaftsminister hat einen erneuten Antrag ins- besondere des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats auf Erhöhung der Kohlenprcis� abgelehnt. Mit dieser richtigen Stellungnahme brauchte man sich nicht weiter zu beschäftigen, fände sich nicht in der Begründung ein allgemeiner Gesichtspunkt, der für die heutige�K a r- teil- und Konzern politik alle Beachtung verdient. Der Mi- nister hat nämlich gegenüber den ihm überreichten, offenbar sehr um- fangreichen Nachweisen des Syndikats über unzureichende Rentabi- lität seiner Mitglieder nach den in der Presse veröffentlichten Aus- zügen in seinem Votum auch darauf hingewiesen, daß es jedenfalls für die gemischten Unternehmen, insbesondere die großen Konzen,«, die der Ausbeute nach das ganz überwiegende Gewicht im Syndikat besitzen, als unzulässig zu erachten wäre, wenn sie gesonderte Bi- lanzen für ihre Zechen, mternchmen ausstellten. Es läge vielmehr im wirtschaftlichen Wesen gerade der Konzernbildung, daß die ein- Ab- teilung die andere mit tragen müsse, daß also nur die Gesamtbilanz sür die Erfolgsbeurteilung Geltung gewinnen könnte. Der Minister hat damit zweifellos eine ebenso erfreuliche wie wichtige Kritik des Konzernwesens in Verbindung mit der Kartell- Preispolitik gegeben. Man wäre beinahe versucht, die gegenteilige Auffasiung als einen schlechten Witz zu nehmen, wenn nicht gelegen!- lich auch"von betriebstechnischer Seite derartige Ansichten vertreten würden. Volkswirtschaftlich gesehen— und nur einen solchen Blick- punkt konnte die Behörde bei der Bedeutung des Kohlenpreises für die gesamte Wirtschaft einnehmen— hat die ganze konzernierung. besonders aber die vertikale, doch nur einen Sinn unter dem Gesichtspunkte der Rationalisierung. Dadurch wird aber das einzelne T e i l- erzeugnis, hier die Kohl«, zunächst und zwar zu einem wesent- lichen Teile Hilfserzeugnis für das Gesa n, tunter- nehmen. Seine Kalkulation muh entsprechend vorgenommen werden. Es kann dann aber auch derjenige Teil, der im freien Markt verkauft werden muß. nicht nach den Kosten und den Rentabilitäts- onforderungen der reinen Unternehmen abgestimmt werden. Dos würde all den Fortschrittsbehauptungen der Rationalisierung, die ja ohnehin mit schwerwiegenden sozialen Nachteilen ertauft wiid, aufs schärfst« widerstreiten. Denn es hieße diese Umstellungen nicht der Allgemeinheit in billigeren preisen gut bringen, sondern den Konzernen aus kosten der Allgemeinheit hohe Disserenzialgewinne auswerfen. Andererseits hat die ganze Streitfrage die Bedeutung der Konzernbildung für die Kartellbildung und die Kartellpolitik in bezug auf die Preisregelung in scharfe Beleuchtung gerückt. Wahrscheinlich werden eine Anzahl reiner Zechen im Syndikat mit den geltenden Preisen keine Seide spinnen. Das dürfte aber, bei der jetzigen Zu- fammensetziiizg,.des, Syndikats keines Ms ausschlaggebend werdcp. Der notwendige JnteressenaUsgleich ist vielmehr eine rein interne Angelegenheit des Syndikats, wofür es übrigens Mittel und Wege genug gibt. Jede andere Regel u n gwürde di« ratio- nalifierende unternehmungsweise Konzen- tration ihres Wertes f irr die Allgemeinheit entkleiden." Hoffentlich bleibt das Reichswirtfchofts Ministerium, gestützt von so eindeutiger Haltung der Sachverständigen, der Ar- beiterschaft und der öffentlichen Meinung, allen weiteren Preis- erhöhungsversuchen der Schwerindustrie gegenüber fest. (l�otenjagü in üer Kokserzeugung. Ueberproduktion— und trotzdem Ausbau der Werke! In der Kokswirtschaft zeichnen sich in letzter Zeit gewisie Entwicklungstendenzen ab, die ein eigenartiges Schlaglicht auf die Politik der Zechenunternehmer werfen. Obwohl die Markt- läge für Koks im Inland zurzeit so gedrückt ist, daß das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat den angeschlossenen Zechen nur die Hälfte der Beteiligungen abnehmen kann, die Ruhrzechen also praktisch nur mit SO Proz. ihrer Leistungsfähigkeit an Koks be- schäftigt sind, wird die Produktion in ganz erheblichem Umfang ausgebaut. Dabei besteht gar keine Aussicht, daß diese ge- steigerte Produktion auch ihre Abnehmer findet. Bekannilich ist durch die Einführung der vom 1. Juni bis.1. August reichenden Sommerrabatte«in großer Teil des Herbst- und Wintergeschäfts beretts vorweggenommen. Während also die Syndikatspolitik einen Rückschlag in den Sommermonaten aufhielt, muß dieser im Herbst die Koksindustrie viel stärker treffen. Die Lage ist ober durch den fortgesetzten Bau neuer Koks- äsen und ständige Erweiterung der Anlagen noch viel ernster geworden. Seit zwei Wochen jagt geradezu beim Rheinisch-West- fälischen Kohlensyndikat ein Antrag auf Erhöhung der Beteiligung den anderen. Dem Antrag der Bereinigten Stahlwerke auf Er- höhung ihres Kontingents um 4,4 Millionen Tonnen, sind in schneller Folge die Stinneszechen. die Harpener Bergbau-A.-G'., der Essener Bergwerksoerein und eine Anzahl anderer Zechen nach- gekommen. Die zurzeit bei dem Syndikat vorliegenden Anträge auf Erhöhung der Koksbeteiligungen überschreiten jetzt bereits die 1 1 Millionen Tonnen. Die Jahresproduktion an Koks betrug im Vorjahr im Zeichen der Englandkonjunktur nur 26.2- Millionen Tonnen. Die Zechsnherren(vollen also jetzt, wo der Markt gesättigt ist und ihnen keine Zufallskonjunktur wie im Bor- jähr winkt, die Produktion um über 40 Proz. erhöhen, während der Absatz der bisherigen Produktionsmengen bereits im Herbst vor ernsten Schwierigkeiten stehen wird. Die Absicht, die hinter dieser planlosen Politik steckt, ist nur allzu durchsichtig. Zwar werden sicherlich unter den Antragstellern auch Werke sein, die ihre Neuanlagen aus Gründen der Ratio- n a l i s i e r u n g geschaffen haben, was an und für sich nur zu be- grüßen wäre. In solchen Fällen hätten jedoch Anträg« auf Quoten- erhöhung nur dann Erfolg, wenn die sehr hoch angesetzten und nur in Zeiten der Hochkonjunktur voll ausgenutzten Beteiligungsziffern der Leistung der Neuanlagen nicht mehr entsprechen. Die meisten Zechen aber treten deshalb an das Syndikat heran, weil die enormen Gewinne au? den Nebenprodukten sehr appetitanregend gewirkt haben. Dieser Zug zur veredelten Kohle und ihren Nebenprodukten prägt sich jrtzt um so stärker aus, als nach den wiederholten Niederlagen bei den Kohlsnpreiserhlihungö- antrügen der Gewinn aus der reinen Kohle den Zechenherren schon längst nicht mehr genügt. Ausschlaggebend ist für die Politik der Ruhrzechen in dieser Frage zweifellos das F e r n g a s p r o j e k t. Die Kämpfe, die sich um dieses Projekt in der Oeffentlichkeit abspielten, sind betannr. Ebenso die Niederlage, die das Ruhrunternehmertum einstecken mußte. Anscheinend sollen die Erweiterungsbauten und neuen Koks- öfen zu„Rüstungszwecken für einen neuen Ferngasfeldzug" dienen. Wie nun auch die künftige Entscheidung in der Ferngasfrage aus- fallen möge— ob die Ruhrindustrie das Projekt zur Durchführung erhält oder nicht— sicher ist, daß auch im ersteren Fall bei dem dann einsetzenden Konkurrenzkampf ein Teil der Zechen nicht zur Ausnutzung ihrer neuen Zlnlagen kommen wird. Wir weisen an dieser Stelle auf die niederschmetternden Er- gebnisse der Ouotenjagd in der Kaliindustrie hin, durch die ungeheure Kapitalwerte nutzlos vergeudet wurden und ein Teil der Belegschaften durch dauernde Einstellung und Ent- lasiung nicht aus der Unruhe herauskam. Wir sehen die gleiche Entwicklung für die Politik j>er Koksindustrie voraus und warnen die Beteiligten rechtzeitig. Der: einzige Erfolg wird— das ist auch hier zu befürchten— auch hier Kapitalverschwen- düng und als Rückwirkung auf die Arbeiterschaft Lohndruck und Entlassungen für die Belegschaften sein. .Lifte C Schönheitsfehler im deutsch-französischen Handelsvertrag. Di« großen allgemeinen Schwierigkeiten, die sich bei den deutsch-sranzösischcn Verhandlungen ergaben, sind schon bei unserer gestrigen allgemeinen Würdigung des Abkommens gekenn» zeichnet worden. Nicht minder verwickelt waren die sormaleni Regelungen: fehlte es doch im Gegensatz zu den Neuvereinbarungen mit den anderen Ländern an Erfahrungen und Voraussetzungen für die Anpassung der verschiedenartigen Zollsysteme, da Deutsch- land seit den siebziger Jahren mit Frankreich kein TarifabkomMen. sondern nur eine allgemeine Meistbegünstigungsabrede unterhielt. Die Hauptfchw'.engkeit bildete die z o l l p o l i t i s ch e Situa- t i o n Frankreichs. Die sranzösischen Unterhändler standen gleicksam: mit einem Fuße bei dem veralteten Tarif, mit dem anderen bei dem neuen, von aller Welt, auch von den einsichtigsten lran- zösischen Kreisen, sür unerträglich gehaltenen neuen Entwurf. Da die französische Kammer wohl erst nach den Neuwahlen im nächsten Jahr ein neues Zolltarifgesetz verabschieden wird, blieb den Franzosen nur eine Zwischenlösung übrig. Man schuf auf Grund des Ermächtigungsgesetzes eine Zollreform, die naturlich nicht mit einem vollständigen Warenkatalog ausgestaltet wurde, sondern aus vertragspolitischen Gesichtspunkten nur diejenige» Waren umfaßte, aus deren Torifierung zu gebundenen Sätzen deutscherseits das größte Gewicht gelegt wurde. Das französische Ermächtigungsgesetz versagte ausdrücklich die Erhöhung von- Zöllen auf Lebens»Nittel und Bekleidungsartikel, ein« im Interesse der Konsumenten sehr vernünftige parlainen- tarische Beschränkung, deren Nachahmung auch für Deutschland, dringend zu fordern wäre. Es beschränkte sich auf das notwendigste, so daß ein Teil des deutschen Ausfuhrinicresses aus der listen- mäßigen Meistbegünstiaung ausscheiden mußte. Diese Waren stehen auf der L i st e C des Abkommens,.D i s k r i m i n i e r u n g s- liste" genannt, weil die in ihr enthaltenen Waren nicht zu den französischen Mindestsätzen eingeführt werden können, sondern zu den Sätzen des französischen Maxim o krä r i f s, ermäßigt-um die A b s ch l o g s p r o ze n t e, die Frankreich in einzelnen. fpuheiei» Tarifobkommen anderen Lärrdun eingeräumt hatte. Wenn auch der deutsche Export gegenüber wichtigen KonZsirrenz- ländern gleichgestellt ist und ihm jeder vertraglich neu einge-Mmic Abschlag automatisch zugutekommt, so bleiben doch auf dieserrt Gebiete die Mindestsätze der deutschen Aussuhr versogt, auch mangelt es hier an einer gesicherten Stabilität, da Frankreich bei diejpn Warengruppe» von sich aus Zollerhöhungen vornehinen kann. Auf» List« C befinden sich immerhin bedeutsame Teile des deutsclfen Exportinteresses, wie Eisenlegierungen, Zinn. Zink, Nickel, ferner Töpferwaren, überwiegend d-.- Schuhwerk, auch wichtige Teile der K l e i n e i s e n i n d u st r i e. Da die Franzosen bei Neutarifierung dieser Satze— sprechend der Regelung bei den Waren der Liste B— keinesfalls niedrigere Sätze als ihre bisherigen Zwischensätze zugebilligt hätten. wird man diese„Diskriminierung" als bei den gegebenen Umstawen unvermeidlich in Kauf nehmen müssen. Außer den diskriminierten Worengruppen, deren Einfuhr jß, Zwischensätzen innerhalb der bisherigen Maximal- und Minimolsätze vorgesehen ist, verbleibt noch ein kleiner Teil von Waren, der mit den Maximalz ölte i» belastet ist. Neben Getreide und Fleisch sind u. a. Zink-, Blei- und Nickel waren, ferner Kraftwagen, die vom französischen Markt so gut wie ausgeschlossen bleiben. Vielleicht wäre Deutschland durch weniger zaghasten Zollabban, vor allem bei der Baumwollindustrie oder anderen weitgehenden Konzessionen die bei dem jetzigen hohen Zollniveau ohne weiteres möglich waren, dieser Mißerfolg für einzelne Industrien erspart geblieben. Immerhin werden die wenigen Diskriminierungen die Gesamtaussichten des deutschen Exports dadurch nicht entscheidend beeinträchtigen. Ein nicht gerode schmückendes Beiwert des Tarifs bilden auch noch die vereinzelten Kontingentierungen aus der deutschen Seite: Die Begrenzung der Weinaussuhr aus 360 000 Doppel- zentner und der Baumwollgarne auf 23 000 Dopelzentner. Das Weinlontingent dürste Frankreich kaum voll ausnutzen: die Be- schränkung der Einfuhr von Bouinwollgarnen ntfl Rücksicht aus die in ihrer Preisstellung durchaus nicht rücksichtsvollen Spinner be- deutet für die auf den deutschen Absatz angewiesene e l s q s s i s ch e Produktion immerhin eine fühlbare Beschränkung. Das Jahres- Kontingent macht weniger als die Hälfte der derzeiten monatlichen Garneinfuhr aus. Die deutsche Industrie ist wie auf nicht un- wichtigen Gebieten— wie Glühlampen mit 600 000 Stück, Schuhwerk mit 400 000 Paar u. a.— beschränkt. Bei vorzeitiger Kündigung des Tarifs ist durch eine sofortige Abrechnung der Kontingente beiderseits ein« entsprechende Kürzung der Jahres- mengen vorgesehen Bei Fortdauer des Abkommens werden jedoch im Dezember 1928 auch die Kontingente beseitigt werden, da zu diesem Zeitpunkt die volle, unbeschränkte gegenseitige Meist- begünstigung in Kraft tritt. Diese Schönheitsfehler des Abkommens waren bei der wohl einzigartigen Vertragssituation, bei der ein ungeheuer komplizierter Handelsvertrag mit einer umfassenden Tarifresorm verbunden wurde, nur schwer zu vermeiden. Bertragssormen lassen sich un- schwer verändern und ergänzen. Entscheidend bleibt letzten Endes, ob die beiden Länder die Wrrtschaftsverständigung auch im kleinen durchführen und die enge Verknüpfung der beiden Wirt- schastsgebiete vorbehaltlos erstreben. Dann bedeutet dieses Ab- kommen nur einen Auftakt zu einem stärkeren Abbau der protektionistischen Schranken und zu einer weniger zaghaften und umfangreicheren Zollsenkung im Sinne der Genjer Beschlüsse.___ Dixkonkermäßigung in Oesterreich. Der Generalrat der öfter- reichischen Rationolbonk hat beschlossen, den Diskontsai- von 7 aixf Proz. herabzusetzen. Dementsprechend wurden auch die Sätze im Darlehnsgeschöft um% Proz. ermäßigt. parte, nachrlchten für Groß-Serlln eiiifcnbun�cn ffir diese Rubel' find «et Hb 3% 58. Lindeofte-b» i. Net» au da*«ejirtofetretariat. •i. Hos, 2 Ztep. recht», zu eichte» Zg Kassierer, deren Abteilnngon sämtlich über IVO bis 600 Alisglieder zählen, haben im laufenden Quartal nach keine Abschlagszahlung geleistet, trotzdem wir uns bereits am Ende des zweiten Monats im Quartal befinden.— Sic werden hierdurch nochmals auf- gefordert, dem diesbezüglichen Vefchlusfe unverzüglich nachzukommen. 3. 21.: Alex Pagel». • I. Ätci» XfcnatttB. Sie Rotten zum ffiemctfrchafli'efl sind beim Genossen Dr. Paed, NW 2l, Stromstr. öS, bis fpätrftens greitog zwischen 17 und 18 Ufjr abzurechnen. 7. fleeis ahotlollenbutg. Rtbelietwoblsohtt! ssteltoq. 2«. August, 20 Uhr, Im Z'athous, Eitzungszimmer», Zusammenkunft oller in der Wohlfohrl». S siege lätigcn Genossinnen und Genossen. Vortrag:..Unsere Wohlsohrt»' rdeit." ZIeferent Dr. ssrltz Echloh. Um zahlreiches Erscheinen wird ge. öele». Arbeilerwohlsahrtshefle und Grnöhrungsgeld sind bestimmt abzurechnen. Morgen. Sonnabend. 27. August: 48.«bt. isi-i Uhr bei Keller, Mirstenstr. 1,«brrchnung. Wir erwarten das bestimmte Irscheine» aller Vezirl-filhrer._... «bt. 128, Kanl-dorl.««». lS'.� Uhr im Lokal Sanssouci. Mollkeslr. 1, Slii- gliederoerloinmluug. Portrog:„Warum ist die Eozlaldemo.ratie gegen die Dodesstrase?- Neserent Eimen Lewin-Sorsch. Alle Genossinnen und Ge- nassen werden um ihr bestimmtes Erscheinen gebeten. Gaste willkommen. Peteribooen. 20 Uhr Monatsrersammlung in der Fdrster-Klause. Kruchmuhler eirosie. Dogesordnung: Portrog!„Schulsrage und die Schnlverholtnisse der Rardkolouie." Äussprache. Bcrschiedeues. Freunde und Anhänger willkommen. * 103. Ab». Adlerehaf. S.(c Genossinnen und Genossen werden ersucht, sich recht »ahlreich an der Propagaiidoveraustaltung der freien Gewerk>chos.en am Sonntag. 28 August, zu beteiligen. Kotten zu der Veranstaltung sind bei den Genosse» Uebrig, Nischon und Kalliske zu haben. Gleichzeitig weisen wir daraus hin, datz der Bezrrkobilduligsausschiitz am Sanntag, 4. September, eine Führung durch den Voionischen Garten veranstaltet. Es wird gebeten, diesen Sonntag freizuhalten. Näheres wird noch mit- geteilt. Jungsozialisten, heute. Freilag. 26. August: Gruppe«chinederg: 20 Uhr im Zugendheim Hauptstr. 13 tHarzgauzimmer) Vortrag:.§ 218 und die arbeitende Jugend." Reserent Dr.»rankel.— Gruppe Wedding-Sesundbrunnen: 20 Uhr im Jugendheim de» Ledigenheim», ~........ i, Mitglte---------------— Am 8run»enplatz, Eingang Orthstr. 10, Laden, Mitgliederversammlung. Er. scheinen aller Mitglieder ist Pflichl.— Grnppe Mitte: 2» Ukr in der Schule Gipsstr. 83» Aussprache:„Die Frau in der Arbeiterwohlfahrt/ Sozialistische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Achtung, Abteilungsleiter! Holt heute zwischen 17 Und 18 Uhr da» Mate- rial für unseren Zugeudtag am 4. September ab. Heule, Freilag, 19� Uhr: Moabit U: Heim Lehrter Str. 18/18.„Unsere Schule."— Moabit I: Schule Waldenserstr. 21.„Ursprung der S>elig'on."— Nordost l! Heim Landsberger Strasie 30.„Soziale Versassung des klassischen Altertums."— Geneselder- Viertel: Schule Douz'ger Str. 23. Arbeitsgemeinschaft.— Weihensee: Heim Varkstr. 35. Lichtbildernoetrag:„Der Sozialismus in der Karikatur."— Anbreasplatz: Schule Koppenstr. 78, Hol„Bub und Mädel."— Frankfurter Viertel: Heim Rigaer Str. 102/108.„Körperkultur."— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18.„Die internationale Organisation de» Proletariats."— Kkpenicker Viertel: Schule Deangelstr. 128. Vortrag.— Schöneberg!: Heim Hauptstr. 15.„Die Nacktkultur."—«iharlsttenburg: Heim Rosinenstr. 4. „Warum Halenlee lrageN." W�WWI______________________________ Pankow-Rorb: Heim Görschftr. 14,„.Unsere Gruppenarbeit."— Köpenick: Heim Grünaukr Str. i.„Körperkultur."— Baumschulenwea: Heim Ernst- strafte 16. Lönr-Bbend.— Rlebeeschöneweide: Schule Berliner Str. 31. Humo- ristischer Abend.— Treptow: Heim Elsenstr. 3.„Zugend und Partei."— Kauledors: Schule Adoisslrafte. zeh».Minut:».?efera»e.— Neuislkn Itll Beim Genaffen Schicketanz izuiikronürsitzung.— Neukölln IV; Heim Nagatstr. 53. Funktionärsitzung.— Renksssn VI; Helm Nogatstr. 53. Funktisnärsitzuna. Wichttge Tagesordnung. Erscheinen aller Fuiiklianäre ist Pflicht.— Bohn». dors. Bei Heimann Spielabend. Serbebe, ie« Reinickendors! Pünktlich 20 Uhr im Heim In Tegel, Bahnhos. strafte 15, wichtige Werbebezirkoroestandssitzung. tftr. 15.„Die Nackttuliur.—»»»rioiienourg: Peim 3(0|inen(tc.«. um sind mit im stieicheausschuft der deutschen Zuarndverbände?"— >see: Schule Zoachim-Frlebrich-Str. 35 88.„Körperkultur und Eerual- n."— Britz: Raihauo. Ehaufseestr. 48.„Die Zugendinternationale."— Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbonner»Schwarz Rol-Gold". Seschäktsstelle: Berlin S 14. Ssbastianstr. 87-38. Hol 2 Tr. Nrnköln-Britz! 1. Kameradschaft: Zu unserer Fahnenweihe am -27. August sind Quartiermeltungen bringend benötigt und umgehen» an die Kameraden Karl Pätzes, Reuterstr. 50,»nd William Äiethie, Kaiser. Kameradschaft»WWW». W sletztere in ginll) müssen zum Ummarsch 17H Uhr Reuterplatz antreten.— kanntag, 28. August: Lichtenberg nebst Untergruppen: Das gesamte Tambour- korp» steht lOi� Uhe am Bhs. Lichtenberg.Friedrichsfelde. Bernau, Kreis Riederbaruim-Norb: 10 Uhr Kreissitzung beim Kameraden Müller, Berlin, Uferstr. 12 sBhs. Gesundbrunnen). Wichtige Tagesordnung. Erscheinen jede» Bereinsvorsitzenden Pflicht.— Wildau: Sonntag, d. 4.. Gründungsfest. Antreten 14 Uhr„Gasthof zum grünen Baum". So., d. 3., Antreten zum Fackel- zug 20 Uhr gleichfalls zum grünen Baum. ZnteressenVertretnng„kelbsthilse" der geschädigten Auslands-, Kolonial- nn»«renzlanbdentschen e.«. Am 26. August. 20 Uhr, Aula des König- städtischen Gymnasium», Eiisabethstr. 57/58, autzerordentliche Mitgliederoerlamm- lang. Berichterstattung über den dem Reichsrat'überwiesenen Regierung». entwurs zum Entschillngungsschluftgesetz. Alle Geschädigten sind hierzu ein- geladen. Rostschc» Renbollnen. Orchester. Krossener Str. 14, Restaurant Schentke. Typographische, Orchester. Kollrotaler Zirkel zur Pflege guter Musik. Diri- oenl Kapellmeister Erich Gutzeit. Borsitz-nder Zohaunes Schulz, Berlin-Britz, Pintsch-Allee 43. Freitag. 2«. August, 20 Uhr, erste Uebungsstunde nach den Ferien im Neuköllner Bereinshaus, Hermannste. 11 iHermannpsatzt. Gäste willkommen. Instrumente mitbringen. Es---.... genommen. Streicher'...... kozialtftischer 38 sWWWWMWWWWWW Sonntag ZjlZ Übe am Hallefchen Tor zur Teilnahme'am Gewerkschafisses: Lina gegen Zmperioliomu». Professor Alfons Goldschmidt spricht Uber: ..Weltkamps um da» Petroleum" Freitag. 26. August, 19V4 Uhr, in den Musiker- Feftsäleu. Kaiser-Wilhelm-Str. 81. Eintritt frei. Verein ehemaliger GS User der Knabenschule der iüdilchen Gemeinde zu Berlin 9.®. Sonntag, 28. August, Führung durch die Ausstellung„Das iunoo Deutschland" im Schlaft Belleoue. Treffpunkt pünktlich 10 Uhr Bahuhoieuhr Belkevue, Ausgang Flensburger Strafte. ESstc willkommen. noch Mitglieder aus. werden ,. und Bläser, auch Nichtduchdrucher. Sozialistischer Schülerbiind. Alle sozialistischen höheren Schüler iressen sich LiqflHations- Bilanz per IB. inli 1927 der Bau|ienosser»ch»ft8dr);er*'ilde L Ist„ tineeiranene fienosscnsctzBlf mit de »ciirünkter ilaltpllicht, Sitz Berlin. »ont 1000 Znoeniar... 1— Gelchäii«- Satzungen.. 1— Reserve:» Weriz.u Geeilt k.40 Grundsteuer. 422 05 Kasse.... 07.ZH Auftenstände 1223— Berluss.... 36 W erveiond» 185.68 Beiträge... t8o. Schulden... 310.— 2)1. 1725 68 äst 1725.88 (ie* Inn- und Verlust steclinune. Handlung»- 1 Porz-Verkauf#86.50 Uninfl.m 1003.151 Vrrinit.....3< 2« 1003.451 M I0ii3.4b Unsere Denossenschait ist durch General. verlammlungsbeichluf, 00m 28. Zuni 1027 auigelvst. Die Gläubiger werden aulge fordert, sich zu meiden. Die Lianidotoren. 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Das Tichhörnchen schnarrte, wie das die Art seines Stammes ist, höchst gewichtig und unvorsichtig, indem es in ausgelassenem Entzücken auf seinem Zweige hin und her sprang, schnell wie der Blitz hierhin, dorthin— als plötzlich eine goldbraune Gestalt wie das schlagende Schicksal selbst auf dem anderen Ende des Zweiges landete. Mit einem gellenden Warnungsschrei sprang das Eich- Hörnchen entsetzt in die Luft und flammte am Stamme in die chähe— Muftela ihm dicht aus den Fersen. So geschwind es auch rrar, Muftela war noch schneller, und in wenigen Sekunden wäre das Schicksal des kleinen Schwätzers besiegelt gewesen. Doch dieser kannte sich besser aus— er war aus seinem eigenen Baum. Andern- falls hätte er seine verzweifelt« Flucht über möglichst schwache Zweige genommen, die das größere Gewicht seines Feindes nicht uusgehalten hätten. So aber gelang es ihm gerade noch im legten Augenblick, das rettende Loch zu erreichen— und alles, was Muftela erwischt«, war ein Büschel Haare seiner roten Rute. Fauchend vor Wut und Enttäuschung bohrte Mustela sein wildes Gesicht in die Ocssnung. Er konnte das Eichhörnchen sehen, wie es mit schreckenswilden Lichtern und klopfendem Herzen wenige Zoll unier ihm zusammengekauert lag! aber er konnte es nicht erreichen, denn die kleine Oesfnung ließ seinen Kops nicht ganz hindurch. Em- pört zog und riß er mit seinen kräftigen Pfoten am Rande des Einschlupfs, aber das Holz war zu hart, und nach einer Halden Minute vergeblichen Kragens ließ er voll Verachtung von der Rinde ab und lief den Baum wieder hinunter. Kaum war er ver- schwunden, so schrillte ein erneuter Warnungsschrei� des Eichhörnchens durch die Stille und höhnte dem Feind in die Ohren, der sich in langen Sätzen durch das Gezweig schwang. Mustela wußte, daß ihm die Jagd in Hörweite dieses Alarms verdorben war, und eilte mißmutig weiter, das widerwärtige Geräusch im Nacken, bis es er- starb und damit das'Bewußtsein der erlittenen Niederlage im Herzen des Räubers erlosch. Befriedigt richtete er sogleich die buschige, braune Rute wieder in die Höhe, und der Ausdruck dreisten Selbstvertrauens war wieder hergestellt. Da die Jagd nach Eich- Hörnchen am heutigen Tage nicht sehr günstig, für ihn zu liegen schien, sprang er auf die Erde und begann den Boden in allen Himmelsrichtungen nach einer frischen Hascnsährte abzusuchen. Das dunkle, würzijj dustende Durcheinander von Pechtannen und Föhren war hier durch einen Gürtel großer Feldsteine unter- brachen! nur hier und dort stand eine Gruppe verkümmerter weißer Birken, silberblättriger Zitterespen oder des Sumachs mit seinen kräftigen feuerroten Blütentufsen. Unzählige Kaninchenspuren kreuzten sich hier, und es dauert« nicht lange, so hatte Mustela eine entdeckt, die frisch genug schien und eine schnelle leichte Beute ver- sprach. Eilig, lautlos, die Nase dicht über dem Boden, verfolgte er hie verwickelten und anscheinend ziellosen Windungen der Fährte. An einer jungen, dichten Tanne vorbeigleitend, bemerkte er durch einen zusällixen Blick einen Stammesgenossen, der an den Federn eines soeben erlegten Birkhahns riß. Der ander« war kleiner und schlanker als er— ein junges Weibchen— vielleicht vor wenigen Wochen noch das seine. Doch für solch« Betrachtungen hatte Mllstelas grausamer Geist weder Raum noch Zeit. Mit einem einzigen flammenden Sprung mar er im Besitze des Birkhahns. Das geschmeidig« junge Weibchen schien von dem Luftzug seines Sprunges wie weggeblasen. Sie kannte Mustela und wußte, ein Moment des Zögerns wäre ihr Tod gewesen. Spuckend vor Wut und Furcht floh sie in ihr Nest, um wenigstens die Jungen zu schützen. Aber Mustela hatte im Augenblick nur den einen Gedanken. seinen Hunger zu stillen— und der Birkhahn war ein vollausge- rvachsenes Exemplar, dick und saftig. Die alte Mord- und Blut- tust kam erst nach dem Genüsse des reichlichen Mahles zurück— nach hastiger Toilette setzte er davon und das den Woldboden über- wuchernde fußhohe' Heidelbeerkraut schloß sich über ihm. Die Sonne hatte sich inzwischen ihrem Untergänge genähen. Rötliche Lichtwellen fluteten über die offenen Waldflächen und er» ergossen sich in die allen Schneisen, die düsteren Baumstämme mit lichtem Rosa überspülend. In diese rötliche Glut gehüllt, bewegte sich der goldbraune Mustela mit geisterhafter Unsichtbarkeit, und fiel daher wie ein Blitzstrahl über«in im Farnkraut dösendes Kaninchen, das mit vor Entsetzen aus den Höhlen getriebenen Lich- kern in die Höhe schoß und sein Geschick mitten im Sprunge emp- fing. Mit ersticktem Aufschrei fiel es dumpf ausschlagend ins Farn» traut hintenüber, die Fänge Mustelas an der Kehle. Ein kurzes Ringen— und Mustela hob seinen blutbefleckten Kopf triumphie- rcnd von seiner um vieles größeren und stärkeren Beule. In wilder Lust blickte er um sich, ob etwa ein anderer Muber es wagen würde, ihm seine Beute streitig zu machen.. Nach Stillung, seiner Blutgier zog er die Ueberreste des Kanin- chens unter das Gebüsch, beschmutzte sie ausgiebig bis zur Ungenieh- barkeit und scharrte Laub und Erde darüber, denn er gönnte nie- mandem Anteil an seiner Beut«. Dann lenkte er seine Schritte heimwärts. Zufrieden— wohlgesättigt trottete er einher, doch Augen» Nase und Ohren waren dabei immer auf der Suche nach frischen Spuren. Obgleich sein Appetit für mehrere Stunden be- friedigt war, blieb er begierig wie immer nach der Jagd, nach der stolzen Freude des Tötens, nach dem Geschmack von heißem Blut. Doch die geheimnisvollen Mächte der Wildnis schienen ihm nur eine Jagd ums eigene Leben bestimmt zu haben. Wenn je ein Tier in der grausamen Seele Mustelas Todes- furcht wecken konnte, so war das sein großer Stammesverwandter, der Fischotter, zweimal so schwer und dreimal so stark als er, und an List und flüchtiger Schnelle ihm vollkommen ebenbürtig. Und eben in diesem Moment lustvoller Lebensfreude Mustelas kauerte dieses Tier wie der grinsende Tod mit dem häßlichen, schwarz- fchnäuzigen Kopfe mitten vor Mustela auf dem Wege und blitzte ihm mit höhnischem Triumphe in die-Lichter. In Todesschrecken.sprang Mustela das Herz bis zum Halse, und wie eine Flamme im Winde schoß er seitwärts ins Gebüsch und jagte um sein Leben, um sein eigenes wildes rotes Blut davon— der Otter hing ihm wie eine Schlange an den Fersen. Mustela hatte einen Borsprung von etwa zwanzig Schritt und hielt ihn eine ganze Weil«. Er wagte keinen einzigen Trick, um nicht den Boden unter sich zu verlieren, und er wußte ja auch, daß sti» Verfolger ihm an List gewachsen war. Mit der seinem Stamme eigenen Ausdauer jagte er. von seinem unbeugsamen Willen ge- tragen, weiter und weiter in wilder Hätz, die schiefe Bahn wind- gebrochener Stämme hinab oder hinauf, wie eine goldene Schlange durch dichtes Gestrüpp und wie ein flüchtiger Lichtstrahl über große. luftige Abgründe zwischen Baum und Felsen und Baum— eine geisterhafte, unhörbare Todesflucht. Und dicht hinter ihm— unabwendbar wie das Schicksal— die grinsende Grimasse des Ver- folgcrs, der in langen Sprüngen näher und näher kam und nur in dichtem Gestrüpp ein wenig zurückfiel. Trotz Mustelas Ausdauer wäre das Ende des tapferen Weit- laufs für ihn sicher gewesen: ein schneller, wutfauchender Kamps und dann— das Dunkel! Doch der immer wachende Dämon der Wildnis erbarmte sich seiner, denn mitten im letzten verzweifelten Sprunge prallte Mustela gegen ein riesiges Hornissennest, das von einem Zweig« herabhing! die graue papiernc Kugel riß von ihren Die �Degrünüung" ües Reichsschulgesetzes! Tragfäden und zerbrach. Pfeilgerade war Mustela vorüberge- schössen, und nur wenig« weißglühende Stiche der aufgereizte» großen schwarzen Hornissen mit den creincfarbenen Streifen trafen ihn in die Hintcrschenkel, als wollten sie ihn nur zu erneuter Eile anstacheln. Siegesgewih im gleichen Sprung« setzte der Otter einher, und mitten in den erregt aus dem Neste stürmenden Hornissenschwarm, der mit tödlicher Einmütigkeit sich über dem vermeintlichen Zer- störer seines Reiches zusammenschloß. Fauchend warf sich der Otter zur Seite und suchte nach Deckung. Es war zu spät! Die großen Hornissen sülltcn seine Fänge, Gehöre und Lichter und füg- ten sich wie ein schwarzes Gewebe unter sein Pelzhaar ein. Wie Feuerzungen impften die langen Stacheln ihr slammendes, beißen- des Gift in seinen Körper. Vergebens schlug er wild mit den Pso- ten nach den Peinigern, die seinen ganzen Kopf bedeckten, vergebens zerdrückte er sie in Massen— von ihrem Gift tonnte er sich nicht mehr befreien. In hosfnungsloser Verzweiflung raste der Otter. em loderndes Fcuermcer in sich, durch das Unterholz, rannte blind gegen Stämme und Fcleblöcke, denn neben den Giftslammen, die nach seinem entsetzenswilden Herzen züngelten, war jegfiches andere Gefühl erloschen. Die Hornissen waren während dieser Todesjagd nach und nach von ihrem Opfer abgefallen, das endlidj, in einem Spalt zwischen zwei Felsen, seinen Kopf und seine Qual in das kühle, bergende Moos zur letzten Ruhe legte. Wenig« Tage später beschnüffelte ein Luchs den über und über geschwollenen Leichnam, wandte sich jedoch mit enttäuschter» Knurren wieder ab, denn auch für seinen sonst recht wenig wähle- rischen Gaumen war das vergiftet« Fleisch nicht genießbar. Mustela aber, der allen Grund hatte, seine Flucht keine Sekunde zu verzögern, war weiter und weiter gejagt und wußte nichts von dem Schicksal seines Verfolgers. Erst»ach längerer Zeit wurde es ihm bewußt, daß er nicht mehr verfolgt wurde. Sein heftig klopfendes Herz schwoll im Triumph! Vorsichtshalber jedoch machte er eine» Umweg nach seinem Bau zurück und sing sich auf dem Wege nur ein paar Wildmäuse. Dann lief er an seinem Stamme in die Höhe und verschwand in seinem Neste, wo er sich, wohlbcfriedigt über den gut verlebten spannenden Tag, bequem zu einem Schläfchen zusammenrollte. (Berechtigte Uebersetzung von K. Winter.) Das Wagnis des(dzeanfluges. Alle bisherigen Ozeanflüge legen zweifellos Zeugnis ab von dem Fortschritt der Flugtechnik. Die Ueberquerung des Ozeans im Flug- zeug will fast märchenhaft erscheinen, wenn wir uns vergegen- wärtigen, daß noch im Jahre 1908 Flüge von Eindeckern über wenige 199 Meter in der Press« als bemerkenswert« Leistungen ver- zeichnet wurden. Ziel der Technik aber ist im allgemeinen nicht kostspieliger Sportbetrieb, bei dem kühn« Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, sondern wirtschaftlicher, unbedingt sicherer Dauerbetrieb. Solana« der Flug über den Ozean ein Wagnis bleibt, solange noch die Völker nach der Vollendung eines solchen Wagnisses in Ve- aeisterung geraten, ist die Technik unvollkommen. Unendlich viel Arbeit ist noch nötig, um sie so zu fördern, daß das Wagnis von heute zur Alltäglichkeit von morgen wird. Welche Forderungen stellt«in regelmäßiger Transozeanflug- verkehr? Wer diese Frag« beantworten will, muß zu dem Schluy kommen, daß keine der für diesen Betried nötigen Vorbedingungen bisher erfüllt wurde. Zunächst das Flugzeug! Die heutigen Ma- schinen genügen für di�se Ausgabe in keiner Weise. Für den prak- tischen Ozeanflugverkehr kommen ausschließlich schwimmsähige Groß- flugboot« in Frage� die sich nach dem Niedergehen aus das Wasser wie.ein moderner Hochseckreuzer verhalten. Zum Antrieb müssen mehrere, mindestens zwei Motoren vorhanden sein, so daß beim Aus- fall einer Maschine der Flug fortgeführt werden kann. Die Motoren müssen selbstverständlich auch während des Fluges gut zugänglich sein, fo daß sie dauernd überwacht werden können. Der Brennstoff- verbrauch dieser Maschinen muß zur Verminderung der nicht zahlen- den Last(zahlende Last: Passagiere, Fracht) herabgesetzt werden. Die Flugzeug« müssen ferner in der Lage sein, eine genügend große Menge Fracht und Passagiere mitnehinen zu könne». All« dies« Bedingungen sind heute zum größten Teil noch unerfüllt! Das Flug- zeug ist trotz seiner großen Vervollkommnung, gemessen an diesen Bedingungen, etwa auf den Stand der Dampfmaschine zu Watts Zeiten. Damals war man froh, wenn sich die Maschine drehte und eine im Verhältnis zu Material und Kostenauswand geringe Leistung hatte. Das Flugzeug der Zukunft wird sich zum heutigen oerhalten wie«ine moderne Hochdruckdampfmaschine zur alten Niederdruck- Maschine. Die nächste Forderung, die bei einem Transatlantikflugverkehr erfüllt sein muß, erscheint fast noch wichtiger. Wir bräuchen In- strumente, die uns gestatten, das Flugzeug ohne Kursoerlust auch dann zu seinem Ziel zu steuern, wenn die Erde außer Sicht ist. Gerade beim Verkehr über den Oezean, bei dem die Sicht durch Wolkenbänke auf weite Strecken behindert ist, wird das nur zu oft notwendig sein. Wohl zeigt der Kompaß die Nordsüdrichtung an, aber wir können bisher nicht die Abdrift durch Seitenwinde auto- matisch feststellen. Hier sind wir auf Berechnungen oder Schätz»»- gen angewiesen. Ein Fehler von wenigen Graden aber bringt das Flugzeug bei dem so weit entfernt liegenden Ziel so sehr von dem gewollten Kurse ab, daß dadurch die Flugzeit unter Umständen um Tage verlängert werden müßte. Bei Ozeanflllgcn genügt auch nicht ein Pilot, der die Ueberwachung des Flugzeuges und seine Steuerung zu übernehmen hat und dann mich noch nautische Berechnungen vornehmen soll! öur Führung eines solchen Flugzeuges gehört ein Stab von ausgebildeten Leuten, wie sie ein moderner Ozeandampfer ebenfalls nicht entbehren kann. Die dritte Forderung für den Ozeanflugverkehr betrifft die Bodenorganisation. Das Verfliegen Chamberlins auf unbekanntem Gelände und die mißglückten Landungsversuche Bprds bei Paris zeigen, daß auch hier noch wesentliche Ausgaben zu lösen sind. Wir müssen Geräte und Verfahren finden, die eine Kenntlichmachung des Landungsplatzes auch bei Nebel gestatten. Dann aber muß die Flugstrecke io gekennzeichnet werden, wie eine Eiscnbahnstrecke. Die „Bodenorganisation" der Eisenbahn ist im Lause von hundert Jahren in geradezu mustergültiger Weise durchgebildet worden. Der Flug- verkehr wird zu ähnlichen Einrichtungen kommen. Uebrigcns Hai der Beirat für das deutsche Luftfahrwesen ein Preisausschreiben zur Bekämpfung des Nebels im Dienste der Luftfahrt beschlossen. Man darf jedoch nicht vergessen, daß das Problem nur schwer zu lösen Ist. Solange alle diese Forderungen nicht erfüllt sind, wird de-- Flug über ßen Ozean ein Wagnis bleiben. W. M. �lus üen Kinöheitstagen öes Zoo. Unser« zoologischen Gärten haben nach ihrem Niedergang während' des Krieges allmählich wieder einen großen Aufschwung genommen! kostbare uno seltene Tiere aus allen Teilen der Welt bewohnen wieder die durch Hrmger und Krankheit verwaisten Käfige, und in diesen Sommenaaen sind die„Zoos" der größeren Städte nickt nur die anregendste naturgeschichtliche Schule im Freien, sondern auch ein gern besuchter Vergnügungsaufcnthalt. Die Geschichte der Zoos im l-eutigen Sinne als eine auf wissen- schaftlicher Grundlage ausgebaute Sammlung von Tieren ist ver- hältnismäßig jungen Datums! sie sind ebenso wie die Museen im „historischen" 19. Jahrhundert entstanden. Aber der„Tiergarten" ist uralt, bestand schon im Altertum und hat sich auch im Mittel- alter stets da entwickelt, wo«in paar seltene iremdländisch« Tiere in den Besitz eines Fürsten oder geistlichen Würdenträgers, einer Stadt oder einer Gemeinde gelangten. Aus diesen Kindheitstagen des Zoo, die den systematischen zoologischen Sammlungen durch viele Jabrbtinderte vorangingen, plaudert Dr. Adolf Lieilborn in einem Aufsatz der„Westcrmannschen Monatsheste". Schon Karl der Große soll als Geschenk Harun al Raschids einen Etcsanten besessen haben! Papst Leo X. erhielt einen solchen Rüstelträger vom Könia von Portuoal zum Geschenk, und im Jahre l-käll erregte auf der Frankfurter Messe ein indischer Elefant das größte Aussehen. Ein nicht minder seltenes Tier war der Papagei, den die Stadt Nürnberg 14S8 dem Erzbischof von Mainz verehrte. Gegen Ende des 15. Jahrbunderts waren zum ersten Male in Amsterdam Löwen öfsentlich ausaestellt, und etwa um dieselbe Zeit schenkte fterzog Heinrich von Licgnitz dem Könia von Poten ein Löwennaar. Dürer, der sich für fremdländische Tiere besonders interessierte, zeichnete 1515 ein Nashorn nach einer Skizze, die ihm aus Lissabon zugesandt worden war. In diesem Jahre hatte nämlich der König von Portugal ein lebendes indisches Nasborn erhalten, und diese „wundersame Kreatur" wurde in Dürers Bild mich den Deutschen zum erstenmal vorgeführt. Erst L99 Jahre später wurde wieder ein Rhinozeros in Europa gezeigt! es erregte überall das größte Staunen: ja es gab einer— Mode den Namen, und Geller! besang es in einer seiner Fabeln. Die pbantast'schen Bilder in den da- maligen„Tierbüchern" zeigen, welch wunderliche und sabelhafte Borstellungen man sich von den, mir dem Namen nach bekannten Gefthgpsen machte, die man mit den Sagentieren der antiken Weit wunderlich vermengte.'Erst im 18. Jahrhundert wurden mehrere seltene Tiere gemeinsam zur Schau gestellt und es erschienen auf den Jahrmärkten die sogenannten„Menagerien", wie sie zuerst um diese Zeit genannt werden. Dieser Menaaericbetrieb. der noch bis ins 19. Jahrhundert den Schimmer des Außerordentlichen und Romantischen behielt, gehörte zu den Schansielltstioen der Fahrenden, und Holte! lx>t z. B. in seinem„Vagabunden" sehr lustig beschrieben, wieviel Schwindel und Betrua dabei mit unterlief. Auch Hagenbeck, der Vater eines wissenschaftlichen Tierhandels, erzählt in seinen Lebensennnerungen ergötzlich, wie sein Vater mit sechs Seehunden seine Tierschau ansing und sie allmählich um ein„nacktes Riesenschwein", einen künstlich von Borsten befreiten Eber, und ein„Lama", ein ganz gewöhnliches Reh. vermehrte. Berühmte Menagerien vor hundert Jahren waren die Kreutzbergsche und die van Akensche, deren Besuch Glaßbrenner so humorvoll geschildert hat. Die ersten zoologischen Gärten, die dieses Kindheitsstadium der Tiersammlungen überwanden, waren die zu London 0899), Amsterdam(1838), Antwerpen(1843) und Berlin(1844). Ihr Tierbestand aber war kaum reicher als der der größten Menagerien. Der Berliner Zoo, der aus der königlichen Menagerie auf der Pfaueninsel bei Potsdam hervorgegangen war, beherbergte 1849 noch nicht«imnal hundert verschiedene Tierarten, die heimischen Raubtiere und das Geflügel mit einberechnet. Welch ungebeures Aufsehen das erste Flußpferd in London hervorrief. hat Dickens in einer berühmten Schilderung der Nachwelt über- liefert. Tiere, dt« heute zum„eisernen Bestand" jedes Zoo zählen wie z. B. der Elefant, gehörten damals zu den kostbarsten Selten- heften. Erst der Tierhandel, wie er in vorbildlicker Weise durch den jungen Karl Hagenbeck organisiert wurde, hat den großen Zoologischen Gärten eine Füll« von seltenen Tieren zugeführt, und heute kann man sich„einen Zoo", der die wichtigsten Bewohner der Arche Noah umsaßt, wie jede andere Ware bestellen, wenn man tief genug in den Geldbeutel greift. j »- M 1 A k g 1 tJ. p !-! i r i s) Leipziger Str./ Alexanderplatz/ Frisches Fleisch Berliner Schlaclith.auaware Pa.SMneboteIelt..... � 1,28 Pa.Kassler................. 1,20 Pallsliein 62p(. Pa.RBcHenlell 88p. Pa.Stliinorileisc[iI�en�de 1,28 PaJanunelllelsiii 98?,. KalOsbamin......... PB.RiDderIeber... 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Angnut ,027 3'/, Uhr I Extra-Vorstellung mit OTTO«BUTTER und dem| gesamten Programm. ErmäBIgte Preise. Reichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit In der MullerstraBe Nachmittags: Halbe .Preise, volles Programm. Dönhoff- Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Theater am Koltb. Tor Koflb. S,r. 6 Tägl.8 Uhr: Elite-läDoer Gewaltiges ■ Programm. 8i,nowik,-BühBer SwuBirilireklion Beono ling Th. Kdniggrätz. Sl. Hasenheide 2110 8 Uhr DieSdiulev.Dziadi Theal'a. Hollenilorfpläti Hur oodibis31.llügusi Täglich 8V, Uhr: Alt-Heidelberg icl rm Kerer-FiunUr littni, Ruplir. Stösjtl, Härtel Preise: 2.-. 3.- M. usw. 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