Nr. 406 ♦ 44. �ahrg. Ausgabe A Nr. 207 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfenni«. monatlich 3— Reichsmark voraus»abibor. Unter Streifbant im Ja. anb iiusland S.SO Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts' mit der Mustrier. tcn Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen'.»Aus der Kilmwelt'. .Frauenstimme',.Der Binder. freund'.„Iugend-Vorwärts",.Blick in die Bllcherweit' und.Bultur. arbeit' erscheint wochcntäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telearamm-Adresse: »Sozwltemakrat Lerlia» Sonntagsansgabe Nevlinev VolKsvl�tt pksnnig) Anzeigenpreise: Die einspalti«« Zionpareille. »eil« 80 Pfennig. ReName»eile 5,— Reichsmark.»Kleine Antigen' das fettgedruckt« Wort 2S Pfennig (»uläflia»wei fettgedruckte Worte). jede» wettere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« das erst« Wort IS Pfennig. ledes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buch» staben»üblen für zwei Worte. Arbeitzmarkt Zeile 60 Pfennig. ffamilienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. 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Die Anerkennung der Koalitionsfreiheit war keines- wegs ein Bekenntnis zu der Freiheit der Koalitionen. Die Gewerkschaften waren nur geduldet. Ihre Aktions- freiheit auf ein Mindestmaß zu beschränken, galt als wohlver- standenes Interesse des Staates. Die Organisationen selbst, gleichgültig, ob es sich um freie oder christliche handelte, zu vernichten, mindestens aber sie von allen Verhandlungen über Arbeitsbedingungen auszu- schließen, war das Ziel, auf das die deutschen Industriellen unter Führung der Schwerindustrie mit allen Mitteln, wenn auch vergebens, lossteuerten. Vierzig Jahre nach der ersten Konzession des Staates an die Gewerkschaften fand der Zentralverband deutscher Industrieller die kaum verhüllte, wohlwollende Unterstützung der Regierung, als er auf einer Tagung im Jahre 1907 sein sozialpolitisches Programm mit zwei Forderungen an die verbündeten Regierungen einleitete und abschloß, die seiner Feindschaft gegen die Partei wie gegen die Gewerkschaften gleicherweise zeigen. Er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß die Regierungen„kein ihnen zustehendes Mittel unversucht lassen werden, o i e Sozial- demotratie als die gefährlich st e Feindin der wahren Interessen auch des Arbeiterstandes zu bekämpfen und in die gebührenden Schranken zurückzuweisen". Insbe- sondere erklärte er, daß alle Gesetzesanträge, welche die Er- Weiterung des Koalitionsrechtes„und dessen Ausdehnung auf weitere Klassen von Arbeitern, Angestellten und Beamten" bezwecken,„mit den Interessen des Staates und des Gemeinwohls u n v e r e i n ba r" seien. Vielmehr hielt er für„unbedingt erforderlich, daß die verbündeten Regie- rungen tunlichst bald und energisch besorgt sind, durch g e- setzliche Maßnahmen die Freiheit der Arbeit wir- kungsvoller als bisher zu schützen und damit die der Sozial- demokratie und ihren Gewerkschaften noch nicht verfallenen Arbeiter von der Schreckensherrschaft dieser Partei und ihrer Organisationen zu befreien". Diese Aeußerungen, die sich beliebig vermehren ließen, sind bezeichnend für den gemeinsamen Kampf der Unter- nehmer und der Regierungen gegen die wirkliche Freiheit der Koalitionen: sie zeigen zugleich, welche Hindernisse über- wunden werden mußten, um die Bahn frei zu machen für die gesetzliche Anerkennung der Gewerkschaften und„die Ver- einigungssreiheit für jedermann und für alle Berufe" durch- zusetzen. In den kampferfüllten Jahrzehnten vor dem Weltkriege, in denen die Gewerkschaften aus eigener Kraft der Arbeiter- klaffe die organisatorische Grundlage ihrer Macht schufen, standen sie außerhalb des Staates. Sie besaßen keine anderen Rechte als die, welche sie sich in unmittel- baremKampf errungen hatten. Ihre Rechte waren nur in ihrer Macht begründet. Keine Sanktion des Staates schützte ihre Geltung. Aber weil sie ohne fremde Hilfe, nur gestützt auf die unerschöpflichen Reserven eines zielbewußten Willens und der Opferbereitschaft ihrer Mitglieder zu einem Machtzentrum in Wirtschaft und Staat ge- worden waren, mußte der Staat ihnen entgegenkommen, als es galt, während des Krieges eine planmäßige Orga- n i s a t i o n der W i r t s ch a f t zu sichern, mußten die Unternehmer sich ihren Bedingungen unter- werfen, als es darum ging, den Zusammenbruch der Wirtschaft nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges zu verhüten. Der Staat, dem die Gewerkschaften nach dem Kriege sich gegenüber befanden, war seinem Wesen nach ein an- derer als der, gegen den sie sich vor dem Kriege zu be- haupten hatten. An erster Stelle ihrer eigenen, folgerichtigen Vorarbeit haben sie es zu danken, wenn sein innerer Aufbau sich so grundlegend geändert hat, daß sie selbst zu Trägern öffentlich-rechtlicher Funktionen werden kann- ten. Der alte Staat hatte sie früher erst verneint, dann wohl oder übel geduldet, schließlich in einer Zeit beson- derer Not zur M i t a r-b e i t herangezogen. Der neue Staat konnte sich nicht damit begnügen, sie nur formell anzuerkennen» seine Gesetzgeber mußten die Konsequenz aus den bestehenden Machtverhältniffen ziehen und die Kräfteverschiebung, die in den Beziehungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften sich vollzogen hatte, legalisieren. Die Vereinbarung vom 15. November 1918, deren Gedanken richtungbestimmend geworden sind für die Ge- setzgebung der Nachkriegszeit, kann mit unvergleichlich große- rem Recht als das italienische Gesetz vom April dieses Jahres als„Magna Charta der Arbeit" bezeichnet werden, denn sie ist aus dem Geist der Gewerkschaften ent- standen. Die soziale Selbstverwaltung, deren Grund- linien in diesem ersten Aufriß des neuen Arbeitsrechtes ge- zogen worden sind und deren Aufbau in den Nachkriegsjahren Wo gehörst du hin! Zeder, der nicht genau weiß, w o er sich heule dem großen Demonstralionszuge anschließen soll, findet in der 4. Beilage dieser Nummer noch einmal den Aukmsi'gckplsn zur Kundgebung! begonnen wurde, trägt, so erweiterungsfähig, so ergänzungs- bedürftig sie noch ist, das Gepräge ihres Willens, ihrer Staatsauffaffung, ihrer Ueberzeugungen von dem Verhältnis von Staat und Wirtschaft. Ohne ihre Selbständigkeit auch gegenüber dem neuen Staat aufzugeben, ohne auf ihre weitergehenden Ziele zu verzichten, sind die Gewerkschaften in das Hoheitsgebiet des Staates eingedrungen, hat der Staat ihnen Rechte zugestehen müssen, die ein beredtes Zeugnis dafür sind, in welchem Maße sich feine Struktur ver- ändert hat. Mit der Unabdingbarkeit der Tarif satzung ist den wirtschaftlichen Vereinigungen die Ermächtigung zu- gesprochen worden, im normativen Teil der Tarifverträge objektives, zwingendes Recht zu schaffen. Die Tarif- Verträge sind neben dem Gesetzesrecht zu einer kaum weniger wichtigen Rechtsquelle des neuen Arbeitsrechtes ge- worden. Durch die Anerkennung der Spitzenorgani- s a t i o n e n der tariffähigen wirtschaftlichen Vereinigungen als Benennungskörperfchaften für den Reichswirtschaftsrat und die Körperschaften der sozialen Selbstverwaltung(in der Ar- beitslosenoersicherung. der Arbeitsvermittlung und Berufs- beratung, in der Sozialversicherung), des Schlichtungswesens und der Arbeitsgerichtsbarteit, durch die Vertretung der Ge- werkschaften in einer Reihe gemeinwirtschaftlicher Körperschaften ist den Organisationen der Arbeit- nehmer eine Fülle öffentlich-rechtlicher Aufgaben zuerkannt worden. Die Gewerkschaften stehen nicht mehr außerhalb des Staates, sie haben sich die Mitwirkung im Staat erzwungen, sie sind auf weiten Gebieten der Gesetzgebung, der Verwaltung und der Rechtsprechung zu einem l e b e n s- wichtigen Bestandteil des Staates geworden. Es wäre aber ein verhängnisvoller geschichtlicher Irr- tum, anzunehmen, daß diese noch vor anderthalb Jahrzehnten unvorstellbare Erwefferung des Wirkungsbereiches der Ge- werkschaften behauptet werden könnte, wenn nicht der gleiche Geist, der die Organisationen der Arbeiterschaft in den Jahrzehnten vor dem Krieg beherrscht hat, auch heute noch und in Zukunft die Masse der Arbeiterschaft beseelt. Niemals mehr als heute bedarf es der Erschließung der g e- samten geistigen Kräfte der Arbeiter und Angestellten, der zielbestimmten Aktivität jedes einzel- nen Mitgliedes der Gewerkschaften. Die neuen Aufgaben verlangen geistig geschulte, von der großen Tradition der Ge- werkschaften erfüllte Männer und Frauen. Sie erfordern Persönlichkeiten, welche die ihnen zugewiesenen Sach- gebiete beherrschen und sich in jeder Stellung nicht nur als Sachkenner bewähren, sondern darüber hinaus sich als die Träger des Willens der Bewegung und ihm verantwortlich fühlen. Die Gewerkschaftsbewegung braucht nicht nur Führer an der Spitze der Verbände. Sie bedarf ihrer in allen Wir- kungskreifen, in den kleinen wie den großen, die sie ihren Vertretern erschloffen hat. Mehr als je ist die Bewegung auf Einheit des Denkens und Einheit des Handelns im ganzen Bereich ihrer Wirksamkeit angewiesen. Das Losungswort der Gewerkschaften war seit den Zeiten ihrer Anfänge: Aus eigener Kraft! Dieses Wort, das wie ein Flammenzeichen über allen ihren Kämpfen stand, hat feine Bedeutung nicht verloren. Der Fels, auf den ihr Recht sich gründet, ist heute wie vor dem Kriege ihre eigene Kraft. Diese Kraft zu stärken ist nicht nur eine Aufgabe der verant- wortlichen Führer. Es gibt in den Gewerkschaften keinen, der diese Verantwortung nicht trägt. Alle Mitglieder, die Jugend wie die erprobten Kämpfer, haben an ihrer Stelle dafür zu sorgen, daß diese Kraft wächst. Noch stehen Millionen Arbeiter außerhalb ihrer Reihen. obwohl sie Nutznießer des Rechtes sind, das die Gewerk- fchaften geschaffen haben. Diese Millionen für die großen Ziele der Gewerkschaften zu gewinnen, sie aufzurütteln aüs ihrer bequemen Trägheit, sie anzufeuern, das Recht zu er- werben, das sie ererbt haben, und neues Recht im Bunde mit allen ihren Kameraden in den Werkstätten und Betrieben zu schaffen— diese Aufgabe ist die heilige Pflicht von ollen, die nicht nur dem Namen nach Mitglieder der Gewerkschaften sind, sondern dem Geist der Bewegung in ihr Denken und Wollen aufgenommen haben. Der Zweck unserer Kundgebung. Von Gustav Sabath, Vorsitzender des Orisausschusses Serlin des ADGS. Die heutige Kundgebung der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiterschaft Berlins ist kein gedankenloser Spaziergang nach der Treptower Spielwiese. Sie ist eine ernste Demonstration: für das Bekenntnis zu unoer- brüchlicher Treue zur gewerkfchafllichen Organisation, den festen Willen zu restloser Werbearbeit für die freigewertschaft- liche Idee und zur Bereitschaft zum entschlossenen Kampf für den Aufstieg der Arbeiterklasse aus geistiger und sozialer Not. Der Aufmarsch in Treptow ist auch keine Kundgebung der Führer oder, wie es in einer Gloffierung des Aufrufs der örtlichen Spitzenorganisation heißt, der„heuchlerischen Gewerkschaftsinstanzen", sondern der gewerkschaftlich organisierten Massen selbst. Wäre die Erfüllung der Aufgaben der Gewerkschaften so leicht, daß sie nur von den Führern erfolgen könnte, dann brauchten wir wahrhaftig keine Organisationen: dann genügte es vollauf, wenn sich die Arbeiterschaft einige Kollegen ihres Vertrauens erwählte, deren Händen sie ihr" Schicksal anver- traut. Die Führer sind nichts weiter als die Vollstrecker des Willens der Mitglieder, die hinter ihnen stehen. Macht und Einfluß der Führer hängt ab von der Stärke der Organisationen. Die Erfolge in den wirtschaftlichen Kämpfen können wohl durch Geschick und Umsicht der Führer gefördert werden, in letzter Linie sind sie aber abhängig von den lebendigen, tat- und kampfbereiten organisierten Massen selbst. Ebenso ist es Unverstand, wenn nicht Schlimmeres, wenn die Führer für die Mißerfolge verantwortlich gemacht werden. Wenn man nach Schuldigen sucht, dann soll man sie dort suchen, wo sie in Wirklichkeit sind: im großen Heere der Fernstehenden, die zwar ernten, aber nicht mitarbeiten und keine Opfer bringen wollen. Man bleibe uns auch mit den sogenannten Sympathisierern vom Halse, die mit ihrer Sym- pathie nur ihre Trägheit und ihren Egoismus bemänteln. Auch mit bloßen Reden und Parolen, und wenn sie noch so bestechend formuliert sind, kommt die Arbeiterschaft keinen Schritt vorwärts. Oberster Grundsatz aller gewerkschaftlichen Er- folge ist: straffe und starke Organisation, Solidarität bis zur Selbstaufopferung und Unterordnung unter den Willen der Gesamtheit. Wo diese Voraussetzungen noch fehlen sollten, müssen sie geschaffen werden, wenn die kommenden Kämpfe von Erfolg gekrönt sein sollen. Mag die Arbeiterschaft sich keiner Tauschung hingeben: sie steht einem stark und restlos organisierten Unternehmertum gegenüber, das von der Macht, die ihm feine geschlossene Front und sein wirtschaftliches Ueber- gewicht verleiht, auch rücksichtslosen Gebrauch macht. Aber dieser Macht des Unternehmertums kann die Ar- beiterschaft eine gleichwertige Macht entgegenstellen, wenn sie die oben genannten Voraussetzungen erfüllt und in ihrer Gesamtheit den entschlossenen Willen zur Tat aufbringt. Trotz aller Meinungsverschiednheiten muß Einheit und Ge- schlossenheit gewahrt und Kameradschaftlichkeit gepflegt werden. Denn die stärksten Bundesgenossen des Unternehmer- tums sind Uneinigkeit, Indifferenz und Gleichgültigkeit der Arbeiterschaft. Ist es ein Wunder, wenn das Unternehmer- tum diese Uneinigkeit mit Hilfe der verschiedensten betrieb- lichen Einrichtungen, die hier nicht aufgezählt zu werden brauchen, zu schüren und zu fördern versucht? Teile und herrsche sind auch heute noch die stärksten Mittel, mit denen das Unternehmertum seine Macht zu halten und befestigen sucht, und im Erfolg dieser Mittel sich zum Schaden der Werktätigen leider auch noch niemals getäuscht hat. Der Unverstand der Mafien ist auch heute noch der größte Feind der Arbeiterschaft. Wenn sie erst dies Boll- werk überwunden hat, ist das größte Hindernis ihres Auf- stieges und ihrer Befreiung aus wirtschaftlichen Fefieln aus dem Wege geräumt. Und das ist der Sinn und Zweck der Kundgebung, zu der die Berliner Arbeiterschaft heute in Treptow auf- marschiert: ihren Gegnern, wo immer sie auch stehen mögen, zu zeigen, daß sie nicht ruhen und rasten wird, bis sie dieses Bollwerk überwunden und diese Fesseln gesprengt hat. Und endlich und nicht zuletzt, ist sie eine Werbekundgebung für die gewerkschaftliche Idee, die gleichzeitig die organisierte Arbeiterschaft mit neuem Geist und neuer Tatkraft begeistern soll für die kommenden Kämpfe um den endgültigen Sieg. Die Frau in der Gewerkschaft. Bon Grete Sehner. Wenn heute die Organisationen aufrufen, für den gewcrkschast- lichen Gedanken zu demonstrieren, dann ist es neben dem Arbeiter und Slnzestellten nicht nur die gewerblich« Arbeiterin, die diesem Rufe folgt. Auch die weibliche Angestellte marschiert in Reih und Glied. Es hat einer langen Entwicklung bedurft, ehe der gewerkschaft- liche Gedanke Eingang auch bei den Frauen fand. Ihr Glaube an die Autorität des Staates war zu groß, als daß sie— selbst wenn sie zur Einsicht in ihre Klassenlage kamen— den Weg zur Gewerk- schuft, zur Selbsthilfe hätten finden können. Erst als die Autorität des Staates ins Wanken kam. brach auch ihr Glaube an die Macht des Kapitals zusammen. Sie strömten in hellen Scharen in die Gewerkschaften, auf diese ihren Glauben übertragend. Darin liegt die Erklärung, warum es den Verbänden nicht möglich war, den Organisationsstand der ersten Nachkriegsjahre zu halten. Taufende der in jenen Nooembertagen zur Gewerkschaft übergelaufenen Frauen und Mädchen fielen zurück ins Dunkle. Hunderttausende sind aber geblieben und treu« Gewerkschastsmit- glieder geworden. Stellen diese Hunderttausende auch nur erst einen sehr bescheidenen Bruchteil der erwerbstätigen Frauen und Mädchen überhaupt dar, vernehmlicher denn je appelliert unsere Zeit, appel- lieren unser« wirtschaftlichen Verhältnisse an das Interesse der Frau. Das Hervorstechendste an den bisherigen Veröffentlichungen über die Berufszählung von 192S ist das weitere starkeWachsen der Frauenerwerbsarbeit— begleitet von einer nie da- gewesenen allgemeinen Arbeitslosigkeit. Die Zahl der weib- lichen Angestellten ist besonders sprunghast in die Höhe ge- gangen— und der Ardeitsmarkt der Angestellten ist wie kein anderer überfüllt. Die Unternehmer nützen diese Situation gegen die Arbeiter im allgemeinen und die Angestellten im besonderen rücksichtslos ans. Sie haben nicht nur mit Erfolg den Achtstundentag berannt und praktisch die völlige Sonntagsruhe vielfach durchlöchert, auch der Siebenuhr-Ladenschluß ist ihnen ein ebensolches Aergerms wie die ganz« tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisie überhaupt. Sie bekämpfen ebenso jede Forderung, die auf einen besonderen Schutz für Arbeiterinnen oder weiblich« Angestellte abzielt, wie überhaupt jeden Schutz, der ihrer Ausbeutung der Arbeitskraft eine Schranke setzen will. Sie bereiten seit langem den Sturmangriff auf die Sozialversiche- r u n g vor, um bei einem Ersolg dann ins Herz der Arbeiter- bewegrmg, in dl« Gewerkschaften, I» stoß««- Sie hosten, dl« den sozialen Schutzes beraubte Arbeiterschaft leichter in den„Schutz" der Werksgemeinschaft hineintreiben und damit den Gewerkschaften das Lebenslicht ausblasen zu können. Druck erzeugt Gegendruck. Und auch in jenen Arbeiterinnen, die heute noch oder wieder abseits stehen, schlummert die Erinnerung an die Novembertag« von 1918. Wecken wir durch unsere Arbeit. durch unser Tun, durch unser Handeln, durch unser Beispiel ihren Glauben an die gewerkschaftliche Kraft, ihren Glauben an sich selbst. In diesem Sinne demonstrieren heute die sreigewerkschastlich organsierten Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten. Zehn Jahre Von Wilhelm Stähr, 2." Die im Allgemeinen freien Angestellten- bund zusammengeschlossenen Verbände haben einen ganz besonderen Grund, den heutigen Gewerkschaftstag festlich zu begehen. Zehn Jahre sind ins Land gegangen, seitdem der feste Zusammenschluß der freigewerkschaftlichen Angestellten- verbände durchgeführt wurde. Im Jahre 1917 wurde an Stelle der bisher nur losen Vereinigung dieser Organisatio- nen die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände, die A f A, gegründet, aus der 1921 der Allgemeine freie Angesteltenbund hervorgegangen ist. Die Anfänge der freien Angestelltcnbewegung finden wir zu einem erheblich früheren Zeitpunkt. Schon im Jahre 1997 waren lose Verbindungen vorhanden, die als Vorläufer der heutigen freien Angestelltenbewegung angesehen werden können. Auch die Erinnerung und Würdigung dieser ersten gemeinsamen Arbeiten sind heute mehr denn je am Platze. Es war die Freie Vereinigung für die Pen- fionsverslcherungen der Privatange stell- t e n. die ihre Aufgabe in der Ausgestaltung der sozialen Versicherungseinrichtungen für Angestellte sah und den ersten Anstoß zu einer grundsätzlichen Klärung in der Angestelltenbewegung gab. Der Streit um die soziale Versicherung beherrschte Jahre hindurch die gesamte Angestelltenbewegung. Nach dem Aus- trag erheblicher grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten in den Kreisen der Angestellten wurde im Jahre 1911 das Versicherungsgesetz für Angestellte aus der Taufe gehoben. Es standen sich zwei Gruppen der Angestellten gegenüber, von denen die eine die Eingliederung der Angestellten in die bestehenden sozialen Vcrsicherungseinrichtungen ver- trat, während die andere Gruppe die Errichtung der später zum Gesetz erhobenen besonderen Angestellten- Versicherung propagierte. Im Jahre 1913 fanden dann die ersten Wahlen zu den Selbstverwaltungskörpern der Angestelltenoersicherung statt. Diese Wahl brachte die ein- zelnen Verbände einander näher, so daß zu der Zeit schon die Interessenvertretung der freien Angestellten ganz erheb- lich in die Erscheinung trat. Nach Klärung der grundsätz- lichen Fragen in der Sozialoersicherung für die Angestellten brachte der Kampf um die Ausgestaltung des Angestelltenrechtes die endgültige Entscheidung in der Angestelltenbewegung. Die Gründung des Arbeitsausschusses für ein einheitliches Angestelltenrecht im Jahre 1913 ist ein historischer Wendepunkt. Die Organisationen, die sich damals als Kämpfer für das gleiche Recht der Angestellten zusammenfanden, waren die Pioniere des freigewerkfchaft- lichen Gedankens in der Angestelltenbewegung. Aus dem engen Zusammenarbeiten um den Ausbau der Sozialver- AfA-Bund. orflhender des AfA-Äundes. sicherung und im Kampf um ein einheitliches Angestellten- recht erwuchs mit den Jahren die Kampfgemeinschaft der freien Angestelltenverbände. Das gemeinsame Borgehen in allen sozialpolitischen Fragen während des Krieges führte dann gar bald zu einer ständigen Erweiterung des Auf- gabenkreifes bei gleichzeitiger Festigung der inneren Ver- bindung. Im Jahre 1917 wurden Name und Form der Or- ganifation geändert. Am 26. September 1917 entstand die Arbeitsgemeinschaft freier Angestellte!�- verbände, die das Zeichen AfA zum Panier der freien Angestelltenbewegung erhob. Aus der bisher nur losen Ar- beitsgemeinschaft entstand ein Kartell, das sich in der ftürmi- schen Bewegung der nächsten Jahre weiter festigte. Nach eingehenden Vorberatungen und intensiven Arbesten wurde im November 1921 die heutige Organisationsform festgelegt. Der Wiederaufbau der Wirtschaft und die Durchführung des neuen Arbeitsrechtes nach dem Kriege stellten die höchsten Anforderungen an die Organisationen. Die schlimme Zeit der Inflation und der Stabilisierung der Währung spannte gleichfalls alle Kräfte zur Einsetzung für die Interessen der freigewerkschaftlich organisierten Angestellten an. Die Füh- rung des AfA-Bundes kann dabei von keiner Seite bestritten werden. Unsere nächste Arbeit dient dem dritten Wahltampfe um die Selb st Verwaltung s- körper der. Angestelltenversicherung. Die Vorbereitungen zur Durchführung dieses Wahlkampfes wer- den im Augenblick getroffen, und unser Gewerkschastsfest steht im Zeichen dieses Wahlkampfes. Unsere Mitgliedschaften werden bei den bevorstehenden Entscheidungen die Tätigkeit ihrer Organisation auf dem Gebiete der Sozial- und Wirt« schaftspolitik zu würdigen verstehen. Die Entwicklung unserer Bewegung wird am besten durch einen Vergleich der Mitgliederzahlen gekennzeichnet. Bei der Gründung im Jahre 1917 zählten die in der AfA zusammengeschlossenen Verbände kaum 60 000 Mitglieder, während die Gegner die Zahl ihrer Organisation mit 700 000 angaben. Heute folgen den Fahnen des AfA-Bundes nahezu eine halbe Million Angestellte, während die schon damals verhällnismäßig sehr starken Gegner auch heute zusammen nicht mehr als eine Million aufweifen können. Die freie Angestelltenbewegung ist stolz auf diese Eni- wicklung ihrer Organisationen! Wir wissen, daß in der Ge- werkschaftsbewegung nicht nur guter Wille den Erfolg bringen kann, sondern eiserner Fleiß und restlose Disziplin sind die Garantien. Das Gewerkschaftsfest war dazu angetan, einen Rückblick auf die Entwicklung der An- gestelltenbewegung zu richten; der kommende soziale Wahl- kämpf eröffnet sogleich einen Ausblick in die Zukunft. Das Gegenstück. ♦. Don Jodok. Da lebte in New Jork eine gewifie Lita, und sie hätte auch Rita oder Atta oder Pia oder Senta heißen können, und sie hatte wie alle solche Trägerinnen ebenso affiger wie vokalreicher Vor- «amen ein süßes Puppchengesicht und wcrr eine kleine Film- schauspielerin, wie es sie, ohne recht« Notwendigkeit, zu vielen Tausenden gibt. Von einem gewissen Tage an war nun Lita nicht mehr ein unbedeutendes Dutzendgeschöpf, sondern da war sie die Frau des großen Charlie Chaplin, aber freilich nur im standes- amtlichen und nicht in einem tieferen Sinne, denn im tieferen Sinne war sie durchaus ein unbedeutendes Dutzendgeschöpf g«. blieben und betrachtete die Bindung an Chaplin weniger als eine Lebenskameradschaft, denn als eine vorzügliche Gelegenheit, über ihres Mannes Geldbeutel zu oerfügen. Lita aaste mit den Dollars, die ja schließlich nicht sie zu verdienen brauchte, arrangierte Bälle, Feste, italienische Nächte und legte sich alle Untugenden rüpelhafter Parvenüs zu. Man wird erstaunt fragen, warum Chaplin nicht das einzige tat, wozu selbst der friedfertigste und gewalllosest« Mensch zuweilen gegenüber einer launenhaften Frau sich zu seinem Bedauern enischlleßen muß. Aber ach. Chaplin tebt in Amerika, und in Amerika ist das so, daß das puritanische Gewissen es Mar völlig in der Ordnung findet, wenn zwei oielleicht irrende, aber immerhin doch heiß um Erkenntnis ringende Männer mit geistige» Inte» essen zu siebenjährigem Todesschauer verdammt werden, daß es ober überschnappt, wenn eine dahergelaufen« Gans von ihrem Mann nicht jeden ihrer dunnneu und mutwilligen Wünsche erfüllt bekommt. Ja, dieses Gokdkind Lita. das hafs der amerikanischen Gesellschaft angetan, und gar die Richter, die, wie»ir ja wissen, eisern«, steinerne Herze» zu haben vermögen, die können auch mild und weich, warm und menschlich empfinden. Sie haben Mitleid gehabt mit dem Schicksal einer Unglücklichen, der ihr Ehegemahl nicht gestatten wollte, daß sie allnächtlich mit dem Schwärm ihrer kreischende« Freundinnen und Freunde seinen Schlaf störe, und sie haben ihr eine MiMon Dollar zugesprochen. Ein bißchen wenig nach amerikanischer Auffassung, und überhaupt hätte ja über den viehischen Chaplin eigenllich der Boykott oerhängt werden müfien, aber man begnügt sich noch einmal mit einer ernsten Verwarnung, einer zornvollen Rüge und läßt sich gnädig dazu herab, den größten Filmschauspieler des Jahrzehnts vorläufig weiter gewähren zu lasten. Ja, die Lita konnte dies Bolk in Wallung bringen, die quietsch- fidele Lita, der es nicht einmal darauf ankam, den Mann, von dem sie immerhin zwei Kinder hat, mit Enthüllungen über seine sexuellen Eigenarten zu bedrohen. Hier verschwendete das Amerika der ge- sellschaftltchen Geltung, jenes, das die offiziellen Moralansichten macht, da» Mucke» und Henchter-Auterika, Sympathie und Zu- Lita ist nun eine millionschwere Frau und es ist anzunehmen, daß sie immer eine brave Amerikanerin bleiben und niemals etwa Dollarschecks fälschen oder gar zu den Anarchisten übergehen wird. Das ist«in großes Verdienst, es steht insofern alles zum besten mit ihr, und dem kleinen Ding ist nur nachzusagen, daß es freilich unvergleichlich bester in die Welt paßt und ganz anders die Menschen und die Dinge zu nehmen weiß, als dies etwa Sacco und Banzetti zu tarn oerstanden._ Eine interna lionale Konserenz über die Kropfsrage fand auf Einladung des Staatlichen Gesundheitsamtes der Schweiz in Bern vom 24. bis 26. August statt, zu der weit über hundert Fachgelehrte erschienen waren. An den Verhandlungen nahmen für Preußen der Leiter der Mcdizinalabteilung Dr. Krahne und der Referent Dr. Marmann teil; auch Vertreter des Reichsgesundheitsamtes, Bayerns und einiger anderer deutschen Länder waren anwesend. Für die Beurteilung des Kropfproblcms, das im Hinblick auf die seit einigen Jahren auch in Preußen beobachtete bedenkliche Zunahme des Kropses der Jugendlichen von ernstester Bedeutung ist. hat die Konferenz in Bern ein« Reih« neuer Gesichtspunkte und wertvolles Material geliefert, dessen weitere Verarbeitung die preußische Medi- zinalverwaltung unter Hinzuziehung der bernfenen Fachärzte bald in Angriff nehmen wird. Das Hauptthema der Verhandlungen war die Prophylaxe(Bor- beugung) des endemischen Kropfes. Aus der Diskussion ging hervor, daß die Aussichten theoretisch ziemlich auseinandergingen. Prak- tisch waren die Teilnehme darüber einig, daß die in der Schweiz, in Bayern und Oesterreich durchgeführten Versuche mit jodiertem Salz sehr zu begrüßen seien und daß es wünschenswert sei, diese weiter durchzuführen und auszubauen. Es wurde dabei darauf hin- gewiesen, daß die Befürchtungen der Bauernschaft, daß die Ver- abreichung von jodiertem Salz an das Vieh eine nachteilige Wirkung haben könnt«, gar nicht zugetroffen sind. Darf der Chef Kleiderordnnngcn erlassen? Die dänischen Zei- hingen beschäftigen sich angelegentlichst mit einem Fol, der in Kopenhagen die Gemüter in große Aufregung oersetzt hat. Der Chef einer großen Firma hatte eine Stenotypistin fristlos entlassen, weil sie, wie er bchauptei«,„in höchst unpassender durchsichtiger Kleidung" im Bureau erschienen war. Die junge Dame verklagte daraufhin den Chef auf Zahlung eines Vierteljahrsgehalts. Das Gericht gab ihr auch recht und verurteilte den Chef, der auf seinem Recht be- stand, seinen weiblichen Angestellten ihre Kleidung vorzuschreiben. Eine große Kopenbagener Zeitung richtete darauf eine Rnndjrage aw die großen Warenhäuser und Firmen, um zu erfahren,, welche Fo» derungcn bezüglich der Kleidung des weiblichen Personals gestellt würden. Der Direktor des größten Warenhauses lagt«:„Ich habe mich niemals mit der Frage der Kleidung meiner Verkäuferinnen beschäftigt. Mir kann es wirklich ganz gleich sein, wie lang ihre Röcke sind. Da? einzige, was ich verlange, ist Höflichkeit gegenüber den Kunden." Die Dirclrricc eines vornehmen Modesalons erklärte dagegen:„Unsere Dame» haben lange Aerinel und lange Röcke. Eine Dame mit kurzem Haar hat gor keine Aussicht, bei uns«ine Stellung zv bekommen." Der Direktor der Tel ephong e sell schast sagte: �lll« unsere weiblich« Angestellt« trag« uniform»« n« Littel, aber auch hier hat sich die Forderung der Mode durchgesetzt. Bor einem Jahr sind die Kittel bedeutend kürzer geworden!" Nummern stall Vornamen. Mussolinis Feldzug gegen die zu einem wahren Unfug ausgeartet« Gepflogenheit, den Kindern bei der Taufe die unsinnigsten Vornamen zu geben, gibt einem englischen Blatt Anlaß zu dem Hinweis, daß es auch in England Narren gab und gibt, die dieser Geschmacklosigkeit huldigen. So führen beispiel»- weise in einer Familie die drei Kinder den Vornamen Josef,»Noch einer" und.Noch ein anderer". In einem anderen Fall haben die Eltern ihren Sprößlingen die Namen„Finis",.Addenta",„Appendix" und„Supplement" gegeben. Auch der in diesem Zusammen- hang aufgetauchte Borschlag, die Kinder zunächst mit Nummern zu bezeichnen und ihnen die Freiheit zu lassen, wenn sie erwachsen sind, ihre Bornamen selbst zu wählen, ist auch schon in die Praxis um- gesetzt worden:«in Ehepaar Stickney hat ihre Töchter, die erste, zweite, drille genannt und ihre Söhne eins, zwei, drei. kommt ein Sowjetlheater-Dekcet? Das seit zwei Iahren be- stehende Moskauer Zentraltechnikum für Theatertunst, das Bühnen- liinstler sowie Schauspiel- und Opernregisseure hauptsächlich für die Provinz heranbildet(die Moskauer Schüler betragen kaum 4 Proz.), eröffnet in diesem Herbst Jnftruttionskurse für Kulturtheaterleiter. Es handelt sich um die zielbewußte Ausbildung der Leiter von künstlerischen Veranstaltungen in Arbetter- und Vauernklubs, deren systemlose Kunstpolitik auf der Frühjahrs-Parteikonserenz ver- schiedentlich beanstandet worden ist. Die„Shisn Jskustwa" spricht sogar die Hoffnung aus, daß die theaterpolitischen Thesen dieser Kon- ferenz demnächst in Form eines für alle Bühnen der Sowjetunion gültigen Theaterdekrete gesetzliche Kraft erlangen werden. Die Ireunde der Katakomben. Die Vattkanssche Kommission für sakrale Archäologie, der von der italienischen Regierung die Forschungsarbeit in den Katakomben Roms übertragen ist hat beschlossen, zur Förderung dieser Arbetten eine internationale Gesell- schast unter dem Namen„Freunde der Katakomben" ins Leben zu rufen. Trotz aller bisherigen Ausgrabungsarbeiten sind jedoch. soviel man bis jetzt übersehen kann, noch mindestens 1000 Kilometer unterirdischer Gänge rund um den alten Stadtkern unerforscht. Aue- grabungsergebnisse der letzten Zeit machen es wahrscheinlich, daß noch Sammelplätze aller Handschriften und vielleicht auch etruskische Erzeugnisse zu finden sind. Da» Iheaier am Schiffbaverdamm eröffnet die Svlesteit der volkSdabne am Mittwoch mit MoliöreZ„George Dandin". Die Mufik ,» den von JIja Motyicw geschaffenen Zwischenspielen komponierte Woisgang Zeller, grau Trümpa und Tribell die Pantomime und den Tanz. Da» Deutsche Thealer wird im Lause dieses Winters an den Sonntag» vormiilagen eine Reibe von Matineen veranstalten. AlS Neuerung wird hierbei eingesührt, daß die Stücke nicht nur zu einer einmaligen Aufführung gelangen, sondern mehrfach wiederholt werden. Zuerst gelangt im Sevtember .Krankheit der Jugend-, Schauspiel von Ferdinand Bruckner, zur Aufführung. Dl« lliilernalional« Komni'ssion zur Erkocschung der �'tmospdäre mit dem Sit in London bS.l ihr- dicSjäbrizc Tagung unier dem Borfftz ihres Präsidenten Rapier Shaw in der kommcnden Woche Mn Leipzig ab. Bi» jetzt sind SS Gelehrte aus 16 verschiedenen Ländern angemeldet. Die Tagung ist die vierte nach dem fcriege«Md dl« er sie, die wieder aul dentfchem Vöde» ßattsindet. Aufmarsch der Verbände. Verlin das Zenirum ihres Kampfes. Die große Kundgebung der Berliner freien Gewerk- schaften im Treptower Park wird eine gewaltige Heer- schau sein. Getragen von den Idealen des Sozialismus, haben die freien Gewerkschaften alle Angriffe der Unter- nehmer, alle Schläge des Krieges und der Nachkriegsjahre siegreich überwunden. Berlin ist nicht nur der Sitz des Reichstags und der Reichsregierung, Berlin ist auch der Sitz des deut- schen Scharfmachertums. Der Verband Ber- liner Metallindustriellen hat nicht zufällig zum Vorsitzenden gleichzeitig den Vorsitzenden der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Hier sitzen auch die Scharf- macher der Holzindustrie, die rückständigen Zünftler vom Schlage eines P a e t h. Hier führt der Verband Berliner Baugeschäfte an der Spitze der Bauunter- nehmer Deutschlands den Kampf gegen den Achtstundentag. Hier ist der Sitz der R e i ch s b a h n g e s e l l s ch a f t, die die Rationalisierung zu vereinbaren sucht mit der Verlängerung der Arbeitszeit und Hungerlöhnen. Hier in Berlin machen die Ba n k e n den unglaublichen Versuch, den 7-Uhr-Laden- schluß zu beseitigen. Hier in Berlin ist der Sitz einer großen Konfektion, d. h. Schwitzindustrie, wo Frauen und Mädchen für Hungerpfennige ausgebeutet werden. Von Berlin aus versuchen die H o t e l b e s i tz e r, den Kampf gegen die Fahne der Republik zu organisieren. Hier in Berlin, dieser weitaus größten Industriestadt des Deutschen Reichs, herrscht auch absolut wie relativ d i e größte Arbeitslosigkeit. Nach dem Zusammen- bruch der Mark stieg in Berlin die Arbeitslosenzahl auf 400 000. Die Rationalisierungskrise hatte dieses Arbeits- lofenheer, das aus Berlin nie verschwindet, das in den Nach- kriegsjahren nie unter 100 000 gesunken ist, wieder auf nahezu 300 000 anschwellen lasten. Obwohl wir uns jetzt in der besten Jahreszeit befinden, wo die Bautätigkeit am inten- fivsten ist, gibt es in Berlin immer noch 160 000 Arbeitslose. Trotz dieser ungünstigen Umstände haben die Berliner Gewerkschaften nicht nur sich behauptet, sondern ihren Vormarsch wieder aufgenommen. Am Aus- gang der Inflation waren nicht nur nahezu zwei Drittel der Berliner Arbeiter und Angestellten arbeitslos, die Löhne waren auf ein unmögliches Hungerniveau herabgedrückt. Löhne von 25 und 30 Pf. die Stunde für erwachsene Arbeiter waren keine Seltenheit. „Arbeitet mehr, d. h. arbeitet länger, und ihr werdet mehr verdienen�, sagten die Unternehmer. Dieser Versuch. mit Hilfe des Hungers den Achtstundentag zu beseitigen, ist mißlungen. Nach der letzten statistischen Aufnahme des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeitet die er- drückende Mehrheit der Berliner Arbeiter acht Stunden täglich. Die freien Gewerkschaften haben es in BerUn aber nicht nur verstanden, den Achtstundentag zu halten, sie haben auch den Kampf um die Löhne mit Zähigkeit und Erfolg geführt Noch ist das Lohnniveau der Berliner Arbeiterschaft ein unbefriedigendes. Wenn wir aber zurück- blicken auf die letzten drei Jahre, dann ist der Ausstieg trotz aller Widerstände der Scharfmacher, trotz der Ungunst der Wirtschaftslage ein ganz beispielloser Nur dieser Wiederher- stellung der Kaufkraft der arbeitenden Masten ist es aber zu danken, wenn der Beschäftigungsgrad der Industrie ein beflerer geworden ist und die Arbeitslosigkeit abgenom- men hat Die Gewerkschaften haben nicht nur ihre Kampfkraft be- hauptet, sie haben auch ihre große Anziehungskraft bewährt. In allen Industrien, in allen Berufsgruppen, in allen Organisationen geht es wieder aufwärts. Der Zustrom der Unorganisierten zu den freien Gewerkschaften schwillt immer mehr an. Im Deutschen Baugewerksbund ist die Mit- gllederzahl, die nach der Inflation auf 14 500 gesunken war, heute wieder auf über 23 000 gestiegen und dürfte m diesem Jahre die Höchstzahl, die nach dem Kriege erreicht wurde, vielleicht noch übersteigen. In der Metallindustrie ist die Mltglledqrzunahme eine unterbrochene. Die hartnäckigen Einzelkämpfe der letzten Monate, die innerhalb der Berliner Metallindustrie ausgefochten werden, beweisen am besten die Schlagkraft der Organisation. Trotz der ungemein hartnäckigen und schweren Arbeits» losigkeit in der Holzindustrie ist es auch hier gelungen, die Mitgliedschaften wieder aufzufüllen und Tarifabschlüste durchzusetzen, die ungefähr das Gegentell von dem enthalten, was die Scharfmacher sich vorgestellt hatten. Das gleiche trifft auf die Schuh- und Lederindustrie zu. Die mustergültige Organisation der Arbeiterschaft der graphischen Berufe ist bekannt. Auch hier sind Ar- beitszeit und Löhne tariflich so festgelegt, daß kein Scharf- macher daran zu rütteln wagt. Erstaunlich sind die Erfolge im V e r k e h r s b u n d, besonders wenn man sich die ungünstigen Verhältnisse vor Augen hält, unter denen die Gewerkschaft hier zu arbei- ten hat. In der Lebens- und Genußmittelindustrie, wo der Kleinbetrieb und der reaktionäre Zunftgeist— wenn man von den Brauereien mit ihren Großbetrieben absieht— vorherrscht, ist es trotz aller Widerstände gelungen, dem Tarifvertrag Geltung zu verschaffen, der vor dem Kriege hier fast unbekannt war. Die ausgezeichnete Organisation der Gemeinde-und Staatsarbeiter hat es vermocht, daß mit Unterstützung der sozialdemokratischen Stadtverordneten die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich festgelegt wurden, obwohl die hohe Verwaltungsbureaukratie sich mit allen Mitteln zu widersetzen versuchte. Auf diesem Wege gilt es, mit Ensschlossenheit wetter zu marschieren. Heute ist in Treptow große Heerschau. Wir wollen aber nicht nur Rückschau halten, sondern der Zukunft vorarbeiten. Hinein in die Gewerkschaften! Vorwärts! Beamte und Gewerkschaften. Don Albert Kattenberg, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Äeomtenbundes. Als die Beamtenbewegung noch nicht gewerkschaftlich orientiert war, blieb ihre Methode, zu„kämpfen", allein auf Petitionieren eingestellt. Wenn wirklich einmal in der Vorkriegszeit eine Beamtendelegation an hoher und höchster amtlicher Stelle vorgelassen wurde, dann geschah das in Form von Audienzen. Von Verhandeln war keine Rede, konnte schon darum gar nicht die Rede sein, weil die Macht- haber in der Verwaltung in ihrer Gottähnlichkeit der Wirk- lichkeit soweit entrückt waren, daß sie die niederen Atmo- sphären als Stickluft empfanden. Dieser Zustand ist zwar mit der Neuordnung der Dinge grundlegend geändert, aber doch nicht zu einem System aus- gebaut worden, das aus innerster Ueberzeugung heraus ge- wachsen wäre. Wer von den Beamten die alten Zustände nicht miterlebt hatte, ist geneigt, den Gewinn der Gegenwart zu unterschätzen. Und die Verwaltungsbureaukratie? Sie gab nur widerwillig Machtpositionen preis, und auch nur auf Zeit. Als die Novemberumwälzung von 1918 ihren ersten Niederschlag in der Beamtenpolitik fand» als der Ruf nach Beamtenräten bis in die Amtsstuben entthronter Bureau- kraten drang, konnte man aus ihrer ehlicher Entrüstung entspringenden Abwehr heraushören, daß sie beim besten Willen nicht verstehen konnten, was denn eigentlich der Kern aller die Beamtenschaft aus der Revolution überkommenen Forderungen war. Sie verstanden nicht, daß mit der No- vemberumwälzung der Prozeß einer in diesem Ausmaße nie erlebten Machtumschichtung begonnen hatte. Darum waren sie wohl selbstsicher in der Erinnerung: Alles war in ihren Augen schön und gut in der rückliegenden Zeit, mindestens aber besser gewesen als der atmende Tag— aber sie waren nicht stark im Aufbau des Neuen. Sie blieben Versager, als es um die Aufrichtung der neuen Staats- autorität hätte gehen sollen. Die nachfolgenden Jahre haben die Auswirkungen dieser Tragik den Beamtenmassen fühlbar gemacht. Sie seufzten unter der wachsenden Abhängigkeit, aber der Druck der wirt- schaftlichen Verhältnisse war stärker als die Fähigkeit der Gepeinigten, sich zu befreien. Sie lebten in der vielfach künstlich erzeugten Furcht vor der Zerstörung des Berufs- beamtentums. Diese Furcht erstickte jeden Elan gewerkschaft- licher Initiative. Unter dem Druck dieser Furcht vergriffen sich die Beamten oft genug in der Wahl der Mittel» die zur Erhaltung und Festigung des gefährdeten Berufsbeamtentums dienen sollten. Sie resignierten, anstatt durch Anschluß an gleichgeartete Wirtschaftsgruppen ihre eigenen Kräfte für die natürliche Abwehrbewegung zu verstärken. Inzwischen ist eine Atempause eingetreten, die vor der Neuregelung der Besoldung und aus politischen Gründen vielleicht sogar bis zu den nächsten Wahlen kpum durch neue Versuche, die Kategorien mit den großen Ziffern noch wetter auf die alten Linien zurückzuwerfen, abgelöst werden dürfte. Diese Atempause muß von den Beamtenorganisationen aus- genutzt werden, um die eigenen Reihen aus Gründen innerer Notwendigkeit in der Richtung einer zielsicheren Gewerkschaftspolitik neu zu formieren. Es gilt, den Glauben an die eigene Kraft wiederzugewinnen. Dazu kann dieser Werbesonntag der Ge- werkschaften auch den Beamten helfen, indem sie sich an der Kundgebung beteiligen und aus ihr lernen, daß auch ihre Be- wegung nur ein Teil der großen Koalition aller übrigen Hand- und Kopfarbeiter ist! HewerWastler! Jeder Mitkämpfer in der Arbeitsfront muß täglich über die Vorgänge im politischen und gewerkschaftlichen Leben auf dem Laufenden sein. Dazu bedarf er einer Tageszettung, die im gewerkschaftlichen Geiste ihn unterrichtet und den publizistischen Kampf sowohl gegen die Unternehmer- front wie gegen die falschen Freunde und„Zellen- bauer" führt. Dies Blatt ist für Berliner Gewerkschaftler allein der„Vorwärt s". Für ihn zu werben, ihm neue Freunde zuzuführen, heißt die gewerkschaftliche Aktion selbst zu stärken, heißt für die Selbstbehauptung der arbeitenden Klasse kämpfen! Jeder Gewerkschaftsgenosse, der über feine Aufgabe in der Bewegung klar geworden ist, wirbt für öen„vorwärts"! Die Eisenbahnerbewegung. Von Franz Scheffel. Vorsitzender des Einheitsverbandes der Eisenbahner. Ein noch junger, aber trotzdem ein starker kerniger Sproß in der Familie der Gewerkschaften ist der E i n h e i t s v e r b a n d der Eisenbahner Deutschlands. Es gatr zwar eine Eisenbahnerbewegung beretts in der Vor- kriegszeit, aber weil sie von den Fesseln des Koalitionsverbotes umstrickt war,, blieb ihre Entwicklungsmöglichkeit ungemein beschränkt. Unter dem Regiment der von altpreußischem Beamtengeist beseelten Minister Budde und Breitenbach wurde seder freiheitliche Hauch brutal unterdrückt. Erst im Lause der beiden letzten Kriegs- jähre muhte den Eisenbahnern mehr Bewegungsfreiheit eingeräumt werden. Der Deutsche Eisenbahnerverband wurde von der damaligen Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und einer Reihe gewerkschaftlicher Organisationen aus der Tauf« ge- hoben. Als die Rovemberstürnre von 1918 die letzten Hemmnisse hin- wegfegten, folgte eine ungeahnte Entwicklung der Organisation. Hunderttausende strömten ihr zu, getragen von starken Freiheits- gesühlen und erfüllt von weitgehenden Hoffnungen, denen, wie über- all, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Nachkriegszeit gewisse Schranken zogen. Schwere innere Kämpfe blieben den Eisenbahnern nicht erspart, die oft den denkbar heftigsten Charakter trugen. Dazu kam der stän- dig« hatte Kampf um die Existenz. Die verheerenden Folgen der Rührbesetzung, der Inflation, eines in unsinniger Weise betriebenen Personalabbaues und anderes mehr rissen tiefe Wunden. Mer das Organssationsschiff, das oftmals in wilder Brandung zu scheitern. drohte, wurde mit fester Hand in ein Fahrwasser gesteuett, das sin Vorwättskommen ermöglichte. Tausende von Bettrauensleuten fanden sich jederzeit bereit, tatkräftige Hisse zu leisten, erfüllt von Bildungsdrang und Wissensdurst und getragen von unverbrüchlicher Treu« zur Organisation. Noch sst die Organisationszevsplitterung im Eisenbahnbetriebe ein« weitgettteben«. Vereinigungen aller Schattierungen sind vor- handen. Trotz alledem ging es rüstig vorwätts. Wir mustern heute «in stattliches geschlossenes Heer von rund Wv 000 treuer Verbandskollegen, Arbeiter und Beamte. Schnell hat sich bei dem denksähigen und fortgeschrittenen Teil des Eisenbahn Personals der Gedanke Bahn gebrochen, daß im Eisenbahnbetrieb Hand- und Kopf- arbeiter ein einziges Ganzes bilden müssen, wenn Schritt gehalten werden soll mit dem Vormorsch der organisietten Arbeiterschaft. Der heutige Tag, an dem die gewaltige Heerschau der organi- sietten Arbeiterschaft Groß-Bertins vor sich geht, wird sicherlich auch den organisierten Eisenbahnern von neuem Zuversicht und Aus- dauer verleihen. Dieser Tag ist aber auch geeignet, machtvoll und dringend die Mahnung an die Unorganisierten zu richtnn, nicht länger abseits zu stehen, sondern mitzuhesse.v, den Kampf der organisierten Arbeit erfolgreicher zu gestalten. Eisenbahner, schaut euch um! Unser Unternehmer, der größte im Lande, ist der reaktionärsten einer. Das in- und ausländische Großkapital dirigiert den Verwaltungsrat. Wenn die Kollegenschast nicht auf der Hut ist, wird sie immer mehr das harte Joch kapita- listischer Interessengemeinschaft am eigenen Leibe zu spüren haben. Der harte, aufreibende, gefährliche Dienst erfordert ganze Männer. Die werden nicht geschaffen und erzogen durch Knecht- seligkeit und schlechte Bezahlung, durch Gewährung von Brosamen, auf dem Bettelwege gesammelt. Die Sicherheit und Leistungs- fähigkeit des Eisenbahnbetriebes kann nur gewährleistet werderr durch ein aufrechtes, in seiner Existenz gesichertes Personal. Zielbewußt und konsequent wird die Organisation ihren ein- geschlagenen Weg weiter oerfolgen. Schulter an Schulter wollen wir stehen und kämpfen mit der klassenbewußten Arbeiterschaft innerhalb und außerhalb der deutschen Landesgrenzen. Trachten wir mit allem unseren Sinnen und Wollen danach, daß die Eisenbahner mit die ersten sind in dem edlen Wetsstreit, durch.tat- kräftiges Wirken die historische Mission der Gewerkschaftsbewegung zu erfüllen! Wir sind aus dem Vormarsch: rüstig muß dem Ziel entgegengeschritten werden! Arbeiterbewegung Kulturtat! Llrteil des Präsidenten von Mexiko. Mexiko- Eily, 27. August. tEigenbettcht.) Der mexikanische Präsident Calles hat auf dem Kongreß des mexikanischen Gewerkschastobundes dem Proletariat seinen Dank für die Unterstühung im Kamps der Regierung gegen die Reaktion ausgsprochen. Calles wies dabei auf die Bedeutung der Arbeiterbewegung für die Entwicklung Mexikos hin und nannte die Bekämpfung dieser gewaltigen Kullurbcwegung zur so- zialen Befreiung ein verbrecherisches vorgehen. Mit be- sonderer Wärme versicherte Calles dem Kongreß, daß die Arbeiter. bewegung stets auf feine kräftige Mitarbeit rechnen könne. Der Kongreß sprach in einem einstimmig gefaßten Beschluß dem Präsidenten sein vertrauen aus. polizetwahlen in Wien. Unter Haßparolen für die Gelben. Wien, 27. August. swTB.) Die Reuwahl für die nach den Zuliereignsssen zum Rücktritt veranlaßke Personalverlretung der Wiener Sicher. heitswachebeamten fand heule unter großer Beteiligung der wiener Wachmannschaft statt. Das Ergebnis war III Mandate für die napolitlsch-wirlschastliche Gruppe der Wachebeamlen und 12 Mandate für die sreigewerkschaftlich organisierte Gruppe. In den engeren Ausschuß kommen demgemäß fünf Vertreter der unpolitisch- wirkschastlichen und ein Vertreter der sreigewerkschaftlichen Gruppe. Die letztere halte früher im Ausschuß eine Zweidrittelmehrheit. Das Defatzungs-Kompromiß. Hcrabsetznng um 10 000 Mann. London. 27. August. Das Foreign Office gibt amtlich bekannt, daß zwischen England, Frankreich und Belgien über die Frage der Stärke der vesahungs- truppcu im Rheinwnde eine Regelung erfolgt sei. Ciuzel- Helten werden nicht bekanntgegeben. Ein Beamter des Foreign Office erklärte, daß eine Verhältnis- mähig geteilte Herabsetzung der Truppenstärke im Rheinland ein- treten werde. Die Gesamtzahl der Truppenstärke werde 60 000 Mann betragen. „Reuter" zufolge verlautet, daß die französische Regierung ihre Truppen um 8000 und die britische und die belgische Regierung ihre Kontingente um insgesamt 2000 Mann herabsehen werden. Gesamt- Herabsetzung der Rheiulaudtruppa, daher 10 000 Mann. Die Reichsbahn vor üem Schlichter. Herabsehung. nicht Bemäntelung der Arbeitszeit. Auf Grund des Schiedsspruches vom 8. April 1927 waren die Vertragsparteien gehalten, spätestens im Monat Mai Verhand- lungen zu führen über Herabsetzung derhöch st zulässigen Arbeitszeit auf Grund der Dienstdauervorschriften. Es wurde denn auch wiederholt zwischen den Eisenbahnerorganisationen und der Deutschen Reichsbahngesellschaft verhandelt, ohne daß es zu einem praktischen Ergebnis gekommen wäre. Die Vertreter der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft hatten wohl das Zugeständnis gemacht, die höchstzulässige Arbeitszeit von 60 Stunden in der Woche auf 57 Stunden herabzusetzen, doch hat dies nur einen theoretischen Wert. Denn die Eisenbahnverwaltung hatte bereits vor dieserZusage ihren Dienststellen Anweisung gegeben, innerhalb der Dienst- schichtengrenze die Arbeitszeit schärfer zu berechnen, so daß sich an der ungeheuren Länge der Dienstschichten praktisch nichts geändert hätte. Auf Grun!� dieler Sachlage haben nunmehr die am Tarifvertrag beteiligten Organisationen den Reichsarbeitsmini st er o n g e r u s« n und ihn ersucht, das Schlichtungsverfahren ein- zuleiten. Diesem Wunsch ist der Reichsarbeitsminister nachgekommen. Die Schlichtungsverhandlungen erfolgen am 5. September. Das Los üer Glasbläser. �im Glasmaschinenhaus der Dsramwsrke in Siemens- st a d t steht eine der wunderbarsten Maschinen der Gegenwart, die Glasmaschine. Sie stellt täglich 50000 Osramglas- Kirnen her und ersetzt damit gut 150—20 0 Handbläser. Nur wenige Leute werden zu ihrer Bedienung gebraucht. Die sxolge ist ein starkes Sinken der Löhne für die Handbläser. Da es in Berlin sogar noch Heimarbeiter in diesem Berus gibt, sei dos Elend dieser Menschen geschildert. In der Küche ist ein kleiner Blasebalg aufgestellt, welcher die Gasflamme anfacht. Diese Gasslamm« dient zum Schmelzen und Löten des Glases. Der Heimarbeiter muß die Glasröhren selbst taufen. Auch das Gas setzt er zu. An achtstündige Arbeitszeit ist nicht zu denken. Will der Heimarbeiter auf seine Kosten kommen und dabei auch leben, dann muß«r von früh 6 Uhr bis spät abends vor der heißen Flamme sitzen. Was das für Augen und Lunge bedeutet, kann sich jeder selbst vorstellen. Und der Lohn? Der Helmarbeiter bläst i n« i n e r S t u n d e, wenn er sehr fleißig ist und die Frau ihm Hilst, etwa 3 0— 4 0 kleine Glühbirnchen. Hat er tausend Stück zusam- men, so hat er 2 2,50 M. verdient. Dafür hat er 25 Stunden arbeiten müssen. Das entspricht einem Stundenlohn von 90 Psenni- gen. Doch sind hiervon noch die Kosten für Gas und für dos Röhrenglas abzuziehen. Bei der außergewöhnlichen Geschicklichkeit, die sich der Glasbläser aneignen mußte, und bei den gesundheitlichen Gefahren ist der übrigbleibende Lohn(etwa 60 Pfennige) ein wahres Elendsgeld. Selbstverständlich wollen wir den technischen Fortschritt und freuen uns der großen Maschin«, welche so gesundheitswidrige Arbeit überflüssig macht. Was wird aber aus den Leidtragenden des Fortschritts? Der Glasbläser hängt an seinem Beruf wie andere Arbeiter auch. Was soll er aber anfangen, wenn ihn die Maschin« vollends brotlos macht? Um dies Problem muß sich die Gesellschaft angesichts der gewaltioen technischen Umwälzungen mehr als bisher kümmern. H. W. Vilkelm Insel. Der Houptkassierer des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer ist heute 65 Jahre alt geworden und tritt nun in den Ruhe- stand. Insel ist einer von jenen Alten, die, durch alle Stürme ge- stählt und gefestigt, in allen Teilen der Arbeiterbewegung mst gleicher Hingebung tätig waren. Bereits in dem Berliner Fachoerein der Maschinisten und Heizer in den achtziger Jahren suchte Wilhelm Insel den Boden für die kommende Organisation vcrzube- reiten. An der Gründung des Verbandes nahm er regen Anteil. In der Hauptverwaltung bekleidete er lange Jahre das Amt eines Sekretärs. Im Jahre 1919 wurde ihm der Posten eines Haupt- kassierers übertragen. Die Kriegsfolgen, die plötzliche Aufblähung des Apparates, die Inflation, die leeren Kassen, dann der Abbau und zuletzt der schwierige Wiederaufbau der Finanzen der Gewerkschaften, das alles zog die Kassierer der Verbände stark in Mitleidenschaft. Wenn der Verband der Maschinisten gleich anderen Gewerkschaften heute über gute Finanzen verfügt, so hat Genosse Insel sein redliches Teil zu dieser Stabilisierung beigetragen. Welche Stütze die Partei an dem Jubilar auch in den schwierigsten Zeiten hatte, dos können die Lichtenberger Genoflen am besten bezeugen. Möge dem Genossen Insel noch ein recht sonniger Lebensabend beschieden sein. Oer Streik bei Sergmann-RHsenchal. Am 24. August wurde erneut zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und dem Deutschen Metallarbeiteroerband über die Beilegung des Streiks bei der Firma Bergmann in Nosentha! verhandelt. Die Schlosser und Dreher haben getrennt in Versammlungen zu dem Berhandlungsergebnis Stellung genommen. Die Schlosser nahmen das Verhandlungsergebnis an, die Dreher haben es abgelehnt. Die Firma wird sich nach wie vor bemühen, Streikbrecher für ihr Wert anzuwerben. Wir bitten alle Metallarbeiter, die streikenden Arbeiter bei Bergmann in ihrem Kampf zu unterstützen. Die.Rote Fahne" behaupete gestern,«in Mitglied des Reichsbonners namens Friedt, Reinickendorf, Scharnweber- ftraße 73, sei Streikbrecher. In Wirklichkeit gehört der Betreffende weder dem Reichsbanner noch dessen Spielmannszug an, sondern einem Bläserkorps, das fast ausschließlich von Kommu» n i st e n gebildet ist._ Gesperrte Konditoreien. Wegen Nichteinhaltung des Tarifs sind für organisiertes Personal folgende Konditoreibetriebe gesperrt: Konditorei Otto, Berlin O., Landsberger Allee 138, Ecke Elbinger Straß«: Konditorei G e p p l e r, Oranienftr. 13(am Heinrichsplatz): Konditorei und Cafö K o l b« r g, Prinzenallee 25/26 und Brunnen- ftraße 52: Versandkondnorei Knobe u. Co.. Berlin N., Müller- straße 40 a. Die Zvlernationale Transporlarbeiler-Föderalion ist zum ersten Male auf der Genfer internationalen Verkehrskonferenz vertreten. Freie Gewerkschaflsingend Groß-Verlin: Leute, Soiuitaa, S«>»cr«schaftstag. lSU, Uhr-»s der Sr-ßeu Spiclwic!« im Treptower Part! Deutscher»erlehr.buud.«bteiluug Straßen- und«l-inbahner: Mittwoch, 31 August, 19 Uhr. im großen Saal des Dewerkschastshaus--, Engelufer 24 23, Sektionsmitgliedervcrsannn!un(j aller Mitglieder im Straßenbahn-, Hochbahn-� Aboag- und Industnebuhnbetnebe. pe de, gd». Morgen, Montag, 19� Uhr, Vkranstattungen in Ereifswalder Str. 23. Fritz-Reutcr.Abend.— Temoclhos: Jugendheim Schule Sermaniastr. iit.„Köln und die Jugend",O0 Kaffeedecken Javagewebe, kariert, llOx ISO farbige« 120Q a j» 120 A e» x- Doppelgew. ISoO.�d 120fc,Uu 1.95 fsüxfeo 2.65 130x130 2.26 Tischtücherhalbietn. 113.95 üS.SO 12.90 Servietten ioVso"m 0.80 Tischtücher halblein. Jacqu. rn. Hohlnaht 130x160 0.95 130x130 4.90 Servietten loxtoan 1.05 Tischtücher reinlela. Jacq.,rasrngebleicht Buchstaben, iÜ.75 1-16.95 ÜO.TS B a d e I a k e n welßbuntgarnuatert Servietten ioVeo cm 1,40 i40xi8o5.45 125x150 3. 9o euer FROTTIER WÄSCHE Staubtücher Poliertücher 6 Stück 0.85 e Stfldr 0.55 Bettköper-Inlett thrklaeh-rot oder roaa-rot, fader dieht 130 am 3.85 82 an 1.95 danaendlaht 3.95«»2.4« 0.60 Frottierhandtücher b u n tz-v__ sit&O.TS Jacquard, buntl OS gemustert, 55 x UScm J.U(l weiß mit farbig eingekurbelt. QfJ bunt,.__ kariert! 05 50x HO■l.aw Stuben ha ndtücher Halbleinen, Jacquard oderA OK Oerstenk o rn, 46x100 cm V.Otf Reinleinen Drall, 48x110)! AK oder Oeretenkora, 48x100) haO Reinlela.,„„ Halblein.-4__, tfTfgl.OS �«l.SS Küchea h and tü eher Weiß Gerstenkorn oder Drell» 45 x 100 cm Halbleinen, weiß Gerste n-A HK korn oder Drell, 46xl00"«#*# Reinleinen, grau-weiß A AfT Gebild, 48x100 cm"»«ff# Reinleinen, weiß,"l OFT mit Inschrift, 45x110 cm JLeOtl Küchen-Wischtücher Halbleinen, weiß-rot kariert, 53x75 cm 0.60 53x53cm 0.40 Relnl einen« weiß mit roter Kante oder Karos 180< 60x75 cm 0.80 60x60 cm 0.60 Un t e r he 1 1 d re 1 le tHrklseh-rot oder roaa-rot 118 em bredt 4.45 3.75 Bettlaken-KuponsJ»s. H a I b 1 e 1 n an, t40x 220 cm ra. ver.türkter Mitte, F» AK 150 cm breit, 225 cm Federn, und Daunen in reicher A u e w a h l, k e e I g e» a e e k e n e War« »AR EMWASCHE HERRENWÄSCHE TRIKOT WA S C H E Klnfatb. Wk« Taghemd mit Silck.-Eluaati O(-/k oder• A n• a t r ta.ÜMI T a g h e m d mit SUck.-Eintatz\ K/a und- A n. a 1 1 l.tlU Nachthemde mit Stl c ke rel O.• O Beinkleid n mit Stick.-Ansatr U. 4 0 Hemdhose 8 mit Stk:k.-Ansar7 I 0 Priozelirock mit Stick.-Ansatz c b• 5.50 1.6« 3.25 2.45 1.50 2.40 3.90 Elagant. Wk.eh« T a g h e m d hanogesticktQ KA i»K u. Handbohlsaum rJtmi'J Nachthemd-j J« ew. mit reich. Stickerei 1 d»— I ,vU Nachthemd-1 K_ Q /w« farbig, mit Spitze Xtl. i/.UU Weiß. Oberhemd Pikee- Falten- Einsatz,_ feste Manschetten,'/ HtZ ■ geplättet I• I e> m Hemdhose farbig, mit Spitze 9.50 6.50 Hemdhose-|/*» o mm, Seide,Cr6ped.ChineXO«OU. Schlafanzug Äi27.- KT.'i 13.50 Oberhemd gestreift, od. gemust. Perkai, O mit Kragen u. Klnppmansch. I el Weiß. Oberhemd karierter B a t ie t- E insa tz und UmschlagmanKhetten, M£| ir gewaschen und geplattet T.at) Herren-Nachthemd__________ farbiger Besatz, Geishaform Q ApJ vorzüglicher engl. Trikotin O AA od. m. Kragen, lang geschnitt. OeÄO mit K'appmanschettcn X«•Uli Stehumlegekragen Einstoffkragen„n. j."/k gj- modernste Form, Mako 4 fach\/#OVI halbsteif, Stärken iil)*»rfliisslj"»ÖD gewaschen und 0 b e r h e gestreift od. gemust. Trikolet Q pf A mit U m sc h lag mansche tten 0«tlU Oberhemd Selbstbinder raine seid« �'O.ÖO � 1.75 2.75 Herren hut aus n a u e "•' r" 1' 3.75 Herbstformt Damen-Hemdhosen feingerippt, Windelform mit Achselband, Größe 42-46 fclngcrlppt, echt Mako, mit Achselba. od. Stoff achsel, 42-46 Damen- llemdchen mit'Bandträgern, weiß oder farbig, Länge 80-95 cm Kinder- Schlüpfer feingerippt, heilfarbig, Gr. 1-5 Unterziehschlüpfer für Damen, hellfarbig Damen-Schlüpfer feingerippt, weiß od. hellfarb. 0.95 1.95 0.65 0.45 0.60 0.95 Damen- Hemdhose q/\ gestreifte K'seide, mit Spitze C o m p l e t Prinzeßrock mit Beinkleid,. � aus kunstseidenem Trikot J|| m. Spi tzengarnierung X X"• I»J Flerrcn-Garnituren A|wv hellfarb., kar. Jacqu.,7 Groß. Damen-S t rü m p f e'J jpr vorzügl. 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Heilage öes vorwärts Sonntag, 2S. August 1027 ..Hier nnb dar« warf ein tanifprecher Jazzmusik auf die Straßen.- So heißt es in dem Bericht, der uns aus B o st o n über die Schreckensnacht vom 22. zum 23. Auqust übermittelt wurde, in der man Succo und Vanzettk hinrichtet«. Ja. es ist Tatsache! Während in der ganzen Welt jeder Gesittet« mit Bangen daran dachte, ob das furchtbare Justizoerbrechen Ereignis würde oder nicht tanzt«n in den Großstädten der Union die Söhne der Stahlmagnat«n mit den Töchtern der Viehkönig« zu den Klängen «incr fafhionablen Musikbande Charleston oder Blues... Nicht nur Amerikas Justiz ist mit Verbrechen belastet, auch wir Europäer haben in einer Zeit, die wie keine zuvor sich brüstet niit Zivilisation und Kultur, Schlimmes erleben müssen. Was waren die 12 Jahre Sozialistengesetz, das der Säkularmensch mit der Fiktion sozaüstischer Attentäter begründete, die nur in seiner >md seiner Gefolgsmänner Phantasie exstierten, anders als ein ein- giges großes Justizverbrechen? Frankreich erlebt« seinen Fall Dreyfus, der einen Unschuldigen als Opfer antidemokratischer Rietze jahrelang auf die Todesinsel der Sträflinge verbannte; aber Frankreich erlebte auch, daß sich im eignen Lande ein Entrüstungs- stürm erhob, die Edelsten aufftanden, Emile Zola sein:„Ich klag« an!* in die Debatte schmetterte und die Machenschaften der Reaktion mit Erfolg angeprangert wurden. Ungeheuer war die Empörung. Äs am 13. Oktober 1909 Francisco Ferrer auf der Feste Moni- juich bei Barcelona unschuldig erschossen wurde; und noch noch Jahren gellte hinter dem Wagen des Königs Alphons von Spanien der Ruf:..Mörderl' her. Uns allen ist noch der Fall Felix Fe ch e n. b a ch in allzufrrscher Erinnerung, und täglich melden uns die Blätter von den Verbrechen einer rechtsoerleugnenden Klassenjustiz aus dem faschistischen Italien, dem bolschewistischen Ruhland. Der Justizmord von Chikago. _ In keinem Lande der Welt aber werden Justizmorde so kalt- blutig ousgesührt, so schamlos und scheinheilig mit verlogenen Phrasen von Recht und Freiheit drapiert wie im Lande des reinsten Kapitalismus, in den vereinigten Staaten von Nordamerika. Nichts beweist dies deutlicher als der Justizmord von C h i k a g o vom Jahr« 188 7. Vor kurzem haben wir über dies Ereignis, das ewig einen Schandfleck der amerikanischen Nationalehre bilden wird, berichtet, doch gerade nach der Ermordung Saccos und Vanzettis erscheint es geboten, gewisse Einzelheiten noch genauer herauszuarbeiten. Führen wir uns kurz die Geschichte des Justiz- rnordes vor Augen! Das im Jahre 1878 vom Kongreß der USA. angenommene Gesetz zur Einführung des Achtstundentages für Re- gierungsarbeiten war ein toter Buchstabe geblieben. Deshalb de- schloß im Oktober 1884 die Gewerkschaftssöderation der Vereiniaten Staaten und Kanadas, die in Ehikogo tagte, daß vom 1. Mai Z886 an der Achtstundentag eingeführt werden und jede Gewerkschaft alles aufbieten solle für die Durchsetzung dieses Beschlusses. Im No- vember 1883 bildete sich in Chikago eine Achtskunden-Assoziation. und infolge der Anstrengungen dieser Liga wurde die Bewegung in Chikago ollgemein. Beide Parteien, Kapitalisten und Arbeiter, rüsteten auf den großen Kampf, der für den 1. Mai 1886 erwartet rmrrde, da brach in der Gerätesabrik von McCormick ein Konflikt aus. Am 16. Februar 1886 um �10 Uhr morgens wurde die Fabrik geschlossen, 1200 Arbeiter wurden aufs Pflaster geworsen. Was war der Grund? Die Arbeiter hatten ihre Organisationen vervollkommnet, und aus Wut hierüber suchte die Fabritleitung einen Grund zum Streit, der bald gefunden wurde. Vor» tragswidrig entlieh man die Mitglieder des Arbeiterkomitees, und als sich die Belegschaft beschwert«, schloß man die Bude. Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind! Am 2. März fand eine Massenversammlung der Aus- geschlossenen statt, in der vornehmlich dagegen protestiert wurde, daß uniformiert« Polizisten und„Pinkertonianer", die Privatdetektive der Fabrikanten, bis an die Zähne bewaffnet, zur Einschüchterung der Arbetter aufgeboten worden waren. Tagtäglich wurden friedliche Proletarier zu Boden geschlagen und in die Gefängnisse geworsen! Fast allabendlich fanden in den nächsten Wochen Versammlungen statt, bei denen die später zum Teil er- mordeten, zum teil lebendig begrabenen Führer der Arbeiterschaft zumeist die Redner stellten. Am 1. Mai kam es zum allgemeinen Streik. Am 3. Mai er- öffneten die„Pinkertonianer" aus nichtigem Grund auf eine Ansammlung von Ausständigen ein mörderisches Feuer. Sechs Tote und zahlreiche verwundete blieben auf dem Platz. Die E m p ö- rung steg ins Ungeheure, und für den Tag daraus ward eine Protestkundgebung auf dem Heumarktplatz einberufen. Die Polizei traf umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen, die Versammlung selbst verlief ruhig, bis die Beamten gegen Schluß der Versammlung als der Platz sich schon fast geleert hatte, mit gezogener Wasfe ein- schritten. Da explodierte plötzlich eine Bombe; niemand weih und niemand wird wohl j« erfahren, wer sie geworfen hat. Ein furchtbares Wüten der Polizei setzte ein: Nach wenigen Tagen waren acht Arbeiter, August S p i e H Albert R. P a r s o n s, Adolf Fischer. Georg Engel, Samuel Fielden. Michael Schwab, Louis Lingg und Oskar Neebe, verhastet. Man erhob gegen sie die Anklage des Mordes, trotzdem auch nicht die * 0* Spur eines Beweises vorhanden war, daß sie an dem Verhängnis- vollen Bombenwurf in irgendeiner Weise beteiligt waren, und die aufgehetzte Bourgeoisie verlangte ihren Tod. Halte sie doch in ihrer Press« Artikel gelesen wie diesen der„Chicago Times":„Es ist sehr hübsch, wahres Elend zu bessern; aber die beste Mahlzeit für einen lumpigen Vagabunden ist Blei. Man sollte genügende Por- tionen geben, um ihren Appetit und ihre Gefräßigkeit zu stillen". Ein unglaubliches Verfahren begann. Leumundszeugen wurden von der Staatsanwaltschaft gekauft, um, wenn sie ungünstig für die Angeklagten ausgesagt hatten, einen Posten bei der Polizei zu er- halten. Das Urteil war unzweifelhaft, noch ehe der Prozeß an- gefangen hatte. Das wußten Richter und Angeklagte. Siebe» Angeklagte wurden zum Tode durch den Strang, Neebe wurde zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurtellt. Der bürgerliche Mob trium- phiert«! Die acht unschuldig vor den Richter geschleppten Arbeiter hatten sich während des Prozesses wie die Helden benommen. Adolf Fischer rief dem Staatsanwalt zu: ,Jch habe nie einen Mord be- gangen, aber ich kenne jemand, der auf dem Wege ist, ein Meuchel- mörder zu werden, und das ist Staatsanwalt GrinnellI" Oskar Neebe aber sagte, als man gegen ihn 15 Jahre Zuchthaus bean- tragt«:„Nur eins tu, mir leid: wenn es noch geändert werden kann, wenn es noch möglich ist: Lassen Sie mich auch hängen! Es ist ehrenvoller, mit einem Ruck zu sterben, als zollweise getötet zu werden". Auch nach dem Mordspruch flehten die Verurteilten nicht um Gnade. Im Gegenteil: Als von dritter Seite eins Begnadigung angeregt wurde, schrieben Lingg, Fischer und Engel an den Gou- verneur des Staates Jllionis, Oglesby,«inen Brief, in dem es heißt:„Als Mann von Ehre, von Gewisien und Prinzip kann ich keine Gnade annehmen. Ich bin kein Mörder. Wenn ich keine Gerechtigkeit erhalten kann, ziehe ich vor, daß das Urteil vollstreckt wird". Der Verteidiger indessen, der unermüdliche Rechtsanwalt B l a ck, die Arbeiterschaft aller Länder und alle rechtlich Denkenden diesseits und jenseits des Ozeans ließen nichts unoersucht, Gerechtig- keit oder, wenn dies unmöglich war, Gnade zu erlangen. Aber die Verantwortlichen Amerikas blieben hart und unerbittlich. Das Ober- gericht von Jllionis lehnte eine Aushebung ab, wie wir es fast genau so im Fall Sacco-Vanzetti erlebten. D i e Mitglieder des Bundesgerichts verkrochen sich hinter dürft!» en Entschuldigungen— wie im Fall Sacco-Vanzetti. ouverneur Oglesby blieb bei seinem brutalen Nein,— wie Füller im Fall Sacco-Vanzetti. Nur Samuel Fielden und Michael Schwab wurden zu lebenslänglichem Gefängnis„begnadigt". Für den 11. November 1887 wurde die Hinrichtung angeordnet. Am Tage zuvor hatte sich Louis Lingg den Kopf mit einer Patrone zerschmettert; das halbe Gesicht war ihm fortgerissen. Wie er in den Besitz der Patrone gekommen war, ist ungeklärt. Man legte den Sterbenden, der nichts mehr sprechen, wohl aber noch sehen und hören konnte, auf einen Gefängnistisch, und nun zeigte sich die ganze Herzlosigkeit der Schergen. Die Gesängnisbeamten waren viehisch genug, zu debattieren, ob Lingg, falls er noch lebe, am nächsten Tage gehängt werde, und der Scheriff Matfon erklärte laut:„Ihr könnt überzeugt sein, daß er hängt, wenn er noch lebt!" Lingg starb in stummer Qual. Am anderen Morgen um 1114 Uhr erhoben sich die vier Gefangenen, um dem Henker zu folgen. Sie gingen festen Schrittes und ohne Stütze. Um 12 Uhr 5 JNmuken, am 11. November 1887, war die Exekution vollstreckt, der Justiz- mord vollzogen. Drei Tage später beerdigte Chikagos Arbeiterschaft, in einer Stärke von 150 000 Mann ausmarschiert, die Opfer einer bestialischen Klassenjustiz. Das letzte Wort von August Spies, das er am Galgen sprach, war:„Die Zeit wird kommen, da unser Schweigen im Grab« mächtiger sein wird als unsere Reden!" Sechs Jahre später ordnete John P. A l t g e l d t, Gouverneur von Jllionois, eine neue Untersuchung an. Er stellte fest, daß Unschuldige hingerichtet worden waren. Er tonnte nur noch die drei im Gefängnis Dahinsterbenden begnadigen. Der Justizmord war eingestanden.. Chtkagoer Richter können auch anders. Es war rund vierzig Jahre später, im Jahre 1924, als in Chikago ein Prozeß stattfand, der in den USA. fast das leiche Aufsehen erregte, das 1886 das Versahren gegen August pies und Genossen hervorgerufen hatte. Da aber zeigte sich, daß die amerikanische Justiz auch anders kann und daß nicht immer der Strick oder der elektrische Stuhl verendete Opfer zu fordern brauchen. �wei Millionärssöhne, Richard L o eb und Nathan e o p o l d nämlich, standen vor den Assisen, und zynisch gaben sie zu, einen Studienkameraden, den vierzehnjährigen havardschüler Robert Francks. in Ihr Auto gelockt, entführt und kaltlächelnd ermordet zu haben. Mit blasierter Gleichgültigkeit erklärten sie. es hätte sie gereizr, einmal zu sehen, wie. es ist, wenn jemand stirbt. Sonst hatten sie nichts gegen den jungen Mann. Aufgewachsen in höchstem Luxus, heruntergekommen und müde geworden durch die frühzeitige Kenntnis jeglicher Sinnenlust und jeglichen Lasters. fanden sie keinen Reiz mehr an den faden Freuden, den lang» weiligen Alltäglichkeiten. So jagten sie neuen Reizen nach, und ihre entartete Moral führte sie zum Morde. Beschäftigungslos, wie der Reichtum ihrer Eltern sie machte, fanden sie eben nichts anderes mehr, was ihnen das Dasein schmackhaft gestalten konnte... Aber diese Millionärssöhn« gingen noch weiter: Als Jakob Francks, der Vater des ermordeten Schülers, nach vergeblichem Suchen um seinen vermißten Sohn in seine Villa kam, teilte ihm sein« Frau mit, daß der Vermißte ihr und dem Vater gegen Er- stattung eines beträchtlichen Lösegeldes ausgeliefert würde. Die jungen Snobs wollten die„Sache", die sie zu Mördern gemacht hatte, eben bis auf die Spitze treiben! Es war ein Vcr- brechen aus Ucberfütterung. Wenn die Todesstrafe überhaupt berechtigt ist,— sie i st es nicht!—, so war sie es diesmal! Aber schon der Staats» a n w a l t hielt eine Rede, der man allenfalls, wenn sie der Ver- leidiger geholten hätte, eine Anerkennung hätte zubilligen müssen. Ging es doch um Angehörige der Geldaristokratie, um Söhne von Dollarmillionören! Da mutzte man sich krümmen wie ein Wurm, da mußte man Rücksicht nehmen, selbst wenn man Staatsanwalt war. Trotz alledem konnte die Jury nicht umhin, aus formal- juristischen Gründen zwei Todesurteile zu fällen. Was kommen mußte, kam doch: Die Begnadigung ließ nicht aus sich warten! heute sitzen die beiden Mörder in einem Sanatorium und spielen in ihren Freistunden Polo und Golf... Handelte es sich ja nicht um Anarchisten, Kommunisten, Syndi- kalisten oder Sozialisten,— was für einen hundertprozentigen Pankee ein und dasselbe ist! Die Justiz Amerikas hat sich schwer belastet, und es ist geboten, die Verbrechen einer extrem kapitalistischen Rechtsprechung vorzu- weisen. Aber wir vergessen nicht die Mahnung, daß, wer sich über Unrecht bei anderen beklagt, zuerst vor seiner eigenen Tür kehren soll. Dazu ist auch bei uns Gelegenheit genug! Immer wieder erleben wir, daß unser Rechtsgefühl sagt: Hier stand ein Angehöriger des Bürgertums vor Gericht, und er fand Milde! Oder ober: Hier war ein Arbeiter angeklagt, und man hat auf die Höchststrose erkannt! Unsere erste Pflicht sei, in Deutschland ein Recht zu schassen, das für alle Bürger des Staates nicht nur formal, sondern auch tatsächlich gleich ist. Wenn wir diesen Kampf ums Recht siegreich bestehen, dann haben wir eine Schanze des Kapitalismus erstürmt, die wohrhast schwer zu erobern, deren Be- zwingung aber unumgängliche Vorbedivgung des endgültigen Erfolges ist. lllalsarv töel wie üerRame Zigarette Wieöer Klieger über öem Gzean. „Stolz von Detroit" Neufundland-London. New Jork. 27. August. Die beiden amerikanischen Flieger William V r o ck und Edward S ch l e e sind aus ihrem Flug um die Welt am Sonnabend früh um 7% Uhr in Harbour Grace aus Neusundland mit ihrem Ein- decker„Slolz von Detroit" zum Fluge nach England g e st a r l e t. Die Entfernung von Harbour Grace bis London beträgt etwa 3500 Kilometer. Die Ueberquerung des Ozeans, selbst auf der verhällnismahig kürzeren Strecke von Neufundland bis England, ist insofern ein kühnes Unternehmen, als die Wetter- löge auf hoher See gegenwärtig noch de n k b o r schlecht ist. Teilweise werden orkanartige Stürme gemeldet. Die Flieger werden allerdings die Winde in der Hauptsache im Rücken haben. Unter dem Unwetter der letzten Tage hatten selbst die großen Ozeandampfer stark za leiden. Die beiden Flieger wollen ihren Flug u m d i e Welt in 2 2 Tagen durchführen, wobei sie mit einer reinen Flugzeit von etwa 240 Stunden rechnen. Als nächste Etappe nach London, wo sie lediglich Benzin einzunehmen gedenken, ist Stuttgart in Aussicht genommen. Zu dem Flug des„Stolz von Detroit" ist zu bemerken, daß die Vorbereitungen zu diesem Weltflug mit einer Gesomtflugstrecke von 22 000 Meilen bereits vor einem Jahr begonnen wurden. Ueber die beiden Jnsailen des Flugzeuges ist mitzuteilen, daß Schlee, ein gebürtiger ID.troiter, Präsident der Wayco Oil Corporation ist. Brock, der 31 Jahre alt ist, besaßt sich bereits seit 15 Jahren mit dem Flugsport. New Jork, 27. August. Das Transozeanflugzeug„Stolz von Detroit", das nach London gestartet ist, verfolgt einen Kurs, der in der Nähe der gewöhnlichen Dampferrouten verläuft, so daß periodische Berichte über den Der- lauf des Fluges erwartet werden. Bis 1 Uhr nachmittags war das Flugzeug jedoch noch nirgends gesichtet. Wie aus Brunswick gemeldet wird, herrscht dort steigend« Beunruhigung über das Schicksal des nach Brasilien gestorteten Fliegers Redfern, der eigentlich heute morgen über Para hätte eintreffen müssen. Eine Flugz«ugsirma hat Frau Redfern für die Suche nach dem Vermißten ein Wasserflugzeug angeboten. Neue? Start zum 5luge Amerika— Englanü. New York, 27. August. Der Pilot Schiller und der Delroiler Kaufmann Wood. die zu ihrem Englandsluge in windfor(Ontario) erst bei günstigerer Wetterlage starten wollten, sind heute plöhlich abgeflogen, als sie hörten, daß der„Stolz von Detroit" sich bereits auf dem Fluge nach England befindet. windsor(Ontario), 27. August. Di« Piloten Schiller und Wood, die aus die Nachricht vom Abslug des„Stolz von Detroit" überraschend in Curtißfield gestartet sind, sind 1,17 Uhr nachmittags mit ihrem Flugzeug „Royal Windsor" hier«ingetrofsen, von wo sie den Flug nach Windsor in England anzutreten beabsichtigen. m- f: Tragödie eines fünfzehnjährigen. ;£i' /Der tödliche Schutz nach vier Probeschiisscn. [ i' Der mysteriöse Selbstmord eines Schülers hat mehrere Tage > die Potsdamer Ermittlungsbehörden beschäftigt. In einem Sommerhäuschen in Sacrow bei Potsdam hatte der Kaufmann Hans Bubenheim aus Berlin eine Drei-Zimmcrwohming gs- mietet. B. kam mit seiner Familie nur zum Wochenende nach Sacrow. Am Ende der vergangenen Woche gegen 6 Uhr abends,— Herr Bubenheim befand sich auf dem Hofe— hörte er aus dem Kinderzimmer plötzlich mehrere Schüsse fallen. Er eilte nach oben und fand seinen ib'A jäh, igen Sohn Leon mit einem Herzschuß lol auf dem Bell liegen. Vorher hatte der Knabe vier Probeschüsse aus einer Pistole, die neben ihm log, in die Wand gefeuert. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hatte die Leiche beschlagnahmen lassen: nachdem einwandfrei Selbstmord fest- gestellt werden konnte, ist sie zur Einäscherung freigegeben worden. Das Motiv der Tat liegt vollständig im Dunkeln. Die Grabfthänöerkolonne. Der Führer«vurdc in Berlin beobachtet. ! Nach einer Kolonne von Schwerverbrechern, die die Krabschändung mit Oefsnung der Gräber planmäßig betreibt, fahndete die Ber- liner Kriminalpolizei. Die Grabstätten von hervorragenden Persönlichkeiten wurden von der Bande gewaltsam er- brachen, die Särge wurden mit Büchsenöffnern und Werkzeugen geöffnet, di« Wertsachen wurden von den Leichen wog gestohlen. So fiel den Verbrechern u. a. der Trauring des Feldniarschalls Grafen Moltke in der Gruft zu Kreifa» in die Hände. > Wie die Ermittlungen feststellten, hatte die Bande aber nicht nur die Gruftschändungen betrieben, sondern auch Raub über- fälle großen Stiles verübt. So harte sie in der Mustauer Straße den Inhaber einer Telcphonapparatrfabrit überfallen, auf einem Stuhl festgebunden und sein Geschäft auegeroubt. Einen ähnlichen Raubübersall hatte sie in der Kövenicker Straße ausgeführt. Plan- mäßig und im großen hatte die Bande außerdem Draht von Stark- ström- und Telcphonlcitungen in der Umgebung von Berlin und in der Provinz gestohlen. Di« Verhafteten wurden nach Bertin gebracht. Eineni der Verhafteten, namens hecker, gelang es, ans dem Unter- fuchungsgefängnis auszubrechen und über die Grenze nach Holland zu kommen. Seine Komplizen erhielt'« Zuchthaus- strafen von sieben bis acht Jahren. In Holland trieb es hecker nicht viel anders als in seiner Heimat, bis er auch dort gefaßt und zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Wieder brach er aus, und jetzt ist festgestellt, daß ernachBerlinzurück- gekehrt ist und sich hier umhertreibt. Ohne Zweifel lebt er auch letzt wieder vom Einbruch. Mit Vorliebe scheint er sich in der Gegend von Stralau aufzuhalten, wo er geboren ist. Cr besitzt ein dunkelblau lackiertes Motorrad mit Beiwagen. Schon öfter hat man ihn den Markgrafendamm entlangfahren gesehen. Begleitet wurde er von einer oder zwei Frauen. Es wird stark vennutet, daß er bei den oraßen Einbrüchen der letzten Zeit beteiligt gewesen ist. Von der Beute der Eruftcinbrechcr hat man seinerzeit nichts wiederoefundsn. Zisei große, schwere silberne Leuchter brachte die Vande ans einer Weimarer Gruft nach Berlin. Als ihr von irgend- einer Seite gesagt wurde, daß sie nur aus Neusilber beständen, warfen di« Verbrecher die Stücks in de» Londwrhrkanol. Sie waren aber in der Tat aus echtem Silber gefertigt. Wieder- gefunden sind auch sie nicht._ Ein AH00S0-Mark-Treffer gezogen. Nr. 345 136 das Glüökslos. In der Preußischen Klassenlotterie wurde heute auf die Nummer 3-15 136 der zweite Hauptgewinn im Betrage von ZOOlXX) Mark gezogen. Auf den Gewinn kommen nach Wzug der Abgaben etwa 480 006 Mark zur Auszahlung, da jede Ziehung in zwei Abteilungen herauskommt, der Gesamtgewinn also 600 000 Mark beträgt. Die erste Abteilung mit 240 000 Mark fällt nach Frankfurt a. M., die zweite nach Berlin. In beiden Orlen wurde das Los in A ch t e l l o s e n gespielt, woraus ersichtlich Ist. daß vorzugsweise klein« Leute die glücklichen Gewinner sind. Die Gewinner, die durchschnittlich 30 000 Mark erhalten, sind noch heute von ihrem Glück benachrichtigt worden: sie werden etwa in der zweiten Hälfte des kommenden Monats in den Besitz ihres Geldes gelangen. Das Auto auf d�r Promenade?. Vor dem hause Elbinger Straße 29 ereignet« sich gestern nachmittag ein eigenartiger Straßenunsall, bei dem drei P e rsonen schwere Verletzungen davontrugen. Der Führer einer Slutodroschke mußte, um eine Passantin, die in die Fahrbahn des Wagens hineinlief, nicht zu überfahren, das Steuer scharf herumreißen, hierbei geriet der Kraftwagen auf die Mittel- piom.enade und fuhr mit großer Wucht gegen einen Baum. Durch den heftigen Anprukl ttmtbt ha»»VtTIf zertrümmert. Der Chauffeur, Johann W. aus der Gveiss. walder Straße 51 und 0er Insasse, ein 28jähriger Kaufmann Karl P. aus der Grünauer Straße 59 zu Köpenick, erlitten schwere Kopf, und innere Verletzungen. Auch die Passantin, die ö3jährige Franziska G. aus der Elbinger Straß« 26. wurde noch von dem Wagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die alarmierte Feuerwehr nahm die Aufräumungsarbeiten vor und sorgte für die Uebersührung der Schwerverletzten in das Krankens Haus am Friedrichshain._ Talermann und üie Küchenfee. Wie Diebesfrechheit an den Unrechten kam. Das Opfer seiner Vorstrafen ist in gewissem Sinne auch d«C vor dem Schöffengericht Charlottenburg stehende Händler Talermani, geworden. Das Mitleid, das er dadurch vielleicht oerdient hätte, wurde jedoch völlig wettgemocht durch seine große Diebesfrechheit, die er an den Tag legte, als er von neuem strauchelte. Talermann, der in Deutschland wiederholt, darunter auch mit Zuchthaus, wegen Einbruchs vorbestraft ist, hatte von seinem Bruder eine Schiffahrtskor'e nach Argentinien erhalten. Dies« Karte wurde aber für ihn wertlos, denn er mußte für die Ein- Wanderung nach Argentinien don ein polizeiliches Führungsaticst beibringen und wäre daraufbin, da es fem Vorleben aufgedeckt halte, nie in das Land gelassen worden. So wurde er hier von neuem zum Einbrecher. Als Talermann eines Tages gerade in einem Charlottenburger Hause eine Korridortür aufgekantelt hatte, hörte er Leute die Hintertreppe heraufkommen. Deshalb hielt er es für gtratcn, die Tür wieder schleunigst zuzuschlagen und die Treppe hinunter zu gehen. Von einem emporkommenden Ehepaar fragte ihn nun die Frau armvöhnisch, woher er käme und Talermann nannte darauf ohne Umschweise einen Namen, der ihr sehr bekannt war. Als sie deshalb erstaunt fragte, was er denn dort gemacht habe, gab er ebenso schnell und treuherzig zur Antwort, er habe dort die Küchenfee besucht, die seine Braut sei. Da hatte die Ange- redele genug. Mit den Worten:„Die Küchenfee bin ich ja. das ist j a' m e i n« h e r r s ch a f t l". suchte die Frau, die tagsüber bei dem vor dem Diebstahl Bewahrten in Stellung war, die Festnahme des Eindringlings zu bewirken. Es entspann sich nun eins wildeJagd durch das ganzehaus, bei der der Einbrecher? schlauerweise sein, wie sich später herausstellte, ganz rafsinierles Einbrecherhcmdwerkzeug in eine Wohnung hineinwarf, deren Tür zufällig offenstand. Als er endlich gefaßt wurde, gestand er zwar seine Diebesabsichten ein, bebauptcte aber, um seiner Frechheit dia Krone aufzusetzen, von dem Mann der Frau dazu angestiftet worden zu sein. Tatsächlich wurde daraufhin gegen diesen hochachtbaren Mann ein Verfahren eingeleitet, natürlich schnell wieder eingestellt. In Zlnbetracht oller dieser Umstände verurteilte das Gericht den An» geklagten wegen versuchten schweren Einbruchs und verleumderischer! Beleidigung zu einer Gesamtstrafe von 3 Jahren Zuchthaus« 5 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. Die Affäre Ruppolt. Zu der Affäre des ehemaligen Nachlaßpflegers Ruppolt er» fahren wir von unterrichteter Seite, daß die Nachricht über die Er» öftnung des Disziplinarverfahrens gegen den Nachlahrichter ins». lern der Ergänzung bedarf, als das Disziplinarverfahrea sich n l ch r gegen den Am tsgerichtsrat Dr. Rumpelt, sondern gegen den AmlzgerlchKrat Dr. Slackebrandt richtet, der zur Zeit der Tätigkeit des ungetreuen Nachlaßpflegers Nuppolt in den betreffenden Nachlaßpslegjchasten amtierte. Tanzende Jngend. Im Rohmen der Ausstellung„Das jung« Deutschlandzeigt« der Niedermärkische Volkstonzkrei» Berlin märkische« schottische und verwandte Volkstänze, sowie tanze» rische Neugestaltungen. Bei all diesen schlichten, natürlichen und gesund-fröhlichen Auedruckssormen lebensfroher, junger Menschen rocht einem ordentlich frischer Wind um die Nase. Man sah sehr hübsche Reigentänze, Konter, Quadrille, wobei das Derb-Bäuerisch« durch Verschmelzung der damaligen Tanzschritte mit den Bewe» gung-formen unserer heutigen volkstänzerischen Auffassung an» genehm gemildert wurde. Die Mädcls waren in bunten Kleidern. die Jungens schwarz, mit kurzen Hosen und enganschließenden, Wams. Vielleicht würde es sich ober noch bester machen, wenn man diese Tänze bei öjsentlichen Vorführungen in richtigen Volk», trachten tanzen ließe, da dann das Charakteristische viel stärker de» tont wird und so ein lebhafteres Bild entsteht. Dies« Vorführungen dienen ja zum Zwecke der Propagierung der neuen Tanzidee und» Die Silbers�rvärme 42] Q3on Beach IN-chdruck»erbot n» XCc6er)c&nag an» dem Englischen von Inlla-Goppel „Warum nicht? Können Sie mir einen Grund angeben? Sie sagten doch— Na schön. Guten Tag." Emerson legte den Hörer bedächtig aus den Apparat und drehte sich mit derselben Bedächtigkeit zu seinen Kameraden um. „Der Spion hat schnell gearbeitet/ sagte Cherry. „Das bedeutet, daß es keinen Zweck hat, bei anderen Banken in Tacoma anzufragen, sie haben sicher bereits alle Bescheid erhalten. Wenn ich unbemerkt fortkommen kann, will ich es noch in Dancouoer versuchen, aber ich habe wenig Hoffnung." „Es sieht schlimm aus," sagte Cherry. „Im Augenblick steht es so," räumte Boyd ein,.chaß wir für hunderttaufend Dollar Maschinen und Vorrat besitzen, di« wir weder verwenden noch bezahlen können." 15. „Sag mal, Kamxrad, wie steht es eigentlich mit uns?" fragte Alton Clyde einige Tage später, als es ihm geglückt war. Boyd einen Augenblick zu sprechen.„Ich habe ja keine Ahnung, was eigentlich vorgeht." „Wir sind am Ende." „Was sagst du?" „Es begann mit diesem verfluchten Zeitungsartikel." Emerson biß zornig die Zähne aufeinander, und Clydes blasse Augen wichen zur Seite.„Fräser schwatzte unser Geheimnis aus, und sofort entzogen mir die Banken ihren Kredit. Ich habe es bei jeder einzelnen hie? in der Stadt, in Tacoma, Bancouver und Victoria versucht, aber all« scheinen einen Wink bekommen zu haben. Man hat uns unseren Dampfer genommen, und obgleich ich einen anderen in Aussicht habe, wage ich ihn nicht zu frachten, bevor ich freie Bahn vor mir sehe. Verschiedene Sendungen sind verspätet, Dampfkessel, Wellblech, Holz und dergleichen. Ich habe dich nicht mit den Einzelheiten plagen wollen, aber das kann ich dir sagen, George und ich haben vergessen, was es heißt, eine Nacht zu schlafen." Emerson seufzte tief, indem er ermattet in seinem Stuhl Misammensank. „Dir sind so gut wie erledigt." „Mein Gott!" rief der junge Geck mit einer komischen Sorgenfalte auf der Stirn.„Wenn du die Sache an den Nagel hängst, wa sollen wir anderen dann tun!" „Ich habe die Sache nicht an den Nagel gehängt. Ich tue, was ich kann, um sie zu retten, aber alles ist in einer teuflischen Verwirrung. Einige unserer Vorräte sind schon hier, andere sind unterwegs, und andere scheinen verloren- gegangen zu sein. Wir haben andere Maschinen bestellen müssen, unsere Rechnungen müßten jetzt bezahlt werden und — aber was kann das alles nützen! Wir gebrauchen Geld. Als Hilliard sich zurückzog, hat er das ganze Unternehmen über den Haufen geworfen." „Und ich bin um zehntaus«id Dollar ärmer," sagte Elyde wehmütig..Zehntausend Tropfen meines roten Herzblutes! Ja, ja, ich bin ein großartiger Geschäftsmann." „Und dann die fünfundzwanzigtausend Dollar, die du uns durch deine Vermittlung verschafft hast!" sagte Emerson. Clyde lachte:„An die habe ich noch gar Nicht gedacht. Das ist geradezu tragikomisch." „Die Lage ist tragisch, komisch kann ich sie nicht finden," sagte Emerson trocken. „Ach, wenn du wüßtest— aber ich habe mein Wort gegeben, nichts darüber zu sagen. Ich bin schweigsam wie «ine Sphynx." Nach einer Weile fügte er ganz ernst hinzu: „Wenn alles von Hilliard abhängt, wie du sagst, kann Cherry uns doch helfen." „Cherry! Wieso?" „Sie kann den Mann ja um den Finger wickeln." „Was meinst du damit?" „Wenn ich auch nichts von Geschäften verstehe." sagte der junge Mann,„mit Frauen habe ich allerhand Erfahrungen. Uebrigens spricht die ganz« Stadt davon. Jeden Abend Souper und Theater. � Jeden Tag Orchideen und andere Buketts mit Iuwelenpäckchen an himmelblauen Seiden- bändern. Sein Auto steht ihr den ganzen Tag zur Verfügung, und sie behandelt seinen Chauffeur mit offenkundiger Ber- achtung. Wenn das kein Zeichen—" „Blödsinn!" rief Boyd.„Du sagst, daß di« ganze Stadt davon spricht?" „Ja, du und der blinde Bettler dort an der Ecke scheinen die einzigen zu sein, die es noch nicht bemerkt haben. Emerson war aufgestanden und schritt heftig auf und ab. „Wenn Hilliard ihr mit seinen Aufmerksamkeiten den Kopf verdreht, dann werde ich—" Elyde lacht«.„Ich glaube, di« Sache ist eher umgekehrt. Ihr Besuch hier w Seattle ist«in teurer Spaß für ihn." „Zu der Sorte Frauen gehört sie nicht," sagte Emerso« heftig. � „Mach dich nicht lächerlich. Cherry ist im Begriff. Hil» liard um eine ganze 5)andtasche voll Geldscheinen leichter zu machen, warum sollte sie nicht einige Päckchen für uns mit einpacken?"_ 1 „Bevor ich mir von einer Frau Geld aeben laste, hänge! ich lieber die ganze Geschichte an den Nagel." j Auf Clyde Gesicht erschien«in seltsamer Ausdruck, und Boyd wollte gerade nach dem Grund desselben fragen, alz Cherry mit Fräser ins Zimmer trat. „Wie ist es Ihnen in Bancouver gegangen?" fragte sie, „Die Banken wollten mich gar nicht anhören, und privatq Leute konnte ich nicht für die"Sache interessieren." „Warum willst du es mir nicht überlassen, Aktien zU verkaufen?" sagte Fräser.„Du weißt, ich verstehe mich darauf." Emersvn wandte sich heftig zu ihm um.„Ja, das hast du bewiesen. Wenn du geschwiegen hättest, könnten wir jetzt schon auf hoher See sein." Fräser war blaß, als er antwortete:„Ich habe dir schon einmal gesagt, daß ich die Karre nicht in den Dreck gefahren habe." „Halt den Mund!" rief Boyd, der aufs äußerste gereizt war. Als Clyde merkte, daß es einen Krach geben würde, erhob er sich aus seinem tiefen Lchnstuhl und sagte:„Ich mache mich unsichtbar," nahm Hut und Stock und verließ schnell das Zimmer. „Ich glaube gar nicht, daß Fräser der Schuldige ist/ sagte Cherry und Fräser sandt« ihr einen dankbaren Blick, „Das ist ein wahres Wort," erklärte er.„Ich bin viel» leicht eine sonderbarer Kauz, aber ich weiß, wann es Zeit zum reden ist, und wann man das Maul halten soll." Damit drückte er sich den Hut tief in die Stirn und verließ beleidigt das Zimmer. .,5ch glaube wirklich nicht, daß er es getan hat," sagts Cherry.„und er ist sehr gekränkt, daß Sie ihn im Berdachi haben." „Ueber diese Sache ist genug geredet worden/ erklärt« Emerson, indem er nervös hin und her ging.„Wenn ich bedenke, daß diese Dummheit an unserem ganzen Unglück Schuld ist, könnte ich ihn erdrosseln." Er blieb stehen und starrte sie an, ohne sie zu sehen.„Ich warte nur noch darauf. daß der Krach kommt, um in das Zimmer Nr. 610 zu gehe» und mit Herrn Jones abzurechnen." (Fortsetzung solgt� j da ist doch schließlich die Wirkungskraft des Gebotenen sehr wesent- lich Außerdem empfiehlt es sich aber auch, daß Veranstalter und Ausstellungsleitung sich über den Besuch geladener Gäste vorher miteinander verständigen, damit man nicht, wie diesmal, im über- füllten Saal vergebens nach einem Platz sucht und bei Nachfrage nur achselzuckenden Ordnern begegnet. fin öer Saale. In Stunden der Sehnsucht nach blauer Ferne und fremden Ländern treibt unsere Phantasie allerhand bunte Blüten. Vor unserem geistigen Auge erstehen Burgen und Schlösser eines ver- gangenen romantischen Zeitalters. Biele von ihnen sind nicht bloß Märchengebilde, wir kennen sie aus Büchern, vom Hörensagen, oder wir hatten sie vor langer Zeit schon einmal in Wirklichkeit gekannt. Und eines Tages gibt man der Sehnsucht Raum, fährt die paar Stunden von Berlin nach dem alten Naumburg und wandert von hier weiter. Der Weg solai immer den Windungen der Saale, durch Wälder und Wiesen an"S ch u l p f o r t a vorbei, das in dem kunstvollen Rahmen seiner ehrwürdigen Bauten Geist und Wissen von Jahr- Hunderten lebendig erhält." Bon Bad K ö s e n steigt der Weg stärker bergan durch dichten Buchenwald. Hier ist die Bühne großer Ge- schichte. Eine Lichtung im Walde, von der ein weiter Blick das thüringer Land enthüllt bis hinüber zu den Bergen der Franken, heißt heute noch„der Vogelherd". Unverändert scheint die Szenerie zener Zeit Heinrich des Voglers, von der das Lied singt:„Herr Heinrich saß am Bogelherd..." Immer näher kommen die Rudels- bürg und Saaleck, dichter wird der Buchenwald. Nun ist die Höhe gewonnen, schon steht man dicht vor dem tiefen Burggraben der R u d e l s b u r g. Nun betritt man die alte Brücke, steht im Schloß- hos, sieht durch verfallene Fenster mit edlen romanischen Bogen hinab auf die Saale, folgt mit dem Auge ihren Krümmungen, bis ihr silbernes Band irgendwo zwischen den Bergen der Ferne sich verliert. Und drinnen unter dem hohen Gewölbe der einstigen Raubburg gedenken die Menschen jener Zeit, da die schöne Uta die erste Schloß- Herrin der„Ruteleibisburg" gewesen ist. Ihr Bild, in Stein ge- meißelt, steht noch heute zu Naumburg im hohen Dom) es gilt in der Geschichte als eines der hervorragendsten Bildwerke der Gotik. Die Minnesänger kamen einst von der Wartburg her und priesen die An- mut der Rudelsburger Herrin in allen Landen. „Doch die Mauern find verfallen und der Wi»d streicht durch die Hallen.. Stärker noch der Verfall von Burg Saaleck, zu der ein gewundener Psad von der Rudelsburg hinabführt. Di« Ge- schichte dieser Burg ist mit einem der traurig st enEreig nisse in der Geschichte der deutschen Republik verknüpft. Hier war es, wo Kern und Fischer, die mit dem jungen Techow zusammen Walther Räthenau hinterrücks ermordet hatten, von der Polizei gestellt, der Verantwortung für ihre ruchlose Tat durch Selbst. inord auswichen. Die alten romanischen Türme stehen mach, wuchtig der Macht der Zeiten trotzend, wie inst vor 600 Jahren der Kraft von Naumburgs Bürgern. Bon der Höhe der Türme sieht man weit in die„Güldene Aue" Thüringens. Wie die Wogen eines weiten Meeres folgen einander Berg auf Berg. An den Berglehnen ziehen sich Wälder von Obstbäumen empor, an den Südhängen dehnen sich weite Weinberge. Rudelsburg und Saaleck sind längst ein begehrtes Wanderziel. Weniger bekannt aber sind noch die anderen Burgen, die man von ihnen aus erblickt, die Schönburg, Schloß Z s ch e i p l i tz oder Goseck. Und doch sind sie ebenso bequem zu er- reichen und wie sie voll romantischer Schönheit. Man wandert von Naumburg zu ihnen näher über Roßbach an der Saale entlang. Zscheiplitz ist sin Bergleich zur Rudelsburg und Sanleck noch wohl erhalten. Es war, wie die„Chronique scandaleuse" der alten Burgen weiß, einst der Wobnsig der schönen Pfalzgräfin Adelheid. Ihr Galan, Ludwig der Springer, hauste auf der„S ch ö n b u r g*. die Zscheiplitz gerade gegenüber liegt. Ging der Herr Pfalzgras auf Reisen, gab Adelheid ihrem Verehrer dies durch ein Zeichen kund von ihrem Fenster. Ihre Liebesmacht über Ludwig war so stark, daß sie ihn zum Gattenmord trieb, den er hinter den dicken Mauern einer anderen Saaleburg, dem trotzigen Giebichenstein, büßen sollte. Ludwig aber sprang kühn aus der Höhe seines Verließes in die Saale, was ihm den Beinamen eintrug. Der Weg führt durch den„Blütengrund" unterhalb der Raum- burger Weinberge. Einer von ihnen war einst der Sommersitz eines großen deutschen Meisters: Max Klingers. Hier, wo er unver- gänglich« Werke geschaffen, ruht für immer, was vergänglich an ihm gewesen. Heber seinem Grabe, das inmitten dichter Obstanlagen liegt, wuchtet das von ihm selbst geschossene Grabmal, weithin ficht- bar: ein überlebensgroßer Athlet. Unweit dieser geweihten Stätte liegt auch die älteste aller Saaleburgen, Schloß Goseck, ein typischer, groß angelegter Burgsitz des früheren Mittelalters, in dem einst die Pfalzgrafen residierten. Ein weiter Schloßpark umgibt es. Das altersgraue Gebäude selbst schwimmt wie auf einer Flut von Flieder, und Naumburger Bürger besuchen es gern, wenn er blüht. Mitten durch diese gesegnete Landschaft windet sich die Saale in weitem Bogen._ Volkswochenschau! Einige Filmwochenschauen bringen Aufnahmen von dem Zell- lager»Bier Wochen Kinderrepublik" der Kinderfreunde. In den Titeln wird schamhaft verschwiegen, daß es sich um eine Veran- staltung der Kinderfreunde handelt. Di« Titel sind so abgefaßt, baß der Eindruck eMsteht, als sei es eine offizielle Veranstaltung der Stadt Kiel. Diese Wochenschauen, die bei anderer Gelegenheit immer den Namen der veranstaltenden Organisationen dazusetzen, wenn es sich um bürgerliche Veranstaltungen handelt, vermeiden es nun ängstlich, 0«n wirklichen Beranstalter dieses Zeltlagers zu nennen. Mit keinem Wort ist auch der Name des Zeltlagers„Vier Wochen Kinderrepublik" erwähnt. Um so begrüßenswerter ist es, daß mit Unterstützung der großen Arbeiterorganisationen die F i l m g e m« i n s ch a f t ,,V o l k s w o ch e n s ch a u" eine neue Bilderfolge herausgibt, die es verdient, von allen Werktätigen aufs tatkräftigste unterstützt zu werden. Die letzte Nummer der Wochenschau bringt unter an- derem Bilder vom Arbeitersport, die Einweihung des Troelstra- Heimes unserer holländischen Bruderorganisation, bie neue Aus- gäbe der Wochenschau bringt Bilder von der großen G e w e r t- schaftskundgebung, die heut« stattfindet, außerdem inter- essante Bilder»Hinter den Kulissen der Piscator-Bühne" und an- deres. Darum sollte jeder die Parole der Leitung der„Volks- Wochenschau" unterstützen:»Fordert in allen Kinos die Volkswochen- schau".— Die»Volkswochenschau" läuft von jetzt ab regelmäßig in den»M o n o p o l- L i ch t s p i e l e n", Petersburger Str. 20." kinSer und ölumen. Eine eigenartige Veranstaltung hotte in diesen Tagen die 3. städtische Gemeindeschule getroffen. Unter der Leitung des Rektors und Stadtrats Gentsch wird alljährlich um diese Zeit von den Kindern eine Blumenausstellung veranstaltet, die als pädagogisches Endziel die Pflege der Blumen mit der Liebe zu den Blumen verbinden will. Darüber hinaus will man damit aber auch Fäden von der Schule zum Elternhaus spinnen, und wie wir sehen werden, hat diese neue Form der Bceinilussung alle Ur- fache, gerade in den Schulen des Berliner Nordens als Beispiel zu wirken. Selbstverständlich kann das kleine Blumenfest nicht mit den großen Blumenausstcllungen von Fachleuten konkurrieren. Es präsentiert sich jedoch ungemein liebenswürdig und freundlich. Wie der Magistrat meldet, herrschen gerade bei diesen Schulkindern ganz drückende soziale Verhältnisse; jedes vierte Kind i st vaterlos und über 30 Proz. der Eltern arbeitslos. Im Frühjahr werden von der Schule aus junge Pflanzen, Stecklinge, Ableger oder Senker geliefert. Die Blumen werden auf Grund einer Anweisung der Lehrer bis zum Herbst zu Hause gepflegt und dann in der Schule in Wettbewerb mit anderen Blumen gestellt. Lehrer und Lehrerinnen hatten zum Fest alles festlich vorbereitet. Die Tische waren mit weißem Kreppapier belegt, jedes Blumen- töpfchen prangte in einer passenden Manschette. Alle diese anwesen- den Kinder möchten das Schicksal ihres Lieblings erzählen: eines hat von einer großen Pflanze einen Ableger eingetopft und dazu geschrieben:„Mutter und Kind". Manche wunderschön geratene Blume voller Blüten war zu sehen, daneben auch solche, die ebenso „kümmerlich" wie die kleinen Mcnschenblüten aussehen, die sie pflegen. Balsaminen, Kakteen, Myrten, Geranien, Zimmertannen und andere bekannte Zimmerblumen sind vertreten. Schon diese Namen beweisen, daß auch schwer ziehbare Blumen dabei sind. Ein lebendiges Band schlingt sich von ihnen über Kind und Schule zu den Eltern, die ebenso wie die Kinder mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Man möchte einem sehr praktischen Vorschlag zum Wort verhelfen, nämlich daß sich gutsituierte B l u m e-n s r e u n d e oder Gärtnereibesitzer der guten Sache annehmen mögen und aus ihrem Ucbcrschuß der Schule abgeben, so daß das Beispiel bald Nachahmung finden kann. verbrennen wollen, ohne zu bedenken, in welche Gefahr er die anderen Mieter des Hauses bringen konnte. Der Mann würde in Schutzhaft genommen. Er wird einer Anstalt überwiesen werden, Er hielt es nicht mehr aus! In der vergangenen Nacht gegen 4 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Gerichtstraße 72 gerufen, wo ein Wohnungsbrand entstanden war, der nach kurzer Zeit gelöscht werden konnte. Die näheren Nachforschungen ergaben, daß Brandstiftung vorlag. Der Inhaber der Wohnung, der 8Sjährige Maler Fritz D eg e n, hatte den Brand selbst angelegt und war dann geflüchtet. Als man ihn zwei Stunden später ermittelte und festnahm, gab er an, daß er das Feuer angelegt habe, weil er es vor Ungeziefer in der Wohnung nicht habe aushalten können. Er sei jede Nacht entsetzlich geplagt worden. So wäre es ihm auch in der vergangenen Nacht wieder ergangen. Kurz entschlossen jei er dann um 3 Uhr aufgestanden, habe Lumpen. Papier und Holz- späne zu Haufen zusammengetragen und die gesamten Plagegeister Sind wilde Tiere gefährlich? Diese Frage verneint Joseph D e l m o n t. Der bekannte Dompteur verweist die Behauptung, Raubtieve, auch wenn sie niemals Mcnfchenfleisch gefressen haben, greifen den Menschen grundlos an, in den Bereich der Fabel. Del- mont schildert dann einige Abenteuer, die er in Afrika mit Raubtieren zu bestehen hatte. Man hört ihn gern, denn er spricht lebendig, sprühend und anschaulich. Auch Leopold Hirschbergs Vortrag „Beethovens Tolll/eiten in Wort und Ton"interessiert. Es entzieht ein inoffizielles Bild des großen Komponisten, ein Bild von seinem stechenden Witz, von seinem revolutionärem Geist und seinem un- bestechlichen Wahrheitssinn. Den Einleitungsoortrag zu dem Ierome-K.- Jerome-Abend hält Leo Hirsch. Weil er über einen Humoristen spricht, fühlt er sich-verpflichtet, witzig zu sein. Dies gelingt ihm leider nicht. Aber ein anderes gelingt ihm, in fünf Minuten den Hören, eine gute Charakteristik Ieromes zu ver- Mitteln. Hirsch glaubt nicht, daß sein Essay wichtiger ist als das Werk des Dichters. Schon dies bedeutet ein Plus. Hermann V a l l e n t i n liest das erste Kapitel aus«Drei Mann in einem Boot". Er gibt nicht den breiten Humor des Engländers, er spricht eher mit dem Ton eines leberkranken Querulanten, allerdings liebenswürdiger Art, etwas hastend, etwas verärgert und bissig, aber trodem sehr launig. Erwähnenswert das gut zusammengesetzte Nachmittagskonzert. F. S. Für die Volkskinderhäuser. Am Dienstag, dem 30. August, abends 8 Uhr, läßt die Deutsche Montessori-Gesell- s ch a f t, Berlin NW. 87, in den Kammerfälen(Theaiersaal), Ber- lin SW., Teltower Str. 1, einen Werbevortrag mit Lichtbilder- und Filmvorführung halten; dahin komme, wer sich für solche Fragen interessiert. Sonntagssonderzug nach Thale. Die Reichsbahndirektion Berlin teilt mit, daß am kommenden Sonntag, dem 4. September, bei genügender Beteiligung ein Sonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Thale im Harz verkehren wird. Der Zug fährt in folgendem Fahrplan: ab Berlin. Potsdamer Bahnhof, 6,4S, ab Potsdam 7,12, an Thale 11,08 und zurück ab Thale 19,30, an Potsdam 23,43, an Berlin, Potsdamer Bahnhof, 0,15 Uhr. Der Fahrpreis von Berlin, Potsdamer Bahnhof, nach Thale und zurück beträgt 10,20, und von Potsdam aus 9 M. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Dienstag, dem 30. Apgust, bei den Fahrkartenausgaben Berlin, Potsdamer Bahnhof und Potsdam, sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 37/58. Abschiedskonzerk im Zoo. Das Berliner Sinfonie-' o r ch e st e r, das durch seine Konzerte während der Sommerzeit bei den zahlreichen Kunstfreunden des Zoologischen Gartens leb- haften Beifall gefunden hat, wird sich am Dienstag, 30. August, abends 8 Uhr, mit einem Konzertabend verabschieden. Im Mittelpunkt steht die heitere Suite für Orchester„Fasching" von Clemens Schmalstich, die bereits weiteren Kreisen durch ihre Wieder- gäbe im Rundfunk bekannt geworden ist; außerdem kommen aus- gewählte Werke von Tschaikowsky, Richard Strauß, Goldmark, Äeznicek, Beethoven und Wagner zum Vortrag. Schalstreik Oberschliuemeide. Tlleraversommluag, Montag, bcn 28. August, abends 8 Uhr, Schulaula Fuschcnstrafje. Alle Eltern müssen erscheinen. Englisch and FraazSflsch. Im September beginnen neue Abend» k a r s e für Anfänger bei Genossin Heß, IV 50, Spichernstr. 16, Gartenb.: 3 Tr. r.(Untergrundbabnhos Nürnberger Platz). Anmeldungen, auch- schriftlich, von Montag, L3. August, bis Donnerstag, 1. September, von l 5—8 Uhr. Teilnehmer mit Vorlenntnissen können jederzeit den bestehenden' Ober» bzw. Mittelkursen beitreten. Freireligiöse Eemeinde. Sonntag, vormittags 11 Uhr, Pappclallce 15:. Vortrag des Herrn Dr. K. Sturm: G. E. Lessing. Harmonium: Aus »Tiefland'(d'AIbert). Gäste willkommen. Borzeltiger Schluß der Tripolisschau. Dicungünstige Gestaltung des Wetters in diesem un gewöhnlichen Sommer zwingt die Leitung des Zoologischen EartcnS leider zu einem vorzeitigen Abbruch der Tripolis schau, weil die Bewohner der afrikanischen Küste unter den Unbilden der Witterung zu stark leiden und in ihrer föciundhcit gefährdet werden. Ihre Rückkehr in die Heimat, ist daher ansangs September vorgesehen, doch wird noch weiteren Kreisen der Äevölkeriing am ersten Septcmbersonntag Gelegenheit geboten sei», diese wertoolle Böikerschau und ihre Darbietungen, die von kultureller und wissen»' schastticher Bedeutung sind, zu besichtige». Die Ausstellung der Firma Hermann lietz»Der Tisch der frohen Stunden", die im vergangenen Jahre mit den Berliner• Hausfrauenvereinen und ersten Berliner Künstlern durchgeführt� wurde, ist den Berlinern sicherlich noch in Erinnerung, unö jeder, denkt an Zille, der einen Kasseetisch in der Berliner Laubenkolonie' mit Humor zusammengestellt hatte. In diesem Jahre zeigen erste' Mitglieder der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in sämt. lichen Häusern der Firma Hermann Tietz eine Ausstellung, die wiederum die glückliche Bezeichnung»Der Tisch der frohen Stunden" trägt. Die Ausstellung ist mit einem Preisausschreiben in Höhe von 10 000 M. verbuiwen, und das Publikum soll auch in diesem Jahre wieder selbst entscheiden, welcher von den gedeckten Tischen der schönst« ist. Die Ausstellung steht im Zusammenhang mit einem großen Aussteuer» und Ausstatiungs-Berkauf. Besonderes Interesse dürfte.. auch ein« Vorführung und Erklärung praktischer Wirtschastsartikel f. und Neuheiten finden. Avsn-hmcprcise bei der Firma Teppich-Vurich, Tpandauer Str. Z2. Die Ankündigungen dieser Firma werden von dem kaufenden Publikum mit gairz besonderem Interesse verfolgt, da es bekannt ist, dag jede dieser Extra- Veranstaltungen einen großen Porlcil>» sich birgt. Die Ausuahmepreise er- strecken sich aus Teppiche, Liiufcrstosfc und sehr viele Artikel der Eardinen. und Möbclstosfabtcilung. Ein Inserat ln der heutigen Nummer gibt einen Aus- zug aus der Liste der sehr preiswert zum Verkauf gestellten Artikel. Die jtavfircdit-A.-D. Zürich, Zwcigniederlastuug Berlin, Derlin W 8, Mark- grasenstr. 28, erteilt nach wie vor Äonsumkredite für Wareneinkiiufe in den Warenhäusern der Firma Hermann Tietz zu den bekauutcn giinstiacn Le. dingungen, worauf sie hiermit angesichts der Schließung anderer Institule ähnlichen Charakters besonders hinweist. Die neue(Sardine. Der neuen Geschmacksrichtung der deutschen Gardinen- Industrie Rechnung tragend, hat die Firma„Vertrieb von Erzeugnissen sächss» scher Eardinenfabrike» Johann Pcllot». Co., G. m. b. H." in sämtlichen Fenstern ihrer 10 Verkaufsstellen in Groß-Berlin eine sehenswerte Ausstellung ncuzeitigcr Fensterdekoraiionen veranstaltet. Diese Ausstellung ist gleichzeitig mit einem außerordentlich dilliaen Perkauf verbunden. Wir verweisen auf das Inserat im Anzeigenteil dieser Nummer. Wäschooerkauf im«aushau- Fr. Hohn. Etwas ganz Außergewöhnliches bietet das bekannte Kaufhaus Fr. Hahn am Alexandcrvlatz durch seinen großen Wäscheverkauf ab Montag, LS. August. Wie aus dem Inserat unserer heutigen Ieitung ersichtlich ist, kommen hier nur erprobte erstklassige Qualitätswaren zum Verkauf. Es sollte niemand versäume», sich von der Güte de» Gebotenen und von den stauncncrrcgend niedrigen Preisen zu überzeugen. Es kann nur> dringend empfohlen werden, bei Neuanschaffungen oder Ergänzungen des in den Vorjahren so gellltcnen Wäschebestandes von diesem Angebot des Kauf- Hauses Fr. Hahn am Alexanderplatz den weitgehendsten Gebrauch zu machen. Nach Heimkehr von der Sommersrifchc findet die Hausfrau wieder viel Mühe und Arbeit im eigene» Heim. Es gibt Großreinemachen, womöglich auch Hausrcparaturen, und eine Prüfung des Wäscheschrankes zeigt viele Lücken feines Vestandes. Die notwendigen Erneuerungen au Leib- und Haus- wäsche nimmt man am besten bei der Firma A. Wertheim vor, die gerade einen großen Wäschevcrkauf in ihren« Geschäften veranstaltet. Es braucht nicht mehr darauf hinacwiesen zu werden, daß bie van dieser Firma ver» anstaltcten Wäscheverkäufe hinsichtlich Qualitäten und Auswahl«inen besonderen Ruf haben und sich eines starken Besuche» erjrcucn. prin/enStr ECKE Bastian "Str. zusammen. Fertige Betten 1 Oberbett, 1 Unterbett, 1 Kissen, graurot Inlett mit grauen Federn, 22 50 Eiafödsunen- Oberbett echt türkisch rot oder goW. lila. Iraise Inlett, indanthranfarbig Fertige Inlette rot granrot Oberbett 10.75 7.95 Unterbett 8.00 6.60 Kissen.. 2 75 2.45 Kissenbezüge Culor WSachastoff, mit Languettcn- Veraie- 4 A C rang, 80X80..... 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Größe-m__ 110/130■ 85 Inletts SrJb&SSÄ. 1 so 220 2so 3so las Unterhettdrell........ Mi» 2 so 3so Nr. 406 ♦ 44. Iahrgasg 2. Heilage öes Vorwärts Sokntag, 2S. fiüQüfl 1927 � Das Eisen in der weltinöustrie. Weltwirtschaftliche Umschau. Die Eisen- und Stahlproduktion ist ein Konsuntturbaro- meter, an dem der jeweilige Stand der Konjunktur mit ziem- licher Sicherheit abgelesen werden kann. Handelt es stch doch hier um einen wichtigen Grundstoff, dessen Erzeugung in Zeiten guten Geschäftsganges zum Zwecke der Ausdehnung des Produktions- apparates gesteigert wird. Ebenso automatisch erfolgt die Pro- duktionseinschränkung. wenn die Konjunktur zurückgeht. Deshalb spiegelt sich in der Entwicklung der Eisen- und Stahlerzeugung die Weltkonjunktur wider. Doch bleibt diese Entwicklung nicht mehr wie früher dem freien Spiel der Kräfte überlassen, sondern wird künstlich gelenkt: Trusts, nationale und internationale Kar- teile, Schutzzölle, staatliche Subventionen, Valutovorsprung im Außenhandel ustv. verdecken in vielen Fällen die wirklichen Eni- Wicklungstendenzen. Nichtsdestoweniger bleibt der jeweilige Stand der Eisen- und Stahlproduktion ein wichtiges Symptom der all- gemeinen Wirtschaftstätigkeit. Vke Lage See Velteisenproüuktion. Unter den großen EisenlSndern herrscht augenblicklich allein in Deutschland eine Konjunktur. Im Juli wurden in Deutschland 1 10S 000 Tonnen Roheisen gegenüber 767 000 im Juli des vergangenen Jahres erzeugt, eine Steigerung von 44,6 Proz. Vor dem Kriege, 1S1Z, war der Monatsdurchschnitt 910 000 Tonnen. Die Steigerung des inländischen Eisenkonsums ist aber nach viel größer, als aus diesen Ziffern ersichtlich ist. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, wo«in großer Teil des deutschen Eisens und Stahls ausgeführt wurde, ergab sich in den letzten Monaten ein nur ganz geringer Ausfuhrüberschuß. So hat der verbrauch an Eisen und Stahl pro Sops der vevölkerung, der 1913 261 Kilogramm, 192S nur 197 Kilogramm betrug, die Vorkriegshöhe bereits überschritten. Wahrscheinlich steht der deutsche Eisenverbrauch damit wieder an erster Stell« in Europa, ist aber von dem amerika- Nischen Verbrauch, der 192S 468 Kilogramm betrug, noch weit entfern t. In den übrigen Ländern herrscht augenblicklich eine flaue Eisenkonjunktur, wie auch sonst gegenwärtig allein in Deutschland von einer ausgesprochenen Konjunktur die Rede sein kann. Die Leistungsfähigkeit der Eisenwerke wird in den Ver- «inigten Staaten gegenwärtig nur zu 63 Proz. ausgenutzt. Die amerikanische Roheisenerzeugung sank im Juli zum erstenmal unter 3 Millionen Tonnen, die Stahlerzeugung steht ebenfalls mit Million unter dem Jahresdurchschnitt 1926. Wahrscheinlich hat der Rückgang nur einen saisonmähigen Charakter und wird im Herbst von der üblichen Produktionsausdehnung abgelöst werden. Die beim S t a h I t r u st eingelaufenen Bestellungen geben nicht mehr ein zuverlässiges Bild über die Konjunkturentwicklung, weil man in Amerika vom Snstcm der frühzeitigen Bestellungen für Lagerhaltung abgekommen und zum System des„Von-der-Hand-in-den- Mund-Wirtschaftens" übergegangen ist. Der amerikanische Stahltrust, dessen allmächtiger Präsident Gary kürzlich gestorben ist, vermocht« trotz des Konjunkturrückganges die üblichen großen Zwischendividenden zu verteilen: seine jüngst zustande gekommene Verbindung mit dem größten Automobiltrust der Ber- einigten Staaten, der General Motors Co., die kürzlich einen großen Posten Stahltrustaktienpakete erwarb, soll ihm die großen Bestellungen für den Automobilbau sichern. In der englischen Eisen- und Skahlproduklion ist seit einigen Monaten ein Rückschlag eingetreten. Nach der Aufarbeitung der während des Kohlenstreiks zurückgestellten Bestellungen, was bis gegen den Frühsommer dieses Jahres andauerte, nahm der vor dem Streik beobachtet« Abstiegsprozeß seinen Fortgang. Die ungünstige Lage der englischen Stahlindustrie rührt von der Konkurrenz- Unfähigkeit auf dem Weltmarkt her, vor allem auf den Märkten, wo die englische Eisenindustrie keine Vorzugsbehandlung genießt.(Von der kürzlich erfolgten Erhöhung der indischen Eisenzölle wurde die englisch« Industrie nicht betrossen, weil Eng- land dabei eine erhebliche Vorzugsbehandlung vor anderen Ländern zuteil wird.) Die Produktion sanlagen der englischen Eisen- industrie sind eingestandenermaßen nicht mehr auf der Höhe. Statt Rationalisierung der Produktion und organisatorischer Zu- sammensassung möchte die englische Schwerindustrie ihre Krise durch Lohnherabsetzungen und Arbeitszeitverlänge- r u n g lösen und entfaltet für die Einführung von Eisenzöllen ein« starke Propaganda. Sie hat angeblich von der Regierung Zusagen für Zölle erhalten, die zunächst als.Dumpingzölle" verkleidet auf dem Plan erscheinen sollen. Die sranzösische Eisen- und Stahlindustrie war mit Bestellungen auf lange Sicht versorgt, weshalb die Befestigung des französischen Franken der sehr ausgedehnten französischen Ausfuhr keinen Ab- bruch tat. Die in den meisten anderen Produktionszweigen herrschende Wirtschaftskrise hat auf die Schwerindustrie lange Zeit nicht übergegriffen. Erst im Juni begann der Rückschlag auch der Eisen- und Stahlproduktion. In den letzten Monaten sind die Produktionsziffern auf einen seit Jahren nicht gekannten Ties- st a n d gesunken. Die französische Einsuhr war im übrigen durch die Zahlungen der deutschen Schwerindustrie in die Ausgleichskasse des internationalen Eisenkartells stark begünstigt. Bekanntlich wurden diese infolge der deutschen Jnlandskonjunktur angeschwollenen Ausgleichszahlungen im Juni erheblich ermäßigt, was vielleicht mit ein Grund für die verminderte Aussuhrfähigkeit der französischen Schwerindustrie ist. Die belgisch« Schwerindustrie erlitt zwar durch die Stabilisierung der Währung infolge des vorsichtig gewählten Stabilisierungskurses keinen schweren Rückschlag, beharrt jedoch seit dieser Zeit in einem Zustand der Stagnation. Der ziemlich starke Produktionsrückgang vom Juni hat wahrscheinlich saisomnäßigen Charakter. Polen, Schweden und Kanada vermochten im laufenden Jahre ihr« Eisen- und Stahlproduktion sehr erheblich zu steigern; auch die österreichische Produktion zeigt eine wenn auch geringe Zunahme. In Italien kam es trotz der Wirtschaftskrise zu keiner Produktionseinschränkung, ja es erfolgt« sogar eine geringe Steige- rung der Produktion gegenüber dem Vorjahr, weil die Hütten- und Walzwerke mit staatlichen Bestellungen für Rüstungszwccke und Schiffsbau bei künstlicher Fernhaltung der Einsuhr in großem Um- fang beschäftigt werden konnten. Ausbau öes internationalen Eisenkartells. Im internationalen Eisenkartell sind Verhand- lungen über dessen weiteren Ausbau im Gange. Das internationale Eisenkartell oerteilt bekanntlich nur die Produktionsquoten auf die beteiligten Länder. Es sollen nun für die einzelnen vom Kartell erfaßten Produkt« Syndikate geschaffen werden, die auch die Preis« bestimmen und die Absatzgebiete aufteilen sollen. Ein inter- nationales Kartell für Schienen und feit einiger Zeit auch für Drähte besteht bereits auf dieser Grundlage, jetzt sollen für Stab- eisen, Halbzeug usw. ähnliche Syndikate geschafsen werden. Die Verhandlungen darüber sind im Gange. Der Anschluß Polens an das internationale Eisenkortell konnte wegen der noch vorhande- nen Differenzen immer noch nicht zustand« kommen. Der Beitritt der englischen Schwerindustrie bleibt weiter eine offene Frag«. Falls es der englischen Schwerindustrie gelingt, Eisenzölle durch- zusetzen, hofft sie, bei den Quotenverhandlungen des internatio- nalen Eisenkartells besser abzuschneiden. In E n gl a n d fehlen be- tanntlich die nationalen Eisenverbände, was den Anschluß an das internationale Kartell erschwert, jedoch keineswegs ausschließt. Auch in Luxemburg und Belgien gibt es keine festgefügten nationalen Kartelle, dennoch war die Beteiligung der Schwerindustrien dieser Länder am internationalen Kartell möglich. Der Internationale Metallarbeiterverband— Eiserne Internationale—, die Vertretung der Arbeiterschaft der «isenschaffenden Industrien, hatte auf seinem kürzlich in Paris statt- gefundenen Kongreß zu der neuen Situation Stellung zu nehmen. Di« internationale Verflechtung der Eisengroßindustrie hat die Kampfmöglichkeiten der Arbeiter stark eingeengt. Aus dem Kongreß wurde betont, daß man der Erschwerung des gewerkschaftlichen Kampfes nur dadurch begegnen kann, daß der internatio- nale Gedanke sich ini Bewußtsein aller beim Kartell beschäftigten Arbeiter vertieft und festwurzelt. Da im Fall eines Arbeitskampfes die internationalen Kartelle über die größten Mittel verfügen und die Produktionen von einem Land auf das andere umstellen können, muß das international« Zusammen- wirken der Arbeitnehmer viel enger gestaltet werden. Gegenwärtig ist aber auch der Organisationsgrad in der Metallindustrie noch nicht genügend fortgeschritten: Ein« jüngst ver- öffentlichte Erhebung des österreichischen Metallarbeiterverbandes er- gab, daß in der stark entwickelten Schwerindustrie der mitteleuro- päischen Länder— Oesterreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Polen, Rumänien und Jugoslawien mit insgesamt 240 Eisen-, Stahl- und Walzwerksbetrieben, die hochgradig vertrustet und d«m internatio- nalen Eisenpakt angeschlossen sind— im Durchschnitt nicht mehr als 30 Proz. der Arbeiter organisiert sind! Staatliche Unterstützung der Schwerindustrie. Nicht allein die Kartell«, in vielen Ländern auch die staatliche Wirtschaftspolitik beeinflußt die Entwicklung der Eisen- und Stahl- industrie. Jin Vordergrund stehen freilich die Eisenzölle. Wenn sie beim jüngst abgeschlossenen deutsch-sranzösischen Handelsvertrag keine besondere Rolle spielten, so nur deshalb, weil bei Schaffung des internationalen Kartells diese Frage bereits vorweg- genommen' wurde. Von der englischen Zollpropaganda, der indischen Eisenzollerhöhung und den staatlichen Eingriffen in Italien zur Fernhaltung der Eiseneinfuhr und künstlichen Beschäftigung der Eisenindustrie durch staatliche Aufträge für Rüstungszwecke war oben schon die Rede. Die französische Eisenindustrie hofst sich auf diplomatischem Wege große Rüstungsbestellungen jür Polen zu verschaffen. In Spanien und Japan wird die Eisenindustrie mit staatlichen Mitteln begünstigt; in Südasrika und Brasilien soll die Errichtung von Eroßeisenwerken durch staatliche Hilfe gefördert werden. Die Zukunstsausstchten öer Eifenproöuktion. 5)äufig begegnet man Behauptungen über den Rückgang der Weltproduktion an Eisen und Stahl und über die ungünstigen Zukunftsaussichten der Eisenproduktio». Was die erstere Behauptung anbelangt, so war die Eisenproduktion des Jahres 1926 mit 79,2 Millionen Tonnen und die Stahlerzeugung mit 93,3 Millio- nen Tonnen erheblich größer als die Erzeugung des besonders günstigen Jahres 1913 mit 78,8 bzw. 76,6 Millionen Tonnen. Di« Stahlproduktion der der Internationalen Rohstahlgemeinschast angeschlossenen Länder betrug im vergangenen Jahre 28 Millionen Tonnen gegenüber 25 Millionen 1913. Wenn auch die europäische Eisen- und Stahlproduktion 1926 noch niedriger war als vor dem Kriege, so ist dennoch auch hier ein dauernder Anstieg zu verzeichnen. Die ungünstigen Aussichten der zukünftigen Produktion glaubt man damit begründen zu können, daß der Ausbau derEisen- bahnen, die die stärksten Konsumenten von Eisen sind, in den meisten Ländern bereits erfolgt und auch der Jndustrieapparat in seinen Grundlagen bereits geschaffen sei, weshalb der Spielraum für eins Steigerung des Stahloerbrauchs nicht mehr so groß sei als früher. Diese Behauptung besteht aber nicht zu Recht. Wenn auch das. Eisenbahnnetz der modernen Staaten bereits ausgebaut ist, so wird dessen Ausbau i» den noch nicht oder nur wenig er- schlossenen Ländern erst jetzt, sobald die internationale Verwendung des Kapitals in größerem Umfang möglich sein wird, seinen An- fang nehmen. Die rapid fortschreitende Maschinisierung ver Industrie gibt aber der Maschinenindustrie der Welt und damit der Eisenprodukkion neue Aufträge. Die Erzeugung von Eisen- röhren wird infolge der Verbreitung von Wasser-, Gas- und Petroleunilestungen in Zukunft ebenfalls steigen. Die Bedeutung des Eisens und Stahls beim Wohnungsbau ist gegenüber Stein und Holz sehr gestiegen. Selbst für den S ch i f f v a u werden groß« Eisenmengen in Anspruch genommen, weil trotz Ueberangebots an Welttonnag« im Wettkampf um die Frachten neue moderne Schiffe in großem Umfang gebaut werden müssen. Diese Verwendungsmöglichkeiten würden die Steigerung der Stahlproduktion auch dann herbeiführen, wenn der Bedarf für Rüstungszwecke erheblich zurückgehen würde. Indessen wexden leider auch für Rüstungszwecke noch ungeheure Mengen von Eisen und Stahl hergestellt. Der Eisen- und Stahlkonsum pro Kopf der Bevölkerung ist in vielen Ländern noch außerordentlich zurück- geblieben— in Italien beträgt er trotz erheblicher Eryöhuwg immer noch 61 Kilogramm, in Polen 28 Kilogramm, in Japan 30 Kilo- gramm. Selbst in den modernen Industrieländern bleibt er hinter den Vereinigten Staaten noch sehr stark zurück. So ergeben sich auch hieraus gute Zukunftsaussichten für die Eisenprodukkion. Die Loiftungsfähigkeit der Anlagen ist allerdings heut« noch viel größer als der Absatz. Ein großer Teil der Produttionsfähigkeit wird nicht ausgenützt. Das Problem ist demnach, iwi« die Z u° nähme des Verbrauchs in die während des Krieges und nach dem Krieg außerordentlich vergrößerte Leistungs- fähigkeit der Anlagen hineinwachsen kaum Die nattonalen und internationalen Kartell« vermögen durch ihr« Geschäftspolitik der Produktionseinschränkung und Hochhaltung der Preis« diese Entwicklung zum Schaden der Entfaltung der volkswirtschaftkicheu Energien auf lange Zeit hinonzuholten. Wirksame Kontrolle derEisenpreise ist nicht nur als allgemein konjunkturpolitische Maßnahme, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Befriedigung des überall noch vorhandenen und sich steigernden Eisenbedarfs geboten._--* A. H. Stetige Sefferung am �lrbeitsmarkt. Wieder 28fe«tiing der zur Monatsmitte aufgenommenen Lombardkredite läßt also auf eine gewisse Erleichterung des Geldmarktes schließen. Der Noten- Umlauf, der jetzt 3406,9 Millionen beträgt, hat sich in der Berichts- wache um 216,5 Millionen vermindert, die in die Kassen der Bank wieder zurückströmten. Di« gesamten Rückflüsse an Note» betrugen in den drei Augustwochen 597,7 Millionen Mark, erreichen also fast die zum Ultimo Juli neu in den Verkehr gegebene Notenmenge von 604 Millionen. Trotz einer kleinen Abnahme an deckungs- fähigen Devisen ist die N o t e n d e ck u n g durch Gold»nd deckungssähige Devisen von 55,7 auf 58,7 Proz. g e st i e g e n, die Notendeckung durch Gold allein von 51 auf 53,8 Proz. TRAGT SALAMANDER Salamander Schuhe sind an GLite und Preiswürdiqkeid u n Li b er h raffen. ¥ ..vi p Ries en- Posten mit dazu passenden Tischdecken ;i�r sehr preisvveril SlTSZzMM 6'5!5�b"l5g-'- fjy�daa J75 tfObll§5«. SleiRÄ TüIllMßÄ65 150™ 85» Rais�iü 8�lZ�d.,uz«. ScfilaÄ l35 s85"!« 951"- tntsfits?>W»M 1 Enrail Leffevre m. b. JEU Bsriin 8. Sri! im Rssr OZ-sMersM.-SW Wir Raüeo Me Fiüaien! S0e?!9lli8talo�esjefllos. iOGi Pfäadsr I die in den Monaten Otfobar, i Jloocmbec und Sejembec 1926 i bei unseren Abteitungen versetzt l und nicht erneuert wurden, kommen< i zur ZZersteigerung ab 5. Sep-l :tember d, Is. und foigende Tage, i ISgersiratzc 64. Beginn 9 Uhr vorm. i |sl&aUidi€sLeiSiam$; «»»»«««« D 9 Reste in Samen-, öercen- nnö Knadensloffen nnö anderen Sachen zu auffallend billigen preisen ÄLllLAllissössl! 140 cm breit...Meter fl.fliJ Damen-sjemdüeseu fc'Ä10. 0,85 Mder-Yullovsr«-w«.®t35e... t70 lledmieh'Striöiäkfchell>. D°m.n...q reine Wolle............. 2,20 J, Kvaden-Sweater,..... l,95 killdLr-Slnanlesten D.sß- 40... 2.50 Skiliwesien Ä"« 3.90 Vullaver IfÄ™!e:c!n; r'Til 5.59 Lamen-Slncliacken �.A H.50 Sandlücher Btrtiumt u- 9t6ä�ci 0.59 kiiliieniiandliicher&TeZ 0.45 öflnölödjet faut.®.et.|tt.n.£o!n: � r. 0.55 FklM-HMlücher......... 0.60 "R�ifhoinnD Garnitur. 1 Deckbett und O 50 LLllvLZ.M 2 jiopitiiT. aus gut. L.non ö." ÄöOdöZÜAL Garnitur, aus gut. 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Oktader 1927 �incn Sturms In unserer Wirtschaflsschule m Dilrrenberg für die Berbandsiniigliedcr, die in der eleüralechn, scheu Industrie be- Ichästigt sind. Die Kursusicilnciimer müssen sich so einrichte», daß sie am 25 September dort eintreffen. Für unsere Perwaliungssteile kommen 10 Teilnehmer in Betracht. KoUegen, die die Absicht baden, an diesem Kursus teil- zunehmen, sind verpssichlci. ihre se>dltge> schriebenen Bewerbungen bis zum 3. Sep» temder bei der Ortsverwaitung einzureichen Die Bewerber müssen geistig regsam und ausnahmesähig sein und sollen!» d>r Regel das 45. Lebensjahr nicht über- schritten haben. Aus der Bewerbung muß hcroorgehe» das Alter des Bewerbers, die Dauer der Mitgliedlchmtini Deutschen Metallarbeiter» verband, die Tätig eit NN Berbande und in der Arbeiterbewegung, gegenwärtige Funktion im DMB. öder Betriebsrat, ob verheiratet und«b und inwieweit bisher bereits an Kursen teilgenommen, sowie sonstige zweckdienliche Angaben. Weitere Auskiinjte sind in unserem Bureau. Zimmer 4. einzuholen. DiensZag, den 30. Angnsl. aaichmitl. & Uhr, in Eronlda JJcrcinshauo, Stalihcc Str. 126: Versammlung alier Graveur- u. Ziseleurlehrlinge. Tagesordnung! 1. Dortrag des Kollegen W. Baltow. 2. Aussprache über Bctriebsverhältnisse. Ingcndgenossen! Erscheint Punkt- >-ch und vollzählig in dieser Versammlung Dienstag, 30. August, nachm. 5 Ahr im tSeiuertschaftshanse(Saal 6), Engeinser 24 25: Brauch en Versammlung der Melali- und Revo'verdreher sowie Vreherinnen Tagesordnung: 1 Bortrag: Land und Leute in Südamerila. Referent: Karl Kok 2. Diskussion. 3. Braffchen- angclcgenheiten unk) Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um rege Beteiligung wird ersucht. Dienstag, den 30. August, abends » Ahr, im Sitzungssaal d. Verbands. Hauses, Linienftr S3 SS, Portal IV.STr. Frauenversammlung Tagesordnung: I. Bericht von der Internationalen Fraucnkonierenz in Paris Reierentln: Kall Frieda Gladosch. 2. Der- dandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Da es sich um wichtige Fragen Handell, muß jeder Betrieb vertreten sein. Die Funk tionärinnen werden gebeten, gräßte Prova ganda liir den Besuch dieser Versammlung zu machen. Mittmach, den 3l. August, nachm. 5 Uhr, im Derbandshau», Linien» siratze 63/65 Branchenversammlung der Jeilenarbeiler. Tagesordnung! Stellungnahme ZU unseren Lohnjorderungen. Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt erforderlich. Wahllörpel Versammlungen der arbeitslosen Mitglieder. Wahlkörper IV. ANttmach. den 31. August, nachm. 2V- Ahr, Im porterresaai de» Ver- dandshause», Liniensir. S3/SS Indoslrieschmiede, Sesselschmiede, Supfcrlchmiede. wogen- u. Huf- schmiede, vauonlchläger.walzwerk- orbeiler.Eisenkonslruttions-.'AuIo-, Maschinen-. Lau-, Schwarzblcch- tiud fiarossprieschlosser. Ächtung! II)(ta(l((llt8l( a'>,tunj' Montag, den 29. August, abends 7 Ahr. im Saalbau Friedrichshain, Am Friede, chhaiu 10,23 Versammlung aller Detfrautnslcufe und ßrfeirbsrats- delegleiten an» den Betrieben de» verband«» der LelliatrMetMndustrisUev. Tagesordnung: Tarifoerirog oder freie Lohnoereinbarung. Zutritt nnr gegen Vorlegung des Mit, gliedsbuche» einer dem Meialikarlell an geschlossenen Eewertschast und der mit dem LBMI.»(5Iempei versehenen Wahlkörper V. Donnerstag, den 1. September, mittags 12 Ahr. Im Sitzungssaal des v«rbandshanses,Ltntcnfir.S3«3 weikzeugmacher, Scharfschlelfer. Einrichter, Mechaniker, Uhrmacher, Optiker, Gold- und Silbcrardeiter, Arbeiterinnen, Gieherei- u. Hilfsarbeiter. Wahlkörper VI. Freitag, den 2. September, oarrn. 11 Uhr. im Sitzungssaal des Der- baadshauses, Linienftr. 03/05 Bau- u. Werkslallklempner, Rohrleger, Rohrlegerhelser. Emaillierer. Wickler, Feilenhauer. Wahlkörper VIl. Freitag, den 2. September, nach- mittags 2 Ahr, im Sitzungssaal des Verbandshanfes. Linienftr 03,05 Schleifer, Galvaniseure. Gürller, Drücker, Graveure. Ziseleure. Elek- tromonteure. Hilfsmonteure. Ziga relleumaschinensührer. Tagesordnung in allen Bei» samnilnngen: I. Beiainng der Anträge zur Generalversammlung am 12.Septembcr. 2. Wahl der Delegierten, Zutritt haben nur diejenige» Miiglieder, die im Verbandsbnch die Berukebezeichnung haben, sllr welche die Versammlung aus- gerusen ist. Ohne Mitgliedsbuch und Arbeitslosen. karte kein Zutritt. Zn Spielplan unserer tlntfurabteilung: der Woche vom 29. August 4. September; 1. Amuiidsens Nordpol-Erpedilion. 2 Das Fallboot 3. Snobdy aus der Bummelreise. bis 3n der Woche vom 5. bl, II. September 1. Aus eigener Kraft.(Herstellung nach eines Auiosj 2. Mit dem Dampser.Boyern" Südamerila. 3. Nur feine Angst. In der Woche vom 12. bi» 18. September: L Die Leute Asiens. 2. Spiel, Tan, und Sport. 3. DieKabelverlegungnnd-herstellung In der Woche vom 19. bi» 25. September: 1. Das Paradies«er Slldsee. 2. Bu-ch Ootil. 3. Zeichenicherze von Paul Timmel. In der Woche vom Zl.Septbr. bis 2. Ottbr. 1. Verlorene W�ili. 2. Kabinett 12. 3. Achtung, Strasinandat! In der Woche vom 3. bi» 9. Oktober: 1. Wild und Mensch im Gebirgsschnee. 2. Tierwelt in der Roidsee. 3. Färdermittei einst und jetzt. 4. Fünf Tage Hast. In der Woche vom 10. bt» 10. Oktober: 1. Skiiahrt Ins Glück, 2. Pressen von Nichlmetall. 3. Fix und Fox lahren verlehrt. In der Woche vom 17. bi» 23. Oktober: 1. Moono, Sohn der Eüdsee. 2 Immer vorsichtig. 3. Der Eleltroosen. In der Woche vom 24. bi» 30. Oktober: I. WUste am Meer. 2. Blaue Adria du. 3. Prof. Rehbeln geht tanzen. Oio Or!ouorn>aI4una uialionstarie. Legili- Das AleiaUeorroU. Mm MIIMN-Ve« Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Monteur ! Max Wohlfahrt am 24. August 1927 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montae. | dem 29 August 1927, um 18V, Uhr, von i der Leichenhalle des Krematoriums Gerichlstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet IM« Ortsverwaitung. Am Donnerstag, dem 25, August, vorm. 1t Uhr. verschied nach kurzem Ichweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bruder, Schwager u. Onkel Xarl Lusch im vollendeten 68. Lebensjahre. In tiefem Schmerz Wwe Laura Lusch, geb. Kickbusch nebst Angehörigen. Berlin-Neulolln, Iägerstr 71. Die Einäscherung findet am Diens» tag. d 30. August, nachm SV, Uhr, IM Krematorium Baumschulenweg statt. Am Freilag. 2«. Angust. morgens 9 Uhr. ealschliei sonst nach kurzem, schwerem Leiden mein heber Mann, unser guler Bai er. Schw:eger- und Großvater, der Tischler Frans: Fisch im Altec von 80 Iahren. In ticfrr Trauer..„ Karo ine Fisch, geb. KrOger. Manteuffetstr. 104 Di« Tranerfeier findet am Mittwoch. 3i. August, nachm lV,Uhr,im Krema- iorium Berlin-Baumschnlenweg, Kies» Holzstraße 221, statt__ Danktagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes spreche ich allen Freunden und Bc- tannien. insbesondere den Kollegen sowie dem Metallarbeiter- Verband. meinen herzlichsten Dank aus. Oer krack OUUer Wiener Sir. 14. Baugenossenschaft Blirgerwalde!. Mark, eingetragene Oenosscnschuft mit de schränkler ttaiipttlcht, Sitz Berlin. Unsere Genossenschaft ist durch General versammlungsbelchtuß vom 26. I»ni 1927 auigeläst. Die Gläubiger werden aufge» fordert, sich zu melden. Die Liquidatoren. _ Pank Engel W Wohl .KOCHEN. roh enuillicrt iiüriie lotfdien... 42 M. 80 M. KadieCtitistineni.flnr. 11 in. 125 M. RIES EN AUSWAHL roher, lackierter, iasiert. Küchen, einz. Kleider- u. Küchenschränke in ca. 135 Mustern. 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NEUBEARBEITUNG: JERZV FITELBERG Dekorationen und Kostüm e hergesielU bei Hugo Baruch& Co., H'ien— Berlin und Werksiäiien des Grossen Schauspielhauses. iiiiiuimiiuiniiiiiiiiiiiiMiiiiiiimiitiiMnniiiiMitiiiiiiiiiiiuiiiiinmniimMiiiiniiiuiiimiimiiitimiimminiiiuiiumiimiiiniinimmiiimimiiiiiii Vorverlißu! ab Donnoleä, doo 25. Anfi. von 19 Dbr vormiilais Dnaclerbrocben TA Jahre Im siamesischen Urwald! Wegen Vorbereitung der Uraufführung von „CHANG" bleibt der Ufa-Pavillon von Montag den 29. August bis Mittwoch, den 31. August geschlossen! URAUFFÜHRUNG Donnerstag, 1. September UFA-PAVILLON AM N O L L E N D O R F P L ATZ BERLIN 2-11 SEPT. 192/ GROSSE DEUTSCHE Geöffnet täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 22 Uhr Eintrittspreis 1,50 Mark Beim Kauf von Eintrittskarten an den Schaltern der Berliner Hoch- und Untergrundbahn, derStadt- und Ringbahn und der Bahnstalionen der ersten Vorortzone, sowie bei den Schaffnern der Straßenbahnlinien 53. 72. 75 und 93 wird freie Win- und Rückfahrt gewährt. P 9. J-.-JB VcfitT INHABER: HFR.BE KT PÖLKE Vorvefk- �rrr>> duS cuf■■ 'icrlin£r yoH VichSSuv* OsuJdld Äunsm weisse WUNDER WELT Theater des Westens Der groSeOperettenerlolg! Heute Sonntag 2 Voratellun-en Nehm. J'/j u. abs. 8V« Die Tugendprinzessin Hill, Hrtr, Arthur Hill. Harlictt Ludwig. durtiu Huftntr. Uith Ktril, Bit Kr. H. UntMb Preise 1.2, 3 M. usw. Ibut. I. Hillsoicrfpläti HurDcdibislUngnst Täglich 8'/, Uhr Alt-Heidelberg ihntuU tun Bujc-fumlir lattni. Iipfn. Süuiljartei Pretuet 1,-. 2,-, 3,- M. usw. Planetariom am Zoo furlinj. Judilmtlhiln Slrak Noll. 1678 Der Sternenhimmel auf der Rclee von terlin nach dam Asquator Vorfflhrungen: 4V», 6. Vi,. 9 Uhr. Eintritt I M. Hiiduruet. 15 Jukten 0,5(111. Lustspielhaus I S1', Uhr.| Gate ElectrIK HnodH BOXKÄMPFE HÜLSEBUS— HARTIG AUST- HARRY STEIN. Hxpla Kämpfe m. Entacheldung Beginn'1,9 Uhr— Fintritt 1 Mk. V o l'l er betrieb FEUEKWERK ArconaRäder Mttten(Aren Siegetsug fort �tZ�sSSZ'Xrfircoaa-Jtai jrcm-M 7926 gewann Wittig anj f** ws-ws s# wmum Ä5Ä.6Ä" firma-Jtad �™miT'choü finoM-Kad Katalog nach Auamärl» graut, u. Irko. Ernst Machnow Berlin C W«inm«ister9traß» 14 QröOf rmhrrm d- Sp sxImJ' Hau 9 Dtutaeh/mndh Hose-Theater 8'/, Uhr FQrstenwende OartenbQhne 5 Uhr: Kouaert und bunter Teil 8 Uhr Liebe ist Tnunpi WM IHM Norden 10334�58 4 U. EndeiOt;tU. Ulli« 4 lofführongiD! 9er Hexer Die Komödie Bismarck 2414/7316 VU Uhr, Ende 10 Der Snob dirawikHium rh. königerätz. St. Hasenheide 2110 8 Uhr Lutrtu tuftikruisii! DieSdiuli LÜsiadi Komfidlcnhaoe Norden 6304 CishpU da Hüitnar ■iullumdtii Tbtaim „Habima" I. Septem b., TViU Dybuk Beniner Totaler Dönhoff 170 1. Septemb., 7'/, U. Efdhcunjtvonhüunj: Leonie Laiheid na Lue lau Trlsnon- Theater So 8,/4lJhr: ein Mädel (Das Extemporale) Lethelei«ea Sturm u. fritr Haut Sturm. Itm Hltil, dilburi. Tnl Rni, Inda. vorzeiger zahlen tür Parkelt nur 60 Pf. SalKetari-IUun Dts. KBnstler-Tb SV. Uhr „Du wlret mich heiraten" Leasing Thealer »V, Uhr Israel Täglich 8Vi Uhr: Der grille Erfolg Berliesl Der fröhliche Weinberg Lustspiel in 3Akten v. Karl Zuckmayer Lobe, Ebelsbacher Parkett statt 4 Mk. lägt, auch Sonntags mir 0« PL Reichsbalien-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt In der MüllerstraBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brelt'l i Variete, Konzert, Tanz Neues Theater am Zoo Dir.: Rldurd CitUr Lrtfiuung dur d utmurtr' Mittwoch, 31. 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Offenbar aus Furcht vor dem Boykott der Berliner Beoölke- rung und vor der Wirkung ihrer Schritte auf die breite Oeffentlichkeit lassen sie Flugblätter verbreiten, die die bekannten Beschlüsse der Hotelbesitzervercinigung enthalten und die in großen Schlagzeilen die Ueberschrift zeigen: „Achtung! Wir achten die Reichsflagge! Wir find nicht verfassungsfeindli ch I" Demgegenüber ist festzustellen, daß die Reichsverfassung in ihrem Artikel 3 erklärt:„Die Reichsfarben sind schwarz- rotgold." Daran gibt es nichts zu deuteln. Die Hotelbesitzer befinden sich also im Widerspruch zur Reichsoerfassung, wenn sie sich weigern, die Reichsflagge zu ziehen. Dagegen helfen keine Flugblätter. Die Hotelbesitzer hätten sich nicht erst durch die öffent liche Kritik belehren zu lassen brauchen, wenn sie nicht durch eine unglaublich leichtfertige und republikfemdliche �uhrung iregeleitet worden wären. Es ist kein Zufall, daß ihr Kampf lediglich in Organen der Rechten einige Zustimmung gefunden hat, bei der gesamten übrigen Bevölkerung da- gegen auf das schroffste abgelehnt wurde. Wozu die Hotelbesitzer mißbraucht werden sollten, das geht zetzt wieder aus einem Artikel der„Kreuz-Zeitung" hervor, der öffentlich dazu auffordert, zum 80. Geburtstag Hindenburgs schwarzweißrot zu flaggen. Sollten die Hotel- bescher dieser Parole folgen, so werden sie sich noch scnwerer in"Mißkredit bei den republikanisch gesinnten Kreisen bringen. � Aber sie werden ihr nicht folgen, schon deswegen nicht, weil die Demonstration mit leeren Flaggenmasten weniger gefährlich aussieht als irgendwelche weithin sichtbare Stellungnahme. Sie werden nicht gegen den Staat Stellung nehmen, weil sie den Mut dazu nicht aufbringen. Die Führung ist bereits unsicher geworden. Es ist außerordentlich bezeichnend, wenn die Aschinger-Ge- s e lis ch aft nun doch auf ihrem Zentralgebäude schwarzrot- gold flaggen will, ohne allerdings ihren Hotels die gleiche Weitung zu geben. Auch der Widerspruch aus den Reihen der Hotelbesitzer scheint sich verstärkt zu haben. Es verlautet jetzt, daß die Hotels den 8 0. Geburtstag Hinden- bürgs mit Beflaggung feiern wollen. Da ihre Führung angeblich nicht weiß, welches die Reichs- farben»sind, auf die Hindenburg seinen Eid geleistet hat, will man ,in der nächsten Woche an den Reichsaußen- minister Stresemann appellieren und ihn vermitteln lassen. Die Antwort der Reichsregierung kann selbstver- ständlich nur lauten, daß die Flagge schwarzrotgold zu hissen ist. Das aber hätten die Hotelbesitzer auch vorher wissen können. Immerhin wird das ein Anlaß iür die Hotelbesitzer fein, darüber nachzudenken, ob sie dem deutschen Bolke, seinem Ansehen im Ausland und ihren eigenen Ee- schäften mit einer Demonstration gedient haben, die von leichtfertigen nationalistischen Snndizi und von politisch un- erfahrenen Direktoren angezettelt wurde. Weder die republi- kanische Bevölkerung, noch auch die Behörden haben den gc- ringsten Anlaß, in dieser Auseinandersetzung vorläuf'tz nach- zugeben, solange die Hotelbesitzer nicht den Willen bekundet haben, sich der Verfassung zu fügen— aber nicht mit Flug- blättern, sondern mit wehenden Reichs sahnen! Heßler für SchwarzrotgolS. Das.Hamburger Fremdenblatt" teilt mit: Die Reichsregierung hat ihrerseits schon aus dem Grunde keine Stellung zu dem Flaggenkonslikt nehmen können, weil die Mehrzahl der Mi- nister nicht in Berlin ist. Reichswehrniinister Dr. Gehler, der als dienstältester Minister den Reichskanzler vertritt, hat dies dem preußischen Ministerpräsidenten zur Kenntnis gegeben, wobei er f ü r feine Person hinzugefügt hat, dah er selbstver- ständlich auch ein Hotel, das sich weigere, die amt- liche deutsche Reichsflagge zu zeigen, nicht be- treten würde. Die Republikaner am Rbein. Mitarbeit am Staat.— Republikanische Antwort an Poincarö und Jouvcnel. Rüdesheim. 27. August.(Eigenbericht.) Der Vorabend der großen republikanischen Rhein- landkundgebung brachte eine Tagung des politischen Arbeiterseminars, das von den sozialdemokratischen Ber- trouensleuten des gesamten Rhein— Main-Gebietes und seiner Um- gebung beschickt war. Die Konferenz wurde von dem Bezirkssekretär, R ö h l e- Frankfurt a. M., eröffnet und geleitet. Begrüßungs- ansprachen hielten der Oberpräsidcnt der Provinz Hessen-Rassau, Dr. Schwander, und Ministerialrat Profit im Auftrage des Ministerium» für besetzte Gebiete sowie der verschiedensten staatlichen und städtischen Behörden. Von Oesterreich war Nationalrat Genosse L e u t h n e r erschienen, der ebenfalls unter stürmischem Beifall die Internationaler �ugenötag. Zur Erinnerung an die Gründung der Jugendinternationale vor 20 Jahren. L. R. Stuttgart, 27. August.(Eigenbericht.) Die schöne Gartenstadt Stuttgart, umgeben von grünen Ab- hängen, empfängt heute Gäste aus den verschiedenen Ländern. Jugend und Partei der Hauptstadt Württembergs haben sich aufs beste gerüstet, um den internationalen Gedenktag an die Gründung der Jugendinternalbonole zu feiern. Mehr als tausend junger Menschen, die seit.heut« früh in kleinen und größeren Trupps«inzutreffen begannen, werden auf dem Bahnhof von der Stuttgarter Jugend herzlich in Empfang genom- men. Aus vielen deutschen Ländern sind Jugendtrupps erschienen. So hat Thüringen 1 Jugendliche entfanbt, Sachsen 35, Franken 139, Hessen 95, die Pfalz 192, die O b e r p f a l z 23, das Saar gebiet ist mit 89 Burschen und Mädels vertreten. der Niederrhein mit 25, der O b e r r h« i n mit 33, Baden mit 161, und aus Württemberg sind es etwa 1199, die herbeigeeilt sind, um zusammen mit ihren Stuttgarter Jugcndgenossen festlich die Feier zu begehen und gegen den Krieg, sür Jugendsch-utz und gegen den Faschismus zu demonstrieren. Der internationale Charakter dieser Kundgebung wird durch die Anwesenheit österreichischer, holländischer, schwedischer und französi- scher Genoffen, auch solcher aus der Tschechoslowakei, gekennzeichnet. Als Vertreter der sozialistischen Arbeiterinternationale und des deutschen Parteivorstandes ist Genosse C r! s p i e n anwesend. Heute abend um 8 Uhr findet ein Fackelzug, am Sonntag um mi Uhr eine Kundgebung in der Liederhalle statt, bei der Genosse V o o g d- Amsterdam und der internationale Jugendsekretär, Ge- nosse Ollenhauer- Berlin, sprechen werden. Am Nachmittag folgt ein Demonstrationszug durch die Stadt, an den sich die internationale Kundgebung auf dem Marktplag anschließt. Gewissermaßen den Auftakt zu der Feier bildete gestern abend die Mitgliederversammlung der Stuttgarter sozialistischen Arbeiter- jugend im großen Saal des Gewerkschastshauses. Ihr wohnten auch verschiedene auswärtige Genossen bei, die bereits gestern abend eingetroffen waren, darunter Leipziger, Thüringer, Nürn- berger Iugendgenoffen und auch ein Berliner aus der Gruppe Pankow, der gewissermaßen als einziger Vertreter der Berliner Arbeiterjugend anwesend ist. Genosse Ollenhauer sprach über die �Bedeutung des be- vorstehenden Festes und gab in gedrängten Sätzen einen kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte der sozialistischen Jugend- internationale. Die Gründung einer internationalen Ar- beitsgemeinschaft sozialistischer Jugendorganisationen erfolgte in Wirklichkeit erst am 26. August des Jahres 1997 in Stutt- gart, wo sich Vertreter sozialistischer Jugendverbünde aus Bei- gien, Deutschösterreich, Ungarn, Böhmen, Schweiz, Italien, Spa- nien, Großbritannien, Holland, Deutschland, Schweden, Dänemark, Australien und Frankreich zusammenfanden. Hier wurde ein Ar- beitsprogramm aufgestellt, das noch heute wie damals Inhalt und Ziel der sozialistischen Jugendinternationale bilden: Bildung?- und Erziehungsarbeit, Kampf für Iugendschutz, Kampf gegen den Mili- tarismus und die politische Reaktion. Das Sekretariat der Internationale wurde nach Wien verlegt, ihre Leitung dem Ge- noffen Robert Dannenberg anvertraut, der heute in den ersten Reihen der österreichischen Sozialdemokratie steht. Im Jahre 1914 gab es sozialistische Jugendverbände in 17 Ländern, die insgesamt 182 999 Mitglieder zählten. Der vielversprechende Aus- schwung der sozialistischen Jugendbewegung fand aber am Welt- krieg seine Schranken. Die Internationale war in die Brüche ge- gangen. Erst 1923, in Hamburg, entstand zugleich mit der sozialistischen Arbeiter-Internationale die s o z i a l i st i s ch e I u- gend-International«. Im Augenblick sind ihr 28 Länder mit 194 975 Mitgliedern angeschlossen. Am Schluß seiner Ausführungen setzte sich Ollenhauer kurz und überlegen mit der k o m m u n i st i s ch e n Jugend auseinander, die den Gründungstag der sozialistischen Iugend-Jnternationale im Jahre 1997 auch als Ausgangspunkt der kommunistischen Jugend- Internationale betrachten will. Ollcnhauer meinte, ein Streit dar- über, wer das Anrecht auf das festliche Begehen dieses Tages be- sitze sei ganz überflüssig. Im erfreulichsten Gegensatz zu dem Niedergang der kommunistischen Jugendorganisationen in den europäischen Ländern steht der stetige Ausschwung der sozialistischen Jugendorganisationen. Mit dem begeisterten Gesang der Internationale schloß die Versammlung. Sie war eine würdige Vorbereitung der großen Kundgebung vom Sonntag. Konferenz beglückwünschte. Zwei Referate des Genoffen S e v e r i n g und des Genoffen Hermann Wendel, die 1. das Thema„Boll und Staat* und 2. das„Rheinproblem* behandelten, fanden die stürmischste Zustimmung der Versammlung. In geistig außerordentlich hochstehenden Ausführungen be- gründete Genosse Severing die Notwendigkeit der sozialistischen Arbesterbewegung, sich der Mitarbeit am Staate nicht zu versagen und daß nur durch diese Mitarbeit am Staate und im Staate die Republik noch unseren Wünschen ausgebaut werden könnte. Genosse Hermann Wendel warf die Frage auf: der Rhein, Deutschlands Strom oder Europas Strom? und kam nach seinen historischen, politischen und wirt- schaftlichen Ausführungen zu dem selbstverständlichen Schluß, daß derRhein ein Bindeglied zwischen den Böllern sein müff«. Während der Tagung war auch der preußische Ministerpräsident Genosse Otto Braun erschienen, der, mit lebhaftem Beisoll begrüßt, eine Schlußausprache hielt, die darin gipfeste, daß s i ch die Arbeiterschaft nie mehr von der Mitarbeit am Staate zurückdrängen lassen dürfe, und daß nur durch diese Mitarbeit und durch die Gleichberechtigung der Arbeiterschaft im Staatsleben Deutschland als Republik und Nation erhalten werden könne. Die Ausführungen des Genoffen Braun wurden stürmisch begrüßt. Am späten Nachmittag fand in dem gegenüberliegenden B i n g e n auf dem freien Marktplatz eine Massenkundgebung statt, bei der Genosse Scheidemann auf die aktuelle Politik einging. U. a. sagte er, ohne die Politik PoincarHs wären die Deutschnationalen niemals wieder in die Regierung der Republik gekommen. Nichts hat die Festigung der Republik so erschwert wie die französische Politik der Sanktionen und Besatzungen. Wie schon vor dem Kriege, so arbeiten sich die Reaktionäre in Deutschland und in Frankreich gegenseitig in die Hände. Wir können leider Herrn PoincarH nicht zwingen, eine verständigere Politik Deutschland gegenüber zu machen. Sorgen wir dafür, daß Poincar� sich nicht mehr lange auf die Deutschnatio- nalen berufen kann. Beseitigung der Besatzungen im Rheinland hieße auch Zusammenbruch der Deutschnationalen, denn sie leben von der sranzösischen Bedrückungspolitik. Das Rew Dorker Sacco-Hanzelti-Komilee kündigt für Montag eine Massenversammlung um die Aschenurnen der beiden Hingerichteten aus dem Union-Square an, obwohl Polizei- kommissar Warner dies« Kundgebung als„unnötig" verboten hat— auch als ihm versichert wurde, daß die Ordnung nicht ge- sährdet oder gestört werden würde. Gegen öie verkirchlichung öer Schule. Der Berliner Lehrerverein hatte am Fretzag die Berliner Lehrer zu einer Berjammlung geladen, in der d r 1. Vorsitzende des Deutschen Lehrervereins, Kreisschulrat Georg Wolfs über„Deutsche Bildungseinheit und Reichsschul- gesetzentwurf* sprach. Eindringlich und klar zeigte der Redner die großen Gefahren auf, die dem deutschen Volke, der deutschen Schule und der deutschen Lehrerschaft aus dem Keudellschen Ent- wurf erwachsen. Stürmischer, sich wiederholender Beisall dankte dem Redner, der nachstehende Entschließung vorlegte, die ein- st i m m i g angenommen wurde: Der Berliner Lehrerverein erhebt gegen den neuen Reichs- lchulgesetzentwurf schärfsten Einspruch und wird seine Gesetzwerdung mit aller Kraft bekämpfen. Dieser Entwurf nimmt dem Staat« das Recht der Schulhoheit und gibt es an nichtstaatliche Mächte ab. Dieser Entwurf ist keine wort- und sinngemäße Ausführung der Reichsverfaffung, er zer stört die Einheit unseres Schulwesens. Dieser Entwurf verhindert die staatsbürgerliche Erziehung der Jugend und senkt die Bildungshöhe unserer Volksschule. Dieser Entwurf gefährdet die pädagogischen und staatsbürger« liehen Rechte der Bolksschul'ehrer und stellt diese im Religionsunterricht unter«ine dreifache Ueberwachung. Dieser Entwurf trägt den Unfrieden in Staat, Ge- meinden und Familien und führt zu einem ewigen Kulturkampf. Dieser Reichsschulgesetzentwurf darf nicht Gesetz werden. In der Debatte begründet« unter reichem Beisall der Ber» sammelten, die den großen Saal des Lehrervereinshauses bis auf den letzten Platz füllten, Rektor Schröter einen von ihm«in- gebrachten Zusatzantrag, der dem Vorstand des Berliner Lehrervereins beauftragt, eine Erklärung aller Miiglieder herbeizu- führen, daß sie bereit sind, von ihrem ihnen nach der Reichs- Verfassung zustehenden Recht Gebrauch zu machen und den Religionsunterricht niederzulegen, wenn«in Reichsschulgesstz zustandekommt, das die Schule verkirch- licht und nicht einwandfrei die Regelschule der Reichsverfassung sichert. Gegen wenige Stimmen wurde dieser Antrag angenommen. Einen tiefen Eindruck machte es auf die Versammlung, als ein alter Lehrer im weißen Haar sich diesem Antrage anschloß und erklärte: „Vierzig Jahre habe ich treu meinem Gotte und Gewissen den Religionsunterrichl erteilt. Wenn aber dieser Entwurf Gesetz wird, dann kann ich einfach den Religionsunter- richt nicht mehr erteilen.* Ein weiterer Antrag, eine Unterschriftensammlung gegen den Gesetzentwurs unter Lehrern und Eltern zu veranstalten, wurde einstimmig angenommen. ydeiism naeh Prüfung. Die dem K-peditnehmep enisiehen- denKosien beipagen nur» 5% dep Kpedüsumme! a Die Warenhäuser der Firma SM. ifclxtmicH � � ln d®B WarenhätiseFn HERMANN TIETZ, Alexanderpl,, & a Frankfurter Allee, Wilmersdorfer Str. und ChausseesCr. HERMANN ¥IETZ nehmen unsere Kredit-»ji-_ 11/ a 5.«.. ausser Lebens- u. scheine als Barzahlung TU t Öl IG Wt,* Cfl Qenussmfllel, an. 55e kaufen zu gSeichen Preisen wie Jeder barxahlende Kunde und zahlen beim Kauf 35 Prozent des Kausbetrages bar a JaWften- Sanüiten. Weitcrc Verhaftungen in Böhmen. Prag. 27. August.(Eigenberichi.) �cule wurde der sechste der Faschisten, die den Ueberfall in Sazawa verübl haben, dingfest gemacht. Der Chefredakteur D o st a t des prager Faschistenblattes wurde in U nl e r s u ch u ng s- Haft geseht. Exgeneral G a j d a, der Drahtzieher der ganzen De- gcbenheit, wurde aus die Zusicherung, Prag bis zur veendi- gung der Untersuchung nicht zu verlassen, auf freien Fuß geseht. Die Untersuchung bestätigte, daß die Faschisten in allenAemlern und Behörden zahlreiche Anhänger und Vertrauensmänner haben, insbesondere in den B! i n ist e r i e n, Steuerbehörden und Finanzämtern. Die Regierungsblätter melden, daß im Herbst eine Reinigung der Staatsverwaltung von Rechts-, ober auch von Linksradikalen vorgenommen werden wird. interparlamentarische Union. Die Konferenz empfiehlt Freihandel. Paris, 87. August.(Eigenbericht.) Tie Interparlamentarische Konferenz beriet über die Vereinheitlichung der europäischen Zolltarife. Der Ausschuß hatte eine Resolution ausgearbeitet, die mit Be- dauern feststellt, daß zahlreiche Staaten fortfahren, sich mit hohen Zollschranken zu umgeben. Sie fordert die einzelnen Delegationen auf, in ihren Parlamenten auf Abschaffung der Zollmauern hinzuwirken. Zum Schluß beglückwünscht die Resolution den Völkerbund zu seinem Werk a>tf wirtschaftlichem Gebiet und wünscht Abschaffung der P a ß v i s e n. In der Diskussion befüruwrteten sämtliche Redner, besonders ungarische, ruinänische, englische und französische, den Kampf gegen die Schutzzöllnerei und betonten, daß der Freihandel die Grundlage der Wirtschaft- lichen Wohlfahrt der Völker sei. In demselben Sinne äußerten sich für Deutschland Schneider und Dernburg. Schneider be- dauerte, daß der Zollkrieg mit Polen, andauert. Wochenprograrnm des Berliner Rundfunks. Biilitarfreiheit unterm Polarkreis. Den Bewohnern der Sibirien vorgelagerten Insel» Kolgujew, Waigelich und Rowaia Semlja ist die russisci� M i l> t ä r d i e n st p s l i ch t um 5 Jahre aufgeschoben. Sonntas. 28. August: 6.30: FrDhkonzcrt. 9: Morgenfeier. 11.30: Konzert, 15: Der volkswirtschaftliche Wert des Korbweidenbaaes. 15.30; Goethe spricht zu allen Jungen (Vortrag und Rezitationen). 16.30: Uebertragung Ostscebad Swinemünde. 19.05: Stadtebllder. 19.30: Die Berliner Presse vor 30 Jahren. 19.55: Heitere Logik. 20.30; Oocthe(Lieder, Rezitationen). 22.30: Tanzmusik. Montag, 29. August: 15.30: Sportlerin Hausfrau. 16.30; Der Sternhimmel im Monat September. 17; Novellen von Hermann Kasack. 1730: ünterhaitnagsmuslk. 18.50: Mit offenen Augen durch die Kunst der Heimat. 19.20: Erntesitten und-bräuche. 19.50: Die Mitverantwortung der Arbeitnehmer in der Wirtschaft. 20.30; Ans Franz Lehars Operetten. Anschließend: Frankfurterischcs. Danach: Aus Karl Millöckers Operetten. Dienstag, 30. August; 12.30: Die Viertelstunde fflr den Landwirt 16: Die Feuerbestattung der Neuzeit. 16.30: Uebertragung Ostseebad Ahlbcck. 18.30: Stunde mit Büchern. 19.05: Der Ursprung des Rechts. 19.30: Staatliche Elektrowirtsehaft. 20: Humor in der Weltliteratur. 20.30; Symphonie-Konzert. Mittwoch. 31. August: 13.45: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Die Frau als Mutter. 16: Uebertragung Ostscebad Heringsdorf. 19.05; Russische Volkskunst. 19.30: Vom Ziel der Arbeit. 20.30: Auf der Brücke(Einakter v. Feiig Saiten). 21; Konzert. 22.30: Grüße ans Spanien und Italien(Musikvorträge, Lieder). Donnerstag, 1. September: 12.30: Die Viertelstnnde für den Landwirt. 16.30: Die Bedcntong der Farbe bei der Beurteilung von Krankheiten. 17: Wer zuletzt lacht...(Novelle von E. v. Egidy). 17.30: Konzert. 18.40: Die Berliner Straßenbahn. 19.05: Ar» beitsnachwciswcscn— Arbeitslosigkeit. 20;„Elits"-Oratorium von Mcndcls- Sohn-Barthodly. 2230: Tanzmusik. Freitag, 2. September: 12: Uebertragung der Eröffnungsfeierlichkeiten der Großen Deutschen Funk- aosstcllung 1927. 15.30; Mütter berühmter Männer. 15.50: Großer Preis von Baden(Uebertragung von der Rennbahn Iffezheim). 16.30: Herbstarbeiten im Obstgarten. 17: Konzert. 19.05: Kinder- und Frauensport. 19.30: Sozialpolitische Umschau. 19.55: Köpfe der Dichtcrakaderaic. 20.30; Lustige Lieder. 21: Konzert. 22.30: Unterhaltungsmusik. Sonnabend. 3. September: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16.30; Im Stadtviertel der Besserwisser(Vortrag und Rezitationen). 17; Unterhaltungsmusik. 19.05: Das deutsche Handwerk. 19.30; Neun Jahre Schulpflicht. 20; Populäres Orchester- Konzert. 22.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag. 28. August: Ab 6.30: Uebcrtrasunr ans Berlin. Montag, 29. August; 16: Die Behandlung der neueren und neuesten Novelle In der höheren Schule. 16.30: Erziehungsberalung. 17: Schachfunk. 18: Die Bedeutung des deutschen Rundfunks für das Ausjandsdcutschtum. 18.30; Englisch für Anfänger. 18.55: Der Dienst am Kunden. 19.20: Erntesitten und Erntebräuchew Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. Dienstast. ,30. August: 16: Die Bedeutung der Landkarte in Schule und Leben. 16.30; Die Behandlung der neueren und neuesten Novelle in der höheren Schule. 17: Kunst und Natur. 17.30; Zwischen Kairo und Singaporc: Ostindien. 18: Streik und Aussperrung. 18.30; Spanisch für Anfänger. 18J5S- Joh. Brahms als Mensch. 19.20; Eücherstunde. Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 31. August: 16: Plaudereien aus der Schule. 16,30: Zwischen Kairo und Singaporc: Engländer und Inder. 17; Kunst und Natur. 17.30; Die komische Oper. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Mechanik. 13.30: Englisch für Anfänger. 18.55: Ralionalisierungsbestrebungcn im Handwerk. 19.20: Das Brot im Volksglauben. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 1. September: 16: Aus der neuphilologischen Zeitschriftenliteratnr. 16.30: Ans dem Zcn- trallnstitut für Erziehung nr.d Unterricht. 27: Das Deutschtum in Mexiko. 17.30: Uebertragung aus Berlin. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55; Das deutsche Kunstlied: Brahms. 19.20: Die Erziehungsfragen der landwirtschaftlichen Schulen. Ab 20; Uebertragung aus Berlin. Freitag. 2. September: 16: Hygienische Plauderei. 16.30: Schulkundliche Fragen In Dialogform. 17: Die Temperaturskala und Ihre Grenzen. 17.30: Der Dichter als Gestalt und Symbol. 18: Nichteisenmetalle in der Elektrotechnik. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 18.55; Kreditrestriktionen und Diskontpolitik. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag für Acrztc. Ab 20.15; Uebertragung aus Leipzig. Ab 22; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend. 3. September: 16; Englisch für Fortgeschrittene. 16.30: Lehrgang fflr deutsche Volkskunde. 17: Vcrbeamtung als Qcsellschaf:.profclcm. I7J0: Psychologie und Arbeit. 18: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Mechanik und Fcrtigkeits- lehre. 18.30; Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 18.55: Zwischen Kairo und Singaporc: Die Folgen der Kapitalisierung Asiens für England. 19.20: Aaf Mozarts Spuren In Salzburg. Ab 20.30; Uebertragung aus Berlin. „Ale gtäz ßhkke* rauchst Du, Du hast wohl lohnerMhvmg bekommen f „Nee Mensch, das ist die neue dicke and runde Zigarette der Firma Enver Bey, die trotz des billigen Preises ein so fabelhaftes Aroma and einen so zarten and milden Oeschmack hat Jeder ist erstaunt über diese Zigarette, WBmmMmM 5s ENVER BEV- ZIGARETTENFABRIK Restauralionsbetrieb im Gewerkschaftshaas Engelufer 24/2S» Berlin SO. 16» Engelufer 24/25 Heute!"SSg Gewerkschafftsfest In allen Sälens TANZ Im Restaurant verstärkte Kapelle I Die bekannt vorzügliche Küche I Ausschank v.SchuSthelB.Patzenhofer Bieren Oekonom WILLY SEIDLITZ Wirklich gute und doch bflllg« BETTFEDERN keine Rohware, sondern haltbare, gründlich gereinigte(ga* waschene), daher garantiert staub- und keimfreie Sorten. Weiche graue Raptfedcni per Pfund Mk. 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Hier gibt es wirklich noch unberührte Natur, die Tiere erfreuen sich größter Freiheit und treten in Rudeln auf, wie man sie sonst nur in dem ostafrikanischen Tierparadicse sieht. Schweigende Wälder mit Riesenbäumen, schäumende silebirgsbäche, die sich zu großen Flüssen bilden, auf denen man 500 Kilometer lang dahinsausen kann, der höchste Berg Amerikas, der Mar Kinley, der größte Vulkan der Welt, der Katmai mit den vielen Tausenden von Rauchsäulen um ihn, all das sind nur einige Punkte aus dem unerschöpflichen Repertoire dieser Natur. Und nun erst die Tiere! Zwar hat sich im allgemeinen die Erpedition bemüht, mit der Kamera zu zielen, aber als bester Bogenschütze der Welt, der zuweilen Appetit auf ein gutes Stück Fleisch hatte, konnte es Jack Robertson nickst unterlassen, mit sichcrem Pfeilschuß Groß» und Kleinwild zu erlegen. Er schießt die Lachse im Fluß, den Karibuhirsch mit seinem Riesengeweih auf der Steppe, und er erlegt schließlich auch den gewaltigen Kodiak-Bären, der sich in seiner ganzen Größe vor den Jäger aufrichtet. Glücklicherweise wird das Tier ober nicht nur erlegt, sondern auch aufs Intimste belauscht. Man sieht entzückende Aufnahmen einer kletternden Bcrgzicge. das ihr Junges anleitet, man sieht eine Elchkuh, die ihr Kalb zur Tränke führt, große Renntierherden und vor allem das unermeßliche Ge- miminel der Lachse und Forellen, die die Bäche in wirklichem Sinne erfüllen. Man schickt nur den Hund fort, und er holt einem sogleich ein paar Lacks« aus dem Fluß. Wie die Lachse zum Laichen die Flüsie hinaufftreben, alle Hindernisse nehmen und dann, wenn sie ihr Laichwerk oerrichtet haben, zu Tausenden absterben, das ist wohl eines der grandiosesten Kapitel aus der Naturgeschichte, das man im Film sehen kann. Aber es gibt noch weitere Höhepunkte in diesem Wunderbuche der Natur. In einer Zeitrafferaufnahme wird das strahlende Wunder der gespenstisch leuchtenden Mitternachtssonne er- schlössen. Gewaltig ist der Eindruck der Schneeschmelze, wenn über Nacht der Pokun-Fluh in große Blöcke zerbirst und diese sich donnernd und krachend übereinanderschieben. Aber immer gibt es noch ein Größeres: das ist die Geburt der Eisberge, die von den weißen Gletschern turmhoch ins Meer hinunterstürzen und gischtend aus dem Wasser wieder auftauchen.— Zur Freude der Zuschauer stellt sich immer wieder im Film ein prächtiger kleiner Hund ein, der wie ein Spaßvogel ausschaut und mit Recht den Namen Pummel führt. Er begleitet die Erforscher Alaskas auf ihrer ganzen weiten Tour. In der Opel-Wochenfchau war mit besonderer Liebe der Reichsbannerweihe in Leipzig gedacht.„S p o r t i m B i l d" bracht« herrliche Bilder, die einmal wieder zeigten, wieviel Schönheit echte Sportkultur erzielt._ D. ,5eme." tveba Palast Atrium.) Unmittelbar aus dem politischen und sozialen Leben der Gegen- wart scheint der Film dem Titel nach gegriffen. Aber in Wirklich- teil nimmt er einen Vorfall der Nachkriegszeit— es ist deutlich die Ermordung Rathenaus gekennzeichnet— zum Vorwand, um das Schicksal, das äußere und innere, eines verführten jungen Menschen zu zeichnen, der nach der Tat flieht, ein unstetes Leben eines Ver- folgten und Ruhelosen führt und schließlich, nachdem er die Tat gestanden und von der Mutter des Ermordeten Verzeihung erlangt hat, ins ungewisse davongeht, um weiter zu sühnen. Richard Oswald hat das nach dem bekannten Roman von Nicky Baum ver- faßte Manuskript in einen gewissen Gegensatz zu seinen sonstigen Regiegcwohnheiten/ ruhig und sachlich ins Filmische übersetzt. Es fehlen die Kraßheiten und die Mitieutrümpse, die er sonst liebt. Der eigentliche Hintergrund der politischen Berschwöpcrgesellschaft, die Deutschland immer noch bedroht, wird nur leichthin skizziert. Man sieht, wie die jungen Herren, uni nicht zu sagen grüne Jungen?, insgeheim unter mystischen Zeremonien tagen und von e-nem ehe- maligen Offizier zu jener merkwürdigen Art von Vaterlandsliebe erzogen werden, di« in dem Mord der Gegner ein« verdienstliche Tat erblickt. Ganz knapp angedeutet'st, wie der Sohn eines Geheim- rals den Phraseur ernst nimmt und die von allen gewollte Tat auf sich nimmt. Nur zu bald muß er dann einsehen, welche feigen und elenden Burschen die Drahtzieher sind. Der Minister, den er er- mordet, wird von Kayßler belonders sympathisch dargestellt. Der Hauptinhalt des Films ist, wie schon angedeutet, die äußere und innere Not des Verfolgten, der immer wieder Arbeitsstätte und Wohnort wechseln muß(im Gegensatz zu den wirklichen Feme- Mördern, di« im sicheren Ausland offenbar ihr gutes Auskämmen gefunden haben). Dramatisch spitzt sich sein Schicksal schließlich zu, als er in einem Irrenhaus ein Asyl gesunden hat und dort als Irrer an Stelle eines anderen, der für ihn ersch?�-", wurde, lebt. öeilage Ses vorwärts Der Arzt, der ein wirklicher Scelenheiler ist, zeigt dem Attentäter dcn Weg zur Umkehr. Er gesteht seine Tat und wird in einer groß wirkenden Szene der greisen Mutter des Ministers(van Adel« Sand rock hervorragend verkörpert) gegenüoergestellt. Aber sein Geständnis gibt ihm noch nicht die Ruhe, ex gibt die Liebe eines er- gebsnen Mädchens und den Unterschlups auf, um in der Welt draußen weiter die Sühne zu suchen. Hans Stüw« war dazu berufen, uns den jungen Mörder, der ja selbst ein Opfer einer giftigen Gehirn- Verseuchung ist, menschlich näl)«rzubringen. Es gelang ihm in hohem Maße, den moralischen Urheber des Mordes, den Herrn von Askanius, gab Rudolf F o r st e r mit eingehender liXstailzeichnung als aufgeblasenen Hohlkopf, als umnebelten.Hakenkreuzler, der dann feige vor den Folgen zurückweicht und schließlich auf oben- teuerliche Weise noch Karriere macht. Einfache, gradlinige Geschöpf« gestalteten Grete Mosheim und Grete R e i n w a l d. Auch in den Nebenfiguren waren hervorragend darstellerische Kräfte verwendet. Der Film, der die wirklichen Hintergründe und Zusammenhänge der Fememorde aufdeckt, ist noch zu schaffen. r. „Die vorbssteaflen." (iL T., kurpursiendamm.) Der Film als sozialer Propagandist— das ist zwar nichts absolut Neues, aber in diese», Fall ist es besonders begrüßenswert. Sind nicht die Vorbestraften, die irgendwie ins Netz des Gesetzes geraten, ihre Strafe verbüßt haben und nun einen Marteigang ohnegleichen antreten müssen, weil sie überall wieder ausgestoßen, verdächtigt und einem nur zu gewissen Schicksal ausgeliefert werden, nicht die Aermsten der Armen? Freilich, der Film kann die Gewissen schärfen und Mitleid erwecken. Aber ist es nicht im höchsten Maße be- zeichnend, wenn der Präsident des Strafvollziigsamts Berlin, Dr. Finkelnburg, das Protektorat über den Film übernehmen und ihn einleiten konnte, wenn der Staat und seine Einrichtungen appellieren an die Gesellschaft, wo sie selber den Vorbestraften nicht helfe» können? Erich Kraft hat eine spannende Handlung ersannen, um die Schicksale mehrerer Vorbestrastc», die sich kreuze» und durchschlingen, eindrucksvoll vor Augen zu führen. Selbstverständlich hat er dabei, was sich i» Wirklichkeit auf viele verteilt, auf einige Wenige ton- zentriert, und besonders die 5)auptperson. der Arbeiter Hartmann, muß das ganze Leid der vorbestraften Kreatur in gehäuftem Maße auskosten. Er ist kein Gewohnheitsverbrecher; um sein? Frau zu retten, hat er die Tat begangen, die ihn zum erstenmal ins Ge- fängnis führt. Er hat sich musterhaft geführt, wird mit den besten Zeugnissen entlassen und findet nirgends Arbeit. Auf der ersten Stellen bringen ihn die Arbeiter, seine Kollegen, selber wieder aus dem Brot. Hier hat der Manuskriptverfasser allzu kraß gemalt. Sicher gibt es auch unter den Arbeitern vorurteilsoolle Menschen, aber«ine solche Sammlung von bösartigen und niedrigen, wie sie der Film hier als eine Betriebsinannschaft vorführt, wirkt entschieden provozierend. Gewiß wird auch die bürgerliche Welt in ihrer Er- bärmlichkeit gezeigt, ein edler Kommerzienrat, der selber vorbestraft ist, wird zu Tode gehetzt von einem Reooloerblattjournaliste». Sein eigener Kreis und seine Frau lassen ihn schmählich im Stich. Hart- manns Schicksal wird dann zur bitteren Neige weitergeführt, er muß wieder ins Gesüngnis landen, weil niemand feine ehrliche Arbeit will. Und dies wiederholt sich, bis er, zum äußersten gebracht um seiner zärtlich geliebten Tochter willen, die durch die qualvolle Not der Verführung in die A'me getrieben wird, zum Mörder wird und nun für immer im Zuchthaus endet. Wirklichkeitswahre Bilder werden aus dcn Strafanstalten von Moabit und Plötzcnsee vorgeführt. Rudolf Meinert versteht es als Regisseur, überall das Milieu zu treffen und die Lichter auf» zusetzen. Cr wird dabei aufs wirkungsvollste von seinen Darstellern unterstützt. Eugen Klopfer gibt uns als Arbeiter Hartmann einen ganzen Menschen, dtssen Schicksal uns aufs innigste rührt, Mar- garete Schlegel greift uns in ihrer Not einer der Straße Preis- gegebenen wirklich ans Herz. Ausgezeichnet sind die Nebenfiguren gestaltet. Vor allem bringt Picha als ewig Verführtsr in die düsteren Bilder einigen Humor. S t e i n r ü ck ist ein Gefängnis- direktor, dessen Menschlichkeit sich einprägt; K o r f f«in Kommerzien- rat, der dcn rechten Willen hat. Die Proletarierfrau Frieda Richards wirkt axihrhaft symbolisch: sie muß mit ihren Kindern das schwerste tragen, weil Staat und Gesellschaft mit dem Problem der Borbestraften nicht fertig werden. D. „Spuk im Schloß." (Gloria-Palast.) Paul Leni kommt vom Filmarchitekten zum Filmregisseur. Seine stark« Eigenart fiel so vorteilhaft auf. daß Amerika uns dies« Begabung wegengagierte. Drüben ist Paul Leni er selbst geblieben in seiner ganzen Art, die ein Auftrumpfen ist gegen alt- gewohnte Manier. Als Regisseur verleugnet er nicht einen Augen- blick seine Herkunft, er hat«ine Liebe zur Kulisse, er belebt sie nicht nur, er läßt sie direkt selbst spielen. Dafür ist natürlich das Manuskript einer Spukgeschichte eine hochwillkommene Gelegenheit. 20 Jahre nach dem Tode des Erblassers soll das Testament geöfsnet werden. Während der Zwischenzeit haust in dem Schloß nur eine alte Dienerin. Die Leute raunen einander zu, es spuke in dem unheimlichen Hause. Zur sestgesetzten Testamentseröfjnung, die um Mitternacht erfolgen soll, kommen die Verwandten. Die Jüngste, die im Gegensatz zu allen anderen den Verblichenen nicht ärgerte — weil sie es noch nicht konnte— ist Erbin. Doch soll sie in der gleichen Nacht auf ihren Geisteszustand untersucht werden, damit die Verwandten keine Gelegenheil haben, sie für verrückt zu er- klären. Von einem Schurken, der als nächstsolgender Erbe in Betracht käme, wird nun durch einen unheilvollen Spuk der Versuch gemacht, die Junge in dcn Irrsinn zu treiben. Ein Held wider Willen entlarvt das Gespenst und verlobt sich mit der Millionärin. Paul Leni hat diese Geschichte dämonisch, wahrhast spukhaft und ulkig erzählt. Das Grauen des Zuschauers löst sich oft in Heiterkeit auf, denn die Menschen im Film sind gar zu drollig in ihrer ansteckende» Furcht. Die Schauspieler Laura la Plante, Chreigston Hole, Tully Marshall, George Siegmann, Martha Mattox und Gertruds Llstor, hatte er gut in der Hand. Vor allen Dingen sind die Spukgeschichten vollauf geglückt. Ein besonderes Lob ver- dient der Photograph Gilbert Warringlon, der, wie es die jeweilige Stimmung erfordert, in klaren Bildern, in Lichtreslsxen oder in Schatten berichtet. Der ganze Film stellt, gerade wegen seiner künstlerischen Besonderheit, keine erstrebenswerten Allgenreinziele auf, denn diese Regie-Anssassung mit ihrer hingebenden Liebe an fälschlich sogenannte tote Dinge, eigner sich nur zum Einzelwerk. Als solches aber ist es eine interessante und für die, für welche der Film Berufssache ist, eine lehrreiche Arbeit. e. b. „Der Settler vom Kölner Dom." (Emelka-Palast.) Daß die junge reiche Amerikanerin in die Schlingen einer gut organisierten Verbrechcrbande gerät, bedeutet persönliches Pech. Man reist doch zu diesem Zweck nicht nach Europa. Sie soll bei einem Autounfall harmlos ums Leben kommen, ein weibliches Mitglied der Bande hat sich auf den Namen der Zlmerikancrin hoch versichern lassen. Aber im letzten Augenblick erscheint der große weltmeislerliche Detektiv, der sofort die Intrigen durchschaut, das Dollarkind rettet und es am Schluß doch nicht heiratet. Aus dem Stoff kann Schlimmes gemacht werden, und auch der Titel verheißt allerlei Kol- portagehaftes. Doch der Verfasser Dr. Emnnuel Alfieri biegt die Geschichte ins Humorislischc ab, versucht sich daran, eine Parodie auf den sentimentalen Detektiosilm zu schreiben. Dies gelingt ihm nicht so virtuos wie den Amerikanern in dem„Rätsel der Fledermaus", manchmal wird die Angelegenheit etwas langweilig, doch trotzdem bringt er es gemeinsam mit dcr sorgfältigen Regie Rols R a n d o l f s zu stark belustigenden Wirkungen. Der Fall wird leicht und elegant behandelt. Ein netter unterhaltender Film, gute routinierte Arbeit und eine kunstvoll geknobelte Handlung, die aber jeden Augenblick zu übersehen ist. Dazu gute Darsteller. Elisa T a m a r y sieht als Ame- rikanerin sehr hübsch aus und benimmt sich auch begabt. Hanni Weiße beherrscht souverän das Filmrepertoire der liebenden Ver- brecheri», Ca.l de Vogt zeigt Talent für Charakterrollen, und Henry Stuart ist der Detektiv mit der unerschütterlichen Miene und der geleckten Eleganz, der Weltmann, dcr die gefährlichen Dinge mit sportsmäßigem Interesse betrachtet. L a m b e r t s- P wu l j e n und Karl G e p p e r t sind ausgezeichnete Typen aus dem Bereich der Gosse.___ F. S. „betrogene Setrüger." (Mozart-Saal.) Der Titel verspricht, daß sowohl Schadenfreude wie Gerechtig. keitcgefllhl auf ihre Kosten kommen. Und der Titel betrügt in seinem Versprechen nicht. Zwei Diebesbanden, in der Maske vornehmer Leute, plündern einander aus. Aber beide werden sie irregeführt von einer Detettioin, die die Bauden zur Strecke bringt, sie durch Anstellung in ihrem Detcktivbureau zu anständigen Menschen macht und sich selbst noch etwas fürs Herz einfängt, nämlich einen, wie man so sagt, smarten jungen Mann. Betty C o m p s o n spielte tue Haupt- rolle. Sie ist im Film ein recht liebwertes Menschenkind. E. L a e m m l e führte die Regie ganz unterhaltsam, aber, das ist eine harte Tatsache, viel zu kindlich sür Europa. Das Beiprogramm brachte großartige Tierausnahmen durch Ucbermittlung der Zeitlupe.' e. d. der gute Kammgarn Koch uJeeland GeriraudtenS ir 2(�21 oeQcnjb. Pe trMrtr* »derglbt man nur dem Na-dwe!» de, D-»tschcn Mustreeveebandkg, Derlm. Kam- mandanlenstr. C3i6i. Dönhoff 8277—73, vcIchäst,z«U 9—5, Sonntag» JO— 2 Uhr. Aus Wunsch i Vertretcrbcsuch. k... E®##«am f unsere unerscnoptetcnen m JCjc»©« nur Quaiitätssch uhen und unsere behannt biUigen Preise erieichtern den Kauf. f9- ö �_ ja»«* As mif Wn�*7«®»� eMiÄdihMiMMi uJ�A�suMthF�ibefii JjT Q�r-frcüen ffi&ififei O9 In Höhe von|S||||�B JäBdlll'r für unsere Insgesamt C/trt/lf aVl V samtl. Häuser Die Tische sind gedeckt von Mitgliedern der „Genostenichaft deutscher Dühnenange- hBrlgen" und vom Personal unserer Firma. Preisausschreiben für jedermann frei Preisfragen s i. Wieviel gedeckte Tische sind im Hause aufgestellt? 2. Welcher von diesen Tischen ist der schönste? Z. Für welche Gelegenheit ist der Tisch bestimmt? Diese drei Fragen müssen beantvortet werden. t" 1 Leipziger Sirasse, Alexanderphita. Frantfurter AUee, Belle-AIlUnce-Strasse, 1* da*, tur|C, Bninncnstr, Kottbuser Damm, Vlimcrsdorfer Str, Andreasstr, Chausieestr. 1. 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V hierzu pass, ca. 150,250 A V Decken Gobelin-Diwandecke mS?ST..... 1 0'5 1575 ��oIImolcett-Di wandecke 39"° 68°° Steppdecken � mlt ban(em 1 575 25°° 67 'SO HERMdMM Leipziaßr SitDSse» Äiexflnßeiploü* frnnKliirler Alles» Belle-Aliiance-Stfösse» Brunnenstr.» lioitbaser BMio» il/ilmefsiiorier Sir.» Anüreosslr.• cnausseesir. Olv L® Nr. 406 ♦ 44.�ahrgaag msaea eiatenbUBgen ffit dies« Swbrik find virli» TW»». LiBdeuftratz« Z» parteinachrlchten für Groß-Serlin Net» SB da» Beziriasetretsrist. 2. Hof. 2 Step, recht«, ja richte» 2. See!« Tiergaetes. Dienstoz 19'4 Uhr ffnnlKonürinneBfonfmnj Vi Stümper, Flensburget£tc. 3. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen not- wendig. 4. Keei» Prenzlauer Berg. Agitation und Ardeiteeniohlfahrt! Mittwoch, 31. August, Befichtigung des Iugendlsndes in gössen. Treffpunkt piinkt. lich 1214 ufir Potsdamer Dahnhof, Bahnsteig nach gössen. !. Zieei» Feiedrichshain. Dienstag, ZK. August, IS Uhr, erweiterte Kreis. vorstandssihung in den Eomeniusfälen, Memeler Str. 67 fVercinszimmer). Montag, 29. August, 19>4 Uhr, bei Schmidt. Fruchtstr. ZK», wichtige Sitzung de» Bildungsausschusses. t. Kreis Kreuzberg. Heute Kindertreffen der weltlichen Schulen in Treptow. Ortsgruppe Krcuzberg versammelt ihre Kinder auf dem Lausttzer Platz. Abmarsch 13 Uhr. Genossen und Freunde der freien Schule werden ge» beten, ihre Kinder borthin zu schicken. 12, kreis Steglitz, Sanlwitz, Lich-terfelde. Montag. 29. August. IZHH Uhr, im Rathaus Steglitz Fraktionssstzung. 16. Kreis Köpenick. Montag. 2g. August, 19>4 Uhr, bei Stippelohl, Echdner. linder Str. 3, gusammenkunft der parteigenössischen Lehrer und Eltern- beiräte. Vortrag:-Religion oder Moralunterricht?" Referent Genosse Brinkmann, gahlrciches Erscheinen aller Lehrer und Elternbeiräte wird erwartet. 17. Kreis Lichtenberg. Freie SchnlgemeinV Lichtenberg: Sonntag, 2». August, Kindertrekfen der weltlichen Schulen zum Gewerifchaftsfest In Treptow. Treffpunkt 12 Uhr Boxhagoner Platz»um gemeinsamen Abmarsch nach Treptow. Fahnen und Parteiabzeichen dürfen nicht mitgeführt werden.— Achtung! Dienstag, 39. August, 1S>4 Uhr, in der Aula der Knabenmittel» schule, Maritstratze, Bibelstunde, abgehalten oom Stadtverordneten Adolph Kofimann. Thema:..Religion und weltliche Schule." Zu diesem Bortrage sind aüe Eltern, Lchrer und Freunde der Schule herzlichst eingeladen. 29. kreis Ncioickendorf. Dienstag, 30. August, 1914 Uhr, Sitzung sämtlich« Bildungsausschußmitgliedcr im Lokal Arockhaus, Residenzstraße Ecke Schön- holzer Weg. Morgen. Monlag, 29. Angnsi: it. Abt. W4 Uhr Vi krufn«. Hagelberg« Str. 20», Sitzung ftatOch« Funktionäre. 42. Abt. 15V4 Uhr Abrechnung aller Bezirksfllhr« bei Höhlk«, Bergmannstr. 19. ZNittwock), ZI. August: 193. Abt. Köpenick. 19*6 Uhr wichtige Dorstandssitzung«tt sämtlichen Bezirks. fiihrern an her bekannten Stelle. 127. Abt. Kohenlchönhaufen. Kolonie d« Kinderreichen! 1914 Uhr im Lokal „Weiße Taube" Vortrag:„Die Vorgänge iu Wien." Referent Robert Fendel. Fraueuveranstallungen. 6. Kreis Kreuz Vrq. Montag, 29. August, 19 Uhr, Sitzung der Arbeiter. Wohlfahrt bei Wolfs, Gräsestraße. Montag, 29. August, Funktionärinnen- sttzung an der gleichen Stelle. 3. Kreis Spanbau. Dienstcq. 39. August, 15 Uhr, Frauennachmittag im Lokal Löbel», Karlslust, Hakenfclde. Genosse Rektor Schulze spricht Uber: „Die Echulnerhältnisse in Argentinien" fWicdergabe des Berichts). Fahr. perdindnrg Linie 54, 75, 154 bis Endstation. Die Berliner Genossinnen sind herzlichst eingeladen, kaffeekochen billig. 9. Krois Wilmersdorf. 68., 69. und 79. Abt.: Montag. 29. August, Ausflug, gemütliches Beisammensein, Kasfeelochcn im Lokal„Waldirieden", Dahlem- Dorf. Bei schlechtem Wetter im Saal. Treffpunkt 16 Uhr im Lokal „Waldirieden". Fabrnerbindung: Untergrunddahn, Linie 43 und 174 bis Endstation. Gäste herzlichst willkommen. Frauenveranstaltungen am Montag. 2g. August: 8. Abt. lg'4 Uhr bei Rickert, Stcinmetzstr. 36», Bortrog:„Der Sinn der sozialistischen Frauenbewegung." Reserentin Else Ccheibenhuber. 14. Abt. 19% Uhr bei Leiser. Ramler-Sos, Ramlerstr. 5. Unterhaltungsabend. Rezitationen. Vortragender Heinz Barthel. EAI. wirkt mit. 22. Abt. 1914 Uhr bei Hönisch,„Vorwärts"-Spetition, lltrechtcr Ecke Müller- straße. Vortrag:„Die Bekämpfung der Tuberkulose." Referent Dr. Friede- berger. 26. Abt. 19% Uhr bei Heiles, Prenzlauer Allee 239, Heiterer Abend. Bor- tragender Genosse Hafcmann. 34. Abt. 19% Uhr bei Hupfeld, Memeler Str. 69, Unterhalwngsabent. Bor- tragende Gensssin Albrecht. Die Genossinnen beteiligen sich zahlreich 14 Uhr an der Einäscherung unserer Genossin Reinke im Krematorium Baumschulenwcg. 36. Abt. 19% Uhr bei Busch. Tilstt-r Etr. 27, Bortrag:„Sozialismus und Erziehung." Referent Kurt Lücke. Gäste herzlichst willkommen. 33. Abt. 19% Uhr bei Bartusch, Fricdcnstr.«3, Ernste» und Heitere». Bor- tragender Genosse Wille. 66. Abt. Stzarloi.enburg. 19% Uhr bei Liersch,«antstr. 62, Bortrag:„Sozia- listische Gcsinnungspflege in der Familie" Reserentin Genossin Michaeli«. 86. Abt. Schöaebcrg. 19% Uhr Frztz-Renter-Abenb. Vortragender Genosse Hellwig. Erwachsene Kinder der Mitglied« sowie befreundete Frauen sind herzlichst«ingeladen.__. 89. und 60. Abt. Renkclln. 19% Uhr bei Wille, R-uterstr. 47, Vortrag: „Fudenhetze." Referent Felir Fromm. �.. 101. Abt. Treptow. 19% Uhr bei Fanke. Kiefholzstr. 21, Bortrag:„Da, Gesetz zur Bekämpfung der Scschlcchtskrankheiten." Referent Dr. Roeder. Zrautznveranstallungen am Dienstag, 30. August: 46. Abt. 19% Uhr im Bezirksamt Yorckstr. 11, Zimmer 29, Vortrag:„D« proletarische Mensch." Referent Genosse Willige. 131. Abt. Riedcrschöuhausen. 17 Uhr Kaffeekochen und gemütliche» Beisammen. sein bei Schüßler, Schloßallee. Pankow« Genossinnen und andere Gäste herzlichst willkommen. Arauenveranstalkungen am Mittwoch. Zt. August: 162. Abt. Banmschnlenweg. 15% Uhr Kaffeekochen Im Alten Eierhäuschen, Treptow. Treffpunkt 15 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg. Abt. 124» Rahlsdors-Süb. 19% Uhr im Lokal Dietz, Uhlanbstr. 13, Bortrag: „Heimkultur." Referentin Hertha Gotthelf. Gäste willkommen. Zungsozlalisten. Spielgemeinschast: Montag, 29. August, Zusammenkunft bei Wanke, Lank. witzstr. 5.— Gruppe Süden: Wir beteiligen uns heute, Sonntag, an der Kundgebung der Gewerkschasten. Treffen 16% Uhr am Eingang der Abtei in Treptow. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Gruppe Bergstraße: Montag, 29. August, pünktlich 17 Uhr, wichtige Zu- sammenkunft im Heim Bcrgstr. 29. »reis Steglitz: Dienstag, 30. August, 16 bis 18 Uhr, Spielen im Heim Aldrechtstr. 47. Sterbetafel 6er Groß-öerliner partet'Grgantsation"| 23. Abt. Allen Genossinnen und Genossen zur Kenntnis, daß unser Genosse Map W o h l s a h r t, Znoalibe, am 24. August plötzlich nerstorben ist. Ein- Lscherung am Montag, 29. August, 18% Uhr, im Krematorium Derichtstraße. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleiwng.. 34. Abt. Am Mittwoch, 24. August, ist unsere Genossin Reinke, Litauer Straße 17, perstorden. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Montag, 29. August, 14 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um recht rege Beteiligung._ Sozialistische Arbeiter, ugenü Groß-öerlin. Zur heutige« GcwcrksSaft-kuudgcbuna treffen sich alle Genossinnen und Genossen bei ihren zuständigen Gewerkschaften. Die uuperkanfteu Karten für die Morgenfeier im MerteV»p»l»ft müssen bis spätestens Mittwoch, 31. August, abgerechnet werden. MitwirkenV a» schmökerspiel! Morgen, Montag, 29 Uhr, Vi Wanke, SW, Lankwitzftr. ö(Nähe Hallesche» Tor), Zusammenkunft. heute, Sonntag. 28. August: HasenhciV: Treffpunkt zum Gewerkschaftsfest 14% Uhr«pttbusser Tor und 16% ihr Rathaus Treptow.— Schönhauser Dorstadt: 20 Uhr Heimabend Schönfsieß« Str. 7. Die Teilnehmer der„Maschinenstürmer" Trefsounkt 13% Uhr.— Sencselder-Diertel: Fahrt fällt aus. Jede» Mitglied deteillgt sich Propaganda- Kundgebung der Freien Gewerkschasten am Sonntag, dem 28. August, 14� Uhr, in Treptow (Spielwiese). Die Kundgebung beginnt mit Gesang von Chören des Arbeiter- sängerbundes. Dann folgt: Ansprache de» Kollegen Eggert (Riesenlautsprecher), Sprechchor und gemeinsamer Schlußgesang(die Internationale). Sammelplätze: Deutscher Vangewerksbuud: Baltenplaß, Reuterplaß flteutSvn), Hochbahn Skalitzer Straße, von Lausitzer Platz bis Oranienstraße, Landsberger Allee Ecke Thorner Straße. Bekleidungsindustrie: Dönhosfplatz. Abmarsch 12 Uhr. verband der Böttcher: Schlesisches Tor. Graphische Industrie: Spreerooldplatz(Görlitzer Bahnhof). Zentraluerband der Dachdecker und Berussseuerwehrmänaer: Kott» busier Tor(Hochbahn). Einheilsverband der Eisenbahner: Bethanienufrr(Derbandshaus). Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands: Andreasplaß. Filmgeweckschafl: Alexandrinen- Ecke Oranienstraße. Zentralverband der Fleischer: Michaelkirchbrück« Ecke hotzmcirkt. straße. Verband der Gärtner und Deutscher Musikerverbau d: Oranienbrticke. Gemeinde- und Slaatsarbeiler: Lausitzer Platz, Küstriner Platz, Johannisstraße(Verbandshaus), Horn- Ecke Porckstraße. Deutscher holzarbeiterverband: Am Köllnischen Part. Hotel-, Bestauranl- und Cafeangestellle: Elsasser- Ecke Ackerskroß«. Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter: Warschauer Platz. Lederindustrie: Michaelkirchplatz. Verband der Maler: Melchiorstraß«(Verbandshous). Maschinisten and Heizer: Lausitzer Platz(Hochbahn bis Schlesisches Tor). Melallarbeilerverbaud and Kupferschmiede: Mariannenplatz. Zlohrungs- und Genußmiltelarbeiterverband: Michaelkirchstraße Ecke Köpenicker Straß«. Zentralverband der Stelnarbetter: Vethcmienufer. Tabakarbeiterverbaad: Jnselstraße(Bundeshaus). Textilarbeiterverband: Stralauer Platz. Deutscher Verkehrsbund: Weberwiese. Zentralverband der Zimmerer: Engelufer, von Köpemcker bis Adal- bertstraße. AfA-Organisasionen: Porck-Gncisenaustraße. Abmarsch 12 Uhr. Der Abmarsch von allen Pläheu(mit Ausnahme der AfA- Organisationen und der Bekleidungsindustrie) erfolgt 12)4 Uhr. Arbeiter, Singe st eilte, Beamte, es ist eure Pflicht. an dieser Kundgebung teilzunehmen. Sämtliche Lokale, die für das Gewerkschaftsfest in Frage kommen, haben die Tarife für das Gastwirtsgewerbe a u- erkannt, weshalb die Sperren ausgehoben sind. Allgemeiner Deutscher Gewerkschafisbund, Ortsausschuß Berlin. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Ortskartell BerNn. Allgemeiner DeutscherBeamtenbund.OrtsansschußGroß-Berlin am Gewerkschaftsfest bei fein« Gewerkschaft.— Südwest: Beteiligung am Gewerlschattsfest in Treptow.— Tempelhof-Mariendorf: Treffpunkt zur Ge- werkschaftstuiidaebung 11 Uhr Bhf. Tempelhof.— Rcinickendars-Weft: Heim Eeitelstr. 1. Bunter Abend.— Zlasenthaler Vorstadt: Treffpunkt zum Ge. werkfchaftsfest 11 Uhr Rafenthaler Plaß, Normaluhr. WerWzirk Neukölln: Die Genossen und Genossinnen, die schon einmal »Epielmanns Schuld" mitgespielt haben oder es mitspielen wollen, treffen sich um 17% Uhr im Jugendheim Nogatstr.!>3. Textbuch mitbringen!. Geübt wird für Klein-Käris. Achtung,„Schmoker-Spielcr"! Wir sollen im Rahmen der Ausstelluno„Das jung« Deutschland" mitwirken. Wir treffen uns am Man- tag 19 Uhr Hcrmannplatz(Apotheke) zur Probe. Erscheint alle und bringt Textbücher mit. Werbebeziri Pankow: Alle angeseßten Beranstalwngen, Fahrten usw. fallen ans. Dafür Beteiligung am Gewerkschaftsfest. Treffpunkt: Mühlen- Ecke Berliner Straße, 11% Uhr. Fahnen sind mitzubringen. Margen, Montag. 2g. August, IS� Ahr: Der Sinakrei» übt pünktlich ISZZ Uhr im Lindenheim. VohenschönhaNsen: Heim Freienwalder Str. 5/6.„Die deutsche Republik, wie sie Ist und wie ste sein fall."— Friedenau: Heim Offenbacher Str. 5». .Gibt e» einen Gatt?"— SchöneVxg III: Heim Hauptstr. 15. Heinrich-Heine. Abend.— Ehariottenburg-Rord: Heim Olbcstraße. gehn-Minuten-Referare. Vorträge, vereine unö Versammlungen� Reichsbanner»Schwarz-Rot-Goid". Geschäftsstelle: Berlin E 14. Eebastianstp. 37/88. Hol 2 Tr. Montag, 29. August: Friedrichshai»! Schußsportabt. 19% Uhr im Jugendheim Litauer Str. 18. Besprechung der Winterarbclt. Neu- köllu-Briß: 3. Kameradschaft: Monatspersammlungen 29 Uhr. 1. Zug bei Schröder, Steinmcßstraße Ecke Schillerpromcnade. Zug Ebcrt bei Rudolf, Per- mannstr. 156, Ecke kncsedeckstrahe. 5. Kameradschaft(Iunamannschaft) ab 29 Uhr Sportabenb Plaß Lessutgsftaße. Lichtenberg nebst Ortsgruppen: 19% Uhr wichtige Sitzung des Nadfahrerzuges im Vercinsheim pon Zimmer- mann, Friedrichsfelde, Walderfeestr. 78. Jeder muß erscheinen. Bdleeshas: Eportadent für alle aktipen Kameraden. Treffpunkt in Bannerkleidung um 19 Uhr auf dem Platz acradeüber dem TV.-Platz in der Birkcnallee.— Dienstag, 36. August: Neukölln-Britz: 5. Kameradschaft(Fungmannfchaft) 29 Uhr Monatspersammlung bei Balewski, Baddinstr. 57. Treptow(Orts- perein): Antreten zum Ausmarsch 18 Uhr am Bhf. Niederfchoneweide-Jahannis- thal. Beim Rückmarsch Einbringen der Fahne in das Verkehrslokal. Fackeln mitbringen. Nachzügler 29% Uhr Krankenhaus Oberschöneweide. Pflicht. peranstaltung. Lichtenberg nebst Ortsgruppen: Achtung, Tambourkorps« Jeden Dienstag 19 Uhr lieben auf dem Sportplatz Friedrichsfelde. Falls Aenderuna eintritt,«scheint dementsprechend« Notiz.— Mittwoch, 31. August! Friedrichshain: 19% Uhr Antreten auf den bekannten Kameradschaftssammel- Plätzen zum Ummarsch mit Musik und Fahnen. Pflichtveranstaltung. Alles hat zu erscheinen. Wedding: 19% Uhr Sitzung des engeren Vorstandes bei Müller, Uferstraße. Lichtenberg nebst Ortsgruppen: 29 Uhr Ortsgruppen-, Zug. und Gruppenftihrersitzung bei Krüger. Sämtliche Züge und Otsgruppen müssen pertrcte» fein._ Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform. Die Beratungsstelle in Neukölln befindet sich oam Donnerstag, 1. September, ab Sertzdcrgstr. 22 bei Thormählen. Beratung und Auskunft sowie Aufnahmen erfolge» pon 29 bis 21 Uhr. Biochemisch« Derein Graß-Beelin. 2. Septunber: Moabit, Arminius- hallen, Brem« Etr. 74. 3. September: Tiergarten, Wernickes Festsäle, Pots- dornet Etr. 39/30». 8. September: Mariendorf, Kellers Festfäle, Chaussee. straße 895. Berlin« Gpartkeglerband. Kegrlfportholle Swinentünd« Etr. 65 399- Kugel-Einzelkampf am Sonntag, 28. August, und Sonntag, 4. September. Sport. Drei Stundiw Mannschaslsrennen. Auf der Rütt-Arena werden heute zwölf ausgezeichnete Paare an den Ablauf zu dem 3-Stunden-Rcnnen gehen. Für guten Start bürgt folgende Starter- liste: van Kempen— Dewolf(Holl.-Belg.), Delbecque— Stockelynck (Belgien), Letourneur— Rouyer(Frankreich), Knappe— Miethe (Deutschland), Koch— Krollmann(Deutschland), Ehmer— Kroschel (Deutschland), Krüger— Behrendt(Deutschland), Dorn— Nickel(Deutsch- land), Schwemmler— Kedzierski(Deutschland), Pohl— Martin(Deutsch- laud-Tschcchoslowakei), Kneisel— Damerow(Deutschland), I. Sauer— Häusler(Deutschland). Das Rennen weist alle 15 Minuten eine Doppelwertung auf, also im ganzen 24 Spurts. Beginn des Rennen 1ö Uhr._ Rennen zu Ruhleben am Sonnabend, dem 27. August. 1. R e n n e n. 1. Primel(I. Mills), 2. Maimorgen(Bahr), 8. Galeere (Heckert). Toto: 13: 10. Platz: 10, 11, 12: 10. Ferner liefen: Nippsachc, Herzog, Petronia, SUvaplana, Notwehr, Nebelkappe. 2. R e u n e n. 1. Eilet) B.(Heckerl), 2. Gerhard(Jautz jun.), 3. Kopeke (Schullei). Tolo: 05: 10. Platz:" 25, 26, 24: 10. Ferner liefen: Katzbach, Bessie, Erster Wolsersomer, Freund Edelstein, Marne. 3. R e n n e n. 1. Joachim(Czerion), 2. Eitgrenze(Firm), 3. Elfenkönigin(Lemzer). Toto: 22: 10. Platz: 14. 13, 38:10. Ferner liefen: Haga Burton, Die Letzte, Cillh Dillon, Citenlo, Schüler Teddy, Weitkamp. 4. R e n n e n. 1. Königsadler(Lautenberger), 2. Lockung(Jauß jun.). 3. Johanniskäser(J. MillS). Toto: 77: 10. Platz: 20, 25: 10. Ferner liefen: Florian, Weinbrand, Landmesser. 5. R e n n e n. 1. Kohlenlönig(Finn), 2. Tampanula(Heckert), 3. Kartenspieler(Rogowski). Toto: 36: 10. Platz: 18, 18. 31: 10. Ferner liefen: S«, Malmö, Schwarzwaldmädel. Vota Frisco, Esst, MonostatoS, Jram, Crispa, Leuchtkäfer, Gondel, Dina Watts, Wagner. Max Kuser. 6. Rennen. 1. Jngelinde(Genetzky), 2. Minni Halle(Baumgart), 3. Baron Gabler(F.Brandt). Toto:95:10. Platz: 25, 30. 1 5: 10. Fernerlielen: Kerrigan jun., Goudster jun., Antenne, Lord Volo, Ouintessenz, Hotstein, Bessie Bell, E'Captain Leerberg. Weinstock. Kasimir. Einsicht, Gelbstern. 7. Rennen. I.Blaue Adna(Weiß), 2. Progreß(Schulz), 3. ManzanareS (Treuherz). Toto: 98: 10. Platz: 20, 39, 21: 10. Ferner liefen: Trotteur, Peter Harvester, Watnsea, Barmaid, Kiltyschor, Stapellaus, Altmark. 3. R e n n e ii. 1. Ludwig(Großmann), 2. Eulenspiegel(Schuller), 3. Potsdam(Weiß). Toto: 65: 10. Platz: 33. 57, 85: 10. Ferner Uesen: Karo-Bube, Friese..Kursürst, Kletterrose, Lampe, Depesche, Turiddu, ffiooö Boy, Petronella St., Kürassier, Radiota. 9. Rennen. 1. EuUte B.(F. Schmidt), 2. Höhensonne(A. Finn), 3. Lustschiffer(Jauß jun.). Toto: 61:10. Platz: 20, 16, 27:10. Ferner liejen: Prinz Adbell, Barometer. Prinzeß Fortuna, Wildkatze, Heideprmz t, Gawein, Heidemann, Rotula, Casanova, Fiamette. öriefkasten öer Reöaktion. cküstrin 321. 1. Mergenthaler Setzmaschinenfabrik, Berlin R, Ehaussee» straße 17/18. 2. Ja.______ tvetterbericht der öffentlichen wetleedieustslell« für Berlin und Umgegend (Nachdr. perb.) Ziemlich wolkig und windig. Unveränderte Temperaturen. Keine Niederschläge von Bedeutung.— Für Deulschland: Ueberall lühl, im Süden etwa« heiterer, tonst größtenteils wolkig. Im Westen erneute Regenneigung. Im übrigen Deutschland vorwiegend trocken. AMe lllsWmW» ouf SM VolSSMrvIlS. Frau Klara Griesche aus SVeißensee: sie erzählt mir: »Ick war fusfzehu Jahre alt, als se mir zuerst mit mein« Blumen da drieben an de Ecke stellten, wo jetzt der Verkehrsturm jejenuber is. Den haben se damals bei de Pferdebahnen noch nich jcbraucht. Seits jroße Umwälzen vor neun Jahren steh' ick nu bei Wertheim. Und et is ja janz fchecn hier, nur ieba det Wetter Hab ick mir manchmal schwer jeärjert. Detwejen find ick et ja zu nett von Kathreinern, det s« mir so'n stoßen, blaujelben Schinn jeschenkt ham. Nee, den jeb ut nich Wieda ab. Detwejen, Hain je lesagt, weil ick nu schon mein janzes Leben lang Kathreincrs Malz- kaffee trinke. Dal Riechen je mal an Stöpsel, in die Flasche nehm ick'n imma mit. Wissen se, er schmeckt so wundabar und denn— ick darf ja jar keen andern trinken, von wejen mein schlimmet Herze, für det er ja so jut is. Meine Jörn jeb ick'n ooch imma. Ick koof'n eijentlich imma bei Schmidten. Ick jage zu meine Kinda: Kinda, fach ick, det ihr mir bloß den in Paketen nehmt mit'n Kopp von Kneipp'n, und keen anderer kommt mir nich int Haus. Se soll'n mal sehen, wie die jedeihen! Der Aelteste soll ja mal Funk- turmdirektor werd'n!" �snÄsrinencSsunen 7 cn Beil 50 lehren dl* gut* OcckbettfOllung, Pfund•■ w W Rupffedern Pftmd 80 rt S.SO 0.50 5.50 Schleißfedern Pfand 3.50 5.20 7.50 Plnoa®-" 1 5.-- 58." 78." rat 8.50 Oterbetn rot 5.5�),».« SO DlUrk. Vr- 2.?5 J"** Fertige Betten Oberbett) enurot».70 Unterbett 7.M Kissen••| Federn 3«40 30 ISO Dannen-Seckliett mit 3 Pf*nd IfasdariBen- Daun«» 50°' Dauoen-OberbeU 130X200 ob. mit 3 Ftni weitem DeaeeM tetülM Kaufe gut, aber billig I NaudarioeDdaHiieD-Ober beti Ä'. 4500 lolott indanthrenf arbig. ete Kissen p««aä.... 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Wenn du acht Jahre alt bist und blaue Augen hast, und ein« Hand voll Kompott und die andere voll Kitt, und wenn du einen Bruder hast, der fünf Jahre zählt, verschnupft ist und jeden Augen. blick sein Taschentuch verliert, und wenn dein« Mutter den ganzen Tag außer Haus ist— da wird dir wohl da- Leben schwer. Mura ist acht Jahre alt. Sie hat blaue Augen, die eine chand voll Kompott, die andere voll Fenstertitt: sie hat«inen Bruder, der hat Schnupfen, die Mutter ist aus dem chaus: das Leben ist schwer. Die Mutter ist den ganzen Tag außer chaus. Sie ist im Dienst. Vater gibt es schon lange keinen. In jenem Jahr, da die Oefen nicht geheizt wurden und es an Brot fehlt«, fuhr er irgend- wohin weit um Brot, erkrankte an Typhus und starb. Und jetzt lebt Mama allein und Mura hilft ihr. Es ist ein Unglück für Mama, daß sie so klein ist und niemand vor ihr Angst hat. Es ist nicht schwer, ihr weh zu tun, das ist klar. Tossik zählt fünf Jahr«. Er hat beständig Schnupfen und stottert ein wenig. „M— u— u— ra, wo ist mein Nasentuch?" Um vier Uhr kommt Mama vom Dienst, bloß, ihr« Hände zittern, während sie auf der Spiritu-flamrne etwas kocht. Mama ist stets in großer Eile. Es wird rasch gcgesien: dann geht Vtama wieder fort, auf der Schreibmaschine zu rattern, die»- mal aber nicht dienstlich, sondern für private.Stückarbeit". .Mura," fragt Tossik,.was ist das.Stückarbeit"?" „Das ist so," erklärt Mura.„bei Tag ist Mama im Dienst. abends arbeit«t sie für einen Schriftsteller, der ihr jedesmal ein Stückchen von seiner Erzählung diktiert. Davum heißt«s.Stückarbeit"." Einmal war Mama wieder fortgegangen und Mura räumte das Zimmer auf: da bemerkte sie, daß von den zwei Koteletten, die für den ganzen Tag bestimmt waren, auch nicht eine Spur zurückgeblieben war. .Tossik," sagte Mura,„hast du sie aufgegesien? Die konntest da nur? Auf einmal? Beide?" .Murotschka, nicht auf einmal: als.Stückarbeit"." Die Zeit wird lang ohne Mama. Tossik hat Schnupfen und Muras Filzpcmtöffelchen sind zerrissen. An ein Spazierengehen ist nicht zu denken. .Gehen wir auf den Gang hinaus, Mu— uro," sagt Tossik, »gehen wir ganz leise. Wir werden niemanden belästigen." Es ist ein langer Gang. Zu beiden Seiten sind Zimmer. In jedem Zimmer wohnen Leute verschiedenster Art. Wie verschieden sie ober auch sein mögen, so können sie alle zusammen Kinder nicht leiden, die belästigen. Mura und Tofsik spazieren also leise im Gang umher und sprechen flüsternd miteinander. Wie sie nun zum Zimmer Nummer eins kommen, werden sie ganz still. Dort, im Zimmer Nummer eins, wohnt„der verantwortliche Kommunist", der wichtigst« Mann im Haus. Wenn er jemanden um etwas fragt, muß ihm immer die ganz« Wahrheit geantwortet werden. Darum heißt er.vcrant- wörtlich". Der„verantwortliche Kommunist" arbeitet die ganze Nacht. Die ganze Nacht brennt dos Licht bei ihm. Frühmorgens kommt ein Auto mit Gelatinfenstern und einem Leinendach, um ihn abzu- holen. Der„verantwortliche Kommunist" zieht eine Lederjacke an, schießt über den Gang, die Pfeife im Bart, und fährt davon. Manchmal aber ist er den ganzen Tag daheim. Dann ist es still im Haus. Nicht einmal die Köchin der Familie Gilkin wirft die Kasserollen aller anderen Parteien vom Herd, und sie läßt ihr Fluchen sein. Heut« ist der„verantwortlich« Kommunist" nicht zu Hause. Er ist morgens sortgesahren, und Mura und Tossik gehen bis zur Türe hin und schauen der Reih« nach durch das Schlüsselloch. „Siehst du etwa», Mu— ura?" fragt Tossik..Sag', was siehst du." „Die Nase fft mir im Weg," antwortet Mura:„aber ich seh« ein Stückchen Waschtisch." „Ich auch, Ich auch, den Waschtisch," flüstert Tossik und drängt von rückwärts auf Mura ein. Mura stößt an die Türe an, die Tür geht auf. Mura fliegt in das Zimmer Nummer eins', direkt auf den Waschtisch zu, hinter ihr Tossik. Und im Zimmer Nummer eins fitzt der„verantwortliche Kommunist" beim Tisch, raucht und schreibt. Entweder ist er doch nicht fortgefahren oder schon zurück- gekehrt. Durch Muras Hereinpralle» fiel zuerst das Glas vom Wasch- tisch auf den Boden und zerbrach. Da aber hinter Mura noch Tossik hereinflog, so fiel auch der Krug um und zerbrach gleichfalls. Das Waffer strömte nur so zu den Pantosfeln unter dem Vett. Der„veranwortliche Kommunist" erhob sich von seinem Seffel. Mura stellte sich schützend vor Tossik und schöpfte tief Atem. „Was soll das heißen?" fragte der„verantwortliche Kommunist". Auf seiner Stirn« entstand eine tief« Falte..Was sind dos für Kinder? Was sind das für Streiche?" „Wir sind Mamas Kinder," sagte Tossik hinter Muras Rücken. „Und die Streiche sind nicht von uns. Das find die Streiche von der Tür. Di« Tür selbst hat's gemacht. Sag's ihm doch, Mura." Der„verantwortlich« Kommunist" tat«inen Schritt nach vorn und bemerkte Tossik, der sich vor Aufregung die Nase in Muras Schürze putzte. „Wer ist denn wieder das?" fragte er. „Das ist Tossik", sagte Mura,„mein Bruder Tossik." Der„verantwortliche Kommunist" nahm die Pfeif« aus dem Mund. .Und wer sind Sie?", fragte er. „Ich bin Mura, fein« Schwester. Unsere Mama macht tags- über Arbeit im Dienst, abends„Stückarbeit". Und warum haben Sie. bitte, kein einziges Haar auf dem Kopf?" „Ist so gekommen," antwortete der„verantwortliche Kom- munist" und strich sich über den Scheitel.„Sie sind mir aus» gefallen." „Mura," flüsterte Tossik rückwärts,„wenn sie ausgefallen wären, wären sie doch irgendwo hier im Zimmer. Weit wären sie ja nicht weggefallen. Sie sind nicht ausgefallen, sondern hinein- gefallen, darum sind sie auch nicht zu sehen. Sag' ihm das. Mura." „Setzt euch her," sagt« der„verantwortliche Kommunist" und zeigte auf den Tisch. Zuerst sprach Mura: „Unsere Mutter lernt mit uns an Sonntagen, wenn sie frei ist. Ich habe einen Aufsatz geschrieben. Wollen Sie ihn hören?" „Gern, ich bitte darum," antwortete der„verantwortliche Kom- munist". „Nun also. Er heißt„der Viehhof"." Mura zieht einen schmutzigen Zettel ans der Tasche und liest: „Die Kuh ist«in sehr großes Tier mit vier Füßen an ollen Ecken. Sie gibt zweimal!m Tag Milch, während dies der Trut» hahn nicht kann, auch wenn er es wollte. Aus der Kuh macht man Kotelette und die Kartoffeln wachsen extra. Weiter habe ich noch nicht geschrieben." „Ja," sagt« der„verantwortliche Kommunist", und betrachtete seine Nägel,„schön, schön. Wollt ihr nicht vielleicht etwas essen?" Tossik Hai zwei Kotelett« als„Stückarbeit" aufgegessen." sagte Mura:„ich habe aber nichts gegessen, weil nichts da war." Der„verantwortliche Kommunist" nimmt«ine Wurst, Manda- rinen, Semmeln aus dem Schrank. Da läutet gerade da» Telephon unter Tossiks Fuß auf dem Tisch. Der„verantwortliche Kommunist" nimmt die Hörmuschel. „Bin selbst beim Apparat. Hinkommen? Kann im Augenblick nicht. Habe eine wichtige Konferenz. Zwei Genossen sitzen bei mir. Ich kann aus keinen Fall." Und die Kenoffen essen und erzählen: „Als ich klein war," sagt Tossik mit vollem Mund,„haben wir geperlt." „Was", fragt der„verantwortlich« Kommunist". „Er meint wir haben Perlen aufgereiht," erklärt Mura. Der„verantwortliche Kommunist" hebt sie vom Tisch herunter, setzt Mura auf das eine Knie, Tossik auf das andere und macht aus der heutigen„Prowda" ein prächtiges Schiff für sie. Di« Zeit vergeht. Das Haus füllt sich mit Leuten. Alles kehrt vom Dienst zurück. Hintsr den Fenstern wird e, blau. Der„ver- antwortliche Komninnist" zündet Licht an und beginnt ein neues Schiff. Da erst erinnert sich Mura Mamas. Sie springt vom Knie herunter, reißt die Türe auf, rnn zu Mama zu eilen. Mama steht aber bereits hinter dieser Tür und horcht erschreckt. „Mura, was tust du hier? Wo ist Tossik?" flüstert Mama ent- setzt.„Wie seid ihr denn da hereingekrochen?" „Mamotfchka," ruft Tossik vom rechten Knie des„verantwort- lichen Kommunisten" her,„komm' nur." Abends liegen Tossik und Mura in ihren Betten und plaudern: „Das ist ein guter Mensch," sagt Mura.„Das ist ganz sicher." „Wie meinst du, Mcnnotschka," fragt Tossik verschlafen.„Ist er gut?" „Ja," antwortet Mama,„sehr gut." Und versinkt in Gedanken. Woran denkt sie?__(®euifS) turn«. Borissoff.) Gicht unö Rheumatismus. Bon Dr. Friedrich Frantzius. Es gibt kaum zwei Krankheiten, die, wie Gicht und Rheumatis- mus, in der Vorstellung des Laien miteinander verwechselt werden. Was zunächst die Gicht betrifft, so unterscheidet die moderne Medizin zwei Grundformen, die atypische oder Eingeweidegicht und die typische oder(akute) Gelentgicht. Jene schlägt sich entweder direkt auf inner« Organe, vorwiegend aus Herz, Lunge, Leber, Nerven und Nieren oder, und das ist zumeist der Fall, sie entsteht aus der Ge> lenkgicht als chronisches Leiden. Auch die Gelenkgicht kann chronisch verlaufen und dann in Ihren Spätformen zu jenen sürchterlichen Gelenkdeformationen führen, die den Kranken völlig hilflos machen. Häufiger jedoch bleibt sie lokalisiert, und zwar als Podagra(Fuß, gicht), Kniegicht. Schultergicbt usw. Das allgemeine Wesensmerk- mal der Gicht sind die Harnsäureablagerungen, medizinisch„Tophi" genannt. Ursprünglich feinkörnige Niederschläge, können die Tophi steinhart werden und Pflaumengröße erreichen: sie bilden Inhalt der Gichtknoten, die an den verschiedensten Körperstellen vorkommen. Sogar die Jnnenhaut des Herzens, die Blutgefäß« und die Nerven können gichtisch entarten: die Nervengicht tritt in Erscheinung als Kopfgicht, gichtische Migräne und Neuralgie und Hüstnervenentzün- düng(Ischias). Erst die Fortschritte in der Röntgenforschung haben die Erklärung der Ablagerungsphänomene ermöglicht: So wurde neuerdings nachgewiesen, daß die Tophi nur iin Gelenksast und im Knochenmark(Mnrktophi) entstehen und ferner, daß nur der Gelenk- fast oder chemisch gleichartige Flüssigkeiten imstande sind, die Harn- läure auszufüllen. Damit erklärt sich das Vorwiegen der gichtischen Ablagerungen in den Gelenken. Neuer« Obduktionsbefunde ergaben aufschlußreiche Erkenninisse zur Physiologie der akuten Schmerz- anfälle der Gichtiker: Die deponierten harnsauren Salze kristallisieren in Form spitziger Nadeln oder Büschel aus, welche dann die emp- findlichen Gewebteile ihrer nächsten Umgebung zerstechen. Diese Vorgänge erklären nicht nur die fürchterlichen Schmerzen der An- fälle, sondern auch das häufig zu beobachtende Knarren und Knacken in den gichtischen Gelenken(infolge Zerbrechens der Harnsäure- kristalle) und schließlich die Entzündungen der Gichtknoten als Nach- Wirkung der mechanischen Reizungen. Seitdem die Gicht als Stoffwechselleiden erkannt ist, lassen sich eine ganze Reihe von Erscheinungen deuten, die früher zu irrtüm- lichen Ausfassungen Anlaß gaben: Co hielt man lange Zeit die Gicht für eine spezifische Krankheit der Reichen, verursacht durch zu üppig« Fleischkost: gichtische Symptome bei Armen, die vorwiegend von Brot und Kartoffeln lebten, faßte man als rbeumatische Erkältungs- folgen auf. Heute weiß man, daß es eine Fleischgicht der Reichen und eine Brotgicht der Armen gibt: jede Einseitigkeit in der Er- nährung führt eben zu Stosswechselstörungen. Besonders be- merkenswert ist in dieser Hinsicht die Abart der sogenannten „Gärungsgicht", deren Erforschung der modernen Ernährungsphysio- logie zu verdanken ist. Außer Brot könne» nämlich auch andere Kohlehydrate, vor allem Kartofsclii, das Entstehen der Gicht begünstigen: Zunächst verursacht die«inseitige Kohlhydratzusuhr Funktions- störungen im Magen-Darmkanal. die zu Vergärungen der Nahrung führen und damit einen Säureüberschuß im Organismus hervor- bringen, der, wie noch näher darzulegen ist. die gichtische Entartung mitbedingt. Die typischen Symptoms der Gärungsgicbt sind: Heftige Schmerzen in den Hüsten, im Kreuz, den unteren Rippen und der Bauchhöhle. Uebringens bleibt bei vielen Stoffwechselstörungen die Gicht nicht die einzige Folgeerscheinung: häufig gesellen sich später noch Fettsucht oder Zuckerkrankheit hinzu. Die oft zu ver- nehmende Ansicht, Gicbt schütze vor tuberkulösen Erkrankungen, ist vollkommen irrig, im Gegenteil findet man besonders in nordeuro- päischen Ländern sehr häufig gichtische Schwindsüchtige. Eine weitere ausschlußreiche Erkenntnis moderner Forschung ist der Nachweis, daß nicht nur Funktionsstörungen infolge von ErnShrunqssehlcrn die Bedingungen für die Entstehung der Gicht schassen: Die Störung der inneren Sekretion, z. B. nach operativer Kropfentsernung oder dem Aushören der weiblichen Menstruation. kann zu gichtischen Knochenwucherungen an den Fingergelenken führen. Worin ist nun die eigentliche Ursache für die Gicht zu suchen? Die Harnsäureausscheidung ist nur ein Symptom, und zwar da» Er- gebnis des übermäßigen inneren Eiweihstosfwechsels. Dieser wird in erster Linie gesteigert durcb die bereits erwähnte Uebersäuerung des Blutes infolg« falscher Ernährung oder anderer Funktions. störungen. Nicht' die einfache Harnsäurcvermchrung, sondern der Innere(endogene) Eiweißstoffwechscl ist die besondere Ursache der Gicht, dt« aber nur entstehen kann, wenn zugleich die allgemeine Ursache vorhanden ist, nämlich die Disposition zur Eicht, die so- genannte harnsaure Diothese. Darunter versteht man eine erhöhte Aufnahmesähigkeit der Gewebe für Stosswechselschlacken(Harnsäursablagerungen),«ine Gewebsentartung, die entweder durch erblich« Anläge angeboren ist oder auch infolge andauernder falscher Lebens- weife erworben werden kann. Wie die Gicht, kommt auch der Gelenkrheumatismus in akuter und chronischer Form vor: bei geringer körperlicher Widerstands- sähigkeit oder vernachlässigter Behandlung liegt stets die Gefahr des Uebergangs akuter rheumatischer Anfälle zur chronischen Entartung vor. Auch beim Rheumatismus besteht das Wesensmerkmal in krankhakten Schlackenoblagerungen. die jedoch, im Gegensatz zur Gicht, körperfremden Ursprungs sind, nämlich Bakterien(Strepto- und Staphylokokken) und deren Stofswcchselprodutte. Von den eigentlichen Infektionskrankheiten unterscheidet sich der Rheumatis- mus dadurch, daß sich die Fremdstoffe nicht in den Infektionsherden selbst auswirken, sondern von dort— besonders von den Mandeln, dem Kehlkopf und DurtnsyfUm— m die mrfnahmeberciten Orgcm- teile, Gelenke, Muskeln und Nerven, verschleppt werden.(Gelenk-, Muskel- und Nerveurheumatismus.) Wie die Gicht, erfordert also auch der Rheumatismus neben der speziellen Ursache(Infektion in- folg« Erkvltung, Verletzung usw.) eine allgemeine, uud zwar eben- falls eine individuelle Disposition, die in der geschwächten Abwehr- sähigkeit einzelner Organteile besteht. Dieses Moment erklärt die oft anzutreffende Vergesellschaftung von Gicht und Rheumatismus: das Verhängnisvolle des letzteren liegt in der starken Vermehrungs- sähigkeit der Bakterien und deren Stoffwechselprodukte, woraus die geflüchteten Komplikationen wie Herzleiden und die früher nicht zu deutenden Erscheinungen des plötzlichen Uebergreisens rheumatischer Affektionen auf räumlich weit voneinander getrennte Organteile her- zuleiten sind. Da die moderne Medizin bei der Behandlung von Leiden, die aus der gehemmten natürlichen Abwehrbereitschaft der Zellen und Säfte entstehen, besonders erfolgreich geworden ist durch Anwendung der sogenannten„Reiztherapie', d. h. durch Anregung der Zell- funktionen entweder mittels allgemeiner physiologischer Reizung (unspezisische Reizkörper wie Eiweiß, Fette u. a.) oder durch be- sonders gerichtete Angriffswirkungen der Reizstoffe(spezifische Reiz- therapie mit Sera oder Vakzinen), hat man neuerdings diese nwdcrnen Verfahren auch zur Bekämpfung der Gicht und des Rheumatismus heranzuziehen versucht. Wie die„Wiener medizinische Wochenschrift" letzthin berichtete, ist es nunmehr dem Direktor der staatlichen österreichischen Jmpfanstalten, Prof. Dr. Paul, gelungen, ein Präparat,„Cutivaccin" genannt, herzustellen, das bei einfacher und schmerzloser Hautimpsung imstande ist, selbst schwere und rheu- matisch-komplizierte Gichterkrankungcn zu heilen. Die dem wissen- schaftlichen Bericht beigefügten statistischen Angaben sind derart auf- fallend(besonders günstig für Neuralgien und Ischias), daß die offizielle Medizin an dieser Erfindung nicht wird vorbeigehen dürfen, ohne genauere praktische Nachprüfungen veranstaltet zu haben. Wilhelm tzolzamer. Zur 20. Wiederkehr seines Sterbetages. Bon Richard Wenz, Köln. Als man rheinische Literatur noch mit grünweißen Grenz- pfählen umsteckte, da lag Wilhelm Holzamers nährende Scholle außerhalb der Gemarkung. Rheinhessen, Bergstraße und Odenwald waren Fremdland für die„Uferleute" und die„Kinder der Eifel". Heute, wo es Gassenweisheit geworden ist, daß die rheinisch« Welt am Bingcr Loch nicht aufhört, hat man den Frllhvollendeten ver- ; gessen. Rinne, Leben, rinne! Meine Seele schreit. Was ich auch beginne, ist dem Tod geweiht. Es sollte bittere Wahrheit werden, was der Dichter selber sich über Leben und Werk schrieb. Als 1907 dem Dreißiger der Tod die Hand auf die Schulter legte, trauerte man in zahlreichen Zeitungsartikeln und begrüßte bald darauf hell begeistert sein mehrbändiges Nachlaßwerk. Dann aber welkten nicht nur seine Totenkränz«, sondern auch sein Dichterlorbeer. Vielleicht war daran die Undankbarkeit seiner Heimat schuld, in deren spießbürgerlicher Enge Wilhelm Holzamer und seine Menschen ebensowenig Raum finden konnten wie der Baum in seinem Wurzelboden: sie ragten aus Schollenständigkeit in die Höhe und die Weite umfassenden Menschentums. So war er Heimat- dichter: die Wurzeln tiefgründig in der Erde seines Hessenlandes, das er wie die Mutter liebte, die Krone im All. Nicht von ungefähr hieß sein erstes Gedichtbuch„Zum Licht", nicht von ungefähr die Ansänge seiner Erzählkunst„Auf staubigen Straßen",„Im Dorf und draußen". Er fühlt« beides, Keimung und Streben: er wanderte die Straßen der Heimat und wußte doch, daß er einmal ihren Staub von den Füßen schütteln müsse: er sog das Dorfleben gierig in sich hinein und konnte an ihm doch nlcht die Scehnsucht nach dem„Draußen" stillen. So kam es, daß Entsagung ihn befiel. Sein Roman„Peter Nocklcr" ist eine Geschichte sich bescheidender Stille:„Der arme Lukas" erzählt„in der Dämmerung" von betrogener Liebe. Hier wie dort Abfcitsgeratene des Lebens, die sich ans Herz der Heimat betten. Auch mit dem Dichter selber war es so. Heber ein Jahrzehnt Lehrer an einer hessischen Realschule,„durstig, verlangend, unbefriedigt",„in Grün versteckt sein Häuschen, traumschön, sein Leben auf den Wegen des Friedens". Aber sein Dichten„mußte in der näheren Umgebung verstecktgehalten werden". Bis es ihn hinaus rief. Aeußerlich betrachtet, war es der kunstsinnige Großherzog, der ihm seine Kabinettsbibliothek und die Leitung der Darmstädter Spiele übertrug. Die.Kunstbriefe an den deutschen Michel" über„Die Siegesallee" und ein paar lyrische Szenen.„Spiele", geben Zeugnis aus dieser Zeit. Innerlich je- doch war es der Drang, die Inbrunst zur ganzen Welt. Wieder künden es die Titel seiner Romane.„Die Sturmfrau", ein Seelen- kämpf zwischen Liebe und Pflicht, dem das Meer seine Melodie unterlegt,„Der heilige Sebastian", ein Priesterroman, in dem der- selbe Grundgedanke'durch Erfüllung hindurch zur großen Sühne- tat geführt wird, ko als ob es der sittlichen Rechtfertigung eines Gefühls bedurft hätte. Und die Lebensparallele? Der»türm einer übermächtigen Leidenschaft hatte das Schifflein des Dichters ins Meer hinausgeworfen: Ruhm und Sicherheit hinter sich lassend, war er nach Paris gegangen, geflohen, blutigen Herzens dem Ee- bot der Notwendigkeit gehorchend, wovon dann sein leid- und liebe- volles Versbuch„Earnesie Colontta" erschütterndes Bekenntnis ab- legt. Er war sich klar darüber, daß er alle Brücken hinter sich abgebrochen hatte, und wenn er schon als Prophet in der Heimat nicht allzu hoch geachtet gewesen war, jetzt galt er als Abtrünniger. In den Romanen„Inge" und„Ellida Solstratten" klingt verhalten« Klage darüber. Den beiden Männern hängt es als Unsegen und Schwäche an, was sie hinter sich gelasien hoben: aber des Dichters Ja zu den beiden starken, trotzigen Frauen läßt nicht im Zweifel, daß er seinen harten Weg bewußt und reuelos ging. Die zwei Romane sind brausende Lebensakkorde, denen nicht umsonst das Wort des Angelus Stlesius als Leitspruch gegeben ist: Mensch, werde wesentlich! Man hat bei ihnen auch einen Bruch in der weltanschaulichen Entwicklungslinie des Dichters zu sehen gemeint, ein Irrtum, von dem schon ein Blick auf die Frauengestalten seiner ersten Romane überzeugen könnte. Wertbewußte Starke waren auch die: hart und streng gingen auch die ihren Schritt mit dem Manne oder gegen ihn. Man bedenke, es war die Zeit der weiblichen Emanzipation und ihrer schlimmen Auswüchse. Holzamer setzte der Mißgeburt des Mannweibes und des Blaustrumpfes die hochgemute Frau ent- gegen, in weitem Abstand sowohl von diesen als auch von der „schönen Seele", die ein später Spuk aus der Romantik war. Er hatte den Seherblick für das neue Geschlecht der Gegenwart, und es war sinnvoll, daß er es in solcher Naturjrische gerade im Weibe gestaltete. Uebrigens hätten die Romane der Holzamerschen Hinterlasien- schaft,„Der Entgleiste" und„Vor Jahr und Tag", beide Vorwürfe gegen ihn entkräften müssen, sowohl den, daß er seiner Heimat un- treu geworden sei, als auch den, daß«in Bruch durch seine Frauen- gestaltung ginge. Sie geben die glücklich» Berschmelzung jener Stoffgebiete: Heimaterde und Weltweite: ihre Frauen, die Mutter des Entgleisten und die wackere Dörth, die umsonst so herrlich ge- glüht hatte, stehen wieder fest im Wurzelgrund des Rheingauer Gottesländchens, von dem Holzamer sang: Glut und Blut— 0 edler Rausch vom Dein, darin meine heit're Heimat blüht, ihres Himmel- heller Sonnenschein, der aus ihren sanften Hügeln glüht! Tiefes Grün in unf'rer Wiesen Grund, an den Hängen hohe Rebenreih'n, Mädchen mit süßrotem Plaudernniud. Burschen, die bei Tanz und Geige frei'n. Bater Rhein, in dessen Wellengold trunken uns're stolze Jugend schaut, Sonntag, wo in uns're Täler hold sanfte Still« von den Höhen taut. Hab' ich alles nicht in Lust gelebt, beißen Herzens nicht schon früh gefühlt? Noch ein Glas, solang' der Traum noch schwebt, lang' genossen und noch unoerkühll! Mutter, weiht du, wenn ich wild getollt! Du verstandest stets das heiße Blut, wenn ich über Berge weit gewollt, der ererbten Unruh' schlimmes Gut. Noch ein Glas, und noch ein©las vom Wein, darin meine heit're Heimat blüht, Rebengold und Rhein und Sonnenschein und das Feuer, das im Blut uns glüht! Alles scheint verweht zu sein von diesem Dichter:„Pendel- schläae" nannte man das letzte Novellenbuch aus seinem Nachlaß, Pendelschläee der Zeit, die ihn unerbittlich ws Vergessen sinken ließ. Und'erst 1930 würde man dem Sechzigjährigen die üblichen Geburtstagsaufsätze geschrieben haben. Ob er dann vielleicht mit seinen Romanen in rheinischen Blättern auserstehen wird? Dos Strohkleid— die neueste Mode. In Pariser Modekressen beschäftigt man sich bereits lebhaft mit den Plänen für die Mode des nächsten Sommers. Die Inhaberin eines der ersten Mode- Häuser kündigt als Neuestes Kleider aus Stroh cm. Genau ge- sprachen: man wird aus Stroh einen Faden herstellen, der an Stelle von Seidensaden zusammen mit Musselin verwoben wird. Aus dem gleichen Gewebe in einer ganz dünnen, schleierartigen Form mit wechselnden Mustern sollen lange Handschuhe, bis zum Oberarm reichend, hergestellt werden. Schließlich wird prophezeit, daß ähnliche schleierartige Gewebe unter Verwendung von glänzendem Strohfaden in Form von Hosen als Ersatz zugleich des Rockes und der Strümpfe auf den Markt kommen werden. Muller Erde. Denkt man sich die Ozeane von der Planetenober- fläch« weggenommen und die Kruste ausgeglichen(egalisiert), so würde der neue Erdball etwa 2500 Meter unter dem gegenwärtigen Spiegel der Ozeane liegen. Gießt man aber die Ozeane über diese Erdfläche hin, so steigt das Wasser bis auf ungefähr 300 Meter Höhe über den heutigen Meeresspiegel an! Wenn also durch irgendwelche Umlagerungen ein Ausgleich zwischen Meerestiefen und Gebirgs- höhen stattfinden würde, z. B. durch gewaltig« Erdbeben, so würde alles Festlandleben zugrunde gehen und die einzig Ueberlebenden einer solchen Katastrophe wären— die Fische. Die Entwicklung des organischen Lebens auf der Erde würde einen neuen Anfangspunkt haben und Endziel wäre ein Wesen, das in Luft und Wasser zu leben vermag. Das pflanzliche Leben aber bliebe auf dem Algen- standpunkt stehen, da höhere Pflanzen im Salzwasser nicht fort- kommen. � liege ee Li I-vunderroIIer Qual«, m. lanf-Aermeln. Krag., Acrm«! u. Rock überrcidi m. riet- farb.PcrlcmtlckereijpiisslerteCrtpe- dc Georgette- Weste. Das fabelhaft elcg. Kleid kostet in allen moderaen Farben, auch In den größtem Weiten. aar Winfermanfel � wusmioiä aus prima relntrollencn» Chormelalae, w Schnitt und Ver- arbeltuag(bis rum Gflrtel durchgehender, stufenförmig mit Cr€pe de Georgette unterlegter Aus- a schnitt, an beiden Selten des Rodces breite 4M r. T. Qbersteppfe Fllsseeteile), besonders dHB M«M fflr starke u. stSskste Figuren geeignet In all. mocL Farben, auch in den tTi|l8l Vettn DBT JK. 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