Hr. 40$ ♦ 44.7tchrg. Ausgabe A Nr. 20$ Bezugspreis. WöKen»� 70 Pfenuiq. monatlich 8. Z!> smart oorou»»adlbar. Unter Streifband im In- und Ausland 5,50 Reichsmarl uro Monat. Der„Sotmärts* mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Boll und Zeit" sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wisten''.»Aus der Kilmwelt". „Frauenstimme",»Der stinde» ireund"..Iugend-BorwSrts".»Blick in die Blicherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochcntäglich zwei» lal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adrelle: Sozioldemotrat Berlin" Morgenausgabe ##> Devlinev Volksvlertt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: Sie«Insualtigr Ronvareille. »eile 80 Pfennig. Reklame, eile 5,— Reichsmark.»Kleine An, eigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig f,uISssta ,wei fettgedruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« dos crll« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Keile 80 Pfennig. Familienanzeigen fllr Abonnenten Keile 10 Pfennig. 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Ihr« Vorschläge sind ein Verlegenheitsprodutt ohne jeden Wert und die in der Debatte von mehreren Rednern daran geübt« Kritik ist nur allzu berechtigt. Am unzweideutigsten und rückhaltlosesten wurde diese Kritik von dem Wortführer der deutschen Delegation, dem Abgeordneten Sollmann formuliert. Er führte aus: Neun Jahre nach Kriegsende hat die Welt den Frieden noch immer nicht zu finden vermocht. All« auf eine allgemeine Beschränkung der Rüstungen abzielenden Bestrebun- gen haben bisher nur bescheidene theoretische Resultate zu erreichen vermocht. Es ist ihnen bisher nicht einmal gelungen, dem Wettrüsten der großen und kleinen Militärmächte Einhalt zu tun und die Welt starrt heute noch fast mehr in Waffen, als vor dem Kriege. Bei der Mehrzahl der Länder steigen die R ü st u n g s- ausgaben von Jahr zu Jahr und trotz dieser gewaltigen mtll- tärischen Anstrengungen, die man für die Bedürfnisse der nationalen Sicherheit zu rechtfertigen sucht, ist die Unsicherheit heute größer als je. Die Friedensverträge des Jahres 1919 haben vier«uropä- ischen Staateneine weitgehende Entwaffnung aus- gezwungen. Diese würden die ihnen auserlegten Verpflichtungen als eine wohltat empfinden. wenn die in den Verträgen feierlich gemachten und damals von Clemenceau in einer Note ausdrücklich bekräftigten Zusagen, daß ihre Entwaffnung die Einleitung zu einer allgemeinen Abrüstung bilden sollten, gehalten worden wären. Tatsächlich aber hat die Einlösung dieser Versprechen bisher noch nicht einen Schritt vorwärts gemacht. Die vom Völkerbund einberufene vorbereitende Abrüstungskonferenz hat, weit entfernt das Problem einer Lösung entgegenzuführen, nur Schwierigkeiten aufgezeigt. Die Interparlamentarische Union arbeitet seit Jahr- zehnten für die moralische Abrüstung in der Welt. Die deutsche Gruppe Hot sich daran einmütig beteiligt, um mit allen Mitteln das angestrebte Ziel zu fördern. Aber man wird sich darüber keiner Selbsttäuschung hingeben dürfen, daß die moralische Ab- rüstung unmöglich ist, solange einigen wenigen Völkern, denen die Entwaffnung mit Gewalt aufgezwungen ist, das Wettrüsten der anderen gegenübersteht. Das von der Kommission vorgeschlagene Projekt trägt diesen Erkenntnissen wenigstens zu einem Teil Rechnung. All« ihre Forde. rungen, so insbesondere noch Verminderung der Effektivstärke der Armeen, nach Herabsetzung der Rüstungsausgaben zu Wasser und zu Lande, dem von ihr vorgeschlagenen Verbot der Verwendung von Unlerseeboolen. Tanks, der Luft- waffe und des chemischen Krieges, stimmt die deutsche Delegation freudig und vorbehaltlos zu unter einer Bedingung, daß all« Nationen auf dem Fuße völliger Gleich- heit behandelt werden. Die modernen Kampfmittel drohen in einem künftigen Kriege alle Unterschiede zwischen der bewaffneten Macht und der wehrlosen Zivilbevölkerung zu verwischen, und wenn schon der Krieg ein Verbrechen ist. um wiaviel mehr ist es die Der- wendung von Waffen, die dazu bestimmt sind, dos gegnerische Volk in seiner Gesamtheit zu vernichten. Eine solche Kriegführung müßte in allen Beteiligten«inen Haß und eine Verbitterung zurücklassen, der die Befriedung der Welt noch schwieriger machen würde als sie es heute schon ist. Gerade der letzte Krieg hat gezeigt, daß die Wieder- Versöhnung da am schwersten ist, wo die Zivilbevölkerung am härte st en mitgenommen worden ist. In diesem Zu- sammenhange gestatten Sie mir, persönlich und im Namen meines Freundes, Reichstagspräsidenten Löbe, an die belgische Dele- g a t i o n, deren Land hart an meinen Wahlkreis Köln-Aachen grenzt, ein Wort zu richten. Ich verstehe voll und ganz die bitteren Gefühle, die das belgische Volk heute noch empfindet und danke es den belgischen Delegierten von ganzem Herzen, daß sie dennoch be- reit sind, am Wert der allgemeinen Annäherung teilzunehmen. Das belgische Volk verdient besondere Rücksicht, gerade In der Rückerinnerung an das, was das neutrale Belgien, das gegen seinen Willen in den Weltkrieg hineingezogen wurhe, erduldete. und gerade weil ich beurteilen kann, was seine Bevölkerung erleiden mußte, gerade deshalb verlange ich besonderen Schutz für die friedliche Bevölkerung in den nächsten Kriegen, wenn es unglücklicherweise nicht gelingen sollte, den Frieden immer zu bewahren. Die Diskussion über die Abrüstungsfrage ist am Montag nach einer kürzeren Rede des dänischen Delegierten Münch durch den Berichterstatter B i b i e r(Frankreich) eröffnet worden. Er gab der Versammlung von der Resolution Kenntnis, zu der die Spezial- kommission in dieser Frage gelangt sei. Das Entwaffmmgsproblem müsse aus drei Prinzipien aufgebaut werden: In den modernen Kriegen wird jede Macht ihre gesamte Kriegsmacht in den Kampf werfen. Man müsse deshalb in erster Linie die kriegerische Leistungssähigkeit jedes Staates festlegen. Da man aber von den Staaten nicht verlangen könne, auf ihre Friedensindustrie zu verzichten, so könne, praktisch gesprochen, nur die militärische Kapazität eines Staates für die Entwaffnung in Betracht kommen. In zwester Linie müsse man gewisse Speziaibedingungen jedes Staates in Rechnung ziehen, wie die Größe, die Sicherheit seiner Grenz- ousdehnung, seiner Kolonien und anderes mehr. Endlich sei es un- möglich,«inen Entwoffnungsplan auszuarbeiten, ohne die Not- wendigkeiten in Rechnung zu stellen, daß kein Staat eine Vorherrschaft chaben dürfe, das heißt: eine Macht, die fähig wäre, dem Völkerbund die Stirn zu bieten. Nach ihm sprach der ungarische Delegierte Berzeviczy, dessen Ausführungen in der Versammlung auf lebhaftestes Interesse stießen. Er erklärte, daß die entwaffneten Staaten in erster Linie das Recht hätten, von Sicherheit zu sprechen. Die Siegerstaaten hätten sie in einem Maße ent- waffnet, daß sie unfähig seien, sich gegen die geringsten Angriffe zu verteidigen. Man beschuldige sie nur immer, durch ihre Unzu- friedenheit Unruhe in Europa zu schaffen. Es sei aber schwer, von einem Volke, daß olles oerloren habe, zu verlangen, daß es zufrieden sei. Die Siegerstaaten hätten L o c a r n o mit Freuden begrüßt. Es schien, daß nun jeder Konflikt zwischen Deutschland und Frank- reich unmöglich sei. Aber was habe man gesehen? Frankreich habe ein M i l i t ä r g e s e tz angenommen, das sogar Frauen und Kinder mobilisiere, es liege hierin zwar der Beweis eines heißen Patriotismus, aber auch der Beweis für den Zustand der Unsicherheit Europas und des Mangels an Abrüstungswillen. Man habe immer ge- sagt, daß die Verträge unverletzlich seien. In diesem Sinne müßten sie ober die Siegerstaaten in erster Linie respektieren. Es sei un. zulässig, daß sie die Klauseln der Verträge respektieren, die ihnen günstig sind und diejenigen verleugnen, die sie stören. Außerdem sei noch keine Frage der Minoritäten vor den Völkerbund getragen worden. Die Bestimmungen der Friedensverträge werden vernachlässigt, die den Starken unangenehm sind, hingegen, wenn die Starken auf strenger Einhaltung der» jenigen verharren, die die Schwachen belasten, dann hieße das, der Gewalt vor dem Recht zum Triumph zu verhelfen. Die Frage der Entwaffnung sei deshalb in erster Linie eine politische Frage. In diesem Sinne nehme die ungarische Delegation die Entschlüsse der Kommission an. Im weiteren Verlauf der Debatte hat dann der belgische Senator D i g n e f f e dem Abgeordneten Sollmann geantwortet. Er dankte ihm für seine Ausführungen, die sehr günstigen Eindruck gemacht hätten. Zur Lösung des Abrüstungsproblems müsse aber in erster Linie jede Nation den festen Willen haben, die Opfer auf sich zu nehmen, die man von den anderen verlange. Die belgische Delegation habe mit besonderer Genugtuung von den Erklärungen des Delegierten Sollmann Kenntnis genommen. �Venn es in Deutschland viel« Männer gäbe, die so denken würden wie der Ab- geordnete Sollmann, sei die Aufgabe der Konferenz wesentlich er- leichtert. Leider hör« man aber andere Stimmen. Belgien dürfe daher beanspruchen, dem Abrüstungsproblem gegen- über gewisse Vorbehalte zu formulieren, weil, wenn morgen wieder ein Weltkrieg ausbreche, Belgien wiederum das Schlachtfeld werden würde. Die von der interparlamentarischen Konferenz eingesetzte Spezialkommission zur Prüfung des belgischen Vorschlags, einen feierlichen Protest gegen die Verletzung der belgischen Neutralität 1914 durch Deutschland zu erlassen, hat, wie wir erfahren, beschlossen, diesen Vorschlag nicht vor die Vollsitzung zu bringen. Der schwedische Delegierte Adlerswart ist beaustragt worden, einen neuen Text auszuarbeiten, der im vor- aus die Zustimmung aller Delegierten, auch der belgischen er- halten hat. Gin Protest gegen die Sabotage öer Abrüstung. Conbon, 29. August.(Eigenbericht.) Lord Robert Eecil teilt am Montagabend mit, daß er sich nicht in der Lage sähe, seinen Rücktritt weiter hinauszuschieben. Er lege sein Amt als Minister mit sofortigerWirksamkeit nieder und werde die britische Delegation nicht noch Genf be- gleiten. Die im Laufe des Nachmittags verbreiteten Gerüchte, Lord Eecil habe sich von Baldwin überreden lassen, feine Entscheidung bis zu dessen Rückkehr aus dem Urlaub hinauszuschieben, ist demnach falsch. Qualitätsarbeit. Zur Jahrestagung des Rcichsverbaudes der Deutschen Industrie. Der Reichsverband der Deutschen In- dustrie, die wirtschaftspolitische Spitzenorganisation des Unternehmertums, hält diesmal seine Iahrestagung am 2. und 3. September in Frankfurt am Main ab; der Tagungs- ort ist zugleich der Sitz des größten und kapitalkräftigsten Trustunternehmens Deutschlands, der I. G. Farben- i n d u st r i e, deren Aktienkursschwankungen einen beträcht- lichen Schwärm von Spekulanten des In- und Auslandes ernähren. Der Einfluß dieses privaten Riesenunter- nehmens ist so groß, daß ohne seine Zustimmung heute kaum noch ein Handelsvertrag mit dem Ausland zustandekommt. Diese äußeren Zusammenhänge Reichsverband— Frankfurt— I. G. Farbenindustrie sind symbolisch für die gesamte Stellung der Industrie im und zum Staate. Die Konzentration hat die Macht der Unternehmer in Staat und Gesellschaft gewaltig anwachsen lassen. Die günstige wirt- schaftliche Konjunktur der letzten drei Vierteljahre hat auch ihr Mallst b e w u ß t s e i n gestärkt. So wird auch die Arbeiterschaft diese Heerschau der Jndustrieführer beachten müssen. Die Parolen, die hier aus- gegeben werden, sind das Thema der Werbearbeit dieses Spitzenverbandes der Unternehmer fllr die nächsten zwei Jahre. Nicht dafür werden sie entscheidend sein, o b der Kampf der Klassen weitergeht— an ihm könnten selbst die lebhaftesten Freundschaftsbekundungen der Industrieherren für die Arbeiterschaft nichts ändern, solange die kapitalistische Wirtschaftsweise besteht. Aber in welchen Formen sich der Kampf bewegen wird, das wird wesentlich davon ab- hängen, mit welcher Ideologie die Unternehmer ihr materielles Profitinteresse überbauen, ob in ihr entsprechend der gewachsenen Macht auch der vergrößerte Pflichten- kreis gegenüber Staat und Volk seinen Platz findet und wie weit er würdig ausgefüllt wird. Die Verhandlungen des Jndustriellenverbandes grup- Pieren sich diesmal um die Fragen der Q u a l i t ä t s a r b e i t. Die wirtschaftlichen Probleme, die sich an die Qualitäts- Produktion knüpfen, haben das brennendste Interesse der Arbeiterschaft. Einmal erhebt sie als die weitaus über- wiegende Mehrzahl der deutschen Verbraucher den berechtig- ten Anspruch, beste Ware zu angemessenem Preis ge- liefert zu erhalten. Inder Schund, ob er der Nahrung, de? Kleidung, dem Wohnbedarf oder anderen Vedürfnisim dient, ist Verschwendung. Diese Lehre wird am meisten dort be- herzigt, wo die Arbeiter selbst über die Warenverteilung ver- fügen, in den Vebrauchergenossenschaften. Ein starker Kon- jum an Qualitätswaren ist nicht nur gleichbedeutend mit einem höheren sozialen Lebensstandard, sie ist auch die Voraussetzung für den Aufbau und die Exportfähigkeit einer ent- sprechenden Industrie, die sonst, um ihren Absatz zu erhalten, immer wieder zur Produktion minderwertiger, billiger Ware greifen und obendrein mit allen Mitteln ihre Vollwertigkeit vortäuschen muß. Doch hier stockt man schon. Vorbedingung für einen großen Verbrauch an Qualitätswaren ist es, daß die großen Arbeitermassen sie auch kaufen können, daß also die Löhne hoch, die Preise niedrig sind, und daß nicht ein wesentlicher Teil des Arbeitereinkommens wie heute durch Sonderabgaben für Agrarier, durch Verbrauchssteuern und Zölle wieder weggesteuert wird. Tatsache ist, daß die Industrie den bisherigen, unseren Forderungen wider- sprechenden Zustand nicht nur geduldet, sondern b e- g ü n st i g t, ja sogar selbst herbeigeführt und verteidigt hat. Die erbitterten Lohnkämpfe der neuesten Zeit beweisen es ebenso wie die Tatsache, daß die Steuer- und Zollpolitik des Rechtsblocks mit Wissen und Willen der Jndustrieführer ge- macht wurde. Unbestreitbar ist ferner, daß die Industrie in ihrer Preispolitik nicht jenes Maß innegehalten hat, das allein einen erweiterten Markt und einen erhöhten Kon- sum verbürgt. Von dem eigentlichen Zweck der Rationalisie- rung, dem Preisabbau, ist heute kaum noch die Rede. Im Gegenteil: die Statistik der Preise zeigt gerade in den letzten Monaten eine steigende Tendenz, und diese besonders bei solchen Gütern, die für den Konsum der großen Bolksmassen hauptsächlich in Betracht kommen. Versagt der Reichsoerband der Deutschen Industrie auf diesem Gebiete, gelingt es ihm nicht oder verzichtet er darauf, auf seine Mit- glieder im Sinne einer Steigerung des Reallohnes einzu- wirken, so wird alles Theoretisieren über die Qualitäts- Produktion wirkungslos verhallen. Ein wesentlicher Bestandteil jeder Preispolitik ist die Zollpolitik. Der Reichswirtschaftsminister Eurtius hat in Hamburg den Abbau der autonomen Zölle angekündigt und es ist zu hoffen, daß er seine Notwendigkeit auch vor den Industriellen verteidigen wird. Man kann gespannt sein, wie die Industriellen hierauf reagieren werden. Ist doch bekannt, daß in ihren Kreisen sich gegen die Zollabbaupläne bereits ein gewisser Wider st and regt. Wie man sieht, greifen die Fragen der Qualitätsproduk- tion auf die gesamte Wirtschafts- und Sozialpolitik über. Es gibt keine einzelne Wirtschaftsfrage mehr, die isoliert von der Politik behandelt werden könnte. Deshalb wird man an- nehmen müssen, daß auch dieses Thema für die Unternehmer ein Anlaß sein wird, in Frankfurt eine Art politisches Glaubensbekenntnis abzulegen. Nach dem, was man seit der letzten Tagung der Industriellen erlebt hat, ist es notwendig, folgendes festzustellen. Die Arbeiterschaft hat ein Interesse daran, daß der Kampf um das Recht auf den Arbeitsertrag, um die Gemeinwirtschaft und um die Demokratie im Staate mit sauberen Waffen geführt wird. Ob bei den Unter- nehmern das gleiche Interesse vorliegt, muß nach den Ergeb- nissen des abgelaufenen Jahres industrieller Wirtschafts- Politik nur allzusehr bezweifelt werden. Bor einem Jahr, in Dresden war es, wo das Unternehmertum dem demokratischen Finanzminister R e i n h o l d jubelnde Ovationen dar- brachte. Wenige Monate später wurde er von denselben Industriellen aus dem Amte gedrängt. Vor einem Jahr, in Dresden war es auch, wo Generaldirektor Silverberg seine bekannte Rede hielt, in der er die Arbeiterschaft zur Mitwirkung am Staat einlud. Bald darauf erklärte der Reichsverbandsvorsitzende D u i s b e r g diese Rede für eine leere Geste, und nicht viel später hatten wir glücklich den Rechtsblock, der die Arbeiterschaft von der Mitwirkung an der Politik des Reiches ausschloß. Gewiß, Verbandsleiter sind keine Regimentskommandeure. Sie können nicht ver» hindern, daß ihre Mitglieder Verbandsmeinungen umstoßen oder korrigieren. Aber soviel muß man auch an Ehrlich- k e i t von dem sachlichen Gegner erwarten, daß er nicht Ja sagt, wo er Nein meint. Sonst entsteht jene Vergiftung der Kampfesatmosphäre, in der keine Partei für die Folgen ihrer Schritte mehr die Verantwortung tragen kann. Die Arbeiterschaft fordert von dem Unternehmertum, das noch immer den Anspruch auf alleinige Führung in der Wirtschaft erhebt, Wahrheit und Klarheit, nicht um ihrer selbst willen— denn das Heer der organisierten Arbeiter ist stark genug, um auch politische Winkelzüge zu durchkreuzen—, aber im Interesse der Sachlichkeit, die allein eine ruhige Auseinandersetzung über die politischen und wirtschaftlichen Geschicke ermöglicht._ vor der Genfer Taguns. Keine hochgespannten Erwartungen. Herr Stresemann fährt heute abend nach Genf, um an der Sitzung des Völkerbundsrats und an der darauf folgenden Vollversammlung des Völkerbundes teilzunehmen. Der verantwortliche Leiter der deutschen Außenpolitik befindet sich dabei insofern in einer günstigen Situation, als niemand in Deutschland an die neue Tagung des Völkerbundes mit hochgespannten Erwartungen herantritt, Enttäuschungen also kaum eintreten können. Man nimmt den S t i l l st a n d, der in der Entwick- lung der außenpolitischen Verhältnisse eingetreten ist, nament- lich die Versteifung der deutsch-französischen Beziehungen, den Stillstand in der R ä u m u n g s f r a g e mit einer Art von dumpfem Fatalismus hin und wartet auf einen besseren Wind, den die nächsten Wahlen in Frankreich bringen sollen. Der Gedanke, daß auch vonDeutschland aus etwas geschehen könnte, um die geistige Entwicklung Frankreichs im Smne der wahren Verständigung, das heißt, der Räumung günstig zu beeinflussen, kann natürlich bei unserer gegenwärtigen Rechtsregierung keine Stätte finden. Man wünscht für Frankreich den Sieg der Linken und schwenkt dazu in Deutschland kräftig die schwarzweihrote Fahne. Die Rechtspresse spricht von einem Bankerott der Locarnopolitik, weil das besetzte Gebiet nicht geräumt ist. Wenn auch hier stets der Standpunkt vertreten worden ist, Mapa. Von Kurt Lenz. ' Paris, Ende August 1927. Seit langem ging kein Stück der Avantgarde so ununterbrochen über die Bühne des kleinen Theaters Studio des Champs-Elysees wie„Maya" von Simon Gantillon. Geht sie? Schleicht sie? Nein, Maya lebt nicht. Oder ist das ein Leben, Abend für Abend ein Maximum von Männern zu bedienen, um den müden Körper tags- über auszuruhen? Maya ist das Mädchen aus dem Bordell Nr. 7. �Du oder ein anderer/— diese vier Worte sind ihr Leitsatz fürs Leben. Der Gang einer französischen Hafenstadt ist ihr Milieu und ihre Nahrung. Hört man draußen im Hafen das Läuten der Einfahrt eines neuen Schiffes, so weiß Maya, daß sie nicht zu verhungern braucht. Das muß sie auch sonst nicht, denn ihr Körper ist begehrt. Von wem? Von jedem. Da kommen sie alle zu Ihr, die sich noch der überschweren Last eines Alltags außer Gleichgewicht fühlen, und suchen in der /Dirne" ihren letzten Trost. Ist sie beschäftigt, dann sendet sie mit einer i guten Empfehlung den Kunden weiter zu ihrer Freundin von Nummer 13 oder zu der Schwarzen von Nr. 13, die manchmal sich etwas ausborgen muß, well dort viele vor ihrer Hausnummer Kehrt machen. Ein Schiffsoffizier kommt zu Maya und plaudert zunächst mit ihr. Nach einigen Mimiten geht von selbst die Tür auf: ein arabischer Teppichhändler tritt ein:„Ach. Verzeihung, ich dachte. sie wären schon fertig, und sie hoben ja noch nicht angefangen." Und dann bietet er drei Teppiche an, wohl von ebenso dunkler Her. künft, wie der Araber selbst,«inen zu 200, einen zu 100 und einen zu 20 Franken. Der psfizier kaust den letzten für heruntergehandelte 10 Franken, und Sidi entfernt sich wieder. Doch kaum ist der Kunde weg. da geht auch schon wieder die Tür auf. Sidi ist wieder da: „Schiines Fräulein, ich kaufe Ihnen den Teppich für 5 Franken zurück, mehr ist er doch nicht wert. 5 Franken. Bedenken siel Und ich gebe ihnen noch drei Fronten dazu, macht 8, und dafür habe ich auch das schöne Fräulein." Und wieder zieht sie die Bettdecke auf, zur Bedienung von Sidi. Ein niedergebrochener Seemann aus Australien flüchtet sich zu Maya.„Kohlen, Staub, Tag und Nacht, nichts als Schwarzes. Früher war ich im Lazarett, da war es weiß. Lieber möchte ich wieder verwundet fein, als Schwarzes zu schlucken im düstern Raum der Schiffsmaschine. Ich bin ganz allein auf der Welt und kann nicht weiter. Ich kann keinen anderen Berus, als Tag und Nacht Kohlen schaufeln für Schiffsmaschinen. Mein Leben ist aus." Maya streicht ihm übers Haar, während er erzählt, und sucht ihn zu trösten. Da komint ihre Freundin von Nummer 15 hinzu und lacht über die Liebkosungi Die IS war einst in einem feinen Hanse angestellt. „Wenn ein Liebhaber ihnen noch nicht genug Geld nebenher gibt, nehmen sie doch zwei," hatte ihr der Bureauchef einst gesagt, und so kam sie auf IS. Der Australier schenkt Maya beim Weggehen einen Edelstein— dos letzte Kleinod, das er hatte. Nur eines Tages ist Maya ehrlich traurig. Ihr dreijähriges Kind ist tot. Ihr« Straßenkolleginnen sammeln für einen Kranz. Eine von ihnen kam gerade von einer Hinrichtung: Der Verurteilt« daß die Räumung die logische Konsequenz der Locarnopoltttk sein müsse, so ist doch der Wahrheit zuliebe festzustellen, daß formal in Locarno die Räumung nicht versprochen worden ist. Dort war nur von einer Verminderung der Besetzungs stärke die Rede, die ja nun auch wirklich erfolgen soll, nachdem sie von B r i a n d und Chamber- l a i n gegen den bornierten Widerstand der französischen Militärs durchgesetzt worden ist. Die bevorstehende Truppenverminderung im besetzten Gebiet dürfte der deutschen Regierung noch im Laufe des heutigen Tages offiziell zur Kenntnis gebracht werden. Daß aber die Fragen der Besetzung auf der Völkerbundstagung zur Sprache kommen werden, ist nicht anzunehmen. Man wird sich dort vielmehr zunächst im Rat nur mit Fragen zweiten Ranges, wie mit den Streitfragen zwischen Polen und Danzig wegen der Benutzung des Danziger Hafens durch die polnische Kriegsflotte und die Munitionslager auf der Westerplatte zu beschäftigen haben. In der Vollversamm- lung sind schon eher Debatten allgemeinpolitischer Art, wie über die Weltwirtschaftskonferenz und die Abrüstung zu er- warten. Deutschlands Stellung bei diesen Auseinander- setzungen wird an sich nicht ungünstig sein, sie würde aber noch viel günstiger sein, wenn wir eine Regierung hätten, die als aufrichtige Anhängerin der wirtschaftlichen und der militärischen Abrüstung angesehen würde. Daß die Tagung auf diesen wichtigen Gebieten große Entscheidungen bringen könnte, erwartet niemand. Abgesehen davon sind, was den Verlauf der Beratungen betrifft, Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Das ist kein Schaden. Der Völkerbund ist der Anfang eines Welt- Parlaments, in dem alle Gegensätze der nationalen Interessen und Auffasfungen zum Austrag gebracht werden sollen. Lebhafte und aufrichtige Auseinandersetzungen vor aller Oeffentlichkeit entsprechen feinem Wesen mehr als steife Veranstaltungen nach sorgfältiger Vorbereitung hinter den Kulissen. Die Rechtspresse tut so, als ob sie Locarno und dem Völkerbund den Tod wünsche, die Rechtsregierung tut freilich nichts, um ihn herbeizuführen. Noch weniger freilich tut sie dazu und kann sie dazu tun, um Locarno und den Völkerbund zu kräftigerem Leben zu erwecken — und doch liegen hier alle Erfolge der deutschen Außen- Politik in der letzten Vergangenheit und alle chre Hoffnungen für die nächste Zukunft._ ftuf öem weg zu neuen Kampfzöllen. Unnötige Erschwerung der dentsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen. Eine von dem polnischen Ministerium für Handel und Industrie herausgegebene Zeitschrift hat vor zwei Wochen den Entwurf einer polnischen Verordnung über Maximalzölle ver- öffentlicht, nach der sämtliche bestehenden Zölle um 100 Proz. erhöht und außerdem eine Reihe von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die bisher zollfrei waren, mit Zöllen belegt werden sollten. Diese Ver- ordnung sollte gegenüber solchen Staaten Anwendung finden, die kein« geregelten Handelsbeziehungen, d. h. keinen Handelsvertrag mit Polen besitzen und polnische Waren unterschiedlich behandeln. Keinen Handelsvertrag mit Polen haben bisher Deutschland, die Sowjetunion, Spanien, Leitland und Litauen abgeschlossen. Mit üwsnahme von Deutschland, das auch heute noch im polnischen Außenhandel mit Polen an erster Stelle steht, ist der Handel aller dieser Staaten mit Polen wimmäl. Der Schluß, daß mit dieser Verordnung Deutschland getroffen werden sollte, wurde durch die Bestimmung unterstützt, daß die Verordnung erst in vier Monaten in Kraft treten sollte. Sie bedeutete also Deutschland gegenüber die Warnung, daß die polnischen Kampszölle erheblich erhöht werden würden, wenn es nicht innerhalb von vier Monaten zum Abschluß eines Handelsvertrages mit Polen kommen würde. Die Reichsregierung hat durch den deutschen Geschäftsträger in Warschau— der Gesandte Rmischer kehrt erst in einigen Tagen vom Urlaub zurück— daraus hinweisen lassen, daß der Erlaß dieser hatte als seinen letzten Wunsch geäußert, noch ein letztes Mal um eine Frau verlängert werden zu dürfen, bevor er um einen Kopf verkürzt werde. Da hatte das Gericht zur Bordellstraße schicken lassen.— Maya kann nickst zur Beerdigung ihres Kindes gehen. Einen schwarzen Hut leiht ihr zur Not eine Kollegin, aber sonst hat sie kein Kleid, keinen Strumpf, keinen Schuh, der auf etivas anderes zugeschnitten wäre als auf ihre einzige Straße, die ewig« Straße ihres versengten Lebens. Von wem war das Kind? Sie weiß es nicht! Wie hieß es?„Ach Gott, es ist wahr, ich nannte es ja immer nur„die Kleine". Es hatte gar keinen Namen. Ich habe es nirgends angemeldet." Und schließlich zerreißt sie mich den einzigen Brief, den man über ihr Kind geschrieben hatte. Fifi, die fünfzehnjährige Freundin aus der anderen Straße, wo noch nicht die gleichen Sitten herrschen, bekommt das Geld geschenkt, das die Kalle- ginnen für den Kranz gesammelt haben. „Cz conti nu e, ca continue.. Dies Leben geht weiter, sagt die 7 zur 17 im Nochwort, das auch em Vorwort für das Stück sein könnte.— „Nimm 400 Hammel, spiele ihnen ein patriotisches Lied vor, etwa die Marseillaise, und alle 400 werden zu marschieren beginnen," heißt es an einer Stelle im Stück. Di« Hammel in der Welt sterben nicht aus. Und das geht so weiter, das muß so weiter gehen, bis endlich einmal andere Menschen radikal die längst notwendig ge- wordene Neugestaltung oornshmen. Stoafsantiafe«ruf der Großen Berliner«nnstausflellung. Di« preußische Staats regierung Hot durch dos Ministenum für Wissen- schaft, Kunst und Volksbildung in der Großen Berliner Kunstaus- stellung folgend« Kunstwerke angekauft: von Freyland ein Bild „Erde", von Maria Slaoona das Bild„Montmartre", ferner Plastiken von Schreiner-Düsseldorf und Sauer-Berlin, sowie Bilder folgender Künsten Röhricht. Ernst Fritsch, Otto Heinrich, Peter Förster, Charlotte Behrend, Klossowski, Wilhelm Kohlhoff, Bernhard Klein, Franz Domschett und Johanna v. Schulenburg. Eine italienische Eoeresl-Erpedikiov. Seit dem letzten Versuch der Engländer, den Gipfel des höchsten Berges zu erklimmen, der bekanntlich scheiterte, haben italienische Bergsteiger den Plan er- wogen, ihrerseits dies« Tat zu vollenden. Die Erwägungen sind nun zum Abschluß gekommen, wie der Präsident des Mailänder Alpen- klubs, Signor Belloni, auf der letzten Versammlung bekannt gab. Die italienisch- Everest-Expeditian wird von der Stadt Mailand mit den nötigen Mitteln ausgestattet: auch die Regierung hat ihre Unter- stützung zugesagt. Freilich sind noch manche Probleme zu lösen, bevor die Abreise erfolgen kann. So muß man die Zustimmung der britischen Regierung und der von Neapel erlangen, denn die Italiener planen den Aufstieg van der im Reiche Nepal gelegenen Seite aus, während die Engländer von Tibet aus ausgestiegen sind. Da die Beherrscher von Nepal bisher sich geweigert haben, Weißen den Durchmarsch durch das Land zu gestatten, so liegt hier ein schweres Hinderm's vor, und die italienische Expedition beabsichtigt, wenn das Verbot oufrechtgehaltcn wird, statt des Everest den B e r g K. 2 zu besteigen, der der zweithöchste Gipfel ist und eben- falls noch nie bezwungen wurde. Die Italiener glauben, daß der Versuch, diesen Gipfel zu bezwingen, noch schwieriger ist als die Er- oberung des Everest. Verordnung eine empfindliche Belastung der Hcmdelsvertvagsver- Handlungen bedeuten würde. Ihre Warnungen sind jedoch wirkungs- los geblieben. Die Verordnung ist tatsächlich am 26. August offiziell veröffentlicht worden, tritt also am 26. Dezember in Kraft. Damit ist zu den Schwierigkeiten der deutsch-polnischen Wirt- schaftsoerhandlungen eine weitere hinzugefügt worden. Wenn Polen diese Zollerhöhungen erst nach Ablauf von vier Monaten für nötig hält, scheint es ein unnötiges und unkluges Verfahren zu sein, sie gewissermaßen als Drohung schon jetzt bekannt zu geben. Nach dem günstigen Verlauf der Besprechungen über die Niederlassungs- frage in Warschau rechnet man auch aus deutscher Seite mit der Wiederaufnahme der Gesamtvechandlungen über den Handelsvertrag im Herbst, und deren Verlauf hätte man in Polen abwarten können. ohne sich damit die Möglichkeit einer Zollerhöhung für Ende Dezem- ber zu verbauen. Durch die Verordnung aber werden auf beiden Seiten diejenigen Einflüsse gestärkt, die aus engherzigen Wirtschafts- interessen oder aus politischem Chauvinismus«ine deutsch-polnifche Verständigung gern hintertreiben möchten. Reichswehr gegen„Kinöerfreimü'". Die Berufungsinstanz belästt es bei der Strafe. Dresden, 29. August.(Eigenbericht.) Am 15. Dezember 1926 verössenttichte die.Meißener Volkszeitung" in ihrer Beilage /Der Kinderfreund" «inen mit der Abbildung zweier soldatenspielender Kinder versehenen kurzen Aussatz, der erzieherisch in sozialistisch-pazifistischem Sinne zu wirken hatte, für den Friedensgedanken Propaganda machte und folgenden Satz aufwies:„Soldat fein aber heißt, Berufs- Mörder der Mitmenschen werden." Obgleich unser Schrift- tum solche ähnliche Worte in Fülle bietet, ohne daß sie je beanstandet worden wären, stellte doch der ReichsweHrminister Gehler Stras- antrag wegen Beleidigung der Reichswehr. Am 10. Juni d. I. kam die Sache vor dem Meißener S«höffengericht zur Verhandlung. Angeklagt war der verantwortliche Schriftleiter und Verfasser des Aussotzes, Genosse Adolf Domnick, der übrigens Kriegsbeschädigter ist und ein Bein eingebüßt hat. Er mochte gellend, daß von einer Beleidigungsabsicht nicht die Rede sein könnte, daß lediglich erzieherische Momente bei der Verösfenllichung in Frage gekommen seien und der Aussatz rein weltanschaulichen Charakter trag«. Das Schöffengericht sah jedoch eine Beleidigung der Reichswehr als vorliegend an und erkannte gegen den Ange- klagten auf 300 Mark Geld st rase. Das unhaltbare Urteil wurde durch Domnick angefochten, und am 29. August hatte sich das Landgericht Dresden als B e-' rufungsin stanz mtt der gleichen Angelegenhell zu befassen. Der Angeklagte stellt« die Schuld abermals emschieden in Abrede. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Günther, wies auch die An- nähme zurück, daß etwa der Z 131 des Strafgesetzbuches in Anwendung zu kommen hätte, der denjenigen mit Strafe bedroht, der entstellte Tatsachen behauptet und verbreitet, um Staatseinrichtungen verächtlich zu macheu. Der Tatbestand dieses Paragraphen könne schon deshalb nicht erfüllt fein, weil er«inen konkreten Vorgong voraussetze. Das Gericht hat jedoch einen anderen Standpunkt zu ver- treten für richtig gehalten. Es änderte das Prozeßurteit lediglich dahin ab, daß die Bestrafung nicht wegen Beleidigung, sondern wegen Vergehens gegen den% 131 erfolgte und beließ es beim Strafmaß. Die Publikationsbcfugni» fällt fort. Das neue Urteil erscheint nicht minder als das der ersten Instanz unverständlich und wird aufs neue angefochten werden. 23 neue deutsche Schulen te Ofioberschlefiea werden im kommenden Schuljahr eingerichtet. Wojkows Nachfolger in Warschau. Wie in Warschan in be- stimmte? Form bekannt wird, soll zum N a ch j o l g e r des ermor- deten sowjetrussischen Gesandten W o j k o w der frühere Vertreter des sowjetrussischen Handelsbevollmächtigten in London, der höhere Beamte im Außenkommisjariat Dymir Bogomolow aus- ersehen sein. Das Einverständnis d«r polnischen Regierung jur diese Besetzung scheint festzustehen. Eine Ausstellung von Kunstwerken Strafgefangener. Di« ameri- konische Gesellschaft Corona Mundi hat in New Pork eine Ausstellung über das Thema„Kunst und Gefängnis" abgehalten, die großen Erfolg hatte. Die Ausstellung zeigte zunächst, wie in einer Reihe großer amerikanischer Strafgesängmss« das Interesse der Gefangenen auf das Wirken der bildenden Kunst gelenkt wurde, und zwar durch eine psychologisch geleitete Auswahl guter Bilder, die in verschiedenen Gruppen abwechselnd in den Gesängnissen vorgeführt wurden. An- schließend hat man dann die eigene Produktivität der Sträflinge, die dazu neigten, gefördert, und eine zweite Abteilung zeigte die Ergeb- nisse dieser Arbeit auf dem Gebiete der Graphik,"Malerei und Modellierkunst. Neue Opera. Don Kurt Werll, der mit seinem Singspiel „Mahagonny" beim Musikfest in Bnden-Baden einen stürmischen Er- folg hatte, liegt ein neuer Operneinakter, Text von Georg Kaiser, vor: „Der Zar läßt sich.. Eugen d'Albert hat eine neue große Oper „Die schwarze Orchidee", vollendet. E. R. v. Reznicek wird mit einer neuen Oper„Satuala", der ein moderner indianischer Stoff von Rolf Lauckner zugrunde liegt, am Leipziger Reuen Theater erstmalig aus- geführt. Von Max Vrvd wird die Oper„Svanda, der Dudelsack- pfeifer" des jungen tschechischen Komponisten Iaromir Weinberger für die deutsche Bühne bearbeitet. Ein kostbarer Kloß. Als Caruso zum letztenmal in der Mai- ländcr„Skala" auftrat und dort das Publikum als Rhadames durch das Wunder seiner.Stimme hinriß, befand sich auch ein anderer Tenor im Theater, der die Triumph« des Kollegen nicht gerade mit freundlichen Empfindungen aufnahm. Als nachher eine Gesellschast von Musikern beisammen war. suchte er die Stimme Carusos herabzusetzen und ließ sich schließlich zu der Aeußerung hinreißen:„Der Kerl hat ja«inen Kloß im Halse!" Da wandt« sich der ebenfalls anwesende Mascagni zu ihm und sagte:„Für diesen Kloß, mein Lieber, würde ich gut und gern pro Abend Ihnen 2000 Lire zahlen!" Preisausschreiben für eine Fliegerhymne. Die Rew-Porker Hymn Society hat ein Preisausschreiben über 1000 Dollar für ein« Hymne erlassen, die den Ruhm der Noniere des Flugwesens ver- kündet. Der Betrag ist der Gesellschaft zu diesem Zweck von einem unbekannten Spender überwiesen worden. Zum Preisgericht gs- hören bekannte Rew-Yorker Geistliche, wie der Herausgeber der führenden Zeitschrift der amerikanischen Methodsstenkirche. Die Manuskripte für Text und Komposition sollen bis zum 12. Oktober abgeliefert sein. � Was ist ein kynodrom? Das Kynodrom ist die neuest« Wort- schopfung auf dem Gebiet des Sportjargons und hat mit dem Kino nichts zu tun. Das Wort ist vielmehr nach dem Muster des altbe- kannten Hippodrom gebildet, das auch schon für, das Aerodrom Pate gestanden hat, und bedeutet eine Anlage zur Veranstaltung von Hunderenneni Der Vorschlag entstammt der französischen Bericht- «rstattung über die Windhundrennen in Manchester und wird sich voraussichtlich bald einbürgern. Paul Claudel arbeitet an einem Bühnenwerk über Tbristovb ColumbuS. Es verlautet, daß Max Reinhardt sich die deutsche llraussührung ae- sichert hat. �nüreas Scheu Zürich. 29. Zlugust.(Eigenbericht.) Montag früh starb hier der Nestor der Sozialistischen Arbeiter- internationale, Andreas Scheu, im Alter von 85 Zahren an den Folgen eines Sturzes von der Treppe nach dreitägiger De» nmjztlosigkeit. Andreas Scheu war am 27. Januar 1843 in Oesterreich geboren. Er hat an der Gründung der österreichischen Sozialdemokratie starken Anteil gehabt und in früheren Jahr- zehnten auch die Entwicklung der sozialistischen Bewegung in England üfid Deutschland lebhaft mitbeeinslußt. Seit langen Jahren lebte er, von der Politik zurückgezogen, in der Schweiz. Im Oesterreich der sechziger Jahre waren es drei Brüder Scheu, die sich der jungen sozialistischen Arbeiterbewegung zuwandten. Rudolf Scheu war ein begabter Graphiker, es existieren von ihm ausgezeichnete Bilder von Marx und Engels. Joseph Scheu war Musiker, seinem Wirken ver- dankt das Arbeitersängerwesen unendlich viel. Andreas Scheu war von Beruf Modelleur. Durch den Lasialleaner Oberwinder wurde er für den Sozialismus gewonnen. Aber die Lassalleaner unter v. Schweitzers Führung erklärten sich nach 1866 mit der Schaffung des Norddeutschen Bundes zufrieden und nahmen den Aus- schluß Oesterreichs aus dem Reich als eine unab- änderliche Tatsache hin. Darum wandten sich die Brüder Scheu von den Lassalleanern ab und nahmen mit Lieb- knecht Fühlung. Dieser kam im Sommer 1869 nach Wien, um in einer Volksversammlung folgendes zu erklären: Die jetzige Ausschließung Oesterreichs aus Deutschland ist nur eine provisorische. Oester- reich muß wieder zu Deutschland zurückkehren, aber nicht zu dem Deutschland Bismarcks, sondern zu einem freien, auf demokratischer Grundlage geeinig- ten. Die Einheit kann nur im freien Deutschland erstehen, ein geeinigtes freies Deutschland heißt der Sturz Bismarcks und seiner Politik. Mit den österreichischen Arbeitern stehen wir nicht in internationalem, sondern gewissermaßen im nationalen Verhältnis. So nahmen denn auch an dem Eifenacher Kon- greß im August desselben Jahres vier Oesterreicher teil, nicht als ausländische Gäste, sondern als vollberechtigte Dele- gierte. Einer von ihnen war Andreas Scheu, der vom Kongreß zu seinem Schriftführer gewählt wurde. Äm 9. Dezember 1869 veranstalteten die Wiener Arbeiter eine 20 006 Mann starke Demonstration für das K o a l i t i o n s r e cht vor dem österreichischen Parlament. Es wurde eine Deputation zum Ministerpräsidenten gesandt. Alle Mitglieder der Deputation, darunter Andreas Scheu, wurden noch in derselben Nacht verhaftet, des H o ch o e r- r a t s angeklagt und zu schweren Kerkerstrafen verurteilt. Neben Scheu befand sich unter den Verurteilten auch Johann Most. Scheu wurde zu sechs Jahren schweren Kerker verurteilt. Die andere Folge dieser Demonstration war, daß den österreichischen Arbeitern dasKoalitionsrecht gegeben wurde. Franz Joseph hatte große Angst vor der Revolution. Schon im nächsten Jahre begnadigte das Ministerium Hohenwart, in dem auch Profesiör Schäffle saß, alle Verurteilten. Es hoffte, die Arbeiterschaft gegen die Liberalen zu gewinnen. Scheu ging nach der Begnadigung nach England, wo er sich als Kaufmann eine Existenz schuf. Er verkehrte mit den Männern der Internationale, mit Marx und Engels, und wurde 1884 Mitbegründer der Koe.ml Demoeratie Federation. An seinem Lebensabend ließ er sich in der Schweiz nieder. Er blieb Mitarbeiter der„Reuen Zeit", mit deren Herausgeber, Genossen Karl K a u t s k y, er eng be- freundet war. Er hat Lebenserinnerungen veröffentlicht, die für die Geschichte der Sozialdemokratle von großem Interesse sind. Ein Bändchen Gedichte von ihm ist im Dietz-Verlag erschienen. Wahlprüfung in Thüringen. Die Völkischen im Landtag nicht mehr vertrete«. Weimar. 29. August.(Eigenbericht.) Bei der Wahl zum Thüringer Landtag am 39. Januar 1927 hatte die Liste der deutschvölkischen Freiheit?- bewegung im ganzen Lande nur 9115 Stimmen erhallen. Da jedoch erst auf 14 344 Stimmen ein Mandat entfiel oder, sofern eine Liste schon ein Mandat erhalten hatte, auf einen Rest von mehr als 9562 Stimmen ein Landtagssttz kam, so hatten die Völkischen auf direktem Wege kein Mandat erzielt. Run waren sie aber Listen- Verbindung mit dem Ordnungsblock, der Wirtschaftspartei und den Nationalsozialisten eingegangen und der Landeswahlaus- s ch u ß hatte in falscher Auslegung des Wohlgesetzes den Völkischen ein Mandat aus der Listenoerdindung zugeschrieben, obwohl sie die Mindeftzahl für einen Landtagssitz aus eigener Kraft nicht erreicht hatten. Das Wahlprüfungsgericht, das aus drei Ober- verwaltungsgerichtsräten und vier Abgeordneten besteht, hat nun den Völkischen das Mandat entzogen. Damit ist der Thüringer Landtag wieder von Völkischen völlig frei. �ßür internationale Wirtsthastskonferenzen. Amerika erklärt seine grundsätzliche Teilnahme. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben bisher nicht nur gegenüber dem Völkerbund, sondern auch gegenüber anderen internationalen Veranstaltungen und Bindungen eine ihrer Tradition entsprechende Zurückhaltung gezeigt. Darin soll es jetzt scheinbar anders werden. Auf der in Genf stattfindenden Internationalen Verkehrs- und Transitkonferenz hat der amerikanische Delegierte die Erklärung abgegeben, daß die Vereinigten Staaten künftig an allen internationalen W i r t s ch a f t s k o n f e r e n z e n teilnehmen werden, die vom Völkerbund oder auch von anderen internationalen Organisationen einberufen würden. Die Vereinigten Staaten hätten sich dazu entschlossen wegen des großen Wertes, den sie den internationalen Konferenzen bei- messen und den sie insbesondere in dem AustauschderErsah- rungen der einzelnen Länder erblicken. Diese Erklärung ist»on erheblicher Bedeutung. Inter- nationale Konferenzen machen zwar keine Gesetz«, auch der Völker- bund ttit das nicht. Aber jede internationale Konferenz, besonders in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten, ist als wichtiger Faktor für die internationale Meinungs- und Wil- lensbildung zu werten. Die grundsätzliche Bereitschaft der Vereinigten Staaten, au solche» Konferenzen regelmäßig teilzuneh- Die Weltflieger in München. Heute Weiterfahrt nach Koustantiuopel. München. 29. August.(WTA.) Die Flieger William Brock und Edward Schlee sind mit dem Eindecker.Stolz von Detroit" Dunk« 4 Ahr. nachdem sie mehrere Schleisen gezogen hatten, auf dem Münchener Flugplatz Lberwiesenscld eingetrossen Es handelt sich um eine Zwecklandung zur Aufnahme von Bsnzin. Der Weiterflug von München wird Dienstag jrüh 1�7 Uhr ecsolgen. Es ist beabsichtigt, ohne Zwischenlandung über Wien»ich Budapest Richtung konstantinopcl zu fliegen. Kevine plötzlich nach England geflogen. London. 29. August.(MTB.) Der Flieger L e v i n e hat den Flugplatz Le Bourget(Paris) mit seinem Flugzeug„Miß Columbia" plötzlich verlassen und ist heute nachmittag in Croydon(London) gelandet. London, 29. August.(EP.) Die Landung Levines hätte beinahe mit einer Tragödie ge- endet. Zunächst entging Levine mit knapper Not einem Aus- prall aus dem Boden. Als er sich wieder erhob, gelang es ihm noch knapp über die Flugzeugschuppen hinwegzukommen, deren Dächer von den Rüdern des Landungsgestells gestreist wurden. Nach einer weiteren Runde um den Flugplatz versuchte er zum zweiten Male niederzugehen, jedoch wiederum ergebnislos. Darauf ließ der Kommandant des Flugplatzes«in anderes Flugzeug aus- steigen, um der„Miß Columbia" einen geeigneten Landungsplatz zu zeigen. Endlich um 16.19 Uhr gelang dann die Landung der „Miß Columbia" verhältnismäßig glatt. 2lls die englischen Flieger Levine über die Gründe seiner plötzlichen Flucht aus Paris be- fragten, erklärte er, er könne nicht mehr sagen, als daß er sich zu- nächst rasieren lassen wolle und daß er«in für allemal mit den französischen Fliegern und den französischen Flugplätzen fertig sei. Paris. 29. August.(MTB.) Der bereits gemeldete plötzliche Start Levines mit der Colum- bia nach Croydon hat sich in Formen abgefpiell, die die gesamte Fliegerwelt in Paris aus das höchste erregt haben. Um 11 Uhr vormittags erschien Levine und begab sich sofort in die Halle, in der das Flugzeug„Miß Columbia" untergebracht war. Doch hatten die Mechaniker den Magneten des Motors versteckt, um eine Einzelabfahrt Levines oder Drouhins zu verhindern. Zum großen Erstaunen der anwesenden Monteur« ging jedoch Levine geradeswegs auf das Versteck zu, hotte den Magneten hervor, ließ ihn aufmontieren und den Apparat dann aus der Halle bringen, wo er, wie er erklärte, den Propeller lausen lassen wollte. Levine trug weiße Fliegerkleidung. Er ließ den Mo.or anlaufen, dann die vor den Rädern zum Verhindern des Absliegens gelegten Bremsklötze wegnehmen, um, wie er erklärte, einige Meter auf dem Boden zurückzulegen. Levine fuhr auf dem Boden bis an den angrenzenden Militärflugplatz heran, schien dort auf den Start eines vor ihm stehenden Verkehrsflugzeuges zu warten, machte darauf wieder kehrt und stellte seinen Apparat in nördlicher Richtung berell. Darauf fuhr er an, startete und kam in einer Höhe von 599 Metern außer Sicht. Als man auf dem Flugplatz erkannte, daß Levine davonslug, stieg ein Flugzeug zu seiner Verfolgung auf. konnte ihn aber nicht einholen und mußte unverrichteter Dinge umkehren. In Fliegerkreisen behauptet man, daß Levine kein Fliegerpatent besitze. Der Erregteste von allen ist Drouhin. Mißglückter Transozeanflug. London(Ontario), 29. August.(MTV.) Die Flieger T u l l y und M e d c a l f haben um 6 Uhr örtlicher Zell mit dem Stinson-Eindecker„Sir John Carling" den Flug nach England angetreten. Das Flugzeug mußte jedoch um 1214 Uhr mittags wegen eines südlich von Oakville herrschenden Sturmes nach London(Ontario) zurückkehren. Kein Ztiegerwetter über öem �t!onti?. Hamburg, 29. August.(MTB.) Die Wetterlage auf dem Ozean hat sich, wie das See- flugreferat der Deutschen Seewarte in Hamburg heute vor- mittag mitteill,' wieder verschlechtert. Aus dem Raum zwischen Grönland und Labrador ist ein neuer Ausläufer eines Tiefs südostwärts vorgestoßen, der heute vormittag auf etwa 39 Grad Westlänge liegt. Unter seinem Einfluß sind die Winde neuerdings stark aufgefrischt. In ziemlich großem Umfange jällt Regen. Auch das über dem westlichen Atlantik liegende Hochdruck- gebiet ist wieder abgeflacht und zeigt Verfallserscheinungen. Für einen Flug von Europa nach Amerika sind somit die Wetterverhält- nisse wieder recht ungünstig geworden. Luflverkehr Sevilla— Suenos Mres. Paris, 29. Augnst.(WTB.) Wie die„Information" aus Barcelona berichtet, wird die Luft- Verkehrslinie Sevilla— Buenos Aires am 12. Oktober, dem Gedenktag der Entdeckung Amerikas, eingeweiht werden. men, ist angesichts der noch immer steigenden Bedeutung der Ver- einigten Staaten als Wirtschafts- und Finanzmacht deshalb besonders zu begrüßen. Deutsche Republikaner im Ausland. Zusammenschluß auch in Lettland. Die„prominenten" Reichsdeutschen in Lettland kannten bis vor kurzem kein sehnlicheres Ziel, als ihren monarchistisch-völkischen Gesinnungsgenossen im Ausland nicht nachzustehen. Im Boykott des Gesandten der deutschen Republik in Lettland, in der Sabotlcrung der Verfassungsfeier sah der Vor st and des Ver- eins der Angehörigen des Deutschen Reiches seine vornehmste Aufgabe. Reichsdeutsche Republikaner waren die best- gehaßten Leute. Natürlich trug diese Haluing der über 3999 Reichs- deutschen in Riga nicht zur Erhöhung ihres Ansehens In Lettland bei. In der Gesinnung der baltischen Deutschen fand aber die Feindlichkeit dieser Reichsdeutschen gegen die deutsche Republik Nahrung. Am 13. November vorigen Jahres erschien in der„Rigaschen Rundschau" ein Aufruf einiger beherzter reichsdeutscher Repu- blikaner zur Gründung einer Bereinigung reichs- deutscher Republikaner. Am 7. Dezember wurde sie kon- stituiert.§ 1 der Satzung besagt, daß die Bereinigung zur Pslegc von Bildung und Geselligkeit ins Leben gerufen wurde. Doch selbst diese mehr als unschuldigen Aufgaben, die sich die Republikanisch« Bereinigung gestellt hatte, riefen bei den nationaleren Blättern in Deutschland eine wüste Hetze gegen die Neugründung hervor. Allen voran bemühte sich die„Deutsche Zeltung", zu beweisen, daß es sich hier um sozialdemokratische Mache handle. Die Republt- konische Vereinigung betonte darauf in der„Rigaschen Rundschau" ihren neutralen Charakter und bezeichnet« als ihre alleinige Ausgabe, alle Republikaner Rigas zusammenzufassen. Seitdem hatte die Vereinigung mehr als einmal Gelegenheit, nach außen hin hervorzutreten, und die republikanischen Farben Schwarzrotgold zur Geltung zu bringen. So legte sie«inen Kranz bei der Beerdigung des Präsidenten der lettischen Republik T s ch a k st e nieder und war auch durch ihren Vorstand bei der feierlichen Eröffnung des lettischen Arbeitersport-Bundessestss, das vor wenigen Wochen in Riga stattfand, vertreten. Wöhrend der „Verein der Angehörigen des Deutschen Reiches" und die deutschen Batten von der Anwesenheit der deutschen Turner wie auch des Reichsbanners Schwarzrotgold überhaupt keine Notiz nahmen. waren es allein die Vertreter der Republikanischen Vereinigung, die gemeinsam mit dem deutschen Gesandten den Güsten einen ge- bührenden Empfang bereiteten. Die Vereinigung reichsdeutscher Republikaner steht erst am Anfang ihrer Entwicklung: sie beabsichtigt durch zielbewußte Tätig- keit trotz ihrer geringen materiellen Mittel sowohl unter den Reichs- deutschen Lettlands als auch unter der lettischen Bevölkerung für den Gedanken der Deutschen Republik eine intensive Propaganda- tätigkcit zu eill wickeln. In der Anlehnung an den Republikanischen Reichsbund hosst sie e«e Rückendeckung zu finden. Konservative gegen Deutschnationale. Anmksurk(Main). 29. August.(Eigenbericht.) In der deutschnationalen Volkspartei in Frankfurt wächst die Opposition gegen den Regimingsstügel der Deutsch. nationalen. Der Vorstand der Konservativen Ver- e i n i g u n g zu Frankfurt verösfentlichl solgende Kundgebung: „Das Nachlassen der nationalen Propaganda und Betätigung hat uns bewogen, nunmehr öffentlich hervor- zutreten. Der gute Besuch der ersten hier abgehaltenen Versamm- lung und die begeisterte Zustimmung aus allen Kreisen echt deutsch denkender Menschen hat bewiesen, wie nötig ein engerer Zu- sammenschluß derer ist, die eine schärfere und klarere Be- kämpfung unserer politischen Gegner verlangen. Wir rufen deshalb alle Gesinnungsfreulckie in Hessen-Rassau und im Freistaat Hessen auf, sich zur stärkeren Geltendmachung unserer entschie- denen Richtung uns anzuschließen." Die presse-�nternationale gegen üie Zensur. Genf, 29. August.(Eigenbericht.) Die internationale„Konserenz der Presse-Sachvcr- ständigen" hat am Montag abend nach seckzs arbeitsreichen Ver- handlungstagen ihre Arbeiten abgeschlossen. Ihre Beschlüsse dürsten bereits am Dannerstag den Rat beschäftigen und soweit sie einstimmig gesaßt wurden, dessen Billigung finden. Es liegt dann bei den Regierungen der einzelnen Länder, die Beschlüsse der Kon- serenz der Wettpresse durchzuführen. Am Montag nahm die Konferenz u. a. eine Entschließung an, die sich prinzipiell gegen die Zensur in Friedens- zciten wendet und für den Fall einer Zensur«ine ganze Reihe von Bestimmungen für die Behandlung der Pressevertreter festlegt. So soll die Zensur von Fachleuten ausgeführt werden und jeder Korrespondent auch von der geringsten Streichung in seinen Me!- düngen sofort Kenntnis erhalten. Außerdem wurde ein Antrag an- genommen, der jede Ausweisung eines Korrespon- deuten aus einem fremden Lande von der vorherigen Zustim- m u n g eines Komitees von Inlands- und Auslandsjournalisten abhängig macht. Ein Antrag, der die zahlenmüßige Zusammensetzung dieses Komitees festsetzen sollte, wurde zurückgezogen, nachdem sich gezeigt hatte, daß nicht einmal eine einfache Mehrheit für ihn zu- stände kommen würde. Auch die namentliche Abstimmung über den ersten Antrag ergab nur eine geringe Mehrheit. �rbeiterpolitik in paläftma. Vorschläge an den Zionistenkongrcß. > E. K. Basel. End« August. In Basel tritt am 39. August der 15. Zionistenkongreß zu- sommen. Der Wahlkomps um die Delegiertenmandate, der mit besonderer 5)«ftigkeit geführt wurde, hat«ine große Stärkung der Position der Arbeiterschaft ergeben, deren Frak- tionen 69 bis 79 Mandate haben werden. Der diesjährige Kongreß tritt in einem Augenblick zusammen, in dem das W i r t s ch a ft s- leben P a löst i n a s unter einer starten Depression und Krisis leidet. Er soll deshalb sich mit kolonisationspolitischcn Vorschlägen beschäftigen, die eine Konsoldierung für die Zukunft er- möglichen. Einen besonderen Raum wird die Frage der Zu- sammenarbeit mit ntchtzionistischen Juden einnehmen. Dem Kongreß liegen bestimmte Vorschläge besonders wichtiger Arup- psn amerikanischer Juden vor. Seit dem letzten Kongreß vor zwei Jahren in Wien ist es den zionistischen Fonds zwar möglich geworden, eine Reihe landwirtschaftlicher Siedlungen aus ihrer Kon- trolle zu entlasten, da sie inzwischen zu eigener Rentabilität ge- langt sind, immerhin erfordern wachsende Einwanderung, zunehmende Industrialisierung und Ausbau der Landwirtschaft, des Sanitäts- und Schulwesens Aufbringung sehr grosser Summen, die mit einem Jahresbudget von einer Million englischer Pfund nicht zu hoch geschätzt werden. Die zionistische Arbeiterschaft vertritt ein scharf umrissenee Wirt- schaftsprogramm, insbesondere in Fragen der Arbeit in den Kolonien, der Arbeitsbeschaffung, der Berufsaus- bildung, der Arbeitsgesetzgebung sowie der Schasfimg und des Ausbaues von Arbeitsämtern und Arbeitsverträgen Im Vordergrund des Interesses stehen naturgemäß, der kritischen Situa- tion im Lande entsprechend, die Fragen der Arbeitslosigkeit und deren Bekämpfung: dazu haben die Arbeiterparteien Borschläge wegen Uebersührung städtischer Arbeiter in die Kolonien und Durchführung öffentlicher Arbeiten durch die Re- gierung und die zionistisch« Organisation gemacht. Die Vorschläge der Arbeiterschaft haben in Vorverhandlungen bei einem großen Teil der bürgerlichen Gruppen aufmerksames Verständnis schon deshalb ge- sunden, weil die Wirtschaftskrise gezeigt hat. daß die kotlektio- wirtschaftlichen Siedlungen der Arbeiterschaft am wenigsten unter den Rückschlägen gelitten haben und die stärkst« Pofitto» bei der Besiedlung Palästinas bedeuten._ Der ehemalige griechische DIklalor Pangalos wird wegen seines Staatsstreichs, wegen Amtsmißbrauchs und wegen der Putschver- suche nach seinem Sturz, vom Parlament abgeurteilt werden. Mehrere Staatsverträge, die er unberechtigterweise abgeschlossen hatte, werden aufschoben. Lohnbewegung in öer Metallindustrie Die Funktionäre fordern den Abschluß eines Tarifs. 3n der zu gestern abend nach dem Saalbau Ariedrichshain ein- verufenen Konferenz der Funktionäre der Betriebe des Verbandes Berliner Bletallindusirieller. die äußerst stark besucht war. gab zu- nächst der erste Bevollmächtigte des Metallarbeilerverbandes. Genosse Ziska, einen Rückblick auf die Entwicklung der Lohn- und Akkordverhältniffe in der Berliner Metallindustrie feit dem Eintritt de, lariflofen Zustandes. Es hat sich gezeig«, daß d i e Branchen und Gruppen die relaklv besten Löhne und Akkorde haben, die auf die tarifliche Regelung ihrer Löhne niemals verzichtet haben. Ein praktisches Beispiel dafür sind die Transportarbeiter in der Metallindustrie. die nur kurze Zeit tarisios arbeiteten und bei denen es bei einem etwaigen Fortbestehen dieses Zustandes bestimmt nicht möglich gewesen wäre, ihre Löhne aus die jehige höhe zu bringen, die aller- dings noch lange nicht befriedigend ist. Das Metallkartell ist einmütig der Ausfassung, daß die Funktionäre der VBMZ.-Betriebe schon längst zu der Frage der Schaffung eines neuen Lohnlarises hätten Stellung nehmen müssen. Vicht zuletzt jedoch hat aber die wirtschaftliche Lage in der Metallindustrie die Erörterung dieser Frage bis vor kurzem nicht zugelassen. Die Funktionäre wüsten sich aber jetzt klar darüber aussprechen, ob sie für den Abschluß eines Lohntarifes sind oder nicht. Sollten sie sich f L r deu Abschluß aussprechen, so wird das Meiallkarkell energisch die Voraussetzungen für einen günstigen Tarifabschluh zu schassen versuchen. Die Metallarbeiter haben natürlich in jeder Frage besonders wenn ein verhandlungsergebnio vorliegen sollte, v o l l st e Entscheidungsfreiheit. In der Diskussiou. in der man von den üblichen kommunistischen Phrasen so gut wie nichts hörte, sprachen sich alle Redner dafür au», daß der Tarifabschluß umgehend angestrebt werden müsse. Die Funktionäre beschlosten dann auch mit übergroßer Mehr- heil, das Mctallkartell zu beauftragen, zu versuchen, mit dem VBMX z u einem Lohntarifabschluß zu kommen. Genosse llrich ersucht« zum Schluß noch die Funktionäre, sich sofort an die Organisation zu wenden, wenn die Unternehmer, wie es vorgekommen ist, sich weigern sollten, den tariflich festgesetzten lleberstundeuzuschlag zu zahlen, wenn die Gesamtarbeitszeit in der Woche 4S Stunden übersteigt. Die Organisation steht aus dem Standpunkt, daß für jede täglick)« U eberstunde der festgesetzte Zuschlag zu zahlen Ist, auch wenn insgesamt in der Woche nicht mehr als 48 Stunden gearbeitet wird. Mit einem Appell an die Funk- lionäre, sich nicht in zwecklosem und organisakionsschädizendem Bruderkampf zu zerfleischen, sondern alle Kräfte für den erfolgreichen Ausgang der Bewegung einzusehen, schloß Urich die Versammlung. wie Moskau für Sie„Einheitsfront"' wirkt. Die GewsekschaftsoPPosition von Moskau aufgezogen London. 29. August.(Eigenbericht.) In London trat arü Sonnabend der Kongreß der sogenannten gewerkschaftlichen Minderheitenbewegung zu- sammen. In seinem Geschäftsbericht machte der Sekretär der Or- ganisation, die bisher offiziell ihr« Unabhängigkeit von Moskau und Neutralität beteuert hat, die Mitteilung, daß die Bewegung seiner- zeit vom britischen Bureau der Moskauer Gewerkschastsinternatio- nale ins Leben gerufen worden sei. Das Programm des Kongresses erkennt die„britischen" kommunistischen Gewerkschastsforderungen und u. a. die Einberufung eines„Weltgewerkschaftstongresses" zum Zwecke der Gründung einer„einheitlichen Gewerkschastsinternatio- nale" an., * Das heißt also, daß Moskau erst spaltet und dann angeblich die Herstellung der„Einheitsfront" fordert. In Wirklichkeit ist dieses Manöver nur die Fortsetzung der Spaltung. Genau wie bei der Berliner Kundgebung der Gewerkschaften am Sonntag die von Moskau komman- vierten mit herausgedrückten Ellenbogen und Jazzmusik, mit lächerlichen Diskutierzirkeln und herausfordernden Plakaten eine Spaltung zu markieren bemüht waren und dabei fort- gesetzt nach der Einheitsfront schrien. Aber, wen täuscht heute Moskau noch? Höchstens nur noch die, die getäuscht sein wollen. Sergbau in Veutsthlanö und Frankreich. Ein französisches Urteil. Bochum, 29. August.(Eigenbericht.) Eine französische Spezialkommission, bestehend au« dem Abgeordneten für den Bezirk Pas de Calais Genossen M a e s, dem Vorsitzenden der französischen Bergarbeitersöderation Q u i n t i n, dem Generalsekretär R o s s i sowie dem Redakteur Colin, weilt zurzeit im Ruhrgebiet, um sich über die O r g a n i» sation des Rationalisierungsprozefses im Stein- kohlender g bau und seine Auswirkungen auf die soziale Lage der Bergarbeiterschast zu unterrichten. In einer Unterredung mit dem Vertreter des„Soz. Pressedienstes" führte Genosse Waes über die Eindrücke der Studienkommission aus: „Die Entsendung unserer Kommission ins Ruhrgebiet erfolgte auf Initiative des französischen Bcrgarbeiterverbandes. Wir hatten während unseres Ausenthalts dank dem Entgegenkommen, das wir hier bei allen Stellen gefunden hatten, Gelegenheit, bergbauliche Betriebe in Augenschein zu nehmen sowie andere hervorragende Ein- richtungen, wie das Kohlensyndikat, das Bochumer Knoppschaftsge- bäude, die Bergschule und die Siedlungen zu besichtigen. Wie wohl jedem Ausländer sind aus uns die hervorragenden maschinellen Aus- rüstungen des Bergbaus und die Siedlungsbauten als Ergebnisse moderner, großzügiger Siedlüngspolitik in die Augen gefallen. Was unsere Auffassung über die Ergebniste der Nation ali- s i e r u n g anlangt, so läßt sich ein abschließendes Urteil nicht fällen. Im übrigen werden sich die deutschen Rationalstierungsmethoden auch auf die französischen Bergwerke nicht so ohne weiteres an- wenden lasten. Die maschinelle Ausrüstung des nordfronzösischen Steinkohlenbergbaus kann wegen der Verschiedenartigkeit der geo- logischen Verhältnisse nicht im selben Umfange wie' diejenige des Ruhrgebiets zum Vergleich herangezogen werden. Aus sozialem Gebiete haben wir in Deutschland starke Fort- schritte zu bemerken Gelegenheit gehabt. Sehr starke Eindrücke hat auf uns das Knappsckzoftswesen sowie das Kohlensyndilat gemacht, Organisationen, auf die auch die Bergarbeiterschaft erfreulicherweise bedeutenden Einfluß hat. Wir erkennen an, daß in den letzten Jahren die Arbeiterschaft in Deutschland große soziale Er- rungenschasten verzeichnen kann. Was Lohn und Arbeitszeit im französischen Bergbau an- betrifft, so sind sie infolge der günstigeren Lage des französischen Kohlenbergbaus in vielen Punkten anders als in Deutschland, das den Absatz für seine Förderung im Ausland suchen muß. Frank- reich oerbraucht seine Kohlenförderung selbst, darüber hinaus werden noch etwa 20 Millionen Tonnen Kohle eingeführt. England ist unser schärfster Konkurrent. Di« britischen Dumpingpreise liegen weit unter den französischen Preisen, die französischen Kohlen- einfuhrbeschränkungen sind infolg« dieser Dumpingpolitik notwendig geworden. Im allgemeinen liegen die Lohnverhällnisse im französi- schen Bergbau, und zwar infolge des billigeren Lebensstandards, über den deutschen. Auch die Arbeitszeitentwicklung kann als etwas günstiger bezeichnet werden. Für Unter- t a g e a r b e i t e r gill bei uns in Frankreich die achtstündige Ar- beitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt. Die Wohnung s- Verhältnisse im Bergbau liegen, was die modernen Siedlungen anlangt, in Deutschland im allgemeinen besser, jedoch erscheinen uns die Mieten etwas hoch. Maes versicherte, daß die überwiegende Mehrheit der Kammer die im gleichen Interesse beider Länder liegende deutsch. fron- zösische Verständigung erstrebe. Der deutsch-sranzösische Handelsvertrag wird nach der in den Kammerkreisen vor- herrschenden Auffassung auf die Gestaltung der politischen Be- Ziehungen zwischen beiden Nachbarstaaten von weit größerer Be- deutung� sein, als man im Augenblick übersehen könne. Di« Wie- deraufnahme normaler Handelsbeziehungn werde mehr zuwege bringen als die Arbeit der Politiker und Diplomaten. Ulbert Thomas in Serlin. Borbereitung der Tagung des Verwaltungsrats des IAA. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, hat aus der Durchreise durch Berlin gestern im Reich»- arbeitsministerium vorgesprochen. Da Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und Staatssekretär Dr. Geib zurzeit beurlaubt find, wurde er von Ministerialdirektor Dr. Ritter empfangen. Sein Besuch galt der Vorbereitung der 37. Tagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes, die in der ersten Hälft« Oktober auf Einladung der Reichsregierung in Berlin stattfindet. SchieSsspruch für Sie ofipreußisthe Lanöwirtfihost. Die Arbeitgeber verweigern Erntezulage. Der Antrag des Deutschen Landarbeiterverbandes, den oft- preußischen Landarbeitern«ine Erntezulage zu bewilligen, hat vor einigen Tagen zu Verhandlungen vor dem Schlichter geführt. Das Ergebnis der Verhandlungen besteht in folgendem Schiedsspruch: s) der durch verbindlichen Schieds- spruch vom 19. April 1924 geschaffene Tarifvertrag zwischen den obengenannten Parteien wird einschließlich seiner Aenderungen durch die Schi«dssprüche vom 6. November 1924, 18. April 1925 und 23. September 1926 hinsichtlich seiner Bestimmungen über die Bar- und Naturallöhne mit Wirkung vom 1. Juli 1927 wieder in Kraft gesetzt: b) zu den Löhnen nach Absatz s werden für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1927 Erntczulapen gewährt, und zwar: den Deputanten, gehobenen Arbeitern und Gutshandwerkern 16 Pf. pro Tag, den Freiarbeitern 16 Pf. pro Tag, den Frauen 20 Pf. pro Tag, den männlichen Hofgängern 10 Pf. pro Tag, den weib- lichen Hofgängern 6 Pf. pro Tag. Der Deutsche Landarbeiterverband hat den Spruch angenommen und seine Berbindlichkeir beantragt, die Arbeitgeber haben abgelehnt. Was die ostpreußischen Arbeitgeber tun konmen, diesen Spruch zu verhindern, hoben sie getan. Sie erklärten unter anderem, daß der Deutsch« Landarbeiterverband das Tarifverhöltnis gekündigt habe und demgemäß nicht mehr berechtigt sei, Forderungen zu stellen. Daneben setzten sie sich mit dem ch r i st l i ch e n Zentral- verband der Landorbeiter in Verbindung und trafen mit ihm eine Vereinbarung zu dem durchsichtigen Zweck, den Schlichter wieder vor vollendete Tatsachen zu stellen. Der Schlichter hatte es anscheinend endlich satt, den Wirtschaftsfrieden in der ostpreußischen Landwirtschast von den Unternehmern dauernd auf diese Weise ge- fährden zu losten. Der Schiedsspruch schafft das angeblich fehlende Tarifoerhäitnis, und zum anderen knüpft er an den Antrag des Deutschen Landarbeiterverbandes und nicht an die Durchkreuzungs- Vereinbarung an, die die Arbeitgeber mit dem Zentralverband der Landarbeiter getroffen haben. Hoffentlich bringt der Reichsarbeitsminister dieselbe Einsicht aus, die der ostpreußische Schlichter diesmal anerkennenswerterweise aus- gebrachl hat. Der ostpreußischen Landarbeiterschaft wäre es wirklich zu gönnen._ vie Zimmerer haben aufgeholt! Ivo ovo Mitglieder. Der Zentralverband der Zimmerer Deutschlands weist in diesem Jahre eine erfreuliche Zunahme seines Mitgliederbestandes auf. Sie ist der Werbearbeit zuzuschreiben, die der Verband in den Sommermonaten entsaltet hat. Die Zunahme beträgt rund 12 000. Der Verband hat damit einen Mitgliederbestand von rund 100 000 erreicht. Darunter sind 11000 Lehrlinge. Aus den ! höchsten Mitgliederbestand konnte der Verband im Jahre 1922 blicken: damals zählte er rund 110 000. darunter 12 000 Lehrlinge Hätte nicht in den letzten Monaten der Abschluß der bezirklichen Lohn- und Arbeitstarife zu einem erheblichen Teil die Kräfte r auch für die Werbearbeit in Frage kommenden Personen in spruch genommen, dann wäre ohne Zweifel die Zunahme des V bandes wesentlich größer gewesen und vielleicht der Mitgli bestand von 1922 wieder erreicht worden. Zur Steigerui. bisherigen Erfolges wird die Werbearbeit im Verbände au� Herbst sortgesetzt werden. Die Finanzkraft des Verbandes ist im Lause dies.-s Jahres ebenfalls wesentlich erstarkt: sie war durch die Auswendungen für Ardeitskämpfe und Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren s.hr geschwächt worden. Luöwig Kiapschus Wieder ist ein Genoste von der alten Garde von uns geschieden Sonntag nacht starb Ludwig Klaps chus nach längerer schwerem Krankheit im Alter von 67 Jahren. Der Böttcherverband hat mit seinem Tode einen schweren Verlust erlitten. Denn K l a p- s ch u s hat die Geschicke der Berliner Böttcher seit dem Jahr« 1883 geleitet. Erst mit dem 1. Juli 1907 wurde er als Geschäftsführer des Verbandes angestellt. Mit der Geschichte der Berliner Böttcher ist Ludwig Klap- s ch u s— im Freundeskreise Iule genannt— innig verbunden. Und auch noch nach der am 1. Januar 1928 erfolgenden Berschmel- zung des Böttcheroerbandes mit dem Verbände der Lebensmittel- und Getränkcarbeiter wird der Nam« seines Mitbegründers in den Herzen der Berliner Böttcher eine dauernde Stätte haben. Auch in der Berliner Gewerkschaftsbewegung wird sein Wirken unver- gesten bleiben. Oer Kampf in öer Krefelöer Seiöeninöuflrie. Weitere Ausdehnung bevorstehend. Krefeld. 29. August.(Mb.) Der schwere Lohnkonflikt in der Krefelder Seidenindustrie wird wahrscheinlich im Laufe der Woche eine weitere Verstärkung erfahren, da alle Firmen in Mitleidenschast gezogen werden. Im ganzen werden rund 25 000 Personen brollos werden. Obgleich die Verhandlungen noch im Gange sinh, ist man noch immer nicht zu einem Ergebnis gelangt._ Der Budapefter Streit beendet. Budapest. 29. August.(EP.) Der Streik in der Metallindustrie wurde heute durch Derständi- gung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern in den einzelnen Bs- trieben beigelegt, nachdem die Gewerkschaften den Vertrauensmännern in den einzelnen Fabriken es überlassen hatten, selbst eine Einigung tzu treffen. In den meisten Betrieben haben die Arbeiter, insgesamt etwa 12 000, die Arbeit auf der Grundlage einer 4— 5 p r o z. Lohnerhöhung wieder ausgenommen. Die Sparkaste der Baak der Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-G, Berlin, wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Deutscher»a»gewerl»d»nd, Fachgruppe der Putzer. Donnerstag, 1. Ee»> tember, 17 Uhr, in den Ziefidenz.FcstsSlen, Landsberger Str. ZI, Mitglieder. Versammlung. Bericht von den Verhandlungen ltber unseren Tarifvertrag. Bei dem Ernst der Situation ist es Pflicht eines jeden Mtaliedcs, pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Ohne dasselbe lein Zutritt. Die Fachgruppenleitung. Der Deutsch«»eNeidungsarbeiterverband, Filiale Berlin, ladet alle in der Herrenkonfektion Beschäftigten zu einer ilffentlichen Versammlung ein, welch« am Mittwoch, 20 Uhr, in den Residenz-Festsälen, Landsberger Str. ZI, stait» findet. Tagesordnung:„Wie mutz und kann die Lage der Nonfektionsarbelter- schast vrrbessert werden?" Erscheint in Massen! Die Filialleitung de, Deutschen Bekleidungsarbeiterverbande«. Freie Dewerkfchastsjugent Srotz-Berlia. Heute 19ZH Ubr tagen die Kruppen: Frankfurter Blee: Eruppenheim Stiidt. Jugendheim Litauer Str. 18, Limmer Z. Literarischer Abend:.Fritz Zieuter."— Laudsbcegcr' . n Schule Wildcndruchstr. SS— b4 l Hortzimmer). Bortrag:„Das englische Anti-Kewerkschaft-gesetz."— Britz: Eruppcnhe!« Ehaussce-, Ecke Hannemannstratze. Spielabend.— Humboldt: Jugendheim Lortzing-, Ecke Sraunstratze.„Hosemanus L-utenkliinge." Jugendgrnppe de» ZdA. Heute, Dienstag, ab 10 Uhr Spielen auf der Spielwiese 7 im Treptower Park und auf dem Spielplatz an der Katzbach» stratze lKreuzberg). Rasenspiel«, Volkstänze, Ballspiele. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein! Wirtschaft: R. Satern«: Dewerkschaitsbeweauna: Fried». Etzksrp: Feuilleton: K. H. Bischer: Lokale» und Sonstiges: Fritz Karstadt! Anzeigen: Td. Elockc! sämtlich in Berlin Bcrlaa: Borwärts-Vcrlag lb. n, b H.. Berlin. Druck: iöorwärts.Buchdrnckerei und Verlagsanstal« Paul Singer u Eo Berlin EW 68. Lindcnstratze Z Sierzu 2 Beilaoeu und..Unterbaltuuo und Wiste»" „ feines Miaut AaucheH. Sie,/ mJa Herr, diese Zigaietie kostet zwar nur 4 Pf., kann sich aber in QaaHiSt und Aroma mit Ihren viel teueren Marken in jeder Hinsicht messen. Machen Sie einen Versuch und auch Sie werden freudig über- rasdit sein, was diese Zigarette Ihnen bietet.'' BALLNACHT DIE NEUE DICKE UND RUNDE ZIGARETTE As ENYER BEV' ZIGARETTENFABRIK Nr. 40$ ♦ 44.Iahrgang 7. Heilage öes Vorwärts Dienstag, 30. Mgust 1427 9 Msrkwürdigerwei�,«igenÄich zu unserem Glück, vergessen wir nichts leichter als ein« Reihe schlechter Tag«. Wenn die Sonn« wieder scheint und neben dem Herzen auch der ewig arbeitslüsterne Magen zu seinen, Recht« kommt, sind wir mit einem Schlag« wie neugeboren. Leider ist nach der Periode der Kohlrüben- und Drohtverhau-Mahl- zeiten abermals«in« Zeit angebrochen, die den Magen von Hundert- taufenden vor hart« Geduldsproben stellt. Damals waren Genüsse über die Rationen hinaus nur aus Schleichwegen erreichbar. Das ausgehungerte Volk, ohne Geld und ohne Schiebertolent, konnte sich den Schmachtriemen immer enger ziehen. Heute ist es fast schlimmer, weil Nahrungsmittel der verlockendsten Art im Ueberfluß vorhanden sind imd weil sich trotzdem breit« Massen nicht satt essen können oder sich mit dürftigster, ungenügender Kost begnügen müssen. Die den Feinschmecker entzückenden Auslagen in den Delikatessenhandlungen, die Fleisch- und Wurstberge in den Schlächterläden, die herrlichen Düfte aus Hotel- und Restaurationskllchen wirken auf den Hungrigen, der sich vergebens nach Arbeit umsieht, geradezu revolutionär. Ab- gesehen von diesem sozialen Trauerspiel des Lebens kann man die hochentwickelt« Fachausbildung moderner Köche und Köchinnen ehr- lich bewundern. In vergangenen Feiten. Solang« es Menschen gibt, waren sie abhängig von ihrem Magen. All« Völker und all« Zeiten verzeichnen bei einem großen Teile der Menschheit den Hang zur Völlerei im Gegensatz zu der langsam erst m die neu« Kulturwel,«indringenden Genügsamkeitslehre, die ein viel zufriedeneres, gesünderes und deshalb längeres Leben verspricht. Schriftsteller des Altertums, des Mittelalters und berühmte Moler haben mit Vorlieb« die Menschen dargestellt, wie sie sich uneinge- schränkt den wüstesten Magenorgien hingeben. Die Ernährung ganzer Völker war vor Jahrhunderten sicher auch viel leichter als heute. Dos gab den Großen und Reichen des Landes oft erwünschten Anlaß, die von der freigebigen Natur gebotenen Vorteil« bis zur Unersättlich- teit auszukosten. Was da dem Magen zugemutet und von ihm ge- leistet wurde, könnte unglaublich erscheinen, wenn es nicht von so zahlreichen Seiten bestätigt worden wäre. Könige, Fürsten. Heer- führer hielten sich ständig einen ganzen Troß von Köchen, die fast durchweg männliche Sklaven waren, während weibliche Küchensklaven nur zu den imtergeordneten. mechanischen Kuchenarbeite:, benutzt wurden. Die Arbeit in der Küche wurde bis weit in das Mittelalter hinein im allgemeinen eines freien Mannes für unwürdig gehalten. So kam es, daß sich bei den Unfreien in Jahrhundert« langer Uebung die Kochkunst, wenn sie auch wesentlich ander« Formen als in der modernen Küche zeigte, hoch entwickelt«. Die sklav-fchen Diener waren gezwungen, ihr Bestes zu geben, um sich die Gunst ihres Gebieters und ihr Leben zu erhalten. Bekannt ist, wie namentlich im Mittel- alter die Könige, die Kirchenfürsten, die Mönch« in den Klöstern in geradezu wahnsinniger Verschwendung schwelgten. Später« Herrscher und ander«„Edelste der Nation" haben, mit sellenen Ausnahmen, davon nichts vergessen und nichts hinzugelernt. Der erste Napoleon benahm sich bei den Mahlzeiten ahn« jede Rücksicht auf sein« Um- gebung, griff mit den Fingern in die Schüsseln hinein, aß mit un< heimlicher Schnelligkeit, warf die Knochen aus die Erde. Fridericus Rex war dagegen ein Feinschmecker, der ausländisch« Gericht« bevorzugt«. Cr aß ungewöhnlich viel und alles übermäßig scharf gewürzt, schlief oft infolge des überladenen Magens an der Hoftafel ein und bekam konvulsivische Anfälle. Auch Wilhelm der Deserteur liebte eine über- aus reiche Küche, wie seine nach der Revolution im Spreeschloß de- schlagnahmten Riesenvorräte bewiesen hoben, und aß selbst bei Hof- festlichkeiten mit großer Schnelligkeit, so daß die Eingeladenen nicht mithalten kannten und sich oft schon vorher zu Haus« satt aßen. So gibt die Menschheitsgeschichte massenhaft Aufklärung, wieweit die Selbstentwürdigung durch Unmäßigkeit im Essen und Trinken ge- gangen ist und wie es vielfach gerade die Herrschenden waren, die sich und ihren Magen am wenigsten beherrschen konnten. Moderne Köche. Jeder kann in dem bescheidensten Berufe Großes leisten, sogt Schiller. Die Namen zahlreicher Köche gehören der Kulturgeschichte an. Ihnen nachzueifern und berühmt zu werden, ist der brennende Ehrgeiz jedes jungen modernen Koches, der sich bewußt ist, mit einer gewissen angeborenen Künstlerschast für seinen Beruf zur Welt gekommen zu sein. Rur wenig« erreichen das hohe Ziel, weil es immer darauf ankommt, wohin das stürmende Leben den einzelnen stellt oder wie er es versteht, sich vorzuschieben. Di« von den ehe- maligen Monarchen und all den kleinen regierenden Potentaten unter- haltenen Leibtöche, die stets darauf bedacht sein mußten, den Magen ihrer Herren und deren Günstling« mit neu erfundenen Speisen zu beglücken, sind in der neuen Zeit sehr vermindert worden Wohl haben wir auch noch in Deutschland ein« groß« Reihe ausgezeichneter Kochkünsller, aber ihre Namen blühen im verborgenen, in dem fremden Augen nur schwer zugänglichen Geheimreich der Großküche, und ihre Talente gehen auf den Ruhm des Hauses, dem sie dienen, über. Ein schwerer Weg führt den Kachlehrling bis zum Examen vor dem Prüfungsausschuß für das Gastwirtsgewerbe. Zum wirklich guten Kochen gehört ja weit mehr als eben nur Kochen und Braten. Schon vom Lehrling wird verlangt, daß er lernt, die zu verarbeitende, so überaus verschiedenartige War« richtig zu behandeln, noch«he sie in den Kochtopf oder in die Pfanne kommt. Er muß lernen, wie er die fertigen Speisen anrichtet, garniert, patinlert. Hunderterlei Soßen bereitet, gewiss« Gerichte bemalt, raffinierteste Menüs und kunstvolle Schaustücke zusammenstellt. So ist die ganze Lehrzeit auf den Grund- satz zugeschnitten, durch überleglesle Einwirkung aus Augen und Rase die Zunge, den Gaumen und Wagen auf die ihrer harrenden Genüsse vorzubereiten. Und wenn das Examen bestanden ist, hat der neu- gebacken« Koch noch lange nicht ausgelernt. Gerade auf dietem Gebiet«, das mit immer neuen Feinheiten und abwechselungsreichen Anforderungen zu rechnen hat, macht erst vieljährigc Erfahrung den wahren Meister, zumal selbst in der deutschen Republik die Geschmäcker in den einzelnen Landesgebieten sehr verschieden sind und vielfach auch die Besonderheiten der Küche des Auslandes für die vielen Fremden, die uns besuchen, berücksichtigt werden müssen. Ein de- sonderer Vorzug deutscher Großküchen, ob sie nun in großen Hotels und Restaurationen oder in gemeinnützigen Anstalten liegen, ist der Grundsaß höchster Sauberkeit und Hygiene, der erleichtert wird durch planvolle Abgrenzung der Arbeilsräume und durch Arbeitsteilung. Die Köche in ihren charakteristischen weißen Turmmützen, an und für sich meist sehr ruhig«, behäbig« Naturen, lausen nicht nervös durch- einander. Jeder hat seinen Standplatz und seine besondere Aufgab«. Es geht alles Hand in Hand mit dem mehr mechanisch arbeitenden weiblichen Küchenangestellten und unter Oberleitung des verant- wortungsoollen Küchenchefs wie am Schnürchen, sonst wäre bei großen Abfütterungen die rechtzeitige Magenlieferung gar nicht möglich, und es würde Beschwerden regnen. Was hier in den Küchen für Besitzer der„dicken Marie" mit Kunst und Liebe fabriziert wird, würde dem einfachen Mann aus dem Volke, der an seine Hausmannskost gewöhnt ist, beim Genießen nicht geringe Sorgen machen, wenn ihm auch das Wasser im Mund« zusammenläuft. Da weiß man oft wirk- lich nicht, ob dies oder jenes nur zum Ansehen oder auch zum Essen Ist und wie man es sich«inverleiben soll. -i- Nicht nur die Lieb«, auch die Politik geht durch den Magen. Oftmals finden schwer« politisch« Berhandlungen, die am grünen Tisch nicht vorwärts kommen wollen, an gemeinsamer Tafel durch die Kunst vorzüglicher Köche, gewürzt mit einem guten Tropfen, einen versöhnlichen Abschluß. Alle verständigen Gründe für die Eni- Wicklung und das Gedeihen der höheren Kochkunst als Kulturfaktor können aber nicht das üble Gefühl beseitigen, daß in dem gleichen Augenblick, in dem einige Tausende sich mit den teuersten Delikatessen den Wanst vollstopfen, Hunderttaufende kaum das liebe Brot haben. Weniger der Kopf als der leere Magen des Armen wird immer räsonieren über die auch hier fehlende„ausgleichende Gerechtigkeit". Darüber können selbst soziale Hilfseinrichtungen, so wirksam sie im einzelnen schon sind, nicht ganz hinweghelfen. Kö'rperverlehung? Kleine Ursachen— groszc Wirkung. Dos Spiel zweier kleinen Hunde war die unschuldig« Ursache, daß gestern der Markthändler Max Schelle nberg wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange vor dem Schwur- gericht des Landgerichts II stand, das trotz der Gerichtsferien mit Beginn dieser Woche in eine Tagung unter Vorsitz von Landgerichts- direktor Dr. Schneider eingetreten ist. Infolge eines von dem Angeklagten ausgeteilten Faustschlages in das Gesicht, den der Schwager des Verstorbenen als einen„linken Schwinger" bezeichnete, sollte, wie seinerzeit bereits mitgeteilt wurde, der Kaufmann Richard Müller zu Friedenau den Tod er- litten haben. Die Hunde der beiden spielten auf der Straße mit- einander, was Muller veranlaßt«, dem Hunde des Angeklagten einen Stockschlag über den Rücken zu geben. Wie nun Frau Müller auf das Bestimmteste behauptete, quittierte Schellenberg diesen Schlag sogleich mit einem so wuchtigen Schlag in das Gesicht des Müller, daß dessen Kneifer heruntersiel und er wie betäubt dastand. Das Ehepaar Müller ging hieraus weiter, und nun klagte dll Geschlagene, daß ihm nicht gut wäre, was er weniger auf den Schlag, als auf den dabei erlittenen großen Schreck und seine große Erregung zurückführte. Da er insbesandere Herzbeschwerden fühlte, wällte er nach Hause gehen, um Umschlüge zu machen, während seine Frau sich zu einer Geburtstagsfeier begab. Schon nach wenigen Schritten brach dann Müller an einem Laterncnpsahl zusammen und wurde zuf Rettungswache gebracht, wo Tod durch Herzschlag festgestellt wurde. Schellenberg erhielt daraufhin die vorliegende Anklage. Einmal bestritt er selbst, den ihm gänzlich unbekannten Müller geschlagen zu haben. Dann aber war die große Frage, ob der Tod des Müller auf die infolge des Schlages erlittene Erregung zurückzuführen war, oder cb der Geschlagene zufällig nach dicseni Borfall gestorben war, weil er herzkrank war und eine erhebliche Erkrankung der Herzschlagader aufwies. Nach dem medizinischen Sachverständigen Prof. F r ä n t e l lag eine große Wahrscheinlichkeit vor, daß der Tod aus die Erregung zurückzuführen war, und saust plattisch wenigstens nicht eingetroffen wäre. Theoretisch liege solche Möglichkeit allerdings vor. Professor Joffe vom Maabiter Krankenhaus ließ dagegen diese Frage mehr offen. Der Staats- Äie Silbers�rvarine 43] Von ZRex Vea� lN-chdruck v«rb,ten an* bem Englischen vvn Julia Goppel „Sie denken doch nicht an einen so melodramatischen Schluß" sagte Cherry. „Wenn ich dadurch siegen könnte, würde ich in Willis Marchs Zimmer gehen und ihn erdrosseln. Ja!" schnitt er ihre Widerrede ab.„Ich weiß, es ist Wahnsinn, aber ich bin am Rande aller Vernunft angelangt. Drei Jahre habe ich gekämpft und gelitten, beständig durch irgendein verfluchtes Schicksal, das mir in den Weg kam, niedergehalten. Wundert es Sic, daß ich zum äußersten bereit bin, daß ich meine Mittel nicht mehr wähle, wenn sie nur zum Ziel führen? Bis jetzt habe ich ehrlich gekämpft, jetzt aber bin ich bereit, alles zu opfern, uin das zu erlangen, was ich begehre— und ich begehre diese Frau." „Sie sind müde und überanstrengt," sagte Cherry ruhig. „Sie meinen selbst nicht, was Sie sagen. Das Gelingen dieses Unternehmens und das Glück, das es Ihnen bringen kann, ist kein Menschenleben und all das Leid, was es Ihnen gebracht hat, nicht wert." „Vielleicht von Ihrem Stmidpunkt aus,"'sagte er kurz und schlug sich mit der geballten Rechten in die linke Hand. ,/vie scheinen solche Dinge anders zu betrachten als ich." „Was meinen Sie damit," fragte Cherry. Obgleich ihr Erstaunen echt war. machte es keinen Ein- druck auf ihn. und er jagte schneidend:„Ich glaubte nicht, daß Sie solch hohen Preis für Ihre Kupfermine bezahlen würden." Cherry Malotte erblaßte bis in die Lippen, und als sie sprach, klang ihre Stimme merkwürdig hart:„Bitte erklären Sie sich näher. Ich weiß nicht, worauf Sie anspielen." „Wie ich höre, sind Sie drauf und dran, Ihre Ehre fiir Hilliards Millionen zu verkaufen.� Er ist oerheiratet, er ist doppelt so alt wie Sie, er ist berüchtigt— das alles wissen Sie, und dennoch haben Sie mit voller Ueberlegung einen Preis für Ihre eigene Person ausgesetzt." Plötzlich sah er Cherry mit glühenden Augen, am ganzen Körper zitternd vor sich stehen. „Welches Recht haben Sie, mir so etwas zu sagen," rief sie.„Glauben Sic. daß Sie und Ihre Liebe zu jener herz» losen Frau, die Sie in die Einsamtest dieses furchtbaren Landes hinausjagte, die einzigen Dinge von Wert sind?" „Lassen Sie die Dame aus dem Spiel," unterbrach er sie scharf. .Sie sagen, daß ich einen Preis für mich selbst ausgesetzt habe. Hat sie vielleicht keinen Preis für sich ausgesetzt? Der Preis für sie ist Ihre Ehre, Ihr Gewissen, die Sie drauf und dran sind, mit Füßen zu treten. Diesen Preis haben Sie bezahlt, und würden das doppelte bezahlen, wenn sie es ver- langte. Wahrlich, Sie sind nicht berufen, meine Handlungs- weise zu oerurteilen oder zu kritisiereu." Roch nie hatte Boyd eine Frau gesehen, die durch leiden- schaftlichen Zorn so verwandelt wurde. Ihr ganzer Ausdruck war härter geworden, sie war die verkörperte Raserei. Die Maske war gefallen, und er sah ihre nackte, leidenschaftliche Seele, die bis in ihre Tiefen aufgerüttelt war. Zu seinem eigenen Erstaunen fühlte er sich davon ergriffen. „Ich bitte um Verzeihung," sagte er,„Sie sind Ihr eigener Herr und können natürlich Handel abschkiehen, mit wem Sie wollen." Sie trat ans Fenster und versuchte, sich zu beruhigen, indem sie auf die belebte Straße hinunterblickte. Eine Weile herrscht« Stillschweigen im Zimmer, darauf drehte sie sich zu ihm um. und er sah, daß ihre Augen voller Tränen standen. „Ich möchte Ihnen nur sogen." begann sie,„daß ich Ihre Lage verstehe und das eben Gesagte Ihrer verzweifelten Stimmung' zugute halte. Vielleicht wird eine Wendung zum Besseren eintreten, weu.n Sie es am wenigsten erwarten." Sie lächelte ihm müde zu, bevor sie den Schleier vor das Gesicht zog. Er legre eine Hand auf ihren Arm.„Verzeihen Sie mir meine brutale Offenheit, sie war gut gemeint. Wenn ich eine Schwester gehabt hätte, würde ich ihr dasselbe gesagt haben." Es war ein ehrlicher Versuch, sie zu trösten, einen schlech- teren Weg aber hätte er nicht wählen können. Als sie das Zimmer verließ, verweilten ihre Gedanken mit Bitterkeit bei diesen letzten Worten.„Seine Schwesterl" Hatte er denn kein« Augen? Er war nur von einer einzigen Idee, einem Traum besessen— diese andere Frau. Als sie in ihrem Zimmer stand, fühlte sie noch seine Hand auf ihrem Arm brennen, und wteber wurde sie von jenem vergessenen Kuß durchbebt. Wie oft hatte sie nicht den Druck seiner Lipven gegen die ihren gefühlt, wieviel Hoffnung hatte sie an diese Erinnerung geknüpft! Warum sollte sie eigentlich nicht annehmen, was ihr geboten wurde und diesen Mann laufen lassen? Warum sollte sie ihr Leben nicht leben, wie sie es bisher getan hatte? Sie brauchte nur zuzugreifen und konnte ihn ruhig als Opfer jener Frau, die er begehrte, zugrunde gehen lassen. Es war dunkel geworden, bevor sie in ihrer Wanderung im Zimmer innehielt und mit einem trotzigen Ausdruck im Gesicht ans Telephon ging, um Hilliard im Klub anzurufen. „Ich habe mir Ihren Vorschlag überlegt und meinen Entschluß geändert. Ja. Schicken Sie mir das Auto um sieben Uhr." Dann sagte sie als Antwort auf eine Frage, lachend, aber mit blassen Lippen:„Ja, gern, wenn Sie es wünschen, das blau« Kleid. Ja! das blaue Abendkleid." Sie legte den Hörer auf den Apparat und stand mit verschlungenen Händen während ihr schlanker Körper erschauerte. Sie ging zum Schrank und wählte zwischen ihren Kleidern. „Dies also ist das Ende meiner guten Vorsätze," lachte sie und nahm gleichgültig ein Kleid vom Haken.„Jetzt gilt es alle elenden Kniffe anzuwenden." 16. George Bult, Clyde und Fräser bildeten ein trauriges Kleeblatt, als sie am folgenden Nachmittag in einer Ecke des Hoteltaffees saßen und schwermütig an ihren Gläsern nippten; da trat Emerson zu ihnen, und bevor er noch etwas gesagt hatte, sahen sie ihm an, daß etwas geschehen war, denn sein Gesicht hatte einen verwirrten und verlegenen Ausdruck, und fein Wesen war so sonderbar, daß sie wie aus einem Munde fragten:„Was ist los? Bist du krank?" „Nein," sagte er.„aber ich scheine den Verstand verloren zu haben." „Was ist denn geschehen?" „Das Glück hat sich gewendet." „Das Glück!" „Ich habe Geld bekommen." Mit einem Ausruf, der die anderen Gäste im Kaffee stutzig machte, sprangen die Drei auf und riefen:„Erzähle." „Heute mittag, ungefähr um zwölf Uhr. wurde ich von Hilliard angerufen, der mich ausforderte, gleich in die Bank zu kommen. Dort teilte er mir mit, daß er seinen Sinn geändert habe und mir das Geld vorstrecken wolle. Ich habe es schwarz auf weiß." „Tod und Teufel," rief der große George. Alton Clyde aber lachte:„Ich sagte dir ja, daß es für Cherry ein Kinderspiel sein würde." „Wenn ich wüßte, daß sie ihre Hand im Spiel gehabt hat," sagte Emerson langsam,„würde ich keinen Pfennig von dem Gelb anrühren."(Fortsetzung folgt.) nnwolt schloß sich dem ersten Sachverständigen an und beantragte ö Monate(Befungnis. Auch das Gericht hielt den Schlag sür er- wiesen und einen Kausalzusammenhang zwischen Schlag und Tod für vorliegend. Aach seiner Ueberzeugung wäre der Tod des Müller an diesem Tage ohne diesen Schlag nicht eingetreten. Ter Fall liege ober äußerst milde und sei aus eine Verkettung trauriger Umstände zurückzuführen, deshalb seien mildernde Umstände im weitesten Maße zugebilligt und der Angcllagtc dementsprechend zu 3 Monaten Gefängnis mit zweijähriger Bewährungsfrist verurteilt._ Die Oerliner Deamtenbesolöung. Annahme der sozialdemokratischen Vorschläge einer sozial gestaffelten Beihilfe. Bekanntlich hat die Unschlüssigkeit der Bürgerblockregie- r u n g im Reiche die Länder und Gemeinden in eine nahezu unHalt- bare Stellung hineinmanövriert. Seit Jahr und Tag vertröstet die Reichsregierung die Beamten auf«ine kommend« Gehaltserhöhung, sie verschleppt aber die Neuregelung mit einer nicht mißzuverftehen' den Rücksichtslosigkeit von einem Monat auf den anderen. Nachdem nunmehr selbst für den Oktober die Verabschiedung der neuen Be- soldungsordnung des Reiches zweifelhaft geworden ist, blieb der Stadt Berlin nichts anderes übrig, als ihrerseits selb- st ä n d i g vorzugehen, um wenigstens die Rot der am kümmer- lichsten besoldeten Beamtengruppen bereits für den kommenden Monat nach Möglichkeit zu lindern. Da die Ferien der Stadtverordnetenversammlung vor dem 1. September«inen Beschluß der städtischen Körperschaften unmög- lich machen, so hatte sich der Magistrat im Hinblick auf die Dringlichkeit der Neuregelung an den Aeltestenausschuß der Versammlung gewandt, um die Stellungnahme der einzelnen Fraktionen im Rathause zu einer einmaligen vorläufigen Gehaltszulage festzustellen. In der gestrigen Sitzung des Aeltestenausschusses wurde der Vorschlag der Kämmereiverwaltung, allen Beamten einen gleichmäßigen Zuschlag von IS Proz. zu ihrem Gehalt zu ge- währen, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Weder das entschiedene Eintreten des beut sch nationalen Stadtrots Wege, des derzeitigen Vertreters des Stadtkämmerers, noch die Behauptung des d e u t s ch n a t i o n a l e n Fraktionsvertreters Schulrat Troll, daß die höchsten Beamtengruppen augenblick- lich m e h r unter der Teuerung zu leiden hätten als die unteren(!), vermochten die Mehrheit der Fraktionen von der sozialen Gerechtig- keit einer gleichmäßigen Gehaltserhöhung zu überzeugen. Nur die Wirtschaftspartei hielt es auch jetzt für angebracht, vre Beamten auf den Weg der„Unterstützung", also der Bettelei zu ver- weisen. Die Sozialdemokraten brachten gegenüber den Vorschlägen der Kämmereiverwaltung einen Antrag auf eine sozial gestaffelte einmalige Beihilfe«in. Dieser Antrag fand eine Mehrheit im Ausschuß, obgleich bezeichnender- weise außer der Wirtschaftspartei und den Deutschnationalen sich auch die Demokraten nicht zur Zustimmung entschließen konnten! Der sozialdemokratische Antrag sieht ein« S t a f f e- l u n g dergestalt vor, daß sür die Besoldungsgruppe 1—4........30 Proz. „ 7........ 25 m 8-10........ 20, 11—13........ 15. darüber hinaus............ 10, einmalige Beihilfen für September gezahlt werden, die bei einer etwaigen schlechteren reichsgesetzlichen Regelung nicht rückzahlbar sein sollen. Ein kommunistischer Gegenantrag wurde abgelehnt, weil er trotz einer scheinbaren prinzipiellen Besserung gerade die niedrigsten Besoldung»- gruppen schlechter stellen wollte als der sozialdemokratische An- trag. In dem sozialdemokratischen Antrag, der zum Beschluß erhoben wurde, ist nämlich vorgesehen, daß jedem Beamten, gleich- viel welcher Besoldungsgruppe er angehört, mindestens eine ein- malig« Unterstützung von 80 M. zufällt, wodurch gerade diejenigen Beamten, deren W o ch c n einkommen bisher unter 4 0 M. lag, ein prozentual höherer Zuschlag als den übrigen bewilligt wird. Die Sozialdemokratie hielt die Festlegung eines Mindest Zuschlages für sozial gerechtfertigter als jede Begrenzung nach oben hin. Denn ohne dies« Festlegung wäre es immerhin möglich gewesen, daß sich die unteren Besoldungsgruppen mit 20 M. hätten begnügen müssen, während bei gleichmäßiger prozentualer Steigerung den höchsten Besoldungsgruppen 200 M. und mehr zugefallen wären. Die vorläufige Regelung der Beamtenbefoldung für den Monat September wird dank dem tatkräftigen Eingreifen der sozial- demokratischen Stadtverordneten allen berechtigten Wünschen wenigstens einigermaßen gerecht werden. Zu ihrer Deckung werden nach oberflächlicher Schätzung rund 3 Millionen Mark er- forderlich sein. Wie weit diese Deckung im Rahmen des bisherigen Haushaltsplanes möglich ist, bedarf der eingehenden Prüfung, die die Stadtverordnetenversammlung unmittelbar nach ihrem Wieder- zusammentritt im September vornehmen wird. Er wollte sich verbrennen. Große Aufregimg rief gestern ein Selb st Mordversuch im Hause Röntgen st raße 4 zu Eharlottenburg hervor. Hausbewohner bemerkten, wie aus den Kellerfenstern dichte Rauchschwaden hervordrangen, und be. nachrichtigten die Feuerwehr. Die Feuerwehrbeamten drangen in den völlig verqualmten Keller ein und löschten den Brand. Plötzlich stieß man in einen Kellerverschlag auf einen bewußtlosen Mann, der starkö Brandwunden davongetragen hatte. Er lag auf einer Matratze, die zum größten Teil verkohlt war. Der Bewußtlose wurde durch die Feuerwehr in das Westender Krankenhaus übergeführt. Nach den polizeilichen Feststellungen han- delt es stch um einen 30jZhrigen arbeits- und wohnungslosen Ar- beiter Ludwig R., der stch heimlich in den Keller geschlichen und die Matratze selbst angesteckt hatte, um sich zu töten. Generalversammlung üer Zreiöenker. Der gesamte Vorstand zurückgetreten! Am Sonnabend hielt der„Verband fürFreidentertum und Feuerbestattung" seine diesjährige Generalversammlung ab. Sie erbrachte wieder einmal— wie so häufig— den Beweis, vaß es den Kommunisten nicht darauf ankommt, ernste Arbeit zu leisten. Ohne sich in sachlich« Diskussionen einzulassen, kam es ihnen nur darauf an, die SPD. in geradezu widerlicher Art in die Debatte zu ziehen. Die Kommunisten traten als Fraktion geschlossen auf. Lange Resolutionen, die aus der Kulturabteilung der KPD. stammen, wurden eingebracht. An persönliche Verunglimpfungen gegen die vor einem Jahre gewählten Vorstandsmitglieder fehlte es ebenfalls nicht. Die Freidenkerbewegung in Berlin steht vor einem Wendepunkt. Schon ziehen sich die Mitglieder untereinander vor den Kadi. Saiblich« Diskussionen sind unmöglich geworden. Aus dem Kassenbericht ist kla» ersichtlich, daß die Austritte in einzelnen Bezirken rmmer zahlreicher werden. Es handelt sich gerade um die Bezirke, in denen die Kommunisten in den Mit» gliederversammlungen Radauszenen aufführen. Zu allen Mitglieder- Versammlungen hatten die Kommunisten ihren letzten Mann heran- geholt. Zu den Versammlungen, die gegen die Kulturrealisation ein- berufen wurden, haben die Kommunisten keine so große Tätigkeit entfaltet. Der Zweck ist nur zu klar erkenntlich. Die Generalver- sammlung der Berliner Organisation hat eines gezeitigt: Wird die Bewegung auf dem Wege weitergetrieben, den die Kommunisten im letzten Halbjahr beschritten haben, so wird man in wenigen Jahren wieder die Tatsache verzeichnen müssen, daß wieder einmal eine wertvolle Organisation durch die Schuld der Kommunisten zerschlagen ist. Der Haupworstand der Freidenker bereitet die Hauskassierung und Urwahl für die Freidenkerbewegung vor, um ein« ordnungs- mäßige Vertretung der Mitgliedschaft zu gewährleisten. Wenn die Berliner Bewegung nicht zerschlagen werden soll, dann müssen diese Arbeiten beschleunigt werden. Die heutigen Zustände sind u n- erträglich, die Vertretung von 10 000 Mitgliedern terrorisiert eine Bewegung von über 225 000 Mitgliedern. * lieber den Verlauf der Dersammlimg ist noch folgendes zu berichten: Zu Beginn wurde einstimmig eine Protestresolution gegen den Justizmord an Sacco unld Vanzetti angenommen. Den Geschäfts- bericht gab Genosse König. Er konnte fcitstellen, daß die mühevolle Arbeit, in allen Bezirken Urnenheine zu errichten, Erfolg hatte. In Spandau und Zossen haben die Gemeinden solche Heine errichtet. Insgesamt sind bis Juli 18 000 Kirchenaustritte zu ver- Ein Wort zur Programmgestaltung. Warum legt man nicht die Goethe-Feier auf den Nachmittag oder warum veranstaltet man keine Matinee? Der größte Teil der Hörer verlangt am Sonntag- abend nach Musik. Ein populäres Orchesterkonzert von Niveau oder die Sendung einer Spiel oper bedeuten die idealste Lösung. Doch abgesehen von diesen prinzipiellen Bedenken leidet der Goethe-Abend unter Mängeln. Bereits die Zusammensetzung des Programms ist wenig befriedigend und dann enttäuscht Ernst Deutsch. Prachtvoll spricht er den„Prometheus". Seine elastische, helle und stählerne Stimme leidet nicket bei der Wiedergabe, sie klingt männlich gestrafst, mit Energie geladen. Doch das Unglück beginnt mit„Der Gott und die Bajadere". Man kann immer wieder die Feststellung machen, daß heute nur sehr wenige Schauspieler Balladen sprechen können. Sie zerreißen den Rhythmus und glauben, sie ständen auf der Bühne. Deutsch betont zu stark das dramatische Moment, vergißt, daß es sich hier um«ine epische Dichtung handelt. Anders verfährt er bei der ersten Studierzimmerszene aus dem Faust. Hier differen- ziert er die Stimmen von Faust und Mephisto zu wenig, gerät ins Schleppen und gibt keinem der beiden Figuren Geficht. Lotte Leonhard singt Vertonungen Goethescher Gedichte von Reichardt, Schubert und Wolf. Ihr weicher, gut geschulter in allen Lagen aus- geglichener Sopran verfügt über großes Ausdrucksvermögen, das auch der Bariton Fred D r i s s e n besitzt. Leider stört bei ihm eine zu offen« Tongebung in der Höhe. Di« Stimme klingt im Radio deswegen zu schrill. Der Vortrag Dr. Ludwig F r a n ck s über „Goethe spricht zu allen Jungen" ist«in« etwas kindliche Aneinander- reihung Goelhescher Jugendgedichte mit einem merkwürdigen Text dazwischen. Dazu spricht der Vortragende mit einem unerträglichen Tremolo der Rührung. Was sollen aber die ständigen llebertragun- gen der Nachmittagskonzerte aus den Ostfeebädern? Beim erstenmal freut man sich über die raumüberwindende Fähigkeit des Rundfunks, dann, später, wird man durch die akustischen Nebengeräusche und durch die mittelmäßige Ausführung gestört. Genug mit diesen Uebertragungen. Die Berliner Orchester sind besser, bedeu- tend besser. Man übertreibt hier eine Sache, die klug rationiert kaum eines gewissen Reizes entbehren würde. Der Montagabend bringt Lähar und Millöcker. Doch man spielt nicht den an mustka- tischen Einfällen sprühenden Komponisten der„Lustigen Witwe" und des„Grafen von Luxemburg", sondern den ermüdeten Lehcrr des .Larewitsch". Neben diesen schwachen Kompositionen wirkt selbst der Walzer aus der„Zigiunerliebe" außerordentlich packend. Seidler-Winkler dirigiert mit Temperament, Sicherheit und Elastizi- tät. Kistenmocher von der Staatsoper und Else Kochhann sind gute und schön singende Interpreten. F. S. I zeichnen. Der Bezirk Groß-Verlin hat jetzt 227 000 Mitglieder. Im letzten Jahre wurden 16 000 Mitglieder aufgenommen, an Aus- tritten sind über 8000 zu verzeichnen. Diese Austritte hätten vermieden werden können. Im Kassenbericht teilt Genosse Gärtner mit, daß 51 Prozent der Verstorbenen Berliner Ein- wohner die Feuerbestattung wählten. Diese Ziffer verpflichtet den Magistrat der Stadt Berlin, ernsthast an die S ch a f f u n g w e i t e- rer Krematorien heranzugehen. Die Kommunisten stellten in der Diskussion den Antrag, dem Kassiere keine Entlastung zu erteilen. Sie glaubten mit diesem Antrag« unseren Genossen Gärtner, der jahrelang Kassierer war, persönlich insamieren zu können. Dieser Antrag und ein Mißtrauensvotum gegen den gesamten Bezirksvorstand wurde an- genommen. Wie unsinnig sich die Kommunisten gebärdeten, beweist dieser Antrag, der auch den Kommunisten im Vorstand das Mißtrauen aussprach. Nach Annahme dieser Anträge trat der B e- zirksvorstand zurück und übergab die Leitung der General- Versammlung dem Hauptvorstand. Dieser vertagte die Generalver- sammlung._ Der Tote in üer Gubener Straße. Verbrechen oder Unfall? Tot wurde gestern, Montag, ein noch unbekannter Mann auf dem Grundstück Gubener Straße 23 aufgesunden. Hier liegt ein großes Mietshaus, das von zahlreichen Parteien bewohnt wird. Die Eingänge zu den Seitenflügeln befinden sich auf dem Hofe. Un- mittelbar neben dein linksseitigen ist auch der Kellerhals, von dem aus zwölf steile Steinstufen, die im Lause der Jahre stark ab- getreten sind, in die Tiefe hinabführen. Am Fuße dieser Treppe lag auf dem Gesicht der Tote. Die Mordkommission der Krimi- nalpolizci, die Kommissare Werneburg und Q u o ß, erschienen alsbald mit ihren Beamten und dem Gerichtsarzt Prof. Strauch. Die Besichtigung der Leiche ergab, daß der Tote an der linken Schläfe eine schwere Verletzung hat, die nach örstlichcin Gutachten von einem Schlage oder einem Sturz herrühren kann. Eine leichtere Verletzung zeigte'sich an der Hand. Beim Ausfinden war der Mann schon etwa 0 bis 8 Stunden tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht, wo sie zur genauen Feststellung der Todesursache obduziert werden wird. Einbruch beim Konsum. Die Zunft der Einbrecher macht auf ihren Raubzügen auch vor dem Eigentum der gemeinnützig wirkenden Konsumgenossen. schaft Berlin und Umgegend nicht halt. Allerdings wird ihnen ihr Handwerk hier sehr erschwert, denn die Mitglieder der Konsum» genossenschaft haben ständig ein wachsames Auge auf die Einrich- tungen ihrer Organisation, und so endigen derartige Versuche fast immer mit dem Eingreifen und der Unschädlichmachung der Ver- brecher. In der Nacht zum Sonntag hatten es zwei Personen auf die Fleischabgabe st eile der Konsumgenossenschaft in der A l b r e ch t st r a ß« in Steglitz an der Eck« der Straße Am Fenn abgesehen. Sie drangen zunächst in den Keller ein. Ihr Geräusch machte jedoch den Pförtner des Hauses und Straßen- passanten aufmerksam, die schleunigst das 193. Revier benachrich- tigten. Zwei Schupobeamte, die alsbald erschienen, entdeckten das Loch, durch das die Verbrecher hineingeschlüpft waren, und krochen ihnen lautlos nach. So standen sie bald unvermutet im Laden den beiden Einbrechern gegenüber, die von ihnen nichts gehört hatten. Der eine-sprang kurz entschlossen durch diegroße Scheibe der Eingangstur auf die Straße hinaus und sein Komplice folgte ihm sofort. Die Beamten folgten den Fliehenden auf dem eigenartigen Wege und eine wilde Jagd ging durch die nächtlich stillen Straßen. Erst als die Beamten einige Schreckschüsse hinter den Fliehenden her abgaben, bequemte sich einer von ihnen zum Stehen- bleiben. Der andere wurde kurz darauf in einem Gebüsch versteckt ausgefunden. Beide wurden der Kriminalpolizei zugeführt. Der Wachsamkeit und Umsichtigteit von Personen aus genossenschafts- freundlichen Kreisen ist es auch in diesem Falle zuzuschreiben, daß der Anschlag und die beabsichtigte Schädigung der Konsumgenossen- schaft vereitelt wurde. Drei tödliche Stra�enunfälle. In den gestrigen Nochmittagsstunden ereigneten sich mehrere schwere Straßenunfälle, bei denen drei Personen getötet wurden. Zwischen dem Großen und Kleinen Stern im Tiergarten fuhr gegen%3 Uhr der Polizeioberwachtmeister Scharnowski von der Polizeipräsidiumwache mit seinem Fahr- rad in einen Straßenbahnwagen der Linie 75 hinein. Sch. erlitt schwere innere Verletzungen und mußte in die Chariti übergeführt werden. Kurze Zeit nach seiner Einlieferung trat jedoch der Tod ein. Nach Zeugenaussagen soll die Schuld den Verunglückten selbst treffen.— Ein ähnlicher Unfall trug sich kaum eine halbe Stunde später an der Ecke Kaiserallee und Varziner Straße zu. Beim Ueberqueren der Straßenkreuzung geriet der 48sähng« Werkmeister Albert Nemschte aus der Spon- holzstraße 1, der sich mit seinem Rade aus dem Heimwege befand, unter die Räder eines Lastkraftwagens. N. erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach seiner Ueberführung in das Augusta-Viktoria-Krankenhaus starb. Auch in diesem Fall trifft die Schuld den Verunglückten selbst.— Der dritte tödlich verlaufene Straßenunsall ereignete sich gegen 5S5 Uhr vor dem Hause Greifswalder Straße 91. Hier wurde beim Ueberfchreiten des Fahrdammes die neunjährig« Schülerin Ell! Habermann aus der Kopenhagen«« Straße 70 von einem Autobus der Linie 14 erfaßt und überfahren. Die Räder gingen so unglücklich über das Mädchen hinweg, daß der Tod auf der Stelle eintrar. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwand- frei geklärt werden. Die Leiche des getöteten Kindes wurde be- schlag nahmt. U@beiTaschiiiiss-Aii9£bote«oni so. nuansi ms z. MM Herbstm äntel- nsortiert In kaltbirea QnftlUitea•'*••• Herbstmäntel bis Sest raod.(emuvt Stofi. 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Rathenow, Luckenwalde, Wildau, Jüterbog, Berlin und anderen Orten waren sie gekommen, ihre Erfahrungen über die Arbeit in den Kinderfreundegruppen auszutauschen, vor I cHcm aber, um den organisatorischen Zusammen- fchluß der Brandenburger Gruppen und ihre Zu- sammenarbeit mit Verlin zu beraten. Ein Teil der chelfer war schon am Vorabend gekommen und hatte auf dem Kinderland Zelt- l a g e r bezogen. Die eigentlichen Beratungen begannen erst am Sonntag vor- mittag. Besonders erfreulich war das lebhafte Interesse, das die Brandenburger Bezirksorganisalion der Partei für die Beratungen bekundete. Bezirksselretär Genosse Krüger und Landtagsabge- ordnete Genossin R y n e ck nahmen an der Tagung teil und betonten mit Nachdruck die Notwendigkeit der Förderung und Unterstützung der Kindersreundebewegung durch die Parteiorganisation. Die Reichsarbeitsgemeinschast der Kinderfreunde war durch die Genossen Löwen st ein, Adams und S i e m s e n vertreten. Das herrliche Spätsommer. weiter gestattete, die Beratungen unter freiem Himmel durchzu- führen. Es wurde zunächst eine provisorische Bczirksorgani- s a t i o n Brandenburg geschaffen, die eine engere Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen ermöglichen soll. Ein denmächst heraus- zugebendes Bczirksmitteilungsblatt wird dabei beson- ders wertvolle Dienste leisten und das Brandenburger Bezirkssefre- tariat der Partei hat durch Genossen Krüger seine tätige Mit- aibeit zugesagt. Einen breiten Rahmen nahm in den Berätungen die Frage der Helferausbildung ein. Es sollen Wochen. e n d s ch u l u n g s k u r s e für die Helfer der Brandenburger Orts- gruppen durchgeführt werden. Die Kurse werden in Jugend- Herbergen und in Zeltlagern stattfinden. Auch hierfür wurde Unter- stlltzung durch die Bezirksorganisation der Partei zugesagt. Nach der Mittagspause fanden dann eine Reihe von praktischen Ver- a n st a l t u n g e n für die Helfer statt und dann begaim der Aus- tausch der Erfahrungen über die Arbeit in den Gruppen. Die Aussprache war sehr lebendig und brachte viel An- regungen. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Frage der Roten-Falken- Gruppen und die Zusammenarbeit mit der Arbeiterjugend, die sich aus dem Problem der Aelterengruppen der Kinderfreunde und der Jüngerengruppen der Arbeiterjugend zwingend ergibt. Dabei fand der Gedanke einhellige Zustimmung, dah wir aus der Zweiteilung der Jugendbewegung (Kinderfreunde und Arbeiterjugend) allmählich zu einer e i n h e i t- lichen� sozialistischen Erziehungsbewegung kommen mühten, die nur in verschiedene Altersstufen gegliedert sein müsse. Der Zulammenschluh der Brandenburger Gruppen bedeutet einen guten Schritt vorwärts für die Kinderfreundebewogung. Dis Helfertreffen selbst mit seiner lebendigen Aussprache über die Pro- bleme der Gruppenarbeit brachte- viel fruchtbor« Anregungen und wird stch m verstärkte Arbeit in der Kindersreundebewegung um- setzen, die als sozialistische Erziehungsbewegung ein wichtiger und unentbehrlicher Faktor der sozialistischen Arbeiterbewegung ist. Republikavertag i« Neukölln. Das Neuköllner Reichsbanner veranstaltete am Sonnabend unter starker Anteilnahme der Neuköllner Bevölkerung einen Republikanischen Tag. Die Straßen, durch die der Festzug kam, wiesen reichen Floggenschmuck aus. Die Bäume waren mit schwarzrotgoldenen Bändern geschmückt. Am Reuterplatz sammelten sich um 6 Uhr die Festteilnehmer. Unter Borantritt eines Musik- und Tambourkorps marschierte der Zug durch die Straßen Neu- köllns. Sehr zahlreich war die Beteiligung der auswärtigen Orts- gruppen, die starke Fahnendelegationen nach Berlin geschickt hatten. Im„Orpheum' in der Hasenhcide fand die eigentliche Feier statt. Nach dem Einzug der Fahnen sprach Kamerad G u t s ch m i d t die Begrüßungsworte. Nach einem Festspruch, vorgetragen von den Frauen einiger Kameraden, hielt Kamerod Senatspräsident Groß- mann die Festansprache. In scharfen Worten geißelte er das Der- hallen der Berliner Hold«, die sich schämen, die Farben des Deulscheu Reiches, des eigenen vaferlandes, zu zeigen. Di« Herren irren, wenn sie glauben, mit dieser würdelosen Haltung bei ihren Gästen Eindruck zu erwecken. Das Ausland versteht einfach nicht, daß es Angehörige einer Nation gibt, die nicht freudig die Fahnen ihres Vaterlandes hissen. Im Anschluß an seine Rede weihte Kamerad Großmann das Banner der ersten Kameradschaft des Neuköllner Reichsbanners. Das neu« Banner trägt den Spruch:„Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern". Aus dem sehr gut ausgewählten Programm sei noch erwähnt die Kindertanzgruppe unter Leitung des Kameraden Gcka und der Zchlophonvortrag eines zwölfjährigen Mädchens, der durch starken Beifall ausgezeichnet wurde. Das Neu- köllner Bezirksamt war durch den Genossen Stadtrat R a d t k e ver- treten. Die Frauen der Kameraden stifteten dem Banner eine Schleife. Boxkämpfe im Lnna-Park. Di« am Freitag wegen des regnerischen Wetters im Lunavark abgesagten Kämpfe wurden am Sonntag abend abgewickelt. Wohl selten umstanden so viele Zuschauer die Kampfftätt«. Das schöne Wetter hatte dem Lunapark Tau sende von Bergnügungslustig«» ----- ew— z neben den Attraktionen unverhofft zwei schöne , VI\.«iww.---*--------*411 f 1 1. I/W J| L QHJll I U/ U<1 l. Boxkämpfe zu sehen b«tamen. Das Hauptinteresse beanspruchte die Begegnung H ü ls e b u s- H a r t i Hülsebus, der vor ganz kurzer Zeit den Schweizer K r ä u ch i in den ersten Runden k.o. schlug, konnte am Sonntag einen neuen k.o.-Sieg erringen. Hartig mußt« schon in der 2. Runde mehrmals zu Boden, um in der Z. Runde ausgezählt zu werden.— In dem vorhergehenden Kampf standen sich der Fliegengewichtsmeistcr Harry Stein und Kurt A u st, zwei alt« Rivalen, gegenüber. Stein konnte den Kampf na ch Punkten überlegen gewinnen. 8«ialiWe WkilerjiigeiiS GrsS-LM Sonnlag. den 4. September tS27: Jugendtag derSAJ. vormittag» 11 Uhr: Morgenfeier im Mercedes-Palast, Tl., Ulrechler Str. Nachmittags im Schillerpart am wedding: 15.30 Eröffnungs« kundgevung— 16.30—18.30 Darbietungen der Gruppen und werde- bezirke auf der vürgerwiese, Wettspiele auf der Sporlwiese— 19.00 Schlußkundgebung: Redner: Reichstagspräfident Paul L ö b e, Arthur Cri spien, M. d. R. sowie ausläodische Genossen. Anschließend Fackelzug. Eisenbahnkatastrophen. In Amerika und Frankreich. In der Nacht zum Montag entgleiste der Schloswagenzug Chltago— New park in der Nähe von Altoona(Pennsyloanien). Die beiden Lokomotiven und die ersten beiden Schlafwagen stürzten die Böschung hinab. Nach den letzten Nachrichten konnten zwei Tole und neun Schwerverlehle geborgen werden. Bei Joigny(Frankreich) stieß ein Personenzug mit einer Lokomotive zusammen. Dabei stürzte ein Wagen dritter Klasse, der stark besetzt war, um und ging in Trümmer. 35 Reisende wurden verletzt, darunter mehrere sehr schwer. Deckeueivsturz in einer italienischen Kaserne. Livorna, 29. August. In der Kaserne des 88. Infanterieregiments stürzten in der ver- gangenen Nacht um Z Uhr Dach und Decke über zwei Stuben ein, in denen sich 70 Soldaten befanden. Feuerwehr und Militär arbeiten an der Freilegung der Verschütteten. Nach einstündigem Suchen wurden etwa zehn Verletzte geborgen. Insgesamt wurden 3 S o l- daten getötet und 24 verletzt. 15 Soldaten konnten noch nicht geborgen werden. Aeuer in einem Feuerwchrgebäude. In Boston brach in zwei Schuppen der Feuerwehr, während diese beim Löschen eine« Brandes auf dem Güterbahnhof am anderen Ende der Stadt beschäftigt war, Feuer aus. Dieser Brand er- scheint als eine genaue Wiederholung des Feuers, das kürzlich abends in dem Feuerwehrschuppen in Cambridge ausbrach, während die Feuerwehrleute gerade einen Brand in einer alten Scheune und in einer chemischen Fabrik löschten. Unwetter in Südjapan. Tokio, 29. August. Ein schweres Unwetter hat Südjapan heimgesucht. In K o t s ch i sind 35 Menschenleben zu beklagen. Die Zahl der Opser in N a g o s o k i belauft sich auf 2 7 T o t e, 11 Verlegte und 3 Vermißte. Raubmörder begnadigt! Dom Schwurgericht H i r s ch b e r g wurden am 24. Februar d. I. der Kellner Toepper aus Hirsch- berg und seine Ehesrou wegen Raubmordes on dem Fahrradhändler Heymann zum Tode verurteilt. Di« gegen das Urteil ein- gelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurückgewiesen. Run- mehr sind die beiden zum Tode Verurteilten vom Preußischen Staatsministerium begnadigt worden, und zwar der Ehemann Toepper zu lebenslänglichem Zuchthaus und Frau Toepper zu 15 Jahren Zuchthaus. Partemachrichten für Groß-6erkm kinsendunge» iür diese RudrU sind Ver lia GW«&, Süad.'mltreBt Ctt*»» Baz«c|ttf«(cftc:arir> 2.£#(, 2 Step, recht»,)u riAtn- Achtung! Staütveroröneten-�raktion 1 Freitag, den 2. September, abend» 6 Uhr. wichtige Sitzung der Stadtverordnetensroktion mit den sozialdemokratischen Magistrols- Mitgliedern im Jugendheim der SpD.. Lir.denstr. 3, II. Hof links 3 Treppen. Arbeitegemeiuschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Bezirksgruppe Berlin. Noll»»rs»«»l>>na«» Frettag, 7.«exttmber,»»iiUlich 1('4 Vir, i» der Aula der StaaUichen Eliluüeth. Schule, Berlin, Zischst-, es.. Zaz.zordunus: .Stellunq der Sozialdemokratie zum Zicichzschulg-zed.- Aeterent: St. Kurt S8u,fustctit, M. d. S. SPD.-SlterabelrSt« und SPD.. Mitglied:« der Freien Schulgemeiude witilomuien. * 4. Zkrri» Prenzlauer Bern, ffltetndeiräle: Mittsoch, 31. Aiinust. 19ta Uhr, Beloerlau-nilnng im Lokal«offmann, Lychener Str. 8. Die Abttilungs- odleuts mllssen bestimmt erscheinen. Heute. Dienstag, 30. August: 57.«bt. lharlottenburg. 1. S raupe: 20 Uhr bei Arndt, Zlantstr. öt, Sihung famtticher Bezirkosithrer. 191. Abt. Teepto-o. Die Genossen treffen ssch ab 18 Uhr zu einer wichtigen Handzetlelpcrbrcitung in der VorwSrtofpcdition Dretzstr. 50. 198.«bt.«penM. Achtung! Die BibN-»«k befindet ssch seckt Mbftftt. 27, 1 St. recht». Die Ausleihung der Bitcher findet regelmäßig seten Dtens- tag und Freitag von 18— 19!£ Uhr statt. Rlorgen, Mittwoch. 31. August: 12. Abt. iszh Uhr bei Schmidt, Wielefstt. 17, Funktionäesttzung. Wichtige Tagesordnuna. 198. Abi. Köpenick, im Uhr Torstandssshung mit allen Stjtrlsfüljtern an der bekannten Stell». 127. Abt. Kohenfchönhaufe«. Kolonie der Kindrrreiche«: 1S'4 Uhr im Lokal Rutzky Mitgfiederncrfommfuiig. Vortrag:„Die Vorgänge in Wien." Referent Robert Fendel. Eiimpathisiercntc und Gäste find eingeladen. Frauenveranstallungen: 25. Abt. Die Genossinnen treffen ssch morgen, Mittwoch, 81. August, 12% Uhr, zur Besichtigung de» Iugendlandes Zossen Potsdamer Bahnhof, Bahn- steig nach Zossen. Um rege Beteiligung wird gebeten. Jungsozialisten: Gruppe Lichtenberg: 20 Uhr im Jugendheim Pariaue 7—ro Bortrag:„Die Bedeutung der öffentliche» Hand in der Wirtschaft." Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: fktti« Pankow, Gruppe Pankow: Mittwoch, 81. August, Monatzaussprache im Jugendheim. Donnerstag, 1. September, 18—20 Uhr, Arbeitsgemeinschaft im Jugendheim. Sonnabend, 8. September, 17 Uhr. Spielen in der Heide.— Gruppe Ricdeefchönhanfe»: Mittwoch, 81. August, Spielen auf dem Sportplad. Donnerstag, 1. September, 18— 20 Uhr, in der Gemeinschaftsschule, Bismarck. strahe. für Gruppe I Vorlesen, für Gruppe„Freude" Märchenabend. Sterbetafel üer Groß-Seriiner Partei-Grgantfatiou � n e r, ihm e....—-------——-----—-----,---- 15� Uhr, im ftrcmalocium Baumschulonweg. Um recht rege Beteiligung bittet die Abteilungsleitung.. �_ 83. Abt. Lichterfclde. Nachruf! Am 9. August ist unser Genosse Wilhelm Dettmann verstorben. Ehre seinem Andenren! 95. Abt. Reutölln. Am 25. August verstarb unser langjähriger Partei. genösse Karl L u s ch, Neukölln, Iägerstr. 71, im 58. Lebensjahre. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung findet am Dienstag, 30. August. 15'4 Uhr. im Krematorium Daumschulenweg statt. Um rege Beteiligung bittet der Borstand. Soziaiistische 5!rdeite?jugenü Groß-Serlin. Zugendchoe, Shoi der Jungen« Donnerstag, 1. September. Igsh Uhr, ge. meinsame Probe im Jugendheim Lindenstr. 8. All« Mitglieder mllssen er- scheinen. Ordner zum Jugendtag, B.-B. und Werbebezi rl»lelt,r! Mittwoch, 81. August, 1« Uhr, gemeinsame Besprechung. All« mllssen unbedingt er» scheinen. heute, Dienstag, 19� Uhr: Brunnenplatt: Schule Wiesen-, Ecke Bantstrag«.„Die Sozialistisch» Jug-nb- Internationale."-- Gesurdbiunnen: Schule Cotenbuegee Str. 2.„Da» Kon. kordat."— Sedding-Ro-d: Seim Sc«.. Ecke Turincr Straße.„China, Ruß- land, England."— kialkplaß! Schule Cbceewalder Straß« 10. Heim- abend— Rordost I: Heim Landsberger Straße 50.„As>t Tage durch» Ruhrgebiet."— Schönhaufe- Vorstadt: Schule Driesener Str. 22. Prob«.— Ecncfelder-Viertel: Schule Danziger Str. 28.„Körperpflege und Backt. kultur"— Hafenhelde: Heim Porckstr. 11: Bezirksamt).„Ardeiterdichter."— Schöneberg III: Heim Sauptstr. 15. ffunktionärsttzung.— Halenfce: Schule Joachim-Friedrich-Str. 85. Heiterer Abend.— Wilmersdorf: Heim Sildenard- straßs 4 Gruppenversammlung:„Wir und unsere Partei."— Martendorf. Teinpelbof: Politifch.fatirifchcr Abend.— Neukölln IN: Heim Steinmeßstr.>14. SAJ. und Reichsbanner."-- Reurölln IV; Seim Rogatstr. 53.„Herme— .....~--- MM---'"■~~—"'""1(6 in „Faust."— Niedcrfchöübaufen: Schule Blankenburgcr Str. 70.„Lassalle."— Panlow-Rord: Heim Görfchftr. 14.„Wie entsteht ein Buch?" Sport. Knappe-Miethe siegen bei Nütt! vor Lekourneur-Rouyer. Der Besuch der gestriqen Beranstaltunss der Rütt-.Arena war Glänzend. Nicht so plänzend waren die Leistunssen, die einzelne Mannschaften im Verlaufe des Drei-Slunden- Rennens um den„Essss-Perri-Preis zeisslen. Zwölf Mannschaften stellten sichrem � Slarter. Gin» es in der ersten Stunde mehr al» lanstwelliq zu, so � brachte die zweite einen Vorstoß der Mannschaft Pohl-Martin. Den ! aufGeholten Dorsprunq mußten sie Gleich darauf wieder absieben. ! Dann ginsien die lebhaften Franzosen Letourneur-Rouyer j vor. Ihr scharscr Antritt wurde mit Erfolsi Gekrönt: sie überrundeten das sianze Feld und besetzten so allein die Spitze. Das sollte jedoch vorläufig altes sein... Bis K n a p p e- M i o t h e bei der letzten Wertunsi vorstießen und mit Kraft und Geschick die Dreistundenfahrt für sich entschieden. Sie überrundeten das Feld kurz vor Schluß des Rennens und hatten mit den Fran.zosen die Spitze. Da die deutsche Mannschaft in den Wertungen die meisten Punkte (35) errunsisn hatte, ging sie als Sieger mit 123 750 Kilometern gegen Letourneur-Rouyer(12 Punkte) hervor. Eine Runde zurück folgten an 3. Stelle Dewolf-son Kempen mit 64 vor Ehiner- Kroschel 46. Koch-Krellman» 41, Doni-Nickel 24, Krüger-Dehrendt>5 und S.'nrkelynck-Dclbecoaue 11 Punkte. Zwei Runden zurück: Kedzierski-Schwemmler 10 Punkte. Alle anderen Mannschaften weit zurück._ Caa..B emenlo" aas der Ochinmc-Katienntalin. Die nächsten Rennen ans der Betlü er Olympia-Radreonbabn am temmenden Sonntag weiden wiedei um im Zeichen heivonagender Dauetführcr-Vetibewetde stcben Im MiUelptMlt des Programm« steht dos„ R e m e n t o' betitelte 70-. Kilometer-Renne», dem ein M«KilomiIer-s?ahren um den .Veter.NünIber-Erinnerungtprcis" oorausgehen wird. Diele beiden Weit- bewerbe werden von den beiden besten bollöndijchen Dauersohrern Leddn und S n c e t, iowie dein schnellen fronzöstschen Dauerfahrer P a i ll n r d I bestritten. Tie deutschen starben sind in den beiden Slebertressen von den Babnmafadoieu S a w a I l und S a I d v w ebenfalls Kervorragend vertreten. Kut belctzlc Zlicgerrcimcn sür Bernssiahrer und Amateure werden den Nennen der Dauerfahrer einen würdigen Rahmen geben. Beginn Z'/, Uhr. wetlerbcelchl der öffenflicheu Wellerdienjk'feUe lör Leriin und Umgegend sülachdr. vc- b.) Heiler und am Tage ralchc Erwärmung.— Jür Denisch. and: Im Westen wolfig, sonst ziemlich heiter. Tagsüber wann und strich- lweise Bodennebel. Warum sparen Sie nicht/ wem Sis für 3 Pfennig eins CigaretU betwmmm, disaliaiAnr sprüdien eines verwöhnietiRäuchers genügt? 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Den bürgerlichen Herrschaften scheint der Aufstieg des ATSB. ein wenig auf die Nerven zu gehen, zumal sie beabsichtigen, in nächster Zeit grosse Dinge zu unternehmen, bei denen ihnen die Anwesenheit der Arbeitervcrtreter unangenehm werden könnte. Sie möchten gar zu gern di« alten Zustände des wilhelminischen Staates wieder herbeiführen, wo es Staatsbürger zweierlei Rechts gab: solche, die national zuverlässig und brav, und andere, die international und„voterlondslos" waren. Die Wiedereinführung eines solchen Zustandes würde den Leuten um Herrn L e w a l d in den nächsten Iahren sehr zustatten kommen, wo die Boraussetzungen für die Abhaltung der nächsten Olympiade in Deutschland zu schassen sind. Man will diese Gelegen- heit benutzen, das Sportforum und da» Stadion in grosszügiger Weise mit Mitteln des Reiches auszubauen. Die Gelegenheit ist günstig. Dem Reich« muß bei der Bedeutung des Sports viel daran gelegen sein, die Olympiade nach Berlin zu bekommen, denn es handelt sich beim bürgerlichen Sport auch in den anderen Ländern zum Teil um nationalistische Elemente, vor denen man Paraden aufführen will. Regierung und bürgerliche Mehrheit des Reichstages werden also gern bereit sein, sich die Sache etwas kosten zu lassen. Störend könnten dabei nur die Arbeitersportler wirken, di« auch allerlei Ansprüche zu stellen haben, denen man aber weniger gern gibt. Derart sind die Sorgen, di« Herrn Dr. L e w a l d das Herz be- drücken Um sich Luft zu machen, schlägt er auf die Arbeitersportler ein und bedient sich dazu der kommunistischen Zellenbauerei in unserer Bewegung. Dem Bürgertum soll mit dem bolschewistischen Wauwau ein Schreck in die Glieder gejagt werden, indem ihm weis- gemacht wird, die Arbeitersportbewegung sei total kommunistisch ver- feucht. Dabei tut man noch so, als ob man es im Grunde recht gut mit uns meine, uns sogar ein wenig im Kampfe gegen den Bolsche- wismus unter die Arme greifen wolle. Die Biedermänner! Den Herrschaften sei gesagt, dah wir ihrer Hilf« nicht bedürfen, daß wir das Spiel aber durchschauen und ihnen die Maske des Biedermannes gern ein wenig lüften wollen. Hoffentlich geraten sie darüber nicht aus dem Häuschen und beklagen sich bei der Reichsregierung über uns. Wir wollen sie daran«rinnern, dass im nächsten Jahre Reichstagswahien sind, das mahnt sie vielleicht zur Vorsicht. Nun aber ein Wort an die kommunistischen Sportfunktionäre: Es liegt nicht in unserer Absicht, ruhig zuzusehen, wie uns ihre Dummheiten in Verlegenheiten bringen. Wie die Reaktion diese Dummheiten ausnützt, das ist an dem obigen Beispiel zu ersehen. Man verschone uns mit den geradezu komisch wirkenden Vorwürfen gegen den„Vorwärts", der angeblich den Bürgerlichen für ihren Angriff das Konzept gereicht haben soll. Sie dürfen versichert sein, daß man im bürgerlichen Lager den Sportteil der kommunistischen Presse mindestens so aufmerksam liest als den des„Vorwärts". Man weiß dort sehr gut, in welcher Weise an einigen Orten mit der A r b e i t« r s p o r t b e w e g u n g Schindluder getrieben wird im kommunistischen Parteiinteresse. Verantwortlich dafür sind einzig und allein di« Funktionäre, die den Parolen ihrer Partei folgen. An„Masse" gebricht es den Kommunisten selbst an den Orten, wo sie am Ruder sind: diese Masse muß der Rote Frontkämpferbund meist stellen. Es gibt aber Aunktionäre, die Ihr Amt mißbrauchen. um besonders unter der Jugend— vornehmlich in der Fußball- bewegung— Mitläufer für Parteiparolen zu werben. Jugend ist radikal, denkt aber sonst nicht gern über politische Dinge nach, hat dazu auch kaum das notwendige Wissen. So entsteht der Anschein, als fei unser« Bewegung an einigen Orten kommunistisch eingestellt. Diesen Schein benutzt die Reaktion»u ihrem Vorgehen: sie glaubt damit«inen Keil in unsere Bewegung treiben zu können, indem sie die Sozialdemokraten und ihre Anhängerschaft zu uns in einen scharfen Gegensatz bringt. Dieses Spiel wird nicht gelingen. Jene Funktionäre aber, von denen wir sprachen, seien gewarnt Wollen sie weiterhin di« Geschäfte der Moskauer Internationale im Arbeitersport be- sorgen, dann treiben sie es selbst zum Bruch. Wir können es nicht weiter mit ansehen, wie man unsere Bewe- gung an einigen Orten zugrunde richtet um einer Partei willen. Wer nicht unserer Bewegung um ihrer selbst willen dienen kann und will, der eignet sich nicht zum Funktionär. Wer da glaubt, dos Heil der Arbeitersportbewegung in Deutschland liege bei der Kommunistischen Partei, der mag diese P r--. auls Erempel auf eigene Rechnung und Gefahr machen. Bei uns wirkt er nur— wenn auch unfreiwillig— als Zutreiber der Reaktion! Sp'elfest 5reie Turnerschast Grotz-öerlin. Handball-, Schlagball-. Faustballspiele. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin hielt am Sonntag ihr seit langem vorbereitetes Spielfest auf dem Platz in der Scharnweber- strasse ab. Die Nachmittagsveranstaltung begann mit dem Einmarsch von 300 Spielern und Spielerinnen, unter denen sich solche aus Brandenburg, Frankfurt und Stettin befanden. Im Hinblick auf das Gewerkschaftsfeft betont« die Ansprache des Vor- sitzenden die Bedeutung der Gewerkschaften und forderte die Sportler auf, sich den Gewerkschaften anzuschließen. Die Pankower Turnerkapcll« hatte di Musik gestellt. Der Verlauf der Spiel« ist folgender: Handball: Milnner: Elld-n I— Starben I 7 4:0(8:0). Unaoll- ftünbigtcit doa Süden» ein verleilte» Spiel, da» durch Süden» belfere» Stürmer- spiel de» Halbzeitresultat berstellt. Weddina I— Fichte-Nord 1:1(1:1). In der ersten Halbzeit ein flotte» Spiel. Wedding geht in Mbrung, mährend lZlchIc.J!ord kurz vor der Pante ausgleichen konnte. In der zweiten Halbzeit wurde da» Spiel auf beiden Seiten etwa» hart. Rosenihal gegen Brandenburg 1:2(0:0). Beide Mannschaften lieferten sich ein Spiel mit dem vollen Sin- sah ibrer Ariifte. Sin llncnlschiedcn hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Siordring I gegen ssriedenau I 1:0<0: 0). Wedding III gegen Süden II 0:0. Frauen: Süden I gegen Rordring I S:N(8:0). Bofenthal 1 gegen Rord-n lll:0il:0). Jugend: müden I gegen Frankfurt a. d. 0. 2: 8 «' Osten I gegen Rosenihal II 1:3 il: 2). Schüler: Wrdding gegen Stetiin-Dredow 1:1<1: 0>. Sivfcntbal gegen lVichte-Rord 0:3(0:3). Süden gegen Friedenau 0:1(0:0).— Schiagball: Wedbing- und Friedenau-Schüler ftaiiden sich zuerst gegenüber. Friedenau konnte mit 88: 10 gewinnen. Friedenau loar schlagsichcr»nd zeigte»inen guten Nachwuchs, während Wcdding den gräsiten Teil der Punkte durch Fänge holte. ssichte-Spiclabteilung muhte von Friedenau eine empfindliche Niederlage von 78: lä hinnehmen. Nicht gefallen konnten die Hinterleutc von Fichte. Turch ihr schlechte» Feldspiel konnte Friedenau immer gruppenweise laufen. Da» Nesultat fegt sich zusammen aus: Fichte: 0 Fange und b Treffer. Friedenau: Ob Läufe, 3 Fänge, 5 Treffer und 1 Weilschlag.— Faustball: Männer: Brandenburg I— Wedbing I 70: 34, Brandenburg l— Süden I 36: 60. Friedenau I gegen Norden II bg: 51, Süden III gegen Nofenthal III 36: 54, Fichie-Norb gegen Nosenihal 64: 90, Fichte-Nord gegen Wedding 09: 90, Norde» 1 II gegen Süden II 00: S4, Nordring I gegen Süden V 59: 58. Rosenthal II gegen Fenlrum 72: 83. Rosen- tbal II gegen Wedding Nl 59: 44. A I t e K e r r e n: Osten gegen Wedding l 41: 57. Frauen: Rosenthal I gegen Süden I 73: 59, Norden 3 geqcn Osten 99: 72, Norden 1 gegen Friedenau 67; 89. Jugend: Süden gegen Franffurt a. d. O. 66: 08. Friedenau gegen Nordring 56: 53, Norden 3 gegen Südosten 74: 63.— Trowmelball: Süden II gegen Zentrum I 74: 128, Süden I gegen Friedenau I 68: 162. Intereffenien für Handball, Hockey und Fußball, die sich der Freien Turnerschaf! Groß- Berlin anschlie&en wollen, erhalten in der (Seschäft»siellc, Lichtcnberger Str. 8, Auskunft. Schwimmfest in Siemensstadt. Kürzlich hielten die„Freien Schwimmer Siemens- st a dt"«in Abendschwimmfest ab, das leider unter der Witterung stark zu leiden hatte. Gerade wegen des scharfen Kampfes der Arbciterfportler gegen die bürgerlichen Vereine und besonders den Siemens-Werksportvercin hätte man eine bessere PVerbemäglichkeit gewünscht. Der Verein hat sich seit zwei Jahren uns kleinsten An- sängen herausgearbeitet, um jetzt bereits gute Leistungen aufweisen zu können. Die einzelnen Konkurrenzen ergaben folgende R e s u l«. a t e: Brusti-rwimmen Frauen 50 Meter.») Jugend: Gartenschkäger, Treplow, 89,4; b) Frauen: Alswede, Siemensstadt. 54 Sekunden. Zugendbrusifchwimmen 50 Meter: Nähler, Eiemensstadt, 39,4. Iugendleitejchwimme» 50 Meter: Schutz, Treptow, und Schmidt, Tempelhof, 54,1. Wasserballweitwurf:») Jugend: Dawro», Siemensstadt, 14 Meter; b) Männer: Schulz, Eiemensstadt, lZib Meter. Balldribbeln 25 Meter:»> Jugend: Zutschka. Sharlottenbura. 39,1; b) Männer: Naupenberg, Falkenfr», 39,1. Beliebig 100 Meter:«) Männer: Heuinecher 1: 30 Minuten; b) Jugend 50 Meter:«Zowron 31,2.— Frauen rücken schwimmen 60 Meter: ktnlm, Cbarlottenbnrg, 43,2 lauster Konkurrenz). Srstlinnslchwim. men 50 Meter:») Kinder: Lanqhammcr, Kurl. Sicmensstabt, 1: 01,8; b) Jugend: Hoffmann, Siemen»stadt, 48 Sek.— Jngendkagcn. Stasett« 4X50 Meter: Sie. mensstadt 2: 80 Min. fdist.): Fakkensee 2: 58,1.— Knabenbruftschwimmen 50 Meter: Kartstock, Fallensee, 48 Sek.— Männerrückenschwimmen 100 Meter: ss. Schulz, Eiemensstadt, 1: 36 Min.— Basserball: Falkenset— Treptow 6: 0. Am die Vezirksmelsterschafken. Die Arbeiterradfahrer des 1. Bezirks konnten Sonn- tag auf der Strecke Buckow— Groß-Ziethen— Glasow— Dahlewitz— Zossen und zurück bei schönem Wetter ihr Straßenrennen bei guter Beteiligung um die B e z i r k s m e i st e r s ch a s t zum Austrag bringen. Es ging um die Meisterschaft über 2. 10, 20 und 50 Kilometer. Besonders das 50-Kilomet«r-Rennen, in dem fast 50 Fahrer starteten, war ein Kampf vom Start bis zum Ziel. Ein- zelne Vorstöße verpufften wirkungslos an der Wachsamkeit der Konkurrenten. Kliapper Sieger wurde In der Hauptklasse K r u p k a von der 1. Abteilung in 1:45:50 Min. vor Eichborn 3. Abteilung. Rcloltat«: 2 Kilometer, Ingend: 1. Zuck(I. Abt.) 8:1»; 2. Skreonick kl. Abt.).— 10 Kilometer. Kanptiloflr: 1. Wracner(6. Abt.) 19 Min.; 2. Marirn 18. Abt.). Altreiklossr: 1. Eichler(6. Abt.) 19 Min.— 2« Kilo- u-eter, Hanptklassc(Srost-Manow-Buckow): 1. Bastack(10. Abt.) 35:30. Alter»- tlosse: 1. Lubasch(0. Abt.) 39:30.— 50 Kilometer, Hanotklasse: 1. Krupka 1. Abt.) 1:45:50; 2. Cicbboen(8. Abt.) Alter»«»sse: 1. Annen 1:50:30; 2. Mustroph(8. Abt.). Die neuen Berirlsmcister nehmen an der auf der- selben Strecke stattfindenden Saume isterschaften teil. Internotkonakes Schwimmfest in vresSen. Am Sonntag hielt der Berein für volkstümlichen Wassersport Dresden fein LOjähriges Jubilöumsfest in Form eines internationalen Schwimmfestes ob. Die Internationalität war durch eine Wiener Städtemannschaft ge- wahrt. Aus dem Reiche waren Breslau. Görlitz, Leipzig, Chemnitz, Halle, Magdeburg und O l b e r s d o r f er- schienen. Groß-Berlin war durch die„F r e i e n Schwimmer Neukölln" vertreten. Den Reigen der Wcltkämpfe eröffnete die tzXlOO-Meter-Freiftil- stafette, die die Freien Schwimmer Neukölln in der Zeit von 7,27 Minuten gegen Görlitz mit 8 Minuten gewannen. In der Frauenklassc konnte Grete Buchbinder- Wien mit ILO Minu- ten gegen Boer-Reukölln 1,41 Minuten sicher gewinnen. Die Männerlangstasette führte nur über 3X100 Meter und es gelang Wien von Anfang an gegen Neukölln zu führen. Im Frauen- springen siegle Hübler-Drcsden mit 1S)rlr 66. — Abt. Tiergarten: Donnerstag, l. September, 20 Uhr, im Heim Lehrter Straße 18-19.— Abt. Lichtenberpi Donuer»tag. 1. September, 20 Uhr, im teim Parkaue 1».- Ab». Ncnkolln: Donnerstag, I. September, 20 lUir, im eim Stcinmctzstr. 114.—«dt. Tiidwest: Donnerstag. 1. September, Volk». park Neukölln.— Raturwissenichaillich.« Abt.: Donnersta,,, 1. Septemder, 20 Uhr, Slralauer Slr, 55.— Faltbootab«.: Donnerstag, 1. September, 20 Uhr, im Heim Landsberger Sir. 50.- Abt. Mahlsdors: Donn»r»«ag. I. September, 20 Uhr, im He'm«au!»d«rs.«dolsstr. 25.— Abt. vre», lauer Berg: Donner». tag, 1. September, 20 Uhr, im Altersheim, Baracke 7. Dan.,:ger Str. 32. Vortrag:„Zweck und Ziel der Natursreundebewegung." Rrsrrent Genosse Schuppa. Das Heim Danziger Str. 23 ist geschlossen. Alle BeranstaNunge» finden im Altersheim Danziger Str. 62 statt. Ardeiter.Znrn» und Spertoerein Jahn, Abt. Trepts». Dienstag und Feei- tag, 20 Uhr, Turnen der Iugeud», Frauen, und Männeradieilung, Turnhalle Bouchsstrafte. An dilsen Tagen auch von 18—20 Uhr Turnen der Kinder. Jeden Millwoch Sporttag auf dem spariplaß. BRB. Freiheit,«. V. Bootsbau»: Berlin-Strakan. Tunuelstr. 28—29. Borltandssthungen ab jeßt jeden 1. und 3. Dienstag im Monat. Am 4. Sep» tcmver Herbstkahrt nach Eadlow und gemeinsame Fahrt der Fraurnahtrilunz. Fadrtansrtiling in der Sitzung am 1. September im Bootshaus. Mitglieder wcrdrn in der Frauen, sowie in der Mannerabteilung noch auigenomm-n. Anmeldungen Dienstags oder Donnerstags im Bootedaus oder durch die Sr. schüsisftelle Erich Scwekaw, Berlin N. 58, Schliemaunstr. 14(Tel. Hum- dold! 8394). Sehlportlrrt Die sportärzliche Untersuchung aller Seher, befanders der Teilnehmer am Zr-Stunden-Paargehen und 15.KiIomeler.Sirasikngehen-st für Mittwoch und Freitag dieser Woche und Montag nächster Woche od 19 Uhr beim Genossen Dr. Moser, Friedenstr. 78(an der Wederwiose) angesetzt. Start de» Paargehen, am Sonntag ldZ4 Uhr Sportplatz Tiergarten. Hill' 4 Pfennig kostet MÄ66r Fleischbrüh-Würfel Achtung auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Packung. Einfach in gut lU Liter kochendem Wasser aufgelöst, gibt der Würfel kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art Nr. 40«»«».Jahrgang 2» OC0 bi-astag, zs. flugust I4Z7 Noch immer gute Textil-Konjunktur. Die Hochspannung aber überschritten. Wenn auch di« Fabriken für die nächsten Monat« mit Aufträgen versehen sind und die Betriebe fürs erste voll beschäftigt werden können, ist die K o n j u n t t u r h o ch s p a n n u n g in der Textil- industrie doch bereits überschritten. So hat stch der Ein- gang neuer Aufträge stark verringert. Nun sind die Monate Juli und August im Textilgeschäft immer ruhige Monate, so daß man aus dem Nachlassen des Auftragseingangs nicht auf die endgültig« ÖJeschästsentwicklung schließen kann. Soweit die Texlilausfuhr in Frage kommt, erwartet man, daß das Geschäft in den Herbst. monaten anziehen wird. Immerhin ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, daß sich die Ausfuhr von Textilwaren im Monat Juli um nicht weniger als 33, 03 Millionen Mark gesteigert hat. Die Entwicklung aus den Znnenmürklen ist durchaus unüber. sichtlich. Die Klagen der Unternehmer über den Facharbeitermangel halten jedoch an; in verschiedenen Bezirken war man auch bemüht, be- rufsfremde Kräfte in die Textilindustrie hineinzuziehen. Die Ar- beitszeit ist dagegen in den letzten Wochen erheblich zurückgegangen. Diese Entwicklung ist unwesentlich für di« Beurteilung der Kon- junktur und auch nicht allein auf das Arbeitszeitabkommen, das eine kürzere Arbeitszeit vorsieht, zurückzuführen. Die Unternehmer sind wohl in der Hauptsache zur 48- und höchstens 51-Stund«n- Woche zurückgekehrt, um nicht die Ueberstundenzuschläg« zahlen zu müssen. Der Produktioneaussall ist vielfach durch bessere, leistung-- fähigere Maschinen, teilweise auch durch eine bessere Betriebs- organisation wettgemacht worden. So hat man in den Webereien bessere Webmaschinen aufgestellt und in den Spinnereien verdrängt di« rationeller arbeitende Ringdrossel den Selfektor immer mehr und mehr. Die Entwicklung wird sich sehr wahrscheinlich in nächster Zeit noch schärfer ausprägen, da man verschiedentlich bemüht ist, langfristige Kredite für die Erneuerung des Textil. Maschinenpark» flüssig zu machen. Soweit die einzelnen Branchen in der Textilindustrie in Frage kommen, ist festzustellen, daß in der Vaumwollspinaerei nach wie vor hochkonfunktur herrscht. Teilweise haben die Spinnereien ihr« Produktion bis März 1928 ausverkauft. Die Betrieb« stecken sehr oft in der Zwangs- läge, das Letzte au» Menschen und Maschinen herauszuholen, um die Lieferungsverträge erfüllen zu können. So kann es nicht wundern, daß in der Arbeiterschaft über ein schlimmes An- treibesystem geklagt wird. Besonder» gilt das für die Jugend- lichen, die, obwohl sie in Taglohn arbeiten, zu Höchstleistungen an- getrieben werden. Picht ganz so einheitlich wie in der Baumwoll- spinnerei ist da» Bild in der Baumwvllweberei. Aus den Buntwebereien wird berichtet, daß neue Aufträg« so gut wie gar nicht mehr eingehen. Bon Bedeutung ist, daß die Aufstellung von Automat- und Nathropwebstühlen sehr stark zunimmt. In den Bigogne-Spinnereien in Crimmitschau, Werdou und Kirchberg ist die Beschäftigung außerordentlich gut. Ein Zeichen da- für ist, daß in Kirchberg in Doppelschichten gearbeitet wird. In den Baumwollabfallspinnereien und-Webereien herrscht dagegen«in schlechter Geschäftsgang. Nur sehr wenige Betriebe berichten noch von ausreichender Beschäftigung. Die K a m m- garnspinnereien dagegen sind noch reichlich mit Aufträgen versehen. Dasselbe gilt auch für die D a m e n st o s f k a m m g a r n- Webereien. Während man in der Tuchindustrie durchweg von einem guten Geschäftsgang sprechen kann, ist die Lage in der Leinenindu- strie durchweg unübersichtlich. Viele Fabriken melden einen ganz flotten Geschäftsgang. Es wird auch über Mangel an Arbeitskräf. ten berichtet. Demgegenüber sind auch äußerst ungünstige Berichte festzustellen, die sogar Entlastungen von Arbeitskräften verzeichnen. Dagegen ist der Geschäftsgang in der I u t e i n du st r i e weiterhin gut. Auch die Stickereien melden ein« gut« Beschäftigung. Allerdings ist in Eibenstock und Breslau eine rückläufige Bewegung eingetreten. Auf Hochkonjunktur sind auch die T ü l l w e b e r e i e n, die Gardinen- und Kongreß st offwebereien einge. stellt, wo fortgesetzt Weber angefordert werden. Die Seiden- i n d u st r i e'st nur zum Teil sehr gut beschäftigt. Start beein- trächtigt wird das Geschäft natürlich durch den Streik der Arbeiter in der Seidenindustri« in Krefeld. Die Kämpfe in Krefeld haben auch die A u s r-ü st u n g s i n d u st r i e und die Samtindustrie stark in Mitleiden chaft gezogen. So hat die Samtindustri« bereits die Arbeitszeit au 30 Stunden pro Woche drücken müssen. In der Spitzenweberei hält das gute Geschäft an. Die K u n st- seidewindu strie arbeitet nach wie vor mit Hochdruck. Ein besonders guter Geschäftsgang wird auch aus der W i r t e r e i-, Strickerei, und aus der Trikotagenindustrie gemeldet. Danach Ist die Textilindustrie vorderhand noch recht gut be f ch ä f t i g t. Dem entspricht auch, daß die Zahl der Arbeitslosen sehr gering ist. Verteuerung der Rohstoffe. Die Steigerung der Baumwollpreis« hat im August weitere Fortschritt« gemacht. Infolge der Rekordernte im Jahre 1926 war der Prei» End« vorigen Jahres auf rund 12 Dollar cents und damit auf ungefähr Frtedenshöhe gesunken. Dann setzte ollmählich ein Ansteigen des Preises ein. Zur Zeit der großen Mississippi-Ueberschwemmungen, di« einen Teil wertvollen Baum- wollandes vernichteten, erhöhte sich der Preis ungefähr um 20 Proz. Er machte aber im Mai noch ungefähr 14,40 Dollarcents für ein englisches Pfund aus. Mitte Juli steigerte sich der Preis auf 18 Dollarcents. Bis Mitte August ergaben sich folgende Verände- rungen: � 20. Juli.' 18,35 Et«. I 10. August. 10,95 EtS. 1. August. 18,30,| 20.,. 21,10. Ende der Woche stellte sich in New Dor� der Lokoprei, auf 21,70 Dollarcents. In Bremen wurde für Septemberlieferungen 22,12 bzw. 22,17 Dollarcents notiert. An der Preisbewegung ist die Spekulatton stark beteiligt, die mit Nachrichten über un- günstige Witterung und Berheerungen durch den Rüsselkäfer arbeitet. Allem Anschein nach gehen wir einem teil er en Baum- w o l l j a h r entgegen. So wurden in München- Gladbach für Baumwollgarne(Nr. 20 Watergarn) per Kilogramm Ende Juli 1927 71,50 Dollarcents gezahlt. Der Preis hat sich bis Ende August auf 76 Dollarcents erhöht. Die Preise für Nr. 30 Water garn haben sich in derselben Zeit von 81,50 auf 86 Dollarcents ge steigert. Demgegenüber ist auf den Eeidenmärkten ein wefent- sicher Abschlag zu verzeichnen. Mailänder Seide(Organzin) wurde End« Mai mit 93 Schweizer Franken per Kilogramm, Ende August dagegen nur mit 78 Franken bezahlt. Japanische Ware(Trame) senkte stch in derselben Zeit von 80 Schweizer Franken auf 68. Ebenso wie für Baumwolle ist für Jute ein merkliches An- ziehen der Preise zu beobachten. Mitte Juli wurden für Jute(bil- ligste Notierung) in Hamburg 32,15 englische Pfund per Tonne bezahlt. Der Prei» hat sich End« August auf 35 englische Pfund pro Tonne gesteigert. Zweifellos wird die ziemlich ollgemeine Teuerung der Textil. rohstoffe auch auf die Textilkonjunktur in Deutschland zurückwirken Schon jetzt wird von der Leipziger Herbstmesse eine große Zurück- Haltung der Käufer für Fertigwaren gemeldet. Das ist um so be deutsamer, als man in Leipzig kaum der Meinung ist, daß große Läger vorhanden sind. In der Zurückhaltung der Käufer wird also auch ein Urteil über die Konjunktur zu erblicken sein, für die man weniger große Geschäfte in den kommenden Monaten erwartet, als sie bisher zu verzeichnen waren... Um öle Zukunft ües Silbers. Währungsreformen und Rückgang der Luxuswaren» industrie. Durch di« kürzlich erfolgten Silberverkäufe der indischen Regie- rung im Gewicht von ungefähr 288 000 Kilo ist die Frage um die Zukunft de» Silber» wieder akut geworden. Bekanntlich hat die britische Regierung nach jahrelangen Bemühungen das indische Par- lament zur Einführung der Goldwährung veranlaßt. Im Februar dieses Jahres wurde in Delhi das Gesetz, genannt die Currency Bill, angenommen, wodurch gleichzeitig Indien verpflichtet ist, seine Silberreserven, die insgesamt«tiva 8— 9 Millionen Kilo betragen, in einem Zeitraum von 10 Jahren abzugeben. Indien und China waren bisher die beiden einzigen Staaten mit Silberwährung und infolgedessen alZ große Silberkonsumenten für den internationalen Silbermarkt von ausschlaggebender Bedeu- tung. Man schützte den jährlichen Silberbedarf allein Indiens auf ungefähr 3!� Millionen Kilo. Schon allein an dieser Zahl sieht man, was es für die Silbererzeugung und für den Handel bedeutet, wenn dieser große Verbraucher nicht mehr als Käufer, son- b e r n als V e r k ä u s- r, wie es in den letzten Wochen der Fall war, austritt. Obwch! man bereits im Jahre 1925 nach Einführung der Golddevisemvährung in England damit rechnen mußte, daß das Mutterland auch seinen Kolonialstaaten die Goldwährung aufzwingen würde, ist die Welterzeugung von Silber ständig erweitert worden. Nachstehende Zusammenstellung zeigt die Entwicklung der Silbererzeugung während der letzten Jahre: Erzeugung Verbrauch 1918..... ca. 6,965 Mill. Kilo ca. 7.190 Mill. Kilo 1923»,«--»'.652 m m 0 8,657 m» 1925...... 7 656 m., 7,657,» 1926».»»-- 7,844-.»»'.657 m- Entgegengesetzt hatte sich der S i l b« r p r e i s entwickelt. Wäbrend der Durchschnittspreis pro Kilo gegenüber 1913 mit 80 M. im Jahre 1924 noch 93,50 M., im Jahre 1925 noch 96 M. betrug, ist er im Jahre 1926 auf 85— 94 M. und im August dieses Jahres auf 75—76 M. zurückgegangen. Es ergibt sich hieraus, daß die Wclterzeugung gegenüber dem Jahre 1913 ständig vergrößert worden ist und den Verbrauch über- stieg. Bei diesen Zahlen ist noch zu berücksichtigen, daß die Er- zeugung aus umgearbeiteten Materialien, also aus direktem Entfall in der verarbeitenden Industrie nicht eingerechnet ist. Aber auch in rein industrieller Beziehung ist die Lage für den Silberverbrauch recht ungünstig durch denNiedergangderSchmuckwaren- und Luxuswarenindu strie besonders in Deutschland. Vor dem Kriege stand Deutschtand in der Reihe der silberver- brauchenden Länder an zweiter Stelle Man schätzte den Ge- samtbedarf für industrielle Zweck« im Jahre 1913 auf ungefähr 400 000 Kilo, wovon der größte Teil auf die edelmetallverarbeitende Industrie, das Gold- und Silberfchmiedehandwerk in den süddeutschen Bezirken«ntfieh Der Rückgang der Ausfuhr in Silberwaren, Gold- waren und Schmucksuchen, die Steigerung der Arbeitslosigkeit und die wachsenden Stillegungen und Betriebseinschränkungen zeigen deutlich den Niedergang der gesamten edelmetallverarbeitenden In- dustrie seit dem Jahre 1924. Der gesamte Industrielle Silberver. brauch Deutschlands wird für da» Jahr 1926 auf nur etwa 180 000 bis 200 000 Kilo geschätzt. Er hat sich also halbiert. Daß der Rück- gang des Massenwohlstands in der Welt, der immer die Luxus- industrie am stärksten trifft, hier entscheidend mitwirkt, liegt auf der Hand. Weno auch in den letzten Jahren die Ausprägung von Silber münzen- in erheblichem Maße vorgenommen worden ist— Deutschland allein hat im Jahre 1924 für diesen Zweck an- nähernd 654 000 Kilo aufgenommen—. so bietet das doch keinen Ausgleich für die Steigerung der Welterzeugung und den Rückgang des industriellen Bedarfs. An ein baldiges Aufleben der Schmuck- waren- und Luxusii.dustrie ist bei der weitgehenden Auflösung der kaufkräftigen Mittelschichten in den ehemaligen Jnflationsländern und der vielfach noch sehr großen Arbeitslosen- lasten kaum zu denken. Aber auch in den Vereinigten Staaten. dem klassischen Lande wachsenden Volkswohlstandes, hat sich ein Nachlassen de» Silberbedarfs für Edelmetvllwareu bemerkbar ge- macht. Die Einschränkung der Produktion bietet insofern große Schwierigkeiten, als in den Vereinigten Staaten und in Mexiko, die an der Spitze der silbererzcugenden Länder stehen, Silber zum großen Teil als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Zink und Blei erzeugt wird. Die Drosielung der Silberhüttenerzeu- gung könnt« nur im Zusammenhang mit einer allgemeinen Ein- schränkung der Blei-, Zink- und Kupsererzeugung vorgenommen werden. R. B. Auftakt zur leipziger Herbstmesse. Durchaus normale Bedarfsmesse. Leipzig. 29. August.(Eigenbericht.) Am Sonntag fand in Leipzig in der üblichen Weise die Er- öffnung der diesjährigen Herbstmesse statt. Im großen und ganzen kann festgestellt werden, daß di« Beschickung der Messe dieses Mal reichhaltiger ist als in den Vorjahren. Gegen- über dem Herbst 1926 hat sich die Zahl der Aussteller in Möbeln und Korbwaren, in Haus- und Küchengeräten gesteigert. Sehr wahrscheinlich rechnen hier die Aussteller, in Rücksicht auf die bessere Baukonjunktur, mit der Nachfrage solcher Haushaltungen, die end- sich in den Besitz einer Wohnung gelangt sind. Daß sich, soweit man heute die Situatton überschaue« kann, diese Hoffnungen in starkem Maße erfüllen, kann leider nicht gesagt werden. Auch auf anderen Gebieten ist gegenüber dem Herbst 1926 die Zahl der aus- stellenden Firmen gestiegen. Das gilt für chemische, pharmazeu- tisch« und kosmetische Artikel, für Papier-, Buchgewerbe, Graphik und Bureaubedarf, für Sportartikel, Textilwaren und für die Aus-> stellungen in dem Verpackung»- und Reklamewesen. Soweit die Qualität der ausgestellten Waren in Frage kommt, kann den deut- scheu Fabrikanten bescheinigt werden, daß die Muster teilweise sehr gut sind. In vielen Zweigen läßt sich deutlich der Zug zum Kunst- gewerbe erkennen. Am Sonntag morgen, bald nach der Eröffnung der Halle, setzte «in le b h a f t e r Besuch ein. Es kam auch zu Gefchäftsab- f ch l ü f f e n; jedoch scheint man in der Regel nur kleine Auf- träge hereinnehmen zu können. Soweit sich das Geschäft belebt hat, kommt dafür die Nachfrage des Auslandsmarktes in Frage. Das Ausland ist zahlreich vertreten; es haben England, Holland, die Tschechoslowakei, Oesterreich, Italien und auch Frankreich ihre Einkäufer geschickt. Von großen Abschlüsien hat man aber bisher noch nichts gehört.'( Wenn man den Eindruck des ersten Messetages festhalten will,' so muß folgendes gesagt werden: Die Herbstmesse 1927 ist eine durchaus normal« Bedarfsmesse. Die Herbstmessen der letzten Jahre waren durchweg schlecht. Will man die diesjährige Herbstmesse mit ihnen vergleichen, so kann schon jetzt gesagt werden, daß die diesjährige Herbstmesse sehr wahrscheinlich die beste Messe nach der Stabilisierung der Mark werden wird.', Was wlrü mit Himmelsbach! Bayern meldet neue Forderungen au. An dem traurigen Schicksal der Gebrüder Himmels- dach A.-G., di« bekanntlich durch die Ressortwillkür der Forswer- waltungen verschiedener Länder zum Konkurs getrieben worden ist, hat stch nach dein in der letzten Gläubigeroersammlung vom Kon- kursverwalter erstatteten Bericht noch nichts zum Besseren gewendet. Der BoytottoerFirma durch die Forstverwaltungen Bayerns, Hessen» und Preußens dauert offenbar trotz der Vermittlungsvor- schläge des Reiches noch fort und nur die allgemeine günstige Kon- junktur scheint es ermöglicht zu haben, den Betrieb der Haupt- werke aufrechtzuerhalten. Di« Bestände werden aufgearbeitet, die Vorräte zu Geld gemacht und die außerdem vorhandenen Werte und Güter allmählich oerkauft. So wurde«in Geschäftshaus in Berlin mit Gewinn und ein landwirtschaftliches Gut zum Bilanzwert ab- ,-' gestoßen. Im ganzen ist di« finanzielle Situation aber aus einem anderen Grunde noch düsterer geworden als bisher. Der bayerische Staat ist nämlich inzwischen ebenfalls als Gläubiger aufgetreten und hat«in« Forderung von 3� Millionen Mark angemeldet. Er verlangt aus der Kontursmasse nicht nur die Bezahlung des ganzen Holzes, sondern auch den Ersatz aus dem Verlust für den vorzeitigen Einschlag noch nickst hiebreifer Bestände und der Mehrausgaben des Staates für di« Aufforstung der abgeholzten Flächen. Wenn die Konkursverwaltung dies« Ansprüche des bayerischen Staates auch ahlebnt, well sie sie nach dem Gutachten namhafter Staatsrechtslehrer für völlig unbegründet hält, so müssen diese neuerlichen Ansprüche die Lag« der Firma doch weiterhin sehr erschweren. An den mit Bayern, Hessen und Preußen geführten Prozessen hat sich noch nichts geändert. Die Länder lehnen es nach wie vor ab, die Ent- scheidung der ersten Instanz entsprechend dem Vorschlag der Firma Himmelsbach als endgültig hinzunehmen. Der Reichskanzler hat erklärt, daß er einen neuen Bermittlungsvorfchlag gegenüber den Ländern für aussichtslos halt«. Für die Sorgfall der Konkursverwaltung, der jetzt nichts mehr anderes übrig bleibt als die Veräußerung des gesamten Werkver- mögens, spricht das Bemühen, die Werke möglichst im ganzen zu veräußern, während sie noch im vollen Betriebe sind. In der Tat könnten dadurch große Verluste vermieden werden, die beim Einzel- verkauf besonders im Wege der Zwangsoersteigerung entstehen müssen. Es wäre deshalb dringend zu wünschen, daß die Länderregierungen an den neu angestrengten Versuchen der Kon- kursverwaltung, die außerordentlich kostspielige Prozeßführung durch einen Vergleich abzukürzen, nicht achtlos vorübergehen. Auch f ü r das Reich besteht die Pslicht, trotz der ablehnenden Haltung der Länder durch eine neue Vermittlungsaktton dafür zu sorgen, daß die Werk« der Firma Himmelsbach, an denen die Existenz von mehreren taufenden Arbeitern hängt, nicht einfach aus Abbruch oerkauft � werden müssen.,__ Also nichll Wie gemeldet wird, will das Rheinifch-weft- fälische Kohlensyndikat darauf verzichten, am 1. Sep- tember d. I. einen neuen Antrag aus Kohlenpreiserhöhung zu stellen. Der Antrag soll erst wiederholt werden, wenn gewisse zurzeit noch nicht abgeschlossene Erhebungen zu Ende geführt sein werden.— Die Meldung ist offiziell und man wird ihr glauben dürfen. Aber sie ist dunkel, und das Rheinifch-westfälische Kohlensyndikat hat feine Gründe, keine neuen Preiserhöhungsanträge zu stellen. Wir wollen dabei noch davon absehen, daß die inländische Konjunktur vielleicht ihren Höhepunkt bereits überschritten hat. Jedenfalls aber muß die deutsche Kohlenwirtschast, wie sich aus der internationalen Kohlcnlage ergibt, auch in-der Zukunft mit starker Auslandskonkurrenz rechnen, und wenn sich die Konjunktur verschlechtern sollt«, so treten ohnehin preissenkende und nicht preissteigernde Faktoren in Wirksamkeit. Die Trauben hängen den Zechenherren also nicht nur wegen der bisher ablehnenden Stellung des Reichswirtschaftsministers und der Oeffent- lichkeit zu hoch. Späte Rationalisierung bei der köpenicker Ritrilfabrik A.-G. Verlin-Köpenick. Der Abschluß für das Geschäftsjahr 1925 hatte der Nitrit fabrik A.-G. Berlin-Köpenick den gewaltigen Verlust von 80 Proz. auf das Aktienkapital von 2 Millionen Mark gebracht. Die Verluste waren auf die gänzlich veralteten Produk- tionsmethoden und auf die vernichtende Konkurrenz der Schwer- chemi« zurückzuführen. Dazu kam'noch die schlechte Geschäftslage in der Textil- und L e d e r i n d u st r i e, für die das Unter- nehmen als Lieferant von Säuren hauptsächlich in Betracht kam. So mußte sich die Gesellschaft, wollte sie den Betrieb überhaupt weiterführen, zu einer sehr scharfen Sanierung entschließen. Das Aktienkapital wurde von 2 auf 0,4 Millionen zusammen- gelegt und zur Beschaffung neuer Betriebsmittel auf 2 Millionen wieder erhöht. Die sehr spät vorgenommene Umstellung der Betriebe rächt sich auch jetzt noch. Für 1926 wurde wieder ein hoher Verlustabschluß von 630 000 M. gemeldet. Wie der Borstand auf der Generalversammlung mitteilte, macht setzt der Gesundungsprozeß Fortschritte. In den umgestellten Betrieben konnte der Verbrauch von Kohle und Material bei steigender Produktion ständig gesenkt werden. Ferner wird jetzt der wichtigste Rohstoff, der früher größtenteils von auswärts bezogen werden mußte, in den eigenen Betrieben hergestellt. Die Hauptlast der Rationalisierung hat auch hier wieder die Belegschaft zu tragen, die auf die Hälfte verringert wurde. Eine russische Zndustrieanleihe. Di« Bemühungen der russischen Wirtschaftsführer, die ausländische Kapitalsperre gegenüber Sowjet- rußland durch inländisch« Kapitalaufnahmen zu überspringen, dauern fort. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist die Auflegung einer inneren Anleihe von 400 Millionen Rubel beschlossen worden, die mit 6 Prozent verzinst werden und auf zehn Jahre laufen soll. Der Erlös soll für die weitere Industrialisierung de» Landes Verwendung finden, Vorträge, vereine und Versammlungen» # Reichsbanner„ Schwor,- Rot-Gold". SeschSItsslelle: Arilin S l,. Eebnstianstr. 37/2S. Hof Z Tr. Ticrgarten: Kameradschaft Hansa: Mittwoch. Zt. August, 2g Uhr, Kamcradschaftsversammlung dei Triimpcr, Flcnsburgrr Str. Z.— Friedrich-Hain: ISfe Uhr Antreten auf den bekannten Kameradschaft-. sammelplätzeu zum Ummarsch mit Musik und Fahnen. Pflichtvcranstaliung. Mes hat zu erscheinen._ Verband Eherechtsreform. Orffcntlichc Versammlung Freitag, 2. September, 20 Uhr, im Restaurant„Greiffenberger", Ierusalcmbcr Str. 8. Tages. ordnung: Beratungen im Rcchtsausschuh noch vor der Herbstsitzung? Der neue Antrag von Prof. Dr. Kahl. Freie Au, spräche. Gäste dürfen eingeführt werden... �. Arbeiter-Samariter-Kolonne Reinickendorf. Donnerstag, 1. September, IlHH Uhr, Mitgliederversammlung im Seebad Reinickendorf. Berliner Arbeiter-Schachklub, Werbe bezirt West. Dien-tag. Zg. August, 20 Uhr: Abt. Charlottenburg. Kaiser.Fricdrich.Etr. S7, freier Echachverkehr. Abt. Nordwest, Bremer Str. 72— 7Z, Simultanvorstcllung. Echachlehrkursus für Anfänger. Bortrag über„Warum spielen wir Arbeiter Schach?" E:ntr:tt frei! Abt. Besten, Sedanstr. 17, Blitzturnier. Abt. Steglitz, Echitdhorn. siratze 98. freier Echachverkehr. Abt. Lichterfclde, Sindcnburgdamm, Ecke Äugustastratzc 500 M. 6442 7111 11306 12191 27631 49648 54564 83182 75762 86926 90216 114703 114843 123481 134041 153248 176681 178630 179543 184563 212155 212562 239426 242972 244426 243515 256415 267509 276756 305303 305637 309660 309983 31 1594 312415 312755 317223 348759 168»«olnne ,N 300 M. 7182 7276 16910 20531 24929 26167 30338 32940 33223 34174 37033 43811 44404 47043 49659 52449 55030 56720 60150 60778 66036 67150 77052 81279 87954 94613 95315 100195 114430 114516 115509 125755 138129 139614 140635144132 144459 148381 148438 150489 154726 157078 160915 162531 164690 173953 184343 195649 197246 201716 203443 205267 215341 217395 221535 221593 222519 224786 229033 240425 243506 243986 257315 258694 263112 271633 286216 290431 291337 293243 300631 307068 303037 310413 322269 325269 329469 332100 332195 334575 343360 343637 347332 349770 I I. Ziehungstag LS. August 1937 Ön der Vonniitogsziehung wurden Sewinne über 159 M. gezogen 2»etoinn« zu 3000 M. 208722 20 Sewmne)u 2000 M. 21917 26163 73876 120298 130514 137755 223908 259518 327710 336793 32»«Winne ,u 1 000 M. 136 70911 84380 95105 99896 179357 229210 232465 239396 250066 282024 285370 306498 311404 314892 320798 72»«Winne m 500 M. 4821 13442 35908 50320 67693 62102 83286 100182 103698 107234 107536 110442 128731 130560 159252 182388 184143 185449 195093 216518 220390 227194 235821 241028 255237 257177 278076 278210 280439 287525 300706 306133 307486 329284 335094 338177 166»ewlnn« ,n 300 M. 546 4613 4736 9320 12615 24084 26095 29317 43395 48474 57311 63368 72123 79S52 82811 86185 87069 90120 93099 104532 112355 119214 119958 126840 130238 13.5910 133199 137065 137766 142522 144059 168609 159965 166451 168516 180741 187422 192067 192257 195334 197907 199431 2' 3264 206337 206723 209275 210803 213120 216042 218117 218162 2 8650 2 19206 221709 229538 234434 238177 241214 241792 243947 250965 257588 261904 262472 266118 272174 278944 282493 282649 292252 293964 294154 300686 300757 317062 3)9229 323496 324908 328042 328744 336488 336680 337230 Beltenverlauf! 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Ich suchte mit zitternden Händen in meinen 50 Taschen, tonnte aber nur meinen irrtümlich von zu Haus mitgenommenen Haus- sichlüssel finden, den ich voll böser Ahnungen hinhielt. Der Beamte sah natürlich sofort, daß das nicht der richtig« Schlüssel war, fixierte mich scharf und befahl mir streng, seinem Befehl zu folgen. „Ich habe den Schlüssel, Dan, das weiht du doch!" sagt« meine Frau auf Schwedisch, in leichtem- und munterem Gesprächston,„aber ich finde es nicht nötig, daß sie im Koffer herumwühlen: du hättest jedem einen Saldo geben sollen, dann wäre alles in Ordnung ge- wesenl Aber du ruinierst alles durch deine Unpraktifchkeitl" Ich gab sofort jedem einen Saldo und faltet« dann flehend die Hände. „Jetzt hat es doch keinen Zweck mehr!" rief meine Frau ärgerlich aus.„Und laß doch das Händefalten, Dan!" Die Beamten nahmen indessen die Kupfermünzen mit großer Bereitwilligkeit entgegen, aber sie betrachteten sie nicht etwa als Schweigegeld, nur als einen kleinen Ansporn zu weiterer Arbeit im Dienste des Staates und brachten ein Brecheisen an und machten Anstalten, den Koffer aufzubrechen. „frier ist der Schlüssel, bitte sehr!" sagte meine Frau schnell. Sie öffneten also den Koffer und hoben die Einsätze heraus und fingen an, mit ihren unsauberen Fingern in unseren Habseligkeiten zu graben und zerknitterten mein Frackoorhemd und machten die iveißsirid«tie Bluse meiner Frau teilweis« bunt und knabberten unsere Salizyltabletten an. Und plötzlich zogen sie ein großes Paket heraus und fingen an, es aufzuwickeln. „Meine frifchgewaschene Wäsche, schämen Sie sich doch!" rief meine Frau. Ich war gespannt, was sie ganz innendrin finden würden. Meine Neugierde wurde bald gestillt. Sie fanden eine halbe Flasche Schwedenpunsch. „Was ist das?" fragten die Zollbeamten. „Sage, daß es Haarwasser ist, Dan!" flüsterte meine Frau. Aber einer der Zollbeamten drückte den Korken mit dem Daumen hinein und setzte die Flasche an den Mund und nahm einen tüchtigen Schluck von dem Haarwasser. Und sein schwarzgelbes Gesicht strahlt« wie verklärt» als er dem nächsten Beamten die Flasche reichte. Die Flasche ging von Mund zu Mund. Alle tranken. Wir allerdings nicht. Die Flasche war unglaublich schnell leer. Und dann gruben die Zollbeamten mit doppeltem Eifer nach neuen Schätzen. Sie warsen den Inhalt des Koffers nach allen Windrichtungen, so daß das ganze� Zollokal bald mit unseren mehr oder weniger intimen Kleidungsstücken übersät war. Wie froh ich war, als der Koffer endlich leer war. Aber die Beamten hatten Blut geleckt. Jetzt warfen sie sich leidenschaftlich auf unser Kleingepäck und kehrten Reisetaschen und Handtaschen und Hutkartons und alles miteinander um. Tief unten in einem Hutkarton, unter meinem Galahut und zwischen meinen ineinander gesteckten Pantoffeln entdeckten sie die zweite halbe Flasche Punsch. Sie wurde mit Begeisterung b'egrüßt und war im Handumdrehen geleert. Den Italienern gefiel der Schwedenpunsch. Aber sie konnten ihn nicht vertragen. Sie wurden ziemlich berauscht. Einige lachten, andere weinten, aber johlen taten sie alle miteinander, außer dem Oberausichtsbeamten und einem der Packer, die umarmt eingeschlafen waren. Es war ein furchtbares Durcheinander. Und trotzdem wollten sie immer noch mehr haben. Plötzlich fiel ihnen ein, daß ich'ausgestopft fein müßte. Sie schleppten mich in einen hinteren Raum und zogen mich bis auf den nackten Körper aus, fanden aber weiter nichts als einen Hühner- augenring und ein Muttermal und waren höchst erbost, daß ich nichts hinter der Leibbinde hatte. Es tat mir sehr leid, daß ich nicht irgend- wo am Leibe eine halbe Flasche Punsch verborgen hatte. Dann wäre ich wohl ohne weiteres losgekommen. So mußte ich hundert Lire blechen, die wahrscheinlich ebenso brüderlich geteilt wurden wie der Punsch. Ein Weilchen später saßen meine Frau und ich wieder in unserem Abteil und starrten schwermütig auf die kahlen Weinfelder, während der Zug weiter nach Italien hineinrollte. .Tlaß du dir das Schmuggeln nicht abgewöhnen kannst!" sagte ich leicht vorwurfsvoll. „Fühle mal hierher. Dan!" flüsterte meine Frau. Und sie hob meine Hand nach ihrem dichten und schweren Haarknotcn. Da fühlte ich deutlich das dritte Fläschchen Schwedenpunsch. Und wir saßen lange Hand in Hand da und sahen uns treu in die Augen und waren glücklich, daß meine Frau keinen Bubikopf hatte. fäa» t>m schwedischen»0» Aoeostrup nnd Tlisabcth grtitel.) das Dorf öer$000 Uhrmacher. Von Karl Goatter. Steil und unvermittelt wachsen die Steinwände der Iurckberge aus bewaldetem Untergrund zur Höhe. Neben der Bahn rauscht die Aar, und industriereich« Orte reihen sich am Schienenstrang, der von Basel durch die Kantone Basel-Land und Solothurn in den Kanton Bern führt. In der ersten bernischen Stadt, in Biel, steige ich aus. Die Sefatzung. 3a Lonöon ist man öer ftnflcht. üaß ö e n Dienst auch weniger Mann verrichten können! In Derlin ist man öer Tinficht, öaß er ganz überflüfstg ist! Der Bieler See träumt in den Abend hinein, und dunkel und schweigend liegt inmitten der weiten Wasserfläche die Petersinsel, aus der Jean Jacques Rousseau, der Philosoph und„Zurück-zur- Natur"-Prediger vor 162 Iahren eine Zufluchtsstätte suchte, nach- dem er aus Frankreich verbannt worden war. Vom Geiste Rousseaus lebte heute noch viel im Volke, das um den Vieler See wohnt. Die Stadt Biel, deren Bewohnerschaft zu drei Fünfteln deutsch und zwei Fünfteln französisch ist, und die etwa 5060 Uhrenarbeiter beschäftigt, hat eine sozialdemokratische Gemeinderatsmehrheit, und das gleiche gilt von einigen Nachbarorten. „Der Iura ist still und verträumt, aber er ist klar und sonnig. Er mildert die stolze, unnahbare Wildheit und Majestät des Hoch-- gebirges zu ernster Kraft." So schildert ihn der Dichter Adolf Frey in seinem Böcklin-Buch. Da- stimmt überein mit John Rus- kins, des englischen Aestheten, Ausspruch, er habe in der Iuraland- schaft die Erfüllung seines malerischen Schnsuchtsrdeals gefunden. Von Biel hinaus nach La Chaux de Fonds führt der Zug an tiefen Schluchten vorbei, durch sanft geschwungenes Wiesengeländ«, durch ein Helles Hochtal, das gesäumt wird von weiten, dunklen Wäldern. Hin und wieder ein Dorf. In jedem ein oder mehrere Uhren- sabriken. Dann fährt man in den qioßen Bahnhof von La Chaux de Fonds«in, das sich in 1000 Meter Höhe auf einem Hoch- plateau nahe der französischen Grenze ausbreitet. La Chaux de Fonds zählt 40 000 Einwohner, ist aber dennoch keine Stadl, und seine Bürger wollen keine Städter, sondern nach wie vor Bürger „des größten Dorfes der Welt" sein. Sonst aber hat La Ehaux de Fonds wenig Dörfliches an sich. Palastartige Bauten, große Miot- kasernen, schnurgerade, im rechten Winkel sich schneidend«, an ameri- konische Städtebaumethoden erinnernde Straßenzüge, und vor allem die vielen großen Uhrenfabriken drücken dem„großen Dorf"— so nennt man in der Schweiz La Chaux de Fonds— ihren Stempel auf. Der Ort ist das Zentrum der schweizerischen Uhrenindustrie und des Uhrenhandels, und jedes Jahr gehen von hier viele Mil- lionen Uhren in all« Länder des Erdballes! Insgesamt werden pro Jahr von hier Uhren und Uhrenbestandteile für rund 100 Millionen Schweizer Franken ins Ausland geschickt. In den etwa 300 Uhren- sabriken und-fabrikchen sind 7000 bis 8000 Uhrenarbeiter be- schäftigt, und rund 6000 davon sind gewerkschaftlich organisiert. Das palastartige„Maison du Peuple" lVolkshaus). die in hoher Auflage erscheinende, im amerikanischen Zeitungsformat gehaltene sozialdemokratisch« Tageszeitung„La Sentinelle"(„Die Wacht") und noch manches andere zeugt von der Bedeutung der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie in dem unter sozialistischer Verwaltung stehenden Gemeinwesen. Ob du es glaubst oder nicht, geschätzter Leser: Das urfranzösisch« La Chaux de Fonds war, ebenso wie der ganze Kanton Neuchatel, in dem seit 2Z0 Iahren das Uhrenmachen betrieben wird, und dessen größte Gemeinde das Uhrmacherdorf ist, einst viele Jahre lang— preußisch. Das ehemalige Fürstentum Neuchatel siel nämlich durch Erbschaft mr Jahre 1707 an den preußischen König Friedrich l. Im Jahre 1806 legte Napoleon sein« Hand auf Neuenburg, wie der Kanton auch genannt wird, der es einem seiner fürstlichen Günstlinge als Vasallenfürstentum verlieh. Der Fürst, Marschall Berthier, verschacherte das Ländchen im Jahre 1814 wieder an Preußen gegen eine lebenslängliche Rente von 34 000 Talern. Die preußischen Machthaber regierten mit Polizeifuchtel und Steuer- schraube lustig darauf los Den Neuenburgern aber schien die Sache allerdings wenig lustig, und im Jahr« 1831 kam es im September und im Dezember zu Aufständen der Republikaner gegen die mon- archifiisch« Fremdherrschaft, die aber blutig unterdrückt wurden. Erst das Jahr 1848 brachte den Sturz der Preuhenherrschaft in Neu- chatel. Tausend Arbeiter von La Chaux de Fonds zogen bewaffnet hinunter in die Hauptstadt Neuenburg, nahmen die monarchistische. in-der Hauptsache aus schweizerischen Patriziern bestehende, königlich preußische Regierung gefangen, und der preußische König verzichtete wohl oder übel auf seine Neuenburger Untertanen, brach aber acht Jahre später treulos sein Verzichtsversprechen, inszenierte einen monarchistischen Putsch, der aber schon einen Tag später von den Republikanern niedergeschlagen wurde. Die Herrschaft des preußi- schen Königs in Neuenburg fand damit ihr endgültiges Ende. Durch die Iurawälder und später durch weite Wcinberggeländ« strebt der Zug hinunter nach der Hauptstadt Neuchatel. Silbergrau glänzt unten der Neuenburger See in der Sonne, und vom jen- seitigen Ufer grüßt, hauchzait, rosig und grau, die lange Kette der Alpen. Und wenn man Glück und schönes Wetter hat, kann man die Endglieder der Riesenkette sehen: im Osten die bayerischen und Vorarlberger Hochgipfel und im Westen den Silberblock des Montblanc. Tiete unö Mustk. Von Erna Büsing. Wenn abgerichtete Tiere nach der Melodie„Ich Hab' mein Herz in Heidelberg verloren" im Zirkus auf dem Manegenrnnd spazieren gehen, dann sollte doch eigentlich ohne weiteres ein jeder wissen, der Schlager wird gespielt, um die Dressur„volkstümlich" zu gestalten. Dennoch hört man immer wieder etwas von„musi- kalischen Pferden" raunen. Zur Bekräftigung dieser Behauptung wird dann aus da- Ohrenspiel der Pferde verwiesen. Aber das Pferd bewegt die Ohren womöglich, wenn es draußen einen weg- geworfenen Emailletopf in einem Graben liegen sieht, es spitzt die Ohren vielleicht, wenn man mit einem Schlüsselbund klappert. Das Ohrenspiel gehört eben zur Gebärdensprache, des Pferdes, es ist kein Ausdruck eines Musikempfindens. Damit soll natürlich keines- wegs bestritten werden, daß ein alter Kavalleriegaul die Signale kennt, ebenso wie er ohne Reiter die Kommando- ausführt. Bei der hohen Schule sind natürlich auch Musik und Gangart des Pferdes in Einklang gebracht, aber damit die Sache klappt, richtet sich der Kapellmeister nach dem Reiter. Mancher junge Schulreiter, der zu seinem Pech unmusikalisch ist, weiß sehr wohl, daß er dem alten Zirkuskapellmeister, der ihm die Musik zu seiner Schule schreibt und dirigiert, wirklich viel verdankt. Die Musik gehört nun einmal zum Zirkus und doch sagen die erfahrensten Dresseure:„Sie wird von den Tieren als etwas sehr Unangenehmes empfunden." Hat man gänzlich ohne Musik geprobt, können noch so zuverlässige Tiere und nicht nur Pferde und Elefanten, sondern auch Raub- tiere usw. bei der Vorführung derartig abgelenkt und nervös werden, daß kaum mit ihnen zu arbeiten ist. Kapitän Alfred Schneider, der mit hundert Löwen arbeitet, die schon vom Säuglingsalter an die Manege kennen, darf von seinen Tieren behaupten:„Sie sind an alles gewöhnt." Folglich ärgert sie auch die Musik nicht, trotzdem reagieren sie auf Trommel- Wirbel mit Gebrüll. Bei den Fischen ist da- Gehör scheinbar gar nicht entwickelt, und doch ist der Delphin außerordentlich geräuschempfindlich.(Als leicht nachzuprüfendes Beispiel kommt für einen anderen Sinn der Regenwurm in Betracht, der nicht das Merkmal des Gesichts, also keine Augen hat und doch sehr lichtempfindlich ist.) Und da die Delphin« als äußerst muntere Tiere oft wahrhaft graziöse Spiele ausführen, in wendigen, anmutigen Bewegungen' die fahrenden Fahrzeuge umschwimmen oder ihnen vorauseilen, hielt man im Altertum die Delphine für musikalisch. Das ist uns unter anderem übermittelt durch die Sage von Arion. Als räuberische FUcher den vielgepriesenen Meister des Saitenspjels zwangen, ins Meer zu springen, nahm ihn ein Delphin, der vpn dem Abschiedsgesang des Meisters wie bezaubert war, auf seinen kraftstrotzenden Fifchrücken und trug den schon verloren geglaubten Sänger und Dichter nach Tänaron. Obwohl auch die Schlangen nahezu taub sind, benutzen bereits seit dem grauen Altertum die Tubri-wallahs, die allergejchicktesten der indischen Schlangenbeschwörer, die Pfeife. Wie grausig in Indien die Giftschlangengesahr ist, wird auch dem Europäer ein- drücklichst verdeutlicht, wenn er hört, daß dort jährlich 20 000 Menschen durch den Biß der Giftschlangen getötet werden und ganze Dörfer oft wegen Giftschlangengesahr geräumt werden müssen. Die Tubri-wallahs freilich sind fabelhaft geschickt in der Behandlung giftiger Schlangen. Doch obwohl sie die Art und Weise dieser Tiere ganz genau kennen, fallen auch die Schlangenbeschwörer mit- unter einem tödlichen Biß zum Ovfcr. Der Marderfamilie scheint Musik zuwider zu sein, diese Beobachtung wurde u. a. einwandfrei an gefangenen Tieren gemacht. Genau entgegengesetzt ist es beim Rotwild. Wenn von ihm erzählt wird, wie es auf Musik reagiert, so gehört das nicht zum Jägerlatein. Schrieb doch selbst Ä. E. Brehm, als er über die Sinne des Edelwildes berichtet«:„Manche Töne x scheinen einen angenehmen Eindruck auf das Rotwild zu machen: so hat man beobachtet, daß es sich oft durch die Klänge des Waldhorns, der Schalmei und der Flöte herbeilocken oder wenigstens zum Still- stehen bringen läßt."_ Die Verbreitung der Todesstrafe. Die Bewegung für Aufhebung der Todesstrafe darf nicht wieder zur Ruhe kommen. Der selbstverständliche Grundsatz, daß die Tötung eines Mitmenschen unter allen Umständen verwerflich ist und auch dem Staat nicht gestattet sein darf, muß sich sieghast durchsetzen. Einige Länder haben diese mittelalterliche Barbarei schon längst lange abgeschafft. Namenstich sind hier fast alle süd- amerikanischen Staaten mit gutem Beispiel vorangeganqen. Nur Chile bestraft den Vatermord und den Raubmord mit dem Tode, aber niemals auf bloße Indizien hin. Die Todesstrafe wird durch Erschießen vollzogen. In Mittelamerika ist es nur Mexiko, das die Todesstrafe auf Mord und mehrere Verbrechen mit Todesersolg kennt. Doch sind mildernde Umstände zugelassen, und die Todes- strafe darf auch fünf Jahre nach der Tat nicht mehr vollstreckt werden. Einige mexikanische Staaten haben sie ganz aufgehoben. In den Vereinigten Staaten besteht die Todesstrafe in acht Staaten nicht mehr, 33 haben sie beibehalten, jedoch wahlweise mit lebeno- länglichem Gefängnis. In den restlichen sieben Staaten(darunter New Bork und Massachusetts) wird Mord stets mit dem Tode be- straft. Auch im Nachbarlande Kanada ist das Hängen noch üblich. In Europa sind bisher nur wenig« Staaten ohne Todesstrafe: Schweden. Norwegen, die Schweiz, Oesterreich, die Niederlande. Rumänien und Portugal. Italien hat sie im vorigen Jahr aus fünf Jahre für schwer« politische Verbrechen eingeführt. In Belgien ist sie seit 1864 nur einmal im Kriege vollzogen. In Dänemarks Finnland, Lettland, Ungarn und Tschechoslowakei wird die Aufbebung der Todesstrafe in den neuen Strafgcsetzentwürfen vorgeschlagen. Beibehalten wird sie bisher von Deutschland, Rußland,' England, Frankreich. Spanien, Bulgarien, Jugoslawien, Griechenland, Litauen. Estland. Luxemburg und Polen. Doch ist in den meisten diescr Länder neben der Todesstrafe noch wahlweise lebenslängliches Zuchthaus vorgesehen._ Man lernt nie aus. Der Flächeninhalt Asiens beträgt ein Drittel der gefpmtcn Erd- oberfläche. Auf ihm wohnt die Hälfte der Erdbeoölkerung. * Auf der Erde finden im Durchschnitt täglich zwei Erdbeben statt. * Einer Grippeepidemie in Indien fielen IS18 sieben Millionen Wenjchen zum Opfer, Tftcaier, Lldilsptele usw. mmm Schauspielhaus PalleDberU Kits EeorO Beodow iflohBiin üzdhs Szehfiü Werkmeister Westermeler Plein, Moni, ÜBdS, (flltdir. Riesenberfi, v. Beine Ausstg.: Ernst Stern Dir Ig.: Dr. Römer. Neue Bearbeitung: Bernauer Oesttrraicher ßsgle; Ckareli PrsKniere heute 7Va Uhr Vorveiknuf von 10—0 Uhr uanuterbrochcn Dienstag,30.8.27 Staats-Opsr Am PI d.Repub!. Anf. 7 Uhr Tristan und Isolde itaatl. Sdiauspielli. Am Gendirmtnmarkl i allabendlich 8U. Dienstag, 30.8.27| Städtisdie Oper Bismarckstr. Turn. I, Anf. 7U.| Ä5da Staat). Sdiiilerth. Charlottenburg allabendlich 8U. CASINO-THEATER suhr ihr danftier FiecH Aasschneiden! Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1,60 M. I�omlsche Oper 8V4 Uhr 8'/4 Uhr Berlins neueste Revue: !8Srenü verSolen üSl Die Ksvos der verbotenen Uideosüizltzn! j Uebrr 200 Mitwirk, x 8 Balletts.| Vorverkauf i. ö. Tfeaterkasvp ah 10 Uhr ununtarbr. j Theater des Westens Der Täglich d>-, Uhr: Die Tugend' Prinzessin Hella Knrty, Arthur Hell. Maillese Ludwig. ilart.u Kettur. Edith Kariu Bs/Ier, H. Löosdiüh Preise 1,2, 3 M. usw. IrianoD-Tbealer So 8,//, Uhr: Der prd&te Erfolg Berlins! Oer fröhiiebe Weinberg Lustspiel in 3 Akten /. Karl Zuckmayet Lobe, Ebelsbacher Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags mir 60 PI. :EUERWERK Eintritt 00 pro. einschl. 4—6 Ehr Nachmltlags-Kaffee und Kuchen. Kinder unt. 12 Jahre Eintritt frei RoichshallenoTheatcr Anfang 8 Ehr u. Sonntag nachm. 3 Ehr Stettiner Sänger Zum Schluß; Eine Hochzelt in der MullcrstraUc Nachmittags: Halbe Preise, volle» Programm. Dönhoff•EreU'li VarietÄ, Konzert, Tanz Auch bis zu 12 Monatsraten 3iaddatz&€9 6örtiniJßipzj�e�tn�J25� Wallenburg-Bühnen Ots. Kunstler-Th SV« Uhr „Du wirst mich heiraten" Lessing-Theater 8», 4 Uhr Israel Freitag 7 Uhr; Premiere „Hdnig lieinridi r Rose-Theater 8>,< Uhr: FOrslenwende Gartettbühne S1/, Uhr: Konserl and bunter Teil 8 Uhr: Die Fraa ohne KuB. Sirnnsky-Büliin Th.Künlggrälz. St. liasenheide 2110 8 Uhr Lihti tiifluSninsn I Die Sdiaie v.Dzoadi Komddlcnhaiu Norden 6304 Gasliplil dts Xnluin Uulktlsdui Tuitm „Hablma- I. Septemb., 71/, U. Dybuk Beniner Theater Dönhoff 170 I. Septemb., 7'/, U. Etiftgiicginntilligg: Löonie Lgihpigl ng Ln Utu rbut. 8. NilkndorfpUti Hur nodibisll.llDpt Täglich 8«/, Uhr Alt-Heidelberg dutgiel ,gg Mcyer-fotnUt tittoni. Rggter. Sltiul�artgl PreUe: 1,-. 2,-, 3,- M. usw. Oeffentliche Aufforderung tue ITbgob.»et Sfcner.tdötang fflr die ffiinfommcnfteoct, SSrpet- Idjaffffeuer und UmzoHfleuer für 1926,1927. Die Steuererklärungen für die Einkommen., Körperschaft, und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 1. bi» 15. September 1027 unter Benutzung der vor. geschriebenen Borducke, wie solgf, abzugeben! A) Einkommen- und Körperschaftsteuer. fir Abgabe einer Steuererklärung für die Einkommenstc-er find ver». tcuerpflichiige(Landwirte, Forstwirte, S-rt-nbautreibende«sw/|, deren Einkommen im WirtschastsjaHr 1928/1927 den Betrag von 8000 RM. Uber. stiegen Hat;,._v,_.. 2. ohne Rücksicht auf die Höhe des Eintommen» Steuerpflichtige, bei denen der Gewinn auf Grundlage des Abschlusies ihrer Bücher zu ermitteln ist» gur Abgabe einer EtenererNSrung' für die«irperschaststeuer stnt per. pslichtet: 1. steuerpflichtige Erwerb-gesellsch-ften;„,_- 2. alle Übrigen st-uerpftichtigen Körperschaft-» und Lermög-n-malseu de, 3 stcu?rpft�tige�Bctriebe und Verwaltungen von Körperschaften de, össrnt. lichen Bechto und öffentliche Betriebe und Verwaltungen mit etgener Rechtoperiönlichfeit. � Bei Beteiligung meheerer an den Einfllnsten aus: ») Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nicht gewerblicher Bodcnbcwirtschaftuna. �. d) einem Gewerbedetrieb, ,. B. einer offenen Hand-!ag-s-llfchaft oder Kam. manditgesellschast haben die zur Seschästsstihrung oder Vertretung de. fugten Personen ohne Rllckftcht auf die Höh- de, Gewinne, eine«t». kommenserklärung abzugeben. IV. I. Die Erklärungen für die Einkommen, und Körperschaststeuer find >.... x... s—r______ v:. ntta Prt«hrmrtirhnff CCnr' /zogen haben, für da- Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 192» bis z z« Juni 1027: bei reiner W-idewirif-Itatt und reliter Viehzucht statt dessen für da, Wirtschaftsjahr vom 1. Mat 1S2S bis zum 80 Aprtl 1027. b) von den Steuerpflichtigen, die Handelsbücher nach den Vorschriften oes Handelsgesetzbuchs zu führen verpflichtet sind oder, ahne dazu p-rptl,chtet ?u fein, Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs tatsächlich führen, Mr da» Wirtschaftsjahr, für das sie r-aelmätzige Ad. schlüss« machen, sofern-- in der erste» Hälfte des Kalenderiahrcs 1927 geendet hat, 2. Di« Erklärungen für die Einkommen, und Körperschaststeuer find WI WILLIAM BOYD/ ELINOR FAIR/ DEN HAUPTDARSTELLERN AUS „WOLGASCHIFFER"- P. D. C. FILM IM VERLEIH DER NATIONALFILM A.-0. URAUFFÜHRUHG: ab HEUTE 7" 9" PHOEBÜSmAST JUSENOUCHE H\3EN ZUTRIir. Sa Maiöd 'exLciFts,: Heues Theater am Zoo Sir.: Ridirf Gorln criffaugg 4er Wigtengiglail Mittwoch, 31. Aug., 7 Uhr Drei lustige Komödien von Thoma fgrrgHugf hil bigaonn. Tel.: Steinplatz 3371 mmtm �Planetarium am Zoo (erlieg. Jeidiigntlnlir Slralt Noll. 1578 Oer Sternenhimmel euf der Reiee«en Berlin eech dem Aequetor Vorführungen: t'/» 6, T/„ 0 Uhr. Eintritt I M. ('ginget. IS Jglittn 9.S9S Theater am Kctth. Tor Koltb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr: Elite-töngpi Gevaillges ■ Proqnmm Im Namen des Volkes! Zn der Strofsarbe gegen l den Nedofteur Eugen Siebert in Berlin-Fehlendorf. Charlottenburger Straße 8, geboren am ?.■). Oktober 1886 in Hagen, 2. den Schrotleiter Fritz Wirth in Tilsit, siohestrahe 87. geboren am 24. Mai 1882 in Lieanitz. wegen Beletdigung durch die Presse, hat auf die von den Ängeflagte» und der Etaatsanwattlchaft gegen das Urteil de» Schöffengerichts in Berltn-Liditerfelde vom 24 Januar 1027«ingeieate Berufung oie 3. große Slraflaminer de» Landgericht» II m Berlin in der Sitzung vom II. Mai>027 für Recht erfannt: Da» angeioch.ene Urteil wird, soweit e, den Angeflaqten Sieben betrifft, ausgehoben: der Angeklagte Sieben wird wegen .Vergebens gegen ff 21 de» Vreffegcsetzes oom 7. Mai 1874 zu emer Geldstraie von 50— tllntzig— AM., im Nichtbeitreidungs- alle zu 2— zwei— Tagen Gefängnis und wegen Beleidigung durch die Presse in 2 Fällen zu einer Geidstrale von 150— ein. hundert tiim, ig— RM. im SlichtbeitreibuugSsalte zu 8— sechs- Tagen Gefängnis und zu einer Geldstraie von 300— drei hundert— RM. im Nichibeitreibungsfalle zu 12— zwölf— Tagen Gefängnis Die Berufung de» Angeflaqten Wirfh und die Berufung der Slaatsonwaltschaft bezüglich dieses Angeflagten wird mit der Muhgabe verworfen, datz der Angeftogle Wirth wegen Be leidigunq durch die Presse in 4 Fällen zu Geldstrafen von 250 — zwelhundertfünfzig— RM., im Nichtbeitreibungssalle zu 10— zedn— Taaen Gefängni», von weiteren 260— zwei» dunderttün'zig— RM. im Richtdeitreibungfalle zu 10— zehn— Tagen Gefängnis, ferner von 500— fünfhundert— RM., im Richlbeitreibungsfalle zu 20— zwanzig— Tagen Gekängni». und zu einer Geldstrafe von 2000— zwettatilend— RM., im Ntchldeitrribungsfalle zu 40— vierzig— Tagen Dejängnts oerurleilt wird. Die Berufung des Angeflagien Eiebert wird verworfen. Bezüglich der im Botderurteil ausgesprochenen Einziehung wird da» Urteil dahin abgeändert, daß alle Exemplare de» Arllfel»»Der«oeuitonsgetsf, bezüglich der ersten beiden Ad' sätze und de» Artifels»Braun, die Villa und die Bauern" in Nr. 1803 der»Deutschen Beiträge" vom 14. und 13. Dezember 1925 und de, Artikel«„In eigener Sache" In Sit. 2067 derselben Drudschrtft vom 28. Oftober 1928, serner alle Exemplare der Arlikel»Hindendurgs Anstrengungen lür eine große Regierung»' koalition" und»Braun, die Villa und die Bauern" in Nr. AZ der Ttlsiter Zeitung vom 15 Dezember>925. serner de» Artikel» ..Da» bescheiden- Landhäu»chett" in Nr. 299 derselben Zeituna oom 22. Dezember>925 und de» Artikel»»Ein Rückzug de» vreuß.schen Ministerpräsidenten Braun" in Nr. 258 derselben sieitung vom 31. Oktober>92!, sowie derjenige Teil der Platten und Formen, aus welchen sich die vorbezeichneten Stellen de» finden, unbrauchbar zu machen sind, soweit die Exemplare sich im Besitz de» Per, assers, Drucker». Herausgeber», Verlegers oder Buchhändlers befinden oder öffentlich ausgelegt oder öffentlich angeboten sind Dem Beleidigten, preußischen Ministerpräsidenten Braun,, wird die Beftigni« zugesprochen, den perssigenden Teil de» Urleil», soweit es Siede« betrifft, auf dessen Kosten innerdald 8 — sechs— Wochen nach Fustellung einer mit der Bescheinigung der Recht»lrajt»ersehenen Urteilsau, seitigung in der»Tilsiter leitung", im»Borwiirl»" und in der»Deutschen Allgemeinen Zeitung" bekannt zu machen. Der Angeklagte Eiebert trägt die ihn betreffenden Kosten de« Verfahren» erster Instanz und dl« Kosten seine» Rechtsmittel» und die Kosten de» Rechismittel« der Staatsanwaltschaft Der Angetlagle Wirth trägt die Kosten seines Rechtsmittel», die Staatslasse die Kosten de» Rechtsmittel» der Slaat«anwaltschaft, joweit c» den Angeklagten Wirth betrifft. Porstehende« Urteil Ist rechtskräfftg. BerltU'Lichterfeld«, 18. August 1927. Der Gertchtsschreiber de» Amtsgericht». L. S. gez. Unlerschrift. Iustizinspeitor. Für richtige Adschtist Berlin, den 26, August 1927. _ Stift, Kanzleilnspeftor. Kill«' Im In der G es am tauflas c des.VorwCrts" sind besonders«ckrksoic und trotzdem sehr billig! bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk die zu I bezeichneten Steuer, Pflichtigen ihnen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt, die zu II und III bezeichneten Steuerpflichtigen den Ott der Leitung haben. Für die Entgegennahme der Steuererklärungen und für die Veranlagung der Akti-ng-scllsch-sten, Kommanditgesellschaften auf Aktien, B-rggew-rkschast-n, öffentlichen und öffentlichrechtlichen Betriebe und Verwaltungen, sowie der- jcnigen Gesellschaften m. b. H., die entweder zu einem Konzern gehören oder .......'____n__*xqT—__ 7. V menhAffotto bei denen da» Stammkapital nach der Eoldmarkeröffnungsbilanz mindestens 100 000 RM. betrögt, ist für Berlin das Zentralftnanzamt, E. 2, Jüd-n. straße 58/80, zuständig.. Ist im Inland weder ein Wohnsttz, noch etn gewöhnNcher Ausenthalt, noch cm Ort der Leitung vorhanden, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Dezirk da» Unternehmen betrieben oder ständig vertreten oder die Tätigkeit porwiegend ausgeübt wird oder Vermögensgegenstände sich befinden. v) Umsaiisteuer. 1. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die Umsatzsteuer sind verpftichtet: ») Steuerpflichtige, die Umsätze au» Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Garten. bau und sonstiger nicht gewerblicher Dodenbewirtschaftungerzielt haben, für da- Wirtschaftsjahr vom 1. Juli 1928 bi» zum 30. Iünl 1927: bei reiner Weidewirtschaft und reiner Viehzucht statt dessen für das Witt» M�ft«inh£ vom 1. Mai 1936 bis zum 30. April 1927; für nlchtbuchführenb« Landwirte, Wt Großpiehverkäufen und der Wert de» in der eigenen A wendeten Saatguts im gesamten Wirtschaftsjahr 1928/1927 sich auf mehr als 1000 RM. belaufen hat.' d) Steuerpflichtige, die Handelsbücher nach den Vorschriften de« Handel». g-setzbuchs zu führen verpflichtet sind oder, ohne dazu verpftichtet»n fein, Handelsbücher nach den Vorschriften des Hand-lsg-fetzbnch» tad. sächlich führen, für da» Wirtschaftsjahr, für da» st» regelmäßige Ab. fchlüsse machen, sofern e« in der ersten Hälfte de, Kalenderjahr» isa geendet hat. 2. Die Erklärung für dl« Umsatzsteuer Ist bei dem fftnanzontt-dtzugeden. in dessen Bezirk die llmsatzsteuerpftichtigen, a) soweit sie wegen einer gewerblichen Tätigkeit, einschnetzuch der Uv. erzeugung, steuerpflichtig sind, da» Unternehmen beteeiben. Bei mehreren Niederlassungen oder Geschäftsstellen eine» rechtlich in einer Hand be» findlichcn Unternehmens ist der Ort der Leitung de, Unternehmen» maßgebend: d) soweit sie wegen einer beruslichen Tätigkeit steuerpflichtig find, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Ist weder ein Betrieb»»« noch ein Ort der Leitung, weder ein Wohnsitz noch ein gewöhnlicher Aufentholt gegeben, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk da» Unternehmen ständig vmrmn oder die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird oder das Unternehmen seinen Sitz hat. i C) Gemeinsames. i. EteuerpfNchttge mit mehreren Wirtschaftifahren,«vn denen ein Wirtschaft». jähr in der zweiten Hälfte de» Kalenderjahre» 1927 endet, sind auch dann nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn ein Wirtschaftsjahr in der ersten Hälfte des Kalenderjahre» 1927 endet. Diese Steuerpflichtigen werden vielmehr erst nach Ablauf de» Kalenderjahre» 1927 zu einer Steuerrrklärung aufgefordert werden. 17. Die zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflichteten haben sie auch dann abzugeben, wenn ihnen ein Vordruck nicht»»gesandt wird. Die Übrigen Steuerpflichtigen haben eine Steuererklärung abzugeben, wenn sie hierzu vom Finanzamt besonders aufgefordert werden. Die nichtbuchführenden Landwirte mit einem Einkommen von weniger als 8000 RM. haben auf besonderen Frage- bogen die für die Anwendung der Dnrchschnlttssätze erforderlichen Erklärungen abzugeben. Vordrucke für die Steuererklärungen find bei dem zuständigen Finanzamt innerhalb der ErklSrungsftlst unentgeltlich erhältlich. lll, Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Erklärungen versäumt. kann mit Geldstrafe zur Abgabe der Erklärungen angehalten werden: auch kann ihm ein Zuschlag bi» zu 10 v. H-�r festgesetzten Steuer auferlegt werden. Die Hinterziehung oder der Versuch'einer Hinterziehung der Einkommen., Körverschaft» oder Umsatzsteuer sowie fahrlässige Vergehen gegen die Steuer. gesetze(Eteuergefährdung) werden bestraft. Berlin, den 22. August 1927. i Der Präsident des LandeSfinanzamts Berlin. IMsr MglUsiteHeM Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unserKollege, derZig-Maschinenführer Hugo Ließner am 26. August 1927 gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Ritt. woch. dem3l August 1927. 15>/, Uhr. im Krematorium Baumlchulenweg statt. Rege Beteiligung erwanet vlv Oi-ttTvez-swaltiine. r Für die große Beteiligung bei der Einäscherung meine» lieben Manne», unlere» guten Pater« Bruno Scbellberger sagen wir allen, die daran tellge» nommen haben, sowie dem Redner tür seine trostreichen Worte aufrichtigen Dank. Agnes Schelkberger und Kinder. Von der Heise zurück Dr.UlbSMHz.Ssiteb'.SZ Maul-. Harn-. Beinleiden. 12— I. 4— 7. BOhmisdie Bebfedern aus erster Hand kaufen Sie am vo«eil. hafteften gegen Wochenraten von M. 5.— an. Preisfataiog u. Muster gratis. Zutchrlften nn OHO Schrelher. Gdersbach 1. Sa. MeileDasDBDote 1 fimieii im Vorwärts Pamllen an Bahnst, u. Dorf qm 30 Pf. «rt. Liß, Winsstr. 68. Ii in Hdmiralspalas Die neue BALLER- REVUE Fnitat. l. Septimtar gririti 1 Ukr PremffEre tS'icma achten! viegt. 1891." ,«injetaerkaaf birett an Private tepv- und DanneN'Decken kaufen«te dcllens aö Hrrnknrll errufe nanndol. Perlt» 8 14, küallitcase 79' tuuerar-Babn Intel brücke! iOIetall.ttfettstellen,«n:teg-malranen, fem. tvezie». 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