Abendausgabe Nr. 409 � 44. Jahrgang Ausgabe S Nr. 202 Scjuflsbrtlngunflen und«njtigtnpwlft Nkd in der Morgenausgabe angegeben «edakllon: SA». S», Lindenftrab« 3 Farnsprech«: VSnhaff Z92— 297 leL-Mötcfl«: Sozlaldemotro« verlin Verliner (10 Pfennig) Dienstag 30. August 1 927 Verlag und Anzeigenabteilung! Geschäftszeit Slb bis S Uhr Verleger: vorwärto-verlag Gmby. verll» SA». SS, Llndenstrob« 3 Zernsprecher: VSnhoss 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdcmohrati fchcn Partei Deutschlands polnisthe Parlamentsprobe. Sejm und Senat verlangen die Einberufung. Zu dem im Kern absolutistischen Regierungssystem der verflösse- nen Monarchien gehörte es, daß der«ine Faktor der Gesetzgebung, nämlich die Krone, sich ziemlich willkürlich von dem anderen, angeblich gleichberechtigten, nämlich der' Volksvertretung, befreien und ihn ausschalten konnte: durch das Recht der Einberufung, Vertagung, Schließung und Auflösung des Parlaments. In der Demokratie kann selbstverständlich nur das Parlament selbst dieses Recht haben, da es doch das Volk oertritt, von dem alle Gewalt ausgeht. Die polnisch« Verfassung, im ganzen recht demo- kratisch, überträgt dieses Recht dem vom Parlament gewählten Präsidenten der Republik. Solang« die Verfassung geachtet und be- folgt wurde, also bis zu dem Militärputsch Pilsudskis im Mai 1926, schien dieses Recht nicht gefährlich, denn der Staatspräsident wurde von der parlamentarischen Regierung beraten, ohne deren Gegen- zeichnung er Staatsakte nicht setzen kann. Aber seither ist Pilsudski Regierungschef und tatsächlicher Machthaber— und er pfeift auf das Parlament und regiert durch Dekrete. Wenn das Parlament solch« Dekret« aufhebt, wie das einstinnnig mit dem Presseknebe- l u n g s dekret geschehen ist, so schickt Pilsudski das Parlament nach Haus« und erläßt das Dekret von neuem. Jetzt hat die große Mehrheit des Parlaments— weit mehr Unterschriften stnd vorhanden, als nach der Verfassung nötig wären— durch den Sejmmarschall Rataj die Wiedereinberufung des Parlaments schriftlich vom Staatspräsidenten M 0 s c i s k i ge- fordert. Die Beantwortung dieses Schreibens wird Klarheit schaffen, ob man offen verfassungswidrig regieren will, was ja von einer Putschregierung allerdings nur logisch wäre oder ob man so weit nicht gehen will. Mehr Klarheit wird vorläufig nicht zu erlangen sein, denn wenn Pilsudski eine Parlamentstagung erlaubt, so ist damit noch nicht gesagt, daß er Verfassung und Parlament nun auch respektieren wird. Hierzu wird uns aus Warschau noch gemeldet: Der Staats- Präsident ist laut Verfassung verpflichtet, diesem Einberufungs- verlangen innerhalb von 14 Tagen Folge zu leisten. Im Vordergrund der Tätigkeit des Parlaments soll die* Verleihung des Selb st auflösungsrechtes an Sejm und Senat stehen. Diese Frage bildete den Anlaß zur Schließung der Session durch die Regierung. Auch der Pressezwang soll behandelt werden. Austausch polnischer Gefangener. Zwischen Polen nnd Ruhland. Warschau, 30. August.(OE.) In allernächster Zeit wird die Sowjetregierung 39 Polen, die wegen verschiedener politischer Ursachen sich in Gefangenschaft bc- finden, an die polnische Regierung ausliefern. Polen wird dafür 9 gefangenen K 0 m m u n i st e n die Ausreis« nach Sowjet- rußland gestatten. Ferner sollen in den nächsten Tagen durch Der- mittlung des Roten Kreuzes zwischen Polen und Litauen politische Gefangene ausgetauscht werden. Drauns und üer Sürgerblock. Eine Erklärung des Arbeitsministers. Wir gaben kürzlich eine Aeußerung des Zentrumspublizisten Dr. Tripel wieder, in der von dem Verhalten des Reichsarbeits- Ministers Dr. Brauns bei dem Entstehen der Bürger- blockregierung die Rede war. Dr. Brauns veröffentlicht nun in der„Gcrmanlo* eine Zuschrift, in der er die Darstellung Teipels als eine.Irreführung der öffentlichen Meinung" bezeichnet und weiter erklärt: „Ich habe— meines Wissens einig mit der ganzen Zentrumsfraktion— die damalige Regierungsbildung nicht ge- wünscht und habe daraus auch niemandem gegenüber einen Hehl gemacht. Die Linkspresse hat das zurzeit ausdrücklich festgestellt. Von einem„verstohlenen Wink an Herrn Dr. Scholz" ist mir nichts bekannt. Ich halte derartiges für ausge- Ichlossen. Jedenfalls habe ich mit Herrn Dr. Scholz damals keinerlei Fühlung gehabt, weder unmittelbar noch mittelbar. Die mir von Herrn Teipel in den Mund gelegte Aeußerung gegenüber dem Herrn Reichskanzler Marx ist ebenfalls objektiv u n- wahr...." Dr. Brauns hält es dann für geraten, die Sozialdemo- k r a t i e als den„Vater der Regierung der Rechten" zu bezeichnen, weil sie die Minderheitsregierung Marx zum Sturz brachte. Das ist zwar eine sehr bequeme und naheliegende Ausrede. Aber selbst Herr Dr. Brauns wird kaum bestreiten können, daß im Zentrum Kräfte am Werke waren, die gemeinsam mit der Voltspartei die Deutschnationalen in die Regierung wünschten, selbst wenn Herr -Brauns nach seiner Versicherung nicht von der Partie gewesen sein sollte. Und daß ihnen die Ausredemöglichkeit mit dem Sturz der Marx-Regierung sehr gelegen kam, erscheint auch ohne besonder« Versuchung glaubhaft. « In unserem Leitartikel„Schrei nach dem Religionskrieg" in unserer Abendausgabe vom 27. August wird der Breslauer Univer- sitätsprofessor Ziefchv als Zentrumsmann völkischer Neigung be- zeichnet. Wir werden nun aus Zentrumskreisen darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Pfarrer und Professor Dr. Zischä nicht der Zentrumspartei angehört, sondern der deutschnationalen Partei und ihrem.Katholitenausschuß", der von Martin Spahn ge- führt wird. Wir geben davon berichtigend gern Kenntnis. Man kann das Zentrum beglückwünschen, daß Ziesche nicht zu ihm gehört. Leipziger Messe. Ein voster Erfolg.— Steigende Preise. Leipzig. 39. August.(Eigenbericht.) Während am Sonntag und Montag die Beurteilung der dies- jährigen Herbstmesse immerhin nicht ganz einheitlich war, prägt sich jetzt der volle Erfolg der Messe aus. Sie reicht nicht, be- sonders soweit der Export in Frage kommt, an die Ilmsätze auf der Frühjahrsniesse 1927. dürft« aber weit besser sein als die letzten Herbstmessen, die allerdings nicht unter besonders günstigen Sternen standen. Die große Mehrzahl der Aussteller sind dieses Mal mit Leipzig zufrieden, während die Einkäufer allerdings sehr über a n> ziehende Preise klagen. Sind die tn Leipzig ausgegebenen Orders auch nur sehr klein, so stnd sie desto zahlreicher. Der gute Verlauf der Messe findet dann auch durchaus seine Stütze in den vielen Bestellungen zahlreicher Kleinhändler, die die Messe nach Leipzig geführt hat. Das Inlands- geschäft ist durchaus ausschlaggebend. So weisen fast alle Waren- arten in vielen Branchen eine lebhaft« Nachfrage auf. Di- Fabriken. die sich sehr lange Lieferzeiten ausbedingen, dürften ihren Auftrags» bestand für die Leipziger Herbstmesse nicht unerheblich vergrößert haben. Der Arbeitsmarkt verschiedener Industrien erhält zweifellos durch den guten Verlauf der Leipziger Herbstmesse starkes Rückgrat. Im Grunde genommen zeigt sich in dem guten Verlaus der Messe «in unleugbarer starker deutscher Bedarf nach allen möglichen Waren und Bedarfsartikeln. Das riesige Heer der Arbeitslosen vom vorigen Winter Ist wieder in die Lage gekommen, sich mit dem nötigsten zu versorgen, lvas monatelang während der großen Arbeitslosigkeit nicht möglich vxir. So«werden vom Kleinhandel Waren min- derer Qualität bevorzugt. Der Export spielt ganz entschieden auf der diesjährigen Herbstmesse eine untergeordnete Rolle. Die Einkäufer stnd aus allen Ländern in sehr reicher Zahl vorhanden, wenn auch hier und da Meßgeschäfte nach dem Auslande abgeschlossen wurden, so ist doch von einer wesentlichen Belebung des Exportgeschäftes nichts zu hören. Im allgemeinen muß hervorgehoben werden, daß man in weiten Kreisen die Empfindung hat, die Einstellung des deutschen Unter- nehmertums zu dem Exportgeschäft sei sehr wenig glücklich. So wurde«in Artikel in der„Leipziger Wirtschafts- und Exportzeitung", die im Verlag des Leipziger Messeamts erscheint, viel bemerkt. Der Artikel trägt die Ueberschrift„Exportindustrie und Sozialbelastung". Darin wird einem Abbau der deutschen Sozialpolitik das Wort geredet, um den deutschen Warenexport zu steigern. Der ganze Artikel ist eine Verkennung der Bedeutung, die eine gut« So- zialpolitik für die Herstellung von Qualitätswaren und für das Exportgeschäft hat. Man muh sich wundern, daß das Leipziger Messe- amt es fertiggebracht hat, in diesem Artikel die äußerst primitive Auffassung eines rückständigen Unternehmertums zu übernehmen. Deutschösterreich will heim! Selbst ein Pariser Journalist kann es nicht überhören Paris, 30. August.(EP.) Das„Iounal" hat einen Mitarbeiter zu einer Enquefe über die Anschlußfrage nach Wien entsandt. Dieser teilr mit, in Wien spreche alles von Anschluß, da man den aus dem Frieden von St. Germain hervorgegangenen österreichischen Staat nicht als lebens- fähig betrachte. Es gebe keinen vernünstigen Oesterreicher, so habe ihm ein Finauzmann erklärt, der den Anschluß heute nicht im Prinzip billige und der nicht morgen seine Durchführung fordern würde. Er habe vergeblich auf ein�r Rundfahrt einen Oesterreicher gesucht, der Oe st erreicher bleiben wolle. Die Geschäftsleute beklagten sich über die das Land gegen Rußland, Polen und die Tschechoslowakei usw. abschließenden Zoll- schranken. Wenn der Anschluß an Deutschland vollzogen werde, finde Oesterreich dagegen ein Absatzgebiet von 70 Millionen Menschen ojsen. Ausweisung ües TsiS-vertreters! Frankreich„warnt" alle ansländischen Journalisten. Paris. 30. August.((Eigenberlchl.) Der verlreler der sowjetrussischen Telegraphen- Agentur Brown ist aus Frankreich innerhalb 24 Stunden ausgewiesen worden, weil er tendenziöse Darstellungen der Zwischenfälle, die sich bei den Manifestationen zugunsten Saccos und Dan- zcttis in pari» abgespielt haben, verbreitet haben soll. Dies soll den Blättern zufolge eine„ernste Mahnung" an alle ausländischen Zournalisten in Paris sein. In Zukunft werden alle Berichterstatter. die über Paris oder Frankreich entstellende Rachrichten bringen, ausgewiesen werden. Luststümperei. Die Nutzlofigkeit der Flugmaschine und ihre Gefahre« in der Gegenwart.— Ein Organisationsproble»«. Von H. G. Wells. Copyriglit by H. G. Wells.— Üborsetzungsrcobte vorbehalten. In dieser Welt gewaltiger und oft regelwidriger Um- wälzungen im Bereiche westlicher Kultur, die ihren Lauf all- mählich um die ganze Erde nimmt, leben die Menschen länger, gesünder und besser als einst. In mancher Hinsicht allerdings scheinen sie weniger gut zu leben als sie sollten. Eine der auffallendsten Erscheinungen beim Anblick unseres gegenwärtigen Lebens ist die beträchtliche Zunahme der Er- findungen zur Bereicherung unseres Lebens; Erfindungen, die entweder überhaupt keine Verwendung finden oder doch nur in sehr beschränkter Weise der Allgemeinheit zugute kommen. Doch diese Dinge warten der Erweckung. Geht es mit ihnen doch wie mit dem Uebermaß von Geburtstagsgeschen- ken eines verwöhnten Kindes, das einige nur halb auspackt oder kaum ansieht, um sie vielleicht später einmal in die Hand zu nehmen— andere sind gar schon zerbrochen. So haben Wissenschaft und Erfindergeist dem gewöhnlichen Sterblichen, diesem verwöhnten Kinde, Dinge in den Schoß geschüttet, deren richtige Verwendung er noch würdigen und erlernen soll. Eines der am wenigsten gewürdigten Geschenke ist das Fliegen. Zumindest während der letzten zehn Jahre ver- stand es die Menschheit, und mit geringeren Kosten als die einer Eisenbahnfahrt oder Schiffsreise erster Klasse konnte man sicher, schnell und angenehm eine Fahrt durch die Lüfte unseres hinreißend schönen und abwechslungsreichen Plansten unternehmen. Wenn ich sage, daß es die Menschheit verstand, so meine ich nicht den Leser oder mich selbst. Ich meine damit, wenn die Menschheit fähig ge- wesen wäre, sich dieser Sache wirklich anzunehmen, so müßte jeder von uns von diesem Transportmittel Gebrauch machen können, wäre er willens, den Fahrpreis zu zahlen; einen Preis allerdings, der s o niedrig gehalten sein n)ühte, daß selbst ein einigermaßen gut bezahlter Arbeiter die Kosten hierfür erschwingen könnte. Wenn ich sage sicher, so will ich damit sagen, sicherer als eine gewöhnliche Fahrt auf der Eisenbahn oder mit dem Schiff. Bei sch n e l l schwebt mir eine Geschwindigkeit von ungefähr 100 englischen Meilen (160 Kilometer) in der Stunde vor; und mit hinreißend schön möchte ich die herrliche, einzigartige Luft beschrieben haben, durch die man gleitet. Ich weiß schon, worüber ich schreibe, denn ich habe schon des öfteren Luftreisen unter- nommen. Ich kenne das unendliche Glück und die Wunder des Fliegens. Ich weiß aber auch andererseits nur zu gut, daß die Seltenheit der Benutzung des Luftweges in der Gegenwart, die Gefahren und der geringe Anreiz zur Luft- reise nicht etwa die Schuld der Flugmaschine und des Luft- fchiffes find; denn sowohl die Naturwissenschaft wie auch die technischen Erfindungen haben dies neue Verkehrsmittel in hervorragender Weise begünstigt. Die Schuld, ja fast die Älleinschuld an all dem ist in den finanziellen, administrati- ven und politischen Schwierigkeiten des Luftfahrtwesens zu suchen. Keine Schuld der Flugmaschine. Die geschäftliche wie auch die verwaltungstechnische Seite des Flugwesens darf mit der rein technischen nicht in einem Atemzuge genannt werden. Geschäftlich und verwaltungs- technisch ist man so entsetzlich weit im Rückstand, daß ich be- ginne zu zweifeln, ob es möglich fein wird, bevor ich meine Augen für immer schließe, meinen Wunsch erfüllt zu sehen, wenigstens noch einmal eine mit allen Annehmlichkeiten ver- bundene Luftreise um die Erde unternehinen zu können. Mich übermannt ein brennendes Heimweh nach den farbenprächti- gen Schluchten im Süden Algiers, nach dem Anblick der riesigen chinesischen Mauer, nach den sengenden Dschungeln Indiens und den herrlichen Palästen Ambars. Das eine aber ist gewiß. Hätte ich die Rechte, die mir als Kulturmensch zu- stehen müßten, dann müßte ich in wenigen Tagen über all das Schöne und Herrliche fliegen können. So aber wird es meinen Augen nie vergönnt fein, all das einzig Großartige aufzusaugen. Ich habe mich schon oft einem Flugzeug anvertraut. Aber jetzt habe ich es aufgegeben. Ich muß sagen, ich finde es doch zu unbequem, zu unregelmäßig und so katastrophal ge- fährlich. In den Tagen der ersten Flüge war es die Reu- artigkeit der Erfahrung, die den Menschen bewog, auch ein- mal zu fliegen. Man kann es verstehen, wenn man der Sache wegen flog und die Gefahren mit in den Kauf nahm� die sich im Kampfe mit den Elementen naturgemäß von selbst ergaben. In jenen Tagen des Experimentierens hatte niemand ein Recht, sich über die Gefahren einer solchen Luftfahrt zu beschweren, ebensowenig wie es jene taten, die etwa auf eine Löwenjagd gingen. Es war durchaus richtig, daß man wartete, bis sich schönes Wetter einstellte und eine gute Maschine zur Verfügung stand. Aber wir müssen auf- hören, Luftreisen lediglich als Sport zu betrachten— daß muß endgültig der Vergangenheit angehören. Es besteht doch sicher ein erheblicher Unterschied darin, ob ich in dem Bewußtsein losfliege, unter Umständen das Opftr eines wag- halsigen, wenn auch vielleicht hoffnungsvollen Experiments zu werden, oder ob ich auf einer Luftreise ertränkt, zer- schmettert oder zu Tode geröstet werde, lediglich deswegen« weil eine kleine Anzahl an sich gewiß durchaus fähiger Herren der Verwaltung, aus irgendwelchen Gründen gebunden, aber mit den ausgezeichnetsten Entschuldigungen für ihr Tun, uns in ein abgebrauchtes, mangelhaft geprüftes und überbesetztes Flugzeug ins Ungewisse schickt. Ich habe auf dem Gebiete der europäischen Luftfahrt schon allerlei gesehen. Ich muß aber gestehen, ich will nichts mehr hören und sehen davon, es sei denn, daß endlich einmal ganz gründlich mit all diesen Mängeln aufgeräumt wird., Eine Geschichte unnötiger Unfälle und Unzulänglichkeiten. Fast alle die gräßlichen Unfälle, die die Ausdehnung des europäischen Luftverkehrs auf dem Gebiete der Passagier- beförderung immer wieder hinderten, konnten mit Sicherheit vorhergesagt werden: sie waren unter den gegenwärtigen Verhältnissen einfach selbstverständlich. Mit entsetzlich krachenden Motoren bin ich in 2000 Fuß Höhe über den eng tischen Kanal geflogen und weiß heute noch nicht, welchem Wunder ich es zu verdanken habe, daß ich glücklich in Lympne landen durfte. Und was mich am meisten wunderte: als eines dieser Dinger ins Wasser stürzte, kamen alle mit dem Leben davon. Nur kaum die Hälfte meiner Luftreisen ging glatt von statten, kaum die Hälfte der Maschinen, mit denen ich geflogen bin, erreichte ihr Ziel fahrplanmäßig. Ich habe in den Flughäfen Le Bourget, Lympne, Am st er» dam und Prag— der Himmel weiß, welcher von ihnen die reizloseste Promenade hat— stundenlag, jedenfalls eben- soviele Stunden wie ich in der Luft zubringen mußte, auf das Flugzeug gewartet, das entweder niemals kam oder aber nicht in Ordnung gebracht werden konnte. Ich kann mich natürlich über die Witterungsoerhältniffe nicht beklagen. Was aber andererseits mir meine Zeit stahl, was mein Leben als moderner Reisender in Gefahr brachte, war, daß niemals eine genügende Anzahl Flugzeuge und Piloten zur Verfü- gung stand, um den Flugdienst fahrplanmäßig und mit der unbedingt nötigen Sicherheit auszuführen. In keinem ein- zigen Falle unfreiwilliger Landung habe ich es erlebt, daß ein anderes Flugzeug bereitstand, die Passagiere aufzu- nehmen, damit sie ihr Ziel erreichen konnten. Erst kürzlich erlebte ich es, daß zwölf unglückliche Passagiere in der Wildnis bei Puckeridge, in der Grafschaft Kent, abgesetzt werden mußten, um dann zu irgendeiner unbeschreiblichen Nachtzeit in London zu landen. Prag ist der einzige Flugplatz, wo ich Reservemaschinen sah, denen man im Interesse der Fahr- gaste die nötige Ruhe gegönnt hatte und auch gründlich über- holte, um sie wieder wirklich startbereit zu machen. Es liegt mir nun durchaus fern, irgend etwas gegen die persönlichen Fähigkeiten oder gar etwas gegen die Ehre jener zu sagen, die mit dem europäischen Lustdienst zu tun haben. Von mir kann man sicher sagen, daß ich außerhalb dieser Kämpfe und Konkurrenzmanöver, der ehrgeizigen Bestre- bringen und Enttäuschungen jener querköpfigen Welt lebe. Wenn immer ich aber diese Tatsachen anführe, einfach und klar, und auch leicht erweisbar, dann erregt sich die gesamte Luftpresse in kaum wiederzugebenden Worten— und dennoch, die von mir angeführten Tatsachen lassen sich nicht hinweg- diskutieren: es bleibt einfach die nackte Wahrheit. Zehn Jahre lang ist Europa plan-- und ziellos in gefährlicher, un- wirksamer Weise mit den grandiosen Möglichkeiten des Luft- transportes über die ganze Erde verfahren, so daß man heute ebenso weit vom Ziele entfernt ist, als man es 1919 war. Ich muß gestehen, die Gründe hierfür liegen in der Unfähig- keit der alten Welt, eine finanziell starke, große, mächtige und oerwaltungstechnisch erstklassige Organisation zu schaffen, die es versteht, einen solchen Riesenbetrieb erfolgreich zu gestalten. Es bedarf wahrhaftig keines umfangreichen Wissens, sondern nur einiger Gramm gesunden Verstandes, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß eine erfolgreiche Beherrschung der Luftstraßen zum Zwecke eines sicheren, glücklichen und allgemein zugänglichen Reifens ganz aussichtslos bleiben muß, wenn neben gesicherten Wegerechten über Europa und dem größten Teile Asiens und Afrikas nicht zumindest auch ein Kapital von ungefähr 50 Millionen englischen Pfunden ver- fügbar ist. Nur so wird und kann sich solch ein Unternehmen bezahlt machen. Nur so können eine Anzahl Hauptstraßen geschaffen und auch erleuchtet werden zwischen den Haupt- städten, von Dublin, Lissabon und Stockholm bis nach Wladiwostok und Kapstadt. Eine genügend große Organisation mit einem umfangreichen Flugmaschinenpark könnte es sehr wohl dahin bringen— ausgenommen natürlich ganz be- sonders ungünstige Wetterverhältnisse— daß ein tadellos funktionierendes Flugzeug und ein ausgeruhter Pilot und Gehilfe startbereit stehen, um die sich auf den hierfür be- stimmten Flugplätzen während bestimmter Abfahrzeiten an- sammelnden Passagiere aufzunehmen. Daneben müßten dann allerdings noch eine ganze Anzahl Reservemaschinen vor- Händen sein. Erst dann wird das Publikum wissen, was es wirklich zu erwarten hat. Grandiose Möglichkeiten des Flugdienstes. Morgens könnte man in London sein Köfferchen packen, speist in München bereits zu Tisch und besucht dort am selben Abend ein schönes Konzert. Den nächsten Abend verbringt man in der herrlichen Krim, nachdem am Tage über der schönen blauen Donau gekreuzt wurde. Und so geht es weiter über den Taurus, dem südlichen Randgebiete des Hochlandes von Kleinasien nach Bagdad, der alten Kalifenstadt, um am vierten oder fünften Abend das sonnenreiche Indien, das Märchenland unserer Träume, zu erreichen. Das sind Luft- wege, die immer wieder durchflogen würden, wenn erst das Publikum weiß, daß es mit Sicherheit darauf r.-chnen kann, sein Reiseziel ohne Schwierigkeiten prompt zu erreichen. Sicher wird sich alsdann ebenfalls ihre Zahl sowie auch die Zeit des Reifens allmählich bestimmen lassen. Das würde dann auch rein rechnerisch für das Flugunternehmen vcn Be- werden, so daß dadurch vor allem die Fahrpreise ge- senkt werden könnten, und die Zahl der ständig reisenden Menschen sich im Laufe der Zeit sehr wohl verdoppeln und oerdreifichen ließe. Es ist gewiß kaum ausführbar, trans- kontinentale Expreß'üge umzulegen. Aber für den Lustdienst dürste all das wegfallen. Ohne nennenswerte Schwierigkeiten könntcn bestimmte Maschinen von einer Route zur anderen verlegt werden, sollte es aus irgendwelchen Gründen sich für notwendig erweisen. Die Voraussetzung ist natürlich das Vorhandensein einer Anzahl Reservemaschinen. Eines ist ganz sicher, nur so dürfte bereits in einigen Iahren schon der internationale Luftdienst einen Kapitalwert von Tausen- den von Millionen darstellen. Hinzu kommt, daß die damit verbundene Industrie, ungeahnten Entwicklung-möglichkeiten ntgeaengehen würde, um sogar die Automobilindustrie in den Schatten zu stellen. Jedoch all diese geradezu nach Er- füllung schreienden ganz selbstverständlichen Pläne können erst dann ihrer Verwirklichung entgegengehen, wenn das un- eingeschränkte Vertrauen der reisenden Welt errungen wurde, wenn man aufgehört hat, das gegenwärtige alles Leben zer- störende Herumfuhrwerken auf. diesem Gebiete endgültig ein- zustellen und sich des Dienstes am Publikum erinnert. Aber es ist nun heute schon so: In der ganzen Welt ist es einfach nicht möglich, dem internationalen Luftdienst gemeinsam das erforderliche Kapital-zur Verfügung zu stellen. Es wird weitergewurstelt. So wird auch fernerhin das Luftfahrt- wesen an dieser katastrophalen Unfähigkeit des Erkcnnens und des Willens kranken, um. selbst vielleicht noch nach zwanzig Jahren nicht viel weitergekommen zu sein. Es wird genau so launenhaft sein wie heute. So unpünktlich. So entsetzlich unsicher. Und an die Kette seiner Unfälle werden sich immer neue Glieder anschließen. Seine Pqssagiere werden auch weiterhin in ihrer großen Mehrheit die Luftreise lediglich als eine Bereicherung ihrer gefahrvollen Erlebnisse verbuchen, um als dann nie mehr ein Flugzeug zu besteigen. (Ein zweiter Aufsatz folgt.) Zum Toüe �lnöreas Scheus. BeileidSkundgebung der deutschen Sozialdemokratie. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands richtete an die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Oesterreichs solgen- des Beileidstelegramm: Die Nachricht vom Ableben Andreas Scheus, der noch Mitglied der 1. Internationale war und an dem Aufbau der österreichischen und englischen Sozialdemokratie überaus verdienst- voll und opferfreudig mitgewirkt hat, der dem Gründungsparte!- tag unserer Partei in Eisenach beigewohnt hat, hat uns auss tiefste erschüttert. Wir drücken der österreichischen Sozialdemokratie, aus deren Reihen er hervorgegangen ist, unser Beileid aus." Gleichzeitig telegraphierte der Parteivorstand an die Sozia- listische Arbciterinternationale in Zürich:„Der Tod Andreas Scheus, der schon der 1. Internationale angehört hat und bis zu seinem Tode ein treuer und begeisterter Kämpfer der Sozialdemokratie gewesen ist, hat auch die deutsche Sozialdemokratie schmerzhaft berührt. Wir bitten das Sekretariat, den Angehörigen das Beileid der deutschen Sozialdemokratie mitzuteilen." Spaltung im RZö. Gründung einer oppositionellen Organisation. Die Opposition und die Hinausgeworfenen der KPD. waren in den letzten Wochen sehr rührig, um Teile des RFB. in ihre Oppo- sitionsgruppen aufzunehmen. Nach dem System der Zellenbildung, das die Kommunisten ohne Erfolg bei den Gewerkschaften angewandt haben, gelang es den verschiedenen Gruppen der Opposition, ganze Abteilungen zu sich herüberzuziehen. Die Leitung des RFB. hat bei ihren Versuchen, die Oppositionellen auch aus dem RFB. heraus- zuwerfen, nur den Erfolg gehabt, tph in einzelnen Bezirken der RFB. gespalten wurde. In Neukölln entfernte die Berliner Gauleitung die bisherigen Vorsitzenden Schnapp und Heine von ihren Aemtern. In einer stürmischen Mitgliederversammlung versuchte die Opposition einen neuen Vorschlag für den Leiter der Neuköllner Abteilung durchzubringen. Die Vertreter des Gauvor- standes übersahen einfach den Verschlag und bestiminten einen Vor- sitzenden. Darauf traten sofort 30 Mann aus dem RFB. aus und gründeten eine neu« Abteilung unter dem Namen„Sturmvogel" Dieser neuen Gruppe ist es in kurzer Zeit gelungen, über 100 Mit- glieder des RFB. zu sich herüberzuziehen. Auch die herausgeworfenen Stadt- und Bezirksoerordncten B a r tz und sein? Gruppe sind für diese neue Gruppe eifrig tätig. Ansiedlung van hunsrücker Lauern in Schlesien und Tilecklen- burg. Vertreter der Landwirtschaft aus den Kreisen Zoll, Simmcrn und Kreuznach weilten in Mecklenburg und Schlesien, wo durch die Vermittlung des preuhischen Staates Hunsrücker Bauern, die auf ihren kleinen und ertragsarmen Gütern nicht mehr auskommen können, angesiedelt werden sollen. Der Hauplausschuh des Preußischen Landtags wird feine Arbeiten am Montag, dem 19. September, wieder ausnehmen. Aus der Tages- ordnung steht u. a. ein« Aussprache über die Grundgedanken des vom Reichsfinanzminister vorgelegten Steuervereinheitlichungsgefetzes. Weiter soll das Gesetz zum Schutze der Denkmäler und ein Schreiben des Finanzministers über Veräußerung der Beteiligungen des preußi- schen Staates an Privateisenbahnen behandelt werden. Nach berühmten Mustern hat man in Litauen von 90 Per- kehrsbeomtcn 84(!) bei einer Prüfung aus der litauischen Sprache durchfallen lassen. Sie werden entlassen, da sie nur fahren, aber nicht auch Literaturgeschichte usw. lehren können. Eine Anhongerin Saccos und vanzettis verurteilt. Die Sekre- tärin des Ausschusses zur Verteidigung von Sacco und Vanzetti ist zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil sie anarchistische Schriften oerteilte. Sic hat bei der nächsten Instanz Berufung ein- gelegt und ist gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Die erffe Sacco vanzetti- Straße. Der Stadtrat von Carmaux beschloß, einer Straße die Namen Sacco und Vanzetti zu geben. „der Wasserträger." (Städtische Oper.) Eheiubinis berühmtestes Bühnenwerk hatte gestern trotz seiner 120 Jahre noch einen schönen Gegenwartserfolg. Das spricht für die Transparenz und Schönheit einer Partitur, die den Versuch macht, von Frankreich, Gluck und Italien loszukommen und in Neu- land vorzustoßen. Die Historiker haben ja festgestellt, daß dieser „Wasserträger" ein Vorläufer des„Fidelto" ist, nach Idee und Ge- ftalt. Wer vor Beethoven herläuft, läuft auch Gefahr, von seinem Purpurmantel, auch wenn er nur dahinschattet, völlig verdeckt und begraben zu werden. Zweifellos hat Beethoven von dem Werk stärksten Eindruck empfangen, von einem Text, der die Gattenliebe der Levnor« zu verherrlichen schien. Sonst aber ist die Aehnlichkeit, die Verwandtschaft gering. Die Errettung des Volkssreundes Ar- mand crjolgt ja nicht eigentlich durch sein Weib Constanze(wie eben im„Fidelis"), sondern durch die Güte, Schlauheit, Ehrbarkeit eines Mannes aus dem Volke, der zu dem Edelmut den wahren Mut der Tot setzen konnte. So wird man auch nicht sagen, der „Wasserträger" sei eine Schreckens- und Revolutionsoper. Der Hintergrund ist zwar gestellt mit Justiz und Soldateska. Aber die Liebe, der Tanz, die Schelmerei und die Laune umstrsicheln diese Zeit, so daß von Blut und Revolution kaum etwas übrig bleibt. Eher könnt« man— im Gegensatz zu dem wahrhaft ausrüttelnden Menschendrama Beethovens— sagen, daß hier«in aus Volkes Gemüt geborenes, gedichtetes, gesungenes Spiel wirkt. Zwischen Photos, Leidenschaft. Humor und Einfalt ist nicht immer die gute Mitte gehalten. Der Zweck wird deutlich, und so muß das Gespreizt« des Dialogs manche Vornehmheit an Gesinnung laut verraten, was ein« viel edlere Musik nur leise angedeutet hätte. Aber schließlich ist es nicht mehr Beethovens und Cherubinis Schuld, daß wir diese Stelzen- spräche entsetzlich finden, daß wir eine natürlich fließende Melodie auch gegen jeden Textsinn als herrlich empfinden, dagegen im Dialog, auch wenn er geschmackvoller ist als hier, den Untergang des ganzen Typs„Oper" erkennen. Bei Beethoven ist durch dos einmalig« Wunder eines Akkords oder einer Harmonie die Unwahrhaftigkeit alles Opernsprechens ausgeschaltet. Bei Cherubini aber reden die besten Leute geziert miteinander, und dann stellt sich einer an die Rampe und singt ein köstliches Lied. Aber die Stelzensprache ist dennoch nicht vergessen— trotz Goethes Begeisterung für das Buch. Das Format ist eben ein anderes, die Atmosphäre ist die der Klein- kunst, nicht des Dramas, und die Idee der Befreiung eines Volkes von Unterdrückern muß eben größer, plastischer, aufpeitschender gefaßt werden, als es in einem oratorifch aufblühenden Sextett, in Soldat«,,- ckören, dem treuherzigen Savoyardenlied und der Innigkeit des Michelischsn Gebets geschehen tonn. Aber os fehlt die zusammenfassende und nachhallend« ethische Idee, die starke dramatische Bin- düng durch Musik, das Ausfüllen des leeren Raumes zwischen Ton und Wort, das Kitten der Gvenzstellen, das Ueberwinden des Miß- behagens bei jeder gar zu edeltriefenden Handlung durch den genialen Wurf der Musik. Das alles ist im.Fidelis" da, siegt, springt uns an, überwältigt. Bei Cherubim bleibt es latent, still, unblutig, zart hingchaucht, nicht werbend, nicht überrumpelnd, nicht zeitlos. Wäre ich der Gastregisseur Niedecker-Gebhard gewesen, so hätte ich das Stück von 8— 10, nicht von 7— 10 spielen lassen: ich hätte den Sängern dos Sprechen beigebracht. Das Geschwollene muhte entfettet, das Steife weichgemocht werden durch Natürlichkeit. Für diese blitzsauberen, still-empfindsamen, froh rhythmisierten, pathetisch vollen Arien und Chöre waren zwei Akte und eine Paus« die ongemesienen Zeilen. Durch orchestrale Wiederholung des Gebets am Schluß des ersten Akts war die Möglichkeit gegeben, den früh- lichen zweiten Akt pausenlos anzuschließen. Er hätte in seiner inneren Lustigkeit dann noch stärker gewirkt. Der Befreiungs-Iubel des Schlusses aber mußte viel großartiger, elementarer heraus- kommen. C h e r ud i n i s Musik wirkte, einzeln genommen, auf der ganzen Linit, die vom trauten Selbstgespräch zum lodernden Be- kenntnis, vom stillen Gebet zur kirchlichen Feierstimmung, vom Lied zur dramatischen Szene führt. Kapellmeister Tenzler leitete das Werk mit Beherrschung, ohne Temperament, aber seh'r stilsicher, Ruhe von Bewegung, Pathos von Keckheit scheidend. Die Stimmung des vergrößerten Orchesters, das sich sinfonisch ausleben konnte, war vor» züglich. Dem Wasserträger lieh K i p n i s die ganze samtene Wärme und Eindringlichkeit seines Bastes. Grete S t ü ck g o l d. vielleicht ein wenig indisponiert, konnte sich in nervösen Körperverrenkungen nicht genug tun. G o m b« r t war ein vorzüglicher einfacher Bauern- burfche, En der lein hatte weniger als sonst mit der Enge der Stimm« zu kämpfen. Als Leutnant machte H e y e r gute Figur. Kurt Singer. Eine„Straße der Zukunft". Als die„Straße der Zukunft", die alle Anforderungen praktischer hygienischer Bauweise in sich oereinigen soll, wird die Rue Mallet-Stevens in Auteuil bei Paris bezeichnet. Diese Straße, die eben vollendet wurde, trägt ihren Namen nach ihrem Erbauer. Von außen betrachtet, gleichen die Gebäude dieser Straße einer Reihe von Fabriken, Warenhäusern oder Garagen. Aber von oben her, vom Fluzeug gesehen, erwecken sie den Eindruck von Blumengärten: denn die Häuser sind terrassen- förmig gebaut, und ein jedes von ihnen besitzt sein eigenes „Solarium", einen Raum, der den Sonnenstrahlen offen steht, wo ein Garten angelegt werden kann und Sonnenbäder genommen werden können, ohne daß neugierige Blicke der Nachbarn oder der Vorübergehenden eindringen könnten. Die eigentlich« revolutionäre Tat des Architekten besteht darin, daß im Gegensatz zu den anderen Pariser Häusern hier ein Maximum an Luft und Tageslicht ein- dringen kann. Dies gelang dem Taumeister dadurch, daß er an Stelle der bisher üblichen vertikal sich erstreckenden Fenster solche in horizontaler Richtung setzte. Dadurch wird der DentilatiSM der Jnnenräume viel bester gedient und vor allem kann das Sonnen- licht in breiten, ungehemmten Wogen durch die horizontal sich aus- breitenden Fenster eindringen. Eheleute, die vier Jahre nichts miteinander reden. Vor vier Jahren hatte ein in Konstantinnpel befindlicher englischer Soldat eine armenisch« Frau kennen und lieben gelernt, die sich aus sein Betreiben von ihrem Gatten sck-eiden ließ, dem Engländer noch der Heimat folgte und dort seine Gattin wurde. In den vier Iahren der Ehe haben die beiden Eheleute auch nicht«in Wort miteinander gewechselt, weil keiner die Sprache des anderen kan>nt«. Daraus ergab sich eine Reihe von Mißverständnissen, die schließlich bei der Frau den Verdacht auskommen ließen, daß ihr Mann ein Verhält. Iiis mit einer anderen unterhalte. Da sie ihre türkische Staat-- angehörigkeit verloren hat und auch von der armenischen Kirche wegen ihrer Scheidung ausgeschlossen worden ist, so wurde die Frau, die sich dei Möglichkeit der Aussprache beraubt sah, immer einsamer und verfiel endlich in Schwermut, so daß ihre Unter- bringung in einer Nervenheilanstalt nötig wurde. Auch hier fehlt- jede Verständigungsmöglichkeit, und auch die Zuziehung eines. armenischen Dolmetschers blieb ohne Erfolg, da die Frau nur türkisch spricht. Man will deshalb den Versuch»lachen, die zu un- freiwilligem Schweigen verurteilte Frau bei einer türkisch sprechenden Familie unterzubringen. Ein Dampfer über einem Seebeben, lieber ein ungewöhnliches Phänomen, das der Ueberfeedonipfer„France" kurz vor der Einfahrt in den Hasen von New Uork erlebte, wissen New-Porkcr Telegrgmme zu berichten. Der Dämpfer fuhr bei ruhiger See und schönem Wetter seinem Ziel entgegen, und die Passagiere drehten sich auf dem Promc- nadendeck lustig im Tanze, als das Schiff plötzlich eine starke Er- schütterung erfuhr, die von nicht unerheblichen Folgen begleitet war. Die tanzenden Paare wurden durcheinandergewirbelt, stürzten über» einander, und einige trugen sogar leichte Verletzungen davon. Drei Minuten lang hielten die starken Stöße an.„Während meiner vierzigjährigen Laufbahn als Seemann", erklärte der Kapitän Aubert nach der Ankunft in New York,„habe ich nichts Aehnliches erlebt. Einige meiner Offizier« glaubten sogar, das Schiff sei auf eine Sand- dank aufgelaufen." Nach Ansicht amerikanischer Gelehrter ist dieses Vorkommnis als Folge einer unterseeischen Eruption zu betrachten, die gerade eintrat, als sich das Schiff über der Zone eines Seebebens befand. INafchinelle Parlamenlsobftimmung. Nach Schluß der gestrigen Verhandlungen der Interparlamentarischen Union führte das notio- nale Ersindungsamt den Teilnehmern der Tagung eine Ab.» stimmungsmaschin« vor, die den Abgeordneten erlaubt, durch einen an jedem Platz angebrachten Druckknopf einen Ja-, Nein- oder einen weißen Zettel in die Wahlurne fallen zu lasten. Dieser Apparat soll nicht nur von den beiden französischen Kammern. sondern auch von zahlreichen ausländischen Parlamenten eingeführt werden. Zn der Groben LerNver üunllausftell>«g wurden vom preubstchen Mintstcrmm sür Wistenschaft, Nunst und Volksbildung Gemälde von tibarlolt« Berend. Franz Domscheit, Eiich Feierabend. Peter Foeifler. Emil Frltlch Otto Hemnch. Bernbard Klein. Erich NlogowSki. Wilhelm Kohlbost. Wolf Nöbricht. Maiia slaoona, Johanna von Schulenburg, und Plastiken von E. M. Schreiner und William Aauer angekauft. Püdnenchronik. Um Kollisionen mit anderen Premieren zu vermeiden ist die Erstaufführung der Revue.Wann imd Wo" im Theater im AdmiralS� palcht aus Freitag, 7 Uhr s-ftgesetzt. München- Konstantinopel. Die Weltflieger Brock und Schlee heute früh in München gestartet. Sravo, yerr Gberbürgermeifter! Er kämpft für Schwarzrotgold. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns: Am legten Sonntag feierte der Fricdenauer Krieger- und Landwehrverein sein öOjnhriges Bestehen. Ein sogenannter historischer Festzug, mit einer Fridericus-Rex- Gruppe, einer Germania, sowie einer naturgetreuen Kopie des ehemaligen Kaisers in Gardedukorps-Uniform zu Pferde, dem alten Zieten, Landsknechten und Rittern sowie Offizieren in vollen Uniformen usw. bewegte sich durch die Straßen zu einer Fahnenweihe auf dem großen Schulhof und Sportplag der städtischen Gemeindcschule in der Offenbacher Straße. Auf dem Schul- Hof war ein Feldaltar errichtet, der rechts und links von zwei hohen Masten mit zwei großen fchwarzweihroten Fahnen ge- schmückt war: ferner waren zwei Sockel mit dem eisernen Kreuz und einer schwarzweißroten Drapierung dekoriert. Um'A12 Uhr vormittags erschien plötzlich ein Herr auf dem Platz, besah sich die Ausschmückung und ordnete die sofortige Entfernung aller schwarzweißroten Fahnen an, zumal nicht eine einzige schwarzrotgoldene Fahne gehißt war. Zum Erstaunen der herbeizitierten Schuldiener und des Rektors der Schule entpuppte sich dieser Herr als unser Oberbürgermeister B ö ß. woraus seiner Aufforderung Folge geleistet wurde. Bravo, Herr Ober- bürgermeister! Raffinierte Iahrraöschwinöelei. Wie ahnungslose Jungen betrogen werden. Immer neue Tricks ersinnt der Schwindlsr, der es auf die Fahrräder ahnungsloser Jungen abgesehen und schon zahllose erbeutet hat. Wenn er jetzt einen Jungen mit eincm guten Rade aus der Straße trifft, erzählt er ihm, daß er ein Spielzeug, ein kleines Flugzeug, verschenken wolle. Er habe es von seinem Vater, der Marineoffizier sei. bekommen, sind« aber kein Gefallen mehr daran. Die Jungen lassen sich so etwas natürlich nicht zweimal anbieten. Der gütige Spender, dem sie blindlings folgen, schickt sie dann mit einem erdichteten Auftrag in das Haus hinein und v e r- ichwindet mit ihrem Rad. Am Sonnabend traf er zwei Jungen, deren Rad ihn reizte. Da bat er den einen, ihm aus dem nächsten Geschäft einen Putzlappen für sein Motorrad zu holen und gab ihm 20 Pfennige mit. Kaum war dieser Junge wegge- gongen, da gab er dem Zweiten einen heftigen Stoß vor die Brust, so daß er zur Seit« flog, schwang sich aus das Rad und jagte davon. In einem anderen Falle machte er einen Jungen ganz sicher, indem er ihn gleich mit ins Haus nahm, um das Geschenk aus der elterlichen Wohnung zu holen. Er veranlaßt« ihn, das Rad unten stehen zu lassen und dabei zu bleiben, weil er erst nachsehen wolle, ob„Mutter" zu Hause sei. Aus dem zweiten Stock sah er dann zum Flurfenster hinaus, rief den Jungen an, heraufzukommen, weil er selbst rasch noch etwas holen müsse. Das Rad könne er ruhig stehenlassen. Während der Junge heraufkam, um die ihm be- zeichnete Wohnung auszusuchen, eilte der Schwindler hinunter und machte sich mit dem Rad aus dem Staube. Diese Gaunerei wiederholt sich tagtäglich. Trotz aller Nachforschungen will es nicht gelingen, den erfindungsreichen Spezialisten zu er- Mitteln. Mitteilungen, die dazu beitragen können, an Bezirkssekretär Neumann im Polizeipräsidium. Die Exmission des Kaufmanns Kauffmann. Schwere Beschuldigungen werden gegen den Kaufmann Adolf Kauffmann, den Inhaber einer Lebensmittelgroßhandlung und Schokoladenfabrik F. P. A. Kauffmann, G. m. b. h., in der Wall- st r a ß e erhoben. Bei der Zwangsräumung der Geschäfts- räume und Keller soll entdeckt worden sein, daß für S 00 000 Mark verdorben« Lebensmittel, Schokolade, Tabak und Zigarren in den Kellerräumen lagerten. Auch die geheime Abnahme von Gas und Elektrizität soll festgestellt worden sein. Die Schulden der Firma sollen aus mehrere Millionen geschätzt worden sein. Die Angelegenheit beschäftigt jetzt auch die Kriminalpolizei. Nach den vorläufigen Feststellungen erscheinen die Angaben über verdorbene Lebensnüttel usw. stark übertrieben. Auch olles andere bedarf noch sehr der Klärung. Anscheinend liegt ein Vergehen gegen die Konkursovdnung vor. Weil aber alles durchcinanderliegt, so war es bisher noch nicht möglich, die Bücher zusammenzufinden und näher zu prüfen. Alle, die sich durch die Firma geschädigt fühlen, werden gebeten, sich bei Kriminalobcrinspektor Degner, Dienststelle L. 1, in der Georgcnkirchstraße 30 A zu melden. Internationale Bibelforscher. Der nordaincrikanische Richter Rutherford von der „Internationalen Bibelforscher- Vereinigung" hicst gestern im gut besuchten Sportpalast einen Vortrag über „Gottes Hilfe für das Volk, eine wunderbare Botschaft der Befrei- ung". Religion ist Privatsache und ein heikles Kapitel zudem, und jeder feinfühlend« Mensch wird sich bemühen, die Empfindungen Andersdenkender zu schonen. Aber was Herr Rutherford vortrug, ging doch zum Teil etwas reichlich zu weit.„Ick) weiß," so sagte er, �.daß in Deutschland viele Menschen ohne Wohnungen sind, aber sie sollen sich sagen lassen, daß der Herr ihnen die köstlich« Ver- heißung gibt:„In meinem Reick)« sind viele Wohnungen". Ein Herr- licher Trost für den Proletarier, der in enger Dachkammer oder im feuchten Kellerloch hockt.„Am Kriege sind nicht die Völker schuld, sondern der' Teufel!"„Das deutsche Volk muß viel Frondienst leisten, ober im Reiche Gottes wird es anders sein!" usw.»sw. Herr Rutherford mag sich belehren lassen, daß w i r zu so billigen Erkenntnissen kein Vertrauen haben, sondern aus eigener Kraft uns emporarbeiten aus Elend und Not! „Kein Umbau des Krankenhauses Moabit?" Zu dem Artikel über den Umbau des Krankenhauses Moabit in der Abendausgabe des„Vorwärts" vom S. d. M. er- halten wir vom hauptgcsundh-itsamt nachstehende Ergän- zung, um deren Abdruck wir gebeten werden. „Der Umbau des Krankenhauses Moabit, der vom Magistrat schon betrieben wurde, als das Krankenhaus noch in zentraler Ver- walwng war, wird weitergehen. Von einer Sperrung der Mittel durch die Gesundheitsdeputation ist keine Rede. Richtig ist jedoch, daß der bereits genehmigte, in der Inflationszeit auf- gestellte Plan von der zentralen Gesundheitsdeputation b e a n- standet werden mußte, weil er den Erfordernissen moderner Krankcnhausbauhygiene und-technik nicht mehr genügte. So wies dieser Plan zum Beispiel nicht genügend Einzelzimmer aus, dafür aber Säle für über 25 Krankenbetten, die zwar verhältnismäßig wenig Personal erfordern, für die Kranken selbst aber keineswegs onaenohm sind. Durch diese Säle sollte auch der gesamte Verkehr nach den Nebenräumen geleitet werden, wodurch die Kranken er- heblich gestört würden. Die Gesundheitsdcputation hielt sich nicht für befugt diese Pläne, denen in schlimmster Zeit notgedrungen cus Ersparnisrücksichten zugestimmt worden war, zur Ausführung bringen zu lassen, sondern verlangte die Vermehrung der Einzelzimmer und die Verkleinerung der Krankenräume- hierdurch werden zwar Mehrkosten entstehen, oder dafür wird auch ein den berechtigten Ansprüchen der Kranken entsprechender moderner Krankenhausbau geschaffen werden." Stahlhelm.„Siegesfeier". Großbecren hatte Sonntag wieder seinen großen Tag. Zur Er- innerung an die siegreiche Schlacht bei Großbeeren ocranstaltclen die Gastwirte von Großbcercn am Sonntag ein„Volksfest". Aus dem weiten Umkreis waren die Rechtsverbände erschienen, um dieses „Volksfest" zu besuchen. In der Hauptstraße war Bude an Bude München, 30. August. Die amerikanischen weltslieger Brock und S ch l e e sind heule früh(5.30 Uhr aus dem Flugplatz Oberwiesenseld zum Weilerslug nach Konstantinopel g e st o r l e l. Zum Abschied hatten sich der Direktor der Süddeutschen Lusthansa und mehrere Zuschauer ein- gesunden. * Für den Weiterflug hatten die Flieger heute in München 6 0 0 Liter Leichtbenzin geladen. Da das Kärtcnmaterial der Flieger nur bis München reichte, hatte die Süddeutsche Lufthansa Karten für die weitere Fahrt besorgt. Die Reiseroute geht nunmehr über Belgrad, Konstantinopel, Aleppo, Bagdad, Persien, Indien, China.Japan, wo sie in Tokio landen wollen, weiter über Sand Island, Honolulu, San Francisco, Chicago, Detroit und nach dem Ausgangspunkt des Fluges Harbour Groc«. Die Flieger erklärten in München, daß es sich für sie lediglich darum handele, den im vorigen Jahre von den beiden amerikanischen Fliegern Wells und Evans ausgestellten Rekord der Welt- umflieg ung in 28 Tagen zu brechen. Diese Flieger hatten allerdings den Ozean mit dem Schiff überquert. Brock und Schlee glauben, die Weltumfliegung in 14 Tagen bewältigen zu können, legen aber gar keinen besonderen Wert darauf, sich zu übereilen, da sie lediglich den 28-Tage-Rekord drücken wollen. Für den Flug ist keinerlei Preis ausgesetzt und die beiden Flieger haben lediglich aus sportlichem Interesse das Unternehmen auf sich genommen. Schlee ist Industrieller und be- sitzt Petroleumrafsinierien in Detroit, während Brock Berufspilot und im Verkchrsslugdicnst beschäftigt ist. Interessant ist noch, daß Schlees Vorfahren aus Hof in Bayern stammen. Besonders an- erkennend äußerten sich die beiden Flieger wiederholt über das tadellose Funktionieren ihres 9 Zylinder luftgekühlten Wright-Mo- tors, den sie als den besten Motor der Welt bezeichnen. Aner- kennenswert ist, daß der Motor inderStunde nur30Liter Benzin verbraucht, während unser« Flugzeuge gewöhnlich 60 Liter benötigen. Der Motor entwickelt 225 LS. Im Durchschnitt sind aufgestellt, wo bei Schnaps und Bier der Sieg der Großväter ge- feiert wurde. Zu gleicher Zeit fand in Großbeeren auch ein Sport- fest der Freien Turnerschast statt, das bei einem guten Programm ruhig verlies. Trotz des starken Landgendarmenaufgebots kam es dann gegen 18 Uhr zu einer Schlägerei zwischen Berliner Kommunisten und Stahlhclmleutcn. Bei dem Hand- gemenge wurden mehrere Kommunisten von den Stahlhelmern blutig geschlagen. Am Tatort fanden die herbeigerufenen Gen- darnien mehrere Revolver und Totschläger. Zlngeblich soll der eine Revolver einem Kommunisten gehören. Die Polizei behauptet, die zum Revolver gehörigen Patronen in der Tasche des einen Kom- munisten gesunden zu haben. Sehr ausfällig war, daß die Reichs- wehr am gleichen Tage, wo die Stahlhelmsiegesfeier stattfand, b e l Großbeeren ein Sportfest veranstaltete. Das€ndc eines Zorschungsreifenüen. Milchner von buddhistischen Priestern ermordet. Eine erschütternde Nachricht kommt, wie die Londoner „Times" melden, aus S i k h i m: Tibetanische Lamas, die An- gehörigen der dortigen priest ertaste, ermordeten drei auslän. dischc Reisende! Seit dem Frühjahr fehlt nun über eine Gesellschaft jede Nachricht, bei der sich außer einem Amerikaner und einem Engländer auch der deutsche Forscher Wilhelm F I l ch n e r befand. Es ist leider die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß es diese drei Reisenden waren, die dem religiösen Fanatismus der buddhistischen Priester zum Opfer sielen. Das letzte Lebenszeichen Filchners datiert vom 14. April 1927. Es ist ein Brief aus L o u ch o w an seinen Freund Dr. Adolf Heilborn. Schon damals zweifelte Filchner. wieder nach Deutschland zurückzukehren, und bat um Hilfe. Der Bericht erinnert an die Totsache, daß letzten Juni eine Gesellschaft von Missionaren in West-Kansu den Rat erhielt, sich zurückzuziehen, und, weil sie nicht wußte, ob sie die Küste in östlicher Richtung erreichen könne, beschloß, über Ost-Tibet nach Indien zu gehen. Soweit bekannt, bestand diese Gesellschaft aus einem Engländer, einem Amerikaner und einem deutschen Gelehrten mit Namen Filchner. Don dieser Reise- gcfellschaft wurde seit ihrer Abreise nichts mehr gehört, und es wird befürchtet, daß es sich bei dem oben gemeldeten Verbrechen um die Mitglieder dieser Gesellschaft handelt. „Times" m«lden weiter, daß Banditen einen Zug der chinesischen Ost bahn angriffen und die Schutzsoldnten überwältigten, von denen verschiedene verwundet wurden. Der Zug wurde zum Entgleisen gebracht. Fünfzig chinesische Pasiagier« wurden gefangen weggeführt und die ausländischen Passagiere be- raubt. Von den letzteren wurde jedoch niemand gefangengenommen oder verletzt._ Dachstuhlbrand in Eharlottenburg. Die Feuerwehr wurde gestern nacht gegen �2 Uhr nach der M o r s e st r. 2 zu Charlotten. bürg alarmiert, wo in dem Dachstuhl eines Fabrikgebäudes Feuer ausgebrochen war. Nach kurzer Zeit gelang es, den Brand- berd zu lokalisieren. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.— Mit der Bekämpfung eines zweiten Dachstuhlbrandes war di« Feuerwehr heut« früh um%8 Uhr in der A ck« r st r. 132/133 mehrere Stunden lang beschäftigt. Gegen 10 Uhr tonnten die Wehren unter Zurücklassung einer Brandwache wieder abrücken. Das Reichsbanner gegen den Potsdamer Oberbürgermeister. Riesenplakate der Ortsgruppe Potsdam des Reichsbanners mit dem Rahmen Schwarzrotgold und Handzettel verkünden heute in P o t s- dam folgendes:„Mitbürger! Oberbürgermeister Rauscher setzt dauernd das deutsche Ansehen vor der Oessentlichkcit und sogar vor Ausländern durch Unterdrückung des Hoheitszeichens b«s Deutschen Reiches herab. Wir wollen gegen diese, das Ansehen des deutschen Volkes schädigende Haltung in öffentlicher Versammlung am Donnerstag, dem I. September, abends 8 Uhr, vor dem Rathaus auf dem Alten Markt in Potsdam demonstrieren. Redner: Dr. Ohms. Dr. Mischler, Dr. Müller. Jeder, der Reich und Volk liebt, kommt." Die große Rloden-Herbstmesse. Im Hause der Funkindu. st r i e rüstet man zu ein«r großen modischen Herbstausstellung, deren Pläne bei einem Presse-Empfang im Funkhaus mitgeteilt wurden. Vom 21. September bis 16. Oktober wird hier ein Bild deutschen Modeschafs«ns in all seinen Phasen vor unseren Augen erstehen. Im Erdgeschoß des Hauses sind die maßgeblichen Ver- bänfc« vertreten, wie Krefelder Seidenwebereien, Kunstseiden-, Samt- und Plüschfabrikanten: daneben prosentieren sich gleich die fertigen Erzeugnisie. Im Obergeschoß veranstalten erste Berliner Spezial- geschästc unter der Devise„Die Frau von morgens bis Mitternacht" eine Schau ihrer Fabrikate. Die Architekten Friedmonn und Pirchan sorgen für den künstlerischen Rahmen der Ausstellung. Neben der Konfektion, Pelz» und Wäscheindustrie werden auch die Parfümerie- die Flieger bis jetzt mit 150— 160 Kilometer Geschwindigkeit in der Swnde geflogen. Unü Sie deutschen Flieger! Dessau, 30. August. Entgegen der im Reiche umlaufenden und auch durch den Rund- sunt oerbreiteten Nachricht von eincm Start der Junkers- Ozeanmafchinen ist festzustellen, daß bisher noch r«in Start stattgefunden hat und auch am Dienstag früh nicht stattfinden wird. Der Abflug hängt ausschließlich von der Gestaltung der Witterungsoerhältnifse auf dem Ozean in der nächsten Zeit ab. Köln, 30. August. Koennecke und Graf Solms weilen heut« seit dem frühen Morgen auf dem Kölner Flughafen, lieber die Absichten Koenneckes war bisher nichts zu erfahren. Man wartet auf die nächsten Wetterberichte und rechnet mit«iner Aenderung der Wind- stärke g«gen 10 Uhr vormittags. Levtae über die Gründe seines Abfluges. London, 30. August. Der amerikanische Finanzmann Levine, der gestern mit seinem Flugzeug„Miß Columbia" bei seiner Landung in Croydon (wie gemeldet wird, der ersten Landung, die er je vollführt hat), fast tödlich verunglückt wäre, gab der Presse Ausschlüsse über seinen unerwarteten Flug nach London. Er sagte: Ich brachte die„Miß Columbia" nach England, weil ich der Ansicht war, daß dies im besten Interesse des Fluges(nach Amerika) liegt. Immer, wenn Berichte, die ich von britischen oder amerikanischen metcoro- logischen Stationen erhielt, zeigten, daß die Bedingungen gut waren, schlug ich Drouhin vor, zu starten. Er lehnte es j c d o ch« b mit der Begründung, die Berichte der französischen Wetterbureaus zeigten, daß die Wetterlage ungünstig sei. Levine erklärte, Drouhin werde jeden Pfennig erhalten, der ihm nach ihrem Kontrakt zustehe, und bemerkte weiter: Während ich in Frank- reich war, wurde inir jedes mögliche Hindernis in den Weg gelegt. Alles, was ich unternahm, wurde dauernd in der Presse und anderswo kritisiert. Ich sah, daß mein Flug aus Paris so gut wie unter französischer Kontrolle stehen würde. fabrikanten sowi« die Friseure als Aussteller figurieren. In blau- goldenen hallen, deren Mitte ein antikes Schönheitsideal, eine Eau de Cologn« spendende Fontäne und ein modernes Cafe zieren wer- den, wird also allerhand Schönes und Begehrenswertes zu sehen lein. Veranstalter der Ausstellung ist der Reichsverband der Deut- schen Modenindustrie im Verein mit dem Berliner Messe-Aint. Ein Dampferausflug des Frauenhilfsvereins. Begünstigt vom herrlichsten Sonnenschein veranstaltete der F r a u e n h i l s s- verein beim Polizeipräsidium am Montag für die An- gehörigen der Behörde und ihre Familien eine Dampferfahrt nach dem Müggelsee. Zehn große Dampfer standen für die Fahrt zur Verfügung, di« sämtlich voll besetzt waren. Am Ziel der Fahrr, den Gartenlokalen„Prinzengarten" und„Rübezahl", entwickelte sich bald ein lebhaftes, fröhliches Treiben, zumal für Unterhaltung reich- lich gesorgt war. Die Kapellen der Schutzpolizei und der Kriminal- polizei spielten: für die Kinder, zu deren Beaufsichtigung eigens 25 Kindergärtnerinnen bestellt waren, wurden im Walde Spiele r«ranstalt«t. Die Hauptüberraschung bildete aber ein Kasperle- theater, das wahre Beifallsstürme erweckte. Die Rückfahrt erfolgte erst als Dunkelheit schon die User säumte und die blanken LichtiT der Dampfer sich aus dem Wasser spiegelten. tzochwafiergefahr in Mecklenburg. Ein Teil der Ernte soll vernichtet sein. Schwerin, 30. August. Aus der Umgebung von Güstrow kommen alarmierende Meldungen über die verheerenden Wirkungen des hoch- waffers, das die ungeheuren Regenmengen der letzten Woche gebracht haben. Die Nebel, ein Nebenfluß der Warnow, ist plötzlich über die Ufer getreten. In einem zunächst noch nicht abzuschätzenden Umkreis ist hauptsächlich die südliche Um- g e g e n d vom Hochwasser überschwemmt und gleicht einem riesigen Rleer. Das Vieh mußte schnell in die Ställe genommen werden. Ob auch Opfer an Vieh und Menschen zu beklagen sind, ist noch nicht abzusehen. Die Ernte, von der etwa nur ein Sechstel geborgen ist, soll vernichtet sein. Die Laodslraßen sind überschwemmt und un- passierbar geworden. Parum, das einige Kilometer von Güstrow entfernt etwas hoch gelegen ist, ist plötzlich zur Insel geworden. Das Wasser reicht nach den hier in Schwerin vorliegenden Meldungen bis zu den Dörfern, die etwa 7 Kilometer südlich von Güstrow liegen. Die Bahndämme sind durch das Hochwasser arg gefährdet. In G ü st r o w selbst ist der Lindengarten und die Zugangsstraßcn zu diesem ebenfalls überschwemmt. Weitere Einzelheiten sind bis zur Stunde noch nicht bekannt.__ Einsturz einer Ruhrbrücke. Vier Arbeiter verletzt. Bochum, 30. August.(Eigenbericht.) Di« bei h e n g st« i am Fuß« der hohensyburg im Bau be- griffene, rund 400 Meter lange Brücke über den Stausee und über die Ruhr, die die vom Ruhrsiedlungsv«rband neu angelegte Straße hag«n— Dortmund aufnehmen soll, wozu die Brücke um drei Meter verbreitert werd«n sollte, ist heute vormittag»eilweise eingestürzt. Vier Arbeiter wurden schwer verletzt, doch geben ihre Verletzungen nach Aussage der Aerzte zu keinen Befürchtungen für ihr Leben Anlaß. Das gesamte Lecrgerüst d«s Ruhrbogens ist b«i dem Unglück in einer Spannweit« von 70 Metern aus bisher unbekanntsr Ursache plötzlich zusammengestürzt. Die Konstruktionsarbeiten wer- den von der Firma holzmann(Frankfurt a. Main) ausgeführt. Zum Glück ereignete sich d«r Unfall gerade während der Früh- stückspause, so daß die 150 bei dem Brückenbau beschäftigten Ar- bester der Gefahr entgangen sind. Hochsarson für Kanalschwimmer. Paris, 30. August. Wie aus B o u l o g n e gemeldet wird, unternahmen heute zahlreiche Schwimmer vom Kap Gris Ncz aus den Versuch, den Zlermeltanal zu durchschwimmen. Die Engländerin Hilda h a r- ding und die Dänin Jensen gingen gestern abend 9.30 Uhr, die Engländerin Mac Lennann um 11.10 Uhr ins Wasser. Ferner beabsichtigten die Engländerin h a w k e s, der Schweizer Daria und der 65jährige Deutsche Dr. Schiff heute früh zu starten. Bis zur Stunde liegen noch keine Meldungen darüber vor, ob sie ihr« Absicht ausgeführt haben. Außerdem find gestern noch vier w e i- terc Kandidaten, nämlich Miß G l m tz e, Miß W e i d m a n, Miß Garvin und Frank Porks von England nach Kap Gris Rez abgereist, um gleichfalls im Laufe des heutigen Tages di« Kanaldurchquerung zu versuchen. Die Derufsverbanöe in Deutfthlanö. Balken und Splitter. Von der Berufszählung am 16. Juni 1925 wurden rund �1 Millionen Arbeitnehmer erfaßt. In den Verbänden der Arbeitnehmer wurden im Jahre 1925 alles in allem 8 196 935 Mitglieder gezählt, wonach rund 3 9 P r o z. der gesamten Arbeitnehmer irgendwie vereinigt sind.„Vereinigt" in sieben verschiedenen Richtungsgruppen, von denen fünf Arbeiter, Angestellte und Beamte, eine nur Arbeiter und eine andere Arbeiter und Angestellte ohne Beamten umfassen. Dieser allgemeine Ueber- blick ergibt, daß wir in Deutschland zu viele Richtungen und wohl hauptsächlich eben deshalb noch zu wenig Organisierte haben. Neben der im Jahrbuch der Berufsoerbände als christlichnational bezeichneten Gruppe mit 1 267 159 Mit- gliedern läuft ein konfessionelles Grüppchen mit 34 589 Mit- gliedern her. Die syndikalistisch-kommunistische Gruppe zählte 63 586 Mitglieder, die„w i r t s ch a f t s f r i e d- l i ch e" Gruppe gab für 1925 ihre Mitgliederzahl mit 247 173 an (1929 mit 199 294, 1922 mit 283 198). Läßt man diese Splitter- und Zwittergebilde außer Betracht, dann bleiben immer noch vier Gruppen, die als Organisationen an sich anzusprechen sind. Zln der ersten Stelle stehen die sreigewcrtschaslllchen Organisationen mit 4 685 136 Mitgliedern, und zwar 4 974 265 Arbeitern, 432 575 Angestellten und 178 296 Beamten. Ihnen folgen der Zahl nach die sogenannten selbständigen Verbände, die 1 157853 Be- a m t e umfassen, 159 989 Angestellte und 15 791 Arbeiter. Die christlichnationale Richtung steht mit 1 267 159 Mitgliedern, 569 719 Arbeitern. 394 463 Angestellte und 392 977 Beamten an dritter Stelle, während die„f r e i h e i t l i ch n a t i o n a l e" Rich- tung 553 849 Mitglieder verzeichnet, wovon 157 571 Arbeiter, 394 278 Angestellt« und 94 999 Beamte. Von den 14 433 751 Arbeitern und Arbeiterinnen,«bgesehen von den 1 325 588 Hausangestellten, die bei der Berufszählung er- mittelt wurden, sind insgesamt 5 Millionen(und 91 951) vereinigt, das sind 35 Proz. Davon sind 4 983 378 in den drei Spitzenverbänden gewerkschaftlich organisiert, die übrigen 299 396 in den vier ge- werks chaftsfeindlichen Richtungen, den syndikalistisch- kommunistischen, den„wirtschaftsfriedlichen", den konfessionellen und den„selbständigen" Gruppen. Neun Millionen Arbeiter in Deutschland sind heute noch indifferent, unorganisiert. Günstiger ist das Zahlen- Verhältnis bei den Ange st eilten und Beamten, deren 5 237 774 gezählt wurden, wovon über 3 Millionen(1 352 958 Angestellte und 175 126 Beamte) vereinigt sind. Di« Spitzen- verbände zählten 1 131 336 Angestellt« und 575 273 Beamte, zu- sammen 1 796 699 gewerkschaftlich organisierte Angestellte und Äe- amte, während die„selbständigen" Verbände 1 175 853 Beamte und 1j9 989 Angestellte umsaßten. Der A D G B. umsaßt mit 4 974 265 den größten Teil der organisierten Arbeiter, der A f A- Bund mit 432 575 den größten Teil der A n g e st e l l t« n. Dagegen sind erst 178 296 Beamte frcigewerkschaftlich organisiert. Die Christlichen zählen neben 697 449 Angestellten und Beamten nur 569 719 Arbeiter, die Hirsch-Dunckerschen gar nur 157 571 Arbeiter bei 398 278 Angestellten und Beamten, worunter 94 990 Beamte. Von den organisierten Arbeitern entfallen 89,2 Proz. auf die freien Gewerkschaften, 11,2 Proz. auf die christ- lichen Gewerkschaften und 8,6 Proz. auf die übrigen Gruppen. Die Uebersicht über die syndikalistische Richtung ergibt die ganze Unsinnigkeit ihrer Eristenz Di« anarchosyndikalistische Freie Arbeiterunion kann ihre Mitgliederzahl überhaupt nicht fest- stellen und gibt dafür die Zahl der Bezieher ihres Organs„Der Syn- dikalist" mit 21 999 an. Wie„radikal" ihre Leute sind, zeigt deren Antwort auf die von ihrer Geschästskommission ausgegebenen Fragebogen. Diese wurden teilweise unausgefllllt zu- rückgeschickt mit der Bemerkung:„Das geht euch gar nichts an, wir sind keine Zentralisten." Nur zwei der ihr angeschlossenen Vereine, die Verkehrsföderation und die Binnenschiffer, beide mit dem Sitz in Breslau, geben eine Mitgliederzah! an von 2230 und 997. Die stolzen„Föderationen" der Berussarbeiter Deutsch- lands, der Bauberufe Groß-Berlins, der Bergarbeiter, der Metall- industriearbeiter, der Holzarbeiter, der Textil- und Bekleidung?- industrie und der Fliesenleger im Rheinland, schweigen darüber, wie -viele Mitglieder sie haben. Von den. kommunistischen Gründungen gibt der Bekleidungsindustriearbeiterverband 5999 Mitglieder an, der Jndustrieoerband für das Baugewerbe schätzt seine Anhänger rund und neit aus 29 999, der für das graphische Gewerbe nennt 1999, die Schiff- und Bootsbauer in Berlin-Lichtenberg zählen 468 Der Industrieverband sür das Berkehrsgewerbe verrät seine Mit- gliederzahl ebensowenig wie die AAU. und die AAUE. Der Deutsche Jndustrieoerband dagegen gibt 16 199 Mitglieder an. Drs Kartell der„selbständigen" W e y n r-, Schumacher- und Kayser- Verbände Berlins schätzt die Zahl seiner Getreuen auf 29 999. Die.Mrlschastsfrledlichen" zerfallen in folgende Gruppen: Reichslandarbeiterbund, der 83 729 Mitglieder angibt, der Reichsverband vaterlän- bischer Arbeiter- und Werkoereine, der Kellner,„nationale" Buch- drucker und Schornsteinfegergesellen(ohne Angabe der Mitglieder- zahlen, wofür man Verständnis haben kann), der Reichsverband deutscher Klein- und Straßenbahner, auch ohne Angaben, die Reichs- Verbindung nationaler Gewerkschaften, die 194 999 Mitglieder angibt, und einen Gewerkschaftsbund Deutscher Handwerksgesellen (ohne Mitglieder) umfaßt, einen gelben Bäckerverband in Berlin, den, ein Jndustrieoerband der Schokoladenarbeiter angehängt ist, einen Konditorenverband in Hannooer, einen Kellnerverband und einen Verband der„Kochgesellen", eine Vereinigung ehemaliger Militärmusiker, der Heilgehilsen und Krankenpfleger und einen Natiorwloerband der Metallarbeiter. Den Beschluß bildet ein Deutscher Arbeiterbund in Essen, unbekannt wie viele Mitglieder. In Summa zählen die Gelben 187 299 Köpfe. Außer diesen Sonstigen gibt es noch direkt«„S o n st i ge": eine Polnische Berussvereinigung mit zwei Verbänden, einen Ratio- nalen Gewerkschaftsbund mit nationalen Verkehrsarbeitern(angeb- lich 6599), nationalen Eisenbahnern(4599), Postboten(699), Straßen- bohnern(1999) und Sicherheitsbeamten(499). Der Deutsche Arbeit- nehmerverband— die„Zentralgewerkschast aller Hand- arbeitenden Berufe" besteht aus einem Kellneroerein in der Möckern- straße und hat ungezählte Mitglieder. Unter den„Sonstigen" gibt es noch weitere 15 Vereine, worunter der Verband der Akkord- maurer Groß-Berlins mit 1921 der größte ist. Eine„Einheit?- gewerkschafl" in Geilenkirchen hat keine Mitgliederangabe, eine „Völkische Kampfgewerkschast" in Jena gibt 259 an, ein Friseur- gehilfenbund in Leipzig prahlt mit 699 Mitgliedern, ein Groß- Hamburger Arbeitnehmerverband in Schiffbek mit 499. Der Inter- nationale Verband der Köche scheint seine Mitglieder deshalb nicht anzugeben, weil er ein„paritätischer" Verband ist. Man findet hier noch Konditoren der Ostmark, Stallschweizer, Privatgärtner, Land- arbeiter in Prenzlau, Lichtspicloorführer in Berlin mit 169 Mit- gliedern,-schließlich auch einen Verband christlich evangelischer Ar- beiter in Wesel und eine Evangelische Gewerkschaft in Bremen, obwohl die konfessionellen Dereine besonders aufgeführt sind. Und zwar 21 evangelische und 12 katho- tische Vereine. Für 1925 liegen noch keine Mitgliederzahlen vor. Nach den Zahlen zu End« 1924 kommen hier nur der Verband katho- lischer Arbeitervereine mit 198 999 Mitgliedern, die katholischen Ge- sellenvereine mit 71 999 und etwa noch der Verband süddeutscher katholischer Arbeitervereine mit 41 999, sowie der Verband evan- gelischer Arbeitervereine von Rheinland und Westfalen mit 38 999 angegebenen Mitgliedern in Frage. Die ganzen konfessionellen, gelben, blauen, syndikalistischen und kommunistischen Vereine haben mit der Gewerkschaftsbewegung nichts zu tun, auch die, die«in Gewerkschaftsschild herausstecken. Sie hemmen die Gewerkschafts- bewegung zwar nicht, gereichen ihr aber auch keineswegs zum Vorteil. Wo Holz gehauen wird, fallen auch Späne. Die Gewerkschaften werden ihr Hauptaugenmerk auf die Er- fasiung der Vereins- und Organisationslosen richten müssen, denn von diesen neun Millionen sind noch einig« Millionen zu gewinnen. Der DSM?, zur Tariflohnfrage. Die BS.-Korrespondenz berichtet: „Nach unseren Informationen steht der Verband Berliner Me- tallindustrieller dem Abschluß von Tarifverträgen nicht grund- sätzlich- ablehnend gegenüber. Er ist jedoch der Ansicht, daß bei Abschlüssen von Tarifen die Gesamtlage der Industrie berücksichtigt werden muß, und daß bei einer schema tischen Eingliederung der qualifizierten Arbeiter diese zweisel- los sich schlechter stehen würden als bei dem bisherigen Prinzip 0«r Bezahlung nach Lei st ung. Wahrscheinlich würde man auch mit der früheren Zahl von fünf Lohnklassen nicht mehr auskommen, sondern müßte hier noch besondere Zwischenstufen schaffen." Die Sorge um die Besserstellung der qualifizierten Arbeiter, dl« hier an den Tag gelegt wird, ist geradezu rührend. Der Zweck ihrer Bekundung liegt recht nahe: Den qualifizierten Arbeitern soll ein- geredet werden, sie hätten an tariflich geregelten Löhnen nicht nur kein Interesse, sondern sie müßten sich dagegen wenden, um eine Verschlechterung ihrer Löhne„nach Leistung" zu verhüten. Aus diese Weise wird jedoch ein Tarisabschluß kaum zu hintertreiben sein. Denn auch die qualifizierten Arbeiter wisien, daß es ganz darauf ankommt, wie hoch die Löhne im Tarifvertrag festgesetzt werden. Moöeraes Mittelalter. Weshalb die Reichsbahn Arbeiter entläßt. An der West bahn des Kreises Deutsch-Krone in der Grenzmark ist seit Iahren ein Arbeiter K. beschäftigt, dem die örtliche Bahnoerwaltung das beste Zeugnis ausstellt, und der auch sonst einen durchaus sympathischen Eindruck macht. Ihm wird eines Tages gekündigt, weil— er gegenüber dem Rittergutsbesitzer v. Ber- nuth aus Kesburg, Mitglied des Kreisausschusses und selbstverständlich auch des Pommerschen Landbundes wie des Verwaltungsrates der Westbahn, die—„Grußpflicht" verletzt haben soll. K. will sich dessen nicht bewußt sein, gibt aber zu, den Sohn von Bernuth nicht gegrüßt zu haben, nachdem er von der Kündigung Kenntnis er- halten hatte. Es sei ausdrücklich festgestellt, daß K. zu von Bernuth in keinem Arbeitsverhältnis steht. Trotzdem verlangte letzterer die sofortige Entlassung des K. mit der Drohung, auf der Bahn kein« Güter mehr verfrachten zu lasten, wenn K. nicht entlasten würde. hl B Die sonderbare Bahnverwaltung verliert angesichts dieser Drv- ung die Fassung, wahrscheinlich, weil sie von dem angekündigten Zoykott den Ruin der Bahn befürchtet. Obwohl der Landrat des Kreises, Dr. R i e ck, bei der Entlassung mitzusprechen hatte, wird her Mann tatsächlich aus Lohn und Brot gebracht, ohne daß der Landrat davon Kenntnis erhält. Wir sind also so weit gekommen, daß Arbeiter, die jahrelang zur völligen Zufriedenheit ihre Schuldigkeit getan haben, der Will- kür eines sich in seinem Größenwahnsinn gekränkt fühlenden Groß- agrariers preisgegeben werden.— Seit wann sind Arbeiter ver- pflichtet, jemand zu grüßen, zu dem er gar keine Beziehungen hat oder der ihm nicht sympathisch ist, oder seit wann ist die Gruß- Verweigerung einem Menschen gegenüber, mit dem kein Arbeits- Verhältnis besteht, ein Grund zur Entlassung? Bemerkt sei noch, daß der Rittergutsbesitzer von Bernuth hervorragendes Mitglied der evangelischen Synode der Grenzmark ist. Wir grawlieren der Synode zu einem solchen Vertreter! Aue kunögebung in Treptow. Die Fleischer hatten ihren Sammelplatz an der Michael- kirchbrücke. In zwei Vorstandssitzungen, kurz vor der Demonstration, wurde über dies« gesprochen. Einigkeit bestand im Vorstand, die Demonstration parteipolitisch neutral vor sich gehen zu lassen. Am Sonntag früh.„RFB. Abt. 4 Kapelle zur Stelle" meldet sich in militärischer Manier ein Rotfrontmann. Er wird darauf aufmerk- sam gemacht, daß er sich wohl geirrt habe.„Nein, wir sind be- stellt."„Von wem?"„Das weiß ich nicht." Er bekam darauf die Erklärung, daß die Kapelle vom Zentraloerband der Fleischer nicht bestellt sei und die Kapelle nicht an der Spitze des ZV. der Fleischer spielen könne. Seit jeher hat die kommunsttische Zelle mit Ueberrumpelung der andersdenkenden Mitglieder gearbeitet. Wir erinnern, daß an einem 1. Mai plötzlich«in« Sowjetsahne im Zuge erschien. Er- folg: ein Teil Mitglieder verließ den Zug. Der 1. Mai dieses Jahres mit seinem famosen Plakat dürste noch in aller Erinnerung sein. So kam es, daß am Sonntag von vielen Mitgliedern ver- langt wurde, daß die kommunistische Kapell« nicht im Zuge spielen darf. Die zahlreich erschienene Jugend erklärte spontan, daß sie unter diesen Umständen keinesfalls hinter einer kommunistischen Rot-Front-Kapelle demonstrieren wolle. Auf die Aufforderung: „Wer mit dem Zentralverband der Fleischer demonstrieren will, der trete auf die andere Straßenseite!" traten nicht nur Fischer und einige Parteifreunde aus dem Konsum beiseite, ihnen folgte viel- mehr der bei weitem überwiegende Teil der Demonstranten. Der Schreck fuhr den kommunistischen Drahtziehern in die Knochen. Schnell gab der Zellenhauptmann das Zeichen zmn Abmarsch. Vielleicht in der Befürchtung, daß bei einer zweiten Äusforde- rung nur ein armselig Häuflein bei den unentwegten Zellenbrüdern geblieben wäre. Kollegen aus allen Betrieben waren beim Zuge des Zentraloerbandes der Fleischer. Mit einer derartigen Abfuhr hatten weder die Rotfrontkapelle noch die KPD.-Fraktion der Fleischer gerechnet._ Abbruch des pfälzischen Textilarbeiterstreiks. camprecht(Pfalz), 39. August.(Mtb.) Der Texttlarbeiterstreik, der volle 19 Wochen gedauert hat, ist am Montag zu Ende gegangen. In sämtlichen Betrieben wurde die Arbeit wieder aufgenommen. �bsihaffung See Todesstrafe. Beschluß des französischen Gewerkschafisbundes. Paris, 39. August.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsrat des französischen Gewertschaftsbun&es hat in seiner Sitzung am Montag beschlosten, daß die französischen Gewerkschaften allen anläßlich des Pariser Besuchs der a m e r i- kanischen Legion im September veranstalteten Festlichkeiten fernbleiben sollen. Der Allgemeine Gewerkschaftsbund bemerkt hierzu in einer Mitteilung an die Presse, daß die französischen Gewerkschaften damit nicht das amerikanische Volk ssir den Justizmord an Sacco und Vanzetti verantwortlich machen. Der Gewerkschaftsbund werde mit allen Mitteln den Kampf für soziale Gerechtigkeit und Achtung vor der menschlichen Persönlichkeit fortsetzen. Er fordert alle Arbeiter der Welt auf, in jedem Lande die Abschaffung der Todesstrafe zu fordern. Er werde diese Frage vor die Ge- werkschaftsinternattonale bringen. Die deutschen Gewerkschaften samt der Sozial- demokratischen Partei teilen in dieser Frage den Stand- punkt der französischen Gewerkschaften der Amsterdamer Richtung durchaus. Die Kommuni st en dürfen das nicht, solange die Regierung in Moskau auf die Todesstrafe nicht verzichten will. Generalstreik in der Mandschurei. Paris, 39. August.(MTB.) Die„Agentur Jndopacifique" berichtet aus Tokio über einen Generalstreik, der unter den Arbeitern der Kohlenbergwerke und in der M e t a l l i n d u st r i e von Penkisu(?), Mandschurei, in- folge von Lohnforderungen ausgebrochen ist. 2 99 9 Chinesen nahmen an einer Monifestation teil. Es kam zu Zu- sammenstößen, wobei drei Japaner getötet und zwei oerletzi wurden. Japanische Truppen und Polizei stellte die Ordnung wieder her. Die Behörden führen die herrschende Erregung auf ein kom- munistisches Komplott zurück. Lerantwortlich für Politil: Richard«rrastri»! Wirtschail:«. Satrr»»»: ...~ gruillrton:«.».»»ich«': Lokal«, «lock«! iitmllich in B«rlin. Druck: Vorwiirts-Buchdruckerri u Co. Berlin EW SS. LindcnftraK« 3. ovluhiwui. inuj i uk. 4.'wiinfc.«siurucii UCVIlslCl« Seweilfchaftsbrwrauna: grirdr. Ckloca; geuillri und Eongig«»: Fritz Narftädt: Änzcigrn: Td. Beriag: Borwärts-Verlag S. m. b. H.. Berlin.' und Lerlagsanftall Paul Einger �— Schwarzer Adler, Franktorter Allee 99 Vorn 30. August bis I. September 1927 :: R E G I N E:: Ferner: Buhnenschau Coocordia- Palast, AndreasstraBe 64 Vom 30. August bis I. September 1927 Ich habe im Mai von der Liebe geträumt Dazu: König im Satte! ViktoriHichtbilflthealrte�jr Vom 30 August bis I. September 1927 lAhabeimMaivonderLiebegeträiiflit Auf der Bühne: Der keusche Josef Jugendliche haben Zutritt Passage-üditspiele.BeSsi/si Vom 30. August bis 1. September 1927 Hoot Gibson in Der Todesritt von Little Big Boro Ferner: Bfihnenscbnu II Kan.. Ob» und Bein, nrni inii. tetsMlellt. Uli Tum tlid __ üMOtaittan(Merlolgi. BBtitmn nd üthnmai. flritl. empfohlen. tmlMostr* 106. 9-11, 1-4. Senbg 10-12. 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