Ur. S3S. Erscheint täglich außer Montags. PretS pränumerando: Viertel- jährlich s.so Marl, monatlich l.lo Ml., wöchentlich 2S Pfg. frei in'S Hau«. Einzelne jNummer s Pfg. SomUags-Numiner mit illustr. SonntagS-Beilage„Neue Wein 10 Pfg. Post-Abonnement: 330 Ml- pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M-, für das übrige Ausland 3 Sit. pr. Monat. Eingetr. in der Post> ZeilungS- Preisliste für tS»« unter Nr. 71«. II. Inl>rg. Jnsertions-Sebühr beträgt für die fünfgespaltene Pctitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Veriammlungs- Anzeigen 2n Pfg. Inserate für die näch'le Nummer müssen bis 4 Udr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Amt l.ltir. 1508. Telegramm Adresse; «Zozialdemakrat Kerlin". Verllner Volksbkait. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. iion! SW. 19, N-Ui?-Simh- 2. gotttmÜCtltr, den 12. Oktober 18SS. Erpediiis»! SV. Ig, NeutS-Sirah- 3. Vtsmarck» Dättichrr- Brrg. Zu dem Fall Bötticher erhalten wir von einer Seite, die wir für gut unterrichtet halten können, folgende Mit- theilnng: „Die vom Staatsniinisterium gestern publizirte Erklärung hat. wie jetzt schon versichert werden darf, doch nicht allerwärt s den erhofften Erfolg gehabt. Vielmehr verlautet jetzt schon, daß nuninehr eine alten mäßige Dar- stellung der Affäre des Stralsunder Bankdireltors Berg und der Entnahme einer sehr großen Summe aus dem Welsen- fonds von welfischer Seite beabsichtigt wird. Bekanntlich ist diese Entnahme unzweifelhaft durch den Fürsten Bismarck widerrechtlich erfolgt, weswegen man auch gerade von dieser Seite nichts gethan hat, um diese als Staats- geheimniß behandelte pikante Angelegenheit in die Oeffentlichkeit zu bringen. In Wahrheit ist die betreffende sen- sationelle Enthüllung, welche soviel Staub aufwirbelte, seinerzeit von einer Seite ausgegangen, die mit Bismarck nichts zu thun hatte. Das darf aitsdrücklich, ge- stützt auf die sichersten Informationen über den Sachverhalt, hier festgestellt werden. Es wußten darum nachweislich nur sehr wenige ganz hoch- gestellte Personen. Was die„Freunde" des Herrn v. Bötlicher anbelangt, welche vorher schon zn gunsten seines Schwieger- vaters eine Art freiwillige Subskription angestellt halten, so handelt« eS sich um ein K o m i t e e, an dessen Spitze Herr Werner Siemens stand. Allein die anfgebrachte» Beträge reichten bei weitem nicht zur Deckung der Berg'schen Verbindlichkeiten aus, und nach Rücksprache mit Bleichröder griff dann Bismarck„helfend" ein, indem er das erforderliche Geld dem WelsenfondS entnahm. Der alte Kaiser hat keinen Heller dazu hergegebe n." Die Entnahme der Unterstützungsgelder für Herrn Berg aus dem Welfenfonds war deshalb wider- rechtlich, weil der Welfenfonds durch Gesetz ausdrücklich für die Bekämpfung der angeblichen welfischen Unitriebe reservirt war. Nun liegt allerdings mehr als eine Ver- muthung der Ueberzeugung zu gründe, daß beständig Gelder zu ganz anderen Zwecken, die dem damaligen Reichskanzler im Interesse seiner Politik zu liegen schienen, Verwendung gefunden haben. Daß Privatmänner, wie der Schwieger- vater eines Mimsters, bedeutende Unterstützungssummen er- Viev Tstge. Ans dem Russische» von Wssewolod Garschi n. Ich erinnere mich, wie wir durch den Wald liefen, wie die Kugeln pfiffen, wie die von diesen zerschmetterten Zweige Jielen, und wie wir uns durch Weißdorngebüsche eine Bahn rächen. Die Schüsse fielen häufiger. Durch das Busch- werk des Waldrandes ward hier und da etwas Rothes sichtbar. Sidorow, ein junges Soldatchen aus der ersten Kompagnie(wie kommt der in unsere Vorpostenkette? fuhr nur's durch den Kopf), setzte sich plötzlich auf die Erde und sah mich schiveigend mit großen, erschrockenen Augen an. Aus seinem Munde ergoß sich ein Blutstrahl. Jawohl! dessen erinnere ich mich ganz genau. Ferner erinnere ich mich noch, daß ich schon fast am Rande im dichten Busch- werk i h n erblickte. Er war ein riesiger, dicker Türke, aber ich lief gerade auf ihn zu, obgleich ich schwach und hager bin. Es knallte etwas; etwas Riesengroßes, wie nur's schien, flog vorüber; ich empfand ein Sausen in den Ohren.„Er hat nach mir geschossen", dachte ich, und dabei drückte er sich mit einem lauten Schreckensrufe mit dem Rücken in das Wcißdorngebüsch. Er hätte um den Busch herumgehen können, aber, vor Angst außer sich, verkroch er sich in den stachligen Arsten. Mit einem Stoße entwaffnete ich ihn, mit dem zweiten bohrte ich niein Bajonnet irgendwo hinein. Man vernahm etwas, das zwischen Brüllen und Stöhnen etwa die Mitte hielt. Ich lief weiter. Die Unfern schrien„Hurrah!" Es fielen einige, man schoß. Ich erinnere mich, daß auch ich einige Male feuerte, als ich schon aus dem Walde heraus ans freiem Felde war. Plötzlich erscholl das Hurrah lauter, und wir kamen auf einmal vorwärts, das heißt, nicht wir, sondern die Unsrigen, denn ich blieb. Das schien mir seltsam und noch sonderbarer, daß plötzlich alles verschwand, Geschrei und Gewehrfeuer verstummten. Ich hörte nichts, ich sah nur etwas Blaues, vermuthlich den Himmel, dann verschwand auch das. Niemals noch hatte ich mich so seltsam befunden. Mir schien, ich läge aus dem Bauche und sähe nur ein kleines Stückchen Erde vor mir. Einige Grashälmchen, eine Ameise, die von einem derselben mit dem Kopfe nach unten herab- halten hätten, ist allerdings nur in diesem einen Fall unbe- stritten anerkannt worden. Wo die sonstigen Gelder geblieben sind, wird auch nur in seltenen Fällen nachgewiesen werden können, denn in weiser Voraussicht der Bewegungsfreiheit, die ihm zu höherem staatsmännischcn Zwecke bei Unterbringung der Wclfenfonds-Gelder zu Gebote stehen mußte, hatte Fürst Bismarck es ausgewirkt, daß er nicht öffentliche Rechenschaft abzulegen, sondern nur vom Kaiser persönlich sich jährlich Indemnität für die Verausgabung der bedeutenden Summen erlheilen zu lassen hatte. Das ist denn auch zur völligen Zufriedenheit der beiden Herren alljährlich geschehen. Und dann sind schließlich, damit nie und nimmer ein Unberufener seine Nase hinein- stecken könne, die sämmtlicheu Welfenfonds-Quittungen den reinlichen und reinigenden Flammen überliefert worden. Als die Bötticher-Berg-Gcschichte in den„Hamburger Nachrichten" verkündet worden, mußte es nach allcni, was über die Geheininisse des Welfenfonds ruchbar geworden war, einiges Erstaunen errege», daß gerade Fürst Bismarck, auf den man die Veröffentlichung zurückführen zu müssen glaubte, selbst den Deckmantel von seinem eigenen Treiben gelüftet hätte. Die obige Mittheilung unseres Korrespondenten rückt die Sache in ein anderes Licht und niacht die Enthüllung verständlicher. Jedenfalls haben diejenigen Bismarckjünger, die fort- gesetzt in der Bötlicher-Bcrg-Affäre herumstocherten, weil sie glaubten, auf diese Weise den ehemaligen Reichskanzler an dem Minister v. Bötticher wegen angeblicher Undank- barkeit zu rächen, ihrem Herrn und Meister einen bösen Bärendienst geleistet. Sie sind auch jetzt noch nicht klüger geworden. Sie bleiben Herrn v. Bölticher auf der Fährte, ohne zu merken, daß die Verfolgung dieser Fährte schließlich in die ge- heimsten Schlupfwinkel des Bismarci- Baues hineinführe muß. Da nämlich die Erklärung des Staatsministerium Minister von Bötticher theilweise entlastet, indem Jlt sich dafür verbürgt, daß der genannte für den Hinivtrf seines eigenen Verniögcns in den Schlund des Berg'schen Zlisammen brnchs keinen Ersatz aus Staats- oder Wclfensondsmitteln erhalten hat, bleibt schließlich an ihm nur der nämliche Vorwurf haften, wie au dem Fürsten Bismarck selbst: die Verwendung der Welfenfonds-Gelder zu anderen Zwecken als das Gesetz bestimmte. Kommt der Minister v. Bötticher deshalb auf die Anklagebank vor dem Forum der öffentlichen Meinung, so erhält er jedenfalls den Fürsten Bismarck als Kollegen. steigt, einige vermoderte vorjährige Kräuter— das ist meine ganze Welt. Und ich sehe sie nur mit einem Auge, weil das andere durch etwas Hartes zugedrückt ist, wahrscheinlich ist es ein Ast, auf dem niein Kopf liegt. Es ist mir schreck- lich unbequem, ich will mich bewegen, aber es ist mir unmöglich, ich begreife nicht, warum. So vergeht die Zeit. Ich höre das Zirpen der Heupferdchcn, das Summen einer Biene, weiter nichts. Endlich mache ich eine Anstrengung, ich ziehe nieine rechte Hand unter nur hervor, und indem ich mich mit beiden Händen aus die Erde stütze, will ich mich auf meinen Knieen aufrichten. Etwas Stechendes und Schnelles, wie ein Blitz etwa, fährt durch meinen ganzen Körper von den Knieen zur Brust und zum Kopfe, und ich falle wieder hin. Wieder ist alles dunkel, nichts da. »» * Ich erwache. Warum sehe ich denn die Sterne, welche am dunkelblauen Himmel Bulgariens hell glänzen? bin ich denn nicht im Zelt? warum bin ich aus demselben hervor- gekrochen? Ich mache eine Bewegung und empfinde einen grausamen Schmerz in den Beinen. Ja so! ich bin im Gefecht verwundet— gefährlich oder nicht? Ich fasse nach den Beinen, wo ich den Schmerz empfinde, das rechte wie das linke, beide sind mit ge- rounenem Blut bedeckt. Wenn ich sie mit den Händen de« rühre, wird der Schmerz heftiger; dieser ist wie Zahnweh anhaltend, bohrend. Es sanft mir in den Ohren, der Kopf ist schwer. Ich begreife halb und halb, daß ich an beiden Beinen verivundet bin. Aber wie geht das zu? Warum hat man niich nicht mitgenommen? Sollten die Türken uns geschlagen haben? Ich rufe mir ins Gcdächtniß zurück, wie es zugegangen, anfangs erinnere ich mich nur dunkel, dann deutlicher, und ich komme zu dem Schluß, daß wir ganz sicher nicht geschlagen sind; denn ich fiel(doch dessen entsinne ich mich übrigens nicht, sondern nur, daß die anderen vorwärts stürmten und ich nicht laufen konnte, und wie mir nur etwas Blaues vor den Augen blieb) auf dem freien Platz oben auf dem Hügel. Auf diesen Punkt hatte unser kleiner Bataillonschef gezeigt und mit seiner hellen Stimme ge- rufen:„Kinder, wir werden den nehmen", und wir hatten ihn gcnontmen, also waren wir nicht geschlagen. Aber warum Nur blindwüthige Bismarck-Anbeter können sich darüber täuschen. Wir haben unsererseits natürlich nichts dagegen einzu- wenden, daß die Sache recht gründlich erörtert und klar- gestellt wird. Licht, mehr Licht! Nur die Dunkelmänner und Hintertreppenschleicher haben das zn scheuen. So registriren wir denn zunächst, was die„Neuesten Nachrichten", das hiesige Bismarck-Organ auf den Vorwurf der„Maulwurfsarbeit" wegen der beharrlichen Befehdungen des Ministers v. Bötticher erwidert: „Von einer„Maulwurfsarbeit" kann wohl insofern nicht die Rede sein, als das Ausscheiden des Herrn v. Bötticher aus dem Ministerium und seine U e b e r n a h m e des Ober Präsidiums in Kassel zum I. Juli d. I. formell beschlossen war, dann aber infolge eines bekannten Vor- gangs wieder rückgängig gemacht worden ist." Ob Herr v. Bötticher in Berlin ans dem Minister- scssel oder in Kassel auf dem Oberpräsidentenstuhle fitzt, bleibt sich für uns allerdings gleich. Uns interessirt an obiger Aeußerung hauptsächlich der darin ausgeprägte ganz stöckerisch anmuthende Moralsatz, daß die Operation der Bismarck- Organe„insofern" keine Maulwurfsarbeit sei, als v. Bötticher beinahe schon einmal aus Berlin hinweg- operirt worden war. Wenn nun ferner die„Hamburger Nachrichten" zu der Ministererklärung schreiben: „Zunächst drängt sich die Frage auf, ob den Herren Unterzeichnern der Erklärung die Vorgänge, auf die sie sich bezieht, in vollem Umfange amilich bekannt geworden sind," so sitzen ja die„Hamburger Nachrichten" an der Quelle, im Sachsenwalde, wo die lauterste Wahrheit träufelt. Also nur heraus mit der Sprache! Rolitifche MebevMzk. Berlin, 11. Oktober. Eine sonderbare Logik entwickelt der Präsident des Oberlandesgerichts zu Köln. Bekanntlich war dem Redakteur Wessel von der„Niederrheinischen Volkstribüue" der Zu- tritt zu dem Theile des Echwurgerichtssaales, der von Berichterstattern eingenommen zu werden pflegt, verweigert worden. Auf die eingelegte Beschwerde erhielt Genosse Wessel folgenden Bescheid vom Präsidenten des Ober- laudesgcrichts: „Köln, den 4. Oktober 1S9ö. Ans die Eingabe vom 26. v. M. erwidere ich Ew. Wohlgeborcn nach eingezogenem Bericht und nach Prüfung der Sachlage, daß ich die Weigerung des königlichen Landgerichtspräsidenten dort, Ihnen zu dem den Zeugen vor- behaltene» Raum im Schwurgerichtssaale zum Zweck der Bericht- hatten sie mich zurückgelassen? Es ist doch ein offener Platz, wo man alles übersehen kann. Wahrscheinlich liege ich doch nicht allein hier. Es wurde so häufig geschossen. eck) muß einmal den Kopf umdrehen und um mich schauen. ctzt kann ich das leichter ausführen; denn vorhin, als ich zur Besinnung gekommen war und den Grashalm und die mit dem Kops nach unten kletternde Ameise gesehen und versucht hatte, mich aufzurichten, war ich nicht in meine frühere Lage zurückgefallen, sondern hatte mich umgedroht, so daß ich auf dem Rücken lag. Deshalb konnte ich auch die Sterne sehen. Ich richte mich auf und setze niich. Das ist sehr müh- sam, wenn beide Beine durchschossen sind. Einige Male verzweifelte ich fast daran, daß es mir gelingen würde, der Schmerz trieb mir die Thräncn in die Augen; doch endlich saß ich. Ueber mir sehe ich ein Stück dunkelblauen Himuiels, an welchem ein großer und mehrere kleine Sterne glänzen, rings herum etwas Dunkles, Hohes. Es ist das Buschwerk.' Ich liege im Gebüsch, sie haben mich nicht gefunden! Ich fühle, wie mir die Haare auf dem Kopfe zu Berge stehen. Aber wie komme ich in das Gebüsch, da ich doch auf dem freien Platz getroffen wurde? Ich muß mich wohl, schon verwundet, hierher geschleppt haben, während ich vor Schmerz bereits besinnungslos war. Es ist nur seltsam, daß ich mich jetzt nicht bewegen kann, wenn ich vorher in dies Gebüsch kriechen konnte. Vielleicht hatte ich da erst eine Wunde, und der zweite Schuß traf mich hier. Blaßrosenfarbene Flecke werden um mich her sichtbar, der große Stern erbleicht, die kleinen verschwinden.„Der Mond geht unter," denke ich,„wie schön ist es jetzt zu Hause!" Einige seltsame Töne dringen zu mir herüber... als ob jemand stöhnte. Ja, es stöhnt— ob wohl neben nur noch so ein Vergessener liegt mit zerschossenen Beinen oder einer Kugel im Leibe? Nein, das Stöhnen erklang so nahe, aber neben mir ist, wie mir scheint, niemand... Mein Gott, das war ich ja selbst! Leises, klägliches Stöhnen.— Thut es denn wirklich so weh? Muß doch wohl; aber es e» stattung für die.Diederrhemische Volkstribüne" Zutritt zu ge- statten, für gerechtfertigt erachte und keine Veranlassung finden kann, eine entgegengesetzte Anordnung zu treffein Der für die Zeugen und Sachverständigen vorbehnllene Raum ist ein derart beschränkter, daß er seinem Zweck nickt mehr genügen wurde, wenn alle Vertreter der Presse ohne Unterschied dorthin ivcihrend der Verhandlungen Zutritt erhielten. Zu Ihren Gillisten eine Ausnahme zu niachen lag aber um so weniger Ver- anlassung vor, als sowohl der Redakteur Gewehr der ,,N i e d e r r h e i ii i s ch e ii V o l k s t r i b ü n e" w i e G i e selb st wiederholt aus Anlaß Ihrer Stellung bei de in gedachten Blatte strafrechtlich ver- u r t h e i l t sin d." Also Ausnahmen werden nicht gemacht; deshalb verweigert der Präsident dem Genossen Wessel den Zutritt zum Schwnrgerichlssaale, einem einzelnen Manne, weil er bereits politische Verurtheilungen über sich hat ergehen lassen müssen. Laien werden das sicher eine Ausnahme zu Ungunsten Wessel's nennen. In dem Kopfe des Kölner Oberlandesgerichts- Präsidenten muß sich die Welt ganz anders malen.— Kein Tag ohne Anklage, schreibt die B r e s l a u e r „Volksmacht" unterm 10. Oktober: „Der verantwortliche Redakteur unseres Blattes kommt vom Gericht bald gar nicht mehr herunter. Heute hatte er schon wieder eine Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter zu bestehen, der ihm die Eröffnung macht«, daß er eine zweite Majestätsbeleidignng verlrochen habe. Diese soll in einem Artikel der Numnier 232 unseres Blattes enthalten sein, und zwar in der Veröffentlichung des Schreibens, das der seines Amtes entsetzte Pastor D a n ck w e r t an die„H a m b u r g e r Nachrichten" gerichtet hat. Der Herr Pastor bemerkt darin, daß er wegen der be- kannten Aeußerung während des Gottesdienstes, die nun nach der Anficht des B r e s l a u e r Staatsanwalts eine M a j e st ä t s- beleidiguug bedeutet, nur wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung zu Festungshaft ver- urtheilt wurde." Das übertrifft ja noch die Verurtheilung Dierl's wegen Abdrucks einer Gerichtsverhandlung über eine Majestäts- beleidiguug.— Zur Verhaftung der sieben Flugblattvertheiler in Arnstadt erfahren wir noch folgendes: Die Staatsanwaltschaft hatte in einer Bemerkung des fraglichen Flugblattes, die sich aus Elsaß-Lothringen bezog, den Verdacht des Hoch- verraths gespürt. Die FIngblattvertheiler wurden am Montag Nachmittag 4 Uhr vor den Untersuchungs- richter des Amtsgerichts zur Vernehmung geladen; als sie von derselben nach Hause kamen, wurden sie nach der Polizei zitirt,>vo ihnen eröffnet wurde, daß gegen sie Untersuchung wegen Hochverrates(Z 86 Str.-G.-B.) eingeleitet worden und sie wegen Fluchtveroachts verhaftet seien. Bei der Ueberführung der Verhafteten von der Polizei nach dem Amtsgerichts- Gefängniß ist einer der Verhafteten namens Simon stnchtig geworden.(Auch am Mittwoch nach der erfolgten Auf- Hebung der Verhaftung infolge des Reichsgerichts-Beschlusses war Simon noch nicht zurückgekehrt.) Seitens der Arnstädter Genossen kann mail sich diese Flucht nicht erklären, da der Entwichene als ein besonnener und in soliden Verhältnissen lebender Genosse bekannt ist. Nachträglich war noch Genosse Gilek am Dienstag Morgen 5 Uhr aus dem Bett gdhqlt und verhaftet worden. Am Mittwoch Morgen 9 Uhr wurdet die Genossen aus der Haft entlassen.— Ter Unter Staatssekretär im Reichsamt des Innern Dr. von R o t t e n b u r g hat, ivie der„Reichs-Anzeiger" meldet, Berlin mit Urlaub verlassen. Herr v. Rottenburg wird nicht mehr in das Rcichsanit, wo er vornehmlich mit der Bearbeitung der sozialpolitischen Geschäfte beschäftigt wurde, zilrückkehren. Er hat sich bekanntlich als Vorsitzender der Reichskommission für Arbeiter-Statistik Verdienste erworben, die auch wir gerne anerkennen. Der Abgang des Herrn v. Rottenburg ist ein wichtigeres Ereigniß, als der irgend eines beliebigen vortragenden Rathes. Der scheidende Beamte war in den letzten Jahren zu einem für seine Sphäre recht entschiedenen Vertreter sozialpolitischer Forderungen teworden, er hat auch ohne Rückhalt den Jnnungssanatikern irotz geboten, er hatte ein Versländniß für die gewerkschaft- ist mir nicht recht klar, im Kopf ist's wie Nebel, wie Blei. Ich will mich lieber wieder hinlegen und schlafen... Ob Äh noch erwachen werde?— gleichviel. In dem Augenblick, als ich mich hinzulegen im Begriff bin, erhellt ein breiter, bleicher Streifen des Mondlichts den Platz, ans dem ich liege, und ich sehe etwas Dunkles und Großes, das ungefähr fünf Schritte von mir entfernt liegt. Hier und da blitzt der Mondschein darauf, das sind Knöpfe oder Munitionsstücke. Es ist ein Leichnam oder «in Verivundeter tieben mir— einerlei; ich lege mich nieder... Nein, es kann nicht sein! Die Unsrigen find nicht fort. Sie sind hier, sie haben die Türken geschlagen und sind in dieser Stellung geblieben. Warum höre ich aber keine Gespräche, nicht das Knistern der Wachtfeuer?— Wahr- scheinlich höre ich nichts vor Schwäche. Sie sind sicher hier. „Hilfe! Hilfe!" Wilde, sinnlose, heisere Rufe reißen sich ans meiner Brust los; es erfolgt kein« Antwort. Laut hallen sie in der Nachtluft wieder, sonst schweigt alles ringsumher; nur die Grillen zirpen unermüdlich wie zuvor. Ter Mond sieht mich mitleidig an mit seinem runden Gesicht. Wenn e r ein Verwundeter wäre, müßte er von einem solchen Schrei erweckt werde». Es ist ein Leichnam— von den Unser» oder ein Türke?— Ach Gott, als ob das nickt gleichgiltig wäre! Und der Schlaf senkte sich auf meine brennenden Augen... Ich liege mit geschlossenen Augen, obgleich ich schon längst wach bin. Ich mag die Augen nicht öffne», weil ich durch die geschlossenen Lider das Sonnenlicht spüre, das mich blende» wird, wenn ich sie aufmache. Das beste ist, sich nicht zu regen.... Gestern(ich denke, es war gestern) bin ich verwundet worden; ein Tag und eine Nacht sind vorübergegangen, iveitere werden folgen, ich werde sterben— Einerlei!— Nur keine Bewegung mache». Mag doch der Körper unbeweglich liegen. Wie gut es wäre, wenn auch die Arbeit des Gehirns aufhören wollte; aber ihr kann man nicht Halt gebieten. Gedanken, Erinnerungen drängen sich im Kopfe. UebrigenZ ist das alles nicht für lange, bald hat's ein Ende. Nur in den Zeitungen bleiben ennge Zeilen, etwa: Unsere Verlufte waren nicht bedeutend, Verwundete so und so viel, getödtet der Gemeine Jwanoff von den Freiwilligen. Nein, der Name wird nicht genannt, es wird einfach heißen: getödtet ein Gemeiner, wie damals das Hündchen... (Forlsetzung folgt.) lichen Kämpfe der Arbeiter. Er paßt wirklich nicht in die Aera Koller- Schönstedt. In den leitenden Regierungskrcisen sieht man zwar Herrn von Rottenburg kaum»»gerne scheide», aber man fürchtet die hieran anknüpfenden Prcßerörternngen. Deshalb erklärt man, daß Gesundheitsrücksichten den Urlaub und den zu gewärtigenden Austritt ans dem Reichsdienste ver- anlaßt habe». Glanben werden die Beschwichtigungshosräthe auch in diesem Falle nicht finden.— Wie das Wort eines Reichskanzlers wirkt. Die Erklärung des Fürsten Hohenlohe, er sei Gegner der Kon- vertirung der preußischen Konsols, hat die Wirkung gehabt, daß in den darauf folgenden Tagen der Kurs der vier- prozentigen Konsols um ein Prozent ge- stiegen i st.— Gegen die zweijährige Dienstzeit wird augenschein- lich von einer militärischen Camarilla gewühlt. Natürlich wird darauf hingearbeitet, sie wieder in die Höhe zu schrauben. In verschiedenen Militärsrommen Blättern wird versichert, die zweijährige Dienstzeit habe sich ebenso wenig bewährt wie die Halbbataillone. Auf die Verdoppelung der Halb- bataillone, wodurch so und so viel Offiziersslellen neugeschaffen werden müßten, scheint es zunächst abgesehen zu sein. Da veröffentlicht nun die„Münchener Post" folgende inter- essante Mittheilung: „Die 13. und 14. K o m p a g n i e n bilden bei den In- failterie-Regimeiitern die 4. Bataillone(sog. Ha I bbntaillone) Diese letzteren werden nun mit Vorliebe als Schiiierzenskiiider. an die Wand geinalt, welche sich aus Gründen der iiiililälischen Ausbildung nach ihren noch nicht geschaffenen Hälslen sehnen. Wie nnbmchtigt diese Sehnsucht aber ist. haben die letzten Tage bewiesen. In den Zeiliiiigen wurden nämlich die beiden Kompagiiien bekannt gegeben, welche in unseren zwei Armeekorps die besten Sckießleistungen für das heurige Jahr erzielt habe». Wer find diele Kompagnien? Die 13. des 12. Regiineiits und die 14. des 8. Regiments! Auf diese Thaffache» sei hiermit besonders hiugeiviesen, denn das Gejammer über die 4. Bataillone wird doch über kurz oder lang als Onverlüre zu einer neuen Militärvorlage wieder ertönen."— Ein großer Erfolg der Partei wird uns ans Mannheim telegraphisch gemeldet. Bei der Wahl der Wahlmänner, die erst die Landtags-Abgeordnete» zu wählen haben, errangen unsere Parteigenossen einen durchschlagenden Sieg. 257 sozialdemokratische und blos 16 demokratische und 123 nationalliberale Wahlmänner wurden gewählt. Mamiheiin wird nun wieder durch zwei Sozialdemokraten im badischen Landtage vertreten sein. Dieser Erfolg ist nm so bedeutungsvoller, als die Partei infolge der ge- wisseiilosen Agitation Rüdt's und seiner verblendeten Anhänger innerlich sgeschivächt war und die Gegner, wie unsere Leser wissen,"selbst vor den nnsaudersten und in- samsten Wahlmanövern nicht zurückschreckten. Hoffentlich führt dieser Erfolg auch zur vollständigen Ordnung der Parteiverhältnisse, so daß wir dann auch sicher ans die Wiedergewinnung des Mannheimer Reichstags- Mandats rechnen dürfen.— Die Spionage ist ein iuterncitioimles schmutziges Gewerbe. Dieffeils und jenseits der Gieuzeii wird spiouirt. Wir be- richleten unlängst, daß die preußische Polizei einige Personen ver- haftet hat, die verdächligt wurden, im Dienste Frankreichs deutsche Militärverhältnisse zu erkundschafte». In Frankreich y�ben diese Verhasiungcn zu lebhaftem Welteifer herausgefordert. So ist in Paris ein ehemaliger Polizeibeamter Schwartz unier dem Verdachte, ein von Demschland besoldeter Spion zu sein, verhaftet worden. Aus Paris wird hierüber gemeldet: Er benutzte den Umstand, daß er Elsäffer ist, um sich überall einzuführen, wo es ihm zweckmäßig erschien. Aus den beschlag- nahniten Papieren gehl„unzweideutig und ohne daß der ge- ringste Zweifel möglich ist," hervor, daß sich Schwartz Haupt- sächlich damit befchasligle, Teutschland über die Namen der französischen, geheimen Agenten zu informiren und dadurch ihre Verhaftung zu ermöglichen. Wie ferner ans L a o n gemeldet wird, entwickelt die Grenz- polizei gegenwärtig besondere Thätigkeit im Aufsuchen von MilitärHrieftanben enthaltenden Taubenschlägen, um auf diesem Wege Spione zu ermitteln. Ein dort wohnender Belgier wurde deshalb kürzlich verhaftet, ausgewiesen und unter Be- dcckung über die Grenze gebracht.— Im Orient steigen immer mehr Gewitterivolken ans. Nicht blos die Türkei, auch Griechenland hat die Stärkung der militärischen Machtmittel im Auge. Ans Athen wird gemeldet: Der Jahrgang der Marine und des Landheeres, welcher am 13. Dezember zur Reserve entlaffeu werden sollte, wird bei der Fahne zurückbehalieii werden; die Besürchtungen der öffentlichen Meinung und der Presse richten sich auf etwaige bulgarische Invasion in Makedonien. Die griechische Presse fordert auch die Entsendung eines Kriegs'chiffes nach Konstautinopel. Diese Nachricht kann auch mit der folgenden in Beziehung gebracht werden: In Athen ist die amtliche Meldung eingegangen, daß bei dem Massakre in Trapezrnit auch mehrere Griechen getödtet worden sind.— »* ii- Deutsches Reich. — Reichstags- Stach wähl in Köln- Stadt. Wie uns eine Depesche aus Köln meldet, ist der Reichstags- und Laiidtags-Abgcordiietc Landgerichtsraih Gr« iß am Freilag früh dort gestorben. Herr Greiß wurde als Kandidat der Zemruiiis- Partei in der Stickwahl gegen den sozialdemokratischen Kandi- dateu Dr. Liitgenau gewählt, als in diesem Sommer eine Nachwahl wegen Kasfirung der Hauplwahl infolge von Unregel- Mäßigkeiten bei der Wahlabgrenzuug uölhig geworden war. Kölu-Sladt ist zwar noch nicht reis für uns, es wächst uns aber zu. Eine neue Stichprobe, aus den Stand der Bewegung kann uns uur augeiichm sein.— — Wahlen zu den L a n d w i r t h s chafts- K amm ern. Unter dem 7. Oltober hat der Minister für Landwirlhschaft die ihm durch das Gesetz über die Laiidwirlhschnftskammeru über- lassene Wahlordnung für die Wahlen zur Landwirlhschafls- kammer erlassen. Danach ist das Wahlvcrfahren in der Haupt- fache nach Angabe des Reglements für die in den Kreistagen vorzniiehnienden Wahlen geregelt. Ter Vornahme der Wahlen in den in den uächsicn Wlonalen stattfindendeil Kreistagen steht nunmehr nichts niehr im Wege und der Koustiliiirung der Land- wirthschaflskamiiiern darf gegen Ende des Jahres für die säninitlicken Provinzen mit Ausnahme von Hannover, Westfalen und der Rheinprovinz sowie Sigmariiigen cntgeiigesehen werden.— — Zum Jmpfzivang. Die„Berliner Korrespondenz" schreibt:„In Fällen, in denen die Jinpsung den tödtliche» Ans- gang herbeigeführt haben soll, erscheint es zur Vermeidung von Schwierigkeilen geboten, nicht erst nach Verlauf einer längeren Frist den Todesursachen nachzuforscheil. Die Standesbeamten sollen daher angewiesen werden, in gleicher Weise, wie dies für Todesfälle an Pocken bereits angeordnet ist, ein Duplikat der Zählkarte des angeblich durch die Impfung verursachten Todes- falles der Orts-Polizeibehörde zuzustellen, welche alsdann sofort unter Zuziehung des zuständigen Medizinalbeamten die vor- geschriebenen Ermittelungen anzustellen hat."— Ei» staatliches Jnstitnt als Slnsbenter schulpflichtiger Kinder. An dem königlichen Remoutedepüt in Gnmminsbof bei Treptow a R. ist, wie die„Pommerschen Blätter für die Schule und ihre Freunde" melden, in diesem Jahre die Neuerung ein- geführt worden, daß bei Bedarf an Aushilfsarbeitern nicht mehr Tagelöhner ans de» umliegenden Ortschaften herangezogen, sondern die Kinder der dortigen Tagelöhner beschäftigt werden. Die Eltern sind auf den Vorschlag mit Freuden eingegangen. Ist jetzt vormittags um 3>/s Ühr die Schule beendet, so rennen die Kinder sogleich aufs Feld, um Rüben durchzuhacken und dergl. Zu Mittag wird eine Stunde Pause gemacht, und dann wird weiter gcarberlet bis zum späten Abend. Zur Bewältigung der häuslichen Schularbeit, die bei täglich 2l/estündigem Unterrichte durchaus nothwendig ist, bleibt den Kindern keine Zeit; in der Schule selbst zeigen sie sich derart übermüdet, daß sie während des Unterrichts einschlasen. Das genannte Blatt bemerkt dazu: Wenn in der Beschäftigung der Schulkinder staatliche Institute vorauf gehen, kann man sicher sein, daß das Beispiel eifrigste Nachahmung findet. — In M ü n st e r in Westfalen sind die Bierkrawalle beendet. Ueber den Hergang derselben ist«och folgendes zu berichten: Am Montag erließ der Oberbürgermeister eine Bekanntmachung, wonach der Polizeibehörde die Ermächtigung erlheilt worden ist, den früheren Zustand im wesentlichen wiederherzustellen, mir ein- zelnen Wirthschaften soll aus besonderen Gründen die Polizeistunde nickt verlängert werden. Als wir, schreibt der„Wests. Merk.", um Miticrnacht den Prinzipalmarkl passirlen, fanden wir dort zu Fuß und zu Roß mehr Geiidarnieu und Polizisten als Publikum. Reitente Gendarmen, welche Abends von auswärts eingeiroffcn waren, ritte» auch Patrouillen durch die Straßen. Dennoch kamen wieder eiiiige unerquickliche Szenen vor. Ein Metzgergeselle wurde derartig verhauen, daß seine Aufnahme ins Krankenhaus erforder- lich wurde. Ferner wurde einem Einwohner, der sich den Trubel ansehen wollte, an seiner Thür durch den Oberarm g- stocke«. In einer Seitengasse der Altstadt, wurden gegen 2 Uhr ans zwei Nnchtwäckler Stmiwiirse geschleudert. Ein Dienstmädchen kam in dein durch die Verfolgung der Steinwerfer veranlaßlen Gedränge zu Falle und trug eine nicht unerheblicke Kopfwunde davon. Die berittene Gendarmerie wurde auf der Sonnenstraße mit Schießen bedroht. — König Otto von Bayern, dessen Regierung?- Unfähigkeit wegen vollständiger Geistesumnachtung in � diesen Tagen wieder amtlich konstatirt wurde, erhält eine Zivilliste von 4 231 044 M.— — Die Affäre Rockstroh ist erledigt. Heute wurde. wie das„leipziger Tageblatt" meldet, die Enlschädigungssnmme von 100 ovo M. im Auftrage der marokkanischen Regierung durch Vemittelmig des Auswärtigen Amtes der Mutter des er» mordeten Rockstroh ausgezahlt. Tie Regelung der Enlschädigungs- ausprüche der Firma, für welche Rockstroh reiste, steht noch bevor. Oesterreich. — Dem Grafen Badeni widmet in der Wiener Wochenschrift„Die Zeit" Dr. Ivan Franko, der hervor- ragendste ruthenische Schriftsteller, folgende Zeilen: „Wenn man sich der Hoffnung hingiebt, Graf Badeni werde mit solchen Regieningsprinzipien, die er in Galizien befolgt bat, das österreichische Slaalsschiff zwischen den ihm drohenden Klippen glücklich hindnrcklenken, so möchten wir doch hervor- heben, daß die Politik des Grafen Badeni in Galizien nicht viel mehr als allseitige Erbitterung, Ver- schärf ung des Klassen- und Nationalitäten- Hasses, Schwächung des Rechtsbewußtseins und der Rechtssicherheit bei dem Volke, Demoralisation und Korruption des Mittel- standes und der Presse. Protektion, Ne- votismus und Kliquenivirthschast gezeitigt hat. Man hat den Grafen Badeni einmal den polnischen Bismarck genannt. Ich wüßte einen besseren Vergleich... Wie hat noch am Anfange des Jahres 1870 die franzosische Reptilienpreffe ihren Abgott bewundert und beräuchert! Wie hat sie über die Gewandiheit gestaunt, mit welcher er die Plebiszite zu gunsten seiner Herrschaft in Szene zu setzen verstand! Aber das Ende vom Liede war traurig. Getragen vom unbedingten und grenzenlosen Vertrauen des ganzen französischen Volkes zog Napoleon Hl.— nach Sedan." Mit dem Vertrauen des ganzen französischen Volkes war es auch schon vor Sedan nicht weit her. Sonst mag es stimmen.— Frankreich. PariS, 11. Oktober. In der Budgetkommission verlas Pelletan keinen Bericht über die Marin e. Er kritisirt im aUgeincineu den Bau der Häfen, den Flottenbestand, die übertriebene Anzahl von Stabsoffizieren und schlägt Ersparnisse von 16 Millionen vor, besonders durch eine Umgestaltung der Arsenale und eine Verminderung der in auswärtigen Ge- wässern befindlichen Flotteuabtheilmigen. — Madagaskar. Dem Vernehmen nach würde der Ver- trag, den General Duchesne die Königin der Hovas anzunehmen nöthigte, nicht die Aiineklirung bedingen, sondern ein etwas schärferes Protektorat einführen, als das frühere. Der Thron der Königin wird bestehen bleiben. Der Premierminister wirb deportirt. Ein Theil des Expeditionskorps wird den Etappen- dienst zwischen der Küste und Tananarivo sichern, der Rest nach Frankreich zurückkehren, wenn General Duchesne e» für zweck- mäßig hält. Die Dauer der Besetzung von Tananarivo läßt sich erst später bestinlmen. Die von der Kammer für den Feldzng bewilligten 65 Millionen werden nicht wesentlich überschritten werden.— Belgien. — Der sozialistische Deputirte Alfred De» s u i s s e a u x wurde vor dem Schwurgericht einstimmig frei- gesprochen, nachdem der Staatsanwalt die Anklage mir Rück- sich auf die Freisprechung der Miraiigeklagten hatte fallen lassen. Im Jahre 1888 wurde er in der Angelegenheit des großen Komplots m contumaciam verurtheilt, als seine bei der Ver- Handlung anwesenden Mitangeklagten freigesprochen wurden. Wir haben schon vor einigen Tagen dargelegt, daß die Furcht vor einer ueiierlichen Darlegung der engen amtlichen Beziehungen des Dyiiamit- Lockspitzels Ponrbaix zu dem Ministerpräsidcnien Beernaert die Regierung veranlaßt haben, die Freisprechung Desuisseaux' selbst zu beantragen. Der Regierung ist aber damit nicht erspart worden, daß nun jetzt jedermann einsieht, daß die von unseren Parteigenossen erhobenen Beschuldigungen durch ihr Versahren selbst zugestanden werden mußten.— Spanien. — Studenten-Unruhen werden aus Barcelona ge- meldet. Ob sie einen politischen Hintergrund haben, wird nicht mitgeiheilt.— Türker. Konstantinopel, 11. Oktober. Die Botschafter hatten ver- einbart, daß die Dragomaiie mit Hilfe der Kirchenvorstände die in die Kirchen gestüchteten Armenier zum Verlassen der Kirchen mit der Versicherung veranlassen sollten, daß sie keine Verhaftung und keinerlei Angriffe zu befürchten hätten; die Regierung habe sich gegenüber den Botschaftern hierzu verpflichtet. Daraufhin ist die Kirche in Kum-Kapu ohne Zwischenfall ge- räninl worden. Die vollständige Räumung der Kirche in Pera steht jedoch noch aus, da bis jetzt nur einige hundert Flüchtlinge heimgelehrl sind. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Räumung aller Kirchen gelingen wird. China. _ D i e Vewegll,ig gegen d i e Fremden. Die «DnneZ" melden nus Shanghai: In allen Provinzen Inner- chinas werven auss nene Schmähschriflen gegen die Fremden verbreitet.— Zlfrika. — Vom Kongo st aale. Die„Jndependance Belge" meldet, daß eine mililärische Expedition zur Niilerdrüclung des Sliifstandes der Neger in Luluadurg in der Ausrüstung begriffen sei. Die belgischen Offiziere werden sich am 6. November in Antwerpen nach Leopoldville einschiffen.— Ter„Jndspendance Belge" zufolge find die Lieutenants Ehaiv und Bolen in derselben Weise ww Hauptmann Pelzer von schwarzen Soldaten in Lnluaburg niedergemetzelt worden.— Australien. Auckland, 1l). Oktober.(Meldung des Öleuterschen Bureaus.) Nach Berichten aus S a m o a vom 4. Oktober fanden mehrere roste Zusammenkünfte der Eingeborenen statt, bei denen viel der Feindseligkeiten geredel wurde, ohne dast es zu Ruhe- störungen kam.— Eine Anzahl bewaffneter Eingeborener ver- trieb eine» deutschen Anfiedler von einer ihm durch de» höchsten Gerichtshof zugesprochenen Insel. Ein deutsches Kriegsschiff wurde emsandl, um die Uebeltdäter zu bestrafen und den Mann in sei» Eigemhum wieder einzusetzen.— Vavkei�NArhvirszken. Tür Strasburg i. N. wurde in einer dortigen öffentlichen Hrfreiversaminlung der Genosse B r ü s ch zum Vertrauensmann iva Hit. In der DreeSbach'schen Augelegeuheit schreibt der in Mannheim erscheinende»Generalanzeiger"(Mann- heimer Tageblatt): »Die Bezichtigung der„Badischen Landeszeitung", der hiesige sozialdemokratische Landtagskandidat Dreesbach habe sich des Be- truges schuldig gemacht, steht, wie wir aus eigener an wohl- unterrichteter Stelle eingezogener Information erfahre», aus so s ch iv a ch e» Füßen, daß eine Anklage nicht ausrecht zu erhalten i st. Wir bedauern lebhaft, dast auch wir, gleich der gcsammten übrigen Presse über die Angriffe der„Badischen Landeszeitung" referirten; fie erschienen uns aber als Illustration zum Wahl- kämpf bemerkcnswerth genug, um zur Kenntniß auch unserer Leser gebracht zu werden, zumal zur Bekräftigung der Mit- theiluugen zwei Redakteure noch besonders ihre volle Namens- rinterschrift hergaben, was jeden Zweifel an der Richtigkeit der Angaben ausschließen mußte. Wir können heute nur bedauern, von den anscheinend ganz haltlosen Bezichtigungen der„Badischen Landeszeitung" überhaupt Notiz genommen zu haben." Nachdem die.Badische Landeszeitung" mit ihrem schmach- vollen Wahlmanöver kein Glück gehabt hat, wird sie vom dank- baren Nationalliberalisinus selbstverständlich desavouirt, und zwar durch einen in der natioualliberalen Münchener„AUge- meinen Zeitung" veröffentlichten Artikel, worin es heißt: „Man könnte an und für sich diese Angelegenheit nmsomehr aus sich beruhen lnffen, als auch die..Badische Landeszeitung" langsam, aber sicher in den letzten Jahren das aus früheren Zeilen liberkoiniuene Kapital politischen Ernstes verbraucht hat. Die in einzelnen Kreisen verbreitete Vermuthung. die Regiernng habe mit diesem Preßangriff irgend etwas zu thun, ist so albern, daß fie eine Widerlegung nicht verdient. Auch die nationalliberale Partei als solche steht der Angelegenheit ser». Auf grund bester Jusormatiouen können wir versichern, daß die Parlcileilung das vo» der.Landeszeitung" beliebte Vorgehen auch für den Fall rundweg mißbilligt, daß ein juristischer Beweis für einen von Dreesbach begangene» Betrug erbracht wird, weil die Art des Angriffs es a» jener„Offenheit" fehlen läßt, obne welche ein gesundes Leben nicht gedeihen kann. Die»ationalliberale Partei Badens sollte unseres Erachtens aus dem besprochenen Vorkoninniiß die Lehre ziehen, dast es sür sie ein dringendes Bedürfnist ist, sich endlich eine Zeitung im Lande zu sichern, deren Besitzer und Redakteure in solchen Beziehungen zu den parteileitcnden Männern stehen, die ein Heransgleiten aus den für die Partei »lastgebenden Gesinnungen und politischen Ehrbegriffen unmöglich machen." Wenn es den Hintermännern des edeln Münchencr Blattes mit der Tugend der ehrlichen Kampfesweise i» der Politik wirklich Ernst wäre, so hätte» sie den Mund ein wenig früher aufgelhan. Das ist nicht geschehen, und so bleibt auf dein Nationallideralis- mus der Schimpf haften, daß er im politischen Kampfe auch das allerunsauberste Mittel nicht verschmäht. Gegen die Zeitunasgriindung, die vom Heilbronner Verein Vorwärts und einem gewissen Klink aus Affaltrach geplant wird, erliest der Landesvorstand der Sozialdemokratie Wurttem- bergs in der„Schwäbischen Tagwacht" eine Erklärung des In- Halts, daß der Verein Vorwärts in Hcilbronn dem Beschluß der letzten Landesverfauimlung, sich aufzulösen, nicht nachgekonuuen und daher als außerhalb der württcmbergischen Parteiorganisalion stehend zu betrachten sei; das geplante neue Blatt sei ohne Wille» des Landesvorstandes und entgegen einem Beschlüsse der Landcsversainnilung gegründet worden und daher als ein reines Privatunternehiuen des Herrn Klink und der Mitglieder des Vereins Vorwärts zu betrachten, mit welchem die Partei nichts zu schaffen habe. Todtenliste der Partei. In München hat der Partei- genösse Landgerichlssekrelär Ju l i u s H i l l e b r a n d im Alter von erst 33 Jahren, die Augen für iinnier geschlossen. Durch das gesprochene Wort für den Sozialisinus öffentlich z» wirken, daran verhinderte ihn seine Stellung. Er ivar ein Kämpe der Feder. Unter seinen unter dem Pseudonym JuliusBran d erschienenen fünf Dramen werden„Thomas Münzer" und„Nero" sich einen dauernden Platz in der Literatur erhalten. Dein„Süddeutscheu Poslillon" und der„Münchener Post" war er, bis eine schleichende Krankheit ihn niederivarf, ein geschätzter Mitarbeiter. Um den letzten Willen des Dahingegangenen zu ehre», halte seine Be- staltnug in aller Stille und ohne Kundgebungen am Grabe stau- gefunden. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Berufung hat in Stettin der Amtsanwalt Götzke gegen das Urtheil des Schöffengerichts eingelegt, das den Genossen Ohl von der Anklage, groben Unfug verübt zu haben, freisprach. Ter grobe Unfug sollte darin bestehe», daß Ohl im„Volksboten", wie das alle Monate bereits seit zehn Jahren uubcanstandet ge- scheben ist, die Gesamnilsumme der Verurtheilungen von Partei- genossen im Monat Juli anfübrre. — In S t a d e wurde Genosse K a u s f»> a» n als Redakteur des, V o l k s b l a t t s f ü r H a r b u r g" vom Landgericht zu 15 M. Geldstrafe vernriheilt, weit er Theile einer Anklageschrift vor der gerichtlichen Verhandlung veröffentlicht hat. Die wegen derselben Sache gegen Drucker und Verleger er- bobene Anklage wurde fallen gelassen.— In einer Privatklagesache, wobei es sich um Beleidigung des Eigen- tbsimers der„Harburger Zeitung", des Blichdrnckereibesitzers Geli-rmann, und des Schriftsetzers Sudergath handelte, wurde der stelivertrelende Redakteur des Harburger„Volksblatts", Ge- nosse Martens, vom Harburger Schöffengericht zu 20 und 15 M. Geldstrafe verurtheilt. Er hat aber die Genugthuung, daß Sudergath wegen Beleidigung ebenfalls 15 M. und die Halste der Kosten blecbe» muß. Allen dreien wurde die Puvlikationsbefugniß zugesprochen. — Dolus eventualis Nr. 7. Abermals ist eine Untersuchung wegen öffentlicher Beleidigung gegen Verleger, Drucker und Redakteur des„Volksblatts sür Harburg" ein« geleitet. Vermuthlick handelt es sich, schreibt unser Bruder- orgnn, hier um eine Notiz:„Aus dem Krankenhause entlassen", in der wir uns durch zwei einwandsfreie Zeugen und lheiliveise auch durch eigene» Augenschein verbürgte Thalsache» miitheillen und verlangten, dast die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen würden. Ob unsere Vermuthung zutreffend ist oder nicht, jedenfalls können wir in dem Vor- gehe» gegen diejenigen, welche in bester Absicht einen lhatsächlichen oder vermeintlicheii Uebelstand kritifiren, keine Besserung dieses Nebels finden. Wir werden uns aber auch dadurch in unserer Pflicht, öffentliche Miststände zur Sprache zu bringen, nicht beirren lassen. — Das württembergische Ober-Lnndesgericht verwarf die Revision gegen das Urtheil, wonach der Redakteur der „Schwäbischen Tagwacht" in Stuttgart, Genosse Geiger, wegen Beleidigung des Redakteurs der„Tübinger Chronik" zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt ist. Das Ober- Laudesgericht legte unserin Genosjen Geiger außerdem sämmtliche Kosten auf. — Als in einer Volksversammlung in Althen g st ett (Württ.) Genosse L e nz aus die Justiz zu sprechen kam, erhob sich der anwesende Gendarm und erklärte, daß der Referent nicht das Recht habe, über das Justizivesen zu sprechen und G e r i ch t s u r t h e i l e zu kritifiren. Der Herr Gendarm wurde aber vom Vorsitze, iden und dem Referenten in die Schranken zurückgewiesen und ihm bedeutet, daß er hier nichts zu sagen habe und wenn er üker Justiz nichts höre» wolle, möge er den Saal verlassen, worauf sich der Gendarm denn auch beruhigte. Nach beendetem Referat trat er dem Referenten sogar»och als Redner entgegen, wurde aber selbstverständlich gründlich Hein, geschickt. — Der Parteigenosse Karl Höger aus Wien wurde in Linz zu einer Woche Arrest verurtheilt, weil er dort in einer Versammlung bei der Besprechung der Taaffe'schen Wahlreforiu die Abgeordneten des österreichischen Parlameuts„geschmäht" haben soll. Mag Höger die Herren scharf mitgenoiiinien haben, schärfer'als sich diese im Parlament gegenseitig selbst herunter- putze», hat er ihnen den Text kaum lesen können. — Die„N ö p ß a v a" in B u d a p c st hatte Artikel angeblich politischen Inhalts veröffentlicht, obgleich sie die sür politische Tageblätter dieser Stadt erforderliche Käulion von 10 500 Gulden nicht hinterlegt hatte. Dafür wurde ihr früherer Redakteur Jgnaz Silberberg jetzt zu 3 Monaten Ge- iäng» iß und 100 Gulden Geldstrafe verurtheilt. Gegen das Urtheil ist Appellation angemeldet. Soziale Meberfichk. Gin berikabler Unternehmerslreik wird ans Wien ge- ineldet. Seil 7. Oktober stehen dort f a st sämmtliche Mode- k n o p f- F a b r i k a n t e„ im Streik gegen die Exporteure und Abnehme r, Es handelt sich um die Durchsührnng eines einheitlichen Lieferpreises. Tie Meister sind zur Einsicht gekommen, daß es ans die Dauer unmöglich ist, sich Segenseilig bis auf das Aeußerste Konkiirrenz zu bieten und üben sich deshalb dahin geeinigt, so lange nicht zu liefern, als nicht der neue Lieferpreis bezahlt wird. Gleichzeitig wurde im Einvernehmen mit den Arbeitern ein neuer L o b n l a r i s aus- gearbeitet, die Arbeitsdauer auf neun Stunde» festgesetzt, sowie die kostenlose Lieferung von Licht und Werkzeug zu- gesprochen. Im ganze» stehen fünfzig Meister i», Streik; nur bei vier Meistern wird gearbeitet und zwar sind das solche, die den neuen Lieserpreis erhalten. Vo» de» Arbeitern sind mehr als 300 brotlos geworden. Ein Komitee, b e st e h e n d ans M e i st e r n sowie Gehilfen wurde gewählt, das die Aufgabe hat, jeden Tag in allen Werkstätten zu k o n k r o l l i r e n, ob wirklich die Arbeit ruht. In einer im Gewerkschaftslokal in Oltakring abgehaltenen Versammlung der Mode- Knopffabrikanten ging es recht stürmisch zu. Gegenstand der Aufregung war der Bericht des Kontroll- komitees, welches die Thatsache berichtete, daß es Meister giebt, die iinnier noch weiter pfuschen wollen und somit die Sache schädigen. Wie es unter den Arbeitern Streik- b rech er giebt, so ist dies auch bei den Meistern der Fall; es haben sich desbalb die Meister geeinigt, mit allen zweck- d i e n l i ch e n M i t t e l n dahin z u w i r k e n, damit es solchen Meistern u» ni ö g l i ch gemacht wird, z n liefern. Schließlich wurde eine Resolution angenoinnie», wonach sich jeder Fabrikant verpflichtet, unbedingt seiner Organisation anzugehören, ebenso dahin zu wirken, dast den Gehilsen in keiner Weise in ihren organisalorische» Bestrebungen ei» Hinderniß i» den Weg gelegt wird. Was sagt Exzellenz von Köller zu diesem Streik? Ist es nicht, als ob d>e Welt auf den Kopf gestellt wäre? Leider läßt sich dieser Streik kaum als Material zu eine», Unisturzgesetz verwenden, denn daß die Wiener Modeknopssabrikanten Sozial- demokraten wären, glaubt vermulhlich nicht einmal Herr v. Stumm. UToltalvs. Vom Transport Militärgefaugeuer. Zu der traurige» Szene vor dem wlilitärarrestgedände in der Linbenstrnste erfahren wir, dast der Transport des jungen Mannes, so wie er ausgeführt worden ist, gegen einen Befehl des Gencralkoniiunndos des Gnrdekorps verstößt. Nach diesem Befehle sollen Militärge- fangen«, sobald die Vorschriften eine Begleitung vo» zwei Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr verlange», in Berlin niemals zu Fuß in das Arrestgebäude gebracht iverden. Dieser Korpsbefehl isi, wie es heißt, gerade deshalb gegebe» worden, damit der Transport nicht Aufsehen errege und zu unliebfamen Zwischen- fällen führe. Bei Gefangenen, die vo» auswärts eingeliefert wurden, hat man auch stets ivahrnehmen können, daß diesem Befehle gemäß gehandelt wurde. Wenn an betreffenden! Abend gegen ihn verstoßen imirde, so trägt die Schuld wohl der, der das Kommando angeordnet bat. Denn man wird wohl kam» annehmen könne», daß die Begleitmannschailen einen ausdrückliche» Befehl, eine Droschke zu benutzen, einfach unbeachtet gelassen bäilen. Wie verlautet, ist auch bereits eine Untersuchung»ach dieser Richtung eingeleitet n orden. Der Korpsbesehl gilt aber, wie gesagt, nur für die Fälle, in denen die Begleiiuug dmch Mannschaften mit ausgepflanztem Seitengeivehr vorgeschrieben ist. Bezüglich der Arrestailten, die ein paar Tage Mittel- ober strengen Arrest abzumachen haben und durch einen llnterosfizier in das Arreslgebäude gebracht werden, Kieß es vor einigen Jahren einmal, als die Forderung eines Trauspories durch Wagen gelegenilich schärfer betont wurde, daß eine Form des Fuß- trnnsportes gewählt werden solle, die möglichst wenig Aufsehen mache und»nverjänglich aussehe. In der Praxis ist ei» Unterschied gegen früher kaum zu merke». Jedes Kind kennt jetzt so gut wie ehemals den Soldaten vo» den anderen sofort heraus, der zu„Vater Philipp" geht. Und wenn gleich, wie es nach dem Manöver der Fall war, eine ganze Sektion unter den charakteristischen Erscheinungen nach der Lindeustraße zu niarschirt, so macht das einen nichts weniger als angenehmen Eindruck. Es soll eine Vorschrift bestehen, nach der solche Transporte bestimmte Straßen zu gehen haben, die am wenigsten Verkehr ausweisen. Diese Vorschrift hat, da das Arreslgebäude mitten in, Verkehr liegt, für die Praxis gar keine Bedeuiung; die verkehrsreichen Siraßen können gar nicht ge- niieden werden. Herr» Oldenberg'ö Ruhm ließ den Professor Elster nicht schlafe». Er erklärte heute in seineu, Kurse an der Univeisilät. daß den Arbeilen, die Versicherung gegen Arbeits- losigkeit gewährt werden soll«. Wenn sie aber dann auch nicht aufhören. Sozialdemokraten zu sein, so müßten sie mit allen, auch den energischsten Mitteln bekämpft werden. Das heißr, wenn die Arbeiter sich nicht mit den Projekten irgend� eines nur im Professorenklüngel bekannten Stubengelehrten bescheiden, dann mache man die Revolution von oben. Herr Elster ist übrigens bei den wenigen, die ihn überhaupt kennen, als sozial- politischer Ignorant so bekannt, daß es nicht erstaunlich ist, wen» er eine wirkliche Versicherung aller Arbeiter gegen Arbeits- losigkeit für möglich hält. Früher wollte er mit Post-Sparkassen die'soziale Frage lösen. Zugelernt hat er seit damals, wie man sieht, nichts. Vergessen konnte er nichts. Ans dem Spaudauer Giiterbahnhof verunglückte, wie die „Volks-Zeitung" meldet, am Mittwoch der Weichensteller B., als er a» einer Stelle seines Dienstes zu warten hatte, wo nach Lage der Dinge schon längst ein Unglück befürchtet, aber ent- sprechende Abhilfe noch immer nicht geschehen war. An der be- treffenden Sielle ist der Raum zwischen den beiden sich dort treffenden Strängen ein so außerordentlich enger, daß der Weichensteller, welcher dort die Weichen zu stellen hat, jedesmal in Gefahr war. Der nunmehr verunglückte Weichensteller B., der diesmal von der Maschine gefaßt und ein Stück weggeworfen und dem dann die Zehen des einen FußeS abgefahren wurden, hatte bereits wiederholt von der an der gedachten Stelle vor- handenen gefahrvollen Position Meldung gemacht. Es war aber nichts zur Abhilfe geschehen, bis jetzt das Unglück einge- treten ist. Auf dem Ostbahnhof ist am Freitag Morgen der Arbeiter Kipper auf entsetzliche Weife verunglückt. In der Hauptwerkstatt war Kipper bei». Einschieben eines Schlafwagens in de» Schuppen thälig; er gerieth dabei zwischen einen Pfeiler des Schuppens und den Wagen und ist hierbei so furchtbar zerquetscht worden, daß er bereits auf dem Transport nach dem Kraukeuhause starb. Käpper, der 24 Jahre auf der Bahn in Arbeit gewesen sein soll, hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Einen tödtliche» Ansgaiig hat ein Unfall gehabt, der sich ain letzten Sonntag abends 8 Uhr i» dein Hause Schöneberger Ufer 23 ereignete. Hier saß das 3 jährige Kind Paula Schulz aus dem Sopha und»lachte sich am Tischtuch zu schaffen, während die Mutter und die Großmutter abseits vom Tische saßen. Das Kind zog schließlich so stark am Tischtuche, daß die Lampe»»»fiel. Das bceunende Petroleum ergoß sich über die Kleine, deren Kleider sofort i» Brand geriethen. Obwohl es bald gelang, die Flamnien zu ersticke», so hatte das Kind in der kurzen Zeil doch schon sehr schwere Brandwunden davongetragen. Es wurde in das in der Nähe gelegene Elisabeth-Krankenhaus gebracht, ist hier aber trotz der sorgfältigsten Pflege gestorben. Polizeibericht. Am 10. d. M. morgens wurde im Luisen- städtischen Kanal, am Elisabeth-Ufer, die bereits in Verwesung übergegangene Leiche eines etwa 40 jährigen Mannes an- gefchivemint.— In einer Lnmpensortirerei in der Pappel-Allee gerieth Vormittags eine Frau mit einem Klempner in Streit und wurde von diesem durch einen Schlag mit einer Picke am alse verletzt.— Im Laufe des Tages fanden zwei unbedeutende rände statt. Gerichts I« der Strafsache gegen Rüther und Genossen wegen angeblicher Verrufserklärung ist der Termin vom 12. Oktober auf den 29. Oktober, 10'/» Uhr, vertagt worden. Unschuldig verurtheilt. Im Wege des Wiederauf- n a h in e- V e r f a h r e n s wurde gestern zum zweiten Male vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I gegen de» Schlächtermeister Heinrich Schütz aus Neu-Weißensee und dessen Kutscher Bernhard Fischer verhandelt, welche in der ersien Verhandlung wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu 3 Monaten bezw. 1 Monat Gefänguiß verurtheilt wurden. Es handelte sich um tuberkulöses Riudfleisch, welches von dem Angeklagten in Verkehr gebracht worden sein soll. Am 12. Juli vorigen Jahres waren zwei mit Fleisch beladene, dem ersten Angeklagten gehörige Wage» vor derZentral-Marktballe vorgefahren. Der Inhalt des einen Wagens wurde zur Untersuchungsstation gebracht, der andere, von Fischer geführt, fuhr in die Nochstraße hinein. Dem Fleischjchaubeamteu Kotlke fiel dies auf, er folgte dem Wagen in Begleitung seines Kollegen Höhne, den er herbeigerufen. Fischer fuhr zunächst zum Schlächter- uieister Lehmann in der Rosenthalerstraße, wo zwei Rinder- Vorderviertel abgeladen wurden. Dann folgten die Beamten dem weiterfahrenden Fischer nach der Soldinerstraße, wo bei der Schlächtersrau Eichler zwei Hinterviertel abgeladen wurden. Jetzt traten die beiden Beamten in Thätigkeit. Sie besichtigten das zuletzt abgeladene Fleisch, erkannte» es sofort als stark tuberkulös und beschlagnahmlen es. Dasselbe geschah dann mit den beiden bei Lehmann abgeladene» Vordervierteln. Nun behauptete Schütz in seiner Revisionsschrifl, daß er das Opfer eines Irr- ihums geworden sei. Er behauptete, daß das in Rede stehende Rind an dem fraglichen Morgen versehentlich auf den Wagen gekommen sei und deshalb habe er es nicht zur Unter- suchuug bringen lassen. Als er an der Markthalle den JrrtHmn entdeckt habe, habe er den Fischer beauftragt, das Fleisch nach Neu- Weißensee zurückzuvringen. Fischer sei aber ein Gewohnheitstrinker und auch an jenem Morgen betrunken gewesen. Auf demselben Wagen hätten noch andere Fleischiheile gelegen, welche Fischer zum theil zum Schlächtermeister Lehmann in der Schulstraße, zum tbeil bei einem anderen Kunden abliefern sollte. Schon der Umstand, daß Fischer die beiden Lehmann verwechselt hatte, spreche dafür, daß ev betrunken gewesen sei. In betreff dieses Punktes balte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Silber- stein, einen Eutlastungsbeweis angetreten. Es traten Zeugen auf, welche bekundeten, daß Schütz seinem Kutscher den Auftrag ertheilt halte, das. Fleisch wieder nach Hause zurück- zubringen. Auch in betreff der Zurechnuugsfähigkeit des An- geklagten Fischer an dein fraglichen Tage erHobe» sich Bedenken, so daß der Gerichtshof es vorzog, mangels genügende» Beweises ein freisprechendes Urtheil zu fällen. � Modernes Mittelalter Wegen„Beschimpsmig der protestantische» Kirche wurde gestern der Redakteur der„Germania" und'»der„Kalholischen Volkszeitung", Schristftellert Ritter, vor' der siebenteu Straskammer des Landgerichts I zur Ver- antworlnna gezogen. Tie„Germania" halte in ihrer Nr. 37 vom 14. Februar er. eiuen Stöcker'scben Artikel aus der „Evangelischen Kircheuzeitung" zum Abdruck gebracht und ihn mit folgender Einleitung versehe»:„Das...... bild*) des teutsche» Protestantismns, welcher nicht einmal das apostolische Glaubensbekeinitniß aus den Kanzeln und Kaihedern vor Angriffen zu schütze» wagt, keine Stellung zum Duell zu finde» weiß und dergleichen. Dieses Bild tritt jetzt beim „Kanipfe gegen den Umsturz" deutlich hervor und wird in der „Deutseden Evangelische» Kircheuzeitung" Slöcker's wie folgt ge- zeichnet."— Der Angeklagte, ivelcher die Anwendbarkeit des ß 166 Slr.-G.-B. bestritt, trat Beweis dafür an, daß der betr. Artikel ohne sein Wissen von dein inzwischen verstorbenen Redakteur Theod. Stahl in die„Germania" gegeben worden sei.— Der Staats- ") Bei der heute in Deutschland herrschenden Gerechtigkeit- ist es einem sozialdemokratischen Blatte nicht möglich, das in- kriminirte Wort wiederzugeben, ohne sich vielleicht ebenfalls des Vergehens gegen den tz 166 des Strafgesetzbuches„schuldig" zu mache». Wein daber daran gelegen ist, zu wissen, welches Wort der Veruriheilte gebraucht hat, der sehe irgend ein bürgerliches Blatt nach, welches den Gerichtsbericht wahrscheinlich, ohne vom Staatsanwalt zur Verantwortung gezogen zu werden,»»verstümmelt bringen wird. anwalt hielt diesen Beweis für geführt, machte den Angeklagten aber� für die Veröffentlichung desselben Arlikels in der erst am nächsten Tage erschienenen„Katholischen Volkszeitung" verant- wortlich und beantragte, da zweifellos eine Verächtlichmachung (>ev protestantischen Kirche vorliege, einen Monat Ge- fängniß.— Rechtsanwalt Dr. Meißner II meinte da- gegen, daß der Artikel nur von seinem Bilde des„Protestanlis- inus" gesprochen und dieses doch nicht eine Einrichtung der evangelischen Kirche im Sinne des ß 166 St.-G.-B. sei. Der Protestantismus, der die freie Kritik auf sein Panier geschrieben, müsse sich eine freie Kritik gefallen lassen. Außerdem handle es sich um ein vom Hofprediger S t ö ck e r entworfenes Bild, aus tvelchem eine bewegliche Klage über die Zustände im Prolestantisnius heraustöne; es sei nicht Schuld des Angeklagte», daß dieses Bild »lls...... bild erscheine. Im übrigen könne leicht beiviesen werden, daß gegen die katholische Kirche von protestantischer Seite viel kräftigere Worte in Anwendung kommen; so sei auf einer Generalversammlung des Gustav Adolf-Vereins die kalho- tische Kirche als„Anachronismus" bezeichnet worden, Pastor Thümmel habe einzelne katholische Gebräuche„Götzendienst" und „Verzauberung" genannt und sei doch vom Landgericht zu Breslau freigesprochen worden, ein Redakteur der„Slettiner Zeitung" sei freigesprochen worden, obgleich er die katholische Kirche als„Satanskirche" bezeichnet Halle u. f. w. Dazu komme, daß weder„Krcuz-Zeitung", noch„Reichsbote", noch„Volk" den Artikel als eine Beschimpfung empfunden haben und daß von sehr fromnien Protestanten selbst häufig genug von dem „kirchlichen Bankerott der protestantischen Kirche" gesprochen und geschrieben worden sei.— Der Gerichtshof hielt eine Be» schimpfung der protestantischen Kirche für vorliegend und den Angeklagten nur für den in der„Katholischen Volkszeitung" ent- haltencn Artikel für verantwortlich. Das Urlheil lautete aus eine Woche Gefängniß. Ein erschütternder Unglücksfall führte am Freitag den Ar- beiter Georg I e g z e n t aus Charlottenburg unter der Anklage der fahrlässigen Tödtung vor die II. Slrafkanimer am Land- gericht II. Schon die erste Einleitung der Verhandlung trug ein tragisches Kolorit.„Wie viel Familie haben Sie jetzt noch?" srug der Borsitzende Landgerichtsrath Herzog mit tbeilnahmsvoller Stimme. „Ich stehe allein auf der Welt!" erwiderte der Angeklagte und nun erzählte er auf Verlangen des Vorsitzenden folgendes: Am 13. Mai d. I. erkrankte mein 2l/s jähriges Töchterchen am Scharlach. Der behandelnde Arzt mußte nach einigen Tagen verreisen und empfahl mich an Dr. Schmielinsky. Dieser kon- statirte alsbald, daß Rasen-Diphtheritis eingetreten war. In der Nacht vom 19. zum 20. Mai verschlechterte sich der Zustand meines Töchterchens derartig, daß ich aus den Wunsch meinerFrau noch einen zweiten Arzt, den Dr. Mertens, zuzog. Dieser kam noch in der Nacht und verordnete Terpentin-Jnhalntionen, zu welchem Zweck ich mir einen Jnhalations-Apparat in der Apotheke kaufe» sollte. Früh um 5 Uhr ging ich nach der Hof-Apotheke in der Berliner- straße. Der Lehrling Rosenthnl verabfolgte mir einen solchen Apparat und gab mir Anweisung, wie ich den- selben handhaben sollte. Als ich nach meiner Wohnung kam und den Apparat zusammensetzen wollte, gelang mir das nicht. Ich ging daher um W7 Uhr»och einmal nach der Apotheke, um mich instruiren zu lassen. Von den Provisoren war noch keiner unten, die Aufwärlerin holte den Lehrling herunter und dieser gab mir die Anweisung, den Kessel des Apparates sowie das Glas je zur Hälfte mit Terpentin zu füllen. Die Auf- Wärterin bemerkte dazu, daß diese Anweisung falsch sei, denn in den Kessel müsse Wasser gegossen werde», der Lehrling sagte aber: „Machen Sie es nur so, wie ich Ihne» gesagt habe!"— Vors.: Hat Ihnen der Lehrling nicht gesagt, daß sie um acht Uhr noch einmal wieder kommen sollten, wenn die Herren unten seien, um sich Rath zu holen?"— Angekl.: Nein, das bezog sich auf die Quiltrrung der Rechnung, die ich für die Kasse brauchte, weil ich emen anderen als de» Kassenarzt zugezogen hatte. Ich bin nun heimgeeilt und habe den Apparat nach der mir gegebenen Anleitung mit Terpentin gefüllt und die Spirituslampe an- gezündet, doch hielt ich der Vorsicht halber die Flamme ganz klein. Trotzdem fing auf einmal das Terpentin im Kessel Feuer. Ich ergriff— un> jede Gefahr von meiner Frau und meinem Kinte fernzuhalten— den Apparat und trug denselben nach der Küche. Doch auf dem Korridor lies mir das brennende Terpentin über die Hände, ich mußte den Apparat fallen lassen, derselbe fiel zu Boden und explodirte. Meine Frau war mir gefolgt und wurde von dem umherspritzenden brennenden Terpentin getroffen, zwar nur ganz wenig, doch standen sofort ihre Kleider in Flammen. Ich rief ihr zu, sie solle sich zu Boden werfen, ich würde Betten holen, die Flammen zu ersticken. In ihrer Angst stürmte sie auf de« Treppenflur und die vier Treppe» hinab. Erst in der ersten Etage konnte ich sie einholen, doch da brach sie schon bewußtlos zusammen.— Der Vorsitzende konstatirt noch, daß die unglückliche Frau sofort in ein Kranken- haus gebracht wurde, dort aber am 23. Mai unter unsäglichen Leide» ihren schweren Verletzungen erlegen ist. Auch das Kind ist gestorben. Außer fünf Zeugen waren die medizinischen Sach- verständigen Stadtphysikns; Dr. K l e i n, Dr. Mertens und Dr. Schmielinsky geladen. Zunächst wurde die Aufwärterin der Apotheke, Frau Parholka vernommen. Dieselbe bekundete, daß sie den Apparat in ihren früheren Stellungen bei Herrschaften kennen gelernt und daß sie deshalb den Lehrling aufmerksam gemacht habe, daß seine Anweisung falsch sei. Nach dieser Bekundung verzichtete der Staatsanwalt Rhode auf seinen Strafantrag. Ein strafbares Verschulien liege auf feiten des Angeklagten nicht vor. Derselbe habe sich erkundigt, habe falsche Auskunft erhalle», habe den Apparat nach bestem Wissen zusammengestellt, er habe auch dann noch sehr besonnen gehandelt, als die Katastrophe eintrat. Die Folgen konnte er nicht berechnen/ Es sei ein tiestrauriges Ereigniß, doch könne der Angeklagte dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Auch der Vertheidigcr, Rechtsanwalt Schmielinsky, hob hervor, wie sehr der Angeklagte um das Wohl der Seinen besorgt gewesen und duß er selbst sein eigenes Leben eingesetzt habe, um jede Gefahr von Weib und Kind ab- zuhalten. Daß er mit dem brennenden Oel auf den Händen nicht weiter konnte, daß er den Apparat fallen lassen mußte und daß in demselben Augenblick die Gattin ihm nachfolgte, das sei nicht seine Schuld, das sei ein Verhängniß. Derselben Ansicht war der Gerichtshof und lautete das Urlheil auf Freisprechung. Für die Inhaber kleinerer Schuhwaaren-Handlungen ist ein Urtheil des Strafsenats des Knmmergerichls von sehr großer Bedeutung, welches am 7. Oktober gefällt wurde. Es handelte sich um die Frage, ob altes Schuhwerk zu den alten Kleidungsstücken im Sinne des§ 33 der Gewerbe-Ordnung zu zählen sei. Dieser Paragraph bestimmt, daß Personen, welche mit gebrauchten Kleidern Handel», dies Gewerbe der in Frage kommenden Behörde anzuzeigen haben. Hiergegen sich vcr- gangen zu haben, wurde den Eheleuten Spitzman» vorgeworfen. Frau Spitzmann besitzt ein Schuhwaarengeschäft, indem sie neben neuen auch alte, von ihr aufgekaufte Schuhe seil- bot, nachdem ihr Mann diese wieder„wie neu" gemacht hatte. Das Schöffengericht nerurtheilte die Angeklagte, indem es�an- nahm, daß Schuhe unter den Begriff Kleidungsstücke fallen und somit auf den Handel mit alten Schuhen(§ 33 der Gewerbe- Ordnung) Anwendung findet. Das Landgericht hob jedoch die Ent- scheidung auf. Altes Schuhwerk sei nicht zu de» gebrauchten Kleidungs- stücken zurechnen. Die Staatsanwaltschaft legte nunmehr Revision ein, indem sie jene Auffassung der Strafkammer für rechtsirrthümlich erklärte. Das Kammergericht schloß sich dem an und wies die Sache zu anderweitiger Entscheidung an die Strafkammer zurück. Das Urtheil wurde damit begründet, daß der Verkauf von alte», reparirten Schuhen außerhalb des Schuhmacherhandwerks liege und als selbständiges Gewerbe aufzufassen sei, wie auch an- genomnien werden müsse, daß alte Schuhe in dem Begriff alte Kleider eingeschlossen seien._ Parteitag der sozialdemokratischen Partei Teutschlands. (Schlnsi ans der 1. Beilage.) i e s e l- Berlin: Die Bescheidenheit der Berliner Partei- genossen reicht keineswegs an die Bescheidenheit des Genossen Schoenlank heran. Wenn serner der Genosse Oertel mit dem Brustton der Ueberzeugnng sagt, die Berliner wollten die Kon- trolleure nur aus ihren Reihen gewählt sehe», so ersuche ich ihn, sich den Antrag genauer anzusehen. Derselbe will, daß die Kontrolleure möglichst von den Genossen der Umgegend gewählt werde». Die Behauptung, daß nur die Berliner Kon« trolleure sein wolle», ist ungerecht. Derartige Vorschläge sind aus Hamburg und anderen Kreisen gemacht worden. Wir haben dies Recht nie beansprucht. Wir waren nur bestrebt, die Kosten zu verringern, und wir werden uns durch Ihre Kritik nicht abschrecken lassen, Anträge zu stellen, die ivir»ach unserer Ueberzeugung für richtig hallen. Wir nehmen für uns das Recht in Anspruch, genau so gut die Interessen der Partei zu ver- treten wie Sie.(Beifall.) Ein Schlußanlrag wird angenommen. Antrag 32 wird abgelehnt. Schluß 7>/« Uhr. Aus der Donnerstags> Sitzung haben wir noch den Schluß der Rede Schoenlank's nachzutragen: Der Znsammenhang der Forderungen mit den program- matischen Forderungen der Partei ist auch deshalb angefochten worden, weil die Arbeiterklasse dadurch abgehalten würde, ans den Bahnen, die sie jetzt beschritten hat, weiter zu geben. Ich aber behanpte: Die Forderungen des Agrarprogramm-Entwurfs sind geradezu ein Stachel. Hierin liegt das eminent revolutionäre des Entwurfs. Die Stimmung hat sich innerhalb der letzten Jahre bedeutend geändert. In Frankfurt a. M. rief man zun: llieferat über die Agrarfrage Hosiannah! Jetzt aber: kreuziget sie! Nicht blos ich, sondern auch meine Freunde haben sich im Laufe der Zeit eine ziemliche dicke moralische Hornhaut angeschafft, uns werden Sie nicht ffo leicht unterkriegen. Und wenn Sie uns heute noch vielleicht zu untcr- drücken vermögen, so werden Sie bei uns dasselbe erleben, was unsere Gegner bei uns nach der Zi lunftsstaat-debatte erlebt haben, die uns todtgefchlagen zu haben glaubten, während wir zu neuen Siegen eilten. Wir kommen wieder! Sie haben einmal vom Baume der Erkenntniß gegessen, Sie haben die Frankfurter Resolution gefaßt, die Frankfurter Referate gehört, die Agrar- kommission gewählt und da wird sich das Sprichwort erfüllen:„Wer vom Papst ist, stirbt daran". Sie werden die Agrarfrage in unserem Sinne lösen oder gar nicht. Vunpt und MHssenpLzsfi. Polizeizrnsur z« gnnsteu der nothleideuden Land- Uiirthschaft. Ein Tanziger Blatt bringt folgende Bescheidene Anfrage. In dem am Mittwoch im Danziger Stadttheater aufgeführten Stück von L'Arronge„Pastor Brose" äußert Pastor Brose zu seinem Sohue über die Landwirche etwa die Worte:„Ich habe kein Verständniß für die Roth der Landwirlhschast, so lange sich die Herren ihre Noth beim Champagner klagen." In Berlin ist das Stück mit dieser Stelle gegebe» worden, hier(ehlte sie vor- gestern.— Warum? Die Polizei hat sie gestrichen! Weshalb? Ein aufmerksamer Theaterbesucher. Auch ein recht bezeichnendes Merkmal für die Macht, welche das Junkerthum im Osten ausübt. Tie Wiedereröffnung deö Alexauderplatz-Theaters soll, wie uns die neue Direktion Paulet u. Eckhoff mittheilt, bestimmt am 19. d. M. stattfinden. Neber das Verbot der Ausführung von Gerhart Haupt- mann's Drama„Die Weber" in Görlitz bringt die„Voss. Ztg." folgende ganz interessante Meldung: „Das Verbot der Aufführung von G. Hauptmann's „Webern" im Stadtlheater zu Görtitz hat der Magistrat, an den sich Direktor Förster mit zwei Eingaben um Aushebung des Verbots gewandt halte, in einem längeren Bescheide an Direktor Förster wie folgt begründet:„Wir sind z» dem Vcr- böte nicht durch den Inhalt des Stückes veranlaßt, halten vielmehr eine Unlersagung aus polizeilichen Gründen mit Ihnen für un- haltbar. Wir halten uns auch nicht für berufen, über den Kunstwerth oder Ilniverlh des Stückes irgend ein Urtheil abzugeben. Wir können und wollen vielmehr die Aufführung der„Weber" lediglich in den» hiesige» Stadt-Theatcr unter den hier bestehende» Ver- hällnissen untersagen. Nicht nur wir, sondern auch die Stadt- verorbneten-Versammlnng, dessen glauben wir sicyer zu sein, — und der weitaus größte Theil der Bürgerschaft— dies ist wiederholt ausgesprochen— wünscht nicht den politischen Partei- Hader in die städtische Verwaltung und die städtische» Einrichtungen hineingetragen zu sehen. Es ist seil Jahren demgemäß versahnn. Tie„Weber" sind aber ein Theaterstück, um das sich— und zwar, wie ivir glauben, mit unrecht— ein Hader der politischen Parteien entsponnen hat und dessen Aufführung die Thealer- direkloren zu einem großen Theile nicht aus künstlerischem Juter- esse, sondern lediglich aus finanziellen Gründen betreiben, indem sie auf die politische Reizbarkeit der Einwohnerschaft spekuliren. Wir glauben aber nicht dulden zu können, daß ein Stück, dessen sich politische Parteien als Parleistück bemächtigt haben, in dem hiesigen Stadtlheater, das durch große Zu- schüsse der gesammten Bürgerschaft unterhalten wird, zur Stuf- führung kommt, weil wir damit niit dem Grundsätze brechen müßten, politisches Parteigetriebe von den städtischen Ein- richtungen und von der städtischen Verwaltung fern zu halten." Nur die konservativen„Görlitzer Nachrichten" theilen den Bescheid ohne Bemerkung mit, während die freisinnige» Blatter„Neuer Görl. Anz." und„Niederschl. Ztg." bezweifeln, daß der weitaus größte Theil der Bürgerschaft den Standpunkt des Magistrats theilt. Wenn der Magistrat zu Görlitz übrigens selbst der Meinung ist, daß sich der politiscue Hader um die„Weber" mit unrecht entsponnen hat, so ist es schwer verständlich, wie er das Verbot hat erlassen können. Nach der lahmen Begründung des Verbots zu schließen, scheint der Magistrat, der dasselbe erlassen hat,„frei- sinniger" Natur zu sein. Vevsammlungen. Der Allgemeine deutsche Tapezirer- Verein(Filiale Berlin) beschloß am 2. Oktober in einer Versammlung, die Versammlungen von jetzt ab Mittwochs aller 14 Tage bei Zubeil abzuhalten. Kollege P ö n i ck e berichtete dann über den Münchener Streik und konnte die Erklärung abgeben, daß der Ausstand zu gunsten der Kollegen beendigt ist. Ueber diese An- gelegenheit entspann sich eine längere Debatte, worin u. a. kritisirt wurde, daß die Münchener Kollegen nur einen Minimallohn von 13 M. forderten. Ter Verband der Bauarbeiter und Berufsgenossen Deutschlands, Zahlstelle Waldemarstr. 73, ehrte in seiner Mit- gliederversammluug am 6. Oktober zunächst das Andenken des verstorbenen Kollegen W. L oss ow aus Schwerin in der üblichen Weise. Dann bot Genosse D ä h n e«inen belehrenden Vortrag über das Unfallversicherungs-Gesetz und über die Anwendung der Unfallverhütungs-Borschristen in der Praxis, in Beziehung auf diese ausführend, daß wegen der jetzigen Organisation der Kontrolle die Unsallverhütungs- Vorschriften nicht genügend respektirt würden und es deshalb nöihig sei, daß die Kontrolle voni Staate und unter Betheiligung der Arbeiter ansgeübt werde. Ueberhaupt wirke das Uufallversicherungs-Gesetz mehr zu gunsten der Unternehmer als der Arbeiter, weshalb die Arbeiterschaft die dringendste Bercinlassung habe, dafür ein- zutrelc», daß das Gesetz verbessert wird. Dies veraulasseii werde nur die sozialdemokratische Reichstags-Frakrion. In der Diskussion sprach Kollege Krüger im Sinne des Referenten, hervorhebend, was ihm bei der Verfolgung seines aus einem Unfall her- rührenden Anspruches für Scl wierigkeiten bereitet würden.— Die Abrechnung über das 3. Quartal ergab einen Kassenbestand von 17.02 M. Mitgetheilt wurde weiter, daß von den für die streikenden Flensburger Bauarbeiter ausgegebenen Sammellisten noch drei ausstehen. Vermifchkes- Ueber das Unglück von Bocholt, über das wir gestern kurz berichteten, lesen wir in der„Deutschen Warte" die iolgen- den Einzelheiten. Am Mittwoch, nachmittags 5>/z Uhr, stürzte die im Rohbau nahezu vollendete Spinnerei der Firma Franz Beckmann u. Ko.(und nicht, wie zuerst gemeldet,„Beckmann Söhne") mit donnerähnlichem Getöse in sich zusammen und begrub eine große Anzahl bei dem Bau beschäftigter Arbeiter unter den Trümmern. Bis 12 Uhr abends waren folgende Verunglückte bekannt: Der Direktor der Spinnerei Herr Sommer aus Bocholt, ein junger Mann von 27 Jahre», ferner II Bauarbeiter. Schwer verletzt und zum Hospital geschafft sind angeblich drei Arbeiter. Von anderen beim Bau noch beschäftigt gewesenen Arbeitern sollen noch etwa 20—23 Personen unter den Trümmern liegen und höchstwahrscheinlich das Loos ihrer bedauernswerthen Ge- fährten getheilt haben. Zwei derselben wurden als Leichen bereits hervorgezogen. Der Unglücksfall rief in wenigen Minuten eine furchtbare Panik unter den Bewohnern der Stadt hervor. Ergreisende Szenen spielten sich au der Unglücksstclle ab: der Bruder rief wie verzweifelt nach seinem unter den Trümmern liegenden Bruder, der Vater bot, um die Uuglücksstelle umherirrend, ein Bild des herben Schmerzes über den kaum mehr zweifelhaften Verlust seines lieben Sohnes, die Stütze seines Allers, eine Mutter mit ihren fünf Kindern drängte sich herzu, um zagend und bangend das Loos des Ernährers zu erfahren, und dazwischen drang aus den Trimmern heraus das Wimmern und Hilferufen der Schwer- verwundeten und Sterbenden: ei» trauriges Bild der Verwüstung und Verzweiflung. Mit aucrkennensiverther Aufopferung stellten sich, der drohenden Gefahr weiterer Mauereiuslürze trotzend, zahlreiche Personen aus dem Bürger- kreise und mehrere eben dem sicheren Verderben entgangene Arbeitskollegen in den edlen Dienst der Samariter,»in Hilfe und Rettung dort zu bringen, wo solche noch möglich war. Aus Wesel wurde tclegraphisch um militärische Hilfe gebeten. welche gegen Uhr eintraf und sofort weitere Relluugs- arbeiten in vollem Umfang vornahm. Geistliche und ärzt- liche Hilfe war so schnell wie möglich zur Stelle. Ueber die Ursache des schrecklichen Unglücks läßt sich bis jetzt nichts Bestimmtes sagen; die amtliche Untersuchung wird darüber wohl erst Licht schaffen. Das Gebäude war nach der neueren Konstruktion ganz aus Eisen und Stein gebaut. Bis Donnerstag gegen 7 Uhr morgens wurden aus dem Trümmerhaufen 9 Todte und II theils leicht, theils schwer Verletzte hervorgezogen. Das Militär ist noch flott an der Arbeit, um zu den noch unter den Trümmern Befindlichen ge- langen zu können. Die Cholera greift in Tanger und anderen Orten Marokkos in erschreckender Weise um sich. Aus Tetuan wird dem„Central News of Germauy" gemeldet, daß während der letzten fünf Tage 226 Cholerafälle, unter ihnen 83 mit tödtlichem Ausgange, vor- geloinmen sind. In Tanger selbst hat man Vorkehrungen ge- troffen, welche die Epidemie auf den jetzt zernirten Stadttheil beschränkt. Eine englische Gaunerbande ist gelegentlich einer Gast- spielreise durch Teutschland in Mannheim festgenommen worden. In Berlin, Hamburg und anderen größeren deutschen Städten wurden seit einiger Zeit„Schlafstellen- Diebstähle" begangen, deren Ausführung von noch nie dagewesener Frechheit zeugte, indem in fast jedem Falle werthvolle Möbelstücke aus der Woh- nung des Vermiethers gestohlen wurden. Es gelang ber Kriminalpolizei der betreffenden Stadt, in welcher sich die Gaunerbande aushielt, niemals die Thäter, die bald als armselige Schlafburschen, bald als elegante Chambre- garuisten austraten, zu fassen, da die letzteren, sobald jeder der Gauner eine Anzahl Diebstähle blitzschnell hinlereinauder in den verschiedensten Masken ausgeführt, aus der beimgesuchten Stadt verschivanden. In Mannheiin aber, wo sie zuletzt operirten, ging die Frechheit der Burschen so weil, daß sie ganze Wohnungen vollioiuiuen aufräumten und die Möbel nach einem von ihnen gemiethcten Speicher schasslen, nm die Gegeustäude von da aus zu verschärfen. Es gelaug aber der Polize, fünf Banden-Diebe festzunehmen, unter denen sich zwei Frauen befanden. In dem erwähnten Speicher wurde ein großes Lager gestohlener Waaren vorgefunden, darunter drei komplette on sros gestohlene Zimmer- Einrichtungen. Briefkasten der Redaktion. Glasarbeiter. Mußte wegen Arbeitsüberhäusung bis morgen verschoben werden. Jiiterbogk. Für die Monate November und Dezember können Sie bei der Post abonniren.— Depestlxen und letzte Mucheichten. Mannheim, 11. Oktober.(W. T. B.) Bei den heutigen Wahlmänner-Wahlen zum badischen Landtage wurden für die beiden Sozialdemokraten Dreesbach und Geiß 256 Wahlmänner gewählt; die Wahl derselben ist gesichert; die Nationalliberalen erlangten 123, die Freisinnigen 16 Wahlinäuner. In Konstanz ist die Wiederwahl Veuedcy's(Voltspartei) gesichert. I» Freiburg fielen fast sämintliche Wahlinäuner dem Zeutruui zu. Köln, II. Oktober.(W. T. B.) Wie die„Kölnische Volks- Zeitung" meldet, liegen nach zuverlässigen Ei Mittelungen unter den Trünimern der Bocholter Spinnerei noch 14 Todte. Es sind im ganzen also 23 Personen ums Leben gekommen und 9 schwer verletzt worden. Die Aufräumuiigsarbeite» sind äußerst schwierig und schreilcn nur sehr langsam fort. Stockholm, 11. Oktober.(W. T. B.) Der König hat heute das Verbot der Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen aus Dänemark aufgehoben, nachdem das Komnierzkollegiuni Dänemark als frei von der Maul- und Klauenseuche erklärt hatte. Rom, II. Oktober.(W. T. B.) Nach Privatdepesche» aus Catnnia hat eine Frauensperson, namens Gaeiaua Srimoli. kleine Kinder, welche sie begegnete, durch Süßigkeiten und Spielsachen an sich gelockt und ibucn mit Phosphor versetzten Wein zu trinken gegeben, sodaß dieselben unter gräßlichen Schmerzen starben. 23 Kinder sollen ans diese Weise an Ver- gistung verstorben sein. Die Stimoli wurde verhaftet und g'b die Misselhalcn zu; sie sagte, sie habe sich rächen wollen,» eil zwei ihrer Kinder verhext worden und gestorben seien. Die aus- gebrachte Volksmenge wollte au ihr Lynchjustiz üben. Madrid. 11. November.(W. T. B.) Das Packetboot„Sau Francisco" ist in Santiago auf Kuba aus Buenos Ayres ein- getroffen mit 833 Einigrauten, welche sich als Freiwillige haben anwerben lassen. Havannah, 11. Oktober.(W. T. B.) Die Aufständischen schleuderten eine Dynamitbombe auf einen Eiseubahnzug. Ein Reisender wurde getödtet, sechs verwundet. Verantwortlicher Redakteur: Rrih Kuuert. Scköneberg-Berlin. Für den Jnsnatentheil veratiUvonMb: Ti. Glocke in Berlin. Druck und B-rlao»an Mar Badina in Berlin. Hierzu» Veilaae» L Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 339. Sonnabend, den 12. Oktober 1895. 13. Jahrg. Parteitag der sozialdemokratische» Partei Teutschlands. Breslau, den II. Oklober 1S9S. Fünfter Verhandlungstag. Vormittags-Sitzung. „ftt Vorsitzende Singer eröffnet die Sitzung um S>/« Uhr. Singer theill mit, daß Müller- Arheilgen beantragt, der Kaul-ky'schen Resolution folgende Fassung zu geben:„Der von der Agrarkommission vorgelegte Entwurf eines Agrar- programnis ist zu verwerfen. Der Parteitag erkennt an... (Der weitere Wortlaut stimmt mit der Resolution Kautsky überein.) Dieser Antrag will also jede Motivirung, warum der Entwurf abzulehnen ist, beseitigen, während Kaütsky eine Motivirung vorschlägt. Ferner ist zu der Kautsky'schen Resolution ein Amendement cingelanse», welches wünscht, daß die Worte„und trägt dadurch bei zur Neubelebung ihres Eigenthunis-Fnnatismus" gestrichen werden.— Infolge deffen wwd über die Resolution getrennt ab- gestimmt werde». Sodann wird in die Tagesordnung eingetreten. Das Schlußivort zu den Vorschlägen der Agrarkommission erhalten die Referenten. O. n a r ck: Genossen und Genossinnen! Es ist uns in den letzten Tagen mehrmals gesagtworden:„Jhrrettet den Freund nicht mehr." Darauf kommt es garnichl an; aber ich habe doch noch die ziemlich weitgehende Hoffnung, daß durch die weitere Verbreitung nnserer hiesige» Verhandlungen über die Agrarirage das Urtheil der Genossen im Lande geklärt werden wird, und zwar in unserem Sinne. Zu den bekannten Beschimpfungen, die von einer Seite gegen uns geschleudert worden sind, muß ich Stellung nehmen. Ich rege mich über diese Beschimpfungen nicht auf; ich erkläre sie mir psychologisch. Schippe! hatte sich abseits von allen sachlichen Argumenten in eine so schiefe Lage gebracht, daß er entweder„xater■pecca.xi" sagen oder das frühere noch übertrumpfen mußte. Stach seinem Geschmack hat er sich für das letztere entschieden. Ich meine, die Haltung Schippel's wird im Lande für die Arbeiten der Agrarkommission nicht ungünstig sein und die Sache wird davon nur gewinnen. Schippet hat sich übrigens gar nicht an de» vorher besprochenen Gang der Debatte gehalten, er ist sofort in die Spezialdebatte eingetreten, hat sich aber über die agrarpolitischen Grundsätze nicht ausgelassen, von denen wir uns leiten ließe». Er hat vom Harzscharre», von den Wald» und Weiderechten in Deutschland w. gesprochen. Er hat ferner eine Reihe von Mitteln auf dem Gebiete des Zitirens gebraucht, die, weil sie verwerflich sind, unserer Sache nur nützen können. Ich greise heraus, was er über die Ent- lehuung des süddeutschen Entwurfs aus dem Falkenhayn'schen Gesetzeiilwurf gesagt hat. Von einem Abschreiben und von einer Verheimlichung der Quelle kann hier keine Rede sein. Vollmar hat in der Kommission nicht im geringsten ein Hehl daraus gemacht, daß einige Theile des Entwurfs aus dem Falken- hayn'schen Gesetzentwurf entlehnt sind. Um den Effekt seiner Rede zu erhöhen— viele Redner haben ja auf den Effekt spekulirt— hat Schippe! etwas verschwiegen, was sehr wesentlich ist. Er hat leise angedeutet, daß alle Forderungen, die so ähn- lich sein sollen dem süddeutschen Entwürfe, für Grundbesitzer- Berufsgenoffenschafien geschaffen sind. Wie aber die Berufs- genossenschasten zusammengesetzt sein sollen, hat er nicht gesagt. In Wirklichkeit steht die Sache so, daß der Minister alle jene Konipctenzen den bäuerlichen Berufsgenossenschaftcn zuwies, die gewählt werde» sollten auf grund des verrotteten österreichischen Gemeindewahl-Systems. Also wären, wenn jener Entwurf Gesetz geworden wäre, jene Forderungen nichts weiter gewesen, als Werkzeuge in den Händen der größeren und mittleren Bauern gegen die kleinen. Die Genossin Zetkin hat einen ähnlichen Fehler begangen: Sie hat ein Zitat aus Schinoller verlesen und hat nachweisen wollen, daß Schmoller bezüglich der Förderung der Landeskultur etwas Aehnliches gesagt haben soll wie ich. Aber sie hat Pech gehabt; sie hat als eine Aeußerung von mir etwas angegeben, was ich aus Engels zitirt habe. Wenn aber Engels und Schmoller einmal übereinstimmen, so weiß ich nicht, wie man das gegen mich ausspielen kann In fortwährende» Widersprüchen haben sich diejenige» Genossen bewegt, die uns einerseits Bauernfang vorgeworfen haben, andererseits aber sagten: mit Euren Forde rungen lockt Ihr keinen Hund vom Osen. Entweder das eine oder das andere; entweder sind die Forderungen zugkräftig oder nicht. Die Stimmung unter den Bauern, von der Herbert ge- sprachen hat, die schon jetzt, seitdem sie unfern Entwurf kennen, gegen uns sehr erbittert sind, existirt wohl blos in der Phantasie Herberi's. Welcher Bauer weiß denn etwas von unserm Ent. wurf? Das ist ja das Unglück bei unseren Verhandlungen, daß wir z» wenig wirkliche Bauern unter uns haben. Es ist ferner falsch, daß wir uns um die Landarbeiter nicht kümmern. Die Arheiterfordernngeu stehen ja im Erfurter Programm. Genosse Arons hat eine Reihe unrichtiger Auffassungen ge- äußert. Er sagte, wir mußten erst eine bessere Vereinsgesctzgebung Hahen, ehe wrr die Bauern gewinnen. Diese Aeußerung war um so ungeschickter, als in diesen: Augenblick der aus bäuerlichen Wahlen hervorgegangene preußische Landtag dazu benutzt werden soll, uns durch«ine neue Gesetzgebung zu stranguliren. Nein, man muß aus andere Weise den Bauern beikommen. Das Verdienst der Agrarkommission ist, daß sie Klarheit geschaffen hat. Alle unsere Forderungen stellen sich auf die Seite der Kleinbauern gegen die ausbeulenden Kapitalisten. Das ist der maßgebende Gesichtspunkt gewesen, die Ausbeulung der Acrmeren zu verhindern, und daher decken sich unsere Forderungen mit dein Standpunkt des so oft zilirten Engels. Natürlich können wir hier nicht so vorgehen, wie bei dem industriellen Prole- tariat, weil die Verhältnisse hier ganz anders liegen und wir natürlich auf diesen Unterschied Rücksicht nehmen müssen. Gegen die Forderung des Gemeinde- Eigenlhunis hat Schippe! Argumente der liberalen Manchesterschule geltend gemacht, die da sagie: Gesammtgut— Verdammtgul. Bei seinem Zitiren nahm Schippe! ans den Autoren das, ivas ihm paßte,»nd ließ die Gesammtanschanung des betreffenden Schriststellers unberück- sichtigt. So behauptet er, Bücher und Wörishoffer hätten aui die Schädlichkeit der Allmenden hinge- wiesen. Bücher hat allerdings hervorgehoben, daß einige Uebelstände bei den Allmenden hervorlreten, sein Gesammt- urlheil aber ist günstig. Tie Gefahr der„Schollenkleberei" ist nach ihm nicht vorhanden. Dasselbe»leint auch Wörishoffer. Er bestreitet, daß die badischen Allmenden die reaktionäre Äcr- quickung von Landwirthschaft und Hausindustrie förderten. Kautsky irrt, wenn er die Reste des Gemeindeeigenthums in Deutschland für sehr klein hält. In Würlteinbcrg haben 70 pCt. der Gemeinden Waldnutzungsrechte, Sä pCt. sonstige Allmenden- rechte. 735 000 Morgen Genleindeland sind dort noch vorhanden >nit einem Nutzungsioerthe von l'/e Millionen Mark; das Holz- Nutzungsrecht wird auf 2l/t Millionen Mark geschätzt. Von den ISSS Gemeinden Badens haben 1286 Allmende» in einem Um- fange von 126 000 Morgen und einem Nutzungswerthe von 2Ve Millionen Mark. In Hohenzollern befinden sich von den 81 000 Morgen grastragenden Bodens 50 000 im Gemeinde- Eigcnthum. Von 27 Gemeinden ist nur eine ohne Allmende.— Auch ist es nicht wahr, daß sich die Gemeindewirthschafl mit rationeller Bodenkultur nicht verträgt. Die ganze Diskussion hat die Frage zugespitzt auf Erweiterung der Allmenden. An der einen Stelle kann die Allmende aller- dings reaktionär wirken, an anderer Stelle wirkt sie eminent sozialistisch und deshalb muß nian eben differenziren. Kautsky schreibt in seinem„Erfurter Programm" ja auch, daß der Ueber- gang in die sozialistische Gesellschaft den Kleinbauern nichts nimmt, sondern ihnen Vortheil bringe, daß sie Naturalzins erhalten. Lassen Sie diese Stelle und vergegenwärtigen Sie sich den Entrüstungssturm, der sich erhob, als die Kommission einen Naturalziiis vorschlug! Da muß ich sagen, daß es sich hier um ein Doppelspiel Handell. Entweder sollte sich Schippel schon längst gegen Kautsky gerichtet habe», oder aber er sollte hier nicht hertreten und gegen die Süddeutschen losziehen, weil sie geizau dasselbe wollen, was Kautsky in seinem grund- legenden Buche der Partei zur Richtschnur giebt. Ferner plädirt 5t'autsky für eine Ausrechtcrhaltung des Parzellen- Bauernthums auch noch nach Einführung des sozialistischen Staates, und heute, wo wir nur den Parzellen- bauer gegen seine Preller schützen ivollcn, wirft Kautsky uns vor, wir wollten uilverständigerweise den Klein- dauern erhalten. Wenn unser berufener Programmausleger derartiges schreibt, so haben wir doch ivobl das Recht, einstweilen»och für das Kleinbauernthiim einzutreten! Genosse Arons hat die Aeußerung eines Gemeindevorstehers zitirt:„Alllnenden sind da, wo es keine Sozialdemokraten giebt". Ich sinde die Stelle am genailiiten Orte nicht. Genosse Arons müßte denn noch besonderes Material über die Aeußerung haben (Arons: Ja.) Genosse Arons hat früher einen ganz ähnlichen Standpunkt vertreten,>vie die Agrarkommission. Redner verliest unter einiger Heiterkeit die Agrarvorschläge, die Arons in einem Artikel im „Sozialpolitischen Zentralblatt" vor einigen Jahren nieder gelegt hat. Die Hypothekenverstaatlichung ist eine alte Forderung, die bereits im Kommunistischen Manifest ausgesprochen ist. Wie gingen Marx und Engels bei Ausbruch der deutschen Revolution vor? Nicht mit dem kom munistischen Manisest wandten sie sich in der praktischen Agitation an die Arbeiter, sondern mit einem Sonderprogramm — dies Verbrechen haben sie auch begangen—, das die Schluß- folgernngen für die Praxis aus der Theorie enthielt. Sie haben i», wesentliche» das gemacht, was wir auf agrarpolitischen, Ge biet machen wollen. In der Vorrede zum Bauernkrieg hat Engels die Forderung der Verstaatlichung der Hypotheken wiederholt und zwar als Forderung für die Gegenwart. Wir befinden uns also durchaus in guter revolutionürcr Gesellschaft. Wer sagt denn, wenn wir die Verstaatlichung der Hypotheken verlangen, daß wir uns praktisch für die und die Methode der praktischen Durchführung festlegen? Unter diesen Umständen ist die Verstaatlichnng der Hypotheken räthlich, unter jenen nicht. Es kommt dabei ganz ans die politischen Verhältnisse an. Wie kann nian von uns verlangen, daß wir im Agrarprogramm Einzelheilen der Praxis, wie die Fest- setzung einer Beleihungsgrenze, feststellen? Das gehört nicht dahin. Genosse Oertel hat uns hier eine„Nationalökonomie für praktische Kanfleute" vorgetragen. Er will, wenn die Ver staatlichniig der Hypotheken naht, vorher erst„tüchtig Hypotheken draufpfeffern". Dazu gehören doch zwei. Oertel muß doch erst die dummen Kapitaliste» finden, die ihm das Geld dazu her- leihen.(Heiterkeit) Wir köiliien doch an die jetzigen Verhältnisse, wo der Staat bereits eine Fülle von Hypotheken in der Hand hat, anknüpfen und in diesem Sinne weiter wirken. Was nun die Waldnutzung betrifft, an der Schippel zunächst seinen Witz ausgelassen hat, so bestätigt sich da wieder die merk- würdige Erscheinung, daß der Sozialdemokrat Schippel sorsttechnisch kapitalistischer denkt und kapitalistischer spricht, als die verrantesten Fachleute.(Sehr richtig!) Wir könne» uns zur Begründung nnserer Ansicht auf Autoritäten berufen, die sogar anerkennen, daß der forsttechnische Standpunkt stets den agrarpolitischen Erwägungen untergeordnet werden niuß. Das bloße„Gute Stuben-System" von Schippel fällt hier nicht ins Gewicht. Weit sachlicher ist Kautsky vor- gegangen, er hat nicht den Ton der Schippel'schen Selbstgefällig- keil angeschlagen, er ist nur ein bescheidenerer Prediger des Kapitalismus.(Heiterkeit.) Er vergißt aber, daß wir nicht die Aufgabe haben, de» theoretische» Theil unseres Programms zu wiederhole», sondern sestzustelle», was sich an prakti- scher Politik mit den theoretischen Gesichtspunkten ver- trägt. Darüber hätte sich Kautsky äußern miisseii. Kautsky hat nun im allgemeinen behauptet, daß das ganze Pro- gramm gegen den Entwurf sei; im einzelnen hat er das nicht nachgewiesen. Die Größe unseres Programms besteht ja gerade darin, daß sie mit dem theoretischen Theil einen praktischen ver- bindet; dadurch ist die Sozialdemokratie eine große Partei ge- worden. Wir wären eine kleine Schule wie die französischen Sozialisten, wenn wir keinen praktischen Theil im Programm hätten. Auch die Franzosen macht jetzt die praktische Arbeit groß. Und gegen deren praktische Thätigkeit sind wir reine Waisenknaben. Sie haben ein Agrarprogramm, sie haben jetzt ein neues Programm für die Seeleute aufgestellt; sie iverden vielleicht weiter gehen und ein besonderes Programm für die Handelsangestellten, für die Eisen- bahn- Arbeiter u. s. w. schaffen. Das ist doch kein Unglück; sonder» das darf nur dann bekämpft werden, wenn das Sonder- Programm gegen das Hauptprogramm verstößt, und diesen Nach- iveis vermisse ich. Kautsky hat eine Wahrheit gesagt: Unsere Partei ist da- durch groß geworden, daß sie immer gewagt hat, unangenehme Wahrheiten zu sagen. Nun, ich will Ihnen ebenfalls einige un- angenehme Wahrheiten sagen. Auch Frau Zetkin hat sich auf das theoretische Schaukelpferd begeben und eine große theoretische Rede gehalten. Ich möchte bei dieser Gelegenheit Frau Zetkin an etwas erinner», was ihr sehr nahe liegt, an die Frauenbewegiliig. Was hat sie da erreicht in der praklischen Agitation? Sie ist hinter den deutschen Frauenvereinen bei der Petition um weibliche Fabrikinspekroren einhergegangen. Damals war es Zeit, praktische Thätigkeit zu üben; die Theorie hat sie daran gehindert. Die Gegner haben Ihnen die praktische Thätigkeit abgenommen. Sie sind ins Hinterlreffen gekomnie», und jene gegnerische Agitation hat schon ganz hübsche Eriolge aufzuweisen. Mit drei Worten hat Kautsky die Folge des Theoretistreus gekennzeichllet: Es bleibt nichts übrig in den Landlagen und in den Ge- meindevertretungen. als daß Sie, wenn solche Fragen, die im Entwurf berührt sind, an Sie herankomme», diese Fragen mit der größten Reserve behandeln. Mit der größten Reserve ist den Genossen nicht gedient, es kommt darauf an, den Genossen zu erklären, wie weit sie in der Reserve gehen sollen. Wenn Sie sich darauf beschränken wollen. Reden zu halten und zu sage», die Sache sei ja ganz gut, aber man dürfe nicht praktische Stellung nehmen, so würde das die allgemeine Heiterkeit über die sozialdemokratischen Redner erzeugen. Mit der größten Reserve macht man nichts; handeln muß mau. Wir sind es, die uns an die Schwierigkeit heranzumachen und praktisch zu handeln haben. Man kann auch an der übertriebenen Theorie zu gründe gehen; manche Parteien beweisen das. Die Partei ver- ziehtet auf praktische Thätigkeit, wenn sie vor Schwierig« leiten zurückschreckt; sie kann dann nicht lebendig bleiben. Und was wird die praktische Folge davon sein, wenn die Resolution Kautsky angenommen wird? Das wird sein, daß auch die theoretischen Erörterungen für längere Zeit lahm gelegt werden. Die Fort- setzung der literarischen Debatte wird sich auf einen kleinen Kreis beschränken, auch wenn die Resolution Kautsky das nicht zu wollen scheint. Was wollen die Landtags- Abgeordnete» und Gemeilidevertreter der Partei machen, wenn die Resolution Kautsky angenommen wird? Ihnen bleibt nichts weiter übrig, als ihre Mandate nieder- zulegen. Das soll keine Drohung sein, sondern das ein- fache Fazit der Annahme der Resolution Kautsky. Die Broschüre über die hessischen Landtagswahlen z. B. befindet sich in den Händen aller Gegner. Darin stehen viele Sätze, die auch im Entwürfe stehe». Was sollen da die hessischen, ebenso die bayerischen, badischen und württembergischen Genossen machen, wenn wir uns auf die Resolution Kautsky festlegen? Die Folge wäre Einschlafen der theoretischen und praklischen Arbeit und Uneinigkeit in der Partei. Singer: Der Referent hat bereits die ihm zustehende Redezeit überschritten. Da für uns jetzt wieder die Bestimmungeip der Geschäftsordnung in kraft sind, so kann ich eine Ausnahme nur dann niachen und dem Referenten nur dann eine unbe- schränkte Redezeit gewähren, wenn der Parteitag damit einver- standen ist. Ich lasse also darüber abstimmen. Der Parteitag beschließt, die Redezeit der Referenten nicht zu begrenzen. Q u a r ck(fortfahrend): Täuschen Sie sich nicht darüber,- daß der Beschluß seine Rückwirkung auf die stäbtische Agitation ausüben wird. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß uns in Halle die Unabhängigeil dasselbe erwidert haben, was jetzt gegen das Agrarprogramin eingewandt wird. Wenn der Parteitag diesen Beschluß faßt, dann werden sich in kurzer Zeit in der Großstadt Stimmen erheben, die sagen: Was hat sich Singer um die Vorgänge in der Stadtverordnetensitzung zu kümmern? Er hat»ur Prinzipienagitation zu treibe».— Das wäre der logische Schluß, der sich aus der Annahme der Resolution Kautsky ergiebt. Die Resolution Reichert triffr am besten das, was bei dem jetzigen Stand der Sache zu thun ist. Es ist richtig, daß wir über eine ganze Reihe von Punkten nicht im klare» sind, und deshalb müssen wir die Frage vertagen. Damit sagen wir den Genossen im Lande, sie sollen sich intensiv weiter damit beschäftigen, damit eine größere Klärnng eintritt. Ich kann Ihnen die Resolution Reichert um so eher empfehlen, als sie den Antrag der Konnnission aufnimmt. Es ist nicht das erste Mal, daß die Partei vor einem Wendepunkt steht, wo sie zu entscheiden hat, zwischen Theorie und Praxis. Als vor 20 Jahren in Gotha die Prograimilfrage zur Berathung stand, da hat Liebknecht, ob- wohl er wußte, welche vernichtende Kritik unser größter Theoretiker Marx an dem Entivurf geübt hat, denselben doch zur Annahme empfohlen, weil er sich, genau wie es heute der Fall ist, sagte, es kommt nicht darauf an, Prinzienreiterei zu treibe»,. sondern die Sozialdemokratie zu vereinigen. Mit dem geeinigten Proletariat werde» wir dann schon der Theorie zun» Siege ver- helfen. Genau so steht es heute. Es handelt sich darum, zunächst gewisse Verständigungspunkte zu gewinnen und dann weiter zu arbeiten. Dann werden wir auch zusammen mit den Bauern, die uns heute gefehlt habe», das richtige Agrarprogramm zur Ergänzung. des Erfurter Programms finden. Es ist kein Wunder, daß- Liebknecht und Bebel auf unserer Seite stehen, sie handeln- nach denselben Grundsätzen wie damals, und ich kann nur wünschen, daß, wie damals die Taktik dieser Führer der! Partei zum Siege verholfen hat, so auch jetzt ihr Rath uns zym Heile gereicht.(Lebhafter Beifall.) Persönlich bemerken, Kautsky: Der große praktische Bauernagitator Dr. Quarch hat mich, den reinen Theoretiker, vernichtet. Er hat gesagt, ii� hätte gerathen, daß ivir uns in deu Landtagen der Agrarfrage� gegenüber die größte Reserve auserlegen. Das ist nicht! richtig; ich habe nur gesagt, wenn das richtig ist,� was die Anhänger des Entwurfs vorbringen, so haben- wir alle Ursache, in der Agrarfrage so vorsichtig wie möglich z» sei», und dürfen uns nicht durch Stellung von positiven Anträgen festlegen, bevor wir uns selbst über die Sache klar sind. Nun hat Quarck, der das Zitiren so haßt, aus meiner Schrift über daK Erfurter Programm Zitate gebracht, diesowie er siesagt, falsch sind. Er behauptet, ich sei für den Naturalzins der Bauern eingetreten. Ich, habe aber ausdrücklich ausgeführt, daß unter der Herrschaft der Äaarenproduktion die Durchführung des Naluralzinses ein Unsinn ist. Auch die andere Aeußerung, die Quarck mir in den Mund legt, von der Erhaltung der Parzellenbanern ist nicht richtig. Bevor Quarck anderen Leuten Vorlesungen hält, wie sie zitireen sollen, sollte er selbst besser zitiren. Dr. Arons: Es ist richtig, daß ich vor einige» Jahren im„Sozialpolitischen Zentralblatt" die agrarpolitischen Forde- rungen aufgestellt habe, die Dr. Quarck verlesen hat. Ich halte aber meine Entwickelung vom Bodenreformer zum klare» Sozial- demokraten für richtig und das Umgekehrte für falsch.(Sehr richtig!) Frau Zetkin: Der Partei-Schnlineifter Quarck hat auch mich geschulmeistert und mir Vorwürfe wegen meiner Haltung in der Frauenbewegung geniacht. Ich halte diese Stellung für richtig; wir haben seit 1835 erreicht, daß in den Köpfen von taufenden von Arbeiterinnen die Nothwendigkeit weiblicher Fabrikinspekloren klar feststeht, und wenn die Regierung diese Forderung noch nicht erfüllt hat, so ist das sehr erklärlich.... Singer(die Redncri» unterbrechend): Wir haben keine Veranlassung, in eine Diskussion über Fabrikinspekloren ein- zutreten.(Heiterkeil). Frau Zetkin(fortfahrend): Wir haben keinen Grund, uns petitionirend. bettelnd einer Regierung zu nahen, die den Umsturz gegen uns geniacht hat... Singer: Das ist nicht persönlich. Frau Zetkin: Dann will ich mich nur dagegen verwahren, daß ich in der Frauenbewegung denselben Staiidpnukt einnehme, wie Dr. Quarck in der Handlungsgehilsen-Bewegung.(Heiterkeit und Beifall.) Dr. Quarck(persönlich): Ich habe der Genossin Zetkin nur den Vorwurf geniacht, daß sie nicht früher aufgetreten ist, als der bürgerliche Petitionssturm stattfand. Was Dr. Arons be- trifft, so habe ich ihn eigentlich zu glimpflich behandelt, denn das, was er jetzt gesagt hat, verschliinmert die Sache nur. Zum Beweis dafür, daß nieine Ausführungen in bezug aus Kantsky richtig waren, lege ich das„Erfurter Programm" auf den Tisch des Hauses nieder, so daß jeder die zitirten Stellen nachlesen kann.(Zuruf: Kennen wir ja!) Das Wort erhält nunmehr der Korreferent Schippel: Die persönlichen Bemerkungen haben uns aus das Gebiet geführt, das ich auch zunächst betreten muß. Genosse Bebel bat meine Haltung in einer Weise angegriffen, wie sie unter Parteigenossen selten stattgefunden hat. Er hat erklärt, er sei mit mir als Menschen fertia. So darf ein Mann büh der Stellung Vebel's mit dem Namen. mit dem Ausehen eines anderen nicht spielen. Alles, was er Ihnen vorgeführt hat. sind Dinge, die nur zum theil richtig sind, die in andere Beleuchtung geruckt, ganz anders erscheinen. Lassen Sie mich erst den Hergang in der Kommission feststellen. Nach der An- nähme der Frankfurter Resolution war die Stimmung in der Partei im allgemeinen so, daß man sich sagte: die Frankfurter Resolution ist ein Unglück, ein Pech; niemand aber glaubte recht daran, daß man mit der Resolution Ernst machen würde.(Widerspruch). Es wurde aber doch Ernst gemacht, und die Agrarkommissto» trat zusammen. An ihrer ersten Sitzung konnte ich nicht theil- nehmen, weil ich im Gefüngniß saß. Was da gesprochen worden ist. weiß ich nicht. Genosse Bebel wird mir aber bestäligeu könne», daß man innerhalb der Reichstagsfraktio» über die Agrarkommission im spöttischen Tone sprach und nicht glaubte, daß etwas herauskommen würde.(Bebel: Da hört aber doch allesauf.) Ich habe nicht gesagt, daß sich Bebel spöttisch über die Agrarkommission geäußert habe, wohl aber lhaten es angesehene Leute der Partei. Inzwischen traten der mitteldmlsche, der süddeutsche Ausschuß zusammen und endlich auch der norddeutsche Ansschllß. Er mußte dazu geschoben werden(Widerspruch); der Sekretär der Kommission kam zu diesem Zwecke glaube ich be- sonders nach Berlin. Dan» nahm ich an einer Sitzung der Gesaimntkommission theil. Es ist richtig, daß ich für die Mehrzahl der Programmpunkte des norddeutschen Aus- schusses gestimmt habe. Sie gehen aber alle nicht so weit, wie der sckließliche Entwurf der Kommission. Die Ver- staatlichung der Grnndschulden wird nicht verlangt im nord- deutschen Eulwurf, sondern nur die Organisation der Hypotheken- Versicherung durch den Staat. Das ist doch etwas anderes. Ob mein Standpunkt richtig war, ob mein Entgegenkommen nicht zu weit ging, das will ich nicht erörtern. Im norddeutschen Eulwurf wird die Gewährung des Kredits„in der Höhe der Selbstkosten" verlangt. Das heißt, der Staat soll nichts aus den Taschen der Steuerzahler zu- schießen. Ich habe in der Kommission in einer langen Rede gegen das Verbot des Verkaufs von Gemeinde- Eigenthnm, gegen die Begünstigung der Allmenden protestirt. Schließlich ist ei» mittlerer Weg von der Kommission gewählt worden. Gewiß, auch im norddeutschen Entwurf geht manches zu weit. aber er ist doch ganz etwas anderes, als der süddeutsche Entwurf. Bebel sagt nun, ich hätte auch in der Gesannnt- kommission für die meisten Punkte gestimmt. Ich habe an einer Sitzung der Gesaminikonnnission theilgenommen. An diesem Tage wurde zunächst lange darüber diskutirt, ob man die Beschlußfassung wegen Vollmar's Krankheit vertagen solle. Man behielt sich eine Rücksprache mit Bollmar vor. Die Dinge wurden, so erschien es mir, nicht als definitiv, nicht als unveränderlich behandelt. Hieran schloß sich eine lange Debatte über den süd- deutschen Enlivurf. Dann wurden die drei ersten Punkte des mitteldeutschen Programms angenommen. Ich habe, wie ich ge- stehe» muß, mit leichter Hand dafür gestimmt, weil ich die Be- schlußfasfnng nicht für desiniliv hielt. Ich soll nun auch für die Verstaatlichung der Grundschulden gestimmt haben. Wie verlief aber hier die Abstimmung. Ueber diesen wichtigsten Punkt hat gar keine Debatte stattgefunden. Gewissermaßen zwischen Thür und Angel, im Aufstehen und Gehen wurde abgestimmt. Daß die Abstimmung die einstimmige An- nähme dieses Punktes ergeben hätte, darüber steht nichts im Protokoll. Die einen sagen, ich hätte dafür gestimmt. Ich sage: sich habe dagegen gestimmt. Ich muß es Ihnen über- lassen, wem Sie glaube». Wie soll ich denn dazu gekommen sei», für die Verstaatlichnng der Grundschulden zu stimme». Ich beschästige mich doch nicht zum ersten Male mit dieser Frage. Glücklich war meine Haltung nicht, das gestehe ich offen ein. Ich habe die Dinge viel zu leicht genommen. Ich muß noch hinzufügen: weder oer süddeutsche noch der mittel- deutsche Entwurf waren mir bekannt, als ich in die Sitzung kam. Der Sekretär der Kommission hatte übrigens keine Schuld daran. Er hatte die Entwürfe an eine» Berliner Parteigenossen geschickt. der sie vertheilen sollte. Ich habe sie nicht erhalle», dann hätte ich die Dinge nicht so leicht genommen, nicht etwas von oben herunter betrachtet. Jetzt bedauere ich es, nachdem ich gesehen habe, wie ernst die Dinge geworden sind. Nun zn einer weiteren Zleußeruug Bebel's. Er hat mir vorgeworfen, ich sei hin und her geschivankl. Zuerst hätte ich im ersten Artikel des„Sozialdemokrat" den Agrar- Entwurf und die Kommission gelobt, dann hätte ich sie aufs schärfste angegriffen und sei schließlich in meinem Briese an Liebknecht ans den korrekten Standpunkt zurückgekommen. In de» Parteizeitungen ivurde das noch deutlicher ausgedrückt: Da wurde behauptet, ich sei niit dem Sturme gesegelt." Ich muß ja eigentlich annehmen, daß, wenn Bebel mir schwankende Hallung vorwirft, er den Artikel iin„Sozialdemokrat" auch ivirklich gelesen hat. Redner verliest«ine Anzahl Stellen aus dem Ar- tikel und benrtheilt sie wie folgt: Es sind verbindliche, höfliche Redensarten für die Kommission, sachlich iverden ihre Vorschläge ganz im Sinne meines Referats strikt abgelehnt. Es heißt aus- drücklich in dem Artikel: Mit dein Landarbciterfchutz konnte die Kommission nichts anfangen nnd der Banernschutz ist eine t�odtgeburt. Das steht ausdrücklich darin, Bebel sollte den Artikel erst lesen, bevor er mit leichler Hand nrtheilt.(Bebel: Mit leichter Hand haben Sie gehandelt.) Mein Brief sollte der Kommisston zeigen, wie wir am besten ohne persönliche Erregung über die Sache hinivegkommen könne». Sie sollte sagen: Be- stimmte Vorschläge und Forderungen existiren nicht, nur das Gerippe dieser Forderungen bleibt für die Debatte übrig. Der Brief reicht gewiß nicht ans, um mir mit recht eine schivankcnde Haltung vorzuwerfen. Nachdem ich den süddeutschen Entwurf kritisirt hatte, da»nachte niir Bebel den Vorwurf, ich hätte diesen Entivnrf überhaupt nicht heranziehen dürfen. Weiß denn Bebel nicht, daß ich es mir von vorn- herein zur Bedingung des Korreferats gemacht habe, daß der süd- deutsche Entlvurf veröffentlicht»vird? Die Agrarkommission hat sich in schriftlicher Abstimmung dafür ausgesprochen, Schippe! das Korreferat zu überlassen; da habe ich doch die Veröffentlichung dieses Entlvnrfos verlangt. Ich habe nach einer voraus- gegangenen Besprechung gehandelt, man konnte also von meiner Kritik des süddeutschen Entwurfs nicht überraichl sei». Bebel hat mir serner Mangel an Mulh vorgeivorfen mit der Apdentuug, daß ich den süddeutschen Entivnrf gerade deshalb besonders bekänipfe,»veil sein Verfasser, Aollmar, nicht da ist. Zunächst habe ich erst in der letzten Stunde davon gehört, daß Vollinar nicht da sein»vird. Ich habe kein Wort von dem zurückzunehmen,»vas ick, in der Kritik des Theiles des süddeutsche» Entwurfes gesagt habe, der niit den Falkenhayn'schen Vorschlägen zusammenhängt. Ferner mußte man früher annehme», daß nicht Bollmar, sondern einige andere jüngere süddeutsche Genossen Urheber des Emtwurfes seien. Ist also doch Bollmar der Verfasser, dann richtet sich allerdings meine Kritik zugleich gegen ihn. Nun könnte man mir de» Vorwurf machen, daß ich nach meiner oberflächlichen Haltung in der Komnnssio» niemals das Korreferat hätte übernehmen dürfen. Ich hatte aller- dings daS Gefühl, daß es an» beste» fei. die Hand davon zu lassen; aber ich bin sa geivissermaßen zum Korreferat gestellt»vorden durch Öuarck und durch Zeitungsnotizen (Bebel: ja,»vir ivollten Sie f e st n a g e l n). Ja, dann blieb mir doch uin so mehr nichts anderes übrig, als meine Stellung energisch zn vertrete». Ich habe von Anfang an geivnßt. daß es beim Parteitage zu einein Skandal koii»>nen»vird; aber hätte ich mich zurückgezogen, so»väre doch der Skandal noch»veil größer geivorden. Man hat auch geivissermaßen ein Kessel- treiben gegen»„ich angestellt; aber ist das parteigeiiössicd? Parleigenössisch ist es nicht von diesen Leuten, die mich ab- ficht ich i» meine»niangenehme Stellung hineingetrieben habe». (S hr richtigst Ferner hat man mir Demagogie vorgeivorfen; der Vorivurf trifft nicht zu. Ich bin die ganze Woche vor den» Parteitage unfähig gcivesen.mich so.als es eigentlich nöthigivar.vorzubereiten. Wenn da- durch manche Worte schlimmer ausgefallen sind, als gut war, so war es nicht meine Absicht, jemanden dadurch zu beleidigen. Wenn mir gerade Bebel den Vorivurf macht, daß mir der Ausdruck Charlatanerie entschlüpft ist, wenn er mir einen Vorwurf daraus »nacht, daß ich gesagt habe,„die Arbeiter solle» Ihnen dann den Weg»veisen"— das soll übrigens heißen: die Arbeiter sollen Ihnen die Richtung angeben, in der die Diskussion der Agrarfrage gehen soll— so ist es gerade Bebel, der hier nicht von Teinagogie sprechen sollte. Wir haben im vorigen Jahre auch, als wir von Bauernschutz sprachen, von Bauernfang gesprochen; Bauernfängerei aber ist noch schliinmer als Charlalanerie. Bebel selbst»vill doch lieber ein Charlatan als ei» Bauernfänger sein. (Bebel: Ich hätte Ihnen eine» besseren Geschmack z»l- getraut.) Ich verweise Sie auf die Rede ans dem Kölner Parteitag,»ro Bebel sagte, daß»vir aufpassen sollen auf das,»vas die Führer treibe»», daß die Konsul» acht haben sollen, daß der Partei kein Schaden geschieht, und daß,»venu die Partei f Ü h r e r nicht sähig sind, die Partei- genossen selbst Gericht halten sollen. Das ist genau dasselbe wie das, was in bezug auf»»ich als Demagogie gedeutet »vird. Etivas von» Teinagogen steckt in»ms allen. War es ein Verbrechen, etivas zu thu»,»vas Bebel gethan hat?(Beifall.) Was über die Sache gesagt»verde» kann, ist gesagt»vorden, alle Jrrthümer zurückweisen zu»vollen, scheint mir keinen Ziveck zu haben. Aber von vielen Seiten bin ich mißverstanden irtor- den. Ich bin durchaus nicht dafür, daß alle Waldrechle:c. fallen oder abgelöst»Verden. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, daß die unbeschränkte Anjrechterhaltnng dieser Rechte nicht an- gängig ist.»veil dann der Willkür Thür und Thor geöffnet»vird. Selbst Bollmar hat ja den» bayerischen Finanzminister recht ge- geben, daß eine nnbeschrünkte Anfrechterhaltung dieser alte» !>!echte falsch sei. Historische Zustände können mit dem Sezir- »nesser nicht durchelnanderschneiden; solche Dinge lösen sich all- n.älig ab, es gehl nicht an, sie in Programinsorderungen festzulegen. Von einer Zwangsablösung habe ich nicht gesprochen,»vis mir das Müller vorgeworfen hat, Gerade in dem,»vas Dr. David über den süddeutschen Eni- »vnrf gesagt hat, zeigt es sich, ans»velche Bahnen dieser Entwurf führt. David meinte, es wäre ein glücklicher Gedanke, daß Ge- ineinden vergantete Güter kaufen und sie zum Taxivcrlh den früheren Besitzern zur Nutznießung überlasse». Weshalb sollte man diese Forderung nicht auch für gewerbliche Betriebe fordern? I» der Broschüre über die hessischen Landlagsivnhlen ist zahlenmäßig nachgeiviesen, daß die Zahl der verganteten geiverb- lichen Betriebe bedeutend grüßer ist, als die der landwirthschaft- lichen. Und»vas für Betriebe müßten die Gemeinden kaufen? Immer doch nur die schlechtesten, verlumpten. und das allein zur größeren Ehre der Sozialdemokratie! Und»vem»vürde man dabei nützen? Doch nur denen, die Hypotheken aus den Betrieben haben, also den Kapitalisten. Was die Grundschulden-Verstaatlichnng betrifft, so habe ich nicht gesagt, daß mau dadurch den Arbeitern das Geld aus der Tasche lockt. Hier freue ich mich, im Einverstündniß zu sei» mit Bebel, der hier»nieder einmal die Arbeiter gegen die Führer ausgerufen hat. I» dieser Sache hat Bebel vor nicht langer Zeil nach einem Tersammlungsberichle gesagt, daß»vir oa mit den Alitiseiimen, Banernsührern:c. scheinbar gemeinsame Sache machen. Der Unterschied zivischeu unserer Forderung der Grundschulden-Verstaaclichung und der Forderung der Gegner besteht darin, daß»vir sie fordern für die Zeit, in der»vir bereits eine sozialistische Regierung haben iverden. Für heute»väre es konservativ,»venu mau durch die Durchsetzung solcher Forderungen den Grundbesitzern ihre Schuldenlast erleichtert; das bedeute eine Begünstigung der Kapitalisten durch eine Schädigung der Arbeiter. Wenn»na» so,»vis hier Bebel, im Zickzackknrs geht, dann soll man anderen keinen Vorwurf daraus machen, daß sie auch ei»»veuig im Zickzack gehen.!1eiu Wort»vog so schwer als Bebel's, »venu Bebel so»veiter von reckus nach linls taumelt, dann kau» es nur dahin kommen, daß sein Wort sein Geioichl verliert. Und alles das ist die Folge seiner Rechthaberei.(Sehr »vahr!) Wenn übrigens der Staat die Zinsen zn niedrig ansetzt. dann wird eine gcivaltige Agitation losgehen, aber das Geld werden wir verlieren. Wenn»veiter David meint, daß auch der Staat die Bauern kujonircn»vird, so sage ich im Gegcntheil, er»vird sie poussiren. Das ist es,»vas wir zu fürchten haben; es steht zn besiuchle», daß durch solche Maßregeln der ganze Staat agrarisirt»vird. Er muß dann immer mehr für die Bauer» thu», mehr Zölle ein führen und»vehr Liebesgaben geben. Zum Schluß noch einen kurzen Blick auf den Verlauf unserer Debatte. Wir debattiren jctzt drei Tage über die Agrar- frage, es ist aber auch nicht ein einziger Landarbeiter aufgetreten. Ich»vl'inschte,»vir hüllen 10—12 handfeste Knechte unter uns, dann hätten Sie vielleicht ein richtiges Urtheil»vahrnehinen könne». Wir treten hier iunner für den Bauer ans, als ob der Landarbeiter gar»acht für uns vorhanden ist. Ist warne Sie dringend, diesen Weg»veiter zu gehen. Wir haben in der Landarbeiterfrage noch so viel zu lhun, daß»vir erst diese Arbeit vollenden müssen. Erst »venu»vir damit fertig sind, können»vir uns an die Bnneriifrage umchcn. Beide zusammen können»vir nicht ge- »Vinnen,»vohl aber einen nach dem andern. Kehren wir, nieder auf de» alten Boden zurück nnd bleiben»vir,»vas»vir geivesen sind,«ine Vertretung der Klasseuintereffc». Unsere Stärke besteht darin, daß»vir der verkörperte Klassencgoismns einer bestimmten Klasse sind. Gtauben Sie doch nicht, daß»vir den Bauer vor dem Untergange schützen,»venu»vir den Zins etivas ermäßige»! Er bleibt doch immer auf de»»othdürfligen Lebensunterhalt angewiesen, nnd»vir schützen höchstens die Parzellen, nicht aber den Bauer. Wir»nüssen die Bauern ansklären, sie sind heute reaktionär,»veil sie sich als Besitzer fühlen; sehen sie aber erst ei», daß auch sie Proletarier sind, so kommen sie zu uns. Dieser Gedanke ist bereits in� kommunistischen Mainsest medergelegt. Ich verstehe gar nicht,»varum ans einmal in unseren Reihen ein solcher Kleinmnlh herrscht; wir haben doch keinen Grund, uns durch das Geschrei der Agrarier in den Parlamenten und niif den Märkten niederdrücken zu lassen. Die agrarische Bcivegung »vird an uns vorübergehen,»vir iverden auch ihr Rekruten cnt- nehmen, aber mir, wen»»vir bleiben, was»vir sind. Verlieren »vir uns mir selbst nicht, und wir sind nicht verloren!(Beifall.) Wir muffen klipp und klar aussprechen, daß wir das uns vor- gelegte Progranim nicht annehmen können, und daß»vir keinen Grund habe»,»och ein Jahr hindurch die Fragen zu debattiren. Wir sind uns heute alle klar. Es liegt auch gar kein Grund zn der Be- fürchiung vor. daß die Resolution Kautsky uns fennagelt. Nehmen Sie diese Resolution an, die die Ablehnung des Eni- ivnrss motivirl! Wir haben noch ganz andere Fragen sür die nächste Zeit zn lösen.(Beifall.) Persönlich bemerkt Bebel: Schippe! hat behauptet, die Kommission sei iuner- halb der Fraktion als spöttische Einrichtung aufgefaßt»vorbei». Soweit siffi das ans meine Person bezieht, muß ich dem aufs entschiedenste entgegentreten, und ich glaube, daß auch kein anderes Mitglied der Fraktion außer Schippe! eine ähnliche Ans- fassung gehabt hat. Er hat dann»veiter gesagt, er bnbe für eine Reibe von Forderungen im norddculschen Entivurf, auch sür die Verstaatlichung der Grnndschulden gestimmt, sich aber nichts böses dabei gedacht. Aber das Wort„Grnndschulden" konimt in» norddeutschen Eiit»viirf gar nicht vor. Es liegt hier also eine Veriveckselung vor, ob abncbtljch, lasse ich dadingestellt, zwischen dem Zeiitralennvurs»mdf den cinzelneii Entwürfen. Der norddeutsche Entwurf in seiner Faffnng kommt von mir und hat unter Schippel's Assistenz in der Plenarsitzung eine andere Fassung er- halten, die dem Sinne nach»nit meinem Vorschlage übereinstimmt; Schippe! hat dafür gestimmt. Die Art und Weise, wce er selbst seine Stellung charakterisirt hat, ist für ihn die denkbar blainabelste. Ich»veise ferner darauf hin, daß in der ersten Sitzung,»vo Schippe! zugegen ivar, die sünf ersten Punkte des Entwurfs ausführlich berathen wurden. In der zweiten Sitzung, in der er nicht erschien, obgleich er erst an» Tage darauf seine Reise antrat, wurden die übrigen Punkte erledigt. Schippe! hat dann zum Beiveise dafür, daß ein Widerspruch in seiner Haltung nicht vorhanden ivar, einen Bries verlesen. Ick hoffe, er»virv denselben zu Protokoll geben, damit jeder sieht,»vie es»hin nur darauf an- kommt, Silbenstecherei zu treiben. Wenn Schippe! behauptet, ich hätte ihm mit beziig auf diesen Brief den Vorwurf der Perfidie gemacht, so betone ich dem gegenüber, daß ich nichts gesagt habe, was dem gleich kommt, sondern nur ans die neue Schwen- kniig hingewiesen habe, die Schippe! mit diesen» Brief geilomuie» hat. Er hat ferner gesagt, er habe es sich, als man ihm das Referat antrug, zur Bedingung gemacht, daß er auch über de» süddeutschen Entivurf rede» dürfe, und daß dieser veröffentlicht werden uiüßte. Ich war in jeiier Zeit in der Schweiz und»vnrde von Quarck befragt, ob ich damit einverstande» sei. Ich ant»vortete, daß ich selbstverständlich dafür sei, daß Schippe! referirt, daß ich aber auf die Bedingung nicht eingehen könne, sonder» die Veiöffentlickung sämmtlicher Entwürfe beantrage. Das ist dann auch geschehe». Schippe! bezieht sich zum Beiveise dafür, daß der jetzige Entivnrf wesentlich der süddeutsche sei, auf Grillenberger; dieser hat aber gar nichr den süddeutschen, sondern den Zeiilralentwnrs gemeint. Singer(ihn niiterbrcchend): Was Grillenberger gemeint hat, gehört nicht zur persönlichen Bemerkung. Bebel(fortfahrend): Weiter hat Schippe! die Frage aufge- morsen, wie ich mich stellen würde zu dem Vorwurfe der Bauern- fängcrej nnd der Charlatanerie. Ich habe einen viel zu guten Geschmack, um nur zwischen diesen beiden Ausdrücken zn wählen. Wenn ich aber das Wort Bauernfängerei gebraucht habe. so liegt darin keine Beleidigung, sondern es hat denselben Sinn»vie Stimmeufängerei. Ich kann mir denken, daß Leute unter uns sind, die darauf anSgehei», erst die Bauern zu gewinnen nnd sie dann erst zu Sozialdemokraten, zu machen. Der Vorwurf, auch ich hätte auf dem Kölner Parteitag an die)Arbeiter appellirt. ist nicht richtig; ich habe dort keinen künstlichen Gegensatz konstruirt zwischen Arbeitern und Nichtarbeileru. In den Fehler Hasselmarni's und Schweitzer's bin ich nicht verfallen. Schippel hat auch einen Gegensatz zwischen meiner Haltung in Köln und meiner späteren Hat- tnug konstruirt und zum Beweise dafür einen ganzen Passus meiner Rede vorgetragen. Einige Stellen daraus fing er an ganz schnell zu lesen; aber das waren gerade die enlscheidenden. Wem» Schippel weiter gemeint hat, mein Wort wiege am schwersten in der Partei, daß es aber sein Gewicht verlieren werde, ivenn ich weiter heute recht?, morgen links marschire, so stellt er damit der ganzen Partei ein Arinuthszeugniß ans, die mich so lange trotz meiner Widersprüche an dieser Stelle ge- duldet hat. David versucht im Rahmen einer persönlichen Bemerkiing die Entstehungsgeschichte des süddeutschen Entwurfs zu erzählen, wird aber vom Vorsitzenden daran gehindert. Redner fährt fort: Schippel hat gesagt, der süddeutsche Einwurf rühre vermuthlich von einigen jungen Genossen her. Damit kann er nur mich aemciiit haben(Heiterkeit), der Enlivurf ist aber ein gemeiitsames Werk aller Mitglieder der Kommission. Ich hätte wohl erwartet, daß Schippel sich näher informirte, ehe er Beschuldigungen erhebt, die den Thatsnchen ins Gesicht schlagen. Wenn Schippel mir den verstecklen Vorwurf der polilischen Unreife uiackt, so beneide ich ihn nicht wegen der politischen und wissen- schasilicheu Ueberreife, die ich an ihm erfahren habe.(Beifall.) Quarck bemerkt persönlich, daß die Mitlheilnugen Schippel's über den Verlehr mit ihm unvollständig und tendeuziLs seien. Das Referat sei zuerst einem anderen übertragen, erst ans Veranlassung einer Frankfurter Ver- saiiiinlniig sei ohne sein Zuthun Schippel ziun Referenten gewählt. Bezüglich der Abstiuiiiunig habe er am Tage nach der belreffenden Sitzung an Schippel geschrieben, daß er allenjuns Pniikten des Entwurfs zugestimuil habe und daß er ihn sür so loyal halte, daß er seine Bchaupiuiig im„Sozialdemokrat" be« richtigen würde. Das sei nicht geschehen. Damit sind die persönlichen Bemerkungen erschöpft. Es wird zur Abstimniung geschritten. Singer schlägt solgendeii Abstiiiimiiiigsinodus vor: Zunächst»vird über die Kanlsky'sche Siesolution(Antrag 121) ab- gestimmt. Es liegt hierzu ein genügend unterstützter Slntrag anf namentliche Abstimmung vor. Dieser Abstuninuiig müßte die Abstinimuug über das Amend-meut?liitrick. daß einige Worte in der Resolution gestrichen wissen will, vorangehen. Wird die Resolution aiigcnomine», so sind alle übrigen Anträge erledigt; wird sie abgelehnt, so muß zunächst über den Antrag I2S abgestimmt werden, der dasselbe wie die Kantsty'scke Resolution will, nur mit Fortlassung der Motive. Wird dieser Antrag ab- gelehnt, so kommt Antrag 127 an die Reihe, der die Beschluß- fassnng vertagen will. Wird er abgelehnt, so kommt es zur Ab- stiiiimiiug über die Anliage der Agrarkommission. Dizrch die Beschlnßiassniig»vciden meines Erachte»» sämmt» liche zu diesem Punkt sonst noch gestellten Anlräae erledigt. Zunächst beschließt der Parteitag, in eine Spezialbisknssion der Vorschläge der Agrarkommission nicht einzutreten. Bebel regt an, die Abstimmung über die Kanlsky'sche Resolution in zwei Thcilen vorznnehuie». Während über den ersten prinzipiellen Theil der Resolution die Meinungen differiren» ist man sich über den zivciten Theil, der die Schlußresoliilio» der Agrarkommission aufnimmt, einig. Der Paricilag ist mit dem vorgeschlageneu Absliminungs- modus einverstanden. Zunächst wird das Autrick'sche Amendemeul, das in der Kanlsky'schen Resolution die Worte:„und trägt dadurch bei zur Vleiibdeiniug ihres Eigenthums-Fanatisinus" streichen will au- g e n o in m e». Hieraus»vird in namentlicher Abstimmung über den so aer- änderte» ersten prinzipiellen Theil der ttantsky'schen Resolntiou abgestimmt. Von 221 Tclegirten stimmen 158 mit Ja, 63 mit Nein. Der erste Theil ist also a n g e» o m m e n. Der zweite Theil»vird hierauf gegen eine Stimme a n g e n o m m e n. Damit sind alle übrigen Resoliitionen und auch die Vorschlägt der Agrarkoinmission erledigt. Die Anträge 18—31, 110, 122, die bestimmte Vorschläge für die weitere Verfolgung der Angelegenheit machen,»verde» den» Parteivorstand als Material für die von ihm einzu- berufende Slndienkomunsnon sür die Agrarfrage übernviescu. Damit ist Punkt IV. der Tagesordnung erledigt. Die Mittagspause tritt ein. N a ch m i t t a g s- S i tz u n g. (P r i v a t- D e p e s ch e n des„V o r>v ä r t s".) Segitz eröffnet die Sitzung und theilt»>it, daß von 23 jüdischen Gewerkschaste» Rußlands ein Begrüßungsschreibeit an den Parteitag gelangt ist.(Beifall.) Bor der Tagesordnung protestirt G e»v e h r gegen die Be- haiiptungen eines Artikels der„Rheniische»» Zeitiing". der sich gegen ihn wegen seiner Acußerungen über dieses Parteiblatt wendet. Was er gesagt bade, habe er gesagt in Ueberein- stimmung mit den' übrigen rheinischen Parteigeiioffen und im Aliftrage seiner Mandatgebcr. Insbesondere müsse er sich dagegen erklären, daß sein« Bemerkniigen irgendwie aus yeschäsiliche» lltücksichten für den Dincker der„Freien Presse" in Elberfeld herznlciien seien, nnd daß man ans seinen srnheren, aber schon seit 1889 adgcbrochenen Verbindungen mit dem ominösen Jcup dazu benutze,- ihn selbst jetzt anzuklagen. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. M Jii i896lU"fl �ullEt 5 der Tagesordnung: Die �-Berichterstatter Bebel: Nach mehrjährigen sehr lebhasten Kmupsen über die Art und Weise, wie die Maiseier in 'Deutschland begangen werden sollte, sind wir endlich durch die Beschlüsse des Berliner Parteitages zu einer festen Regelung dieser Frage gekommen. Seitdem sind ernstliche Differenzen darüber nicht mehr ausgebrochen; die beiden folgenden Parteitage haben in verhällnißmäßig sehr kurzer Zeit die Frage abgetha» und in demselben Sinne entschieden, wie der Berliner Parteitag. Ich darf wohl annehmen, daß auch heute in ähnlicher Weise beschlossen wird. Ueber die Bedeutung der Maifeier heute noch ein Wort zu sagen, hieße in der That Wasser ins Meer tragen, denn wir können mit Genugthuung konstatiren, daß im Laufe der Jahre in den weitesten Kreisen unserer Genossen die Maifeier als eine Nothwendiakeit für die Partei und als ein Akt des Solidaritätsgefühls für die internationale Arbeiterschaft betrachtet worden ist, daß also heute nicht mehr die Rede davon sein kann, von einer Feier abzusehen. Die Resolution, die ich ihnen namens des Parteivorstandes vorzuschlagen habe, unterscheidet sich von der vorjährigen dadurch, daß der Hinweis auf die ungünstige geschäftliche Lage, die es uns unmöglich macht, eine allgemeine Älrbeitsruhe eintreten zu lassen, fortgefallen ist. Obgleich die Thatsache auch heute noch besteht, erscheint es doch überflüssig, immer wieder daraus hinzu- weisen. In Berlin sind die Genosse» übereingekommen, die Ans- führung dieser Frage in erster Linie den Gewerkschaften zu überlassen, und ich glaube, daß dies am beste» ist. Dieser Weg kann auch an anderen Orten beschritten werden. Ich empfehle Ihnen also die Annahme unserer Resolution, und ich könnte mich aus diese welligen Worte beschränken, wenn Ihnen nicht mehrere Anträge zugegangen wäre», die ich kurz erörtern muß. Obgleich die Antragsteller sie noch nicht begründet haben. Was ich darüber sage, ist selbstverständlich meine persönliche Ansicht. Nach Antrag 45 wollen die Genossen in Halle die Maifeier als eine Demonstration für den Achtstundeutag, und nicht wie von den Buchdruckern ausgelegt wird, als einen tarif- mäßigen Feiertag betrachten, rechtmäßige Bezahlung auf gruud des Buchdruckertariss kann hiernach nicht ge- fordert werde». Ich empfehle Ihnen, sich nicht auf diesen Antrag einzulasse», der verlangt, daß der Parteitag sich zum Schiederichter über die Buchdrucker-Gewerkschaft aufwirst. Ob die Forderung richtig ist oder nicht, haben wir nicht zu«nt- scheide». Wenn wir den Antrag annehme», so ist die Folge, daß auf eine der nächsten Generalversaniinlungen der Buchdrucker die Frage zur Erörterung kommt und möglicherweise im entgegen- gesetzten Sinne entschieden wird. Wir kommen dadurch in einen Konflikt, dessen Lösung nicht abzusehen ist. Antrag 87 will, daß sämmtliche Referenten am 1. Mai unentgeltlich zu referire» haben. Mit einem solchen Beschluß ist nichts erreicht, denn ein Referent kann ja sage», er ist durch verschiedene Gründe verhindert. Viel wichtiger ist der Antrag 87, den Zusatzabsatz des Züricher Kongreßbeschlusses betreffend die Maifeier i» die Kölner Resolution einzuschalten. Dieser Antrag ist geeignet, die Frage i» ihrem ganzen Umfange wieder aufzurolle», wie sie ans dem Züricher Kongreß bereits aufgerollt war und dort entschieden ist. Die Mehrheit der Genossen, die als Delegirte der beut- schen Partei in Zürich waren, werde» wissen, daß wir uns mit überwältigender Majorität gegen die hier zitirtcn Worte ausgesprochen haben. Nur wenige, ich glaube neun, haben dafür gestimmt. Wir kommen durch Annahme dieses Antrages in große Schivierigkeiten, denn dann müßte in dem Falle, wo ein« Gewerkschaft beschließt, in die Arbeiisruhe ein- zutreten, die gesammte Partei in der Stadt oder dem Bezirk, auch wenn es gegen ihre Ueberzeugung ist, sich verpflichten, diesen von ihr mißbilligten Beschluß zu unterstützen(Sehr richtig!) und natürlich auch die Konsequenzen zu ziehen. Wenn also infolge eines solchen Vorgehens Maßregelungen in großem Uinfange eintreten, so haben die Genossen an dem Orte für die Gemäß- regelten einzutreten. Wir müssen in dieser Beziehung den bisher beschriebeneu Weg innehalten. In dieser Frage sind die Geiverk- schaftc» maßgebend. Enlfcheidet sich eine Gewerkschaft, in die Arbeiisruhe einzutreten, so kann mau in 99 von Ivo Fällen an- nehmen, daß alle Bedingungen zur Durchführung eines solchen Beschlusses vorhanden sind. Tritt dann eine kleine Maßregelung ein, so wird kein großes Geschrei erhoben, und man wird die Opfer gern tragen. Das ist doch etwas anderes, als wenn einer Mehrheit zngemuthet wird, de» Beschluß einer Minderheit mit allen Kräften aufrecht zu erhalten. Es lst eine Thatsache, daß die Zahl derer, die am 1 Mai in die Arbeitsruhe eintreten, sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Lassen wir es so weiter gehen. Wenn wir einmal statt einer gedrückten Geschäsisperiode wieder eine Periode der Prosperität haben, wenn die Arbeiter ini stände sind, de» Unternehmern ihre Bedingungen zu stellen, dann kann man die Frage einer allgemeinen Arbeitseinstellung erörtern. Vorläufig ist das aber nicht der Fall, und ich bitte Sie deshalb, unsere Resolution anzunehmen.(Beifall.) Die Bebel'sche Resolution lautet: In Uebereinstimmnng niit den Beichlüssen der internationalen Arbeiterkvngresse zu Paiis 1889, Brüssel 1891 und Zürich 1893 feiert die deutsche Sozialdemokratie den 1. Mai als das Weltsest der Arbeit, ge- widmet den Klassenforderungen des Proletariats, der Ver- brüderung und dem Wellfriede». Als würdigste Feier des 1. Mai betrachtet die Partei die allgemeine Arbeiisruhe, daher empfiehlt der Parteitag denjenigen Arbeitern und Arbeiterorgauisaiioiien, die ohne Schädigung der Arbeiterinteressen den 1. Mai nebe» den anderen Kund- gedungen auch durch die Arbeitsruhe feiern könne», Arbeits- ruhe eintrete» zu lassen. Von den zu diesem Punkte der Tagesordnung vorliegende» Anträgen wird nur Antrag 87 unterstützt. Da die Unterstühuugssrage vom Vorsitzende» bei einigen Autlägen mehrmals gestellt wurde, prolestirt M e tz» e r» Berlin gegen diese Adweichung von der Geschäftsordnung. M o h s- Leipzig: Ich habe von Leipzig ans den Auftrag, für Antrag 66 zu spreche», für einen Äli.trag, der leider nicht genilgend unterstützt worden ist. Ich ersuche die Parteigenossen, ei-.e» Beschluß dahingehend niiziinehinen, daß man überall, wo es angeht, den Gewerkschaften das Arrangement der Maifeier überläßt. Schilling- Niederbarnim meint, daß, wenn die Referenten zur Maifeier ihre Arbeit auch unentgeltlich machen sollen, so solle» sie doch die Unkosten ersetzt erdallen. K o e l l e- Hainburg ist der Ansicht, daß die Redner bei der Maiseier ihre Arbeit doch unentgeltlich leisten sollen. So viel Opsermntd muß man schon von ihnen verlangen. Timm-Beilin I begründet folgendes Amendement:„Die Maidemonstration durch Arbeitsruhe den Gewerkschaften zu überlassen." Schreck- Bielefeld: Dadurch, daß Sie den Antrag 36 haben fallen lassen, sind wir gezwungen, uns nicht weiter in der Mai- feierfrage als Partei zu engagiren Solange wir in den gegen- wältigen Verhältnissen leben, müssen wir uns auf die Gewerk- schuften beschränken. Der Antrag 87 ist unannehmbar, weil er nicht korrekt genug gesaßt worden ist. B r e c o n r« Kiel: Auf die Durchführung der Arbeitsruhe muß mehr Werth als bisher gelegt werden. Wir haben in Kiel sehr gute Erfahrungen mit der Durchführung der Arbeitsruhe gemacht. Wir habe» den Gewerkschaften die Liegelung überlassen. Als Partei dürfen wir uns nicht engagiren. Liedner empfiehlt auße dem den Antrag 87. Braun- Königsberg ersucht, den letzten Passus der Bebel'sche» Resolution zu streichen. Die Hinterthür müsse geschloffen und unsere Haltung in dieser wichtigen Frage präziser werden. Echoen lank: Ich muß die Aussührungen des Genossen M o h s richtig stellen. Der Antrag 86 der 17 Leipziger Genossen ist in der Leipziger Volksversammlung mit erdrückender Majorität abgelehnt worden. Bei der Maifeier 1395 haben sich die Leipziger Schneider in ihrer Gewerkschaft eine Extrawurst braten lassen. Sie haben ihre Versammlung vormittags abgehalten, während doch verabredet war, die Versammlungen abends abzuhalten. Das Leipziger Organ der Sozialdemokratie hat natürlich gegen diese Sonderstellung der Schneivergewerkschaft energisch Stellung genommen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird von Schaal begründet, von A l t e r m a n n bekämpft und angenommen. M o h ß berichtigt, daß die Schneider im Jahre 1395 eine Versannnlung vor dem Festzugs abgehalten hätte». In seinem Schlußwort hebt Bebel hervor, daß der An- trag Timm nur dann annehmbar sei, wen» das Wort„möglichst" ausgenommen wird.(Timm: Ist geschehen.) Redner wendet sich hieraus gegen die Ausführungen Brauns: Wenn der Satz gestrichen wird, dann müssen wir alle feiern, sonst begehen wir ja nach Brauns Ansicht die Maifeier nicht würdig. Der Antrag Braun ist unannehmbar. Das Amendement M o h s- T i m m wird abgelehnt. Die Resolution Bebel ivird niit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Der Antrag 87 wird abgelehnt. Es folgt Punkt 6: Der inter nationale Arbeiter- und G e w e r! s ch a f t s- K o n g r e ß in London 1896. Berichterstatter B e b e l: Parteigenossen! Sie werden viel- leicht verwundert darüber gewesen sein, daß ich für zwei aus- einauderfolgende Punkte als Berichterstatter auftrete. Ihre Ver- wunderung ist berechtigt. Ich selbst sträubte mich dagegen, das Referat zu übernehmen. Aber da die Parteileitung es nun wünschte, habe ich als fügsamer Mensch(Große Heiterkeit) doch das Referat übernommen. Nach dem Beschlüsse des Züricher Kongresses von 1893 wird 1896 der internationale Arbeiterkongreß in London abgehalten werde». Die Tagesordnung des Kongresses läßt sich leider noch nicht angeben, da die Arrangeure bisher noch nichts hierüber veröffentlicht haben. Nach einem Beschlüsse von Zürich wird allerdings die Agrarfrage verhandelt werden. Mir scheint es freilich ausgeschlossen, daß bei der gewaltigen Verschiedenheit der in betrachr kommenden Länder es zu einer Disknsfion eines agrarischen SpezialProgramms kommen wird. Es wird sich wahr- scheinlich nur darum handeln, was die prinzipielle Stellung der Arbeiter der Knlturwelt in bezug auf die Agrarfrage sein soll. Die Beschickung des Londoner Kongresses wird nur da- durch ein neues Gesicht bekommen, daß die Gewerkschaften, ins- besondere die älteren englischen Gewerkschaften mehr als bisher vertreten sein werden. Wie sich die deutschen Gewerk- schafien dazu stellen werden, muß man ihnen selbst überlassen. Unsere Bereinsgesetzgebnng wird auf die Beschickung bestimmend sein. Infolge der recht starken Betheiligung der englischen Ge- werkschaklen tommen vielleicht Fragen auf dieTagcsorduung.die die Geiverkschaslen im allgemeinen mehr als die Tagesordnungen der bisherigen iniernationalen Kongresse interessiren und sie zwingen werden, dazu Stellung zu nehmen. Die Betheiligung von deutscher Seite wird allerdings bedeutend thenrer werden als die Beschickung eines früheren Kongresses. Zu Punkt 6 ist Resolution III. Ter Parteitag fordert die Parteigenossen auf, in anbeiracht der Wichtigkeit, die der nächste in London statt- findende internaiionale Arbeiterkongreß für die gesammlen klassenbewußien Arbeiter und namentlich sür die weitere Eilt- Wickelung der internationalen Arbeiterbewegung haben wird, denselben durch Aertreter möglichst zahlreich zu beschicken. gestellt worden. Zu dieser Resolution spricht Groth-Rostock: Angesichts der Wichtigkeit und gefährlichen Konkurrenz, die die Ostasialen. (japanschen und chinesischen Ardeiter), sei es bei uns selbst sei es durch die in Ostasien selbst betriebene Industrie, auf unsere Arbeiter ausüben werden, ist es vielleicht angebracht, anzuregen, daß man diese Frage der ostasiatischen Konkurrenz auf dem Londoner Kongreß behandelt, und daß die deutschen'Delegirten dort diese Frage anregen. Die Debatte wird geschlossen. Resolution Iii wird einstimmig angenommen. Es folgt Punkt 7 der Tagesordnung: S ch w i h f y st e m, Hausindustrie und A r b e i t e r s ch u tz. Referent T i m m: Der Gang der Entwicklung der Dinge in Deutschland zeigt, daß die herrschenden Klassen gegenwärtig sür alles Interesse haben, nur nicht sür den Arbeiterschutz. Ter Präsi- de»l des Reichs-Versicheningsaints, Bödicksr, hatjüngstein Werk über die Arbeilerversicherung in den europäischen Staaten veröffentlicht, w orin er die Sozialreform in Teutschland über das Bohnenlieb lobt. Von allen Seilen tönt es uns entgegen: Die Arbeiter nnd Arbeiterinnen sollten zufrieden sein, auf dem Gebiet der Sozial- reform ist genügend für sie gefchaffen. Da ist es nothwendig, die Zustände in der Hausindustrie in das Licht der Oeffenllich- keit zu ziehen. Die entsetzlichen Zustände, die in ihr herrschen, können nicht verkleistert werden durch Demonstrationen wie am Sedantage. Ich vermag der beschräntieu Zeit wegen nicht auf alle Einzelheiten der Hausindustrie einzugehen, dann ist es auch schwer, über alle Aionieute derselben genügend Material zn sammeln, da die am schlechtesten bezahlten Arbeiter und Arbeiterinnen der Hausindustrie fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit leben. Daher kann ich nur Bruchstücke bieten; aber vielleicht wird gerade das für uns ei» Anlaß, tiefer als bisher in dies Gebier ein- zudringcn. Die historische Entwickelmig der Hausindustrie ist altbekannt. Ich übergehe sie nnd komme sofort zur Gegenwart. Kart Marx nennt die Hausindustrie die dezentralisirle Groß- industrie. Bei ihr findet das Unlernehmcrthuin die erwünschte Gelegenheit, aus außerordentlich billigen Arbeitskräiten die grüßten Arbeitsqnanten heraiisznpreffen. Betrachten wir ihre vecschiedenen Formen. Das haben wir zunächst den Hans- industriellen Kleinmeister, der lheils sür Knuden, rheils für die Unternehmer arbeitet. Weiter haben wir die Hausindustrie auf dem Laude. Hier sind die Arbeiter au ihre Scholle gefesselt und bieten bei ihrer Bedürfuißlosigkeit und bei den Zuschüssen, die sie aus ihrer Zwerglaudwirthschast ziehen können, dem Unter- nehmer außerordentlich billiges Aroeitsmaterial. In der Haus- industrie fiadeu überhaupt alle sozial- rückständigen Schichten der Bevölkerung niit den engsten Bedürsnissen thre Zuflucht. Ter Aibeilerzustrom vom Lande nach den Städten findet in der Hansindustrie Haupt sächlzch Unterkommen nnd Verwendung. Der Unternehmer sucht sich in der Hausindustrie alle die geseg- lichen Verpsiichtungen abzuschütteln, die die Großindustrie hat. Ter Unternehmer in der Hausindustrie erspart die Kosten des ArbeitSrannies, der Betriebsmittel nnd der Verpflichtungen, die ihm die sozialreformertsche Gesetzgebniig sonst auferlegt. Außer- dem wälzt er erfolgreich das ganze Risiko der Krisen größten- lheils auf die Schultern der Arbeiter ab. Ter Unteriiehmer kümmert sich nicht darum, ob die Arbeiter und Arbeiterinnen be- schäftigt sind oder nicht. Aus der Hausindustrie des KleiumeisterS hat sich nun eine andere»eue Form entwickelt. In vielen Branchen bildet sich das srvoatinA. das Schwitzsyslem aus. Es ist solgendermaßeii eilt- standen. Früher beschäiligteu die Unteriiehmer einzelne bans- industrielle Arbeiter. Tie Arbeit steigerte sich, und nun suchten die Unternehmer die sähigsten Arbeiter heraus und gaben ihnen die Arbeil in erster Linie. Tie Arbeiter wurden aNein nicht fertig, sie engagirten wieder Arbeiter. Das lag in ihrem Inter- esse und in dem der Unternehmer. Die Betriebsunternehmer hatten den Vortheil, nur mit wenigen Arbeitern zu thun zu haben, andererseits konnte in der Saison ein großes Arbeits- quantnm fertig gesielll werden. Der Lohn, den die Zwischen- meist» erhielten, blieb der gleiche, wte bei den einzelnen Hausindustriellen. Wollte der Zwischenmeister einen Gewinn herausschlagen, so mußte er auf die Löhne der v an ihm beschäftigten Arbeiter drücken. Der wirkliche Arbeitslohn ver- ringerte sich immer mehr und die bösen Wirkungen dieses Systems verallgemeinerten sich. Ter Zwischenmeister wurde zum Antreiber, er mußte in der Saison die Konkurrenz uberholen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen geriethen in immer tiefere Ab- dängigkeit. Aus dem Zivischenmeister entstand der Schwitz- meister. Diejenige Form der Hausindustrie war erreicht, wo die Arbeiter bei ungeheurer Ausdehnung der Arbeitszeit und außer- ordentlicher Anspannung ihr» Kräfte schaffen müssen, wo sie den denkbar niedrigsten Lohn vom Zwischenmeister beziehen, in im- gesunden Arbeitsräumen dahinsiechen und das ganze Risiko der Krise auf ihren Schultern haben. Das ist die Ursache, weshali» das Schwitzsystem sich immer weiter verbreitet. Ich will nur die wichtigsten Industrien durchgehen, wo diese Erscheinung hervortritt: In der Weberei, die heute sich im Uebergangsstadium von dem hausindustriellen Betrieb zum fabrikmäßigen befindet, besteht namentlich in Schlesien noch der alte Grundsatz, daß der Hausweber wenigstens einen bestimmten Bruchtheil, etwa Vs des Lohnes, den er bekommt. an seine Arbeiter abführt. Das Zwischettmeister-System beruht hier aus den Faktoren, auf den Personen, die die Arbeit zwischen den Großindustriellen und Hauswebern vermitteln. Die Weber nennen dieses System Schlumvsystem. Gerade hier wird bei außerordentlich langer Arbeitszeit blos ein Lohn herausgeschlagen, der zum eristiren unzulänglich ist. Aehnltch steht es in der Buchbinderei. Die ist ein Saison- geschäft; wo in der Saison in der Hausiudustrie vom frühen Morgen bis zum späten Abend gearbeitet wird, wo die Wohnräume unzulänglich sind, weil in denselben Räumen die Produkte ge- trocknet werden und die Arbeiter alle hier entströmenden Dünste einalhme». Die Löhne sind hier ganz außerordentlich � niedrig. sie betragen nach einer neueren Statistik bei zwölfstiindi�er Arbeitszeit wöchentlich durchschnittlich 15 Mark, wovon noch eine Summe sür Nebenausgaben abgeht. Auch hier fördert der Unternehmer, wenn er nur irgend kann, die Entwickelung der tansindustrie, weil sie ihm weniger Scherereien macht. harakteristisch ist hierfür die Stadt Offenbach, wo ein großes Geschäft 269 Arbeiter in Werkstätten und 466 bis 459 außerhalb beschäftigt. Der Minimallohn beträgt dort für Arbeiter 8—9, der Durchschnittslohn 15, der höchste Lohn 24 M., für Arbeiterinnen 4 M., 7,59 M. und 12 M. bei 10— U stündiger Arbeitszeit. Auch in der Sattlerei ist das Schwitzsystem sehr entwickelt. Ebenso in der S ch i r in in d u st r i e, wo die Löhne außerordentlich niedrig sind. Besonders schlimm steht es in Thüringen, wo eine Familie kaum 6—3 M. wöchentlich herausschlägt und die Wohn- räume so schlecht wie nur denkbar sind. In Schlesien haben die sozialen Mißstände de» tiefsten Stand erreicht, besonders in der Konfektionsbranche. Die Unternehmer, die neulich in so außerordentlich patriotischer Weise das Sedanfest gefeiert haben, haben allen Grund dazu gehabt, da ihre Industrie infolge des Krieges einen großen Ausschwung genommen hat. Aber die Arbeiter leben in Verhältnissen, die so schlimm sind, wie nirgendswo. Von Jahr zu Jahr wird es mit der Zwischenmeisterei schlimmer. Die Werkstätten werden von den Un'ernehmern mehr und mehr auf- gehoben, sie verlegen die Produktion in die Hausindustrie. In der Konfektion insbesondere herrscht noch ein für die Arbeiter besonders schädliches System, das Konlraltorensystem; dasselbe besteht darin, daß der einzelne Betriebsunternehmer, wenn irgend möglich, nur mit einer Person zu thun hat. mit dem Kontraktor. Dieser bekommt gegen Kontrakt ein be- ftimmtes Waarenquantum und sorgt für die Herstellung der Sachen. Er muß eine kapitalkräftige Person sein, er übergiebt die Maaren au Zwisckenmeister. Dieser richtet die Maaren ein, giebt das nöthige Zubehör, übergiebt die Sachen den Arbeitern und Arbeiterinnen, verrechnet sie mit diesen, besorgt die Ab- lieferung beim Konlraktor. Der Hausindustrielle, der dem Zivischenmeister die Sachen übergiebt, übergiebt sie wieder an andere Hausindustrielle, also jedes Stück muß eine lange Reihe von Händen durchlaufen, überall wird von dem vom Unter- nehmer bezahlten Lohn etwas abgestrichen, und die ärmsten von allen, die Arbeiter und Arbeiterinnen, müssen alles bezahlen. Das Kontraktorensystem beginnt sich in Deutschland allerdings erst ein- zubürgern. Der Fabrikant selbst kennt oft das Elend der Arbeiter garnicht. Deshalb waren die offiziellen Erhebungen aus den Jahren 1835/87, obgleich sie ein schauerliches Bild er- geben, doch vollständig täuschend, weil sie sich aus Nachfragen bei Fabrikanten stützen, in deren Büchern allerdings bedeutend höhere Posten als Arbeitslöhne verzeichnet sind, als die Arbeiter in der That erhalten. Die Arbeiter sind damals garnicht gefragt worden. Die Fabrikinspektions- Berichte sprechen sich über das Elend in der Konfeklion mehrfach sehr deutlich aus. So berichtet der Elberfelder Beamte, daß die Beamlenfrauen und-Töchter auf den Lohn der Arbeiter drücken. Auch wurde kon- statirt, daß. wo die Proiiitittion vorkommt, sie nur eine Folge der elenden Lage der Arbeiterinnen ist. So ist es seit langer Zeit, und doch steht noch heute unsere Arbeiterschutz» Gesetzgebung aus dem Standpunkte, daß sie für die Hausindustrie nichts thun kann nnd darf. Mit den Arbeitern direkt hat der Unternehmer nichts zu thun. Die Arbeiter verlieren bei den oft selbst in elender Lage lebenden Zwischenmeistern ost die Löhne. und die Gewerbegerichts-Verhandluugen zeigen, um welche Be- träge nnd um was für Löhne es sich da handelt: 9.89 M., l.59 M.». sind da Streitobjekte. Wie muß die Lage der Leute sein, die wegen solcher Beträge Prozesse anstrengen? Ein anderer Mißstand ist der, daß in der Slapelwaaren- Branche Leute zu Zwischenmeistern geworden sind, die von der Schneiderei gar nichts verstehen, sondern meist lediglich durch die Heiralh mit einer Schneiderin oder Konfektionsarbeiterin in diese Branche gekommen sind. Da sind alle Stände vertrete», die man sich denken kann. Am meisten gedrückt sind natürlich die Arbeiterinnen. In den letzten 5 Jahren sind die Löhne um die Hälfte zurück- gegangen' wenn heute eine Konseklionsarbeiterin einen Durch- schniitslohn von 19 M. hat, so ist das schon sehr günstig. Die Konfeklionsgcschäfle machen oft einen unansehnlichen Eindruck, und doch ist ihr Verdienst garnicht so gering. Die Arbeilerinnen wissen ott nicht einmal, was die Zwischenmeister als Lohn er- hallen. Freilich ist mit der Zeit auch die Stellung der Zwischen- meister ungünstiger geworden. Unter den fortwährenden Lohn- abzügen haben auch die Meister zu leiden, aber den Haupt- schaden haben dennoch die Arbeiterinnen, die nicht selten am Ende der Woche viel weniger Lohn erhalten. als ihnen am Anfange ver- sprachen wurde. Die Zahl der Konfellonsarbeitcrinue» ist ganz bedeutend, so haben tvir in der Berliner Orts-Krankenkasse allein 13 999 Mitglieder. Meine Broschüre über das Schwitzsystem ist Ihnen über- geben worden, dort können Sie eine ganze Menge Beispiele zur Illustration der Lage der Konfektionsarbeiterinnen sammeln und je nach Wunsch ergänzen. Es ist durchaus irrthümlich, daß die Arbeiterschutz-Geseygebimg auf die Hansindustrie nicht ausgedehnt werden könne oder daß dies nutzlos sei. Gegen die Beanf- sichlignng der Werkstätten der Hausarbeiter ist oft eingewandt worden. dazu seien allzu viele Beamte nölhig. Ich denke doch, daß man für kulturelle Aufgaben auch wohl ebensoviel Taufende ausgeben kann als für knltnrwidrige Zwecke. Freilich suchen sich manche Kleinmeister dagegen zu wehren, ab» wir haben es gar nicht zu bedanern, daß die Klein- meister mehr und mehr verschwinden. Man kann seine Weiterexistenz nur durch die Schädigung der Arbeit» und Ar» beiterinnen ermöglichen. Die sogenannte Freiheit des Heim- arbeilers sieht in der Präzis anders aus, als man denkt. Es iit die Freiheit, Tag und Nacht arbeiten zu müssen, selbst in den Pausen. Wir können eine etwas günstig»« Eiitwickelimg vur dadurch ermöglichen, daß wir de» Unternehmer zwingen, größere Belriebs- und Arbeitsränme selbst einzurichlen. Nach der Einführung des Krankenversicherungs- Gesetzes haben sie sich bereits genöthigt gesehe», gröbere Arbeits- räume einzurichten. Gegenwärtig nimmt die Hausindustrie im allgemeine» zu. und das ist die Wirkung davon, daß die Kinder- und Fralienarbeit in Fabrikbctriebcn etwas abnimmt. Besonders bedenklich ist die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten durch die Kleidungsstücke, die in den elenden Werkstätten hergestellt sind. Ueberall, wo Untersuchungen staltgefunden haben, wird der gesundheitsschädliche Einfluß der Hausindustrie konstatirt. Ein großer Theil der hier beschäftigten Personen geht an Lungen- krankheiten z» gründe. Es ist deshalb durchaus nothwendig, daß wir uns endlich damit befassen, uin für eine Besserung auf diesem Gebiete einzutreten. Schon die jetzige Gewerbe-Ordnung enthält einige Bestimmungen die Besserungen zu schaffen im stände sind, aber sie werden nicht immer beachtet. Es ist Zeit, daß die Fraktion im Reichstage auf diesem Gebiete helfend eintritt. Die Arbeiter haben hier nichts mehr zu verlieren. ES muß eine gemeinsame Agitation stattfinden, die Massen müssen aufgerüttelt werde». Der Gesellschast niuß ihr Spiegel vorgehalten werden. Andere Länder haben auf diesem Gebiete schon Erfolge aufzuweise», so z. B. England. Bei uns in Deutschland aber besteht kein Ver- ständniß dafür. Obgleich die Hausindustrie bei uns in Berlin sehr entwickelt ist, will die Kommune,>vo die liberalen Stadt- unter herrschen, nicht vorangehen. Wie schlimm es mit dem Schivitzsystem in der Hausindustrie steht, kann man daraus er- sehen, daß hier sogar noch billiger fabrizirt wird, als in Zucht- Häusern und Gesängnissen. Wir müssen den Staat zwingen, die Vorschriften zu erlassen, die nothwendig sind, eine Degene- ratio» des Volkes zu verhindern. Jetzt wird durch die Hausindustrie ein Lmnpenproletariat erzeugt, das den Kampf nicht bestehen kann. Ich bitte Sie deshalb, meine Resolution anzunehmen.(Lebhafter Beifall.) Die vom Referenten vorgeschlageur Resolution hat folgenden Wortlaut: Die moderne Hausindustrie ist die dezentralisirte Form des kapitalistischen Großbetriebes. In der Hausindustrie vermag der kapitalistische Unternehmer die Ausgaben für die Betriebswerkstätten, die Hilfsstoffe, für Beheizui g und Be- leuchtung aus die Arbeitskräste abzuwälzen, die Ausgaben für die vorschriftsmäßige Beschaffenheit der Arbeitsräume und für die verschiedenen Arten der Arbeiterversicherung zu ver- ineide»; kann er die billigsten und widerstandsunfähigsten Ar- beitskräfte— Frauen und Kinder— in weitestem Umfange der rücksichtslosesten Ausbeutnng dienstbar machen und dadurch auf die Arbeitsbedingungen der übrigen Arbeiter einen Druck ausüben. Bei längster Arbeitszeit, schlechtesten Arbeitsbedingungen und niedrigsten Löhnen, preßt der Kapitalist den hausindustriellen Arbeitern die höchsten Leistungen ab. Die durch den hausindustriellen Betrieb ermöglichte Stelle des Zwischenunternehmerthunis, des Zivischeiimeisters, Sweater, treibt die Ausbeutung der Heimarbeiter und-Arbeiterinnen aus die Spitze und verschärst die Uebel der Hausindustrie aufs äußerste. Die Hausindustrie überliefert ganze Schichten der ar- bettenden Bevölkerung der Verelendung, dem körperlichen, geistigen nnd sittlichen Verkommen; insbesondere zwingt sie durch Hungerlöhne Taufende von Arbeiterinnen, in der Pro- stitution einen ständigen Nebenerwerb zu suchen. Die den bescheidensten Anforderungen eines Kultur- menschen ins Gesicht schlagende Erbärmlichkeit der Erwerbs- und Lebensverhältnisse der Arbeiter in der Hausindustrie und der Umstand, daß dieselben meist isolirt schaffen, erschweren und hindern den gewerkschaftlichen Zusammenschluß, damit den Kampf für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Der m Breslau versammelte Parteitag der deutsche» Sozial- demokratie erklärt es deshalb fürPflicht derArbeiterklasse, durch den politischen und gewerkschaftlichen Kampf mit aller Energie den Mißständen der Hausindustrie entgegenzutreten. Der Parteitag beauftragt die Vertreter der Partei im Reichstage zu fordern: 1. Ausdehnung des gesetzlichen Arbeiterschutzes aus die Hausindustrie. 2. Kontrolle aller hallsindustriellen Betriebe durch mann- liche und weibliche Aufsichtsbeamte, welche Exekutivgewalt besitzen und mindestens zur Hälfte aus den Kreisen der Arbeiter und Arbeiterinnen entnommen werden. Weiter erklärt es der Parteilag für Pflicht der Genossen, den planmäßigen Kanipf der Gewerkschaften für die Beseitigung des Zwischenmeistersystems, für die Errichtung von Betriebs- Werkstätten und die Einführung fester Tarife zu unterstützen. Es ist ferner folgender Antrag eingegangen: Zur praktischen Durchführung der von unserer Partei ver- langten gesetzlichen Bestimmungen gehört der Druck von unten. Daher ist es eine unerläßliche Nothwendigkeit. durch energische Agitation in den breitesten Schichte» des Volkes Klarheit über die Fragen der Erweiterung des Fabrik-Jnspektorates im Sinne des Antrages 96, 2. sowie im Sinne des Referates Timm zu schaffen, und der Parteitag verpflichtet deshalb den Partei- vorstand, eine solche Agitation in der nächsten Zeit in Szene zu setzen." Außerdem folgender Antrag N o h r I a ck und Genossen: 129. Der Parteitag beauftragt die sozialdemokratischen Reichstags- und Landtags- Abgeordneten, sowie die Vertretreter in den Kommunal- Verwaltungen, energisch einzutreten für die ausschließliche Vergebung aller Staats- und Kommunallieferungen an Unternehmer, welche Be- triebswerkstellcn unterhalten, die allen gesetzlichen Vorschriften entsprechen. I. Timm. N e i ß h a u s- Erfurt: Ich glaube in der Frage Ersahrugen gemacht zu haben, da ich auch Zwischenmeister gewesen bin. Ich kann alles unterschreibe», was Genosse Timm gesagt hat. Ich will mir nur wenige Erläuterungen gestatten. In Erfurt haben mit Ausnahme von zwei Konfektionären alle an- deren Betriebswerkstälten, die von Zwischenmeistern geleitet wer- den. Die Werkstätten sind gut eingerichtet. Dasür müssen die Arbeiter den Zwischenmeistcr einen bestimmten Tdeil ihres Lohnes geben. Ter Konsektionsgeschäfis-Jnhaber hat dadurch den nenten Vortheil, daß er die Arbeiter zur Hand hat. Die Hausindustxiellen haben den Gipfel ihrer Leistungsfähigkeit erreicht, sie können bei der Kürze der Saikon nicht das liesern, was der Fabrikant braucht und deshalb ist derselbe gezwungen, sich einen Stamm von Arbeitern zu halten. Die industrielle Ent- Wickelung zwingt die Uebernehmer wider ihren Willen dazu. Die von Timm verlangte Ausdehnung des gesetzlichen Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie haben wir jetzt schon bei den Zwischenmeistern, die über 19 Arbeiter beschäftigen, wenigstens in einzelnen Gegenden. Das eigentliche Schwitzsystein besteht nur in der Herrenkonfektion. In der Damenmäntel- Branche ist es noch nicht so weit gekommen. Aber auch hier zwingt die wirthschaftliche Entwicklung die Unternehmer, die kleinen Zwischenmeister zu beseitigen. Trotzdem ist die größte Zahl derselben in erne so elende Lage gerathen, daß es für sie ein Segen wäre, wenn sie gezwungen wären, in Werkstätten zn arbeiten. Sie konnten die Arbeitslöhne der Arbeiter nicht weiter herab- drücken, weil sie schon so niedrig wie möglich waren, der Zwischenmcister mußte den Ausfall tragen. Es ist also falsch, wenn man annimmt, der Zwischenmeister befindet sich in glänzenden Lage. Es ist gut, wenn das System verschwindet, aber generalisirend können wir hier nicht vorgehen. Im Interesse der Gesellschaft hat der Staat die Pflicht, diese Zustände zu untersuchen und helfend einzugreifen. Ich möchte aber hinzu- fügen, daß es uöthig ist, die Bestimmungen, die für die Tabaks- industrie gelten, auch für die Hausindustrie einzuführen. Ich werde einen dahingehenden Zusatzantrag stellen und stimme im übrigen der Resolution Timm zu.(Beifall.)_ Dr. Q u a r ck: Ich begrüße es, daß ivir auf einem Partei- tag ein gewerkschaftliches Thema haben. Ich begrüße es ferner, daß die Vorredner sich so energisch gegen die Proletarisirnng weiter Volksschichten gewendet haben. DaS ist noch eine kleine Genngthuung für uns. Es müßte endlich einmal von den Ge- werkschasten beim Bundesralh verlangt werden, daß er erklärt, ob die Konfeklionswerkstätlen von den Fabrikinspektoren zu revidire» sind oder nicht. Die Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie wird große Schwierigkeiten zu überwinden haben. Die Gewerkschaften müßte» spezielle Vorschläge machen, wie sie sich die Sache denken und die Regierung müßte Stichproben veranstalten damit den Unternehmern die Sache so verleidet wird, daß sie zur Errichtung von Betriebswerkstälten übergehen. Drittens müßten die einzelnen Branchen für Hausindustrie ein- nial der Reichskommission für Arbeilerstalistik einen sanften Rippenstoß geben, damit sie Enqueten über die Hausindustrie veranstaltet. Der Schluß der Diskussion, den A l t e r m a n n beantragt nnd Rohrlack bekämpft, wird angenommen. Das Schlußwort zu seiner Resolution erhält Timm: Die Zwischenbelriebe müssen schon aus dem Grunde möglichst beseitigt werden, um die soziale Entwicklung der Industrie zu fördern. Reißhaus gegenüber bemerke ich, daß die Zwischenmeister sich freilich nicht immer in einer guten Lage befinden, aber den Schaden haben schließlich doch die Arbeiter. Die Aus- führnngen von Quarck leiden daran, daß er sich um praktische Erfahrungen nicht gekümmert. Er irrt sich, wenn er glaubt, ich will den kleinen Bauer in der Hansindustrie erhalte». Nein ich will der Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen entgegentreten. Ich will nicht gern schulmeistern. Aber wenn Quarck solche unangebrachten Bemerkungen macht, so rathe ich ihm, erst Erfahrungen zu sammeln, bevor er zu schulmeistern versucht. Im übrrgcn stimme ich Quarck zu.(Heiterkeit.) Nur möchte ich noch betonen, daß es Zeit ist, endlich hier Besserung zu schaffen, und das kann nur durch eine Agitation von unten herauf geschehen. Inzwischen ist das Amendement Neißbaus eingegangen, in Absatz 1 der Resolution Timm hinter„Hausindustrie" einzu- fügen:„und Schaffung besonderer Vorschriften, wie sie schon heute für die Tabakindustrie bestehen".. Die Abstimmung ergiebt die Annahme der Resolution mit dem Amendement Reißhaus, sowie Annahme des Antrages 129. Der Antrag Rohrlack wird abgelehnt. ES wird zu Punkt 8: Anträge zum Parteiprogramm und Organisatiion geschritten. Zur Debatte stehen die Anträge: S. Parteigenossen des 1. B e r l i n e r Kreises: Bei allen Abstimmungen, bei denen Genossen persönlich interessirt find, ruht deren Stimmrecht. Betheiligung an den Parteitagen nnd den Abstimmungen dortselbst. Die einzelnen Wahlkreise können ohne Rücksicht auf die Stärke ihrer Wählerzahl ver- treten sein, jedoch gelten bei allen wichtigen Abstimmungen folgende Beschränkungen: Kreise, die bei der letzten allgemeinen Reichstagswahl bis 4909 sozialdemokratische Stimmen auf- gebracht, haben 1 Stimmen. 4—19 999 haben 2 Stimnien, und jedes weitere 19 999 je 1 Stimme mehr auszuüben. 19. Parteigenosse» des 2. schleswig-holsteinischen Kreises: Dem Punkt 6 Absatz 2 des Parteiprogramms ist eine präzisere Fassung zu geben, damit jede verschiedenartige Auffassung darüber einfach unmöglich ist. 11. Parteigenosse Keye, Berlin, 4. Wahlkreis: Der Passus 6 deS Erfurter Programms„Erklärung der Religion zur Privatsache" soll lauten: Die Sozialdemokratie bekämpft auss Entschiedenste die Vertreter der verschiedensten Religions- gemeinschaften, sowie die Religion selbst, wo ihre Lehren sich dem Befreiungskampfe des Proletariats entgegenstellen. 12. Parteigenossen in Lechhausen: Das Programm statt wie bisher in zwei, i» Zukunft in drei Theile z» formn- liren. Ten dritten Theil hätten unsere Forderungen in bezug auf die landwirthschaftliche» Verhältnisse zn bilden. 13. Genosse A. 353., Berlin N., 6. Wahlkreis:„Das sozialdemokratische Programm jede Woche einmal im „Vorwärts", Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands", gleich unter dem Titel, sozusagen mit als Titel, zu veröffentlichen mit dem Vermerk: Um sich besser über den Inhalt des Programms zu informiren, ist folgendes sehr zu empfehle»: 1. Was die Sozialdemokraten sind und was sie wollen, mit dem Eisenacher, Gothaer und Erfurter Pro- gramm von W. Liebknecht, Preis 25 Pf. 2. Grundsätze und f orderungen der Sozialdemokratie, Erläuterungen zum Erfurter rogramm, von K. KautSky und B. Schoenlank, Preis 19 Pf. 3. Das Erfurter Programm in seinem grundsätzlichen Theil, erläutert von K. Kaulsky, Preis geh. 1,59 M. und geb. 2 M., welche in der Buchhandlung des„Vorwärts", sowie in allen Partei-Buchhandlungen zu haben sind. 14. Genosse Walther, Verlin, 6. Wahlkreis: Dem einwandsfreie» ß 4 der Arbeiterschntzsordernngen folgende Schlußsaffung zu geben:„sowie für Handels- und Bureau- Angestellte". 15. Parteigenossen des 17. hannoverschen Wahl- k r e i s e s: Der Parteitag hat alle Anträge zum Programm an eine neu zu wählende Konnnission zurückzuweisen, welche sie zu verarbeiten und danach einen neuen Entwurf vor- zubereite» hat mit der Maßgabe, daß ein besonderes Agrar- Programm nicht geschaffen werde. 16. Genosse S a b o r und zehn Genossen des 4. V e r l i n e r Wahlkreises: In dem Programm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist die Forderung eines achtstündigen Maximalarbeitstages durch folgende» Passus zu ersetzen: 1. Arbeit allen Arbeiter». 2. Festsetzung eines höchstens 8 Stunden betragenden Arbeitstages für alle in öffentlichen Betrieben beschäsligten Arbeiter und Beamten. 17. Parteigenossendes 1. badischen Reichstags- Wahlkreises: Wir erkennen die Wichtigkeit der Landarbeiter- und Banernfrage für den gesunden Fortschritt unserer Be- wegniig aus dem flachen Lande an. Wir hallen die 3Iufstellung eines einbeltliche» Agrarprogramms im Sinne der Resolution des Frankfurter Parteitages für dringend geboten. Dem von der Agrarkommission vorgeschlagenen Entwurf können ivir zwar nicht in allen Theilen unbedingt zustimme», jedoch halten wir ihn für eine geeignete Grundlage zur weiteren Behandlung der Frage und hoffen, daß dieselbe zu einem befriedigenden Ergebniß führen werde. 51. Parteigenossen des 2. Hamburger Kreises: Zu§ 9 Ziffer 3 des Organisationsstatuts folgenden Nachsatz anzufügen:„Soweit diese die Kontrolleure betrifft, haben drei Mitglieder davon, welche unter sich selbst gewählt sind, auf dem Parteitag zu erscheinen."— Zu§ 13 Absatz 1 des Organisationsstaluts anzufügen:„Die Kontrolleure sind aus Berliner und daran grenzenden Wahlkreisen zu entnehme»." 52. Parteigenossen des 2.. 3. und 6. Berliner Kreises: Die Kontrolleure sind möglichst von den Genossen der Um- gegend, da wo der Parteivorstand seinen Sitz hat, zu wählen. 53. Parteigenossen des 2. Berliner Kreises: Es soll in Zukunft der§ 13 des Organisatiousstatuts lauten: Die Parteileitung besteht aus 14 Personen, und zwar aus 2 Vorsitzenden, 2 Schriftführern, 1 Kassirer, 2 Beisitzern und 7 Kontrolleuren. Die Wahl der Parteileitung erfolgt durch de» Parteitag mittels Stimmzettel. Das Aint als Beisitzer darf niemand länger als höchstens zwei Jahre hintereinander bekleiden rc. 54. Parteigenossen des 14. hannoverschen Kreises: Dem§ 4 Absatz 1 des Organisationsstatuls folgende Fassung zu gebe»: Die Vertrauensleute werden alljährlich in öffcnt- lichen Parteiversammlungen oder Parteikonferenzen gewählt. 55. Parteigenossen des Kreises Niederbarnim: Dem§9 unserer Parleisatzungen als Slbsatz4 einzufügen:„Der Parteilag setzt die Diäten für d e Theilnehmer fest und sind ernere ans der Parteikasse zu zahlen. Jedoch ist zeder Wahlkreis verpflichtet, zur Deckung der den Parteitag erwachsenden Kosten beizutragen."— Den 8® Absatz 1 des Organisationsstatuts dahin abznändcn,, daß anstatt 3 Delcgirte nur ein Vertreter von jedem Wahlkreis zum Parteitage entsendet werden darf. 56. Parteigenossen in Königsberg: Der Parteitag hält es für die Pflicht der Parteigenossen, überall da, wo es die materiellen Mittel erlauben und die nöthigen Personen vorhanden sind. Rechtsbnreaus zu errichten. 57. Die Parteigenossen Elberfelds: Der Beschluß des Frankfurter Parteitags, wonach die Abgeordneten als Delegirte nicht wählbar sind, wird durch folgende Bestimmung ersetzt: die Abgeordneten, welche an den Berathungen theil- nehmen, müssen mit einem Mandat versehen sein, sofern sie nicht der Parteivorstand besonders nach dem Parteitag be- rufen hat. 53. Parteigenossendes 1. badischen Reichstags« Wahlkreises: Aus finanziellen Gründen sind wir nicht im stände, eine» eigenen Delegirte» zu entsenden, müssen des- halb auf eine Beschickung des Breslauer Parteitages verzichten, fordern aber, daß derselbe Mittel und Wege findet, in Zukunft diesen Znstand zu ändein. Antrag 5 wird genügend unterstützt. Zur Begründung Timm: der Antrag ist mit veranlaßt durch das Ergebniß des Frankfurter Parteitages. Bei wichtigen Ab- stimmungen müssen die Stimmen der Wählerzahl der Delegirten proportional zum Ausdruck kommen. Der Autrag wird diesmal schwerlich angenommen werden, aber die Delegirten können die Anregung in die Wahlkreise mitnehmen. Stadthagen: Daß das Stimmrecht der Genossen, die an einer Abstimmung persönlich betheiligt sind, ruht, ist selbst- verständlich. Es ist zwar richtig, daß darin eine Ungleichheit vorliegt, wenn Vertreter kleiner und großer Wahlkreise dasselbe Stimnirecht haben. Tie Schwierigkeit ist bereits bei der Festsetzung des Organisationsstatuts erörtert worden. Aber der Weg, den Sie einschlagen, um dieser Schwierigkeit aus dem 35Bege zu gehen, ist nicht gangbar. Da ginge es schon eher zn bestimmen, daß Wahlkreise von der und der Größe so und so viel Delegirte entsenden dürften. Stollen- Hamburg: Es ist wunderbar, daß von Berlin so merkwürdige Anträge kommen. Dieser Antrag ist unannehmbar, denn die jetzt bestehende Ungerechtigkeit wird dadurch nicht ver- ringert, sondern vergrößert. Die kleinen Kreise, die nicht ver- treten sein können, kommen dadurch zu kurz. Es läßt sich kein Berechnungssystem durchführen, also bleiben wir vorläufig bei dem alten System. Wenn Sie wirklich gerecht sein wollten, so müßten Sie bestimmen, daß jeder Wahlkreis im Verhältniß zur Zahl der abgegebenen Stimmen Delcgirte entsendet. E m m e l- Saarbrücken: Die Berliner haben am aller« wenigstens Ursache sich zn beklagen. 34 Berliner sind anwesend (Unruhe). Offenbar verstehen sie es sehr gut, sich aus den umliegenden Wahlkreisen Mandate zu verschaffen(Widerspruch). Die großen Wahlkreise sind immer gut vertreten. Ein Schlußanirag wird angenommen. Der Antrag 5 wird in seinem ersten Theile angenommen, im zweiten abgelehnt. Ueber Antrag 19 und 11 wird zusammen debattirt. Antrag 19 begründet Hering- Flensburg: Es läßt sich nicht verkennen, daß über den Satz„Religion ist Privatsache" verschiedene Auffassungen bestehen. Ost verbietet man mit diesem Satze überhaupt alle Diskussion Über die Religion. Ich persön- lich habe diese Auffassung. Um nun Stegmüllereien in Volks- Versammlungen zu vermeiden. wünscht man eine Klärung der Frage. Ich werde vorschlage», die Worte„Religion ist Privatsache" einfach zn streichen. Darüber ist kein Zweifel, daß sich eine theologische Auffasfuiig mit der sozialistischen materialistischen Geschichtsausfassung nicht verträgt. Aber wir sind eine demokratische Partei und verlangen für alle volle Gewissensfreiheit. Aber da dieser Passus immer von neuem zu Mißverständnissen Anlaß giebt, so möge man ihn auch einmal ändern. Wir wollen auch für uns im Interesse der materialistischen Auffassung volle Freiheit, die uns jetzt verwehrt ist. Metzger und Gen. beantragen, über Antrag 19 und 11 zur Tagesordnung überzugehen. Nachdem Thierbach für diesen Antrag gesprochen hat, wird er angenommen. Antrag 12 ist durch de» Beschluß in der Agrarfrage erledigt, ebenso Antrag 15 und 17. D e p p e regt an, über alle Zluträge ans Aenderung des Programms zur Tagesordnung überzugehen. Singer widerspricht dieser Anregung. Die Anträge 13 und 16 finden nicht die nöthige Unter« stntzung. Antrag 14 wird zurückgezogen. Zu Antrag 39 reicht die Unterstützung nicht aus. Zur Diskussion gelangen die Anträge 51 bis 58. Antrag 51 findet nicht die ewihige Unterstützung. Antrag 52 begründet Hoch: Der Antrag ist ein Zweck- Mäßigkeitsantrag. Wenn der Parteivorstand, in Eile zusammen- tritt, sollen die Konlrolleure bei einem halben Tag Eisenbahnfahrt Berlin erreichen können. Zluch Sparsamkeitsgründe sprechen dafür. Die Berliner wolle» nicht, daß alle Kontrollcure aus Berlin genommen werden. Auch die nächstliegende» Wahlkreise sollen Kontrolleure stelle». Berlin ist übrigens durch 15 Dele- girte vertreten, nicht durch 34, wie Emme! behauptete. Es ist nicht gesagt, daß Berlin immer Ort des Parleivorstandes sein muß. O e r t e l- Nürnberg bekämpft den Antrag. Wenn die Kontrolleure nur die Quittungen zu kontrolllie» hätten, so wäre der Antrag angebracht, weil dann unnölhige Reisekosten vermieden werde». Thalsächlich aber hätte» die Kontrolleure auch viel in der Provinz zu lhun; die Kostenersparnng sei also eine sehr ge- ringe. Die Berliner bringen es durch ihre Anträge so weit, daß niemand sie ernst nimmt.(Widerspruch.) Ein Berliner Antrag, der angenoinmen wird, sei als Rarität zu betrachten. Schoenlank: Die Berliner Äluträge gehe» auf jedem Parteitag so zahlreich ein, daß ich nicht veistehe, wie die Berliner immeriort von Bescheidenheit reden können.(Zuruf: Sozialistische Agrarier!) Ja, die sozialistischen Agrarier haben sich allerdings einer großen Bescheidenheil befleißigt. (Oho!) Arons hat seinen ersten Antrag, der so glanzeud durchfiel. damit begründet, daß es doch ein sehr be- scheidener Aulrag sei, und doch beantragte er nicht weniger, als in der Partei das Zensuswahl-Systeni einzuführen. (Sehr richtig!) Jetzt wollen es die Berliner dahin bringen, daß die Kontrollkommission eine Redenabtheilung der Berliner Preßkommission wird. Es. giebt aber doch neben Berlin auch noch einige Dörfer, die sogenannte Provinz. Freilich ist Berlin die Sonne der Intelligenz, sclbstveiständlich! Aber die.Berliner sollte» doch jetzt auf dem Parteilage zeigen, daß sie auch würdig sind, der ganzen Partei zu prästdire». Aber die Delegirten in der Provinz sage» doch, daß die Berliner noch viel zu lernen haben. Ein Antrag, über Antrag 52 zur Tagesordnung überzugehen, wird von B e i»i s begründet, von Bebel bekümpst und ab- gelehnt. B r e c o u r- Kiel: Wenn die Berliner sich über die uuge- nügende Berücksichtigung� ihrer Antrüge beschweren, so dürfen sie den Grund hiersür doch nicyt verkennen. Er liegt darin, daß die meisten Berliner Anträge darauf hinauslaufen, den Berlinern Vorrechte z» verschaffe». So auch hier. Die Kontrolleure haben wichtige SKechte; unter anderen das Recht, Vakanzen im Vorstand zu besetzen. Dies Recht können wir den Berlinern nicht überlassen. (Schluß auf der letzten Seite des Hauptblattes.) Berantwortlicber Redakteur: Krifc Kuuert. Schönebera-Berlin. Für den Jnkeralentheil verantworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblaii. Ur. 239. Sonnabend» den 12. Oktober 189 3%. ie hinZtza i lä. Jahrg. Noksrles. Parteigeuosse» l Arn Freitag, den 8. Noveinber finden in vierzehn 5kolMnunal-Wahlbezirken der 3. Abtheilung Neuwahlen für die Berliner Stadlverordueten-Versainmluug statt.— Es gilt auch hier wieder, die bereits innegehabten Sitze zu verth eidigen, sowie neue für die Sozialdemokratie der Reichshauptstadt zu erobern. Um die Agitation recht erfolgreich zu gestallen, findet am nächsten Sonntag, früh �/eS Uhr, eine Flugblatt- Verbreitung für ganz Berlin statt und ist zahlreiche Ve- theiligung Eurerseits erforderlich. Die Verbreitung der Flug- blütter geht von den in jedem Kreise bekannten Lokalen aus. Die Vertrauenspersoneu. Ten Parteigenossen des sechsten IteichstagS-Wahl- kreiscs zur Nachricht, daß die Listen für die Kommunal- w a h l e n bei folgenden Parteigenossen eingesehen werden können: Für den 33. Kommunal-Wahlbezirk bei Witzel, Acker- straße 145, für de» 35. Kommunal- Wahlbezirk bei Rosenthal, Granseerstr. 8, für den 42. Konimunal- Wahlbezirk bei Tausche!, Grenzstr. 4, Raschle, Hochstr. 32, Haferland, Bellermannstr. 87, Wolframui, Prinzen-AUee 21. Ter Vertrauensmann: C. Helbig. Achtnug, fünfter Wahlkreis! Die Parteigenossen werden aufgefoidert, sich am Sonntag Morgen 7 Uhr zur Verbreitung eines Flugblattes in den Lokalen Hirlenstr. 10 und Louisenstr. 5 zahlreich einzufinden. Die Vertrauensperson: P. Hübuer, Augusistr. 19. Unser Kollege Pöhsch ist Donnerstag ziemlich unverhofft ans der Redakteurheimstätte Plötzensee wieder in die preußische Freiheit zurückgekehrt. Nach menschlicher Berechnung war die Gefaugnißiihr für ihn erst am 10. Dezember dieses Jahres abgelaufen. Man denke aber nicht, daß unser wackerer Genosse seine plötzliche Haftentlassung irgend welcher Gnade zu danken hat, so etiva der, daß man ihm wegen „guter Führung" einen Theil seiner Strafe schenkte. Geschenkt worden ist ihm auch keine Viertelstunde und wegen „guter Führung" werden in preußischen Gefängnissen unter Umständen zwar Diebe und Gauner vor der Zeit freigelassen, aber keine ehrenhaften Männer, die als Sozialdcmvkraten um ihrer Ueberzeugung willen ins Loch gesteckt worden sind. Sozial- demokraten verlangen bekanntlich auch keine derartige Gnade. Die Angelegenheit unseres Pötzsch verhält sich so, daß er unter anderem wegen Beleidigung der Saarbrückcr Bergbehörde, die er als Redakteur des„Vorwärts" verübt habe» soll, zwei Monate abzubüßen hat. Mit ihn» war auch der Einsender der für beleidigend gehaltenen Notiz ver nrtheilt worden. Dieser hatte Revision gegen das Erkenntniß eingelegt, wogegen Pötzsch dieses Rechtsmittel nicht gebraucht halte; wegen der noch unerledigten Revision aber liegen auch die Akten in Sachen Pötzsch noch beim Reichsgericht in Leipzig. Nun wird in der königlich preußischen Jnsiizbureaukratie ein Mensch vhue Akte», und sei er auch Sozial demokral, überhaupt nicht als cxistircnd belrachlet; Pötzsch war in Abwesenheit eines Gerichlserkcuulnisses Lust ge- worden; die Strafvollstreckung mußte unterbleiben und der Preß- süuder erhielt, nachdem seine übrigen Strasthatcn abgebüßt waren, eine Ordre zugestellt, welche seine Ausweisung aus Plötzensee zu Donnerstag verfügte. Diese Maßregel kam unserm Kollegen insoweit ganz gelegen, als seine junge Frau ihn gerade in der Nacht, die auf seine Haftentlassung folgte, mit dem Erstgebornen beschenkte. Möge der Junge ein ebenso unerschrockener Sozialdemokrat werden, ivie es sein Vater ist. Auster von seinem Chefredakteur Dr. Leipziger muß das„Kleine Journal" die von ihm gebrachte Verlegcnheitslüge, daß unsere Mitlheilung über das famose Duell von Anfang bis zu Ende erfunden sei, jetzt auch von den beiden„Karlellträger»", den Herren Skowronnek und Dr. M e r I e k e r desavouiren lassen. In einer langathmigen Erklärung, welche diese Herren der bürgerlichen Presse haben zugehen lassen, steht folgen- des zn lesen: Herrr Dr. Leipziger hatte die Unterzeichneten gebeten, Herrn Rechlsanwalt Löwenstein zur Rede zu stellen. Die Unterzeichneten begaben sich an, Mittwoch, den 2. d. M. in das Bureau des Rechlsanivalts L. Inder mehr als eine halbe Stunde währenden Erörterung erklärte Herr Rechtsanwalt L., daß er sich bei Ab- fassiing der Klageschrift der darin enthaltenen Beleidigung wohl bewußt gewesen sei, es aber ablehnen müsse, dieselbe zurück- zunehmen. Rechtsanwalt Merleker ist im weiteren Ver- laufe dieser Angelegenheit nicht mehr thätig gewesen. Der Schriftsteller Sk. ersuchte Herrn Rechtsanwalt L. noch einmal, die Beleidigung zurückzunehmen, und als dieser eine be- stimmte Erklärung verweigerte, st e l l t e er ihm im Auf- trage des Herrn Dr. Leipziger eine Pistolen» f o r d e r u n g. Rechtsanwalt Löwenstein lehnte diese Forderung ab. Einige Tage später erhielt Skowronnek ei» Schreiben des Rechtsanwalts Löwenstein, in welchem derselbe um eine Forlsetznng der Verhandlungen bat,„weil ihm jetzt an der sachgemäßen Erledigung des Falles gelegen sei." Durch ein Miß- v e r st ä n d n i ß ist das Antwortschreiben des Rechtsanwalts Löwenstein an seinen Bevollmächtigten e r st am D i e n st a g Abend in die Hände des unterzeichneten Skowronnek gelangt. Dieses Schreibe» enthält an erster Stelle eine Ehren- e r k l ä r u n g für Herrn Dr. Leipziger und, falls dieselbe nicht für genügend erachtet werden sollte, die Bitte um Berufung eines Ehrengerichts. Im Falle der Ablehnung beider Vorschläge er- suchte Herr Rechtsanwalt Löwenstein um'sofortigen Austrag der gestellten Forderung bis Montag Nachmittag 4 Uhr. Es ist nicht unsere Sache, zu ergrübeln, durch welches„Miß- verständniß" der Brief des Herrn Dr. Löwenstein, der die Duell- keilerei hintertreiben sollte, erst am Dienstag Abend in die Hände des Herrn Skowronnek gelangt ist. Nach allem mußte der geforderte Dr. Löwenstein im Ernste annehme», daß Dr. Leipziger ihn am Montag Stachmittag beschießen wollte. Wir brauchen wohl kaum zu erklären, daß die Existenz des Briefes in der un- glaublich thörichten Geschichte, die Herr Dr. Leipziger sich in einem Anfall von Renommirjücht eingebrockt hat, uns nicht be- kannt war. Znr Umtaufungs-Augelegeuheit schreibt die„Deutsche Tageszeitung": Der„Vorwärts" glaubt, daß durch die Um- nennung der Sache die Angeklagten Pfund und Raulmann ihren ordentlichen Richtern entzogen worden seien.— Wenn diese Auf- fassung vielleicht auch nicht zutrifft, so bleiben wir doch bei unserer Meinung, daß es dringend nothwendig sei, öffentlich zu erklären, aus welchen Gründen die Umnennnng erfolgt sei. Sollte nian die alphabetische Ordnung als Ursache ins Feld führen,� so würde dagegen zu erinnern sein, daß man schon bei der ersten Bezeichnung der Sache hätte wissen müssen, daß der Buchstabe D dem Buchstaben P im Alphabet vorangeht. Im Interesse des vollen Vertrauens in unsere Rechtsprechung wäre eine baldige Ausklärung nicht»ur erwünscht, sondern geboten. Koloniales, vielen Pflanzern im Südosten winkt die Trennung, wenn auch nicht gerade vom Liebsten, so doch von etwas, iras ihnen stark ans Herz gewachsen ist, nämlich von ihrer Kolonie Lohmühlenstr. 18—22. Das Leben eines Lauben besitzers oder Pflanzers hat seine Licht- und auch seine Schatten feiten. Die Lichtseiten kennen zu lernen, war den Kolonisten der Lohmühlenstraße in reichem Maße vergönnt ge wesen. Die Kolonie umwebte das rosige Band erhebender Harmonie und die Kolonisten thaten sich zusammen zu dem bekannten„Pflanzer-Verein Südost", der bei alle» Partei-Aulässen von seinem Dasein rühmliche Kunde gicbt und dessen Kranz am 18. März aus den Gräbern der Märzgefallenen stets anzutreffen ist. Doch wo viel Licht ist bekanntlich auch viel Schallen und auch an den Rosen der kleine» Lohmühlenstraßen-Jdylle trangen gar bald die Dornen des häßlichen Materialismus in bnitäler Weise hervor. Der Grund und Boden der Kolonie ist ei» etliche Morgen großes Terrain, welches anfangs als Gärtnerei verwerthet wurde,"jetzt aber, so lange die Bauspekulalio» es noch nicht an sich reißt, als Laubenkolonie verwendet wird. Die einzelnen Pflanzer empfangen ihr„Land" erst ans zweiter Hand. Zwischen ihnen und dem Besitzer steht eine Mittelsperson in Gestalt eines Generalpächters, welcher das ganze Terrain parzellirt wieder an Unterpächter vergiebt. Das Nützliche einer solchen Generalpacht sollten die Pflanzer in der Zeit des drei jährigen Bestehens der ktolonie ziemlich deutlich verspüren, denn während die Ruthe Land im ersten Jahre 55 Pf. Pacht kostete. wurde der Pachtzins im zweiten Jahre bereits auf 70 Ps. und ini dritten Jahre gar auf 90 Ps. hinaufgeschraubt. Der General Pächter des in Rede stehenden„Landes" ist Herr Restanrateur C. Wanzlick, Görlitzerstr. 35, welcher seine Rechnung nicht ohne den Wirth gemacht hatte. In der Kolonie herrschte ein Leben �.wie im Sommer". Bei der Arbeit gab es Durst und besonders en Sonntagen, wenn die Familien und Freunde und Be kannten alle draußen waren, wnrde etwas konsumirt, daß jedem Restanrateur das Herz im Leibe lachen mußte. So lange das Geschäft so blühte, waren General- und Unterpächler ein Herz und eine Seele, denn der Generalpächter war natür- lich auch privilegirter Laubenbudiker. Das Geschäft erlitt aber schließlich einen Stoß und man kann sich darüber eigentlich nicht wundern. Nach den durch aus glaubwürdigen Versicherungen der Pflanzer sollen nämlich die„Weißen" mit dem„blauen Heinrich" eine frappante Aehnlichkeit gehabt haben. Mit dem Stachlassen des Konsums lockerte sich auch daS bisherige harmonische Verhältniß, welches sich schließlich derartig zuspitzte, daß der Gcneralpächter plötzlich und ganz unerwartet seine Unterpächtcr kündigte und ihnen ans gab, zum I. Oktober im wahren Sinne des Wortes„das Feld zu räumen". Ueber diese harte Maßregel herrscht natürlich große Empörung und das wohl mit recht, denn die Pflanzer. welche doch nur Proletarier sind, haben in ihre„Besitzung" viel Geld und Arbeil hineingesteckt. So eine Laube kostet 00 bis 100 M., dazu kommt noch der Plantagenbestand, die Arbeit und die Früchte derselben, die Winterfrüchte, die durch die Kündigung im Stiche gelassen werden sollen. Vielfach liefen die Pachtkonlrakle zum I. Oktober ab und eine Erneuerung derselben war erfolgreich verhindert worden. So stehen viele Pflanzer vor einem argen Dilemma, denn der Umzug einer Kolonie ist nicht wie aus einer Schlasstelle in eine andere. Diejenigen, deren Kontrakte über den l. Oktober hinaus dauern, wollen ja auf ihren Schein vorläufig bestehen, indessen wird der ganze Berein dem ungastlichen Gast wirth den Rücken kehren und sich eine andere Niederlassung suchen. Das Band der Solidarität verbindet die Pflanzer nach wie vor und Prositsucht ist nicht im stände, dieses Band zu lockern. So hat die Organisation auch in dieser Gestalt sich wohl bewährt und der„Pflanzer-Verein Südost" wird hoffentlich eine andere Heimstätte finden, wo er seine Lauben bauen kann. Die katholisch-kapitalistische„Germania" ist bekanntlich das allerchristlichste Blatt in Berlin und weiß nicht genug in Entrüstung zu machen, wenn von irgend einer Seite das i l i g e Sakrament der Ehe profanirt wird. Die srÄume„Germania" scheint aber darin dem schmutzigsten Prostitutionsblältche» aufs Haar zn gleichen, daß ihre Kampf- begier für Religion, Ordnung und Sitte dort Halt macht, wo das Geschäft in Frage kommt, nämlich vor dem Inseraten- theil. Dort gab sich die„Germania" am Freitag Morgen geschäftig der folgenden Verkuppelung hin: Baldige Heirath? Junger Kausm., 26 I. alt, Mitinhaber eines Manufaktur- waaren-Geschäfls, sucht anderer Unternehmungen halber die Vek. einer ver m. j. Dame mittler Figur im Alt. v. 20—25 I. Adr. nebst Photogr. erb. bis 15. d. M. unter I. 9518 a. d. Ezped. d. Bl. Diskretion selbstverständlich. Das„Heirathsgcsuch" paßt ja herrlich zur kirchlichen Heilig- keit der Ehe. Kein neuer Polizeifriihling. Die auch von uns gestern nach der„Nordd. Allg. Ztg." gebrachte Polizeiverfügung, welche de» Schutzleuten ei» anständiges Verhalten bei Sistirungen zc. einschärft, enthält nach der„Verl. Ztg." nichts als olle Kamellen. Dem Verbreiter der Nachricht, so schreibt das Blatt, scheint nicht bekannt zu sein, daß den Schutzleuten diese Verhaltungsmaßregeln regelmäßig in jedem Monat in Erinnerung gebracht werden. Frei- lich nicht immer mit dem nämlichen Erfolge. Adolf Ttreckfnst, zumeist bekannt als Geschichtsschreiber der Stadt Verlin, ist am Freilag in Berlin gestorben. Slreckfuß, der eine zeitlang auch das Amt eines Berliner Stadtraths be- kleidete, ist ein„Sllt-Berliner" gewesen. Er entstammt einer preußischen Beamtenfamilie, wnrde aber schon als junger Mann von 24 Jahren in die Bewegung des Jahres 1848 hineingezogen, und mußte so den Lehrerberuf, den er einschlagen wollte, aufgeben. Er wurde Kaufmann und wandte sich in reifen Jahren dann der literarischen Thätigkeit zu. Populär geworden ist er namentlich durch sei» Buch„Fünf- hundert Jahre Berliner Geschichte"(Vom Fischerdorf zur Welt- stadt). Ein tiefgründiges Werk ist dies Buch wohl nicht, und so manches in der Entwickelnngsgeschichte Berlins, wie es in den historischen Bildern von Streckfuß in lehrhafter Breite dargestellt wird, kann vor modern- geschichtlicher Forschung nicht mehr Stand halten. Streckfuß veröffentlichte außerdem in den siebziger Jahren einige Romane. In der letzten Zeit war Slreckfuß, der an einem chronischen Lungenleiden ertrankt war, schweigsam geworden. Ab und zu erschienen iin Feuilleton liberaler Berliner Blätter noch Erinne- rungen eines Alt-Berliners von ihm. In der Sitzung der Rixdorfer Gemeindevertretung, welche am Donnerstag Abend stattfand, theilte Amtsvorsteher Bovin zunächst niit, daß die Eröffnung des neuen Rixdorfer Bahnhofes am Freitag, den 18. d. M. stattsinden werde. Am Abend vorher soll das für den Ort außerordentlich wichtige Er- eigniß durch ein Festesse» gefeiert werden. Ferner theilte der Vorsitzende mit, daß die Pferdebahn ihre Linie wieder bis zum Bahnhof legen werde, nachdem sie sich bezüglich der Haltestelle mit der Eisenbahnverwaltung geeinigt habe. Hierauf wurde in hinZ� und mit der definitiven Genehmigung des Vertrages endete?' Infolge der vorgeschrittenen Zeit mußten alle übrigen Punkte, u. a. auch die Amtsniederlegung der 7 sozialdemokratischen Gemeindeverordneten wegen der Sedanfeier, bis znr nächsten Sitzung vertagt werden. Die Pferdebahtilinie durch die Prenzlauerstraße nach Weißensee soll am 25. Oktober eröffnet werden. Die Fahrgeschwindigkeit der elektrischen Bahn auf dem Gesnvdbrunnnen ist infolge der Unglücksfälle auf der Strecke Badstraße— Soldinerstraße erheblich herabgesetzt worden, ohne daß hierdurch die Unglücksfälle an und für sich aufgehört haben. Letztere sollen vielfach durch den Leichtsinn der Kinder hervor- gerufen werden, welche sich trotz aller Ermahnungen in den Schulen bei Annäherung der elektrischen Wagen aus das Geleise stellen. Auch wird von den Beamten der elektrischen Bahn darüber Klage geführt, daß die Kutscher der Privatfuhrwerke, anstatt den breiten Fahrdamm der Prinzen- Allee zn benützen, das Gespann auf das Schiencngeleise lenken und erst im letzten Augenblick kurz vor dem elektrische» Wagen dasselbe verlassen. Um allem diesen Unfug zu steuern, sind seitens der Polizei auf der Prinzen-Allee zahlreiche Schutzmannspatrouillen ansgesiellt worden. Taö neue Postamt Nr. 41. in der Kursir. 18 und 19 hat sich bereits als viel zu klein erwiesen. Es dient hauptsächlich der Annahme von Packeten und wird von den Geschäften jener ver- kehrreichen Gegend stark in Anspruch genommen. Die Hausdiener der Geschäfte führen lebhafte Klage darüber, daß es an Raum für die Packete mangelt. Es wird dringend gerathen sein, vor der Weihnachtszeit Abhilfe zu schaffe». Der Direktor der Nationalgallerie, Herr Jordan, soll angeblich aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amt zurücktreten wollen. Als seine muthmaßlichen Nachfolger nennt der„B. B.-C." die Herren Direktor Wörmann in Dresden, Alfred Lichtivark in Hamburg und Richard Muther in Breslau. Der Universitätszopf. Die feierliche Uebergabe des Rektorats wird am Dienstag, mittags 12 Uhr, in der Aula be- gangen. Der bisherige Rektor, Professor Pfleiderer, erstattet den Jahresbericht und übergiebt alsdann die Jnsianien seines Amtes dem Nachfolger Geh. Rath Adolf Wagner. Nach Ablegung des Eides hält der neue Rektor seine Antrittsrede. Ans dem Franengefäiignis? in der Barnimstraße sind in der gestrigen Nacht drei Arbeitshäusler aus Rummels- bürg entsprungen, die kurz vorher zur Dienstleistung in das ge- nannte Gefängniß überführt worden waren. Es wird über den Vorfall gemeldet: Die Männer, die soeben in das Portal der Anstalt eingetreten waren, machten plötzlich Kehrt und flüchteten in verschiedenen Richtungen davon. Der erste Ausreißer wurde »ach wenigen Minuten von dem nachfolgenden Transporteur eingefangen; der zweite Flüchtling eilte nach der Gollnowstraße zn, stieß hier aber auf den Kriminalbeamten Streese- mann, dem es jedoch nicht gelang, den ihm an Körperkräften weit überlegenen Flüchtling aufzuhalten, der nun unterstützt von einer zumeist ans Zuhältern und Dirnen bestehenden Menge die Landwehrstraße erreichte. Der nacheilende oben erwähnte Beamte gab fortwährend Nothsignale und darauf hin eilten Gäste des in der Landwehrstraße 5 belegenen Schügner'schen Lokals heraus, die den Sträfling stellten. Die Gruppe aber wurde ihrerseits von dem nachfolgenden Gesindel umringt, das drohend die Freigabe des Flüchtlings forderte. In diesem kritischen Augenblick trafen acht Schutzleute ein, denen es gelang, die Zuhälter auseinander zu treiben. Die beiden Wieder- ergriffenen wurden nach dein Frauengesängniß zurückgebracht, während der dritte Sträfling entkommen war und zwar nach dem Friedrichshain. Die Anlagen desselben wurden zwar als- bald abgesucht, doch ohne Erfolg. Ei» Idyll aus dein Militärstaat. Eine nicht krepirte Granate mit Zünder fand Dienstag früh der Arbeiter G. der iebenten Bau-Jnspektion am Görlitzer Ufer beim Ausgang der Wrangelstraße. G. hatte den Auftrag, den am Zann der Heck- mann'schen Fabrik liegenden und am Tage von zahlreichen Kindern zum Spiele» benutzten Kies auf einen Haufen zu schaufeln. Dabei stieß der Mann aus einen Gegenstand in Größe einer Weißbierkrnke. Sofort erstattete er Anzeige beim Portier der Fabrik. Dieser erkannte in dem Gegenstand eine Granate. Nun lief der Arbeiter zur Polizeiwache in der Cuvrystraße und er- stattete dort Anzeige, Wie die Granate an den Ort gekonunen sein mag, ist, wie die„Märkische Volks-Zeitnug" mittheill, noch nicht ermittelt. Als ein Wunder ist es zn betrachten, daß die zahlreich dort spielenden Kinder das Geschoß nicht fanden, sonst wäre ein schreckliches Unglück unvermeidlich gewesen, da der Zünder noch daransteckte. Vermißt wird seit einigen Tagen der kaiserliche Bau» Jnspeklor im Auswärtigen Amte F. A. Schran. Herr Schran hat sich Anfang des Monats ans seiner in der Linkstraße belegenen Wohnung entfernt, ohne sein Reiseziel anzugeben. Das Auswärtige Zlmt hat, wie der„Lokal-Anzeiger" berichtet, die Kriminalpolizei benachrichtigt, welche durch ihre Organe, da mit der Möglichkeit eines Unglücksfalls gerechnet wird, den Vermißte» suchen läßt. Bisher sind diese Bemühungen freilich erfolglos geblieben. Wege» der Schieuenlegnua für die elektrische Bahn in der Ritter- und Reicheubergcrstrape ist die Omnibuslinie Neues Thor-Reichenberger- und Liegnitzerstraßen-Ecke bedeutend ver- kürzt und auch sonst abgeändert worden. Der Omnibus läuft gegenwärtig nur bis zum Kottbuser Thor und geht statt durch Zie Junker- und Ritterstraße durch die Koch-, Oranien- und Dresdeuerstraße. WitterungSübersicht vom 11. Oktober 1805. Wettcr-Proguose für Sonnabend, den 12. Oktober 1895. Kühles, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter mit Schlußberathung des Vertrages mit dem Konsortium der etwas Regen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Elektrischen Vorortbahn eingetreten, welche sich über 3 Stunden I Berliner W e t t e r b n r e a u. GeriÄzks Durch«»vorsichtiges Umgehen mit einer Schußwaffe ist ein höchst betvübenDer Unglücksfall geschehen, welcher gestern vor der dritten Strafkaunner des Landgerichts I zur Sprache kam. Der löjährigc Arbeitsbursche Gustav Lud icke war be- schuldigt, seinen LI jährigen Binder, den Hausdiener Ernst Liidicke, durch Fahrlässigkeit erschossen zu baben. Beide Bruder waren in dem Geschnst des RestnurateurZ Schulz im sogenannten „Mehlhanse" am Kantianplatz bedienstet. Auf dem'Hofe des weitläufigen Gebäudes trieb sich im Sommer eine verwilderte Katze umher, welche besonders den Tauben nachstellte. Der ältere Bruder gab dem jüngeren das Geld zum Ankaufe eines Teschin sie ivollten versuchen, die Katze zu erschießen. Am Nachmittage 6. August wollte der Angeklagte, in dessen Gesellschaft »och ein 13 jähriger Knabe befand, die Schußwaffe pi Der letztere hatte die Waffe geladen und stand in dem halse, um von hier aus auf den Hof zu schießen. In Augenblicke rief der i>n Keller stehende Angeklagte:„Frach'Schnlz kommt!" Diese durfte von dem Schießen nichts wiHen, der Knabe reichte die geladene Waffe dem Angeklagten zn, der sie ebenso schnell im Keller so hinlegte, daß sie nicht in die Augen fiel. Nach einigen Stunden kam der Bruder des Angeklagten nach dem Keller, um Weißbier heraufzuholen. Der An- geklagte wollte ihm den Teschin zeigen. wobei er diej Mündung gegen den drei Meter von ihm entfernte» Bruder hielt. Dieser rief noch:„Laß den Unsinn sein!" In demselben Augenblick entlud sich die Waffe, deren Hahn der Angeklagte unvorsichtiger Weise berührt halte. Das Geschoß drang dem Ernst Lüdicke oberhalb des linken Auges durch die Stirn ins Gehirn. Ter Getroffene stürzte bewußtlos zu Boden, er ist nach einer Stunde verstorben. Der unglückliche Thäler war ver- zweifelt. Er behauptele im gestrigen Termine, daß er geglaubt habe, der Hahn sei abgestellt geivescu. Ter Staatsnnwalt be- ontragte eine Gefängnißstrafe von einer Woche, während der Bertheidiger, Rechtsanwalt H e r z f e l d, nicht eine Fahrlässigkeit, sondern nur eine Verkettung unglücklicher Zufälligkeiten für vorliegend erachtete und deshalb Freisprechung beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf drei Tage G e f ä n g n i ß. Daß der Nichter die 5?osten eiucs Termins zn zahlen hat, dieser seltene Fall ereignete sich, nach der„Rixd. Ztg.", kürzlich am Landgericht II. Die Zeugen wurden vorgerufen, und es wurde ihnen eröffnet, daß sie nach Hause gehen könnten, da eine Einigung der beiden streitenden Parteien stattgefunden hätte. Später stellte es sich heraus, daß ein diesbezügliches Schreiben zweier Rechtsanwälte irrthümlicherweise in die Akten der betreffenden Sache gerathen war. Als der Richter seineu Jrrthum entdeckte, war der Kläger bereits nach Hause gefahren, und es blieb nichts übrig, als einen neuen Termin anzuberaumen, nachdem der Vorsitzende erklärt hatte, daß er die Kosten des Termins zn tragen habe. Lustbarreitssteuml sind eine Einrichtung, durch wclckX � den Rheinländern ihr leichter Sinn etwas gedämpft werden soll�}' Wie viele andere Gemeinden im schönen Rheinland besitzt auch�b Köln ein Regulativ, das sich in mütterlich wohlwollender Weise mit den Lustbarkeiten in der Stadt befaßt. Darinnen heißt es u. a., daß für die im Bezirke der Stadt Köln stattfindenden öffent- lichen Lustbarkeiten städtischerseils zu Armenzwecken Abgaben erhoben werden, daß z. B. für die Veranstaltung von Tanzbelustigungen in größeren Sälen, welche bis über 11 Uhr abends hinaus dauern, 20 M. zn entrichten sind. Durch eine weitere Bestimmung werde» den öffentlichen Lustbarkeiten diejenigen gleichgestellt, welche von Vereinen oder Gesellschaften veranstaltet werden, die zu diesem Behufe gebildet sind. In ihren heiligsten Gefühlen arg verletzt fühlten sich die würdige» Repräsentanten der Lesegesellschaft, deren sich die alte Rheiustadl erfreut, als ein hochwohllöblicher Magistrat sie einfach derartigen Gesellschaften einreihte und von ihnen verlangte, für die Veranstaltung von drei Gesellschafls- abenden— 6. Oktober, 3. November und 2. Dezember 1894 ja 20 M. zn berappen. Da der Einspruch dagegen vergeblich war, erhob man Klage. Der Vorstand der Lesegesellschaft berief sich auf Z 1 und 2 des Statuts, um darzuthun, daß der Zweck der Vereinigung ein sehr edler sei und durchaus nicht auf die Veranstaltung von Lustbarkeiten abziele. Danach werde bezweckt die Förderung geistiger und sittlicher Bildung, die Pflege patriotischer Gesinnung, die Bekämpfung reichsfeindlicher Be� strebnngen:c. Als Mittel dazu werden angegeben Vor träge, Vorlesungen, die Verbreitung patriotischer Schriften, törderung der Volksbildung, Einrichtung einer Bibliothek, eranstnltung und Unterstützung der Feier patriotischer Gedenk- tage n. f. w. Den Hinweis des beklagten Oberbürgermeisters auf eine ganze Reihe von Veranstaltungen, welche zum theil neben Genüsse» mehr geistiger Natur auch Gelegenheit zu anderen Vergnügen, z. B. dem Schwingen des Tanzbeines, Gelegenheit boten, beantwortete der Vorstand der Klägerin damit, daß sich die Verfolgung ethischer Zwecke nicht ohne Anschluß an die pflege der Geselligkeit denken lasse. Letztere werde deshalb noch lange nicht zum Hauptzweck. Der Bezirksausschuß wies die Klage» der Lese- zesellschafl zurück. In der Begründung des Urtheils führte er aus, daß es bei der Feststellung des Zweckes eines Vereins auf die Proklamationen im Statut desselben viel weniger ankomme, als aus die thatsächlicke Hebung des Vereins. Diese spreche hier aber zn gnnsten der Verfügung des Beklagten, durch welche die Klägerin zu den Lustbarkeitsabgaben herangezogen worden sei. Die Menge der von der Lesegesellschaft im Jahre 1894 ge- boteuen Lustbarkeilen habe das Gericht zu der Annahme be- wogen, daß ein wesentlicher Zweck des Vereins die Veranstaltung von solchen bilde. Die Erfolge der Wirksamkeit des Vereins auf ethischem Gebiete würden damit gav nicht bestritten; dem Hinweis auf sie sei aber entgegen zu hallen, daß die gewissenhafte Bemühung um de» einen Zweck keines- wegs die gleichzeitige Verfolgung des anderen ausschließt. Vollständig unerheblich seien die Motive zur Veranstaltung der Lustbarkeiten, der Charakter einer Festlickckeit als einer Lust- barkeit werde durch sie nicht geändert.— Der zweite Senat des Ober-Ver w a l t u n g s g er i ch ts bestätigte am 9. Oktober diese Entscheidung. Wegen Unterschlagung eines Check- Briefes stand beute der Posthilssbote Gustav T h a u vor der 8. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Der Angeklagte ist erst im Sommer d. I. wegen eines dreisten Postdicbstahls zu 2 Jahren 9 Monaten Eefänguiß verurtheilt worden. In dieser Beleuchtung hat die Staats« auwaltschafl eine» Vorfall zum Gegenstände einer Anklage ge- macht, der im Jahre 1894 sich ereignet hatte. Um jene Zeit war bei dem Feldprobst Dr. Richter der Sohn eines Newyorker Rechts- anivalts Swecn in Pension. Der Vater des junge» Mannes schickte a» diesen im Juli v. I. einen Original-Cbeck und einige Zeit später, der Sicherheit wegen, ein Duplikat dieses Checks an de» Feld- probst Dr. Siichter. Ter Original-Check gelangle auch richtig in die Hände des jungen Sween, der bald nach Erhebung des Geldes von der Deutschen Bank in eine andere Pension über« siedelte. Im September erschien der Bruder des Angeklagten, Arbeiter Hermann Tbau, bei dem Feldprobst und über- reichte ihm den Duplikat-Cbeck mit der Angabe, daß er ihn auf dem Bahnhof Fricdrichstraße gefunden habe. Er hatte die Freude, daß ihm der Feldprobst für seine Mühewaltung einen Finderlohn von 10 M. bewilligte. Nachdem nun der Angeklagte wegen der begangenen Amtsunter- schlagung zu so hoher Strafe verurtheilt worden war, kam die Staatsanwaltschaft zu der Ueberzcngung, daß auch in diesem Falle der Angeklagte, der damals an der be- treffenden Brief- Ausferligungsstelle im Haupt- Postamt be- schäfligl war, auch den an Dr. Richter gerichteten Brief nnterschlagen habe. Es wird angenommen, daß der Angeklagte, nachdem er gesehen, daß er mit dem Dnplikats-Check nichts an- fangen könne, seinen Bruder da,n benutzt habe, um auf die be- schriebe»? Weise wenigstens einen„Fi»der"lohn herauszuschlagen. Der als Zeuge vorgeladene Bruder des Angeklagten verweigerte sein Zeugniß; nach dem Ausiveis der Akten hat er aber seinerzeit vor den« Untersuchungsrichter angegeben, daß er den Check von seinem Bruder erhalten habe. Trotzdem bestritt letzterer seine Schuld. Her Staatsanwalt hatte keinen Zweifel daran, daß es sich aucfcMt diesem Falle um eine Zlmtsunterschlagung handele und ez,?' beantragte deshalb zusätzlich noch ein Jahr Ge- fäwMi iß. Der Gerichtshof verurlheilte de» Angeklagten zu- säMch zn noch 4 Monaten Gefängniß. Lluch eine MajestätSbeleidignug. Eine bemerkenswerthe ntscheidung fällte am Donnerstag der 3. Strafsenat des 1 e i ch s g e r i ch t s. Vom Landgericht Erfurt ist am 8. Juni der verantwortliche Redakteur der„Thüringer Tribüne" wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. In der am 20. März dieses Jahres erschienenen Nummer jenes Blattes war milgetheilt worden, die Berliner Garnisonverwaltung habe auf Anordnung des Kaisers den Offizieren und Mannschaften das Rauchen Unter den Linden und in einigen angrenzenden Straßen ver- boten. Dann war hinzugefügt, bis zum 18. März 1848 sei den Bürgern das Rauchen überhaupt verboten gewesen, die März- stürme hätten aber das ebenso... In den eingeflochtenen Worten, die ein sozialdemokratisches Blatt nach dem Urtheil der Kammer Brausewetter nicht bringen darf, ohne sich der Gefahr einer Vernrlheilung auszusetzen, war die angebliche Majestätsbeleidigung enthalten.— Das Reicks- gericht erkannte auf A u f h e b u n g des Urtheils und verwies die Sache an das Landgericht Naumburg zurück. Die Gründe lauteicn: Es ist allerdings durch Ansleguug die thalsächliche Feststellung getroffen, daß der Artikel eine Majestätsbeleidigung enthalte und daß der Angeklagte bei seinem Bildungsgrade sich im allgemeinen der Tragweite der Aenßcrung bewußt gewesen sei. Aber es ist nicht mit genügender Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, daß der Angeklagte sich der Auffassung, die das Gericht von dem Artikel gehabt hat, völlig bewußt ge- wesen ist. Das Schtvnrgericht in Altona verurlheilte am Donnerstag den Sattler Mieczewsky ans Uetersen wegen zwölf in Uetersen und Umgegend begangener Brandstiftungen zu 10 Jahren Zucht- Haus. Der Knödel aus dem PolizeigefangenhanS. Aus Wien wird vom 9. d. M. berichtet: Bor dem Strafrichter des Bezirks- gerichts Neubau hatte sich gestern der Redakteur der„Volks- lribüne", Franz Schuhmeicr, wegen Verspottung der Behörde zu verantworte». Der Anklage ist folgendes zu entnehmen: Eines Tages war ini Schaufenster der Redaktion der„Volkstribüne" ein Porzellanteller, auf dem ein Knödel lag, ausgestellt. In dem Knödel fleckte ein Holzstäbche», das einen Zettel mit der Auf- . schrift trug:„Ein Knödel aus dem Polizeigefangenhause in der � Theobaldgnsse". Eine große Menge von Neugierigen hatte sich vor dem Schaufenster angesammelt und unterhielt sich ganz köstlich über das originelle Ausstellungsobjekt. Der Polizei-Agent I. Langer egab sich jedoch kurz darauf im Aifftrage des Polizeikoininissarials Neubau in die Redaktion der„Volkstribüne", um de» Knödel mit Beschlag zu belegen. Ter anivesendeNedakteurSchuhmeier widersetzte sich jedoch der Konfiskatlon mit den Worten:„Ter Knödel ist mein Eigenthum. Ich gebe ihn nicht her, und mit Gewalt können Sie ihn mir nicht nehmen!" Der Vorfall trug ihm die oben be- zeichnete Anklage zu. Bei der gestrigen Verhandlung erklärte sich Schuhmeier für nichlschuldig. Der Knödel sei ohne sein Wisse» in das Schaufenster gestellt worden und er habe davon erst Kenntniß erlangt, als der Detektiv bei ihm im Bureau erschien Auch bestreitet der Angeklagte, daß durch die Ausstellung des Knödels eine Verspottung der Behörde vom Thäter beabsichtigt wurde. Viel eher sei darin— eine Ermahnung an das Volk zu einem tadellosen Lebenswandel zu erblicken, um ja nicht in das Gesangendaus in der Theobaldgasse zu kommen, wo solche Knödel gemacht werden. Der kkonsiskation des Knödels Habesich der Angeklagte deshalb widersetzt,» eil der Polizeiagent keinen schriftlichen Austrag vorwies. Der Richter konnte in dem Bor- gehen des Angeklagten einen strafbaren Thatbestand nicht erblicken und sprach ihn frei. Sozinle DaS persönliche Verhält»!« der Aerzte zu de» VerufS- genosseuschaften ist, wie man uns schreibt, im Laufe der letzten Jahre nicht besser geworden, waS zwar eine gewisse Bürgschaft für unabhängige Urtheilsabgabe seitens des Arztes gewährt, aber in mancher anderen Beziehung nicht im Jnleresse der durch Unfall verletzten Arbeiter liegt. Ohne ans die sozusagen mit schiedsrichterlichen Bekugnissen ausgeslattete» neugebildeten Aerzte- kollegien und ähnliche Einrichtungen für Ober- Gut- achten näher eingehen zu wollen, sei hier des Haupt- Punktes gedacht, gegen den die Aerzte selbst lebhaft Front machen, nämlich daß in den Instanzen der Arzt nur insoweit zur Geltung kommt, als er sein schriftliches Gutachten abgegeben hat und in besonderen Fällen als Sachverständiger an Ort und Stelle geladen wird. Die Aerzte streben dahin, bei den Urtheilssprüchen aller Instanzen stimmberechtigt zu sein. Will man auch der Ansicht zuneigen, daß es sich bei diesem Strebe» zunächst weniger nm die gerechte Vertretung von Arbeiter- interefsen als um mehr persönliche Interessen handelt, so läßt sich doch nicht verkeniien, daß der ärztliche Rath bei der Zu- Messung der Enlschädignng. d. h. die persönliche Betheiligung des Arztes an den Spruchsitzungeu, von mindestens der gleichen Bedeutung ist wie diejenige richterlicher Beamten oder anderer Laien in medizinischen Fragen. Obwohl das Unfallversicherungs- Gesetz nunmehr zehn Jahre praktisch gehandhabt wird, weiß doch eine sehr große Anzahl von Aerzte», selbst solche, die mit Berufs- genossenschasten engere Fühlung haben, in der Schätzung des Grades der Erwerbsunfähigkeit nicht das rechte Maß zu halte». Zu viel als Entschädigung zu erhalten, in die Lage kommt der verunglückte Arbeiter bei unserer heutigen Unfallversicherungs- Gesetzgebung ja nie; aber der Drang der Berufsgenoffenschastcn, an den 3!enten zu sparen, hat sich auch bei vielen Aerztcn schon so zur Gewohnheit herausgebildet, daß sie lieber eine mäßige lliente vorschlagen und dadurch der Berufsgenosseuschaft in die Hände arbeiten, anstatt durch einen hohe» Rentenvorschlag sich der Gefahr aussetzen, daß ihr Gutachten anderen Kollegen unterbreitet wird. Hat der Arzt Sitz und Stimme in den Instanzen, so vermag_ er ein auf grund genauester Untersuchung und nach innerster Ueberzeugung abgegebenes Gutachten mit weit mehr Nachdruck zu verfechten. Namentlich werden die Genossenschafts- vorstünde infolge der regelmäßigen Betheiligung von Nicht- Unternehmern an rhren Sitzungen sich bewogen fühlen, gegen Verunglückte mit etwas weniger Niücksichtslosigkeit vor- zugeben, als es heute geschieht. Unter den heutigen Verhältnissen rechtfertigen auch die„Vertrauensärzte" ihren Beinamen keines- wegs immer. Sie sind mit ihrem Urlheil meist sehr schnell fertig, weil nur zu oft geneigt, in dem Verletzten einen Simulanten zu erblicken; und da für das Gutachten gewöhnlich nicht mehr als 3 Mark gezahlt wird, so wird nicht immer die Sorgfalt auf die Sache verwendet, die nölhig und für den Verletzten von so großer Tragweite ist. Es giebl Aerzte, die sich in ihrem ganzen Urtheil mit fünf Worten abfinde», während andere bei Verletzungen einfachster Natur für schweres Geld ein Sammelsurium zusammenschreibe», das selbst dem Laien ein Lächeln entlockt. Diejenigen Aerzte, welche das Unfall- versicherungs-Geietz verstehen, es im richtigen Geiste zu erfassen und diesem ihr Urlheil anzupassen wissen, find mit der Laterne zn suchen. Ja, es giebt Aerzte, die sich gern um die Abgabe von Gutachten für berufsgenoffenschaftliche Zwecke herumdrücken, nachdem ausnehmend hohen Honorarforderungen gegen- über man hat bis zu dreihundert Mark für ein einziges Gut- achten herauszuschlagen versucht— durch eine Entscheidung des Reichs-Versicherungsamts ein Riegel vorgeschoben worden ist, wonach jetzt höchstens 24 M. zu zahlen sind. Eine nicht un- praktische Neuerung haben einige wenige Berufsgenossenschaften eingeführt; sie beschäsligeu ständig in ihrem Hauptbureall einen Arzt als Rathgeber, natürlich nichts weniger älS eine Autorität, doch immer einen Mediziner, dein die„Praxis" irgendwo hängen geblieben ist. Und bei diesem kleinen Aniang schon hat man ge- inerkt, was es werth ist, wenn Aerzte» Gelegenheit geboten ivird, sich mehr persönlich mit dem inneren Leben und Treiben bei den Berussgenossenschaflen vertraut zn machen. Ge weeksrhslftliches. Sämmtllch« Minh-ilungen von Organisationen, vor allem solche über Auisiände oder Aussperrungen, müssen siets den Stempel der betressenden Organisation tragen. A» die ovganisirte Arbeiterschaft Berlius und Umgebuug. Unter Hinweis darauf, daß die gewerkschaftliche Organisation ebenso eine Rothwendigkeit ist als die politische, daß die elftere gewissermaßen die Vorschule der letzteren ist, ferner darauf, daß die Versammlung der Delcgirten zur Berliner Streik-Kontroll- Kommission am 16. Dez. 1892 durch einstimmige Annahme einer Reso» lution die Unterstützung unserer Organisation durch Förderung unseres unentgeltlichenArbeits-Rachweises den Vertretern der einzelnen Gewerkschaften bei Abmachungen von Festlichkeiten und Ver- s a m m l u n g e n e n> p f a h l, theilen wir Euch hierdurch mit, daß die auf dem Boden der modernen Arbeiterbeivegung organisirten Kellner eine Mitgliedskarte des Vereins Berliner Gastwirthsgehilfen, welche auf den Namen des Inhabers lautet, bei sich führen. Diese Karle enthält den Vermerk der Giliigkeils- datier und wechselt von Quartal zu Quartal die Farbe. Die Inhaber sind verpflichtet, diese Karte vorzuzeigen. Wir ersuchen Euch, dir Besichtigung der Mitgliedskarte möglichst oft, bei jeder Gelegenheit vorzunehmen, um dadurch den der Arbeitersache Ihatsächlich feindlich gegenüber- siebenden Elementen der Kelluerschaft plausibel zu machen, daß es Pflicht eines jeden Arbeiters ist, sich dem Kampfe um bessere Lebensbedingungen anzuschließen durch Organisation. Mit solidarischem Slrbeitergrnß Die organisirten Gastwirthsgehilfen Berlins und Umgegend. Mitgliedskarte zur Zeit grün init braun, im Dreieck zn ei»ander stehend. Unser Arbeitsnachweis-Bureau befindet sich Jüdenstraß« 36. Telephon Amt V. Nr. 3336. A» die Gold- und Silberarbeiter nud deren verwandte Vernfsgenoffen in Deutschland richtet der Zentralvorstand des Verbandes dieses Berufs durch W. B a l k(Hamburg, Bartelsstr. 96, I) einen Aufruf, sich dieser Organisation anzu- schließen, um dadurch ihre Lage zn verbessern, die durchaus nicht glänzend ist, wenn man bedenkt, daß der Lohn zwischen 12 und 30 M. schwankt, durchschnittlich aber schwerlich mehr als 19 M. beträgt. und daß die Arbeitszeit höchst unregelmäßig ist. Hofft Ihr etwa, heißt es in dem Aufruf, daß die Unternehmer frei- willig ihren Geldbeutel aufthlin werden, um Euch besser zu stellen, oder daß die Regierung Euch gegen die wirth- schastliche Ansbeutnng durch die Unternehmer schützen wird? „Kollegen! Eure Pflicht als denkende Arbeiter ist es, s e l b st für die Verbesserung Eurer Lage einzutreten. Nicht einzeln könnt Ihr dies, sondern nur in geschlossenen Reihen könnt Ihr bei der Großmacht Kapital bei Fordermigen auf Erfolg rechnen, weil Ihr dann eine Macht seid, indessen der einzelne eine Null ist und vom Kapital verschlungen wird. Darum o r g a n i s i r t Euch!" Wir können nur wünschen, daß der Ausruf recht guten Er- folg haben möge. Der Verband der deutschen Gold- und Silber- arbeiter und verw. Berufsgenossen hat es sich �nr Aufgabe gemacht, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringe», fetner die reisenden Kollegen gegen die äußerste Noth durch Verabfolgung von Reise-Unterslütznng zu schützen. Er bietet also sowohl den ältere» wie den jüngeren Arbeitern der Gold- und Silberinduftrie Vortheile und wird umsoinehr leisten können, je größer die Zahl seiner Mitglieder ist. Achtung, Metallarbeiter und Tischler! Der Streik der „ sammten Kollegen und Kolleginnen der Telephon fabrik von Weltes, Berlin Engelnfer 1a, dauert unverändert fort. Zuzug ist daher bis auf weiteres streng fernzuhalten. Der Vor- stand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Achtung, Marmorschleifer! In der Marinorwaaren- Fabrik von Fink, Berlin, Blücher-Platz 1, legten am 7. Oktober die Kollegen bis auf zwei Mann die Arbeit wegen Nichtbezahlung des Materials nieder, das zum Schleifen und Poliren gebraucht wird. Ilm folgenden Tage gab die Firma inen neuen Tarif Heraiis, der gegen den Berliner Tarif einen Abzug von 10 bis 20 pCt. bedeutet. Zuzug ist fernzuhalten. Der Vertrauens- mann der Berliner Steinarbeiter Berlins und Umgegend. Achtnilg! Alle Listen für den Streik bei der Firma D e w i t t u. Herz, die den Stempel der Gewerkschafts- Kommission trage», sind abzuliefern, ob leer oder gezeichnet, an 3t i ch a r d Johl im Restaurant Richter, Gevrgenkirchstr. 49, Sonnabends bis 9 Uhr abends. Nu die Lagerhalter der Konsumvereine Deutschland». Das Protokoll des dritten Lagerhalteriages ist vor einiger Zeit zur Versendung gekomme». Es enthält die summarische Berichterstattung der Vertrauensmänner und 33 schriftlich ein« gereichte und zum illbdruck gekommene Berichte von 163 Lager- Haltern und Laqerbalterilincn, sowie eine» Bericht der Lagerhalter in Wien. Ferner das Statut des Verbandes der Lagerhalter mit dem Sitz in Leipzig. Die Bestimmunge» sind so getroffen, daß die Kollegen ganz Deutschlands dem Verbände beitreten können. Zweck des Verbandes ist: Die Jntereffen der Mitglieder nach jeder Seite hin zu wahren. Insbesondere durch:») Ver- kürzung der Arbeitszeit; b) Erstrebnng guter Gehaltsbediiiguuae»; c) Gewährung von Rechtsschutz in Fälle» der Berufsthätigkeit; ä) Regelung des Kaulions- und Kontraktwesens. Soweit uns Adressen der Kollege» zur Verfügung standen, ist das Material an diese versandt worden. Kollegen, die der Bewegung noch fern stehen, oder solche, die bei der Versendung übergangen sein sollten, werden aufgefordert, ihre Adreffe ein- zusende». Tie Lagerhalter ganz Deutschlands werden auf» gefordert, der Organisation beizutreten. Karl Buhl, Vorsitzender, Leipzig, Nürnbergerstr. 22. R e i n h o l d Hanfe, Kassirer,«.-Lindenau, Roßstr. 17. Der Leipziger Steinsetzer- Streik ist in ein neues Stadium getreten. Eine Versammlung der arbeitenden und streikenden Steinsetzer beschloß, an stelle der neunstündigen die zednstündige Arbeitszeit und 50 Psg. Stundenlohn zu fordern. Die Unternehmer sollen sich bis zum Sonnabend darüber er- klären. Eine neu einzuberufende Versammlung soll dann über das Schicksal des Streiks entscheiden.— Die Maler und Lackirer haben, soweit sie im Streik standen, alle wieder Arbeit gefunden. Es wurde beschlösse», den Streik, soweit er noch auf« recht erhalte» wurde, bis zum Frühjahr zu vertagen. Die Streik- kommission bleibt bestehen und die Arbeitenden sind nach wie vor verpflichtet, für die Streilkasse zu steuern. Die Innung hat ihren Beschluß, die Meister, die die Gehilfenforderungen be- willigt halte», auszuschließen, rückgängig gemackl, nachdem die betr. Meifier erklärt hatten, sich auf den Boden der Jnnungs» beschlüsse zu stellen. Redaktion«üb Druckerei der„Berg- und Hütten- arbcitcr-Zeitnng" werden am I.November von Gelsenkirchen nach B o ch n m v e r l e g t. Die Redaktion bittet, Zusendungen, Zeitschriflen, Broschüren, Prospekte n. f. ,v. für das 4. Quartal 1835 nach Bochum, Verbandsbureau der Berg- l e u t e zu adressiren, mit Ausnahme von solchen Druckschriften, wofür sie brieflich eine besondere Adresse angegeben hat. Zum Streik in Carmaux wurde uns aus Paris ge- schrieben: Der Patenlfälscher Resseguier läßt durch die ihm er- gebenen kapitalistischen Blätter jeden Tag die Inbetriebsetzung eines neuen Ofens melden, um so den Glauben hervorzurufen, als ob mit Ausnahme einiger„Rädelsführer" sich bereits alle Glasarbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit gemeldet hätten. In Wahrheit ist es ihm trotz aller Ränke, trotz allen Druckes des Präfekten und trotz der Stütze, die Resseguier in dem Gerichtshof von Aldi(Hauptstadt des Tarn-Deparlements) hat, die jedes gegen die famose„Freiheit der Arbeit" gerichtete Wort n>it den härtesten Strafen belegt— trotz alledem ist es ihm nicht einmal gelungen, die 40 der Glasarbeiter- Gewerkschaft fernstehenden Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Wie ein eben veröffentlichter Aufruf des Vertheidigungskomitees der Glasarbeiter von Carmaux bekannt giebt, hat Resseguier nicht mehr als 4 Glasarbeiter nebst einigen Hilfsarbeitern, Tischlern, Gasarbeitern zc. für sich gewonnen, so daß sein Versuch der Wiederaufnahme des Betriebes als voll- kommen gescheitert zu betrachten ist. Durch die von seinen Agenten und den kapitalistischen Blättern kolportirten Lügen von der Ofen-Jnbetriebsetzung will er außerhalb Carmaux den Glauben erwecken, als wäre die Arbeit wieder ausgenommen worden, um so in Rive de Gier oder sonstigen Zentren der Glas- fabiikation Arbeiter zu gewinne». Aber dank der Wachsamkeit der Glasarbeiter-Gewerkschaft in Carmaux, die nach allen Glas- fabrikorten Delegirte gesandt hat, um den Resseguier'scheu Lügen die wahren Thalsachen entgegenzusetzen, wird auch dieser Versuch zu schänden werden. Die Streikenden werden zum Siege ge- langen, da nicht nur die Arbeiterschaft, sondern überhaupt alle rechtschaffenen Leute auf ihrer Seile stehen und sie sowohl moralisch wie materiell unterstützen. Aus bürgerlicher Quelle wird mit schlecht verhehltem Aerger gemeldet: In Carmaux kommen und gehen die sozia- listischen Deputirten. Herr Chauvin hat die Stadt verlassen; dafür ist Herr V a i l l a n t eingetroffen. Für die nächsten Sonntag stattfindende Protestversammlung rechnet das Komitee auf die Anwesenheit der Abgg. M i l l e r a n d, Pelletan, Jauräs, Guesde und G s r a u l t- Richard.— Auch das zeigt, welche große Bedeutung der Streik in Carmaux für die französischen Verhältnisse hat. Vevsammlungen. Im Verein Zonentarif behandelte Dr. Ed. Engel, der bekannte Vorkämpfer für Eisenbahnreform, die Frage des F ü n f- S l n t i o n e n t a ri f s auf der Stadt- und Ringbahn. In längeren Darlegungen wies der Redner nach, daß die will- kürliche Tarisirung nach fünf Stationen mancherlei Schädigungen und Unbequemlichkeiten des fahrenden Publikums mit sich bringt. Durch die Einschiebung neuer Stationen— wie die projektirte Haltestelle Savignyplatz z. B.— werde der Eisenbahnverwaltung Voilheil ziigewandr, während den Passagieren, abgerechnet von jenen, die die neue Station benutzen, außer dem Zeitverlust auch noch eine Mehrausgabe erwächst, für die sie keine Entschädigung erhalten. Der Redner berechnete, daß für die Fahrgäste, welche die in Frage kommende Strecke benutzen, eine neue Ausgabe von 24—30 M. pro Jahr entsteht. Der Ar- beitcr und kleine Beamte wird dadurch auf das empfindlichste geschädigt. Der von einigen Blättern gemachte Vorschlag eines „Sechs-Stationentarifs" würde die Sache nicht vcr- bessern, da binnen kurzem infolge der Enlwickeluug des Verkehrs doch wieder neue Stationen zwischen den jetzigen Haltestellen ein- gerichtet werden müßte». Die beste Lösung der Tarissrage sieht Dr. Engel darin, daß ein Zonentarif, vielleicht in folgender Art, leingeführt wird: Für die erste Zone geltend bis zu 13 Kilometern im Umkreis von Berlin für die 3. Klasse 10 Pf. und für die 2. Klasse 20 Ps. Bei der zweiten Zone, die alle Orte vielleicht bis 30 Kilometer Entfernung umfassen soll, ein Maximalpreis von 23 Pf. für die 3. Wagenklasse. Man könnte die Stationen, die in der ersten resp. zweiten Zone liegen, auf Plakaten, die überall ersichtlich angebracht sind, jedermann zur Kenntniß bringen, was die jetzt in Beziehung aus die Preise so häufigen Jrrthümer vollkommen beseitigen würde. Der Redner erhob den Vorwurf, daß durch die bnreaukratische Wirthschastswcise unserer Eisenbahn- gewaltigen jeder Fortschritt hintangehalten werde. In Belgien sei der dortige Eiseubahnmiiiister sogar des Wuchers(!) an- geklagt worden, weil er bei Theilzahlungcn auf Eiseubahn-Fahr- karten höhere Preise vorschrieb, als das dortige Gesetz zuläßt. Gegen das Regiment des Ministers Thielen ließe sich auch etwas thun— wenn man nicht gerade in Preußen lebte. In der Diskussion kamen recht charakteristische Tarif- knriosa zu Gehör. Die Thatsache dürste auch unsere Leser inler- essiren, daß ein Fahrschein 3. Klasse, gillig für Friedrichstraße- Rumnielsburg und umgekehrt, 10 oder 20 Pf. kostet, je nachdem man Vororts- oder Stadtzug benutzt. Dr. Engel rieth gelegeut- lich einiger Beschwerden von Vorortbewohnern, es einmal mit einer Petition an das G e s a m m t m i n i st e r i u m zu versuchen, weil der Eisenbahnminister nnzngänglich sei. In der Kommunalwählcr- Versammluug, die am 10. Oktober in Z u b e i l' s Lokal. Lindenstr. 106, tagte, referirte Dr. Zadel über die Klaffengcgensätze im„Rothen Hause" und über unsere Stadtverwaltung. An der Diskussiön des beifällig aufgenommenen Referats betheiligten sich auch einige Herren aus dem bürgerlichen Lager, die erklärten, nicht gewußt zu haben, daß die auch an den Säulen angekündigre Versammlung von Sozialdemokraten ausginge. Besonders der eine(ein Herr Meyer) war ganz entzückt davon, in einer sozialdemokratischen Versaiumlung solch' vernünftige Ansichten zu hören, und sprach seine Verwunderung aus, daß man eine Partei, die doch nur das Wohl aller Bürger im Auge habe, in jeder Weise verfolge. Bon einigen Rednern, besonders von W o l d e r s k i, wurde ihm bedeutet, falls er von den vernünftigen Bestrebungen der Sozial- demokratie überzeugt sei, solle er, anstatt unserer Partei Kom- plimente zu sagen, lieber mit in deren Reihen treten und für Verbreitung unserer Ideen sorgen.— Als Kandidat für den 3. Bezirk wurde A n t r i ck aufgestellt. Das Komitee bilden Jakob, Schäfer, Ohnesorge und Rosenthal. Für die Lohgerber, Lederzurichter und Berufsgenossen tagte eine gut besuchte öffentliche Versammlung am 10. Oktober bei Gründe! in der Brunnenstraße. Nach beifälliger Aufnahme eines Vortrages des Genossen Sassenbach, worin dieser den Kampf zwischen Gewerbefreiheit und Zunftzwang schilderte, wurde über die gegenwärtige Situation des Streiks in der Steinlein'schen Lederfabrik berichtet. Hierzu überbrachte Kollege Busse, der beauftragt war, die Haniburger Kollegen für die Sache zu gewinnen, von dort den Bescheid, daß die Hamburger den hiesigen Kollegen materielle und moralische Unterstützung versprechen, und die Ausständigen zu muthigem Ausharren ermuntern lassen. Dem Be- richt der zur llieaelung aller diesbezüglichen Angelegenheiten ein- gesetzten Kommission war zu entnehmen, daß im Stand des Streiks keine Veränderung eingetreten ist. Ter Inhaber der Steinlein'schen Fabrik, Herr Meinecke, ließ auf Anfrage der Konimission den schriftlichen Bescheid zugehen, daß er zu einer Besprechung bereit wäre. Die Besprechung fand am S. Oktober statt, verlief jedoch resultatlos, da sich Herr Meinccke zu allen Fragen strikte ablehnend verhielt. Seiner Be Häuptling, er käme mit der Zahl der bei ihm noch Arbeitenden aus, um die gegenwärtigen Arbeilen fertig zu stellen, widersprechen die verschiedenen Annoncen, durch die Herr Meinecke, wohlweislich ohne die Firma Steinlein zu nennen, Arbeitskräfte sucht. So der KommissioNs-Bericht. In der Diskussion wurde mitgetheilt, daß 12 oder 13 Mitglieder des Hirsch-Duncker'schcn Gewcrk-Vereins bei dem Streik in Mitleiden- schaft gezogen seien, zu ihnen zählte der Meister; letzterer und einige Mitglieder wären zu Streikbrechern geworden, woraufhin von dem Verein beschlossen worden sei, die Streikbrecher auszu- schließen. Die übrigen Redner sprachen den 102 Ausständigen Muth z», in der Ueberzengung, daß, wenn auch nach hartem Kampfe der Sieg dennoch gewiß sei. Sonntag, den 13. Oktober, wird bei Feind, Wcinstraße 11, eine Versammlung der Freien Vereinigung abgehallen. A»biit«r-Kilduile»schul«. Währciid rer Feiten vom 1. biß Inkl. Iß. cr- tobcr süllt ber Ui.tmlchl tu beiden Schulen aus. Die Biblioiheken und Lese- zlmmev sind jedoch aliabcrdiich von TX— loj Uhr geöfsne!. Dieselben beflnden sich Waldemarsir. Ii und Miillerstr. irsa. Lreireliaiost ßZr,»«i»do. Sonntag, den 18. rtlober, vorm. s; Uhr, lNosenthalernr. ZS: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wllle über:„Die Grund- sähe und Besirebunge» der Gemeinde." Um lojj Uhr vorm. ebndaselbft Vortrag des Herr» Dr. Völtel-Braunschwetg über:„Epltnr und Lutrej, unsere Vorläufer im Allerthum." Abends 7 Uhr, ebendaselbst: Gesellige Versammlung. Vortrag von Frl. Elvira Linke über:„Halbe und ganzc Freidenker." Tischler Heute Abend s Uhr, Melchiorstrabe 15: General- Versammlung. Loudouinnuschaft der Kchleauiig-Kolstelnrr>» Kerlin. Sonnabend, den 12. Oltobcr, abends 8 Uhr, in Schmiedens Festsälen, Alte Jalobflr.'82: Herbst-Vergnüge» Vorträge der Gescilschast Slrzeleivtcz und Tanz. Näheres siehe Annonce tn der FreitagS-Nummer. .-----_.. SU«' Soiialdrmokrntischer Agitaiiouavrrein für den ztlichstags- chllirei» Ktralsnnd- Franrburg- Rügen. Sonntag, den 18. Oktober, vormittags lo Uhr, bei Linke, Jüdenstraße 88: General-Versammlung, vor- siandswohl. Arberier-Snugerbuud tfetlitt» n»d ziingegend. Vorsitzender 3 Neumann, Paseivalkersir. 8. Alle Aenderungen im Vcrcinskaleuder sind richlen an Friedrich irortum, Manleustelsir. 48, v. 2 Dr. Honunbrud, 2 «—II Uhr: Nebungsnunde und Ausnahme»euer Mitglieder. Gesang Ad. ZU .Abends navereln Esmeralda, ilönigsbergerstraße 8 bei illaskoivSky.— G r ü» e Elche, lllixdors, Herinannstrabe 187 bei Babenschneiber.— Lurania, Lands- birgcr Allee IS« bei Eoebel.— Svngcs-Echo, Aaununstr. 80 bei Zubeil. — G I ü ck»», Pasrivalkcrstr. 8 bei Sliuuiann.— Gesundbrunner Männerchor, Prinzen- Allee lo bei Bergmann— Männcr-Gefang- verein Lieder kränz In Brandenburg a.b. Havel, Mengerl's Vollsaarlen, Vergslr. 8.— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. b. Havel, Hanpisirasie, Wlnlel's Talon.— Frisch aus I, Friedrichsberg, RummelSburgerstr, 09 bei Atom.— Eängerlust, Luchcnivalde, Beelitzerstr. 8» bei Ono Schulze.— Männcr-Aesangvereln Fortschrlll, jiönigSberacrstrabe 28 bei Leichuitz.— Hand«n Hand lt. Fricdrichsberg, Friedrich Zfarlstr. Ii bei Emil Heinelle— Männer-Gesangveretn Im mir g rü n, Tegel, Span- oauerilr.>8 bei E. Nentner.— Freie Sänger, Schmargendorf. Wirths- hous Friedrich.— HandinHandl, Ncschenbcrgerslr. is bei Hossmann.— Gesanavereln F r t 1 6> auf II, Schönivalde tn der Mark.— Wethe N o s e II, Neu-We-bensce, Slrahburger- und Elsabsiraben-Ecke,„Zum neue» Eisellhurm". Rund drr geselliglN Arbriiervrrri»» Rcnli»» und ziuigegrnd Alle Zuschriften< den Bund der geselligen Arbeiiervereine betressend sind zu richten an: P. Gent, Dresdenerstraße 107/108. Hoiiuad-ndi Theaicrvcrel»„Bavarta". Bcruaucrstr.«o/. Männer- Ablheilung Friedeniir. 87, Mitlivoch und Sonnabend von 8—10 Uhr.— 8. Männer- Abihl. Vvcchhstr. 21, Mittwoch und Sonnabend von 8—10 Uhr.— 2. Lehr- lings-Ablh. Ekalitzerslr. 50— 50, Mitlivoch und Sonnabend 00» 8—10 Uhr.— Vereinigung der Turnsreunde turnt Mittwochs und Sonn- abends von 8Zz— ivj; Uhr abends Turnhalle Dcmmwerstr. 8«— 87— Gemischter Chor G l c t ch h e i», abds. 8 Uhr, Emdenerstrahe, Reirnuratcur Schiriner.— Bühnenverband R 0 r m a n. t a, jeden letzten. Sannabend im Monat Sitzung bei G. Leichnttz, Sünigsbergersliaße 28.— Privat-Theater-Gelellschaft Schiller,»Sitzung abends 8 Uhr bei Linke, Pullbujelstr. 24. Nach der Sitzung: Ftdelilas.— Thealeivercin Bavarta, Ackevjir. 17 bei Manfrai. — Privalihealcr-Gejellschält Tont, abends«Zt Uhr bei Zulcger, Ewlnc- münderstraße>44.— Dheatervereu, Lustige B-r ü d er Ii, Sitzung abends g Uhr. bei Reichelt, Hafenhaide Rr. 45/47.— Thealergeselllchasl I m m e r L u st> g, abends 0 Uhr, Sitzung bei Ruhl, Ehorinerslr. 88.— Theater- verein Vohemia, abend? s Uhr. Restaurant G. Wiyel, Ackerstr. 145.— Privat-Thearer-Geselllchasr Lilly, abends» Uhr Sitzung, Schönh. Zlllee>88.— Vergnügungsllub Ostend, Sitzung abends 8 Uhr im Restaurant Rudolf. Kraulslraßc 0.— Gesclltacr Arbeiter-Verein Pr 0 l e ta ria, Sonnabend nach dem 1. und 18. jeden MvuatS, abends 0 Uhr bei Sommer, Grünstr. 21.— Nauchllub Dornröschen, abends 8 Uhr, bei F. Krüger, Fennstraße e.— Elatllub Blaue Bluse, bei Wutlke, Kraudenzerilraßs 2.— Skat- liub Revolution, Sitzung abends 0 Uhr bei Hauptmann, Wiener- sirohe 1—0.— Slatllnb Brüderlichkeit, abends von s— li Uhr Eitzung bei Wiltwe Lehn, Stralsunbcrftraße>8.— Slatklub 80. Jeden Sonnabend 8jj Uhr bei Klein, Wienerstraße 81.— Wergnügungsverein Alpen- 0 e i l ch e n, abends%iii Uhr Sitzung bei Ruppin, Blumenstr. 48.— Tambour- verein Ruf, abends S Uhr, beim Restauraieur Sohlte, Jnselstraß? 1.— Beignügungsveretn Bruderkelle, Sitzung abends 9 Uhr, bei Paris, Gleditschslrahe 28. Gäile willkommen.— Echachklub Springer, abends 8 Uhr bei Wernau, Rosenlhaierstr. 87.— Zilherklub Erika, abends s Uhr in Müller's Restaurant, JaHanniSstrabe 20, Uebung. Wäkie willkommen.— Geselliger Verein Sorgenfrei, Sitzung bei Vogel, Gäriitzerstraße 82.— Tambourverein Moabit, Nebungsstunden Mittwoch und Sonnabend von 8 bis 10 Uhr bei Dittmann, Periebergcrstr. v.— Verein ehemaliger Schüler der 7. Realschule, präzise g Uhr im Restaurant Repomuk, Neue Roßstr. 22: Sitzung. sWissenschaftlicher Vortrag. Literarisches.) Oaash Forening Freja, Kommandantenstrasse 72(Neues Klubhaus), Mödeafien hver Lördag Kl. 9. Besagende ere velllomac. Danslte Aviscr Bndes i Lokalct. zieiitscher soiinldeuiolivnti scher Zeselllub in pari». Nu« St. Honore 814, Ease du Lion de Belsori. Jeden Sonnabend öffentliche Wer» sammlung: reiche Bibliothek, Zeitungen, französischer Unlerricht. Zondon. Der einzige hiesige sozialdemokratische Verein Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels 1840 mttdegründet« Kommunistische A r d e i t er- Bi ld ung s v er e t n befindel sich nach wie vor 4» Tvnenham Street, Tottenham Eourt Rd., W. London. Eingelauseue Druckschriften. Irr Sozlaidrinostrat, Deutschlands Zentral-Wochenvlatt der sozialdeinokealischen Parlib sExpedillon in Berlin StzV., Beuthstraße 3). Die Nr.«l hat folgenden Inhalt: �ochensdzau.— Der Weltmarkt.— Der Gewerkschafts-Kongr-b in LimogcS. — Lohnhöhe und ArbeltSzeit tn England während der Jahre 1888 und 1884.. Common sense.— Ter Kleinmotor im Kleingewerbe und tn der Haus- industrie.— Parteinachrichien.— Wie man uns behandelt.— Todtenlisle.— Vermilchtcs.— Die Beziehungen zwischen Genossenschaft und Gewerkschaft. — Literarisches. Von der„Nene» Zeit"(Sittllgart, I. H. W. Dtetz' Verlag) ist soeben das a.Hcsl des 14. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Mumien.— Fr. Engels' letzte Arbeit: Ergänzung und Nachtrag zum dritten Buch des„Kapital".(Schluß.)— Ein Nachtrag zu der Dtstniston über die Konkurrenzsähigreit des Kleinbetriebs in der Landwirthschast. Von Karl Kanlsky-— Das neue Kalifornien. Von Ed. Bernstein.— Ei» Vlick in die königliche Akademie tn London. Von Helene Simon.— Notizen: Zur Ein- und Auswaudcrungsstatistik.— Feuiljclon: Kindesrecht. Von Elise Langer.(Fmisetzung.) „Soiiaie praei», Zentralblatt für Sozialpolitik", enlhält tn ihrer neuesten Nr. 2 soigenden leitenden Aufsatz: Die Arbeitsscheu und ihre Siatistik. Von Dr.». Hirschberg.— Aus dem Rotizenthetl heben wir hervor: Arbeitsamt tm belgischen Eewerbeminiflersum.— Kongreß der sranzöstscheiv Sazsaldemokratie.— Programm der deulschen Volkspartei.— Sozial- wissenschaftllcher Bildungsverein in Wien.— Kommunale« Verbot gewerb- Ilcher»inderarbelt in Mainz.— Ablehnung von Heißwaffer-Automaten tn Verlin.— Erlaß von Straßenbau-Belträgen für Grundb-sttzer in Ohligs.— Die Wiener Gewerrichasts-Enguete. Von Dr. I. Redlich.— Die Bielefelder rcchnungSsähigen Kranlhciten bei der Invaliden- und Altersversicherung.— VerwaltungSbericht der Invaliden- und AltersversicherungS-Anstalt Braun- lchwelg.— Krankenpflege durch die Hansealische Bersichcrungs-Anftalt.— Deulschcs Museum für Unfallverhütung.— Privates Versicherungswesen in der Ediwelz.— Bayrische Armcnstatifltk 1884 bis 1898.— Konferenz sür kausmänntsche nnd geivcrbltche Foribildungsschulen tn Braunschwetg.— Ländliche Kinderarbeit tn Pommern.— Allgemeiner deutscher Franenverein. , Hirne hlevur". Die Wochenschrift für Politik, Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben„Neue Neuue" veröffentlicht in Heft Nr. 41(VI. Jahrg.) vom«. Oktober 1888 folgende Slnfsätze: S. Mosenseid: Weibliche Aei-zle.— Spanulh: Zum Moralunterricht.— I. Mähly: Eiadlione.— W. v. Wartenegg: Die vier ältesten Bilder»er tals.rlichen Eallerie.— G. Blacosa: Rechle der Seele.— Theater.— Mintatnrbilder aus der Zeit. VesnchSzeit verschiedener Mnsee« nnd sonstiger SehenS»viirdigreite«. Altes und Neues Museum am Lustgarten. Besuchszelt täglich, mit Ausnahme tes Montags in den o Winlcrmonalen von 10—3 Uhr, in den 8 Sommermonaten von 8—3 Uhr: Sonntags im April— Seplember 12 bis o Uhr, Ollober und März 12-8 Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Tezeuiber und Januar 12-3 Uhr(Unentgeltlich).— Die Na tto nal- g a l l e ri e in der MuseumSstraße. Besuchszeit Wocheulags von 10—8 Uhr (Montags aiiSaenommen). Sonntags im Slpril— September von 12 bis 8 Uhr, im Plärz und Oktober 12-8 Uhr, Februar und November 12 bis 4 Uhr, Januar und Dezember 12—8 Uhr lUnentgellllck).—»un stgew erbe» Museum, Prinz Aibrcchlstr. 7. Giössnel an den Wochentagen(Montags ausgenommen) im Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von 10— S Uhr, S 0 n n l a g S, Slpril— September von 12—8 Uhr, Oktober und März 12—8 Uhr, Novimber»ud Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar 12— s Uhr(Unent- gelillch).— Museum für V ö i t e r! ll II d e, Königgrätzerstr. 120. Besuchs- ell wte im Kunstaewerbc-Museum(Uncntgeltitch).— H y a i en e- Mus cum, tlvsterstr. 08. Besuchszeit Svnulags wie im Kunstgewerbe-Muscum. Außer- dem Dienstags und Freitags von 10—2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum sür Naturluude, Jiivalldenstr. 42. Besuchszeit Sonntags wie im Kunst- .cwerbe-Mulcum. Außerdem Montags und Eonnabends von 11— 8 Uhr.— lluseum sür deutsche Volkstrachten und ErzeugnissedeS öffnet Sonntags 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitag« von II— 2 Uhr(Unenlgelllich).— RathhauS, Königstrabe. Geöffnet täglich außer Donversiag und Freitag vo» 11-8 Uhr. lUnentgcltiich). Au»- fichtst hurm(ebenfalls unentgeltlich).— Kunstausstellung de« Vereins«eriiner Künstler, Wilhelmstraße 92. Sonntags II bis 2 Uhr, Wochentags lo bis 4 Uhr. 09 Pfennig Entree— Sternwarte, Enckeplatz Sa. Mittwochs und Sonnabends van» bis il Uhr Bvrintllagk.— Urania, Wist" Juvalidensir. 87—82. Geöffnet von 6 (tutice 60 Ps. Zuschlag für Theater von-_____ Echadgwstr. 14. Geöffnet von 9-« Uhr. Entree Sonntags so Psi"an ledern letzten Sonnlag im Monat 28 Ps.— Gast an'S Panoptikum, Friedrich- straße. Gcöffncl 10—10 Uhr. Elntrtlisprel» 80 Pf.— Passage- Panoplikum 19-10 Uhr. Einlrittsprets 8v Pf.— Marine- Panorama, Am Lehrter Bahnhof. Sonntags von 0—9 Uhr. Entrc» 89 Pf.— K a t s e r- P a n 0 r a m a, Passage(Unter den Linden). Geöffnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. 800 veischtedene Reisen, Landschasts- bilder. Jede Reise 20 Ps.— Zoo logisch er Garten, Lü owuser. Sonntag« 80 Ps.— Bors ig'« Garten mit Palmcnhau«. Alt Moabit 88-8«. Eintrittspreis 80 Pf. Otto Zocher, Restaurant zum Marienheim, empfiehlt sein ättJT" Weiss« und Bairisch-Bier-Lokal Vereinen und GeseUschltfien. 32061-' -.SÄ., j Weg zur Pferdebucht. Bernhard Schenk, ÄltÄÄ Billard lind Vere nszimmer. Ausschank..MUnchsner Krauhaus". ff, Meißvirr. Mar-ue und sialte Hprisen. «iits HZ steise ü. weiche Filzhiite v. Mk. 2,— an; in hocheleqanter Ansstattnuq Mk.». Bötim, jetzt: Weiheiiburgerstr. 7S, part. f Meyer u. Brockhaus, Brehm's Tkierlebe» und Bücher jeder Wissenschaft kauft sl4/6 AiitiPlirillt, KßGr.ZK, 1!r. Ulriche Zrrrenlsiite 1.S5 M. Krrife Krrrrnhiite 1,25 M. verkauft das kadrilcoomtotr, Müller $ feg fit 12C, 1 Tr._ 32498 JW Pfandle he"W 3146 von F. 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Auch die Herren Mitglieder des„Vereins Berliner Kassenärzte", welche uns bei der vorigen Versammlung so rege durch Vertheilen von Flugblättern in ihren Sprechstunden unterstützt haben, werden ersucht, auch diesmal ihr möglichstes zu thun. _ Im Auftrag der Kommission: Fr. Anna Jäger. Hermannsir. 35._ Verein der Buchdrucker für Rixdorf-Britz. Konntag, den 13. Oktober 1895, vormittags 10 Uhr: Versammlung In Kummar's Salon, Kerlinerstrajze Ur. 55. Tages-Ordnung: I. Statutenberathnng.'2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. Hierzu ladet alle in Rixdorf-Britz wohnenden respektive beschäftigten Kollegen ein 3ö/L Den Vorstand. Achtung! Nergolder! Achtung! Konntag, den 13. Oktober, vormittag« 10 Uhr: Große öffentliche Versammlung In der Berliner Ressource, Kommandautenstrage 57, Tages-Ordnung: Die Sitnatio» nuseres Streiks. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 227/10 Die Lohnkommisston. KlfBetallarbeiter! Montag, den 14. Oktober, abends 8V2 Uhr, im Louisenstädtischen Conrerthan», Atte Jakobstrahe Ur. 37 BIST' Versammlung sämmtlicher Vertrauensleute der Metallarbeiter. Tages-Ordnung: „Der gegenwärtige Stand der Kertiner Mrtallarbeiterbewegnng." Kollegen! In den letzten Wochen sind eine Reihe von Erscheinungen zu tage getreten, zu deren Klärung es geboten erscheint, eine Aussprache der Vertrauensleute der verschiedenen Organisationen der Metallarbeiter herbei zuführen. Erscheint deshalb zahlreich und pünktlich. Der Vertrauensmann der Berliner Metallardviter» 115/19 Otto Naetber, N., Anklarnerstr. 44. ! Maurer. Sonntag, den 13. Oktober, vorm. 10V- Uhr, bei Btiskv, Grenadierstraße Nr. 33: Generalversammlnttg!>eö Vereins zur Wahrung her Znterejsen her Maurer Berlins unh Uingegenh. Tages-Ordnung: I. Abrechnung vorn 3. Quartal. 2. Rechenschaftsbericht des Vorstandes. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 129/4 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen werden die Mitglieder gebeten, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. Verband der Möbelpolirer. Morgen, Sonntag, den 13. Oktober» In Keller'« großem Festsaal, Koppenstraste 39: Zehntes Stiftungsfest. Auftreten der Gesellschaft Stnzeleiwics. Festrede, gehalten vorn Kollegen Reuter. Zum Schluß: Lebendes Bild: Das EriMaclien der Freiheit, ausgeführt von Mitgliedern des Verbandes unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Dämmsrliobt(Mitgl. des A.-S.-B). Nach der Vorstellung: Tans. Herren, welche daran theilnehinen, zahlen so Pfennig nach. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Billets a 25 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen sowie bei K i r st e n, Koppenstraße 23, zu haben. Achtnug! Achtung! Vergolder! Montag, den 14. Okiober, abends 8 Uhr. im Cnglischrn Garten, Alexanderstraße 27o: Monatsversammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Ad. Kofs- mann über:„Was hat der Arbeiter von der heutigen Gesellschaft zu er warten." 2. Diskussion. 3. Kassen bericht vorn 3. Quartal 1895. 4. Er richtung einer Zahlstelle in Rixdor 5. Gewerkschaftliches undVerschiedenes XL. Die Versammlung beginnt punkl 8 Uhr und wird um zahlreiches Erscheinen ersucht. 225/7 Die OrtSverivaltnug Achtung! Achtung! Barteigeuosseu des 4. Wahlkreises(SO.). ÄmiiiMlMiltr-VtrMmlW am Sonntag, den 13. Oktober, Vormittags 10'/-. Uhr, in Henke's Lokal(Renz), Naunynstr. 27, Tages-Ordnung: 270/8 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen. Referent: Stadt- verordneter Bernhard Bruns. 2. Diskussion. 3. Ausstellung der Kandidaten für den 13. und 15. Kommunal- Wahlbezirk. Die Dertranenspersonen. Verband der SaMer und Tapezirer (Filiale Zentrum). Sonnabend, 12. Okt., abends 81/, Uhr, bei Pasch, Alte Jakobstr. 83: Mgliehtt-VtchiiiiiilNg. Tagesordnung: 1. Der Streik bei Scholz Nachf. in Schöneberg. 347/4 2. Bericht, betreffend die Bibliothek. 3. Wahl eines Hilfskassirers. 4. Verschiedenes/ dtrages, das Fach Naturerkenntniß fallen zu lassen und dafür volksthümliche Gesundheitspflege einzuführen. Ferner avnrde bestimint, die Unterrjchts-Abcnde so zu regeln, dast allwöchentlich ein Abend gänzlich frei bleibt; vielfach wurde der Dienstag gewünscht, auch Montag, vereinzelt kam Mittwoch in Vo» schlag. Der Entscheid hierüber wurde dem Vorstand mit der Maßgabe überlassen, daß die neue Einrichtung am 15. Oktober in kraft zu treten hat. Schließlich wurde dem Vorstände noch aufgetragen, die nöthigen Vorarbeiten zu einer umfangreichen Agitation für die Arbeiter- Bildungsschule recht bald in Angriff zu nehmen. Eine Mitgliederversauiuilung der Zahlstelle Berlin I des Verbandes deutscher Maurer beschästigle sich am Sonn- tag in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 20 unter anderem mit der Durchberathung des neu ausgearbeiteten Lohntarifs. Er wurde ohne wesentliche Aenderung anerkannt. Hieraus wühlte die Ver- sammlung den Kollege» Staats für Moabit zum Hilfskassirer. Derselbe knssirt jeden Sonnabend Abend von 8—10 Uhr bei Bachstein, Salzwedlerstr. 15. Einige Kollegen im Norden hatten dem Hilfskassirer Trill, Zionskirchplatz, Unregelmäßigkeiten nach- gesagt. Das hat sich als bloße Flunkerei entpuppt, die vonJndifferenten hcrrührt.ArisVorschlag der örtlichenVerwaltung beschloß dieVersamm- lung, am ersten Weihnachts-Feiertag im Feeu-Palast eine Matinee zu veranstalten und beauftragte das Vergnügungs-Komilce, mit der Direktion des Feen-Palnstes die nöthigen Vorarbeiten zu treffen. Zum Schluß gab der Bevollmächtigte bekannt, daß in der nächsten Mitgliederversammlung der„Neue Welt-Kalender" zur Ausgabe gelangt. Im Verein der Plätterinnen nnd verwandter Berufs- genossen Berlins gab am 6. Oktober in einer Versammlung bei Wille, Andreasstr. 26, die Kasstrerin den Vierteljahresbericht. Einschließlich des Saldos vom zweiten Quartal betrug die Ein- nähme 427,94 M., die Ausgaben beliefen sich auf 93.92 M., so daß ein Bestand von 334,02 M. übrig blieb. Beim Sommerfest ist ein Defizit von 64,85 M. gemacht worden. In der Unterstützungskasse betrug, einschließlich 75,40 M. früheren Bestandes, die Einnahme 165,80 M, die Ausgabe 83,65 M. Die Kasstrerin erhielt Decharge. Hierauf referirte A. Hoffmann über das moderne Raubritterthuin. An der Diskussion über den mit reichen» Beifall aufgenommenen Vortrag bctheiligte sich Fra» Schulz. Ans der dann vorgc- nommenen Wahl von drei Revisorinnen gingen Frl. Borne/ m a n n, Frl. N a g e l e r nnd Frl. Wold als gewählt hervor. Die Delegirlin im Gcwerkfchaftskartell soll aufgefordert»verde», Miltheilung zu machen, wenn dort Beschlüsse gefaßt»Verden. Beschloffen wurde noch, die Versammlungen wieder Dienstags abzuhalten. Deutscher Holzarbritervcrband. In einer Branchen- versainmlung der Parquetboden leger, die an» 6. Ok- tober über die Frage verhandelte: Wie stellen sich die Kollegen etivaigen Abzügen gegenüber?»vurde von allen Rednern hervor- gehoben, daß es unmöglich sei, auch nur noch die geringste Lohn- rednzirung zu ertragen. Würde von einzelnen Unternehmern resp. deren Stellvertretern angeführt, einzelne Kollegen könnten noch so viel verdienen, daß sie das Gehalt eines Buch- Halters erreichten, so sollten diese Herren auch die Verdienste der schwächeren itlrbeiter in de» Kreis ihrer Lohnstatistik ziehen. Sie würde»» alsdann»vohl ein klareres Bild von den» Durchschnitts- verdienst eines Bodenlegers bekommen, als»venn sie nur immer mit Ausnahmen rechneten. Außerdem sollten die Chefs resp. deren Vertreter auch dnniit rechnen, daß die Arbeitsgelegenheit iin Bodenlegergeiverbe jährlich höchstens 35 Wochen ausmache. Allerseits wurde in der Verhandlung noch das Verhalten der- denn nicht bei unserer thierischen Liebe bleiben, daß wir uns paaren wie die Bestien iin Kamp. Für Eure Liebe zwischen Euresgleichen habt Ihr Priester und Kirchen mit Pomp und Sakranient.. Wenn Ihr die Ehen brecht, so ist es ein Sakrileg.. so Neunens, glaube ich, die Schwarz- rocke, die Ihr uns hergebracht habt.. aber es ist nur ein Sakrileg für Euch und für Eure tveißen Weiber... und das arme Weib, das nichts hatte als Euch; nichts wußte, als was Ihr sie gelehrt hattet; die ganz allein dastand, noch ärmer war, als das Thier a»lf dem Felde, stießt Ihr kaltblütig von Euch, ohne einen tunken zu spüren, der Euch in Eurem Gewissen brannte... >arum, daß Ihr es wißt, habe ich es mir angelegen sein lassen. Euch zu ruiniren; wie ich es nur immer konnte und habe gewartet von Tag zu Tag auf diesen Augenblick, daß Ihr bettelarm vor mir stehen müßtet, uni Euch dann alles das zu sagen... wißt Ihr denn wahrlich nicht, wo Ihr seid... Ihr, der Ihr doch so gescheut seid in allen Dingen... habt Ihr denn noch keinen Augenblick daran gedacht, daß Ihr im Hause dieses braunen Weibes Euch aufhaltet, das Ihr verrathcn habt.. Und der Alte ballte seine Fäuste, daß die Muskeln der Arme sich krampfhaft anspannten wie angezogene Saiten. Dann rannte er davon wie ein Verrückter. German Wintcrfeld saß eine lange Zeit da, ohne sich zu regen. Sein blasses Gesicht erschien»vie eine»vächserne Maske, die keiner Veränderung fähig ist, und seine Augen starrten vor sich ohne Glanz»lud ohne Ziel. Wer ihn anschaute, konnte nicht wissen, ob er eigentlich in die Ferne sah oder in die Nähe, obwohl die Nichtung seiner Augen nach dem Wein- glase ging, in dem die Wespe sich mittleriveile ersäuft hatte. Er sah arich die Wespe, das»var sicher; aber er sah es nicht, daß er sie sah. Er hatte eigentlich auch keinen eigentlichen Gedanken. Sein Herz erschien erstarrt, wie sein ganzer Körper, und die Blutivelle, die durch seine Adern trieb, schien aufgehalten in ihrem Lanf nnd niochte nicht vorwärts und rückivärts. Vergeblich rangen dunkle Gefühle aus seinem Innern hinauf zum Lichte des Bewußtseins. Sie tauchten immer wieder unter nach einem stummen Kampf in das dunkle unbekannte Chaos von unempfnndenen Gefühlen, die der Mensch sein zauzcs Leben mit sich herumträgt, ohne daß sie ihm ein einziges Mal zum Verständuiß kommen.— Endlich, lange Zeit ging hin darüber, da löste sich der Kampf, der ihn in seinen Fesseln hielt, und er brach in'einen Strom von Thräneu aus, und er senkte sein Haupt vor sich hin auf den Tisch und auf seine gefalteten Hände, und unter abgebrochenem Schluchzen quoll ans seinen» Herzen alles das heraus, ivas jahrelang eingekerkert gewesen»var und in dunklen» Geivahrsam ein elendes Leben gefristet hatte. Und»vie eine Quelle, die in unaufhalisamem Slrome sich ans der Tiefe ergießt, riß der neuersta»idene Glaube an Liebe und Wahrheit alle die Schlacken mit sich fort, die fünf Jahre sein dumpfes Grab gnvesen waren. Und er»veinte lauge vor sich hin.. jeuige»» Parquetbodenleger geladelt, die von Berlin ails nach Hannover Arbeit genommen baben und dort die Kollegen schwer scbädigen. Es sollen in nächster Zeit Maßregeln getroffen »verden, um derartige bedauerliche Uebelstände möglichst zu beseitigen. Holzarbeiter..Eine von über tausend Personen besuchte össcniliche Versaminlnvg der Holzarbeiter(Tilcbler, Drecbsler, Bürstenmacher:c.), sollte an» 7. Oktober in Keller's Festsäle»», Koppensir. 29, Stellung zu der Frage nehmen:„Wie könne» die Holzarbeiter Berlins die gegenivärtige günstige Geschäflsperiode zu ihrem Vortheil ausnützen?" Vor Eiiilritt in die Tagesordnung niachte W i e d e m a n ii Miltheilung von de»»» Streik in der Telephonapparate-Fabrik von Weltes, Engclufer la, und ersuchte, da eine am Sonntag stattgesuudene große Versammlung der Arbeiter jener Branche den Streik als berechtigt anerkannt habe, die Ausständigen nach jeder Richtung hin zu »interstützeu. Ferner verivies er auf den sehr günstig vertauscncn Streik der Bürsten-»nd Pinselmacher, »vorüber in»„Vorwärts" schon berichlet worden ist.— Hieraus gab der llieferenl Theodor Glocke ein übersichtliches Bild der heutigen Wirthschastsweise und zeigte, wie das Unternehmer- ihun, bei ungünstigerer Geschäftslage stets bestrebt war, die Arbeitszeit zu verlängern und die Löhne zu kürzen, und daß leider die bestehende Organisation viel zu schlvach»var, diese Angriffe nachdrücklichst abzuwehre». Wiederholte, durch das Austauchen von Steikbrechern trotz großer finanzieller Opfer ve»� unglückle Streks einzelner Werkstellen beiviesen zur genüge y» ungeheuren Jndiffereutismus der Berliner Holzarbeiter,»chd eher sei an ein erfolgreiches Vorgeben ans der ganzen Linie nicht zu denken, ehe nicht»venigstens z»vei Drittel aller Holzarbeiter Berlins organistrt seien.(Beisall.) Die Diskussion debnle sich bis gegen Mitlernacht aus. Eine Reihe Unabhängiger gefiel sich in Angriffen auf die Zentralorganisation und deren Beamte und plädirten für Wiedererrichtung des früheren Fach- Vereins, der nach ihrer Meinung»veit eher geeignet sein soll, die Interessen der in Berlin seßhnflen Holzarbeiter zu vertreten, als der Verband es angeblich kann. Den Herren wurde von der anderen Seite, der deS Verbandes, erividert, daß der Streit un» die Organisatioirssorm ein müßiger ist und daß sie sich, anstatt fruchtlos zu kritisircn und zu negire», dem Verband anschließen sollten, um die Ab- stellnng clivaiger Mängel herbeizuführen. Erivcise sich dies als unausführbar, so»vürden sie ja mit ihrer Vorliebe für einen lokalen Verein eher als so den geivünschten Triumph erleben. Infolge der durch die Unabhängigen verursachten»lnfruchtbaren Debatte kam die Versammlung zu keinc»»» Resultat. Es wird deshalb nächsten Montag in demselben Lokal eine neue ab- gehalten»verden, in der Genosse Karl!i l o ß ans Stuttgart spreckM» wird. SfeattUv. Die Versammlung vom 9. d. Mts., die im Broch- /ww'sche» Saale tagte, erfreute sich eines zahlreichen Besuchs. S a s s e» b a ch berichtete znnäcbst über die Einnahmen und Aus- gaben, die bei den jüngst beendeten Streiks von Loh Söhne und Dotli zu verzeichnen waren. Eingegangen sind für Slreikzivecke ans Berlin 827 M. und aus Oesterreich ca. 190 M., außerdem ist noch eine beträchtliche Summe von der deutschen Kollegenschast gesammelt worden. An Slreikunterstützung»vurde verausgabt 1063 M. Der Berichterstatter erivähnte, daß die Kosten für die Thäligkeit des Ei»>gungsa»nts in Sachen Loh Söhlde vom Magistrat getragen werden. Eiiuvcndungen gegen den Bericht»vurben von keiner Seite geniacht. Ueber die gcgcnivärtige Situation an den Orten, wo deutsche Militärarbeit angefertigt»vird, niachte der Redner die Mittheilung, daß sich überall die Kollege»- schaft regt, um höhere Preise zu erzielen. Im Rhen»- lande besonders haben in jüngster Zeit zahlreiche Ver- sammlungen sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Eine in Roisdorf bei Köln unter dein Vorsitz des Pfarrers(!) ab- gehaltene Versammlnng nah»» gleichfalls einen durchaus günstige» Verlans; i» einer Vergleichssihung am folgeiide» Tage gab der Fabrikant die bestimmte Erklärung ab, daß er jederzeit die in Elbcrseld-Bormen festgesetzten Preise zahlen»volle. Die Kollegen am letzteren Orte haben ihre Absicht, Forderungen(7 Diark für den Torilister»c.) zu stellen, bis zu dein ZeUplmkt aufgeschoben, Ivo die Differenz i» der Bezahlung in Berlin und Elberfeld Es»var schon Nacht,»ind die Leuchtkäfer tai»zten»vie hüpfende Sterne ihren Reigen auf den»»veiten Kamp, als der Alte»vieder erschien. Er setzte sich ruhig auf seinen Stuhl»md sagte: „Mein Pfcrd habe ich eben gesattelt, un» heim zu reiten »»ach dem Flecken, Don German, und bevor Ihr hineingeht in das Haus,»vill ich Euch noch den Rest erzählen, den Ihr wissen niüßt. Ich bin ruhiger geworden, und Ihr »vcrdet es auch fein. Tcsivcgen bin ich vorhin eine Stnilde in dein Kaiup umhergelaufen. Ich»verde nicht niehr so heftig»verden»vie ich früher gewesen bin. Es gicbt kein bcssercs Bernhigtingsmittel für eine aufgeregte Seele als einen kleinen Spaz»ergang auf paraguayischer Erde; und »ver krank am Geist ist, sagte mein Freund der Doktor Wilson iliimer, soll hier sein Hans bauen in» Kamp und Wald zivischen unseren beiden Strömen und er»vird gesund »verde»». Und er hat's geivnßt; denn er»var ein guter Mensch und ein guter Arzt. Also ich muß daraus zurückkomm««, daß Ihr danials davon gingt, um in Argentinien Euer Glück zu suchen in der Jagd nach den» Golde. Zu der Zeit»var es, daß ich damals Genoveva kelinen lernte, oder vielmehr der Doktor »var es zuerst, der sie in Eurer Wohnung traf. Wilson halte gehört, daß es Euch schlecht gegangen»var bei Euren Geschäften, nud daß Ihr cmen Bankrott gemacht hallet, und er suchte Euch auf, um Euch cuie Arbeit zu gebe». Ihr solltet danials den Cerro Tesgracias ausmefsen vorläufig; das andere hätte sich dann spälcr gefunden. Nun, die Messung Hab' ich dann später gemacht,»vie Ihr gesehen Habt. Wilson liebte es, Wohlthaten zu th,ln in einer Art, die niemand verletzte, und manchen» hat er ge- Holsen, der ohne ihn elend zu gründe gegangen wäre. Er sollte Euch nicht mehr antreffen. Aber er fand Genoveva oh»»- mächtig auf der Erde mit einan Brief in der Hand. Wenn Ihr nicht»vissen solltet, was in den» Briefe gestanden hat, so könnt Ihr ihn heute noch lesen. Er ist aufbewahrt , vordeu. Er hat sie dann mitgenvnimcn hier in sein Haus, als sie ihre Krankheit überstanden nnd er ist ihr alle Zeit ein liebevoller Vater gewesei». Er hat übrigens»nein Vorhaben nie gebilligt, das ich mit Euch hatte und nieinen Haß. Aber iTiir war er zur ziveiten NaUir geworden; denn mir lag er im Blut. Ich habe mich niemals zu de»» Christenglauben bekehren können, der da sagt Liebe für Haß. Ich sage Haß für Haß, und Liebe für Liebe. Aber an» Ende hat er mir freie Hand gelassen und hat»vohl vorausgesehen oder doch»venigstens angenommen, daß sich »»anchiual auch Haß in Liebe ändert,»venn auch nicht bei mir so doch bei anderen. Genoveva ist also bei uns ge- blieben. Tie erste Zeit hat sie arg milgenom»ne>», und immer ist sie still geivesen, obivohl das nickt in indianischem Blute liegt. Ter Doktor hat sie weiter»»»»terrichlcl in alle»»»,»vas er selber gewußt hat, und sie hat so mancherlei gelernt, daß sie manche Daii»e aus Brienos Aires ii» den Schatten stellen kann, oder ans Europa. Als Wilson dann ans Sterben kam. bat er auch für sie aesorgt, daß einigermaßen ausgeglichen»st. Man erivartet allgemein, daß die Berliner Anstalten»reffen, damit sie niit ihrem Lorin den Kollegen der Provinzorle wenigstens nicht nachstehen, weil diese sonst ver- bindert»verden, Mehrforderungen geltend zu»nachen.(Beifall.) P ö r s ch ergänzte diese Aussübrungen. In Berlin»vird durch- schnittlich 1,50 M. weniger für einen Tornister gezahlt, als in Elberfeld-Barmen; seldst die kleinen Orte haben höhere Preise als die Rcichsbauplstadt. Auf das Schreiben de« Lohnkommission an die Fabrikanlen betreffend Lohnerhöhung für deutsche Militärarbeit hat keiner der Herren geant>vorlet. Die Arbeiter der Firma Schulz Nachfolger in S ch ö n e b e r g sind sich nun dabin schlüssig geivorden, am Donnerstag die Forderung von 6 M. für Tornister und 1 M. für Patrone»»« laschen zu stellen. Sie setzen voraus, daß die gesammte Kollegen- schaft hinter ihnen stehen wird. Nach einer eingehenden Dis- lussion, in der das Vorgehen der Schöneberger Kollege» allerseils gebilligt»vurde, beschloß die Versammlung mit Einstimmigkeit eine Resolnlion des Inhalts, daß sie mit der Foldernng: 6 M. für de» Tornister, IM. für diePatronentasche und Abschaffung der Theilarbeit— vollständig ein- verstanden ist und den Kämpfenden Unterstützung nach jeder Richlnng hin zusichert.— Die Lohnkommissicn wurde nachdem um brei Personen verstärkt.. ��Goldschmiede. In der von der Neuner-Kommissioi» zum � Oktober einberufen geivesencn öffentlichen Versammlung für i'ämmlliche in der Gold- und Silberivaaren-Jndustrie beschäfliglen Arbeiter nnd Arbeiterinnen wurde über aufzustellende Forde- rnugen verhandelt. Wie F a b e r mittheilte, haben in der vorher« gehenden Woche drei Branchenversammlungen stattgefunden. In der Versammlung der Besteckarbeiter»vurde von einer Veivegnng für bessere Bezahlung der Nachseierabend-Arbeit Abstand ge- nouime»; in der Versammlung der Silberarbeiter, vurde einstiinnng der Beschluß gesaßt, noch in diesem Herbste für bessere Bezahlung der Nachfeierabend- Arbeit energisch einzutreten; in der Versammlung der Goldarbeiter und Ji iveliere wurde festgesetzt, sich dieser Bewegung anzuschließen, außerdem eine Beseitigung der Kellerarbeit zu erstreben. Faber legte des längere» die Schädlichkeit der Nachseierabend-Arbeit sowohl in sanitärer wie in wirthschaftlicher Beziehung klar, de- leuchtete die vorhandenen Mißstände in den Werkstätten, be- sonders die der Kellerwelkstätten, betonte die Nothivendigkeit, die in der Goldwaaren-Jnduftrie größtentheils herrschende tägliche 9»/estündige Arbeitszeit in allen Geschäften einzuführen, auch in der Silberwaaren-Jndustrie, wo fast durchgängig die 10stü>,dige Arbeitszeit noch besteht, um der Arbeitslosigkeit in etivas zu steuern, und verivies auf den Beitritt zuin Zentral- verband der Gold- und Silberarbeiter und verwandter Berufs- genossen, als Vorbedingung zur Durchführung der zu erstrebenden Ziele. Redner gab sich der Hoffnung hin, daß es keiiies Aus- standes bedürfen werde, nin die skizzirten Forderungen zur Durchführung zu bringen. Diese letztere Ansicht»vurde von den zahlreich Versainmelien allerdings nicht ganz getheilt. Eine voll- ständige Beseitigung der Nachseierabend-Arbeit wurde nach Lage der Verhältnisse nicht für dnrchsührbar, eine bessere Bezahlung derselben dagegen für nur gerechtfertigt erachtet, schon um desivillen, weil durch eine Verlheuerung der Nachseierabend-Arbeit eine Beschränkung derselben von selbst eintreten werde. Ver- kannt»vurde nicht, daß die Berliner Gold- und Silberwaareit- Industrie uiiter dem Drucke der ansivärtigen Konkurrenz schiver zu leiden habe, doch»vurde andererseits auch hervorgehoben, daß eine Beschränkung der Nachseierabend-Arbeit nur im eigenen Interesse der Prinzipale liege nnd von diesen selber nach Möglichkeit be- trieben werde. Festgestellt wurde, daß die„anständigen" Ge- schäste bereits die Nachseierabend-Arbeit besser bezahlen und daß auch in den größeren Silberivaaren-Fabriken die 9Vsstündige Arbeitszeit besteht. Bezüglich der zu stellenden Forderungen »vnrden folgende Anträge gestellt: I. Einheitliche Festsetzung der täglichen Arbeitszeit aus 9»/s Stunden. 2. Ein Lohnaufschlag für Nachseierabend-Arbeit von 50 pCt., für Nachtarbeit(von 10 Uhr ab) von 100 pCt. 3. Beseitigung der Kellerwerkstätten zu erzielen. Alle drei Anträge»vnrden fast einstimmig an- genvinmen. Die Neuner- Konimission»vurde beauftragt, die »vettere Regelung dieser Angelegenheit mit den Unternehmern in die Hand zu nehmen. sie weiter leben kol»nte, wie wenn sie sein eigenes und ein« ziges Kind gewesen wäre. Er wollte sie zuerst zur Erbin einsetzen, und es wäre auch dazu gekommen, »venu ich»licht davon abgerathen hätte. Es fänden sich hier immer Leute genug, die ihre eigenen Wege wissen, einer solchen Erbin, die gar»»icht verivandt ist mit dem Erblasser, die Erbschaft abznprozessiren. Um allen solchen Unannehmlich- keilen ans dein Wege zu gehe»», sind wir denn auf den Ausweg verfallen, sie ihn» a»»zutrauen, obivohl daS auch nicht so leicht war, wie es schien. Der Doktor Wilson »var ein Ketzer,»vie die Schivarzröcke ihn na»i»»ten. Er hat jedenfalls an vieles nicht geglaubt, was diese gerade geglaubt haben wollen, nnd der Curä aus San Fernando weigerte sich deshalb, die Trauung zu vollziehen. Darauf bin ich viel herumgeritten bei allen möglichen Priestern; aber wie einer gehört hat, daß der Doktor Wilson es wäre, der sich verheirathen wollte, hat er sofort nichts wissen wollen davon. Ain Ende haben»vir dann eii»en aufgetrieben von denen, die hier im Lande«»»»herziehen ohne bleibenden Ort, wo sie sitzen könne»», und dein war es recht. Er hat sich nicht daran gestoßen,»vas der Doktor geglaubt hat oder nicht. Nur als er hörte, daß Genoveva noch nicht yetauft war, ver« laugte er, daß sie sich vorher taufen ließe, und gab ihr dabei den Namen Maria. Als Frau des Dr. Wilson konnte»»»an sie leicht und ohne große Schivierigkeiten zur Erbin»uachen»nid so geschah es, und der Doktor starb daraiif in allein Frieden." Der Richter stand aus und sah aiif seine langen Sporen hinab, die er leicht mit seiner Reitpeitsche schlug, daß die großen plutiipen Räder zitterten und klirrten. „Unsere Wege trennen sich jetzt, Don German... ich habe meine Absicht erreicht nud nicht viel mehr mit der Estanzia Cerro Tesgracias zu thu». In der letzten Zeit bin ich viel hier gewesen. Fast mehr hier als in meiner eigenen Wohnung. Das hört jetzt aus. Ich werde selten mehr kommen; höchstens»venn man mich einmal rufen sollte, um meinen Rath zu hören. Ich»veiß mancherlei, obwohl ich ein alter Mann bin. Sie werden bald in der Lage sein, Ihre Ge- schäfte selber abzuwickeln. Wenn Ihr Haus auch ziisammen- gefallen ist, so müssen Sie doch wenigstens die Trümmer davon schaffen, daß die Stelle sauber aussieht, wo es ge- standen hat. Vielleicht findet sich auch mit der Zeit ein kleines Haus auf demselben Ort. ES kann ein einfacher Rancho sein aus Lehin mit einem Strohdach ans Kamp- gras, und braucht kein Palast zu sein, wie in der Calle Reconquista in Buenos Aires.... Und wenn ich Ihnen am El»de noch einen Rath geben kann, dann gehen Sie hin und versöhnen Sie ein arines betrogenes Frauen- herz... Eine Frau verzeiht immer... u,»d diese erivartet Sie... gute Nacht." Wenige Augenblicke sah ihn Gerlnan Wiiiterfeld lang- sam über den Kamp reiten. Sein weißes Haar erglä»»zte im Licht des Mondes wie Silber, u>»d er virschlvand allmälig in der Ferne. Belle-Alliance-Tiieater Belle-AIKance-Strasse No. 7/8. Sonntag, den 13. Oktober 1893, nachmittags SV» Uhr: VMsvorLteUuvg unter Regie von Julius VürK: Zum ersten Male: Gin Volksfeind. Schauspiel in S Aufzuge» von Henrik Ibsen. Elnirittskarten ä 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften in haben. äM"' Die Verloosung beginnt um U/s Uhr. Killet» in den bekamuen Geschäften, sowie in folgenden neuen: 88. Carl»>chol?, Glaserei. Wrangelstr. 32; S, Kergner, Restanrant. Annenstr. 16; 8«. z-rrygung, Restaurant. Schlltzenstr. 18/19; Zubeti, Restaurant. Linden- straße 106; Adromeit. Gärtnerei, Blücherstr. 14; Schröder. Cigarrengeschäft. Kreuzbergstr. IS. 229/1 Koslinen Hof y N., Köslinerstrasse 8 (nahe Stadt Bahnhof Vedding). Kirustag, de» 13. Gktober, abendo pnnkt 8'/s Ulfr: 2. lidoniiementZ'iioinel't (G esellseliafts-Abeud) der Freien Vereinigung der Zivil-Bernfsmusiker Berlins. Zur Aufführung gelangt n. a�: Ouvertüren z. d. Opern„Stradella" von Flotow; „Zigeunerin" von Balse. Streichquartette des gesanunten Streichchors; Solis für Piston u. s. w. Auf Wunsch: Ouvertüre zum Trauerspiel„Nal'espierre" von Litolff. Ntlheßer: Sll vorzügl. Musiker. Dirigent: Grass. Abonnementskarten a 1 Mark (giltig für 5 Konzerte, auch als Familiendillrt) in allen mit Plakate» belegten Handlungen und an der Abendkasse. Einzel-Konzerte: Abendkasse 25 Pf. pro Person. Programme k 5 Pf. Nach dem Konzert: Softg Familien-Kränzchen. (Herren, die sich daran betheiligen, zahlen 30 Pf. nach.) III. Abonnements-Konzert: Dienstag, den 22. Oktober 1895, im„Konzertbans Sanssouci". Um rege Unterftühung bittet Der Vorstand. I Renovirte Räume. Renovirte Räume. Freunden und Bekannten hiermit zur Nachricht, daß ich �niienstrasse 42143(City-Passage) ewe Deslillation Weiß- iml) BairWier-Loknl eröffnet habe. Es wird mein Bestreben sei», nur gute Speisen und Getränke bei soliden Preisen zu führen und bitte ich um geneigten Zuspruch. 34SSL' Achtungsvoll TäCSs.©(früher Tischler). MökeMfchlevei und von A. Lcbulz, Reichenbergerstr. 5, an der Bitterstrasse.— Gegründet 1878. Liefere W»hnung«.vcinri>htn»ge» unter Garantie in Nußbaum und Mahagoni von 240, 300, 400. S00. 600 bis 6000 Mk. in anerkannt ge- diegener Auejührung. Auch Einxclverbanf zu Fabrikpreise«. Killigste Preisberechnung. Nreislistcn franko.__ 32S61,' Neueste Wiiterhote für Damen it. Kinder, garnirt u. nngarnirt, empf.in reichster Auswahl zu billigsten Preisen Th. 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Die Reise»ach den» Mars. Zlene» Theater. Der Militärstaat. SchiUer-Theater. Das Glas Wasser. Uestdenz. Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst- Theater. Parade- bummler. Central-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplah-Theatrr. Ein Kind der Liebe. Vorher: Ein kleines Mißverständnisi. Zkational» Theater. Wilhelm Tell. Theater Unter de» Linde». Die Chansonnette. Burschenliebe. Anierlran- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von � Rixdorf. Ueichohallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Zchitler-Theater. (Wallner>Tlieater.) Sonnabend: Da« Glas Walser. Sonntag Abends: Der Herenkestel. Gl» Diener zweier Kerren. Katiousl-'rilkstkr. Große Lrandfurterftraße 132. Direktion; Max Sarnst. TolkSTorstellnng zu bedeutend ermäßigten Preisen. Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Regie: Max S a m st. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: O R h v 1 1 o. zri-!««>WsM. Antn 25/26. Chanlsrrstr. 25/20. Heute: Zwei Vorstellungen der Liliputaner. 7Ät-3«in50.f«Ie:Ä: Die Rcise ich dem RnS. Nachm. 3 Uhr: Kr. Uiuüorvorstsilllug. TneeioWell Sonntag, nachm. 8 Uhr und abends V/s Uhr: Die Reise nach dem Mars. Kinder nachmittags halbe Preise. Central-Theater. Alt- JaKobstr. 30. Cmil Thomas a. G. «ovität l Zum 30. Male: Novität! Eine tolle Nacht. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Vilh. Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Eiohsrd Schultz. Anfang 7Vs Uhr. Morgen: Zum 40. Male: Eine tolle Nacht. U n s n i s Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschait- lichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage-Panopticuni. 42 Wilchen vom andern Ende der Welt (Samoa). Kaiser-Panorama (Passage). Letzte Woche: II. Eycl. Kieler Feste, Kanal, Hamburg. Eine Reise nur 20 Pf. Abonnem.- u. Vereins-Billets. 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Die Soiree» der altbrliebte» Stettiner Singer (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl »nd Schräder) finden statt jeden Sonntag und Donnerstag: Concerthaus Sanssouci, jeden Montag und Freitag: Victoria» Brauerei, jeden Dienstag: Böhmisches j Brauhaus. Sonnabend, den 12. Oktober, abends 8 Uhr; Grosse Vorstellung. DasgrössteEreignissimAthleten-Spori: Kingkampf Pohl- Zill insky um die Meisterschaft der Welt. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nach-I mittags 1 Kind frei. Montag: Abschiedsvorstellung, xernWaS Kurg- u. Woltgaiigllr.-Ecke. | Enormer Erfolg! Einzig dastehend!| Noch nie dagewesen! Stephan& Olivier die tollkühnen Suitturner. |Packend komisch! Alles schlagend) Lachsalven I Alles übertreffend! f Schlager auf Schlager 1 ZM" Täglicher Jnbel I-UWU W. Frobel's Paradebummler! sowie das phänomenale aus 1 20 Glanznummern best. Programm. I Anfang: Wochentags 7'/> Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Gegründet CiPCUS ReilZs Gegründet 1845. Karlstrasse. 1845. Sonnabend, den 12. Oktober 1895, abends 71- Uhr: Evöffnnngs�GnlÄ-Vovttellung. Festliche Kegrüstung und Millhommens-Knidigung. der Reichs» Kanptstadt und ihre» Kewohner» dargebracht vom gesammten Herren- und Tamenpersonal, in einer besonderen Art arrangirt vom Direktor Pr. Renz, endigend mit einer Polonaise. Nach derselben: Vorstellung der Schulreiterinnen Frl. Wally Renz, Frau Robert Renz, Miss Rita del Frido, Miss Blanche Cooke, HUe. Dudley und Miss Fiori sowie der Schulreiter Mr. James Fillis. Mr. Gaberei und Herrn Ritter vonRenroff. ö®" Joujou hippique"HMZ mit 12 Freiheitspferden. Das Vollendetste der Pferdedressur, wie solche bis jetzt noch nicht gesehen wurde. Vorgeführt vom Direktor Fr. Renz. M-phistostla's Köllen- ritt, ausgeführt von Frl. Wally Renz(Tochter des Direktors). Zum ersten Male in Berlin: Die vier Jahreszeiten, Schule, geritten von 4 Tanien. Auftreten der berühmtesten Schulreiter der Gegenwart: Mr. Gaborel mit seinem Rapphengst Chicago. Herr Ritter von Renroff mit seinem Schulpferde Skobeleff, hierbei besonders erwähnenswerth: Original! Der phänomenale Baguettesprung, wie solcher bisher von keinem Reiter mit Pferd in gleicher Weise ausgeführt wurde. Zum ersten Male in Berlin! Povero, 4jähr. Vollblut-Rapphengst, in allen Gangarten der hohen Schule dressirt und geritten von dem anerkannt besten Schulreiter der Welt Mr. James Fillis. Zum ersten Male in Berlin! Neue Idee! Die große Armee-Steeple-Chase. Internationales Wettspringen, oder: Alles unter einem Hut. Austreten der berühmtesten Künstler-Familie James Joe. Komische Entrees und Intermezzi. Alles Nähere aus Plakaten und Austragezetteln ersichtlich. Preise der Plätze für die ersten beiden Vorstellungen(Sonnabend, den 12. Oktober, und Sonntag, den 13. Oktober): Logenplatz 6 M., Sperrsitz und Tribünensitz 4 M. Erster Rang Balkon(nummerirt) 1. Reihe 3 M., die folgenden Reihen(nummerirt) 2 M., Zweiter Platz 1 M., Dritter Platz(Gallerie-Stehplatz) SO Pf. Kinder unter Be- gleitung Erwachsener zahlen auf dem I. Rang, Balkon und zweiten Platz die Hälfte, auf allen ürrigen Plätzen den vollen Preis. KafsenSffnung vormittags von 11 bis 2 Uhr und nachmittags von S Uhr ab. Sonntag, den 13. Oktober 1895, abends T/s Uhr: Gala-Fest- Vorstellung. Montag, den 14. Oktober und folgende Tage: Vor- stellung, abends 7l/i Uhr.(Kleine Eintritspreise.) Franz Renz, Direktor, Königl. Koinmisfionsrath. Wir Warnen vor unnützen Mehrausgaben bei Einkaut von eleganten Herren- n. Knaben-Garderoben zuv Mevbflfnison. mmmmaamBmmmmm Herren- Paletots jetzt ffl. 10, 12, 15, 18-35 an, Herren- Anzüge jetzt M. 12, 16, 20, 24-36 an. Jünglings- Paletots, Anzüge M. 9, 12, 15-20 an. Knaben-„„„ 3, 4, 5, 6-9 an. Hobenzolleru-, Pelerinen-Mäntel von M. 15 an. Einziges Geschäft in Berlin, wo so elegante Garderobor zu derartig billigen Preisen abgegeben werden. Sonntags geöffnet. Elektrische Beleuchtung. Bekleidnngs-Compagnie 878 Friedrichstrasse I78y zwischen Jäger, u. 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Fayons an I Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen an Pötzsob und Frau, M»«Kau erstraste 40. ■HBBBaHaBBBHiHinBei Den Parteigenossen des 1. Reichs- tags-Wahlkreises die betrübende Nach- richt, daß unser Genosse, der Schlosser- meister Joseph Wiaderny im Alter von SO Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause, Kleine Poststr. 6. ans nach dem Fried« Hof der Freireligiösen Gemeinde statt. Um zahlreiche Betheiligung bitten 203/3 Die Nerfrauenspersanrit. Achtung!(.Wahlkreis! Den Mitgliedern des Sozialdemo- kralischen Wahlvereins für den ersten Berliner Reichstags- Wahlkreis zur Kenntniß. daß unser altes Miiglied, der Schlossermeister J. Wyaderni am Donnerstag früh 6 Uhr ver- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause Kleine Poststr. 6 ans nach dem Fried- Hof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee statt. Um zahlreiche Betheiligung ersncht 236,5 Ter Vorstand. Verband der im Vergolder- u.verw. Gewerben beschält. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands (Filiale Berlin). De» Kollegen hiermit zur Nachricht, daß am 10. Oktober unser treues Mit- glied, der Baroqnevergolder kieliard Schirop im Krankenhause Friedrichshain ver« storben ist. Zeit und Ort der Beerdigung wird in der Versammlung am Sonntag Vor- mittag bekannt gemacht. Um reg: Theilnahme bei der Be« erdigung ersucht 225/3 Die Grtsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme, sowie die zahlreichen Kranzspenden bei d. Beerdigung meines lieben Mannes, des Formers Aöclf Vellmar äge ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Kinna Vellmar. Achtung! Achtung! Künstl. Zähne v. 3 M. an, Theilz. wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahn- Üehen, Zahnreinigen, Nervlödten um- 'onst Guckel, Lausitzer Platz 2. Elsaffer« traße 12. Bade| ohtannin Wallstr. 70.�"" Pankstr. 32. EV Probebad nur 1 M."WL Loli-Tanninb/ider anch für Krankenkassen. 3448L* Dampfkastenbader nur MaUstr.170 (zweiter Eingang: Neu-Köln a. W. 6/8). G. Nlünsel. Prospekt franko umsonst, Meitsmck. Achtung! Parquetbodenleger! Die Kollegen der Firma Bosen» felö& Cie. haben wegen Lohn- differenze» die Arbeit niedergelegt. Zuzug anch nach dem Neubau Schul- Hans in Wilmersdorf ist strengstens ernzn halten. 76/17' Die Werkstatt-Kontrollkommission d. Deutscheu Holzarbeiter Verbandes. Tücht. Rock- und Paletot-Schneider per sofort gesucht. 565b M. SB. Rosenthal u. Komp., _ Kaiser Wilhelmstr. 48. Sniffllteihl»!» auf Kragen u. Mansch. .QUlUjiUllill bei gutem Lohn und dauernder Stellung suchen Wolkrad& Wolff, Stralauerstr. 56. 642b Lehrfräulein, Damenschneiderci, verl. Minna Ganzer, Stralauer Brücke 6. Knaben-Anzüge. Arbeiterin auf geschnittene Arbeit guter Mittel-Genres bei dauernder Beschäftigung gesucht. Leopold Pin», Kaiser Wilhelmstr. 3. Mamsells aus bessere glatte Jaqnets verlangt Schönau, 6S5b Reichenbergerstr. 137. Verantwortlicher Redakteur: Friv Knnert. Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badina in Berlin.