Nr. 416 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 2l2 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Psenniq. monaMch Z.- ZIeichsmnrt voraus»ablbar. Unter Streifband im In. und Ausland 5.50 Reichsmari uro Monat. Der„Vorwärts' mit der illustrier. tcn Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der gilmwelt". „graucnstimme".„Der Kinder» freund".„Iugend-Vorwärls".„Blick in die Bllch-rwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint Wochen täglich zwei» mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adrest«! „Soziuldernotrol Berlin' Morgen ausgäbe Derlinev Volksblatt Groß-Berlin SO Pfg. Auswärts IS Pfg. Anzeigenpreise: Die einsvaltiae Nonpareille- geil« M Piennia Reflamezeile 5,— Reichsmark.„Kleine Anzeigc»" das fettgedruckte Wort 25 Plennir fguläfsta gwei fettgedruckte Worte) ledes weitere Wort l2 Pfennig Stellengesuche das erste Woit lö Pfennig- jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben tlählen flir»wei Worte Arbeitsmarkt Zeile 00 Pfennig gamUienaniieigen flir Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäst, Lindcnstraße z, wochentäglich von 8>a> bi» 1? Uhr. Tentralorgan cier 8o2ia1ckemokratifcken Partei veutfcklancts Reüaktion uns Verlag: Serlin SW. öS, Linsenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff SSÄ— ÄS7. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS, Linüenstr.3 Bostfcheckkout,! Beel!» ST 53t- Bankkonto: Bank der Arbeiter- Angeftrlten und Beamten- Wallftr- 05: Diskonto. Selelllchoft Denssttenkaff» Lindcnftr. 3. Kampf in einer Sowjetbotfchast. Ein gewalttätiger Eindringling in der Warschauer Sowjetbotschaft erschossen. w a r s ch a u. 2. Sepkember.(Eigenbericht.) Am Jentag vormittag wurde in der russischen Gesandt- s ch a s t in Warschan ein unbekannter Mann erschossen. Es handelt sich um einen Besucher, der angeblich ein Einreisevisum nach Sowjetruhland verlangle und unbedingt zu dem Geschäfts- träger llljanoss zugelassen werden wollte. Da der Geschäsls- lräger nicht anwesend war. wurde der llebekauuke schließlich aufge- fordert, das Gefaudtschaftsgebäude zu verlassen. 3n diesem Augenblick zog dieser einen sinnischen Dolch, verwundete den diensthabenden Beamten Schleffer erheblich: darauf ergriff der Unbe- kannte ein Lineal und begann damit ein Porträt Lenins an der wand zu zerstören. Ans die Hilferufe des verwundeten Beamten erschien«iu Diener der Gesandlschaft, der llnbekannle versuchte zu fliehen, wurde jedoch«och rechtzeitig eingeholt und von einem weiteren Diener der Gesandtschaft durch fünf Revoluer- schüsse niedergestreckt. Der Tote soll der 20jährige Busse Joses lraskowirz aus wilno sein, wo er Vorsitzender der dorSgeu russischen«ouarchistlschen Jugend gewesen sein soll. Die polnisth-offiziöse Vorstellung. Warschau, 2. September.(Poln. Telegr.-Zlgentur.) heute um 11 Uhr vormittag kam es in der russischen Gesandt- schast zu einem Zusammenstoß zwischen einem russischen Ems- grauten, dessen Gesuch um die Erlaubnis zur Rückreise nach Ruß- lanb abschlägig beschieden worden war, und den Gesandt- schoftsdienern. Der Emigrant, dessen Name noch nicht festgestellt werden tonnte, grisf dabei einen der Gesandtschastsdiener mit dem Messar in der Hand an und wurde von dem Angegrisfenen, der sich mit dem Revolver zur Wehr setzt«, auf der Stell« getötet. Auf Verlangen der sowjetrussischen Ge- fandtschaft haben sich Vertreter der polnischen Gerichtsbehörden und des Auswärtigen Amts zur Einleitung einer Untersuchung an Ort und Stelle begeben, Vor wenigen Wochen hat ein junger russischer Monarchist dem Sowjetgesandten Wojkoff aus dem Warschauer Haupt- bahnhof aufgelauert und ihn heimtückisch abgeschossen. Da- nach ist wohl zu verstehen, daß man einen jungen russischen Emigranten, dem die Rückreiseerlaubnis schon verweigert wurde, nicht zu dem Geschäftsträger vordringen läßt, der übrigens den Familiennamen Lenins trägt. Ob die Er- schießung in Notwehr erfolgte, wie ein Teil der Berichte aus keineswegs bolschewistenfreundlichen Quellen sagt, oder ob vielleicht das gewalttätige Auftreten des Besuchers einem der Sowjetleute Grund genug schien, loszufeuern— das ist von hier aus und so schnell nicht zu entscheiden. Es scheint nicht gerade ein Schuldbekenntnis der Sowjetgesandtschaft zu sein, daß sie sofort die polnischen Behörden zur Feststellung des Tatbestandes in das exterritoriale Gebäude genifen hat. Dieser Einladung sind außer der Polizei auch"der Staats- anwall und der Leiter der Ostabtellung im Außenministerium gefolgt. Der Erschossene ern Irrer? warschan, 2. September.(Eigenbericht.) Josef Trajkowicz, der heute Bormittae. in der hiesigen Sowjet- gesandtschost erschossen wurde, ist polnischer Staatsbürger und stammt aus Wilua. Da er zur orthodoxen Kirche gehörte, wird an- genommen, daß er russischer bzuz. weißrussischer Her- k u n s t ist. Es wird oermutet, daß Trajkowicz geistesgestört war; sein Revolver war, wie sich bei der Untersuchung zeigte, mit einem Vonbon gejüllt. Die Passanten, die dabei waren, wie Trajkowicz von den Schüssen getroffen wurde, hatten einen Rettungswagen herbeigerufen. Die Sanitäter koünten jedoch in das Gesandtschaftgebäude nicht Einlaß bekommen, da die Gespndtschast sich vollständig absperrte und lediglich ein Vertreter des polnischen Außenministeriums sowie einige höhere Beamte der polnischen Sicherheitspolizei eingelassen wurden. /Allgemeiner Nichtangriffspakt. Ein polnischer Borschlag in Gens. V. Zell. Genf, 2. September.(Eigenbericht.) Ein zunächst in der französischen Presse veröffentlichtes Gerücht, wonach die polnische Regierung auf der bevorstehenden Tagung einen Vorstoß für die Schaffung eines allgemeinen Nicht- angrifspaktes unternehmen werde, scheint sid) zu b e st ä t i- gen. Bestimmtes über den Inhalt dieses polnischen Projektes ist noch nicht bekannt. Das Genfer Sicherheitsprotokoll von 1S24 wird, solange eine konservative Regierung in England am Ruder ist, und angesichts der starken Widerstände in den verschiedenen Dominions ebenfalls nicht wieder aufleben können. Indessen bildet in diesem Protokoll die Bestimmung über die gegenseitige Hilfeleistung zugunsten des Angegriffenen das Haupthindernis für seine Annahme durch die angelsächsischen Länder. Es scheint, daß der neue polnische Entwurf lediglich die Vcrpflich- hing aller Völkerbundsstaaten, sich nicht anzugreifen, enthalten soll, nicht aber irgendwelche Klauseln über gegenseitige hilseleistung. Die Meinung der deutschen Abordnung. An führender Stelle der deutschen Delegation wird mit Nachdruck betont, daß man keineswegs beabsichtige, von vornherein und grundsätzlich den Vorschlag abzulehnen. Man erklärt, daß es ein schwerer Fehler wäre, wenn man in der deutschen Oeffentlichkeit, nur weil der Vorschlag von Polen käme, ihn ablehnen wolle. Ob dieser vernünftige Standpunkt der Delegation viel Gegenlieb« bei der Presse der stärksten Regierungspartei in Deutschland finden wird, ist allerdings zu bezweifeln. Die Deutschnationalen leiden am Polenkoller und sie werden natürlich in diesem polnischen Vorstoß die Vorbereitung eines Locarnos des Ostens erblicken. Davon kam, aber keine Rede sein, da Deutschland ohne Unter. schied der Partei es ablehnen muß, dieselbe feierliche und frei. willige Anerkennung der Versailler Ostgrenzen auszusprechen, wie da, in Locarno für Elsaß-Lothringen geschehen ist. Andererseits wünscht Polen und wird darin von Frankreich unterstützt, daß die Verpflichtung, keinen Krieg zu führen, deutlicher ausge- sprachen werde al» dies im Echiedsgerichtsvertrag geschehen ist. Wenn da, der Zweck der neuen polnischen Anregung ist. so wäre von sozialistsicher Seit« dagegen Grundsätzliche» nicht ein- zuwende». Es kann im Rahmen eines allgemeinen Nicht- angrifspaktes geschehe». Vielleicht würde das sogar ein zweckmäßiges Mittel sein, die Diskussion der Regierungen über die R ä u- mung des Rheinlondes, die seit nahezu einem Jahre voll- ständig stockt, wieder in Gang zu bringen. * Stresemann hat heute abend zum ersten Male seit seiner An- kunft in Gens eine lange Aussprach« mit einem fremden Minister gehabt, und zwar mit Chamberlain. Bei dieser Gelegenheit dürste ihm unter u. a. die oben erwähnte Absicht der polnischen Re- gierung bestätigt worden sein. Verbindliche Unterhaltungen über diese Fragen werden aber erst noch der Ankunft Briands am Sonn- abend vormittag geführt werden. Die polnische Regierung scheint bisher ausschließlich mit der französischen über ihren Plan beraten zu haben. (Siehe auch 3. Seite.) Elf Arbeiter tot! Explosionsunglück im Steinbruch. Kassel, 2. Sepkember. Jlad) dem»Kasseler Tageblatt" wurden iu eiaem Basaltsteinbruch in der Bähe von Zimmersrode durch vorzeitige Explosion eiues Sprengschusses eine Zahl Arbeiter von den umherfliegenden Gefieinsmasien tödlich verlehl. Elf Arbeiter, meist Familienväter aus dem nahen ZNichelsberg, haben nach den bisher vorliegenden Meldungen den Tod gefunden. Die Arbeiter waren damit beschäskigt, zwei Spreng. stallen, die bereit, mit dem für eine größere Sprengung»or- gesehenen Sprengmaterial gefüllt waren, zuzumauern, als aus noch nicht geklärter Ursache sich die Sprengladung entzündete. Die in dem Stollen befindlichen Arbeiter wurden durch den ungeheuren Luftdruck weit fortgeschleudert und sofort getötet. Die durch den vorzeitig losgegangenen Schuß gelösten nnge- Heuren S teinmafsen stürzten auf andere vor dem Stollen arbeitende Männer und begruben diese unter sich. Ein Teil der Leichen liegt noch unter den herabgestürzten Gestein». massen. und kann vorausflchttich nicht so bald geborgen werden. Noch immer Haß! Vanbervelde verzichtet auf die Franktireur- Untersuchung. Brüssel. 2. September.(Eigenbericht.) Außenminister Vanderoelde ist am Freitag vor- mittag um 11 Uhr aus Genf in Brüssel eingetroffen. Er hatte sofort eine Unterredung rr�it seinem sozialistischen Minister- kollegen und nachmittags um 3 Uhr fand der Minister- r a t statt. Dieser dauerte kaum eine Stunde. Daraus ergibt sich schon von selbst, daß von irgendeiner eingehenden Aussprache oder vom Auftauchen irgendwelcher Meinungs- Verschiedenheiten keine Rede sein konnte. Am Schluß des Ministerrats wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: .Der Ministerrat nahm Kenntnis von der Erklärung, die der Minister des Auswärtigen am 13. Juli über die Zustimmung Belgiens zu einer allerdings verspälelen internationalen Untersuchung über den angeblichen Jronklireur- krieg gemacht hat- Die deutsche Regierung hat seinen Gesandte« in Brüssel am 22. Angusl beauslragt, der belgischen Regierung mitzuteilen, daß sie die Untersuchung annehme und daß sie vorschlage, diese Untersuchung aus alle auf den Krieg bezüglichen Tatsachen auszudehnen. Der Gesandte hat dabei nicht verschwiegen. daß dieselbe Methode der Untersuchung auch auf andere Länder ausgedehnt werden könnte. Der belgisch« Minister des Auswärligen hat die Mitteilung des deukschen Gesandlen zur Kennlnis genommen und ihm milgekeilk, daß er sie in einer der nächsten Sitzungen dem Kabinett unterbreiten würde. Der Ministerrat war in seiner Sitzung am jreitag jedoch einstimmig der Ansicht, daß diese Vorschläge nicht angenommen werden könnten, obschon sie den Zweck einer Befriedung verfolgen. Es scheint nicht zweiselhast, k?ß unter den gegenwärtigen Umständen eine Untersuchung die Gefahr mit sich bringen würde, die Lle i d e n- schasken wieder auszupeitschen und Jolgsn nach sich zöge, die dem gemeinsamen Wunsche der beiden Regierungen, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verbessern, völlig entgegengesetzt wären. Der Minister des Auswärtigen wird diese Er- wägungen den Vertretern der Locarno-ZNächte in Genf mitteilen." Zu dieser amtlichen Mitteilung glaubt der Brüsseler Bs- richterstatter des„Sozialdemokratischen Pressedienst" bemer- ten zu können, daß sie von Vanderoelde selb st ent- warfen worden ist und unverändert vom Ministerrat ein- stimmig angenommen wurde. Das darin gegen eins Unter- suchung der Franktireurfrage vorgebrachte Argument, daß diese Untersuchung unter den gegenwärtigen Umständen nicht den von beiden Regierungen gewünschten Zweck der Be- friedung erreichen, sondern umgekehrt alte Leidenschaften und Haßgefühle wieder erwecken könnte, ist durchaus keine Ausflucht, sondern sehrern st zunehmen. Wir glauben zu wissen, daß Vanderoelde auch von englischer Seite auf diese Gefahr einer Untersuchung aufmerksam gemacht worden ist. Aber wir haben auch feststellen müssen, daß die Ankündi- gung einer Untersuchung in manchen belgischen Kreisen diese unerwünschte Wirkung gehabt hat. Gewiß ist die Hetze natio- nalistischer Blätter großenteils dafür verantwortlich: aber Tatsache ist. daß viele, die unter den Gewaltmaßnahmen der deutschen Besatzungsbehörden schwer gelitten hatten, mit größter Ungeduld darauf warten, ihre Klagen bei der Untersuchung vorzubringen. Infolgedessen ist in sehr weiten Kreisen die Erinnerung an das erduldete Unrecht auf- gefrischt und der bereits eingeschlafene Haß wieder auf- gepeitscht worden. Unter diesen Umständen konnte Bänder- velde sich fragen, ob die Zeit schon jetzt für eine ruhige, leiden- schaftslose Untersuchung, die allein volle Klarheit und im Ge- folge wirkliche Befriedung bringen könnte, gekommen ist. Dies wäre vielleicht der Fall gewesen, wenn auch die bürger- lichen Parteien und Presse die Untersuchung in demselben verantwortlichen Geiste wie Vanderoelde gewünscht und gut- geheißen hätten. Aber nach der von den Chauvinisten größtenteils mit innerpolitischen Hintergedanken entfachten Hetze ist das sehr fragwürdig geworden. Vanderoelde kam daher selbst zu dem Schlüsse, daß es weder im Interesse Belgiens noch Deutschlands liegt, die Untersuchung gegenwärtig vorzunehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Stresemann derselben Meinung ist. Vanderoelde will sich mit diesem sofort nach seiner Ankunft in Genf, wohin er noch am Freitagabend wieder abgereist ist, unterhalten. Wir glauben, nicht fehlzugehen in der Annahme, daß auch der englische Außenminister Chamberlain bereits in der Zwischenzeit in ähnlichem Sinne auf Stresemann ein- gewirkt hat. Das innerpolitische Manöver der belgischen Reaktion, die bei diesem Anlasse eine Regierungskrise und Neuwahlen her- beiführen wollte, weil sie sich davon einen Borteil versprach, ist gründlich mißlungen. Grundfalsch wäre e» aber auch, wenn die deutsche nationalistische Presse aus der Ablehnung der Untersuchung etwa schließen wollte, daß Belgien ein schlechtes Gewissen hat und seine Anschuldigungen gegen die deutschen Besatzungsbehörden nicht zu beweisen vermöchte. Es zeigt sich im Segenteil, daß diese Beschuldigungen aus der Mitte der belgischen ypfex und deren Hinterbliebenen in so scharfer Form auftreten würden, daß der auf nichts anderes als auf Frieden und Versöhnung bedachte Vanderoelde an- gesichts der immer noch vorhandenen Geistesverfassung großer Volksteile hüben und drüben schließlich über die Nützlichkeit seiner guten Absicht starke Zweifel bekam. * Die in dem Bericht unseres belgischen Korrespondenten enthaltene amtliche belgische Mitteilung wurde erst in später Nachtstunde durch WT93. verbreitet. In einer Anmerkung bestreitet die„unterrichtete Seite" nicht, daß der deutsche Gesandte eine Ausdehnung der Untersuchung auf alle auf den Krieg bezüglichen Tatfachen angeregt und auch van der Ausdehnung solche? Untersuchungen auf andere Länder ge- sprochen hat. Das ist das Gegenteil von geschickt gewesen. Die deutsche Diplomatie hat dadurch, daß sie über den Vor- schlag einer Untersuchung bloß des Franktireurkrieges hin- ausging, den Nationalisten und Reaktionären der„alliierten Länder" das Stichwort gegeben, um sich gegen jeden Vor- schlag zu stemmen, der auf eine Revision des Versaillcr Vertrages hinauslaufen könnte. Damit hat si? die Kräfte mit verstärken helfen, die in Belgien und stärker noch in Frankreich den Friedensvertrag als ein unantastbares Heiligtum bewahrt wissen wollen. Damit waren d i p k o? matische Schwierigkeiten entstanden, die die An- regung Vanderveldes sehr bald gefährdeten, Entscheidend war freilich, daß noch heute in weiten Schichten der belgischen Bevölkerung die bloße Anregung einer Untersuchung des Franktireur'krieges die alten Haß- und Feindschaftsgefllhle aus der Okkupationszeit derartig wiederaufwühlte, daß Vanderoelde selbst nicht B e f r i e- dung erwarten, sondern Verbitterung von einer derartigen Untersuchung fürchten mußte. So bleibt nur die Hoffnung, daß es später einmal möglich sein wird, durch eine gemeinschaftliche internationale Untersuchung Licht und Schatten auf beiden Seiten gerecht zu verteilen. der Streit im Zentrum. Um die Entstehuygsgxschichie dos Pürgerbfgcks. Die Aufsätze des früheren„Gormania"-Redakteurs Dr. T e i p e l in der„Frankfurter Zeitung" haben nach Herxn Brauns auch Herrn v. G u 6 r a r d auf den Plan gerufen, In der„Germania" veröffentlicht der Fraktionsvorsitzende einen ungewöhnlich heftigen Artikel, in dem von„Brunnen- Vergiftung" und ähnlichem die Rede ist. Scharf wird die Nichtigkeit der Darstellung Tripels bestritten und dabei u. a. auch wieder daran erinnert, daß W i r t h die berühmten „Richtlinien" am 26. Januar gebilligt habe. Am Tage darauf habe er jedoch erklärt, daß er der in Bildung be- griffe,, en Regierung sein Mißtrauen aussprechen werde. Hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis des Gegen- satzes zwischen Tejpel und Guörard in der Beurteilung der historisch gewordenen Vorgänge. Die um Wirth hatten geglaubt, mit ihren Deklarationen eine sichere Barriere gegen den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung gebaut zu haben. Sie waren wie aus allen Himmeln ge- fallen, als sich diese vermeintliche Barriere als eine Brücke erwies, auf der sich die offizielle Parteileitung mit den Deutschnationalen begegnete. Herr v. Guörard verteidigt die Bürgerdlockpolitik und rühmt besonders, daß der„erfreuliche Fsyggenerlqß" G e ß- rtifeT s trotz der vier deutschnatiönaien Minister möglich geworden sei. Die monarchistische Propaganda der„Kreuz- zeitung" sei allerdings unerträglich und ein Verstoß gegen die Richtlinien, mit dem man sich noch zu beschäftigen haben werde. . An Stelle de Zouvenels ist Hubert, der Präsident der Senatskommission für Auswärtiges, zum französischen Delegierten dilm Völkerbund ernannt. v Neulich ist... Von HeinzEjsgruber. Täglich sterben Menschen. Zuweilen stirbt auch ein General. Neulich ist der General Donnerkrach gestorben. Ich weiß zu- fällig, wie sein Arbeitstag verlief— als er noch arbeitete— und möchte das erzählen. Jeden Tag, nach dem zweiten Frühstück, ist General Donnerkrach in die Divisionskanzlei gefahren. Dort hat er eine Mappe durchgeblättert, in die der Kanzleiseldwebel viele Papier- chen gesteckt hatte, die wiederum von Maschinenschreibern und Feld- webeln, von Proviantsbeamten und Quartiermachern, von Adju- tanten und Generalstabsoffizieren. von Sanitätsunterosfizieren und Witwen, von Etappensoldatcn und Kafinawirten, von Ortskomman- dantei, und Brigadepfarrern, von Kriegsberichterstattern und Heeres- lieferanten und von allen möglichen anderen Zeitgenossen beschrieben, bekritzelt und bestempelt waren. Die Aufgabe nun des kürzlich ver- storbsnen— Gott habe ihn selig!— Generals Donnerkrach war, auf diese Papierlein„Donnerkrach" hinzuschreiben. Manchmal waren merkwürdig knittrige, runde Stellen auf den Papierlein; so, als ob ein Tropfen Kognak darauf gefallen wäre oder ein Tropfen Wein. Es konnte aber ebenso gut eine Träne gewesen sein oder ein Schweißtropfen. General Donnerkrach pflegte darüber nicht nachzu- denken: ja er sah diese ominösen Spuren nicht einmal. Auch dann nicht, wenn sie von ihm selbst herrührten, obwohl er bann nicht scharf hätte darüber nachsinnen müssen, ob sie von Kognak oder von Schweiß herrührten. Die Papierlein, auf die der verstorbene General sein„Donner- krach" kitzelte, hatten oft eine unendlich grausame Geschichte: sie er. zählten oft von entsetzlichen Dingen, wenngleich diese sich auf dem Papier, aus dem gediegenen Schreibtisch und vor dem sanft geröteten Gesicht unseres Generals gar nicht so schltmm ausnahmen. Zum Bei- spiel stand da auf dielen Papierlein:„Beim gestrigen Borstoß sprengten die Franzosen unsere vorderen Gräben in die Luft, wobei dqs 3. Bataillon des 4. Regiments vollständig vernichtet wurde." Da drehte sich dann der General nach seinem Adjutanten um, der sich gerade die Fingernägel reinigte und fragt«:„Wer hat das Bataillon eigentlich geführt?" Und ehe der Adjutant noch antworten konnte, fragte Donnerkrach weiter:„Sagen Sis mal. Eppstein, wo ist denn bloß mein Bursche: ich habe ihn ins Kasino geschickt, aber der Kerl kommt nicht wieder?!" Und dann blätterte er weiter, weil er das tote Bataillon schon wieder vergessen hatte, und ging dann nach Hause oder ins Kasino, oder er stieg In sein Auto, weil er zum Hauptquartier befohlen war, oder er begab sich ins Nebengemach und schimpfte drin gottesmörderlich, weil die Wasserspülung nicht funktionierte. Manchmal freilich ging es noch beschwerlicher zu. Da saß er an einem mit grünem Tuch bedeckten Tisch und um ihn herum lief«in gutes halbe» Dutzend Ostiziere mit und ohne rote Hoseustreijen; sie Hilfsmaßnahmen für Pommern. Steuererlaß und Kreditstunduns- Die aus der Provinz'Pommern gemeldeten Unwetterschäden haben, w.i» der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, das Land- Wirtschaftsministerium veranlaßt, sofort die erforderlichen Maß- nahmen zu tresstn, um den Geschädigten die erste notwendige Hisse zu verschaffen. Als Maßnohmen kommen an erster Stelle Erleichte- rungen bei der Einziehung von Steuern in Betracht. Sowohl der Reichsministsr der Finanzen als auch der preußische Finanzminister sind gebeten worden, die zur Steuerstundung sowie zum Steuererlaß erforderlichen A»ordnungen zu treffen. Um den Landwirten die zur Fprtführung des Betriebes ngtwcndigen Mittel zu verschaffen, werden die landwirtschaftlichen Kredsiiustitut«, insbesondere die Preußenkass«, demüht sein, der Landwirtschaft der Propinz Pommern durch Zuführung von Krediten nach Möglichkeit Erleichterung zu verschafsxn. Ebenso finh di« Kreditinstitute gebeten worden, bei Ein- treibung der fälsigen Verpflichtungen der Landwirtschaft Pommern» in schonendster Weis« vorzugehen. Mit der Reichsarbeitsverwaltung sind Verhandlungen aufge- Nammen, um die Arbeitszeit dxr in der Lanhmsttschaft yprüdergehepd beschäftigten Schnitter zu verlängern tU, Die Regiprungs- Präsidenten in den geschädigten Gebieten sind ersucht worden, über Umfang und Höhe der Schäden Ermittlungen anzustellen und hier- über umgehend den Zentralstellen zu berichten zwecks Prüfung, ob die Einleitung weiterer Notstandsmaßnahmen erforderlich ist. fluslanösSeutsche unü Zlaggenfrage. Hinter den Kulissen der tzevtschen Kolonie in Mcxifo Die deutsche Kolonie in Mexiko gehört zu den aus- kandsdeutschcn Instituten, die am gehässigsten die deutsche Republik und ihre Fahne bekämpfen. Es war ein Verdienst des Schriftstellers Hans Klötzel, der im Auftrags des„Berliner Tageblatts" Mexiko bereifte, einmal hinter die Kulissen dieser Kolonie zu leuchten. Er wjes in einem Artikel darauf hin, daß der Verband der Reichs- angehörigen in Mexiko, dpr dahinter stehe, nur 400 Mitglieder zähle, also nochnicht7Proz. derdort ansässigen Deutschen vertrete. 300 Mitglieder beschränkten sich auf jhre Mitgliedschaft und seien politisch vöstig uninteressiert. Ein Dreimännerkollegium mache alles: ein Harniloser und zwei Herren, die erst seit kurzem in die Kolonie gekommen wären. Der Harmlose sei der Borsitzende, ein siebzigjähriger Sanitätsrat. Von den zwei bedeutend weniger Harmlosen sei der eine Sekretär des Vereins, der ver, fchiedsne Schwindeleien versucht habe, der andere zum Unglück«in früherer aktiver Mgjor, glsa ein Halbgott a. D. Wovon er lebte, wüßte ksitfer. er beschäftige sich mit Erledigung von Kon, Missionen, die der Ehsf eines Handelshauses ohne Schaden für sein Ansehen ausführen könnte. Bedenklich sei auch seine Organ!« sation der R u h r s p c n d e. Schließlich habe er völkisches Mordgesindel begünstigt, indem er einen Flüchtling dem Verband als Sekretär aufnötigte. So sähe hi« maßgebende Führer- schaft in Mexiko aus. Blätter vom Schlage der„Deutschen Zeitung" gerieten ob dieser Feststellungen aus dem Häuschen. Sie oersuchten zunächst die Tat- fachen abzuleugnen und Klötzel als Juden zu verprellen. Als das nichts nützte, erhob einer der Angegriffenen, Major a. D. T h e m a l d t. Beleidigungsklage. Bezeichnend, daß er, der in Mexiko ansässige, der vor kurzem dem Auswärtigen Amt in Berlin einen Besuch abstattete, um unwahre Behauptungen gegen den deutschen Gesandten iy Mexiko zu verbreiten, zunächst versuchte, den Prozeh in München anhängig zp machen. Vergeblich, Und so standen sich die Parteien(Thewaldt. hatte es vorgezogen, sich durch seinen Rechtsbeistanv vertreten � Ju lassen) gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte gegenüber. Klötzel erklärte sich bereit, den Wahrheitsbeweis an- zutreten. Er habe seine Behauptungen nach sorgfältigen In- formationen aufgestellt, die Namen seiner Gewährsmänner zu nennen, müsse er allerdings ablehnen, da in Mexiko ein» groß« An- zahl von Angestellten wenig wirtschaftlich Mächtigen gegenüber- stehe, von denen sie wirtschaftlich abhängig seien. Für die Geistes- steckten rote und blaue Fähnchen, die an Stecknadeln klebten, auf eine Landkarte, und berieten und telephonierten und berechneten. Aber Donnerkrach hatte nicht immer die Geduld, zu warten, bis die Rotgestreisten fertig waren. Er stgnd oft mitten in der Beratung auf, schnallte seinen Säbel um, hing den Generalemantel über die Schultern und sagte zu Eppstein:„Wenn der Plan fertig ist, schicken Sie ihn in mein Quartier!" Na ja, er war ein alter Herr und schon ein bißchen bequem geworden-, außerdem mußte er jetzt einmal zum Stqbsarzt: diese Dgrmbeschwerden konnten einen ganz verrückt machen! Man spllte wirklich einmal daran denken, den Kqstnotoch ablösen zu lasten! Tja: unser General hat viel für die Menschheit getan. Bitte: er hat z. P. damals den Flankenangrisf bei T-Vipe fabelhaft gedeichselt: die ganzen T-Vister Höhen sind damals in untere Hand gefallen. Wir haben im ganzen Armeekorps in den drei Iahren höchstens 150 000 Mann vxrloren. sind was so hrum und dran hängt. Die Zeitungen haben recht getan, wenn sie unserem General jetzt einen langen, lobenden Nachruf widmeten. Er hat es um sie verdient. Dem Bergarbeiter Adam Kaduwest haben sie keinen Nachruf ge. widmet. Neulich ist nämlich auch der Häuer Kaduweit gestorben. Er hat schon seit zehn Jahren gehustet— seit jenem Angriff auf die T-Biller Höhen, wo ihn eine Granate verschüttete, und wo er die ganze Nacht in dem Wasserloch liegen blieb, war er auf der Bnist nicht mehr in Ordnung aber kein Mensch hatte mehr geglaubt, daß er daran noch sterben werde. Ngn ist er doch daran gestorben. In seinem 40 Jahre währenden Leben hat Kaduweit an die 150 000 Zentner Kohlen gefördert, das ist der Iahresbedarf für 10 000 Fa. Milien. Diese Lebensarbeit läßt sich freilich nicht vergleichen mit der unseres Generals, der, vergleichsweise, den Lebensbedarf(an Trauer und Tränen) für 150 000 Familien oerwaltete. Daß Kaduweit schon mit 40 Iahren starb, ist sicherlich auch mit darauf zurückzuführen, baß er keinen so guten Koch belaß wie Donnerkrach— wenn mqn vom Hunger absehen will, der zwar der beste Koch sein soll, aber kaum sein wird, da ihn gerade jene am wenigsten benutzen, die ihn am meisten empfehlen. Kaduweit hat auch nie in seinem Leben Sekt getrunken, die Spuren auf seinem Arbeitsbüchlein rühren von Schweiß. Schweiß und Schweiß her. Also wird es schon seine Nichtigkeit haben, daß der Höver Kadu- weit keinen Nachruf in den Zeitungen bekam, der General aber eine ganz« Menge._ Rostini-Oefchichlen. Einig« unbekannt« Anekdoten von Rossini werden in der„Comöjdia" mitgeteilt: Der Meister war bekanmlich von einer außerordeMlichen Trägheit und arbeitete dabei erstaunlich leicht, wie dies bei Faulen öfters vorkommt. Eines Morgens hatte er im Bett ein Duett geschrieben, als ihm das Blatt auf die Erde fiel. Er berechnete die Entfernung, ob das Blatt noch in Reichweite fei, schreckte aber dann vor der Anstrengung zurück, die Hand aus- zustrecken. und nahm ein neues Blatt, auf dem er ein zweites Duett niederschrieb. Uoterdesi« km» ei» Freund, der das erst« Blatt richtung des Klägers Major a. D. Thewaldt spräche es, daß er vor dem Kriege einmal seinen Diener, einen Herero. so unmensch- lich verprügelt habe, daß die Kolonie>11 Mexiko sich darüber aufgeregt habe, und daß er«ine Dame, die er mit seinem Auto überfahren habe, hilflos habe liegen lassen. Für beide Fälle seien die Akten des Auswärtigen Amts heranzu- ziehen. Was die Geschästemacherei anbelange, so stelle er unter Beweis, daß Major Thewaldt in Mexiko an deutsche Fmanzkreise zwecks Gründung einer Munitionsfabrik herangetreten ist. um bei Rechtsputschen in Deutschland mexikanische Muni, t i o n zu liefern. Auch seine Behauptungen bezüglich der Ruhr- spende und der Unterbringung von Personen, die in politische Mordtaten verwickelt waren, hielt der Angeklagte aufrecht. Die Partei des Klägers wußte auf die Angaben Klötzels nichts Stichhaltiges zu erwidern und versuchte sich schließlich hinter der Forderung zu verschanzen, daß amtliche Dokumente, wie die Akten des Auswärtigen Amts kein aus- reichendes Bcweismaterial seien! Das Gericht folgte dem natürlich nicht. Es gab Klötzel auf, die Beweise aus den Arten des Auswärtigen Amts bzw. durch die Zeugenaussage des Dezernenten für Mexiko im Auswärtigen Amt zu erdringen. Darauf wurde die Verhandlung vertagt. Wohnungszählung in Preußen. Das Schlußerflebnis der Zälzsztng vom Mal. Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht jetzt die Schlußsrgebnists der letzten Wohnungszählung vom 16. Mai 1927 in Preußen. Die Zählung wurde in 3177 Gemeinden mit insgesamt 26122 465 Einwohnern durchgesührt, Ersaht wurden die Wohnungsverhältniss« von 68,6 Proz. der Gesamtbevölkerung Preußens gegenüber 56,4 Proz. bei der Reichswohnungszählung von 1918. Die nicht ersaßte Bevölkerung entfällt vorwiegend auf ländliche Gemeinden mit weniger als 2060 Einwohnern. In sämtlichen gezählten Gemeinden wurden insgesamt 6 706 566 bewohnte und leeistohcnde Wohnungen gezählt. Die Zahl der Leerwohnungen, d. h. geimsten an den gegenwärtigen Ver- Hältnissen, der unbrauchbpreg Wohnungen, betrug 29 708 gleich 6,4 Proz. gegenüber 3 bis 4 Proz. brauchbarer, aber leerstehender Wohnungen vor dem Kriege. Wie groß das Wohnungselend ist, beweist die Tatsache, daß von 0985 Wohnungen, dje in. dea preußischen Großstädten mit übe« 100 000 Einwohnern leerstanden. d. h. praktisch nicht zu benutzen waren, 3534 gleich 35,6 Proz. ver- mietet wurden. In den 6 676 858 bewohnten Wohnungen wurden im ganzen 7 096 871 Haushaltungen sestgestellt. Es waren also 420 613 gleich 5,9 Proz. Haushaltungen vorhanden, die über keine eigene Wohnung veifüglm und in die Wohnungen anderer Haus- Haltungen als Untermieter gegen Entgelt oder auch unentgeltlich sz. B. bei Verwandten) aufgenommen waren. Darüber hinaus gab es 157 234 Familien, die weder eine eigene Wohnung noch eine eigene Hauswirtschaft führen, sondern beides mst anderen Per, sonen teilen. Soweit die Ergebniste in Preußen ein Urteil zulasten, kann man sagen, daß die landläufige Schätzung von 600 000 fehlenden Wohnungen im Deutschen Reich hinter dem wirklichen Bedarf zurückbleibt._ 612? Millionen Goldmark hinausgeworfen« Nach den neuesten Zusammenstellungen hat die Rheinlandbesatzung bisher nicht weniger als die obengenannt« Summe verschlungen. Milliarden, die dem wirtschaftlichen Ausbau und dqm't dem wirflichen Frieden dienen kannten,, find einem Phantom geopfert. Elf Strafanzeigen gegen Wiener Polizeibsaml? hat Genosse Julius Braunthal. Chefredakteur des„Kleinen Blattes", wegen schwerer Verbrechen am 13. und 16. Just an die Staatsanwalstchasr gerichtet, Erfolg der Südarmee. Das chinesische Außenkommistariat in Schanghai teitt amtlich mit, daß P u k a u zurückerobert worden ist. Die Nordtruppen ziehen sich an dem größten Teil der Front zurück. Die H a n k a u e r Armee rückt aus Pengpu vor. aufhob und dem er beide Duette zur Begutachtung überließ. Da der Freund an beiden Ausstellungen zu machen hatte, nahm Rossini ein drittes Stück Notenpapier und schrieb ein drittes Duett, das er sofort zum Abschreiben schickte, ohne es noch einmal anzusehen. Jedes dieser drei Duette hatte seine besonderen Schönheiten: kein? ähnelte dem anderen.— Rossini wußte, wie schwer es ist, dem Publikum zu gefallen, und so brachte er denn in seinen Kompositionen, besonders am Schluß, gern banale, in die Ohren fallende Ver- zierungen an, deren einschlagender Wirkung er gewiß war. Um aber sein Gewissen zu beruhigen, schrieb er an den Rand die Worte „Lei coglioni!* Etwas abgeschwächt bedeuten diese italienischen Worte:„Für die Idioten!" Es gibf so manchen Komponisten, der dieselbe Methode wie Rossini angewendet hat, um dem lieben Publikum ZU gefallen, aver keiner mit der Freimütigkeit des Schöpfers des„Barbier von Sevilla". LIszls Grabmusik für Wagner. Das Originalmanuskript einer wenig bekannten Kompositton Lifztz wird bei der Versteigerung der großartigen Autographenschätze der Sammlung Heyer bei Henrici in Berlin zum Berkauf ausgeboten. Es stt ein Musikstück mit dem Titel„Am Grabe Richard Wagners", das Liszt am 70. Geburtstag se.ines großen Schwiegersohnes, ein Vierteljahr noch dessen Tod«, niederschrieb. Am Abend dieses Tages fand im Weimarer Hof- theatcr ein Gedöchtniskonzert statt, bei dem unter Lijzts Leitung das Vorspiel und der Karfreitagszauber aus„Parsifal" aufgeführt wurden. Daran knüpft Liszt in der handschriftlichen Widmung des Manuskripts an, die lautet:„Wagner erinnerte mich«inst an die Aehnlichkeit seines Parstfal-Motivs mit einem früher geschriebenen „Exzelsior". Möge diese Erinnerung hiermit verbleiben' Er hat das Große und Hehre in der Kunst der Jetztzeit vollbracht." Liszt verwendet also hier ein eigenes Motiv, das sich in der Einleitung zu seinen„Glocken von Straßburg" findet und an das Abendmahlmotiv Wagners anklingt. Die erste bulgarische Buchausstellung. Auf de? Europa-Tagung des Bundes der Ausländsdeutschen in Dresden betonte Prof Gerhard Menz-Lkivzig in seinem Referat, daß der eigentliche Konkurrent des deutschen Buches in der Welt nicht das englische, sondern das fran- zösijche Buch sei, und daß dies namentlich fiir den Balkan und ganz Osteuropa gelte. Er wies dabei auf die weitblickende französische Buchpolitit und Kulturpropaganda hin. der in Deudschlcmd nichts annähernd Gleichwertiges gegeniiber stehe. Einen Beleg für die Richtigkeit dieser Aeußcrungcn bietet die jetzt in Borna eröffnete Buchausstellung, die erste, die in Bulgarien stattfindet: sie umfaßt etwa 4000 Werke. Di« zahlreichen Uehersttzungen zeigen b4n Überwiegenden französischen Einfluß: in weit geringerem Maße ist der deutsche zu beobachten, der am stärksten in der wissenschaftlichen Literatur hervortritt. Bon bulgarischen Dichtern und Schriftstellern sind 63»«rtteten. Die Seesttänder kommen nach Berlin. Der Kecitländer TanzlreiZ auZ Hamburg kommt am 4. September nach Berlin, um(iic die Ausstellung .Das junge Deutschland-' ein einmaliges Gastspiel ,u geben. Geipielt wird das Tanzmärchen„Die Plaue Pnnzesjm", von Anna Helms; auch werden eine Neige alter und neuer Geestländer Tänze gezeigt werden. Die Ver- anstaltung findet pünktlich 11 Uhr vormittags im Phochuspalast am 2to- halter Bahnhof statt. Die frankfurter Unternehmertagung. „Tem Arbeiter geht es besser als der Industrie�— Gegen einseitigen Ahha» der Zölle.—„Soziale Ansgaben hindern die Qualitätsarbeit." A. S. Aranksurl a. ITT., 2. September.(Eigenbericht.) Die heutige erste Sitzung der Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie begann mit einer B e« grüßungsansprache des Vorsitzenden, Geheimrat Dulsberg, aus der besonders die stalte Bejahung des Staats. gedankcns zu betonen ist. Dulsberg erklärte, die Erhaltung und Festigung des Staates geht uns über alles. In diesem Sinne wurde auch ein Huldigungstelegramm an Hindenburg abgesandt. In seinem Vortrag entrollte Geheimrat Dulsberg ein Bild von der Wirkschastslage. wie sie die Jndustrieführer qusfassen. Er kenn- zeichnete die Besserung der allgemeinen Konjunktur, der allerdings keine entsprechende Steigerung der Warenaussuhr gegenüberstehe. Eingehend auf das Problem der Verschuldung der deutschen Wirtschaft warnte er ganz besonders eindringlich vor einer allzu- starken Verschuldung mit k u r z f r i st I g e n Krediten. In den nor- malen Zeiten vor dem Kriege galt es für die deutsche Wirtschaft als Regel, sich möglichst wenig kurzfristig zu verschulden. Dagegen sei in der letzten Zeit eine total falsche Kreditwirtschaft ge- trieben worden. Darin sieht Dulsberg eine große Gefahr für die deutsche Wirtschaft, worin man ihm vorbehaltlos zustimmen kann. Duisberg glaubte weiter einen Vergleich zwischen der heutigen geringen Rentabilität der industriellen Anternehmungen und den Löhnen der Arbeiter ziehen zu können. Er schloß daraus, daß bei einem gleichen Real- lohn der gelernte» Arbeiter und einem erheblich gesteigerten der ungelernten Arbeiter«ine ZOprozentige Verschlechterung der Rentabilität der Wirtschaft gegenüber der Vorkriegszeit zu verzeichnen sei. Von den öffentlichen Körperschaften verlangte Duisberg größere Sparsamkeit. Man müsse den deutschen Waren den Vorzug geben, um die Einfuhr einzuschränken. Im ganzen waren seine Ausführungen darauf angelegt, keinen übertriebenen Wirtschaftspessimismus zu betonen, aber auch einem zu großen Optimismus entgegenzuwirken. Am Schluß seiner Rede wies Duisberg darauf hin, daß bei dem Wiederaufbau der Wirtschast die Wissenschaft und ihr Nachwuchs eine besonder« Rolle spiele. Darüber dürsten aber auch die deutschen Beamten und Arbeiter nicht vergessen werden. Was helfe eine tiefgründige Wissenschaft und Unternehmungslust, wenn nicht auch die Hingabe der Arbeiter und Angestellten an ihr Werk vorhanden sei. In diesem Sinne stellte Duisberg die Zusamemnarbeit der Wissenschaft und der Arbeiterschaft als ein« Angelegenheit des gesamten deutschen Volkes hin. Ein wichtiger Zwijchenokt. In der Reihe der Begrüßungsansprachen sprach der Frank- furter Oberbürgermeister Landmann. Er wies in seiner Ansprache aus das enge Verhältnis zwischen den Städten und der Industrie hin. Die deutsche Industrie habe die Bewunderung der ganzen Welt erregt durch die Umstellung ihres Produktionsapparates. Daß aber der Rationalisierungsprozeh, von dem das ganze deutsche Volk die Preissenkung noch heute erwartet, so gelingen konnte, das sei nicht zuletzt zurückzuführen auf die Mitwirkung der Gemeinden und de- sonders der Großstädte. Wenn die Städte für die Opfer des Umstellungsprozesses, für die Arbeitslosen, nicht so große Opfer gebracht hätten, dann hätte er sich nicht so reibungslos vollziehen können, wie dos tatsächlich geschehen ist. Großstädte und Industrie seien aufein- ander angewiesen. Dabei seien Meinungsverschiedenheiten unoer- weidlich, da die Industrie und die Städte von ganz anderen Stand- punkten an die Wirtschaft herantreten. Die Gemeinden als die Träger der öffentlichen Wirtschaft des Staates müßten zu einer ganzen Reihe von Wirtschaftsfragen und sozialen Fragen sich anders einstellen als die Privatwirtschaft. Aber das hindere nicht, daß beide gut miteinander arbeiten könnten. Der Vorwurf aber, daß die Gemeinden nicht sparsam genug wirtschastelen, sei unberechtigt. Man dürfe diese Auffassung keinesfalls übertagen auf Einrichtungen, die die Großstädte aus sozialen, erzieherischen und wirtschaftlichen Gründen für notwendig hielten. Ein Austausch von Waren ist nicht möglich, wenn nicht hinter ihnen der Mensch steht, der konsumiert. Da» Letzte und Bedeutendste an der Wirtschaft sei ja nicht die Ware, sondern der Mensch. Mit dem Muschik würde man niemals Oualltätsarbeil leisten können. Wenn man jedoch Arbeiter, die durch die Volks- und Fortbildungs- schulen der deutschen Großstädte gegangen seien, an die Maschine stellte, dann würde dies« Arbeit gelingen. Nur so könne man zu einer vollwertigen Arbeitskraft kommen. Es sei nicht wahr, daß die Städte auf diesem Gebiete verschwenderisch gearbeitet hätten. Die Finanz- statistiken, deren Einzelergebniss« ja deinnächst bekannt werden würden, werden beweisen, daß die Behauptung von der Verschwen- dung der Großstädte in das Reich der Fabel gehöre. Bezeichnender- weise ernteten die Ausführungen des Redners reichen Beifall. . Nun ergriff Reichsminister Curtius das Wort zu seiner Rede �iber die Ausgaben der deutschen Wirtschaftspolitik, über die wir an anderer Stelle ausführlicher berichten. Von dem wichtigen in Ham- bürg gegebenen Versprechen, auch die autonomen Zollsätze Deutschlands abzubauen, war in der langen Rede leider mit keinem Wort die Rede. Als E u r t i u s geendet hat, spricht ihm der Vorsitzende Duisberg seinen Dank und das volle Vertrauen der gesamten Wirtschaft aus. Mit den Ausführungen des Oberbürgermeisters Landmann könne sich die Wirtschaft nicht voll ein- verstanden erklären, man würde sich darüber später noch aus- sprechen können. Daß aber auch wir— nämlich die Industrie den Menschen als wesentlich für uns in Anspruch nehmen, und zwar nicht als Faktor, sondern als gewichtiges Glied in der Wirtschaft, dafür sind die Ansprachen bezeichnend, die heute im Kreise des Präsidiums des Reichsverbandes(unter Ausschluß der Oeffenilich- keit!) erfolgt sind. Duisberg schloß dabei mit der a u s s ä l l i g e n Bemerkung: .Ich hoffe, daß Herr Landmann den Erfolg haben wird, die Industrie in die Großstädte zu ziehen. Zch aber möchte lieber der Industrie raten, möglichst aus das Land hinauszugehen." Es folgt daraus das H a u p t r e s e r a t des Tages, das das Präsidialmitglied Gcheimrat kiasll hielt über die wirlschastspolltischen Voraussetzungen der deutschen Oualiläk- arbeit. Nach einer eingehenden Begriffsbestimmung der Qualitätsarbeit erklärte er, daß es wünschenswert und nach seiner Ansicht durchaus vernünftig sei, wenn die Massen Anspruch aus eine hohe Qualität der Waren erheben. Es könne keinen Unterschied geben im Qualitätsbegrisf des Verbrauchers mit niedriger und hoher Kauf- kraft. Gerade derVerbrauchermitgeringsrKaufkraft ist auf Qualitätsware angewiesen. Der Redner wies weiter darauf hin, daß durch Hebung der Produktionsqualitüt in der Landwirtschaft«in wesentlicher Teil des jetzigen Einsuhriiber- schusses an Nahrungsmitteln überflüssig gemacht werde. Ausschlaggebend für jede Oualltälsprodukiion sei, daß die Preise infolge der Znlandskonjunktur nicht so stark heraufgesetzt werden, daß der Anschluß an den Weltmarkt verloren geht. Sowohl auf inländische wie auf ausländische War? gelte in gleicher Weise der Satz, daß Massen- Produktion und Qualität keine Gegensätze sind und auch nicht sein dürfen. Die Bedarfsdeckung in der ganzen Welt erfordere auch Massenproduktion und diese verlangt ein optimales Produkt. Nur bei sehr verständnisvoller Zusammenarbeit zwischen Ar- beiterschaft und Unternehmertum sei ein« solche Ouali- tätsleistung möglich. Hierzu müsse man die notwendigen technischen wissenschaftlichen und sozialen Voraussetzungen schaffen. Auf sinanz- politischem Gebiet sei eine Besserung durch Herabsetzung der Aus- gaben des Staates notwendig. Insbesondere wandte er sich gegen die hohen Ausgaben der Länder. An einzelnen Beispielen, deren Untersuchung der Reichsoerband vorgenommen hat— die noch einer besonderen Kritik noch unterzogen werden müssen—, zeigt er, daß die Steuerbelastung gegenüber der Vorkriegszeit und dem Ein- kommen der Unternehmungen ganz bedeutend gestiegen sei. Für die Industrie, die Qualitätswaren herstelle, sei eine günstige Gestaltung des Kredit- und Anlagemorktes eine wichtige Vorbedingung. hohe Ausgaben für soziale Zwecke seien einer Qualitäts- produktion wegen der hohen Steuerlasten hinderlich! Die Industrie wolle auf keinen Fall die wirtschaftlich Hilflosen dem Elend preisgeben, jedenfalls auch nicht zulassen, daß der Arbeits- willige, aber Arbeitsunfähige nicht in ausreichendem Maße oersorgt werde, Trotzdem findet der Redner die gegenwärtige Sozialbelastung zu hoch und warnt vor einer weiteren Erhöhung! Di« Post- gebührenerhöhupg Hab« der Wirtschast wesentlich mehr ge- nonimen als ihr durch die kleinen Ermäßigungen der E i s e n b ah n? tarif« gewährt worden sei. Eine solche Politik passe nicht in den Rahmen der Qualitätsprodukion. Auf dem Gebiet der Handels- Politik beschränkte sich der Redner auf einige Bemerkungen, in denen er zum Ausdruck brachte, daß die Wirtschast einen einseittge» Abau der deutschen Zölle nicht wünsche. Für die Entwicklung der Kartelle verlangt Kastl«ine möglichst große Bewegungssreiheit. Die Kartell« seien heute nicht mehr Organisationen zur Erzielung möglichst hoher Preise, sondern vre wirkt«n auch durch di« Aufstellung von Kalkulationsgrundlagen, durch die Prüfung der Qualität und durch andere Formen der Zusammen- arbeit auf die Steigerung der Warenqualität ein. Als notlvendig für die Qualitätspryduktion bezeichnete Kastl einen Stamm von gelernten Arbeitern. In diesem Zusammenhang wandte er sich dagegen, daß dos deutsch« Institut für technische Arbeitsschulung(Dinta) in Düsseldorf wegen ihrer arbeitstechnischen Propaganda bei den Gewerkschaften auf starken Widerspruch stoß«. Er erklärte ausdrücklich, das„Dinta" fei keine Einrichtung zur Bekämpfung der Gewerk- s ch a f t e n, sondern zur Ausbildung von Arbeiternachwuchs und zugleich zur Erziehung zu einer seelischen Verbundenheit mit dem Werke. Abschließend erklärte Kastl, daß es hie moralische Pflicht der Wirtschaft sei, für eine Erhöhung des Lebensstandards zu sorgen. Notwendig dazu sei aber die Steigerung der Produktion und die Verbilligung der Waren(die bekanntlich bisher noch nicht zu spüre» ist). Das letzt« Referat hielt Georg Wüller, Oertlinghanfen:„Deutsch. land auf den Weltmärkten." Er schilderte dabei im einzelnen die Bedeutung der Qualitätswaren für die Produktion und für den Absatz am Weltmarkt, wies aber auch daraus hin. daß die Erhaltung eines starken Binnenmarktes die erst« Vorbedingung für einen frucht- baren Export überhaupt sei. Mussottnk schweigt sich aus. Natsdebnttc über die Pressekonferenz. V. Sch. Genf, 2. September.(Eigenbericht.) Di« heutige erste öffentliche Ratssitzung begann init dem von Vandervelde verfaßten Bericht über die internationale Pressekonferenz. Er wurde in Abwesenheit des nach Brüssel berufenen Außenministers von seinem Stellvertreter de Brouckere erstattet, Er schlug vor, diejenigen Resolutionen der Konferenz, deren Verwirklichung ein« Mitwirkung und Zustimmung der einzelnen Regierungen voraussetzt, in der De. zembertagung des Rats zu erledigen. Da die Pressekonferenz erst vor drei Tagen zu Ende �ing, war dieser Aufschub nicht zu ver- meiden. Der Bericht enthält die politisch wichtige Entschließung der Konferenz, die sich gegen die Z e n s u r i n F r i e d e n s z e i- t e n wendet und bezeichnet sie als eine Gefahr für die guten Be- Ziehungen zwischen den Völkern: sie lautet an ihren entscheidenden Stelle«! „Die Konferenz erklärt sich grundsätzlich gegen jede Beeinträchtigung der Oressefreiheit und ist d«r Ausfassung, daß ein Regime der Zensur nur aus wirklich lsbens- wichtigen Gründen und lediglich außergewöhnlichen Ber- h ä l t n i s s e n errichtet und ausrechicrhatten werden darf. Ohne sich in die Herrschaftssorm der verschiedenen Staaten einmischen zu wollen, äußert die Konferenz den Wunsch nach einer einheitlichen normalen Wiederherstellung der geistigen Verbindungen zwischen den Völkern. Die Konferenz ist einmütig dcp Ueberzeugung, daß die Zensur in Friedenszeiten, möge sie osten oder— was schlimmer ist— versteckt ausgeübt werden, ein entscheidendes Hindernis für den normalen Austausch internationaler In- sormationen bildet und als solche die Annäherung der Völker erschwert." Diese Resolution war auf der Konferenz e i n st i m m i g ange- nommen worden, auch die italienischen Vertreter wagten damals nicht dagegen zu stimmen, obwohl sie sich offensichtlich gegen di« faschistischen Presseverhältnisse richtet. Man war nun gespannt, ob in der heutigen Sitzung S c i a l o j a in irgendeiner Form Vor- behalte geltend machen und dannt die Obstruktion einleiten würde, di« Mussolini bis zur Dezembertagung zweifellos versuchen wird. Aber Scjaloja blieb stumm, obwohl fast alle führenden Ratsmit- glieder in der Diskussion das Wort ergriffen, insbesondere Strese- mann und Paul Boncour. Der Reichsauhenmtnister sor- dert« de« Rat und die Regierungen auf, den Beschlüssen der Presse- konferenz„eine ebenso weitherzige wie energische Folge zu geben", während Paul B o n c o u r die Wichtigkeit der Resolution gegen die Zensur in Friedenszeiten unterstrich. Scialoja ließ all dos stumm über sich ergehen. Hätte der Vertreter Musiolims einen Borbehalt oder Widerspruch gew-agt, so wäre er zwcisellos isoliert geblieben, und die moralisch unhaltbare Situation des Faschismus in der Welt würde noch deutlicher unterstrichen worden sein. Darauf berichtete Stresemann, der sonst stets auf englisch Be- richt erstattet hat, auf französisch über die W e lt w i r t s ch a ft s- konferenz. Der Rat nahm die seitdem von dem Wirtschaftsaus- schuh gemachten Vorschläge zur Weitersührung ihrer Arbeiten an. B o n c o u r sprach dann zu den Plänen, die Zusammenar. beit unter den yntellettuellen international zu fördern. Jn 100 Jahren ist Sie Erde voll. Genf, 2. September. Ziemsich unbemerkt in dem Trubel der Völkerbundstagungen ist am 31. August die erste„Weltbevölterungskonfe- renz" in Genf zusammengetreten, der führende Männer aus den Gebieten der Soziologie, Nationalökonomie, der Medizin und der Biologie angehären. Ein einleitender Vortrag des Pros. East von der Harvard Universität(USA.) gipfelte in der Feststellung, daß unter den gegenwärtigen Umständen die Erde nicht mehr als S Milliarden Menschen ernähren könne, und daß dieser Punkt der Saturierung der Erde mit Menschen in etwa Itztz Jahren erreicht sein könne. E« würden dann radikal« Veränderungen in den agrikulwrellen Methoden der Menschheit porgeommen werden Müssen. Rache für öie Memelwahl. Reichsdeutsche Redakteure ausgewiesen, deutsche Staatsangestellte entlassen. j Memel,?. September. Den drei reichsdeutschen Redakteuren in Memel und Heydekrug wurde heute von einem Beamten der Landespolizei folgendes Schreiben zur Kenntnisnahme vorgelesen: -.Kommandantur des Memelgebietes. Memel, den 2. September. An das Kommissariat IV der Polizei für das Memelgebiet. Ich fordere auf, den Redakteuren Robert L e u b n« r und Emst Warm vam«Memcler Dampfboot" schnellstens mitzu- teilen, daß chr Antrag auf Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung in Litauen verworfen worden ist, daß sie b i s z u m S. S e p- tember d. I. das Gebiet Litauens freiwillig zu verlassen habe», anderenfalls sie der Grenzpolizei zum A b s ch u b nach Deutschland übergeben werden. Die Polizei er- hält den Austrag, die Ausreife der genannten Redakteure bis zu dem in diesem Schreiben vorgesehenen Zeitpunkt zu überwachen. Von der Durchführung dieser Angelegenheit ist sofort Mitteilung zu machen. Telcphonogramm Nr. 190. Liormonas, Oberstleutnant." Das gleiche Schreiben wurde dem Redakteur Brieskorn von der„Memelländischen Rundschau" in Heydekrug zur Kenntnis gebracht. Die drei Redakteure hotten aus Wunsch Liormonas ihr bereits im Dezember 192ö eingereichtes Gesuch um Aufenthaltsgenehmigung vor einigen Tagen erneuert. Gleichzeitig wurde von den drei Re- dakteuren auf Wunsch des Kriegskommandanten ein Schreiben an den Kriegsministcr gerichtet, in dem dieser gebeten wurde, die Frage der Aueweisung zu regeln. Seinerzeit war di« Ausweisung nur bis auf weiteres aufgehoben. Wie bekannt wird, ist s e it Bekanntwerden des Wahlergebnisses 69 Eisenbahnbeamten und 29 Postbeamten, die von Deutschland übernommen waren, aber für Litauen optiert hatten, gekündigt worden. Als äußerer Borwand wurde eine Sprachenprüfung vorgenommen, die ergeben haben soll, daß die Geprüsten di« litauische Sprache nicht genügend beherrschten. Kein Ultimatum Polens an Litauen. Warschau. 2. September.(Poln. Tel.-Agentur.) Die Nachrichten, die in der ausländischen Press« über ein Ulti- matum verbreitet wurden, daß die polnische Regierung an die litauische gerichtet haben soll, sind falsch. Es ist k e i n Ultimatum gestellt worden._ Die Grazer Polizeiwahlen fielen ebenso wie die Wiener zu- Ungunsten der Sozialdemokratie aus. Di«„Unpolitischen" erhielten ruht, die Sozialdemokraten vier Sitze in der Personaltommission._ Kommunisienwaffen beschlagnahmt. Zwölf Gewehre mit Munition. Zeitz, 2. September. In den späten Abendstunden des 31. August wurde bei Grana im Landkreise Zeitz ein Lastauto mit 12 Infanterie- gewehren und Jnfanteriemunition angehalten. Die Waffe» waren aus einem Versteck im Zeitzer Forst ausgegraben worden und sollten nach Halle gebracht werden. Sie gehörten Kommunisten, die dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden. Neue Mafsenverhaftungen in Warschau. Warschau. 2. September.(Eigenbericht.) Am Freitag vormittag sind einhundert Personen ver- haftet worden, die unter dem Verdacht stehen, der Kommu- nistischen Partei anzugehören. Kommunistisches Propaganda- Material soll bei allen Perhasteien in großen Massen vorgefunden worden sein.— Das Außenministerium läßt die Meldung über die beabsichtigte Ausweisung des hiesige» �swestija"-Korrespondenten als unrichtig hinstellen. Vte Weltfliege? im Grient. Aleppo. 2. September. Die beiden amerikanischen Flieger Brock und Schlee habe« Musllmlje. nördlich von Aleppo. heute nachmittag 2 Uhr 15 Kin. In südöstlicher Richtung überflogen. Schmeling schlägt Barsen. Sandwina-Petersen disqualifiziert. Di« ,�)auptkämpfe" am gestrigen Boxkqmpfabend im Sportpalast endeten M>t einem großen sportlichen Fiasko. Teddy S a n d w i N a und der dänische Schwergewichtsmeister Petersen wurden wegen Nichtkämpsens ohne Hono- rar disqualifiziert. Ein großes Pfeiskonzert folgte. Max Schmeling tonnte den Dänen L a r s e n ln der vierten Runde fertig machen, so daß die Sekundanten das Handtuch warfen. Ueber die Kämpf« berichten wir morgen eingehend. Um den verschwundenen General Zagorsks mit Gottes Hilfe zu ftatai. tiebe» s«m« Freunde m Warschau ein« Weist zeiebneren. I T>tt Kampf in Krefeld. / Die Rolle des Reichsarbeitsministeriums. Der negative Ausgang aller bisherigen Ver- Handlungen zur Beilegung des Lohnstreits in der Krefelder Seidenindustrie zwingt dazu, der breiten Oefsentlichkeit einmal ge- noueren Ausschluß über den Verlauf und die Bedeutung des Lohnkampfes zu geben. Die Oeffentlichkeit soll recht- zeitig k l o r e u Wein eingeschenkt bekommen, weil man sich bei der unversöhnlichen Haltung der Textilindustriellen nicht nur in Krefeld, sondern auch anderwärts auf sehr schwere Mirtschoflskämpfe gefaßt machen muß. Auf Grund der unzureichenden Löhn« und des außerordentlich günstigen Geschäftsganges in der Krcfelder Textilindustrie sind die dortigen Tarife von der Textilarbciterschaft zum IS. Juli form- und fristgerecht gekündigt worden. Die Verhandlungen der Parteien ver- liefen ergebnislos. Die Folge war, daß die Textilarbeiterschaft mit 265 Leuten in den Streik trat. Die Unternehmer riefen den Schlich- tungsausfchuß Krefeld an: dieser fällte unter dem 1. und 2. August einen Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung für die Zeit- löhner und für die Akkordyrbeiter vorsah. Der Spruch wurde von der Arbeiterschaft angenommen, van denselben Unter- nehmern, die den Schlichtungsousschuß angerufen hatten, abgelehnt. Ter von der Arbeiterschaft angerufene Schlichter in Köln, dem der Antrag auf Verbindlichkeit unterbreitet wurde, lehnte diesen ab, weil die Unternehmer den Akkord- «rbeitern, also 75 Proz. der Krefelder Textilarbeiterschaft, grundsählich keinerlei Lohnerhöhungen geben wollten. Gestützt auf die Hilfe des Schlichters gingen mun die Umer- nehmer dazu über, am 8. August sämtliche Arbeiter und Ar- veijerinnen.dcr Seiden st offwebereien und am IS. August die der übrigen Branchen auszusperren. Die Existenz von zirka 13() Menschen wurde den„Grundsätzen" der Unter- � nehmer geopfert. Weitere 8lX)t> Menschen in der Samtindustrie wurden in Mitleidenschaft gezogen, da sie durch dos Stillegen der Produktion m den an der Aussperrung beteiligten Betrieben auf Kurz- arbeit gesetzt worden sind. Als der Säffichter sah, welchen Scherbenhaufen er mit seiner Stellung angerichtet hatte, versuchte er die Parteien durch eine nochmalige Aussprache einander näher zu bringen. Um der grundsätzlichen Frage nder Unternehmer. Akkordstückohnerhöhungen zu geben, aus dem Wege' zu gehen, machte der Schlichter den Vorschlag, sämtlicheg Akbordarbeite- rinnen und-arbeitern die Lohnerhöhung in Form einer Fecharbeiterzulage zukommen zu lasse». Die Arbeiier waren bereit, dem Schlichter auch auf diesem Wege zu folgen; trotz- dem lehnten die Unternehmer auch jetzt wieder jede Verständigung a b. Der Schlichter sah sich genötigt, die Angelegenheit dem Reichsarbeitsmini st eri um zuzuführen. Zwei Tage zogen sich die kontradiktatorischen Verhandlungen im Reichsarbeitsmiiiistenum hin, um ergebnislos zu verlaufen. Die Unternehmer der gesamten Textilindustrie habe» den VerHand- lungcn außerordentliche Bedeutung beigemessen. An den VerHand- lungen haben nicht nur die am Streit beteiligten Herren unter Führung des Syndikus des Spitzenverbandes l teilgenommen, sondern indirekt und hinten herum eine ganz« Reih« von Syndizi anderer Bezirke, die am Streitfall gar nicht beteiligt waren. Die Vertreter des Reichsarbeitsministeriums scheinen gar nicht gemerkt zu haben, welche lächerliche Rolle dem R e'ichs- arbeil-s Ministerium in dieser Frage von den Krefelder Unternehmern zugedacht war. Von dem ernsten Willen beseelt, dem Kampfe in Krefeld ein Ende zu machen, hat die Arbeiterschaft durch verschiedene Vorschläge eine Ueberbrückung der Gegensätze versucht. sswsonst, die Unternehmer beharrtcn auf dem Standpunkt, den größten Teif der Akkordarbeit« in Krefeld von der�Lohnerhöhung auszuschließen� Für die Arbeiter war dieser Standpunkt un- annehmbar. Als sie das den Vertretern des Reichsarbcitsministe» riums mitteilten, schienen diese merkwürdigerweise der Anficht zu lein, daß die Arbeiter mit dieser bescheidenen, aber konsequenten Stellungnahme den Bogen überspannen! Wie recht jedoch die Arbeiterschaft mit ihrer Stellungnahme im Reichsarbeitsminlsterium hatte, wird blitzartig durch die Tagung des Reichsverbondes der deutschen Industrie beleuchtet. Auf dieser Tagung hat auch der Abgeordnete und ein- flußreiche Tcxtilindustrielle Frowein aus Elber- feld, also aus dem schönen Rheinland, in dem zurzeit der groß« Kamps tobt und über den im Reichsarbeitsministerium verhandelt ' wurde, ein Referat über die Lohnpolitik der letzten ; Wochen gehalten. Hierbei wurde vom Redner betont, daß das Schlichtungsverfahren und die Verbindlichkeits- erklärungen, wie sie sich im Laufe der letzten Jahr« ent- wickelt haben, wirtschaftsschädlich seien. Hier wurde also offen ausgesprochen, was drohend über den Einigungsverhondlungen i im Neichsarbeitsministerium schwebte, ohne von den Vertretern des Reichsarbeitsministeriums erkannt zu werden. i Der Kampf geht weiter. Die Textilarbeiterschaft von Krefeld ! wird sich erkämpfen, nachdem die Schlichtungsinstanzen ver- sagt haben.__ Agrarische Tenüenzmelüungen. Angeblicher Arbelkermangel in der deutschen Landwirtschaft. Di« agrarischen Blätter sind in diesen Tagen mit Meldungen - angefüllt, in denen in der erschütterndsten Weise über Miß. i ernten und schwierig« Ernteeinbringung geklagt wird. Besonders sollen sich in der pommerschen, mecklenburgischen und schleswig-holsteinischen Laüduürtschast unhaltbare Zustände . herausgebildet haben. Die dort zur Verfügung stehenden Ar- | beitskräfte seien nicht annähernd genügend, um bei den völlig - annormolen Witterungsverhällnissen durch rechtzeitige Bergung � einen wesentlichen Teil der Halmfrüchte vor dem Verderben zu . schützen. In wenigen Wochen werden die Beratungen über die Fest- setzung des Ausländerkontigents für das Jahr 1S28 beginnen. Soweit sich die Situation übersehen läßt, werden sie mit dem Beschluß enden, es bei der jetzt geltenden Regelung, d. h. bei der Hereinlafjung von 100 000 ausländischen Wanderarbestern zu belasten. Diese Regelung gefällt den landwirtschaftlichen Unter» nehmern nicht. Sie müssen dabei auf manchen ausländischen Wander- arbeiter verzichten, den sie gern beschäftigt hätten. Was liegt des- halb für die landwirtschaftlichen Unternehmer näher, als beizeiten auf dem Posten zu sein und durch eine wirksame Propaganda in der Oefsentlichteit den Eindruck zu erwecken, als ginge es ohne Herauf- setzung des Ausländerkontingents nicht. Das muß in erster Linie bei dem Studium der erwähnten Mel- düngen in Betracht«sogen werden. In Betracht zu ziehen ist dann auch die U nv oystji" d ig k e i t der Meldungen. Wenn die� Oeffentlichkeit schon glcmve« soll, daß sich ein erschreckender Mangel an landwirtschaftlichen feftkilsltäften herausgestellt hat, muß min- bestens eine U e b« r 1 i Sb« die von den einzelnen Arbeits. ö m t e r n abgegebenen Bescheide veröffentlicht werden. Es muß, mit anderen Worten gesagt, die Möglichtest zu schnellster Nach. prüsting gegeben sein. Hinweisen möchten wir die landwirtschastlich« Unternehmer auch auf die Broschüre, die der Pommers che Landbund kürzlich üb« die deutschen Wanderarbeiter herausgegeben bat. In dieser Broschüre lehnen dieselben pommerschen Landwirte, die sich heute über Mangel an' landwirtschaftlichen Arbeitskräften beklagen, deutsch« Wanderarbeiter in beleidigendster und«hrver- letzendster Weise ab. So Handell kein landwirtschaftlicher Unter- nehmer, dem Arbeitskräfte sehlen und dessen Betrieb in Rot ist. So handeln nur Leute, die bestimmte Abs ichten verfolgen, diese aber nicht deutlich aussprechen möchten. Die Behörden dürfen jedenfalls auf die Nachricht»» der agra- rischen Blätter hin nichts unternehmen, bevor sie sich nicht mit den Vertretern der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisationen eingehend über die tatsächliche Lage unterhalten haben. Schlichtungsverhanüiungen für Sie Reichsbahn. Die unmenschlichen Dienstschichken müssen verschwinden. Die Schlichtung-verhandlungen zur Regelung der Dienstdaueroorschriften bei der Reichsbahn be- ginnen am kommenden Montag im Reichsarbeitsministerium. Die wiederholt zwischen den Eisenbahnerorganisatianen und der Reichs- bahngesellschaft geführten Verhandlungen zur Verbesserung der vielfach geradezu unmenschlichen Arbeitszeit im Reichsbahnbetrisb hatten bisher keinen praktischen Erfolg. verhanülungen über Sie SefolSungsreform. Beginn am 8. September. Die Verhandlungen zwischen den Spitzenorganisationen der Beamten und dem Neichsfinanzininisterium über die Besoldungs- frage beginnen, wie verlautet, am Donnerstag, dem 8. September. öeamtentagung zur öesolSungsrekorm. Auf Beschluß des Vorstandes des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter findet im Anschluß an den zweiten Bundes- kongrch des Allgemeinen Deutschen Beamtcnbundes am IS. Septem- der in Berlin eine Sitzung des Reichsbeirats des Reichs- bundes der Beamten und Ange st eilten der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen(RBA.) statt. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die Besoldungsfrage. .Der wilüe Streik in Ser Iilminöustrie.� And die uneigennützige IAH. Der Bericht in Nr. 411 des„Vorwärts" über den wilden Streik in der Filmindustrie hat den„Bund der Freunde der Internationalen Arbeiterhilf«" veranlaßt, uns eine pressegesetzliche„Be. r i ch t i g u n g" zu schicken. Darin wird als unwahr'bezeichnet, daß ein Vertreter der IAH. in einer Streikoersammlung ge- sprachen und irgendwelche Zusicherungen gemacht habe. In unserem Bericht war dieser Vertreter der IAH. als„« i n Vorstandsmitglied der Filmge werkschaft" eingeführt und nachher als„Vertreter der IAH." bezeichnet worden. Möglich, daß der Betreffende nicht oder nicht mehr offizieller Vertreter der IAH. war und er als solcher nur infolge seiner in- timen Beziehungen zur IAH. angesprochen wurde. „Wahr ist"— sagt die„Berichtigung",„daß wir von der Streikleitung um Hilfe ersucht worden sind." Irgend- welche Barunterstützung hätten auch sogenannte„Zünftige" nicht erhalten. „Wahr ist, daß von der Berliner Ortsgruppe der IAH., nachdem der Streik der Filmarbeiter drei Wochen andauerte, die Streikende« mit Brot und Speck unterstützt worden sind." In unserem Bericht war gesagt:„Für jeden Streikenden gab es ein Brot und ein halbes Pfund Speck" Nach drer Wochen! Die IAH. habe keine Sammellisten zwecks Ausbringung der Mittel für die ausgegebenen Unterstützungen in Umlauf gesetzt. sondern ihre Ortsgruppe Berlin habe das Gegeben« aus ihrer Kaste bestritten. Sie brauche auch keine wilden Streiks, um ihre Kasten aunufüllen. Von der ständigen Nepperei, die gerade unter Be- rufüng auf die wilden Streiks vorgenommen wird, spricht dre Be- richtigung wohlweislich nicht. Oder will die ÄA-H. behaupten, oasz ihre Kaste sich von selbst füllt?~. Die Berichtigung— die von der„R. F." bereits oerwertet wurde, bevor wir sie in Händen hatten— ändert nichts' an der Tatsache, auf die es in dem Bericht ankam. Nämlich an einem Bsisoiel zu zeigen, daß ein wilder Streik heute von vonzherein ziemlich verfehlt ist und auch eine etwaige Unterstützung durch die IAH. daran nichts ändern kann. Lohnbeweguna im Sergbau Gft-Gbersihleslens. Die Iecheabesiher wolle« ein Geschäft machen. Kattowih, 2. September.(Mtb.) Die Gewerkschaften haben zum 1. Oktober den Tarifvertrag sowohl für die Bergarbeiter wie für die Hüttenarbeiter gekündigt und verlangen eine Lobnerhöhung von 20 Proz. Di« Unternehmer machen eine Lohnerhöhung, die allerdings im Höchstfall 3 Proz. betragen würde, davon abhängig, daß die Regierung eine Erhöhung der seit etwa eineinhalb Jahren gleichgebliebenen B reise für die Cisenbahndienstkohle bewilligt. Bisher hat sich dl« Regierung diesen Anträgen gegenüber ablehnend verhalten. Da für die ins Ausland gehende Kohle sast durchweg Preise erzielt werden. die kaum die Gestehungskosten decken, müssen die Gruben bei den Inlandpreilen um so mehr herauszuschlagen suchen. � Die Preise im freien Handel sind schon seit longer Zeit erheblich höher, als die für die Eisenbahndienftkohle. Wenn eine Einiaung nicht erziell wird, ist es nicht ausgeschlosten daß es zum Streik kommt. Lohnbewegung der Hafenarbeiter der Nordseehäfen. Hamburg. 2. September.(TU.) Di« Organisation der Hafenorbeiter der Nordseehäsen hat den jetzt gültigen Lohntarif zum 1. Oktober gekündigt. Gefordert wird eine Erhöhung des Tageslohnes für die erste Schicht von 7.60 auf 9 Mark. Die Entlohnung für weiter« Schichten soll sich automatisch regeln. Der Hafeiibetriebsverern� hat zu der Kündigung noch keine Stellung genommen. Es dürste in der kommenden Woche zu Verhandlungen kommen. Schlichtungsversuch in Queensland. London, 2. September.(EP.) Den Gewerkschaften in Queensland(Australien) ist es gelungen, bei den Schlichtungsbehörden eine für beide Teil« verbindliche Konferenz einzuberusen, um eine Beilegung der Auseinandersetzungen mit den Eisenbahnern herbeizuführen. Freie Sewcrl(ch»st»jiigr»d Groß. Belli». Heuic, Eonnabend. folacade Bn- anstaltungen: Baiimschulcawez: Jugendheim Eruststr. 1«. Gruppenabend. Der Sprechchor trifft sich um 30U Uhr im Orpheum, Hasenheide.— Morgen. Sonntag: Süden. Südwesten: Wanderung Bernau— Hellsee— Berne». Treffe» 6 Uhr Stettiner Vorortbahnhof. Verantwortlich illr Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: S.«lwgelhöfer; Gewcrlschaft-bcwegnng: Z. Stein«! Feuilleton: K. H. Discherz Lokale» und Sottstigeo: Fritz ltarstädt: Än.lcinrn: Th. Glocke; sämtlich ln Berlin. Berlag: Dorwärts-Verlag®. m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanflal» Paul Singer u So. Berlin EW 68. Lindenstratz« 8. vier,» 2 Beilaac» und..lluterbaltnna und Bissen'. !Tc. 416 ♦ 44.�ahegong 1. Heilage öes Vorwärts SonnabenS, Z. September 1927 Was bedeutet ein Iugendtag für die junge Generation des Sozialismus, für das Volt von morgen? Schon der Name sagt, die Jugend will sich an diesem Tage selbst geben, will ihr Wollen ihren Vätern und Müttern, dem ganzen Volke kundtun. Das cheer der jungen Proletarier, zusammengeschlossen im Verband der S o z i a l i- stischen Arbeiterjugend Deutschlands, marschiert und ruft seine Forderungen in die Welt hinaus. Also eine Demonstration eines Teils des Proletariats. Das Werden der Bewegung. Wie entwiSelte sich die proletarische Jugendbewegung? Sie wurde als staatsgefährlich im alten Obrigkeitsstaat angesehen und dementsprechend als ein gehetztes Wild behandelt. Ein Demon- strieren der Jugend für ihre Fordsrungen, die Entfaltung eigenen Labens, war unmöglich. Im Laufe der Jahr« wurden sämtliche Vereine der Arbeiterjugendorganisation aufgelöst, ihrer Arbeits- und Kampfmöglichkeit beraubt. Unter solchen Verhältnissen konnte die Arbeiterjugend natürlich nicht daran denken, selbstgestaltend zu wirken, Jugendtage zu veranstalten. Nach den Elendsjahren des Krieges kam ein Ereignis, das zwischen dem trüben Gestern und dem verheißungsvollen Heute liegt, die deutsche Revolution. Mit einem Schlage wurden alle Stricke und Fußangeln, die den Vormarsch der jungen Garde des Proletariats hinderten, hinweggefegt. Das war der Beginn einer neuen Epoche für die Arbeiterjugendbewegung. Jetzt tonnte die Jugend frei und ungehindert ihrem Wollen Ausdruck geben, hatte Zeit und Muße selbstgestaltend und selbstformend tätig zu sein. Ein Zeugnis dafür, daß in der Jugend dieser Wille vor- handen ist, war der erste Reichsjugendlaq im llahre 1320 in Weimar. In jener Stadt, in der«in Jahr vorher die deutsche Nationaloer- samurlimg tagte und dem deutschen Volke die Verfassung gab. Es war da, erstemal, daß die Massen der Jugendlichen selbst zusammen- kamen. Dieser erst« Reichsjugendtag der arbeitenden Jugend wurde ein Ereignis für die gesamte Arbeiterklasse, er war ein Kraftquell für die zu neuen Höhen emporsteigende Arbeiterjugendbewegung. Jetzt war e, klar, daß die Veranstaltung solcher Jugendtag« zum Aufgaben- gebiet der Sozialistischen Arbeiterjugend gehört. Nirgends kann der Wille der Jugend deutlicher und eindringlicher zum Ausdruck ge- bracht werden als auf solchen Jugendtagen. was fordert Sie arbeitende Engend! Unser Ruf nach Zugendschuh und Zugendrechk steht im Vorder- grunld unseres Kampfes und steht auch im Vordergrund der Demonstrationen unserer Iugendtage. Der gewaltige und eindrucksvoll« Hamburger Jugendtag im Jahr«-1325 stand ganz in seinem Zeichen. Kann wohl ein Ruf deutlicher und wirkungsvoller ertönen, als wenn ihn 30 000 erschallen lassen? Unsere Anteilnahme am politischen Geschehen bekundeten wir am besten auf dem Nürn- berger Zugendiag 1923 durch die dortig« groß« Kundgebung für die Republik, die in jenen Tagen besonders bedroht war. Gegen BSlkermordeu und für den Weltfrieden demonstriert die arbeitend« Jugend immer wieder auf ihren Jugendtagen. Nie wieder Krieg! ist die Parole. Neben dieser Bedeutung der Iugendtage als wirkungsvolle Demonstration für die Forderungen der arbeitenden Jugend sind sie für die Organisation noch von hohem inneren Wert. Die jungen Arbeiter aus Ost und West, Nord und Süd reichen sich die Hände zu gemeinsamer Arbeit. In ihnen wächst das Bewußtsein, wir sind ein großes, ein mächtiges Heer. Unter roten Fahnen mar- schieren Tausende dem Ziel entgegen, ein Wille, ein Weg oerbindet sie alle. Der Kampfeswille jedes einzelnen wird neu gestärkt, der Wille zur Gemeinschaft gefestigt. Aber noch von einem anderen wertvollen Gut der sozialistischen Jugendbewegung legen die Jugend- tage Zeugnis ab. Die SAJ weiß, daß sie nicht warten kann, bis der Sozialismus seinen Einzug gehalten hat, heute schon muß sie den sozialistischen Menschen erziehen, der in seinem Leben und Wirken ein Stück Sozialismus lebendig gestaltet. Außer den Reichsjugendtagen, diesen Meilensteinen der Be- wegung— Weimar, Bielefeld, Nürnberg, Hamburg,— finden auch in den einzelnen Bezirken des Verbandes Iugendtage statt. Sie sind zu einem unentbehrlichen Aufgabengebiet geworden. Die Mai- jugendtage unserer Berliner Organisation sind von der alten und jungen Generation freudig begrüßte Kampf- und Festlage. Nun ruft aber die Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin zu einem Jugendtag am 4. September im Schilletpark auf. dessen Bedeutung die unbedingte Anteilnahme der gesamten werk- tätigen Bevölkerung Berlins erfordert. Gerade hier in der Groß- stadt gilt es, die Massen der abseits stehenden Jugend durch solche gewaltigen Demonstrationen und Iugendtage zu begeistern und zu erfassen. Oer üiesjährige Jugendtag. Eine Morgenfeier im Mercedespalast in der Utrechter Straße vereint die Jugend am Sonntag. Szenen aus Hauptmanns „W e b e r' bilden den Höhepunkt der Feier. Daran schließt sich ein Umzug durch den Norden Berlins, zum Schillerpark, der eigens für diesen Zweck dem Gepräge der Veranstaltung gemäß ausge- schmückt wurde. Aus der Mitte leuchtet der rote Turm der ßamerad- jchofl hervor, ausgeführt nach Entwürfen Prof. Tauts. Ringsherum die Fahnen der verschiedenen außerdeutschen Länder, ein rotes Band führt von den einzelnen Fahnenmasten zum Turm der Kameradschaft, ein sinnvolles Symbol des internationalen Sozialismus. Nach dem Einzug in den Schillerpark findet zunächst eine kurze Erösfuungs- kundgebung statt, der sich dann die Darbietungen der Gruppen und Bezirke auf der großen Wiese und die Wettspiele auf der Sportwiese anschließen. Gerade diese Darbietungen werden einen guten Ein- blick in die Arbeit der SAJ. geben. Nun folgt die Schlußkundgebung. die dem Gedenken des 20jährigen Bestehens der SAZ. gewidmet ist. Es werden darum neben inländischen auch eine Reihe ausländischer Genossen zu uns sprechen. Dann gibt es einen Fackelzug. Je machtvoller die Anteilnahme der arbeitenden Bevölkerung Berlins ist, um so eindringlicher wird der Lugendtag auch unseren Gegnern und Feinden sein. Vor 20 Iahren wurde in Stuttgart die Sozial!- stische Iugend-Internationale gegründet. Genau wie die erwachsene Arbeiterschaft, muß sich, das war das Ziel, die arbeitende Jugend über die Grenzen des Landep die Hände reichen zu gemeinsamem Kampf und gemeinsamer Arbeit. In diesen 20 Jahren ihres Bestehens hat die SAJ. ihre Lebenskraft bewiesen. Sie ist von großer Bedeutung sür Arbeit und Fortentwicklung der einzelnen Verbände und hat sich auch rein zahlenmäßig ständig aufwärts entwickelt. Di« Masie der Jugendlichen selbst zum internationalen Denken zu erziehen, ist ihre Aufgab«. Dem dienen die vielen Delegationen zu den Jugendtagen unserer Bruder- verbände und die Grenztreffen, ihm diente vor allen Dingen der International« Sozialistische Iugendtag im Jahre 1326 in A m st e r- dam. Darum will auch die SAJ. Berlins ihren Iugendtag mit der Feier des 20jährigen Bestehens der SAJ. verbinden. ppramiücn-Zälschungen. Der Inhaber einer chemischen Fabrik verhaftet. Nach langen Ermiitlungen ist es der Berliner Kriminalpolizei im verein mit der Z. G. Farbenindustrie gelungen, umfangreiche Fälschungen von Pyramidon auszudecken. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten. Im November v. I. tauchten in Berlin größere Mengen verfälschten Pyramidons auf, dessen Herstellung das Monopol der I. G. Farbenindustrie, vorm. Höchster Farbwerke, ist. Schon damals beschäftigte sich die Dienst- stelle F. 4 der Kriminalpolizei mit den Verfälschungen und stellte fest, daß der Vertrieb von der Köpenicker Straße 147 aus erfolgte, wo die Firma„Alchima, Fabrik chemischer und pharmaz. Präparate G. m. b. H." ihre Räume hat. Bei einer überraschend vorgenonunenen Durchsuchung wurde zwar ein größerer Posten verfälschten Pyramidons gesun- den, es gelang aber nicht, den Beweis zu erbringen, daß die „Alchima" die Herstellerin der Fälschungen war. Man mußte der Versicherung Glauben schenken, daß das Pyramidon von einem unbekannten Manne erworben worden war. Zu Ansang d. I. und in den folgenden Monaten tauchte das verfälschte Präparat aber auch in anderen deutschen Städten, z. B. in H a m b u r g auf, später noch in Polen und Holland und zuletzt in Paris. Sowohl die Verpackung als auch das Präparat selbst waren verfälscht. Bei den neuerdings wiederum angestellten Nachforschungen stieß man nun in Berlin bei einem größeren Fuhrunlernehmen auf«ine Anzahl K i st e n, die von der„Alchima" dort zur Be- förderung abgegeben worden waren. Die Kisten wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und der Inhalt untersucht. Es ergab sich jetzt einwandfrei, daß man abermals verfälschtes Pyramidon vor sich hatte. Bei einer erneuten Durchsuchung des Betriebes in der Köpenicker Straße fand man auch Matrizen und alles andere, was zur Herstellung der Fälschung erforderlich war. Der Inhaber der Firma und ein Werkmeister wur- den festgenommen und eingehend verhört. Nach längerem Leugnen konnten sie aber der Verfälschung überführt werden. Mit der Auf- deckung dieser Machenschaften scheint die Flucht eines angeblichen Dr. Wolter H o e n i g im Zusammenhang zu stehen, der plötzlich aus Berlin verschwunden ist. Di« Untersuchung über die Ausdehnung und das Absatz- gebiet der Fälschungen ist noch nicht abgeschlossen. Mitteilungen von Geschäftsleuten, die mit der Firma„Alchima" in Verbindung gc- standen und ihr« Fabrikate bezogen haben, nimmt Kriminalkommissar Holling, Dienststelle? 4, in der Georgenkirchstraße 30a entgegen. Eia republikanische» Dolfsfeff findet am Sonntag, dem 4. September, in B o b n s d o r s aus dem neuen Sportplatz, Schulzendorser Str. statt. Eine große Zahl Kameradschaften vom Reichsbanner bat Beteiligung s»- gefichert. Der Festzug nimmt tt Uhr Ausstellung am Bahnhos Grünau. Aus dem Sportplatz von lb Ubr: ab Festrede deZ Bürgermeister Koa., Konzert, GeiangSvorträge, spottliche Wcttlämpse, Box- und Jiu-Jitsu< Bor- sührungen, Kinderbelufligungen aller Art, Tombola u'w. Die Silbers�vocirme 47] QSoit fltachdruck»erdete» StstoctfUrf* Ttebeesrpung an* htm Englisch«» v-n Inlia Steppt Am dritten Tage entdeckte Boyd zwischen den Streiken» den den Mann in dem grauen Anzug und zeigte ihn seinen V�leitern, Clyde und Fräser, die aus Neugierde auf das Dock gekommen waren. Clyde schlug vor, daß man«inen Ausfall machen und sich des Kerls bemächtigen sollte', wenn sie ihn erst drinnen im Packhaus gefangen hielten, konnten sie ihn so lange prügeln, bis er gestand, daß Marsh hinter den Streikenden stehe. Clydes Tapferkeit aber nahm erstaun- lich ab, als Fra'er boshaft vorschlug, der junge Mann solle selbst den Angrist leiten. Obgleich ein ausgeregter Haufe genug Sprengstost ent- hält, ist er nicht eigentlich gefährlich, so lange seine Gewalt- samkeit nicht von einem Führer in eine'bestimmte Richtung gedrängt wird. Erst wenn das der Fall ist, wird er in Wahr- heit furchtbar: die Männer auf dem Dock waren sich bald darüber klar, daß ein leitender Einfluß sich beim Feinde geltend machte. Am Abend des vierten Tages platzte die Bombe. Plötzlich und ganz unerwartet, stürmten die Strei- kenden mit vereinten Kräften das Dock, indem sie die Wache fortsegten, als fei sie Schilfrohr. Noch bevor die Fischer ihre Arbeit verlassen konnten, waren die Streikenden im Lager» schuppen, und bald herrschte dort ein wildes Chcws. Das Gebäude erzitterte unter dem Lärm von Stiefelsohlen, Ge- schrei und Flüchen, und die hohe Decke gab den Lärm viel- fach zurück. Emerson und seine Begleiter sahen sich selbst wie Späne in einer Brandung von dem Tumult mitgerissen und in«inen Mahlstrom gewirbelt, wo die erste Pflicht Notwehr war. HiMer verschlossenen Türen und klirrenden Fensterscheiben war ein entsetzter Kontorist im Begriff, an das Hauptpolizei- ami zu telephonieren, während der Haufe in dem Haupt- gebäride, wo Worenhaufen mit Getöse umgeworfen wurden, kreischte und schrie. Die Fsscher hatten sich mit Knüppeln und Eisenhaken bewaffnet und richteten großen Schaden zwischen den An- greisern an. Es glückte Boyd. sich zu einem Haufen Maschinen- teile durchzukämpfen, so daß sein Rücken gedeckt war: dort blieb er stehen, riß ein Bretterstück los und schlug mit dieser Waffe so wütend um sich, daß sich ein freier Platz um ihn bildete. Schon war es schwierig, Freund und Feind zu unter- scheiden, da sah er plötzlich den Mann in dem grauen Anzug, der aus einen Warenhaufen geklettert war, von wo er auf die Menge herabsah. Der Mann erkannte auch Emerson und zeigte aus ihn, während er etwas in die Menge hinabrief und von seinem erhöhten Platze herabsprang. Bevor Emerson noch den persönlichen Charakter des An- gristes ganz erfaßt hatte, war er in ein wütendes Hand- gemenge verwickelt. Er hatte so wenig Platz, daß er seinen Stock kaum gebrauchen konnte und gezwungen war, sich auf seine Fäuste zu verlassen. Da wurde er von einem Schlag in die Seite getrosfen. so daß er in die Knie sank. Noch einmal versuchte er, sich aufzurichten, seine Glieder aber versagten den Gehorsam, er konnte nur seinen Arm heben, um den tödlichen Schlag, den er erwartete, abzuwehren Aber er kam nicht. Statt dessen hörte er einen Gewehrschuß— den Laut, auf den sein Ohr schon lange gelauscht hatte— und im nächsten Zlugenblick sank ein schwerer Körper auf ihn herab� Mit einer letzten Kraftanstrengung befreite er sich von dem Körper, der über ihm lag und stand schwankend aus seinen Füßen, der Kopf schwindelte ihm, die Knie drohten zu versagen. Er sah eine Gestalt vor sich stehen und wurde von Fräsers Armen aufgefangen:„Boyd, bist du verwundet?" Er war viel zu verwirrt, um zu antworten, indem er sich aber umblickte, sah er den Körper eines Mannes längelong auf dem Boden liegen, das Gesicht zur Erde. Weiterlsin sah er den Mann in dem grauen Anzug in der Menge verschwin- den. Noch immer begriff Boyd nicht, woher der Schuß ge- kommen war, obgleich er einen Geruch von Pulver in der Nase spürte. Da sah er ein Gewehr in Fräsers Hand blitzen. Die Schlacht raste noch, als die Polizei nach einiger Zeit zur Stelle kam, und sie hörte erst auf, als die Polizei durch wiederholte Angriffe die Streikenden zersplittert hatte. Das Dock leerte sich schließlich, und viele Wagen fuhren mit bluten- den Kompfbrüdern zum Arrest, Arbeiter der Fachvereinigung und Fischer Seite an Seite. Am Abend berichteten die Zeitungen mit fetten Ueber- schriften von dem Vorfall: ein Fischer war tödlich verwundet, einer der Streikenden durch einen Gewehrschuß gefallen und viele andere hatten leichtere und schwere Verletzungen davon- getragen. 18. Die folgenden Tage waren sehr anstrengend sür die Kompagnons, well sie mit einer verminderten mid beschädigten Mannschaft unter beständiger Bewachung arbeiten mußten. Es lag noch immer Aufruhr in der Lust. Etwas machte Boyd bedenklich, nämlich die Tatsache, daß bisher noch keine Untersnchung eingeleitet war, um den Tod des Streikenden, der durch den Gewehrschuß gefallen war, festzustellen. Es konnte kein Zweifel darüber bestehen, daß Marchs Spion Zeuge der Szene gewesen war, und daß es ihm ein leichtes sein würde, ihn, Emerson, der Tat zu be- schuldigen. Da es Marchs Absicht war, ihn so lange als möglich in Seattle zurückzuhalten, konnte er nicht begreifen, warum er die Situation nicht ausnutzte und ihn verhaften ließ. Dicht neben Kapitän Pcasleys Dampfer luden die Schiffe seiner Rivalen, und fast schien es, als ob Marsh trotz allem zuerst nach Kalvik kommen würde. Als Emerson seine Be- denken äußerte, ging George zwischen den Fischern herum, lockte sie, drohte ihnen, bestach sie, bis sie wie die Teufel arbei- teten. und am zwanzigsten des Monats konnte er Emerson endlich mitteilen, daß die Ladearbeit am nächsten Montag beendet sein würde. Am Morgen des folgenden Tages fuhren Emerson, Chyde und Fräser gemeinsam mit Cherry in einem geschlossenen Wagen zum Dock, ohne daß ihnen unterwegs etwas zustieß. Di« Abfahrt eines Lachskonservendampfers nach dem Norden ist immer ein lohnender Anblick, eine Sehenswürdig- keit des Hafens in Seattle. Außer der Verwirrung, die stets bot der Abreise eines Frachtdampfers unvermeidlich ist. kommt hier noch der unbeschreibliche Lärm hinzu, den die Einschif- sting einer orientalischen Mannschaft stets im Gefolge hat. Chinesen reden so laut und unaufhaltsam, daß sie das heisere Geschrei der Lastträger, den Lärm der knarrenden Taljen und das Stampfen der Kräne übertäuben. Wie ein mahn- sinnig gewordenes Heer wogen sie hin und her, überall sind sie im Wege, plappernd, kreischend, rufend. Sie sind wasser- scheu, eine Seereise birgt in ihrer Vorstellung viele Gefahren, durch nichts sind sie zu beruhigen und sie lassen sich erst an Bord treiben, wenn ihre Erregung sich ausgetobt hat und sie zu Tode erschöpft sind. Es ist nicht ratsam, sie auf Seemanns- ärt zu disziplinieren, denn viele sind große, bösartige, faffran- gelbe Burschen, in deren behenden Händen ein Messer eine gefährliche Waffe ist. Die Japaner, sonst so stille und gehorsame Leute, werden von ihnen angesteckt und tragen auch ihren Teil zu der allgemeinen Verwirrung bei. Jeder Mann hat seinen bescheidenen Besitz in Bündeln und Paketen bei sich und bewacht ihn mit kreischender Fürsorg«. (Fortsetzung folgt.) Eine Infiationsgrünüung. 183 000 Mark Passiva. Wegen Konkursvergehens wurde von der Berliner Kriminal- polizei der 35 Jahre alte Kausmann Karl Traub festgenommen. der in der Bergstr. S4 zu Steglitz wohnte und in der Friedrichstr. 66 eine Juwelengroßhandlung, verbunden mit einem Kommisfionz- bureau, betrieb. Traub gründete fein Unternehmen während der Inflationszeit und machte damals auch gute Geschäfte, mußte aber in der letzten Zeit mehr und mehr erkennen, daß die Zeit für derartige Grün- düngen vorüber war. Wie die Ermittlungen ergeben haben, war die Firma schon Ende des Jahres 1326 zahlungsunfähig geworden, doch verstand es der Inhaber immer wieder, sich durch allerlei Manipu- lationen über Wasser zu halten. Den Anstoß zu dem Eingreifen der Behörden gab eine Anzeige der Londoner Juwelensirma Strauß u. Sohn, die"an Traub eine Forderung von 2 6 666 Mark hatte und keine Deckung erlangen konnte. Zwei Pariser Juwelen- s i rmen sind umje12666 Mark geschädigt, zwei Antwerpe- n e r um etwa 11666 Mark. Insgesamt belaufen sich die Passiva, wie festgestellt wurde, auf 183666 Mark. An den Forderungen sind auch mehrere Berliner Juwelenhandlungcn und solche in Idar a. d. Nahe und Düsseldorf beteiligt. Traub wußte wohl, daß er die Lieferanten der wertvollen Juwelen nicht bezahlen konnte und griff deshalb zu einem anderen Mittel. Drängte«in Gläubiger sehr, so übereignete er ihm kostbare Edelstein«, erwähnre aber nie, daß die Steine sämtlich schon verpfändet, anderweitig ver- kauft oder beliehen waren. Durch allerhand Vorspiegelungen ver- stand er es auch, Prolongation seiner umlaufenden Wechsel zu er- langen und seine Gläubiger immer wieder hinzuhalten. Die Londoner Firma Strauß übersandte z. B. Traub ein sehr wertvolles Soutoir, das er auseinandernehmen und in seinen einzelnen Teilen verkaufen sollte. Da trotz mehrsacher Mahnung keine Zahlung von Traub zu bekommen war, erstatteten die Londoner Anzeige bei der Kriminalpolizei. Die Kriminalpolizei nahm Traub gestern in seiner Wohnung fest und beschlagnahmte das Inventar der Geschäftsräume. Der Festgenommene wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Traub noch mit anderen Firmen Ver- bindungen angeknüpft und seine Zahlungsunfähigkeit verschwiegen bat. Es wäre daher erwünscht, wenn sich all«, die ihm Juwelen ver- kauft oder in Kommission gegeben haben, bei der Dienststell« D. 1 im Polizeipräsidium meldetem Die öerliner Seamtenbesolöung. In Abänderung des vor einigen Tagen gefaßten Beschlusses des Aeltestenausschusses, über den�wir ausführlich berichtet haben, hat der Magistrat beschlossen, an Stelle der einmaligen Zulage für die städtischen Beamten einen fortlaufenden Zuschuß auf dos Gehalt bis zur endgüliigen reichsaesetzlichen Regelung zu zahlen. Die Mindestgrenze für den Zuschlag soll dabei fortfallen, die soziale Staffelung des Zuschusses(36 Proz. für die untersten Gruppen, fallend bis auf 16 Proz. für die höchsten), die bekanntlich aus so- zialdemokratischen Antrag beschlosien worden war, soll da- gegen beibehalten werden. Um einer weiteren Verzögerung der Auszahlung der Summen zu begegnen, stimmte gestern der Aeltestenausschuß diesen Vor- schlügen zu— vorbehaltlich der endgültigen Regelung durch die Stadtverordnetenversammlung. Di« Beamten werden also nunmehr sofort in den Besitz der dringend notwendigen Zulage gelangen. Es dürste von Interesse sein, festzustellen, daß sich auch gestern weder die Deutsch nationalen noch die Demokraten und die W i r t s ch a f ts p a r t e i l e r dazu entschließen konnten, de? sofortigen Auszahlung des Zuschusses zuzustimmen. Zwei Wochenendzüge zu ermäßigten Preisen. Die Reichsbahndirektion Berlin teilt mit, daß der am Sonn- tag, dem 4. September, verkehrende Sonderzug 4. Klasse zu ermäßigten Fahrpreisen nach Thale im Harz bestimmt ver- kehren wird. Der Zug fährt ab Berlin, Potsdamer Bahnhos, 6.46 Min. und ist gegen Mitternacht wieder in Berlin. Der Fahr- preis beträgt 16,26 M. Auch am kommenden Sonnabend-Sonntag (dem 3./4. September) wird der Wochenendsonderzug nach den Ostseebädern auf Usedom, Swinemünde, Hsringsdorf usw. bis Carlshagen-Trassenheide, der bereits den Sommer über regel- mäßig fährt, verkehren. Der Zug hat Wagen 2. bis 4. Klasse, die Fahrpreise sind um 33'ch Proz. ermäßigt. Fahrkarten zu beiden Zügen sind noch bei den Fahrkartenausgaben der Abgangsbahnhöfe, Potsdamer Bahnhof bzw. Stettiner Bahnhof, sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus, Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Fricdrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 87/68, zu haben. Cifersuchtstragödie in einem Hotel. Eine Eifersuchtstragödie spielte sich gestern in einem Hotel in der F r i e d r i ch sr r a ß e 138 ab. Am Donnerstag abend waren dort der 89jährige Pferdehändler Adolf Bialaschewski aus der Kaiserstr. 1 zu Dresden und dessen Geliebte, die 22jShrige Film- schauspielerin Lotte R o h m a n n aus der Bayreuther Str. 6, ab- gestiegen. Gestern kam es nun zu einer heftigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Bialaschewski plötzlich eine Mehrlade- Pistole hervorzog und auf seine Geliebte drei Schüsse abgab, die in die Schulter trafen. Auf die Hilferufe der Schwer- verletzten eilte Hotelpersonal hinzu. Als Antwort auf die Aufforde- rung, die verschlossene Tür zu öffnen, ertönte ein weiterer Schuß. Der Täter hatte sich eine Kugel in die Schläfe gejagt. Die Verletzte wurde in das Augusta-Krankenhaus und B. als Polizeigefangener in das Stoatskrankenhaus übergeführt, wo er kurze Zeit nach seiner Einlieferung starb. Die Bahnhofskasse«nsgeraubt! Auf dem Bahnhof Wedding wurde gestern vermutlich von einem Effenbohnbetrieb-assistenten ein größerer Diebstahl verübt, mit dessen Aufklärung sich zurzeit der Ejscnbahnüber- wachvngsdienst noch beschäftigt. Aus einem Schrank des Kassen- raumes verschwand auf geheimnisvoll« Weife eine Ledertasche, dke über 2 666 Mark, einen Teil der Bahn- Hofskasse, enthielt. Ein der Tot dringend verdächtiger Beamter wurde festgenommen. Es hat den Anschein, als ob Noll, ein anderer Beamter die Hand mit im Spiele hat. Deueröffnung des Apollotheaters. Nun hat auch das Apollo- theatsr wieder sein« Tore geöffnet, und es präsentiert sich ieinen Besuchern in einem neuen schmucken Kleide. Für nur 66 Pf. Ein- trittsgeld kann man hier einen vergnüglichen Abend verleben. Zwei ausgezeichnete Kapellen sorgen dafür, daß sich recht viele Tanz- beine in Bewegung setzen. Und in den Tanzpausen ziehen lustige Bilder aus der Revue„Na u n d o b" on uns vorüber. Di« sehr geschmackvollen 5kostüme und Dekorationen erfreuen das Sluge, und» die Ohren nehmen gern die gefölligs Begleitmusik aus, für die Harry Waldau verantwortlich ist. Hugo D ö b l i n leistet ebenso in seiiwr Eigenschaft al; Regisseur wie als Schauspieler Ausgezeich- neies Er wird wirksam unterstützt von Fritz Kallmann, Ellen P I e ß n e r, Gretel Leihenberger und dem übrigen Ensemble. Die Direktion Georg K a m i n s k i kann mit Recht guten Mutes in die Zukunft schauen. Keine Nachricht von St. Raphael. Man befürchtet für die Flieger das Schlimmste. London, 2. Sepiember. lieber das Schicksal des Eindeckers„St Raphael" und seiner Besahung lagen keinerlei Rachrichten vor. Alle Gerüchie, nach denen die Ozeonslleger gesichlet worden seien, bzw. die Tat- fache ihrer Rotlandung verbürgt seh werden von den kanadischen Küstenfunkstationen dementiert Da man annehmen muß, daß nunmehr die Brennstoffvorräte des„St Raphael" aufgebraucht sind, befürchlek man das Schlimmste, zumal das Flugzeug keinen Sendeapparal an Bord hat, so daß die Flieger. selbst wenn sie sich noch über Wasser hallen sollten, nur dann ge- rektet werden könnten, wenn sie gesichlet werden. Ans Rem Lork wird gemeldet, daß der Flieger Bertaud. der bekannklich seit einiger Zeit zum Fluge nach Rom starken will, sich bereit erklärt habe. die Suche nach dem„St. Raphael" mik seiner„Old Glory" aufzunehmen. Paris, 2. September. Nach einer Meldung der„Chicago Tribun«" aus Ottawa glaubt man, daß das Flugzeug„St. Raphael" nach Norden ab- getrieben worden ist. Dies« Annahme wurde bestätigt durch Nachrichten aus der Gegend nördlich von Quebec. Da» neue Programm der SteMner Sänger dringt in den„Reichs- hallen' zwei Einakter von Ferdinand Meylcl„Seemanns-Lieder», „Das deutsche Meer' und eine lusliae Berliner Burleske„Eine Hochzeit in der Milllerslrane'. Die Hauvlrollen haben Britton und Mehiel, P. Schwed und Franz Kirardi. TaS Stück wurde flolt und mit echiem Berliner Humor gespielt und fand großen Beifall. In dem vorhergehenden Teil lelen als gute Humoristen M. Steidl, Georg Robin, Paul Schwed und Martin Brauer erwähnt_ Groß-Serliner Parteinachrichten. SezirksvorftanS. Heute. IS Uhr, pünktlich, Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes im Jugendheim, Lindenstraße 3. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich recht zahlreich am Sonntag, dem 4. September, am Zugendtaq der Sozialistischen Arbeiterjugend im Schillerpark zu beteiligen. * A. Rttis Nreuzberg- Montag, 5. September, 19 Uhr, wichtige Sitzung der Dezirkencrordnctcnfraltion mit den Stadträten an bekannter Stelle. IS. Nrei» Zteukiilln. Montag, b. September, Ig'4 Uhr, Kreisfunktionärver» iammliing in dcn Passage-Sälen, Bcr-istratze, Vortrag:„tPaa kommende Reichsschnkgeletz und die Stellung der Parteien dazu. Rescrcnt Dr. Kurt Läweustein, M. d. R. tZ. Kreis Treptow. Die Besichtigung des Botaniickien Gartens findet am Sonntag, 4. September, um eine sachgemähc Fiihruna zu baben, bereits nm iO Ahr statt. Fahrverbindung: Stadtbahn bis Bahnhof Bosnischer Garten. Treffpunkt Eingang Straße Unter den Eichen. Wir bitten um recht rege Beteiligung.— Montag, 5. September, 19 Uhr, Fraltions. sttzung der Bezirksoerordnetenfraktion im Zimmer 77 des Rathauses Treptow. 17. Kreis Lichtenterg. Die Kreisvorstand-sttzung findet der Bezirksnerfamm. lung wegen ausnahmsweise am Dienstag, S. September, 19% Uhr, bei Albrecht, Boxhagener Etr. 2, statt. Morgen, Sonnlag, 4. September: 15. Abt. Treffpunkt aller Genosstnnen und Genossen zur Zugendkundgebung um 14 Uhr am Eonrbiereplatz. 1«. Abt. Alle Mitglieder treffen(ich zur Teilnahm« am Zugendtag bei Krllger, Hülst teil,. Ecke Scherinastrohs..Abmarsch. 14 Uhr. 19. Abt. Die Genossen belcillgen sich restlos' mit�ihren Familien am Jugend» tag der SAI. im Schiller park. 21. Abt. Sämtliche Mitglieder treffen stch Uli Uhr am Gourbiereplatz zum IugenMag der 6213. Ferner werden die Genossen gebeten, zu Ehren der Jugend rot zu flaggen. 35. Abt. Die Genotsinncn und Genossen treffen stch zur Teilnahme am Internationalen Zugendtag um 13% Uhr Ringbahnhof Frankfurter?Illec. Rege Beteiligung ist dringend crwllnfcht. 92. Abt. Steglitz. Kinderfreund«: Treffpunkt 8% Uhr am Jugendheim Albrecktstr. 47. 191. Abt. Treptow. Die Genossen werden aufoefordert, stch am Sportfest des Turnvereins, der stch bei allen unseren Beranstaltungen zur Bersllgung stellt, zu beteiligen. Treffpunkt Kiefholz-, Ecke Baumschulcnstraße, 13 Uhr. 192. Abt. Be.umschnlenweg. Die Parteiorganisation beteiligt stch an der Ber» anstaltung de» Turnvereins Jahn. Aufstellung zum Feftzuge um 12% Uhr Kbpenicker Landstraße. Banner und Fahnen sind mitzübringen. Die Bezirksfsthrcr laden hierzu restlos ein. 195. Abt. Adlcrsbof. 8 Uhr Treffpunkt am Bahnhof Adlershof zur Fahrt nach dem Botanischen Garten. Sterbetafel üer GroF-Serliner Partet-Grganssatton"} Bezirk Brandenburg. Am 39. August verstarb plötzlich in Bernau unsere liebe Iugendgenassin Irma Sprengel im blühenden Alter von 18 Jahren. Ehre ihrem Andenken! Die Beisetzung findet am 5. September, 18 Uhr, auf dem neuen Friedhof ln Bernau statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Der Bezirksvorstand. Sozmliftische Rrbeiterjugenü Gro�-öerlm. heute, Sonnabend: Lichtenberg. Dest: 17% Uhr Handballmannschast am Feuermelder. Morgen, Sonntag, Jugenütag. Treffpnnkie für die Vormilkagsveransialtung im Mercedes- palaft, lllrechker Straße: Warschauer viertel-%19 Uhr Hochbhf. Warschauer Brücke.— Südwest: %10 Uhr„Vorwärts".— Lichtenberg. West: 9 Uhr am Feuermelder.— Werbe» Ein Tagesprogramm wie viele andere, dessen Niveau nur durch ein kultiviertes Solikicnkonzert am Abend gehaben wird. Hermann Kasack setzt seine Vortragsreihe„Köpfe der Dichterakademie" mit Kellermann, Hesse, Schal',, Stucken und Schmidtbonn fort. Wie in dem ersten Vortrag gibt Kasack eine kurze Charakteristik der Dichter- Persönlichkeiten, allerdings einen bereits zu kurzen Abriß. Aber darüber hinaus spricht er über die Ausgaben der Akademie, die jetzt in der Frage der Verlängerung des Urheberschutzgejetzcs auf fünfzig Jahre eine Rolle gespielt hat. Er charakterisiert diese Ausgaben dahin, daß die Akademie in kulturellen Fragen entscheiden, daß sie ferner in Beziehung auf Verteilung von Stipendien und ähnliche Funktion eine beratende Rolle im Kultusministerium spielen soll. Auch was Herta Goetz in„Kinder- und Frauen spart über die sportliche Erziehung der Kindcr sogt, ist beachtenswert. Sie weilt vor allem darauf hin, daß in der Pubertätszeit der junge Mensch nicht nach sportlichen Spitzenleistungen streben sollte, da das Wachs- tum des Körpers alle Kräfte für sich in Anspruch nimmt. Der Abend ist merkwürdig geteilt, aus„Lustige Lieder", die sich teils aus Schlagdrn ynd teils aus Volksliedern zusammensetzen und die übrigens Robert Kappel mit schöner Stimme und vielem Witz singt, folgt ein guserwäbltcs Solistenkonzcrt. das unter anderem Geminiam, Schubert und Dvorak bringt. Eva Heinitz virtuos in der Veberrschuno des Cellos, besonders schön klingt der breite, gesättigte Strich im Andante, Emil Prill kommt dagegen nich» zu gleich starker Wirkung, da in der Ilebertragung die Flöte etwas schrill klingt. F. S. bezirk Prenzlauer Berg: 9 Uhr Danziaer Straße, Ecke Schönhauser Allee.— W-rbcbczirk Schoneb-r«:%19 Uhr Vhf. Bülowstratze. Muiillnstrunient-, Faunen i:nb Transparente mitbringen. Bon 7—9 Uhr Arbeitsdienst im Schillerpark. Alle Ordner tr-ff-n sich 9 Uhr Mercedespalast— Werbebezirk Rcukölln: 10 Uhr Hermannplatz(Nollkrug). Treffpunkte für die Rachmillcigsveranstallung im Schillerpark: Südwest: V.14 Uhr„Vorwärts".(Untergrundbahn bis Lcopoldplatz.)— W-rbcbezirl Osten: Nach der Essenausgabe 14 Uhr am Zcppclinplatz, Ecke S-ntcr und L:mburgcr Straße. Nachzügler 14% Uhr Courbicreplatz, Gruppe 3. Fahnen und Eporlgcrätc mitbringen.— Werbebezirk Pr-nzlau-r Berg: Tref!» Nettclbcckplatz. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Ä Geschäftsstelle: Berlin S 14. Eebastianftr. 37/38. Hot 2 Tr. (Danoorftanb. Dienstag, 6. September, 20 Ilhr, SportschiedsriÄtcr- fiftuug im Gaubureau.— Sonnabend, 3. September. Arenzbera, Iungmannscbaft IT: Fabrt nach Erlner— Strausberg. Fahrgeld etwa I M. Treffpunkt 17� Uhr Schief. Vhf. NeuküUn. Britz: Pflichtantreten der 5av. fal.rer 21� Uhr bei Äbnig, Wildenbruch., Ecke Deferftraße, zur OktchUahrt. Rückkehr Sonntag vormittags. Das Erscheinen aller radfahrenden Kameraden dringend erforderlich. LüHenberg nebst Untergruppen: 21 Uhr steht der ge. r-_ i- v>>.4.-1_________ O:•». T f ,< fN« �TFrtThBrrflczff r"/K(fif. Fahnenweihe Reinickendorf mit Spielmannszug und Fahnen. Hennigsdorf: Pflichtveranstaltung Reinickendorf. Antreten 12% Uhr Vhf. Seunigsdort mit Tambourtorps und Fahnen.— Montag, 5. September. Mitte:?»rnab:nd. Krcuzbcrg, Jugend I!: Bei Krepp, Planufcr 75, Vortrag Kam. Kock. Shar» lottenburg: 20 Uhr Mitgliederversammlung im oberen Echillcr.Eaal, Bismarck. straße. Gruppenführer laden ein. Adlcrshof: 19 Uhr Zusammenkunft im Jugendheim Roonstraßc.— Sportplatz Friediichsfelde: Sonntag, 4. September, von früh 7 Uhr ab allgemeiner Arbeitsdienst für sämtliche beteiligten Orts» vereine. Holzarbeiter haben mit Werkzeug zur Stelle zu fein.— Ltifstcabeig nebst Untergruppen: Sonntag, 4. September, 8% Uhr, muß die Sportaateilung bei Säionert, am Rummclsburger See, erscheinen, lieben der fvortlichrn Aufführungen zum Vergnüge» am 11. September. Erscheinen Ptzicht.— fsnedeilbshaüt( Schutzsport): Sonntag, 4. September, 7 Uhr Schief. Bht., Ecke Madaistraße, zur Fahrt nach Grünau. Badezeug mitbringen. Rackizllgler m Uhr Bhf. Grünau._ Reichsarbeiterfporttag in Trebbin. Sonntag, 4. September, 9 Uhr Treffpunkt Gefellstbaftehaus. 10 Uhr Etafetten der Turner, Fußballer und Rad» tahrcr. 13 Uhr Festzug. 14% Uh: leichtathletische Wettkämpie, Radpolo und Kegeln der Freien Keglcrvercinigung. Iübisäcr Arbeiter. Kulturvercin, Rofenthalcr Etr. 39. Sonnabend, 3. Cep» tember, 29 Uhr, Vortrag:„Internationaler Gewerkschaftskongreß." mit araphie. Neukölln: Ab Montag, S. Scpte-----, Kaiscr-Friedrich-Str. 209. Osten: Ab Dienstag, 8. September, 19% Uhr. in der Gemeindeschule Frankfurter Allee 37. Norden und Nordosten: Ab Diens» tag, 8. September, 19% Uhr, in der Gemeindeschule Ecnefelderstr. 8. Das Kurfusgeld beträgt einschließlich Lehrmaterial für Erwachsene 19 M., für Jugendliche 7,59 M. Erwerbslose zahlen die Hälfte der vorstehenden Sätze. Eltern» schickt auch eure Kinder in unsere Kurfei Schriftliche Anfragen he» antwortet gern Walter Riedel, Berlin-Spondau, Wnstcrmarker Etr. 19 1. Verband für Freidenkertum, 5. Bezirl tFrirdrichshain). Mitglicderver. fammlung Dienstag, 8, September, 19% Uhr, in den Andrcas.Festfälcn. Andrcasstr. 21. Tagesordnung: 1. Wirtschattskämpfe und Freidenker. 2. Be. richt von der Bezirkskonferenz vom 27. August und Stellungnahme zur nächsten Konferenz._ Sport. Rennen zn Ruhleben am Freitag, dem Z. September. 1. R e n n e n. 1. Modena(Heckert), 2. Maimorgen(Bahr), 8. Silva- pf-m-i(Cd, Mills). Toto: 28: 10, Platz: 12. 11, 14: 10. Ferner Uisen: Fricsin. Lucrctia, Alpipitz-, Dornzieber, Irrwisch, Notwehr, Nebelkappe. L.Rennen. 1. Gerhard(Jaujl jun.). 2. D-wetzphine(Cd. Mlist 3. Kapitain.Halle(Weiß). Toto: 29: 10. Platz: IS. 117, 14: 10. Ferner kiesen: Olleti B., Denkmünze, Kopeke, Wildkatze, Else S. I, Monarch I. Peter Harvester. 3. R e n n e n. 1. Flaggenlied(Lauienberger). 2. Petronella A.(Lemzer), 3, Antenne(Elias), Toto: 56: 10. Platz: 13. 32. 20: 16. Ferner liesen: Jsarwelle, Rotkäppchen, Potsdam, Kursürst, Henny Cord, O'CaPlain Leerberg, Eulenspiegell ».Nennen. 1. Karo-Bube(Paus) jun), 2. Ehrenberg(F. Mills), 3. Ida Palos(Heckert). Toto:«3:10. Platz: 21, 13: 10. Ferner liefen: Freund Edelstein, Friese. Louisiana. «.Rennen. 1. iilltgold(EliaZ), 2. Kerrigan jun.(Besitzer), 3. Odessa (Frmer). Toto: 73:10. Platz: 30, 32,141:10. Ferner liefen: Höhen- sonne, Notula. Prinzeß Fortuna, Blaumeise, Zeitgeist, Erster Wolfen omer, Weinbrand, Arnsried, Barometer, Kürassier, Weinminze, Radiola. Corona Mc. Kinneh. «.Rennen. 1. Ladv Morgan(Eh, Mills), 2. Britton(J. MillS), 3. SIbendstern(Fauß jun.). Toto: 11: 10. Platz: 12, 14: 10. Ferner liefen:?lquav!t, Valencia I. 7. R e n n c n. 1. Mary H.(Jautz jun), 2. Nachtfalter(I. Mills), 3. Trottcur(Reiter). Toto: 28: 10. Platz: 13, 13, 24: 10. Ferner liesen: Altmark, ClcmatlS blau, Pechjackel, Wainsca, Fcnelon, Bnchdrücker, Florian. 8, R e n n e n. 1. Ostgrenze(P. Finn). 2. Gondel(Heckert), 3. Elsen- königin(Lemzer). Toto:«3: 10. Platz: 2». IS, 24: 10. Ferner liefen: Doorn, Lombardei. Kasimir. Brigitte. Quintessenz. Aldiiä, R-hoserin, Mode- dame. Einficht, Dorclte, Erbprinz jun,, Peler Hall, Joachim, 3, R- n n e n. 1. Gawein(Schröder), 2. Lustschisier(Jaug jun.), 3. Crispa iKozal). Toto: 32:10. Platz: 21, 23. 54:10. Ferner liesen: Prinz üldbell, Importeur, Barometer, Carl Alexander, Fredegundis, O'Cnptain Leerberg, Torrero, Marne. Schwarzwaldmädcl, Linsko, Malmö, Weinsiock, Armenier, Wagner, Dina Walls. wellcrbericht der öffentlichen welleediensistelle für Berlin und Umgegend lNachdr. verb.) Vorwiegend etwa? stärker bewölkt, sonst Foitbesiand der bcrrschendcn Witterung.— Für Oealschlanb: Im allgemeinen ziemlich trocken und am Tag« warm, nur im Südwesten etwas stärker bewölkt. Winieranfang bei Eords. Noch freuen wir uns der gottlob wiedergekehrten Sonne und präsentieren uns ihr in anspruchslosester, möglichst mangelhafter Bedeckung. Dieweil*üst«n die Fabrikanten aber schon zum wlnter- lichen Modefeldzug. Die Firma Cords, Leipziger Straße, zeigt eine ganze Reihe Neuheiten für die Straße und für den Abend. Die Mannigfaltigkeit neuer Gewebebindungen und neuer Dessins läßt wahrhaftig nichts zu wünschen übrig, und die verschiedenartigen Bezeichnungen alle zu behalten, bliebe einem Gedächtuiskünstler vorbehalten. So hat beispielsweise der in letzter Zeit Mode aewordeno Kasha, ein leichter Wollstoff, jetzt gleich drei Brüderchen crbaltcn. Kasha-Lame, eine Veriünbung von Wolle mit Metalisaden Kasha- Trovers, eine bunte Musterung des Gewebes. Kasha-Doubl«, der Stoff zweifarbig, auf beiden Seiten tragbar. Dann gibt es sehr hübschen Wolllüll, der, strickslossöhnlich, zur Lelarbeituirg von Jumpern dient, bekurbelten Rips usw. Neben diesen„Togesneuig- leiten" öffnet sich dem ohnedies schon entzücklen Auge die bunte Märchenwelt abendlicher Gewandung, Belourjacvuard, Velourchiffon, Transparent und wie all die schönen und ach so schwer erreichbaren Sachen beißen mögen. Aus dem Gebiete der Lurusmode beherrschen französische Fabrikate das Feld. Landeck. das in die hohen ! c'nem Bärmsgesd von•»% Grad Eeliw» imvpa»nu.vfÄn, Nlgau« steige,' die Kranken in das köstliche Raß, um geheilt wieder in dl- Lcimat zu jinjen. Srnstiet weiter dringt die Kunde van der Heilkrait v:r Quellen und Lanbecks Ruf wird hinaus getragen in alle Welt.— Um noch recht v:elen ein« Knr in der Rachsaison zu ermöglichen, ist die«urtare ad X. September um 20 Proz. und ad 15. SepX-mder um 40 Proz. ermäßigt worden. Vom t. Oklobcr ab beträgt die Kurtaxe 19 M. Sonnabend Z. September 1927 nterhaltung unö Vellage öes vorwärts Sie Einrichtung. Don A. M. Frey. (Schluß.) Eine Woche später hatte er die Kleinigkeit immer noch nicht unternommen, aber einen Vorschlag zu Papier gebracht, dem er, bei seinem Ansehen, genug Nachdruck oerleihen konnte, um ihn schnell und in seinem Sinne entschieden zu sehen; er machte geltend, daß i>as Volk es sei, das gesamt«, das die Exekutive habe: das Urteil fei gc- sprachen im Namen des Volkes— so möge auch das Volk voll- strecken. Man lieh seinen Ausführungen ein geneigtes Ohr. Man beriet bejahend und beschleunigte die Verabschiedung der neuen Norm, und alsbald— ehe jener Monat endete— war der Knopf öfsentlich. Cr war angebracht in Meterhöhe auf einem Mormorblock— mitten auf einem Platz. Dort stand auch dos Justizgebäude und ihm gegenüber lag das Haus, in dessen erstem Stock der alte Richter wohnte. Er hatte also— war er im Dienst, war er daheim— stets den Blick auf den Knopf. Er tat ihn, man kann sagen, dauernd. Er hatte Ferngläser hüben und drüben und beobachtete, soweit Ar- beit und Schlaf ihm Zeit ließen, unausgesetzt die Passanten. Sie kamen und lasen, wie von einem Tisch, die Ausschrift ab. Sie zögerten, manche wie gelähmt: ste sahen einander helmlich an und schlenderten— schlichen— flohen weiter. Di« Schrift lautete: Wer den Knopf berührt, tötet einen zu Recht im Namen des Volkes von Gesetzes wegen verurteilten Mörder. Das Wort„tötet" wurde nach zwei Tagen wieder herausgemeiße.lt und ersetzt durch das Wort„richtet": es war, als wolle es unsicher sich verkriechen in den Stein. Dem alten Richter mißfiel das. Er wanderte an seinen Fen- stern hin und her, den Operngucker in der einen Hand und die andere mit unruhig, wirbelnden Fingern auf dem Rücken. Da wurde ihm ein Mensch gemeldet. Der Mensch kam verlegen und ossenbar innerlich sehr beschäftigt ins Zimmer gestolpert. Er vergaß seinen Namen zu nennen und begann gleich:„Da unten— dort-- jawohl, ich will schon drücken, denn Mord, o ja. muß schwer bestraft werden. Aber man sagt mir, Sie haben das Urteil gesprochen und da möchte ich gern vorher wissen, was der Ver- brecher verbrochen hat." „Gemordet," sagte kurz der Alt«. „Das weiß ich," beeilte sich der Junge.„Aber wen und wieso? Stimmt es, eine Frau hat einen Kindsmord begangen. Ich stelle mir vor, sie hat das Kleine ertränkt. Solch entmenschte Mütter gibt es so. Obwohl man vielleicht wissen müßte— obwohl man sagen könnte—* Er brach ab. „Schlimmer," log der Richter. Etwas trieb ihn, vorzuspüren, zu prüfen.„Um eine Frau mag es sich handeln, aber um keinen schnell gefaßten Entschluß— um eine langsame Prozedur. Ein Giftmord— mit weitem Vorbedacht, mit Kaltblütigkeit und grau- samen Sinnes." „A! Scheusal!"— Es war, als wollte der Fremde zur Tür und hinuntereilen. „Bleiben Sie noch," sagte der Richter.„Eine Frau hat getötet aus ungezügelter Gier. Ihren Gatten. Um einem anderen gehören zu können." Der Junge trat näher.„Aus Liebe?" „Ich habe gesagt: aus Gier," erklärte der Alt« scharf.„Sie hat ihr Opfer leiden sehen und hat gelacht. Lächelnd hat sie es getröstet — über Todesschmerzen, die sie zubereitet hatte." „Ist sie schön?" fragte der Junge leise. Der Alte besann sich— so, als sei er sehr im Zweifel, was er antworten müsse. Aber dann betonte er:„Sehr schön und jung." Der Fremd« schwieg. Dann wagte er zu widersprechen:„Aber vielleicht müßte man doch sagen, daß sie aus Lieb« nur—" er fuhr nicht fort. „Aendert das etwas?" fragte der Richter sehr laut. Der Junge schien trotzdem nicht gehört zu haben.„Wenn ich bedenke," sprach er leise vor sich hin,„daß um meinetwillen«ine Frau solches täte— ja, wie sollte ich die Kraft haben, ihr das Leben zu nehmen, die mir das ihre bringen wollte?" „Es geht nicht um Sie. es geht um alle." „Ging es gerade da nicht um mich und die Frau? Es geht doch um Menschen unter uns Menschen..." „Halt, Sie lassen sich verwirren, weil Sie glauben, die Frau sei jung und schön. Aber das stimmt nicht— Sie müssen verzeihen— ich habe Ihnen Erfundenes vorgesetzt. In Wahrheit wartet ein Mann auf seine Tötung, der einen anderen mit Vorbedacht ge- tötet hat." „Aus welchen Gründen?" „Ich werde mich hüten, Ihnen Gründe zu nennen, ich habe gesehen, auf was für Abwege Sie führen. Es muß genügen, zu tr-issen, daß jener sich selbst als Mörder bezeichnet, daß er nichts beschönigt, daß er unter das Gesetz fällt— so glatt einer darunter fallen kann." Aber die Worte schienen abzuprallen.„Vielleicht hat auch er aus Neigung oder aus Haß gehandelt.— Wißt Ihr, was Ihr eigent- lich hinrichten müßtet? Die Liebe selbst und oll diese Ding«, ja- wohl, all diese Dingel" „Im Philosophieren sind Sie schwach," belehrt« der Richter hoch- mutig milde.„Im Handeln werden Sie besser sein. Gehen Sie hinunter und tun Sie. was Sie schon vorhatten." „Nein," schrie der Junge,„nein, ich nicht! Und ich will jeden abhalten, den ich abhalten kann. Aber ohnedies wird wohl niemand es tun." „Warum eigentlich nicht?" fragte der Richter in die Lust, mit gefalteten Händen. „Weil wir uns fürchten," sagte der Jung« stockend.„Well—" Der Alte winkte ab.„Ich möchte mit Ihnen nicht mehr disku- tieren. Wir verstehen einander doch nicht recht. Bitte gehen Sie." Der Junge war schon draußen. „Warum eigentlich nicht?" wiederholt« der Alleingebliebene. Er spähte hinunter. Da standen sie. losen und gingen weiter, scheu über den Plag. Sollte die wichtigste Person beim ganzen Handel doch der Scharfrichter sein? Jene Person, die man immer als die nebensächlichste hingestellt hatte? Finsteren Gesichts begann er zu grübeln.... Er unterhielt Verbindung mit den Wärtern des Verurteil- ten. Cr lebt, lebt, lebt— waren die ununterbrochenen Auskünfte auf seine Anfragen Denn ihm genügte nicht eigene Beobachtung durch die Gläser. Er verzichtete nur dann auf telephonische Kon- troll«, wenn er, wie jetzt, sich ans Fenster setzen und unablässig den Stein belauern konnte. Der sinkend« Abend ließ die Passanten spärlicher vorbeistreifen, s Als der Verkehr schon so dürstig war, daß der Platz manchmal minutenlang menschenleer blieb, nahte eine Gestalt, die ein Arbeiter sein mochte— eher noch ein bäuerliches Wesen. Er trug eine Art Korb aus dem Rücken und man sah ihm an, daß ihm heiß und beschwerlich zumute war. Die Gestalt trat an den Stein heran: der schien etwas Neues für sie zu sein. Mit Spannung bemerkte der alte Richter, daß sie sich niederbeugte auf die Inschrift— zu seinem Erstaunen aber von der oerkehrten Seite, bis er begriff: das Wesen dort kann gar nicht lesen; es merkt nicht, daß die Buchstaben vor ihm auf dem Kopfe stehen. Fast entrüstet fuhr der Richter zurück. So etwas sollte es noch geben in diesem hochentwickelten Kulturstaat? Einzelerscheinung! Ausnahme! Denn wie sollte man sich sonst verständigen können— Himmel!— mit dem Volke, besspielsweis« in solch brennender Frage wie der da unten! Aber er mußte das Gesicht wieder dichter an die Scheiben bringen, denn der andere schien etwas unternehmen zu wollen. Er richtet« sich hoch von den Buchstaben, mit einer gleichgültigen De- wegung, und schnallte den Korb vom Rücken. Und dann setzte er ihn mit einem befreienden Schwung mitten auf den Stein, sich daneben, zog eine Flasche hervor und trank. Der alte Richter zog das Fenster auf, daß die Scheibe zersprang. „Halt!" wollte er schreien,„Irrtum! Du bleibst weg vom Knopf!— Da klingelt« schon das Telephon. Er wankte hin. Ein Wärter sprach kurz:„Vollzogen!" meldete die Stimme durch den Draht. Das besprechen öer Warzen. Von Dr. M o s b a ch e r. Die Zeiten, in denen die Mediziner den Menschen als eine chemisch-physikalische Maschine ansahen und vielfach demgemäß be- handelten, sind vorüber. Nicht alles Geschehen im normalen und kranken Organismus lieh sich durch Laboratoriumswissenschaft er- klären. Die Folge dieser Erkenntnis war die Wiederentdeckung der Seele, der Psyche. Man lernte die Bedeutung der psychischen Fak- toren für den Ablauf normaler und krankhafter Vorgänge wieder bewerten, vor allem profitierte die eigentliche Heilkunde von den neugewonnenen Erfahrungen. Es entstand ein besonderer Zweig der Medizin— die Psychotherapie, von der Wachsuggestion bis zur Hypnose. Heutzutage gibt es wohl kein Fach der Medizin mehr, in dem nicht die Einwirkung psychischer Geschehnisse eine Rolle spielte. Auch die Dermatologie— die Lehre von der Haut und ihren Erkrankungen— hat die Psyche in ihren Dienst gestellt und die„Suggestionswirkungen" auf die Haut zu erforschen gesucht. Der einfachste und schlagendste Beweis für die Leeinflusfung der Haut durch seelische Vorgänge ist das Erröten, das bei zahlreichen Menschen durch Suggestion mit Leichtigkeit auszulösen ist. Das gleiche gilt für das„suggerierte Schwitzen". Es gibt Personen, bei denen lediglich durch die Behauptung, daß es unerträglich heiß sei, heftige Schweißausbrüche hervorzurufen sind. Entsprecheich kann man bei disponierten Menschen durch suggestive Erzeugung von Kälteoorstellungcn ein«„Gänsehaut" auslösen oder wiederum bei anderen heftiges Jucken über den ganzen Körper hervorzaubern. — putschpenflonen. EHRHMJDT LUTTWITZ Ihr stießt weiter, Penstonen l Unö, was man uns einbehält,- Srüöer, im Negiernngszelt Muß ein lieber Vater wohueu l Immerhin handelt es sich hier gewöhnlich nur um vorübergehende Veränderungen der Haut. Bei stärkeren suggestiven Einwirkungen jedoch gelingt es, an geeigneten Versuchspersonen durch Auflegen eines gewöhnlichen Geldstückes, über dem ein Schutzverband be- festigt wird, Blasen zu erzeugen mit heftigen Entzündungserschei- nungen und Absterben der obersten Hautschichtcn. Doch auf seelischem Weg« gelingt nicht nur die Erzeugung krankhafter Veränderungen der Haut: auch nachweisbar heilsame psychische Einflüsse werden beobachtet. Zu den interessan- testen Erscheinungen auf diesem Gebiete gehört zweifellos auch die Beseitigung der Warzen durch suggestive Be- Handlung. Es sind nicht nur Laien, sondern seit langein auch hervorragende Aerzte Anhänger des„Besprechens von Warzen", während ander« ebenso bedeutende Mediziner von einer suggestiven Behandlung der Warzen niemals Erfolge gesehen haben. Jedoch besteht keinerlei Meinungsverschiedenheit über die Tatsache, daß in vielen Fällen noch Entfernung einer Warze auch die übrigen von selbst verschwunden sind, und daß mitunter Warzen ohne erkenn- baren Anlaß, bzw. nach seelischer Erregung plötzlich fort waren. Damit dürfte allein schon der Beweis erbracht sein, daß Warzen nicht nur durch örtlich zerstörende Maßnahmen, sondern auch durch andere Einwirkungen zu beseitigen sind. Neuerdings sst nun das Problem der„Suggesttvbehaudlung von Warzen" in der Königsberger Universitatshautklinik einer Untersuchung unterzogen worden, über die Dr. Lene Grumach in einer medizinischen Fachzeitschrift berichtet. Die dort geübte Suggestion bestand in Einspritzungen von physiologischer Kochsalzlösung oder destilliertem Wasser in die Muskulatur des Oberarms: sie wurden all« 8 bis 14 Tage wiederholt: dabei wurde den Kranken gesagt, fie bekämen ein neues, vortrefflich wirksames Warzenmittel, das im Gegensatz zu Aetzungen die Warzen narbenlos zum Verschwinden bringen könne und daß sie schon während der Infektion ein leichtes Bvennen oder ein Gefühl der Schwere in dem von Warzen be- deckten Körperteil empfinden würden. Bei den meisten der 18 derart behandelten Kranken trat schon während der Einspritzungen, mit- unter erst am Abend des Behandlungstages das„suggerierte Gefühl der Schwere oder des Brennens" auf: bei einer Kranken so stark, daß fie eine Woche dadurch bei der Arbeit behindert war. Die Erfolg« waren verblüffend. Nur in zwei Füllen versagte die Suggästivbehandlung: in 16 Fällen trat eine völlig narben- lose Rückbildung der Warzen ein, meist in der zweiten bis dritten Woche, bei einigen erst nach zwei bis vier Monaten. Eine Erklärung für diese Erfolge der Suggestivbehnndlung von Warzen steht noch aus. Immerhin dürften nunmehr auf Grund der genannten Experimente zahlreiche Aerzte ihre ablehnende Haltung gegenüber dem„Besprechen" von Warzen aufgeben. Es gibt halt immer noch allerhand in der Medizin, was sich„unsere Schulwcis- h.eit nicht träumen läßt".. Trepang. Bon R v f e Ewald. Durch die zahlreichen Ueberfetzungen der Südfeeromone Jack Londons und anderer Autoren werden jetzt auch breitere Schichten der deutschen Leserschaft mit der Existenz einer Hilfssprache bekannt, die in ganz Ostasien und in der Südsce als Berständigungsmiticl dient: Mit dem Pidgin- oder Trepangenglisch. Pidginenglisch unter- scheidet sich vom Trepang nur dadurch, daß einzelne chinesische Flick- w-orte darin vorkommen, sonst handelt es sich bei beiden Sprachen um dasselbe: Um«in korrumpiertes Englisch, in dem z. B. all« Zeitwort« nur im Infinitiv, obne Konjugation gebraucht werden. Vergangenheit wird durch den Zusatz„lange Zeit vor" angedeutet, das besitzanzeigende Fürwort(mein, dein usw.) wird durch das Wort„gehören" in Verbindung mit dem persönlichen Fürwort er- setzt. Daher kommt es zu Konstrukttoncn wie:„Bruder gehören mir." Trotz dieser Primitivität aber hat das Trepangcnglisch eine außerordentlich treffende Wesse, um das Wesen der Dinge zu be- zeichnen, wenn diese Bezeichnungen durch die Hilfskonstruktionen auch nicht gerade kurz geraten. Ein Klavier heißt zum Beispiel: „Box, misses bim figlit, be cry," wörtlich übersetzt: Kasten, Frau ihn schlägt, er schreit." Um einen kahlköpfigen Beamten zu be- schreiben, fand ein Eingeborener folgend« Form:„Coconut belang bim no grass," wörtlich:„Kokosnuß gehört ihm kein Gras," wobei Kokosnuß für Kopf und Gras für Haar verwendet wird. Ueber- Haupt werden oft den Worten ganz andere Bedeutungen zugewiesen, oder ein Name wird zum Gattungsbegriff gemacht, z. B. heißt Frau „Mary"(Marie); geradezu poetisch ist die Bezeichnung des Abend- sterns als„Mary belang mavn"(Frau gehören Mond). Ein« sehr hübsche Bezeichnung hat man auch für den von den Missionaren eingeführten„lieben Vater im Himmel" gefunden; man bezeichnet ihn als„big kellmv master tapsiäe"(„große Burschen, Herr oben"), wobei die Uebernahme des Seemannsausdrucks„tapsicke"(mast- aufwärts, fpitzenwärts) nach besonders hübsch ist. Der Ausdruck „kellaw"(Bursche) wird übrigens auch auf Dinge angewandt, die als durch„Teufel-Teufelmedizin"(Zauberei) lebendig, angesehen werden, z. B, heißt das Grammophon:„Er Wlaw gehen hermn", und der Befehl: �Zieh das Grammophon auf!" ist in einer guten lieber- setzung eines Romans von Jack London richtig, aber dem in Trepang unbewanderten Leser sehr schwer verständlich so übersetzt:„Du kelW Tambi machen Musik ihm kellov geben umher", weil der Ueber- setzer hier das englische Wort„around" mit„umher" statt„herum" übersetzte und sich an die wörtliche Uebersetzung klammerte, statt ein Wort einzuflicken. Gerade dieser Roman wird übrigens wahrscheinlich vom „Bücherkreis" veröffentlicht werden; es wäre darum sehr angebracht, wenn seitens des Ueberfetzers hier eine kurze Einführung in die Eigenart des„Trepangenglisch" gegeben würde. Ohne einen Hin- weis auf die Schwierigkeit der Uebersetzung dieser Sprache und auf den ihr eigentümlichen Satzbau sowie ihre Hilfskonstruktionen sind manche Seiten dieses lesenswerten Buches für Proletarier nur schwer verständlich.______ Das allsährllchs Seelöwenfchlachken. Der kanadische Regierung s- dampfer„Givenchy" ist jetzt wieder von feiner jährlichen Fahrt nach den Gewässern von Britifch-Columbien zurückgekehrt, die er zur Vernichtung möglichst vieler Seelöwen unternimmt. Mit Maschinen- gewehren werden die Tier« niedergemäht. In diesem Jahre wird die Zahl der erlegten Tiere offiziell mit 1SSS angegeben: im Vor- jähre waren es 1900, im Jahre 192S 2909. Dies ist das sechste Jahr, in dem das Seelöwenschlachten vor sich geht, und jedes Jahr erneut sich der Streit zwischen Fischern und Regierungsbeamten auf der einen Seite und Naturfreunden auf der anderen. Das kanadische Amt für Marine und Fischerei ist der Ansicht, daß die Seelöwen jährlich viele Tausende von Lachsen während der Laichzeit vernichten und daß dadurch der Fischerei ein großer Schaden ensstcht. Die Naturfreunde und auch viele ernsthafte Forscher behaupten dagegen, daß die Seelöwen fälschlich angeklagt werden, daß sie sich Haupt- sächlich von Mollusken ernähren, da ihre Zähne überhaupt gar nicht dazu geeignet sind, um Lachse zu verzehren. DiS Schäden' würden vielmehr der Lachsfischerei durch das rücksichtslose Vorgehen der Fischer zugefügt. Unter den Tieren sind die ementlichen Feinde der Lachse Robben, Haifische und Schwarzfische. Trotzdem ist der arme Seelöwe von dem Marineamt zum Untergang verurteilt, seine Ausrottung wird bald erfolgt sein, wenn man nicht die tatsächlichen und unwiderleglichen Rückgänge der Lachsfischerei auf andere Weise«r- klären kann. Wz (Leipziger Straße 60-61� f Spittelmarkt\ V Rosenthaler Platz ) C Turmstraße 73(Moabit) ) C Leipziger Straße 79 Dönhoffplatz Aschingers Wurst billiger! Dabei die gleiche worsügSiche duaiitif! D Hailesche Leberwurst, Haiiesche Blutwurst in ganzen Würsten 1 Pfund IZ Pf., V« Pfund 25 Pf. Aschingers Schinkenwiirstchen\ 1 Paar „ Bierwilrstchen,. j 35 Pf. Hackepeter....... Magerer Speck| Fetter Speck......| Italienischer Saiat.... Delikateß-SUIze..... j Fleischwurst Thüringer Art Kartoffelsalat...... Feine Leberwurst.... Neu Königgrätzer Straße 29-30 nahe Dessauer Straße Alexanderstraße 55 nahe Prenzlauer Straße Berliner Kindl-Spezial-Ausschank Mettwurst Braunschw. Art Berliner Mettwurst... Sülzwurst I....... Cef. Schinken-Mortadella. Paprikaspeck...... 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Das Erdöl liefert den wichtigsten Betriebsstoff für Flugzeuge und Kraftwagen. Handels- und Kriegsschiffe gehen immer mehr zur Oel- seuerung über. Die englischen Kohlenstationen in allen möglichen Weltgegenden sind veraltet und sichern die englische Beherrschung der Meere im Kriegssalle nicht mehr. Der Besitz von Erdöl bedeutet für die Großmächte im Kriegsfalle eine Lebensfrage. Diesem Umstände entspringen die krampfhaften und immer wieder- holten Versuch« der verschiedenen Mächte, die wenigen Produktionsstätten des Erdöls in ihren Besitz oder wenigstens unter ihren Ein- fluß zu bringen. Wer den größeren Teil der Erdölausbeute be- herrschen soll— diese Frag« stcht im Vordergrunde der W e l t p o l i t i k. Zwei mächtig« Rivalen ringen auf dem Oelmarkte um die Herrschaft: die Bereinigten Staaten und England. Amerika wird vertreten durch die Standard Oil Gesellschaften, England durch die Royal Dutch— die englisch-holländisch«— und die Anglo-Persian — die englisch-persische Gruppe. Diese beiden Länder halten den Schlüssel zu dem wertvollsten Rohstoffe unseres technischen Zeitalters in der Hand. In den letzten Wochen wurde die schleichende Krise plötzlich wieder einmal akut. Höchst überraschend und ganz unverständlich war dabei der Umstand, daß sich die Standard Oil Gruppe uneins wurde. Den Einsturz des Himmels hätte man eher erwartet, als einen Zwist in der Standard Oil, dem industriellen Symbol amerikanischer Einigkeit. Was selbst die Regierung der Vereinigten Staaten in ihrem Kampse gegen die Truste nicht vermochte: das mammuthafte Gebilde der Standard Oil in einzelne Gefellschoften zu zerschlagen— das brachte der Wettbewerb auf dem Weltmärkte mit sich. Und dieser Zwist mag vom internationalen Standpunkte noch bedeutungsvoller sein, als vom nationalen. Ist es ein neuer Oelkrieg, der droht, ein Vorspiel zu Handelskriegen von unerhörten Aus- maßen? Worin bestehen die Ursachen dieses neuen Konfliktes? Teile des europäischen, afrikamschen und asiatischen Marktes wurden zwischen den amerikanischen Interessen der Standard Oil Company o f New Jersey und den englischen Jnteresien der Royal-Dutch und der Anglo-Persian-Gruppe aufgestellt. Nachdem sie bei diesen Abmachungen übergangen wurden, schloffen die Standard Oil Company of Rew Hort und die Vacuum Oil Company Ber- träge mit Rußland und übernahmen russisches Oel. das sie in Gebietm absetzen, die wie am Schwarzen Meere in der englischen Interessensphäre liegen oder wie in Aegypten und Britisch-Jndien unter der Oberhoheit Englands stehen. Der dillige Preis des russischen Petroleums im Derein mit der preissenkenden Wirkung geringer Entfernung zwischen Produktions- und Absatzgebiet ermöglichen es den amerikanischen Gesellschaften, die teuren englischen und amerikanischen Er- Zeugnisse zu unterbieten und doch ansehnliche Gewinne einzuheimsen. Di« Standard Oil Company of New Jersey begründet ihre Ablehnung des russischen Erdöls mit der Tatsache, daß.chie Sowjet- regierung alle Oelquellen und Raffinerien beschlagnahmte und die Vcsitzrechte am Privateigentum der Oelindustrie in Rußland ohn« Entschädigung qn sich nahm"'. Sie weigert sich daher, mit Dertretern der Sowjetregierung über Abschlüffe in Oel zu verhandeln, ohne Gewißheit zu haben, daß die Ansprüche der rechtmäßigen Besitzer befriedigt werden. Die Shell Transport and Trading Company, ein großer Oeltrust zu London, erklärt die russischen Produkt« für gestohlen und lehnt jeden Ankauf ab. Das Spiel mit der politische« Moral. Diesen und ähnlichen Aeußerungen gegenüber vertreten die Standard Oil Company of New Uork und die Lacuum Oil Company ihren Standpunkt nicht weniger energisch. Präsident Whaiey der Vacuum erklärt: „Manche halten es für unrecht, Petroleum von Rußland zu kaufen, da dies bedeuten würde, von der gegenwärtigen Regierung zu Unrecht beschlagnahmte Waren zu erwerben. Sollte diese Ansicht allgemein matzgebend sein, so könnte Rußland nichts ausführen, denn nicht nur die Oelindustrie, sondern auch alle anderen wurden in Ruß- land nationalisiert. Ist es ein größeres Unrecht, von Rußland zu kaufen, als an Rußland zu verkaufen? Rußland h a t in den Bereinigten Staaten beträchtliche Ankäufe von Baumwolle und anderen Waren getätigt. Die Vacuum Oll Company ist der Ansicht, daß Handelsverträg« mit Ruhland für gesunden Wiederaufbau wirken und es nur des gesunden Menschenverstandes bedarf, um einzusehen, daß Rußland die wirtschaftliche Quelle für gewisse Waren darstellt. Gibt man Rußland Gelegenheit, einiges von seinem Ueberfluß auf seinen natürlichen Märkten abzusetzen, so wird dies verhindern, daß dieser Ueberfluß in Wettbewerb mit amerikanischen Waren tritt aus Märkten, wo die Transportkosten zugunsten der Dereinigten Staaten wirken. Die Vacuum Oil Company hielt es für eine gute Potttik, für verschiedene Märkte Ware aus der b i l l i g st e n Quell« zu beziehen, wobei st« stets amerikanischen Erzeugnissen den Vorzug gab. Vor der russischen Revolution betrieb die Vacuum Oil Company ein ansehnliches Geschäft in Rußland, in dem sie Millionen Dollar anlegte. Wir wurden somit von der Nationalisierung der Petro- leumindustrie empfindlich betroffen und sind an der Entschädigungs- frag« direkt interessiert. Zu gegebener Zeit gedenken wir auch über die Entschädigung für die großen Werte zu verhandeln, die seinerzeit beschlagnahmt wurden, doch kann dies zu passender Zeit geschehen, ohne die Frag« des Kaufens von Ruhland oder des Derkaufens an Rußland zu berühren." Ein amerikanisches Blatt hängt der Sähe eine große Schelle vm de« Hals. wenn es erklärt: „Die Geschichte der großen Oelgefellschaften in Mexiko, im Irak und in Persten rechtfertigt kein großes Vertrauen in sie als sorgfältige Beobachter politffcher oder wirtschaftlicher Moral- lehren. Sie ergreifen Besitz, wo und wann sie nur können, und über- lassen die nachfolgenden politischen Komplikationen dem Aus- wärtigen Amte ihrer Regierung. Die Dutch Shell Oel- gruppe, die Geschäft« mit den unmoralischen Sowjets als bös« ver- schreit, bietet kein Schauspiel, das Vertrauen einflößt. Der Kern- Punkt scheint zu sein, daß die amerikanischen Oelgefellschaften— vielleicht infolge der S ch w i e r i g k e i t e n, die die russenfeindlich« Haltung des Britischen Auswärtigen Amtes der Dutch Shell Gruppe auferlegte— den Engländern mit einem vorteilhaften Oelvertrag zuvorkamen, und zwar mit einem Lande, das offizielle Handels- beziehungen mit Großbritannien untechielt, jedoch nicht mit den Ber- -inigten Staaten, so daß die Engländer sich in der Rolle der be- trüb tenLo hg erber sehen, denen die Felle fortschwammen." Wie die Bacuum Oil Company, hatte sich auch die Royal Dutch- Gesellschaft in der russischen Oelindustrie mit großen Kapitalien fest- gelegt und hofft nun auf einen Regierungswechsel, um ihre früheren Anrechte zurül�ugewinnen. Ein zukünftiges Monopol über das russiifche Erdöl spielt also für die beiden rivalisierenden Gruppen allem im Hintergrunde._ H. Hesse, New York. Hochspannung Oer Konjunktur! Die Diagnose des Instituts für Konjunkturforschung Ende August. In dem soeben erschienenen 2. Heft der Veröffentlichungen des Instituts für Konjunkturforschung für das Jahr 1927 werden die vom Institut gesammelten Tatsachen zu einer neuen Diagnose der Wirt- schastslage Deutschlands ausgewertet. Der zusammenfassende Ueber- blick lautet: »Ende ZNm 1927 konnte die Konjunkturlage als eine der Hochspannung sich nähernde Aufschwungsphafe gekennzeichnet werden. Inzwischen ist der Eintritt in die Hochspannung ersolgt. Bei verhältnismäßig hohem Beschäftigungsgrad— die Arbeitslosigkeit ist von 18 Proz. der Erwerbstätigen Ende Ja- nuar 1927 auf 6 Proz. Ende Juli zurückgegangen— sind sehr starte Spannungen in allen Teilen der Wirtschast sestzu- stellen. Das gilt zunächst vom Zahlungs- und Krcditverkehr. Wäh- rend die Depositen zurückgehen, steigen die Wechselziehungen und die Wirtschaftskredite der Notenbanken. Die Geldsätze sind stark in die Höhe gegangen. Die Efsektenkurse und noch mehr die Essektenum- sätze weichen zurück. Di« Warenpreis« erhöhen sich, sehr viel schneller jedoch— und darin liegt freilich ein entspannendes Moment— die Warenumsätze. Gleichzeitig haben Nominal- und Realeinkommen zugenommen; da die Preise aber stärker st eigen, kann beim Reallohn demnächst leicht eine Senkung eintreten. Die Spannung hat sich zum großen Teil auch auf die Güterseite der Wirtschaft übertragen. Im Ber- hältnis der Produktivgüter- zur Verbrauchsgütererzeugung äußert sich dies darin, daß die Produktivgüterindustrien in der Beschäftigung vorangehen, in der Liquidität aber zurückbleiben. Die Vorräte wachsen: ihre Zunahme scheint jedoch hinter der Produktionsfteige- rung noch zurückzustehen. Die Berr-egung des Außenhandels deutet auf eine weiter zunehmende Sättigung des Binnen- Marktes hin. Ein gewisser Spielraum für eine weitere Erhöhung der wirt- schastlichen Aktivität wäre nach dem Stande der Vorratsbilduna sowie des Verhältnisses der Warenumsätze zu den Warenpreisen noch gegeben. Im ganzen aber nähert sich die Konjunktur einem Maxi- mum. lieber die Dauer der Hochspannung sowie über die Form, in der der Uebergang zu einer anderen Phase sich vollziehen SieStaob sos t bellen SlaffccsX Berlin marschiert an Üer Spitze/ was verwenöung See eöelsten Kaffeesorten/ reiche Auswahl unü kunstgerechtes Rösten öer oraunen Bohnen betrifft. Aber in manchem Haushalt läßt üie Bereitung noch zu wünschen übrig.!vüröe Kaffee überall richtig berettet/ könnten jährlich Stoße Betrüge erspart weröen unö man Hütte sehr viel mehr ffreuöe unö Genuß. Für Ber- esserung öer Kaffeebereitung in Berlin verteilt A. Funtz sel. Wwe. an chre werten» Kunöen kostenlos Karlsbaöer Kaffee-Maschmen anerkannt öaS beste Hilfsmittel zur Herstellung Vorzug!. 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Die sehr starken Spannungen in allen Teilen der Wirtschast, die schnellere Steige- rung der Warenpreis« als die der Einkommen, damit das Sinken des Realeinkommens und die Erschöpfung der Aufnahmefähigkeit des Inlandes für die zunächst noch weiter gesteigerte Produktion, sind nun eigentlich schon die Zeichen für das bevorstehende Ende der Hochspannung und die Vorbereitung eines Rückschlags. Diesen Schluß gibt das Institut für Konjunkturforschung noch nicht. Es läßt vielmehr die Dauer der Hochspannung und die Form des Uebergangs der Konjunktur.zu einer anderen Phase" als unbekannte und unbestimmbare Elemente erscheinen. Dem Streit um das Wesen der jetzigen Hochkonjunktur weicht es also aus und versäumt damit eigentlich das Wichtigste, was im gegenwärtigen Augenblick notwendig ist. Gerade darauf käme es an, ob die Beobachtung des Konjunkturoerlaufs einen a l l m ä h- lichen oder einen krisenhaften Abschwung erwarten läßt. Denn der sehr berechtigte Streit um das Wesen der deutschen Hochkonjunktur geht gerade darum, ob sie nicht wieder, ähnlich wie die von 192S, in mancher Hinsicht das Ergebnis falscher Dis- Positionen ist. Davon hängt aber auch die Dauer der Hochspan- nung und die Form des eventuellen Rückschlags ab. Es bleibt b e- d a u e r l i ch, daß das Institut auch diesmal zu dieser wichtigen Frage nichts beiträgt, sondern ihr ausweicht. Daß das Institut seine Theorie hat, nach der es die Wirt- lichkeit mißt, scheint also immer noch das Sicherste zu sein. Wo die Tatsachen nicht zur Theorie passen, erfolgt ihr« Berücksichtigung je länger, desto mehr durch die Offenlassung gerade der wichtigsten Fragen. Hier rächt sich eine seit dem Beginn der neueren deutschen Konjunkturforschung dauernde Unterlassung: daß nämlich alle anormalen Momente der Wirtschastsentwicklung, die sich naturgemäß aus der zunächst notwendigen inneren Gesundung der beut- schen Voltswirtschaft ergeben, vom Institut für Konjunkturforschung über der traditionellen Vorkonjunkturbeurteilung vernach- lässigt werden. Deutsthe Sparkassen tagen in Kiel.«■ Besinnung auf MittclstandSaufgaben.— Eine schlechte Begründung. Alle großen Tagungen von Wirtschaftsorganisationen schicken ihren Verhandlungen allgemeine programmatische Vorträge voraus. Es ist begreiflich, daß die deutschen Sparkassen nach ihrer Tradition und noch ihrer Tätigkeit ihre zukünftige Arbeit auf die Bedienung des Mittelstandes richten wollen, besonders nachdem die Entwicklung in den letzten beiden Iahren ihre Geschäftstätigkeit derjenigen der Vor- kriegszeit wieder weitgehend angenähert hat. Was dazu aber Universitätsprofeffor Dr. Bredt-Marburg, der Vertreter der W i r t f ch a f t s p a r t e i im Reichstag, Programm«- tifches zu sagen hatte, gab ein höchst verfängliches Bild von dem, was die Sparkassenpolitik unter dem Mittelstande verstehen soll. Der Mittelstandsbegrisf des Herrn Dr. Bredt ist in hohem Maße reaktionär und steht mit den Tatsachen in Widerspruch. Während Beamte, Angestellte und freie Beruf« heute gar nicht anders können, als sich zur Wahrnehmung ihrer Interessen scharf g e- werkschastltch zu organisieren, während Bauern, Kleinkaufleute und Handwerker ihre Interessen nicht mehr anders als durch nach- drückliche genossenschaftliche Organisation zu wahren ver- mögen, machte Herr Dr. Bredt aus dem Mittelstand eine„Klasse", die an der Sozialpolitik nur wenig interessiert sei, gegenüber dem Staat nur die ungestörte und ungehemmte Betätigung zu verlangen habe und die die Früchte ihrer Arbeit nicht der Allgemeinheit darzu- bringen habe. Dem Mittelstande, wie er wirklich ist und wie er heute tatsächlch zu kämpfen hat, bereitet sein Wortführer auf dem Spar- kassentag damit den denkbar schlechtesten Dienst. Die Isolierung des Mittelstandes, der Individualismus im kaufmännischen Leben und in der Konkurrenz, die Herr Prosesior Bredt propagiert, wären des Mittelstandes Untergang. Und wir wollen nicht hoffen, daß die Sparkassssen, die nach ihrem Kundschaftskreis« eine Organi- sation der sozialen Demokratie sind und immer stärker gemein- wirtschaftliche Interessen gerade für den Mittelstand wahrzunehmen haben, der Bredtschen Auffassung vom Wesen des Mittelstandes Vorschub leisten werden. Es wirkt in der Tat wie eine Ironie, wenn Herr Professor Bredt seine Ausführungen dem„Neuzeit- lichen" Mittelstandsbegrisf widmete. Leider hat auch der zweite Referent der Kieler Sparkasfentagung (Dr. Höpker) über zeitgemäße Mittel st andspolitik den wahren Interessen des Mittelstandes wenig Rechnung getragen. Als Mieter hat gerade der gewerbliche Mittelstand nach den letzten bitteren Erfahrungen kein Interesse an der Freiheit der Wohnungs- Wirtschaft und noch weniger Interesse an der„Sicherung des Eigentums der Hausbesitzer". Daß uns die größte Intensität der Landwirtschaft, die an sich nicht groß genug sein kann, vom Ausland unabhängig machen kann, ist auch«ine Weisheit, die auf einer Sparkassentagung ungewohnt ist und kaum den Inter- essen der breiten Massen des Mittelstandes dienen kann. Und es ist ein schwerer, nicht nur theoretischer Lapsus. werW aus der historisch und traditionell völlig erklärlichen größeren Leistungsfähigkeit der englischen gegenüber den dentsche« Konsumge- nossenscha�ten«in Beweis der Ueberlegenheit des klein. gewerblichen Handels gegenüber den deutschen Konsumgenossen- schaften abgeleitet wird. Es wäre schade, wenn die Zielsetzung der deutschen Sparkassen entgegen den wahren Interessen der breiten Massen, die den Sparkassen die Gelder liefern, politi- s i e r t würde. Wenn man auch verstehen kann, daß der Haus- besitz, dem die Sparkassen Hypotheken geben, in der Sparkassen- pcllitit eine Rolle spielt, so sollten die Spartasien doch nicht ver- gessen, daß die Gelder dazu von den Mietelmasse» kommen, deren Interessen keineswegs identisch mit denen der Hau» Herren sind. Die übrigen Vorträg« der Tagung von Finanzminister a. D. Dr. Schall-Stuttgart und vom Präsidenten Dr. Kleinert boten wert- volles Material über die erfolgreiche Finanzierungstätigkeit der Sparkassen auf dem Gebiet des Wohnungsbaues und über die neu« Politik der Sparkassen zur Rationalisierung des öffent- lichen Kredits und zur Verständigung mit den pri- voten Banken. Das ehemalige Kampfoerhältnis zwischen Spar- lassen und privaten Banken scheint in der Beschränkung der Sparkassen auf örtliche und mittel st ändleris.che Kreditgeschäfte den entscheidenden Ausgleich zu finden. Ob es für einen derartigen Ausgleich nicht heute noch zu früh ist, wollen wir im Augenblick nicht erörtern. Zu großer Friedenswille kann dem Gesamtinteresse auch schädlich sein. Den Mittelstand, den der Kieler Sporkassentag unter der An- leitung des Abgeordneten Dr. Bredt sucht, dürfte es kaum mehr geben. Sollten die Sparkassen in ihrer wirtschaftspolitischen Tätigkeit aber dem Mittelstandsbegrisf des Herrn Dr. Bredt Rechnung tragen wollen, so wird es kaum zu ihrem Vorteil sein können. wachsender Abrechnungsverkehr der Reichsbank. Im Abrech. nungsverkehr der Reichsbank erfolgt der bargeldlose Zahlungsau» gleich zwischen den Girokunden unserer Zentralbank. Die Mitglieder- zahlen und die Höhe der abgerechneten Summen ist ein Maßstab für zwei Dinge: einmal für die Ausdehnung des bargeldlosen Zah- lungsoerkehrs, dem bekanntlich die Reichsbank nicht allein dient, dann ober auch für Stärke und Richtung der Konjunkturbewegung. Im Jahre 1926 hat nach dem Bericht der statistischen Abteilung der Reichsbank die Zahl der Abrechnungsstellen sich von S4 auf 60 erhöht gegenüber 24 im Jahre 1913. Die Zahl der Teil- n e h m e r, bei denen es sich nur um große Bank-, Industrie- und Handelsfirmen handelt, hat sich um 52 auf 749 erhöht gegenüber 270 im Jahre 1913. Der Apparat der bargeldlosen Zahlungsab- Wicklung ist also auch im Jahre 1926 wieder beträchtlich ausgedehnt worden.- Abgerechnet wurden 31,87 Millionen Fäll« im Gesamt- betrag von 56,88 Milliarden Mark gegen 28,45 Millionen und 50,93 Milliarden im Jahre 1925. Da beide Jahre etwa zur Hälfte Krisenzeiten umfaßten, ist die Ausdehnung des Abrechnungs- Verkehrs bei der Reichsbank unverkennbar. Gegenüber den abgerechneten Summen von 4913 ergibt sich allerdings auch noch für das Jahr 1926«in sehr starker Rückgang. Das letzte Jahr der Vorkriegszeit hatte um 16,76 Milliarden Mark oder um 22,8 Proz. höhere Abrechnungssummen als das Jahr 1926. Eine interessante Einzelheit ist in der Auswirkung der größeren Börsen- geschäfte des Jahres 1926 auf den Abrechnungsverkehr zu erblicken. Der Anteil der Wertpapierrechnungen ist gegenüber dem Jahre 1925 von 1,0 auf 2,6 Proz., also um rund 160 Proz., gestiegen. Ein neues landwirtschaflllches Institut. Wie das Reichsmini- sterium für Ernährung und Landwirtschaft mitteilt, wird der schon bisher bestehende Reichsausschuh für Technik und Landwirt- schoft in ein Reichskuratorium für Technik in der Landwirt- schaft umgewandelt, das als zusammenfassende Stelle für die tech- nischen Probleme in der Landwirtschaft dienen soll. Die Umwand- lung erfolgt, nachdem im Reichshaushalt fortlaufendeMittel für die Vervollkommnung landwirtschaftlicher Maschinen und Ge- röte ausgeworfen worden sind. Das neu« Reichskuratorium soll eine ausgedehnt« Selbstverwaltung erhalten. Es hat nach seiner Satzung die Ausgestaltung, Verbreitung und Nutzbarmachung aller, technischen Einrichtungen, Verfahren und Hilfsmittel zur Steigerung der wirtschaftlichen Erzeugung in Land- und Forstwirt- schaft, wie im Garten-, Obst- und Weinbau zu fördern und als be- ratende Stell« dem Reichsernährungsministerium in allen technischen Fragen zu dienen.— Der Hinweis darauf, daß fort- laufende Mittel zur Verfügung stehen und das Kuratorium eine weitgehende Selbstverwallung erhalten wird, berechtigt zu der F o r- d e r u n g, daß hier nicht wieder politische Sonderinteressen bei der Zusammensetzung des Kuratoriums und bei der Verwendung der öffentlichen Mittel ausschlaggebend werden dürfen, wie es leider gerade in landwirtschaftlichen Fachinstituten meistens der Fall ist. WetskURvvVztH_ K.«lasse 21 Prtvdssch-SSdbeatsch««taffefl-ftflerk Ohne Gewähr Nachdruck etiMtfl Aus fede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gesallen, und»war je einer ans dt« Lose gleicher Nummer t» den beiden Abtellungen I und ll 14. Ziehung, log 1. September 192? In der Nachmittagazichung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2»«nfan, tn»OOOO M. 204540 13•mim« ,» 3000 W. 25833 75122 125409 149171 195311 336844 16»«Btiin« m 2000 SN. 31454 59834 105929 214549 251681 309052 812011 337957 24»ttDiut III 1000 M. 21160 142212 149791 173635 183342 183509 184948 217604 294815 321587 331205 338195 94 Oleiainnt ,» 500 W. 17076 20688 21194 31347 32886 59883 61746 63923 69622 70441 80221 80623 83754 91375 108181 109623 111113 112252 129201 140748 141281 141582 147226 155082 161658 164794 164829 186338 191117 191703 205598 209221 212658 213962 260995 251047 254864 259775 262393 264917 280586 290358 296643 305204 312342 330450 334804 236®tn>inn» ,» 300 M. 2722 2725 6667 20140 20190 20931 21034 24228 27060 28184 30104 34271 37703 39241 42730 47399 47422 47936 61089 68975 69927 73181 75368 75676 76467 77888 801 51 80678 84591 87413 91223 92100 92381 99707 107153 103119 111121 111932 112018 1 14162 115624 116733 116401 119240 120234 121494 122068 122070 123983 125091 129281 132990 137145 133086 140391 140620 147207 163130 163707 163892 163353 168975 169538 169979 170437 175507 132330 132564 133387 192735 193336 204937 206282 211363 212038 218552 220297 221350 223248 230161 239453 233930 248032 243847 253319 253503 253670 263468 27131 1 272445 273218 274035 279432 273708 235436 236371 236335 283052 293087 293331 803097 303382 306370 307007 303429 312420 31 31 41 313590 324380 825110 325625 331593 334052 334254 337749 339703 340181 340219 15. Ftehmigstag 2. September 1937 80 der Bormittagsziehung wurden Gewlun« über ISO M. gezogen 2 rn 25000 rn. 723 4•«■»xu(* 5000 SN. 101743 149016 12•«•ten« Dt 2000 M. 33713 74923 84857 94291 339670 341931 38•»,»« v, ,u 1 000 M. 9507 12549 31141 56335 70372 78688 126588 139579 140075 141942 165404 166604 196879 199547 227129 227993 247043 269924 237303 82 Gewinnt zu 500 M. 14987> 6466 19232 38205 33612 40313 62276 79999 83847 93779 101397 103629 103963 111538 114106 115689 115940 I1372I 119893 133630 157334 164362 132662190996 196264 202675 204715 209226 228124 223526 231624 246137 250771 253272 268821 272996 276693 235335 302743 328766 332310 246»twtnTtt n 300 W. 556 3297 5402 9390 14108 15013 16022 17901 18342 19450 21133 22116 22174 22259 26672 28448 30639 30762 31685 33515 34865 35617 37772 39274 40763 41214 45439 50069 54149 58468 62396 67848 73392 75068 79291 92096 92740 95591 95979 97335 103185 116289 117385 130061 133338 136103 136809 139168 139967 141746 141937 144733 155656 166375 168173 168321 171258 171683 172300 173265 173332 179502 130481 181347 188639 190010 190064 190364: 934I9 201932 204310 206175 207815 206663 211233 213817 220384 222303 225771 227212 240101 240667 244031 245469 246674 249548 251039 256792 263591 263754 281457 232205 234779 285031 235661 290152 291833 291946 294456 23711S 303071 307795 307953 303966 310033 310271 311416 316285 316964 323147 323493 324321 324464 329762 331480 332869 333330 337I4S 337750 337871 342911 346711 347897 �vas sagiber Bär?; 1 � i" kon JJFSJS v V-' '4. 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