Nr. 41« ♦ 44. Jahrgang Ausgabe H Nr. 213 Bezugspreis: WZcheutlich 10 Pf-nntq, monaNich 8.— Zieich-marZ vorou»»abibat. llntet Streifband im In. und Aualand 5.50 Reichsmari pro Monat. Der.LorwSrta' mit der illustrier. ten Sonntagabellage.Boll und Zeit' sowie deu Beilagen.Unterhaltung und Wilsen*..Au, der Filmwelt". .Frauenstimme"..Der«inder. t-eund*..Iugend-Dorwär!,*..Blick in die BUcherwelt* und„Kultur. arbeit* erscheint wochentiiglich zwei- mal. Sonntag, und Montag, einmal. Telegramm-Adress-! �Sozialdemolr»« Berlin* Sonntagsausgabe Verlinev VolksvlÄtt Grsß-Berlin 1-5 Psg. Auswärts 20 Pfg. mit„Volk und Zeit" Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille. geile 80 Psennia. Reklame, eile 5,— Reichsmark.»Kleine«n, eigen* das fettgedruckte Wort 25 Mennia (julöffto»wei fettaedruckle Worial. iede, weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuch« da, ersle � Dort IS Pfennig, iedcs weitere Dort 10 Pscnnig. Worte über 15 Buch» slaben ,iihlen für ,wei Wort«. Lrbcitsmarkt steile 50 Pfennia. Fomilienan, eigen kllr Abonnenten steile 40 Psennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäsl, lZindenstraße 3, wochentiiglich von 6',, bi, 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben partei Deutfcblande Redaktion und Verlag: ö erlin EW. öS, Lindenstraße z Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 4. September 1927 vorroärts-verlag G.m.b.H., Serlin SA), b«, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berli» 37 SZs— Baukkonto: Pank der Arbeiter. Augestelten »ud BeouUen. WaLktr. SS: Diokoato-Veselschaft. Deposttenlaste Liudeastr. S. Hindernisse der Gesamträumung. Der Hauptgegenstand der Genfer Besprechungen. V. Zdi. Gens, 3. September.(Eigenbericht.) Briand und Stresemcnn hotten heute von 6 bis K7 Ilhr ihre erste Aussprache: über ibrer. Inhalt wurde so gut wie nichts mit- geteilt, außer daß beide Minister den günstigen Eindruck der deutsch- französischen. Wirtschaftsoerständigung besprochen und ihren Willen bekundet haben, die Politik von Locarno sortzuseften. Selbstverständ- lich ist in diesem Zusammenhang nicht nur von der bewilligten Zruppenreduzierung im Rheinlande gesprochen, sondern auch das Problem der Gesomträumung zur Sprache gebracht worden. Aber beide Minister sind sich dessen bewußt, daß die jetzigen Genfer Besprechungen nicht die Lösung der Räumungssrage bringen werden. Auch ist man im allgemeinen darüber klar, daß eine cnd- güllige Regelung vor den Neuwahlen des kommenden Jahres in Frankreich, Deutschland, England und Belgien nicht erfolgen wird. Indessen könne und soll die Genfer Unterhaltung dazu dienen, einmal klar»nd offen die Frage zu klären, welche chinder- nisse noch auf beiden Seiten überwunden werden müssen. Bisher ist. diese wichtige Vorfrage nicht so klargestellt, wie es wünschens- wert wäre. Man hat bislang in Deutschland den Eindruck ge- wonncn, daß immer neue Argumente oder Vorwände benutzt werden, um die Räumung hinauszuziehen. Einmal ist von den ungeheuren militärischen Eicherheitsgorantien im Rheinlande die Rede, ein andermal von Hm» fehlenden„Locarno des Ostens", ein drittes Mal von den mangelhafren Sicherheiten gegen eine Nicht- einhaltung der Reparationsverpslichtungen Deutschlands, endlich verlangt man einen Verzicht aus den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland. Diese Mannigfaltigkeit der Argumente mag daraus zurückzuführen sein, daß jeder Politiker sein Steckenpferd mit Dorllebe rellet, aber es wird doch bei der öffentlichen Meinung der Eindruck erweckt, daß sich diese verschiedenen Argumente zu- sammenaddieren und das Problem der Räumung immer schwie- riger wird. Man sollte einmal klipp und klar festzustellen versuchen, welche Schwierigkeiten tatsächlich bestehen und wie sie zu über- winden sind. Von den vier angeführten Argumenten dürste das des A n- schlusses, das im Kopfe des Außcnpolitikers des„Motin" ent- standen ist und van ihm als Grund für die weitere Besetzung benutzt wird, ohne weiteres fortfallen Man weiß sehr wohl, daß keine deutsche Regierung sich darauf einlassen könnte, einen freiwilligen und endgültigen Verzicht auf den etwaigen Anschluß auszusprechen, der weiter gehen würde, als der in Versailles und St. Germain uns und Deutschösterreich ausgezwungene vorläufige Verzicht. Auch das Argument der Garantien für die Erfül- lung des Dawes-Plans kann nicht ernsthaft aufgestellt werden; mit Recht weist Deutschland darauf hin, daß der Dawes-Plan theoretisch noch etwa 60 Jahre lausen wird, die Versailler Besetzungs- frist aber im Hoch st falle nur noch siebeneinhalb Jahre. Andererseits würde eine vorläufige finanzielle Regelung, wie sie in Thoiry etwas oberflächlich besprochen worden war, die Hilfe Amerikas voraussetzen und damit indirekt eine ganze Reihe von Problemen einbeziehen, besonders die interalliierte Schuldenregelung, auf deren Lösung Deutschland keinen Einfluß ausüben kann. Uebrigens lehnt ein größerer Teil der öffent- lichen Meinung in den Weststaoten den Gedanke» ab, die militärische Besetzung als ein Zwangsmittel für die Eintreibung von Schulden aufrechtzuerhalten. Was nun das.Locarno d e s O st c n s" betrifft, so weih Briand sehr wohl, daß keine deutsche Regierung dieselbe freiwillige Anerkennung der deutschen Ostgrenzen aussprechen würde, die in Locarno für die Westgrenze erfolgt ist. Auch ist der französische Außenminister keineswegs gesonnen, sich diese unmögliche Forderung zu eigen zu machen, die Jouvcnei auf der Jnterparlamen- tarischen Konferenz ausgestellt Hot. Die Franzosen scheinen lediglich den polnischen Wunsch zu unterstützen, daß die gegenseitige Vcr- pslichtung Deutschlands und Polens, sich aus keinen Fall gegenseitig anzugreifen, fester geformt werde als im deutsch-polnischen Schieds- gcrichtsvertrag vn» Locarno. Man kann sich zwar aus den Stand- Punkt stellen, daß die Formel von Locarno eigentlich genüge, aber wenn durch eine noch bestimmtire Formulierung Polen befriedigt und dadurch die französische öffentliche Meinung beruhigt werden könnte, so daß hiermit ein wcientliches psychologisches Hindernis für die Räumung fortfallen würde, so würde Deutschland klug handeln, wenn«s in diesem Punkte Entgegenkommen zeigte. Ob eine solche Formel in einem deutsch-polnischen Vertrag fest- zulegen wäre, steht noch dahin. Einstweilen weih man nur, daß der polnische Plan eines allgemeinen Richtongriffspaktez in Paris und in Brüssel bereits unverbindlich besprochen worden ist, seinen Inhalt kennt man aber in Genf noch nicht. Er dürste aus Schmie- rigkciten besonders bei England stoßen, dessen konser- vative Regierung 1024 das Genfer Protokoll adgelehnl hat,' und es in keiner Form wieder aufleben.lassen will.■!' Wenn es nur daraus ankommt, daß Deutschland seinen festen Willen, bekennt, Polen auf keinen Fall anzugreifen und eine Grenzreoision nicht mit Mitteln der Gewalt zu erstreben,. so wird die deutsche öffentliche Meinung gern diesen Schritt weiter- gehen, der die vorzeitige Räumung im Westen erreichen kann. Die entscheidenden Schwierigkeiten dürsten in der Frage der militärischen Sicherheit im Westen liegen. Hier kann man unmöglich die Räuniung von dem noch recht zweifelhaften Erfolg der Aörüsiunzskonferenz abhängig machen oder gar von der Vollendung des französischen Besestigungssystems. Da- gegen ist das Problem der militärischen R e u t r a l i s i e r u n g des Rheinlandes von den beiden Regierungen bisher nicht ernsthaft beraten worden. Wie in so vielen anderen Fällen sa auch hier.sind die sozialistischen Parteien der beteiligten Länder den Regierungen vorangegangen. Sie haben sich im November in Luxemburg auf einen Gesamtplan geeinigt, der, ohne alle Einzelheiten erschöpfend zu behandeln, immerhin einen Weg zur befriedigenden Lösung dieses schwierigen Problems gezeigt hat. Es wäre gut, wenn die hier zusammentretenden Außen- minister und ihre B e r o t« r, unter denen mehrerMZ o z i a l i st e n sind, die Luxemburger Beschlüsse wohl beachteten. Viel- leicht würde sich dann herausstellen, wie verhältnismäßig leicht dieses angeblich entscheidend« Hindernis für die vorzeitige Räu- mung des Rheinlandes aus dem Wege geräumt werden kann. (Siehe auch dritte Seite.) Iltig Europa-�merita unmöglich. Courtney in Spanien gelandet. London. Z. Sepiember. Kapitän Coartney wurde heute nachmittag infolge schlechten Wetter» gezwungen, in Coruna an der sponi- schen küstezu landen. Die Zlugzeuginsassen befinden sich alle wohl. � Der Versuch Courtneys war bisher der bei weitem vernünftig st e. Er wurde unternommen mit einem seefesten Wasserflugzeug, versehen mit Funkeinrichtung, es waren Zwischenland un- gen auf den Azoren und auf Neufundland vorgesehen. Auch dieser Versuch ist am Wetter gescheitert. Man muß sich klar machen, daß beim heutigen Et and derFlugtechnik ein Flug Europa— Ame- r i k a nur durch die Gunst besonders glücklicher Zufälle ge- lingen kann. Angesichts der Beweise, die bis jetzt geliefert worden sind, und angesichts der Opfer, die sie gefordert haben, sollte man von weiteren Unternehmungen absehen. Nicht mehr die kühnen und tollkühnen Piloten haben jetzt das Wort, sonder» die Sonstrutteur«. Die letzte Nachricht vom„St. Raphael'. London..3. September. Beim englischen Luftfahrtsministerium, das bereits gestern eine Nachricht von dem Dampfer„Josia Mary" erhielt, wonach dieser im 31. A u g u st um 21,44 Uhr auf 53 Grad 15 Minuten Breite und 29 Grad 45 Minuten Länge ein Flugzeug gesichtet hat, ging heute eine neue Mitteilung dieses Dampfers ein, in der präzisiert wird, daß das Flug.zeug mit etwa 80 Meilen Stundengeschwindigkeit in etwa.300 Meter Höhe flog. Der Motor habe normal ge- arbeitet, und das Flugzeug, in dem man den:,S t. R a p h a e l" vermutete, müßte also in der Zwischenzeit bereits 1200 Meilen zurückgelegt haben. Es gab Lichtsignale, um zu zeigen, daß es den Dampfer wahrgenommen habe.(Die angegebene Post- tion liegt genau in der Mitte des Atlantik zwischen Island und Neufundland) der 5lug um öle Welt. London. 3. September. Wie aus Bagdad gemeldet wird, stieg dort der„Pride o f Detroit" heute morgen zur Fortsetzung seines Fluges über die Welt auf. Das nächste Ziel ist Bender A b b a s. Aeupatriarchalismus. Bon der Tagung des Reichsverbandcs der Industrie. H.S. Franksuri a. W., 3. September. lieber zweitausend Leute hatten die zwei Dutzend Herr- scher der deutschen Industrie zu ihrer Tagung in Frankfurt am Main versammelt. Direktoren, Derbandsführer, selb- ständige Industrielle und sonstige Anhänger und Freunde waren erschienen, um für die Forderungen der Unternehmer zu demonstrieren. Es wurden keine Entschließungen gefaßt. Nur Vorträge wurden entgegengenommen, Referate, deren Inhalt und Ton in langwierigen Beratungen des erweiterten Präsidiums vorbestimmt waren. Sie verzichteten auf sub- jektioe Meinungsäußerungen und betonten dafür das dem industriellen Unternehmertum aller Richtungen Ge- m e i n f a m c um so deutlicher. Wie vorauszusehen war, blieben die Verhandlungen nicht auf das rein Wirtschaftliche beschränkt. Wirtschaft und Politik sind ja untrennbar. Der Vorsitzende Duisbcrg bekannte sich zur Republik, und Geheimrat Kastl erläuterte dieses Be- tsnntnis durch die Erklärung, daß eine Verfassungsreform nur in der Erweiterung der Neichsgewalt gegenüber den Ländern bestehen könnte. Diese Bekenntnisse sind ein leichter Nachklang zur Rede Silverbergs im vorigen Jahre. Empfindlicher Widerspruck) dagegen, daß die Industrie an diesem Staate festhält, war nicht hörbar. Vielleicht ist das nur der Tatsache zu verdanken, daß es eine sachliche Diskus- sion neben den sorgfältig vorbereiteten Referaten überhaupt nicht gab. Jedenfalls wird man darüber wachen Müssen, ob es den Industrieführern gelingt, sich mit dieser Meinung durchzusetzen. Denn auch in Zukunft werden die unterirdi- schen Strömungen bleiben, die bestrebt sind, mit der wirt-' schaftlichen Macht der Industrie als Arbeitgeber und Besitzer der Produktionsmittel auch politische Ziele zu erreichen. Vorerst macht es sich die Industrie— als Ganzes gesehen — in der Republik recht bequem. Die Reden waren auf einen Ton gestimmt, der erkennen lieh, daß man wenigstens jetzt und wenigstens öffentlich brutale Scharfmachermethoden vermeiden will. Sieht man von einigen Entgleisungen und einigen Spiegelfechtereien ab, die offenbar noch immer als unentbehrlich gelten, so möchte man sogar die Sachlichkeit und die Ruhe anerkennen, mit der die Unternehmer von der Bühne des großen Frankfurter Barietötheaters herab ihre Ziele proklamierten. * 7 Mit auffälliger Zurückhaltung sprach man zu allen Fragen der Lohnpolitik. Offenbar herrscht im Unter- nehmerlager noch einige Resignation. Man tastet, sich in der neuen Wirtschaft zurechtzufinden. So konnte ein Redner, Geheimrat Bücher, sogar vor diesem Forum ungestraft die in Deutschland sonst nur von Arbeitnehmern vertretene These aussprechen, daß hohe Löhne eine Stärkung der Kauf- kraft, eine Vermehrung des Missens und dadurch eine Er- höhung des Lebensniveaus bedeuten könnten. Freilich folgte sofort der Pferdefuß, die Warnung vor übertriebenen Lohn- forderungon. Doch muß man sich daran erinnern, daß es noch vor wenigen Iahren verpönt war, ähnliche Gedanken auch nur anzudeuten. Es ist. als ob ganz langsam der Ame- rikanismus der Tecbnik, der in der Rationalisierung Deutsch- lands Triumphe gefeiert hat, auch für die Menschenökonomie der Industriellen wirksam würde. Diese Msnschenökonomie sagt: Wir wollen keine Untergebenen, wir wollen Mitarbeiter. Wir wollen den Menschen am Werk interessieren, ihm einen auskömmlichen Anteil am Ertrag seiner Arbeit geben, ver- langen aber von ihm, daß er sich bedingungslos dem Betriebe und seiner Technik angliedert. In Amerika hat dieses Prin- zip vielerorts geradezu grausame Formen für die Arbeitskraft angenommen. Es führte zu einem Verzicht auf jedes Kündi- gungsrecht, ja oft zum Verbot der Koalitionsfreiheit und vor allem zum Verzicht auf jede fruchtbare Sozialpolitik. Solche Menschenökonomie kommt jedoch für Deutschland nicht in Betracht. Die Gewerkschaften sind stark genug, um alle An- schlüge auf die Koalitionsfreiheit zurückzuweisen, und die Unternehmer denken selbst nicht mehr daran, die Existenz der Gewerkschaften anzugreifen. Die Sozialpolitik ist, wie Bücher ebenfalls offen zugab, heute in der ftaatspolitischen Auffassung der Volksmassen so verwurzelt, daß man sie nicht mehr hinwegdenken kann. Also sucht man das Positive, was der Amerikanismus auf dem Gebiete der Menschenökonomie leisten kann, auf anderem Wege. » Obschon es Kastl bestritt, betonte es Bücher um so mehr: das Unternehmertum will auf dem Wege der Werks- und E r z i e h u n g s p o l i t i k den Arbeiter zur Anerkennung des kapitalistffchen Systems zwar nicht direkt zwingen, aber mit einem gewissen Druck zu ihr führen. Es geht dabei um die„Seele" der Arbeiterschaft. Ob man dazu da» berühmte „Dinta"-Institut, die Werkzeitung, Werkpost oder andere Hilfsmittel benutzt, man nennt es Erziehung zum Wirtschaft- lichen Denken. Man meint aber die Abkehr vom Sozialismus, der dm Epigonen der klassisch-bürger- lichen Nationalökonomie lediglich als Ausgeburt der Hetze, der Böswilligkeit und der Demagogie gilt. Dabei müssen die Unternehmer selbst die sehr verschiedene Klassenlage des Be- sitzes und der Arbeiterschaft zugeben. Sie müssen die be- stehenden Gegensätze anerkennen; sie müssen die Entpersön- lichung der Arbeitenden durch.die Besitzkonzentration und durch die moderne Technik eingestehen. Nur den letzten Schritt wagt man nicht: Anzuerkennen, daß der Profit aus Gewinninteresse die letzte Wurzel der falschen Organisation der Wirtschaft' und der Anlaß der Klassenscheidung ist, daß erst die Beseitigung des Profitprinzips und die Neuorgani- sation der Bedarfsdeckung die Voraussetzung für die Ueber- Windung der Klassengegensätze bietet. Und weil man das nicht sehen will, unterstellt man dem Gegner, der dieses Bekenntnis vertritt, Motive parteidogma- tischsr Verblödung oder engstirnigen Eigennutzes. Wir hängen derartige Entgleisungen niedriger. » Die Unternehmer spüren die ungeheure und ständig wachsende Spannung, die sich aus dem Verhältnis der zu Riesenkonzernen zusammengeballten Industrie zu den arbei- tenden und verbrauchenden Massen ganz zwangsläufig er- gibt. Das Auftreten des nichtsozialistischen Frankfurter Oberbürgermeisters, der sich warmherzig für eine tatkräftige kommunale Sozialpolitik einsetzte und die taktlose Erwiderung des Rsichsverbandsvorsitzenden waren ein Symptom dieser Spannung, die sich ständig verschärft und die den Unternehmern um so unheimlicher wird, je selbstbewußter ' und disziplinierter die organisierte Arbeiterbewegung auftritt. Daher die neue Wendung. Man will dem Arbeiter im Be- trieb, in der Fachschule, im persönlichen Umgang entgegen- kommen. Man will väterlich sein, wie es die früheren kapita- listischen Großhandwerksme+fter und Fabrikanten manchmal zu ihren Leuten waren. Man will eine neue Form des Patriarch alisrnus suchen, der hübsch, nett und human ist, ohne irgeudwie zu verpflichten. Auf die positive Forderung der � Arbeiterschaft nach einer echten Wirtschaftsdemokratie jedoch gab es in Frankfurt keine Antwort. In manchen Bereichen hat man schon umgelernt. Muß j. ja doch Bücher zugeben, daß heute selbst Generaldirektoren nicht mehr Herren ihrer selbst noch ihrer Werke sind, sondern nur bessere Angestellte. Im großen Bogen schleuderte Bücher £ das manchesterliche Zitat von der Freiheit der Wirt- 1. sch a ft über Bord, mit dem das Dogma von der Privat- l initiative des Unternehmers so unlösbar verknüpft ist. Be- steht ein derartiger Unterschied zwischen einem solchen An- ! gestellten eines Privatbetriebes, wie ihn Bücher schilderte, und ! dem leitenden Führer eines staatlichen Gemeinde- oder : Genossenschaftsbetriebes? Wie kann man jetzt noch das � Privateigentum an den P r o d u k t i o n s m i t- t e l n rechtfertigen? Roch will man nicht offen zugeben, daß wirtschaftliche � Folgen sich zwangsläufig aus der modernen Unternehmer- Wirtschaft entwickeln, noch oersucht man es mit Kompromissen. Man anerkennt die Pflicht zum Dienst am Volke, die aber s theoretisch bleiben wird, so lange die Privatwirtschaft nicht überwunden ist. Man sucht die Freundschaft der Arbeiter- schaft und der Wissenschaft. Man sucht neue Stützen. Es knistert eben doch in dem Gebälk der gigantischen Trustwirt- ! schaft. Die Jndustriesührer sprachen über Qualitätsarbeit. Auf wichtige, damit zusammenhängende Fragen haben sie keine ; klare Antwort gefunden. Am klarsten waren sie in der S t e u e r p o l i t i k, wo die Forderung nach dem Abbau der Vesitzbelastung bleibt, unklarer bereits in der Sozialpolitik, geradezu widerspruchvoll jedoch in der Zollpolitik, wo ihnen die Wlehnung eines Abbaus der autonomen Zölle als selbst- verständlich erscheint. Farbe bekannten sie bei dem Thema der Qualitätsarbeit durch ihr Bekenntnis zu einem moderni- sierten Patriarchalismus. Sie werden die Macht Wirtschaft- Uchen Werdens nicht aufhalten können, denn diese drängt trotz allem zum Sozialismus! Der tägliche Reichtum. Von Dr. KurtLondon. Geld ist die Voraussetzung für die Höhe der Lebensführung. Nun gibt es ja im Verhältnis zur Gesamtheit der Menschen eine verhältnismäßig geringe Zahl derjenigen, die„Geld wie Heu" be- sitzen; die große Mehrzahl muß täglich die alte, neue Erfahrung machen, daß Geld recht teuer bleibt und sich entsprechend bescheiden. ; Aber man wird doch anspruchsvoller mit der Zeit, und je schönere . Dinge es gibt, desto mehr wünschen wir— mit Recht— daran teil- ' nehmen zu können, sie, je nach Geschmack und Anspruch, möglicher- weise auch zu besitzen. Und täglich müssen wir erkennen, daß wir I" das Herrlichste der Welt, wenn überhaupt, nur vom Hörensagen s kennen oder aus der Entfernung. Kommt es daher, daß man die Illusion des Reichtums liebt, um sich wenigstens in der Phantasie einen Ausgleich zu schaffen?— Sicher wohl, sonst würde größerer Protest laut werden, wenn wir beobachten, wie die meisten Problem« darstellender Kunst, speziell im Film, von vornherein— man möchte sagen:— auf Basis finanzieller Sicherheit aufgebaut sind. Und wenn wir dagegen - Stellung nehmen, so nur aus künstlerischem Wahrheitsdrang, der in frir Kunst eine höhere Form des wirklichen Lebens sieht und das i Unwirkliche wohl auch gestattet, nicht aber zur Norm erheben will. Wir befinden uns. ohne Zweifel, in einer Periode starker Ueber- fchatzung des Geldes. Die Erkenntnis dieser Tatsache aber darf nicht zum Gegenteil führen. Denn bei allem Idealismus: wir leben immer noch in einer Zeit, da das Geld Barometer des Lebensstandards ist Und darum protestieren wir gegen die Unwahrheiten, die uns ständig vorgesetzt werden und uns unerreichbare Illusionen vorgaukeln. Wir protestieren gegen die Unsitte, das Geldverdienen als ein« so leichte Sache darzustellen. Wie oft müssen wir mit ansehen, wie Herr X, eben noch ein Schnorrer, einen„Coup" landet und un- mittelbar darauf in seinem Lustschloß von Dienern in Livree betreut wird, Re viel seiner aussehen als er selbst. Wir sehen den„Er- finder"— auch ein Beruf, übrigens!— wie er grübelnd den Finger an die Stirn hält und dann etwas erfindet, das ihn sofort zum(viel- fachen) Millionär macht. Oder den armen Schlucker, dem ein Los geschenkt wird, das sich später als das große entpuppt.— Natürlich, das Leben ist mannigfaltig genug, warum sollte so etwas nicht vor- kommen? Man dürfte aber nicht dulden, aus der Ausnahme eine Regel zu machen, denn die Ausnahme bestätigt die Regel, nicht die Rege! die Ausnahme. Früher sagte man den Rekruten, jeder habe den Marschallstab im Tornister. Unsinn. Mit der Illusion einer phantastischen, sagen wir ruhig: utopischen Möglichkeit sollte eine größere Gefügigkeit erreicht werden. Genau so, nur vielleicht ohne direkte Absicht, wird das große Publikum mit dem Opium leerer Filmillusionen betäubt und vergißt schließlich, daß das wirtliche Leben sich ganz anders abspielt, als auf der Leinwand. Und endlich protestieren wir ganz allgemein gegen die Voraus- fetzung einer Wohlhabenheit, die in Wahrheit nur einen ganz geringen Teil der Menschheit betrifft. Es geht schon nicht mehr an, daß man den Eindruck gewinnt, als spietten sich die Probleme des Lebens n u r in den Sälen eines pompösen Schlosses, in den Ge- mächern einer Prachtvilla oder allenfalls in den hocheleganten Koalitions-Krach. Die„Krcuzzeitung" pfeift auf die Richtlinien— das Zentrum fordert Erklärungen. Die Reichsminister und die Reichstags- fraktion des Zentrums.haben die deutschnationale Presse und andere Feinde der Verfassung und der Reichs- färben einen ganzen Sommer lang ungehindert einen Feld- zug der Sabotage und der Beschimpfung gegen die Republik und ihre Symbole führen lassen. Die Preußenregie- r u n g ist den Gegnern der Republik entschieden entgegen- getreten. Die Reichsregierung und ihre Aemter sind nach dem Prinzip verfahren: laissez faire laissez aller. Man konnte beinahe annehmen, daß sie nach dem Vorbild von Adlon, Aschinger und Co. Neutralität erklären wollte... Angesichts der Entrüstung, die sich darob bei den Re- publikanern des Z e n tr u m s erhob, hat Herr von Guörard sich erlaubt, an die„Richtlinie n" zu erinnern. Er hat darauf am Sonnabendmorgen eine Antwort von der„Kreuz- zeitung" erhalten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Am Sonnabend abend bemüht sich die ,'K r e u z- z e i t u n g" noch einmal, dem Zentrum zu beweisen, daß sie auf die Verfassung, auf Schwarzrotgold, auf die Regierungs- richtlinien pfeift. Sie tut ihr möglichstes zur Beschimpfung der Reichsflagge— man liest achtmal in achtzig Zeilen „schwarzrotgelb"— und hönht zum Schluß Herrn von Gu�rard noch einmal: „Im übrigen machen wir darauf aufmerksam, daß nicht das sogenannte„Zentrumsmanife st", das Herr v. Guörard in seinem Artikel zitiert, Gegenstand der damaligen Verhandlungen mit den Deutschnationalen gewesen ist. Die„Richtlinien" aber sprechen nur von der Vermeidung„gesetzwidriger und ge- h ä s s i g e r" Angriffe auf die republikanische Staatsform. Auf die Grundanschauungen wurde also keineswegs verzichtet, ebenso- wenig auf die monarchistische Werbearbeit. Dieser Standpunkt ist ausdrücklich damals in der Programmrede des Grafen Westarp betont worden. So wie sich Herr v. GuSrard die Sache denkt, würde sie nichts anderes bedeuten, als Unterwerfung unserer Politik unter die des Zentrums. Auch empfehlen wir Herrn v. Guörard die Lektüre der Zentrumsblätter. Vielleicht findet er auch dort mancherlei, das nicht mit den„Richtlinien" übereinstimmt." Das ist die Quittung für die Bürgerblockpolitik des Zen- trums: Das Organ des Grafen Westarp wirft dem Zentrums- führer v. E u 6 r a r d die Richtlinien zerrissen vor die Füße. Auf diesen Akt setzt der Parlamentsdienst des Zentrums die folgende Replik: „Was wir uns verbitten müssen, ist zunächst einmal diese beleidigende und herabsetzende Sprache, die dieses deutschnationale Parteiorgan, das offizielle Sprachrohr des Führers der Deutschnationalen im Reichstag, des Grafen Westarp, an- schlägt. Wir oerbitten uns insbesondere diese hochfahrende Art, mit der die„Kreuzzeitung" gegen einen unserer Führer vor- zugehen sich erdreistet. Im übrigen müssen wir die e r n st e Frage an die Deutsch- nationalen und ihre Führung richten, ob sie Form und Inhalt dieser Kundgebung der.Kreuzzeitung" billigen. Die Deutsch- nationalen mögen keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, daß wir vom Zentrum uns eine derartige Sprache unter gar keinen Umständen gefallen lassen. Darüber hinaus lassen wir uns erst recht nicht die S a b o t a g e bieten, die die.Kreuzzeiwng" gegen die„Richtlinien" als die Grundlage der politischen und parlamentarischen Zusammenarbeit des Zentrums mit den Deutschnationalen betreibt. Die offizielle Leitung der Deutschnationalen wird nicht darüber hinwegkommen, zu diesen Dingen verant- wortlich Stellung zu nehmen." Man ist also hart eaneinander. Es scheint uns aber, als fei die Stellung des Zentrums heute weniger stark als zur Zeit der Geburt der Richtlinien— denn schließlich sind die Deutschnationalen in der Regierung, und das Zollgeschäft ist gemacht, während das Reichsschulgesetz nicht voran kommt. Zu- Räumen einer 12- bis 1S-Zimm«r°Wohnung ab. Es genügt nicht, ab und zu als Gegensatz dazu Clendsauartiere zu zeigen, es gibt doch schließlich noch ein Mittelding. Im Sprechtheater gehts doch anders und geht gut. Das Leben ist, wie selbst die größten Optimisten zugestehen, voll von Schwierigkeiten. Aufgabe der Mensckien bleibt es, mit ihnen so oder so fertig zu werden. Ohne eine gewisse Härte, will sagen: Festigkeit der Natur erscheint aber der Sieg über diese Schwierig- leiten fraglich, denn es gibt mehr Pechvögel als Glückspilze. Es kann und darf also nicht die Aufgabe sein, das Ziel des Lebens, das Glück als eine Fata Morgan« darzustellen, weil die Enttäuschung hinterher viel schwerer wiegt als vorher. Die Phantasie soll in den Dienst des Geistes gestellt wgden, soll das Auge für Schönheit empfänglicher machen und zu neuen Ideen anregen, nicht aber lügenhafter Romantik Vorschub leisten und falsch« Tatsachen vorspiegeln. Möchten dies endlich die Filmproduzenten und-autoren bedenken! Das Kciegsöenkmal. Auf dem Fischmarkt m Bergen liegt auf einem Sockel eine Mine, ruhig und harmlos. Als sie noch gefüllt auf dem Meere schwamm, war sie ein gefährliches Ungeheuer. Den ahnungslosen Schiffen, die dieses Ungeheuer nicht bemerkten, drohte sie Tod und Verderben. Der Sockel, auf dem die Mine ruht, trägt außer einer Jahreszahl keine weitere Inschrift. Eine um so deutlichere Sprache reden zwei Reliefbilder, die an dem Sockel angebracht sind. Auf dem einen strecken mehrere Tote anklagend die Fäuste empor, wäh- rend auf dem anderen eine Mutter ihr Kind krampfhaft an sich drückt. Ein deutscher Nordlanddampfer hat im Hafen angelegt. Seine Passagiere, darunter viele typische Scherlanbeter, überfluten die Stadt, um die Sehenswürdigkeiten zu schlucken. Um das Denk- mal fammell sich«in Häuflein Menschen. So recht wissen sie nichts mit ihm anzufangen— wenn doch wenigstens eine bombastische In- schrift daran stände.— Aber nur die Mutter und die Toten. Eine Stimme sagt:„Die Bilder sollen ausdrücken: Nie wieder Krieg." Entsetzen und entrüstete Blicke zeigen der vorlauten Stimme, daß diese Bemerkung doch entschieden nicht hierher gehört. Ein Ein- heimischer gibt Aufklärung über das eigenartig« Denkmal. Eine angeschwemmte Mine wurde als riesige Sammelbüchse aufgestellt. Sie soll Gaben aufnehmen für die Hinterbliebenen der Besatzun- gen von torpedierten oder auf Minen aufgelaufenen Schissen. Große Enttäuschung über diese bedeutungslose Sehenswürdigkeit und dann schnell weiter, um wirklich« Sensationen zu finden. Dr. Nenai/sance-Theater:„poliche�. Pölich« ist die französische Ausgabe des deutschen Spaßvogels, des Luftibus und Luftikus. Henri Bataille gibt uns in seiner Komödie, mit der er uns zwei Stunden unterhalten und uns außer- dem auch noch Zeit lassen will, die schöne Holztäfelung des reizen- den Theaters und die Feststellung zu ermöglichen, daß die Oxford- hose immer noch kein« große Mode und die gebräunte Haut bereits aus der Mode ist, eine besondere Abart dieses Typus. Es oer- melancholisiert ihn, er gibt ihm einige tragische Untertöne und macht aus ihm ein« gallische Ausgabe des Bajazzo. Sein Poliche ist aus dem kann selbst die zornigste Tonart die Tassache nicht aus der Welt schaffen, daß das Zentrum sich mit M 0 n a r ch i- st e n koaliert hat, deren Minister wohl vor einem halben Jahre den Eid auf die republikanische Verfassung geleistet haben, deren Führer jedoch heyte erklären: wir sind und bleiben Monarchisten. Auch nicht die andere Tassache, daß das Zentrum diese Monarchisten einen ganzen Sommer lang ungehindert gegen die Republik hat arbeiten lassen. Verteilung öer Nothilfe. Am 2. September trat unter dem Vorsitz des Wohlfahrtsministers Hirtsiefer dsr Preußische Landesausschuß der Deutschen N 0 t h i l f e zusammen, um über die V e r t e i l u n g der Mittel Beschluß zu fassen, die aus dem Reichsausgleichsfonds der Nothilfe Sur dos preußische Staatsgebiet zur Verfügung gestellt worden sind. is wurden insgesamt rund 1 S 9 0 0 0 M. auf die Provinzialausschüsse der Deutschen Nothilse verteilt. Die Mittel entstammen dem Ertrage aus dem Vertrieb der Wohlfahrtsbriefmarken und dienen der Linde- rung leiblicher Not in Ergänzung der öffentlichen Fürsorgeeinrich- tungen. Im Anschluß daran wurden die Richtlinien erörtert, nach denen der Vertrieb der aus Anlaß des 80. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten von der Deutschen Reichspost heraus- gegebenen Hindenburg- Wohlfahrtsbriefmarken durchgeführt werden soll._ Kleines Porträt. Der Feuilletonist Rudolf Franz, ehemals Redakteur der sozialdemokratischen Presse, dann Kommunist, jetzt aus der KPD. ausgeschlossen, veröffentlicht in der„Aktiv n" einen„Leitfaden für Parteipolitikanten", den Kommunisten gewidmet, dem wir das folgende klein« Porträt entnehmen: „Wenn sich aber augenscheinlich mit Opposition nichts machen läßt, so verzichte rechtzeitig daraus und versuche es mit der M e- thode des Hineinkriechen s. Ja, entäußere dich selbst und nimm Zknechtsgestalt an, wie es in der Bibel heißt. Laß dich nicht beirren durch häßliche Benennungen dieser Methode, wie: um Gunst buhlen, Speichel lecken, oder noch schlimmeres. Das sagen nur die unfähigen Burschen, die keinen Ehrgeiz haben, die keine Rolle spielen wollen. Wie ging es in dem berühmten Falle jener drei p 0 l i t i- schen Führer? Nennen wir sie Ruth, Wilhelm und Werner, dann kennt sie jedes politische Kind. Ruth sagte von Wilhelm(der einen großen Bart hat), er sei dem Werner so weit hineingekrochen(Ruih sagte es noch deutlicher), daß nur noch der Schnurrbart herausschaue. Große Heiterkeit bei den Freunden von Ruth und Werner sowie bei den sonstigen Gegnern Wilhelms. Aber was war sechs Monate später? Ruth war ausgeschlossen, Werner war ausgeschlossen, aber Wilhelm(mit dem Bart) war noch drin in der Partei, und sogar obenauf, und blieb es. Wilhelm war eben auf dem rechten Wege trotz alledem und alledem! Bedenke aber, daß es in jeder besseren Partei zwei Richtungen gibt, die um die Macht kämpfen: eine kriecht den Führern hinein, die ander« den Massen. Hier gilt es, den richtigen Instinkt zu haben für das, war gerade opportun ist." „Di« politischen Gegner dassst du öffentllch kräftig beschimpfen. das gefällt deinen Parteifreunden, wird von den Gegnern nicht ernst genommen und außerdem mit gleicher Herzlichkeit erwidert. Aber man beobachte im persönlichen Verkehr, in den Ausschüssen, den Wandelgängen im Abteil erster Klasse, vor allem aber in den Erfrischungsräumen der Parlamente, eine busschikvs-kordial« Rote. Man weiß nie, ob man nicht mal übertritt!" Aegyplisches Gesuch an Deulschland. Die ägyptische Regierung hat die deutsche Regierung gebeten. Ermftllungen darüber anzu- stellen, was aus dem Kapitän und den Mannschaften des Schisses „Costi" geworden ist, das in Rußland beschlagnahmt wurde, und eventuell für deren Heimschaffung Sorge tragen zu wollen. Zn Budapest hat man wieder einmal ein«„Verschwörung" ent- deckt und zahlreiche„Kommunisten" verhastet. Man staunt bloß, wo nach all den Massenverhastungen und-Verurteilungen in Ungarn, Polen, Rumänien, Bulgarien, Südslawieu, Italien usw. immer noch Kommunisten herkommen. Lyon, guter Leute Kind und von Haus aus«in ernster, moralsscher, sentimentaler Mensch. Um die groß« und unabhängige Dame zu erobern, die ihn entflammt hat, muß er den Poliche spielen. Er kommt dadurch in Mode und macht sich seiner Holden unentbehrlich. Aber als ihr Herz für einen anderen zu sprechen beginnt— ihn hat sie ja nie ernst genommen— da verfällt er in Melancholie. Erst sein Freund muß die Augen darüber öffnen, wie er in Wirk- lichkeit beschaffen ist und wie alles nur Maske war. Da die groß« Liebe ihr inzwischen untreu geworden ist, hat sie Mitleid mft ihm und glaubt, ihn vielleicht auch zu lieben. Aber es ist nur eine Episode. Ihr Herz sehnt sich von neuem nach dem anderen und Poliche wird seine Rolle wieder aufgeben, In sein« Provinz zurück- kehren, ein braver Mann werden und manchmal daran denken, was er einmal in Paris gewesen. Curt B 0 i s ist dazu berufen, den melancholischen Spaßvogel zu verkörpern. Die ernste, sentimentale Seit« gelingt ihm besser als di« ausgelassene, wie denn überhaupt der ganze erst« Akt nicht die fröhliche Ausgelassenheit einer gallischen Szene hat. Sehr gefühl- voll und mit wirklichem Charme charakterisiert Hilde W ö r n e r die lebende Frau. Ausgezeichnet ist Ludmilla Hell als klatsch- süchtige Freundin und die ganze Szene, in der die beiden Freundinnen sich in liebenswürdiger Form die stärksten Bosheiten sagen, ist voll köstlichen Reizes. Zu erwähnen wäre noch Werner P i t t s ch a u als der große ungetreue Eroberer. Das Publikum, etwas erstaunt über den philosophisch resignierten Ausgang, nahm das nette Stückchen mft Wohlwollen auf.— r. Eröffnung der Piscalorbühne. Sonnabendabend hat Erwin P i s c a t 0 r seine Bühne am Nollendorfplatz geweiht. Begeisterte Freunde des viel umstrillenen Mannes und andere Neugierige fülllen das Haus. Tollers Stück.Hoppla, wir leben" wurde auf- «eführt. Revolution und Untergang des Revolutionärs ist der In- alt des Stückes. Ein Minister, der einstmals ein roter Soldaten- rat war, wird gekillt. Eine Revolution der Kunst? Aufgang oder Niedergang der Kunst? Alle Leute fragen den Verfasser Die Polizei verbot vor Beginn der Vorstellung das Stehenbleiben auf der Straße, als man den sehr schick uniformierten Boy bewundern wollte, der zum Oeffnen der zahlreich heranrollenden Autos engagiert ist. In der großen Pause war keine Schupo mehr sichtbar. Man trennte sich auch nach der Vorstellung in Frieden. Warum das olles geschah, ist am Montag zu berichten. M. H. Freiligralhs Sohn 80 Iahre all. Wolfgang Freiligrath, der letzt« noch lebende Sohn des großen Frciheitsdichters. begeht am 8. September in Külz bei Simmern(Hunsrück) seinen 80. Geburtstag. Als vor etwa zwei Jahren der Kampf um die Enteignung der Fürsten tobte, erregte die Nachricht, daß der Sohn Ferdinand Freftigraths als greiser Landarbeiter in kümmerlichen Verhältnissen lebt, großes Aussehen. Es lag nahe, die Schicksale der Erben von hüben und drüben untereinander zu vergleickxn. Inzwischen erhielten die Fürsten ihre Millionen und Walfgang Freiligrath einige Unter- stützungen, die an der Tatsache seiner Armut nichts änderten. Cr ist ein armer Mann geblieben, der Sohn des große« Dichters, der am Donnerstag in einem verlorenen Rest des Hunsrück seinen 80. Geburtstag begeht,.. Unter falscher Zlagge. Die wahren Absichten des Rcichsschttlgesetzentwurfs. Von Lyzeal-Oberlchrer Lieder, Derlin-Köpemck. Die unveränderte Annahme des Reichsschulgesetzentwurss würde Auflösung der deutschen Volksschule, Preisgabe der Staats- Hoheit zugunsten kirchlicher Mächte, Zerstörung der Ein- h e i t deutscher Bildung bedeuten. Man hat allen verfügbaren Sck)arfsinn angewandt und die feinen diplomatischen Künste spielen lassen, um das ahnungslose deutsche Volt über diese Gefahren hin- wegzutäuschen. Die Taktik der Verfasser rechtzeitig zu durchschauen, gibt die einzige Möglichkeit, das Verhängnis in letzter Stund« ab- zuwenden. Nichts als Blendwerk ist es, wenn der Entwurf eingangs die Aufgaben und Ziele der deutschen Volksschule aufzählt, wie sie in der Reichsverfassung festgelegt sind. Während aber im§ 1 im Hin- blick auf die deutsche Reichsverfassung, Artikel 148, gejagt ist, daß die schulpflichtige Jugend durch Unterricht auf der Grundlage des deutschen Kulturgutes zu körperlicher und geistiger Tüchtigkeit heranzubilden und zu Staatsbürgern zu erziehen ist, die fähig und bereit seien, der deutschen Volksgemeinschaft zu dienen, so wird im 8 4 der„Bekenntnisschule" hinter schein- liberalen Wendungen ein ganz besonderes Erziehungs- ziel gesteckt. Es heißt hier:„Unterricht und Erziehung sind auf den Glauben einzustellen, Lehrpläne, Lehr- und Lernbücher sind diesem anzupassen." Erziehungsgrundlage ist hier also nicht das bekenntnisfreie deutsche Kulturgut, sondern das Lehr gut der Glaubensgesellschaften. Trotzdem heißt es am Anfang, daß die Jugend zur„Volks- gemeinschaft" erzogen werden soll. Also, man beabsichtigt Zerrissen- heit, spricht aber von Volksgemeinschaft! Ganz harmlos hört es sich an, wenn«inleitend so nebenher gesagt wird, daß die Schuljugend „in Unterstützung. Ergänzung und Fortführung der elterlichen Er- ziehung" zu erziehen ist. Diese Worte bedeuten nichts anderes, als die Abhängigkeit der Jugenderziehung von der elterlichen Erziehung und den kirchlichen Mächten, sie bedeuten Ausgabe jeder Schulhoheit des Staates. Diese Absicht des Verfassers zu be- gründen und zugleich zu verschleiern, ist der Zweck der geschickt hineingearbeiteten aber leicht zu übersehenden Bemerkung. Wenn im§ 1 Absatz 3 im Hinblick auf die Reichsverfassung steht, daß die Empfindungen Andersdenkender nicht oerletzt werden sollen, so ist auch das weiter nichts als Fassade: denn wie das in der Bekenntnisschule, die doch von keiner andersdenkenden Minder- heit besucht wird, möglich sein soll, ist ein Rätsel.. Und weiter der Satz:„Die Aufsicht über alle Volksschulen führt der Staat." Man vergleiche hierzu die amtliche Erläuterung „Eine Wiedereinführung der geistlichen Lokalinspektion ist in keiner Weise beabsichtigt." Dadurch soll die T r u g o o r st e l l u n g aus rechtet halten werden, als ob der Staat nach wie vor allein die Schulhchcit ausübt. Wenn der Entwurf der Kirche aber das Recht gibt, in der Bekenntnisschule über Lehrpläne, Lehrziel«, Lehr- und Lernbücher zu bestimmen, dann ist der Staat nicht mehr alleiniger Herr der Volksschule. Was sind denn die von der Kirche bestimmten Kontrolleur«, die den Religionsunterricht zu beaufsichtigen haben? Ob sie„Ortsschulinsxektor" oder„Beauftragter" heißen, ist doch einerlei. t Und nun gar die Gemeinschaftsschule! Wie man von dieser von der Verfassung als Regel vorgesehenen Schulsorm, die der Entwurf zu einer So n der-frchule cherabdrückt,- noch.. jagen kann, man wolle sie vor Benachteiligung schützen, ist unbegreiflich. Der Hinweis auf den Artikel 146 der Reichsverfassung wirkt wie ein Spott, den man zri dem Schaden freigebig hinzufügt. Gewiß sind Abweichungen von der Verfassung an sich zulässig, wenn ein« Zweidrittelmehrheit des Reichstages dafür zu haben ist. Da sich diese Mehrheit aber nicht finden wird, glauben die Väter des Eni- wurfs, sagen zu müssen, er wäre nicht verfassungsändernd. Im Gegensatz hierzu wird alles Licht der gesetzgeberischen Ab- sichten über die Bekenntnisschule ausgeschüttet. Sie soll die Schule des deutschen Volkes fein, in i h r will man den künftigen Staats- bürger erziehen. Ganz unschuldig sieht die Gruppierung der Schulformen aus, und doch versteckt sich dahinter eine bestimmte Absicht. Es fällt wohl jedem Leser des Entwurfs auf, daß von Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen die Rede ist, wo doch eigentlich jedes Bekenntnis, auch das kirchliche, eine Weltanschauung bedeutet. Es geht also nicht an, von Bekenntnis- und Welt- anfchauungsschulen zu sprechen. Wenn es aber doch geschieht, dann müßte alles, was über Bekenntnis und Weltanschauung zu sagen ist, unter einer Ueberschrist: Bekenntnisschule(Weltanschauungs- schule) erfolgen: denn was dem einen recht ist. ist dem anderen billig. In den Augen gewisser Leute ist die Weltanschauungsschule etwas Minderwertiges, daher darf sie nicht in der Nachbarschaft der Be- kenntnisschule austauchen. Das könnte abfärben, und das darf nicht fein. Die Bekenntnisschule, das sorgsam behütete und gepflegte Kind, mußt« streng abgeschlossen bleiben und besondere Beachtung und Behandlung erfahren. Mit kluger Berechnung sind die Bestimmungen über die„welt- lich« oder Weltanschauungsschule" erarbeitet. Alles, was über sie gesagt ist, läuft darauf hinaus, sie ihres eigentlichen Charakters als einer allgemeinen wirklichen Gemeinschaftsschule völlig zu entkleiden und aus ihr eine untergeordnete Sektenschule zu machen. Jede Bestimmung verfolgt den Zweck, sie amtlich zu entwerten und ihr das Brandmal einer gewissen Minderwertigkeit auf den Weg zu geben. Man fühlt beim Lesen des 8? förmlich den Zorn des Verfassers über diese Schulform und wird in jeder Zeile an das alte Jagowsche Wort erinnert:„Ich warne Neu- gierige!" Eine weltliche Schule, wie sie aus den Voraussetzungen des weltlichen Staates und der autonomen wissenschaftlichen Erziehungs- lehre sich ergibt, ist freilich etwas ganz anderes als die im Entwurf unterrichtlich gefesselte, pädagogisch entwertete, eingeschnürte welt- liche Schul«. DI« weltliche Schul« aber will und soll nicht zu sektenmäßiger Absonderung, sondern zur freien, ver- antwortungsbewußten Staatsbürgerlichkeit erziehen. Und alles, was man mit dem Begriff:„Renaissance der Erziehung" zu bezeichnen pflegt, wird mit der Ford-rung der weltlichen Schule oerbun- den. Auf ihre Freiheit und Reinheit darf nie verzichtet werden. Der Entwurf aber w'll die in Vorurteilen befangene und ge- halten« Elternschaft gegen sie einnehmen und den Aberglauben über ihre Minderwertigkeit nähren. Schon aus diesem Grunde darf der Reichsschulgesetzentwurf in seiner jetzigen Form nicht Gesetz werden! 9er öeutfth-belgifche Zwischenfall. Beilegungsversnche in Genf. Ledigenheime für Landarbeiter. Auf eine Kleine Anfrage über die Verwendung von Staatsmitteln zur verstärkten Förderung des Baues von Landarbeiterwohnungen antwortete der Minister für Volkswohlfahrt, daß diese Mittel auch für die Errichtung von Ledigenheimen und den Umbau vorhandener Massiv- gebäude zu Ledigenheimen für deutsche Landarbeiter Verwendung finden, V. Sab. Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Der deutsch-belgische Zwischenfall dürfte sehr bald in einer für alle Beteiligten durchaus befriedigenden Weise beigelegt werden. Beide Regierungen wollen ihn aus der Welt schaffen. Nur die Nationalisten in beiden Ländern können ein Interesse daran haben, ihn zu vertiefen; die deutschen, indem sie Hinaueposaunen, Belgien habe gekniffen, weil es«in schlechtes Gewissen habe, die belgischen, indem sie den Beschluß des Ministerrats als«ine Des- avouierung Vanderveldes hinstellen und durch chauvinistische Redensarten die Gemüter weiter beunruhigen. Banderoelde, der heut« mittag in Genf wieder einge- troffen ist, hatte nur mit de Brouckere eine Unterredung und fuhr sodann, da er eben noch im Urlaub ist, nach Savoyen, von wo er erst am Montag vormittag zur Eröffnung, der Völker- bunds Versammlung zurückkehren wird. Vor Montag werden daher die im belgischen Kommunique angekündigten Besprechungen mit den Locarnomächten über die Untersuchungskommission nicht beginnen. Bis dahin werden sie aber gar nicht nötig sein, denn es besteht alle Aussicht, daß eine Formel gefunden wird, um die Angelegenheit weiterhin zwischen Deutschland und Belgien beizu- legen. Aus den Kreisen der belgischen Delegation wird betont, daß das belgische Kommunique, gegen das sich eine Erklärung Stresemanns recht scharf gewandt hatte, in unrichtiger Form ins Ausland weitergegeben worden sei: tasächlich werd« von früheren Gegenvorschlägen Deutschlands darin nicht gesprochen, und der belgische Ministerrat habe eine Untersuchung über den Frank- tireurkrieg keineswegs grundsätzlich abgelehnt. Nach- dem aber inzwischen nach den entstandenen Polemiken, die übrigens ihren Ursprung in der nationalistischen französischen Presse haben, erkannt worden ist, daß eine solche Untersuchung keineswegs zur Befriedung der Mächte führen würde, müßte der Gedanke einer Untersuchung vorläufig aufgegeben werden. Es ist übrigens kein Geheimnis, daß Deutschland kein übertriebenes Interesse daran hat, eine solche Untersuchung zu erzwingen. Die Reichsregierung hatte nur zum Ausdruck gebracht, daß sie ihr nicht ausweichen v?olle. Jaschistischer Anschlag aufvanüervelöesRatsmanSat. V. Seh. Genf, 3. September.(Eigenbericht.) Der Haß, den sich Genosse Vandervelde durch seine Un- Nachgiebigkeit gegenüber den italienischen Faschismus seit Locarno in steigendem Maße zugezogen hat, äußert sich in einer Intrige gegen die Wiederwahl Belgiens(Dandervelde) in den Völker- bundsrat. Danderoelde ist im September 1326 nur auf ein Jahr gewählt worden. Die Wiederwahl Belgiens gilt jedoch bisher als selbstverständlich und sie wurde seit Monaten von der deutschen Delegation ebenso lebhaft befürwortet wie von der franzö- fischen. Die besonderen Verdienste Vanderveldes um die euro- päische Verständigung und seines Stellvertreters de Brouckere als Vorsitzender der vorbereitenden Abrüstungskonferenz um die Regelung des Abrüstungsgedankens können nur von denen bestritten Ein Gedenktag. Zehn Jahre seit dem Justizmord an Alibis und Reichpictsch. Am 5. September 1917 wurde auf dem Schießplatz Wahn bei Köln das„Urteil" des Marinekriegsgsrichts gegen die beiden Ma- trafen K ö b i s und R e i ch p i e t s ch„vollstreckt", das heißt die beiden jungen Leute wurden nach militärischem Komment e r- schössen! Ueber die Vollstreckung wird vorschriftsmäßig berichtet, daß zur Strafvollstreckung ein„Detachement in Stärke einer Kom- pagnie befehligt war und daß Major von Möhrs das Verfahren leitete.„Der zur Teilnahme an der Bollstreckung kommandierte landsturmpflichtige Arzt Werner stellte 7,94 Uhr den sofort ein- getretenen Tod beider Verurteilter sest." Nüchtern, kalt, sachlich spricht der Bericht dl« Tatsachen aus, die eine politische und menschliche Tragödie um- schließen. Denn das hier„vollstreckte" Urteil bedeutet einen der grauenvollsten Skandale, die die Militärjustiz während des Krieges zutage gefördert hat. Trotzdem mehrere der juristischen Berater der Militärbehörden das Todesurteil wegen angeblicher Vorbereitung eines Hochverrats schon aus juristischen Gründen für unmöglich und gesetzlich unzulässig erklärten, wurde das Urteil von dem A d m i r a l Scheer bestätigt, um„ein Exempel zu statuieren"! Dieser Admiral, der noch heute als volksparteiliche Leuchte gefeiert wird, schrieb in der Bestätigungsurkunde: „Die in dem Rechtsgulachten geltend gemachten Bedenken erkenne ich an." Trotzdem ließ er die beiden jungen Leute, von denen Reichpietsch Baptist war, erschießen, weil sie durch Unterschriftensammlung für einen Verständigungsfrieden Hochverrat vorbereitet und„militärischen Ausstand" betrieben haben sollten! Zehn Jahre sind seit der Bluttat verflossen. Aber die Erinne- rung an diesen Justizmord derKriegszeit soll nicht untergehen! Chamberlain- Srianü- Nakovfkp. Französisches Vorgehen gegen Botschaftsmihbrauch. Paris. 3. September.(Eigenbericht.) Wie wir von gutuntcrrichteter Seit« erfahren, ist die Intensität, mit der das Kabinett Poincare seinen im Sommer eingeleiteten Feldzug gegen die K o m m u n i st e n wieder aufgenommen hat, die Folge der jüngsten Aussprache Chamberlain- Briand. Cham- berlaiu, dem es ganz offenkundig darum zu tun war, Frankreich in die Seile seiner antirussischen Politik zu spannen, scheint dies- mal bedeutend m«hr Glück damit gehabt zu haben als im Juni. Jedenfalls hat der französische Ministerrat am Freitag nicht nur die energisch« Fortführung des Angriffs gegen die kommunistische Agi- tation im Innern Frankreichs beschlossen, fondern auch seine bis- herigen Bedenken gegen Rückwirkungen auf das Berhältnis zu Sowjetrußland fallen lassen. Der Gedanke eines Bruches mit Moskau, den noch vor kurzem die Mehrheit der Minister ent- schieden ablehnte, hat stark an Boden gewonnen, wie die am Sonn- abend vom„Matin" und anderen Blättern veröffentlichten scharfen Angriffe auf den russischen Botschafter R a k o o s t y beweisen. Dies wird als die Einleitung einer diplomatischen Offensive angesehen, die früher oder später zum Bruche führen könnte. Wie wir hören, plant die französische Regierung bereits für die nächsten Tage die Ver- öffentlichung umfangreichen. Materials zum Nach- weis, daß die Machthaber in Moskau unter Verletzung ihrer Zu- werden, die dem Völkerbund feindlich gegenüberstehen. Dennoch versucht S c i o l oj a, offenbar auf Weisung Mufsolinos, Stimmung gegen die Wiederwahl Belgiens zu machen.� Di« Italiener erklären, daß das bei der Neuregelung der Ratsfrage im vorigen Jahr« be- schlossene Prinzip des turnusmäßigen Ausscheidens gewahrt werden müßte: erstreb« doch auch die Tschechoslowakei nicht ihre Wiederwahl, darum könne auch Belgien verzichten. Der Zweck dieser Propaganda ist nur allzu durchsichtig: Mussolini will den Soziali st«n aus dem Rat entfernen und rechnet daher auf die Solidari- tät der übrigen reaktionären Regierungen und auf eine Wirkung des jüngsten deutsch- belgischen Zwischenfalls. Darin täuscht sich Mussolini aber gründlich. Gerade die deutsche Delegation hält di« Wiederwahl Vanderveldes in den Völkerbundsrat für in höchstem Grad« erwünscht und die überwiegende Mehrheit der Bölkerbundsmitglieder wird durch keinerlei Intrigen sich von der gleichen Ueberzeugung abbringen lassen. Zur Sesatzungsöebatte. Ein Geheimbericht des Generals Guillaumat. Ueber die Pariser Veröffentlichung eines Geheimberichts des französischen Generals Guillaumat berichtet MTB. in dieser polemisch zurechtgemachten Form: Das Wochenblatt„Aux Ecoutes", das Mitte August einen angeblichen Geheimbericht des Befehlshabers der Rhein- armee, General Guillaumat, an den Kriegsminister ver- öffentlichte, druckt heut« auch den Annex zu dem Geheimbericht ab, und zwar wiederum unterWeglafsungdesDatums, um eine Irreführung der öffentlichen Meinung Frankreicbs herbei- zuführen,— mit der Begründung, es sei dies seine Pflicht, nach- dem der französische Außenmini st er eine neu« Schwäche gezeigt habe. Es handelt sich um einen Auszug. General Guillaumat beschäftigt sich mit den Vereinen, die nach seiner Ansicht von ehemaligen Offizieren und Unter- offizieren geleitet auch im besetzten Gebiet ihre Mit- glieder militärisch ausbilden lassen wollen. Unter den Vereinen, die angeblich gefährlich sein sollen, werden aufgeführt, Reiter- vereine, Tu r n oereine und Krieger vereine. Außerdem wundert sich der Oberbefehlshaber der Rheinarmee» daß die Polizisten be- waffnet sind. Der Bericht spricht alsdann von der Entwicklung der Luftschiffahrt und von den drei Konzentrationsbasen Köln, Frankfurt und Karlsruhe, sowie von den Flughäfen in Aachen, Trier. Speyer, Germersheim, Kaiserslautern und Pirmasens, di« nach seiner Ansicht eine militärische Be- d e u t u n g haben. Eisenbahnlinien von angeblich nur lokalem Interesse würden errichtet, in Wirklichkeit aber trügen sie strate- gischen Charakter, wie die Bahn Neuß—Libba— Rheinthal. Auch die Vergrößerung von Bahnhöfen und die Ausdehnung des Telephonnetzes werden als Gefahr bezeichnet. Schließlich führt der Geheimbericht noch den Wegebau und die Herstellung und Berbveiterung einiger Rheinbrücken als Momente für di« Be- unruhigung an. Es will uns scheinen, daß ein Bericht des Oberbefehlshabers der Besatzungsarmee für die französische Regierung— besonders für die jetzige— schon seine Bedeutung haben wird. stcherungen, die Privilegien ihrer diplomatischen Vertretungen auch in Frankreich im Dienste der kommunistischen Internationale ekla- tant mißbraucht haben. Paßentziehung gegen ei« Unterhausmitglied. Der britische Außenminister hat den Paß des kommunistischen Parlamentsmitgliedes Saklatoala, der zur- Reis« noch Indien visiert war, für ungültig erklärt. die ersten wiener Juli-prozeffe. Zusammenbruch der Anklagen. Wien, 3. September.(Eigenbericht.) Am Sonnabend verhandelten zwei Schöffensenate die ersten Prozesse wegen der Ereignisse vom 15. und 16. Juli. Es waren drei Arbeiter der Erpressung angeklagt, dadurch begangen, daß sie Autos durch Drohungen angehalten und die Insassen zum Aus- steigen genötigt hätten, weitere wegen Auflaufs, begangen da- durch, daß sie sich in Streit mit der Wache einließen und die Wache beschimpft haben sollen. Unter den wegen Erpressung Angeklagten ist auch ein IZjähriger Lehrling. Er wurde zu einem Monat Arrest bedingt verurteill, die beiden anderen wegen Erpressung Angeklagten wurden zu 3 und 2 Monaten Kerker verurteilt. wobei die Untersuchungshast angerechnet wurde. Von den wegen Auflaufs Angeklagten wurden zwei freigesprochen, einer wurde zu einem Monat strengem Arrest verurteilt, durch die Untersuchungshaft verbüßt. Die Anklagen sind in diesen ersten Prozessen ziemlich zusammengebrochen. Abtragung öer Justizpalastruine geforüert. Der Wiener Magistrat als Baubehörde hat, nachdem er den Zustand des Justizpalastes hatte prüfen lassen, an die Regierung die Aufforderung gerichtet, den Justizpalast vollständig ab- zutragen, da infolge des Brandes selbst die Ziegel sehr gelitten haben, so daß ein Umbau gefährlich wäre. Die Partei wächst weiter. Wien, 3. September.(Eigenbericht.) Die bürgerliche Presse hatte behauptet, daß die sozialdemokra- tische Organisation infolge der Juliereignisse geschwächt worden sei. In Wirklichkeit Hot, wie das Sekretariat der Wiener sozialdemo- kratischen Organisation mitteilt, eine Zählung der Mitglieder er- geben, daß in der Zeit vom 15. Juli bis 31. August in Wien nicht weniger als 7500 neue Mitglieder der Parteiorganisation bei- getreten sind, obwohl stets durch den Sommer die Zahl der Mit- glieder etwas zurückzugehen pflegt. Es gibt jetzt in Wien 373 000 organisierte Sozialdemokraten, davon 120 000 Frauen. Aus der Partei ausgetreten sind im ganzen 133! Zabritfeuer in Weißensee. In einem Fabritraum der Eisenwerte Gosel war gestern abend gegen Vili Uhr Feuer entstanden, das von dem Wächter erst bemerkt wurde, als aus den Fenstern helle Flammen emporschlugen. Nach ziemlich zweistündiger Tätigkeit gelang es der Feuerwehr, den Brandherd einzukreisen. Di« Aufräumuggsarbeiten dauerten bis in die Morgenstunden hinein. Tarifkünökgung in üen ftäötischen Werken. GaS, Wasser und Elektrizität. wie uns vom Gemeinde- und Slaatsarbeiterverband mitgeieil! wird, ist der Tarifvertrag für die Angestelltelt in den Gas-, Wasser. und Elektrizitätswerken von den vertragschließenden Verbänden zum 30. September d. 3. gekündigt worden. Der Streik bei öergmana in Rofenthal. Achtet auf die Streikbrecher. Die Dreher der Bergmann-Elektrizitätswerke in Berlin-Roscn- tliat stehen seit sechs Wochen im Streik. Sie führen einen zähen Kampf gegen eine der größten Firma in der Berliner Metallindustrie, die sie einer ganz besonderen Scharfmacherei zeihen, was denn auch das Verhalten dieser Firma, den Streik nicht auf dem Wege der Ver- ständigung mit ihren Arbeitern beizulegen, sondern ihn�mit Hilfe armer Teufel zu durchbrechen, zu bestätigen scheint. Die Streikenden — und wir mit ihnen— sind fest davon überzeugt, daß d e r S t r e i k läng st beendet sein würde, wenn die Firma Bergmann sich auch nur" mit einem Teil der Anstrengungen darum be- mühte, die sie an die Heranziehung von Streik- b r e ck> c r n verwendet. Freilich, hinter ihr steht der Verband Berliner Metallindustrieller, der selbst dann, wenn etwa die Leitung der Firnia zu einer den Forderungen der Dreher entsprechenden Lohnzulage geneigt wäre, sein Veto dagegen einlegte, während er den Bestrebungen, die Forderungen der Dreher mit .Nilfe von Streikbrechern zurückzuweisen, sicherlich seine volle Sympathie leiht. Die Streikenden sind im Interesse ihrer Sache natür- lich gezwungen, die Streikbrechertoktik der Firma zu durchkreuzen und müssen immer wieder versuchen, an die zu Strcikbrecherdiensten geworbenen Arbeiter heranzukommen, um ste durch Hinweis auf das nwrolisch Verwerfliche und wirtschaftlich «elbstmörderijche ihres Verhaltens nach rechtzeitig zu veranlassen, es zu unterlassen. Erfreulicherweise ist dies den Streikenden in den meisten Fällen auch gelungen, in denen sie an die Leute herankamen. Darauf kommt es an. Die Treiber der Firma suchen dies unter Aufbietung aller Schikanen zu verhindern. Um so wachsamer muß die Arbeiterschaft sein, um jeden Streikbrechertransport zu beobachten, auch wenn er nach allerlei Kreuz- und Querfahrten durch Berlin unbehindert an dos Werk lierangebracht werden soll. Es wird nicht viel helfen, nur dos graue Auto mit der Nummer I A 12 900 oder das andere ebenfalls graue I A 46 864 im Aug« zu behalten. Diese Transportmittel können ja jeden Tag gewechselt werden. Um so notwendiger ist es jedenfalls, der Streikleitung telephonisch von jedem Streitbrechertransport, sei es im Westen oder Süden, Michaelkirchplatz oder Schlesischer Bahnhof, Mitteilung zu machen unter Reinickendorf 9 (in der„Wartburg")._ Aussprache über öle Sesolöungsreform. Zur Aussprache über die Besoldungsreform ist vom Reichs- finanzministerium der Allgemeine Deutsche Beamtenbund für Mit t° woch, den 7. September, eingeladen worden. Noch immer tappt die Oeffentlichkeit in der Besoldungsreform völlig im Dunkeln. Den nach Marienbad zum Reichsfinanzminister gebetenen Abgeordneten ist strengstes Stillschweigen auferlegt worden. Nicht einmal die Löndervertreter sind auf der Dresdener Konferenz in den Besitz der Vorlage gelangt, und auch die Be- sprechung selbst wurde trotz des Protestes einiger Vertreter als streng vertraulich erklärt. Nur der Vorsitzende der Konferenz war im Besitz des Entwurfes. In Dresden ist über das Besoldungs- systcm keine Einigkeit erzielt worden: doch soll, wie verlautet, das <5 r u p p e n s y st e m iin wesentlichen beibehalten werden. Wie man hört, hat man sich in Dresden über den Einbau der Frauen- zulage geeinigt: über die Behandlung der ledigen Beamten konnte man sich nicht verständigen. Wie zuverlässig verlautet, haben auf der Konferenz die süd- deutschen Länder, wie Thüringen,«in« namhafte Ausbesserung der unteren Besoldungsgruppen verlangt. Sie sor- derten die Wiederherstellung des Borkriegszustandes, was der Vertreter des Reichsf-nanzministeriums als völlig untrag- bar ablehnte. Er erklärte, daß dann Hunderttausende von Beamten der unteren Gruppen der Reichsbahn und Reichspost besser gestellt werden mühten. Das aber wäre von beiden Körperschaften rundweg abgelehnt worden. Also Reichsbahn und Reichspost, auf deutsch: der K a p i t a- lismus diktiert die neue Besoldungsordnung. Verhandlungen in der Solinger Metallindustrie. Wie MTB. meldet, hat in dem Lohnstreit in der Solinger Metallindustrie der staatliche Schlichter für das Bergische Land die Parteien für Montag zu Einigungsvcrhandlungen geladen. Internationale Information. (JGB.) Dem vom S. bis 10. September tagenden Britischen Gewerkschaftskongreß wird ein« Resolution vorliegen, in der der Generalrat beaustragt wird, eingehende Informationen über folgende Fragen zu beschossen: Entwicklung der inrernationalen Trusts und Kartells, Finanzpolitik solcher Körperschaften, Löhne, die sie in den verschiedenen Ländern in ihren Betrieben zahlen und Lebensstan- dard ihrer Arbeiter, Produktionseinschränkungen, Preispolitik usw. »Der 3nternaklonale Gewerkschastsk.ongreß la Paris rst das Thema und der Genosse Peter Graßmann der Referent in der Plenaroerfammlung der Delegierten der Berliner Gewerk- schaften, die der Ortsausschuß zu Donnerstag der übernächsten Woche, am 13. September, 19% Ilhr(IVs Uhr abends) nach dem Gewerkt schaftshaus(Saal 1) einberufen hat. Die Delegierten müssen sich durch Einladung und Delegiertenkarte ausweisen. konditoreibetriebe. Vom Deutschen Nahrungs- und Genuß- Mittelarbeiterverband wird uns mitgeteilt, daß die Differenzen mit: der Konditorei Otto, Berlin NO., Landsberger Allee 138, Ecke Elbinger Straße, beigelegt sind und die Sperre somit auf- gehoben ist.— Nach wie vor bleiben gesperrt: Konditorei G e p p l e r, Oranienstraße 13(am Heinrichsplatz). Konditorei und Cafe Kolberg. Prinzenallee 23'26. sowie Brunnenstraße 52. Versandkonditorei K a o b e u. Co., Berlin N., Müllerstraße 40a. 3n den Zigarettenfabriken von Tosetti und ZNanali haben die Tabakarbeiter am Freitag die Arbeit niedergelegt, jedoch ohne die Zustimmung der Organisation. Gefordert wurde eine Wirtschaftsbcihilfe von 40 Mark für die Ar- beiter und von 25 Mark für die Frauen. Wie uns mitgeteilt wird, sind etwa 1200 Arbeiter und Arbeiterinnen an der Bewegung be- teiligt. Zteichsbmili der Beamten und Angestellten, Mitgliedschaft im Verbände der Eciticir.dc-«nd Staatsarbeitcr. Montag, IS Uhr, in Bockerz Feftsäleir (großer gaal), Webrrstr. 17, Dollverso.mmlung aller in den Ea-., Wasser, uns Elektrizitätswerken beschäftigte» Angestellten unserer Organisation. Freie Scwerkschastsjugcad Eroß-Berlin. Morgen, Montag, solgende Ver- anstaltungen: Treptow: Spielen im Treptower Park, Wiese 8.— am äugend- heim des TMP., Linienstr. 88— 8ö, Mitgliederversammlung. Vortrag Uber „Die Freie Gcwerkschaftsjugend i» Diisseldors."— Humboldt und Rordring: Spielen auf dem Platz an der Einsamen Pappel. Iugendgrnppe de» gdA. Morgen. Montag, 1!>'z Uhr, finden folgende Per. anstaltungen statt: Siidost-Treptow: Jugendheim Neichenberger Str. t>6. Heimbesprcchung.— Norden: Jugendheim Schule Greifswaldcr Str. 25. Heim» desprcchung.— Tempclbof: Jugendheim Schule Eermaniastr. 4�—6. Heim» besprechung.— Ad 19 Uhr Spielen auf dem Spielplatz im Friedrichehain, Eingang Virchowstraße. Ziasenspicle, Bolkstänzc, Ballspiele. Fusämmenkunst der Mitglieder der Gescllcnauoschüsse der Fnnnngcn und der Handwerkskammer. Morgen, Montag, pünktlich 1914 Uhr, findet iin Saal 1 des Eewerkschaftshauses, Engeluser 24—25, die nächste Zusammenkunft statt. Uebrr„Die Seclenvcrfassung der Zugendlichen" referiert Genosse Dr. Ernst Haasc. Außerdem wird über das Znnunaswesen und llbrr Lehr- lingsfragcn beraten. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller beteiligten Kollegen. Verbandsmitgliedsduch und die von der Organisation besonders zugestellte Einladung legitimieren. Zentraloerbaud der Schuhmacher. Morgen, Montag, 17 Uhr, Frauenrer» sammlung, Andreasstr. 21(Andreas-Festsälc). Berantwortlich für Politik: Richard Berustciu: Wirtschaft: G. Alingelhöser; Dcwerkschaflsbewegung: I. Stein«; Feuilleton: 5t. A. Dölcher; Lokales und Sonstiges: Fritz Zlarstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Beilag: VorwSrts.Verlag(5. m. b H., Berlin. Druck: Borwärts.Buchdruckcrct und Verlagsanstale Panl Singer u Co. Berlin EW 88. Lindenttraße 3. Hierzu 4 Beilagen,.Unterhaltung und Wissen"..Au, der Film-Welt" und„Blick in die Büchcrwelt". Kleid Velontine- K1 e i d 48.- starke: 39 o a 8 u 1 haltbares Axminster- Gewebe 135x 200 170x 240 200x 300 29.50 43.50 66.- ?50 Qß_ 229 10«_ 350 t/O. 400 X O sfi. Marke: Ifordea vorzügl. Wollplflschteppich mit Franse 120 x 225 1 50 x 250 200 x 300 33.- 46.- 73.- Marke: Kabiatan vorzOgllche Plfltch- Qualität 135* 200 170x 340 200x 300 39.50 59.- 89.- 11129.-®178.- Marke: Sinne mit Franse, vorxgl. 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Septemder 1927 Uns Bertinenf ist vielleicht d!« Frag« der Bedeutung unserer Reichsfarben Schwarzrotgold für die Durchsetzung des neuen republikanischen, demokratischen Staates nie so sehr offenbar geworden wie m den letzten Wochen, in denen die feudalen, von Reaktionären aller Länder aufgesuchten und ousgehaltenen Luxushot e l s der Reichshauptstadt sich zu einer offenen Fronde oerstiegen und den traurigen Mut fanden, eine klare Sabotage der Farben des Deutschen Reiches auch auf Kosten unseres Anschens in der Welt zu verbünden. Um den sogenannten„Flaggenstreit" recht zu verstehen, muß man sich darüber klar fein— und man hat diese Der- pflichtung vielleicht in besonderem Maße gerade als internationaler Sozialdemokrat—, daß es sich bei der Fahne eines Volkes und Staates nicht um zusammengenähte bunte Zeuglappen. sondern um ein Symbol der Volks- und Staatsgesinnung handelt. Wenn heute die Reaktion den„Flaggenwechsel", den man zu Unrecht als solchen bezeichnet, als nationale Wllrdelosigkeit an- zuprangern versucht, verkennt sie vielleicht gegen besseres Wissen und aus böswilliger Absicht heraus die grundsätzliche Wandlung, die sich in der Zeit vom Oktober/November 1918 bis zum 11. August 1919 vollzogen hotte. Aus dem konstitutionell verbrämten, im Grunde aber absolutistisch-monarchischen Preußen-Deutschland war die deutsch« Republik geworden, die sich aufbaute auf dem Gedanken der Volksherrschaft, auf dem Gedanken der Demo- krati«. Sie hatte. mit dem alten Staat nichts gemeinsam als«ine Vergangenheit, die keines- wegs in allem ruhmvoll war. Mit vollem Recht griff deshalb das„erneuerte Deutsche Reich" zu den alten Farben der Freiheit und Einheit, zum Zeichen von Schwarzrotgold! Ein ölick in öle Umwelt. Bevor wir aber auf die historische Bedeutung unserer National- slogge eingeben,'cheint es notwendig, f'ch nniz ilchauen in der'Welt und zu erfunden, wie sich andere Völker unter ähnlichen Umständen verhielten. Gerade der deutsche Sozialdemokrat wird im Gegensatz zu unseren deutschnationalen Patentpatrioten in allen Fragen von wahrhaft nationaler Bedeutung zuerst Herüberblicken zu unseren Stammesbrüdern in Deutschösterreich. Es muß schon ein eingefleischter Feldmarschalleutnant z. D. oder ein verflossener sehr hoher Funktionär der k. u. k. Administration sein, der heut« noch im versteckten Winkel des Kleiderschrankes das schwarzgelbe Zeichen des schmählich davongejagten Hauses Habsburq oerbirgt. Die National- flagge der deutschösterreichischen Republik ist r o t w e i ß r o t, darüber hinaus ober stehen unsere Freunde In Wien, Graz und Salzburg fest zur Fahne Schrvorzrotgold, zum Symbol der einigen großdeutschen Republiki Aber nicht nur unsere Nachbarn in der österreichischen Bruder- rcvublik geben uns ein Zeugnis dafür, daß ein Systemwechsel auch mit einem Flaggemvecbfel oft fast naturnotwendig verbunden ist. Als das portugiesische Volk im Herbst 1910 den letzten König aus dem Haufe Braganza, Manuel, in einer Revolution von zwei Tagen aus dem Lande gejagt hatte, ersetzte es die blauweiße, mit monarchistischen Abzeichen verzierte Flagge durch eine grünrote Nationalsahne, die ein republikanisches Emblem zeigt. Als in China nach ungeheuerlicher Mißwirtschast die Mandschudynastie gestürzt und die Republik eingeführt war, verschwand die gelbe Dracheufiagge gegenüber dem rotgeibblauweihschwarzen Zeichen des erneuerten Chinas. Und der Kuomnitang von Kanton Icharfte sich sein eigenes dreifarbiges Banner. Allgemein ist bekannt, daß die russische Zarenflagge des blauen Andreaskreuzes dem roten RSFSR.- Symbol weichen mußte Und die südafrikanische Union be» müht sich, seit aus der englischen Kolonie ein Dominion ward, an die Stelle des Union-Äack den alten Bierständer zu setzen. Die Geschichte öe? Trikolore. Noch deutlicher aber zeigt uns die Wichtigkeit des nationalen Symbols ein Blick auf das benachbarte Frankreich. Es war in den Sturmtagen der großen Revolution, als die Vertreter des sou- verän gewordenen französischen Volkes dem Lilienbanner der Dynastie vourbon absagten und statt dessen das blaurote Banner der Stadt Paris unter Hinzufügnng der weihen Farbe zur Nationalflagge der Republik erhoben. Diese blauweißrote Trikolore erhielt sich allen Wechseisällen der Geschichte zum Trotz. Sie wehte den franzä- Irschen Armeen in den ersten monarchistischen Koalitionskriege» gegen die Republik voran, sie begleitete die Trouppiers, deren Ausmie an die Bevölkerungen Belgiens, Deutschlands, Italiens und der Schweiz die Botschaft verkündeten: Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Der Thermidor kam, und es kam der Brumoire: das Reoierungs- system wechselte, aber— die Flagge blieb Selbst als Napo- leon sich zum Kaiser der Franzosen krönte, wagte der große und damals über alles Maß hinaus populäre Mann es nicht, die Triko- lore der Revolution durch das Bienenbanner seines Hauses zu er- setzen— wiewohl er nicht überlegen genug war, bei seiner Thron- erhebung auf ein unendliches, in vergilbten Akten hervoraesuchtes Zeremoniell aus der Capetingerzeit verzichten zu können. Der Um- stand, daß die blauweißrote Trikolore das Hoheitszeichen eines Lud- wig X V., eines Ludwig XVI. und einer Mari« Antoinette, die dem Volke Kuchen statt Brot empfohlen hatte, ahlöste und deshalb ein sichtbares Zeichen der Befreiung war, hatte etwas für das Volk schlechtweg. Faszinierendes und zwang sogar den Sieger von Marengo und Wahlkaiser der Franzosen, wider seinen Willen, dieser unwiderstehlichen Volksstimmung nachzugeben. So wehte denn die Trikolore der Republik von 1792 bei Austerlitz und Jena, bei Wagram und Borodino! Im Februar 1811, nach Beendigung des sogenannten..Be- freiuirgskrieges", verkündeten die Monarchen der späteren Heiligen Allianz, Alexander, Franz und Friedrich Wilhelm, deren höchstes Ziel die Unterdrückung jeder Befreiung war, in Paris, daß„der Usurpator Napoleon Bonaparte gestürzt sei". Die Dynastie B o u r- bon hielt mit Ludwig XVIII. ihren Einzug, und auch nach den hundert Tagen von 1815 kehrte sie trotz schimpflicher Flucht, gestützt und gehalten von Talleyrand, Metternich und Alexander, nach Paris zurück. Ein reaktionärer Kurs setzte ein. Der lächerliche „Lilien-Orden" für Verdienste um das Haus Bourbon wurde gcv ftistet, und das Lilienbanner wurde wieder eingeführt. Doch schon 1830 jagte das empörte französische Volk-Karl X., der reaktionär bis aus die Knochen war, in der Julircvolution 1830 außer Landes. Die Trikolore wurde unter Ludwig Philipp, dem Bürgerkönig, erneut Nationalsahne, sie blieb es unter Napoleon dem Kleineren, und sie ist noch heute— das Wahrzeichen der Nation. Nur Komb- dianten wie Herr Daudet bekennen sich zum Lilienbanner der Bour- bonen. Sonst weiß man in Frankreich nichts mehr davon... Unsere Neichsfarben Schwarzrotgolö. Wann werden wir in Deutschland so weit sein, daß, von wenigen törichten Rückwärtsern abgesehen, Schwarzrotgold, das alte Zeichen der Nation, zu allgemeiner Anerkennung gekommen ist? Gewiß unterliegt keinem Zweifel, daß schon heute, einer fast sünfzigjährioen Irreführung zum Trotz, sich das deutsche Volk in seiner Mehrheit zum alten Zeichen Deutschlands bekennt. Die Republik hol keinen Flagoenwechsel vollzogen, wir hoben keine neue Fahne, die ursprünaliche Fohiie ist wieder aufgenommen worden! Schon unter Kaiser Otto II., im zehnten Jahrhundert, zeigte das Reichswappen einen schwarzen Adler auf goldenem Feld, der rote Klauen und eine roie Zunge halte. Die schwarz- goldene Fahne wurde an einer roten Stange beiestigt. Rot war auch der lange Wimpel, der dem schwarzrotgoldenen Banner seit 1336 vor- arrzetragen wurde. Die andern Fahnen, die in Deutschland in den Territorialherrschaften der Hohen.zollern, der Zähringcr, der Wer- tiner, der Wittelsbacher auskamen, waren d y n a st i s ch e F a y n c n. die mit dem Reich�gedanken nichts zu tun hatten. Je mehr die Idee des einigen deutschen Reiches an Bedeutung verlor, um ja mehr entwickelte sich der verderbliche Partlkularlsmus der Dyna- stien. Als dann am 6. August 1806 Franz II. aus dem Hause Habsburg seiner Würde als Deutscher Kaiser entsagte, zugleich aber deutsche Fürsten durch Napoleon von Rcichsfürsten zu Königen er- hoben oder— wie man es ausfassen will— degradiert worden waren, schien� jede Hoffnung für die Wiederbelebung des Reichs- gedankens für die Auferstehung der Farben Schwarzrotgold er- loschen. Aber das Gegenteil war der Fall! Alle deutschen Patrioten, die auf dem Grunde der Volksherrschast auch gegen die Dynastien ein einiges und freies Deutschland schassen wallten, bekannten sich zu Schwarzrotaold. Die schwarzrotgoldenen Farben wurden das Wahrzeichen sortschiittlichen Geistes und eines echten Idealismus. Schon während der Kriege von 1813 bis 1815 wurden die alten Farben getragen. Es ist historisch bestätigt, daß der Die Silbersc�roärme 48] Von CReje Bea�) lNachdruck-«rb-tm Rstvrlflert« an» btm Enslische» von Äopp«! Obgleich der Lärm der Orientalen nichts zu wünschen übrig ließ, war er doch nichts im Vergleich zu dem Höllen- lärm, als die Fischer sich jetzt zu versammeln begannen. Sie waren allesamt betrunken, kriegerisch, und brüllten aus vollem Halse. Natürlich war die„Bedford Castle" im letzten Augenblick ein Opfer der unvermeidlichen Verspätung. Und je mehr die Zeit oerstrich, um so schwerer war es, die Fischer an Bord zurückzuhalten, denn draußen auf der Straße sammelte sich eine Schar, die von der Absicht besessen schien, die Streitig- leiten noch im letzten Augenblick auszutragen. Schließlich wurde die Lage so kritisch, daß Boyd zu Kapitän Peasley sagte:„Lichten Sie die Anker, Kapitän und halten Sie den Dämpfer zum sofortigen Abgang bereit." Darauf ging er an Land und begab sich in das Kontor des Docks, denn er hat!« noch eine nrchtiae Sache zu erledigen. Konnte er doch nicht abfahren, ohne Mildred eine letzte triumphierende Nach- richt zu senden. Er schrieb hastig und fast unleserlich, den Lärm um sich her vergessend, von Zärtlichkeit zu ihr und yon der Begeisterung, die ihn erfüllte, beseelt. „Vor dem Gebäude," so schloß er,„drängt sich eine wütende Menge, die mich vernichten möchte. Aber wir haben sie überwunden, wir haben gesiegt!" Er war gerade im Begriff, den Brief zu versiegeln, als plötzlich Fräser neben ihm stand, mit einem ganz verzerrten Gesicht.. „Es ist Polizei an Bord gekommen," stieß er atemlos hervor,„man will dich oerhasten." „Himmel!" �, Marsh hatte seinen Schlag also bis zuletzt aufgespart. Boyd wußte, daß er vor Gericht einen schweren Stand haben würde, wenn er sich gegen all die Zeugen, die sein Gegner sicher ausbieten würde, verteidigen sollte, und die Abreise würde sich leicht um Wochen verzögern. Einen Augenblick überlegte er, ob er�Balt allein mit dem Dampfer vorausschicken sollte, aber er sah gleich ein. daß es Torheit sein würde: ander- seits konnte die„Bedford Castle" und das wütende Heer der Fischer nicht am Kai liegen bleiben, während er sich durch die Phasen eines langsamen Rechtsverfahrens hindurchtämpfen mußte. Er sich ein, daß er die Schlauheit seines Feindes unterschätzt hatte, und daß Marsh seinen Dorteil bis aufs äußerste ausnützen würde. „Zwei zivilgekleidete Beamte sind an Bord gekommen, ich sah sie, als sie mit Kapitän Peasley sprachen. Du mußt fliehen," flüsterte Fräser. „Ich kann nicht durch den Haufen draußen kommen! Man kennt mich!" Don der Straße ertönte im selben Augenblick ein schal- lendes Gelächter als Antwort auf die Herausforderungen, die die Fischer, die hoch oben in der Takelung saßen, auf die Menge herabriefen.„Ich kann unmöglich entkommen. Wenn die Beamten mich aber verhaften, haben wir unsere Sache verloren." Boyd ballte die Fäuste.„Man hat mich über- rumpelt," sagte er bitter,„ich sehe keinen Ausweg." Sein Blick fiel auf den Brief in seiner Hand, der den prahlenden Bericht von ihrem Sieg enthielt. Welche Ironie! „Die Beamten schienen dich'nicht zu kennen," wandte Fräser ein,„jedenfalls hörte ich, wie sie den Kapitän auf- forderten, ihnen einen Mann namens Emerson zu bezeichnen. Wenn sie von Bord gehen, kannst du vielleicht an ihnen vorbei- schlüpfen." „Aber wie?" Boyd ging eifrig auf den Dorschlag ein. „Das Dock ist fast menschenleer, und ich bin gezwungen, quer über den Platz gerade an ihrer Nase vorbeizugehen." Durch die hintere Tür des Kontors sahen sie den großen Ladeplatz, der fast leer war, nur einige Tonnen Stückgut standen noch herum, mit denen ein Paar von Georges Leuten beschäftigt waren: der Platz bot nicht die geringste Möglichkeit eines Bersteckes, ebensowenig wie das kleine Kontor mit den Glastüren, an dessen entferntestem Ende ein Kontorist über seine Arbeit gebeugt saß. Nach der anderen Seite führte eine Tür zum Kai hinaus, wo der Dampfer lag. und von dort konnten sie jeden Augenblick die Polizeibeamten erwarten. Als Emerson sich noch mit einem letzten verzweifelten Blick umsah, flüsterte Fräser:„Da kommen sie!" Und sie sahen zwei Männer auf das Kontor zugehen. „Gib mir deinen Rock und Hut! Schnell!" flüsterte Fräser, dessen Augen in einem plötzlichen Einsall aufleuchteten, und in fieberhafter Eile entledigte er sich selbst seines Rockes. „Wir tauschen, du ziehst meinen Rock an. Wenn die beiden Beamten mich verhaften, benutzt du die Gelegenheit, um schnell an Bord zu entweichen Verstehst du?" „Jeder kennt mich!" Boyd warf einen bedenklichen Blick auf den gebeugten Rücken des Kontoristen. Fräser aber zwang ihm seinen Rock und Hut auf und sagte:„Es bleibt uns kein anderer Ausweg. Stell dich dort hin!" Er zeigte auf einen Platz hinter der Tür.„Ich werde durch die andere Tür hin- ausgehen, damit die Beamten mich sehen._ Wenn sie mich verhaften, dann lauf, verliere keine Minute!" „Was aber wird aus dir?" Schon konnte man die Schritte der Polizeibeamten hören. „Ich werdch mich schon durchbeißen, es ist nicht das erstemal." Sie hatfen nicht mehr Zeit, sich die Hand zu drücken. Fräser ging schnell zur Tür und trat dann ruhig auf den Platz hinaus, so daß die beiden Polizeibeamtqn ihn sehen konnten. Im nächsten Augenblick traten sie an ihn heran. „Sind Sie Herr Boyd Emerson?" Der Abenteurer antwortete barsch:„Der bin ich. Aber ich habe jetzt keine Zeit für Sie." „Im Namen des Gesetzes verhaften wir Sie, Herr Emerson!" Inzwischen hatte Boyd lautlos die andere Tür geöffnet und trat in dem Augenblick auf den Kai hinaus, als der Kontorist von seiner Arbeit aufblickte, durch den Wortwechsel vor seinem Fenster aufmerksam gemacht, denn Fräser hatte seine Stimme erhoben, als er antwortete:„Mich verbasten. was soll das heißen? Machen Sie augenblicklich Platz!" „Wenn Sie nicht gutwillig mitgehen, müssen wir Gewalt anwenden!" Boyd hörte noch einen lauten Ausruf: Mreift ihn! Haltet ihn!" Darauf den Lärm von Kämpfenden. Während er über den Kai zur Schiffbrücke lief, hörte er das Geschrei der Streikenden, mit dem sie Fräsers Zusammenstoß mit der Polizei begleiteten. Als er sich umdrehte, sah er, daß Fräser seinen Verfolgern entschlüpft war und jetzt in die Richtung der Straße weglief. Diese Wendung war günstig für Emer- son, weil die Aufmerksamkeit von ihm abaelenkt wurde, und der Hause draußen Gelegenheit bekam, sich auszutoben. Im nächsten Augenblick war es der Polizei nicht mehr möglich, den Eingang zum Dock zu hervachen, sie mußte das Leben ihres Gefangenen schützen. Boyd war kaum an Bord gelangt, als er sah. wie das Tor gesprengt wurde, und die Menge sich wie ein« Lawine über den Platz ergoß. „Laßt alles stehen und liegen und kommt an Bord!" schrie Boyd den Fischern, die noch auf dem Platz arbeiteten, zu, und zu Kapitän Peasley, der auf der Kommandobrücke stand, rief er hinauf:„Lassen Sie sofort die Maschine in Gang setzen!" (Fortsetzung folgt.) spätere Turnvater Jahn 1813 mit einer schwarzraten Fahne. "Sie mit goldenen Fransen eingefaßt war, durch die mit Napoleon ver- bündeten Rheinbundstaaten zog. um die Bevölkerung aufzuwiegein. Auch die Uniformen der Lützowschen Jäger zeigten die Far- den Schwarzrotgold: smwarz das Tuch, rot die Aufschläge, golden die Knöpfe. Nachdem dann der Wiener Kongreß alle chossnungen enttäuscht hatte, ward Schwarzrotgold nur noch populärer. Als dann 1818 der Sturm der Revolution- einherbraufte, da war Schwarzrotgold das große Symbol vaterländischer Be- sreiung, vaterländischer Einigung!. Was war EchwarZweißrot! Aber die Bewegung von 1818 wurde von den Landsknechten Windifchgrätzs, Wrangels und Wilhelms von Preußen nieder- kartätscht! Jahre vergingen, bis der kleindeutfche Staatsmann, der preußische Junker von Bismarck, in Versailles ein einiges Reich proklamierte, das freilich ein T e i l r e i ch war. Erhob er die alten schwarzrotgoldenen Farben zum Symbol seiner Gründung? Pein, er scheute sich. Wie der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV, hatte er ein Grauen vor dem„Ludergeruch der Revolution", künstlich konstrnierle er aus den Fahnen Preußens und der alten Hansa das historisch gänzlich traditions. und berechtigungelose Schwarzweiß. rot. Das von ihm gegründete Reich brach nach fünfzig Jahren zu- sammsn.„Wenn", so fragt Eduard David in seiner verdienstvollen Schrift:»Um die Fahne der Republik" mit Recht,„jeder Flaggen- ivechsel eine nationale Ehrlosigkeit sein soll, was war dann die Preisgabe der � alten Reichsfarben Schwarzrotgold und ihre Er- segung durch tcchwarzweißrot bei Erneuerung des Reichs durch Bismarck?" Rot ist die Farbe der internationalen sozialistischen Arbeiter- l-ewegung. Sie ist der Ausdruck einer Gemeinsamkeit, die alle Völker umfassen soll. Die Nationalfarben sollen die Bölker nicht voneinander trennen, aber voneinander unterscheiden. In diesem Sinne erkennen wir Sozialdemokraten in Schwarzrotgold die Farben, in denen sich die freiheitlichen Usber liefe- rungen unseres Volles verkörpern. Darum kämpfen wir für Schwarzrotgold. der»NiUisnenerbe*. Er wollte sich durchs Leben schwindeln. Ein Parasitenleden hat der Kaufmann Edgar Friedrichs jahrelang geführt, der sich wieder einmal vor dem Großen Schöffen- gcricht Berlin-Mitte verantworten mußte. Sein neues Sünden- regifter war recht erheblich, denn es wurde ihm Urkunden- f ä l f ch n n g in drei Fällen, Betrug im Rückfalle in nicht weniger als 14 Fällen und Erpressung vorgeworfen. Er stammt au- eurer wohlhabenden Hamburger Familie, wurde i» England und dann in Deutschland in einem Kadettenkorps er- zagen', dann machte er, als er wegen eines Unfalles dqraus ent- lassen wurde, da- Abiturium und studierte in München Kunst- geschichte und Philosophie. Als dos mütterliche Vermögen in der Inflation zerrann und das harte Muß an den Angeklagten heran- kam, betrat er mangels jeder Luft zu ernster Arbeit den leichten Weg des Laster-, Mit einem jugoslawischen Großgrundbesitzer bcgabj-r sich auf lange Reisen, bis dieser seiner überdrüssig wurde und Friedricks nun zu einem Zechpreller herabsank. Don einem Hotel in dos andere, von einer Pension in die andere ging es jahrelang, ohne daß er einen Pfennig bezahlt«, hierfür suchte rr sich aus seinen Reisen nur die ersten Häuser aus, in denen er dann nicht mir die Zeche schuldig blieb, soudern qnch Kellner und Bortiers anborgte. Auch andere schonte er nicht. So nahm er ber- Mutler eines Freunde- die letzten löst M ob, um seine' angeblich„sterbenskranke. Mutter in London" �zu besuchen. Besticht wurden aber in Wirklichkeit nur Münchener Bergnügungslokole. Alz ihm in Breslau der Beden zu heiß geworden war, und sein« Anwesenheit in Berlin wegen eines Diebstahls dringend wurde, flog er sogar aus Kosten eines Hotels nach Berlin. Was er zurückließ, waren Koffer mit wrrtlosem Inhalt, hier in Berlin suchte und fand irnedrichs wieder gleich Anschluß an homosexuelle Kreise. Nebenbei scknupste und handelte, er noch ein bißchen mit Kokain, spielte Kla- v er in einer Nachtkaschemm« und machte dunkle Kommissions- geschäste. Auch spielten gefälschte Wechsel bei ihm ein: groß« Rolle. u-abei ging. er besonders gemein vor, weil er die Wechsel ggf die Namen von Freunden fälschte. Einen, seiner Freund«, der ein Dar- lel)«» van 1800 M. zurückhabe» wallte, schrieb er einen erpressen- schon Brief, um die Miitel zur Flucht nach Paris zu bekommen. Vorher suchte er noch mittels eines gefälschten Kuxes einen großen Schwindel auszuführen. Dieser Kux, der eincn damaligen Wert von etwa 23 000 M. und�heme einen solchen von etwa 70 000 M, be- sitzt, war auf irgendeine Weise in die Hände eines seiner Freunde gelangt und von diesem ihm zur Verwertung übergeben worden, izriedrichs vcrsnschte das Papier raffiniert in her Weise, daß er mittels..Tintentodes" den aus einen Major ausceschriebene,, Besitz- tstel verschwinden ließ und seinen Namen an dessen Stelle setzte. Damit sollte dann da- Geschält vor sich gehen, als besten Opfer ein« bekannte Weiniirma in Rüdesheim ausersehen worden war liier wurden 4000 Flaschen Sekt und S00 Flaschen Kognak zum Vreis? von 19 500 M. gegen Wechsel und Zession des Kuxes gekauft. Dem Notar, bei dem die Zession vor sich ging, blieb der Angeklagte nicht nur die Kosten schuldig, sondern er borgte ihiz auch„och mit 500 M. und dann mit 25 M. an, nachdem er sich als„M i l- l i o n e n e r b e", der nur durch den Zerfall mit seiner Familie oerade nicht das nötige Bargeld zum Besuch seiner schwertranken Mutter hätte, vorgestellt hatte. Aus dem Geschäft wurde aber nichts, weil auf dem Wechsel irrtümlicherweise eine leere Baustelle in Hamburg angegeben worden war und hierdurch der Schwindel früh- zeitig ans Licht kam. Bej den anderen Geschästei, wurde immer auf die Erbschaft gepocht, die nicht weniger als 50 000 englische Pfund betragen syllte. Zum Beweise brachte dann der Angeklagte immer ein natürlich gefälschtes Schreiben eine- englischen Nachlaß- vilegers, der längst verstorben war, an sick selbst zum Vorschein.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten unter Berück- sichtigung aller Umstände insgesamt 3 Jahr« Gefängnis und 5 Jahre Ehroerlust. Das Urteil lautete auf 2 Jqhre Gefängnis und 4 Jahre Ehroerlnst, wobei di« Jugend des Aiigetlagten be- rücksichtigt wurde. Der Einspruch gegen öie(dktobermiete. Der Berliner Magistrat sagt: aussichtslos! Gegen die bevor st eh ende Mieterhöhung hat, wie wir meldeten, die Breslauer Stadtperordnetenversammlung sich in einem Beschluß gewendet, der auch den Magistrat Breslaus zum Einspruch auffordert. Die Stadtverordnetenversamm- lung Berlins hatte das schon in ihrer Sitzung von 12. W a i d. I. getan. Durch ihren damaligen Beschluß forderte sie den Magistrat auf, bei der preußischen Staatsregierung dahin zu wirken, daß diese bei der Reichsregierung gegen die Mieterhöhungen Ein- spruch erhebt. Jetzt teilt der M a g i st r a t den Stadtverordneten zur Kenntnisnahme mit. daß angesichts der b e st e h e n d e n Rechtslage«in Vorgehen im Sinne des Beschlusses aus- s i ch t» l o s sei. Danach ist nicht zu erwarten, daß der Magistrat dem Ersuche» der Stadtverordnetenversammlung entsprechen wird. SoziMWe MeilMend Ach-Serll« Sonntag, den 4. September 1327: Jugendtag der S AI. Morgenfeier vorm. 11 Uhr im Mercedespalast, Utrechter Straße. Mitwirkende: Chor der Jungen: Singkreis der SAI-, Sprechchor für proletarische Feierstiinden, Leitung Albert Florath-, Gertrud Eysoldt(Rezitationen): Aufführung von Szenen aus Hauptmanns „Di« Weber". Demonstrationszug zum Schillerpark. Treffpunkt 14,80 Uhr Courbiärexlatz. Eröffnungskundgebung im Schillcrpart 15,30 Uhr. Chor der Jungen mit Singchären der SLJ.? Heinrich Witte(Staats- theater) Vorspruch: Ansprachen: Bürgermeister Leid, Kreisleiter Frank, I. Borsitzender der SAI. Ludwig Diederich. Aufführungen und sportliche Wcttkämpfe 16,30 bis 18,30 Uhr. U. a. hans-wachs-Spiele: Szenen aus„Maschinen- stürmer": Szenen aus„Masse Mensch": Szenen aus„Die Weber": Chorgesang: Boltstänze: Faustball-, Handball- und Völkerball- spiele. Stafetten. Schlustkundgebung am Turm der Kameradschaft im Schillerpark 19 Uhr. Chor: Ansprachen: Reichstagsabgeordncter Arthur Cri spien über„Internationale Zusammenarbeit"; Dyniel Broido(Rußland): Ben Speelmann(Holland): Karl Kern(Tschechoslowakei); Reichstagspräsident Paul Lobe über„Die politischen Ausgaben der Jugend": Sprechchor. Anschließend Fackelzug zum Brunnenplatz. Fahrverbindung zum Schillcrpork: Straßenbahnlinien 25. 27, 28, 29, 68, 99 und 128; Untergrundbahn Bahnhof Seestr. Derlins Gäste im August. 158 299 Fremde in Berlin. Im Monat August 1927 wurden nach Mitteilung des S t a- t i st i s ch e n Amts d«r Stadt Berlin in Berliner Hotels, Gast» Höfen, Pensionen, Fremden- und Wohnheimen 158 299 Fremde polizeilich gemeldet gegenüber 140 410 im Borinonat. Für den Top ist also die Zahl der Meldungen von 4529 aus 5106 gestiegen, das bedeutet eine Steigerung des Fremdenverkehrs um täglich 577 oder 12,7 Proz. Bon den Hotelgästen überhaupt waren im Berichtsmonat 131 731 oder 83,2 Proz. Deutsche und 26 568 oder.10.8 Proz.. Ausländer. Aon den Ausländern insbe. sondere waren 19 100 in Europa, 6500 in Amerika und rund 700 in den drei- übrigen fremden Erdteilen staatsangehörig. In fast 300 Fällen war die Staatsangehörigkeit unbekannt. Die durch- schnkttliche Tageszisfer der polizeilichen Meldungen von deutschen Hotelgästen usw. ist von 3735 im Juli auf 4249 im August, d. i. um 514 oder 13 8 Proz. gestiegen, die der ausländischen Gasthossfremden zeigt«ine Erhöhung von 795 auf 857, d. i. um 62 oder Iß Proz. Von 23 europäischen Auelandsstaaten, die im Berichtsmonat mit mehr als 100 Fremde» hier vertreten waren, zeige» 6 ein« Zu- nähme der Togesdurchschnittszisfer um mehr als 20 Praz., nämlich Jugoslawien 79 Proz., Spanien 54,5, Balgien 52,1, Norwegen 26.9, Großbritannien 23 und Italien 21,1 Proz. Die bemerkenswerte Zunahme des Fremdenverkehrs dürfte teils mit dem Rückstrom der Reisenden aus Bädrtrn und Sommerfrischen zusammenhängen, teils auch mit den in diesem Monat in Berlin stattgefundenen Aussrellun- gen und Tagungen— m a.„Rekosa" und damit verbundene„Inter- nationale Tagung des Kolonialwaren- und Feinkosthandels". Auch der Besuch der Leipziger Messe hat«ine groß« Anzahl In- und Ausländer nach Berlin geführt. Im Vergleich mit dem August des voriaen Lahres ist der Fremdenverkehr überhaupt um 14,7, der der Deutschen um 12,7 und der Ausländer um 25,7 Proz. gestiegen. » Berliner �-remdenanskutistSburcau am Kaiserdamm Das Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin hat bekanntlich die Absicht, nach der Auflösung des Fremden. oerkehrsbureaus in der Friedrich-Ebert-Straß« zunächst zwei A u s k u n f t s st e l l e n an verschiedenen Punkten der Reichshaupt- stadl zu errichten. Das ein« dieser Bureaus, dos im übrige» als hauptau-kunftsstelle für die Rat wünschenden Fremden gedacht ist. wurde am Frestag zusammen mit der 4. Große» Deutschen Funkausstellung dem Berkehr übergeben. Das Bureau befindet sich im Erdgeschoß des Kppfbaues der Neuen AutoHalle am K a i s e r d a m m. Die Räume sind in hellen, lebhasten Farben ge- halten und weisen eine zweckmäßige, moderne Inneneinrichtung auf. Die Leitung des Bureaus liegt in den Händen des bisherigen Direk- tors des Internationalen Verkehrsbureaus des Leipziger Messe- amts, Bodo Ronnefeld. Das Bureau wurde bereits am Erösfnungs- tage namentlich von auswärtigen Besuchern der Funtausstellung ziemlich stark in Anspruch genommen. Wie wir hören, wird, nach- dem die Polizei ihr« Genehmigung erteilt Hot. auch der Ausbau des Verkehr-pav'llons an der Ecke Unter den L i n de n- Friedrichstroße nach den Entwürfen des Architekten Dr. Paul Mahlberg demnächst beendet werden. Man hofft, diefch Auskunstsstelle bereits im Laufe der nächsten 14 Tage ebenfalls eröffnen zu können.__ „ttödd und Schere'". Eröffnung der Ausstellung a,n Friedrichshain. Die achte Ausstellung„Nadel und Schere" wurde gestern im Saalbou Friedrichshain im Beisein von Vertretern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, sowie zahlreicher Ehrengäste durch den Obermeister der Berliner Schneiderinnung, Stadtverordneten hake eröfsnet. In seiner Begrüßungsansprache konnte Herr hake feststellen,. daß sich die Ausstellung von Jahr zu Jahr einer wachsenden Be- liebtheit erfreut und zu einer Standardeinrichtung des Berliner Wirt- schasislebens geworden ist. Wenn fast 20 Proz. aller Beschäftigten in Berlin mit Nadel und Schere umgehen, so ist zweifellos ein Bedürfnis für diese alljährlich wiederkehrenden Ausstellungen vorhanden. Nachdem noch die Vertreter der einzelnen Behörden, insbesondere der Vertreter des Magistrots der Stadt Berlin, Stadlrat Genosse Brühl, als Vorsitzender der Deputation für Handel und Gewerbe. seiner Freude darüber Ausdruck gegeben hatte, daß die Innung nicht von allen Ueberlieserungen zehrt, sondern versteht, sich den neuen Verhältnissen anzupassen und besonderen Werl legt auf die Er- tüchtigung des Nachwuchses, wurde durch einen Rundgang durch die Ausstellung festgestellt, daß eine ganze Reihe moderner Einrichtungen und technischer Errungenschaften auch im Schnejderhandwcrk Einzug gehalten haben. Rationalisierung ist auch hier zum Schlagwort ge- worden. Gewiß kann man damit einverstanden sein, wenn dadurch die Löhne der Gehilfen nicht nur nicht gedrückt, sondern gehoben werden und das Drodukl verbilligt wird Im unteren Saal ist«ine gedrängt« Schau vieler Neuigkeiten, von der Nähnadel angefangen bis zum herrlichsten Besatzstück aus- gestellt. In besonderen Ständen finden wir die zur theoretischen Fort, bildung notwendigen Lehrmittel. Was fehlt, und was hoffentlich bei der nächsten Äusstellung nachgeholt wir», ist, zu zeigen, wie ein. Kleidungsstück entsteht. Wenn auch die Ausstellung pur für Fach- leute gedacht ist, könnte es wohl nicht schaden, wenn auch dem Laien einmal gezeigt würde, wieviel Mühe und Arbeit gerade bei einem Maßstück aufgewendet werden muß. Als Gegenüberstellung und zum Unterschied könnte dann noch die Konfektion in einzelnen Genre» gegenübergestellt werden. Di« Ausstellung soll doch werben. In der angegliederten Lehrlingsarbeiten- äusstellung der Damen- und Herrenschneiderei und des Kürschnerhandwerks sind über 150 Sachen zu sehen. Die Preis- xichterkommission hat da wohl viel Mühe gehabt, aus den über 300 angebotenen Arbeiten die gengnetsten auszuwählen. Es sind eine ganze Reihe sehr hübscher Leistungen darunter. Die besten Arbeiten sind bereits durch die Stadt Berlin und durch die Handwerkskammer prämiiert worden. Alles in allem ist die lehrreiche Ausstellung, ür der an jedem Nachmittag um 4 und 7 Uhr Modevorsührungen der neuesten herbst- und Wintermodelle und Pelzsachen ohne jede Nach- Zahlung stattfinden, jedermann zu empfehlen. Die Ausstellung ist bis einschließlich Dienstag, den 6. September, von früh 10 Uhr bis abends 10 Uhr ununterbrochen geöffnet. Schüsse auf einen Radfahrer. Di« Kriminalpolizei ist zurzeit mit der Aufklärung eines ge« heimni-vollen Ueberfalls beschäftigt, der gestern nach- mittag auf den 20jährigen Ardeiter Karl S t r u w e aus der Bar« futzstroße 14 verübt wurde. St. besind sich mit seinem«ata- rad auf dem Wege nach seiner Arbeitsstelle und durchfuhr die Oranienstraßc in Reinickendorf, die zum größten Teil noch unbebaut ist. Im Chausseegraden lagerten zwei jüngere Männer, die Fahrräder»eben sich liegen hatten,«t. fuhr an den beiden vorüber, als plötzlich hinter ihm mehrere«chlisss krachten. Einer der Burschen hatte eine Pistole hervorgezogen und auf den völlig Ahnungslosen vier oder sünf SchSsss» abgefeuert, von denen einer in den linken Oberschenkel traf. Schwerverletzt stürzte der Angeschossene von seinem Rade. Jetzt schwangen sich die Täter auf ihr« Räder, suchten ihr heil in der Flucht und entkamen unerkannt. Ob es die Burscheu auf einen Raub abgesehen hatten, dabei aber durch Passanten ge- stört wurden, oder ob ein Racheakt vorliegt, bedarf noch der Klärung. St. mußte in das Reinickendorfer Krankenhaus über- geführt werden. Wer ist der wilde Fahrer? Eine ungewöhnliche Roheit bewies ein Droschkenführer, der am Freitag' früh gegen 3?* Uhr an der Turm- und Ol den» burgcr Straße in Moabit den 45 Jahre alten Kanzkeisekretar Johann Pape überfuhr und so schwer verletzte, daß er im Krankenhaus Moabit gleich noch der Aufnahme starb. Er rast« mit seiner Droschke, in der ein Mann und eine Frau saßen, in wilder Fahrt daher und über Pape, der den Fahrdamm über- schreiten wollte, hinweg. Zwei Wächter waren Zeugen des Vor- fall«». Einer vp» ihnen versuchte, den rückfichtslosen Fahrer an- zuhalten. Dieser ober machte Miene, auch den Wächter über den Haufen zu fahren, so daß er beiseite springen mußte, um sich zu rettern die Erkenniingsnummer des Autas konnte sich auch der zweite Wächter nicht merken. Zur Ermstlung des Fghrers werden� aber wohl die Insassen des Wagens wesentlich beitragen können: sie werden gebeten, sich beim 1. Kriminalbezirt des Polizeiamts Tier» garten zu melden.__ Die verhängnisvolle Straßenbahnschiene. Auf tragische Weis« kam gestern abend gegen 18.15 Uhr der 21jährige Emil Gent ha aus der Zorn dorfer Straße 37 ums Leben. G. befand sich mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg und passierte die hohen- schönhauser Straße in Lichte,. berg. Er geriet plötzlich so unglücklich mit dem Norderrad i» die Straßenbahnschiene, daß er stecken blieb. Dqz sollte ihm zum Verhängnis werden. Der Führer eines kurz hilster ihm fahrenden Privatgutos koynte nicht mehr rechtzeitig stoppen und überfuhr Gentha. Er trug eine so schwere Schädelverletziing davon, daß er auf der Stelle getötet wurde. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Sprechchor für Vroletorisch« Feierstunden. Die Mitglieder des Sprechchors für Proletarische Feierstunden treffen sich heute, Sonn- tag, den 4. September, morgens 10 Uhr, im Mercedespalast, Ulrechter Straße. Sonder" Kttsebo? Daunendecke Daunendecke Steppdecke üeberlaken allerbester Daunensatin Raak- � s i. Unan. mit f\ taila la franzosiseh. 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Die letztgenannten drei Gesellschaften treten an Stehe der Gemeinnützigen cheimstätten-Aktiengeselljchast (Gehag), die sich mit diesem Tausch einverstanden erklärt hat. Die Stadt soll mit der von den sieben Firmen zu gründenden Gesell- schaft einen Vertrag lchlietzen. wonach die Stadt die zum Bau d« Wohnungen erforderlichen Grundstücke an die Gesellschaft verkaust, diese die Wohnungen mit dem von ihr selber zu beschaffenden Bau- kapital errichtet und sie an die Stadt auf 2 6 Jahre verpachtet. Nach Zlblauf der Pochtzeit sollen die bebauten Grund st ücke kosten- und lastenfrei in das Eigentum der Stadt übergehen. Gegen Sie Grünungsftörer bei demonsirationen. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung faßt» am 31. Mörz einen Beschluß, der gegen die damals bei politischen Demonstrationen vorgekommenen Ausschreitungen den Magistrat, das Polizeipräsidium und die Staatsregierung aufrief. Der Beschluß mahnte den Magistrat, bei der Polizei und der Regierung vorstellig zu werden, daß die Machtmittel des Staates wirk- samer gegen dos Rowdytum eingesetzt würden, die in den Straßen der Stadt die Ruhe, Sicherheit und Ordnung ge, fährdet und friedliche Personen bedroht und überfallen hatten. Auf ein danach vom Magistrat an den Polizeipräsidenten gerichtetes schreiben hat, wie der Magistrat jetzt den Stadtverordneten mitteilt, der P o li z« t o räs i d c n t geantwortet: „Die von dort und der Stadtverordnetenversammlung angeregten vorbeugenden Maßnahmen gegen das sogenannte Rowdytum auf der Straße sind hier stets Gegenstand eingehendster Beobachtung und Erwägung gewesen. Ich habe die Exetutivdienststellen durch wieder- holte Anweisung auf die Notwendigkeit hingewiesen, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln sür die Ordnung und Sicherheit auf den öffentlichen Straßen und Plätzen zu sorgen. Gerade in jüngster Aell habe ich nach dieser Richtung hin wiederum Anord- nungen getroffen, von denen eine fühlbare Besserung der herrschen- den Verhältnisse zu erwarten steht bzw. deren Durchführung schon wesentliche Abhilfe gebracht hat. So werden jetzt von Zeit zu Aeit versammlungs- und Umzugsteilnehmer auf Waffen oder gefährlich« Werkzeug« durchsucht. Meine Erfahrungen geben mir Veranlassung, diese Durchsuchungen, welche insonderheit auch beim Publikum sehr beruhigend wirken, vorläufig beizubehalten. Außerordentlich günstig für die Minderung von Schlägereien und Ueberfällen haben sich auch Krastwagenstreifen in der Nachtzeit erwiesen. Zweckmäßige Begleitung der Umzüge sowie wiederholte Abriege- lung der Mitläufer werden ebenfalls wesentlich dazu beitragen, den Mißstand gänzlich zu beseitigen. Ich bitte, davon überzeugt zu sein, daß ich meinerseits alle erfor- derlichen und nur denkbaren Maßnahmen getroffen habe und auch weiterhin treffen werde, um den zutage getretenen Mißständen zu steuern. Es erscheint aber durchaus erforderlich, daß in einer der- artig schwierigen Frage sämtliche Kreise der Bevölkerung mithelfen. Aller polizeilicher Zwang Hilst nichts, wenn nicht auch bei den De- manstrantsn und in allen Kreisen der Bevölkerung der Wille besteht. Wandeb-zu schassen. Zur Verhinderung der von der Stadtverord- netenversammlung gerügten Mißstände ist es unbedingt erforderlich, daß die Demonstrationen auf das Aeußerste eingeschränkt werden. Das Recht der freie» Meinungsäußerung und das der politischen Werbung soll nicht beschnitten werden. Es darf aber meines Er- achtens nicht höher bewertet werden, als Schutz, Gesundheit und Leben des einzelnen und als die Freiheit des Verkehrs. Ich würde es deshalb dankbar begrüßen, wenn nicht nur einflußreiche Persön- lichkciten und die Presse, sondern auch der Magistrot und die Stadt- verordnetenversammlung ihren Einfluß geltend machen könnten, daß derartige Veranstaltungen mehr als bisher eingeschränkt werden. _. gez. Zörgiebel." Die Stadtverordnelen Versammlung hat ihre Sommerferien be- endet. Zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien wird sie am Donnerstag um Uhr zusammentreten. Auf der Tagesordnung stehen 4(5 Verhandlungsgegenstände, u. a. der vom Magistrat beantragte Bau von 8k>0f> Wohnungen und die Gewährung eines Gehaltszuschusses an die Beamten und Angestellten der Stadt. Bei einem Dachbraud schwer verletzt. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag nach der U h l a n d st r a ß e 69 gerusen. Aus dem Dache des Grundstücks werden Arbeiten uorgenonnnen, wobei Teer überkochte und das Gebälk in Brand setzte. Ein ZOjähriger Arbeiter Willi B. aus der Koiserstraß« zu Mariendors wurde bei den Löschversuchen von einer S t i ch f l a in m e e r f a b t. Er trug schwere Brandwunden davon und mußte hurch die Feuer- wehr in das Wilmersdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße übergeführt werden. Das Feuer konnte durch Aufwerfen von Sand im Keime erstickt werden. Sin aller Parleigenosic und Dorwärtslefer Carl K r a s c- mann. Mitglied der 57. Abteilung, wurde am 1. September zur lstzte» Ruhe geleitet. An seinem Sorac sprach im Namen, der Partei Genossin Fischer warmherzig« Worte. Er war einer jener, der in Freud und Leid still aber um so treuer seine Pflicht in der Partei ausüble. Diamantene Hochzeit. Das Ehepaar Isidor Hamburger, Berlin-Schöncbcrg, Innsbrucker Str. 1, feierte am Z. d. M. seine diamantene Hochzeit, Der Dezernent des Wohlsahrtsamts, Stadtrat Dr. G r a f f, überreichte den Iubilaren persönlich ein Glückwunsch- schreiben und ein Bluinenarrangement. Ausstieg einer Mongolslere in Tegel. Am Sonntag, dem 4. September, 16 Ilhr pormittags, wird die Ballonfahrerin Marga- rel» B a u m g a r t auf dem Tegeler Schießplatz der Berliner Jugend einen Ausstieg mit dem ersten Lustsohrzeug der West, einem heiß- l u f t b a l l o n, vorsiihre». Da außerdem einer der besten Kunst- stjkger, der Flugzeugführer Fntz Heidt, mit einer«portmaschin« kunflsiiegerisch« Darbietungen zeigen wirh, ist der Berliner Jugend, die hierzu besonders durch die Schulen eingeladen wurde, vor Augen geführt, wie schnell die Entwicklung der Luftfohrzeuge vor sich ging. D-r Schießplatz ist zu«rkeichen mit den Straß-»- bahnen 25, 27, 28, 29, 41. 68. 128. tzepüebranö unter Mordanklage. Breslau, Z. September. sElgenberichl.) Zm Oktober vorigen Zahres erregte der plötzliche Tod der in den besten Zahren stehenden Frau v. heydebrand und der Läse, von der gemeldet worden war. daß fie sich durch einen Schuh in denkops in der Rachl selbst getötet Hölle, großes Aufsehen. Da noch der ersolgleu Sektion Zweifel darüber auf- lauchlen, ob nach der Lage des Schußkanals lalfächlich Selbstmord vorliege oder ob fie von fremder Hand erschossen worden sei. wurde die Staalsanwallschoft zu weiteren Ermitllungcn veranlaßt und die Voruntersuchung gegen den Ehemann. Regie- rungsral v. Heydebrand und der Läse, der bei der Breslquer Regierung beschäftigt war. eröffnet. Zm Laufe der Unter- fuchong wurden Gulachlen von Schiehsachverständigen aus Berlin eingefordert, woraufhin nunmehr die Beschluhkammer die Er- Sffaung des hauplversahrens angeordnet hat. Ob Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit Todeserfolg für vorliegend er- achtel wird, ist noch nicht bekannt. Da jedoch der Sachverhalt in der langen Zeit der Borunlerfuchung völlig geklärt sein dürste, wird die hauplverhandiung voraussichtlich im Oktober d. 3. stallfinden. Der Befchuldigle befindet sich weiterhin avf freiem Zuße. Reben dem Strafprozeß läuft ein von den Verwandten der Der- fiorbencn angestrengter Zivilprozeß, be! dem es sich höchsiwahr- fchcinlich um das Besitztum der verstorbene« handelt. für die übrigen Kämpfe Boxer aus dem Mutterlande des Sports ausgewählt werden� sollen, dürfte dieser deutsch-englische Boxkampf- tag eine würdige Saisoneröffnung am Kaiserdamm sein. Das Olympiadeoorbereilungslurnier nahm am Sonnabend auf der Trabrennbahn Ruh leben bei sehr mäßigem Besuch seinen Ansang. Bor der Bahn weht, was direkt als Sehenswürdig- keit anzusprechen ist, da sie bei den hallenturn-eren immer fehlte, die schwarzrotgoldene Fahne. Die Jagdsprünge iahen Deutschlands beste Springreiter und beste Springpferde am Start. Den Preis des Reicheministeriums für Ernährung und Landwirt- schaft, der als Reitprllfung für Reitpserde ausgeschrieben war, holt« sich v. Langen auf Volt. Den allerbesten Eindruck hinterließen die Borführungen der berittenen Schutzpolizei Berlins. Die Pferde wurden auf ihren Gehorsam geprüft und'es wurde den Tieren wirklich viel zugemutet. Eine Motortyxe umfuhr die ein- zelnen Tiere in Volten. Ein schauderhast hupendes Automobil fuhr so nah« an den Pferden vorbei, daß ängstliche Gemüter meinten, den Tieren würden die Huf« abgefahren. Eine vorbeimarschierende Musikkapelle lärmte, Fahnen wurden geschwenkt und mit Zeitungen gewinkt, aber die Pferde standen wie angewurzelt. Von den Berliner Pferden können die Reichswehrpferde also allerlei lernen, hieß es doch vor kurzem, daß diese Pferde vor wehenden Fahnen scheuten, so daß man auf sie Rücksicht nehmen mußte, und nicht wagen durfte, die schwarzrotgoldene Flagge zu hissen. Schweres Eisenbahnunglück. Ein Toter, zahlreiche Verletzte. Harburg. Z. September. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich heute kurz vor 16 Ahr aus der Eisenbahnstrccke Buchholz— Sollau beim Kilamelerstein 131. Der fahrplanmäßige Personenzug 5bS entgleiste infolge einer Sleisverwersung im Tunnel der Strecke Buchholz— Bremervörde. Die Lokomotive legte sich aus die linke Seile, die beiden nachfolgenden Personenwagen Z. und 4. Klasse wurden auseinandergeschoben, ungefähr einen halben Meter in die höhe gehoben und gegen das Mauerwerk de» Tunnels gedrückt, wo- durch schweres Unheil für die nachfolgenden Wage« verhütet wurde. Leider Pel dem Unglück ein Menschenleben zum Opfer, und zwar in der Person des Hamburger Kaufmanns Kaiser. Fünf Personen wurden schwer, eine, weitere Anzahl leichler verletzt. Aerztliche hilse war sosorl zur Stelle, da sich in dem verunglückten Zuge zwei Aerzte aus Buchholz und ein weilerer Arzt befand. Aus Harburg waren innerhalb 20 Minuten zwei hilsszüg« zur Stelle mit Acrzten und Hilfspersonal, so daß den Verunglückten an Ort und Stelle Hilfe zuteil werden konnte. Auch die harburger Jeuerwehr war zur Hilfeleistung angerückt. Die fünf Schweroerlehlen wurden mit einem Hilfszug nach Harburg transportiecl und In das dortige Krankenhaus gebracht, die Leichlverlehlen erhielten Notverbände. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Man hofft, die Be- lriebestörung noch heute abend beseitigen zu können. Zugzusammcnstotz in Amerika. Prlncelon(3nblona), 3? September) hier stieß ein Personenzug mit einem mit Kohlen beladenen Güterzug zusammen. Vier Personen wurden getötet, ungefähr zwölf verwundet. Sozialistlsthe Mrbeiterjugenö Groß-Serlin. heute Sonntag: Jugendtag! Treffpunkte für die Bormitlagsveranslaltung im Mercedes- palaft, Ulrechler Straße. varschaser fflirrtct: zjio Uhr Hochbhs. Warschauer Brücke. Siidwest, mo Uhr„Vorwärts".— Lichtcnlerg West! 0 Uhr am Feuermelder. Friedenau:>410 Uhr Kaiserciche tAbsahrt).— Siosenthale« Borstadt: US Uhr Noscnthaler Platz.— Zehleudorsi Adsahrt Uhr Lht. Mitte. — Sesuudbeuauen: B>4 Uhr Prinzenallee, Ecke Chrlftianiastrahc. Hutxaitli» platz: 9 Uhr Poppelallee, Ecke Schönhauser Allee jNormaluhr).— Wertebezirk Paul»»: HIO Uhr Pankoll», Marktplatz. All« anderen onzesetzten Tissspunttc fallen aus. Rote Fahnen und Musikinstrumente sind mitzubrmgen.— Wcebc» bezirk Prenzlauer Berg: 9 Uhr Bonzlarr Straße, Ecke Schönhauser Allee.— Werbebeztrk Lchöneberq!>410 Uhr Bht. Biilowstrane. Mnsilinstrninente, Fahne» und Transparente mitbrintze».— Wcrbcbrziri Reiaickendars! Von 7-9 Uhr Arbeitsdienst im Ednllrrpark. Alle Ordner treffen sich 9 Uhr Mrrredespalast. — Wcrbedezirl Rcutölln: 10 Uhr Hermannplatz fZiplltrug). Treffpunkte sür die Rachmiltagsoeranfialtung im Schillerpark. Rordea: lZ'4 Uhr Brunnenftraße, Guston Mener. Allee lRormalnhr). Humaniiplatz: 14 Uhr Ehristlan-o», Ecke Schnlstraße.— Fricdrnau: 19', Uhr stailcrciche.— Stealitz l; 1.1 Uhr l nicht 11 UHO am Rathaus.- Köpenick: 1J Uhr Vht.— fiftitnefi; l, I Z Uhr„Vorwärts". lUntergrniiddah» bis Lrovold- platz).— Werdebezsrk Osten:«lach der Enenaueaabc 14 Uhr am grppclinplatz, Ecke Kenter untz Limburoer Straße. Rachzügllr 14'4 Uhr Courbidreplatz. Eruppe 1. Fahnen und Sportaeräte mitbrintzk».■*- iZerdcbe,,,! PrcnU-ncr Berg! 14 Uhr Ehriftianla», Ecke Schulstraße«Nähe des Nettelbeckplatzesl. Samt» liche Fahnen Und mitzubrinoen.— Wckbebczlrl Renlöll»! 13'.• Uhr Hermann- Platz(Rollkrug).-«erbeb„>rl Schöacbcrq, 14') Uhr Nctteldeckplatz. Morgen, Montag, 5. September, IS'-- Uhr. «iotzlreis: Uehunasstunde 19% Uhr im Lnihrnhcim.-- Weste» l: Heim Sauptftö. lö. Zllitglicdrroersammliina.— Reuköst-i V: Roaalstr. kill. Funl. tionärsitzuntz. gut Tcbolte steht Punkt Verschiedenes. Jeder Funktionär muß erscheinen. Zlmaleurboxen in der Rütt-Arena. Der Brandenburgische Boxverbant wird am heutigen Sonntag, dem 4. September, 10 Uhr, in der Rlltt. Arena Boxkämpfe veranstalten, welche zum Teil im Fliegen-, Weiter» und Mittel» gewicht, gleichzeitig Ausscheidunaslämpse für den Städteboxkamps Kopen. Hägen— Berlin lind. Die Eintrittspreise find mit Tribttnenfitzplatz SO Ps.. Jnnenraum 1 und 2 M. recht volkstümlich gehalten. Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, dem 3. September. 1. R e n n e n. t. Karola(Lüder), 2. Erllöniz II(Häuser). 3. Goldener Friede(Tbiete). Toto: 33: tll. Platz:'IS, l4. 18: 10. Ferner liefen: Blumcnniädchen, Feierabend, Brünne, Elf, Prüm. S. Rennen. 1. Girant(f. Borcke). 2. OberjSger(Schnitzer), 3. Ilse X1IX lH. Schmidt). Toto: 67: 10. Platz: 22, 15: 19. Ferner lies: Pommer. 3 Rennen. 1. Lotte(Vifimark). 2. Trier(OcrteN, 3. Karo-Dame (Schuller). Zotpi 31: 10. Platz: 12, 11: 10. Ferner liefen: Figaro, Hoch- achtungsvoll. 4. R e n n e n. 1. Cardinal II(v. Borcke), 2. Carl Ferdinand(Schnitzer), 3. Amersscort iUeutii. o. Horn). Toto: 25: 1». Pjatz: 13, 303: 10. Ferner »csen; Kritischer Tag, Verdacht, Raubritter. 5. R c n» e n. 1. König Lear(Hanser), 2. Karrara(SthZ). Toto: 11: 10. Ferner lies: Magnolie sKutulies, anSgehr.). 6. R e n n e n. I. Ealler Lily(Wcrmann), 2. Qclava(Derfchng), 3. Vlsterluft(Braun). Toto: 32:10. Platz: 13, 13, 16:10. Ferner liefe»: Gossel, Norge, Flotzida, Tarnhelm. Blitztichf, Frag«. 7. Rennen. 1. Laokoon(öerleli, 2. Primaoera(Eichhorn), 3. Mira- beste(Derschng), Toto: Z5: 10. Platz: 17. 1ö. 38: 10. Ferner liefen: Frustrn, geuermal, Husdenl, Rosenkönig, Waitäfer, Karilsima. Treuherz. Magyarin. Dohltällgkeiks-Radrennen der Verufarevnfahrer. D!« deutschen B e- r u f S r c n n t a b r e r. die im BerusOsport-Gan dcZ Bundes Deutscher Raesahrer zusammengeschlossen sind, halten am Mittwach, 14. September, auf der R ü l t> Ä r e n a ein Rennen z u g u n it e n ihrer Unter- stiitzungStasse ad. Da sich die Mitglieder sür diele» Renntag selbst- los zur Verfügung gestellt haben und leinerlii Getdlpcscn erhallen, find für die ansgeichricbcnen Rennen Ehrenpreise ausgesetzt worden. Das Pro-. grainm des Renntages, der um 7>/, Uhr abends beginnt, ist folgendes: l. ElöfsnungSiennen 1000 Meter, 2. Dauerrennen mit Motorschrittmacher- sfihrung 15 Kilometer. 3. Preis der Ausländer ZODO Meter, 4. Dauerrennen mit Wotorschrittmachersührung über 15 Ztilomelcr, 5. BcrlvIgnngS- MannichastSreiinen über 25 Runden. 6. Punllesahren für Helfer und Pfleger über sechs Runden sjede zweite Runde einer We>tuiig). 7. Jialieni- scheS Jagdrennen über 10 Runden, 8. Match der rille» Meister« nbSr' lüOO Meier, 0. Stunden. ManinchaflSrenne». M«ibcichlittz Ilir jäarUichc Rennen ist am 6. September. Nennungen sind an Adolj Wcber, Thar- lollenburg, Stuttgarter Platz 7, zu richten. Die Ausstellung Damcuhüt«, die die Firma A. Wertheio in dieser Woche «eranstaltet, gidt wieder ein recht anschautiches Bild der ncpc» Herbst, und Wintermoden, Die weiten Räume der Hutabteilunz im Erdgeschoß enthalte» eure unorschöpsliche Auswahl i» Formen und Farben, darunter hochwertige Poriser und eigene Modellhiite, so daß hier jede Dame nicht nur dos Neueste, sondern auch das findet, was sie Iltider. Auch allen Ansprüchen wird diele Ausstellung gerecht, nicht nur der cleeante, auch der einfache Hut, tür den beschndenen ificidbcutel. wird geboten. Der Perscrteppich ist wieder in«Leitung und spielt wieder die große Rolle w:e in der Vorkriegszeit, Der longentbchrte, schöne persische Teppich, per dloher nur zu Phantasiepreise» zu kaPen narr, ist bei der Firma Teppich- Vursch, Berlin hat e'nc neue Verkgusssteüc in Rerckölln, Kottbosser Dinnm 70, eroiinrt, Ss ist der Firma in kurzer Feit gelungen, drei Verkaufs. stell:» in Berlin zu gründen. Ein Beweis für die«pule und PrciswÜrdigk'.t der Fasan-Schuhe. ZWaeh flerJiei C Säumsn.Ks nicht � NMR Ouf vielseitigen Wunsch ist der f€insendungstcrmin für das iM©Ell Sport. Sin neuer Vsxkampsring in Lerlin- In acht Tagen wird ein weiterer Ring mit seiner ersten Veranstaltung In pie yessentlichkeit trete». In der geräumigen K q i s e r d a nr in h a l l e will Direktor Paul Schwarz von jetzt ab in regelmäßigen Abständen mit zugkräftigen Programmen vor die Berliner Boxsportgcmeinde treten, die hier in dieser idealen Kampsstätte. wo Breitensträtcr— Samjon-Körner und Diener— Pao- ktno sich sene sensationellen Kämpfe lieferten, die Freude erleben wird, daß selbst erstklassige Veranstaltungen zu erschwing- ticken Preisen durchgeführt werden sollen, Direktor Schwarz wird«inen radikalen Abbau der Eintrittagelder vornehlnen und nur Plätze zu 3—12 Mark führen, was ihm um so rlier möglich ist, als er in de» Kaiscrdqmmhallcn das weitaus größle Lokal der Reichshauptstadt zur Verfügung hat und so durch die größer« Besucherzahl einen Audglcich herbeifülircn kann. Für dqp Haupt- trejsen ist kein Geringerer als der erste Anwärter aus drn deutschen öchVcryewichtsmcistertitel Franz Diener verpslichtet, der den ausgezeichneten Engländer C h a r s i, Smith, der»ine» ganz hervorragenden Rekord besitzt, als Gegner«rhatten wird. Do auch l auf den& fr0 rxerlefft Ouskunft und iBctxxhmg bei urt/erw.HUalo Singer Mähmaschinen Aktiengeseiisdmff ______ 1, MASSARY EDEL WIE OER NAME \ ®t■ m p.> tfy t £# 1 •.»« i &! $: ■fji *�■1 :r w r:' WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königetr. Rosenthaler Str. Moritzplatz am m Extra-Preise Garniert Voli/ot- Hut 4 verschiedene Ausführungen, Q«c veivei-nui moderne Farben....... O 85 Silkina- u. Velvet-Hüte"Äd 5 25 Trotteur-Hüte 6 so �♦raRonhiit fescher. Filz mit Samt zwei- Q oc OiraDennUI farbig, elegante Formen.... O 25 Praiion Mi it aus Schapp- od. Kunstseid.-Samt, O-»c f 1 aUcil'l IUI schw. u. fög., Band u. 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Die neue Herbstform zeigt Im Rock bereits die neuartige reiche Falten-Gamierung. Die sowohl Im Vorderteil wie auch an den Manschetten geschickt verwandten und mit hellem Crepe de Chine unterlegten Hohlsaum- Auszöge geben dem Kleide eine Interessante Note. Die Crepe de Chlne-Weste sowie der mit Crepe de Chine doppelt belegte Kragen erhöhen seine vornehme Eleganz. In allen neuen Herbstfarben. und auch in den allergrößten Frauenwetten .M Nr. 41S ♦ 44. �ahrgaag 2. Heilage öes Vorwärts Sonntag, 4. September 1427 s» Die Gewerbeaufsicht in Herlin. Mängel der Organisation- Mitarbeit der Betriebsräte— Ueberftundenunwesen. ge Si Die cor kurzem erschienenen Jahresberichte der Preußischen Gewerbeaussichtsbeamten für das Jahr. 1SL6, herausgegeben im Ministerium für Handel und Gewerbe, eichnen sich mehr durch ihren Umfang als durch den Wert ihres Znhalts aus� Die Vorbehalt«, die schon vor dem Kriege vom Stand- punkt der Arbeiterschaft gegen die Tätigkeit dieser Behörden erhoben werden müßten, bestehen auch heute noch zum Teil fort. Sie be- ziehen sich vor allem auf die bureaukratische Handhabung der Ge- schäjte, auf die mangelhaste Verbindung mit den Organen der Ar- beiterschast, auf die oft allzu rücksichtsvolle Behandlung der Unter- nehmer und auf die unzulängliche Kontrolle der Betrieb«. Etwas besser ist es inzwischen geworden, daß aber noch vieles zu wünschen übrig bleibt, geht schon aus der Tatsache hervor, daß beispielsweise im Volizeibezirk Berlin im Jahre 1926 aus mehr als !t/. Uhr. Cafö Eiectrlk 6. September Premiere .Filüüoniaptik" Tneater am Geöffnet täglich von 10 bis 20 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 22 Uhr. Eintrittsprefs 1,50 M. Beim Kauf von Eintrittskarten an den Schaltern der Berliner Hoch- und Untergrundbahn, der Stadt- und Ringbahn und der Bahnstationen der ersten Vorortzone, sowie bei den Schaffnern der Straßenbahnlinien 53, 72, 75 und 93 wird freie Hin* und RUckfahrt gewährt. HEUTE 5 Uhr: Unterhaltungsmusik der Kapelle Gerhard Hoffmann(Uebertragung) 6.30 Uhr: Die sensationellen Versuche „FUNK UND FLUG« Musser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich S U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger 4 In ihrem Sdrlagcr-Programm I IM Volkspreise von 50 Pf. bis 2,5J M. K.� Sonntag raclimitiae: • Grone Familien-VorsteilunR Volles Progr. Kl. Preise v. 4ftPf. b. 1,75 M. Größter ILacherEotgl otto seomo RIESEL-FEUERWEDSC mm Serifner||IR-Trie Meukölln.*8� Lahnstr. 74/76 1 Rcichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt In der M&llerstraße Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz L SÄ-7 T Ä«TSVÄ DS Ä � 700L0öi8c«ER mm I s Ts rfi ,h GROSSES" 8 4 Ihr nachm. KONZERT AßSARIDTi wilh. Kuhnert geöffn. 9— 7 Uh r. Afrika-Autstellung. Tripolis In Berlin nur noch wenige Tage. Dirtkler Eingang: Stadtb. Zool. Garten, g «»«G»O« O CVGOOGGOOOOEI m\ Sonntag, 4. September nachmittags Z1/. Uhr i holla-rneet er 8 Uhr Der rote Hahn Neues Theater am Zoo Dir,: Sidurd 5«rln Täglich 8'/, Uhr: Drei lustige Komödien von Thoma Preise 1. 1,50, 2,—, 3,— M. usw. Tel.: Steinplatz 5371 (Vcmauii- Titeat. Itur codi bis Dienstag Täglich SV. Uhr 9er fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten j. Karl Zuckmayet Lobe, Ehelsbacher Parkett statt 4 Mk. ägl. auch Sonntags nur 60 Pt. Ab Mittw. 8', Uhr: Aia WesbeiM Schlafi steht eins linde Hec-IMsi Täglich 8l/4 Uhr Alt-Heidelberg thacspiel von Mfrer-FointtT MattDai, Kopfer. StSssii.Sarte' Preise; 1,-. 3.- M. usw. Hose-Theater 8>/4 Uhr Fürstenwende Gartenbühne 5 Uhr; Konzert und bunter Teil 8 Uhr Die Frao ohne M Tailenbnrg-üülsneD Ots. Künstler- Th 8»/« Uhr: „Du wirst mich heiraten" 8. Sept.: Premier; „Ose Dame vonHaxim" Lessing. Theater 8 Uhr „Wz Seinridi IT 2. Woche I IKSlfM /mm msm WUNDSR WELT Serünerttf Kastanienallee 7/9 TSglicfa- M oroSeErloig! Sehmarzwald- raadel. Variet�.Tanz Kaifeckpchcn Theater des Westens Der Täglich 8'/, Uhr: Heute 2 Vorstellungen 3',iU.8>/, Uhr: Die Tugendprinzessin Hella Kühr. Irtharüill. Mailine lidsig. larHn Relloer. Ediih Karl». 8e,lar, H. liatdiäti Preise 1,2, 3 M. usw. Th. im Bitmiralspalas 2 Heute Sonntaj Vorstellung. Uhru.B'/.Uhr Kadin. die eaau Vor- stelliim zu halb. Pieit Wo speist tuar.» £at 0.0111167 Nur Groß-Berlin Alex« nderplaiz zur Miete WcO.Ansbacherstr.l Täglich 8-,. 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September 1927 ■Unterhaltung unö Wissen Vellage Kes vorwärts ver flngenöe Solöat. von Henri Barbusse. „Weil ich niemals Glück gehabt habe/ erklärte der Urlauber dem jungen Mädchen. Und darin lag sichtbar alles. Lange Erfahrung im Unglück hatte die Gestalt zusammengeschrumpft, ausgemergelt, die Augen in ihren höhlen gepfercht und die Bewegungen gestutzt, als wären es Federn. Nur sein Blick erhellte mit leisem Glänze das matte Gesamtbild. „Es gibt Menschen, die dazu geboren sind, keinen Erfolg zu haben!" Das war alles, was seine Mutter ihm einst als Wort des Abschieds mitgeben konnte, seine aus dem Sterbebette liegend« Mutter, deren Auge sich schlotz. Alles, was er unternahm, verfehlte sein Ziel. Tage und Jahre oertrödelte er. Das Wenige, was sein« Eltern nicht vor ihm ver- loren hatten, verlor er. Seine Projekte hallen nicht Hand noch Fuß. wie das Gerüst seines Körpers waren sie ein wirres Durcheinander, das zusammenstürzte. Er lebte verschüchtert, abseits in einem un- durchdringlichsn Gehäuse des Schweigens. Dieser Mensch, der niemals glückliche, mußte natürlich ins Feld, ohne daß man— ebenso natürlich— irgendein Aufheben davon machte. Verließ das Dorf nicht mit dem begeisterten Trupp, der sich am Wein der anderen berauschte, nein, ganz allein eines Abends, um ohne großes Trara ein Loch zu stopfen. Wie ein Soldat in marschlercnder Kolonne war er der anonymste der Soldaten. Er rettete sogar heroisch Kameraden das Leben, aber seine Heldentat blieb unbemerkt, wie alles, was er tat. Jedenfalls ober war er feindlichen Kugeln und Kriegsgerichten glücklich ent- gangen. Und so kehrte er zurück aus dem Gefilde der Menschenopfer, wenigstens für sechs Tage. Während dieser kleinen Zeitspanne veranlaßte der Wille und die Huld Clairinens einen Wechsel der Dinge: ein eigentümliches Zu- sauunentrcffen von Umständen war schuld, eine ihr fehlgeschlagene Hoffnung, der Mangel junger Männer in der ganzen Gegend, und wirtlich auch Sonnenschein, Jugend. Wie er wieder zur Front ging und zum letzten Male die Hand der Zurückbleibenden gedrückt hatte, i-lieb er noch lange allein im Dunkel der Dämmerung, sein Gesicht stand in Flammen und sein Herz glühte für lange, vielleicht für immer. Er lachte laut auf wie ein Bezechter, obwohl er nicht be- trunken war.„Was für drollige Verwandlungen gibt es dochl" Dieses triumphierende Weggehen, sechs Tage nach dieser müden, verdrosienen Heimkehr! Jetzt war er der erste, der sich über den anderen lustig machte, über den, der er bisher gewesen war, und über die unglaubliche Anhäufung von Mißgeschick, das auf jenen niederhagelte. Die räumliche Entfernung adelte seine Erinnerung. Er schuf sich von Clairine eine Vorstellung, die von Stunde zu Stunde immer göttlicher— menschlicher wurde, eine anbetungswürdige und greifbar nahe, die immer mehr Clairincn entsprach. Man näherte sich der Grenz« des bewohnbaren Gebiets. Die Welt war grausig, düster geworden, voll schlimmer Anzeichen. Der Weg schlängelle sich längs der glatten Flächen und rechtwinkligen Depots hin, an einer großen Munitionsfabrik vorbei, welche das Zwielicht umdüftertc. In etwas weiterer Ferne, aus der tiefen schwarzen Dämmerung starrte das hohle Auge der großen Kanone über den Rücken der Ebene. Dieser Anblick erweckte in dem Mann, der zum erstennial glücklich war, einen Mißton, aber bald gewann er seinen frohen Mut wieder. Ileberall unaufhörliche Bewegung, Flüche. Gebrumm, Räder» geknatter, Wägelchen mit Patrouillen. Ohne Zweifel, es war etwas im Werke, dos deutete Offensive an. Aber der Mann, der langsam das alles querte, glich mit seinem soliden Glücksgefühl einem Block. den nichts außer Fassung bringen konnte, lind schon schritt er durch die Reste des Dorfes: ein Schuttgewirr. In den Einfriedungen— hinter den niedrigen Mauerntrümmern— hoben sich einige weiße Gärten ah. Der Staubwirbel der niederkartätschten Häuser hatte sie so übermalt. Die Kirche, deren Kreuz vom Ansatz abgetrennt war, stellte jetzt einen Verbandsplatz dar, mit einem kunstlos tief in ihrem Körper eingeschnittenen Roten Kreuz. Explosionen! Ausblitzen! Heftige Kanonaden in der Ferne. Aus überragendem Hügel— unter den Gluten des Himmels— standen Generolstabsoffiziere, um das Beunruhigungsfeuer zu beob- achten. Einer sagte:„Das ist schön!" Ein anderer:„Kommt noch bester!" Dann lehrten sie nach hinten in ihr Standquartier zurück. Der wieder in die ungeheure Verantwortung des Krieges hineingerissene Ex-Urlauber empfand um und über sich eine Drohung. Aber nichts hielt stand vor der tiefen Zärtlichkeit in ihm, der häßliche Eindnick verlor sich ganz. Er ging sogar in ein schnelleres Marschtempo über, als wenn er es eilig hätte, und begann vor sich hin zu singen. Ein Soldat, der in einer Höhle hauste und ihn so unternehmend, leicht gestikulierend dahertrotten sah, täuschte sich über seinen Zustand und hielt es für seine Pflicht, ihn zu warnen: „Achtung, mein guter Alter! Hier sind Stufen! Zerbrich deine Pipe nicht!" Er setzte über die Aufnahmegräben hinweg. Das waren neue. schöne, glattgehobelte Gräben, denen der Geruch des Frischen an- haftete. Sie waren angefüllt mit wilden, lachenden Senegalnegern und Feldgendarmen, diesen Berufssoldaten, die von allen Kategorien waffenfähiger Bürger jene sind, welche am wenigsten während des Krieges gekämpft haben. Sie hatten die Aufgabe, dem Frontsoldaten das Hinterland abzuriegeln, die Flucht des Menschenmatcrials zu ver- hindern. Man nannte diese Gräuben Aufnahmegräben. Eine rein ironische Redewendung. Um übrigens dem Zurückkehrenden jeden Zweifel zu nehinen— als er über den langen, von Menschen wimmelnden Graben sprang, hörte er die Lache eines Negers— ein Gebiß bleckte ihn an— und der Schwarze machte eine Grimasse, als„wollte er ihn mit dem Vajon«tt aufspießen.„Französischer Soldat!" grölte er. Ehe der Mann seine Geste zur Ausführung hätte bringen können, war er jenseits dieser schmutzigen Zone. Er fühlle sich wie erlöst. Eineck Augenblick stand er in Sinnen. Dann hellte» sich seine Züge auf. Ein Stück weiter war er im richtigen Graben, dem langen Fuchsbau, dessen Mündung die bequemen Gendarmen und die arm- seligen schwarzen Domestiken— wie Jäger auf dem Anstand— über- > nachten. In den endlosen Stollen sieht man sich plötzlich von der Welt getrennt und taucht in eine Nacht, die den störlsten Erdgeruch ausströmt. Er ober— eingefchlosten in dieser schmalen weltfernen Hölle— hört« Nicht auf zu fingen. i Die deutsche Heldentat. .Eine Heldentat muh vollbracht werden!" .Ist auch niemand in der Röhe?" .halt!" .wir wollten bloft die gelieble Reichsflagge vor den Unbilden der Witterung schuhen!" Inzwischen ging da oben auf der Ebene etwas vor. Die Feuer- blitze und Kanonenschüsse wurden zahlreicher. Zischende Raketen lenkten die Blicke auf sich, ihr rotes und grünes Licht wiegte sich auf dem Dunkel. Ein Baum zersplillerte. Er, der so viel Lärm brauchte, sang bei diesem Getöse aus voller Kehle. Dabei stieg er auf und nieder in dieser welligen Ebene. Manch- mal schien sekundenlang der helle Tag hereingebrochen. Aber obgleich dies« mächtigen, sich jäh ablösenden Lohen ihm auf den Grund der Seele leuchteten, alles von Kanonenschüssen echote und dröhnte, fühlte er sich in Erinnerung an Clairine nur immer glücklicher. Der Abend war der Nacht gewichen, als er die unterirdische Massenbehausung, wo seine Abteilung am Rande von Asche und Schweigen lag, erreichte. In Mäanderwindungen schlich er dem Unterstand seiner Kameraden zu. „Du kommst gerade recht zum Kommando!" bewillkommnete ihn der Adjutant.„Bloh noch einer fehlte! Nimm einen Spaten! Und dann: leise, du weißt! Bei dir hat sich wohl eine Schraube gelockert? Reiß' dich zusammen!" Der vom Glück Berauschte schämte sich ein wenig, schwieg aber. Seine Wonne konnte nichts stören. Der Jubel stieg ihm wieder zum Kopf empor, und der Gesang, der in seiner Seele seit seiner Ab- reise forttönte, strömte ihm stets aufs neue aus der Kehle. Der kleine Schauflertrupp hatte auf den weichen schwarzen Schollen im Dunkeln zu arbellen begonnen, und er schnurrt« wieder wie ein Kater am warmen Feuer. „Wird das Subjekt ruhig sein! Verdammt noch mal!" rief der Adjutant. Je ferner Clairine, um so mehr durchdringt sie sein Wesen, um so mehr will er sich ganz eins mit ihr fühlen. Er springt verwegen über schwarze, rauhe Blöcke hinweg. Sternschnuppen illmninieren. Das ist ein Fest,«in Feuerwerk zu Ehren der ungeheuren Verwand- lung seines Unglücks in Glück. Nichts wird ihn daran hindern, daß Schönes ihm mehr als schön erscheint und sein Gesang nicht laut erschallt.* „Ruhig!" deuten ärgerlich die Kameraden. Was Soldat in ihm ist, erlaubt ihm bei der nächtlichen Arbeit die Feststellung, daß es keine unmittelbare Gefahr gibt: den seind- liehen Linien ist man ziemlich fern: zudem besehligt der Offizier das Kommando noch immer persönlich, worauf er sonst im gegebenen Augenblick verzichtet. Er konnte also nicht wie ein bestrafter Schüler in Schweigen verharren. Das war stärker als fr. Di« Schlichtheit seines Herzens hatte Gewalt über ihn, und seine Stimme— sie sang, ohne daß er sich über Stunde oder Ort Rechen- schast ablegte. Da bekamen alle, die dabei waren, Angst vor diesem seltsamen Menschen, vor dieser Stimme, die zu singen nicht abließ. Man war zu weit vorn, um ihn zurückzuschicken. Die Schatten hielten ver- wirrt in ihrer Arbeit inne: Panik besiel sie. „Bringen Sie ihn zum Schweigen, gleichgültig wie!" sagt« der Offizier zum Adjutanten: er bebte ohne Zweifel vor Zorn. Der Adjutant zog den Hals ein, verschwand brummend und ingrimmig in der Nacht. Bald darauf sank tiefes, unendliches Schwei- gen wieder über die Ebene. Bei Morgengrauen führte der Adjutant das Kommando wieder zurück in den Graben: wie er vor dem Kapitän stand, meldet« er: „Es fehlt einer." „Aergerlich!" sagt« der Hauptmann, dem es um seine Leute zu tun war. Er sah Blut an der Tresse des Unteroffiziers„Sie find ver- wundet?" „Nein, mein Kapitän, das ist von meinem Messer." „Ah, sehr gut!".,. Er ahnte irgendein Heldenstück. der Herr aus öem publikm». Von Alfred P o l g a r. Im großen Saal des Berghotels— aus dem Podium, wo sonst die Mutkapelle sitzt— gab der Zauberkünstler Camilla eine Vor. stellung. Er ließ Karten verschwinden, goß Wasser aus der leeren Flasche, drückt« mit der Hand auf den Bauch, woraus ihm ein Ei aus dem Munde sprang und immer noch eins(nach jedem Ei gackert« der Zauberer), knüpfte Knoten ins Taschentuch, zog es dann durch die hohle Faust und da hatte das Tuch gar keinen Knoten mehr. Er könne übrigens, sagte Camilla, irgendeinen Herrn aus dem Publi- tum dahin bringen, feine geheimsten Gedanken zu verraten: wäh- rend er zauberte, sprach der Künstler immerzu. Auch war er witzig, zum Beispiel erzählte er, daß ihni schon mancher ein« große Summe geboten habe, damit er ihm lehre, wie man die Frau eins zwei drei verschwinden mache— denn das könne er lehren—, aber seine cigeye Frau habe ihm das Kunststück als unmoralisch verboten. Hierbei wies er auf seine Assistentin, die ihm schalthajt mit dem Finger drohte und immer„Ecco" sagte, obgleich sie Miß Ellinor Goodwyn hieß und aus Prag war. Die Zuschauer, in großer Abendtoilette, applaudierten. Sie waren milde, legten keine Maßstäbe an, hörten leutselig zu, wie Erwachsene dem Kinde zuhören, das ein Gedicht aussagt. Sommer, Land, Ferien.... Da zieht man gern auch zum großen Kleid den primitiven Menschen an und läßt sich geistig in schlichter« Zonen herab. Frau Stein klatschte übertrieben lebhaft Beifall, Herr Stein warf ein süßes Auge auf die Rothaarige am Nebentisch, die des Werfens nicht achtet«.„Emil," sagt« Frau Stein,„tausche den Platz mit mir."„Gern, mein Kind," antwortete Emil und streifte die Lebensgefährtin mit einem tief verheirateten Blick. Mit einem ver- mundeten Hirschblick. Ach Gott, ist das überhaupt ein Leben, dieses Leben? „Darf ich jetzt einen Herrn aus dem Publikum bitten, sich her- auszubemühen? Er wird der Frau Gemahlin wieder unbeschädigt und franko zurückgestellt," rief der Mann von der Estrade. Die Herren an die er sich mit einladender Geste wandte, zögerten. „Ellinor. sprich du!"„Ecco!" sagte Ellinor.„es tut ja nicht weh. Vielleicht ist der Herr dort so freundlich, der mit den blonden Locken." Dabei zeigte sie aus Herrn Stein, der sein kurzes Haars a la bross« trug und schon eine kleine Glatze hatte. Alle blickten noch dem Errötenden.„Nur Mut!" sagt« der Zauberer. Die Dame am Nebentisch aber locht« und rief spöttisch: „BroDo!" Da«rgriff es Emil wie den Ritter Delorges in der Schillsrschen Ballade vom Handschuh und trug ihn auf das Podium. Als er oben stand, das Gesicht von einem verzweifelten Lächeln gespalten, applaudierte die ganz« Halle. Unwillkürlich verbeugte sich der arme Herr aus dem Publikum, der Applaus wurde starker, Emil verbeugte sich wieder. Hierbei legte er die Hand aufs Herz, um das klopfende zu beruhigen und dies« Gebärde wurde seine Rettung. Denn die Leute nahmen sie als Selbstironie, als lustiges Eingehen des Herrn da oben auf den Spaß, der mit ihm getrieben ward, und aus ihrem Beifall wich die Farbe des Hohns. Er klang jetzt mit einemmal freundlich, sympathisierend, machte Herrn Stein Mut, Mut zu haben. So kam es, daß fein Geist die Schwere über- stand, ja sich geradezu von der Erde hob, eben als Frau Stein in sie vor Scham über den lächerlichen Gatten versinken wollte. Dieses erst« öffentliche Austreten Emils geriet zur großen Viertelstunde seines Ledens. Er wurde da aus einem Niemand, der er Zeit seiner Ehe gewesen, ein Jemand. Er stand im Mittelpunkt und die Welt ward rund um ihn. Alle militante Frechheit, die seine Seele wäh- rend zwanzig Jahren in geheimste Kammern hatte verdrängen müsien, brach aus ihren Schlupfwinkeln vor und parierte sieghaft die Anulkungcn des Zauberers. Wie ihm das gefiel, sich einmal eoram publica nichts gefallen zu lassenl Fülle nie gesprochenen Widerspruchs, die in ihm steckte und steckte, löste sich, stieg ihm auf die Lippe und zu Kopf, versetzte ihn in eine Art herrlicher, rauf- lustiger Trunkenheit. O. seltenes Glück, er kämpfte, er wehrte sich, er schlug zurück, er machte lächerlich, die ihn lächerlich machen wollten. Das schmeckte, sich von ollen Frauen angeschaut zu wissen und sie alle geradewegs anzuschauen, er, der sonst nicht einmal eine anblinzeln durste und dem niemals auch nur ein Blickchen er- widert wurde! Als Herr Steig abtrat vom Podium, gab es Ovationen für den Helden des Abends. Auch seine Frau, obgleich ihr das Ganze un- heimlich und bedrohlich vorkam, konnte nicht anders, als auf ihn stolz sein, da er sich wieder mit dem Gesicht zur Rothaarigen setzte. die neugierig-sreundlich herübersah, sagte sie:„Emil, tausche den Platz mit mir."„Wozu denn," antwortete Herr Stein,„wir sitzen sehr gut so, wir sitzen.. Da schwieg die Frau betroffen, denn sie fühlte, daß eine höhere Gewalt die Zunge lenkte,, die so sprach, und wartete lieber, bis diese Gewalt sich verzogen hatte. Nun, da mußte sie nicht lange warten. Der Zauberkünstler war mit feinen Produktionen fertig, auf der Estrade nahm wieder die Musikkavelle Platz, es wurde getanzt, und kein Mensch sah mehr noch Herrn Stein. Er war aufgestiegen zu einem kurzen Leuchten und wieder untergetaucht in Nacht und Dunkel. Aber wer einmal vom Ruhm gekostet hat und von? Glück des Sichauslebendürfens und vom Beifall und von der Seligkeit des Stehens im Mittelpunkt, der findet nicht mehr so leicht zurück an die Peripherie, in der man ein Punkt ist unter Punkten. Deshalb nahm Herr Stein das Zaubererpaar beiseite.„Morgen veranstalten Sie einen Abend im Valacebotcl, wie ich auf dem'Plakat gelesen habe. Ich werde dort sein. Nebmen Sie bitte diese 20 Mark. Wenn Sie einen Herrn aus dem Publikum brauchen, so..."„Ich kann mir keinen besseren Partner wünschen." sagte der Künstler, und„Ecco!" sagte Ellinor Goodwnn. Ein Glück, daß Emil Geschäftsmann ist und„zu tun hat". Er würde sonst dein Doktor Camilla nachziehen auf seiner Tour, von Sommerfrische zu Sommerfrische, durch alle Provinzen, und ein Dagobund werden, zu keiner bürgerlichen Arbeit mehr fähig. Denn dieser Camilla ist ein Zauberer und er lügt nicht, wenn er sagt, daß er seinen Herrn aus dem Publikum dahin zu bringen wisse, seine geheimsten Gedanken zu offenbaren, und daß man bei ihm die Kunst erlernen könne, eins zwei drei die eigene Frau ver» schwinden zu inachen. Für ein Viertelstündchen zumindest. (Mit besonder« Erlaubnis des Dsrlages Ernst Roirablt, LsrNn, dkm Bucht„Orchestei: von dbkn" von Alfred Poigoc rntnomm-a.) Neu-Eröffniins! ------- Hackescher Harkt 1-------- Herreii-BeJOeidun g Mäntel t Gummi, Gabardine u. Loden Anzüge: von M. 19*0 an Sakko, 1- u. 2 reihig von M. 49.' an Tanz-Anzüge.......... 59-- Mafi- Abteilung t Anzüge... von M. 12 S.' an liamen-B&hleidun g Kostüme, ganz gefüttert...... M. 16*0 Blasen: Handhohls.,Cripe de diine M, 21.- MSnteh Ottomane mit Besatz.. Ii. 19,** Mäntel/ Ottomane, rein Wolle, m. echt. 22 cm Pelzbes., Kragen, Man- sdieiten, ganz a. Damassi M. 63.- Kleidet: Ueloutinseide. die große Mode M. 5 Strickkleider, Rock und Pullover, reine Wolle............ M. 23*0 ........ Möbel—— Herren- Speise- Schlof-immer Elche nnn Elche con Nusbaum enn gebeut M. OtiI.' gebeizt M Ooü.* komplett M.«"ü,* eiazetnooei raren«invgnntttnre» Melnmvve» '" Teppldie—— für Spelze- und Herrenzimmer la Keblztan M. 53.* on Tisch- u. Diwandecken M. H�O j�.*. 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Besteilunneii von Mk SO-— auiw. portofrei, Umtausch gestaltet Preisliste HfffINNSMAHH Muster kostenfrei. » Winncnftnn, BerUn N., Rosenthaler Strafte 9/13. für Oesterreich: tfUnXJV., Ullmaanttr.bt, für Tschechoslowakei: Plana 117, Erlebnisse eines Kämpfers. Aus den Erinnerungen Andreas Scheus. Andreas Scheu, der jüngst verstorbene Nestor der internatio- nalen sozsalistischen Arbeiterbewegung, hat sein dramatisch-bewegtes Leben in seiner Biographie„Umsturzkeime" zusammengefaßt, die 1923 im Verlage der Wiener Volksbuchhandlung erschienen ist. Aus dem Drama seines Lebens greifen wir hier einige Szenen heraus: Die Belagerung Wiens 1845. Meine Eltern besaßen kein eigenes Hans, sondern wohnten in einer Zinsbaracke des V. Bezirks, an der Ecke des Mar-faretener Platzes und der Schloßgasse... Meine Erinnerung an dieses Hans reicht bis in das Jahr 1848 zurück. Ich sehe die Barrikaden, die zur Befestigung des Margaretencr Platzes an der Mündung der Bräu- Hausgasse, der Wildcnmanngasse, der Gries- und Schloßgasse errichtet wurden und sehe dos Aufmarschieren einer Kompagnie National- gardisten mit dem kleinen, rotunden Kaufmann Stadler, an der Ecke der Schloßgasse, unserem Laden aegenüber, als Hauvtmann an ihrer Spitze. Ich sehe, wie meine Mutter unser« wenigen Wertsachen hastig in Koffer und Kisten packt, und wie wir aus unseren Betten herausgeholt, angekleidet und auf Matratzen am Fußboden des Ladens zum Schlafen beordert werden, ich höre im Dunkel der Nacht von der Straße her Kommondoruse, Massenschritt und Waffengerassel, alles gedämpft durch die mit Bettzeug und Decken fast luftdicht verschlossenen Türen und Fenster dringend. Den Vater bemerke ich nicht, wohl aber die Brüder der Mutter, von denen be- sonders Onkel Gustav, der große, baumstarke Fleischergeselle mit der dröhnenden Baßstimme und dem nußbraunen, leichtgelockten Haar. in meiner Erinnerung haften geblieben. Er träat keine Uniform, sondern ist in Hemdsärmeln und hat sich in die Röhren seiner hoben Stiefel ein paar große, scharfqeschlifsene Fleischermesser gesteck' In seiner Faust trägt er die eiserne Hebelstange, die er vom Haus- brunnen losgelöst— gewaffnet für alle Fälle und nicht gesonnen, im Kampfe um die elementarsten Bürgerrechte derer von Wien neutral zu bleiben. Es war eine bonge Zeit, jene Tags der Be- schießung Wien- durch Windischgrätz, Tage des Hoffens und Harrens in Not und Bedrängnis für meine Mutter, deren Erwerb auf null herabgesunken war... Der Wiener hochverraksprozeß. Es war am. Morgen des 2. März 1870. Wir hatten in unserem Heim das Frühstück eingenommen, und ich wollte mich eben nach dem Redaktionslokal auf den Weg machen, als es an unserer Haus- tür klingelte. Meine Frau öffnete und fand sich zwei Herren gegen- über, die mich zu sehen wünschten. Als sie eintraten, ersah ich sofort aus ihren Zügen die Natur ihrer Sendung: es waren Abgeordnete der Polizei, die nach mir fahndeten. Einer von ihnen überreichte mir ein Schriftstück. Aus diesem, einem Berhaftsbefehl, ersah ich, daß ich unter der Anklage des Hochverrats in Untersuchung gezogen werden sollte. Des Hochverrats l— Ich mußte lächeln. Zwar fühlte ich in jeder Faser meines Wesens des heißen Wunsches mich bewußt, mein geknechtetes, zugrunde regiertes Heimatland zu einem freien, men- schcnwürdigen Staatswesen umgestaltet zu sehen, und ich hätte mich überglücklich gefühlt, zu solch schönem Ende mein Leben auf dem Altar der Freiheit opfern zu dürfen: allein wir waren noch lange nicht so weit, und ich hatte wirklich nichts getan oder unternommen, was eine Anklag« auf da- höchste politische Verbrechen vor rationell denkenden Menschen hätte rechtfertigen können... Wir hatten nun freilich nicht geleugnet, daß unter dem freien Pplksstoat«ine Republik verstanden werden könne. Aber wir— besonders ich— hatten es ausgesprochen, daß unser Begriff des freien Volksftaatcs durch die politische Form einer Republik nicht völlig gedeckt, und daß unser Ideal ein sozialwirtschaftlicher Frei- staat sei, in welchem die Orgamsation der Arbeit unter Gleich- ! berechtigung aller Bürger zum Genuß der Freiheit und des Wohl- standes durchgeführt ist. Daß die Erringung eines solchen freien Volksstaates in Oesterreich nur durch gewaltsame Mittel möglich sei, war eine ebenso unwissende wie böswillige und ehrenrührige Be- hauptun-H.. ... Unsere prinzipielle und organische Zusammengehörigkeit mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, welche die Schaffung eines freien Volksstaates erstiebte, das war die große Schuld, die wir zu sühnen hatten. Und zwar nicht nur weil die Umgestaltung der österreichischen Monarchie in«ine Republik nur auf gewaltsamem Wege denkbar!«>:„schon die Idee, der Gedanke des Anschlusses an dieses(das Eisenachcr) Programm ohne alle Absicht der Gewalt involviert für Oesterreich speziell das Verbrechen des Hochoerrats," fagte die Anklogefchrift des Herrn Schmeidel wörtlich... Am zwölften Derhandlungstage endlich stellte die tk. Staats- anwaltschaft ihre formellen Schlußanträge, unk verkündete der Galgensenat trotz einer logisch gut durchgeführten Verteidigung durch die Herren Dr. Singer und Dr. Mautbener sein längst gefälltes Urteil: Heinrich Oberwinder, Andreas Scheu. Johann Most und Johann Papst find des Verbrechens des Hochverrats schuldig und werden nach 8 9 lit. B., zweiten Absatz, unter Anwendung des Z 286 der Strafprozeßordnung verurteilt, und zwar Heinrich Ober- winder zu 6 Iahren und Andreas Scheu, Johann Most und Johann Papst zu je 5 Iahren schweren Kerkers. Die übrigen Angeklarie» (mit Ausnahme Perms) wurden wegen öffentlicher Gewalttat g- leiten zu Kerkerstrafen von 2 bis 6 Monaten verurteilt. Johann Woft. Die Ausnahmegesetzgebung Deutschlands, der Kulturknm Bismarcks gegen das klassenbewußte Proletariat, führte eine Mc v deutscher Flüchtling« und Ausgewiesener nach England, und• drängte mich, unter ihnen zu sein, und mit ihnen zu wirken... Er (Most) hatte sich in Deutschland mittelst der„Freiheit" einen Anhang geschaffen, und die Phrasen seiner dortigen Korrespondenten über den nahenden Zusammenbruch der kapitalistischen Gesellschaft als bare Münze zu nehmen und sich selbst und seiner Zeitschrift das Ver- dienst der Entstehung dieses revolutionären Geistes zuzuschreiben gesucht. Persönlich lebte er ärmlich und frugal genug. Seine Wohnung war in Werciz Street 22, wo er im ersten Stock die Re- daktion und unter dem Dach zwei Privaträume hatte. Dos Rc- daktionszimmer war auch das Expeditionszimmcr, und dort wurden auch die Ausschußsitzungen des Vereins sowie die vertraulichen seiner intimeren Anhänger abgehalten. Leider war er mit dieser Gefolg- schaft nicht wählerisch und ließ sich durch demagogischen Wortschwall nur zu häufig hinters Licht führen. Am Schenktisch des Rose-Street Klubs hielt Hans gewöhnlich sein« Stand- und Brandreden und ckerkündete den beherzten Trinkern und verkappten Polizeifpionen seine reifenden Umsturzpläne... Von solchen Spionen war Most fortwährend umringt(zwei davon hielten das Restaurant„Audine" planmäßig besetzt), ober er achtete nicht darauf, trug sein übervolles Herz einem jeden gegen- über auf der unermüdlichen Zunge und verriet so sein« besten Freunde. Diese wagehalsige Unbedachtsamkeit war es auch, die ihn bald darauf selbst ins Gefängnis bringen sollte, als im Frühjahr 1881 die russischen Terroristen den Zaren Alexander II. in ihrer Weis« Gerechtigkeit widerfahren ließen, indem sie seinem Leben ein grauen- Haftes Ende bereiteten. Most geriet aus Entzücken darüber in«in« förmliche Raserei und schlug in seiner„Freiheit" journalistische Purzelbäume der widerlichsten Art. sich an dem Schauspiel des in Stücke zerrissenen Despoten mit Behagen ergötzend../Ich fürchte, mein lieber Hans, daß du diesmal etwas zu weit über die Stränge gehauen hast," sagt« ich zu ihm,„und fürchte, du wirst dafür büßen müssen..." Er ober verlachte meine begründetm Bedenken. Am nächsten Morgen los ich in den„Daily News", daß Johann Most verhostet worden sei... und unser Hans mußt« auf Mche Mmnitk ins Gefängnis wandern.,. MttlWMdM-Mllil Achtung! MMMl Achtung! vlenslng, den 6. Scpfetabec, obenba r Ahe. im„Roienfhalcr Hof-, KofcnKjolec Strotze 11/12 tm- Versammlung-W aller in den Znoungsbetriebeu beschäftigten Kollegen. RoKcbcu! E» flilt, Stellung zu nehmen zu den immer noch unerlebigten§S 1] (USetljcug) und 15(Torifausschug) unser« Saelfnettrages. Das Erscheinen oller Kollegen ist daher notwendig.___ w vemmsleste lldwgi Am Ittiftraod), den T. Sepfember, finden in den defannten Lokalen dir Bgiirks-jfertraDsnsiäBflerkonlereozeo statt.— Die Dertrauensmännertonferenz de» AES.-Bezirk» findet on demselben Tage nachmittag» 4 Uhr Im Situng»saal de« Verbandahausts, Llinenstraße 83,85, 2 It., statt___ Spielplan unserer auKntobfeUnaa: 3« der Wochc vom 5. bl» U. September-. }. Au, eigener Kraft(Herstellung eine» Autos). 2. Wtt dem Dampfer»Bayer«"»ach Südamerika. 8. Rur keine Angst. In der Wache vom 12. bl» 12. September: 1. Die Leute Ästen». 2. Spiel, Tanz und Sport. S. DleKadeinerlegungunb-herstellung. In der Wache vom t». bl» tu. September: I. Da» Paradie» der Siidsre. 2.«uich Ovilk. 2. gelchenicherz« von Paul Slmmrt, Zn der Wache vom«S.Septbr. dl» 2. Lktbr,: l. Verlorene Welt 2. Kabinett 12. S. Achtung, EtrafmandatI Ja der Woche vom Z. kst»». Oktober: l. Wild und Mensch im Gebiegtschnee. 2. Tierwelt l» der Nordsee. 3. ssSrderm Ittel einst und setzt 4. Flinf Tag« Haft. In der Woche vom Ii), dl» itt Oktober: J. Ellfahrt in» Glück. 2, Pressen von Nichtmetall. 8. Fix und Fax jahrcn verkehrt In der Woche vom 17. bis 28. Oktober: I. Woana, Sohn der Elldsee. 2. Immer vorsichtig. 8. Der(Elcttroofcn. In der Woche vom 24. dl» 80. Oktober: 1. Wllste am Meer. 2. Staue Adrla du. 3. Prof. Rehbern geht tanzen. Anfrage� wegen Ueberiassung und Besuch :r Abtetiuhg find teiephonisch oder schrtst- Bureau, Kutiuradtellung, der iich an bei zu richten. Die Ocksoecmalfnng. C m von 69 Ffg. an direkt am Bahnhof Ahrensfelde II im Restaurant B Ii tt n c r. Rieger, GontardstraSo 5. wzm Im i eichen, der Tunafcmt (Scptcmbct) erquickt emf-Husfiaoca tmö petfthSat die letzten Sommertage. Nr. 47 S ♦ 44. Fahrgang 5. Seilage öes vorwärts Sonntag, 4. September 1427 Die Zukunft öer Reparationen. Ausbaumöglichkeiteu für den Dawes-Plan.— Begrenzung der Leistungen. Wir erhalt«", folgende Zuschrift, die uns für die Dis- kujjion über den zweckmäßigen Ausbau des Dawes-Planes wichtig erscheint. Als die Sachverständigen der Reparationskommission unter dem Vorsitz des heutigen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, des Generals Dawes, ihre Vorschläge für die künstige Regelung der Reparationen machten, war ihnen nur eine begrenzte Ausgabe ge- stellt. Sie waren nicht beauftragt, von der Gesamthöhe der deutschen Reparationslast, sondern von der Lei- stungssähigkeit der deutschen Wirtschaft auszu- gehen. Daher leisten wir heute Reparationszahlungen, ohne zu wissen, ob diese Zahlungen nur Zins- oder auch Tilgungszahlungen sind auf eine Schuld deien Höhe uns endgültig noch nicht bekannt ist. Die Zahlungen von Reichsbahn und Industrie er- reichen im Jahre 1964 ihr Ende und entsprechen bis dahin einer Summe von insgesamt mindestens 16 Milliarden Mark. Die Zah- lungen des Reiches, die nach dem Dowes-Plan jährlich min- bestens 1540 Millionen Mark betragen, find um rund 66 Proz. höher als die von Reichsbahn und Industrie. Sie würden also etwa einer Kapitalsumme von weiteren 25 bis 26 Milliarden entsprechen. Das ergäb» bis zum Jahre 1964«ine Gesamtleistung im Kapitalwert von mindestens 41 bis 42 Milliarden Mark. Die Rolle des Wohlslomdsmdex. Tatsächlich sieht aber der Dawcs-Plan noch eine weitere Erhöhung der Zahlungen aus dem Reichshaushalt durch den sogenannten Wohlstandsindex vor. Nimmt man an, daß dieser Index die Tatsachen der Wirtschaftsentwicklung getreu widerspiegeln und daß die jährliche Steigerung der deutschen Produktion sich auf der Höhe der Borkriegszeit halten, also etwa 3 Proz. jährlich betragen wird, so könnte sich aus dem Inkrafttreten dieser Bestimmung noch eine erhebliche weitere Steigerung der deutschen Last ergeben. Zu- nächst sind hier Einzelheiten noch nicht festgelegt, und man wird abwarten müssen, wie die endgültigen Bestimmungen hierüber aus- sehen werden. Zu hoffen ist aber, daß der Gedanke des Wohl- f'andsindex überhaupt fallen gelassen wird. Vielmehr sollte man zur Festsetzung der endgültigen Leistung Deutsch lqnds kommen. Reue Rlaßstäbe für die Endschuld. Die Bestimmungen des V e r s a i l l e r Vertrages wie die des Londoner Ultimatums über die Höhe der deutsch-n Reparationsverpflichtung dürfen wohl mit Recht als überholt be- zeichnet werden. Es ergibt sich daher die Frage eines neuen Maß- stabes sür die Festsetzung der deutschen Schuld. Diesen Maßstab in den Kriegs schäden zu finden, ist aussichtslos. Die deutsche Lei- smngsfähigkeit wird wohl im Laufe der Jahre steigen. Aber dieser Maßstab würde zu endlosen Schuldenzahlungen führen. Das wäre eine Zumutung, die das deutsche Volk mit allem Nachdruck abweisen muß Ein anderer, brauchbarer Maßstab ist schon eimnal, vor über fünf Iahren, von einer konservativen englischen Regierung vorgeschlagen worden. In der berühmten Balfour-Note vom August 1922 wurde namens der kon- servativen englischen Regierung vorgeschlagen, die deutschen Zahlungen in eiyer höhe fesizusehen. die den Verpflichtungen der interalliierlen Mächte gegenüber Amerika entspräche. Wendet man diesen Maßstab auf die deutschen Reparations- leistungen ab, so ergibt sich, daß die deutschen Zahlungen nach dem Dawes-Plan ganz erheblich, über das hinausgehen, was die Zahlungen der interalliierten Mächte an Amerika betragen. Auf Grund der endgültigen und vorläufigen Abkommen hat das S t a- tistifche Reich samt die Höhe der Jahresleistungen von Deutschlands Gläubigern an Amerika berechnet. Diese Leistungen belaufen sich 1927 auf 846 Millionen Mark. Sie steigen dann stetig an und erreichen 1964, in dem Jahre, in dem Deutschland seine Eisenbahn- und Industrieschuld getilgt hat, die Höhe von etwa 16S6 Millionen Mark. Ihren Höhepunkt erreichen sie etwa 26 Jahre später, im Jahre 1983. mit rund 176 6 Millionen Mark. Im jetzt beginnenden Reparationsjahr liegt unsere Jahresleistung von 17S6 Millionen also um über 166 Proz. über den Berpslich- tungen, die unsere Gläubiger zu erfüllen haben, und nach dem Dawes-Plan sollen sie noch mindestens ein Jahrzehnt lang um ebenso viel darüber liegen. Die von der Balfour-Note aufgestellten Grundsätze sind also zurzeit praktisch bedeutungslos. Dies Auseinanderklaffen der deutschen Leistung und der Verpflichtungen unserer Gläubiger ist auf die Dauer unerträglich. Gewiß ist es unwahrscheinlich, daß es je möglich sein wird, den Forderungen der Balfour-Note gerecht zu werden. Eine so große Differenz kann jedoch auf die Dauer nicht Bestand haben. Es ist unvernünftig, zu b e st r e i t c n, daß es Deutschland möglich sein wird, 1S66 Millionen jährlich zu leisten. Es ist ebenso unvernünftig, von Deutschland zu verlangen, Beträge von 2,5 Milliarden Mark und mehr jährlich zu leisten, ohne daß es weiß, daß es seine Schuld auch nur verringert, ohne daß es weiß, wie lange es derartig« Niesensummen tragen soll. Seit Beginn des Dawes-Planes haben die Alliierten mehr erhalten. als sie selbst an Amerika zu leisten hatten. Ihre Schuld wird im Jahre 1987 in voller Höhe abgetragen sein. Di« Summe der bis dahin geleisteten Iahreszahlungen wird sich dann auf etwa 96 Milliarden Mark belausen. Leistet Deutschland auch nur bis zumIahre1964 die vom Dawes-Plan vorgesehenen Iahreszahlungen, so wird die Summe seiner Jahreszahlungen, ohne Berücksichtigung einer etwaigen Erhöhung dieser Zahlungen durch den Wohlstandsindex, sich auf m e h r als 96 Milliarden Mark stellen. Da ober gerade dann die Alliierten noch immer steigende Beträge an Amerika zu zahlen haben werden, ist es unwahrschein- lich, daß sie aus deutsche Reparationszahlungen dann schon Ber- zicht leisten werden. Sie werden, nachdem Deutschland bereits 41 bis 42 Milliarden(ohne Wohlstandsindexzahlungen) geleistet hat, mit einem Schein des Rechts, eventuell unter Berufung auf die Balfour-Note, weitere Zahlungen fordern. All diese Gesichtspunkte lagen den Urhebern des Dawes-Plans fern. Diese Sachverständigen hatten festzusetzen, was ihrer Mei- nung nach Deutschland leisten könne, nicht, was er nach Recht und Billigken leisten solle. Deutschlands Leistungs f ä h i g k e i t schätzten sie dabei offensich'lich höher ein, als man sein« Leistungs- pjlicht einschätzen sollte. Es ist noch nicht entschieden, ob ihre Schätzung richtig war. Wohl aber ist entschieden, daß Deutschland erhebliche Beträge zu leisten imstande war. Behalten sie weiterhin recht, so besteht die Gefahr, daß Deutschland übermäßige Zahlungen leistet. Die Zahlung auch nur von 2,5 Milliarden Mark jährlich bis zum Jahre 1964 wäre übermäßig, wenn man sich die Grundsätze der Balfour-Note von 1922 zu eigen machen würde. Die Einsicht in diese Zusammenhänge wird leicht dadurch behindert, daß unsere amtlichen Stellen vielfach Jnteressentengruppen vertreten, die durch den Dawes-Plan nicht allzu sehr geschädigt werden. Diese Gruppen sind im Gegenteil geneigt, die in den deutschen Reparationen ge- schaffenen Möglichkeiten zu Sachlieserungen nur als gutes Geschäft anzusehen. Die Arbeiterschaft, auf der in der Auswirkung die Hauptlast der Reparationen liegt, muß fordern, daß in dem Reparatwnsjahr, das dem Normaljahr vorangeht, Klarheit über die höhe und die Dauer der deutschen Verpflichtungen geschaffen wird. Eine solche Begrenzung ist vom Standpunkt vernünf- tiger Erfüllungspolitik notwendig, und mft einer solchen Begrenzung muß Hand in Hand gehen eine Festsetzung der Dauer der Zahlungen. Je länger wir gezahlt haben und je mehr wir gezahlt haben, um so größer können nur die Forderungen werden, die unsere Gläubiger uns als endgültig« Forderungen präsentieren werden. Darum müßten entsprechende Verhandlungen so bald als möglich gesucht werden. Schon eh« der Wahlkampf"für den nächsten Reichstag begonnen hat, noch bevor man mit unklaren und versänglichen„Revisions'parolei, Stimmenfang treiben kann, muß die schwierige Aufgabe, für die Reparationsfrage eine End- löfung zu finden, in Angriff genommen werden. Dies« Frage ist viel zu bedeutungsvoll, als daß sie als Plattform für die Herren Hergt und Westarp mißbraucht werden sollte.__ Große Ansprüche an öle Reichsbank. Mehr Wechsel cingcrcicht als vor der letzten Diskonterhöhung. Die deutsche' Wirtschaft hat bei stark angespannter Kon- junktur wieder einen Monatsschluh ohne erkennbare Crschütterun- gen hinter sich gebracht. Bei der Reichsbank, deren großes Bank- stellennetz im ganzen Reich letztlich alle Stöße der Geldnachfroge auffängt und mit einer gewissen Zuverlässigkeit die Stärke der Stöße registriert, hat die zweifellos starke Geldanspanmmg in der Wirtschaft trotz der großen Bankreserven aus erheblichen Auslands- anleihen aber deutlichen Ausdruck gefunden. Nach ihrem Ausweis zum 31. August stieg die Verwendung von Reichsbankmitteln für Wechsel und Schecks, Lombarddarlehen und Effekten gegenüber der Vorwoche um 611,2 auf 2821 Will. Davon entfallen allein auf neu eingereichte Wechsel 569,1 Mill., so daß der Wechselbestand wieder die Rekordziffer von 2661,6 Mill. erreichte. Zu beachten bei dieser Steigerung ist, daß sie größer i st als die im Jahre 1927 bisher größte Ullimozu- »ahme der Wechselbestände(zum Maiende 547,7 Mill.), der am 16. Juni dann die Diskonterhöhung folgte. Wenn die New Porter Distonter Mäßigung, die die deutsche Geld- beschasfung erleichtert, auch günstig wirkt, so wird doch das Ausmaß der Entlastung der Reichsbank in den ersten Septemberwochen größere Beachtung als sonst erfordern. Sie muß gerade deshalb groß genug sein, weil Auslandsanleihen und die New Yorker Diskontermäßigung den Monatsschluß leichter gemacht haben. Ende Dez. 1926'Ätäez Juni Juli Aug. 27 N o t e n u n d S ch u l d e n: tin Millionen Mark) Banknotenumlauf.. 3 735.3 589 3 815 3 928 3 935 (Rentenbankschcine). 1 164 1 695 1 917 1 968 1 697 Giroeinlag. d. Wirtsch. 648 616 669 553 724 Kredite an die Wirtschaft: Lombardkredite... 84 8l 147 64 67 Wechselkredite... 1829 1 963 2 495 2 512 2 662 Notendeckung: durch Gold.... 1831 1 852 1 893 1 891 1853. durch Devisen... 519 293 67 179 157 durch Gold u.Devis.zus. 2 356 2 955 1 870 1 989 2 916 Deckungsverhältnis: sin Prozenten» sür Noten durch Gold und Devisen... 62,9 67.3 49.6 56,4 51,1 Lombarddarlehen wurden 42,1 Mill.(erhöht auf 67,1 Mill.) neu gewährt. Bemerkenswerterweise wurden dagegen vom Girokonto der Reichsbankkundschast keine Gelder ab- gezogen: vielmehr stiegen diese Bereitschastsguthaben noch um 12,6 auf 723,8 Millionen. Die geldliche„Bereitschaft* der Reichsbankkunden wird hier also unterstrichen, was aber gerade für unsicher werdende Zeiten charakteristisch ist. Der Notenumlauf wuchs um 527,8 auf 3934,7 Mill., der Umlauf an Rentenbankscheinen stieg um 75,5 auf 1667,2 Mill. Weil Girogelder noch hinzuwuchsen, blieb die Geld- umlaufsbilanz verhältnismäßig günstig. Vom Standpunkt der Noten d e ck u n g hat sie sich gegenüber dem vorigen Monatsende sogar gebessert: die Goldbestände nahmen durch 21,4 Mill. Goldkäufe von dem geldsuchenden Rußland auf 1852,7 Millionen zu, während die Bestände an deckungsfähigen Devisen nur um 16,6 auf 157,6 Mill. abnahmen. Gegenüber der Vorwoche ist die Deckung der Noten durch Gold allein von 53,8 auf 47,1 Proz. und durch Gold und Devisen zusammen von 58,7 auf 51,1 Proz. zurückgegangen: das ist ober für den Notenumlauf am Monatsende.seit.Ende April das günstigste Dcckungsverhältnis. Die Serliner firbeitsloßgkeit bleibt groß! 156 000 Menschen suchen noch Arbeit. In der Wache zum 3. September haben in Berlin wieder 3166 Personen Arbeit gefunden. Die Ausnahmefähigkeit der Wirt- schaft ist also in Berlin, obwohl viel von einem Konjunkturrückschlag geunkt wird, noch verhältnismäßig günstig. Zum Teil hängt das bestimmt mit dem Charakter Berlins als Verarbei- tungs- und Handelszentrum zusammen, deren Konjunk- wren normalerweise später einsetzen und länger dauern als in Roh- und Halbstoffindustrien. Auf der anderen Seite hat Berlin von seinem Höchststand der Arbeitslosigkeit mit 284 666 doch noch nicht die Hälfte zurückgewonnen, so daß die Abnahme der Arbeitslosigkeit unverhältnismäßig viel kleiner ist, als in anderen Gebieten und im Durchschnftt des Reiches. So viele Gründe es dafür gibt(Verarbeitungszentrum, Zuzug in die Haupt- und Weltstadt, große Nähe rein agrarischer Gebiete), so ist die Tot- fache doch von wirtschasts- und sozialpolitischem Standpunkt bc< deutsam. Das Landesarbeitsamt Berlin schreibt zur Lage: Die Entwicklung des Arbeitsmarktes bewegt sich weiter in langsam aufsteigender Linie. Die Arbeitslosigkeit ist in der vorigen Woche um rund 3166 Personen zurückgegangen, so daß der Stand gegenwärtig 156 613 beträgt. Zu einem erheblichen Teil ist an dieser Entwicklung wiederum die Metall- und letzthin auch die Holzindustrie beteiligt, die einen Rückgang von rund 666 bzw. 466 Personen aufweisen. Auch das Spinnstoff- und B e k l e i- dungsgewerbe ist weiterhin gut aufnahmefähig, so daß hier bereits durch Heranziehung weniger geübter Kräfte dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken versucht wird. Das gleiche Bild zeigt sich in der Metallindustrie. Hier stößt die Ver- mittlung auf größere Schwierigkeiten, weil die Auftraggeber noch immer eine bestimmte Altersgrenze ziehen. Aus diesem Grunde kann einerseits der Bedarf nicht voll gedeckt werden, während andererseits noch immer weibliche Arbeitskräste den Arbeitsniarkt belasten. Die Landwirtschaft beginnt bereits mit dem Abruf von Erntearbeitern sür die Hackfruchterntc. so daß auch hier eine wesentliche Entlastung des Arbcitsmarktes zu be- merken ist..; Es waren 156 613 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 159 191 der Vorwoche. Darunter befanden sich 165 349(167 965) männliche und 56 664(52126) weibliche Personen. Erwerbslosenunter st ützung bezogen 46523(47458) männliche und 19 496(29 536) weibliche, insgesamt 66 613(67 994) Personen. Außerdem wurden noch 24 767(25 454) Personen durch die Erwerbslosenhilfe der Stadtgemeinde Verlin und 22 869(23 987) Personen durch die Krisenfürsorge unterstützt. Bei Nvtstandsarbeitcn wurden 4869(4989) Personen beschäftigt. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 31. August berechnete Großhandelsindexzisser des Statistischen Rcichsamts beträgt 139 gegen 138,6 in der Vorwoche. Die Gcsamtindexzisfer Hot demnach gegenüber der Vorwoche eine leichte Steigerung um 6,3 Proz. erfahren. Hierbei blieben die Indexziffern sür die Haupt- gruppe A g r a r st o f f e und für Kolonialwaren im ganzen u n- oerändert. Von den Haupteruppen der Industriestoffe erfuhr die Jndexzisstr der industriellen Rohstoffe und Halbwaren«ine Steigerung um 6,4 Proz. und diej«nige der industriellen F e r t l gwaren eine solche um 6,5 Proz. Die Wirtschaftslage im August. Nach den Berichten der In- dustrie und Handelskammern zeigte die Wirtschaftslage im August k e i n e i n h e i t l i ch e s B i l d. In verschiedenen Industrien machte sich die saisonmäßig bedingte Geschäftsstille bemerkbar. Im Ruhr- k o h l e n b c r g b ä u hat sich bei etwas gesunkener Steinkohlen- förderung und gestiegener Kokserzcugung Gesamtproduktion und Absatz nicht wesentlich verändert. Der oberschlesische Bergbau er- fuhr eine leicht« Belebung. In einigen Zweigen der Eisen- i n d u st r i e ließen Auftragseingang und Absatz zu wünschen übrig, andere Zweige waren bei reger Nachfrage gut beschäftigt. Aus dem Textilgebiet lauten die Nachfragen über Beschäftigungslage und Aufträge zum größeren Teil günstig. Die Vcrstcisung am Geld- und Kreditmarkt hielt weiter an. Verschiedentlich wird über schlechten Eingang der Gelder und niedrige Preise ge- klagt. Der Auslandswettbewerb hält vielfach an. Die Ziehungsliste der am 31. August 1927 ausgelosten Aus- losungsrechte 36 661— 66 666) der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reichs ist im„Reichsanzeixer* vom 2. September und in der Allgemeinen Verlosungstabelle Grünbera(Schles.) vom 3. Sep- tember 1927 veröffentlicht worden. Die Allgemeine Vcrlosungs- tabelle ist allgemein bei sämtlichen Banken und Sparkassen vorhan- den und kann dort eingesehen werden. Gemisthtw-rtsth östliche Unternehmungserfolge. Erfreuliche Enkwicklung der kfamburgifchen Elekkrizitäls- werke Ä.-G. Mit ihren 66 Millionen Mark Kapital»«hört die Hamburgische .ettrizitätsmerk« 2L-(3. mit»u den bedeutendsten Elektrogroßunter- nehmen in Deutschland. Ihr Versorgungsqebiet umfaßt den gesamten hamburgischen Staat mit seinen öffentlichen Anlagen, indu- striclken Werken und elektrisch betriebenen Verkehrsunternehmen. In vier großen Kraftwerken mit einer Gesamtmaschinenleistung von 163 000 Kilowatt und einer täglichen Stromerzeugung von weit über einer Million Kilowattstunden, sowie siebzehn Unter- werten wird elektrische Energie erzeugt, umgeformt und oerteilt. Das Kabelnetz umsaßt 2411 und das Freileitungsnetz insgesamt 603 Kilometer. Die kräftig« Entwicklung des Unternehmens und seine rationelle Arbeit wird durch folgende Tabelle gekennzeichnet. Es betrugen: Kriegsende 10.-4 25. 1925'26. 1929/27. Stromabsatz in Millionen Kilowatt .. 75.0 .. 194.6 .. 220.1 .. 249.7 Betriebs- Unkosten in Mill Mk. 8.6 8.8 9.7 Betriebs- gewinne in Mill. Mt. St.» 36.9 41,4 Seit Kriegsende konnte also der Absatz um rund 240 Proz. gesteigert werden, und während die Vctriebsuntosten sich um noch nicht 13 Proz. erhöhten, wuchsen die Betriebs- gewinne um mehr als 30 Proz. Von den 41,4 Millionen Betnebegewinnen wird nach Abzug der Handelsunkosten, der von 4 Millionen auf 3,6 Millionen ge- senkten Steuern sowie der um 1 Million auf 5,6 Millionen erhöhten Absckreibungen ein Reingewinn von 12,6 Millionen gegen 12 Millionen im Vorjahr auegewiesen. Nach Leistung einer Reingewinnabgabe an den hamburgischen Staat in Höhe von 6,1 Millionen Mark wird, wie im Vorjahr«, eine Dividende von 10 Proz. verteilt. Die Gesamtabgab« an den hambur- g i s ch e n Staat ohne seinen Dividendenonteil ist von 8,3 Millionen auf 9.2 Millionen Mark gestlegen. In der Bilanz haben sich die A n l n g« w e r t e entsprechend den bedeutenden Betricbsausbauten durch 30,6 Millionen Zugänge auf insgesamt 134.1 Millionen e r h ö h i Die noch im Bau be- fin blichen Anlagen wiesen gleichfalls eine Steigerung von 6,2 Millionen auf 7.8 Millionen Mark auf. Da zur Finanzierung der umfangreichen Neubauten und Betriebsveibesserungcn die 1926 aufgenommene Amerikaanleihe in Höhe von vier Millionen Dollar nicht ausreicht«, wurde im Berichtsjahr noch eine Inlands- o n! e i h c van 23 Millionen Mark begeben. An flüssioen Bstriebs- miiteln ist kein Mangel. Den laufenden Schulden von 3 Millionen stehen an Forderungen insgesamt 7 Millionen Mark gegenüber, zu denen noch 2,8 Millionen Mark Borräte kowm-n. Zur Berbreitung der elektrischen Haus- und Wohnbeleuchiung auch in den älteren Hamburger Stadtteilen hat die Gesellschaft den .iönuseioentümern d a r l e h n s we i s e Gelder zur Verfügung ge- 0ellt. tue ausschließlich der elektrischen Einrichtung dienen sollen. Bisher soll sich das Verfahren gut bewährt haben. Die Anlagepolilik der Sporkassen war jahrelang der Gegenstand heftiger Kämpfe zwischen diesen und den privaten Banken. Die privaten Banken beschwerten sich über die hostige Konkurrenz für Sparkassen in der Gewährung von Wirtschaftskrediten und über d:e Bcschneidung des eigentlich ihnen„vorbehaltencn" Tätig. keitsgebietes. Eine Untersuchung des Statistischen Reichsamtes zeigt letzt endgültig, daß es sich tatsächlich bei diesen Erfcheinungcn um vorübergehende Dinge gehandelt hat Die deutschen Spar- küssen haben zwar mit Recht immer betont, daß die Aersorgung de» Mittelstandes auch mit Wirtschaftskrediten durcha», in ihren Tätig- keitsbcreich gehöre, aber die Untersuchung des Statistischen Reichs- omtes bestätigt, daß mit der Stabilisierung der Wirtschoits- Verhältnisse in Deutschland auch eine weitgehende N o r m a l i s i e- r u n g der Anlagepokitik der Sparkassen verbunden war. Die beut- schen Sparkassen sind in der Tat in entscheidender Weise wieder dazu übergegangen, ihre Spargelder infestverzinslichenWerten und langfristigen Darlehen anzulegen. Nach dem Stands vom De- zember 1926 ist der Bestand an Wechseln bei den Sparkassen gegen- über dem Vorjahre um 26,2 Proz. aus 178,1 Millionen M. zurück- gegangen, während die langfristige Anlage ganz bedeutend anwuchs. Die Hypothekendarlehen stiegen um mehr als das 1)4 sa che auf 950.3 Millionen M., der Bestand an Wertpapieren stieg sogar um das Zehnfache von 63 auf 642,9 Millionen M. In der ersten Halste des Jahres 1926 waren schon nur noch 17,9 Proz. der Spar- einlagen nicht langfristig ausgeliehen. In der zweiten Hälfte jedoch wurden die Spareinlagen wieder restlos langfristig angelegt. 0 daß trotz der Unterschiede in den einzelnen Landesgebieten festgestellt werden kann, daß die Anlagepolitik der Sparkassen weitgehend sich derienigen der Vorkriegszeit wieder ongenäyert hat. Rückgabe von deutschem Eigentum und Zahlung von Entschädi- gütigen durch Zlalien. Zwischen Deutschland und Italien wurde«in Vertrag unterzeichnet, der eine Reihe wichtiger Abkommen enthält. Von größerer Bedeutung für die Oessentlichkeit ist die pauschale Ab- geltung von 60000 Ausgleichs f orderungen im Be- trage bis zu 5000 Lire, die bisher zwischen den beider- fettigen Auegleichsämtern unerledigt geblieben waren. Durch ein weiteres Abkommen gibt Italien alles reichsdeutsche in Altitalien gelegene und auf Grund des Versailler Vertrages beschlagnahmte Vermögen zurück, soweit es am 15. Mai 1927 noch nicht«nd- gültig liquidiert war. Ferner werden jenen deutschen Eigentümern die von Italien ihre Güter zurückgekaust hatten, alle am 15. Mai 1927 noch nicht be, zahlten Teilbeträge des Rückkauf- preis e s erlassen. Nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden können sich die deutschen Interessenten an die Auskunftsstellen weaen weiterer Auskünfte wenden. Rekordeinnahmen der Reichsbahn im Juli. Wie«lne Karre- fpondenz meldet, haben die Einnahmen der Reichsbahn im Juli mit 453.1 Millionen Mark den höchsten Stand seit dem Bestehen der Reichsbahngesellschast erreicht, nachdem bereits die Junieinnah. men mit 450,7 Millionen alle Vormonate übertroffen hatten. Die Besitzet der neuen Sprozcnllgen Reichsanleihe, deren Ver- zinsung bis End« Juli 1934 auf 6 Proz. erhöht worden ist. werden vom Reichsfinanzministerium zur Einlieferung der Anleihestücke in der Zeit vom 20. September bis 20. Oktober aufgefordert, um die entsprechende Umstempelung vorzunehmen. Di« Einlieferung und Umstempelung ist erforderlich, weil die Papiere nach Ablauf der Frist an den Börsen nur noch In abgestempeltem Zustand lieferbar werden. Wochenprograrnm des Berliner Rundfunks, Sonntag, 4. September: 9: Morgenfeier. 11.30: Platzmnsik. 15: Sirelfzüge durch amerikanische Obstfarmen. 15.30: Schulgeschichten. 17- Unterhaltungsmusik. 19.05: St&dte- bilder, eine Reise durch di« europilschen Hauptstädte. 19.30: Da» Wlrtochafts- leben in der modernen Türkei. 20: Berliner Volkspsycholoile. 30.30: rröhliche Unterhaltung. 21.15: Edvard Orleg.— Muslkvortrlge. 22.30: Tanzmusik. Montag, 5. September; 15.30: Prelsverteuernng infolge Produktionselnschränkung und Valorisatlon. 16.30: Novellen. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Technische Wochenplauderei. 19.30: Vortrag:.Das gotische Zeitalter," 20.30: Sport in der Dichtung. 21.30: Konzertabend. Dienstag. 6. September: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Die wirtschaftliche Bedeutung der Meeresströmungen. 16.30: Stunde mit Büchern. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Arbeiter und Werksgemeinschaft. 19.30: Hnmor!n der Welt. Itteratur. 20.05: Uebcrtragung aus dem Großen Schauspielhau»..Der Mikado", Burleske. Ausstattungsoperette von W. S. Gilbert, Musik von Sulllvan. Mittwoch, 7. September: 13.45: Glockenspiel der P»rochi«lkirche. 15.30: Rechtsfragen für die Pran (Die Ehescheidung). 16: Wie verkehre ich mit Schwerhörigen und Gehörlosen? 16.30: Unterhaltungsstunde. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Anschauungen vom In seinem Vortrag„Im Stadtviertel der Besserwisser" versucht Han» T a s i e m k a«in Bild von der Berliner Casehausboheme zu vermitteln, die sich heute im Romanischen Casö Rendezvous gibt. Gut charakterisiert er die Wandlung, die der Typ nach dem Kriege durchgemacht hat, die Wandlung auf spürende Eeschäststüchtigkeit, doch Tasiemka überschätzt die Notwendigkeit dieses Caferendezvous'. Größere Werke und auch wertvolle Zeitungsartikel entstehen an anderen Orten, und ihr Entstehen braucht wohl kaum eine stunden- lanqe Diskussion ihrer Verfasser ini Cafe. Vor allem überschützt Tasiemka auch dos Format dieser. Besserwisser". Man weiß, daß sich die sogenannten„Prominenten" heute in einem Restaurant in der Nähe des Cafes versammeln. Die Reih«„Das deutsche Hand- werk" beginnt Arnold Richter über„Das Dach, der Schirm des Hauses". Zuerst verliert er sich in zu spezielle Einzelheiten, die ein Laie durchaus nicht sofort versteht, später aber gibt er bemerken«- wen« Anleitungen zur Befestigung von Antennen und warnt die Hausbesitzer. Reparaturen durch Leute ausführen zu lassen, die sich nicht durch«in Berufszeugnls ausweisen können, denn sehr oft geben sich Einbrecher als Dachdecker aus. Für die neunjährige Schulpflicht plädiert Regierungsrätin Elisabeth Burthmonn. Rein wirt- ichaftlich betrachtet würde dos neunte Schuljahr eine Entlastung des Arbe.tsmarktes bedeuten, gleichzeitig wären aber auch dann die Jugendlichen einem Zwang unterworfen, der sie vor Entgleisungen bewahren könnte. In erster Beziehung entscheiden aber psychologische Moment«. Das Seelenleben des Jugendlichen würde sich freier ent- falten, es könnte an Tiefe, Innigkeit und Spannweite gewinnen. Im neunten Schuljahr sollt« der Schüler besonders in handwerklichen Dingen unterrichtet werden. Sonst bietet das Programm anläßlich der Eröffnung der Funkausftellung viel Musik. Sehr hübsch zu- sommengesetzt und von gutem Niveau ist das Abendkonzcrt unter Seidler-Winklers Leitung. F. S. 15.30: Der Schießsport und Moderne türkische Lyrik. 17: Lokomotive. 19.30: Buch und .Hochzeit". Musikvorträge und Lebensinhalt hn Wandel der Jahrhunderte. 19.30; Punkisches Zentrum Mi Westen. 20; Orchesterkonzerl. 22.30: Unterhaltungsmusik. Donnerstag. 8. September: 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt seine Bedeutung für die Leibesfibung. 16-10: Unterhaltungsmusik. 19.05: Neues von der Film. 20: Moderne Verbrechertypen. 20,3«:, Rezitationen. 22.30: Tanzmusik. Treitag, 9. September: 15.30: Wirtschaft und Mode. 16: Jugendbohne und Schale. 17: UnterJ haltungsmusik. 19.05: Italienisch. 19.30: Rundschau für Blumen- und Oarteu-J freunde. 20; Köpfe der Dichterakademie. 20.30: Deutscher Abend. Mnsikvor-i träge und Rezitationen. 22.30: Konzertvorträge. Sonnabend. 10. September: 12 30: Die Viertelstunde für den Landwirt 15.30: Köoig Baumwolle. 16.30: Rezitationen. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Medizinisch-hygienische Plauderei. 19.30: Positive Lebensführung. 20: Populäres Orcheslerkonzert. 22.30: Taaz- musik. Kö«iigswusterhausen. Sonntag, 4. September; Ab 9: Uebcrtragung ans Berti«. Montag, S, September; 16: Alte Vorstetlnugen und neue Tatsachen im Physikunterricht der Studien anstatt. 17: Philosophierende Oespiüche. 1730; Die moderne Tagesu Zeitung. 18: Wesen und Autgabe der inneren Mission. 18-M: Englisch für An. länger. 18.55: Verkaufstechnik und Reklame. 19.20: Oetreidebcizapparäte und ihre Anwendung. Ab 20 30: Uebcrtragung aus Berlin. Dienstag. 6. September: 16: Alte Vorstellungen und neue Tatsachen im Physikunterricht der Studienanstalt. 17: Das Pflanzenkleid der Erde. 18: Hypothekenanfwertung und öffentlicher Glaube des Grundbuches. 18,30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Wilhelm Müller zum 100. Todestage. 19.20: Aus der Prosa deutscher Staatsmänner und Gelehrter: Karl Man. Ab 20.05: Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 7. September: 16: Das Gesetz zum Schutz der Jugend gegen Schmatz und Schund. 1630: Das Pflanzcnkleld der Erde. 17.30: Die komische Oper. iL: Technischer Lehrgang für Facharbeiter: Mechanik. 1830: Englisch für Anfänger. 1835: Soziale Belastung. 19.20: Die Wechselbeziehungen zwischen Erdkunde und Geschichte. Ab 20: Uebcrtragung au» Frankfurt. Ab 22.30: Uebertragung ans Berlin. Donnerstag. 8. September: j 16: Erzichungsberatnng. 16.30: Aus dem Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 17: Weltpolitische Stunde. 1730: Uebertragung aus Berlin. 1830s | Spanisch lür Fortgeschrittene. 18.88: Das deutsche Kunstlied: Joh. Brahms. | 19.20: Kartolfelernte, deren Bergung und Aufbewahrung und Verwendmig. Ab 20.38: Uebcrtragung aus Berlin. Freitag, 9. September: 16: Das nervöse Kind. 16.30; Scbnlkundliche Fragen in Dialogförm. 17: Die Temperaturskala und ihre Grenzen. 17.30: Der Dichter als Gestalt und Symbol. 18: Die Unfallgcfahr bei elektrischen Anlagen und die Maßnahmen zu ihrer Verhütung. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 1835: Die Bedeutung der Handels- und Zahlungsbilanz. 1930 Wissenschattlichec Vortrag(Or Aerztc. Ab 20.30; Uebcrtragung aus Berlin. Sonnabend, 10. September: 16: Englisch lür Fortgeschrittene. 16.30: Berufsberatung. 17: Aufstiegs; Möglichkeit in der Beamtenschalt. 17.30: Der wandernde Arbeiter. 18: Tech; nischer Lehrgang lür Facharbeiter; Mechanik und Fertigkeitslehre. 18.30: Zahn; heilkunde und Leibesübungen. 18.55: Moskau von beute. 19,20: Rund um den Bodensee. Ab 20: Uebertragung aus Berlin. Vorträge, Vereine und Versammlungen. I » Reichsbanner»Schmarl Rok-Gold". W Selchäfleftelt»: fSeclin c 14. ccbaflianftz. 87:38.£io' i 3t toenntag, 4. September, ffrirdrichshoin(Schutzlporl): 7 Uhr Schiel. BHs., Ecke Siabaiftrofic, zur iyatjet nach ffirünau. Bndrzkug mitbringen. Sluchzitglrr 13% Uhr?hf. tSriinau. gharlettenburg: Pfltchtvernn» staltung nach Elenken. Abfahrt 12 Uhr Bhf. Hharlbg. Stchtenbeeg nebst Unter. geuppen; 814 Uhr E Portabteilung bei Schottert, am Rummeleburger See. Urben her sportlicken Ausführungen zum Vergnügen am 11. September. Sporiplaß griebeicheselbe:..........~, icilioten Ortsoereine. Ronteg, 5. Sepfemiee. 9eit)(nna«5ittg $. Mufft Z>. Pffosjisch-SnDbcnllchf Klaffen. Lotterl». Ohne Gewadr Nachdruck verbalen selbe: 7 Uhr allgemeiner Ärbeifsdienft für sämtliche be. Holzarbetier mit Werfzeug müssen zur Stelle sein.— � c*. Peenzfaxer Berg: IDy, Uhr Sezirfsamt. Tressen aller Kameroben(auch posssven) ohne Fahnen und Mussf. Sportgruppe geht zur Halle. Wümee-does: 20 Uhr Uebungsstunde für Iugendlanteraden bei Kiolhs, Holstetnisdie Strasse. Keeiizbeeg: Ittgend Vortrag Kam. Saltngree. Slenfelln. Zugversainmluits"'" taend I im Zugutdhe'in Vorckftr. 10—11. 1.«umerahschaff, 1 Zug, 20 Uhr tberstr. 10. Vorfrag des Kam. Stadteaf . bei Srommeck, San........ WWWWWWWWWWWWW Waldhetm. 1. Kameradschaft, 3 Sttg, 20 Uhr tzugverfammlung bei Smeidid!, Kaiser-Frtedrich.Str. 22«.—»ienofog, 0. September. Ritte: 20 Uhr 1. und 6. Kameradschaft Versammlung Dartensir. 6. Vortrag:.Beamtenschaft und Reichsbonner." Reserenf Wilh. Thurau. 5. Kameradschaft Menerbeerstr. 7. Referent Kam. Erich Fraet'fel. Kreutberg: Abt. 2: 20 Uhr bei Böttcher, Hagel. herger Str, 8. Abt. 4: 20 Uhr„Zur Linde", Hallesdie» User 14. Vortrag Kam. ®t. Schulz. Abf. 5 bei tStüttblet, Kimmerslr. SO. Abt. 8 bei Fuhlbrüaqe, Roftijftt. 29. Referent Kam. Red. Lichtenberg nebst Untergruppen: IIH Uhr Heben des gesamten Tambopefoeps ausnahmsweise de! Imbusch. Lüdstr. 58.— Mitte: Versammlungen um 20 Uhr. 8. Kameradschaft Sewerkschaftshau», Saal 3, Lichtbildervortrag. 4. Kameradschaft im betannten Lokal. -Warum spielen»1« Arbeiter Schacht" Einen Vortrag Über diese« Thema hält Ronnersiag, 8. September, 20 Uhr, Erich Mühsam im Spiellofal der Abteilung Westend des Berliner Arbettee-Schachllubs. Eharlottendurg, Sophie. (shorlotte.Str. 88(Ecke Potsdamer Strosse). Däste eingeladen. Eintritt frei und unverbindlich, Arbeitee-Eiperauto-Ueuppe Renkoll»: Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, Propagandavortrag Uber-Esperanto" im Schuthaus Rütlistrasse. Verband der Lungen,»nd T»berfulose.s«kr-nkten Teutschlands(Sitz Berlin). Geschäftsstelle: N. 20, Schänstedistr. 1, v. 1 3t. Moniua, 5. September, 19(4 Uhr. Hauptvorstanbsssssung in der Geschäftsstelle. Erscheinen aller Gr. Nossen und Genossinnen ist unbedingt ersorderlich. Der Hauptvorstond. Reichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Keiegerhinter- bliebenen. Bez. Wedding: Mitgliederversammlung Montag, Z. Septrmber, 20 Uhr. Chausseestr. 84, Patzetthoser. Verband für Feeidenlertum und Aeneebestattnna, e.«. 7. Bezirk(Ehar. lattenbvrg): Mittwoch, 7. September, lg Uhr, Mitglieberpersammlung in Ahleris Festsäl-N, Berliner Str. 88. Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, e. B. Donnerotag, 8. September, 20 Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2—4, Mlialtederoersamm- lung mit Tortrag. Dr. Kurt stielenztaer, Redakteur der..vossischen Zeitung", spricht über..Vom Lehrling zum Meister. Was bringt da» neue Berufsaus. btlbungsgefetz?" 20(3 Uhr, im alten Schöneberger Rathaus, am Katser.Wilhelm.Plab, Vortrag». abend. Referent Bree, Pressechef der Deutschen Liga für Pßlkerbmtd. Thema: »Die Entstehung de» Bolkerbundgedonken» und die Stellung der Rationen zum välkerbund." Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich höh« Gewinn« gefallen, und zwar j« ein«« aus die Lose gleicher Rümmer beiden in de» «n Abteilungen l und II X 1 2 i 15. Ziehuogoiag Z. September 1927 An der NachmtttagKziebung wurden Gewinne Uber 150 M, gezogen •-arnnw t- 200000 TN.«238 •tmmne ,» 75000 HL I167y9 X.»»Winne ,» 26000 M. 31 7739 2»saniin» n 10000 HL 274549 «»enmm.«■ 5000 HL 130916 235224 10»ewm», in 3000 551. 14538 44815 122524 123329 921064 Ifc«»Winne in 2000 HL 81030 110758 134196 141626 161656 212737 261254 326566 340936 22»etninn» ja 1000 551. 63957 70660 90890 173800 186460 241960 282730 282735 317973 322613 348593 88»»Winne tu 500 M. 597 12646 14531 16293 17686 18626 2180t 26210 54235 62446 70187 73165 79169 83362 89248 116322 121201 729618 137496 143795 145784 148549 153214 158391 168474 176730 184458 190066 229114 234313 237631 239333 254413 262706 265132 265986 281604 282767 289339 289812 297097 304060 326992 335752 204»»»Inn» in 300 Hl. 108 4208 4833 6106 12902 16369 33924 36076 37663 42208 44638 44841 49097 51994 64990 66692 66039 67363 69845 71089 73468 79787 82496 68865 91168 96797 106024 106923 111076 112876 115796 116103 117774 122584 126133132593 145333 148146 161324 162390 163425 157143 162745 166763168067 171614 178471 179300 179319 179418 181543 184101 193046 196340 196346 1964 76 196909 199419 202659 206211 209013 209674 223771 228313 232820 233499 234550 237991 238862 242413 243238 243709 246994 250524 252366 264408 264547 267946 270159 271905 272134 283084 285766 286656 283093 298243 298504 312196 313660 313727 314321 316012 316568 31 7683 31 6663 321071 321267 322417 326430 331163 336620 344564 In der heutigen vormittagdziehung fiel der Hauptgewinn oon 200000 Mt aus Nr 1238 tn Abteilung 1 nach Brelau, in Ab» mlungll nach Wandsbeck. 16. Ziehungßtag 3. September 1927 On der Bormttlaggzlebung wurden Gewinne über löv M. gezogen 4»«mnn« in 5000 M., 1 9608 252075 4»»winn, in 3000 M. 18404 320347 26843 1**""11' � 2000 28 38289 41607 50984 126630 162733 238448 ..l000 � 81094 43629 47901 64158 78847 112862 186162 171764 251983 254802 272379 282764 ™ 6»4>° 600 M. 1637 21056 23752 60141 80986 71028 73354 20129 84256 90027 99920 130761 162403 166889 177785 18011« '»4134 196020 199612 215918 227678 229790 233699 238906 252062 255-260 237396 290639 333033 337447 343574 347623 ~J72 300 Hl. 11285 17082 17697 18397 26317 28390 S02� 51195 4i95B 42948 432ö9 40080 62782 65046 58636 64217 72569 94332 97463 107186 118699 119902 122191 123004 123185 124118 129678 1Z1292 133263 134776 137699 139040 139662 I4I04Z t444»4'4'363 163461 167434 161079 163346 166006 166043172068 «70309 182347 186766 194620 104930 169262 206134 209484 213830 214288 219830 220236 226479 228170 233671 234571 247990 248896 256932 261035 264673 267216 269989 272991 277617 277985 278297 281028 282665 283208 294334 294358 285386 301156 304177 304352 807882 317937 318716 322237 322942 331430 336996 MALKAH ZiOA RETTEN FABRIK A 6 Sonntag 4. September 1927 Vellage öes vorwärts Die Filme öer Woche. »Auferstehung.� (Marmorhaus.) Her Film könnis überall und nirgends spielen. Nur die Militär- «iWsornien und die Namen weisen auf Rußland hin, die Menschen sind dagegen waschechte Amerikaner, und bei der Szene im Ge- fängnis muß man an eine Grotesk« im Dankeestil denken. Der amerikanische Bearbeiter Edwin C a r e w e hat alles Bodenständige aus Tolstois Roman herausgedoktert, er beschränkt sich allein auf die Liebelei zwischen Nechludoff und Katja. Diese Vorgeschichte, die der Roman nur andeutet, bringt der Film in spielerischer Breit«. Glutende Umarmungen, die zur rechten Zeit abgeblendet werden, Fürst Nechludosf bei den russischen Kokotten mit den sacharinierten, amerikanischen Girlgesichtcrn scheinen größeren Erfolg zu oersprechen als die Auferstehung, die innere Wandlung der Menschen, auf die Tolstoi den chauvtakzent legt. Was bei Tolstoi nur als Folie dient, wird bei den Amerikanern zur Hauptsache. Man verfilmt also „Auserstehung" scheinbar nur aus Spekulation auf einen bekannten Titel, denn, würde das Problem des Romans überhaupt die Ameri- kaner interessieren? Es entsteht die übliche Verführungsgeschichte mit einer Ahnung vom glücklichen Ende. Man sieht keinen einzigen Bauern im Film, sieht nichts von den sozialen Reformen, die Nech- ludoff auf seinem Gute einführt, sieht nichts von seiner Mensch- wcrdung. Der Film verschließt sich hermetisch vor dem Lande und hört dort aus, wo er ansangen sollte. Er ist für das beschränkte Hirn des amerikanischen Kleinbürgers, auf den das Wort Sozialis- mus wie ein rotes Tuch wirkt, gearbeitet, und deshalb geht auch Nechludoff nicht mit in die Bcrbannung, das wäre zu verrückt, er begnügt sich mit der Versicherung, von jetzt ab den Armen zu helfen, und man ahnt merkwürdige Zusammenhäng« zwischen Nechludoff und einem alten Flickschuster, der unmotiviert in ein paar Zwischen- szcnen philosophische Weisheiten austeilt und dem Jlja Tolstoi das Aussehen seines Papas gibt. Nechludoff verliert jedes Format. Wo bleibt die Größe seines Opfers? Es entsteht«in sauberes, sinniges Opernruhland, und aus Tolstois Roman wird eine kleine Magazin- geschichte zusammengezimmert. Sicht man nun aber davon ab, daß es sich hier um eine Verfilmung Tolstois handelt, um die Der- filmung eines realistischen Romans, der neben der ethischen Grund- Haltung Atmosphäre und Milieu gibt, dann muß man den Film vom rein filmischen Standpunkt aus immerhin anerkennen. Vieles wird zu breit gegeben. Der Regisseur C a r e w e kann sich mit Großaufnahmen nicht genug tun, doch er versteht es, eine schauspielerische Leistung vorbildlich auszudeuten, er sprüht von Regieeinsällen, er ist unerschöpflich darin, abstrackte Dinge witzig zu verbildlichen. Dolores Del Rio ist die Katja. Am Anfang ein hübsch angezogenes, russisches Operngretchen mit madonnenhaftem Augenauffchlag und süßer Sentiiaentalitöt gewinnt sie als Dirne an Ausdruckskraft, vergißt die schöne Pose und wird plötzlich De- stalterin. Rod La R o q u e überzeugt als Verführer. Er kann wundervoll lachen und brutal werden, doch der Gewisiensbiß gelingt ihm nicht. Sein Gesicht bleibt bei dieser Uebung maskenhaft starr, und nur in der gedrückten Körperhaltung spiegelt sich etwas von dem Affekt. Nechludoff ist aber mehr als Verführer oder als zart Be- reuender. Vielleicht kann ihn nur ein russischer Schauspieler voll- endct.perkörpern._ F. S. „Chang.* (Ufa-Pavillon am Tlollendorfplah.) ' Der Expeditionsfilm ist schon längst aus der Gefahrenzone des Experimentieren» heraus. Er soll Wissen in plastischer Anschaulich- keit übermitteln; der Zuschauer will Abenteuer erleben und dabei nur tatsächliche Verhältnisse sehen. Daß nun Major Merian Co o per und der Kameramann Ernest B. Schoedsack, zwei Abenteurer und genial« Könner, iür den Expeditionsfilm, besonders berufen sind, bewiesen sie bereits durch ihre interessant« Arbeit„Das Volk der schwarzen Zelte". Diesinal lockten und zwangen sie Siamejen und wilde Tiere au» dem Dschungel von Nordflam vor die Kamera. Sie gingen in den Nan-DIstrikt, der mit Statistiken des Grauens aufwarten kann. Dort wurden in fünf Jahren fünfhundert Menschen von Tigern getötet, von hundert Einwohnern eines Dorfes fielen in einem Jahr« zwanzig den Raubtieren zum Opfer. Einund- einhalb Jahr weilten die beiden Weißen unter den Laos. Schoedsack stand an der Kamera, Cooper, Gewehr im Anschlag, daneben. Sie ziehen hinaus mit einem Lao, der mit seiner Familie und ein paar Haustieren in die Wildnis geht. Auf Pfählen erl>aut er sein Haus, damit«s einigennaßen sicher ist vor den Raubtieren. Mit diesen kämpft er heldenhaft, es Ist die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier um die tägliche Nahrung. Das Tier kämpft mit dem Ungestüm seiner Kraft, der Mensch mit dem Mute der Verzweiflung. Die Laos erschießen Tiger nicht, sondern fangen sie in Todesfallen, wo haarfchars« Bambusmesser den Tieren den Garaus machen. Im Film freilich wird ein Tiger erschossen, nachdem der Kameramann samt der Kamera dem Ungeheuer beinah« in den Rachen gefallen war. Schoedsack hatte sich die Weisheit aller zoologisch interessierten Weißen,„Die Tiger klettern nicht aus Bäumen", zu Nutze gemacht und nicht daran gedacht, daß Tiger mit ihren Tatzen die Bäume der- ortig bearbeiten können, daß der Aufenthalt auf ihnen höchst unge- mütlich und gefährlich wird. Aber man sieht nicht nur Tiger und Leoparden, man lernt Slams interessante Tierwelt kennen, darunter auch einen Sonnenbären. Der Lao baut Reis, und wehe dem armen Ackerbauer, wenn Chang, der Elefant, der Herr der Dschungeln, die Reispflanzung zertritt. Im Film sehen wir, wie eine Elefantcnherde ein Dorf niedertrampelt. Die Elefanlenbeme, diese Säulen, gehen nahezu über den Kops der Zuschauer hinweg, denn der Kameramann lag in einer durch Holzbohlen nur sehr fragwürdig geschützten Grube und dreht« dort. Die ganze Elefantenherde wird eingefangen und gezähmt. So kämpft dort der Mensch, er ist niemals Sieger und gibt sich niemals besiegt. Der Film überwältigt; nur der Text stört, denn die Worte, die dem Gibbon in den Mund gelegt werden, gehören nicht hinein. Der Zuschauer sieht ja die Angst des Affen und seine Flucht zu den Menschen. Merian Cooper und Ernest B. Schoedsack aber schufen nicht nur einen interessanten Film, sie vollbrachten ein Werk, aus das wohl ein jeder stolz wäre, Wx Wissen von Menschen und Tieren übermitteln will._ e. b. (Emelkapalasi.) Die Leser des„Vorwärts" sind in der bevorzugten Lage, den Roman mit dem etwas kolportagehaften Nebentitel:„Das Weib, das den Mord beging", der in unserem Feuilleton erschien, mit der Filmbearbeitung vergleichen zu können. Sie worden dabei die Er- fahrung machen, daß sprachliche Schönheiten, die dem Roman von Reck-Malleczewen in hohem Maße eigen waren, natürlich im Film restlos verschwunden sind. Ebenso aber auch die Geschlossenheit und der innere Rhythmus der Handlung, den die Bearbeiterin Herma Barkhausen ins Breite und Verschwommene verwandelt hat. Wer den Roman nicht kennt, wird manches unklar, ja sogar unverständ- lich finden. Trotzdem bleibt unter der Regie von Arthur Bergen Zpook-Knogen, weiss, guter Rlps-Slofl 3 Stück. \J25 St. 45 Pf. Elntfoff• Kragen, solide, dauerh. 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Das Schicksal der armen jungen Frau, die kaum vcrehelidzt, die Beute ihres heuchlerischen Schwagers wird, und um sich Geld zu verschaffen, einen Mord begangen zu haben glaubt und nun mit einem Abenteurer nach Südamerika flieht, ist in der Tat für eine Verfilmung außerordentlich geeignet. Grete Mosheim versteht es zudem, uns die Verlassenheit, Ausgestoßenheit, das Schuldbewußt- sein, ja die äußerste Aertretenheit einer vom Schicksal schwer Gekenn- zeichneten in höchstem Maße mitfühlen zu lassen. Ihre Erlebnisse bei diesem exotischen Sadisten, ihre Flucht vor dem Bordell, die Schreckensszcnen in dem sogenannten„Hort für gefallene Mädchen" und dann die Zuflucht bei dem deutschen Pater, der ihre Seele erleichtert, das alles ist in packenden Bildern, nur manchmal zu breit und ausgewalzt, gestaltet. Ein glückliches Ende führt sie nach Deutschland zurück in die Arme ihres Mannes. Ihre Unschuld an dem Mord wird glänzend erwiesen Reben der Leistung der Mos- heim kommen die anderen Darsteller nicht reckst auf, auch Paul Wegener, der den unheimlichen Sadisten verkörpert, kommt nicht recht zur Geltung. H. v. T wa d o w s k y gibt den jungen Ehemann sehr sympathisch, freilich aber auch nicht sehr ausgeprägt. In Neben- rollen sind Frieda R i ch a r d als alt« Pfandleiherin, Robert G a r r i- s o n als verschmitzter Diener, Anton P o i t n e r als Schwager zu nennen. Sehr hübsch ist das Milieu der vornehmen Verwandtschaft gekennzeichnet, die durch die Meßalliane« des jungen Mannes so erschrecklich aus dem Häuschen gerät, aber die Schandtaten seines Bruders so hübsch zuzudecken weiß. D. ,Mva!en öes GZeaits.' (Phöbuspaiast.) Liebe und Schiffahrt vereint— das ergibt einen guten ameri- konischen Durchschnittssilm. Zunächst wird der historische Hinter- grund gezeichnet. Es ist in den Zeiten, da das Segelschiff noch der ausschlaggebend« Faktor für den Frachtverkehr ist. Es handelt sich darum, ob die Engländer oder die Amerikaner das schnellere Schiff bauen, denn die Güte des importierten Tees hängt von seinem schnellen Eintreffen ab. Das große Weitrennen zwischen dem eng- tischen und dem amerikanischen Segelschiff, zwischen China und Boston, wird als richtiges Sportereignis aufgezogen. Das Schiff, die Takelage, die Segel. d°e Fahrt bei ruhiger und bei stürmischer See und schließlich bei tosendem Orkan, das sind die anziehenden Punkte des Seefahrtfilmes. In diesen objektiven Bestand ist eine Liebeshandlung hineinverwoben. Der junge amerikanisch« Kapitän liebt die Tochter des englischen, er weiß sie und ihren Verlobten, einen typischen amerikanischen Schurken, auf sein Schiff zu bekam- men und ihn nun nach allen Regeln der Kunst auszustechen. Der junge Amerikaner bewährt sich in einer Meuterei und vor allem in dem technisch brillant gemachten Seesturm. Sein Rivale wird als Feigling und gemeiner Räuber des für die Stunde der Not auf- bewahrten Wasscroorrats entlarvt und von der wütenden Mann- schaft beseitigt. Julian Rupert weiß allerhgnd amüsante Details in den Film hineinzuarbeiten. Es gibt hübsche Bilder vom eng- tischen Hofleben und aus der chinesischen Hafenstadt mit allerhand dramatischen Zwilchenfällen, und das Leben an Bord gibt natür- lich Anlaß, geschickte Regie- und Schneidekunst zu zeigen. Die Dar- steller erheben sich nicht über ein gewisses Niveau, aber füllen dieses auch redlich aus. William Boyd ist der jung« sympathisch« Ameri- koner, er hat Fäuste und Herz aus dem rechten Fleck, grnn so, wie es in Amerika gewünscht wird. Sein« Partnerin Ellinor Fair ist für unseren Geschmack zu steifleinen und wenig wechselnd im Aus- druck. Für den Humor sorgt ein echt amerikanischer Lausejunge, den wir schon in anderen Filmen sahen. Auch die Nebenfiguren sind oll« gut besetzt.__ r. -Die heilige Ltige.� (Usapalast am Zoo.s Um der blinden Mutter einen sorglosen Lebensabend zu ver- schaffen, lügen ihre in Amerika weilenden Kinder, daß sie reich seien. In Wirklichkeit sind si« bitterarm. Das Geld, das sie der Mutter schicken, erhungern sie. Durch eine geglückte Operation wird die Mutter sehend. Sie reist nach Amerika, sieht dort die furchtbare Not, spielt aber weiter die Blinde, um die Kinder nicht zu demütigen. Ein Sohn verbüßt sogar ein« Gefängnisstrafe, weil er einen Dieb- stahl auf sich nahm, den seine Schwester aus Not beging. Schließlich wird aber alles gut, der Kapitän eines Ozeanriefendampfers heiratet eben dies« Schwester. Die heilige Lüge wird also ziemlich konfe- quent durchgeführt, denn die Wohltat der bürgerlichen Gesellschaft als Heilmittel der Armut ist eine gar zu unwahrscheinliche, um nicht zu sagen verlogene Angelegenheit. Nach einem Drama von Karin Michaelis wurde das Filmmanuskript geschrieben. Es soll freudig anerkannt werden, es wurde endlich der Versuch gemacht, einen Spielfilm mit Inhalt herauszubringen, aber trotz Holger Madsens klarer, sauberer Regiearbeit und seiner kunstgewerblich guten Ausmalung des Milieus entstand ein Bühnenwerk mit Kien- toppeinschlag. Ein wahrer Film ist etwas anderes, der darf nicht so schleppend lange Spielszenen bringen. Otto Gebühr gab den Rettungsengel von Kapitän. Offen gesagt, als Liebhaber ist er zu alt und als Kapitän mehr Salonlöwe als Rautiker. Sybil Morel spielt« ergreifend die Mutter, ihre durchdachte Leistung wurde zu- gleich der Erfolg des Films. e. b. CbftfllM man nur bem JiatfiMt« bei »rutschen Musikrrverbanbr», Berlin,«am» manbantrnstr. 63)84.»Bi-choff 3277—781 vrschiistszrlt 9—5, Sonntags jo— 2 Uhr Auf Wunsch i Vrrtreterbrsuch. „ünfeimA kfoaut AaucheK Sic/" �Ja Herr, diese Zigarette hostet zwar nur 4 Pf., kann sich aber in Qualitit und Aroma mit ihren viel teueren Marken in jeder Hinsicht messen. 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August 1927. ver vorllond »er NUgeineinen Orks traute nteffe für Zehlendorf und Umgegend Emil Stein, Vorsitzender. Richard Schöppig, SchrffisÜbrer. Ohne Anzahlung Elinftjilirzeilen U" Vh."«6.?.« qrn OÄ)— 1,00 M., monatlich 20.— Abzahl. verkauft cheiu. verlin. BöKowstr. Vi. Allgemeine Ortskrankenkasse für den Derwal!»Bezitl XI der Stadt Berlin Schiineberg-Friedenau. Am Montag, dem 12. September 1927, abend» 7 Uhr, findet im Dymnastum «runewaldstr. 77, Schöneberg, eine auherordentl. Ausschuhsihung statt, zu der die Ausschußmitglieder hiermit eingeladen werben. Tagesordnung: I.Bbrirag besKerim Dr.Röschmann über„Moderne Maßnahmen im Kampf gegen die Geichlechlslrantheilrn". Berlin-Schiineberg, den 2. Sept. 1927. Oer vorstand A. Schuibl, Vorsitzenbor. Von der Reise zurück- Dr. Ewald Fabian, Zalrnarzt Uhlandstr. 52. , Van der Reise larück: l>p. Bernhard Hanl, und Harnleiden j. Warschauer Straöe Nr. 17, |~ V»a der Reise znrütk S.-R. Dr. Hax Blnmenthal Facharzt für Orthopädie. Slamenspenden lebet Art Heftet preiswert Paul Gollests. »arm. Seiett Htm MgrlanneaslraSe Z, Scke Naunynstraße »mt MoritzpUIM OZ Turück »r. NllZKsl llrstee. Isilili Meti-i-Ill, lde-Uiel. äiat-, Gtlnk-, PelieUi}.,tieh!«nin3en, Kurlilrsienstr. IZ4.< zu».aaaa«� V orwärts Attebende, Vardienstmöglichkeit? Aufkl. Jöeoichüre»hin neuer Geist" gratis d, ' äU.M* KMdgrktter'Strafie~ 7L 500 Landparzcllcn v. 60 Pf. bis M. 1,75 pro □ m direkt arn Bahnhoi Ahrensfelde II. Verkauf täglich im Bahnhofsrestaurant Büttner. 200 Landparzellen ca. 20 Min. v. Bhf. Fredersdorf, 40 Pf. p. □ m an. Verk. Sonnt, Dienst. u. Sonnabends i.Restaur.�Zu den dreiLinden'4 Bieder. Berlin c. 25. Gontardstr. 5 Konlflirrenzlosü! Neffinnetten..... mit Poisteraanaäcii Sofa......... hrttlaf-ChotSKJorgues —---------------- len Paietmnatratzen. 10.50 an 20.-. 50-' 2* Z' L-" A_" Freisendung! Ratenzahlung! GOhr, Berlin, Pappelallee 12 l»ankow, Schmidtatr. 1. i Pfänder I die i» den Monaten Oflobcr. 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Für die viefen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- und Biumenfpenben beim Heimgang« meines lieben Mannes, unieres guten Daiers. sagen wir hiermtt unseren ausrichiigften Dairt. vlorie Liefiner, geb. Winde und Kinder. Berlin, im September 1927. Gegen Wanzen gldi es nur ein Mittel, durch welche» nicht ein« am Leben bleibt. Reichel sVaaze»- tlnid greift UN» lölel jede Wanze und zerstört die Bruineffer restlos. Wirkung verheerend. Bich! stechend, überall an- wenddar. wen nehme nur Original« Haschen und verweigere lllachabinungen M 0.85, M 1.50. M 2.40.»/. List. AI 6.— Meinhersteller Osto Reichel. Berlin SO Sisr nd ahnstr. 4. In Drvgh. erhäii. aber echt u. wirksam nur mit der berühmten Marke Tod und Teukel »4Sdst> Mohpen/tn3?Q• Zdesän 6p. Fpankfurtep ca. 20 00 qm Ausstellungsräume| Ratenzahlung bis zu 2 Jahren ohne besondere Aufschläge oder Zinsen- berechnnng. 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II. 2. kreis Tiergarten. Montag, 5. September, 20 Uhr, erweiterte kreisvor. ftandssitzung bei Krüger, Putlitzstr. 10. Die Geschäftsleitungssitzung des kreisoorstandes findet I Stunde früher ebendaselbst statt. 3. Kreil Wedding. Sämtliche Genossinnen und Genossen treffen sich heute, Sdnntag, 14�1 Uhr, Courbidreplatz. Ausstellung Ruheplatzstrasie jut Beteiligung am Umzug der Jugend. 4. krei» Prenzlauer Berg. Montag, b. September, 19 Uhr. bei Klug, Danziger Str. 71, Sitzung des erweiterten kreisoorstandes. Niemand darf sehlen. I.«reis Krenzberg. Montag,». September, pünktlich 19 Uhr, wichtige Sitzung der Bezirksverordnetenfraktion mit den Stadträten an bekannter Stelle. 7.»reis Eharlottenbnrg. Montag, 5. September, 1914 Uhr, Fraktionssitzung mit allen Bürgerdeputierten im Zimmer 1 de, Rathauses. Dienstag, 0. September, 1944 Uhr, erweiterte Vorstandssitzung im Zimmer 1 des Rathauses.— Freie Tchulgemeinde: Die diesjährige Herbstoersammlung findet am Dienstag, 6. September, 1914 Uhr, in der Aula der weltlichen Schule, Pestalozzistr. 99—40, statt. Prof. Paul Oestreich spricht über „Reichsschulaesetzentwurs und Reichsverfassung." Einleitend: Gesangsvor. träge des Frauenchors der Charlottenburger Liedertafel, Mitgl. d. AEB. Rege Beteiligung erwünscht. 9. Krei» Wilmersdorf. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, bei Andreas, Pfalz- burger Str. SS, Sitzung des engeren Kreisoorstandes mit den Adteilungs- leitern. 11. Krei» Schöneberg. Friedenau. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr,«reis- mitgliederoerfammlnag. Vortrag:„Moskau 1927— persönliche Reife- eindrücke in Rußland." Referent Dr. Friedländer. Lokal wird in der Dienstag-Morgenausgabe bekanntgegeben. Alle Mitglieder werden ge- beten, sich zahlreich daran ZU beteiligen. Alle Mitglieder beteiligen sich heute am Iugendtag der SAI. im Echillerpark.— Montag, s. September, lg Uhr, Fraktionssitzung mit den Bürgerdeputierten im Zimmer 144 des Rathauses, Rudolf-Wilde-Platz. 12. Kreis Steglitz, Lankwitz, Lichterfelde. Montag. S. September, 1914 Uhr, Sitzung des erweiterten Kreisoorstandes an bekannter Stelle. Niemand darf fehlen. 1Z. Kreis Tempelhof. Die Jugendweihe findet am Sonntag, 2Z. September, 10 Uhr, im Festsaal des Gnmnasiums Mariendorf, Kaiferstr. 21, statt. Den vorbereitenden Unterricht hält Genosse Witthauer in der Schule Tempeihof, Werder-, Ecke Friedrich-Wilhelm-Straße, jeden Mittwoch von IS— 17 Uhr ab. Alle Eltern, deren Kinder die Iugeni>»eihe emvfangen sollen, werden gebeten, diese in den Vorbereitungsunterricht am Mittwoch zu schicken.— Zusammenkunft der Fraktion heute, Sonntag, 4. September, I41d Uhr. in Lichtenrade. Treffpunkt Endhaltestelle der Linie 8S. 15. Krei» Treptow. Mittwoch, 7. September, 19 Uhr, Bezirlsversammlung im Rathau» Treptow. 1». Krei, Köpenick. Dienstag, 6. September, 1914 Uhr,«reisvorstandssitzung an bekannter Stelle. 17. Krei, Lichtenberg. Die Kreisvorstandssitzung findet der Bezirksverfamm- lung wegen am Dienstag. 6. September, bei Albrecht, Borhagener Str. 62, statt.— Montag, 5. September, 18 Uhr, Bezirksverordnetenfraktionssitzung im Rathaus, Zimmer 96. Die Bürgerdeputierten müssen ebenfall» er. scheinen.— Mittwoch, 7. September. 18 Uhr, Zusammenkunft. Karten Genossen Schubart, Ritteuutstraße, und Richter, Boxhagener Straße. beim.. 19. Krei» Pankow. Montag, S. September, 1914 Uhr, im Türkischen Zelt, Lokal Meier, Breite Str. 14, Kreisdelegiertenversammlung.— Montag, "4 Uhr, Sitzung der Fraktion mit den Bllrgerdeputierten 1914 Uhr. Bolkshau, erweiterten Kreisvor. September, 181«..... im Rathaus Pankow, Zimmer 17. 20. Krei» Reinickendorf. Dienstag. 6. September, Reinickendorf, Echarnweberstr. 114, Sitzung des standes. heute. Sonntag. 4. September. (. Abt. Die Bezirks führer werden gebeten, umgehend die ftartothekkarten an den Abteilungsleiter einzusenden. 14. Abt. Sämtliche Genossinnen und Genossen treffen sich heute, Sonntag, 1414 Uhr, am Eourbidreplatz, Ruheplatzstraße, zum Umzug der Arbeiter. iugend. Genossen, die sich bei der Jugend anschließen wollen, treffen sich 1814 Uhr Normaluhr Gustav-Meyer-Allee. 74. Abt. Zehlendorf. Die nach hier zugezogenen Mitglieder werden gebeten, ihre Aufnahme in der 74. Abt. durch Anmeldung im Parteilokal Mickleq, Potsdamer Str. 25, sofort zu veranlassen. 186. Abt. Reiaickendorf.vft. Die Genossen der Abteilung beteiligen sich restlos an der Fahnenweihe des Reichsbanners 1ö Uhr auf dem Festplatz in der Residenzstraße, zwischen Willestraße und Schönholzch: Weg. INorgen, Montag, 5. September. 78. Abt. Schmargendorf. 19 Uhr wichtige Sitzung im Gartenlokal.Forsthan«", Warnemünder Straße. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. Die übrigen Mitglieder sind willkommen. 85. Abt. Tempeihof. 20 Uhr engere Vorstandssitzung im Lokal.Zur Linde". Wichtige Tagesordnung. Dienstag, K. September. 86. Abt. Schineberg. 20 Uhr bei Gürlich wichtige Funktionärsitzung. 51. Abt. Charlottenbnrg. 20 Uhr bei Lehmann, Königsweg 8, Funktionär. fitzung. 106. Abt. Zohauaisthal. 20 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Gobin, Roonstr. 2. Mittwoch, 7. September. 74. Abt. gehlrndors. 18 Uhr im Parteilokal, Potsdamer Str. 25, Funktionär. 84. Sit. Lankwitz. 20 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29—81, wichtige Funktionärsitzung. Lezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt und Sinderschutz. 19. Prei» Pankow. Donnerstag, 8. September, 1914 Uhr, im Lokal Meier, Türkisches gelt. Breite Str. 14, Sitzung sämtlicher in der Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen. Auch die Leiterinnen der Frauen sind eingeladen. Sämtliche Wohlfohrtsmarken müssen abgegeben und ver- rechnet werden. Sehr wichtige Tagesordnung. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Frauenveranstallungen. 5. Krei» Friebrichshaia. Dienstag, 6. September, 1914 Uhr, bei Rofin, Gubener Str. 19, Funktionärinnenkonferenz. Es müssen alle Funktio. närinnen der Agitation sowie der Arbeiterwohlfahrt vertreten sein, da sehr wichtige Tagesordnung. 8. Krei» Spaabau. Dienstag, 6. September, ab 3 Uhr Frauennachmittag in Loebels„Karlsluft" in Hakenfelde. Genosse Brendemllhl liest sozialistische Dichtungen. Fahrverbinduna: Linien 84, 7ö, 184 bis Endhaltestelle. Die Berliner Genossinnen sind willkommen. 12. krei» Steglitz. Der kreisftauentag des 12. kreise» findet am Montag, 12. September, statt, und zipar in Lankwitz. Lehmanns Festsäle, Kaiser» Wilhelm-Str. 29—31, 20 Uhr. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vor. trag:„Sozialismus und Ehe." Referentin Marie Kunert, M. d. L. 3. Aussprache. 4. Verschiedenes. 20. krei, Reinickendorf: Dienstag, 6. September, 20 Uhr, im Verwaltungsgebäude, Reinickendorf-Ost, Hauptstraße, Zimmer 00, Funltionärinnen- sitzung. Es müssen alle Funktionärinnen der Agitation und der Arbeiter. Wohlfahrt vertreten fein. Jede Abteilung muß Vertreterinnen entsenden. Zrauenveranstallungen am Montag. 5. September. 82. Abi. 1914 Uhr bei Kromphardt. Paul-Singer-Str. 49, Vortrag:„Jugendpflege". Referent Stadtverordneter John. 55. Abt. Eharlottevdnrg. 1914 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, Be. sprechung und Einteilung unserer Winterarbeit. Abteilungsangelegen. heilen. 74. Abt. Zehlendorf. Ausffua nach Albrechts Teerofen. Treffpunkt 13.40 Uhr am Markt, Zehlendorf-Mitte, Potsdamer Straße. Abmarsch 14 Uhr. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr bei Klabe, Handjerpstr. 60—61, Bortrag:„Das Kind und die Montessori-Erziehung". 84. Abt. Lankwitz. Der Frouenabend fällt aus. Die Genossinnen beteiligen sich dafür restlos am Kreisfrauentag am 12. September in Lankwitz. Siehe __ Nachricht des 12. Kreises. Arauenveranftallungen am Dienstag, 6. September. 21. Abt. 1914 Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21, Vortrag:„Die Abschaffung der Todesstrafe". Referent Eugen Lewin-Dorfch. Gäste willkommen. 83. Abt. 1914 Uhr Unterhaltungsabend in der Schule Hohenlohestraße. Vor. tragende Lisa Blbrecht. -d 3. Abi. Achtung! Sonntag, 11. September. Sonderfahrt nach Potsdam. Besichtigung der schönen Bauten usw., unter sachkundiger Führung des Genossen Dr. Werner. Abfahrt vom Potsdamer Bahnhof 9>4 Uhr bis Wildpark. Teilnahme ist sehr erwünscht. Dir Bezirksführer wollen hierzu persönlich einladen. 44. Abt. Sonntag, II. September, Familienausflug nach der Königsheide. Trefipunkt 12 Uhr Görlitzer Bahnhof. Die Genossen werden gebeten, sich recht zahlreich mit_ ihren Familien daran zu beteiligen.— Achtung l Unsere Funktionärsitzung findet diesmal ausnahmsweise am Donnerstag, ..«-.September, 19 Uhr, bei Ewald, Ekalitzer Str. 126. statt. 78. Abt. Schoneberg. Bei gutem Wetter treffen sich die Genossinnen und Genossen jeden Donnerstag 18 Uhr bei der Genossin Krahne, verlängerte Begasstraße, Aprikofenweg. Zungsozialisten. Eroß-Berliu: Die Berliner Gruppen beteiligen sich heute, Sonntag, am Iugendtag der EAI. und reihen sich in die zuständigen Werbebezirte 14� Uhr am Courbi�replatz ein.— Gruppe Süden: Wir oeteiligen uns heute am Iugend- tag der SAI. Treffpunkt 14'/� Uhr Nettelbcckplafc.— Gruppe Reinickeudorf: Montag, S. September, 20 Uhr, im Jugendheim Seebad, Residenzftr. 49. Tor- trag:„Die sittliche Idee des Klassenkampfes". Referent Felix Fechenbach. , Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreuade. Kreis Wedding. Srnppe Schillerpark: Mittwoch: Spielen und Turnen in «er Turnhalle Utrechter Straße. Freitag: Kinderversammlung im Heim See.. Ecke Turiner Straße. I. Kinderfteunde oder Rote Falken? 2. Unsere Winter. arbeit. 3. Neuwahl des Kinderausschusses. Sonntag, 11. September: Eltern. fahrt mit der SAI. Wedding-Nord noch dem» Falkenhagener See. Treffpunkt 7 Uhr Augustenburger Platz lVirchow-Krankenhaus).— Gruppe Leopoldplatz: >414 Uhr Leopoldplatz.— Gruppe Humboldthain: v.14 Uhr Humboldthain.— Srnppe Schillerpark:>114 Uhr See-, Ecke Mülleestraße. 130. Abt. Reinickendorf-Ost: Wir beteiligen uns heute, Sonntag, 4. September. am Iugendtag der SAI. Treffpunkt 1314 Uhr am Seebad. Rpte Fahnen und Wimpel find mitzubeingeil. Dienstag, 6. September, 1714 bis 1914 Uhr tagt nur die Aelterengruppe im Jugendheim. Jllngerengruppe am Mittwoch, 7. September, 1714 bis 1g>,. Uhr ebenda. Turnen am Donnerstag für beide Gruppen in der Turnhalle Letteallee. Kreis Pankow: Dienstag, 6. September, von 18 bis 20 Uhr Mustkabrnd für die Teilnehmer des Pankowee Kreises. Treffpunkt bei Marie Muck», Nieber- schönhansen, Lindenste. 38«.— Gruppe Pankow: Sonntag, 4. September, Be. teiligung an dem Iugendtag der SAI. Mittwoch, 7. September, 17 bis 19 Uhr, Tänze und Liederabend. Donnerstag, 8 September, Arbeitsgemeinschaft Im Jugendheim Kissingen., Ecke Granitzstraße, Beginn 18 Uhr, Eonnabend. 10. September, Spiel in der Heide. Beginn 17 Uhr. Sonntag, II. September. Fahrt. Näheres wirb am 7. September bei der Gruppenveranstaltung bekannt. gegeben.— Gruppe Niederschönhausen: Montag, 8. September, 18 bis 20 Uhr, Bismarckstraße. Für Abteilung„Glückauf" Brettspiele. Für Abteiluna „Lachende Jugend" Tanzen. 18 bis 20 Uhr. Sonntag, 11. September, Fahrt für Abteilung„Lachende Jugend". Näheres im Heim. keei« Neukölln: Wir beteiligen uns geschlossen am Iugendtag der SAI. im Echillerpark. Treffpunkt 1314 Uhr am Rathaus Neukölln.— Gruppe AU» Britz»ud Großsiedlung: Treffpunkt um 13 Uhr zum Iugendtag der TAI. 20 Pf. Fahrgeld mitbringen. Kreis Eharlottenburg: Montag, 8. September, 20 Uhr, im Jugendheim Rosinenftr. 4, Elteriiveesammlung. Bericht von der„Kinderrepublik". 82. Abt. Steglitz: Jeden Dienstag 4 bis 6 Uhr Spielen im Heim Albrecht. straße 47. Tempelhos: Elternversammlung am Donnerstag, 8. September, 20 Uhr. im Jugendheim Germaniastraße. Bericht aus Seetamp und Besprechung der Rote.Falken.Dründung. Sterbetafel öer Groß-öerliner Partes-Grganlfatlsa"j 37. Abt. Arn Donnerstag, 1. September, verstarb unser alter"treuer Gr. nasse Rudols Fischer nach 28jähriger Mitgliedschaft, Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Einäscherung Montag, 8. September, 1814 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. 42. Abt. Bezirk ll2: Unser Genosse Hermann Stecher, Mitten. waldee Str. 16, ist im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Echlaganfalle» veestorben."Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung am Dienstag, 6. September, 1514 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung bittet die Abteilungsleitung. 128.1130. Abt. Pankow. Am Donnerstag, 1. September, verstarb Plötz. lich unser Genosse Külbach, Moximilianstr. 12». Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung am Montag, 8. September, 20 Uhr, im Krematorium Eerichtstraßr. Zahlreich« Beteiligung wird erwartet. cT & 'hA Unser Herbst- Schlager Modell„Miriam" Lack Wm-MM!« X ÖOnePfllÜOffC breit... Siele: 0.85 ßnreuLNMswfse Älfe"X 2.r>'\ I.HO, 1.76 Ko tBci- a. nra"telilof?t? ITA IbOrm breit......... airler«.TS (tnfjD.(timncj. Itlr �eniiefitlel geewnel, •/UllU extra ichwere Qualität... Äeter ca.« em breit, fiele Farben. Meter KavZiiSl'TüsÄeAtijcher�?'".� Siiick................ S-vvMkWie N«7�S7°°r CDr.'—6 Paar kivderj?kizmN'e KnöbCil-QßRJÖt a onjeftaiibt, Länge Sil Ecstlins'S-S'.sllieu...... 'SLmsk'Unterlailjen-r»«-.«.»>. Mnner-öarchea�emden... Herrtn-Sclken-".»i........ S-rrea-LsSe« WÄ'V« Fsasen-Skrümpze-�1,»>-..».2�--. Uichies Tew!de. Paar Kunitse dkne Lamen-Striimpfe moderne warben......... i'nnr SrnilOHtinSirn wo!I ,e>nisi>i. vm�iiqliche <�lUUän<.Ufi.cl Qual., oft.'tt U.r.e(tioiltn Jccuealieniödjzn»-og»«',«»... ArkUkahöMÜZN Mtt langen Aermeln. 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