I Nr. 42» � 44. �ahrgaag Ausgabe A Nr. 214 Bezugspreis: WSibtnNich M Pfeuuia. monatlich «.— Reicksmaick vorous«aklbar. Unter EtreifKaich im In. jmi Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts' mit der iUnstrier- ten Sonntagsbeilage.Polk und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen'..Aus der Mimwelt'. .Irauenstimm»',.Der Kinder. Ireund'..Iugend-Dorwärts'. �lick in die Biicherwelt' und.ltultur. arbeit' erscheint wochentSglich groei. mal. Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adress«:!! »Sozioldamatrak Larlia» Morgenausgabe Nerliner Volksvlstt Grotz-B erliu 10 Pfg. Auswärts IS Wg. Anzeigenpreise: Die einiualtia« Ronoareill«. »eile 80 Viennia. Reklamegeiie 5,— Reichsmark..Kleine An, eigen' das fetiacdruckte Wort 25 Viennia l,uläissa»wei fcttaedruckte Wortes. icde» weitere Wort l? Viennia. EteNenaeluch« da, erss, Wort 15 Viennia. ledrs weitere Wort 10 Pfennig. Wor!« über 15 Buch» swden ,iih!cn lilr ,wei Torte. Arbeitsmarkt Keil» 80 Vkennio. Komilienonttigen für Abonnenten Keile 40 Dlennio. Anzeigenannahme im Hauptgrschdit. Lindensirahe 8, wochentSglich Mtn SV- bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozlaldemokratl fchen parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: S erlin SV). 68, LinSenstraße 2 Fernsprecher: Dönhoff 202—297. Dienstag, den 0. September 19Ä7 Vorroärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SV). H8, Linöenstr.Z PoNlche-kk-nt-! Berlin 8? 581-«anNoll»,, Bank der Arbeiter,«ngeftelte» »nd Beamten. Bog Kr. 85: Di»k»»t».cheieIIIchaIt. Dc»»Ktenkoss« Linde» Kr. 8. Mann ziehen ab. Eine zweite Truppenverminderung nicht zu erwarten.— Breitfcheid deutscher Referent für die Weltwirtfchaftskonferenz. Genf, S. September. swTV.s Der französische Außenminister hat im Namen der belgischen. britischen, französischen, italienischen und japanischen Regierungen dem deutschen«eichsanßenminister eine offizielle Mitteilung über die letzthin beschlossene Der- Minderung der Besatzung, truppeu im Rheinland zugehen lassen. Driond bestätigt darin die herabsehung der gegen- rvärtigea Truppenstärke vm 10 000 Mann auf 60 000 Mann und füg» hinzu, daß diese Maßnahme in k ü r z e st e r A r i st durchgeführt werden soll. Ueber die Einzelheilen, insbesondere über die Erleichterungen. die diese Maßnahme für die Bevölkerung de« besetzten Gebiete, mit sich bringen wird, ist eine weitere Mitteilung in Aussicht gestellt worden. Ueber di« Mitteilung der Tritppenherabsetzmig erfährt unser Sonderberichterstatter V. Sei,, in Genf: E« ist schon bei den ersten Besprechungen Etresemanns mit Chamberlmn und Briand zum Ausdruck gebracht worden, daß, so erfreulich diese Herabsetzung auf 60 000 Mann auch sein mag, sie»atürtich in den Augen der öffentlichen Meinung Deutschlands dps Problem der besetzten Gebiet« in keiner Weise löse und daß vielmehr dieses Problem als solches nachwievoroffenbleibt. Indessen betrachtet auch die Reichsregierung mit diesem Ergebnis ihre. Aktion zugunsten einer Reduzierung als abgeschlossen. Bon deutscher Seite ivird demnach in absehbarer Zeit kein« neue Aktion mit dem Ziele einer weiteren tetlweisen Reduzierung der Besatzung mehr erfolgen. Da einstweilen und wohl mindestens bis zu den verschiedenen allgemeinen Neuwahlen von ISW ein Abkommen über di« Gesamträumung nicht zustandekommen dürste, so bedeutet das wohl, daß sich noch der angekündigten Zurückziehung der 10 000 Mann auf länger« Zeit am Be- stand der Besatzungsarmee nichts mehr ändern wird. Was den Schlußsatz der amtlichen Mitteilung betrifft, in dem von den Erleichterungen die Rede ist, so ist dies eine Zlnspielung ouf die noch nicht endgültig feststehenden Einzelheiten über die Art der Truppenreduzierung. Indessen ist von fran- zösischer Seite in Aussicht gestellt worden, daß außer einigen tausend Mann kasernierter Truppen auch ein ganzer Armee- st a b, nämlich eins von den drei Generalkommandos der Be- satznngsormee, zurückgezogen werden wird. Das allein bedeutet die Zurückziehung von mehreren tausend Mann und insbesondere von inehreren hundert Offizieren. Dadurch sollen sehr viele Villen und sonstige Privatquartiere sowie Garagen, ösfent- liche Gebäude für Ossizierskasinos usw. geräumt werden. Die Franzosen haben gegenüber den deutschen Unterhändlern die Wichtig- keit dieser Tatsache unterstrichen und erklärt, daß dadurch die herab- setzung wirklich, wie sie seinerzeit versprochen hatten, einen für die Bevölkerung fühlbaren Charakter erhalten werde. Keine Paktbegeisterung in Paris. Baris, 5. September.(Eigenbricht.) Der polnische Dorschlag eines neuen allgemeinen Sicher- heitspaktes hat in der hiesigen Oestentlichkeit keine günstige Aufnahm« gesunden. In verschiedenen Blättern wird ein solcher Patt angesichts des Bestehens des Bolkerbundspaktes und der Abkommen von Locarno als völlig überflüssig bezeichnet. Die Arbeitsteilung öer deutschen Delegation. V. 8di. Gens, 5. September.(Eigenbericht.) Di« deutsche Delegation hat ihre Vertreter in den großen Kom- Missionen wie folgt bestimmt: Erste Kommission(politische): Strescmann: Zweite Kammission(technische Organisation): Breitschcid. Dritte Kommission(Abrüstung): B ernst orff. Merte Kommission(Budgetfragen): Kaas. Fünft« Kommissioa(humaniläre Fragen): v. Rheinbaben. Sechste Kommission(juristische): v. Schubert mit Prof. h o e t s ch als Stellvertreter. Im vorigen Jahre hotte man den Genossen Breitfcheid in die relativ minder wichtige� fünfte Kommission entsandt. In diesem Jahre wird Rheinbaben seinen Platz einnehmen. Dafür wird Breit- scheid in der zweiten Kommission vor interessanten Ausgaben stehen. Diese Kommission wird insbesondere über die Beschlüsse der Weltwirtschaftskonserenz zu beroten haben und ihrer- seits der Vollversammlung darüber Bericht erstatten, wie man diese Beschlüsie in die Tat umsetzen soll. Außerdem ist Vrcitscheid schon jetzt zum Berichterstatter über die Frage der internationalen geistigen Zusammenarbeit bestimmt worden. Der /leltesteurat des Völkerbundes. Gens, S. September. Zu Vorsitzenden der sechs Kommissionen der Völkerbundsoer- sammlung wurden gewählt: 1. Kommission: der japanische Gesandte in Brüssel hadatschi, 2. Kommission: der kanadische Senator Dandurand(Präsident der 6. Völkerbundsoersommlung), 3. Kommission: der tschechische Außenminister Dr. Benesch, dos bisherige Ratsmitglied, der mit Ablauf der gegenwärtigen Rots- Periode aus dem Rat ausscheidet, 4. Kominission: der holländische Professor an der Universität Legden, van Eysing, ü. Kom- Mission: der Präsident der norwegischen Depuliertenkammer hambro, 6. Kommission: der luxemburgische Stoatsininister Bech. Diese sechs Konmiissionsprösidenten sind zugleich Vizepräsidenten der Versammlung. Die Wahl der zweiten Gruppe von Vizepräsidenten ergab: S c i a l o j a(Italien) mit 43 Stimmen, Briand, Chamber- l a i n und Strescmann mit je 41 Stimmen und L e m o n e (Haiti) mit 28 Stiinmen, alle iin ersten Wahlgange gewählt. Als 6. Vizepräsident wurde im zweiten Wahlgang der österreichische Der- treter Graf Mensdorf mit 32 Stimmen gewählt. Ausnahms- weise wurde der schweizerische Delogierte Motto in seiner Eigenschaft als schweizerischer Bundespräsident als Ehrenmitglied hincingewählt. Die 6 Vizepräsidenten und die 6 Kommissionsvorsitzenden bilden zusammen die Togesordnungskom Mission. Zu ihrem Vorsitzenden wurde Genosse de Brouckcre gewählt. Ist Trajkowicz ermordet worden! Polnische Behauptung. Warschau, 5. September.(Eigenbericht.) Die Sowjetgesandtschost teilt mit, sie habe unverzüglich nach der Erschießung Troflowiez' die polnische Behörde gebeten,«ine Untersuchung einzuleiten und habe alles getan, um dies« Unter- suchung zu ermöglichen, Zeugen zurückgehalten usw. Di« Mitteilung schließt mit dem eigenartigen Hinweis, daß der Beamte, der ge> schössen hat. exterritorial sei und daher lediglich sich vor russischen Behörden zu verantworten habe. Die Untersuchung durch polnische Behörden sei also eigentlich gegenstandslos. Diese rusiische Erklärung hat A u s s« h e n erregt um so mehr, als sich inzwischen«in bisher unbekannter polnischer Zeuge gemeldet hat, der den Zwischenfall in einem ganz anderen Lichte darstellt Danach habe der Erschossen« e i n e n S o w j c t b c a m t e n in k e i n e'r W e i s« b e- droht, sondern er sei im Gegenteil von dem Beamten, h i n t e r- rücks überfallen und erschossen worden. Daraufhin habe sich einer der Beamten absichtlich eine unbedeutende Wunde zugesügt, um den angeblichen Uebersall zu begründen. Es wird berichtet, daß seit der Ermordung des Gesandten Woj- koff die russische Gesandtschaft mißtrauisch gegenüber allen unbekann- ten Besuchern geworden sei, zu den höheren Beamten der Gesandt- schaft werde überhaupt niemand mehr hinzugelassen. Auch seien sämtliche Beamten,«uch die niedrigsten Funktionäre, mit Re- voloern bewaffnet worden. Der sozialistische ,.R o b o t n i k" schreibt, daß ein diplomatischer Konflikt zwischen Polen und Ruh- land im Znsammenhang mit dem tragischen Zwischenfall auf der Gesandtschaft nicht zu erwarten sei. Erntesthäüen durch fluslanüsmilitär. Im Rheinland. Köln, Z. September. Zu den französischen Schießübungen, di« im Rahmen der herbstinaaöoer an der unteren Mosel stattfinden, wird der .Kölnischen Zeitung' gemeldet: Die Schießübungen der Be- satzung auf dem Dahleiner Binz werden am 17. September wieder beginnen und bis zum Monatsende dauern. Die Ortschaften Stadt- lyll. Dahlen» und Glaatz werden mit Truppen stark belegt. Der Schießübungsplan ist solgender: Auf dem Dahlemer Schießplatz wird täglich werktags von Mittag bis Mitternacht geschossen. Montag, Mittwoch und Freitag wird von verschiedenen Punkten der Stadtkyllcr Umgebung aus nach dem Dahlemer Schießplatz von 12 bis 17 Uhr geschossen, so daß eine Reihe von Straßen gesperrt wird. Durch diese Schießübu»ge» werden die E r n t c a r b e i l en« m p s i» d l i ch gestört. polnisch-litauische Nachbarschaft. Die Litauer haben einen zurückgehaltenen polnischen Grenz- soldaten freigelassen, womit einer der fast allwöchentlichen Grenz- konflikte beigelegt ist. Die Angelegenheit des angeblich von litauischen Grenzsoldaten gewaltsam verschleppten polnischen Leutnants Zeligvw» stt scheint eine recht seltsame Lösung zu finden. Wie nämlich di« Wilnaer polnische Zeltung„Slowo' mitteilt, ist der Leut- nant keineswegs verschleppt worden, sondern freiwillig nach Litauen geflüchtet unter Mitnahm« der Regimentskasse. Luststümperei- auch bei uns! Bon Flugzeugführer Walter Binder, Reichsabteilungsleiter der Lustsahrtabteilung im Deutschen Berkehrsbund.! Die hier veröffentlichten Ausführungen von H. G. Wells werden gewiß bei vielen Organisatoren der Lust-- fahrt unwilliges Kopfschütteln, ja Empörung auslösen. Wic?— Wir Verwalter und Leiter der Luftfahrt, die wir es in wenigen Jahren fo herrlich weit gebracht haben, sollen Stümper sein? Welche anmaßende Verkennung unserer Leistungen! Dann wird mit dem ganzen Rüstzeug des Fach- manns, der„Laie" Wells, widerlegt werden, Statistiken und Tabellen, Kurven und Zahlen werden alles beweisen, was bewiesen werden soll. Aber Hand aufs Herz, meine Herren Fachleute: auch Sie müssen zugeben, daß dieser Laie mit seinen Ausführungen trotz mancher nicht ganz gerechten Härte an die wundesten Stellen der heutigen Fliegerei rührt. Die Luftfahrt von heute ist wirklich noch meilenweit entfernt von kosmopolitischer Gesinnung und von wirklich großzügiger internationaler Praxis, sie ist durchsetzt von dem, was Wells„alten abgenutzten Patriotis- mus" nennt. Es ist sehr zu begrüßen, daß solche offenen Worte frei- mutiger Kritik den langsam gefährlich werdenden Dunst un- kritischer Bewunderung unserer gar zu verwöhnten Luftfahrt durchbrechen. Jeder, dem eine gesunde Entwicklung des Lustverkehrs am Herzen liegt, weiß, wie nötig hier eine unabhängige Kritik ist, eine Kritik, welche sich nicht mit den von offiziellen Stellen sehr geschickt aus- gegebenen Klischees begnügt, sondern dem etwas unmoder- neu Grundsatz folgt, daß man mit der Wahrheit einer Sache auch da nutzt, wo diese Wahrheit etwas unangenehm in den Ohren klingt. Es ist angebracht, daß wir als Deutsche untersuchen, inwieweit Wells allgemeine Vorwürfe inangel- hafter Organisation und nationalistischer Kirchturmpolitik speziell auf die deutschen Luftfahrtkreise und ihre Organi- satoren zutreffen. Deutschlands Luft verkehrs organisation ist zweifellos durch die Tatsache des Militärfliegcreioerbrts sehr ge- fördert worden. Dies erzwungene Verbot, dos unfern kriegsgläubigen Gemütern nur als Entwicklungshemmung erscheint, hatte das eine Gute, daß sich viele unserer Kon- strukteure und Fachleute dem Problem des Luft- verkehrs gewidmet. Viele, längst nicht alle! Andere gingen ins Ausland und bauten dort auch weiterhin unsere modern- sten Mordwerkzeuge für fremde Länder. Von da aus werden sie vielleicht eines Tages— wie einst im Weltkrieg unsere Kruppschen Kanonen— uns Grüße in Firm von Granaten und Giftgasen herübersenden! Bekanntlich bauen alle großen deutschen Fabriken(Junkers, Rohrbach, Heink.el, Dornier usw.) Kriegsflugzeuge im Ausland und verkaufen sie an das Aus- land ohne Rucksicht auf völkische Belange! Aber auch die Organisatoren des friedlichen Luft- verkehrs, die ja fast alle kaiserliche Offiziere gewesen sind, können sich nur widerstrebend in die Rolle des Zivilisten hineinfinden. Das prägt sich im Verkehrston auf den meisten Lrlugplätzen und in den Amtsstuben des LusifoHrwesens oft bis zur Komik aus. Da wird im schnarrenden Ton kom- mandiert, da werden die Hände an die Hosennaht gelegt, Hacken gekloppt, Schneidigkeit markiert und ein militärischer Sportgeist gepslegt, so daß der stille Beobachter manchmal die Passagiere als eine recht stillose und unpassende Begleit- erscheinuiig dieser Gestrigkeiten empfindet. Gefährlich wirkt sich dieser„stramme Frontgeist" jedoch in den Verkchrsfliegerschulen aus, die das Monopol der Heranbildung des Pilotennochwuchjes haben. „Lsletv first"(vor allem Sicherheit)— steht in jeder Lvn- doner Straße als Verkehrsmahnung zu lesen. Dieser Leit- spruch gilt in ganz besonderem Maße für den Luftverkehr. Es ist darum aufs strengste die Erziehung zum schneidigen Sport- und Kunstflieger— alias Militärflieger— von der zum Piloten des öffentlichen Verkehrs zu trennen. Das genaue Gegenteil geschieht auf unseren heutigen Verkehrsfliegerschulen. Junge Leute von 18 bis 20 Jahren„mit Primareife und Sportabzeichen" werden zuerst körperlich, dann nicht minder vorsichtig gestnnungs- mäßig auf„nationale" Zuverlässigkeit bis ins dritte und vierte Glied geprüft. Nach ihrer Aufnahme werden sie zu- nächst im Boxen, Ringen. Fechten, Klein- kaliberschießen und Gott weiß was für lebenswichtigen Betätigungen ausgebildet, um erst nach ziemlich langer Zeit zum Fliegen zu kommen. Der streng republikanische„Lokal- anzeiger" wird ihnen täglich kostenlos verabreicht, die strenge Kasernierung(Urlaub nach außerhalb muß ganz wie beim Militär mit Begründung eingereicht werden!) schützt vor Verseuchung durch andere böse Einflüsse der Außenwelt. Bei der fliegerischen Ausbildung selbst herrscht die gleiche Tendenz der Erziehung zu jenem Schneid, der für die schwierigsten Kunstslugübungen sein Leben einzu- setzen bereit ist, der für Trudeln, Loopings, Rückenflug und ähnlich« Kriegsübungeu schwärmt und« Lassa» gierdienst nicht denkt. Ist es ein Wunder, wenn einige dieser jungen Herren mit einer völlig falschen Berufsauf- fassung in den öffentlichen Verkehrsdienst treten? Wenn schließlich Unfälle vorkommen, die leicht hätten vermieden werden können? Ist es schon einmal jemand eingefallen, von einem Lokomotivführer Boxen und Fechten, Sport- abzeichen und Varietskunststücke zu verlangen, bevor man ihm die Verantwortung für Hunderte von Menschen anver- traut? Macht ein Kraftwagenführer im Zirkus Loopings, um feine Eignung für den öffentlichen Verkehr zu erweisen? — ein, gründlichste Motorenkenntnis, Navigation, Wetter- künde, Funkdienst sowie Sprachen- und Volkskunde, mit dem Ziele vor allem das Verantwortungsgefühl zu wecken und diehöchsteAchtungoordemMenschen- leben zu erziehen, das ist der zu fordernde Bildungsgang der kommenden Verkehrspiloten. Aus den bewährten Bord- Monteuren, die über langjährige Flugpraxis und erstklassige Maschinenkenntnis verfügen, wäre dieser Nachwuchs am zweckmäßigsten zu gewinnen. Die Kriegspilotenausbildung hat gezeigt, daß weder Boxen noch Sportabzeichen, noch Primareife nötig find, um Hervorragendes zu leisten, und das Gleiche beweisen die heute im Dienst befindlichen Piloten, die zum größeren Teil bereits im Kriege geflogen sind und auf deren erprobter Zuverlässigkeit der deutsche Luftverkehr be- ruht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die heutigen von Offizieren und vom Reichswehrministerium inspirierten Aus- bildungsmethoden unserer Verkehrsfliegerschulen nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch außen- und innenpolitisch sich schädlich auswirken. So finden wir leider auf den deutschen Schulen des fliege- rifchen Nachwuchses genau den von Wells gebrandwarkten Nationalismus in Reinkultur, der das Haupthindernis eines wahrhaft völkerverbindenden Weltflugdienstes ist. Bei solcher Mentalität der führenden Luftfahrtkreise nimmt es nicht wunder, daß es auch bei der L u f t o e r- kehrsorg anisation hapert. Was dem Prüfenden am meisten bei unserer subventionsgesegneten Deutschen Luft- Hansa ins Auge fällt, ist die U e b e r o r g a n i s a t i o n. Im Jahre 1926 wurden in Deutschland 80 Flug- st r e ck e n im planmäßigen Verkehr von der Deutschen Luft- Hansa beflogen. Wenn man sich überlegt, daß ganz Deutsch- land in wenigen Stunden durchflogen ist, so wird einem der Unsinn dieser Betriebsführung klar. Sie ist überhaupt nur möglich, weil sich die verschiedensten Reichs-, Provin- z i a l- und S t ad t b e h ö r d e n oft geradezu darum drän- gen, das Geld ihrer Steuerzahler bei der Lufthansa loszu- werden, um dadurch irgendeine ebenso überflüssige wie un- wirtschaftliche Flugstrecke eingerichtet zu erhalten. Anstatt alle Energien aufwenigegroßeDurchgangslinien von internationalem Charakter zu konzentrie- ren und hier nach kaufmännischen Gesichtspunkten zu arbeiten — wie es in Holland, England und Frankreich, wo man über- all nicht so spendabel mit den Subventionen umspringt, wie bei uns seit langem geschieht!—, legt man dem Ehrgeiz einiger Gemeindeväter zuliebe Fluglinien von Ferkelmoching nach Kleinkleckersdorf und freut sich wie ein Kind über die Millionen geflogenen Kilometer in den Jahresstatistiken! Doch fragt mich nicht, was dieser Sport kostet! Es ist interesiant, daß die Einnahmen aus wirklich bezahlten Flugkarten, Fracht- und Postgebühren im Jahre 1926 nur auf fünf von achtzig Strecken den Betrag von 100000 9JI. überstiegen haben lses sind die Strecken Zürich- München— Wien— Budapest, Berlin— Amsterdam, Amsterdam— Hamburg— Kopenhagen— Malmö, Berlin— München und Basel— Köln— Amsterdam). Diese fünf Strecken brachten mehr als 25 Proz. aller Streckeneinnahmen überhaupt. Da- gegen blieben mehr als ein Drittel aller Strecken in ihrer Iahreseinnahme unter 5000 M.! Sechs Strecken brachten nicht einmal 1000 M. im ganzen Jahre!!— Man bedenke, daß für diesen„Verkehr" rund80Flug- h ä s e n in Deutschland in Betrieb gehalten werden müsien, daß auf Dutzenden dieser Flughäfen nur ein- oder zweimal täglich ein Flugzeug auf zehn Minuten landet, um dort gar keinen oder ein bis zwei Ehrengäste abzusetzen! Diese kost- baren Passagiere werden dort von einem Flugleiter, einem Reserveflugleiter, ein paar Bureauangestellten, dem Boy und dem Chauffeur, sowie einem Luftpolizeiaufgebot höchst würdig empfangen, während sich zwei Monteure der Maschine annehmen. Ankunfts- und Abfahrtstelegramme, Wettermeldungen, Autos, Ferngespräche— armer Steuerzahler, wunderst du dich noch, daß die letzte Lufthansabilanz so versichtig aufgemacht gewesen ist, daß man fast nichts aus ihr entnehmen konnte? Im Jahre 1926 wurden 6 255 182 Kilometer von der Lufthansa geflogen. Legt man die gesamten Betriebskosten auf diese Zahl um, so ergibt sich ein D u r ch s ch n i t t s a u f- wand von etwa 3,60 M. pro Kilometer. Aus Passagier-, Fracht- und Postbeförderung hat die Lufthansa im gleichen Zeitraum 2 875 000 M. eingenommen, also rund 48 Pfennig pro Kilometer! Das heißt, man hat wenig mehr als 13 Proz. seiner Oraanisationskosten decken können. Da die englische Luftverkehrsgesellschaft Imperial Airways Limited annähernd die Hälfte ihrer Ausgaben be- reits deckt und auch in Holland eine weit geringere Kilometer- subvention zum wirtschaftlichen Betrieb hinreicht, so bleibt nur die Erklärung, daß unsere Herren Luftfahrtorganisatoren noch nicht kontinental in großen Luftlinien denken gelernt haben, daß sie außerdem einen viel zu großen Verwaltungs- apparat unterhalten und überhaupt nicht rein wirtschaftlich denken. Niemand bezweifelt, daß die Luftfahrt zu ihrer vollen Entwicklung noch auf längere Frist auf Zuschüsse angewiesen bleibt, aber die Parlamente sollten endlich an die Hergabe der Dutzende von Millionen wie in England schärfere Be- dingungen knüpfen im Sinne eines Zwanges zu zu- nehmender Eigenwirtschaftlichkeit durch progressiven Abbau der heutigen Suboentionssätze. Wenn die Lufthansa wüßte, daß sie nach einer festgelegten Reihe von Jahren auf keine finanziellen Regierungsbeihilfen mehr wird rechnen können, so würde zur Vermeidung des Bankrotts sehr bald eine erhebliche Vereinfachung des Bureau- und Verwaltungsapparats erfolgen müssen. Aber heute kennt man nur ein„Spare n" bei den Monteuren und Handarbeitern: bald wird man auch bei den P i- loten anfangen. Die Forderung der Arbeiter nach einheit- licher, den Luftverkehrsverhältnissen angepaßter Tarif- r e g e l u n g ist immer wieder abgelehnt worden, durch unaufrichtige Winkelzüge entzieht man sich der Erfüllung berechtigter sozialer Forderungen und meint,„gespart" zu haben, wenn man irgendwo durch Ablehnung einer berech- tigten Lohnforderung die Arbeitsfreudigkeit der— übrigens größtenteils vortrefflich geschulten— Facharbeiter herabgemindert hat. Dabei gehört wirklich nur wejiig gesunder Menschenverstand dazu, um zu begreifen, daß für den Luft- verkehr, wo ein lässiger Handgriff eines Handwerkers einen Schaden von Hunderttausenden— von der Lebensgefährdung gar nicht zu reden— zur Folge haben kann, eine aus- gezeichnet bezahlte, nicht durch Ueberstunden über- anstrengte und daher zufriedene Arbeiterschaft die beste Sparmethode für den Unternehmer ist! * Meine Streiflichter, die noch sehr erheblich vermehrt werden könnten, beweisen bereits, daß Wells' Ausführungen ins Schwarze treffen. Dieser reaktionäre, sozial rückständige, nach gestern schielende, in Landesgrenzen eingeklemmte Geist ist nicht der Schöpfer jener Weltluftfahrt, die Wells als Symbol einer international fühlenden und denkenden Menschheit vorschwebt! Doch es wird an uns selbst liegen» ob wir resigniert zu- schauen wollen, wie das schönste Geschenk modernen Erfinder- geistes im Provinzialismus und Nationalismus stecken bleivt, oder ob wir alle Kräfte daran setzen wollen, das gesamte Luft- fahrwesen mit sozialem und demokratischem, mit kosmopoli- tischem Geist zu erMen. Wir wollen kein Flugzeug als Zer- Mrmut. von Alfred Boestfleifch. Der Gutsbesitzer hatte in der Dorfstratze ein Kind überritte«. Es lag in einer Blutlach«. Di« Jugend, die vorhin noch in dem Dreck spielte, stob von bannen und schrie. In den Fenstern der Häuser zeigten sich Gesichter. Als sie das Bündel auf der Straß« sahen, wichen sie bleich zurück. Mit großen, angstvollen Augen stürzten die Menschen aus den Türen. Die ihr Kind gleich mit dem ersten Blick erkannten, lSchelten und ihre Erregung wurde gedämpft: sie liefen aber trotzdem mit zitternden Beinen über den Steg, der über den Dorfgraben führte. Die anderen, jenseits der Straße, rannten durch die Fliedervorgörten und sprangen über Zäune, um den Weg zu kürzen. Jetzt standen sie olle um das Kind herum, das nur noch schwach« Lebenszeichen von sich gab. Die weiter hinten standen, drängten sich vor und guckten über die Schulter des Vordermannes hinweg. Plötzlich erklang eine fette Stimme:„Ich weiß nicht, ich kann niemals besuldete Kinder sehen!" Das sagt« eine Feldaufsehersfrau. Sie strich sich ihre fleischigen Hände und schob mit ihrem dicken Leib davon. Niemand wagte, ihr darauf etwas z» sagen» nur mißfällig schaute man ihr nach. Es war immerhin eine Feldauffehersfra«. Ihr Mann hatte eine gute Stimme in dem Dorf. Der letzte Mensch, der sich dem Hausen näherte, war eine Frau. Schlank, hager, ja fast mager. Ihr« Hände dampften und ihre blaue Druckschürze war feucht. Auf vielen Stellen hing der Schaum von Seife, ein Beweis, daß sie vom Waschfaß kam. Der anderen Blicke flogen zu ihr hin. Für eine Weile hielt sie ihnen stand und blickte dann zu Boden. Einige sahen an ihr vorbei. Gebrochen und halb schwankend ging die Frau vorwärts. Erst bei den letzten Metern bekommen ihre Schritte Kraft. Kaum auf- recht hält sie sich. Mit blutleeren, zusammengepreßten Lippen nimmt & das Kind in ihre Arme und geht schwankend wieder fort. Würdigt Tbi« Umstehenden nicht mit einem Blick. Mit einem gewissen, un» ikdwußten Stolz geht sie fort. Einzelne empfanden schweigend die Größe dieser Frau. Andere, deren Mundwerk plätschernd ging, besahen neugierig das Haus, das durch diesen besonderen Vorfall einen besonderen Schein für ihre Augen bekommen hatte. Dann brach ein Gewitter über den Gutsbesitzer los. Hände bcttten sich. Arme reckten sich zum Himmel, braune, fehnige und weiße, magere. Gesichter zuckten von Grimm und Haß verzerrt. „Wenn er noch einmal durch das Dorf kommt, schlagen wir ihn tot!" Der Bursche, der das sagte, zitterte am ganzen Körper. „Ein Lump.>o ein verdammter Lllmp! Wir verklagen ihn!" „Er kommt für die Beerdigungskosten auf und noch was dazu!" schrie eine Frau „IIei�rb«upt ein hartgesottener Schuft. Den Arbeitern auf dem Gut hat er auch gekündigt." Das war Wasier auf die Mühle. Ein Entrüstungssturm brach los. Nur ein Mann stand am Staketenzaun gelehnt und lachte. Ein einzelner, der alles sofort begriff. Einer, der ein Stück vorwärts zu denken vermochte. Die Schimpfer drehten sich um. Sie machten Miene, auf den Lacher einzudringen. Da taucht am anderen Ende der Straße der Reiter wieder auf. Sowie die Leute ihn bemerkten, wurden die Drohungen noch stärker. Als er bis zur Hälft« der Straße angekommen ist, machen die lauten Worte einer stummen, eisigen Abwehr Platz. Dann hält das Pferd zwischen den Menschen. Wie die reuigen Sünder stehen sie da. Die Abwehr ist verschwunden. Die Armut empfand: Reichtum, Geld. Sah in ihnen da» Gesetz verkörpert. Nein, das direkt wohl nicht. Der Gedanke, der die Menge hielt, wäre vielleicht einfach so zu formulieren gewesen:„Er ist von besierem Stand!" Er konnte eher nach oben langen, zu denen, die dort oben saßen. Der Retter sprang vom Pferde und reichte die Zügel einem Manne hin. Dann ging er w das Haus. Ein Kind hatte ihm den Weg gewiesen. Der Mann, der das Pferd am Zügel hielt, war ein Luinpen- Händler. Er trat näher zu dem Pferde hin und streichelte besten Fell. Sein Denken war jetzt nicht gelähmt. Ja, wenn er so ein Pserdchen hätte, dann könnte er drei, vier Fahrten an dem Tage machen. Selbstverständlich, daß solche Gedanken seine Augen Heller machten. Der Gutsbesitzer blieb nicht lange in dem Haus. Für ein Weilchen stand er am Zaun und steckte seine Geldtasche fort. Viele Iungmädchen- und Frauenblicke richten sich auf ihn. „Ein strammer, kerniger Kerl!" Was hinter dem Gedanken auf- marschiert, das hätten sie, darauf angefaßt, ganz felsenfest verneint. Kurz vor dem Pferd tritt ein Weib auf ihn zu. Sie fragt um Arbeit für sich und ihren Mann. Er bejaht und lächelt dabei. Auch die anderen haben Glück, und unter vielen Grüßen trabt der Gutsbesitzer fort. Die Frauen halten sich untergearmt, schieben sich und lachen. Die Männer haben sich in die Brust geworfen und stolzieren hinterher./ Das Unglück wird nur kaum erwähnt. Die ganze Schuld trägt jetzt die Frau. Kinder, gehören nicht auf die Straße. Und während sie so sprechen, gehen die Leute an den Kindern vorbei, die am Straßengraben spielen. Aber vom Rand bis zur Mitte ist eine kurze Strecke. vernichtendes Urteil der Pawlowa über Englands Kunstleben. Anna Pawlowa, die zu einem kurzen Gastspiel in Covenr Garden in London eingetroffen ist, sprach sich dem Berichterstatter eines Londoner Blattes gegenüber in bitteren Worten über die Kunst- fremdheit Englands aus.„England hat keine Kunst" erklärte sie kurz und bestimmt.„Ihr Land befindet sich in künstlerischen Dingen in einem Zustand, der geradezu entsetzlich ist. Was haben Sie denn? störungswaffe, wir wollen aufs strengste darüber wachen, daß kein vertragswidriger Militärmißbrauch mit der Fliegerei in Deutschland getrieben wird, damit wir mit ehrlichem Ge- wissen auch von den anderen Abrüstung auf diesem Gebiete fordern können. Alle politischen und parlamentarischen Mittel sind anzu- wenden, um die wirklich nutzbringende Vertellung der be- willigten Etatmittel aufs schärfste zu kontrollieren. Die international zusammengeschlossene Arbetterschaft aber muß begreifen lernen, daß die Lustfahrt ihre eigenste Angelegenheit ist. Der Luftfahrt gehört die Zukunft, so wie den Arbeitenden aller Länder die Zukunft gehören wird. Stresemann als tzistoriter. Verherrlichcr Napoleons. In der Zeitschrift„Nord und Süd" veröffentlicht Herr Stresemann einen Aufsatz über„Goeche und Napoleon". Darin untersucht er die Frage, warum Goethe für Napoleon schwärmte und sich für die Befreiungskriege nicht begeistern konnte. Es zeigt sich, daß Herr Stresemann für Goethe volles Verständnis hat: Sehen wir zunächst das Bild des damaligen Deutschlands un» oerzerrt und in objektivem Lichte? Namentlich in Norddeutschland sehen wir die Dinge doch vieljach im Spiegel der konoen- tionellen preußischen Geschichtsauffassung. Es gab zwei Deutschland: Das eine war das nach dem Frieden von Tilsit zusammengebrochene Preußen, das andere die im Rheinbund vereinigten Fürsten und Staaten. Vor dem Untergang Napoleons in Rußland bestand wohl kaum die Idee von Preußens Sendung im Kampf gegen welche Unterdrückung. Preußen war unrühmlich untergegangen. Es berührt uns seltsam, wenn wir lesen, daß d e r König nach der Schlacht von Jena das Berliner Schloß in Ordnung bringen und Napoleon sagen ließ, daß er hoffe, er werde sich in diesen Räumen wohlfühlen. Wie das auf andere Völker wirkte, kann man bei Tolstoi nachlesen, der russische Offiziere die Frage aufwerfen ließ, ob e- sich lohne, mit einem Preußen verbunden zu sein, das derartig unter- w ü r f i g gegenüber dem Sieger sich zeige. Was konnten die deutschen Gottesgnadenherren für Goethe überhaupt bedeuten: Wer hatte denn vorher von den Großen der Welt seine Werke gewürdigt? Wer hatte ihn eingeladen, in sein« Hauptstadt zu kommen, um dort zu wirken. Etwa der gute Franzi in Wien? Etwa der Preußenkönig? Etwa die Rheinbundfürsten? KarlAugust.in staatlicher Polittt gewiß ein Führer und charak- terlich einer der prächtigsten Menschen, hatte doch das Interesse fiir die literarischen Dinge längst überwunden, und sein Konflikt mit dem Theaterdirektor Goethe, der zur Niederlegung dieses Amtes durch Goethe führte, zeigt doch auch die Schwächen, welcher er fähig war. Gegenüber diesen Schattensigure« trM Napoleon bei Stresemann in das hellste Licht. Ganz nebenbei ist aber auch noch von einem anderen die Rede: Es gibt kein törichterifches Wort als das W i l- Helms II. von dem korsischen Parvenü. Vor einem genialen Schlachtenführer und genialen Menschen zu erliegen, ist keine Schande. Vor einem korsischen Parvenü bei Jena die Waffen zu strecken, wäre dagegen ewiger Makel in Preußens Geschichte ge- wesen. Hier müssen wir dem Historiker Stresemann entschieden widersprechen. Es gibt noch viel törichtere Worte als das von ihm zitierte, und alle stammen sie von demselben Autor. Die Frage, welcher von den vielen Aussprüchen Wilhelms II. der törichteste gewesen ist, wird erst eine spätere unbefangene Geschichtsschreibung zu lösen oermögen. fim 3. Oktober wieüer Reichstag. Reichstagspräsident£8be wird in der nächste« Woche den Aellestenral einberufen, um ihm vorzuschlagen, die Reichstag»plenar- fihungen am Z. Oktober wieder anfzuaehmen. Sie haben weder Oper noch Schauspiel, noch ei» Orchester. Sie hatten allerdings einmal da» Beecham-Orchester, aber da, gehört auch der Vergangenheit an. Sie haben allerdings noch Covent Garden, aber was haben Sie daraus gemacht? Sie haben es Tingeltangeltänzern überlasten und der ordinären Musik, die von diesen unzerttennlich ist." Als der Berichterstatter schüchtern einzu« wenden wagte, daß England ja noch immer seinen Shakespeare habe, unterbrach ihn die berühmte Tänzerin mtt den Worten: ,Ja, Shakespeare haben Sie noch, aber wo ist er denn? Die Kunst ist wie ein Baby, das einer Pflegerin bedarf: aber in England entbehrt sie jedes Schutzes. Leute» die Geld haben, geben hier alles für Fußball, für Pferde, für Hunderennen aus, für die Oper aber haben sie keinen Pfennig übrig: es ist grauenhaft!" Die Pawlowa kann es sich leisten, den empfindlichen Engländern das zu sagen, was sie für die Wahrheit hält, ohne einen schlechten Empfang befürchten zu müssen. Einem minder berühmten Künstler dürste solche Offen- Herzigkeit über bekommen. „Sturm und Drang". Unter diesem Titel(niederländisch „Wording") erscheint gegenwärtig der erste Teil der Memoiren des niederländischen sozialistischen Staatsmannes Pieter Iclles Troelstra. Als Troelstra sich vor zwei Jahren als müder Mann aus dem öffentlichen Leben zurückzog, hatte wohl jeder der Zehn- taufende, die damals im Fackelzuge an ihm huldigend vorbei- marschierten, das Gefühl, daß dieser Mann ein Stück Gefchichte der niederländischen Arbeiterbewegung darstellte. Auch seine Memoiren sind daher«in Beittag zur europäischen Geschichte unserer Zei! und zugleich ein unentbehrliches Kapitel in der Geschichte der interiiatio- nalen Arbeiterbewegung. Wahrscheinlich wird auch die beabsichtigte deutsche Ausgabe dieses Werkes nicht mehr lange auf sich warten lasten. Don der ersten niederländischen Auflage in Höhe von 5000 Exemplaren sind bereits 3000 vorverkauft. Industrialisierung des Fischfanges. Di« Methoden der Hochfee- fifcherei werden voraussichtlich umwälzende Neuerungen erfahren. Amtliche Stellen in England, Irland und Kanada haben gemeinsame Versuche eingeleitet, um eine Industrialisierung der Hoibseefischcrei zu erreichen. Das Ziel ist, den Fang schon unterwegs auf See fo zu verarbeiten, daß bei der Ankunft im Hafen bereits die fertigen Produkte in Form von Fischkonserven, eisgekühlten, oerkaufsfertigen Fleischstücken. Fischmehl zu Dllngezwecken usw. ausgeladen werden. Der moderne Fischereidampfer würde damit ,u einer schwimmenden Fabrik werden, llnd die jetzigen Absatz, und Verarbeitungsmethoden in den Fischereihäfen würden sich von Grund auf ändern. Sesellschaft tür Ostafiakische Sunit. S. ordentliche ZZersammwng am Dienstag, dem 6. September, abends 8 Uhr pünttlich im Hörsaale der Staatlichen Kunstbibliothek. Prinz-Albrecht-Stt. 7a: Fiäulein Dr. Stella Kramrisch, Projessor an der Unlverfität Cnlcutta: Mittelalterliche indische Plastik. Der Vortrag wird durch Lichtbilder erläutert werden. veustch-Oesterreichlscher Zusammenschloß im Vöhnenwesen DemTein chen Biihnenmein haben sich nach längeren Verhandlungen nunmehr die öiler. reichlichen BundeSIbcater angeschlossen. Der Anschluß bedeutet, daß auch die äitcrieichischen Vundcslheater sich künstig in wirilchastlichen Fragen an die Richtlinien und Beschlüsse des Bnbncnoereins halten werden: außerdem ist auf dicje Weise ein Unternehmen über Fragen des Repertoirs und der gegenseitigen Gastspiele grundsätzlich gesichert. Die Maulaufreißer. Tagung des Alldeutschen Verbandes. Unbeachtet von der übrigen Welt haben die Alldeutschen soeben in chalberstadt ihren Verbandstag abgehalten. Ihr Leiborgan, die„Deutsche Zeitung", nennt unter den Pro- minenten der Tagung neben Justizrat Claaß, General v. Liebert usw. auch den Stresemannverleumder Rechts- anmalt Müller- Plauen. Alles in allem muß man jedoch feststellen, daß zu den seit Jahrzehnten bekannten Namen keine neuen hinzugekommen sind. Trotz der krampfhaft beibehalte- nen Eroßmäuligkeit macht die ganze Gesellschaft einen recht altgewordenen Eindruck. Der Grundton der Tagung war auf den Erfahrung?- grundsatz abgestimmt, daß kriegerischer Heldenmut meistens ein Produtt der A n g st ist. Also galt es, durch Erzeugung von Angst den deutschen Heldengeist neu zu beleben. Das rote Gespenst wurde in siebenfach bengalischer Beleuchtung de- monstriert. Die Wiener Vorgänge, die Protestkundgebungen gegen den Justizmord an Sacco und Vanzetti wurden in Referaten und Resolutionen ins Ungeheuerliche verzerrt, um dem Bürger das Gruseln beizubringen. Nach alldeutscher Erkenntnis steckt hinter diesen Dingen nicht die elementare Aufbäumung des Volksbewußtseins gegen schreiende Unge- rechtigkeiten, sondern„der einheitlich geleitete Versuch, die be- stehende Ordnung zu vernichten und die Gewalt in die Hände ruchloser Pöbelführer zu bringen". Einer der Redner, Oberfinanzrat Dr. Bang, prägte die Worte: Auf der einen Seite sehen wir nicht nur die Losbindung aller politischen Leidenschaften, sondern die Losbindung aller niedrigen Instinkte, aller Verbrecherin st intte, die Entfesselung des Tieres im Menschen. Gewöhnen wir uns doch endlich ab, dasjenige, was seine entmenschten und bestialischen Triebe mit Mord und Brand befriedigt und was die Entmenschlichung bis in die Kinderherzen trägt, mit einem„politischen" Mantel zu umhüllen! Nicht um um„Politik" handelt es sich dabei, sondern um organisiertes Ver- brechen. Wir nehmen an, daß der ehemalige Finanzminister Kopps mit diesen Worten die Lüttwitz-Ehrhardt- sche Soldateska hat kennzeichnen wollen, die das Leip- ziger Gewertschäftshaus niederbrannte, in Kottbus und Brandenburg Bomben in sozialistische Druckereien warf, in Breslau die berüchtigte Folterkammer errichtete, den unab- hängigen Redakteur Schottländer ermorderte, bei Mechter- ftädt 16 Arbeiter ums Leben brachte usw., usw. Nicht wahr, davon sprachen Sie doch, Herr Oberfinanzrat Bang?! Der alte Reichsverbandsgeneral v. Liebert sprach über den Eintritt der farbigen Rassen in die Weltgeschichte. Er freute sich ungemein darüber, daß aus dem Erwachen der farbigen Rassen England, Frankreich und den übrigen Ko- lonialmächten große Gefahren drohen, während Deutschland aus dieser Schädigung seiner Feinde nur gewinnen könne. Die Konsequenz, daß Deutschland also froh sein müsse, keineKolonienmehrzu besitzen, vergaß der alte Herr. Aber freilich: Herr v. Liebert hatte ja noch kurz vor Ausbruch der Revolution einer öffentlichen Versammlung in Gelsenkirchen erzählt, daß er seinen Soldaten im Felde an- befohlen habe, keine lebendigen farbigen Gefangenen mehr einzubringen: aber der gutmütige deutsche Soldat habe sich nicht daran gekehrt und immer wieder farbige Gefangene zurückgebracht.— Wie werden sich die Farbigen üb& diesen neuen Bundesgenossen freuen! Em Referat des Reichstagsabgeordneten Gok über Sowjetrußland gipfelte in dem Satze: ein monarchisches Deutschland sei die einzige Macht in der Welt, die in Rußland werde„Ordnung schaffen" können.— Mit ähnlichem Scharfblick wurde die übrige Außenpolitik erledigt und die deutsche Vorherrschaft über die Welt— wenigstens auf geduldigem Papier— sichergestellt. Die eigentliche Aufgabe des Alldeutschen Verbandes, nämlich den Feinden Deutschlands Beweismaterial für die Existenz eines unersättlichen völkerbedrohenden Pangerma- nismus zu liefern, wurde auch in Halberstadt vollauf gelöst. Regierung unö Preßefreiheit. Die mitteldewtschcn Verleger zum Kasseler Streit. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger Kreis Mitteldeutschlonb hat sich auf seiner letzten Tagung mit dem Dar- gehen des Kasseler Regierungspräsidenten gegen den Verlag der Oberhessischen Zeitung in Marburg beschäftigt. Es wurde eine Resolution beschlossen, in der es heißt: Die Maßregelung der Oberhessischen Zeitung stellt sich als Versuch dar, durch Derhängung wirtschaftlicher Nachteile die freie Meinungsbildung der Redaktion zu beeinflussen und zu be- schränken. Hierin sjeht� die berufen« Standesvertretung eine schwere Beeinträchtigung der Freiheit und Reinerhaltung der Presse. -So sehr man den mitteldeutschen Zeitungsverlegern beipflichten kann, wenn sie sich für die Freiheit und Reinerhaltung der Presse einsetzen, so sehr hauen sie im Fall der.Oberhessischen Zeitung" daneben. Der Regierungspräsident von Kassel hat dem Blatt das Recht entzogen, sich als„amtliches Derkündigungs» blatt für den Kreis Marburg" zu bezeichnen, weil es die preußische Regierung dauernd in einer Weise angriff, wie es mit der Würde eines amtlichen Reoierungsorgans nicht vereinbar ist. Er hat da» mit nur seine Pflicht getan. Amtlich« Organ« sind nicht dazu da, gegen die Regierung zu hetzen. Paßt ihnen die Richtung nicht, so steht ihnen der Ausweg offen, den der Regierungspräsident von Kassel gewiesen hat._ öeratung über Ate Sesolöungsfrage. Zur Bereinigung der zwischen Preußen und dem Reich poch schwebenden Streitfragen in der Beamtenbesol» dungsreform findet, wie der SPD. erfähtt, am Mittwoch eine Besprechung der Vertreter der preußischen Landtagsfraktionen mit dem preußischen Finanzminister statt. Bei den noch vorhandenen Streitpunkten handelt es sich vor allem um die Pensions, und Diätar- frage sowie um die Stellung der Beamtinnen. Im Zusammenhang mit der allgemeinen Besoldungsreform ist in Preußen eine nicht unwesentliche Besser st cllungderpreu- bischen Lehrerschaft geplant. Die Lehrer standen bisher in Gruppe 7—9, wobei der Aufstieg in Gruppe 8 nach dem Dienstalter erfolgte, dagegen der in die Gruppe 9 von dem Freiwerden einer gehobenen Stellung abhing. Man denkt nun an«Ine Zusammen- Ziehung der.Gruppen 7—9 als gemeinsame BesAdungsgrundlage für alle Lehrer. Die erhebliche finanzielle Besserstellung der Lehrerschaft nach dxn neuen Plänen ist sofort deutlich erkennbar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß'zurzeit drei Sechstel der Lehrerschaft der Gruppe 7, zwei Sechstel der Gruppe 8 und nur eip. Sechstel der Gruppe 9 angehören. I Ein Jafyt$ Der Kampf um die Mexiko, End« August.(Eigenbericht.) Mexiko, das Land der Kirchen, und des fließenden Petroleums, hat in diesen Augusttagen ein denkwürdiges, in seiner reichen Ge- schichte beispiellos dastehendes Jahr abgeschlossen. Ein Jahr ist es her, daß Mexikos 5600 Kirchen verlassen stehen, Mexikos Priester ihren Pflichten nicht mshr nachkommen. E i n Jahr, seit auf Anordnung der hohen Geistlichkeit Religionshandlungen in Mexiko aufgehört haben und dos religiöse Leben einer Bevölkerung, die zu mehr als 90 Proz. katholisch ist, äußerlich sein Ende gefunden hat. Seit einem Jahre ist der„mexikanische Kulturkamps", seit Jahr- zehnten latent, in eine Phase akuten Kampfes eingetreten. Im Frühjahr 1926 erschien wi« ein Blitz aus heiterem Himmel eine Erklärung der mexikanischen Kirchenfürsten gegen die kirch- lichen Bestimmungen der Perfassung des Jahres 1917: man wollte nicht mehr und nicht weniger als eine Verfassungsänderung. Dies« Erklärung, zu der kein direkter Anlaß vorlag, mußte um so be- fremdender wirken, als sie gerade in die beginnende Auseinandersetzung mit den vereinigten Staaten über die Petroleumgesetzgebung fiel und von der mexikanischen Regierung als„geweihter" Dolchstoß in den Rücken empfunden werden mußte. Di« Antwott ließ nicht lange auf sich warten. Kurzerhand entschloß, sich die Regierung Calles, die reli- giösen Verfassungspunkte, die bisher nicht viel mehr als tote Buch- ftaben gewesen waren, voll anzuwenden und entsprechende Aus- führungs- und Strafbestimmungen zu erlassen. Der wesentlich« Punkte dieser„ley reglarnentaria" war die oerlangte Registrierung der Gei st lichen bei den städttschen Be- Hörden. Dazu erklärte die Kirche,«ine solche Maßnahme wider- spreche ihrer Autorität und käme 6e kscto der Anerkennung der mexikanischen Regierung als der höchsten Gewalt in Religionssragen gleich: damtt wäre die religiöse Freiheit bedroht und der Bestand der„allein selig machenden" Kirche in Mexiko ernstlich gesährdet. Im Gegensatz dazu hat die Regierung immer wieder betont, sie hagele bei der Inkraftsetzung dieser Bestimmungen nur im Sinne der Verfassung: nichts liege ihr ferner, als der Kirche Hindernisse bei der Ausübung religiöser Funktionen in den Weg zu legen. Da keine Seite nachgab, ordnete die Hierarchie die Einstellung aller religiösen Akte an, wohl von dem jesuittschen Gedanken geleitet, mit der Entziehung„geistiger Nahrung" d i e Massen gegen die Regierung aufzureizen und sie so zum Einlenken zu zwingen. Aber diese Erwartung ist bisher bitter enttäuscht worden. Interessierte Kreis«»ersicher» der Welt natürlich immer wieder, Der Katholikentag. Nach dem Rcichsschulgesetz neue Forderungen. vorlmund. 5. September.(Eigenbericht.) Am Montag erreichte das kultur- und fchulpolitifche Bekenntnis des Katholikentages seinen Höhepunkt. Reichskanzer Marx, der die Kundgebung der katholischen Schulorganisaion alz ihr lang- jähriger Vorsitzender leitete, verkündete das katholische Bekenntnis zum Schulideal unter leidenschaftlicher Anseuerung der kirchlich- religiösen Empfindungen der Hörer. Er sowohl wie der Haupt- resereut. Pfakxir! Dx. Offmssein güs WilhÄmsbürg bei Hamburg, wandten sich, in schärfster Ztzeise gegen die Anhänger der Simultanschule in den eigenen Reihen, die die Einheit des Katholizismus in einer entscheidenden Frage störten.„Weltuntertan der kirchlichen Obrigkeit"— das ist dos Schulprogramm des Kanzlers, das nach seiner Auffassung erst zu einem Teil seine Verwirklichung im neuen Reichsschulgesetzentwurf findet. Marx erklärte u. a., daß die Schulfrage für den Katholizismus eine Erziehungsfrage und keine Unterrichtsfrage sei. Nach dem R c i ch s s ch u l g e s e tz habe der Katholizismus noch w e i- tere Forderungen anzumelden, die sich auf die Privatschulen, den Religionsunterricht in den Berufsschulen und endlich auf das Lehrerbildungsgesetz beziehen. Je eher der gegenwärtige Kampf um die Schule zu Ende sei, desto eher könne sich der Katholizismus diesen neuen positiven Aufgaben zuwenden. Marx forderte endlich zur Kampsrüstung des katholischen Voltes für die nächsten Monate auf:„Die Schulfrage ist für uns ein« Weltanschauungsfrag«, in der unsere Kirche und unser Episkopat absolut entscheidend sind. Wenn die Bischöfe sagen, katholische Schulen für kalholischc Kinder, dann ist die Sache für nns entschieden." In diesen Bemerkungen des Reichskanzlers wurde deutlich er- kennbar, daß die Hauptanziehung des Zentrums bei seinem Zu- sammenarbeiten mit der Rechten in der Hoffnung auf weltanschau- lichen Erfolgen beruht. Das ist der Preis, für den soziale und politische Rücksichten zurückgestellt werden. Pfarrer Offenstein ging noch weit über Marx hinaus. Er sprach von christenfremden Elementen, die die Simultan- schule forderten. Generalsekretär Köhler von der katholischen Schulorganisation fügte hinzu, wenn das katholische Volt irgendwo seine Einigkeit brauche, dann in der Schulfrage. Wer sich ihr cnt- gegenstelle, schone die politischen Gegner. Diese Absage an Wirth und andere Linkspolitiker des Zentrums war wohlüberlegt und fand in der Versammlung nicht den mindesten Widerspruch. * Die Universalität des Katholizismus, der alle Gebiete ländlichen Lebens und Wirkens umfassen will, bekundete sich in einem be- merkenswerten Referat über Körperkultur und Gottestindschast. Der Generalpräses Wolker-Düsseldorf bekannte sich ganz überraschend zu einer positiven Einstellung zur Körperkultur. Der Redner forderte Andacht vor der Schönheit des menschlichen Körpers und seiner Pflege. Er zeichnete aber auch die sich daraus ergebenden sozialen Aufgaben, sprach von kapitalistischem Monismus und sagte, daß ausreichendesEssen, menschliches Wohnen die erste Forderung jeder wahren Körperkultur sein müßte. Die Katholiken sollten sich stärker als bisher um diese Fragen kümmern und sich dem Alkohol und Nikotin nicht nach gesellschaftlicher Unsitte unterordnen. Eine entsprechende Mahnung an die Akademiker fand lauteste Zustimmung. Man nahm dann eine ganze Anzahl von Entschließungen über das„gute Buch" und die Presse an, wobei auch auf das Anwachsen der sogenannten Sensationspresse hingewiesen wurde. Ueber katho- lisch« Volksbildungsaufgaben der Gegenwatt sprach Schulrat Aah vor stark gelichteten Hörerreihen. Sein« Ausführungen gipfelten in der Ablehnung der bloßen Lerftandeskultur. Bildung müsse ver- bunden sein mit der Anerkennung der Gemütskräfte und der ewigen Sittengcfetze. Infolge des lehrerhaften Tons fand die Rede bei weitem nicht die Beachtung wie die übrigen Ausführungen, obwohl der Redner ein starkes Bekenntnis zum Friedensgedanken und zum loyalen Zusammenarbeiten mit anderen Volksgenossen ablegte. Zentrum unö proletatriot. Dorfmund. 5. September.(Eigenbericht.) Am Montag nachmittag hielt der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel auf dem Katholikentag sein mit Spannung erwartetes Referat über„Arbeit und Kapital nach christlicher Auf- fassung". Wer eine grundlegende Auseinandersetzung über das ent- scheidende SpezialProblem erwartet hatte, wurde tief enttäuscht. irchenstreik. Republik i« Mexiko. dieser„Kulturkampf" sei dem mexikanischen Volk« von seiner Re- gierung aufgezwungen worden: die Bestimmungen der Verfassung dienten nur der Knebelung der individuellen Freihett und ins- besondere der Schwächung der katholischen Kirche. Wer den Dingen tiefer auf den Grund gegangen ist, weiß, um was es sich bei diesem 7Sjährigen latenten Kampf zwischen Regierung und Kirche in Mexiko handelt. Was wir heute erleben, ist eigentlich nur eine Neuauslage dessen, was mit dem Jahre 18S7 begann. Damals nationalisierte di» in diesem Jahre angenommen'«'mexikanische Verfassung die enormen Sirchengüler in Mexiko. die bis dahin fast zwei Drittel des gesamten Terri- toriums umfaßt hatten. Gewarnt durch Erfahrungen in ver- gangenen Jahrzehnten schränkt« diese Verfassung die Tätigkeit der katholischen Kirche im Lande scharf ein und legte ihrer Aktivität auf politischem und Erziehungsgebiet strasse Zügel an. Die Foltz« war der Ausbruch der Religionskriege. Anr Ende blieb Iuarez, der Besieger Maximilians, auch Sieger über die Kirche und setzte die Verfassung in die Tat um. Dann schlug das Pendel nach der anderen Seite. In den 34 Iahren der Diktatur D i a z wurden die Rellgionsartikel der Verfassung völlig achtlos gelassen. Die Kirche hatte bald auf Kosten der Massen ihre frühere Stellung wieder«robett.. Als dann im Jahre 1919 die groß« Revolutton ausbrach, hatte ebenfalls niemand mehr Zeit, auf das Religionsproblem zu achten. Erst im Jahre 1917 entsann man sich seiner wieder und nahm die religiösen Be- stimmungen der allen Verfassung in das neue Verfassungswerk, und zwar in verschärster'Form auf. Dennoch blieb«s erst dem Präsi- deuten Calles vorbehalten, die Verfassung auch in diesem Belange durchzusetzen und der Welt zu beweisen, daß man hierzulande bemüht ist,«in für Allemal die Vorrechte herrschender Klassen zu beseitigen. . In katholischen Kreisen glaubte man, daß di« Reuwahlen des nächsten Jahres manches zugunsten der Kirch« ändern werden. Nach alledem, was in Mexiko vorgefallen ist, muh man sich solchen Behauptungen gegen- über skeptisch verhalten. Jeder Präsident wird heut« in Mexiko gezwungen sein, für di« Durchführung der Verfassungsbestimmungen zu sorgen und den veränderten Tatsachen unseres Jahrhunderts voll Rechnung zu tragen, und wenn auch gerade auf mexikanischem Boden das Prophetentum der undankbarste Beruf ist, so kann man doch eines mit voller Sicherheit sagen: Die Rückkehr zu alten Zeiten, alten Herren und alten Systemen ist heute n i ch t>m e h r ohne weiteres möglich. Unter stark dogmatischen Formulierungen, die von einem gut ge- polsterten Gewissen zeugten, bemühte sich Seipel darzulegen, daß der Katholizismus in Wirtschaftsfragen weder reaktionär oder revo- lutionör fein könne. Man solle wohl an der Lösung der Wirtschaft- lichen und sozialen Fragen mitarbeiten, aber man müsse sich dabei von der gefährlichen Irrlehre der Ueberschätzung der Ar- b e i t freimachell. Arbeit sei nur möglich auf Grund vorhandener Güter, die ein Geschenk Gottes feien. Die grundlegende Frage, wie es zu rechtfertigen sei, daß diese Güter, also di« Produttjon»- mittel, dem Privatbesitz ausgeliefert würden, berührte Seipel üb�r- Haupt nicht. Als kluger Taktiker sprach er freilich von künftige« E.n.t'w-i cklu n g�mö gl, i-ch k«.fchen, mit denen sich der Katholik zismus zu ihrer Zeit aus Grund seiner Sittengcsetze abzufinden haben werde. Wohl könne der Kapitalismus grausam und unchristlich sein. Diese Gefahr drohe aber auch beim Sozialismus, vor allem dann, wenn er statt der ewigen Fackel Gottes sich Ersatzrechte aus ungeduldigen und leicht verzagenden Menschenherzen entlehne. Die Hörer wußten mit dieser jeder Entscheidung aus- weichenden rein theoretischen Betrachtung sehr wenig anzusanden, weil ihnen sehr schnell die innere Gesühlskälte dieses Sprechers, der mit deutlicher Spitze gegen den Sozialismus sprach, offenbar wurde. Sie wurden erst wieder wärmer, als Dr. Sonnenschein-Berlin mit erschütternden Beispielen di« soziale Not der Großstädte schilderte und die Ausgaben der katholischen Charitas, wie er sie deutet, umriß. Sonnenschein bekannte iich dabei ausdrücklich zur Zu- fammenarbeit mit anderen Wohlfahrtseinrichtungen und sagte, daß auch in den sozialistischen Organisationen oft genug das glühende Feuerecht christlicher Nächstenlieb« empor- lodere. Mit treffenden Worten kennzeichnete dieser Redner Dilettantismus, Lieblosigkeit, Formengeist und Heuchelei auch i m eigenen Lager. Sein« Bemerkung, daß denen, die daheim Egoisten seien, keine Pilgerfahrt nach Konnersreuth oder nach Lourdes nützen werde, wurde von demonstrativem Beifall untersttichen. /iuseinanöersetzung um Vieth. In der Generalversammlung des Augustinus» Vereins der Zenttumspresse kam es am Sonntag zu lebhaften Auseinandersetzungen über den Fall Wirth. Marx und andere versuchten alle Bedenken zu zerstreuen, die von Wirth und anderen gegen das Reichsschulgefetz erhoben wurden. Der Zentrumsabgeordnete Rheinländer erwiderte auf verschiedene Ein- Wendungen, daß mit der Linken di« Schulfrage nicht zu lösen gewesen sei. Der Präsident des Badischen Landtages, Dr. vanmAarlner, er- klärte, daß man an allen maßgebenden Stellen der badischen Zentrumspartei das Verhalten Wirths auf das schärfst« mißbilligt habe. Dem Angegriffenen erstand ein Verteidiger in der Person des Verbandspräses der katholisch«» Arbeitervereine, Dr Müller. München-Äladbach, der auf die Gefahr hinwies, daß weite katholische Arbeiterkreise sich mit Wirth vom Zentrum abwenden würden, wenn man nicht mit größler Vorsicht vorgeh«. Das Erbsengericht. Erziehung durch Maggi zu deutschnationalem Denken. Diese von der„Deutschnattonalen Tagespost' unter Partei- Nachrichten veröffentlichte Anzeige kann nur im getreuen Wottlaut voll genossen werden: Kreis 2 b. Deutschnationale Arbeitervereinigung Moabit. Montag, 12. September, 20 Uhr, Hohenzollernsäle, Bandelstraße 35, Versammlung mit Lichtbild« rabend. Es wird die Her- stellung der Maggi-Erzeugnisse gezeigt. Jeder An- w«sende bekommt eine Ko st probe— einen Teller Erbssuppe mit Schinken. Außerdem wirkt die Stahl- Helmkapelle mit. Eintritt frei. Die deutschnattonalen Arbeuer wandeln verdächtig in den Spure» des Alten Testaments. Allerdings: Esau vertauft« seine Erstgebutt um ein Linsengericht: die deutschnationalen Arbeiter ziehen für den Lettauf ihrer Klasseninteressen Erbsen vor, und der Schinken ist selbstverständlich rein deuffchnationale Beilage. Dos ganze Bild wäre wert, von dem einstigen, zu früh verstorbenen Retlamechef der Maggiwette— von Frank Wedekind— behandelt und im Theater aufgefühtt zu werden. Unter Mitwirkung der Stahte hl mkapelle,,, Die Lehren öer englisch-ruPsthen„Einheit� Zum englischen Gewerkschaftskongreß. Die Entwicklung der englischen Arbeiterbewegung vollzog sich jahrzehntelang ziemlich isoliert von der Entwicklung der Arbeiterbewegung in den anderen Ländern. Heute ist es anders geworden. Di« internationalen Arbeiterkongresie werden in England mit wachsendem Interesse verfolgt, und die englischen Kongresse werden als bedeutende Ereignisse in der gesamten internationalen Arbeiter- bewegung gewertet. Di« Internationalisierung der Arbeiterbewegung, tief verankert in der Internationali- sierung der Wirtschaft, vollzieht sich in einem raschen Tempo. Der englische Gewerkschoftskonereß, der eben in Edinburg er- öffnet wurde, wird, wie kein anderer vor ihm, seine Aufmerksam- keit den Fragen der internationalen Gewerkschaftsbewegung wid- men müssen. Die Stellungnahme zu den Beschlüssen des jüngsten internationalen Gewerkschaftskongresses in Paris wird allerdings dem Cdinburger Kongreß keine Schwierigkeiten bieten. In allen sachlichen Fragen waren die Engländer in Paris mit den übri- gen Gewerkschaftern völlig einig. Unter diesen Umstäirden kann man zuversichtlich mit einer schnellen und. leichten Beilegung in Edinbuni aller persönlichen und zum Teil o r a o n i s a t o- rischen Reibungen rechnen, die in Paris zwischen den englischen und den übrigen Gewerkschaften zu verzeichnen waren. Mehr Schwierigkeiten wird aber dem Kongreß ein anderes internationales Problem— das der englisch-russischen gewerkschaftlichen„Einheit"— bieten. Die Versuche der englischen Gewerkschafter, eine Annäherung an die Russen zu erreichen, finden ihr« natürlichen Wurzel in der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Eulwicklung Englands nach dem Kriege. Die englischen Gewerkschafter haben eine ehrliche Verständigung mit den Russen angestrebt, und haben gehofft, zu einer Vcrständi- oung zwischen den russischen Gewerkschaften und der Amsterdamer Internationale beitragen zu können. Sie sind dabei Weg« ge- gangen, deren Hoffnungslosigkeit den kontinentalen Gewerkschaftern, die ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete bereits hatten, von An- fang an offenkundig war. Die englischen Gewerkschafter waren sich zwar dieses Unterschiedes bewußh glaubten aber, daß gerade die Tatsache, daß sie mit diesen traurigen und erbitternden Erfahrungen der europäischen kontinentalen Gewerkschafter nicht belastet sind, ge- eignet sei, sie zu einem Mittler zwischen den russischen Gewerk- schaften und der Amsterdamer Internationale zu machen. Die ersten Schritte— die englisch-russische Konferenz in Lon- don im April 1925— schienen einen Erjola. der friedlichen Be- mühunpen der englischen Gewerkschafter zu bedeuten. Das ein- st i m m i g auf der Konferenz angenommene„Uebereinkommen" lautete, daß die russischen Gewerkschaften sich„in allgemeinen Linien" mit den Zielen und Statuten de? Amsterdamer Jnternatio- nalen Gewerkschaftsbundes solidarisch erklären und eine Konferenz mit dem IGB. anstreben, die das Ziel haben soll,„festzustellen, wie der bestehende internationale Bund am besten aus- gebaut werden könnte, um die Einbeziehung der rusfiichen und aller anderen aewerkschaftlichcn Organisationen zu ermöglichen".(„Trud" vom 8. Mai.) Es hat sich ober bald herausgestellt, daß dieser Rückzug der russischen kommunistischen Gewerkschaftsführer nur ein Schachzug war, daß sie gar nicht daran denken, das„Uebereinkommen" ernst zu nehmen und den Anschluß an den IGB. anzustreben. Der auf der Londoner Konferenz geschaffen» englisch-rufsifche Ausschuß iit dank dieser Sabotage der Konserenzbejchlüsse durch die russischen Gewerkschaften zu einer toten Einrichtung, geworden. Zu seiner zweiten Sitzung— die Londoner Konferenz galt als die erste— hat sich der?lusschuß erst im Dezember 1925 versammelt, ober auch diese verlief ergebnislos. .. Der große englische Bergarbeiterstreik im Jahre 1925 hat zu einer neuen Einberufung des Ausschusses gcführt(im Juli 192S in Paris und im Zlugust in Berlin). Diesmal war es aber vorwiegend das Problem, der E i n m i s chu n g der russischen kommunistischen Gewerkschaftssührer in die englischen Gewerk schafts- kämpf«, das den Ausschuß in Anspruch genommen hat. Die Engländer protestierten energisch gegen die Politik der Russen gegen- über der englischen Gewerkschaftsbewegung und forderten Garantien für die Zukunft. Die Sitzungen verliefen ergebnislos. Wenn der ?lusschuß trotzdem formell nicht aufgeflogen war, so nur aus dem Grund«, daß die Russen dos Odium des Bruches den Engländern zuschieben wollten, die Engländer aber, mi» Rücksicht auf die poli- tische Lage in England, die es der konservativen Regierung ennög- licht hätte, den Austritt der englischen Gewerkschaften aus dem eng- lisch-russischen Ausschuß innerpolitisch(gegen die Arbeiterschaft) und außenpolitisch(gegen die Sowjetunion) auszunutzen, einen solchen Schritt zu vermeiden suchten. Im März 1927 hat sich der Ausschuß zu seiner fünften und letzten Sitzung(in Berlin) oersammelt. Die Engländer haben ihre Förderungen vom vorigen Jahre wiederholt, und die Russen haben nachgegeben. E i n st i m m i g wurde eine Entschließung angenam- men, die„von der bedingungslosen Anerkennung ausgeht, daß einzig der britische Gew-erkschastskonareß und dessen Generalrat befugt sisid, die englische Gewerkschaftsbewegung zu oertreten und ihr« Ansichten zum Ausdruck zu bringen"(dasselbe gelte natürlich ent- sprechend für den russischen Gewerkschaftskongreß und den Zentralrat der Gewerkschaften der Sowjetunion). Durch diese Entschließung sollten die Persuche ausgeschaltet werden, von Moskou aus die englischen Arbeitermassen gegen den Generalrat aufzuhetzen. Dies wurde übrigens noch besonders unterstrichen durch die ausdrückliche Proklomierung in der Entschließung des Prinzips der Richteinmischung der einen Partei in die inneren Angelegenheiten der anderen. („Trud" vom 15. April.) Aber auch diese Entschließung, wie die vom Jahre 1925, war für die russischen kommunistischen Gewerkschaftsführer nur ein„M a° n ö o c r". Dem Berliner.Kompromiß" Hobe man zugestimmt, um „um jeden Preis den cnglisch-rujsischen Ausschuß erhalten" zu können, da er„uns(d. h. den Kommunisten) die Möglichkeit gibt, an die breiten Massen des englischen und des internationalen Prolc- tariots heranzukommen"(„Trud" vom 19. April). Was ober die Befolgung der gefaßten Beschlüsse betrifft, fto brauche man sich keine Sorge zu machen. Und der Borsitzende des Zentrolrates der Ge- werkschaften der Sowjetunion Hot sich beeilt, ein Exempel zu sta- tuieren. Am 8. Mai Hot T o m s k i in den großen Moskauer Blättern („Prowda",„Trud" u. a.) einen in Form eines Interviews gs- kleideten Artikel verössentlicht, in dem er den englischen Gewerkschaftsrat wegen seiner Haltung bei der Bekämpfung des Antigewerk- schostsgesetzes der Regierung Baldwins scharf angreist und ziemlich unverhüllt die unleren Gewerkschaftsinstonzen und die englischen Arheitermasscn aujsordert, die Polickik des Generalrates zu durchkreuzen und von unten auf den Kampf gegen das Antigewerkschaftsgesetz auszunehmen. Dieser Artikel Tomskis, der natürlich sofort von der kommuni- stischen Presse Englands nachgedruckt wurde, könnte als ein Schul- beispicl der„Einmischung in die inneren Angelegenheiten" der eng- tischen Gewerkschaftsbewegung betrachtet werden. Die Engländer haben denn auch sofort dieses Verhalten Tomskis beanstandet. Darob wurde in den kommunistischen Kreisen eine starke Entrüstung markiert. Wie? Man will die„persönliche Freiheit" eines Tomski einschränken?„Ich muß entschieden dagegen protestieren, daß jemand den Anspruch erheben könnte, meine persönliche Redefreiheit zu beschränken und mich irgendwie zu kontrollieren", erklärte T o m s k i anläßlich des englischen Protestes(„Trud" vom 1. Juli). Und B u ch a r i n suchte dasselbe Recht der uneingeschränkten Bekämpfung des englischen Generalrales trotz der Vereinbarung über die„Nichtanerkennung" noch tiefer zu begründen: „Wir mußten(auf der Berliner Konferenz des englisch- russischen Ausschusses) eine Reihe von Konzessionen gewähren. Dies bedeutet jedoch nicht, daß unsere Gewerkschaften auf dos Recht der Kritik verzichten sollen. Und das Interview Tomskis kurz nach der Konferenz hat es augenscheinlich bewiesen. Dies bedeutet ferner nicht, daß wir nicht durch andere Organisaftonen (Profintern, Komintern u. o.) besonders(gesperrt bei Bucharin) wütend den Generalrat angreifen sollen wegen der niederträchtigsten Taktik seiner Vertreter in der Berliner Kon- ferenz. Es ist nicht schwer, sich zu überzeugen, daß die kommu- »istischen Parteien eine energische Attacke gegen die Führer des Generalrates in Verbindung mit der Haltung feiner Vertreter in Berlin eingeleitet haben."(„Prawda" vom 18. Juni.) Jetzt wurden alle Kräfte entfesselt und ein« englische Offensive gegen den Generalroi der englischen Gewerkschaften entfaltet, die in den letzten Tagen vor dem Edinburger Kongreß mit einer besonderen Erbitterung geführt wurde. Bald ist es ein„Begrüßungsschreiben" des Exekutivbureaus der Profintern, das sich an die englische .Minderheitsbewegung" wendet und diese aufmuntert, für die „Säuberung der Gewerkschaften Großbritanniens von den Spionen der Bmirgenisic, Renegaten und Leutnant? des Kapitals in deii Reihen der Arbeiterschaft, wie Thomas, Pugh, Elines und die ihnen nachhinkenden Purcell, Hicks u. a. Helden der linken Phrasen und rechter Taten" zu kämpfen(„Prawda" vom 28. August). Bald ist es der Aufruf des Zentralkomitees des russischen Bergarbeiterverbandes an die englischen Bergorbeiter, der diese auffordert, sich gegen den „schwarzen Berrat" ihrer Führer aufzulehnen(„Trud" vom 28. August). Bald ist es schließlich der Zentrolrat der Gewerkschaften der Sowjetunion selbst, der in einem Aufruf an den Edinburger Kongreß sich scharf gegen„die Verräter Thomas und seine heiser vom Schlage hicks und Purcell" wendet und zum„Ersatz der alten bankerotten Führer durch neue, kühne und ehrliche Führer der Arbeiterklasse" ausfordert(„Rote Fahne" vom 4.»eptember). Ob der englisch-rnssische Ausschuß nach dem Kongreß von Edinburg aufgelöst wird oder ob er sein Scheindasein weiter fristen wird, ist jetzt von einer geringen Bedeutung. Seine geschichtliche Aufgabe: die englischen Gewerkschaften über den Charakter der Moskauer Einheitspolitik aufzuklären,— hat er erfüllt. Insofern, also mittelbar, hat auch der englisch-nissische Aus- fchuß, dank de» Bemühungen der russischen kommunistischen Gewerkschaftssührer, die wirkliche Konsolidierung der Amsterdamer Internationale und somit die Festigung der Einheit der jnternatio- nalen Gcwerlschiftsbcwegimg gefördert. Diesen von ihnen sicherlich ungewollten Verdienst möchten wir den russischen kommunistischen Gewerkschaftsführern dankend buchen. S. Schwarz. die Erwerbslosenunterstützung ab 1. Oktober. Mit dem 1. Oktober können alle diejenigen Enverbslofen, denen bisher die Unterhaltung mangels vorliegender Bedürftigkeit vor- entholten wurde, in den Genuß der Unterstützung kommen. Voraus- feftung ist, daß sie in den letzten 52 Wochen 1.9 Wochen lang in einer nach dem neuen Gesetz versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden haben. Die Berechnung der Unterstützung erfolgt in diesen Fällen sofort nach den neuen Grundsätzen des Gesetzes. Arbeitslose, die am 1. Oktober bereits in Unterstützung stehen, erhalten zunächst ihre Unterstützung in der bisherigen Höhe weiter. Würden sie nach der Staffelung de« neuen Gesetzes schlechter gestellt werden als bisher, so haben sie das Recht, bis zum 1. April 1 92 8(soweit bis dahin ihr Unterstützungsanspruch reicht) in der bisherigen Höhe weiter unterstützt zu werden. Wäre der Unterstützungsbetrag jedoch nach dem neuen Gesetz höher als bisher, so können sie die höhere Unterstützung erhalten, jedoch nicht bereits vom 1. Ottober an, sondern von einem Zeitpunkte an, den der Vor- stand der Reichsanstalt noch bestimmt, spätestens aber vom 1. De- zember 1927 an. Der Streik in öer öerliner Zigaretteninöustrie. Die Arbeitgeber drohen mit Aussperrung. Die B5.-Korrespondenz meldet u. a.: Der wilde Streik der Tabakarbeiter in der Berliner Zigaretteninöustrie, der die Betriebe der beiden größten Firmen M a n o l i und I o s e t t i lahmgelegt hat, konnte am gestrigen Montag nicht beigelegt werden. Die Tabakarbeitergemerkschaft, die den Streik selbst als wild ablehnt, ist zurzeit bemüht, die Belegschaften vor weiteren Unbesonnenheiten abzuhalten. Der Arbeitgeberoerband hat am gestrigen Montag von einer Gesamtausspcrrung in der Berliner Zigaretten- industrie abgesehen, doch dürste in den nächsten Tagen die Entschci- dung darüber fallen, ob diese Bewegung aus Berlin beschränkt wer- den kann, oder ob die gesamte deutsche Tabatindustrie in Mitleiden- schaft gezogen werden wird. Eine Entscheidung ist wahrscheinlich erst am Mittwoch oder Donnerstag zu erwarten. verbonössthnle öer Fabrikarbeiter. Eiu eigenes Schulheim in Weunigseu a. S. Der Hauptvorstand des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutsch- londs hat im Januar 1925 den Entschluß gefaßt, für seine Funk- tionäre in den verschiedenen Verbandsgouen Wa n d e r k u r s e abzuhalten. Von Februar 1S25 bis Februar 1927 wurden 23 Kurse von je einer Woche mit 892 Teilnehmern abgehalten. Dabei machte sich immer mehr das Bedürfnis nach einem eigenen Schul- heim geltend. Der Verband hat sich inzwischen ein ansehnliches Heim geschaffen, das in Wennigsen im Regierungsbezirk Hannover, also in der Nähe des Verbandssitzes gelegen, a m 11. September eröffnet wird. Das Heim ist als Internat eingerichtet. Die Dauer der Einzelkurse ist auf 14 Tage ausgedehnt worden und die reine Lehrtätigkeit auf täglich 6 Stunden herab- gesetzt. „Es gilt qualifizierte Hirne zu schaffen"— schreibt der„Proletarier"— und hierbei will unsere Berbandsschule ihr bescheidenes Teil mithelfen." Wir wünschen der Fabrikarbeiterschule den besten Erfolg. Hautag öer Sankangestellten. Der Gau Groß-Berlin-Brandenburg des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten(AfA) hielt als Auftakt zum kommen- den Berbandstag seinen Gautag ab. Die Tagung fand am Sonnabend und Sonntag unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus den Betrieben statt, zu der auch der Hauptvorstand und Vertreter anderer Gaue sowie des AfA-Bezirkskartells erschienen. Den umfangreichen Geschäftsbericht erstattete der Setretär der Ortsverwaltung, Kollege K r a f f k e. Daraus ist besonders zu ent- nehmen, daß die Periode des Abbaues und der Mechanisierung im Dankgewerbe nicht ohne Einfluß auf die Lerbandsbewegung geblieben ist. Der durch die Abbauperiod« bedingte M i t- gliederrückgong ist bereits seit Anfang vergangenen Jahres zum Stillstand gekommen. Seit dieser Zeit hat die Mitgliederbewegung eine ständige Aufwärtsbewegung ange- nommen. Die überragende Bedeutung des Verbandes lassen am besten die Resultate der Betriebsratswahlen des Verbandes erkennen. Der Kassenbericht zeigte dann die durch den Zuwachs gesteigerten Einnahme der Ortsverrvoltung. Dem Gauoorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Der Ausgang der Tagung gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß die frei- gewerkschaftliche Äee im Bonkgewerbe weiter den Weg des Aufstiegs geht, den sie im letzten Jahre gegangen ist. Streikgefahr im öraunkohlenrevier. Konferenzen der Bergarbeiter ZNilieldeulschland». Im mitteldeuffchen Braunkohlenbergbau steht ein schwerer Lohnkampf vor der Tür. Di« Erbitterung der Bergarbeiter über die erbärmliche Entlohnung ist allgemein. Auf den Konserenzen am letzten Sonntag in den mitteldeuffchen Braunkohlen- reoieren kam dies« Erbitterung scharf zum Ausdruck. Der Unmut der Bergarbeiterschost über ihre elende Entlohnung ist nur zu ver- ständlich, weim man sich vergegenwärtigt, daß der im besten Falle erreichte Schichtlohn bei elfftündiger Schichtzeit ganze 88 Pfennig beträgt. Die Sonderzulagen, die da und dort am Werksvercinler und andere Element« gezahlt werden, die sich bei den Arbeitgebern Liebkind machten, haben die allgemeine Erbitterung der Arbeiterschaft nur gesteigert. Wie jämmerlich die Verhältnisse sind, zeigt sich schon daran, daß jetzt oll- mählich auch den Werksvereinlern ein Licht über die unsozial« Haltung der Grubenhcrren ausgeht. Zwischen den arbeitsgemein» schasllichen schönen Redensarten und der Lohnproxi» der Arbeitgeber klafft ein zu schorfer Widerspruch. Ebenso ist der Gegensatz zwischen Geschäftslage. Profithunger und Hcrrcnstondpunkt auf der«inen und den Iommerlöhnen auf der anderen Seite einfach nicht mehr zu ertragen. Trotzdem der Bergarbeiter unter dem Druck der Iammerlöhne ein bis jetzt nicht dagewesenes Einzelleistungsergebnis zusammenschuftet, rühren sich die Grubenunternehmer noch immer nicht, den Lohnwünschen der Arbeiterschaft Rechnung zu trogen. Werden die auf den Konferenzen gestellten, angesichts der Teuerung und der Bedrängnis der durch die schäbigen Löhne schwer mitge- nommenen Bergarbeiterfamilien nur bescheidenen Lohn- forderungen von den Arbeitgebern abgelehnt, dann werden nach Beschluß der Konserenzen die Arbeitsoerträg« für den gesamten mitteldeutschen Braunkohlenbergbau gekündigt. Ver Eisenbahnbopkott in Queenslnnö. London, 5. September.(TU.) Der Arbeitskonflikt in Queensland hat sich soweit verschärst, daß das Land nunmehr von dem übrigen Australien bis auf die Schiffs- Verbindungen völlig abgeschnitten ist. Der„eiserne" Stab der Eisenbahner in Qileenslond wurde gestern nachmittag im Zu- sammenhang mit dem Ultimatum des Ministerpräsidenten Mc. Eoimac entlassen mit der Begründung, daß die Eisenbahn als Eigentum des Staates von diesem und nicht von den Gewerk- schasten verwaltet werde. Im Norden von Queensland ist die Lage ernster, da noch erhebliche rassenmäßige Gegensätze zu dem Arbeits?- konslitt hinzutreten. .ziirnurr a. cnrnoci prcttiuiio,_-piaz: Wruppcnyccm Dikslelmcocrstr. 5. Hkimb-sprechung.»ucHontroUc.— Llcht-nber«! Gruppen. heim Iuaendhrim Dosscftr 22. Heimbesptechunq.— Treptow: Gruppenheim Schule Bildcnbruchstr. 53/54(fiottjimmcr). Hemlbesprechuna, Berbandobuch- tontrollc.— Humboldt: Iuoendheim Lorhing. Ecke Graunstroh?. Lortrag: ».Unsere Mädchenorheit im Winter."— Südwest»«: 18 Uhr Spielen auf dem Sportplatz Am Urban.- Schönewride: 13 Uhr spielen auf dem Metallarbeiter. Sportplatz.— Wedbing: Ausspracheabende für Mädchen.„Harmonie— Ge. mcinschaft— Organisation." Iugendgruppe de» gdA. Heut», Dienstag, ab I» Uhr, Spielen auf der Spielwiese 7 im Treptower Parl uird auf dem Spielplatz an der Katzdachstraße (Kreuzbcrg). Nasenspiel«, Valtotänge, Ballspiele. Deutscher Sattler-, Tavegiercr. und Partefenillc roerband. Mittwoch, 7. Sep- tember, 19 Uhr, im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 96, Vollversammlung der ZieisearUkel» und Partcfciiillerdranche. Bortrag der» Genossen H. Schlimme vom ADGB. über„Das Arbeitslosen rtruchenrngsgesttz." Jeder Betrieb muß vollzählig vertreten sein. Berlag: Barwärls-Berlag G. m. b H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Lerlagsanssali Paul Singer u Ca. Berlin CW 63. Linbenstraße 3. Llerzu 2 Beilaae« und„Unterhaltnna»nd Wissen». ***®>rätf"fln»Mfota »klebe dtrltnerimn Uni meine„eben StrOatL teÄÄ' f» Wt Ä. «fl-Pral dffß m ««SSK.-- ___________ 8 vmumne narsarme aussen 'Mpsmnuch» iüe cai»«..........................."'■l" 1 1 � gratis den MMttca Band der Reti-HeaMbOctereil Vertreter der T.M-W. NOrnbarj; Reil-Agentur, Berlin NO«, Nene Könlgitr.37. TeU: Königstadt I86S, Nr. 420 ♦ 44. Jahrgang 7. Seilage öes vorwärts Vkenstag, H. September 1427 /lmerita unö Serlmer wohnungselenö Ein Elendsstall, der in Berlin noch als Tauschwohnung gilt. Der Bund Deutscher Bodenreformer hat dieser Tage wiederholt auf Wunsch der Bereinigung Carl Schurz, amerikanische Bürger, die nach Berlin gekommen waren, um zu sehen, wie weit Berlin sich vom Elend der Kriegs- und Nachkriegs- jähre wieder erholt habe, durch Berliner Arbeiterwohnungen geführt, um zu zeigen, daß man das heutig« Berlin nicht nach den eleganten Fassaden beurteilen dürfe, die etwa die Linden, Friedrichstraße, Leipziger Straße, Tauentzienstraße, Kurfürstendamm, Lunapark, elegante Restaurants, Cases, Tanzdielen und Kinopaläste darbieten. Unter den Gästen befanden sich einflußreiche Persönlichkeiten aus New Jork, Chikago und anderen amerikanischen Großstädten. Es kam dem Führer darauf an, nicht ausgesucht schlechte Wohnungen als„Glanzstücke" Berliner Elendsromantik, sondern Wohnungen in Mietskasernen zu zeigen, die als typische Berliner Proletarierwohnungen anzusehen sind und voraussichtlich noch Iahrzehnte als solche gebraucht werden. was man zu sehen bekam. Es waren Wohnungen im Berliner Norden, in der Chaussee-, Kösliner, Ackerstraße und in der Prinzenallee,— nicht Wohnungen des Lumpenproletariats, sondern Wohnungen solider Arbeiter, die in versicherungspflichtigem Arbeitsverhältnis stehen— Wohnungen, deren Fenster in kahle Höfe gerichtet sind, auf schmutzige, himmelhohe Mauern, wovon der Stuck abbröckelt, aus Müllkästen, die überfüllt sind, neben denen deswegen Müll zu Bergen aufgehäuft liegt. Höfe, wo sich auch Ställe befinden, mit dazugehörigen Dunggruben und Stallmisthaufen, worüber Fliegenschwärme sich tummeln Ab- schreckend häßliche Höfe, die blassen Kindern als Spielplätze dienen. Die verwöhnten amerikanischen Gäste, die in Hotels wie Kaiserhof und Exzelsior allen Komfort der Neuzeit genießen und in Amerika palastartige Dillen bewohnen, wurden über dunkle, steile Treppen in Kellerwohnungen geführt, die nicht einen Strahl Sonne empfangen, die so feucht sind, daß Dielen verfaulen. Wände mit Schimmel be- deckt, Betten und Keilkissen verschimmeln, ja, Kleider im Schrank während einer einzigen Nacht verstocken. Man sah rachitische Kinder in feuchten, verschimmelten Letten schlasen. Man hörte herz- bewegend« Klagen von Hausfrauen, die mühsam erworbene Möbel gern vor dem Untergänge retten möchten, aber vergebens ankämpfen gegen Nässe, Stock und Moder. Man sah einen lungenkranken Ar. beiter in verschimmeltem Lett an verstockter wand liegen, sah Wohnungen, die aus einer einzigen dunklen Stube bestehen, in deren einer Ecke sich eine herdstelle befindet, die süns Menschen als gemein- samer wohn- und Schlafraum dient: der Mutter, einer Witwe in den , Wohnzimmer" einer Wohnung von zwei Räumen mit 25 M. Monatsmiete. vierziger Iahren, zwei Töchtern von 16 und 14 Jahren, einem 18jährigen Sohn, einem Kleinkind und einem Schlafburschen. Für diese fünf Menschen waren zwei Bettstellen vorhanden. Es gibt in diesen Wohnungen weder elektrisches Licht noch Gaslicht. Die Wohnung wird mit einer Küchenlampe beleuchtet. So sind die Per- Hältnisse im ganzen Hause, das von 108 Mietern bewohnt ist. Unter der Treppe ein Abort, der von 26 Menschen benutzt werden muß. Im Nachbarhause einräumige Wohnungen im Ausmaß von 2,50 mal 1,80 Meter, in welchen bis zu drei erwachsen« Menschen hausen. So eng, daß kürzlich bei einer Explosion auf der an der Tür gelegenen Herdstelle in der Stube befindliche Frauen sich nicht mehr zu retten vermochten und schwere Brandverletzungen erlitten. Immer wieder äußerten dabei die amerikanischen Gäste ihr Erstaunen über die Sauberkeit, die selbst in diesen Wohnungen herrschte. Da sind schön gepflegte blaue Steppdecken über vermodert« Betten. Das Verlangen nach Reinlichkeit ist auch durch das ärgste Wohnungselend nicht ab- getötet worden. Immer wieder tauchte die Frage in einem auf: wie glücklich wären diese Hausfrauen in einem Heim, das auch nur im entfernteren Maße als menschenwürdig bezeichnet werden könnte. Wohnungen in einer alten Kaserne. Niederschmetternd wirkte die Gewißheit, die man nach Zufalls- proben gewann, daß fast hinter jeder der Mietkasernenfronten in diesen Straßen gleiches Elend zu Hause ist. Man sieht das arbeitende deutsche Volk einen zermürbenden, Familienleben zersetzenden Kampf auch dort gegen das Wohnungselend führen, wo dieser Kamps von vornherein infolge der äußeren Verhältnisse aussichtslos ist. Wir geben nebenstehend einige Skizzen von dem Grundstück Werftstraße IS in Moabit. Es handelt sich um die alle Alanen- kaserne, die vor einem halben Jahrhundert zu Wohnzwecken um- gewandelt wurde. Der freundliche Eindruck von der Fassade des später erbauten Vorderhaufes verliert sich sofort, wenn man in den Hos getreten ist. In der Mitte des Hofes befinden sich Schuppen, Ställe, Werkstätten, u. a. auch eine Schmiede. In gefährlicher Nachbarschaft lagern dort Feuerholz, Futtermittel, Benzin und der- gleichen mehr. Der 5)ofraum ist abends mit allerhand Wagen dicht besetzt. Es handelt sich durchweg um einräumigc oder zweiräumige Wohnungen, die durch Lichtschächte teilweise matt erhellt sind. Das Haus ist vom Keller bis unters Dach bewohnt. Annähernd achtzig Mictparteien, darunter viele Familien mit zahlreichen Kindern. wohnen in diesen Stuben. Die Küchen haben vielfach keine Wasser- leitung, das für den Haushalt notwendige Wasser muß von der Treppe hereingeholt werden Die Klosetts liegen teilweis« im Hof. Aus ein Klosett entfallen bis zu 30 Lersonen. Dieser Mißstand wurde so arg, daß vor einiger Zeit die Poli.zei eingeschritten ist. Teilweise besinden sich die Wohnungen in einem entsetzlichen Ver- fall, da die Hausbesitzer, die Vcitfchen Erben, von denen einige sehr feudal in der Roonstraß« wohnen, trotz größter Bausälligkeit seit Jahrzehnten nichts haben machen lassen. Die Mieten betragen für eine Kellerwohnung 10 M., für Stube und Küche 20 bis 25 M. Das abschreckendste bekamen die amerikanischen Gäste in dem Hause Chausseestr. 41 zu sehen, wo in einer auf der Sohle des Licht- schachtes gelegenen Kellerwohnung seit 9 Jahren ein Arbeiter wohntz Eine finstere Wendeltreppe führt in den Lichtjchacht hinab. Man gelangt zunächst in die Küche. Diese, wie auch die benachbarte Stube, ist so finster, daß man sie ohne Taschenlampe nicht betreten kann. Der Fußboden ist so feucht, daß eine Bohle darüber gelegt ist, über welche man in die sogenannte Wohnstube kommt. Tritt man versehentlich daneben, so glaubt man, in einen Morast zu ver- sinken.'Ammoniakhaltiger Gestank erschwert das Atmen. In der sogenannten Wohnstube ist es auch am sonnigsten Mittage nur halb- hell. Auch hier ist es so feucht, daß sämtliche Möbel, die Kleider im Schrank sogar, verstocken, daß Papiere aus dem Tisch schlaff werden. Laut einem Schreiben der Allgemeinen Ortskrantenkasse der Stadt Berlin vom 8. September 1026(Geschäftsnummer 1931, Bez. 1) ist die Sozialhygienische Abteilung für den Insassen dieser Wohnung beim zuständigen Wohnungsamt vorstellig geworden, und wird diesem empfohlen, sich„zwecks Beschleunigung der Angelegenheit unter Vorweis dieser Benachrichtigung noch selbst mit dem Woh- nungsamt Mite in Verbindung zu setzen". Dieselbe Abteilung der Ortskrankenkasse rät unterm 30. September 1926 dem Wohnungs- insassen, sich schleunigst in die Liste der Wohnungsuchenden ein- trogen zu lassen. Knapp zwei Wochen darauf, am 13. Oktober, empfängt der Wohnungsinsasse eine mechanisch vervielfältigte Karte vom Wohnungsamt Mitte der Stadt Berlin, worin ihm kurz mit- geteilt wird, daß die Wohnungskommission beschlossen Hab«, seinen Antrag auf Eintragung in die Liste der wohnungsuchenden abzulehnen.„Wir stellen anHeim, im Wege des Tausches sich eine andere Wohnung zu verschaffen."(Tgb. Nr. L. A.. I. 33954/IV/26.) Demnach hält es das Wohnungsamt für möglich, daß sich Menschen sinden könnten, die solch' eine Wohnung im Wege des Tausches er- werben möchten. Küche und Schlafzimmer. Zweck der Führung war auch, die hier weilenden Amerikaner, die zu einem wesentlichen Teil sozialpolitisch stark interessiert sind, davon zu überzeugen, daß die arbeitenden Massen des deutschen Volkes nach wie vor in äußerst drückender, wirtschaftlicher Notlage sich befinden. Auch in dieser Hinsicht haben die Führungen durch den Bund Deutscher Bodenresormer außerordentlich nützlich ge- wirkt. V i k t o r N o a ck. Der erschossene Lehrling. Bcün Spielen mit dem Tcschincz.— Selbststellung des leichtfertigen Schützen. Wie wir gestern abend mitteilten, wurde im R u d o l f- M o s s e- Stift in der Mecklenburgischen Straße der 14jährige Lehrling Bernhard Schmidt mit einer Schußwunde im Kopf tot aufgefunden. Die Lage des Toten und der Fund- ort des Tefchings, aus dem der tödliche Schuß abgegeben worden war, ließen darauf schließen, daß Sch. von fremder Hand erschossen wurde. Der Verdacht richtete sich gegen den 15jährigen Zögling Emst K n a k o w s k i, der im selben Zimmer, wohnte und sich kurz vor Aussindung des Erschossenen aus dem Heim entfernt hatte. Während des gestrigen Nachmittags wurden nun von der Krimi- nalpolizei die Ermittlungen durchgeführt, um Klarheit in die Affäre zu bringen. Von vornherein konnte indes mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß Schmidt keinem Verbrechen, sondern einem Unglücksfall zum Opfer gefallen sein nuißte. Diese Annahme fand auch ihre Bestätigung. Knakowski erschien in den Abendstunden wieder im Mosse-Stift. In durchaus glaubhafter Weise gab der Junge Kriminalkommissar Dr. Werneberg, der noch spät abends in der Mecklenburgischen Straße weilte, eine Schilde- rung über den Hergang des Vorsalles. Demnach löste sich beim Spielen mit dem Desching plötzlich ein Schuß und traf Schmidt in den Kopf. In seiner Angst lief der leichtfertige Schütze davon und irrte planlos umher. ÄLe Silbers �roärrne 49] *25011£!Rc£ iNachdruck setbotm AntorlflKrt« llt&ccfrfcims an« btra Gngllsch-a Dem IaUa.Soppti Gleich darauf erhob sich ein wütendes Geschrei von der Takelung der„Vedford Castle", wo die Fischer sich einen luftigen Ausguck verschafft hatten, sie kamen heruntergestürmt, um von der Reeling auf den Kai zu springen. Boyd aber stellte sich ihnen mit gezogenem Revolver entgegen und brüllte, daß er den ersten, der an Land ginge, niederschießen würde. Oben auf der Kommandobrücke schrie Kapitän Peasley seine Befehle, auf Deck arbeiteten die Matrosen sich durch die wütenden Fischer und schreienden Orientalen durch, das Schiff erbebte unter den ersten Stempelsckfiägcn der Maschine, das Achterende loste sich langsam vom Kai, das Bollwerk knarrte, noch eine Minute, und der Dampfer war um Armeslänge vom Lande entfernt. Troß der Aufregung der letzten Augenblicke hatte Boyd Fräser nicht vergessen den Abenteurer, dessen Ausopferung und Geistesgegenwart er so viel zu verdanken hatte! Er strengte seine Augen an. um etwas von ihm zu erspähen, während er gleichzeitig besorgt nach einer Uniform ausblickte. Würde der Dampfer sich ba'd so weit vom Land? entfernt haben, daß er nicht gepreit werden konnte? Wenn die Polizeibeamten ihren Irrtum entdeckten, war es immer noch Zeit den Dampfer zurückzuhalten. Er eilte auf die Kom- mandobrücke hinauf und erzählte dem Kapitän, auf welche Weife er der Polizei entschlüpft sei. Und dort traf er Cherry mit glühenden Backen und strahlenden Augen. Ein Schauer von Wurfgeschossen kam jetzt an Bord ge- saust von den Streikenden geworfen, die dein Dampfer bis ans äußerste Ende des Docks gefolgt war. Flüche, Spottreden flogen hinüber und herüber, bis sie immer undeutlicher wurden. Die Fischer aber verließen ihre Plätze in der Takelage erst, als die Gestalten auf dem Dock nicht mehr zu erkennen waren, und die Stadt sich wie eine ferne, terrassenförmige Masse von dem prächtigen Abendhimmel abhob. 19. Mit klopfendem Herzen, das Fernrohr vorm Auge, suchte Boyd das Fahrwasser achtern ab. ob nicht doch noch ein fchoelles Hafenfahrzeug auftauchen würde, ein Zeichen, daß feine Flucht entdeckt fei, „Bevor wir Port Townsend passiert haben, ftihle ich mich nicht sicher, sagte er zu Cherry, die neben ihm stand. � „Zn Port Townsend legen wir doch gar nicht an." „Aber die Polizei von Seattle kann dorthin telegra- phieren, daß man den Dampfer stoppen und mich verhaften soll." „Wie mag es Fräser ergangen sein?" sagte sie. „Ich laude kaum, daß man ihm etwas anhaben wird," meinte Boyd.„Auf mich hafte man es abgesehen, wenn man entdeckt, daß man den Falschen bekommen hat, wird man ihn laufen lassen." Kurz darauf aber fügte er hinzu:„Nichts- deftoweniger bedrückt es mich schwer, einen Kameraden im Stich zu lassen." „Es blieb Ihnen nichts anderes übrig," versicherte Cherry. Seite an Seite blieben sie auf der Kommandobrücke stehen, jeder in seine Gedanken vertieft, denen sie nicht Worte zu geben vermochten. Der Tag ging zur Neige, der Himmel kleidete sich in die wunderbarsten Farben, zu beiden Seiten hoben die Berge sich von dem leuchteten Hintergründe ob, noch waren die Gipfel von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtet. Längs der schattenhaften Küste tauchte hier und dort ein Licht auf: kräftige Seeluft umgab sie. Durch die rhythmischen Pulsschläge der Maschinen hörte man den Gesang der Mannschaft, und das Plätschern des Kielwassers begleitete die weichen Töne. Ein Steward kom. um sie zum Abendessen zu rufen, Boyd aber sagte, daß er nichts essen könne, und Cherry blieb bei ihm, während de-r Dampfer langsam vorwärtsglitt, und die Nacht sie mehr und mehr einhüllte. „In zwei Stunden," sagte Boyd, als die Schiffsglocke ertönte,„werde ich effen— und schlafen können." Als die Lichter von Port Townsend auftauchten, und man in der Ferne die Scheinwerfer der Festung sehen konnte, die die Wasserstraße bewachten, kam der Kapitän herauf und wanderte auf der Kommandobrücke auf und ab. Plötzlich aber sahen sie, daß der Kapitän stehen blieb und das Fernrohr cm die Augen hielt. Boyd legte seine Hand auf Cherrys Arm. Nach einer Weile trat der Kapitän zu ihnen und sagte:„Dort scheint ein Bott auf uns zuzukommen!" Und jetzt sahen sie auch mit dem bloßen Auge, daß ein kleines Licht heftig hin und her geschwenkt wurde. „Bei Gott, es wird signalisiert!" „Sie wollen doch nicht stoppen, Kapitän?" fragte Emerson._ „Ich weiß nicht, ob ich es vermeiden kann." Das kleine Fahrzeug näherte sich dem Dampfer schnell. und bald konnte die kleine Gruppe auf der Kommandobrücke. das leise Klopfen des Motors hören, das lauter und lauter wurde. Der Kapitän ließ den Scheinwerfer anzünden, und im nächsten Augenblick tauchte aus der Dunkelheit ein kleines Fohrzeug auf, auf dessen Deck ein Mann stand, der mit einer Laterne signalisierte. Jetzt rief eine Stimme zu ihnen her- auf:„Ohoi! Wie heißt der Dampfer?" „Bedford Castle"— Lachskonservenproviantdampfer, auf dem Wege zur Bristolbucht!" rief Kapitän Peasley zurück. Der Mann im Boot stellte feine Laterne beiseite und indem er die Hände wie einen Trichter an den Mund legte, rief er hinauf:„Stoppen! Wir kommen an Bord!" Der Kapitän brüllt? hinunter:„Wer sind Sic?" „Polizei!" „Was habe ich gesagt!" stöhnte Emerson. Noch einmal brüllte der Kapitän hinunter:„Was wünschen Sie?" „Einen Ihrer Passagiere! Emerson! Stoppen Sic die Maschine, Sie fahren an>ms vorbei." „Eine verfluchte Situation, Herr Emerson, sagte der Kapitän,„ich wage nicht, vorbeizufahren." Als er aber ans Sprachrohr gehen wollte, um den Befehl zum Stoppen zu geben, trat Boyd ihm in den Weg. „Ich lasse es mir nicht gefallen. Meine Feinde haben mir diesen Streich nur gespielt, um mich zu vernichten." Die Stimme aus dem Boot wurde immer drohender, und aus der Dunkethoit des Dampfers stieg erschrockenes Ge- murmel auf. „Platz da!" befahl Kapitän Peasley barsch. Boyd aber wich nicht von der Stelle und sagte ruhig: „Ich warne Sie. Ich bin zum äußersten entschlossen." „Soll ich die Maschine stoppen?" fragte der Quortftr- meister aus der Dunkelheit hinter dem Steuer. „Nein!" rief Emerson heftig, und beim Licht des Schein- werfers sahen die Umstehenden einen Revolver in seiger Hand blitzen. Gleichzeiftg tauchte Georg? Bolls riesige Gestalt drohend auf. Flüche murmelnd sprang er die Stufen'zum Steuerhaus hinauf, riß die Tür auf, schleuderte den Rudergast mit einem einzigen Griff seiner behaarten Tatze von seinem Posten und stieß heftig atmend hervor:„Wenn Sie nicht tun, Kapitän, was wir von Ihnen verlangen, dann segle ich den ganzen Dampfer in den Grund!" tFortsetzung folgt.) j v!e Bekämpfung der Gesthlechtskrankheiten Auftlärungswoche im September. Das neue Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten hat dem Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft von Reichsversiche- rungsträgern Groß-Berlins und der Berliner Aerzteschast Beron- lassung gegeben, in der Zeit vom 26. bis 30 September eine Aufklärungswoche zu veranstalten. Gegenstand der Ausklärung sind die durch das Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Oktober d. I. ent- stehenden erheblichen Aenderungen der Derhältnisse auf den ein- schlägig«» Gebieten. Die Woche wird durch«ine Veranstaltung im Berliner Rathaus eröffnet werden, bei der von leitenden Persönlichkeiten aus Reich, Staat und Kommune, von den Gewerkschaften und von den Reichsversicherungsträgern Vorträge über das neue Gesetz gehalten werden. Ferner sollen in SO Berliner Schulen von Aerzten für Erwachsene Vorträge über die nachstehenden Themen ge- halten werden: t. Geschlechtskrankheiten und Nachkommenschaft; 2. Geschlechtskrankheiten und Arbeitskraft; 3. Neue Wege in der Be- kämpfung der Geschlechtskrankheit«». Das Hauptgesundheitsamt, das gemäß dem Inhalt des Gesetzes die Organisation der durch das Gesetz vorgeschriebenen Neueinrichtungen im Einvernehmen mit den Reichs- Versicherungsträgern zu übernehmen hat, ist d« Ansicht, daß ohne dies« Veranstaltung die notwendige Kenntnis über den Inhalt des Gesetzes der Allgemeinheit nicht vermittelt werden kann. Eine /lrbeiter-Raöio-internationale Kommunisten am Werk. Segen Sie Treibereien im JreiüenkerverbanS. Wie uns aus den Kreisen des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung mitgeteilt wird, hat der Z e n t r a l v o r st a n d jetzt beschlossen, auf das energischste den Treibereien der kommunistischen Opposition entgegenzuwirken. So hat die Zentrale veranlaßt, daß jetzt keine neue Bezirksleitung für Berlin gewählt wird, sondern die Berliner Geschäfte von der Zentrale selbst direkt beaufsichtigt werden. Des weiteren ist eine umfasiende Reorganisation des Berliner Bezirks in Zlngriff genommen. In einigen Monaten sollen sämtliche In- stanzen der Berliner Organisation mittels Urwahl neu gewählt werden. Die Kommunisten, die früher selbst die Parole der Reorgani- sation herausgegeben haben, nehmen jetzt selbst dagegen Stellung, weil sie wissen, daß ihr« Herrschaft durch diese durchgreifenden Maß- nahmen erledigt werden kann. Die Zentral« des Berbandes hat be- schlössen, der„Roten Fahne", wie auch der„Welt am Ab«nd" keinerlei Inserate oder sonstige Publikationen mehr zugehen zu lassen. Der Beschluß, der den beiden genannten Redaktionen über- mittelt worden ist, wird damit begründet, daß der unglaubliche Ton, der in diesen Blättern gegen die Verbandsleitung angeschlagen wird, und die fortgesetzten unwahren Behauptungen über die Verbands- leitung nur noch mit einer solchen Maßnahm« beantwortet werden können. Die billigen Würste. Auf 220 000 Mark bezifferte der Inhaber der Presto-Fleisch- werke den Schaden, der ihm durch die vor dem Großen Schössen- oericht Eharlottenburg angeklagten Dieb«, den Schlächtergesellen Otto R. und den Arbeiter I. während eines Jahres verursacht worden war. Di« beiden Angeklagten wohnten in Wilmersdorf in der Berliner Straß« be' der wegen Hehlerei Mitangeklagten Stepperin N. Hier konnten sie durch das vergitterte Abortfenster m den Hof de» Nachbargrundstückes blicken, aus dem täglich riesige Mengen Würste der Presto-Werke zum Trocknen aufgehängt wur- den. Dieses Meer lockender Würste brachte sie bald aus den Ge- danken, zu stehlen. Sie sägten also das Eisengitter des Abortfensters durch und stiegen durch dieses auf den Hof der Presto-Werke, der ihnen sonst unzugänglich war. Hier entwendeten sie dann immer ein« ganz« Anzahl Würste und verschwanden wieder mit ihrer Beut« durch das Abort'enster, in das das durchsägt« Eisenaitter jedesmal genau wieder eingepaßt wurde. Die noch nicht geräucherten Würste brachten sie hierauf.zu einem bekannten Fuhrwerksunter- nehmer, auf dessen Grundstück sie die Räucherung vornahmen. Dann "öffneten sie«inen schwunghaften Wursthandel, der schnell großen Umfang annahm, da sie zu konkurrenzlos billigen Preisen ihre Ware verkauften. Erst durch eine Anzeige kamen die Diebereien heraus. Die Angeklagten, die geständig waren und sich mit Not«ntsitnildigten, kamen billig davon; denn sie wurden zu «0- 5-°'' L Monaten Gefängnis verurteilt. Ihre Mitangeklagte Wirtin erhielt wegen Hehlerei 3 Wochen Gefängnis unter Zubilli- gung einer Bewährungsfrist. Die Heilschnle auf dem Exer. sc uQ'm,»®0r®,ört6" vom Freitag, 26. August, erschienenen Slufsafc über D. e H-ilschul- auf dem Cxer" geht uns i olgende Zuschrift zu: Es ist im„Vorwärts" darauf hingewiesen worden, daß die Arbeit der in der Sonderschule für tuberkulöse Kinder unterrichtenden Lehrer nicht voll gewürdigt und unterstützt wird. Es trifft zu, daß die auf dem Exerzierplatz sich befindenden " ieflr-altersschwach" sind und es zweckmäßig wäre, sie möglichst bald durch neu« zu ersetzen. Es liegt aber weder an de rSchulbehörde, noch am Bezirksamt Prenz- .1 a u e r B« r g. wenn das noch nicht geschehen ist. Es sind viel- mehr die lebhaftesten Anstrengungen gemacht worden, um«ine be- friedigende Losung herbeizuführen. Indes ist da» Gelände, auf dem �..??s.°cken stehen. Pachtland, dessen Besitzer der Reichs- m i l i t a r f> s k u s ist. Da bisher das Reichswehrministerium immer noch nicht davon abgegangen ist, von der Stadt Berlin für dieses Gelände Phantasiepreise zu fordern— der„Vorwärts" berichtete darüber—. so ist es «n Ding der Unmöglichkeit, jetzt auf so„unsicherem Boden" neu« Gebäude zu errichten, bevor die Verkaufsverhandlungen zu einem gewissen Abschluß gelangt sind. Wenn im übrigen in dem Aufsatz behauptet wurde, daß aus Raummangel 135 Schüler gemeinsam unterrichtet werden müßten, so ist das ein Irrtum. Es sind gar nicht so große Räume vorhanden, daß überhaupt ein solcher Unter- richt an 135 Kinder gleichzeitig erteilt werden könnte. Wenn in dem Auftatz auf die„mit Lederklubsesseln ausgestattete Einrichtung des Sprechzimmers des ärztlichen Leiters" hingewiesen und dlese die einfach« Beschaffenheit der Schulklassen gegenüber- gestellt wurde, so ist dazu zu bemerken, daß die„Lederklubsessel" offenbar doch nicht so ganz genau betrachtet worden sein können. Es handelt sich doch nur um zwei runde Polsterstühle, die mit K« n st l e d e r bezogen sind und in noch einfacherer„Ausmachung" wirklich nicht beschafft werden tonnten. Der Patient, der beim Arzt weilt, soll bequem sitzen. Eine Polsterung mllsien solche Stühle schon haben. Zm wasierloch ertrunken. Einen tragischen Tod fand am ge. strigen Nachmittag das zweijährige Kind de« Arbeiter, B. in Wittenau. Das Mädchen entfernte sich unbemerkt von der elter- lichen Parzelle in der Kolonie„Einigkeit" und spielte mit mehreren Anläßlich der Gründung der Arbeiter-Radio-Jnternationale hatte die Bezirtegruppe Berlin des Deutschen Arbeiter-Radio- Bundes in der Bockbrauerei, Chausseestraße, einen B e- grüßungsabend veranstaltet, der drastisch illustrierte, wie die „Einheitsfront des Proletariats" von gewissen Leuten aufgefaßt wird. Di- erstaunten Besucher, deren Zahl übrigens nicht sehr groß war, glaubten sich in eine Veranstaltung der Kommuni st ischen Par- te i versetzt. Ein großes Bild von Lenin war über der Saalbühne angebracht. Dazu ein rotes Transparent, das mit großen weißen Lettern verkündete:„LeninzeigteuchdenWeg!" Der Wider- jpruch, den diese einseitige und aufdringliche Aufmachung sand, bewog die Veranstalter zu erklären, daß für die Ausschmückung des Saales die kommunistische Ortsgruppe Wedding des Berliner Bundes verantwortlich sei. Was doch eine Ortsgruppe im Bund für Macht hat...! Um nun einen„Ausgleich" zu schaffen, holte man im letzten Augenblick schnell zwei kleine Bildnisse von Marx und Lassalle, die aber kein Mensch zu sehen bekam, weil sie versteckt auf dem Boden der Bühne standen. Die Feier selbst war ausgefüllt mit Vorträgen des Friedrich-Hegar-Chors, eines kommu- nistischen Sprechchors und den Rezitationen von Alfred B e i e r l e und Ernst Friedrich. In dieser Umrahmung sprachen dann die einzelnen Delegierten zu den Besuchern. Baak« sprach für Deutschland, H o ck e ch für die Tschechen, van L o i für Holland und Nowotny für die Wiener Organisation. Erwähnenswert ist aus der Rede des letzteren, daß in Wien Arbeitslos« und Blinde, denen auch die Apparate kostenlos geliefert werden, für die Benutzung des Rundfunks nichts zahlen brauchen. Sowjetrußland wurde von dem in Berlin lebenden Russen M o k o l u oertreten, der in seiner Rede gegen die Mehrheit der Delegierten heftige Angriffe richtete. Charakteristisch war, daß der größte Teil der Festteilnehmer, die zur Hälfte aus Jugendlichen bestanden, dem Rusien demonstrattven Beifall zollte. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in der das Verhalten der Mehrheit der Konferenzdelegierten als„u n- brüderlich" gegenüber den Russen bezeichnet wird. Auf jeden Fall beweist aber dieser„Begrüßungsabend", welche Absichten die Kommunisten in der Arbeiter-Radio-Internattonale verwirklichen wollen. «- Eine Konferenz der organisierten Arbeiter-Radiohörer tagte am 2. und 3. September im Gewerkschoftshaus unter Vorsitz des ersten Vorsitzenden des Deutschen Arbeiter-Radio-Bundes, E. B a a k e. Vertreten waren die Tschechoslowakei, Dänemark. Deutschland, Holland, Oesterreich und Rußland. Der ursprünglich vorgesehenen russischen Delegation war die Einreise- erlaubnis von der Deutschen Botschaft in Moskau nichl er- teilt worden. Ein in Berlin sich aushaltender Russe war mit der Stellvertretung betraut. Aus eine Intervention des Auswärtigen Amts wurde die Einreiseerlaubnis nachttäglich erteilt, doch konnte die russische Delegation zu den Verhandlungen nicht mehr rechtzeitig eintreffen. Begrüßt wurde die Konferenz durch Genossen Cris- p i e n für die Sozialistische Arbeiter-Internattonale, durch Graß- mann für die Gewerkschafts-Jnternationale und durch den Reichs- tagsabgeordneten R o s e n b a u m für die kommunistische Reichstags- fraktion. Nach Entgegennahme eingehender Berichte über den Stand der Bewegung und die Gesetzgebung in den einzelnen Ländern wurde die Gründung der Internationale«instimmig beschlossen und ein internationales Komitee gewählt, das die Aufnahmebedin- gungen und die Statuten auszuarbeiten, zugleich aber auch die prak- tische Arbeit der Internationale aufzunehmen hat. Für diese Arbeit wurden bestimmte Richtlinien angenommen. Dieses Komitee setzt sich mit dem Recht der Kooptation aus je einem Vertreter von Deutschland, der Tschechoslowakei und Oesterreichs.zusammen. Der russische Ver- treter hatte die Forderung gestellt, daß auch die russischen Arbeiter- Radioamateure, die 170 000 Mitglieder zählten, in diesem Koniitee vertreten seien. Diese Forderung wurde von den anderen Ländern abgelehnt. Von der deutschen Delegation stimmte der eine Delegierte für. der andere gegen den Antrag der Rusien. Daraufhin erklärte der russische Delegierte, sich weitere Erklärungen vorbehalten zu müsien. Sitz der Internationale ist Wien, internationaler Sekre- tär der Genosse Nowotny aus Wien, der die bisherigen internatio- nalen Arbeiten vorbildlich geleistet hat. Die Delegierten verpflichten sich, in ihren Ländern dafür einzutreten, daß für die Internattonale ein jährlicher Beitrag von S Pf. für das Mitglied erhoben wird. Die Zahl der auf der Konferenz vertretenen organisietten Arbeiter- Radiohörer beträgt, von Rußland abgesehen, etwa 20 000. Kindern an einem W a s s« r l o ch. das von den letzten starken Regen- fällen herrührte, in der Nähe des neuaufgeschüttetcn Dammes d«r Tegeler Industriebahn. Das Kind fiel plötzlich in das etwa � bis % Meter tiefe Loch und ertrank. Die Spielkameraden müsien au» Furcht fortgelaufen sein, denn erst«inige Zeit später wurd« von einer Pasiantin die kleine Leiche, die auf der Wasieroberfläche trieb, entdeckt. Die von der Feuerwehr vorgenommenen Wiederbelebung?- versuche blieben ohne Erfolg. Ein hinzugerufener Arzt stellte den Tod fest. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. elne Verkehrsfalle. Letzthin berichteten wir über«inen Unfall in der Greifs- walder Straße, b«i dem ein Kind durch einen Autobus der Linie 14 erfaßt wurde und tödliche Verletzungen erhielt. Ueber die Verkehrsverhältnisis in der Greifswalder Straße haben wir nun folgendes festgestellt: Die ein« Se>t« der Greifswalder Straße von der Hufeland- bis zur Elbinger Straße wird zurzeit asphal- ti«rt und ist daher für alle Fahrzeuge gesperrt. Die Verkehrs- ardnung schreibt bekanntlich vor, daß der Wagenverkehr zwei- s e i t i tz ist, d. h. in diesem Fall: Fahrtrichtung Weißense« recht», Fahrtrichtung Königstor links. Der gesunde Menschenverstand lagt sich nun, daß, wenn auf der einen Seite gebaut wird, der Verkehr auf die Nebenstraßen umgelegt wird. Dies ist auch in der Tat geschehen, nur gerade die gefährlichste Gattung der Fuhrwerke, die Autobuss«, dürfen ach der focht für den Verkehr nach der anderen Seite reservierten Seite fahren. Nun sieht jeder. d«r an den Berliner Verkehr gewöhnt ist, beim Ueber. schreiten der Straße nur nach der einen Seite, und es ist zu verwundern, daß in diesem Teil der Greifswalder Straß« nicht alle Tage derartig« Unfälle vorkommen. Warum ist man nicht auf die einfach« Lösung gekommen, die Autobusse ebenfalls durch die Hufeland st raß« abzulenken? Ist die Zeit der Fahrgäste, e» handelt sich höckstens um«ine bis zwei Minuten, so kostbar, daß sie auch nur e i n Menschenleben aufwiegt? Warum ist es andererseits möglich, die Autobusse Nr. 30 und 11, die sonst über die Kottbuser Straß« sahren, in einem Umweg über die Reichenberger Straße und Mariannenstraße zu sühren, um nur ein Beispiel anzugeben? Usber dl« Greifswalder Straß« verkehren außer mehreren Straßenbahnlinien drei Autobusse in kurzen Abständen, man kann sich also die Gefahren, denen die Anwohner der genannten Straße zurzeit ausgesetzt sind, vorstellen. Es ist noch zu bemerken, daß die Hufelandstraße und die anderen Straßen, die für die Umlenkung in Frage kommen, ganz geringen Wagenverkehr haben._ Mehr Ordnung in den Wäldern der Stadt! Geg«n die Verschmutzung der Wälder Berlins will der Magistrat jetzt Schritte tun. Er will Papierkörbe auf. stellen, die hoffentlich die nötig« Beachtung finden werden. Damit die Bevölkerung sieht, daß auch zu ihrem Wohl etwas geschehen soll, wird weiter geplant, sie durch Aufftellung von Ruhebänken und Anbringung von Wegweisern zu erfreuen. Für das alles zusammen sollen 33 000 M. aufgewendet werden. Der Lautsprecher auf dem Auto. Der Großlautsprecher wird immer mehr ein Gegenstand des täglichen Bedarfes. Bald hier, bald dort soll er bei einer Der- anstaltung seine Stimme ertönen lassen. Um Lautsprecher für solche Zwecke schnellstens bereitstellen zu können, Hot die Siemens u. Halsk« A.-G. Autos eingerichtet, die mit Lausiprechern und allen zu ihrem Betrieb nötigen Maschinen und Apparaten versehen sind, wie Strom- lieferungsmaschinen, Verstärkereinrichtungen, Bespvechungsmikrophone usw. Zwei solcher Autos sind auf der Funkausstellung zu sehen. Da» eine, von der Größe eine» normalen Möbelwagens ist mit Faltlautsprechern, Protoslautsprechern und Riesenblatthallern der Firma oersehen. Auf dem Dach des Wagens befindet sich ein zu- sammenlegbarer Turm aus Stahlrohrkonstruktion, der es ermöglicht, den Lautsprecher bis zu einer Höhe von sechs Metern zu heben. Dieses Auto wird ,k»erwendet, wenn es sich um Wiedergabe von Musik und Vorträgen handelt. Eine Besprechungszelle befindet sich im Innern des Wagens, di« Sprechsttöme können aber auch von außen zugefühtt werden. Außerdem ist am Wagen noch ein An- tennenmast zur Aufnahme von Rundfunksendungen vorgesehen. Das kleinere Auto ist mit Trichterlausiprechern ausgerüstet. Es wird verwendet, wenn es sich um Mitteilungen an einen größeren Kreis handelt, z. B. für Wahlpropaganda oder b«i sportlichen Der- anstaltungen. Der Vorzug der neuarttgen beweglichen Anlage ist, daß das Auto schnell nach dem Ort, wo es gebraucht wird, sahren kann und daß die Lautsprecheranlage in kürzester Zeit nach Ankunft des Auto« bettiebsbereit ist._ Ungewißheit über ßilchner. Schwierigreit der Nachforschungen. Zu einer Reuter-Meldung, nach der wahrscheinlich nicht dia Filchn«r-Expedition, wie allgemein angenommen wurde, sondern ein« amerikanisch-kanadische Reisegesellschaft in Tibet das Opfer eines Ueberfalls geworden s«i, erfahren wir von zuständiger Seite. daß irgendeine amtliche Bestättgung dieser Nachricht der englischen Agentur bisher nicht eingelaufen ist. Da» Auswärttge Amt hat alle in Frage kommenden Konsulate auf chinesischem und indischem Ge- biet angewiesen, mit allen Mitteln Nachforschungen nach Dr. Filchner anzustellen, hat aber, ebenso wenig wie von den anglo-indischen Behörden in Kalkutta, bisher keinerlei Antwort er- halten. Bei der Schwierigkeit der Nachrichtenübermittlung in jenem Gebiet und in Anbetracht der dort herrschenden Unsicherheit kann es überhaupt noch außerordentlich lange Zeit dauern, bis authen- tische Meldungen vorliegen, es sei d«nn, daß di« Expeditton selbst inzwischen aus Tibet zurückkehrt oder daß andere Gesellschaften Mitteilungen über die dorttgen Vorgänge machen könnten. Auf jeden Fall ist im Augenblick das Schicksal des deutschen Forschers und seiner Reisegenosien noch völlig ungewiß, zumal man auch mit der Möglichkeit rechnen muß, daß Filchner sich eben jener in der Reuter-Meldung«rwähnten Gesellschaft zum Schutz gegen droheiche Bandenüberfälle angeschlosien hatte. "Tischlein deck dich" der Bühnenkünstler. Die Leute von Brettl und Bühne wollen zeigen, daß fit nicht nur die Welt der Bretter beleben können, sondern daß sie neben Ihren künstlerischen auch noch häusliche Talente besitzen. Zugunsten ihrer Wohlsahrtskasse haben Mitglieder der Deutschen Bühnen- aenossenschaft bei Tietz„Tische froher Stunden" gedeckt. So hat Eorneli« Bronsgeest einen Radiotisch gedeckt, indem er sämtliche Tischgeräte als Rundfunkgebrauchsgegenstände formte(weder schön, noch praktisch), der luftige Otto Reutter deckte einen.Bowlentisch". Ellen Richter deckte den„Tisch der fünf Erdteile" und so versuchte halt em jeder mit Geschick und Humor das zu gestalten, was ihm am besten-liegt". Für djese redliche Mühe verschleißt die Firma Tietz ihrerseits Lose der Bühnengenossenschaft, deren Treffer in allerhand schonen Sachen wie Landhäusern, Autos, Motorrädern, Pianos usw. bestehen. Man könnte glauben, die Menschheit hätte heute andere und wichtigere Sorgen, denn leider werden derer immer mehr und mehr, die vom„ungedeckten" Tisch speisen müsien, die das fehlende blütenfrische Linnen nicht einmal allzu schmerzlich vermissen und schon höchst zusneden sind, wenn eßbare Genüsse sich auf dem Tisch vorfinden. Den Schauspielern sei daraus kein Vorwurf gemacht. Nur mußte bei solchen Gelegenheiten ein Gedanke oerwertet werden, der etwas mehr Existenzberechtigung verdient. Die Ortsgruppe Wildau des Veichsbauner» Schwarz-Rot-Gold beging am letzten Sonntag ihr zweites Gründungsse st. Mehrere auswattige Kameradschaften unterstützten die Kundgebung � j r,aOeri- Schon am Sonnabend bekam Wildau einen huschen gackelzug zu sehen. Der Sonntagnachmittag brachte zu- nächst einen Umzug im Ort und später die eigentliche Kund- gebung auf dem Schulhofe. Bei der Begrüßung teilte der Komeradschaftsfuhrer mit, daß auch in Wildau die Reaktion die posi- ttve Arfbauarbeit des Reichsbanners mit allen Mitteln zu unter- binden oersuche. Nicht genug damit, daß Schwarzkopff dem Reichs- banner das Kasino gespertt Hobe, ist diese Gesellschaft dazu über- gegangen, einem Pachter, der von Schwarztopfs Land in Pacht Die sparsame Hausfrau verwendet MAGBI5 Würze, dann alt waiB, daB aa nur wanlger Iropfan bedarf, um dünnan Suppen, FlaieehbrOHa, Gemüsen und Sollen cefori einen krlftigen Wohlgeeohmack zu geben.— VortaflhaFtastar Bezug in grollen, plembiartan Originalflaechan zu RM 6.50. Man verlang« ausdrücklich MAGGI8 Würze.— hat, verbieten, die auf diesem Land befindliche Bretterbude dem Tambourtorps des Reichsbanners weiterhin als Uebungsraum zu überlassen! Das schikanöse Vorgehen der Industriegewaltigen wird selbstverständlich die Arbeit der republikanischen Schutzorganisation weder beeinträchtigen noch verhindern! In seiner Fe st anspräche geißelte der Landtagsabgeordnetc Genosse Richter die Arbeit der Bürgerblockregierung in scharfen Worten. Lüneburger ffeiüelanü. Di« Poeste der cheidelandschaft übt auf viele Menschen, sensible, verschlossene Naturen, gewaltigen Zauber aus. Die Lüneburger cheid« wurde in den letzten Jahrzehnten mit eines jener Gebiete Deutschlands, das, von zahlreichen Dichtern und Komponisten in Wort und Musik verherrlicht, auf diese Weise eigentlich erst seinen Weg in den Jnteressenkreis der breiten Oeffentlichkcit fand. Interessant ist die Gegenüberstellung der begeisterten Schilderungen der Heide in icgler Zeit den Anschauungen früherer Epochen. Als Rhein und Weser, Harz und Thüringen. Meeresstrand und Hochgebirge längst ihre Dichter gefunden hatten und gern aufgesuchte Reiseziele bildeten, war das Gebiet der Lüneburger Heid« noch ungekannt und ungc- achtel, weltvergessen und fernab von jedem Verkehr lag es da. Wie unsäglich traurig und öde sich dieser Landstrich selbst in den Anschauungen gebildeter Kreise malte, geht aus zahlreichen Schilde- rungen hervor, die uns aus der ersten Hälfte des vorigen Jahr- Hunderts überliefert sind. Zwar war Madame de S t a e l s Angabe, daß die Heide bevölkert fei,„par un pcuple sauvsxe, nomme Heidsnucks* als kurioser Irrtum bekannt! in welch sonder- barem Licht die Heide aber damals immer noch erschien, mögen ein paar Proben aus der Literatur jener Zeit beweisen. Selchow beschrieb 1823 in seinem Buch„Deutschland und seine Bewohner" die„berüchtigte" Lüneburger Heide als ein ödes trauriges Stück Land.„Man sieht nicht einmal— wie in Arabien— Beduinen berumschweifen, oder Pilger oder Karawanen durch die Wüste ziehen." Noch Platcn wußte in Deutschland kein öderes, poesieloseres Stückche.» Erde aufzufinden, als dieses..„Beklemmt" steht der Fremde still, der sie zuerst betritt,„als fei er plötzlich auf einen verödeten, ausgestorbenen Planeten geworfen". In seinen„Skizzen und Bildern aus dem deutschen Vaterland" findet H o b i r k die Heide , im Sommer dürr und heiß, wie der Sand, auf dem sie wächst, so daß die Fußsohlen brennen". Kein Wunder, daß Ding elfte dt in den Liedern eines kosmopolitischen Nachtwächters(1842), der all- gemeinen Anschauung folgend, sein« Heidefahrt nicht anders erlebt. („Gelobt sei Gott! Wir sind in Lüneburg!") Kein Wunder auch, daß noch in den fünfziger Iahren in einer vielgelefenen Familienqcitfchrift nur von dem„öden Schweigen" die Rede ist, dos auf der rotbraunen Ebene der Lüneburger Heide ruht. Nie härte sie das Raufchen eines Waldes, nie das Murmeln eines frischen Baches, nur„das Summen der Bienen über dem mannshohen Heidekraut" trifft das Ohr des Wanderers. Diese Proben mögen genügen, um die Einstellung jener noch gar nicht so fernen Zeiten der Heide gegenüber zu zeigen. Wir lesen sie mit Belustigung und mit dem Gedanken an die seltsam« Wand- lung, die die Wertschätzung der Heide seitdem erlebt hat. Wenn man weiß, daß heute die Lüneburgcr Heide mit zu den meistauf- gesuchten Gegenden Deutschlands gehört, so muß in der Tat ein ganz-gründlicher Wandel in den Anschauungen stattgefunden haben, denn die vielen, vielen Zehntausende, dl« alljährlich in die Heid« kommen, würden kaum ein Gebiet aussuchen, wie es in vor- stehenden Literaturepochen geichildert ist. Eingeleitet und vorbereitet wurde dieser Wandel durch die Maler Morgenstern, Irmer, Oesterley, Bracht, Zügel, um nur einige zu nennen, und Dichter und Schriftsteller wie S t o r m, die beiden Freudenthal usw. Bor allem ist hier aber(neben einer Reihe erfolg- reicher Romanschriftsteller wie Speckmann) Hermann Löns in die erste Reihe zu stellen, der wie kein anderer vor ihm und noch ihm das Hohelied der Heide gesungen hat. Zweifellos hat auch die Gründung des jetzt IS S(X> Hektar um- fassenden Naturschutzparks Lüneburgcr Heid«, die der Zähigkeit und unermüdlichen Tatkraft des kürzlich verstorbenen Pastor» Wilhelm Bode zu danken ist, der Heide auch in den weiter entfernt liegenden Gegenden Deutschlands viele Freunde gelckjaffen. Was man einst niemal» von der Heide erwartet hätte, das ist jetzt Tatsache geworden: aus dem verachteten Aschenbrödel wurde ein« Schönheit. Späisommer an der Ostsee. Der Reichsbahn gebührt Anerkennung. daß sie, dem schönen Wetter Rechnung tragend, den üblichen Wochenendzug an die Ostsee abgehen ließ. Gut desetzt setzt« sich der lange Zug fahrplanmäßig am Sonnabend um f-aZ' Uhr nachmittags in Bewegung. Nach bei Tageslicht erreichte man die Ostseebäder und abends konnte man noch lange Zeit im Freien bei den Klängen der Kurmusik spazieren gehen. Auch am Sonntag enttäuschte das Welter nicht und bei strahlendem Spät- sommersonnenschein ging man ins Wasser. Es ist merkwürdig, daß trotz der günstigen Witterung die Kurorte fast vollständig ausgestorben sind. So sind die größten und bekanntesten Hotels auch fast olle schon geschlossen. Viel trug dazu wohl der furchtbare Sturm bei, der am 26. August bös« gehaust hat und dessen Folgen noch allenthalben zu sehen sind. In Heringsdorf um Beispiel ist man noch immer mit dem Ausbessern der Brücke lefchäftigt, und eine gestrandet« Segeljacht liegt im Wasser und wartet darauf, gehoben zu werden. Auf der Chaussee sieht man viele entwurzelte Bäume und zerbrochene Telegraphenstangen.— Aber die See« ist wieder klar und schön und hat vielen hundert Menschen Freude und Erholung gegeben. Gegen das Reichsfchulgeset, lautet das Thema, über das Professor Paul O estreich in der Kundgebung der Freien Schul- gemeinde Charlottenburg in der Aula Pestalozzistraß« 40 am Dienstag, den 6. September, um 20 Uhr, sprechen wird. t Ein �alteftellenanzeiger in öerStraßenbahn Aber nicht in Berlin! Eine sehr zu begrüßende Neuerung, einen mechanischen Halte st ellenanze iger, hat die Leipziger Straßenbahn- Verwaltung in einem ihrer Motorwogen probeweise einbauen lassen. Der in der Mitte des Wagens hängende Anzeiger wird von dem Schaffner mittels eines besonderen Zugriemens leicht bedient! schon nach dem Verlassen einer Haltestelle wird durch einen Zug an dem Riemen den Fahrgästen bereits die nächste Haltestelle angezeigt. Es ist eine durchaus praktische und dem Publikum weit entgegen- kommende Neuerung, die sicherlich großen Anklang finden wird. Die Berliner Straßenbahngesellschast fände für eine ähnliche Einrichtung wohl auch ein dankbares Publikum, namentlich in den Wintermonaten, wo eine schnelle Orientierung oft nicht leicht möglich ist. Ganz besonders würde das Ein- und Aussteigen durch einen solchen Haltestellenanzeiger beschleunigt werden können. die Internationale des Verkehrs. Die Deutsche Reichsbahngesellschast, die kürzsich in Stuttgart ein eigenes Hotel in Betrieb genommen hat, hat nunmehr auch im Hauptbohnhof zu Beuthen in Schlesien etwa 40 modern eingerichtete Hotelzimmer der Oeffentlich- keit übergeben. In Oe st erreich will man mit englsschem Gelde etwa 40 Mittel st andshotels bauen und hat für die Errichtung bereits einen detaillierten Plan ausgearbeitet. Das Projekt ist eine Ergänzung der Pläne, die unter Führung des Industriellen Arthur Krupp fünf große Hotels in Oesterreich errichten wollen, für die ebenfalls englisches Geld bereitgestellt werden soll. Das bekannte Cafe Rumpelmayer in London hat seine Tore geschlossen und ist in Liquidation getreten. Das Unternehmen, das den gleichen Namen wie die bekannten Geschäfte in Paris, Nizza. Monte Carlo und Berlin trägt, hat während des Krieges den Besitzer gewechselt und ist anscheinend nicht in Hände geraten, die so erfolgreich wirtschafteten, wie es die Inhaber der weltbekannten Unternehmungen desselben Namens in den angegebenen Orten tun. In Ungarn bemüht man sich, den Fremdenverkehr wieder ins Land zu bringen und hat zu diesem Zweck auch das Golf- spiel in den Dienst der Fremdenwerbung gestellt. In der Nähe des Sanatoriums in Sillafüred ist ein großer Golfplatz geschaffen worden mit einer Einrichtung, die ihn den drei bisher bestehenden großen Plätzen in Europa gleichberechtigt an die Seit« stellt. Man fetzt die Hoffnungen besonders auf Amerikaner und Engländer, die bekanntlich begeisterte Anhänger des Golffpiels sind. In amerikanischen Zeitungen wird darauf hingewiesen, wie stark das Hotelgewerbe durch die Erregung geschädigt wird, in der sich die Oeffenlichkeit wegen der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti befindet. Di« Vomb«nattentate haben in mehreren Fällen dazu geführt, daß große Hotels in kürzester Zeit von ihren Gästen verlassen wurden._ Selbstmord durch Starkstrom. Auf sonderbare Weise endete der 24jährige Stellmacher Ernst Neudert aus Oberdorf-Komotau. Er stieg auf«inen Baum, band sich «inen Messingdroht um die Hand, befestigte am anderen Ende«inen Stein, warf ihn über die oorüberführend« Start- st r o m l e i t u n q und war offenbar sofort tot. Als man ihn auf- fand, war die Hand gänzlich verkohlt. Trier verbreitert seine alte Römerbrücke. Di« Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer letzten Sitzung, die uralte Römerbrücke über die Mosel aus Verkehrs- r ü ck f i ch t e n erheblich zu o s r b r e i t e r n. Es ist Vorsorge g«° trossen, daß das heutige Brückenbild, das«ine Zierde der Stadt Trier ist, möglichst(!) erhalten werden kann. Der geheimnisvolle Photoapparat. Der Aberglauben bosnischer Frauen führte in Travnit zu einer Hexenverfolgung, deren Opfer ein« Engländerin war, die sich dort zitm Besuch einer Freundin aufhielt. Bei einem Spazier- gang im Walde wurde die Fremde von einer alten Bäuerin beob- achtet, wie sie mit ihrem Photographenapparat Auf- nahmen, vor allem auch von einheimischen Kindern, macht«. Die Alte eilte ins Dorf und alarmierte die übrigen Frauen mit der Angabe, daß sich Im Walde eine Hex« herumtreibe, die ihre Kinder verhexen wolle. Zahlreiche Frauen fielen mit Stöcken über die Eng- länderin her und oerletzten sie schwer. Die„Hexo", die nicht serbisch konnte, vermochte sich mit den Frauen nicht zu ver- ständigen. Die Behörden haben zehnderFrauen festgenommen. Rofe-Theater: Die Frau ohne Kuß. Daß man sich immer wieder freut, alte Bekannte wiederzutreffen, bewies der ehrlich- stürmische Applaus, den man der„Frau ohne Kuß" bei ihrem Ein- zug ins Rose-Theater entgegenbrachte. Dieses Lustspiel mit Gesang, vor mehreren Jahren im Schillertheater, Charlottenburg, mit Mady Christians und Paul Heidemann in den Hauptrollen uraufgeführt, wird hier— stark volkstümlich ausfrisiert— zur richtiggehenden Posse mit allerhand derb-lustiger Situationskomik. Die in der Welt der Operette allseitig beliebte, weil erfolgreiche Schein- ehe beweist auch hier wieder ihre bewährte Zugkraft. Lotte stellt sich dem Herrn Chef zur Beschleunigung seiner Karriere als Pseudo- Gattin zur Verfügung. Schlecht, wie die Weiber schon einmal sind, ärgert sie sich mächtig in der Flitterepoche. Sie rächt sich durch ausgiebige Poussade mit allem Männlichen, das ihr über den Weg läuft, solange, bis der Herr Gemahl mit der langen Leitung sich endlich seiner Rechte und Pflichten erinnert und die Kleine auf ewig in seine Arme schließt. Gespielt wurde mit viel Humor, bloß tritt da« gesanglich« Moment fast gänzsich in den Hintergrund. Und es gibt doch so viele engogeiuentslofe Sänger m i t Stimme. Die ge- hört nun mal zur Singerei. Herzensknickerin Lotte(Erna Boewe) war stimmlich und darstellerisch sehr nett, die geknickte Männlichkeit, der Herr Gemahl(Hans Rose), ein edler Perserprinz(Karl Güllich) und noch zwei weitere Kandidaten boten ebenfalls gute Leistungen. Georg Weihnacht gestorben. Im Alter von 68 Iahren verstarb am 2. September Genosse Georg Weihnacht, dessen Name mit der Berliner Parteibewegung eng verknüpft war. Als ehemaliger Gast- wirk war sein Lokal in der Neuen Grün st ratze 15 lange Jahre hindurch die einzige Zuflucht der Genossen des alten Berliner Reichs- tagswahlkreijes, der bis zum Zusammenbruch durch einen bllrger- lichen Abgeordneten im Reichstage vertreten war.— In den letzten Iahren konnte sich Genosse Weihnacht nicht mehr aktiv an der Parteiarbeit beteiligen. Bis zu seinem Ende bewahrte er der Partei eine aufopfernde Treue.— Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 7. September, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Die achte Ausstellung„Rodel und Schere", über die wir schon berichtet haben, hat infolge ihrer Vielseitigkeit eine sehr günstige Aufnahme bei den zahlreichen Besuchern gesunden. Die Ausstellung ist noch bis heute abend 10 Uhr geöffnet. Das Sprengunglück bei Kassel. Die amtliche Untersuchung. Kassel, 5. September. Noch der amtlichen Untersuchung steht fest, daß die Spreng- stoffladung im Gewicht von 1850 Kilogramm auf dem Basaltbruch bei Zimmersrode bereits am Freitag in den beiden ersten Kammern des sechzehn Meter tiefen Spreng- stollens untergebracht worden war. Von der etwa 90 Mann starken Belegschaft des Betriebes waren zwei Schießmesster und neun Mann mit dem Zumauern der Sprengstoffkammern beschäftigt. Diese Augenzeugen sind sämtlich tot. Die Vor- kehrungen für die«lektrische Sprengung waren nocht nicht ge- troffen, da die Sprengung selbst erst am nächsten Tage stattfinden sollte. Der kleine Rest von Patron«» wurde in ordnungsgemäßer Beschaffenheit vorgefunden. Offenes Licht ist in dem Stollen offen- bar nicht verwendet worden. Die elektrische Zündmaschine war noch nicht angeschlossen. Infolgedessen ist über die Ursache der Katastrophe bisher keinerlei Feststellung möglich gewesen. Dix in den nächsten Tagen auszuführenden Auftäumungsarbeiten, die vielleicht neue Anhaftspunkte ergeben werden, erfordern große Vorsicht, da vielleicht die ein« Sprengstoffkammer noch gefüllt ist. Da an der Außenmauer an der fast vierzig Meter hohen Ab- bauwand zahlreich« Felsstücke gelockert sind, wird man diese zunächst entfernen müssen. Es ist Vorsorge getroffen, daß jede Spur, die auf die Ursache des Unglücks hindeuten könnte, mit besonderer Sorgfalt gesammelt wird. Von den elf tödlich Verunglückten sind nur drei als einigermaßen erkennbare Leichen geborgen, außerdem wurden zahlreich« einzelne Leichenteil« gesammelt. Soweit die Angehörigen nicht die Beerdigung der Leichen vornehmen wollen, wird die Beisetzung der Reste in einem gemeinsamen Grabe am Michelsberg am Dienstag vormittag im Beisein der Vertreter der Behörden erfolgen. Keine Nachricht von St. Raphael. Bielleicht tei Labrador niedergegangen. London, S. September. Nach den letzten Meldungen au» Neu-Fundlond find bis jetzt noch keine Nachrichten über dos Flugzeug„St. Raphael" «ingetroffen. Man hält es jetzt nur noch für möglich, daß die Flieger vollständig nach Norden abgetrieben wurden und-daß sie inmitten einer Flottille der Walfischfänger bei Labrador niedergehen mußten, in welchem Falle erst in einigen Wochen Nachrichten zu erlangen wären. Die Veltflieger in Indien. Das Flugzeug„Stolz von Detroit" ist, wie uns aus London gemeldet wird, am Sonntag vom Persischen Golf nach Indien aufgestiegen und dort noch am gleichen Tage in Karachigelandet. Gestern sind die Flieger nach A l l a j o b a d weitergeslogen. Jallschirmpilot Triebner löblich abgestürzt. Altenburg, 5. September. Auf dem Altenburger Flugplatz fanden Flugvorführungen statt, bei denen auch das Ehepaar Triebner wieder Fallschirmabsprünge zeigen wollte. Während Frau Triebner mit ihrem Fallschirm gut zu Boden kam, öffnete sich der Fallschirm ihres Mannes nicht voll- ständig. Triebner stürzte tödlich ab und starb kurz darauf. Die erste Vogelwarte des deutschen Binnenlandes. Di« s ü d- deutsche Vogelwarte wird in dem Haus« des Dichters Josuf Viktor von S ck e s s e l auf der Halbinsel Mettnau am Bodensee ihr« umfangreiche Sammlung ausstellen. Dieses Museum der Vogelkunde wird etwa 6500 Vogelbälg« und 4500 Vogeleier ent- halten. In Verbindung mit dieser Sammlung ist beabsichtigt, auf der Mettnau ein« süddeutsche Vogelwarte im größten Stil« zu er- richtzm. Diese Vogelwarte wird die erste des deutschen Binnen- landes sein.__ Wetterbericht der öffentlichen wetterdieastslell« für Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.) Vorwiegend stärker bewölkt, sonst meist heiter. Tempera- turen wenig verändert. Keine oder nur unbedeutende Niederschläge.— Jflt veulschland: Westlich der Oder zeitweise stärker bewölkt, aber nur unbedeutende Regensälle. Oestllch der Oder noch größtenteils heiter, überall Temperaturen wenig verändert. Die Werbefahrt öer flltersturner. Groß-Bcrlin in Wittenberge. „Strafe muß fein," dachte die Leitung der Altcrsriegen Groß- Berlins und sandte ihre Anhänger wegen der kleinen Unartigkeiten während der vorjährigen Fahrt erst am Sonntag früh und nicht schon am Sonnabend abend auf die Fahrt nach Witten- berge. Groß genug war die Zahl der A l t c r s t u r n c r, um von einem schönen Erfolg sprechen zu können. In Kuhblonk kurz vor Wittenberge endete die Eisenbahnfahrt und von dort wurde, verstärkt durch die hinzugekommenen Witten- berger mit ihrem iambonrkorps, J>er Rest des Weges zu Fuß zurückgelegt. Es ging vorbei an Singers Nähmaschinenfabrik mit ihren Wertsportanlagen. Gleich dahinter grüßten freundlich am Eingang der Stadt die Gebäude der Konsum- und Spar- g e n o s s e n s ch a f t mit schwarzrotgoldenen und roten Fahnen die hereinziehenden Arbeitersportler. Die ersten kräftigen Frei Heil! aus die Arbcitersportbewegung und die arbeitende Be- völkerung Wittenberges dröhnten durch die Straße». Ein P r o p a- gandamars.ch durch die Stadt, der in drei Zügen erfolgte, endigte vor dem Rathaus. Das hotte in den Stadtfarben und schwarzrotgold geflaggt. Ein Vertreter der Stadt begrüßte die Altersturner, wies auf die Bemühungen und Erfolge der Stadtverwaltung in der sozialen Fürsorge und Förde- rung des Sports hin und wünschte den Altcrsturnern für ihre Vsr- onstallung guten Erfolg. In seinem Schlußwort wies der Redner auf die Tatsache hin, daß die Turner sich hier auf h i st o r i s che in Boden befänden, in der Priegnig, und nur zehn Kilometer entfernt erhebt sich das Denkmal des Altmeisters der Turnkunft Fr. L. I a h n, der selbst unter Schwarzrotgold für die Idee der Zeit schwere Kämpfe bestehen mußte und den heute zuni großen Bedauern und sinnwidrig die reaktionären Sportoerbändc für den Ihren erklären. Genosse Kaaselt, Geschäftsführer der Cisenbahnergewerk- schaft und Vertreter des ÄDGB., fand in seiner Begrüßungsansprache treffende Worte über die Notwendigkeit des Zusammen- arbeitens zwischen Arbeitersport und Gewcrk- s ch a f t e n. Dann sprach der Bundesoorsitzende Genosse Geliert von den Stufen des Rathauses an seine Groß-Berliner Alters- turngcnossen, und man merkte seinen Ausführungen an, daß er vielleicht gerade auf die Teilnahme an dieser Fahrt der Altersturner besonderen Wert gelegt hatte. Er sreue sich, daß die Altersturner sich in diesem Jahre gerade hier, an der Peripherie dreier Kreise, zusammengefunden haben. Im Vordergrund muß stehen die Ein- heit und Geschlossenheit der Arbeiterturnbcwegung. „Reicht euch die Hände als Kämpfer für eine große Sache. Es gilt, den Gegner zu bekämpfen, und der steht nicht in unseren Rethen, sondern er steht rechts.— Aber es scheint, als seien Kräfte am Werte, um eine neue Aera Lieste zu schaffen. Das sollte uns zu denken geben und zu der Ueberlegung führen, ob es nicht an der einen genug war." Der Ernst von Gellerts Ausführungen wurde unzweifelhaft ollen klar. Daran ändert auch das„einstimmige" Heil Moskau! nichts, dessen sich ein Zwischenrufer nicht enthalten tonnte. Drei Frei Heil galten der Arbeitersportbewegung. Kreisvertreter Genosse Reichert fand herzliche Begrüßung-- warte. Die Propaganda muh verstärkt in der Richtung geführt w�den, alle Partei- und Gewerkschaftsmitglieder für den Arbeiter- spart zu werben. Die Singer-A.-G. mit ihren Jndustriesportverein wirkt hier in Wittenberge dem freien Arbeitersport bewußt ent- gegen. Deshalb sollte den Arbeitersportvereinen von allen anderen Seiten tätkräftige Unterstützung zuteil werden. DaNn stattete Ge- nasse Sommerfeld. Vorsitzender der Altersriegen Groß-Berlins, an die Stadtverwaltung und Bürgerschaft Wittenderaes den Dank der Altcrsturner ab. Nun folgte der Marsch zum Esse»empfang: Nudeln mit Rindfleisch. Jeder erhielt eine„Reklaineportion". Der Kessel des Wirtes reichte kaum aus. S ch w i m m v o r f ü h r u n g e» und Frei baden füllten den Nachmittag aus. Bon 6 Uhr ab kon- zertierlen auf deni Bismarckplag die drei Groh-BerUner Turner- kapellen, mit Einschluß der Tanibourkorps etwa UX> Mann, unter lFoßem Beifall. Der Platz war bis zum Schluß von Tausenden aus der Wittenberger Bevölkerung umlagert, für die die Werbefahrt der Altersturner ein Ereignis war. Herbstsportfest ües SV. Moabit. Auf dein SportplatzTiergarten veranstaltete am Sonn- tag bei guter Beteiligung der SB. Moabit sein diesjähriges H e r b st s p o rt f e st. Weit über kt>l)tl Zuschauer umsäumten die Sportarena, in der in flotter Folge ebenso interessante wie spannende Kämpfe abgewickelt wurden. Zahlreiche auswärtige Sportgenossen beteiligten sich an den Konkurrenzen. Die Organisation klappte aus- gezeichnet, und so wurde die Veranstaltung ein voller Erfolg für die Einberufer. Resultate: Blr«>»».Z«ölft»mpf iSesamtergcbni»): 1. Turnerschaft Brandenburg 1062 Punkte. 2. Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Wedding 1US2V. Punkte— «inzelkä»n»s«: Männer- tuo.Mctcr.Porgabelaufcn- 1. Trarel-Lichtenberg ,2.1 Mal): 2. Brandftätcr.Moabit 12,3(SVi Meter). Hachsprung- 1. Rosi».Moabit, Wenzel-Lichtenbcrg, Echecke-Berolina. Nioo-Metcr-Äntängerlausen: 1. Braun I, 2: 54,1; 2. Frilschc, Moabit, 2: 54,6. 3000- aileter. Saufen; l. Ander», Flchte.Moabit, 9; 47,7: 2. Graßmann, Adlcrzhof, 9: 54. Mannfchaflswertung: 1. Flchte.Moabit 14 Punkte: 2. SB. Moabit 17 Punkte. Stabhochsprung: 1. Heller, Bildau, 3 Meter: 2. Schutte, Brandenburg, 2,80 Meter. Diskuswerfen: 1. Naiweit, Moabit, 32,68 Meter: 2. Beyer, Bcroiina, 31,53 Meter «ugelstoßc» rechts und links: I.«alweit 19,33 Meter: 2. Beinhardt, Berolina. 17,15 Meter.— Frauen: lOO-Mefer-Laufen:(11/13); 1. Zippel. Lichtender», 15,5 Sek. lOO-Metcr-Lauten(10 und älter): 1. Osten, Lichtenberg, 14,4 Sek Diskuswerfen: l.«estzewski, EchSneberg. 19,68 Meter. Weitsprung: 1. Fan- kowski, Lichtenberg, 4,50 Meter. Speerwerfen: l. Bau, Wedding, 24,35 Äeter Jugend: lOO-Meter-Laufen(11/13): 1. Heinemann. Moabit, 12,7 Sek. looi Mcter.Laufen:(09/10): 1. Päßnick, Nordost 06, 12.4 Sek. 1 500-OTttf t-Loufen (09/10): 1. Werner. Adlershof. 4:40,7 Min. Kugelstoßen(11/13); 1. Stier, Nordost 06, 10,04 Meter. Kugelstoßen(09/10): 1. Neiiinann, Berolina, 11,59 Meter. Weitsprung(11/13); 1. Gerccke. Moabit. 4,91 Meter. Weitsprung (09/10); l. Weniger. Fichte 7, 5.35 Meter.— Männer! 3XZ00»Me«cr.S>offel <«l. 4.0): 1 Lichtenberg I 1:14,3; 2. Lichtenberg II 1:15,2. ZXlOO'Meter. Staffel: 1. Berolina I 8: 24 Min.: 2. Lichtenberg i 8:28 Min. Schweden, ftasfel(Kl. 6!—?): 1. Fichte 2 2:17,1 Min.: 2. Fichte 22 2: 21,6 Min 4XlOO.Meter.Staffel(Acltere Sportler): 1. Berolina, Neukölln, 52.7 Sek• 2. Moabit 55,5 Sek. tp.Stund-n.Po-rlaufen: 1. Moabit 1(F. Blankenburgs Krause) 6365 Meter: 2. Sparta K. und O. Dame») 6350 Meter. Iugendmann- schaft: 1. Rswawes(GUnther-Kreffke) 5700 Meter: 2. Kombinierte Mannschaft (Piek-Fichte 10 und Kosinski. Sparta) 5625 Meter.— Fraur»! 4Xl00.Met,r. Staffel: 1. Lichtenberg 56,4 Sek.; 2. Wedding 57,4 Sek.— Jugend: Ofnmpifch« Staffel: 1. Nordost 06 4: 04,3 Min.; 2. Berolina 4: 04 4 Min.— Ktuder- lOXlOO-Meter-Staffel(Knaben): 1. Wedding T 2:28,8 Min.: 2. AST. 2:81,2 Min. 10X100. Meter. Stoffel«Mädchen): 1. Moabit 2:59,7 Min.- Dreikampf (ältere Sportler): 1. Kalweft, Moabit, 234 Punkt«: 2. Dörrband, Wedding, 223 Punkte, lieber 40 Jahre: 1. Fahl«, Johannisthal, 141)4 Punkte; 2. Richter. Berolina, 140'4 Punkte. Eine neue Sporlobteilung hat die Freie Turnerschaft Groß. Berlin im Ikorden Berlins eröffnet. Unter dem Namen„Nsrdring" hat sich aus Mitgliedern des Bezirks Norden II der FTGB.«ine S p v r t a bt c i l u n g gebildet, die Leichtathletik in allen Formen sowie das Hockey- und Handballspiel für Männer, Fronen und Jugendliche pflegt. Für den Winterbetrieb steht der Sportabteilung die Turnhalle in der Schule Greisenhagener Straße 38 zur Verfügung. Der Turnhallenbetrieb beginnt erst- malig am Montag, dem IL. September, und findet weiter- hin statt: jeden Montag von 8 bis 10 Uhr abends. Solange es die Witterung erlaubt, findet der Leichtetlethikbetrieb Mittwochs und Freitags Abends und Sonntags vormittags auf dem Sportplatz in der Cantionstraße(Schönhauser Allee) statt. Umkleide- gelegenheit daselbst. Zm Hockeysport ist die Sportobteilung Nordring mit drei Mannschaften vertreten. Für sporttreibende Arbeiter aus dein bürgerlichen Lager und für Arbeiter, die sich für Sport inter- cssieren, ist hier die beste Gelegenheit gegeben, sich einem Sportverein anzuschließen, der ihnen durch geeignete Lehrkräfte gegen einen nionattichen Beitrag von I M. Unterricht in allen Sportarten ver- mittelt. Aufnahme neuer Mitglieder in der Turnhalle. Gäste will- kommen. Ani«onntag, dem 18. September, finden folgende G e- scllschaft-spiele'im Hockey statt: Von 9 bis 10,30 Uhr vormittags Nordring III gegen Lichtenberg II und von 10,30 bis 12 Uhr mittags Nordring I gegen Fichte-West und von 2 bis 3,30 Uhr nachmittags Nordring II gegen ASC. II. Platz: Rudolf-Mosse-Straße (hinter der Mauer)." �_ �rbeiterschach. ZNeisterturnier und ZUannschaflswettkämpse 1927/28. Alljährlich im Herbst rüsten sich die A r b e i t e r s ch a ch- s p i c l e r zum Kampfe auf den 64 Feldern. Während im Sommer eifrig die Varianten studiert werden, finden im Herbst und Winter — das ist die Hauptspielzeit der Schachspieler— die Turniere des Berliner ArbeiterfchachNubs statl. Der Spielbetrieb in den Abteilungen wird lebhafter, gilt es doch die letzten Vorbereitungen für die Mannschaftswettkämpse z» tresfcn. Hier werden die Mannschaften aufgestellt, dort werden die stärksten Spieler für das Meister- turnier ausgesucht. Vorträge machen den Spieler mit den neueren Barianten vertraut, Blitzturniere mit sehr kurzer Bedenkzeit sollen den Spieler an einen schnellen Ueberblick des Bretts gewöhnen. Die Abteilungen bieten alles auf, um einigermaßen günstig abzu- schneiden. In der Vorrunde zum Meisterturnier sehen wir 60 der stärksten Spieler, die in 5 Gruppen zu je 12 Teilnehmern spielen werden. Als alte Bekannte trefien wir: Grunow, Gädicke, Borchow, Spengler, Kubicek, Knyschinsky, Lichtenflein usw. Es kommen dazu Gramattikosf und Völker. Es sind also harte Käinpse zu erwarten. Die Auslosung der Spieler findet am Donnerstag, den, 8. September, 10 Z4 Uhr, in den Räumen des Kartellvcrbandes, Landsberger Straße 82(Hos I) statt. Anschließend wird die erste Runde ausgetragen. Zweite Runde am Montag, dem 12. September, 19Z4 Uhr. Zuschauer haben Zutritt. Auch die Mannschaftswettkämpfe werden einen interessanten Ver- lauf nchnien. Einen Ueberblick über die Beteiligung können wir noch nicht geben, da erst am 13. September Meldeschluß ist, doch ist mit einer starken Beteiligung zu rechnen. Die erste Runde wird am Sonntag, dem 0. Oktober, ausgetragen. Regatten ües Freien Seglerverbonües. Gruppe Ost.— 1. Ivetlfahrttag. Am Sonntag wurde die H e r b st w o ch e des FSV. auf dem Langen und S e d d i n s e e eröffnet. Von den 141 gemeldeten Booten startetenjckwa 110. Bei einer strammen Brise von 6 bis 7 Sekm. aus OSO., die mit starken Böen bis 8 Sekm. durchsetzt war, nahm die Regatta einen flotten Verlauf. Mit einem Vorwindstart, der teilweise gute Felder zeitigte, gingen die Boote auf die 12 bzw. 8 Seemeilen lange Bahn. Bei dem äußerst scharfen Wind kam es zu mehreren Havarien: dem „Falken" zerriß die Facke, er mußte die Fühfrung des ganzen Feldes dem neuen Over„Friede l". überlassen, der jedoch auch nicht die Spitze behaupten konnle. Die Schwerwetterboot« hatten ihren guten Tag, in vielen Klassen gab es daher Ueberraschungssiege. „EIIo" kenterte, der ZOer„Bijan" leistete Hilfe.„Strie- b o l d" segelte sich gestrichen voll, konnte sich aber wieder aufrichten und die Bahn abfahren! Von den 20er Rennjollen war„Lisa IN" nicht zu schlagen: sie lief nach 3 Minuten vor den Nationalen Jollen und wurde schnellstes Boot der Jollenklasse. Das schnellste Boot der großen Bahn wurde der 30«r „Narziß" mit der guten Zeit von 1:36: 38: schnei Ist es Boot der kleinen Bahn die lO-Ouadratmeter-Rennjolle „E d i t h" mit 1: 1 3: 50.— Den Regatten wohnte Sportgenosse Werner vom Freien Segelklub„A e o l u s"-D a n z i g bei.— Fortseguug der Wettfahrten am Sonntag, dein 11. September, ab 11 Uhr, auf dem Langen und Seddinsee. Start und Ziel vor dem Bootshaus der Freien Vereinigung der Tourensegler Gkünau.— Nachfolgend die Zeiten vom 4. September: 1.»lasse, Sonderllasse: 1. Friedel II 1: 43: 17, 2. Fall- 1; 45: 22; 2.«lasse, ZO-Quadratmeter-Rcunjachte».4: I. Narziß 1:36: 38, 2. Traum 1: 39: 52; 3. Klasse, ZO-Quadratmeter-Renniachten B; 1. Windhund 1: 38: 15; 8. Klasse, Ralionaie Jollen: r Bum.Bum 1: 43; 20, 2. Flirt 1; 53: 49; 4.«lasse, 20.QuodraIInet«r.Rennj»llen A; 1. Lisa III 1:40:44; 2. Tibia 1:43: 26; Al-Ouadraimeter-Renniollen B; 1. Stüde 1: 49: 56, 2. Mca Arnika 1:51:58; 5. Klasse, ÄO-Quadralmeter-Kielboote: 1. Windspiel 1:55: 42, 2. Flamingo 2:01:49: 6. Klasse, Z9.Ouadratmeter.Wa»dcrjollen: 1. Euss II 1: 48: 56; 7. Klasse, lb-Quadratmeter-Rennjollen: 1. Fakir I: 51: 51, 2. Irrwisch 1: 52: 24, 3. Namenlos 1:54: 09, 4. Leichtsinn t: 56: 3t: 8. Klasse, I5.Quadratmetcr. Halbrcnnjollcn: 1. Sommcrliebe 2: Ol: 52, 2. Hansa II 2:10:24; 9. Klasse, I5.OiiadraIineter.Wander!ollen: 1. Lola 1; 47; 14, 2. Pan III 1:54:12, 3. Sturmgesell 1: 55: 59, 4. Friedel II l: 58: 36; 10.«lasse, lO-Quadralmetcr. Rennjollen: 1. Edith 1:13:50, 2. Irma 1: 27: 02, 3. Schnucki 1: 45: 39; 11. Klasse, lO-Quadratmeter-Wanderfolle»: 1. Seebär 1:14:42, 2. Sumpfhuhn 1: 14; 55.— 12. Klasse, Tourenkreuzer: 1. Lisa 1; 34: 57; 13. Klasse. Flossen. kielet: l. Sophie 1: 34; 27; 14. Klasse, Iollenkreuzer: I. Bummelfritze l: 33: 15, 2. Siesel II 1: 34: 38. 3. Grete! V 1: 35; 29.—«»«glelchsjollen: 15. Klasse: l. Ellide 1:30: 28, 2. Elise 1: 36:40, 3. Seeteufel l: 38: 10. 4. Teufel l: 42: 29; 16.«lasse: l. Hedel l: 33: 18. 2. Gertrud 1: 48: 08, 3. Gretel 1: 48: 22, 4. Banditt 1: 50: 06, 5. Viechen 1; 51: 29; 17. Klasse: 1. Fraternitas 1; 06; 22, 2. Hessen 1: 12: 25; 18. Klasse: 1. Pilot 1: 02: 24, 2. Iöif 1: 15; 19, 3. Brano I: 15: 26;>9. Klasse: l. Nachtschwärmer 0: 53: 52; 20. Klasse: Krllmel 0:59:12, 2. Trudi 1:03: 38, 3. Windsbraut 1: 14; 08; 21.«lasse: 1. Nire 2; 22: 47; 22. Klasse: 1. Sophie 1: 10: SO, 2. Puppchrn 1: 11: 29.— Von der 12. Klasse ab ist dir berechnete Zeit angegeben. Fußball. Am Sonntag find in München auf dem festlich geschmückten Spielplatz in der„Teutonia" vor mehr als 8000 Zuschauern da» Lände rfußballspiet zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei statt. Es handelte sich' dabei um die dritte Begegnung zwischen beiden Ländern. Das erste Spiel gewann Deutschland mit 6:1. im Revanchekamps blieb die Tschechoslowakei mit 4:1 siegreich. Am Sonntag verlor Deutschland wiederum mit 3: 2, Halbzeit 0: 0. » Gerade im Osten, in denen die Entscheidungen in der 1. Klasse fallen sollten, waren die erzielten Resultate am Sonntag Uberraschend. Adlershos, die aus dem Sportplatz in der Eitelstraße gegen Brandenburg 02 antreten mußten, konnten den Spitzenkandidaten im Osten mit 4: 3 schlagen. Die Atlershoser konnten di» zur Pause schon siegcsgewiß mit 3: 1 ftihren. In der zweiten SpieIHSlste gelang e, den Brandenburgern, trotzdem sie nur mit 10 Mann spielten, da» Resultat aus 3:3 zu stellen. Erst im Endkplirt vermochten die Adlershoser noch ein Tor auszuholen und damit den Sieg sicherzustellen.«Ztra. lau. die gegen den zweitstärksten Berein im Osten, Oborsprce. antreten mußten. hatten wohl nicht daran gedacht, daß sie diesen Gegner mit 5: 3 säilagen würden. In der Pause stand das Spiel noch 2: 2. Erst nach der Pause per» minderte sich die Kraft der Oberspreeleute. Stralaus Mannschaft, die bekannt» lich immer erst in der zweiten Halbzeit zum Angriff kommen, konnte dadurch einen sicheren Sieg mit 5:3 heraushole». Im'Norden kommt das Resultat Alemannia gegen Pankow 08 Uberraschend. Alemannia, die vor der Halbzeit noch einigermaßen halten konnten, mußten in der zweiten SpieIHSlste trotz überlegenen Spiele» ein« 6:3- Niederlage einstecken, Minerva und Teutonia trennten sich, trotzdem Teutonia einen Elfmeter verschossen hatte, mit 3: 1. Borussia,«ine der favorisierten Mannschaften im Norden, mußt« auch ein« Ueberfeaenheit der Tegeler anerkennen. Trotz überlegenen Spieles der Bonussen, die nach der Pause bedeutend mehr vom Spiele hatten, lautete da» Resultat zum Schluß 2: l für Tegel. Der Treptower Balllpielklud, auch Favorit im Osten, lonnie nur mit knapper Mühe gegen Alt-GIienicke mit 3:2 gewinnen. Im Südwesten konnten di«, Marienfelder mit knapper Mühe und Rot gegen Kreuzberg ein 1:1- Resultat herausholen. Ein kostbarer Punkt ging damit den Marienseldern au» der Sand. Potsdam, gut getippt im Südwesten, konnten gegen Berolina-Reukiilln nur ein Unentschieden 0: 0 herausholen.— Sticht nur hie Spiele der ersten Klasse, sondern auch die Spiele her zweite» «lasse brachten überraschenhe Resultate. Meriur.Srünau, hie in her oergang«. neu Serie wenig zeigten, konnten gegen Ragow mit 10:0 siegreich bleiben. Fichtc-ffiefundbrunnen trat gegen Sparta-Wedbing mit voller Mannschaft au und konnte nur in der zweiten Spielhälste dank ihrer größeren Spielerfahrung mit 5: 1 siegreich bleiben. Handballspiele am Sonntag. Aus dem Dammrvcgplatz standen sich Reukölln 1. Abt. 1. Männer und Fichtespielabteilung I gegenüber. Neukölln begann mit 8 Mann, wahrend Fi�te mit der vollen Mannschaft antrat. Neu waren in Fichte nur die Der» Leidiger, was auch im Spiel A" merken war. Neukölln war von Anfang an überlegen und hielt sich fast ständig in der Spielhälfte von Fichte aus. In der 9. Minute kam Neuköllns 9. Mann da�u, gleich darauf fiel das erste Tor. Fichte glückte es öfters, Neuköllns Verteidigung zu überwinden, aber der Mittelstürmer schoß sehr ungenau. 3 Minuten vor der Pause konnte Neuköllns Mittelstürmer das zweite Tor anbringen, das aber hätte verhindert werden können. Die zweite Halbzeit brachte keine Tore. Bei Fichte zeigte der Sturm nicht den nötigen Zusammenhalt, um durchzudringen, dadurch wurde das Spiel etwas hart. Neuköllns Linksaußen vcrbarb viele gute Durchbrüche durch Abseitsstellen.— Neukölln 2. Abt. 1. Männer gegen Fichte 8 1 7:5<5:2). Neukölln war ekwas schußsreudiger. Erst in der zweiten Halbzeit wurde �lchte aktiv, und es gelang ihnen auch, drei Tore aufzuholen. Erstes Schivimmfeft..Freie Schwimmer Treptow 26". Der Verein„Freie Schwimmer Treptow 1926" hielt am Sonntag sein erstes internes S ch w i m m f e st mit Gast- konkurrenzen ab. Durch das günstige Wetter hatte der Berein guten Zuspruch. Die Konlurrenzen wickelten sich zur Zufriedenheit des Vereins ab. und man kann sagen, daß der Verein nach seinem erst einjährigen Bestehen sein möglichstes getan hat. die Arbeitersport- interessen nach jeder Hinsicht hin zu vertreten. Nachstehend die Resultate: Iugendstasett« 4X56 Reter: 1. Freie Schwimmer Sicmensstadt 2.20,5 Min.: 2. Dorwärts-Berl in- Süden 2.20,7. Rädchenbrnftschwimmen 59 Meter: 1. Lies» chen Koch, Treptow, 44,2 Sek.? 2. Eh. Zipolt, Vorwärts.Ob-rfchön-w-:d-, 52,3 Sek.«nabcnbrustfchwimmen 56 Meter: l. Fr. Böhm, Vorwärts.TempeI. Jos, 47,6 Sek.: Z. Kurt Reink, Treplow, 48,4 Sek. Frall-nbMstsch-imme» .66 Meter: 1. Eelma Verth, Treptow, 2.10 Min.; 2. Klara Müller, Treptow, 2,15 Min. Zugendbrustfchwimmen Rtdch-n 56 Meter: 1. Käthe Kl-mke, Vorwärts-Berlin. Süden, 55,3 Sek.: 2. A»ny Gart-nschläger, Treptow, 1.60,2 Min. Mäunerhinder-i-schwimme» 169 Meter: 1. Heumeyer. FS. Siemensftadt, 1.21,2 Min.: 2. Feige, FS. Siemensftadt, 1.52,2 Min. Mä»»liche Inflenb be. licbia 50 Reter: 1. Alfred Trippenfee, Borwärts-Berlin-Süden, 36.4 Sek.; Garon, FS. Sfrmensstadt, 39,6 Sek. Iug-Ndbruftfchwi-M-N 56 Meter inner: l. Adolf Uhlemann, Porwärls.BerIin.Ellden, 49,4 Sek.; 2. Arthur Möbius, Porwärts-Oberfchöneweide, 51 Sek. Mänaerftreckeatauchrn! t. Feige, FE. Siemensftadt, 50 Meter 40,1 Sek.: 2. Hohlstein, Treptow, 35)0 Meter 32 Sek. Männliche» Iugendstreckentauchen: 1. Franz Feuer, Treptow, 31 Meter 25,1 Sek.: 2. Philipp Pöpplin, Porwärts-Oberfchöneweide, 30 Meter 27,3 Sek. 1. Aasserballfpirl Jugend: Fr. Schwimmer Sicmcnsftadt gegen Fr. Schwimmer Treptow 0:8. 2. Wasserballfpirl Jugend: Lorwärts-Berlin-Süden gegen Vor» wärts»Oberschäncweidc 7: 2._ Freilusi-Aampfabend Nord-Ost 06. Auf ihrer alten Kamps- und Trainingstätte in der Christburger Straße veranstaltete die Sportliche Vereinigung Nord- O st' 0 6 am letzten Sonnabendabend einen Freltuftkampf- abend, der guten Bejuch auszuweisen hat.e. Jiu-Jitsu, Ring- und Boxkämpfe wurden flott abgewickelt. Allein bei den Boxkämpfen gab es zwei Niederschläge und eine Aufgabe. Die Jiu-Jitsu- und Ringkämpfe wurden mit großer Fairneß ausgetragen und ernteten viel Beifall. Resultat»: Ziu-Zitsu: Im Leichtgewicht siegte Knao?(RS.) über Buttler (I. Kraft) durch Würgegriff in 1,26 Min, im Bantamgewicht Schulz(Wedding) über Schirmer(RO.) in 9.55 Min. durch Fußhebel, ,m Leichtgewicht Appncr (RO.) über Fiebig«I. Kraft) durch Würgegriff und Brustscherc in 2,2 Min., im Halbschwergewicht Bado(RO.) über Lieder(I. Kraft) durch Würgegriff in 1,25 Min. Gröning(Wedding) und Schmok(RO.) trennten sich im zweiten Leichtgewichtskampf unentschieden.— Bozen: 3 Runden zu 2 Minuten. Es siegten im Federgewicht Beuer(Lib.) über Weckernagel(RO.) in der 1. Runds durch k.-o., im Leichtgewicht Hardcacn(RO.) über Wurow(Lib.) in der 3. Runde durch k.-o., Müller(RO.) über Dill(Konkordia) durch Aufgabe in der 1. Runde. Zweig(Lib.) gegen Zürge(RO.) im Bantam. und S-nflinger (Konkordia) gegen Lehmann«RO.) im Halbschwergewicht trennten sich unent- schieden.— Ninglämpl«: Es siegten im Fliegengewicht Lllder(NO.) über Lukas (Berolina) in 9.49 Min., im Bantamgewicht Knoll(RO.) über Woyda(Lid.) in 4,14 Min., Reimer(Armin) über Dorcck(RO.) in 2,40 Min. Tepper(Lib.) gegen Hinze(RO.) und Droas(Berolina) gegen Zminsti(NO.) im Federgewicht trennten sich nach 10 Minuten unentschieden. Elnzelmilgliedschost der Freien Ruderer vnd Äanusahrer im 1. Kreis des ATuSpD. Weiten Kreisen der dem Ruder- und Kanu- sport nachgehenden Arbeiter und Angestellten ist noch nicht bekannt, daß der 1. Kreis der Freien Ruderer und Kanufahrer im ATuSpB. die E i ii z e l in i t g l i e ds cha f t eingeführt hat. Alle jene Partei- genossen und Gewirkschaftskollcgen, die sich aus irgendeinem Grunde einem bestehenden Arbeiter-Ruder- oder Kanu-Berein nicht an- schließen können, bietet sich nunmehr die Möglichkeit, als Einzel- sahrcr im ATuSpB. zu organisieren. Nähere Auskunst über den Eiwerb der Einzelmitgliedschast erteilt der Spartenoorsitzende Ge- nasse Kurt Schüneniann, Berlin-B ritz, K i r s ch a l l e e 44. Am Dienstag, dem 13. September, 20 Uhr. findet in der Jdealklauj'e, Neukölln, Mareschstr. 14(am Bahnhof Kaiser-Friedrickz-Sloahe) eine Versammlung der Einzelsahrer des 1. Kreises statt. Gäste will- kommen. „Hygiene des Arbeilersporis." Im vorliegenden Buch, das im Verlag von I. H. W. D i e g erschienen ist, gibt Genosse Dr. Julian Marcus« zuerst einen Ueberblick über die Anschauungen von Ge- sundheit im Lauf der Zeit. Für den Urmenschen war es im Kampf mit der Natur die Frage: Töten oder getötet werden. Im Altertum war es die Fähigkeit zur Erfüllung religiöser und staatlicher Pflichten. Das Mittelalter, die düsterste Zeit der europäischen Menschheit, kannte als Hauptziel die Kastciung des Körpers zwecks Erlangung der Gnade eines unbewiesenen höheren Wesens. W i r oerstehen unter Gesundheit„den gleichmäßigen, ungestörten Ablauf aller Funktionen des menschlichen Körpers, der eine seinen Kräften entsprechende Arbeitsleistung gewährleistet". Nach einer guten Darstellung des menschlichen Körpers als einer Maschine untersucht Marcus« die Ursachen seiner systematischen Schwächung durch die fortschreitende Arbeitsleistung. Der Mensch wird durch die Bedienung der Maschine aus einem Kraftmenschen zu einem Hirnmenschen. Diese Entwicklung stellt uns als Ausgabe„die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Organismus und de» Wiedererwerb der im Alltag verlorengegangenen Funktionen. Diese Ausgab« hat der Arbeitersport zu erfülle n." Es„ist mithin keine Luft an ausregenden Weit- kämpfen, kein läppisches Nachäffen sinneserregendcr Vorbilder (Preisboxen, Preisrinaen), vor allem kein Taumel von körperlichem Kraftmsiertum oder wahnwitziger Rekordschinderei. Der Arbeiter- sport beruht ausdemPrinzipderMassendurchbildung und der guten Durchschnittsleistung gegenüber dem Kampsrekord". In den folgenden Kapiteln bespricht der Berfojser dann im einzelnen die Wirkungen der verschiedenen Sportarten aus den menschlichen Korper. Er vergißt dabei nirgends, hinsichtlich der Unkosten aus die Geldoerhältnisse der Arbeiter Rücksicht zu nehmen. Dos Turnen im Sinne von Jahn lehnt er ab, da es sich dabei nur um einen unablässigen körperlichen Drill nach Kommando handelt. Zum Schluß gibt er noch Ratschläge über zweckmäßige Kleidung und Er- Nahrung. Bei der klaren Darstellung und den Heroorragenden Ab- bildungen sollte das Buch des Genossen Marcus« in keiner Arbeiter- sportbibliothek fehlen. Or. med. Norbert Marx. To».ist'»»«e«i».»!« Natur, re-nde-. Zentrale Sie». Abt. F-Iebrichshain: Dienstag, 6. September, 20 Uhr, im Heim Ebertnstr. Ii.— Abt. Friebeaau: Dienstag, 6. September, 20 Uhr, i» Heim Ossenbacher Str. 5».— Abt. Rorben: Dienstag. 6. September, 20 Uhr. im Heim E-nnenburg.r Str. 20.- Abt. Bebblngi Dienstag. 6. September, 20 Uhr, im Heim Turiner Ecke Seestraßc. « September. 20 Uhr. im Heim Gärfchftr. 14.- Zbt. Steglitz! Mittwoch. 7. September. 20. Uhr, im He-m Albrechtstr. 43.— Abt. Sbbost(Iugcndgruppe): Miltmoch, 7. September, 20 Uhr, im Heim Reichenverger Str. 66.— Bewegungschsr: Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, Echiil« Tempelhofer Weg fSchöneberg).— Abt. Prenzlauer Berg: Dannerstag. 8. September. 20 Uhr, im Altersheim Danzlger Str. 62. Baracke 7.- Abt. TieA-rten! Donnerstag, 8. September. 20 Uhr, im Heim Lehrter Str. 18/19. — Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, im Heim Parkaue 10. —«bt. Reutolln: Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, im Heim Steinmetz» ftraße 114.— Abt. Südwest: Donnerstag. 8. September, 20 Uhr, im Heim Porckftr. 14.»- Abt. Rahlsborf! Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, im Heim Kaulsdorf, Adolfstr. 25.— Naturwissenschaftlich« Abt.: Tonnerslag. 8. Eep. tember, 20 Uhr. im Heim Etrafauer Str. 55.— Faltbootabt.: Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, im Heim Landsberger Str. 50.„Ein Jahr Natur. freundearbeit." Ziuberveuin Borwärt,«.«. Sonntag, 11. September, 2 Ubr. interne Regatta. Start Oberfchäneweide, Stubenrauchbrllcke, Ziel Bootshaus. Reue Mitglieder kännen sich zur Aufnahme in unsere Männer- und Frauenadteilung jeden Donnerstag 20 Iftt j« Bootshaus« melde». 8 3-----«ri u*# Nr. 420 ♦ 44. Jahrgang 2. Heilage des Vorwärts ,-3� vlene/cüg, 6. September 1927 Hetriebsräte klagen an! Ein Kartellskandal.— Stillegung, weil zu billig produziert und verkauft wird! liebet Gesundheit und den Bestand der gegenwärtigen Kon- j u n k t u r macht man sich in Deutschland mit Recht einige Sorgen. Auch das Reichswirtschaftsmini st erium macht sich Sorgen, wie es durch sein erfreulich energisches Vorgehen gegen die immer wiederHollen Preiserhöhungsanträge der Schwerindustrie be- wiesen hat. In der oerarbeitenden Industrie kann das Reich sich nur gegen den Mißbrauch derKartellgewalt wenden. Soll die Konjunktur ober dauernden Nutzen stiften, so besteht dos höchste Interesse daran, daß auch hier die Preise und die Produktions- kosten niedrig geHallen werden. Ohnehin zuckt das ganze Aus- land schon über Deutschland die Achsel, weil es bei niedrigeren Löhnen im Weltdurchschnitt in den meisten Fällen höhere Preise hat. Jeder Mensch weiß, daß hierfür die Uebermacht der Kartelle verantwortlich ist und daß es ein« Schicksalsfrage für Deutschland ist, daß das anders wird. Immerhin könnten einige Industrien, die zwar kor- telliert, aber doch nicht voll beschäftigt sind, zur T i e f h a l t u n g der Preise und Produktionskosten beitragen. Dazu gehört auch die Kugellagerindustrie, die in der Deutschen Sugellager-Sonventlon zusammengeschlossen ist und unter der Führung des Klöckner- und des Norma-Konzerns steht. Diese Spezialindustrie und ihr Kartell hält aber nicht nur systematisch die Preis« hoch, sie scheut auch keine Gelder, die Produktionskosten der von ihr bedienten Fertigindustrie noch zu erhöhen. Wie die Konvention das macht, dafür soll das folgende Schreiben des Gesamtbetriebsrats der Berliner Kugellager- fabrik A. Riebe, Berlin-Weißensee, zeugen, das wir im Wortlaut abdrucken. Notruf und Verwahrung des Gesamtbetriebsrats. .Tinea weitereu Beitrag, wie der deutsche Kapitalist die Hebung der Volkswirtschaft auffaßt, liefert die Stillegung dieses blühenden Werkes. Bei Uebernahm« der Firma durch August Riebe im Jahre 1SS1 zählt« die Belegschaft ungefähr 30 Mann. Diesen kleinen Be- trieb machte der Betriebsdirektor Achterberg mittlerweile zu einem der rentabelsten Betriebe innerhalb der Sugellagerindustrie. Er hotte sich alt« erfahren« Spezialisten aus der Kugellagerindustrie und hob weiter durch Berbesstrung der Produktionsmittel den Um- satz und damit die Arbeiterzahl von Monat zu Monat. Auch die Arbeiterschaft war in zunehmendem Maße daran beteiligt, indem sie, auch durch das anerkennenswerte Entgegenkommen des Betriebs- direkwrs in der Lohnfrage, ihrAeußerstes an Arbeitskraft bergab. Die Berliner Kugellagerfabrik war mittlerweil« mit Auf- tragen so überhäuft, daß trotz des Dreischichtensystems die Arbett nicht termingerecht erledigt werden tonnte. Trotz oder infolge dieser äußersten Ausnutzung der Produktions» mittel und der Arbeitstraft war es der BKF. möglich, ihre Fabrikate teilweise zu billigeren Preisen als den von der Konvention fest gesetzten zu verkaufen. Das Unterbieten dieser Preise wurde jedoch der BKF., und damit der Belegschaft, von der viele von An- fang an den Aufstieg mitgemacht haben, zum Verhängnis. Die in der Konoentton oereinigten Firmen wünschten, diesen gejährlichen Konkurrenten loszuwerden. Ihr Wunsch ging dann auch schnell in Erfüllung. Persönlich« Differenzen zwischen den Inhabern der Firma, Herrn Rieb« und Herrn E. Krämer, begünstigten zudem das Vorhaben der Konventton. So wurde eines Tages überraschender- weise der Bertauf des Werkes an die Konvention bekannt. Daß bei diesem Verkauf Herr Riebe und sein Schwieger- söhn nicht schlecht abgeschnitten haben, beweist, daß sie sich, wie verlautet, verpflichtet haben, innerhalb eines längeren Zeitraumes keine Betätigung im Kugellagerfach auszuüben. Da sie sich sang- und klanglos in den wohlversorgten Ruhestand zurück- gezogen haben, kann man auch hier wieder feststellen, daß das Wohl und Wehe der brotlos gewordenen Belegschaft dem Kapitalisten durchaus gleichgültig ist, wenn er nur gefüllte Taschen hat. Das Auffallende ist nur der Umstand, daß plötzlich die vk?. nicht rentabel sein soll, wo das Gegenteil durch den Werdegang dieser Firma bewiesen ist. Merkwürdig war auch das Verhalten der Käuser. die den Betrieb vor dem Kauf nicht einmal besichtigt haben, ihre guten Gründe also dazu hatten, die Kotze im Sack zu kaufen. Soweit wir übersehen können, belief sich der monalliche Umsatz auf ZOoooo bis 400 000 M., war also beachtenswert. Daß die Rück- schläge im Jahre 1925, die so manchen Betrieb zum Ruin führten, die Fortführung der BKF. nicht verhinderten, beweist weiter, daß der Betrieb ein sehr lohnender war. Die Behauptung, das Werk wäre unrentabel, ist eine Irreführung der Oefsentlichteit. Oder / sollte damit die kürzlich eingetretene Erhöhung der Kugellagerpreise begründet werden? Wir bringen in diesem Notruf �>ie Frage zum Ausdruck, ob der Staat, dem auf diese Weise die Steuern von 600 Staatsbürgern verloren gehen, für diesen krassen Vorgang kein Interesse hat. Sollte es kein Mittel geben, Kapitalisten, die systematisch die Interessen der gesamten Volkswirtschaft so offensichtlich mit Füßen treten, an diesem schädlichen Tun zu verhindern? Die Betriebsräte der Berliner Kugellagerfabrtk A. Riebe. Berlin-Wittcnau. Dieses Schreiben spricht in jedem Satze für sich selbst. Dem Gesamtbetriebsrat der bettoffenen Firma ist sein Borgehen nicht nur durch die Rücksicht auf seine Arbeitskollegen dikttert, er handelt im besten Sinne seiner verfassungsmäßigen Pflicht, der Produktion zu dienen und aus hohem volkswirtschaftlichen Bewußt- sein. Schon ist die Belegschaft des blühenden Bettiebes, weil die Konvention die Zuteilung der Aufträge drosselt, von 6-0 0 auf 417 Mann herabgesetzt, ununterbrochen folgen weitere Entlassungen, der Gewerberat erklärt sich für machtlos. Seit dem 26. August ist die Liquidation der Firma beschlossene Sache! Sabotage der Rationalisierung. Mag es so sein, daß die Besitzer von Produkttonsmitteln ihre Fabriken verkaufen dürfen, wann und wem sie wollen. Man kann niemanden zwingen, wenn er Geld genug hat, mit dem Geld« den Unternehmer zu spielen. Mag es so sein, daß mit der Existenz der Kartelle gerechnet werden muß. weil kein Gesetz, kein Richterspruch sie verbietet, obwohl kein Gesetz sie grundsätzlich zugelassen hat. Mag es sein, daß keinerlei Pflicht der Kartelle besteht, den Rationalisierungsprozeh in Deutschland, die Berbilligung der Produktion zu fördern. Mag es endlich auch sein, daß ein solches Vorgehen der Kartelle keine Sellenheit ist, sondern leider häufig genug vorkommt. Die Kugellager-Konvention hat ja auch nicht nur im Berliner Falle so gehandelt, sondern � auch in zwei anderen Fallen m Hessen und im Rheinland! Ungeschriebene Gesetze.""/ Aber es besteht ein ungeschriebenes Gesetz für da, Reiches- wirtschaftsmini st erium, besonders in den jetzigen Zeiten und angesichts der noch keineswegs gesicherten Zukunft der deutschen Wirtschaft, mit solcher bewußten Zer- störung von Produktionskapital, solcher bewußten Verteuerung der Preise und Produkttonskosten, mit solcher bewußten Sabotage des Rationalisierungsprozesses, für den auch die brave Belegschaft des Berliner Werkes Opfer gebracht hat, Schluß zu machen. Es ist Kartellmißbrauch im gefährlichsten Sinne, wenn Kartelle s e l b st zu Unternehmern in dem Sinne werden, daß sie über den Markt hinaus erwerbend und stillegend in die Produktion eingreifen, wie es in diesem Falle geschehen ist, wo das hohe V era ntw o rtli ch k e i ts b e w u ß ts e i n der Betriebs- rate, nachdem die Inhaber und das Kartell dieses Bewußtsein nicht aufbringen, sich empören gegen eine volksroirttchaftliche Freveltat!„Sollte es kein« Mittel geben, Kapitalisten, die fyste- matifch die Interessen der gesamten Volkswirtschaft so offensichtlich mit Füßen tteten, an diesem schädlichen Tun zu hindern?" so müssen auch wir fragen, so fragt mit uns die gesamte deutsche Arbeiterschaft, so fragt mit ihr jeder wirtschaftlich denkende Mensch, der noch einen Funken von Verantwortungsgefühl für die Gesamtwirtschaft im Leibe hat. Zu guter und billiger Qualitätsarbeit hat der Reichsoerband der deutschen Industrii« in diesen Tagen in Frankfurt aufgerufen. Der Herr Reichs- wirtschaftsmini st er hat diesen Appell freudig begrüßt und die Unterstützung des Staates zugesagt. Hier, und nicht in diesem Falle allein, wird durch Aufkauf und Stillegung nicht nur die Er- zielung der besseren Qualität bewußt sabottert, sondern für schlechtere Technik werden durch unwürdige Mittel noch höhere Preise ge- managt. Und es geht hier um ein System! Bettiebsräte eines kleinen Werkes haben einer allgemeinen Volkswirt- schaftlichen Notwendigkeit mutigen Ausdruck gegeben! Was gedenken Sie zu tun. Herr Reichswirlschaftsmiaister? Der Neickselektrizitätsplan. Gefahren der Reffortpolitik.— Zusammenarbeit«n!» Verständigung. Es ist lange bekannt, daß sich die Reichsregierung mit einem Großplan für die einheitliche Bewirtschaftung der Elektrizität im Deutschen Reiche beschäftigt. Die Oesfentlichkeit hat aber von den Absichten der Reichsregierung sehr lange nichts ge- hört. Es wirkt deshalb wie eine U e b e r r a s ch u n g, daß das Reichswirlschaftsministerium jetzt davon Mitteilung macht, daß ge- wisse Vorarbeiten zum Abschluß gebracht werden, und wir glauben hinzufügen zu können, daß die Pläne schon weiter gediehen sind, als es diese Mitteilungen erkennen lassen. Danach ist der Beschluß vom vorigen Winter, auf Grund der von den einzelnen deutschen Wirtschaftsbezirken eingeleiteten Vorarbeiten über die voraussichtliche Entwicklung.des Elcktrizitäts- abfatzes einen Gesamtüberblick über die künstige Elektrizitätsversorgung Deutschlands zu erlangen, durch- gesührt worden. Die Sachverständigengutachten sind im Reichs- wirtschastsministerium entweder schon eingegangen öder werden un- mittelbar erwartet. Der Wirtschaftsminister hat Oskar o. Miller und den Geheimen Baurat a. D. Felix Block um die Aus- wertung des Materials und die Herstellung eines Gesamtüberblicks gemeinsam mit dem Ministerium gebeten. Zunächst dürfte es bedauerlich sein, daß nur zwei Tech- niker, einen so großen Ruf sie auch haben, mit der Auswertung der Gutachten beaustragt worden sind. Der große Einfluß der Privatwirtschaft auch auf öffentliche Elektrizitötsinter-ssen. der zum Teil unterirdisch ist, ist bekannt, und es wäre deshalb sehr zweckmäßig gewesen, wenn nicht nur Techniker, sondern auch sach- verständige Kaujleutc und Volkswirte, vor ollen Dingen aber auch Vertreter der großen Gemeindewerte, denen der äußerst«ntwick- lungsfähige Massenabsatz an die Kleinkonsumenten nahe liegt, hinzu. gezogen worden wären. Es ist zu hoffen, daß da» noch geschehen kann und wird. Bei dieser Gelegenheit ist auch auf eine andere nicht mehr zu umgehende Notwendigkeit hinzuweisen. Preußen und das Reich haben bisher viel mehr, obwohl beide öffentliche Interessen wahrzunehmen haben, gegeneinander als miteinander ge- arbeitet. Den Vorteil davon hat ausschließlich das Privat- kapital, das nicht nur in den letzten Monaten bei allen Gelegen- heilen sich äußerst rührig bewiesen hat, sondern auch, woran kein Zweifel sein kann, die Gegensätze zwischen Preußen und dem Reich zur eigenen Machtausdehnung benutzen konnte. Oeffent- liche und privatkapitalistische Interessen stehen aus der Natur der Tatsachen heraus im Gegensatz. Die öffentlichen Interessen, damit aber auch das gesamtwirtschaftliche Interesse, müssen leiden, wenn der Ressortkrieg in der Elektrizitätsfrage fortdauert wie bisher. Gelegenheiten zur Verständigung dürste es mehr als genug geben, und in bestimmten Gebieten wird das Zusammen- wirken der össentlichen Stellen schon in der allernächsten Zeit zur gebieterischen Notwendigkeit. Für eine Verständigung ist es des- halb höchste Zeit, soll nicht das Gesamtwerk darunter leiden. (Dstsieülung unü Doüenreform. Ginc Antwort auf die Haus- unt> Grundbcsitzer- tagung in Bremen. Der Bund Deutscher Bodenreformer hat am 3. und 4. Sep- tember in Liegnitz eine Tagung abgehalten, die durch das Haupt- thema„Die Not der Ostmark, Siedlungswille und Siedlungswege" ihr besonderes Gepräg« erhielt. Den Kern- Punkt der Rede Damaschkes bildete seine Entgegnung auf d«n in der Presse des Haus- und Grundbesitzes immer wieder hegen die Bodenreformer erhobenen Vorwurf, sie höhlen den Eigentums- begriff aus. Damaschke stellte dem nach dem Urteil des Führers der Haus- und Grundbesitzer, Professor Bredt, jakobinischen Eigen- tumsbegriff der Haus- und Grundbesitzer den„le- bendigen, deutjchrechtlicheu, sozialen" Eigentums b.« griff der Bodenreformer gegenüber, den das Volk durch die Annahme der Artikel 153 und 155 d-�r Reichsverfassung gutgeheißen hat. Un- gewöhnlichen Eindruck �zielte Genosse Max Simon als Ver- treter der fozialdemokr.vtischen Fraktion des Preußischen Abgeord- netenhauses und Ge/wssin A n s o r g e als Vertreterin der sozial- demokratischen Reiwstagsfraktion. Unsere Partei trat außerdem durch entschiedene Ansprachen von Vertretern der freien Gew«rk- jchasten, Kriegslxschädigten und anderen in Erscheinung. Der preußische Landtagsabgeordnete Pischke schildert den Mangel an Menschen in den östlichen Gebieten, das Fehlen von Verkehrsmitteln, kulturellen Einrichtungen, und gab geradezu über- rafchende Zahlen über die zunehmende Verödung des beut- s ch e n Ostens. Seine Ausführungen ergänzt« Dr. K ö b i s ch durch einen Lichtbildervortrag. Der Bevölkerungsrück- gang betrage besonders in den Landgemeinden der Grenzzone mehr als 20 Proz. der bäuerlichen Bevölkerung von 1871. Für die Siedlung kämen in erster Linie Bauernsöhne und Angehörige des Landarbeiterstandes in Betracht, deren wirtschaftliche Existenz durch billige langfristige Kredite und Steuernachlässe zu erleichtern sei. L o t i f u n d i e n b e s i tz sei in Schlesien viel mehr vorhanden als es nach den üblichen landwirtschaftlichen Be- triebszählungen der Fall zu sein scheint. Deswegen sei eine Eigen- wmsstatisttk des landwirtschaftlichen Besitzes ebenso dringend er- forderlich wie der Ausbau des Verkehrsnetzes und die planmäßige Einrichtung und Förderung ländlicher Wohlfahrts-, Bildungs- und Kulturanstalten. Die bisher von Reich und Staat geleistete„Ost- Hilfe" habe sich für Schlesien und auch für andere. Ostprovinzen unzweifelhaft als durchaus unzureichend erwiesen. Johannes Lubahn, der Leiter des Heimstäitenamtes der deutschen Beamtenschaft E.V. sprach in einer Beamten- Versammlung über das„Beamtenheim st öttengesetz und seine Durchführun g". Das Gesetz ist am 18. Juni diese» Jahres vom Reichstag mit sehr großer Mehrheit angenommen worden. Der Redner wies darauf hin. daß der Erfolg des Gesetzes von den Ausführungsbestimmungen abhänge, die in kürzester Zeit zu erwarten seien. Nachdem es dem Heimstättenamt gelungen sei, 3500 abgebaute Beamte in Heimstätten unterzu- bringen, sei zu hoffen, daß durch das Beamtenheimstättengesetz ein großer Teil der akttven Beamten in Heimstätten untergebracht werden können. Die große Versammlung nahm eine Entschließung an. womit ein besonderer Staatssekretär für die Auf- gäbe der Ostsiedlung gefordert wird, der mit weitestgeheu- den Vollmachten ausgerüstet ist. n. Konsumvereine als Preisregler. Uns werden zwei weitere Fälle bekannt, in denen die Jnittative unserer Konsumverein« in vorteilhaftester Weise preisregulierend wirksam geworden ist. Der Konsumverein für Frank- fürt a. M. und Umgegend setzte durch Vereinbarungen mit der Osthafenmolkerei den Milchpreis herunter, worauf die Milchhändler folgten. Die Senkung belief sich im Durchschnitt auf 2 b i s 3 P f. In der Stodtoerordnetensitzung vom 25. August wurde das Vor- gehen des Konsumvereins mit Dank anerkannt.— Einen noch größeren Erfolg erzieltt der Konsumverein für Königs- berg und Umgegend(Preußen) für den Preis von Bitamina- milch, die als Säuglingsnahrung auf der preußischen Domäne Waldau bei Königsberg hergestellt wird. Da der Vertrieb nicht klappte, nahm der dortige Konsumverein ihn als neuen Geschäfts- zweig auf. Die Berteilungsstellen geben seitdem die Säuglingsmilch zum Preis« von 30 Pf. ab, nachdem sie bisher 45 Pf. je Liter kostet«! Der Konsumverein ist damit zum Allein- Verkäufer der Bitaminiamilch geworden. Tin« begrüßenswerte Gründung ist die Schaffung eines Forschungsinstituts für Sparkassen und kommu- nales Kreditwesen, die der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast in Berlin angegliedert werden wird. Das Institut wird vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband unterhalten werden, Mchdem, wie mitgeteilt wird, die finanzielle Interessierung des Deutschen Städte- tages ohne Erfolg geblieben fei. Der Augustabsaß des Deutschen Kallsyndikats G. m. b. H. betrug 845 482 Doppelzentner Reinkali gegen 1 019 350 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. Der Absatz in den ersten vier Monaten(Mai bis August) des laufenden Dllngejahres beträgt 2 993 442 Doppelzentner Reinkali gegen 3 131 343 Doppelzentner Reinkali in den ersten vier Monaten des D ü n ge jahres 1926/27. Der Absatz in den ersten acht Monaten des laufenden K a l« n d e r jahres beträgt 8 883 168 Doppelzentner Rein- kali gegen 7 899 122 Doppelzentner Reinkali in den ersten acht Monaten des Kalenderjahres 1926. Sichere Kundschaft. Die Barmer Maschinenfabrik A.-G. gehört zu den wenigen Jnflationsgründungen, die nicht nur ohne Schwierigkeiten durch die Stabilisierungskrise hindurchkamen, sondern darüber hinaus jedes Jahr hohe Gewinn« abwerfen konnten. Diese in der Maschinenindustrie seltene Erscheinung findet allerding». bei näherer Bettachtung des dem Unternehmen nahestehenden Großkapitals eine einfache Erklärung. Das nur 1,0 Millionen Mark bettagende Aktienkapital befindet sich in Händen des Glanz- stoffkonzerns und der holländischen Kunstseidesabrik E n k a. Bei der sprunghaften Entwicklung in der Kunstseideinöusttie konnte daher das Unternehmen, das speziell Textilmaschinen her- stellt, von seinen hohen Gönnern laufend mit Aufträgen versehen werden. So wurde bereits in den beiden Vorjahren sechs und zehn Prozent Dividende verteilt. Auch für das am 31. März beendet« Be- richtsjahr wird bei einem von 1,75 auf 2,0 Millionen Mark e r- höhten Rohgewinn und einen Reingewinn von 170 000 M. ein« Dividende von 10 Proz. gezahlt. Durch die fortgesetzten Betriebsausbauten, die aus eigenen Mitteln durchgeführt wurden, ist die Bilanz ziemlich gespannt. Zwar sind die laufenden Verpflich- tungen von 1,56 auf 1,36 Millionen Mark gesenkt worden, über- steigen jedoch noch die gesamten Forderungen einschließlich Vorräte um dreißig Prozent. Wie der Geschäftsbericht erwähnt, ist der Be schäftigungsgrad zurzeit sehr günstig und der gesteigerte Bedarf mochte weitere Ausbauten des schon auf das modernste eingerichteten Werkes Lennep erforderlich. Steigender Alkoholkonsum. Neben einem zunehmenden Bier- oerbrauch ist auch, wie der Geschästsbericht der W i n k e l h a u f e n- Werke A.-G., Magdeburg, feststellt, ein ständiges A n st e i- gen des Branntweinkonsums in Deutschland zu bemerken. Für das Spritkapital ist diese Tatsache natürlich sehr erfreulich. So ist auch die Verwaltung der Winkclhausen-Werhe in der Lage, nach den dividendenlosen Abschluß des Borjahres jetzt ihren Aktionären 6 Proz. Dividende auszuzahlen. Die Betriebsgewtnne konnten von 1,0 auf rund 1,4 Millionen Mark g e st e i g e r t werden und der Reingewinn von 219 000 M. ist fast siebenmal so hoch wie im Vorjahr. Dabei erhielten die Grundstücks- und Ge- bäudeanlagen, sowie die Betriebseinrichtung und der Wagenpark erhebliche Zugänge aus laufenden Betriebsgewinnen in Höhe von über 140 000 M. Die Waren- und Wechselschulden konnten von 2.5 auf 1,7 Millionen Mark ermäßigt werden. Dem ver- hältnismäßig geringen Anwachsen der Vorräte von 2,9 auf 3,1 Millionen Mark steht eine mit 1,37 Millionen Mark fast v e r d o p- p« l t e Schuld ai». die Reichsmonopolverwaltung für noch nicht bezahlte Rohstoffe gegedüber, wodurch sich die G e s a m t v e r p s l i ch- tungen der Gesellschaft auf über 3 Millionen Mark erhöhen. Tinseuduagea für tiefe Sabril find See[in GW 68, eintcnftrafec 3, parteinachnchten für Groß-Serlin stet» an das Bezirlefetretariat. L Hof,* Iren, recht»,)n richte» I. fltet» Mitte. Mittwoch, 7. September, XSU Uhr, im Rosenthaler Hof, Noscnthaler Str. 11/12, wichtige Kitznng oller in der Wohlfahrt tätigen Genossinnen»nd Genossen. Ersche.vnen unbedingt erforderlich. Vortrag der leitenden Fllrsorgerin. Iii». ,y u t; u»y v l i. 5.«rei» Friedrichshain. Mittwoch, 7. Septevnber, l8li> Uhr, Bezirisversamm. lung in der Handwerkerschule, Andreassor. 1/2, 1 Tr., Aula. Einlaß v, Stunde vorher beim Genossen Fischer. II.«rei- Ecköneberg'Friedenau. Mittwoch, 7. Keotember, 2» Uhr, in der l>. Gemeiudeschule, Feurigstraße, neben der gieuerwache, Kreismitglirder. Versammlung. Vortrag!„Moskau IS27— persönliche Reiseeindrilcke." Referent Dr. Otto Friedländer. 32. Abt. Einzelne Gruppen- und Bezirksfllhrer haben noch immer nicht fllr die Monate Juli und August abgerechnet. ES Witt gebeten, dies Ver. säumte beim Kassierer, Genossen Winkelmann, Memeler Str. 48a,»ach- zuholen. Morgen, Mittwoch, 7. September: 58. Abt. Ehorlottenburg. 19J.j Uhr im Rankehaus, Rankestr. 4, vorn 4 Tr., Funktionärssßuug. Erscheinen aller Funktionäre unbedingt, erforderlich. 82. Abt. Steglitz. 30 Uhr pünktlich bei Schulz, Bergstr. 93, Funktionär. konserenz. 104. Abt. Riede rschooeweide. 19'i Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Funk. tionärfitzung. � 108. Abt. Köpenick. Vortrogsabend der Iungsozialisten:„Die Vorgänge IN Wien am 15. Juli." Die Teilnahme aller junge» Parteigenossen wird erwartet. Referent Genosse Brinkmann. -8 36. Abt. Donnerstag, 8 September, 1» Uhr, bei Busch, Tilslter Str. 27. Funttionärsstzung.' Pünktliches und zahlreiches Erscheinen unbedingt er. forderlich. Vezirksausschus; für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: 43. Abt. Mittwoch. 7. September. 30 Uhr, bei Seehaak, Willibald-Aleris. Siraße ö. Sitzung oller in der Wohlfahrt tätigen und hierzu bereiten Genossinnen und Genossen. Jungsozialisten, heule. Dienstag. 6. September: Grnvpc Tempelhos-Mariendors: 30 Uhr im Jugendheim Dermaniastr. 4 6. Aussprache über die Broschüre von Anna Siemsen. Referent Genosse Eschbach. Gruppe Renlölln II: 20 Uhr im Jugendheim Bergstr. 39 Mitgliederversamm» Inno. Erscheine» aller Mitglieder unbedingt erforderlich.— Gruppe Lichten. berg: 20 Uhr im Jugendheim Porkaue 7/10„Einführung in die Wirtschafts. geschichte." Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreundc Groß-Berlins. Am Mittwoch. 7. September, lO'-i Uhr, findet im Jugendheim Linden Nr. Z unsere Helferversammlung statt. Tagesordnung:>. Bericht vom Zeltlager. 3 Vorbereitung zur Winterarbeit. 3. Verschiedenes. Erscheinen aller Helfer ist Plficht. Sterbetafel üer Groß-öerliner partei-Grganisation 3. Abt. Am 2. September verstarb unser alter treuer Genosse Georg Weihnacht, Reue Grllnstr. 15 im Alter von 68 Jahren. Die Abteilung wird seiner Verdienste um die Partei stets ehrend gedenken. Einäscherung Mittwoch, 7. September, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Be. teiligung erwartet die Abteilmigsleitung.. 34. Abt. Am 2. September verstarb unser lieber Genosse R e l» h o l d T s ch o ch e. Er war ein treuer Mitkämpfer. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung heute, Dienstag, 6. September, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Sozialiftische firbeiterjugenü Groß-Herlm. Erfunden ei» Brotbeutel im Zug Strecke Petershagen Sonntag, 28. August. Abzuholen vom Iugevdsekretariat, Lindenstr. 3. Verloren eine große rote wollene ffahne ans dem Iugendtag im Schiller. park bei der Auffuhrung„Die Maschinenstürmer". Abzugeben im Jugend- sekrctariat. heute, Uhr, Abteilungsmilgliederversammlungen: Briinnenplatz: Schule Wiesen- Ecke Panksiraße.— Gesundbrunnen: Schutz: i'otenburger Str. 2.— Zgedding.Rard! Heim See- Ecke Turiner Straße.— \ atkvlatz: Schule Eberswalder Str. 10.— Geneseldee. Viertel: Schule Doiiziger Straße 33.— Hasenheide: Heim Porckstr. 11— Wilmersdorf: Heim Hildegard» straße 4— Mariendorf: Alte Schule, Dorfstr. 7.— Steglitz I: Heim Albeecht. straße 47(Stadtparks.—«annlee- Schule Ebarlottenstraße.— Reukölln Ii Heim Sander. Ecke Hobrechtstraße.— Neukölln Ii! Heim Bergstr. 29.— Reukölln III: Heim Steinmetzsir.>14.— Neukölln Vi Lnzeum Richarbplatz 13, Eingang Nebeuhaus.— Reukölln VI: Schule Hertzbergplatz.— Köpentw: Heim Grstnauer Str. 5.— Dermsdorf: Schule Roonstraße, 1 Tr.— Reinickendorf. Ost:„Seebab", Ressbenzstraße.— Bnchholz: Schule Berliner Straße. 4° Nordost 1: Heim Londsbergere Str. 50.„Die Zeit der Maschinenstürmer."— Schönh-iiser Vorstadt: Schule Driesener Str. 22. Zehn.Mi»Uten. Referate. «erbebe, irk Schonebeeg: Heim Hanptstr. 13 sThllringenzimmer) Werbe- bezirksvoesitzendenkoiiferenz gemeinsam mit den Funktionären pünktlich 19 Uhr. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rot-Golb". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Eebasttanstr. 87/38. Hof 2 Tr. Mittwoch, 7. September: Fried eichohain! Kameradschait Frankfurt Sitzung bei Bombe, Boigtstr. 35. Kreuzberg: Abt. 13 20 Uhr bei Eichholz, Euortzstr. 33, Vortrag Kamerad Düwel. Abt. 3 bei Braunsbors, Großbeerenstr. 23; Referent Komerab Etchberg. Abt. 4„Zur Linde", Hallesches llsee 30: Referent Kamerad Dr. Schulz. Abt. 11 bei Ewald, Skalitzer Str. 136; Referent Kamerad Kraatz. Abt. l4 bei Wienziers, Reichenberger Str. 104: Referent Kamerad Kossatz. Schöneberg.Friedenau: Kameradschaft Friedenau 20 Uhr Monatsverl. im Restaurant von Stegemann, Bornstr. 5. Referent Kamerad Falkenberg.-- Donnerstag, 8. September: Mitie! 19V4 Uhr Versammlung aller aktiven Kameraden i» Carnis Festsälen, Gartenstr. 6 Kein aktiver Kamerad darf unentschuldigt fehlen. Sonntag, 11. September, Autofahrt nach Buckow. Kameroben, welche daran teilnehme» wollen, melden sich umgehend bei ihren Kameradschastsftihrern. Prenzlauer Berg: Versammlungen um 20 Uhr: Komeradschafi Falke bei Zeuge, Milastr. 5: Kamerabschaft Balkan bei Vogel, ?ablonskistr. 9.— Reukölln-Britz: 4. Kameradschaft: Die Frauen und sonstigen weiblichen Angehörigen der Kameraden werden gebeten, zu einer Besprechung beim Kameraden Kegel, Ehausseeste. 137(1. Semeindeschule), am Mi., d. 7., 19 Uhr, zu erscheinen._ Reichsbnnd der Krieqsbeschödigien.Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. tliebencn. Ortsgruppe Nordost 4: Mitgliederversammlung Dienstag, 6. Sep. feniber, 20 Uhr, Unionsfestsäle. Greifswalder Str. 222.— Bezirk Moabit: Bezirksversammfung Dienstag, 6. September, 20 Uhr, Bandelstr. 35. Referent Kamerad Schubert:„Klassenstaat und Sozialpolitik." Sonntag, 18. September, II Uhr, Sondernorsührung im Planetarium. Karten in der Persammlung und in der Geschäftsstelle. Ostsrielenvereiaignng Groß. Berlin. Nächste Zusammenkunft Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, im Deutschen Hof, Luckauer Str. 15(Nähe Moritzplatz). Landsleute herzlich willkomme». Schutzverband der Schwerhörigen E. B. Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Monatsverfammlung. Thema:„Unser Stiftungsfest und unser Perbandstag." Gäste willkommen. lanetrllnw Engllsli Debaline-Club. BUIowstrane 104, Mittwoch abend 8 Uhr Pars. Behrendt:„Tvo Arnericans"(Whilbicr u. Wbitrnan). Sport. Leöüp Sieger im Memento auf üer Glpmpiabahn! Bevor die gestrigen Rennen aus der Olympiabahn begannen, fuhren die Teilnehmer eine Trauerrunde für den in der Schweiz beim Training tödlich verunglückten Breslauer Steher Ernst Feja. In den beiden Dauerrennen um den„Peter-Günther- Erinnerungspreis" über 30 Kilometer und im„Memento" über 70 Kilometer trafen sich Saldow, Sawall, Lewa» now, Snoek. Leddy und P a i l l a r d. Im 3 0- K i l o- meter-Lauf gewann Sawall in 25 Minuten 38 Sekunden kurz vor Ledy, der nur 5 Meter zurücklag. Dreißig Meter weiter folgte Snoek vor Paillard 370, Lewanow 510 und Saldow 1820 Meter zurück. Liehen hier die Kämpfe— soweit man überhaupt davon reden kann— zu wünschen übrig, so entschädigte der 70-Kllo. meter-Lauf, der nach spannenden Momenten den Sieg Leddys in 1 Stunde 26 Minuten brachte. Lewanow hielt mit 110 Meter Rückstand wacker den zweiten Platz vor Saldow 500. Snoek 705, Paillard 820 und der durch Defekt behinderte Sawall 1600 Meter zurück. Langweilig wurde es dann wieder bei den Flieger- treffen, die ziemlich umfangreich waren. Mühlbarch g«. wann das Punktefahren, während die Mannschaft V i n z e l. derg— Weber sich das Zweisitze r°Prämienfahren sicherte. Im Omnium-chandikap siegte Abraham. Die Amateure bestritten ein H a u v t f a h r e n, das sich der BRE.- Mann B e i n e r t holte, und ein Dereinsmannschafts- fahren um den„Poul-Lüders-Wanderpreis", das ebenfalls den BRE. mit der Mannschaft Heyne, Lehmann, Donath und A. Meyer siegreich sah._ Olympiade-Vorbereitungslurnier. Die Trabrennbahn Ruhleben sah am Sonntag einen grohen Tag. Die Große Olympiade-Reitprüfung gewann«toll Bürkners„C a r a c a l l a"(Major Bürkner), während aus der Großen Olympiade-Vielseitigkeitsprüfung Major B. Neumanns „Flucht"(Bej.) siegreich hervorging. In einem famosen Trabrennen, einem 2000-Mcter-Ausgleich, blieb W. Holz'„P e ch f a ck e l"(Knöp- nadel), trotz einer Zugabe»an 150 Metern. Sieger. Die allergrößte Anteilnahme im breitesten Publikum fand die P a r a de d e r B e r- liner Gespanne. Diese machten von der Seydlitzstraße aus Dr. Siegfried Mauermann erklärt am Sonntag den Berlinern ihre eigen« Seele. Der Vortrag heißt:„Berliner V o l l s p s y ch o l o g i e" Mauermann gliedert seinen Borirag in drei'Abschnitte: Geist, Gefühl und Wollen. Der Redner geht dabei sehr geschickt vor! An Hand von Berliner Witzen und Schlagworten legt er die Seele des Berliners bloß. Schlagfertigkeit ist das Haupt- merkmal. Der Berliner findet drastische und tressend« Vergleiche, ein Charakteristikum für seine Denkklarheit. Zu betonen ist das Mitgefühl mit Gleichgestellten und die stark« Energie im Wollen. Der Berliner will vorwärts, deshalb arbeitst er mehr als andere Großstädter. Damit verknüpft sich ein großer Geselligkeitsdrang, eine große Neugier und«in ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Ober- rcgierungsrat Dr. Engel spricht über„Das Wirtschasts- leben in der modernen Türkei". Bedeutende Schäden hat die türkische Wirtschaft durch Auswanderung und Ausweisung fremdstämmiger Bewohner erlitten, ferner durch die Verwüstungen während des Weltkrieges und des Freiheitskampfes und schließlich durch die zolltarifarischeu Bindungen de- Laiisanner Vertrages. Die Landwirtschaft bestimmt noch immer den wirtschastlichcn Zlufba» des Landes. Südsrüchte, Tabak. Gerste, Kas-toffeln und Gemüse sind die hauptsächlichsten Exportartikel. Von Industrien sind er- wähnenswert: Kahlen, Schmirgel und Teppiche. Der Zlbend bringt anläßlich des zwanzigsten Todestages von Edward Grieg ein sehr gutes Konzert, ausgeführt von den U f a- S i n f o n i k e r n. Neben�der oft gespielten Peer-Gynt-Suite hört man Orchesterstücke aus„Sigurd Iorsalfar". Das Orchester hält ausgezeichnetes Niveau. Auch die„Fröhliche Unterhaltung" ist hübsch, mag man nun zu Tambouriiiorchester stehen, wie man will. Sie erhält ihr Gesicht durch die kleinen, reizenden Skizzen von Mynona und Sling. Könnte man aber in Zukunft nicht die„fröhliche Unterhaltung" nach der ernsten Musik setzen? Schon bei den Griechen folgte dos Satir- spiel auf die Tragödie. Der Montagabend gab unter dem Titel„S p o r t i n der Dichtung" einen kleinen Ausschnitt aus den Sportdichtungen unserer Zeit. Das wenig umfangreiche, doch mit den Namen Iwan Göll, Vernarb Shaw, Joachim Ringelnetz charakteristische Pro- gramm wurde von Manfred Für st lebendig vermittelt. Erich Bürger begründete in einem einführenden Vortrag den Anteil, den die Dichtung unserer Zeit am Sport nimnit, leider ohne dabei auf literarhistorisch« Parallelen einzugchen. Das Praf.-Felir- Schmidt-Ouortett brachte Sport- und Wanderlieder. Im Anschluß daran hätte man Brahms v-Moll-Sonate für Violine und Klavier, von Prof. Joses Wolfsthal und Georg Szell vorgetragen. Tes. einen Umzug durch Berlin bis zur Rennbahn Ruhleben. Auf der ganzen Strecke stand ein schausreudiges, pserdebegeiftettes Publikum. Aus der Rennbahn entsaltet« sich ein äußerst buntes Bild, ein Ge- spann folgte dem anderen, die Gespanne fuhren sogar in doppelten Reihen und man dachte beinah«, die Parade nähme überhaupt kein Ende. Alle Branchen waren erschienen, so die Möbelwagen, die Milchwogen mit unzähligen blitzblanken Kannen, bunte Geschästswagen mit bunten Pferden— so viel Schecken sah man wohl noch nie auf einmal—. Brauerwage n mit Pferden, die ganz und gar wohlgenährte Behäbigkeit und Zugfestigkeit waren, und selbst die traditionelle Berliner Brautkutschc mit den Schimmeln fehlte nicht. Es dunkelte bereits, als die Berliner berittene Polizei, in Trachten verschiedener Zeitabschnitte, eine Quadrille ritt, die reichen, wohlverdienten Beifall fand. Große Abendrennen aus der Pütt- Arena am kommenden Sonnabend. Infolge der grohen Flugveranslaltung aus dem Tempelboser Feld, sowie der Motorradrennen aus der„AvuS" bat Nütt den Entschluß geiaht, die sür Sonnlag geplanten grohen inlemationalen Rennen aus Sonnabend abend 7,30 Ubr zu verlegen. Das Programm ist wieder kolossal reichhaltig und trägt allen Geschmalksrichtungcn Rechnung. Dem sünsmaligen Weltmeister Moeskops werden diesmal andere Gegner gegenübergestellt, und zwar der deutsche Meister Frickc sowie der schnelle und starke Kreselder schambcrg. An den übrigen Wettbewerben nehmen neben dem wieder völlig hergestellten Tonani auch die sehr guien neuen Berufsfahrer Frach(Breslau). Kiehlich (Breslau) und Corpus(Stettin) teil, so daß wieder großer Spott aus der ganzen Linie zu erwarten ist._____ Sriefkasten üer Redaktion. W. L. 41 904. 1. Das Einkommen der Ehefrau wird dem Einkommen de, Ehemannes hinzugerechnet. Der Einkommensteuer unterliegt also das Gesamt» einkommen beider Ehegatten. 2. Die Steuer beträgt 10 Proz. 8. Za.— B. 168. Sie müssen zablen, wenn Sie eine dahingehende Berpslichtuna Uber» nommen haben.— B. S. 81. 1. 1. Mai 1924. 2. Nein. 3. 19 Jahre.— B. N. 12. Nein. Im Falle ber Scheidung kann aber der früheren Ehefrau eine Witwenbeihilse gewährt werben, wenn der verstorbene Ehemann allein für schuldig erklärt ist. Die neuzeitliche Gardine. Der neue Baustil unserer Zeit mit seiner klaren, ruhigen Linien- sührung, die in reinen, geometrischen Formen der Häusersronten und Wohnräume zum Ausdruck kommt, hat naturgemäß allerlei notwen- dige Veränderungen und Verbesserungen der häuslichen Inncndeko- ration im Gefolge. So erfordert beispielsweise die neue Fensterform eine viel ruhigere, stilgemäße Verkleidung wie früher. Die Firma Grünfeld, Leipziger Straße, zeigt in einer Gardinen- Ausstellung verschiedenartigste, sehr hübsche Neuheiten aus die- sem Gebiete. In hellen, dem Ton des Raumes angepaßten Farben gehalten, drapiert man heute die Fenster in schlichter Linienführung, indem man die Borhänge zu beiden Seiten der Fenster schalartig herabfallen läßt, um vor allem die Helligkeit des Raumes nicht zu beeinträchtigen und die bauliche Note stilgerecht weiterzuversolgen. An Stofsmatcrial kommen durchweg leichte Gewebe, wie Tllllmadras, Boile, Kunstseide, leichter Rips usw. zur Verwendung. In uni, com- briert, oder gespritzt, mit allerhand neuartigen, oft recht kühnen Farbenkombinationen, die Fensterverkleidungen sind dem ganzen Raum wirkungsvoll angepaßt. Sehr interessant wirkt die Gegenüber- stellung früherer Fenslerdekorotionen. Die reich mit Felbelverzie- rung geschmückten Gardinchen aus der Biedermeierzeit, die stolze Pracht eines Saalfensters aus der slorentimschen Renaissance, be- kleidet mit starrem rotgoldenen Brokat, unter goldig-glänzenden Holzoerzicrungen, dann ein Barockfenster— roter Plüsch mit Gold- fransen und schwerem Filetvorhang, darüber die Leiste in Hochglanz- politur. Den Beweis für ihre wietschaltlicke Zweckmäßigkeit haben Magai, Erzeug- Nisse lWlleze. Suppen, unb Fleischbrithwürfel) erbracht. Seit 40 Iahren finb sie bie treuen Helfer ber sparsamen Hausfrau unb gehören zum eisernen Be. stand jeder gute» Küche. Der Aufschwung der Maggi-Werke zeigt bie stet» zunehmende Beliebtheit von Maggi» Produkten in allen Bevölkerungskreisen. vienstag 6. September 1927 Unterhaltung unö ÄAissen Seilage öes vorwärts Der Landstreicher. Erzählung von Wl. kochanowski. Gruncw-Grunewitzki, Agent zum Vertriebe der Druckwerke des Koperativoerlages„Reklame", beschloß, der Ersparnis wegen, von der Station aus zu Fuß zu gehen. Sechs Werst Weges wollten sür den gesunden, satten Mann nicht sonderlich viel bedeuten. Am Ausgange der Stadt, wo die Luft bereits reiner und kiihler wehte, trat er in einen Bierausschank und trank eine Flasche Bier. Hinterher bereut« er es, er hätte nicht trinken sollen— er hätte fiinfunddreißig Kopeken gespart plus zwei Rubel für den Wagen— in Summa 2 Rubel 35 Kopeken. Es verdroß ihn dieses Mal um so mehr, als das„Geschäft" nicht besonders gut gewesen war. Er hatte um 15l> bis 120 Rubel zu wenig erhandelt. Doch bald tröstete er sich: es ging ihm trotzdem ganz gut. Man darf Gott nicht er- zürnen. Im Walde, den der kurz vorher gefallene Regen erfrischt hatte. war die Luft kühl und aromatisch. Die großen roten Fichten und die kleinen rosigen Fichtlein, die dunklen krummen Eichen, die schlanken weißen Birken, duftig blühenden Linden verschmolzen, sich mengend. in eine einheitliche, scheinbar unpassierbare unendliche hellgrüne Masse. Es duftete nach Tannen, Erdbeeren und Pilzen. Plötzlich senkte sich ein dunkler Schatten über den Wald. In den Bäumen erhob sich ein Rauschen, unruhig schwankten die Gipfel der Tannen, ein kräftiger Donnerschlag erschütterte die Luft. Roch einen Augenblick und große Hagelschloßen fielen, mit Regen abwechselnd und die Blätter von den Bäumen herobschlagend, zur > Erde nieder. Grunew-Gninewitzki, der für gewöhnlich ein Gewitter aus dem Fenster seines Zimmers zu beobachten pflegte— erschrak nun, da es ihn im Wald ereilt hotte, mächtig und flüchtete ins Dickicht, wo er versuchte, in den dichten Stachelbeersträuchern vor dem Unwetter Schutz zu finden. Plötzlich blieb sein Blick an einer halbverfallenen Hütte haften, die grau zwischen den Stämmen der Bäume schimmerte. Dorthinein, so rasch als möglich, dorthinein. Nachdem er in die Hütte gestürzt war, stellte er den nassen Koffer auf den Fußboden und begann das Wasser abzuschütteln. Als er sich genügend geschüttelt hatte und um sich schaut«, sah er in einer Ecke eine menschliche Gestalt auf einer Streu liegen. Im ersten Moment erfaßte ihn ein Gefühl der Freude, wie es gewöhnlich in einsamen Augenblicken die Nähe eines lebenden Wesens erweckt, doch dann, als er Gesicht, Kleidung und Gestalt des Menschen recht ins Auge gefaßt hatte, wich die Freude der Emp- sindung des Schreckens und der Unruhe: ollen Anzeichen nach saß ein Landstreicher vor ihm. Gewaltig, von heldenhaftem Körperbau, zerlumpt, zerzaust, völlig durchnäßt vom Regen. Sein pockennarbiges knochiges Gesicht schien hart und grausam.„Natürlich ein Land- streicher"— dachte Grunew-Grunewitzki und instinktiv faßte seine Hand nach dem mit Tscherwonzen(Zehnrubelscheinen) gefüllten Geldbeutel in seiner Tusche. Aber der Landstreicher sagte, die dunklen fleischigen Lippen zu einem Lächeln verziehend: „Wie, dich hat wohl auch der Regen hereingetrieben?" „Ja," sagt« Grunew-Grunewitzki, indem er sich möglichst von ihm entfernt«, mit erschrecktem und verlorenen. Blick ihn musternd. Seinen Schreck wahrnehmend, sagte der Landstreicher, indem er zu lachen fortfuhr: „Fürchte dich nicht, ich werde dir nichts tun, ja, und Geld habe ich eben selbst genug. Glaubst du's nicht? Glaubst du, nur du könntest viel Geld haben?" Er entnahm dem Busen ein zusammen- gerolltes schmutziges Tuch und indem er es aufwickelt«, zeigte er Grunew-Grunewitzki ein Päckchen Papiergeld.„Da! Hast du ge- sehen? Eine ganze Wirtschaft kann ich mir jetzt einrichten!" „Schau, wieviel Geld," dachte Grunew-Grunewitzki, der hat �'cher jemand erschlagen oder beraubt!" Doch der sah ihn jetzt mit ganz lachendem Blick an, fragte: „Willst du. ich schenke dir etwas davon. Ich bin gutmütig, sobald ich viel Geld habe." „Aber, wo denken Sie hin," fuchtelte Grunew-Grunewitzki mit den Armen,„wie sollte ich..." „Wenn du nicht willst, ist's nicht nötig," er steckt« das Geld wieder in den Busen,„du hast wohl selbst Geld zu Haus in der Tasche. Dem Aussehen nach scheinst du nicht Not zu leiden. Aber bei mir, Bruder, kommt es vor, daß es selbst zum Fressen nicht reicht. Tagelang laufe ich umher wie ein hungriger Wolf. Und der Magen fällt so«in, daß die Hosen herunterfallen." „Womit beschäftigen Sie sich eigentlich?" „Womit ich mich beschästige? Wie's kommt. Habe mich früher mit Diebstahl beschäftigt, hab's jetzt an den Nagel gehängt, hol's dieser und jener, hab's satt. Vergangenes Jahr arbeitet« ich am Schwarzen Meer als Lastträger und jetzt habe ich angefangen, mich als Tagelöhner zu verdingen. Hab mich ein wenig satt gegessen und ein« Kleinigkeit an Geld zurückgelegt. Wcrd's nach Hause schicken. ins Dorf. Habe dort«in« alte Mutter, ist immer siech..." „Das lügt er alles," dachte Grunew-Grunewitzki.„beschäftigt sich mit Diebstahl und Plündern, was Geld er da im Busen hat, sicher mehr als ich in der Brieftasche." Fragte: „Nun, was ist denn beller, auf Tagelohn gehn, oder von Dieb- stahl leben?". Der Landstreicher sah ihn aufmerksam an. „Und was ist deiner Meinung nach besser?" „Nun, natürlich auf Tagelohn gehen." „Wozu fragst du dann unnützer Weise? Nur aus bösem Kummer und Hunger geht man stehlen." Gnmewitzki hatte die Angst um Geld und Leben fast vergesien. und obgleich er den Worten des Landstreichers keinen Glauben schenkte, dachte er doch, jener wolle nach dem guten„Geschäft" ein- fach„ausruhen" und daher drohe ihm, Grunew-Grunewitzki. weiter kein« Gefahr. Und gleichsam zur Bestätigung seiner Gedanken über das„Aus- ruhen" stopft« der Landstreicher das über den erdigen Fußboden oerstreute schmutzige Stroh hinter seinen Rücken und legte sich nieder. Er verschränkte beide Arm« unter dem Kopse und es dauerte nicht lang, so schnarchte er laut und tief. Grunew-Grunewitzki wartete ein paar Minuten, hob seinen Koffer von der Erde auf und verließ die Hütt«. Bon der Hütte führte«in Fußpfad zum Waldessaume und Grunew-Grunewitzki folgte ihm. In seiner Seele herrscht« jetzt Ruhe. Er war wohlbehalten wie vorher, wie vorher lag unange- tostet das Geld in seiner Brieftasche. Zu Hause wird er seinen Be- kannten von der Begegnung mit dem Landstreicher erzählen. Biel« werden sich wundern, daß er ihn so leicht los geworden ist. Und wirklich, wenn man so nachdachte, war es doch seltsam, daß der Landstreicher nicht versucht hatte, ihn zu berauben. Hatte er es ja ohne jegliche Mühe und ungestraft tun dürfen. Ringsum Wald, Gewitter, Oeds. Und er hätte so gut noch etwas„zuarbeiten" können. Dies Geld hätte das andere wohl nicht gestört. Er selbst hatte genug Geld in der Tasche und doch hätte er auch eine kleine Summe nicht verschmäht, besonders jetzt, da er 150 bis 120 Rubel zu wenig erhandelt hatte. Und plötzlich begann sein Herz in angespannten, dicht auf- einanderiolgenten Schlägen zu pochen, und nebefhast entstieg ein Gedanke der Tiefe seines Hirns. Mit aufmerksamem, gespanntem Blick schäme er wieder nach dem vom Mondlichte erhellten Walddickicht zurück. Es lockte ihn. Es lockt« das zwischen den Bäumen oersteckte Hüttchen, lockte der Westarp contra Westarp. Mußischel, MMdwng < Kml;ls|iiii du Moskaner iänillerisdien Tbanien „Hahima" 7'/t Uhr Dybuk Volks buh ne Ihealtr am Baiowplati 8 Uhr Ein Joiinifirnaöits- traDm. 8 Uhr: Geor«e Dandin «WWM Berliner Theater Dönhoff 170 Eriifnanjmrshllai,: 7V, Uhr Leoni« leshnial nn lag Lm SlaüoeMer Täglich 8'/, Uhr Al!-Heidelöerg idianplai no Mayar-faanhr 'falinci.Konftr, Stfcial.Sarlel Preiset 2,-, 3,- M. USW. Nollendorf 7360 Die September- Varie�-Revue CASINO-THEATERsuhr inr danaier Fleck Aundmeiden I Gutschein f— 4 Pers. Pauleuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1.60 M. Reichnhalien-Thealer. Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr t Stettiner Sänger Zum SchluB; Eine Hochzell 1 in der MQIlcratraUe Nachmittags: Halbe Preise, vollen Programm. Dönhoff- Bretl'l: Variete, Konzert, Tanz t tuuia-tueoier 8 Uhr Der rote Hahn m.aiBuafj.jjäiH,, Dts. kUnstler-Tli SV, Uhr ,J>u wirst midi beiralen" 3. Sept.- Premiere „Die Dame [von Maxim" Uessing-Theater 8 Uhr jlSnigaeinridilV" Wamaua» tbcoi. Nor noch henie SV, Uhr. Oer fröhliche Weinberg Lustspiel in 3 Akten v. Karl Zuckmayer [Ab Mittw. 8V, Uhr: Um EsdeshuiiRer ISdiloB steht eins Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein Parkett statt 4 Mk. lägl. auch Sonntags nur 60 PL Hose-Theater SV. Uhr Fürstenwende Gartenbühne 3'/, Uhr: Konzert und banter Teil 8 Uhr Die Frau ohne Kuß. Lustspielhaus Heute 77, Uhr Premiere JilBraaatik" Ander, Sabo ApolBo Friedrichstr. 218 Täglich 4 Uhr Mocca-Tanz SV, Uhr „Na und ob" 16 groBe Revuebild. iBier-Abteilg., Tanz. Neues Thealer am Zoo Dir.; Richard Gorirr Täglich SV, Uhr: Drei lustige Komödien von Thoma Preise 1, 1,50, 2,—, 3,— M. usw. Tel.: Steinplatz 5371 Blnrnsüspenden ieb« An iielett preiswert Paul Golletz, norm. Robert«im Mariannenstraße 3. Ecke Neunynstroße Amt Slotifepl.IOSOS m s fcr mm SEHÄHUUhS ii fc PalleDkrg• Kita Seeri BendowlaDhahH-SüHteSzaitail Wermeisier• Westeriseier. Iidtsoa Boss• Snshtoe Litis. Neue Bearb.; Bsraaaar s. Osslerrtlther Aasstatt.: Prot. Stara. I Dir. Or. Römer. Regie: Erik Ckirell. Vorvsrkaat 10-8 gouBterbrechen. Planetariuin an Zoo Vnliij. JeidiiBitbiler Slntc Noll. 1578 Oer Sternenhimmel auf der Rai aa von Borlln nach dem Aequatar Vorführungen: 4V» 6 7V» 9 Uhr. Eintritt 1 M. Riodennl. Ii J, Ahr. im Sthnngasaal des Verbunds Hauses, cinieastrahe 63/65 Vollversammlung der Velrirdsräle drrhaupfgruppr 4 sMeiaUoerarbeifung). TaaeSardnung: 1. Bartrag Uder .Unsnugesetzgedung und Innalidenoerstche- rung". Relerent: Ardeilersekretär Paul ZippeL 2. Neuwahl der Druppeuleitung i- Berdandsangelegenheilen und Bei ! fchiedenes. vf» Drlsvermaffang. »6ÖÖ«i Rur Rehfeld, Badstraße 34, gutlackierte Lüchen 60,—, mit Anrichte 108,—, 125,— ufo. Satbmbbel sehr dillig, Kleider. schrüuke 43,—, 68,—, Standuhren g8,—, 120,—. Melalldettstellen, extrastark, mir Mesfing 29,50,_ Hausnummer achten.' Rur Rehseld, Badstraße 34, liefert reelle Tischlerarbeit, keine Auktions» mdbel, auch unter Zahlungserleichterung frei Haus. Beim Kauf von 100,— an werden 5,— Autogeld pergütet. 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