Nr. 422 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe H Hr. 215 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfenni«, monatlich 8.— Zieichsmarl voran»»abibar. Unter Streifband im In- und Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. tcn Sonntagsbeilage„Bolk und Zeil" sowie den Beilagen.llnterbaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt". „Frauenstimme".„Der Kinder. ireund",„Iugend-Dorwärts".„Blick in die BUcherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochcntäglich zwei- mal. Sonntags und Montags einmal. Tclegramm-Adresse: „Sozioldemotrat verlin" Morgenausgabe Derliner VolksbtÄtt Groß-Berlin Pfg. Auswärts RS Pfg. Anzeigeuprei-e: Die«insvaltiae N»npa»ril>e. »eile 80 Psennia. Reklame, eile 5,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 ssssrnnig (»uläfsia zwei fettgedruckte Worlel. iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Woit 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» flaben»äblcn filr»wci Worte. Arbcitsmarkt Zeile 80 Pfrnnia. 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September.(Eigenbericht.) lieber die Gedankengänge, die dem angekündigten polnischen Vorschlag zugrunde liegen und die in einer Präambel zum Ausdruck kommen werden, erfahre ich aus dem Kreis der polnischen Dele- gation nachstehende Einzelheiten: Der polnische Antrag geht von der Feststellung aus, daß die Versuche, die Sicherheitsfragc zu lösen, an der Unmöglichkeit ge- scheitert seien, sich über sosgende Fragen zu einigen: Definition des Begriffs des Angreifers, Präzisierung der gegen den An- greiser zu treffenden Gegenmaßnahmen(Sanktionen), For- men der Schiedsgerichtsbarkeit. Nun Hot am 25. September 1926 die Völkerbundsversammlung einen Antrag zugunsten der allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit an- genommen. Dieser Antrag sei— nach polnischer Auffassung— einer vernünftigen Erweiterung fähig und könne verstärkt werden durch eine allgemeine Deklaration sämtlicher Völker- b u nd s st a a t e n, in der jeder Angriffskrieg verurteilt werden würde. Das Völkerbundsstatut schließe leider nicht jeden Krieg aus, sondern es sehe vielmehr den„legalen" Krieg vor und mache sogar den Angriffskrieg nicht unmöglich. Dies sei eine Lücke, die ausge- füllt werden müsse. Es handle sich jetzt darum, eine Atmosphäre zu erzeugen, die gestatten würde, eine Sicherheitsgarant ie für alle Mitglieder des Völkerbundes zu schaffen. Es fei zurzeit schwierig, ähnliche Garantien, wie sie im Rheinpakt von Locarno geschaffen worden seien, für alle Völker zu erreichen. Aber man könne schon jetzt die Grundlagen der Schieds- gerichtsborkeit erweitern und eine Situation schaffen, die günstiger Debatte öer vö'lkerbunösversammlung. HoNändischer Kompromiffvorschlag. V. Leb. Genf, 6. September.(Eigenbericht.) Die allgetneine Aussprache der Vollversammlung, die heut« nach- mittag begann, soll nach einem Beschluß des Präsidiums am Sonn- abend beendet werden. Es werden während der ganzen Woche vor- und nachmittags Sitzungen abgehalten werden müssen, denn mindestens Zwei Drittel der Bölkerbundsstaaten pflegen in der Aus- spräche das Wort zu ergreifen. Die lobenswerte Einschränkung wird die Tagung, die früher mindestens drei Wochen dauerte, abkürzen. Vielleicht war es ein Zufall, daß die zwei ersten Redner in der Debatte zwei Vertreter aus Asien waren: ein Inder und ein Perser, vielleicht war dies aber auch ein Schachzug der Regie, um dadurch die Universalität des Völkerbundes zu demonstrieren und der Behauptung entgegenzutreten, der Völkerbund sei eine rein europäische Angelegenheit. Diese beiden Reden verdienen jedoch nicht, der Mitwelt übermittelt zu werden. Anders die Ausführungen des dritte» Redners, des holländischen Außenministers van Blök- l a n d, die Aufsehen mochten. Diese Rede brachte in zwar vorsichtiger, und doch unverkennbarer Form die Unzufriedenheit der kleineren Mächte mit der Entwicklung des Völkerbundes und mit feinem bisherigen Versagen in der Frage der Abrüstung zum Ausdruck. Van Bwkland sagte u. a.: Es wäre für die?lutorität und das Prestige des Völkerbundes sehr bedauerlich, wenn einzelne Mächte sich dazu entschließen sollten, unter sich und außerhalb de, Völkerbundes Fragen zu behandeln, für die der Völkerbund nach einem Statut zuständig ist. Es ist in erster Linie Aufgabe des Rates, die Schwierigkeiten zur Kenntnis z» nehmen, die geeignet sind, einen Bruch zwischen ein- zelnen Völkcrbundsmitgliedern zu verursachen: der Rat hat zu oer- suchen, die Konflikte vorauszusehen und sofort beizulegen und die Keime zu ersticken, die am internationalen Horizont auftauchen. Diese deutliche Anspielung auf das Versagen des Rates in der albanischen Frage schwächte der Redner sogleich ab mit der Bemerkung, daß es andererseits nicht wünschenswert sei, wenn man den Eindruck erwecken würde, daß künstig keine Streitigkeiten ohne Eingreisen des Völkerbundes beigelegt werde» könnten. Es sei immer noch vorzuziehen, daß eine Schlichtung noch Möglichkeit durch direkte Verhandlungen erfolge, und ein Eingreifen des Bundes müsse auf solche Fälle beschränkt werden, wo eine direkte Verständigung� ausgeschlossen erscheine. Allerdings wäre es auch wünschenswert, daß diejenigen, die der Anficht sind, daß der Rat allzu vorsichtig fei, ihre Stimme erheben, wenn sie glauben, daß eine Intervention des Völkerbundes der Sache des internationalen Friedens dienlich sein würde Auf diese Art würde der Rat veranlaßt werden, sich in jedem einzelnen Falle auf noch gewissenhaftere Art zu vergewissern, ob er glaub«, die Verantwortung für ein N i ch t e i n g r e i f e n aus sich nehmen zu können. Nach dieser kritischen Einleitung unterstrich der Redner da» bis- wäre, um die im Völkerbundsstatut proklamierten Grundsätze anzu- wenden. Die Völker hätten zwar bisher nicht vermocht, die Abrüstung durchzuführen, aber diese Tatsache dürfte kein Hindernis dafür bilden, daß die Völker schon jetzt ihren Willen bekunden, wenigstens ihre Rüstungen nicht weiter zu erhöhen. Das sind gewissermaßen die Richtlinien, die in der Begründung des polnischen Antrages zum Ausdruck kommen werden. Sie sind recht allgemeincr Art, doch sollen sie, wie mir versichmt wird, in einem sormulierten Antrag mit einzelnen Paragraphen konkretisiert werden. Die polnische Delegation ist heute abend zusamniengetreten, um den Antrag endgültig auszuarbeiten. Er wird morgen zunächst Briand und Chamberlain vorgelegt und dann wahrscheinlich an« Freiiog von Sokal der Volloersammlung offiziell unterbreitet werden. Warschauer?nhaltangabe. Warschau, 6. September.(Eigenbericht.) Die Tatsache, daß das polnische Projekt für einen allgemeinen Sicherheitspakt, der auf der Völkerbundstagung vorgebrocht werden sollte, von der französischen Presse vorzeitig aufgedeckt wurde, hat das polnische Außenministerium veranlaßt, sich über den Inhalt des polnischen Projektes offiziell zu äußern. Demnach besteht der polnische Vorschlag darin, daß nicht nur die dem Völkerbund angc- hörenden Staaten, sondern auch die übrigen Länder eine ge- meinsome Erklärung über die Vermeidimg künstiger Kriege nieder- legen. Das polnische Projekt soll also gewissermaßen eine E r- g ä n z u n g des Völterbundspaktes sein, und jedwede kriegerische Lösung i irgendwelcher Konflikte allgemein ausschließen. Wie dos polnische Aiißsnministerium betont, ist der Pakt- keineswegs gegen irgendeinen Staat gerichtet, sondern soll lediglich dazu dienen, den Einfluß und die Autorität des Völkerbundes zu stärken. herig« Versagen des Völkerbundes in der Frage der Herabsetzung und Einschränkung der Rüstungen. Er bezeichnete dieses Problem als die Lebensfrage des Völkerbundes und sprach von den Befürch- tungen. die in letzter Zeit in der ganzen Welt entstanden seien. Es sei nach den Arbeiten des vorbereitenden Abrüstungsausschusses nicht zu leugnen, daß eine wirksame herabsehung der Rüstungen noch immer als rechl entferntes Ideal erscheine. Man sei zwar immerhin aus dem Stadium der vagen Formeln her- ausgekommen und stehe jetzt vor einem bestimmten Plan. Aber immer mehr erkenne man, daß das Problem der materiellen Ab- nistung durch dos Problem der m o r a l i s ch e n Abrüstung beherrscht werde. Dos Ziel der Einschränkung der Abrüstungen, die einen neuen Rüstungswettlauf unmöglich machen würde, könne und müsse schon jetzt verfolgt werden. Andererseits sei die moralische Ab- rüstung noch nicht weit genug sarigeschritten, um die Herabsetzung der Rüstungen wirksam zu betreiben. Daher müsse die moralische Ab- rüstung durch einen unwiderstehliehen Druck der öffentlichen Meinung, d. h. der Völker und der Regierungen gefordert werden. Die Völkerbundsoersammlung müsse erklären, daß sie a l l« K r ä f t e z u r Verwirklichung der moralischen Abrüstung anspan- nen werde. An dieser Stelle erinnerte der Redner an das Genfer Protokoll von 1924, welches nicht tot sei, sondern nur ruhe Man müsie sich fragen, ob nicht der Augenblick gekommen sei. die Lücke im Artikel 15 de? Statuts auszufüllen, indem man für die Zukunft den legitimen Krieg ausschließe und den Angriffskrieg für«in Verbrechen erNäre. Das Prinzip der obligatorischen Gerichtsborkeit müsse durchgesetzt werden. Dazu sei es aber nötig, daß einzelne Großmächte nicht länger abseits stehen, wenn es gelte, Verpflichtungen zu diesem Zwecke zu übernehmen. Zum Schluß unterbreitet van Blokland folgende Entschließung: In der Ueberzeugung, daß, ohne die Diskussion über das Genfer Protokoll von 1924 wiederaufzunehinen, es wülnschenswctt erscheint, die Grundsätze dieses Protokolls neu zu studieren und in der Erwägung, daß es von großer Bedeutung ist, daß die Völkerbundsoersammlung die Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission fördert, beschließt die Versammlung, ihre Ausschüsse mit dem Studium der Haupt- Prinzipien des Protokolls und mit den Schlußfolgerungen des Berichts der vorbereitenden Abrüstungskonferenz zu beauftragen. Diese Rede wirkte sensniionell, insbesondere die Tatsache, daß er einen sormulierten Resolutionsentwurs einbrachte. Er er- hielt bei einem großen Teil der Versammlung, insbesondere bei der französischen Delegation, demonstrativen Beifall. während Chamberlain und die übrigen Briten sichtlich nervös waren. Im übrigen kam der holländische Vorstoß völlig überraschend. Die deutsche Delegation hatte nur auf Um- wegen von der Absicht des holländischen Ministers kurz vorher erfahren. Die Franzosen und Engländer waren dagegen am Vor- mittag offiziell verständigt worden. Doch hatte Im Gegensatz zu Briand Chamberlain abweisende Skepsis zu erkennen gegeben. Es ist sicher nicht so, wie manche vermuten, daß Holland den Boden für den angekündigten polnischen Vorschlag vorbereiten wollt«. (dst-Locarno! Nichtangriffspakt! Zum Kapitel: Deutschland und Polen. Herr Stresemann kommt am Freitag nach Berlin, um an einer Kabinettsitzung teilzunehmen und dann wieder nach Genf zurückzukehren. Wenn auch offiziös versichert wird, die Reise des Außenministers stehe mit der Besoldungs- ardnung in engerem Zusammenhang als mit außenpolitischen Fragen, so wird man doch nicht mit Unrecht annehmen, daß von dieser Reise für den weiteren Verlauf der Dinge in Genf manches abhängen wird.. � Herr Stresemann wird bei seiner Rückkehr die Tatsache vorfinden, daß die Presse der deutschnationalen Regierung?- partei wieder ganz in die schärfste Gegnerschaft gegen seine Politik eingeschwenkt ist. Sie kann sich gar nichl genug tun in Verunglimpfungen des Völkerbundes und in Versicherungen, daß die Politik von Locarno mit einem Bankrott geendet habe. Und wenn sie auch nicht den ge- ringsten positiven Rat geben kann, wie die deutsche Außen- Politik in Zukunft zu gestalten sei, so zeigt sie sich doch von einer geradezu hysterischen Angst davor besessen, daß auf den Wegen von Genf und Locarno ein Schritt weiter getan werden könnte. Run ist kein Zweifel daran möglich, daß die Politik der Friedenssicherung und allgemeinen Abrüstung in einen Zu- stand der Stagnation geraten ist. Zufrieden ist mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge niemand. Aber über die Ursachen dieser Stagnation und über die Methoden, nach denen die deutsche Außenpolitik fortzuführen ist, herrschen zwischen rechts und links, zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokraten die schärf st en Gegensätze. Die Dentschnationalen verwerfen'das ganze System der Außenpolitik, und das, was ihnen als sein Zusammenbruch erscheint, stellen sie mit sichtlicher Befriedigung fest. Die Sd- ' zialdemokraten dagegen halten fest an diesem System, sie wünschen seinen Ausbau, den sie durch das Zunehmen reaktio- närer Strömungen in ganz Europa gehemmt sehen. In der großen Geisterschlacht der Wahlen, die im nächsten Jahr ge- schlagen werden soll, werden sie daher die Kerntruppe jener europäischen Partei bilden, der ein vom Kriegsalp befreites einiges Europa als Ziel vorschwebt. Die Deutsch- nationalen werden ja dann Gelegenheit haben, sich über i h r Ziel etwas positiver zu äußern, als sie es bisher getan hoben. Wir Sozialdemokraten haben ein Recht, über Stagnation zu klagen, denn wir wollen vorwärts. Die Dentschnationalen aber hätten allen Anlaß, ihrem Gott auf den Knien dafür zu danken, daß sich die bisherige Außenpolitik Deutschlands gegen ihren Widerstand durchgesetzt hat. Denn alles, was wir an Erleichterungen spüren, alles, was wir an Ansehen in der Welt gewonnen haben, ist auf diese Außenpolitik— »nd auf die Festigung der Republik— zurückzuführen. Mag man sagen, daß das Gewonnene nur ein Anfang ist, ein Anfang, der in den ersten neun Iahren nach dem Kriegsende gemacht worden ist, ist schon unendlich viel. Ohne diesen An- fang wäre ganz Deutschkünd ins Choas versunken. Herr Stresemann wird sich also schon darauf einrichten müssen, die deutsche Außenpolitik gegen die größte Regie- rungspartei und ihre Presse zu verteidigen. Er ist ja heute nur Außenminister des Bürgerblocks, aber er bleibt doch verantwortlich vor dem deutschen Volk, vor seiner Ver- tretung und vor der Geschichte. In der Frage, die im Schlagwort O st- L o c a r n o zu- sammengefaßt wird, und in ihrer Aufrollung sah die deutsch- nationale Presse, scharfsichtig, wie sie ist, von vornherein nichts als eine„polnisch-sranzösische Falle". In diese Falle, wenn sie eine ist, tappst sie nun mit vollendeter Grazie hinein. Denn wenn das Problem wirklich in intriganter Absicht aufgerollt worden wäre— was könnte anderes der Zweck dieser Intrige sein, als die unversöhnliche Polenfeindschaft Deutschlands zu entlarven? Die deutschnationale Presse, die jeden von Polen stammenden Vorschlag, ohne ihn auch nur zu kennen, in größter Erregung ablehnt, wird damit zur bereitwilligen Helferin derer, die beweisen wollen, daß das bestehende Ost» Locarno ungenügend und nur leerer Schein ist. Dies ist jedoch nicht unsere Ansicht. Deutschland hat in dem Vertrag, den es in Locarno mit der polnischen Republik abschloß, die Verpflichtung übernommen, seine Meinungs- Verschiedenheiten mit Polen nur auf friedlichem Wege auszu- gleichen. Es darf nicht der geringste Zweifel daran erlaubt sein, daß Deutschland ent- schlössen ist, diesem freiwillig geschlosse- nenBertragtreuzu bleiben. Die Treue zu diesem Vertrag schließt aber jeden Gedanken daran aus, die bestehen- den Grenzen zwischen Deutschland und Polen auf kriege- rischem Wege zu ändern. Daraus ergibt sich aber noch ein weiteres, daß nämlich eine Aenderung der deutsch-polnischen Grenze für absehbare Zeit zu den sehr unwahrscheinlichen Dingen gehört. Denn auf welrfze Weise sollte diese Aenderung er» folgen? Etwa durch einen freiwilligen Akt Polens, das im Intereffe der guten Nachbarschaft emen Teil seiner Gebiete an Deutschland zurückgäbe? Wer da» für möglich hält, müßte ja die Polen für das klügste und nobelste Volk der Welt halten! Oder glaubt man air eine diplomatische Kollek.tivaktion der Mächte, durch deren Druck Polen gezwungen werden könnte, einen Teil seines Gebiets ohne gewaltsamen Widerstand herauszugeben? Wer glaubt an die Möglichkeit einer solchen Einigung, an der ja auch Frankreich, Polens traditioneller Beschützer, beteiligt sein müßte? So bleibt nur die dritte Möglichkeit: der Ausbruch eines neuen europäischen Krieges— ohne Zutun Deutschlands—, nach dessen Abschluß.eine Revision der Grenzen erfolgen würde. Käme es jedoch zu einem solchen Krieg, so wäre nachher die Frage, zu welchem Staat dieses oder jenes Stück Land gehören soll, von sehr geringer Be- deutung, da stünden ganz andere Dinge auf dem Spiel! Nie- mand kann so gewissenlos sein, mit solchen Eventualitäten zu spielen, weil sie vielleicht auch die Möglichkeit einer polnisch- deutschen Grenzänderung nach sich ziehen könnten. Deutschland hat in Locarno den Franzosen Elsaß-Loth- ringen noch einmal garantiert. Einer gleichen Garantierung des Korridors und Oberschlesiens an Polen standen starke gefühlsmäßige Wider st ände entgegen. Diese Widerstände sind ebenso begreiflich, wie die Gefühle begreif- lich sind, die man in Polen angesichts dieser verschiedenartigen Behandlung der neufranzösischen und neupolnischen Gebiete empfindet. Aber Gefühle hüben und drüben können nichts an der Tatsache ändern, daß jene Gebiete im Besitze Polens sind und daß Deutschland durch freiwilligen Schiedsvertrag darauf verzichtet hat, ihre Wiedergewinnung mit kriegerischen Mitteln anzustreben. Wir haben also ein Recht zu sagen, daß ein„Ost-Lo- carno" zwischen Deutschland und Polen schon besteht, und daß dieses Ost-Locarno als Grundlage für gute nachbarliche Be- ziehungen durchaus genügen würde, wenn nicht Kräfte am Werke wären, die den polnisch-deutschen Streit immer aufs neue schüren. Solche Kräfte sind in Polen am Werke, aber auch in Deutschland, und hier sind es vor allem die Deutsch- nationalen, die sich mit dem Gedanken einer guten Nachbar- schaft mjt Polen durchaus nicht befreunden wollen. Und doch liegt diese gute Nachbarschaft, die natürlich nur durch guten Willen auf b e i d e n Seiten zu erreichen ist, ebenso im Jnter- esse des deutschen Vvltes wie des polnischen. Man kann die Borschläge Polens nicht schon verwerfen, wenn man sie noch nicht kennt. Diese Vorschläge, die neuer- dinas die Form eines allgemeinen Nichtangriffs- pakts anzunehmen scheinen, werden wahrscheinlich an ganz anderen Widerständen scheitern als am Widerstande Deutsch- lands. Ob ihr Scheitern für Deutschland ein Gewinn sein wird, steht dahin. Darum ist es dopp�t kindisch, gleich wenn man erfährt, daß Polen etwas will, in die Welt hinauszu- schreien:„Das wollen wir nicht!" Es gibt kein dringenderes Interesse Deutschlands als die Befestigung des Friedens. Alle Vorschläge, woher üe auch kommen mögen, müssen daher von der deutschen Delegation vorurteilsfrei nur aus dem einen Gesichtspunkt geprüft wer» den, ob sie der Befestigung des Friedens dienen öder nicht. Dabei wird ein etwaiger Versuch, im Sinne de Iouve- nels eine Verladung zwischen solchen Vorschlägen und der d?t besetzten Gebiete zu schaffen, uw ist 1 Räumung d'?t besetzten Gebiete bedingt abzulehnen sein. Denn die Räumung ist eine Friedens- forderung an sich, und die bestehenden Verträge genügen zu ihrer Erfüllung vollauf.(Nach einer WTB.-Meldung ist es wisdxr fraglich geworden, ob der Verlauf der Genfer Ver- Handlungen die geplante Reise Stresemanns nach Berlin er- -Möglichen wird.)...... Acußcrungcn des polnischen Gesandten. Der Gesandte der Republik Polep in Berlin, Herr O l s z o w s k i, hat einem hier lebenden polnischen Journalisten Er- klärungen gegeben, in denen er sagte: Ich habe in Warschau bei den maßgebenden Regierungs- und Wirtschaftsstellen volles Verständnis für die Not- w e n d i g k e i t einer Regelung der deutsch-polnifchen Handels- beziehungen im gegenseitigen Interesse gefunden, vor allem den guten Willen zu einer Verständigung durch gegenseitige rationelle Konzessionen. Entgegen allem Anschein habe ich den Ein- druck, daß diese versöhnliche Stimmung auf beiden Seiten be- steht. Der seit zwei Jahren andauernde polnisch-deutsche Zoll- krieg ist für beide Teile drückend, meiner Meinung nach aber sind die Gegensätze nicht so stark, daß sie durch gegenseitiges Eni- gegenkommen nicht beigelegt werden könnten. Trotz Zollkrieg hat sich der deutsch-polnische Warenumsatz im laufenden Jahre gegen das Vorjahr vermehrt. Ich will nicht verhehlen, daß man in Warschau die Aussichten auf Abschluß eines polnisch-deutschen Handelsvertrages wegen der in Deutschland herrschenden Stimmung und Tendenz mit einiger Skepsis beurteilt. Die Ursache bildet vor allem die allgemein bekannte negative Stellungnahme der deutschen Agrarkreise. Ueberdies�ist der bisherige Verlauf der Ver- Handlungen zwischen beiden Staaten geeignet, diesen Skeptizismus zu nähren— dauern sie doch bereits über drei Jahre. Im Februar wurden sie auf Verlangen Deutschlands unterbrochen. Die persönliche Fühlungnahme zwischen Stresemann und Zaleski haben die Verhandlungen auf den diplomatischen Weg gebracht, wo- von man eine raschere und leichtere Klärung für etwa bestehende Kompromißmöglichkeiten erwartete. Als deutscherseits erklärt wurde, daß die deutsche Regierung grundsätzlich Wert darauf legt, zunächst die komplizierte und schwierige Siedlungsfrage zu lösen, hat sich die polnische Regierung bereit erklärt, zur Er- örterung dieser fsrage zu schreiten. Schon vor einigen Monaten wurde auch in Warschau in aller Form die Möglichkeit einer Ver- ständigung darüber festgelegt. Jedoch hat die deutsche Regierung trotz unausgesetztem Drängen Polens in den grundlegenden wirt- schaftlichen Fragen ihren Standpunkt bisher nicht präzisiert. Noch im März l. I. bat die polnische Regierung die Reichsregierung um Präzisierung des Standpunktes in der Frage der Kontingen- tierung der Kohlenmenge, die zum Verkauf auf dem deutschen Markte zugelassen werden könnte, wie auch in der Frage der o« t e- r i n S r e n Kontrolle. 3n den verflossenen sechs Monaten hat die polnische Regierung aus ihre Bitte keine Antwort erhalte«. Diese Tatsache erklärt in gewisser Hinsicht die Ungeduld, wie auch die Zweifel, denen ich hier und da in Warschau begegnet bin. Der Gesandte betonte dann, daß die polnische Höchftzollverordnung nicht ein Druckmittel gegen Deutschland sein soll: sie trage allgemeinen Charakter und beziehe sich auf alle Länder, die zu Polen ihre Handelsbeziehungen noch nicht geregelt haben. Es gibt eine ganze Reihe von solchen Staaten. Das Handelsministerium in Warschau beabsichtigt wesentliche Erleichterungen bzw. Auf- Hebung der Mehrheit der bestehenden Vorschriften in der Regle- mentierung der Einsuhr aus dem Auslande ohne Rücksicht auf die Herkunft. Die letzte polnische Maßnahme ist nichts anderes, als die Ausführung des schon lange vorher beschlossenen Planes der Ein- führung der Maximalzölle, wie sie in einer ganzen Reihe Länder bereits bestehen. Die vier Monate, die uns vom Inkrafttreten ves Gesetzes trennen, bieten reichlich Zeit zur Beendigung der zweiten Phase der diplomatischen Verhandlungen, die sich allein aus Fragen wirtschaftlicher Natur beziehen, da doch die Niederlassungsfragen geklärt sind.) Gesandter Olszowski schloß: Unter diesen Umständen erblicke ich keinen Grund zu pessimistischer Beurteilung der Aussichten für das Zustandekommen des deutsch-polnifchen Handels- Vertrages noch im laufenden Jahre: ich bin fest überzeugt, daß eine Verständigung mit voller Befriedigung von der öffentlichen Meinung Polens begrüßt wird. Die Krise im Zentrum. Zentrum im Ghetto.— Das Schulgesetz unkatholisch. In der„Frankfurter Zeitung" setzt der bekannte Zen- trumspubtizist Dr. Teipel die Auseinandersetzungen über die innere Lage des Zentrums fort. Er wendet sich so- wohl gegen den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wie gegen den Zentrumsfraktionsführer o. G u 6 r a r d, die beide seine früheren Darstellungen über die Mitwirkung Brauns bei dem Werden der Bürgerblockreaierung be- stritten haben. Teipel hatte u. a. auf Brauns Unterhaltungen mit dem Reichspräsidenten und auf eine besondere Unter- redung mit Marx hingewiesen. Die Andeutungen über diese letztere hat Brauns als„objektiv unwahr" bezeichnet. Dazu sagt Teipel jetzt: „Ich bin kein Moraltheologe, aber es wird wohl zutreffen, daß selbst nach der strengsten Kasuistik gestattet ist, daß auch richtig« Mitteilungen über„hochpolitische Staatsgeheimnisse" von den Verantwortlichen ohne Gewissensbedenken abgeleug- net werden. Da ich fest überzeugt bin, daß Herr Brauns persönlich sein von mir mitgeteiltes Gespräch mit Herrn Marx für ein„hoch- politisches Staatsgeheimnis" hält, muß ich ihm alle Rechte einer zu- lässigen Reservatio mentalis(geistiger Vorbehalt) zugestehen. Ich bin aber nun gezwungen, meine Behauptung trotz der Termino- logie des Braunsschon Dementis aufrechtzuerhalten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen...." Das ist sehr vorsichtig ausgedrückt, wird jedoch Herrn Dr. Brauns sicher Veranlassung geben, eine neue Erklärung zu erlassen, ob er die Rsservatio mentalis wirtlich für sich in Anspruch nimmt. Das wäre die Beurteilung seiner Ge- samtpersönlichkeit nicht unwesentlich. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kommt Dr. Teipel zu dem Schluß, daß das Zentrum durch den Keudellschen Schulgesetzentwurf politisch für die Deutschnationalen eingefangen sei. „Ja, dieser deutschnationale Gesetzentwurf hat für die nächste Zeit alles Selb st ändigkeits streben der Zentrums- Politik im Lebensnerv getroffen. Der deutsche Katholi- zismus wogt öffentlich nicht einmal, an dieses politische Gesetz die kritische Sonde anzulegen und doch ist das Gesetz für den Katholizsmus augenblicklich nicht nur unnötig, sondern in seinem Charakter obendrein bestem katholischen Wesen zuwider... Wer katholisches Wesen kennt, der darf die Kirche mit ihren Bildungskräften nicht inein Ghetto einschließen wollen... In urteilefähigen Zentrumskreisen herrscht bereits sichtliche Katzenjammerstimmung über das deutschnationale Gesetz." Es scheint fast, als wenn diese Katzenjammerstimmung durch um so stärkeres Herauskehren sogenannter Grundsätze auf dem Katholikentage verschleiert werden sollte. Man hat früher einmal das Wort geprägt, das Zentrum müsse aus dem Turm heraus. Wie es scheint, ist man i e tz t im Begriff, es in ein katholisches Ghetto einzusperren—! Die Demokratie im Kriegerverein. Erbauliches aus Zehlcndorf. Es gibt immer noch Leute, die nicht wissen, was wahre Demokratie ist. Wenn sie sich darüber unterrichten wollten, so hätten sie am Sonnabend und Sonntag an dem Slljährigen Jubiläum des Zehlendorfer Kriegervereins teilnehmen müssen. Hier wurde wieder einmal in urdeutschen Tönen die Treue zu— nicht dem Volke— sondern zu Gott, Vaterland und„Kameraden" gepriesen. Der Hohenzollernprinz Oskar verlieh durch seine Anwesenheit dem Feste einen besonderen Glanz, bei dem der Zehlendorfer Bürger- meister Dr. Schuhmacher namens der Verwaltung des 1l>. Be- zirks und angeblich sogar auch namens des Berliner Magistrats eine lichtvolle Rede hielt. Er sprach dabei— wir zitieren hier den in solchen Dingen als zuverlässig bekannten.Lokal-Anzeiger"— von einer„Scheindemokratie", die von manchen Kreisen als Erb- Pacht in Anspruch genommen werde. Wahre Demokratie, so fuhr der Bürgermeister fort, weise aber der Kriegeroerein auf, denn er vereinige in sich Mitglieder aller Volksschichten und aller Berufe im harmonischen Zusammenwirken für das Vaterland. Die braven Kriegervereinler werden nicht wenig erstaunt ge- wesen sein, als sie hörten, daß sie einmal im Dienste der Demokrat!« vom preußischen Drill geschliffen wurden, und daß da? Strammstehen vor mehr oder minder durchlauchten Vorgesetzten ein Ausdruck der Selbstbestimmung ist. Im übrigen ist auch sonst die neue Staatsphilosophie des Bürgermeisters Schuhmacher höchst verdächtig. Wir können uns nicht vorstellen, daß der Berliner Magistrat und insbesondere der Oberbürgermeister Dr. B ö ß ihn beauftragt haben, der Demokratie diese neue, weniger sinnvolle als originelle Deutung zu geben. Dielleicht äußern sich diese Behörden einmal dazu. das Feuilleton einer Reife. Von Gerdland. Als ich an einem lichten Sommervormittag auf dem Balkon der Villa draußen im Grunewald vor mich hindöste, stürzte meine über alles geliebte, blütengleiche Odette auf mich zu, schlang ihren weichen kosenden Arm um meinen Scheitel, stellte ihre niedlichen Füße auf meinen Schoß und wimmerte, frohlockte, lechzte:„Nun hast du gedöst, hast die Fingerlein dir wundgeschrieben, hast im Winter die großen Fest« gefeiert. Jetzt aber ist es Sommer, in Tunis reiten die Scheiks auf weißen Pferden durch die Straßen, gehen die verschleierten Frauen mit den britischen Dandys, die hell- häutigen Europäerinnen mit den afrikanischen Offizieren. Oh, Gerdi, ich möchte reisen."„Ja," machte ich,„und in Kolberg muh es jetzt auch ganz nett sein, da sitzen alle die wunderoffenbarenden Frauen, ihre Körper kredenzend im Sande, Amalie geht mit dem Gummi- kavalier..."„Ach werde nicht immer so profanierend," erklärte Odette, die holdselige, liebreizende,.denke dir, in Kairo spielt Prinz Amanoulla, der königliche, Ecarte, trinkt der Earl von Essex seine eigenen Mixturen, läßt Leila, die Königin der Nacht, ihren Bauch tanzen, sitzt die Fürstin von Dschuwentrin an der Bar des Atlantic, und wir könnten auch dabei fein."„Weißt du, Darling, Herr Seefeld und Frau sind in Krummhllbel, sie wollen durchaus die Schneekoppe besteigen, erholen sich und klettern nur bisweilen." „Und in Nizza blühen die Scharlachrosen, und in Monaco be- rauschen die Orchideen, in Marseille kauern und girren die Frau«n der Freude, in Paris hat Chäroux neueröffnet an der Place de la concorde. In Biaritz sind die Herzöge von Alba und Bourbon, ist Frau von Leydcn mit dem neuen Pyjama aus schwarzer Crepe de Chine mit orangefarbenem Schwanenflaum, in Lourdes beginnt die Prozessou zur Mutter Gottes und in Bourdeaux werden die Reben gepflückt."„Ja, Sweethard," streichelte ich Odettes seidene, schlanke Beine,„in Karlsbad soll Mrs. Mensendieck aus Boston sein und Carl Laemmle aus Hollywood, es gibt Oblaten, und es wird dauernd getanzt..." „Ach ja," meinte Odette,„auch da mag es ganz nett sein: aber ist es nicht vielleicht besser, du beendest erst dein Filmmanuskript?" Sie drückte mir einen Kuß auf den Mund und dann eilte sie in die Zimmer, wo Hausfrauenpflichten auf sie warteten: denn es wartete jemand, der Gerichtsvollzieher... Aeberpflanzungen bei krebs. Günstige Erfolge bei Krebs- kranken hat der Münchener Professor Teilhaber, wie in Reclams Universum berichtet wird, durch die Ueberpflanzung von Kaninchen- vrganen und Kälberthymus mit-milz erzielt. Die Schmerzen wurden geringer und die Geschwülste kleiner. Wenn diese Ueberpflanzunoen nach Operationen angewandt werden, dürfte sich die Häufigkeit der Rückfälle verringern. Bei Krebs, der nicht operiert werden kann, ist die Ueberpflanzung die beste Behandlungsmethode. /Udert Sassermann. Zu seinem sechzigsten Geburtstage. Von Max Hochdors. Deutschlands größter Schauspieler, Albert Bassermann, begann als Episodenspieler. Episodenspieler ist der Künstler, der innerhalb des ganzen Dramas«ine Viertelstunde lang das Parkett mit kuriosen Mitteln an sich zu reißen hat. Der Episodenspieler muß beweisen, daß die Welt häufig wie«in Raritäten- oder wie ein Lachkabinett oder auch wie eine«chreckenskainmer aussieht. Soll man sagen, daß Bassermann sich bei der Darstellung solcher Ausnahmenaturen nur selber spielte? Es waren genügend Eigenschaften vorhanden, um ihn vor den zwanzitztausend Männern und Frauen, die in Deutsch- land noch auf ver Bühne standen, auszuzeichnen. Der Künstler war, soweit das Äeußere in Betracht kam, sportlich ausgebildet, und er legte großen Wert auf diese Geschmeidigkeit. Geschah es doch erst vor wenigen Iahren, daß Bassermann den genialen Komödianten Kean charakterisiert«, indem er sich auf die Hände stellte und so über die Bühne hüpfte. Der Schauspieler Bassermann gebraucht eben alle Mittel, über die er verfügt, um die Leidenschaft der ungewöhn- lichen Natur zu zeigen. Er überzeugt die Zuschauer durch die Akra- batik seines Körpers davon, daß in ihm ein unverlöfchlicher Vulkan brodelt. Bassermann besitzt eine eigentümliche Art. durch lang- gezogene, manchmal ruckweise abgebrochene Gesten das gesprochene Wort zu begleiten. Man hört ihn und spürt die innere Unruhe durch das äußere Rumoren seiner Glieder. Man merkt, daß er sich jedes Wort gewaltsam aus dem Gemüte reißt. Er gebraucht die Stimme, um das Mystische des Menscheninnern in das Bewußtsein des Hörers wie«ine gefährliche Waffe hineinzustoßen. Diese Stimme Bassermanns ist unvergeßlich. Cr redet ebenso ruckweise, wie er sich bewegt. Dabei vokalisiert er dialektisch, wie man es eigentlich nur bei Leuten des Volkes hört. Trotzdem wird inan gezwungen, diese Manier als erbaulich und aufregend zu schätzen. Die Stimme Bassermanns vibriert wie ein webklagendes Instrument. Es ist die Stimme des merkwürdigen Menschen, dem man nur an besonderen Glücks- oder Unglückstagen begegnet und abergläubisch verfällt. Das sind die äußeren Darstellungsmittel Albert Bassermanns. Alles ist bei ihm überbetont, auch seine Grazie gefällt sich in kost- barer Uebertreibung. Wir haben Wassermann einen überheblichen Aristokraten spielen sehen, einen Sonderling und Stutzer, wie sie eigentlich nur noch in der Barocknovelle oder im gezierten Theater- stück leben dürfen. Während man den Darsteller dieser Menschen- kuriosttät bewunderte, erinnerte man sich, schon einmal in grauer Vergangenheit solchem Meister der zopfigen Verschnörkelung begegnet zu sein. Wir erinnerten uns an Friedrich Hasse, der ein außer- artientlicher Techniker und Virtuose war. Doch der Schauspieler, der auf der Höhe seines Ruhmes solche Ueberlegenheit besitzt, muß auch einmal die Glut des Gefühls verspürt habe». Diesen Urgrund entdecken wir immer wieder in der Natur Bassermanns. Er ver- stcinert niemals in seiner Virtuosität. Er zerlegt und zergliedert die Nolle» in tausend Einzelheiten, doch er setzt hernach das Mosaik der Empfindung und der Gedanken wieder so kunstvoll zusammen, daß ein vollkommenes Menfchengeschöpf entsteht. Lustspielhaus.(„F i l m r o m a n t i k" von Ludwig Fulda.) Eine burleske Satire auf den Filmunsinn und auf alle Sen- fation sollte geschrieben werden. Fulda ist so gut bei der Sache. daß er nur einen Schwank zusammenbringt, der all« guten alten Mittel der Kolportag« verbraucht. Da diese Antiquitäten be- liebter sind als gut« Gedanken, fand der gefeierte Dichter unge- Heuren Beifall. Fulda wird nachgesagt, daß er ein Feind der Ausländer sei, die Deutschland mit Stücken oersorgen und den deutschen Dramatikern Brot und Ruhm wegnehmen. Es ist zweifelhaft, ob fein deutsches Lustspiel dies« himmelschreienden Mißstände ändern wird. Die Komödie wurde faustdick herunter- gespielt mit Charlotte Anders, Ida Perry, Herrn S a b o und Herrn B a l l o t. Diese vier Künstler drückten ihre Rollen mächtig in das Gelächter des Parketts hinein, sie erdrückten aber auch die wenigen Pointen, die hier und da aufgepickt werden. M. H. Die Suche nach dem Riesenmeleor. Die Expedition der russischen Akademie der Wissenschaften, die zum zweitenmal nach Sibirien reiste, um den Meteorstein, der bereits im Jahr« 1908 im Jcnissei- Gouvernement niedergegangen ist, zu ermitteln, ist nunmehr nach Leningrad zurückgekehrt. Die Expedition wurde von dem Geologen L. Kulik geleitet. Das Niedergehen des Meteorsteins wurde auf einer Fläche mtt einem Radius von über 800 Kilometern wahrgenommen und war von starken Erderschlltterungen, die von den Seismographen der Jrkutsker Erdbebenwarte verzeichnet wurden, begleitet. Ver- mutlich wies der Meteorstein einige hundert Meter im Durchmesser auf. In den Städten Kirensk und Jlimsk, die von der Stelle, an der der Meteorit herabsiel. 400 Kilometer entfernt sind, wurde mehr- maliges donnerähnliches Getöse vernommen und beobachtet, wie am Horfzont eine Flammensäul« und gewaltige Rauchwolken, wie sie be! einer Eruption wahrgenommen werden, entstanden Der Urwald wurde auf einer Strecke von 600 Kilometer wahrscheinlich durch einen Wirbelsturm umgelegt. Die erste Erpedition, die im Jahre 1921 die Nachforschungen nach dem Meteorstein au'nohm. konnte die betreffende Stelle nicht erreichen. Die Gegend, die durch das Nieder- gehen des Meteoriten in Mitleidenschaft gezogen ist. nimmt, wie die nunmehr zurückgekehrte zweite Expedition festgestellt hat. eine Fläche von einigen hundert Kilometern im Durchmesser ein und ist mit zahllosen Lochern in Form riesiger Trichter übersät. Jedes Loch hat einige Dutzend Meter im Durchmesser und ist einige Meter swi- der ganzen Gegend ist der Wald vollkommen vernichtet. Alle Baum« sind entwurzelt und in regelmäßigen Radiuslinien, die vom Orte des Meteoritfalles ouseinanderftreben. umgelegt. Der Wald ist uberall angesengt. Die nächste Ausgabe ist ein« Flug- aufnähme dieser unzugänglichen Gegend und die Ausgrabung des Metorsteins, der annähernden Berechnungen zufolge etwa 50 Mil- Honen Pud wiegen und vermutlich aus Eisen, Nickel und Platin bestehen soll. Galerie Z.Cosper. Kursürslcndamm 233, eröffnet am 11. September eine Kollectiv-.luSitellung von Aribnr Trimm, Baden-Baden, weihe SSerfe von 1607— 1627 cntbält; aufferdem zciqt Trna Krüger, Offerodc zum cistenmal eine ilnzah! fZolträtS und r'andschaiten. vir Premiere von„Troilus und Trejsida* im Deutschen Theater ist oui den 13. September feggesept worden. Da« Stück kommt in der lieber. ietznng von Hm,« Rothe zur Aufführung. Regie Hein» Hilperi, Bühnen- bilder Arthur Pohl, Musik Woljgang Zell«. fin üen Katholikentag! Ein katholischer Fachmann gegen Bekenntnisschnlen. Aus dSm Buche eines echten Katholiken ist zu ersehen, daß auch im katholischen Lager nicht alle einer einhelligen Parteinahme für die konfessionelle Schule sind. E r n st Michel, der Leiter der Frankfurter „Akademie der Arbeit", lieh bei Eugen Diederich eine Auf- satzsammlung„Politik aus dem Glauben" erscheinen, in der er mit den wissenschaftlich-einmandfreiesten Mitteln nachweist, daß die Kirche in ihrer Starrheit und Herrschsucht sich Wegen zugewandt hat, die sie nicht befähigen, der Jndustriemenschheit Führer in die Zukunft zu sein. Er ver- langt eine tiefe Bersenkung der Katholiken in die soziologisch- politische Problematik der Gegenwart und eine solche Um- schmelzung ihres Bestandes durch Neubefeuerung, daß sie sich durch Liebesdienst inmitten des Zeitgeschehens als Täter und Verwirklicher echten, weltumfassenden Christentums beweisen. Dies Ringen eines ganzen Mannes um die Totalität von Mensch, Volk, Menschlichkeit und Heilslehre wird auf alle Fälle unsere Sympathie finden, auch wenn wir die Farbe seiner Weltanschauung ablehnen. Aber geradezu imponierend in der konsequenten Haltung erscheint uns Michels Stellungnahme zur konfessionellen Schule. Seine Argumente finden wir im Kapitel„Katholische Schul- Politik und christliche Zeitaufgabe" seines Buches. Zitieren wir einiges daraus: „Die Forderung nach der Bekenntnisschule bedarf ihrer Recht- fertigung... durch den tatsächlichen Erweis, daß katholische Religion befreiende Kraft für die eigentümliche Ausgabe der Schule auswirkt; dann aber auch vor dem Gewissen der Kirche selbst errungene Ge- wißheit, daß diese befreiende Durchdringung der Schulbildung nicht anders denn durch die Aussonderung besonderer Bekenntnisschulen aus dem Volk erfolgen könne."—„Die spezifisch religiöse Unter- Weisung... ist eine innerkirchliche Angelegenheit— und hat mit dem Aufgabenbereich der Schule zunächst nicht» zu tun. Die Auf- gäbe der öffentlichen Schule ist nämlich: den jugendlichen Menschen in das Leben des„Volkes", In seine geistigen und leiblichen Ordnungen einzuführen, ihn durch sie zu bilden und für das zu- künftige tätige Mitwirken die seelischen und geistigen Grundlagen zu schaffen. Bildung des jugendlichen Menschen durch den lebendigen Bestand und für die Aufgabe des Volkslebens—: diese zentrale Ausgabe der Schule aber ist die gleiche für alle Schichten des Volkes, für Katholiken und Richttatho- likcn."—„Absonderung Ist für den Katholiken, gerade weil und wenn er aus den Kräften der Kirche lebt, die Sünde."— „Die Vertreter jener Auffassung(der konfessionellen Schul«) treiben K i r ch e n p o l i t i t mit weltlichen Mitteln, aber keine eigentliche Schulpolitik."— Der Standpunkt des kirchlichen Amtes, das wünscht (nicht befiehlt!), daß die Katholiken katholische Schulen besuchen und gründen, ist wesentlich aus der Verantwortung für das Seelenheil der Gläubigen begründet. Die Katholiken trogen ober auch Verantwortung für das öffentliche Leben In allen seinen Formen mit, uno müssen sich in irdischen Situationen kraft eigenen Ge- Wissens entscheiden.... Aus den Geist und nicht auf den Buch- staben gesehen, gehen auch die bindenden Weisungen des kirch- lichsn Gesetzbuches nur auf die Si cherftellung des Religions- Unterrichts und der religiösen und sittlichen Erziehung."—-- „(Es gibt nicht eine besondere katholische Bildung, Wellanschauung. Wissenschost. Politik, Kunst usw„ die den Inhalt besonderer katholischer Schultypen ausmachen könnten, sondern alle diese Ord- nungen und Aufgaben gehören dem naiürlich-menschlichen, eben ocm geschöpflichen Reiche an."—„Bleibt noch die Frage, ob überhaupr heute die geistigen Voraussetzungen realiter vorhanden sind, um B e- kenntnisschulen unter ihrer echten Aufgabe zu oerwirklichen. Rur wenn sich die Bekenntnisschule als führend im ganzen Volk bewährt, nur wenn sie— immer vorausgefetzt, sie sei geschichtlich geboten— die Aufgabe der„Schule der Voltschast" wirklich- keitsnäher, weltossener, beherzter, mutiger und verantwortungsvoller, weil gläubiger erfaßt und verwirklicht als es sonst im Volk geschieht, geschehen kann, nur dann vermag st« den Kampf gegen sich zu überwinden."—„Ee ist mit der Bekenntnisschule zunächst nur eine stärkere Verantwortung im Volt übernommen, die t«in „Rechtsanspruch" und kein Reichsschulgesctz mildern oder beseitigen kann: die katholische Bekenntnisschule steht und fällt mit dies«r Verantwortungsübernahme. Dieser Verantwortung aber könnte... wahrlich nicht mit den bisherigen Methoden, etwa einem vom Religionsunterricht umrahmten, in religiösen Uebungen einge- betteten weltlichen Unterricht üblicher Art genüge getan werden."— „Der Katholik... hüte sich deshalb vor allem, Schranken gegenüber seiner Witwelt zu setzen, die keinen hellsgeschichtlichen Rotwendig- ketten entsprechen, sich i n« i n Ghetto zurückzuziehen, das eine katholische Welt neb«n der anderen abgrenzt. Denn die U r s ü n d e ist die Absonderung."— Den Glauben in die Gemeinsamkeit de» Doltsschicksal» wirkend einsetzen, heißt aber für den Katholiken: auch die Schranken d«r Konfession, insofern sie in die irdischen Institutionen und Lebensbereiche hineingebaut sind, überwinden und die Glaubenskrost... gerade in der rückhaltlosen Begegnung mit Angehörigen aus allen Schichten und Bekenntnisse« bewähren, die Schule, die Bildungsanstalten sind die Stätten, an d«n«n sich diese Begeg- nung am tiefst«« ermöglichen läßt."—„Der später« Lehrer kann kein guter Volkelehrer s«in,«r kann nicht aus dem Volke lehren und für das Volk bilden und erziehen, wenn er nicht in dieser entformten, entvolklichten Zeit in«iner Urzell« werdenden Volkstum», eben in einer aus allen Bekenntnissen und Schichten vertretenen geistigen Lebensgemeinschaft, wie sie die simultane Lehrerakademie werden kann und werden muß, gelebt und darin seine christliche Glaubenskrast wahrhaft als Erneu«rungsquell schon bewährt hat."— „Wir stehen also in einer Front, deren katholisch« Schulpolitik auf Abbau der sogenannten katholischen Bekenntnisschule hinzielt!" Liest man diese tapferen und unanfechtbaren Sätze eines absoluten Katholiken, so spürt man den Menschheitsgeist am Webstuhl der Zeit und— bekommt Mut, weiterzustreiten für die produktive Gesamtschule zur Welt und zum Volk, zur Gerechtigkeit und Klassenlosig- keit. Es leben uns viele Bündnisbereite im Volke. Wir müssen nur jedem seine Eigenart lassen, wenn er nur mit uns die Wege der Zukunft sucht. Dieser Katholik lehrt uns überzeugend': Keine Kompromisse mit diesem Reichsschulgesetz'. In den Orkus damit! Kämpfen wir um die Verwelk- l i ch u n g der ganzen Schule! Paul Oe st reich. ver polnische Antrag in Genf. Die Stellungnahme der anderen Länder. Unser Genfer Berichterstatter V. Leb. meldet nachts Uhr weiter(vgl. den Bericht auf Seite 1): Der polnische Antrag dürfte aus den Widerstand(Englands stoßen: beim heutigen Empfang der englischen Pressevertreter hat sich Chamberlain sehr entschieden gegen jeden neuen Patt und gegen jeden Versuch, da» Genfer Sicherheits- Protokoll von 1924 in irgendeiner Form wiederzubeleben, aus- gesprochen. Die Polen vermuten allerdings, daß sich diese scharfe Absage vor allem gegen den holländischen Vorschlag richtet, zumal die holländische Resolution noch weiter geht als das polnische Projekt. Andererseits soll Chamberlain den Polen gesagt haben, daß ihre Idee nur dann Auesicht auf Verwirklichung hätte, wenn sie auf die E i n st i m m i g k e i t der Versammlung rechnen könne. Ob er damit versuchen wollte, die Verantwortung für ein Nicht- Zustandekommen im voraus Deutschland zuzuschieben, bleibt dahin- gestellt. Es ist bisher nicht bekannt geworden, daß sich die deutsche Regierung jemals gegen das Protokoll geäußert hat. Dagegen ist es unbestreitbar, daß das Protokoll vor allem an Eng- l a n d und an den Dominien gescheitert ist, und das neuer- dings auch das imperialistische Italien zu seinen Gegnern zählt. Wenn also die politische Initiative an der mangelnden Einstimmig- keit scheitern sollte, so wird die Verantwortung dafür In erster Linie bei der konservativen Regierung Englands zu suchen sein. Deutsch- land dürfte sich dafür bedanken, die Rolle des Sündenbocks und des Störenfrieds zu spielen und dadurch seine Beziehungen zu Polen verschlechtern zu lasten. Am besten ließe sich das dadurch vermeiden, daß die deutsche Delegation sich sobald wie möglich ohne Rücksicht auf die Wahlbedürfnisse der englischen Tory« zugunsten de« allgemeinen Sicherheitsprotokolls von 1924 aussprechen würde. Stresemann soll bleiben. V. Sab. Genf, 6. September.(Eigenbericht.) Die deutsche Delegation hat heute abend in einer internen Sitzung, an der sämtliche Delegierten teilnahmen, beschlosten, daß Stresemann erst zu Beginn der nächsten Woche nach Berlin abreisen würde. Stresemann wird das Kabinett telegra- phisch bitten, den Kabinettsrat über die Besoldungsvorlage um einige Tage zu verschieben. Gefängnis für die Demonstranten. Genf, ü. September.(TU.) Das Genfer Korrektionelle Gericht verhandelte in den letzten Tagen gegen fünf Manifestanten, darunter zwei Italiener, die an den Ausschreitungen vor dem Völk«rbund»g«bäude vor dem amerikanischen Konsulat teilgenommen hatten. Die Angeklagten wurden mit Gefängnisstrafen von drei bis sechs Monaten bestrast. Ein Italiener wurde ausgewiesen. flpostel üer Einheitsfront. Oder: der Streit um die Jnvalidenkarte des kommunistischen Abgeordneten. Vor dem Mannheimer Arbeitsgericht standen sich in diesen Tagen zwei Kommunisten einander gegenüber. Der eine in der Rolle des Unternehmers war der badtsche Landtags- Ab geordnete Paul Schreck, Mannheim, Sekretär für den Bezirk Baden, der andere in der Rolle de» klagenden Angestellten, der badische Londtogsabgeordnete Ritter, ehemal» kommunistischer Parteiangestellter. Ritter klagte auf Herausgabe seiner Invalidenkarte zur Anforderung von Erwerbslosenunter- stützung. Beide stritten sich vor dem Arbeitsgericht nach Leibes- kräften. Ritter forderte, daß die Bezirksleitung der KPD. den ein- fachsten sozialen Verpflichtungen nachkommen sollte, Schreck drückte sich von der Verantwortung, indem er erklärte, daß die KPD. keine juristische Person sei! Ein seines Brüderpaar: der ein«, der immer noch Landtags- abgeordneter ist, will zu den Landtagsdiäten noch Erwerbslosen- Unterstützung hinzubeziehen und begründet die Forderung mit dem Hinweis darauf, daß die Diäten kein steuerpflichtiges Einkommen seien, der andere hat zwar die Inoolidenbeiträge des Angestellten entgegengenommen, will aber die Karte nicht her- ausgeben. Schließlich einigte man sich dahin, daß Ritter die Klage zurück- nahm und Schreck sich bereit erklärte, eine Bescheinigung über die Abführung der von Ritter geleisteten Krankenversicherung»- beitrüge herauszurücken. Im badischen Landtag ober sitzen die beiden feindlichen kommu- nistischen Brüder einträchtig nebeneinander auf einer Bankl Da» ist das Bild der kommunistischen Einheitsfront in der Praxis des Alltags. Unachtsamkeit bei Grenzmanövern. Polen soll besser auspassen. Warienwerder, 6. September.(WTB.) Wie die„Weichselzeitung" meldet, landet« gestern abend gegen TU Uhr ein polnisches Militärflugzeug bei Oberfeld, Kr«is Marien- werder. Bei der Landung wurde der Apparat stark beschädigt und die beiden Insassen, zwei polnische Lizefeldwebel. erlitten leichtere Verletzungen. Sie gaben an. an d«n Manövern bei Lomza beteiligt gewesen zu sein. Wie die..Weichselzeitung" weiter meldet, überschritt am Sonntag abend gegen �11 Uhr in der Gegend von Garnsee eine polnische Patrouille von sieben bis acht Mann die Grenze längs der Straße Garnsee— Herminendorf. Der Führer der Patrouille glaubte, sich noch auf polnischem Boden zu befinden. Die Patrouille gehört einer größeren Abteilung an, die im Graudenzer Gebiet an Manövern teilnimmt. WTB. glaubt noch folgendes„melden" zu müsten: „Der Bevölkerung von Westpreußen hat sich Infolge der Häufigkeit der Grenzverletzungen während der letzten Tag««ine begroislich starke Erregung bemächtigt." Eine solche Erregung war« kaum begreiflich, besteht auch sicher nicht und«s ist auch gar kein Grund zu ihr. Wenn ein paar polnische Soldaten irrtümlich auf deutschen Boden treten, so ist das wirklich noch kein Unglück und schon gar keine Err«gungsursache. Genosse Dr. Hilserding nimmt zurzeit an der Interpalamen- tarischen Handelskonserenz>n Rio de Janeiro teil und hat dort gesprochen. Auch Genosten aus anderen Ländern sind auf dieser Tagung. Zehn rote Frontkämpfer sind bei Kerkrade nach Holland ein- marschiert. Sie wurden festgenommen und dürften wieder über die Grenze zurückgebracht werden. Seamtenbefolüung unü Reichsfinanzen. Bayern meldet neue Forderungen an. Zur Beratung über die finanziellen Aus- Wirkungen der Defoldungsreform treten am kommen- den Freitag die Finanzmini st erderLänder zusammen. Wie oerlautet, wird vor allem Bayern, trotzdem es beim Finanz- ausgleich sehr gut abgeschnitten hat, aus Anlaß der Besoldungsreform mit neuen Geldforderungen an da» Reich herantreten. Das Reichs- finanzministerium muß sich auf eine stürmische Aussprach« in der Finanzministertonferenz gefaßt machen. Die Besprechungen des Reichefinanzministeriums m i t den Spitzenorganisationen der Beamten sind nun end- gültig auf Donnerstag angesetzt worden. Da» R e ich» k a b i n e tt hat bis jetzt noch nicht zu den Be- soldungsplänen des Reichssinanzminister» Stellung genommen. Was man also den Spitzenorganisationen vorlegen wird, hat noch nicht den Segen des Reichskabinetts, in welchem die Einflüsse der Industrie und der höheren Beamten sehr wahrscheinlich stärker zur Gellung kommen werden, als das, soweit man hört, bei den Besoldungsplänen Dr. Köhlers der Fall war. voreilige Kombinationen. Der Amtliche Preußische Prestedienst teilt zur Neuordnung der Beamtenbesoldung mit: Im preußischen Finanzministerium sind im Lause der letzten Wochen verschiedene Entwürfe zu einer Besoldungsordnung auf- gestellt worden, um festzustellen, welche Aenderungen der bestehenden Besoldungsordnung notwendig sind, um eine gerechte und der Rot- läge der Beamten Rechnung tragende Besoldungserhöhung durchzu- führen, und welche Erhöhungen der heutigen Bezüge für die Siaats- finanzen tragbar find. Aehnlich ist im Reiche zu verfahren. Diese Referentenentwürfe sind in den letzten Tagen Gegenstand eingehender Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzminlster und dem preußischen Minister gewesen. E» ist damit zu lechneir; daß eine grundsätzliche Einigung über die Erhöhung der Bezüge der vergleichbaren Gruppen zwischen dem Reich und Preußen erzielt werden wird. Der von Beamtenkorrespondenzen und Zeitungen ver- öffcntlichte„vorläufige Referentenentwurs" Preußens entsp.richtin keinerWeisedenim Finanzministerium auf. gestellten Entwürfen-und ist geeignet, Hoffnungen zu erwecken, die mit Rücksicht auf die Finanzlage nicht erfüllt werden können. Der endgültige Entwurf der neuen Besoldungsordnung kann der Oeffentllchkcit erst bekanntgegeben werden, wenn di« Beschlußfastung des preußischen Staatsministeriums stattgefunden hat. Zuvor sollen jedoch noch Verhandlungen mit den Beamtenorganisationen statt- finden. Zur bevorftehenüen Mietenerhöhung. Ein demagogischer Antrag. Die Bürgerblockregierung begann im Frühjahr ihre Tätigkeit mit der Anordnung, die Mieten am 1. April und am 1. Oktober um je 10 Prozent zu steigern. Diese Anordnung beruht aus einer Bestimmung des Geldenlwertiingegesctzes vom Jahre 1925, die gegen den Widerstand der Sozialdemokratie zustande ge- kommen ist. Auch die neue Anordnung der Reichsregicrung ist im Reichstage von der Sozialdemokratie heftig bekämpft worden. Monatelang hat sie olle Mtitel versucht, um die Erhöhung der Mieten über die Friedensmiete hinaus zu verhindern. Aber alle An- strengungen waren vergeblich. Di« Regierungsparteien einschließ- lich aller ihrer sogenannten Arbeiteroertreter unterstützten die Mieterhöhungen und lehnten die sozialdemokratischen Anträge ab. An dieser Stellung halten die Regierungsparteien auch jetzt sest. Alle bürgerlichen Parteien wollen Mieterhöhungen, angeblich um den Wohnungsbau zu fördern, in Wirklichkeit um die freie Wirtschaft auch im Wohnungswesen herbeizuführen. Daher ist gar kein Zweifel daran, daß sie auch jetzt neue Anträge auf Unter- lassung der Mieterhöhungen bedenkenlos ablehnen, zumal bereits durch früher bekannt« Beschlüsse der Länder die Erhöhung um 1l> Proz. am 1. Oktober fest beschlossen ist. Unter diesen Umständen hat ein Antrag der kommunistischen Reichstagsfraktkon auf sofortige Einberufung des Reichstages zum 16. September. um zur Mieterhöhung Stellung zu nehmen, kaum Aussicht auf An- nähme. Selbst wenn ihm aber stattgegeben würde, ließe sich auf diesem Wege die drohende Mieterhöhung bei der jetzigen Haltung der Regierungsparteien nicht vermeiden. Der Antrag der Kommu- nisten oerfolgt also nur den Zweck, die Aufmerksamkeit der Wähler auf die von vornherein nutzlose Aktion zu lenken— ein Vergnügen, das man der KPD. wohl gönnen kann, da sie es offenbar sehr nötig hat. Lebhaftes Sefremöen/ Eine milde Strafe. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, hat aus Anlaß der Vorfälle bei der v e r f a s s u n g s f« i« r in Halle der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung am Tage nach der Feier«inen besonderen Untersuchungskommisia: noch Halle entsandt. Dieser Hai eine erschöpfende Aufklärung de» Tot- bestandes vorgenommen. Auf Grund dieser Feststellungen hat der Minister dem Professor Menzer sein lebhafte- Be- fremden darüber ausgedrückt, daß er durch Vertennung des Sinnes der V e r s a s s u n g s f e i e r ihren würdigen Verlauf unmöglich gemacht hat. folgen völkischer Ausschreitungen. Bcrsammlungsvcrbot in BrcSlau. Breslau, 6. September. Das Polizeipräsidium Breslau teilt mit: Gestern abend wurd« eine größere Stahlhelmabteilung beim Einmarsch in die Turnhall« aus dem Publikum heraus angepöbelt. In der Halle wurde festgestellt, daß z w e i L e u t« f« h l t« n. In dem Glauben, daß diese von der Menge festgehalten worden seien, stürmten die etwa 200 Stahlhelmleute entgegen den Be- fehlen ihrer Führer wieder auf die Straße, um die Leute zu suchen. und entfesselten dort unter Verwendung von abgeschnallten Koppeln und abgerissenen Zaunlatten eine große Schlägerei, wobei auch zwei Schüsse sielen. Die herbeigerufene gesamte Bereitschafr der Schutzpolizei griff sofort mit Gummiknütteln ein und stellte in kurzer Zeit die Ruhe wieder her. Verschieden« Derhafrungen wurden vor- genommen. Aus Anlaß dieser Ausschreitungen hat sich der Polizei- Präsident veranlaßt gesehen, bis auf weiteres alle V e r s a m m- l u n g e n unter freiem Himmel, insbesondere alle Um- züge de s S l a hl h e l m s und der Frontsoldaten der Ortsgruppe Breslau und seiner Unterorganisationen im Stadtbezirk Breslau z u verbieten. Jugendarbeit im yolzarbeiter-verbanö. Rcichskonfcrcnz der Jugendleiter. Der Deutsche Holzarbeiteroerband hielt am 4. und 5. September in BerZn seine erste Reichstonferenz der Iugendleiter ob. Nachdem beim Verbandsvorstand 1922 ein Iugendsetrctariat errichtet worden ist, wird unter den zahlreichen Lehrlingen und jugendlichen Arbeitern beiderlei Geschlechts eine planmäßige Agitation betrieben- Gegenwärtig bestehen in 198 Orten Jugendabteilungen mit 29 999 Mitgliedern. Da- von sind rund 13 999 Lehrlinge, außerdem 5399 männliche und 2199 weibliche Jugendliche. In den Iugendabteilungen herrscht ein erfreuliches reges Leben. 1926 betrug die Zahl der Veranstaltungen(Vorträge, Untcrrichtskurse, Versamm. lungen, Wanderungen, Elternabende, Museenbesuche usw.) 2698 und die Zahl der Besucher 61 288. Starker Beliebtheit erfreuen sich die beruflichen Fachvorträge und Fachkurse. Die Jugendlichen erhalten neben der„Hoizarbeiter-Zeiwng" die monatlich erscheinende„H o lz a r b e i t er-Ju g e n d". Die Reichskonserenz der Iugendleiter wurde eingeleitet mit einem Vortrag des Jugendsekretärs Kollegen Timm über die„Be- d e u t u n g und Entwicklung unserer Jugendarbeit'. Bon allgemeinem Interesse sind seine Ausführungen über das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, im besonderen des Iugendleiters. Die Jugendarbeit ist ein Teil der allgemeinen Verbandsorbeit. Die Führung muß bei den Erwachsenen liegen. Der Erwachsene darf ober niemals Diktator fern, sondern immer Kamerad. Die Jugendlichen müssen zur tatkräftigen Mitarbeit herangezogen werden. Erst wenn beide, Jugendleiter und Jugendliche, zusammen» arbeiten, kommt die Bewegung vorwärts. Der Jugendleiter muß dem Jugendlichen in jeder Hinsicht ein Vorbild sein. Selbst ein unbe- dachtes Wort stelle den Erfolg jahrelanger Arbeit in Frage.— Timms Ausführungen fanden wertvolle Ergänzungen durch zwei Vorträge über Erfahrungen aus der Praxis der 5u- g« n d l e i t« r. Kolleg« Ballufs(Stuttgart) behandelt« die Ju» gendarbeit in der Großstadt und Kollege Pfeiffer(Glauchau) die in der Klein- und Mittelstadt. In der Aussprache sand die Tätigkeit des Jugend- fekretärs volle Anerkennung, ganz besonders gerühmt wurden Inhalt und Aufmachung der„Holzarbeiter-Jugend". Angenommen wurden drei Entschließungen. Die erste richtet an olle Verbandmitglieder die dringende Bitte, die Jugend- arbeit im Verbände mitallen Kräften zu fördern. Die Ortsverwaltungen werden ersucht, Iugendabteilungen zu errichten und ständig auszubauen- In allen Orten ist auf die Mitarbeit im gewerkschaftlichen Iugendkartell der größte Wert zu legen. Ver- onstaltunge» allgemeinen Charakters sollten, soweit angängig, g«. meinsam mit den am Jugendkartell beteiligten Organisationen durch- geführt werden. Die zweite Entschließung begrüßt die Absicht einer gesetzlichen Neuregelung des Beruf sausbild ungswesens. Der vorliegende Gesetzentwurf entspricht aber nicht den berechtigten For- derungen der Arbeiter. Die Gewerkschaften müssen in den für die Berussausbildung in Betracht kommenden Körperschaften mit votler Gleichberechtigung beteiligt werden. Di« dritte Entschließung verweist aus die heute ungenügende Ferien regelung für die Jugendlichen und ersucht den Verbandsvorstand, sich mit ganzer Kraft für den Ausbau der tariflichen Ferien. sowie einer gesetzlichen Regelung des Urlaubs für Lehrlinge und Jugendliche einzusetzen. Den Schluß der Tagung bildete ein groß angelegtes Referat des Verbandsoorsitzenden, Kollegen Tornow, über„Die g e w e r k- ichaffliche und w i rtsch a s t S p o l i ti s ch e Erziehung unserer Jugend". Der Verkauf der ersten Reichskonserenz der Ju gendleiter berechtigt, wie der Leiter der Konserenz, Kollege I g h ii, am Schllisse der Veranstaltung feststellte, zu der Hoffnung/ daß die Jugendarbeit in der nächsten Zeit einen kraftvollen Aufschwung nehmen wird. Der Streik bei Maaoli unü Josetti beenöet. Die Arbeit wirb heute wieder aufgenommen. Der Arbeitgeberverband der Zigorettenindustrie hat sich bereit erklärt, noch nor Ablauf des Tarifoertrages, also vor dem 39. Sep- tember, in Verhandlungen über eine Neufestsetzung der Löhne oller Arbeiter in der Zigarettenindustrie cinziitreteii, wenn in den bestreikten Betrieben Manoli und Josetti die Arbeit sofort wieder ausgenommen werden würde. Er hat weiter zugesagt, daß die bei diesen Verhandlungen vereinbarten Löhne rückwirkend ob 1. September gezahlt werden sollen und auch anläßlich des Streiks bei den Firmen Manoli und Josetti keine Matz- regelungen vorgenommen werden dürfen. Zu dieser veränderten Situation nahmen gestern mittag d i e Streikenden in einer überfüllten Versammlung im Dresdener Kasino Stellung. Die in der Versammlung vorgenommene g e- Heime Abstimmung ergab nicht die notwendig« Mehrheit zur Wetterführung des Streits, so daß heut« Mittwoch früh in allen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen wird. Stellungnahme der Angestellten der städtischen Werke. Der dem Verband der Gemeinde» und Staatsarbeiter ange- schlössen« Reichsbund der Beamten und Angestellten hatte zu Montag abend nach Boekers Festfälen eine Bersammlung aller in den Berliner Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken beschäftigten Angestellten einberufen, die einen äußerst starken Besuch aufwies. Die Bersommelten sprachen sich zunächst anerkennend aus über das nachdrückliche Einsetzen des Reichsbundes für die Unterstützungs- aktion der städtischen Beamten und Angestellten, sowie über dos Eintreten der sozialdemokratischen Stadtverordneten im Aeltesten- ausschuß für die Beamten. Genosse Horeis vom Verband der Gemeinde- und Stoatsarbeiter erläuterte dann die Gründe, die die Organisation zur Kündigung des Angestelltentarif- Vertrages zum 39. September bewogen haben. Es soll vor- nehmlich eine Verbesserung der sozialen Be st immun- g en des Manteltarises herbeigeführt werden und«ine Anpassung der sozialen Bestimmungen an die während der Dauer des Ber- träges in Kraft getretenen Gesetze. Nach einer längeren, sehr sachlichen Aussprache billigte die Versammlung e i n st i m m i g die von der Organisation ausge- sprachen« Kündigung des Vertrages und die von ihr ausgearbeiteten Abänderungsanträge." Ungerechtfertigte Entlassung. Zu der Notiz.Ungerechtfertigte Entlassung bei der Lufthansa" in der Abendausgabe vom 19. August, wird uns von der Deutschen Lufthansa geschrieben: „Nachdem unsere kaufmännische Leitung den neuen Sach- verhalt, d. h. die völlig veränderten Zeugenaussagen bei der letzten Verhandlung vor dem Arbeitsgericht erfahren hatte, setzte man sich mit Herrn Laos in Verbindung und erklärte, daß die Geschäfts- leitung den Vorfall sehr bedauere und daß s e l b st o e r- ständlich Herr Loos wieder in unseren Betrieb aufgenommen würde. Hierauf verzichtete Herr Laos auf eine persönlich« Ehrenerklärung und war in jeder Weise befriedigt. Di« Schuld an dem unliebsamen Borsall trifft den z u st ä n d i- gen Meister, der insofern nicht korrekt handelte, als«r eine in bestimmter Form gehaltene Meldung der Betriebsleitung übergab, bevor er die Richtigkeit seiner Vermutung in jeder Weise geprüft hatte. 2lus diesem Grunde ist der betreffende Meister von seinem Meisterposten enthoben worden." * Wir nehmen gern Kenntnis van der Zuschrift der Lufthansa und stellen mit Vergnügen fest, daß die Direktion die Angelegenheit in durchaus korrekter Weise geregelt hat. Sie hat nicht nur das an dem Heizer L. begangene Unrecht zugestanden, sondern auch gutgemacht. „Der Dank deS Vaterland." Vom Aet r i e b s r a t des Cafe Vaterland erhalten wir folgende Richtigstellung: „Am 3. September brachte der„Vorwärts" unter„Der Dank des Cafe Vaterland" die Notiz, daß im Cafe Baterland der Portier Köppke noch dreizehnjähriger Tätigkeit infolge An- wurfs eines Winkelblattes entlassen sei. Dies trifft nicht zu, sondern K. ist nach gesetzmäßiger Verhandlung zwischen Betriebs- leitung und-Vertretung im Betriebe in Stellung ver- 'lieben. Bei Erscheinen der Notiz war«in Abschluß der ge- iihrten Verhandlungen(welche im Betriebe stets in korrekter Farm geführt werden) nach Lage der Sache' Hoch gor nicht möglich." Unser Hinweis auf den Fall kam alsn gerode noch zur rechten Zeit, um dos Eingreifen der Betriebsvertretung zugunsten des Por- tiers zu unterstützen, so daß es zum Erfolg geführt hat. Cht Streik i» der Teppichindustrie. Der Lohn- und Manteltorif für die Teppichindustrie in Münchenbernsdorf wurde von den Arbeitern gekündigt und dabei u. o. gefordert, daß eine Gleichstellung der Löhne mit denen der Teppichindustri« von Gera und Weida erfolgen soll. Nachdem die Verhandlungen gescheitert waren, sällte der Schlichtun�sausschuß auf Anruf der Arbeitgeber einen Spruch, der einen Spitzen- lohn van72Pf. pro Stunde vorsieht. Der Spitzenlohn in Gera und Weida beträgt 75 Pf., so daß nach dem Schiedsspruch die Spanne� statt wie bisher 5 Proz. noch 4 Proz. betragen würde. Dieser«pruch befriedigte die Arbeiterschaft in keiner Weise: sie trat daher in Stärke von rund 1999 Personen in den Streik. Voraussichtlich werden durch Bermittlung des Bürgern, eisters von Münchenbernsdors am 6. oder 7. September neue Verhandlungen vor dem zuständigen Schlichter stattfinden. Der Streik hat mit dem Lohnabkommen für die sächstsch-thürin- gischen Webereien nichts zu tun, da für die dortige Teppichindustrie ein besonderes Tarifverhältnis besteht. Eine Schnhfachschulc in Pirmasens. .„Besser die Errichtung einer einzigen Fach- schule als die von zehn Gymnasien I" Diesen bemerken?- werten Ausspruch machte dieser Tage ein Referent des bayerischen Kultusministeriums, der bei der Eröffnung der ersten deutschen Schuhfachschul« in Pirmasens die bayeri- fche Regierung vertrat.(Für die rheinpfälzische Schuhindustriestadt, die hinter der modernen Konkurrenz nicht zurückbleiben darf, mag man diesen Ausspruch gelten lassen. D. Red.) Aufgabe der Schule ist die Heranbildung möglichst qualifizierter Facharbeiter. Der sozial- demokratische Reichstagsabgeordnete Simon- Nürnberg begrüßte als Vertreter der Arbeiterschaft die Errichtung der Fachschule Sie ist ein« auf dem Weg der Selbsthilfe mit staatlicher und privater Unterstützung geschaffen« städtische Schule. vom britischen Hewerkjchastskongreß. Fester Griff ins Wespennest. Edinburgh. 6. September.(MTV.) Heute kam es bei den Beratungen des Gewerkschaftskongresses zu Tumultszenen, als eine von dem Kommunisten P o l l i t eingebrachte Entschließung beraten wurde, in welcher die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Frage der gesamten künftig zu betreibenden Politik und der Frage der Leitung und der Organisation der Gewerkschaftsbewegung gefordert wurde. Im Namen des Generalrates wandte sich der Führer der Eisenbahner, Thomas, energisch gegen diese Eni- s ch l i e ß u n g. Er erklärte: Wir sind bereu, auch diesen, neuen Angriff entgegenzutreien, der von dem kommunisti- schen Hauptquartier in London oder auch dem in Peters- bürg kommt. Die Gewerkschaftsbewegung leidet nicht darunter, daß ihr eine neue Politik fehlt, sondern sie leidet an der Illoyalität einzelner Mitglieder. Die Resolution wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Banarbeiterstreik in Pose». Posen, 6. September.(TU.) Am gestrigen Tage sind hier die Bauarbeiter wegen Nicht- erfllllung ihrer Lohnforderungen in den Streik getreten. Achtuna, Bezirl-amt Z>re»zb«rg! Am Donnerstaz, 8. Septkmiier, El || ,9»; Uhr, Versammlung aller Parteigenossen, Arbeiter, Angestellte und r'l W Beamte, IM Lokal von Artiger, Grimmstr. 1. Tagesordnung t 1.„Tie fj iI Aufgaben der Betriedsfraktioncn." Referent ibeiioss« A. Holz. 2. Aus- Ü) « sprach« und Diskussion. Verschiedenes. Erscheinen aller Genossen ist ßn S Pflicht. Der Froltionsvorstand. L:i A Achtung. Spianstasfabrik nad Arwit Zeblendors« Am lsreitag,-1 ii 9. Deptember. 16 Uhr, bei Meurer, Eechof, Waldschlößchen, wichtige s) gl Fraktion» sitzung aller«P?.. Genossen. Der Feattionsoorstand. ii u i i i r n.w i-t w=j=fei_kEM-Lrj r i i Freie Gewerkschaftsjugend Geofc. Verlin. Seiitc, Mittwoch. I!Nz Uhr, tagen die Gruppen: Rcutöln: Gruppenheim Jugendheim Vergstr. 29, Hof. Porirag: Die Ausstellung„Das junge Deutschland".— Tiidwcstcn: Grupp'nhei".! Stadtisches Jugendheim Porrfstr. n, Fabrilgebllude. Wir üben zun, Eltern, abend.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18,79. Heimbefprechunq. Hofe. mann liest die Fahnenweihe.— Rordriug: Gruppen heim Jugendheim Sbees» walder Str. 1». Bortrag:„Entwicklung der Ardeiterjngcndbeweguiig."— »oiimlchiilenweg! Jugendheim Baumschulen weg, Ernststr. 16. Bortrag:„Die Ursachen und Folgen de» Weltkriegs."— Weihenie«: Fugendheim Portstr 16, Heimbesprcchung.— Zentrum: Jugendheim Zehdcnicker Str. 26/25. Heim. nelvrechung. Diskussion:„Unsere Binterarbeit."— Humboldt und Gesund- bruanen: Baden im Plößensee.— Eharlottenburg: Fugendheim Deutsches Aianienkassciihaus. Berliner Str. 137. Heimdesprechung. Aussprache ilber Betriebsverhälinisse. Berbandsbuchkontrolle.— Eintrittak-rtcn zur Ausstclluuz »Da» junge Deutschland" sind zum ermäßigten Preise von 15 Pf. fllr Fugend. liche in der Fugriidzentralc erhältlich. Iugendgruppc de» ZdA. Heute, Mittwoch. 19/4 Uhr, Veranstaltungen in folgenden Bezirken: Osten: Jugendheim Schule Litauer Str. 18. Heim- besprechung.— Reukölln: Jugendheim Rogatstr. 53. Bunter Abend.— Wcd- ding-Gesundbrnunen: Jugendheim Schönstedtstr. 1(Ledigenheim 5 Tr.). Heim- besprechung.— Eharlottenburg: Fugendheim Rosinenstr. 4. Heimbesprechung. — Rordweft: Realgymnasium Schlcswiger Ufer 14. Heimbesprcchung.— Spandau: Jugendheim Linhenufer 1. Heimbesprechung. Berantwortlich Mr Politik: Richard Berustein: Wirtschaft: G. Alingelhöter: GewerkschaslSdewegung: I. Steiuer: Feuilleton: De. Zoho Schikowski: Lotales und Sonstiges: Fn» Aarstädt; Anzeigen: Ih.«locke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Pcrlng G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstal» Paul Singer u Eo. Berlin SW 68 Lindcnstraße 3. _ Hierzu 1 Beilage und.Unterhaltung und Bissen". Mein« MM« muiter in allen unleren Siwiern 'SfßSi Co2� � Apo Te'ae\\' K'e/tf, �«5 £plii "»toff fross, �oe cle eu." 380 1 f lautet 590 Chi**../ Ptto*. l o« »• c,ntri Äe r*0r"'<>o*r« .26s 3€s Kö yoZ **4*0 ireit, 0|||ä / ZssSLSs»» 'S so nast �•■■•�95,, j,..*fpf. im SSferr Wtati "Cr, • Hfttf 5*s <■«•725 "•Syiinu iQso l&o KERMAMM Leipziger Str.* Aiesonderpiatz* Frankfurter Aiiee> Belle-Ainance-Str.* Brunnenrtr.» KotttaserDomm» WilmersdorferStr.» Andreasstr.» Ciiausseestr. Nr. 422* 44. Jahrgang 7. Seilage öes Vorwärts MittVoch, 7. September 1427 Vor einiger Zeit brack)ten wir einen Artikel, der sich mit der Gescrmtorganisation der Straßen- und Stadtreinigung befaßte. Heute soll das Spezialgebiet der Müllabfuhr und-Verwendung behandelt werden. ZvtT ist üie Müllabfuhr geregelt! Die Berliner Müllabiuhr A.-G. ist ein gemischtwirtschaftlicher Betrieb, deren Aktien sich zum großen Teil in den Händen der Stadt befinden. Von fünf Depots aus fahren die bekannten großen „Staubschulzroagen" niorgens um 7 Uhr vom Hof«, nach den ihnen zugeteilten Straßen. Der Kutscher mit seinem Helfer hat täglich eine bestimmte Anzahl von Kästen(von je 200 Litern Inhalt) zu leeren.(£o ist dies eine äußerst schwere und schmuhize Arbeit, die große kraskanstrengung erfordert. Rur gesunde, starke Leute können diese Arbeit verrichten. Und der verhältnismäßig hohe Lohn, den sie erhalten, ist ihnen wohl zu gönnen. Die gefüllten Wogen gehen nach den Ablade- und Umschlagstellcn. Dort wird dos Müll m Eisenbahnwagen bzw. in Kähne verladen. Die wenigsten Berliner machen sich eine Vorstellung über die Mengen von Müll, die täglich hier zusammenkommen. Nicht weniger als vier Eisenbchrizuge von insgesamt 120 bis HO Wagen zu 15 bis 20 Tonnen lausen täglich von den verschiedenen llmschlagskellen ab. Das ergibt rund 2000 Tonnen Müll täglich. Dazu kommt noch, was die Kähne befördern. Außerdem haben noch einige der ehemaligen Vororte, wie Chor- lottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, ihre eigene Müllabfuhr be- halten: Wilmersdorf hat z. B. seit Jahren das in seinem Bereich anfallende Müll dazu verwendet, den oersumpfenden Wilmcrsdorfer See zuzuschütten. Wie ist üas Müll nutzbar zu machen! Die Ablagerung des Mülls erfolgt auf öden Flachen, versumpf- ten Wiesen, Lüchen oder Tiefslächcn. Auf diese Weise werden große Flächen der Bcwirlschastung wieder erschlossen. Man hat auch den Versuch gemacht, Müll durch Verbrennung zu beseitigen. Inner- halb von Berlin ist dies in Schöneberg geschehen. Die Grundlage dieses Verfahrens bildete die eigenartig« Konstruktion eines beweg- lichen Rostes, wodurch die Entflammung des Mülls beschleunigt werden sollte. Das ist nur zum Teil gelungen. Muß aber zu diesem Zweck dem Müll Kohle zugesetzt werden, dann ist die Wirt- schastlichkeit wieder in Frag« gestellt. Um dies« zu gewährleisten, ist auch dafür Sorge zu trogen, daß der überschüssige Dampf zu industriellen Zwecken ausgenützt werden kann, und daß scrner die übrigbleibende Schlacke�erwertung findet. Alle diese Voraus- setzungen sind bei dem Schönebergec Ofen nicht in vollem Umfange vorhanden gewesen. Das Werk ist darum zunächst stillgelegt war- den. Zurzeit werden von der„Berliner Müllabfuhr-Gefellfchast" neue Versuche angestellt. Das neue Verfahren hat die vorher- I gehende Scheidung des Mülls in Grob- und Feinmüll zur Grund- lag«. Diese wird auf mechanische Weise erreicht durch Siebungen und durch einen großen umlaufenden Magnet, der die Metallstückc aller Art aus den Müllmassen herauszieht. Es scheint somit er- wiesen, daß eine Verbrennung von Müll ohne vorherige Ausschei- dung der Sperrstücke und ohne Sicbung nicht möglich, ob sie mit Ausführung dieser Vorarbeiten noch wwtschastlich ist, bleibt noch zu erweisen. Die HanpUchwierigkeit hier in Berlin dürfte in der Beschaffenheit der bei uns üblichen Heizmittel, der Braun- kohle nbriketts, liegen. Es bleiben hier keine Restbestände, wie bei der Stsinkohlenhsizung, Kohlenrcft«, die bei der Ber- brennung mit zur Erhöhung der Hitzegrad« beitragen. Selbst wenn sich die Beseitigung des großstödiisch�n Mülls durch Verbrennung nur mit Zuschüssen erreichen ließe, wird dieses Verfahren, je mehr der Riefe Berlin sich ausdehnt, doch wenigstens für einen Teil Platz greifen muffen. verwenüung in See Lanöwirtschast. Das Berliner Hausmüll enthält reichlich Kalk und verschiedene andere chemische Bestandteile, die sich bei Urbarmachung von bisher unfruchtbarem Sand- oder Moorboden als Düngemittel vorzüglich eignet. So find im Havclländifchen Luch durch Auffüllung von TNüll große Strecken Oed- und Sumpsland in fruchtbare Felder umgewandelt worden. Tausende ven Morgen Oedländereien in der Mark, in nächster Umgebung von Berlin harren noch der Kultivierung. Allerdings treten auch hier große Schwierigkeiten hemmend in den Weg. Es handelt sich dabei um die sog. Sperrstücke: Scherben und Glassplittcr oller Art, Papier, Lumpen, Büchsen, Flaschen, kurz alles, was in der Hauswirtschaft als unbrauchbar ausgeschieden wird, wandert in den Müllkasten. Diese Sperrsincke müssen wenigstens in ihren gröbsten Bestandteilen entsernt werden. Das geschieht zum Teil bereits aiif dem Wagen durch den Kutscher. Es wird fortgesetzt auf den Abladepiätzen durch die Arbeiter. Restlas geschieht die Siebung aber nicht. Bcrteucrt wird die landwirtschastiiche Ber- Wertung des Mülls durch die tostspielige Bersrachtung. Je weiter die Kroßstadt sich ausbreitet, desto weiter hinaus muß das Müll per Eisenbahn oder Schiff gebracht werden. vie Müllbeseitigung. Ebenso wichtig wie die Beseitigung der flüssigen Ausscheidungen der Großstadt ist die der festen Abgänge des Hausmülls, der Schlacken und des Straßenkehrichts. Auch hier hat die Großstadt erst dieses Problem aufgeworfen. Auf dem Lande und in der Kleinstadt bedarf es kaum für diese Zwecke besonderer Einrichtungen. Dort wird das Müll in Feld und Garten geschüttet, mit anderem iinrat zusammen als Dünger verwandt. ONr es wird achtlos an irgendeinem entlegenen Orte aus den Haufen geiuorsen. Hier tut es keinen Schaden. Nach und nach verrottet es. Anders in der Großstadt. Wäre Berlin ohne regelmäßige Müllabfuhr denkbar? Man denke sich diese Massen von Müll ausgeslspelt, auch nur sür wenige Tage. Hier gibt es nicht wie in der Kleinstadt weite un- bebaute Flächen, Wiese, Moore, abgelegene Straßen— hier steht nur der Hof zur Verfügung. Ringsherum um diese Höfe menschliche Wohnungen, in denen zahlreiche Familien eng aneinandergepfercht hausen müssen.. » So werden die scheinbar unnützen Abgänge der Großstadt wieder im Jnieressc allgemeiner Wohlfahrt verwendet. Hier wie bei der Müllabfuhr und der Kanalisation ist ein Heer von Arbeitern tätig, die eine schwere und schmutzige Arbeit zu leisten haben, eine Arbeit, die häufig mißachtet, darum aber doch für die Gesamtheit äußerst wichtig ist, wichtiger als diejenige niancher Leutchen, die sich hoch erhaben über sie dünken. Das Martprium eines Kmües. Zu Tode geprügelt. Das erschütternde Martyrium eines Kindes enthüllt die Anklage, die jetzt gegen das Ehepaar K u b f eh erhoben worden ist. Wie erinnerlich, wurde der frühere Palizeiwachtmeistcr Alfred K u b s ch und seine Ehefrau Else seinerzeit unter der schweren Beschuldigung in Untersuchungehnst genommen, ihren noch nicht dreijährigen Sohn Günther buchstäblich zu Tode geprügelt zu haben. Da das unglückliche Kind kurz vorher �ar den Todesfall versichert worden war, wurde zunächst die traurige Assärc unter dem Gesichtspunkt des Mordes behandelt, da angenommen wurde, die Eltern hätten das Kind zu Tode gebracht, um die Versicherungssumme zu erhalten. Die Anklage lautet jedoch nur auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, allerdings unter dem strafverschärfenden Ilmstande, daß hier ein Kind grausam und boshaft zu Tode gequält worden sei. Frau Kubsch selbst brachte eines Abends ihren kleinen Sohn in bewußtlosem Zustande in das Krankenhaus, wo er dann am nächsten Tage, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb. Schon bei der Einlieserung stellten die Aerzte Spuren schwerer Miß- Handlungen fest. Was dann aber nach dem Tode die Obduktion ergab, stellte alle Bcrmutungen in den Schalten. Die Kopshaut des Knaben, der verwachsen war und einen Wasserkopf hatte, war durch Stockschläge blau geworden, und der ganze Körper des bedauems- werten Kindes, insbesondere das Gesicht, wies fast keine Stelle auf, die nicht verletzt war. Licht besät war er mit Striemen. Nach dem Befunde war der Tod zweisetlos auf die erhaltenen Stockschläge und die geradezu fürchterlichen Mißhandlungen zurückzuführen. Leider zu spät kommende Aussagen von Nachbarn bestätigten das alles.'Nach ihnen wurde der Jungs, ein sonst artiges Kind, das gar nicht geprügelt zu werden brauchte, seiner Schwester gegenüber stets zurückgesetzt" und, wenn es die Eltern liebkosen wollte, schrosf zurück- aewiesen. Eine Nachbarin hörte einmal ein Geräusch, als ob das Kind mit dem Kopf an die Wand gestoßen wurde, und dann die Worte:„Ich bringe dich doch noch um!" Als es Hunger hatte, wurde ihm, statt ihm zu essen zu geben, mit dem Kochlöffel aus den Mund unter der Bemerkung geschlagen:„So, nun bist du s o t t". Auch Fußtritte bekam es i n d e n U n t e r- leib, was einer Nachbarin sa nahe ging, daß sie weinte. Ander« Nachborsleute bekundeten wieder, daß dem Kind, als es der Muttsr einmal nicht schnell genug trank, die Flasche so heftig in den Mund gestoßen wurde, daß es soft erstickte. Ein anderes Mal wurde es durch Schläge gezwungen, von Schwaben mim- m e l n d e Grütze, die keiner mehr essen wollte, zu verzehren, wobei die Rabenmutter sagte:„Du verfluchtes A... du mußt das Die Silbersc�nxirrue B0j Von ZKe? Besch"«»-t.» 3Xe6«tfeönng an» bcm©ob ÖbII« Äopp«l „Wir hoben zu Ihnen gehalten, Kapitän," sagte Emerson eindringlich,„als man Ihnen in Seattle beim Laden Schmie- rigkeiten machte. Stehen Sie nun auch uns bei. Die Poiizei kann Sie nicht zwingen, zu stoppen." Das Polizeiboot war jetzt so nah gekommen, daß man «inen Gegenstand hinüberwerfen konnte. Noch zögerte Kapi- tän Peasley, Emerson aber sah, daß sein Schnurrbart sich über einem breiten Grinsen verzog. Indem er verständnisvoll das eine Auge zukniff, schrie er zornig, mit laut erhobener Stimme:„Was verlangen Sie von mir! Man wird mich zur Rechenschaft ziehen!" Emerson, der die Situation sofort erfaßt hatte, schrie ebenso laut, daß andere Ohren es hören konnten:„Ich ver- biete Ihnen, zu stoppen, und ich werde Ihnen jeden Verlust ersetzen." „Zum Teufel noch eins! Das ist Meuterei!" Nennen Sie es, wie Sie wollen." „Das ist stark, das ist unerhört!" polterte der Kapitän. um darauf etwas ruhiger hinzuzufügen:„Aber es scheint, daß ich auf meinem eigenen Dampfer nichts mehr zu sagen habe." „Sagen Sie denen da unten, daß sie zur Hölle fahren sollen!" brummte Bali aus dem offenen Kajüttenfenster über ihren Köpfen. Aus dem Boot klangen Flüche herauf, und aus den Fenstern der Deckkajüte kamen Köpfe zum Borschein, die in dem starken Licht des Scheinwerfers ganz weiß erschienen. „Warum stoppen Sie nicht?" fragte eine Stimme. Kapitän Peasley trat an das Geländer der Brücke und rief hinunter:„Ich kann nicht stoppen. Ich werde mit Gewalt daran gehindert. Sie müssen selbst sehen, wie Sie an Bord kommen." Er erteilte einen Befehl, worauf das Licht des Schein- werfers einen Bogen durch die Dunkelheit beschrieb und ver- löschte, so daß das kleine Boot wieder im Finstern verschwand. Emerson aber schlang seinen Arm um die Schultern des Kapitäns und flüsterte ihm seinen Dank zu, während der Kapitän murmelte:„Glauben Sie mir, das wird eine teure Geschichte! Unter vierhundert Pfund kommen Sie nicht davon." Die Polizaibarkasse steuerte davon, der Laut des Motors wurde schnell schwächer und schwächer, der große George aber verließ seinen Platz beim Steuer erst, als er vollständig ver- stummt war. Und auch da verließ er ihn nur widerstrebend und stieg ohne ein Wort des Dankes, der Erklärung oder En!- schuldigung die Stufen hinab. Für ihn war dies nur ein Teil seiner Tagesarbeit gewesen. Die tieftönende Glocke des Dampfers verkündete die Zeit. Boyd nahm Eherrys An* und stieg mit ihr die Treppe der Kommandobrücke hinunter. „Jetzt wollen wir essen," sagte er. „Ja." stimmte sie bei,„und trinken." „Wir wollen auf Fräsers Wohl trinken," sagte er. * Eine Woche später legte die„Bedford Eastle" nach einer Reife über ein spiegelglattes Meer, in dem nebligen Hafen von Umalaska an. Die fliegende„Goonics", die ihnen von Flattery gefolgt waren, blieben beim Anblick des vulkanischen Festlandes zurück und statt dessen flogen Tausende von See- papageien vor dem Steven des Schiffes, warfen sich mit drolligem Entsetzen ins Meer und hüpften von Welle zu Welle, wie Knaben, die über Steine springen. Kapitän Peasley hatte gehofft, hier am Eingang*u dem nebligen Meere, etwas über die treibenden Eisbergs zu erfahren, war aber enttäuscht worden, denn noch war es zu zeitig im Jahr, um aus Zollkutter zu stoßen, und die lokalen Jäger konnten ihm keinen Aufschluß geben. Er war gezwungen, sich auf seine eigene Tüchtigkeit und sein Glück zu verlassen und setzte am nächsten Tage die Fahrt fort. Er hielt wieder östlichen Kurs und begann den zweiten Teil der Reise unter größter Vorsicht und mit halber Gesckvwindiakeit. Die„Bedford Castle" hatte einen Stahlrumps und die Schiffswändc wären wie Eierschalen zerdrückt worden, wenn man sie dem Druck der gewaltigen Eismassen. von denen sie jetzt umgeben waren, ausgesetzt hätte. Im Gegensatz zu einem Holzschiff konnte der geringste Stoß sie leck machen. Kapitän Peasley. der sich über die Gefahr vollkommen klar war. stand ummterbrochen auf der Kommandobrücke, während der Dampfer sich nur langsam Bahn brach. Schließlich aber war er so dicht von Eisschollen umgeben, daß der Kapitän die Maschine stoppen und den Dampfer mit dem Strom treiben lassen mußte. Bald öffnete sich indessen eine Rinne, durch die das Schiff zurückfahren konnte, bis es wieder im Eise festlag. Auch die Kräfte der Natur schienen sich gegen sie ver- schworen zu haben. Vielleicht würde ein Tag. eine Woche, vielleicht ein ganzer Monat oergehen, bevor sie durch das Eis kommen konnten. Schließlich setzten sie den Kurs nach Süden, um dort noch einmal ihr Glück zu versuchen, aber der Weg blieb versperrt. Noch einmal und noch einmal versuchten sie ihr Glück, der erste Mai aber kam heran, ahne daß sie ihrem Ziel nälzer gekommen waren. Eines Abends spät entdeckten sie Rauch am Horizont, und am nächsten Morgen sahen sie einen Dreimaster, der einige Kilometer weiter westlich im Eise festlag. „Das'ist die„Iuliet"", teilte George seinen Begleitern mit.„ein Frachtschiff der Vereinigten Nordamerikanischen Konscrvendosenqesellschast." „Das Schiff lud, als wir Seattle verließen," be- merkte Boyd. „Es ist Willi Marchs Schiff." sagte Cherry,„wahrschein- lich ist er selbst an Bord. Es ist ein Holzschiff, das für dieses Fahrwasser gebaut ist. Wenn wir nicht aufpassen, wird er uns zuvorkommen." „Was hat er davon?" fragte Clyde,„die Fischschwärme kommen ja erst in sechzig Tagen." Emerson und Bali zuckten nur die Achseln. Für Cherry Malotte war diese Reise wie ein Märchen gewesen: denn als sie erst auf hoher See waren, war Boyd wieder er selbst geworden, der natürliche, unwiderstehliche Boyd, sein Wesen hatte die Zurückhaltung und Kälte ver- loren, die in der letzten Zeit ihr gutes Verhältnis gestört hatten. Zwei Tage, nachdem die„Iuliet" aufgetaucht war, ent- deckten sie noch ein zweites Segelschiff der VRKG. Am fünften Tage aber öffnete eine lauü urhafte Strömung ihnen den Weg. Zuerst ging es nur langsam durch die Eisschollen vorwärts, dann ober kamen sie in offenes Wasser, das so ruhig dalag wie ein Mühlenteich. Bei Sonnenumergang warfen sie in der breiten Fluß- mündung des Kalvikfluffes Anker: das Rasteln ihrer Anker- kette unterbrach das Schweigen, das seit Monaten über dem Fluß gebrütet hotte. Ein dünner, blauer Rauchstreifen über dem Dorf der Eingeborenen war das einzige Zeichen, daß sich dort Lebewesen befanden. Die Gebäude der Lachs- konfervenfabriken standen noch ebenso kahl und wenig ein- ladend da, wie Boyd sie zuletzt gesehen hatte; das griechische Kreuz auf der kleinen weißen Kirche blitzte in der Abend- sonne. In der Tür ihres Hauses sah Cherry eine Ge- stall, die sie als Constantines erkannte, der sich der Flotille von Kayaks, die jetzt in See stach, vorsichtshalber nicht ange- schlössen hatte. (Fortsetzung folgt.) fr Ä fressen!" Schließlich hatte das unglückliche Kind solche Angst, daß es immer, wenn es die Mutter kommen sah, sich naß machte und flehent- lich bat:„M u t t i. n i ch t s ch l a g e n!" Die Antwort waren nur Schläge mit irgend etwas, was sse gerade zur choud hatte. Die A n- zeige beim Jugendamt nützte nicht viel, und er st der Tod befreite das Kind von seinen ungeheuerlichen Qualen. Die Mutter bestreitet nun die groben Mißhandlungen und behauptet, daß das Kind am letzten Tage in der Küche vom Stuhl gefallen sei. Zu ihrer Entlastung wird angeführt, daß sie ä u ß e r st h y st e r i s ch sei, was ihre Berantwortlichkeit fraglich erscheinen lasse. Deshalb wird die Rabenmutter auch gegenwärtig auf ihren Geisteszustand untersucht. Der Ehemann ist auf Antrag der Verteidigung aus der Untersuchungshaft wieder entlassen worden. Für ihn soll der Beweis geführt werden, daß er nicht an den Miß- Handlungen beteiligt war und nichts davon wußte, weil ihm auf fein Befragen die Frau immer falschen Bescheid gab. Neues aus Schöneiche. Bei einem altpreußischen Rittergutsbefitzer. Letzthin berichteten wir über eine nationalistisch« Maslerade, die auf dem Rittergut S ch ö n e i ch e unter der Leitung bss Majors a. D. Lyons statfand. Heute find wir leider gezwungen, auf eine e r n st e r e Angelegenheit eingehen zu müssen. Unter den Kindern der Gutsschule von Schöneiche ist nämlich eine Diphtherieepidemie ausgebrochen, die erklärlicherweise unter der Bevölkerung große Aufregung hervorgerufen hat. Ein Junge von 13 Iahren und ein siebenjähriges Mädchen sind der Krankheit bereits erlegen,«ine Anzahl weiterer Kinder befindet sich im Krankenhaus. Die Schule ward auf kreisärztliche Anordnung hin geschlossen, aber die Oeffentlichkeit erhielt hiervon erst nach einigen Tagen Kenntnis. Eltern der Kolonie ent- schlössen sich schon vorher, als die ersten Gerüchte auftauchten, ihr« Kinder nicht niehr zur Schule zu schicken, bis über die Ausdehnung der Seuche Klarheit herrsche. Mit Recht macht man den Behörden den Vorwurf, daß es verantwortungslos war, den Ausbruch der Seuche so lange geheim zu halten, und man sieht hierin vielleicht nicht ohne Grund eine Liebedienerei gegenüber der Rittergutsherrschaft. Empörung erregte, daß der Der- treter des Amtsvorstehers den traurigen Mut fand, den Eltern eines der gestorbenen Kinder den Vorwurf der Unsauberkeit zu machen. Vorwürfe über Unsauberkeit treffen im Falle Schöneiche einzig und allem die Gutsoerwaltung. Die Wohnungs- Verhältnisse der Landarbeiter sind so miserabel, daß sie jeder Be- lchreibung spotten. In vielen Behausungen läuft das Wasser an den Wänden herunter, so naß sind die Räume. Für jeden ansi- republikanischen Klimbim ist Geld in Hülle und Fülle vorhanden, aber um anständige Wohnungen für die Landarbeiter kümmert sich die Gutsverwaltuyg nicht. Fehlten doch bisher sogar die Mittel bei diesem»notleidenden Agrarier", in die Landarbeiterwohnungen eine Wasserleitung emzubauen. Das sogenannte.Wasser" wird aus einem Brunnen geschöpft, der eine gelbe, oftmals stinkende Flüssigkeit liefert. Auch die Gut s s ch u l e entspricht durchaus nicht auch nur den geringsten sanitären Anforderungen. Wer dieses Gebäude von der Straße sieht, hält es für einen Schuppen, m dem man allenfalls das Vieh, aber kein« Schulkinder unterbringt. Alle Fenster der Schult liegen nach dem Norden, so daß kein Sonnenstrahl eindringt. Dicht an der Schule führt ein Wasser- graben vorbei, der direkt vom Gute kommt: in ihm findet sich aber meistens nur Jauche, die aus den Viehställen des Herrn Groß- grundbesitzcrs herstammt. Den Duft kann man sich vorstellen! Selbst ein bürgerlicher Vertreter erhob hierüber in der letzten Gemeinderatssitzung bittere Klage. Offensichtlich hat die Guts- Verwaltung Schöneiche Räume genug zur Verfügung. Freilich nicht für Schulkinder oder Arbeiter, wohl aber für den Militär- verein, dem ein besonderes Geschäftszimmer zugewiesen wurde! Der Ausbruch der Seuche in Schöneiche ist«in neuer Beweis �für die traurigen Verhältnisse, lmter denen die Landarbeiter- f ch a f t bei der antisozialen Einstellung der meisten Großgrund- -Besitzer zu leiden hat. In die Welt hinaus schreit das Junkertum über den Mangel an Landarbeitern, ober besser als die Menschen behandelt es das Vieh. Wir hoffen, daß die zuständige Aufsichtsbehörde, auch gegenüber Großgrundbesitzern von falscher Rücksichtnahme unbeeinflußt, ihre Pflicht nicht versäumt und energisch eingreift, um den unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen!_ Unterschlagungen bei dem Finanzamt Neukölln. Unter der Anklage der schweren Amtsunterschlagung hatte sich der Vollziehungsbeamte Wenge! vom Finanzamt Neu- k ö l l n vor dem Großen Schöffengericht Neukölln zu verantworten. Von den Vorgesetzten erhielt der Angeklagte Vollstreckungsbefehle, auf Grund deren Wenge! rückständige und fällige Steuer- betrüge einzuziehen hatte. Der Angeklagte, ein gelernter Kauf- mann und 66 Proz. kriegsbeschädigt, hatte aber auch die Anweisung erhalten, täglich abzurechnen. Durch geschickt« Manipulatto- nen verstand er es, die eingezogenen Beträge, die sich meist auf über 100 Mark beliefen, zu unterschlagen und sie teilweise erst nach Monaten durch neueingezogene Gelder zu decken. Zw ei und- zwanzig derartige Fäll« waren ihm zur Last gelegt. Durch den Zufall, daß eines Tages ein anderer Beamter des Angeklagten Aufträge ausführte, kam der Schwindel heraus. Nun waren dem Angeklagten die Schulden auch schon über den Kopf ge- wachsen. Wenge! verteidigte sich damit, daß er nicht die Absicht gehabt habe, sich zu bereichern, da er die unterschlagenen Gelder immer wieder ersetzte, bis die Sache herauskam. Das Gericht ver- urteilte den noch nicht vorbestraften Angeklagten wegen schwerer Amtsunterschlagung zu sieben Monaten Gefängnis an- statt einer an sich oerwirkten Zuchthausstrafe. Die mildernden Um- stände erblickte das Gericht darin, daß dem Beamten die Rechts- Widrigkeit seines Handelns nicht klar war. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängnis beantragt. Der angebliche„Prunksaal". Auf dem Grundstück des Opernhauses am Platz der Re- publik wird ein Saalgebäude errichtet, das den Besuchern des sogenannten Krollgartens bei ungünstigem Wetter Unterkunft g«. währen und im Winter zur Abhaltung von Ballfestlichkeiten dienen soll, zugleich auch Räume für die Aufbewahrung von Theater- reguisiten enthält. Wie der Ämtliche Preußische Pressedienst erfährt, wird der Bau von der Firma Häuserbnu-Aktiengesellschaft Adolf Sommerfeld ausgeführt, welche die zur Ausführung erforderlichen Mittel darlehnsweise von Privatbanken beschafft hat. Die zur Verzinsung und Tilgung des Darlehns erforderlichen Jahresbeträge werden nach einem von der Generaloerwaltung der Staatstheater abge- schlossenen Vertrage aus dem von dem Pächter des Gartens zu zahlenden Pachtzins gedeckt- vachsluhlbrand in der Heidestraße. In dem Dachstuhl eines Fabrikgebäudes in der Heidestraße 14 in Moabit brach gestern nachmittag aus noch ungeklärter Ursache Feuer aus. Die Feuer- wehr, die mit mehreren Löschzügen unter Leitung des Baurates Lindner an der Brandstätte erschien, mußte eine Stunde lang aus drei Schlauchleitungen Wasser geben. Es gelang, den Brandherd rechtzeitig zu lokalisieren, so daß eine größere Ausdehnung des ' Feuers oerhindert werden konnte. „Ein neuer Beamlenbankskandal?" Zu dem Artikel in der 1. Beilage unserer Morgenausgabe vom 2. September„Ein neuer Beamtenbankskandal? Was geht bei der„Behak" und der Berliner Beamtenoereinigung vor?" wird uns mitgeteilt, daß es sich nicht um eine neue Angelegenheit handelt, sondern um dieselbe Sache, die bereits von uns in unserer Morgenausgabe vom 25. Juni berührt worden ist. Allerdings handelte es sich damals nur um eine ein- seiNge Darstellung. Die Klärung der Dinge wird m einer Rejhe von Zivil- und Strafprozessen erfolgen, die im Gange sind. Zusammenstoß zwischen Autobus und Straßenbahn. Drei Schwer- und etwa 25 Leichtverletzte. Gestern nachmittag ereignete sich an der Kreuzung wilmersdorfer Straße und Pestalozzi st roße zu Ehar. lollenburg ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Aulobus der Linie S und einem Straßenbahnwagen der Linie 44, bei dem drei Fahrgäste schwere und etwa 25 Personen leichte Verletzungen davontrugen. Die Feuerwehr und das Städtische Retlungsamt hatten aus den Alarm»vlenschenleben in Gefahr" mehrere Rettungswagen an die Unfallstelle entsandt. Ein starkes Schutzpolizeiaufgebol hatte die Unfallstelle in weilem Umfange abgesperrt. Zu dem Unglück, das an den schweren Straßenbohnunfall in Wien am letzten Sonntag erinnert, wo annähernd 60 Personen verletzt wurden, wird noch folgendes mitgcheilt: Gegen 15 Uhr näherte sich der Straßenkreuzung Pestalozzistraße und Wilmers- dorfer Straße ein Äutobus der Linie 9. Der Autobus Haide etwa die Mitte der Kreuzung erreicht, als eine vor ihm fahrende Kraft- drofchke plötzlich abstoppen mußte, um eine ältere Frau, die in sehr unvorsichtiger Weise die wilmersdorser Straße überschritt, nicht zu überfahren. Der Führer des dicht aufsolgenden gutbesetzten Äutobus mußte ebenfalls scharf bremsen und gleichzeitig ein« scharfe Linkswendung machen, um ein Unglück zu verhindern. Hierbei ge- riet der Autobus über die Mitte des Fahrdammes. Im gleichen Augenblick nahte aus entgegengesetzter Richtung ein« Straßen- bahn derLinie44 heran. Der Führer setzte sofort di« Bremse In Tätigkeil. Er konnte jedoch nicht mehr verhindern, daß beide Fahrzeuge mit großer Wucht zusammenstießen._ Der Zusammenprall erfolgte mit solcher Gewall, daß die eine Seite des Autobus eingedrückt und die Motorhaube weggerissen wurde. Auch die Straßenbahn wurde schwer beschädigt. Der Fahrgäste, die von ihren Sitzen geschleudert wurden, und über die ein Hagel von Glas- und Holzsplittern niederging, bemächtigte sich eine Panik. Mehrere Personen wurden vom Aulobusdeck aus da» Straßenpslaster g«- schleudert. Laute Hilferufe ertönten aus dem Innern der Wagen, und die Fahrgäste, soweit sie nicht schwer oerletzt waren, stürzten den Ausgängen zu. Schutzpolizeibeamte und Passanten bemühten sich sofort um die Verletzten und sorgten für ihre Ueberführung zur Rettungsstelle in der Kaiser-Friedrich-Straße. Von 14 Personen, die dort behandell wurden, mußten drei in das Weftender und«in Verletzter in dos St.-Hildegard-Krankenhaus gebracht werden. Schwer verletzt wurden: 1. der Führer der Straßenbahn. Fritz Stahl(Schnittwunden); 2. der Führer des Autobus, Alax Kuhnert. Gleimftr. 36 (schwere Kopfverletzungen): 3. Swdent Fritz Ebert, Pankow, Görschstr. 41(schwere Kopfverletzungen): 4. Reisender Kurt JUlttelstäd«. Rostocker Str. 15(schwere innere Derletzungen). Leichkverlehl wurden: 1. Frau Amanda häuseler, Bismarckstraße 28, Charlottenburg. 2. Frau Elisabeth Zander. Eosanderstroße 14. 3. Fräulein Liese Pohl, Leibnizstraße 6, Charlottenburg. 4. Fräulein Emma Däumischeu, Wallstroße 90, Charlottenburg. 5. Siegbert Kambehki. Giesebrechtstraße 4. 6. Frau Sperling aus Hamburg. 7. Frau Dr. Saraga, Schweidnitzstraße 4, Halensee. 8. Johann Kober. Zeppelinstrahe 103, Spandau. Bei den leichten Verletzungen handell es sich m«ist um Schnitt- wunden, Quetschungen und Nervenschocks. Nach ärztlicher BeHand- lung und Anlegung von Notverbänden konnten die Verletzten in ihr« Wohnungen entlassen werden. Eine größere Zahl von Leicht- verletzten, deren Namen nicht sofort festgestellt wurden, begaben sich in prioatärztliche Behandlung. Die Unfallstelle, die mit Glasscherben dicht übersät war, wurde von der Feuerwehr aufgeräumt. Es kostete die Feuerwehrleute viel Mühe, die beiden Fahrzeuge, die sich ineinander festgefahren hatten, mit Winden auseinanderzubringen. Nach über einhalb- stündiger Täkigkeit konnten die Straßenbahn und der Autobus ab- geschleppt werden. Der gesamte Verkehr war fast«ine Dreiviertel- stunde völlig lahmgelegt.— Der Leiter des Städtischen Rettungs- amtes. Dr. Paul Frank, leitete die Hilfsmaßnahmen an der Unfallstelle persönlich. Dieser Vorfall ist ein Musterbeispiel für die Verankworl- lichkeit, die auch der Fußgänger im Straßenverkehr der Großstadt hat. Hier wurde durch das ungeschickte Verhalten einer Fußgängerin ein Unglück herbeigeführt, das unter Umständen sogar den Tod mehrerer Menschen hätte nach sich ziehen können. was Sie flboag sagt: Am. Dienstag nachmittag ereignete sich in Charlottenburg auf der Kreuzung der Wilmersdorser und Pcstalozzistraße ein Zu- sammenstoß zwischen einem Omnibus und einem Straßenbahnwagen. Bei dem Versuch, einer älteren Dame, die den F a h r d a m m der Wilmersdorfer Straße sehr unvorsichtig überschritt, aus- zuweichen, mußten eine Kraftdroschke und der hinter ihr fahrende Omnibus plötzlich bremsen und gleichzeittg scharfe Wendungen aus- führen. Dabei geriet der Führer des Omnibusses, der vor allem darauf bedacht war, die Dame zu schonen, wenige Zentimeter über die Mitte des Fahrdammes hinaus nach links und stieß mit einem ihm entgegenkommenden Triebwagen der Straßenbahn zusammen. Die linke vordere Ecke der Karosserie des Omnibusses wurde ein- gedrückt, und zehn Fahrgäste des Omnibusses und einige Fahrgäste der Straßenbahn sowie der Fahrer des Omnibusses durch Glassplitter und Quetschungen verletzt. Der Griff in üie Kaffe. 128 vvv Mark unterschlagen. Unterschlagungen in Höhe von 125 000 Mark führten den Bank- beamten Georg Richter vor das Große Schöffengericht Berlin- Mitte. Der junge Mann sollte noch erfolgreicher Beendigung seiner Lehrzeit in einer Berliner Großbank entlassen werden. Da er sich jedoch besonders bewährt hatte, bemühte sich di« Direktton um sein Fortkommen, und durch ihre Empfehlung bekam er auch in einem anderen Berliner Bankhause eine neue Stellung. Da er auch hier durch seinen an den Tag gelegten Fleiß und seine Tüchtigkeit der Empfehlung alle Ehre machte, erwarb er sich schnell das größte Vertrauen, so daß ihm bald sämtliche Auszahlungen über- tragen wurden. Sein Unternehmungsgeist scheint ober zu groß ge- wesen zu sein, denn neben seiner. Tätigkett in dem Bankhause de- telligte er sich in Höhe von 10 000 Mark an einer Metallwarenfabrik. Das wurde sein Unglück, denn als dieses Unternehmen nicht recht ging, entnahm er 9000 Mark aus der Kasse und steckte sie in seine Metallwarenfabrik hinein. Da dieses Geld der Fabrik auch nicht auf die Bein« half, ging es so, wie es meistens in solchen Fällen geht. Der Angeklagte tat immer von neuem einen Griff in die Kasse und versuchte schließlich, um di« Fehlbeträge wettzumachen, sein Glück auf der Rennbahn. Der Erfolg war aber nur, daß er ein Loch mit dem anderen zustopfte, bis schließlich sein Treiben ent- deckt wurde, als das Manko schon die genannte Höhe erreicht hatte. Mit neun Monaten Gefängnis soll er es jetzt büßen. Ob dafür Bewährungsfrist zugebilligt wird, ließ das Gericht gestern noch dahingestellt._ Kleingärtners Sommerernte. Es gibt immer noch eine Menge Leute, die die Kleingärtnerei wohl als feiertägliches Ruhe-Idell gelten lassen, der Landbebauung aber ungefähr den Rang der»Balkongärtnerei" einräumen. Sogar unter denen, die berufen sind, das emsige und wirklich ernst zu nehmende Schassen der Siedler öffentlich zu publizieren, gibt es noch solche Analphabtten, die beim Besuch der diesjährigen 6. Gartenbau. Ausstellung im Gesellschaftshaus Pankow buchstäblich Augen und Ohren aufsperrten, als sie die überreiche Fülle von Obst, Gemüse und Zierpflanzen bewundern konnten. Doppelt ist ja der Erfolg zu werten, wenn man die Mühe bedenkt, die daran gewandt werden mußte, ein in den meisten Fällen ganz minderwertiges Land— Sumpf, Schutthaufen, Sand- baden mit Steinen durchsetzt usw.— zu einem fruchtbaren Boden umzuwandeln. Wer heute all das gesundheitsstrotzend« Obst und Gemüse, das sich oft in wahren Riesensormaten präsentiert, sieht, daneben die verschiedenen farbenfrohen Gartenblumen, prachtvolle Dahlien, Rosen, Astern u. a. m., kann sich kaum vorstellen, daß man all das einem Brachland abgerungen hat. An der wirklich wohlge- lungenen Ausstellung haben sich über 30 Pflanzervereine beteiligt und die besten Leistungen wurden durch Ehrenpreise, gestiftet von den Ministerien, Vereinen und Verbänden, ausgezeichnet. Den ersten Preis, die goldene Medaille des Reichsoerbandes und eine silberne Bowle, erhielt der Verein»Nordpol": den 2. Preis, be- stehend aus einer silbernen Medaille und einem silbernen Pokal, der Kleingärtnerverein der Stadt Berlin, Nordend: außerdem ge- langten noch viele Medaillen und allerlei nützliche Gebrauchsgegen- stände für den Gartenbau zur Verteilung. Außer den landwirt- Die Uebettragung von Sullioans Operette»Der Mikado" aus dem Großen Schauspielhaus mußte«in Fehlschlag werden. Di« Musikalität des Werkes, di« leinen Hauptwert für dre Funkhörer ausmacht, wird bei der Aufführung im Großen Schauspielhaus zurückgestellt zugunsten einer glänzenden szenischen Aufmachung. Wirkliche Sänger gibt es hier kaum. Pallenbergs, Bendows, Szöke Szakalls klassische Typen wirken aber nur auf die Zuschauer. Für die Funkhörcr fallen einige Witzwort«, fetten ein einträgsymer Coupletvers ab. Das ist für einen langen Abend zu wenig. Das Nachmittagskonzert von Dr. Beccis Kammerorchester wurde aus dem Haus der Funkindustrie hervorragend gut übertragen. Die Instrumente klangen sämtlich rein und voll. Der Tag stand im Zeichen eines besonders günstigen Rundfunkwetters. Auch die Funk- ubertragungsversuche aus einein Flugzeug kamen dabei, von wenigen Störungen abgesehen, recht gut heraus. schaftlichen Produkten wird auch noch eine Musterlaube«zeigt, mit vorgezeichneten Bauplänen und genauester Kostenberechnung. Di« Ausstellung gibt ein beredtes Zeugnis davon, wie sehr all die Menschen an ihrem Stückchen Land hangen und wie sie körperlich und seelisch erstarken im befreiten Aufatmen erhöhter Lebens- und Arbeitsfreude. » Am Sonntag, dem 11. September, beginnt in den Räumen des Tuskulum, Berlin-Tegel, Hauplstraße, t/irekt am Tegeler See gelegen, die vierte.Kleingartenbauausstellung, verbunden mit einer umfangreichen Kleintier- und Pelzmodenichau. Die Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen, in bcncu neben Obst und Gemüse auch wieder di« in der Kriegs- und Nach- kriegszeit so ins Hintertreffen geratenen Blumen eine besondere Rolle spielen werden. Außerdem wird ein« Abteilung auch Garten- jchävlinge und deren sachgemäße Bekämpfung zeigen. Statistik, Vorlagemappen über Tytzenlauben sind natürlich nicht vergesstti und geben dem Kleingärtner Anleitung zur Verschönerung scmer Por- zelle. 23 Berein« beteiligen sich an dieser Ausstellung, und die verschiedenen Behörden, wie z. B. Landwirtschaftsministeriuin, Landwirtschaftskammer, Magistrat usw. haben Preis« und Urtunden für die besten Leistungen, auch auf dein Gebiete der Kleintierzucht, die sich mehr und mehr auf Rassetiere erstreckt, zugesichert. Der Eintrittspreis beträgt 3 0 Pf. pro Person, Kinder unter 14 Jahren in Begleitung Erwachsener sind fiel. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgt um 2 Uhr, und hiermit werden alle Freunde und Förderer des Kleingartenwesens hierzu besonders«ingeladen. Geheimnisvolle Schäüelfunüe. Gestern nachmittag stießen Arbeiter bei Ausschachtungsarbeilen auf dem Bahngelände in unmittelbarer Rahe des Bahnhofs Gesundbrunnen in etwa% Weier Tiefe auf zwei menschliche Schädel, die noch sehr gut erhallen waren. Die alamlerle Mordkommission stellte fest, daß die Schädel seit etwa vier bis sechs Zahren im Erdreich lagern müssen, weitere Rachgrabungen nach anderen Skeleileilen blieben ergebnislos. Die Schädel wurden zur genaueren Untersuchung beschlagnahmt. vom hafersack erschlagen. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich bei der Potsdamer Feuerwehr ereignet. Die Wehr übte am Steigeturm, um von hier aus die Festigkeit des Sprung- tuches zu erproben. Dabei wurden gefüllte Hafersäcke heruntergeworfen. Ein Sack traf statt des Sprungtuches den 30jShrigen Feuerwehrmann Richter. Dabei trug R. einen Bruch des Rückgrats davon. R. ist seinen Verletzungen erlegen. „Russenschäden in Gefahr!" Der»Verband der Reichsdeutschen aus Rußland" hielt in den Schubertsälen in der Bülowstraße eine gutbesuchte Mit- gliederversammlung ab. Dieser Verband weist immer wieder auf die Notwendigkeit hin, daß olle Rußlandsgeschädigten sich zusammen. schließen müssen, um den Versuch der Regierung, die Rußlands- geschädigten besonders stiefmütterlich zu behandeln, obzucvebren. Rechtsanwalt Dr. Uth berichtete über das Thema»Russen- schä den in Gefahr". Er nannte das, was die Reichsregierung plane,»für einen Rechtsstaat völlig unmöglich" und im Widerspruch stehend zu dein Worte des Reichspräsidenten von Hindenburg, daß Gerechtigkeit die Grundlage des Staates sein müsse. An die Stelle des bisherigen Berwallungsverlahrsns müsse ein neues Verfahren gesetzt werden, dos sich auf Rechtsgrundsägen aufbaue. Der Redner vertangte erhöhte soziale Fürsorge für die Kleingeschädigten, Witwen und Massen, sowie Wiederausbaubei- Hilfen. Syndikus Dr. Füll referierte über den Regierungsentwurf zum Reichsliquidationsgesetz, das nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags zur Beratung stehen wird. Das Ber- hatten des Reiches sei unanständig, und es sei bedauerlich, daß selbst di« beiden Reichsminister, die am meisten an einem Wiederaufbau des Auslandsdeutfcbtums interessiert seien, Dr. Strefemann und der Reichswirtschastsminisler Dr. C u r t i u s, dem Entwurf zuge» stimmt haben. Gegen den Entwurf muß ein unermüdlicher Kampf geführt werden. Dem Ziel, die Rechte der Auslandsdeutschen durch. zusetzen, soll auch ei, l« Kundgebung im Sportpalast dienen, an die sich ein Umzug durch den Berliner Westen anschließt. Scharfe Worte fanden die Redner gegen den»Bund der Auslands- deutschen", der flau und ernergielos in der Interessenvertretung des Auslandsdeutschtums sei und sich dafür in gesellschaftlichen Veranstaltungen erschöpfe. O«1* Fest der goldenen Hochzeit feierte am gefiriga» Tag« mite «bomrent Max.2»«weiche Borsten), für Herren MI. 1.2»«hart« Borsten). Nur echt«n diau-grüner Originatpackiuig«tt Sa«usschrift.thJorodoiU'. Uebuall zu hobt*. Das Opfer eines Derbrechens wurde am Dorobend des Bußtages 1922 eine 16 Lahre alte Hildegard Patze aus Ihlfeld im Südhorz auf dem Wege zwischen ihrer Heimat und dem Dorfe Wiegersdorf. Sie wurde nach schwerem Kampfe mit dem Mörder durch viele M e s s e r st i ch e in den Hals und den Rücken getötet. Es lag nach dem Befund weder ein Lustmord noch ein Raubmord vor, auch ein Racheakt kam nicht in Frage. Es fehlte an jedem Motiv. Der Tat verdächtigt wurden nach und nach mehrer« Personen aus der Gegend, olle aber tonnten nachweisen, daß sie unschuldig waren. Die Ermittlungen blieben erfolglos. Im Jahre 1925 wurden sie noch einmal aufgenommen. Auf Veranlassung der Staatsanwalt- fchaft Nordhausen wurde jetzt auch das Landeskriminalamt Berlin zugezogen. Der Verdacht lenkte sich auf einen jetzt 44 Jahre alten aus Wiegersdorf gebürtigen früheren Fremdenlegionär Hermann Bauersfeld, der überoll umherwanderte und sich zur Zeit des Verbrechens vorübergehend bei Verwandten in Wiegers- darf ausgehalten hatte. Ein Anhaltspunkt war der Fund eines Ab- druckes von einem Stiefelhacken an der sehr zertretenen Mordstelle. Der Stiefelhacken zeigte einen hufeisenförmigen Beschlag, wie er in jener Gegend unbekannt war. Ein Waldarbeiter hatte ihn bei Bauersfeld gesehen. Gefunden waren am Tatort eine Dolch- scheide aus schwach vernickeltem Eisenblech und ein Stückchen von einem Lederriemen. Der Dolch selbst war nicht mehr vorhanden. Es bestand die Vermutung, daß die Scheide und der verschwundene Dolch von Bauersfeld au» seiner Legionärzeit herrührten. Der Ber- dächtige war aber aus der Gegend schon lang« abgewandert und nicht mehr zu finden. Erst Ende April d. I. wurde er In Halle«l. d. Saale festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und beschäftigt nicht nur die Strafbehörden, sondern namentlich auch die medizinische Wissenschaft. Bei seiner ersten Vernehmung wollte er von gar nichts wissen, später gab er zu, daß die Dolchscheid« sein Eigentum sei. Wie sie an den Tatort, der mit dem Fundort gleich ist, gekommen sei, will er sich nicht erklären können. Di« Durchforschung de» L e b e n s g a n g« s des Derhafteten durch Kriminalpolizei und medizinische Sachverständige hat nun folgendes Bild ergeben: Bauersfeld verließ schon in jungen Iahren seine Heimat. Mit 21 Jahren kam er, soweit er sich erinnert, nach dem Ruhrgebiet und arbeitete auf den Z«chen„Deutscher Kaiser",„de Wendel" und „Sprokhövel". Im Jahre 1914 wurde er von Duisburg au» zu den Pionieren in Köln eingezogen, im nächsten Jahr« oder im Jahre 1916 wurde er seinen Angaben nach wegen epileptischer Anfälle an» dem Heere entlasten. Jetzt nahm er sein Wanderleben wieder auf, will sich ober nicht mehr besinnen können, wo er sich in den Iahren 1916—1919 aufgeholten hat. Dann wurde er in Köln, wie er sagt, zur Fremdenlegion an- geworben und über Metz und Marseille nach O r a n in Algier ge- bracht. Als Fremdenlegionär diente er in Sidi bel Abbes und in Meknes in Marokko. Nachweislich wurde er am 24. Juni 1922 in Oran aus der Legion entlassen, angeblich wegen seiner epileptischen Anfälle. Seiner Behauptung nach kam er nun über Marseille, Paris, Straßburg nach Berlin, um hier Arbeit zu suchen. Er blieb aber nur einen Tag und wanderte über Magdeburg oder Stendal nach Wiegersdors. Aus dieser Wanderung will er in der Herberge einer Stadt von einem Fritz Z. den Dolch ge- kauft hoben. In Wiegersdorf meldete er sich zehn Tag« vor dem Morde polizeilich an. Im Frühjahr 1923 verließ er die Heimat und nahm sein Wanderleben wieder auf. Daß Bauersfeld das Mädchen getötet hat, daran ist gar nicht zu zweifeln, ein« andere Frage ist aber die, ob er die Tot bewußt oder unbewußt im Dämmerzustand noch einem epileptischen Anfalle verübt hat. Durch einwandfreie Zeugen ist festgestellt worden, daß er in einem solchen Zustande, also bei aufgehobenem oder st ark getrübtem Bewußtsein, auf andere Leute mit dem Beil, dem Messer, dem Stock und einmal auch mit Blumentöpfen losgegangen ist. Die Angegriffenen, in einem Falle beerensuchende Kinder, konnten sich nur durch geschickte Gegenangriffe oder die Flucht vor der Wut des Kranken schützen. Er selbst wußte von den Angriffen nichts, sobald sein Bewußtsein zurückkehrte, war die Erinnerung an das Borangegangene völlig ge- schwunden. Sein Leiden war in der Gegend bekannt. Man mied Bauersfeld deshalb, und niemand zeigte die Angriffe an, man ließ olles auf sich beruhen, weil man sich sagt«, der Mann habe„dos böse Wesen" und könne nicht dafür. Aus diesem Bilde, dem typischen Krantheits- bilde eines Epileptikers, kann man wohl schließen, daß Bauersfeld das Mädchen bei einer zufälligen Begegnung nach einem Anfalle niedergestochen und getötet hat, ohne etwas davon zu wissen. Das unstet« Wanderleben des Mannes im Verein mit seiner Krank- heit hat nun die Vermutung nahegelegt, daß auch anderwärts ver- übte, bisher noch nicht aufgeklärte Verbrechen auf ihn zurückzuführen feien. Nach dieser Richtung hat Kriminal- kommissar Trettin jetzt die umfastendsten Ermittlungen eingeleitet. Alle, die über den Aufenthalt Bauersfelds zu irgendeiner Zeit, be- sonders aber von 1916—1919 und seit Herbst 1922 etwas wisten, Arbeitgeber, Arbeitsgenossen, Wanderburschen, Herbergsväter usw., werden ersucht, sich bei der nächsten Polizeistation oder bei Kriminal- kommissar Trettin im Zimmer 96 A. des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Hroß-Serliner parteinachrichten. Voranzeige. Dienstag, den 13. September, 19X Uhr, findet in den«vermania- Sälen, Chausteeslrahe 110, eine Allgemeine Fnnktionär-Berscnnmlung mit folgender Tagesordnung statt:„Sozialdemokratie und Reithsschulgesetz". Referent Geaaste Dr. Kurt Löwenstein.— Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung werden zu dieser Versammlung außer den Partei- und Gewerkschaslssunklionären auch die soziald-- und 4 �-Zimmer-Wohnungen, je nach Stadtteil und Lage sollen die Mieten eventuell leicht verschieden sein. Die Woh- nungen sollen errichtet werden in Treptow südöstlich des Rat- Hauses von Treptow, anschließend an den Plöntcrwald, und zwar etwa 3400 Stück mit großen Freiflächen, wobei wegen der vor- handenen Regulierung der Straßen die Bebauung josort möglich wäre. Ferner 1000 Wohnungen angrenzend an das Treptower Gelände in Neukölln an der Sonnenstraße und Köllnischen Allee, in Reinickendorf 1000 Wohnungen an der Schiller- promcnade, in Pankow etwa 2300 Wohnungen am Kissingen- platz und der Rest eventuell bei Siemensstadt: doch steht das noch nicht fest. Die Hälfte der Bauten soll noch in diesem H e r b st begonnen werden, so daß man zu Pfingsten 1928 bei günstigen Wettervcrhältnissen einen Teil fertigzustellen hofft. Zur Errichtung und Finanzierung der Wohnungsbauten schließen sich die bauausführenden Firmen zu einer Gesellschaft zu- sammcn, die Berliner Wohnungsbaugesellschaft, Ge- m e i n n ü tz i g e A.-G., und in der Abkürzung„Bewoag" heißen wird, mit 3 Millionen Mark eigenem Kapital. Die Bauhütten und die privaten Unternehmungen werden je zur Hälfte den Ein- sluß in der Gesellschaft teilen, wobei noch kleine Aenderungen möz- (ich sind. Die Finanzierung, die 30 Milltouen Dollar oder 126 Millionen Mark erfordert, ist durch einen Vorvertrag mit einem amerikanischen Konsortium gesichert! die„Bewoag" wird ebenfalls diejenige Stelle sein, die den Pachtvertrag init der Stadt Berlin abschließt und über einen Treuhänder die für die Anleihe erforderlichen, von der Stadt Berlin als Pachtsununen und Zu- schüsse gezahlten Zinsen und Amortisationen an den ainerikanische.r Gläubiger weiterleitet. Die Zuschüsse der Stadt Berlin werden geleistet, um die Wohnungen zu oerbilligen. Gerechnet wird mit höchstens Iii Millionen Mark jährlich, wobei keine Zuschüsse aus Hauszins- steuern, itteln, sondern aus dem Etat in Frage kommen. Diese Zu- schüsse sind im wesentlichen der Preis, für den die Stadt Berlin »ach 26 Jahren die Häuser übernehmen wird. Die zur Verfügung gestellten Grundstücke werden dadurch abgegolten, daß der Stadt Berlin die erste Pachtrote von 9'A bis 10 Millionen Mark erlassen wird. Mit den Häusern fallen natürlich auch die bebauten Grund- stücke nach 26 Jahren an die Stadt Berlin zurück. Sämtliche Häuser haben Warmwasser und Zentralheizung, von deren Stellung schon im Shapman-Projekt ausgegangen worden war. Die beteiligten Stellen sind der Meinung, daß die Z u l a s- s u n g s st e l l c für Auslandsanleihen wegen de? privaten Cha- rakters der Kreditsuchenden nicht zuständig sei, hassen aber auf den Erlaß der Kapitalertragssteuer, weil sich sonst die Mieten»och etwas verteuern würden. Soweit die Erklärung. Die Stadt Berlin soll in der nächsten Zeit die definitive Entscheidung treffen. Die Magistratsvorlage soll sofort in einem Inflation geschossene Exportprämie ihre Rolle. Im Jahre 1921 wurden 10,7 Millionen Spiele hergestellt, 1922 sogar 17,7 Millionen, 1923 sank die Zahl wieder auf 9,7 Millionen. Im Jahre 1922 zum Beispiel gingen 60 Proz. der Erzeugung ins Ausland. Die Spielkarten st euer hatte im Jahre 1924 rund 1,3 Millionen Mark erbracht, 1923 waren es 1,3 Millionen, 1926 dagegen rund 2,1 Millionen. Für 1927 sind 2,0 Millionen Mark Spielkartensteuer in den Haushaltsvoranschlag eingestellt worden. Ucbcr die Produktion an Kortenspielen liegen über das letztoer- ganzen« Jahr die Abschlußzahlen noch nicht vor. Der Monopolherr. Vor einiger Zeit machte die Vereinigte Stralsunder Spielkarten- sabrikcn A.-G. wieder einmal dadurch von sich reden, daß sie die seit mehr als 123 Jahren bestehende Spielkartenfobrik von C. L. W ü st in Frankfurt a. M. durch Kauf übernahm. Nach Ausnahme dieser Fabrik sind bei den Bereinigten Stralsunder Spiel- kaNensabriken rund 7 3 bis 80 Proz. der deutschen Spiclkortcncrzeugung vereinig». Die Frankfurter Fabrik ist stillgelegt worden, ihre Produktion wurde nach Stralsund und Altendurg übernommen. Den bisherigen Inhaber der Frankfurter Fabrik hat man zum Generalvertreter um- gewandelt. Er durfte sogar eine eigene neue Firma aufmachen. Sie lautet„E. L. Wüst, Generalvertretung der Bereinigten Strolsunder Spielkartenfabriken A.-G.". Sein Arbeitsgebiet ist der Spielkarten- absag sür Württemberg, Baden, dos Soargebiet und die Gebiete südlich von Frankfurt a. M. Da die Stralsunder Aktiengesellschaft rund vier Fünftel der deutschen Spielkarjenerzeugung beherrscht, bestimmt sie die Preise und reguliert den Markt. Dabei verteilte sie trotz erheblicher Neubauten und Abschreibungen sür 1023/26 12 Proz. Dividende, nachdem sie 1924/Ä schon 10 Proz. ausgeschüttet Hot. Dos Unternehm..-»' hat vor dein Kriege alljährlich 8 bis 12 Proz. Dividende verteilt. Privat- oder Staalskartenspiels? Angesichts dieser Tatsachen muß man fragen, roanim das Reich nach wie vor die komplizierte steuerliche Belastung der Erzeugung eines Prioatunternchmens aufrecht erhält. Es wäre wirklich viel einfacher und billiger, wenn der Staat jenen Betrieb zu seinem eigenen Unternehmen machte. Er braucht dabei ja niemand zu„enteignen". Er kann sich als Aktionär in den Betrieb hincinsetzen, er kann auf jeden Fall im eigenen Betrieb die Steuer viel einfacher einziehen und viel sicherer erhalten als vom fremden Unternehinen. Dann braucht er sich auch nicht mehr alljährlich über den Geschäftsbericht der Stralsunder Vereinigten Spiel- kartensabriken A.-G. zu ärgern, die dauernd über steuerliche Schmie- rigkciten Und trotz ihrer Gewinne über sonst noch alles Mögliche klagt. Und wenn Schafskopf, Tarok und Skat mit staatlichen Korten gespielt werden, gewöhnen sich die deutschen Untertanen vielleicht auch langsam daran, daß ein König durch das „Spiel des Schicksals unwiderruflich geichlogen" werden kann. Kurt H e i n i g. Ausschuß beraten werden, um dann im Plenum sobald als möglich verabschiedet zu werden. Ucbcr der Frage des Wohnungsbaues in Berlin hat bisher kein günstiger Stern geleuchtet. D!e Schmierig- leiten waren bisher sehr groß, vielleicht angesichts der Reu- artigkcit des Baues mit ausländische» Mitteln, zum Teil auch linvermeidlich, es gab verschiedentlich Kämpfe, die oft auch gegen das Mielsrinteresfc auszugehen schienen. Seit der deutsche Kapitalmarkt so schwierig geworden ist, hat sich aber die B o r d r i ng l i ch k e i t des öffentlichen Interesses an der Errichtung von neue» Wohnungen vervielfacht. Es wäre unangebracht, über die Notwendigkeit des Baues noch ein Wort zu verlieren, denn es ist bisher schon zuviel kostbare Zeit vertan worden. Selbstverständlich enthebt dos die Stadt Berlin, auf der die Nerantworrung gegenüber den Mietern und gegenüber den Steuer- zahlern in jedem Falle lasten wird, nicht der Pjlicht zur allcrgründlichsten Prüfung der neuen, jetzt scheinbar endgültig formulierten Vorschläge. Das Atlgemeininteresie erfordert zielsicheres und eventuell a>i<> schnelles Handel», wobei sachver- ständiges Vcrantwortlichkeitsbewußisein dem Allgemeinintcrcsse an» besten dienen wird, so groß manche Schwierigkeiten auch noch scheinen mögen. Nlajsenewkommen unü(Dualitätsverbrauch. Wie der Handel den Rcichövcrband der deutschen Industrie über Löhne und Preise aufklärt. Aus der Frankfurter Tagung des Reichsoerbandes der deutschen Industrie wurde auch gefragt und diskutiert, ob das Inland für die Massenproduktion von Qualitätswaren aufnahmefähig sei. Dabei erfolgte auf den Groß- und Kleinhandel ein Seitenhieb. Man fragte nämlich auch, ob nicht die Unterstützung von Groß- und Kleinhandel zur„Erziehung" der Käufcrmassen fehle. die angeblich Schund verlangen, weil er ihnen als„besonders preis- wert" angepriesen wird. Die angezapften Handelskreise sind dem Rcichsoerband der Industrie die Antwort nicht schuldig ge- blieben. Dem WTB.-Handelsdienst ging nämlich ein an den Reichs- oerband der deutschen Industrie gerichtetes Schreiben zu. dos so interessant ist, daß wir es nachstehend wörtlich zum Abdruck bringen: „Dem Handel müssen derartige Aeußerungen— gleichviel von welcher Seite sie koinmen— als beklagenswerte Ber kennung des wahren Sachoerhalts erscheinen. Wer sind denn die „Köufermossen" iin Lande? Doch wohl die Massen der Lohn- empfange r. Und was ist die Aufiiohmesähigkeil des Konsums anderes als ein anderer Ausdruck für das Real einkommen dieser Käufermassen, das durch die bekannten Zusainmenhänge zwischen den Zöllen sür gewisse industrielle Bor Produkte und den Agrarzöllen künstlich entwertet ist? Hier kann es sich gar nicht darum handeln, die Kundschaft zu besserem Kaufverständnis zu „erziehen", sondern hier handelt es sich ganz offenkundig uin Kaufschwäche. Selbst der Kaufschwächste aus den Käufermassen hat das naturgegebene Bedürfnis, sich„etwas Besseres" zu kaufen, wenn er k a n n. Dazu braucht niemand erst erzogen zu werden. Daß der Durchschnittskonsument das meist nicht kann, weil ihm die allgemeine Teuerung für den sogenannten„starren" Bedarf in elementaren(unaufschiebbaren) Lebensbedürfnissen nicht genug übrig läßt, um seinen sogenannten„elastischen"(notfalls ausschieb- baren) Bedarf in besseren Qualitäten zu decken, hat nicht der Handel zu vertrete». Im übrigen hat ja auch Geheimrat Kastl angedeutet, daß die Preise sür einen Massenkonsum von Qualitätswaren zu hoch sind. Der Handel, als der natürliche Mittler zwischen Produktion und Konsum kennt die Kaufkraft seiner Kund- schast— der Umsatz des Einzelhandels ist direkt abhängig von der Einkommenslage seiner Kunden. Gerade der Handel ist daher berufen, aus Grund dieses seines besseren Kontaktes mit dem Konsum, der Industrie Winke zu geben für die erforderliche An- passung. Ist man nicht in der Lage, die Löhne zu erhöhen. dann sorge man sür Hebung der Rcolkauskrast durch Senkung der L e b e n s h a l t u n g s k o st c n. Dabei bleibt es Ausgabe der Produktion, dos sogenannte konsumtive Preisgcsctz zu berücksichtigen, wonach Mossenware so billig geliefert werden muß. daß jene kauf- s ch w ö chst e n Kreise, an die man sich noch zu wenden gezwungen ist, um Massenabsatz überhaupt zu erzielen, den Artikel tatsächlich kaufen könne n. Würde die Produktion, ausgehend von der Be- antwortung der Frage:„Was kann der durchschnittliche Käufer zahlen?", sich der Durchschnittskaufkrajt der Käusermasse an- passen— nicht nur durch Verbilligung der Herstellungskosten, sondern insbesondere auch durch Verzicht auf hohen Stückgewinn und . Wiedereinstellung auf den altbewährten Grundsatz:„Großer Umsatz durch kleinen Stücknuyen", dann würde sich die Fiktion von selbst erübrigen, daß man de» Konsum dazu„e r- ziehen" könnte, Geld zu erübrigen, das er nicht hat. Kein Käufer wählt bewußt das'schlechtere, aber jeder Käufer sieht sich zur Beschränkung auf den Rahmen seiner Mittel ge- z w u n g e n." Das Kolleg, das hier dem Rcichsoerband der deutschen Industrie aus Handelskreisen gehalten wird, ist nur allzu berechtigt u n d a l iz u r i ch t i g. Es ist in der Tat so: soll das Inland mehr Qualitätsware kaufen, so kostet das einfach mehr, der Konsument muß mehr Geld dazu haben. Keine Erziehung kann fehlendes Geld ersetzen. Entweder muß bei gleichen Preisen das Konsumenten- einkommen erhöht werde», das geht nur durch höhere Löhne. Oder es muß bei gleichen Löhnen die Realkauskraft des Konsumenten- cinkommens gesteigert werden, dos geht nur durch Verringerung der Kosten für den lebensnotwendigen Bedarf. Die Industrie will die Löhne nicht erhöhen. Wenn sie das aber nicht will, so soll sie sich nicht über den Handel beschweren, sondern sie soll die Zölle z V. auf Tcxtilrohstoffe und vor allem auf Lebensmittel herunter- jegen. So antwortet der Handel der Industrie. Erfreulich klar und deutlich, dazu mit schöner und satler Ironie. Wir haben ihr nichts hinzuzufügen. Die Zuschrift scheint aber auch der Ucbcrzeugung zu sein, daß nicht nur Erziehung kein Geld schafft, sondern auch umgekehrt, daß Geld noch keine Garantie für eine gute Erziehung ist,— der deutschen Unternehmer nämlich zu einer vernünftigen Politik. Die deutschen Unternehmer haben in der jetzigen Konjunktur schwer verdient. Aber der Reichsverbond der deutschen Industrie hat in Frankfurt nichts davon gcpsisfen, daß er etwa die Herabsetzung der Zölle will. Dieselbe Herabsetzung der Zölle, die seine Vertreter in Genf, in Stockholm und auch in Hamburg so schön gutgeheißen haben und die die Reichsregierung daraufhin sofort für sich akzeptiert hat. Im Gegenteil, sie werden bei gleichen, wenn möglich höheren Zöllen und auch Preisen die Löhne ab- bauen wollen, und sei es unter der Parole des„unbedingt nötigen Ouolitätsexports". Selbstverständlich wird ihnen die Arbeiterschaft die Zähne zeigen. Zlber es ist gut, daß der Handel ihr dabei im eigenen Interesse so vernünftig hilft, wie es hier geschehen ist. ver erste Schritt zur Jerngasversorgung. Bochum. 6. September.(Eigenbericht.) Die in den letzten Wochen unter Führung des Landeshaupt- manns der Provinz Westfalen mit Nachdruck geförderten VerHand- lungen zwischen der Aktiengesellschaft sür Kahleverwertung in Essen und der Ferngasversorgung Westfalen haben am Dienstag zu dem Ergebnis geführt, daß die Provinz Westfalen im Einverständnis mit der Ferngasversorgung Westfalen, in der alle kommunalen Spitzenoerbände der Provinz oerlreten sind, der Aktiengesellschaft für Kohlcrerwertung die sür die Durchführung der Ferngas- Versorgung zunächst in Frage kommenden Provinzial st rohen freigegeben hat. Der Entscheidung log ein bindendes Angebot der Aktiengesellschaft für Kohlevcrwcrtung zugrunde, da- all« wesentlichen Voraiissetzungen erfüllt, die Westfalen im Interesse des planmäßigen Aufschlusses der Provinz i>nd der Versorgung seiner Industrie mit Ferngas gefordert hatie.-enn damit auch dein cnd- gültigen Abschluß der Verträge zwischen der Aktiengesellschaft sür Kohleverwertung und der Ferngasversorgung Westfalen nicht vor- gegriffen werden soll, so sind doch hier sür die Versorgung eines großen, zufamnienhängenden Wirtschaftsgebietes mit Ferngas z u m ersten Male feste Grundlagen geschaffen worden. Oer �irbeitsmarkt Anfang September. Die anhaltend günstige Witterung hat überall zu einer weiteren leichten Besserung de? Arbeitsmarkles in der obgelausencn Woche geführt, die hauptsächlich durch die starke Aufnahmefähigkeit in der Landwirticha't und den guten Fortgang der Beschäftigungs- Möglichkeiten in den Außenarbeiten hervorgerufen wurde Zu einem erheblichen Tell ist an dieser Entwicklung wiederum die Metall- und Maschinenindustri«. teilweise auch die Holzindustrie, beteiligt. Günstig lauten die Berichte aus der Textil- und chemischen Industrie. uneinheitlich im Nahrungsmittel- und Bekleidungsgewerbe sowie in der Lederindustrie. Gutes Geschäft der Fahrradwerke Lindcar ll.-G. Die Fahr- radwerke Lindcor A.-G„ die bekanntlich Eigentum der organisierten Arbeiterschaft sind, haben nach wie vor sehr stark zu tun. Das Interesse der Arbeiterschaft für ihre in der Eigenproduktion her- gestellten Fahrräder ist so stark gewachsen, daß schon im Monat August di« starke Produktion des ganzen Jahres 1 926 überschritten war, während der Umsatz sich in noch größeren Ausmaßen bewegte.— Usbrigens melden sich Stimmen aus der privaten Fahrradindustrie, daß die allgemein günstige Konjunktur abzuflauen beginnt. Das kann aber mit Saisongründen zusammenhängen! im September wird es immer schlechter. Ein neues Augsburger kunstseidewerk der 3. P. Lemberg A.-G. Di« I. P. Lemberg A.-G., welche bekanntlich in ihrer letzten Ge- neralversammlung dos Aktienkapital um 12 Millionen Mark er- höhle, bereitet die Errichtung einer neuen großen Werkanlage in Augsburg vor. Das neue Werk, für das«in Bauplag von 20 000 Quadratmeter in Aussicht genommen wird, wird mit dem bereits vorhandenen Augsburg-Pfeiseer Werk der I. P. Lemberg A.-G. örtlich nicht verbunden sein. Mit der Ausführung des Planes soll in Anbetracht der gegenwärtigen Konjunktur in Kunstseide sobald als möglich begannen werden. Pleiteabschloß der Rordgummiiverke A.-G., verlin. Der Antrag auf Geschästsaufsicht im Februar d. I. lieh bereits auf Schwierig- teilen bei der N o r d g u m m i w e r k e A.-G., Berlin, schließen. Trotzdem überrascht dieser hohe Verlustabschluß, der mit 590 000 M. das gesamte Aktienkapital um 100 000 M. übersteigt. Der Vorstand schlug der Generalversammlung zur Sanierung des Unternehmens die Zusammenlegung des Aktienkapitals im Verhält- nis 20: 1 und zur Beschaffung neuer Mittel eine Wiedererhöhung um 490 000 M. vor. Durch diesen Kapitalschnitt und durch Auslösung des Reservefonds von 117 800 M. wird der Verlust von 1926 soft abgedeckt. Dagegen mußte der Vorstand bekennen, daß im Ver- laus des ersten Halbjahres 1927 bereits neueDerlustc eingetreten sind. Für die ehemalige B e l c g j ch a f t von 300 Mann dürfte auch künftig von diesem Unternehmen nicht viel zu hassen sein, da die Produktion weiterhin äußerst eingeschränkt bleiben soll und die Besitzer der Aktienmajorität sich aus Verwertung der Grundstücke beschränken werden. Mittwoch 7. September 1927 Unterhaltung unö ANissen Seilage öes vorwärts öaperisthes Weekend. Von Ernst hoferichter. Weekend.... Ein Realschüler übersetzte Wort und Sinn aus einer Illustrierten. Und der Parkettbodenschreiner Benno Platt- linger qrisf es auf wie ein Trambahnzehnerl. Bon ihm aus ver- breitet/£5 sich gleich dem Geruch angebrannten Kindsmuses durch alle SUu?werke.... Vorbereitungen wuchsen überlebensgroh aus Dreizimmerwohnungen' und Aftermiete.? hinaus. In den Küchen sahen Familien um gemeinsame Fußbäder. Aus "cm Pappdeckel mit der ausgezogenen„Schlacht bei Mukden" wurden Schuheinlagen geschnitten. Kragenknöpfe waren zum Mittelpunkt von ehelicherv Streit geworden. Kinder lernten auf den Kanapee» die Gefahren der Kreuzottern auswendig und formten aus dem bervorquellendsn Seegras Gebüsch und Wald. Aus der„Ecke für .'Haus und schrieben Hausfrauen die Wink« gegen Hitzschlag, Ersticken und'Vtopenkoller ab. Den gewalk.'gsten Anlauf.zum beginnenden Weekend aber nahm die Familie Plattlinqer. Und sie hatte es auch am nötigsten. An den Wänden ihrcs Alkovens schwitzten die Tapeten wie Möbel- ttansporteurc. 2�e Sonue fiel nur als Reflex eines Blechdaches in den Verhau ihrer Betten. Die Gesichter der Kinder leuchteten als wasserliniertes Kan.zseipapier. Um sie blühten nur die Masern und die Sommersprossen auf dem Busenausschnitt der Mutter Platt- linger. Aber jetzt sollte alles anders werden! Schon bereifte der Bater auf dem Küchenbalkon den Kinder- wagen. Der imftierte Panamahut wartet«, mit Schwefel und Zitronensaft frisch geputzt, am Fensterbrett. Draußen lag der Margen �>lanzpoliert wie von einem Ab- 'ahlungsaeschäst geliefert. Die Sonne lächelte aus einem Schul- aufsaß. Die lauen Winden welche wehten, erinnerten an den Lust- mg eines Warenhausfahrstuhls. Und die Vögel zwitscherten wie aus Krammophonplotten.-->— „Auf gebts...!" rief Vater Plattlinger seinem Zimnrerfräulein durchs Schlustelloch gleich einem Krahn zu, der im nächsten Augen- blick in die Höhe zog. Und die Familie versammelte sich am Aus- -mß, wo die kleine Fanny zum Tropfen der Wasserleitung ein Frühlingsgedichi aussagte. Durch drei Hinterhöfe gings auf die Straße... Ins Frei«... Wo die Trambahnjchienen wie Ringelnattern glänzten und vom vierjährigen Hanst jetzt mit Vaters Spazierstock ausgekratzt wurden. Durch die geschloffenen Läden der Delikatessenhändler roch es nach Weckendresten und Frau Plattlinger atmete Lungenzüge. „Göi, Marie, die Luft tuat dir guat...?" „Ma sollt halt öfter» rauskemma in die Natur.. entgegnete der Gemahl und kontrollierte den Kurs des Kinderwagens. „Der Weekenddrong is von Amerika außi kemma.. lispelte das Zimmerfräulein mrt Familienanschluß und Morgenkaffee. „'s Gefrierfleisch aa'...!* ergänzte Frau Plattlinger. „Vota da schaug' he:.... da fliaßt a Bach.... a echt's Wasser....!" schrie Harrsi und blieb über einem Kanaldeckel stehen, durch dessen Gitter er in die Tiefe sah. „Ja, da wohnen in dcne Fluten die Nixen und Meerjung- trauen, d' Fchrellen und Karpfen.--" „Wo's Pfund zwoa Mark dreiß'ge kost'..." „Wistahö.-.! Fahr links nmi.... da scheint d' Sonna so jcho an die Wirtschaft hi'....!" Links und rechts vom Eingang zur Gaststube standen zwei Föhren in leeren Konservenbüchsen. Darüber stand:„Zum weißen Stierl." „Da is schon warm....? Und wia dö Bäum' riacha.... Wia an Zimmerfreilein sei' Brennscher, wenn's über'm Spirituslocher liegt....* „Wia im Wald.. „Was...? Dös is scho' a kloana Wald... no a paar Baam mehra— und d' Wilderer fand a schon da...!" „Direkt a gewisse Natur is da schon beinander... Seit's Weekend hat ong'fanga... jetzt geht's dann wuild auf...!" „Da kannt ma glei' amal a frische Maß trink«... Auf daß wir a Schneid krieg'n...* „Freist... sich glei' aus oanmal in die Natur'rei z' stürzen, dös wär' gar net g'sund..' „Prost...'s Weekend soll leb'n...!' schrie Vater Plattlinger in der hintersten Ecke über den Schaum des Maßkruges hinweg. Hinter ihm� hingen Raupenhelm«, Hinterlader, Turkosmützen und ein Tölzer Floß mit Baumstämmen und dreifachem Iodlerecho. „Vota, tua d' Joppen runter...!" Da is kükl wia im tiefsten Wald... Und von der Küch' her riachl's nach Kartosfisalat.. „Was Hab' i' g'sagt...? Stimmt's mit'm Weekend...? Was dem Amerikaner und dem Berliner recht is, muaß dem Bayern billig sei...!* „Jetzt wär' o kloaner Haferltarock was feins...!" „Fanny Hanst... teat's mit'm Kinderwag'n in Hof'naus nhr'n, nachha könnt'» spuily in der frischen Luft... Dös tuat euch guat...!' „... I spuil a Solo...!"„I paß...!" „Schmier, Mari, tua dein Zehner außi...1" . Draußen im Hof fingen Hanst und Fanny zwischen Ausklopf- f'ange und Kehrichttonne Fleischfliegen. „No a Maß.... Und g'stacha...!" In der anderen Ecke hatte sich inzwischen der„Eowboyvcrein -»r Vertretung der Wildwestinteressen in Bayern" zu- seinem Weekend niedergelassen. Banklehrlinge, ergraute Familienväter und "lbonnentet�dcr Busfalo-Bill-Serie benütztey das Wochenende, um in weiten Schlapphüten mit Tomahawkwerfen und Lassoschlingen -n der Wirtshauseckc Leib und Seele zu entspannen. Plattlinger erklärte soeben seiner Familie die Tiefen des Tegernsees, der auf dem Halbekrügel seiner Gemahlin abgebildet ->ar. Er stihr seine Gestade mit dem Finger ab. hielt an den Dampsbootstattonen an und war gerade am Strandhotel angelangt, — als vom Cowboytisch her eine Lassoschling« schwirrte und das Zimmerfröulein mit mexikanischer Wildheit umarmte. Augenblicklich fühlte Vlaltlinger, daß er inmitten dieser Weekendnatur die Dame zu schützen habe. Und sein Finger verließ die lieblichen User der ausgemalten Landschaft und schleuderte den »anzen Tegernsee mit all seinen Tiefen gegen den Wildwestoorstand, >aß die Fluten mit acht Prozent Stammwürze über die Symbole Texas' tropften... Sogleich fuhren niederbayerische Messer mit dem Solingergruß durch den Rauch und Qualm auf--. Aber zunächst galt es, dos Opfer des Sees zu bergen, das bx-reits unter den Tisch gerutscht war. Der Wirt alarmierte die Sanitäter... Draußen im Kos hatten inzwischen Hanst und Fanny„Um- �'den" gespielt, und der Inhalt der Ksbrrichttonne lag im Kinder- wagen und das Baby schrie aus dem Mülleimer. Di« Sanitäter trugen den Cowby auf der Lohre durch die Gasthofstube. Plattlinger organisierte den Rückzug au» der Natur— in den dritten Hinterhof zurück... Seine Gemahlin schluckte ein« Serie Kopswehpuloer:„Dö Luftveränderung spürt ma halt do, wen« ma gar nia'naus Alldeutscher Verbandstag. C l a ß:»Nur Mut, meine Herren l vie große Schnauze, mit öer wir schon einen Weltkrieg heraufbeschworen haben, hat uns Versailles gottlob belassen l' kommt... Und d'Sonna hat a o bisserl grell beim Wirtshausfenster 'rein, brennt.. „Ja, nachha müaß ma uns's nächste Mal halt mehr in Schotten sitzen und d' Fenster zuomocha..." D' Fanny hat sich Glasscherb'n in d' Füaß'nei tret'n— und da Hanst hat gar koan Appetit mehr, weil er d' Flcischsliag'n alle g'fress'n hat..." „Die freie Bewegung in der Natur is für dö Kinder halt a wen'g ung'mohnt... Und's Weekend is in Bayern a bisserl z' schnell eing'führt wor'n...!" Aus der hübsch möblierten Kammer schrie das Zimmerfräulein in hysterischen Krämpfen. Sie fühlte sich immer wieder aus weiter Flur überfallen— bis Plattlinger ihr Kamillentee kochte, Kartosfel- schnitz um ihre Stinte band, sie bis zum Lachkrampf kitzelte und zum zweiten Male sich als Retter„betreffs Natur" erwies.-- So begann das bayerische Weekend. Bald wurde nach Berliner Muster eine Wochenendausstellung eröffnet, auf der Diagramme über den Bierkonsuin am Sonntag, Wallsahrtsandenken, Taschenapotheken, Stiletts, Fingerabdrücke aus dem Polizeialbum, Kammer- sensterleitern, Rehgewichtel. Bierzeichcn, Staubsauger und die Wochenendspielpläne der Kinotheatcr zu sehen waren. Pom Kultusministerium, von den Behörden und Schulen, wird der Besuch der Ausstellung als bodenständige Tat wärmstcns empfohlen. Sportvereine halbe Preisel... Ernte im Süöen. Von Ada Vegri. Vom Lerchenhausc will ich erzählen. Eigentlich heißt es nicht so, aber als ich es mitten auf der Landstraße zwischen Perugia und Asstst liegen sah zwischen den wogenden Felderbreiten und dem Hintergrunde von Maulbeerbäumen, so niedrig und dunkel, schien es mir wie«in Lerchennest. Damals reifte gerade das Getreide, viel- leicht war es schon ein wenig verbrannt von der Mittag-glut. So hoch stand es, daß es bis an die Brüstungen der Gitterfenster reichte. � Jetzt ist die Ernte vorbei. Die Garbenbündel haben ein paar Tage in regelmäßigen Abständen auf den Feldern gestanden, jetzt sind sie in riesigen, kegelförmigen Mieten auf den Tennen ausgebaut. In der Form unterscheiden sie sich nicht von den Strohmieten, aber ihr Blond ist heller, leuchtender. Manche haben die Gestalt des Trapezes. Di« sehen wie große Meerbarken aus. tochwer senkt sich die Sommerhitze auf die goldige Fülle der Dreschplätze und die verdörrten, nackten Stoppelfelder und Rain«. Kein lebendiges Wasserrinnsel ringsum, hier und da ein Baum in dieser Fruchtebene. Zwischen Baftio und Assisi schlängelt sich der trockene Kiesgrund zweier Flüßchen gleich einer feurige» Zunge. Monat« schon dauert die Dürre an. Dcx Wind jagt die Wolken aus- einander, täglich, unjehlbar, unerbittlich. Er gebärdet sich wie ein Wllstensamuin. Er segt die gelben Stoppeln rein, läßt Sand und Staub in Wirbeln sich drehen. Einen Solzgeruch strömt er aus wie der Meerschirokko. Die Grillen zirpen wie toll durch das Brausen und die trockene, blasse Erde birst mit unheimlichem Knistern. Wenn ich mich zu Boden werfe und horch«, geht es mir durch und durch. Die Aengste und Spannungen aller Jahrhundert« zittern in mir noch. Wie sind wir doch eins mit der Erde und den irdischen Dingen! Zwischen dem freien Felde und dem Hause liegt kein Garten- land gebreitet, keine blanken Ktespfade führen dorthin. Weder Mauern noch Hecken sieht man, auch keinen Drahtzaun. Gleich beim Hause sangen die Felder an. Der geringe Schatten, den«in paar Pinien und Zypressen spenden, nimmt es nicht aus dem lebendigen Felde heraus. Zwei schnurgerade Straßen, eine noch Süd, eine nach Nord, nehmen hier ihren Ausgang. Sie führen zu anderen Land- stellen. Da trifft man auf die Meierei des alten Malizia, der reichsten und am besten geführten im ganzen Umland. Dann kommt Morettos, dann Paraseculos, Michios. Seit langen Iahren gehören sie demselben Bauern. Immer findet man da Frauen mit ihren Hausgeschästen im Gange, Kindergewimmel, Männer mit verbrann- ten Gesichtern und einem offenen Wort auf den Lippen. Wenn sie lachen, kann man Gebisse sehen wie bei Askarinegern. Dazu ein Durchein- ander von Gänsen, Hühnern, Enten, Schweinen, Hunden, pracht- vollen und geruhigen, hellfarbigen Ochsen. Den Leuten geht es gut. Sie backen ihr Brot im eigenen Back- ofen, brechen ihre eigenen Oliven vom Baum, trinken den Wein ihrer eigenen Reblauben und gehen zur Viehmesse, um ihr Vieh zu verkaufen. Jetzt, wo die Ernte beendet ist. haben einige schon wieder den Pflug über das Land gezogen, um für die Neusaat zu sorgen. Aber das ausgedurstete Land ist schwer zu beackern. Da haben sie gleich wieder aufgehört. Und dann ist ja auch mit großer Feier- lichkeit und vielem Gepränge die rote Dreschmaschine eingeholt worden. Erst war sie bei Paraseculo. Das gab ein Getöse und Getuntmel den ganzen Tag, von morgens um drei bis am Abend! Dazwischen wurde gesungen und gejuchzt und auch Essen und Trinken nicht ver- gessen, wie's reicher bei Hose nicht sein kann. Dann kam Beretta dran, heute sind sie beim alten Malizia, eine Meile vom Lerchenhaus weg. Und ihre rote Dreschmaschine, dies Ungetüm, das da zwischen oll dem fahlen Gelb aufgetaucht Ist, muß man sehen, mit dem breiten, unverschämten Maul«. Vom Morgen- grauen ab gcht das„Maschinen" los. Um Mittag ist schon ein großsr Teil des sauberen Getreides in die Säcke gefüllt. Dick zum Platzen werden sie auf der Schulter zum Speicher getragen. Mengen staubiger Streu fahren am Loden umher und häufen sich auf. Besen und Schaufel fördern sie weg. Oben zieht der Kran die leeren Stroh- bündel der Reihe nach hoch, die, wie von einem besonderen Willen gelenkt, von oben thronenden Landleuten zu einein großen Würfel oufgetürmt werden. Drei Kornmieten sind bei Malizia zu vermählen. Schon ist die zweite an der Reihe. Der Schweiß rinnt in dicken Strähnen von den Stirnen und dem Genick der Einbringer, die un- oblässig abwechselnd die Garbenbündel in den Rachen der Maschine schieben, die ihnen auf der Gabel von Frauen und Knaben zuge- morsen werden, die aufrecht auf der Miete stehen. Alle Bauern der umliegenden Güter sind anwesend. Daß man sich gegenseitig hilft, ist Landesbrauch. Man geht auf„Ausleih". Ausbleiben wäre einem feindlichen Akt gleichzustellen, grobe IIn- höslichkeit, Kriegserklärung. Zu den Freiinden gesellen sich die Werk- lerinnsn. Da steht mitten unter den Einbringern die fast siebzig- jährige alte Barila, die mehr Knoten und Rinde angesetzt hat als ein Baumklotz. Um ein paar Lire Verdienst und das Essen schuftet sie mehr als jedermann. Nun ja, ihr Mann ist kränklich und die Tochter ein unnützes Weibsbild. Dies Jahr ist's schon die dritte Maschinendrusche. Dabei lacht und singt sie mit dem zahnlosem Munde, daß es eine wahre Freude ist. ldann ist auch die Pfarrers- Hilfe da: sie sieht aus wie ein Mann in Weiberkleidern zu Fastnacht. O, sie können etwa- aushalten, diese Weiber, wenn sie einmal an- sangen. Ein wahres Bllffelsell müssen sie haben, und sie liehen sich's stückweise herunterreißen, ehe sie auf den Ernteschmaus verzichten. Nach altem Brauche haben inzwischen die Frauen im Hause wahre Wunder verrichtet, die sich auf die Mahlzeit beziehen. Ganze Körbe voll Brot, Kuchen, gebratene Hühner und Gänse und dampfende Schüsseln mit Makkaroni stehen bereit. Weißer und roter Wein fließt in Strömen. Fetter und duftender Schinken sticht in die Nole. Gewöhnlich setzt es. vier Mahlzeiten an so hohem Tage, um sieben, zehn, ein Uhr und abends. Mittags wird var dem Hause ge- deckt auf langen Tischen. Sonne, Hitze und Müdigkeit legen sich aufs Gehirn. Da verfällt einer auf den Gedanken, auch der braven Dreschmaschine zu trinken zu geben, die da unbeweglich gleißend in ihrem Zinnobergewand und bös«, wie alle Maschinen, die nicht in Tätigkeit sind, inmitten des gelben Mittags steht und ein unnah- bares, feindliches Gesicht macht. Das eigentlich« Festessen findet aber erst am Abend statt, wenn die letzte Aehre zersprungen, der letzte Sack fortgetragen ist und die Dreschmaschine endlich schläft oder zu schlafen scheint. Alle Ber- wandten und befreundeten Frauen der Nachbarschaft sind herbei- geeilt, um den Frauen des Hauses zu helfen. Hinter den Männern stehend, bedienen sie sie und warten bis sie mit dem Essen fertig sind und sie an die Reihe kommen. Die Männer stopfen sich hinein, was das Leder hält. Ueberall inahlende Kiefern und leuchtende Augen. In ihrem angeheiterten Zustande finden manche, wie Fischio, Turbaluna und Tordo zwischen Schlucken und Kauen noch Zeit, die Mädchen zu necken und aufzuziehen. Da gibt einer ein Ritornell zum besten. Aber der Gesang zieht nicht. Die Kadenzen sind miß- tönend, unrein. Wer weis; weshalb? Jetzt sind sie olle satt und werfen Stühle und Schemel weg. Man setzt sich auf de» Boden und raucht. Wieder und wieder wird durchgekaut, wieviel Zentner Korn am Tage„geschafft" sind, wie hoch der Preis sein wird, wieviel auf den Gutsherrn und wieviel auf den Pächter entfällt, und der Gewinn und der Verlust... Ja. voriges Jahr war's erheblich besser. Diesmal ist das Korn ver- brannt und wiegt weniger. Wenn's mit der Trockenheit noch weiter dauert, ist's mit dem Äugustheu ous. Da und dort sieht man den einen und anderen im schwachen Schein einer Oelsunsel Schlaf und Gedanken im Mnrraspiel vertreiben. Wieder andere schlafen auf dem Rücken liegend ein, auch sie, wie Stroh und Spreu von der roten Maschine entkräftet und entnervt. Ihr jetzt schwarzer Umriß hebt sich gespenstisch gegen den Sternenhiinme! ab. Die Frauen decken die Tische ab und verschwinden. Hunde und Katzen nagen im Dunkel Knochen und Krusten unter den Tischen ob.?lus dein Innern des Gehöfts dringt Kinderweinen. Ein Wiegensang stellt die Ruhe wieder her. Schweigen... Wieviel« Sterne glitzern am Himmel! Wieviel tausendmal mehr als heut« Körner aus der Maschine in die Säcke gefalle» sind! Keiner der Landleut« hat einen Blick zum Firmament geworfen. Wenn es «ine Dreschmaschine für die Sterne gäbe, dann vielleicht. Aber die Landleute. Bauern und Kätner würden Sock für Sack auf der Wage abwiegen und über den Preis herummarkten und sich herumstreiten bis aufs Blut. Das rauhe Dasein, der Kampf ums Leben hat sie so werden lassen, an die Scholle Erde sind sie gefesselt. Sie können nicht anders sein als sie sind. Di« Sterne sind stumin und glänzen. iÄutorisittti! Uebcrtragung aus dem Iialieiiischcil von Dr. Fritz Naß.) Die hörleste» und weichsten Metalle der Erde. Unter allen Reinmetallen, die man bis jetzt untersucht Hot, besitzt das zu der Gruppe des Platins zählende Iridium die größte Härte. Nach dem Iridium, das hauptsächlich zur Herstellung der Füllfederspitzen ver- wendet wird, kennt man, nach dem Bericht in der„Umschau", als zweithärteftes Metall das Molybdän, während an dritter Stelle dos Wolfram steht. Viel härtere Metolle als die Reinmetallc kann man durch Legierungen gewinnen, wie zum Beispiel den Stahl, der durch seinen hohen Gehalt an Kohienstosf sehr hart wird. Auch Legierungen von Tiion mit Silizium sind so hart, daß man mit Messern, aus solchen Legierungen hergestellt, Diamanten wie Aepfel schneiden könnte. Im Gegensatz zu dieser Legierung steht das Rubidium als weichstes Metall der Erde, denn es ist so weich, daß es sich selbst bei Grad Kälte noch kneten läßt. Sozialistische flrbeiterjugenö Groß-Serlin. Nczirlevors!anl>sfistu»g gemeinsam mit den Werbcbezirisleitcr» morgen, Tonnerstag, IS Uhr, im Iugentsetretariat. heule, 191» Uhr. Ableilungsmitgliederversammlungen: Weddiag: Heim See- Ecke Turincr Straße.— HnmannPlatz: Heim Scheren. bcrgstr. 1.— Nosenthalcr Vorst ad!: Schule vipastr. ZZe.— Fricdrich-dain: Heim Di-stelnie�erstr. Zv.— Petcraburger Viertel: Keim Ebertystr. 12.— Reicheaberger Viertel: Heim Reichcnbcrgcr Str. SN.— Dvanda»: Heim Linden. ufer l.— Tempeldos, Heim ibermaniastc. 16.— i?ii«deich»hage»> He striedrichstr. 67.— stanlodarf: Schule Vdolsstraße.— Rr»»Lichtrn«rg: He Prinz-Albert-Straße.— Lichtenberg-Rord: Heim Parkaue 1». im .Heim Andrraoplaß: Heim Am Ostbahnhof 17.Vrbeltersuaend und Dewerk- schatten."— Westen II: Heim Plllowstr. 58..Allohol und Nikotin.»— Lichtenberg. Mitte: Heim Dosfcsir. 22.„Erste Hilfe bei Unglücksfällen.»— Lichtenberg-Best: Heim Scharnweberstr. 22. lands." „Inncrc und äußere Lage Ruß- Modenschau der Einzelhändler. Nach den verschiedenen Mode- Vorführungen der Kaufhäuser geht nun auch der Einzelhandel daran, seine modischen Erzeugnisse dem Publikum vorzustellen. Das älteste Fachblatt für Textil, Konfektion und Mode,„Der Manufak- t u r i st", veranstaltete eine Deutsche Modenschau, an der sich eine ganze Reihe von Konfektionsfirmen beteiligten. Es wurden Mäntel und Kleider, zum Schlug auch einige Ataskenkostume vorgeführt. Die Preise bewegen sich durchweg in mittlerer Linie, zur Belebung der Kauflust waren auch einige besonders preiswerte„Reißer" mit eingestreut. Man sah hübsche Herbstinäntel aus den verschiedenen neuartigen Modestoffen, wie Shetland, Ottomane, DoublS Face, Sei�en-Crepella, Crepe Satin usw.; die Pelzgarnituren aus Blau- fuchswamme. Bleu Fe, Schakal, Maülwurftanin und noch vielen anderen Pelzkombinationen, die meist unseren Haustieren ent- stammen, find durch kunstvolle Präparierung zu aparten Berbrä- mungen geworden, die allerhand hermachen und doch den Geld- beute! nicht allzusehr schwächen. Außer den heimischen Erzeug- nissen gab es noch hübsche, echt japanische Kimonos in prachtvoll leuchtenden Farbtönen und schöner Musterung zu sehen. Die Ver- anstaltung wies überaus starken Besuch �ind reges Interesse aller Beteiligten auf. Wegrii fcincc großen Vckömmlichleit und seiner Heilwirkung bei Störungen der Vcrdauungs- und Harnorganc sowie bei Stoffwechselkrankheiten wird dos natürliche„Fachingcr Wasser» allerseits hoch geschätzt. Es wird auch von sensiMen Magen gut vertrage». Di« Bereinigte» Margarinc-Werte Nürnberg bringen in unserer Zeltung eine Inseratenserie betr. Ress-Margarine. Wir verweisen unsere Leser hier- durch besonders auf diese Inscratenserie. Gtwlnaavszug S. Klasse 29. Preußisch-Süddeutsche Klassen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck oerboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei glelch hohe Gewinn« gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer iu den beiden Abteilungen I und ll I?. Liehungsrag 5. September'1S27 In der Zllachnitttagtzztchung wurden Gewinn« über lov M. gezogen 2»-Ivtno« hu 1 0000 M. 36466 2 vrwio»« jn 3000 Hl. 290904 8«-wmn- ,u 3000 M. 165637 165934 262252 280609 20«u 2000 Jll. 2932 8148 63193 81977 106605 109244 282436 278964 313070 323027 28 iSswinn. 1 000 W. 45713 60947 51742 73621 149679 164474 171499 198362 202984 224846 230282 293281 318166 338302 78»-wion« iu 500 M. 7996 19251 24663 24787 26229 50876 62210 30414 85962 87558 103821 107758 119261 133834 158009 159585 184532 164969 171676'.74328 182130 196206 198769 217397 227238 243141 244668 256707 261829 264392 300438 310417 317447 323322 325868 326256 338818 344949 347109 2' 0**jnnM«o 300® 1501 5207 9348 11182 11535 17412 21205 25383 27083 27752 31 789 39796 41302 42709 44365 46070 50151 54642 61530 61969 66626 69778 75350 82812 85158 35735 87868 922229879799789 102931 104127 10S902 110104 111473 112477 114596 117905 119051 121336 126150 133487 133883 140824 144715 152216 152341 156714 156373 157612 163319 167630 176879187343 188759 189025 190009 194331 199620 200922 20)867 202396 204166 213221 226628 223515 228942 231124 234319 236558 236842 238419 239164 239264 242351 242421 247450 262476 266440 266903 267678 278764 278836 280370 285848 287914 290799 291264 291929291942 293485 2 96452 296917 300344 304300 306122 308586 310459 318096 322117 324881 320960 333601 339480 345149 18. ZPehungsiag 6. September 1927 Ön der Bormittagszlehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2®«toinnt«u 10000 M. 8630 2»"»iim« m BOOü m. 314190 6®r»»m- i» 3000 M 1 15285 1 78066 339044 6 s-wtoo, HU 2000 rn. 33206 106278 332632 32®«>tnn. im 1000 41t. 43564 43921 4SS4S 94417 1 35694 160752 166925 168413 I7I746 184462 227444 245475 257525 271309 275062 282656 82«.Vinn, m 600 fflt. 3025 4862 1 6937 20249 28634 32451 34680 34740 54178 57872 60886 71084 74844 88611 90209 106474 111077 112647 135297 150162 153065 154959 185530 194389 210153 211792 212181 215904 216500 219608 222102 227168 235692 249484 266710 233212 292588 300785 325471 346721 349718 188 aeomni m 300 M. 1178 10653 11449 14318 14626 15051 15530 16061 20246 21432 23868 29033 29176 30342 36098 38551 42650 42975 44679 45325 54282 56737 57979 59725 64546 70061 70S32 74790 74949 751 10 78541 83297 34044 84178 84263 87651 36590 89145 31673 92134 82625 93979 94633 95493 93407 102913 108359 110464 114037 1 1 5369 120533 124243 I2S7SO 130166 130615141293 159685 187660 169933 174048 186132 1 96829 200029 200410 213340 215333 222325 226513 231524 236231 240679 243366 247501 258140 259162 267891 269901 275317 285811 291292 291985 296572 299233 269708 300944 302666 314052 320467 323718 323955 327062 333417 Tfieater am Kottbcsser Tor §Kottbasser Straße 6. Täglich 8 U- u. Sonntagnehm. 3 U. ESiie- Sänger In ihrem SchSagcr-Proßramm' Volkspreise von 50 Pf. bis 2,50 M. Sonntazn&chmittag: Orofto Fnmmen'VorstcllHBg Volles Progc. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1 ,75 M. Oröllier Lachsrfoigl Volksbühne TO. arSdiifnngeriljnini 8 Uhr: George Dandin tbeatn in BDIonjljti 8 Uhr Ein Sonumnadits- iraara. DeutsMeater Norden 10334—37 t U. Ende 11 U. Der Arzt am MieideweD Komödie von Bernard Shaw Dienstag, den 13. IniilDiD.M!a Kammerspiele Norden 10334—37 8>/. Uhr: Ihr Mann laitiiick tili Pwl Gtrilch Die Komödie Bismarck 2414/7S16 8'/, Uhr Unsen von Beinard Shaw Plscatorbdhne lliiit. a. Holleiilorfpiiti Kurfürst 2091/93 8 Uhr; Hoppla, wir MI von Ernst Toller Inz. Erwin Plscator .indn, Slobrawa. WeHhoeair. lud). CiHir, Cianidi. in. Holinaan, Siau. Stadel. Lustspielhaus SV, Uhr: .Filmronanlik" Oieator des Westens Hör nodi II Tegel Täglich 8«/. Uhr: Die Tugend« Prinzessin Kdli lirtr. trthar Hall. Karlla» Udarig, Ilartl a(attiar, Eäitt Kvtl. Ifllar. 1. LiauUti Prei»el,2,3M. usw. Trianoo-Theater So s,/4lJhr: ein Mädel (Das Extemporale) liihtial iso Stirn o. Frtar Kaos Slom. Imallaln, laibarg, Toni Rain. Aroln. Voraeieer zahlen für Parkett nur 60 Pf. Barnoankr-Slbnan Th. Könijrr.rätr. 81. Hasenheide 2110 8—10 Uhr libla Inifühniogtnl Oie Sdiüle v.Uznadi 9. Sept.. 7'/, Uhr: Der dreimal tote Peter Komödie v. Slingi Koanödiezahans Norden 6304 Cithpial das Knkaaer blnsiltrliilian Tbaaten „Hsbima" T/t Uhr Dybuk Berliner Theater Dönhoff 170 ErtHmngsiontilloog; 7V, Uhr L6onie Uitiialii im La Lau Williier-TMtr Täglich SV, Uhr Alt-Heidelberg 'dimpiai aan iartr-Foentu Haitoai, Hnpfar. SMtuI Jaila! Preise: 1,> 2,-, 3,- M. usw. TMUa-TUeaier 8 Uhr Der rote Hahn Nollendorf 7360 Die Sepiember- Jtortefc-Bcvw CASINO-THEATER»Uhr inr dunkler Fleck AuMchneiden! Gutschein 1— 4 Pers. Fautcuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1,60 M. Reichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schlufi: Eine Hochzelt in der Müllerati alle ffl Nachmittags: Halbe ./ckffj Preise, volle« Programm. rai Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Mittwoch, 7. September nadim. 2e bestett« ad.sabrtr���� Heeabaanl s>»eobi»aaidel. Borllaa 8 14, ttvoUftraste 78 I Uniergr-Babn Jnfelbrllcke 1 Metall- Betistellen,«uflegematratze n, seet. Betten, Bettfederv u.«etttnäsche staunend billig. Alllaien i Tplltelmarkt.«lag. aar Ecke Segdelstr. Wallstratze LI— 22. zwischen Rost, u. Jnselsttatze vi, Nitols burger Blall 2. Ecke Trautenausiratza und Maaßenstratze 20. am Nollendorsplatz Wondrtr*»pS»Vir*."Mltir�f•> i .,l|gnbnrg-Bi;r,nen Ott. KUnstler-Th. 8V, Uhr: „Du vir«! midi heiraten" Morgen 7'/, Uhr Premiere „Die Dame von Maxim" Lesslng-Theiter 8 Uhr .König Heinridi IV'1 Th. im Aiimiralspalasl " Täglich 8'/, Uhr Die neue II ALLER- REVUE IJoiinuöilwor ivauiaha- tueai- Täglich 8'/, Uhr; Arn RadeshEiffitr SdiioB steht eise Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tanz Parkett statt 4 Mk-i connt o' ägl. auch Sonntags brlaae« ERFOUO t nur so PL Interieren Neue* Theater am Zoo Dir.: lidiock Horte Täglich 8V, Uhr: Drei lustige Komödien von Thoma Preise I. 1„S0, 2,—. 3,— M. usw. Tel.; Steinplatz 6371 PlanctariDm am Zoo Varläng. Jeadiimsfhaler Straße Noll 1578 Der Himmel der Heimat Kalbe Kassenpreise] Eintritt 0,50 M. Rinder ont. 15 Jahren 0,25 M. Rose-7hestcr 8V, Uhr; Fürslenwendc üartenbühne 5xlt Uhr: KonzerS and bunter Teil 8 Uhn Die Frau ohne Ku8. Apollo Fnedrichstr. 218 Täglich 4 Uhr; Mocca>Tanz 8V. Uhr „Na und ob" 16 grolle Revuebild. Bier-Abteiig., Tanz. 5. MlHELMEEß iiFAHRTEN mit dem Doppelschraubcn- Dampfet »O C E A N A« (Sonder-T ourist endam p fer) Vom J&nu&r bis M&i19i8 Von Hamburs über die Atlantischen Inseln durch das westliche A/fittelmeer nach Genua Große Orientreisen und Osterfahrt Dämpfer»Oceana« Ist der einzige deulsdie Dämpfer, der lediglich zu Vergnügung!- und Erholungsreisen zur See verwendet wird Das Schiff führt nur /, Klasse Weitere Mlttelmeerfahrtcn mit dem Drelschraubcn- Duxusdampfer»Refiancc« HAMBURG-AMERIKA LINIE HAMBURG i 4* AUTERDAMM 25 und die Vertretungen an allen größeren Plätzen des In- und Auslandes. Vertretungen In Berlin: Für Passage: Relsebureaus der Hamburg-Amerika Linie, WS, Unter den Linden 8 u. am Zoo, Hardenbergstr. 29a-e. Poseidon Schiffahrts-A.-G., Potsdamer Str. 103 a. Für Fracht: Schiffsfrachtenkontor G. m. b. H., W 8. Unter den Linden 8. Verband dcrliihographea. Stundnitker uad venaiiijten Benfe . Am Sonnabend, dem U September 1927. verstarb unser langjährige» Mit- glied, der Steindrucker Otto Knöfel im ailtt von 63 Jahren an den Folgen eines erlttlenen Schiaganfall». Wir werden ihm ein ehertidc» Andenken bewahren Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 7. September, nachmillags 4 Uhr, von de« Leichenhalle des Dt. Deorgtn- Friedhof« in W«>ßenfae. Nölkeftratz«. aus statt. Um rege Beteä gung rrfucht Die. Ortsucrwaltung. Montag früh verstarb ganz piätz. lich unser liebet ißenoffe Rudolf Schlömp vom 27 Bezirk im 74 Ledensjahte. Bis zuletzt hat er fein» ganz« straft der Partei zur Bettügung gestellt Dafür danken wir ihm und werden fein Andenken In Ehren halten. Die Beerdigung findet Fteitag. den 9. September, l4V- Uhr, auf dem ILeme:nde>rtedhof.Mar:ettdarfce Weg. itaiL Zahleetche Beteiltgung erwartet tele 92. Adaelluax. Vchöbe' Nofsien, Mddelttschlerei, Kastanien. alle« St. Große EZelegenheitsposten an Modeln zu faoelhaft dtlligctt Preisen. Englische Belfstellen mit Patent. 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September, abends X Ahr, in den„SophlenstUen", Sophlenstrahe 12,18 Ausserordentliche velNlnienslliälfiierkoiiseleiiz der Branche der Eisen-, Revolver- dreher und-dreherlnven sowie Rundschleifer. OMT" Ca w-,den in dieser Konferenz die Eintrillskarlen zum Kunstadend am 22. Ottober ausgegeben. ssreltag. den 9. September, aadend» T1/» Ahr, im Zimmer 28 de» Der- bandshonfes. einienstrab» 83 8», Portal IV. 2 Treppen Branchenversammlung aller Monteure und Helfer, aus den Eisenkonftruktlonsbelriebeu. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den bestehenden Lohnen. 2. 2i»rlchtedenee Mttgltedsduch iegitimieri. Da» Erscheinen aller Kollegen l» notwendig Die Orlonermaltnng Lriinder— Vorwärts strebende, Verdienstmöglichkeit? Autkl. Broschllre„Ein neuer Geist" gratis d. Erdmann 4 C«„ Bttli«. KöniggrätzcrStr.7I. Verkäufe »eechtettstvertl Deutsche» Tevvichhau» Emil Lefevre seit 1882 nur Oranie». st rohe 158. 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