fte» 424 ♦ 44. �ahrgaüg Ausgabe H Nr. 216 Bezugspreis: WSchentlich 70 Pfennia, mollaMch S.— Zitich-mork vorall»»aMbot. Anter Stteifbani im In. und Suslanb 5,50 Reichsmar! pro Monat. Der„Vorwärts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der Filmwelt', »Fraurn stimme',„Der klinder. ireund'.„Iugend-Borwärts'.„Blick in die Bllcherwelt' und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresser „Sozialdeniokra! Berlin» Morgenausgabe Verliner VolksblÄkt Groß-Berlitt 10 Pfg. Auswärts 13 Pfg. Anzeigenpreise: Die«insvaltia« Zlonvareiste. teile 80 Mennig. Reklame, eile 5,— Reichsmarl..Klein« An, eigen' da» fettgedruckte Wort 25 Mennia ltulässtg ,wei settaedrnckte Wortes, iedes weitere Wort 12 Mennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Mennig, iedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- stabcn ,äblen fstr ,wei Worte. Brbeitsmarlt steile 80 Pscnnig. Familicnan, eigen sllr Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäst, Lindenstrasse Z. wochentäglich von 8ih bis 1? Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratischen parte» Deutschlands keöaktion uns Verlag: Serlin EW. H8, LinSenstraße 3 � � lavr vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Linüenstr.Z ikerniNrorfiof 5*nt,finff liO®_»«»7 �i-ülinCrölWg« DCIl 55. wCUtCtllUCV M.*9&4 I Poftlchecklonto!«erlin 81 534—«gnkkonto: Bank der Arbeiter, Angestelten «rcrnfprelyer. �.onyog ayj. O 1-„««.uUen.«a»«tr.«S:»islout-.GelcSIibast. Dcn.Iitcnlass. Einben Rt. 3. Antwort an öenNeichsverkehrsminifter Eine Rede des Ministerpräsidenten Genossen Braun. Hamburg, 7. September.(Eigenbericht.) In einer von der Sozialdemokratischen Partei veranstalteten Niesenkundgebung zur Erössnung de- Gemcindewahlkampses in Altona, on der etwa 6000 bis 7000 Personen teilnahmen, sprach Mini st erpräsident Ollo Braun über das Thema: Staats- gedanke und Gemeindepolitik, wobei er auch auf die Frage des E?lbstbcstimmungsrechtes der Gemeinden einging und die Gelegenheit benutzte, auf die Angriffe, die kürzlich der deutschnationalc Neichsverkehr-minister Dr. Koch gegen ihn gerichtet halte, zu ant- Worten. Ministerpräsident Braun unterstrich zunächst seine schon früher abgegebene Erklärung nachdrücklichst, daß die E i n g e irve i n. d u n g e n an der Ilnterelbe keine Kampf mahnahme gegen Hamburg seien. Preußen. habe den ernsten Willen, dieses wirt- fchoftlich und kommunalpolitisch wichtige Gebiet im Einvernehmen mit Hamburg zu verwalten, und er glaube, daß es demnächst ge- lipgen werde, durch freundnachbarliche Verhandlungen mit Hamburg zu einem befriedigenden Zusammenarbeiten zu kommen. Im alten PreuHen sei nicht mit Unrecht über zu weitgehende Beschrän- kungen der Selb st Verwaltung geklagt worden. Er per- sönlich sei ein Gegner der Beschneidung der Selbstverwaltung der Gemeinden. Es sei auch nicht zu verkennen, daß sich gegen früher vieles gebessert habe. Weiter führte der Minister aus: Am verflossenen Sonntag, zur gleichen Zeit, als der Reichs- kanzler Marx auf dem Katholikentag in Dortmund für die schwarzrotgoldene Fahne der Republik eingetreten ist, hat«in Reichsminister, und zwar der deulschnationale Reichs- verkehr»minister Dr. Koch, in Steltin bei der Fahnenweihe eine» deutschnationalen Arlieiteroereins sich in einer Weise init meiner Stellungnahme zu dem Ilaggenstrcit beschäftigt, die mich zu einigen Worten der Erwiderung zwingt. Herr Minister Koch glaubt mich darüber belehren zu müssen, dah auch die Verfassung der� Republik die schwarzweißrote handclsslagoc mit Schwarzrotgold nur in einem kleinen Bild, rr-ie er sich ausdrückt, vorsieht. Dah die Verfassung wie andere auch diese bedauerliche Halbheit enthält, ist mir bekannt, bekannt ist inir auch, dah diese Handelsflagge, die wegen ihrer angeblichen besseren Sichtbarkeit nur für die«ee- schiffe bestimmt ist, auch von NichtHandelsschissen aller Art aus Binnengewässern zur Bekundung ihrer Abneigung gegen die schwarzrotgoldene Reichsflaagc mißbraucht wird. Mir ist auch be- kannt, daß. obwohl die Relchsveriaffung mir die schwarzrotgoldene Nationalstaggs und die schwarzweißrote handelsflogge mit der Gösch kennt, eine' f ch wa rz w e i h rv t« Kriegsflagge existiert, die icb, worüber ich nie«inen Zweifel gelassen Hab«, für v c r- fassungswidrig ansehe. Das hat aber alles mit dem neuerlichen Streit über die Nationalflagge nichts zu tun. Denn für die Berliner Hoteliers und andere Staatsbürger, wie für die Gemeinde- Verwaltungen kommt weder die Handelsflagge noch die Kriegsflaggs in Frage. Wenn Herr Minister Koch aber ausführt, es sei selbst- verständlich, daß die Reichssarben geachtet werden müßten, weil sie verfassunosinäßig ieien, und gleichzeitig hervorhebt, daß ein Teil des deutschen Voltes, zu dem er sich wähl auch rechnet, in den Farben Schwarzweißrot eine gerade heute lebendige und in die l Zukunft weisend« Mahnung sehe, so muß ich daraus entnehmen, 1 daß Herr koch und seine Parteisreunde die verfassungsmäßigen Reichsfarben wohl achten wollen, das aber am würdigsten durchzuführen glauben, indem sie sie in die Tasche stecken und ihre schwarzweißrote parteisahne ossen im Mnde flattern lassen, wenn sie aus den republikanischen Richtlinien des Herrn Reichskanzlers TNarx ihrem in die Zukunft weifenden Ziel, der Monarchie, enigegenschreiten. Herr Minister Koch irrt auch, wenn er ineint, ich wolle den Staatsbürger zwingen, die verfassungsmäßige Reichsflagge zu zeigen. O nein! Ich halte es nur mit meiner Würde und mit ineiner Stellung als republikanischer Minister nicht für vereinbar, ein Haus zu betreten, in dem mau die nationale Würde- l o s i g k e i t so weit treibt, am Nationalseiertag eines fremden Landes dessen Nationalflagge zu hissen, hingegen es ablehnt, am deutschen Lersassungstag« die Rcichssarben zu zeigen, wie ich auch Veranstaltungen fernbleibe, wo man glaubt, mir die schwarz« we i ß r o t e" P a r t e i s a h n e der Deutschnationalen in provozierender Weife unter die Nase halten zu müsse». Auch der Hinweis darauf, daß w-ährend des Krieges Millionen deut- scher Männer für die Farben Schwarzweißrot ge« ft o r b e n seien, kann meine Stellung nicht beeinflussen, denn dieser Hinweis ist irreführend. Die Millionen deutscher Krieger kämpften und starben für Volk und Vaterland und nicht für die Embleme der Monarchie, deren letzte Träger sie elend im Stiche ließen. Man lasse die Toten cuhen und versuche nicht, mit ihrem An- denken die politische Parteiagitation gegen den heutigen Staat und sein« Flagge zu beleben. Zu den Toten gehört auch die schwarzweißroke Fahne des lehten deutschen Kaiserreiches. Die überwiegende Mehrzahl des deul-' scheu Volkes siehi in den Farben Schwarzrolgold. um mit Herrn Minister Koch zu reden, eine gerade heule lebendige und in die Zukunft weisende Mahnung, eine Mahnung, seine Geschicke, die es in die eigene Hand genommen hak. nie wieder, wie in der Monarchie, dem Zufall der Geburl ouszuliesern. Aber Herr Reichsminister Koch kann auch humoristisch sein. So Hot er in Stettin auch� die Behauptung aufgestellt, für die Deutschnationalen hätte die Staatsid?« immer höher gestanden als ihre Parteiorganisation. Freilich, für die alten Konseroa- t i v e n war Staatsidee und ihre Parteiorganisation eins. Eine Partei, die stets das Stoaismtereise ihrem Parteiinteresle untergeordnet und den krassesten Egoismus einer Kaste in den Vordergrund ihrer Politik gestellt hat, sollte den Staatsgedanken aus dem Spiel« lassen. Er war ihr stets nur Bonr-ond zur rücksichtslosen Durchsetzung ihrer P a r t e i z i e l e. Die. Ausführungen des Ministerpräsidenten Genossen Braun wurden von der zu Tausenden erschienenen Menge mit jubeln- dem Beifall aufgenommen. Als Braun das Vcrsammlungs- lokal«erließ, brachte ihm die Menge bis zu seinem Quartier b e- geisterte Ovationen dar. Erstes Nachspiel zu firensüorf. Die Entschädigungsansprüche der Eltern Dich'. Frankfurt a. d.£).. 7. September. heute vormittag begann vor dem hiesigen Landgericht die Der- Handlung über die Entschädigungsansprüche wegen der Tötung des Reichsbannermitgliedes Karl T i c tz durch den Besitzerssohn August Schmelzer. Nach kurzen Auseinandersetzungen zwischen dem Nebenkläger, dem Verteidiger und dem Vorsitzenden wurde die Ver- Handlung bis heute nachmittag vertagt, da ein Gerichtsbeschluß dar- über gefaßt werden sollte, ob eine generelle Zeugenvernehmung oder eine D e r t a g u n g des ganzen Prozesses bis zur Erledigung des Strafprozesses stattfinden sollle. Es handelt sich oor ollem um die Frage, ob der Beklagte Schmelzer als geisteskrank anzusehen ist oder nicht. Auch der Gesichtspunkt einer Fahrlässigkeit des Vaters wurde betont, der dem Sohn nichr die Möglichkeit genommen habe, das Gewehr aus der Wohnung zu holen. Man beschloß, zehn Zeugen zu vernehmen über die Möglichkeit einer fahrlässigen Aus- bewahrung des Gewehrs und andere Einzelheiten. Die Entscheidung der Frage über den Geisteszustand Schmelzers fällt nicht die Ferienkommer, vielmehr wird man sich hiermit nach den Ferien entscheidend befassen. Der Beweisausnahmetermin ist im Oktober oder November in Müncheberg. Protest gegen presseunterürückung. Gegen die Auswersungen aus den» Memelgebiet. Der Reiche verband der deutschen Presse veröffent- licht folgende Kundgebung:„Der Reichsverband der deutschen Press« erhebt vor aller Welt schärfsten Protest gegen die Ausweisung der reichsdeutschen Redakteure au, dem Memelgebiet. Diese Ausweisung stellt einen durch nichts begründeten Willkürakt dar. der sich— unter Bruch feierlicher Zusagen— nicht nur gegen hie Pressefreiheit und gegen die große deutsch« Mehrheit der Bevölkerung des Memelgebietes richtet, sondern auch eine schwere Verletzung der internotionalen Verpflichtungen Litauens bedeutet. Die deutsche Presse aller Parteien wünscht gute Beziehungen zwischen dem deutschen und dem litauischen Volk«. Gerade auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Verfolgung der deutschen Press« des Memelgebietes deshalb aufs tiefst« zu be- dauern, weil sie geeignet ist, die d e u t s ch- l i t a u i s ch e n Beziehung cn aus das schwer sie zugesährden. Die deutsche Reichsregierung ist, wie wir hören, bereits wegen der Ausweisung vorstellig geworden. Der Reichsverband der deutschen Presse spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die deutsche Rc- gierung in ihren nachdrücklichen Vorstellungen nicht nachlasse, bis die Ausweisungen deutscher Redakteure rückgängig gemacht sind, die Freiheit der deutschen Presse im Memelgebiet wieder hergestellt und der Schaden, der den deutschen Zeitungen und Redaklcuren aus den Unierdrückungsmaßnahnien der litauischen Behörde er- wachsen ist, volle Wiedergutmachung gefunden hat." Hilfe für öie befetzten Gebiete. 10 Millionen für die Arbeitnehmer. Aus dem 30-Millionen-Fonds des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete werden, wie der„Soz. Pressedienst" er- fährt, insgesamt 19 Millionen Mark an die Arbeit- n e h m e r in den besetzten Gebieten verteilt. Di« Verteilung«r- folgt im Einvernehmen mtt den freien und christlichen Gewerkschaften nach den Vorschläysn ihrer Spitzenverbände. Die Mittel werden für karikative und Unterhaltungszwecke verwendet. Die übrigen 20 Mil- lionen wurden bereits je zur chälfte den Gemeinden und Gemeinde- verbänden sowie den Klein- und Mittelstandsbetrieben im Gewerbe, Handwerk und Landwirtschast überwiesen. Die österreichische Sozialdemokratie hat ihren diesjährigen ordentlichen Parteitag zum 29. Oktober und den solgenden Tagen »ach Wien einberufen.._ von Ketteier zu Stegerwalö. Blick über den Dortmunder Katholikentag. Von Georg Beyer. Am zweiten Tage des 66. Deutschen Katholiken- t a g e s gab es eine Szene von symbolischer Bedeutung. An die Rednertribüne traten nacheinander zwei katholische Führer im geistlichen Gewände, und während ihre Worte durch Lautsprecher zu IS 000 Menschen in der riesigen West- falenhalle getragen wurden, erhellte sich die gegenwärtige Situation des Katholizismus in einem Maße, wie sie besser durch tausend Reden und Untersuchungen nicht geklärt wer- den konnte. Der eine der Sprecher, der österreichische Bundeskanzler Dr. S e i p e l, vertrat den katholischen Machtgedanken dominikanischen Gepräges. Mit kältet, schneidender Stimme verbreitete er sich über das Problem „Kapital und Arbeit" in liebeleer-dogmatischer Weise, ohne Sinn für Massenpsychologie, ohne Blick für die neuere Rich- tung katholischer Sozialökonomie, die den lebendigen Menschen der unerbittlichen Apparatur des Privatbesitzes an den Produktionsmitteln gegenüberstellt. Nach ihm aber redete der großstädtische Sozialpriester Dr. Sonnen- schein zu den Massen über katholische Karitas. Auf ein- mal fielen die Schranken der Selbstgerechtigkeit. Ein wissen- der Mensch zeigte, während die warm gewordenen Massen ihm zujubelten, den franziskanischen Liebesgedanken des Katholizismus aus weit geöffnetem Herzen. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß der Gegensatz zwischen dem Problem Seipel und dem Problem Sonnenschein die ganze Krise des Katholizismus und seine Problematik ver- deutlicht. Wie wundervoll die Regie dieses Katholikentages! Man spürte nicht einmal das Räderwerk. Wie brausten die Beifalls- wogen jedem prominenten Teilnehmer,' jedem Redner ent- gegen, wenn er nur auf der Tribüne erschien! Dabei war alles aufs sorgfältig st e vorbereitet. Jede rethorische Wendung'war vorher gedruckt, und man konnte sich, wenn man wollte, den ganzen Katholikentag schwarz auf weiß schon am ersten Tage für 120 M. erwerben. Aber es wäre ungerecht und würde zu gänzlich falschen Schlüssen führen, wenn man von kühl überlegter Mache spräche. Diese Katholikentage haben ihre Stimmungen in der Welt des Gefühls, die die Zweifelfragen der Gegenwart mit weichen Polstern umgibt. Hier ist nian voller Andacht, voller Autoritätsglauben, voller Unterordnung, und wer wo- möglich daheim schon manchmal die Faust in der Tasche ballte, um sie gelegentlich einem Abgeordneten oder einem Minister entgegenzuhalten— auf solch einem Katholikentage öffnet sie sich beinahe automatisch zum winkenden Gruß, zur Huldigung vor katholischen Männern. In einer solchen Atmosphäre muß man begreifen, warum ein Wort des Reichskanzlers, daß die Bischöfe zu befehlen und„wir" alle zu gehorchen hätten, zu leidenschaftlich emporbrandenden Bei- fallsstürmen führt und warum der Katholizismus an solchen Tagen der Repräsentation alle seine inneren Stürme spielend zu überwinden scheint. Indes trügt dieser Schein auch hier. Es war im tiefsten Grunde ein Sorgen- und Kamofkatholi- k e n t a g wie seit langem keiner zuvor. Die Wahl des vor fünfzig Iahren gestorbenen Mainzer Bischofs Ke.tteler zum Schirmherrn, die Ernennung Steg erwalds zum Präsidenten der Dortmunder Tagung verfolgten ganz deut- lich das Ziel, die tiefe soziale Verzweiflung unter der katholischen Arbeiterschaft durch eine wirk- same Geste zu beschwichtigen. Ihre beste Kritik bot Sieger- wald selber, als er sagte, daß zum c r st e n m a l ein aus der Arbeiterschaft hervorgegangener Katholik Präsident des Katholikentages geworden sei. Im übrigen bot der Katho- likentag zur Aufhellung der Haltung des Katholizismus in den grundlegenden Wirtschafts- und Sozialproblemen so gut wie nichts. Nicht einer der Redner kam über allgemein gehaltene Mahnungen zur Einhastung der christlichen Sittengesetze gegenüber Unternehmern wie Arbeitern wesentlich hinaus. Seipel sprach das Wort von der„Ueberschätzung der Arbeit", das ihm nicht vergessen sein soll. Seine Ansicht, daß die schon vor der Arbeit bestehenden Naturgüter„Gottes- geschenke" seien, warf die unbeantwortete Frage auf, wie sich dann Ausbeutung und Versklavung von Menschen mit Hilfe dieser„Gottesgeschenke" rechtfertigen lassen. Selbst auf der Generalversammlung des Volksoereins für das katholische Deutschland der München-Gladbacher Richtung, wo sich die sozial fortschrittlichsten Elemente der Katholiken zusammen- finden, tönte kein beherzter Schrei aus der Tiefe, meldete sich kein Bedrängter zum Wort. Wir hätten freilich den sehen mögen, der es gewagt hätte, vor diesem Kranze weltlicher und kirchlicher Autoritäten das Wort zur Diskussion zu er- bitten. Keiner sprach auch in den Versammlungen, die der Oeffentlichkeit zugänglich waren, den Namen Wirth aus. Keiner von den bekannteren linksgerichteten Politikern des Zentrums war zugegen, weder Zoos noch Des sauer. War es Zufall, war es Absicht? Dennoch: es standen über allen Häuptern in unsichtbarer Riesenschrift die Namen der Opponenten. Keiner der Redner ging vom Pult, ohne mit tiefer Bewegung zur Einheit und zur Einigkeit zu mahnen. Man warnte, man drohte, was man nicht tut, wenn man keine Widersacher seiner universalen Harmonie besitzt. In der S ch u l f r a g e erhob sich die Kampfansage an die Widerstrebenden zu denkbar schärfstem Angriff. Sie war es, die diesen Katholikentag beherrschte, nicht die sozialen Probleme. Die Frage der Bekenntnisschule ist einer der Glaubensartikel, die unter der bischöflichen Befehls- gemalt stehen, weil sie den weltanschaulichen Herzpunkt be- rühren. Marx selber gab die kulturpolitische Parole, und Stegerwald sprach von der Notwendigkeit eines neuen katholischen Angriffs- und Kata- k o m b e n g e i st e s, der die bisherige Verteidigungsstellung aufgeben müsse. Wer diese eifervollen Reden zugunsten des Reichsschulgesetzentwurfs hörte, die Bekenntnisse zum Recht der katholischen Eltern, die Anmeldung neuer Forderungen für Privatschulen, Berufsschulen und Lehrerbildungsgesetz, der kann nicht daran zweifeln, daß diese kulturpolitische Herz> frage dem offiziellen Katholizismus mehr gilt, als der Kampf für die politischen und sozialen Rechte der Massen. Man kann die Zentrumspolitik, die Haltung der führen den Zentrumsleute— in Dortmund war mit Marx, Köhler und Brauns ein Rumpfkabinett der Reichsregierung beb sammen— wohl nur im Zusammenhang mit der katholischen Totalität auf diesen alljährlichen Tagungen begreifen. Der Katholizismus hat nie den Fehler gemacht, das politische Wesen des Menschen und seine Hiw neigung zu Gemeinschaftsgefühlen zu über schätzen. Er hat sich des ganzen schwachen Menschen angenommen, begleitet ihn in allen seinen Gefühlen und Handlungen von der Wiege bis zum Grabe. Vor allem aber: er kettet die ihm zugehöri- gen Menschen mit metaphysischer Zauberkraft in freiwilliger Unterordnung. Die katholischen Führer und Politiker des Zentrums sind im tiefften Innern korporativ, ja beinahe ständisch dem katholischen Gesamtbewußtsein unterworfen. Dieses dokumentiert sich nur in den demonstrativen Massen- Versammlungen, gebildet aber wird es in kleinen Zirkeln, in jenen Vereinigungen und Verbindungen, die den Namen von Heiligen tragen oder in studentischen Phillsterzirkeln mit idealen, aber auch sehr realen Beziehungen. Ein Kranz derartiger Tagungen umgibt jedes Jahr die große Versammlung, und hier wird katholische Politik in Wahrheit gemacht. Hier werden Be- Ziehungen und Ernennungen vermittelt; hier lebt die katho- tische Vertraulichkeit. Hier wird aber auch das Richtschwert über diejenigen geschwungen, die aus der geordneten Reihe tanzen. In Dortmund hat man Wirth„in- offiziell" erledigt. Er mag sich an die Massen halten, aber die Prominenten haben den Stab über ihn gebrochen. Sie haben die Stelle erkannt, wo auch ein Wirth sterblich ist: wenn er die kulturpolitischen Interessen gefährdet, wie er es eben in der Schulirage getan. Kann man ihm wegen seiner politischen und sozialen Haltung nichts anhaben, so wird man in Weltanschauungsfragen noch immer die Volksseele gegen ihn entfachen können. Seit Dortmund ist Wirths Stellung im Zentrum aufs äußerste gefährdet... Ein Bild von. diesem Katholikentag bleibt unverwischbar in der Erinnerung. Am Sonntag morgen zogen aus der Röhe und von weit her 126 000 Menschen zum Fest- gottesdienst. In einer disziplinierten Ordnung, die jeder bewundern mußte, mit einer Ruhe, die sich aus Glaubenskräften gesichert hat. zogen sie ein, Schar um Schar, Verein um Verein, mit Musik und Tausenden von Fahnen. Diese. 126 000 Menschen rührten sich eine Stunde lang in der Sonnenhitze nicht vom Fleck, als ihr Paderborner Oberhirt zu ihnen sprach und der päpstliche Nuntius die Heilige Messe las. Was hatte sie dahin geführt? Kein Interesse politischer oder wirtschaftlicher Art, auch nicht nur Erwartung und Neu- gierde. Eine efhssche»rast hatte sie bewegt, die sie zu Opfern und zur Begeisterung fähig Machte. Wir sahen näher hin und entdeckten, daß neun Zehntel dieser mit ihrem Gottesdienst demonstriedenden Menschen Proletarier waren, Männer und Frauen härte st er Arbeit auf harter westfälischer Erde. Und hier erhob sich eine große Frage an uns Sozia- listen: wie kommt es, daß diese Massen trotz aller Ent- täuschungen und Entbehrungen in ihrer Kirchengläubigkest in engen treuen Gemeinschaftsgedanken verharren? Gehören diese Menschen kraft sozialer Lage und kraft sozialer Ge- 'innung nicht zu uns? Man frage unserer Bergarbeiter ührer: Seit Jahrzehnten hat sich das Zahlenverhältnis un< eres Bergarbeiterverbandes gegenüber dem christlichen nicht mehr geändert. Diese Fragen und diese Tatsachen sind ernst für uns. Sie werden nicht beantwortet und entschieden durch das Bekenntnis des Kieler Parteitages der Sozialdemokratie, die katholischen Arbeiter durch kluge Politik für uns ge Winnen zu wollen. Denn das bloße Fernhalten vom liberalen Kulturkampf geist genügt noch nicht. Wir haben nur Aussicht in diesem Kampfe um Arbeiterseelen, der vielleicht für Deutschlands Zukunftsgestaltung mitentscheidend ist, wenn wir unsere s o zialistische Lebensidee zur Umgestaltung der Diesseitswelt gänzlich frei von weltanfchau- lichen Bindungen machen. In seinem Buche„Reli- gion und Sozialismus" hat selbst Otto Bauer, der im heftig- sten Kampfe mit dem österreichischen Katholizismus steht, er- kannt, daß der Sozialismus zu seiner Ausbreitung sich jeder rationalen, aber auch jeder irrationalen Weltbetrachtung öffnen muß, wenn er dm Weg zur Wirtschaftsumgestaltung mit allen Proletariern gewinnen will. Ist er einmal errungen, dann wird sich die Kirche mst jener Geschmeidigkeit anpassen, die sie wiederum in Dort- mund offenbart hat. Ihr ist der gewordene Sozialismus in dem Augenblick genehm, wo er durch Volkswillen legitimiert ist und die Kirche ungefährdet in ihrer Ueberwelt leben läßt. Verkrustung in Selbstgerechtigkeit ist nicht nur der Weltanschauung des Katholizismus, sondern auch der Lebensmacht des Sozialismus gefährlich. Das ist die Lehre, die wir vom Dortmunder Katholikentag im Dienste unserer Ueberzeugung annehmen wollen. Anweisung an Strefemann. Diskussion über Nichtangriffspakt ist zu verhindern. Es ist schwer, aus der Presse zu erfahren, was die maß- gebliche Meinung bei den Deutschnationalen ist. Daß Hugen- berg gegen die Fraktion frondiert, ist allbekannt, die„Deutsche Zeitung" ist alldeutsch, die„Tageszeitung" Organ des Land- wirtebundes. Die„Kreuz-Zeitung" fragt erstaunt:„Sind wir etwa ein Organ der Regierungskoalition?" Da ist es erfreulich, daß wenigstens ein Provinzorgan, die„Pommersche Tagespost", mit dem Anspruch auftreten kann, die Auf- fassung der«maßgebenden rechtsstehenden Kreise" zu ver- treten. Das tut sie nun in folgender Weise: Sie setzt aus- einander, daß der eigentliche Vater des polnischen Antrags kein anderer als Herr Poincar6 ist, und daß man„die theo- retischen Vorbereitungen für ein Ost-Locarno treffen will, um im Jahre 1928 diese Politik zum Abschluß zu bringen". Dar- aus ergeben sich dann folgende Schlußfolgerungen": Damit ist das po lni sch-fr an zös ifche Komplott in seiner xi a n z« n Gefährlichkeit enthüllt, gefährlich besonders wegen seines etappenweisen Aufbaues. Es kommt den Polen zunächst darauf an, Deutschland überhaupt an den Verhand lungstisch zu locken. Zu diesem Zweck wird die mögllchst„harmlos" frisiert« Idee des Nichtangriffpaktes zur Dis- kusfion gestellt. Hat sich aber Deutschland einmal darauf einge- lassen, so tritt das beliebte System der suggestiven Bearbeitung in Kraft, und nach dem Rezept,„wer A sagt, müsse auch B sagen", wird Deutschland schön longsam in die zweite Etappe, die realen Ostlocarno-Lerhanbbmge» htneb«gelotst. Wich das gemacht wird, hoben wir zu unserem Leidwesen ja schon so oft erfahren müssen. 3n Berliner maßgebenden rechtsstehenden poli. tischen Kreisen ist man daher der Aussassung. daß die deutsche Del«. gatlon nicht» unversucht lassen muß, um zu verhindern, daß es jetzt in Genf überhaupt zu einer Diskussion über den �Mchtaugrisfspakl" kommt. Die Berliner„maßgebenden rechtsstehenden politischen Kreise" treiben Politik auf der Bierbank, ohne sich dabei um die wirklichen Tatsachen zu kümmern. Sie phantasieren einen vollkommenen Unsinn zusammen und erlassen dann via. Stettin Anweisungen an die deutsche Delegation in Gen,. Herr Strefemann aber, der in Genf eine ganz andere Situation vorfindet als die in Berlin zusammenphantasierte» wird sich um diese Anweisungen nicht kümmern können, selbst auf die Gefahr hin, sich dadurch den Unwillen der„Berliner Maßgebenden" zuzuziehen._ Richtlinien und ihre Träger. Die Schindluderpolitik der Deutschnationalen. Schon auf dem Katholikentag konnte man deutlich beob- achten, daß die Führer d e r' Z e n t r u m s p a r t e i an der Freundschaft mit den Deutschnationalen keine lautere Freude haben. Es ist nun wohl kein Zufall, daß das Zentral- organ des Zentrums, die„Germania", an hervorragender Stelle eine Zuschrift aus Südwestdeutschland bringt, die sich mit der offenen Absage der„Kreuz-Zeitung" an die Weimarer Verfassung beschäftigt. Darin heißt es u. a.: Nun hat man, als die Koalition gebildet wurde, weil man dis größte Vorsicht und Behutsamkeit anzuwenden hatte, bestimmte Richtlinien ausgearbeitet und sie zur Grundlage der gemein- samen Politik gemacht. Diese Richtlinien wurden auch von den Deutschnationalen ausdrücklich angenommen und als maß- gebend anerkannt für die zu verfolgende Politik. Wenn dem ja ist, und es ist dem so, dann geht es nicht an, wie die, Kreuz-Zeitung" schreibt, zu sagen,„die Richtlinien haben für uns kein« Be- d e u t u n g".... Gewiß, keine Fraktion kann einer anderen in einer Koalition zumuten, ihre Grundsätze aufzugeben: indes, jede muß erwar. ten, daß jede andere Koalitionspartei weiß, ob ihre Grundsätze es gestatten, bestimmte Richtlinien ehrlich anzuerkennen. Werden sie anerkannt, dann muß man annehmen können, sie wer- den als mit den Grundsätzen vereinbar erkannt, so daß jede andere Koalitionspartei beruhigt und zuversichtlich sein kann. Es geht aber nicht an, daß hinterher Sätze in die Welt geschickt werden wie der: Die Richtlinien haben für uns keine Bedeutung." Derartig« Dinge wirken fast wie eine Art Schindluderpolitik, und eins Schindluderpolitik könnt« nicht als eine Grundlage für eine Koali- tionearbeit, besonders in schweren Zeiten, gebraucht werden. Wir möchten einstweilen annehmen, daß die ebenso forschen wie unglücklichen Verlautbarungen der„Kreuz-Zeitung" die Deckung der führenden Herren in der Deutschnationalen Partei weder er- halten haben, noch erhalten werden. Daß die Zentrum sfra k- tion hier die Augen ausmacht und sich Sicherheit verschasst, halten wir für durchaus geboten. Man versteht die Sorgen des Zentrums um ihre Koali- tionsfreunde. Unverständlich aber ist es, wenn man im Zentrum hofft, die Seitensprünge der.Kreuz-Zeitung" würden von dem Kührer der Deutschnationalen nicht g e- deckt. Der Augenschein beweist ja das genaue Gegen-- teil. Die„Kreuz-Zeitung" ist das Blatt des Führers der � deutschnationalen Reichstagsfraktwn, des Grafen Westarp.. Die ganze deutschnationale Agitation im Lande ist darauf gerichtet, die Beschlüsse der von ihr unterstützten Reichsregie- rung abzuleugnen und ihre eigenen Regierungskundgebungen vor den Wählern herabzusetzen. Das Zentrum spürt, daß es bei dieser schäbigen Demagogie seiner Koalitionsfreunde nicht gewinnen kann. Aber es gehört schon ein verzweifelter Optimismus dazu, zu glauben, daß die deutschnationalen Agitationsmethoden sich ändern. „/luföem toten Gleise." In den Oberdörfern des Lausitzer Berglandes läuft die Mär von dem„tollen Andrees" herum, von jenem kühnen Wildschützen, der, von Gendarmen und Förstern verfolgt, wie ein wildes Tier im Walde hausen mußte— von dem Heimatlosen, der seine väter- liche Scholle mit seinem ganzen schweren Blute liebte und schließlich mit zwei Händen voll Heimaterde im Armensarg in der Ecke hinter der Kirchhofsmauer verscharrt wurde. Es ist die einfache, ober tiefergreifende Geschichte eines entgleisten Menschen, der, ein erd- geborener Bauer voll derber Arbeitsfreude, in der Kaserne und in der dumpfen Amtsstube der Grenzausseher sein Dasein in Faulheit und Fäulnis dahinbringen muß. Draußen regt sich in tausend Wundern die gebärfreudige Natur und harrt des starken Arms, der ihren fruchtbaren Boden mit dem Pfluge durchfurcht— er aber, der Sergeant drillt ziellos und zwecklos junge Menschen zu Soldaten für den Herrn Rittmeister, und„was darüber hinaus lag, kümmerte ihn nicht und kam nicht an- heran". Mit dem Stiestindschicksol eines nachgeborenen Bauer.... lies belastet, will er nicht, durch seinen Rittmeister aufgepeitscht, Knecht aus dem Gute seines Bruders sein, und er verfällt der Knechtschaft der Kaserne. Höhnisch klingt der Vers der Reservemannslieder in sein Ohr: So lebt denn wohl, ihr Kapitulanten, Die ihr noch länger dienen müßt, Ihr werdet auch einmal Sergeanten, Nachtwächter oder Dorfpolizist. Nachtwächter wird der Andrees zwar nicht, wohl aber Grenz- oufseher. Eine dicke Schneedecke begräbt nun seinen starten Schaffensdrang auf den Höhen- und Schleichwegen des Erzgebirge», und als Grenzaufseher beneidet er die hart schaffenden Holzknechte um ihre schwere Arbeit in den Wäldern der böhmisch-sächsischen Grenz«. Dann bringt ihn die Fürsprache seines Rittmeisters in die Lausitzer Heimat zurück. Da gewittert in das einsame, armselige Leben dieses Schwerblütigen die Liebe hinein— und sie wird sein Berhängnis. Eine erste auflodernde Leidenschaft, ein« heiße Neigung zu der Geliebten eines Paschers blendet völlig seine eben nicht sehr starke Vernunft und macht ihn unbewußt den gewagten Plänen einer Schmugglerband« dienstbar. Er wird in das Haus des Paschers von der kalt berechnenden Dirne gelockt, die ihn von seinen Dienst- gangen fortziehen will. Der Pascher, auf seiner Schmuggelfahrt auf- gestöbert, kehrt zurück und wendet sich mit kochender Wut gegen den vermeintlichen Verräter. Im heftigen Ringen streckt der Grenzer den Pascher zu Boden, da ergreift die Dirne das Gewehr des Grenzers, um diesen niederzuschießen. Der Grenzer entwindet ihr die Waffe, und in schrecklicher Klarheit, daß er der Narr der Dirne und ihres Buhlen gewesen fei, erschießt er das treulos-falsche Weib. Fr wird flüchtig, wildert in den Wäldern seiner Heimat, bis ihn die Kugel des Försters trifft. Mit erschütternder Naturwahrheit hat unter dem Titel„Auf dem toten Gleise" Heinrich Bruno Grosser die Lebens- gefchichte dieses Entgleisten erzählt. Aus dem psychologisch tief erfaßten Charakter des„tollen Andrees" ergeben sich mit eherner Folgerichtigkeit alle Handlungen dieses wurzelechten Bauern, der in die Kaserne und In die Amtsstube anstatt in den Hof und in die Scheune geriet. Und mit feiner dichterischer Kunst find der Soldat und sein« Vorgesetzten gemalt. Ein Stück des alten Militarismus wird wieder lebendig. Die Wucht eines packenden Dramas geht durch die Geschichte oes tollen Andrees. Jede Szene ergreift den Leser, und selbst jede Nebenfigur weckt in ihm starkes Interesse. Der„B ü ch e r k r e i s" hat den Roman Groffers trefflich aus- gestattet. Und es wird der innere Gehalt und die äußer« Gestalt des Romans kräftig für die aufblühende Organisation des„Bücher- kreises" werben._ P. K. Vervielfältigung von öüchern öurch den Iilm. In Amerika, dem Lande der größtmöglichen mechanischen Aus- Nutzung aller Dinge des Lebens, hat man ernen neuen Weg entdeckt, den Film bestimmten literarischen und behördlichen Zwecken nutzbar zu machen. Einmal handelt es sich um die Verfilmung von kostbaren Buchwerken, alten Handschristen usw., das andere Mal um rein geschäftliche Aufzeichnungen, wie Registraturen usw. Das Verfahren ist für beide Fäll« das gleiche. Um den Inhalt eines Buches aufzunehmen, braucht man nur Seite für Seite auf einen Filmstreifen zu photographieren, und zwar benötigt man für jede einzelne Seite ein kleines Filmbildchen. Da ein Meter Filmband über 50 Bilder enthält, so ist es möglich, einen Band von beispiels- weise 1000 großen Seiten auf nicht mehr als 20 Meter Film- streifen festzuhalten. Die Aufnahmen hierfür nehmen nicht mehr als vier Stunden in Anspruch, und das Gewicht dieses„Buchsilms" beträgt nur etwa 200 Gramm. Man geht bei dieser Verfilmung von der folgenden Idee aus: Alle Museen und Bibliotheken der Welt besitzen wertvolle Buch- werke, die im allgemeinen nur in einzelnen Exemplaren vorhanden sind und wegen ihres hohen Werte» nicht der breiteren Oeffenllich- keit zugänglich gemacht werden können. Mit Hilfe der Kinemat» graphie lassen sich nun diese Werke untereinander austauschen, und bibliophile Kostbarkeiten, die sonst sorgsam gehütet werden mußten, können— verfilmt— der Allgemeinheit in besonderen Vorsüh- rungen usw. zur Verfügung gestellt werden. Weiterbin können alte Handschriften und wichtige historische Dokumente, die wegen Alters- schwäche oft der Zerstörung anheimfallen, der Nachwelt auf diese Weise erhallen bUill-m. Eine rein praktisch« Anwendung fand die Buchverfilmerei be« retts in den Dereinigten Staaten. Dort lagen im Staatsarchiv von Seattle über zwei Millionen Aufzeichnungen, meist registrativer Art, die systematisch geordnet werden sollten. Ein« solche Arbeit hätte jedoch über vier Jahre in Anspruch genommen, zumal da es sich um 2400 umfangreiche Bände handelte. Man entschloß sich endlich zu dem Experiment der„Luchoerfilmuna". Unter Zuhilse- nähme einer sinnreichen Vorrichtung wurde Blatt für Blatt der 2400 Bände mechanisch umgedreht und durch eine Kamera kinemato- graphisch festgehalten. Innerhalb von vier Wochen war da» ganze Archiv„verfilmt". Nun wurden sämtliche Registraturangesteltt« vor die Leinwand gesetzt, erhielten Bild nach Bild vorgeführt und machten danach die nötigen Eintragungen in ihre Bücher. Wenn der eine oder andere ein Bild längere Zeit zu sehen wünschte, so brauchte er nur aus einen elektrischen Knopf zu drücken, und da» Bjld blieb stehen. Die Arbeit ging überaus flott und übersichtlich vonstatten. Sie wurde bereit» in vier Monaten bewerkstelligt, so daß man nicht einmal den zehnten Tell der sonst notwendigen Zeit gebraucht hatte: Agnes Sormas Beisetzung. Auf dem stimmungsvollen Reuen Friedhof in Wannjee wurde gestern nachmittag die irdische Hülle der großen Künstlerin Agnes Sorma zur letzten Ruhestätte getragen. Eine große Trauergemeinde hatte sich eingefunden mit einer Fülle von Blumen und Kränzen. Man sah außer dem Sohn der Ver- blichenen und mehreren anderen Verwandten unter anderen in bunter Reihenfolge: Ludwig Fulda, Leopold Jeßner, Eduaro v. Winterstein, Lucie Höflich. Alfred Kerr, Felix Holländer und Alexander Moissi. Im Freien, unter einem strahlenden Himmel, fand die ergreisende Trauerseier statt. Pfarrer Warnecke von der katholischen Kirch« in Potsdam segnete die Tote ein und hielt«ine ergreifend« Gedenkrede, in der er von der vierfachen Krone sprach, die Agnes Sorma gebühre: der Krone der Kunst, der Nächstenliebe, der Gatten- und Kindesliebe und der Gottesliebe. Nach ihm sprachen noch Alfred Kerr, Felix Holländer, Alexander Moissi, Lucie Höflich und von der Schauspielschule de» Deutschen Theater» RenSe Köhler warm« Worte der Anerkennung und de» Dante». Dann wurde die Verewigte unter einem Meer von Blumen hinabgesenkt in die kühle Gruft, wo sie an der Seite ihres Gatten, des vor einigen Iahren verstorbenen Trafen Minotto, ruhen wird. Die.Tnle". Auf dem Flughafen Bremen wurde dieser Tage ein neuer Flugzeugtyp«ingeflogen: die„Focke-Wulf-Ente". Dieses Flugzeug stellt die bishengen Verhältnisse buchstäblich auf den Kopf. Für den Zuschauer entsteht vollkommen der Eindruck, als flöge das Flugzeug rückwätts, da der große Hauptflügel mit den beiden 7S-k'5-Sieniens-Motor«n hinten, die bisherigen„Schwanzflossen und Steuerorgane dagegen vorn liegen. Das Flugzeug läßt sich grundsätzlich infolg« seiner Anordnung nicht überziehen, das heißr auch durch die größten Fehler des Führers nicht in jenen Zustand bringen, der heute noch vielleicht drei Viertel oller gefährlichen Ab- stürze verursacht. Die Maschine kann sich ferner bei Start und Landung nicht überschlagen, da anstatt des nach hinten ragenden Schwaiizes«in weit nach vorn ausladender„Hals" vorhanden ist. Aus diesem Grunde läßt sich das Flugzeug auch am Boden ohne Ueberfchlagpefahr bremsen, was von größter Bedeutung auf eng- begrenzten Plätzen ist. Aber selbst beim Anrennen an Hinderiüsst- oder sonstigen Zufäll-n sind die Insassen, da sie wett hinten sitzen. viel besser geschützt als bei dem üblichen Flugzeugtyp Die von dem sofortigen Erfolg aufs höchste überraschten Zuschauer beqlück- wünschten die beiden Konstrukteur« Fock« und Wulf aufs lebhaftes!«. Iiiteressaitt ist, daß die Ideen zu dieser Neukonstruktion bis ins Jahr 1308 zurückreichen, als Focks mit feinem Bruder Wilhelm zu- sammen das erste Patent auf den„Ententyp" erhielt und auch die ersten praktischen Versuche ausgeführt wurden..Entenflugzeuge" wurden bisher mir als Modelle gebaut und oft bei Modellflug. Wettbewerben gezeigt._ flan» Saln'chet Bot ttlt dt« neuen Tri» tz immer de» WetnBaufe» .Lutlct u. Weimer' eine Rcfdc Fw Bensen lter trimmten, die in den Ver- einigten Werkstätten für Mosaik und GIa»m-ler-I. Puhl u. Wagner, doli. Mtb Hilner»dorff in verlin.Treptow. auSgesilbrt werden. vorww» Vohnhau». da» zwischen Trovdon und Tevenoak» in der Krastchalt Ken! liegt, und In dem fich seit zwanzia YaBren«Ine Mädchenschule befindet, soll fetzt-ngek-utt und al« enalilch«, dentmal erklärt werden. Da« Hau« ilt samt den umliegendes OUrtat mch Feldern seit de« Tode de» Forscher» unvexändert gedliVte» Die Desolöungsreform. Besprech» ngen mit den Beamtenorganisationen. Die Beratungen des Reichsfinanzministeriums mit den Spitzenorganisationen der Beamten, die am Donners- tag nachmittag stattfinden, sollen, wie wir hören, im Gegensatz zur bisherigen Uebung dieses Mal getrennt vor sich gehen. Die neue Methode getrennter Beratungen mit den einzelnen Spitzen- organisationen muh bei der Beamtenschaft einen peinlichen Ein- druck hervorrufen. Gibt es etwas zu vertuschen? Das Reichskabinett wird am Sonnabend und in den ersten Tagen der kommenden Woche zur Besoldungsresorm Stellung nehmen. Zwischen diesen Beratungen wird der Reichsfinanzminister am Sonntag in Magdeburg auf der Tagung des Deutschen Beamten- bundes seine Pläne zur Besoldungsreform vortragen. Da am Montag auch der Allgemeine Deutsche Beamtenbund zu einer Tagung in den Räumen des Reichswirtschaftsrates zusammentritt, ist die Beamtenschaft in der Lage, vor der Entscheidung des Reichs- kabinetts über die Besoldungsresorm ihre Wünsche und Forderungen in letzter Stunde noch einmal mit allem Nachdruck der Regierung in Erinnerung zu bringen. Die Beratungen des preußischen Finanzmini- sters mit den Beamtenchertretern der Landtags- f r a k t i o n e n über die Bereinigung der noch übrigen Disferenzen zwischen Reich und Preußen in der Besoldungsresorm haben am Mittwoch noch keine Klärung gebracht. Die Vorschläge des Finanzministers stoßen vor allem bei der Besoldung der weiblichen Beamten und ebenso in der Pensionssrage auf starken Widerstand. Zur Besoldungsresorm hat der Reichsbeamtenbeirat der Deutschen Zentrumspartei auf seiner Tagung in Dortmund einstimmig eine Entschließung angenommen, in der Einheitlichkeit in der Besoldungsordnung für die Beamten in Reich, Ländern und Gemeinden sowie bei der deutschen Reichsbahn, ferner die Betonung sozialer Gesichtspunkte und Vermeidung alles dessen, was klassenbetonten Charakter hat oder dem Aufstiegsgedanken hindernd ist, gefordert wird.„Die soziale Not", so heißt es in der Entschließung,„die heute alle Beamtenschichten durchsetzt, muß endlich behoben werden. Dementsprechend sind die G r u n d g e h ä l- t e r ausreichend zu erhöhe», die Zeitdauer für die Erreichung des Höchstgehaltes ist herabzusetzen. Die große Not in den kinderreichen Familien verlangt die Beibehaltung der Kinder zuschlüge nach einheitlichen Gesichtspunkten. Die Reforin muß sich in dem gleichen Maße auch auf die Ruhe- und Wartestandsbeamten und Hinter- bliebenen erstrecken." Man darf wohl annehmen, daß der Reichsfinanzminister Dr. Köhler diese Forderungen seiner Partei bei seinen Plänen aus- giebig berücksichtigt hat. Ob aber ein„wirtlich chriftlich.sozialer Geist", wie ihn der Reichsbeamtenbeitrot des Zentrums für die Besoldungsreform fordert, bei der Entscheidung des Reichstabinetts und Reichstages sich durchsetzt, muß nach den Erfahrungen, die bisher mit der Bürgerblockregierung gemacht wurden, stark b e- zweifelt werden. Die Kosten ües Reichsschulgesetzes. Das Reich soll sie tragen. Wie der„Demokratische Zeitungsdienst" au» Reichsratskreisen erfährt, ist auf jeden Fall damit zu rechnen, daß die Reichsregierung genötigt sein wird, den Reichsschulgesetzentwurf in einer Doppel- vorläge beim Reichstag einzubringen. Wenn es gelingen sollte, das Reichsschulgesetz in einer Frist von etwa 14 Togen im Reichsrot durchzuberaten, so wird das vielleicht deshalb inoglich sein, weil im Hinblick auf die Kostenfroge, die ja für die Länder von erheblicher Bedeutung ist, im Reichsrat eine Einigung zu erzielen sein wird. Nach der bisherigen Fühlungnahme kann damit gerechnet werden, daß der Reichsrat dem Schulgesetzentwurf einen Paragraphen an- fügen wird, in dem es heißt: Die Mehrkosten, die den Ländern und Gemeinden aus der Durchführung des Gesetzes zum Artikel 146 der Reichsverfassung entstehen, trägt das Reich. Einer solchen Regelung wird sich voraussichtlich auch Bayern nicht entziehen können, um so weniger, da Bayern schon bei der Besoldungsresorm erklärt hat, die dazu notwendigen Mittel nicht zu besitzen. Das jetzige Vorgehen des Reichsrats in der Kostenfroge würde sich nur der Stellungnahme anschließen, die der Reichsrat im Jahre 1321 bereits bekanntgegeben hat. Damals, bei der Beratung des Schulzschen Gesetzentwurfs, hatt der Reichsrat beschlossen, daß die Mehrkosten der Länder und Gemeinden in Höhe von zwei Dritteln vom Reich erstattet werden sollten. verschwenüung beim Sau von Flughäfen. Eine sozialdemokratische Anfrage. Im Preußischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion folgend« Kleine Anfrage eingebracht: .Blättermeldungen zufolge soll in den allernächsten Tagen«in« Wasser-See-Flughafen-Gesellschaft mit dem Sitz in Blexen an der Weser gegründet werden. Als Gesellschafter sind ge- nannt: das Reich sowie die Staaten Bremen und Oldenburg. An- scheinend wird auch der Norddeutsche Lloyd als Gesell- schofter in Frage kommen. Der Gemeinderat In Blexen hat in den letzten Tagen die Beteiligung in Höhe von 10 000 Reichsmark be- schloffen. Durch die Gründung dieser Gesellschaft und seines Ueber- seeslughafens in Blexen werden«inseitig die Interessen des Norddeutschen Lloyd sowie der Länder Bremen und Oldenburg gefördert, dagegen die R e i ch s i n t e r e s s e n aufs schwerst« ge- schädigt. Unseres Erachten, muß als deutscher Uebcrsecflug- Hafen«in Ort gewählt werden, der in der Linie aller bereits be- stehenden und bereit» projektierten großen Ueberseelinien liegt. Gleichzeitig muß ober auch dieser Platz geeignet sein, als Zentral- punkr des Nordsceluftoerkehrs zu dienen und die Zwischenlandung im Luftverkehr zwischen England und Skandinavien aus deutschem Gebiet zu erleichtern unter gleichmäßiger Berücksichtigung der Interessen aller großen Verkehrslinien. Die Entscheidung de» Reich»- vcrkehrsministerium» erscheint ganz unverständlich, wenn man bedenkt, daß Deutschland bereits einen sehr gut ausgebauten Reichsflughasen in Norderney besitzt, der weit günstiger für olle Dampfer-, Eisenbahn- und Flugverbindungen liegt als Blexen und gleichzeitig ein viel besseres Zusammenarbeiten der Lufthansa sowohl mit der Hapog wie mit dem Lloyd ermöglicht. Es erscheint deshalb, als wenn bei der Entscheidung über diese Angelegenheit nicht rein sachliche, sondern einseitige privatkapita- l i st i s ch e und vielleicht auch politische Interessen aus- schlaggebend waren. Wir fragen daher: Ist dos Staatsministerium bereit, olle Schritte bei der Reichsregierung zu unternehmen, die zur Berhind«- rung dieses Planes geeignet erscheinen, und alles zu tun,«inen Ileberscehofen durch das Reich schaifen zu Helsen, der nach seiner ganzen geographischen Lage und seinen Einrichtungsmöglichkeiten als deutscher Zwischen- und Umsteigehosen im Nordseeluftoertehr zwischen den Uferstaaten sowie als wirkliches Ausfalltor des deutschen Ueberseefluge» geeignet ist. und der die gleichmäßige Behandlung aller Berkehrsinteresien sichert?" /lntitriegsertlärung öer Hauptmächte. Chamberlains Kampf gegen den polnischen Vorstotz. V. Sch. Gens. 7. September.(Eigenbericht.) Es gibt keinen polnischen Vorschlag mehr, es gibt nur noch eine gemeinsame Erklärung der Locarno-Mächlet Das ist das über- rascheni« Ergebnis von Verhandlungen, die am frühen Nachmittag zwischen den Außenministern Englands, Deutschlands und Frank- rsichs begonnen und die zwischen deren Juristen noch bis zur zehnten Abendstunde fortgesetzt wurden. Diese diplomatische Tragikomödie spielte sich wie folgt ab: Als der Pole S o k a l in den Mittagsstunden seinen unter englischem Druck schon stark reduzierten und verwässerten Entwurf dem Reichs- außenminifter Stresemann überreichte, tat er dies mit den Worten: „Herr Minister, mir gefällt dieser Entwurf auch nicht beson- ders!" In der Tat war vcn dem ursprünglichen nicht mehr viel übrig geblieben. Die Präambel, über deren ursprünglichen Inhalt wir gestern genaue Mitteilung machten, war auf zwei knappe Sätze zusammengeschrumpft. Die Deklaration selbst war eine kurz« a l l g e- meine Kundgebung zugunsten des Friedens, der Schieds- gerichtsbarkeit und gegen den Krieg. Immerhin enthält sie einige nützliche Wendungen gegen zeden Angriffskrieg. Hier setzt nun die weiter« Zerstörungsarbeit der englischen Delega- t i o n ein. War doch ein furchtbar gefährlicher Satz darin enthalten, wonach die Schlichtung aller Konflikte nur durch friedliche Mittel erfolgen dürfe. Dieses Wort„nur" hatte es dem Außenminister der britischen Majestät angetan. Es hatte eine verteufelte Aehnlichkeit mit der Gesamttendenz des Genfer Sicherheitsprotokolls, nämlich die L ü ck e des Völkerbundsstatuts auszufüllen und die Möglichkeit jedes Krieges auszuschalten, aber die konservative Regierung Eng- lands verfolgte die umgekehrt« Tendenz, nämlich die Möglichkeit des Krieges einzuschalten. Dieses Bestreben des englischen juristischen Sachverständigen Cecil Hurst, das Wort„nur" zu streichen, ging allerdings dem französischen Jurist«« Fromageau doch zu weit. Hurst lenkte ein, wallte aber zunächst lediglich die Formel akzeptieren, daß Kon- flikte durch Anwendung friedlicher Mittel verhindert werden müßten. Vom deutschen Juristen Gaus unterstützt, erreicht« Fro- mageau schließlich nach langem Kampf, daß die Formel«ndgültig laut«, daß Konflikte durch Anwendung oller friedlichen Mittel ver- hindert werden müßten. Dennoch war es dem juristischen Sachoer- ständigen Englands, Sir Cecil Hurst, gelungen, diesen Giftzahn auszubrechen. Da kam den Delegationen der Hauptmächte ein idealer Gedanke— sie sagten sich: von dem polnischen Vorschlag bleibe ja so wie so nichts mehr übrig, machen wir jetzt«in Ende! Wir überreichen ihn morgen als unseren gemeinsamen An« trag dem Prästdentn der Volloersammlung. Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einem Schlage tot— die polnisch« Deklaration und — die holländische Resolution. Denn natürlich kann da» kleine Holland nicht weiter auf seinem Borschlag bestehen, wenn die ganz Großen sich über einen anderen Vorschlag geeinigt haben, deren Akklamation unter stürmischem Beifall zum Beschluß erhoben wird. Die holländische Resolution wird der A b r ü st u n g s- k o m m i s s i o n überwiesen(bei uns nennt man das„als Material 'Überweisen" und jed«r weiß, was das bedeutet). Noch ist die englische Forniel nicht perfekt. Chamberlain hat furchtbare Bedenken, er hat bis Donnerstag 1014 Uhr Frist erbeten, um sich bis dahin der Zustimmung feines K a b i- n«tts oder wenigstens des Ministerpräsidenten Baldwin, der un- weit Genf in Aix-les-bains weilt, zu vergewissern. Daß Frank- reich so schnell kapituliert hat, ist erstaunlich, indessen war Briand von Anfang an über die polnisch« Eigenmächtigkeit wütend. So etwas darf man eben nicht improvisieren, am wenigsten darf es ein Staat, der außer von seinen engsten Freunden mit so viel begreiflichem Mißtrauen betrachtet wird wie Polen. Wenn Polen heute mit allen Mitteln versucht, die noch seiner Ansicht unmöglich« Fassung des deutsch-polnischen Schieds- gerichtsvertroges von Locarno zu präzisieren, so muß doch daran erinnert werden, daß Graf Skrinsky selbst es war, der in Locarno den Deutschen vorschlug, die politischen Konflikte in einem Schiedsvertrag auszunehmen, ein« Anregung, die Deutschland damals mit beiden Händen sofort aufgrist. Als die Polen erst durch die Franzosen auf ihren kapitalen Fehler aufmerksam gemacht wur- den, war es zu spät. Alle bisherigen Versuche der Polen, den da- maligen Fehler zu reparieren, sind gescheitert. Der jetzige Versuch. durch eine improvisierte Initiative eine neue Sicherheitszorantie für Polen auf dem Umwege einer allgemeinen Friedensdeklarotion zu schaffen, war der größte Mißgriff von ollen. Selbst di« Fran- zosen sprechen ganz offen aus, das Vorgehen der Polen fei g r o» t e s k gewesen und ihre Rolle in der ganzen Affäre kloglich. Deutschland Hot keinen Anlaß, über den polnischen Reinfall zu jubeln. Es ist zweifellos nach außenhin gedeckt: nachdem Frank- reich dem neuen Vorschlag seine Zustimmung gegeben hat, konnte Deutschland nicht päpstlicher als der Papst sein. Deutschland hat wieder einmal in Genf Großmacht spielen dürfen— im Schlepptau Englands. Was hat es aber dabei gewonnen? Es hat sich von neuem an einer Aktion beteiligt, durch die die kleinen Staaten aufs neue an die Wand gedrückt werden— jene kleinen Staaten, die Deutschland seinerzeit im Völkerbund mit so großen Hofsnungen begrüßt hotten und die jetzt, noch einem Jahr, anstatt des Einzuges eines neuen Geistes eher eine V e r f ch l i m m e- rung ver alten Methode feststellen müssen. Eine vorsichtige Debatte. V. Lab. Genf, 7. September.(Eigenbericht.) Nur drei Redner ergriffen bei der heutigen Nachmittagssitzung das Wort, zunächst der Columbier Urutia, der ausführlich und fast ausschließlich über di« Frag« der Kodifizierung des inter- nationalen Rechts sprach, der Außenminister Dänemarks und der erste Delegierte Japans, Adatschi. Der dänische Redner solidarisierte sich mit dem holländischen und warnte vor den Gefahren«ine» neuen Rüstungswett- laufen», der zu einem neuen Weltkrieg führen könnte. Man dürfe nicht länger über Abrüstung in den Wandelgängen nur de- battieren, denn die Welt verlangt Taten. Der Japaner war der erste Vertreter einer Großmacht, der bisher in der Debatte das Wort ergriff. Alle übrigen führenden Staatsmänner halten sich einst- weilen noch zurück. Chamberlain hotte sogar ursprünglich die Absicht, überhaupt nicht in der allgemeinen Aussprache das Wort zu ergreifen, er scheint sich inzwischen doch entschlosien zu haben, noch Briand und Stresemann sich zum Wort zu melden. Diese seit- same Zurückhaltung des englischen Außenministers ist begreiflich. Denn nachdem sich schon so viele Staaten für die Wiederbelebung des Genfer Sicherheitsprotokolls und zugunsten der holländischen Initiative, d. h. unzweideutig gegen di« britische Obstruktion ausgc- sprachen haben, wird Chamberlain aus der Rednertribüne nicht gerade zu beneiden sein. Adatschi sprach nicht lange, vor allem um die Ergebnisie der Weltwirtschaftskonferenz und der Internationalen Pressekonferenz zu loben. Bezüglich der Abrüstung war«r recht vorsichtig und beschränkte sich darauf, die großen Militärmächte aufzufordern, durch gegenseitige Zugeständnisie di« bisherigen Gegensätze zu über- brücken. Den holländischen Vorschlag berührte er jedoch mit keinem Wort. vor üer Schlacht um üie Ratsfltze. Genf, 7. September. Di« Wahl der drei nichtständig«» Ratsmitglieder, die an die Stell« der ausscheidenden Ratsmächt« Belgien, Salvador und die Tschechoslowakei treten sollen, ist aus Donnerstag, den 1ä. September, angesetzt worden. Künstig sollen die Ratswahlen jeweils am zweiten Motz- tag im September, also ein« Woche rt&ch Beginn der.Vvlket- bundsoersammlung, erfolgen. Im Fall«, daß«in ausscheidend«» Ratsmitglied«inen Antrag auf WiederwShlbarke i t" steltf." soll die Lölkerbundsversammlung darüber am Vormittag de» Wahltages entscheiden. Dementsprechend wird über den vor- liegenden Wiederwählbarkeitsantrag Belgiens ebenfalls am 15. Sep- tember Beschluß gefaßt werden. Ein Rückzug öer Italiener. Genf, 7. September.(Eigenbericht.) In der Frage der Wicderroählbarkeit Belgiens ist eine Wendung eingetreten. Heute mittag trat S c i o l o j a in dem Vorraum auf Danderveld« zu und erklärte ihm, er habe gehört, daß das Gerücht verbreitet sei, daß die italienische Delegation sich gegen di« Wiederwählbarkeit Belgiens bekannt habe. Er könne ihm versichern, daß das nicht der Fall sei und daß Italien sich nur freuen würde. wenn Belgien in den Rat wiederkehre.(!?) Vanderoeld« versicherte, er nehme diese Mitteilung mit Genugtuung zur Kenntnis. Auch ihm seien diese Gerüchte zu Ohren gekommen, und zwar von den verschiedensten Seiten, daher werde er nicht versäumen, diese Versicherung Scialojas weiter zu verbreiten. Offenbar hat die Aufdeckung der italienischen Intrige durch di« internationale sozialistische Presse Italien zu einem beschleunigtem Rückzug veranlaßt mit dem Erfolg, daß mmmehr die Wiederwahl Belgiens gesichert sein dürste. Zuchthaus für Kommunisten. Strafen wegen Vergehen in Württemberg. Leipzig, 7. September.(Eigenbericht.) Am Mittwoch wurde nach zweitägiger Verhandlung in dem Hochoerratsprozeß gegen württembergische Kommu- nisten das Urteil gesprochen. Die Angeklagten werden wegen Vor- bereitung zum Hochverrot, wegen Vergehens gegen das Republik- schutzgesetz und das Waffeugesetz sowie wegen Diebstahls verurteilt, und zwar der Arbeiter Robert Müll«r zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 100 M. Geldstrafe, der Arbeiter Seysried zu 1 Jahr Gefängnis, und die anderen sieben Angeklagten er- halten Gefängnisstroien von 4 bis 10 Monaten und Geld- strafen von 20 bis 50 M. Gegen den Arbeiter Hochftetter wird dos Derfahren eingestellt. Allen Angeklagten wurden vier Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Reichswehr gegen Sportverein. Oder: der Potttifchc Fußball. Der Spartverein„Freie S p i e l v e r e> n i g y n g" in G l o g a u erhielt von dem Kommandanten der Festung Glogau, Oberst von Schenckenhorsf, folgendes Schreiben: Da Ihr Berein dem Arbeiter-Turn- und Sport. bund Leipzig angegliedert und somit als politisch im Sinne des sj 56 de» Wchrgefetzes anzusehen ist, ist es der Kam- mondantur zufolge grundlegender Bestimmungen nicht m ö g- l t ch. Ihrem Antrage auf Benutzung des Militär- Stadions am 4. September 1327 sowie überhaupt Anträgen dieser Art stattziiaeben Sie werden daher gebeten, von der- artigen Anträgen in Zukunft ganz absehen zu wollen. XL. Di« Kommandantur hat leider feststellen müssen, daß Ihr Verein da» Militär-Stadion am 21. d. M. insosern wider- rechtlich benutzt hat. als Ihr diesbezüglicher Antrag auf Be- Nutzung diesseits ausdrücklich abgelehnt worden war. Zur Der» meidung von Welterungen wird ersucht, derartig« Uebergrisfe iw Zukunft zu unterlassen. Das von dem Obersten erwähnte„Militär-Stadion" ist ein nicht eingezäunter Fußballplatz mit anschließender Lausbahn. Er wird von der Freien Spielvereinigung seit 1923 benutzt. Ueber einen anderen Platz verfügt die Vereinigung nicht. Die„Deutsche Turnerschaft" und noch ein bürgerlicher Sport- verein, die das sogenannte Stadion gleichfalls benutzen, haben kein Spielverbot erhalten. Man darf neugierig sein, zu er- fahren, welch tiefere Ursachen die plötzliche Entdeckung des Komman» danten veranlaßt hat. So wie die Dinge nach dem Schreiben des Herrn von Schenckendorff liegen, ist in diesem Fall mit dem? 36 des Wehrgesctzcs grober Unfug getrieben worden. der inüische Sruüerkrieg. Strahcnschlachten um den Glauben. Bombay. 7. September. Insalge eil«» Konslcktes zwischen Hindus und Mohammedanern während eines Leichenzuges ist es in Nagpur, in Zentralindicn, zu Zusammenstößen gckom'.ne». Trotz der Ankunft eines Sonderzuges mit briiischen Truppen dauern die Zusammen- � stoße an. Die Verluste betragen über hundert Verletzte. von denen 36 Hindu» sind, und 15 Tote, darunter neun oder zehn Mohammedaner. Di« Unruhen begonnen am Sonnabend: seither sind all« Fabriken, Schulen und Läden geschlossen. Der Aellestenrat des Reichstages ist auf Mittwoch, den 14. Sep. tcmber. einberufen. Er wird sowohl über den Zeitpunkt des Zu- fommentritts des Reichstags als auch über die Gegenstände, die in der kurzen Herbsttagung beraten werden fallen, endgültig Be- fchluß fassen. Di« Oktobertagung des Reichstages wird nur 8 bis 14 Tag« dauern. Zu seiner großen Herbsttagung wird der Reichstag erst Mitte November wieder zusammentreten. Volltonzern unö Textilarbeiter. Quittung für die Schikanen in Delmenhorst. Der Norddeutsche Wolltonzern, soweit die ihm angcschlosieneu Betriebe als Arbeitgeber in Frage kommen, Kot sich durch sein kaum zu überbietendes s ch o r s m a ch e r i s ch e s Vorgehen in wenig erfreulicher Weise bekanntgemacht. Scharfmacherei und Hätschelei der Gelben gehören von jeher zusammen. Der am Sitze des Konzerns in Delmenhorst amtierende Dr. Hör st betätigt sich neben leinen sonstigen beruflichen Aufgaben als besonders liebevoller Gärtner der gelben Sumpfpflanze». Für seinen Werkverein scheut er keine Mühe und keine Kosten. Besondere Schulen besorgen die „Aufklärungsarbeit" an den Zöglingen des Werkoereins. Selbst Sportvereine sollen zum Wachstum der gelben Pflanze beitragen. Den Funktionären der gelben Vereinigungen wird nicht nur gestattet, in den Betrieben die Presse der Gelben zu verteilen— die Verteiler werden für ihre Arbeit, wie durch verschiedene Fälle bekannt wurde, sogar noch besonders bezahlt. Die Kämpfe des Konzerns gegen die Tcxtilarbeitcrschaft sind der Oeffentlichkcit deswegen nach besonders gut in Erinnerung, weil in ihnen von den Arbeitgebern in erstaunlich gehässiger Art, mit allerhand juristischen Spitzfindigkeiten und mit sehr eigenartigen Flugblättern gearbeitet würde. Alle Schikanen haben jedoch nicht vermocht, die Arbeiterschaft, die unter dem Joch der Konzernleitung schwer zu leiden hat, kirre zu machen und von ihrem Ziel abzu- bringen Die L e i st u n g e n der einzelnen zum Konzern gehörigen und bestreikten Betriebe haben deshalb einem Teil der Belegschaften Roche geschworen. Diese Rache wurde nach Beendigung der Kämpfe von den Direktionen brutal und rücksichtslos durchgeführt. Die Konzernlcitung hielt den Zeitpunkt für gekommen, unter ihrer Arbeiterschaft Großrein«- �machen vorzunehmen. Sie hatten jedoch, irregeleitet durch ein niederträchtiges Zuträgersystem, gründlich danebcnge- griffen. Das Ziel der Racheaktion war, die Vertrauens- leute des Deutschen Textilarbeiterverbandcs zu packen und dadurch einen Schlag gegen die Organisation zu führen. Allzu scharf macht schartig. Das rigorose Vorgehen der einzelnen Betriebsleitungen wirkte bei der Arbeiterschaft wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wer von den Arbeitern bisher sich durch die ver- lockenden Verheißungen des Konzerns hatte irreleiten lassen, der sah plötzlich die hinter den Verheißungen sich verbergende Fratze des Herrenmenschentums in ihrer ganzen Abscheulichkcit, und mancher Arbeiter hat dadurch den Weg zur Organisation, zum Deutschen Textilarbeiterverband, gefunden. Der Schlag gegen den Textil- arbeiterverband wurde zum Schlag ins Kontor der Gelbenzüchtung. In den meisten Betrieben hat man fast ausnahmslos die Betriebsräte mit auf dos Strahenpflafter gesetzt. Die Folge ist, daß neue Betriebsräte gewählt werden müssen. Eine solche Neuwahl mußte auch in Delmenhorst, dem Sitz der Direktion, dem Hauptquartier des Herrn Dr. Horst, vorgenommen werden. Hosfnung-froh ging die Betriebsleitung in den Wahlkampf: auch der gelbe Wertvercin mußte eine eigene Liste zur Betriebsratswahl aufstellen. Herr Horst und seine Vertreter bei den amtlichen Schlich- tungsinstanzen hatten behauptet, daß während des Streiks zwischen ihnen und den gelben Werkoereinen für die einzelnen Betriebe Werktarife abgeschlossen worden seien, hinter denen der größte Teil der Belegschaft stehe. Das Ergebnis der Wahl hat gezeigt, was hinter diesen Be- hauptungen steht. Bei der Wahl wurden insgesamt 1835 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielt die Liste des Deutschen Textilarbciterverbandes l-tlll Stimmen und die Liste des gelben Wertvereins 3 63 Stimmen. Von 13 Betriebsratsmitgliedern, die für den Betrieb in Frage kommen, erhielten die Freie Gewerkschaft 12 Sitze, die Angestellten einen und die Gelben im ganzen zwei Sitze. Der Deutsche Tcxtilarbeiterverbond kann jeden- falls mit den:„Erfolg" des Herrn Dr. Horst sehr zufrieden sein. Die„Niedergerittenen' sitzen fest im Sattel. Was man öen Gelben bietet! Freifahrt nach Stettin und- Sitzungen diefe? Kongresses teilgenommen Hab«. Der Grund für dieses Berhalten war nach seinem Bericht„d> e überwiegend kommunistische Einstellung der meisten Delegierten und die Tatsache, daß sein« Teilnahme an den Sitzungen den Eindruck bei vorgerufen hätte, die mexikanische Gcwerkschast»- bewegung begünstige solche-Tendenzen. Darrag an hat es also vermieden, diesen- Eindruck nicht auf» kommen zu lassen. Vierprozent-»Minderheit� in England. Der Erfolg der Moskauer Quertreibereien. Edinburg. 7. September.(MTB.) Auf dem Gewerkschaftskongreß billigten die Delegierten von 3 746000 Arbeitern die vom Gewerkschaftsrat ge- troffene Verfügung, wonach alle Gewerkschaften sich von der kommunistischen Bewegung der Minderheit loszusagen haben. Die M i n d e r h e i t, die dagegen stimmte, vertritt 1 48 000 Arbeiter. Vertagte Verhandlungen. Lonson, 7. September.(MTB.) In einem vom Generalrat des Gewerkschostskongresiss er- statteten Bericht über die Beziehungen zu den Sowjetgewsrkschaften heißt es, eine Fortsetzung der Verhandlungen diene so lange keinem nützlichen Ziel, als die Russen ihre gegenwärtige politische Richtung beibehalten. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug am 20. August 1 040 300. Dies bedeutet eine Vermehrung um 4943 gegenüber der Vorwoche und eine Verminderung um 500 439 gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Borjahrcs. ftde ßcotritäefleiußer.b«roß.Se.li». Heut». Tonne tetoq. ISVJ Uhr, tagen die Gruppen: Süd-vcstcn! Ingendiieim Dottffir. 11..«ei den Stern.-n. aiiactn.— Nvu-nid- Grunpendeirn Iunendlieim Grünaurr Sit. 5. Helm. beiprechung. tzutriti nur mit Heimousweu und Berbondobuch.— Lichtenberg: «rupper.heim Jugendheim Pgrlnue 10. Unierholiungs-bend._ Trn-p-thrt: Srupn-Nheim Lnzeum Gerntomoftr< 5. Bunier Abend.— Südosten! Grupp-N- heim Reichenberger Str. 06 tFruerwrhrhau?). Vorirsg:..Die Sojicloerfidie. tungen.— Genirbirunnen: Gruppenh:im S-.otc Schule. Totenhurgcr ctrcfte. Vorirng:.Was ist Wirtschosl?"— Zcprelingloh: Jugendheim Turin er Ecke adeud:.Stegreifspiel."— Grnppenleitcrl Morgen, tzreitag, in der tzett von 16— lg Uhr. Eintriltokar'e» ,ur Begrüßungsfeier unserer Dresdener!7(S3 abholen. tzutritt nur mit Gintriiiskarten. Jngendgrnppe dr» ZdA. Heute, Dounrrstag, 19'i Uhr, finden folgende Per. on staltungen statt: Bezirk Schone de rg: Jugendheim Hauplftr. 15 aMlnnocn- zimmet, Hoigebäude 1 Tr.l. Vortrag:„Arbciterd-chlung- lLewinfkit— Ab 19 Uhr Spieien auf der Spielwiese im Schtllcrpar!. Slä'enjpicle, Volkstänze, Bollspiele. Verantwortlich für Politik; Riibor»«ernstein: Wirtschaft; s Älii-nelhBtet- EeweeNchafisbewegung: 3. Sletner: Feuilleton: Dr. John Schlkowski; Lokalro und Sonstiges: Zr.tz»aeftadt: Anzeigen: Th. Gloche; sämtlich in Ter!'». Verlag: Barmarts.Verlog G m b H.. Berlin. Druck: Vorwäris-Buchdruckerre und Berlagsaustal« Paul Singer u Co Berlin SW 66. Lind-nstrake a. Hierzu 2 Beilagen. Ulnterhaltung und Witzen- und.Stadibcilage- tund-dtf,, 'jidst: vd/ftaa MALKAH 2IÖA RETTEN FABfc/K A 6 Nr. 424 ♦ 44. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Das„hohe* Haus. Das schone Treppenhaus in der Klosterstraße. Di« Alosterstrobc Hai«in anderes Gesicht bekommen. Vor einem Jahrzehnt noch war sie trotz ihrer stattlichen Breite, trotz der Unterjjrunbbahn. trotz der Nähe der lärmenden City eine der ver- träumtesten Straßen Berlins. Sie war voll historischer Erinnerun- jieir. und die steinernen Zeugen vergangener Zeit standeil vielleicht nirgends so dicht beieinander, wie hier in der stillen Klosterstraße. Vom schönen Barock der Parochialkirche mit ihrem sagenumwebten Glockenturm, über die zierliche Gotik der Klosterkirche bietet sie bis zum.hohen Hause" eine fortlaufende Kette Altberliner Er- innerungen. Freilich— man muß diese steinernen Runen zu lesen verstehei«. Aber nur wenige Berliner kannten die Kloster- strahe, denn s« war eine der Straßen, in der ein.richtiger Ber- liner" nichts zu suchen hatte, sie war ohne Verkehr. Das ist anders geworden. Zuerst kam das große Stadthaus: dann nisteten sich Arbeitsnachweis und Ortstrantentasse ein, und nun wimmelt die Klosterstraße an manchen Stunden von Menschen. Und jetzt hat man gar den Durchgong am hohen Hause zu einer .Verkehrsstraße erster Ordnung ernannt, und die Elektrische klingelt da, wo noch vor wenigen Wochen holpriges Kopfsteinpslaster jedem modernen Verkehr zu spotten schien. Ob viele der neuen Pasianten wohl wissen, über welch historischen Boden sie da fahren?" Hier ist die Stell«, wo die Berliner zum ersten Male von den Hohenzollern geneppt wurden! Schon 1412 hatten die Berliner hiet im Hose des„hohen Hauses" dem von Kaiser Sigismund geschickten Friedrich I., dem Nürnberger Burggrafen, den Treueid geleistet: besonders unterwürfig hatten sie sich aber nicht gezeigt, und der Herr Burggraf muhte dafür auch beschwören, daß er sie in all ihren Privilegien und Rechten unan- getastet lassen wollte. Dafür hatten sie ihm dann als.Verehrung" eine Tonne Bernauer Bier geschenkt— die kostete damals 17 Groschen. So war das erst« Austreten der Hohenzollern in Berlin ja bescheiden genug. Aber schon der zweite diese» glor- reichen Geschlechts trat ganz anders aus. Als 1440 die Städte ihm in üblicher Weis« geschworen hatten, da— unterließ er es, ihnen die Bewahrung ihrer.Ehren, Rechte� und Gnaden" ausdrücklich zu- zuschwören, wie es der betrübt« Stadtschreiber unter dem aus- drücklichen Zusatz„Zu merken:" im Stadtbuch überliefert hat.„Jten,, zu merken für künstig« Zeit! Ehe man unfern gnädigen Herren ob- beschriebene Huldigung tut, muß er uns unser« Privilegia konfir- mieren und die Consirmatio vorlesen lassen!"— so setzt er als War- nung für künftige Zeiten hinzu. Ach, nur zu bald sollten die Ber- liner merken, daß der Hohenzollern sich nicht einen Deut um ihr« Privilegien kümmerte. Vorläufig saß er freilich noch in diesen, .hohen Hause" an der Stadtmauer, und wenn er hereinwollt«, dann mußte er höflich um Erlaubnis fragen, ob er auch sein«„Gewajf- neten" mitbiingn dürfte. Aber einen um den anderen seiner mit- gebrachten Franken setzte«r rund um das hohe Haus in„Burg- lehen" ein, half einem um den anderen in das Bürgerrecht, und als 1442 die Berliner ihm den Einzug in Begleitung von 600 Be- waffneten versagten, als es zum ersten Berliner Ausstand gegen ihn kam, da hatte er Helfer genug in der Stadt, die ihm verrät«- risch die Tore öffneten.— Der Aufstand war bald niedergeworfen, und nun muhten die Schwesterstädte ihm nicht nur das O e f s- nungsrecht zugestehen, sie mußten auch ihr gemeinsames Rat- haus auf der langen Brücke schleisen: der Hohenzoller baute da sein ,Z w I n g- C ö l l n", von dem im heutigen Schlohbau noch der „grüne Hut" im ältesten Teil üb«r dem kleinen Gärtchen an der Spree erhalten ist. Dann nahm er ihnen noch das hohe und nie- der« Gericht und damtt war der Berliner Bär an die hohenzol- lernsch: Kette gelegt. Das höh« Haus aber hatte seitdem recht wechselvolle Schicksale. Als Friedrich in sein„Zwing-Cölln" zog. verlieh er es seinem Ritter Georg von Waldepsels alz Lehen: im 16. Jahrhundert sahen die Berliner Patrizier Ryk« drin— unter Friedrich Wilhelm war e» Gouoerneurswohnung. Friedrich I, der erst« König, mochte, seinem aufgeblasenen Wesen voll hohlem Prunk entsprechend, eine.Ritterakademie" daraus, die aber bald zugrunde ging. Von seinem praktischen Nachfolger aber wurde das alte Schloß zur Wollniederlage degradiert, und davon stammt der heute noch den Berlinern geläufige Nam« des alten Gebäudes.das Lager. Haus". Die Manufaktur beschäftigte über 1000 Arbeiter, unterirdische Röhren brachten das Wasser zum Färben der Tuche. Hier wurde alle» Tuch für die gesamt« preußisch« Armee hergestellt! � Anfang des 19. Jahrhunderts dient« das Hau, wechselnden Zwecken, auch„mechanisches Theater" und ander« Vorführungen fanden in dem großen Festsaol statt.— Nun sitzt dos Zollamt drin, und in dem säulengetragenen Saal links im Erdgeschoß. d«r so manchen lustigen Tanz gesehen hoben mag, sitzen grünröckige Zöllner, zwischen den Säulen stehen die nüchternen Tisch«. Di« schön« Renaissancetrepp« ist dick mit Oelsarb« überpinselt, und der baumschattig« Hof du»ch einen Lattenzaun geteilt, der das Bild häßlich und nüchtern zer- reißt. Nun hat man dem hohen Hause gar an der Ecke ei» Stück leiner früher meterdicken Mauer weggeschnitten, um dem Verkehr Platz zu schaffen, und häßlich, wie vernarbter Aussatz, wirkt die mit mißfarbenem Putz übertünchte Stelle. E» ist, als habe die neu« Zeit dem alten Haus da«inen deutlichen Puff mit dem Ellenbogen gegeben:„Platz da— jetzt komme ich"..... Die Silbers �roarrne gjj Vo« 5Kc* Beach lNachdruck»«rbettv 3Uiact£*tt< Urfrecjtfeoaf ans fcni«»Mch»-»»» I»U-> SiotsM Eherry, Boyd und Clyde bestiegen die Schifssjolle und begaben sich an Land, indem sie es George überließen, mit dem Löschen der Ladung zu beginnen. Die lange Seereise hatte die Fischer gelangiveilt und sie stürzten sich jetzt auf die Arbeit. Nachdem das Boot eine Strecke von ungefähr drei Niertelmeilen zurückgelegt hatte, legten die Insasien an Cherrys Landungsbrücke an, wo sie von Constantine und Chakavana erwartet wurden. Letztere war ganz hysterisch vor Freude, ersterer gab seine Freude dadurch zu erkennen, daß er seine weihen Zähne zeigte und unverständliches Eng- lisch plapperte. Sogar die Schlittenhunde, die durch Müßig- gang fett geworden waren, begrüßten ihre Herrin mit wildem Geheul. „Himmel!� rief Alton Clyde, für den alles neu und interessant war.„das sind ja die reinen Wölfe! Beißen sie nicht?" Und dann wollte er alles sehen.„Das Haus ist ja wie eine Dekoration aus dem Theater!" rief er.„Hier gefällt es mir, hier will ich bleiben und zur Natur zurückkehren!" Als sie aber durch den Laden, dessen Borde jetzt traurig leer waren, in Cherrys behagliche Wohnung kamen, kannte seine Begeisterung keine Grenzen. Schließlich aber stiegen er und Boyd wieder ins Boot, um sich zum Grundstück der Fabrik rudern zu lassen, vor dem die„Bedford Castle" vor Anker lag: sie blieben dort an Land, bis die Dunkelheit sie zwang, an Bord des Dampfers zurückzukehren. 20. Der große George hatte die Zeit nicht unnütz verstreichen lassen. Die Bugsierboote waren schon ins Wasser gelassen. während neben dem Schiff ein Holzfloß gebaut wurde. Kaum war es fertig, als es mit Kisten, Kasten und Gegenständen aller Art beladen, zur Flutzeit an Land bugsierst wurde. Als es fort war, nahm ein anderes seinen Platz ein und andere folgten. Die ganze Nacht flammten die Fackeln, und das Deck dröhnte von nicht endender Geschäftigkeit. Am Morgen schickte Boyd eine Abteilung Fischer an Land, die den Boden für die Fabrikgebäude roden sollten, und den ganzen Tag legten Flöß« mrt Holz und Baumaterial am Ufer an. Boyds Ausbildung als Ingenieur kam ihm jetzt zu- statten, denn tausend Dinge erforderten sachliche Aufsicht: auch Georges Tüchtigkeit kam jetzt zu ihrem vollen Recht, und es dauerte nlcht lange, da war Ordnung in das Unter- nehmen gekommen, das zuerst wie ein hoffnungsloses Chaos ausgesehen hatte. Als die„Iuliet" eine Woche später mit Willis Marsh an Bord vor Anker ging, standen die Arbeiter- Wohnungen fix und fertig da, und der neue Bauplatz war wie ein emsiges Bienenhaus. Marsh, wütend, daß sein Ri- vale ihm zuvorgekommen, war sich darüber klar, daß der Kampf jetzt bis aufs Messer gehen würde, denn jeder von ihnen war bereit, mit allen zur Berfügung stehenden Mitteln, ehrlichen und unehrlichen, zu kämpfen. Wohl war Emerson ein junger romantischer Mann, der wie die Ritter für die Liebe einer Frau kämpfte, doch hatte er bewiesen, daß er nicht nur aus Romantik zusammengesetzt war, sondern im entschei- denden Augenblick ein gefährlicher Gegner werden konnte. Am Tage nach Marshs Ankunft trafen die beiden Rivalen zum erstenmal zusammen. Die Zeit, wo sie ihre Gefühle hinter kühler Höflichkeit verbergen konnten, war vorbei, hier in dem rauhen Lande standen sie sich Aug in Aug als Feinde gegenüber. Im Lauf« der nächsten Wochen begannen die Segel- schiffe sich einzufinden: sie kamen unter vollen Segeln und warfen dicht neben den Dampfern Anker: jetzt, wo das Eis nördlich gegangen war, stand ihrer Ankunft nichts mehr im Wege, und im Hafen war bald ein lebhaftes Getriebe von dampfenden Bugsierbooten, schweren Prahmen und Flotillen von kleineren Booten. An dem Morgen, als das letzte Schiff angekommen war. erwartete Emerson und seine Freunde eine große Ueber- raschung. Eherry war wie gewöhnlich zum Bauplatz ge- kommen, sie ließ keinen Tag vergehen, ohne sich persönlich vom Fortgang der Arbeit zu überzeugen, und Clyde war eben nach einem späten Frühstück an Land gekommen. Sie beobachteten George, der einen Kran dirigierte, der ausge- laden werden sollte, als sie plötzlich hinter sich eine bekannte Stimme Härten:„Hallo, Kameraden! Hier sind wir wieder alle beisammen." Sie drehten sich um und sahen einen zerlumpten, abge- magerten, bärtigen Mann vor sich, der ihnen freundlich zulächelte. Kein Zweifel, es war Fräser! Aber wie verändert, sein Aeußeres bot ein Bild des Hungers und der Miß- Handlung. „Fraferl" riefen sie wie aus einem Munde, und dann VoKnerstag, S. September 1427 Schwarzrotgolü in Potsdam. Auch ein Stück Flaggenstreit— Etwas für Preußcn- regierung und Magistrat Berlin. Es gibt einen Potsdamer B o o t s p l a tz, der ganz im Gegen- faß zu den sonstigen Gepflogenheiten der Rauscherschen Residenzstadt mit einer schwarzrotgoldenen Reichsfahne beflaggt wird. Dies war aber ein Leichtsinn! Denn in den königlich Pois- damer Gewässern verkehren in der Hauptsache nur ehemalig« kaiser- liche Kriegsschisse: Sie führen, und mag es sich auch um ein noch so kleines Paddelboot handeln, die alte wilhelminische K.r i e g s f l a g g e.„Koosmichs", die es dunnemals nicht bis zum Leutnant der Landwehr oder Reserve gebracht haben, sind allenfalls Steuermänner auf kleine Fahrt für Handelsschisse und zeigen ein blankes Schwarzweißrot. Schwarzrotgold? Pfui Deibel! Wir Potsdamer Seehelden! Das Bootshaus setzte sich also schwer in die Nesseln, die Kündigungen hagelten nur so. Wir nennen Beispiele: 1. Slaalsanwallschaflsral Friß Conrad. Berlin NO., Frieden- strahe S. Er erklärte, unter der schwarzrotgoldenen Flagge mit seinem Kahn aus dem Bootsplatz unmöglich bleiben zu können. Herr Reichsjustizminister Hergt wird wahrscheinlich der Ansicht sein, daß Herr Conrad aus diesem Grunde höchst geeignet ist für einen Posten, an dem er als staatticher Ankläger in Sachen fungieren kann, die sich aus dem Gesetze zum Schutze der Repubtik ergeben. Der preußische Iustizminister Schmidt ist hoffentlich entgegengesetzter Meinung. 2. Fabrikant Vuczilowsky, Berlin W., Blumenthalstr. 13. Er Ist— neben seinem Hauptberus als Potsdamer Kapitän— alleinige» Lieferant der Stadl Berlin für Turn- und Sportgeräte. Unser Oberbürgermeister, der erfreulicherweise sehr viel für Turnhallen und Sportplätze übrig hat, außerdem aber ein aufrechter Republikaner ist, wird den Fall, wie wir annehmen, in den Akten notieren. 3. Hauptmann a. D. Rippe, Berlin, Flensburger Str. lö. Wie wir zuversichtlich vermuten, hat dieser Häuptling gleichzeitig mit seinem Affront gegen die deutschen Nationalflaggen auch auf die Pension verzichtet, die er bisher von der verfl...... Republik bezog. Im ersten und zweiten Fall glauben wir richtig zu tippen. Im dritten Fall haben wir uns bestimmt geirrt! �ischinger und ü:e Republik. Der Aschinger-Konzern hat in einer feierlichen Proklamation versprochen, zu Ehren des- 80. Geburtstages unseres Reichspräsi- deuten Hindenburg auf seinem Zentral-Betriedsgcbäude in der Saac- brückener Straße die Reichsfarben auszuziehen. Wir wüßten aus Anlaß dieses republikanischen Feiertages noch einen a n- deren Akt, den wir dem nunmehr ojsenbar Svprozentigen Hotel- und Restaurationsbetrieb zur Durchführung cmpjehlen würden: Im Restaurant„L e i p z i g e r H o s", einem der größten Lokale am Potsdamer Bahnhos, das einen der„bürgerlichen" Aschinosr- Beirieb« darstellt, hängen seit Jahr und Tag die nahezu lebensgroßen Bildnisse Wilhelms des L a n d f l ü ch t i g e n und seines in Nibelungentreue verbundenen Franz Joseph an den Wän- den— unbekümmert um Revolution und Republik! Wie wäre es. wenn der Aschinger-Betrieb diese stumme» Zeugen einer glück- licherweise vergangenen Zeit nunmehr beim republi- konischen Großreinemachen in seinen Lokalen zugleich mit ans d.en Baden wandern ließ«? Seiner„wirtschaftliche»" Ein- stellung, van der alle seine Kundgebungen gar so viel Wesens machen, würde eine solche„Tat" jedenfalls entsprechen. W'v kennen immerhin Hunderte von Republikanern, denen angesichts der mon- archistischen Demonstratio» an den Wänden des„Leipziger Hofs" der Appetit in diesem Lokal vergangen ist! Eine neue wellliche Schule In Groß-Verlin. Der Freien Schul- gemeinde Köpenick ist es nach langem Warten und nach vieler Mühe gelungen, die Behörden zu veranlassen, zum 1. Oktober d. I. «ine Sammelschule für Kinder ohne Religionsunterricht in Köpenick zu errichten. Kinder sind bei folgenden Genossen für die weltliche Schule anzumelden: Erwin Manie, Berlin-Köpe- nick. Dahlwitzer Platz 3: Konrad Fiedler, Berlin-Köpenick. Bies- dorfer Straße 6a; Paul Pohle, Köpenick, Elisabethstr.«: Max Tolksdorf, Köpenick, Glienickcr Str. 3«: Heinrich Staschke, Fried- richshagen, Kirchstr. 25. drückten sie ihm feine schmutzigen Hände und klopften ihm den Rücken. Durch den Lärm herbeigerufen, kam jetzt auch der große George, und beim Anblick des Kameraden mußte er lachen. „Gut, daß du da bist, Freund I" rief er,„wie in aller Welt aber bist du hergekommen? Du siehst aus, als ob du den ganzen Weg zu Fuß zurückgelegt hättest." ' Fräser richtete sich würdevoll auf und sagte in einem dramatischen Ton:„Ich habe mich durchgearbeitet! Dort auf jenem verfluchten Segelboot." Er zeigte mit einer theatra- tischen Gebärde auf das zuletzt angekommene Schiff. „Wie aber bist du der Polizei entkommen?" fragte Boyd. „Ach, das war eine Kleinigkeit. Zlber die Fahrt hierher! Hu. Kinder, ich habe gearbeitet! Er blickte von einem zum andern und fügte in einem wehleidigen Ton hinzu:„Ich war an Bord des Seglers Mädchen für alles!" „Erzähl«," bat Eherry. „Ja," stimmte Boyd ein,„erzähle von Anfang an." „Als die Polizei erfuhr," begann Fräser,„daß sie den Falschen erwischt hatte, ließ sie mich laufen. Als ich frei war. wollte ich euch natürlich so'schnell wie möglich folgen, und weil ich weiß, daß zu diesem Badeort keine Luxuszüge gehen, versteckte ich mich im Lastraum der„Blessed Isle". das ist der Name des verfluchten Segelschiffes, mit dem ich gekommen bin. Ein Matrose hatte mir versprochen, mir etwas zu essen zu bringen. Als er sich aber achtundvierzig Stunden, oder war es vielleicht ein ganzes Jahr, nicht blicken ließ, schlich ich mich zu einer Luke und miaute wie eine Katze. Ich glaube, die ganze Bani�e hatte sich verabredet, mir diesen Streich zu spielen, ich bot ihnen Bezahlung an, aber nein, man erlaubte mir, für die kostenlose Ucberfahrt zu arbeiten. Der Küchenjunge war durchgebrannt, versteht ihr? Der Segler hatte dreihundert Mann Besatzung, und ich hatte nichts anderes zu tun. als bei dem Koch in die Lehre zu gehen, bei Tische aufzuwarten, das Geschirr auszuwaschen, Fußböden zu scheuern, die Betten der Offiziere zu machen, sechs Scheffel Kartoffeln jeden Tag zu schälen, Wäsche zu waschen und noch allerhand Extraarbeit zu verrichten. Oh, es war eine feine Stellung! Ich träume noch immer von Kartoffelschalen und Fleischsehnen. In meinen Adern flieht Aufwaschwasser, und das ganze Universum erscheint mir wie ein schmieriger Teller. Natürlich war ich an Bord des lang- samsten Schiffes geraten, drei Wochen lagen wir im Eise fest, und an Bord arbeitete niemand außer den Möwen und ich."(Fortsetzung folgt.) 0 „Glö Glorp� verloren. Lebendig verbrannt. Die gefährliche Spirituslampe. Ein schweres Brandunglück ereignete sich gestern in dem fjausc Prinz. Adalbert. StraheS zu Karlshorst. In einem kellerladen betreibt hier der frljährige Karl p a g e l s ch m i d t eine korbmacherei. B. Hantiertc mit einer Splrituslampe, die Plötz- lich explodierte, so daß seine Kleider in Brand gerieten. Dem alten Manne gelang es nicht mehr, das Freie zu gewinnen, er v e r- brannte bei lebendigem Leibe. Das Feuer, das aus die leicht brennbaren Hölzer übergegrissen halte, tonnte von der Feuerwehr nach kurzer Zeit gelöscht werden. Unfall eines Rotationsfluqzeugs. Bei den Filmaufnahmen des Zaschka-Rotationsflug- z e>i g s für eine ausländische Wochenschau löste sich auf ungeklärte Weise ein Stahlrohr der rotierenden Tragflächenkonstruktion und verfing sich in dem nicht rotierenden Rumpfgestell. Glücklicher- weise befand sich der Versuchsapparat nur knapp über dem Erdboden und der Anprall erfolgte bei abgestelltem Motor. Trotzdem war aber die durch, den Kreisel und dem rotierenden Tragflächensystem innc- wohnende Energie hervorgerufene Wucht derart, daß das Rumpf- gestell und ein Teil der Flächenträqerkonstruktiön vollkommen zertrümmert wurden. Oberingenieur Z a s ch k a, der die Maschine bei den Hubvorführungen selbst bediente, blieb unverletzt.— Wie bereits früher gemeldet, handelt es sich bei den Versuchen um ein neues Flugzeugsystem, das ein Mittelding zwischen einem Hubschrauber- und einem Drachenslugzeug darstellt. Die mit der Versuchsmoschine bisher angestellten etwa 400 Versuche bewiesen die Richtigkeit der von Zaschka seit Jahren ausgestellten Berechnungen, wonach mit einem langsam rotierenden Tragflächensystem eine verhällnismäßig große hubtraft erreicht wird. Auch die Brauchbarkeit des Kreisels als Stabilisator und Energiequelle für den Gleitflug hat sich bereits bei dem Versuchsapparat herausgestellt. Gegenwärtig wird das Projekt einer flugtüchtigen Maschine bearbeitet, so daß— nach Klärung der finanziellen Angelegenheit— das von Dach zu Dach fliegende und in der Luft stillstehende Flug- zeug vielleicht recht bald verwirklicht wird. Großflugtag Tempelhof. Wie bereits mehrfach bekanntgegeben, findet am kommen- den Sonntag, 3 Uhr nachmittags, auf dem Tempelhofer Feld der diesjährige Großflugtag im Rahmen der Berliner Turn- und Sportwoche unter dem Protektorat des Oberbürgermeisters Böß statt. Die mannigfachen Flugzeugtypen werden vertreten sein und schon dadurch das Interesse der gesamten Bevölkerung anziehen. Beginnend mit den großen dreiniotorigen Verkehrsflugzeugen der Deutsthen Lufthansa, von Junkers, Rohrbach, Albatros, Dornier, Focke-Wulf n. a., werden die Zuschauer Sportflugzeuge der ver- jchiedensten Konstruktionen vorgeführt sehen, den„Flamingo" der Bayerischen Flugzeugwerke, die„Schwalbe" von Raab-Katzenstei.i, dos Kurierslugzeug„A 35* von Junkers usw. Für den Nachwuchs der Flieger sind besonders die Schulflugzeuge, die die Fliegerschule Bornemann(Staakens zeigen wird, wichtig. Es sind dies Doppel- dccker, Type„Pelikan", der Raab-Katzenftein-Flugzeugwerk«(Kassel) mit tzV-s'S.-Siemens-Stern-Motoren. Die Verkehrsmittel der Zu- kinift erfordern Führer, die sorgfältig ausgebildet werden müssen, unter ständiger Anleitung des Lehrnz. i>cr Vornerkauf zu ermäßigten Preisen ist eingerichtet an den Theaterkassen von Wert- heim, Tictz(Belle-Alliance-Straße), des KdW., sowie beim Fremden- nerkehrsbureou der Stadt Berlin, Mitteleuropäisches Reisebureau, bei der Hainburg-Amerika-Linie und im Passagebureou der Deut- schen Lusthansa. Ausdrücklich sei bemerkt, daß sämtliche von der Berliner Flughasen-Gesellschast ausgestellten Dauerauswcise für Sonntag, den 1k. September, ihre Gültigkeit verlieren. Roch immer Hochbetrieb im Freibad Wannfee. Wie' den Bädern an der /Nord- und Ostsee, so ist auch dem Freibad Wannsee durch das warme herbftwettcr eine„Nach- s a i s o n" beschert worden, die den Pächtern für die materiellen Aerjuste und den Wassersreunden für die entgangenen Strand- jreuden der sommerlichen Regenperiode eine unverhoffte Entschädi- gling gewährt. So wurden am vergangenen Sonntag 20 000 Be- iucher gezählt und an den Wochentagen durchschnittlich 8000. Das sind Zahlen, die in kcincni verflossenen Jahre erreicht wurden. Seit Mai dieses Jahres haben die Besucherzahlen eine dauernde Aus- wärtsbewcgung gezeigt. Den Rekord bildete der Juli mit 388 000 Besuchern, während die niedrigste Zahl der Mai mit 43 516 aufwies. Insgesamt haben in dieser Saison bisher 830 477 Personen das Bad ausgesucht. Angesichts des anhaltenden schönen Wetters ist es sehr gut möglich, das eine Million erreicht wird, womit es dann Tatsache wäre, daß durchschnittlich jeder vierte Berliner das Freibad Wannsee besucht hätte. Und mit besonderer Genugtuung kann es vermerkt werden, daß auch in diesen« Jahre im Bereich des Freibades kein Todesopfer zu beklagen war. Das ist vor allem dem ausgezeichnet und groß- zügig organisierten Wach- und Rettungsdienst zu ver- danken, dem sich Hunderte von Schwimmern, die sämtlich dem „A r b e i t e r- S ch w i m m c r- B u n d" angehören, ehrenamt- l i ch zur Verfügung gestellt hatten. Zlm 30. September findet der Badebctricb sein Ende. Tahliensch«»» der Kleingärtner. Der Ehrgeiz und die Schassenssreude der Siedler läßt sie jetzt im Spätsonuner ernten, was sie das Jahr�iiber ihrem kargen Boden abgerungen haben, und voll berechtigtem Stolz laden sie das Publi- tun« ein, die Früchte ihres Fleißes zu bewundern. So veranstaltet der Kleingartenverein„Guter Wille" auf dem Tempel- h o f e r O st f e l d in diesen Tagen eine D a h l i e n s ch a u, die im Beisein des Oberbürgermeisters Böß und zahlreichen anderen be- hördlichen Vertretern durch den 1. Vorsitzenden des Bezirksverbandcs Tempelhof, Taubert, eröffnet wurde. Die Ausstellung bietet ein prächtiges, farbenfrohes Bild der verschiedenartigsten Dahlienarten, die in 35 0 Sorten in Stauden und in über 500 Sorten in Schnittblumen oertreten sind. Das ist ein Blühen und Leuchte» in den prächtigsten sommerlichen Farben, und man denkt bei der reichen Fülle des Gebotenen unwillkürlich an großangelegte Gartenkulturen. Es ist wirklich ein lobenswertes Stück Arbeit, das diese Menschen in ihren paar Freistunden hier zuwege gebracht haben. Wes das Herz voll ist, davon läuft die Zunge über, und so brachte man bei dieser Gelegenheit dem Oberbürgermeister endlich einmal persönlich seine Wünsche um Erhaltung und Schutz der Kleingärten vor. Die Kleingärtner haben ja im Lause der Zeiten wirklich den Beweis Es kann leider kaum einem Zweifel mehr unterliegen, daß das Flugzeug„Old Glory", das in Old Orchard im Staate Main zum Fluge nach Rom ausgestiegen ist, gleich den anderen Ozeanfliegern der letzten Wochen als verloren gelten muß. Die L L) 8- N o t- rufe der„Old Glory" sind wohl von drei Dampfern auf der Ozeanreise vernommen worden. Es war aber bisher nicht möglich. das verunglückte Flugzeug oder seine Insassen aufzufinden. Aus New Dork meldet gestern abend ein Telegramm: 71 em gort, 7. September. Der Dampfer„Transsylvania" hat die Stelle erreicht, an der sich das Flugzeug„Old Glory" befinden sollte aber keine Spur von ihm gesunden. J\üf der Suche. Tlem Jork, 7. September. Der Dampfer„Transsylvania" hat auf die 808-Rufe de«„Old Glory" seinen Kurs geändert, um dem Flugzeug zu Hilfe zu eilen.„Old Glory" befindet sich nach Schätzung des Dampfers auf Grund der 8O8-Ruse 83 Meilen von der„Transsylvania" ent- fcrnt, 49,50 Grad nördlicher Breite und 41,14 Grad westlicher Länge. Weitere Einzelheiten berichtete das Flug- zeug nicht. Schisssberichte betonen, daß angesichts des starken Wellenganges auf dem Atlantic Hilfe vor Tagesanbruch wahrschsin- lich unmöglich fein werde. Bew Zork, 7. September. Der Dampfer„Transsylvania" meldet, daß er in einem Um- kreis von 30 Meilen v e rg e b l i ch nach der„Old Glory" gesucht habe. Der Dampfer wird seine Nachforschungen fortsetzen. Kein Lebenszeichen mehr von Bcrtaud. New Zork. 7. September. Drei Schiffe sind jehk aus der Suche nach Bertauds Flugzeug erbracht, wie sehr es ihnen vor allem darum zu tun ist, hier in Licht, Luft und Sonne eine tzesunde Jugend heranwachsen lassen zu können, und wie andererseits die Pflege und Bebauung des Landes auch in kultureller Hinsicht große Vorteile mit sich bringt. Oberbürgermeister Böß versprach den Siedlern seine Unterstützung. Großer Diebstahl im Autobus. �ür 45000 M. Juwelen erbeutet.— Hohe Belohnung. Der Berliner Vertreter einer Pariser Brillantensirma, der schon lange im Westen Berlins wohnt, wurde gestern schwer be- stöhlen. Er hotte aus Paris eine Sendung Juwelen im Werte von 45 000 M. erhalten und wollte sie gestern Berliner Juwelieren vor- legen. Den Schatz trug er in einem s ch w a r z l e d e r n e n Brillantenportefeuille in seiner krokodillederuen Mappe. Mittags ging er die Uhlandftrahs entlang nach dem Fasanenplatz bis zur Meierottostraß«, wo ihn feine Frau erwartete. Diese be- gleitete ihn dann bis zur Gedächtniskireye. Hier bestieg er allein um 12! 2. Uhr einen Autobus der Linie 2, mit dem er bis zur Eck« Unter den Linden-Friedrichstraßc fuhr. Der Wagen war dicht besetzt, er hatte aber einen Sitzplatz und nahm während der Fahrt nichts Verdächtiges wahr. Als er nun aber die Sendung einem Juwelier zeigen wollte, entdeckte er, daß das Portefeuille a u s d e.r M a p p�e p e r f ch w u n'b-c-_n war. Es hatte in 60 B r i« f- ch e n B r M l a n t« n aller Größen von'/,<» Karat bis zu 414 Karat, einen Platinring mit der Hälfte«iyer kreisrunden echten Perle von 114 Zentimeter' Durchmesser und verschiedene kleinere«chmuck- fachen, alles zusammen für 45 000 M.. enthalten. Die Mappe war an der einen Seit« geöffnet und der Dieb muß hier, ohne daß der Bestohlene etwas merkte, hineingefaßt und das Portefeuille heraus- geholt haben. Der Vertreter glaubt jetzt, daß er schon ein paar Tag« lang von einem Manne beobachtet worden sei, kann diesen aber nicht beschreiben. Auf die Wiederbeschaffunz der Juwelen hckt er eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminal- kommissar Lobbes, Dienststelle C 3, im Polizeipräsidium. Wochenendzug nach Helgoland. Am kommenden Sonnabend und Sonntag, den 10. und 11. September, läßt die Reichsbahndirektion Berlin bei aus- reichender Beteiligung einen Sonderzug 4. Klasse zu�er- mäßigten Fahrpreisen nach Hamburg' verkehren, der den Teil- nehmern die Möglichkeit bietet, eine Seefahrt mit der„Cobra" nach Helgoland zu unternehmen. Der Zug fährt ab Berlin (Lehrter Bahnhof) am Sonnabend um 13.02, an Hamburg 18.21 Uhr. Die Rückfahrt erfolgt Sonntag nacht ab Hamburg 0.30, an Berlin Montag 630 Uhr. Am Sonntag um 6.45 Uhr fährt die„Cobra von St. Pauli-Landungsbrücken nach der Insel Helgoland, die sie mittags erreicht. Zum Besuch der Insel und zum Baden stehen 3'/2 Stunden zur Verfügung. Der Dampfer ist am Sonntag um 23 Uhr wieder in Hamburg. Für die Uebernachtung in Homburg werden gleichzeitig mit der Fahr- karte noch Zuschlagkarten ausgegeben. Die Preise betragen für die Uebernachtung 4,60 M. und 5,50 M. Der Fahrpreis Berlin— Hclgo- land und zurück beträgt 22,80 M., Berlin— Hamburg und zurück 12,80 M. Reisende, die sich erst in Hamburg zur Fahrt nach Helgo- land entschließen, können auf dem Dampfer eine Zusotzkarte zum Preise von 12 M. lösen. Die Fahrkarten werden bei der Fahr- kartenausgabe des Lehrter Bahnhofs, sowie bei den vier Ausgabe- stellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus: Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58, verkauft. Ein Achtzigjähriger. Genosse Heinrich Schulz, Schwedter Straße 34, begeht am 8. September in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag.— Seit 1895 ist er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und beteiligt sich heute noch an allen Veranstaltungen der 6. Abteilung. Schulz war im Jahr« 1872 Mit- begründcr des Allgemeinen Deutschen Maurerocrems, der dann ein Jahr später aufgelöst wurde. 1873 trat er dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, dessen Borsitzender Hasenclever war, bei. Nachdem „Old Glory" unterwegs. Alan hat kelvea Radiarvf«ehr von Bertaud gehört, so daß man befürchtet, daß da» Flug- zeug bei dem hohen Wellengang auf dem Meer teilweise bereits unter Wasser Ist. Zwischenlandung des„Royal Windfor" auf Reu- fundland. New Jork, 7. September. „Royal Windsor", der heute zu seinem Englandflug gestartet ist. wird in Harbour Grace auf Neufundland eine Zwischen, Landung vornehmen. Ein neuer Gzeanflleger unterwegs. NewZork,?. September. Das kanadische Flugzeug„Sir Zohu Earliag" ist heute in habor Grace zum Flug nach London gestartet. vie Veltflieger örock und Schlee. Kalkutta, 7. September. In einer Unterredung mit dem Berichterstatter des Reuter- bureaus erklärten die beiden Wellflieger Brock und Schlee. da sie bereits zwei Tage verloren hätten, hofften sie, wenn sie viel Glück hätten, den Flug in 28 Tagen beenden zu können und so den Rekord von 28 Tagen und 14 Stunden zu schlagen. Die endgültig beschlossene Route für den Rest der Fahrt ist: Rangun, Bangkok, Hanoi, Hongkong, Schanghai, Tokio und dann über die nördlich stegenden Inseln nach den Vereinigten Staaten. London, 7. September. Di« amerikanischen Weliflieger sind auf dem„Stolz von Detroit" von Kalkutta kommend, in Rangoon«ingetroffen. Di, Flieger be- richten, daß die Strecke Kalkutta— Rangoon die schwierigste war, die sie bisher durchflogen. Das Flugzeug geriet in einen Monsun und mußte zweimal umkehren und feine Richtung ändern. das Koalitionsrecht wieder hergestellt war, wurde er 1880 Mitbe- Sründer des Lokalvereins der Maurer, dem er bis zur Gründung des jentralverbandes der Maurer 1894 angehört«. Mitglied des Zentral- Verbandes ist er heute noch. Seit 20 Jahren ist Genosse Schulz Invalide._ Wahnsinnstat eines Vaters. Zwei Kinder in den Teich geworfen, dann Selbstmord. Wahlstall bei Liegnitz. 7. September. Eine furchtbare Tat ist in der benachbarten Ortschaft Rosenau verübt worden. In der Nacht zum 6. September, als seine Frau fest eingeschlafen war, stand der Dominaloogt Stein von seinem Lager auf, nahm das etwa 114 Jahre alte Kind aus der Wiege und das bei der Mutter schlafende 6 Wochen alte Kind an sich. begab sich mit den beiden Kindern an den Dominalteich und warf sie ins Wasser, in dem sie ertranken. Dann ging er an die Bahnstrecke Liegnitz— Königszelt und legte sich unweit des Neudorfcr Weges auf die Gleise. Der herankommende Zug überfuhr ihn und trennte ihm den Kopf vom Rumpf. Als am Morgen die Frau erwachte und das Fehlen ihrer Kinder und ihres Mannes feststellte, begab sie sich, von fürchterlicher Ahnung gepackt, auf die Suche und fand nach kurzer Zeit die Leichen der beiden Kinder in dem Teich. Inzwischen war auch die verstümmelte Leiche Steins aufgefunden worden, der die. Tot anscheinend in einem Zlnfall von Geiste»- st ö r u n g begangen hat. Wintergarten. Die Varietöbühne am Bahnhof Friedrichstraß« bringt ihrem Publikum anläßlich des 40jährigen Bestehens ein Jubiläumsprogramm. Als große Vortragsküustlerin rechtfertigt Iosmo Selim ihren Ruf und die für sie gemachte große Re- klame. Die Erz-Wienerin bringt von ihrem Gatten Dr. Ralph B e n a tz k y gedichtete und vertonte„Alt-Wiener Guckkastenbilder", die sie köstlich vorträgt. Der Ukrainische Volkschor setzt sich aus kultivierten Sängerinnen und Sängern zusammen, die mit der Eigenart ihrer heimatlichen Gesänge verttaut machen. G a st o n und A n d r e e sind ein sensationelles Tänzerpaar, bei dem nicht festzustellen ist, wo die Akrobatik aufhört und der Tanz anfängt. Schwierigste Balanceftllcke vollführt Frank am pendeln» den Reck, die 7 Mounters sind prächtige Handvoltigeure, als Wirbelwindakrobaten produzieren sich die 2 H o l t a n o s und Alfred L o y a l s macht auf der Bühne einen lustigen Hunde- zirkus auf. Der Humor ist bei den lustigen Faßspringern Peters und Billy, die vor einem Jahr« bereits im Zirkus Busch ihren akrobatischen Ulk machten, und bei den„lustigen Maurern" F o y und F e y gut ausgehoben. D a s q u e s ist der „Mann auf der Walze". Auf 6 Meter hohem Stohlmast hat der Mann eine Plattform von Tablettgröß« anbringen lassen. Eine Walze von etwa 30 Zentimeter Durchmesser belegt er mit einem Brett und mit dieser Apparatur balanciert er auf dem Podest, jeden Augenblick gewärtig, mit Walze und Brett in die Tiefe zu stürzen. Doch das genügt Vasques noch nicht: er kleidet sich, immer auf der Brettwipp« stehend, vollkommen, einschließlich der Beinkleider, an, um dann schließlich wohlverdienten Beifall zu ernten. Erdbeben in Tokio. Tokio, 7. September. Ein starkes Erdbeben, das mehrer« Minuten dauerte, wurde heute in einem großen Teil Zentraljapans wahrgenommen. Bis- her wurden weder Tote noch Verletzte, noch Sachschäden gemeldet. Verhaftung zweier Falschmünzer. Düsseldorf, 7. September. Die Polizei verhastete den Kaufmann Otto Fülling und den Chauffeur Otto Hanebeck, die bei der Verausgabung falscher Zwei- markstück« betroffen worden waren. In der ermittelten Falsch. münzer-Werkstatt wurden falsche Zweimarkstücke und die zur Her- stellung benutzten Platten und Chemikalien gefunden und beschlag- nahmt. Derncutlüe Naclitlsdi ffö&i � ftf un(i bleibt ein Oetker-Puddinn ist und bleibt ein Oetker-Pudding. Er ist eine Freude für die Jugend und ein köstliches Lab- und durch Zusatz von feinstem Reispuder. Aach enthalten tal für die Erwachsenen. Nahrhaft, wohlschmeckend, leicht Dr. Oetker's Puddingpulver die für den Körperaußaa und verdaulich und preiswert sind die Merkmale der Octker- die Blaibildung notwendigen mineralischen Salze. Infolge Puddings, die jetzt in noch besserer Qualität hergestellt großen Umsatzes sind Dr. Oetker's Puddingpulver stets werden als bisher and zwar durch Verstärkung des Aromas überall in frischer Ware zu haben- t Stüde lO Pfennig. Verlangen Sie in den einschlägigen Ceshäften auh Dr. Oetker's neues farbig Illustriertes Reseptbuch, Ausgabe S für 15 Pfennig, wenn niht vorrätig gegen Einsendung von Marken von Im Bcrltner H«u»fr»uen.VereIn kommt Dr. Oetker1« Puddingpulver zur Verwendung. 2>r. August Oetker, Bielefelds Udcnvtrtauf ivrtl«; B*ckD«ivtr..Btckln I Zbeker) Pf«.. VrnlUf Soa««pulvor t Pf«.. Oali ScbokoUdtaspcia«». eck. Mandela 2S Pf«.. Kr St«ck 10 Pf*.. 3 Stck.« Pf» P«ddlncp«lv*r Vaa.-Mand. 10 Pfe..Va«.. Oala-ScknfcoladnHPnddinfpnlver ISPff.. Mandrlkcra-Pnddlnrpalvtr» Pfr. Krokast-Puddinataivar 30 Ptf.. Ou.ua BS t M Pf f.. Cinmack*-H«tf«' Pf« Die Arbeiten öes neuen Derlin. Aus dem Nordosten des früheren Berlin. Der Dezirk Prenzlauer Berg ist zum großen Teil von einer rein proletarischen Bevölkerung bewohnt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Jnnenbezirken ist hier noch unbebautes Gelände vorhanden, so daß die Verwaltung sür die Schaffung neuer kommu- naler Einrichtungen ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit be- halten hat. Litte Berlin nicht unter der katastrophalen Finanznot der Nachkriegszeit, so könnten hier im Interesse der Bevölkerung schon jetzt großzügige Arbeiten durchgeführt wrden. Trotz der geldlichen Schwierigkeiten ist es dem Bezirk aber doch gelungen, eine ganze Reihe von Einrichtungen zu schaffen, die geradezu vorbildlich ge- worden sind; vor allem in der Fürsorge für Arme und Kranke kann der Nordosten des alten Berlins auf namhafte Erfolgs zurückblicken. Die öautätigkeit. Selbstverständlich besteht auch hier wie in allen Bezirken von Berlin eine erhebliche Wohnungsnot. Man kann daher mit Genug- lirung feststellen, daß es in diesem Jahre endlich geglückt ist, die Wohnbautätigkeit zu verstärken. Gemeinnützige Baugesellschaften, vor ollem die„Gehag", sind an der Errichtung von Neubauten beroorrogend beteiligt. Augenblicklich werden im Bezirk etwa 875 Wohnungen durch Neubau geschaffen und 7IZ sollen noch in diesem Zahre In Angriff genommen werden. Den Einfluß der In- slotion zeigt die Tatsache, daß im Jahre 1324 eine einzige Wohnung gebaut werden konnte. Im Jahre 1325 betnig die Zahl der neuen Wohnungen 69, 1926 wiederum nur 12, aber im ersten Halbjahr 1927 stieg die Zahl bereits auf 327. Entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung und auch in der Absicht, die Schulverhältnisse an sich zu oerbesiern, plant der Bezirk eine ganze Reihe von Schulbaulen. So sollen zwei Turnhallen auf dem Schulgrundstllck in der Bötzowstraße errichtet werden. Ein Erweiterungsbau für das Königstödtische Gymnasium in der Greifswalder Straße hat sich seit langem als notwendig erwiesen. In der Prenzlauer Allee sollen eine Berufs- schule sür Mädchen und ein Erweiterungsbau für die zehnte Hilfs- schule in Verbindung mit drei übereinanderliegenden Turnhallen errichtet werden. In der Eberswalder Straße ist die Schaffung einer Gemeindeschule und auf dem Schulgrundstück in der Pappelallee der Bau einer zweigeschässigen Turnhalle mit Brausebadnnlagen geplant. Ferner will der Bezirk das Wasserwerksgebäude in der Belforter «trahe fiir die Zwecke seines Jugendamts umbauen und in der Schönlanker Straße fall eine Zentralwerkstatt der Feuerwehr ein- gerichtet werden.— Ein umfassendes Bauprogramm hat der Bezirk mit der Verbesserung der ihm unterstellten Straßenpslasterung aus- gestellt. Hierfür sind die notwendigen Mittel bereits zum größten Teil bewilligt worden. Eine Reihe von Straßen wie die Kniprodc-, 'kiie Thorner Straße, die Storkower Straße, die Hosemann- und Greifswalder Straße sollen teilweise oder ganz asphaltiert werden. Bei dieser Gelegenheit wird dort, wo es angebracht erscheint, auch gleichzeitig ein Radfahrweg eingebaut werden. Die Eisenbahnbrücken im Zuge der Schönhauser Allee sowie der Landsberger Allee sollen, den Erfordernissen des Verkehrs entsprechend, umgestaltet und ver- breitert werden. Kein Gemeinöekrankenhous! Man muß die seltsame Tatsache verzeichnen, daß Prenzlauer Berg keio eigene» Gemeindekrankenhaus besitzt. Dafür aber ist das Huseland-Hospilal mit seinen 1500 Letten vorhanden. Es enthält neben einer großen inneren Abteilung eine Abteilung für Nerven. kranke, die für 500 Patienten eingerichtet und somit die größte Anstalt dieser Art in Deutschland ist. Vor zwei Iahren wurde dem Hospital eine Röntgenabteilung angegliedert. Zur Vergrößerung der Auf- nahmefähigkeit dieser Krankenanstalt soll ein Wohnhaus für Beamte und Angestellte des Hospitals errichtet werden. Auf dem alten Exerziervlatz in der Eberswalder Straße liegt dos Ambulatorium für knochen- und gelenkkranke Kinder. Vor einigen Monaten wurde diese Anstalt ebenfalls durch eine moderne Röntgenabteilung er- weitert. Ferner wurden Untersuchungsräume und neue Kranken- zimmer für 32 Betten geschaffen. Insgesamt werden im Ambula- torium 300 Kinder behandelt, in der letzten Zeit haben sich zu ihnen auch 30 erwachsene Kranke gesellt. Drei Säuglingsfürsorgestellen stehen den Müttern mit Rat und Tot zur Seite. Daneben gibt es besondere Fürsorgestellen sür Schwangere, Psychopathen und Trinker. Man beabsichtigt, im Prenzlauer Berg einen Zentralpark zu schaffen, in dem, von Bäumen und Blumen umgeben, ein Mütter, und Säuglingsheim errichtet werden soll. In engstem Zusammenhang mit diesen beiden Heimen soll eine Entbindungsanstalt errichtet werden. Und als Krönung oll dieser Arbeiten plant der Bezirk die Schaffung eine» allgemeinen Krankenhauses für etwa 700 Patienten. Dieses Krankenhaus soll selbstverständlich noch jeder Richtung hin .Mark Oer neue Herren Koih u. /eeland 0eHixJudfenffr.2O/21 modern und vorbildlich werden. Alle diese Pläne können aber erst im Laufe der nächsten Jahre verwirklicht werden. Sie sind abhängig von der finanziellen Lage Berlins. Man denkt auch an die Er- richtung einer besonderen Abteiluag sür Geschlechtskranke. Es ist beabsichtigt, diese Fürsorgestelle am 1. Oktober d. I. mit dem In- kräfttreten des neuen Reichsgesetzes zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten in einer geräumigen Baracke in der Danziger Straße 62 zu eröffnen. Endlich ist der Bau einer neuen Badeanstalt in der Prenzlauer Allee geplant. Auf dem Gebiet der Zugendwohlsahrt wurden in den letzten Jahren wertvolle Einrichtungen geschaffen, neue sind geplant. Der Spielplatz an der einsamen Pappel soll ein Umkleidehaus und zwei neue Tennisplätze erhalten. Auf dem Garten- baugelände in der Greifswalder Straße, das der landwirtschaftlichen Betätigung von Schulkindern offen steht, soll eine Vrauseanlage ein- gebaut werden. Hier soll auch ein Spiel- und Sportplatz entstehen. Die Errichtung weiterer Kinderspielplätze, die Schassung eines Kinder- heims im Süden des Bezirks und die Vergrößerung des Lehrlings- heims gehören zu den nächsten Arbeiten auf diesem Gebiet. * So zeigt sich im ganzen gerade im Prenzlauer Berg ein lebendiges kommunalpolitisches Leben. Es ist zu begrüßen, daß der bisher vernachlässigte Nordosten der alten Stadt durch die Schaffung der größeren Einheitsgemeinde befähigt wurde, für seine Einwohner- schaft in ganz anderem Maße als früher zu sorgen. vöge! in Serlin. Vogellcbcn in der Großstadt! Ungezählt sind die Scharen der gefiederten Sänger, die auch hier trog Lärm, Verkehr und Menschen ihre Heimstätte behalten haben. Oft wird die Ruhe der Nacht in den Parks leise von gezogenen Tönen unterbrochen, die voll und kräftig anschwellen, plötzlich wieder abbrechen. Neue Töne erklingen wieder, denen Triller und weiche, schwellende und schluchzende Töne folgen, die in verschiedener Länge und mannigfaltiger Form neu- moduliert oder wiederholt werden. Die Sängerin der Nacht, die Nachtigall, hat ihr Lied begonnen. Feurig und reichhaltig singt sie zur Liebeszeit, weniger anhaltend zur Brutzeit. Doch nicht nur des Nachts, auch bei hellem Sonnenschein und beim rauschenden Regen ist ihr Lied zu hören. Um Johanni verstummt es für immer. Die Nachtigall trägt nur ein schlichtes graubraunes Federkleid, das auf der Unterseite' einer weißlichgrauen Färbung Platz macht. Häufig ist sie aus den Wegen und Rasenflächen der Anlagen fichtbar, wie sie Nahrung suchend die Umgebung mit ihren großen dunklen Augen mustert. Die Bachstelze mit ihren eleganten Bewegungen und ihrem langen, wippenden Schwanz, der Haus- und der Gartenrotschwanz, olles wohlbekannte Gestalten der Stadt, der erstere fast einfarbig dunkel, der andere mit schöner rostbrauner Brust, lassen ihre Strophen von einem Housgiebel ertönen und schicken sich zum»Nestbau an. Der Schlag des Luchfinken, die Gesänge von Amsel und Singdrossel ertönen schon seit einiger Zeit. Die Amsel beginnt schon im Februar, um den Frühling anzukünden. Die Singdrossel nähert sich, wie vor nicht allzu langer Zeit ihre schwarze Verwandte, die Amsel, dem Menschen und gehört auch schon zu den Vögeln, die innerhalb des Verkehrs zu leben verstehen. Ursprünglich wohnte sie draußen in In dos Labyrinth der Ehescheidungsparagraphen des Bürger- lichen Gesetzbuches führt Moria Münk den Hörer ein. Mit der Sachkenntnis des Rechtsanwaltes spricht sie über Ehebruch, bös- williges Verlassen und andere Dinge, die mit einer Trübung der ehelichen Harmonie zusammenhängen— und dem Hörer, der nicht zufällig über juristische Kenntnisse verfügt, wirbelt der Kopf von all den rabulistischen Kniffen, mit denen das Gesetz das Auseinander- gehen der Ehegatten oerhindert. Tatsächlich ist aus diesem mittel- alterlichen Gebiet eine dringende Modernisierung notwendig. Ueber den Perkehr mit Gehörkranken spricht Taubstummenlchrcr S t o k- schinski. Er streift nur die Gebärden- und Zeichensprache, da diese einer bildlichen Erklärung bedarf, und er gibt vielmehr An- regungen für den Verkehr mit gehörkranken Menschen. Sprechen in der gewöhnlichen Tonstärke, aber scharfes Artikulieren der Worte, besonders klares Aussprechen der Konsonanten sieht er als Haupt- bedingung sür eine Verständigung an. E v o H a i b e r g. die im Rahmen der Iugendbühne eigene Märchendichtungen liest, ist eine bessere Rezitatorin als Schriftstellerin. Sie trifft im Vortrag den kiudlich-naiven Ton, ohne darin zu übertreiben und ohne sich ab- sichtlich niedlich zu machen. Von vornherein bringt sie einen liebens- würdig harmlosen Plauderton mit. Auch ihre Dichtungen wollen durchaus naiv wirken. Aber diese Naivität streift schon bedenklich das Kindische. Das Abendkonzert wird aus dem Hause der Funk- industrie übertragen. Seidler-Winkler stellt ein populäres und dabei durchaus hochwertiges Programm mit Ouverlüren, �mit Bizets„Arlesienno-Sutte" und mit Bruchstücken aus Opern. Seit langer Zeit hört man wieder den Tenor Eugen T r a n s t y, dessen Stimme, wie immer, außerordentlich klangvoll und sonor in�der Uebertragung ist. F. S. den Waldungen, allmählich ist sie bis in den Tiergarten und sonstigen Anlagen der Außenstädte vorgedrungen. Von da aus breitete sie sich anfangs über die Parks und Friedhöfe aus und kam so allmählich in nähere Berührung mit dem Menschen, so daß sie sich heute nicht scheut, in nächster Nähe der Beschauer ihre Nahrung zu suchen. Wenn wir den Kreis unserer Betrachtungen aus den Bogel- bestand der größeren Gärten und Anlagen ausdehnen, so müssen wir einiger wohlbekannter Gestalten gedenken. Da ist der beliebte Star, eine alltägliche Erscheinung in den öffentlichen Anlagen Berlins. Während des Sommers ist er ständiger Besucher der Rasenflächen in den Anlagen, der Schmuckplätze und an den gras- bewachsenen Ufern der Kanäle. Besondere Aufmerksamkeit wird ihm zuteil, wenn sein metallisch glänzendes Gefieder im Strahle der Sonne die prächtigsten Farben zeigt. In neuerer Zeit haben die Dohlen in Berlin ihre Quartiere in den verschiedensten Teilen der Stadt aufgeschlagen und nisten auf Kirchtürmen und alten Bauten. Während des Tages halten sich diese lebhaften, gewandten, immer heiteren Vögel gern aus den Fenstergesimsen der Wohnhäuser auf, während sie oftmals nächtliche Ruhe in dichtbelaubten Straßenbäumen halten. Zu weiteren täg- lichen Erscheinungen gehören der Buchsink in den Anlagen, den Friedhöfen und Außenbezirken, ferner der Grünfink, der Hänfling und seit einiger Zeit der von Süden«inwandernde Girlitz. Meisen und Laubsänger, Fliegenfänger und Wendehals sind hier anzutreffen. Nicht zu vergessen der Spatz, der Straßenjunge der Stadt. Nächst dem Spatzen ist es der Segler, der in Berlin das meiste Interesse erweckt. Seine kreischenden' Rufe hören wk tagtäglich aus den Lüften, besonders wenn in den Straßen der Stadt das Hasten und Treiben für kurze Zeit verstummt. Er ist ein Vogel der Lüfte, der sluggewandt und unermüdlich das Häusermeer nahrungsuchend überfliegt, aber auch manches Mal dicht über dem Erdboden seine Beute, fliegende Insekten, zu erhaschen sucht. Nicht wählerisch im Aufsucheo des Nistplatzes ist ihm jedes Loch, jede Mauerlllcke, über- Haupt wohl jeder geschützte Ort geeignet zum Nestbau. Findet er eine ihm passende Niststätte schon durch andere Vögel besetzt, so ver- treibt er diese rücksichtslos. Sperlinge und selbst Stare müssen ihm weichen. Von allen Vögeln bleibt der Segler die kürzeste Zeit bei uns. Er kommt Anfang Mai und zieht in den ersten Tagen des August nach Süden. Nur drei Monate währt die Zeit seines Hier- seins. Niemals berührt er freiwillig den Erdboden, doch werden zuweilen beinahe flügge Junge, die dem Nest entfallen sind, auf der Straße gefunden. Häufig wird er irrtümlich für eine Schwalbe gc- halten. Berlin beherbergt auch die Mehl- wie die Rauchschwalbe. Man findet sie über die ganze Stadt verbreitet. Es ist nicht nur Mangel an Nahrung, der die Slbwalben Berlin immer mehr und mehr meiden läßt, sondern die Schwierigkeit des Nestbaues. Das Sammeln des geeignete» Niststoffes, schlammige Erde und des- gleichen, ist auf den asphaltierten und mit eng einander liegenden steinen gepflasterten Straßen nicht möglich. Auch bieten die mit Oelsarbe bestrichenen Hauswände dem Nest keinen Halt Darunter leidet besonders die liebliche Wehlschwalbc, deren Nest unter den Dächern der Häuier zu linden ist. während die Rauchschwalbe in den Hallen der Bahnhöfe, den Ställen usw. geeignete Niststättcn findet. Den größten Teil ibrcs Lebens verbringen beide Arten oben in dem Lüsten über dem Häusermeer. Aber wenn trübe und regne- rische Witterung herrscht, finden sie hier nicht hie genügende Nah- rung, und dann sieht man die scbönen Tiere dicht über dem Straßen- Pflaster dahinstreichcn. um Mücken und Fliegen zu erjagen Die Zugendweihe Neukölln findet am Sonntag, dem 25. Sep- tcmber, vormittags 10)4 Uhr, im großen Fcstsaal des Orpheums, Hasenheide, statt. Unterricht jeden Freitag 4 Uhr im Gesangssaal der Knaben-Mittelschule, Donaustr. 120. Anmeldungen werden bis zum 15. September im Unterricht, sowie in den Vorwärtsspeditionen Neckarstr. 2 und Siegfriedstr. angenommen. Meldegeüühr 50 Ps. Jugendweihe Tenpel.fol. Sonntag, 25. September, 10 11>r, im Realgymnasium Marienbors. Kallerslrasie. Zlnmelbungen zum I igend- nntcrricht. der zur Jugendweihe notwendig ist, bei Lehrer Äilthauer zu Beginn der llntcrrichisstnnden. die icden Mittwoch. 15—17 Uhr. in der 2. Gcmcindcschutc Tcmvelhoj, Friedrich-Witbclm-, Ecke Werderitr., jlattsinden. Die Jugendweihe für den 13. krei, sindct am Sonntag, dem 25. Ter- tcmber. vormittags 10 Uhr, im Festsaal des(iiUmnasiilM-Z Maricndoif. ttaiterstr. 21, statt. Ten vorbereitenden Unterricht dazu hält Genosse Wittancr jeden Mittwoch von 15—17 Uhr in der Schute Temoctstof, Werder- Ecke Frtcdiich-Wilhelm-Strasic. ab. Alle Genoisinnen und tSenossen, deren Kinder die Iugcndivcibe empfangen sollen, werden gebeten, diele am Mittwoch in den Vorbereitungsunterricht zu schicken. Warum Sie Verdauungsstörungen haben. Wie man Abhilfe schafft. Wenn Speise in den Magen eintritt, werden sofort säurehallrge Säfte abgesondert. Wenn diese Absonderung im Ucbermahe erfolgt, belastet sie den Magen und verursacht Schmerzen und Beschwerden. Sofortige Linderung kann in derartigen Fällen erzielt werden, wenn man einen halben Kaffeelöffel Viferirtes Magnesia-Pulver oder zwei bis drei Tabletten in ein wenig Wasser direkt nach dem Essen ein- nimmt. Dies neutralisiert prompt und schnell den Säureüberschuß, be- seitigt die übermäßige Gärung und stellt sofort jchmerzlose normale Verdauung her. Kausen Sie noch heute ein Paket Biferirte Magnesia, nehmen Sie sie, wie aus der Gebrauchsanweisung angegeben, und Sie werden über Verdauungsbefchwerdcn nicht mehr klagen. Wichtig! hülen Sie sich vor Nachahmungen und bestehen Sie daraus, nur die echte Liserirle Magnesia zu erhallen, die den Namen Bismag Ltd. London trägt. Aul allgemeinen Wnnseb bringen wir die beliebte Enver Hey Fabelhaft anch ohne Mundstück, dick und rund. Verlangen Sie diese neue Qoallt&ts-Zigarette, sie Ist überall zu haben. [a n örc vie Zlaggenaffäre von Zrieöenau. �ZezirkSbürgermeistcr Bcrndt gegen Oberbürger- mcister Böf». Das im„Vorwärts" geschilderte entschlossene Lorgehen des berliner Oberbürgermeisters Löst gegen die B« f l a g g u n g eines Friedenauer Schulhoses mit schwarz- w e i ß r o t e n Fahnen wurde gestern in der B e z i r k» v e r> mmlung Schoneberg von der deutschnationalen a k t i o n in einer Anfrage zur Besprechung gebracht. Der deutschnational« Stadtverordnete Major a. D. Merckel behauptete unter dem Gelächter der Linken, daß der Friedenauer Landwehr« und Kriegerverein, bei dessen Jubiläum der als Sammelplaß be- nutzte Schulhof fchwarzweißrot geschmückt worden war, alles ander« als politisch sei. Bezirksbürgermeister B e r n d t, auch ein Deutsch- nationaler, beantwortete die Anfrage mit der Bekanntgabe eines an das Bezirksamt gerichteten Brisfes, in dem der Oberbürger- meister Boß sein Vorgehen, die von ihm angeordnete herunter- holung der schwarzweißroten Fahnen, hinterher begründet hat. Die geltenden Bestimmungen, daß die Aus- schmückung von Schulräumen der Genehmigung bedarf, berech- tigten und verpflichtete ir ihn, gegen diese eigenmächtig« Ausschmückung vorzugehen, chsrr Berndt bemängelte aber, daß Oberbürgermeister Böß dabei übersehen habe, daß von der jetzigen Regierung bei ihrem Amtsantritt ausdrücklich der Schutz der großen Vergangenheit zugesagt worden sei. Hiermit sei die Herunterholung der schwarzweißroten Fahne des Krieger- Vereins nicht in Einklang zu bringen, denn schwarzweißrot sei das Symbol der großen Vergangenheit, in der die Kriegerverein« wurzeln. In der anschließenden Besprechung behauptete der deutschnationale Bezirksverordnete C v e r s. der Friedenaue? Kriegerverein stehe auf dem Boden der Verfassuno und habe keine Demonstration gegen die Republik beabsichtigt. Stadtverordneter Genosse Czeminski trat-hm entgegen mit scharfen Aus- ührungen, in denen er von dem Vorgehen des Oberbürgermeisters agte, daß es auf die Berliner Bevölkerung wie ei n e he- r e i e n d e Tat gewirkt habe. Kein Land der Erde würde oviel Langmut aufbringen wie die deutsche Republik gegenüber ihren Feinden gezeigt habe. Von Beamten, die den Eid auf die Verfassung geleistet haben, lasse sie sich die Herabsetzung ihrer verfassungsmäßigen schwarzrotgoldenen Jahne bieten. Unser Redner schloß mit dem Wunsch, daß die Amtsstuben der Ber- liner Gemeindeverwaltung von den Leuten ge- säubert werden, die unsere republikanische Ver. sassvng mißachten und verunglimpfen. Herr Berndt antwortete nichts mehr._ 3a dee Berliner lilchlerschule, st ä d t I s ch e d öh-re Fachschule, verlin O 34, Gtrakmannftr. 6, beginnt l>aS neue Winlcrieme'ter am Cfinber 19-27. Tilchler, Drechsler,.L-olzbildliauer und Jntarsienlchneider erbauen emc praktische, technische, kaufmännisch- und künstlerische Aus- bildung. Ein neuer Meiilerkur'us beginnt im Oktober Für junge Tischlermeister. Werkmeister und Gebilsen ist ein KurluS sür Staatsbürger- und tSejetzeSkunde eingerichtet. cbensallS ein Kursus lür Beizen und Polieren. Die Schule unterhält im Norden(iKrünthaier Sir, 5) und Sud- Westen iWartenburgstr, 6) Zweigabteiluiigen.— Auskunft und Anmeldungen: Hauptabteilung. Strastmannstr. 6, S>of rechts, Zimmer 4. werktäglich 10— 12 Uhr vormiitagS, K— 8 Ubr abends. � Anmeldungen sür die Zweigabtcilungen finden in den bcireffenden Schulhäusern statt. Sprechchor lür Proletarische Aeierslunden. UebungSstunde Donnerstag, ?. September, abends ß Uhr, im Kesangssaal der Saphienschule. Deinmciiter- stiatze 18/17. Alle Kinder müssen bestimmt erscheinen. Probe zur Jugend- weihe._______ Vorträge, vereine und Versammlungen. # Reichsbanner»Schwarz Roi Gold". «eichSktsNelle: Berlin E>4. EebaNianstr. 37, z». So» t Tr Donnerstag,«. September: Wilmersdorf: 20 Uhr Uibungsabend der Iunglomeraden boi Krolh. Holsteinisch« Straß-.' Freitag, g. Srp- t-mb-r: Areuzberg:>0. Abt.: 20 Uhr bci W-ndlcr. Diestenbachstr. Z4. Wilmer». dorf: 20�4 Uhr Aameradschoftsabend im Viktoriagarte», Wilhelwbaue. Vortrag de» Kameraden eandtagsobgrordnetcn Litdemann. Zlcintckendorf-West: 20 Uhr Kameradschaftosttzuna im Brreinstokal Scharnweberftr. ZO. Vortrag:..Zlcich». banncr und Tewsrkschaft." Borstgwald«: 20 Uhr Kameradschaftsvcriammlung bei Woitschack. Ernststr. 1. PÜnktlickicz Erichrinen rrbeten. Pankom: Ab thl St 4raß«. Vortrag:„Die Wienrr Vorgänge und ihre Wirkung für das Reichs» danner." Referent Kamerad Volkmann. Sruppcnfllhrrr eine Stunde früher. sirrgarten iAbsahrt azj Uhr): Westen 5>,» Uhr Bülow- Ecke Doebenstraßc lAo- fahrs dz; Uhr). Gemeinsamer Treffpunkt: Landsberger Allee Ecke Oderbruch- strafte 6,20 Uhr. Badezeug mitnehmen! Ziachzügtcr 9% Uhr Bhf. Friedrich- praftc lFcrnbahn!). Lastwagcnfahrt frei. Billett 2,30 M. Bund der Freidenierjugend, Ortsgruppe Groß. Berlin. Gruppe Osten: Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Jugendheim Litauer Str. 18.„Revolutionär» Literatur." Gruppe Rorden: Freitag,!>, September. 20 Uhr, Ledigenheim Poppelallee 15. Bunter Abend.— An beiden Abende» ist das Er. schäm- wird. 8. September, scheinen Pflicht, da wichtige, Material in Sachen„Kulturreaktion" verteilt wird. Geilnnungstreundc find zur Mitarbeit immer willkommen. Deutsche Graphologische Studiengescllschast. Donnerstag,! 30 Uhr, im Lvzeum Wellmann, Eharlottcnburg, Srolmanstr. 38, Eiftung. Tagesordnung: Bortragsznilu» Herr Besser:„Die Grundlagen der Graphologie." 3. Abend:„Einzelmerkmale II und Deutungsvirfahren." Filehaer Landsmannschaft zu Berlin. Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Joels Bereinshaus, Oraxienftr. 38. Gäste willkommen. vrtsuereiu Berlin im Derbsnd Vollsgosundheit. Die am Donnerstag. 8 September, angefeftt« Mitgliederversammlung findet erst am lZ, September statt.— Z! stra' t.— Zugendginppe: Freitag, 3. September, 13', e Uhr, ReuIWn, Schierke. ftc 44. Diskussionsabend über:„Schulmedizin oder Biochemie?" Typographische- Orchester. Dirigent Erich Gutzeit. Uebungsstundc jetzt jeden Freitag 20 Uhr im Neuköllner Bereinshaus. Hermannftr. tt(Nähe H«:uiannplatz). Gesucht Streicher und Bläser. Monatsbeitrag 50 Pf. Deutscher Ostbund E. B., Ortsgruppe Mari-nd-rs.Tempelhof. Donnerstag. 8. September, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Restaurant Seebad Marien. SdAialiftistbe flrbeiterfugenü Groß-öerlin. BB.-Sitzung gemeinsam mit den Werbcbezirlsleitern heut», Donnerstag, 13 Uhr, im Sekretariat. heule. Donnerstag. S. September. 19M Uhr: mu». seier. s«i> W: Folkplatz: Schul» Sberswalber Str. 10.„Arbeiierjugend und Militari»- — Schönhauser»Vorstadt! Schul« Driesener Str. 22. Probe zur Werbe. — R-senthalcr Borstallt! Funktionärsstzung 20 Uhr beim Senoisen Arnold ialodpstach, Lothringer Str. 32.— Südwest: Heim Lindcnstr 3.„Sedcno. reform."— Friedenau: Heim Oisenbachcr Str. 5».„Religionsfragen."— Lankwitz: Schule Schulstraft-. Arbeitsgemeinschaft.— Lichterselde: Heim Lichterielde-West, Albrcchtstr. 14-„Die Fugendinternationale."— Wittenau: fein: Rosenthaler Sir. 15.„Reichsschulgksctz."— Paukow-SSd: Schule Kaiser- riedrich-Ltr. 57..Partei und Iugcnd/ Spielgemeiuschast de««ebeiterjugcnd und Iungsozialisten. Montag, 12. Eep- tember, 13V, Uhr, Jugendheim Schöneberg, Sauptstr. 15, Sudetenlond, immer. Tagesordnung: Winterarbeit. Dortrag des Genossen Löwenberg(Bolksbllhn«) über:„Die Bedeutung d-r Literatur des 18.. 13. und 20. Jahrhunderts vom Standpunkt der Gesellschaftskritik." Sport. Rennen zu ZNariendorf am Mittwoch, dem 7. September. I.Rennen. 1. Louissana 75.—. 60.—, 50.— Sport- Anzöge«M00 rfr.chisdsnart Stoff, 60.—,»O—, 36,—, ja—«>» Sport- Anzöge �«noo i"«ehr rsieb. At)sw. 83.— ,72.— ,60— ,53»-. 40—«FW Loden- Anzüge rt"1»»«« Breeches od. langer»o.e. 45.-. 40.-. 35--» 24.- MeW Vlanc�ester- Anzöge Sportjaehett gelüttart. mit Zreeehea od«? langer Hose.......... 45.-, 35—«FÄ LederJoppenfÄTÄI:««sw» hrau« von 7t.-, achwar» v«»» aa Ledermäntel«aoo 135,—, acbwtrz tob aa Chauffeur-Mäntel 5300 Chauffeur-Anzüge c™___ and Maachciter, Preis««eb Qaalität und AH*B%fVV 65,—. 5J—, 63- Ä« Matrosen-Anzüge Y$0 mit Überkragen aas blauen und farbigen Stollen M AS Preis nach Qualität und Größe von Original-Kieleranzöge»so »US blauem Cbartot m. Moltom L 3f6bri,o T. a ao ln der Industrie und im Handwerk, 420 000 i,n Handel, Verkehr und in Gast- und ivchankwirtsckiaften beschäftigt Im Jahresdurchschnitt betrugen die Bezüge der Arbeitnehmer, den Angaben der Handels- kommer zufolge, 1750 M. Der Gewerbeertrag bzw dos Reinein- kommen der Unternehmer wird aus Grund der Steuererklärungen tür dos Jahr 192.5 auf 1182 Millionen Mark geschätzt, wovon aus die Aktiengesellschaften ein Reineinkommen von 341 Millionen Mark entfällt. Dos Gewerbekapital betrug Ende 1923— worüber das Statistische Am« erst jetzt Veröffentlichungen machte— in Berlin 7500 Millionen Mark, wovon 3000 Millionen Mark auf gewerbliches Grundvermögen bzw. auf Betriebsgrundstücke entfielen. Sächsische Textilindustrie hat Austräge bis Jahresschluß. Ein« Rundfrage bei einer großen Anzahl Firmen der sächsischen Textil- industrie hinsichtlich der Größe der Auflragsbeständ« läßt ziemlich übereinstimmend erkennen, daß so st olle Werke fast bis zum Jahresende mit Aufträgen versehen sind, die eine vosle Ausnutzung der Leiftungssähigkeit der Fabriken gewähren. Zu berücksichtigen ist, daß gerade im Laufe des September saison- mähig noch eine Reihe Aufträge e i n t r e f s c n, so daß mftn für die Strumpfindustrik, für die Handschuhindustrie, für die Strickwaren und Trikotagen ohne allzu große Vorl>ehalte mit voller B e- s chäftig ung bis zum Jahresende rechnen kann. ■V i"Säem Pfand der TatciigargartM JFrtsel» Rest"4 vtrtasge i i gratis i ssenn diese bayerische Kemmargarine aus den V.M.W. Rürnberg bereinigt zum j ersten Mal höchste Lährtrast und höchsten Wohlgeschmack: Vitamine und Alpenmilch. itr ResMtaabOctMrdl Vcrtrattr 4er T-M-W. NOrsberg: SMfcAgeaMr, Bellte NO«, Nene Königstr. 31. Tei.: USaigttadt 1865, 1866, 1867. verluskabschluh iroh Subventionen. Die Motorenwerk« Mannheim Zl.- G. sind im vergangenen Herbst bekanntlich hart am Konkurs vorbeigekommen. Der gänzliche Zusammenbruch des Unternehmens war nicht zuletzt aus das schnelle und tatkräftige E tn- greisen der Stadt Mannheim zurückzusühren, die durch Gewährung von Darlehen in Höhe von 1% Millionen dem Unternehmen mit flüssigen Mitteln bcisprang. Der hohe Vorjahr«- verlust von 2,2 Millionen Mark, der nach dem Geschäftsbericht auf die fehlerhaften Dispositionen des früheren Vorstands zurückzuführen war, erforderte eine umfassende Sanierungsaktion. Die finanzielle Umstellung wurde durch Zusammenlegung der 5 Mill. Mark Aktienkapital auf 3,0 und Wiedererhöhung auf 5,4 Mill. Mark vollzogen, während die Betriebe durch Vereinfachung der Typen und Beschränkung des Arbeitsprogramms von Grund auf neuorgani- siert wurden. Di« jetzt erst veröffentlichte B i l a n z für das Geschäfts- jähr 1326 stellt noch die Vermögenslage der Gesellschaft vor der Umstellung dar. Die auf 3,4 Mill. Mark angewachsenen Ver- l u st e sind durch die inzwischen vollzogene Zusammenlegung des Aktienkapitals auf rund 4l»1l> M. ermäßigt worden.— Durch Uebcrnahme von 2.4 Mill. neuer Aktien ist die Stadt Mannheim Majoritätsbejitzer der Gesellschaft geworden. Dem- entsprechend traten zwei Vertreter der Stadt neu in den Aufsichtsrat ein. Der Beschäftigungsgrad des Unternehmens hat sich im laufenden ?N der Echulaula Waldenserstr. 20/21. Portrag:»Der Reichoschulgesetzenrwurf und seine Defahren für die Schule." Drscheinen unbedingt erforderlich. «. Steei» Wcddina. 19 Uhr Sitzung de» erweiterten Kreisvorstandes an bekannter Stelle. ». Kreis Kreuzberg. Die zum Dewerkschaftsfrft entnommenen Karten sind umgehend beim Denissen Robinson abzurechnen. 7. Krei, Dharlotteatnra. Der Arbciter.Radfahrerbund»Solidarität' ver- onstaltet am Sonnabend, 10. September, auf dem Spandauer Berg sein 27. Stiftungsfest, verbunden mit Kunst, und Reigenfahren der vier roten Teufel aus Halle a. d. Saale. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, diese Veranstaltung recht rege zu unterstützen und Abteilungs- fahnen mitzubringen. 14. Krei» Reuköll». Freitag, 9. September, 19% Uhr, Sitzung des Bildungs- m-sschusse, im Parteidurea». Id. Krei» Treptow. Freitag, 9. September, 19% Uhr, in Niederfchöneweide, Verliner Ecke Fennstraße, Kreisvorstandosttzung. Die Ädteilungsleiier sind eingeladen. heute. Doaaerskag. 8. September:« 2Z. Abt. Neuanmeldungen zur Rolksbllhn««erden noch entaeaengenommen bei den Genossen Linfendarth, Friedederger Str. 11: Wilhelm Glld«, Landsberger Allec 45; ff. Suse, Ällensteiner Str. 7, Laden; M. Oberg, Woldenberger Str. 27. 7g. Abt. Schöneberg. 20 Uhr bei König, Feurigstr. 51, Sitzung sämtlicher Funktionäre. 95. Abt. NenkiM». Achtung? Di« für heute, Donnerstag, einberufen« Vor» siandssttzung findet umständehalber erst am Montag, 12. September, 20 Uhr, bei Keil, Prinz-Hqndiern-Str. Ztz, statt. 139. Abt. Tegel. 20 Uhr im Lokal ffbristenfen, Schlieperstr. 89, Funktionär. sitzung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre unbedingt erforderlich. Morgen, Areitag. 9. September: t. Abt. 20 Uhr bei tzschiefing,«ckerstr. 1, Funktionärsttzung. Z. Abt. 19% Uhr bsi Krüger, ffngelufer 28, wichtige Funktionärsitzung. Niemand darf fehlen. 8. Abt. 29 Uhr bei Leuschnir, fflrholzftr. I, Funktionärsitzung. Di« Vezirks- filhrer werden a«deten,«benfalls bestimmt zu erscheinen. ' bei Hufenbach, Perle' ... ig! Vorstandssitzung i________.... Zeitungskommistionsmitglieber unbedingt erforderlich. 39. Abt. 19 Uhr bei Pohst, Lnchener Glke Stargarder Straße, wichtige Funk 9. Abt. 29 Uhr 7>ct Hufenbach, Perlebcrger Str. 64. wichtige Funktionär- sitzung. Achtung! Vorstandssitzuug um 19>, Uhr ebenda. Erscheinen aller tionärsttzung. Jeder Funktionär muß er! nargarder scheinen. 38. Abt. 20 Uhr bei Dariusch, Friedenfir. 88, Funktionärsttzung. tionöre müssen erscheinen. Alle Fsrk- 20 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, Funk- Zunktionär- Zuntlionär- harlottendurg. tionärsttzung. Schöncberg. 77. Abt. 20 Uhr bei Jürgens, Barborostastr. öe, sitzung.— 73. Abt. 20 Uhr pünktlich der Groß, Scdaustc. 17, sitzung. Erscheinen oller Funktionär« drinoenb erforderlich. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr bei Klabc. Handierpstr. 60 51, Funktionärsttzung. Mitglicbobucb und ,,Vorwärts".Quittung sind mitzubringen. Neukölln. 89. Abt. 19% Uhr bei(brommerf, Sanbcrstr. 10, Borstands, und Funktionärsttzung. c-rfcheinen ist Pflicht.— 90. Abt. 19% Uhr bei Scha- Heiko, Äciaifelstr. 5, wichtige Funktionärsttzung.— 91. Abt. 19' 2 Uhr bei Lüddecle. Karlsgarlcnstr. 12, wichtig, Borstandssitzuna.— 98. Abt. 19% Uhr bei Zimmermann, Stuttgarter Str. 41, Funktionärsttzung. Sämtliche Funktionäre müssen vertreten fein.— 98. Abt. 20 Uhr bei ----(■-WD«" 20 Uhr bei Rohr, "t Pflicht.— itzung. Nie- mand darf fehlen. 198. Abt. Köpenick. 19% Uhr bei Etippekohl, Schönerlinber Str. 5, Funktionär- sitzung. Lichtenberg. IIS. Abt. 19% Uhr bei Radtke. Müggel- E �Auch bistoj3 /M&fmtt dle Vielgeplagte, weiß sich die elnzigartlgen Vorzüge der alt- bewährten reinen Sunlicht Seife zunutze zu machen. Rasch und ohne viel Arbeit läßt sich mit dieser besten aller Seifen die große Wäsche erledigen: Rur einseifen, einrollen, über Rächt naß liegen lassen und andern Tags kochen und spülen-das ist alles. Sunlicht Seife schont die Wäsche und erspart Ihnen viel Geld. SiuiiHcM Seife S 162 DoppelstOck 40 Pf. Großer W Qrfel 35 Pf. Dürlopp-Nähmaschinrn gegen 6- Mark. Wochcnraten. Wlosik. Brunnenstraß» 185. zwischcn Ziosenthalerplatz und InpaU- oenstraße Norden 118 Tafelwage», Dezimalwagcn, Gewichte preiswert. Georg Wagner. Köpcnicker- straßc nur 71, Hot.«ein Laden, dakür billiger« Preise» st ll Nss! Z lu ctz 8.� ü 56 htzll ßA Wenig getragene Frackonzüae. Smo- kcuganzügc. Sehrockanzüge. Iackettan- züge. Gabardinemäntel. Gummimäntel, Lutawav-Anzllge Taillenmäntel, tür jede Figur passend. Spezialität: Bauch. anzüge, spottbillig Halpera. Rosen- thalerstraße 4. erst» Etage.' Verleib von hocheleganten Gelell- schaftsanzuaeu. Roicnthalerstraße 4 Norden«ssz. Günstiger Pclzwareuocrlanf. Trotze Passage. Laden Nr.». Friedrichstraß». Ueberbringer diese» erhält A> Prozent. Wenig- aetraaea» Kavalieraarberoh» oon Millionären Aerztrn. Anwälten. Fabelhaft dillig« Preise. Empfehle Taillenmäntel. Paletots. Fracks. Emo- ktngs, Gehrockanzüg«. Hofen. Seiegen. heitskäufe in neuer Garderobe. Weite- lter Weg lohnend. Lothringerstraße 56, I Treppe. Äolenthaler Platz» Betteaverkänfl Neue 9.751 is.— I Prachtvolle 22.501 27,591 Bctiwäfchel StcppdcckonI TUlldeckenI gnleltsl Alles ipottbilltg! keine Lombardwarc! Leih- Haus. Brunnenstraß» 47» Leihhau». Durch Pfandauktion zurück. gekaufte wunderschöne Herrenanzüge. Ausstcuerwäsche. Prachtbettcn, Herren. uhren, Damenuhren. Brillantringe halbumsonst. Gruncwaldstr. 72. Eise- nackerecke Verbindungen allerseits. Zböchstbeleihung dortfelbst, auch Friedrich. straßc 243. Wenig getragene Aackcttonzllge. teils aut Seide, l8,—, Emokinganzüge. Bauch- anzügc, Taillcnmäntcl. Paletots, stau- nend billig. Gelegenheitskäufe in neuer terrcnaarbcrobe. Leihhaus Rofenthalrr or, Linirnftraß» 298—294. Eck« Nofen- thaler Straß,. Kein, Lombardware.» Möh*l : � OMKWWM» Alle Modelle zu neuen. erheblich niedrigeren PneLfen.undzwdr nicht nur billi�erjbndem audi vollKommcnen Ausgeliehene Vierrad- bremle, Orhänal'Bowen* E&iWddmckfchmie' nm�.Batferieziindung, lumilter.tJLfiltei*, Be- fervetank und alle vei- teren Neuerungen. Adlerverke roeSf��hTfrlrankfurt a.M. Filiale Berlin: Zfmmerstrnße 92/93 und Unter den Linden 12/13 Weitere Filialen In: Breslau, Hamburg. Hannover, Karlsruhe i.B., Königsberg i Pr., Leipzig, München, Nürnberg, Stuttgart Vertreter an allen bedeutenden Plätzen. Pateatmatratzen, betten. Autle Walter. Spezialgeschäft. Metall. iselongues. achtzehn. Aweinadttaszig AnrijiÄllche», Besen. schränke. Abwaschtisch«. Herabgesetzt» Preise. Zahlungserleichterung. Kamcr. liag. Kastani'nalle« 56___' Schlafzimmer. Speisezimmer. Herren. zimmcr, Küchen, Büfetts, Anrichten. Bücherschränke. Schrclönsche. rund» Tische. Standuhren, Ankleidefchränkc aller Größen. Sofa». NuhebeUcn. I£nn:c£h&t': brikgebäud».* ■ litP'H.I.I.IIJJJ Liatpiana,. überaus preiswert. tabrik Link. Brunncnstraß« 35. Vualitätipia»», hochwertige», Piano- zarantie.'Gelegenheitskauf. Eventuell Teilzahlung. Eplauerstraße 19 berggegend. Gewerblich. TÄI. rturll III. Kreuz» Preiswert«, garantiert gute, ge- braucht« und neue Piano». Auch Wochenraten, Monatsrate». Herer, Prinzcnstraße 90. Moritzplatznäh«._ f Ohne Anzahlung. Piano» in großri Auswahl, neu« und gebrauchte, mit Herr- sicher Tonfülle. Langjähriger Garantieschein, Ileine Ratenzahlung. Serer Brunnenstraße 191. 1 Trepp«, am Rosen- thalerplatz.' Fahrräder, erstklassig« Teilzahlung. Fahrradi Ziaicnstraßc neunzehn. ..______.e Markenräder, Fadrradhau» ffcntrum. Zahngrbiss«. Silbersachen. lurdSlb«,>" WWWWW QüeckStber. Doldschmelze ffhristioaat Kövenickerftraße 39 sAdalb«.rtstraß«l.* Pistole», große, höchstzahlend. Preuß- ner, Kailer-Friedrich-Stratzc 244, Her- mannplatz.»* Unterricht Schncllk»es«. Englisch. Französisch, Deutsch, Korrespondenz. Ausland». ftutlilm. Urban ftraße 176. Technische Privatschule DrI Werner, Regierungs-Baumcister. Berlin, Nean. derstraße 3. Maschinenbau, Elektrotech- nik, Hochbau. Abendlehrgäng«. Tage». lehrgänge.' Spittelmarkt. Technische Privatschule von Ludwig rth, Inhaber und Tta'" Hermann Haase. 91 4. Barth labet und Leiter Dipl.-Ing Zaase. N 4. ffhausserstraße 1 fOranienburger Tor). Maschinenbau. Elektrotechnik, Tage»-, Abendschule. De. ginn der neuen Lehrgänge Oktober. Lehrplan C.• Verschiedenes 50 Marl Bclohnsna dem Kutscher, welcher nachweist, wohin«r von der Anklamerstraße 14 ein hjrk. Schlaf- »immer und«In» lasiert« Küche am 28. Juli dieses Jahres gefahren hat. Meldung unier 91. 1 an die Geschäjt«. stelle diesci: Zeitung Wäsche nach««wicht. Halbtracken zu- rück per Phmd nur 20 Pfg., trocken zurück nur 25 Pfg. Dampfwäscherei „Merkur". Fronklurtrr Allee 807. An. drea» 2520.» Vermietungen lieninnr- Leerzimme», Kochstube», Porticrstellen- mit evtl. ohne Tausch, vermietet Schä- fers, Buchholzerstraße 4._* Mietgesuche Portierstellen, mit und ohne Tausch, Lecrzimmer. Leerläden, sucht Iaeschke. Buchholzerstraße 4_ Arbeitsmarkt Tüchtige Fliesenleger(lellt ein Willi) Mackowiok, Fli-lenöaug-schajt, Lichter- selbe, Lortzingstraß, 16. Fernsprecher Lichterselde�G. 3. t»S5.__* Tüchtig« Mechaniker, die au, dem Stück iabrizierca können, gesucht. Sander u. Ianze», Berit» N5«, Son- ncnburgerftraße 10.__ Volsterer, tüchtigen, verlangt. Pesta- wzzistraß« 7» l_____________ Morgenrack-Räherinnen außer:» verlangt Arndt, Schinkeftraße 8,9.' Montierrrionen, perfekt im B-rl-g-n und Löten von Leitungen in Rundfunk- gerät«», gesucht. Dr. Gearg Seibt. Lerün- Schöneberg. Fenrigstraße»4.» cru Unterhaltung unö �Dissen jzl. Sät die Rückkehr Stresemanns aus Genf hat öie deutschnationale Partei festliche Empfangsvorbereitungen getroffen. Schweigen. von Wilhelm piog. Hamburg. Seit Stunden hörte man Gewehrgeknatter weither über die Ebene, bald Salven, bald einzelne Schüsse. Dunstschleier lagerten über der kleinen unansehnlichen Industriestadt; nahtalter November wind trieb Regenwolken herüber, aus die ein Feuerschein fiel. irgendwo in der Ferne wütete eine Feuersbrunst. Der Horizont flammte dunkelrot Jenseits des Bahndammes auf dem Hügel standen Menschen im Haufen beisammen. Es dunkelte. Lichter blinkten am Bahndamm auf— Stimmen hallten. Auf der Station stand ein Beamter inmitten der Gleise und spühie hinaus. Bahnpersonal lief hin und her. Eng an der Mauer des Stationsgebäudes hockte eine Gruppe Auswanderer auf Kisten und Bündeln. Schon seit dem frühen Mittag warteten sie auf den Zug. Der Zug kam nicht— es waren Unruhen ausgebrochen. Der Wind pfiff um das Haus. Die Menschen krochen dichter zusammen, sich aneinander zu wärmen. Einig« schliefen, andere sahen stumpf vor sich hin. Nur einer war auf den Beinen— ein Stelzfuß. Er stelzte fortwährend unruhig auf dem Bahnhof umher. Das dumpfe Klappern seines Holzbeines tönt« unaufhörlich. Endlich blieb er vor seiner Frau stehen, die aus einem Bündel hockte und eine große Decke über den Kopf geschlagen hatte. Die Frau rührte sich, sah unter der Decke hervor und fragte mißmutig: „Fahren wir bald, laver?" „Weih ich'-!" „Kannst doch die Leute mal fragen." „Was nützt das Fragen— mit Schwatzen hilft man nichts— weiß keiner was." „Läufst doch nur'rum, geh', frag'." „Ich frag' nicht." „Dann laus nicht'rum." „Geht's dich was an?" Er macht« Kehrt und stelzte fort. Je- doch er kam zurück, stellte sich abgewondt der Frau und sah nach drüben auf den Hügel, wo sich ein immer größerer Menschenhaufe bildete. Es flammten Fackeln auf. Ein Mann schwang sich auf ein Gerüst. Von dort aus sprach er aus die Menge«in. Die Worte hallten bis hierher. Oft unterbrach ein Beifallssturm die Red«. Die Frau reckte den Hals. „Was ist das, Taoer?" Der Stelzfuß schwieg. „Zlufruhr?" Ein Schuh krachte. Das Geschoß schlug an die Mauer. Erschrocken fuhr die Frau von ihrem Bündel hoch. „Wer schießt dort, Taver?" „Kann ich das wissen? Frag nicht soviel, Weib." Die Frau hüllte sich wieder fest in ihre Decke und sprach: „Sieben Stunden liegt man hier schon aus den Steinen— wer weiß, wie lange noch." „Iß doch dein Brot." Da schob die Frau die Decke zurück und zog aus einem Beutel kleine Päckchen hervor. Sie rückte etwas auf dem Bündel zur Seite. „Komm, setz' dich," sprach sie. und der Mann tat e». „Willst du nicht essen. 3taver?" „Nein, noch nicht." „Warum nicht? Iß doch— da nimm." „Behalt, ich will nicht." „Warum nicht?" „Schweig! Hörst es ja, ich will nicht. Mir hast mit deinem Schwatzen den Appetit verjagt." „Ich- so!" „Ja— du." „Natürlich— ich." „Schweig'!" „Nein, ich schweig' nicht!" „Schweig und iß!" Da fuhr die Frau herum.' „Jetzt will ich's auch nicht mehr! Jetzt friß allein, du Lump! So war's feit je, den Bisten, den ich zum Munde nahm, host du mir vergällt!— Da, friß ihn selbst!" Sie warf das Brot zu Boden. Es rollte ein Stück fort und blieb dann liegen. Und keiner bückte sich danach— und keiner sprach... Die Fackeln drüben auf dem Hügel flackerten. Der Lärm schwoll an. Die Stimme des Redners verschwand oft ganz in dem Getöse. Die Massen waren wie berauscht. Alles schrie durcheinander, Arme reckten sich hoch, al« sei es zum Schwur. Dazwischen krachten Schüsse, bald ganz nahe, bald oben in der Stadt. Knallend flog ein Geschoß ins Stationsgebäude. Ein zweite» schlug ein« Scheibe ein. Da rafften sich etliche der Auswanderer von ihren Plätzen hoch. Einer nach dem anderen verschwand mit seinem Bündel, um Schutz zu suchen vor den fliegenden Geschossen. Der Stelzfuß blieb mit seinem Weib allein. Die beiden saßen— im Groll einander abgewondt— wie ein paar alle Mähren, die widerwillig miteinander im Geschirre gehen. Der Mann saß vorgebeugt, den Kopf tief in den Schullern und sah nach drüben in den Schein der Fackeln. Sein Weib saß steif und still, den Rücken an der Mauer, den Kopf verhüllt. Kein Mensch war weiter auf dem Bahnsteig. Die Lichter blinkten durch den Nebel. Ferne Geräusche drangen dumpf herüber. Der Feuerschein am Horizont oerdunkelte sich allmählich. Die Menge drüben auf dem Hügel verlor sich. Der Redner schwieg- Man sang im Abgehen Lieder. Dann war es still... nur ab und zu fiel ein verlorener Schuß irgendwo im Dunkel. Der Stelzfuß saß noch immer regungslos, als sei er einge- schlafen. Nur einmal fuhr er kurz zusammen, als ein Geschoß mit hartem Schlag dicht bei ihm einschlug. Sein Weib stieß einen leisen Schrei aus. blieb aber sitzen, wie es saß. Dem Stelzfuß lief ein toller Schauer durch den Leib. �Hast du was?" fragte er mit dumpfer Stimme. Als keine Antwort kam, versank er wieder in Nachdenken. Er dacht« über die Worte seines Weibes nach. „Hast mir mein Brot vergällt." sprach sie und warf es weg. Dort lag's am Baden. Er sah e» an, und Traurigkeit beschlich ihn, die ihn versöhnlich stimmte. „Dein Brot nimmt aus. Kathrin," sprach er. Di« Frau gab keine Antwort und rührt« sich auch nicht. Er sprach noch einmal: „Nimm es auf, wir haben nicht zu reichlich— weiß Gott." Doch sie blieb still. Er sah sich einmal kurz nach seinem Weibe um. Sie saß da steif und still, den Rücken an der Mauer, als sei sie so erstarrt. Nun schwieg auch er, bückte sich nach dem Brot und schob es in den Beutel. Es war ganz feucht geworden. Einmal war ihm. als rühre sich sein Weib. Er sprach: „Bist wach, Kathrin? Ich glaubte schon, du schliefest... Mir wird jetzt kalt. Ich wollt', wir wären weiter... Langweilig ist's. — Bist du so miid'?— Sprich doch etwas, man wird dann warm und spürt nicht so die Zeit." Er sah sich um. Erst jetzt bemerkte er, daß er mit seinem Weib« ganz allein saß. „Wo wohl die anderen sind?" sprach er, hab's nicht gemerkt. daß sie gegangen sind. Fürchten sich wohl vor den Kugeln— feiges Volk." Der Nebel hotte sich verdichtet. Unsicher blinkten aus der Ferne Lichter durch die Nacht. Die Schienenstränge lagen wie ein wirres Knäuel schillernder Schlangen aus den: düstern Grunde. Kein Schuß siel mehr. Auch sonst regte sich kaum etwas. Nur manchmal huschten eilige Schritte über den Bahndamm und ver- schwanden wieder. Ein paarmal schlug die Bahnglocke an. Sonst Stilte... Der Stelzfuß stierte in das Dunkel. Der Nebel hing ihm feucht an Zeug und Bart. In seiner Nähe tropfte es vom Dach— eintönig— unaufhörlich, in abgemessenen Pausen. Das klang so trüb — so war auch ihm zumut. Die Kälte drang ihm durch die Haut... Ihn überrieselte es. Bald wurde sein ganzer Körper von einem Zillern befallen. Die Stille bedrückte ihn— die Einsamkeit. Er sehnte sich nach einer Mcnschenstimme— nach einem Wort, ganz gleich, was es auch sei. Angst überkam ihn— eine kalte Angst, der er sich zu erwehren suchte. Doch es gelang ihm nicht. Er zitterte heftiger, daß er die eigenen Zähne auseinanderklappern hörte. Ihm war, als liege sein Hirn bloß da in Kälte und Nebel— als tropfe sein Blut heraus— als höre er es tropfen auf die Steine. Da sprang er hoch. „Kathrin!" rief er,„Kathrin!" Er faßte nach seines Weibes Hand, die schlaff am Boden hing. Sie war ganz kalt und feucht. Ihn schauderte... Die Hand war starr... Er ließ sie los. Da fiel sie mit kaltem Schlag gegen die Mauer. Und mit Entsetzen sah er. wie in diesem Augenblick der ganze Körper seine« Weibes ein Stück zur Seite glitt. Die Decke löste sich vom Kopf— Da schrie er auf: .Kathrin— was ist?" Er griff noch einmal nach der Hand. Da fiel fein Weib vornüber— plump— halllos. Der Körper rollte ein Stück fort und blieb dann liegen auf den Steinen. Die Decke war herabgeglitten. Aus bleichem, blutüberlaufenem Gesicht starrten leblose Augen ihm entgegen. Sein Weib war tot.... Starr stand er— wie betäubt. Er fühlte seine Knie aneinander- schlagen. Vor seinen Augen tanzten Lichter aus und ab. Er fürchtete zu fallen. Da kamen Leute. Sie sprachen laut. Einige lachten; Scherz- warte riefen sie. Sie kamen dicht heran und sahen die Frau am Boden liegen. „Was ist passiert?" sprach einer. Man schob den Stelzfuß kurz zur Seite und beugte sich über die Frau. Man hob sie auf und legte sie behutsam aus«in Bündel. „Die Frau ist tot!" sprach einer. Man befühlte sie. „Geschosten— da in der Stirn, da sitzt das Loch— Ihr könnt es sehen." „Dicht über'm Auge, ja. Sie muß gleich tot gewesen sein � war es nicht so?" wandte sich der Sprecher an den Stelzfuß. Der stieß ihn weg— er stieß sie all« weg und warf sich auf sein Weib und heulte dumpf wie ein Tier. „Der Zug kommt!" Dampfend fuhr ein Zug heran. Dte großen Lichter blendeten, die Schienen bebten. Bahnpersonal lief eilig hin und her. „Los! Fertigmachen!" rief es. Der Zug fuhr zischend ein. Man drängte— Bündel, Kisten. Koffer wurden geschleppt. Man rief sich zu— war aufgeregt, riß Tüj-cn aus und zwängt« sich hinein. Der Bahnsteig leerte sich. Die letzten stiegen in den Zug. Es pfiff. Der Zug fuhr ab.'Frohe Gesichter an den Fenstern. Man rief sich lachend zu... Der Zug verschwand... Der Stelzfuß war mit seinem toten Weib allein Er kniet« bei ihr auf den Steinen, besah die kleine schwarze Wunde an der Stirn und tastete mit kalte» Fingern rundherum. Dann raffte er die Decke unter seinen Füßen hoch und hüllte die Tote ein. Leute kamen— Bahnbeamte— die Sanitätskolonnc. Sie trugen eine Bahre, luden die Leiche auf und gingen ab. Der Stelzfuß stapfte hinterher... Lichter verloschen— eine Glocke tönte— dann Stille— nacht- tiese, drängende Stille... Am Horizont war noch ein dunkelroter Schein durch allen Nebel sichtbar. Ferne Geräusche tönten gedämpft herüber. Einmal hallte ein einsamer, verlorener Schuß. Mit leisem Zischen flog das Geschoß durchs Dunkel— und suchte sich ein Ziel... Worum brennt öie Vrennessel! Während die Ursache für die hautreizende Wirkung mancher Pflanzen, z. B. die der Prinkeln, genau bekannt ist, ist die unangenehme Wirkung unserer heimischen Brennessel noch nicht vollständig aufgeklart. Die allbekannten Folgen nach Berührung eines frischen Lrennessclzwciges sind nämlich besonderer Art: sosori nachher ist ein deutliches Brennen fühlbar, nach ungefähr einer Minute entstehen kleine, knotenförmige, nieist rötliche Haulerhebun- gen, die foa. Nesteln, und nach weiteren zwei oder drei Minuten, mitunter ober auch erst spärer, verschwindet das Schrnerzgesühl; nach einer halben Stunde sind die„Nesteln" nicht mehr sichtbar, nur »och kleine roi« Pünktchen, wie von Nadelstichen. Schon daraus ergibt sich, daß verschiedene Faktaren bei der Wirkung dieser Brenn- haare mitspielen müssen. Diese Einwirkungen hat nun Prof. Nestler in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" untersucht. Zu- nächst ist an die mechanische Wirkung der Haar« zu denken, deren kleine, schräg aufecsetzte Köpfchen bei der Berührung mit der Haut abbrechen und in sie eindringen. Da die Wandlung des Brenn- Haares oben vcrkieselt und unter verkalkt ist, bricht das spröde Haar beim Eindringen in die Haut leicht ab und ein Teil bleibt in der Wunde stecken Aber diese mechanische Wirkung erklärt noch nicht all« Erscheinungen, die die Brcnnestel verursacht. Sticht man sich mit einer reinen Metallnadel, so kommt es niemals zu der eigen- artigen Bildung von Nesteln oder Quaddeln. Es muß also im chaar ein besonderer Reizstosl vorhanden sein, der diese Nesseln auslöst. Da in unseren Brennesseln Ameisensäure nachgewiesen ist. liegt es nahe, diele Säure für die Reizwirkung verantwortlich zu machen. Bei den überaus heftigen Wirkungen mancher exotischer Brennesseln Ist das allerdings ganz umnöglich. So verursacht z. B. eine auf Tomor«inheimische Art Schmerzen, die jahrelang, ja das ganze Leben andauern sollen und dieses„Teuselsblatt", wie es die Ein- geborenen nennen,, bringt miiunter starrkrampsähnliche Zustände, ja selbst den Tod hervor. Bei unserer Brennessel aber Ist die Ein- Wirkung einer Säure mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, denn wenn man die Haut mit einer reinen Metallnadel ritzt und an diese Stelle etwas verdünnte Salzsäure bringt, so stellt sich dasselbe Schmerzgefühl wie nach dem Stich eines Brennesselhaares ein und es entsteht auch sofort eine Quaddel. Man könnte annehmen, daß es sich um«in Ferment handelt, wie dies bei den Stichen des Flohs und der Bettwanze der Fall ist. Da Fermente stets bei höheren Temperaturen zugrunde gehen, erhitzte Nestler Haare der Brennessel aus ISO Grad Celsius, aber die Wirkung blieb auch dann dieselbe. Dal>er tonn kein Ferment mitwirken, sondern die Ameisensäure ist wohl für die Nesseln verantwortlich zu machen. Wenn man behauptet hat, daß verwelkte Brennesseln gar nicht oder nur schwach reizen, so liegt dies nicht etwa darin, daß der Giststoff durch das Welken zugrunde gegangen, vielmehr kommt es daher, daß die Haare verwelkter' Sprossen schlaff geworden sind und nicht mehr lo leicht !n dle Haut eindringen können. Läßt man eine verwelkte Brennestel im Master wieder frisch werden, dann wirken ihre Haare mit der alten Kraft. Ameisen ol» Delikatesse. Wenn auch der Fleiß und di! Klug- heit der Ameise uns schon in alten Fabeln als Borbild hingeftellr wird, so hat der Mensch doch gegen diese Tiere eine nicht ganz un- berechtigte Abneigung, denn sie tonnen ihn arg plagen, und zwar besonder» die großen tropische» Vertreter dieser Tiergattung. Doch findet man In manchen Gegenden für dl« Unannehmlichkeiien, die man durch die Ameisen erleidet, ein« Entschädigung, da sie als Leckerbisten gesucht werden. Ties ist z. B. mit der fliegenden Ameise im Ugonda-Gebiet der Fall.„Man sindei hier", erzählt ein Reisen- der,„beständig große rote Ameisenhaufen, die durch ein grobe» Dach aus den Stielen des Elsfanlengrafcs abgeschlossen sind. An nebligen Tagen fliegen die Ameisen aus. Dann rennt olles herbei. Männer und Frauen, Knaben und Mädchen. Manche breiten ihre Kleidungs- stück« über da« Dach und sangen so die Ameisen zu Hinderten: ander« fasten sie mit den Händen und stecken sie sofort in den Mund. Selbst die Hühner beteiligen sich an dieser Jagd. Man reißt den Tieren die Flügel aus und verspeist sie dann roh. Wahlschmeckender aber werden sie noch, wenn sie gekocht sind. Dann gelten sie als größter Leckerbisten, unb ich kann versichern, daß sie ein vortrefs- sicher Ersatz sür Honig und Marmelade sind. ZÜenn man einmal einen eingeborenen Inngen, mit nichts al» einer Halskette betleide?. hoch oben auf einen solchen Ameisenhaufen gesel)«n hat. wie er mit behaglichem Schmatzen sein Göttcrmohl hält, dann denkt man besser von den Ameisen, als es der Europäer gewöhnlich tut." Dasnen-KSeidung Kleider ÄÄ�COO anrek i aust, m. Ans. a. Bogenspltze Qsßß IC IäIzIäf» � Crepe de Chine, schöne moderne 50 Forro. Kosh mit Volants, Gttrtel ot Sk n ii> lumeDgarniernng.......... aqs la Wollstoff, IfKiSmaVA gemustert, mit m>»»50 karierter Abseite, aufgesetzten MjFl w Taschen u. Gürtel, gut verarbeitet er» mm\m fBßitcnsÄJn ir ÄhillnilAr1' schwer. Künste.. m.Krapr. u. I J50 «VUllDi'tt Ic. Aerm, groeseeFarbensort. 14 pa�nef � vewvZ-'L«------- �3» TiMBtUcW�.Mch«""1*1-- WWUWWMMMMNWM« Saaen-fUzbut� � W weiten� aas der modernen Homespun» i M qaaliiät, mit breiter Bandgarnitnr..-' !■:— �—r- �ChfÜDfar..................... SchiüMer���S., ÜetnrihT'"'»"SS"«-v 1« —-»V, S1* at;,""" ü r.. �emtiftose"""""""2 isS��L /.«-MMSM/ DNÄS'««/ Damen" Wäsche Hemdliosen an« gutem m25 Wäschestoff, mit Stickerei garniert... Ä Prinzessröcke mss aus gotem Wischeitoff, mit Stickerei.. Ä ScSllÜftfer gestreifte Kunst- 95 seid», in reicher FaTbeuauswabl...... Am Bubi- Nachtbemden � 75 farbig, aus gutem Wäschebatist....... Leipziger Str.* Ali 48» Uu-«?«R5HKW,fcj 7 V W.'«Jv2fe''äW tat �UlS 230«WWW»gaMiM T».iW7'ZV.?S»«essayp BEKK&Suaaai Fronkforter Allee* Beile- Aiiiance-Str.* Brunnenstr.* KottbuserDamm» Wilmersdorf er Str.* Andrecsstr.* Cbausseestr. Sewwvavszus b. ftlaHe SS. Preubüch-Süddilllsch« SlatJen.&ttette. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefalle», und zwar ��einer auf die Lose gleicher Rnmmer in den Abteilungen l und U 18. Ziehungslag& September 1927 I« der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über ILO M. gezogen 2®c»hui. pi 5000 an. 246479 12 sewwn» iu 3000®L 56496 69657 114561 142634 250344 274444 18».Bhnnc ja 2000 M. 27528 33616 81632 89721 97607 145095 165793 203688 231364 28»B 1000 at. 14117 66727 96435 112061 125906 140690 182083 188159 245346 265139 301677 318847 331135 343934 70®«nmtn. ja 500 W. 3554 13336 19291 26060 47285 53073 56635 61441 65898 70331 79164 91353 96607 98680 99396 102623 104663 115792 115806 126470 127254 129025 129583 143792 182376217114 235033 281377 290252 293030 303685 325178 330654 336420 337410 218®cTetnne ja 300«l. 4444 6357 6579 7076 10541 26991 27600 28883 32390 36339 37807 41264 47025 52184 56800 61724 62715 »1 vw iä 147412 152265 153731 154725 158698 162439 164315 164640 168130 170030 176788 181879 182596 188386 189503 191844 192060 199996 301756 204986 205107 209664 209992 212391 215228 219950 220929 221509 225781 227028 229206 223613 237193 237888 242257 240691 248480 249367 250159 251675 252526 252586 254027 254770 257871 257086 260071 260893 261456 263845 272716 273282 276787 231904 291758 294287 294630 299953 300672 300766 300917 305517 308598 314454 316068 327280 330480 333610 337667 344199 344666 347110 347436 19. Ziehungstag 7. September 1927 In der Vonnittagsziohung wurden Eewtnne über 150 M. gezogen 2«etoiaae»u 10000 92. 230968 4 O.Jrtaa«|« 3000». 92195 205206 12»etobme ,a 2000«. 60600 75334 143023 190121 325103 328660 22®,ann« ,u 1000 Al. 10688 40856 90449 143274 144106 158824 186532 199081 230205 249103 312578 98 Oeiabm« tu 500«B. 13449 18022 27841 61748 52528 52684 57433 58694 60500 68049 68243 81322 90864 109148 116003 117542 119909 128040 130482 132227 138423 155829 173243 174005 174755 181951 182112 183628 184978 185247 195946 196884 199357203845 225795 243834 246666 249797 262950 256102 269572 269760 271744 297709 298022 300636 300994 310212 348608 206 etfeia.« in 800 9*. 3021 3039 5113 10029 10368 11834 12329 16964 17337 17627 20235 22933 24769 30183 34973 39018 42957 43598 44323 50569 53889 67436 64373 64656 76982 78106 79426 81416 83964 86764 90387 93389 95943 96075 101020 112257 118198 122527 123314 126120 127716 129664 142150 142572 146666147068 148773 152967 163126 153269 168937 159868 161264 162664 165697 168628 168897 177895 195352 203064 203758 204122 210057 216313 217429 218289 220016 221654 222531 222941 226196 227543 228632 228649 229619 240766 241169 244208 249553 252825 255108 258345 263544 265851 267939 269446 269500 270709 270919 274962 283370 290271 305483 313000 313679 314818 326978 327347 331747 332387 335361 348631 iWospeitimimi gniiLkUilor Nur GreB-Berlin Alexenderplal«. ( Donnerst ,8.9.27 Slaats-üper Am Pl.d.Republ. Anf.6 U. Ende 11 U. Der Arzt am SmeideweR Komödie von Bernard Shaw Dienstag, den 13 TroiiDso.[ressiiia Kammerspiele Norden 10334—37 8Vi Uhr; Ihr Mann Lastwiii m Dul Cinli, Die Komödie Bismarck 2414/7316 SV. Uhr: Zinsen von Bernard Shaw Piscatorbfilme liiat. a. Iilltidgrfplin Kurfürst 2091/93 8 Uhr; Boppla. wir leben! von Ernst Toller Inz. Erwin Piscaior iitder. Slabtawa. Vtllhons. B«di, Crtck, Gnudi. HiiioenüM. Sollnu. Sim, SMS. C ASIN O-THE ATER suhr ihr dunkler Fleck Anschneiden! Gutschein 1— 4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M- Sessel nur 1,60 M. wailuuiä- tneai. Täglich 8>/. Uhr: Triaooa-Tlleater nm 8 V< Uhr; Pll! ein Mädel (Das Extemporale) Ushplil m Sltra» Fnkir HassStara. Itnaltaii. üalUis. Tni Rrai. iiuia. Vorzeiger zahlen für Parkett nur 40 Pf. iaHnbirrBibim Bis. Künstler-Tb. Heute 7V. Uhr Premiere „Die Dame von Maxim" LessiBg-Theater 8 Uhr „KSoig Heinridi IV" SdilsO steh! eine Linde Ein Spiel vor Liebe, Lenz und Wein mit Gesang n. Tanz Parkett statt 4 Mk- tägl. auch Sonntags nur 60 PI. Kose-TFeater 8Vi Uhr Fürstenwende Gartenbohne 51/, Uhr: Konzert und ballier Teil 8 Uhr. dmeM zur Miete WSO, Ansbacherstr.l Reichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß; Eine Hochzeit in der MAllerstraSe Nachmittags: Halbe 4— Dönhoff- BreM'l: Variati, Konzert, Tanz VünteF � Variete* Gariet* Rdlichcn gcjtatfct jatna(Olim nnd Dr. Ralph Benahtlcy D Tfieäter Ob Kettbnsser Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. l&Elite- Sänger O*-1(n Ihrem SchUger-Pregramm 1 IS Volkspreise von 50 Pf. bis 2,50 M, aLÜ Sonntaznachmlttae: �"aroae Fomlllen Vorsfcllxirg Voiles Progr. KL Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M. GröSter Lacherfolg I DBDDenta9.deB8.iept2i]ibert927 nachmittags 2'/, Uhr Theatsr des Westens Kor ssdi IQ Tage! Täglich 8'/, Uhr; Die Tu�end- nriuzessin HlüiRirh. Arthar Htfl, Mar! ine Lata:,, Isfia lettHf, Edüi Karia. 8cyl«. H. Ländrüh Preiset. 2.35L usw. Simwsky-Bähia Th. Kbnigerätz. St. Hasenheide 2110 Scale destumseui Freitag, 7V» Uhr: Zum I. Male: Der dreimal tote Peter Komödie v. Siing Komödienhaus Norden 6304 Cishiltl ia Xasiuair blssflmsdia Tkaian „Habima-* 7'/. Uhr Dybuk Berliner Theater Dönhoff 170 Eriduagnanlelligi; 7V, Uhr L6onie Lntspiel tot Uo Icn: Neues Theater am Zoo Di/.; Ruhard Gorter Täglich SVg Uhr: Drei lustige Komödien von Thoma Preise f, IJ», 2,—, 3,— M. usw. Tel.: Steinplatz 5371 malla.Ttieaier 8 Uhr Der rote Hahn HaiMtatti Täglich 8'/. Uhr Alt-Heidelberg 'idutplä rm Kajet-Fcuntar MiHbI, litfar, SRniiJotei Preise: 1,-. 2,-, 3.- M. usw. Ptanstarisi an Im VarUsg. Joadiiisstlultr StnBi Noll. 1578 DsrStarnaahlninelauf der Reise»on Berlin nach dem Aaqustor Vorführungen; 4Vfc 5, 7>,» 9 Uhr. Eintritt I M. Riifar sat. IS iakrta Q.S9I. Blnmetispeadsn lebet«a liefert preiswert Paul Golletz, SOOR, fiabtrt Mar» Marianneastraße 3, Ecke Nuunynstraße Amt MoruzpLIOS 03 Am Dianstug, dem 6. Septcmbi-r, motqcns 9 Uhr, verschieb plutilich in- folge HerzlShmung mein innigst. geliebter Mann, unser berzensgnier. Ircusorgenber Pater unb Schw teger. ootet, der Tischler Paul Tr&mper im 54. Lebeusjabrr. In tteftm Schmerz um stille Seit* nähme bitten Ida Trümper, Margarete Willamowski, Gustau Willamowski. Berlin, gottbusser Uier 6». Die Trauerseier findet am Soun» abend, dem 10. Sept, nachm 1V2 Uhr, im«rem. Baumschulenweg statt. üsMrtlsWM-teM uw BtnuaKUMsmltiürtüt! Jcetlag. 9. September, abeahs Z Ahr LM" Sitzung"VC der ZKitlleren Ortsverwallung. Sonnabenh. 10. September, nbenhs 7 Uhr. im Cofal von Sachse, Cinbamee Str. 26(am Wedbtng) Branchenversammluug der Kesselschmied« und der dazu- gehSrigeu Berufe. Tagesordnung: L Bortrag. 2. Branchenangeitgenheiten. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist unbedingt erforderlich. Die vrtsaermaltnng. /- Es lohnt sich-n rwei Eiagen zu sloigenl Durch Ersparnis hoher Ladenmiete «aalKäuware Inßerst billig: ardinen, Stores, Bett-, Tisch- nnd Divandecken Gardinenhaus Alffred Walter NeuköllnlSalchowerSt.S II. Etage, kein Ladenl Telefon: F 2 2529 direkt Untergrundbahn Boddinstraße Holzhäuser Wochenendhäuser— Prospekic gratis! Wald« u- Wasccmarzcllen-Naobw« Böbmlsdie BetlScdern ans erster Hand laufen Sie am vorteil� Hastesten gegen Wochenralen von M. 5,— an. Preiskatalog u. Muster gratis. Zuschriften an Oifo Schtelbet, gbeeabach L So. 500 Landparzcllcn v. 60 PL bis M. 1,75 pro Dm direkt am Bahnhof Ahrensfelde II. Verkauf täglich im Bahnhofsrestaurant Büttner. 200 Landparzcllcn ca.20Min. v. Bhf. Fredersdorf, 40 Pf. p. Qm an, Verk.SonnL,Dienst.u.Sonn- 3bendsi.Resfaur.„Zuden dreiLinden" �MejWLßhtii���GonaMs�� h. in Ädtoiralspalas ' Täglich SV. Uhr Die neue flALLER- HEVÜE 2 Sonntag Vorstellung., 3Uhru.8V.Uhr äjd«. 1» iuu Itt-[ Ällmgr�ahJWr Anserate im $ Vorwärts sichern Erfolg! Honko Am Dienstag, dem 6. September, nachmittags 3 Uhr, verstarb nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere ueusorgende Mutter Narllia Marl geb. Finger im 46- Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an O. Efkaii und Ulnder, Barfusstraße ia Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem taSep- tember, nachmittags Vj3 Uhr, von der Kapelle der St. Golgatha-Gememde. Barfusstraße, aus statt ttimn- und Slafea- Erkrankungen, schmerzhast« 35 arnbeichwerben. semer Stoff- Wechsel und Erllüliungskrankheilm. wie Pheumaksmus. Gicht, lllervenschmerzen. wurden erlolgreich bedandell mil dem ärztlich empsobienen Reichel'« Wacholder- Eriraki „Wedico". der Meren, Blase und fiormcea* ciinigt. In glpoih. und Drogerien erbaiUich aber echt nur mit»Marke ffiebico- u. Firma Otto Reichet, Berlin SO, Eisenbahnsir. 4. Neue Kokspreise! Mit Wirkung ab 3. September 1927 bis anf weiteres hat die Koks-Vereinigung Berlin 1925 G. m. b. H. folgende Preise frei Keller bei Lieferung in Fuhren nicht unter 30 Ztr. von jeder Sorte festgesetzt je Zentner tu Reichsmark Gaskoks, Stück ond Erech M 20—40 mm dto. Brech I 60—90 mm und Brech II 40—60 mm........ Berliner Schmelzkoks, Stück...... dto. Brech I 60—90 mm dto. Brech I! 40— 60 mm dto. Brech III 20— 40 mm Original Westfäl. Zechen- Schmelzkoks, Stück...... dto. Brech 1 60—90 mm dto. Brech D 40—60 mm dto. Brech III 20— 40 mm Orig. EschweilerZefhen-Schmelzkoka, St dto. Brech I 60— 90brw. 50— OOmm dto. Brech II 40—60 bzw. 35— 50 mm dto- Brech Iii 20— 40 bzw. 20— 35 mm Hammonia Schmelzkoks, Stück.... dto. Brecb 1 60—90 mm dto, Brech N 40—60 mm dto. Brech Iii 20— 40 mm Original Oberschlee. Hüttenkoks, Stück dto. Würfel I 60—80 mm dto. Würfel II 40-60 mm dto. Nuß I 20— 40 ram Niederschles. Zechenkoks, Stück.... dto. kleinstückiger Stück..... dto. Brech-Würfel 60— 90 mm.,. dto. Brech-Nuß I 40—60 mm.., dto. Brech-Nuß II 20—40 mm... Koks-Vereinigung Berlin 1925 G. in. d. H. V8 2ja 2A3 2,49 2.55 2�8 2,40 2.72 2.92 2.46 2.40 2,72 2.92 2.46 2.40 2,72 2.92 2.46 2�7 2.54 2,68 2,41 231 2.61 2,66 2,74 2.42 Ein Bild, aus meiner Hühneraugenzeit—! Heut kenn' ich„Lebewohl"*— daher die Heiterkeit..!" *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzlen empfohlene Hubneraugen-Lebewohi und Lebewohl- Ballenschelben, Blechdose(8 Pflaster) 75 Pfg. Lebewohl. Pulibad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) SO Pfg. erhältlich in Apotheken und Drogerien, wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl in Blecbdosen ond weisen andere, angeblich„ebenso gute" Mittel zurtiÄ