Mbenöausgabe Nr. 425 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 210 Be»Ulisb«l>lngunz«n Und«njeigenjMih sind in der Morzrnausgabe angegeben «tedaklion: Sw. SS, cindetistrafje 3 Zernsprecher: VSnhofs 292— 297 lel.Adressr. Soilaldemoftof verlin Derlinev VolksblÄkt (10 pksnnis) Donnerstag S. September 1 �27 Verlag und Anzetgenadtellung! GeschÄflszrit 8Vi bis 5 Uhr Verleger: vorwürls. Verlag GmbH. verlin sw. SS. clndenslrahe z Zernsprecher: VSnhosf 292— 297 Zentr&Xorgan der Sozialdemokrat» fchen Partei Deutfcblands Im Kampf um den völkerfrieöen. Die Genfer Formel noch nicht angenommen. Gens, 8. September. Die in den siundenlangen Beratungen der drei Hauptdelegationen und ihren Juristen zustandegekommenc Antitriegserklärung lautet: Di« Versammlung anerkennt die SoNdarität, die die inter- nationale Gemeinschost vereinigt: sie ist sest entschlossen, die Aus- rcchlerhattung des allgemeinen Friedens zu sichern: sie nimmt zu Protokoll, daß Krieg niemals als ein Mittel zur Regelung von Konflikten zwischen Staaten gebraucht werden darf, und dah infolgedessen ein Angrissskrieg ein internationales verbrechen be. deutet: sie ist der Ansicht, dah ein feierlicher Verzicht aus jeden Angrissskrieg die Wirkung haben würde, eine Atmosphäre allge- meinen Vertrauens herzustellen, die den Aortschritt der im Hinblick auf die Abrüstung' nternommenen Arbeit begünstigt. Die Versammlung erklärt folgendes: l. Zeder zur Lösung internationaler Konflikte unternommene Krieg ist und bleibt verboten. 2. Alle internationalen Streitigkeiten müssen durch f r i e d- liche Mittel entschieden werden. V. Leb. Gens. 8. September.(Eigenbericht.) Die große Aktion zugunsten des Friedens ist heute vormittag noch nicht erfolgt. Wohl hat sich Chambcrlain nach telepho- nischcr Rücksprache mit Baldwin seine Zustimmung gesichert. Scialoja dagegen ist erst in Verbindung mit Mussolini getreten und Sokal erwartet noch Antwort aus Warschau. Man weiß zurzeit noch nicht, ob diese verschiedenen Ermächtigungen, die übrigens nicht zweifelhaft sind, so schnell in Genf einlaufen werden, daß bereite in der heutigen Nachmittagssitzung das große Ereignis statt- finden kann. An sich ist dieses Zögern nur bei den Polen oer» ständlich, die der Verstümmelung ihrer eigenen Schöpfung ihren Namen geben sollen. Offiziell wird die Erklärung geheimgehalten. Aber sedermann weiß schon jetzt, daß sie«ine platonische Geste darstellt,«ine grundsätzliche Vexwerfung des Angriffskriege», ohne Disserenzierung des Angreifers, ein Bekenntnis zur friedlichen Regelung der Konflikte, ohne Präzisierung der Mittel und der gegenseitigen Verpflichtungen. In Wirklichkeit bedeutet die neue Deklaration in keiner Weise Irgendeinen Fortschritt gegen- über dem Dölkerbundsstawt. Sie bedeutet aber einen entscheidenden Rückschritt gegenüber dem Genfer Sichcrheitsprotokoll von 1924. Die neue Deklaration enthält nur Selbstverständlichkeiten, des- halb mußte Deutschland dafür stimmen und die deutsche Delegation hat ihr a�ch einmütig zugestimmt. Man kann nicht gegen eine Erklärung stimmen, durch die der Krieg als verwerflich erklärt und ein Bekenntnis zu friedlichen Mitteln abgelegt wird. Das ist auch der Standpunkt der sozialdemokratischen Ver- treter und der deutschen Delegation. Eine andere Frage ist, ob man diesem Schritt irgendeine praktische Bedeutung beilegt und ob man der Methode zustimmt, die die Großmächte unter Führung der englischen konservativen Regierung wieder einmal angewandt haben, um das Bedürfnis der kleinen Staaten nach wirksamen Friedensgarantien aufs neue zu enttäuschen. Polen gegen öen Entwurf. Genf, 8. September. Die polnische Delegation teilte soeben mit. dah ihre juristischen Sachverständigen den vom juristischen Komilee gestern abend aus- gearbeiteten Refolutionsenlwurs nicht al» annehmbar erklärt hätten. Die polnische Delegation wartet gegenwärtig neue Z n- struktionen der polnischen Regierung ab. die nicht vor Freitag- früh in Genf erwartet würden. Die Abänderungen, die das juristische Komilee gestern vorgenommen habe, bedeuteten nach polnischer Aussassung eine v ö l- lige Umgestaltung des ursprünglichen vorschlage», so dah die polnische Delegation dem gegenwärtigen Entwurf nicht ihre Zustimmung geben könne. Der polnische Delegierte Sokal, der aus der Rednerliste der heutigen Versammlung steht, wird jedoch seine Absehung von der Rednerliste beantragen. Griechische Sereösamkeit. V. Leb. Genf, 8. September.(Eigenbericht.) In der heutigen Vormittagssitzung war der Andrang viel stärker als bisher. Vielleicht hatten manche die„große S e n- s a t i o n" für heute schon erwartet, vor allem dürfte aber der zum Wort �«meldete Vertreter Griechenlands, P»litis, diese An- ziehungskraft ausgeübt haben. Dieser in Frankreich erzogene Grieche ist einer der glänzendsten Redner und einer der klügsten Köpse. Er ist einer der Väter des Genfer Protokolls und man war gespannt, was er zu der neuesten Entwicklung sagen würde. Die Zuhörer wurden in rhetorischer Hinsicht nicht enttäuscht. denn fast eine Stunde hielt Politis den gefüllten Saal im Bann seiner Beredsamkeit. Aber Griechenland kandidiert auch sür die Ratswahlen, und so mußte Politis auch eine Kandidatenrede halten, das heißt möglichst nach keiner Seite anstoßen, weder bei den englischen Konservativen, noch bei den kleinen Staaten. So führte er einen virtuosen Eiertanz auf, zunächst ein warmes Be- kenntni» zum Genfer Protokoll, das jedoch seiner Zeit vorausgeeilt sei. Das Protokoll entsprach der Begeisterung seiner Schöpfer, aber nicht dem Reifegrad des politischen Weltgewissen». E« ist zwar nicht tot. aber der Augenblick ist nicht gekommen, es zu wecken. Denn die Hindernisie sind einstweilen nicht beseitigt.(Liöd: Die konservative Herrschast m England.) Die Zeiten, so fährt Politis fort, sind eben noch nicht reif. Man muh Geduld zu warten verstehen. Dann wandte sich Politis dem neuen Plan zu, den er im voraus treffend kritisiert«. Man wolle den Angrisfttrieg verurteilen, ohne den Angreiser zu definieren und ohne die Sanktionen gegen den Friedensstörer zu präsizieren. Dann aber beeilte sich der Kandidat, zu den Ratswahlen feine Verbeugung vor den Großmächten zu machen. Trotzdem werde diese neue Erklärung einen moralischen Wert haben, ähnlich, wie bei der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zuerst die Menschenrechte proklamiert und sie erst später in Gesetzesform ver- ankert worden seien. In einem rednerisch glänzenden Schluß verglich Politis den Völkerbund mit den Pflanzen, deren Nährfäfte mit jedem neuen Tage unhaltfam steigen. England redet von Deutschland— und meint sich. London, 8. September. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" schreibt: Ehamberlains energische Weigerung, jeden sogenannten Sicherheit»- plan zu erwögen, der die militärischen und anderen auswärtigen Verpflichtungen Großbritanniens vergrößern würde, hat zweifellos die Möchte erregt, die gehofft hatten, im vor- aus die britischen Streitkräfte, das britische Schatzamt und den britischen Steuerzahler einzuspannen. Es hat den Anschein, als ob ihre Enttäuschung darüber eine neue„Protokolloffensioc" ausgelöst hat. Der Korrespondent wendet sich gegen den holländischen wie gegen den polnischen Vorschlag und bemerkt, der polnische Hab« einen besonderen Zweck, der nicht länger verheimlicht werde. Er sei dazu bestimmt, fchließlich mit der Frage der Rheinland- räum un g verknüpst zu werden. Deutschland solle in«Ine Lage versetzt werden, in der es nicht hoffen könnte, selbst durch legitime friedli che Mittel unter Artikel 19 der Satzung eine Aenderung feiner Ostgren.zen zu erholten. Di« Schließung der Lücke in Art. 13 der Völkerbundssatzung, bevor Art. 19 der Satzung geltend gemacht werden könne, würde Art. 19 jedes praktischen Werte, berauben. Er würde dazu bestimmt sein, ausschließlich die siegreichen Mächte, die„beati possidentes" zu begünstigen, indem i m v o r a u s als A n- greiser all« d i e Mächt« gebrandmarkt würden, die nach vergeh- lichen Versuchen, Abhilfe sür Beschwerden zu erhalten, die in manchen Fällen von der Außenwelt als berechtigt erachtet würden, schließlich zur Drohung mit Waffengewalt oder, deren tatsächlicher Anwendung greifen würden. Der polnisch« Plan be- zwecke, wie jetzt sowohl seine polnischen Ucheber als auch feine Pariser Anhänger bereitwillig zugäben, ein« deutsche Weige- r u n g, die gewünschte Verpflichtung zu unterschreiben, als Z e i ch e n aggressiver Absichten hinzustellen, welche die Verlängerung der Rheinlandbesetzung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt not- wendig mache. Es sei daher nicht überraschend, 6atz B r i a n d unter diesen Umständen es abgelehnt habe, sich dem Vorschlage Sokals anzuschließen. Gewerkschastsbruch mit Rußland. Uebcrwältigende Mehrheit deS englischen Gewerkschafts- tongresses gegen Moskau. Edinburgh, 8. September. Der Vorschlag des Generalrat» der Gewerkschaften, die Beziehungen zu den russischen Gewerkschaften abzubrechen, wurde auf dem Gewerkschaftskongreß durch die Vertreter von VA Millionen Arbeiter gebilligt. Die Delegierten der Minderheit vertreten SZO 000 A r b e i t e r. Handelskonferenz in Südamerika. Hilferding als erster Redner. Rio de Janeiro, 8. September. Die Interparlamentarische Handelskonserenz wurde hier er- öffnet. Annähernd 200 Delegierte aus 44 Ländern nehmen daran teil. Nach der Begrüßungsansprache de» brasilianischen Außen- Ministers nahm der Relchstaasabgeordnete Dr. Hilferding als erster Redner das Wort. In dlbtscher Sprache dankte er sür die brasilianische �Gastfreundschaft und betonte die für eine friedliche Entwicklung der Wirtschaft notwendige Solidarität zwischen Arbeit- geben» und Arbeitnehmern der Nationen untereinander. Er verlangt« den Abbau d«r Handeishemmungen. Nach ihm sprachen die Vertreter Argentiniens, Belgiens, der Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreichs, Italiens, Englands und Japans. Heute haben die Kommissionssitzungen begonnen Rbzug englilcber Kreuzer» Heimkehr aus China. Lodon. 8. September. Der englische Kreuzer„Dispatch" wird von der chinesischen Station zurückgezogen und tritt am Freitag seine Reise nach England an. Ihm folgt das Flugzeugmutterschiff„Hermes." und im November der Kreuzer„Frobisher". das Schicksal öer Krisenfürsorge! Ihr fortbestehen ist notwendig.' Am 1. Oktober tritt das Gesetz über die Krisenfür- sorge für Erwerbslose außer Kraft. Die Ueber- gangsbestimmungen des alsdann in Kraft tretenden Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung sehen jedoch vor, daß Arbeitslosen, die bei Inkrafttreten, dieses Gesetzes Erwerbslosenunterstlltzung oder Krisenunterstützung beziehen, zunächst Arbeitslosenunter- stützung fortgewährt wird, ohne daß es eines ausdrücklichen Antrags bedarf. Der Arbeitsnachweis hat unverzüglich zu prüfen, ob die Arbeitslosenunterstützung nach dem neuen Gesetz fortgewährt werden kann. Dabei genügt für die Er- füllung der Anwartschaftszeit eine dreimonatige versicherungs- Pflichtige Beschäftigung. Neben dieser Erleichterung für den Unterstützungsanspruch sehen die Uebergangsbestimmungen ferner vor, daß bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, also bis zum 31. März 1928, die Unter st ützung mindestens in der Höhe und Dauer zu gewähren ist, wie sie die Arbeitslosen erhalten würden, wenn die Bor- schriften über Erwerbslosenfürsorge und Krisenfürsorge in Kraft geblieben waren. Hat jedoch der Arbeitslose auf Grund des neuen Gesetzes Anspruch auf höhere Versicherungsleistun- gen, so ist ihm diese Unterstützung auf seinen Antrag hin zu gewähren. Der Vorstand der Reichsanstalt bestimmt den näheren Zeitpunkt: der Anspruch besteht spätestens vom 1. Dezember 1927. Die Dauer der Unterstützung richtet sich dann aber auch nach den neuen gesetzlichen Vorschriften. Durch diese Uebergangsbestimmungen ist sichergestellt, daß für die gegenwärtigen Unterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürforge und Krisenfürsorge bis zum 31. März 1928 keine Verschlechterung sowohl hinsichtlich der Dauer wie der Höhe der Unterstützung möglich ist. Damit ist jedoch noch nicht die Frage entschieden, ob auf eine neue Krisenfürsorge verzichtet werden kann. Das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- sicherung enthält in seinem§ 101 die zwingende Bor- s ch r i f t, daß der Reichsarbeitsminister nach Anhörung des Verwaltungsrats der Reichsanstalt in Zeiten andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage die Gewährung der Arbeitslosenunterstützung als Krisenunterstützung zuzulassen hat. Es ist also zu prüfen, ob die hier erwähnten Voraus- setzungen sür die Einführung einer neuen Krisenfürsorge vorliegen. Nach den amtlichen Ausweisen vom 15. August beziffert sich die Gesamthöhe der Hauptunterstützungsempfänger, be- stehend aus Unterstützungsempfängern in der Erwerbslosen- und Krisenfürsorge wie aus Notstandsarbeitern in beiden Fürsorgezweigen, auf 688 367. So hoch diese Zahl der Unterstützungsempfänger immer noch ist, sie spiegelt keines- wegs in vollem Umfange die tatsächlich immer noch vorhan- dene besondersungünstigeArbeitsmarktlage wider. Das tatsächliche Arbeitslosenheer ist wesentlich größer als in den Ausweisen über die Erwerbslosen- und Krisen- fürsorge zum Ausdruck kommt, weil ein erheblicher Teil der Arbeitslosen aus den verschiedensten Gründen von der Für- sorge ausgeschlossen ist. Diese wesentlich ungünstigere Arbeitsmarktlage kommt in den regelmäßigen Arbeitsmarkt- berichten, die das Reichsabeitsblatt veöffentlicht, zum Aus- druck. In Nr. 24 des Reichsarbeitsblattes vom 20. August wird die Zahl der Arbeitsuchenden am Schlüsse des Monats Juli mit 1 036 933 angegeben, während die Zahl der offenen Stellen nur 80 873 betrug. Danach kamen also auf eine offene Stelle 13 Arbeitsuchende. Dieser Gesamtdurchschnitt läßt jedoch den Arbeitsmarkt immer noch in einem viel zu günstigen Licht erscheinen. Das wird hervorgerufen durch die saisonbedingte außerordentlich gute Arbeitsmarktlage in der Land- und Forstwirtschaft. Die Aufteilung der Arbeitsuchenden und offenen Stellen nach Berufsgruppen zeigt, daß rund 16 000 Arbeitsuchenden in der Land- und Forstwirtschaft rund 41 000 offene Stellen gegen- überstehen. Ueber die Hälfte aller überhaupt vorhandenen offenen Stellen entfällt also auf die Land- und Forstwirtschaft. Läßt man die Zahl der Arbeitsuchenden uisd offenen Stellen aus der Land- und Forstwirtschaft weg, um ein zutreffenderes Bild für den gesamten übrigen Arbeitsmarkt zu erhalten, so ergibt sich, daß auf eine offene Stelle 26 Arbeitsuchende ent->. fallen. Darags geht deutlich hervor, daß der erhebliche Rück- gang der Unterstützungsempfänger in der Erwerbslosen- und Krisenfürsorge nicht über den immer noch vorhandenen Ernst der Arbeitsmarktslage hinwegtäuschen darf. Die immer noch andauernde besonders ungün- st ige Arbeitsmarktlage wird bestätigt bei einem Vergleich mit dem Höchststand der Zahl der Haupt- Unterstützungsempfänger in vergangenen Iahren. So war der Höchststand im Jahre 1920 454 775, im Jahre 1921 426 600. Das Jahr 1922 weist nur einen Höchststand von 212 526 aus: es war das günstigste Arbeitsmarktjahr, denn die Zahl der Hauptunterstützungs- empsänger sank bis auf 11 671. Die Zahl der Unterftützungs- empfänger ist gegenwärtig also immer noch wesentlich größer als der Höchststand in früheren Iahren. Noch charakteristischer für die gegenwärtige Arbeits- Marktlage sind jedoch die Zahlen über die Dauer der Arbeits- losigkeit bei den Unterstützungsempfängern in der Erwerbs- losen- und Krisenfürsorge. Sie beleuchten am eindringlichsten die ungünstige Arbcitsmarktlage und zeigen, wie ungeheuer schwer"es immer noch für einen großen Teil der Arbeitslosen Ifl, Hrbeit zu finden. Folgende Entwicklung ist seit Anfang dieses Jahres bei den unterstützten langfristigen Erwerbslosen festzustellen: Erwttbslostnfllrsorge über Z»-3S Woch. NI-S2 Woch. Arisenfvrsorge ilb ZZ Woch. Insgesamt 1ö. Januar. lö. Februar. IS. März.. iö. April., 15. Mai., 15. Juni... 15. Juli.. 15. August. 348 LK5 314 392 231 834 193 382 159 143 121508 100 273 83 219 263 257 255 S20 221 361 138 835 126 333 100 756 7« 275 63 715 135443 191 755 223 262 234 270 226 023 208 619 181259 153 473 747 570 761 967 706 757 596 787 502 499 430 883 359 807 303 407 Nach dem Stand vom 15. August waren danach mehr als die Hälfte aller direkten Unterstützungsempfänger be- r ei t s über 26 Wochen arbeitslos. Berücksichtigt man weiter» daß sich unter den 111536 Notstandsarbeitern überwiegend langfristige Erwerbslose finden» so ist das Ver- hältnis der langfristigen Erwerbslosen zur Gesamtzahl aller Unterstützungsempfänger noch wesentlich ungünstiger. Nach dem Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung besteht der Anspruch auf Arbeitslosenunter- stlltzung für insgesamt 26 Wochen: der Verwaltungsrat der Reichsanftalt kann die Höchstdauer bei besonders ungünstigem Arbeitsmarkt über 26 Wochen hinaus bis auf 39 Wochen aus- dehnen. Angesichts der gekennzeichneten Lage des Arbeits- yiürktes wird es die Aufgabe des Verwaltungsrates sein» von diesem Recht Gebrauch zu machen. Aber auch das allein ist noch nicht ausreichend. Ebenso dringend und unabweisbar »stdieErholtungderKrisensürsorge, damit auch »n Zukunft die langfristigen Erwerbslosen und jene, die nur eine versicherungspflichtige Beschäftigung von 13 Wochen nachweisen können nicht schlechter gestellt sind. Die notwen- digen Vorarbeiten müssen schon jetzt in Angriff genommen werden.__' Gott, ein Rocht, ein Kaiser!' �uc Tiskusfion Braun-Koch. Die Antwort» die der preußische Ministerpräsident, Ge- nosse Otto Braun» gestern in Altona dem deutschnationalen Reichsverkehrsminister Koch auf seine Stettiner schwarzweiß- rote Provokationsrede erteilt hat, wird von der deutsch- nationalen Presse mit wildem Wutgeschrei aufgenommen. Das war nicht anders zu erwarten. Aber wichtiger als Erörterun- gen über den Ton d»r Polemik scheint uns eine nochmalige Betrachtung der Veranstaltung zu sein, die den Ausgangs- puntt dieser Auseinandersetzung bildet. Daß sie sich als deutschnationale Partei Veranstaltung durchaus in schwarz- weißrotem Rahmen, mit zwanzig schwarzweiß>:oten Fahnen und schwarzweißrot beschärpten Ehrenjungfrauen abgespielt bat, ist selbstverständlich. Darüber hinaus aber handelte es sich um eine offenkundige Kundgebung gegen die Republik und für die Monarchie. Urkund dessen der gewiß unverdächtige Bericht der„Pommerschen Tages- post"(Nr. 208 vom 6. September) worin es heißt: Den Reigen der Glückwünschenden eröffnete die Vertreterin der Frauengruppe des Deutschnationalen Arbeiterbundes, die«inen Wimpel in den Posener Farben als Smybol der Grenzmark über- reichte. Fahnennägel und Glückwünsche überbrachten weiter die Arbeitnehmergruppen des Pommerschen Landbundes von Stettin, Randow und Raugard, der Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkvereine, Bezirk Stettin, die Ortsgruppe Gollaow des Deutschnotionalen Arbeiterbundes, der Reichsverband Schwarzweiß- rat, der Verein ehemaliger Gardisten Grabow, die Bismarcktreuen Mark Graf Westarp, Stettin, der Deutschnationale Arbeitcrbund Raugard, sowie der Hauptvorstand des Deutschnationalen Arbeiter- bundcs Berlin, dessen Vertreter L i n d n c r seinem Gruß die Worte: „Ein Golk, ein Rechk, ein Kaiser!" varansetzte. Wir habe» den unverbrüchlichen Willen, so fuhr er fort, den Sieg für unser Volt, die Freiheit, zu gewinnen, und wir haben di« feste Hoffnung, daß di« alten treuen Pommern in diesem Kampfe ihren Mann stehen werden. Mit dieser Hoffnung wollen wir den Komps wagen, der uns im nächsten Jahre vielleicht mit besonderer Schärfe verordnet ist. Wir wollen die Massen der deutschen Arbeiterschaft mobil machen für des Volkes Freiheit. Hoffen wir, daß unser Bemühen von Erfolg begleitet ist, damit wir wieder wie«inst singen können:„O, Deutschland hoch in Ehren!" In seiner folgenden Rede legte der Minister Koch mit folgenden Worten sein eigenes Bekenntnis zur Monarchie ab: Die D e u t s ch n a t i o n a l e n haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß der gegenwärtige Aufbau des Staates nicht ihren Anschauungen entspricht. Es ist aber falsch, ihnen deswegen Zwiespältigkeit des Gewissens vorzuwerfen. Sie halten sich in Ausübung der über- nommenen Aemter gewissenhaft an die Vorschriften der Reichsoer- faffung, unbeschadet der Fortführung des Kampfes der Geister über die endgültige Gestaltung des Reiches. Die Bereitwilligkeit der Deutschnationalen, auch innerhalb der Republik mit Hand anzulegen, um die Schwierigkeiten der Gegenwart zu überwinden, sollte von ihren innerpolitischen Gegnern rühmende Anerkennung finden. Also die Republikaner sollen den Monarchisten noch die Hand dafür küssen, daß sie so gnädig sind, zu regieren! Der Reichsverkehrsminister Koch der Bürgerblock- regierung Marx hat am Sonntag in Stettin als Haupt- redner bei einer monarchistischen Kundgebung fungiert. Er hat, umgeben von einem Wald schwarzweißroter Fahnen die Flagge der Republik verächtlich als„Parteifahne" abgetan. Und wenn dann ein republikanischer Ministerpräsident der Republik über diesen unerhörten Skandal ein paar treffende Worte sagt, schreit die Monarchistenpresse„Skan- dal!"— und meint damit die Rede des republikanischen Ministers. Eine Gesellschaft, die so handelt, hat kein„zwiespältiges Gewisien" sondern überhaupt keines. Und wenn Herr Lindner meint, daß uns im nächsten Jahr„ein Kampf mit besonderer Schärfe verordnet ist", so wird das deutsche Volk 'hoffentlich wissen, was diesen Leuten bei den kommenden Wahlen zu verordnen ist: eine noch nie dagewesene Tracht Prügel!_ Stahlhelm unterm Kreuz. Die Kirche als Weihestätte für Stahlhelmfahnen. Uns wird geschrieben: Das stille Heidedorf M i l k« l in der Obcrlaufitz hatte jetzt seinen Stahlhelmtag. Es wäre nicht nötig, auch nur«in Wort über den Rummel zu reden, der sich jetzt hier in verstärktem Maße bemerk- bar macht, wenn nicht die Art und Weise der Fahnenweihe einzig dastehen würde. Daß die Kirche durch ihre Vertreter, die Geistlichen, vielfach den Segen zu solchen Weihen gibt, ist ja schon hinlänglich bekannt und braucht nicht mehr besonders erwähnt zu werden. Aber was da in Milkel vor sich ging, ist ein großer Skandal. Der Stahlhelm- pastor,„Kamerad B e r g"-Boutzen, wie es in dem Programm heißt, hatte die Weihered« übernommen, und die Weihe fand in der Kirche vor dem Altar statt. Ob mit oder ohne Ge- nehmigung der Kirchenbehörde, kann dahingestellt bleiben. Der brave Stahlhelmpastor führte unter anderem aus: „Es ist erfreulich, daß in der K i r ch e die E i n f i ch t kommt, daß der Stahlhelm nicht der schlechteste Bundesgenosse ist. Mit den schwarz weißroten Farben zur Freiheit, mit den anderen Farben in die Knechtschaft!" Solche Worte eines Dieners der vom Staate unterstützten Kirche müssen alle aufrichtigen Republikaner verletzen, die der Kirche angehören. Wer aber gibt diesem Pastor das Recht, die Kirche zu staatsfeindlicher reaktionärer Propaganda zu mißbrauchen? Das Zenlralexekukivkomilee ist zum 15. Oktober nach Moskau einberufen. Hermann, öer Sefreier.. Bon Hans Bauer. Das ist gar zu lustig, wenn der Spießer pathetisch wird. Joachini Ringelnotz hat den Tonfall, den er dann anschlägt,«in paarinal köstlich getroffen: in einem Turngedicht zum Beispiel, in dem es so recht lodenjoppig und lungenstark heißt: Wir grüßen euch mit Herz und Hand, ihr wackeren Brüder aus Süd-, West-, Mittel- und Norddeutschland. Ich wüßte eine herrliche neue Auf- gäbe für den Schöpser des Kuttel Daddeldu. Er sollte sich mal daranmachen, die Hymne der Deutschen Wirtsck)aftspartei zu ver- fassen. Ungefähr so: In der Faust tragen wir das heilige Banner des kleinen Gewerbestandes und der Gemüsehändler. Wir sind die einzig bevollmächtigte Interessenvertretung der deutschen Mittel- ständler!» Die Deutsche* Wirtschaftspartei hat jetzt in Hamburg ihren siebenten Reichspart�itag abgehalten. Da ist natürlich sehr viel von Zwangswirtschaft, Steuern, Einfuhrzöllen und anderen handgreif- lichen und trockenen Lebensrealitäten die Rede gewesen, aber man soll nicht glauben, daß der befeuernde Schwung so ganz gefehlt habe. Schon der Willkommengruß, den der Landesverband Hain- bürg an die Delegierten gerichtet hatte, ist geradezu poetisch. Wie ist zunächst einmal die Anrede der Wirtschaftsparteiler? Ei, wo es bei uns„Genosse" heißt, titulieren sie sich mit„Standesfreund". „Guten Tag, Standesfreund Müller!"—„Guten Tag, Standes- freund Meier!"„Wohin, Standesfreund Müller?"—„Aufs (Bericht, Standesfreund Meier, fönen Burschen exmittieren lassen..." Natürlich: Der Stand machts! Auf den Stand kommt es an! Wer nicht vom Stand ist, hat keinen Stand bei ihnen. Na, und die Stondesfreundc werden zu nichts Geringcrem eingeladen, als mit- zuarbeiten am... bitte sehr:„an, Dom des deutschen Mittel- stnndes". Ein schönes Wortbild. Ein feierliches Wortbild. Es versinnbildlicht so recht die ganze Erhabenlzeit der hausbesitzerlichen Kulturideale, die dem heiligen Ziel der Zwangsmietenaufhebung zu- streben. In diesem Sinne wird von besagtem Dome denn auch l*s weiteren ausgeführt, daß das ganze deutsche Vaterland die gewaltige mittelständlerische Bewegung spüre und daß es gelte, mit neuer Kraft und zähem Wollen ins neue Jahr mittelftändlerifchen Schaffens zu steuern. Aber mit Nichten vergißt der Aufruf über der Verherrlichung der hohen wirtschaftsparteilichcn Ziel« die Ver- klärung seiner leitenden Persönlichkeiten und vom ersten Vorsitzen- den der Partei wird es einmal offen herausgesagt, daß er ein„Banner- träger" srk und„Hermann, der Befreier des deutschen Mittelstandes" genannt zu. werden verdiene. Als Hermann der Befreier war uns bislang nur jener wackere Cherusker geläufig, der. den Anlaß zu .dem schönen Lied vom„Teutoburger Walde" gab. Da wird uns nun hier vor Augen geführt, daß auch die gegenwärtigen Zeitläufte noch echte Heldengestalten hervorzubringen vermögen: wahrhafte i'* l Befreiernaturen, die eben nur, den veränderten Verhältnissen Rech- nung tragend, es unternehmen, von der Fessel behördlicher Steuer- maßnahmen und reichsgesetzlicher Mietenregulierung, statt von der fremden Eroberertums zu erlösen. Aber auch hier weht der Atem- schlag welthistorischer Größe. Manch einer cköchte nun wohl freilich meinen, daß die Wirt- schaftspartei zwar für ernsthaft« und bejahrte Bürger eine rechte Heimstatt der Gefühle abgeben könne, daß sie aber gewissermaßen nichts Rechtes für den stürmischen Ilcbcrschwang der Jugend sei. Hier ist allerdings zuzugeben, daß deren Temperament im allge� meinen mehr di« leidenschaftlichen und weltumspannenden Ideale des Sozialismus als die etwas nüchternen Bestrebungen des Hausbesitzerstandes zu entsprechen scheinen. Indessen gibt es denn doch auch eine bestimmte Jugend, die sich hingerissen fühlt von den Ideen der mittelständlerischen und kleingewerbefreundlichen Welt- onschauung: es ist die in einem Reichsverband zusammengeschlossene „Bürgerjugend", die diesem Parteitag lebhast gratulierte. Man wird annehmen dürfen, daß sie, mit der ganzen Inbrunst ihrer jungen Jahr«, wenn es sein muß, auch itzt rotes Herzblut hinzugeben bereit ist für die Aufhebung des§ 7 Absatz 3 des Reichsmietenschutzgesctzes. Thealergemeinde mit dem Hakenkreuz. Schon wieder einmal hat sich in Berlin eine neue Theatergemeinde etabliert, die unter ihrem Werbezettel mit Namen von Generalen und Admiralen a. D. aufwartet. Man weiß also von vornherein, woher der Wind weht. Gestern abend hielt dieses Grüppchen, das den Namen„Groß- deutsche Theatergemeinschaft" führt, ein« Werbever- sammlung im Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses ab, eingehüllt in die Atmosphäre traulicher, deutschnationaler Hausfrauenvcreinc. Die Redner: Prof. Spahn, Klara Mende, Redakteur Köhn und ein Führer nationaler Jungmännerei sprachen gegen di« Entsittlichung und di« Berbolschewicrung der Berliner Theater. Hinter diesen hochtönenden Worten verbarg sich aber nichts weiter als ein schlichter Antisemitismus und Antisozialismus, �enn die Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen Leopold Jeßner und gegen seine Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei. Nun: die Gemeinde wird vom 1. Oktober ab im Wallnertheater herrliches, arisches Theater spielen. Auf ein« Zwischenfrage, woher die Gelder zu diesem Unternehmen stammen, herrschte beklotymenes Schweigen. Man kennt ja di« Machenschaften dieser sich national gebärdenden Herrschaften, auf deren Phrasengebimmel kein Proletarier hineinfüllt und noch viel weniger auf ihr« Einladung zu einem neuen, arischen Theater.— t. Ein neues Mineral? Auf der Halbinsel Kola soll durch den russischen Professor Borysow ein neues Mineral entdeckt worden sein, das er ,Mefclin" nannte, und dessen Vorkommen auf der Halb- inscl Kola ackf.30— 50 Millionen Tonnen geschätzt wird. Im Kera- mischen Institut in Leningrad wurden, wie gemeldet wird, bereits erfolgreiche Versuch« angestellt, aus dem Nefelin in Verbindung mit Svnd und Kreide Glas herzustellen, das bedeutend billiger als unser seitheriges Glas ist. Da wir in der Architektur einer immer stärkeren Benutzung des Glases entgegengehen, wäre feine Verbilligung durch Benutzung des neu entdeckten Mincrdls besonders erfreulich.. � Der Zall Eisele- wirth. Nichtssagende Erklärung des bayerischen Minister» Präsidenten. München, 8. September. Der höchst sonderbare Fall, daß der Pressechef der bayerischen Regierung, Dr. E i s e l e, den ehemaligen Reichskanzler Dr. W i r t h und andere führende Zentrumsleut« in einer deutschen Zeitung in Brasilien aufs schwerste verdächtigte und beschimpfte, hat drei Zentrumsabgeordnete im Bayerischen Landtag zur Frage an die Regierung veranlaßt, ob sie dieses Verhalten ihres Presse- chefs billige und was sie zu tun gedenke, um dieses Tun und Treiben in Zukunft zu unterbinden. Ministerpräsident Dr. Held hat nun- mehr den Herren persönlich die Antwort erteilt. Sie ist rein formal rechtlich und erklärt, daß die bayerische Regierung vor dem Erscheinen des Artikels keine Kenntnis von ihm hatte und die an di« Veröffentlichung sich knüpfenden Auseinandersetzungen zwischen Dr. Wirth und Dr. Eisele rein privater Natur seien. Dr. Eisele sei kein Beamter, sondern nur Vertrags- a n g« st e l l t e r. Außerdem sei ihm privatjournalistische Be- tätigung als Nebenbeschäftigung gestattet. Auf die p o l i t i s che Seite der Angelegenheit geht der bayerische Ministerpräsident in seiner Antwort mit keinem Worte ein, obgleich doch allein um ihretwillen die Oesfentlichkeit sich an dem Fall intcr- essiert gezeigt hat. Die Ursache für dies« Drückebergerei liegt zweifellos darin, daß die bayerische Reaktionsregierung und be- sonders ihre voltsparteilichen Mitglieder zu den s ch w e r st e n Gegnern Dr. W i rt h s gehören und in dieser Eigenschaft natür- lich nichts unternehmen, was irgendwie einer Verteidigung des ehemaligen Reichskanzlers, und sei sie noch so selbstverständlich, gleichkäme._ Der Sejm einberufen. Er soll aber nicht über Politik debattieren dürfen. Warschau, 8. September.(Eigenbericht.) Der polnische Staatspräs ident hat, dem Wunsche der Abgeordneten in der von der Verfassung vorgeschriebenen Weise folgend, die auße-r ordentliche parlamentarische Ses- s i o n zum 13. September einberufen. Damit ist aber die Aufnahme 'der Tätigkeit des Parlaments an diesem Termin noch keineswegs gewährleistet. Infolge der auf alle mögliche Weife auslegbaren pol- nischen Verfassung bedarf es zur Eröffnung der eisten Parlaments- sitzung noch eines besonderen Dekrets des Staatspräsidenten. Wann dieses Dekret erlassen werden wird, entzieht sich bisher der Kenntnis der Oesfentlichkeit. Der Regierungstreisen nahestehende„Ptos Prawdy" er- fährt, daß die erste Sitzung am 22. September stattfinden wird, doch ist es wahrscheinlich, daß die Regierung vor Anfang Oktober die verfassungsgemäße Tätigkeit des Parlaments zu verhindern suchen dürfte. Im Oktober wird die Regierung dem Parlament die Haushaltsvorlage für das letzte Quartal zur Bestätigung überreichen. Nur in dem Falle, daß die Abgeordneten sich ver- pflichten werden, neben der Erledigung des Budgets keinerlei andere Fragen zu berühren, wird die Regierung die Session tatsächlich eröffnen. Es steht außer Zweifel, daß die Regierung eine Ablehnung des Presscdekrets und sonstige von dem Sejm geplanten regierungsfeindlichen Maßnahmen auf keinen Fall zulassen und gegebenenfalls zur Auflösung des Parlaments und zur Ausschreibung von Neuwahlen schreiten wird. In den Gerichten Deusschösterreichs tragen auch die Schössen den R i ch t e r t a l a r und der Verteidiger sitz» genau so wie der Staatsanwalt am Gerichtstisch. Sehr be- zeichnende Unterschiede gegen Deutschland und wenigstens äußerliche Bekundung voller Gleichberechtigung. Kein politischer Hinlergrund des Dresdener Allentals. Nach einer Pressemitteilung des amerikanischen Generalkonsuls in Dresden, haben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß das Attentat auf den Konsulatssekretär Steger auf politische Gründe zurückzuführen sei. Prinz Wilhelms Sieg. Noch lebt der Gott der Hohen.zollern! Der Kaiserenkel, schwer gekränkt, Hat alles, dank den ehrfurchtsvoller'» Gerichten, wieder eingerenkt. Sein Bild, das— heiliges Entsätzen!— auf dem Domela-Buch geprangt, Ist schleunigst wieder auszukratzen, Wie es sein Klagantrag verlangt, Weil einerseits der Weltgeschichte Bisher der Prinz nicht angehört. lind andererseits ihn das Gesicht« Domelas neben seinem stört. Mein Prin,z. man tat dem Recht Genüge: Du paßt nicht neben jenen Gent, Weil— gegen seine— deine Züge, Ein wenig unintelligent! Mich. v. L i n d e n h e ck e n. Gymnastische Vorführung der Bode-Schule. Gymnastikvorfüh- ningen finden heut in der Großstadt ihr Publikum. Sie haben nicht mehr, wie vor einigen Jahren, als„Gymnastik" und„rhythmisches Turnen" Modeworte waren, überfüllte Säle, aber sie sind sast aus- nahmslos gut besucht. Auch anläßlich des Abends der Bode-Schule im B l ü t h n e r- S a a l ließ sich das wieder feststellen. Dr. Rudolf Bodes Gymnastik gehört zu den Systemen, mit denen man von vorn- herein sympathisiert, wenn man ihre Vertreterinnen sieht. Bei diesen Frauen— weshalb werden eigentlich Gymnastitoorführungen fast ausnahmslos von Frauen gebracht?— möchte man von einer Heiterkeit der Körper sprechen. Und nur das Gymnastiksystem hat tieferen Sinn, das die Menschen zu dieser fröhlichen Bewußtheit des physischen Ichs zu führen vermag. Denn wenn nicht diese glück- liche innere Ausgeglichenheit erreicht wird, so bleibt die äußere Aus- geglichenheit oberflächliches Schablonenwert. 5) i n r i ch Medau, der erfreulich tmpathetisch einführende Wort« zu der Vorführung sprach, betonte das Ziel der Bode-Gymnastik: die Entwicklung jeder Bewegung aus den Schwerpunktszentren des Körpers— also Mit- arbeit des ganzen Körpers bei jeder Bewegung. Aus dieser Har- monie der Bewegung soll sich der harmonische Mensch gestalten. Di« Uebungen, sinnvoll und ästhetisch schön, wurden von Schüle- rinnen des Berliner Bode-Seminars ausgeführt. T e s. Ivberkolose-hellstölke G.m.b.H. Eine SiedlnngSkolonie von Tuberkuloke- tranken in Nortbumberland. die vor einigen Jahren mit vcrbältnismäfiig geringen össcntliib-n Zuschüssen gegründet tvorden ist, bat sich durch die ge- mcinsamc organisierte ErwcrbSarbeit ihrer Insassen allmählich so gefestigt, das, sie jetzt als Erwerbsgesellschast mit ausreichendem Kapital inS Handels- registcr eingetragen werden konnte. Die Siedlung wwd praktisch gan, von den Kranken selbst verwaltet, die durch kunstgewerbliche Arbeiten eine kleine Druckerei und durch Heiftellung von Büchern in Blindenschrift sich ein aus- reichendes gtmeinsames Einkommen gesichert haben. Eine Internationale laguaa der Aluseumsbeamten findet i» Hamburg vom 11. bis 13. September statt. Die„Glö Glorp� war zu fthwer. Die Ursachen des Unglücks. Aeber die Nolsignole der �Old Glory" wird aus Rem Jork gemeldet, daß Zt Dampfer, die sich in jenem Gebiet befanden, sich bnU Dolldampf nach der Unglücksslelle wenden. Das Flugzeug war feit vier- zehn Stunden unterwegs, als es ins Meer stürzte. Zn seinen letzten Funksprüchen hatte B e r t a u d immer die außerordenlliche Schwere seines Apparates betont, die ihm offenbar nicht erlaubt hat. dem Anwekler durch Aussteigen in größere höhen auszuweichen. Seit dem Verlassen des amerikanischen Festlandes schwieg der Radioapparat der„Old Glory", und das Rolsignal wurde automatisch von dem zweiten Radioapparat gegeben, der für den Rotsall eingebaut war. Aus das Rolsignal folgten kurz die örtlichen Angaben: Füns Stunden östlich von Reufundland. Das amerikanische Marineamt stellt fest, daß das Roksignal in einem Slurmgebiet ausgegeben wurde. Ergänzende Berichte der Schiffe lassen erkennen, daß die Flieger einen nördlicheren Kurs eingeschlagen Hab«, als beabsichtigt war. Der holländische Flugzeugkonstrukteur Fokker drückt die Reber- zxugung aus, daß die„Old Glory" sehr niedrig geflogen sei, als sie in den Slurm geriet, wenn sich Bertaud in gewisser höhe befunden hätte, wäre es ihm ein leichtes gewesen, im Gleitflug aufs Meer niederzugehen und so Zeil zu gewinnen, in seinen Funksprüchen die genaue örtliche Lage anzugeben. Fokker schreibt den Sturz ins Meer einem Motordesekt zu. wenn es dem Flieger gelungen sei, die venzinbehäller zu leeren, was in 48 Sekunden geschehen könne. und wenn das Meer nicht zu stürmisch gewesen sei. so könnte sich der Apparch noch lange aus dem Wasser hallen und Hilfe abwarten. Ter Unfug der Sport-Ozeanfliige. Man muß nun, nachdem das Suchen nach der„Old G l o r y" vergeblich gewesen ist, endgültig mit ihrem B e r l u st rechnen. Die glückliche Uebergucrui� des Nordatlantik durch Lindbergh hat ein wahres Wcttfliegen.über die große Wasferwüstc hervorgerufen. Die allgemeine Begeisternug über diese ersten glücklich verlaufenen Flüge war durchaus verständlich. Sie entsprang der reinen Be- geisterung für eine sportliche Leistung. Daß diese sportlichen Leistungen möglich waren, wußte man schon seit Jahren. Jeder Flieger, mit seinem fliegenden Benzintank, denn etwas anderes sind diese Flugzeuge nicht, muß!« von vornherein mit einem Miß- lingen und mit dem Tode rechnen. Inzwischen haben eine Reihe von Fliegern ihre Tollkühnheit mit dem Leben bezahlt und man sollte endlich daran denken, die Sportfliegerei über den Atlantik einzustellen. Wie gemeldet wird, planen die kanadische sowohl auch die australische Regierung, Ozeanflüge mit ungeeigneten Maschinen zu verbieten. Das erscheint durchaus vernünstig und anerkennenswert. Auch andere Länder, nicht zuletzt Deutschland, sollten sich auf den Standpunkt stellen, daß selbst dos glückliche Ueberqueren des Ozeans im günstigsten Falle«ine Reklame für die betreffenden Flugzeugfirmen darstellt, eine Reklame, die außerordentlich teuer bezahlt wird. Von Gesetzes wegen sollten nur solche Ozeanflüge zu- gelassen werden, die mit absolut seetüchtigen Flugbooten unternom- men werden, die auch im Falle eines Srurmes eine gewisse Sicherheit für das Leben der Flieger und ihrer Begleiter oerbürgen. Als Ergebnis der bisherigen Ozeanflüge kann man wohl sagen, daß die bisher gebräuchlichen Maschinen für einen praktischen Ozeanflugverkehr völlig ungeeignet sind. Es scheint so, als ob jetzt nicht mehr die Flieger, sondern die Konstrukteur« das Wort haben sollten. Vielleicht müssen ganz neue Wege im Flugzeugbau bc- schritten werden, die es ermöglichen, mit wesentlich geringerem Energieverbrauch größere Leistungen als bisher zu erzielen. Unser« wirtschaftlich denkende Zeit kann sich damit nicht zufrieden geben, daß Flugmaschinen sliegen und auf relativ kurzen Strecken auch Ladung und Passagiere zu befördern vermögen, sondern sie hat das Recht, zu fordern, daß die Fliegerei technisch und organisatorisch so gestaltet wird, daß die Gesellschaften mit Tarifen arbeiten können, die es ermöglichen, auch ohne staatliche Subventionen den Flug- betrieb aufrecht zu erhalten. Tatsächlich wird von ernsten Flugzeug- konstrukteuren an diesem Problem gearbeitet, und wie es scheint, auch mit Erfolg gearbeitet. Wie aus Wien gemeldet wird, ist es dem bekannten Flugzeugkonstrukteur Wels, dem Schöpfer der be- rühmten„Taube" gelungen, Schwingenslieger im Modell herzu- stellen, die mit außerordentlich hohem Nutzeffekt arbeiten, so daß sie etwa«ine 12- bis 15mal so große Leistung vollbringen können, wie die bisherigen Flugzeuge. Die außerordentlich günstigen Modellflugvcrsuche sollten Veranlassung geben, sich mit diesem Problem ernsthast zu beschäftigen. Sollte der angegebene Wirkungs- grad zutreffen, so bedeutete das eine völlige Neugestaltung des ge- samten Flugzeugwesens, die auch die Wirtschaftlichkeit| des Flug- betriebcs mit sich bringen würde. Wie soeben aus dem Reichsverkehrsministerium bekannt wird, besteht dort leider die Absicht,„kühnen Sportlern, die eine große Tat wagen wollen, nicht in die Arme zu fallen". Eine gewisse Mög- lichkeit dazu würde das Ministerium durch Verweigerung der Zu- lassungsurkunde haben, die stets auf Grund eenauester Prüfung des Flugzeugs in der Untersuchungsanstalt zu Adlershos. ausgestellt wer. den muß. Das Ministerium hält es nur für seine Pflicht, dafür zu sorgen, daß nicht beim Aufstieg überbelasteter Flugzeuge dritte zu Schaden kommen. Diese Stellungnahme ist im Hinblick auf die praktische Wert- losigkeit der sportlichen Ozeanslügc sehr zu bedauern. Fast könnte man es bei dicser Sachlage begrüßen, daß die schlechte Witterung aus dem Atlantik für die nächste Zeit Ozeanslüge von Europa nach Amerika unmöglich macht. Vielleicht bringt das Warten in der Zzvischenzeit auch bei den verantwortlichen Stellen die Erkenntnis, daß Ozeanflüge auf einer ganz anderen Basis als bisher vorbereitet werden müssen. Munitionsexplosion in einem Keller. fetter in einer Gummifabrik. In dem Heizungskeller des Grundstücks I ä g e r st r. 59/60 ereignet« sich heute vormittag eine Munitionsexplosion, bei der zwei Arbeiter erhebliche Brandwunden erlitten. Beim Verlegen von Heizröhren, wozu ein Schweißapparat verwendet wurde, geriet ein Schrank, in dem Jagdmunition lagerte, in Brand. Plötzlich ertönte ein lauter Krach. Die Munition war explodiert und mehrere Stichflammen schlugen heraus. Die beiden Arbeiter wurden von den Flammen erfaßt und erheblich verletzt. Die alarmierte Feuerwehr löschte den Brand nach kurzer Zeit. Die verletzten Arbeiter wurden von der Feuerwehr zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. * Mit der Bekämpfung eines sehr gcsährlichen Feuers waren die Spandauer Wehren gestern nacht in den Gummiwerken von Runge, in der Lazarusstrotze 19 zu Spandau, längere Zeit beschäftigt. Durch Kurzschluß wurde eine undichte Benzol- leitiinq, die zu großen Behältern führt, in denen Gummi ausgelost wird'in Brand gesetzt. Die Flammen griffen auf einen gejüllten Behälter über, dessen Inhalt«xplosivartig aufloderte. Ein in der Nähe beschäftigter Arbeiter wurde von einer hervor- schießcqden Stichflamm« ersaßt: er trug erhebliche B r a n d'n) u n d e n davon. Glücklicherweise gelang es ihm noch, den brennenden Raum zu verlassen. Dem tatkräftigen Eingreifen der Wehren unter Leitung des Baurates Zemkow ist es zu ver- danken, daß das Fauer auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Der verletzte Arbeiter mußte in das Spandau er Krankenhaus übergeführt werden. Vie Kommunisten im§reiüenkerverbanö. �raktionsarbeit auf höhere Weisung. Die Zellenleitung des 6. Bezirks der Kommunistischen Partei entsendet an ihre Gesinnungsgenossen im Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung folgende Einladung: Werte Genossen! Alle Mitglieder der Freidenkerfraktion müssen unbedingt am Donnerstag, dem 8. September, zu einer um 19 Uhr im Lokal„Märkischer Hof", Admiralstr. 18c, stattfindenden Fraktionssitzung aller im Freidenkerverein organi- si-rten KPD.- Genossen anwesend sein. Erscheinen muß jeder KPD.-Genosse, da die Tagesordnung sehr wichtig ist. Mit komm. Gruß! Zcllenleitung Gruppe C, 6. Bezirk. Diejenigen Mitglieder des Freidenkerverbandes, die bisher schwer belehrbar waren, daß die sogenannte„Opposition" zellen- bildnerischen Charakter nach den Weisungen der Parteizentrale besitzt, werden durch diesen neuen Beweis vielleicht doch etwas zum Nachdenken angeregt werden. Für unsere Genossen ergibt sich die Pslicht, mehr als bisher aus der Hut zu sein und in den Veranstaltungen des Freidenkeroerbandes der schädigenden Fraktionsarbeit der Kommunisten entgegenzutreten. Tödlicher Molorradunsall. Auf der Potsdamer Chaussee wurde gestern nacht der 23jährige Motorradfahrer Walter Kliem aus der G l c d i t s ch st r a ß e 9 zu Schöneberg von einem vorüberfahrenden Automobilisten mit schweren Verletzungen bewußtlos aufgefunden. Wenige Meter davon, an einem Chausseebauni, lag das völlig zertrümmerte Kraftrad. Der Verunglückte wurde in das Spaiidauer Krankenhaus ubersührt. wo er kurze Zeit nach seiner Einlieferung an den Folgen eines Schädelbruchs und innerer Verletzungen st a r b. Die' Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. „Geprellte Ehausfenre." In unserer Ausgabe Nr. 410 vom 3l.'August brachten wir unter dem Titel„Geprellte Ehaufscurc" einen Bericht, in dem wir uns in scharfer Weise über die Geschöftspraltiken der„Berliner Motorrad- d rv s ch k e n- B c t r i e b s- G c s e l l s ch a f t" äußerten. Wir er- halten nun von der Geschästsleitung der Firma eine Zuschrift, in der behauptet wird, daß die Finna völlig korrekt gehandelt habe Die Zuschrift entsprich, den Anforderungen des Presse- gesetzcs für eine Berichtigung in keiner Weise: sie„widerlegt" Dinge, die wir gar nicht bchauntet haben, und geht an dem Kern dessen vorbei, was wir sagten. Zu einem Rückzug unsererseits liegt keinerlei Anlaß vor. Das Schicksal Wilhelm Milchners. Kein Opfer der Tibetaner? Vom deutschen Generalkonsulat in K a l k u t t a ist eine Depesche eingelaufen, daß nach den Auskünften der dortigen Regierungs- stellen eine Ermordung des deutschen Forschungsreisenden Filchner bisher nicht bestätigt ist. Es handele sich wahr- scheinlich um ein falsches G c r ii ch.t, darauf zurückzuführen, daß andere Reisegesellschaften von Kanadiern und Nordamcrikanern in der Nähe der tibetanischen Grenze ausgeraubt worden sein sollen. An der weiteren Aufklärung wird gearbeitet, doch ist es infolge der großen Entsernung Tibets von Kalkutta schwierig, Nachrichten zu erhalten._ Im v-Zug ermordet. Paris, 8. Septeniber. Gestern abend gegen 10Vb Uhr ist im Schnellzug Paris— Bo�logn« in der Nähe des Lahnhofs St. Just ein Verbrechen verübt worden. In einem Abteil 1. Klasse tötete ein außerordentlich ausgeregter Passagier einen Bankbeamten durch Messerstiche und warf die Leiche zum Abteilfenster hinaus. Im Kampfe mit verschiedenen anderen Passagieren, die den Mörder sesseln wollten, verletzte er noch drei weitere Personen und entkam durch einen Sprung aus dem Zuge. Nach dem„Matin" soll zwischen dem Ge- töteten und dem Mörder ein heftiger Wortwechsel stattgefunden haben, der zu einem Kampf führte. um Der 7.30 Borlrag Uhr im der Frau Karin Programm der Michaelis, der für heute abend Funkstunde angesetzt war, muß wegen Erkrankung der Vortragenden ausfallen. Dafür spricht um 7.30 Uhr Ministerialrat Dr. Kurt H a e n tz s ch e l über die Inter- nationale Pressekonferenz des Völkerbundes in Genf. Ersinöerkampf gegen Sureaukratismus. Ein Beleidigungsprozetz. Fast hat es sich schon zu einer Art Gewohnheitsrecht bei der deutschen Justiz ausgeivachsen, daß, sobald Offiziere der Reichswehr oder Reichsmarine in ein Gerichtsverfahren verwickelt find, sich gleich zum Anfang der Vertreter der Staatsanwaltschaft erhebt, um wegen „Gefährdung der Staatssicherheit" den Ausschluß der Oeffentlichkeit zu beantragen. So war es auch gestern, als sich der Oberingenieur Hoecken vor dem Schöffengericht in Moabit wegen sortgesetzter Beleidigung aus 183 und 180 des Reichs-Strafgesetz- buches zu verantworten hatte. Beleidigt waren verschiedene hohe Herren aus der Marineleitung, so Admiral Zenker, Kapitän C l a u ß e n, Kapitän z. S. K i n z e l, Korvettenkapitän Alt- vater und Diplotchngenieur A l b r e ch t. Der Angeklagte hatte während der Jahre 1923 und 1926 für die Reichsmarine an einer Erfindung gearbeitet, die mit dem ja auch bei der deutschen Seemacht üblichen Schießen zusammenhängt. Obwohl nun bei der ganzen Verhandlung diese Erfindung in ihren technischen Einzelheiten nicht mit einem Worte erwähnt zu werden brauchte, genügte dieser„die Staatssicherheit gefährdende" Umstand dem Staatsanwalt, seinen Antrag vorzubringen. Er kam diesmal an die falsche Adresse. Der Verteidiger, Genosse Kurt Rosenfeld, wies mit schlagenden Gründen nach, daß von einer Gefährdung der Staatssicherheit über- Haupt nicht die Rede sein könne und daß er bei einer Annahme des Antrags die Rechtsgültigkeit der Verhandlung anzuzweifeln in der Lage sein würde. Auch das Schöffengericht konnte sich dem nicht verschließen, so daß der Vorsitzende als Beschluß die„vorläufige" Zulafsung der Oeffentlichkeit verkündete. Der Fall selbst liegt in kurzen Zügen so: Als der Angeklagte bei der Ablieferung des Apparates den vertraglich festgesetzten Termin nicht einhalten tonnte, setzte man ihn im Reichsmarineamt kurzerhand vor die Tür. Als er kurz darauf mitteilte, daß er den Entwurf eines Apparates fertiggestellt habe, der praktischer und billiger sein würde als die bisher vorgelegten Entwürse, teilte man ihm mit, daß man es ablehne,„aus persönlichen und sachlichen Gründen von seinem Entwurf Kenntnis zu nehmen". Dies brachte den Ingenieur in Harnisch, und er schrieb Briese an 5)err» Geßlcr, den Admiral Zenker und andere Vertreter des Reichswehr- Ministeriums, die in der Form ohne Zweifel über das zulässige Maß hinausgingen, in der Sache aber sicherlich manches Richtige ent- hielten. Er meinte, dem Korvettenkapitän Altvnter pflichtwidriges Verhalten und mangelnde Objektivität vorwerfen zu dürfen, weil dicser eben aus persönlichen Gründen von seineni Entwurf keine Kenntnis nehmen wollte. Hatte doch Hoecken einige Monate zuvor in einer Beschwerde gegen Altvater Recht bekoinmen Das Reichsmarineamt ging noch weiter: Es brachte dem auf die Straße gesetzten, mit seiner Familie hungernden Ingenieur die Reichs- a n w a l t s ch a f t aus den Hals und bejchuldigre ihn des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse. Selbst die Reichsanwaltschasi — was doch wahrhaftig viel sagen will— hat inzwischen Hoecken aus der Haft entlassen müssen. Durch ein Straßenmädchen wurde der Angeklagte auf Veranlassung des Marineamts aus sejne Zl u s g a b e n hin beobachtet! Die Verteidigung beantragte, als Zeugen den Ilntersuchungs- richter in, Strafverfahren gegen Hoecken und den Chef der Marine- leitung Zenker zu laden. Das Gericht l e h n t e a b. Auch verzichtete es auf den größten Teil der Beweisaufnahme. Der Staatsanwalt sprach kurz, aber unsachlich. Er machte es sich sehr einfach, inden, er nach einem oberflächlichen Plädoyer den Antrag aus zw c i Monate Gefängnis stellte. Der Veneidiger beleuchtete die Angelegenheit ausführlich. Er wies nach, daß.es in der Tat Pslicht der Marinedehörde gewesen wäre, auf Grund der Bestimmungen und auf Grund jeder Ilebeuüeferung den Entwurf Hoeckens unter allen Umständen zu prüfen. Persönliche Gründe hätten in solchem Falle überhaupt nicht mitzusprechen. Außerdem stehe dem Angeklagten unzweiselhast der Schutz des§ 193 zu: Wenn jemals berechtigte Interessen zu wahren gewesen wären, so in diesem Falle, wo ein Mann, dessen wissensckmftlichc Bedeutung selbst der Zeuge Altvater anerkannt hätte, nach seiner subjektiven Ueberzeugung zu Unrecht auf die Straße gesetzt werde und nun sür sein Wohl und Wehe und um das tägliche Brot von Frau und Kinden, gekämpft hätte. Forinale Beleidigungen lagen vor, das fei aber auch alles! Das Gericht vcruiteilte den Angeklagten aus 183 und 180 zu 3000 Mark Geldstrafe. Nach der Urteilsbegründung war die Marinelcitung auf der ganzen Linie im Recht. Zlußerdcm hatte man es nicht für nötig gesunden, auf den K 193, der von der Wahrung berechtigter Interessen spricht, auch nur mit einer Silbe einzugehen. Ein seltsamer Todesfall. Der gefesselte Steucrpraktikant. Unter seltsamen Umständen wurde gestern abend ein junger Mann in dem Hause Alt-Moabit 137 tot aufgefunden. Der 23 Jahre alte Steucrpraktikant Hanss-Kurt Apian-Bennewitz, der Sohn eines Apothekenbesitzers in Annaberg im Erzgebirge, zog im Juli d. I. als Untermieter zu einer alten Dame, die früher General- ftabsoffiziere auf das Dolmetscherexamen vorbereitete. Bennewitz war im Auswärtigen Amt beschäftigt und wollte sich der Laufbahn der Konsulatssckretäre widmen. Wie er seiner Wirtin erzählte, stand seine Untersuchung auf Tropendienstsähigkeit bevor. Bennewitz war«in lebenslustiger, heiterer und hoffnungsfroher Mensch.! Am Dienstag abend kam er zur gewohnten Zeit nach Hause und war vergnügt wie immer. In seinem ganzen Wesen war keine Spur einer Veränderung zu merken. Am Mittwoch morgen um TA Uhr wollt« die Wirtin ihm wie immer den Kaffee bringen. Auf ihr Klopfen erhielt sie jedoch keine Antwort. Sie dachte, daß der junge Mann mit dem Ankleiden noch nicht fertig sei und ihr Klopsen überhört habe und stellte deshalb das Tablett vor die Tür. Später fand sie es noch da stehen und nahm jetzt an, daß Bennewitz sich verschlafen und in der Eile ohne'Kasse« weggegangen sei und abgeschlossen habe. Erst am Abend, als er zur gewohnten Zeit nicht heimkehrte, schöpfte sie Verdacht. Jetzt sah sie genauer zu und fand nun, daß der Schlüssel von innen in dem Schlosse steckte. Sie be- nachrichtigte die Polizei. Beamte des Reviers konnten die Tür mit dem alten Schloß leicht össnen und fanden den jungen Mann tot im Betle liegen. Sie alarmierten die Reseroemordkommission. die Kommissare Johannes Müller unke R a f f o w, die mit mehreren Beamten und dem Gerichlsarzt Dr. Weimann bald erschienen. Der Tote lag auf dem Bauch mit dem Gesicht tief in das Kopfkissen ge- drückt.' Das Deckbett war vollständig über� ihn weggezogen. Zu ihrer Ucberraschung fanden die Beamten eine seltsame Fesselung. Der rechte Arm war ausgestreckt mit einem breiten Leibriemen über die Brust an den Körper angeschnallt. Aehnlich war die rechte Hand an den Oberschenkel angeschnallt. Der linke Arm dagegen war voll- ständig frei. Eine weitere Untersuchung ergab, daß Bennewitz ein- mal einen Schulierbruch gehabt hat und deshalb«ine orthopädische Schulterstütze trug. Spuren äußerer Gewalt wurden von dem Ge- richtsarzt am ganzen Körper nicht gefustden. Die Todesursache konnte der Arzt nicht feststellen, wahrscheinlich aber ist der junge Mann in dem Kopskissen ersstckt. Ob dabei eine andere Person ihre Hand im Spiel gehabt hat, läßt sich nicht ohne weiteres bejahen oder verneinen. Für einen Selbstmord fehlt jede Veranlassung. Die sonderbare Fesselung erklärt sich vielleicht ganz Horm- los. Bennewitz mag sie wohl jeden Abend vorgenommen haben, um seine Schulter vor einer etwaigen neuen Verletzung während des Schlafes zu schützen. Die Leiche wurde nach genauer Ausnahm« des Befundes beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Obduktion wird wohl nähere Aufklärung bringen. Soweit bisher festgestellt werden konnte, hatte Bennewitz in Berlin keine Ange- hörigen, sein Vater wurde benachrichtigt. Mitteilungen, die noch zur Aufklärung beitragen können, an die Kommissare Johannes Müller und Rassow im Zimmer 179 des Polizeipräsidiums. Er wollte„ein Feuerchen" machen? Durch einen häßlichen Brandgeruch wurden heute morgen um 3K- Uhr die Angehörigen eines 38 Jahr« alten Schlossers Rein- hold O. aus der Berliner Straß« in Lichterfelde aus dem Schlaf geweckt. Sie sahen nach und fanden den Mann in der Küche schwer betrunken an„einem kleinen Feuerchen". Wie er sagte, war ihm bei der Heimkehr von seiner Bierreise sehr kalt gewesen. Da hatte er in der Küche Holzspäne, Zeitungspapier und Lumpen zusammen- gesucht, auf dem Fußboden aufgehäuft und angesteckt, um sich„ein bißchen zu wärmen". Die Angehörigen konnten das Feuer leicht löschen, bevor es Schaden angerichtet hatte. Moskau ließ öle Maske fallen. Vor dem Ende des anglo-russischen Komitees. Edlnburg, 8. September.(Eigenbericht.) Der Generalrat der Gewerkschasten übergab am Mittwoch den Delegierten den ganzen Wortlaut der russischen Antwort auf das britische Memorandum vom 27. Juli über die Aufrechterhal» tung des anglo-russischen Komitees und die Förderung gemein- sanier englischer und russischer Gewerkschafisinteressen, die am S. September eintraf. Die Antwort stellt eingangs„f e st", daß die Veröffentlichung des britischen Memorandums in einem Augenblick, in welchem die britische Regierung gegen Sowjetruhland einen Krieg vorbereite, ein Deweis dafür sei, daß der Generalrat«inen Abbruch der anglo-russischen Beziehungen plane, um„die konservative Regierung dabei zu untersiützen, ihre militärischen Vorbereitungen ungestört fortzusetzen(!)". Die russische Antwort versucht dann den Nachweis zu erbringen, daß der britische Generalrat die gemeinsamen Bemühungen des anglo-russischen Komitees seit April sabotiert Hab« und abgesehen hiervon in allen die Arbeiterklasse und den Weltsrieden betres- senden Fragen eine„verräterische Politik" verfolgt habe. In diesem Zusammenhang werden heftig« Ausfälle gegen den JGB. gemacht. Die Uebertragung des russischen Vorschlags der Bekämpfung der Kriegsgefahr an de» JGB. hätte bedeutet, dieser Angelegenheit ein ersttlassiges Begräbnis angedeihen zu lassen. Das Aushängeschild:„JGB." oerberge eine schmale Clique reformistischer Reaktionäre, geführt von dem kapitalistischen Lakaien O u d e g e e st, hinter dessen Rücken die Drahtzieher S a s s e n b a ch und L e i p a r t stünden. Die Russenantwort betont serner, gegen das britische Memorandum polemisierend, es sei heiliges Recht der Russen, die britische Bewe- gung zu kritisieren und schließt mit der Bezeichnung der chandlungs- weise des Generalrats als kriminell und drückt die Hoffnung aus, diese Tricks der sogenannten Führer der britischen Gewerkschaften würden von den britischen Massen verurteilt werden. Ein illegaler Arbeitsnachweis. Vutt u. 60. und die SubmissionsbedinlZungett. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Da ich ohne Arbeit bin und die städtischen Arbeitsnachweise nur spärlich Arbeit vermitteln, wurde mir von einem Freunde eine Adresse gegeben und gesagt, da sei Arbeit genügend zu er- halten. Es war die Adresse des Reichsbundes vaterländi- scher Arbeitervereine, Brandenburgstr. S7. Man fragte mich dort, ob ich 2,00 M. habe; als ich dies be- jahte, wurde ich eingetragen, erhielt eine Mitgliedskarte mit zwei schwarzwoihroten Marken. Der Leiter dieses Nachweises ist der Herr Major a. D. Nolte. Leute wurden angefordert von der Mitropa, Rosenthal, AEG., Karlsruher Industrie- Werke, Stock, Siemens, Dr. Paul Meyer, Apotheker- verband und von Butt u. Co., Lichtenberg.«Wer zu uns kommt," sagte Nolte,.chekommt auch Arbeit," als eine Frau zögerte, den Betrag von 2,00 M. zu zahlen. Ich wurde mit 2Z Leuten nach Lichtenberg zur Firma Butt u. Co. geschickt. Dort mußten wir uns an den ersten Betriebs- rat wenden. Wir gaben die Mitgliedsbücher ab und wurden zur Arbeit eingeteilt. Nun hielt der Herr Betriebsrat folgende Ansprache: „Ihr müßt fest zusammenhallen. Zwei habe ich heute raus- geworfen, weil sie ein Plakat des RvA. abgerissen haben. Wer von den alten Leuten da nicht innerhalb 14 Tagen dem RvA. bei- tritt, der s l i e g t. Ich will nur noch RvA.-Leute haben. Wenn dort was vorkommt, so wendet euch an mich: ich schütze euch." Ich selbst wurde zur Beusselstraße eingeteilti da sagte dieser famose Herr:„Ihr wendet euch an Herrn Krieß: wenn dort eine Keilerei vorkommt, für jeden Schlund bezahle ich einen T a l e r." Die Firma Butt u. Co. ist ein Unternehmer, der Straßen- bauarbeitcn für die Stadt Berlin ausführt. Hat denn die dafür verantwortliche Stelle der Stadt Berlin keine Ahnung, was das für eine Firma ist? Wer nicht dem RvA/ angehört, wird nicht eingestellt, und wer jetzt nicht innerhalb 14 Togen diesem Seelenfängerunternehmen beitritt, fliegt raus. Die Arbeiter aber, die dem RvA. beitreten, tun das zu 90 Proz. nicht aus Ueberzeugung? sie wollen Arbeit haben, und diese Seelen- sänger pressen sie in den RvA. hinein. Es wird Zeit, daß die dafür verantwortlichen Stellen diesem Unternehmer das Handwerk legen." 4- Wir haben die Angaben des Einsenders nachgeprüft und fest- gestellt, daß sie in allen Punkten st i m m e n. Es ist uns bekannt, daß sich auch das Landesarbeitsamt mit dem illegalen Ar- beitsnachweis der Gelben befaßt. Wir hoffen, daß die erforder- lichen Schritte unverzüglich unternommen werden. Den zuständigen städtischen Behörden, die über die Einhaltung der„Allgemeinen Bedingungen der Stadt Berlin für Vergebung, Ausführung und Berechnung von Bauleistungen" zu wachen haben, Der britische Generalrat begleitet die Weitergabe dieser russischen Antwort an den Kongreß mit der Feststellung, er sei, wenn auch widerstrebend, zu der Ueberzeugung getom- m e n, daß die Russen keinerlei Absicht hätten, das Statut des anglo-russischen Komitees einzuhalten. „Unter diesen Umständen ist der Generalrat der Meinung, daß eine Fortsetzung der Verhandlungen mit dem allrussischen Gewerkschastsrat keinen Sinn habe, solange desien gegenwärtige Einstellung und Politik andauert und daß der allrussische Gewerkschastsrat dementsprechend unterrichtet werde." Da der Kongreß nach der Lektüre der Russenantwort die Auf- fassung des Gencralrats zweifellos teilen wird, ist für Donnerstag mit einer nominellen Suspendierung des anglo-russischen Komitees mit dem Abbruch der Beziehungen zu rechnen. Eine Rede Maedonalds. Ramsay M a c d o n a l d hielt gestern in Edinburg eine Rede, worin er erklärte, daß die Aktion der Regierung gegen das englisch« Gewerkschaftswesen absolut keine Berechti- gung habe. Der Kongreß werde wieder einmal beweisen, daß die Gewerkschaften in England vielleicht jozia- l i st i s ch e, aber keineswegs kommunistisch« Ideen haben. Sozialismus und Kommunismus könnten nicht miteinander vereinigt werden. Die Gewerkschaften seien selbstver- stündlich a n t i k a pi t a l i st i s ch, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil der Kapitalismus bei der Ausgabe, die ihm anvertraut wurde, Schiffbruch erlitten habe. Er stelle sich die Frage, ob d e r Kapitalismus der Herr oder der Diener der Mensch- heit sein solle. Die Gewerkschasten seien dem Kapital nicht feindlich gesinnt, wohl aber dem Kapitalismus, was nicht das gleiche sei. empfehlen wir die Firma Butt u. Co. ganz besonders. Auch für diese Firma, auch wenn sie die Arbeiten sür die Berliner Straßenbahn ausführt, gelten die Vorschriften des§ 13 Ziffer 2 dieser Bedingungen, wonach Arbeiter durch den städtischen Arbeitsnachweis in der Gormannstraße zu beziehen sind. Der Skandal dieses illegalen Arbeitsnachweises und die Verletzung der Allgemeinen Bedingungen hat schon zu lange gedauert.- Schieösspruch für Sie Aigarettenwöustrie öerlins. Am Mittwoch, dem 7. September, hat der Schlichtungsausschuß unter Vorsitz des Schlichters Wissel in Sachen des Arbeitgeber- Verbandes der Zigaretteninduftrie und des Kartells der Arbeitnehmer der Zigarettenindustrie'folgenden Schiedsspruch gefällt: „Die bestehenden Löhne werden ab 1. September um 3 Proz. erhöht. Ab 1. Dezember tritt«ine Erhöhung um weitere 3 Proz. ein. Dieses Abkommen kann erstmalig zum 31. März 1928 gekündigt werden. Erklärungssrist bis zum 14. Sep- tember."_ Vertreterversammlung See Of�-Grt»kartells. Bericht vom Pariser IGB.-Kongreß. Am 5. September hielt das AfA-Ortskartell Berlin sein« dritte diesjährige Dertreterverfammlung ab. Der Vorsitzende Fla tau erstattete de» Arbeitsbericht über die Monate April bis August. Er ging insbesondere auf die Betriebsrätearbeit ein sowie auf die Tätigkeit, die mit der l«chn!sch-orgonisatoriscl>en Auswertung des Arbeitsgerichtsgesetzes und des Arbeitslosenversicherungsgesetzes zu- sammenhängt. Von 196 Berliner Arbeitsrichtern aus Angestellten- kreisen gehören 80. von 72 Berliner Landesarbeitsrichtcrn aus Arbeitnehmerkreisen 13 dem AfA-Ortskartell an. Im Hinblick rnkf die im November zu erwartende Wahl zur Angestellten- Versicherung wurde im Anschluß an den Bericht« i n st i m m i g ein aus der Mitte der Versammlung heraus gestellter Antrag ange- nommen, der die Notwendigkeit betont, den engen kameradschaft- lichen Zusammenhalt der AfA-Gewerkschaften bei der kommenden Wahl zur Geltung zu bringen. In seinem Bericht über den JGB.-Kongreß in Paris hob der Bundesvorsitzend« Wilhelm S t ä h r vor allem die Schwierigkeiten hervor, die den Kongreßberatungen bereitet wurden, sowie die Gründe, die zu den in der Oeffentlichkeit eingehend erörterten Entscheidungen führen mußten. Im besonderen wurden auch das erfolg- reiche Wirken der deutschen Delegauon und die Bcratungsergebnisse des Ausschusses dargelegt, der die Angcstelltensragen behandelte, vor allem die Berücksichligung der offiziellen Vertretung der freigewerk- schastlich organisierten Angestellten in den einzelnen Landeszentralen. Diese Ausführungen wurden wirksam ergänzt durch die Aus- führungen von Grete Sehner über die Pariser Internationale Arbeiterinnenkonserenz, an der sie als AfA-Vertreterin teilgenommen hatte. Die knapp zusammengedrängte, sehr instruktive Darstellung zeigte deutlich die Notwendigkeit der Mitwirkung der weiblichen Angestellten bei solchen Beratungen. An die sehr beifällig aufgenominenen Vorträge schloß sich ein« Diskussion, in der die besonderen internationalen Verbindungen der Angestellten berührt wurden. Verhandlungen lm öraunkohlenbergiau. Nachdem die Bergarbeiterverbände ihre Lohnforderungen an den Zlrbeitgeberverband für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau ein» gereicht haben, sind die Lohnverhandlungen bereits für morgen, F r e i t a g, den 9. September, in Berlin anberaumt worden. Hoffentlich werden die berechtigten Ansprüche der Arbeiter dabei gehörig gewürdigt, so daß di: Arbeiter nicht etwa gezwungen wer- den, ihren Fvrderunge» aus ander« Weise Geltung zu verschossen.— Daß die„Opposition" ihre besonderen Forderungen stellt, deren Durchführung sie der Organisation überlassen will, das gehört eben zur„Einheitsfront"._ Oer Cisenbahnerstreik in Queensland. Wie aus Melbourne gemeldet wird, setzen die Eisenbahner den Streik im Staate Queensland fort. Auch mehrere andere Ge- werkschaften, vor allem die Docker, drohen damit, in einen S y m p a t h i e st r e i k zu tzeten. Die Verprovianticrung in den Städten sei schon außerordentlich schwierig geworden, so daß überall Automobilverkehr von den Behörden organisiert werden soll. « Der australische Premierminister Bruce«rNärte, daß die Krise durch verhältnismäßig wenige Extremisten herbeigeführt worden sei, die versuchten, die australische Industrie zu zerstören und die Arbeiter zu ruinieren. Es handele sich meistens um Ausländer. Die Staaten(Neuseeland usw.) müßten gemeinsam mit Australien anerkennen, daß Australien keine auslön- dischen Exremisten brauche. Wenn er seinen Willen durch. setzen könnte, würde er sie aus Australien hinauswerfen. Diese Krähwinkelei hat Heinrich Heine schon gekennzeichnet. Damit wird der Bewegung kaum beizukommen sein. »ew»rksch«ft Deutscher Valk.lehrer, Provinzialverband Berlin. Nächste Eitzuna Tonnabent, 10. Eepicinber 19',� Übe, im Berliner Rathaus, Zimmer öö. Stellungnahme zur Hauptversammlung und Hauptoorstandsfltzung am 12. und 1h. September in Berlin.„Wie kämpfen wir als Lehrergcwcrtschaft gegen Reichsschulgesetzentwurf und Konkordat?" Referent Kollege Ausländer. Bc» soldungsfragen. Referent Kollege Ponfong. Verschiedenes. Die Kollegen Jörns und Robe vom DA. find anwesend. Oirtsthaft Konjunkturumschwung in Amerika! Wir haben schon einmal auf die Wahrscheinlichkeit hingewiesen, daß sich in den Vereinigten Staaten eine Wirtschaftskrise vorbereitet. Die kürzlich erfolgte New Porkec Diskontherabsetzung ist denn auch als vorwiegend konjunkturpolitische Maßnahm« gedeutet worden. In dieselbe Richtung weisen folgende Aeußerungen des bekannten amerikanischen Bolkswirtschaftlers Leonhard P. A y r e s: '„In der wirtschaftliche.! Entwicklung der Vereinigten Staaten machen sich seit einiger Zeit deutlich Anzeichen einer beginnende» Ermüdung bemerkbar. Die Geschäftstätigkeit geht, wie die verschiedensten Anzeichen deutlich erkennen lassen, zurück. Am charak. teristischsten dafür ist die Fülle des Geldmarktes, dem Anlagemöglich- keiten fehlen. Während sonst die Zinssätze des Geldmarktes mit Herannahen des Herbstes zu steigen beginnen, geben sie in diesem Jahre unaufhörlich nach. Die Ursache dafür ist nicht etwa in einer übermäßigen Goldeinfuhr zu suchen, sondern vielniehr in der z u n eh- menden Arbeitslosigkeit und in der Senkung des Preis- Niveaus. Der Geldbedarf zur Finanzierung der Handelsumsätze ist infolgedessen geringer. Das ist auch der Grund, weswegen der Geld- umlauf sich in nicht unbeträchtlichem Umfange verringert hat. Di« Ablatzverhältnisse auf dem amerikanischen Mar« hoben sich s e h r v e r s ch l e ch t e r t. Di« große Zahl der im ganzen Lande leerstehenden Wohnungen hat zur Folge, daß die Wohnungsmieten ununterbrochen sinken. Aus den für das erst« Halbjahr 1927 be, reits vcrässentlichten Abschlüssen geht hervor, daß das Groß der Unternehmungen in diesem Jahre mit geringeren Profiten gearbeitet hat als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Ausnahmen machen nur wenige Großkonz«rne. Es erscheint wenig wahrscheinlich, daß ein« Besserung der Berhältnisse im Laufe des zweiten Halbjahres eintreten wird." In den Vereinigten Staaten war bisher in diesem Jahrs ein auffallender Rückgang in der Gründungstätigkeit zu beobachten. In den ersten 7 Monaten sind nach den Berechnungen des„Journal of Commerce" nur 3142 Millionen Dollar m Neu- gründungen investiert worden gegen 7655 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres und 5493 Millionen 1925. Das in diesen Zahlen zum Ausdruck kommende Nachlassen der Unter- n e h in u n g s l u st ist nach Ansicht amerikanischer Wirtschasster als ein Zeichen der vorsichtigen Beurteilung der gegenwättigen Kon- junkturaussichten, sowie der Verschärfung der Konkurrenzoerhält« Nisse anzusehen._ Europäische Sludiengesellschaft sür Rationalisierimg. Als Ergebnis langer Verhandlungen in diesem Sommer ist in der Schweiz mit dem Sitz in Zürich die e r st e festländische Arbeits- gemeinjchaft zum Stu d iu m der Rationalisierung in Europa gegründet worden. Die Studiengesellschast ist dem amerikanischen Studienoerband der Fabrikanten in Massachusetts nachgebildet worden. Ansätze zu derartigen Studiengesellschasien gab es bereits in England, wo eine ganze Reihe von Verbänden nach dieser Richtung tätig sind. Die Gründung in der Schweiz beginnt die Arbeiten im Rahnien von sieben, nicht im Wettgewerbe stehenden Firmen und hat als Thema für die erste Reihe ihrer Versammlungen die Frage des Einkaufs und der Jnventurausnahme gewählt. Vcranlwortlich kllr Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft:®. Klingclhösrr; Gewrrtschakt-bcweguiitz: I. Striaer; Feuilleton: Dr. Inda Lchiloweli; Lokales und Sonstige«: Fritz Karstädl! Anzeigen: Zh. Giock»; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag<5. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Vcrlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SW 68, Lindenstratze 3. TOTAL-AUSVERKAUF Wegen vol8sl8iidlger Aufgabe des Kerrengardereben-Speslalgeschäftes GertraudtenstraBe 24. Das gesamte vorrätige Lager und die noch im Auftrag befindlichen Waren müssen in ganz kurzer Ze:t vollständig ausverkauft werden. Es gelangen zum Verkauf mehrere Tausende feinste modernste fertige Herren-Anzüge, Mäntel, Hosen Die Preise sind rücksichtslos herabgesetzt, zum Teil weit unter Einkaufspreis! Blaue und farbige Herren-lackatl-AnzUae, Tanz», Smoking-, Frack-Anzllge, Herren-Herbsl- und Winler-Häntel, Herren-Loden. und Bummi.Hantelt geslreitle Herran.Kaitimgarnhoxen, Konfirmanden-Anzüge, lünglingz« und Knabsn- 4nzUgo und Mäntel Benutzen Sie diese beispiellos günstige Gelegenheit usw. zum Einkauf Ihres Herbst, und Winterbedarfs. Kommen Sie möglichst vormittags.— Riesen-Auswahl. Herrenbekleidung Gertraudtenstr. 24 gegenfiber der Petrikirdie