Ve.42» ♦ 44. �ahrgaag Ausgabe A Nr. 217 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfenniq. mnnatllch 8,— acidismnri voraus jcWiat. Anter Streifband im In. und Ausland 5,50 Reichsmarl pro Monat. Der„Vorwärts" mit der illustrier. len Sonntagsbeilage„Boll und Zeit" sowie de» Beilagen»Unterhaltung und Wissen".„Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",„Der Kinder. freund".„Iugend-Vorwärts",„Blick in die Blicherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .SoziolSaenolro« Berlin" Morgenansgabe ♦ Nrrllnev Volltsblali Groß-Berlttt 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: Die einsvaltiae Zlonvareille. »eile 80 Plennia, Ztcllamctelle 5,— Reichsmark.„Kleiue AnZeigea" dos iettgedruckle Wort 25 Psci>nz lilulässta»wei settaedruckte Wortes. iede» weitere Wort A2 Bfcnnia. Stellenacsuchc da« erste Wort 15 Pfenniq. iedcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch» stoben»öblen fllr awei Worte. Arbeitsmarkt Keile 80 Piennw. Familienanteigcn tllr Abonnenten Keile»0 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgrschäit. Lindcnftraße 8, wochentäglich von 8'.h bis 17 Uhr. Z«ntralorgan der Sozialdcmokratsfchcn parte! Deutfcblands Neüaktion und Verlag: öerlin SW. HS, Änöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 9. September 1937 vorwärts-verlag G.m.b.H., SerUn EW. öS» Linöenstr.Z Bostlchecklout«! Berlin 07 SO«— Baakkovto: Bank der Arbeiter, Aageftelten uod Beamten. Waklftr. 85: viskouto-lbeiegichast. Devasttcnkast« iivdcnftr. 0. Neuer polnischer Vorschlag. Krisenhafte Zuspitzung in Genf. V. Seh. Genf. 5. September.(Eigenbericht.) Das am Donnerstag mittag verbreitete Gerücht, daß Polen Schwierigkeiten mache, und daß infolgedessen das Schicksal der so- genannten Frixdensdeklaralion wieder in Frage gestellt sei, fand zunächst wenig Glauben! woher sollte Polen den Mut finden, wider den Stachel der Großmächte zu löken, besonders nach- dem sein Delegationsführer Sokal der gemeinsamen Formel am Mittwochabend zugestimmt hatte?I Und doch sollte sich dieses Gerücht bewahrheiten. Man erfuhr, daß innerhalb der pol- nischen Delegation noch in der Nacht eine Art Palastrevolu- t i o n ausgebrochen war und daß insbesondere di« Juristen Pros. Rostworowski und Rundstein rebelliert hätten mit dem Erfolg, daß am Schluß der Delegationssitzung, um 3 Uhr morgens, Sokal von der erdrückenden Mehrheit feiner Mitarbeiter förmlich desavouiert worden war. Die Rückfrage in Warschau bekam daher einen viel ernsteren. Eharakter, zumal Sokal beim Diktator Pilsudfki nicht gut angeschrieben ist. Noch bevor die Antwort aus Warschau«inlief, die erst für Freitag vormittag erwartet wird, arbeiteten die Polen einen neuen Entwurf aus, den sie am Nachmittag Briand, Cham- berlain und Strefemann überreichten. Die Polen erklären, daß, falls ihre Abänderungsanträge angenommen würden, sie unter- zeichnen könnten, ohne die Antwort aus Warschau abzuwarten— sonst würden sie sich aus der ganzen Affäre zurückziehen und die holländische Resolution unterstützen. Chambcrlain soll wegen dieser neuen Verzögerung damit drohen, turzerhand Schluß zu machen. eventuell indem er aus Genf einfach abreist und seinem Stellver- treter Lord Onslow keinerlei Vollmachten hinterlasse. Die Taktik der deutschen Delegation geht dahin, den Eng- tändern und den Franzosen den Vortritt zu lassen und aus keinen Fall die Verantwortung für einen Fehlschlug der ganzen Aktion zu übernehmen. Um den Leidensweg des polnischen Vorschlages richtig zu er- fassen, muß man die verschiedenen Fassungen kennen, die er im Lause der 36 Stunden durchgemacht hat. Dabei muß berücksichtigt werden, daß nachstehende Fassung Nr. 1 bereits eine so starke Ab- schwächung des ursprünglichen Entwurfes war, daß Sokal, als er sie am Mittwoch mittag Strefemann überreichte, selbst erklärte, sie gefalle ihm gar nicht mehr. Fassung Nr. 1. Polnischer Entwurf am Mittwoch vor- mittag: „Die Völkerbundsversammlung erkennt die Solidarität an,'die die internationale Gemeinschaft verbindet und ist erfüllt von dem festen Willen, den allgemeinen Frieden zu sichern: sie stellt fest, daß ein Angriffskrieg niemals als Mittel zur Regelung von Streitigkeiten zwischen Staaten dienen soll und er daher ein internationales Per- brechen darstellt. Sie ist der Ansicht, daß ein feierlicher Verzicht auf jeden Angriffskrieg geeignet wäre, eine allgemeine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, die den Fortschritt der mit dem Ziele der Abrüstung eingeleiteten Arbeiten fördern würde. Daher erklärt die Völkerbundsversammlung: Jede Anwendung des Krieges ols Mittel zur Regelung von internationalen Streitigkeiten ist und bleibt v e r- boten. Alle Streitigkeiten irgendwelcher Art, die zwischen den Staaten entstehen können, dürfen nur mit friedlichen Mitteln geregelt werden. Infolgedessen fordert die Völkerbundsversammlung die Mit- gliedsstaaten aus, diese Erklärung zur Kennlws zu nehmen und in ihren wechselseitigen Beziehungen nach diesen beiden Grund- sätzen zu handeln." Gegen dieses generelle Kriegsverbot sehte nun die Sabotagearbeit Chambcrlains ein. Aus den Verhandlungen der Juristen mit Sokal entstand am Mittwoch abend die folgende Fassung Nr. 2, die als gemeinsamer Antrag der Locarno- Mächte gebracht werden sollte: (Einleitung wie oben, Fortsetzung:) „Daher erklärt die Völkerbundsversammlung: Jeder Angrissskrieg ist und bleibt verboten. Alle friedlichen Mittel müssen zur Regelung der internatio- nolen Streitigkeiten angewendet werden. Die Völkerbundsversammlung erklärt, daß für die Mitglieds- staaten die Verpflichtung besteht, entsprechend diesen beiden Grundsätzen zu handeln." Die scheinbare Verschärfung des letzten Absatzes in der neuen Fassung geschah offenbar nur, um die ungeheure Ab- schwächung der zwei ersten Absätze gegenüber der Fassung Nr. 1 hu vertuschen. Ein Vergleich zwischen der ersten und der zweiten Fassung läßt in die Abgründe der britischen„Friedenspolitik" tief blicken. Jeder Sozialist wird der polnischen Fassung Nr. 1 unbedingt den Vorzug geben müssen. Die deutsche Delegation hatte von sich aus keinen Grund, gegen de» polnischen Entwurf Sturm zu laufen, denn er enthielt nichts, was nicht schon im Völkerbundsstatut und in den Schiedsverträgen von Locarno enthalten wäre. Nach den neuen polnischen Abänderungsanträgen soll die Fassung Nr. 3 nunmehr wie folgt lauten: (Einleitung wie oben: Fortsetzung:) „Daher erkärt die Völkerbundsversammlung: Jeder Angriffskrieg ist und bleibt verboten. Die Völkerbundsversammlung erklärt, daß für die Mitglieds- staaien die Verpflichtung besteht, entsprechend diesem Grundsatz zu handeln. Infolgedessen fordert die Völkerbundsversammlung die Mit- gliedsstaaten auf, an den Abschluß von gegenseitigen �iichtangrissspakten heranzutreten, die von dem Gedanken ausgehen, daß alle friedlichen Mittel zur Regelung von Konflikten i'.gendwelcher Art, die zwischen ihnen entstehen können, an- gewendet werden müssen." Jetzt hat wieder einmal England das Wort. Auch hier muß gesagt werden, daß Deutschland von sich aus keinen Grund hat, den neuen polnischen Entwurf zu bekämpfen, wenn durch seine Annahme die Frage der Garantien im Osten end- gültig aus der Diskussion über die Räumung des besetzten Gebietes verschwindet. In der deutschen Delegation wird gegen den polnischen Vor- schlag eingewendet, daß diese neue Aufforderung zum Abschluß eines Nichtangriffspaktes eine Entwertung der Lacarno-Verträge bedeute, die dadurch als ungenügend hingestellt würden. Es könnte jedoch eine viel schlimmere Entwertung von Locarno zu befürchten sein, wenn Deutschland sich der Mißdeutung aussetzte, daß es den Abschluß van Abmachungen verhindere, durch die es sich nun abermals ver- pflichten würde, niemand anzugreifen. y■' Deutfthlanö im Manüatausschuß.- Oanzigfraae wieüer mal verschoben. Genf, 8. September.(Eigenbericht.) Der Völkerbundsrat hat am Donnerstag nachmittag ohne Dis- kusston den Bericht der Mandatsprüfungskommission genehmigt und die Vermehrung ihrer Mitglieder um ein Ständiges Mitglied(Deutsch- land) ohne Diskussion beschlossen. Die Wahl des deutschen Kam- missionsmitgliedes wird später vorgenommen. Anschließend berichtete Villegas über den Streit um den Dan- ziger Anlegehafen. Dem Einwand des polnischen Vertreters, daß er zur Behandlung der Angelegenheit noch nicht vorbereitet sei, glaubte der Berichterstatter Rechnung tragen zu sollen, doch be- antragte er andererseits, gewisse Termine einzuhalten, damit der Rat in seiner Dezembertagung bestimmt über die Frage ent- scheiden könne. Polen soll zu diesem Zweck seine Gegenbemerkungen bis zum 15. Oktober einreichen. Der Volkerbundskommissar soll dann dem Danziger Senat daoan Kenntnis geben und versuchen, mit den Vertretern der beiden Parteien eine Beilegung des Streites zu er- reichen. Bei diesem Punkt gab es eine ziemlich scharfe Ausein- andersetzung Stresemann�-Strasburger(Polen). Die vebatte in See Vollversammlung. Genf, 8. September.(Eigenbericht.) Am Vormittag hatte zPiächst der litauische Ministerpräsident Woldemaras gesprochen, aber nicht etwa über die litauisch- faschistischen Rechtsbrüche im Memelland: er forderte, wie die Red- ner der kleineren Staaten am Tage zuvor, die Schassung wirklicher Friedensverhältnisse. Mit mehr Recht als Woldemaras konnte der norwegische Delegierte i) a m b r o den Ruf nach wahren Friedens- verhältnisfen erschallen lassen. Er befaßte sich insbesondere mit den bis herig en Völkerbundsmethoden, die viel zu sehr von den großen Machten in ihrem egoistischen Interesse beeinflußt seien. Der Schutz des Friedens, den der Völkerbund ausüben soll, werde so eine Angelegenheit der großen Mächte, die vor dem Kriege gerade nicht bewiesen hätten, daß sie sich daravf sehr gut verstehen. In der Rachmittagssitzung sprach Sir E. Wilton P o u n g (England) als, Teilnehmer an der W e l t w i r t s ch a f t s k a n- f e r e n z über deren Leistungen. Die Resolution der Weltwirt- schaftskonserenz öffne einen Weg für die Entwicklung, aber wäre dieser Anstrengungen der Sachverständigen aus der ganzen Welt unwürdig, wenn man sich auf diese Entschließungen beschrän- ken und nicht daraus weil erarbeiten würde. Gras Apponyi(Ungarn) sprach u. a. von dem nnvoll- komme iic n Schutz der Mi nderheits Völker(deren Entnationalisierung gerade dieser Apponyi als Schul- minister Alt-Unparns mit Hochdruck betrieben hat. Red. d. B.). Ein zweites Pastivum des Völkerbundes nannte er die Nicht- erfüllung der allgemeinen Abrüstungsverpslich. t u n g.— Dem 83!ähriaen Redner, der in mehreren Sprachen gleich gut frei spricht, wurde eine Ovation gebracht. Stresemanns heutige Neöe im Nunöfunk. Die Ansprache des Reichsaußenministers Dr. Strefemann in der Volkerbundssitzung am Freitag vormittag soll durch Rundfunk über den Deutschlandsender und die Ortssender verbreitet werden. Die genaue Zeitangabe wird durch Rundfunk angesagt. Die öesolöungsreform. Wünsche der Beamten— wo bleibt die Erfüllung? Von Willy Steinkops. Seit dem Besoldungsunrecht vom Juni 1924, als ein bürgerliches Reichskabinett Marx eine Besoldungs- zulage diktierte, die unten 17 und oben 71 Prozent ausmachte, hat die Sozialdemokratie nicht aufgehört, um einen gerechten Ausgleich für die Beamten der unteren und mittleren Gruppen zu kämpfen. Wenn man den Erklärungen des Reichsfinanz- Ministers glauben darf, steht nunmehr die Veröffent- lichung seiner Besoldungsvorlage unmittelbar bevor. Mit den Spitzengewerkschasten der Beamten wird in diesen Tagen bereits verhandelt: unmittelbar anschließend soll auch das Reichskabinett zu der Vorlage Stellung nehmen. Wie Presse- Meldungen sagen, will der Außenminister Dr. S t r e s e- mann zu diesem Zweck eigens von Genf nach Berlin kommen. Wenn die Reise des Herrn Dr. Strefemann viel- leicht auch nicht allein durch die Beratung der Besoldungs- vorläge veranlaßt wird, darf man schon annehmen, daß er an der neuen Besoldungsvorlage ein besonderes Interesse hat. Reichsfinanzminister Dr. Köhler hat wiederholt öffent- lich erklärt, daß seine Vorlage einen starken sozialen Einschlag tragen werde. Er hat hinzugefügt, daß die Beamten der unteren Besoldungsgruppen die stärkste prozantuale Erhöhung erhalten sollen, und die Beamten der mittleren Besoldungsgruppen mehr Prozent bekommen werden als die der oberen Gruppen. Gegen dkse Regelung, so selbstverständlich sie sein sollte, wird von der gesamten höheren Beamtenschaft Sturttt gelaufen. Diese Beamten verlangen eine umgekehrt» Ge- staltung der Zulage, wie sie im Juni 1924 den Protest aller anderen Beamten auslöste, mindestens aber eine gleichmäßige prozentuale Erhöhung für die gesamte Beamtenschaft. Da der Führer der deutschvolkspavteilichen Reichstagsfraktion, Abgeordneter Dr. Scholz, der Borsißende des Reichsver- bandes der höheren Beamten ist, liegt es nahe, daß er auf die Teilnahme eines feiner Fraktionskollegen im Reichs- kabinett an der entscheidenden Sitzung größten Wert legt. Der Reichswirtschaftsminister Dr. Cursius ist aber trank und verhindert, so daß nichts anderes übrig bleibt, als daß Dr, Strefemann den Ringkampf mit Dr. Köhler im Kabinett übernimmt. Auch die Sozialdemokratie legt Wert darauf, daß die höheren Beamten nach Recht und Gerechtigkeit be- handelt werden. Mit dem Reichsfinanzminister Dr. Köhler ist fic aber der Auffassung, daß es unzweifelhaft Pflicht der neuen Besoldungsordnung ist, die 1924 benachteiligten unteren und mittleren Beamtengruppen in erster Linie zu bedenken. Bei diesen Beamten geht es um nichts mehr und nichts weniger als die Erhaltung der Arbeitskraft und der Gesundheit der Familien. Nur wenn diese Frage zufriedenstellend gelöst ist, wird eine Dis- kussion über andere Punkte auch fruchtbar sein. Die Sozial- demokratie könnte also einer Regelung mit dem Ziel einer stärkeren prozentualen Zulage für die oberen Besoldungs- gruppen oder auch nur einer gleichmäßig prozentualen Er- höhung für alle Besoldungsgruppen unter keinen Umständen zustimmen. Wie oerlautet, sollen bei der Reform gleichartige Beamtengruppen zu einer Gruppe zusammen- gelegt werden. Hiermit kann die Sozialdemokratie nur einverstanden sein. Als sie bei der Besoldungsordnung von 1920 für dies Ziel eintrat und vor der Auseinanderreißung zusammengehöriger Beamtengruppen warnte, stand sie allein auf weiter Flur. Ausschlaggebend fllr den Gruppenaufbou aber muß sein, daß die verschiedenen Laufbahnen inner- halb der Besoldungsgruppen nicht wieder streng van- einander getrennt werden. Die chinesische Mauer, die im Kaiserreich die Beamten nach Klassen streng auseinander- hieU und die unllberfteigbar war, ist von der Sozialdemo- kratie nicht niedergerannt worden, um jetzt im achten Jahr der Republik wieder aufgerichtet zu werden: Das Jnein» andersließen der Endstcllung einer Laufbahn und der An- fangsftellung der nächst höheren Laufbahn in einer Be- soldungsgruppe hat sich durchaus bewährt und muß beibe- halten werden. Hierzu gehört auch, daß der Uebergangvo neiner Laufbahn in die höhere befähigten Beamten nicht versperrt werden darf. Die von der Sozialdemokratie seit der Nationalversammlung immer wieder verlangten Laufbahnvorschriften müssen jetzt endgültig vom Reichstag festgestellt und verabschiedet werden. Sie sind jetzt not- wendig,' um die ewigen Eifersüchteleien der Beamten verschiedener Reichsressorts zu beenden, überspannte An- forderungen an die Vorbildung der Anwärter auf ein ver- nünftiges Maß zurückzuführen und das sogenannte Berechti- gungswesen in geordnete Bahnen zu bringen. Deshalb müssen die Lausbahnvorschriften für alle Reichsressorts ein- heitlich sein und die Möglichkeit des Aufstiegs Befähigter vorsehen. Die Beamtenlaufbaha muß ferner jedem offen- » stehen, der sich hierzu eignet und die Vorkenntnisse hat, die der Laufbahn angepaßt sind. Dabei muh der Besitz der Kenntnisse und nicht d t e A r t. w i e s i e erworben wurden, ausschlaggebend sein. Ein Privileg der Schulzeug- nissc darf nicht mehr aufkommen. Es ist einleuchtend, daß mit dem Besoldungsproblem noch eine ganze Anzahl von Fragen zusammenhängen, die hier nicht alle erörtert werden können. Man denke nur an die sehr.schwierige Frage des Wohnungsgeldzu- s chu f s e s und der O r t s k l a s s e n e i n t e i l u n g. Ein Schlüssel für eine wirklich gerechte Lösung ist für sie bisher nicht gefunden worden. Es kann aber festgestellt werden, daß die Einteilung der Orte in verschiedene Tarisklassen bei der Gewährung des Wohnungsgeldes für viele Gebiete des Reichs heute jeden Sinn verloren hat. Wenn eine endgültige Lösung im Augenblick also auch nicht möglich sein wird, muß doch versucht werden, durch Verminderung der Zahl der Orts- und Tarifklassen einen Schritt auf dem Wege zur endgültigen Lösung vorwärts zu kommen. 2lehnlich steht es mit der Frage der Alt- und Neu- Pensionäre. Daß diese ebenso wie die Witwen und Waisen an der Besoldungserhöhung beteiligt werden müssen, ist für die- Sozialdemokratie eine Selbstverständlichkeit. Wegen der Wartegeldempfänger braucht dies-nicht besonders erwähnt zu werden, denn sie sind Beamte und haben infolge- dessen einen Rechtsanspruch auf die Erhöhung ihres Warte- geldes. Zwei Dinge liegen der Sozialdemokratie aber besonders am Herzen, und sie hofft auf ihre befriedigende Regelung bei der Besoldungsreform. Das eine sind die im Krieg oder durch Betriebsunfall schwerbeschädigten Be- amten und Arbeiter, die unter allen Umständen besser als bisher behandelt werden müssen. Es muh möglich sein, diesen im Dienst der Allgemeinheit zum Krüppel gewordenen Men- schen, die in ihrer Verwendungsmöglichkeit meist sehr be- fchränkt sind, und die infolgedessen auf Vorwärtskommen recht wenig Aussicht haben, für den unverschuldeten Schaden einen Ausgleich zu bieten. Die Sozialdemokratie denkt dabei an eine Verbesserung des Besoldung?- und Pensionsdienst- alters der Schwerbeschädigten und auch an eine Zuschuß- zahlung bei vorzeitiger Pensionierung, wie dies in einem sozialdemokratischen Antrag im Reichstag bereits verlangt worden ist. Das andere ist die Frage der Arbeitszeit der Be- amten und Arbeiter in den Reichsbetrieben. Der jetzige Zu- stand, daß öffentliche Beamte und Arbeiter an ein und dem- selben Ort, je nachdem sie im Dienst des Reichs, Landes oder der Gemeinde stehen, täglich 9 und mehr, 8X oder nur 8 Stunden Arbeitszeit haben, ist unerträglich und unhaltbar geworden. Dies um so mehr, als verschiedene Reichsbehörden hier und dort auch schon Mittel und Wege gefunden haben — zum Teil mit Vorwissen ihres Ministers— zum Achtstundentag zurückzukehren. Die Sozialdemokratie muß deshalb verlangen, daß d�r Achtstundentag grundsätzlich in allen Reichsverwaltungen wieder eingeführt wird. Was dem einen recht ist, muß dem anderen billig fein. Schweigen über öen Wassern. Der R e i ch s f! n a n z m i n i ste r empfing geste«, nachein. ander Abordnungen des Deutschen Beamtenbundes, des Reichs- bundes der höheren Beamten und des Allgemeinen Deutschen Bs- amtenbundes, die er mit den Grundzügcn seines Reform» planes bekanntmachte. Die Informationen wurden als streng oertraulich(!) erklärt. Sie werden heute fortgesetzt. Positive Ergebnisse haben die Besprechungen, soweit sich feststellen ließ, nicht gebracht. Es ist in Aussicht genommen, wenn das Reichskabinett zur Borlage end- gültig Stellung genommen hat, noch einmal mit allen Spitzen- gewerkschaften der Beamten gemeinsam zu verhandeln. Wie wir weiter hören, wird die Sitzung des Reichekabinetts, die sich mit der Besoldungsnovelle befassen soll, bestimmt am Sonnabend stattfinden. Der Reichsfinanzminister wird sich dann in seiner Rede am Sonntag in Magdeburg vor aller Oefsem- lichkeit mit der Borlage beschäftigen. Einberufung des Haushaltsausschusses. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Reichstags, Ge- nosse Heimann, hatte den Ausschuß zu Freitag, den 23. September, einberufen. Da aber an diesem und am folgenden Tage die Sitzung des Deutschen Städtetages stattfindet, ist die Einberufung des Haus- Haltsausschusses nunmehr für Donnerstag, den 2 2. Sep- tember, vormittags 10 Uhr, festgesetzt worden. Auf der Tages- ordnung steht:„Höhe der Votschüsse auf die kommende Reu- regelung der Besoldungsordnung*. Gegenangriff! Schwarzweißrotes Leichenbegängnis mit Stahlhelm- musik! Die Belehrung, die Genosse Braun dem deutschnatio- nalen Reichsverkchrsminister gegeben hat, läßt die„K r e u z- Zeitung" nicht zur Ruhe kommen. Da ihr eigenes Arsenal erschöpft zu sein scheint, macht sie Anleihen beim Stahlhelm. Herr S e l d t e, Stahlhelmführer und Selterswasserfabrikant, hat nämlich ein weitschweifiges Pro- aramm erlassen, mit dem er— etwas früh— die nächsten Reichstagswahlen zu beeinflussen wünscht. Seine Forde- rungen sind: Die Forderung der schwarzweißroten Fahne als Reichsflagge, als Fahne des Deutschen Reiches. Die Erklärung des 18. Januar, des Gründungstages des Deutschen Reiches, zum Reichsfeiertag. Beseitigung und Aberkennung der Kriegsschuldlüge. Die Anschlußforderung Oesterreichs an Deutschland. Die„Kreuz-Zeitung* stellt sich entzückt über dieses Pro- gramm und bemerkt dazu: Das sind die Ziele des großen deutschen Frontsoldatenbundes. Sie stellen gleichzeitig ein Programm dar, das jeder natio- nale Deutsche unterschreiben kann. „Heraus aus der Verteidigung," so sagt die„Stahlhelmzeitung". Wir möchten hinzufügen:„Keine Verteidigung ohne Gegen- angriff!" Laßt sie unterschreiben, die„nationalen" Deutschnatio- nalen, sie zeigen damit noch einmal, was ihre Unterschrift wert istl Als sie die Richtlinien unterschrieben, haben sie sich verpflichtet, die schwarzrotgoldene Reichsfahne zu achten und zu fchützen. Ihre Minister haben den Eid auf diese Fahne geleistet. Das alles gilt nach Auffassung des offiziellen deutschnationalen Organs nach berühmtem Muster heute nur noch als Fetzen Papier. Allerdings: die Unterschrift unter das Programm des Selterswasserfabrikanten hat auch nur fünfzigprozentigen Wert. Dieselbe„Kreuz-Zeitung" hat erst kürzlich verraten, daß das scbwarzweißrote Tücherschwenken mehr schöne G e st e als Angriff ist, da man davor Angst hat, bei einem Volksentscheid durchzufallen. Mit dem 18. Januar als Reichs- feiertag siebt es nicht besser aus. Und die Kriegsschuld- lüge? Wie konnte man so wacker auf die Untätigkeit der Reichsregierung schimpfen, solange man nicht an der Regie» nmg beteiligt war! Seither ist's stillgeworden, obwohl die Reichsregieruna von Westarps Gnaden untätiger ist als jede Regierung vorher. Also Gegenangriff? Leichenbegängnis mit Stahlhelm- mufik! Und noch nicht einmal erster Klasse. Erziehung zu Schwarzrotgolö. Karlsruhe, 8. September.(Eigenbericht.) Der Internationale Rennklub in Baden-Baden hat es bisher nicht für notwendig gehalten, bei feinen Rennen neben den zahlreichen ausländischen Flaggen auch die schwarzrotgoldene Nationalslagge der deutschen Republik zu hissen. Auf Anfrage des badischen Innenministers über die Gründe dieser auf- fälligen Haltung erklärte die Klubkeitung, daß sie lediglich die Flagg«! derjenigen Länder zeige, die an dem Rennen direkt beteiligt sind. So sah man z. B. in diesem Jahre u. a. die französische und, da der König von Schweden anwesend war, auch die s ch w e d i s ch a Flagge, nicht ober die schwarzrotgoldenen Farben. Im übrigen er- klärt« die Klubleitung, daß sie früher auch die schwarzweißrote Flagge nicht gehißt habe und es deshalb ablehne, nunmehr die neue! Reichsflagge auszuziehen. Der badische Innenminister hat sich mit den Auskünften des Rennklubs in Baden-Baden nicht zufriedengegeben. Da die Pferde- rennen finanziell nur dadurch ermöglicht werden, daß der wefent- lichste Teil der To t a l i s a t o r st e u e r den Rennvereinen über- lassen bleibt, wird der Freistaat Baden diese Vergünstigung in Zu- kunft nur noch den Vereinen bewilligen, die bei ihreir Rennen die Reichsflagge zeigen und im äußeren Rahmen ihrer Veranstaltung der deutschen Reichsflagge die Achtung erweisen, die schon aus Gründen der nationalen Würde verlangt werden muß. Es ist anzunehmen, daß diese energische Sprache des badischen Innenministers ihre Wirkung nicht oerfehlt und der Internationale Rennverein in Baden-Baden in Zukunft ebenso wie der Rennoerein in Mannheim die schwarzrotgoldene Flagge bei seinen Rennen hissen wird. Der Erfolg in Mannheim wurde im Vorjahre ebenfalls erst erzielt, nachdem die Stadtverwaltung dem dortigen Rennverein mit der Entziehung der Unterstützung gedroht hatte. Zum Kapitel Reichswehr. „Dem Kaiser ins Reich." Man schreibt uns: Anläßlich eines Stahlhelmtages und einer Pioniertagung für die Provinz Hannooer, die dieser Tag« in G ö t t i n g en abgehalten wurden, gab es eine ganze Reihe von Zwischenfällen und Provo- kationen. Für die Stahlhelmer redete der bekannte Oberstleutnaick a. D. Düsterberg gegen den Reichswehrmini st er wegen seines Flaggenerlasses. Er warf Geßler vor, daß er damit die„Gräber der deutschen Soldaten entweiht" habe. Die Rede des preußischen Ministerpräsidenten für Schwarzrotgold nannte er eine Taktlosigkeit und Brutalität. Das Ende des Rummels bildete schließlich die Annahme einer scharfen Resolution gegen den Reichs- wehrminister. Auf der Tagung der ehemaligen Pioniere ging es noch etwas toller her. In einem ausschließlich schwarzweißrot dekorierten Saal spielte die Reichswehrkapelle in voller Uniform: auch eine Abteilung der Ulmer Tradilionskompagni« nahm daran teil. Die Reden waren durchweg republikfeindlich: ebenso waren die Lieder, bei denen Reichswehrmusit und die Ulmer Tradi- tionssoldaten besonders mitwirkten, absolut monarchistisch. Rur eine Probe eines Liedrefrains, bei dem die Soldaten besonders laut singen und auf den Tisch schlagen mußten: H o ch auf zugleich Dem Kaiser ine Reich, Dem König ins Land. Durch Wasser und Sand usw. Damit die ganze Sache ganz originell wunde, wirttc auch der bürgerliche Gesangverein„S ä n g e r h e i m* mit, dessen Vorsitzender der kommunistische Stadtverordnete und Betriebsratsobmann bei der Eisenbahn, Fraatz, ist. Fraatz ist hervorragender Tenor eines Doppelquartetts dieses Vereins und hat sich den ganzen Sonntag f ü r S ch w a r z w e i ß r o t die Kehle wund geschrien und traktieren lassen. polnische Polizeipraxis. Ein Reichsdeutscher zur Verhaftung hinübergelockt. s a l k o w i tz, 8. September.(TU.) Zu den Deutschenverhastungen wird noch bekannt, wie die polnische Polizei gegen das oberschlesisthe Deutschtum arbeitet. Der deutsche Reichsangehörige Baumeister Gudermud wurde durch> ein fingiertes Telegramm von der polnischen Polizei aus Gleiwih nach Polen gelockt, um hier verhastet zu werden. vererbungswissenschast. In Dahlem, weit vor den Toren der Großstadt, entfernt von ihrem neroenaufrcgenden Lärm, liegen eine Reihe wissenschaftlicher Forschungsinstitute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast, darunter auch das Institut für Vererbungswissenschaft, das einzige dieser Art, das Deutschland besitzt. In anderen Ländern, vor allem in Nordamerika, hat man die große Bedeutung dieses Forschungs- zweiges früher erkannt als bei uns, dort ist jeder Universität ein solches Institut angegliedert, das mit reichlichen Mitteln ausge- stattet ist. Das deutsche Institut In Dahlem steht unter der Leitung des Professors Erwin B a u r, der um die Förderung dieses Wissenschaftszweiges in Deutschland sich besondere Verdienste er- warben hat, und dessen unablässigen Bemühungen es in erster Linie zu danken ist, daß demnächst auch ein Institut für Züchtungeoer- suche noch entfernter von der Großstadt, bei Müncheberg, erstehen wird. Ein kurzer Gang durch das Institut zeigt ohne weiteres, welche große Wichtigkeit diesem Forschungsgebiet zukommt. Die Grund- tage für die noch junge Vercrbungswissenschaft bilden die söge- nannten Mendelschen Regeln, die schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem Augustinermönch Gregor Mendel bes_ Versuchen mit Pflanzen, die er im stillen Kloster- garten zu Brünn anstellte, aufgefunden wurden, aber völlig unbe- achtet blieben und in vollständige Vergessenheit gerieten. Erst im Jahre 1S00 wurden diese Regeln von dem holländischen Forscher de Lries, dem Wiener Botaniker Tschermak und dem deutschen Botaniker Correns unabhängig voneinander wieder aufgefunden und bilden nunmehr die � Grundlage der seitdem neu aufgeblühten Vererbungswissenschaft. Durch Kreuzung zweier Individuen, die sich in einem Merkmal, z. B. der Farbe, deutlich unterscheiden, er- hält man Nochkommen, die in diesem Merkmal eine Mischung der Merkmale ihrer Eltern zeigen, bei der Farbe also eine Mischfarbe. Diese Bastarde geben bei der Fortpflanzung aber nicht wieder bloß Kinder mit derselben Mischfarbe, sondern ihre Kinder weisen diese nur zur Hälfte auf, zur anderen Hälfte die Farben ihrer Groß- eltern, und zwar in gleichem Verhältnis. Als Beispiel will ich das Löwenmaul anführen, mit dem in dem Institut zahlreiche Versuche angestellt werden. Rote und weiße Pflanzen gekreuzt geben solche von blaßrosa Färbung. Deren Nachkommen sind nur zur Hälfte blaßrosa, zur anderen je zur Hälfte rot und weiß. Und diese roten und weißen Exemplare geben bei der Fortpflanzung immer wieder nur rote bzw. weiße Nachkommen, während die blaßrosa Exemplare bei weiterer Fortpflanzung immer wieder nur zur Hälfte blaßrosa Rachkommen haben, dagegen ist die andere Hälfte ihrer Nachkommen immer wieder zur Hälfte rot, zur Hälfte weiß, ste spalten immer wieder auf oder„mendeln", wie der technische Ausdruck lautet. Das Merkmal der Farbe ist nur ein einzelnes herausgegriffenes, die I»dioiduen haben aber stets eine ganze Anzahl von Merkmalen. durch die sie sich unterscheiden und aus deren besondere Züchtung man achten kann. Dadurch gelingt es, allerding« nur durch sehr geduldige Arbeit, die durch viele Generationen von Exemplaren fortgesetzt werden muß, besondere Eigenschaften, die man wünscht, heranzuzüchten. Von wie außerordentlicher volkswirtschaftlicher Bedeutung das werden kann, zeigt schon ein ganz kurzer Gang durch das Institut! In der botanischen Abteilung werden z. B. Versuche angestellt, ertragreichere Getreidesorten herauszubekommen. ii. a. auch sogenannte Wintergerste, die als Braugerste Verwendung finden kann. Bei verschiedenen Obstsorten ist man damit be- schäftigt, gegen bestimmte Krankheiten immune Sorten herauszu- bekommen. Wenn man bedenkt, was für Millionenwerte der Reb- laus und Peronofpora alljährlich im Weinbau zum Opfer fallen. so kann man sich eine Vorstellung machen, was ein Gelingen dieser Versuche für die deutschen Winzer bedeuten würde. Am weitesten vorgeschritten sind von diesen Versuchen die mit Stachelbeer- und Iohannisbeerkreuzungen, für welche Immunität gegen Meltau an- gestrebt wird. Erwähnenswert sind auch die Versuche mit Zucker- rüben, die man so zu gestalten wünscht, daß sie sich leichter abernten lassen, nicht wie jetzt mühsam aus der Erde gegraben werden müssen. In der zoologischen Abteilung sind besonders erwähnenswert die Bemühungen, unsere deutschen Schweine, die so häufig von der Schweinepest und Schweinescuche befallen werden, mit ungarischen und rumänischen Sorten �u kreuzen, denen Immunität gegen diese Krankheiten nachgesagt wird, und dadurch auch für den deutschen Sandmann Schweinesorten zu erzielen, die ihn diese entsetzliche Geißel seines Tierbestandes nicht mehr fürchten lassen. Weit vor- geschritten sind auch die Züchtungsversuch« mit Kaninchen, bei denen es gelungen ist, durä) Kreuzung mit den sogenannten Catorex- Kaninchen ein Chinchillafell heranzuzüchten, das Kanwchsn also geradezu zu einem Tier mit einem Edelpelz zu machen. Ueberaus zahlreich sind die Fragen, die auf diesem interessanten Forschungsgebiete noch der Klärung harren. Es ist bedauerlich, daß in Deutschland so wenig getan ist, um ähnliche Institute ins Leben zu rufen. Der Internationale Kongreß für Ver- e r b u n g s w i s s e n s ch a f t. der nächste Woche hier in Berlin zu- sammentritt und eine Reihe hervorragender Forscher aus den ver- jchiedensten Ländern vereinigen wird, wird sicherlich zur Klärung einer ganzen Reihe von Problemen beitragen, weil ja die persönliche Berührung der Gelehrten aus den verschiedenen Ländern natur» siemäß in dieser Richtung wirksam sein muß. Aber darüber hinaus ist es von großer WÄeutung, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Fragen und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung gelenkt wird. Dr. Bruno Borchardt. Das vibrierende London. Unter den Problemen, die der mo- derne Berkehr für die heutigen Großstädte geschaffen hat. ist eines der wichtigsten� wenn es bisher auch wenig beachtet wurde, die Beeinträchtigung der Lebensdauer der Gebäude durch die ständigen Schwingungen, in die ste versetzt werden. Besonders in den großen Verkehrsstraßen der Weltstädte sind alle Häuser zu einem ständigen Vibrieren gezwungen, das die Dauerhaftigkeit der Baustoffe an- greift und ihren Zusammcnbang untereinander lockert. Für Lon- don sollten diese Probleme jetzt planmäßig untersucht werden, und zwar vo» dem Britischen Physikalischen Laboratorium in Tedding- ton gemeinsam mit Professor Jsnkin von der Universität Oxford. Man hofft dabei sowohl für den Straßenbau al» für de» Hausbau diejenigen Materialien zu finden, die den ständigen Erschütterung«» am besten Widerstand leisten können. Reue siamesische Zwillinge. I.i einem Londoner Krankenhaus liegt ein merkwürdiges Zwillingspaar, zwei Mädchen, die. die Ge- sichter einander zugekehrt, von dem mittleren Teil der Brust bis fast an das untere Ende des Unterleibs zusammengewachsen sind. Diese neuen siamesischen Zwilling«, die die Namen Mary und Ann erhalten haben, besinden sich zur Beobachtung im Krankenhaus. Ann ist nämlich nicht so gesund wie Mary, und mar denkt daran, die Zwillinge durch«ine Operation zu trennen. Man fürchtet aber, daß das kräftigere Kind die Trennung von dem schwächlichen nicht aus- halten würde. Beide Babys führen eine körperlich getrennte Existenz, denn ihr« Herzen schlagen nicht zusammen. Sie ähneln sich aber so, daß man sie nur durch verschiedenfarbige Schleifchen unter- scheiden kann: Mary trägt rosa und Ann blau. Technische Ausbeulung der Erdkernte mpsrakur. Der englische Ingenieur I. L. Hodgson hat in einem Vortrag vor der Britisli Association dieser Tage die Möglichkeit erörtert, die schwindenden Kohlenreserven der Welt durch eine Ausbeutung der Hitze im Erd- innern zu ersetzen. Er hat berechnet, daß die Abkühlung einer Kubik- Meile Felsgestem aus einer Tiefe von etwa 30 Meilen unter der Erdoberfläche soviel Hitze liefern würde wie die Verbrennung von 200 Millionen Tonnen Kohle, was, bei einem Ausnutzungsgrad von 20 Proz.,�«ine Jahreslieferung von 50 Millionen Pferdestärken bedeuten würde. Die Hitze des Erdinnern betrag« ungefähr 30 mil- lionenmal so viel wie die gesamten noch vorhandenen Kohlen- reserven, und die praktisch« Bewältigung dieses Problems werde die Ingenieure in den nächsten Jahrzehnten stark in Anspruch nehmen. Eine neue Brücke für Paris. Da die Seine-Brücken im Stadt» bild der französischen Hauptstadt eine so große Rolle spielen, ist die Errichtung einer neuen Brücke für den Pariser ein großes Er- eignis. Um den Verkehr zwischen den beiden Ufern der Seine zu erleichtern, ist jetzt eine der allen Brücken, die Pont de la Tournelle, die die Insel des Heiligen Ludwig mit dem Süduser verbindet, abgebrochen worden und wird durch«inen neuen Bau ersetzt, der eine einzige Spanne von 70 Metern haben wird und die erste Pariser Brücke ist, die aus Beton besteht. Die Brück« wird in drei Abteilungen und zwar mit einem ganz neuen Konstruk- tionsoerfahren errichtet. Der Post-Amtsschimmel. Di« Post in London gibt offenbar der deutschen an Korrektheit nichts noch Sie hat dieser Tage einen Brief an seinen Empfänger abgeliefert, der am 30 Rooember\865 abgesandt worden ist. Der Brief wurde beim Abbruch eine» alten Gebäudes gefunden und von den Bauarbeitern einfach in den Kasten gesteckt. Da die Briefmarken von 1865 heute in England nicht mehr gelten, mußte für den Brief Strafporto bezahU werden. Der richtige Empfänger ist allerdings längst tot, glücklicherweise lebt aber noch sein Sohn im gleichen Hause. Die Briefmarke von 1865 mit dem heutigen Poststempel ist natürlich ein Mehrfaches des Strafportos wert. «ölliulier Ibealerforgen. Die Abschluharbeiten bei Tbealerelats der oetgatigeneit Spielzeit haben ein Defizit von 112 000 M. ergeben, da» von der Stadt gedeckt werden'soll. Die Stadtverordneten sind derselben An- fiibt wie der Magistrat, das, die UntversilSllsladt SStttngen unmigllch ohne Theatee sein dürfe und bah daher der gelordert» Zuschuj, vou der Stadt unter alle» Umstände» geleistet werden müsse. vollmar. Ein weiterer Beitrag ans der„großen" Zeit. Von Alwin Saenger. Genosse L i p l n s ti hat im„Vorwärts" auf das erbärmliche Verfahren hingewiesen, das auf Wunsch und Anleitung von Otto von Bismarck gegen einen Mann wie Georg von Vollmar in den achtziger Iahren des vorigen Jahrhunderts geübt wurde und das den Entzug der Pension für den schwer Kriegsbeschä- digten zum Ziele hatte. Das Vorgehen Bismarcks ist nicht v c r- einzelt geblieben; schon vor ihm haben Amtsstellen des König- reichs Bayern versucht, in ähnlicher verwerflicher Weise Vollmar seinen einzigen Lebensunterhalt zu nehmen. Es ist notwendig, hierauf eingehend zurückzukommen. Georg von Vollmar wollte auf Grund feiner Erziehung und nicht auf Grund persönlicher Neigung Offizier werden. Er trat am 18. August 1865 in Freising in das bayerische„3. Cuirassier Regiment Großfürst Constantin Nikolajewitsch" ein, was der Regi- mcntsobcrst an dos königliche Generalkommando nach München mit den Worten meldete,„daß er einen Kadeten Georg Ritter von Voll- mar auf Veltheim im Regiment, in dem sich bis jetzt nur ein Kadet befindet, angenommen habe, und selber am 17ten vor der Parade oerpflichtet wurde". Vollmar behagte aber offenbar der militärische Betrieb in der Garnison Freising sehr wenig, und er reiche am 13. März 1867 ein Gesuch ein um Versetzung zu einem Jäger- bataillon,„da er sür diese Waffe besondere Vorliebe habe". Allein auch die erfolgte Versetzung machte ihn offenbar nicht begeisterter sür das Militärische, und so wurde er im Oktober 1887 wegen be- haupteter unerlaubter Entfernung aus der Garnison vom Militär entlasten. � Als der Krieg gegen Frankreich 1876 ausbrach, richtete der „königliche Post- und Bahnolpirant Georg Ritter von Vollmar" aus Oberaudorf am 26. Juli 1870 an das„Hohe Ministerium des Krieges" in München eine Eingabe, die folgenden Wortlaut hatte: „Der ehrfurchtsvollst Unterfertigt«, welcher vom August 1865 bis zu Anfang des Feldzuges 1866 als Kadet im 3. Kuirassier Regiment, und von da ab bis zum September 1867 als Leutnant im 3. Jnfanterie-Regimente, ferner vom 7. Januar 1868 bis 23. Dezember desselben Jahres, also während eines Jahres als Freiwilliger im Korps der Carabiniers etrangers zu Rom und in der römischen Campagna diente, bietet einem Hohen Ministerium hiermit seine Dienste als Freiwilliger an, mit der Bitte, ihn nach Ermessen einer Truppenabteilung im Felde ein- zuverleiben, mit Ausnahme des 3. Inf.-Regiments, aus dem er entlasten wurde, und bei dem ein Aufenthalt für ihn unmöglich wäre. Rur der lebhafteste Wunsch, seinem Vatcrlande mit seiner Kraft, vielleicht auch durch seine geringen Kenntnisse des fran- zösischen Heerwesens zu dienen, tonnte den ehrfurchtsvollst Unter- zeuyneten zu Obigem bestimmen, ein Hohes Ministerium mit einer Bitte zu belästigen, was derselbe seinem Gebundensein an seinen Wohnort, aber auch seinen' Verlangen, im offenen Felde seinem Vaterlande zu dienen, zu Gut halten möge." Der„Vaterlandslose" bemühte sich also mit allen Kräften, als Kriegsfreiwilliger hinauszukommen. Gerade aus dieser fcotsache der Kriegsfreiwilligkeit und der dann im Kriege erlittenen schweren Verwundung ist ein Rückschluß auf die Erbärmlich- keiten der �lmts stellen aus der„herrlichen" Zeit gegenüber politisch Andersgesinnten gestattet. Die Verwundung Vollmars war in ihren Folgen M denkbar schwerste und wirkte zerstörend aus seinen ganzen körper- lichen Zustand. Der berühmte Münchener Chirurg«, Geheimrat von Nußbaum, hat in seinem Gutachten vom 15. Oktober 1886 das körperliche Kriegsleiden Vollmars eingehend geschildert. Es heißt in diesem Gutachten u. a.: „Herr von Vollmar bekam im Kriege 1876 eine Schuß- Verletzung des Fußes und wurde auf einer Tragbahre der ärztlichen Hilfe entgegengebracht. Die leichte Tragbahre war für den außer- ordentlich großen schweren Mann nicht solid genug und brach, weshalb Herr von Vollmar mit der Wirbelsäule auf harte Steine fiel und eine ernste entzündliche E r t r a n- kung des Rückenmarks bekam, bei welcher... später ganze Muskclpartien gelähmt wurden." Das Gutachten führt dann weiter aus. daß Vollmar vor ernsten Rückfällen nur durch sorgfältigste Pflege und medizinische Behandlung bewahrt werden könne. Gegen diesen Mann ging das bayerische Staatsmini- fterium des Innern schon 1877(!) vor, um ihm, dem schwer- verwundeten Kriegsfreiwilligen, die karge Militärpension zu«nt- ziehen! Da« bayerische Kriegsministerium unter der damaligen Führung des Generals von-Maillinger besaß zunächst etwas mehr menschliche Scham als die königlich bayerische Verwaltungs- behörde des Innern. Kricgsminister von Maillinger schrieb am 6. August 1877 an das Staatsministerrum des Innern„Betreff sozialistisch« Agitation, hier der Redakteur der sozialistischen Dresdener Dolkszeitung Georg Ritter von Vollmar" folgendes zurück: ...... Bei solcher Sachlage glaubt das Kriegsministerium, daß«in« Einziehung der Pensionstompetenzen des p. Vollmar durch dessen politische Tendenzen und beziehungs- weise Heroorragende Teilnahme an der sozialistischen Agitation wohl kaum zu rechtfertigen sei, und sieht sich dasselbe daher nicht in der Lage, seinerseits der hierauf gerichteten An- frage der k. Polizeidireklion München eine Folge zu geben." Die Standhaftigkeit dieses Kriegsministerium» des„demokrati- schen" Bayern dauerte nicht allzulange. Alsbald konnten die Ver- suche des Staatsministeriums des Innern, dem Freiwilligen und Krüppel die Pension zu nehmen, wenigstens einen Teilerfolg auf- weisen. Das Kriegsministerium lehnte am 26. Februar 1881 dem Ministerium de» Innern gegenüber den Pensionsentzug in vollem Umfange zwar ab, bemerkte ober zum Schluß des ' Schreibens versöhnlich: „Sollte indessen das k. Staatsministerium des Innern«inen Modus zu bezeichnen vermögen, um die fraglichen Bezüge wenigstens zu schmälern, so wird dos Kriegsministerium sür gesällig« weitere Mitteilung nur dankbar sein." Diese geschichtlich« Erinnerung beweist auf» neue, daß unter der früheren Staatsform des Reiches und seiner Länder>n der Behandlung sogenannter Staatsfeinde jedes Gebot politi» fchen Anstände? und einfachster Menschlichkeit restlos miß- achtet wurde. Die Republik aber zahlt sogar überführten Hochver» ratern. di« einmal Osfiziersunisorm trugen, volle Pensionen. der Sruch zwisthen Moskau uns London Seine unausbleiblichen Folgen. Die Besahung wird einsichtig. Die scanzöstschen und englischen Militärbefehl-stellen im Rheinland hoben auf Antrag der deutschen Behörden den Soldaten das Betreten der Weinberg« verboten. Verhaflunaen In Brooklyn. In einer Wohnung in der Roh« der jüngsten Bombenexplosion will die Polizei»In« Bombensabrik entdeckt haben. Ein« Kiste mit anarchistischer Lit»ratur und mit Briefen ist beschlagnahmt worden. Mehrere Personen wurden ver- haftet. Edinburg. 8. September.(Eigenbericht.) Der englische Gewerkschaftskongreß wurde am Donnerstag zu- nächst von Ramfay Macdonald im Namen der britischen Arbeiterpartei begrüßt. Dann trat man in die Diskussion des Bor. fchlags des Gcneralrats ein, die Beziehungen zu den russischen Gewerkschaften einzustellen. Fast sämtliche führenden Persön- lichkeiten der brilischen Gewerkschastsbewegung nahmen daran teil. E l y n e s, der Führer der Fabrikarbeiter, wandle sich dagegen, daß der Anschein einer Einheil aufrechterhalten werde, die in wirk- lichkeit nicht existiere. D r o m l e y, der Führer der Lokomotiv- führergewerkschast, forderte Unlerslühung des Generalratcs, um die russische Behauptung von Meinungvoerfchiedenheilen zwischen den Führern und den Massen in dieser Frage zu widerlegen. Der Organisalor der britischen Transportarbeiter, B e v i n. polemisierte Insbesondere gegen die Mißachtung der Autonomie der britischen Ge- wertschastsbewegung durch die Russen. Selbst der radikale Führer der Bergarbeiter. Cook,»rot nicht sür die Verwerfung des Bor- fchloges des Generalrotes ein, sondern für die Befragung der Mit- gliedschast. 3n schwieriger Lage befand sich der Eifenbahnerführer Tramp, der sich ans Grund eines Mehrheilsbeschlusses der Dele- gierten der Eisenbahner als Führer einer großen Gewertfchaft für die Verwerfung des Vorschlages des Generalrates mit der Begründung einsehte, daß der Abbruch von den Gegnern der Arbeiterbewegung als ein Akt moralischer Unterstützung der konservativen Regierung gedeutet werden könnte. Die Abstimmung ergab eine Mehrheit von 2,71 Millionen Stimmen gegen 620 060 Stimmen für die Einstellung der anglo- russifchen Verhandlungen. Die Bergarbeiter enthielten sich zum Teil der Abstimmung. * Dieser Beschluß, den wir in einem Teil unserer gestrigen Abendausgabe bereits mitgeteilt haben, zeigt, daß die große Mehrheit der englischen Gewerkschaften das russische Ex- p e r i m e n t als endgültig gescheitert betrachtet. Die Minderheit von 620 000 Mitgliedern schließt u. a. auch die Eisenbahner ein, die bekanntlich zum rechten Flu- gel der Gewerkschaften gehören. Die eigentliche kommu- nistische oder halbkommunistische Opposition beschränkt sich auf die 148 000 Stimmen, die gegen den Bruch mit der so- genannten Minderheitebewegung abgegeben wurden. Wenn man die Anstrengungen berücksichtigt, die die Kommunisten gemacht haben, um auf dem Gewerkschafts- kongreß in Edinburg mit einer starken Anhängerschaft auf- zutreten, wenn man weiter berücksichtigt, daß die kommu- nistische Opposition aus der Niederlage der englischen Ge- werkschaften im Bergarbeiterstreik und aus dem sich an- schließenden politischen Feldzug zugkräftige Argumente her- ausholte, dann ist diese kommunistische Minderheit bedeu- tungslos. Die englischen Gewerkschaften werden aber in der nächsten Zukunft die schmerzliche Erfahrung machen, die die kontinentalen Gewerkschaften schon gemacht haben, daß der Kampf der Gewerkschaften gegen den Kapitalismus ganz »-ya-s eiiuf ma»} mu c» c.« ziist sspiuaasa».-'. 1 Staütratkrise in �mfterüam. Kraftprobe des Bürgerblocks. Amsterdam. 8. September.(Eigenbericht.) Die Ratshcrrenwahlen haben in Amsterdam zu einer ernsten Krise in der Gemeindeverwaltung geführt. Zunächst besetzte der Bürgerblock das von dem Sozialdemokraten Wibaut seit mehr als zehn Jahren verwaltete Finanzdezernat mit seinem Kandidaten ter Haar. Als dann Wibaut und de Miranda für andere Aemter wiedergewählt wurden, war es natürlich, daß sie sich ihre Entscheidung bis zur Wahl'des letzten Ratsherrn vorbehielten, da die Plenarversammlung unserer Amsterdamer Parteiorganisation ihre Entscheidung dahin getroffen hatte, daß die Fraktion entweder wie bisher drei oder keinen Ratsherrn stelle. An letzter Stelle wurde schließlich der Demokrat Dr. Abraham« gewählt, der sich ebenfalls die Entscheidung vorbehielt. Wibaut und de Miranda erklärten daraufhin, daß sie unter diesen Umständen ihre Ernennung zum Ratsherrn nicht annehmen. Dr. Abrahams hat die Wahl ebenfalls nicht angenommen. Es sind deshalb nach wie vor drei Ratsherrnsitze unbesetzt; über sie dürfte am heutigen Freltag die Entscheidung fallen. Der Bürgerblock scheint es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. Seipels Praxis. Theoretische Sozialreform und praktische Volks- ausbeutung. Der deutschösterreichische Bundeskanzler Dr. Ignaz S e ip e l, Führer der chrifllich-fozialen Partei, sonst noch Prälat und Professor der Moraltheologi«, hat auf dem Katholikentag zu Dortmund auch von der christlichen Sozialreform gesprochen, wobei er auch deutlich erkennen lieh, daß er di« Ausrechterhaltung des Kapitalismus als Gebot Gottes und so betrachtet. Wie es nun praktisch mit der christ- lichen Dolkspolittt des Herrn Seipel aussieht, entnehme man folgen- den Ausführungen des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Otto Bauer im Zollausschuß des Nationalrats der Republik Deutsch- österreich: Welchen Preis wir dafür zahlen sollen, daß die Zollerhöhungen gegenüber den agrarischen Nachbarstaaten durchgesetzt werden, dos ist erst aus den Leitungsmitteilungen über di« Verhandlungen,� die im Zusammenhang mit oem neuen ungarischen Handelsoertrog über die Bildung eines internaiionolen Mehlkartells geführt werden, deutlich sichtbar geworden. Die Berelnbarungen zwischen der österreichischen und der ungari- schen Mühlenindustrie, die die Grundlage dieses Kartell» sein sollen, scheinen noch nicht zum Abschluß gelangt zu sein, es muh aber jetzt schon gesagt werden, daß wir dos, worüber hier verhandelt wird, sür die größte handelspolitische Ungeheuerlichkeit halten, die in der Nachkriegszeit irgendwo geschehen ist. Dieses Kartell ist ofsenbar zur Plünderung der österreichischen Ver- braucher, vor allem der Wiens, bestimmt. Zur Belohnung ist auch noch der Ersatz eines Teils der Zölle in Aussicht genommen, so daß also der österreichische Derbraucher zwar den vollen Mehlzoll zu bezahlen haben wird, di«s«r Zoll aber nicht dem österreichischen Staatsschatz, ja nicht einmal den österreichischen Mühlen, sondern den Mühlen Ungarns. Jugoslawiens, Rumäniens usw. zufallen wird. Dieses Mehlkartell soll nichts anderes fein als eine Organlfakiou zur Einhebung eines Tribut» von Oesterreich. Die Wehlkartellbildung ist der Preis, der den Nachbarstaaten außerordentlich erschwert wird, auch wenn die kommunistische Opposition innerhalb der Gewerkschaften numerisch nur schwach ist. Es ist offenbar, daß Moskau, nachdem es jahrelang in England laviert hatte, jetzt zum offenen Angriff gegen die englischen Gewerkschaften übergegangen ist. Die englischen Gewerkschaften und ihre Führer, wie sehr sie bis- her auch sich bemüht haben mögen, Moskau Brücken zu bauen, werden von den Bolschewisten jetzt genau so be- schimpft und verleumdet, genau so niederträchtig bekämpft und besudelt wie die Gewerkschaften des Festlandes schon seit langen Jahren. Wenn man noch eine Illusion hätte über die Politik der russischen Bolschewisten, dann könnte man es bedauern, daß diese nunmehr auch die letzte Brücke abgebrochen haben, die zur internationalen Arbeiterbewegung führt. Die Arbeiterklasse braucht ihre ganze Kraft zur Bekämpfung und Ueberwindung des Kapitalismus. Wenn sie zur Ab- wehr des Verrats in den eigenen Reihen Zeit und Kraft verwenden muß, so kann davon nur der Kapitalismus Gewinn ziehen. Deshalb sehnt jeder von uns den Tag herbei, an dem die gewerkschaftlich und politisch organisierte Arbeiterschaft nicht mehr nötig haben wird, die von Moskau organisierte und unterhaltene Zellen- bildung zu bekämpfen. Aber wenn das englische Experiment heute endgültig gescheitert ist, wie alle vorhergehenden Versuche, die auch in anderen Ländern gemacht wurden, scheiterten, so ist jetzt wenigstens volle Klarheit geschaffen. Und das ist ein nicht zu unterschätzender Gewinn. Moskau wird nunmehr seine verhängnisvolle Politik mit verstärkter Kraft auch in England versuchen. Es wird auch ist England versuchen, die Arbeiterschaft zu einem Wertzeug der russischen Politik zu machen. Moskau wird' auch in England scheitern. Niemand kann heute voraussagen, wann der Zeitpunkt eintreten wird, an dem die russischen Bolschewisten erkennen werden, daß die Arbeiterschaft außerhalb Rußlands nicht dafür zu gewinnen ist, russische Politik zu machen. Aber der Zeitpunkt wird unvermeidlich kommen, an dem selbst die von Illusionen eingefangenen russischen Bolschewisten erkennen werden, daß sie mit ihrer Politik nicht nur den Kapitalismus genützt, der Arbeiterklasse der ganzen Welt geschadet haben, sondern daß diese Politik auch für den russi, schen Bolschewismus geradezu Verhängnis, voll ist. Es gibt ja auch unter den russischen Bolschewisten heute schon Leute, die das einsehen. Sie haben sich aber bisher noch nicht durchzusetzen vermocht. Der Bruch, den Moskau jetzt mit London herbeigeführt hat, kann den Durchbruch der Erkenntnis ip Moskau nur beschleunigen. Auch deshalb ist dieser Bruch, den der britische Gewerkschaftskongreß nur registrieren konnte, freudig zu begrüßen. dafür gezahlt werden soll, daß sie die erhöhten Agrarzölle ohne Zoll, krieg in Kraft treten lassen, der unsere Industrie treffen würde. Durch die neuen Zollerhöhungen, die in die Vorlage hincinge- bracht worden sind und durch den Zusammenhang mit den VerHand- lungen über das Mehlkartell sind die Bedenken der Sozial. demokraten gegen die Vorlage noch wesentlich verstärkt worden. Es gibt gewiß Zölle, die heute unentbehrlich find, teils als Schutzzölle, teils als Verhandlungsmittel gegenüber dem Ausland. Was wir aber bekämpfen, das ist eine Zollpolitik, die von Halbjahr zu Halbjahr durch immer neue Erhähungen der Zollsähe di« allgemeine Preislage in Oesterreich und damit auch die Erzeu- gungskosten in einer Weise zu heben sucht, die nach unserer lieber- zeugung nicht nur den Verbraucher unerträglich belastet, sondern auch die Erzeugung schädigt. Bauer schloß mit der Warnung, die Regierung möge nicht jedes Jahr zweimal Aolltarifnovellen einbringen und die Lebenshaltungskosten erhöhen, wenn nicht die arbeitslosen Massen eine erhöhte Arbeitslosenunterstützung bekommen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschösterreichs hat ein Manifest gegen die Zollvorlage erlassen. Darin betont sie mit Nachdruck, daß sie nach wie vor auf dem Wege der Demokratie, durch Gewinnung der Bolksmehrheit, das fetzt regierende System Reaktion, der Volksausbeutung und des Arbeidermordes durch ein besseres ersetzen wolle. Kuomintang soll einig sein. Und Tschiang-Kai-Schek sein Fführer. Schanghai, 8. September.(Ehines. Nachr.-Ag.) General Li Dschi Sen, der Oberkommandeur der Heimatstreitkräfte der Provinz Kwantung hat ein Manifest erlassen, in dem es u. a. heißt:„Es ist notwendig, daß alle Kuomintangführer einheitlich zusammenarbeiten. Tfchiang-Kai-Schek soll wieder auf feinen alten Posten zurückkehren. Solange China noch nicht das Joch des Imperialismus abgeschüttelt hat und endgültig befreit ist, soll das Oberkommandcurfystem nicht auf- gegeben werden. Alle militärischen Genossen erkennen Tschiang- Kai-Schek als den besten Führer an. Das Zentralkomitee der Kuomintang ist sofort einzuberufen. Die Nanking-Regierung ist gegründet worden, um den Kuomintang von den Kom- munisten zu reinigen. Jetzt hat auch die Wuhan-Regierung die Kommunisten ausgewiesen. Die Ziele der beiden Gruppen sind jetzt also die gleichen und die bisherigen Mißverständnisse, die ein« Einigung verhinderten, sind beseitigt." fiutokataftrophe in Norwegen. Genosse Bull tödlich verunglückt. Oslo, 7. Septembber.(Eigenbricht.) Durch einen grauenvollen, noch nicht aufgeklärten Automobil- Unfall wurde der Abgeordnete der norwegischen Arbeiterpartei Pro- fessor Bull getötet. Man fand am Montag vormittag in der Nähe des Orte» K i r k e n ä» ein völlig zertrümmertes Auto, in dem Bull und ein Chauffeur tot lagen, während der andere Fahrtteil- nehmer mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Hospital geschafft wurde. Er ist noch nicht vernehmungsfähig. Bull war Professor an der Osloer llnioersstät und einer der Führer der norwegischen Arbeiterpartei. King, der Präsident der Negerrcpublik Liberia, macht zurzeit eine Deutfchlandreis«. 'treikdeßHluß öe? Berliner lUelüllformer« Ab Montag früh gültig. Ser AlelallolÄeikerverbavd hatte zum l. Seplember das mil der Bereinigung Berliner ZNekallgiehereien e. V. abgeschlossene Lohn- .ibkommen gekündigt und eine Erhöhung der beslehen- S e n S« u n d c n l ö h n e um lS Pf. und der Akkordlöhne im gleichen prozenlverhältnis gefordert. Da die zwischen den Parteien geführten freien Verhandlungen an dem hartnäckigen Widerstand der Unternehmer scheiterten, wurde vom Metallarbeiterverband der Schlichtungsausschuh zur Entscheidung angerufen. Dieser ällte am 19. August einen Schiedsspruch, wonach der bisherige Lohn- laris unverändert bis zum 1. Oktober bestehen bleiben sollte. Der Schiedsspruch wurde von den Melallformern e i n st i m m i g abgelehnt, während ihn die Unternehmer annahmen und seine Serbindlichkeitserklürung beantragten. Trohdem der Syndikus der Unternehmer in den Bervindlich- keitsverhandlungen am Z. September krampfhaft versuchte nachzu- weisen, dah ein Streik in den Berliner Bietallgiehereien für die gesamte Berliner Wctallindustrie schwere wirtschastliche Schäden noch sich ziehen würde und ollein schon aus diesem Grunde der Schieds- sprach verbindlich erklärt werden mühte, lehnte der stellvertretende Schlichter Bauer die Verbindlichkeitserklärung a b. Er machte vielmehr den Parteien einen Vergleichsvorschlag, wonach sämtliche bestehenden Löhne ab 19. Seplember u m 6 P f. und die bestehenden Akkordpreise vom gleichen Tage ab um 5 P r o z. erhöht werden sollten. Die Tariflöhne sollten von dixsem Zeitpunkt ab betragen: für die erste Klasse 1,11 Ul.. für die zweite Klasse 99 Ps. und für die dritte Klasse Sö Ps. Arbeilerinnen sollten 75 Proz. des Lohnes gleichartiger männlicher Arbeitskräfte und Zugendliche die gleichen Prozentsätze vom vlännerlohn wie bisher erhallen. Das Lohnabkommen sollte mit 14tägiger Frist bis zum Schluß eines jeden Blonals, erstmalig zum Ende Februar 19ZS kündbar sein. Zu diesem Vergleichsvorschlag nahmen gestern abend die Ber- liner Metallsormcr und Hilfsarbeiter in einer stark besuchten Versammlung im �Dresdener Kasino" Stellung. Die Versammlung lehnte nack) kurzer Debatte den Vergleichsvorschlag a b und beschloh in geheimer Abstimmung fast ein st immig den Streik. Da die Unternehmer erst heute, Freitagabend, ihre beschluhsassende Versammlung haben, soll noch einmal mit ihnen verhandelt werden. Sollten sich aber die Unternehmer zu weitergehenden Zugeständnissen nicht bereit erklären, so wird die Versammlung der Vertrauensleute am Sonnabendnachmiltag 3 Uhr im Gewerkschastshaus den Streikbeginn auf Montag früh fest sehen. Die Unternehmer haben es also jetzt selbst in der Kand, den offenen Konflikt noch zu vermeiden. �bbau üer Erwerbslojenfur.oc< Noch rasch vor Torschluh. Amtlich wird gemeldet: Angesichts der günstigen Entwicklung des Arbeitsmarktes hat der Retchsarbeitsminister die allgemeine höchstbezugsdauer in der Erwerbslosensürsorg« mit Wirkung vom 12. September 1927 ab grundsätzlich wieder aus das regelmäßige Maß von 26 Wochen festgesetzt. Bis zu 39 Wochen darf die Unter- stützung nur noch folgenden Berufen gewährt werden: Gärtnerei, Metalloerarbeitung und Industrie der Maschinen, Lederindustrie, holz- und Schnitzstoffgewerbe, Bekleidungsgewerbe,'Angestellte. Die Befugnis-der örtlichen Stellen, zur Vermeidung unbilliger Härten die Unterstützungsdauer im Einzelfall bis zu 13 Wochen zu ver- längern, bleibt unberührt. Das Vorgehen des Reichsarbeitsniinisters kann bei der Arbeiter- schafr nur ein Gefühl des Unmuts hervorrufen. Weil die Be- stimmungen der Erwerbslosenfürsorge nach dem Inkrafttreten der Arbeitslosenversicherung zunächst noch etwa ein halbes Jahr in Kraft bleiben sollen, wird jetzt plötzlich, rasch vor Torschluß, die höchst- bezugsdaucr verkürzt. Konnte man sich nicht mit der Eni- lastung, die die günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes bereits mit sich bringt, zufrieden geben? Mit Bitterkeit muß die Arbeiterschaft feststellen, daß man ihr gegenüber sehr schnell dabei ist, die müh- fam erkämpfte Unterstützungshilfe abzubauen, während auf der anderen Seite man sehr weitherzig sein kann. Kaum sind z. B. die Klagen der landwirtschaftlichen Unternehmer über Unwetter- schaden laut geworden, da habe» sich auch schon die maßgebenden Stellen beeilt, Steuer- und Krediterleichterungen zuzusichern. Bei den Arbeitslosen aber wird peinlich genau daraus geachtet, damit ihnen ja nicht ein paar Groschen zuviel gezahlt werden. Vie lange noch Paria? Tic Verhandlungen im mitteldeutschen Braunkohlen- bcrgbau. heute beginnen in Berlin zur Neuregelung der Löhne des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues die Verhandlungen zwischen den Parteien. Die Unternehmer haben sich immer wieder um«ine gerechte und soziale Gestaltung der Löhne gedrückt. Die Folge ist, daß jetzt der Lohnskandal im mitteldeutschen Braunkohlenrevier nicht mehr ertragen werden kann. Ist es nicht ein Skandal, wenn für nahezu 70 000 Bergarbeiter, d. h. für fast 90 Proz. der Belegschaft ein Durchschnittslohn von sage und schreibe sechs Mark. Z5 Pfennig— wohlgemerkt ein- schließlich des Soziallohnes— gezahlt wird? Ist es nicht ein Skandal, daß dieser Lohn gezahlt wird bei einer Schicht zeit von lybisl2Stund«nfür etwa 70 bis 90 Proz. der Arbeiterschaft? Ist es nicht ein Skandal, solch einen Lohn Arbeitern zu zahlen, deren Leistung heute rund 50 Proz. über der Leistung der Vorkriegszeit liegt? Der mitteldeutsche Bergarbeiter ist in der Lohnfrage der Paria unter den industriellen Arbeitern. Er steht in der Entlohnung der Industriearbciterschast weit, weit hintey, an 24. Stelle. Muß ausgerechnet die schwere, schmutzige und aufreibende Arbeit, wie sie der Braunkohlcnbcrg- arbeiter zu leisten hat, so jämmerlich entlohnt werden? Die Arbeiterschaft des mitteldeutschen Braunkohlenreoiers hat es satt, dauernd Paria der industriellen Arbeiterschaft zu sein. Ihre Geduld ist erschöpft. Sie will jetzt endlich einmal einen Lohn haben, der angesichts des Anziehens der Lebensmittelpreise, die gerade für den Bergarbeiter eine große Rolle spielen, bitter notwendig ge- worden ist. Werden die Unternehmer den Ernst der Stunde begreifen? Protest üer Straßenbahner. Crtnc wuchtige Kundgebung der Entschlossenheit. Die vom Verkehrsbund zu gestern abend nach den Prachtsälen am Märchenbrunnen einberufene Protestversammlung der Berliner Straßenbahner war schon lange vor Beginn stark überfüllt. Da der Saah die Erschienenen nicht faßte, wurde im großen Garten «ine Paralleloersammlung abgehalten, in der der Genosie Ortmann, der Bevollmächtigte der Ortsoerwaltung Berlin des Verkehrsbundes, sprach. Im Saale hatte der Sektionsleiter, Genosse H i l l e r, das Referat übernommen. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Forderungen, die zur Abänderung der bisherigen Bestimmungen des Manteltarifoertrages gestellt waren. An zahlreichen Beispielen wies er eingehend nach, daß in diesen Forderungen fast nur das oerlangt wurde, was die Straßenbahner schon einmal besessen haben und was für die übrigen städtischen Arbeiter schon lang« Selbstverständlich- keiten smd. Er schilderte dann weiter den schleppenden Gang der Verhckktdlungen Und zerpflückte dann den am 26. August gefällten Schiedsspruch, über dessen Inhalt unsere Leser bereits eingehend informiert sind. Genosse Hiller warnte die Versammelten aber auch, sich nicht auf irgendwelche Instanzen, sondern sich lediglich auf die eigene Kraft zu oerlassen. Der Konflikt kann damit nicht ab-! getan werden, daß schließlich die Versammelten den Schiedsspruch 1 ablehnen und der Organisation alles weitere überlassen. Die Straßen- bahner müssen sich vielmehr endlich restlos den freien Gewerkschaften anschließen. Nur wenn die Straßenbahner in einer einheitlichen gewerkschaftlichen Kampffront sich vereinen, wird es möglich sein, von der Straßenbahndirckcion die Bewilligung der berechtigten Forderungen zu erzwingen. In der kurzen Diskussion kam die Empörung über das Verholten der Betriebsleitung sowohl wie über den Schiedsspruch zum Ausdruck. Die Versammlung lehnte zum Schluß den Schiedsspruch genau wie die Funktionäre e i n st i m m i g ab und nahm solgendc Ent- schließung ebenfalls einstimmig an: „Die am 8. September in den Prachtsälen�am Marchenbrunnen tagende überfüllte Versammlung der Berliner Straßenbahner nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem völlig unbefriedigenden Schiedsspruch, der ihren berechtigten Forderungen in keiner Weise Rechnung trägt. Die Persammelten verlangen, daß sie in sozialer Hinsicyt nicht schlechter gestellt werden als die übrigen städtischen Arbeiter, Zumal der größte Teil der Forderungen bereits früher anerkanntes Recht für sie war. Sie geloben, gegebenenfalls mit allen gewerk» schaftlichen Mitteln, dem Rufe der Organisation folgend. für die Verwirklichung dieser Forderungen einzutreten. Ahm Streik bei öergmann. Die am 8. September 1927 in den Sophiensälen tagende Kon- serenz der Funktionäre und Betriebsräie der Eisendreherbranche beschließt angesichts der Berichte der Branchenstreikleitung folgend:-: l. Der Kämpf der Dreher bei der Firma Bergmann wird mit allen Kräften und mit allen Mitteln bis zum vollständigen öieg« der Dreher durchgeführt., � 2. Für die Zeit der Einstellungssperre für Dreher müssen in ollen Betrieben lieber stunden abgelehnt werden.~ rj. Sämtliche Vertrauensleute werden verpflichtet, unverzüglich Werkstatt- bzw. Betriebsversammlungen abzuhalten. um zum Streik bei Bergmann Stelling zu nehmen: zu diesen Ver- sammlungen ist ein Mitglied der Branchenkommission hinzuzuziehen. Die Ortsverwaltung wird aufgefordert, d>e fetzt notwendig ge- wordene llnterstützungsaktion unverzüglich einzuleiten. Die Arbeitszeit nach deulsckiem Recht unter besonderer �Berück- sichtigung der Arbeitszeitverordnung in der heute geltonden Fassung betitelt sich die von Dr. W. D e h in s gegebene Uebersicht, d'« in Carl Heymanns Verlag, Berlin(Preis I M.), erfchienen ist. Der Verfasser will dem Praktiker die Möglichkeit geben, sowohl die Grundzüge der maßgebenden Bestimmungen als auch die für den Einzelbetrieb wesentlichsten Regeln in übersichtlicher Form kennenzulernen. Die Schrift g'bt außer der Arbeitszeitverordnung die Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung, des Kinderfchutz- gesetzes und der Reichsversicherungsordnunq wieder, wie auch die Einzelregelungen für Böckereien, Konditoreien, Krankenxslege- anstalten und andere Berufe, wie Gast- und Schankwirtschoft, Berg- bau, Land- und Forstwirtschaft, Heimarbeiter, Binnenschiffahrt, wie für„das Gesinde" in der Privat- und.Hauswirtfchait. Ein Sachverzeichnis erleichtert den Gebrauch der 90 weiten umfassenden Schrift. Freie Sev>crlschast»j»ge»dBerli». Heute, Freitag, ISV? Uhr, tog-a die Gruppen: Kermauuplah: Gruppenheim Jugendheim Gandcrslr. 11, Elke tobrechtstraste. Vortrag:„Drr Internationale Gcwertschöftsbund und seine edeutung.— Schoneweide: Gruppenheim Jugendheim Laufener Str. 2 . Kamm u. Brust....... Pfand 58". Schmorfleisch mü Knodren,, Pfand �5 Pt Fische, Schollen............... Pfa-d Seelachs Ohne Kop.', ganze Fitche, Ptond Makrelen.............. Pfand Schellfische...... Pfand 12"• fletbarse....... ✓Pfand 12«- Fischfifet.............. pm-d 22" Kabeljau Äg#. p("nd 2S«. 22 p«. Rotzungen............ Pfand 24 p Lebeisde Aale......... Pfand 95™ Lebende Karpfen..... Pfand 1 1, Camembert vonuu I Pfund 78p. SehaMel 22p,. Speck feit, Pfund 1 1S mager...Pfund 1 20 Landleberwurst Pfund 1.20 Leberwurst feine. Pfund 1.55 Steppenkäse Edamer Holländer Allgäuer p'�jg 55 � 90pr. Steinbuschepvom.pw. 95Pf. Tilsiter voiir, pw. SS Pf 1.10 Schweizer}};- 98 Pf �1.55 Tilsiter»""Äpfund 125 Kokosfett l-Plund-Tafel 55 Pf. Margarine...Pfand 58pi. Tafelbutter...Pfund 2.04 Dänische Butter Pfd. 2.14 Blaue Pflaumen Pfund 48 Dampfwurst.. Piund 1.20 Mortadella.... Pfund 1,25 Jagdwurst.... Pfund 1.25 Hildesheimer-. Pfund 1.30 Berl. Mettwurst Pfund 1.30 Polnische Wurst Piund 1.55 Mettwurst'®;f)unschÄ 1.55 Pf. Filetwurst Pfund Pfund 1.55 Bierwurst.... Pfund 1.70 Teewurst..... Pfund 1,70 Zervelat u.Salami Pfd. 1.80 Schinkenspeck Pfund 1.80 Nußschinken«"Anch 1.95 Usltitrite. BouaHiiler Itnte. Nortligliit Rotwurst 75 pf. Weiche Mettwurst Pfd. 1.20 8 Pf. 10 P 14 p« 16 p. 18 p«. Eß-u. Kochbirnen Pfd. 10 Pf. Malvasierbimen p« 18?'. Butterbirnen-.Pfund 18 Pf. Musäpfel grob«, Pfund IgPk. Goldparmänen Pfund 30 ff. Gravensteiner. Pfund 30 Pf. Weintrauben>.Pfand 35 Pf. Weißkohl dänisch., Pfund 3 PL Rotkohl holsteinisch., Ptd SP'. Blumenkohl Kopi von 10 Pf-n Scbmorgurken Pfund 12 Pf. Tomaten hiesige. Pfund 12 PI. Zwiebeln... 3 Pfund 20 Pf Kartoffeln 5 Pfd. 30 Pf. Wein Preise für l/i Hasche ohne GJas. 1922 Enkircher Riesling Tischmosel......| 1925 Niersteiner gu'e ah............. j 1922 Graacher Abtsberg bcsiechepder Moser, f 1920 Haardter Schloßberg wachst schiougut/ 1922 Zeltinger Himmelreich sehr pikant___ 1 1925 Niersteiner Domtal s-hLne.........> 1921 Crü Gobineau � �pWter Bordeaux} 190 Himbeer- u. Zitronensaft v» Flasche 85?>.-fa fi. Deutscher Weinbrand A. Descieux aus leineui Charenleweln gebrannt, (Weht vetn&aß Feiner Apfelwein................... Ufer Konserven Vi Dose Br.- U.Schnittbohnen 56 Pf. Gemüse-Erbsen... 65 Pf. Leipziger Allerlei.. 90 Pf. Stachelbeeren.... 95 pl Kirschen suu, dunkel.. 1.25 Ravensberger Würsteben Ananas Plawail.I. Scheiben 1.35 InhalM Stllck, Dose 48 Pf Konfitüren, a.Pfur.cMimer Tomatenmark jL�dos�Spi Senfgurken®'I}>oSI!d" 2 20 Oeisardinen Kiuhdose 48 Pf. 0 76 Pf ISO Is» 1.40 4.50 Vierfrucht 90 Pf. Pflaumen Im Johannisb., Orangen 1.15 Aprikos. 1.20 Himb,, Kirsch 1.40 Erdb.1.45 Ananas 165 eigene Rösterei Gebrannt Kaitee Haushalt-Misch. Pfund 2. 60 Globus-Misch. p/und 3.8O Sonder-Misch. Pfund 3 m Residenz-Misch. Pfund 4.20 Oiympia-Misch. Pfund 3.40 Elite-Mischung Pfund 4.6O Bruchreis Feükücki'mge Pfund 30 Pf. u. 38 Pf. Makrelen gcrauch., Pfd. 36?'. Sprotten..... Pfund 65 Pf. Schellfische jeriueii., pm. 33 Lachsheringe• sfh<* 10 Pf. Johannisbeerwein rot, süb Tarragona-Spezial rot, vorzügliche Qualität •« Liier ... Liier 53 pf. 95 pf. 1.35 ........ Pfund 2 Ö Pf. Burmareis... Pfund 22Pf. Amerik. Reis.. piund 3Spf. Bassinreis...Pfund 24Pf. Weizengrieß..Pfund 26Pt Ital. Reis.....Pfumi 28 Pf. Hartgrieß.... Pfa°-i 23 Pf. Haferflocken..piund 27pc. Holl. Kakao Marke„Kamphuys" Iszss Blechdose ca. 1 Pfund' vü Junge"Tauben j/ä* 72pt.u. 38pf. Suppenhühner Pfd. 95Pf an Junge Enten Pfd. v. 1.20 an Suppenhähne Pfd. v. gspr.an Junge Gänse Pfd. v: 98pl an Jg. Hühner Pfund von l.io-n Rebhühner groo«. sl 1.55»n Nr. 426 ♦ 44.Iahrgakg 1. Oeilage öes vorwärts Ireitag, 4. September 1427 Wohnungsbaupläne öes Magistrats. Ohne Debatte befchlietzeu die Stadtverordueteu: Prüfung im Ausschuh. Die Deutfchuationalen für Gebetsübungen in den ftädtifchen Krankenhäusern. Die Berkiner Stadtverordnetenversammlung hatte gestern in ihrer ersten Sitzung nach den Sommerserien noch nicht die erwartet« große Debatte über di« vom Magistrot vorgelegten Wohnungsbaupiäne. Der Ausschuß, dem sie kurzer Hand überwiesen wurden, wird hoffentlich so schnell arbeiten, daß die Vorlage baldigst verabschiedet und dann unverzüglich an di« Vauausführung herangegangen werden kann.— Diese erste Stadtoerordnetensitzung wurde größtenteils in Anspruch genommen durch einen Streit um die Gebetsübungen in Kranken- Häusern Neuköllns und Lichtenbergs. Die Deutsch- nationalen, geführt von ihrem Pfarrer Koch, schimpften über di« Maßnahmen, die zum Schutz der incht mitbetenden Pslegeschwestern getroffen werden mußten. Unser Genosse Arndt erinnerte daran, wie man früher mit Pflegerinnen, die— so, wie es jetzt die bet- lustigen Pflegerinnen tun— sich gegen Anordnungen ihrer vor- gesetzten Behörde gewehrt hätten, umgesprungen wäre. Den Deutsch- nationalen brachte ihre Attacke eine Niederlage. » In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde zunächst ein Dringlichkeitsantrag der sozialdemokratischen Fraktion ohne Debatte angenommen, der den Magistrat ersucht, im Interesse der Fürsorge für die erwerbslose Jugend die von der Stadt eingerichteten Jugendheime für die erwerbslose Jugend nicht zu schließen. Einige als dringlich bezeichnet« Antrjige der Kommunisten wurden nicht als dringlich anerkannt. Dann begründete Stadtv. Pfarrer Koch(Dnat.) eine Anfrageder Deutschnationalen wegen der Einstellung üer Religionsübungen der Schwestern im Llchtenberger Krankenhaus. Zwei Schwestern hatten Einspruch gegen die Andachtsübungen er- hoben, darauf hätte der Bezirksbürgermeister Genosse S i g g e l versucht, die Andachten zu verhindern und die Bezirksver- fammlung hätte beschlossen, die Andachten zu verbieten. Die Anfrager sähen darin einen«unerhörten Eingriff in die Gewissensfreiheit und eine Vergewaltigung der auch den Schwestern zustehenden Verfassungsrechte". Die Ausführungen Kochs, seine Begründung und die Angriffe, die er gegen den Ma- gjstrat und besonders gegen einig« seiner Mitglieder richtete, lösten bei der Art,. wie Koch sie vortrug, oft lebhafte ironische Heiter- l e i t bei der Linken des Hauses aus. Im Namen des M a g i st r a t s stellt« Stadtmedizinalrat. Prof. Dr. v. Drigalski gegenüber dem Vor- redner fest, daß der Magistrat nur Anlaß zum Einschreiten gegen Anordnungen des Bezirksamts Lichtenberg gehabt hätte, wenn ein grober, gemeingefährlicher Mißstand zu beseitigen gewesen wäre. Das war aber nicht der Fall. Den Schwestern ist vom Be- zirksamt gestattet worden, in ihren eigenen Zimmern oder auch in anderen Räumen des Krankenhauses, die nicht dem öffent- lichen Verkehr dienen, ihre R c l i g r o n s ü b u ng e n a bzu- halten. Bei dein Mangel an Gcmeinschastsräumcn im Kranken- l>auje ist es aber als unzulässig zu betrachten, daß in dem gemein- samen einzigen Speiseraum und in dem einzigen Ge- meinschaftszimmer andersdenkende Schwestern gezwungen werden, religiöse Ucbungcn gegen ihre U-berzcuyung mitzumachen. Im übrigen handelt es sich bei der Stellungnahme des Magistrats nicht um«ine diktatorische Maßnahme, sondern um eine Verfügung, die im Dezcrnatswegs von vier Magistratsmitgliedern gezeichnet wurde. Genosse Arndt meinte, daß es schwer gewesen sei. bei den Ausfühmn- gen des Pfarrers Koch angesichts der eben vorher eingebrachten Anfrage wegen der Flaggenfrage zum 11. August(die wir am Ende des Berichts auszugsweise mitteilen!) ruhig zu bleiben. Mit der Ver- zerrung der Angelegenheit durch die Deutschnationalen hier ,n der Stadtverordnetenversammlung mache sich diese Fraktion einer Verletzuizg und Mißachtung von Bezirksver- ammlungsbeschlüssen schuldig, die sich sonst der be- anderen Fürsorge der Deutschnationalen erfreuen, wenn es sich um Bezirke handelt, in denen Rechtsmehrheiten bestehen. Das Bezirks- amt Lichtenberg ist durchaus korrekt vorgegangen. E s hat die Gewissensfreiheit in jeder Hinsicht beachtet, auf jeden Fall in größerem Ausmaße, als das früher gerade von den kirchlichen und politischen Anhängern Kochs geschehen sei. Da sie früher und auch noch jetzt das„persönliche Recht des einzelnen" nicht anerkennen, oder nur dann, wenn es ihnen in den Kram paßt, so haben sie auch kein Recht, sich besonders darauf zu berufen. Das gleiche gilt von der Heranziehung der Reichsverfassung durch die Deutschnationalen. Genosse Arndt be- tonte dann noch insbesondere, daß die Teilnahme am ge- meinsamen Frühstückstisch im Krankenhause Lichtenberg zum Dienst der Schwestern gehöre, so daß eben alle Schwestern sich daran beteiligen mußten und so gezwungen waren, die Religionsübungen über sich ergehen zu lassen. Nur deshalb habe das Bezirksamt beschlossen, daß die Andachten zu unterbleiben haben. Wir wünschen nur, daß alle Bezirke so vorgehen möchten, wie das in Lichtenberg der Fall war. Die Kommunistin Rosenthal hielt Herrn Pfarrer Koch vor, daß eigentlich die Abhal- tung der Andachten in voller Oesfentlichkeit gegen die sonstige Auf- fassung kirchlicher Kreise sei. Es heiße doch wohl auch heute noch: ,,W enn du mit deinem Gott reden will st, so gehe in dein Kämmerleini"— Nach weiteren Ausführungen der Stadtvv. Hildebrandt(Dein.) und Welnitschke(Evangelische Gemein- schast) wurde schließlich in namentlicher Abstimmung ein inzwischen eingegangener Antrag der Deutschnationalen, der die Zurücknahme des Beschlusses der Bezirksversammlung fordert, ab- gelehnt. Neben vielen kleinen Vorlagen, ine ohne Aussprache angenom- men wurden, wurde auch die Vorlage wegen der Ausweisung von ReichsheimftätteN'Gartengebieten und Dauerkleingärten ohne Aus- spräche an den zuständigen Ausschuß verwiesen.— Die Versammlung wandte sich dann der Behandlung der Vorlage z», die die Gewährung eines Gehaltszuschnsses an die städtischen Beamten und Angestellten zum Gegenstand hat. Die sozialdemokratische Fraktion hat dazu einen Antrag eingebracht, der verlangt, daß die den Beamten und Angestellten gewährten Zuschüsse auch aus die Lehrerschaft ausgedehnt und bei späteren Besoldungsregelungen nicht in An- r e ch n n n g gebracht�werden. Einen ähnlichen Antrag hat die Volks- partei eingebracht. Stadtv. Troll(Dnat.) verlangte Verweisung an einen Ausschuß.(Widerspruch links.) Merten(Dem.) trat für eine sofortige Regelung der Angelegenheit ein, da der Notstand der Be- omten und Angestellten längst anerkannt ist. Als Redner unserer Fraktion warnte Genosse Wendt die Beamten vor de? Beamten- sreundlichkeil der Rechtsparteien, wie sie hier im Rothause manchmal beliebt werde. Im Reiche haben die Deutschnationalen als Regierungspartei in geradezu unverantwortlicher Weise die Neuregelung der Bcsoldungsordnung verschleppt. Ilm so mehr kenn- zeichnet sich ihr Eintreten für die Beamten im Stadtparlament als eine üble D e m a g o.g i c, die verdient, niedriger gehängt zu werden. Die sozialdemokratische Fraktion Hobe nach eingehender Beratung beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, die sozialen Zuschüsse zu den Gehältern dergestalt zu staffeln, daß die niederen Gehalts- klassen besser bedacht werden als die höheren. Im übrigen sollen nach unserem Wunsch die jetzt gewährten Sonderzulagen ständige Zulagen werden. Wenn eine Besoldungsregelung durch das Reich bis zum 1. Oktober nicht erfolgt sein sollte, so werden die Sozialdcmo- traten zeitig genug neue Anträge einbringen, um dem Magistrat die Möglichkeit zu geben, weiter Zuschüsse leisten zu können. 3n der Abstimmung stimmten die Kommunisten mit den Deutsch nationalen gemeinsam für eineVerweisun« der ganzen Angelegenheit an den Beamtenaussch.iß.- Sie blieben aber in der Minderheit. Einstimmig wurde beschlossen, die Volks- und Mittelschullehrer in die Gewährung des Gehalts- Zuschusses mit einzubeziehen. Am Schlüsse der langwierigen Abstim- mung wurde dann gegen die Stimmen der Wirtschasts- p o r t e i l e r die Magistratsvorlage angenomme n. Dem Magistrat ist also Sanktion für die bisherige und spätere Auszahlung der Gehaltszuschüsse erteilt.— Die Vorlage, die den Vau von LOOl) Wohnungen betrifft, wurde ohne Debatte dem Haushalt?- ausschuß überwiesen. Deutschnationale gegen öö'ß. Weil er für Schwnrzrotgold eintritt. In der am Anfang des Berichtes erwähnten Anfrage der Deutschnationalen wird dem Oberbürgermeister B ö ß vorgeworfen, für die Beschaffung von schwarzrotgoldenen Flaggen zur Ver- sassungsfeier, zur Veranstaltung eines Fackelzuges und einer Abend- seier städtische Geldmittel zur Verfügung gestellt zu haben.(!) Er habe ferner städtische Gesellschaften(Vcrkchrsunternehmen usw.) zur Beschaffung solcher Flaggen genötigt und in einem amtlichen Ausruf behauptet, daß nur der Volk und Heimat liebe, der schwarzrotgold flagge. In demselben Aufruf habe der Oberbürgermeister das Mit- führen fchwarzweißroter Flaggen im Fackelzuge verböte». Durch einen besonderen Beschluß soll das Stadtoberhaupt zum Boykott gegen w i r tf ch a f t l ich« Unternehmen, die sich weigerten schwarzrotgold zu flaggen, aufgefordert haben. Auf di« Dienststellen. auf Beamte in Dienstwohnungen und andere Bürger und Haus- wirte soll Büß mit Versprechen und Drohungen eingewirkt habe», die heutigen Reichsfarben zu zeigen.— Außerdem habe der Oberbürgermeister eigenhändig in Friedenau auf einem Schulgrund- stück schwarzweißrote ,»Vereins"slaggen entfernt, und eine schwarz- rotgoldene Beflaggung erzwungen. Schließlich soll Büß unter„Miß- achtung der den Kirchenbehörden zustehenden Rechte" diese zum Flaggen in Schwarzrotgold und zum Glockengeläute aus Anlaß dieser politischen Feier veranlaßt haben. Dem Oberbürgermeister wird „Bruch der Reichsverfassung" und eine Verletzung der jedem Deutschen zustehenden freien Meinungsäußerung vorgeworfen und ihm angesichts der Stadt Berlin widerfahrenen Bloßstellung vor der ganzen Welt die schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Diese Angriffe tragen nur dazu bei, den Oberbürgermeister von Berlin bei der republikanischen Bevölkerung noch beliebter zu machen. Sie ehren ihn, sie zeigen, daß er mit sein-m Vorgehen auf dem richtigen Wege ist!_ Weitere Vorschläge für Wohnungsbauten. Die Bürgschaft der Stadt gefordert. Mehrere bürgerliche Blätter veröffentlichen ein Angebot des Berliner Spar- und Bauvereins in Charlotten- bürg, dessen Inhalt wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Der Berliner Spar- und Bauverein bietet der Stadt Berlin die Errichtung von 8000 Wohnungen an, und zwar 3000 Zweizimmerwohnungen mit 47 bis 55 Quadratmeter Wohnfläche, 4500 Zweizimmerwohnungen mit 65 Quadratmeter Wohnfläche und 500 Dreizimmerwohnungen mit je 80 Quadratmeter Wohnfläche. Die Wohnungen, sollen auf dem Gelände zwischen Schöneberg und Tempelhof errichtet werden. Der Syar- und Bauverein beantragt die Billigung der Hauszinsfteuerhypotheken, wofür rund 31 Millionen Mark in Frage kommen sollen, serner die Uebernahme der selbstschuldnerischen Bürg- s ch a f t der Stadt Berlin für die erste Hypothek mit höchstens Zweidrittel des Bau- und Bodenwertes. Die erste Hypothek mit rund 64 Millionen stehe mit 6 Proz. Verzinsung und 31jährig«r L)ie SilbersGrvärme 52) OSon 35ea�)(31a$bniä»erboten a-ilotlfUtft aas htm Taalychra»»n Ialla-Stoppel „Und heute morgen bist du durchgebrannt?" „Ich war so frei. Und jetzt verlange ich nichts weiter als ein Bad, reine Kleider und einen Haufen Seife. Bitte, stört mich vorläufig nicht, vor dem Herbst werde ich meine Reini- gung nicht beendigt haben. Er zeigte nicht das geringste Interesse für die neue Fabrik, wollte nichts sehen und hören oder Beifall über den Fortschritt der Arbeit äußern. Darum schickten sie ihn an Bord der„Bedford Castle", wo er mehrere Tage vollkommen apathisch in der Sonne lag und sich wärmte, dreiviertel des Tages schlief und seine wachen Stunden damit oerbrachte, die Geschichte seiner entehrenden Leibeigenschaft zu erzählen.* Maschinenteile löschen, besonders die schweren Stücke, war wegen der Gezeiten im Kalvikfluß gar keine leichte Sache. Das erste Unheil traf dann richtig auch ein, als die Dampf- kesfel an Land bugsiert werden sollten. Boyd aber war der Ansicht, daß es sich hier weniger um einen unglücklichen Zu- fall, als um einen sorgfältig ausgeheckten Plan handelte, der ihn unschädlich machen sollte. Die großen Dampfkessel waren über die Reeling d/r„Bedford Castle" in einen Prahm hin- untergehißt worden, der sie an Land bringen sollte. George und ein halbes Dutzend Arbeiter waren mit dem Prahm davongefahren, während Emerson an Bord des Dampfers zurückblieb. � Plötzlich hörte er aufgeregte Rufe von Land, eilte zur Reeling und sah, daß ein Bugsierdampfer der Konkurrenz- gesellschaft, der eine ganze Reihe Prahme hinter sich herzog. geradeswegs mit dem Strom auf seinem langsam fahrenden Prahm zusteuerte. Der Dampfer war schon so nah, daß ein Zusammenstoß unvermeidlich erschien. Von den lauten Zu- rufen nahm der Mann am Steuer gar keine Notiz. Da sah Boyd, wie George seinen Revolver hob und auf das Steuerhaus des Bugsierdampfers zielte. Glas klirrte, und der Steuermann kam aus dem Haus und suchte hinter der Kajüte Schutz. � � � Sofort schwang das Ruder des Bugsierbootes herum, das Boot drehte ab und traf Balts Prahm nur im Vorbei- streifen: trotzdem war der Stoß so heftig, daß der große George und seine Begleiter umgeworfen wurden und das Glas der Kajütenfenster klirrend zerbrach. Emerson lief schnell die Schiffstreppe herunter und sprang in ein bereit- liegendes Boot. „Ist der Prahm beschädigt?" rief er, als er näherkam. „Cr ist leck, aber ich denke, wir schaffen es," beruhigte George ihn. Sie gaben Befehl, daß ein zweites Bugsierboot- achtern angeschlossen werden sollte, und so von beiden Seiten bugsiert, glückte es, den Prahm mit den Dampfkesseln an Land zu bringen.„Wenn Ebbe ist, können wir den Prahm ausbessern," sagte George, der froh war, daß die Sache so glücklich vorübergegangen war. Darauf begann er die Männer', die ihn verursacht hatten, furchtbar auszuschelten. „Der Kerl hat es mit Absicht getan/' fluchte er.„See- leute sind nicht so nachlässig." „Verschwende keine Worte an ihn," sagte Boyd.„wir müssen besser aufpasien, wir haben geschlafen. Falls Marsh diesen Plan geschmiedet hat, wird er auch noch andere ins Werk setzen." Die Tage aber vergingen, ohne daß etwas geschah, und der Bau der Fabrik schritt schnell vorwärts, während die „Bedford Castle", nachdem sie ihre Ladung gelöscht hatte, davondampfte, um im August zurückzukehren. Mitte Juni waren die ersten Königslachse gekommen, die Späher, die den übrigen Lachsen vorausgesandt werden: Boyd aber legte keinen Wert auf diesen ersten Schwärm: er arbeitete emsig weiter, um zum Empfang des großen Heeres bereit zu sein, der ungeheuren Schwärme, die bald aus den geheimnisvollen Tiefen auftauchen würden. Wenn der große „Zug" erst einmal begonnen hatte, war keine Zeit mehr, zu bauen oder Maschinen aufzustellen. Schon seit geraumer Zeit hatten seine Dosenmaschinen Tag und Nacht gearbeitet und große Haufen blanker Dosen fertiggestellt: Tischler und Maschinisten waren drauf und dran, ihre Arbeit zu vollenden. Die Netzbinder setzten ihr Werkzeug instand, der Strand lag voll von Fischerbooten, auf dem Dock wurden große Haufen von Netzgarn geprüft, drei Viertelmeilen flußabwärts waren George und eine aus- gesuchte Mannschaft im Begriff, die Lachsfalle zu bauen. In eine Sandbank von einem Kilometer Länge wurden Pfähle gerammt und darüber Netze gespannt; an beiden Enden wurde die Falle mit Reusen und Tauen abaeschlosien: das ganze war ein verwickelles System von Retzen und Holz- werk, worin der Fisch gefangen werden sollte. Je festere Formen Boyds Traum annahm, desto höher stieg das Fieber in seinen Adern. Die vielen Schwierig- ketten, die sich tagtäglich bei der Arbeib'einstellten, gaben ihm unablässig etwas zu tun; die unvorhergesehenen Hindernisse, die jede Stunde auftauchten, erforderten schnelle und ener- gische Entscheidung und stellten seine Erfindungskunst immer wieder auf die Probe. Cherry war ihm stets zur Seite; ohne sich ihm aufzudrängen, meistens schweigend, folgte sie allem, was geschah, mit großer Aufmerksamkeit und wußte von allem genau Bescheid. Obgleich die Arbeit gut voranging, konnten die Kom- pagnons sich doch nie lange einem ungestörten Glück hin- geben. Eines Tages, als die Vorbereitungen fast beendigt waren, kam ein Werkmeister zu Boyd und sagte aufgereat: „Meister, kommen Sie bitte gleich mit und sehen Sie sich die eisernen Reiniger an." „Was ist denn los?" „Da ist etwas nicht in Ordnung." Eine hastige Untersuchung zeigte, daß die Maschinen auf ganz raffinierte Weise untauglich gemacht worden waren; einige Teile fehlten vollkommen, während andere zerbrochen waren. „Sie waren ganz intakt, als wir sie an Land brachten," erklärte der Mann,„unberufene Hände haben sich daran vergriffen." „Wann? Wie?" fratzte Boyd,„die Maschinen sind doch die ganze Zeit bewacht worden. Ist hier ein Fremder in der Nähe gewesen?" „Keiner, soviel ich weiß. Ich wollte die Maschinen ge- rade in Gang setzen, als ich die Bescherung entdeckte." Die eisernen oder mechanischen Reiniger gehören zu den sinnreichsten Erfindungen, die bei der Lachsfischerei ver- wendet werden, um Handkraft zu sparen. Sie sind ein sehr plumpes, aber nützliches System von kreisenden Messern und Schrauben, die den Fisch ergreifen und in gereinigtem und geschnittenem Zustande abliefern. Die Maschine arbeitet schneller als zwanzig Schlachter. Boyd wußte, daß seine Fische ohne diese Reiniger ver- derben mußten, bevor sie verarbeitet werden konnten. Er- schrocken untersuchte er die Maschinen, um sich bald davon zu überzeugen, daß eine Reparatur unmöglich sein würde; was zuerst wie ein unbedeutendes Mißgeschick ausgesehen hatte, war tatsächlich ein unerhörtes Unglück. Darum war sein erstes, daß er George Balt aufsuchte. Nachdem er eine halbe Stunde flußabwärts gerudert war, kletterte er aus seinem Boot auf die Sandbank, wo die Pfähle eingerammt wurden, und berichtete George von dem Vorfall. Die Ruhe des großen Mannes setzte ihn in Erstaunen. „Was will du machen?" „Mit Handkraft flensen," antwortete der Fischer. „Wie aber willst du das so schnell in die Wege leiten, dazu bedarf es eines Haufens gelernter Arbeiter." George lachte.„Ich bin zu gerissen, um mich auf solche Weise fangen zu lassen. Ich war von Anfang an auf Widrigkeiten vorbereitet, und als ich meine Chinesen heuerte, wählte ich eine Mannschaft, die Fische flensen und reinigen kann. Roch sind wir nicht zugrunde gerichtet, Willis Marsh muß sich etwas Besseres ausdenken." (Fortsetzung folgt.) Tilaunq zur Verfügung. Die Genossenschast verpflichtet sich, nicht über 12,50 bis 13 TO. Jahrcsmietc pro Quadratmeter zi, erheben. Die Herstellunp der Wohnungen erfolge spätestens m VA Jahren. � An dieses Projett ist ein« gehässige Polemik gegen die Stadt Berlin und einige Unternehmungen der organisierten Arbeiter. schast geknüpft worden, die der..Vorwärts" schon gebührend ge- kennzeichnet hat. Selbstverständlich wird die Stadt Berlin auch dicsein Angebot die erforderlich« Aufmerksamkeit schenken. Da das definitive Angebot erst am 7. September, das heißt v o r g e st e r n eingereicht worden ist, dürften die Behauptungen mühig sein, daß die Stadt Berlin das Projekt schon abgelehnt habe. Und wieder der Alkohol! Das Schicksal eines QuartalStrinkers. Das Geschick,«in Quartalstrinker zu sein, hat dem Ober- regieningssekretär a. D. Wilhelm A. viel Unheil gebracht, und ihn jihließlich wegen Untreue und Unterschlagung vor das Große Schöffengericht Berlin-Schöneberg geführt. Seiner üblen Gewohnheit will der Angeklagte schon frühzeitig dadurch anheimgefallen sein, daß er sich auf der Schule bei dem Einjährigenkommers und später bei dem Abiturientenkommers sinn- los betrank. Da der Angeklagte im Rausch tolle Streich« beging, wurde er von der Technischen Hochschule relegiert und mußte sein Studium ausgeben. Als er nach dem Verlassen der Universität von feinem Vater keinen Unterhalt mehr bekam, mußte er sich«ine Stellung suchen. Es glückte ihm, beim Statistischen Reichsamt unterzukommen und sich dort bis zum Oberregierungssekretär durch- zuarbeiten. Aber in Abständen von etwa vier Monaten unternahm er regelmäßig Kneiptouren, die sich stets über eine Woche aus- dehnten. Daher mußte er schließlich den Dien st quittieren. Wieder hatte er jeßt das Glück, die Verwaltung von zwölf Häusern zw erhalten. Da packte ihn emes Tages, als er etwa 5000 Mark Miete einkassiert hatte, abermals der A l k o h o l t« u s c l. Er machte eiile Kneiptour, in deren Verlauf ihm die ganze Summe g e st o h l« n wurde. Dieser Berlust, den er in der Furcht, die Häl-serverwaltung zu verlieren, nicht zugeben wollte, war dann die Veranlassung, daß er sich ständig betrank. Wenn er nüchtern war, kassierte er neue Mietsgelder, insgesamt etwa 25 000 M. ein. Sinn- los wurde dieses Geld bis auf den letzten Pfennig von ihm ver- geudet. Manchmal kam �r Ii Tag« nicht nach Hause, und wieder- holt mußte ibn seine Frau aus dem Asyl für Obdachlose abholen oder ihn buchstäblich aus dem Rinnstein auflesen. Schließlich wurde der Angeklagte verhaftet, als er gerade ein Zimmer in einem Ab- sieigequartier gemietet halte, um sich dort nüt Verona! zu ver- giften. Auf dem Polizeipräsidium gelang es ihm, in einem unbewachten Augenblick Vcronaltabletten zu verschlucken, und mit schweren Vergiftungsers.Heinungen wurde er in die Charite ein- geliefert. Als er dann nur wegen zweier Unterfchlagungsfälle an- oeklaot wurde belastete er sich vor Gericht selbst schwer, indem er sich noch weiterer zehn Fälle bezichtigte. Dieses ganz« Verhalten gab Rechtsauwoll Dr. Sidney Mendel Veranlassung, den An- aeklagten auf leinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der GefSnquisarzt Dr. Hirsch begutachtet auch, daß es sich bei dem Angeklagten um einen manischen Trinker und willens- schwache» Menschen bandele, bei dem Geisteskrankheit im Sinn« des 8 51 vorliege. Der Angeklagte, der gar nicht zu Straf- tnren neige, sie später bi'ter bereue und durch Abzahlungen gut- zumachen suche, hat.' im Dämmerzustände gehandelt. Auf Grund dieses Gutachtens erkonnte das Gericht auf Freisprechung. Der seltsame Todessall in Alt-Moabit. Ju dein seltsamen Todessall in Alt-Moabit'erfahren wir, daß die Ennittlungen der Mordkommission bisher keinen Anhaltspunkt iür«in Verbrechen � eroeben häbew Di« Barschasr des süngen Bennewitz, seineigoldene Uhr undi ander.« Wertsachen find vollzähUg norhandeu, geraubt ist also auch nichts- Durch telephonische An- frage hat man von dem Bater des Toten erfahren, daß sein Sohn früher einmal beim Turnen einen Unfall erlitt, bei dem die Schulter ausgekugelt wurde. Seit dieser Zeit pflegte der junge Mann allabendlich die Bai�bagen an Arm und Hand zu befestigen. da er einen ziemlich unruhigen Schlaf hatte und befürchtete, durch eine unbewußte Bewegung die gefährdete Schulter von neuem zu verletzen. Bennewitz, der, wie bereits gemeldet, sich der Konsulats- karriere zuwenden wollte, hatte sich schon von einem Arzt unter- suchen lassen und dieser hatte ihm bestätigt, daß er tropendienstfähig sei. lieber die eigentliche Todesursache wird wohl erst die Obduktion Klarheit bringen. Falsches Mordgerncht. Das Gerücht von einem neuen Kapitalverbrechen war gestern nachmittag in Schildhorn verbreitet. Bon einem Fahr- zeug aus wurde im Wasser treibend die Leiche einer Frau gesichtet. Der Wellenschlag hatte den Kleiderrock der Frau über den Kopf qe- spiilt und daraus entstand das' Gerücht, daß die Leiche in einem schwarzen Sacke stecke. Sobald aber die Leiche geborgen war. ergaben die Feststellungen der Kriminalpolizei, daß k e i n e r l c i S p u r e n äußerer Gewalt an dem Körper.zu finden waren. Die Tot--, die schon längere Zeit im Wasser gelegen haben mag. hat ohne .bweisel ihrem Leben selbst ein End« gemocht. Die Leiche wurde nach dem Charlottenburger Schauhause gebracht. Die Unbekannte ist etwa 35— 55 Jahre alt, 1,63 Meter groß, hat graumeliertes Haar, ein kiinstlichss Gebiß mit einem goldgefaßten oberen Schneidezahn zwei Operationsnarben am Bauch und trug einen hellen Gabardine- inantel, einen blauen Faltenrock mit Leibchen, einen rot und schwarz gemusterten Jumper, einen Barchentunterrock, weiße Beinkleider lind ein Hemd,' das den weißen Buchstaben C. und den roten S zeigt. In der Kleidertaschc fand man eine Flasche init Baldrian- tropfen. Das Etikett trägt den Aufdruck„Kronen-Apotheke. Span- Vau und den geschriebenen Namen„Frau Wusse" oder ähnlich. Pil�vergiftuug in Spandau. Nach dem Genuß von selvstgesuchten Pilzen erkrankte vor einigen -lagen die 3öjährigc Frau Frieda Gnors aus dsr Jagowstroß« 16 zu E p a n d a u und deren siebenjährige Tochter Erika unter B e r- giftungserscheinungen. Ein hinzugezogener Arzt stellte eine Pilzvergiftung fest und ordnete die sofortige Uebersüh- rnng in das Spandauer Krankenhaus an. Bei dem Kinde war arztliche Hilfe bereits vergebens, es st a r b in der Nacht vom Mitwoch zum Donnerstag. Die M u t t e r liegt ebenfalls sehr schwer danieder, doch besteht Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen hotte lirau G. bei einem Spaziergang durch den SpandauerStadt- forst Giftpilze gesunden, die sie für eßbar hiett, und zum Mittagessen zubereitete. Die Leiche des Mädchens wurde polizeilich beschlagnahmt.— Dieser Todesfall sollte alle Pilzsucher zu größter Vorsicht gemahnen. „Echte Naturbutter." Eine empfindliche Strafe verhängt« das Amtsgericht Berlin- Mitte über einen Händler Willy T. Dieser suchte in der Maske eines biederen Sachsen besonders in Charlottenburg in der Gegend des Wilhelmplatzes und Spandauer Berges Konditoreien, Gastwirt- schaften und Privatleute auf und bot ihnen zu einem verhältnismäßig billigen Preise Butter an, die er in seinem Rucksack mit sich führte und als vorzügliche reine Natorbutter anpries. Hinterher stellt« sich Immer heraus, daß seine Butter mindestens zur Hälfte mit Margarine gemischt war. Kriminalbeamte der Nahrungsmittelpolizei stellten den Händler endlich in einer Wohnung und beschlagnahmten seine Ware, die wieder grob gefälscht war. T. wollt« auch vor Gericht nicht der Fälscher sein, behauptet« vielmehr, daß er seine Ware von einem Unbekannten gutgläubig getaust Hab«. Cr wurde jedoch vollständig überführt. Mit Rücksicht darauf, daß er wegen de» gleichen Vergehens schon vorbestraft ist, beantragte der Staatsanwalt g Monate Gefängnis, das Gericht erkannte auf 6 Monate wegen RaHrungsmittelversälschung und Betruges. Gerüfteinfturz im Kraftwerk Moabit. Drei Arbeiter verletzt.. Im Kraftwerk Moablk, am Fnedrich-Srause-Uscr 10/13, ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Gerüsteinsturz, bei dem ein Arbeiter schwere, zwei wettere leichte Derlchungen davontrugen. In einem der großen Schornsteine des Kraftwerkes werden gegenwärtig Reparaturarbeiten ausgeführt, wozu im Innern ein großes Stangengerüst errichtet wurde. Aus bisher noch unge- klärter Ursache stürzte das Gerüst plötzlich zusammen und riß drei Maurer mit in die Ties«. Während sich zwei von ihnen, die l e i ch t e Verletzungen erlitten hatten, aus dem zusammengestürzten Gerüst selbst befreien konnten, wurde der Maurer Paul Rath ei aus der Pücklerstraße so unglücklich eingequetscht, daß die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Nach längeren Bemühungen gelang es, den Verunglückten aus seiner qualvollen Lage zu be- freien. Er wurde in das Moabiter Krankenhaus gebracht, wo von den Aerzten innere Verletzungen und Knochen- b r ii ch e festgestellt wurden. Zum Glück besteht keine Lebens- gefahr. Die beiden Leichtverletzten erhielten von Feuerwehrsama- ritern die erste Hilse._ �Sozialdemokratischer Großverdiener." Was die„Rotc Fahne" zusammcndichtct! Vom Kreisvorstand der SPD. Wilmersdorf wird uns folgen- ges geschrieben: Unser Parteigenosse Stadtrat E m m e l hat zum 1. April 1027 sein Restaurant„Eruncwald-Kasino" neu vermietet. Die„Rote Fahne" brachte nun am 23. August 1027 einen Ar- tikel, betitelt„S o z i a l d e in o k r a t i s ch e r G r o ß v e r d i e n e r", der von verleumderischen Anwürfen gegen Emmel strotzte Eine vom Kreisoorstand eingesetzte Kommission hat auf Grund der von Emmel zur Zierfügung gestellten Urkunlen und sonstigen Unter- lagen den Sachverhalt geprüft und festgestellt, daß an den Vor- würfen kein wahres Wort ist. So war behauptet worden, daß Emmel den Mietpreis für sein Restaurant wucherisch von 6000 auf 18 000 Mark gesteigert habe. In Wirklichkeit beträgt der jetzige erzielte Mietpreis weniger als der von dem früheren Pächter gezahlie Preis. Unwahr ist serner, daß Emme! sür Privatzwecke städtische Arbeiter benutzt habe: wahr ist vielmehr, daß alle in Frage kommenden Leistungen ordnungsgemäß in Anspruch ge- nammen und ebenso von Emmel tarifmäßig bezahlt worden sind. Ein Klavier hat sich Emmel niemals von der Stadt oder von städti- scheu Arbeitern transportieren lassen. In der„Roten Fahne" wurde Genossen Emmel weiter Steuerdrückebergerei vorge- warfen. Die Untersuchung hat jetzt ergeben, daß Genösse Emmel seinen Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt vereinbarungs- gemäß nachgekommen ist. Unwahr ist ferner, daß Genosse Emmel lügenhcfterweise gegenüber dem Finanzamt behauptet habe, er hätte Reparaturen am Fußboden vornehmen lasse». Solche Re- paraturen sind tatsächlich erfolgt. Die Untersuchung hat somit die Berechtigung irgendeines Vorwurfs gegen Genosien Emmel nicht festzustellen vermocht._ Das Schicksal üer Gzeanflieger. Keine Nachricht von„Sir John<5arling". New Jork. 8. September. Das Schicksal der„O l d G l o r y" ist immer noch im Dunkeln. In Fachkreisen der Lustschissahrt behält man auch jetzt noch die schwache Möglichkeit.M.AyH«. haß.dys Mitzzeug-npr einen Unfall von geringerer Äedcufiing' gehabt'hat.und jetzt'feinei: Flug nach Rom'mit-g'ebrauchviuifAyigem Funtapparat fortsetzt. Von dem Flugzeug„Sir John C a r l i n g". das sich zurzeit unterwegs befindet, keinen Funkapparat an Bord hat»nd gegen- wärtig eine Regen- und Nebelzane zu durchfliegen hat, liegen keine neue Nochrichten vor, jedoch hegt man in dieser Hinsicht keine besonderen Besürchtungen. ... Sie ihnen öen weg zeigten! New Zork, 8. September. Einer der- letzten, von der„O l d G l o r y" aufgegebenen Funk- sprüche teilte mit, daß sie einen Kranz ins Meer geworfen haben mit der, angesichts des Verschwindens der„Old Glory" zu tragischer Be- deutung gelangten Widmung:„Bertaud, Hill und Payne ihren Kameraden Rungesser und Coli, die ihnen den Weg zeigten" London, 8. September. In London herrscht starke Besorgnis über das Schicksal des Flugzeugs„Sir John C a r l i n g". Auf dem Flugplatz Croydon wartet heute eine große Menschenmenge vergeblich aus die An- kuost des Flugzeugs._ 230 Personen ertrunken. Tokio, 8? September. Bei Kaishu in der Provinz Hokaido sind am Dienstag durch das Kentern eines Fährbootes 230 Personen ertrunken. Nur 6 Personen konnten gerettet werden. Bisher sind erst 29 Leichen geborgen. Bereits im vorigen Jahre veranstaltete die Berliner Funkstunde Darbietungen, die allein von dem Stoss und nicht von der künstle- rischen Form ausgingen, z. B. Kirmes in Wort und Musik. Man dors diese Veranstaltungen nicht allein nach ästhetischen Grundsätzen bewerten, sondern man muß hauptsächlich daraus sehen, daß sie ein umfassendes Bild des behandelten Gegenstandes geben. An sich sind diese Abende durchaus anzuerkennen, da die meisten Hörer mehr durch den Stoff ats durch die Form interessiert werden. Und es ist anzunehmen, daß diese Abende auf Interesse und Entgegen- kommen stoßen.„Hochzeit in Wort und Musik" bringt cbensalls künstlerisch Ungleichwertiges. Aber das Bemühen der Veranstalter ist nicht zu verkennen, hier universell zu sein und zu zeigen, wie sich in allen möglichen Zeiten und bei allen möglichen Völkern die Hoch. zeit in Wort und Ton darstellt. Das Programm reicht von Claudius bis Wedekind und von Homer bis zur chinesischen Schi-King. Grete Jacobsen spricht die Dichtungen mit merkwürdig müdem Tonfall. Ausgezeichnet ist Becces Kammerorchester, aber das Lustspiel„Zum Einsiedler", beliebt bei Dilettantenaufführungen, ist sür moderne Begriffe doch zu harmlos. Schade, daß der interessante Vortrag des Abends:„Film und Buch" von Karin Michaelis ausfällt. An ihrer Stelle spricht Dr. Kurt H e n t s ch e l über die Internationale Pressekonferenz in Genf. Cr gibt nichts weiter als ein klar umrisse- nes Referat über die Stellungnahme der einzelnen Länder zu der Frage des Schutzes von Machrichten. Hentschel saßt zusammen, was bereits in den Zeitungen abgehandelt worden ist. Aber sicherlich wird dieser Dortrag mehr gehört worden sein, als die Artikel gelesen. Ministerialrat Fuchs schildert, ausgehend von der Heihdampf- lokomotive, die neuen Lokomotiokonstruktion�n mit Dieselmotoren und Zahnradgetrieben, eine Konstruktion, die bis 1200 LS ent- wickelt. Leider wird ein Teil der Brennstoffersparnis durch die Höhe der Anschaffungstosten und die dadurch bedingte hohe Amorti- sationsrate wieder wettgemacht. F. S. Sport. Internakionales Ringerturnier im Sportpalast. Der M'tiiroch brachte mit der Fortschreitung des Wettstreits wieder ausaczeickuieten Sport. Begeisterung. Erbittenmg und schnelle Resultate zeichnen die Kämpse durchweg aus. Sollte diese Strähne bis zum Ende mit durchhalten, dann ikt cs dieser ersten Olympiade der ZUnger gelungen, den Samen in frnchtbare Erde zu legen.- Dem routinierten Hollander van Ried»and der an Kraft gleiche Dortmunder Mayerhan, acaeiiiiber. Dieser siel in der 17. Minute einem schnellen Selbstsaller des Holländers zum Opscr. Mit seinem gefährlichen Doppelnelson lebt« der starke Tscheche Prochaska nach 6 Min. iiber den �Weftsalen R a b e r seinen Sieneszua fort. Der neu eingetretene Pole s z t e k l e r erranz über den Memelländer B i e r b o I z einen sehr schnellen Sieg. Letzterer kalte wohl aut ein so schnelles End- nicht gerechnet, s-bon na» einer Minute rsfi ihn der Pole mit Untergriff von hinten und lolgender Muhle zu Bode». Bei den Mittelgewichtlern errang der Franzose F a v e r e einen weiteren Ersolg. indem er dem Bayer V o g t m a n n mit Untergriff von der Seite nach 7 Minuten crleate. Der Schweizer 0». Grün eisen traf aiis den schweren und an Stärke überlegenen Hamburger Schulz und glich dieses Manko mit seiner«rechen Technik und ungeheuren Gewandtbeit vollends aus. Leider muffte dieser lchöne, offen-jtzamps n-'l9. Werbung.- Seaeselber-Biertel: Schul» Danziaer Str. 23. Arbeitogemeinschast:„Jugend und Eozialismu».— Weifte»- (ec: Heim Parkstr. 36. Außerordentliche Seneealversammluna.— Balten- platz! Heim Tilsiter Str. 4,5..Alt-Berliner Humor.'— Fraalinrter«iertel: Öeim Rigoer Sir. 103.„Unsere Iugendinternationale."— Stralaacr Viertel- Heim Eosilerstr. 61.„Einführung in die Musik.'— Kar! chaner Vieetel: HrUn Litauer Str. 18.„Religion oder llonkeffion?'— ttottbuffee Toe: Heim Reichen. derger Str. 66.„Kieler Parteitag'— Eharlottenbneg: Heim Rosinensie. 4. „Worum sind wir im Reichsausichuß der deutschen Iugendveebände?— Halensee: Schule Ioach:m-Friedeich»Sir. 35/36. Zehn-Minuten. Referate�—, Britz: Rathaus, Chauffeestr. 48.„Der W WW-------..1 Faltenberg: Heim An: Falkenberg 117. Fahrtenbericht und Lichtbrlderoortraz. — Daumschulenroeg: Heim Ernsistr. 16.„Wie stellen wir WW»�WW>»W»>_____. uns zur Freikiirper. knitue?' Neukölln IV, V und VI: Hebung zur Echulentlaffenenfeler im Heim ZlogatsNasie. Erscheinen aller Genosse»' ist Pflicht.— Treptow: Heim Elsenstr. 3.„Sozialistische Erziehungssragen"(Reichsschulgesetzentwurf).— Tegel: Hein: Bahnhosstr. 15.„Reidisausschuß deutscher Iugendveebände.'-4 Lichtenderg.Mitte,-Nord«nd-West: Uebungsabend pitnktlich 20 Uhr.—- Riedeelchönhansen: Schule Blankenburger Str. 70.„Unsere Werbearbeit."-4 Paalow-Rord: Heim Görschstr. 14. Drchteradend., * Werbebezirt Reulöln: Die für heute, Freitag, angesetzte Wanderleiter- sitzuna findet nicht statt, dafür aber am Montag, 12. September, pünktlich 20 Uhr, im Heim Rogatstr. öS. Jede Gruppe muß vertreten sein. Fraatsurter Biertel: Filmobend morgen, Eonnabend, in der Schulaula ~ �------ simiede der Beginn 10 Uhr. Eintritt 40 Pf. Werbebezirt Lichtenberg: Treffpunkt zum Wochenendkursu» in Nauen morgen. Sonnadend. im Uhr lAdfahrt----»■—----_...- 19-% Uhr(Abfahrt 19,55 Uhr). Peterodnraer Str. 4. Es werden voraefühet:.Aus der SPD',„D-r stieler Parteilag",„Die Maifeier in Berlin, Prag, 4 zum Uhr), Etralau-Rummelsburg. Nachzügler Werbedezirk Prenzlauer Berg: Montag, 12. September, wichtige ''- Schule Greifenhagener Str. 5Z,~ konferenz in der Schule Greifenhagener Str. 58. Außer den Borfttzenden müssen die Iugendbeiräie, Bildungs-, Fest, und Derbeausfchußmitglieder er. scheinen._ wellerberichk der öffenklichen lv,lkerdl«nstst«lle für Berlin nnd lln (Nachdr. verb.) Kühl und vorwiegend bewölkt, später mit einzelnen �egen. sällen, frische Winde au» westlicher Richtung.— Zür veuffchlaud: Ueberall iübl, auch im Osten. In der westlichen Hälfte des Reiches und in Süd- deutschtand zeitweise Regensälle. Bftseiiiha9er«tr.3,«on>uif EaUxtucs 03, eck« X.le»eastR Haupl5tr.l0, Ed« vvcverosln BradtemtaMettiBcKe Rimeeais Herlins wasjerverforgung. Das Werk am Müggelsee. Im heißen Sommer 1925 gob es in Berlin ein« Reihe von Bezirken, die infolge des Versogens der privaten Charlottenburger Wasserwerke unter Wassermangel ernstlich zu leiden hatten. In Zukunft dürfte das große Berlin keine Wassernot mehr erleben, zumal die städtischen Werke sich immer mehr vergrößern und somit ihre Leistungsfähigkeit heben. Ein kleines Beispiel: Di« städtischen Berliner Wasserwerke versorgen augenblicklich 3,1 Millionen Ein- wohner mit Wasser, während die privaten Charlottenburger Work« rür 900 000 Menschen zu sorgen haben. Nach Uebernahme d«s Stegli�er Werkes in städtische Obhut wird sich jedoch diese Zahl um abermals 300 000 verringern, so daß die Charlottenburger Werke nur noch für 600 000 und die Berliner Werke für 3,4 Millionen Ein- wohner Wasser zu pumpen haben. Wasserwirtschaft im neuen Serlin. Bei der Bildung von Groß-Beriin ergab sich die Notwendig- keit, die von den einzelnen Gemeinden betriebenen Wasserwerks- anlagen miteinander in Verbindung zu bringen und ihren Betrieb zu oereinheitlichen. Gleichzeitig mußten die in den alten Werken unter dem Einfluß des Krieges und der Nachkriegszeit«ingetretenen Mängel beseitigt worden. Bei einem großen Teil der Werke war di« für sie vorgesehene Ergiebigkeit nicht mehr vorhanden, die Detriebsanlagen waren alt und unwirtschaftlich. Ueberdies machte auch der wachsende Wasserverbrauch und die Notwendigkeit, bisher unversorgten Teilen von Groß-Borlin Wasser zuzusühren, Erwoite- rungen der Anlagen erforderlich. Dies« Arbeiten sind in den ver- ilossenen Iahren vorgenomm«n worden und jetzt zu einem gewissen Abschluß gelangt. Eine Reihe von Werken sind stillgelegt worden, weil ihr Betrieb unwirtschaftlich war und es möglich wurde, dem von ihnen versorgten Gebiet durch andere Werke Wasser zuzusühren. Einem gründlichen Umbau wurde die Betriebsanlage des Werkes Tegel unterworfen, dessen maschinelle Einrichtung teilweise schon 50 Jahr alt war. Ebenso sind in dem früheren Charlottenbur- oer Werk Iungfernheide und dem früheren Spondauer Werk in der Piomerstraße wesentliche Verbesserungen der vetriebsanlagen vor- genommen worden. Ein« Erhöhung der L«istungsftihigt«it dieser Werke Über die ursprünglich vorgesehenen Zahlen hinaus hat dort nicht stattgefunden. Die Leistungssähigkeit der gesamten städtischen Werke ist nach den Umbauten auf täglich 740 000 Kubikmeter gebracht worden. Nach Fertigstellung des Stolper Werkes erhöht sich die Leistung auf 810 000 Kubikmeter. Vorgleicht man hiermit den bisherigen stärksten Wasserverbrauch Berlins, der an einem Tage im Juli 1926 522 343 Kubikmeter betrug, so erscheint jede Furcht vor einem neuen Wass«>rmangel unbegründet. Im übrigen schwankt der tägliche Verbrauch zwischen 400 000 und 500 000 Kubikmeter. Das größte Wasserwerk öer Welt. Jtt_ Das größte werk, dos wir haben, ist das werk Müggelsee. Sein Filrerwerk ist, wie Direktor K ö h n von der Berliner Städtischen Wasserwerke A.-G. anläßlich einer Pressebesichtigung der Werk« Müggelsee und Kaulsdorf berichtete, mit der 75 000 Quadrat- meker großen überdeckten Filtersläche, das größte der Welt! Ueber- Haupt schafft dos Werk Müggelsee mit einer täglichen Leiftungssähig- keit von 370 000 Kubikmeter von allen Berliner Werken das meiste Wasser. Es war ursprünglich als Oberflächenwerk im Jahre 1893 in Betrieb gekommen. Doch schon in den Iahren 1904 bis 1909 wurde hi«r eine Umwandlung vorgenommen. Auf dem Forst- gelände, das dos Werk umgibt, wurden in Galerien von 8 Kilometer Ausdehnung 360 Brunnen hergestellt, aus denen fast dieselbe Grundwassermenge entnommen werden konnte, für die das ursprüng- liche Oberflächenwork bestimmt war. Die Oberslächensörderung ist jedoch ebenfalls beibehalt«» worden. Das geförderte Wasser wird einwandfrei geklärt. Das Müggelseewasser, das im übrigen nur als Reservedienst und nur bei starken Anforderungen mit in das Leitungsnetz gepumpt wird, soll s«hr gut sein. Der große See hat ein« Tief« von drei bis vie, Meter, die nur an einzelnen Stellen auf acht Meter anwächst. Die Sonne kann daher das Wasser gut „durchdringen" und reinigen. Die Enleisimg, die in den Riesel- Häusern vor sich geht, ist die erste Etappe des geförderten Wassers nach Verlassen der Schöpfanlagen. Das Wasser tropft sast unmerk- lich auf Packungen von Klinkersteinen, nimmt seinen Weg langsam und bedächtig durch ein« 60 Zentimeter starke Aeinsandsilterschlcht und gelangt dann nach dreimal 24 Stunden erst in den Relnwasser- behälter. Jetzt ist das Wasser frei von allen schädlichen Bestand- teilen und kann nun in das Rohrnetz gepumpt werben. Zur größeren Sicherheit ist aber außerdem noch die Behandlung des Seewassers mit Chlor zur Anwendung gekommen, die einmal die an und für sich schon gering« Keimzahl des Müggelseewassers ver- ringert und damit di« von den Filtern zu leistende Arbeit ermäßigt, dann auch di« Betriebsdauer jedes einzelnen Filters verlängert, so daß man heute mit einer wesentlich geringeren Kesamtfilterfläche auskommen kann. Die Grundwasserförderung ist in zwei Schöps- Häusern zusammengefaßt worden, deren Maschinen für Dampf von hoher Spannung und hoher Ueherhitzung umgebaut worden sind. Beide Häuser werden von einer in einem anderen Hause angeord- neten neuen Dampskesselanlage gespeist. Die Seewassersörderung erfolgt ausschließlich durch elektrische Maschinen, die in Anbauten an einem der Schöpshäuser untergebracht sind und die es gestatten, die- selbe Seewassormenge, die bei der Errichtung des Werkes für das Werk vorgesehen war, zu gewinnen. s- Wesentlich jünger als das Werk Müggelsee ist das Werk Kaulsdors. Es wurde von der Stadt Lichtenberg in den Iahren 1915 bis 1916 erbaut und fördert Grundwasser. Lieferte das Werk früher mit seinen acht Brunnen täglich 5000 Kubikmeter Wasser, so ist jetzt nach dem Umbau und der Aufstellung von weiteren zwölf Brunnen die Leistungsfähigkeit aus 15 000 kubik- meter erhöht worden. Das hier gewonnene Wasser ist, da es sich um Grundwasser handelt, hygienisch einwandfrei.' Sind es im Werk Müggelsee offene Filteranlagen, die die Enteisung vornehmen, so arbeiten hier geschlossene Filterkessel mit Lustzusatz. Den Kohlensäuregeholt,. der beim Grundwasser vorgefunden wird, ent- zieht man durch Behandlung mit Kolk. fim den Bezirken. 5. Bezirk— Zriedrichshain. Die erste Sitzung der Bezirksversammlung Friedrichshain endete wieder mit Tumult. Zur Beratung stand zunächst eine Vor- lag« zur Beschlußfassung: Bewilligung von 3800 M. zur Ausgestaltung der Volksbüchereien des Bezirks. Bezirksverordneter R e i n e l t(Komm.) nahm ausführlich zu den Revisionen der Büchereien amd Lesehallen Stellung. In vielen Fällen sind die vorhandenen Werke total veraltet. Eine Ergänzung ist dringend notwendig. Bezirksverordneter Trettin(Dual.) suchte die überall auf Beschluß der Bildungsdeputation entfernte Kriegs- und Hohenzollern-Literawr als„geschichtlich wertvoll" hin- zustellen. Stadtrat Genosse G« n s ch wies auf den einstimmigen Beschluß der Deputation hin, wonach Kriegsliteratur und Hohenzollernverherrlichungen zu beseitigen waren. Die Ergänzung der Büchereien durch neuzeitlichen Lesestoff ist unbedinat erforderlich. Genosse M i e t h i n g unterstützte die Vorlage des Bezirksamts und verwies darauf, daß in der Kinder- lesehalle Georgenkirchstraße die Hälfte der Bücher sich mit dem Krteg und den„Werken" der Hohenzollerndynastie beschäftigte. Das war ein unhaftbaver Zustand. Die Vorlage wurde dann gegen dieStimmen der Deutschnationolen angenommen. Ein Antrag unserer Fnrftion verlangte die Aushebung eini- ger kleiner Straßenteile in Stralau, um Raum für den Ausbau des Schulgartens zu einem Muster. garten zu gewinn«». Genosse P o h l i n g begründete den An- trag, der einstimmig anoenommen wurde. Einen Dringlichkeits- «ntrag der Deutschnationalen gegen die„Belästigung" der An- mohner am Stralouer Platz durch den Barackenbau des Ar- b e i t s a m t s begründete Bezirksverordneter I a c o b y. Er mußte nach langen Auslassungen über die„Verschondelung" des Stralauer Platzes di« Zwangslage des Bezirksanits an er- kennen. Genosse Stadtrat Brückner betont« in seiner Anl- wort auf verschiedene Verdrehungen des deutschnationalen Redners, daß alle Versuche zur Erlangung geeigneter Räumlichkeiten g e. ich«itert seien. Es müsse aber eigentümlich l�rühren, daß immer bei der Einrichtung von Asylen, bei der Errichtung von Ar- beitsnachweisen und dergleichen von den Anliegern besonders schroff gegen diese Hilfe für die Aermsten der Armen vorgegangen würde. Da der Redner der Deutschnationalen gegen die Bauarbeiten in der Warschauer und Petersburger Straße und auf dem Alexanderplatz kein Wort gesunden habe, müsse man auch hier annehmen, daß die Gegenaktionen nur erfolgten, weil es sich um Arbeitslose handelt, denen geholfen werden olle Wegen des unerhörten Tumultes, den die Deutschnatio- naten unter Führung des Lyzealdi r«ktors.Z«mks veranstalteten, mußte die Versammlung vorzeitig geschlossen werden. IS. Bezirk— Treptow. Die Bezirksoersammlung nahm zunächst davon Kenntnis, daß di« Genossin Bunbemann ihr Mandat infolge Krankheit nieder- gelegt hat und daß von der ehemals acht Mitglieder zählenden „kommunistischen Fraktion" wieder ein Mitglied ausgetreten ist, so daß sie jetzt nur noch fünf Mitglieder zählt. Aus der Verfomm- lung heraus wurde dem verbleibenden Rest der KPD. die Frag« vorgelegt, welche der Fraktionen der Kommunisten denn nun die offizielle sei, da die Kommunisten sich scheinbar jetzt in drei Frak- tionen gliedern. Dem Bebauungsplan für das in Bcrlin-Iohannis- thal betegene Gelände zwischen der Görlitzer Eisenbahn und der Flugplatzstraße stimnite die Versammlung zu. Bekanntlich soll auch ein Teil der von, Magistrat Berlin geplanten 8000 Wohnungen i» Treptow hergestellt werden. Hierzu war notwendig, für das diesbezügliche Gelände einen neue» Bebauungsplan aufzustellen. Genosse N e u m a n n erklärt« hierzu di« Zustimmung der Fraktion und verlangte, daß unter allen Umständen den stets von uns ver- tretene» berechtigten Ansprüchen der Laubenkolonisten Rechnung getragen werden muß. Di« Versammlung erklärt« sich mit der Vorlage und der Anregung unserer Genossen«inverstonden. Der Fluchtlinienplan für die Grünauer Straße in Niedcrschöneweidc wurde neu festgestellt. Die Versammlung war damit einverstanden. beim Mogistrot Berlin die Errichtung c i n« s G a st h a u s e s auf den Terrassen im Volkspork Wuhlhsid« zu be- antragen. Dem Erwerb eines Teiles des Grundstückes Adler- gestell l9 in Adlershof zum Zwecke späterer Verbreiterung dieses Straßenzuges stimmte die Versammlung zu. vchlteßlich fand noch ein Fluchtlinienplon und«in Bebauungsplan iür den Treptower Ortsteil seine Zustimmung. Die Kommunisten hatten einen Autrag eingebracht, der sich mst dem Schul streik der„weltlich«« Schule" in Oberschöneweide beschäftigt. Nachdem von der Ver- sammlung ein Antrag der KPD. abgelehnt war. die Eltern der „Weltlichen Schule" ohne Karten zur Tribüne zu lassen, versuchte ein KPD.-Redner weniger mit Geistes- als mit Lungentraft nach- zuweisen, wie„notwendig" der Streik sei Genosse Stadtrat Mermuth schilderte ausführlich di« Zweckmäßigkell der Ver- legung dieser Schule. Sicherlich ist das«igenartige Verhalten des Elternbeirates mit daran schuld, daß die Schülerzahl dieser Schul« von Jahr zu Jahr abnimmt. Die ehemals über 500 zählend« Schülerschar ist heute auf 187 zurückgegangen. Die Ausführungen des Redners fanden, da sie getragen waren von großer Ueberzeugungskraft und Liebe zu den Kindern, die lebhafte Zustimmung des überaus großen Teiles der Anwesenden. Genosse Becher schilderte nochmals als Mitglied der Schuldeputation di« ganzen Vorgänge und wies nach, daß der Schulstreik unter dem Zeichen kommunistischer Wühlarbeit steh«. In Wirk- lichkeit käme es den Kommunisten nicht darauf an, die„Weltlich« Schule" zu erlialten, sondern ihr eifrigstes Bestreben ist, gemäß Parole von Moskau, die Schule zu zerschlagen, um dann i n d e n Konfessionsschulen die kommunistische Zellen- arbeit zu beginnen. Von dem kommunistischen Vorsitzenden des Elternbeirates, der auch Mitglied der Bezirksoersammlung ist, wurde dies in einer ösfentlichen Elternversammlung unumwunden zugegeben. Ein kommunistischer Redner glaubte, den, Genossen Mermuth eine Vorlesung über die Begriffe Proletariat und Werktätige halten zu müssen.(!) Genosse Mermuth gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß«in kommunistischer Intellektueller derartigen Unsinn zu verzapfen vermag. Ein Vertreter der Demo- kraten erklärt« die Billigung seiner Fraktion zu den Handlungen des Bezirksamtes und führte unter Zustimmung des größten Teiles der Versammlung aus, daß die Bevölkerung des Bezirk«? Treptow gerade dem Genossen Mermuth Dank und Anerkennung zolle für die Umsicht und die Liebe, mit der er di« Schulangelegen- hsiten des Bezirkes meistere. Bürgermeister Genosse G r u n o w forderte die Eltern aus, nunmehr unverzüglich ihre Kinder wieder zum Unterricht zu schicken Die Versammlung lehnte die kom- munistisch«!, Anträge gegen die Stimmen der Antragsteller ab. Schulskreit in Oberschöneweide. Freitag, den 9. September, 20 Uhr, findet im Lokal von Imberg, Wilhelminenhosstr. 34, die Elternversammlung der weltlichen Schule statt. Alle Eltern müssen wegen der wichtigen Tagesordnung pünktlich erscheinen. Das Llenü öer Riefellanöpächter. Wie die Grostpächtcr es sehen. Zu unserem Artikel im„Vorwärts" Nr. 390 vom 19. August (Stadtbeilage), der die Bewirtschaftung der Berliner Rieselgüter und die drückende Abhängigkeit der kleinen Unter- Pächter von den Gr oß Pächtern schilderte, geht uns eine Erwiderung zu. Die in den, Artikel genannten Großpächter Lang- n e r- Osdorf und Schade- Sputendorf bemühen sich, uns zu über- zeugen, daß es ihnen selber nicht gut und den Unterpächtern nicht schlecht geht. Was die Zuschrift an tatsächlichen Slngaben bringt, ist nicht viel. Herr Langncr hat in Osdorf nicht 5200 Morgen, sondern 6700 Mar- gen gepachtet, wovon 3600 Morgen weitcrverpachtet sind. Als Pacht zähst er pro Morgen nicht 1,25— 1,50 Zentner Roggen im Jahr, sondern 1,80 Zentner, auch für Gräben, Wege, Hvsstcllen und Un- land im Umfang von 12 Proz. der Gesamtfläche, mithin pro Morgen nutzbarer Fläche Naturland und Rieselland rund 2 Zentner. Dazu kommen Lasten und Abgaben, Unterhaltung und Versicherung von Gebäuden, Räumung und Unterhaltung von Gräben, Beriefe- lungskosten, Wegeunterhaltung, Verwoltungskosten, im ganzen noch 38,40 M. pro Morgen nutzbarer Fläche. Hiernach berechnet Herr Langner sich die Selbstkosten aus 61 M. pro Morgen nutzbarer Fläche, so daß— sagt er—„bei den geringeren Böden der von de» Unterpächtcrn bezahlte'Pachtzins nicht einmal die durchschnitt- tichen. Selbsttosten deckr". Herr Schade zahlt in Sputendorf nicht 1,50 Zentner, sondern 1,70 Zsntirer reinen Pachtzins, auch für Unland usw., dazu treten dieselben Steuern, Lasten usw. wie bei Osdorf. Alle Unkosten berechnet er aus 59 M. pro Morgen, und auch er sagt, daß bei geringeren Böden der Unterpachtzins„nicht entfernt die Selbstkosten deckt". In dieser Ausstellung vermissen wir mancherlei. Der Großpächter nutzt ja auch Hosstellen. Gebäude, Gräben, Wege. Die Weidcnpflanzungen an den Gräben, das von Schafherden abgeweidete Gras der Wege, die Erträge der Obstalleen bringen ihm beträchtlichen Gewinn. Langner und Schade„berich- tigen" auch die in unserem Artikel geäußerte Meinung, daß d i e rechtliche Stellung des kleinen Untcrpächters in jeder Hinsicht unsicher sei. Schon seit Jahrzehnten seien einjährige Verträge üblich, die fast immer wieder verlängert würden. Jeder Pächter unterstehe der P ä ch t s ch u tz o r d n u n g und könne den Schutz des Pachteinignngsamtes anrufen. Abschrift der Vertröge werde in der RegA nicht verlangt, doch aus Ersotdern stets gegeben. Gewiß, das glauben wir den Großpächtern. daß ihnen die Lage der Unterpächtcr als rechtlich„g e f i 6) e r t" gilt. Anders denken darüber die Unterpächter, die in- folge ihrer rechtlich unsicheren Lage ihr Unterpachtland verloren haben. Die Zuschrift behauptet auch, daß aus dem anderweitig nicht unterzubringenden Riefelwosfer den Großpächtern ein noch viel größerer Schaden als den Unterpächtern entsteht, was mit Vertretern der Unterpachter selber festgestellt sei(z. B. für Langner 23 000 M., für seine Unterpächter zusammen 6000 M., für Schade 13000 M., für seine Unterpächter zusammen 4000 M). Wie wenn deshalb die Schädigung für die Unterpächter leichter zu tragen wäre! So sehen d i e G r o ß p ä ch t e r d e r R i e s e l g ü t e r d a g Elend der Kleinpächter. Beinah«-komisch wirkt in der Zuschrift der Satz:„Es ist unzutressend, daß die Kleinpächter ein trauriges Los genießen." Wissen das die Grnßpächter so genau? Warum tauschen sie dann nicht mit den Kleinpächtern? Da könnten sie bald merken, ob die Lage eines Kleinpächters so „rosig" ist, wie sie ihnen scheint. Die Esternversammlung der 30 Volksschule. Rüdersdorscr Straße 4/5, am 1. September, beschäftigte sich mit den Anqrissen. die von sogenannten„christlich-unpolitischen" Vertretern des Eltern» beirats und ihren Hintermännern in gehässiger Weis« gegen den Rektor d«r Schule, Genossen Zacharias, unternommen werden. Alle diese Machenschaften erweisen sich als Unwahrheiten, die den Zweck haben, unseren Genossen Zacharias zu verdächtigen und das Ansehen, das er sich durch sein Gerechtiateitsg«sühl und aufrichtiges Wesen bei den Eltern und der Lehrerschaft erworben hat, lierabzu- setzen. In einer Entschließung, hinter der Eltern und Lehrer stehen, wurden alle Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Ferner wurde nach«inem Vortrag über den„Reichsschulgesetzent- wurs" eine Entschließung angenommen, in der die völlige Ablehnung dieses Entwurfes zum Ausdruck gebracht wurde. Der Elternbeirat hatte Listen ausgelegt, in die sich die große Zahl der anwesenden Eltern eintrugen, um gegen den Reichsschulgesetzentw-urs zu pro- testieren. / tinfenbungcn für diele Sindrit find verli» SW««, Lisdevsrratz« Z. parteinachrichten für Groß-Serlin iiet» a» bat®«sirf»ftfr*tariat 2. Koj, 1 Step, recht»,|a richte» 5. Ätci» Tricdrlchrl,ai». Montag, 12. Csptombcr, 19 Uhr, in Schmidts Gc- sellschanshaus, Frnchtstr. Zlio. Kicisfunitionärvcrsommluilg. Vortrag:„Die intcrnat anale politische Lage" Resrrent Studienrot Erwin Marquardt. 1Z. Kreis Tempelhof. Heute, ssreitao, 9. September, 29 Uhr, Fraltionssitzung im Kommissionsschungszimmcr, Torfstr. 42 l. heuie. Freitag. 3. September: 1. Abt. Achtung! Di« fitr heute abend anberaumte ffunklionilrfihung findet umständehalber erst am Montag, 12. September, 19!h Uhr, bei Zschiefing, Ackerstr. 1. statt. Morgen. Sonnabend. l0. September: 21. Abt. 191h Uhr bei Kroll. Utrechter Str. 21, Funktionärsitzung. Achtung! Der Vorstand tagt bereits um 19 Uhr im gleichen Lokal. Niemand darf fehlen 2Z. Abt. 20 Uhr bei Baronski, Pastcurstr. 6, Sitzung aller Funktionäre mit den Elternbeiräten. 22. Abt. Filmabend der Sozialistischen Arbeiterjugend, Werbebezirk Osten, i» der Echulaula Petersburger Str. 4. Eintritt 40 Pf. Rege Beteiligung wird erwartet. ZS. Abt. Alle Mitglieder werden nochmals dringend gebeten, den von der SAZ. veranstaltete» Filmabend in der Schulaula Petersburger Str. 4 recht zahlreich zu besuchen. Eintrittskarten zu 40 Pf. sind noch an der k»sie zu haben. »4. Abt. 9ileukölln. 19>t Uhr bei Schröder, Steinmetzstr. S2, Funktionärsitzung. Alle Funktionäre haben pünktlich zu crfcheinen. Sonntag, 11. September: 7. Abt. Familienausflug nach Schulzendorf. Abfahrt 9,00 Uhr Stettiner Borortbahnhof, Richtung Velten. Kaffeckochen im Lokal Hubertus um 14 Uhr. Ziege Beteiligung wird erwartet. 121. Abt. Karlshorst. Besichtigung des Grogkraftwerks Klingenberg. Treff- Punkt g-h Uhr am Konsum in der Waldsicdlung. 129. Abt. Wcitzeasec. Am Sonnlag veranstalten wir einen Familienausflug »ach ssalkcnbcrg. Dortsclbst Volksfest der dortigen Abteilung. Abfahrt mit mehrere» Wagen um 14 Uhr von folgenden Stellen: Max Pohlmann, kanghansstr. 102: Otto Gallas, Lehderstr. 122: Grüner Baum, Berliner Allee 204. Eintrittspreis einschließlich Hin. und Rückfahrt und Tanz Sv Pf. Kinder frei. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Frauenveransialtungen. 17. Kreis Lichtenberg. Heute, Freitag, 9. September, 19>,h Uhr, in der Biblio- thek Weichfelstr. W wichtige Funktionärinnenkonfcrcnz. Niemand darf fehlen. Jungsozialisten. Zungsozialistische Bereinigung Sau Berlin-Brandenburg. Gau. konsercnz am Sonnabend, l7., und Sonntag, 19. September, in der Jugendherberge Boblitz bei Lübbenau im Spreewalb. Tagesordnung: Sonnabend: Begrüßungsfeier. Sonntag: 1...Partei und Iungsozia. listen." Referent Genosse Lepinski. 2. Bericht des Gauleiters. Z. Neu» wählen. Die Konscrenz wird am Sonntag in d'n Bormittagsstunden zu Ende geführt. Es bleibt noch Feit für eine Fahrt in den ipprcewald. -1-2.4 Groß. Berlin: Die Gruppenleiter werden gebeten, die Monatsprogramms für Oktober auf der Scsamtvcranstaltung am 12. September a» den Genoffen Züngelmann bestimmt abzugeben.— Gruppe Schöneberg: Heute, Freitag, 20 Uhr, im Jugendheim ümiptstr. 15 sHarzgauzimmer) politische Aussprache. Gruppe Webding.Gelnnbbrunnen: Heute. Fre-iaa, 20 Uhr, im Jugendheim Ledigcnbcinis am Brunncnplatz, Eingang Or.hstr. 10, Loden, Bortrag: Kreditpolitik." Leiter der Arbeitsgemeinschaft: Mark Mitnitzki. Die älteren Genossen der EAI> sind freundlichst eingeladen.— Gruppe Mitte: Heule Freitag. 20 Uhr, in der Schule Gipsstr. 23a Mitgliederversammlung. Erscheinen Ist Bfl'cht.— Gruppe Süden: Heute, Freitag, 20 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Ausspracheabend. Arbeiksgemeinschafk der üinderfreur.de. Wer vom Zeltlager pbotographische Ausnehmen gemacht hat, wird ge» beten, je«inen Abzug möglichst umgehend in der Geschäftsstelle abzuliefern. Bezirk Friedrich«lain. Gruppen Baltenplatz, Robert Blum und Franisurter Viertel: Sonntag, ll. September, 7 Uhr, Trcjfpunkt Baltenplatz. Kreis Mitte. Gruppe Karl Liebknecht: Sonntag, 11. September. Fabrt nach dem Peetzfce. Treifpunkt IVi UKr Schlesischcr Bahnhof. Fahgjeld 50 Pf. Kinder von Parteigenossen lind herzlichst eingeladen.— Sruppe Pappelplatz: Beteiligung am Sonntag. 11. September, an dem Ausflug der 7. Abteilung. Treffpunkt lZ Uhr am Pappelplatz. Fahrgeld 40 Pf. gebleodorf: Unsere Spielnachmittag- beginnen am Freitag. 9. September, von 1K bis 18 Uhr, in der Nordschule. vortrage, vereine unü Versammlungen. Tieichsbanner»Schwär,-Tioi-Gold". Deschäktsstelt«: Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38, Ho« 2 Zr- Gauvorstavd: Kameraden, die sich am Co., d.?()., und Sonntag. d. 11., am republikanischen Tag in Buckow beteiligen wollen, be» nutzen die Züge 17M bzw. 19,36 Uhr ab Aleranderplatz. Kür Sonntags» fahre? kommen die Züge 6.33 bzw. 8,01 Uhr in ssrage. Der Breis für Sonn. taasrücki'ahrkarten 4. Kl. bis Buckow über Stadtbahn beträgt 2,90 M. Ab Schles. Dhf. 2,70 M. Fahrt bis Dahmsdorf-Müncheberg. Tort umsteigen und weiterfahren nach Buckow.— Freitag, 9. September: Kreuzberg: Abt. 10: 20 Uhr bei Wendler, Dicfsenbachstr. 34. Mahledorf: 20 Uhr im Lokal von Anders, Bahnhofstraße, Mitgl.'Vcrs. Erscheinen aller Kameraden, auch der passiven, ist Pflicht.— Sonnabend, 10. September: Rosenthal: 20 Uhr Der- »«/ic wiLUKL üiiLyuiiyi: uuu 11)1.1:*i>ii i.uuy jut uu» lujaua iinci. Referent Kamerad Bolkmann. Eruppcnfiibrcr eine Stunde früher. Blanlen» selb«: Antreten 20 Uhr Bhf. Mahlow zum Fackelzug.— Sonntag, ll. September: Mitte: Autofahrt nach Buckow. Antreten K Uhr Neuer Markt. Prenz-' lauer Berg: Arbeitsdienst. Antreten 9 Uhr Bezirksamt. Krenzberg: An- treten 8 Uhr Bhf. Porckstrahr zur Rflichtfahrt mit Uebungsmarsch noch Blankenfelde. Fahrkarten<30 Pf.) bis Mahlow läsen. Lchöneberg.Friedenau: Achtung, Pflichtveranstaltung> 12 Uhr Antreten zur Fahrt nach Blankenfelde am Bhi. Ebersftraßc. Tempelhof: 13 Uhr Bhf. Mariendorf Treffpunkt für alle Kameraden, die nach Blankenfelde fahren wollen. Nenkölln-Britz: Bonnerweibc Blankenfelde. Antreten mit Tambourforps ll Uhr Potsdamer Ringbhf. Rege Beteiligung erwünscht. Für die l. Kameradschaft Pflichtoeranstaltung. Treptow: Sämtliche Kameradschaften Antreten 14 Uhr auf dem Marktplatz:n Bdicrshof zur Veranstaltung in Alt-Glienicke. Pflichtvcranstollung. Käme. radschaft Treptow 1312 Uhr am Bbf. Treptow zur Pflichtveranstaltung Adlers» Hof. Köpenick, Friedrichstagen, Bohnedorf, Grüna«: S— 12 Uhr Trefsen der aktiven Kameraden im Wilbelmshof. Blankenfelde: Sammelpunkt um 13 Uhr Bhf. Mahlow. Fahrtverbindung von Berlin Potsd. Ringbhf.ulenweg bi» schloß und 2 Minuten_________..._____.____ Ruderverein Borwärt» beginnt in einigen Tagen; c» werden neue Mitglieder zu den Kursen aufgenommen._ Sportfest in Zehlendorf. Da» Arbeiter-Sport, und Kulturkartell, 10. Berwaltungsbezirk(Zd_... begeht am Sonnabend, 10., und Sonntag, 11. September, zwei Werbeseft«. Sonnabend auf dem Gemeindespielplatz ssehlcnborf. Spandauer Straße. Fuß- Ehausseestraße, ad l3Zi Uhr leicht, rz. und Langstreckenläufe), werktätige Bevölkerung ist ZrßlrR-ävrs, auf dem Bezirissportplatz in Wannfee, Ehausseestraße, a athletisch« Wcttkämpfe(Dreikampf. Stafetten, Kurz, und Radrennen, Fußballspiele. Eintritt 50 Pf. Die werktäti herzlichst eingeladen.__ Mannschaftsrennen der Arbeiterradfahrer. Die vom Gau 9 de» ARB. Solidarität ausgeschriebenen Bahn- und Straßenrennen um die Gaumeisterschaft veranlaßtcn auch die Rennfahrer des Bezirls Berlin, ihr Können zu zeigen, und so wurde» in mehreren Rennen auf Bahn und Straße bereit» die Meister im Einzelfahren herausgefahrca. Dabei ist es kein Wunder, wenn die bekanntesten jahrer des Bundes nicht immer als Sieger hervorgingen, sondern neuen Krästrn den Bortritt lassen mußten, eine Tatsache, bi« aber auch gleich zeigt, daß zahlreiche dem Arbeiter. stand« angehörende Rennfahrer die bürgerlichen oder wilden Vereine meiden und ihren Rennsport bei den Arbciterradfahrcrn aufgenommen und verstanden haben zu siegen, Am Sonniag, ll. September, folgen nun die Mannschaftswettbewerbe auf der Strecke Wittenau— Hermsdorf—Birkenwerder— Oranienburg— Eaihsenhausen und zurück»ach Wittenau. Auf dieser Strecke wird die Meisterschaft im Sechser- Mannschaftsfahren ausgefahren. 6 Fahrer bilden hierbei eine Mannschaft, die geschlossen die Strecke zu durchfahren hat; der 4. Fahrer wird gewcrtet. Zu diesem Rennen haben 4 Mannschaften des Bezirk« Berlin gemeldet, darunter auch die 1., 6 und 8. Abteilung mit ihren kampferprobten Kräften.� � Bc sonders die Moabiter holen, od es gelingen wird.........„—-----------------..------- Auch die Stafettenmeisterschaft wird von 6 Fahrern bestritten; sie geht über 12 Kilometer, wovon jeder Fahrer 2 Kilometer zu erledigen hat. Dieses Rennen dürfte der 8. Abteilung nicht zu nehmen fein. Start und Ziel der Rennen ist in Wittenau, unmittelbar hinter der Bahnstation. Früh 7% Uhr. Auch mit der Straßenbahn 68 ist da» Ziel bequem zu erreichen. Der Sammel- ftart befindet sich in Wittenau, Lübarser Straße, bei Ederhardt, wo alle Fahrer und Helfer um 6 Uhr zur Stelle sind. Berbnnden find die Meisterschaften auch mit der Bezirksausfahrt der Ortsgruppe Berlin, die in Glienicke(Rord- bahn) bei Barth ihren Sammelpunkt hat. Auch dort werden Wettlämpfe im Radball und Radpolo stattfinden, außerdem auch eine Schnitzeljagd. Die Gau- meisterschasten im Bah», und Straßenrennen werden am Sonntag. 18. September, ousgetragen, und zwar die Bahnmeisterfchaften um 15 Uhr auf der Rütt-Arena, die Straßenrennen um 7 Uhr auf der Strecke Buckow— Glasow— Groß-Machnow— Zossen und zurück. Arbeller-Radfahrerbund„ Solidarität". Touren für Sonntag, ll. September. 2. Abt.: 6 Uhr Grabowsee- 13 Uhr Birkenwerdcr, Japan. Start Dicffenbachstr. 36.— Bez. 2. Ortegr. Nevklla: 10., 15 und 18 Uhr, Bedersee. Start Hertzbergplatz.— vrtsg«. Schineberg: Moabiter werden alles daransetzen, um die Meisterschaft»sich zu aber bei den gleichwertigen Fahrern der 1. und 6. Abteilung d, ist lehr zweifelhaft. Das Nennen geht über 50 Kilometer. 7 Uhr Srossinfee. Wittig.Paßorge. Start Stubcnrauchstr. 5».— vrtsgr. Srotz.LIchter,eld«: 6 Uhr Nauencr Berge. Start Hinbenburgdamm.— Ortegr. Wilmeredorf: 10., fiebcnundxvanzigstes Stiftungsfest Wilhelmsoue ll4/ll5.— Ortsgr. Sharlattenburg: 10,«paalspvrtfest Spandauer Bock, lt., Zamilientour noch Saatwinkel. Start l3 Uhr Ealvanistr. 13.— Ortsgr.- Start 12 Uhr Bismarckstr. 29.— Ortsar. Nummelsl den Grunewald.— Bcz. 21, Ortsgr. Reinickendorf: 1. Abt. Stolzenhagener See; Start 7 Uhr Residenzftraße Ecke Pankower Allee. 2. Abt. Leh»itzsce: Start 7 Uhr Antonienstr. 61.— Ortsgr. Weitzenfee: Ahrensfelde. Start 13 Uhr, Korsokleidung, Berliner Allee 256.— Ortsgr. Psakaw: Durch den Krämer. Start 6 Uhr Kissingcnstraße, Jugendheim. Fußballspiele am 11. September. Die Jagd nach den Punkten nimmt am Sonntag seinen Fort- gang. Wieder sind es in der Hauptsache der O st- und der Süd- w e st b e z i r k, die in den Meisterschaftsspielen die Haupt- rolle spielen. Im Osten sind es die Spiele Oberspree gegen Sparta in der Wuhlheide und Letschendors gegen Stralau in Ketschendorf, die das Hauptinteresse beanspruchen. Im S ü d w e st e n ist es das Spiel Brandenburg gegen Berolina in Brandenburg �a. d. Havel, dos von besonderer Be- deutung ist. Im letzteren Spiel geht es um die Führung der Ab- teilung. Beide Bireine stehen nur um einen Punkt auseinander. Für die Brandenburger gilt es also um jeden Preis stegreich zu bleiben. Auch der Kampf A s k a n i a gegen Lichtenberg verdient einige Beachtung. Hier stehen sich die ersten und die letzten der Abteilung gegenüber. Zwischen beiden Mannschaften kam ez in den bisherigen Spielen immer zu schweren Kämpsen. Gelten die Mann- schaften auch nicht zu den spielstarksten, so sind sie zwei erbitterte Gegner, die schon jahrelang um die Führung in den Abteilungen gekämpft haben. Das Spiel findet auf dem Sportplatz in der Kynast- strahe, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg, statt.— Weitere Spiele: Bezirk Norden: Adter t>8 gegen Rathenow in Pankow, Andreas-Hofcr-Platz. Fichte-Nord gegen Teutonia in Reinickendorf. Adler 12 gegen Tegel in der Chriftianiastrahe. Pankow 08 gegen Siemensstadt in Pankow. Rordiska gegen Arbeiter-Sportverein auf dem Exerzierplatz, Schönhauser Allee.— Bezirk Osten: Friedrichshagen gegen Alt-Glienicke in Friedrichs- Hagen. Treptower Valljpiel-Club gegen Wolterdorf in Treptow, Plänterwald. Britannia gegen Weitzenfee in Lichtenberg, Wagner- strotze. Frisch-Frei gegen Brandenburg 02 in Niederschöneweide, Gasanstalt. Verein für Bewegungsspiele gegen Hertha 22 in Köpe- nick, am Friedhof. Obersprce gegen Sparta in der Wuhlheide. Komet gegen Fichte-Südost in Fürstcnwalde.— Bezirk Südwesten: Luckenwalde II gegen Kreuzbera in Luckenwalde, Hetzheide. Stern gegen Woltersdors in Lichtenrade. Wacker gegen Luckenwalde III m Lankwitz. Teltow gegen Luckenwald« V in Teltow. Nowawes gegen Potsdam in Nowawes, Priesterstrahe. Brandenburg gegen Berolina in Brandenburg. Wilmersdois gegen Ruhlsdorf in Wil- mersdorf, Zähringer Ecke Württembergische Straße. Frisch-Auf gegen Hertha in Luckenwald«. Beginn der Spiele nachmittags 5 Uhr. Vorher Spiele der unteren Mannschaften. Vormittags: Abteilungsjugend, Jugend- und Schülermannschaften._ Handballspiele der Woche! Am Sannabend.>0. September, spielen die Männermannschastcn: Adler». Hof III gegen Grnß-Berlin-tSüden 3 um 18 Uhr in Adlershos, verlängerte Äelbiaftraße: Groß-Berlin-Süden 2 gegen Neukölln>. Abt. II um l7tzz Uhr auf dem llrbanplatz: Fichte 7. Abt. II gegen Allzeit-Bereit I(AAB.) um I7¥i Uhr auf dem Fichteplatz Baumschulenweg. Die Iuaendmannschaften: Fichte 200 I gegen Treptaw um 18 Uhr in Lichtenrade, Fichte-Rord I gegen Köpenick l um 18 Uhr in Reinickendors. Echarnwebersiraßc. Am Sonntag, ll. September, fährt Sroß.Berlin.Eüden 1. Männer noch Stettin. Erkner spielt am DLmerltz, see, die 1. Männer gegen Groß-Berlin-Ossen mn 14 Uhr und die Jugend gegen Fichte 3 I um lZ Uhr. Rowawe» empfängt Hermsdars; die Frauen spielen um 13 Uhr, die Jugend um 14 Ubr, die 2. Männer um 15 Uhr und die 1. Männer gegen Fichte 3 l um 17 Uhr. In Reukölln. Dammweg, spielen Neukölln 2. Abt. gegen Fichte 7. Abt., die Jugend um 14 Uhr, die 2. Männer um 15 Uhr, die 1. Männer um ISZl Uhr. In Niederschöneweide, Berliner Straße(Gazanstalt), spielen Frisch.Frei und Fichle-Spielabt., die 2. Männer und die l. Männer um 15% Uhr. In Spandau, ssalkenhagener Ehausse«, »>n 16 Uhr die Männermannschaften. Fichte 3. Frauenabt. spielt aus dem Fichtcplatz Baumschulenweg um 10 Uhr, die l. Mannschaft gegen Neukölln 1 l und die 2. Mannschaft gegen AMersfws l. Fichte 22. Iugendobt. spielt in Hohenschönhausen, Sommerstraß«: die 2. Mannschaft gegen Fichte-Rord kl um 15 Uhr und die l. Mannschaft gegen Adlersho! I um 16 Uhr. Folgend« Männermannschaften spielen noch: Adlershpf ll gegen Neukölln 1. Abt. ll um lS Ubr in Adlershof. verlängerie Hclbigstraßc: Biesdorf l gegen Velten kl um>6 Uhr in Biesdorf, Lessistgplatz: Fichte 203 I gegen Wilm-rsbors um lO'.h Uhr in Mariendorf, an der Rennbahn. Touristenverein..Die Naturfreunde". Zentrale Wien. Abt. Eharlottendurg: Freitag, 9. September, 20 Uhr, im Heim Spree. straße 30.— Abt. Südost: Freitag.». September, 20 Ubr. im Heim Retchen. Kerger Str. 66.—«bt.«esunddrunnen: Freitag, 9. September, 20 Uhr, im Seim Lortzingstr. 19.-»bt. Treptow: Freitag, 9. September,'20 Uhr. km Seim Eisensir. 3.—»bt. Reuköll». Zugendgr,pp»: Freitag, 9. September, x künstlerischen Landschastsphotographic." :. September, 20 Uhr, im Heim Hauptstr. 15. »bt.«chöueberg: Montqg, Athletik. LportUab Liberta» hat jetzt folgende Uebungsstunden: Gruppe� E�rlotte» bürg: l. Ringerabteilung jeden Dienstag und Freitag 20—22 Uhr Turni Spreestr. 29. Boxerabteilung an denselben Abenden. 1. Im-Iitsu-Abteif alle ung Montag» ünd Donnerslags 20—22 Uhr Spreestr. 29. Frauen, und Mädchen. abteilung Montags und Donnerstags'20—22 Uhr Turnhalle Kaiserin-Augusta- Allee 74, am Guliav-Bdolf. Platz. Leichtathleten jeden Donnerstag 20—22 Uhr Bintertraining Spreestr. 29. Tambourabteilung icdcn Miliwoch'20—22 Uhr Wallstr. 18, Restaurant.— Gruppe Moabit: 2. Iw-Jitsu-Abteilnng jeden Mittwoch 1»— 22 Uhr Turnhalle Rostockcr Str. 32.— Gruppe Schöneberg: 2. Ringer, und 3. Iiu-Iitsu»Abteilung jeden Monlag und Donnerstag 20—22 Uhr Turnhalle Tcmpelhofcr Weg. Aufnahmen finden in allen Abteilungen statt. In allen drei Jiu.Iitfu.Abteilungen sind neue Kurse für Selbstverteidi- gung eröffnet. Iugendabend jeden Mittwoch 19—22 Uhr im eigenen Jugend- yeim Eharlvttenburg, Leibnizstr. 2, Hos rechts pari. Anfragen an die Ee- Ichäftsstelle: Walter Laube, Charlottenburg, Krumme Str. 8ä, vor» ll. Der Ring! Der Arbeitersportverein gibt hiermit bekannt, daß nun auch die Turn, und Spielabteilung eröffnet ist. Uebungsstunde Mittwochs Turnhalle Heinrich.Roller.Str. 18. Schristliche Meldungen an A. Hcrrmann, Neu» Hohenzvllernplatz 19. Verschiedenes. Der Kart«ll»rrba»d teilt mit: Iugend-Fahrpreisermäßigung! Alle Berliner Bereine jener Organisationen, die der Zentralkommission angeschlossen sind. und die Anspruch darauf erheben können, auch für das Jahr 1928 Fahrpreis» crmäßigung tilr Iugendfahrten zu bekommen, haben sofort einen entsprechenden Antrag an den Oberpräfidenten zu schreiben und diesen Antrag sofort an die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, Berlin W 57, Bülowstr. 29 III, einzusenden. Hierbei ist gleichzeitig von den Antragstellern anzugeben, wieviel Ausweiskarten für das nächste Jahr benötigt werden und wieviel Ausweiskartcn für Führer im Besitze des Antragstellers sind. Sollten H Führcrausweise benötigt werden, so sind solche mit einzureichcn. Diese rerausweise können zum Preise von 2 Pf. pro Stück durch die Geschäfts» ! in der Landsberger Sir. 82, Hos rechts 1 Tr., bezogen werden; täglich von 14 bis 18 Uhr. Sämtliche Anfragen müssen bis zum 1. Oktober in den Händen der gentralkommissu»! sein. Alle unsere Bereinc und Organisationen, ......"'—"' senden ihre Anträge auf fllr Jugendpflege und adthaus, Zimmer 324. Die Filhrerausweise für letztgenannte Organijationcn sind ebenfalls in der Geschäftsstelle zu haben. Arei, Turaerfchaft Groß. Berlin. Sonnabend, 19 Uhr, außerordentliche Generalversammlung im Sewerischaftshaus, Saal 1. Beschlußfassung über die Rechtsfähigkeit des Vereins. Anschließend Veirteljahresversammlung. Arbeiter-Wintersport. Interessengemeinschaft. Fahrt Sonntag, ll. Sep. tember, nach Havcleck bis Oranienburg. Ab Slcttiner Bahnhof 7,02 Uhr. Radfahrer Treffpunkt Etettiner Bahnhof 8 Uhr. Am 25. September nach Tiefensee. Abfahrt 5,50 Uhr Wriezencr Bahnhof. Der Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität, Ortsgruppe Ehaelottenburg, feiert am 10. September auf dem S pandaner Berg fein 27. Stiftungsfest,»er. bundsn mit Kunst» und Neigcnfahrcn der vier roten Teufel aus Halle a. d. S. Da die Ortsgruppe sich bei den Parteiveranstaltungen stets zur Verfügung stellt, werden die Genossen ersucht, obige Beranstaltung zu unterstützen. Ad- teUungssahnen und Banner sind erwünscht. »rbelter-Radfahrerpcrein Graß-Berlin. Sonntag, 11. September, Preis- fahren früh 6 Uhr Luckenwalde, Restaurant Zipterlein; 13% Uhr Lichtenrade, Dvrfstr. 10. Start Waldemarstraße Ecke Marianncnplatz. Gäste willkommen. Ruderverein Eollegia E. B. Die Mitgliederuersammlung und die Fahrte». ansetzung finden jetzt wieder regelmäßig jeden Freitag 20 Uhr bei Thunack, Tharlottenoura, Wielandstr. 4. statt. Nächste Sitzung Freitag. 9. September. Die Abteilung Süden de» Berliner Arbeiter. Lchachklubs spielt jeden Donnerstag 20 Uhr bei Otto Hackbarth, Muskaner Ecke Eisenbahnstraße. Arbeiter-Sport. und Kultnrkartcll 3. Bezirk Wcdding. Montag, 12. Sep- tember, l9>h Uhr, Kartellsitzung im Ledigenheim am Brunnenplatz. Arbeitcr-Spert- und Knltnriartcll Eharlattenburg. Montag, 12. September, 20 Uhr, Sitzung aller Iugendleiter d-r Vereine im Heim Leibnizstr. 2, Hof rechts pari. Jeder Verein muß durch den Iugendleiter und einen Jugendliche» vertreten sein. Kinderklnssen der Krei»schule 1. Krei, ATnSB. Die Kinderklassen(Knaben und Mädchen) üben jetzt wieder regelmäßig. Knaben Montags 18—20 Uhr Turnhalle Bouchostr. 75. Mädchen Donnerstags 18—20 Uhr ebenda. Wir er. suchen die Abteilungen und Vereine, besonders in die Knabcnklasse Nock) Kinder zu entsenden. Spertnerei« Moabit. Sonntag 9'� Uhr See- Ecke Afrikanische Straße. 1. Handball lehr stunde und Waldlauftroining. Umkleiden Lokal Dornbusch. Znr bevorstehenden Herbst- nvd Dintersaisonlst es jetzt Zeit, an die Er. Neuerung oder Ergänzung der Garderobe zu denken. Die feit ttwa 23 Jahre» bestehende Firma Julius Fabion, Große Frankfurter Str. 37, Epezialhaus für elegante Herren, und Damenmoden, macht ganz besonders auf ihr großes Lager in fertiger Herren, und Damenbekleidung aufmerksam. Durch eigene Anfertigung. 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Eeplemder 1927 In der Nochmittaggziehung wurden Gewinns über 1ä0 M. gezogen 1«»Sinn«!ü 3080«L Bsföf 98093 110483 116749 134102 200629 20ß871 261 406 3095Ö9 12•tiDini«»n 2000 1». 9343 1 12510 202537 271698 285305 308507 26•rtm'n« iu 1000«Et. 7325 7933 12937 92034 122107 160018 234996 238846 283066 289736 300983 323608 343177 66»ewton« ,» 500 M. 2706 4 ISS 605«>3676 I27S8 18106 20047 50634 56922 62273 S262S 7S403 78534 73180 104745 110341 130180 132387 139100 144414 150005 160541 166520 173683 I 72066 196134 200546 204309 216504 238131 238275 249521 263686 266179 268026 277800 278458 285867 289457 297961 337746 341700 342925 1OT®«Rnn« I« 300 M. 112 IIS 3627 7147 7535 8761 10107 13978 16168 26046 26352 26700 39450 396» 60162 51514 54490 54580 54978 55525 69898 71352 80599 80660 83630 84718 86721 89280 05647 97528 97066 100250 113225 121855 122838 130951 136730 137872 141670 144262 144880 164108 160732 163535 167786 171656 173058 178145 178582 184020 184147 188310 189276 188429 189723 163375 195193 198892 200220 200797 201121 209252 211078 213714 217327 21 7570 230959 237035 240694 244726 246635 249334 254647 267189 263287 265452 266702 267032 271702 281432 289322 297348 304104 308061 312176 313460 320721 325422 328469 329850 333186 347137 348236 20. Liehvngsiaa 8. September 1927 da der Bonnitiagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 8 Gewinne■■ 10000 M. 162107 223996 276024 4»ewioa«|u 5000 M. 4593 249980 8 Cminnt in 3000 M. 178455 181740 196762 222641 13 Gewinne«i 2000 M. 79899 130999 199098 248366 306983 309543 28•eicinae tu 1 000 7TL 2700 75761 79750 98676 138017 261481 255728 273884 277912 280087 305771 307699 335038 337600 72»etninM ,n 500 TO. 1823 9-157 11789 17881 29223 41985 42524 49925 49961 63600 59799 66611 74664 77721 84562 93034 99394 103223 110999 127610 168144 166197 172521 173226 174837 182636 187090 194827 209654 220469 2241B8 223619 292414 304930 323440 325662 1 76«eviv'»»>200 TO. 4096 10993 12541 12695 37018 39896 41650 47871 53501 56521 64436 66149 66846 73299 74900 86876 87970 Ö7807 99734 104752 110101 i 3700114001 113290 119003 119306 120182 126471 126697 13461 135512 135814 133501 141133144045 150556 1814)6 169892 1605 61368 169705 170591 175613176501 18647) 190086 191612 19545 198547 201003 201879 202997 204910 205080 213905 225847 23035o 242034 246444 247884 252976 253026 254391 257028 257233 259829 260514 250379 273419 275851 280950 281403 282351 290524 293048 302427 302914 306083 308704 3)0173 116338 319666 321261 325121 325282 327673 331257 349694 Katalog auf UXintcfi gratis Fabrikverkaufstellen Berlin NW7. 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Dieser Aufstieg wurzelt in der ganzen wirtschaftlichen und sozialen Eni- wicklung Finntands: ja er mutet gewissermaßen als die Krönung dieser Entwicklung an. Nach den statistischen Angaben des Jahres 1901 wurden durch- schnittlich nur 23,1 Proz. der landwirtschaftlichen Gesamtfläche von den Eigentümern bearbeitet, während der Rest, also der bei weitem größte Teil der Landgüter in Pacht gegeben wurde. Dieses Pachtsystem erzeugte ein« immer zahlreicher werdende Klasse von kleinen Pächtern, die in starker wirtschaftlicher Abhängigkeit von den Bodeneigen- l�mern standen. Diese zogen es vor, ihr Land mehreren Klein- pächtsrn in Bearbeitung zu geben, wobei die Pacht zu allermeist durch Arbeit abgetragen wurde. Die Rechtslage dieser Pächter war absolut ungeregelt. Der Pächter konnte zwar jederzeit den Landeigentümer im Stich lassen, aber auch dieser den Pächter jeder- zeit entlassen, d. h. ihn vollkommen brotlos machen. Von 8788 im Jahre 1760 stieg die Zahl der Kleinpächter nach und nach bis auf 69 936 im Jahre 1890, wo sie ihr Maximum erreicht« und nunmehr langsam zu sinken begann, indem ein Teil in die Städte ab- wanderte. Dies führt uns zu der zweiten Quelle der Stärk« dar dortigen sozialdemokratischen Partei, nämlich*ur Entwicklung der Industrie und der ihr parallel lausenden Vermehrung der Arbeiterklasse. Nach den neuerdings von Martti Kovero veröffentlichten An- gaben(„Die Landwirtschaft und die Industrie im Wirtschaftsleben Finnlands", chelsingsors 1923, Seite 16, französisch) wuchs die Zahl der im chandwerk und in der Industrie tätigen Arbeiter von 1885 mit 38 075 bis 1913 auf 136115. Wir sehen hier also ein Anwachsen im Lause von 28 Jahren fast auf das Vierfache. Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung Finnlands seit etwa dem Jabre 1880 läßt sich als steigende Industrialisierung des Landes kennzeichnen. Nach den Angaben von Markst Kovero gestaltete sich das prozentuale Verhältnis der landwirtschaft- lichen und industriellen zur Gesamtbevölkerung wie folgt: Jahr Landwirtschaftliche Industrielle Bevölkerung: Bevölkerung 1880..... 74,8 Proz. 6,6 Proz. 1890..... 72,7. 8,0, 1900..... 68,0. 10,6. 1910..... 66,3. 12,2, 1920..... 66,1„ 14,8. Die im Jahre 1883 entstandene Sozialdemokratische Partei Finnlands besaß anfänglich ihre Anhänger nur in den Städtan unter dem Gcwcrbeproletariat. Nachdem sie aber in ihr Programm die Agrarfrage aufgenommen hatte, faßte sie .'Uetuch mtter den Landarbeiter», den Kleinpächtern und den Klein- bauern Wurzel. In dem Finntschett Landtag tion 1906 erschien die s-zSTszialdemokrotie als die�prbßte Partei, in dem Landtag von 1907 erhielt sie 80 Mandate(von insgesamt 200), und bei den Wahlen von 1913 90 Mandate Finnlands Außenhandel. Die Entwicklung der Industrie au f K o st e n der Landwirtschaft kommt deutlich auch im finnischen Außenhandel zum Ausdruck. Der Export des Jahres 1923 umfaßt(noch K Jörvinen,„Handel und Industrie Finnlands", Helfingfors 1925, Seife 14 bis 15) etwa 4400 Millionen finnische Mark. Davon ent- fallen etwa 60 Proz. auf Holzwaren und 30 Proz. auf Produkte der Papierindustrie. Der sinnische Import desselben Jahres beträgt demgegenüber 4600 Millionen finnische Mark, wobei Getreide und Getreideprodukte allein im Werte von 545 Millionen sinnische Mark eingeführt wurden. Diese beiden Kennzeichen, die offenbar in einem Zusammenhang miteinander stehen: die Passivität che? sinnischen Handelsbilanz und die Notwendigkeit der Getreidacinfuhr bilden seit Jahren das ständige Charakterstikum des finnischen Außenhandels, wie die folgende Aufstellung beweist: 1913 1920 1921 1922 1923 1924 (in Millionen finnische Mark) Einfuhr 495.4 3 625,5 3 585.7 3 953,1 4 600 4 965,6 Ausfuhr 404,8 2 926,4 3 389,4 4 430,3 4 400 4 718,4 1925 war freilich die Handelsbilanz aktiv: Ausfuhr 5548,3 Millionen finnische Mark, Einfuhr 5513,2 Millionen finnische Mark. Die Verringerung der Einsuhr hängt ober nach Kovero mit einer Senkung der Lebenshaltung zusammen. Die Zukunft Finnlands. Diese langsame und unbefriedigende Entwicklung der Landwirt- schaff im Vergleich mit dem Emporsteigen der finnischen Industrie hat manchen Beobachter dazu geführt, Finnlands wirtschaftliche Zu- kunft lediglich in der Entwicklung der I n d u st r i e zu erblicken. Diese hat in der Tat nach ungeahnte Zlusdehnungsmöglichkeiten, einerseits durch das Vorhandensein starker, aber noch ungenutzter Wasserkräfte(es sei nur an den Wasserfall von Jmatta er- innert), andererseits dank den ebenso ungenutzten Natur- Vorräten an Kalk, Quaderstein, Schiefer, Torf usw. Demgegen- über macht Kovero wohl mit Recht darauf aufmerksam, daß auch der Landwirtschaft noch Cntwicklungsmöglichkeite» bevorstehen. Zurzeit sind etwa nur 6 bis 7 Proz. des finnischen Fest- landes bebaut: dazu ist der Bodenertrag sehr steigerungssähig(die Durchfchnittsernte betrug in den letzten Jahren pro Hektar nur 20 Hektoliter, während sie in den landwirtschaftlichen Versuchs- stationen 60 bis 80 Hektoliter ausmachte), lflne Entwicklung der finnischen Landwirtschaft in beiden Beziehungen kann auch von der Agrarreform erwartet werden, die die Zahl der Landbearbeiter und Landeigentümer zu vermehren bestrebt ist. Die Agrarreform. Die revolutionären Ereignisse der Jahre 1917 und 1918 gaben den finnischen Staatsmännern einen Denkzettel. Sie begriffen wohl, daß, obschon der russische Bolschewismus die sinnische soziale Bewegung besonders scharf aufpeitschte, diese Bewegung ihre tieferen Gründe doch in den einheimischen Verhältnissen hatte. Diese Gründe sind dieselben, die auch für das Wachstum der Sozialdemokratischen Partei maßgebend waren: die große Zahl Landloser und Landarmer— hatte doch eine noch in den letzten Jahren vor- genommene Statistik ergeben, daß etwa der dritte Teil der Land- bevölkerung überhaupt ohne Grundbesitz war—, ferner das starke Anwachsen des gewerblichen Proletariats, dessen Lage durchaus ungesichert blieb. Der Agrarfrage wandte �sich daher die Aufmerk- samkeit der Regierung bald nach der Selbständigkeiteertlärung Finnlands zu. Durch die Gesetze von 1918, 1921 und 1922 erhielt sie die Befugnis, Güter anzukaufen, auch zu enteignen(doch nicht Güter unter 200 Hektar) und Kleinsiedlungen zu schaffen. Die erste finnische Arbeitergewerkschaft entstand im Jahre 1869 unter den Setzern. Zahlreiche andere Ge- werkschasteN umstanden �zwischen' den Jahren 1890"tinb 1900. 1907 entstand der Allgemeine Finnische. Kewerkschaftsverbond, der im Jahre IMO 45346 Mitglieder zählte; 1915 betrug die Mitgliederzahl schon 30134, 1917 sprang sie auf 160 695, um 1918 sehr scharf auf 20 740 zurückzugehen. Im Jahre 1922 betrug die Mitglieder- zahl wieder 48 176 und stieg seitdem weiter an. Die auffallende Vermehrung im Jahre 1917 erklärt sich durch die damaligen Er- eignisse und den vorübergehenden Einfluß des Bolschewismus; ebenso der scharfe Rückschlag. Unter den später eingetretenen nor- malen Verhältnissen zeigten die Zahlen, wie angesichts der fort- schreitenden Entwicklung der finnischen Industrie anders auch nicht zu erwarten war, eine steigende Tendenz, der letzten Endes auch die parlamentarischen Erfolge der Sozialdemokratischen Partei zu ver- danken sind. Ihr Einfluß wurzelt— das hoben unsere Aussüh- rungen wohl deutlich gezeigt— zu tief in den ökonomischen Be- dingungen des Landes selbst, um irgendwie ernstlich erschüttert zu werden. E. H. Um ein Dritte! mehr Saumwollverbrauch. Die Glanzkonjunktur der deutschen Textilindustrie. ' Preiswucher bei billigster Eindertung. Die Internationale Vereinigung der Baumwollspinne- reien veröffentlicht soeben ihre Halbjahrsstatistik über den Baum- wolloerbrauch der Spinnereien vom 1. Februar bis 31. Juli 1927. Da die Jahresstatistit des Spinnerverbandes entsprechend dem Baumwolljahr den Zeitraum vom 1. August bis 31. Juli um- faßt, läßt sich somit bereits der G e s a m t v e r b r a u ch der abgelaufenen Saison übersehen. Der Gesamtverbrauch der Spinnereien aller L ä n d e.r stellt sich nach den Angaben der Vereinigung auf insgesamt 25,9 Mil- lionen Ballen gegenüber 24,6 Millionen Ballen 1925/26, erhöhte sich demnach um zirka 5 Proz. Der Verbrauch amerikanischer Wolle ist stärker gestiegen, er erhöhte sich von 13,6 Millionen Ballen auf 15,8 Millionen Ballen, also um fast 15 Proz., während der Verbrauch von ostindischem Rohmaterial erheblich gesunken ist. Gegenüber den früheren amerikanischen Schätzungen, die einen Weltverbrauch von 17,5 Millionen Ballen amerikanischer Baumwolle annahmen, bedeutet jedoch die soeben veröffentlichte Zisser eine starte Enttäuschung. Man hatte mit Sicherheit angenommen, daß der Verbrauch der Spinnereien, begünstigt durch den enormen Sturz der Baumwollpreise im Herbst vergangenen Jahres, den wachsenden Eiaenoerbrauch der Vereinigten Staaten und die stärkere Beliefe- runa der kontinentalen Länder, viel stärker zugenommen hätte, als es die jetzigen Zahlen aufweisen. Die Gewißheit über den effektiven Verbrauch wird auch auf lue „ikiinltiae Preisgestaltlyig des Rohmaterial sVHwllftch zutünktiae Preisgestaltung des Rohbaumwoll- Marktes nicht ohne Einsluß bleiben. Die Baumwollpreise sind leu Beginn des Jahres unaufhörlich von der Spekulation in die find,, aetrieben worden. In den letzten Monaten überstürzten sich durch die ungünstigen Ernteberichtc, die die spekulativen Kreise durch Uebertreibungen geschickt ausnutzten geradezu die Kurs- lteioenrnaen. Der Baumwollpreis, der IM Dezember des Vorlahres mit zirka 56 Psening per englisches Pfuich den Dorkriegsstand nahezu»reichte blträgt gegenwärtig fast 1 M.. hat sich also nahezu verdoppelt Bei einer derartig enormen Preissteigerung und Verteuerung des Rohmaterials ist für die laufende Saison kaum m i t e, n e r w e i t e r e n V e r b r a u ch s st e, g e r u n g zu rechnen. Selbst wenn die diesjährige Ernte infolge Ueberschwemmungen nur etwa zwei Drittel der vorjährigen Rekordernte betragen sollte- die letzten Schatzunaen lauten aus Zlrta 12,5 Millionen Ballen, ergibt sich mit dem lleberschuh aus der abgelaufenen Saison von zjxka 8 Millionen Ballen ein verfügbares Angebot von ameritam- scher Daumwolle, das den Bedarf der kommenden Saison ganz er- heblich überschreiten wird. Bei dieser Absatzlage erscheint der jetzige Preis der Rohbaumwolle völlig ungerechtsertigt und eine Herab- setzung der Notierungen erforderlich. Der Baumwolleverbrauch ist von ollen Fabrikationsländern om stärksten in Deutschland gestiegen. Die deutschen Spinne- reien verarbeiteten viel mehr Rohmaterial als in den Vorjahren, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt: Deutschlands B a u m w o ll x o e r b r a u ch August 1924 bis Juli 1925.... 1,2 Mill. Ballen , 1925.. 1926.... 1,1,, . 1926„. 1927..... 1,5, Gegenüber dem Vorjahr ist also der Spiunerverbrauch um mehr als ein Drittel gestiegen. Der Halbjahrsverbrauch des lausenden Jahres übertrifft den Bedarf der Spinnereien in der Hochkonjunktur des ersten Halbjahres von 1925 um zirka 5 Proz. und bleibt hinter dem Portriegskonsum nur noch um zirka 10 Proz. zurück. Diese Ziffern beweisen von neuem, daß die deutsche Texttlwirt- schaff, und speziell die Baumwollindustrie, im Zeichen a u s g e- prägte st er Hochkonjunktur steht. Biel beträchtlicher als die Umsätze haben sich jedoch die Gewinne der Industrie erhöht. Die Preise für Baumwollgarne und-gewebe sind bei dem Baum- wollpreis stürz im vergangenen Jahre nur unbeträchtlich ermäßigt worden, den st e i g e n d e n Rohstoffpreisen jedoch unverzüglich und in vollem Ausmaße gefolgt. Durch die starte Boreindeckung beim Tiefftand der Preise, fallen nun speziell den Spinnereien noch große Sonderge- winne zu. Die deutschen Spinnereien haben bei ihrer Materialbeschaffung offenbar noch bedeutend glücklicher operiert als die Fabriken der Konkurrentenländer. Nach der Porratsstatistit des Internationalen Spinnerverbandes erhöhten sich die Fabrikvorräte an ameri- konischer Wolle in der ganzen Welt gegenüber den Vorjahren von rund 2 Millionen Ballen auf 3 Millionen Bollen, also um etwa 50 Proz., die deutschen Fabrikvorräte an Rohbaum- wolle erhöhten sich dagegen nahezu um 100 Proz., wie die folgende Aufstellung zeigt: Baumwolloorräte der deutschen Spinnereien Am 3t. Juli 1926....... 135 000 Ballen Am 31. Januar 1927...... 209 000, Am 31. Juli 1927....... 273 000„ Von dieser starten Borversorgung der Industrie zu relativ billigen Rohstoffpreisen hat der Konsument freilich bisher nicht den geringsten Dorteil gehabt. Die Spinner und Weber setzen mit jedem Punkt Kurserhöhung ihre Preise auto- matisch weiter herauf, nutzen serner die hohen Zölle m der inländischen Preisstellung voll aus, so daß wir bereits auf allen Textilmärkten eine außerordentliche Preissteigerung erleben, die für die gesamte weitere Konjunkturentwicklung eine sehr starke Gefahr bedeutet. Ein nieüerschlejischer Nlontantrufs. Mit staatlicher Beihilfe? Seit Jahren ist das niederschlesische Kohlengebiet Notstm. gebiet. Die Rationalisierungs- und Konzentrationsbewegunz letzten Jahre hat daran nichts geändert, wenn auch die günstigere Konjunttur seit dem englischen Bergarbeiterstreik gute Rückwirkun- gen hatte. Wie jetzt gemeldet wird, ist eine Fusion sämtlicher Kohlengruben des Reviers zu erwarten. Zwischen den Ober. schlesischen Kokswerken, den Rütgerswerken und der Pleßjchen Ver- waltung schweben Verhandlungen, die den Zusammenschluß der ihnen gehsrigen Gruben zum Ziel haben. Außerhalb des Zu- fammenschlusses sollen nur die Zechen der Elektrizitätswerke Schlesiens bleiben, die zum Jnteressenkreis der Gesellschaft für elc'- trische Unternehmungen, Berlin, gehören und deren Wirffchaftlirl feit durch Stromlieferungsverträge mit der Bewag gesichert scheint. Zur Durchführung der Fusion soll auch staatliche Hilse geleistet werden. Die öffentlichen Behörden hatten sich bisher auf den Standpunkt gestellt, daß Staatshilfe nicht in Frage kommen könne, bevor. die privaten Gesellschaften von sich aus den Weg zur Rationalisierung beschritten haben. Eine eigentliche Subvention durch Hingabe von Steuermitteln soll nicht ersr r u Dagegen soll von der Preußischen Staatsbank ein K cedit in Frage kommen, der durch die Bürgschaft des Staates gesichert wird. Durch eine Informationsreise des preußischen Handeksministers nach Schle sten sollen Anfang Oktober die Verhältnisse an Ort und S�lle prüft werden. Hundert Millionen für die mittlere Jndusun In den letzten Tagen oerlautete gerüchtweise an der Bucs-, daß zwischen der Deutschen Bank und einem amerikanischen Bankkonsortium Verhandlungen für die Vermittlung einer Groß, anleihe zur Gewährung von Krediten an die mittlere Industrie schweben. Von Dillon Read u. Co., New Jork, wurde die Meldung zunächst dementiert, die Deutsche Bank verweigerte die Auskunft. Jetzt meldet WTB. Handelsdienst den Abschluß des Abkommens. Danach erhält die Deutsche Bank durch Bermittlung der Firma Dillon Read u. Co. ein fünfjähriges Darlehen im Be- trage von 2 5 Millionen Dollars. In entsprechender Höhe werden in New Park Oprozentige, im Jahre 1932 fällige Treuhändernoten begeben. Die 25 Millionen Dollar sollen dazu dienen. an Stelle kurzfristiger Bankkredite mittleren Jndustrieunternehmim gen Betriebsmittel auf längere Zeit-u-' zu stellen. Annäherung zwischen der amerikanischen und deucjll,en mimumwirffchast. Die Aluminium-Company von Amerika, der dekannte Aluminiumtrust in den Vereinigten Staaten, hat sich durch Uebernahme eines größexey Aktienpaketes an dem bekannten Bauxit- Trust in Zürich beteiligt. Der Bauxit-Trust ist vor längerer Zeit in Gemeinschaft mit führenden Konzernen der ungarischen Metoll- industrie, der ungarischen allgemeinen Kohlenbergbau A.-G. und den deutschen Vereinigten Aluminiumwerken sowie der Otavi-Minen- und Eisenbahn-Gesellschast gegründet worden zum Zwecke der Bewirk- schoftung größerer Bauxitvorkommen in Jstrien, Rumänien und Ungarn. Bauxit ist der für die Herstellung von Aluminium un- entbehrliche R o h st o f f, den sich die deutsche Alumimumindusttie durch die Aussuhrsperre Italiens und Frankreichs, die zu den be- deutendsten Bauxit fördernden Ländern der Welt gehören, sichern mußte. Die Beteiligung der amerikanischen Aluminiumgruppe an dem europäischen Bauxit-Trust ist der erste Schritt zur An- Näherung der amerikanischen und deutschen Alu- miniumindustrie. Allerdings spielt auch die Verknappung von Bauxit, die in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten ein- getreten ist, bei dem jetzt erfolgten Schritt der Aluminium-Company eine Rolle. Die Bauxitförderung, die in den Dereinigten Staaten im Jahre 1925 ungefähr 322 000 Tonnen betrogen hat', ist im Jahre 1926 aus 300 000 Tonnen gesunken, während die Amerikaner ihr« Almniniumerzeugung von 70 000 auf ungefähr 86 000 Tonnen steigern konnten. Der üapilalhunger der Texkillndustrie. Die jetzt fast ein Jahr anhaltende Konjunttur aus den Textilmärkten, die im Frühjahr und Sommer eine seltene Stärke erreicht«, hat einen großen Kapital- bedarf der Textilindustrie zur Folge gehabt. So hat die Mecha- Nische Weberei in Hannooer-Linden ihr Aktienkapital im Januar dieses Jahres von 6,8 auf 10,5 Millionen und kurz daraus im Mai nochmals um 3,0 auf 13,5 Millionen erhöht. Der jüngste Börsenprospekt zeigr, daß die Umsätze von 14,5 Millionen 1924 auf 16,9 Millionen 1925 und 17,4 Millionen im Jahre 1926 gestiegen find.— Der Umsatz im laufenden Jahr wird bei der herrschenden Hochkonjunktur die Ergebnisse von 1926 zweifellos noch weit übertreffen. Di« gezahlten Dividenden, die in den drei Jahren je 15 Proz. ausmachten, zeugen von riesigen Gewinnen. Neben einem Ausbau der Betriebe dient der Kapitalzufluß auch einer Erweiterung der Interessen der Gesellschaft. So ist sie durch den Ankauf von 90 Proz. des Aktientapitals der B e r- liner Veloetfabrik M. Mengers u. Söhne A.-G. Berlin zum Herrn der deutschen Veloetindustrie geworden. In ihren beiden Werten Linden und Oggersheiin beschäftigt die Gesellschaft zurzeit über 2000 Arbeiter und Angestellte. Wenn gezahlt werden soll, wird gejammert. Die deutsche Leinenindustrie hat, als es ihr tatsächlich schlecht ging, voixi Reich eine Subvention von 9 Millionen erhalten, die im Oktober d. I. fällig werden soll. Die Leinenindustrie hat in- zwischen einen unerwartet günstigen Aufschwung genommen; sie Hai ihre Beschäftigung um mehr als 100 Proz. steigern können. Den- noch wird jetzt erklärt, daß den Kreditnehmern die Rückzahlung der Kredit« nur unter sehr großen Schwierigkeiten möglich sein würde. Um mehr Eindruck zu erzielen, versteigen sich die Interessenten so- gar zu einer Drohung. Falls auch nur Teilbeträge nicht pro- longiert werden würden, so erklärt man seien Bettiebseinschrün- kungen und Arbeiterentlassunge» unvermeidlich. Man kennt diesen Text und auch die Melodie. Hoffentlich kennen ihn auch die verantwortlichen Reichsstellen und handeln danach. Gute Eisenkonjunktur. llakernehmer gegen Unternehmer. Dsis- berg hat kürzlich auf der Frankfurter Unternehmertagung unter anderem auch in Konjunkturpeffimismus gemacht. Er hat damit die bürgerlichen Blätter unterstützt, die pessimistische Artikel ver- öffentlichen. Den Herren der schweren Ruhrindustrie gefällt das nicht. Sie haben auch allen Grund dazu. Sie lassen durch die „Deutsche Bergwerks-Zeitung" erklären, daß die Werke weiterhin mit Auftrögen reichlich verschen, die Lieferfristen zum groß- ten Teil noch sehr ausgedehnt und die Aufträge noch bis Ende dieses Jahres ausreichen» sind. Auch der Eingang neuer Aufträge rechtfertig« keinen Peffiiyismus. Außerdem seien vom Eisenbahnzentralamt große Waggonbauauftröge vorgesehen, die für die Eisenindustrie weitere Aufträge bringen werden. Der /IdGö. im Jahre 192b. Tie Gewerkschaften während der Krise. Wenn schon die Jahresberichte der einzelnen Verbände er» ..nnct liehen, welcher ungemein starken Belastungsprobe die deutschen Gewcrkschasten im Vorjahre ausgcsent waren, so gibt doch erst da» soeben v erossentlichte Jahrbuch läZb des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ein vollständig abgeschlossenes Bild demom Erfreulich ist es, seststellen zu können, daß auch diese in der kapitalistischen Entwicklungsepoch.' beispiellos dastehende Krise die Gewerkschaften in ihren Grundsesten nicht zu erschüttern vermochte. An dem Mitgliederbestand und der s i n a n- zielten Entwicklung der Gewerkschaften konnte die Krise natürlich nicht spurlos vorübergehen, weil sie mit der Wirtschaft auss engste verknüpft sind. Diese Verbundenheit mit der Wirtschaft erklärt auch den allgemeinen Mitgliederrückgang, der jedoch bei weitem nicht in so starkem Maße eingetreten ist, ivic im allgemeinen besürchiel wurde und wie der Veschöstigunasgrad zurückging. Die dem ADGB. an- geschlossenen Verbände zählten am Schlüsse des Berichtsjahres ins- gesamt 3 933 9-31 Mitglieder, wovon 62 7 451 weibliche und 124 601 j u ge» d l i ch e waren, gegen insgesamt 4 162 445 am Jahresschluß 1925. das ist alsp ein Rückgang von 246 514 Mitgliedern oder um 5.9 Proz. Den stärksten Mitgliederrückgang haii� der Metallarbeit erverdand. Er verlor im Berichtsjahr 89 ZU Mitglieder. Ihm folgen der Landarbeiterverband mit einein Beriust von 43 484 Mitgliedern, der Holzarbeiter- verband mit 31 456, der Textilarbeiteroerband mit 26 162, der S ch u h m a ch e r v e r b a n d mit 13 299 und der B e- tieidungsarbeiteroerband mit 13 085. Bei den anderen, meist auch zahlenmäßig bedeutend kleineren Verbänden war der adso luic Mihgliederrückgang nicht so groß, wenn er auch prozeniuoi zur Mtgsiederzahl Ende 1925 ost nicht geringer, sondern»och höher war als in den angeführten sechs Verbänden Demgegenüber steht aber auch in 1Z verbänden eine Zunahme von 50 2S2 Wltglicdern, an der allein der Verkehrst' und mit 23 614 beiciligt war. Hierbei nicht eingerechnet ist die Mitaliederzunahme im Fabrik- arbeiterverband infolge der Verschmelzung mit den Glas- und Porzellanarbeiieni. Der Mitgliederrückgang in den deutschen Gewerkschaften hat genau ein Jahr angehalten. Er setzte mit dem Beginn der W i r t s ch a s t s k r i s e im 4. Ouarlai 19Z5 ein und kam am Schluß des 3. Quartals 1926 zum Stillstand Das 4. Quartal des Berichts- jahres schloß schon wieder mit einer Mitgliederzunahme von 48 387 ab, obwohl wir mitten in der Krise waren. Dieser Aufschwung in der Mitgiiederbewegung Hai auch in diesem Jahre angehalten, so daß der Verlust vom vorigen Jahr nicht nur wieder weit- a« m a ch». sondern schon belrächtlich überholt sein dürfte. Wenn man berücksichtigt, daß im Durchschnitt de» Bcnchtsjahres van den Mitgliedern 18 Vroz. erwerbsla». 15 proz. Kurzarbeilor waren, so ist der Mitgliederrückgang im Verhältnis zu der un- geheuren Arbeitslosigkeit sehr mäßig zu nennen. Sieht man von der unnatürlich sprunghaften Mitgiiederbewegung in den Jahren 1919 bis 1923 ab und zieht einen Vergleich mit dein letzten L o r t r l« g»- I a h x 1913, wo der ADGB. lnsgesamt 2 573 718 Mitglieder musterte, dann ist der Aufstieg unverkennbar. Bor ollem können die Gewerk- seligsten die Mügüeder, die während des s6)wersten aller Krisen- jabrc treu zur Fahne der Organisation hielten, als eine unerschütier- liche und zielklare Kämpserschar buchen. Wie stark die finanzielle Belastung der Organisation im'olg« der Krise war, sei an einigen Zablenbeifpielen erläutert. Die i» Klammern angeführten Zahlen sind die entsprechenden zum Vergleich ongesührten Zahlen des V o r j a h r e s. Die Sesamleinnahme betrug nahezu 159 Millionen. genau 148 139 715 M.(147 526 701 M.>. Sie setzte sich zusammen aus 335 556 M.(578 196 M.) Einlriitsgeidern, 116 942 931 M (109 214 010 331.) Verbandsbeiträgen. 18 593 697 M.(20 477 323 M.) örtlichen Beilrägcn 2 101 979 M.(6 555 307 M.) Ertrabeiirägen. 2 312 804 M.(2 212 661 M.) Zinsen und 7 852 749 M.(8 479 204 M.) sonstigen Einnahmen. Beachtlich ist. daß trotz des Mitgliederrück- ganges und der Arbeitslosigkeit die Einnahme aus Verbands- beitragen um 7 7 28 921 M. höher war als im Jahre 1925. Insgesamt ist di« Einnahme um 613 015 M. höher als 1925. Auf jede» Mitglied kam 1926 eine Beitragseinnahme von 34,62 M. gegen 32.78 M. im Vorjahre. Die Gesamtausgabe betrug im Be- richtsiahre 135 529 991 M.(125 874 093 M.). ist also um 9 655 898 M. höher als 1925. 'Allein für llnlerstühungen wurden 62 064 263 M. ausgegeben gea<» 38 042 727 M. im Vorjahre.— Da die ungünstig« Wirtschaft- liche Lage Lohnbewegungen nur in ganz begrenztem Maße zuließ, sind die dafür gemachten Ausgaben bedeutend geringer als im Jahr« 1925. Für Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen wurden verausgabt 6 100 760 M.(29 656 960 M.). Dagegen stiegen di« Ausgaben sür Derbandsorgane und Besoldungszwecke um 1 147 548 M.. und zwar von 5 968 770 M. aus 7 116 318 M. Lohn- bewegungen wurden insgesamt 8044(2b 968) geführt, wovon allein 4242~ 52,7 Proz. Abwehrbewegungen waren. 802 dieser Bewegungen waren Streiks, und davon wieder 599 74,7 Proz. 2l b w e h r st r e i k s. Hierzu kommen noch 127 Aussperrun- gen. Diese Zahlen zeigen schon am deutlichsten, daß die Gewerk- schaflen im Vorjahre sich fast überall in der Abwehr gegen Vnlernehmerangrisse auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen befanden. Erfolgreich beendet wurden 66,5 Proz. dieser Bewegung«». M't dieser Darstellung wäre in großen Strichen das hervor- stechendste des Jahrbuches skizziert. Das Buch behandelt aber noch eine erschöpfende Fülle anderer mit der Gewerkschaftsbewegung eng verkmipster Fragen und Ereignisse des Vorjahres, So wird darin ein Ueberblick über die Entwicklung der deutschen Wirtschast tm Jahre 1926 gegeben sowie über die Stellungnahme der Gewerk- schaften zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Unternehmer und der Regierung. Es wird weiter«ine eingehende Darstellung der Vorgeschichte, des Verkaufs und der Ergebnisse der Weltwirtschaft»- konferenz und der Untersuchungsergebnisse des Enqucteausschusses gegeben. Interessant ist auch die Berichterstattung über die iozialpositischen Ereignisse des Boriahres und die Sta- Issiiken über die Entw'cklssng der Tariflöhne. Desgleichen auch die Kapitel über die Reform der gewerkschaftlichen Ver- woitung, dos gewerkschaftliche Bildungswesen und das zum erstenmai aufgenommene Kapitel über di« Bauhütten, Volkssürsorge und Arbeiterbank. Alles in allem bietet das Jahrbuchjedem Gewerkschaftsfunktionär eine Menge von Anregungen und Belehrungen, deren er im Kample für die V-rbreitung der gewerkschaftlichen Ideen heute mehr als je bedarf. Dieses Vach, das in seiner Mannigfaltigkeit die Lebens- kraft der Gewersschasten widerspiegelt, sollte jeder Funktionär in seinem und seiner Gewerkschaft Interesse zu erwerben suchen Ausbreitung üer Serufsberatung. Die Berufsberatung hat in verschiedenen Län- dern Fortschritte zu verzeichnen. In Frankreich hat der Präfekt des Seme-Departements die Aufmerksamkeit der Erzieher aus die Bedeutung dieser Angelegenheit gelenkt. Es wird vor- geschlagen, an jeder Volksschule einen Ausschuß sür Berussberatung zu errichten. Dem Ausschuß sollen angehören: Der Schuldirektor, die interessierten Lehrer, die ärztlichen Aufsichtspersonen, ein Fach- mann aus dem Gebiet der Berufsberatung und je ein Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. In der Schweiz fand die 4. Konferenz der Berufsberater statt. Es beteiligte» sich 40 Jnter- essenten aus 13 Kantonen. Verhandelt wurde über die leitenden Grundsätze der Berufsberatung und über die praktische Seite der Lehrstellenvermittiung. In Polen Hai das psychviechnische Institut zu Warschau trotz seines erst kurzen Bestehens bereits 500 Schüler geprüft, deren Berufsberatung besonders schwierig war. Auch das gemeindliche Laboratorium für Psychologie in Lodz entfaltet einä rege Tätigkeit. In Deutschland liegt bekanntlich dem Reichstag ein Gesetze eniwurs über Berufsberatung vor. Er bezieht sich auf schul- entlassene Kinder unter 14 Jahre», auf Jugendliche von 14 bis 16 Jahren, sowie aus ältere Lehrlinge beiderlei Geschlechts, die vor Vollendung des 18. Jahres in eine Lehre traten. Am(5. Sepiember, Meegens 4 30 Uhr. verstarb nach kurzem, quaivollrm Leiden mein lieder Mann Martin Zimmermann im 81 Lebenslahre. In tielein Schmerz um ktill, Teil. nahm» bitte» Aujruste Zimmermann. Treptow, meldoizltr 412 Die Trauerfeier findet am Eon»- abenb. dem Iii. September,»achm z>/, Uhr. im Krematoriiim Baum- fchulenweg ftott Hühneraugen Hornhaut, Schwielen und Warzen beseitigt idinell, sicher u. schmerzlns Kukirol UielmiWoneufa ch bewährt Packuno 7S Pfg. Wer fMallarSeiter-VsM Verwaltungssteile Berlin. Den Mitiiliebern zur Nachricht. dafi unser Kollege, der Klempner Martin Zimmermann am S Sepicmder gellorben ist Die Sinilfchirung findet am Sonnabend, d. 10. September, lö'/j Uhr, tm Krematorium«aumlchulenweg statt. Am 8 September starb unser Kollege, der Klempner Riciiarä Urban Die«eerdigung findet om srreitag. dem 9 Eevtember, 18', Uhr, von bor Leichenhalle des Alten Nitoiaiürch- Hots, Prenzlauer Tor, aus stall. Unser Kollege, her Nohrlegeiheiier krieSried Skndier ist am 7. Sepiember gestorben Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 10. Sevlenidsr, 18 Uhr. von der Leichenhalle de» Gemeinde. lricdhol- in Pankow, am Glltrrhahii' hol. au» stall Ehre therm Andenken! Rege Beteiligung erwartet Sic Octsoacioaltong. Bckieioiiniissiudte, Wasclle usw Wenig getragene, teils aus Seihe gearbeitete, crstklalsige Iackettanzllge, Frack. anzllge, SmokinganzUge, Srhrockanzllge, Ätnterpaietots, Ulster. Bauchanzllge, sür jede Figur palsrnh. auherdem hoch. clcgantc neue Sarhsrode, von»rstklafit. gen Schneidern gearbeitet,»u ltgunenb dilligen Prsile» Herren-Seh. unb Spartpelzc. Besonders billig: Pelz. jackon, Pelzmäntel im Leihhaus Lowick!, Prinzcnftrahe l0ö.»ine Treppe. 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Er war, wie Charly Moser, von dem noch die Rede sein wird, ein ehemaliger Kriegsgefangener. „Babuschkin ist heute abend ertrunken," sagte Granach seufzend,„Babuschkin, die treue Seele vom„Goldrven Sand"." Sein Boot wurde von einer Barke, die mit Ziegelsteinen beladen war, gerammt. Die Teufel hatten es so eilig, stoppten kaum zehn Minuten die Fahrt, setzten neue Segel auf und schwammen weiter. Rarau- Kusch, der Kalmück, fand Babuschkin blutig am Ufer. Die Strömung hatte ihn angespült. Er war tot. Sein Kops war zertrümmert, als habe er einen furchtbaren Schlag bekommen. Die Bark« hotte das Boot gerammt, man fand es einen Kilometer weiter unten. Die Wasserpolizei ist benachrichtigt, aber sie nracht, wenn sie die Schweine in der Bark« fasfcn, den armen Babuschkin auch nicht mehr lebendig. Sein Schädel ist durch so einen verdammten Ziegel vollkommen zertrümmert... Ein Ziegelstein ist eine furchtbare Wasse, Charly, ja, und auch ich habe sie einmal gespürt. Damals war ich noch ein ganz junger Bengel, sechzehn Jahre alt und voller Romantik. Ich weiß nicht, ob eure Wege bis heute immer glatt und eben waren, wandte sich Granach an uns. Meine Wege waren es nicht. In der Jugend ist viel mehr Finsternis als Licht, viel mehr Gefahr und Ber- wirrung als später. Die Berklärung der jungen Jahre ist sehr oft nur eine Angelegenheit der alten Dichter, die sich ausgeschrieben haben, als Wahrheit und Wirklichkeit. Denkt selber nach über eure Aengste... Mit sechzehn Jahren interessiert man sich nicht jeden Tag zehn geschlagene Stunden für Rundeisen, Bundeisen, Bairdeisen und Winteleisen, aber in dem Geschäst in Augsburg, in dem ich damals arbeitete, sollte ich mich durchaus dafür interessieren. Ich tat es nicht und lief bald davon. Marschierte auf Berlin zu und sand unterwegs einen Freund. Berlin war unser Ziel. Aber eine Stadt ist niemöls Ziel oder Ende, sie ist immer nur ein Ansang, Charly, nicht mehr wie unser Blockhaus, das heute noch geschichtslos ist und in zehn oder zwanjig Jahren an der Hauptstraße einer neuen Siedlung stehen kann. Es kommt nämlich darauf an, was man aus den Dingen macht, und nicht, was die Dinge aus einem machen, das ist der große Unterschied und will beachtet sein. Wir wollten Berlin erobern, aber Berlin eroberte uns. Als wir keinen Pfennig Geld mehr hatten, ließen wir uns durch«inen zufälligen Bekannten überreden, Arbeit im Ruhrgebiet anzunehmen. Der Bekannte war der zufällig« Bekannte von vielen jungen Leuten, die in Berlin hungerten. Wie eine Hyäne war der Kerl, Charly,«ine Hyäne auf dem Schlachtfeld des Lebens. Bon dem Stellenuermittler, durch den wir die Arbeit bekamen, kriegte er sür jeden gutgewachsenen jungen Burschen drei Mark. Dafür hätte er auch seinen besten Freund verkaust. Vorausgesetzt natürlich, er hätte einen besten Freund gehabt. Wir fuhren an einem späten Abend von Berlin los und kamen rm Margengrauen im Ruhrgebiet an. Wir hatten uns für kein« Grube und auch für kein Walzwerk verpflichtet, wir hatten Arbeit in einer Ziegelei angenommen. Den Kontrakt von damals kenne ich nicht mehr. Mit sechzehn Jahren unterschreibt man jeden Kontrakt. Am frühen Morgen kamen wir an. sagte ich. und durch Nebel und Rauch konnte man das Feuer der Hochöfen sehen. Das ganze Land schien aus Rauch und Feuer zu bestehen. Dazu dröhnt« unterirdisch die schwere Arbeit. Der erste Eindruck war, als müsse die schwere Arbeit immer mit Rauch und Feuer verbunden sein. Aber der Eindruck ist falsch... Unser Freund Narau-Kusch ist ein Kalmücke, und er kennt nicht die Arbeit in einer westfälischen Ziegelei. Er kennt nur sein Dorf in der Steppe und den Fischfang in der Wolga. Sein Gott ist ein goldner Buddha, der über das Schwergewicht der Welt lächelt. Unser Gott damals war kein goldner Buddha, Charly, er hieß Kuhlenkamp und lächelt« selten. Er ivar nämlich der Antreiber in der Ziegelei, in der neben uns zwanzig polnisch« Wanderarbeiter schufteten, wie eben nur polnische Arbeiter schuften können, die der Hetzpeitsche ihrer Gutsherren entlausen sind. Unser Kuhlenkamp trank gern Schnaps, und in der rechten Hand trug er immer eine Hundepeitsche. Das kann ja schön werden, dachte ich schon am ersten Tag. Mein Freund kam an die Presse, und ich mußt« an die Lori. Dieser eiserne Wagen war wie ein Schicksal. Und ich habe mich ihm entgegengestemmt bis zur Bewußtlosigkeit, kann ich euch sagen, und am Abend dachte ich, Mensch, dein« Knochen sind zerbrochen und deine Haut ist zerfetzt. Aber der Mensch erträgt mehr als ein Tier... Mit blutigen Händen schob ich die Karre über die Schienen und Drehscheiben. Aber die Drehscheiben waren ausgeleiert, und wenn sie dann richtig im Schwung waren, rissen sie uns mst der Karre herum im Kreis. Bis der Kuhlenkamp kam. Da nahmen wir uns zusammen und schasften es doch. „Roch ein Glas Tee, Charly..." Charly bracht« den Tee, wir schwiegen und hörten die hastigen Schlucke Granachs, der so gierig trank, als müsse er jetzt noch den Staub hinunterschlucken, den er in jener Ziegelei eingeatmet hatte. .Er brüllte uns an, der Kuhlenkamp," erzählte Granach weiter, .und' am Abend sagte mein Freund Karl zu mir:„Hier werde ich nicht alt. Hans, und wenn der Ali« morgen wieder so tobt, da baue ich ab." Ohne zu überlegen jagte ich:.Und ich hau« auch ab, Karl, und wir machen nach Hamburgs Am nächsten Tag war Kuhlenkamp nicht da, er kam erst am übernächsten Tag. und da kam der große Krach. Es war kurz vor der Mittagszelt. Ich arbeitete an der Presse und Karl war an der Lori beschäftigt. An der verfluchten Drehscheibe ging es los. Das Aas tanzte wie verrückt herum, und die Leute konnten den Wagen nicht in das richtige �Gleis bringen Da stürzt der Kuhlenkamp mit der Hundepeitsche hinzu und brüllt:„Na. ihr Pollacken, ich soll wohl mit der Peitsche kommen?" Da brüllt der Karl keuchend zurück:„Dir sind keine Pollacken, und wenn wir Polen wären, da braucken wir die verdammt« Hundepeitsche auch nicht. Das Amerika verbietet öie Gzeanflüge. ,Uieüer ertrunkene ZUeger, aoh- ui langueilig! Sollen sich mal enülich andere Toüesfenfation ausdenken!� sollen Sie endlich wissen." Da ließ der Kuhlenkamp die Peitsch« durch die Luft sausen und brüllte:„Du hast da» Maul zu halten, du krummer Hund, du krummer!" Da wird der Karl ganz weiß im Gesicht und geht mit beiden Fäusten aus Kuhlenkamp zu und schlägt sie ihm in die Visage. Da» hättet ihr sehen müssen: ein kleiner Ziegenbock greift einen Bussel an! Wir setzten die Arbeit aus und ließen die Press« leer laufen, und wir alle, auch die Polen, blickten auf Kuhlenkamp und auf Karl, aus den kleinen David, der den Riesen Goliath angreist. Und wie verhält sich der Riese Goiiaih, Charly? Schlägt er vielleicht wieder? Nein, er schlägt nicht wieder, er verzieht kaum das Gesicht, Er hat die Hundepeitsche sallc» lassen und greift hinler sich be> dächtig in die Lyri, holt sich einen srtschgepreßten Stein und schlägt ihn dann schnell von oben herab dem Karl aus den Kopf. Das war so niederträchtig und gemein, so heimtückisch und unerwartet, daß wir alle erstarrten. Der Riese Goliath nimmt einen Stein und schlägt den kleine» David nieder! Karl stürzte auf die Erde. Plötzlich fing Kuhlenkamp an zu lache», als fei da» alles nur ein vortrefflicher Scherz,«in wohl- gelungener Spaß. Er lacht und lacht und wendet sich dann, immer noch lachend, der Presse zu und schreit:„Los, ihr Pollacken, arbeitet, sonst versaut ihr ja die Moschine!" Da klaischtc aber ein neuer Stein durch die Lust, siel scheinbar aus dem blauen Himmel und warf den Kuhlenkamp quer über die Schienen. Ich lief zu Karl, aber ein polnischer Arbeiter war mir zuvorgekommen, hielt de» Betäubten in den Armen, massiert« die Brust und machte künstlich« Atmungen. Nach einigen Minuten kam Karl zu sich. Wir schleppten ihn in die Kantine Kuhlenkamp aber kam nicht mehr zu sich. Sein Blut quoll in dicker Lach« über die Schiene. Wer diesen Stein geworfen hat, weiß ich nicht. Ich sah nur den einen Schlag aus Karl, und ol» der zweit« Stein siel, war er für mich einfach nur der andere Boll in dem grauenvollen Spiel, das der Kuhlenkamp begannen hatte. Wer der Gegenspieler war, wollt ihr wissen? Wahrscheinlich«in polnischer Arbeiter, der nicht den polnischen Knuten entlaufen war, um unter deutschen Hunde- peitschen zu arbeilen. In jedem Sklaven ruht«in Rebell,. Plötzlich wurde die Türe ausgerissen, die Nachtkühle stieß ins Zimmer, und mit dem freien Atemzug von der Wolga kam ein Mann vom Wasserschutz und meldete, daß die Kalmücken in unserem Fanggebiet räuberten. Wir gaben dem Mann die strengsten Instruktionen und vergaßen vollkommen, ihm auch die große Bar- lasse zur Verfügung zu stellen. „Karl kam sehr bald zu sich," fuhr Granach fort, als der Störenfried gegangen war.„Und wir ließen uns die Papiere geben. Wir bekamen sie auch, trotzdem vierzehnlägige Kündigung vereinbart war. Auch in die polizeiliche Untersuchung wurden wir nicht verwickelt. Der Alte gab uns die Papiere. Ich glaube, der Ziegelstein hat ihn an jenem Mittag auch gestreift. Er war ja nur solange der Herr, solange irgendein Kuhlenkamp mit der Hunde- peitsche für ihn knallte. Am Abend kam die Polizei, aber wir waren schon über alle Be'ge. In Hamburg trennten wir uns. Karl bekam Arbeit auf einem SchUf. Später bat er auch einmal geschrieben:„Lieber Hans," schrieb er..ich schreibe aus Amerika und denke immer noch an unsere Wanderschast. Do» waren Tage! Ich denke auch an den Ziegelstein, der mir da« Leben rettete." Seht, so ein Kind war der Karl: der Ziegelstein, der ihm das Leben rettet«! Und dabei war es nichts als«in blinder Zufall, daß der Kuhlenkamp einen ungebrannten Ziegel erwischte!" „War da» auch ein Zufall, daß der polnische Arbeiter einen gebrannten Stein schlevderle?" fragte Charly. „Rein, das war kein Zufall, denn der Büsfek Kuhlenkamp tonnte nur durch einen richtigen Ziegel erledigt werden..."„Ich glaube." sagt« Granach mit neuer Stimme,„ich glaub», wir sollten die Kalmücken nicht allzuernst nehmen und mst der Barkast« lieber den alten Babuschkin nach Astrachan bringen, damit er»in richtiges Grab bekommt Er hat es verdient, das tapfer« Eeelchen." Am nächsten Morgen fuhren wir den toten Babuschkin nach Astrachan. Trotzdem er, als er lebte, nur«in ganz kleines Boot besaß, gingen die Matrosen der Handelsflotte und viele Wolga- schiff«? hinter seinem Sarg. Auch Narau-Kusch, der Kalmück. nahm Urlaub vom Fischfang und gab seinem Genossen die letzte Ehre. Sprachunterricht im Mutterleib. Interessante Beobachtungen an taubgeborenen Tieren. Von Dr. G. B. M e n d e l. Man sollt« gar nicht glauben, wie häufig unier unseren Haus- tieren Taubheit von Geburt an ist. Aber da diese Toubhrit«igem. lich nur bei sorgfältiger Beobachlung erst bemerkbar wird, so kommt auch nur ein Bruchteil der Fälle überhaupt zu unserer Kennini». Sehen wir zunächst einmal völlig ab von den japanischen Tanz- mäusen. denen die Gehörlosigkeit künstlich angeziichtet wurde und die gerode deshalb ihr« grotesken Drehbewegunzen ausführen, um mittels de» nun übersteigerten Geruchssinnes in wirbelnder Fahrt sich hinreichend zu orientieren: besassen wir uns vielmehr nur mit solche» Fälle», wo diese Taubheit als Krankheit auftritt. Am betannt«st«n dürfte» dafür wahrscheinlich die weißen An- gorakatze» geworden sein. Sagt man doch, daß alle weißen Angara toter mit blauen Augen regelmäßig taub seien, die Katzen dagegen nur selten. Nach meinen Ersahrungen stimmt diese Regel freilich nicht ganz. Ich kenne derartige Kater, die ausgezeichnet hören, umgekehrt aber auch Katze», die»aub sind. Jedensalls kann man jagen, daß die?« Raste durch Ueberzüchtung unbedingt dazu neigt, den Fehler zu vererben. So befindel sich z. B. in meinein Besitz«in weibliches junges Kätzchen von jleckenlojein Weiß, das nur einen Schuh An- gorablut in seinen Adern trägt, das aber trotzdem auch angeborene Gehörlosigkeit als Rasseerbteil überkommen hat. Dabei hat das Tierchen nicht einmal zwei blau« Augen, sondern nur eines, während das andere grün geraten ist. Und damit mein Pech nicht allein steht, hatte ich außerdem noch einen jungen weißen Spitz, der ebenfalls stocktaub gebore» war. Wie schwer bei beiden Tieren der Fehler zu erkennen mor, möge man daraus ersehen, daß es bei dem Hund fast eine» Mvnal, bei der Katze immerhin über zwei Wochen dauert«, bis wir dahinter kamen, daß sie nicht hörten. Man sieht daraus, daß das ganze Benehmen der Tiere derart normal war, daß man kaum aus den Gedanken kommen konnte, sie könnten einen Sinnesfehler haben. Hieraus aber lassen sich einig« interessant« Schlüsse über das große Thema ziehen: Ueberwiegen bei den Tieren angeborene Fähigkeiten und Instinkte oder lernen sie das meist« sür ihr Leben wichtige erst nach der Geburt? Ich möchte sagen, daß die wenigen Beobachtungen an diesen beiden Einzelfällen doch schon zu dem Schluß berechtige». Fast alles Lebensnotwendige an geistigen — und großenteils sogar auch körperlichen— Fähigkeiten empfängt das junge Tier bereits im M n t i« r l e i b c! Wie nämlich wäre es sonst niäglich, daß der taubgeborene kleine Hund und das ebenso sinncnverkrüppel'.e Kätzchen sämtliche Laut- äußerungen genau so bringt, wie die normalen Artgenossen? Der Hund bellt, winselt, knurrt oder jault nicht um einen Deut anders, als seine gesunden Geschwister: das Kätzchen miaut, saucht, knurrt und schnurrt in den leisesten Tonnuancen wie jede andere Katze! Run wird man einwenden, beide Tiere könnten erst eine Weile nach der Geburt durch irgendeinen Unfall oder eiwa«inö Erkältung ihr Gehör verloren haben. Das aber ist hier ausgeschlossen. Nicht nur waren beide von Geburt an kerngesund, es sind vielmehr auch wirkliche organische Verkümmerungen im inneren Ohr bei ihnen festgestellt worden. Da also beide rettungslos taub geboren sind, fo hatten sie auch keinerlei Möglichkeit, ihre„Sprache"— und eine verhältnismäßig recht vielseitige, reich modulierte Sprach«— mit dem Ohr auszu- nehmen und zu erlernen: sie war eben angeboren! Während taubgeborene Menschenkinder nur mühselig den Klang unserer Worte imitieren lernen— immer bleibt ihnen die Taubheit anhör- bar—, während selbst die menschlichen N a t u r l a u t e vielsach bei ihnen fremd klingen, haben also die taubgeborenen Tiere alle Element« ihrer natürlich wesentlich einfacheren Sprache bereits als Embryo in ihre Gehirnwindungen eingeprägt erhalten. Für unsere Psycho- und Physiologen dürsten also derartige kleine Beobach- tiingen recht wichtig und interessant sein Sie könnten ein erheb- liches Beweismittel für gewisse Tbeorien weiden, sofern nicht diese leicht anzustellenden Versuche bereits bekannt sein sollten. Wie es scheint, ist das ober nicht der Fall, da mir bisher in der einschlägigen Literatur nichts darüber ausgestoßen ist. VibNotheken. Die größte Bibliothek der Welt ikt die Sibii-stheque Nitionale zu Paris mit einem Bestond von Z.S Millionen Bonden, erst dann kommt die Preußische Staatsbibliothek in Berlin mit 2.1 Millionen Bänden. Da Deutschland die meisten Bibliotheken besitzt, stehen wir mit einem Bestand von 44 Millionen Büchern an erster Stelle. Würde man diese Bücher aufeinander legen, so erreichten fi« ein« Höhe von 1200 Kilometer: stellte man sie neben- einander, erhielte man ein Band, das von Berlin bis Madrid reichte. Leipziger Str./ Alesanderplatz/ Frankfurter Allee WiUtjUiMHeiHt' I Wiidu GefSissel Belle-Alllance-Str./ Brunnenstr./ Kottbuser Damm/ Andreasstr./ Chausseestr. Mengenabgtbe vorbehalten. Versand von frischem Fleisch findet nieder statt Verhaut soweit Vorrat Süliwurst....... ptand 95?t SPGCkWWSt...... Pfnnd95pi. LDndlefierwurstpfnndSSpi, ingö�rst...... piunatZO HildgsheiinßfArtptd.1.30 M2ttTOt,�.8Äll3ß Feine Leberwurst«d. 1,40 Bierwurst........ Pfund 1,70 tiagererSßeck..pfundl.ZO Teewurst........ �1,65 Holst. Solumi..ptnnd 1,70 Mausschinken.. pmnd Z.00 20 Jg.GfinseietV!hmÄ9Bp<- Jg. Enten;ef.h!!sÄl Jg. Brathühner Suppenhühner wÄo 95" Stack 1 jj25 friieh ee-< 35 8chlacht.Pfd. 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Biöiterteighretzei� 38?.. Sclimelzhorke.(.Pfund 38?.. 1 Runiijonihen pf.a d. Z5pf. Voilmilch und Volimilch ituss.-»g..- �...1° 1,10 MUiiiüoswj bQriorrtoc-�var>rirg-vr.rw>—■, Freitag, 9. 9. 27 Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Anf.8 Uhr Barbier v.Bagdad Stull. Sdiipspielli. In Gendarianmarkl 8 Uhr Maß für Maß Freitag, 9. 9. 27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turn. II, Anf.8 Staatl. Sdiillertti. Charlottenburg 8 Uh/ Manni! Volksbühne Iliesltr m Bülovplaff 8 Uhr Ein lontmeroadits- iraoiD. TR. an SdiifffananlainR 8 Uhr: George Dandin WWWZ Nollendorf 7360 Die September- Variete-Revue Sonnabends u. Sonntags 2 Vorstell. S30 o. 8 Uhr— 3» zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. Quedlinburg die alte schöne Stadt Kostenlose Auskunft d. Verkehrsamt vBUHecH sonoeo-AMoeßor Jtaddatz&t? Bar J in, Leipziger Str. t22'?2d DeolsdiEsTtiealßr Norden 10334—37 tU. Ende 11 U, Der Arzt am Sdicidewee Komödie von Bernard Shaw Dienstag, den 13. IrMo.lroM Kararaerspiele Norden 10334-37 3'/,U. Ende 10'/, U. 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Kunstler-Ih. 8 Uhr „Die Dame von Maxim" Lessing- Theater 8 Uhr .XöDig Peinridi IV" Grosses Dia neue CHARELL« Inazmieranc mit Pallenberg Rita Georg Bendow 3ankuhn Szöke Szakall Werkmeister Westermeier » iadfson Bojs wsdiiie Gills » Vorverkanl 10—6 Uhr Theater des Westens Hur ßodi 10 Tage! Täglich 8'/, Uhr: Die Tugendprinzessin Hella Rnrtv. JMinM. Varliei Lafvig. tartin Bali aar. EBitb Kant, Bajler. H. UtuUh Preise 1,2, 3 M. usw. Walloei-ntti Täglich 8'/, Uhr Alt-Heidelberg Sdiampial wa Kqnr-fKntii Sattaii, Kopier. Släs»l,Btrtjl Preise i 1,-. 2,-, 3,- M. usw. Trianon-Tlieifer So 8"4 Uhr: ein Mädel (Das Extemporale) lushait! m Stirn o. Färb« Bant Slam, ItmaKlain. Baibarg. Tui Baal. fnin. Vorzeiger zahlen für Parkett nur 60 Pf. Lustspielbaus 8V, Uhr: Jilmroniaiiliir WaUiaiia- meaf Täglich SlU Uhr; Am ODdesheiiuer SdiloS steht eine Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tanz. Parkett statt 4 Mk. tägl.aueh Sonntags nur 6« PL m- ThedtSur, Nach der bekannten Operette von Oscar Straus, Julius Brammer, Alfred Gruenwald Ufa-Paramount-Fllm im Verleih der Parufamet Regie: Dr. A. Robison In den Hauptrollen: Lfaiie Haid/ Suzi Vernon Willy Frllscn/ fl. A.Sdile0ow Wochentags[T][Tl Sonntags[T][T][Tl UFA-THEATER TURMSTRASSE KS NIGSTADT ALEXANDERPLATZ FRIEDRICHSHAIN WEISSENSEE •<$>■ Relchshallen-Theator Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit In der MüllerstmUc Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz t heater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich S U. u. Sonntagnehm. 3 U. .Elite-Sänger ' In Ihrem SHklager-Programm I Volkspreise von SO Pf. bis 2�0 M. Sonntag nach mittag: "flrofje PamiileD'VorsteuaDS Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M- GröBter Lacherfeig! Comp!. Radio- Anlagen £ 3 P-JlHKtN-Appflf,ATE mii Laubprecher y�€\Mk. 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Oktober 182». und die zu ihrer Herstellung be- nutzten Platten und Formen sind unbrauchbar zu machen.. Dem beleidigten Nedenflöger Oberpost. baurat Rasten und den übrigen Verletzten wird die Besttgni« zugesprochen. den erkennenden Teil des Urteils sechs Wochen nach Zustellung de« rechtskrailigen Urteils an. ihn einmal auf Rosten des Angeklagten In der..Roten Fahne-, dem „Bonnatis" und dem„Berliner Lotai» Antetger- dekauntzumachen. Das Urteil ist oollstreckbar. Ott<6 s n sc a Ifl aa I s an wall beim CandqctichC I. Noritzplatz. Aschinger. auch Motor. _____ Werte, Pfiindcroerlau/.