Nr. 42$ ♦ 44. �fahrgaag Ausgabe A Nr. 21$ Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pknniq.««»atlich 3.— Zicich-marl voraus»aklbai. Unter Streifbond im In. und Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. Z�er„Vorworts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit' sowie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen'.„Aus der gilmwelt". „Frauenstimme".„Der Kinder- freund"..Iugenb-Borwörls',„Blick in die Bitcherwelt' und„Kultur. arbeit" erscheint wochentiiglich zwei. mal. Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: „Sozialdemokrat verlta» Morgenansgabe Verliner VulKsWatt Groh-Berlrn 10 Pfq. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreije: Die e i n f v a I t t a e Ronpareilic. geile 50 Bkennia. Rcklamereite 5,— Reichsmark.„Kleine Angei»ci>' das fettgedruckte Wort 25 Bfennio fguläfsta gwei fettoedruckte Wsrte>� jedes weitere Wort 12 Mennig. Stellengesuche das erste Wort l5 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- stabcn gählcn für � iwci Worte. Arbeitsmarlt Zeile 00 Pfennig. gomilienangeigen Mr Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigenannahme im HanPlgeschüII. Lindrnstrahc Z, wochentiiglich von 5li bis 17 Uhr. Zentralorgan der öozialdcmokrati fchcn Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Serlln EW. öS, LinSenstraße Z i I Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SM. HS, Linöenstr.Z '?ränl,nik'£W2. ti hüllt wird." Ein Nachspiel zum Katholikentag. Rüffel für Wirth»nb Teipel. Dortmund, 9. September.(Eigenbericht.) Der Reichsparteioorstoiid des Zentrums und der Vorstand der Reichstagsfraktion befaßten sich im Anschluß an den Katholikentag mit der politischen und innerparteilichen Lage. Nach einer- eingehenden Aussprache wurde einstimmig eine Kund- gebung beschlossen, in der die Konfessionsschule als ein w e s e n t- liches Ziel der Zentrumspolitik und der vorliegende Entwurf eines Reichsschulgesetzes, vorbehaltlich notwendi- ger Verbesserungen im einzelnen, als diesem Verlangen entsprechend bezeichnet wird. In der Kundgebung heißt es dann weiter: Die Vorstände der Deutschen Zentrumspartei und der Reichs- tagsfraktion des Zentrums sprechen deshalb einmütig ihre schärfste Mißbilligung darüber aus, daß Angehörige der Zentrumspartei, sogar der Zentrumsfrattionen, in össentlichen Kund- gebungen sich bereits jetzt gegen den vorliegenden Reichsschulgesetz- entwurf ausgesprochen haben, ohne erst die weiter« Beratung abzuwarten. Einzelne Parteiangehörige sind bedauerlicherweise so weit gegangen, die Simultanschule als die auch für die Erziehung des Kindes vorteilhaftere zu erklären, eine Auffassung, die mit dem Standpunkt der Zentrumspartei unvereinbar ist. Die Vorstände warnen die Parteiangehörigen aufs ernsteste, in der Sorge für die Sicherung der Konfessionsschule nachzulassen. Wer den Schutz der konfessionellen Schule durch ein Reichs- gesetz, soweit an ihm liegt, durch persönliche Maßnahmen zu vor- hindern versucht, stellt sich außerhalb der Zentrums- Partei. � In der letzten Zeit sind in gegnerischen Blättern von Parteimitgliedern Angriffe gehässiger und ehrenrühriger Art gegen Persönlichkeiten, die Vertrauenspersonen der Partei in verant- wortlichen Stellungen sind, erhoben worden. Die Vorstände weisen diese illoyale und jeder Zentrumsgesinnung bare Kampfeswcise mit schärfster Entrüstung ab. Wer mit solchen Waffen für seine politische, Meinung kämpft, kann nicht mehr als Zentrun, smann, geschweige denn als Zentrumspublizstt, angesehen werden. Die Entschließung verzichtet daraus, die Persönlichkeiten, gegen die sie sich wendet, zu nennen. Aber zweifellos ist sie gedacht gegen den Reichskanzler a. D. Dr. Wirth und den bekannten Zentrums-s Publizisten Dr. Teipel. Trotzdem dürften beide vorläufig nicht daran denken, aus der Zentrumspartei auszutreten, und da auch der Vorstand des Zentrums sich der parteipolitischen Gefahren be- wüßt ist, die mit einem Ausschluß der genannten Persönlichkeiten verbunden sind, ist der Entschließung praktische Bedeutimg kaum beizumessen. Sie dürfte wahrscheinlich das bleiben, was sie ist, eine Beruhigungspille für die deutschnationalen Freund« im Zentrum. Deutsthe Sauernschast. Endgültiger Zusammenschluß der Klein- und Mittel- betriebe. Im Reichstagsgebäude tagten gestern die beauftragten Vertteter> des Reichsoerbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe des Bayerischen Bauernbundes und des Deutschen Bauernbundes. Sie vollzogen die endgültige K o n st i- tuterung der deutschen Bauernschaft. Zu Vorstands- Mitgliedern wurden gewählt die Herren Minister F e h r und die Landwirte E v e r s(Sachsen), Hildebrand(Schlesien), Marth (Pommern), Kühr(Emsland). Reimers(Hannooer), außerdem wurden die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses gewählt. Der Ausschuß selber wählte zu seinem Vorsitzenden den Landwirt und Abgeordneten Wachhorst de Wente. Als Geschäftsführer wurden bestimmt die Herren L ü b k e und Müller Auflehnung in Litauen. Truppcnkonzcntration in Tauroggcn. Tilsit, 9. September. � Wie aus dem Memelgebiet verlautet, ist es in den letzten Tagen in Litauen zu Unruhen gekommen. In T a u r o g g e n kam es zu Zusammenflöhen. doch steht noch nicht fest, welchen llmsangs, da alle Nochrichten von der litauischen kriegszensur unter- drückt werden. Daß die Unruhen ernsterer Natur sind, beweist die Talsache, daß gegen die Ausrührer Militär anjgcboteu worden ist. wie zuverlässig vertontet, ist der größte Teil der titau- Ischen Garnison heydekrug nach Tauroggen abgegangen, auch aus Memel sollen Truppen nach Tauroggen entsandt worden sein. Ob sich noch an anderen Orten, insbesondere in k o w n o Unruhen er. eignet haben, ist noch ungewiß. Der Grenzvertehr über die Tiljiter Luisenbrücke nach dem Memelgebiet ist um iVi Uhr nachmittags gesperrt worden. Gleichzeitig trafen litauisch« Truppen in Uebeememel ein, die die VrückenkLpse der Luisenbrücke und an der Eisenbahnbrücke bewachen. Starte Ossizlerpatrouillen halten das nördliche Memel- ufer unter Bewachung. Außerdem sind von Memel vom Infanterie- regimenl Nr. 7 in Lastkraftwagen Truppen nach Po- gegen und nach Langszargen gesandt worden. 3n Pogegen hält eine Kompagnie des genannten Regiments den Bahnhof sowie die Hauptstraße Tilsit— Memel unter strenger Bewachung, hierzu wird aus Riga gemeldet: heute früh um vier Uhr versuchten Kommunisten in der Kreisstadt Tauroggen die Ordnung zu stören. Den Regierungsbehörden gelang es. die Unruhen zu unter- drücken. Die Kommunisten werden verfolgt Sozialistische Kolonialkonferenz. Brüsseler Tagung der Internationale. Brüssel, 9. September.(Eigenbericht.) Im Dolkshaus wurde am Freitag die Kolonialkonfe- r e n z der sozialistischen Arbeiter-Internationale unter Vorsitz des Genossen V l i e g e n(Holland) eröffnet. Es waren ferner an- wesend Vertreter der Bruderparteien Belgien, Deutschland, Frank- reich, England, Rußland, Schweden und Sekretär Friedrich Adler. Di« Konferenz ist zurückzuführen auf einen Beschluß des inter- nationalen Kongrestes von Marseille, der dahin lautete, die Kolonial- frage auf die Tagesordnung des nächsten internationalen Kon- gresses zu setzen. De( Zweck der heutigen Konferenz war, dies vorzubereiten. Die Konferenz erklärte sich mit dem von einer Untertommission aufgefetzten Fragebogen einverstanden: er soll von den sozialistischen Organstationen der Länder beantwortet werden, die Kolonialbesitz haben. In den nächsten Tagen wird sich die Exekutive der Arbeiter-Internationale mit dem Ergeb, nis der heutigen Besprechung befassen. Als Berichter�"--- Vliegen in Borschlog gebracht. Der Toü im öergwerk. Zwei Bergleute tödlich verunglückt. Recklinghausen, g. September. Auf der Zeche General Blumenlhal gerieten in der vergangenen Nacht zwei Zimmerhauer unter plötzlich Hereinbrecheade Gesteinsmassen. Mährend der eine nur als Leiche geborgen werden konnte, verstarb der andere im Laufe des heutigen Tages im krantenho»-. Eine Granate im Hochofen exploüiert. pari», 9. September. Wie Haoas aus Amiens berichtet, explodierte in einer dorti- gen Gießerei, als man eine gewisse Menge Alteisen in den Hoch- ofea beförderte, eine Granate, die sich zufällig unter dem Alteisen befand. Durch die Explosion wurde der Hochofen zerst" und elf Arbeiter oerletzt, darunter zwei schwer. » �ur£agc in üer berliner Metallinüustrie. Bcrhandlungen in der Metallgießerei. Di« Verhandlungen im Anschluß an die Ablehnung des Schieds- spruches waren in später Abendstunde noch im Gange. Zu dem Ergebnis werden die Vertrauensleute heute nachmittag Stellung nehmen. Der Streik der Former bei Gradenwitz geht weiter, solang« die überaus schlechten Löhne beibehalten werden. Zuzug ist fern- z u h o l t« n. Ninigungsvorschlag im Streik bei Bergmann. Im Streik bei Be rg m o n n- Rosenthal ist in den gestrigen Verhandlungen ein« durchschnittliche Stundenlohn- zutage von fünf Pfennigen erzielt worden, womit die Dreher bei Bergmann eine Glcichgestcllung mit den Drehern bei Borsig erfahren sollen. Die Streikenden, deren Forderungen dieses Ergebnis näherkommt, werden heute vormittag 10� Uhr dazu Stellung nehmen und wahrscheinlich die Wiederaufnahme der Arbeit beschließen. Die öefolüungsverhanölungen. Der Reichssinanzminister hat gestern wiederum die Spitzen- organisationcn der Beamtenschast, jede für sich allein, empfangen. Soviel man hört, haben die Organisalionen zwar zu diesem und jenem Grundgedanken des Besoldungsplanes Stellung genommen, sonst ober erklärt, ihre endgültige Stellung bis zum Bekannt- werden der Vorlag« sich vorbehollen zu müssen. Eine Aenderung der Loge ist durch die Besprechungen anscheinend nicht herbeigeführt worden. Die Organisationen setzen ihre Hoffnung aus die nach Kcr Bekanntgabe der Vorlage noch stattfindenden Derhand- lungen, die im Laufe der nächsten Woche vor sich gehen werden. das üble Spiel üer Sraunkohlenherren. Die Lohnverhandlungc« sind gescheitert. Bei den gestrigen in Berlin geführten Lohnverhandlungen sür den mitteldeutschen Bergbau lehnten die Unternehmer jedwedes Entgegenkommen ab. Sie begründeten ihre Haltung da- mit. daß sie ohne Kohlenpreiserhöhung außerstande seien, Lohnerhöhung zu gewähren. Die Grubenherrcn des mitteldeutschen Brmmkohlenreviers wollen also den Kainps. Ihr brutales Nein gegenüber den von den Gewerkschaften gestellten Forderungen ist Heller Wahnsinn. Der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau kann ohne Kohlenpreis- erhöhung die Löhne erhöhen. Die Gewerkschaften werden zu dem negativen Ergebnis der Parteivcrhandlungen sofort Stellung nehmen. Der Ausgang dieser Stellungnahme ist leicht zu erraten, wenn man sich an die Funktionärbeschlllsse vom 4. September erinnert. In diesen Bc- schlössen wurde einmütig und entschieden zum Ausdruck gebracht, daß die im Braunkohlenbergbau beschäftigten Arbeiter es strikte ab- lehnen, zu den derzeitigen Löhnen weiterzu- -arbeiten. Stehen die Arbeitgeber wie bisher verständnislos den Lohnforderungen gegenüber, so tragen sie— einmütig wurde dies in 18 Konferenzen der Funktionäre, an denen über 2i>lA1 Delegierte teilnahmen, zum Ausdruck gebracht— die Verantwortung für olle Folgen ihrer ausschließlich aus Prositwirtschast gerichteten Einstellung. Für den Fall der Ablehnung der Forderungen beschlossen die Konferenzen, die Kündigung der Arbeitsverträge für den gesamten mitteldeutschen Braunkohlenbergbau durchzuführen. Anstatt von den zweifellosen Gewinnen einen Teil für die Lohn- aufbesserung herzugeben, wollen die mitteldeutschen Grubenherren eine Preiserhöhung erpressen. Statt etwas zu geben, wollen sie nehmen. Auch eine Lohnpolitik! Die mitteldeutschen Braunkohlenunternchmer spielen mit dem Feuer. Die Polizeibeamten zur Sesolöungsreform. In einer stark besuchten Versammlung, die vom Allgemeinen Preußischen Polizeibeamtenverband ani Donnerstag noch den Kammersälen einberufen war, wurde folgende Entschließung ein- st i m m i g angenommen: Die am 8. September 1927 im großen Saal der Kammersäle versammelten Groß-Berliner Polizeibeamten erwarten von der neuen Besoldungsresorm eine Zusammenlegung der vorhandenen Besol- dungsgruppen und«ine Verringerung der Spannung von unten nach oben. Reben der gerechten Eingruppicrung muß die Aufrückung nach Maßgabe des Dienstalters vor sich gehen. Die Grundgehälter sind so festzusetzen, daß sie auch den unteren Besoldungsgruppen eine auskömmliche Existenz bieten. Statt des Wohnungsgeld- Zuschusses ist der Ortszuschlag zu gewähren, und die Sozialzulagen sind im Grundgehall einzubauen. Da die bisherigen Besoldungs- regelungen mindestens den unteren Besoldungsgruppen nicht die Möglichkeit gaben, sich vor Rot und Verschuldung zu schützen, er- warten die Versammelten, daß durch die jetzige Besoldungsresorm die bisher gemachten Versprechungen in die Tat umgesetzt werden. Weiter protestieren die versammelten Polizeibeamten gegen die neue Dienstanweisung für Berlin, insbesondere gegen das darin enthaltene Zivil trageocrbot. Schon in der Vor- kriegszett ist diese Bestimmung für die Schutzmannschaft ausgehoben worden. Um so weniger rechtfertigt es sich in der jetzigen Staats- form, der Beamtenschaft solche Bestimmungen aufzuerlegen, noch dazu einseitig für die Berliner Polizei. Die Ver- sammlimg erwartet die Außerkraftsetzung der Dienstanweisung, da in absehbarer Zeit der Minister des Innern eine Dienstvorschrift für ganz Preußen erlassen wird. Arbeitseinstellungen in Mannheim. Mannheim, 9. September.(WTB.) Wie die Arbeiterzeitung meldet, besindet sich die Arbeiterschaft der Firma Bischof u. Hensel A.-G. seit gestern mittag im Ausstand. Die aus der Kupferschmiede Union A.-G. beschäftigten Arbeiter haben wegen nicht bewilligter Lohnforderungen ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Sic verlangey«ine Lohnerhöhung von 15 Prozent. Mctallarbeiterstrcik in Königsberg. Königsberg. 9. September.(WTB.) Eine Vollversammlung der Königsberger Metallarbeiter, die gestern abend stattfand, hat laut„Köuigsberger Volkszeitung" ein- mutig den allgemeinen Metallarbeiterstrcik in ganz Königsberg beschlossen. Die Zahl der Streikenden beträgt zurzeit rund 2009. Der englische Gewerkschaftskongreß. Gegen die Regierung Baldwin. London, 9. September.(EP.) Der Kongreß der Trade Unions in Edinburgh nahm unter lebhaftem Beifall einstimmig eine Entschließung an, in der die Gesetzgebung der Regierung Baldwin gegen die politische Tätigkeit der englischen Gewerkschaften ver- urteilt wird. Mehrere Redner versicherten, daß die englischen Arbeiter trotz der Haltung der Regierung in den Streik lrelen würden, sobald ihnen dies gut dünke. Ein Führer der Ar- bciterpariei erklärte, daß die Arbeiter sieben Zehntel der Stimmen der britischen Mählerschast besitzen, und wenn alle Möhler ihrer Mahlpslicht nachkämen, hätten wir die Ge- wißheil, daß die nächste Regierung von der Arbeiter- Partei gebildet wird. Der Delegierte der Beomienorganisaiionen keilte mit. daß sie sich, trotzdem ihnen die Regierung die Mitgliedschaf« am Kongreß der Trade Unions verboten habe, auf dem nächstjährigen Kongreß vertreten lassen. Schließlich nahm die Versammlung einstimmig eine E n i- s ch l i c ß u n g an, in der die Arbeiterpartei sich verpflichtei, so schnell wie möglich das Gesetz über die Arbeitszeit im Sergbau abzuschafsen. Moskau und London. Moskau, 8. September.(OE.) Der Beschluß des Kongresses der englischen Gewerkschaften,„das Band zwischen den Trade Unions und den Gewerkschasten der Sowjetunion zu zerreißen", wirkt in Moskau zwar nicht als be- sondere Ueberraschung, da die Sowjetblätter dies bereits voraus- gesehen und vorausgesagt hatten, doch wird die Nachricht trotzdem mit größter Empörung aufgenommen. Die„I s w e st i j a" wenden sich aufs schärfste gegen die Politik des Generalrats der englischen Gewerkschaften, die sie als„feindlich gegen d i e eigene Klasse" bezeichnen. Der Generalrat habe nun die Maske abgeworfen und zeige sein reaktionäres Gesicht. Die „Prawda" schreibt: Der Edinburgcr Kongreß habe die kühnsten Erwartungen des englischen Premierministers Baldwin iibertrosfen. Der Kongreß kapituliere v o l l st ä n d i g v o r der englischen Regierung, und unter diesen Umständen sei es auch nicht mehr verwunderlich, wenn der Kongreß den Bruch mit den Sowjetgewerkschaftcn beschließe,„um der englischen Bourgeoisie ein Bergungen zu machen". Beide großen Sowjetblätter geben aber der Hoffnung Ausdruck, daß die englische Arbeiterschaft andere Wege sinden und sich ihrer Führer entledigen werde. Die englische Presse über den Moskau-Bcschlusi. London. 9. September. lWTB.s Das Houptthema der Blätter ist heute d e r B r u ch des General- rates des Gewerkschaftskongresses mit den russischen G c- werkschaftcn. Dos Arbeilcrblatt„Daily Herold" schreibt: Der Beschlutz wurde gefaßt, weil die Methoden der russischen Führer im Augenblick nicht mit den Methoden und den Traditionen der britischen Gewerkschaftsbewegung übereinstimmen.„Daily Rems" erklärt, der Beschluß stempele die Arbeiterpartei endgültig zu einer Versassungskraft._* Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G.. Verlin. Mallslr. 65. ist täglich mit Ausnahme von Sonnnbend von 9— Z Uhr und 4— 6 Uhr, Soniiobends von 9— 1 Uhr geöffnet. Freie Gewerkschaftsjugend Groß-Berlin. Heute. Gonuabend, 20 Uhr, Begrüßungsfeier uuläßlich be« Besucke« unserer Dresdener Iugcndkollegcn in der Aulturabteilung de« DMV., Linienstr. 1»7. „Die Stadt der Millionen." Zutritt nur mit Einlaß- Vorführung de» Films: karten. Iugendgrnppe des ZdA. Heute, Sonnabend, 17 Besichtigung der Aus- stellung„Das junge Deutschland". lS Uhr in der Festkalle der Ausstellung Vorführung:„Ein Abend in der ZdA.-Jugend."— Mo- � und Lpielfahrt nach dem Lienewitzsec bei Michendorf. llorgen, Sonntag, Bade. Verantwortlich fllr Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: H. Aliagelhöfer; Eewerkschaftsbeuiegung: I. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowaki; Lokale« Verla und__________________-WIR_________.— I___ Hierzu 1 Beilage und„Unterhaltung und Wissen". m/tmmJ&m/wmüJm/t Arbellnf linier verband des Fiisenr' n. I Haardewerbes- iweidvereln Berlin Morgen, Sonntatf, abend* 7 Uhr, in der „Schlaraifta", Enckutr. 4(rerL CbarloUeiutr.) 38. Sflflunös-Fesi verbunden mit BannerWeUie u. groher Frlsurensdiau der Fadiabteilnnd unter Mitwirkung de* Männerdior* „Harmonie*', Charlottenburg, und de* Berliner Ulk-Trio*. Einlab 0 Uhr— Eintritt einidil. Tanz 1,50 M. t/y/j.'jj/j/j. IS wir ksaa sind die II* KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtaaf läge des„Vorwärts" nnd mm QniUnngs-.Bibalt u.Reklamemarkeü -«gen Nachahmung gesetzl.«csch. fertigt seit 4a Jnltr. als Spezialität Conrad NtiUer Leipzig- Schkeuditz juergens Ater.cnderplaV Gewinnauszug 5. Klasse 29. Pieußisch-Sliddeulscht Klassen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinnt gefallen, und zwar je einer ans die Lost gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II LG. Ziehungstag 8. September 1927 In der Nachmittaglzirhung wurden Gewinne über 160 lvt. gezogen 2 Gewi«»» lu 5000 an. 272 1 54 6»-Wien« pi 3000 W. 12675 193031 270812 14»«Bin«««u 2000 an. 89204 180085 182423 216580 217310 247808 306848 28«etDimiM» 1000 an. 10317 20127 2 10 67031 102540 124523 134743 144796 168111 173880 227909 24, 369 305157 314944 62 Gewinn« zu 500 an. 76 17909 22400 22512 261 31 52295 5849« 86942 72207 75002 30290 II 6831 128867> 31792 136538 142349 144077 1 5461 3 164163 177647 182440 130838 193821 202493 20309« 218570 229310 266391 262005 305022 236661 156 Gewinn««u 300 an. 8848 9033 14399 14441 20722 21561 23828 30548 32153 34136 34960 37184 39275 39454 39677 56958 60355 73210 77437 89437 94274 95888 100969 109687 120214 124283 125124 125566 126009 127706 128576 135570 136427 138360 142718 143057 147346 157180 157613 158574 159383 169861 174199178595 188097 195424 203821 213788 214312 215459 216605 220815 222817 224210 230577 231181 234044 237415 241509 248365 260131 263818 264493 264857 281554 294049 299918 302340 304103 306223 313621 324219 325738 328891 330881 331862 346390 348645 21. Ziehungstag 9. September 1927 ön der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn. ,u 25000 an. 4037 4 Gewinn, in 1 0000 an. 1 28239 324888 S Gewinn« p 5000 M. 63988 317317 319014 8 Gewinne p 3000 an. 39846 74126 129922 292627 12 Gewinne p 2000 an. 22764 65559 77318 118016 167401 341305 16 Gewinne ,» 1000 M. 65095 76511 89705 108682 185864 217316 303610 336502 100 Gewinn, p 600 an. 27951 30708 37987 47118 61932 62179 54610 69706 79944 80994 89792 115529 116621 117321 121580 129002 130566 142172 148388 149364 158322 167162 167585 171859 187986 205839 206991 207749 212056 212734 216003 221569 232643 236438 238523 248044 252311 256082 280060 285379 293185 299664 300738 300867 306465 306922 320814 326907 327501 343411 144 Gewinn, p 300 an. 1467 11166 12221 24834 28923 3147« ? 7095 38981 40107 46017 48239 63839 67100 67941 68001 72810 7397 81683 81614 86050 91748 95339 101424 1 16259 122572 127838 128583 133892 136338 141707 141888 142538 143060 143633144770 146670 150082 160221 177903 200274 216523 215783 217611 223219 224005 225028 226806 232858 260994 252028 267789 262438 265617 266275 266278 266675 266693 288203 269812 279680 295432 299828 307027 317306 324130 326699 328287 332259 333066 336966 337794 343776 s Nr. 42« ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, IS. September 1427 Ljl'Siedliinz ftai-Tempeltef Mus öer Eröe— in öie Lüste. $ Berliner Straße\M\$ CÄ'l#'Iii Ä \li*dr*hrtr-\ Bürger, 1 Borger 8! _ StraBenbehn_(l'mg(| stng jl I Raeer| JJ enrg| --Lei M JiJ2O0 Querschnitt durch die Bahnhofsanlagen Die Weltstadt Berlin macht sich. Sie ist die erste, die eine Untergrundbahnlinie besitzt, die direkt den Zugang zum Flughafen vermittelt. Wer also von Berlin aus fliegen will, tut am besten sich erst der Untergrundbahn anzuvertrauen— aus der Erde in die Lüfte. Der neue Bahnhof, der heute feinem Zweck übergeben wird, ist, wie schon kurz mitgeteilt, nur eine Teilstrecke der Ber- lüngerung der Nordsüdbahn nach Tempelhof, die bis zum Ringbahnhof„Tempelhof" und später bis zum Teltow-Kanal geführt werden soll. Der neue Untergrund- Bahnhof„Flughafen" schließt nach Osten hin den Flughafen auf dem Tempelhofer Feld an das Schnellbahnnetz an und bringt auf der Westseite der in ständigem Wachstum begriffenen Kolonie Neu- Tempelhof eine neue Verbindung mit der Stadt. Die ursprüngliche Absicht, die Strecke über das Tempelhofer Feld als Einschnittbahn zu bauen, wurde mit Rücksicht auf die Nähe des Flughafens aufgegeben. Di« Lage des Tunnels außerhalb des Straßengeländes gestattete den Erdaushub von etwa 120 000 Kubikmeter Boden mittels Baggers. Bei der S00 Meter langen Strecke wurden etwa 20 OOO Kubikmeter Beton verarbeitet. Der erste Spatenstich für die Erdarbeiten wurde Ende September 1926 getan, die ersten Betonarbeiten für den Rohbau am 28. März 1927 be- gönnen. Der 10,5 Meter breite Sahn st« ig des Bahnhofs Flughafen ist durch vier Treppen mit einer sehr großen Eingangshalle verbunden, die in der Mitte über dem Bahn- steig angelegt ist. Diese Eingangshalle besitzt nach Westen hin, also nach der Siedlungsseite, eine normale, mit einem zweiseitigen Fahr- kartengeberhäuschen ausgerüstete Sperre, an die sich ein gabel- förmig geteilter Ausgangstunnel anschließt. Nach Osten, in der Richtung des Flughofens, sind 16Durchgänge vorhanden und zwar 4 Fahrkartengeberhäuschen mit je 2 Ausgaben und 4 normale Wannen mit je 2 Durchgängen, daneben noch 4 Ausgänge ohne Besetzung. Außerdem sind noch besondere chilfs- schalter vorgesehen, die nur bei stärkstem Verkehr geöffnet werden. Di« Ausgangstreppen münden von dem Vorraum aus zu beiden Seiten der zum Flughafen führenden Straße ins Frei« Ueber dem Fahrtunnel wird sich später ein mit mehreren Baumreihen bepflanzter Grün st reisen erstrecken, eine angenehme, schattig« Promenade zwischen Tempelhof und dem Kreuzberg. Seine Feuertaufe soll der Bahnhof Flughafen am Sonntag, dem 11. September, erleben, wo aus Anlaß des G r o ß f l u g t a ge s ein Massenansturm erwartet wird, d. h. wenn das Wetter günstig ist. Einfahrt In den Bahnbor Tiergarten und Straßenbahn. Eine ganz unverständliche Aufregung. Ein Teil der großstädtischen Press« schlägt einen gewaltigen Lärm, weil die Verwaltung der Berliner Straßenbahn sich gegen die Herausnahme ihrer beiden dort oerkehrenden Linien aus der Charlottenburger Chaussee im Tiergarten sträubt, und man versteigt sich so weit, zu erklären, daß sich die Berliner Bevölkerung dieses Verhalten der Straßenbahn„unter keinen Umständen bieten lasten" darf. 500 wertvolle Bäume wären in Gefahr und zwei Straßenbahnlinien beanspruchten auf„kost- barem Großstadtboden" viele tausend Quadratmeter allein für sich! Wie liegen die Dinge in Wirklichkeit? Von einer Gefährdung von 500 Bäumen kann absolut nicht die Rede sein, wenn an dem bisherigen Zustand festgehalten wird. Zu einer Aendcrung liegen nicht die mindesten zwingen- den Gründe vor. Die Charlottenburger Chaussee ist eine der breitesten Straßen von ganz Groß-Berlin, und der Wunsch, die Straßenbahn aus dem Tiergarten zu entfernen, berücksichtigt einzig und allein die Interessen der Autobcsitzer, die diesen Verkehrsstrang für sich beanspruchen und deshalb die proletarische Straßenbahn verdrängen wollen. Für die Schaffung eines besonderen Gleiskörpers, die in der Tat die Lich- tung etlicher Baumreihen bedingen würde, liegt absolut keine Not- wendigkeit vor. Eine llmlegung über Moabit ist deshalb zu oer- werfen, weil sie einen Zeitverlust bedeutet, der die beiden wichtigen Linien unrentabel gestalten würde. Im ganzen darf gesagt werden, daß man zuständigen Orts gut täte, sich weniger um die Extrawürste weniger Autobesitzer, als um die großen Verkehrs- und Raumnöte der dichtbevölkerten Arbeitcrbezirke Berlins zu kümmern! Geheimnisvoller Tod eines Gastwirtes. Auf der B u ck o w e r Chaussee in der Näh» von Maricnfelde wurde gestern nachmittag der 54>ährigs Gastwirt Friedrich Schulze aus der Kaiser-Wilhelm- Straße 53 zu Lankwitz neben seinem Rade liegend von einem vor- überkommenden Kraftwagenführer bewußtlos aufgefunden. Sch. blutete stark aus einer W n n d e über der rechten Schläfe und gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Der Chauffeur brachte den Bewußtlosen in seinem Wagen j:.* einem in der Nahe wohnenden Arzt, der jedoch nur noch den inzwischen»in- getretenen Tod feststellen konnte. Die Polizei ist nach damit beschäftigt, festzustellen, ob Sch. verunglückt oder das Opfer eines rücksichts- losen Chauffeurs geworden ist. Ein Verbrechen scheint nach dem Befund ausgeschlossen. �_ Städtische Großgarage am Spreeufer. Inbetriebnahme noch im Spätherbst. Das Bezirksamt Friedrichshcin läßt zurzeit auf dem städtischen Gelände am Spreeufer— unmittelbar an der Schillings brücke— eine Großgarage in einem Ausmaß er- richten, wie sie Berlin wohl noch nicht aufzuweisen hat. Die Garage die ein Fassungsvermögen für mehrere tausend Wagen hat, ist für den gesamten Fuhrpark der Stadt Berlin bestimmt: dort werden also sämtliche städtischen Last- und Personenkraftwagen untergestellt werden. Obgleich mit dem Vau der Garage nach dem neuesten amerikanischen Fließverfahren erst vor fünf Wochen begonnen worden ist, wird— wie wir erfahren— die Garage noch in diesem Spätherb st dem Betrieb übergeben werden. Die Garage ist zweistöckig und unter- kellert. Ähre Grundfläckie beträgt 1700 Quadratmeter: neben der Garage wird ein glasüberdeckter Hof entstehen, der eine Aus- dehnung von 3000 Quadratmetern Hai und der als Reinigungs- und Ausbesterungsstelle für die Wagen gedacht ist. Neben der Garage am Stralauer Platz wird gleichzeitig ein l ech s st ö ck i g e s V e r- waltungsgebäude gebaut, das im Frühjahr nächsten Jahres fertig fein wird. Auf der Baustelle fallen schon von weitem zwei riesige Gießtürme und mehrere Mischmaschinen sowie verschiedene eigenartige Gerüste auf. Ein zahlreiches Publikum sieht ständig den interessanten Bauarbeiten zu.__ Verlegung der.Herbstferien? Es verlautet, daß aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichs- Präsidenten der Beginn der Ferien vom 30 September auf den 4. Oktober verschoben werden soll. Angesichts solcher Gerüchte muß daraus hingewiesen weiden, daß eine solche Maßnahme nicht nur die in vielen Familien schon jetzt ausgestellten Pläne für die Verwendung der Ferien empfindlich stören würde, sondern auch andere Schwierigkeiten mit sich bringt. Zum Beispiel müssen doch die schulentlassenen Lehrlinge entweder vier Tage vor dem allgc- meinen Schlgß entlassen werden, oder sie müssen ihre Lehrstelle verspätet antreten. Der Herr Reichspräsident wird schwerlich Wert aus eine Feier legen, die mit empfindlichen Störungen des wirt- fchaftlichen und öffentlichen Lebens verbunden sein wird, es muß daher an die verantwortlichen Stellen das dringende Ersuchen ge- richtet werden, alsbald durch ein« eindeutige Erklärung diesen be- unruhigcnden Gerüchten entgegenzutreten. Benutzt die Vordertür der Strasienbahn? Der Berliner hält lange an alten Gewohnheiten»fest. Das beweift, wie tangsam sich die neue Möglichkeit ein- bürgert, durch die Vordertür in das Innere des Straßen- bahnwagens zu gelangen oder auf diesem Wege auszusteigen. Obwohl ein Monat vergangen ist, seitdem diese Verkehrs- erleichkcrung geschaffen worden ist, wird nur nach und nach hiervon Gebrauch gemacht. Man sieht noch zu oft Leute, die sich durch die überfüllten Wagen nach hinten zum Aussteigen drängen. Natürlich hat die neue Verordnung auch soforl einige Beschwerden mit, sich geführt. Die Hguprpunkte sind, daß durch das Oefsnen und Schließen der Vordertür angeblich„Zugluft" entstehe und die oorde- ren Plätze in den Straßenbahnwagen, die bisher sehr beliebt waren, weniger gern benutzt werden. Ebenso werden Fahrgäste, die auf dem Vorderperron vor der Tür stehen, durch das Qeffnen und Schließen der Tür belästigt. Andererseits hat sich an den Haltestellen, an denen bei überfüllten Wagen großer Umsteigeverkehr herrscht, bereits eins schnellere Abwicklung deutlich gezeigt. Nach- dem man ursprünglich beabsichtigte, evtl. durch Plakate aus die neue Ein- und Aussteigemöglichkeit hinzuweisen, ist man jedoch davon wieder abgekommen, weil man der Ansicht ist, daß sich diese Sitte von selbst einbürgern muß. Cine seltsame Dienstanweisung. In einer Versammlung des„A l l g c m« i n e n Preußischen Polizeibeamtcnverbandes", die vor kurzem in den Kammersälen in der Teitower Straße stattsand, berichteten die Genossen B et na reck und Klenz über die neue Dienstanweisung für die Beamten der Berliner Schutzpolizei. Danach ist es der Die€5 1 l 6 er f rfhiixitm e 53] "QSon Q5ead) IN-chdruS verboten Äateclfltcte �eberfetzllvg oca fctm Engllzche»»ob IRtta Goppel 21. Während sie noch sprachen, kam ein Bugsierboot des Konkurrenzunternehmens, das eine ganze Flotille von Flößen mit Rammen bugsierte. „Ich glaubte, die Fallen der VNKG. seien weiter oben im Fluß?" „Das sind sie auch. Gott mag wissen, was Marsh jetzt wieder ausgeheckt hat." Eine halbe Stunde später, als die Flottille weiter fluß- abwärts vor Anker gegangen war, begann George zu fluchen. „Ich hätte es wissen können." „Was?" „Marsh will uns abdämmen." „Was soll das heißen?" „Er will zu beiden Seiten von unserer Falle auch Fallen bauen und uns so den Fisch abschneiden." „Allmächtigerl Ist denn das möglich?" „Ja, warum nicht? Das Gesetz gibt uns sechshundert Meter nach jeder Seite. Solange er diese Entfernung ein- hält, kann er machen, was er will." „Welchen Nutzen haben wir dann von unserer Falle? Der Lachs folgt einem bestimmten Weg. und wenn er ihn uns abschneidet, dann bekommen wir nur, was er durchläßt." „Das ist klar," antwortete der große George verdrießlich. ,,Es ist ein alter Kniff, der aber glücklicherweise nicht immer wirkt. Man kann nie wissen, was der Lachs tun will, bevor er da ist. Ich habe diese Gegend des Landes seit fünf Iahren genau studiert, und weiß mehr davon als irgendein anderer, ausgenommen unser Herrgott selbst. Wenn der Fisch dicht am Lande vorbeigeht, dann ist es um uns geschehen, aber ich glaube, daß er hier durchkommen wird, darum habe ich diesen Grund gewählt." „Und wenn du falsch geraten hast—" „Dann werden wir mit Netzen fischen, wie wir es getan haben, bevor es Fallen gab." Nachdem Emerson sich an diesem Abend davon überzeugt hatte, daß die Nachtwache auf ihrem Posten war, beschloß er, zu Cherry zu gehen, denn er fühlte sich beunruhigt und hoffte, in ihrer Gesellschaft über manches zur Kkarheit zu gelangen. Cherrys Haus lag ein Stück von der Fabrik entfernt, die Willis Marchs Hauptquartier war, und der Weg führte ihn an der Festung seines Feindes vorbei. Als er sah, daß das Wasser zu hoch stand, als daß er unten auf dem Dock vorbeigehen konnte, schwenkte er ab und ging über den Hof zwischen den Gebäuden, wo er zu seiner Verwunderung auf einen seiner Werkmeister stieß, der in eifriger Unterhaltung mit einem von Marshs Leuten begriffen war. Der Mann erschrak als er Bopd sah und dieser fragte ihn scharf:„Was machen Sie hier, Larfen?" „Ich wollte nach Feierabend einem alten Kameraden guten Tag sagen." „Wer ist der Mann?" Boyd betrachtete Larsens Käme- raden mißtrauisch. „Einer von Marshs Werkmeistern." Emersons Stimme klang hart und bestimmt, als er sagte: „Ich wünsche nicht, daß meine Leute sich bei den anderen Fabriken herumtreiben! Verstanden!" Diese Begegnung verstimmte ihn. obgleich er sich sagen mußte, daß er bisher keine Veranlassung gehabt hatte, an Larsens Anständigkeit zu zweifeln. Er traf Cherry zu Hause, und indem er sich in ihren Lehnstuhl warf, erleichterte er sein Gemüt und erzählte ihr von den Ereignissen des Tages.„Marsh baut die Fallen nur. um uns zu schaden," sagte er empört.„Er hat weiter flußaufwärts schon Fallen genug." „Das bezweifle ich nicht. Vielleicht werden wir von unseren Flußnetzen Gebrauch machen müssen. Wenn die Fische aöer dort kommen, wo George sie erwartet, dann wird Marsh viel Geld verlieren." „Und wenn die Fische dort nicht kommen, werden wir viel Geld aus dem Fenster geworfen haben." „Auch möglich. Lachsfischerei ist eben ein spannendes Geschäft, bei dem das Unerwartete eintreten kann. Ich aber glaube nun einmal an Balts richtigen Instinkt. Der Einsatz ist groß, aber— ich weiß, daß Sic siegen werden!" Boyd mußte über ihre Zuversicht, mit der sie ihm Mut machen wollte, lächeln. gar schl >„Kennen Sie übrigens," fuhr sie fort,„die Geschichte von dem rosa Lachs?" Er schüttelte den Kopf. „Es war einmal ein alter schlauer Mann im Staate Washington, der nur rosa Lachse fing, und wie Sie wissen, wird diese Sorte schlechter bezahlt als der rote Lachs. Als er nun einsah, daß er dieses Vorteils wegen keine guten Geschäfte machen konnte, ließ er Etiketten drucken und auf die Dosen kleben, worauf stand: Feinste Sorte rosa Lachs, der arantiert in den Dosen nicht rot wird. Man sagt, daß dieser ' laue Kniff Wunder gewirkt hat." Boyd lachte und spürte, wie die Spannung in ihrer Gesellschaft nachließ. Sie aber zog ein Mäulchen und sagte mehr zu sich selbst als zu ihm:„Ich wünschte, ich wäre ein Mann. Ich wünschte, ich könnte mich an einer Arbeit beteiligen, die Mut und Er- findungskunst erfordert. Ich wünschte, ich wäre an einem großen Unternehmen beteiligt." „Sind Sie das nicht bereits?" „Ach, Sie und George führen ja die ganze Arbeit aus." „Und Ihre Kupfermine? Dies Geschäft haben Sic sicher sehr geschickt geordnet." Cherry sandte ihm einen hastigen Blick. Boyd aber fuhr fort:„Wie steht es übrigens damit? Sie haben in der letzten Zeit gar nicht mehr davon gesprochen." „Es geht gut. Neulich waren einige Leute hier, die mir versicherten, es wurde ein großes Geschäft." „Das freut mich. Wie ist einem zumute, wenn man reich ist?" Cherrys Stimme klang etwas gezwungen, als sie in die zunehmende Dunkelheit hinausblickte und leise sagte:„Ich weiß nicht. Reich sein, ist immer das Ziel meiner Wünsche gewesen und dennoch—" „So geht es wohl immer, wenn unsere Wünsche erfüllt werden," sagte er, als sie schwieg. „Nicht immer," sagte sie,„es gibt Träume, deren Er- füllung uns dos erhoffte Glück bringt. Ich aber fürchte, daß ein solcher Traum mir niemals erfüllt wird," fuhr sie fort. ohne ihn anzusehen. „Warum nicht," sagte er,„bedenken Sie, alle großen Dinge, die jemals ausgeführt wurden, waren anfangs nur Träume: je größer das Ziel, desto phantastischer erschienen sie von Anfang an."(Fortsetzung folgt.), Schupo verboten, außer Dienst Zivil zu tragen,—«ine Anordnung, die nur Verwunderung und Erstaunen erregen kann. Einige Fragen seien deshalb erlaubt. Wie denkt man es sich, wenn ein Schupobeamter, wie es nicht selten der Fall ist, in der Wohl- s a h r t s p s l e g e ehrenamtlich tätig ist und nun auf Grund der neuen Dienstanweisung in der Wohnung seiner Schulzbefohlenen im Waffen rock erscheint? Wie verträgt sich weiterhin diese Vorschrift mit den ocifassungsgemäß garantierten staatsbürgerlichen Rechten des Beamten? Soll er außer Dienst politisch« Versamm- lungen in Uniform besuchen? Soll er, um neben den Ernst einen freilich nur scheinbaren Scherz zu setzen, falls er Besitzer eines Laubengeländes ist. seine Dungkarre, die Forke über der Schulter, in Uniform durch Groß-Berlin spazieren fahren? Soll er am Sonntag, Arm in Arm mit Muttern, den Kinderwogen i n Uniform schiieben? Soll er, wenn er außerdienstlich tanzen will, in Uniform auf den Witwenball geben? Man sucht vergeblich nach einer Antwort, wenn man über die Gründe solcher rätselhasten Anordnungen nachgrübelt. War es doch schon den Beamten der königlich preußischen Polizei von Anno dazumal erlaubt, außer Dienst Zivil zu tragen, und selbst für die Angehörtgen des aktiven Heeres gab es ein so weitgehendes Verbot nicht. Der preußische Innenminister soll über diese An- meisuiig den Kopf geschüttelt haben, und er plant. Mitte Oktober eine allgemein«, für ganz Preußen gültige Dienstanweisung heraus- zugeben. Der Polizeipräsident war auf Urlaub, der Vize- p r ä s i d e n t befand sich dienstlich außerhalb Berlins. Wer ist also iur diesen Geistesblitz verantwortlich? Man darf ernstlich hoffen, daß es sich bei dieser Dienstanweisung um eine Eintagsfliege handelt! Außerdem wurde in der Versammlung über dl« B e s o l d u n g s- r e f o r m referiert. Hierüber berichten wir an anderer Stelle. Die Lotterie öer �rbeiterwohlfahrt. Was die Kommunisten„feststellen". Ein Teil der kommunistischen Presse hat«inen Artikel, der sich [" völlig entstellender und unrichtiger Weise mit der vorjährigen Wcihnachtslotterie dir Albeitsrwohlfahrt besaßt, aus der»Welt am Abend" übernommen. Dazu sei folgende Richtigstellung gegeben: Man macht der Arbeiterwohlsahrt den Vorwurf,„gutgläubigen Arbeitern weit über 400 000 M. aus der Tasche gezogen" und dies Geld für„Reklame, Unkosten und Sonstiges zum Fenster hinaus- geu-orfen* zu haben. Das Einfamilienhaus(Hauptgewinn) fei bis heute noch nicht gebaut worden. Diese Tatsachen will der Bericht- crstotter der„Welt am Abend" in einer Gerichtsverhandlung, die in Berlin gegen einen früheren Lotterieunternehmer stattfand, fest- gestellt haben. Der Strafantrag in diesem Prozeß war von dem Staatsanwalt wegen„Untreue und Unterschlagung", begangen bei der Durchführung der Lotterie der Arbeiterwohlsahrt, Bezirk Berlin, im Jahr« 1925 gestellt worden. Schon hieraus läßt sich ersehen, daß es sich nicht um die große Lotterie des Hauptausjchusfes für Arbeiterwohlfahrt e. V. aus dem Jahre 1926, sondern um eine mir auf Berlin beschränkte Lotterie aus dein Lahre 1925 handelt. Der Angeklagte wurde freigesprochen, ein Zeichen, daß sich die Lotterie selbst ordnungsgemäß abgewickelt hat. Weiter wurde vom Gericht festgestellt« daß von der einen Million Lose, die damals auf- gelegt waren, 30 000 Stück nicht verkauft wurden, daß also eine Ein- nähme von 485 000 M. erzielt worden ist, An Unkosten wurden aufgewandt für den Einkauf der Gewinn« 218 000 M„ für Steuern 85 000 M., 50 000 M für die Unkosten des Losdruckes, des Losver- triebs, der Reklame einschließlich der Geschäftsführung. Mithin war ein Reingewinn von 132 700 W. geblieben. Dieser war dem Hauptzweck der Lotterie, der Gründung eines Kinder- Heims, dem August-Bebel-Kinderheim in Gohrisch, Sächsische Schweiz, zugeführt worden. Dieses Heim ist im Februar des oer- gangenen Jahres eröffnet worden, und viele Prolstarierkinder aus Berlin haben dort Gesundheit und Frisch« erlangt. Damit fällt der Vorwurf, daß die Arbeiterwohlsahrt die von der Arbeiterschaft auf- gsbrochten Gelder vergeudet hätte, fort. Daß von dein Bau des «ingerichteten Familienhauses(des 5)auptqewiiins) nichts zu sehen ist, hatte eine recht einfache Ursache. Sein Gewinner war der Berliner Kriegsbeschädigte L., der seinerzeit in einer kleinen Hofwohnung in der Marsiliusstraß« wohnte. Diesem lag nichts an dem Bau des .Hauses, sondern mehr daran, sich ein« Existenz zu gründen. Des- halb ließ er sich von seinem Gewinn 26000 M. in bar au»- zahlen. Er gründete ein Geschäft und lebt heute mit seiner Fa- mili« in guten Verhältnissen. Die Fünfzimmereinrichtung, die zu dem Hause gehörte, wurde ihm von der Firma Wertheim geliefert. Hiervon weiß natürlich der kommunistische Berichterstotter nichts oder besser getagt, er will von diesen Tatsachen nichts wissen. Richtig ist nur, daß sich zwischen der Leitung der Arbeiterwohlsahrt Bezirk Berlin und dem Lotterieunternehmer L. geldliche Differenzen bei der Abrechnung entwickelt haben, die dann später zu der erwähnten An- klage des Staatsanwalts führten. Es ist niemand dabei geschädigt worden, weder die Gewinner, die all« befriedigt worden sind,»och die Arbeiterwohlsahrt selbst. Die Durchführung, der im Jahre 1926 gezogenen Lotterie ist von dem Hauptausschuß für Arbeiterwohl- fahrt in Verbindung mit einem Bankhaus bewerkstelligt worden. Alle Lose wurden restlos abgesetzt. Di« Ziehung fand in den Räu- men der Preußischen Generallotteriedirektion statt. Die Gewinn- abgäbe vollzog sich reibungslos. Nach dem Gewinnplan waren d�i Monate, vom 1. Januar bis zum 31. März 1927, für die Gewinn ausgab« vorgesehen. Trotzdem wurden im April und Mai, als die offizielle Gewinnausgabe längst ihr End« gefunden hatte, immer noch anstandslos Gewinne von der Lotteriegeschäftsführung ausge- händigt. Die gesamte Kassengebarung stand von vornherein unter der Aufsicht eines vereidigten Bücherrevisors und Treuhänders, so daß jede Vorsichtsmaßregel getroffen worden war, um die Lotterie ordnungsgemäß durchzufuhren. Säuglingsheim Wilmersdorf. In Anwesenheit von Vertretern der Behörden und Preste fand die offizielle Einweihung der Säuglingspslegeanstalten vom Roten Kreuz Berlin- Wilmersdorf. Mecklenburgische Straße (Mosse-Heim) statt. Die Uebersiedelung der Station von der Kaiser- alles nach dem neuen Heim erfolgte bereits im Januar d. I., doch waren umfangreiche Umbauten erforderlich, um einen Teil des ehe- maligen Mosseschen Erziehungsheims seinen jetzigen Zwecken dienst- bar zu machen. Der ganze linke Flügel des Hauses ist nur Unter- kunftsstation für gesunde und kranke kleine Erdenbürger geworden. Im Parterre befiickien sich die Bureau- und Verwaltungsräume, im ersten Stock die Aufnahmestation und Beobachtung: von hier aus erfolgt dann die Verteilung der Kinder tn das Heim oder in die Klinik. Gegenwärtig sind 150 Bettchen belegt. Fast alle diese Kinder sind ohne Elternhaus: die Mutter in Stellung, der Vater meist gar nicht mehr in Erscheinung. Pfänder einer Liebe, die all zu rasch verflog! Die Kinder sehen olle sehr wohl aus, nur in manchen Augen oder im verkümmerten Körperchen steht die stumme Anklage einer traurigen Erbschaft. In großen luftigen Sälen liegen die ganz kleinen in Körbchen, die größeren in Bettchen und auf der Frühgeburtenstation ist der Brutofen in reger Tätig- keit. In den oberen Stockwerken sind die Zimmer der Schwestern und des Hauspersonals, im Erdgeschoß sind die Küchen, Wirtfchasts- und Vorratsräume untergebracht. Im ersten Stock befinden sich noch die Operationssäle, das Laboratorium und alle anderen ärzt- lichen Räumlichkeiten. An schönen Tagen werden die Kleinen nach dem Garten gebracht, wo sie, je nach ihrer Größe, in Bettchen oder im Grase spielend, Luft und Sonne genießen. swsem. ku»itli««Zr-VerzsmmlimS am Dienstag, dem IZ. September, 19'/? Uhr. in den Germoaia-Feslsälen. Chausseestc, 110. Tagesordnung: Sozialdemokratie und Reichsschulqefetz Referent: lbenosse Dr, Kurt Löwenstein, At. d. R. Außer den Parte!- und GewertschaftSsimktionären haben die sozialdemotra- tischen Elternbeiräte und Lehrer Zutritt.— Aitgliedsbuch legitimiert. �Künstlerpech/ Stehlen ist Silber, Schweigen ist Gold. Ein ausgesuchtes„Künstlerpech" brachte gestern zwei wür. dige Vertreter der Longfingergilde auf die Anklagebank. Der Tat- bestand war ein wenig, kompliziert und so lustig, daß oll« Mitlvir- kendcn an der Komödie, die sich vor dem Schöffengericht abrollte, mit Ausnahme der höchst betrübten Angeklagten nur mit Müh« den Ernst wahren konnten. dinengeruch dem Kollegen, den er für einen harmlosen Privab mann hielt, die fette Leute abgejagt halt«. Eines Tages hatte Löwcnstengcl ein Opfer, einen gut aussehenden, tr-ohlbeleibten Herrn, aus das Verdeck eines Autobusses verfolgt. In einer Kurve griff der„Chappcr" seinem nichts ahnenden Nachbarn in die Westentasche, wobei die goldene Uhr an den geschickten Fingern des Taschendiebes hängen geilieben war. Löwenstengel freute sich der fetten Beute und übenegle im Geiste, bei welchem Hehler er die „Tore" am besten loswerden könne. Aber der Mensch denkt und Gardinengeruch lenkt! Als alter Fachmann hatte Löwenstengel die schöne Uhr in seine linke, dem Bestohlenen abgewendete Jackelt- tasche gesteckt und gedachte an der nächsten Haltestelle langsamen Schrittes den Omnibus in voller Harmlosigkeit zu verlassen. Da plötzlich merkte Löwenstengel, daß eine Hand vorsichtig in feine Jackettasche sich senk!«, und im nächsten Augenblick schon mußte er sehen, wie die goldene Uhr in die Tasche seines Nachbarn zur Linken wanderte, der scheinbar in seine Zeitung vertieft war. Wenn Läwenstengel klug aewefen wäre, so hätte er den Mund gehalten oder den zweiten„Rechtsnachfolger" zu einer stillen Ausstzrache in eine Kneipe geladen. Er war jedoch unklug, und in der Empörung über den Verlust seine«„Eigentums" macht« er einen furchtbaren Krach, Unter dem Ruf:„Der Lump hat meine Uhr gestohlen!" faßte Löwenstengel in Gardinengeruchs Tasche, zog die Uhr hervor und ließ sie schleunigst in sein« eigen« Tasche verschwinden. Der Schaffner winkte einem Schupo, und dieser nahm natürlich den Dieb Gardincngcruch fest. Aber auch Löwenstengel mußte zur Klärung des Tatbestandes zur Wache mitgehen. Er tat das nicht gern, und auf dem Weg« stiegen ihm schon einige Bedenken auf, ob es nicht klüger gewesen wäre, die Geschichte aus sich beruhen zu lassen. Der Gauner und der betrogene Schifbube kamen ins Poli- zeireoier, und dort ging das hochnotpeinliche Verhör vor sich. Löwenstengel machte, in seinem Bestreben, die ungastlichen Räunie Der„Deutsche Abend", als charakteristische Darbietung deutscher Kunst für dos Ausland, gedacht, halte ein zu diesem Zweck entsprechendes Programm. Es wurde typisch deutsche Kunst ohne Differenziertheiten in überraschend guter Zusammenstellung ge- boten. Neben der Ringerzählung aus Leffings.Nathan der Weise" und Goethes„Zueignung stand das„Abendlied" von Claudius, eine der schönsten und„deutschesten" Dichtungen unserer Literatur. Alfred Braun vermittelte die Werke. Der musikolifche Teil, vom Funkorchester unter Bruno Seidler-Winkler geboten, führte von Johann Sebastian Bach über Mozart zu Beethoven. Aber während Bachs I)-Dur-Suite und Beethovens Leonoren- Ouvertüre III vollendet schön gebrach: wurden, blieb man Mozarts Leichtigkeit noch einiges schuldig.— Hermann Kasack saßt« in der Fortsetzung seines Zyklus„Köpie der Dichterakademie" Heinrich Mann, Renä Schicke!«, Georg Kaßer, Oskar Loerke und Franz Werfe! als Re- Präsentanten der jungen Generation zusammen. Temperamentvoll, in oft sich überstürzender Rede und doch außerordentlich plastisch, zeichnete er ihre künstlerischen Porträts. Heinrich Mann, der Europäer mit dem leidenschaftlichen Herzen und Renä Schickele, der Elsässer mit dem leidenschaftlichen, unrastvollen Tempera- ment, Georg Kaiser, der in seinen Dramen um ein klares, kühles Bild seiner, unsere? Welt ringt, und die Lyriker Oskar Loerke und Franz Werfet wurden so den Funkhörern nahe gebracht.— Dr. Margarete Jacobson behandelt« das Thema„Mode und Wirtschost". In ihrem Bortrag, der eine geschickte Zusammen- stellung allgemein bekannter Tatsachen war, kam die Vortragende zu dem Ergebnis, daß die Vorteile des Modenwechsels seine Nach- teile aufwiegen.— Die Bedeutung der Jugendbühne für die Schule legt« Otto Kalk dar. Er zeigte die Unterschiede zwischen dem Schultheater, wie es das Zeitalter des Humanismus schuf und unserer heutigen Iugendbühne. Damals diente da» Theaterfptelen der Schule toter Gelehrsamkeit— heute will es den Spiettrieb im Kinde nutzbar machen und durch Spiel zur Arbeit führen. Die außerordentlichen Möglichkeiten des Rundfunks wurden den Hörern am Nachmittag zum Bewußtsein gebracht durch die Uebertragung der Genfer Rede Strese manns. Man nahm es als Verheißung, daß die unmittelbare Teilnahme aller Beoölkerungs- kreise an großen politischen Ereignissen durch den Rundfunk bald zur Selbstverständlichkeit werden wird. Tes. bald wieder hinter sich zu haben, ein paar Dummheiten bei feine? Aussage, so daß dem Kriminalbeamten die Geschichte reichlich brenz- lich vorkam. Er veranlahte den„Bestohlenen", einen Einblick in seine Taschen zu gewähren, und bei dieser Gelegenheit fand sich manches, was der bösen Polizei höchst verdächtig vorkam. Löwen- stengel hatte nämlich noch einige andere Uhren und Ringe mit Monoorammen bei sich. So behielt man ihn in Hast und machte nun den beiden„Kollegen" den Prozeß. Rechtsanwalt Dr. Reiwald bat für Gardincngeruch um mildernde Umstände, denn er habe doppei- tes Pech gehabt. Man könne ihm ein gewisses menschliches Mit- gefühl nicht versagen. Das Gericht folgt« vann auch dieser Aus- iassung und verurteilte ihn zu 9 Monaten Gefängnis, während Löwenstengel 1 Jahr 3 Monate Gefängnis erhielt. Beide werden überdies nach Derbüßung der Strafe ausgewiesen werden, Die tteklamefäule als Zernsprechzelle. Das Bedürfnis nach öffentlichen F e r n f p r e cha u t o< maten ist in letzter Zeit besonders groß geworden, da das unterwegs befindliche Publikum in den Geschäften, in denen es telephonieren will, noch imrrißr Ueberpreife zahlen muß. Darum hat die Oberpostdirektion Berlin beschlosien, neue Fernsprech- a u t o m a t e n, an den verschiedenen Plätzen Berlins zu errichten. Man will auch d i c früheren Vororte stärker als bisher berück- sichtioen. Gewisse Schwierigkeiten bestehen nur darin, daß die Berliner Verkehrspolizei möglichst alle Aufbauten auf den Berliner Straßen einzuschränken versucht, denn es ist statistifch bewiesen, daß gerade an solchen Punkten, an denen durch Häuschen, Sauten, Warte- hallen die Ueberficht erschwert ist. sich die meisten Unglücksfalle zu- tragen. Den Reklamefovlen. die auf ihrem Dache Normalzeit-Uhren haben, sollen Fernsprechautomaben eingebaut werden. Die erste Säule wird in diesen Tagen am Nollendorfplatz vor dem Theater aufgestellt. Die Fernsprechzelle ist unten in den Sockel eingebaut, nicht sehr groß, aber ausreichend, damit eine Person Platz findet, sie bat ungefähr eine Höhe von 2,10 Meter, ein« Breite von etwa 1.10 Meter. Der Apparat ist in Kopfhöhe angebracht, vor ihm befindet sich ein Pult mit dem Fernsprechverzeichnis, da- aber auch breit genug ist, um Notizen machen zu können. Ein Halteftellenanzeiger in der Straßenbahn. Man schreibt uns: Zu dem in Nr. 214 des„Vorwärts'' unter dieser Ueberschrifi erschienenen Artikel kann ich mitteilen, daß die frühere Siemens-Straßenbahnlinie Mittelftcahe Pankow bereits Haltestellenanzeiger im Innern des Wagens ange- bracht hatte, die die nächst« Haltestelle anzeigten und darauf hm- wiesen. Allerdings wurden diese Haltestellenanzeiger nicht durch den Schaffner, sondern automatisch bedient. Soweit ich mich ent- sinne, befanden sich an der Oberleitung an bestimmten Stellen vor den Haltestellen zirka 20 Zentimeter große Auslöser nach Art der Dorreiber, welch« durch Stromabnahmebügel herumgefchleudert, wodurch wiederum der im Wageninnern angebrachte Haltestellen- onzeiger in Tätigkeit gesetzt wurde. Eine derartige Lorrichtimg wird natürlich zweckmäßiger automatisch bedient, als durch den Schaffner, der sowieso meist stark befchäsiigt ist Jhm� wurde nach Anbringung der Hollestellenanzeiger das Ansagen der nächsten Halte- stell«, was oft beim Rasseln des Wogens vom Publikum»ich, oer- standen werden kann, erspart bleiben. Warum man die damalige Einrichtung nicht beibehalten und si« später auf alle Straßenbahn- linien übertragen hat, entzieht sich meiner K«nnmi». Sollte die setzt benutzte Kontaktstonge Veranlagung gegeben haben, diese Ein- richtung abzuschaffen? Immerhin dürste es der doch sonst so vor- geschrittenen Technik nicht schwer fallen,«inen für die Klmtakistange geeigneten Apparat zu konstruieren, oder den alten vorhanden ge- wesenen zur Gebrouchssähigkest für die jetzigen Verhältnisse zu gestalten. Den Fahrgästen wäre mit einer derartigen automatischen Vorrichtung sehr gedient: dem Schaffner würde mancher Aerger oder manch« Auseinandersetzung mit den Fahrgästen erspart bleiben. Di» Straßenbahnbetriebs G. m b. H. dürfte die Kosten für derartig« Derbesierungen nicht scheuen, schafft sie sich doch dadurch weitere Anhänger und zufriedenere Fahrgäste. Nicht zuletzt dürfte sie sich auch für die Entlastung ihres ohnehin stark in Anspruch genommenen Fahrpcrfonal» interessieren, Die Schloßbrücke wieder frei. Nach einjähriger Bauarbeit und halbjähriger Vorarbeit ist die Schloßbrücke für den Fahrverkehr vollkommen sreigegeben worden. nachdem vor längerer Zeit bereits in der Richtung Schloßbrücke Unter den Linden der Verkehr vorübergehend über die Brücke ge-, legt wurde. Die Schloßbrücke ist genau so wiederhergestellt worden, wie sie seinerzeit gebaut worden ist. Sie ist vollständig renoviert: _____ v v..•___ r,:t____ ifi......>7\af dem Potsdamer Platz— wird noch gearbeitet, ohne daß Verkehrs- frei von Bauarbeiten, nur an den Straßenbahngleisen— kurz vor störungen für den übrigen Verkehr dadurch entstehen. Di? schwarzweißrote Kokarde. Manche Sergeantennatur kann es sich noch immer nicht ver- sagen, der deutschen Republik Mißachtung und dem im Orkus versunkenen Untcrtanenstaat gehorsamste Liebe und Verehrung zu bekunden. Darum trägt auch der Kontrolleur der Avus am Ein- gang de» Bahnhofs Witz leben an seiner Mütze«ine schwarzweißrote Kokard«. Wir sind der festen Ueber- zeugung, daß die Direktion, die doch, wie man ebenso schön wie falsch zu sagen pflegt, mindestens„politisch neutral" sein will, ihren Angestellten veranlassen wird, diesen Kopsschmuck abzu- legen. Wirklich vaterländisch würde sie bandeln, wenn sie ihn die Reichsfarben Schwarzrotgold zeigen lieh! Nne vameafrifureaschoa bietet die Fachabtellung de« FrifeurgehUfen- Verbandes anläßlich des 38. SlisiungSsesteS am Sonntag um IS Uhr tn der .Schlaraffia", Snkeplatz 4.(Siehe Inserat). diener schlägt Shmith t. o. In der fünften Rnnde. Einen fabelhaften Kampf lieferte gestern abend in der K a i s e r � d a m m- A r e n a der Anwärter auf den deutschen Schwergewichts- Meistertitel Franz Diener gegen den riesigen Engländer Charlie Shmith. Diener konnte ständig kräftige Kinnhaken bei seinem völlig offen kämpfenden Gegner landen, die bereits in der vierten Runde den Engländer bis zu K zu Boden brachten. In der fünften Rund« ließ Shmith noch einem kräftigen Kinnhaken sich auszählen. enn diese bayerische �cmmargormc aud 6c YPSYf Wimkena veremiat smn ersten Mal höchste fräst nnd KSedste�Wodlgeschmaek? vttamn anuns und Rlpennnlch. tu jedem Pfuid der Tafelnurgarinc„Frische Rai" rarlan« maa crvU den neuesten Band der Resi-Hansbücherei; Vertreter der V.M. W. Rftrnberj' Reei-Agentnr, Berlin N043, Neue Königstr. 37. KL: KSalgttadt 1341, lagt, 1367. Vier Opfer eines Zilmbranües. Furchtbares Fabrikfeuer in London. London, 9. Seplember. Auf einem Jabrlfgrunbfiürf im S t. pantra,- viertel in London brach ein A�uer aus, bei dem vier TNenfchen ums Leben kamen. Eine Reihe von Arbeiterinnen, deren Kleidung bereits in Brand geraten war, sprang aus dem brennenden Ge. bände in den Regenten-Kanal. Einige von ihnen konnten von einem vorüberfahrenden Boot ausgenommen werden. London, 9. September. Die Feuersbrunst im St. Ponkraz-Viertel brach in einem Stapel Filme aus und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit über da« gan�e Gebäude aus, das als Lagerhaus für Filmabfäll« dient und bald ein einziges Flammen- m e e r bildete, das den Eingeschlossenen den Ausgang versperrte. Aier Personen wurden, wie bereits gemeldet, getötet, sechs verletzt. Tich kauft nicht das Rlichcls-Haus. Wie uns die Firma Her- mann T i e tz mitteilt, ist die von anderer Seite verösfentlichte Meldung, daß sie das Michels-Haus erworben habe, unzu- treffend. Es besteht auch keine Absicht, das genannte Haus zu erwerben. Schwarzrotgold auf dem Wasser! Die Kameraden des Reichs- banners in Ferch veranstalten am kommenden Sonntag eine Kundgebung, und die chavelaktionsgruppe Schwarz- r o t g o l d, deren Boote in Potsdam stationiert sind, wird, die repu- blikonischen Farben am Heck, geschlossen daran teilnehmen. Schwarz- rctgold voran, auch in den Potsdamer Gewässern,— trotz Rauscher und Kompagnie! Die Scala beginnt im September ibr Programm sehr farbig mit den Jacksons Girls. Wie man das in der Aera der Tanz- mädchen gewohnt ist, gibt es etwa Lustiges und nicht Uninteressantes zu sehen. Diel muntere Bewegung und eine gute Tanzschule. Da- zwischen humpelt der amerikanische Stelzentänzer Robert Stickney. Aus dem artistischen Programm müssen besonders die ausgezeichneten equilibristischen Phantasten B e l Air erwähnt werden. Es handelt sich wohl hier wieder um eine der besten Leistungen, die seit langem auf die deutsche Baritebühne gekommen sind. Gut sind auch die Arbeiten auf dem Drahtseil, die L. Maitz oorkührt. Läpp und Habel, die geradezu klassischen Parodisten, begrlltzt man gern nach mehreren Monaten wieder. Sie sind tatsächlich von jener wirk- lichen Komik, die ohne jedes Beiwort wirkt. Ein orientalischer Sketch, in dem drei Löwen eine etwas problematische Roll« spielen(sie sollen wild sein und sich auf ihre Peiniger stürzen). interessiert nicht so, wie man es nach dem Programm annehmen mühte. Wenn wilde Tiere, erst durch Peitschenhiebe gereizt werden müssen, um in Bewegung zu geroten, so erweckt das höchstens Be- dauern mit diesen Opfern der Dressur. Lord A i n. der ja auch schon «in guter Bekannter ist, interessiert immer von neuem. Die Stimme erscheint nicht gealtert, vom Sopran bis zum Bah unterliegt olles ihren fabelhaften Mitteln. Diesmal hat er sogar das ganze Sextett aus der Lucia von Lammermour in seinem Programm aufge- nommen. Schließlich wäre noch ein amerikanischer Pianist zu er- wähnen, Leo D o m k e, der es in der virtuosen Wiedergabe von Step» zu einer Vollkommenheit gebracht hat, die ihm nicht so leicht jemand nachmachen wird. Walhalla- Theater: Am Rüdes heim er Schloß steht ein« Linde. Es gibt Menschen mit eigenen Gefühlen und solch« mit geborgten. Unterhalten werden wollen sie beide, wobei sich aber die letztere Sorte quantitativ als die anspruchsvoller« erweist, da sie beständig auf der Suche nach dem«einzig Wahren" sich befindet. Zur Befriedigung all dieser Friedlosen wurden und werden immer noch„hochprozeiuige Gesüblsiiteraturen".in die Welt gesetzt. Seit geraumer Reit befinden sich Text- und Notenschreiber dieses Genres in einem akuten Schwarmfieber für süddeutsche Städteromantik hin- sichtlich deren erhöhter Lebensbejahung(Abteilung Wein, Weib, Gesang). Nachdem das arme Heidelberg mehr als zuviel bequasselt, bedudell und bekurbelt wurde, ist jetzt Rüdesheim an der Reihe. Heidelberg, die Stadt der verlorengegangenen oder gebrochenen Herzen mit den daraus resultierenden Wehmutsarien, Rüdesheim, die Stadt mit dem guten Tröpfchen und der darum aktiveren Cmpfindungswelt. Die handelnden Personen sind bei dieser Chronik Süddeutschlands stets die gleichen. Wirt, Wirtin samt weiblichem Nachwuchs auf der einen, Studiosus seudaler Herkunft mit Sauf- kumpanen auf der anderen Seite. Der Liebesgott von Rüdesheim scheint demokratischer und gnädiger als der Heidelberger, indem das schlichte Rebensaft kredenzende Kind aus dem Volke seinen höher- gestellten Liebsten zum Schluß doch wenigstens kriegt. Marie, das lieblich-blonde Kind vom Rhein(allerdings etwas stark kurfürsten- dämmlerisch-ausgeweckt) und ihr geliebter Studio mit dem traditio- nellen Vornamen Heinz(Loni Pyrmont-Krasst-Lortzing) waren im Walhalla-Theoter die glücklich Verliebten, deren sonniges Glück strahlende Hell« im Publikum oerbreitete. Linsendunzen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstrahe 3, Partesnachrichten sür Groß-Serlin Net»-rn Da» Bezirksiekretariat. i. Hol. 2 Trev. rechts, zu richte» Z. greis gricdrichshoio. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sscki lieutc, Sonnodeud, i!> Uhr, in der Schlllaula Petersburger Etr. 4 recht sahiecich an dem ssilmgbend der EAI. zu beteilige». Gintritt 40 P>s. 121. 16*. Sarlshorst. Abt. Bicsenhorst: Scuie, Gonnabenb, 10. Scpicmbcr. 20 Uhr. zahlabrnd bei Werlit. Erschcincn aller Mitglieder unbedingt erlorderlicki. Z. Abt. Achtung! Conntag, II. September, Sonderfahrt Nack, Potsdam. Besichtigung der schönen Bauten usw., unter sachkundiger ssührung des Genossen Br. Werner. Abfabrt vom Potsdamer Bahnhos 9Vi Uhr bis Wildpark. Teilnahme ist sehr crwllnscht. Tic Bezirkofiihrer wollen hierzu persönlich einiodeu. 44. Abt. Morgen, Sonntag, Ii. September, Familienausflug nach der Königs» Heide. Treffpunkt 1? Uhr pünktlich. Nachzügler direkt im Lokal Waldesruh. SS. Abt. Brili-Duckow. Morgen, Sonntag, 11. Ecptcmbcr, Besschiigung der Garteuarbeltsschuic in Schöncberg, am Sachsenbamm. Alle Genossinnen und Genossen ssnd hierzu eingeladen, Treffpunkt tsih Uhr an der Halte» stelle der Etrasisnbahn in der Kradestrahe, Montag, 12. September, bei Günther, Ghaussccstr, 49, Funktionörkonfercnz. Mittwoch, 14. September, in allen Bezirken Zahlabenb. 167. Abt. Alt-Glienick«. Die Genossinnen und Genossen beteiligen ssch Sonn. tag, 11. September, an der Neichdbanneriuntgcbiing. Treffpunkt IZZl Uhr gm Bahnhof Adlerohos. Um rege Beteiligung wird gebeten, »S. Abt. Tempelhos. Montag, 12, September, 20 Uhr, Funktionärsstznng im Lokal„Für Linde*. Mc Bezirksführcr werden gebeten, noch besonders einzuladen. ZraueuveransiaUungen. K. Abt. Senkölln. Montag, 12. September, Ausflug nach Eichwalbe f Krüger), Kaffee und Badezeug mitbringen. Treffpunkt Uhr Kaifer-Friedrich. Gcke Seyg-rstraßc.' Zlrbeiksgemeinfchafk der Sinderfreunde. Gruppe Südwest: Sonntag Treffpunkt 8)4 Uhr Gcke Belle-A 11. September, Fahrt nach Oranienburg. üance-Strafje. Sozialiftifche flrbeiterjugenü Groß-Serlin. Heute, Sonnabend, 10. September: Friebenan: Fahrt Belzio— Wicfenburg. Treffpunkt lS»l Uhr Bahnhof Wik. mcrsdorf.Friedenau, Nachzügler 18,18 Uhr Bahnhof Gharlottenburg.— gehlen- dorf: Treffpunkt 18% Uhr Bahnhof Zchlendorf-West. Nachzügler 19 Uhr Forst. Gcke Beerenstraße. Instrumente und Fahnen mitbringen.— Neukölln I: Fahrt Hanaelsbcrg. Treffpunkt 18 Uhr Ncuterplaß.— Tempclhof: Fahrt Maxsec. Trefspunkt 20', i Uhr Bahnhof Tempclhof.— Steglitz I: Kundgebung Fehlen. dorf. Treffpunkt 18% Uhr Bahnhof Steglitz. W-rbebezirt Tiergarten: Wochcnendkursus. Treffpunkt 1»% Uhr Bahnhof Putlitzsiraßc. Werbebezirk Osten: Filmabend in drr Schule Petersburger Str. 4. Deginn 19 Ubr. Pfllchtreranstaltung. Berbcbezirk Westen: Seim Gharlottenburg, Roflncnftr. 4, Wcrbcbezirks. Mitgliedern ersammlung.„Jüngeren, und Acltcrcnproblcm." Werbebczirk Lichtenberg: Treffpunkt zum Wochcncndkursus in Nauen 17% Uhr(Abfahrt 18,05 Uhr) Stralau-Rummelsburg. Nachzügler 19% Uhr < Abfahrt 19,55 Uhr). Werbebezirk Kreuzberg! Treffpunkt zum Wochejeeudkurfus 19% Uhr Görlitzc: Bahnhof(Unfallstation). Morgen. Sonntag, 11. Seplember: Faliplatz: Nadfahrt nach Lanke. Trekfpunkt 8% Uhr am Falkplatz.— Knmannplatz: Fahrt Deninfec. Treffpunkt 5% Uhr Etettincr Bahnhof.— Gesundbrunnen: Besuch der Ausstellung„Das junge Deutschland*. Tresfpunkt 9 Uhr Prinzenallcs Gcke Badstraße.— Westen I: Fahrt Kvnigswnsterhaufrn— Schönebeck. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhos Großgörschenstraß«. Teilnahme Pflicht. Steglitz I: Fahrt Wannfer Treffpunkt 12% Uhr Rathaus.— Westen II: Fahrt »am Zossen. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Porckstraße.— Brunncnplatz: Be- stchligung der Siedlung Britz findet nicht statt. Vorträge, vereine unö versammiungen. Reichsbanner.Schwarz- Rot-Gold". SofchäftoNelli: Berlin L>4. Sebastianstr. 87/38. tot t Tr Sonntag, 11. September: Wedding: Radfahrerabt. Rüdersdorfer »alkberge. Star» 6% Uhr bei Bontke. Schulstr. 74. Friedrich«. Hain: 7 llhr sämtliche Kameraden antreten ohne Mussk und Fahnen. Wilmcr». dorf: Den Kameraden wird empfohlen, an dem republikanischen Tag in ?FrIetrichsHain Int Jugendheim Große Frankfurter Str. 18. Donnerstag, s. September: Wcdding bei Belli», Schulstr. 12. Gharlottenburg im Jugend. heim Rostnenstr. 4. Arbeitcr.Schiitzcubnnd, Ortsgruppe Berlin. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin NO 18, Friedenstr. kl, bei Bocha». Geöffnet Donnerstags von 20 bis 22 Uhr. Ausgabe der Scptrniberzcitungen Mplitag, 12. September, 20 bis 22 Uhr, in der Geschäftsstelle.— Montag, 12. September: Abt. Wedding: Sport. abend 20 Uhr bei Jablonski, Koloniestr. Ilü. Abt. Fricdriä'shain: Alle Funk- tionäre 20 Uhr bei Bochan.— Dienstag, 16. September: Abt. Fricdrichshaitu Gruppe Strausbcrger Platz 20 Uhr Eporiabnio bei Meuschcl, Rüdcrsdorser Straße 51. Abt. Wilmersdorf: Sporlgbeud 20 Uhr bei Kroiß, Holsteinische Ecke Gasterner Straße. Abt. Rcukölln: Sportadend 20 Uhr bei Wölfl, Prinz-Land- iery-Str. 67.— Mittwoch. 14. September: Abt. Frirdrichshain: Sportabende 20 Uhr bei Mensches, Rüdersdorfcr Str. 51, und bei Iuschkat, Goßlerstr. i. Abt. Schöneberg: Sportadend 20 Uhr bei Polratz. Ccdattstr. 53.— Donnerstag, IS. September: Abt. Krcnzberg: Epor'abend 20 Uhr bei Rtznnsvieß, Wassertor. straße 71.— Freitag, 16. September: Abt. Westen<2n): Sportadend 20 Uhr bei Menne, Stelnmetzstr. 45. Abt. Wilmersdori: Sportadend 20 Uhr bei Pichn. LUdegard- Ecke Schrammstraße. Abt. Neukölln: Sportabend 19% Uhr bei WoliI, Prinz-Sandierti-Str. 67.— Sonnabend, 17. September: Abt. Frledriäighain: Für das am Sonnabetid, 24. September, in den Restdenzfestsälett, Landsberger Straße 81, stattfindende Herbstpergnügen der Abteilung ist von jedem Genossen die regste Propaganda zu machen. Sämtliche Abteilungen sind cinge'adnt. Abt. Pankow: Sportabend 20 Uhr bei Hubert, Damcrow. Ecke M-ttdelstraße. Internationaler Arbeiter-Idobund. Montag, 19% llhr, Monatsvcrsalif.n- lnng im Jugendheim Porckstr. II. Diockemischcr Verein Sroß-Berlin. 12. September: Steglitz. Albrcchtshoi, Albrechiftr. H. Halenfee, Florasälc, Johann-Ecorg-Elr. 19. Köpenick, Rcsta::. rant Stadtthcatcr. Freiheit. Friedenau, Hohenzollcrnfäle, Handjcrnstr. 64. Luisenstadt, Prachtsole Elldost.. Waliemarstr. 75. Mahs-dorf, Restaurant Schliefe, Hönower Str. 188.— 13. September: Hauptaersatninlung(Friedrichs» Ham/Jcntrnm), Böhmisches Bratthaus. Landsberger Allee 11/18. Iohaitnisibal, Restattrant Schreiner, Friedrichstr. 8. Weißensce, Albrcchtshof(Gesellschasts- Haus), Parkstraße. Pankow, Konzerlhaus Pankow, Breite Str. 84.— 14. Scp» tember: Friedrichshagen, Treptngs Dürgrrfaal, ssriedrichstraßc, an der Kiröir. Lichtenberg, Prachtsälc des Ostens, Frankfurter Allee 48. Beltcn, Tstbbeckcs, Breite Straße. Schöneberg, Schloßbrauerei, Sanplstraßc. Virchow, Pbarus. säle, Müllerstr. lZ4a.— 15. September: Aermsdorf, Rcstanrant Jnr Süt'e, ll... Bahnhof. Grünau, Alter Gutshof, Gemeinschaftshaus(?Im Falkcnberg). Rosen» thaler.Oranienburger Borstadt, Gesellschaftshaus Swincmiinder Sir. 42.— 16. September: Neukölln, Restaurant Berglchloßhöhe. Karlsgartenstr. 6/11, Hennigsdorf, Restaurant Heinrichs u. Sohn, Hauptstraße. Tcmpelhof, Reftau- rant„Zum Kurfürsten", Berliner Ecke Dorfstraßc. Ucderall Vortrag. Gäste willkommen. Bolksbund Naturschutz e. D. Sonntag, 11. Seplember, Treffpunkt 10 Uhr Schloßrestaurant Tegel(Linien 28 und 128). Forstliche Wanderung durch die Tegeler Forst. Führer Oberförster Bouvier.— Donnerstag, 15. September. 20 Uhr. Eruncwaldstr. 6/7. Mitglicderperfammlung. Lichtbildervortrag Dr. Gffcnberger:„Eine biologische ssorsthnngsstation(Luit- am See).— Sonn- tag, 25, September, 8,28 Uhr ab Potsdamer Ringdahnhof nach Rangsdorf. Geologisch-botanische Wanderung Machnowcr Weinberg. Führer Professor Dr. Golban. Di« Freie Arbeiter. Etenographenvereinignug Groß-Bcelin weist nochmals auf den Beginn ihrer Anfänge rkursc nach Stolze-Schren und dir Reichskurz. fchrift hin, und zwar: Neukölln: Montag. 12. September, 19% Uhr, Real» gtnttttastntH Kaifer-Friedrich-Str. 209. Osten: Dienstag, 13. September, 19% Uhr, in der Eemeindeschulc Frankfurter Allee 87. Norden/Nordosten: Dienstag. 18. September. 19':. Uhr. in der Gcmcindefthttle Senefelderstr. 6. Das Kttrsttsgcld beträgt einschließlich Lehrmaterial tiir Erwachsene 10 M.. für Jugendliche 7,50 M. Erwerbslose zahlen die Hälfte der vorstchenden Sätze. Spätere Anmeldungen können nicht mebr berücksichtigt we»den. Scktriftlitbc Anfragen beantwortet Walter Riedel, Berlin-Spandau, Wustermark«! Str. 10 I. Sport. Die wahltöligletdreniien der Deutschen Berussrenusahrer aus der Riilt- Arena werden nicht nur die gesamten deutschen Rennfahrer vereinigen, sondern auch eintge der zurzeit in Deutichland weilenden Ausländer.(53 haben sich zur Berjügung gestellt: SpearS, Tonanl, Bcwolff, Kalles, Miaucl und Bermcer. Von den deutschen Fahrern haben ihte Teilnahme zugesagt lt. a. Oßmella, Lorenz. Habn. Schräge, O. Tietz, OZkar Riitt, Bebrend, (tzraue. Ebmer, Nörcnberg, Saldow, Bauer, Lewanow. Möller und scrncr die Schrittinacher Meinbold. Schubert. Bojoralh. MeichSner uiid Human». Das Rennen findet nicht am Mittwoch, dem 14. Schtembcr, sondern bereits am Dienstag, dem 18. September, statt. Wetterbericht der öffenkllchen wellerdienftstelle für Berlin und Umgegend iNachdr.»erb.) Kühl und unbeständig. Einzeln« Regenschauer, maßige bis iriiche westliche Winde.— Aür veustchland: Kühl mit verbreiteten Regenschauern, an der Ostseiküste ziemlich stürmisch. Was sagt der BSr? Da» Kennwort der Josetti.Anzeigeit ist pon bcm Berliner übernommen und seinem Schlagwortschatz einoerleibt worden. Auch die heutige Ausgabe uitscrcs Blattes dringt den Lesern eine neue„Bären. Ansprache*, worauf an btejtr Stelle hingewieseit sei. 18% Uhr Bhf. Daumschulenweg. Bernan-Börnickc: fahrt 12�0 Uhr über Gesundbrunnen. Abfahrt der Ohrt nach Schiidom. Ab- ... MW—------------------... Radfahrer 12% Uhr vom Wasserturm. Stärkste Beteiligung erwünscht. Teltowi Fahnenweihe i» Blankenfeld». Festredner Bürgermeister Mielitz. Sämtliche Ortsvercine des Kreises müssen anwesend sein. Teltow(Kautc»ad!»aft): 10 Uhr Autofahrt zur Fahnenweihe Blankenfelde. Adlerohof(Kameradschaft, Sportgruppe): 9 Uhr auf bcm Platz gegenüber dem MTB.-Platz an der Virkcttallec Handballrratning. — Montag, 12. September: Krcnzbrrg: KS.-Wrrbevcrfamntluttq 20 Uhr bei Ewald(großer Soal), Skalitzer Str. 126. Steglitz: 20 Ubr Kamcradschasts. vcrfammlung bei Schulz, Birkbufchstr. 90. Abl-rrhof: 19 Uhr Jusatnm.'ttkunft im Jugendheim Roonstraße.— Sportplatz Friedrichsfelde: Sonntag, d. Ii., ab 7 Uhr, Arbeitsdienst aller Ortsvercine. Holzarbeiter mit Werkzeug müssen zur Stell« fein. Spaten stitd ebenfalls mitzubringen.— Lichtenberg nebst llntcrgrnppen: Sonntag, b. 11., 7% Uhr. tritt der gesamte Radsahrcrzug bei Zimmermann, Friedrichsfelde, Walderfeestr. 78, zur Ucbttttgsfahrt au /Pflicht» lahrt). 16 Uhr Beginn des Eaalkonzcrts der Reichsbannerkapcllc Lichtenberg in den Gefamträumen oon Schonert am Rummelsbnrger See. Alle Republikaner sind herzlichst eingeladen._ Arbeiter. Samariterbnnd». B., Kolonne Berlin e. B. Monatsversamni. Iiinaen haben folgende Abteilungen: Montag, 12. September: Tcmpelhof bei Lindisch. Königstr. 44. Schöneberg bei Rofenthal, Ebersstr. 66. Krcnzberg bei Bühr, Blüchcrstr. 88. Weißcnsec bei Stärke, Charlottenburger Ecke Tassol straße. Dtenetag, 18. September: Hermsdorf im Turnhallengebäitde Roonstraße. Mittwoch, 14. September: Mitte im Leibniz-Gymnastum, Moriannenplatz. Die unterzeichnete Epruchstcllc ist von der W Spindler Attiengesellschalt in Berliit-Epindlersfeld und von Kassen» glättbigern, die Answer: una ihrer An- sprüche an den Ittvalidcnfonds bcan. lprttcheii, angerufen worden. Es loll darüber, ob der Jnvalidenfond» als ein« Belriebspettsionskasse im Sinne de» 8 68 Ads. 2 Ziffer 6, 6 64 de» ilttiwertttngs- gcsetze« zu gellen hat, inwteweit die Mittel d:r Kasse aus freiwilligen Zuwendungen des Ardeitgebers Herrüdren und über die Höhe de« Aufwcrlung-iatze« eiuschiedeii werden(Art. 14 der Durchs. DO. vom 8 Jttll 1926). Die Entschcchnttg toirll gegenüber allen Gläubigern, auch foweil sie stich nicht am Verfahren deieiligen, ein- heillich. Berlin, 6 September 1927. Spruth ltelle beim Sammergeelcht. - proepotrte Srati»! - iLM-ül-L II? OeotsllKlüetallaMtei-VRliairt Bleiollfonnetu.Betu�flenofira Heute, Sonnabend. 10. September, natfjm. 3 Uhr. im Semerkschaft». hause. Eugelufer 24 25 Außerordentliche velllllNiiSMöWelkovserm. Jeder Betrieb muß vertreten lein. __ Sie Ortsuerwallunp MiiuHgi älesenabsäSzf p'ür meine Broschüre, 11.— 20. Taus. Sacco und Vanzetli überall Vertreter ges. Muster an Jedermann 50 Pf., 100 Ex. 25 M., 1000 Ex. 225 M. Willielm Ballrusch, Verlag. Stuttgart Auiiusieiisirafte 122. QhsVpinjjip dev dvei iSmteiz- lifetberühinte Zigaretterunarten verdanken ihren Ruf meist der Eigenschaft, dass ihre als gut erkannte Geschmacksrichtung von Jahr zu Jahr ohne die geringste Abweichung erhalten bleibiSie haben sich gmz unabhängig gemacht vom Ausfall der jeweiligen TabaXemtejSie sind, wie der Fachmann sagt, nach dem„Prinzip der drei Emten'hergesteflt Das heisst, es wird niemals die jüngste Ernte allein verarbeitet, es wird viel mehr planmassig ein Lager aus den drei letztenläbak-Mrgangen unterhalten Jüerdurdi allem ist es möglich, die durch den wechselnden Ausfall der Ernten beding ten Geschmacks unterschiede auszugleichen. sonderen dadurch, daß zusätzliche Kapitalien, in neue Anlagen ver- wandelt, in größtem Umfange heranwachsen. Di« Industrie ist jetzt zu einem erheblichen Umfange ihr eigener B« st e l l« r. Man bat diesen Selbstbedarf der Industrie schon auf ein Drittel der ge- samten Erzeugung geschätzt. Kompliziert erscheint diese Jnvestitions- tonjunktur noch dadurch, daß die Geldmittel für sie im wesentlichen aus dem Wege über Auslandskredite nach Deutschland her- cingekommcn sind und, wie es aussieht, auch noch weiter kommen wollen. Bei unseren Betrachtungen kann aber diese von der Industrie besonders gern hervorgekehrte Seite des Problems im wesentlichen ousschalten. Es kommt bei zufließendem Kapital weniger darauf an, von wo es zufließt, viel wichtiger ist, zu welchem Zinssag es geborgt wird, und ob der Inlandsmarkt die vermehrt erzeugte Ware abnehmen und damit die Zinsen bezahlen kann. Neben- bei sei hier bemerkt, daß die Bereinigten Staaten, die größten Borger der Vorkriegszeit, ihre Kapitalzinsen vor dem Weltkriege ebenfalls nicht aus dem Export— von dem jetzt wieder unsere Industriellen als Voraussetzung ihrer Zinskrast gern sprechen—, sondern aus dein ständig steigenden Inlandsabsatz ge- zahlt haben. Inlandsmarkt und Löhne. Nun ist Deutschland mit seinem Inlandsmarkt sicher wesentlich ungünstiger daran, als cs jemals Amerika war. Die Vereinigten Staaten hatten in ihren eigenen Landesgrenzen riesenhafte jung- sräuliche Gebiete, die zur Kaufkraft der industrialisierten Bevölkerung durch den Absay von Waren hinzucrobert werden konnten. Da das in Deutschland im wesentlichen nicht der Fall ist, spielt die eigene Kaufkraft, also der Lohn und das Gehalt, die Einnahme der breiten Mosten der kleinen Leute, für die Auf- nähme der aus der Investitionskonjuiiktur hervorquellenden, sich rasch steigernden Produktionsmengen eine um so entscheidendere Rolle. Werden die Löhne abgebaut, so sägen die Industrie- gewaltigen den Ast ab, auf dem sie mitsamt ihren Tantiemen und Dividenden nebst Zinsvcrpflichtungen sitzen. - Hochspannung! ngen mit den Gewerkschaften. Die Schwarzseher werden möglicherweise diese Schluß- solgerungen anerkennen, um so energischer werden sie aber betonen, daß in der bei ihnen so beliebten sogenannten„Uebergangszeit" etwaige Lohnerhöhungen doch preisverteuernd wirken müssen. Es wird dabei geflissentlich übersehen, daß jede, auch die kleinste Rationalisierung den Lohnanteil am einzelnen Produkt vermindert. In den„guten, alten Zeiten" waren alle Teile der Selbstkosten stabil, nur der Lohnanteil am Preise der Produkte war veränderlich: der Unternehmer setzte die Löhne fest und wandelte sie je nach- dem, wie seine Kalkulation der Selbstkosten das ihm notwendig er- scheinen ließ. Wir sehen den bedeutendsten Erfolg der gewerkschast- liehen Arbeit darin, daß durch den rechtsverbindlichen Tarif der Lohnanteil in den Selbstkosten stabil geworden ist. Darin liegt nicht zuletzt ein starker Anreiz zur Rationalisierung oder wie man es sonst nennen will. Das Ge- heimnis ihres Erfolges besteht eben darin, daß alle anderen Unkosten- anteile am Preise des Produktes— neben dem festgewordenen Lohn- antcil— beweglich geworden sind. Damit ist der Lohnanteil objektiv aus dem Mittelpunkt der Selbstkostenberechnung herausgerückt. Aus diesen Gründen besteht für die Gewerkschafken keinerlei Anlast. sich durch die Ankündigung von Auseinandersetzungen und durch düstere Koniunkturprophezeiungen aus der Ruhe bringen zu losten oder gar von ihrer bisherigen sohnpolitischen Linie abzukehren. Aber vermehrte Aufmerksamkeit ist notwendig. Dies schon deshalb, weil es ja in der Richtung der derzeitigen privatkapitalistischen Wirtschasts- Politik liegt— die die Gewerkschaften nicht mitmachen—, Deutschlands eigene Kraft geringer hinzustellen als sie ist. Von ihrem Standpunkte werden sich dabei die deutschen Gewerkschaften auch nicht durch Hinweise auf die zunehmende Verschuldung der deutschen Industrie an das Ausland noch durch die Unterschätzung der Klugheit des Zluslandes, die, wie es scheint, ein unentbehrliches Jnventarstück offizieller Regierungsweisheit ist, irgendwie abbringen lassen. Kurt H e i n i g. Neue Aünöholzpreise! Crine geheimnisvolle Rationalisierung. Der Auffichtsrat des durch Reichsgesetz kvozessionierten privat- kapitalistischen Zündholzsyndikates hat der Handelspresse mitgeteilt, daß vom tS. September ab von ihm nur noch zwei Zünd- h o l z s o r t e n verkauft werden. Das klingt so gut und so ver- nünftig, daß«in Teil der Presse die Meldung mit der dicken Ueber- schrift„Ein Rationalisierungserfolg" versehen hat Nach unserer Auffassung ist dieser Jubel über den Rationali- sierungserfolg sehr verfrüht. Schon deshalb, weil in der Leitung der Deutschen Zündholz-V«rtauss-A.-G. die Deutschen und Ameri- kaner zu gleichen Teilen die Macht haben und sich weder die einen noch die anderen es gefallen lasten werden, daß ihnen nahestehende Fabriken allzu heftig gezwungen werden, in der Qualität— denn das ist dag Entscheidende— zur Einheitsmarke überzugehen Des- wegen besteht nach unserer Ausfastung die große Gefahr, daß die beiden Zukunftssorten an Zündhölzern im wesentlichen vorerst ein- mal in de? Etikett« vereinheitlicht werden. Hinter der„rationalisierten"'Etikette auf den Zündholzschachteln steckt aber noch etwas anderes. Die eine Sorte, die sogenannten Haushaltszündhölzer, sollen einen Ladenpreis von nicht über 2 5 Pfennig erhalten. Dem Einzelhandel w:rd sogar ge- stattet, etwaig« Preisabschläge vorzunehmen. Die zweite Marke, die Weltholz-Marke, soll eine» Mindestpreis, von S5 Pfennig für das Paket bekommen. Hier soll also in Zukunft nach oben t e i n t Pr«isgr«nze festgelegt werden. In der kurzen Mitteilung des Zündholzsyndikats über die Neu- regulierung der deutschen Zündholzprodutlion stecken so viele oolks- wirtschaftliche Geheimniste, daß das Gesetz über die Erlaubnispslichl zur Herstellung von Zündhölzern zur Aufklärung erstmalig wird in Aktion treten müssen. Nach dem zweiten Absatz des 8 9 jen«s Ge- setze? steht dem Reichswirtschaftsminister das Recht und damit auch die Pflicht zu, Zündhalzpreise„zu beanstanden oder herabzu- setze», die in volkswirtschaftlich nicht gerecht- fertigte? Weise gesteigert oder hochgehalten werden". Nun behauptet schon jetzt das„Berliner Tageblatt", daß die„Rationali- sierung" auf eine Verteuerung der Streichhölzer um 1 6% Proz. hinauslaufe! Der R« i ch s w i r t s ch a f t s m i n i st e r wird deswegen wohl um Auskunft ersucht werden, inwieweit er den Beschluß des Aufsichtsrats der Deutschen Zündholz-Verkaufs-A.-G. in seinen technischen Einzelheiten hat nachprüfen lassen und ob er im be- sonderen die geschäsrlichen Zwecke untersucht hat, die das Syndikat mit dem noch unten veränderlichen Preis bei der einen und dem nach oben veränderlichen Preis bei der anderen Sorte Streichhölzer verfolgt. Es erscheint gar nicht ausgeschlossen, daß durch diese Maß. nähme der von der sozialdemokratischen Reichstagsfrokiion scharf be- kämpfte, dann ober im 8 lO des Gesetzes durch die Regierung?- Parteien doch zugelassene Quoten Handel wieder fröhlich auflebt. Die öffentliche Bestätigung der Nachprüfung ist vom Reichs�. wirlschaftsministerium auch deswegen erst noch abzuwarten, weil seinerzeit, kurz noch der Gründung des»Syndikats, erhebliche Preis- erhöhungen zustand« kamen, bei denen dann sämtliche Beteiligten bestritten haben, daß sie von ihnen veranlaßt seien. Obwohl die Großcinkaufsgesellschast(GEG.) Mit- glied des Syndikats ist, hat dessen Prcisbcschluh für sie keine Geltung, ebensowenig der Beschluß über die Sorten Wichtig ist allerdings, daß das Syndikat mit der Haushaltsmarke den Kon- kurrenzkampf gegen die Genossenschaften aufnimmt. Hoffenllich beachten die Arbeiterfrauen auch den Unterschied in der Qualität zwischen G-E-G.- und Syndikors-Streichholz. Sö'sartige Ungenauigkeiten. Leider wieder das Institut für Konjunkturforschung. Das neueste Vierteljahrsheft des Instituts für Konjunktur- forfchung enthält auf Seite 22/23«ine Darstellung der Reallohn- entwickelung, die in ihrer irreführenden Aufmachung sehr ver- wundern muß Es veröffentlicht ein Schaubild, in dem die Ent- Wickelung der Großhandelspreise„der" Verbrauchsgüter mit der des Wochenlohns der ungelernten Arbeiter graphisch verglichen wird und beleuchtet damit die Entwicklung„des Arbeilseinkommens". Daß in der Preislinie„die" Verbrauchsgüter erfaßt sein sollen, glauben wir nicht: denn ihre Zahl ist unbegrenzt. Die Meinung, die Preisbewegung der Verbrauchsgüter kennen und graphisch darstellen zu können, ist unbescheiden. Das könnte aber als Lapsus hingenommen werden, w«nn es auch kein gutes Zeichen für die Sorgfalt der Forschungsarbeit des Instituts ist. Die Ver- Wendung des Lohns der ungelernten Arbeiter als Maßstab für die Entwicklung des Lohneinkommcns aber ist ein unverzeihlicher Fehler und entspricht in der Wirkung einer demagogischen Arbeit- gebereinstellung, wie sie bei einem Institut, das von Arbeitnehmern mitfinanziert wird, nicht vermutet werden darf. Dem Institut für Konjunkturforschung muß bekannt sein, daß gegenüber der Vor- kriegszcit das Einkommen der ungelernten Arbeiter stärker gestiegen ist als das des Durchschnitts der Arbeiter und vor allem als das der gelernten Arbeiter. So muß ihm auch sofort erkenn- bar sein, daß eine darauf basierte Darstellung der Lohnentwicklung ein falsches Bild ergibt. Das Institut verzichtet zum Ueberfluß noch darauf, die Miete in seine Berechnung einzubeziehen. Endlich ist es durchaus unwissenschaftlich, derartige Schaubilder ohne ihr« zahlenmäßigen Unterlagen zu veröffentlichen. Wir müssen deshalb fordern, daß dos Institut sich zu diesen in der Wirkung sehr bösartigen Ungenauigkeiten äußert. Falls das Institut unsere Kritik als unberechtigt erachtet, verdient die neue Methode der„Reallohnstatistik" schon eine etwas ausführlichere Erklärung, als sie ihr bisher vom Institut beigegeben worden ist. In dieser Form bedarf sie jedenfalls sofortiger Be- richtigung, und wir wollen hoffen, daß der Leiter des Instituts für Konjunkturforschung, der Präsident des Statistischen Reichsamts und Professor an der Berliner Universität ist, derartige Darstellungen nicht unter seiner Verantwortung bestehen läßt. Starker Beamtenabbau in Rußland. Durch den vom Rat der Volkskommissare der Sowjetunion versügten weiteren Abbau der Verwaltungsunkosten um 20 Proz. sollen nach sowjetamtlichen Angaben mindestens 200 Millionen Rubel erspart werden. Der Beamtenabbau beträgt bisher im Verkehrs- kommissariat 4 0 Proz., im Finonzkommissariat 36,1 Proz.. im Landwirtschaftskommistariat 20 Proz., im Londwirtschasts- kommissariat der Ukraine 24 Proz., im Bildungskommissariat 24 Proz., in den Verwaltungsapparaten der einzelnen Bundesrepubliken 22 bis 20 Proz. Die Hauprvcrwaltunq der Sparkassen hat ihren Beamtenapparat um 24 Proz., die Prombank um 25,7 Proz., die Außenhandelsbank um 23,3 Proz., die Elektrobank um 33,5 Proz. verringert. Di« Sowjetpresse rechnet mit„gewissen Widerständen" im Vcrwoltungsapparal gegen den weiteren Beamtenabbau. Berichtigung. In unserem Artikel„Betriebsräte klagen an!" über die erzwungene Stillegung der Berliner Kugel» lagerfabrik A. R i e b e- B c r l i n- lvitlenau steht einmal versehentlich BerlinzW e i ß c n s e e. Die Riebc-Wcrk A.-G. Berlin- Weißensee macht uns darauf aufmerksam und bittet um einen Hin- weis, daß es sich bei dem Artikel nicht um sie handelt. Gleichzeitig teilt die Riebe-Werk A.-G. Weißensee mit, daß sie als einziges großes deutsches Werk der Deutschen Kugellagerkonvention nicht angehört. Sie beschäftigt gegenwärtig über 700 Mann. Übler Mnndgerneb IISS *mm,—.Ji,-i' dasl-honll- zint- Ilg-BetdeSchö» dcllsschler werden oft schon durch elnmollzesPuyen mit der herrlich erfrischende, Zahnpaste«'Iltur,»,»,»,» deseili-,1. Di- Zähne erhallen schon nach lurzem Ee- brauch einen wundervollen Elfcnbcinzlanz. auch an den Teilcnllächcn. bei«leich- zeitiger Benutzung der dasiir eigen? Ivnstruierlen« mit gezahntem Borsienichnilt. faulende Speisereste in den Zahn- zwilchenräumen als Ursache de? üblen Mundgeruchs werden gründlich damit b». settigt. Versuchen Sic e? zunächst mi, einer Tube z» 60 Pf'« l-I,»,»!»»«. /.»linlMir*!« für Kinder 70 Pf., für Damen Ml. I 25(weiche Borsten), für Herren MI. 1.25(harte Borsten). Nur echt in blou-xrüner Originalpackung mit der Aufschrist„Cbloroeiuul", Ueberall zu haben. SonnabeaS is. September 1927 Unterhaltung unö Wissen Seilage öes vorwärts Der Mrm in öer Luke. Von Arih Müller, Partenkirchen. Jetzt war sr siebzig. Heut« abend war die Feier. Er war unterwegs dazu. Fest»chritt er aus. Es wölbte sich die breite Brust. Bon ge- beugtem Rücken keine Spur. Noch weniger von einer AlKrsdemut. Nein, er wußte, was er wert war. Siebzig Jahre alt zu werden, war noch kein Verdienst. Nicht daß er siebzig wurde, war zu feiern. Zu feiern war sein Werk. Er sah im Geist die lange Reihe seiner Bücher, als er aus der Aillenvorstadt auf die Stadt zukam. Sein Verleger hatte ihm berechnet, zwei Millionen der von ihm geschriebenen Bücher liefen um. Zwei Millionen! Ob zwei Millionen Bücher, aneinander aufgereiht, die Groß- stadt dort umfasien könnten? Er beschloß, dies Bild in seiner Rede heute abend anzubringen. Ob zwei Millionen Bücher, aufeinandergelegt, den großen Dom dort überragen?— sein Recheneinser in der Schule wurde ihm be- mußt, er machte einen raschen Ueberschlag. Die Dicke eines Bandes mit sünf Zentimetern angenommen— ha, aus Erden war kein Bau- werk, gab es keinen Berg, worüber nicht sein Bücherpseiler weit hinausschoß in den Weltraum! Er beschloß, auch dieses Bild zu streifen, wenn er auf die Rede», die man ihm zu Ehren halten würde, Antwort geben mußte. Rascher ging er jetzt. Der Abend sank. Er querte einen alten Stadtwall, den man zu bebauen angefangen hatte. Neue Häuser links und neue Häuser rechts. Dort drunten auf dem einen Neubau noch ein Hämmern und ein Werkeln jetzt noch Feierabend? Vielleicht, um den bedungenen Zeitpunkt einzuhalten, eine Strafe einzusparen? Er nickte sachverständig. Er hatte auch oft Nächte durch- geschrieben, wenn Verleger depeschierten. Er blieb stehen, dachte nach: seine Kunst, die war nicht frei? Er war doch nicht ein Sklave wie der Maurer, der dort drüben'noch nach Feierabend Ziegel legte? Z»gcl, die ihm Stück für Stück übergeben wurden. Er schaute schärfer hin. Sonderbar, niemand der sie reichte, sah man. Aus dem Bretterboden, wo der Maurer stand, fuhr nur ein Arm durch eine schmale Luke. Ein nackter Ann. So nackt, daß er die Haar? darauf zu sehen oermeinte. Einen Ziegel reichte dieser Arm. Einen Ziegel nahm der Maurer. Einen Ziegel sügle er in den gemörtelten Verband. Um eines Ziegeis Länge, Breite, Dicke schob sich das gemäß des Neubaues weiter. Schritt um Schritt. Er stand wie festgebannt. Die Erscheinung schien ihn, plötzlich riesengroß. Noch begriff er sie nicht ganz. Jetzt aber war es ihm auf einmal, als spalte sich der Abendhimmel über jenem Neubau wie von einem Blitzgeäst, als schrie eine Stimm«: Das geht dich ay— dich— dich...! Er duckte" sich. Er schaute scheu. Er strasste sich aufs neue gerade. Er nickte schlicht gehorsam.„Jach wie Kinder nicken, die begriffe» haben.--- Die Geburtstagsfeier war auf ihrem Höhepunkt. Ein anderer Dichter hob den Jubilar in einer Rede an die Spitz« unserer Dich- lung: die von heut« führten ihre Feder in dem Licht« seiner Werke. Ein Minister kam und brachte mit dem Glückwunsch der Regierung einen Orden. Es feierte der Oberbürgermeister den berühmten Sohn der Stadt, der ihr Ehrenbürger heute wnrde. Aus dem'Aus- land traten Körperschaften an und brachten Grüße, Wünsche, Ehren. Freund« standen aus und feierten den Mann, der seinein Dolk ein geistig 5iaus gezimmert habe, in welchem hohe Kunst und höhere Gedanken heute in Gemächern wohnen, werken könnten, vor ihm wären sie, im Geiste obdackjlos, durchs Land geirrt. Klatschen. Brausen, Rufe hinter jeder Rede. Jetzt trat Stille ein. Alle schauten ihn an. Würde er er- widern? „Er muß,* lächelte an einem Tisch ein Redakteur. Dann zeigte er aus Blätter, aus die Reden, die gehalten worden waren:„Zu- geflogen, ehe sie dem respektive» Mund entsleuchten. Ja, meine Herren, wir sind mächtig. So mächtig bin ich, daß ich Ihnen jetzt verraten könnte, wörtlich, was der Jubilar erwidern muß." „Muß?" sagte eine Stimme halblaut hinter ihm, und durch die Lücke zweier Fcstgenossen langte eine Hand nach Blättern, nahm sie auf und las. Die am Tisch erstarrten. Der da stand, das war der Jubilar. Langsam schlug er Blatt um Blatt um. Dann sah er auf. „Meine Herren Vom Komitee ein Mitglied unterbrach ihn fast verstört:„Wollen Exzellenz nicht vom Präsidium!" „Es kommt nicht aus den Ort an, mein« Herren. Womit man leinen Platz, an dem man hingestellt ist, ausfüllt, darauf kommt es an—* Kein Raunen mehr, kein Besserwissen— er sühlte, schon hatte er den ganzen Saal in seiner Hand. Nur der Redakteur lächelte»och immer überlegen: Gott, wenn man weiß, was kommen würde, Wort für Wort... V Und nun schien der Jubilar da gor die Rede abzulesen von den ausgenommenen Blättern, die er immer noch in seiner Hand hielt. „Meine Herren, meine Rede ist seit Wochen aufgesetzt, vereinbart und gelernt. In einer Stunde darf sie in den Rotationsmaschiaen wirbeln. Sie hätte gestern schon drin wirbeln und Sie hätten sie zum Frühstück heute früh schon lesen können, diese Rede." Seine siebzigjährige Rechte mit den Blättern schlug geräuschvoll ans die Linke. Der Saal hielt den Atem än. Der Redakteur hon- tierte ärgerlich mit dem Bleistift. Er würde die unvorhergesehene Einleitung nun doch nachstenographieren müssen. „Meine Herren, ich— ich halte diese Rede nicht!" Er warf die Blätter auf den Tisch. Er machte eine Pause. Er lächelte:„Das heißt, ein paar Sätze wollen Sie davon verstatten." Ruhevoll nahm er die Blätter wieder aus.„Sie sind nötig zum Berständnis dessen, oas ich eigentlich zu sagen habe— hören Sie." Im Saal ein unbehaglich Atmen, ungewisse Augen. Komitee- Mitglieder raimten hinten durch die Türen. Komiteemttglieder fuhren -tzißerhalb der Türen sich verstört durchs festliche Gelock. Komitee- Mitglieder erwogen, ob man nicht mit der Präsidentenglocke läuten, ob man nicht dem ausgesprungenen Jubilar das Wort cnt- ziehen solle. „Meine Herren, ich hatte nun laut diesen Blättern einzeln auf die Reden einzugiAn. die auch mir— ich bitte zu verzeihen— schon seit Tagen auf dem Schreibtisch lagen. Ich gehe nicht darauf ein. Was wäre diesen Rednern solcher vorgekauter Dank? We- Niger als mir noch. Ich sehe Ihnen lieber insgesamt recht fest in Ihre Augen, schlicht zusammenfassend: Ich danke Ihnen! Ich spüre: Ihnen ist's genug, und mir ist's mehr." Nickendes Gemurmel lief im Saale herum. Der Jubilar sah wieder in die Blätter:„Und nun noch ein paar Sätze, die ich hätte sagen sollen, mein« Herren. Hier stehen sie: Meines Landes Schrift- tum konnte ich auf lichte Höhen führen... Di« Richtung, die mein Werk den kommenden Geschlechtern wies... Ich habe nicht um- sonst gelebt... Ich überblicke meine Saat... Ich— ich— ich die ganz« Rede! Graut Ihnen nicht davor? Mir graut!" Die Unbehaglichkeit im Saal, die Ungewissen Augen tauten auf. Sie wurden hell. Sie fingen an zu glänzen. Sie spürten ein Er- lebnis, das da kommen würde, das da ohne Vorbereitung unaus- „Und wissen Sie, seit wann mir graut?" Er schaute auf die Uhr:„Vor zwei Stunden bin ich her- gewandert. Im Gehen fiel mir ein, daß zwei Millionen meiner Laokoon. Altertumsforscher haben eine neue Deutung der berühmten Laokoongruppe gefunden: sie stellt drei deutschnationale Minister dar. die sich aus den Richtlinien zu befreien suchen. Bücher in die Lande gingen. Eine Zweimillionenbüchersäule, habe ich Ihnen auch noch sagen wollen, überstiege doppelt unserer Gsde höchsten Berg—" „Endlich," murmelte es im Komitee,„endlich spricht er vei� nünstig zur Sache." „Diese Doppelgaurisankarsäule, mein« Herren, ist noch gar nichts. Unendlich höher noch ist— meine Eitelkeit." Verblüffung rings int Saale. Da und dort ein feiner Kopf nur, welcher leise nickte:„Er ist größer, als wir dachten." „Ein solcher Borwurs, meine Herren, muß bewiesen werden. Am Stadtwall bauen sie neue Häuser. Auf einem ging die Arbeit, als ich es unter mir erblickte, in den Feierabend. Auf dem un- bedachten oberen Stockwerk stand ein Maurer. Er legte Ziegel, einen um den anderen. Durch ein schmales Loch des Bretterbodens fuhr ein nackter Arm. Der reichte ihm die Ziegel, Stück um Stück. Man sah den Arm nur, nicht den Menschen. Auch den nächsten, der sie diesem reichte, sah man nicht. Die ganze Kette sah man nicht, durch welche die Ziegel gingen, wanderten und flogen. Den Wagen sah man nicht und nicht die Rosse, die die Ziegel noch dem Bau gezogen hotten. Die Güterzüge sah man nicht, und die rauch- geschwärzten Führer nicht an ihren Kesseln, die die Ziegel in die Stadt gefahren hatten. Die Maschinen, die Fabriken sah man nicht, die jene Ziegel formten. Den Fabrikherrn sah man nicht, der über Büchern kalkulierte. Die Hände sah man nicht, die ein« Lehmform um die andere aus der feuchten Erde stachen. Die Wogen jenes WAtmeeres sah man nicht, aus dem vor Jahrmillionen Lehmkorn sich um Lehmkorn auf den Boden senkte und der Kontinent sich sonnte." Der Redner stockte. Den Ungewissen im Saal ward es wieder unbehaglich:„Herr im Himmel, holt der Mann aus... wo er nur hinaus will..." „Ich bin gleich zu End«, meine Herren. Im Grunde ist es nur ein Satz, den ich, statt meinet Rede, Ihnen vorzusetzen habe: Ich b i.n ein Maurer, weiter nichts." Wieder hielt der Redner an. Im Saal ein Tuscheln:„Was hat er gesagt... ein Maurer sei er... wie, ein Maurer?... kein übler Witz, hähä—" „Ich bitte nicht zu lachen, meine Herren. Mir ist ernst. Mir ist bitter ernst mit dem Bekenntnis, daß ich Maurer sei, nichts weiter. Gewiß, ich habe Buch um Buch herausgegeben. Wer aber gab sie mir? Durch eine schmale Luke des Bodens, auf dem ich stehe, hat ein Arm heraufgelangt, ein nackter.Arm— mit dem Wort Intuition bekleiden wir Gebildeten den Arm. Der hat sie mir ge- reicht, Stück um Stück. Wir sehen nur den Arm, nicht was dazu gehört. Wir sehen nicht die lange Kette der Gehirne, die uns unsere Bücher vorgedacht. Wir sehen nicht die tausend Handwerkshände, ohne deren Schwielen jene Ketten der Gehirne nie zum Denken käme. Wir sehen nicht— ach, Freunde, was nicht alles sieht der Mensch nicht in dem kurzen Arbeitstage, so er Leben nennt, sein Leben. Selten nur, höchst selten, daß uns jener nackte Arm bewußt wird, der herouflangt. Und seien wir doch ehrlich, um uns alle, um unser aller Arbeit schießt es täglich auf von nackten Helfer- armen: Nimm, nimm und leg«! Meine Herren, ich nahm, ich legte. Buchziegel um Buchziegel Hab' ich eingefügt in den gemörtelten Verband. Ihr rühmtet vor- hin, ein geistig' Haus hätt' ich gebaut, in welchem Künste und Ge- danken, die sonst frierend über Land gestolpert waren, in Ge- mächern wohnen könnten. Wenn das ein Verdienst sein soll— meinetwegen. Wenn Sie aber mich, den Alten, feiern, der nach Feierabend noch, wo andere Hände ruhten, ziegellegend tätig war am Hause, so müßtet ihr auch jenen Maurer seiern, den ich heute abend sah nach Feierabend. Mehr müßtet ihr ihn feiern noch als mich. Denn seht, ich, ich wohne ganz behaglich in Gemächern, die ich bauen half, wie es in der Bibel heißt:„Sie bauten Häuser und wohneten darin." Die Maurer aber aus dem Stadtwall, meine Herren, bauen auch Häuser und wohnen nicht darin." Gemurmel im Saal. „Keine Angst, ich bin kein Sozialist. Hinweisen muß ich nur auf unsichtbare Ketten jener Hände, jener Hirne, denen wir, die wir sichtbar werden aus den Baugerüsten, tief verschuldet sind und tief verschuldet bleiben. Habt ihr nie gestaunt, wie unverdrossen sich die nackten Arme durch die Luke zwängen, Ziegel uns um Ziegel darzubieten? E i n Glied in jenen langen Zufuhrkeiten, wenn's nur risse— stumm und tatenlos im Schurzfell stünden wir an unseren Mauern, die wir in die Höhe führen sol�-><, und der Mörü's trocknet«in und stäubet hinter unseren Särgen. Ein Wunder ist es, Freunde, daß die Kette jener, welche so geduldig und so un- bewußt mit uns am Werke find, nicht öjter reißt. Ich bin zu Ende, meine Herren, und ich bitte Sic: Sehen Sie sich öfter um beim Ziegellegen. Sehen Sie sich um nach jenem nackten Arme, der sich helfend aus der Tiefe an Ihr Licht empor- streckt. Nehmen Sie ihm seinen Ziegel ab und vergessen Sie nicht, ehe Sie ihn Übermörteln, manchmal jene Hand zu drücken— nicht verstohlen, bitte—, die ihn reichte: seien Sie versichert, sie wird diesen Freundesdruck hinunterleiten in der langen Kette, die vielleicht ein Kreis ist, wo der brüderliche Händedruck bei Ihnen wieder an- langt, wenn Sie einsam, mutlos und vergrämt sind und recht gut den Druck von einer Freundeshand vertragen können. Das ist alles, meine Herren. Nehmen Sie es freundkich auf, als das Bekenntnis eines Maurers, der auf seine alten Tage sehend wurde und der bald herabsteigt vom Gerüste— gut« Nacht!" Der korrigierte �ltlas. Stötzners neue Reisepläne. Der bekannte Tibetforschcr Walther Stötzner bricht dem- nächst zu einer neuen Expedition nach Asien aus, auf der er ein noch ganz unbekanntes Gebiet erforschen will. Es handelt sich um eine Fläche von weit über 1t)gg Kilometer Länge und rund 500 Kilomeier Breite, die südlich von dem großen Bogen des Helungkiang, des„schwarzen Drachenstroms" umflossen wird, den wir Amur nennen Auf den Landkarten findet man zwar an dieser Stelle Flüsse und Gebirge eingezeichnet, aber was da auf allen Atlanten zusammenphantasiert wird, ist falsch. Diese überraschend« Mitteilung macht Stötzner in einem Aussatz in„Rcclams Universum", in dem er sich über di« Zwecke und Ziele seiner neuen Reis« aus- spricht.„Man sagt," schreibt er,„die weißen Flecke aus den Land- karten seien alle geworden, und das ist in gewisser Beziehung richtig: denn auch dort, wo weiße Flecken sein müßten, weil noch kein Europäer die Gegenden betrat, sind heute Flüsse und Gebirge ein- getragen. Es sieht so aus, als wenn die Kartenzeichner sich keine Blöße geben und nicht zugestehen wollten, daß es immer noch vfr- hältnismäßig große Landstriche auf unserer Erde gibt, von deren Oberflächengestaltung man keine sicher« Kenntnis hat. Zu diesen Gebieten gehört auch der Norden der Mandschurei". Bon derß Helungkiang-Gebiet wissen wir überhaupt nichts weiter, als daß die Karowanenstraße Zizikar— Mengen— Aign» hindurchsührt. Alle anderen Angaben, die auf den Karten verzeichnet sind, stützen sich auf ganz unzuverlässige chinesische Berichte über einzelne Flußläufe, zu denen man dann Gebirge als Quellgebietc hinzuersunden hat. Es ist sehr fraglich, ob sich in dieser Gegend überhaupt auch nur eine Spur von den gewaltigen Gebirgsketten findet, die sogar mit Namen angegeben werden. Wahrscheinlich ist der größte Teil dieses Gebietes mit Urwäldern bedeckt. Das läßt sich schon daraus schließen, daß sich außer der Karawanenstraßc in diesen weiten Strecken auch nicht eine einzige Ortsangabe auf den Karten findet. Wäre nur der kleinst« Ort vorhanden, so lyüßte er durch chinesisch« Nachrichten bekannt sein. In fast menschenleeren Urwäldern aber gibt es keine Städte. Auch die meteorologischen Beobachtungen, di? in der russisch-sibirischen nördlickzen und westlichen Umgebung gemacht wurden, berechtigen zu der Annohme, daß sich hier die letzten Ausläufer der sibirischen „Taiga", des Urwaldes, befinden. Die Hauptarbeit Stötzners auf seiner neuen Fahrt wird in der Erforschung der menschlichen und tierischen Bewohner dieser Urwälder bestehen. An Tieren müssen hier dieselben Geschöpfe zu finden sein, die die südlichen Teile der sibirischen Urwälder bevölkern: der Elch und der Hirsch, das wilde Renntier,. der Bär und der sibirische Tiger, der von ollen Tigcrarten der weitaus größte und angriffslustigste ist. Es wird besonders wichtig fein, di« äußersten Verbreitungsgrenzen dieser Tierwelt festzustellen. Die undurchdringlichen Wälder Nord- ostasiens sind seit Jahrhunderten von Tungusen bewohnt, die bis vor wenigen Jahrzehnten auf keiner höheren Kulturstufe lebten als die nordamcrikanischen Indianer in den Lederftrumpfgeschichten Seit- dem ist die.„Kultur" mit ihren fragwürdigen Gaben in die sibirisch« Taiga eingedrungen und hat vielfach den körperlichen und sittlichen Niedergang dieser Waldmenschen zur Folge gehabt. Es gibt aber »och heute große Gebiete, in denen die Tungusen als reine Fischer- und Jägervölker loben, und man darf erwarten, daß in den weg- losen und undurchdringlichen Waldgebietcn der Helungkiang-Provinz sich noch ganz unbekannte Tungusenstänime finden werden. Stötzner hält diese Gegend für ein Rllckzugsgebiet verschiedener kleiner Rest« dieses Volkes, die noch nach uralter Sitte und Gewohnheit der Böter leben, und es dürste höchste Zeit sein, dort im letzten unberührten Winkel für die Wissenschast zu retten, was sich noch an ursprünglicher Eigenkultur unter ihnen erhalten hat. Die chinesischen Wirren werden aus die Erforschung dieses abgelegenen Gebietes unmittelbar keinen Einfluß haben: wohl aber sind die Banden der Chunchutzen oder „Roten Bärte" zu fürchten, jene berüchtigten Räuberbanden, die seit Jahrhunderten im Norden Chinas ihr Wesen treiben. Mörder, Verbrecher und alle, die aus Furcht vor Strafe flüchteten, taten sich in den Urwäldern der Grenzgebiete zusammen und unternahmen von dort ihre Strcifzllge. Um sich unkenntlich zu machen, hängten sie sich in früheren Zeiten die bekannten chinesischen roten Schauspielerbärte um und erhielten davon ihren Namen Manche ihrer Führer sind zu Generalen ausgestiegen und haben>n der Geschichte des Landes eine Rolle gespielt. Stötzner, der mit nur zwei europäischen Begleitern seine Reise unternimmt, will jene Gebiete umgehen, in denen gerade die Chunchutzen Hausen, und hofft, sich mit ihnen friedlich zu verständigen, wenit er auf sie stößt. Ein Wettstreit niederländischer Glockenspiclkünstler findet gegen- wärtig in verschiedenen niederländischen Städten statt Di« Nieder- lande sind ja geradezu das Land der Glockenspiele. Die meisten wurden in den Jahren 1644 bis 167fi aus den Türmen eingebaut, sodaß damals bereits AI vollständig« Glockenspiele im Land« vor- Händen waren. In den folgenden Jahrhunderten wuchs ihr« Zahl bis auf 63 an, die noch heute durch berussmäßige Glackenspieler an hohen Festtagen bespielt werden. Das größte Glockenspiel findet sich zu Rotterdam mit 49 vorzüglich abgestimmten Glocken, während die kleineren Glockenspiele immerhin mindestens 36 Glocken zählen. In Utrecht fand der Wettstreit am 29. August statt, wobei auch lustige Weisen von dem alten, restaurierten Domturm aus weithin über die Stadt erklangen. Hierbei gewann der Roller- damer Glockenspieler Timmermans den ersten Preis von 1ö0 Gulden. f prprrtnm fm N■ c 1H T- JK A PVTT K KIEFEN billig, weil sie lineer halten als das Schuhzeue chic, weil jede Art Schuhzeag mit Crepe- Sohlen eieenartie und flott wirkt gesund, weil die Crepe-Sohlen wasserdicht und warm sind angenehm, weil sie einen elastischen Gang ohne trmudung bewirken und, weil dfer Fuß keine Unebenheiten und Steinchen durch die Sohle fühlt praktisch, weil die Sohlen mit Leichtigkeit unter jede Art Schuhzeug zu kleben sind und modern, weil jeder fortschrittlich veranlagte Mensch die Crepe-Sohlen trägt und sie nie wieder missen möchte Durch Crepe-Sohlen zu Höchstleistungen im Sport Seid sparsam und klug, verlangt nur die echten |auf der Plantage selbst fertig hergestellten e K2 B 4�■ a: RE'SO Fi LC P« 1 RUBBER GROWERS' ÄSSOCIATION. 2.3,4. IDOL LANE LONDON EC. 3. | Sonnab-M 10.9.27 Staats-Oper [ Am PI.d.Republ. Anf. 7»/z Uhr Staad. Sdiauspiclii. 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