Ur. 240. Erscheint täglich außer MontagS. PreiZ pränumerando: Viertel- jährlich s,zv Mark, monatlich I.io Mr., wöchentlich 2S Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer e Pfg. EonntagS-Nummer mit illuftr. Eonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: S.30 MI. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für das übrige Ausland s Mk. pr. Monat. Singelr. in der Post- Zeilungs- Preisliste für isos unter Nr. 7l2S. 12. Jahrg. JnscrtionS-lSebühr beträgt für die fünfgefpaltsne Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 2a Pfg. Snseral- für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der(frpedtlion abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis? Uhr abends, an Eonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Zimt 1, Ur. 1508. Telegramm-Adresse: „Koiialdemolrrat Kerlin". Volksvlait. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. N-d-'k«»»: SV. 19, N-alh-StmS- 2. Sonlltng, den 13. Glttolier 1895. ßrpediti»,,: SW. 19, Neuth-Sirah- 3. Der Vrrslnuer AArrrtriteig. Berlin, 12. Oktober. H-cute um 1 Uhr haben die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie nach einer Woche mühevoller und nicht vergeblicher Arbeit die Tagesordnung des Kongresses er- lcdigt. Es ivaren Tage schwerer Arbeit und auch großer Auf- regiulg. Wir, die unsere Geschäfte in vollster Oeffcnt- "' feit abmachen, haben nichts zu vertuschen und zu ver- lcn. Wir können ruhig sagen, daß selten in der Partei die Geister so scharf aufeinandergeplatzt sind, wie bei Be- rathnng des Agrarprogramm- Entwurfs. Das Bedauern kann ilicht unterdrückt werden, daß mit einer unter Partei- genosseil seltenen Schroffheit die Debatten geführt wurden. Tics erklärt sich aber rein psychologisch. Wenn so ver- schiedene Temperamente wie die Bebel's und Schippel's in scharfe Meinungsverschiedenheiten gerathen, dann wird es schwer zu vermeiden sein, daß Funken sprühen. Aber für die Solidarität der Partei, für ihre innere Stärke, für ihre Geschlossenheit nach außen sind die scharfen Töne, die auf dem Parteitage erklungen sind, voll- ständig bedeutungslos. Dies sehen nun auch unsere Gegner ein, die in ihrer Verblendung bis vor kurzem auf Spaltungen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie speknlirt haben, die von ihnen die Rettung ans der der heutigen Wirthschastsordnnng drohenden Gefahr erhofften. So weit sich die maßgebenden Organe der gegnerischen Presse bisher geäußert haben, so zeigen sie nur sehr gedämpfte Freude über die Vorgänge am Parteitage, während sie vor zwei Jahren über ähnliche Aenßerlichkeiten hellauf gejubelt hätten. Die sozialdemokratische Partei steht heute so intakt, so kampfesmuthig und siegesbewußt da, wie nur je. Trotz der schroffen Wortgefechte, trotz der Ablehnung des Agrar- progranlM-Entivurfes mit einer starken Zweidrittel-Majorität hat sich in der Partei nichts geändert und dieser Auffassung hat der Parteitag dadurch Ausdruck gegeben, daß er die Parteileitung, die zuletzt in Frankfurt a. M. geivählt wurde, mit einer au Einstimmigkeit grenzenden Majorität in ihrem Amte bestätigte. Es hat sich nichts geändert, außer etwa, daß die allzu schnell, ohne die nöthige gründliche Uebcrlegunq und Berathuug gefaßte Agrar-Resolution des Frankfurter Partei- tages aus der Welt geschafft wurde, und daß die Agrar- kommission ausgehört hat zu existiren. Wir zweifeln nicht, daß jedes Mitglied der Agrarkommission sich bemüht hat, seiner Aufgabe gerecht zu werden und doch glauben wir, daß ihrer Auflösung keine Thräne nachzuweinen ist. Ihre Znsanimensetzung war eine zufällige. Man hatte sich bei der Wahl der 15 Mitglieder in die Agrarkommission nicht gründlich genug überlegt, daß dem aussichtsreichsten Gebiete �vivdrichi Engels und dev Vlnrxistnus. Professor Sombart in Breslau setzt in der letzten Nummer der„Zukunft" den unseren Lesern schon bekannten Artikel fort. Wenn wir auch mit so manchem in dem Artikel nicht ein- verstanden sind, so enthält er. nicht zum mindesten auch des- halb, weil er von einem Manne herrührt, der nicht unserer Partei angehört, so vieles für uns bemerkenswerthe, daß wir ihn mit unwesentlichen Kürzungen veröffentlichen: Die Blüihe des„wissenschaftlichen Sozialismus", wie er von Marx und Engels zu einem System auegebildet worden ist, ist die Theorie. daß die kapltalistlsche Wirlhschastsordnung, d. h. die ans dem Privateigenthum an Produklionsmiltcl» auf- gebaute Ordnung, wie sie heute in allen zivilisirten Slaalen das Wirthschaftsleben beherrscht, nicht etwa aus irgend welchen sittlichen Gründen umgestaltet werden solle, sondern krast der ihr innewohnenden Beivegungsgesetze sich auslösen und in eine höhere, die soziallstische Gesellschafls- ordnung, d. h. ein Wirlhschastesystem aus der Basis vergesell- säa teler Produktionsmittel, übergehen müsse; daß sich diese Re- volutionirung durch die Herausbildung immer schärserer Gegen- sähe im Wirlhschaflsleben vollzieht und diese Gegensätze sich in dem Klassenkampfe zwischen Bourgeoisie und Prolelariat dar- stellen; daß die Mission des Prolelarials somit die Herbei- sührung der sozialistischen Gesellschaft aus dem Wege des Klassen- kampfes ist, eine Mission, die ihin zum Beivußlsein zu bringen als Aufgabe der sozialen Wisienschast und der praktischen Agitalion bezeichnet wird, deren Organ die politische Partei der Eozialdeniokralie ist. Die„Blüthe", sage ich, ist solche Theorie der svzialen'Entivickelung. Dabei habe ich Blätter, Stiel und Wurzel zu« nächst beiseitegelassen, die zu dieser Blüthe gehören und erst mit ihr zusamnien das vollständige System des„Marxismus" ausmachen. Dieser ist in der Thai eine ganz eigenartige abgeschlossene Welt- anschauung, ein philosophisches Lehrgebäude, das sreilich nicht in allen seinen Theilen gleichmäßig ausgebaut ist— welches philosophische Lehrgebäude wäre das?—, von dem wir aber die Grundmauern besitzen und deffen Plan wir kennen. Wenn je für ein philosophisches System der Ausspruch von für unsere Agitation ans dem Lande, den ostelbischen Provinzen, am wenigsten Beachtung geschenkt wurde. Wenn es aber jemandem einfiele, ans der Annahme der Kautsky'schen Resolution zu schließen, daß ivir uns künftighin auf die Agitation unter den gewerblichen Ar- beilern beschränken wollen, daß wir die Agitation auf dem Lande ausgeben wollen, so irrt er ganz gewaltig. Mit un- verminderter Energie wird die Partei die Laudagitation betreiben und hat sie sich entschieden, den von der Agrar- kommission gezeigten Weg nicht zu gehen, so wird sie ebendoch nicht stehen bleiben, sondern andere Wege gehen, die nach der Auffassung der Masse der Parteigenossen rascher zum Ziele führen. Das ist alles. Und wir sind überzeugt, daß unsere Gegner, speziell im Lager der Agrarier, bald einsehen werden, daß sie gar keine Ursache zum Jubel über die Beschlüsse des Breslauer Parteitages haben. Die Erfolge, die ivir mit dem alten Programm unter der Laudbevölkernug hatten, werden schon deshalb in den nächsten Jahren größer werden, weil die agitirenden Parteigenossen in der letzten Zeit, und dies ist thcils direktes, theils indirektes Verdienst der Agrar- kommission, duich die Presse und die sonstige Agitation weit größere Kenntnisse der landwirthschaftlichen Verhältnisse er- worden haben, als je zuvor. Dieses Wissen wird aber erade durch die Ausführung der Aufträge, welche der arteitag dem Parteivorstaude gegeben hat, noch ver- tieft werden. Und je gründlicher die Partei die Verhältnisse auf dem Lande kenneu lernt, desto erfolgreicher wird sie unter der ullserer Agitation zugänglichen ländlichen Bevölkerung agitiren, desto eher wird der richtige Weg für unser Vorgehen ans dem Lande gefunden werden.[ Die Ablehnung der Vorschläge der Agrarkommission' ist kein Abschluß, es ist ein neuer Anfang. So erregte Debatten der Beschlußfassung über das Agrarprogramm vorangingen, so ruhig und schnell wurden alle übrigen Geschäfte erledigt. Dem Parteivorstande und der Reichstags- Fraktion wurde ohne jeden Widerspruch das vollste Vertrauen aus gesprochen. Der Beschluß über die Maifeier bedeutet einen ent- schiedenen Fortschritt; der über die Betheiligung am Londoner Kongreß ist ein neuer Beiveis für die internationale Solidarität, die die deutsche Sozialdemokratie erfüllt; der Beschluß über das Schwitzsystem, die Hausindustrie und den Arbeiterschutz giebt bedeutungsvolle Anregungen und zeigt, daß wir ohne ein Haar breit vom Wege zu unseren letzten Zielen abzugehen, mit allem Eifer bemüht sind, an der Verbesserung der Lage der Arbeiter in der heutigen Wirt- schaftsordnnng zu arbeiten. Durch die Beschlüsse in Sachen Jochem und Rüdt haben wir hoffentlich endgiltig Ordnung in die etwas zerfahrenen Parteiverhältnisse Badens und Danzigs gebracht. Zahl- Nietzsche zutreffend war:„das meiste bewußte Denken eines Philosophen ist durch seine Jnstinkle heimlich geführt und in bestimmte Bahnen gezwungen", d. h. wenn irgendwo der Wille des Gedankens Erzeuger war, so ganz gewiß bei dein engels- marxischen Gedankensystem. Die wuchtigen Persönlichkeiten, die beide Männer ivaren, haben hier sich ganz eingesetzt, ihre un- bändige Leidenschafl, ihr glühendes Herz sind die treibenden Kräfte bei der Auisiudung der philosophische» Theoreme geivesen. Der Wille, der hier nach Ausdruck rang, war ein durch und durch revolutionärer. Marx und Engels sind nur zu verstehe», wenn man diesen Revolulionarismns als den Grundzug ihrer Persönlichkeiten ausfaßt: Beide Rheinländer, also unruhige Geister von Geblüt, in einer Zeit geboren, da in den Rhein- landen die Wogen der Revolution»och längst nicht zur Ruhe gelangt waren, in einem Lande, das eben erst einem fremden, ver- haßten Staat— Preußen— sich hatte angliedern müssen, nach- dem es ein Menschenalter hindurch den mannigfachsten politischen und gesellschaftlichen Wechselfällen ausgesetzt gewesen war, finden sie sich in einem Alter, da andere Sterbliche in das Philisterium hinübertreten und ernstlich an die Begründung einer sicheren Lebensstellung in der Heimathgemeinde denken, in die Bohöme des heimalhloten Emigrantenthums hinausgestoßen. Kein Wunder, wenn unter solchen Ilmständen in glühenden Seelen die revolutionäre Leidenschaft zur Flamme emporschlug und die ganze Persönlichkeit durchlohte. Niemals»un hat sich solchen Feuernaturen, die im Grunde Deutsche genug geblieben waren, um die Lust am Philosophiren nicht zu verlieren, die es drängte, ihr leidenschaftliches Wollen in ein System zu bringen, eine passendere Philosophie dargeboten als das damals noch im Mittelpunkte des Interesses stehende System Hegels! Wohlgemerkt: man mußte es nur richtig verstehen! Engels selbst hat uns mitgetheilt, wie sie das Hegel'sche System auffaßten", und ist sich selbst bewußt, daß sich der Gedankengang „in dieser Schärfe nicht bei Hegel" fand. Für die Marx und Engels lag„darin aber gerade die wahre Bedeutung und der revolutionäre Charakter der Hegel'schen Philosophie, daß sie der Endgiltigkeit aller Ergebnisse des menschlichen Denkens und Handelns ein für alle Mal den Garaus machte. Die Wahrheit, die es in der Philosophie zu erkennen galt,>var bei H.'gel nicht mehr eine Sammlung fertiger, dogmatischer Sätze, die, einmal gefunden, nur auswendig gelernt sein wollen; die Wahrheit lag nur in dem reiche wcrthvolle Anregungen für den Parteivorstand, die Reichstags- Fraktion und für jedes Parteimitglied wurden in den übrigen Beschlüssen gemacht. Mag auch manches harte Wort gefallen sein, so werden, wir sind fest davon überzeugt, auch die persön- lichen Mißhelligkciten, die in Breslan entstanden sind, bald einer ruhigeren und versöhnlicheren Stim- mung iveichen. Doch dies bezieht sich blas auf die persönlichen Beziehungen. Als Parteigenossen werden alle weiter gemeinsam und mit ungeschwächtein Eifer zusammen« arbeiten. Mit uns wird jeder der Ueberzengnng sein, daß alle Delegirten auf dem Parteitage das beste für die Partei gewollt haben. Sollte man unseren Liebknecht seinen 70. Geburtstag im Gefängnisse feiern lassen, was wir zwar nicht fürchten, so wird auch dies nicht zum sozialen Frieden führen, sondern den Kanipfesmuth und die Energie aller Partei- genossen nur stärken. Der Alte, der 1343 mit- gemacht, der im badischen Aufstände knapp dem Tode durch das Standgericht entronnen ist, der von allen bekannteren Parteigenossen am längsten in Ge- fängnissen gesessen hat, er weiß Opfer zu bringen und wir wissen ihn so jugendfrisch an Körper und Geist, daß er auch als Siebziger ungebrochen aus Gefängnißmanern herauskommt. Nicht fürchten wir den Feind, Nicht die Gefahren all'! Wenn man das Ergebniß des Parteitages mit einem Worte charaktcrisircn müßte, bliebe nichts anderes zu sagen übrig, als er bedeute eine stärkere Betonung des Stand- Punktes des Klassenkampfes als irgend einer seiner Vor- gänger. Dies beweist für unsere Gegner, daß ihre schwarzen Pläne gegen uns auch diesmal wieder die entgegengesetzte Wirkung gezeitigt haben, als die, die sie wünschen. Ihre Drohungen erzeugen nicht Furcht, nicht Leisetreterei, sondern die energische, und entschiedenere Betonung unseres Stand- pnnktes. Die Gegner können auch lernen, daß wir inner- lieh stärker sind, als irgend eine andere Partei. Keine andere Partei hätte den Streit, der-sich um das Agrarprogramm entsponnen hat, überlebt, unsere geht un- geschwächt auch diesem Kampfe der Geister hervor. Und darum können wir mit vollster Genugthuung auch auf die Breslauer Tage zurücksehen. Hoch die deutsche Sozialdemokratie! Hoch die internationale Sozialdemokratie! Auf zu neuen Kämpfen und Siegen'. Prozeß des Erkennens selbst, in der langen geschichtlichen Ent- Wickelung der Wissenschaft, die von niederen zu immer höheren Stufen der Eekenntniß aufsteigt, ohne aber jemals durch Aus- findung einer sogenannten absoluten Wahrheit zu dem Punkte zu gelangen, wo sie nicht mehr weiter kann, wo ihr nichts mehr übrig bleibt, als die Hände in den Schooß zu legen und die ge- wonnene absolute Wahrheit auzustaune». Und wie auf dem Gebiet der philosophischen, so aus dem jeder anderen Erkennlniß und auf dem des praktischen Handelns. Ebenso wenig wie die Erkennlniß kann die Geschichte einen vollendenden Abschluß finden in einem vollkommenen Jdealzustand der Mensch- heit; eine vollkommene Gesellschaft, ein vollkommener„Staat" sind Dinge, die nur in der Phantasie bestehen können; im Gegentheil sind alle nach einander folgenden geschichtlichen Zustände nur vergängliche Stufen im endlosen Entwickelungs- gang der menschliche» Gesellschaft vom Niederen zum Höheren. Jede Stufe ist nothwendia, also berechtigt für die Zeit und die Bedingungen, denen sie ihren Ursprung verdankt; aber sie wird hinfällig und unberechtigt gegenüber neue», höhere» Bedingungen, die sich allmälig in ihreni eigenen Schooß entwickeln; sie muß einer höhere» Stufe Platz machen, die wieder an die Reihe des Verfalles und des Unterganges kolnmt. Wie die Bourgeoisie durch die große Industrie, die Konkurrenz und den Wellmarkt alle stabilen altehrwürdigeu Institutionen vraktisch auflöst, so löst diese dialektische Philosophie alle Vorstellungen von endgiltiger, absoluler Wahrheit und ihr entsprechenden absoluten Mcnschhcilzuständen auf. Vor ihr besteht nichts Endgiltiges, Absoluies, Heiliges; sie weist vor allem und an allem die Ver- gänglichkeit auf, und nichts besteht vor ihr als der ununterbrochene Prozeß des Werdens und Vergehens, des Aufsteigens ohne Ende vom Niederen zum Höheren, dessen bloße Wiederspiegelnng im denkenden Hirn sie selbst ist. Sie hat allerdings auch eine konservative Seite: sie erkennt die Be- rechtignng bestimmter Erkenntniß- und Gesellschastsstufen für deren Zeit und Umstände an; aber auch nur so weit. Der Kon- servatismus dieser Anschauungsweise ist relativ, ihr revolutionärer Cdarakler ist absolut,— das einzig Absolute, das sie gellen läßt."— Diese in ihrem Kern revolutionäre Philosophie war nun aber gleichwohl auf dem besten Wege,„erzreaktionär", d. h. der Deckmantel für allerhand Konservatismus zu werden, als Engels und Marx selbständig zu denken begannen. Hegel Bu« Amnettnuttg Mzvn Sa»He. Wir erwähnten schon neulich, daß das Verfahren, wodurch unsere Kollegen Pfund und Rautmann inittclst U u> nennung ihrer Strafsache vor die Brausewetter'fche Kanimer gebracht werden sollen, den Grundsätzen des Gerichtsversassungs-Gesetzes und dein Geiste widerstrebt, der bei Zlbfassnng der Reichs-Justiz- gesehe in der Konmussio» und ini NcichSlage zum Ausdruck kam. und dem sich die verbilndete» Regierungen danials beugen mußte». Ter folgende kurze Rückblick auf die Aeußerungen einiger hervorragender Parlamentarier während der Beralhnng der Juslizgesetzgebung mag zeige», wie sehr wir damit im Rechte waren. Der Eniwurf, de» die verbündeten Regierungen dem Reichstage vorlegten, enthielt gar keine Bestimmung darüber, wie die Ver- theilung der Geschäfte unter die einzelnen Richter zu regeln sei Erst der Abgeordnete Lasker stellte den Antrag, einige Be> stiinmungen einzufügen, wonach die Mitglieder der Kammern durch eine besondere Kommission, die aus der Mitte des Gerichts selbst gebildet war, bestimmt werden sollten, und die Vertheilung der Geschäfte an die Kammern einer Plenarsitzung aller Mit- glieder vorbehalten wurde. Zur Begründung führte Dr. Lasker folgendes an(Protokolle der Kommission, l. Lesung, S. SL6): „Seine Vorschläge sollten einen Ue beistand beseitigen, von dem er zwar nicht behaupten könne, in welchen anderen Ländern außer in Preußen er zum Vorscheine komme, der aber i n P r e u ß» n unzweifelhaft v o r h a n d e n s e i. Stach dem bisher in Preußen gellenden Svjstem wäre faktisch das Ge- richt durch Verfügung der Verivaltung gebildet. Der Schutz, welcher durch unabhängige Gerichte gewahrt werde, gehe verloren, wenn es die Verwaltung. in der Hand habe, für die einzelnen Kategorie» von Rechts fachen diejenigen Richter auszusuchen, von denen ver- möge ihrer Anschauung oder Gesinnung zu erwarten sei, daß sie nach einer bestimmten Richtung hin Recht sprechen würden. Welche Bedeutung dies haben könne, wo es sich um politische Fragen handle, läge auf der Hand." Die Kommission nahm die Lasker'schen Vorschläge im Prinzip mit geringfügigen Aeuderungen an. Die Regierungen wehrten sich verzweifelt gegen diese Eingriffe in ihre Machtsphären. Ihre Vertreter erklärten in der zweiten Lesung die Kommissionsbeschlüsse schlechtweg für u n- annehmbar(Protokoll L. Lesung Seite 629). Der Regie- rungkommissar Geheimralh Held ertlärte, die von Lasker vor- geschlagene Organisation sei nur zugeschnitten für gewöhnliche Zeilen, nicht für e r n st e Krisen. Der Abgeordnete, jetzige preußische Finanzininister Miqnel suchte zu vermitteln und eine Bestimmung einzuschieben, wonach die Geschäftsvertheilung der Landes-Juftizverwaltung nach Anhörung des Landgerichts-Präsi- deuten übertragen würde. Durch diese Anhörung wäre natürlich an der Sache nichts geändert worden, der Einfluß der Justiz> minister wäre faktisch unbeschränkt geblieben. Die Kommission blieb aber fest. Lasker führte aus(S. 631): „Man habe allmälig erkannt, daß die Justizpflege nach ganz besonderen Rücksichten verwaltet werden müßte, wenn sie«n- abhängig sein solle. Die Fürsten haben sich bezüglich derselben der Souveränetät begeben und sie den Gerichten übertragen: damit sei unvereinbar, daß in letzter Instanz wieder der Ver- waltungschef den Einfluß auf die Gerichte gewinne, dessen der Souverän sich entschlagen habe.... In P r e u ß e n habe die Beweglichkeit nicht allein zu Mißtrauen gegen die Zusammen- setzung der Gerichte, sondern zu erwiesenen Beispielen der Beeinflussung geführt, und zwar nicht blos in politische», sondern auch in andere» Sachen. Auch in Bayern habe man in den dreißiger Jahren mit der Zusanimensetzung des sogenannten BlulsenntS gleichartige Erfahrungen gemacht.— Die Souveränetät des Landesfürsten machte Halt vor den Gerichten, ober die Herrschaft des Ministers oder Ministerialraths solle fort- bestehen?— Dies cntspreche nicht der geschichtlichen Entwickelung, welche die völlige Unabhängigkeit der Gerichte als ein Grundprinzip in das moderne Leben eingeführt habe. Die Kommission wolle, daß die Regierungen nie sollen zur Rede gestellt werden können, warum die Gerichte so oder so entscheiden: deshalb schlage sie Institutionen für die Unabhängigkeit derselben vor. Ohne solche grundsätzliche Institutionen gebe die Organ» sation nur den Schein selbständiger, jeder Beeinflussung ent rückter Gerichte. Besonders die großen und unter ihnen die hohen und höchsten Kolliegen liefern ausreichendes Personal zu tendenziösen Kombinationen." und seine echten Schüler selbst waren begeisterte Apologeten (Vertheidiger) des preußische» Staates geworden, der ihnen als der Ausdruck der absoluten Idee schlechthin erschien; aber auch die Jnnghegelianer— unter Führung von Bruno Bauer— vertraten immer mehr einen Hegelianismus, der ganz und gar nicht revolutionär war. Die ganze Lehre von der„un- verständigen"„Masse", ans die die„Kritik", d. h. das aus- erwählte Häuflein aufgeklärter Philosophen, zn wirken habe, hatte einen durchaus antircvolutionären Grundzng. Man ver- flüchtigte die Hegel'sche Philosophie in einen Snperspiritualislmis, man zog sie gleichsain auf Flaschen und sich selbst damit immer mehr vom Leben, als dem„Unwirklichen", in das Reich des Ge- dankens zurück. Eine Schaar von dünnbeinigen Wagnern halte sich in ihre schwarzen Küchen eingeschlossen und saß mit Andacht vor der„innersten Phiole". Der erste, der die Thür aufstieß und der frischen Luft ein wenig den Weg bahnte, war Feuerbach, der Philosoph des gesunden Menschenverstandes. Feuerbach wirkte eine zeitlang bedeutend.„Man muß die befreiende Wirkung dieses Buches— nämlich des„Wesens des Christenthuines" von Feuerbach— selbst erlebt haben", schreibt Engels,„nni sich eine Vorstelluiig davon zu machen. Die Begeisterung war allgemein; wir waren alle momentan Feuerbachianer." Es liegt aber auf der Hand, daß eine so flache!) Philosophie, wie im Grunde die Feuerbachische ist, tiefer veraulagte» Staturen ivie Marx und Engels auf die Dauer nicht genügen konnte. Sie bildete nur ein Ferment in der Entwickelung ihrer eigenen Well- anffassung. Von noch viel nachhaltigerem Einfluß aber auf ihre Ausbildung waren die Eindrücke, die sie so früh von der west- europäischen Zivilisation empfangen hatten. Hier, in Frank- reich und England, Ivo sie als Zwanziger lebten, wehte eine ganz andere Luft als in dem Heimathlande des Hegelianismus. Hier war frisches Leben, hier war industrieller Anfschivnng, hier ivar«ine große Kunst und Literatur eben im frischen Emporbliihen, hier war Kampf auf den» Markte, hier konnte man»och im Ernst von Politik sprechen; kurz, hier >var Wirklichkeit und in der Wirklichkeit Revolution, wie in Teutschland Geist und Versimpelnng iin Geistige». Das ist aber das Eigenthümliche der marxistischen Weltanffassnng, daß sie die deutsche Form, wie sie der Hegelianismus bot, mit dem warmen, wirklichen Inhalt ivesteuroväischen Lebens füllte; daß ihre Schöpfer ivestenropäisches Leben al? deutsche Philosophen an- schauten. In dieser Synthese von deutschem und westeuropäischem Lebe» liegt das eigenlliche Geheimniß des Marxismus.--- Eingelaufene Druckschriften. S3on der Wiener Wochenschrift„Di, Zeit" Ist soeben dai Z3. Heft erschienen. Ans dem JnhaU desselben heben wir hervor:«alizisch« Wahlen. Bon Dr. Iwan Fran to.— Ter aegenwärNge Sianb der Silbersrage in den Berelnigten Staaten. Von Prosessor F. W. T a u s s i g.— Sozialistische «Senofsenschasren. Von Dr. Emil Reich.— Die Feinde der göttlichen Weli- ordnung. Von griy Mauibner.— Ein Brief ffriedrich Riepsche'S über den Voürag anttker Verse. MitgetheUt von Dr. Carl Fuchs.— öl. Mary F. Robinson. von Mail« Herzseld.— Op-r. Von Dr. Heinrich E ch en ker.— Medea. Von Hermann Babr.— Tie Woche.— Bücher.— Menne der Mcvuen.— Der Shailak. Sine jakutische«eschichie von Wazlass Ejeroschewsky. Nachdem Lasker über die Durchführung des Prinzips im einzelnen gesprochen hatte, bemerkte er weiter: „Für die Geschäsisüberfülle außerordentlicher Zeilen lasse sich Abhilfe treffen, aber allerdings für ernste Krisen— wohl poli- tischer Slatur— wie Geheimrath Held im Auge gehabt habe, «volle die Kommission keine Beweglichkeit. Im G e g e n l h e i l, gerade wegen solcher Zeiten wolle man Festigkeit, Unabänder- lichkeit der Gerichte und Garantien für deren Unabhängigkeit." Der Abg. R e i ch e n s p e r g e r(Ober-Tribmialsrath in Berlin) äußerte sich über den Vorwurf des Mißtrauens gegen die Regieningeu und die Gerichte, den man der Kviumission ge- macht hätte, solgendermaßen: .Vertrauen sei nur da ani Orte, wo objektive Garantien nicht erreichbar seien. Tie Thatsachen sprächen aber ganz ent- schieden für die N o t h w e n d i g k e i t solcher Garantien. in welcher Richlung er sich dem Abg. Lasker durchaus anschließe." Reichensperger führte alsdann noch weitere Beispiele aus Preußen über willkürliche Verschiebungen des Richterpersonals zur Er- reichung einer besiiinmte» Besetzung eines Gerichts an.(Prot. 632.) Die Kommission änderte auch in der zweiten Lesung nichts Erhebliches an ihren früheren Beschlüssen. Die Frage kam dann noch einmal zur Besprechung, als der Bundcsrath sich mit dem Konnnissionsentivurfe beschäftigt hatte. Ter Bnndesrath wollte zwar die Geschäftsvertheilung dem Präsidenten und den Direktoren gemeinsam übertragen, also insoweit der Kominission etwas entgegenkommen, aber er wollte hinzufügen: „wird eine Einigung nicht erzielt, so entscheidet die Landes- Justizverwaltnng" »nd „die für die Daner eines Geschäftsjahres geiroffenen An- ordnnngcn dürfen während dieser Zeit nur ans über- wiegenden dienstlichen Gründen geäudcrt werden." Diese Vorschläge des Bnndcsraths wurde» in der Konnnission mit Entrüstung zurückgewiesen. Es nutzte nichts, daß der preußische Justizminister Leonhardt sich auf seine langen Erfahrungen berief und mit bewegten Worten das Mißtrauen gegen die Justizverwaltung beklagte. Lasker sagte von dem Bundesrathsvorjchlag, er cnthalle die„preußische Klausel, d. h. es werde im Nachsatze das znrückgenounnen, was im Vorder- satze gewährt werde." Abg. G n e i st wendete sich noch schärfer gegen den Justiz- minister, indem er ausführte: „Der Vorredner(Leonhardt) habe sich auf seine Erfahrungen berusen, in den Skreisen der Volksvertreter aber habe man andere Erfahrungen gemacht. Der Vorredner habe gesagt, cr wisse nichts von Mißtrauen. Wenn man aber die Folgen des jetzigen Systems in politisch bewegten Zeilen praktisch kennen ge- lernt habe, so könne man sich dabei nicht beruhigen, daß gegen- ivärti g ein Grund zum Mißtrauen nicht vorliege. ES sei eine Lebens- frage, Institutionen zn bekommen, die den offenen Miß- brauch unmöglich machten, der in der preußischen I u st i z v o r g e k o in m e n s e i." Die Regierungen innßten schließlich nachgeben»nd die Vor- schlüge der Äeichstagskommission annehmen. Daraus folgt ganz klar, daß die Grundsätze, die die Kommission ausgesprochen hat, geltendes Recht sind. Wo wie in Berlin die Geschäfte nach den Anfangsbuchstaben des Angeklagten vertheilt sind, entscheidet der Buchstabe. Wenn mehrere Personen angeklagt sind, kann es dann vom Zn- fall abhängen. wessen Name zuerst geschrieben wird; hat der Zufall aber einnial entschieden, wie in unserem Fall, wo die Sache schon wochenlang als gegen Pfund und Genossen bezeichnet war, so ist jede nachträgliche Ab- ündcrung eine Willkür, wie sie der Gesetzgeber gerade vermeiden wollte. Um aber wieder ans die Berathungen der Reichs- Justiz- gesetze zurückzukommen, so ist es interessant, daß vor allem preußisch« Beamte es waren, die sich dagegen wehrten, Garantien für eine unabhängige Rechtspflege zu geben, und daß der grüßte Theil der Verachtung gegen die bisherige Rechtspflege, die bei den Parlamentariern zum Ausdruck kani, sich gegen Preußen richtete, gegen dies Preußen, von dem mau der Welt, so gerne einreden möchte, die Unabhängigkeit der Justiz wäre in ihm eine seit Jahrhunderten geheiligte Tradilion. Jetzt eben geschieht wieder etwas, das offen dein Geiste der Justizgesetze widerspricht. Gneift, Lasker und Reichensperger, die damals so kräftige Worte über die offenen Mißbränche fanden, sind tobt. Wer tritt an ihre Stelle ans den Parteien, die die Jnstizgesetze geschaffen haben und den Ruhm dafür in Ansprnch nehmen, die dafür aber auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit haben, daß die Prinzipien dieser Gesetzgebung respeklirt werden?— Poltkifche Mebevstchk. Berlin, 12. Oktober. Genosse Liebknecht ist in Breslau vor den Unter- snchungsrictzter geladen worden, um sich wegen einer an- geblichen Majestätsbelcidignng in seiner Eröffnungsrede auf dein Parteitag zn verantworten. Wir können nur unser Staunen über diese staatsanwaltschaftliche Aktion aus- sprechen, da wir in der Rede auch nicht de» geringsten An- halt für eine solche Anklage entdecken konnten. Unter dem Scptcmbcrknrs scheint sich auch in Breslau das Feingefühl der Staatsanwaltschaft für Majcstätsbeleidignngen außer- ordentlich gesteigert zu haben.— Die Breölaner Polizei ist um den sozialdemokratischen Parteitag in einer Weise besorgt, die in einer größeren Entfernung von dem väterlich regierten Muster- reich des Muster-„Väterchens" in Petersburg schier un- ersaßlich ist. Als die Telcgirten am Mittwoch eine Pflicht der Pietät an den Gräbern einiger ihrer Vorkämpfer er- 'nllen wollten, wurden sie von Polizei-Organen so sorgsam überwacht, daß ans jeden Telcgirten gut ein Polizci-Organ kam— die zahlreichen„Geheimen" nicht mitgerechnet. Aber der Schutz dessen, der Parteitag sich erfreut, ist nicht blos peripatetischer, er ist auch stabiler Natur, sn dem unteren Stockwerk des Hanse?, in welchem der ongrcß tagt, ist eine Polizeiwache errichtet und in der Nähe des Gebändcs wimmelt es von Polizei-Pickelhauben und Geheimen.— Als ein Beweis großer Fürsorge ist es auch anzusehen, daß dem Bureau des Parteitags mitgetheilt ward, wenn noch ein Ausländer das Wort ans dem Parteitag erhalte, würde der Parteitag a u f g e l ö st werden. Ruß- land ist nahe, und in Breslau weht russischer Wind. Und nicht blos. in Breslau.— Genosse Glocke, der für den Jnseratentheil unseres Blattes verantwortlich zeichnet, wurde heute auf dem Polizeipräsidium verantwortlich vernommen, iveil gegen ihn ein Verfahren wegen groben Unfugs eingeleitet wurde, dessen er sich dadurch schuldig gemacht haben soll, daß er eine Warnung vor Zuzug in Betriebe, wo die Arbeit ein- gestellt wurde, veröffentlicht hat. Bekanntlich hat das Reichsgericht unlängst in einem ähnlichen Falle die Re- vision gegen eine VernrtHeilung ans grund be?§ 360 Abs. 11 verworfen.— Die sozialdeniokratisrhe Fraktion des bayeri- ch e u Landtags hat als Finale zur Fuchsmühler Angelegenheit folgenden Antrag eingereicht: „Die in den Sitzungen der Kammer der Abgeordneten vorn 2. und 3. d. 971. abgegebenen Erklärungen der Slaatsrcgierüng über die Vorgänge in Fuchsmühl sind unzulänglich und nicht geeignet, die versassnngsmäßige Verantwortung der Sianls- rcgierung zn enllastcn. Die zuständigen Behörden haben den bercchliglen Klugen und Beschwerden der holzbezngsbercchtigten Bauern von Anfang an nicht die pflichimäßige Veachtnng ge- schenkt und sich im ganzen Verlauf der S'che den Verhält- nisscn in keiner Weise gewachsen gezeigt. Nachdem die be- drängten Bauern dadurch geradezu zur Selbsthilse gedrängt worden waren, wußte die Verwaltungsbehörde keine andere Lösung herbeizusühren, als das Militär zu rufen und dem- selben in überstürzter Hast die Macht zu übertragen, wodurch Blulvergikßen entstand und der herzlosen Gewinnsucht eines einzelnen sogar Menschenleben geopfert wurden. Die Kammer spricht wegen dieser Vorgänge der Slaatsregierung den entschieden st en Tadel aus."— Tie Werbetromniel für den Militarismus wird wacker weiter gerührt. Die„Hamburger Nachrichten" er- scheinen jetzt auf dein Plan, um für die Verlängerung der zweijährigen Dienstzeit in gewohnter Weise der Faniilie Bismarck als Echo zu dienen. In der„Konservativen Korrespondenz" war offiziös bestritten worden, daß der Kriegsminister sich g ü n st i g über die Ergebnisse der zwei- jährigen Dienstzeit ausgesprochen hatte. Freudig erregt bemerkt dazu das Bisnmrckblatt: „Aus dieser offiziösen Erklärung ist zu schließen, daß die Ansicht, welche nach den bisher bei den Truppen gemachten Er- sahrungen in den obersten Kreisen der Militär- Verwaltung besteht, der zweijährigen D i e n st z- i r nicht günstig ist und daß somit die Hosfnung berechtigt erscheint, es werde nach Ablauf der Probezeit auf die frühere Einrichtung zurück- gegriffen werden. Wir haben die Einsührnng der ziveijährigen Dienstzeit sofort nach dem ersten Bekanntwerden der Militäruorlage mit allem Nachdruck bekämpft und würden die Wiederherstellung des status quo ante im Interesse der Er- Haltung der soldatischen Tüchtigkeit des Heeres mit Genugthnnng begrüßen. Hoffentlich werden die Nachtheile, welche das Experiment inzwischen erzeugt hat, bald auszugleichen s ein." Sollte es wirklich zn einem ernstlichen Versuch kommen, die dreijährige Dienstzeit wieder einzuführen, dann wird natürlich von einer Rcduzirung der Kadres nicht die Rede sein. Es käme eine enorme Erhöhung der Präsenzzahl und dementsprechend eine ebenso enorme Kostenvcrmchrnng dabei heraus.— Der Landtag des KöuigSreichS Sachse» ist auf den 12. November zu einer ordentlichen Tagung nach Dresden ein- berufe».— Ei» imitirter König. Ans Paris wird der„Voss. Z!g." berichtet:„Ter ehemalige Gouverneur B a y o l, der vierzig Tage lang in Abomeh gelebt und täglich stundenlang mit König Behanzin von Tahomeh verkehrt hat, erklärt Zeitungsbericht- erstattern, der Gefangene auf La Martinique, dessen Lichtbild er gesehen hat, sei bestimmt nicht Bebanzin, sondern irgend ein Neger, der sich Dodds als den König von Dahomeh vorgestellt habe, während der wirkliche Behanzin wahrscheinlich noch jetzt irgendwo i» Tahomey bei seinen Getreuen ver st eckt sei." Da hat der ivackere Behanzin allerdings seine Uebenvinder sehr geschickt düpirt. Wäre der imilirte Behanzin nicht so un- vorsichtig gewesen, sich photographiren zulassen, so hätte cr noch lange als gefangener König in Martinique weiter schwelgen können. Aber der Aermste kannte nicht die steckbriefartigen Wirkungen der Photographie. In diesem Sommer sührte Rocheforl im„Jntransigennt" übrigens bewegliche Klage, daß man den gefangenen Behanzin auf Schaustellungen tanzen lasse. Das ist indeß wahrscheinlich so Landesbranch in Tahomeh. Hat doch auch König David vor der Bnndeslade getanzt und war ein sehr frommer Mann und großer Fürst. Tie Franzose» werden jetzt Spott genug ernten. Ihre Täuschung ist aber wohl verzeihlich. Es mag schwer sein, einen imitirlen Monarchen von einem richtigen zu unterscheiden.— ««» Deutsches Reich. — Vorlagen für die Landivirthschaft in Sicht? Tie Reise des Landwirthschaftsministers Freiherr» v. Hammerstein nach Rominten soll nach der„Saale- Zeitung" erfolgt sein, um dem Minister Gelegenheit zu geben, mit dem Grafen Dönhoff»nd dem Gutsbesitzer Seybel-Chelchen über dem Landtage zn unterbreitende landwirthschastliche Vorlagen zu konferiren. Man sieht hieraus wieder, daß unsere Agrarpolitik im wesentlichen auf die Bedürfnisse der Großgrundbesitzer zu- geschnitten ist.— — Herr v. Kardorff veröffentlicht in den„Berliner Neuesten Nachrichten" folgende Erklärung: „In dem Zeitungsberichte über den sozialdemvkralischen Kongreß in Breslau ist eine Rede des Reichstngs-Abgcordncten Sebippel wiedergegeben, in welcher derselbe die Behauptung aus- stellt, ich hätte mich bei nieiner Nachwahl für eine ähnliche Forderung wie die Verstaallichung der Hypotheken ausgesprochen. Dies scheint ans einer Verwechslung meiner Aussübrnngen mit denen meines antisemitischen Gegners zn beruhen. Dieser hatte in einer Flugschrift den ländlichen Wählern die Verstaallichung der Hypoiheken zu billigem Zinsfüße verheißen und ick habe u. a. diesen Satz benntzk, um nachzuweisen, in wie bedenklicher Weise die antisenulischr Partei Lehren verbreite, die ihrer ganzen Natur nach nur dazu dienen könnten, den sozialtemvkrnuschen Vorstellungen von der Verstaatlichung des Grundeigenthums den Weg zu ebnen."— — U e b e r w c i t e r e türkische Vertheidigungs- maßregeln meldet eine Depesche aus Konstantinopel: Osman Bey wurde nach der Besikabai gesandt, um Ansnahmen für ncne Forts zu mache». Drei mir Mnnilion beladen« Schisse ivnrdcn nach den Dardanellen gesandt, wo mit der Minenlegung begonnen worden ist.— — lieber die Spionage- Angelegenheit, die mit einer Verhaftung i» Köln ihren Ansang nahm, bringt die „Leipziger Gerichtszeitung" folgende berichtigende Miltheilungen: „Der Vlrhastcte namens Schoren ist nicht Vertreter des Grusouwerkes, sondern einer Maschinenfabrik in Braunschwcig. Es haben überhaupt nur sechs Verhaftungen statt- gefunden und f ii n f der Verhafteten, die durch die bei dem Franzosen vorgefundene« Papiere kompromitlirt wurden, sind deutsche R e i ch s a n g e b ö r i g e. Sie sind alle Schlag ans Schlag vcrhaltcl worden. Zu den Verhaftete» zählen zwei Frauen. Schoren hat an sie seine Briese von Paris ans gerichtet, die dann dieselben an die anderen drei verhafleten Männer weiter veimitlelte». Auch deren Korrespondenz mit Schoren vermittelte» die zivei Frauen. Dieses n'nrbe seit Monaten beobachtet, nachdem man von Schorer's Thätig- keil durch einen in Paris stationirteu deutschen Agenten i» s o r m i r t war."— Also Spion hat gegen Spion gearbeitet.— — Die LandtagSwahlen in Baden. Die Wahl- mannerwnhlcn dürften keine wesentliche Veränderung der Partei- grUPpirnng eracbcn Der wahrscheinliche Geivinu der demo- kraUsch-sreisinuigeu Partei dürste einen Sitz betragen, nämlich der ivahrschemliche Verlust edensalls einen, uäinlich ?.>ioosbach. Dris Zentrliiu dürste einen Sih verlieren, die Nntjouallibernleu gleichfalls einen, nämlich Nastnlt, dagegen drei gewinnen, näuilich Moosbach, Lberrirch und Eberbach. Die Sozialdeniölralen behaupten ihren Besitzstand von zwei Mandaten.— Tchiudz. Rurich, 10. Oktober.(Gig. Bericht.) Die Kampagne für das Zündhölzchcnin onopol in vorüber nnd nun ist schon wieder die Kampagne>ür die Militärartikel, worüber am 3. November das Schweizervolk abzustimmen hat, in bestem Gange. Gefördert wurde sie in den letzten Tagen durch die Resolution des sozialdemokratischen Parteikomitees, die am Sonntag auch von der Telegirtenversammlnng des Grütlivereins angenommen wurde. Die Resolution benrtheilt die neuen Militärartikel sehr sachlich. Sie konstatirt, daß dieselben mit den überlebten kantonalen Militärschranken auf- räumen und mehr Einheit in das Heerwesen bringen, wogegen vom sozialdemokratischen Parteistandpunkt nichts einzuwenden ist. Diejenige Bestimmung, rvelche die Unter- stützung des verunglückten oder gesundheitlich geschädigten Sol- baten nnd feiner Familie sowie deren Unterstützung während des Militärdienstes betrifft, sei sogar zu begrüßen. Sie lautet: „In der Annahme der neuen Militärartikel sehen wir des- halb auch nicht eine Billigung des Militarismus mit seinen Auswüchsen. Entscheidend dafür, ob dem Heerwesen ein gesunder Boden gegeben nnd ob dem Begehren um Demo- tratiflrung des Heeres entsprochen werden soll, ist nicht diese Bnudesvcrfassnngs- Revision, sondern das Gesetz be- treffend die Militärorgnnisation, das deninächst erlassen werden soll. Wenn dieses Gesetz einmal vorliegt, ist allen Anhängern eines gesunden Heerwesens und den Gegnern der Snbelrnßlerei und des Militärsports Gelegenheit gegeben, den Versuchen, die Uebelstände noch zu vergrößern, enigegenzulrelen und das Gesetz zu verwerfen, wenn es nicht einen Wendepunkt zum besser» be- zeichnet. Wir nehmen deshalb keine Stellung gegen die neuen Militürartikel: wir könne» uns aber auch nicht dafür erwärmen. Wir werden nnr einer solchen Wchrordunng zustimmen, welche der Freiheit und der Unabhängigkeit unseres Volkes, sowie den Eigenthüinlichkeiten unseres Landes angepaßt ist. Rur eine solche Bolkswehr kann unser Land wirksam schützen und unserem Volke dienen. Dein entsprechen aber nicht die Nachäfferei des preußischen Militarismus nnd das militärische Gigerl ih um, die sich immer mehr in unserer Armee breit machen. Eine tiefe Mißstimmung macht sich deshalb i» breiten Schichten unseres Volkes und namentlich in unseren Kreise» geltend, Ivclche jedes wärmere Gefühl unterdrückt, das nothwendig ist, um mit Freuden an der gesetzlicben Ausgestaltung unseres Heer- westns mitzuwirken. Diese Mißstimmung verhindert uns, für die Vorlage einzutreten. Wir überlassen es deshalb den Parleigeuossen, nach ihren, Erniessen bei der Abstimmung zu handeln." Diese Resolution ist vom Parteikoinitce bereits vor fünf Wochen i» Zürich beschlossen, sie ist also nicht das Produkt der Verwerlbnng des Zündholzchenmonopols. die aber ohne Zweifel zahlreiche Nein von Arbeitern am 3. November i» die Urne bringen ivird, denn die Stimmung in Arbeiterkreisen ist eine erbitterte. Der Basler„Vorivärls" tritt mit Geschick und Eni- schicdenheit gegen die Militärartikel auf, ebenso die Züricher „Arbeiterstimme", während die Berner„Tagwacht" dmür ist. Die demokratische Presse ist bös über die sozialdemokratische Opposition und polemisirt fleißig dagegen. Indessen ist für sie Eisatz da, denn alle oder doch die meisten Zeitungen, welche das„Monopölchen" bekämpften, besürworten nun mit Eifer die Militärvorlage. Das ist recht bezeichnend für die derzeitige politische Situation in der Eidgenossenschast: Die geringste sozialpolitische Aktion wird mit wahrer Berserkerwuth bckämpst, die Sozialdemokratie als der schreckliche Wauwau ständig dem Philisteriu», vorgehalten und daneben die Stärkung des Militarismus warm besürivortet. So sind die bürgerlichen Parteien aus dem besten Wege, ans der demokratischen Schiveiz einen Sibklatsch von Preußen- Deutschland zu machen. Der 3. November wird aber einen Strich durch die Rechnung machen und die Mililärartikel verwerfen.— England. — In Norm ich halten die englischen Geistlichen einen Kirchenkongreß ab und mußte» sich, wie das ja garnicht mehr zn vermeiden ist, auch mit dem Sozialismus befassen. Ilm Ticustag kam die Haltung der Kirche gegen de» Sozialismus und die Gewerkvereine zur Sprache. Archidiakonns Wilson bewies den, ersteren eine nicht unbedeutende Sympathie Der heutige Arbeiter wehre sich dagegen, daß der Nutzen des einen der Schaden des anderen fein solle. Die bestehende freie Kon- kurreuz sei zugleich christlich nnd»»christlich. Vieles daniit zu entschuldigen, daß Geschäft eben Geschäft sei, wäre sehr wohl- feil. Der Türke ivürde ohne Zweifel sagen, daß die armenischen Greuel auch Geschäft wären. Die Geistlichkeit sollte mir fleißig solche Arbeiterzeitungen, wie den in christlichen, Gleiste geschriebenen „Labonr Prophet" lesen. Die Pflicht eines christliche» Geist- lichen wäre, die soziale Frage gründlich zu stntiren. Der Techant von Ely sprach über die Geiverkvereiye. Diese seien dem Niiß- traue» der Arbeiter gegen ihre Herren cntsprnngcn. Thalsache sei ja allerdings, daß die Herren ihre Arbeiter niemals ins Be, trauen zögen oder sie einen Ein- ' blick in ihr Geschäft thun ließen. So wie die Dinge lägen, seien die Geiverkvereine eine Nothivendigkeit. Wenn Arbeit- gcber und Arbeitnehmer beide praklisches Christemhuni pflegten, so seien sie überflüssig. All« Kirchenleule solllen dahin streben, dieies hohe Ziel zu erreichen. Kanonikns Armour von Liverpool hofft« iveniger Gutes davon, wenn sich die Kirche als solche in ökonomische Fragen einmische. Er gab jedoch z», daß die Kirche die treibendem soziale» Kräste anerkenneu müsse, wenn sie auch nicht gerade Partei bei dcn Kämpfen zu nebincn brauche. 'All dieses Gerede bat für die praktische Politik keine Bedeutung, aber als Zeichen der Zeit ist es beacbzenswerth.— Frankreich. PariÄ, U. Okiober.(Eig. Bericht.) Zun, Sieg über die Königin von Madagaskar. Ter Einzug der französischen Truppen in Tananarivo nnd der hieraus erfolgte Friedciisnbschlnß mit der Königin von Madagaskar wird von der Regierung zn einem Ereigniß aufzubauschen gesucht', als wäre wer weiß welche große Armee geschlagen worden. Daß ffch die französischen Truppen der Hnnplstadt von Madagaskar be- uiächligen werden, daran war von vornherein nicht zu ziveifeln »ud hat auch niemand gezweifelt. Dazu kam noch, daß sich die HoivaS überall feig zurückgezogen haben, sodaß die Truppen als einzigen Feind nur das Fieber nnd die Dysenterie oder besser gesagt »ur die Herren hatten, die den Feldzug vorbreilet haben. Denn iver hat den Proviantdienst so versorgt, daß die Truppen ans- gebnngert»nd so der Erschöpfung nahe gebracht, zu einer leichten Vinte des Fiebers»nd der Dysenterie ivurde» V Wer hat die Ehinluflaschen und die antiseptischen Verbände an der Küste vcr- gesje», so daß die Verwundeten mit ekelerregende» Wunden, in denen sich der Brand enlwickelle, dahin zurückgebracht werde» »mßie»? Wer hat die Lefsvre'schen Expediiionswagen bestellt, die völlig unbrauchbar waren nnd für die erst eigene Wege ge- bahnt werden mußten? So erfreulich nun auch die Beendigung des Madagaskar-Feldznges schon wegen der armen, infolge des hirnlosen und freventliche» Vor- kehrungen mehr als dezimirten Truppen ist, so wenig ändert sie an der Verantwortlichkeit derjenigen, die ihn so miscrabel vorbereitet haben. Das Freudengeschrei, das die Regierung über den Einzug in Tananarivo anstimmt, soll nun dazu diene», all' die begangenen Fehler und Verbrechen vergessen zu machen. Das wird ihr aber nicht gelingen, wenngleich sie be- schlössen hat, sür die unglückseligen Truppe» eine eigene Vroncc- Medaille prägen zn lassen, die die ineisteil»nr in, Grabe treffen wird. Denn"selbst von den sozialistischen Blättern abgeseben, verlangen alle nur dalbwegs unabhängigen Blätter, daß über dcn Sieg nicht die Verantwortlichkeit derjenige» vergessen werden darf, die so viele taulende von Existenzen unnöthig hingcopserl haben, daß sie zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden müssen. Und über diese Forderung wird alles Frendeugeschrei der Rcgierung diese nicht hiniveghclsen und bei Eröffnung der Kanuner Rede und Antwort zn stehen haben.— Jtalieu. Mass,, nah» 12. Oktober.(Meldung der„Agenzia Stesani".) RaS Margascha ist mit einem Theil seiner Truppen am 9. dieses Monats vor Tagesanbruch ovr den Truppen des General Baralieri von Aittalo nach den, Süden geflohen. Ei» anderer Theil der Truppen Ras Mmigascha's zerstreute sich. Ungefähr 1300 Tigriuer ans Schoa halten eine befestigte Stellung in Debra Ailat eingenommen. Die italienische Vorhut hat nach sehr schnellen, Marsche Debra Ailat erreicht und die Stellung der Tigriuer mit sechs Kompagnien»nd vier Kanonen, verstärkt durch ei» Bataillon der italienischen Jäger und das dritte Bataillon der Eingeboreiien, angegriffen. Trotz der starken von dcn Tigriuer,, besetzten bergigen Stellung vertrieben die italienischen Truppen den Feind, welcher unter Zurncklassung einiger Gefangeue», mehrerer Verwundelen und einiger 20 Todten sich in die Schluchten zurückzog. Die Verluste der Italiener werden ans 11 Todte nnd einige 30 Verivundele angegeben. Die Tapferkeit und Widerstandsfähigkeit der italienische» Cbasseurs„ud Sapeurs ans dem Marsche war ausgezeichnet. Unter dc» Gefallene» und Verivundele» ist kein Weißer.— Spälilrn. Ferrol, 11. Okiober. Ueber die Angelegenheit betreffs des Angriffs der Marineoffiziere ans einen Re- daktenr werden folgende Einzelheiten berannt: Ter Angrif wurde durch den Sohn eines Generalkapiläns der Marine au den ßiedakteur eines Sozialistenblntles»nd den Verfasser eines Artikels»nlernommen, welcher die Verwallnng der Marine an. das heftigste angriff. Die Verhaftung des Redakteurs ivurde an- geordnet. Hierauf durchzogen 400'Arbeiter die Straßen, um dadurch Protest zu erhebe», weigcrlen sich der Aliffordening, auseinanderzugehen, Folge zu leisten»nd verwundeten i» den, entstehenden Handgemenge eii.cn Gendarmen. Eine andere Gruppe schlug die Fenster des Palastes ein. Der Generalkapilän gab den Schildwachen den Befehl, mit Platzpatronen zu feuern, worauf die Arbeiter sich zerstreuten, da»» aber bewaffnet zurück- kehrten. Schließlich wurde, um die PI enge zu zcrsleuen, eine Salve mit scharfe,, Patronen über die Köpfe des Haufens abgefeuert. Türkei. — Zu den armenischen Unruhen wird ans Kon- flantinopel depeschirt: Tie Räumung der Kirchen, mit welcher Donnerstag begonnen ivurde, ist heute fortgesetzt worden. Einige der fremden Slalions- schiffe sind auf ihre Sommerankerplätze zurückgekehrt. Die Antwort der türkischen Regierung auf die Kollektivnote der Botschafter bestreitet theilweife die erhobenen Beschuldigungen von Ausschreitnnge» der Behörde» sowie der türkischen Be- völlerung und schreibt die Hauptschuld an den Vorgänge» den Armnlier» zu. Tie Antwortnote besagt sodann, daß»ur zwei Fremde infolge ihrer Aehnlichkeit mit Armeniern verhaftet, aber bereits entlassen wurden nnd daß eine Koni- Mission sich mit der Untersuchung der Massenverhaftungen beschäftige. Ferner giebt die Note diejenigen Maßnahmen be- kannt, die zur Erhöhung der Sicherheit nnd Beruhigung der Christen nnd Fremde» ergriffen worden seien, und daß der Scheik al Islam eine beruhigende Kundmachung an die Soslas erließ, sowie daß eine gleiche Klindmachnng an die Bevölkerung in den Zeitungen und durch Plakate in dcn verschiedenen Stadt- lheilen veröffentlicht worden sei. Schließlich erklärt die Note, daß alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden nnd strenge In- struktionen an die Behörde»"und die bewaffnete Macht er- gange» seien, nnd stallet dann den Botschaftern den Dank der Regierung für die angebotene Intervention ab. — Ueber die Metzelei in Trapez» nt wird ans Konstantiuopel lelegraphirt: Die Zahl der arnienischen Opfer bei der letzten Metzelei in Trapezuni wird ans 200 geschätzt; die christliche Bevölkerung der verschiedenen Riten, welche ein eigenes Sladtviertel bewohnt und daher gemeinsam den Angriffen ausgesetzt ist, flüchtete nach der Zitadelle, in welcher sie internirt ist. Vor Trapeznnt ist ein russisches Ki icgsschiff zum Schutze der dortige» russischen Unteiihancn angekommen. Ans die Borstellung des Gouverneurs, es könnte die moha»,«dänische Bevölkerung aufregen und weitere Folgen nach sich ziehe», wenn das Schiff in den Hafen einlanfe» würde, nahm der Kommandant desselben von der Einfahrt Abstand. Das Schiff manövrirt längs der Küste nnd unterhält durch ei» Handelsschiff Signalverb'indung mit der Stadt.— Ost»sie u. — Von F o r l» o s a ist gestern, wie dieC.N.osGerm. melden. i» Tokio die Nachricht eingegangen, daß eine chinesische lliebelle»- ablheilnng, 6000 Mann stark, von den Japanern vollständig ge- schlagen wurde. Die letzteren hatten nur S Todte»nd 17'Ver- wnndcle. Des iveitercn wird über die Kriegssührnng gegen die Rebellen berichtet, daß das japanische Hnupthcrr in Formosa in drei Kolonuen eingetheilt ist, deren zwe, von, Norden»nd deren dritte von, Süden vorrückt nnd auf diese Weise die Nebelle» stelig nach den beiden Bergzügen an der See zurückdrängt. Ossi- zielle» Angaben zufolge sind die Japaner„nr 1000 Man» stark,' aber ihre numerische Schwäche wird vollständig ausgeglichen durch die enorme Leistungsfähigkeit ihrer Artillerie. Die von Zeit zu Zeit in europäische» Blättern erschienenen Nachrichten über japanische Niederlagen in Formosa erweise» sich als durch- ans unbegründet. Die Stärke der illebellen wird ans 20—25 000 geschätzt, znui tbeil erprobte Soldaten, etwa zur Hälfte eingc- boreue wilde Krieger. Ltmerikrt. Nctv Nor?, 1. Oktober.(Eigener Bericht.) Die beiden De- legirlen der Fcderation of Labor zun, Kongreß der Geiverkschafren Englands, Gompers nnd P. I. Mc Gnire, sind„ach ihrer dieser Tage erfolgten Rückkehr„interviewt" worden. Dabei ließ sich crsterer auch über die Lage der Arbeiter in England aus, und zivar berichtete ein republikanisches Blatt, er habe erklärt, den britischen Arbeiter» ginge es besser als den amerikanischen, während ein demokratisches Blalt ihn im Gegentheil sagen läßt, daß es den amerikanischen Arbeitern besser geh-, als den britischen, es ihnen überhaupt niemals besser gegangen sei, wie gerade jetzt! Da wird G. wohl wieder einmal nach geivvhnter Weise im„Stil" des delphischen Orakels losgelegt haben!— Er bestritt, in England gesagt zu haben, Keir Hardie's Besuch in Amerika sei von keiner Bedeutung; er sei gefragt ivorden, ivas H. thun werde, ivorauf er geantwortet habe, ei» abtrünniges Element in der Chikagoer Arbeirer-Bewegung hätte H. eingeladen, am Labor Tay die Festrede zu halte», aber er sei nicht von einer repräsentativen Arbeiterorganisation eingeladen worden. (An dieser„Berichtigung" hat man den Mann, wie er„leibt nnd lebt". Bekanntlich ist das„abtrünnige Element" derjenige Tbeil der gewerkschaftlichen Organisationen Chicago's, welche, des Treibens der Handlanger der kapitalistischen Parteien im alten gewerkschastliche» Zentralkvrper müde und infolge des in demselben (gleich in so ziemlich allen der-alten Organisationen) herrschende» Ringwesens anßir stände, eine Reform dtuchz» führen, einen neuen Zentralkörper gründeien. Die von demselben arrangirle Parade am Labor Tay zählte an 25 000 Theilnehmer, während diejenige der alten Organisalion ans 16 000 geschätzt wurde). Interessant ist, was Mc Guire zum besten gab. Er meinte nämlich, daß die Arbeiterbewegung in England bessere Resultate ergeben könnte, wenn auf dem Kontinent eine„praktische" Be- wegnng vorhanden wäre. Man hätte Kongresse abgehallen,»», die Arbeiter dahin zn bringen, nach de», Muster des englischen Trabes- Unimusmns(natürlich meint er»übt den„neuen" daniit) sich zn organisiren, aber man hätte nur bei den Kohlengräbern(?) Erfolg gehabt. Tie 'Arbeiter in Fraiikreich, Belgien nnd Deutschland hätten durch „politische Streitigkeiten" das Koalitionsrecht verloren. Anders sei es in England, wo die Arbeiter nicht allein die Kirchen, sonder» auch alle politischen Parteien benutzen, um ihre Interessen zn fördern.— Daß Mc. Guire von seiner diesmaligen Enropareise ebenso wenig prositirt hat. wie von derjenigen vor 1-/- Jahrzehnten, ist übrigens erklärlich. Die Besucher des Churer Weltkongresses werden sich nämlich erinnern, daß er kurz nach Eröffnung desselben verschwand und kein Lebenszeichen inehr von sich gab, sodaß man schon ängstlich wurde nnd Nachforschungen nach ihm anstellen wollte, als er— kurz vor Kongreßschluß— wieder auf der Bildfläche erschien! Möglich, daß er damals auf den umliegenden Almen Untersuch, ingen darüber angestellt hat, daß die Sennerinnen und Käseknechte mich ihren„Unionlohn" beziehen ec.— veröffentlicht hat er aber nichts über diesen Gegenstand. Nach diesen, Musterexemplar eines amerikanischen Arbeiter- führers kann man sich eine Vorstellung von de» übrigen Jgno- ranten machen, die hier noch dominire». Tie Bewegung in, pennsylvanischen Coke-Revier scheint be- endet zn sein. Die bedeutendste Gesellschaft, die Frick-Kompagnie, welche Werke eignet oder„kontrollirt", in denen 13 000 Arbeiter beschäfiigt sind, hatte eine Lohnerhöhung von 6 pCt. zum l.Ok- lober in Aussicht gestellt, falls bis dahin die Cokepreise weiler gestiegen seien. Sonstige Nachrichten fehlen. Bei der vorgestern in der Office der hiesigen K. o. L. Distrikt Assembly Nr. 49 gegen die Lokal-Ass. 1563 stattgehabten Untersuchung, Über deren Veranlassung ich im vorigen Briefe berichtete, hat sich klar ergebe», daß es der General-Exekutio» des Ordens lediglich darnni zu lhnn ist, die verhaßten Sozialisten nnd besonders de Leon von der Generalversammlimg fern zw halten. Die Untersuchung wurde von dem schon genannten Mitglied der Exekutiv- Martin nnd French geführt. Es stellte sich heraus, daß die Ankläger(neben dem Vertreter der Brauereiheizer ein solcher der Brauer- Union) viele unwahre Angaben gemacht hatten, so daß French erklärte, die An- klage scheine auf sehr schwachen Füßen zu stehen nnd seiner Ansicht„ach müsse sie abgewiesen werden; Marlin dagegen erklärte trotz allem, er werde der Gen.-Exekutive die Suspen» dirnng der„1563" empfehle», de Leon sowohl wie die Vertreter der D. A. 49 gingen ordentlich„ins Zeug" und erklärten, es seien schriftliche Beweise in großer Menge dafür vorhanden, daß die Gen.-Exekutive(resp. diverse Mitglieder derselbe» einschließ- lich des Präsidenten Sovereign) im Solde der„Silber- b a r o n e" st ä„ d e n! � UUsuvia eiflize Es ist wohl kann, zwei Jahre her, daß ein gewisser Hütten- nieister Albrecht, früherer Glasmacher, die verschiedenen Glas- fabriken bereiste,»u, für eine ungarische Glasfabrik Akt.-Gesellsch. Budapests, welche in Salgo Tayan eine neue Flaschenfabrik erbaut hatte, Glasarbeiter zu engagiren, wobei es natürlich an Versprechungen aller Art nicht fehlte. Im November 1893 fuhren eine Anzahl deutscher Arbeiter denn auch mit Weib und Kind den, so viel verheißenden Salgo Tayan zu. Aber schon in der ersten Stunde ihres Dortseins sahen sie, daß Salgo Tayan nicht der Ort sei, wo Milch und Honig fließt. Die Wohnungen, welche die deutschen Glasarbeiter beziehen mußte», waren zum theil erst halb vollendet,»nd die Bauart derselbe» eine derartig mangelhafte, daß sie sich schon„ach Verlans von»ngcfähr zwei Monaten nicht bergen konnten vor Ameisen, Heiinchen, Schwaben ic. tc. Auch mit allen Verspreche» war es nicht weit her, so dauerte es denn auch nicht allzu lange, daß sie wegen Nichlinnehaltnng ihres Kontrakts beschwerdeführend beim deutsche» Konsul in Budapest vorstellig ivurde». Die Wirkung war allerdings nicht so, wie sie deutsche Staatsbürger er- warten tonnten; der Direktor, Dr. Chr. Dralle, hatte es ver- standen, sich beim Konsul derartig beliebt zu machen, daß die Antwort auf die Beschwerden der Arbeiter stets war:„Sie sind nnr unzufriedene Leute, dem, Ihr Direktor ist doch ein lehr feiner und humaner Herr". Die Humanität des Direktors ging sogar soweit, daß er Arbeiter, welche seinen Anordnungen zuwiderhandelten, aus die Kanzlei rufen ließ und dort die nichts ahnenden Arbeiter von den dazu bestellten Gendarmen verhaften ließ. An eine Vertheidignng war da natürlich nicht zu denken, den Gendarmen, welche alle ohne Ausnahme nnr ungarisch sprechen können, ist die militärische Disziplin derartig eingepaukt, daß es nur eines Wortes bedarf, um die Bajonette ans die Brust gesetzt zu sehen. Selbstredend unterließen die Arbeiter nicht, gleich am dritten Tage nach ihrer An- knnft eine Organisation z» gründen, welche»nter dem Namen„Fachverein der Glasarbeiter zu Salgo Tayon" bei der kompeienten Behörde angemeldet wnrde. Der Verein, welcher auf der Basis der internationalen Arbeilerbewegung snßte, er- freute sich eines schöne» Zinvachses und blieb bis zu», 2. Mai lausenden Jahres von der Behörde unbehelligt. Es war am 2. Mai, als die gesmmnten nichtorganisirten Bergarbeiter Salgo TayanS ans gnind schamloser Lohnreduzirnng die Arbeit ein- stellte», und die Schuld dieser Arbeitseinstellung ivurde, wie die bürger- Blätter berichtete», den sozialdemokratisch gesinnten Glasarbeitern in die Schuhe geschoben. Nachdem»och ei» Flugblatt in slavischcr Sprache an die Bergarbeiter verlheilt worden war. ivurde den deutschen Glasarbeiter» der Krieg erklärt nnd zwar zuerst mit Hanssnchiingei, nach den slavischen Flugblättern nnd odann mit VersnminlnngSverboten. Nachdem nun noch die Mitgliederversammlung am 15. Sep- teinber l. I. beschloß, falls die Direktion nicht dafür Sorge trage, daß erkrankte Kollegen allivöchentlich das ihnen statniarisch zustehende Krankengeld bekäme», nach Verlauf der 14lägigen Kündigungszeit die Arbeil niederzulegen, begann ein rücksichtsloser Kamps gegen die Arbeiter. Das Vorgehen der Glasarbeiter mar wohl überlegt, denn es war nicht möglich, länger mit anzusehen, ivie«rkranlie Kollegen, auch Familienväter, 7—12 Wochen auf ihre Krankennnterstiitzung warten und dabei hungern mußte». Am 28. September bekam der Vorsitzende des Glasarbeiter- Vereins den Bescheid, daß besagten Uebelstündcn abgeholfen werden ollte, mit welche», Bescheide die Arbeiter zufrieden waren und deshalb, ohne auch nur eine Stunde die Arbeit eingestellt zu haben, ruhig weiter arbeiteten. Aber trotzdem war an. Morgen des 1. Oktober die Kolonie, in der die deutsche» Arbeiler wohnten, von ungefähr 40 Gendarmen unizingelt; es durfte weder jemand binaus noch hinein. Nicht einmal dcn mit Milch handelnden Bäuerinnen war es gestattet, die sür die Säuglinge bestellte Milch in die Kolonie hineinzubringen. Uni 9 Uhr wurden ca. 24 Deutsche auf das Stnhlrichteramt zitirt, woselbst sie sich gegen„nchstehendc Anklagepunkte zu ver- antworten hatten: I.Mitglieder des nicht anlorisirten Fach- Vereins zu sein. 2. In slavischer Sprache verfaßte Flugblätter an die Bergarbeiter verbreitet zn haben. 3. Für die Oldenburger nnd Fünfkirchener streikenden Glasarbeiter gesammelt zn haben, nnd 4. das gefährlichste: Sozialdemokraten zn sein und sozial- demokratischer Umtriebe sich schuldig gemacht zn haben. Am Freitag wurden ihrer 20 abermals vor das Stnhlrichteramt zitirt, den» der neue Direktor Beneke(ein früherer Arbeiter) hatte die ihm gefälligen Arbeiter von der Verbrecherliste gestrichen. Jetzt wurde den deutschen Arbeitern das Urtheil verlesen: Sie wurden auf gniiid vorgenanuter Auklageschrift des Landes verwiesein Ihre Bitte, sie noch einmal zu ihren Familien zu lassen, wurde rundweg abgeschlagen. Unter der Eskorte non Gendarmen mit aufgepflanzten Bajonetten wurden sie ins Gefängnih transportirt und zwar in ein Lokal, welches jeder Beschreibung spottet. Außer einer großen Kanne voll Wasser bekamen sie von der Behörde keine Nahrung, ihren Frauen und Kindern aber wurde gestattet, Lebensmittel zu bringen. In diesem elenden, übel riechenden Loche mußten sie nun 1 Tag und 2 Nächte zubringen. um am Sonntag, den 6. Oktober, abgeschoben zu werden. Einem Arbeiter wurde nach vielen Bitten das Glück zu theil, unter Aufsicht von Polizei wie ein gemeiner Verbrecher noch einmal zn seiner Familie zu kommen. um von seinem sterbenskranken Kinde und seiner Frau Abschied zu nehmen. Morgens um 4 Uhr hatten sich schon fast sämmtliche Glas- arbeiter auf dem Bahnhofe eingesunden, um den Abgeschobenenen Lebewohl zu sagen, und dann gings unter lautem Jammern und Weinen der armen zurückgelassenen Frauen und Kinder in Be- gleituug von 5 Gendarmen heimwärts. In Szaßa wurden sie wieder ins Gesängniß gebracht, um am anderen Morgen in Begleitung von nur zwei Gendarmen, welche, bevor sie den Weg zun» Bahnhof antraten, vor ihren Augen die Geivehre scharf luden, zun» Bahnhof gebracht zu werden, von»vo aus sie nach den» österreichischen Grenzorte Jablunkau kamen und auf freien Fuß gesetzt wurden. Zu bemerken ist noch, daß sich die Salgo Tayaner Behörde»veigert, die Frauen der Ans- geiviesenen zu unterstützen oder in anständiger Form über die Grenze zu bringen. l-'MÄitzv Wfzten. Zur Landtags Wahl in Sachse». In D ö b e l n weigert sich die Behörde, die Wahllisten zur Einsicht auszulegen und be- gründet das damit,„daß alljährlich die Wählerlisten im Jnni zur Revision ausliegen und dort den Wählern gestattet sei, Einsprüche zn erheben. Wenn jetzt Behörden die Listen nochmals auslegten, so sei dies guter Wille". Der ß 26 des Wahlgesetzes, »vonach„bis zum Ende des siebenten Tages nach dem Abdrucke des Wahlausschreibens in der„Leipziger Zeitung" es jedem Be- theiligten freisteht, gegen die Wahlliste bei dem mit der Führung beauftragten Organ Einspruch zu erheben", scheint, sagt die „Leipziger Volkszeitnng", demnach für die Behörde ii» Döbeln gar nicht zu bestehen. Natürlich»vird Beschiverde geführt. Im 2. ländlichen Kreise G r o ß s ch ö n a» in der Oberlansih ist es uns außer in Waltersdorf nicht möglich, Versaininlungen abzuhalten. Der Versuch, solche unter freiein Himmel zu ver- �.anstalteu, scheiterte an dein aintshauptmannschufllichen Verbot. Letzten Sonntag wurde eine Versammlung in Altgersdorf mit der Begründung verboten, daß zu wenig Polizei da sei. Bei der Gcmeinderaths-Wahl in Bretzenheim in Hessen behauptete unsere Partei ihren Besitzstand, trotzdem sie zum tzrsten Mal selbständig vorging. Es wurden zwei unserer Kandi gewählt. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — In Duisburg wurde der Parteigenosse H e u s g e n ans Mülheim a. d. R. wegen Majestätsbeleidigung vom Land- gericht in abermaliger Verhandlung zu zwei Monaten Gesängniß verurtheilt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft meinte, daß derart wohlüberlegte glatte, vorsichtige Reden, wie die inkriminirte, viel sicherer wirkten, als unüberlegte, ivüste Wirthshausgespräche. Gerade durch sein ruhiges, stilles, mäßiges Auftreten fei der Angeklagte um so gefährlicher. Es sei deshalb eine hohe Strafe am Platze und beantrage er mindestens 4 Monate Gefängniß. Das Gericht erkannte, wie gesagt, aus die Hülste; bei ihm fielen im Gegentheil das sichere, ruhige Auftreten des Angeklagten und sein guter Leumund strafmildernd in die Wag- schale. Der Angeklagte scheine kein„wüster Agitator" zu sein. — Das Amtsgericht in Franzburg in Pommern sprach die Parteigenossen G e n z e n und H e ß l i n g von der Anklage frei, Druckschriften ohne polizeiliche Erlaubniß gewerbsmäßig verbreitet zn haben. Der Aintsanwalt hatte für jeden 16 M. Geldstrafe oder 3 Tage Hast beantragt und will nun Berufung einlege», was ihm hoffentlich nichts nützen wird. — Eine Ueberraschung wurde dem Genossen F e l d m a» n zu theil, indem ihm ein Urtheil der Schweidnitzer Strafkammer zugestellt wurde, laut dem seine Berufung gegen das Reichen- bacher Schöffengcrichts-Urtheil, wonach er wegen angeblicher Beleidigung des Grünebergcr Landraths zu 300 M. Geldstrafe verurtheilt ist— verworfen wurde. Feldmann hat gar keine Mittheilung erhalten, daß gegen ihn ein Termin in Schweidnitz stattfinde; er hat deshalb beantragt, die Sache in den vorigen Stand zu versetzen. Soziale Mebevfirlzk� In den preußischen Webschule», die bekanntlich einer Reorganisation unterzogen worden, werden die neuen Lehr- und Stundenpläne, sowie die sonstigen den Unterricht betreffenden Bestimmungen wahrscheinlich schon vom nächsten Sommer-Halb- jähr ab in kraft treten. Vorher soll indessen noch der ständigen Kommission für das technische Unterrichtswesen Gelegenheit ge- geben werden, sich über die in Aussicht genommenen Reformen zn äußern, weshalb deren Einberufung noch im Laufe dieses Jahres zu erwarten ist. Für die Mitglieder der Kommission wird eine Denkschrift vorbereitet, worin die Entwicklung der gewerblichen Fortbildungs- und Fachschulen seit dem Jahre I89l und die für nothwendig erachteten Verbesserungen dargelegt werden sollen. Statistisches aus Preuße». Nach den vorläufigen Er- gebniffen der Berufs- und Gewerbezählung vom 14. Jnui lS9S waren im preußischen Staate vorhanden 6 644 09S Haushaltungen(gegen 1890 mehr 259 362), 31 491 209 anwesende Personen(gegen 1890 mehr 1 633 842), 3 331 659 L a n d w i r t h- schaftsbetriebe(gegen 1832 mehr 291 463) und 742 1 19 Gewerbebetriebe mit mehreren Inhabern, Gehilfen oder Motoren(gegen 1832 mehr 75 246). Eine Kritik dieser Zahlen ist heute natürlich noch nicht möglich. Es sind die weiteren Publikationen der Ergebnisse der Berufszählung abzuwarten, ehe man Schlüsse ziehen kann. Eine empfehlenswerthe Regierungsmaßregel hat der belgische Arbeits mini st er getroffen. Er giebt de» Fabrikinspektoren in einem Zirkular die Weisung, nicht nur die genaue Beobachtung aller gesetzlichen Maßregeln bezüg- lich der Dauer der Arbeit, der hygienischen Vorschriften und der Vermeidung von Unglücksfällen zu überwachen, sondern auch ihre Namen mit Adresse durch ein besonderes Plakat in jeder Fabrik den Arbeitern bekannt zu geben, damit diese auch außerhalb der Jnspektions- stunde sich an ihn wenden können und ihre Beschwerden ihm privatim mitzutheilen im stände sind. Mit recht bemerkt der Minister, die Arbeiter seien oft durch die Anwesenheit ihrer Vorgesetzten oder der Unternehmer eingeschüchtert. Der In- spektor inüsse sichso beiiehmen, daßder Arbeiter das Gefühl habe, daß ihm mit der Arbeitsauf- ficht ein Beistand geleistet werde. In einem andern Zirkular giebt der Minister den Inspektoren die Weisung, womöglich auch die kleineren Werkstätten zu besich- tigen, ferner überhaupt alle Arbeitsstätten, insofern dort eine gefährliche Industrie betrieben wird, nicht aus dem Auge zu verlieren und nach eigenem Ermessen ein zuschreiten, wo ihnen ein Vergehen gegen die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßregeln ange zeigt wird. Das belgische Unternehmerthum schreit über die Zirkulare natürlich Zeter und Mordio und giebt vor, diese Art Aufsicht werde in eine beständige Verdächtigung der Fabrik- und Werk stätteninhaber ausarten. Aber die' Furcht vor der Sozial- demokratie, die bei den Wahlen zum belgischen Parlament seinerzeit eine» so entscheidenden Erfolg errang, wird vermuthlich das belgische Ministerium bewegen, der Durchführung der vernünftigen Maßregel des Arbeitsministers nichts Ernstliches in den Weg zu legen. Nolrnl-es. Achtung, 2. Wahlkreis! Die Flngblattverbreitung findet heute punkt 3 Uhr morgens von folgenden Lokalen aus statt: Werner, Bülowstraße 59, Kitzing, Bellealliancestraße 74, Saß, Markgrafenstraße 102, Schonheil», Gräfestr. 8. Es ist Ehren Pflicht eines jeden Parteigen offen, sich an der Flugblattverlheilung zu betheiligen. Die Verlrauensperson. Arbeiter n»d Arbeiterinnen Berlins? Am nächsten Donnerstag, den 17. Oktober, beginnt das Wintersemester der Arbeiter-Bildungsschule. Wir wenden uns bei dieser Gelegenheit mit einem Ausrufe an die gesammte Arbeiterschaft Berlins, indem wir sie auffordern, die Zwecke der Arbeiter-Bildungsschule von jetzt ab tha> kräftiger als bisher durch zahlreichere und lebhaftere Betheiligung zu fördern. Allerdings sind bis jetzt die seiner- zeit in übertriebenem Grade an die Leistungsfähigkeit der Schule gestellte» Anforderungen zum große» Theil ausgeblieben; die Gründe hierfür wollen wir nicht im einzelnen erörtern. Hanpd sächlich lag wohl die Schuld daran, daß man sich niemals längere Zeit hindurch über den eigentlichen Zweck der Schule vollständig klar war, daß man zu häufig in den Fehler einer allgemeinen, nur dem einzelnen nütz- lichen Bildungsbestrebens verfiel. Der jetzige Vorstand ist sich jedoch über das, was die Arbeiter-Vildnngs schule leisten kann und soll, klar geworden: In der Schule sollen diejenigen mit dem geistigen Rüstzeug versehen und in der Führung desselben unterwiesen werden, die das hohe Streben in sich fühlen, der Sache der klassenbewußten Arbeiter- schafl durch zielbewußte, erfolgverheißende Arbeit nütze» zu wolle». Unser Aufruf richtet sich deshalb weit weniger an die große Zahl der Indifferenten, Lauen und Lässigen; in erster Linie wenden wir uns an diejenigen unter de» heutigen klaffenbewußten Proletarier», denen einmal durch ihre materielle Lage noch die geistige Spannkraft gewährleistet wird, die aber ferner jenen alle Hindernisse überwindenden Idealismus, der klein- liche Opfer an Zeit, Mühe und Bequemlichkeit nicht scheut, im Herzen tragen, wenn es gilt, dadurch der großen, heiligen Sache der heutigen Arbeiterschaft zu dienen. Solche vorwiegend jüngere Genossen und Genossinnen wollen wir in unseren Schulräumen vereinigen. f ente sowohl wie morgen findet eine öffentliche Volks a m m l u n g statt, in welcher Zweck und Bedeutung der 'chule in ausführlicherer Weise als es hier möglich, klargelegt werden soll.(Siehe Annonce.) Möge die Berliner Arbeiterschaft durch zahlreichen Besuch beider Versammlunge» wie durch rege Betheiligung an den Schulbestrebungen beweisen, daß sie auf dem Posten ist, sobald es gilt, in wirksamer Weise unsere geineinsame Sache zu fördern! Der Vorstand der Arbeiter-Bildungsschule. I. A.: H e i n r i ch S ch ii l z, SO. 16, Kaiser Franz- Grenadierplatz 7. Die internationale Erdmessungs-Konfereuz ist, wie die „Nordd. Allg. Zeitg." meldet, gestern im Reichslagsgebäube ge- schloffen worden. Die Konferenz hat ihre Aufgabe» in acht Plenar- und mehreren Koinmissionssthungen erledigt. Der von der permanenten Kommission für die Erneuerung der Konvention vorbereitete Entwurf ist nach Annahme mehrerer Amendements, die von Frankreich, Holland. Oesterreich, Spanien, Württemberg und Baden gestellt waren, zum Beschluß erhoben worden. Durch die Beschlüsse der Konferenz erscheint vor allem auch die Or- ganisation eines Systems von internationalen Starionen für die fortlaufende Beobachtung der Lage der Erdachse der Verwirk- lichung bedeutend näher gerückt. Der nördliche Damm des Stralauer Platzes wird wegen Legung einer Gasrohrleitung vom 14. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Gegen den verschwundenen Bau-Jnspektor Schrau vo» der jiolonialabtheilung des Auswärtigen Amts ist, wie ivir der „Volks-Zeitung" entnehmen, von seiner vorgesetzten Behörde so- wohl bei der Kriminalpolizei, als vei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden. Das Verschwinden Schran's erfolgte, wie neiierdings bekannt>vird, nachdem er auf grnnd einer Be- schwerde dienstlich ansgefordert worden war, über eine Summe von 11 000 M., welche der Berliner Gcwerbe-Ausstellung 1896 gehörten, Rechnung zu legen. Schran bat übrigens schon vor einigen Wochen den Versuch gemacht, bei hiesigen Kapitalisten Mittel, angeblich zur Finanzirnng der Kolonialabtheilung der Ausstellung, zu erlangen. Die vierzehn Jahre, welche Schran in den Trope» verlebt hat, hat er tdeils im Dienste des Kongo- staates, theils in dem der Firma Woermann zugebracht. Erst durch Herrn v. Soden ist er für den Dienst des Reiches gewonnen worden. Der Erlaß eines Steckbriefes gegen Schran steht unmittelbar bevor. Die Bauabnahme des an der Burgstraße belegenen Zirkus Busch ist behördlicherseits erfolgt; der 5000 Personen fassende Zirkus wird nächstens dem Publikum eröffnet»verde». Geriiijks-'Jeiktmg. Was alles eine Versammlung ist. Wegen Vergehens gegen das Vereiusgeietz standen s. Z. der Schankwirtb Gabbert und der Maler Lindecke vor dem hiesigen Schöffengericht, wurden aber freigesprochen. In dem in der Fürstenberger Straße be- legenen Schauklokal des ersten Angeklagte» hielt der sozialdemo- kratische Wahlverein jeden Montag nach dem 1. und>5. im Monat seinen Zahlabend ab, in welchem lediglich Abrechnungen zwischen dem Kassirer und den Vertrauensmännern erfolgte. An einem dieser Zahlabende war eine Anzahl von Personen im Gabbert'schen Lokale versannnelt, während der Kassirer noch nicht anwesend war. Um die Zeit auszufüllen, holte einer der Anivesenden eine Broschüre Liebknecht's:„Was die Sozialdemokraten sind und sei» wollen", ans der Tasche und las den übrige» Anwesende» daraus vor. Der Zusall führte mitte» in dieser Beschäftigung einen Schutzmann in das Lokal und dessen Anzeige batte eine Anklage wegen Abhaltung einer politischen Versanimlung ohne polizeiliche Anmeldung zur Folge. Das Schöffengericht glauble, daß in diesem Falle von einer Versamm- lung nicht gesprochen werden könne und erkannte deshalb auf Freisprechung. Die Sraskammer war gegentheiliger Ansicht und verurlheille die Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts zu je 15 M. Geldstrafe. Ter unbefugten Ausübung eines öffentliches Amtes beschuldigt war in einer Verhandlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts 1 der Musiker Wilhelm Martiny. Der Ange- klagte halte 14 Jahre beim Militär gedient und sich als Militär- anwärter zu einem Gerichtsvollzieherposten gemeldet. Er war auch notirt worden; als er aber im Anfange d. I. wegen eines Vergehens Bestrafung erhalten hatte, wurde er von der Liste wieder gestrichen. Inzwischen scheint er sich aber schon in den erwarteten Gerichtsvollzieherposten haben einarbeiten wollen, denn er hatte sich bei einer Frau Krüger als ein� solcher aufgespielt und für dieselbe auch mehrfach Beträge einkassirt. Er traf bei ihr eines Tages eine Frau Lieste,? die sich vergeblich bemühte, von dem Straßenfeger Krecher eine Summe von 50 M. einzutreiben. Der Angeklagte bot ihr seine Dienste als Gerichtsvollzieher an, die aber abgelehnt wurden. Trotzdem ging Martiny zu der Wohnung des Krecher, stellte sich der dort anwesenden Frau als Gerichtsvollzieher vor und erklärte, beauf- tragt zu sein, die 50 M. einzukassiren. Die eingeschüchterte Frau gab ihm 2 M. und versprach, für eine allmälige'Abzahlung aus dem kärglichen Verdienste ihres Mannes sorgen zu wollen. Der letztere trug dann noch zweimal je 4 M. zu dem falschen Ge- richtsvollzieher, ehe derselbe entlarvt werden konnte. Der Gerichtshof hielt nicht die Ausübung eines öffentlichen Amtes, sondern nur Betrug für vorliegend und verurlheille den An- geklagten zu 4 Monaten Gefängniß. Wegen Beschimpfung einer Einrichtung der christliche» Kirche war ein Angeklagter von einer Strafkammer ver- urlheilt worden, weil er den Vorwurf erhoben hatte, daß„der Priester, äußerlich mit einer heiligen Handlung beschäftigt, heim- lich über die Gläubigen lachen und demnach ein Heuchler sei". Das Reichsgericht hat das verurtheilende Erkenntniß ausgehoben und in dem in der„Jur. Wochschr." veröffentlichzen Urtheil folgendes ausgeführt: Der von dem Angeklagten er- hobene Vorwurf trifft an sich nicht ohne weiteres die„Einrichtung" des Priesterthums als solche, sonder» nur un- würdige heuchlerische Priester und der Vorderrichler hat selbst bemerkt, daß die Aenßernng in dem Sinne, wie er sie versteht, eine Kundgebung der Verachtung des„Priester- ftandes" entHalle. Ter Priesterstand ist aber lediglich die Ge- sammtheit der Mitglieder dieses Standes, nicht die Einrichtung des„Priesterlhums". Es ist denkbar, daß sämmtliche Mitglieder des Priesterstandes als verderbt und heuchlerisch bezeichnet werden, während doch die Einrichtung des Priesterlhums als ehrwürdig anerkannt wird. Wenn also die Aeußerung des An- geklagten, wie der Vorderrichler annimmt, sich nur gegen den Priesterstand richtete, so konnte wohl eine Beleidigung ge- wisser oder aller Priester unter einer Gesammtbezeichnnng angenommen werden, aber nicht eine Beschimpfung der„Ein- richtung" des Priesterlhums. Leipzig, 12. Oktober.(Eig. Bericht.) Eine gerichtliche Be- stätigunz des unlauteren Geschästsgebahrens des Kommerzienraths 'oseph Seiler in Dessau wurde in der am 12. Oktober in eipzig abgehaltenen Schöffengerichts-Verhandlung dem Redakteur der„Leipziger Volkszeitnng", Genossen Richard I l l g e, gegeben. Seiler, der am 29. Februar d. I. mit einem Theil seiner Angestellten wegen Diebstahls und Hehlerei von Musterkollektionen von Konkurrenzsirmen sich vor dem Landgericht in Dessau verantworten mußte und gegen de» der Staatsanwalt wegen gewerbsmäßiger Hehlerei eine Zuchthaus st rase von U/e Jahren beantragte, der aber vom Landgericht frei- gesprochen, seine Angestellten aber zu Gefängnißflrasen von 2 Monaten bis zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt wurden, hatte im Frühjahr d. I. an 40 000 Schneidermeister per eingeschriebene» Brief Preislisten gesandt, in denen ohne Rücksicht auf die Qualität der Stoffe die Preise der Stoffe in drei verschieden erhöhten Preislagen angegeben waren und die dazu dienen sollten, des Publikum glauben zu machen, daß diese erhöhten Preise die vom Meister an die Firma zu zahlenden Nettopreise seien, somit der Meister an dem Stoff nichts verdiene. Die„Leipziger Volkszeitung" hatte in ihrer Nr. 113 vom 17. Mai d. I. dieses Gebühren als auf Täuschung des Publikums� berechnet und als eine Prämie aus die Fertigkeit und unmoralische Fähigkeit, das Publikum hinters Licht zu führen, bezeichnet. Der Herr Kommerzienrath erhob gegen den verantwortlichen Redakteur der„Leipziger Volkszeitung" Genossen I l l g e Privatklage und sein Vertreter führte in der Verhandlung aus, daß die Preislisten lediglich dazu bestimmt 'eien, den Meistern die Berechnung des Aufschlags für die Kunden auf den Nettopreis zu erleichtern. Das Gericht sprach aber I l l g e von der ülnklage frei und führte in der Be- gründung aus, daß die in dem Artikel gemachten Angaben als auf Wahrheit beruhend und die Erklärung des Klägers als völlig haltlos zu erachten seien. Das Gericht sah als er- wiesen an, daß die Preislisten dazu bestimmt waren, die Meister in die Lage zu setze», das Publikum täuschen zu können. Soweit ironische Bemerkungen des Artikels in Frage kommen, stehe dem Angeklagten der Schutz des Z 193 des Stras-Gesetzbuchs zur Seite. A«S Wittenberg wird uns vom Sonnabend gemeldet: In gestriger Sitzung der hiesigen Strafkaminer ivurde die Frau Restaurateur Greinert, deren Ehemann Eigenthümer des hiesigen Vergnüguugslokals„Zum Schweizergarlen" ist, zu 200 Mark Geldbuße eveu'. 20 Tage Gefängniß verurtheilt, weil sie ihr Dienstmädchen in brutaler Weise gemißhandelt hatte. Der Staats« anwalt harte drei Monate Gefängniß beantragt. Greinert hat 'riiher ein Lokal in Charlottenburg gehabt. VeimnMzkes. Eiseubahnnnglück. Die„Schlesische Zeitung" meldet aus Cosel: Auf dem Bahnhofe in Kandrzin entgleiste Freitag infolge alscher Weichenstellung der nach Neisse abgelaffene Güterzug. Die Lokomotive bohrte sich tief in das Erdreich ein, die folgen- den Wagen wurden fast sämmtlich zertrümmert. Der Material- "chodcii ist bedeutend. Ein Bremser wurde schwer, ein anderer Beamter leicht verletzt. Zum Unglücksfall in Bocholt. Wie der„Kölnischen Volkszeitnng" gemeldet wird, wurde» in Bocholt der Spinnerei- besitzer Beckmann und der Bauunternehmer Hülskamp verhaftet. Depesstzen und letzte Mscheirhken. Hamburg, 12. Oktober.(W. T. B.) Der frühere Reichstags- Abgeordnete und langjährige Präsident der Bürgerschaft, Dr. I. Wolffson, ist heute im 78. Lebensjahre an Lungenentzündung gestorben. Montreux, 12. Oktober.(W. T. B.) In der hier unter Vorsitz des Bundesralhs Zemp tagenden Sachverständigeu-Kom- Mission für die Verstaatlichung der Eisenbahnen wurden mehrere technische Vorträge gehalten; Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Kommission sprach sich grundsätzlich dahin aus, daß die Bundesregierung im Falle der Verstaatlichung den Bau der Alpenbahnen fördern müsse. Es ist wahrfcheinlich, daß das Eisenbahn-Departement dem Bnndesrathe in nächster Zeit eine Vorlage behufs Klarlegung der Angelegenheit machen wird. Ferro!, 12. Oktober.(W. T. B.) Infolge der durch die Marine-Osfiziere hervorgerufeneu Zwischenfälle veranstalteten Arbeiter in großer Zahl Straßenkundgebunge». Die Gendarmerie suchte die Menge zu zerstreuen, sie wurde jedoch mit Stein- würfen empfangen, durch welche ein Lieutenant und ein Korporal verivundet wurden. Die Ruhestörer warfen sodann die Fenster- scheiden in dem Hauptquartier der Marine-Jnfanterie ein, so daß die Wache gezwungen war, Schreckschüsse in die Lust abzu- geben. Man befürchtet zahlreiche ernste ülusschreilnngen. Verona, 12. Oktober.(W. T. B.) Heute Nachmittag wurde in Malvesine, Provinz Verona, ein ziemlich starker Erdstoß, welchem zwei weitere folgte», verspürt. Die Erschütterungen verursachten Riffe in den Mauern und den Einsturz einiger Schornsteine. Die Bevölkerung ivurde in große Ausregung versetzt. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuuert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu 4 Beilagen t Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ztr. 340. Sonutag, de» 13. Oktober 1893. 13. Jahrg. Parteitag der sozialdemokratische» Partei Deutschlands. Breslau, den 12. Oktober 1895, Sechster Verhandlungstag. Vormittags-Sitz ung. Der Vorsitzende Singer eröffnet die Sitzung um 9>/« Uhr. Es sind mehrere Begrübungsschreiben eingegangen. Mit «ro per Freude wird die telegraphisch an den Parteitag gelangte Mlllhe>lung vo» dem glänzenden Siege der Sozialdemokratie in Aiannheim bei den Wahlen zum badischen Landtage aufgenommen. . Der Jmpfgegner.Verein in Chemnitz wünscht die Forderung ans Zlushebung des Impfzwanges in das Programm aufzu- nehme».(Gelächter.) Zur Vorschlagsliste des Parteivorstandes bemerkt Hoch im Namen der Berliner Delegirten, daß diese sich nur aus zwei Kandidaten zum Amt der Kontrolleure geeinigt haben; nämlich auf die Namen Metzner und Börner. Es wird in die Tagesordnung eingetreten und die Be- ra.hnng der Anträge zu Programm und Organisation fort- gesetzt. Antrag 53 wird begründet von Dr. A r o n s: Aus dem Kölner Parteitag lag ein Antrag vor, daß kein Parteigenosse länger als zwei Jahre dem Vorstand ohne Unterbrechung angehören dürfe. Unser bescheidener Genosse Schoenlank bemerkte dazu, daß der Antrag undurchsührbar sei. Das Mißtrauen sei eine demokratische Tugend und wir müßten daran denken, für den Nachwuchs zu sorgen. Jedenfalls sind wir mit der bisherigen Art der Besetzung sehr gut gefahren und wollen nichts daran ändern. Aber darin sind wir niit Schoenlank einig. Wir müssen für Nachwuchs sorgen und es ist nützlich, wenn in stetem Wechsel frisches Vlul dem Vorstand zugeführt wird. Das will unser Antrag. Wir geben uns nicht der Illusion hin, daß der Antrag heute ange- uonmien wird. Wir verkennen die Bedenken gar nicht, die er hervorrufen kann. Einmal sind es die materiellen Konsequenzen, die bedenklich machen können, zweitens die Auswahl der Per- soneu. Wir wollen Sie deshalb nicht vor ein Ja oder Nein stellen, sondern bitten Sie nur, folgender Resolution zuzu, stimmen: „Der Breslaner Parteitag empfiehlt den Gedanken des Antrages 53 den Genossen im Lande z» reger Diskussion und überläßt die Beschlußfassung über diesen Gegenstand dem nächstjährigen Parteitag." F r o h m e fragt, ob die Beisitzer aus den Kreisen der Ber- liner Genossen genommen werden sollen oder nicht. Arons erwidert, daß die Antragsteller sich gedacht haben, daß die Beisitzer nicht aus Berlin sein brauchten. Wünschenswerth wäre dies allerdings im Interesse der Geschäftssührung. Müller- Arheilgen: Die Berliner sind sicher, daß ihr Antrag abgelehnt wird. Um aber nicht so wie gestern hinein- zufallen, wählten sie die Form der Nesoltilion. Die Beisitzer müssen doch wohl in Berlin wohnen, sonst würden ja alle zwei Jahre sehr große Umzngskosten entstehen. Ich bitte, die Resolution abzulehnen. Hiermit schließt die Debatte. Die Resolution wird an- genommen. Zu Antrag 54 liegt ein Amendement G a l m vor, dem An- trage folgenden Satz hinzuzufügen: „Die Delegirten werden in öffentlichen Versammlungen be- zichungsweise Wahlkreiskonferenzen gewählt. Unzulässig ist, von einem besonderen Orte des Kreises aus Delegirte nach- zuwählen." Gegen Antrag 54 spricht G r o i h- Rostock: Ich bitte Sie, den Antrag in der Fassung, wie er vorliegt, abzulehnen. In öffentlichen Parteiversammlungen können die Mecklenburger weder Delegirte noch sonstige Vertreter wählen. Unser Bereinsgesetz enthält nämlich die Bestimmung, daß nur mit Genehmigung des Ministeriums eine öffentliche Versammlung abgehalten werden darf, wir aber erhalten niemals diese Erlaubniß. So oft die Gegner eine Versammlung abhielten, habe» wir regelmäßig den Antrag beim Ministerium gestellt, auch eine öffentliche Ver- fammlung abHallen zu wollen, regelmäßig aber unser Antrag ab- gelehnt worden. Mit der Annahme des beantragten Paragraphen in das Organisationsstatut würden Sie uns um die Vertretung auf den Parteilagen bringen. G a l m- Seligenstadt: Es sind bisher bei der Wahl der Delegirten Fehler vorgekomnien, das zeigt die Wahl des Mainzer Delegirten. Es liegt ein Mangel darin, daß ivir keine festen Bestimmungen für die Wahlen haben. Die vereinsgesetzlichen Bestimmungen sind allerdings dafür wenig günstig, einheitlich Bestimmungen aufzustellen; im allgemeinen aber dürfte es doch ganz gut möglich sein, in öffentlichen Versamnilunge» oder in Bezirkskonferenzen die Wahlen vorzunehmen. Zu Antrag 54 wird beantragt: „die Wahl der Vertrauensleute und Delegirten zum Parteitage darf weder in Vereiusversammluugen noch in öffentlichen Versammlungen, die von Vereine» einberufen sind, erfolgen. A l t e r m a n n- Freiberg bittet den Antrag anzunehmen; dadurch wäre es möglich, bei jeder Gelegenheit in einer Kreis- Versammlung einen Vertrauensmann aus ein Jahr zu wählen. G ö b e l- Mainz bekämpft den Antrag. Die Abstimmung ergiebt die Ablehnung des Zlmendements und des Antrages sowohl der ursprünglichen als in der neu gewählten Form. Antrag 55 wird nicht genügend unterstützt, ebenso Antrag 56. Ueber Antrag 57 und 113 wird gemeinsam debatlirt. Sie lauten: 57. Die Parteigenossen Elberfelds: Der Beschluß des Frankfurter Parteitags, wonach die Abgeordnelen als Delegirte nicht wählbar sind, wird durch folgende Bestimmung ersetzt: die Abgeordneten, welche an den Beralhunge» des Parteitages theil- nehmen, müssen mit einem Mandat versehen sein, sofern sie nicht der Parteivorstand besonders nach dem Parteitag berufen hat. 113. Unterzeichnete beantragen, den Beschluß des Frank- fnrler Parteitages, wonach Reichslags-Abgeordnete kein Mandat für den Parteilag annehmen dürfen, auszuheben. Gewehr- Elberfeld begründet Antrag 57; die Abgeordnete' die an dem Parteitag theilnehmen, müßten ebensogut ein Mandar haben, wie andere Genossen, damit nicht ein künstlicher Gegensatz erzeugt wird. Wenn besondere Umstände die Anwesenheit eines Abgeordneten nölhig machen, so stehe es nach dem Antrage dem Parteivorstande zu, dieselben zu berufen. Antrag 113 wird von Meist begründet: Der Beschluß des Franlsurter Parteitages, wonach Reichetagsabgeordnete kein Mandat für den Parteilag annehmen dürfen, ist ohne Logik. Weshalb sollen die Abgeordneten gewissermaßen als Genossen zweiter Klasse behandelt werden? Nehmen Sie unseren Antrag an. Schaffen Sie den Zustand, wie er vor dem Frankfurter Parteitag war. B r ü h n e- Frankfurt schließt sich diesen Ausführungen an. Der Frankfurter Antrag ist seinerzeit nicht genügend diskutirt worden. Ter Elberfelder Antrag ist dagegen abzulehnen. Die Diskussion wird geschlossen. Der Antrag 113 wird an- genommen. Der Antrag 57 wird abgelehnt. Antrag 58 ist durch den vorigen Beschluß erledigt. Die Verhandlungen werden unterbrochen und der Bericht der Neu ner-Kom Mission wird entgegengenommen. Berichterstatter ist Blas: Die Koininission hat im gaiizeu mit»ur drei Angelegenheiten zu thiln gehabt; die größte Arbeit machte uns die Danziger Angelegenheit. Wir haben dafür gesorgt, daß der Hauptangeklagte, Jochem aus Danzig, vor uns erschien. Jochem versuchte gegen die ganze Prozedur zu protestiren. Die ganze Angelegenheit ist ein alter Streit, in dem Jochem seit lange die Hauptrolle spielt. Die Parieithätigkeit Jochem's ist nicht tadeliis- werth, tadelnswerth aber ist die Art und Weise, wie er die inneren Partei-Angelegenheilen zu erledigen versucht hat. Der Parteivorstand hat durch Gerisch eine Einigung ver- suchen lassen. Es giebt nämlich nur ein Lokal in Danzig, in dem sich die dortigen Genossen versaiinneln können, und das ist iin Besitz Jochem's resp. seiner Frau. Da nun auch seine Opposition dieses Lokal benutzen m»ß, ergeben sich mancherlei Unannehmlichkeiten. Ob es wahr ist, daß Jochem das Lokal aus unreelle Weise an sich gebracht hat oder nicht, haben wir nicht entscheide» könne»; schön mag er wohl freilich nicht gehandelt haben. Die Hauptsache ist, daß sich Jochem zum westpreußischen Parteischillzen auswirft und seine Gegner mit groben Worten nach Unteroffiziersmanier behandelt; sogar Parteigenossen hat er durch die Polizei aus seinem Lokale entfernen lassen. Jochem entschuldigte sich damit, daß auch die Gegner grob gewesen seien, und das stimmt allerdings. Um die Geschichte zu verstehen, muß man hinter die Kulisse» blicken. Die Beschwerde der Danziger Genossen richtet sich nämlich mehr gegen die Frau Jochem, als gegen ihn selbst. Gerisch hat mit vieler Mühe eine Art Vergleich zu stände gebracht; aber es war doch war ein fauler Friede, und zwar deshalb, iveil eine Koniinissio» eingesetzt wurde, die das Lokal Jochein's beaussichiigen sollte. Diese Konnnissio» gab der Frau Jochem natürlich viel Anlaß zu böse» Redensarten. Die Streitigkeiten brachen also bald wieder aus. Man kann zwar durchaus nicht lediglich einer Seite die Schuld aufbürden. Genosse Jochem hat auch nicht ein Titelche» von dem zugegeben,>vas gegen ihn vorlag, selbst wenn sei» Ver- gehen noch so klar erweislich>var. Wir sind zu der Meinung gekoilllneii, daß zur Herstellung des Friedens in Danzig schärfere Mittel a»zu>venden sind, und schlagen Ihnen deshalb folgendeu Antrag znr Annahme vor: Die Parteidifferenzen in Danzig sind durch beide Theile verschuldet. In anbetracht aber, daß die Person des Genossen Jochem hauptsächlich einer Einigung der streiteudeu Theile im Wege steht, erklärt der Parteitag, daß Genosse Jochem nicht geeignet ist, einen Vertrauensposte» in der Partei zu bekleiden. Ter Antrag ist einstimmig vo» der Kommission angenonilnen. Wir haben das Zutrauen zu Jochem, daß er selbst einsehe» wird, daß seine Person der Stein des allgemeinen Anstoßes ist, und daß es nicht möglich ist, das Interesse der Partei zu wahren, wen» er sich nicht zurückzieht. Wir haben ferner in Erwägung gezogen, daß Jochem später, ivenn die Verhältnisse sich gebessert haben, das wiedergegeben werden kann, was ihm heute aberkannt wird. I o ch e m- Danzig: Ich ersuche Sie, dem Beschluß der Kommission nicht zuzustiinuien, da ich unvorbereitet hierher- gekommen bin und gar nichts von dem Antrage gewußt habe. Am Dienstag war eine Versammlung einberufe», um ein friedliches Verhältniß herzustelte», nicht aber um den Delegirten den Auftrag zur Stellung eines solchen Antrages zu geben. Wenn die Delegirten nach Danzig zurückkommen, so posaunen sie aus: Jetzt haben wir Jochem eins ausgewischt, jetzt ist er fertig; der Krieg geht dann wieder vo» neuem loS. Wir hatten die Absicht, jetzt bei der Neuwahl eine Person zu wählen, die durch ihre neutrale Stellung die Verhältnisse bessert. Ich habe ja garnicht die Absicht, ein Amt wieder anzunehmeil. Genosse Bios hat selbst gesagt, daß von beiden Seiten schwer gesündigt ist: iveshalb soll denn ich gerade der Sündeubock sein? Möge der Parteivorstand einschreiten, wenn sich heraus- stellt, daß eine Beilegung der Zwistigkeiten nicht mög- lich ist! Gegenüber der Behauptung, daß eigentlich meine Fran dahinter steckt, appellire ich an die Versammlung, an die weiblichen Delegirten(Aha!) Ich muß dagegen auftrete», daß meine Frau in der gemeinsten Weise angegriffen und ihre Ehre in den Schinntz gezogen wird. Ich ersuche Sie also, den Frieden in Danzig nicht zu stören.(Große, lang anhaltende Heiterkeit.) Das kann doch einem jeden passireu, daß er sich mal verspricht. Stimmen Sie also, wen» Sie den Frieden wiederherstelle» wolle», dem Entschluß der Koliimission nicht zu. Inzwischen ist ein Amendement Stadthageu eingelaufen, in dem Antrag der Kommission zwischen„Veltrauensposten" und „zu bekleiden" die Worte„in Danzig" einzufügen. Zur Begründung bemerkt er: Wir können die Gründe der Kommission unterschreiben, aber ich vermag den Schluß nicht zu ziehen, daß Jochen» überhaupt unsnhig sein soll, einen Vertrauens- posten in der Partei zu bekleiden. Es ist eine rein Danziger Angelegenheit. Ehrenrühriges liegt gegen Jochem nicht vor. B e r g e r- Danzig wendet sich gegen die Darstellung Jochem's. In der Versammlung, in der die Delegirten gewählt wurde», kam die Jochem'sche Angelegenheit nicht zur Sprache. Sofort nach der Wahl aber erklärte ich als Delegirler, daß ich in Breslau energisch auf Frieden drangen würde. Jochen» hat sich über den letzten Versöhnungsversuch des Partei- Vorstandes in hämischer Weise geänßert. Das Alnendement Stadthagen ist unannehnibar. Wenn wir Jochem los sind, so geht er nach Elbing. Ein Schlußanirag wird a»ge»l, das Amendement Stadthageu wird nach einigen Schlußworten Bios' abgelehnt und der Antrag der N e u n e r- K o in m i s s i o n a n- genommen. Blos fährt in seinem Referate fort: Die zweite Be- schwerde, die inis vorlag, kam aus Verden und richtete sich gegen den Parteivorstand. Sie ging dahin, daß der Vorstand Anträge der Verdeuer Genossen nicht veröffentlicht habe. Die An- gelegenheit ist„ur dann richtig zu benrtheilen, wenn man die Verdcner Verhältnisse kennt. Mir ist bekannt, daß es unter den Verdcner Parteigenossen philosophische Köpfe giebt, die in eigenartiger Weise für das Wohl der Partei sorgen. So schlugen sie diesmal eine von Fels zu Meer sich er- llrcckende Polizeikommission für die Partei war.(Heiterkeit.) Sie sollte das private und politische Leben der Parteigenossen und die lvirthschastlichen Unternehinnngen der Partei überwachen. Das sollte sehr vertraulich geschehen; den Vertrauensleuten war dieRolle desDistrikts-Polizeikonimissars zugedacht.(Heiterkeit). Der Vorstand lehnt es ab, diese Anträge zu veröffentlichen. Nur ein Ab- schnitt davon, der sich aus andere Angelegenheiten bezog, sollte veröffentlicht werden. Die Verdener haben die nächste Instanz, die Kontrolleure, nicht angerufen, sondern sich gleich an den Parteitag gewandt. Die Neuner-Kommission ist der Ansicht, daß der Vorstand gethan hat. was geboten war. Die Neuner-Kommission stellt in bezug auf die Verdener Beschwerde folgende» Antrag: In bezug aus die Verdener Be- schwerde erklärt der Parteitag: Der Parteivorstand ist im allgeni einen verpflichtet, ordnungsgenräß eingegangene Anträge zu veröffentlichen. Diese Pflicht findet ihre Grenze,»vo die An- träge unsinnig oder der Partei schädlich sind. Aus diesem Grunde sind die Beschwerden der Verdener Genossen zurückzuweisen." Haber- Bremen spricht für die Verdener Beschwerde und ersucht den Parteitag, den Autrag der Kommission abzulehnen. Der Antrag der Kommission wird ange- n o in m e n. Ueber eine dritte Beschwerde, die des ehemaligen Genossen Flöther-Stadthagen, spricht als Berichterstatter Blos: Flölher hat beantragt, ihn wieder zu rehabilitiren Er ist aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er sich in zwei Fällen der Denunzilation von Parteigenossen schuldig gemacht hatte; in einem Falle hatte die Deuuuzitation Erfolg gehabt. Die Neuner-Komission beantragt: Nach eingehender Prüfung des vorliegenden Materials empsiehlt die Kommission dein Parteitag, den Ausschluß Flöthcrs als zu recht bestehend zu er- klären. Dieser Antrag ivird angenomnien. Man tritt in die Wahl der Parteileitung ein. Der Vor- sitzende Singer konstalirt, daß kein Widerspruch dagegen erhoben wird, daß der Sitz der Parteileitung Berlin bleibt. Der Wahlakt wird geschlossen. Zur Diskussion stehen die Anträge: 32. Parteigenossen in Halber st adt: Den nächsten Parteitag in Halberstadt abzuhalten. 33. Parteigenossen des 1. und 2. Hamburger Kreises: Den nächsten Parteitag in Hamburg abzuhalten. 34. Parteigenossen in Hannover und Verden: Den nächsten Parteitag in Hannover abzuhalten. 35. Parteigenossen des 1. und 3. Berliner, des Nieder-Barilimer Kreises und in Rinteln: Den Parteitag künftig zwischen Weihnachte» und Neujahr stattfinden zu lasse». 37. Parteigenossen in Danzig: Der Parteitag setzt die Diäten der Delegirten selbst sest. 38. Parteigenossen in Eilbeck-Hamburg: Den Parteitag stets in der Mitte des Reiches abzuhalten, weil hier- mit der Partei bedeutende Kosten erspart lvürde». 33. Parteigenossen in Leipzig: Den nächsten Parteitag in Leipzig abzuhalten. 40. Parteigenossen in Lübeck: Den nächsten Parteitag in Lübeck abzuhalten. 41. Parteigenossen in Rinteln: Die Diäten für die Delegirten sind aus der Parteikasse zu bezahlen. 42. Parteigenossen in Triberg: Ter Parteitag findet alle zwei Jahre statt. Ferner ist der Antrag von Gotha eingegangen, dahingehend, daß es dein Parteivorstande zu übertragen sei, den Ort zu wählen, daß es aber wünschenswerth sei, einen Ort in der Mitte des Reiches zu wählen. In der Diskussion über den Ort des nächsten Parteitages spricht Stollen- Hamburg: Früher haben innner die Ham» burger deshalb nicht den Antrag gestellt, de» Parteitag in Ham« bürg abzuhalten, weil Hamburg allzusehr an der Grenze des Reiches liegt. Aber da auch der Parteitag in Breslau, einer Stadt, die ebenfalls an der Grenze des Reiches liegt, so gut be- sucht ist, deshalb haben wir uns gesagt, daß nun auch einmal Hamburg berücksichtigt iverds. H a u g- Freiburg bittet, Gotha zu wählen, damit nicht wieder wie heute, die badischen und württembergischen Genossen von der Theilnahme ausgeschlossen sind. K l e e in a n n- Leipzig schlägt Leipzig vor; diese Stadt sei so günstig gelegen, daß der Parteitag dort sehr gut einmal statt- finden kann. Die Polizei sei dort auch nicht schlimmer als wo anders. K i in in e l- Hamburg tritt dagegen auf, daß Hamburg ge- wählt wird, da dort ein geeignetes Lokal nicht zur Versügyng steht. Gotha scheine ihm am günstigsten gelegen. Dahlen- Halberstadt trilt für Halberstadt ein. Keil- Mannheim ist der Meinung, daß ein von allen Ge» Nossen leicht zu erreichender Ort gewählt wird und befürwortet, den Parteitag in Gotha stattfinden zu lassen, zumal da er in Erfahrung gebracht habe, daß die dortigen Genossen den Partei« tag sehr wohl aufnehmen können. Ein Autrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Singer schlägt bei der Fülle der Vorschläge schriftliche Abstimmung vor. Sluf Antrag von Fischer» Berlin beschließt die Versamm- lung, zunächst darüber abzustimmen, ob Gotha gewählt wird. Die Versammlung entscheidet sich mit großer Mehrheit dasür, daß der nächste Parteitag in Gotha stattfindet. Von den weiteren zu dieser Frage vorliegenden Anträgen sind die Anträge 37, 38 und 41 durch die vorherigen Beschlüsse erledigt, die Anträge 35 und 42 finden nicht die genügende Unter» stützuna. Es folgt die Berathung der sonstigen Anträge. Antrag 1 findet nicht die nöthige Unterstützung. Antrag 2 und in Verbindung damit Antrag 119: Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages ist ein Referat über die Frauenagitalion zu setzen wird unterstützt und von Frau Rohrlack begründet. Sie schlägt vor, Frau Zetkin mit diesem j Referat zu betrauen. Antrag 119 wird angenommen und Frau Zetkin als Re- ferentin bestimmt. Antrag 3 begründet Drescher- Berlin: Das Proportionalivahl-System ist eine der wichtigsten Forderungen der Partei, die selbst von Gegnern als Mittel zur Vernichtung der Sozialdemokratie empfohlen wird. Es ist nöthig, über diesen Punkt Klarheit zu schaffen. ,, Ohne weitere Debatte wird der Antrag angenommen. Antrag 6. Genossin Löwenherz, Neuwied: Der dies« jährige Parteilag einhält sich jeder Beschlußfassung von prin« zipieller Bedeuluiig für die Frauenbewegung, wird als unzulässig nicht zur Debatte gestellt. Es folgt die Berathung über die zum Punkt„Presse" ge« stellten Anträge. Antrag 59. Parteigenossen des Kreises Niederbar n im; Der Abonnementspreis des„Vorwärts" ist zu erniedrigen. wirb nicht unterstützt. Antrag 60. Parteigenossen des 1. Berlin er Kreises: Der Parteitag wolle seinen Einfluß dahin geltend machen, daß in Znkuufr im„Vorwärts" die politischen und gewerkschaftlichen Aersnmmlungsanzcigen übersichtlicher, von den sonstigen Ge- schästs-Annoncen getrennt gebracht werden, da bei dem gegen- wältigen Kuddelmuddel jede schnelle Jnsonnatio» nnmög- lich wird. ist hinfällig, da der darin ausgesprochene Wunsch nach Mitthei- lung von Singer bereits erfüllt ist. Infolge dessen wird der An- trag zurückgezogen. Antrag 61. Parteigenossen des Kreises Teltow- Beeskow- Storkow: Die Redaktion des„Vorwärts" wird beauf- tragt, alljährlich, sobald das Material über die Alters- und Jnvalidikätsversicherung vorliegt, ausführlich darüber Bericht zu erstatten. begründet. Görke- Charlotteuburg: Bei dem großen Interesse, welches die Zlrbeiter an dein Material über die Alters- und Jnvaliditäts- Versicherung nehmen, ist es wohl eine bescheidene Forderung, wen» wirjs wünschen, daß uns daS Material in Form einer Beilage zum„Vorwärts" zugänglich gemacht wird. Sladthagen: Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Das Material ist ein umfangreiches Aktenstück von 100 Seite», das nicht gut in eine Beilage gebracht werden kann. Die wenigen Arbeiter, die Interesse daran nehmen, alle diese Zahlen zu lefen. können sich das amtliche Material verschaffen. Außer- dem befaßt sich der„Vorwärts" ja auch mit dieser Frage und erstattet sortlaufend Bericht darüber: Bebel: Auch ich bitte Sie, diese» Antrag abzulehnen. Es ist der Tagespresse ganz unmöglich, die Berichte der Jnvaliditäts- und Altersversicherung abzudrucken. Thäte man das, so könnte man auch verlangen, die Berichte der Kraukenkassen rc. oh1 zunehmen. Die Berichte der Jnvaliditäts- und Altersversicherung fülle übrigens so dicke Bände, daß ein Abdruck ganz unmöglich ist. Die wickMsten Zahlen der Berichte werden bereits jetzt in unserer PreMveröffentlicht. Wenn aber die vorliegende Anregung dazu die«� daß die Berichte vielleicht noch ausführlicher und sorgfältMr behandelt werden, dann ist es gut. Sjc Antrag wird abgelehnt. Jptrag. 62. Genosse O. Vieth, Berlin: Das Zentralorgan, Sev„Vorwärts", hat seinen Nachrichtendienst bezüglich des Auslandes zu vervollkominne» und zu diesem Zwecke nicht allein f in allen Hauplsiädlcn, sondern auch in den größten Städten der anßcrdeutschcn Länder Korrespondenten sich zu halten, die ihm über alle wichtigen Ereignisse, besonders über diejenigen, an denen die Partei belheiligt oder interessirt ist, tclegrnphisch Nachricht geben. tvird nicht genügend unterstützt. Im Laufe der Verhandlungen ist eingegangen Antrag 109: Der Parteitag wolle beschließen: der Nettopreis des iUeiie» Weltkalenders ist, nachdem der Verkaufspreis von 59 Pf. au 49 Pf. vermindert worden, entsprechend herabzusetzen. Block- Dortmund bemerkt, daß die Herabsetzung des Preises den gewünschten Erfolg nicht gehabt hat, weil bei geringerem Preise die Kolporteure weniger verdienen und sich deshalb um die Verbreitung weniger bemühen. Werde von entscheidender Stelle erklärt, daß sich der Nettopreis nicht herabsetzen lasse, so sei er bereit den Antrag fallen zu lassen. B ö r a r d- Hamburg: Ans dem vorigen Parteitag wurden die Gründe auseinandergesetzt, die die Herabsetzung des Verkaufs- Preises des„Neuen Welt-Kalendcrs" von 59 auf 49 Pf. noch- wendig machten. Es geschah, um der Schlenderei der Groß- Händler entgegenzutreteu. Ter Preis läßt sich nicht weiter herab- setzen, sonst wird am„Neuen Welt-Kalender" nichts mehr ver- dient. In den Provinzialkalendern ist dem„Neuen Welt- Kalender" jetzt schon eine große Konkurrenz erwachsen. Antrag 199 wird abgelehnt. Antrag 123 wünscht das tägliche Erscheinen des Offen- burger„Volkssreundes" und die Bewilligung der nöthigen Mittel vom Vorstand. Hierzu ist das Amendement gestellt, die Angelegenheit dem Vorstand zur Prüfung zu überweisen. Antrag und Amendement finde» nicht die nöthige Unter- stützuug. Antrag 129. Der Parteitag möge beschließen: Ten Partei« vorstand zu beauftragen, eine Neuauflage der Broschüre„Die Lätzener Ketteuaffäre" herarrszugeben, begründet L e s ch e- Altona damit, daß es für die jüngeren Genossen nothwendig ist, zu erfahren, wie man früher gegen Parteigenossen vorgegangen ist. Fischer- Berlin: Der Zweck deö Antrages tvird damit erreicht, daß die Genossen sich den„Leipziger Hochverralhs- Prozeß" anschaffen, rvori» dasselbe Material behandelt wird. Auch wir haben uns die Frage gestellt, ob es nicht zweck- mäßig sei, im Anschluß an den„Leipziger Hochverraths-Prozeß" die„Lötzener 5ketlcnaffäre" erscheinen zu lassen, wir sind aber davon abgekommen, weil wir den Genossen nicht für dieselbe Sache zweimal Geld abnehmen können. Der Antrag wird abgelehnt. Antrag 125, auf Kosten der Parteikasse den sämmtlickie» sozialdemokratische» Parleiblättern des Reiches alljährlich zweimal das Programm der sozialdemokratischen Partei Deutschlands als besondere Beilage beizulegen, und Antrag 126„der Partei- vorstand hat für Herstellung eines Verzeichnisses der Vertrauens- männcr und der Adressen sämmtlicher Partei-Organisationen Deutschlands zn sorgen und für die Parteigenossen zu veröffent- lichen" finden nicht die genügende Unterstützung. Antrag 64. Parteigenossen des Oberbarnimer Kreises: Die Protokolle über die Parteitage derartig zusammenzustellen, daß am Ende derselbe» säunntliche angenommene» Beschlüsse und Resolutionen übersichtlich geordnet angefügt werden ist durch einen Beschluß vom Frankfurter Parteitag erledigt. Antrag 65. Parteigenossen in Stuttgart: Der Parteitag wolle den Parteivorchand beauftrage», für die Herausgabe eines gute» Familien blattes zu forgen begründet Kloß- Stuttgart: Für die Frauen existirt keine ge- eignete Lektüre, deshalb ist es uöthig, die„Neue Welt" in diesem Sinne auszubilden. V e r a r d- Hamburg: Lehnen Sie den Antrag ab, da uns seine Durchführung einen gewaltigen Kostenaufwand, von zirka 199 999 M. verursachen würde; so viel Geld bringen wir nicht auf. Sie haben einen Defizitmacher abgeschafft, den„Sozialdemokrat", schaffen Sie keinen neuen. Auch die bürgerliche» illustrirten Blätter gehen nicht; so hat der Besitzer von„Schorer's Familieublatt" all sein Geld verloren und hat vor der Kon- kurreuz die Segel streichen müssen. Fischer- Berlin: Das im Antrage ausgedrückte Vedürfniß ist unzweifelhaft verhanden, aber auf dem Wege, den Kloß an- gedeutet hat, geht es nicht. Für das Geld, das die„Neue Welt" kostet, können wir kein geeignetes illnstrirtes Blatt schaffe». Eine andere Frage liegt darin, einen geeignete» Redakteur zn besorgen. Also ich ersuche Sie, doch den Antrag anzunehmen, damit sich dann der Parteivorstand damit befassen muß. Antrag 65 wird verbunden mit Antrag 66. Parteigenossen des 17. hannoverschen Wahl- k r e i s e s: 1. Die„Nene Welt" möge textlich mehr dem Ver- ständniß der Proletarierfrauen angepaßt und mit Illustrationen versehen werden, die dem Charakter eines Unterhaltungsblattes für klassenbewußte Arbeiter besser als bisher entsprechen. Wenn irgend möglich, ist auch eine Vergrößerung desselben von acht auf zwölf Seiten für denselben Preis anzustreben oder aber der Preis herabzusetzen. Dadurch würde es ver- miede» werden, daß andere Unterhaltungsblätter politisch färb- losen Inhalts als Beilage» zu Parteiorganen benutzt werden. 2. Nachdem bereits der Erfurter Parteitag eine Resolution annahm, welche die Schaffung einer sozialdemokratischen Jugendliteratur empfahl, den Parteivorstand zu beauftragen, nunmehr Schritte zu lhun, durch welche diesem tiefgefühlten Bedürfniß abgeholfen werden kann. Bebel: Ich bin dafür, daß Sie Antrag 65 dem Partei- vorstände zur Erwägung überweisen. Wir haben allerdings im Vorstande bereits darüber unterhandelt. Fischer hat uns auch einen ausführlichen Plan vorgelegt;»ach diesem erfordert das eveutnell zn schaffende neue Organ gewaltige Summen. Wir niüffen das Blatt sehr gut ausstatten, damit es die Konkurrenz der bürgerlichen Blätter aushalten kann. Wir müssen gute Bilder geben, sehr hohe Honorare zahlen. Daß daneben die„Neue Welt" alS Beilage bestehen soll, gehl nicht an. Das neue Blatt muß Abonnementsblatt werden, nicht Beilage. In bezug auf Antrag 66 füge ich hinzu: Wir haben bereits mehrmals in» Vorstände darüber Erörterungen gepflogen, daß es mit der„Neuen Welt" kau»» so »veiter gehen kann. Wir brauchen enljchieden bessere Bilder. Auch der Lesestoff muß eriveitert»verde», vielleicht in der Weise, daß »vir eine naturwissenschaftliche Abtheilung einführen, in der die »euesten Entdeckungen und Erfindungen besprochen»verde». Wenn Sie den Antrag annehmen, dann haben wir im Bor- stände weniger Bedenke», die nöthigen Gelder zu beivilligen. Ei» Schlußantrag wird angenomme». Antrag 65»vird dem Vorstände zur Erwägung überwiesen. Antrag 66 wird in seinem ersten Theile aiigenommen, im zweiten Theile abgelehnt. Bei Antrag 67. Parteigenossen in Dortmund: Die flachen und pikanten Schriften, insbesondere die Jugendschriften des Wiest'sche» Verlages, soivie die„Gekrönten Häupter", sind als sozialdemokratische Schrijtei» nicht anzucrkenuen, führt Block- Dortuiuiid die Gründe a», die die Antragsteller ge- leitet haben, erklärt aber selbst dagegen zu stin.meit, weil in dein Antrage die Schristen nicht näher bezeichnet sind. Der Antrag»vird dcbaltelos angenoinmen. Antrag 63. Genosse Thiel i» Harburg: Der Parteitag»nöge erwägen, ob es nicht möglich sei, ein Korrespoudenz-Bureau zu schaffen, welches die Parteipresse auf schnellsten» Wege niit jenen aktlielle» Neuigkeiten parteipolitischen Charakters versorgt, die jetzt ersivoneinem oder dem anderen Parteiorgan nilsgegriffen werden, häufig ziemlich langsam dnrchsickern und so erst weit später zcir 5ten»lniß der Allgemeinheit kommen. In dringenden Fällen hatte dieses Korrcspondenzbiirean, das im engsten Konnex mit dem Partcivorstandc stehen niüßle, anch Depeschen zn versende», findet nicht die nöthige Unterstützung. Antrag 69. Parteigenosse» des Kreises N i e d e r b a r n i in: Ten in» Verlage' des„Vorwärts" erscheinenden Broschüren, ins- besondere den Protokollen dir Parteitage ein einheitliches Format zugebe», dainit sie besser zusammengehörig eingebu>»den »verden können, begründet S o n n e n b n r g: Es muß möglichst aller im Partei- verlagc erschciiie»de»l Literatur ein einheitliches Format gegeben »verde». F» s ch e r- Berlin: Solche Anträge»iüssen bestimmt lauten. „Möglichst" heißt so viel wie nichts. Ich bitte de» Antrag abzulehnen. Bei den Broschüren unseres Verlags haben»vir ziveierlei Format. Das eine ist das herkönnnliche, das andere »st bei Massenbroschüren nothwendig. Tie auf»veiteste Ver- breitung berechneten Broschüren niüffen inöglichst wodlfeil sein nnd diese Wohlseilheit kann nur erreicht»verden durch Rotations- druck. Dieser Druck bedingt das größere Formal. Ter Antrag»vird abgelehnt. Antrag 79. Genosse L e y e n d e ck e r in Höchst: Dem Partei- vorstand aufzugeben, alljährlich eine Broschüre zum Selbst- kostenpreis herauszugeben, welche nach alphabetischer Reihe geordnet sämmtliche Lokale in den Städten und Dörfern verzeichnet, worin die sozialdcmolratrche Presse„offen" liegt. Diejenige» Lokale,»velche zn Versammlungen zur Verfügung stehen, sind durch Fettdruck hervorzuheben.— Ferner der Broschüre die Adressen sämmtlicher Verlranenc männer zuzufügen. wird nicht unterstützt. Den Antrag 71. Von deutschen Genossen in London: Ter Partei- tag»vird ersucht, den Partcivorstand zn ermächtigen, sich niit dem Verlag Dich ins Einvernchnie» zn setzen,»in KaiitSkifs „Erfurter Prograiuiu" zum Masseiiverlrieb als billige Volksausgabe erschciueu zn lassen; die Lokalpresse hat cveut. auf eine derartige Volksausgabe mit allein Nachdruck die Ailfmerk- samkeit der Genosse» zn lenken, ersucht Hoch- Berlin, dem Parteivorstande zur Erwägung zu über- weisen. Brüh»«- Franksnrt a. M. bittet um Ablehnung. Auer: Wohin soll es führen,»venn die Parteigeschäste ihre Verlagsrechtc niiter einander hin und herschieben? Ueber- lassen»vir die Erlediglliig dieser Frage ruhig dem Genossen Dietz. Stecke etwas hinter dein Antrage, so können»vir sicher ein, daß Dietz ihn ausführt. Der Antrag»vird abgelehnt. Zn Antrag 72. Parteigenossen des 2. N a s s a u e r Wahlkreises: Nach Schluß einer jeden Neichstagssession ist eine Broschüre herausziigeve» unter dcm Titel:„Was hat der llleichstag in der vergangenen Session geleistet für die Land- und Industrie- bsvölkeruiig und»»»eiche Partei ist am meiste» für die In- teressen der obeiigenaiinten Bevölkerung eingetreten?"— Die Broschüre soll den Genossen behufs Agitation unentgeltlich abgelassen»verden, ist ei» Ainendement eingegangen, statt des Wortes„»»iientgeltlich" zu sagen„zun» Selbstkostenpreis." Der Antrag findet nicht die genügende Unterstützung. Antrag 73. Parteigenossen in Karlsruh e: Ter Parteivorstand »vird bcanslragl, nach Schluß der Session eii»e billige Broschüre über die Thäligkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag herauszugeben, in der auch das Verhalten unserer Gegner gekennzeichnet»vird, ist durch den Beschluß betreffend die Veröffentlichung des Berichts über die parlamentarische Thätigkeit erledigt. Antrag 74. Die Parteigenossen des 17. h a n n o v e r sch e n Wahl- kreis es sprechen den Wunsch aus, daß die Delegirteu aus jenen Wahlkreisen beziv. Orlen, von welchen bisher speziell für die Landagitation berechnete Flugblätter und ähnliche Preß- erzengnisse hergestellt resp. verbreitet worden sind, ans dem Parteitage zn Breslau Probe-Exemplare dieser Flugblätter an säinintliche Delegirteu vcrtheilen mögen. Dadurch wird ein gegenseitiger Austausch von Preßerzengnissen nngebabnt,»velcber für die Landagitation nnd die Benrtheilung der Verschiedenheit der Agrarverhältnisse in den einzelnen Laitdesslricheii von nicht zu unterschätzendem Vortheil ist, »vird zur Kenntniß des Parteitages genommen. 'Anträge 75. Parteigenossen in I ü t e r b o g k: Dem Kreisver- traneitsmann soivie den Vertrauenslenlen am Ort wird ein Exemplar des„Vorivärts" gratis zngestellt, 76. Von den Kontrolleuren: Der Beschluß des Frankfurter Parteitages:„den Vertrauenspersonen ist attf ihr Gesuch diu der„Vorivärts" gratis auf Parteikoste» zu lieseru" »vird aufgehoben. sind erledigt. Antrag 77. Genosse Schneider in D a in»n» I ü t er b o g k: Ein Blatt um möglichst billigen Preis herauszugeben, das in kurzgefaßtem Sinn, einfacheni Stil und leicht verständlichem Atisdntck auf die Landbewohner, Kleinbauern und Landarbeiter berechnet ist, wird, da er infolge des Beschlusses in der Agrarfrage dem Partei- vorstände überiviesen ist, nicht unterstützt. Dasselbe gilt von folgenden beiden Antragen: 89. Parteigenossen in L a n g e n b i e l a u: Vom Partei- vorstand sind an geeignete Ort« auf Kosten der Partei Genossen zn setzen, welche bejähigt sind, an dem betreffenden Ort eine rege Agitation für die Sache deS Proletariats zu entfalten. Die Genossen sind so lange zu unterstützen, bis sie ihr Aus- komme» durch eigene Krait erlangen können. Um dieLandagitalion mehr zu fördern, ist die Agrarkommission resp. der Partei» vorstand verpflichtet, aus amtlichen Statistiken, Nachtveifen, Zeitungsberichten»c. dasjenige Material zu sammeln,»velches zeigt, wie der Kleingrundbesitzer vom Großgrundbesitzer aus- genutzt»vird(bei Wcgebali, Steuern, Vertretung, Renten-c.) und welches überhaupt cin Bild von der Lage der ländlichen Bevölkerung giebt. Dieses Material ist kurz gefaßt de» Ver- trauensleuten, Redaktionen zugänglich zu machen, dainit bei der Landagitation in Rede» und Flugblättern mehr praktische Gedanken als die bloße Theorie zur Anivendung kommen. 81. Genosse Leyendecker in Höchst: Der Parteivor- stand hat für die ländlichen Kreise noch mehr Fürsorge zu treffen»tnd die bewährtesten und bekanntesten Redner mehr aufs Land hinailsznsende» und endlich einmal eine Verringc- rilng der viele» Versammlungen in de» große» Städten eiti- treten zu lassen; ferner zu erivägen, ob es nicht für die Land- agitation ziveckmäßig sei, seßhafte,»nit den ländlichen Verhält- uissen betraute Genossen zur Agitation heranzubilden und die- selben als Redner zu verivenden. Die folgenden beiden Anträge: 78. Parteigenossen in Königsberg: Der Votstand »vird beauftragt, in alle Orte Ost- und Westpreußens steno« graphische Reichstags-Berichte hinzuschicken, nnd 79. Genosse B. H e y in a n n in B e r l i n und 27 Veno s s e n: Tie Halbmonatsschrift„Der sozialistische Akademiker" ist als Partei-Organ anzusehen und regelmäßig in der Liste derselben zn führen. Die Partcipresse soivie die Vertrauens- Personen sind verpflichtet, ihr möglichstes zur Verbreitung des „Sozialistischen Akademikers" beizutragen, sind zurückgezogen, erstcrer, wie Singer mitlheilt, weil er aus Aersebeu gestellt ist. Antrag 82. Parteigenossen in Dan zig: Ten Parteivorstand zu beauftragen, mehr rednerische Kräfte nach Ost- und Weslpreußen mit Agitationstouren zu betrauen, wird nicht irnlerstützt. Unier großer Heiterkeit der Versammlung bemerkt Sivger, daß der Parteitag damit die Ansicht ausgesprochen hat, daß der Vorstand auch so seine Schuldigkeit lhut. Antrag 83. Parteigenossen in Ulm: Die Verleger der Witz- blätter„Wahrer Jakob",„Cüdd. Postillou" und ähnlicher Blätter zu veranlassen, jeder Nummer dieser Blätter r e g e l» mäßig cin Exc mplar des P a r t e i p r o g r a»n m s bei- zufügen. »vird nicht genügend unterstützt. Antrag 117. Der Parteivotstand»vird beauftragt, bei der nächsten passenden Gelegenheit, namentlich dann, wenn sich der preußische Landtag daran machen sollte, das preußische Vereinsrecht noch reaktionärer zn gestalten, eine Agitation für dos allgemeine gleiche, direkte Wahl- und Stimmrecht, soivie für unbeschränkte Rede-, Preß- und Vcrsalninlungssreiheit in ganz Teutschland beziv, in ganz Preuße» einzitleilei», begründet Hoch- Hanau: Wenn es der Regiernng wirklich ein- snllen sollte, noch reaktionärer zu»veiden, dann habe» wir alle Pflicht,»ns energisch unserer Haut zu»vehren. Man könnte sagen, daß sei eine preußische Angelegenheit und gehöre deshalb nicht auf den Parleilag, aber das»väre nicht zutreffend,»veil »vir keinen preußischen Parteitag haben. Der Parteivorstand »»»»iß für den angedeuteten Fall eine bestimmte Marschroute erhalten. Antrag � 84. Parteigenossen des 1. Berliner Kreises: Gegen die immer bestimiilter austretende»» Porschläge der reaktionären Parteien, das für das Deutsche Reich geltende allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht, insbesondere das Koalitonsrechl eiiiznschränke», eine energische Agitation einzuleite», die darauf hinausgeht, das allgeineinc, gleiche, geheime»tnd direkte Wahl- recht auch für die einzelnen Landtage und Konnnuiien anszn- dehnen, nnd unumschränktes Koalitionsrecht zn erringen. Es gilt,»»tcr allen Umständen zn verhindern, daß die herrschende» Klassen in ihrer unheilvollen Verblendung die ivichligste» Pfeiler einer gesunde» Entivicklnng gefährden, damit einem Konflikt der Machthabende» der Boden entzogen»vird. »vird niit zur Diskussion gestellt.� In der Begründung spricht T i in m: Der Berliner erste Wahlkreis hat deshalb den Antrag gestellt,»veil»vir in der That ii> einer Zeit leben, in der den»niniinalen Rechten der Arbeiter ein Ende gemacht»verde»» oll. Zivar hat Bebel in einer Broschüre ans das Wahlrecht zingeivtese», allein das genügt noch nicht. Der Antrag kommt zwar ans Berlin» drückt aber doch entschieden die Stiinnlung der, großen Mehrheit der Berliner Genosse»» aus. Was gestern Schoenlank von den Berlinern sagte, ist»mzutreffend. �Wir haben zivar schon manchen Rippenstoß vertragen, aber Schoenlanl'L Angriff überstieg alles Maß. Wir sind uns beivußt, immer unsere Schuldigkeit gelhan zn haben. Schoenlanl's Tonart müssen»vir entschieden znrückiveisen. Schoenlank: Ich habe keine Veranlnssnng. ans die An- griffe von Timm einzugehen. Er hätte gestern ganz gut Ge- lcgenheit gehk.bt, auf incine Worte zn»cagiren. Ich habe gcnan geivnßt,»vas ich gesagt habe und habe meine Ausführungen gegenüber dem bestimmten Verhalten bestimtttcr Personen gemacht. (Große Unruhe. Rufe: Name» nennen.) Es liegt kein Grund ür mich vor, meine Worte zurückzunehmen. T i»»»n: Wenn Schoenlank nur uns Telcgirte angreift, so machen»vir uns nichts daraus. Wir können noch viel mehr vertragen und»vollen einmal sehen,»ver es an» längsten aus- hält. Wenn er aber seine Angriffe gegen die Berliner Partei- genossen richtet, so haben»vir Grund, dagegen zu prolestiren. (Beifall.) Die Diskussion»vird geschlossen. Antrag Il7»vird angenonunen. Damit ist Antrag 84 erledigt. Es folgt Antrag 116. In Erivägung. daß infolge der ivirlhschastlichen Nothlage der arbeitenden Klassen die Frauen und Mädchen in immer größerer Zahl in allen Branchen tcS Er- »verbslebens als Konkurrentinnen der Männer attfzntreien gezwungen sind; bei ihrer bisher so sehr vernachlässigten Anfkläriiiig soivohl in politischen»»vie»virthschaftlichen» Wissen aber leider noch als Hemiuschnh anstatt als zielbetvnßte Mitslreiteriiinen in» Kampfe nn» die Existenz soivohl, als um die endliche Beseitigung der heutigen Wirlhschafisiveise anzn- sehen sind, und da es gilt, eine Jahrhunderte lange Vernach- iässignng und geistige Zurücksetzung des»veiblichen Geschlechts wieder gut zit machen, so ist es nothivendig, daß in dieser Hinsicht mit Hockdruck gearbeitet wird. Bisher kämpfte nur das halbe Volk gegen die kapitalistisch« Wellordnnug an; die Sozialdemokratie hat vor allem die große Aufgabe zu erfüllen, auch die andere Hälfte der Menschheit in die Kampslinie einzureihen; das ist ntcht leicht, sobald aber das Verständpiß gelvcckt ist.»vird das proletartsch« Weib mit »in» so größerer Energie nnd Kmupfesfrettdigkeit in Reih und Glied»»arschiren mit de» sozialistischen Brüdern. Um das nothwendige Verständniß für de» Klassenkampf beim»veiblichen Proletariat zn»vecken, ist es aber dringend »ivlhig, daß die Männer der Arbeit mehr»n»d energischer als bisher, allüberall an die Pflicht gemahnt»verde», alle t» ihren Bereich kommenden Frauen und Mädchen aus eine vernünftige und würdige Weise in die politische soivohl wie namentlich auch in die ge>verkschastliche Organisation hereinzuziehen und sie bei jeder sich bielenden Gelegenheit z»tr Theilnahme am öffentlichen Leben anzuregen. In Anerkennung dieser Nothivendigkeit»nackt der Parteitag es den Telegirten, soiveit dieselben als Referenten in Stadl und Land über dte hier gepflogenen Verhandlungen Bericht zu erstatten habe»», zur Pflicht, den in dicier Resolution nieder- gelegten Gedanken mit Nachdruck zu vertreten. Frau Stein dach: Ter Inhalt der Resolution>v»rd bei keinem Delegirteu Widerspruch finden angesichts der Thatsache, bald reine Branche vorhanden sein wird, in der nicht die Franenarbeil den Männern kkonkurrenz wacht. Da nun die Polizei, die Behörden bemüht sind, die Fraüe» von jeder offent- liche» agitatorischen Thcitigkeit zur Gewinnung von Genossinnen fernzuhalten und ihre politische Bethätignng zu verhindern� so muß mehr als bisher ein praktischer Weg eingeschlagen werden ivie ihn die Resolution vorschlägt. Die Arbeiter in Fabrik und Werkstatt müssen auf die Nothweudigkeit hingewiesen werde», ihre kkollcginnen zur Organisation heranzuziehen. Besonders bei der Berichlerstallnng über den Parteitag muh daraus hingewiesen »verde». Die Resolution wird angenommen. Es folgt Slntrag i30. In anbetracht, da» es ivohl der Wunsch eines jeden Genossen sein muß, daß die ländlichen Arbeiter von dein Aus- nahincgesetz der Gesinde-Ordnnngcn befreit werden, stellen Unterzeichnete hierdurch den Antrag: der Parteitag möge den Partcivorstand beanstragen, eine gleichmäßige Agitation im ganzen Lande gegen die Gesinde-Ordnnngcn in Bewegung zu setzen, ähnlich wie bei der Unisturzvorlage. Gleichfalls wöge der Parteitag den Wunsch aussprechen, daß die Presse den Gesinde-Ordnnngcn, sowie der Handhabung derselben mehr Beachtung widmet, wie bisher. Beides würde ein wirklich durchgreifendes Mittel für die Landagitation sein. � T r a u t e iv e i n- Quedlinburg begründet den Antrag damit, eaß durch eine planmäßige Agitation gegen die Gesinde-Ordiiuiig zugleich mich die Frauenbewegung ungemein gefördert und der Grund zu einer Laudarbeiterbeivegung gelegt wird. Bebels Absatz II des Antrages, der nur einen Wunsch ausspricht, wäre annehmbar, aber nicht Absatz I. Derselbe verlangt, wir sollen heute konimandiren, daß der neue Partcivorstand eine gleichmäßige Agitation im ganzen Lande gcgeii die Gesinde Ordnungen in Bcivegung zu setzen habe, ähnlich wie bei der Umsturzvorlage. Ja, können wir denn auf Koni- »uando eine Agitation ins Leben rufe»? Denken Sie dock) nur an die viel ivichtigere Wahlrechtsfrage, in der ich ein Referat gehalten und über die ich eine Broschüre geschrieben habe, und doch ist die Agitation ausgeblieben. Wenn man einen bloßen Wunsch heute ausspricht, so hat es Sinn, aber durch einen be- stimmten Auftrag blnmiren wir uns nur. Dann ist es aber doch auch uöthig, daß zunächst unsere Genosse» durch eiiu ausführliche Broschüre aufgeklärt werden. Erst dann töiinen»vir agitiren, aber mich nur da, wo wir die Gelegenheit dazu haben. Aus dem Nichts können wir keine Agitation stampfen. Ich bitte also, falls die Antragsteller sich nicht zu einer andere» Fassung bequemen könne», den ersten Passus des Antrages abzulehnen. Frau Rohrlacf: Wir Frauen haben ei» besonderes Interesse daran, die Arbeiter und Arbeiterinnen über�die Gesindcordnung aufzuklären. Bebel hat darauf hingeiviesen, daß mich vor einem Jahre der Antrag gestellt worden ist, eine diesbezügliche Broschüre zu schreiben, daß sie aber doch noch nicht er- schienen ist, weil sich solche Dinge nicht kominandirc» lasse». Nun, wir haben auch ohne Broschüre gute Erfolge bei der Agitation� gehabt. Der Parteivorstand muß beauftragt werden, auch in ländlichen Bezirken Versamnilungen einzubernfe» mit dem Gesinderecht ans der Tagesordnung: Wir wollen zwar nicht de» Vorstand korrigire», aber unsere Forderung ist doch nur gerecht. Beb el stellt das Amendement, im erste» Absah hinter dem Worte„beauftrage»* einzuschalten;„bei passender Gelegenheit". B e i in s- Goslar: Wenn Sie wirklich noch etwas für die praktische Agitation auf dem Lande thun wollen, was Sie in der Debatte über die Agrarfrage nicht gelha» haben, so nebnien Sie diesen Autrag an. Die Folgen der Gesinde-Ordnung sind entsetzlich, Mißhandlnnge» und Beleidigungen werden unter dem Schutze des Gesetzes verübt. G e r l a ch- Wanzlebe»: Auch ich bin der Meiniing, daß wir den Antrag in seiner vorliegende» Form annehmen können. Wir uiüßten schon längst die verlangte Broschüre haben. Gerade die Frauenbeivegnng würde durch eine Agitation in beziig aus die Gesinde-Ordnung gefördert werden; denn gerade die Frauen und Mädchen leiden unler den Folgen der Gesinde-Ordnung. Wir dürfen deng Antrag den, Parteivorstande nicht blos zur Berücksichtigung überweisen, sondern der Vorstand muß eincii bestimmten Auftrag erhalten. Wir müssen uns übrigens über diese Dinge genügend aussprechen; über die Bauern und Waldstreu»c. habe» wir stundenlang dis- kutirt, über das Gesinde nicht. Nachdem S t a d t h a g e n gegen einen Antrag auf Schluß der Diskussion gesprochen hat, wird die Diskttssiou geschlossen. In einer persönlichen Bemerkung verwahrt sich Bebel dagegen. als ob er gegen die Sache selbst, die Gesinde-Ordnung bei der Agitation zu verwerthen, sei; er habe nur darauf auf. nierksnin machen wollen, daß die Sache in der beantragten Form unannehmbar sei, weil sich derartige Aufträge nie nach Koniinando ausführen lassen. Das Aniendeinent Bebel wird aiigeiiomme»; ebenso der so gestaltete Tintrag 130. Lux- Langenbielau will den erste» Theil des erledigten An träges öo noch einmal behandelt wissen. Der Antrag wird nicht unterstützt. Ebenso findet Antrag 85. Parteigenosse»'in T r i b e r g: In München oder Ctntt gart ist eine Schule zur Ausbildung von Agitatoren zu errichten. In erster Linie hat die Schule die Aufgabe zu erfüllen, besähigte Landagitatore» heranzubilden leine Unterstützung. Es folgt der letzte Theil der Anträge: Resolntioiien. Zu 101 ist von Frau R o h r I a ck ein Amendement ei»' gegangen, der ResolnUon Nr. 101 folgende Fassung zu geben: 101. In Erwägung, �daß die Arbeits-Lohu- und Lebens- Verhältnisse der zur Eriverbsarbeit gezwungenen Mädchen und Frauen immer jämmerlicher werden, daß die Zahl der weiblichen Arbeiterschaft beständig wächst und durch die Konkurrenz der Frauen auch die Lohnverhältnisse der männlichen Tlrbeiter fortschreitend verschlechtert, sowie die Männer aus weilen Kreisen der Industrie immer mehr vcr» drängt werden, fordert der sozialdemokratische Parteilag die Genossen, insbesondere die Bcrtratteiispersouci» und die Agi- tatore» der Partei auf, durch möglichst vielseitige statistische Feslstcllungeu über die unausgesetzte Zunahme der geiverblichen Frauenarbeit und über die für das kommende Geschlecht so verhänguißvolle Lage der Zirbeiterimmi in de» einzelneii In- dustriezweigeu und Gewerbebetrieben die helle Beleuchtung und die scharfe Kritik allseiliger Oeffeiitlichkeit zu verbreiien. Das g e s a i» m t e Material i st der 9i e d a k t i o n der „Gleichheit" zu übermitteln. Frau Geiser führt zur Begründung ans: Die Lage der Frauen ist Überall eine noch schlechtere als die der Männer, sie sind infolge ihrer geringeren Widerstandsfähigkeit gegen die kapimlistischen Ausbeuter die gefährlichste Konkurrenz der Männer. Die organistrten Arbeiter haben daher alle Ber- anlassnng, die Frauen z» ihrer Organisation heran« zuziehen und sie ividerstandssähiger zu machen. Eine Be- leiichluiig und Kritik dieser Zustände ist dnrchans nothwendig. Ich bitte Sie deshalb, unscrn Antrag anziinehmen. Frau R o h r l a ck begründet ihr Äinendement damit, daß eine Belenchtung an» besten durch statistische FeststcNnngeii ge- schassen»Verden kann. Wenn das so gesammelte Material der Redaktion der„Gleichheil" überliefert wird, so wird dadurch de» Frane» gnier Agitationsstofs geliefert. Ter Antrag wird mit dem Aniendeiuent Rohrlack an- genoniiiien. Ter Antrag R o h r l a ck(119) t) Ten» Antrag Nr. 2(Genossin Löwenherz-Neinvied) solgent» Fassiing zu geben: L) Auf die Tageeordiinng des Parteitages für ISSö ist ein Referat über die Franeuagitatio» zu setze», wird angenommen. Zu Antrag 102. Parleigeiiosseii des 11. sächsischen Wahl kr1 eis es: In der Erwäguiig, daß der endliche Sieg des Proletariats um so eher eintreten wird, je rascher die sozia- listischen Idee» und Lehren allgemeinste Verbreitung gefunden haben, in Erwägung ferner, daß unsere Propaganda immer wieder von neuem ailsangen muß, so lange die Kinder- erziehnng nicht im sozialistischen Siiine betrieben, sondern gänzlich vernachlässigt oder»lnbcwiißt»n direkt nachtheiliger Weise gehandhabt wird, erklärt der Parteitag es als Pflicht jedes Parteigenossen, für die sozialdemokratische Erziehung seiner Kinder Sorge zu tragen und beauftragt den Parleivorstano, für Herausgabe und eventuell uucntgellliche Verbreitung einer volksthumlich und gemeinverständlich geschriebenen Erziehungslehre für Arbeiter zu sorgen, da von einer planmäßigen Kinder erziehung in der Mehrzahl der Arbeiterfamilien bis jetzt nicht die Rede ist und eine solche nur dann e>ntrelen kann, wenn den Eltern angemessene Anregung gegeben wird ist folgendes Amendement G e ck eiugegange»:„Es fehlt in unserer jetzigen sozialdemokratischen Literatur anAbhandlungenüber Säuglingsernährung und Kindererziehung. Tie vorhandene» Bücher über Frauen- und Kinderhygiene sind zu theuer, u»i in proletarische» Kreisen großen Eingang zu finde». Der Parteitag spricht den Wunsch aus, es wöge dafür gesorgt werden, daß durch Vorträge und populäre Schriften ans diesen» speziellen Ge biete der Hygiene de» Wünschen der Arbeiterschaft entsprochen wird." Ter Aniragsieller von 102— Fricke— hat seinen Antrag zurückgezogen und durch ten Borschlag ersetzt, ans dein nächsten Parteilage ein Referat über„Kindererziehung in der Arbeiter- sarnilie" zii setzen. Frau Rohrlack nimmt Antrag 102 wieder ans. Frau Rohrlack erklärt sich gegen den Borschlag, eine Broschüre über Kindererziehnng zu verbreiten. Viel wirksamer als eine Broschüre wäre es, wenn die Männer den Frauen und Kinder» größere Aufnierksamkeit schenken würden. Häufig genug verhindern selbst sogeiiaiinle gule Parteigenossen ihre Frauen durch tyrannisches Machtwort, an Versaniiniungeii theilzunchnie». Thiele- Halle: Der Gedanke, der in der Resolution liegt, ist nicht gerade glücklich ausgedrückt, aber doch ist die Sache z» wichtig, als daß man über sie leicht hinweggehen könnle. Mit der Kindcrerziehungsfrage inüsse» wir»ns nun einmal befassen. Be denken Sie besonders die Mangelhafligkeit unserer Literatur in dieser Beziehmig. Wenn nicht bereits die Tagesordiinng des nächsten Parteitages überladen ist, dann empfiehlt es sich ivahr scheinlich, als Thema für denselbc» festzusetzen: Tie sozialistischen Prinzipien der Kindererziehung. Nachdem ei» Antrag auf Schlnß der Diskussion an genoniiiien worden ist, wird das Amendement Geck abgelehnt. Ebenso werden abgelehnt die Resolution 102, sowie der Antrag, ans den» nächsten Parteitage ein Referat über die sozialistischen Prin zipic» der Kindererziehung abzuhnlicn. Antrag 103, 104 niid 105 sind durch die Beschlüsse in der Agrarfrage erledigt. Damit sind alle Anträge erledigt. Singer verkündet hierauf das Resultat der Wahl der Parleileilung. Für de» Parleivorstand wurde» 20S giltige Stimme» abgegeben. Es erhielte» als B o r s i tz e n d c S i n g e r 202, Bebel 200, Schippe! 2, David, Kunert, Vogthcrr nnd Anlrick je 1 Stimme- als Schriftführer Psannkuch 200, Auer 199, Stadthagen und Segitz je eine Stimme; als K a s s> r c r: Gerisch 202 und Könen 2 Stimme». Demnach sind g e»v ä h l t: Bebel, Singer, Auer, Psannkuch, G e r i s ch. Bei der Wahl der Kontrolleure wurde» 205 Stimmen abgegeben, davon 21 ungiltige. Es erhielten Meister 134, Klees 123, Kaden 99. Mehner 92, Oertel 69. Könen 73. Frau Zetkin 67. Meist 61 Börner 44, Arons 34, Kleen-ann 33, Fleischmann 82, Tin»» 32, Anlrick 26, Ewald 26, Grolh 26, Schulze- Königsberg 26, Albrecht 25, Grünwald 25, Gerlach 21, Frau Ihrer 21, Kölle 21, Johannes 19, Feldnianil 13, Brey 17, Thiele 15, Lösche 12, Eüshvit 12, Martikke 11, Frantzen 9, Knauf 5 Wenzels 4, Herbert.4, Schoenlank 1 Stimme.(Heiterkeit.) Demnach wurden als 5t o n t r o l l e u r e gewählt: Meister, Klees. 5t a d e», M e tz n e r, Oertel, Könen und Frau Zetkin. Nunmehr ergreift Singer das Schlußwort: Parteigenosse»! Wir sind nunmehr an» Ende nnserer Arbeiten angelangt. Ich erfülle zunächst eine Pflicht der Dank- barkeit, wenn ich den Breslauer Genossen für die große Mühe und de» Eifer danke, de» sie an den Tag gelegt haben.(ZustimuiMig.) Der Breslauer Parteitag wird gleich seinen Vorgängern ein Markstein in der Geschichle der Partei beivegung sei». Tie Anregungen, die dadurch für die Agitario» i» der Provinz Schlesien gegeben sind, sind keine vergeblichen. Austlärung unv Belehrung wird in weite Kreise des schlesischen Proletariats getragen werden und so könneil»vir mit den» Beivnßtsei» anseinaiider gehe», daß unsere ThätigleU in dieser Beziehnng von Erfolg gekrönt sei» wird. Bon neuem habe» wir die Ueberzengnng gewonnen, wie nöthwendig es ist, daß die sozialdemokratischcn Ansichten und Forderunge» immer weiter propagirt weide», bis Zustände geschaffeil werden, wie»vir sie in» Interesse der FreU beit, Gleichheit und Gleichberechtigung aller Mensche» fordern. Wie»othivendig unsere Bestrebnngen sind, darüber haben wir in diese» acht Tagen durch die Stellungnahme der Polizeibehörde von»euein reichliche Erfahrungen gemacht. Bielleicht ist die Polizeibehörde i» Breslau, die niis erleichterte» Herzens scheiden sieht; ist sie doch»nnmehr i» der Lage, die Haliptwache, die sie hier in diesem Hanse anfgeschlage» hat, ans- heben zn könne». Wir gebe» ans Breslau mit dem Gefühl einer gewissen Beschäinniig, daß es in Teuischland noch möglich ist, Männern, die ans dem Anstände zn uns kommen, uut an»»fern Berathungen theilzunehmen, diese Theilnahine zn verivehren. Fast scheint es, als ob dieser Parteitag auch Opfer ans unser» eigene» Reihen focdert, den» unser Genosse Liebknech!»st i» Untersuchung gezogen wegen der Liebe, mit der er den Parteitag eröffnet hat.(In diesem Augenblick betritt Liebknecht, von der gerichtlichen Vernehmiiilg zurückkehrend, den Saal.) Parteigenossen! Diese Zustände niüssen uns zwingen, dafür zu sorge», daß der Tag, an dem so etwas in Deutschland nicht mehr möglich ist, recht bald erscheint.(Beiiall.) Die Arbeite» unseres Parteitages diirscii uns mit Befriedi- gmig erfüllen. Hart war der Rede Stampf, heftig sind die Geister auseinandergeglatzt. aber jeder der gesprochen hat, hat es gethan ans dein Gefühle heraus, der Partei damit eine» Dienst zu er- weisen. Und wenn wir untereinander uns auch streite» können. wie wir«»iereinander über gewisse Dinge diesmal eine völlige Verständigniig nicht erzielt haben,— die Gegner mögen die Lehre aus unsere» Verhandlungen ziehen, daß wir im Kampfe gegen sie einig und geschlossen sind. Nnd die Beschlüsse, die der Parteitag in der Hauptfrage gefaßt hat, auch sie sind gelragen von dem unverbrüchlichen Enischlnß, von» Boden des KlassenkanipseS nicht um Haaresbreile ab- zuweiche». Wir gehe» jetzt in die'Heimath zu neuer Arbeit, z» neuem Streben. Wir wissen nicht, was die nächsten Wochen nnd Monate uns bringen werde». Schon Ninnkelt man überall vv» irgend- welchen neuen Maßregeln gegen die Sozialdemokratie; als ob»vir bei den Zuständen der Gegenwart noch Extrainaßregeln brauch ten. Unsere Blälier werden konfiszirt,»»ilsere Ltedaklenre iverden verhaftet. unsere Redner werden angeklagt und vernrtheilt. Ist es da nvch nülhig neue Maßregel» zu schaffen? Aber an dieser Stelle müssen wir beule betonen, daß. möge» Maßregeln ergriff«» werde», wie sie ivolleit, die Sozialdemokratie fest eiitschlossen ist, so wie immer Opfer zu bringen, daß die Partei eneschioffeu ist, sich nicht bindern zu lassen in ihrem Kampfe, daß die Partei entschlossen ist, muthig ans sich zn»ehinen, was nach Lage der Verhältnisse nun einmal unvermeidlich iit. Aber: je mehr Opfer, desto energischeren Kampf; je mehr i» unsere» Reihen fallen, desto mehr neue Streiter erwachsen uns, und so wollen wir uns durch Drohlnigeil der Gegner nicht schrecken lasse», uns nicht aufhalten lassen im Kampfe für die Befreiung des iuternatio- nalen Proletariats, für die Befreiung der Arbeiter aller Länder. Und dieses Streben bekräftigen»vir, indem wir in unseren Ruf eiiistimmeii: Die deutsche, die iiiteruationale Sozialdemokratie, sie lebe hoch, hoch, hoch! Begeistert erheben sich die Delegirten von ihren Plätzen, stimmen stürmisch dreimal in das Hoch ein und singen de» ersten Vers der Arbeiler-Marseillaise. Singer: Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie ist geschloffen. Gvrichks-JeMmg. Gill Maiestätsbeleidlguuaövro.zest, der wiederum zeigt, wohin wir ti» Jubeljahr von Dentschlands Eiiiigima geralhen sind, wurde gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts 1 Berlin gegen den veräntivortlichen Redakteur des „Sozialist", Ziganeiimacher W i tz k e verhandelt. In Nr. 5 der lilerarische» Beilage zum„Sozialist" vom 14. September war ein Artikel eiithaUen, welcher etwa wie folgt begann:„Am 25. Gedenktag der Schlacht von Mars la Tviir ist in einer Ort- schaft bei Tilsit ein Arbeiter getödtet und zwei Arbeiter sind schwer verletzt worden. Wer hat da? gethan? Ein königlich preußischer Gendarm." Der Artikel bezog sich auf einen Vorfall, bei welchem auf einem Bauplatz ein Krawall entstanden, ein Wacht- meisler angegriffen worden war und em diesem zn Hilfe eilender Gendarm von der Schußwaffe Gebrauch gemacht hatte. Der Artikelschreiber hat dann in ironischer Form ausgesprochen, daß es ihn nicht wundern würde, wenn dieser Gendarm dem- nächst das...") erhalten würde. Der Angeklagten bestritt die Absicht einer Majestätsbeleidiguiig.— Staatsanwalt Kanzow beantragte das Schuldig gegen den Angeklagten. Nach seiner Meiming könne es gar keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn ein Artikel in der vorliegenden Form in dem Organ der Anarchisten veröffentlicht»verde, dies in der Absicht und dem Benmätsein geschehe, den Landesherrn zn be- leidige». Er beantrage ein Jahr G e s ä n g n i ß.— Rechls- anivalt Bieber bestritt den Thalbestand der Majestäts- beleidigung und empfahl event. eine geringere Strafe.— Der Gerichtshof erblickte i» dem Artikel eine Majestätsbeleidigung. Die That des Gendarmen werde als eine rechtswidrige, »iiildestens aber als eine tadelnswerthe hingestellt und der ironische Schlußsatz stelle als wahrscheinlich hin, daß der Kaiser eine...') begehen werde. Das Bewußtsein der Belcidiguntz schließe der Gerichtshof aus der Tendenz des „Sozialisten" und der ganzen Fassung des Artikels, welcher keinen Zweifel darüber lasse, dasi gerade der Kaiser habe getroffen werden sollen. Der Gerichtshof erkannte auf drei Monate Gefängniß unter Anrechnung von drei Woche» ans die Untersuchungshaft. Einem Antrage auf Haftentlassung des Angeklagten, dessen Frau kurz vor der Eni- biildung stehen soll, widersprach der Slaatsanivalt, weil mehrere anarchistische Redakteure bereils ihrer Strafe sich durch die Flucht entzogen haben. Der Gerichtshof beschloß, den Ange- llagten ans der Hast zu entlasse». E!u besonders gemeingefährliches Hochstapler-Paar, welches n. a. einen Sport daraus machte, arme Arbeiter systematisch u in d e n verdienten Arbeitslohn zu prellen, stand gestern in der Person des Kaufuiamis Karl öhring aus Rixdorf und seiner Ehefrau Marie geb. Müller vor der 4. Straskammer am Landgericht Berlin U. Beide wurden vor einigen Monale» vor dem Rixdorfer Schöffengericht wegen Be- truges in etwa 70 Fällen, der Ehemann außerdem auch wegeu Körperverletzuiig angeklagt. Ein großer Theil der Aetrugsfälle mußte jedoch ausgeschieden werde», weil 'ich der Begriff der falschen Borspiegelung nicht ans- reichend»»achweise» ließ. Immerhin blieben noch 32 Fälle des Betruges und die Körperverletzung bestehen. Das Urtheil lautete für den Themann aus einen Monat und eine Woche G e s ä» g n i ß. für die Ehefrau auf zwei Monate Gefängniß. Dieses Strafmaß erschie»» gegenüber den Fest- stelUiiigen des erste» Richters außerordentlich niilde, weshalb die Staatsanivaltjchaft Berusung einlegte. Aber auch die Tlngeklagten »nachten von diesem Rechtsmittel Gebrauch, da sie gänzlich frei- gesprochen werden woliien. Zu der gestrigen Verhandlinig waren über 40 Zeuge» geladen, die in 6stüi>d»ger Verhandlnng ein er- drückendes Beweismaterial zilsaniinentrngei». Unter den Geschädigten tanden in erster Reihe 14 Arbeiterinneu, die um Lohnbeträge von 4—15 Mark geschädigt worden sind. Die Angeklagte» be- trieben eine Perleiislickerei. Sie erhielten Aufträge von Kon- ektionären nnd sühnen dieselben mit Hilfe von engagirten Arbeitskräften aus. Die erste Woche bezahlten sie den Arbeits- lohn ganz oder theiliveise, au» zweiten Lohntage gaben sie ge- ivöhnllch vor, der Chef sei verreist, die Leute arbeiteten dann noch weiter, bis sie einsehen miißle», daß Göhring's absichtlich nicht zahlten- Mahiningen gegenüber diente Göhring mit den volstc» Antworte», wie„WaS brau che» Sie Geld. > e haben keine Kinder!" oder„Ich zahle nicht, weil ich keine L u st dazu habe! Einer Mahnerin ging die Frau Göhring mit den» Feuerhaken zn Leibe, eine andere packte Göhring am Halse und warf sie die Treppe hinab- Zun» Glück konnte sich die Frau am Geländer estkalten, sonst häite sie Hals nnd Beine gebrochen. Außer den Arbeiterinnen»varen es Bäcker, Schlächter, Kanflenl«, Schneider und Schiihmacher, welche hineingelegt wurden. Typisch ist die Art, wie sich Frau Göhring bei dein Schlächterineister Gnse in Berlin Kredit verschaffte. Sie erschien eines Tages und gab an. der Meister habe sich am Morgen, als sie eiiien Einkauf gemacht habe, zn seinem Schaden geirrt, er habe ihr 60 Psennig zu viel herausgegeben, die sie wiederbringe, da sie unrechlmäßiges Eni nicht liebe. Einer soich„ehrliche» Frau" konnte Ense den erbetenen Kredit nicht versage», zmiial sie ihre Geschäftsverhältnisso in den glänzendsten Farben schilderte. Er borgte vier Wochen lang nnd blieb mit 36 M. hängen, wobei er noch glimpflicher fort- kam, als andere Lieferanten. Zahlreichen anderen Leuten borgten ie deren letzte Ersparnisse ab, wobei die srivolsten Märchen ivie Todes- und Unglücksfälle vorgespiegelt»vurdei». Und alles dies geschah zu einer Zeit, als Göhring bereils den Ofsenbarnngseid zeleistet halte nnd erinittirt worden»var. Unter diesen Uni- tänden gewann der Gerichtshof die Ueberzeligung, daß der erste Richter das Slrafinaß nicht richtig gegriffen habe. Göhring »vurde z» sechs Monaten Gefängniß vernrtheilt, wovon ein Monat aus die brutale Verletzung einer llnbequemen Mahnerin gerechnet wurde, grau Göhring wurde mit ü n f Monaten Gefängniß bestraft. *) Bei der heute in Deutschland herrschendei» Gerechtigkeit t es einem sozialdemokratischen Blatte nicht möglich, das in- kriminirte Wort wiederzugeben, ohne sich vielleicht ebenfalls des Vergehens der Majestätsbeleidigung schuldig zu machen. Wem daher daran gelegen ist, zn wisse», welches Wort der Ver- nnheille gebraucht bat, der sehe irgend ein bürgerliches Biatt nach, welches den Gerichtsbericht wahrscheinlich, ohne vom Staats- anwalt zur Veraulwortnng gezogen zu werden, nnverstümmell bringen wird. DaS letzte Summerfest des sozialdeniolratischen Wahl- mei,iS un 4. Berliner Reichstags- Wahlkreise, welches am 26. Jum d. I. im Etablissement Müggelschlößchen in Friedrichs- Hagen gefeiert wurde, hat eine Menge gerichtlicher Nachwirkungen gezeitigt. Bei diesem Feste hatten sich zahlreiche Berliner Händler eiiigefnnden. welche mit Parteiabzeichen. Büchern zc. Handel trieben, ohne im Besitze eines Wander- Gewerbescheines zu sein. Biete Dutzende solcher Händler wurden aufgeschrieben, angeklagt und vom Schöffengerichte in Köpenick zu je 96 M. Geldstrafe � dein doppelten Betrage der Jahressteuer— verurtheilt. Au einem einzigen Sitzungstage hat das Schöffengericht allein 20 Händler m der geschilderten Weise abgeurtheilt, von denen nur die ver- ehelichte Buchhändler Marie Artelt aus Berlin freigesprochen wurde, weil das Schöffengericht annahm, daß sie die feil- gebotenen und verkausren Druckschriften im Interesse des Vereins verkauft, also damit ein Gewerbe nicht betrieben habe. Gegen dieses Urtheil legte der AmkSanwalt rechtzeitig Berufung ein, demgeniäß balle sich gestern die vierte Strafkammer am Landgericht II mit der Sache zu beschäftigen. Die Angeklagte blieb dabei, daß sie nur Textbücher für das zur Aufführung gebrachle Theaterstück und zwar lediglich im Interesse des Vereins verkauft habe, ohne einen Gewinn dabei zu erzielen. Dagegen bekundete der als Zeuge geladene Gendarm Haufschild aus Johannisthal, daß er und seine Kameraden vorerst beim Fest- komitee angefragt hätte», bevor sie gegen die Händler einschritte». Das Komitee habe erwidert, daß die Händler mit dem Vereine nichts zu thun hätten; daß es ihnen aber erlaubt worden sei, auf dem Platze zu handeln. Er, der Zeuge, sei auf die An- geklagte aufmerksam geworden, als dieselbe ununter» krochen rief:„Immer noch 10 Pfennig der Bruder Heinrich!" So habe auch der Titel des Büchleins gelautet, welches sie feilbot. Ter Staatsanwalt war der Ansicht, daß es ganz �gleich sei, ob die Angeklagte die Druckschriften nur feil- geboten oder auch verkauft habe. Sie bedurfte dazu eines Wandergewerbescheines, den sie nicht besaß, der sie aber auch nicht vor Strafe geschützt haben würde, denn trotz des Wander- gewerbescheins darf laut ZZ 55 und 55a der Gewerbe-Ordnung am Sonntag im Umherziehen der Handel nicht ausgeübt werden. Derselben Ansicht war auch der Gerichtshof. Das Urlheil lautete daher aus 96 M. Geldstrafe oder 8 Tage Hast und auf Tragung der Kosten beider Instanzen. Briefkasten der Redakkion. Negistrator. Für die streikenden Vergolder 2,20 M. erhalten und ahgeliesert. Köln, Röseler. Eine derartige Anzeige können wir nicht bringen. Theilen Sie uns ev. etwas über die Zustände in dem betr- Orte mit. Für dcnInhalt der Inserate über nimmt die Redaftirrn dem Publikum gcgeuüber keinerlei Verautwortung Theater. So»»tag, den 13. Oktober. Uolst« Vorstellung(KrUealliance Theater). Ein Volksfeind. Von Ibsen. Kassen-Eröffnung VeL Uhr. Anfang der Vorstellung>/z3 Uhr. Gpernhaus.(Kroll's Theater.) Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg. Montag: Häusel und Gretel. Phan- tasten im Bremer Rathskeller. Zchanfpielhaus. 1812. Montag: König Ottokars Glück und und Ende. Dentschco Theater. Der Minister von Palmyra. Nachmittags 2>/L Uhr: Die Weber. Montag: Don Carlos. KerUuer Theater. Götz von Berlichingen. Nachmittags 21/a Uhr: Die Journa- listen. Montag: Der Pfarrer von Kirchseld. Kesstug- Thratrv. Gräfin Fritzi. Nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotti. Montag: Madame Sana Gens. Frirdrich-Wilhelmstiidt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Nachmittags 3 Uhr: Dieselbe Vor- stellllng. Veues Theater. Der Militärstaat. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zchiller-Theater. Der Hexenkessel. Der Diener zweier Herren. Montag: Minna von Barnhelm. Kesideuz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst» Thratrr. Parade- buinmler. Montag: Dieselbe Vorstellung. Eruirat'Theatrr. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Alrrauderplah-Theat-r. Ein Kind der Liebe. Vorher: Ein kleines Mißverständniß. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vatiouat- Theater. Wilhelm Tell. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Zluter de» Linde«. Der goldene Kamerad. Montag: Dieselbe Vorstellung. Amerira»- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von Nixdorf. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ueichohallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo. Theater. Spezialitäten-Vor- stelluug. SchiUer-Theater. (Wallner>Theatep.) Sonntag Abends: Der Hercnkestel. Ein Diener zweier Herren. Montag: Minna von Darnhelm. Theater 25/26. Ehansse-str. 25/26. Das Gastspiel der Liliputaner wird Infolge des grossen Andranges noch um einige Wochen verlängert. Heute: Zwei Vorstellungen der Liliputaner. Nackim. 3 Uhr Abends 7'/- Uhr zum 51. Male: zum 52. Male: Die Neise naili dein Mars. Nächste Woche, jeden Abend 7>/2 Uhr: Oie Reise nach dem Mars. Mittwoch, den 16. Oktober, nachm. 3 Uhr: Klndervorsteilnng. Knee- wittchen. National-Theater. Große Frankfurter»!» aßc 152. Direktion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Wilhelm Test. Schauspiel in 5 Akte» von Friedrich von Schiller. Regie: Max S a m st. Nachmittags 3 Uhr: IM h e 1 1 o. Montag, 14. Oktober: Wilhelm Tell. Kaiser-Panorama (Passage). Diese Woche: Erste Reise durch das interessante Irland. Fünfte Reise durch das malerische Tirol von R e u t t e bis Dosen. Eine Reise nur 20 Pf. Vereinsbillets. I» Kürze: Das Ideal Edisons. Centrai-Theater. Alte Jastobstr. 30. Cmil Thomas a. G. Novität! Zum 40. Male: Novität! Eine tolle Wcht. Große Ausstattuugsposfe mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Wiih. Hanustädt und Jnlins Freund. Musik von Jnlins Eiuödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Eichard Lchnllx. Anfang 7V2 Uhr. Morgen: Zum 41, Male: Eine tolle Nacht. Aiolpli Ernst-Theater. Zum 41. Male: Urodkbnmnilel'. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Tora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Etz den, Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Werlitzsch. Anfang 7V2 Uhr. iW Kein Aufgeld."VQ Morgen: Dieselbe Vorstellung. Konzerthaus Sanssouci Kottbuserstr. 4a. Heute, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Soiree der altbeiiebte« Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Urkomifchrs. großartige» Sonittags-programm. Montag: Victoria- Brauerei, Dienstag; Böhmisches Brauhaus. Walhalla-Theater. Oranienstr. 52, Moritzpl. neb. Wertheim. Weibliche Maikäfer. Operette. Im Wlonst UMsi. Liederspiel. Alfred Bender, sowie fämmtliche Spenalitäten. Ans. 8. Sonnt. 7 Uhr. Entree 50 Pf. bis 2 Mark. Mi-Valojt Vurgstraße Nr. 22. Schreien hilft nichts! Thatsachen beweisen! Stephan& Olivier non plus ultra aller Gtzmnastiker. „Die Watadore der Lnft!" Thränen»verde» nickt gelacht. aber geschluchzt über W. Fröbel's Glanznummer Paradebummler! Dazu das Riesrnprogramm ohne jede Konkurrenz in Berlin dastehend! lioDlmen! Sellen! StilDnen! Anfang: Wochentags T/z Uhr, Sonntags 6 Uhr. Eutree 30 Pf. Berl. Bockbrauerei Tempelholer Berg. UBP" Im großen Konzerlsaal Mar heute, sowie jeden Sonntag 9«<>>>1 und Mittwoch:"918 StetfinerSänger Herren Hippel, Wagner, Ludwig, Küster, Little- Bobby, Chlebus und Blank. Urkomische« neuro Urogramm. Anfang ÖVt JUir. Entree 50|lf. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5— 10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Scbadowstr.— Eing. Schadowstr. 14. Heute, Sonntag, Eintrittspreis: mr so pf.-3*3 Reichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen, Krokodile, Hai- u. Tintenfische, Quallen etc. Passage-Panopticum. 42 Miidchkii vom andern Ende der Welt (Samoa). Castan's Panopticum. Friedrichstr. 165. ISalambo? Aktien-Brauerei Friedrichshain (Köuigsthor). Heute Sonntag: skrosses Militär- Konzert Przywarski. Eintritt 20 Pf. Programm unentgeltlich. | Durch grosse Concnrreuz find wir gezwungen, stet« Sensationelles 1» bringen! Eine erreptionell« Novität ist? ♦ ♦ ♦ ♦ Bas Mannweib!!! Das schöne Modell!!! MlIe.MaryArniotisü! jeden Abend 10 Uhr Kaufmann's Variete- Theater Königstrasse, Kolonnaden. Ferner: Das neue Programm. Letzter Sonntag! CireusJansly-Leo. Friedrich Karl-Ufer. Sonntag, den 13. Oktober: 2 grosse Vorstellungen 2. Rachmittags 4 und abends 8 Uhr. Nachmittags 1 Kind frei. Morgen: Abschiedsvorstellung, EAIcazar.""l ete- u. Spezialitäten-Theater. S denerstr. 52,53, Aiiiieiistr.42/43 Qj (City-Paffage). Vornehmster Familienaufenthali! Ganz nvuvs Spozialitäton- Kvagvannn. Ver ist äer Vater? Posse von Kuno. Musik von t-rlmm. Regie: E. Stempel. Auf. Wochent. 8, Sonntags 6 Uhr. Entree„ 10 Pf... 30 Pf. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Direktion: li. Winkler.WW Verband der Vergolder etc. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß am Donnerstag, den 10. Oktober, unser treues Mitglied, der Baroque- vcrgolder 225/9 Hicliarli Schirop im Krankenhause Friedrichshain ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 2 Uhr vom Krankenhause Friedrichshain aus statt. Um rege Theilnahme ersudzt Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Mannes und Vaters, des Restanraleurs Wilhelm Mntthies, sagen wir allen Verwandten, Freunden, Bekannten und den verehrlichen Ver- einen unfern innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Emma Hatthies, geborene Grassrnd, Erich Hatthies. 917b Gute Gelegenheit. 4 Zimmer schöne Nuß- baum-Müschelmöbel, auch Küchenmöbel, spottbillig, auch einzeln verkäuflich Neue Roßstr. 23, I. Frau Beckmann. Noaek's Fesisäle, Brunnenstrasse 16. Sonnabend, den 16. November, ist umständehalber frei geworden. s905b Möblirte Schlafstelle Wienerstr. 12, Hof 2 Tr., Grubert. Möbl. Stube als Schläfst, an 1 oder 2 Hrn. z. verm. Reichenbergerstr. 114, linker Aufg. v. 2 Tr. bei Böhme. f914b Parterre-Zimmer, Flureiugang, leer oder möbl. Naunynstr. 77, Rosin. f912b Freundl. Schlafstelle(sep. nach vorn) für Herren sofort oder z. 1. November Mariannenstraße 8, am Heinrichsplatz, vorn 3 Tr. r. 91Sb Möbl. Schläfst, für 2 H. zu verm. Alte Jakobstr. 80, Hof geradezu, 2 Tr., Wwe. Fundke. 909b Gen. findet frdl. Schläfst, bei Voigt, Kottbuser Damm 5. Quergeb. park. E. saub. Schläfst, ist beim Genossen Richter, Langestr. 104, Quergeb. 4 Tr. 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Joujou hippique-WWW mit 12 Freiheilspferden Das Vollendetste der Pferdedressur, wie solche vis jetzt noch nicht gesehen wurde. Vorgeführt vom Direkior Fr. Rens. Zum ersten Male in Berlin: Die vier Jahreszeiten, Schule, geritten von 4 Damen. Auftreten der berühmtesten Schulreiter der Gegenwart: Mr. Gaberei mit semem Rapphengst Chicago, Herr Ritter von Renrott mit seinem Schnlpferde Skobeleff, hierbei besonders erwähnenswerth: Original! Der phänomenale Baguettesprung, wie solcher bisher von keinem Reiter mit Pferd in gleicher Weise ausgeführt wurde. Zum ersten Male in Berlin! Povero, 4jähr. Vollblut-Rapphengst, in alle» Gangarten der hohen Schule dressirt und geritten von dem anerkannt besten Schulreiter der Welt Mr. darnes Fillis. Zum ersten Male in Berlin! Nene Idee! Die große Armee-Steeple-Chase. Internationales Wettspringen, oder: Alles unter einem Hut. Austreten der berühmten Künstler- Familie danes Joe. Komische Entrees und Intermezzi. Alles Nähere aus Plakate» und Austragezelteln ersichtlich. Preise der Plätze für Sonntag, den 13. Oktober Logenplatz 6 M., Sperrsitz und Tribünensitz 4 M. Erster Rang Balkon(numerirt) I. Reihe 3 M., die folgenden Reihen(numerirt) 2 M., Zweiter Platz 1 M., Dritter Platz(Gallerie-Stehplatz) 50 Pf. iiinder unler 10 Jahren in Begleitung Erwachsener zahlen auf dem 1. Rang Balkon und zweiten Platz die Hälfte, auf allen uorigen Plätzen den vollen Preis. Kassenöffnung vormittags von 11 bis 2 Uhr und nachmittags von 5 Uhr ab. Montag, den 14. Oktober, und folgende Wochentage, abends 7V« Uhr: Gr. Extra-Vorstellung mit neuem Programm und die Schulreiter Mr. dameK Fillis und Herr Ritter von RenrofL(Kleine Kassenpreise.) Franz Renz, Direktor, Königl. Kommissionsrath. . Brauerei-Ausschank Stralau. Großer Kail, Joseph Wiedemann,°�K°w°°str. 3s. empfiehlt fein Restaurant nebst Uestillation u. gr. Nereinszimmer. Jeden Sonntag: Musikalische Zlbendnuterhaltung. f34662l.' Cöpenick. Geschäfts Eröffnung! Cöpenick. Einem wertben Publikum von Cöpenick und Umgegend zeige hierdurch ergebenst an, daß ich Adlersbofer- und Schönerlrnderstraße»- Ecke eine Uettauration eröffnet habe. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die mich beehrenden Gäste in jeder Hinsicht aufs beste zufrieden zu stellen. 3470Lj Hochachtungsvoll JOCSläj fllCftlMlltf llf. Maler Fach schnle der Filialen Berlins. Der Kursus für das Wintersemester 1895/96 beginnt Sonntag,«len 13. Oktober, vormittags 10 Uhr. Das Schullokal befindet sich in der Aula der 193./195. Gemeindeschule, Manteuffelstraße 7. 124 10 Anmeldungen werden bis zum Eröffnungstage in den Filialen und Zahlstellen angenommen, vom 13. Oktober ab nur im Schullokale. Die Fachschnlkomntirston, I. A.: M. Mark, Frucktstr. 51. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. öllocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Pading in Berlin. 2. Beilage zum„Vomkirts" Berlmer VolkMatt. Ur. L40. Sonntag, den 13. Oktober 1893. 12. Jahrg. UokAles. Die Sozialdemokratie in der Kommune. Im Bericht der Juristischen Gesellschaft von Berlin für das Jahr 1894/95 findet sich Seite 83 in einem Vortrage des Luckenwalder Amts- ri ch t e r s K ö h n e über„Staat und Armenpflege" folgende Stelle:„Die Nähe der Hauptstadt und die scharfe Kontrolle, welche in allen Zentren von der Sozialdemo- kratie geübt wird, fordert auch eine gewisse Anspannung der Finanzen zu gunsten der Roth und des Elends/'(Der Redner wollte offenbar sagen, zur Beseitigung der Roth ec. Tie Red.) Es ist dies eine schätzbare Anerkennung für unser Wirken von gegnerischer Seite und ein Ansporn sür alle Ge- Nossen, in der so heilsame» Kontrolle nicht nachzulassen. Das Zugeständniß des Amtsrichters Köhne dürfte vor allem gelegentlich der bevorstehenden Stadtverordnete»- Wahlen einiger Beachtung wcrlh sein; gerade in der Berliner Kommune würde die spiest- bürgerlich-fortschriitlichc Selbstgenügsamkeit ohne die sozialdemo kratischen„Hetzer" wahre Orgien der Trägheit seiern. Anö der Sitzung der Spaudaner Stadtverordneten Versammlung vom Donnerstag verdient ein Vorkommniß, das auch in Berlin lebhaftes Interesse erregen dürfte, weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Der Stadtverordnete Münch theilte in der Sitzung mit, dast sich die.Berliner Stadtverwaltung unlängst an den Magistrat von Spandan mit der Frage gewandt habe, ob ein Spandauer Einwohner, dessen Mutter in Berlin wohne und dort A r m e n■■ n n t e r st ü tz n n g empfange, wirthschaftlich nicht so gestellt se) mn für die Unterhaltung seiner Mutter Sorge tragen zu können Tie vom Spandauer Magistrat ertheilte Auskunft sei dahin ge� gangen, daß der betreffende nach Ansicht der Behörde that sächlich n i ch t i m stände sei, s e i» e K i n d e s p f l i ch nach dieser Richtung hin zu b e t h ä t i g e n. Diese vom Epaiidauer Magistrat an den Berliner Magistrat ertheilte Aus- kauft müsse, so meinte Münch, auf sehr schlechten Informationen beruhen, denn der betreffende Einwohner, der nicht im stände fein solle, für seine Mutter in Berlin zu sorgen, beziehe als Snpcrintendcut neben freier Amtswohnung ein Gehalt von etwa 4300 Mark. Zwei erwachsene Töchter dieses Geistlichen sorgten als Lechrerinuen»an den Spandauer Schulen selber für ihre» Unterhalt. So der Stadtverordnete Münch. Der Oberbürger ni e i st e r von Spandau erklärte, daß er auf die Anfrage des Stadtverordneten jede Auskunft verweigern müsse, so lange dieser nicht den Namen seines Gewährsmannes nenne. Der Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung nieinte, daß die von Münch gestellte Anfrage gar nicht vor die Stadtverordneten-Versammlung gehöre(!) und die Mehrheit der Versammlung fand das Vorgehen dieses Stadtverordneten„un gehörig" und warf ihm, ohne vom Vorsitzenden an solchen Un arten gehindert zu werden. Ausdrücke wie„Quatsch",„mi verschämte Redensarten" entgegen. Das alles finden wir umso bedauerlicher, als die von Münch vorgebrachten Mittheilungen leider von keiner Seite in der Versammlung b e st r i t t e n o d e r w i d e r l e g t wurden. Für den Berliner Magistrat aber liegt unseres Er- achtens dringende Veranlassung vor, im Interesse seiner Steuer- zahler der Sache weiter auf den Grund zugehen >�Die merkwürdigen Verhältnisse in der Gemeinde Nviednchöberg-Lichtenberg-Wilhelmsberg, so wird uns ge- schrieben, habe» der Presse schon wiederholt Gelegenheit zu kriti- schen Auslassungen gegeben; so ist das Verhalten des Herrn Amtsvorstehers und Lreutenants a. D. Röder namentlich von der„Volkszeitung für Nieder- und Ober-Barnim" eingehend er- örtert worden. Der Redakteur und Verleger dieses Blättchcns, der zugleich Gemeindevertreter ist, Herr Albert Koch, mußte für seine Kühnheit büßen und hat erst vor kurzem eine Ge- fängniststrafe von sechs Monaten angetreten, die er wegen SoirnkÄgspImtdervi. Wie man mitunter enttäuscht werden kann! Wie oft gaukelt unsere Einbildung uns über Personen und Dinge die seltsamsten Trugbilder vor! Für mich war der Begriff „Bürgermeister" stets die Summe höchster Respcktabilität � und vollends der Bürgermeister einer großen Kommune! Ten stellte sich meine Phantasie nie anders vor, wie etwa einen patriarchalischen Greis oder wie eine der hohen, auf- rechten Dogengestalten in pathetischer Haltung, die wir ans altvenetianischen Gemälden kennen. Und nun die Ueber- raschnng, die unser Berliner städtisches Oberhaupt mir be reiten mußte! Durch alle Blätter ging es, was ein findiger und wenig diskreter Aushorcher vom wohlgelannten Herrn Zelle erfahren hatte. Man kann nicht mehr mit Stillschweigen darüber hinweggehen. Ich reime mir die Dinge so zu- samnien: Als Herr Zelle jüngst im schönen Wien weilte, so erlag er dem Wienerischen Zauber; und das „alleiveil fidel!" durchzuckte seine Glieder. So hatte er sich in dem Zwiegespräch mit dein Zeitungs- schreiber der„Neuen Freien Presse" in eine Schwere- nöther- Stimmung hineingeredet. Vertraulich neigte er sich zu seinem Gegenüber, dem Wiener Journalisten, stieß ihn mit sanfter Handbewegung in die Seite, zwinkerte mit den Augen und sagte: Ja, ja, ja. Euere Wiener Ring- straße ist voll prächtiger Eleganz. Aber unser Berliner Nachtleben! Dies berauschende Nachtleben! Was könnt Ihr Wiener Schelme dagegen bieten? Ost, wenn begeisterte Lokalpatrioten ihrer Städte Werth priesen, dachte ich bei mir: Wie ist das doch komisch, daß Leute, die sonst gravitätische Pedanten sein mögen, im Wetteifer sich darüber zu erhitzen pflegen, welche ihrer Heimathstädte lustigen Schwärniern mehr Freuden und mehr nächtliche Tollheiten gewähre? Aber daß unser hochmögendcs Oberhaupt auf gleichen lokalpatriotischen Bahnen wandle und trotz seiner Jahre wie ein feuchtfröhlicher Student mit dem kostbaren Nacht- leben Berlins renommirte, das gab mir zu denken. Oder sollte der Zeitungsschreiber wieder einmal geflunkert haben? Die Rasse kennt man. Denen ist nichts heilig. In der Fremde, auf der Reise, frei von drückender Amtsbürde kann man wohl dann und wann die angeborene bürgerliche Würde beiseite setzen. Aber unser gestrenger Oberbürger- meister ist doch sonst nicht leichterer Lebensausfassung geneigt. Manchmal schon wußte er sich dem Geist, der in kirchlicher Erneuerung das Heil für das Sündenbabel Groß-Berlin anstrebt, in demüthiger Ergeben- Beleidigung des Amtsvorstehers erhalten halte. In diesem Prozeß trat als Entlastungszeuge für Koch der Gemeinde- Vertreter Gens I er auf, sür den diese Zeugenschaft ein Strafverfahren wegen wissen tlichen Meineids zur Folge hatte, welches allerdings über einige Vorvernehnmngen nicht hinauskam. Der Denunziant in der Angelegen- heit war Herr Röder, der Amtsvorstcher der Gemeinde. In der letzten Gemeindcvcrtreter-Sitzung zu Lichtenberg glaubte nun Herr Gensler den Moment für gekommen, seine Recht- f e r t i g u n g von schwerem Verdacht den Amtskollegen zu unterbreiten. An die Mitlheilung über die betreffende Ent- scheidung knüpfte er noch eine Anklage gegen Röder, indem er mit vor Erregung zitternder Stimme bemerkte, der Gemeinde- Vorsteher habe aus die Frage eines Vertreters, was er denn nun von der Denunziation gegen Gensler gehabt habe, geantwortet:„Wenn ich auch nichts da- von gehabt habe, so hatte Herr Gensler doch viel Ans- regung und nicht zu wenig Unkosten davon." Der Gemeindevertreter Glaschke bestätigte diese Aenßerung und Herr Röder bestritt sie nicht; nur suchte er seinen Worten einen anderen Sinn beizulegen, als den, welchen die beiden Vorredner herausgefunden hatten. Alle diese Darlegungen riefen eine namenlose Erregung unter den Versammelten und eine» Höllen- lärm hervor; der Gemeindevorsteher bekam einige groß angelegte Schmeicheleien zu hören und es wurden ihm Aussichten eröffnet, die nicht gerade zu den angenehmen zu zähle» sind. Doch die Majorität des Gemeinderaths sorgte dafür, daß Schluß in der Sache gemacht wurde. Mit 3 gegen 7 Stimmen wurde ein An- trag auf Verweisung der Meineidsangelcgenheit aus der Sitzung angenommen. Gestellt war dieser Antrag vom Restaurateur Lange in Friedrichsberg. Herrn Gensler ist somit, trotz lebhaftesten Protestes, die weitere Gelegenheit, sich in der Sitzung zu recht- fertigen, abgeschnitten worden. Er ivill jetzt gerichtlich gegen den Gemeindevorsteher vorgehen.— Den Arbeitern der drei zu- sammengehörigen Ortschaften an der Ostgrenze Berlins kann nur dringend geralhen werden, bei den nächsten Gemeindevertreter- Wahlen energisch dahin zu arbeiten, daß in die Gemeinde- Vertretung auch Sozialdemokraten hineinkommen, die sür eine gründliche Klärung Sorge tragen. Die städtische Tchuldeputation hat dem Magistrat folgen- den Entwurf eines Ortspatuts zur Errichtung von Kreisschul- vorständen zur Genehmigung unterbreitet: I. Für jeden Schultreis wird ein Schulvorstand eingesetzt. Derselbe ist der Schuldeputation untergeordnet und berufen, alle auf den Kreis beschränkten Angelegen heiten der Gemeindeschulen und Fortbildungsschulen, der Privatschulen, Schnlzirkel, Kinder- gärten, Bewahranstnlten und Kinderhorte nach den generelle» Anweisungen der Schuldeputation zu bearbeiten. II. Den Kreisschulvorstand bilden folgende Mitglieder: 1. ein vom Oberbürgermeister ernannter Vorsitzender; derselbe muß Mitglied des Magistrats oder der Schuldeputation sein; der städtische Schulinspektor des Kreises als technischer Dezernent; 3. ein von der Schuldeputation aus ihrer Mitte ge- wählter Stadtverordneter oder Bürgerdeputirter; 4. zwei von der Stadtverordneten-Versammlung bestimmte Schulkommissions- Vorsteher einer Privatschule des Kreises oder ein Mitglied des Vorstandes einer solchen Privnlschnle; 5. ein von der Schul- deputation bestimmter Leiter einer Fortbildungsschule. Die Mit- glieder zu 3—5 werden auf drei Jahre gewählt. Die Stadt- Schulräthe können an den Sitzungen des Vorstandes mit Stimm recht theilnehmen. III. Tie Schulkommissionen sind verpflichtet, die Ver- fügungen des Kreis-Schulvorstandes in derselben Weise zu be- solgen, wie die Verfügungen der Schuldeputation. IV. Auf das geschäftliche Verfahren des Schulvorstaudes findet das„Regulativ über das Geschäflsverfahren sür den Ma- gistrat" sinngemäße Anwendung. V. Jedem Kreis-Schulvorstand wird ein besonderes Bureau überwiesen, welches thunlich im Kreise belegen sein soll. VI. Der Kreis-Schulvorstand erledigt endgiltig folgende An- gelegenheitcn: 1. Die Einschulung. Für die Fälle, in denen die Schulen des Kreises nicht ausreichen, wird die Schuldeputation ihre Vermittelung eintreten lassen. 2. Die Schulbesuchs- kontrolle. Vis zu einer anderweitigen Regelung des Strafverfahrens werden die Slrasinandate vom Schul- vorstand vorbereitet, alle weiteren Verfügungen bleiben der Schuldeputation vorbehalten. 3. Die Verwaltung der Schulhäuser in dem bisher der Schuldeputation übertragenen Umfange. Für diesen Zweck wird dem Schulvorstande ein ent- sprechender Betrag der Etatspositionen überwiesen. 4. Die Be- schaffung der Lehrmittel für die städtischen Schulen und für bedürstige Kinder innerhalb der Grenzen der den Vorständen aus dem Etat überwiesenen Mittel. 5. Die Bewilligung von Privat- Unterricht an schivachsinnige oder kranke Kinder innerhalb der dem Kreise überwiesenen Mittel. 6. Die Beurlaubungen und Vertretungen der Lehrer und Lehrerinnen � bis zur Dauer von drei Monaten. Der Vorstand darf die ihm be- willigte» Mittel nicht überschreiten und zu den Vertretern nur solche Lehrer und Lehrerinnen bestellen, welche von der Schul- Deputation in die Vertreterliste aufgenommen sind. 7. Die Auf- stellnng der Lehrertabelle und Stundenpläne, sowie die finanzielle Verwaltung der Fortbildungsschulen. Vit. Der Kreisvorstand hat der Schuldeputation umzulegen: l. die Anträge zur Errichtung von Klaffen und Schulen; 2. die Anträge ans Zuweisung von gewählten und Versetzung von Lehrern und Lehrerinnen, sowie ans Uebertragung von Stunden an Fortbildungsschulen und Einziehung oder Eröffnung von Kursen an denselben; 3. die Vorschläge, welche er nach seiner Kenntniß der näheren Verhältnisse zur Verbesserung des Schul- wesens erforderlich hält. VIII. In den Angelegenheiten, welche lediglich den Kreis betreffen und einen Plenarbeschluß der Schuldeputation er- fordern, hat der Schulinspektor auch im Plenum der Schul- deputation Stimmrecht. Das Magistrats-Kollegium hat beschlossen, den Entwurf einer Kommission von neun Mitgliedern zur Vorberathung zu überweisen. heit zu fügen. Und nun diese lästerliche Rebellion! Der lebhafte Stolz auf ein flottes und sicherlich unheiliges Nachtleben! Man weiß, was schlimme Zyniker unter weltstädtischem Nachtleben verstehen. Herr Zelle faßt derlei Dinge offen- bar harmloser. Mit kapitalrstischcn Organen begreift er die Welt. Ihm erscheint die nächtlich fluthende Bewegung der Großstadt, wie der Ausdruck hoch gesteigerter Lebens- Heiterkeit. Man ivagt, man spckulirt, man gewinnt in Berlin und das Gold rollt allnächtlich durch die Straßen der Friedrichstadt. Das ist Daseinssreude, das iMAuf- 'chwnng,7 das der Beweis allgemeiner, materieller Wohl- ährt! Und in diesem berauschenden, lusterfüllten Nachtleben, wie prächtig ist da für jedermann gesorgt, der lebt und leben zu lassen versteht! In den Klubs und üppigen Kasinoräumen vornehmer Gesellschaft. Fröhliches Gläscrklirren, kecker Wagemulh im lustigen Kartenspiel. Nur kein kleinlautes Gebahren! In den dichtbesetzten Kaffee- Häusern ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, tust- erfülltes Lärmen, parfumgeschwängerte Atmosphäre. Auf der Straße ein unermüdliches Auf- und Niederwandern von Damen und Herren. Geräuschvolle Unstetigkeit, die ans über- mäßigem Lebensdrang geboren ist. So setzt es sich Nacht für Nacht bis zum Tagesgrauen fort; und wenn die ersten Frühaufsteher ich ein heiteres Morgenliedchen trällern und zur Arbeit schreiten, begegnen sie den heimwandernden Lebemännern, die in seliger Erinnerung an die Genüsse der Nacht die einschmeichelnde Weise eines modischen Gassenhauers vor sich hin pfeifen. Zwar kommt es mitunter hierbei zu häßlichen Szenen und man liest von wüstem Gezänk und rüpelhaften Anfällen in den Zeitungen. Doch soll man derlei nicht allzu bitter auf- assen. Das ist eben der Ueberschuß an Kraft, der sich also äußert. Wer des beglückenden Optimismus- theilhaftig werde» i önnte, gleich dem führenden Mann von Großberlin! Seine Seele ist von heiterein Glcichmuth und frei von galliger Erregung. Seine Augen sehen nur Helligkeit und nur Wärme empfindet er im stolzen Nachtleben Berlins. Und da giebt es lächerliche Moralisten, vorgebliche Menschenfreunde, miselsüchtige Leute, Sozial-Ethiker, die diese Herrlichkeiten leugnen, weil sie zu stumpf sind, sie zu begreifen. Eigen- 'innige Burschen, mögen sie nicht fröhlich mit den Fröhlichen ein. Sie pilgern durch die langen Straßenzeilen der -riedrichstadt und mit düsteren Mienen betrachten sie das prickelnde, befeuernde Leben Berlins bei Nacht. Wie stankhafte Nervencxaltation kommt ihnen der groß- städtische Zauber vor. Statt heiterer Lebensfülle sehen sie brutale Genußgier. Nicht als wollte es sich in Anmuth erheben, als wollte es sich gewaltsam be- täuben, so erscheint ihnen das riesenhafte Berlin Der Mammon und die Wissciischast. Ein Theilnehmer der Vorlesungen, welche von der Humboldt-Akademie im Gesangs- saal des Dorotheen- Gymnasiums veranstaltet werden, entwirft uns folgende Skizze von den Schwierigkeiten, welche die Wissen- schast i» der Stadt der Intelligenz zu überwinden hat, um unter die Leute zu kommen: „Im Anfang war das Wort." Diese Bibelstelle meinte Dr. Faust dahin ändern zu müssen:„Im Anfange war die Kraft"; denn was ist Lebe». Wort oder Kraft?— Was ist Seele? Was giebt dem tobten Körper Leben? Was läßt die Atome sich be- wegen?— In wohldurchdachten Worten zergliederte Professor Kirchner dieses unerforschliche Thema und gab die geläuterte Er- fahrung den wissensdurstigen Zuhörern; eine vielersehnte Nahrung, die mit gieriger Hast verschlungen wurde. Durch die dünne Glasthür aber drang störend das Geklimper von Gold- und Silbermünzen und ei» Gewirr gedämpfter Stimmen von„be- legtem Zyklus",„noch nicht bezahlt", 43 augemeldet", ,chas dilrsen wir nicht, er mag sich an den Herrn Sekretär wenden" u. s. w. und dazwischen innner wieder der verführerische Mammvnsklcmg. Und vom Katheder kam das gelehrte Wort, was Seele sein soll— doch hier konnte man hören, was eigentlich Seele ist. Bon der Wirkung des BierboykottS. Der Verfcand der Gast- und Schankwirthe von Berlin und Umgegend beab- sichtigt, an das Polizeipräsidium eine Eingabe zu richten zur Herbeiführung der Verlängerung der Polizeistunde bis 12 Uhr für alle in Berlin bestehenden Wirthschaften während der Zeit der Geiverbe-Ausstellung. Der Antrag soll mit dem für die Zeit der Ausstellung voraussichtlich szu erwartenden Fremdenverkehr begründet werden. und von grauenhaft zertretenen Existenzen erzählt die nächt« liche Wanderung auf Schritt und Tritt. So klingt aus den: wilden Taumel der Lust für den einen eine bittere Anklage hervor. Der andere jedoch, der gute, zufriedene Bürger, staunt über die üppige Lebensbethätigung, und jubelt über das nächtliche Amüsement, den Gradmesser für daS„materielle Wohlbefinden der Stadt". Es war auch lehrreich, Herrn Zelle über ideellere Vor- kon»i»tisse, als das großstädtische Nachtleben ist, reden zu hören. Welches Bürgerbeivußtsein, welches Selbstvertrauen, welcher Optimismus spricht aus jedem Wort. Es sind politische Verstimmungen gekommen über Wien und Berlin. Ein trWes Nebelgewölk lagert über den beiden Millionenstädte». Schmutzige Gewalten verkennen die Heilswahrheit des bürgerlichen Liberalismus hüben und drüben. Aber kann das die Seelen- ruhe des Gerechten stören? Ueber ein Weilchen wird wiederum der freundliche Himmel gutmüthig über Wien und Berlin blauen, und man wird in Wien mit dem autiliberalen Hexenbrei fertig werden, so gut wie man in Berlin mit den geschwätzigen Sozialdemokraten fertig werden ivird. Dies ewige Vertrösten, diese Selbstgefälligkeit, die so thut, als wäre sie erhaben über alles trübselige Gejänke in den„Niederungen der Gesellschaft" sind komisch und typisch bezeichnend zugleich. Man braucht nur darauf binznhorchcn, wie die Verhandlungen des Breslauer Parteitags aufgenommen wurden. Kaum erwarten konnte man den Ausgang einer Debatte und schon regte es sich in den Reihen der bürgerlichen Propheten. Es ist nichts Neues, daß auf den Parteitagen der Sozial- demokratie die Meinungen offen und manchmal heftig auf- einauderprallen. Immer waren altweiberhafte Zeichen- deutcr flugs zur stelle und immer gaukelten sie sich und den Ihrigen vor: Nun tritt der Scheide- und Gährnngs- prozeß innerhalb der Sozialdemokratie ganz entschieden ein. Und sie begannen einen Jndianertanz vor Freude. Das geht nun schon so manches Jahr; allein zur Einsicht, die so einfach wäre, daß eine kraftvolle geistige Gemeinschaft nur kraftvolle Auseinandersetzungen vertrage, rafft man sich nicht ans. Wer ein richtiger Prophet ist, der summt sein altes Liedel unverdrossen weiter; und so geschah es auch diesmal. Wer vertröstet sein will, der denkt in seines Herzens Bangigkeit nicht erst schwer über die Trost- gründe nach. Er athmet aus, wenn sie nur von ferne ihm ein freundliches Scheinlicht bedeuten. Das war der Werth der Prophezeiungen, die abermals der sozialdemokratischen Bewegung Unheil und Zusammenbruch verkündeten. Daß nianche Menschen nicht von dem Wahn lassen wollen, an gleißenden Jrrlichtereien sich die erstarrten Hände zu wärmen l Alxb». Die Petenten begründen diesen wohl angebrachten Wunsch ferner mit dem Hinweis darauf, daß sie immer noch a» den schweren Wunden zu leiden haben, die ihnen der Boykott im vorigen Jahre zufügte. Mögen die Herren fortan verständiger gegen die Arbeiterschaft handeln, als im vorigen Jahre. Kein neuer Polizeifrjihling. Nachdem gestern schon der „Höflichkeitsbefehl" auf sein wirkliches, bescheidenes Maß zurück- geführt worden, stellt sich, dein„Bert. Tagebl." zufolge, nun auch heraus, daß die Geschichte der„National-Zeitung" von dem Echutzinann, dessen ausschließlicher Beruf es sei, ängstlichen Passanten über die Straße zu helfen, ins Gebiet der Träume ge- hört.„Eine derartige Anordnung ist," so schreibt das Blatt, „wie wir durch Erkundigungen festgestellt haben, thatsächlich in Berlin keineswegs getroffen worden. Das Verhalten einzelner, vielleicht besonders humaner Polizeibeamten ist wohl irrthninlich als Wirkung einer neuen Verfügung des Polizeipräsidenten oder des in betracht kommenden Reviervorstandes aufgefaßt worden. Der Berliner Schutzmann bleibt also, was er bisher gewesen. Was ja auch in dieser Zeit garnicht anders zu erwarten ist. Der Mandarinenzopf ans der Pferdebahn.'IDie Dienst- abzeichen der Angestellten bei den öffentlichen Verkehrsinstituten in Peking sind nach ihrer einzelnen Bedeutung dem fahrenden Publikum wenig oder garnicht bekannt. Am ausgeprägtesten sind sie bei der Pferdebahn. Dort erhalten die Kutscher nach einem Jahre bis zum vierten Jahre je einen leinenen Streifen auf dem unteren Rockärmel, die nach fünf Jahren durch einen silbernen Doppelstreifen um die Mühe ersetzt werden. Gleichzeitig erhält der Kutscher eine silberne Uhr und nach insgesammt zehn- jähriger Dienstzeit noch silberne Tressen am Unterarm. Die Schaffner dürfen nach zwei Jahren Goldtresse» am Aermel, nach sechs Jahren außerdem eine Goldtresse am Kragen, nach zehn Jahren ebendort noch einen Doppelstern tragen. De» Kontrolleuren steht vom dritten bis zum fünften Jahre je ein Doppelstern am Kragen zu und vom zehnten Dieustjahre ab ebenda die sogenannte„Säge", wogegen zwei Doppelsterue fort- falle». Aehnlich ist es. bei anderen Fahrinstitute». Auch hier herrschen Stern und Tresse vor; zum theil wird an stelle der Uhr eine„Ehrenpeitsche" gewährt. Im allgemeinen sind die Jnteressirten von dieser Praxis nicht sonderlich erbaut. Oft hört man auf Nachfrage die Aeußerung: Eine „klingende" Anerkennung wäre uns schon lieber! Für das Publikum hat die Sache etwas mehr praktischen Werth. So kann es neuerdings die Wahrnehmung niache». daß auf besonders stark in Anspruch genommenen Linien ganz junge Kräfte, das heißt Leute ohne jedes Abzeichen, mit Verdecksitzwagen fahre». Mit der Leitung der Wagen durch im Dienste erfahrene und be- währte Schaffner und Kutscher wäre den Interessen des Publikums in höheren, Maße gedient. Die Direktion der Große» Berliner Pferdebahn- Gesellschaft hat sich init der Bitte an das Polizeipräsidium ge- wendet, aus das rücksichtslose Vorbeifahren namentlich von Droschken und Geschästsfnhrwerken bei den Haltestellen der Pferdebahn und auf die hierdurch entstehende Gefährdung der Fahrgäste beim Besteigen oder Verlassen der Pferdebahnwagen ihr Augenmerk zu richten und dem Unwesen zu steuern. Im ZirkuS JanSly- Leo finden heute, an, Sonntag, die beiden letzten Sonntags- Vorstellungen statt. Hieran schließt sich Montag eine große Abschiedsvorstellung. Dein Berliner Aquarium ist mit anderen Seebewohnern durch die Adriastation Rovigno einer der seltensten und daher werthvollsten Fische, den man früher überhaupt nicht im Binnen- lande z» sehen bekam, zugegangen, nämlich ein ungewöhnlich starkes Exemplar der Muräne, jenes schon im Alterthum wegen seines feinen Fleisches geachteten Verwandten unseres Aales, der sich von diesem unter anderem durch das Fehlen der Bauchflossen und die nach außen in lange» Röhren endenden Nasenlöcher und dann auch durch mancherlei Absonderlichkeiten in Benehmen und Lebensweise unterscheidet. Eine Reihe Neu- Seite» und Seltenheiten wurden den Abtheilungen der Wirbel- ose» Seethiere zugeführt; so in einer Sendung Krebse eine lang- scheerige hier noch nicht ausgestellte Krabbe(I-ambruo), neue Schwämme in violetter und brminer Färbung, mehrere höchst merkwürdige Mankelthiere jc., sodaß nicht nur die Stück-, sondern auch die Artenzahl der Bewohnerschaft sich merklich ge- steigert hat. Nochmals die Miihlendammschleuse. Die ungenügende Anlage der Schleuse scheint auch für die Mühlendammbrücke schädlich zu wirken und deren Haltbarkeit zu beeinträchtigen. Wie einer unserer Berichterstatter mittheilt, hatte sich auch gestern wieder an der Brücke ein Elbkahn festgefahren. Da das Fahr- zeug durch die Brücke nicht einmal ganz in die Schleuse hinein- ging, so konnten die Thorflllgel derselben nicht eher geschlossen werden, bis der Wasserstand in der Schleuse ganz wider Vor- schrift niedriger gesetzt war. Als nun der Kahn unter dem Brückenjoch hindnrchfuhr, stieß er mit seinem Verdeck mit solcher Gewalt gegen einen eisernen Träger, daß die ganze Brücke heftig erschüttert wurde. Eine häufigere Wiederholung solcher Vorfälle dürfte die Brücke bald schadhaft werden lassen und einen baldigen Umbau erfordern. Durch lleberfahre» wurde Freitag Abend der Mitfahrer eines Lastwagens, der 47 jährige Julius Schertzer aus der Straße am Friedrichshain Nr. 32, gelödiet. Schertzer, der neben dem Kutscher saß. glitt in der Rnngestraße am Köllnischen Park vom Bock und siel so unglücklich hin, daß ihm die Räder über de» Kopf gingen. Er verstarb an Kopf- und inneren Verletzungen aus der Stelle. Polizeilich gesucht wird hier ein Soldat des in Torgau garnisonirenden Pionier- Regimentes, der Pionier W., dessen Elter» Hierselbst wohnen. Der Soldat, der bereits im zweiten Jahre dient, hat sich, wie festgestellt, eine größere Geldsumme von seinen Angehörigen verschafft, um einen Urlaub anzutreten. W. ist dann auch nach Berlin gefahren, hat seine Eltern und seine in. Krankenhause Friedrichshain befindliche Braut besucht und ist seit einigen Tagen verschwunden. Seiner Militärkleiduug hat sich der Pionier, der ohne Urlaub Torgau verlassen, ent- ledigt. Das seltsame Verschwinden des jungen Mannes ist um so auffälliger, als W. bei seinen Offizieren sehr beliebt war und bislang noch keine Strafe erlitten halte. Witterungöiibersicht vom 12. Oktober 1893. Wetter-Prognose für Sonntag, den 13. Oktober 1893. Etwas wärmeres, ziemlich trübes, regnerisches Wetter mit mäßigen bis frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Polizeibericht. Am 11. d. M. morgens stürzte auf dem ose eines Grundstücks in der Chausseestraße ein Theil eines tangengerüstes ein. Dabei fielen zwei der darauf befindlichen Maurer etwa 4>/s Meter herab und wurden durch nachsallende Steine, der eine schwer am Kopf, der andere leicht verletzt.— Nachmittags fiel an der Waisenbrücke ein Arbeiter von einem Arbeilswagen, auf dem er saß, unter die Räder und wurde ans der Celle getödtet.— Abends versuchte ein Mann in einer Schaukwirthschaft in der Grobe» Frankfnrtcrstraße sich durch einen Schuß in den Mund zu tödten. Er verletzte sich jedoch an- scheinend nur leicht.— Im Hause Vehrenftr. 59 fand ein kleines Feuer statt. Zumfl und Zvigenpchafk. Theater-Wochenchronik. Oper bei Kroll: Sonntag, den 13.: Tannhäuser. Anfang 7 Uhr. Montag, den 14.: Hänsel und Gretel. Phantasien im Bremer Rathskeller. Dienstag, den 15.: Margarethe(Faust: Herr Emil Götze, als Gast). Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 16.: Der Evangeli» mann. Phantasien im Bremer Rathskeller. Anfang 7 Uhr. Donnerstag, den 17.: Lohengrin(Lohengrin: Herr Emil Götze als Gast). Anfang 7 Uhr. Freitag, den 13.: Sinfonie der kgl. Kapelle. Ansang 7Vl Uhr. Sonnabend, den 19.: Tann- hänser. Anfang 7 Uhr. Sonntag, de» 20.: Lucia von Lammer- moor(Lucia: Frl. Mary Howe aus New-Pork; Sir Edgar: err Emil Götze, als Gast). Phantasien im Bremer Rathskeller.— in Schauspielhause: Sonntag, den 13.: 1812. Montag, den 14.: König Ottokars Glück und Ende.(Königin Marga- rethe: Fräulein Adele Wienrich vom herzoglichen Hoflhcater in Koburg als Gast.) Dienstag, den 15.: Die Welt, in der man sich langweilt. Mittwoch, den 16.: Maria Stuart.(Hanna Kennedy: Frl. Wienrich als Gast.) Donnerstag, de» 17.: 1812. Freitag, den 13.: Geschlossen. Sonnabend, den 19.: Mirandolina. Der Diener zweier Herren. Sonntag, den 20: Wie die Alten sungcn (Aunalise: Frau Klara Meyer.) Montag, den 21.: 1312.— Wilbraudt's dramatische Dichtung: Der Meister von Palmyra wird im Deutschen Theater heute Sonntag Abend, Dienstag, Freitag und nächstfolgenden Sonntag Abend wiederholt. Montag: Don Earlos; Mittwoch und Sonnabend: Die Mütter; Donnerstag: Romeo und Julia. Als Nachmittags-Vorstellungen sind sowohl heute als am nächstfolgenden Sonntag Die Weber augesetzt. Das Schauspiel Liebelei von Arthur Schnitzler, das soeben erfolgreich über das Wiener Burgtheater ging, ist für Berlin Eigeuthui» des Deutschen Theaters geworden, wo es in der zweiten Hälfte dieser Spielzeit aufgeführt werden soll.— Im Lessiüg-Theater findet heute Nachmittag zu er- mäßigten Preisen eine Aufführung von Emilia Galotti statt. Am Abend, am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend und am nächsten Sonntag: Gräsin Fritzi; Montag: �laäamo Sans Geno. Freitag: Der Veilchenfresser. Nachmittags-Vor- stellung am nächsten Sonntag: Die Ehre.— Jin Schiller- Theater kommen heute Der Hexenkessel und Ein Diener zweier Herren zur illussührung. Montag wird Minna von Barnhelm, Dienstag Götz von Berlichingen, Mittwoch Die Maler wieder- holt. Donnerstag komnit Wilhelm Tell zur erstmaligen Auf- führung und wird Freitag zum ersten Male wiederholt. Sonn- abend wird Das Glas Wasser gegeben.— Im Bürgersaale des Rathhauses findet heute, Sonntag, der erste Tondichter- Abend statt. Er ist Carl Maria von Weber, dem Koni- ponisten des Freischütz gewidmet. Den Vortrag hält Herr Carl Krebs, Professor an der Hochschule für Musik.— Im Berliner Theater geht ain Dienstag zum ersten Male Die Grille in Szene und wird Mittwoch, Freitag und nächsten Sonntag wiederholt. Götz von Berlichingen wird diese» Sonntag, Donnerstag und Sonnabend aufgeführt. Morgen, Sonntag Nachmittag: Die Journalisten; Montag und nächste» Sonntag Nachmittag: Der Pfarrer von Kirchfeld.— Da die von Herrn Direktor Fritzsche für die Mitte dieses Monats im Friedrich Wilhelm st ädtischenTheater erwartete französische Operetlentruppe noch nicht eingetroffen, können die Liliputaner von einer Bestimmung ihres mit Herrn Fritzsche ge- schlossenen Vertrages Gebrauch machen und ihre Vorstellungen fortsetzen.— Die Paradebummler des Adolf Ernst- Theaters werden von Brandon Tbomas. dem Verfasser von Charley's Tante, englisch bearbeitet.— Im Alexander platz- Theater gelangt unter dem Direktor Pauket als Eröffnungs- Vorstellung am nächsten Sonnabend die Operette Die kleinen Lämmer, Text von A. Lierat, Musik von L. Varney zur Aufführung. Es ist die erste deutsche Aufführung dieser Operetten- Novität.— Wilhelm Tell geht heute Abend im National-Theater zum letzten Male in Szene, nach- mittags 3 Uhr wird Shakespeare's Othello gegeben.— Bei der zweiten Serie der Volksvorstellungen, welche im Belle- Alliance-Theater unter Regie von Julius Türk ver- anstalter wird, kommt das Schauspiel: Ein Volksfeind, von Henrik Ibsen, zur Darstellung. Die erste Vorstellung dieses Dramas findet am heutigen Sonntag, nachnnttags un> 2>/s Uhr, statt; es sind in den Hauptrolle» die ersten Kräfte des Theaters beschäftigt, illbends 8 Uhr läuft die 44. Aufführung der Berliner Raubvögel vom Stapel mit dem die Vorstellung schließenden großen B a 1 l e t- D i v e r t i s s e m« n t. GewevKfdjÄfilirlzes. SSniniIltche Mittheilunge» von Organisationen, vor allein solche über Ausstände oder Aussperrungen, müssen stet» den Stempel der betreffenden Organisation tragen. Achtung, Lederfärber und Zurichter! In der H a n d- s ch u h- F a b r i k von H. Hopp in Friedrichshagen sind Lohudifferenzen ausgebrochen. Ter Zuzug ist streng fern- zuhalten. Alle arbeitersrenudlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Im Auftrage: A. B ä r s ch. Soldinerstr. 37. Achtung, Sattler! Der Streik bei Scholz Nach f. in Schöneberg-Berlin dauert fort. Da die übrigen Fabrikanten belchlossen haben sollen, so lauge dieser Streik dauert, in ihren Fabriken keine Arbeiter einzustellen und dadurch die Zn- reisenden zn zwinge», bei Scholz Nachf. in Arbeit zu treten, ivo- durch der Streik verloren gehen würde, so ersuchen wir, den Zu- zng nach Berlin unter alle» Umständen zu meiden. Die Kollegen mögen auch berücksichtige», daß es in der Fabrik von Winkel- mann in R i x d o r f- B e r l i n allen» Anschein nach gleichfalls zur Arbeitseinstellung kommen»vird. Die Agitatiousko>»»mission. I. A.: Bruno P ö r sch, Rixdorf, Sleinmetzstr. 24. Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei Hirsch n. D a I l a ch in Berlin dauert unverändert fort. Wir ersuchen die Kollegen, den Zuzug fernzuhalten, sowie die Ausständigen thal- kräftig zu unterstützen. Die Agitationskommission der Schuh» macher Berlins. J»n Auftrage: Karl Willner, Schilling- straße 24. Die Sammelliste der Vergolder Nr. 386 ist verloren ge- gangen. Man»volle die Liste,,»wiche noch unbeschrieben ist, im Streikbureau, Annenstr. 16, abgebe». Ter Streik der Berliner Steinbildhaner dauert im» schon 6 Wocken und wird mit größter Energie fortgeführt. Von den neun Firmen, die die Forderungen der Gehilfen ursprünglich beivilligten, brachen leider zivei ihr gegebenes Wort und erklärte» sich mit dein Beschluß ihrer Jnnluigskollegen solidarisch. Sie haben ihre Arbeiter entlassen, um so einen Druck aus die Streikenden auszuüben. Die Streikenden sind aber durch diese Maßregel in keiner Weise erschüttert; hat sich doch bereits ihre Zahl durch Abreise(zum theil nach dein Ausland) von 136 ans zirka 75 vermindert. De» Herren Kapitalisten der Steinindustrie»vill in diesen» Kampfe nichts glücken. Da alle von ansnuirls zugereisten Bildhauer sich den Streikenden a>»schlossen und weiterer Zuzug völlig ferngehalten»verde», konnte, so sind die Aussichten für das Ge»vi»inen des Streiks die besten. Besonders erwähnt sei hier, daß es sich durch die an- geknüpften internationalen Beziehungen erinSgUchen ließ, das» bis jetzt kein Zuzug aus dem Auslande kain. Italien, Holland, Böhinen haben in diesem Streik noch keinen Mann ge- fandt. Selbst die paar hiesigen Bildhauer, die die Arbeit zu den früheren Bedingiingen aufgenominen haben, gefährden den Streik nicht. Die auberordenrlich ungünstigen sanitären Ver- Hältiiisse. unter denen die Bildhauer»vie überhaupt die Steinarbeiter arbeiten»nüsse», die Thatsache, daß durch die Einathmimg des feinen Sandsteinstaubes frühzeitig Erkrankungeii der Atlnnungswege eintrete»,,»veil die Lungen den Staub nicht ausstoßen können, so daß sich in ihnen Verkalkungen bilde», welche die Schwindsucht beschleunigen und meist schon»in 34. bis 38. Jahre den Tod des Arbeiters zur Folge haben, dies beweist die dringende Nothivendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit. Daß die Prinzipale da über Unverschämtheit schreien. liegt ganz in der Natur ninimersatter Mehrwerthnehmer. Die Streikenden sind vom besten Geiste beseelt und hoffen, bald zum Ziele zu kommen trotz aller Maßnahmen der sich arbeiter- freundlich nennenden Innung, trotz aller unwahren Berichte, d,e von jener Seite in die Presse und an die Baubehörden gelangen. D i e K o m m i s s i o n d e r B i l d h a u e r.— Briefe und Anfragen sind zu senden an G. Winkler, Nixdorf, Kirchhof- straße 46, vorn 2 Tr.; Gelder an: Wilhelm Sandvoß Dieffenbachstr. 39, 4 Tr. Die Holzbildhauer in Görlitz haben nach ordnnngs- mäßiger Kündigung die Arbeit niedergelegt, weil ihr Wunsch noch einer Abänderung der Arbeitsverhältnisse rundiveg ab- gelehnt wurde. Ein Nachspiel zum Leipziger Maurerstreik. I» Leipzig- Neudnitz hatten einige streikende Maurer am 36. Mai de» Bau- platz des Unternehmers Keller betreten, waren von diesem hinausgewiesen worden, jedoch»»cht sofort, sondern eine Weile später gegangen. Deshalb wurde ein Maurer,� der als Erster den Bau betreten hatte und dessen Name festgestellt werden konnte, vont Landgericht wegen gemeinschaftlichen Haussriedeus- bruchs zn 3 Monaten Gefänguiß verurlheilt. In Nürnberg ist die über die Fabrik von Scharrer u. Groß verhängt gewesene Sperre aufgeboben. Wege» Mastregelniig zweier Kamerade» stand in P o l n i s ch- O st r a n ein Streik der Bergleute in Aus- ficht. Der Streik ist jetzt dadurch vermieden worden, daß eine Bergarbeiter-Versanniilung, die massenhaft besucht war, den ver- »iiiisligen Beschluß faßte, die beiven Gemaßregellen durch eine Geldsammluiig zu unterstütze», so daß sie sich in ihrem nrsprüng- lichen Berufe— der eine hat das Fleischhauer-, der andere das Schuhmachergewerbe erlernt— in jener Gegend selbständig machen können. Die Meerschanmpfeifen- Schneider Wiens haben die Arbeit niedergelegt. Sie fordern den Achtstundentag und einen den Wiener Verhältnissen entsprechenden gleichmäßigen Tarif. In Belfast streiken, wie die„C. N. o. G." melden- 3000 Schisssarbeit est.— Von Glasgow wird gemeldet- daß die Differenzen, die zwischen den Schiffsarbeitern und den Unternehmern schwebte», vorläufig beigelegt sind. Neber den Streik der Tabakarbeiter in Wilna hat der „Vorwärts" schon kurz berichtet. Jetzt können wir über dessen Entstehuiig»nd Verlauf Näheres mitiheilen. Im Sommer des vorigen Jahres wurde in Wilna von dem Zignrettenfabrikanten D u r u n t s ch a der erste Versuch gemacht, für das Anfüllen der Zigarettenhülsen mit Tabak, eine Arbeit, die früher nur von Männern geniacht wnrve, billiger entlohnte Frauen anznstellen. Der Streik, womit die Arbeiter von Durnntscha diesen Vorstoß beantworteten, wurde nach drei Tagen zu ihren Ungunsten beendet. weil es de» Arbeitern an Einmülhigkeit fehlte»nd ei» Theil von ihnen sich dadurch einschüchtern ließ, daß die Polizei dem Fabrikanten zur Hilfe kam. Im Laufe eines Jahres ersetzte darauf Durnntscha allmälig die Hälft« seiner Arbeiter durch Frauen. Der Versuch eines anderen Zigarettenfabri- kanten namens E d e l st e i n, in diesem Jahre auch die Männer durch billiger bezahlte Frauen zu ersetze», scheiterte dagegen an dem geschlossenen Borgehen der Arbeiter. Als Edelstein das Ansüllen der Zigarettenhülsen einigen Mädchen übertrug, kamen vom 28. Augustan Ivo Zigarettenarbeiter nicht inehr zur Arbeit. Zivei Tage darauf wurden diese Arbeiter durch den Wilnaer Fabrikinspektor, einen Polizei- Lieutenant und durch den Fabrikanlen in eine»» Anschlag ansgesordert, die Arbeil wieder allfznnebmen, sonst drohe ihnen Verfolgung wegen unterlassener Kündigung.(Wegen Streiks konnte» die Arbeiter nicht verfolgt werde», iveil sie keine gemeinschaftlichen Forderunge» an den Unternehmer gestellt hatten, weshalb eine Verabredung, die im§ 1858 des russischen Strafgesetzbuches ein Merkmal des dort bekainitlich verbotene» Streiks ist, von den Behörden nicht nachgewiesen werden konnte). Ferner wurde in dem Anschlag das Recht der Arbeiter bestritten, sich in die Angelegenheiten des Fabrikanten einzumische». und zugleich der Versuch gemacht, den Uiitcrnehnier vor den Arbeitern zu rechtfertige», indem behauptet wurde, daß ihm die Absicht fern liege, Männer durch Frauen zn ersetzen; er habe»nr durch Anstellung einiger Frauen jeinen Betrieb erweitern wollen. Trotz dieses Anschlages wurde die Arbeit nicht auigenonimen; ini Gegentheil, diejenigen, die »och gearbeitet haben, schloffen sich de» Feiernden an. Am 2. September wurden die Arbeiter durch einen neuen An- schlag aufgefordert, in der Fabrik zu erscheinen, um dort ihre Wünsche vorzutragen; doch erst, als in eine»» dritten, vom 8. September dalirten Anschlag diese Ansfordernng wieder- holt und dabei das Versprechen gegeben wurde, daß keiner von den Erscheineiiden strafrechtliche Versolgiingen zu gewärtigen habe, kamen 15 Arbeiter und erklärten, daß sie zur Arbeil nur dann wieder kommen würden, wen» den Mädchen die Mänuerarbeit abgenoninlen»verde. Alle Veuiühnngen, die Erschienene» zur bedinguiigslosen Wiederaufnahme der Arbeiten bewegen.gblieden eriolglos. Auch der Rabbiner, der die Arbeiter in die Synagoge zusammenrief, um sie zu überreden, sich bedingungs- los zu»»terwersen, hatte keinen Erfolg. Während seiner Rede rief ihn» einer der Arbeiter zu:„Wir wissen, warum Du so redest, D» bast von Edelstein einen 25 Rubelschei» bekommen!" Nun war Edelstein in einer schwierigen Lage, denn es war ihm nicht geliingen. für die Streikendeii Ersatz z» bekomme». Er schlug den Mädchen, die er in seiner Fabrik als Hilfsarbeiterinnen beschäftigte, vor, die Funktionen der Arbeiter zu übernehmen. Doch diese gingen darauf nicht ei». Nur zehn Mädchen gelang es Edel- stein aus anderel» Städten zn bekommen. Die Vorräthe der fertigen Waaren gingen aber bei ihm zu Ende und er entschloß sich zum Nachgeben. Nachdem er den Arbeitern versprochen halte, Frauen nicht mehr mit dein Anfüllen von Zigarettenhülsen zu beschäftigen und alle Theilnehmer am Streik in Arbeit zu behalten, wurde am 12. September die Arbeit von allen Feieru- den wieder ausgenommen. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener MeineidSprozeft Bernrtheilten gingen bei uns ferner ein: Bau Alexandrinenstr. 110, von Zielbewußten gesteuert 11,05. Unbekannt 910 1,—. In einer Bardierstube 1,60. Rotb 4 0.65. Ein Menschenfreund'6,—. Gesangverein Morgenroth II, Charlottenburg 2,30. Die Rothen einer gemüthlichen Hochzeit, Chor- lottenburg, Auktion eines Käse 5,70. Gesammelt in dem Lokal bei Wuttke, Graudenzerstr. 13. 4.50. Gesammelt bei einer rothen Geburtstagsfeier durch Frau Schneider 1,10. Ein Rother 0.50. Von B.»ind T. in Gotha 1,50. Summa 32,90 M. Bereits quittirt 12 526,51 M.; in Summa 12 559,41 M. m I1IIIM I Ifl I nsaEBnaHBBBiB Bitte aufmerksam lese». Ru?ssKsn si'i'sgenkZ Kzittig gut offerire ich ei» durch eigenthiiu«liche Verattlasf»«g erstandenes Lager im Werths von ca. 80060 Mark Herren- u. 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Da für lehrreiche Uortriige bestens vorgesorgt ist, wird um rege Betheiligung ersucht. Achtung! Achtung! karteigklloLLev des 4. Wahlkreises(SO.) KWNNlMjiler-VersMiillW am Sonntag, den 13. Oktober, Vormittags 10� Uhr, in Henke's Lokal(Renz), Nannynstr. 27. Tages-Ordnung: 270/6 l. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Referent: Stadt- verordneter Bernhard Bruns. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten für den 13. und IS. Kommunal-Wahlbezirk. Dir Urrtrauenoprrsonen. Arbeiter! Arbeiterinnen! 2 große öffentliche Uolks Uersammlnngen. 1. Sonntag, 13. Okt., vorm. 10 Uhr, in Codn'L Festsälen (großer Saal), Ärnthstr. 2t. 2. Montag, 14. Oktober, abends 8'/- Uhr, im Veääing-Fsrlc, WüUrrstr. 178. Tagesordnung in beiden Versammlungen i. Was will die Arbeiter-Bildungsschule in Zuknnft für das arbeitende Volk leisten? Referent Schriftsteller HomrieK Schulz» 2. Diskusston. 4/13 Bei der für die gesammte Arbeiterschaft gleich wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch von Eiiuhcnußcn. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags-Wahlkreis. General« Versammlung am Mittwoch, de» lv. Oktober I89S, abends 8'/- Nhr, bei Möhring,„Märkischer Hof", Admiralftr. I8c. Tages-Ordnung: 1. Welche Wissenschaften soll ein Sozialdemokrat studiren? Referent Genosse�W i tz. 2. Kassenbericht. 8. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer De,» Vorstand. Mitglieder. 240/ I Die zu heute nicht statt. Vergolder! anberaumte Versammlung findet 227/11 SteinaiMer Berlins u. Umg. Außerordentliche Versammlung am Dienstag, de» IS. Oktober er., abends 8'/2 Uhr, im Lonisenstädtischen Konzerthans, Zllte Jakobstr. 37, Tages-Ordnung: 1. Die Arbeitseinstellung der Marmorschleifer bei?inh, Blücherplatz 1. 2. Die Mißstände in den Marmorwerkftellcn. Hierzu sind ganz besonders die Kollegen von den Firmen StSsosandt, Ströhler, Trebs und Knorr eingeladen. 3. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen werden sämmtliche Kollegen ersucht, zu erscheinen. s172/Sj Der Vertrauensmann. ! Holzarbeiter, Große öffentliche Versammlung her Tischler, Drechsler, Kurstenmocher lt. am Montag, 14. Oktober, abends 8 Uhr, in Keller's Featsälen, Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: 1. Kapitalistische Produktion und Arbeiterorganisation. Referent Varl Kloos. 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Diskussion der Versami lung vom 7. d. M. Um rege Betheiligung ersucht 73/1 Der Vertrauensmann. Deutscher Holzarbeiter-Verbaub. (Zahlstelle Berlin.) Sonnabend, 19. Okt., in Keller's Feftsälen, Koppenstr. 29: 3. Stiftungsfest bestehend aus Concert, hnmor. Vorträgen, Deklamationen und lebenden Bildern. Sodann: DW?" Gvoltzev Vall. i0r Anfang 8 Uhr."HMZ Billefs für Herren 50 Pf., Damen 23 Pf., sind zu haben in allen Zahlstellen des Verbandes, sowie beifolgenden Vorstandsmitgliedern: vanatna, Ackerstr. 132, 2. Hof I.»ivlrs, Adalbertstr. S, v. IV. Mdnsr, Reichenberger- straße 00. VanSal, Zimmerstr. 90/91, Hof rechts II. Frltache, Lothringerstraße 68, 11. Schöpflfn, Johanniterstr. 16, IV bei Littmann. Fr. Gebhardt, Urbanstr. 25, I. Qg. III. lfahert, Wienerstr. 68 bei Pohl. Engemann, Lichten- bergerstr 5, III. Dierke, Schönhauser Allee 154, IV. Winter, Calvinstr. 28, tof pari, bei Milenz. Garev, Willibald Alexisstr. 18, v. 11. Fr. Hätz, riedrichsberg, Friedrich Karlstr. 28. Die Grtsnermaltnng. Krück»-llckriltziiUN««! dn Aicidtt. UkOmmlnilg am Dienstag, den 15. Okiober 1895 abenda 8V2 Uhr, bei Boltz(früherJFenBratein), oberer Saal, Alte Jakobstr. 73. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl der gesammte» Lokalverwaltung für das Jahr 1896. Mitgliedsbuch legitimirt. Das dies jährige Stiftungsfest findet am Sonntag den 27. Oktbr. d. I., in der„Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57, statt 166/4 Die I,okalvervaltnng. Achtung I Achtung! Verband der Kürschner Mglltdtt-LttMMg Montag, den 14. d. M., abends 8'/e Uhr, im Rest. Feind. Weinstr. 11. Tortrag 93/6 Die Ortsverwaltung. lehtung!' Gesangverein Freundestreue _(Gern. Chor). Uebungsstunde jetzt Jüdenstr. 36 bei Linke Mittwoch 9—11 Uhr. Stimm begabte Herren und Damen werden als Mitglieder aufgenommen. 694b Meine Wohnung befindet sich jetzt Friedrichkraffe 1Ä8, meine Klinik: DrnckenstraNe 8. sP Dr. A. Blaschko, Arzt für K antüran Irheiten. Achtung! Achtung! Künstl. Zähne v. 3 M. an, Theilz wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahn sehen, Zahnreiuigen, Nervtödte» um- onst Guckel, Lausitzer Platz 2. Elsasser- straße 12. Direkt abgezogene, chemisch unter- suchte Ungarweine, sowie med. Ungar- wein; serner Portwein, Malaga und Kognak empfiehlt Paul Sobotta, SÄ Große Vereinszimmer für 40—60 Personen, noch für einige Tage in der Woche frei. Oöwald Klein, Wiener- straße gl. 34718' Achtung» Töpfer! Kaust Euer« Sandstein(Seehau ser) beim Ge- »offen Buhl, Schönhauser Allee 113. Schleifsteine für Tischler, Schuh- macher u. s. w. 922b Möbel. 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MW- Versammlung Dienstag, de» 15. Gsttaber er., abends t> Dhr, Aunenstraße 16. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Wahl des Verwalters. 3. Streik der Stein« bildhauer. 4. Verschiedenes. In dieser Versammlung hat sich jedes Mitglied als solches zu legitimiren. Die Gcneralversammlnng findet am 22. d. M. statt. Der Kommers findet am 9. November in Sanssouci, Kottbusersir. in, statt. Billets ä 50 Pf. für Mitglieder, ivelche bis zum 29. d. M. reservirt bleiben, und 75 Pf. für Gäste, sind beim Kassirer Otto Meyer, Strelitzer- straße 23 und im Vereinslokal zu haben. 21/0 Den Vorstand. Monkag» den 14. Okkodee abends 6 Uhr: Oeffentl. Uersammlnng liller Töchr«nli BmssgeiWll Berlins u. Unigegenli im Lokale des Herrn Lse iz» Neunnenflv. 184. Tages-Ordnung: 1. Wie gedenken ivir unser ferneres Vorgehe» zu ge- stalten? Fortsetzung ans voriger Versammlung. 2. Unsere diesjährige Fenster- frage. 3. Bericht des Delegirten der Gewerkschasts-Kommission und Neuwahl desselben. 193/6 Kollegen!|üir er In che« Euch, in dieser Verlammlnng Manu für Man» am platze zu sein. Der Dertranensmann. Eth i(che GescUschnst. Konntag» de» IS. Etztober, abends Uhr, im Saale des Englische« Garte», Aleranderstr. 270. PBT" Uepsammlung« Vortrag des Genossen Hr. Weil über: Kopf und Magen. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Nach dem Vortrag er- halten nur noch Mitglieder Zutritt. Die LenensI-VenssnAmIung findet am Mittwoch, den 16. Gktober, abend« 8V2 Uhr, im kleinen Saale des Englischen Garten» Alexanderstr. 27c, statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[53/5] Der Vorstand. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. DM" Versammlung"WZ Sonntag, den SO. Gsttober, vormittags 10 Uhr. Annenstr. 16. Vortrag d. G Chemiker B a u m a n n über„Volkserährung. Aufnahme neuer Vereine, Bundesangelegenheiten und Fragekasten.[43/4 Nraniabesnch: S 0 n n t a g, den 3. November, 1 Uhr mittags. Einlaß- karten A 50 Pf. in d. Versammlung u. bei K 0 s e l, Wollinerstr. 13, Seitenfl. IV. Tertilarbeiter- Verband. (Filiale I.) DM" Versammlung am Montag, den 14. Gktober, abends 8H2 Uhr, bei Feind, Weinstr. 11. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. M 0 l l über die Irrenanstalten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 197/4] Ger Vorstand, OrdeMche teral-Mutinliitig des BttblllckS aller m Kalisels- uili) iriulSprt-terbt beMigleu Hilssarbeiter Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8'/- Uhr, in der „kessotirce", Kommaudantenstr. 57. Tages- Ordnung: 1. Mittheilnngen. 2. Vierteljahresbericht und Ab- rechnung von den Festen. 3. Anträge: 1. Antrag A. Meyer, den Kollegen O. Grauer aus dem Verband auszuschließen; II. Antrag Schumann und Alboldt, das Gehalt der beiden Bureanbeamten zu erhöhen; ill. Antrag Alboldt betreffs der Tellcrsammlungen. 4. Verschiedenes. 75/10 Der Vorstand. IBP* Rixdorf. Kiutsriivv ttwh Mansdienev. Sonntag, den 13. Giltober 189», nachmittags 3 Uhr, Große öffentliche Versammlung bei Hummer, Berliner Straße. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Moderne Lohnsklaverei." Referent: Kollege� ch u m a n n. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 75/8 Nach der Versammlung geselliges Heisammensein mit Tanz. I Schuhmacher. Montag, den 14. Gsttober, abend» 8Vs Uhr, in Keller'» FeNsiilen, Koppenstr. SO(oberer Saal): Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen K ölle ans Hamburg. 2. Diskussion. 3. Ter Streik bei Hirsch u. Dallach; Verschiedenes. 169/7 Dir Agitations-Kommission I. A.: Carl W i l l n e r, Schillingstr. 24. Achtung! Schuhmacher. Sonnabend, den S6. Gktober, in M i e 1 1' o Festsälen, jZM" Weberstrasse 17 1"HMk Yereinigungs- Kränzchen arrangirt vom Verein deutscher Schuhmacher. Unter Mitwirkung des Gesangvereins V i n e t a(Mitgl. d. Arb.-Sängerb.) Billets sind in allen mit Plakaten versehenen Handlungen zu haben.— Um zahlreichen Besuch bittet I. A. Bas Komitee Schrul, Langestr. 95. 167/10] Lieferwagen, Räder u. jede Reparatur Pallifadenftr. 101. 906b Zigarrengeschäft sof. sehr bill. ver- käust. Kl. Ha mburg er str, Ecke Elsasserstr. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Echöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt Ur. 340. Sonntag, den 13. Oktober 1893. 13. Jahrg. Gerichts-ÄeitunA. Der durch feine Tübelaffäreu bekcnnit gewordene Aints diener a.D. H e i n r i ch S ch in i d t in R i x d o r f hatte sich am Freilag vor dem dortigen Schöffengericht in Gemeinschaft mit seiner Ehefrau wegen grober Beleidigungen einer Frau S ch neide r zu verantworten. Schmidt hatte gegen die Privat- llagenn Widerklage erhoben und zwar soll sie ihn durch die Beschuldigung beleidigt haben, Schmidt habe sch'» seiner amtlichen Thätigkeit der Urkunden- sa.lchiuig schuldig gemacht. Die Privatklägerin Frau Schiieider bestritt zwar diese Aeußerung. erbot sich aber event deu Beweis der Wahrheit zu erbringen; auch schwebe gegen Schmidt dieserhalb bereits ein Strafverfahren. Das letztere wurde von Schmidt bestritten. Infolgedessen vertagte der Gcrichtsho den Termin,»m weitere Zeugen zu laden und darüber Er kundiguiigen einzuziehen, ob gegen Schmidt ein derartiges Stra verfahren schwebe. Dkr Wittwer Bäckermeister Julius Maue entließ am 1. Oktober vorigen Jahres sei» Tienstmädchen Emma Picks. letztere schrieb ihm darauf eine Anzahl Briefe, in welchen sie darauf hinwies, daß er die Verpflichtung habe, sie zu heiralhen. Sie ivurde ihn» im Weigerungsfalle sein ganzes Leben hindurch kenie Ruhe lasse». Die Briefe halten keinen Erfolg, Maue strengte vielmehr gegen Fräulein Picks Privatklage wegen Ve leidignng an. An einem Aprilabende dieses Jahres begab sich Fräulein Picks»ach dem Schiffbanerdamm, wo sie ruhelos am Ufer der Spree hin- und herlief, als trage sie sich mit Selbstmordgedanken. Sie erregte auch die Auf- incrksainkeit eines Schutzmannes, den» gegenüber sie so wirre Reden führte, daß er sie mit zur Wache»ahm Hier bezichtigte� sie den Maue plötzlich zweier schwerer Verbrechen Er habe sie, während sie bei ihm diente, vergewaltigt und später ebenfalls mit Gewalt, ein Verdrechen an ihr begangen, welches nilt Zuchthaus bedroht ist. Maue wurde sofort verhaftet und demnächst in Untersilchiingshaft geiion>n>en. Im Laufe der Vor unlersuchuiig brachte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Saudberg ein umfangreiches Enllastungsmaterial herbei. Es stellte sich heraus, daß die Picks die widersprechendsten Angabe» über ihren Zustand gemacht hatte. Ter Veriheidiger bewirkte, daß sie sowohl mit bezug auf ihren geistigen wie auf ihren körperlichen Zustand einer ärztlichen Unlersuchuiig unterworfen wurde. Das Gutachten ging dahin, daß die Picks geistig völlig gesund und höchst wahr- scheiulich niemals Mutter gewesen sei. Maue mußte aber noch längere Zeit in Untersuchung bleiben, bis endlich der Staats� anwalt selbst die Einstellung des Verfahrens beantragte. Das Gericht folgte dein Antrage, woraus der schwer' geprüfte Mau» in Freiheit gesetzt ivurde. Nunmehr nahni die PrivaUBcleidigungsklage gegen die Picks ihren Fort gang. Sie wurde in erster Instanz zu drei Tagen Gefänguiß verurtheilt. Sie legte Berufung ein, woraus am Freitag in zweiter Instanz verhandelt wurde. In diesem Termine gab die Beklnatc Picks die Erklärung ab, daß sie die gegen ihren früheren Dienstherrn erhobenen Beschuldigungen nicht aufrecht erhalten könne und die Kosten beider Instanzen übernehmen wolle. Der Kläger, dem vor allein um die Zurücknahme der Bezichtigung zu thtt» war, zog darauf die Klage zurück. SoFtolo MvbevsMzk. Tie Ztrbeiteransschiisse und die preußische Eisenbahn- Vcrtraltnng. Neber dieses Thema berichtet die„LtKeinisch Westfälische Arbeiterzeitung" ans Dortmund unter,» 12. Ok tober:„Laut Ministerialreskript sind in den Staatswcrkstätten Arbeiterausschüsse gewählt. Wie wenig deren Mitglieder jedoch infolge ihrer Abhängigkeit in der Lage sind, au die Betriebseinrichtungc» und Anordnungen einzuwirken dafür liefert der Arbeitcrausschuß der diesige» königlichen Maschinenwerkstatt einen eklatanten Beweis. Am l. April fand die Neuwahl statt und bis heute hat der Ausschuß„och nicht eine einzige Sitzung abgehalten. Laut Miiiisterialverfüguug hat die Direktion die Sitzungen anzu beraumen; da das aber nicht geschah, so beantragten die Mit- glieder in einer Kollektiveingabe eine solche Sitzung niit der Be- gründung, die Lohnverhältnisse eiuer Erörterung unterziehen zu wollen. Anstatt e i u e A n t w o r t zu erhalten, ivurden die Mitglieder einzeln nach ihren Wünschen befragt uud ihilen erklärt, daß die Lohnfrage nicht zur Kompetenz des Ausschusses gehöre. Also, die ivichtigsle, die vitalsten Interessen des Arbeiters berührende Lohusrage gehört nicht zn seiner Konipetenz! Eine energische Vertretung der Arbeiter- Interessen ist nach dieser von der Direktion gemachten Ein- schränk», ig der Befugnisse des Ausschusses natürlich nicht mehr möglich. Aber selbst bei solche» Fragen, deren sachgemäße Er ledjgung sowohl im Interesse des fiskalischen Betriebes als i» dem der Arbeiter liegt, wird der Ausschuß nicht um feine Meinung befragt. So ist z. B. i» Beziehung auf die Materialausgabe eine Aendcrnng eingetreten. Während beim Umtausch der Werkzeuge der Arbeiter früher selbst zugegen war und sich das für seinen Zweck Passende aus- suchte, hat er jetzt das gewünschte Werkzeug seinem Werkführer zu bezeichne» resp. aufzuschreiben, der es ihm dann übermittelt. Es ist unmöglich, diese Beschreibung immer so genau zu geben, daß der Meister die Wünsche des Arbeiters genau kennt. Außer- dem beherrschen beide Theile sehr häufig die Sprache nur niangel- Haft, so daß eine Verständigung, die auch schon wegen der häufig fchivankenden Ausdrucksweise verschiedener technischer Begriffe erschwert ist, nicht selten erst nach wiederholten mündlichen Aus' einandersetzungen erreicht wird." Wiirttembergischer Arbeitsnachweis. Das städtische Arbeitsamt in Stuttgart hat in den ersten sechs Monaten seines Bestehens SI77 Personen(3372 männlichen und 1302 weib- lichen) Arbeit nachgewiesen. Das Arbeitsamt U l ni. das seit siebe» Monaten i» Thätigkeit ist, verschaffte 2028 Personen Stellung. Die Arbeitsvermittelung an beiden Instituten ist vollständig un- entgeltlich. Das ivürtte m bergische Ministeriuni des Inner» forderte die Kreisregieninge», Oberämter und Gemeinden des Landes auf, Vorschläge zur Verbindung der örtlichen Arbeitsämter mit einander zu machen. Ge- plant ist, die verschiedenen Arbeitsämter telegraphisch zn verbinden, um rasch Arbeit im ganzen Lande zu vermitteln. Des weiteren soll eine Zentralstelle in Stuttgart geschaffen werden, an welche die Arbeitsämter täglich Bericht über Angebot und Nachfrage zu erstatten haben. Diese Berichte werden dann zusainmengestellt, sofort vervielfältigt uud den verschiedenen Arbeitsämtern übersaudt. so daß jedes Arbeitsamt jederzeit genau über den Arbeitsmarkt unterrichtet ist. Bekauntlich ge- nehinigte der wllrttembergische Landlag SOOO M. zur Errichtung und zum Weiterausbau von Arbeitsämtern, Schaffung einer Zentralstelle:c. Ver�utturlungen. Berliner Gewerkschaftökommission.(Sitzung vom II. Oktober.) Die Verhandlungen wurden mit der Bericht' erstattung über die zur Zeit i» Berlin geführten größeren Streiks eingeleitet. W i n k l e r führt über den Ausstand der Stein bildhaner aus: Seit sechs Wochen währt der Kampf für die siebenstündige Arbeitszeit; es ist falsch, wenn man diese Forderung als beispiellos bezeichnet; in Hamburg, Bremen, Dresden ist sie bereits durchgeführt. Ilnser hauptsächlichster Gegner ist die Innung sie glaubt, daß die Arbeiter bedingungslos kapituliren niüffen. ivie seinerzeit die Reichstags-Bauverwaltung, als sie dieser, weil die Arbeiten zum theil in eigener Regie ausgeführt wurden. den Bezug des Materials versperrte. Man hat schivarze Listen mit de» Namen sämmtlicher Streikenden an alle deutschen Ateliers und Steinmetzgeschäfle versandt. Die Hoffnung, die Streikenden dadurch auszuhungern, hat sich aber als trügerisch er wiesen; die von Berlin abgereisten Ausständigen(ca. SO Mann) haben im Ausland bereits Arbeit gesunden. 81 Kollegen(4Sverh. und 36 ledige) sind noch zu unterstützen. Die in Arbeit stehenden zahlen 20 pCt. ihres Arbeitsverdieustes für diesen Zweck. Der Redner ersucht die Delegirten, den Steinbildhauer» thatkräftigc Hilfe angedcihen zu lassen, uni den Sieg zu be schleunigen.— Für die L e d e r a r b e i t e r der Firma Steinlein sprach Busse. Er führte aus, daß die Lage des Streiks im wesentlichen unverändert ist. Durch das Eingreifen des Hirsch- Duncker'schen Ortsvereins, dessen Mitglieder zu einem Theile an de», Zlusstande betheiligt sind, haben sich Mißverständnisse ergeben; auch bei diesein Streik zeigt sich wieder die schwächliche Haltung dieser Art Arbeiterorganisationen. Busse und der folgende Redner Weißgerber Arndt, forderten die Gewerkschaften Berlins aus bei diesem Streik ihre Solidarität nichr als bisher durch die That zu beweisen. Der Telegirte der Vergolder, Höpfner, schildert die Lage des Generalstreiks seiner Gewerkschaft. Wenn es ermöglicht werden kann, die Streikenden»och eine kurze Spanne Zeit über Wasser zu hallen, wird der Kampf mit dem Siege der Arbeiter endigen. Die Ausständige» sind über die Art, wie das Einigungsamt ihre Forderungen zurückgewiesen hat, nichts weniger als erbaut. An diesen Bericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte. K ö r st e n warnt, übertriebene Hoffnungen auf das Eiiiigungsaint zu setzen. Wer das Gewerbegericht aw rufe, habe sich vorher zu sagen, daß er in diesem oder jenem Punkt nachgeben müsse. In scharfer Weise äußert sich M a s s i n i gegen die Ucberschäyuiia des Einiguiigsamts. Er nennt es ein Zeichen der Schwäche, diese Jiistitulion in Anspruch zu nehiuen, wo enlschiedenerKampf gegen das Unternehinerlhui» ge- boten sei. Eine starke Organisation bedürfe solcher Hilfsmittel nicht. An der weitere» Diskussion betheiligten sich dieVergolder Schnorre und r ü g e r und der Telegirie der Sattler, P ö r s ch, der gleich Körsten die Anschauung verlrat, daß das Einigungsaiut niemals ohne zwingenden Grund angerufen werden sollte. M i l l a r g sieht die lange Tauer des Vergolderstreiks durch den Umstand verschuldet, daß die Hausindustriellen Tag und Nacht in ihren Wohnungen sich für die Fabrikanten schinden Er macht die Mittheilung, daß er bereits Verhandlungen mit den Fabrikanten gehabt habe, die bisher aber noch nicht zu einem Resultat geführt haben. Die theilweise ligenügende Unterstützung der letzten Streiks führt er zurück aus ""�isgaben der Gewerkschaften beim Bierboykott. r zweite Punkt der Tagesordnung betraf: D i e T a k t i k der Gewerkschaftskomniissiou. Tieselben Ursachen, aus denen heraus die vormalige Streik- Kontrollkommission sich bildete, die später in die Giivcrlschnftskomuiissioii umgetauft wurde— so betont der Referent Millarg— sind heute zum theil wieder vorhanden. Ter Wirrwarr im Sainmelivesen, den Btassini neulich scharf gerügt habe, müsse beseitigt werden. Redner begründet folgende Resolution: „Die Berliner Gewerkschafte», soweit sie auf dem Boden der moderneu Arbeiterbewegung stehen, haben die Pflicht, in die G e w e r k s ch a f t s k o m in i s s i o n je einen Delegirten zu ent ende». Es ist dabei gleichgiltig, ob für das betreffende Gewerbe eine Berufs- oder Fachorganisation besteht. Diese Delegirten dürfen nur in öffentlichen Gewerkschaftsvcrsninmlunge» gewählt werde», habe» auch nur in solchen Bericht über die Beschlüsse und Maßnahmen der Gewerkschaslskomniission zu erstatten. Das Bureau der betreffenden öffentlichen Gewerk- chasts-Versamnilung hat dein Delegirlen ein Mandat auszustellen, »iltels welchem bescheinigt ivird, daß derselbe i» öffentlicher Ver- 'ammlung gewählt wurde. Die Delegirten kommen in öffentlichen Versammlungen zu- animcn, zu denen jedermann Zutritt hat und auch an der Be- rathung theilnehnien kann. Die Gewerkschaftökoinniission ist verpflichtet: überall, ivo die Interessen der Arbeiter es erfordern, i n z u g r e i f e n, sei es bei Lohnbewegungen, Aussperrungen, Boykotts oder dergleichen. Bei den Wahlen zu den G e w e r b e g e r i ch t e n hat die Gewerkschaftskomniission die Agitation, Vorarbeite» u. s. w. zu erledige»; ebenso find die jeweiligen Geldsammlungen zu obige» Zwecken von der Gewerkschastskoinmissio» selbst vorzu- nehmen resp. zu regeln. Unter Regelung der G e l d s a m in l» n g e n, z. B. bei Streiks, ist zu verstehe», daß die Gewerkschaften bei allen Ausständen, in denen die moralische und materielle Hilfe der Berliner Arbeiterschaft in Anspruch genommen werde» oll, verpflichtet sind, diese Streiks der Gewerkschaslskomniission orher anzumelden und ihre Sammellisten mit dem Stempel der Gewerkschaflskommission versehe» zu lassen. Gelder, die auf Liste» gesammelt werden, müssen so ch n e I l iv i e möglich i» die Hände der im Ausstand be- indlichen Gewerkschaften gelangen, wenn sie ihren Zweck nicht vollständig verfehlen sollen. Die Ueberschüsse aus solchen Sammlungen, die mit Unter- 'tllhung der übrigen Berliner Arbeiter— also mit Hilfe der Ge- werkschastskoinmission vorgenommen werde», sind»ach beendigten Streiks an die Gcwerkschaftskommission abzuführen und dort für 'pätere Streiks zc. zu verwenden; auch unterstehen diese Samm- iüngen der Kontrolle der Geiverkschaftskoiiiniifsion. Die im Streik befindlichen Gewerkschaften können nur urch die Ver Mittelung der Gewerkschafts- om Mission von anderen Gewerkschaften elder entleihen uud übernimmt in diesem Falle die Gewerksebastskommission die Garantie. Die Mittel zu einzelnen Werkstättensireiks müssen von den im Streik befiudliche» Gewerkschaften s e l b st aufgebracht werden; erst wenn durch den Ausstand die Zlrbeiter oder Arbeiterinnen mehrerer Fabriken oder Werkstelle» mit verwickelt und eben- 'alls zur Arbeitsniederlegung gezwungen iverden— also der Ausstand größere Dimensioiien annimmt— kann die Ge- w e r k s ch a f t s- K o m»> i s s o» bei anderen Gewerkschaften Unterstützung für die Streikenden nachsuchen. In außer- rdentlichen Fällen entscheidet die öffentliche Versamnilung der Delegirten der Gewerk- ' ch a f s k o ni m i s s i o n. Die Unterstützung durch die Gewerkschaften hört auf, sobald die Gewerkschastskommisßon einen Ausstand als aussichtslos erklärt. Die Gewerkschaften haben dahin zu streben, daß sie in» Falle eines Streiks— partiellen oder Generalstreiks— z u n ä ch st selbst die Geldmittel aufbringen, um ihren Verpflichtungen den Ausstehenden gegenüber nachzukommen. Des weiteren ist unter Regelung der Geldsammlunge» zu verstehen, daß das Listensystem nach Möglichkeit abgeschafft wird und an stelle dessen die Eammlung mittels Saininelmarren ü 5 oder 10 Pf. von der Geiverkschaftskoinmissio» angestrebt iverden soll. Die Kontrolle der in Händen der Gewerkschafts- kommission befindlichen Gelder wird in der Weise ausgeübt, daß möglichst vierteljährlich aus der öffentlichen Kom- »lissions-VersamiiiIuug drei Revisoren gewählt iverden, welche der nächsten öffentlichen Versammlung über die statt- gefundene Revision berichten. Der geschäflsführende Ausschuß hat halbjährlich an die Delegirten der Gewerkschaflskommission eine» gedruckten Bericht über die Thätigkeit der Kommission zu verabfolgen." Millarg bespricht die einzelnen Absätze der Resolution und ersucht zum Schluß, dieselbe anzunehmen. Töpfer Hagen be- fürwortet Vertagung. Er macht geltend, daß ein großer Theil der Delegirten fehlt uiid jedenfalls mancher Vertreter bei seiner Gewerkschaft erst noch Informationen holen müsse, wie er sich zu verhalten habe. Es wird Vertagung beschlossen und auf Antrag Massini festgesetzt, daß die nächste Sitzung am kommenden Freitag abgehalten werden soll; der einzige Punkt der Tagesordnung bildet dann die Beraihung und Beschlußfassung über die fernere Taktik der Gewerkschastskoimnission. Es fehlen diesmal die Vertreter von 26 Berufen, und zwar folgende: Anschläger, Barbiere, Bauarbeiter(2), Bilderrahmen- Macher, Brauerei-Hilfsarbeiter, Buchdruckerei-Hilfsarbeiter, Buch- binder, Konditoren, Drechsler, Droschkenkutscher, Farberei- Arbeiter, Glasarbeiter, Graveure, chirurgische Branche, Korn» träger, Köche, Lithographen, Metallarbeiter(2), Müllerei-Arbeiter, Posameutiere, Putzer, Schuhmacher, Siereotypeure, Stuckateure, Tabakarbeiter und Zinkgießer. Tic VertraueuSuiättuer der Berliner Töpfer beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit der diesjährigen„Fenster- frag e". Es wurde festgestellt, daß sich das Unternehmerthum immermehr an die jedenfalls nicht unbescheidene Forderung gewöhnt hatte, bei Eintritt der kalten Jabreszeit dafür zu sorgen, daß alle Räume, wo Oese» zn setzen sind, vorher mit Fenstern versehen werden. Leider ist die traurige Thatsache zu verzeichnen, daß Stumpfsinn und oft sogar Böswilligkeit der eigenen Berufs- genossen das Errungene wieder illusorisch machten. In diesein Jahre soll nun die„Fensterfrage" als Sache des Prinzips be- handelt iverden. Die Nachfrage nach Arbeitskräften spricht dafür, daß die Geschäftskonjuuktur, in der sich die Töpfer zur Zeit besinde», günstig ist und so steht zu erwarten, daß bei einigem guten Willen und bei der erforderlichen Einmüthigkeit der Töpfer jener Forderung von den Unternehmern kein großer Widerstand entgegengesetzt iverden wird. Immerhin aber will man, durch die Erfahrung im vorige» Jahre gewitzigt und aus pekuniären Gründe» die Fcnslersrage mit besonderer Vorsicht behandeln. Die Beschlußfassung i» dieser Sache bleibt der am Montag Abend Uhr im Lokal von F e y, Brunnenstraße 134, stattfindenden öffentliche» Versaminlung aller Töpfer und Verufsgeuossen Berlins und Umgegend vorbehalten. Pflicht jedes Berufs- genossen ist es, sie zu besuchen. Arbcittr-KildniioO'chnt-. Während der Ferien vom I. bis inkl. Id. Ok- tober fällt der Unterricht in beiden Tchule»(ins. Die Bibliotheken und Lese- ztmmer find jedoch aliabendlich von Uhr geöffnet. Dieselben befinden sich Waldemarstr. u und Müllerftr. 179.1. Htrrbrlials« vo» Arbeiter» der Hrrliner ZKIafchinenbait-Alitie»- Gelellschaft. Heute Zahltag Ackcrstr. 123 bei Marten. Fachschule der Itlalcr KrrlinS. Ter diesjährige Winterkursus beginnt am Sonntag, den IS. Oltober, vormittags io Uhr, in der Aula der I93./196. Memeindeschule, Manteuffelstrahc 7. Der Unterricht findet Sonntags vo» s— iL Uhr, Montags, Mitimochs und Donnerstags von 7—9 Uhr abends fiatt. Anmeldungen werden während der Unterrichtszeit im Schnllokale ent- gegen genommen. "ergniigwngaverein„Italia". Sonntag, den IS. Oktober, abends» Uhr, im Restaurant Roland(großer Saal), Elsasserstr. 28. privat- Sheaterxerrin ,,Sprr»- Athrn". Sonntag, den 19. Oktober, abends ey. Uhr, bei Bolh, Alte Jakobstr. 7s(Tunnel): Tanzkeänzchen. Gäste willkommen. Nerv»iig»ng«>,>»b„Gstend". Sonntag, den Ii. Oktober, nachmlltags Uhr: Sitzung bei Birk, Siraußbergerstr. s. Freireligiös» Gemeinde. Sonntag, den 19. Okiober, vorm. 9� Nhr, Rofenlhalerfir. 9S: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über:„Die Grund- sähe und Bestrebungen der Gemeinde." Um iojj Uhr vorm. ebendaselbst Vortrag des Herrn Dr. Vvltcl Braunschwsig über:„Splkur und Lukrez, unsere Vorläufer im Allerthum." Abends 7 Uhr, ebendaselbst: Gelelltge Versaniinlung. Vortrag von Frl. Elvira Linke über:„Halbe und ganze Freidenker." Fese-»»>d Zlisliuiirklnb«. Kart Marx, Montag, abends 9 Uhr, bei Grube, Mariendorserstr.«.„Aufklärung" jede» I. Montag im Monat Sitzung, jeden 9. Montag im Monat Bücherwechsel bei Ferger, Sebastian- siraße 7«.— Vi a r tta y s e r, jeden Sonntag vormittags io); Uhr im Restaurant Schümann, Heimsir. 16.— Franz. Buchholz, jeden Montag abends 9 Uhr bei Lange, Hauptstr. so. Arbeiter- Köngerbniid perlin» und Jl», gegen». I. Vorsitzender: Ad. Neumann, ipasewallersir. 3. Alle Aendcrungen im AercinSkalender sind zu richten an Friedrich Korlum, iRantcufielstraße 49, v. 2 Tr. Ztloning, Abends 9- II, UebungSstunde und Ausnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenstraße«, bei Ehrenberg.— W i e d c r h a l l, fiopeniclerstr. loi bei Foge.— Z u t u n f t I, Steglitz. Ahorn- ''-.......'''.— Art--------------------- firaße Ida, Cchclhose'S SambrinuS.— Arbeiter-Gesanaveretn Vorwärts III, Lichtenberg-Friedrichifelde, PrinzenAllee o bei Karl Schulz.— Lieder- z w c i g, Waltinannslust, Berlinerftraßc bei Zerbe.— L t e d e sif r e i h s t t II, EiranSborg, Rosenstraße i bei Branunbach.— Glockenrein(gem. Thor) Schönhauser Allee<6 bei Höhne.— Arbeiter-Gesangverein der Emlerb ten, Ewinemiinderstr.«9.— Hossnungll, Deulsch-Wilmersdors, GünzelNr.es.— T o» b l ü t h e, Zeughositr. s, Restaur. Behlendors.— Gesangverein L i der te: Wrangelstr.«« beiRedanz.— Männerchor San g e S l u st Ii, Pasemalkerslr. s bei Ad. Neurnann.— Gesangverein Freiheit 9, gemischter Chor, Bernau, ussitensiratze,„Eltzsiuin".—„Harmonie 2", Weiustr. Ii, Reslanrant cindt.—„Einigkeit 3", Groß-Lichterselde, Amalienstr. bei E. Geuger.— ilaria, Blumenstr. es bei Tomatscheck.— Klingmülle rstcheS igoppelquarlett, Reu-Weibensee, Langhansstraß- bei Ww. Busch.— Süd-Ost U. Faltcusleinsir. 7 bei Tritielwitz.— A l p e n v e i Ich e n, gemischter E hör, Lindowerstr. es bei Sachse.— S o l t d ar ttä t, Oranien- firaße>09 bei Greiser.—„F r e y a 9"(gem. Thor), Nrbanstr. 61 bei Walle.— Wacht auf II, Erkner, Restaurant Seebad am Dämmeritzsee. Knud der grseliige» Arbeiterverein» Keriin»»nd Zlingege»». (Alle Zuschriften, den Bund der geselligen Arbeitervereine betrefiend, sind zu richten an P. G e n I, DreSdenersir. 107/108.)— Mo»t»g: BergnügnngS- vercin„S c s e I l t g k e i t", Adlershof, Oppenftr. l(Restaurant). Arbeiter-»lancherbnnd Berlin» und iimgege»». Aenderungen im Vercinskalender find zu richten an Karl Vfiug, Vreslauersiraße 9, Keller. zuontag. abends von 9— II Uhr: Klub- Abend und Aufnahme neuer Mit- glieder. Rauchklub A m b a l e m a. Grünauerstr. 9 bei Solz.— E l d o r a d o, Palllfadenstr. SS bei Geyer.— Morgenroth, Landsberger Allee«« bei Rohland. biesang-. Sur»-»nd gesellige pereine. Montag: Prtvat-Thcater- gesellschafl„E a i» r" abends 3/<9 Uhr, bei Evccht, Markgrafenstr. 89.— Privat- Dhiaiergesellschosi I m in e r Lull ig jeden Sonntag Abends 6 Uhr, bei Ruhl Andrce, Eborinnstr. 69: Sitzung mit Damen.— Privat-Theatergesellschast Minerva. Alle Montag Zusammenkunft Maibach-User 3 bei Schinock.— Privat-Theatcr- und VcrgnugungSverein Morgen sie rn. Sitzung joden Eouniag 5 Uhr; alle vierzehn Tage Fidelilas im Markihallen-Resiaurant, Wöriherfiraße«6, bei F. Taren— Theater- und vergnügungSverein Weiße Rose jeden Montag S Uhr Sitzung bei Pommer, vieichenberger- straße io.— Rauchklub Brüderlichkeit jeden Montag 9 bis n Uhr im Lokale des Henn Pauls, Cchlesischestrate 38.— Arbeiter- Stenographie- Verein„Eintracht", Unterricht und UebungSstunde Montag abends 8j( Uhr bei Roihes, Butiniannstraße 17.— Privat-Theaterverein Freiheit«- Hoffnung. Sitzung mit Damen jeden Sonntag um 6 Uhr nachmittags bei Baumann, Lychneistr. 2—9.— Klub Frey a. Jeden Sonntag von s Uhr, nachmittag« an Sitzung mit Fidelilas im Saale de« Restaurants Kielelhahn, Dresdencrstr. 68.— Vergnügungsverein Fiducia. Jeden Sonntag von 6— s Uhr nachmittags Sitzung. Nachdem Fidelita« im Restaurant Janz, Blumenstr. s«.— VergnügungSverein Flora. Jeden Sonntag«!( Uhr Sitzung, nachdem Fidelitas im Restaurant Miethe, McndelSsohnstr. 9.— Ekaitlub Bruder Heinrich. Sitzung Montag abends 9 Uhr bei Wernau. Roscnihalcrstr. 67.— Turnverein Fichte. Jeden Sonntag von 9 Uhr ae voltSthümliches Turnen in Lichtenberg, Weißenseeer Weg bei Asche.— Ver pnügungskluv Adler. Jeden Sonnlag, abends 0 Uhr, Englischer Hos. Reu« Roßilr. 8: Sitzung und Tanz. Gäste sehr willkommen. ? Alle Ms», a SPMM WKeMB, <■ Etage. SAMSON& CO.«■ Etage.? i. 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Lade ergebenst zur Besichtigung meiner fünf Schansenster, der Geschäftsräume und ausgestellten Maare» ein. 3399Ö* Verantwortlicher Redalleur- Fritz«nnert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiua in Berlin. Bitte aufmerksam lesen! Zel>r Killigtl Ausverkauf 4 Millionen Cignrrnn Durch den Ankauf verschiedener kolossaler Posten Rohtabake im Gesammtbetrage von Uber 100 000 ab Amsterdam, Bremen, Hamburg, sowie auch lombardirter Posten, aus den feinsten Gewächsen bestehend, als Hnvaunn. I n Cruz dos Almas, Havanna Mexiko. Nt. Felix, Vorstcn Java:r. 2C., ferner durch Abschlüsse von ca. 5 Millionen Cigarren zu so billigen Preisen wie nie zuvor, sowie durch das Bestreben, ineine Mitarbeiter auch in der stillsten Zeit lohnend zu beschäftigen(was ich stets als meine vornehmste Aufgabe betrachtete).— Was will ich mit meiner Resorm-Cigarre?! Die Form meiner Reform-Eigarre beginnt an der Brandfläche zum Theil breit, zum Theil eng, um Verlegung so gut und billig wie noch nie, wegen beiger meines Fabrik- u. Kaufhauses nach meinem eigenen Hause Spandauer Brücke 2, was bestimmt bis Ende Januar 1896 erfolgen muss. zum überwiegenden Theil eigenes nach der Mitte hin breit zu werden und wiederum an der Rauchseite eng zu enden. Es wird dadurch erinöglicht, das; die Ansaminlung des Nicotins höchstens zum dritten Theil so stark sein kann, wie in den althergebrachten Forme», weil zur Ansammlung des Nicotins höchstens der dritte Theil des Raumes vorhanden ist. Dadurch entgeht dcni Raucher nichts vom Genuß und sind die nachtheiligcn Folgen vernunftgemäß bis auf ein Drittel zusammengeschmolzen; somit kann Jeder den Stummel seiner Resorm-Cigarre mit der größten Gemüthsrube, ohne Gefahr für seil» körperliches Wohl bis zu Ende rauchen;»vas bei den alten Formen niemals der Fall ivar. Bitte die Bedingungen für Verkauf und Versand aufmerksam «i*(efeit Nur gegen Nachnahme aber vorherige Einsendung des Betrages wird versandt. Der Besteller jj»» tvf V«l* erlegt den Betrag nur als Unierpsand sür die zur Prüsung empfangene Ansichts-Waare.— Entspricht dieselbe seinen Erwartungen nicht, so beliebe er die Waare unsrankirt zurückzuschicken,— woraus sofort die Rücksendung des Betrages, sowie der Auslagen erfolgt.- Von dienr Schadloshaltilng des Empfängers bitte ich den ausgiebigsten Gebrauch zu machen.— Unter Ivo Stück von einer Marke werde» nicht abgegeben. Züv Stück und darüber sranco über ganz Deutschland. Bei Entnahme von 500 Stück 3 vCt.— 1000 Stück 4 Marken Schweizer Cigarren und zwar „A"„B"„C"„D" Marke,, A"ca. 9 em Ig., HavanilloslOO Stck. 1,20 Mk Marke„K" ca. 8 cm„ 100«Xt. 1,35 Mk. Harke„C" ca. 9 em„ 100 Sick 1,50 Mk Marke„»'« ca.10 cm„ lOO Stck 1,75 Mk. Marke 3(Sumatra), ca. lOV» cm lang, ca. 5 cm Ums., unsortirt in Papier verpackt, dafür vorzügl. iin Geschmack...... per 100 Stck. Mk. 3,00 Noch nie dagewesen! Borsten- Java- Decke mit IWarilk Delikatesse, hervorragend seiner, rein ' überseeischer Einlage, ca. 8V, cm lang, 4>/« em Umfang 100 Stck. Mk. 3,—, Starke 4(Sumatra), ca. 10',» cm lang, ca. 5 cm Ums., Straßen Cigarre, nicht belästigend, von durchaus vorzüglichem Geichmack, in schlankem Faxon, tadel- loser Brand..... per 100 Stck. Mk. 3,50. MarkeFelix.Cigarre.fruhercMarkeRemedio, Felix- Decke, rein überseeische Einl., ca. 8'» em lang, 4V. cm Umfang..... 100 Stck. jetzt nur Mk. 3,75. Marke 5, Frühpronlenaden- Cigarre, Kegel- faxon, ca. 10'/, em lang, ca. SV, cm Ums., dieselbe in schlankem Fa?on ca. 10 em lang, 5 cm Ums. Hervorragend im Geschmack, kann ich sie Jedem empfehle»», dessen Beruf es erheischt, viel Cigarren zu rauchen per 100 Stck. 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NfeUP Marko Sanitas" Rcform-Zaxon,(seidige „neue mtirKe odiiiid!» Vn(fncan.$e(i. 3;�.,, ca. 10V« cm lang, ca SV, em Unis., leidenden Rauchen» 5 pCt.— 2000 Stück und darüber 10 pCt. Rabatt.— Jedem Einkauf resp. Austrage säge ich ein Ziistchen. enthaltend 5 Eigarren in verschiedenen Marken, mit Preisen versehen, als Geschenk bei. wenn sich der betreffende Besteller aus diese Zeitung bezieht. Die Marken bis zum Preise von einschtiehtich 2.25 Mk. per 100 Stück sind von Rabattgewährnng. Franeaiur und Gratiffcation ausgeschlossen und werden 10 Psg. bei diesen billigen Marken sür Verpackung berechnet. 4 Cigarren von jeder Marke können probeweise nnentgeltlich geraucht werden: daffelbe gilt auch bei persönlichen Ein- käuseii. Reetamationen könne» nur innerhalb 1« Tage vom Tage des Versandes an berücksichtigt werden. IS" Rur unter diesen Bedingungen wird versandt und verkaujt. zu einvsehlen, von durchaus lieblichem Geschmack, est» Gemisch edler, überseeischer Tabake, wenig Nicotin enthaltend...... per 100 Stck. 4,00 Mk. „Neue Marke Rose von Schiras" ca. 9'/, cm lang, 5V, cm Ums., hochfeine Brasil- Einlage»md Deli-Decke; diese Mischung em- pfiehlt sich allein.... per 100 Stck. 4,50 Mk. •BT Reform- Cigarre II. Für Gesunde und Leidende, daS Kostbarste in Geschmack u. Aroma. mit Holzspitze in jeder Cigarre, Deli-Maatschappy, hochfein, rein überseeisch, init Hara-Euba in der Einlage, ca. 11V- em lang, S', em Uinsg. per 100 Stück 4,50 Mk. Marke Termala, ca. 10V- cm lang, ca. 5'/, cm Uttif. Eine in ihrer vollendeten Foriii sowohl wie durch ihre köstliche Mischung hergestellte Cigarre ans milden, vollen und iviirzigcn, edlen überseeischen Tabaken, init ostindischer Decke, deren außer- ordentlich hervorragende Eigenschaften Jeoen immer»nehr interessire» ivcrdcn, je länger er sie raucht per 100 Stck. 5,00 Mk. IO'/z cm lang, 41', cm Ums. Die Krone aller Havanna-Tabake. der Gipfel löst- lichen Aromas lind»nildesten Geschmacks, ist die Marko Cigarre mit 12 Mk. per lOO Stück nicht zu hoch be- zahlt. Durch den vortheilhaften Einkauf von über einer halben Million verkaufe ich dieselbe mit per 100 Stck. 0.00 Mk. ca. IV h cm lang, ca. SV- em Umfang, per 100 Stck. O Mk. Bei der Einführung dieser Cigarre im April 189? setzte ich zwar voraus, daß sie oen Beifall der raffi- nirtesten Feinschmecker finden»md viel gekauft werden wird.— Der Consum hat jedoch meine kühnste» Er- Wartungen weit»ibertroffen. ca. 13V» cm lang, ca. 6'/, cm Unis. Groß-Regalia Bocksaxon per lOO Stück jetzt nur 7,50 Mk. Marke Vuelta Abajo,£ Marke Raphael! III, Raphael! I lloiländischc Cigarren, Prima Rem» krundt van Ryn— Nr. 2 per 100 Stck. 6,50 Mk.— Nr. 1 per 100 Stck. 8 Mk.— Die Länge dieser Marken ist ca. 15 em, der Umfang ca. 4V, em. Nur aus den besten überseeischen Tabaken, kein deutscher Tabak. Alleinoerkauj für Deutschlal»d. Damit jeder Raucher sich ein Bild von dem Geschmack und Gewicht der so verschiedenartig in der Cigarre zusammengestellten Tabake machen lernt, verrathe ich ihm in folgendem Preisverzeichniß: «as G-eheinmiss der Cigfarren-Fabrikation! Marke Snmatra.* IV- Pfd. Sumatradecke, 4 Pfd. Doiningo-Umblatt, 4 Pfd. Brasil- u. 4 Pfd. Java-Einl., zus. 13',. Pfd. ca. 10 em lang, 5 em Ums. 100 Ttck.4Mk. Marke Vorstcn-Java.* Reform-Faxon, 2'/- Pfd. Borsten-Java-Decke, 5 Pfd. Domingo- Umblatt, 8 Pfd. Felix-Einlage, zus. 15'/- Pfd., ca. 12 em lang, 5'/. em Unifang. 100 Sick..... 4,50 Mk. Marke Sf. Felix.* Reform-Faxon, 6 Pfd. St. Felix- Decke, 5 Pfd. Deli-Umblatt, 3 Pfd. Vorslen- und 2 Pfd. la Cruz des Alnias-Einlage, zusammen 16 Psd. ca. 10V, em lang, SV, em Uinfang, 100 Stck. 5Mk. Marke Mandl Angin.* Reform-Faxou. 2 Psd. Nichts steigert den Gennb einer Cigarre mehr, wie der Wechsc Mandi Angin- Decke, 5 Psd. Deli-Umblatt, 8 Pfd. Felix-Einlage, zusainmeii 15 Pfd., ca. 10V, cm lang, SV? cm Umfang. 100 Sick...... 5 Mk. Marke Deli Ba.* Reform-Faxon, 2 Psd. Deli- Decke, 5 Pfd. Mandi Angin-Unibl., 7 Pfd. St. Felix, u. 2 Pfd. Haoana-Einl., zusammen 16 Pfd., ca. 12 em lang, SV, cm Umfang,.... lOO Stck. 0 Mk. Marke Brillante Felix.» Regalia-Faxon, 6 Psd. Brillante Felix-Decke, 6 Pfd. Vorstenlanden-Umblatt, 8 Psd. St. Felix-Einlage, zusammen 20 Pfd., ca. 14 em lang, 6 em Umfang, beschnitten und Mibe- schnitten...... 100 Stck 6 Mk. Dieselbe Marke in Reform-Faxon 100 Stck. O Mk MarkeTandem.* Reform-Faxoii, 2 Pfd. Deli-Decke. 4 Psd. Dcli-Maatfchappn-Uinblatt, 3 Pfd. Haoana und 5 Pfd. St. Felix-Einlage, zusammen 14 Pfd., ca. 10 cm lang, 5V, cm Umfang. lOO Stck. 6 Mk. Marke 91er IIa van»».* Resoriu-Faxoii, 2 Pfd. Haoana-Dccke, 4 Pfd. Ccneinba Deli-Uniblatt, 1 Psd. Havana u. 4 Pfd. St. Felix-Einlage, zus. 11 Pfd., ca. 10 em lang, b'li cm Ums. 100 Stück 6,50 Mk. Marke 94er Havana.* Reform-Faxon, 2' Pfd. tavana-Decke, 5 Pfd. Deli La- Umblatt, 8 Psd. a Cruz des Zllmas-Einl., zus. 15'/- Pfd., ca. llV-cm lang, 5Vi cm Ums..... 100 St. 7,50 Mk. Marke Havana Mexiko.* Reform-Faxon, 3 Pfd. Mexiko-Decke, 5 Pfd. Deli-tZa-Umblatt, 3 Pfd. 94er Havana, 6 Pfd. La Cruz des Almas-Einlage, zusainnien 17 Pfd., ca. 11'/, em lang, SV, em Ums. 100 St. 9 Mk. La Clor Havana.* Reform-Faxon, Handarbeit. 4 Pfd. 94er Havana- Decke, 5 Pfd. FF Deli-Umblatt, 4 Pfd. Brillante Felix und 5 Pfd. Havana, 9ler Einl., zus. 13 Pfd., ca. 12 cm lang, 6J, cm Umfang 100 St. 12,50 Mk. Diese Cigarre wird von Kennern höher wie echt importirle Havana-Cigarrcn geschätzt. Bei sämmtlichen Marlen versteht sich angegebenes Kcsnmintgctvicht pro 1000 Stück. der Önatitüt; wie uns die köstlichste Speise oerleidet wird, wenn wir sie nnablätzlich genieben, so auch eme Cigarre bei danerndcin Gcnnb. deshalb empfehle den Wechsel der Oualitäte». 2. - Scliulie und Stiefel in elegantester Ausführung, aus bestem Material hergestellt. f f Trotz vorhergegangener peinlichster Controle köniien sich an den von mir in den Handel gebrachten Waaren, ganz gleich ob bei Herren-Garderobe, Schuhwaaren oder Tigarren zc.»c. nicht sofort sichtbare Mängel herausstellen, welche den Käufer glauben machen könnten, nliiiderwerthige Waare erhalten zu haben.— Getreu ineinei» alte» Prineip, bleibt keine Rcrlamatioi» unberilcksichiigt.— Der Käufer empfängt— ganz nach Belieben— entweder neuen Ersatz in Waaren � oder sei» Geld und Aiislagen, sowie— ausgiebigste Entschädigung sür die gehabte Mühewallung— und bei Stiefeln oder Garderobe— wenn thunlich— die getragenen Gegenstände rcparirt dazu, ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. IkH f_�l, T..,..»» Sömmtlichc hier folgende Schirh- und Stiefelsorten können mindestens 25—50".,,»ntee nachstehenden Preisen verkaust werden, wenn dieselben aus Factis(sogenanntem Kunstleder, * 1 welches aus Lcderpappe und Gummi zusaniineiigesetzt ist) im Zuchthause hergestellt sind. Jeder Käufer solcher Waare«ist um sei» ausgegebenes Geld betrogen. S•" Jedes„meiner" Schuhwaarensabrikate ist aus das Peinlichste und Reellste von bestem Material hergestellt, und übernehme ich für die Haltbarkeit volle Garantie. , Die mit eine»!* bezeichnete» Artikel find ausnahmsweise theils mit Factisznthaten in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihrcnZiveck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen würden. Diese Artikel sind als solche auch die reellsten und werden nicht anders in den Handel gebracht.— Es lebt nn Publikuin die Anschaunng, daß jene Einlage, die sich m Schrihwaare» zivischen Sohle und Brandsohle befindet, mmdcrwerthig ist, sobald sie aus Spahn und nicht aus Leder besteht.— Diese Ansicht ist eine irrige.— Die Svahncinlagc ist uin mehr als das Biersache thcnrcr als das Leder, ivelches man hierfür zu verwenden pflegt.— Spahneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitairer Hinsicht mehr zu empfehlen als Leder.— Aus die Haltbarkeit übt die Einlage keinen Einfluß aus.— ($WtIIt{}flI"iIHrftt wurde meiue Coulanz vielfach insofern, als man von mir Entschädigung sür fehlerhafte Waaren verlangte, die bei unreeller Co»currc»z gekauft worden sind.— Um derartige» Auswüchsen iinropfTpr.(fnitfur PittrrpfTtmnftrD�im trfi ctnfwoSLMt* föniSrfinhtritiiiitrirrtrtcn pitirtpfiifirt— Änitfpr PvfiÄft oino fnlrfiP mih hnt bipfplfie QuFlllbßlDafll'Pli- denn nill? QCOL'tt Vorzeigung einer Entsel (Herrenstiefel) siiarbig« Meltonpantoffel� mit Filzsohle. 0,50 Mk. Plüsch.Pantoffel'm.Ledersohleu.Seitenlcder 1,20 Mk. Pomm.Plüschpantoffel"- in. starker Filzsohle 1,25 Mk. Dieselben mit iveißer Filzsohle.... 1.75 Mk. Oberfilzpantoffel' init Filz- u. Lcdersohle 1,05 Mk. Meltonpantoffel' mit Filzsohle u. Polster 1.75 u. 2,10 Mk. Oberfilzschuhe* mit Filz- u. Ledersohle 2,25 Mk. Plüsch- und Cordonetschuhe mit Leder- sohle und Absatz.......... 3,00 Mk �ihfUlllsiilfllltlC* SUP3 Roßbes., starke Ledersohle u. (slljljllUSsUtlllll, Absatz warm gefüttert 3,75 Mk. Schwarz« Filzzugftiesel rings mit hohem Roßledcr- besatz, warm gefüttert........ 7,25 Mk Filzschnürstiesel m. Aaraffen u. höh. Roßbesatz 7,25 Mk. Speciakitlit: Rindlever-Zugstiefel in prima ausgc- suchter frischer Waare— Vollledcr ohne Seitennaht, eigenes Fabrikat, Handarbeit, das Beste, das ich je geliefert habe........ 7,50 Mk. Specialttät: Rindleder< Schaftstiefel, ungeschw., in prima ausgesuchter Waare, eigenes Fabrikat, Hand- Arbeit.............. 8,50 Mk Spiegel- Roßleder- Zugstiefel, ohne Seiteniiaht, ge- nagelt, eignes Fabrikat, Handarbeit.. 8,25 Mk. Rostleder-ZugstiefeIaufRandgenäht,Handarb.8,50Mk. Spiegel-Rostleder-Zugstiefel, gewalkt, Oberleder auS einem Stück, aus Rand genäht(Handarbeit), eigenes Fabrikat............. 10,59 Mk Verfand-Bedingungen' Kalbleder-Zugstiefel, aus Rand genäht,.Handarbeit, 19,00 MI. Kalbleder-Zugstlefel, Karlsbader Fabrikat, auf Rand genäht, Handarbeit, mit Zwischensohle. 12,00 Mk. Rostleder-Halbschuhe mit Guinmizug n. Knopf- Verzierung............ 5,00 Mk. Rosilcder-Besatz-Halbschiihe, zum Schnüren oder mit Gummizug, aus Rand genäht..... 6,50 Mk. Satinir« Rostleder-Halbjchuhe, auf Rand genäht mit Besatz, in noch eleganterer Ausführung mit Gummi- züaen oder zum Schnüren, Handarbeit. 7,50 Mk. Lederpantoffel* auch Schlappen genannt, durchgenäht (Damenstiefel) 2,50 � Farbige Meltonpantoffel* mit Filzsohle. 0,35 Mk. Plüsch-Pantoffel* mitLedersohle u.Seitenlcd. 0,90 Silk. Poinin.Plüschpautoffel* init starker Filzsohle 1,00 Mk. Dieselbe» mit weißer Filzsohle.... 1.50 Mk. Oberfilzpantoffel* mit Filz und Ledersohlc 1,25 Nlk. Meltonpantoffel*»».Filzsohle u. Polster1,30 u. I,75Mt. Oberfilzschnhe* mit Filz und Ledersohle. 2,00 Nlk Filzhausschuhe* rings mit Roßbejatz, starker Leder- sohle und Abs........... 3,25 Mk Lederhansschuhe, warm gefüttert, mit Polster und Lcdersohle............ 3,50 Mk Filzschnürstiefel* mit Roßlederbesatz und Ledersohle 8,75 Mk. i>il Sch»itt4,75 Mk. warm gefüttert 4.50 Mk. Dieselben in. Winterlackbesatz höher ini Filzzugstiefcl* mit Roßlederbesatz, Francatnr beim Bersand obiger Schuiwaaren. berechne». Uuitansch bereitwilligst geilaitei. Zluch Dieselben mit Vacheltcbesay, warm gefüttert 5,00 Mk. Leder-Pautogeln, auch Schlappen genannt, bis 25 em Länge.............. 1,75 Mk Rohleder-HauSschnhe, ausgeschnitten, genäht 3,25 Mt Aeinsleder- Prouieuadeuschnh«* auSgeschnitlcil mit Schleife und Spitzkappe....... 3,00 Mk Dieselben init Lederabsatz...... 3,75 Mk Kalblack.Proinrnadcnschnhc,* ausgeschnitten 3,75 Ml. Dieselben init Lederabsatz*...... 4,50 Mk Rotzleder-Tchnürschnhc, genäht.... 4,50 Mk. Roftleder-Zugstiefel 5" hoch inlZnge, genäht 4,50Mk. Dieselben niit eleganter Lackkappe, 6" hoch im Znge, auf Rand genäht.... 0.25 Mk. u. 7.2.» Mk. Kalbleder-Halbschnhe z. Schnüren od. Knöpfen, auch niit Lackblalt........... 6,25 Mk Rostleder-Knopsstiesel aus Rand genäht mit aus- genähten Knopslöchern.... 7,59 u. 8,50 Mk. Tatin-Kalbleder-Zugstiesel, mit und ohne Lackspitze, auf Rand genäht, 6" hoch im Zuge 8,25». 9,25 Mk. Glacöe-Zugstiefel, santinelweich, auch mit Lackblalt, sehr hohes Faxon, ans Rand genäht.. 8,75 Mk. Satin-Kalb-Knopsticsel, aus Rand, gelb genäht, 9,50 n. 10,50 Silk. Cllarö.Knopssticsel, saiiiineiwcich, in vorstehender Ausführung, mit ausgenähten Knopflöchern, auch mit Lackblait....... 10, oo». 11.00 Mk Dieselben rings mit Kalblackbesatz, 10,00 u. 11,25 Mk. (5iinderstiefel) Oberfilz-Ohrciifchuhc* mit Filz- und Ledersohle bis 17 cm.............. 0,90 Mk Tieselben für Mädchen mit Filz und Lcdersohle bis 21 ein.............. 1,15 Mk. Roßl. Halbschuh zum Schnüren oder mit GiiM'-'�"". gcnag. Haudarb. bis 13 ern 2,75, bis 22- rn 3,50 bis 25 ein............ 4,£5 swt. Roßledcr-Kiiabenstiefel zum Schnüren, mit Agraffen genagelt, bis 18'). ein........ 3,50 Mk Dieselben bis 22 ern........ 4,50 Mk Diefelbcn bis 26 ern........ S,75 Mk. Roßlrder-Mädchcnstiesel ziai Knöpfen bis 18'/, cm............. 3,50 Mk Dieselben bis 22 ein........ 4,60 Mk. Dieselben bis 26 em........ 5,75 Mk. Erstling-, Babh und Mädchenschnhe* von Leder oder Filz sind in größler Auswahl und jeder Ausführung sowohl schwarz als farbig am Lager. Wiederverkäufern gewähre schon bei Entnahme von 1 Dg. Paar Rabatt. Für Gummischuhe und Gummisohlen, obgleich ,u den besten Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie, und sind solche daher von jeder ReclaiNa- tion ausgeschlofsen. Das Besohle»(Kernlcdcr, echte Luxemburger Eichen-Lohgcrbung) der Herrensticfcl«inschließl. der 'Absäße berechne ich mit 2,40 Mt.— genäht 10 Pf. lycurer; desgl. Dainrnstiefel 1,75 Mk.— genäht 10 Pf. theurer. Auf Wunsch Anfertigung nach Maust. Für Dainen ist in besoudereu Näuiue» weibliche Bedienung vorhanden. der nur gegen Rachnahnie oder volherige Einsendnng de» Betrages geschieht.— ausgeschlossen. Für Verpackung werden 10 Pf. . i. v � �"o.„....-----------. bin ich zur Riickzahlimg des Betrages gern bereit." wenn die"Stiefel iin Original-Ziistände erhalten sind nnd de- Kunde die stlorto-Auslagen tragt,' doch tritt letzterer Fall nur deshalb nicht ein. weit jeder Nachbar, der der Stiesel ansichtig wird, ihrer Billigkeit wegen den in—»->..>>>"■-«•,. �... Z,....-.a-......>...------------> r\ntt iStnit-nv» a«X i.. av, ds(VI„ü..>•• ,-l-.a a. � a«»........: rj..______ 1-M. e.if.r._____ r:.. v i;-T. c ll.„... i»;» C\f...;, a.... /T..~; Fi...:____ s....,*.■ von Seiten meines expedirenden Personais vorgeroinmei! ist, trage ich selbstverständlich sämmtliche Auslagen Es ist erforderlich beim Anpröbire»"eine Decke wolle man einen Stab in den getragenen Stiefel einpasse» und das Mast in Eentimetern angeben, mit der Bemerkniig. ob Spann hoch oder niedrig. D, R. Tl. i9.S Di*. Tliomalla. reis dankbar zahlt. Sobald jedoch bei der Ansführnng des Auftrages eine llnregelmästigl uulerznlegen, damit die Sohle nicht befchinntzt wird. Um da« Mast festzufiell fnt en. Lustdurchlaffcude und wasserdichte Fußbekleidung, ans wollenem, tassetartigem Gewebe. Gleiche, unter Umständen noch größere Haltbarkeit als Leder. Beste und vollkoininenste Fiißbekleidling der Jetztzeit. Keinen Schweihfich, keine eingetvachsenen Rägel, keine Krampfndcin, keine Gicht, kein Jucken der Fsche, keinen kalten Aich, Gummischuhe nberflnsfig. Ausführliches""894�°°»'' I'l-okessoi- v. Lsmarell, Leyden, Professor Gusserow l,n6«äÄe&ö"c»?3� Preisverzeichniss für Dr. Thomaila's Fussbekleidung! (Sfir.t>erreii.) �dttflÜL'ttt* Sämmtliche Herren-Zugftiesel werden jetzt ohne Boider- U''* und Seilennaht hergestellt. Durch dieses Verfahren. als meine eigene Erfindung im D. R.-M.-Sch. Nr. 441 63. hat der Thomalla- flieset noch mehr an Eleganz und Haltbarkeit gewönne», und das so häusige Ans- trennen der Nähte, wie da« Durchsickern de» Wassers ist nicht mehr möglich, weil keine Naht vorhanden. H«>dsch»ti» zum Schnüren oder mit Guminizug aus Rand genäht. Handarbeit mit dnrchlochter Leder- Spitzkappe Mk. 8,75. Zugstiefel mit Zwickel-Einsatz ohne jedeVorder- und Seitennaht IN» Lederspitzkappe auf Rand genäht. Handarbeit.. Mt. 10,50. Zugfttesel mit Besatz u. 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Tbomalls'ichcn Stiefel erst einmal bedient hat. wird sie ihrer außerordentlichen Vorzüge wegen nie wieder mit Ledersiics Alleiniger Berkaiis für ganz Deutschland l 1 Rcclamntioiicii, die Ledersticfeln vertauschen. ■Isvquss Raphael!, Berlin, Grössles imil äilestes feaiültas der Besidenz. «M Hauptgeschäft: Neue Promenade 8. gegenüber Stadtbahnhof VSrse. Ztvcigg-schäft: Spandauer Brücke Nr. 2. Fabrik für Cigarren, Schuhe u. Stiefel. Herrengarderobe, Liköre Z Sämmtliche Abtheilungen meines Etablissements find Sonn- und FseiertagS während der polizcilicherscitS erlaubten Stunden geöffnet. _ Mein Inserat Herren- nnd Knaben-Garderobe betreffend, siehe Seite S, S. Beiblatt. 4. Beilage zum Ur. 340. L0rtn ttiüst die An fn llveeitrsxernnjZO- Gesetzgebung? (Siehe auch Nr. 23� des„Vor>värts".> II. Tie im letzten Artikel besprochenen Bestimmungen des Unfall- verficherungs Gesetzes sind nicht die einzigen dieses Gesetzes, die eine» Voriheil des Umernehmertdums und eine Schädigung der Arbeiterklasse zur Folge haben. Erst von Beginn der 14 Woche ab wird die„UnfoQrciue" gezahlt. Bis dahin ist der Arbeiter lediglich auf die Lelstnngeii der Krankenkasse angewiese», zu der er allein oder vorzugsweise bis dahin gesteuert hatte. Es hat also— selbst den in einigen Fällen von, Beginn der 5. Woche ab zu zahlenden Unfallzilschnß mit in Rücksicht gezogen— der Arbeiter, ins- besondere in dem Fall, wo er Nliiglied einer freien Hilfskasse ist. s e l b st den übergroßen Thcil der Kosten zu zahlen. die infolge eines Betriebsunfalls zwecks Heilung des Verletzte» nothwendig werden. Diese Abwälzung der dem Unternehmer obliegenden Verpflichtungen auf die zumeist durch Arbeiter- beilräge gehaltenen Krankenkassen ist eine eigcnthüinliche Zlrl Ardeiterfnuorge. Tas Unfallgesetz gen ährt ferner den Berufsgenossenschafte», d. h dem Unternehmeithum. eine Machtfülle dem Verletzten gegen- über, die beispiellos ist. So hat die Berufsgcnossenschaft das Recht, zu verlangen, daß der Verunglückte das Heilverfahren nicht durch einen Arzt seines Vertrauens oder durch den Krankenkasien-Arzt bewirken lasse, sondern sich in Pflege der Bcrufsgenossenschaft selbst begebe. Ja, selbst wider den Willen des verletzten Arbeiters kann die Berufsgenossenschast bis nach beendigtem Heilverfahren statt jeder anderen L e ist u n g freie Kur und Verpflegung in einem Krankenhause gewähre». Selbst bei verheirathete» Arbeitern steht ihr in vielen Fällen diese Besugniß zu. Tos Reichs-Versichernngsamt ist in feiner Rechtsprechung sogar zu der Ansicht gelangt, dem Geletze entspreche es. anzunehmen, daß der Verletzte, wen» er lnibesugt sich weigert, i» ein Kraukeuhans zu gehen oder wenn er dasselbe unbefugt verläßt, oder wenn er ärztlichen Anordnungen nicht nachkommt, jeden Anspruch auf das Heilverfahren und seinen Anspruch auf die Unsallrente verliere, wenn nach ärzt- lichem Gutachte» die verbleibende Erwerbsunfähigkeit durch den Fortfall der Krankenhauspflcge hervorgerufen und vermehrt ivorde» ist. Welch kolossal ausgedehnten Gebrauch machen die Bciufkgenosieuschafte» von diesem, ihnen durch Gesetz und Recht- sprechung gegebenen Recht, das den verletzte» Arbeiter in seiner freien Enttchließung außerordentlich einschränkt, ihm eine ä»ßerst abhängige Stellung anweist, ihn häufig eines dalbivegs durch- schlagenden ärzllicheu Gntachteus für das Streitvcrsahrcn beraubt! Wo in aller Welt findet sich auf anderem Gebiet eine ähnliche Bestimmung, die den Verletzten zwingt, den Ano>d»unge» des Ent- schädigungspflichtigcn zu folgen? Und n ie zahlreich sind die Versuche von Aerzten und Bcrnfegenosseuschafte», verunglnckte Arbeiter, die i»„mediko- mechanischen" und ähnlichen Heilanstalten bc- handelt sind, als„Simulanten" insbesondere in solchen Fälle» hinzustellen. in denen äußere Spuren der Verletzung nicht wehr wadrnebnibar sind! Tie natürliche Folge solcher durch die Rechtsprechung berbeigeführte» außero>deutliche» Machtfülle der Bcrussgenosseiischasleu und beispiellose» Ohnmacht des Arbeiters ist in vielen Fällen, daß leider Arbeiter lieber unter Ausgabe ihrer schmalen Rechte aus den Anstalten fortlausen, als daß sie sich noch länger von ihnen durch nicht unisonst meist sehr hoch bezahlte Aerzte behandeln lassen. Hat doch erst lürzlich selbst das Reichs- Bersichcrungsamt anerkenne» müssen, daß ei» in solche Anstalt hiueiiigezwungener Arbeiter mit recht aus ter- selbe» fortlief, da die dort ihm gestellten Zumuthungen(zu hungern, im Schmutz zu liege», sich von Wanzen zerbeißen zit lassen und einen Höllenlärm statt der Nachtruhe entgegen- zunehmen) über das durch die Rechtsprechung gezogene Maß hinnnsginpcn. Es ist dringend nothwendig, daß zum mindesten dem Vertrauensarzt des Arbeiters und den Vertreter» der Ar- beiterschaft eine Ueberwachung der berussgenossenschaftlichen Heilanstalten und der Behandlung in denselben zugestanden Diev Tnjae. A»S dem Russischen von Wssewolod Garschi n. (Fortsetzung.) Ein Bild taucht in hellster Beleuchtung in nteiner Erinnerung auf. Es ist lange her; übrigens ist alles so lange her, mein ganzes Leben, das Leben, da ich noch nicht hier lag mit zerschossenen Beinen... Ich ging durch die Straße, ein Mcnschengedränge sperrte mir den Weg. Tie Menge stand da und blickte schweigend ans etwas Weißes, Blutiges, das kläglich winselte. Es war ein hübsches kleines Hündchen; ein Pserdebahnwagen hatte es überfahren, es lag im Sterben wie ich jetzt.� Ein Hausknecht kani, entfernte durch Püffe die zunächst Stehenden, packle das Hündchen im Genick und trug es fort. Die Menge verlies sich. Ob m i ch jemand forttragen wird?— Nein, liege still und stirb! Und das Leben ist so schön... An dem Tage, da das Hündchen verunglückte, ivar ich sehr glücklich; ich ging wie in einem seligen Rausch einher, und ich hatte auch Grund dazu. O, ihr Erinnerungen! quält finich nicht! laßt mich in Frieden! Vergangenes Glück, gegenwärtige Qualen... Wenn die Qualen wenigstens allein blieben, und die Erinnerungen mich nicht auch noch quälen wollten, die mich zu Vergleichen veranlassen. Ach, Sehnsucht, Sehnsucht! du bist schlimmer als die Wunden! Indessen wird es heiß. Die Sonne brennt. Ich öffne die Augen und erblicke dieselben Sträucher, denselben Himmel, nur bei Tageslicht. Da ist auch mein Nachbar. Das ist ja der Türke— der Leichnam— welch ein Riese! ich erkenne ihn— ja, es ist derselbe... Vor mir liegt ein von mir erschlagener Mensch. Warum habe ich ihn erschlagen? Da liegt er todl, blutüberströmt. Warum hat ihn das Schicksal hergetrieben? Wer ist er? Vielleicht hat er, ebenso wie ich, eine alte Mutter. Sie kann lange am Abend vor der Thür ihrer arm- seligen Hütte sitzen und hinansschaticn nach dem fernen Norden, ob er nicht kommt, ihr Einziger, ihr Ernährer. Und ich? Ich auch... Ich würde sogar gern mit ihm tauschen. W ie glücklich er ist! er hört nichts und fühlt nichts, nicht die schmerzenden Wunden, keilt Todesgrauen, keinen Durst. Tas Bajonnet hat ihm direkt das Herz durchbohrt... ein großes schwarzes Loch mitten in seiner Uniform... rings um dasselbe Blut... „Borivärts" Sonntag, den t3. Glitoder 1893 iverde. Der jetzige Zustand bedeutet ein Ausnahmerecbt des Unternehmers, von dem selbst phantastische Träumer eine Milde- rung des Kriegszustandes zivischen Unternehmerthmn und Arbeiterschaft nicht erhoffen dürfen. Das Verfahren zur Erstreitnng der Unsallrente hat nicht einmal die Erwartung gerechtfertigt. daß schnell entschieden werden würde. Leider sind schon heute die Fälle, in denen das Verfahren Jahre lang dauert, keine seltenen. Die„gelehrten" Elemente sind oft ein überflüssiger und schädlicher Ballast bei der Rechtsprechung. Wie leicht eS möglich ist, schnell zu urlheilen, wenn es sich »m die Interessen der Kapitalistenklasse handelt, zeigen z. B. die Exmissions-, die Wechsel-, die Hypotheken-, die Handelsgeschäfts- Prozesse. In den Handelskammer» fungiren als Richter neben einem gelehrte» Richter 2 der Vertretung des Großkapitals entoimncneLaien. Ihre Rechtsprechung erfreut sich allgemeiner Zustimmung. Würden bei der Rechtsprechung in Uufallsachen mehr Arbeiter und weniger „gelehrte" Beisitzer und Vorsitzende fungiren, so würde sicherlich der schleppende Gang der Rechtspflege alsbald geändert werden. Tie Rechtsprechung würde überdies dann nicht in dem Maße von kapitalistischen Anschauungen beeinflußt sein, wie dies heute der Fall ist. Es sei nach der Richtung hin an die Tüsteleien erinnert, ob eine Krankheit durch einen Betriebsunfall herbeigeführt ist oder ob sie Folge des gewöhnlichen Gewerbebetriebes ist(Berufs- krankheii); es sei ferner an die Begriffsbestimmung einer„Erwerbsunfähigkeit" erinnert. Erwerbsunfähigkeit und Erwerbsunmöglichkeit betrachtet die Unfallrechtsprechung als zwei völlig verschiedene Begriffe. Die Praxis nimmt im all- genieinen erst dann völlige Erwerbsunfähigkeit an, wenn die Arbeitsfähigkeit völlig geschwunden ist, also nur für den Fall, daß der Verungltickie, selbst wenn Arbeitsgelegenheit sich ihm bieten würde, zur Arbeit infolge seines Zustanbes außer stände wäre. Rücksicht darauf, ob auch wirklich Arbeitsgelegenheit für den verunglückten Arbeiter sich findet, nimmt die Rechtsprechung nicht. Diese Praxis ist offensichtlich falsch, da die Folgen der Vernnglückung auch die Arbeitsgelegenheit sür den Verunglückten vermindern und die völlige Erwerbsunmöglichkeit gegenüber der Konkurrenz Gesttnder herbeiführen, diese Erwerbs- »irniöglickkeit aber die Erwerbslosigkeit nach sich zieht: Die Er- werbslosigkeit ist also hier eine Folge der Erwerbsunfähigkeit. Die Macht der Berufsgeuossenschasten hat die dieser logischen Folge entgegeilgesetzte Praxis durchgesetzt. Das Unsallgcsey gewährt ferner der Berufsgenossenschaft auch nach endlich erstriitencr Rente eine Macht gegenüber dem Verletzten wie sie beispiellos dasteht. Die Genossenschast kann nämlich eine anderioette Feststellung der Entschädigung eintreten lassen, wenn in den Verhältnissen, welche für die Feststellung der Entschädigung maßgebend gewesen sind, eine wesentliche Ver- änderung eingetreten ist. Bekannt sind die Gutachten von den Genossenschaften gut bezahlter Älerzte, eine Besserung der Erwerbs- thäligkeit sei eingetreten, weil der Verletzte sich bereits an seineni Zusiaud„gewöhnt" habe. Aber anch mit solchen Guiachte», die dem Verletzten häusig unbegreiflich erscheinen, ist die Macht der Bernssgenossenschaften noch nicht zu Eiche. Tie Berufs- genossenschaft kann vielmehr eigenmächtig ans grund solcher Gutachten die Rente herabsetzen oder völlig streichen. Und von dem Augenblick an, wo sie solche Herabsetzung oder Aufhebung der Rente beschlossen hat, tritt dieser Beschluß in kraft. Von dem Zeitpunkt des Erlasses dieses Beschlnffes ab wird die geringere Rente gezahlt, wiewohl dieser Be- schluß noch nicht rechtskräftig i st, vielmehr vo n den böhercn Instanzen noch abgeändert oder aufgehoben werden kann. Eine ähnliche Erscheinung, wonach Beklagter und Richter in Einer Person vereinigt sind und wonach durch einfachen Bescheid des Beklagten ein rechtskräftig festgesetzter Anspruch vorläufig herabzumindern ist, bietet keine Gesetzgebung oder Rechtsprechung außerhalb Teutschlands dar und findet sich auch in Deutschland nur auf dem augeblich„in Fürsorge sür den Arbeiter" geschaffenen Gebiet. Tie Unfallgesetz-Novelle will kaiint einen der im vorstehenden hervorgehobenen Mängel der Unfall- Gesetzgebung beseitigen. Nicht viel mehr läßt sich vom Reichstag erwarten. Bedeute» doch diese Mängel ebenso viele Vortheile sür die Unternehmer- klaffe, für die Stumm und Konsorte». Unbekümmert hierum wird Das habe ich gethan. Ich habe es nicht gewollt. Ich wollte ntemandem böses thim, als ich in den Krieg zog. Der Gedanke, daß auch ich würde Menschen tödtcn muffen, tauchte in mir nicht auf. Ich stellte mir nur vor, wie ich meine Brust dem Kugelregen darbieten würde, und ich ging hin und bot mich dar. Und was nun? Narr, Narr! Und dieser unglückliche Fellah(er trägt eine egyptische Uniform) ist noch schuld- loser als ich. Ehe sie alle, wie Häringe in eine Tonne, in den Dampfer gepackt und nach Konstau- tiuopel gebracht wurden, hatte er von Rußland ebenso wenig je gehört wie von Bttlgarien. Es wurde ihm befohlen zu gehen, und er ging. Wenn er nicht ge- gangen wäre, hätte er Stockprügel bekommen, oder vielleicht hätte irgend ein Pascha ihm aus dem Revolver eine Kugel in den Leib gejagt. Er war in langem, mühseligem Marsche von Stambul nach Ruftschnk gegangen. Wir sielen über sie her; er vertheidigte sich. Als er sah, daß wir schreckliche Menschen sind, die seine englische Patentbüchse, System Peabody und Martiny, ntchl fürchteten, sondern immer weiter vordrangen, gerielh er in Schrecken. Als er davoneilen wollte, sprang da ein kleiner Mensch, den er mit einem Schlage seiner großen schwarzen Faust hätte tödten können, aus ihn zu und bohrte ihm das Bajonnet ins Herz. Was konnte er dafür? Und was konnte ich dafür, obgleich ich ihn getödtet habe? Was kann ich dafür? Weshalb quält mich der Durst? Durst! Wer weiß, was das Wort bedeutet? Selbst da- mals, als wir dttrck Rumänien marschirten, bei 40 Grad Hitze Märsche von süuszig Wcrst*) machten, empfand ich das nicht, was ich jetzt empfinde. Ach, wenn jemand käme! Herr Gott! In seiner riesigen Feldflasche ist sicher noch Wasser! Da muß ich mich aber erst hinschleppen; wie schwer mir das werden wird! Einerlei! Ich muß hin. Ich krieche; die Füße schleppen schlaff nach, während die geschwächten Hände den Körper, der sich nicht beivcgen kann, mühsam, kaum merklich vorwärts bringen. Bts zu dem Leichnam sind es etwa sechs Meter; für mich ist das aber weiter, und wenn nicht weiter, so doch schwieriger als zehn Werst. Aber ich muß weiter— die Kehle brennt mir wie Feuer; ich werde wohl vorher sterben— ohne Wasser— und vielleicht... Volksblatt 13. Jahrg. die Arbeiterpresse und werden die parlamentarischen Vertreter der Arbeiterschaft auf Abstellung derselben und aus eine der heutigen wirthschaftlichen Entwickeln»-; entsprechende Aendeumg der Gesetzgebung zu gunsten der Arbeiterklasse dringen. SoziSile VelkzkspfleigH?. Gewerbegrricht. Zu einer neuen Auslegung des s 124b der Gewerbe-Ordnung hat der Kammer I(Assessor v. Schulz) ein Prozeß die Gelegenheit geboten, den der Fabrikant Hirsch gegen die Arbeiterin' Löchelt angestrengt hatte. Ter Kläger, welcher der Beklagten widerrechtliches Verlassen der Arbeit vorwarf, beantragte beim Gewerbegericbt, dieselbe zu verurtheilen, wieder in das Arbeitsverbältniß zurückzukehren und den Vertrag zu erfüllen, d. h. mindestens die vierzehntägig- Knndianngssrist„abzuarbeiten" oder aber Schadenersatz nach ß 124b in Höhe des ortsüblichen Tagelohnes sür sechs Tage zu leiste». Fräulein L. wandte gegen die Klage ein, sie habe mit recht die Arbeit ohne vorherige Anskündigung verlassen, denn sie sei vom Werkmeister des Klägers grob beleidigt ivorden. Dieser hatte sie freches Franenzimmer geschimpft und ihr anch Schläge angedroht. Obendrein sei er mit der Lösung des Älrbeitsverh-ilt- n ist es einverstanden gewesen, was daraus hervorgehe, daß er zu ihr geäußert hätte, sie solle machen, daß sie„rauskomme". Eine Zeugin stellte den Sachverhalt jedoch anders dar. Die Beklagte ist nach ihrer Aussage niit einer Kollegin heftig aneinander gc- rathen, hat in maßloser Erregung u. a. von dieser als einein „frechen Frauenzimmer" gesprochen und sich in ihrer Erregiuig angezogen, um zu gehe». An der Thür sei der Beklagten dann »och allerlei eingefallen und so habe sie gewissermaßen zwischen Thür und Angel ihrem Herzen noch kräftig Luft gemacht, bis schließlich der Werkmeister mit den Worten eingeschritten sei:„Wen» Sie hier von frechen Franenzimmer» sprechen wollen, dann machen Sie, daß Sie 'rauskomme»." Hieraus entnahm der Gerichtshof, daß die Be- klagte thatsnchlich die Arbeit unberechtigter Weise verlassen habe und verurtheilte sie deshalb zur Rückkehr in das Arbeitsver« bältniß. Mit dem Eventualanspruch auf Entschädigung wurde der Kläger wegen Unzulässigkeit desselben abgewiesen, Der§ 124b der Geweibe-Ordiilliig bestimme wohl, daß eine der- artige Buße wegen Koutraklbruchs verlangt werden könne, setze aber hinzu, daß durch ihre Geltendmachung der Anspruch rnif Ersüllnug des Vertrages und auf weiteren Schadenersatz an-- geschlossen werde. Daraus niüsse gefolgert werden, daß auch umgekehrt die Gelte ndni ach ung des Anspruches ans Erfüllung des Vertrages den Entschädi- gungsanspruch ausschließe. Umzüge vo» Arbeitern aus einer Wohnung in die andere unter Benutzung des Gespanns des Arbeitgebers sind unier Umständen noch dem Betriebe des Arbeitgebers zuzurechnen, Unfälle, die dabei vorkommen, also als V e t r i e b s u n f ä l l e zu behandeln. In dem einen Falle, der zur Verurtheilumg der Berufsgenoffenschaft führte, war der Arbeiter verunglückt, als der Wage» im Sande stecken gebliebe» war und er mit dem Kutscher i» die Räder griff. In den Entscheidnng.sgrüi.dcn iübrte das Reichs- Vcisicherungsamt aus, daß die Gc- spanuleistuiig nicht aus einer Gefälligkeit des Arbeit- gebers. sondern auf einem örtlichen Brauch beruhte, und sie schon dadurch mit dein Betriebe in Zusamme»- bang gestanden babe. Der Zusammenhang mit dem Betriebe erstrecke sich zwar nur auf die ordnungsmäßige Aus- sührung der Gespannleistung, nicht auch aus Haudlunge» des Aibeilers, welcke er zur Ansi»tzung der Leistung ausschließlich in seinem Interesse vornimmt. Ta er aber beim Forlschiebcn des Wagens durch den Sand an der ordnungsmäßige» Aus- sührung der Gespannleistung mitthätig war, sc, lag auch ein Betriebsinteresse vor, dem seine Handlung diente. In einem zweiten Falle war der Kutscher einer Ziegeleiverivaltung beauftragt worden, die Familie, Möbeln und Arbeits- geräthschaften eines angeworbenen Zigeleiarbeiters vo» dessen bisherigem Wohnort nach der Ziegelei zu fahren. Die Abholung der Sacken sür solche Fälle war in der ganzen Gegend üblich. Der Kutscher fiel vom Wagen und blieb todt. Auch hier wurde die Ich krieche weiter; die Füße verstricken sich am Boden, jede Bewegung verursacht mir unerhörte Schmerzen. Ich schreie, jammere und schleppe mich dennoch weiter. Endlich! da ist er; ich nehme die Flasche.. es ist Waffer darin, und wieviel Waffcr! mir scheint, die Flasche ist noch mehr als halbgefüllt. O! an dem Wasser habe ich gemig ans lange Zeit... bis zum Tode! Tu rettest mich, mein Opfer! i�ch fing an, die Flasche loszubinden, indem ich mich auf einen Ellenbogen stützte; aber ich verlor das Gleichgewicht und fiel mit dem Gesicht auf die Brust meines Retters. Er strömte schon einen starken Verwesungsgeruch aus. »* * Ich habe getrunken. Das Wasser war warm, aber nicht verdorben, und, was die Hauptsache, es war viel vorhanden. Ich werde noch mehrere Tage leben. Ich erinnere mich, daß die„Physiologie des alltäglichen Lebens" sagt, oh»e Nahrung kann der Mensch eine Woche und mehr leben, wenn er nur Waffer hat. Da war auch die Geschichte eines Selbstmörders erzählt, der sich durch Hunger tödten wollte, aber sehr lange am Leben blieb, weil er trank. Nun, und wenn ich wirklich noch fünf, sechs Tage leben sollte, was iväre datnit gewonnen? Tie unserige» sind fort- gezogen, die Bulgaren chaben sich zerstreut. Einen Weg giebt es in der Nähe nicht— einerlei! sterben muß ich doch. Nur habe ich mir statt einer dreitägige» Todes- qual eine solche von eiiftr Woche vorbereitet. Wär's nicht besser, ein Ende zu machen? Neben meinem Nachbar liegt sein Gewehr, ein vorzügliches englisches Kunstprodnkt. Ich brauche nur die Hand auszustrecken; dann— ein Augen- blick, und es ist zu Ende. Patronen liegen auch noch da, ein ganzer Hansen; er ist nicht dazu gekommen, sie zu ver- schießen. Also— Ende machen oder abwarten?— Was? Er- rettung? den Tod?— Warten, bis die Türken kommen und mir die Haut von den verwundeten Beinen ziehen?— Lieber will ich doch selbst... Nein, man darf den Muth nicht verlieren; ich werde ausharren bis ans Ende, so lange die Kräfte vorhalten. Denn wenn man mich findet— bin ich doch gerettet. Vielleicht sind die Knochen nicht beschädigt, und ich kann geheilt werden. Ich werde die Hcimath wiedersehen, Mutter, Mascha,.. (Fortsetzung folgt.) *) Eine Werst etwa ein Kilometer. Berufsgenossenschnft umtvttcilt,- In dem dritten Fall, der cihnlich lag, wurde hinsichtlich der Entschädigungsfrage als bedeutungslos angesehen, daß die Anfuhr von dem angeworbenen Ziegelei- Arbeiter selbst und nicht von dem Kutscher der Ziegelei deivirkl worden war. Vorbedingung für alle solche Fälle ist, daß der betreffende Arbeiter in die Belrieb-arbeit bereits eingetreten und aus derselben noch nicht entlassen ist. Gevtdjks-Zeikuttg. Unfall oder Getve» bekrankheit? Diese Frage stand in einei» Prozeß zur Entscheidung, den der Anstreicher Kreuier zum Zwecke der Erlangung einer Unfallrente gegen die Hessen nassanische Baugewerks>Berussgenvsseusckaft führte. Die Seh- kraft des Klägers war in kurzer Zeit fast gänzlich geschwunden so daß er leine Beschäftigung aufgeben mußte. Die Berufs- genofsenschast lehnte es ab, ihm eine Rente zu gewähren, nachdem sie einen Arzt gutachtlich gehört hatte. Das fragliche Gutachten fußte darauf, daß Kläger schon vor Jahren unter den Erscheinungen der Bleivergiftung heftig erkrankt gewesen und nicht nur vorher, sonder» auch später ständig niit Bleifarben gearbeitet habe. Auch das Angenübel sei, so führte der Arzt aus, eine Folge der im Berufe zugezogenen Bleivergiftung, und zwar bestehe es in einer Entzündung der Sehnerven. Kremer sei dauernd unfähig, seinen jetzigen Beruf fortzusetzen, und vorläufig nicht im stände, andere Arbeiten auszusübren. Die Berufung des Klägers wurde vom Schiedsgericht abgewiesen unter der Begründung, daß hier kein Unfall im Sinne des Gesetzes vor- lrege, wenn das Leiden K.'s auch mit seinem Gewerbe ursächlich zusammenhänge. Dasselbe habe sich eben langsam herangebildet infolge der fortlaufenden Beschäftigung mit den giftigen Farben; zum Charakteristikum des Unfalles gehöre aber eine plötzliche Einwirkung auf den Gesundheitszustand. Das Reichs-Verncherungsamt als letzte Instanz erkannte ebenfalls zu Ungunsten Klemers. Sein Leiden sei nicht die Folge eines Betriebsunfalles, sondern eine Gewerbekrankhcit, welche, die Berufsgenossenschaft nicht zu entschädigen verpflichtet wäre. Fiir Radfahrer dürste eine rigorose Entscheidung Strafsenats des Kammergerichts von großem Interesse sein, welche am 7. Oktober gesälll wurde. Eine Polizei- Verordnung der Stadt Wiesbaden schreibt vor, daß Velozipediste» eine von der Polizeibehörde bestimmte Nummer an, Rade befestigt haben müssen. Der Radfahrer Götz, wohnhaft in Frankfurt a. M., kam auf einer Tour auch durch Wiesbaden, wo er vom Schicksal in Gestalt eines Polizeibeamte» ereilt wurde, dem er durchaus seine Nummer vorweise» tollte. ohne es zu können. Eine Geldstrafe wegen BerstoßeS gegen die erwähnte Polizeiverordnung voni Mai 1830 war die Folge. Das Schöffengericht verurtheilte der. Mann auf seinen Einspruch u»d die Strafkammer in Wies- baden wies die Berufung gegen das Urlheil zurück. Die Ver- Ordnung stehe nicht mit den Gesetzen in Widerspruch, und jeder. der in Wicsbaden auf dem Veloziped fahre, habe sich ihr bei Vermeidung einer Strafe zu fügen. In der Begründung der beim Kammcrgericht eingelegten Revision betonte Götz, daß er ja nicht in Wiesbaden wohne, deshalb also auch nicht wissen könne, was für Verordnungen dort maßgebend seien hinsichtlich des Rndfahrens. Im übrigen sei die Ver- ordnung ganz hinfällig, denn ein Radfahrer, der auf seinen Touren durch eine ganze Reihe von Städten komme, könne doch unmög lich für jede derselben eine besondere Marke bei sich führen. Die Revision wurde zurückgewiesen. Das Kammcrgericht erkannte die Verordnung als r e ch t s g i l t i g an und erklärte es für u n e rh e b l i ch, ob der durch sie Verpflichtete in der be- treffenden Stadt wohne oder nicht. Reichs- lversichernnaöamt. Zur Frage der Ab- f i n d u n g von Ausländern lieferte das Strcitverfahren zwischen dein Bauarbeiter Bock und der schlesisch.posenschen Bau- gewcrks- Berussgenossenschaft einen ganz interessanten Beitrag. Bock, welcher russischer Unlerthan ist, bezog infolge eines Unfalles eine Rente. Er beantragte nun bei der genannten Berufs- genossenschaft. ihm an stelle derselben ein« Kapitalsabfindung zu gewähren. Die Genossenschaft kam dem nach und sprach ihm durch Bescheid vom November 1834 den dreifachen trag der Jahrcsrente zu. Hiernnt gab sich aber Bock nicht zufrieden, er legte Berufung ein und verlangte den fünf fachen Betrag seiner Jahresrenle, eventuell wollte er die Rente weiter haben, Die Berussgenossenschaft erhob den Einwand. daß nach der einschlägigen Bestimmung des Bau-Unfallversiche rungs-Gesetzes bei Kapitalsabfindunge» nur der dreifache Betrag der Jahresrente zu gewähren sei. Das Schiedsgericht war jedoch anderer Meinung. Ter§ 33 des zilirlen Gesetzes spreche aus, daß Ausländer mit dem dreifachen Betrage der Jahres- renteabgefunden werden können, womit nach derUeberzengung des Gerichts nicht gesagt sei, daß jede der zulässige» Abfindungen diese» Belrag nicht übersteigen dürfe. Der Gesetzgeber könne nicht gewollt haben, daß ungleichartige Fälle gleichartig abgesunden werden. Ten dreifachen Betrag z» nehme», sei Kläger nicht verpflichtet gewesen. Das Urtheil siel zu gunsten desselben aus. Das Reichs Versichernngsamt als Rekursinstanz erklärte aber im Gegeust zum Berufungsgericht die dem Kläger durch den Bescheid November 1394 zugesprochene Abfindung in Höhe des dr�D«>e» Betrages der Jahresrenle für genügend. Ter Wortlaut des tz 39 des Bau-Unfall-Versicherungsgesetzcs sei von der Ge- nossenschafl ganz richtig dahin ausgelegt worden, daß die Kapitalsabfindung für Zlusländer stets auf den dreifachen Betrag der erhaltenen Jahresreute zu bemessen sei. Vevsammlutiüen. Im hiesigen Ztveigverein des ZeutralverbaudeS beut- scher Iraner sprach am 6. Oktober Genosse Adolf Hofs- mann unter lebhaftem Beifall über das Thema:„Glaube und Vernunft". Unter Vereinsangelegenheiten ivmde über die vom Vorstand zur provisorischen Einführung bestimmten Zahlstellen Miltheilung gemacht. Diese befinden sich: l. bei Fritz Preuü, Neue Friedrichstr 99; 2. Gustav Rothe, Kreuzbergslr. 12; 3. Wieske, Langenbeckstr. 14, Ecke Landsberger Allee; 4 Wolter, Magazinstr. 15, Charlottenburg; 5. Paul Gruner, Choriner- straße 30; 6. Bartel, Hermannplatz 7; 7. Gärtner, Vlolken- flraße 12.— Dem Vorstand wurde ausgegeben, sich möglichst �d mit der Direktion der„Urania" in Verbindung zu setze», den ersten Sonntag im nächsten Jahre, an dem das wissen- schaftliche Institut an Vereine ze. noch nicht vergeben ist, für den Brauerverei» bestimmt zu bekomme». Zum Schluß gab der Vor- sitzende bekannt, daß in den nächsten Tagen die Sammellisten sür die Familien der beiden verurtheilte» Kollegen Eberl und H ö s e ausgegeben werden, wobei er um flotte Betheiligung an den Sammlungen ersuchte. Diese beiden Kollegen, die jetzt eine Strafe von 3 und K Monaten verbüßen, hatten sich während der vorjährige» Aussperrung gegen indifferente Kollege» gewehrt, wodurch sie sich diese Strafe zuzogen. Es war deshalb be- schloffen lvorden, während ihrer Jnhastirung ihre Familien wöchentlich mit 15 M. zu unterstützen. Im Berein der Maschiuisten, Heizer und Berufs- genossen e, stattete in der außerordentlichen Generalversammlung an, 6. Oktober Kollege Haß wegen Verhinderung des Kollegen Wöbbecke den Kassenbericht sür Juli- September. Danach ergab sich bei einer Einnahme von 1577.59 M. und einer Ausgabe von 1295,23 M. ei» lleberschuß von 372.27 M.. und mit dem Bestand vom Juni(9944,91 M.) ein Gesamml-Kassenbestand von 6416 28 M Kollege Haß als Revisor bestätigte die Richtigkeil der Kassen- sührung. An stelle des Kollegen Wilsdorf, der sein Amt als Veisitzender niedergelegt hat, wurde Kollege Otto Kopelke, Blankenfeldeistr. 13, gewählt. Zur Agitation sür den Verein be- willigte die Versammlung 399 M. Im Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken u n d auf Holzplätze» beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, Berlin Filiale I, sprach am 7. Oktober bei Wilke. Anbreasstr. 26, Dr. Pinn unter Beifall über das Thema:„Tie Pharisäer einst und jetzt" Hieraus gab der Votstand die Abrechnung über das III. Quartal bekannt. Danach betrugen die Einnahmen, einschließlich des Bestandes vom II. Quartal, 473,29 Mark und die Ausgaben 271,99 Mark, so daß ein Bestand von 292.29 Mark blieb. Ter Sommernachtsball bei Lips brachte ein Defizit von 13 Mark. Der Kassirer erhielt Decharge. Es wurden dann auf Antrag des Vorstandes den streikenden Vergoldern 39 M. überunesen. Hierauf machte der Vorsitzende K o b o l d t Mittheilungen über die Heilanstalt der norddeutschen Holz- Berufsgenossenschaft in Ncu-Rahnsdorf, wo u. a. das Essen viel zu wünschen übrig lasse. Der Besuch der Anstalt sei vom Direktor überhaupt nur unter der Bedingung gestattet worden, mit den Kranken nicht in Berührung zu treten. Unter Gewerkschaftlichem ersuchte der Vorsitzende die Kollegen, ihm die Namen der Werkstatt- Vertrauensmänner so schnell wie möglich bekannt zu geben. Der Besuch der„Urania" geht am 17. Rovember vor sich. Billcts sind bei den Vorstandsmitgliedern und im Arbeitsnachweis, MmuBtnen-Ufer 4. zu haben. Die nächste Versammlung wird aziM. November abgehalten. In einer öffentlichen Versammlung der Glaser, die am 8. Oktober in der Sitten Iakobstr. 83 tagte, hielt Kollege Caspar ans Steglitz einen recht beifällig aufgenommene» Vortrag über die heutige Produktion, mit besonderer Berück- sichtigung der Verbältnisse der Weber im Eulengebirge. Dem so- dann gegebenen Geschäftsbericht des Vertrauensmannes Schulz folgte der Kassenbericht, den Kassirer R o ch o w erstaltete. Die Einnahmen beliefen sich seit dem 18. Dezember 1894 einschließlich eines Kassenbeftandes von 89.79 M. aus 129,89 M., denen eine Ausgabe von 74,35 M. gegenüber stand, so daß ein Bestand von 46,45 M. übrig blieb. Nach reger Debatte, wobei das passive Verbalien zu de» Glaserarbeitcn bei der Ausstellung getadelt und die Thatsnche gerügt worden war, daß seit dem 26. Februar nur drei öffentliche Glaierversammlungen abgehalten wurden, wählte man den Kollegen Schulz zum Vertrauensmann und den Kollegen Rochow zuni Kassirer. Außerdem übertrug man Scknilz die Ver- lretung der Glai'er in der Gewerkschastskomniission, wobei wegen der ungünstigen Kassenverhältnisse und wegen der niedrigen Zahl der organisirten Kollegen 19 M. Beitrngskostcn sür die Erhaltung des Gewerkjchastsbureaus als hinreichend festgesetzt wurden. Eine Meinungsverschiedenheit trat zu tage i der die Art der Sammlung für den Agitationsionds; man beschloß indcß, vorläufig die gegenwärtig übliche, nämlicb die der Listen- und Markensammlung beizubehalten. Zum Schlüsse wurde die llntersuchung der Verhältnisse der Revaralnrarbeit auf dem Lehrter Bahnhofe dringend empsoblen. Es waren Klagen laut geworden, daß die Glaseryesellen diese Arbeite» nur auf schwankenden Leitern, ohne jede Schutzvorrichtung vornähinen, n odurch sie in beständiger Lebensgefahr schwebten, lieber die Arbeits- und Lohnverhältnisie der Glaser bei den Ausstellnngs- arbeite» wurde von einem Kollegen mitgetheilt, daß der Quadrat- meier mit 25 Pf. vereinbart wurde; seit neuerdings die Arbeit rcihenweis vorgenommen wäre, gäbe es nur noch 23 Pf. Der Bei dienst stelle sich bei ungeregeltcr Arbeitszeit in bekannt ge- wordenen Fällen folgendermaßen: Bei wöchentlichem Vorschuß von 24 M. bekäme» die betreffenden Kollegen nach Ablauf von Wochen nichts mehr heraus, in einem Falle sei ein Defizit von über 1 M. vorhanden. Schöiieberg. In der Generalversammlung des A r b e i t e r- ild u ngs Vereins am 7. Oktober wurde die Abrechnung für das 3 Quartal gegeben. Die Einnahme betrug 541,95 M., die Aus« gäbe 421,35 M., mithin blieb ein Kassen bestand von 1 19,19 M. Hier- von wurden 59 M. sür das„Volksblatt" bewilligt. Mit wenig Ab- änberungen wurde» die von der Kommission vorgelegten Statuten angenommen. Dem Vorschli.ge, in der nächsten Versammlung die Vorstandswahl vorzunehmen, stimmte man zu. Hingewiesen ivnrde noch aus die am Sonntag, den 29. Okiober, stattfindende Volksversammlung, Ivo die Wahl der Vertrauensmänner vor- genommen werden wird. Für die am Montag, den 2l. Oktober, stattfindende Versanimlung des Vereins wird eine besondere Agi- tation entfaltet werden, wozu die Mitglieder in stärkstem Maße beitragen sollen. Ans dem Verein ansgeschlossen wurden der Buchdrucker Johann 5t o h l m a n n und der Restanrateur Schulz, Zieih-»straße. Mit einer Mahnung an die Mitglieder, im Versammlungsbesuch, sowie in pünktlicher Beitragszahlung nicht zu erlahmen, wurde die gut besuchte Versamnilung ge- schloffen. EKcis�ep s Gesellschaftshaus B Neue Könioelr. 7. Vferbebahiwrrbindnns. Iä* Großer Voll. OQT Gvofirv Kall Nrchrffer. 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