Abendausgabe Nr. 433 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 214 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife sind in der Morgenausgabe angegeben Redaftion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennis Dienstag 13. September 1927 Vorwärts= Berliner Volksblaff Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszett 8½ bis 5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29T Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Volkspartei und Schulgeset. Die Hanseaten gegen Kendell.- Sogar Scholz will die Simultauschule. Die Volksparteiler von der Wassertante hielten| berücksichtigt werden. Ich bin der Meinung, daß die erste Bestimdieser. Tage in Bremen eine sogenannte Hanseaten mung der zweiten vorgeht. Jedenfalls werden wir daran festhalten, tagung ab. Dabei beschäftigten sie sich auch mit dem daß die Gemeinschaftsschule, die ja dasselbe ist wie die SimultanReichsschulgefehentwurf, von dem sie für die Hansastädte mit schule, unbedingt als Regelschule anzusehen ist, daß sie bestehen Recht eine Gefährdung der dortigen Schulsysteme erwarten. bleiben muß, sofern nicht eine ausdrücklich zugelassene Option für Die Hanseatentagung faßte ihre Meinung über den Gesetz- die Konfessionsschule vorliegt. entwurf in folgender Resolution zusammen: „ Der neue Reichsschulgesetzentwurf nimmt auf die Intereffen des deutschen Voltsschulwesens und auf die Schulverhältnisse, wie sie in den Hansestädten bestehen, nicht gebührend Rücksicht. Wenn es nicht gelingt, in den Entwurf die Sicherheiten hineinzuarbeiten, die in dieser Beziehung not wendig sind, ist der Entwurf von den Vertretern der Hansestädte abzulehnen." Am anderen Ende des Reiches, in Rönigsberg, hielt der Fraktionsvorsitzende der Deutschen Volkspartei, Abgeordneter Scholz, vor den Wahlkreisvertrauensleuten einen politischen Vortrag, in dem er sich mit aller Schärfe gegen ein Reichskontordat mit der Kirche aussprach und hinzufügte: Umbau der Arbeitsnachweise. Die Aufgaben der Selbstverwaltungsorgane. 7 Das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung tritt am 1. Oktober in Kraft. Der Reichsarbeitsminister hat jedoch das Recht bekommen, einzelne Bestimmungen schon vor her in Kraft zu setzen. Von diesem Recht hat er inzwischen durch eine Verordnung vom 8. August Gebrauch gemacht. Es handelt sich dabei um jene Bestimmungen, die den Umbau der Arbeitsnachweise und die Mitwirkung der Selbstverwaltungsorgane ermöglichen. Damit ist der Aufbau der Reichsanstalt zur Tagesaufgabe geworden. Die Arbeiter und Angestellten sind an der richtigen Lösung am stärksten interessiert, hängt doch von einer leistungsfähigen Arbeitsmarktorganisation und dem Geist, der in ihr lebendig ist, ihr Arbeitsschicksal mit ab. Es ist deshalb selbstverständlich, daß sie den kommenden Dingen ihre größte Aufmerksamkeit schenken müssen. Man wird diese festen Zusicherungen des Leiters der volksparteilichen Reichstagsfraktion festhalten und mit dem tatsächlichen Vorgehen der gleichen Reichstagsfraktion in Vergleich stellen müssen. Zurzeit legt die Volkspartei noch großen Wert darauf, als Vorfämpferin der liberalen Schulform zu gelten. Eine Andeutung des ,, Demokratischen Beitungsdienstes", wonach zwischen Zentrum und Volkspartei Die Uebergangsbestimmungen des Gesetzes schon eingehende Verhandlungen über das Schulgesetz statt- sehen vor, daß die bestehenden Arbeitsnachweisämter der finden, wird heute noch von der Nationalliberalen Korre- Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenverspondenz" entrüstet abgewiesen. Wie lange diese Absicherung eingegliedert werden: das Reichsamt für Arbeitslehnungsstimmung aber vorhalten wird, bleibt abzuwarten. vermittlung wird die Hauptstelle der Reichsanstalt, die LandesIn seinem Wahlkreise Königsberg hat Herr Scholz und die öffentlichen Arbeitsnachweise werden die Arbeitsämter für Arbeitsvermittlung werden die Landesarbeitsämter übrigens auch auf den Flaggenstreit Bezug genommen. ämter. Auch wenn die Eingliederung noch nicht erfolgt iſt, Er erklärte dabei, daß bisher der Kampf um die Reichsfarben Eine Vereinbarung mit der katholischen Kirche, ein Kampf von Ideen" war, während jetzt, nach dem Ein- haben die alten Arbeitsnachweisämter die Aufgaben durchwie wir sie auch immer nennen, wer sie auch abschließen möge und greifen des Berliner Magistrats, sie die Eristenz jedes ein- zuführen, die den Gliedern der Reichsanstalt obliegen. Damit wes Inhalts sie auch sei, dürfe unter feinen Umständen die Schulzelnen bedrohe". Unter diesen Umständen hält er es für find jene unentbehrlichen Sicherungen für die reibungslose hoheit des Staates antasten. Die Deutsche Bolkspartei richtiger, den Weg des Volks entscheides einzuschlagen. Fortführung des Arbeitslosenschutzes getroffen. Keineswegs Doch wird ihm vor diesem Wege schon bange, sobald er nur ist jedoch damit gesagt, daß der gegenwärtige Aufbau unangetastet bleiben soll. Es wird die Aufgabe der Selbstver= daran denkt. Deswegen fügt er hinzu: Neugliederung, den sachlichen Notwendigkeiten entsprechend, waltungsorgane sein, zu ihrem Teil dazu beizutragen, daß die fo bald wie möglich durchgeführt wird. Das Gefeß sieht als äußersten Termin den 30. September nächsten Jahres vor. werde einen jeden solchen Versuch ablehnen. Auch über das Reichsschulgeset fand Herr Scholz sehr energische Worte. Nach dem Bericht seines Königsberger Parteiblattes hat er folgendes gesagt: Ein schwerer Prüfstein wird das Reichsschulgesetz sein. Die Deutsche Volkspartei wird dabei unbedingt an ihrem alten Leitsatz festhalten: wir wollen national sein bis auf die Knochen, aber wir wollen und müssen auch eine liberale Partei bleiben. Dr. Scholz führte zu dem Entwurf des Schulgesetzes noch aus, daß dem Wortlaut nach zwar die abfolute Schul hoheit des Staates festgelegt werden solle, aber es feien doch noch einige Hinter türen vorhanden, durch die praktisch eine geistliche Schulaufsicht hineinkommen fönne. Weiter verlangen wir die Gewissens- und Lehrfreiheit der Lehrpersonen. Sie ist äußerlich auch nicht angetastet, aber auch hierüber gibt es einige bedentliche Stellen. Ein fernerer Hauptpunkt ist die Stellung der Gemeinschaftsschule. Die Verfassungsbestimmungen über die Schule erweisen sich immer mehr als ein unseliger Kompromiß. Die Gemeinschaftsschule war damals als Regel gedacht. Aber auch das Elternrecht soll möglichst Für den internationalen Austausch. Breitscheid im 3. Ausschuß. V. Sch. Genf, 13. September.( Eigenbericht.) In der zweiten Kommission( technische Organisation des Völker bundes) stand heute die Frage der geistigen Zusammen arbeit zur Debatte. In der Aussprache ergriff Genoffe Breit scheid das Wort in französischer Sprache, um zunächst die Stellungnahme Deutschlands zu diesem Problem darzustellen, deren Wichtigkeit für die Völkerversöhnung man nicht hoch genug einschätzen könne. Die Erkenntnis dieser Bedeutung habe im letzten Jahre in Deutschland große Fortschritte gemacht. Wie schon in anderen Ländern solle auch in Deutschland eine nationale Kom mission für die internationale geistige Zusammenarbeit gebildet werden und die Vorarbeiten dafür seien schon soweit gediehen, daß die Konstituierung dieser Kommission bereits im Oktober erfolgen werde. Es werde auch ein besonderes deutsches Sekre Zwei Vorausseßungenwahrscheinlich unerfüll. bare müßten dazu allerdings erfüllt werden: alle pro minenten Persönlichkeiten müßten absolut festgelegt werden, die Stimme des Volkes anzuerkennen, und es darf vorher unter feinen Umständen ein Wahlkampf geführt werden. Das wäre allerdings für die Anhänger des alten Systems ein wundervoller Ausweg! Einfach abstim men laffen, ohne daß vor den Wählern die Bedeutung der Abstimmung überhaupt in einem Wahlkampfe erörtert würde! Aber sogar Herr Scholz sieht ein, daß das uner füllbare Bedingungen sind, und deswegen wird er sich, wie die übrigen Befürworter des Volksentscheides, über die Spielerei mit der Möglichkeit nicht hinauswagen. Unterstrichen muß jedoch werden, daß die Partei, die sich selbst noch immer als national bis auf die Knochen" bezeichnet, die Nationalfarben weiterhin zu bontottieren beabsichtigt! Wirklichkeit in der Hauptsache dazu dienen solle, die faschisti fche Propaganda durch den Film international fördern zu laffen.) Dennoch versuchte der italienische Vertreter in der Kommiffion sein Ziel dadurch zu erreichen, daß er Breitscheid als Berichterstatter der Kommiffion aufforderte, dieses Angebot der italienischen Regierung in seinem Bericht vor dem Plenum zu befürmorten. Darauf erwiderte Breitscheid, er sei leider tein Rinofachmann und könne dieser Aufforderung keine Folge leisten, da er die Prü fung dieses Angebotes von sachverständiger Seite abwarten müsse. Grandi in Genf. Mussolinis Unterstaatssekretär Grandi ist auf einen Tag nach Genf gekommen, um mit Stresemann, Chamberlain und Briand turze Unterredungen zu haben. Die Leistungsfähigkeit der Reichsanstalt hängt ab von der Lebensfähigkeit ihrer Glieder. Bei der Schaffung der Arbeitsämter wird es deshalb darauf ankommen, den Wirkungsbereich so abzugrenzen, daß die lokale Arbeitsvermittlung mit dem höchsten Muzeffekt betrieben werden kann. Der Bezirk des Arbeitsamtes muß groß genug sein, um eine spezialisierte Arbeitsvermittlung und eine gründliche Arbeitsmarktbeobachtung zu ermöglichen. Erst dann wird sich die Technik der Arbeitsvermittlung entwickeln fönnen. Solche leistungsfähigen Gebilde sind auch die Voraussetzung für die Entwidlung der Berufsberatung und die sonstigen Aufgaben der Arbeitsmarktpolitik. Bei größeren räumlichen Entfernungen find Nebenstellen zu errichten. Das Gesetz gibt dem Vorstand der Reichsanstalt die Möglichkeit für eine solche Neugliederung sowohl hinsichtlich der Arbeitsämter wie der Landesarbeitsämter. Diese Maßnahmen sind im Benehmen mit der obersten Landesbehörde Die Entscheidung liegt also beim Vorstand. Es ist anzuund nach Anhörung der Verwaltungsausschüsse zu treffen. nehmen, daß die Verwaltungsausschüsse für die praktischen Bedürfnisse einer zweckvollen Gliederung der Reichsanstalt volles Verständnis haben. Bei den obersten Landesbehörden werden sehr häufig die partikularen Interessen im Vordergrunde stehen. Um so nachdrücklicher muß betont werden, daß bei der Abgrenzung der Arbeitsämter und Landesarbeitsämter irgendwelche politischen Tendenzen keine Rolle spielen dürfen. Es wird Sache des Vorstandes sein, allen partitularistischen Bestrebungen rücksichtslos entgegenzutreten und nötigenfalls seine Entscheidungen auch gegen eine oberste Landesbehörde zu treffen. Als Organe der Reichsanstalt sind bekanntlich neben dem Borstand vorgesehen: die Verwaltungsausschüsse der Arbeitsämter und Landesarbeitsämter, außerdem der der und Vertariat eingerichtet werden. Beſonderen Wert lege man in Deutsch Schwerer Verkehrsunfall in Kiel. waltungsrat fönnen auf Grund der eingangs erwähnten land auf den internationalen Austausch von Studenten und Professoren. Was die Frage des Schußes der Urheberrechte betreffe, so neige Deutschland eher zugunsten des 30jährigen Urheberschutzes schon im Interesse der Schulbücher, und um Preistreibereien vorzubeugen. Ein 30jähriger Urheberschutz genüge vollkommen, um die moralischen und materiellen Interessen ter Hinterbliebenen zu wahren. In Deutschland schreite der Gedanke der Propagierung des Völkerbundsgedankens in der Schule vorwärts; besonders der preußische Unterrichtsminister Dr. Becker habe sich auf diesem Gebiete große Berdienste erworben. Die Ausführungen Breitscheids ernteten sehr starken und einmütigen Beifall, ebenso der Bericht, den er nach dem weiteren Verlauf der Diskussion dem Ausschuß unterbreitete. Daraufhin wurde Breitscheid einstimmig unter startem Beifall zum Bericht erstatter der Kommission über die Frage der internationalen geistigen Zusammenarbeit für die Plenarsizung des Völkerbundes gewählt. Der italienische Delegierte trat dafür ein, daß das Angebot seiner Regierung, ein internationales tinemato= graphisches Institut unter den Auspizien des Völkerbundes in Rom auf Kosten der italienischen Regierung zu errichten, möglichst debattelos angenommen und der Vollversammlung empfohlen werde. Der französische Vertreter Loucheur wandte dagegen ein, daß man diese Frage vorerst gründlich prüfen müsse.( Es wird nämlich vermutet, daß dieses Angebot der Regierung Mussolinis 6 Personen schwer, 20 leicht verletzt. Kiel, 13. September.( WIB.) Heute vormittag stieß auf der Ostseite der Kieler Förde in Neumühle- Dietrichsdorf ein großer kraftwagen, der mit Ausflüglern, u. a. auch mit Schulkindern, befeht war mit einem Kieler Straßenbahnwagen zusammen. Dabei wurde der Borderperron des Straßenbahnwagens eingedrückt. Von den Infaffen des Kraftwagens wurden sechs Personen schwer und gegen 20 leicht verlegt. Auch der Führer und einige Fahrgäste des Straßenbahnwagens wurden leicht verletzt. Der Zusammenstoß ist darauf zurückzuführen, daß der Führer des Kraftwagens einem plöhlich vor ihm auftauchenden Fußgänger, um ihn nicht zu überfahren, scharf ausweichen mußte. Furchtbare Menschenschlächterei. Zehntausende Chinesen niedergemacht. Peking, 13. September. Nach Meldungen chinesischer Lokalblätter töteten Mitglieder einer chinesischen Vereinigung einige Soldaten Fengyuhfiangs in Tschangte, einer Stadt im Norden der Provinz Honan. Die Truppen Fengyuhfiangs richteten darauf ein furchtbares Gemehel an, ohne auf Alter oder Geschlecht Rücksicht zu nehmen. Nach den Schähungen chinesischer Blätter wurden zwischen 30 000 und 80 000 Menschen niedergemacht. Verordnung des Reichsarbeitsministers schon jegt endgültig gewählt werden; bis dahin treten an ihre Stelle der jetzige Verwaltungsrat des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung und der auf Grund feines Vorschlages inzwischen bestellte vorläufige Vorstand der Reichsanstalt. Die Beisitzer der Verwaltungsausschüsse bleis... auch nach Eingliederung ihrer Arbeitsnachweisämter vorläufig im Amt. Werden die Bezirke mehrerer Arbeitsnachweisämter vereinigt, so gehören alle Beisiger ihrer Verwaltungsausschusse dem neuen Verwaltungsausschuß an. Sobald als möglich sollen die Organe der Reichsanstalt neu gebildet werden. Den Selbstverwaltungsorganen obliegt Mitwirkung und teilweise Entscheidung bei der Auswahl der Vorfißen den der Landesarbeitsämter und Arbeitsämter. Bon der richtigen Auswahl dieser Personen wird es abhängen, welcher Geist in der neuen Reichsanstalt lebendig sein wird. Die beste bezirkliche Organisation und die vollkommenste technische Ausrüstung ist wertlos, wenn feine Menschen vorhanden sind, die die Größe ihrer sozialen Aufgabe voll erfaßt haben. Von ihrem sozialen Wirken hängt das Vertrauen zur neuen Reichsanstalt ab. Das Selbstverwalfungsrecht ist in diesem entscheidenden Punkt äußerst un vollkommen; die weitergehenden Forderungen der Sozialdemokratie hat die bürgerliche Regierungsfoalition abgelehnt. Es wird ein Prüfstein für die neue Reichsanstalt sein, wieweit sie sich dennoch Bertrauen bei den Arbeitern und Angestellten erringen will. Obwohl die gesamten Kosten der Reichsanstalt aus den Bei fragen zur Arbeitslosenversicherung gedeckt werden, stellen die Arbeitnehmer zu den Selbstverwaltungsorganen nur ein Drittel der Beisitzer. Aber auch das war für die Bureaukratie noch nicht Sicherung genug. Bei Ernennung der Vorsitzenden der Landesarbeitsämter durch den Reichspräsidenten ist nur das Benehmen mit dem Vorstand der Reichsanstalt herzu- stellen, der vorher den Verwaltungsausschuß des Landes- arbeitsamts zu hören hat. Es ist aber außerdem noch das Benehmen mit der obersten Landesbehörde herzustellen. Nur die Vorsitzenden der Arbeitsämter ernennt der Vorstand der Reichsanstalt nach Anhörung des Verwaltungsausschusses des Arbeitsamtes. Für die Auswahl der Vorsitzenden der Landesarbeits- ämter und Arbeitsämter darf weder die akademische Vor- bildung noch irgendwelche Laufbahnordnung ausschlaggebend sein. Hier darf es nur eins geben: Heranziehung aller de- währten Kräfte und wirklich freie Bahn dem Tüchtigen. Es wäre eine Katastrophe, wenn Ochsentour und Berechtigungs- wesen den Geist der Neuen Reichsanstalt bestimmen würden. Löbe und Kriegsöienftverweigerung. Große Aufregung rechts. Auf einem demokratischen Friedenskongreß in Mann- heim, an dem auch der bekannte christlich-französische Vor- kämpfek der Verständigung, Marce S a n g n t e r teilnahm, hielt gestern Genosse Löbe eine kurze Ansprache, in der er empfahl, im Falle eines Krieges die Staatsmänner und Jour- naliften, die es soweit getrieben hätten, als erste in die Schützengräben zu schicken. Auch wäre ein internationales Gesetz wünschenswert, in dem erklärt werde, daß niemand zum Waffendienst gezwungen werden könnte. Darob fürchterliches Geschrei rechts. Der„Tag" fragt sogar aufgeregt, was der Reichstag dazu sagt. Diese Frage glauben wir im voraus beantworten zu können. Der Reichs- tag wird überhaupt nichts dazu sagen, weil er es nicht als seines Amtes betrachten wird, seinen Präsidenten unter Zensur zu stellen. Die vernünftigen Leute im Reichstag aber werden sagen, daß selbst im„Tag" noch selten eine so große Dummheit gestanden habe wie diesmal. Denn bekanntlich i st in Deutschland die militärische Dien st pflicht be- reits durch den Friedensvertrag beseitigt, während sie in den meisten anderen Ländern noch besteht. In ihrer Begeisterung für den Kommiß übersieht die Rechts- presse das gänzlich. Sie möchte gern Löbe den Prozeß machen, weil er— anderswo, wo sie noch besteht— die Militärdienstpflicht abschaffen will! Tie Deutschnationalen in Paris. Von den Deutschnationalen, die in Paris an der Tagung der Interparlamentarischen Union teilnehmen, hat man absonderliche Dinge erfahren. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurden denn auch die Abgeordneten Leopold, Dietrich Und Ulrika Scheide! van einem Vertreter der deutfchnationalen Parteikonferenz verant- wortlich vernommen. Sie erklärten, es sei nicht richtig, daß sie alle deutschen Reden In Paris gebilligt hätten, das gelte nur für die Rede Schückings, die anderen seien ihnen zuvor nicht bekannt gewesen. Begrüßt hätten sie wohl die Forderung L ö b e s nach Räumung des besetzten Gebietes, aber sonst hätten sie Lobes Rede als„unpolitisch" empfunden, ebenso Sollmanns Bemerkungen über die deutsckien Wehrverbände. Frau Ulrike Scheidet hätte auch dem Genossen Sollmann sofort ihr Befremden ausgesprochen. Hosfentlich wird man den Herrschaften nun glauben, daß sie sich in Paris als„aufrechte deutsche Frauen und Männer" benommen haben, so wie man sie sich in der Honoratiorenstube in Ratzeburg vor- stellt. Wäre es nicht so, so wäre es schlimm. Ebert-Sild und Postamt Dortmund. Wir berichteten kürzlich über das Verbot des Oberpostdirettor» des Postamtes Dortmund I, im Erfrischungsraum ein Bild des ersten Reichspräsidenten Ebert aufzuhängen. Auf die Beschwerde der Allgemeinen Deutschen Post- gewerkschaft hin hat die Oberpostdirettion nunmehr gestattet, das Bild im Sitzungszimmer des Betriebsrats aufzuhängen. Kpv.- Scherbengericht in ffalle. Zerschlagung der SPD. war das Ziel, aber man hat nur die eigene Partei zerschlagen. Halle, 13. September.(Eigenbericht.) Ueber die am Sonntag in Halle stattgefundene Stadt- delegiertentonferenz hüllen sich die hiesigen K o m m u- n i st e n in tiefes Schweigen. Man begnügt sich damit, eine Re- solution und einige Diskussionsbrocken zu verössentlichen, um dem Schein zu genügen. In der Resolution heißt es: „Die Aufgabe der deutschen Arbeiterklasse ist es, auf dem Wege der Niederschlagung der Bourgeoisie zu kämpfen gegen den imperia- listischen Trieb und zum Schutze der Sowjetunion die deutsche Bürgerblockregierung zu beseitigen. Die Arbeit der breiten werk- tätigen Schichten in den Gewerkschaften ist zu vervielfachen, die Zerschlagung der SPD. ist eine der wichtigsten Boraus- sctzungen zllm Sieg. In dieser ernsten Situation, wo es gilt, alle Kräfte der Partei einheitlich zusammenzureißen, um die gewaltigen Aufgaben zu erfüllen, sind wiederum unverantwortliche Kräfte in unserem Bezirk am Werk, die Partei als Bollwerk des revo- lutionören Proletariats zu zertrümmern. In un- verantwortlicher Weise wiird gegen die Funktionäre gehetzt, Frak- tionsarbeit geleistet m der Partei, schon eine neue Partei organisiert, der Versuch gemacht, das Vertrauen zur Führung zu untergraben. Die Stadtdelegiertenkonferenz oerurteilt energisch dieses unverantwortliche Beginnen und verlangt, daß die Bezirks- leitung alles tut, um die Einheit der Partei zu sichern." Die Resolution wurde mit 85 gegen 1Z Stimmen angenommen. In der Debatte wurde mitgeteilt, daß am vergangenen Freitag in Halle unter der Leitung von U r b a h n s eine F r a k t i o n s- s i tz u n g des Sportklubs„Merkur" stattgefunden habe. Urbahns umschleiche ständig die Halleschen Oppositionellen und namentlich Kilian sei vollkommen in den Netzen der Urbahns- Fischer-Jntrigen verstrickt. Es hat den Anschein, als ob man zunächst gegen die Ange- hörigen des Sportklubs Merkur in ihrer Gesamtheit aus Furcht vor tiefgreifenden organisatorischen Wirkungen nicht vorgehen und seine ganze Kraft auf Kilian konzentrieren wolle. Kilian wurde, was der Bericht verschweigt, zur Stadtdelegiertenkonferenz, an der er teilnehmen wollte, nicht zugelassen. Die Delegiertenkonferenz, auch darüber schweigen sich die Kommunisten aus, beschloß, den Be- zirksoorstand der KPD. zu ersuchen, den ordentlichen Aus- schluh Kilians aus der KPD. durchzuführen. Achtgroschenjungen". Ertappte Spitzelzüchter. Wir haben vor wenigen Tagen das Z u g e st ä n d n i s des Berliner Kommunistenblattes zitiert, daß die Bemühungen, das Reichsbanner zu„zersetze n", vergeblich gewesen sind, und daß das Reichsbanner heute gefchlosiener dastehe, als den Kom- munisten lieb ist. Zunächst hat das Kommunistenorgan auf unsere sachlichen Fest- stellunpen nur mit hilflosen Ausflüchten geantwortet, heute aber, nachdem eine Reihe von Tagen ins Land gegangen ist, kommt es mit der Behauptung, der„Vorwärts" habe eine„schmutzige" Denunziation" begangen, indem er den Verfasser jener Abhandlung als den„bezahlten Zersetzungsleiter" und„Zersetzungsmann" bezeichnete. Eine solche„Denunziation" pflegten sonst nur„bezahlte Achtgroschenjungen" zu begehen. Diese nachträgliche Aufregung beweist uns nur das eine, daß wir mit unserer Bezeichnung ins Schwarze getroffen hatten. Uebrigens sollten die Kommunisten mit der Verwendung der aus früheren Zeiten stammenden Bezeichnung„Achtgroschen- jungen" sehr sparsam umgehen. Denn noch in keiner Partei oder anderen Organisationen sind sovieleSpitzelinführen- der Stellung tätig gewesen als gerade bei den K o m M u- n i st e n. Heute ist gerade die Komnmmstische Partei die Lieferantin immer neuer Spitzel, die in andere Organisationen geschickt werden. Wir haben eftt vor kurzem den Fall de« Jugend- keiters aus Eßlingen erwähnt, der im Auftrage der'kam. muniftischen Jugendleitung die Sozialistische Arbeiterjugend„zer- setzen" sollte. Auch in Berlin sind solche Spitzel sestgestellt und schimpflich entfernt worden. Daß das„Achtgroschenjungen"syste,n im Reichsbanner keinen Erfolg gehabt hat, mußte der„Zersetzungs- mann' in der„RSten Fahne" selbst zugeben. Wenn überhaupt von „Achtgroschenjungen" die Rede ist, soll man in erster Linie bei den Kommunisten danach suchen, die Sozialdemokratie aber damit verschonen. Wie wirken üie Arbeitsgerichte! „Ucbcrmäßig stark in Anspruch genommen." Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Seit der Einrichtung der Arbeitsgerichte und Landesarbeits- geeichte sind erst zwei Monate vergangen, aber diese kurze Zeit hat bereits gezeigt, einer wie starken Inanspruchnahme die neuen Arbeitsgerichtsbehördcn ausgesetzt sind. War man sich an maß- gebenden Stellen zunächst darüber im Zweifel, ob die einzelnen Arbeitsgerichte ausreichende Beschäftigung haben würden, so haben die bisherigen Erfahrungen bereits gezeigt, daß die Arbeitsgerichts- behörden nicht nur durchweg gut zu tun haben, vielmehr in vcr- schiedenen Fällen— und zwar insbesondere die größeren Arbeits- genchte— übermäßig stark in Anspruch genommen sind, so daß schon jetzt bei einzelnen Arbeitsgerichten die Frage einer Vergrößerung der Zahl der Kammern und des Personals auftaucht. Der stärksten Inanspruchnahme ist naturgemäß das Berliner Arbeitsgericht— als größtes deutsches Arbeitsgericht— aus- gesetzt. Bei ihm sind bereits in den ersten Wochen derartig viel Klagen eingereicht warben und zur Verhandlung gekommen, daß nur unter allerstärkster Ausnützung des Personals eine Erledigung der anhängigen Sachen erfolgen tonnte. Im Monat Juli wurden im Berliner Arbeitsgericht nicht weniger als zirka 5100 Arbeits- s a che n erledigt, und im Monat August, in dem für gewöhnlich die Zahl der anhängig gemachten Rechtsstreitigkeiten in Arbeits- fachen wesentlich geringer ist, sogar fast noch 5 00 Sachen mehr. Nach diesen Zahlen zu urteilen, muß schon jetzt mit einem Jahres- durchschnittspensum von 66 000 Arbeitssachen für das Arbeitsgericht Berlin gerechnet werden, während im Jahre 1026 vor dem Gewerbe- und Kaufmannsgericht, den ordentlichen Gerichten und den übrigen Berliner arbeitsgerichtlichen Sandergerichten insgesamt nur zirka 54 000 Arbeitssachen zur Er- ledigung kamen. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in anderen Bezirken Preußens. So wurden zum Beispiel bereits bei einem größere» Arbeitsgericht im Westen im Monat Juli 4000 Sachen gezählt, während im Borjahre die Zahl der in diesem Monat verhandelten Sachen kaum mehr als die Hülste betrug. Wenn bei Würdigung dieses zahlenmäßigen Ansteigens der Prozesse in Arbeitssachen auch nicht verkannt werden soll, daß gewisse Prozehkonjunkturverhältttisse(der 1. Juli ist Kündigungstermin) und die Aufsparung vieler schon vor dem 1. Juli zur Klageerhebung reifer Sachen auf den 1. Juli an und für sich einen gewissen Andrang bei den neuen Arbeitsgerichtsbehörden mit sich gebracht haben, so besteht doch andererseits insbesondere im Hinblick auf die August- zahlen kein Zweifel darüber, daß unabhängig von den beiden an- geführten Momenten eine starke Zunahme vanarbeits» gerichtlichen Prozessen allenthalben zu verzeichnen ist: ein Zeichen auch dafür, daß man den neuen Arbeitkgerichisbehörden beim Publikum mit Vertrauen entgegenkommt. Das deutschnationale Panama in Württemberg. Wie die „Württembergische Zeitung" hört, sind im Zusammenhang mit den Unregelmäßigkeiten bei der Stuttgarter Handwerks- k a m m e r der frühere Vorsitzende Wolf, der frühere Syndikus Dr. Gerhardt, und der frühere Geschäftsführer des Einziehungs- amtes und Direktor der Landwirtschaftsstelle, Klemm, verhaf» tet worden. Todesurkeile im Leningrader Spionageprozeß. Neun Ange- klogie wurden zum Tode und 13 zu Gefängnisstrafen von 6 Mona- ten bis zu 8 Iahren verurteilt. Schule-- Theater- Zilm. Ein„Lehrgang" auf der Magdeburger Theaterausstellung. Ilnter den zahlreichen Tagungen, die in diesem Sommer auf der Deutschen Theaterausstellung in Magdeburg statt- gefunden habe», durfte auch die nickst sehlen, die das Verhältnis der i-chule zu Theater und Film zum Gegenstand hatte. Man erledigte das sehr gründlich: volle sieben Tage nahmen die Vorträge und Vorführungen in Anspruch, die das Ze n t ra l i n st i t u t für Erziehung und Unterricht in Berlin gemeinsam mit der Magdeburger Lehrerschaft veranstaltete: vom 2. bis zum 9. Sep- tember. Man könnte diesen recht ledernen und ausgesucht reizlosen „Lehrgang" als eine provinzielle Angelegenheit mit Stillschweigen übergehen, hätte nicht die höchste Schulbehörde des Reich«» segnend ihre Hände darüber gebreitet und in Perfan der Herren Dr. L e- bebe und Prof. Lampe die persönliche Regie übernommen. So aber nmß dieser Kongreß oder, wie man ihn offiziell getaust hat, „Lehrgang", als typisch und maßgebend angesehen werden. � Die Schule behauptet, sie habe ihre passive Haltung dem Theater gegenüber— man kann ckuch ruhig von einer negativen reden, insofern sie den Schülern die Freude an der klassischen Lite- ralur verekelt hat endlich aufgegeben, sie sei theaterfreundlich ge° worden. Aber da Hot sie den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Man findet zuweilen einmal eine besonder» humorbegable Lehrerin, die den Kleinen in der Grundschule den grauen Horizont der Ver- slandesdressur mit Kafperlespielen aufhellt: an einer Mittelschule mag sich wohl auch einmal ein besonders gelahn« Magister mit Theaier- geschichle und Bühnentechnik abgeben. Aber sobald der Regisseur- ehr geiz in Manchen Lehrern ausbricht und sie niit ihren Zöglingen Laienspiele v.-ranstalten, geraten sie meistens auf Glatteis. Dann wirkt der Fluch der Kaisergeburtslagkseiern weiter, und statt des „Gemeinschastsgeistes", den sie zu pflegen vorgeben, züchten sie jene verheerende Dilettonteneitelkeit, die allen Geschmack und alle Selbst- ufrilik»ergistet. Was den Inhalt dieser Schüleraussührungen an- gehl, so fllhrt er die Jugend von der Gegenwart ab und kultiviert nach bewährter Stubenhockerart das schöne, galdene, romantische Mittelalter. Unsere Kinoer müssen nun einmal wie in wilhelmi- Nischen Tagen zu Träumern und Wolkenkuckucksheimern erzogen werden— nur beileibe nicht zu Tatmenschen, die mit hellen Augen in die Welt der Gegenwart schauen. Der„Geestlander Tanzkrei»" und Cuserkcs„Schule am Meer", die noch immer ihre minniglichen Reigen hopsen wie schon vor 20 Iahren, werden als Muster ge- priesen. Weit bedenklicherr noch ist die Haltung des Zentalinstitut» dem Fk l m gegenüber. Was soll man dazu sagen, daß der Borsitzende d5r Fimprüfstklle, Lampe, dem„feststehenden" Film, d. h. dem seit Jahrzehnten gebräuchlichen Lichtbild den Borzug gibt vor dem„be- weglichen", d. h. dem, was wir allein als �Filni" anzusprechen pflegen! Die Proletarierkinder der Grundschule werden noch immer unter den Augen des Zentralinstitut» mit den scheußlich kolorierten, oönzlich wertlosen„Märchenbildern" abgespeist, und die wirklichen Filme, die man vorführte, bewiesen die Ahnungslosigkeit de« Herrn Professors in Dingen des Geschmacks. Da gab es ein erbärmlich auf- gezogenes Feenmärchen, von Thea von Horbou mit oller- Hand lyrischem Schleim eingeweicht, den ersten Teil des R i b e° lungen-Film», den seinerzeit der Herr Professor al«„volks- bildend" empfohlen hat. Die„Weber" wirkten neben soviel Kitsch nur noch als dürftige Konzession. Das eben ist das besonders Niederdrückende, daß der Geist dieses reaktionären Herrn Lampe, der in einem Rhein-Vortrag aus feiner Hohenzollernbegeifterung kein Hehl machte und unter den um Preußen verdienten Rheinländern weder den Freiherrn vom Stein, noch Marx und Engels und nicht August Bebel nannte— lleberschrift„Staatsbürgerliche Erziehung"— daß dieser wilhelminische Geist diese Tagung regieren durfte. Dr. Hermann Hiebe r. Der fünfte Znternottonale Kongreß für vererbungs Wissenschaft wurde im großen Vortragssaal des Langenbeck-Virchowhaufes von Professor Dr. Erwin B a u r(Berlin-Dahlem) eröffnet. Etwa 1000 Teilnehmer aus allen Kulturstaalen haben sich zu dem Kongreß eingefunden. Vom Reich, vom preußischen Staat und von den Be- Hörden wurden Vertreter zu feiner Eröffnung entsandt. Im Rahmen der Begrüßungsansprachen führte u. a. der Leiter des städtifchen Gefundheitswefens v. Drygalski aus, daß die Arbeit des Sozial- hyglenlker», der für die unmittelbare Gegenwart sich bemüht, sich immer mehr mit der des Rassenhygienikers vereinigt, der für die Zukunft schafft. Gerade die wissenschaftlichsten und ernstesten Rassen- hygieniker erkennen beim Menschen nur die eine Rosse„Mensch" an, und so wird auch gerade die Arbeil des Kongresses immer mehr zu der friedlichen Bereinigung der Völker beitragen. Die Wissenschaft- lichen Verhandlungen begannen mit einem Bortrag von Pros. E rn st v. W e t t st e i n- W i e n über„Das Problem der Evolution und die moderne Vererbungslehre". Zubiläumsstistungen für das Germanische Museum. Das Ger- manische Nationalmuscum in Nürnberg hat aus Anlaß seines 75- jährigen Jubiläums eine große Anzahl von Stiftungen erhalten, die jetzt in einem Saal« vereinigt ausgestellt sind. Besonders er- sreulich ist die Erwerbung eizres Hauptwerkes der Nürnberger Ma- lerei des J5. Jahrhunderts, der Kreuzabnahme Christi von Hans Pleydenwurff, eines Bestandteils des großen Breslauer Altars des Meisters aus dem Jahre 1462: zwei kleinere Reste der Kreuzigung von demselben Altar haben sich im Breslauer Museum erholten. Henry Thode hatte seinerzeit die große Kreuzabnahme im Pariser Kunsthandel wieder aufgesunden, und die Rllckerwerbung dieses bedeutenden Werkes führte nun ein Hauptdenkmal des niederländisch gerichteten Realismus nach Deutschland zurück, der in der lebhasten Bewegung und in der reizend belebten Landschaftsschilderung etwas Neues für die deutsche Malerei bedeutete. Geh.-Rat Dr. von Petri und Generaldirektor Dr. Rausch haben das Bild dem Nürnberger Museum gestiftet. Die Reichsregierung schenkte eine um 1460 ge- malt« Geburt Ehristi, die wohl aus dem Elsaß stammt. Don Jörg Breu, dem Augsburger Meister der Frührenaissance, wurden dem Museum zwei Teile seines Herzogenberger Altars geschenkt. Sie sind ausgezeichnet durch ihr etwas derbes Temperament Bon dem bayerischen Maler Hans Wertinger, dem sogenannten Schwabmaler, schenkte man dem Museum zwei Bilder aus seiner Folge der Mo- »ate, die die Sommerfreuden und die Erntearbeit vom Juni bis August schildern. Als Werk der neueren Malerei kam ein schönes Selbstbildnis des Berliner Hofmalers Amaine Pesne bei dieser Ge- legenheit nach Nürnberg. Auch einige ausgezeichnete spätgotische Plastiken erhielt das Germanische Museum: so eine westpreuhische Schreia-Maria aus der Zeit um 1390 von jenem seltenen Typus, der die thronend« Mutter Gottes, hier in sehr seiner alter Vergol- dung und Bemalung, als aufklappbare Lindenholzfigur zeigt, deren ganzes Gewand sich öffnen kann. Dann ist da eine zierliche Heim- fuchungsgruppe in dem fließenden Stile der Zeit um 1400 aus Sandstein. In die Zeit der alten Kunst- und Wunderkammern führt die lustige Figur eines Trommlers aus dem 18. Jahrhundert. eine Holzfigur, die zum Aufziehen ist und einen hübsch bemalten Clown zeigt. Man erinnert sich dabei der Szene in Goethe- Aus- sotz„Der Sammler und die Seinigen", wo die Herrschaften die Sammlung besichtigen und die Dienerschaft unterdessen beim An- hören des Getrommels eines solchen großen grotesken Spielzeug- Clowns sich vergnügt. Herbst. Draußen, der Baum vor meinem Fenster, der steht noch im vollen Schmuck seiner grünen Blätter. Bloß, wenn man genau hinschaut, stößt das Auge ht» und wieder auf vereinzelte gelbe Stellen: die ersten Opfer der Jahreszeit, der Beginn des allgemeinen Biättertodes. In ein paar Wochen werden es schon mehr gelb- Blätter sein, und dann noch»in paar Wochen später wird der jetzt noch grüne Baum rot und orangen»nd violett aussehen. Da werdei' dann die Menschen davon reden, daß auch der Herbst seine Reize habe, und sie werden sagen, daß sie sich an der Dergilbtheit der Blatter nicht weniger erfreuen, als sie an ihren, Grün sich labten. Glückliches Menschenauge, das um das Sterben herum seine Poesie weben kann, dos Vergilbtheit und Ausgedörrtheit als romantischen Zauber empfindet!— Der Philosoph Lichtenberg hat sich einmal darüber amüsiert, daß die von zarten Dichtergemütern so gern zitierten Sonnenstäubchen ja eigentlich nur ausgewirbelter Dreck seien, der van Bakterien wimmele. Ach. auch das farbenfrohe Bild des hinsterbenden Blätterschmuckes ist einer jener geschickten Drehs der Natur, womit sie einer an sich unerfreulichen Sache den Deck- manlel einer erfreulichen Aufmachung verleiht. Die Natur ist groß- zügig, die Natur ist gut. Sie hat in das Menichcnherz sogar die Befähigung zu der Phrase gelegt, die noch in den Verstümmelten eines Schlachtfeldes notwendige Bausteine staatlichen Lebens er- blickt. Warum sollte sie uns nicht auch in dem Dabinwelken und Absterben der Natur reizvolle Schönheiten erblicken lassen können! Arme gelbe Blätter! Schade, daß auch unsere Glorifiziernng eures erbärmlichen Zustandes euch nicht darüber hinweghilft, daß ihr Nun bald als elender Dung auf die Schippe des Straßenkehrers wandert. _ H. B. vi« dleslährigea Zipfen de» Ebner-Es»-«bach-Aond». erhöht durch ein« Widmung des Journalisten- und Tchriilllellerverein« Soneordia, winden durch den Vorstand der deutschen Schiller- Stiftung der Dichterin Ina Seidel in EbcrSwalde zuerkannt. «elamtausgate von Zola» werken. In Pari« beginnt jetzt»in« e«. jamtauSgabe der Werke ZolaS zu erscheinen, die von seinem Echwieaer- fohn Manrie« Le vlond besorgt wird»nd eine Anzahl seither noch nicht veröjsentlichter Arbeiten bringt. Drei Wochen in Moskau. Eindrücke eines Sozialdemokraten. Im Rahmen einer Gesamtveranstaltung der„3 u n g s o z I o- l i st i s ch c n Vereinigung" berichtete Genosse Dr Otto Friedländer im großen Sitzungssaal des Bezirksamts Kreuz- berg.vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft von seinen Eindrücken, die er anläßlich einer in diesem Sommer unternommenen Studien- reise nach Moskau gewonnen hatte. Genosse Dr. Friedländer war im Austrage eines textilwirtschafklichen Privatunternehmens nach Rußland gereist: dank dieses„Umweges" dürfte er der erste Sozialdemokrat sein, der sich im„gelobten Land" ohne das Gängelband der Sowjets— frei bewegt hat. Interessant ist seine auf genaue Kenntnis der Dinge beruhende Mitteilung, daß das seinerzeit erlassene Verbot einer Einreise Kurt Hcinigs nach Rußland weniger von den Berliner Stellen als von den Sowjetgewaltigen in Moskau ausging. Genosse Dr. Friedländer, dem private Dolmetscher zur Verfügung standen, berichtete im Ansang seiner Ausführungen von der starken propagandistischen Kraft, die das neue Rußland bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten entfaltet. So begrüßt z. B. den aus Deutschland Einreisenden an der russischen Grenze ein großes Tor mit der Inschrift„Proletarier aller Länder vereinigt euch!": die gleiche Inschrift kann man aber auch auf— Tintenfässern lesen. Viele Gebrauchsgegenstände, die in den vergesellschafteten Unternehmungen hergestellt sind, zeigen„Hammer und Sichel" als Schutzzeichen des Staates. Plastisch und farbig war das Bild, dos der Referent vom Mostauer Straßenlebcn zeichnete, in dem neben stimmungsstarken Eindrücken(darin sind die Russen Meister) die Aermlichkeil und Dürftigkeit schlecht ernährter Menschen aussallen. Denn die soziale Lage der arbeitenden Massen ist in Ruß- land alles andere als gut. Genosse Dr. Friedländer Ijot viele Fabriken besucht, die fast ausschließlich von sogenannten „Berufsrevolutionären" geleitet werden, d. h. von Männern, deren Zuverlässigkeit in einem jahrzehntelangen illegalen Kampf gegen den Zarismus erprobt ist. Die Fabriken arbeiten mit einem v e r- altetcn Maschinenpark, für dessen Reubeschassung bisher kein Kapital vorhanden ist. Dabei wird bis zu SO Pro), im Akkord gearbeitet. Die Löhne sind erschreckend niedrig. Einschließlich der Ueberstunden, von denen zwei pro Mache erlaubt sind, verdient ein Fabrikarbeiter 50 bis 52 Rubel im Mcnat. Räch unseren Geld- Verhältnissen sind das 100 Mark. Die Kaufkraft des Rubels ist aber gegenüber den Gegenständen des täglichen Bedarfs etwa um die Hälfte gesunken, was teilweise durch soziale Erleichterungen weit- gemacht wird. Letzlere hinzugerechnet, kommt aber kein anderer Reallohn als 80 bis 00 Mark für den Monat heraus. Hochqualifizierte Arbeiter verdienen 130 bis 200 Rubel im Monat. Die Mieten sind nach dem Einkommen gestasfelt: bei ihrer Festsetzung fallen aber nicht selten ungerechte Entscheidungen. Ein einfacher Anzug kostet in Rußland nach deutschem Gelde 240 Mark. Die Mohnungsoerhöltnisse sind sehr schlecht. Zwei Familien wohnen oft genug in einem Raum, nur durch einen Kreidestrich ge- trennt. Die Zahl der Erwerbslosen, die eine sehr niedrige staatliche Unter st ützung erhalten, beträgt ungefähr eine Million. Das russische Elend wird aber den„Arbeiter- delegationen", die von Spitzenleistungen zu Spitzenleistungen geführt werden, nicht gezeigt. Und dieses Elend zeigt sich am grauenbaftesten im Riesenhecr der elternlosen und obdachlosen Kinder, die von Dellelei. Diebstahl und selbst von Prostitution leben. Gegen dieses Elend geschieht nichts, dagegen werden von der Sowjetregierung un- gezählte Gelder sllr Propagandazwecke ausgegeben. Während die Reklamehelden der Wcltrevolution in allen Ländern ihren Unfug stiften, wächst in Rußland eine Verbrechergeneration heran, deren Ausrottung durch Gewaltmittel die russischen Bauern ernstlich fordern. Lichtblicke weist Rußland nur in wenigen sozialen Ein- richtungen auf, die allerdings in anderen Ländern auch nicht un- bekannt sind. Die Industrie ist zu 80 Proz. sozialisiert. Die einzelnen Fabriken, die zu Trusts zusammengeschlossen sind, arbeiten nach dem Prinzip der Bedarsswirtschaft. Kein leitender Kommunist hat ein höheres Gehalt als 223 Rubel im Monat, während die technischen Direktoren bis zu 730 Rubel verdienen. Der P r i v a t h a n de l ist mit Steuern belegt, die ihn fast erdrücken und darum korrupt machen. Die Bauern, die nicht genügend Land anbauen, sind mit ihrer Lage keineswegs zufrieden, doch ist von Ihnen keine aktive Opposition zu erwarten. Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit Ist vollständig und la ihren Ausmaßen für jeden RIchtrusien unerträglich. Geistige Stickluft liegt über dem Lande. Auch die Berwaltungsbureaukrati«, die nur vor Eheschließungen und Scheidungen halt macht, Ist schlimm. Alles in allem ist die soziale Lage Ruhlands«ine schlechte. Wenn es Rußland nicht in absehbarer Zeit gelingt, vom Ausland aus dem Wege der Kreditgewährung Kapitalien zu erhalten, wird es neuen wirtschaftlichen Erschütterungen ausgesetzt seln. Das Rußland von heute ist kein Paradies und keine Hölle, aber ein Schattenreich, in dem die arbeitenden Massen ein schweres Leben führen. Ratowfti soll abziehen. Die Reaktion nützt seine Unüberlegtheit weidlich anK. Paris, 13. September.(Eigenbericht.) Der„Fall Rakowfki" und die Tatsache, daß der jüngste Minister- rat im Prinzip beschlossen haben soll, die Abberufung des russischen Botschafters von der Sowjetrcgiernng zu verlangen, be- schäftigt die französische Presse in außerordentlich starkem Maße. In den Rechtsblättern wird ans diesem Anlaß eine neue Kampagne für den endgültigen Abbruch der Beziehungen zwischen Frnnkreich und den Sowjets eingeleitet. Diese Kampagne scheint uns aber aussichtslos zu bleiben. Aller Voraussicht nach wird die fron- zäsische Regierung sich darauf beschränken, die Abberufung des Bot- schaflers von der Sowjetregterung zu verlangen und durchzusetzen. In den Linksblättern wird diese Lösung als die vernünsligste begrüßt, auch B r i a n d soll, wie mehrere Blätter aus Genf melden, damit einverstanden sein und jedenfalls dem Beschluß der Abberufung des russischen Botschafters durch den Ministerrat keinerlei Schwierigkeiten in den Weg legen. Er hat dem Korrespon- ten des„Temps" erklärt, daß er selbst die Akten des Falles dem Ministerrat habe vorlegen lassen und daß er sie Stück für Stück geprüft habe und mit seinen sämtlichen Ministerkollegen über diesen Fall einig geh«. Den»„Excelsior" zufolge ist anzunehmen, daß nach der Abberufung Rakowskis die Geschäfte Rußlands durch einen Geschäftsträger versehen werden. Der„Ouotidien" hingegen erklärt, von mehreren Ministern zu der Mitteilung ermächtigt zu sein, daß die verbreitete Meldung u n- zutreffend sei. Der Ministerrat habe lediglich ohne Aus- spräche beschlossen, mit der Diskussion bis zur Rückkehr Briands zu warten. Danach sieht es so aus, als ob die nach dem Minister- rat in die Presie lancierten Meldungen, in denen übereinstimmend die Herkunst aus sicherer Quelle betont wird, dazu bestimmt seien, B r i a n d, der bekanntlich ein entschiedener Gegner jeder Maß- nähme ist, durch die die französisch-russischen Beziehungen verschärft werden könnten, vor«ine vollendete Talsache zu stellen und ihm den Willen der übrigen Kabinettsmitglieder aufzunötigen. Ein Nichteinmifthungspakt von Moskau angeboten l Paris, 13. September.(Eigenbericht.) Der„Matin" weiß zu melden, daß bei dem jüngsten Telegromni-. Wechsel zwischen Paris und Moskau gelegentlich der Asfäre Rakowski der russische Außenminister Tschitscherin Briand angeboten Hab«, mit Frankreich einen Freundschaftspakt und Pakt der gegen- fettigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten einzugehen. Französischerselts sei keinerlei Antwort auf diesen eigenartigen Borschlag erfolgt und die französische Regierung habe es nicht einmal der Mühe wert gehalten, ihn einer Prüfung zu unterziehen. Das Blatt sieht darin den besten Beweis dafür» daß die Sowjets beabsichtigen, die Propaganda zugunsten der dritten Internationale in Frankreich weiter auezubauen(?), denn sonst hätte dieser eigenartig« Dorschlag. der einzig in der Geschichte der zivilisierten Völker dastehe, nicht erfolgen können. Roch nie sei in einem Vertrag ausdrücklich bemerkt worden, daß die beiden vertragschließenden Parteien daräuf verzichte», sich gegenseitig in ihr« inneren Angelegenhelten zu mischen. verbeflerungen bei üer Post. Herr Schätze! scheint endlich aus der allgemeinen Gebühren. erhöhung, mit der er uns beglückte, die Folgerung zu ziehen, daß nun als Gegenleistung auch etwas für das zahlende Publikum getan werden muß. Der Reichspostminister hat in elneni Rundertah die Oberpostdirektionen aufgefordert, di« dringliche Frage der Verkehrserweiterung einer beschtennigten Prüfung zu unterziehen. Entsprechende Verhandlungen sind be- reits in die Wege geleitet und werden in der Hauptsache unter folgenden Gesichtspunkten geführt: Die Zahl der Brleszustellungen Ist vor allen Dingen zu vermehren. Vör dem Kriege wurde die Post in Berlin täglich achtmal bestellt. Gegenwärtig haben wir«ine viermalige Pastzustellung: in den Vororten erhalten wir die Post nur dreimal am Tage. Im Augenblick ist nicht beabsichtigt, auf den Dorkriegszustand zurückzu- kehren, aber man will unter Umständen erreichen, daß in den haupt- geschöslsgegcnden ein sechsmaliger Zustellnngsdienst durchgeführt wird, in den übrigen Gegenden aber zum allerwenigsten viermalige Destollung erfolgt. In der Provinz soll für kleinere Orte die Zustellung zumindest verdoppelt werden. Wie erinnerlich, wurden im Kriege zahlreiche Paket- annahNiestellen aufgehoben. Dies scheint bei den heutigen Verhältnissen nicht mehr tragbar. Deshalb sollen in den größeren Städten und namentlich in Berlin die Paketannahmestellen ganz erheblich vermehrt werden. Die Beschränkung der Schalterstunden soll ln umfangreichem Maßstabe beseitigt werden. In Berlin wird der erst« P o st- zustellungsdienst erheblich früher als gegenwärtig angesetzt werden. Die Geschäftsgegenden sollen besonders berücksichtigt werden. Weilerhin ist ein« starke Vermehrung der Briefmarken, und Post- kartenaulomoten vorgesehen. Dabei ist angeordnet, daß diese Auto- maten möglichst auch außerhalb der Postämter stehen, so daß wir auch nachts uns mit Briefmarken und Postkarten versehen können. Wir hoffen, daß dies« Verbesserungen aber auch wirklich nicht in bureaukrattschem, sondern In beschleunigten Tempo durch- geführt werden.. Der Tod auf den Schienen. Einen grausigen Fund machten heut- früh Eiseubahnbsamte am End« des Bahnsteiges auf der Station Hohen zoller n- dämm. Reben de» Gleisen liegend, wurde der Körper eines Mannes gefunden, dem der Kopf vom Rumpf getrennt war. In der rechten Hand umklammerte der Tot« krampshast einen Regenschirm. Nach den Feststellungen handelt es sich um einen 36jährigen Hyronimus U r b a n aus der Wolliner Str. 33. Di« Leiche'wurde beschlagnahmt und in das Schauhau» gebracht. Ein Selbstmord scheint nach dem Befund ausgeschloss«n. Man vermutet, daß U. unbemerkt vom Bahnsteig gestürzt ist und von einem gerade einlaufenden Zug überfahren wurde. Leichtathletik im Film. Im Tauentzien-Polast wurde zum erstenmal der soeben fertig- gestellt« Lehrfilm„Leichtathletik" vorgeführt. Der Film ist im Aus- trog des Deutsch«» Reichsausschuss«« für Leibes- Übungen von der Deutschen Hochschule für Leibes- Übungen hergestellt worden. Die sportliche Leistung lag in den Händen der Dipl.-Turn- und Sportlehrer Westerhaus und Karnitz. Man kann wirklich sagen, daß der Film«s versteht, den Wert der sportlichen Leistungen zu erklären. Man Hot gute Leicht- athleten durch Durchführung herangezogen. Sie waren bemüht, zu beweisen, daß alle» Training nur zur Unterstützung der natürlichen Veranlagung dient. Die Körper sind glänzend durchgebildet und trotzdem nicht Muskelpakete. Es wurden Aufnahmen aus allen Geoieten der Leichtathletik gezeigt. Alle Formen werden eigentlich aus dem Laufen heraus entwickelt. Beim Lausen wieder kommt es hauptsächlich auf Durchbildung des Rumpfes cm. Die Darsteller hatten eine vorbildliche Beherrschung jedes einzelnen Muskels, fo daß auch keine der unbewußten häßlichen Bewegungen zu sehen war. Der Film eignet sich ausgezeichnet als Lehrfilm, da bei de» Ausnahmen sehr viel mit Zeillupe gearbeitet worden ist. Durch das langsame Abrollen der Bewegungen gewann,,, sie nur noch an Ausgeglichenheit. Die Leichtalhlelik hat aller rhythmischen Gyn,- nastil zum Trotz bestimmt«ine große Zukunft, und besonders wenn so vorzügliche ausgebildete Lehrer ihre Ausbildung in die Hand nehmen. Der Film ist im Stadion ausgenommen. Die technische Ausführung lag in den Händen von Peter Gscheidt, der viel o:ni, für Raumordnung und Farbwirkungen beweist. Hasvergifiung in See Lasterstroße. 3m hause Laskerstrahe 3 wurde heute nachmittag der Architekt Slear und seineJrau bewußtlos durch Gas vergistet aufgefunden. Die Mlederbelebung-iversuche der Feuerwehr. die mit zwei Rettungswagen zur Stelle war, hatten nur bei d e m M a n n E r s o l g. Bei Schluß des Blattes war die Feuer- wehr noch an der llnglucksslellc veschästigt. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht sestgestelll werden. Neues Zernsprechkabel Veutjchlanü— Schweden. Zwischen Deutschland und Schweden ist ine Legung eines dritten im Austrape der Nnden Tcleqraphenvcrwaltungin hergestellten Fernsprechtabels quer durch dieOstsee vollendet worden, noch- dem vor wenigen Wochen die rund 13 Kilometer lange deutsch« Küstenkabelstrecke sertiggestellt wurde. Das von der Firma Feiten u. Guilleoume in Köln-Mülhcim gefertigt« fast 120 Kilometer lange Fernsprechkabel ist dos dritte feiner Art zwischen den beiden Küsten und bildet die Hauptstrecke einer zusammenhängenden, 162 Kilometer langen Kabeloerbindung von dem deutschen Der- stärkeramt Stralsund zu dem schwedischen in Molmö. In diesen Aemtern erhält es Anschluß an die auf beiden Seiten bestehenden Landsernsprechnetze. Das Kabel entspricht mit seinen zwölf Sprech- kreisen den neuesten Ernmgenfchasteu der Technik und ist nicht nur für den Wechselverkehr zwischen Deutschland und Schweden, sondern auch für den Fernsprechweiiverkehr üver die Grenzen beider Länder hinaus besonders gut geeignet. Der jetzt geschasfene Kabelweg bildet ein neues wichtige« Glied in dem sich immer enger schließenden all- europäischen Fernsprechnetz. Der Natnrheilknndige„Doktor" Berg. Der Tod eine« jungen Mädchen« veranlahle, wie wir seinerzeit mitteilten, vor 14 Tagen die Kriminalpolizei zur Festnahme eine» Naturheilkundig«» Pros. Dr. Paul B e r g e l aus Friedenau und eines angeblichen Or. meä. Eriist B c r g au» der Airchowstrahe. Gegen beide wurde richterlicher Haftbesehi erlassen. Berg behauptete bei seiner Festnahme, daß er den medizinischen Dottortltel auf der Universität Greifswald envarben habe. Die Kriminalpolizei, die einige Zweifel hegte, wandte sich an die Universität und hat setzt von dem Dekan der medizinischen Fakuilät die Au»lu»st«r- halte», daß Ernst Berg dort weder promoviert, noch stu- d i e r t hat. Den medizinische» Doktortitel erwarb dagegen in, Jahr« 1807 sein Bruder Paul Berg, der unterdessen verstorben ist. Ernst Berg legte sich den Titel seines toten Bruders b e i und trat jetzt als Naturheilkundiger auf, während er unsprüng- lich Kaufmann war. In dem Naturheilinstikut, das ein anderer beirieb, haben die Ermittlungen der Kriminalpolizei unglaublich« Zustände aufgedeckt. So ist festgestellt worden, daß Borg einfach im Speisezimmer der Wohnung auf dem Tisch Operationen vor, genommen hat.__ kleingarleubauausslellung in Weißensee. Der Bezirtsverband Weißensee des Reichsoerbandes der Kleingartenverein« Deutschland« erösfnete am Sonntag in der Stadtballe Weißensee seine 4. Klein- gartenausstellung. Der Verband Weißensee ist mit 2400 Mit- gliedern der zweitkleinste von den 18 Groß-Berlin«. An Flächen. ausdehnung rangiert er an fünfter Stelle mit etwa 300 Morgen Land. Stadlrat Müller vom Bezirksamt Weißense« teilte mit, daß dem Bezirk In Kürze noch 133 Hektar Land zur Dauerbebauung zur Verfügung gestellt werden, das bedeutet, daß den Wünschen der Kleingärtner genau wie im übrigen Berlin zu 70 Proz. stattgegeben wird. Als letzter sprach Genosse Rein hold, Vorstand des Pro« vinzialoerbande« für Groß-Berlin. Er wies daraus hin, daß sich die Kleingärten bewußt au» dem Stadium der Nutzgärten, die während der Knegk- und Inflationszeit notwendig waren, zu Schmuck- und Erhnlungegärten entwickeln wollen. Die Kleingärten sind dadurch zur Notwendigkeit für die Verschönerung de» Stadtbild«» geworden. Man sollte die Forderungen der Kleingärtner eifriger als bisher unterstützen. Wrack üer ,, e Spur entdeckt werden. Aus den bisherigen Meldungen von Bord der„Kyle" ist nicht zu ersehen, ob das ganze Flugzeug oder Nur dessen Tragflächen gefunden wurden. London, 13. September. Das Steuer und ein Teil einer Tragsläch« eines Flugzeuges wurden In Newquay(Cornwall) an Land gespült. Di» Flugzeug- trünnner waren mit einen, silbergrauen Stoff überzogen, trugen jedoch kein Erkennungszeichen. Erdbeben im Kaukasus. Gegend um das Schwarze Meer besonders heimgesucht Moskau. 13. September. In der letzten Nacht wurden in der ukrainischen, der Krim- und der ndrdkaukosischen Küste de« Schwarzen Meeres drei heftige Erdstöße mit unterirdisckzem Getöse wahr- genommen. Am stärksten war da« Erdbeben in Sebastopol und den umliegenden Kurorten an der Südküste der Krim. Unvoll- ständigen Nachrichten au« I a l t a zufolge, wohin die Draht- Verbindung unterbrochen ist, sollen dort ZUenschenopser zu beklagen sein. Aus anderen Städten wurden Menschenopfer nicht gemeldet. In Sebastopol stürzten mehrere Häuser ein. Fast alle Häuser der Stadt haben Beschädigungen davongetragen. In Odessa wurden dr«i starke Erdstöße verzclchnet: der letzt« um 3 Uhr 22 Minuten war so stark, daß in den Obergeschossen mehrerer Häuser die Möbel umstürzten und die Scheiben zersprang«». An manchen Orten dauerten die Erdstöße bis zu 40 Sekunden. 3a Sebastopol, Simseropol, Odessa und Roworossissk hält sich die Be- völkerung nachts aus den Straßen auf. Schwächere Erdstöße wurden auch in der Gegend zwischen Kiew und Odessa wahrgenommen. Das Erdbebe»»vor bedeutend stärker al» da« Erdbeben auf der Krim im Juli.> Weiteren Nachrichten zufolge sind in Simferopol durch das Erdbeben drei Personen getötet und 65 verletzt worden. In Koreiz wurden durch Einsturz einer Mauer drei Personen gelötet. In einig«» Sanatorien habe» Kurgäste leichte Verletzung«» davon- getragen. Im Gebirge ereigneten sich Berg«instürze. In Balaklawa überfluteten die Wogen die User. In Ialta und Aluschta arbeiten diele Institutionen unter freiem Hiiw»«l. Den Geschädigten werden Lebensmittel verabreicht und ärztliche Hilfeleistungen gewährt. In Ramangan im Fergh anagebiet, das am 13. August von«inen, heftigen Erdbeben heimgesucht wurde, wobei einige tausend Häuser zerstört oder beschädigt und über hundert Personen getätet und verletzt wurden, dauernd die Erdstöße und Erd- schwankungen noch Immer an. Am 11. September wurden in, Laufe einer halben Stunde fünfzehn Erdstöße verzeichnet. Obwohl die Erdstöße nicht mehr katastrophaler Natur sind, fürchtet sich die AevLlkev>..'ng, in die stehengebliebenen Häuser zurückzukehren. Der Leipziger Seismograph rcgiskrierk. Vom Leipzirsr Seismographen. wurden In der Nacht von Sonntag zu Montag vier Erdbeben aufgezeichnet. Die erste Registrierung begann gegen 23.19 Uhr. Die Maximal. bewegung ersolgte gegen 23,25 Uhr. Der Herd dieses Bebens liegt in zirka 1700 Kilometer Entfernung. Roch während die Nach- läuferwellen des ersten Bebens registriert wurden, setzte um 0.20 Uhr ein neuer Erdstoß von weit geringerer Stärke ein. Die Herd- «n tfernung beträgt rund 2000 Kilometer. 4,24 Uhr früh wurde ein stärkere« Erdbeben mit derselben Herdenkkrnung aus. gezeichnet. Ein viertes Beben, dessen Entfernung sich nicht angeben läßt, wurde morgens zwischen 7,40 Uhr und 8 Uhr registriert. Der Bundeskongreß des ADB. Um die Verwaltungsreform im Reiche. Zu Beginn der heutigen Vormittagstagung hielt der Bezirks bürgermeister Genosse Dr. Paul Herb ein Referat über die Ber waltungsreform, in dem er etwa folgendes ausführte: Die Berwaltungsreform ist nicht nur als ein technisches Problem, sondern viel mehr noch als eine politische Aufgabe zu betrach ten. Die gegenwärtige Spannung zwischen der demokratischen Ver faffung und dem konservativen Verwaltungssystem, das in seinem organisatorischen Aufbau unverändert aus dem alten Obrigkeitsstaat übernommen worden ist, fann nur durch die Demokratifierung der Verwaltung beseitigt werden. Eine demokratische Verwaltungsreform auf großer Stufenleiter jetzt einmal die Berwirklichung des deutschen Einheitsstaates voraus, um die Länderbureaukratie zu beseitigen, zum andern aber auch die Einführung der Selbstverwaltung. Der deutsche Einheitsstaat tann aber noch nicht, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, durch eine Neugliederung des Reiches erreicht werden, weil dafür die Verhältnisse noch nicht reif sind. Es muß zunächst einmal die gefeggeberische und verwaltende Zuständigfeit des Reiches erweitert werden, so daß die Länder allmählich zu Selbstverwaltungsförpern werden. Eine Selbstverwaltung besteht in Deutschland heute nur der Form, nicht aber dem Inhalt nach. Diese Selbstverwaltung darf sich nicht in Wirtschafts: und Wohlfahrtspflege erschöpfen, sondern muß die gesamte örtliche Verwaltung, insbesondere also auch die Hoheitsverwaltung, mit Bolizei und Schulwesen umfassen. Die Verwaltungspolitik affer Barteien ist in der Nachkriegszeit ausgesprochen zentralistisch bureaukratisch geworden. Für die deutschen Verhältnisse fommt, wenn man vor allem an den Anschluß Desterreichs denkt, nur ein dezentralisiertes Berwaltungssystem in Frage.„ Der deutsche Einheitsstaat wird ein Selbstverwaltungsstaat sein, oder er wird nicht sein." Schiedsspruch für die Zigarettenindustrie abgelehnt. Die in der Berliner Zigarettenindustrie hauptsächlich in Frage tommende Organisation der Tabafarbeiter hat den Schieds: spruch vom 7. September einstimmig abgelehnt. Die übri gen zu dem Kartell gehörenden Organisationen, mit Ausnahme der Metallarbeiter, deren Tarifvertrag für die Maschinenführer noch Geltung hat, nehmen gesondert zu dem Schiedsspruch Stellung. Der Buchbinderverband hat bereits beschloffen, während die Entschlußfaffung des Verkehrsbundes noch erfolgt. Die Stellungnahme der Unternehmer, die mit ihrer Erflärung bis Mittwoch Zeit haben, ist noch nicht befannt. Jedenfalls werden sich nach der Ablehnung der Tabafarbeiter weitere Verhandlungen notwendig machen. Das Theater im Zimmererverband. Zu dem in der„ Roten Fahne" vom 11. September überschriebenen Artikel Ungenügende Lohnzulage im Baugewerbe" mird uns vom Bauge wertsbund, Baugewerkschaft Berlin, mitgeteilt: Es wird von dem Verband der Zimmerer so dargestellt, als ob der Baugenertsbund Schuld daran trägt, daß der Lohn der Zimmerer bei ihren letzten Lohnverhandlungen vor dem Haupttarifamt nicht höher als der Lohn der Maurer gefegt worden ist. Diese Auffassung kann natürlich nur bei der Leitung der Berliner Bahlstelle des Zimmererperbandes aufkommen, die aus bestimmten Gründen verpflichtet ist, alles, was Baugewerksbund herunterzureißen. Die gegenwärtige finnlose Anhäufung der Instanzen mit ihrer unsicheren, veralteten und sich durchkreuzenden Gesetzgebung ist weder politisch, noch verwaltungstechnisch, noch finanziell länger erträglich. Die richtige Aufgabenverteilung zwischen der Ministerialinstanz und der Exekutive besteht darin, daß sich die Ministerialinstanz auf die Aufstellung der Grundsäße und die Wahrung der Einheitlichkeit beschränkt, die Verwaltung selbst aber den unteren Instanzen, bei der Selbstverwaltung also den kommunalen Körperschaften, überlassen bleibt. Der Referent ging dann noch eingehender auf die mit der Berwaltungsreform eng verbundene Behörden-, Bureau-, Gesetzes- und Personalreform ein. Die wichtigste personalpolitische Forderung iſt die, daß alle leitenden Posten und alle Personalreferate nur mit Ueberzeugungsrepublikanern bejegt merden. Unsere Justiz zum Beispiel würde bestimmt anders aussehen, wenn seit 1918 die leitenden Posten der Landgerichts- und Oberlandesgerichtspräsidenten, der Oberstaatsanwälte und General staatsanwälte mit zuverlässigen Republikanern besetzt worden wären. Scharf wandte sich der Redner gegen das jetzt wieder übermuchernde, von gehäffiger Gesinnung gegen die Demokratie erfüllte Rouleurstudententum mit seinem Konnegionswesen, insbesondere aber gegen die Korps. Diese Kreise haben die Futtertrippenpolitit der Borkriegszeit wieder aufgenommen. eine fonfequente demokratische Verwaltungsreform tann die Genosse er beendete seinen Vortrag mit dem Sat:„ Nur legten Spuren eines 500jährigen Fürsten absolutismus in der deutschen Geschichte austilgen und aus der halben Demokratie die ganze machen." Eine im Sinne des Referats abgefaßte Entschließung wurde von dem Kongreß einstimmig angenommen. en, sumal es fich um die I agesordnung des nächsten Koneines Arbeiterblattes mußte diese Verwechslung ohne weiteres auffallen, greffes der Arbeiterinternationale im Jahre 1928 handelt, eine Tages: ordnung, die natürlich rein politischer Art ist. Der Ausschuß des Internationalen Gewerkschaftsbundes hat jetzt furz nach dem Pariser Kongreß noch einiges andere zu tun, bevor er die Tagesordnung des nächsten internationalen Gewerkschaftsfongreffes festsetzt. Das ist sogar der Roten Fahne" aufgefallen. In ihrem Eifer, dem JGB. eins auszuwischen, hat sie jedoch die Berwechslung in der WIB. Meldung nicht bemerft, vielmehr an dessen Abdruck in ihrer heutigen Ausgabe folgende geistreiche Bemerkung gefnüpft: ,, Der nächste Kongreß findet statutenmäßig im Jahre 1930 statt. Da ist es allerdings das Wichtigste, jetzt eine Tagesordmung aufzustellen, die in diesem Jahre auf den Kongreß gehört hätte!" Die Tagesordnung des Internationalen Sozialisten tongresses selbst hat also offenbar den Beifall des Blattes gee funden. Die AEG. maßregelt ein Betriebsratsmitglied. Im Betriebe der AEG. in Treptow berieten zwei Funt tionärsigungen über eine Demonstration gegen die Hinrich tung von Sacco und Vanzetti. Ein halbstündiger Demonftrationsstreit wurde beschlossen und ausgeführt. Ein Mit glied des Gesamtbetriebsrats, das in einer der Sigungen für die Demonstration eingetreten war, wurde entBegründung, habe gegen Daran jind wir jeit langer Zeit gewöhnt und lassen ben tapeten werbeordnung erhoben, baba ben$ 123, bere Kämpfern beim Aufstellen ihrer Parolen gern den Borrang, da wir als Reformisten" ja doch nicht mitfommen. Da der Schiedsspruch des Haupttarifamtes für die Zimmerer feinen höheren Lohn als für die Maurer gebracht hat, sucht man natürlich nach einem Prügeljungen, und das ist selbstverständlich der Baugewerksbund. In dem Artikel wird weiter gesagt, daß der Baugewertsbund das Zustandekommen des Tarifamtes sabotiert und Theater ge= macht hätte. Wer macht Theater? Vor der ersten Tarifamtsfizung wandte sich Repschläger an den Vorsitzenden des Baugewerksbundes, Drügemüller, und teilte demselben mit: Ihr" der Baugewerksbund habt ja mit den LohnverhandIungen der 3immerer nichts zu tun. Da dies eine reine Angelegenheit der Zimmerer ist, fönnt ihr Beifißer im Tarifamt gar nicht stellen und wollen wir als Zimmerer das Tarifamt allein besegen." Drügemüller war derselben Auffassung. Diefer Standpunkt wurde durch Schriftmechsel noch besonders betont, und demzufolge hat der Baugewertsbund feinen Beisiger im Tarifamt gestellt. Repichläger selbst hat im Plenum des Tarifamtes erklärt, der Streitfall der Zimmerer gehe die anderen Organi Jotionen nichts cn, da der Zimmererverband die Beisiger der anderen Organisationen als„ Dorbelastet und befangen" ansah und sich die anderen Organisationen auch selbst als befangen und vorbelastet ansehen müßten. So, ihr Revolutionäre, ist furz der Sachverhalt! Da ihr es nicht tut, werden wir euren Mitgliedern die Wahrheit fagen. Ihr führt eure Mitglieder hinters Licht, ohne Rücksicht darauf, daß dadurch der Gewerkschaftsbewegung Schaden zugefügt wird. Ergeht euch nicht länger in unfruchtbarem Phraſenſchwall, sondern treibt in Butunft ein offenes und ehrliches Spiel! Der nächste„ internationale Gewerkschaftskongreß". In einer WTB.- Meldung aus Brüssel ist das Erefutivkomitee der Sozialistischen Arbeiterinternationale, das dort getagt hat, irrtümlich als Vollzugsausschuß der Gewerf. schaftsinternationale bezeichnet worden. In der Redaktion Schwarzer Adler, Frankfurter Allee 99 Vom 13. bis 15. September 1927 Metropolis Ferner: Bühnenschau Viktoria Lichtbildtheater Frankfurter Allee 48 Vom 13. bis 15. September 1927 Metropolis Neukölln. Passage- Lichtspiele, Bergstr.151/ 52 Die schönsten Beine Vom 13. bis 15. September 1927 von Berlin Ferner: Bühnenschau liefert seit 25 Jahren Wochenendhäuser- Prospekte gratis! Wald- u. Wasserparzellen- Nachwels. Holzhäuser Dickmann A.-G., W57 • Gerhard Kohnen Das Haus für Volkskleidung und Berufskleidung NEUKOLLN Hermannstraße 76-77 00000 Es lohnt sich zwei Etagen zu steigen! Durch E rsparnis hoher Ladenmiete Qualitätsware äußerst billig: Gardinen, Stores, Bett-, Tisch- und Divandecken Gardinenhaus Alfred Walter Neukölln, SelchowerSt.6 II. Etage, kein Laden! Telefon: F2 2529 direkt Untergrundbahn Boddinstraße einer ungefeglichen Handlung( der halbstündigen Arbeitsruhe) verleitet. Der Entlassene flagte beim Arbeitsgericht, welches ihn unter dem Borsiz des Amtsgerichtsrats Dr. Tecklenburg ab wies mit der Begründung: Eine halbstündige Unterbrechung der Arbeit widerspricht dem Gefeß. Ob sie ausgeführt ist und ob sich der Kläger daran beteiligt hat, jei nicht von Bedeuturig. Er habe für die Arbeitsniederlegung ge iprochen, also versucht, die Arbeiter zu einer ungesetzlichen Handlung zu verleiten. Dadurch ist die Entlastung auf Grund von§ 123 der Gewerbordnung begründet. Zu diesem Urteil ist zu sagen: Kein Arbeiter, der für einen halbstündigen Demonstrationsstreit eintritt, wird sich bewußt sein, damit eine gefezwidrige Handlung zu begehen. Diese Handlung wird ja auch nur durch eine gefünftelte juristische Aus. legung zu einer gefezwidrigen gestempelt. Beim Erlaß der Gewerbeordnung hat der Gesetzgeber ficher an ganz andere Verstöße als an eine Aufforderung zur halbstündiçen Arbeitsruhe gedacht. Das müßte auch ein Richter berücksichtigen, der nicht nach dem Buchstaben, sondern unter Würdigung der tatsächlichen Verhältnisse urteilt. Franzöfifche Rheinschiffahrtsbetriebe. Das Personal gegen Vertragsbruch. Behm Beginn ber Nuhrabwehration Haben bie franzöfifchen Schiffahrtsgesellschaften den Staatsvertrag für ungültig erklärt und sich bis auf den heutigen Tag nicht mehr an ihn gehalten. So erfolgt die Entlöhnung des Personals in französischer Währung, die Sozialversicherung ift total verschlechtert. Bei Arbeitslosigkeit hat das Personal die größten Schwierigkeiten zu überwinden usw. Alle diese Vorgänge lösten die Wirkung aus, daß eine allgemeine Empörung das Schiffspersonal ergriff. Wenn es nicht zu Berhandlungen fommt und die französischen Schiffahrtsgesellschaften die Forderungen ablehnen, wird das Personal seine Forderungen anderweit durchzusetzen wissen. Das Ded- und Maschinenpersonal aller Nationalitäten wird zu strifter Solidarität in dem bevorstehenden Kampfe aufgefordert. Internationale Vereinigung des französisch- schweizerisch- deutschen Rheinschiffahrtspersonals( Französisch- schweizerischer Transportarbeiterverband.- Deutscher Verkehrsbund.) Internationale Beamtentagung in Nürnberg. In der Zeit vom 17. bis 20. September findet in Nürnberg der 2. Kongreß der Internationalen Bereinigung Angestellten, Beamten und Lehrer öffentlichen Dienst" statt. Es werden hierzu außer den deutigen Delegierten Vertreter erscheinen aus: England, Frankreich, Desterreich, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Holland, Schweden, Bulgarien und Griechenland. Der Beamteninternationale gehört von den deutschen Beamtenorganisationen der Allgemeine Deut iche Beamtenbund an. Im Mittelpunkt des Kongresses steht ein Referat von Professor E. Lederer Heidelberg über„ Die Beamten in der Bolts- und Weltwirtschaft". DON im Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A- G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 4-6 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Wirtschaft Hünlich 21.-G. Wilthen zeigt, daß das Unternehmen die Umstellungserfolge in der Brennereiindustrie. Der Abschluß der notwendige Radikalfur vem vergangenen Herbst gut überstanden hat. Die 1,2 millionen Mart Verluste im Geschäftsjahr 1925/26 machten eine Herabsehung des Aktienkapitals von 1,74 auf 0,87 Millionen sowie Auflösung des Refervefonds von 174 000 Mart erforder= lich, so daß die Verluste bis auf 185 000 Marf getilgt werden konnten. Durch scharfe Herabsehung der Untoften von 850 000 auf 560 000 Mart, Abstoßung der mit 210 000 Mart bewerteten Beteiligungen sowie erhebliche Verminderung der Zinslasten um über 100 000 auf 166 000 mart fonnte ein Reingewinn von 30 000 Mart erzielt werden. Die absolute Berringerung der Unfoften erscheint um so bedeutsamer, als im Zusammenhang mit einer bedeuten den Umsatzsteigerung das Geschäft im Berichtsjahr noch auss gebaut wurde. In den von 0,6 auf 0,8 Millionen Mark gestiege= nen Forderungen und den von 1,5 auf 1,1 Millionen Mark er mäßigten Schulden tommt eine gewisse Gesundung des Unternehmens gleichfalls zum Ausdruck. Allerdings steht mit der Erhöhung der Borräte von 0,87 auf 1,1 Millionen Marf die Berdoppe= lung der Schulden an die Reichsmonopolpermaltung in Höhe von 405 000 mart nicht in Einklang. Der erhöhte Auftragsbestand hat zu einer Erhöhung der Belegschaft über den alten Stand von 100 Mann geführt. Die deutsche Erdölgewinnung 1926. Die günstige Entwicklung der deutschen Erdölgewinnung, die seit 1921 eingesetzt hat, hat nach den Untersuchungen des Statistischen Reichsamts auch im Jahre 1926 angehalten. Die Ausbeute stieg gegenüber dem Vorjahr um 16 262 Tommen auf 95 392 Tonnen, mithin um 20 Broz. Infolge der beträchtlichen Zunahme seit 1921 war die deutsche Erdölgewinnung im Jahre 1926 um rund ein Drittel größer als die der Vorfriegszeit innerhalb der heutigen Reichsgrenzen. Der Anteil der deutschen Erdölgewinnung an der Weltproduktion, die für 1926 auf 150,9 Millionen Tonnen geschätzt wird, beträgt allerdings nur 0,06 Broz., der Frankreichs 0,04 Proz. Hierzu kommt, daß das niedersächsische und das elsässische Erdöl sehr schwer ist. Es enthält viel Heizöl, aber menig Benzin. Sport. Borkampfabend des Polizei- Sport- Vereins. Der Polizei Sport Verein eröffnete gestern abend im Kriegervereinshaus in der Chausseestraße seine intersaison mit einem Mannschaftsbogtampf gegen den Stettiner Bogtlub. Die Mannschaften beider Vereine betraten in guter Verfassung den Ring, und so bekamen die Zuschauer einige harte Rämpfe zu sehen. Schade nur, daß der Besuch so schwach war! Das Resultat des Klubtampfes war 8: 8, unentschieden! Schmidt( PSB.) und Steindamm( Stettin) trennten sich im Fliegengewicht unentschieden. Im Bantam wurde Titel( Stettin) über Onderfa II( PSB.) überlegener Punktsieger. Der Feder gewichtstampf zwischen Onderka I( PSV.) und Salomon( Stettin) endete nach einem flotten Verlauf unentschieden. Der Leichtgewichtler Blümel( PSB.) wurde von Ruppel( Stettin) in wenig schönem Rampf ausgepunktet. Thoren( PSB.) errang einen glatten Bunftfieg über den Weltergewichtler Bauß II( Stettin). Im Mittelgewicht wang Bauz( PSB.) Jäckel( Stettin) in der 3. Runde zur Aufgabe. Jädel war außerordentlich hart im Nehmen. Gaikowski( PSV.) gewann im Halbschwergewicht über Spörkel( Stettin) einwandfrei nach Punkten. Im Schwergewicht trat für Daniel( PSV.), der sich im Training eine Augenverlegung zugezogen hatte, dessen Klubkamerad Anjorg gegen Jasper( Stettin) an. Jasper gewann den Rampf hoch nach Bunkten. Duisburg, 13. September.( Eigenbericht.) Das auf den französischen Fahrzeugen beschäftigte Bersonal besteht zum größten Teil aus deutschen Proletariern neben wenigen Elsässern. Auf Grund des zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossenen Staatsvertrages vom Jahre 1921 war diesem Bersonal der französischen Fahrzeuge bei der Schiffsabgabe in der Rheinschiffahrt u. a. als wesentliche Bedingungen des Staatsvertrages zugesichert worden: Arbeits. und Lohnbedingungen, wie sie jeweils mit den deuthen Reedereien von den Gewerkschaften vereinbart werden und Beibehaltung der gesamten deutschen Sozial- Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret geseggebung. JCN DRIHA das bekannte Berliner Möbelhaus, Hefert auch Ihnen gediegene und schöne Schlaf., Speise- u. Herrenzimmer sowie Küchen und Einzelmöbel jeder Art in bekannten Qualitäten auf Kredit bis zu 24 Monaten auch ohne Anzahlung Bitte, besuchen Sie uns, wir passen uns Ihren besonderen Wünschen gern an Ihr Heim sei schön durch. DRIHA. 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