Vr. 434 ♦ 44. Jahrgang Musgabe A Nr. 221 Pezugspreis: Böchenlliib TO Aenni«. monaUich 3,- 3UiS Biennia Siellenaesuche das etile Dort 15 Piennia. iebes weitere Wori 10 Piennia. Worie über 15 Buchstaben»äblen iüt»wei Warle. Arbeitsmortt Keile 00 Piennia. !familienan»eiaen tilr Abonnenten Keile 40 Piennia, Anzeigenannahme im Hauotgeschäit. Lindenstraße 3, wochentäglich von 8H bis 17 Uhr. Ueüaktion und Verlag: Serlin SW. HS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ— SS7. Mittwoch, den 14. September 1AÄ7 Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. öS, Lindenstr.Z Postscheckfouto! Berlin 37 53«- Banttont»! Bant der»ebeiter. Angestellten und Beamten, vallstr.«5: Distonto-Sesellschait. Be,»RtentnHt Sindenftr. I. Kcdcn über Abrüstung. De Bronckere— Paul Boncour. V. 8cft. Gens,»3. September.(Eigenbericht.) Der Abrustungsaueschuh hatte heute einen großen Tag, Nicht ollein die Uebcrfüllung des Zuhörerraums ließ von vornherein er- kennen, daß eine wichtige Debatte gesiihrt würde—, auf der hintersten, für dos Publikum bestimmten Stuhlreihe, saß, halb erdrückt von den Immer neu hinzuströmenden Pressevertretern und den Neu- gierigen, B r i a n d. Wem galt dieser seltsame Besuch dez fron- zösischen Außenministers als Zuhörer in einer Ausschußsißung? Man erfuhr es bald. Heute sollte auch Paul B o n c o u r das Wort ergreifen. . Zunächst sprach Genosse de Brouckcre. Immer wieder oer- sticht dieser überzeugte Sozialdemokrat, den Gedanken der Ab- rüstung vorwärts zu treiben. Unermüdlich ist er bestrebt, den ver- fahrenen Karren wieder in die richtig« Bahn zurückzubringen. Auch h?ute, wa der Pessimismus allgemein unj) wo all« ratlos sind, noch- den� Chamberlain das englisch? Velo gegen jeden Ausbau des Sicherheitsgedankens nach einmal verkündet Hot. will de Bronckere den Kampf für dieses große Ziel aufnehmen. Da England nicht weiter gehen wolle als der Anlkerbundspalt, soll« man wenigstens versuchen, aus dem Pakt alles herauszuholen, was darin enthalten sei und bisher nicht ver- wertet wurde. Und min zeigt« de Brouckere den erstaunten Zuhörern, daß z B. der Art. 8 des Statutes die einzelnen Nationen ver- pflichtet, von sich au», ohne eine allgemeine Abrüstungskon. vention abzuwarten, ihre Rüstungen einzuschränken. Ist das geschehen? In einzelnen Ländern\pim Teil ja, in anveren Ländern, so stellt« de Brouckere fest, ist man leider den umgekehrten Weg gegangen. Wie steht es mit dem in deni Artikel 8 angekündigten Perbot der privaten Wafsenfabrikation? Was ist aus der Kon- serenz geworden, die man über diese Spezialfrage cinberusen wollte? Und wie wird die Im Artikel. S vorgesehene gegenseitige Unlerrichlung der Völker- bundsmitglieder über den Sland ihrer Rüstungen gehaudhabt? Warum ist der im Artikel 9 vorgesehene ständige Ausschuß zur ständigen Unterrichtung des Rates über die Rüstun- gen nicht gebildet worden? Sollte man diese Ausgaben nicht aus andere Menschen übertragen, als ausschließlich Generäle, Admiräle und Fliegerosfizier«? Und so führt de Brouckere eine ganze �llcihe von weiteren Beispielen an, aus denen sich ergibt, daß durch eine gründliche und sinn- gemäße Anwendung des Völkerbunds st a t u i s sich schon einig« Fort- schritte erzielen ließen, wenn auch entscheidende Taten einstweilen nicht in Aussicht stehen. f Man merkt es dem Genosien de Brouckere an.feinem bitteren Ton an: er Hot seinen sindigen Geist in den Dienst einer guten Sache gestellt, aber er ist sich dessen bewußt, daß seine Bemühungen einstweilen vergeblich sind.„Und doch," so schließt er: Der Tag der Abrüstung wird kommen, dessen bin ich sicher.— wenn nämlich die Völker begriffen hoben werden!" S o k a l begründet sodann den polnischen Antrag, der dem Ab- rüstungsausschuß überwiesen ist. Er dankt mit etwas ausfälligem Nachdruck für die Unterstützung, die er in den Reden Stresemanns und Briands in der Vollversammlung gesunden hat, weil beide den großen moralischen Wert einer Kundgebung gegen jeden Angriffs- krieg unterstrichen hätten. Er erstreckt diesen warmen Dank auch auf Chamberlain—. und ein jeder lacht sich dabei eins. Dann aber wendet er sich der Rede S c i a l o j a s zu, der den polnischen An- trag als höchst überflüssig und nichtssagend bezeichnet hatte. Die Entgegnung Sokals war sehr geschickt und geistreich. Sokal zitiert« ein« Rede desselben Scialoja aus dem Jahre 1923, in der er hieß, man würde dem Artikel 19 des Völkerbundsstatuts seine Wesenskrast zerstören, wenn man betonen nrnrde, daß ihm die juristischen Sank- tionen fehlen: sein wirklicher Wert käme daher, daß diese Grund- sätze in der Zukunft einen Bestandteil des Gewissens der Nationen bilden werde. Dann würden diese Grundsätze mehr als einen juristischen Wert haben, denn das moralische Gewissen sei mehr wert als das Recht. Unter allgemeiner Heiterkeit fügt Sokal ironisch hinzu:„Polen hat einen guten Teil der Argument«, die seinen Vor- schlag inspiriert haben, aus dieser Red« Seialojas entnommen." Die Heiterkeit steigert sich, als Sokal das Beispiel Scialoja- von dem longsamen Fortschreiten des Evangeliums aufgreift und darauf hinwies, daß die Dorschrist aus den zehn Geboten„Du sollst nicht töten", zur Grundlage der Moral, des Rechts und sogar des Strafrichters geworden sei, und doch hätten die zehn Gebote seinerzeit versäumt, eine strafrechtliche Defination des Mordes hinzuzufügen, was eine osfenkunbige juristische Lücke ge- wesen sei. Am späten Nachmittag erhielt Paul Boncour das Wort. Er ist der glänzendste Redner, den die sozialistisch« Partei Frank- reich, seit Iaures in ihren Reihen zählt. Aber noch deullicher als Hei Bzland, Red« i» der Vollversammlung drängte sich am Schlusi« des rcthorischen Meisterwerks Paul Boncours die Frage auf: was hat er eigentlich zu sagen und was schlägt er vor? Der erste Teil dieser Frage läßt sich schop eher beantworten. Boncour hat sich gegen den allgemeinen Pessimismus gewandt, mit dem man die bis- herigen Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission zu be- trachten geneigt ist. Er wendet sich insbesondere gegen jede Ver- quickung der gescheiterten maritimen Dreimächtekonferenz mit der allgemeinen Abrüstungskonscrenz, die der Völkerbund vorbereitet. Die vorbereitende Abrüstungskonferenz habe den Schwierigkeiten nicht ausweichen, sondern lieber die Gegensätze zwischen den Standpunkten einzelner vlächlc osscn auszeigen wollen, als die allgemeine Konferenz an diesen Schwierigkeiten scheitern lassen, was eine Katastrophe geben würde. Eine der Haupt- schwicrigkeiten, auf die man gestoßen wäre, sei das ungelöste Sicher- heitsproblem gewesen. Letzteres sei die Kernfrage der Abrüstung. Dieses Thema entwickelte Boncour sehr ausführlich mit außerordentlicher Beredsamkeit, aber— das muß man als deutfckier Sozial- demokrat mit aller Offenheit und ohne Rücksicht auf die Partei- Zugehörigkeit Paul Boncours betonen— d n r ch a u s nicht ii der- zeugend. Wir deutschen Sozialdemokraten stehen auf dem Standpunkt, daß die Frage der Sicherheit für Frankreich, wenn auch noch nicht restlos, so dock) zum größten Teil durch die Vertrage von L o c a r n o bereits gelöst ist. Was weiter zu tun wäre, dos ist auf der Lüxem- burger Konferenz, an der auch Paul Boncour teilnahm, gemein- schastlich von den französischen, englischen, belgischen mtd deutschen Genossen gezeigt worden. Es ist leider unbestreitbar, daß die deutschon Rationalisten alles tun, um den französischen ZNili- taristen das Argument zu erleichtern, daß durch Locarno die Sicherheitsfrage in keiner Weise gelöst werde. Aber wir können uns unmöglich die These Boncours zu eigen machen, daß die Abrüstung die Regelung des Sicherheitsproblems zur Voraussetzung habe. Wir halten es mit dem Wort, das Ge- nosie Leon Blum auf dem internationalen Kongreß von Mar- scille im August 1925 prägte, in dem er unter einmütigem Beifall die Parole„Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Abrüstung" a b- lehnte und durch die sozialistische Parole ersetzte:„Schieds- gerichtsbarkeit und Sicherheit durch die Abrüstung." Wenn noch das Sicherheitsproblcm gegenwärtig lösbar erschiene, dann könnte man zur Not die Formel Boncours hinnehmen. Aber Boncour stellte selbst mit Bitterkeit fest, daß das Genfer Protokoll von 1924 einstweilen insolgc des Widerstandes Englands nicht ver- wirklicht werden könne.„Wir stehen vor einer Mauer," rief er fast verzweifelt aus,„was nun?" Soll man abwarten, bis die „günstigere Atmosphäre von 1924", von der der Redner unter An- spielung auf die damalige Arbeitcrregierung in England sprach, wieder hergestellt ist? Boncour versuchte nun einen Ausweg wenigstens anzudeuten: die Andeutung war zwar wortreich, aber nicht sehr klar. Soweit man aus seinem Gedanken, den er anscheinend selbst noch nicht völlig durchdacht hat, klug werden konnte, scheint Boncour daran zu denken, Sicherheitspakte ohne England zwischen all den Staaten zu empfehlen, die die Grundsätze des Völkerbundes anerkennen. Meint er damit, regional« Nicht- angriffspakte oder ein kontinentales Sicherheitsprotokoll? Bielleicht weiß er es selbst noch nicht, vielleicht wollte er aber zu- nächst den Widerhall seiner Zlndeutungen bei den übrigen Dele- gationen abwarten, che er die französische Delegation auf«inen be- stimmten Vorschlag festlegte. Seine Ausführungen werfen jedenfalls eine Fülle von äußerst schwierigen und komplizierten Problemen aus, die vielleicht schon auf der Konferenz der Locarnomächte in Genf zur Sprache kommen können. Paul Boncour ist trotz alledem überzeugter Sozialist. Er ist während des Krieges zur Partei gekommen, er hat ihr sein großes politisches Talent zur Versügung gestellt und hat für sie perjön- liche Opfer gebracht. Aber in militärischen Fragen ist er unter den Sozialisten ein Eingänger. primos �Nationalversammlung� Der König stimmt der Partamentsfarce zu. Madrid. 13. September. Der König hat seinen Widerstand gegen den Plan einer söge- nannten„Nationaloersammlung" aufgegeben. De Rioera hat ihm die Unterschrist unter den morgen zu verössentlichenden Erlaß abgepreßt. Die„Nationaloersammlung" soll keine gesetzgebende Körper- schaft, kein Parlament sein sondern Gesetze nur begutachten dürfen. Die überwiegende Mehrheit der 399 Mitglieder wird von der Regierung ernannt: nur die Städte entsenden selbstgewählte Vertreter. Der Präsident der Versammlung wird ebenfalls ernannt. Sie wird zunächst auf drei Jahre einberufen, bis„zur Rückkehr zu normalen Verhältnissen", die Klärung in Edinburg. Ein Nachwort zum englischen Gewerkschaftskongreß. L. W. Edinburg, 9. September. Nichts konnte für die Wandlung, die sich in den Köpfen der Führer der britischen Gewerkschaftsbewegung vollzogen hat, bezeichnender fein als die Rede, mit der der bisherige Jahrespräsident der Gewerkschaften den diesjährigen Kongreß eröffnet hat. An Stelle jenes Wortradikalismus, der die kontinentale Arbeiterbewegung in den vergangenen Jahren vor immer neue Rätsel gestellt hatte, ist eine nüchterne Schilderung der gegenwärtigen Lage aetreten. Es war eine Rede, die k e i n e I l l u s i o n e n zu schaffen suchte, und selbst vor dem Hinweis auf die Notwendigkeit des Ausbaus der gemeinsamen Verhandlungen und Beratungen mit den Unternehmern nicht zurückschreckte. Während noch vor drei, vor zwei Jahren kontinentale und britische Gewerkschaften eine verschiedene Sprache zu sprechen schienen, enthielt die Edinburger Eröffnungsrede nichts, was nicht auf jedem anderen europäischen Gewerkschaftskongreß hätte gesagt werden können. Mit Ausnahme der Worte über und an Rußland, in denen Hicks die von den Russen gegenüber der englischen Arbeiterbewegung beliebten Methoden, wenn auch nicht billigte, so doch mit den Leiden und Verfolgungen, denen die russischen Führer in der Vergangenheit ausgesetzt waren, zu entschuldigen suchte. Aber selbst dies Bekenntnis seines Präsidenten hat der Kongreß später durch seine Entscheidung in der anglo-russi- schen Frage widerrufen! Die in der Rede zutage tretende Wandlung ist bemerkenswert: Hicks war und ist „linker Flügel" des Generalrats: er war, ohne Parteikommu- nist zu sein, einer der V o r k ä m p f e r der Agitation.für die „Einheitsfront", einer der leidenschaftlichsten Verkünder des Gedankens der anglo-ruffischen Zusammenarbeit. Selbst als bloß persönliche Wandlung wäre diese Abkehr vom Raditalis- mus bemerkenswert. Aber es handelt sich um mehr: um einen Spiegel der Wandlung, die sich im gesamten G e n e r a l r a t der Gewerkschaften(mit Ausnahme der beiden unbelehrbaren S w a l e s und P u r c e l l) und, wie der Kongreß deutlich zeigte, in der Masse der Funktionäre selbst vollzogen hat. Dies kam bei der Erörterung der Beziehungen zur „M inderheitenbewegung" und später bei der Eni- scheidung über die anglo-russischen Beziehungen unmißver- ständlich zum Ausdruck. Die Beziehungen zur Minderheitenbewegung, der eng- tischen Ausgabe der k o m m u n i st i s ch c n Z e l l e n b a u e r, waren schon seit längerem gespannt. Bereits Ende 1925 hatte der Generalrat sich dahin ausgesprochen, daß die Wege und Ziele der Minderheitenbewegung mit denen der offiziellen Gewerkschaftspolitik unvereinbar feien. Dieser rein akademischen Erklärung war im Januar 1927 eine Eni- s ch l i e ß u n g des Generalrats gefolgt, wonach gewerkschaft- liche O r t s k a r t e l l e. die sich der Minderheitenbewegung angeschlossen hätten,„keinerlei Anerkennung vom Generalrat finden" dürfen. Der vorjährige Gewerkschaftskongreß hatte die wachsen- den Bedenken der Funktionäre über die Agitation und Be- tätigung der Minderheitenbewegung schon dadurch erkennen lassen. K l a r h e i t hat erst Edinburg geschaffen. Nach einer Diskussion, in der die Verteidiger der Minderheitenbewegung keinerlei Resonanz mehr fanden, hat der Kongreß mit über- wältigender Mehrheit gegen die Minderheitenbewegung entschieden. Damit war zwar im Innern die nötige Klarheit geschaf- fen. Es sollte jedoch zu Beginn des Kongresses scheinen, als ob der Generalrat einer sehnlichen Klärung nach außen hin, in den Beziehungen zu den Russen, auszuweichen wünschte. Er hatte sich zu sehr mit der anglo-russischen Be- wegung ide»tifiziert, al� daß es ihm hätte leicht werden können, hieiDmit derselben Konsequenz vorzugehen. Ein Teil des Generalrats hoffte noch immer, daß die Russen, vor die Entscheidung gestellt, den Abbruch des anglo-russischen Komi- tees zu riskieren oder das englische Prinzip der absoluten Nichteinmischung anzuerkennen und damit das„Ge- meinsame Komitee" zu retten, das letztere wählen würden. Da traf, pünktlich, wie vorausgesagt, zum Kongreß die russische Antwort auf das Memorandum der Eng- länder ein. Sie enthielt nicht nur beispiellose Beschimpfungen der englischen Führer— das hätte man schließlich noch ge- schluckt: sondern sie stellte darüber hinaus wieder eine unmiß- verständliche Einmischung in die innere Politik der englischen Gewerkschaftsbewegung dar. Ja, noch mehr: die Russen proklamierten in dieser Antwort die Einmischung geradezu als ihr„heiliges Recht". Das brachte das Gefäß zum Ueberlaufen. Mit einer einzigen Ausnahme beschlossen alle großen Gewerkschaften in Fraktionssitzungen, unter solchen Umständen die anglo- russischen Verhandlungen abzubrechen, und der Kongreß nahm mit einer riesigen Mehrheit den Vorschlag des General- rats an, die Verhandlungen mit dem allrussischen Gewerk- schaftsrat als b e e n d e t zu betrachten,„so lange ihre gegen- wärtige Haltung und Politik andauert". Dieser Zusatz kommt technisch einer bloßen Suspendierung der Beziehungen gleich. Praktisch ist der Schritt jedoch bei der Unwahr- scheinlichkeit einer russischen Bekehrung und Wandlung ein völliger Abbruch der Beziehungen und wurde als solcher auch vom Kongresse selbst und von der gesamten englischen Oeffentlichkeit empfunden. Der Kongreß in Edinburg hat die K l ä r u n g b e e n d e h die bereits im Vorjahre in Scarborough eingesetzt hatte: er hat überdies den Widerspruch beendet, der in der bisherigen Aufrechterhaltuna der anglo-russischen Beziehungen einerseits und der einsetzenden Bekämpfung der Minderheitenbewegung anderseits gelegen hatte. Die dreijährige Aera des Radikalis- mus ist abgeschlossen. Das gesamte Erbe dieser Aera ist damit freilich noch keineswegs bereinigt. Weder nach innen, noch nach außen. Nach außen hat diese Politik der jüngstvergangenen Jahre insbesondere zu jener Spannung zwischen den britischen Ge- werkschaften und dem JGB. geführt, die in dem Zwischen- fall auf dem Pariser Kongreß der Gewerkschaftsinternatio- nale gipfelte. Aber auch hier sind die Aussichten nach Edin- bürg günstiger als bisher. Mit dem Abbruch der Beziehun- gen zu den Russen ist die britische Gewerkschaftsbewegung der Mehrheit der im JGB. vereinigten Gewerkschaften näher gekommen als seit vielen Jahren. Nach Edinburg, wo die politische Linie, die Purcell in sich personifiziert, eine so schwere Niederlage erlitten hat, kann der Fall Purcell keine Prinzipienfrage mehr sein, er isttzu einer rein per- sönlichen Frage geworden. Der Kongreß hat die Entscheidung über diesen ganzen Fragenkomplex dem neu zu wählenden Genetalrat über- tragen. Und wenn auch zweifellos die persönliche Loyalität gegenüber Purcell— die ganz und gar nichts mit Billigung oder Nichtbilligung seiner sachlichen Hal- tung zu tun hat— eine gewisse Schwierigkeit für die Lösung in Zukunft darstellt, so ist doch nach Edinburg ernste Hoffnung vorhanden, daß nunmehr eine freundschaftliche Lösung mög- lich sein wird. — r——~ öesolöungsreform und Preiserhöhung. Merkwürdiges Verhalten der Reichskartenstellc. Noch ist die Beamtenbesoldungsvorlage nicht verabschiedet, noch. haben die Beamten keinen Pfennig der geplanten Abschlagszahlun- gen erhalten, da kündigen einzelne Reichsstellen auch schon Preis- erhöhungen an. So hat das R e i ch s a m t für L a n d e s a u f- nähme(Reichskartenstelle) bereits unter dem 29. August in einem Rundschreiben an die Schulen eine Heraussetzung der Preise für Meßtischblätter um 19 Pf. auf 1,29 M. unter Hinweis auf die Besoldungsreform in Aussicht gestellt. Das Vorgehen dieser Reichsstelle muß besonders befremden an- gesichts der Tatsache, daß der Reichsfinanzminister Köhler an die Privatwirtschaft die berechtigte Forderung gestellt hat. die Wirkung der Besoldungsaufbesscrung nicht durch Preiserhöhungen zu be- einträchtigen. Freilich hat Dr. Köhler auch untätig verharrt, als sein Kollege Schätze! die Postgebühren erhöhte, ohne die Be- soldungsreform alkzuwarten. Der ungünstige Eindruck, der damit in der Oeffentlichkeit entstand, kann auch durch die jetzt nach- träglich angeordneten Verbesserungen im Postbctrieb nicht ver- wischt werden.- Man muß jedenfalls vom Reich verlangen, daß es seine Forde- rung an die Privatwirtschaft nicht durch Preiserhöhungen seiner eigenen Aemter in Mißkredit bringt. Bei einlgem guten Willen sollte das möglich sein. Die Tariferhöhung der Post hat bereits genug/böses Blut gemacht und manchen Wirtschaftsgruppen Grund oder Vorwand geliefert, ihre Preise zu erhöhen. Daß es dabei ohne Seitenhiebe gegen die Beamten nicht abging, ist selbstverständlich. Deshalb muß man vom Reiche dieselbe Zurückhaltung in seiner Preis- und Gebührenpolitik fordern, die der Rcichsfinanz- minister von der privaten Wirtschaft erwartet, jedoch nicht durch- setzen wird, wenn er in seinem eigenen Hause nicht Ordnung halten kann. Nicht Soften, sondern Schneidemühl. Acht Jahre nach der Tat verurteilt! Man schreibt uns: Der Arbeiter Friedrich K. in Magdeburg wurde am 2. Januar 1917 im Alter von 19 Jahren zum Heeresdienst eingezogen und kam noch knapp zweimonatiger Ausbildung in der Heimat ins Feld. Er nahm an den furchtbaren Kämpfen an der Lorettohöhe teil und wurde schließlich im Frühjahr 1918 bei Reims verwundet. Nach der Entlassung aus dem Lazarett überwies man ihn dem Infanterieregiment Nr. 149 in Schneidemühl. Mittlerweile brach die Revolution aus, ein großer Teil der Kameraden des K. wurde entlasten und ihm selbst die Entlassung wohl von Woche zu Woche in Aussicht gestellt, aber nicht durchgeführt. Es ist«inleuchtend, daß die immer wieder hinausgeschobene Entlastung nicht geeignet war, die Dienstfreudigkeit zu heben. Aus dieser Verdrossenheit heraus wird es auch verständlich, daß im Fe» bruar 1919 eines Nachts dem Kompagnieschreiber, der mit einem Befehl im Quartier des K. erschien— die Kompagnie lag in Bürger. quartieren—, der Eintritt verweigert wurde und, als später der Feldwebel selbst in Erscheinung trat und in dem bekannten Kam- Mißton sofortiges Fertigmachen zum Ausrücken gegen die Polen befahl, die Ausführung dieses Befehls verweigert wurde. K. trat dabei als Wortführer auf. Die Erbitterung über die un- gerechtjertigte Verzögerung seiner Entlassung war die Triebfeder seines Handelns, das schließlich auch von den Verhältnisten der da- maligen Zeit beeinflußt wurde. Die Folge war»in Strafverfahren gegen K. Im Früh- sommer 1919 fanden die ersten polizeilichen Vernehmungen in Magdeburg statt, wohin er nach seiner Entlassung zurückge- kehrt war. Im Mai 1929 verzog er nach Oberschlesien und arbeitete auf der Grube Hoym(Kreis Rybnik). Sein Arbeitsort fiel im Jahre 1921 an Polen. Im Frühjahr 1925 mußte K. seine Arbeits- ftätte räumen und kehrte als Flüchtling nach Magdeburg zurück. Zwei Jahre lebte er hier mit seiner Familie unbehelligt— er besitzt vier Kinder im Alter von 2—7 Iahren—, dann wurde ihm der Prozeß gemacht und am 24. Mai d. I. verurteilte ihn das Schöffengericht zu Schneidemühl wegen Gehorsamsoerweige- rung zu fünf Iahren und einer Woche Gefängnis. Die von ihm gegen das Urteil eingelegte Berufung wurde vom Landgericht Schneidemühl am 27. Juli verworfen, und am 2. Sep- tember erhielt er trotz des soforteingereichten Gnaden. gesuchs von der Oberstaatsanwaltschaft Magdeburg die Austorde- rung zum sofortigen Strafantritt! Das drakonische Urteil muß das lebhafteste Befremden erregen. Einen Menschen acht Jahre nach einer Tat, die nur aus den revolutionären Zeitverhältnisten verständlich erscheint und die Rechtsverhältnisse der Gegenwart nicht im geringsten berührt, auf füns Jahre Ins Gefängnis zu schicken, ist eine Ungeheuerlichkeit. Um so mehr, wenn man diesem Urteil das Versagen der Justiz in den Fällen gegenüberstellt, die drakonische Strafmaßnahmen im Interesse der Staalsautorität notwendig erscheinen ließen. Den L ü t t w i tz und Ehrhardt, die ein ungleich größeres Verbrechen begingen, ist kein Haar gekrümmt worden, die Republik ist im Gegenteil so tolerant, ihnen noch die Pensionen zu zahlen. Der preußische Iustizminister hat alle Veranlassung, in feinem Ministerium nachzuforschen, was aus dem in vorliegendem Fall« eingereichten Gnadengesuch geworden ist. Wir erwarten von ihm baldigst«ine Entscheidung, mit der er in Ehren bestehen kann. ßlaggenkrieg in Köln. Die Schwarzwcitzroten werden herausfordernd. Köln. 13. September.(Eigenbericht.) In Köln ist es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Stadtverwaltung und den Rechts» Parteien, Kriegervereincn und Rechtsverbänden wegen der Hindenburgseier am 2. Oktober gekommen. Die Rechts- Parteien haben sich in einer internen Versammlung mit den Vor- bereitungen zur Hindenburgseier beschäftigt und dabei der Stadt Köln zur Bedingung gestellt, bei dieser Feier auch die alten das hungerwunöer. Zur Geschichte der menschlichen Dummheit. Von der„Heiligen" Therese von Konnersreuth, deren wunder. bare Erscheinungen jetzt so viel von sich reden machen, wird be- hauptet, daß sie während einer unglaublich langen Periode keine Nahrung zu sich genommen habe. Wie lange freilich, darüber gehen die Angaben der Gläubigen völlig auseinander Unter angeblicher Kontrolle ist sie nur vierzehn Tage gewesen. Behauptet wird ober, daß die Hungerzeit sieben Monat« oder noch länger bis jetzt betrage und— das ist der Gipfel— ohne daß in dieser Zeit eine Gewichts- abnahm« zu oerzeichnen sei. Es ist erschütternd, daß selbst ernsthaste Leute dieses Phänomen überhaupt diskutieren. Würde man denselben Leuten erzählen, daß ein Flieger ohne einen Tropfen Benzinverbrauch von Amerika nach Europa gefahren sei, oder daß zwischen Berlin und München ständig «ine Lokomotive verkehre, die seit sieben Monaten keine Kohlen mehr eingenommen habe, so würden sie einen mit Recht für irren» hausreif erklären. Aber was bei Flugzeug und Lokomotive un- möglich sei, soll bei dem Konnersreuther Bauernmädchen Ereignis sein. Ein Nervenarzt teilt mir einen Fall mit, der sich in dem von ihm geleiteten Sanatorium vor etlichen Iahren zugetragen hat, und eine hübsche Parallele zu dem„Wunder" von Konnersreuth bietet. In dem Sanatorium befand sich ein« schwer hysterische Dame, die kein Essen anrührte. Nicht etwa, daß irgendwie i*n Entschluß zu hungern angekündigt hätte. Nur hatte sie die Gepflogenheit, wenn bei Tisch die Speisen angeboten wurden, mit leichtem Kopf» nicken zu danken. Natürlich fiel das den übrigen Sanotoriumsgästen mit der Zeit auf. Auf ihre besorgten Fragen, ob denn die Dam« gar nichts est«, erwiderte diese scheinbar recht verlegen, sie habe keinen Appetit, sie leide an schwerer Appetitlosigkeit, aber sie hoffe, daß sich das durch die Behandlung ändern werde. Als jedoch die DaM« eine volle Woche beim Nichtesten beharrte, wuchs die Bestürzung unter den Gästen und sie drangen in den Arzt, doch etwas Energisches gegen die Appetitlosigkeit zu tun. Dieser war der einzig«, der sich nicht bestürzt zeigte, sondern ruhig erklärt«, wenn die Dame keine Lust habe, soll« sie nur das.Esten unterlassen. Tatsächlich blieb die Dame mehrer« Wochen in dem Sanatorium, ohne je etwas ange- rührt zu haben, ober auch— ohne daß irgendwelche körperliche Wirkungen dieser Kasteiung sichtbar wurden. Nach ihrer Abreise fand sich die Erklärung: Unter zwei aufgelockerten Dielenbrettern ihres Zimmers lagen haufenweise abgenagte Schinkenknochen, ge- öffnete Konservenbüchsen und andere sichtbare Zeichen eine» guten Appetit-. Die Dame hatte aus dem vielen Hystorischen innewohnen- den Drang gehandelt, sich um jeden Preis interessant zu machen. Mit der den Hysterischen eigenen Raffiniertheit hatte sie ihre Rolle so gut gespielt, daß ihr memand dies« Absicht anmerkte. Indem sie ihr« Eßunlust ganz unauffällig markiert«, verließ sie sich mit Erfolg darauf, daß die anderen von selber auf ihr Verhalten aufmerksam würden. Der Arzt war der einzige, der sie durchschaut hatte. Alle anderen hatten die Möglichkeit ganz übersehen, daß die scheinbare Hungerkünstlerin während langer Zeiträume unkontrolliert war und sich in diesen nach Belieben Nahrung zuführen konnte. Mit der„Heiligen" Therese von Konnersreuth, die zweifellos gleichfalls eine schwere Hysterica und Plychopathin ist, verhält es sich nicht anders. Auch sie behauptet nichts über ihr Fasten, sondern läßt andere die Wundermär oerbreiten. Daraus, daß sie vor anderen Menschen nichts ißt, schließt der primitive Verstand ihrer wunder- gläubigen Umgebung(zumal diese ein Wunder wünscht und will), daß die Therese überhaupt nichts äße. Was die angebliche Kontrolle während vierzehn Tagen wert ist, mag man ermessen, wenn man sich erinnert, daß sogar im verschlossenen und versiegellen Glas- kästen sitzende Hungerkünstler trotz ständiger Kontrolle durch das Publikum es verstanden haben, sich heimlich Nahrungsmittel zuzu- führen.— Wunderbar ist bei der ganzen Geschichte nur das unend- lich« Maß von Dummheit der gläubigen Gemüter. E. K— r. „DccoüctS/ Zu den Zeiten Ludwig« XlV., so um das Jahr 1989, erschien an einem Sonntag die erlaucht« Herzogin von Burgund in einem hochgeschlossenem Kleide zum Gottesdienst, und zwar deshalb in einem hochgeschlossenen Kleide, weil ihr diese Gewandung der Würde eines Kirckienraumes am besten zu entsprechen schien. Der amtierende Geistliche aber war darob in seinem Gemüt so gekränkt, daß er im Eingang seiner Predigt Gelegenheit nahm, zu erklären, daß man vor das Anlitz Gottes und in feine heilige Kirche nicht in einem „würdelosen Anzug" treten dürfte, auch dann nicht, wenn man fürst- lichen Geblütes sei. Die Herzogin oerließ kochend vor Zorn, und doch gehorsam, weil sie die Wirkung geistlicher Worte aus die andächtige Gemeinde kannte, eilenden Schrittes das Gotteshaus, Heß sich eines der tief- ausgeschnittenen Kleider anlegen, wie sie her Sonnenkönig liebte und wie sie an den höchsten Hofsesten seit kurzem Mode geworden, und kehrte klopfenden Herzens in die Kirche zurück. Da ging ein Rauschen der Befriedigung durch die Reihen der Andächtigen und der Kaplan fand noch schnell vor dem Schluß der Predigt«in gütiges Wort der Anerkennung jenes fürstlichen Sinnes, der Gott die Ehren gebe, die der König der Könige verlangen müsse. Fast gleichzeitig saß im Wiener Stephansdom die Gemahlin Kaiser Leopolds l., umgeben von ihren Hofdam«n, vor der Kanzel des glänzendsten Redners, den Wien je gehört hatte, des Paters Abraham a Santa Clara, und lauscht« andächtig seiner Predigt, ohne irgendwie dadurch von ihren Gedanken abgelenkt zu werden, daß sie und ihre Damen die tiefdetolletierten Kleider trugen, die soeben als höchste Mode vom Pariser Hofe eingeführt worden waren. Plötzlich prasselte ein Unwetter von peitschenden Worten auf die Hörer nieder, und die kaiserlichen Ohren mußten aus dem Munde des bewunderten Kanzelredners die Worte vernehmen:„Die Frauen Farben schwarzweißrot entsprechend zu ehren, und zwar hat man verlangt, daß die Stadt das Stadion am Hindenburgtage an» läßlich einer dort stattfindenden Feier paritätisch, also schwarzweißrot und schwarzrotgold beslaggen soll. Der Vertreter der Stadtverwaltung, dem diese Bedingung mit- geteilt wurde, hat sich mit Entschiedenheit gegen� diese Forde» rung ausgesprochen und erklärt, es sei für die Stadt und für alle Kreise, die aus dem Boden der Verfassung stehen, selbstverständlich. daß die Feier nur unter der Flagge Schwarzrotgold stattfinde. Die Rechlsverbände haben dann einen neuen Bor- schlag eingebracht, der vorsah, daß man den einzelnen Verbänden Fahnenmasten zuteilen möge, damit die Ausschmückung von den Ver- einen und Verbänden selbst ausgeführt werde. Auch hiergegen hat die Stadtverwaltung sich zur Wehr gesetzt. Sie lehnte ferner einen Dorschlag ab, der vom Iungdo gemacht und der großmütig den Eingang des Stadions mit einer schwarzrotgoldenen Fahne schmücken wollte, je aber einen Fahnenmast für schwarzweißrot und schwarzrotgold verlangte. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, hat der Vertreter der Stadt das Lokal verlassen. Die Rechtsverbände erklärten daraufhin, daß sie dann ihre eigene Kundgebung ver- anstalten würden. Sowjetruftlsche Todesurteile. Menschenleben billig... Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanteri«, daß gerade wäh- rend der Tage, da die s o w j e t r u s s i s che Presse in der dema- gogischsten Weise die„Arbeitermassen der ganzen Welt" g«gen die Vollstreckung der Tode c st ras« anSacco undVanzetti aufrief, allein das Zentralorgan der Russischen Kommunistischen Partei, die„Prawda", in wenigen Tagen von 29 Todes- urteilen berichten konnte, die verschiedene russische Gerichte ver- hängt hatten. Die Zahl der während dieser Zeitspanne in Sowjet- rußland tatsächlich gefällten Todesurteile ist natürlich viel höher. Wofür wurden aber diese Todesurteile von den Gerichten aus- gesprochen? Die Nummer 186 der„Prawda" berichtet von der Gerichtssitzung über eine„Räuberbande", der die Erschießung des wissenschaftlichen Mitarbeiters der kommunistischen Akademie in Moskau, Turow, zur Last gelegt wurde. Der Roubüberfall galt eigentlich dem Leiter des„Hauses des Säuglings", der an diesem Tage Lohngelder bei sich führen sollte. Bier von den Angeklagten wurden zum Tode oerurteilt: die Strafe für einen der Ver- urteilten in eine zehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Aus der Nummer 188 derselben Zeitung ersährt man von einem Todesurteil gegen den Buchhalter der Staatsbank, der vermittels Urkundenfälschungen 39 999 M. veruntreut hatte. Todesurteile in Massen bringt die Nummer 189 der„Prawda". Das Oberste Gericht Weißrußlands hat nach 19tägiger Verhandlung gegen vier Zollbeamte und einen Spekulanten Todesurteil« gefällt. Ein anderes Gericht hat gegen drei Personen, die sich durch betrüge. rische Manipulationen bei der Liquidation einer Konsumgenossen- schaft bereichert und den Staat beträchtlich geschädigt hatten, auf Todesstrafe erkannt. In derselben Nummer der Zeitung liest man schließlich von dem Todesurteil gegen einen Versicherungsagenten, der 29 999 M. von den bei Bauern eingesammelten Bersicherungs- geldern veruntreut hatte. Die Nummer 199 der„Prawda" verzeichnet die Lestäti- gu n g eines Todesurteils gegen einen jungen Burschen, der zu» sammen mft anderen 13 Burschen im Alter von 16 bis 21 Iahren die 14jShrige Tochter eines Arbeiters vergewaltigt hatte. Die Nummer 196 erzählt von dem Todesurteil gegen ein«» „polnischen Spion", und die Nummer 197 der„Prawda" berichtet von fünf Todesurteilen gegen„Bandften", die sich in Raubüber- fällen auf Konsumgenossenschaften spezialisiert hatten: Menschen waren dabei nicht ums Leben gekommen. Also von der Nummer 186 bis zur Nummer 197 der„Prawda" nicht weniger als 29 Todesurteile. Die Sowjetkommunisten haben sicher zuletzt das moralische Recht, gegen Ausschreitungen der Justiz in anderen Ländern lärmend zu protestieren! aber, die also schamlos sich kleiden, sie sind nicht wert, daß man sie anspei«!" Als das Entsetzen über solche Worte sich in Wien und in- sonderheit am Hofe einigermaßen gelegt hatte, weil kolporttert wulde, der Hofprediger habe nicht gewußt, daß auch die Kaiserin anwesend war, drang'man in den Redner, am nächsten Sonntag irgendwie die„Entgleisung" wieder gut zu machen. Einen Augenblick lang blickte Abraham a Santa Clara zornig vor sich hin. Dann sagte er:„Gut, ich werde widefrusen!" Als am nächsten Sonntag die Kirche überfüllt war und er die ungezählten Augen neugierig auf sich gerichtet sah, Hub der Pater nach den einleitenden Sätzen an:„Ich sagte neulich: Frauen. die sich also schamlos kleiden, sind nicht wert, angespien zu werden: ich widerrufe das: sie sind es wert!" Studienreise der hygieneorganisation de» Völkerbünde» durch Deutschland. Die Hygieneorganisation des Völkerbundes veran- staltet im September und Oktober in Gemeinschaft mit dem Reichs- gesundheitsamt eine Studienreise ausländischer Medizinalbeamten durch Deutschland. Diese Reisen sind als Austauschkurse gedacht und werden von Jahr zu Jahr veranstaltet werden. Deutsch« �Aerzte haben bereits früher an solchen Reisen durch ausländische Staaten teilgenommen. Die diesjährige Studienreise dauert vom 19. Sep- tember bis 39. Oktober und wird durch die Städte Berlin, Ham- bürg, Gelsenkirchen. Essen, Düsseldorf, Halle, Dresden, Chemnitz, Leipzig, Kissingen, Nürnberg und München gehen. Landwirtschast In der Schule. Zwischen den französischen Ministerien für Unterricht und für Landwirtschaft ist ein Abkommen geschlossen worden, wonach vom Oktober ab versuchsweise in zwanzig Departements landwirtschaftlich« Lehrgegenständc in den Mittel- schulen der kleineren Städte behandelt werden sollen. Man hofft, auf diesem Wege zu einer wirtschaftlichen und technischen Ratio. nalisierung der französischen Landwirtschast zu gelangen und den Nachwuchs des Bauerntums mit modernen Methoden vertraut zu machen. Noch den Ergebniiftn der Veesuchszeit sollen dann die Mc- thoden verbessert und die Einrichtung auf ganz Frankreich ausge- dehnt werden._ ltoeulgetllicher Theater Insuch für Ctwerbttos«. Die Volksbühne S. v. hat damit begonnen, auch in dieser Spielzeit ErweibSIoien wieder uncnt- geltlich Plätze in ihren beiden Häusern am Bülowplatz und am Schissbauer- dämm zuzuweisen. Bisher gelangten jeden Tag etwa 209 Karten zur Verteilung, die durch die Gewnkschaslen. Angeiielltenverbändc. Jugendämter usw.-rsolgte. Im Rahmen des Möglichen wird diese Kartenabgabc auch weiterhin duichgciübrt werden. Die kursthandlung villor horlberg. Schöneberger User 41. zeigt eine Kollektiv-Aufstellung Hermann Kloeckner-DreSden Gemälde, und Duslao H. Wolss Plasliken vom 18. September bis 15. Oktober. Orgelkonzerte Im vom Da» nächste Orgelkonzert von Prof. Walter Fischer findet am Donnerstag, dem 15., im Dom Natt. ES wirken mit: Hermann Schey. Bariton. Felix Robert Mendelssohn, Violoncell, George Hardh, Cello. Programm 59 Ps., berechtigt zum Eintritt. Fron Adelheid v. Asten, die Tochter dcS Freiheitsdichters Gottfried Kinkel, ist in Bannen im 8l. L-beiisjabre gestorben. Krau v. Aste» war Konzert'äiigerin und Miifiklehreriii. .Da» Leben Zeidinond Lassalles- behaiidelt ein Film, dessen Manulkrivt der Thealerschristilell-r O. Leskin jür die Moskauer.Melhrabpom-Russi" A. G. soeben vollendet hat. / Sozialdemokratie gegen Schulreaktion Stellungnahme der Berliner Parteifunktionäre. In einer Konferenz der Funktionäre unserer Partei sprach gestern abend Genosse Dr. Löwenstein über: ..Der Kampf um das Reichsschulgesetz." Auf dem Dortmunder Katholikentage beherrschten nicht die fort- schrittlichen Leute das Feld sondern Sozialreaktionäre wie Dr. S« i p e l. Der Beweis wurde erbracht, daß nicht der Fort- schritt, sondern klerikaler und sozialer Rückschritt im Zentrum die Oberhand haben sollen. Wenn auch die Sozialdemokratie die Religion als Pri- vatsache ansteht, so hat Dr. Seipel in Dortmund erklärt, daß schon durch die Anfechtung des Privatbesitzes die Religion in Gefahr gerate. Man kann schlecht religiöse Vorstellungen schärfer in den Dienst klassenkämpferischer Ideologie stellen, wie es hier Dr. Seipel mit scharfer Wendung gegen die Sozialdemokratie tat. In Kon- sequenz dieser Stellungnahme wurde dann auch aus dem Katholiken- tage erklärt, daß in den Fragen de r Schule und der Erziehung nicht der Staat, sondern die Bischöse zu bestimmen hätten. Ein Staatswesen, das eine starte soziale Entwicklung hat, kann nicht darauf verzichten, das Erziehungsrecht von sich aus zu beeinflusten. wir stellen gegen das Erziehungsrecht de» einzelnen das Erziehungsrecht der Gesellschaft, weil sie die höchste organisierte Gemeinschaft einzelner ist. In das Erziehungsrecht der Schule können nach der Verfassung die Erziehungsberechtigten nur in zweifacher Hinsicht eingreifen, wo- bei die Abmeldung von dem Religionsunterricht die vornehmste ist. Jedoch kann die Erziehungsberechtigung der Familie von uns nicht voll anerkannt werden, weil da»„Recht der Familie" das schlimmste Kleinbürgerrecht darstellt. Im Widerspruch zu den Bestimmungen der Verfassung sieht der Reichsschulgesetz- entwurf Keudells die Gleichstellung aller, drei Schul- arten vor. Die Bekemrtnis- sowohl wie die Gemeinschafts- und weltliche Schul« sollen'„auf Antrag" errichtet werden können. Das widerspricht den Bestimmungen der Verfassung. Für uns ist besonders wichtig, daß durch den Entwurf von vornherein zugunsten der Bekenntnisschulen entschieden wird. Gewiß können nur auf Antrag der Eltern Bekenntnisschulen errichtet werden, aber man kann nach dem Eni- wurs mit einem Federstrich diese freie weinunqsöußerunq der Eltern unwirksam machen, indem bestehende Bekenntnisschulen a l s solche bestehen bleiben, selbst wenn die Kinder dieser Schulen am Religionsunterricht nicht teilnehmen. In Preußen können auf diesem Wege neun Zehntel aller Schulen Bekenntnis- schulen bleiben. Di« Umwandlung einer solchen Schule in ein« weltliche kann nach dem Entwurf nur geschehen, wenn zwei Drittel der Elternschaft die Umwandlung in eine welllich« oder R e g e l s ch u l e beantragen. In Zukunft wird also diese Umwand- lung auch in Berlin außerordentlich erschwert werden, denn die Anträge werden nur im Schulmaß st abe gelten. Man hat aber auch Vorsorge getroffen, daß neue Schulen entstehen können. Auf Antrag von 40 Eltern können neue Schulen errichtet werden. Dabei hat aber die Regierung das Entfcheidungs- recht, und wenn sie entscheidet, daß ein Bedürfnis nicht vorliegt, so wird es schwer sein, neue Schulen, besonders weltlich«, zu schaffen. Alle religiösen Sekten haben also die Alöglichkeit, eigene Schulen zu bekommen, während eine Umwandlung der bestehenden Ve- kenntnisschulen in mettliche oder Regelschulen nur auf Antrag von zwei Dritteln der Elternschaft möglich sein soll. Selbstverständlich bedeutet eine Zersplitterung de« Schul- wesens«ine außerordentliche finanziell« Belastung für Staat und Kommunen. Hamburg wird etwa 2 Rlillione« Mark jährlich mehr für Splitterschulen ausgeben müssen, ohne daß das Niveau der Schulen gehoben werden kann. An dieser Hebung hat aber die Masse des Volkes das größte Interesse. In der Bekenntnisschule soll nicht nur beim Religionsunterricht, sondern in allen Fächern im Sinne der Religion und des Glau- bens erzogen werden. Das heißt also, daß moderne Schulwissen- schaft, moderne Naturwissenschaft und moderne Geschichte keinen Platz finden. Selbst die Kinder, die vom Religionsunterricht b e- freit find, werden also in ollen Fächern nach den Grundlagen christlichen Glaubens erzogen werden. Auch in der R e g e l s ch u l e soll noch in allen Fächern nach„religiös-sittlichen Gesichtspunkten" Unterricht gegeben werden. Es ist das zwar eine liberalere Auffassung, die aber dennoch nicht befriedigen kann. Das ist die Schule nach dem Willen der Volkspartei. Verhältnismäßig gut ist in dem Entwurf die weltliche Schule davongekommen. In ihr können alle Kinder von allen Lehrern unterrichtet werden Das entspricht durchaus unserer grundsätzlichen Auffassung. Wir wollen keine Parteischulen, sondern eben Schulen für alle Kinder des Volkes, so wie wir unsere Politik nicht nur für Sozialdemokraten, sondern für das Volk, für die Allgemeinheit machen! In den Sammelschulen hat sich ein neuer Geist gebildet, der sie mustergültig in den Fragen der Rcformpädagogik sein läßt. Der Entwurf will allerdings die welllichen Schulen auch zu„Welt- anschauungsschulen" machen, während wir Sozialdemokraten keine >seue weltanschauliche Dogmatil haben, sondern die Schule nach den Bedürfnissen des sozialen Lebens formen wollen. In die Verwaltungen des Schulwesens sollen nach dem Entwurf olle Vertreter eines religiösen Be- kenntnisses berufen werden. Dabei sollen dann noch diese„geist- lichen" Vertreter in den Fragen aller Schulen mitbestimmend sein, d. h. der B a p t i st e n v e r t r e t e r oder der Katholik, oder der Rabbiner wird auch über die Bedürfnisse der weltlichen Schulen zu bestimmen haben. Neben den staatlichen Schulauf- sichtsbeamten wird in Zukunft noch ein von den Religionsgesell- schaften vorgeschlagener und vom Staat sanktionierter Aufsichts- beamter kommen. Daneben kommt dann noch«in„Beauftrag- ter" der Religionsgesellschaften, der den Gesamt Unterricht darauf- hin zu kontrollieren hat, ob er auch„im Sinne christlicher An- schauung" erteilt wird. Dieser„Beauftragte" hat das Recht, die Versetzung eines Lehrers zu verlangen, der nach seiner Auffassung diese Bedingung nicht erfüllt. Der Slaal wird also zum Büttel der Religionsbeaustragten degradiert. Gerade gegen diese Bestimmung hat sich in Lehrerkreisen eine starke Auflehnung gezeigt. In vielen Städten haben sich außerordentlich hohe Prozentsähe der Lehrerschaft dafür erklärt, bei Gefehwerdung des Entwurfes den Religionsunterricht niederzulegen. Auch diese Aufsichtsbestimmungen widersprechen der Verfassung. Ob aber der Widerstand dagegen bei den„liberalen" Parteien vorhalten wird, ist stark zu bezweifeln. Allein von der Auf- rüttelung der öffentlichen Meinung ist ein wirksamer Protest gegen da» reaktionäre Schulgesetz zu erwarten. Das Beispiel des Protestes gegen das Schund- und Schmutzgefetz und gegen das Lustbarkeits- fteuergesetz für die Jugendlichen gibt uns gute Hoffnung, auch bei der Beratung des Reichsschulgesetzentwurfs mit den reaktionärsten Bestimmungen brechen zu können. In Kulturfragen brauchen wir weder dem Liberalismus noch dem Klerikalismus irgendwelche Konzesstonen zu machen. Unser Kämpf geht um die Erfüllung dessen, was in der Verfassung festgelegt ist— unser Kampf geht um die weltliche Schule, die wir zur R e g e l s ch u l e erheben wollen. Es ist kein Kampf um Religion, sondern ein Kampf um die kulturelle Höherführung der Arbeiterschaft!(Lebhafter Beifall!) Nach einer kurzen Aussprache und einem Schlußwort des Rs- ferenten teilte der Vorsitzende Genosse Künstler mit, daß der erweiterte Bezirksvorstand«instimmig beschlossen habe, die Partei- genossen nur auf die Arbeit im Rahmen der Partei zu oerpflichten und alle Mitarbeit bei ollen sogenannten neutralen Komi- t e e s. hinter denen meist nur die Kommunisten stehen, a b z u» lehnen. Sesthlüjfe öer Internationale. Fort mit der Todesstrafe!— Kein Beitritt zur Antikolonialliga. Brüssel, 13. September.(Eigenbericht.) Die Exekutive der Sozialiftischen Internationale hat in der Nacht zum Dienstag ihre Tagung beendet. In ausführlicher Diskussion wurde auf Anregung von B r o ck w a y- England zu der.Liga gegen Imperialismus und kolonial« Umerdrückung" Stellung ge- nommen. G i l l i s- England, Wels-Deutschland, Bauer- Oesterreich und Sekretär Adler legten die Zusammenhänge zwischen dieser Liga und der Moskauer Internationale dar und wandten sich gegen das neue Einheitsfrontmanöver, das auf dem Wege über diese Liga versucht wird. Brockway erklärte, daß die englische Arbeiterpartei im Hinblick auf diese Aufklärung Abstand nehme, der Liga beizutreten. Hierauf wurde einstimmig folgend« Resolution angenommen: Die Sozialistische Arbeiter-Jnternationale ist erfüllt von wärm st er Sympathie für die Völker, die den Kampf gegen Imperialismus und koloniale Unterdrückung führen Sie wird ihren Kampf nach wie vor aufs energischste unter- stützen und alles, was in ihren Kräften steht, daran setzen, die eng st e Fühlung mit dem nationalen Programm dieser Völker aufrechtzuerhalten. Ihre Hauptaufgabe sieht die Sozialistische Internationale aber in der Gruppierung der proletarischen Element« dieser Völker unter der Fahne des internationalen Soziatismus, nicht aber in der Schaffung einer neuen Organisation, die sich den Zweck setzt, diese Elemente in einer allgemeinen nationalen Bewegung aufgehen zu lassen oder dies« nationale Bewegung den Interessen irgendeiner Macht unterzuordnen. Daher glaubt die Exekutive, daß es nicht die Aufgabe der Parteien der Sozialistischen Internationale sein kann, der sogenannten.Liga gegen den Imperialismus und kolo- niale Unterdrückung" beizutreten." Die Exekutive' hörte ferner den Bericht der Kolonialkom- Mission der Sozialistischen Internationale, den V l i e g« n- Holland erstattete, und den Bericht der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen an, über deren Konstituierung und erste Arbeiten C r i s p i e n- Deutschland referierte. Die Anträge beider Berichterstatter wurden«instimmig zum Beschluß erhoben. Im Namen der Kommission für die politischen Gefangenen brachte Kleerekoper-Holland eine Resolution ein, die unter Berücksichtigung von Abänderungsanträgen von Longuet- Frankreich, Modigliani-Jtalien und Zeretelli-Georgien in folgender Fassung«instimmig angenommen wurde: Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale ist erschüttert von dem an Sacco und Vanzetti, den Opfern einer unerbittlichen Klassenjustiz, verübten Justizmord, von den Hinrichtungen im Kolonialgebiet der Niederlande, die vollzogen werden, obwohl im Mutterlande die Todesstrafe schon seit 1877 nicht mehr besteht, von den zahlreichen in Georgien und in China vollzogenen Hinrichtungen und über die Wieder- einführung der Todesstrafe i n. I t a l i« n, die bestimmt ist, besonders die politischen Verbrechen zu treffen. Sie erklärt, daß es eine dringende Forderung der Zeit ist, die T o d« s st r a f e überall da aus den Gesetzen zu entfernen, wo sie noch besteht. Sie fordert die parlamentarischen Vertreter des Sozialismus auf, in jenen Ländern, in denen die Todesstrafe noch besteht, für ihre völlige Aufhebung im Parlament einzutreten, und fordert die Arbeiterklasse auf, diese Forderung im Namen der Mensch- Tlchkeit und Gerechtigkeit zu unterstützen. Die Beratung dieser Enffchließungen war so eingehend, daß erst am frühen Morgen diese Exekutivtagung der Sozialistischen Ar' eiter-Jnternational« beendet werden konnte. Hunöesausschußsttzung ües MdHS. Einer Einladung des Magistrats der Stadt Magdeburg folgend, hat der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasts- bundes die S. Ausschußsitzung des ADGB. nach Magdeburg ein- berufen. Der Bundesausschuß tagte in der neuen Stadthalle. Ober- bürgermeister Genosse Reims begrüßte im Namen der Stadtver- walwng mit herzlichen Worten den Bundesausfchuß. Leipart sprach den Dank des Bundesausschusses für die freundliche Begrüßung aus. Sodann erstattete er den Bericht des Bundesvorstandes. Der Bundesvorstand wird ein« Konferenz der Ar- beitersekretäre einberufen, und zwar vom 26. bis 28. Septem- ber nach Frankfurt a. M. Die Konferenz wird sich mit dem Ver- fahren in der Unfall- und Invalidenversicherung, den Arbeitsgerich- ten und der Arbeitslosenversicherung beschäftigen Für die Kran- k« n k o s s« n w a h l e n hat der Bundesvorstand erneut eine be- sondere Broschüre als Wahlanleitung herausgegeben. Leipart verwies noch auf die Konferenz der Lezirkssekretäre. die kürzlich stattgefunden hat. Der Bau und die Organisation der beiden geplanten Vundesfchulen erfordert die Anstellung einer neuen Kraft, eines Bildungssekretärs, dessen Aufgab« darüber hinaus die Förderung der Bildungsbestrebun- gen der Gewerkschaften, insbesondere der Verbände, die keine eigenen Schulen haben, sein wird. Die Oberleitung de» ganzen Schulbetriebs soll in der Hand des Bundesvorstandes, in erster Linie des neuen Bildungssekretärs liegen. Der Bericht des Bundesvorstandes wurde einstimmig genehmigt. Sodann erstattete Genosse Naphtali Bericht über die Ar- beitcn der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik, die eine gemeinsame Einrichtung der Gewerkschasten. der Partei und der Genossenschaften ist. Schlimme gab eine Darstellung der Gründe, die zu Meinungsverschiedenheiten der Verbände über die VerblndlichkeitserklSrung von Tarifverträgen führen. Er erinnerte daran, daß zur Vermeidung solcher Meinungs- Verschiedenheiten viel beigetragen werden kann, wenn die Bestim- mungen der Bundessatzungen über die Führung von Lohnbewegun- gen und über Tarifabschlüsse in Gebieten und Betrieben, an denen mehrere Organisationen beteiligt sind, von vornherein sovgfältigste Beachtung finden. Leider seien die Gedanken dieser Bestimmungen noch nicht in die Verbandssatzungen aufgenommen worden, obwohl § SS der Bundessatzung diese Uebernahme fordert. Daher erinnert der Bundesvorstand daran, daß die Bestimmungen der Bundes- fatzungcn streng innegehalten werden müssen. Ferner schlägt der Bundesvorstand vor. daß Antrüge aus Verbindlichkeitserklörung von Tarifverträgen nur im Einoernehmen aller beteiligten Verbände ge- stellt werden mögen. Ergeben sich hierbei Meinungsverschieden- heiten, so soll der Bundesvorstand schlichtend eingreifen. Nach einer kurzen Debatte schloß der Vorsitzende die Sitzung. vas pariser Attentat. Faschiftengemewheit ist schuld daran. Pari», 13. September. Der Mörder des italienischen Vizekonsuls Nardini hat seine Identität angegeben. Er heiße S er g i o di Modugno lind sei 1902 in Serignola in Italien geboren. Er war in Pari» seit drei Jahren als Maurer beschäftigt. Diese Angaben hat er schriftlich ge- macht, da er behauptet, durch die gestern erhaltenen F a u st s ch l ä g- eine Zungenlähmung erlitten zu haben, die ihn o m Sprechen hindere. In seiner Wohnung wurde ein Exemplar der antifaschistischen, in Paris erscheinenden italienischen Zeitung „Liberia" gefunden. Der Täter hatte den Vizekonsul um Vermittlung beim Präsekten gebeten, damit seine Frau, die in Italien geblieben sei. nach Paris kommen könne. Er erklärte, er sei Erdarbeiter, lebe in ziemlich ärmlichen Verhältnissen und könne die Mittel für die Reise seiner Frau nicht aufbringen. Nardin: habe«ine Regelung der Angelegen- heit zugesagt, jedoch darauf hingewiesen, daß die Antwort kaum günstig ausfallen dürfte, da die P r ä f e k t u r der Provinz, in der die Frau des Attentäters lebe, ihr« Ermächtigung zu der Aus- reife aus politischen Gründen nicht geben wolle. Der„S o i r" sagt, daß die italienischen Behörden alles tun, um die Geduld ihrer Staatsangehörigen im Auslande zu erschöpfen. Wer nicht Faschist sei, habe die größten Schwierigkeiten, irgendetwas bei einer italienischen Behörde zu erreiche». Ganze Familien seien durch die Verweigerung des Pahvisums ruiniert worden, Frauen können nicht zu ihren Männern, Kinder nicht zu ihren Eltern, weil die Pässe verweigert werden. Es sei deshalb nicht zu verwundern, wenn ein Mann, vom Hunger getrieben und erbittert über die Weigerungen der italienischen Pah- stelle, auf den ersten besten Beamten geschossen habe. Allein der Faschismus sei an diesen Zuständen schuld. ßremüenhetze in Zrankreich. Paris, 13. September.(Eigenbericht.) - In den letzten Wochen hat unter dem Druck der reaktionären Elemente eine Ausländerhetze in Fstinkreich und besonders in Paris eingesetzt. Es vergeht fast kein Tag und keine Nacht, ohne daß die Polizei Razzien in Paris und in der Provinz vornimmt und sämtliche Ausländer, die auch nur in geringster Weise gegen die Verordnungen und Vorschriften verstoßen, unbarmherzig über die Grenze abschiebt. Dieses Verfahren hal seit den Manisestationen zugunsten Saccos und Vanzettis und den danach von Kommunisten und Anarchisten verursachten Ausschreitungen eingesetzt mit der Begründung, Frankreich müsse von diesen ausländischen Elementen gesäubert werden. Daß man aber dabei unterschiedslos auch gegen politische Flüchtlinge vorgegangen ist, beweist die am Dienstag er- folgte Air s w e i s u n g mehrerer antifaschistischer ita- lienischer Journalisten, die trotz ihrer Proteste binnen 24 Stunden über die belgische Grenze abgeschoben wurden. Keinem von ihnen wurde der Grund dieser Maßregel mitgeteilt: u. ot. wurden auch der Sekretär und der Schatzmeister der Vereinigung der b c s s a r a b i s ch e n Flüchtlinge ausgewiesen. Die Linkspresse protestiert scharf gegen diefc� krasse Verletzung des Alylrechtes und fordert, daß mindestens die politischen Flücht- linge aus Italien, unter denen zahlreiche Sozialisten und Republi- kaner sind, von der rigorosen Ausweisung verschont werden Litauischer Sprachzwang. Memcl-Gemeindcvertreter müssen litauisch können! INemel, 13. September.(Mtb.) Der Kreisausschuß des Landkreise» Memel hat beschlossen, dem Landesdirektorium ein Schreiben zu unterbreiten, in dem es heißt: " Von den in diesem Zahre gewählten Gemeindevertrelern und Beamten sind verschiedene n ich t bestätigt worden, weil sie die litauische Sprache nicht beherrschen. Wir erblicken darin eine Härte gegen die alteingesessene deulschsprechende ve- oälkerung. Denn es Ist von den im Erwerbsleben stehenden hier In Frage kommenden Personen nicht zu verlangen, daß sie von heute aus morgen die litauische Sprache erlernen: durch diese Verordnung werden viele angesehene und bewährte Leute von der Kommunalselbstverwallung ausgeschaltet zum Schoden von Gemeinde und Land. Daher halten wir es für wünschenswert. daß die genannte Verordnung noch auf längere Zeit aus- geschaltet wird oder daß Ihr llebergangsbeftimmungen hinzugefügt werden. Der überaus bescheidene Ton dieses Protestes zeigt schon,. unter welch furchtbarem Druck die Verfasser stehen und wie sie die Rache der Machthaber bei einer schärferen Sprache fürchten. Das Vorgehen der litauischen Oberbehörde selbst ist eine zwar brutale, aber nicht weniger lächerliche Ueber- spannung nationalistischer Herrschgier, Abteilung Staats- spräche. Wäre das Litauische noch eine jener slawischen Sprachen, deren Bereich immerhin vom Böhmerwald bis an den Stillen Ozean reicht— aber es ist die vollkommen isolierte Sprache von gut gerechnet zwei Millionen Menschen, die sofort deutsch, russisch oder polnisch sprechen müssen, wenn sie ihre Ländchengrenze überschreiten: denn litauisch ist eben mit irgendwelchen Kenntnissen anderer Sprachen nicht ein- mal andeutungsweise zu verstehen. Wenn die erfolgreichen Putschhäuptlinfse dieses Splittervölkchens aber ihre„Staats- spräche" auch noch einem deutschen Gebiet aufzwingen, das ihnen nur angegliedert ist und unter international garan- tierter Selbstverwaltung steht, so müßte der Garant da- gegen einschreiten, wenn er von Gerechtigkeitssinn beseelt wäre. Dieser Garant ist der Völkerbund. Hinrichtungen in Tauroggen. Ein Standgericht in Tauroggen hat secki» Studenten erschießen lassen und fünf weitere Personen zum Tode verurteilt. Ein Polizeichcf niedergeschossen. Wemel, 13. September.(Mtb.) Als der Polizeichef von Litauisch-K r o t t i n g e n nachts die Posten am Rande des Ortes revidierte, schössen Unbekannte auf ihn und verletzten ihn schwer. Er ist bald darauf gestorben. Die Rotsherrenwahl in Holland hat bis jetzt 36 Sozialdemo- traten zu Stadträten gemacht, was ein bedeutender Fortschritt ist. Doppelter Reinfall ües VDM?. Die Zahlung der Ucberstundcn und Ferien. Der Hauptausschuß für Arbeiterfragen, der nach dem Rohmen- vertrag A, abgeschlossen zwischen dem Berband Berliner Metoll- industrieller und dem Deutschen Metallarbeitcrverbond über grund- sätzlichc� Streitfragen, die sich aus den' Tarifvertrag ergeben, zu entscheiden hat, hatte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Frage „Bezahlung der Ueber stunde n" zu bcschöstigen. Der Verband Berliner Metallindustricllcr hatte eine Mitteilung an seine Mitglieder ergehen lassen, aus der hervorging daß der Heber st undenzuschlog von 15 Proz. nur dann gezahlt werden soll, wenn die reine Wochenarbeitszeit von Stun- den erreicht ist. Der Deutsche Metallarbeiiervcrband bat an sestie Mitglieder die Anweisung herausgegeben, daß jede Ueberftunde, die über die regelmäßige tägliche Arbeitszeit gemäß Arbeitsordnung geleistet wird, mit dem prozentualen Zuschlag zu zahlen ist. Der Hauptausschuß hat folgende Entscheidung gefällt: „Die regelmäßige Arbeitszeit im Sinne des Abschnitts IT „Arbeitszeit" Abs. 5 des Tarifvertrages vom 1. Juni 1987 ist die regelmäßige tägliche Arbeitszeit gemäß den Bestimmungen der Arbeitsordnung. Mit Ueber ft undenzuschlog sind daher, sofern dieser nicht gemäß Abschnitt 2 Abs. li verwirkt wird, die Stunden zu bezahlen, die über die regelmäßige tägliche Arbeitszeit hinaus geleistet werden, und zwar ohne Rücksicht auf die wöchentliche Arbeitszeit." Zu Abschnitt 6„U r l a u b", Ziffer 3, wurde folgende Cnt- scheidung gefällt: „In den ini Tarifvertrag vom l. Juni 1987 im Abschnitt 6 „Urlaub", Ziffer 3, aufgesührtcn Fällen von vorübergehen- der Entlassung gilt bei der Berechnung der Ur- l a u b s d a u e r die Zeit der Arbeitsunterbrechung von zwei bzw. drei Monaten als Arbeitszeit." Dies« beiden klaren Entscheidungen oersperren allen Winkel- zügcn der Unternehmer den Weg. Der klare Rechtsanspruch der Arbeiter auf die Zahlung der Ueberstunden und der Ferien, ist damit sichergestellt. Die juristischen Berater des VBMJ. h�bcn diesen in eine Blamage hineingeritten. Etwas weniger Advokatenknisflichkeit und mehr soziales Rechtsempfinden hätten den VBMI. vor dieser doppellen Niederlage bewahrt. Lohnbewegung in üer Derliner tzolzinüuftrie Kündigung des Lohntarifs. Gestern abend beschäitigtcr� sich die Funktionäre der Berliner Holzindustrie in einer stark besuchten Versammlung in den Andreas- Sälen mit der Ä ü n d ig u n g des L o h n t a r i s s. Der Bevollmächtigte der Berliner Ortsvcrmoltung des Holz- arbeiteroerbandes, Genosse B o c s e, wies zunächst darauf hin, daß im Frühjahr d. I. nach längerer tarisloser Zeit neben anderen Bronchen auch für die Berliner Holzindustrie wieder L o h n t a r i f e abgeschlossen werden konnten, die ober die Arbeiter nicht voll be- friedigten, da die Tarifabschlüsse noch unter dem Druck der K r i i e standen. Aus diesem Grunde herrscht in allen Branchen die einheitliche Ausfassung, die Tarise, die meist im Herbst ablauten, zu kundigen. Die engere sowie die erweiterte Ortsverwaltung bot sich am Montag mit der Kündigung des Lohnabkommens in der Berliner Holzindustrie sowie mit der Aiifstellniig der Lohn- efarderungen beschäftigt und noch eingehender Beratung beschlossen, den Funktionären zu empfehlen, das Lohnabkommen z u m 30. S e p- te m b e r z u kündigen und folgende Lohnerhöhung zu bean- tragen: u Ueber 82 Jahr« alte Facharbeiter erhalten ab I. Oktobek auf ihre bestehenden Stundenlöhne eine Zulage von 15. Pfennig, Hilfsarbeiter 12 Pfennig, F a cha r b e il« r i n n e n 10 Pf. und Hilssarbeiterinnen 8 Pfennig. Sämtliche am 30. Sep- tember bestehenden Akkordtarife werden um 14 Proz. erhöht. Die Lohnzulag« für die Arbeiter und Arbeiterinnen von 15 bis 82 Jahren werden nach dem im Lohnobkommen vom 12. Fe- bruor d. I. festgelegten Schlüssel berechnet. Der Zuschlag für Montagen außerhalb Berlins soll von 0.40 M. auf 8,30 M. pro Tag erhöht werden. Die tariflichen Durchschnittslöhne sollen betragen für Facharbeiter über 22 Jahre 1,26 M., Hilfsarbeiter 1,05 M., Focharbeiterinnen� 87 Pf., Hilfsarbditerinncn 71 Pf. Die Durchschnittslöhne der übrigen Arbeiter und Arbeite- rinnen sollen gleichfalls nach dem ichon erwähnten Schlüssel berechnet werden. Dos Lohnabkommen soll vom 1. Oktober bis zum 15. Fe- bruar 1928 gelten, jedoch mit der Maßgabe, daß, wenn im Januar oder Februar neue Mietsteigerungen eintreten, diele entsprechend den im jetzigen Lohntarif festgelegten Bestimmungen durch eine M i e t- zulagc aus die bestehenden Zeit- oder Akkordlöhne zugeschlagen werden sollen.., Genosse Boese bemerkte zum Schluß seiner Ausführungen, daß diese Forderungen sticht übertrieben hoch seien, sondern ihre restlose Bewilligung den Berliner Holzarbeitern noch nicht einmal ganz das regle Wochencinkommen der Vorkriegszeit bringen würde. In der sehr sachlichen Diskussion brachten alle Redner zum Aus- druck, daß an der ausgestellten und noch sehr mäßigen Forderung unbedingt festgehalten werden und bei einer etwaigen ablehnenden Stellungnahme der Unternehmer versucht werden müsse, die Forderung mit allen gewerkschaftlichen Mitteln. gegebenenfalls auch durch den offenen Kampf, durchzusetzen. Die Versammlung billigte die von der Verwaltung aufgestellten Forderungen. Dunüeskongreß ües fldS. Zu dem Referat des Genossen Dr. Hertz wurde keine Debatte gewünscht, sondern anschließend daran der Bericht der Rechts- k o m m i s s i on erstaltet. Danach wurde eine Entschließung zum Entwurf der Reichs st rafordnung angenommen, in der der Kongreß erklärt, daß dieser Entwurf als Grundlage einer R� form des Diszipstnarrechts nicht geeignet erscheine. Es wird gefordert, daß an Stelle dieses Entwurfs«ine Novelle zum Reichsbeamkengeseh » beschlossen wird, die Insbesondere die Verjährung von Dienstver- gehen, die unbeschränkte Zulässigkeit von Beschwerde und Wieder- aufnähme und die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren Freigesprochenen, die Rechtskrnslfähigkeit von Strasbescheiden und Einstellungsbeschlüssen im nichtsörmlichcn Dienststrafverfahren sowie die Berechtigung der Beamtenorganisationcn zur Vertretung ihrer Mitglieder im Disziplinarverfahren vorsieht. Die nach dieser Rich- tung abgeänderten Vorschriften des Reich4beamtengesetzes würden den' Beamten bis zur Verabschiedung eines neuen Entwurf» einer Reichsdienststrafordnung, der allen Zusicherungen der Verfasiung und der Idee eines Rechtsstaates entspricht, einen größeren Schutz gewähren als der vorliegend« kritisierte Entwurf der Reichsdienst- strafordnung. Neben einigen weiteren Entschließungen wurde folgende zur Frage der Arbeitszeit der Beamten einstimmig angenommen. tz „Der 2. Bundeskongreß des ADB. fordert eine gesetzliche Rege- lung der Arbeitszeit für die Beamten in U e b e r e i n st i m m u n g mit den für d> e Arbeiter und Angestellten gülti- gen Vorschriften. Als den geeignetsten Weg dafür betrachtet er e». daß im Urhtit-schutzge'etz die grundsätzliche Einbe- zieh u na der Beamten ausgesprochen und die dort vorge- sehene Möglichkeit, die Arbeitszeit der Beamten auf d'e Angestellten und Arbeiter zu übertragen, beseitigt wird. Zur Regelung ' von Einzelsragen ist der Erlaß eines besonderen Ausführung-gesetzes vorzusehen, das in die allgemeine Beamtengesetzgebung einzufügen ist. Der Bundesvorstand wird beaiistragt, eiizen Entwurf hierfür auszuarbeiten, nachdem der Entwurf zum Arbeitsschutzgesetz dem Reichstag vorgelegt ist. Bis zum Inkrafttreten dieser Vorschrift sind die gegenwärtig für die Reickis- und Reichsbahnbeamten gelten- den Bestimmungen' dahin abzuändern, daß die durchschnittliche wöchentliche 4Sstündige Arbeitszeit bei allen Verwaltuneen und in allen Betrieben des Reichs und der Reichsbahn wieder e'ingesührt wird. Dos gleiche gilt für die Länder und Gemeinden, in denen die 48stündiye Arbeitszeit noch nicht durchgeführt ist." Schließlich wurde in einer ebenfalls einstimmig angenom- mcnen Entschließung verlangt, daß die weiblichen Beamten mit den männlichen grundsätzlich und ausnahmslos glcichge- st e l l t werden sollen, sowohl in ihrer Besoldung als auch in ihrer Rechtsstellung. Insbesondere wird die Beseitigung des Art. 14 der Perfonalabbauverordnung verlangt. Darauf mackt« Genosse Dr. V ö l t e r den Vorschlag, sein Reie- rat über die Besoldungsreform noch zurückzustellen, da man erst abwarten müsse, ob der Reichssinanzminister Dr. Köhler erscheinen«erde. Befremden löste seine Mitteilung aus, daß der Reichsfinanzministcr ihm am Freitag erklärt habe, daß ihm von seinem Referenten bis zu diesen. Tage nichts von einer Einladung zu dem Bundeskongreß des ADB gesagt worden sei. Der Bundestag beschloß darauf, das Referat bis Mittwoch zurückzustellen und abzuwarten, ob der Reichsfinanzminister erscheinen wird. In der Nachmittagssitzung, wurden die zu den Bundessatzungen und zu den Organisationsrichtlinien gestellten Abänderungs- antrage beraten Nach der Erledigung dieser Anträge wurde die Plenarsitzung auf heute vormittag vertagt. Es traten noch der Befoldunasausschuß und die Kommission zur Vorbereitung der Wah- Icn des Bundesvorstandes zu einer internen Sitzung zusammen. Zum Kampf im mittelüeutstben Serybau. Solidarität der Angestellten. Zu dem Lohnkampf der Arbeiter im mitteldeutschen Braun- kohlenbergbau haben die Angestelltenorganisationen«ine» gemein- sanien Ausrui an die Angestellten im gesaintcn mitteldeutschen Braunkohlenbergbau gerichtet, in dem es heißt: „Es ist damit zu rechnen, daß die Arbeitgeber von den Ange- stellten verlangen werden, aus die Arbeiter dahin einzuwirken. die Kündigunos zettcl nicht zu unterschreiben oder ausgesprochene Kündigungen zurückzunehmen. Die An- gestellten haben keine V e r a wl a s s u n g. die Arbeiter in der Durchführung ihrer Lohnbewegung zu behindern. Die unterzeich- neten Angestelltenorganisationen erwarten von den Angestellten, daß sie sich jeder B- e i n f l u s s» n g der Arbeiter im Sinne der Arbeitgeber enthalten. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Gewerkschastsbund der Angestellten. Reich-oerband deutscher Bergbauangestellter, Fach- gruppe Bergbau im Gedag.." Einigung im Lohnstreit See MetaUformer. Die Metallformer stimmen zu. Nachdem die Vertrauensmänner der Berliner Metallformer in emer Sigung am Sonnabend ihre Zustimmung zum Lohnabkommen gegeben hauen, beschloß gestern die Branchenverjamm- lung gleichfalls die Annahme. In der sehr gut besuchten Versammlung im Dresdener Kasino gab Genosse Bredow den Bericht der Lerhandlungskommission. In den letzten Verhandlungen init den Unternehmern konnte auch über die Geltungsdauer des Schiedsspruches eine Einigung erzielt werden. Nach über dreistündigen Verhandlungen ist errcichr worden, die Gültigkeitsdauer des Abkommens bis zum 30. November zu verkürzen. Die Lohnzuschläge betragen 6 Pf. pro Stunde für alle Sparten. Die Akkordpreise werden um 5 Proz. erhöht. Der erhöhte Lohn wird schon ab dieser Woche gezahlt. Genosse Bredow betont? in seinen Ausführungen, daß mit der Festsetzung einer kürzeren Geltungsdauer die wesentliche Forderung der erneuten Verhandlungen erfüllt worden ist. Die Vertrauensmänner haben darum in ihrer Sitzung mit großer Majorität beschlossen, den Kol- legen die Annabme des Schiedsspruches zu empfehlen. In der sehr ausgedehnten Diskussion, in der Redner für und gegen den Streik zu Worte� kamen, wurde wiederholt betonst auch von Kon'munisten, daß die Stellungnahme des„Vorwärts" zum Lohnstreit der ganzen Bewegung gute Dienste geleistet habe. Bei der Abstimmung wurde gegen eine starke Minorität die Annahme des Schiedsspruches beschlossen._ Oer Kampf in öer Solinger Metallindustrie. Gescheilerle Verhandlungen. Solingen. 13. September.(WTB.f Die für den 12. September angekündigt« Aussperrung in der Solinger Industrie, von der 22000 Arbeiter bctrossen wurden, ist, nachdem die Geuzerkschoften von den Streikenden abgerückt waren, von dem Arbeitgeberverband ausgehoben worden. Die darauf- hin gesührten zwölsstündigen Verhandlungen zwischen dem Arbeit- geberoerband und den Gewerkschaften haben zu keinem Er- g e b n i s geführt. Die Ortsverrvaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hielt an k�r geforderten 25- bis 30prozeniigen Lohn- crhöhung fest: dies wurde von Arbcitgeberseite abgelehnt und er- klärt, daß kein« Möglichkeit gegeben sei, auf paritätischem Boden weitere Zugeständnisse zu machen. Neuer Vermittlungsversuch in krefelü. Ein Schlichler ernannt. Krefeld, 13. September.(MTB.) Dem Arbeitgeberoerband der niederrheinischen Seidenindustrie ist vom Reichsarbeitsministermin ein Schreiben zugegangen, wonach im Lohnkampf der rheinischen Seidenindustrie Obcrlandesgerichtsrat Dr. Silier in Köln zum Schlichter bestellt worden ist. Sewerilitaft�iigciidß-B«rlii>. Heut« t!L: Ul>r tagcn tut(firupppn: rUn:©ruppenfictnt guqcnhlictm Bcrasir. 2!>. Sof. fotira«:„Das Botrieb». lädt. IunondiiPim Torckftr. II, 3abr!<> >W>WWW>WW>W>W»gg,—■•«Mt; 3uflcnhl)tim Straßk IS— Ift.' Wir lefen au-,„«snig Älrphpl" Pon Iaä London.— Nord rätcgclrtz."— Siidm-stcn: Vrupp-nhrim geSouit. Fortsetzung der Torlsverhandluna.— ring: Sruppenheim Fugendheim Eberswpldcr Str. IN. Lortrag:»Das Antl. gewcrkschastsgesed in England."— Baumschulenweg: Jugendheim Baumschulen. weg. Ernstlir. Itz. Liederabend.— Seitzcnsee: Jugendheim Parkstr. 36 Lor» trag:„Was will die Volksbühne?"— Zentrum: Jugendheim Zehdenilker Eiraßc 24—25. Bortrag:„China einst und jeht."— Eharlattrnburg: Jugend- heim Deutsches Krankenkasfenhaus. Berliner Str. 137. Untcrhaltiing-ahend.— jtnttnrabtriluag de» DMB., ig Uhr. Programm: Die Leuchte Äsiens. Spiel, Tan, und Sport. Die Kadclperleguna und-her'~ Kadelverleguna und-Herstellung. gM4 Heute, Mittwoch. 19'- Uhr. Veranstaltungen Jugendarnppe.W.W.. folgenden Bezirken: Osten: Jugendheim Schule Litauer Str. IS. Bortrag:„ltzer- hart Hauptmann"927, um 4>/, Uhr nachmittags. meine inniageliebie Frau, unsere liebe treusvrgend» Mutter.Schwiegermutter Schwester, Schwägerin und Tante krau Elise«null» geb iZbraham im 47. Lebensjahr. In tiefer Trauer Atax Knuth Siegfried Knuth Gerhard Knuth Berlin. 11. September 1927 Schönhauser Allee 129, 70c u. 46a. Die Beerdigung findet am 15. Erp- tember, nachmittag» 4 Uhr. von der stapell» des Sethsemanc-Friedhose», Nordend, aus statt. Bor der Beisetzung findet um 2»/, Uhc im engste» Famitientreise»in« Trauer- ieier in der Wohnung statt. Am Sonnabend, dem lv September. pcischied nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Tante Magdalene Neiden geb. Norlterwttz im 38 Ledensjahi- Die» zeigen tiesbetrübt an Nelarlcb Molden und Kinder. Beerdigung. Donnerstag, 13. September. 15-/, Uhr, uon der Halle de» Reutöllner Friedhofes. Rudower Str. VMlüesKIeliillilrliMs-Vesliiüll! mmtl»evolmMer. MMle!ser,°wieIttlm!Mn! Die nächste OrdanNt»» Bartennen». leute.ftonsercnj findet ni cht_ am 15. Seplemder. sondern am 2». Eeptdr. im g rohen Saal de» Vcrhand»ha»sM. Linienstr 83/85, statt. Einladimifen hierzu erfolgen noch. starten zum Kunstabend am 22. Ottober find dei alle» stommissionemilglied-ri, erhältlich. Vi» Otlnnrttnallunn Zurück Dr. Edwin Picard Chirurgie. Blasen- u. Mierenleiden KelthMraUc 2 Erfinder— Vorwärts strebende, Verdienstmöglichkeit? Aufkl. Broschüre„tin neuer Geist" gratis d. Crcmann& Co., Ptrl:«. KöniggratzerStr. 71. Bettffedern auert-n-t billig und reell. Pfb grau 60 Pf..geschl.90Ps, Rup! l 75. Halbdaune 2.75,4 weifi polldaunige». Daun« 4. 7, weih 9—10 Schleihdaune 3.50-5, Dterbrtt la dichte« In-ett S Psd ichw lt. 18. Kissen 3 Psd. 8 50 ZSil au«. gegen Roch». Muster. Brelsl.lre' fein Risiko Richtpassen» zurück. HBlim Bcttfederntperialhaui Sacnsel ft Stadler. »erlin ll 12, Land» berget Str. 43. «Wknifcht sr«tta S Besonders günstige Angebote 1 aus unserem grossen HERBSTVERKAUF Mantelstoff reine Wolle, ca.l40cra breit, schwere Qoalität, in englischem Geschmack..... Meter e Abb. t Sucheffe für Kleider, schwarr, doppelt- breit................... 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Gewaltige Mengen roter Dachziegel find zu beiden Seiten des edlen, gotischen Portals der uralten Klosterkirche aufgestapelt: Holzverschalungen schützen die zahlreichen altersgrauen Epitaphien an der südlichen Außenwand. Ganz im Hintergrund liegt im Schat- ten mächtiger Kastanien das Baubureau. Während man die Eni- fernung der beiden achteckigen Ziertürme, die die Renovier- und Verschönerungssucht des 19. Jahrhunderts an die alte Backsteinfront klebte, noch erwägt, beginnt man bereits mit not. wendig gewordenen Ausbesserungsarbeiten, die unter fachmännischer Leitung im Einoernehmen mit dem Kultusministe- rium durchgeführt werden..Sie erstrecken sich auf den Ersatz schad- hafter Mauerteile, Verbesserung der Heizanlagen, die unter dem Fußboden der Kirche die ehemaligen Grüfte durchziehen, Regelung der Lüftung, Herstellung des unter dem Dachgesims befindlichen Frieses(typisch für alle märkischen Kirchen) in«prassito. Rings von Schulbauten umgeben, hallt die einst so stille Begräbnisstätte vornehmer Patrizier wider vom stöhlichen Lärm der studierenden Jugend, die das benachbarte Lyzeum und Gymnasium zum Grauen Kiostcr füllt. Franziskaner bauten 1271 Kloster und Kirche auf einem Grund- stück, das ihnen die Markgrafen Otto V und Albrecht III. zugc- wiesen hatten. Bon Feuersbrünsten blieb sie verschont, selbst der große Brand von l-WO ging an ihr vorüber. Noch heute kann man die schöne Wirkung der Bauglieder und Raumverhältnisse im Innern .bewundern, den stattlichen Eindruck des S2 Meter langen erhöhten Mittelschiffs, die Rankenornamente und das feine Blattwerk der Pfeilerkapitäle, während man an der Außensront nach Westen mit Bedauern den schmückenden Zeitgeist eines lieiätlosen Jahrhunderts feststellt: das überladene Maßwerk des e.oßen Spitzbogenfensters aus dem vorigen Jahrhundert, der Bequemlichkeit halber statt in Stein gemeißelt nur in Zinkblech geschnitten, welches Material auch Die beiden angeklebten Ecktürme fallen. bei der Bedachung und Verzierung der Türme ,n ausgiebigster Weise verwendet wurde. Die Baulichkeiten des an die Kirche grenzenden»Grauen Klosters" waren mannigfachen Veränderungen unterworfen. Kaum waren die von Meister Bernhard gegen Ende des 13. Jahr- Hunderts errichteten Zubauten fertiggestellt, bereitete die Resorma- tion dem Bestände des Klosters ein jähes Ende. 1371 starb der letzte Mönch. In eben demselben Jahr hielt Leonhard Thurneisser, der Leibarzt und Günstling des Kursürstcn Georg, seinen Einzug in das Graue Kloster. Mit asirologisch-alchymistischen Studien beschäf- tigt, richtete er alsbald ein Laboratorium ein, fabrizierte Talisman« und Glückskctten, druckte Kalender und naturwissenschaftlich« Werke, die mit Holzschnitten reich geschmückt waren. 13 Jahre lang hauste er hier mit seinem Gehilfen, dem Apotheker und Mllnzmeister Michael Aschenbrenner. 1584 verließ er Berlin. Hatten schon die Franziskaner in dem Kloster eine Schule eingerichtet, so entstand nunmehr die älteste gelehrte Mittelschule der Mark Brandenburg: „Das Gymnasium zum Grauen Kloster." Die zahlreichen Umbauten im Laufe der Jahrhunderte hoben von der ursprünglichen Anlage nicht viel übriggelassen. Nur der alte Kapitelsaal von 1474, ein sogenannter Konventsraum und einige Nebenräume, meist mit schönen Kreuz- und Sterngewölben, sind Reste mittelalterlicher Klosterräume. �__ Der Kampf im Drosckkengewerbe. Was der Polizeipräsident sagt! Der„Vorwärts" teilte in der gestrigen Morgennummer den Beschluß des Polizeipräsidenten mit, gegen diejenigen Droschken vorzugehen, die zwar nach dem Kleintarif fahren wollten, aber keinen richtigen Fahrpreisanzeiger zur Berechnung der Fuhrtaxe be- saßen. Dieses Vorgehen hat in der Oeffentlichkeit zunächst Ueber- raschung hervorgerufen, da es dem Publikum sehr angenehm erschien, auch Großdroschken zum Kleintarif benutzen zu können. So war es denn taktisch richtig und begrüßenswert, daß der Polizeipräsident gestern nachmittag eine Presiekonferenz einberief, in der er sein Vorgehen eingehend begründete und zum ersten Male den Ber- linern die Möglichkeit bot, sich über die wirklichen Ursachen des Konfliktes im Droschkengewerbe zu-unterrichten. Der Polizeipräsident. Genosse Zörgiebel, erklärte zu Beginn seiner Ausführungen, daß er es sehr bedauere, daß der Kamps ini Droschkengewerbe Formen angenommen habe, die sowohl für das Publikum als auch für die Droschkenbesitzcr und nicht zuletzt für die Behörden alles andere als angenehm feien. Er sei nicht nur der Anwalt der Droschkenbesitzer, sondern auch der des Publikums, und gerade im Interesse des Publikums fei er zu seinen Maß- nahmen gekommen. Bis gestern vormittag sei er durch die Droschkenbesitzer völlig im unklaren über das gelösten worden, was sie eigentlich selbst wollten und es könne nicht angehen, daß das Droschkengewerbe ihm gegenüber mit Drohungen komme und ihn vor eine Alternative stellen wolle. Der Entschluß der Droschkenbefitzer, sämtliche Droschken zum Kleintarif fahren zu lassen, sei aus der Absicht entstanden, die bisher gut verdienenden Kleindroschken im schärf st en Wirtschaftskampf zu über- trumpfen, um dann endlich mit den eigentlichen Forderungen herauszukommen. Das aber liege nicht im Interesse des Publikums, und so habe sich die Polizei zum Einschreiten veranlaßt gesehen. Bourat Schuppan von der Abteilung IIa kennzeichnete die bisherigen Verhandlungen mit den Kraftdroschkenbesitzern. Er wies darauf hin, daß der Polizeipräsident bereits im Dezember 1924 er- klärt habe, daß es notwendig sei, die alten großen und überlebten Wagen aus dem Verkehr herauszuziehen, da sich die Kleindroschken einerseits mit geringerem Aufwand betreiben lassen, andererseits durch ihre Wendigkeit in der Großstadt viel bester bewähren, als die großen alten Wagen. Die Entwicklung des Droschkenwesens ist sehr interessant. So gab es am I. Januar 1926 in Berlin 3699 Droschken, von denen 2999 Kraft- luid 1699 Pferdcdroschken waren. Ein Jahr später aber war die Zahl der Pferdedroschken bereits auf 699 gesunken, die Zahl der Großkrastdroschken be- trug 4399 und die der Kleinkraftdroschken 1399, insgesamt also 6499 Fahrzeuge. Am 15. Juli 1927 aber gab es 9399 Droschken, das ist eine Zunahme von über 119 Proz. in zwei Jahren. Und trotz der inzwischen auf Verlangen der Droschke nbesitzer eingeführten Unternehmer- und Nummernsperre haben 289 Droschkenbesitzer noch 1 5 99 neue Wagen gekauft, so daß die an sich schon zu große Zahl der Kraftdroschken noch um ein weiteres Sechstel vermehrt wurde. So ist die Wirtschaft- lich schlechte Lage des Droschke ngewerbes ent- st a n d e n. Der Kampf geht also gegen die beliebte Kleindroschke. Baurat Schuppen erklärte, daß dem Polizei- Präsidenten bisher keinerlei formulierte Vorschläge zur Neugestaltung der Tarife eingereicht worden seien und daß die Droschkenbefitzer bei den Verhandlungen tatsächlich nicht gewußt hätten, was sie wollten.' Am 5. Sep- tcmber sei von der Arbeitsgemeinschaft, die aus Drofchkenbesitzern und Vertretern der Autodroschken liefernden Industrie besteht, der Antrag gestellt, den sogenannten gleitenden Tarif abzuschaffen. Am nächsten Tage aber habe die Innung der vereinigten Kraftdroschken- besitzer die Forderung gestellt, diesen gleitenden Tarif nicht aufzu- heben und endlich habe die Innung dann als Protestmaßnahme be- schlössen, zum Kleintarif zu fahren. Beim Kleintarif aber können die Großdroschken nicht einmal ihre Betriebskosten decken. Die Tabellen, nach denen diese Großdroschken ihre Fohrpreise be- rechnen, sind nicht dem Polizeipräsidium vorgelegt worden und man hat keine Möglichkeit, das fahrende Publikum gegen Uebervor- teilung zu schützen. Im Anschluß an diese Ausführungen erklärte Polizeipräsident Zörgiebel, daß die Kraftdroschkenbesitzer am gestrigen Dienstag vormittag um Aufhebung der bekannten Verordnung des Polizei- Präsidenten ersucht hätten und daß er sich bereit erklärt hätte, seine Verordnung zurückzuziehen, wenn die Droschkenbesitzer ihren Be- schluh ebenfalls rückgängig machten. Die Droschkenbefitzer sollen nunmehr bis zum Freitag ihre Forderungen bezüglich des Tarife? einwandfrei formulieren, und bis zum Montag sollen sie bereits im Besitz der Antwort sein. Aus dem Verlauf der Konferenz konnte man in der Tat den Eindruck gewinnen, daß der Polizeipräsident in jeder Hinsicht korrekt vorgegangen ist und daß man ihm auch nicht den geringsten Vorwurf der Illoyalität gegenüber dem Droschkengewerbe oder gar dem Publikum machen kann. Hoffentlich gelingt es nunmehr, eine Einigung zu schassen, bei der nicht nur die Droschkenbefitzer, sondern auch die Wagenführer und das fahrende Publikum auf ihre Rech- nung kommen._ Der§rauenmorü von Inift. Aus dem Leben Mayr-Loris. Zu dem Frauenmord bei Juist, zu dessen Aufklärung die Berliner Kriminalpolizei Hand in Hand mit der Staatsanwaltschaft von Aurich arbeitet, erfahren wir, daß der Ingenieur Kurt Mayr-Lori nunmehr unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft behördlich verfolgt wird. Mayr-Lori ist, wie die weiteren Feststellungen ergeben haben, ein Phantast, der schon allerlei Abenteuer hinter sich hat. Zur Zeit, als in Algier der Film„Die Frouengaste von Algier" gedreht wurde, hielt er sich dort auf und betätigte sich als Radio- techniker. Er wurde auch mit den Filmleuten bekannt und suchte bei seinem Aufenthalt in Berlin diese Beziehung wieder aufzu- nehmen. Man duldete ihn aber nicht lange, weil er allzu auf- dringlich war. Unter dem Namen„Paul Bcrger" ver- suchte er sich in Berlin auch schriftstellerisch. Aus einer früheren Zeit ist ein Abenteuer festgestellt, das er mit einer jungen Dame aus Wien erlebte. Mit ihr versuchte er in einem eigenen Boot von einer Ort- schaft an der französischen Mittelmeerküste aus nach Algier zu ge- langen. Das Boot ging jedoch unter, ein Pasiagierdampfer nahm die beiden Insassen auf und brachte sie an ihr Ziel. Im Mai d. I. knüpfte der Ingenieur Beziehungen zu einem Mädchen in Berlin an. Dieses löste aber die Verbindung bald, weil er gewalttätig wurde. In der letzten Zeit seines Berliner Aufenthalts hatte Mayr- Lori, der durch seine Phantastereien auch schon mit Behörden zu- sammengeraten war, die Absicht, ein« Film reise nach Afrika zu unternehmen. Die für die Ausrüstung und Durchführung erforderlichen Mittel, die er selbst nicht besaß, sollte ihm eine Reise- begleiterin zur Verfügung stellen. Diese suchte er nicht nur durch Inserate, sondern auch durch Heiratsvermittler. Ein solches Bureau soll ihn mit der Tochter eines Geheimrats in Verbindung gebracht haben, die 3999 M. hergeben wollte. Was daraus geworden ist,- weiß man nicht. Die Stütze Margarete Stephan hat Mayr-Lori ohne Zweifel auch als Reisebegleiterin gesucht und gefunden. Wie feststeht, ist er ayr 3. August mit der Bahn nach Wittenberg« gefahren. Wo er sein Boot übernommen hat, ist nicht bekannt. Vor 14 Tagen hat er sich in London aufgehalten und allem Anschein nach dort mit Margarete Stephan trauen lassen/ Das geht aus. Briefen hervor, die diese an Bekannte geschrieben hat. Andere Briefschaften, zum Teil von ihrer und zum Teil auch von seiner! Hand, sind in dem Boot noch gefunden worden. Mayr-Lori hat ver- i Die SilbersGrvärrue 55] *230« ZKtg INachdruck verboten Kutoriflerte Itebert-daiig a»» btm TngllsKe« v»» 5?o?p»l In Emersons Fabrik aber entstand plötzlich Panik, denn fünfzig Fischer hatten ihre Arbeit niedergelegt. Obgleich Emerson sein Aeußerstes tat, um sie zum Bleiben zu bewegen, nahmen sie ihr Gepäck auf den Rücken und gingen längs der Käste zu Willis Marchs Fabrik. Der Werkführer Larsen trat als ihr Wortführer auf und Boyd erfuhr zu spät das Resullat der Unterredung, die er an jenem Abend gestört hatte. Dieser Abfall verminderte seine Flensmannschaft um mehr als die Hälfte, und da die Dootsmannschaft loyal bei ihm blieb, schien es unmöglich, ihren Fang zu verarbeiten. Erfolg oder Mißerfolg kann bei den Fischereien in der Deringstraße von einem Tage abhängen, und Emerson sah ein, daß seine Lage verzweifelter war als je. Marsh hatte die Ausführung dieses Planes bis auf den Moment verschoben, wo die Fisch- schwärme gekommen waren, jetzt gast es keine Möglichkeit mehr, neue Mannschaft zu verschaffen. Emerson und Balt hatten die Nacht damit verbracht, um einen Ausweg zu finden und saßen noch am Morgen bei- einander, als Cherry in die Fabrik kam. Sie verlor keine Zeit mit unnützen Zornesausbrüchen, sondern fragte gleich: „Was wollt ihr tun? Wir können nicht eine einzige Stunde verlieren." Wir haben Männer zu den anderen Fabriken geschickt, um Leute zu heuern, koste es, was es wolle; doch versprechen wir uns nicht viel davon." Cherry nickte.„Die Leute werden nicht den Mut haben, Marsh zu verlassen, denn er würde ihnen die Rückkehr in dieses Land verbieten. Ich nehme an, daß der Rest unserer Leute aus den Sandbänken ist. "Wieviele Boote habt ihr draußen?" '.Um'(Zotteswillen l Und am ersten Tage sind die Fisch- schwärme am zahlreichsten. Wie sollen wir es möglich machen, das alles zu verarbeiten. Funktionieren die Fallen?" ..Georg will jetzt hinüberfahren. Ich fürchte aber, daß es Marsh geglückt sein wird, sie lahm zu legen." Cherry sah Einer cm an. um sich zu überzeuge«, wie«r diesen letzten Schicksalsschlag ertrug. Sie wußte, daß bei den ungeheuren Kosten eine geringere Ausbeutung als die berechnete, Ruin bedeuten würde, und sie wußte auch, obgleich er es ihr noch nie gesagt hatte, daß die Eroberung von Mil- dred Wayland von seinem finanziellen Erfolg abhängig war. Wenn er sie verlor, wohin würde er sich dann wenden? Sie stellte sich selbst die Frage und etwas in ihr antwortete, daß er Trost bei der Frau suchen würde, die ihn während dieser schweren Monate zu Seite gestanden hatte. Bei diesem Ge- danken wurde sie von einem starken Gefühl ergriffen. Was kümmerte es sie, ob dieses Unternehmen ihm Glück oder Ruin bringen würde? Er war ber einzige Mann, den ihr Herz je begehrt hatte. Sie fühlte, wie ihr die Brust mit neuer Hoffnung schwoll. Da wurden ihre weitfliegenden Gedanken von einem Seufzer, den Boyd ausstieß, unterbrochen, der so hoffnungslos, so verzweifelt klang, daß unwillkürlich ein warmes, mütterliches Mitleid in ihr wachgerufen wurde. Sie dachte weich: Wie ist er jung und wie tapfer hat er die ganze Zeit gegen sein Mißgeschick gekämpft! Cherry Malotte sandte einen unsicheren Blick über die strahlende Bucht. Gerade vor trieben die Fischerboote mit der Flut. Weiter draußen, wo das opalfarbige Meer begann, sah man sie nur noch wie kleine Punkte. So stand sie lange, tapfer mit sich selbst kämpfend, und als sie sich schließlich um- drehte, war ein neuer Klang in ihrer Stimme. „Wenn Sie mir eine Ihrer Barkassen zur Verfügung stellen, will ich versuchen. Hilfe zu schaffen." „Auf welche Weise?" fragte er hastig. „Es ist nur eine unsichere Möglichkeit, aber ich möchte immerhin den Versuch machen." Er ging mit ihr zum Strande und half ihr ins Boot, winkte ihr Lebewohl und ging wieder ins Bureau, froh, daß sie den Versuch machen wollte, und dennoch überzeugt, daß sie nicht Helsen konnte, wo George und er alles aufgegeben hatten. Fräser fand seinen Freund im Bureau, in trübe Ge- danken versunken. Zum erstenmal seit Wochen traf er Boyd in solcher Stimmung an, und nachdem er vergeblich versucht hatte, ihn zum Reden zu bringen, gab er sich seiner alten Gewohnheit hin, indem er tat, als ob er sich selbst aus einem Buch etwas vorläse. „Ihr Aufenthalt bei uns hat sich nicht sehr angenehm gestaltet," sagte Herr Emerson. „Das will ich auch nicht gerade behaupten," antwortete unser Held,„ich mache mir nun einmal nichts cm« Fischen." i „Das ist nur ein Vorteil, der Fisch ist ein edles Tier," f erklärte Herr Emerson. „Er ist überhaupt kein Tier," berichtigte unser Held,! „er ist ein zweibeiniges Geschöpf, ohne Liebe für Heim und[ Kinder. Der Lachs steht tief auf der Leiter des Verstandes.} Das einzige Mitglied des Tierreiches, das dem Lachs an i Dummheit gleichkommt, ist Alton Clyde. Allerdings steht der Fisch noch etwas höher. Der Lachs besitzt wenigstens eine Million Eier und Ortssinn. Aber er ist ein Verschwender, er verstreut seine Eier ganz planlos, er ist schlimmer als ein Maschinengewehr. Nein, mein Herr, ich bitte um ein warm- blütiges Tier, das feine Jungen saugt." „Diesen Gesichtspunkt," sagte Herr Emerson,„habe ich noch nicht ins Auge gefaßt, doch räume ich gern ein. daß jedes Geschäft seine Schattenseiten hat. Was aber soll ich tun, um Sie zu unterhalten, während Sie so freundlich sind, uns mit Ihrer Gesellschaft zu beehren?" „Was Sie wollen," bemerkte der hübsche Gast,„Kopf- stehen. Seiltanzen, nur nicht fischen." „Aber es ist dunkle Nacht draußen und der Fuchs braut im Moor!" „Das ist wahr! Was aber wird aus jenem schönen jungen Mädchen werden—" Bei diesen Sätzen, die er schon einmal gehört hatte, wurde Emerson aufmerksam und mußte über Fräsers ernsthafte Pantomime lachen. „Bin ich denn so schlimm?" fragte er mit dem Versuch liebenswürdig zu sein. „Du bist noch viel schlimmer, Boyd! Ich bin überzeugt. du hättest von meiner Anwesenheit überhaupt keine Ahnung." „Das ist wahr. Wie ging es übrigens mit dem schönen Mädchen und ihren Schwierigkeiten? Wie endigt die Ge- schichte?" „Ich weiß nicht. Weiter als bis zu diesem Punkt bin ich nie gekommen." Boyd, der aus dem Fenster geblickt hatte, sah jetzt Clyde auf dos Haus zukommen und im nächsten Augenblick trat er in die Tür. Er sah aus wie das personifizierte Unglück. „Allmächtiger!" begann der junge Geck, indem er sich in den nächsten Stuhl warf,„wie ich höre, ist es mit uns vorbei. Was willst du tun?" „Die Fische, die wir fangen, durch unsere kleine Mann- schaft verarbeiten lasten," sagte Boyd. „Wir werden eine Menge Geld verlieren." .�Wahrscheinlich."(Fortsetzung folgt.) Ein Schulstanöal in Weißensee. Die gestörte Berfassungsfeier. Ein Dorfall, der sich am Realgymnasium in Berlin- Weißensee abgespielt hat, gibt Veranlassung zu ein paar beut- lichen Worten Der an der Anstalt tätige Studienrat Werner hatte den Austrag erhalten, am Tage der Verfassungsfeier in der Aula die. Festrede zu halten. Studienrat Werner bemühte sich. in seiner Ansprache alles Parteipolitische unerwähnt zu lasien und nur das hervorzuheben, was an dem Werke von Weimar sür all«, auch die gesinnungsgemäh nicht republikanisch Eingestellten, von Wert ist. Auf Grund des Artikels 163 der Reichsversassung ermahnte er die Schüler an die sittliche Pflicht, unbeschadet jeder persönlichen Freiheit, die geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert. Wirksam arbeitete er in der Rede das Ideal des rechten Staatsbürgers heraus und gab bei dieser Gelegenheit seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß an dem Morde an Reichsminister Waller Rathenau auch«in Gymnasial- s ch ü l e r, Techow. beteiligt gewesen sei. Diese Tatsache sei ohne Zweifel auf eine falsche Erziehungsmethode zurückzuführen. Die Rede klang aus in einem Gelöbnis zum Dienste an Volt und Vaterland. Kaum hatte Studienrat Werner geendet, als der stelloer-� tretend« Direktor, Oberstudienrat Holzel, das Wort er- griff und in überhastetem Tone dem Redner des Tages in Gegen- wart der Schüler eine Abkanzelung zuteil werden ließ Er empfände es schmerzlich, so sagte er, daß«ine solche Rede gehalten worden sei. Nicht Rathenau sei das Ideal, sondern Hindenvurg. Studienrat Werner habe Freiheit nur für die polltisch links Eingestellten verlangt. Dann verlautbarte der Ober- studienrat noch einige Privatansichten über das Deutschland- lieb, die freilich den meisten Anwesenden wegen ihrer Unklarheit nicht verständlich waren. Studienrot Werner war vor seinen Schülern, mit einem Wort gesagt, blamiert. Er ließ sich vom Dienst suspensieren und reichte bestimmungsgemäß am Tag« darauf durch seinen stellvertretenden Chef, den genannten Oberstudienrat Holzel, eine Beschwerde beim Provinzialschulkollegium ein. Auch die zu- ständige Berliner Dienststelle befaßte sich mit dem Vor- fall, und erfreulicherweise kann festgestellt werden, daß man gewillt ist, gegen Herrn Holzel die notwendigen Schritte zu ergreifen. Wenn auch zur Stunde die endgültige Entschei- düng noch nicht gefällt ist, so kann doch kaum einem Zweifel unter- liegen, daß Herr Hölze! wegen seines unerhörten Austretens zum mindesten an eine andere Anstalt oersetzt wird. Das Bezirksamt Weißensee hat sich, wie wir erfahren, im gleichen Sinne geäußert, und auch der preußische Minister sür Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Herr Becker, wird sicherlich der Ansicht sein, daß ein solches Verhalten mit den Pflichten eines republikanischen Iugenderziehers und Beamten in keiner Weise vereinbar ist. Die Angelegenheit hat aber noch eine grundsätzliche Seit«, die nicht übersehen werden darf. Pflicht aller Regierungsstellen des Freistaates Preußen ist es, gerade unsere Jugend, vor allem, wenn sie den Vorzug hat, ein Gymnasium zu besuchen und später an die Universität zu gehen, vor antirepublikanischer Ver» hetzung zu schützen. Nichts liegt uns ferner, als irgendeinem Hineintragen von Parteipolitik in die Schule das Wort zu reden; wir wollen Erziehun.g zum Staatsbürgertum im Sinne der Verfassung, im Sinne der Republik. Gerade der Jugendlich« im Uebergangsalter ist«mpsänglich sür radikale Phrasen. Wenn ein Lehrer sich anmaßt, den Verfasiungstog unter Desovou- ierung eines öurchaus korrekt handelnden Kollegen zu einseitiger, parteipolitischer, dem Etaatsgedanken abträglicher Propaganda unter seinen Schülern auszunutzen, dann muß ihm die Antwort zuteil werden, die ein solches unverantwortliches Vor- gehenverdient. sucht, sie zu verbrennen, es ist aber noch soviel übriggeblieben, daß die Staatsanwaltschaft in Aurich die Stücke wieder zusammen- setzen konnte. � Der Flüchtige hat in Norddeich angedeutet, daß er über Emden nach Berlin wolle. Man vermutet aber jetzt, daß er sich nach Emden gewandt hat,� um von dort über die Grenze nach Holland zu kommen. Mitteilungen zur Aufklärung und über etwaige Spuren nimmt nach wie vor die Inspektion A,, Kriminalkommissar Johannes Müller, im Polizeipräsidium entgegen. Der Flüchtige ist, wie noch erwähnt sei, am 28. Januar 1300 in München geboren. Er stammt aus einer Offizierssamilie. �Einft und jetzt.'" Hugenberg zieht Vergleiche. „Weißt du noch, wie's damals war?", das ist für das Ohr eines jeden Hugenbcrgers der modern« Schlager, den er am meisten schätzt. Als unser noch ein Kaiser war, da war es herrlich auf der Welt! Heute, in dieser verfl... Republik, möchte man sich die Haare ausraufen! So lautet die Parole. Aber es passieren auch Zeichen und Wunder. Wenn man, wie gestern abend, in Hugenbcrgs„Nachtausgabe" eine Ueber. schrift„E i n st und jetzt" mit der Unterzeile„Größere Gegensätze lassen sich nicht denken" und etliche Bilder dazu sieht, wird man natürlich meinen, daß uns nun gezeigt wird, welch herrlichen Zeilen man uns einstmals entgegenführte und wie kläglich sich alles inzwischen gewandelt hat. Und wir lesen: „Unsere Bilder zeigen den Eingang des neuen Postamts in der Skalitzer Straße und den Aufgang zum Postamt Wiener Ecke Forster Straße am Görlitzer Bahnhos. Häßlich und wenig«in- ladend wirkt der Eingang des alten Amts. Erst muh sich das Publikum die steile Treppe hochquälen, dann durch eine enge Tür drängen, die gleichzeitig als Eingang und Ausgang benutzt wird. Umständlich und unbequem. Das Portal des neuen Amtes dagegen: Breit, bequem und gefällig. Symbolische Figuren, ein Postillon und ein Luftpostpilot, bewachen den Eingang. Eine flache Stufe, zwei breite, leicht zu öffnende Türen führen in das Inner«. Die Bilder sprechen für sich." Ja, das tun siel Wir ober hoffen, und nach besten Kräften werden wir dazu mitwirken, daß möglichst bald im Vergleich von einst und jetzt auf allen Verwaltungsgebieten„größere Gegensätze sich nichtdenken lassen". „Kleinftäötifthes vom Stettiner Sahnhof/ Eine Entgegnung der Reichsbahn. Vor einigen Wochen berichteten wir über gewisse Mißstände auf dem Stettiner Bahnhof. Hierzu erhalten wir von der Reichs bahndirektion Berlin«ine Zuschrift, der wir fol- gendes entnehmen: In den Wartesälen der Bahnhöf«, so heißt es, und dies trifft für den Stettiner Bahnhof ohne Zweifel zu, wird namentlich in den Nachtstunden allerlei Gesindel angetroffen. Dies macht ein« scharfe Kontrolle der Wartesäle, gerade im Interesse des reisen- den Publikums, erforderlich. Daher werden von Zeit zu Zeit Reisende ohne gültigen Fahrtausweis aus de» Warteräumen« n t< f e r n t. Hierbei wird jedoch iminer auf solche Personen Rücksicht genommen, die Reisend« erwarten oder im Begriff sind, eine Mahl- zeit zu verzehren. Den am 14. August mit der Kontrolle beauftragten Bedienst«- ten ist nicht erinnerlich, daß jemand aus dem Wartesaal gewiejen wurde, der seine Mahlzeit noch nicht beendet hatte. Es hat auch von den aus dem Wartesaal gewiesenen Personen niemand erklärt, daß er Reisende eines später einlaufenden Zuges abholen wolle. In diesem Falle hätte der Aufsichtsbeamt« seine Zustimmung zum weiteren Verweilen ohne Zweifel gegeben. Die Behauptung, daß der, AHort und der Waschraum sür Damen geschlossen gewesen seien, trifft nicht zu. Die Abort« auf der Ostscite des Bahnhofs ein» schlixWch der Frauentoiletten waren an dem fraglichen Tage wie „MS vi? ganze Nacht geöffnet. Was die Waschräume anbe- langt, so genügt nach unseren Erfahrungen nachts nach 24 Uhr die Waschgelegenheit, die sich auf dem Querbahnsteig befindet; die übrigen Waschräume werden mangels Bedürfnisses um 24 Uhr geschlossen. Reinigungen der Bahnsteige, Treppen und Hallen sind nicht nur des Nachts, sondern auch an> Tage unvermeidbar. Es ist jedoch Vorsorge getroffen, daß Belästigungen der Reisenden nach Möglichkeit vermieden werden. Bisher, so heißt es weiter, ist von der Ausstellung von Sitz- b ä n k e n auf dem Querbahnsteig Abstand genommen worden, weil Wandflächen nicht mehr verfügbar sind. Diese Frage wird zurzeit jedoch nochmals geprüft. Im übrigen haben sich auch nicht, so be- hauptet die Reichsbahndirektion, in dem Vorraum vor den Sperren und auf den Bahnsteigen alt« und gebrechliche Leute auf- gehalten.„Das pflegt in den Nachtstunden", so sagt man,„niemals der Fall zu fein. Wahrscheinlich ist ein an Krücken gehender, ge- lähmter Invalide gemeint, der stark angetrunken war und der zu den regelmäßig den Wartesaal des Stettiner Bahnhofs als vor- übergehenden Aufenthalt(ohne Reiseabsicht) aussuchenden Personen gehört. Auch er war, da er keine Fahrkarte hatte— wie schon wiederholt— ausgewiesen worden." Die Behauptung, daß sich auf dem Stettiner Bahnhof nachts niemals gebrechlich« Leute aufzuhalten pflegen, scheint uns etwas gewagt zu sein. Vielleicht führen die Nachprüfungen über die Notwendigkeit der Aufstellung von Sitzbänken doch noch zu einem positiven Erfolg._ Gasexplosion in der Rcichenberger Straße. In einer Wohnung des Vorderhauses Reichenberger Straß« 71 ereignete sich gestern eine folgenschwer« Gas- explosiv n, bei der ein Installateur schwere Brand- w'u n d e n davontrug. Zwei Arbeiter waren mit dem Legen einer elektrischen Leitung beschäftigt, wozu sie sich im dunklen Korridor einer offenen Lanipe bedienten. Plötzlich erfolgte eine h e s t i g e Explosion. Mehrere Fensterscheiben wurden durch den Luftdruck zertrümmert. Der 23jährige Installateur Martin Prell aus der Körlitzer Str. 76 wurde von einer hervosschlagenden Stichflamme erfaßt. Cr trug schwere Brandwunden im Gesicht und am Körper davon. Der Verunglückte wurde zur nächsten Rettungsstelle und von dort in das Krankenhaus am Urban übergeführt. Nach den Feststellungen der alarmierten Feuer. wehr waren einem schadhasten Gasrohr größere Mengen Gas entwichen, die sich ansammelten und durch die Lampe zur Ex- plosion gebracht wurden. Zu der Gasvergiftung in der taskerslrahe Z wird noch mitge- teilt, daß es den Bemühungen der Feuerwehr und des Hinzuge- zogenen Arztes der nächsten Rettungsstelle gelang, auch die 48jährige Frau des Architekten St. ins Leben zurückzurufen. Beide wurden durch die Feuerwehr in bedenklichem Zustande in das Auguste-Diktoria-Krankenhaus zu Lichtenberg übergeführt. Bei dem Mann war ärztliche Hilfe bereits vergebens, er starb kurz« Zeit nach seiner Einlieserung. Frau St. liegt schwer danieder, doch besteht Hoffnung, sie am Leben zu erhalten. De polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß die Eheleute wegen eines Nervenleidens des Mannes gemeinsam aus dem Leben scheiden wollten und sämtliche Gashähne geöffnet hatten. Durch den starten Gasgeruch, der sich auf dem Treppenhaus bemerkbar macht«, wurden jedoch Hausbewohner auf- merksam, die sofort Feuerwehr und Polizei alarmierten. Alt'Berlin. Auf vielseitigen Wunsch beginnt das Bezirksamt Schöneberg am Sonntag, den 13. September d. I., wieder mit den Führungen zu den vergessenen Winkeln des ältesten Berlin. Der Schrilssteller Georg Bamberger, wird wie bisher die Führungen übernehmen.— Treffpunkt: Uhr. auf dem Spittelmartt, Ausgang Untergrundbahn. Teilnehmerkarte 50 Pf. Es wird dringend empfohlen, die Karten in den nachstehenden Verkaufsstellen im Vorverkauf zu entnehmen: Buchhandlung Dob- bertin, Hauptstr. 146— Buchhandlung am Bayerischen Platz 13— „Leok"(Nikolassche Buchhandlung), Rheinstr. 65— Postkarten- und Photovcrlag„Alt-Berlin", C 2, Poststr. 12. Ein rabiater Angeklagter. ..Was will der Mensch?" Als der Maurer Franz W e h l« r und der Händler Karl Misch, die an einem Märzsonntag d. I. die Pelzwarenhondlung von Blumenthal in der Unterwasserstraße ausgeräumt und dort für 58666 Mark P'elze gestohlen hatten, vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte abgeurteilt werden sollten, verursachte Misch bei Beginn der Verhandlung einen turbulenten Auftritt. Nachdem er schon vorher in der Vorführungshalle wie ein Be- fessener getobt hatte, brüllre er den Staatsanwalt zu:„Was will der Mensch? Nur mit meiner Frau poussieren! Deshalb hat er mich mir eingesperrt." Es blieb daher nichts weiter übrig, als Misch, der auch von Obermedizinalrat Dr. Bürger zurzeit für ver- handlungsunfähig erklärt wurde, abführen zu lassen, das aber gelang erst mit Hilfe von fünf Beamten. Die..Annonce" zu dem vorliegen- den Einbruch, wie in Verbrecherkreisen derartig« Tips genannt werden, hatte augenscheinlich der wegen Begünstigung Mitangeklagte Schlächser Wladislaps N.y w rock i gegeben. Er war gerade aus dem Zuchthaus'entlassen worden, als er drei Jahre wegen eines Einbruchs bei der gleichen zftrma Blumenthal hatte sitzen müssen. Wehlers" Misch iltrd ein noch nicht ergriffener Fritz P s u h l m a n n waren eines Sonntags nachmittags auf dem Wege über die nicht- benutzten Räume einer neben dem Blumenthalschen Geschäft gelegenen Reichs bankstelle in die Lagerräume der Pelzhandlung einge- drunge», indem sie in die Trennungswand«in Loch schlugen. In Säcken, Kartons und Rucksäcken wurde dann die Beut« völlig unbenierkt fortgeschafft. Nach zwei Tagen bekam die Kriminalpolizei«inen vertraulichen Wink, daß bei dem wegen Hehle- rei Mitangeklagten Schneider Falk gestohlene Ware liegen sollte. Bei Falk wurde auch von der Polizei ein Teil gefunden. Dieser gab an, die Pelz« von Nawrocki und Wehlcr zur Weiteroeräußerung erhalten zu haben. Als diese beiden sich nach einigen Stunden bei Falk einfanden, um mit ihm abzurechnen, wurden sie von den Be- amten, die sich auf die Lauer gelegt hatten, festgenommen. Die weiteren Ermittlungen ergaben dann, daß der Rest der Diebesbeute zu dem gleichfalls angeklagten Maschinenmeister Drucker ge- kommen war, der Fahrstuhlführer eines Geschäftshauses war. Dort waren die Pelze erst in der Portierloge und später in einen, Boden- verschlag gefunden worden, wo sie nach langem Suchen die Kriminal- polizei schließlich entdeckte. Das Gericht verurteilte Wehler, der Spezialist aus dem Gebiete der Wanddurchbrüchc Ist, zu ein Jahr sechs Monaten Gefängnis, Nawrocki erhielt e i n I a h r Gefängnis, während gegen die Hehler auf sechs Monate G e f ä n g nis bzw. 366 Mark Geldstrafe erkannt wurd». Schwerer Zusammenstoß in Biesdorf. Vor dem Grundstück Dorfstraße 29 zu Biesdorf er- eignete sich gestern gegen 15 Uhr ein folgenschwerer Zu- sammenstoß zwischen einer Kraftdroschke und einem Motorradfahrer. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß der Führer des Motorrades, ein Kaufmann Emil Krumm aus der Wotanstraße 11 zu Lichtenberg, vom Rad« geschleudert wurde und unter die Räder der Kraftdroschke geriet. Er erlitt so schwere innere Verletzungen, daß der Tod aus der Stell« eintrat. Die Leiche'wurde polizeilich beschlagnahmt und nach der Biesdorfer Friedhofshalle gebracht. Nach überein. stimmenden Zeugenaussagen soll die Schuld an dem Unfall den Eührer der Kraftdroschke treffen, der ohne ersichtlichen rund auf der linken Seite des Fahrdammes fuhr. Aus der Staatsoper am Platz der Republik wurde, als erste Uebertragung der x-uen Winterspielzeit, den Funkhörern Hein- r i ch Marfchners„B a m p y r" übermittelt. Die scharf charak- terisierende und durchaus unproblematische Musik dieser roman- tischen Oper eignete sich sehr gut zur Uebertragung auf den Rund- funkscnder. Nicht nur die Musik, sondern auch das gesprochene Wort kamen überraschend gut heraus. Auch das richtige Tonstärkever- hältnis zwischen Sänger und Orchester blieb im allgemeinen ge- wahrt. Jedenfalls bedeutete die Uebertragung für die Opernüber- Mittelungen im kommenden Winter einen erfreulichen Auftakt.— lim Nachmittag sprach Dr. Johann Günther über:„Die Idee des Tanzes im Bühnenkunstwerk." Er betonte den Wert gym- nastischer und tänzerischer Durchbildung sür den Schauspieler, da dieser erst, wenn er mit solchem Können ausgerüstet ist, wirklich zur Beherrschung des eigenen Körpers wie des Raumes gelangen werde. Der Vortragende wies darauf hin, daß man künftig auch weit mehr als heute Bühnenbild und Bühnenhandlung tänzerisch stilisieren und Höhepunkte vielleicht als absoluten Tanz heraus- heb«» verde. Cin flbfchieüsbmf. Vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte sollte gestern gegen den Oberstadtinspektor Wächsmuth wegen Unterschiaguug verhandelt werden. Wächsmuth, der im städtischen Armenwesen be- schäfligt war, hatte in seiner amtlichen Tätigkeit sich an den für die Aermsten der Armen bestimmten Geldern vergriffen und im Laufe der Zeit etwa 16 666 M. unterschlagen. Das Motiv zu diesen Veruntreuungen war angeblich lediglich seine große Lese- und Sammelwut, die ihn dazu trieb, all« möglichen Bücher und Schriften zusammenzukaujen. Als nun gestern gegen ihn ver- Handell w«rden sollte, war er nicht erschienen. Statt dessen legte Rechtsanwalt Dr. Baecker einen Brief des Angeklagen vor, der gestern bei seinen Angehörigen eingegangen war. In diesem Brief teilt« er mit. daß er zu der Verhandlung nicht erscheinen werde, weil er sich das Leben nehmen wollte. Gleichzeitig machl€_er Andeutungen über seinen letzten Willen. Angesichts dieserj02C" 6A PROBLEM" BERLIN ZICARETTEH FABRIK erungs�wecken von vornherein enge Grenzen gezogen gewesen. Die Nationalisierung log hier von vornherein aui dem Gebiete der B e- seitigung von produktiv nsverteuernden Fehlerquellen. Von der linternehmerschast, die nach erfolgreich be- «ndeter Umstellung die Erzeugung steigere, roerdc konsequent vergessen, daß Rationalisierung nicht so sehr eine Frage der Waren- e r z« u g u n g alz des Warenabsatzes sei. Es handle sich darum, den breiten Massen das zum Leben Notwendige so billig wie möglich zu bieten, denn in den, gesteigerten Ver- brauch der Massen und in ihrem Wohlergehen liegt auch dos Wohlergehen der deutschen Wirtschast. Bisher sei die Rationalisie- rung nur dem Erzeuger zugute gekommen, die Warenpreise haben sicki der Senkung der Kosten noch nicht angeschlossen. Erst wenn diese gleichfalls fallen, werde der Reallohn bei gleich- bleibendem Nominallohn steigen. Die dadurch bedingte zuneh- mende Kaufkraft komme durch Steigerung der Austräge der Er- .zeugung wieder zugute, so daß die einzig wirkungsvolle Rationali- sierung nur in dem Kreislauf gesehen werden könne, daß der ver- stärkten Erzeugung ein belebter Warenabsatz folgt, der seinerseits wieder die Produktion fördert. Dient die Rationalisierung aber nur der Erzeugung, so wirke sie letzten Endes als Totengräber der auf der Privatwirtschaft aufgebauten Wirtschaft überhaupt. Das Beunruhigende an dem heutigen Zustand sei, daß die Kapital- gütererzeugung, als deren Repräsentanten die Geldinstitute, Schwer- industrie, Maschinen- und Rohstofskonzerne gelten, sich zum D i k- tator der Konsumgütererzeugung aufgeschwungen hätten. Was diese Gruppen zu viel in sich hineinschlingen, wird dem Verbrauch der Konsumenten entzogen, und so ent- stehen die Störungen zwischen Erzeugung und Absatz, die in regel- mäßigem Kreislauf wiederkehren. Sollte die gegenwärtige Konjunk- tur anhalten, so müsse der gesteigerten Erzeugung durch Senkung der Preise ein Absotzventil geöffnet werden, sonst gewinn? die Produktion in Kürze einen derartigen Vor- s p r u n g vor dem Verbrauch, daß«ine Krise eintreten muß. \ Ci. Bei (fit diele Sateil flad & Linden ltrab« Z. 'Nachrichten für Hroß-Serlin litte na das Sezittsfctretaiiat i. S»l. 1 Ziep, rechts, zu richten 1Z.». is. der Die lck�ließ. Z' hak. Sitzung de?»reisbildungsausschusses am Donnerstag, "i Uhr, bei Niendorf, Chausseesir. 19.— Die Notiz in Fahrt nach Nauen, beruht auf einem Irrtum. Nauen findet am Sonnlag, 18. September, statt. is?; nmcr, betr. Der Wucher der Textilbarone nimmt trotz War- nungen vor Preiserhöhungen kein Ende. Jetzt hat der Nähgarn- verlrieb München, dem die größten Baumwollgarn- f a b r i k e n angehören, i» der neuen Preisliste je 1000 Meter Obergarn von 83 auf 98, Untergarn von 5i auf 64 Pf., Strohhut- Zwirn von 90 auf 104 Pf. und farbigen Zwirn von 1,07 auf 1,26 M. verteuert. Das sind auf einen Schlag Preiserhöhungen von 14 bis 20 Proz. Natürlich werden die Preissteigerungen für Rohbaumwolle dafür, herhalten müssen, obwohl für den Ein- kauf des Rohmaterials seinerzeit unerhört billige Baumwollpreise gegolten haben. Cin Riefengeschäst ües Mannesmanntsnzerns. Die erst als Gerücht aufgetretene Mitteilung, daß der Mannes- manuröhrcn-Konzern und die Vereinigten Stahlwerke von der russi- schen Naphtast'.dustrie einen Riesenaustrag erhalten haben, wird jetzt bestätigt. Es handelt sich um nicht weniger als um öl 000 Tonnen Röhren, die für das russische Erdölgebiet geliefert werden sollen. Das ist der größte, überhaupt jemals der deutschen Schwerindustrie erteilte Röhrenauftrag. Das Objekt dürfte 20 Millionen Mark erheblich übersteigen. Die Schwerindustrie wie wir in unserem gestrigen Artikel über den deutsch. hat also, polnischen Zollkrieg ausführten, wirklich keinen Zlnloß, pessimistisch zu sein. Selbstverständlich hat auch hier die so viel bekämpfte öffentliche Hand als Vermittler ihr« Hilfe geliehen. Eine Reichsgarantie soll nach den vorliegenden Mitteilungen allerdings nicht in Frage kommen. 14, Äbt. Igt-. tische Lage. Charlottenburg. 1. Gruppe d>' Potsdamer, C. mannstr. 18.— S: straße 2; Lux. V Ti. Abt. Dahlem. 2u Versammlung und Seulölla. b». Abt. 19 straße 10. Vortrag: 5., 7., 8. Bezirk: Wi sicherungsgeseß." Restn Pannierstr. 58. 9., Ir 1 98. Abt. 19H Uhr Zahia Straße 43—44. 99. Abt. Britz.Buckow. Bezirk *■-" hlab lung der Eroßfunkstation. Näheres folgt noch. «. Mittwoch. 14. September. 'bend bei RaHits, Graunstraße. Dortrag:»Di- poli. ' Georg Madcrholz. M lg>., Uhr Aahlabcnd in allen drei Gruppen: «önigin. Elisabeth. Str. 2; 2. Krupp« bei Cger. 'iharlotte-Straßc: 8. Gruppe bei Dörre, Danckel- 19Vj Uhr tzahlabcndr bei Echwcikardt, Erasmus- Schilling, Sönigin-Luife-Str. 42, Ritglieder- Uhr 'abende. 1. bis 4. Bezirk: Brole, Sander- b und Abrüstung." Referent H-ns�Turß. str. 47. Vortrag:„Das Arbeitsiofenv-r. ■r-rb kramer. 6., 11., 12. Bezirk: Huch, Bezirk: Fischer, Sobrechtstr. 84.— 84. Bezirk: Lokal Koritsch, Böhmische Rudowcr Str. 48, Iahladend. Nektar Max Schulße. 109. Abt. Rndow. 19 H Uhr.Zahle ■ng; 19',J Uhr im Lokal Buscktkrug, Neichsschulgesetzcntwurs." Reserent 109. Abt. Friedrich-Hage». 191- Uhr das Arbeitslosenoerstchcrungsgefeb 128./139. Abt. Pankow. Karten ,uv Ip in der Schulaula Görschstraße, stnd werbslose gegen Borzeigung der E.'c. 183. Abt. Pankow. 20 Uhr.Zahkabcnd de.' ikal Palm. Köpenicker Str. 81. Fricdrichstr. 81, Vortrag über am Sonntag, 23. September, Aktionären zu haben. Er- ' Bf- -uptstr. 71. Morgen, Donnerstag.. 97. Abt. Ifllh Uhr im Lokal Rudolph, Lern,. Mitgliederversammlung. Referent und The. Morgenausgabe bekanntgegeben. Erscheinen Sfc III. Abt. Bohnsdorf. Der gahlabend findet am ko. bindung mit dem Frauenlefeabend bei Hcimann Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt v 11.»reis«chöncberg. Friedenau. Freitag. 1Z Septeml Haus Schöneberq, Zimmer 143, wichtige Sitzung au Helfer und Wohlfahrtspflcgerinnen und-Pfleger. tnber. Ecke gnesebeckstraße, in der Donnerstag, Nieder ist Pflicht. ienstag in Per» erfchutz. im Rot. »nen und Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreun-' Neukölln. Heute, MUlwoch, von 17—18 Uhr Sprechstunde ltzonghoferstraße. Donnerstag, 15. September, 191b Uhr, Vorsts Parteisekrelariat. Reckarstr. 8. Ritte. Sonntag. 18. September, Kreiswimpelwcttspiel In B KIndcrIand. Fahrgeld 40 Pf. Treffpunkt 81b Uhr Stettiner Borr vortrage, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz-Uok-ffiotd-. Gefchäktsstelle: Berlin S 14. Sebastianftr. 37/38. Lok 2 St. Mittwoch, 14. September. Ritte: BerfammlunD sämtlicher Jung- kameraden bei Corni, Garteastr. S. Erscheinen Bilicht. Kontrolle durch Kameradschaftsfsthrer. Tiergartcnr Kam. Stellinz, M. b. R., spricht in der Mitgliederversammlung der 9. Abt. der SPD., Artushvf, Perlcderger Straße 29, über„Partei und Reichsbanner"..Zahlreiche Beteiligung IN Banner. klcidung erwllnfcht— Donnerstag, 15. Septrmäer. Prenzlauer Berg: Käme, radschaft Nordkap: 20 Uhr Versammlung bei Sachef�i, Echineldeßndr Str. 10. Kameradschaft Humannplatz bei Pohft, Etargarder Sir. 19.— NcukiUIn-Britz: Nadsahrcr.Abt.: Sonntag, 18. September. 5 Uhr, Antreten. Bhf..Hermann., straße zur Fahrt nach Jüterbog. Radfahruc anderer Kameradschaften sind hierzu eingeladen._ Arieiter.Rddio-Bnnb Deutschlands,•(. V. Di? fllr Mittwoch, 14. Septem- her, bei Wollfchläger,«daldertstr. Sl, einberufene Mitgliederversammlung findet nicht dort, sondern in Schinkels jrftfälen, Lrilckenftr. 2, statt. Beginn 191b Uhr.— Gruppe Wedding: Pafstwalker Str. 3. Am Donnerstag jeder Woche Experimentier» und Bailelobend fllr jedermann.— Gruppe Krenzberg: Nostizstr. 29. Sonnabend, 17. Ecptcviber, 20 Uhr. große Tifchbonnerweihe. ver. bunden mit gemütlichem BeifammevFein und Tanz im Sruppenlokal. Freund« und Gäste sind herzlichst eingeladen» Eintritt frei. Verband für Frridcnkertnw lind Feuerbestattung, Ortsgruppe Tegel. Donnerstag. 15. September. 191b Uhr. Mitgliederversammlung im Restaurant Tornow. Schlirverstr. 04. Bericht von der Generalversammlung. Landsmaanjch-st der Schl-swist.Holstein-r ,u Berlin. 1892. Donnerstag, 15. September, ZV Uhr, im BeeeinÄokal Oranienstr. 102. B»-ein»sitzung. Eon. tag. 2. Oktober, in den Festsälen Brückenstr. 2, Erndefest und Tanz. Lani s- leu!» willkommen. -aife Un Sterbetafel der Sroß-Serliner Partei-Grganifat. 41. Abt. Am 11. September verstarb unser eifriger Genosse M a x N' dach im Alter von 57 Jahren. Ehre seinem Andenk»n. Einäscherung Donnerstag, 15. September, 19 Uhr, im Krematorium Baumschulcnweg. I» rege Beteiligung bittet die Abtcilungeleitung. So�ialiftistbe �rbeiterjugenö Groß-Serlin. Abrechnung der Beitröge, Ausgab« de«»Jugend voran" und der.Arbeiter- Jugend". heute. Mittwoch. 14. September, 13� Ahr. Sedding! Heim See», Ecke Turiner Straße.„Das Reichsschulgesetz."— Humaunplatz, Schule Eberswalder Str. 10.„Wer sind die berufenen Arbeiter» Vertreter?"— Rofenthaler Vorstadt: Schule Gipsstr. 28a. Satirischer Abend. Vetersburger Viertel: Heim Ebertystr. 12. Arbeitsgemeinschaft:.Unsere Arbeit."— Neichenberger Viertel: Seim Reichenberger Str. 50..Unsere Stellung zur Kirche."— Westen II: Heim BUIowstr. 88. Busch»Abcnd.— Spandau: Heim Lindenufer 1.„Das Leben Bebels."— Tcmpelhof: Seim Germaniastr. 4—0.„Aus Sortis Werken."— Fallenberg: Seim Am Falken. berg 117.„Politische Togesfragen."— Lichtenberg. Mitte: Heim Dossefir. 22. Mltglieberverfammlung.— Reu.Lichtenberq: Pestalozzi-Lnzeum, Prinz.Albert. Straße.„Jean Zaurds-Biographie.— Lichicuberq.Slord: Heim Parkou« 10. ~'bi"' Reuter-Abcnd.— Charlottenburg. Nord: Heim Olberstraße.„Mark Twain." Saifonheginn bei Tietz. Herbstsswehsn. das Siqual zum qroß«n Aufmarsch der Winter- parad«. Di« Firma Tietz a?ranstaltete in ihren sämtlichen Filalen eine reichhaltige Schau von Saisonneuhciten. Im festlich ge- schmückten Saal«, bei Musikbegleitung, führten slott« Manequins all die Kleid, Mantel, Schuh und Hut gewordenen Wünsche der Frauenwelt vor. An Stroßenkleidern dominiert nach wie vir das Strickkleid, das in feiner n«tten Verarbeitung, den hübschen, ver- schiedenartigsten Dessin, b«i sehr annehmbarer Preisgestaktu ig eine ebenso praknsche wie lleidsam» Mode repräsentiert. Daneaen sah man Kleider aus leichten Wqllstosfen, Rips, Veloutine ulp Die Preise bewegen sich durchweg in mittleren, oft sogar sehr niedrigen Aisfern. Von 20 Mark angefangen, hat man schon«ine sehr reich- Hallig« Auswahll Während der Charakter des Strahenkleides bis auf kleine Variationen fast unverändert geblieben ist, Hot die Mode des Abends wieder das Stflkleid in den Vordergrund gerückt Ver- stärkte Hüftparti«. längercx Rock, Falbeln und Rüschch«n, kokettes Dekollete, kurzum eine stärkere Betonung des Ewigweiblichen Die mu soll sich also während des Tages Arbeit praktisch und schlicht den, in ihren Feierstunden aber wieder weicher und duftig«r in einung treten. Du.' Stilkleider«insacherer Ausführung sind /isset und Samt.'Für 69 Mark gibt es ein tadellos modernes '-jd— in reicherer Verarbeitung dann aus metallisch iden Gewebe«, mit Spitzenüberwurs, ganz aus Spitzen aus Velour-Zaiguard, Velour-Chlifon und den vielen ne'st französischen Geweben hergestellt. 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September 1927 In der NachmittagSziehung wurden Gewinn« über ISO M. gezogen 6•«Winne IN 3000 M. 8391 84093 178976 10•ewian, m 2000 M. 98306 135018 249343 262214 323744 26»«Winne gu 1000 M. 74433 133838 172662 181038 261219277687 283092 286232 288971 298118 323020 338511 346037 74»«winn« gu 500 ffll. 1 1772 14712 36614 61601 68526 67647 72663 75046 106347 121891 126333 136746 139298 145660 140820 154168 162164 179133 179607 186286 196936 212448 232684 239041 276124 286678 286448 287029 294444 306108 310969 319679 332939 340205 341003 342569 343929 178»ewlnn« gu 300 M. 8681 14240 15706 22648 22930 23308 24699 26677 32393 32404 34062 36035 35602 40190 42718 44187 44872 47095 48895 49968 50301 54491 55213 75166 79746 81283 84309 85586 86605 88211 91494 94708 96280 38661 101117 104111 106639 110693 112313 131760 142936 161056 153421 158931 164423177502 181036 181413 189205 190422 192772 194212 200464 204025 207189 21 1637 215643 224573 228002 230967 236321 250662 251432 254936 259595 285392 265594 277406 288524 290279 291150 296327 293476 300130 301611 302668 313098 320971 321800 331233 334554 334875 337240 337463 337722 338136 340622 347086 347870 24. Ziehungstog 13. September 1927 3n der Vormittagsziehung wurden Gewinn« über ISl) M. gezogen 2»«Winne gu 60000 M. 140648 2 Gewinn» gu 6000 M. 231 968 10 Gewinne gu 3000 M. 129935 179583 227098 256835 261939 14 Gewinne gu 2000 AL 208661 240220 257863 272626 291768 308340 320077 26»-Winne gu 1000 an. 14193 180799 180867 203219 224322 236670 26451.1 267020 274215 276238 291368 300704 328286 '342*----------------- 50««wtnn» gn 500 M. 19342 20153 30907 35823 56748 71 639 87054 98065 106125 127494 136933 139738 153194 183932 203223 218774 237330 258362 262231 276256 267260 238414 311434 313472 326854 184 G-winne gu 300 M. 21023 23695 24179 26208 33049 33749 41 189 42906 45982 46165 50666 59653 61442 63875 83917 73366 74079 75794 76979 80383 81124 81971 86013 88388 90436 90646 90992 853249562498686103019>10614 II0663 113157 114505 114611 yl 1 7034 123036 126652 133662 141769 14,909, 48820 151894 162718 157454 157857 161346 163578 163751 167670 171723 177645 178666 179817 182591 182769 189056 201650 203458 210586 214433219733 223918 228325 229663 232634 233036 234380 243993 244023 246370 248993 253393 283466 299451 300309 301010 302355 305133 310610 313608 313762 317844 320313 322080 325246 327767 339600 341708 344263 348827 Mittwoch 14. September 1427 Unterhaltung unö Ä9i|fen Seilage ües vorwärts "191$ (fagebucftnoiixen eines Jfeizers, In der Dunkelheit, die nur ganz schwach durch das ungewilse Zicht der anderen Schiff« durchbrochen ist, rufen die Deltoffiziere, die unter- den Leuten verteilt stehen:„Alles nach Steuerbord! Leute in�ht keinen Unsinn, bedenkt, was auf dem Spiele steht!" und drängen und schieben nach Steuerbord. Zwar hört man ein- zelne Rufe:„Nach Backbord", doch werden die von den Deckoffi- zieren überschrien. Die Leute, die abfällig über den Kommandanten urteilen, sind sich wohl der Gefahr bewuht, in der sie schweben. Zum Schluß steht denn alles zwar nicht Steuerbord, aber doch so. daß es so aussieht. Nachdem unser Kommandant die Leute so auf Steuerbordseite hatte, rief einer der Offiziere:„Drei Hurras für unseren Komman. bauten, den Kapitän z. S....!" Der Kommandant erhielt seine drei Hurras und fuhr fort: „Leute, ich danke euch. Ich habe gewußt, daß meine Leute treu sind. Mit diesen drei Hurras habt ihr mir bewiesen, daß ihr treu zu mir hallen wollt und unsere geliebte Kriegsflagge nicht in den Schmutz ziehen laßt. Darum wehe euch!"— wobei er sich nach der Landselle wendete und drohend die Faust schüttelte.—„Mögen sie nun kommen!" Nach dem Wegtreten wurden beide Kriegswachen und die Scheinwerferbedienung„klar"gepfiffen. Allem Anscheine nach wollte unser Kommandant sich die Ausfahrt mit Gewalt erzwingen, erhielt jedoch vom Geschwaderchef den Befehl, nichts zu unternehmen. Trotz- dem zogen die Kriegewachen und die Scheinwerferbedienung auf. Da rch ebenfalls Scheinwerfernummer hatte, konnte ich die Vorgänge an diesenz?"oend ziemlich genau beobachten. Kurze Zeit, nachdem ich aufgezogen war, wurde die Landseite von„Ostfriesland" und„Oldenburg"— beide lagen auf der anderen Seite des Kanals— abgeleuchtet. Anfangs schweigend zog eine groß? Menge bewaffneter Malrosen von den verschiedenen Schiffen außer uns oor.Tlftfriesland". Hier stellten sie dem Geschwaderchef ihre Forderungen, die dieser auch annahm.„Posen" war mit halber Besatzung durch die Schleuse gekommen, während sich der Rest der Leute unter der Menge befand. Nach Annahine ihrer Forderungen durch den Geschroaderches zogen sie unter den Klängen des Liedes: „Ich h a t t' einen Kameraden" weiter, wahrscheinlich in Er- inncrung an die verhafteten Kameraden von„Helgoland" und „Thüringen". Wie beobachtet wurde, führten die Leute an Land Geschütze mit. Am nächsten Morgen nach dem Wecken wurde von„Oitsricsland" ein Winkspruch an uns abgegeben auf Veranlassung des Soldatenrats: „Alle Mann, außer der Division, der Wache und der Heizcrrvach« sich umziehen in Blau und an Land gehen zur Versammlung!" Die Gewalt war demnach auf„Ostfricsland" und den anderen Schiffen an den Soldatenrat übergegangen. Der abgegebene Winkspruch wurde durch den Signalgast weiter- gegeben, worauf sich alles anzog, um an Land zu gehen. Nach kurzer Zeit kam unter den Klängen der Musikkapellen ein großer geordneter Zug mit mehreren roten Fahnen vor»nscr Schiff. Die Teilnehmer des Zuges, bestehend aus Matrosenartilleric und den Besatzungen der übrigen Schiffe, brachten drei Hurras für uniers Kameraden auf der„Nasfau" aus, die von unseren Leuten erwidert wurden. Währenddem hatten sich schon unsere Leute darangemacht, die abends zuvor weggeschleppte schwimmende Brück- wieder onzu. bringen. Nachdem dieses geschehen, kamen zwei Mann mit roter Binde an Bord und sordorten uns aiif, sich ihnen anzuschließen. Zum Verständnis lt einer von ihnen eine Ansprache an uns und legte auch dem inzwischen erschienenen Kommandanten unsere Forderungen vor. Wiederholl wies er darauf hin, daß man keinen Alkohol trinken und Ruhe und Ordnung bewahren müsse. Di- Wachen wurden auf- gefordert, d«, Dienst genau wie zuvor weiter zu versehen und Posten vor die Spcitloften und Munition-kammern zu stellen. Als Haupt- soch« stellt« er noch hin:«Wir müssen vor alle» Dingen krieps- und gefechtetlar bleiben, nicht etwa zum Angriff, sonder» zur Ver- teidigung unseres Vaterlandes, wenn es nottut." Die Offizier« erhielten auf ihr« Frage, was mit ihnen werden soll«, zur Antwort: sie mögen ihren Dienst weit«- oersehen unter Aufsicht des Soldatenrates. Die Forderungen waren folgende: Gleiches Essen für Mannschaft und Offizier«, gleiches Recht, Ein- setzung einer Bestrafungskommission, die nach dem Gesetz der Mensch- lichkeit und nicht nach dem toten Buchstaben richten solle. Fortsall der Grußpflicht an Bord wie an Land. Regelung der Kantinenüberfchüfse. Wegfall vo» unnötigen Posten und Arbeiten. Regelung der Urlaubsverteilung. Freilassung sämtlicher Arrestanten außer denen, die wegen Dieb- stahlz in Arrest sind. Der Kommandant erklärte, seinetwegen brauche es für Offiziere keine besondere Kost, keine besonderen Getränke, Wem und dcrgl. zu geben. Er sei einverstanden, wenn ihm nicht die Schande angetan würde, daß an Bord seines Schiffes die rote Flagge gesetzt würde; er sehe voraus, daß es bei uns wie in Rußland ginge. Ihn wurde erwidert, daß die Kriegsflagge einstweilen bleiben solle und wir im übrigen keine Revolution, sondern lediglich unsere Menschenrechte wollten. Ausschreitungen würden standrecht- lich verurteilt werden. Die Offiziere wurden aufgefordert, mit zur Versammlung zu gehen. Die seemännischen Unterossizier«, die sich bisher sehr zurückhaltend gezeigt hatten, folgten jetzt der ihnen gc- geben«» Weisung und pfiffen aus:„Alles Gewehre und Munition empfangen!" Nachdem dieses geschehen, schloffen sich unser« von Bord gehen- den Leute dem Zuge an, während die Offiziere langfom folgten. Ich selbst mußte als zur Heizerwache gehörend an Bord bleiben. Das Gelände, auf dem die Versammlung abgehalten wurde, wurde, wie ich von Bord aus beobachten konnte, ständig von be- ritten«» Matrosen abpatroulliert. Mittags kehrte alles an Bord zurück, um nachmittags wieder zu gehen. Im Laufe des Nachmittags wurden einige 40 Mann Infanterie an Bord gebracht, die unfere Leute unterwegs abgefangen hatten. Einer van ihnen erzählte mir später folgendes:„Wir wurden von Heide aus verladen, um in einem umliegenden Orte Ordnung zu schaffen. Als wir jedoch in einen Panzerzug verladen wurden, merkten wir erst so recht, was los war. Der Zug wurde durch Ziehen der Notbremse zum Stehen gebracht. Auf gütlich«, Zureden gelang es dem Hauptmann, uns zum Ein- steigen bis nach einem bestimmten Bahnhof, zu bewegen,, damit die Streck« frei würde. Da wir der Sache nicht mehr trauten, begaben sich zwei Mann mit auf die Maschine. Unterwegs wurden wir von euren Leuten aufgehalten und hierher gebracht. Die Infanteristen hatten also gegen uns vorgehen sollen. Die übrigen Infanteristen, im ganzen eine Kompagnie, waren auf die anderen Schiffe oerteilt. Unsere Leute erzählten später, daß sie, falls die Infanteristen gegen uns vorgegangen wären, ohne weiteres den Zug m die Luft ge- sprengt hätten. Es war sich eben alles klar, daß das Begonnene auch durchgeführt werden mußte, wenn wir unseren Kops lieb hatten. Im Verlauf« der nächsten Sitzung, die abends stattfand, erklärten die Leute von der Matrosen-Arnllerie-Abteilung, sie hätten Funkspruch bekommen, wir würden keinen Proviant bekommen, weder von Kiel, noch von Cuxhaven, wenn wir die rote Flagge nicht setzten. — Wir hatten zu der Zeit noch sieben Brote an Bord.— Da wir dem Glauben schenkten und schenken mußten— bei uns war F. T. ausgeschaltet— blieb uns weiter nichts übrig, als den Beschluß zu fassen, die rote Flagge zu setzen. Noch während der Versammlung kam die Alarmnachricht:„Die Offizier« haben sich geäußert,\ sie wollten dos Schiff in die Lust sprengen, falls die rote Flagge gesetzt wird und auf„Lstjnesland" haben sich die Offiziere vor- barrikadiert!" unter den hochhängenden Hängemotten durchkriechend, über die tueser hängenden hinwegspringend. Am Ausgang von unserem Wohndeck steht einer am Spind und stopft sich Verschiedenes in die Taschen. „Was ist los. du bist ja in erster Garnitur?"„Die Offiziere wollen sprengen, mach daß du raus kommst!" Jetzt war ich überzeugt. Im Sturmschritt geht es ins Zwischendeck. Schon im Lausen suche ich die Schlüssel für die betreffenden Spinden heraus, stürze mich ebenfalls in Blau, Seestiefel an: schnell noch die Taschenlampe und Brieftasche sowie ein weißes Taschentuch zu mir gesteckt, und dann hoch, an Oberdeck. Aus der Back ist zunächst niemand zu sehen. Ich laufe weiter, jiber das Mitteldeck auf die Schanze. Hier läuft alles durch- «inander. Einer ruft:„Alle Mann, die Gewehre haben, noch achtern!" Neben mir taucht jemand auf, ein Palet in der Hand, mit Wertsachen, die er jedenfalls nicht absausen lassen will.„Mann," höre ich ihn rufen,„jetzt habe ich meinen Geldbeutel unten in der Eismaschine liegen lassen," wirft sein Paket hin und klettert wieder nach unten. Jetzt heißt es:„Alle Scheinwerfer klar?" Da ich, w>e gesagt. Scheinwerfer-Nummer habe, klettere ich an der eisernen Steigleiter hoch, probiere und klettere sofort wieder runter— di« Scheinwerfer funktionieren nicht.„Hallo" denke ich,„haben die Herren hier schon gearbeitet?" Ich laufe wieder hinunter ins Zwischendeck zu den Scheinwcrser-Umsormcrn hin, um nachzusehen. ob di« klar sind— immer mit dem Gedanken:„Kommst du vor dem In-dic-Lust-Gchen noch inal an Oberdeck oder ist es das Letzte." Bei Es wird kurz mjcki 11 Uhr abends gewesen sein, als ich wach werde. Ueber mir ist ein Rennen und Laufen wie bei„Alle-Monn- Manöver". Ich fahre hoch»nd sehe mich um:„Was ist denn los?" ruf« ich.„Mensch, schnell raus, der Kasten wird gesprengt!" schreil mich der long« Berliner an, der mich wachgerüttelt Hot.„Was ist lo»?*,„die Offiziere wollen sprengen!" Im Nu bin ich au» der Hängematte raus, Strümpfe und Hose an und renne durch. Deck, dem Gedanken bin ich unwillkürlich zu Hause, denke an Eltern. Ge- schwistcr, Braut: heiß steigl es in mir empor, würgt mir in der Kehle. Jetzt bin ich bei den vorderen Umformern angelangt, sehe hin; die lausen. Rasch nach achter» hin. Ich mache die Tür auf. die lausen— nein, einer nicht. Beim Zlnstcllen kommt mein Resjort-Obermoat hinzu.„Obermaat, die vorderen laufen, laufen auch die Backbord achreren?"„Ja, die habe ich eben angestellt, raus jetzt!" Wieder oben angelangt, sehe ich mich um. Außer Rufen, Hin- und Herrenneu nichls Besonderes. Jetzt ruft wieder einer:„Schein- wmer klar?"„Augenblick!" Wieder bin ich oben am Schein- werferstand, schölte ein..Brennen!" rufe ich hinunter. Unter mir, am unteren achteren Scheinweriersland. ruft jemand hoch:„Wenn ich unten einschalte, wird auch oben geleuchtet!"„Gut." Letzt kommen auch die wiederholt gepjiitcncn Matrosen der Scheiuwcrjer- bsdienung, stellen sich hin und rühren keine Hand.„Wollt ihr nicht abziehen? frage ich den einen. Er glotzt mich an, faßt mit den Händen nach dem Scheinwcrjerbczug und läßt wieder tos, ohne ab- zuziehen: wußte wahrscheinlich nicht, ob er hinuntcrjpringen sollte oder oben bleiben. Ich reiße den Bezug felbst herab. Plötzlich .'«uchtet der iimer« Scheinwerfer ans. Schon brennt auch meiner. „Noch achtern leuchien!" wird von unten gerufen. Die Scheinwerfer 'liegen herum, noch hinten, die Schanze beleuchtend. Da kommen eben ein paar Oifizierc den Niedergang hoch. Den einen erkenne ich: es ist unser leitender Ingenieur. Das Licht der Scheinwerfer fällt ihm voll ins Gesicht„Höher leuchten!" Bei der helle» Beleuchtung ist jetzt zu erkennen, daß neben den: achteren Niedergang«in Maschinengewehr ausgestellt ist. Die O'fi- zier« sind alle �hochgetommen und müssen sich an Land begeben, immer verfolgt von dem Licht« der Scheinwerfer. An Land werden die Offiziere aufgefordert, sich zu ordnen. Plötzlich ruft jemand: ..Alles hinlegen!" Alles wirft sich hin und reißt das Gewehr in Zlnfchlog. Ich sehe, wie ein Teil der Leute, die sich an Land b*-- iinden, ebenfalls knien und anlegen. Die Situation ist so. daß die an Bord befindlichen Leute sich dem Lande zukehren, während die an Land befindlichen sich uns zugewendet haben. Was ist denn nun los? denke ich. Wollen die aitt uns schießen?, reiße den Schein- werfer hcruni und leuchte das Gelände ob. Weiter nichts zu sehen als sich mit großen Sprüngen cntsernende Leute. Unten pfeift jetzt einer:„Das Gerücht, daß sich der Kommandant ersckiosten hat. ist nicht wahr. Es ist ein Gewehr umgefallen u»d hat sich entladen!" Die auf allen lastende Spannung löst sich: die Offizier« müssen geschlossen und unter Bewachung nach Bruno büttel abmarschieren. Der Bootsmaat pfeift:„Klar bei Hängematten!� Ein Ausatmen: jetzt kann man wenigstens in Ruhe Ichlosen. Ich hält« Wach« von 12 bis 4 Uhr gehobt und muß noch bis 4 Uhr auf cü-Station. (Schluß folgt.) URAUFFUEHRUNQ V'RWWMA. � in ffifuiifiif� mmßBMNS) �SoögSG�" Miltu'., 14. 9. 27 Staats-Oper Am PI.d.Republ. Anf. 7 Uhr Tristan und Isolde Stsatl. Sdiauspielti. An Cendiminnirkt 8 Uhr MaS für Maß Mittw., 14. 9. 27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turn.III, Anf.h'/j Staat!. Sdiillerth. Charlottenburg 8 Uhr Deotsdies Theater ■Morden 10334—37 8 Uhr; IroilDsn.Tressida Sdiaospiehrao Shakespeare Tbeattr an Bülowplati Volksbühne Tb. an SdiiffbanEntamm 8 Uhr George Dandin 8 Uhr Ein'meniadits- trafli. Ss.lXÄiS, Nollendort 7360 Die Sepiember« Varie�-Revue M. I CASINO-THEATER suhr ihr donhier Pieca Autsdinciden 1 Gutschein 1— 4 Pers. Fautcui! nur 1.10 M.. Sessel nur 1,60 M. 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Ab morgen- Täglich 8V« Uhr Gastspiel Erik* GK�ner in Hopf oder Sdirift. Lustspielhaus 8V. Uhr .Filmroinantik" (Taihaiia- Theai. Täglich 8V. Uhr: Am Hildesheimer SthlcB steht eine Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u.Tanz Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags wnr 60 Pf, Rose-Theater 8V« Uhr Die Tran ebne KoB. Planetarium am Zoo Veriäog. Jcadiiasfbiler Strafe Noil 1578 Der Himmel der Heimai Halbe Kassenpreise Eintritt 0,50 M. Riodir»if. ISJihm 0,25 M Thalia-Theater 8 Uhr Der rote Hahn Si in der GeßamtauflafC de»»VonrfirU* sind besonder* odrksdOi «nd trotzdem setirbillUk) Mal- o. Zeichen* Bedarf L-]uergens Alexanderplatz Für GM- DiatarrblelM! Rase«.. Rochen-, Mitte lobrkatozzh, Gleichgewicht». stSrnoge». Ohren- sonfen- SNerofe, Schwerhärtakeit mit vielen Roch» trägen über hie dem Verfasser mitgeteilten Erfolge (Reue Aufloge) von Z.®. Möller, Bremen. Z. Austunstsduch (heroudgegeben zum Schutte her Schwerhörigen) v. M. Senfert, Vors. de» EchwerK-Ber» ein». München. Prospekte nnent- gettUch durch Z.D. Möller, Bremen, Motustr.»2. Jeden Abend wenn die Flämmengarben zum Himmel sprühen, erglüht dem Berliner nach des Tages Mühen auch die freues/e Freundin: Joseiii Juno Berlins m ei sigera u chie 4S Cigareiie S Unserer allen, verehrten Genossin und Kollegin AgnsX Fahrenwald « au ihrem heutigen Geburtstage die her,. lichsien Wünsche. 81 In dankbarem Gedenken: llie TDzIaillWDjtTZsillde StaitieroMiiMtioD.| K KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. Das fettgedruckte Wort 25 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte). Stellengesuche das erste Wort(fett) 15 PI., jedes weitere Wort 10 Pf Worte über IS Buchsuben zählen doppelt. Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen blsäV.Uhr nachmittags In der Itaupi- expedltlon des Vorwärts, Berlin SW, Llndenstreüe 3, abgegeben werden. Dieselbe Ist von morgens SV, Uhr bis nehm. SUhr ununlerbrocben geöffnet ollralrarj-HöhB» >ts. 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