Str. 436 44. Jahrgang Ausgabe A nr. 222 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich 3. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit ber illuftrier. ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" sowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen". Aus der Filmwelt". Frauenstimme",„ Der Kinder. freund".„ Jugend- Borwärts"," Blid in die Bücherwelt" und„ Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 10 Pig. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: Die einipaltiae Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Biennia ( zulässia amei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennia. Stellengesuche das erfte 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Butftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familien anzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennia. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lindenstraße 3, wochentäglich von 8½ bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Donnerstag, den 15. September 1927 Ausschaltung des Reichstags. Die Bürgerblockregierung will den Reichstag weiter vertagen. im Aeltestenausschuß. Der Aeltestenrat des Reichstags trat gestern zu der angekündigten Sigung zusammen, um über den Vorschlag des Präfidenten Löbe, die Zwischentagung des Reichstags am 3. Oftober beginnen zu lassen, zu beraten. Der Reichskanzler Marx hatte jedoch dem Präsidenten mitgeteilt, daß bis zu diesem Termin weder Das Reichsschulgesetz noch das Liquidationsschädengesez noch die Besoldungsordnung soweit gediehen seien, daß diese Vorlagen vor den Reichstag kommen fönnten. Mit Sicherheit wären die drei Geseze erst am 17. Oktober für die Reichstagsberatungen fertiggestellt. Abg. v. Guérard( 3.) erklärte, daß er bei dieser neuen über. raschenden Sachlage sich an den weiteren Beratungen des Aeltesten. ausschusses nicht mehr beteiligen könne, vielmehr zunächst den Borfland seiner Fraktion befragen werde. Er schlug deshalb Vertagung des Aeltestenrats auf Donnerstag vor. Reichsinnenminister Dr. v. Keudell legte dar, daß die Be. ratungen des Reichsrats über das Schulgeset längere 3eit in Anspruch nehmen müßten, und zwar wegen der preußischen Anträge und auch wegen der Fristen, die die übrigen Länder. regierungen, mit Ausnahme von Bayern, für ihre Stellungnahme zu diesen Anträgen verlangt haben. Ueberraschung Die Abgg. Dittmann( Soz.) und Graf v. We starp( Dnat.) schlossen sich dem Antrag auf Bertagung an. Der Aeltestenrat vertagte hierauf die Beschlußfassung über den Wiederzusammentritt des Reichstags auf Donnerstag nach mittag. Der Strafrechtsausschuß des Reichstags nimmt seine Arbeiten am 21. September auf, während am 22. September sich der Reichshaushaltsausschuß versammeln wird, um über die Höhe der Vorschüsse auf die kommende Neuregelung der Besoldungsordnung zu beschließen. Der Reichsrat hält seine erste Sigung nach den Sommerferien am Donnerstag, dem 15. September, ab. Auf der Tagesord. nung stehen fleine Vorlagen. Der Breußische Staatsrat tritt am 28. September wieder zusammen. Der Hauptausschuß des Landtags ist zum 26. September einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Aussprache über die Steuervereinheitlichung. Die Bollsizungen des Landtags werden am 11. Oktober wieder aufgenommen werden. ( Siehe auch 2. Seite.) 8000 neue Berliner Wohnungen. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheatonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bant der Arbeiter, Angeftelten und Beamten, Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft. Devokitenkaffe Lindenstr. 3. Wolken am Zentrumshimmel. Umschichtung im Wesen. Von August Erdmann. Auf allen Katholikentagen, die von 1848 bis 1927 statte gefunden haben, ist hingewiesen worden auf die Tatsache, daß der katholische Boltsteil in Deutschland in der Minderheit und infolgedessen die Einigkeit der Katholiken um so notwendiger sei. Am dringlichsten ist das betont worden in heißen Zeiten des Kulturkampfes, und in der Tat ist es neben dem Geschick der Führer nur dem Zusammenhalt der katholischen Massen beschieden gewesen, die schweren Bedrängnisse von Kirche und Zentrum abzuwenden. Auch in der Folgezeit ist die Mahnung zur Einigkeit auf den Katholikentagen nicht vergessen worden, aber am lautesten und dringlichsten seit langem ist sie ertönt auf der eben verflossenen Tagung in Dortmund. Das waren nicht nur Mahnrufe, das klang deutlich wie Rufe aus der Not, Hieran ändert der Umstand nichts, daß der Katholikentag in Dortmund, wie immer, halb Parteitag, halb Kirchenversammlung, unter riesenhafter Beteiligung und in voller Einmütigkeit verlaufen ist. Das ist, was die Sache als Massenkundgebung betrifft, eine Frage der Organisation, der Verkehrsbewältigung, und, was die Einigkeit anlangt, eine Frage der auf hinreichender Ueberlieferung und Erfahrung beruhenden Kunst der Regie, die feine Uneinigfeit, feine vom bewährten Ritus abweichende Meinung, kein störendes oder gar auffäffiges Wort aufkommen läßt. Der Magistrat billigt den Bauvertrag. Beim Reichsfinanzminister liegt die wisse Bestrebungen im Zentrum, die Partei aus den Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Entscheidung. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sihung dem Abschluß des Bebauungs- und Pachtvertrages mit der Bewoag, vorbehaltlich des Erlaffes der Wertpapier- und Kapitalertragsffeuer, zugestimmt. Der Haushaltsausschuß hat sich gestern mit derfelben Frage beschäftigt und wird seine Beratungen am Donnerstag fortsetzen. Fortschritt der Beratungen. Der Magistrat legte gestern abend dem Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung den verbesserten Bertragsentwurf für den Abschluß der 8000 Wohnungen mit der Bewoag( der aus den sozialen Bauhütten und dem Haberland Konzern neugebildeten Baugesellschaft) vor. Alle Bestimmungen, durch die der Charakter eines reinen Bachtvertrages beeinträchtigt merden könnte, sind nunmehr beseitigt. Außerdem ist die Zahl der Kleinwohnungen ganz beträchtlich erhöht morden: Es sollen nunmehr 3400 Wohnungen mit zmsi Zimmern, Küche und Bad, 4400 Wohnungen( 1000 mehr als bisher) mit drei Zimmern usw., dagegen nur 524 Wohnungen mit vier Zimmern gebaut werden. Die Vermehrung der kleineren Wohnungen erhöht den von der Stadt zur Verfügung zu stellenden Zuschuß zur Mietsenkung auf 2,84 Millionen. Der Mietpreis wird dann 66 M. für die Zweieinhalbzimmerwohnung, 100 m. für die Dreieinhalbzimmerwohnung und 150 m. für die Biereinhalbzimmerwohnung betragen, wobei die Bierzimmerwohnungen bereits zur Berbilligung Der Zweizimmerwohnungen mit herangezogen sind. Die Bewoag hat die Verpflichtung übernommen, selbst um die Befreiung von der Kapitalertragssteuer, die befanntlich jährlich 756 000 m. betragen würde, und um die Sen= fung des Effettenstempels von 2 Millionen Mark auf 500 000 m. einzukommen. meitere 8324 Wohnungen in diesem Jahre in Angriff nehmen. Die Entscheidung wird dann beim Reichsfinanzministe rium bzw. bei der Beratungsstelle für Auslandsanleihen liegen, die für den Erlaß der Kapitalertragssteuer zuständig sind. Die Stadt Berlin hat ein Recht, zu verlangen, daß diese Stellen in Berücksichtigung der großen Wohnungsnot der Bevölkerung in diesem Punkte das erforderliche Entgegenkommen zeigen und nicht ihrerseits das Projekt aufs neue gefährden. Die schaffenden Massen Berlins und insonderheit die wohnungslose Bevölkerung würden es schlechtersdings nicht verstehen, wenn hier bureaufratische Engherzigkeit über ihre Lebensintereffen triumphieren sollte. Mit der Verabschiedung der Vorlage darf in der heutigen Stadtverordnetenversammlung gerechnet werden. Revolverkampf in Ravenna. Oberfaschisten angeschossen, der Täter getötet. Ravenna, 14. September. Auf der Piazza Vittorio Emanuele gab ein Kommuniff namens miffiroli mehrere Revolverschüsse auf eine Gruppe von Offi3ieren der faschistischen Mi113 ab. Er verlekte den Komman deur der 81. Legion der Miliz schwer, während der Sekretär der faschistischen Partei in Ravenna leichter verwundet wurde. Letzterer erwiderte das Feuer mit zwei Revolverschüssen, durch die Miffitoli getötet wurde. Neuer polnischer Schulraub. In Ostoberschlesien. In der Partei des Zentrums und in der katholischen Presse, fern vom 3wange fatholikentäglicher Tradition, sieht's etwas anders aus. In der katholischen Monatsschrift ,, Abendland"( Heft 9) findet sich ein Aufsatz von H. A. Berning, dem Leiter der politischen Bildungsarbeit im Zentrum, überschrieben:„ Die Problematik der Zentrumspartei." Darin wird hingewiesen auf ge= tieferen geistigen Voltstomplegen zu lösen, fie aus Gründen stärkerer Konzentration, größerer Stoßfähigfeit und lebhafterer Aktivität auf bestimmte erklusine 3 me de hin zu rationalisieren, sie mit dem übrigen Parteigefüge konstruktiv zu gestalten." Man glaube, daß die ,, bisherige weltanschauliche Verankerung nicht mehr den Kitt für den Zusammenhalt so mannigfaltiger Ideenund Volkskomplere abgebe; man solle den weltanschaulichen Bezirken ihre Autonomie gewähren, um auf diese Weise eine größere politische Beweglichkeit der Politik und eine ungehemmtere, rein fachlich zweckmäßig bestimmte Frattionsbildung zu erzielen." Es gebe andere Störungen im Katholizismus, die nicht mehr glauben an die Durchdringungsfähigkeit des Christentums in den Gesamtkomplex der Welt", es sei besser, sich mit den christlichen Kulturforderungen von den exponierten Vorposten der Kirchenpolitik zurückzuziehen, um die christliche Substanz zu retten, zu vertiefen und den Willigen zugänglich zu erhalten". Man kann nicht sagen, daß sich die Aeußerungen des Leiters der politischen Bildungsarbeit im Zentrum durch be= sondere Klarheit auszeichnen. Begnügen wir uns also mit der Feststellung, daß nicht nur im Zentrum, sondern auch allgemein im Katholizismus mancherlei Strömungen und Meinungsverschiedenheiten, die mit der gewaltigen politischen und geistigen Umwälzung von 1918 zusammenhängen, vor= handen sind. Berning selber steht auf dem Boden der alten Auffassung:„ Das Bentrum fann als Gesamtheit weder einfeitig fortschrittlich, liberal, noch ausschließlich konservativ oder radikalsozial fein... Nie wird eine Richtung, eine Idee sich verabsolutieren und die Gesamtheit der Partei annettieren fönnen, ohne daß ihr Gefüge zersprengt undin alle Windrichtungen zerstreut würde." Mit diesen beiden Säßen beschäftigt sich in Heft 10 der genannten Zeitschrift eine Erwiderung von Dr. Heinrich Scharp. Er will sie nicht angreifen, denn sie seien nur streiten ist, des Sachverhaltes nämlich, daß es eben ein einheitliches die logische Konsequenz eines Sachverhaltes, der nicht zu be= und einziges, rationell und logisch durchgeformtes Gestaltungsprinzip der Zentrumspartei nicht gibt. Bor furzem wurde erst gemeldet, daß Polen den Schulraub gegen die Deutschen in Ostoberschlesien entsprechend den Entscheidungen Die Mitglieder des Haushaltsausschusses äußerten sich im all Calonders einzuschränken scheine. Jetzt wird schon wieder berichtet, gemeinen zustimmend zu dem neuen Vertragsentwurf; eine daß die deutsche Minderheitenschule in Kosch entin( Kreis LubReihe von Einzelheiten soll noch bis zur Plenarberatung nachgeprüft liniz) von der Woiewodschaft vor kurzem geschlossen wurde merden. Die Kommunisten lehnten das Projekt auch in seiner mit der Begründung, daß die vorgeschriebene 3 a hl. von 40 Kinjezigen Form ab. Die sozialdemokratische Fraktion brachte bern nicht erreicht sei. Tatsächlich kommen zu den für dieses Nun sei, so fährt Scharp fort, die Entfaltung der politischen einen Antrag ein, nach dem die Stadtverordnetenversammlung Schuljahr angemeldeten 32 Rindern 16 aus dem Vorjahre, die Energie des Zentrums nicht schon damit gegeben, daß sich ihre grundsägliche Zustimmung zu dem Vertrag erklärt unter der rechtzeitig angemeldet, aber unberechtigt zurüd- innerhalb der Partei die Vielheit der in ihrer volkhaften SubBedingung, daß die Kapitalertragssteuer erlaffen gewiesen worden waren, so daß die vorgeschriebene Bahl über- stanz eingeschloffenen Kräfte und Tendenzen widerspiegeln; und der Effetten stempel auf 0,5 Proz. ermäßigt wird. fchritten ist. Als die Erziehungsberechtigten am Tage des Schul- fie beginne vielmehr erst da, wo die Partei in ihrer GesamtSie beantragten ferner, daß die Finanzgrundlage des An beginns ihre Kinder der deutschen Schule zuführen wollten, wurden heit der politischen Wirklichkeit gegenübergestellt werde, wo gebots noch einmal nachgeprüft werden solle mit dem Ziele, darauf sie wieder zurückgewiesen. Gie beschlossen deshalb, in den ihre politischen Energien auf eine politische Aufgabe stoßen fußende Verbesserungen der Vertragsbedingungen Schulstreit zu treten und sich zu weigern, ihre Kinder in pol- und aus der faßbaren politischen Lage eine Entscheidung erherbeizuführen. Der endgültige Vertrag foll vor seiner Unterzeichnische Schulen zu schicken. Daraufhin hat die Polizeibehörde zwungen werde. Hier führt Scharp die Aeußerung eines mung noch einmal dem Haushaltsausschuß vorgelegt werden. den streitenden Eltern Strafbefehle wegen Schulperfäumnis, nicht auf dem linken Flügel der Partei zu suchenden ZenEs ist zu erwarten, daß sich auf dieser Grundlage eine Mehr 3 3loty pro Tag, zugestellt. Die Obersekunda in der Oberreal. trumsführers an: heit für den Bertrag in der Stadtverordnetenversammlung fdule in Rönigshütte wurde zu Beginn des neuen Schul finden wird, und daß damit endlich der Anfang zu einem zufäß jahres am 1. September nicht mehr eröffnet, obwohl acht lichen Wohnungsbauprogramm in Berlin gemacht wird. zehn Schüler nach dieser Klaffe verseßt waren. Man erreichte ledig Berlin würde dann in diesem Jahre neben den bereits aus lich die Zusage, daß die in Frage kommenden Schüler in der OberMitteln der Hauszinssteuer unterstützten 20 000 Wohnungen realschule tattowiß Aufnahme finden sollen. Das heutige Zentrum sei eine Masse von Menschen, die lediglich durch die gemeinsame Abwehr antikatholischer Instinkte zusammengehalten werde, und in der jede 3ntereffengruppe, teine ausgenommen, für sich selbst einen möglichst großen Borteil herauszuschlagen versuche. Scharp will sich diese Auffassung nicht zu eigen machen,| Reichsschulgesetes dem Reichsrat aber erst spät zuging sondern nur mit einem drastischen Beispiel belegen, daß mit und die preußische Regierung ihre endgültige Stellung nicht einer Darstellung der soziologischen, Spannungsverhältnisse vor dem 20. September zu beschließen vermag, fann die einer Partei noch nichts über ihre politische Bewäh- Zwischentagung des Reichstages weder am 26. September rung und Leistung ausgemacht sei. Viel einfacher und noch am 3. Oftober beginnen. flarer als Berning legt Scharp den Kern der Problematik des Zentrums dar: Das damalige Zentrum habe gefämpft den dreifachen Befreiungskampf der Kirche gegen den Staat, der Katholiken gegen politische und gesellschaftliche Unterdrückung und der christlichen Sitte und Kultur im öffentlichen Leben. Schon die letzten Jahrzehnte vor dem Kriege hätten diese Front merklich, der Zusammenbruch des alten Staates und die Aufrichtung des Volksstaates hatte sie vollends verschoben: Die Republit gab der Kirche die Freiheit und die gleich berechtigte Mitarbeit der Katholiken im Staate wurde weitgehend gesichert. Dafür traten andere unabweisbare Aufgaben in den Bordergrund: die Sicherung der Existenz nach außen und die Rettung einer verfassungsmäßigen Ordnung nach innen. Das war die yeue Front. Das Zentrum fonnte sie nur beziehen, indem es einen Teil seiner bisherigen Anhänger abstieß. Denn nun ging es nicht mehr um fatholische Belange, sondern um politische Entscheidungen, für die es einen Maßstab, der aus dem Katechismus abgelesen werden fonnte, nicht gab. Solche Situationen hatte es freilich auch früher schon gegeben, aber niemals vorher standen fie beherrschend und zwingend im Vordergrund. Diesen fachlichen Anlaß zur Verschiebung der Zwischentagung müssen auch die Oppositionsparteien anerkennen. Aber Reichsregierung und Regierungsparteien verlangen mehr. Sie halten trotz des verspäteten Zusammentritts des Reichstages an der Idee einer Zwischentagung fest und wollen die endgültige Aufnahme der Reichstagsarbeiten bis zum 21. November hinausschieben. Dieser späte Zusammentritt aber ist fachlich nicht gerechtfertigt und politisch gefährlich. Sowohl die Besoldungsordnung als auch das Liquidationsfchädengefeß, das Rentnerversorgungsgesetz und eine ganze Reihe von anderen dringenden Borlagen, die für das materielle Wohl großer Bevölkerungsschichten bedeutsam find, könnten und müßten sobald als möglich erledigt werden. Dem aber scheinen die Regierungsparteien nicht geneigt zu fein. Sie wollen in erster Linie das Reichsschulgesez unter Dach und Fach bringen und bis dahin jeden nur möglichen Anlaß zu inneren Auseinandersetzungen zu vermeiden suchen. Der Reichstag ist ihnen dabei ein Hindernis. Tagt er, so ist es schwer, eine außenpolitische Debatte oder eine Debatte über die Flaggenfrage zu verhindern. Daß die Erledigung wichtiger Fragen verzögert wird, vielleicht sogar die glatte Erledigung des Reichsetats gefährdet ist, fümmert sie im Augenblick nicht. Daher haben sich die Deutschnationale, die Deutsche und die Bayerische Volkspartei bereits am Mittwoch mit den Plänen der Reichsregierung einverstanden erklärt. Aber auch das Zentrum dürfte seine Zustimmung noch geben. Aus parteipolitischen Gründen wird also versucht, den Reichstag auszuschalten, wichtige Boltsinteressen werden vernachlässigt. die Damit ist die Lage, in der sich das Zentrum gegenwärtig befindet, richtig gekennzeichnet. Was nun werden soll, darüber läßt Scharp sich nicht aus. Er sieht nur eine Wahl: entweder politische Aktivierung unter Preisgabe der formellen politischen Einheit der Katholiken, oder Verzicht auf die politische Führung und Rückzug auf die Vertretung der katholischen Belange. Das sei die Problematik des Zentrums in ihrer schärfsten, aber auch nur theoretischen Zuspitzung; in Wann die angekündigte Besoldungsordnung für den Reichstag beratungsreif sein wird, läßt sich im Augenblic der Praxis werde die Frage in dieser Einseitigkeit gar nicht noch nicht übersehen. Da die Vorlage des Reichsfinanzminiden Reichstag beratungsreif sein wird, läßt sich im Augenblic gestellt meint Scharp. Wer weiß, vor welche Fragen das Zentrum in der fters noch nicht einmal die Zustimmung des Reichskabinetts Praris der nächsten Zeit noch gestellt wird? Scheidet die gefunden hat, und fich daran noch eine mehrwöchige BeSorge um die Freiheit der Kirche und die politische und gesell- ratung im Reichsrat anschließen wird, jo muß man auch bei schaftliche Gleichberechtigung der Katholiken aus, wird sich's ihrer Erledigung noch mit längeren Friften rechnen. Das im Zentrum um so mehr regen auf wirtschafts- und gleiche gilt für das Liquidationsschädengeset. sozialpolitischem Gebiete, wird das um so stärker und Sozialdemokratie entschieden gegen Angesichts der Dringlichkeit dieser Vorlagen hat sich die flarer eintreten, was der obenerwähnte Zentrumsführer schon heute als zum Wesen seiner Partei gehörig ansieht: daß ipäte Einberufung des Reichstags erflärt. Sie jede Interessengruppe für sich selbst einen mög der Reichsregierung überlassen. Diese tragen auch die Vermuß die Verantwortung dafür den Regierungsparteien und lichst großen Borteil herauszuschlagen versuche". der Reichsregierung überlassen. Diese tragen auch die BerKäme zu dem Klaffenfampf im großen, der jetzt schon das antwortung für die am 1. Oktober eintretende neue Mieten Zentrum in den Rechtsblod getrieben hat, auch noch der erhöhung um 10 Proz. Von den Kommunisten war der Klaffentampf im eigenen Lager zum offenen Antrag auf zufammentritt des Reichstags vor dem 1. Oftober Klassentampf im eigenen Lager zum offenen gestellt, damit die Mietenerhöhung rückgängig gemacht Ausdruck, dann würde auch ein Windthorst und Mallinckrodt, werden könne. Ein Zusammentritt des Reichstag zu diesem gestellt, damit die Mietenerhöhung rüdgängig gemacht geschweige denn ein Marg und Stegerwald an der Rettung Bewek hat aber nur dann Sinn, wenn durch eine Aenderung der Partei verzweifeln. der Haltung der bürgerlichen Parteien eine Mehrheit für den Antrag auf Vermeidung der Mietenerhöhung zu erwarten ist. Nach der Stellungnahme der bürgerlichen Parteien aber ift das ausgeschlossen. Die Sozialdemokratie war stets und ist auch jebt gegen die Mietener höhung. Sie wird infolgedessen jede Möglichkeit, sie zu verhindern, unterstützen. Der reichstagsscheue Bürgerblock. Verhängnisvolle Verschleppungspläne. Das Verlangen der Reichsregierung nach Hinaus schiebung des Beginnes der Arbeiten des Reichstages hat nicht nur formelle, sondern wesentliche politische Be= deutung. Auf Verlangen der Reichsregierung hatte der Reichstag am Schlusse der Sommertagung befchloffen, am 26. September zu einer furzen Zwischentagung zusammen zutreten, um die erste Lesung des Reichsschulgejezes, des Liquidationsschädengesezes und der neuen Besoldungsordnung vorzunehmen. Alsdann sollte eine Bause eintreten, um den Kommissionen Zeit zu lassen, damit der Reichstag Anfang November seine ordentliche Wintersession ohne weitere Unterbrechungen beginnen fönne. Reichsregierung und gierungsparteien verfolgten damit die Absicht, das Reichsfchulgesetz beschleunigt zu erledigen. Da der Entwurf des Die Wirkungen des Krieges. Soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge des Weltkrieges. Ein sehr bemerkenswertes und in feiner Art neues Unternehmen von internationaler Bedeutung ist von der Carnegie Frie densstiftung in Angriff genommen worden. In einem umfassenden Wert sollen die wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen der Geschichte des Weltkrieges mit größtmöglichster Vollständigkeit dar gestellt werden. Damit wird ein Geschichtswert geschaffen, das gerade diejenigen Momente beleuchtet, die in der Geschichtsschreibung der Kriege bisher immer zu furz gekommen ist. Die Absicht der Reichsregierung, die Reichstagsberatun gen hinauszuschieben, ist ein erster Versuch zur Ausschal= fung des Reichstages. Das ungewisse Schicksal des Reichsschulgesetzes und die sonstigen Differenzen innerhalb der Regierungsparteien scheinen die Reichsregierung auf diesen gefährlichen Weg gedrängt zu haben. In der Entschließung der Sozialistischen Arbeiterinternationale gegen die Todesstraße ist bei der llebermittlung aus Brüffel der Hinweis auf„ die zahlreichen Exekutionen in Rußland" fehlerhafterweise ausgefallen. Er ist vor„ Georgien und China" einzufügen. daran, den Krieg nachbrüdlicher, gründlicher zu be fämpfen als durch hohlen oratorischen Aufwand." Und Sering schreibt an den Herausgeber: Diese gigantische Arbeit wird nicht nur einen einzigartigen Beitrag zu der Geschichte der Gegenwart darstellen, sondern es wird ihr auch eine starke Bersöhnungstraft innewohnen." Naturkatastrophen. Ursachen und Wirkungen der Wirbelstürme. Immer um die Monate September/ November herum erreichen Interessanterweise reichen die Anfänge bis 1911 zurüd. Man uns Nachrichten von gewaltigen Naturkatastrophen, die sich auf der beabsichtigte damals, die Folgen des Krieges auf Leben und Zivili- anderen Hälfte der Welt ereignet haben. A merita und Japan sation einem Studium zu unterziehen, und viele Beiträge waren sind es, die vorzugsweise von solchen Katastrophen erreicht werden. schon in Vorbereitung, als der Weltkrieg ausbrach. Inzwischen haben So auch jeht. Fast gleichzeitig tommt sowohl aus Merito wie aus die gewaltigen Ereignisse ein Material zu dem Thema geliefert, das Japan die Nachricht, daß dort Tausende von Menschenleben dem alles historische Material in den Schatten stellt. Die Untersuchung furchtbaren Wüten des Wetters zum Opfer gefallen sind. In Merito gilt nunmehr den sozialen und wirtschaftlichen 3u hat eine Springflut in einer Ausdehnung von über 1000 Meilen sammenhängen des Weltkrieges. Man schäßt das ganze Städte zerstört, und in Japan ist ein Taifun über die Insel Wert, das darüber zustandekommen soll, auf 175 Bände. Zum Kiushu hinweggebrauft und hat dabei 1200 Menschen getötet. Herausgeber wurde Professor Shotwells gewählt, und in den verschiedenen Ländern der Welt wurden Beratungsausschüsse eingepflegen, Die Regelmäßigkeit, mit der solche Katastrophen hereinzubrechen febt; für einige kleine Nationen wurden an Stelle eines Ausschusses pflegen, legt die Frage nach den Ursachen nahe. Lehte Klar fent; für einige fleine Nationen wurden an Stelle eines Ausschusses heit hat auch die Meteorologie nicht erlangen tönnen. Die Theorien, Einzelpersonen für die Sammlung des in Frage stehenden Materials verantwortlich gemacht. Unter den Mitgliedern der Beratungsaus die man bislang darüber aufgestellt hat, sind noch nicht bis in die schüsse befinden sich bekannte Nationalökonomen und Staatsmänner, legten Einzelheiten hinein hieb- und stichfest. 3. B. Herriot, der frühere Premierminister Frankreichs, Masaryk, der Präsident der Tschechoslowakei, mag Sering, Leiter der technischen Wirtschaftsabteilung im deutschen Kriegsministerium, Safatani, früherer Finanzminister Japans, Gustav Bauer, früherer deutscher Reichskanzler, W. H. Beve rage, Direktor der London School of Economics, und Raynes, der Leiter der Bewegung für die Revision des Versailler Vertrages. Die Aufgabe der Beratungsausschüsse ist es, das in ihrem Lande gesammelte Material in einer zur Veröffentlichung geeigneten Form in Monographien vorzulegen. Diese Monographien tönnen sein: 1. spezielle Studien einzelner Gebiete des nationalen Lebens, die in der betreffenden Landessprache veröffentlicht werden; 2. allgemeine Uebersichten über größere Fragenfomplere, die mit besonderer Rücksicht auf die Ansprüche der Leser in Ländern der englischen Zunge in diese Sprache übersetzt werden. Die aufzunehmenden Fragen werden nach Gesichtspunkten wie: Nationalökonomie, Produktion( industrielle und landwirtschaftliche), Handel und Transport, Finang, Berbrauch, Boltsgesundheit usw. zusammengestellt. Es soll auch herausgearbeitet werden, in welchem Grabe zu Kriegszeiten das soziale und ökonomische Leben, der neutralen Länder dem in den friegführenden ähnlich ist. Die Aussprüche zweier Mitarbeiter zeigen die praktische Bedeutung des Wertes: Herriot, der mit einem Beitrag über die Wirtschaftsgeschichte der Stadt Lyon vertreten sein wird, schreibt: Bevor ich an die Arbeit gina, habe ich mich ernstlich bemüht, mir die Absicht, die unsere amerikanischen Freunde zur Veröffentlichung des Werkes veranlaßt, flarzumachen. Wenn ich sie recht deute, jo liegt ihnen Die verheerende Kraft der Wirbelstürme denn ein solcher hat die Springflut jeht in Merito bewirkt und der Taifun in Japan ist auch ein Wirbelsturm liegt viel weniger, so nimmt die Meteorologie an, in ihrer Windgeschwindigkeit, so groß diefe oft auch ist, als in einer gewiffen Saugwirkung, die den Wirbelstürmen innewohnt. Diese Saugwirkung wird dadurch ausgeübt, daß im Innern des Wirbels ein Bakuum, eine Art luftleerer Raum entsteht. Einen Beweis für diese Behauptung hat man in der Erscheinung, daß in solchen, von Wirbelstürmen verwüsteten Orten die Trümmer der Gebäude nicht in fich zusammengestürzt waren, sondern auf die Straße gefallen sind. Die Dächer werden von dem innerhalb der Häuser herrschenden höheren Luftbrud in die Höhe gehoben und die Fenster und Mauern fallen nach außen. Daher auch die Tatfache, daß alle Hilfeleistungsaktionen die Straßen durch die vielen Trümmer so versperrt finden, daß sie zunächst gar nicht die eigentlichen Unglücksstätten, wo Menschen vergraben liegen, finden können. Die Wirbelstürme selbst erklärt man sich meteorologisch durch den Einbruch falter Luft aus nördlicher oder nordwestlicher Rich tung. der auf der nördlichen Halbfugel nach vorangegangener starter Erwärmung zur Entstehung solcher Wirbel mit ihrem luftleeren Kern führt. Wenn in dem Bereich der warmen leichteren Luft des äquatorialen Abschnitts die talte schwere Luft der Polargegend einbringt bekanntlich hat die Atmosphäre stets das Bestreben, in ihr vorhandene Druckunterschiede auszugleichen und ein vorhandenes Bakuum auszufüllen dann wird das atmosphärische Gleichgewicht gestört und diese Störungen äußern sich in Gestalt von Wirbeln, die sich über größere oder fleinere Gebiete fortpflanzen, bis es zu einem Ausgleich der Luftdruckunterschiede gekommen ist. Die falte Luft Der wieder einmal blamierte Ludendorff. Sein Feldzug gegen die Freimaurer. Am Sonntag berichteten wir über das neue Kriegsbeil, das fich Exzellenz Ludendorff in Ermangelung anderer Feldzüge herausgegraben hat. Gegen die Freimaurer will er es schwingen, und zu diesem Behufe ließ er schon auf dem Potsdamer Wer wolftage eine Broschüre vertreiben, die sich die Vernichtung der Freimaurer durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" zur erhabenen Aufgabe macht. Der Verlierer des Weltkrieges und Geschlagene vom Odeonsplatz scheint auch diesmal wieder auf die falsche Karte getippt zu haben. Denn er bekommt Antworten, die er sich wahrfcheinlich nicht hinter den Spiegel steden wird. Legthin waren in Hannover Stuhl- und Logenmeister der Freimaurer versammelt, und sie befaßten sich unter anderem auch mit der famosen Schrift unferes verflossenen Generalquartiermeisters. Das Ergebnis der Beratungen war ein offener Brief an Herrn Ludendorff, aus dem wir folgendes wiedergeben: ,, Ew. Exzeilenz haben in Ihrer Schrift Vernichtung der Freimaurerei" die Zehntausend von deutschen Männern, welche sich zu dieser bekennen, als intellektuell oder moralisch minderwertig hingestellt. Damit versuchen Sie, treu vaterländisch gefinnte Volksbrüder, die zum großen Teil an Ihrer Seite und unter Ihrer Führung für Deutschland geblutet haben, ehrlos zu machen. Wir legen gegen Ihre ganz unberechtigten, au meist auf groben Entstellungen beruhenden Angriffe fchärffte Berwahrung ein, in dem Bewußtsein, zu jeder Zeit, fret von allem 3wange, aus innerster Hingabe unsere Pflicht ebenso wie gegen die Freimaurerei auch gegen das gesamte Vaterland erfüllt zu haben. Solchen Männern Achtung und Vertrauen, die Grundlage jeder Boltsgemeinschaft, zu versagen, ist in der Todes= not des deutschen Volkes" ein Verbrechen am Vaterland. Hannover, am Tage von Sedan 1927. Freimaurerloge Niedersachsen." 102 Namen stehen unter diesem Brief. In der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um attive oder inattive Angehörige des also Exzellenz Ludendorff von seinen früheren Kameraden eine früheren Offizierstorps. Am Tage von Sedan" hat 3urechtweisung erhalten, die selbst ihm zu Nachgedanken Ber-wenn er zu solchen geistigen Anstrenanlassung geben müßte gungen noch fähig wäre! Protest des ADB. gegen die Schulvorlage. Der Bundesfongreß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nahm gestern einstimmig folgende Entschließung an: " Der zweite Bundestongreß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes erhebt Protest gegen den zurzeit vorliegenden Entwurf eines Gejeges zur Ausführung der Artikel 146 Abs. 2 und 149 der Reichsverfassung( Reichsschulgesetz). Dieser Entwurf verletzt die in der Reichsverfassung zugesicherten Beamtenrechte der nichtstaatlichen Mächten aus. deutschen Volkslehrerschaft und liefert die Volksschulen Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund setzt sich demgegenüber ein für die volle Wahrung der beamtenrechtlichen Stellung der Lehrerschaft, unabhängig von dem Religionsbekenntnis und der Weltanschauung. Dieser Entwurf führt zu einer Zerschlagung der deutschen Staatsschulen und wird dadurch dem Reiche wie den Ländern und Gemeinden große finanzielle Lasten aufbürden, obwohl für dringende soziale Aufgaben des Staates feine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dieser Entwurf ist auf der Grundlage einer Berfassungs. auslegung entstanden, die eine Berfaffungsänderung bedeuten wird. Daher lehnt der Allgemeine Deutsche Beamtenbund aus berufsgewertschaftlichen, beamten und ver fassungsrechtlichen Gründen den Entwurf des Reichsinnenministers v. Keudell a b. Der Bundeskongreß ruft alle freigemertschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten zur Beteiligung an dem Abwehrkampf auf und erwartet von den freiheitlich und fortschrittlich gesinnten Parteien des Reichstages schärffte Ablehnung dieses Entwurfes." aus der Polargegend hebt die warme Luft vom Boden ab und der Ausgleich vollzieht sich umso rascher, je größer die Druck- und Temperaturunterschiede zwischen der warmen Borderseite und der talten Rückseite des Wirbels find. Durch den raschen Aufstieg der warmen Luft und das schnelle Einströmen der kalten Luft entsteht dann ein Luftwirbel, in dem die Wolfen bis zum Erdboden reichen. Der Wirbel gleicht einem riesigen schwarzen Schlauche, der Wolken und Erde zu verbinden scheint. Die Schnelligkeit der Wirbelwinde ist sehr groß. Allerdings ift man nicht in der Lage, genaue Messungen zu machen, da die Gewalt des Sturmes jede Apparatur vernichtet. Bei dem großen Taifun in Manila im Jahre 1882 zeigte der Windmesser einige Setunden, bevor er dem Orfan zum Opfer fiel, eine Windgeschwindig= feit von 54 Metern in der Sekunde, was eine Stundengeschwindigkeit von 194 Rilometer bedeutet. Harry und Willy. Zum Streitfall Prinz Wilhelm von Preußen gegen den Malik. Verlag teilen uns die Vertreter des letzteren, die Rechtsanwälte Apfel und Bed, folgendes mit: Bring Wilhelm von Preußen hat bekanntlich gegen den MalikBerlag eine Klage erhoben, weil er sich dadurch beschwert fühlt, daß auf dem Innenumschlag des Buches Harry Domela, der falsche Prinz seine Photographie veröffentlicht worden ist. Die gericht Charlottenburg eingereichte Klage zielt nicht etwa auf Be im Auftrage des Prinzen von Rechtsanwalt Dr. Alsberg beim Amtsftrafung des Malit- Berlages, sondern beschränkt sich auf den Antrag, gericht Charlottenburg eingereichte Klage zielt nicht etwa auf Bedie Umschläge zu vernichten. Ueber die Berechtigung oder Nichtfungstermin entschieden werden, der demnächst stattfindet. Schärffter berechtigung dieser Klage wird in dem mündlichen Hauptverhandbas Amtsgericht Charlottenburg eingelegt werden. Zunächst hat der Protest muß aber gegen die Behandlung der Angelegenheit durch zuständige Richter, ohne unserer Mandantin Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, bereits vor dem Hauptverhandlungstermin eine Beschlagnahme des Umschlages verfügt, obwohl er darauf aufmerksam gemacht worden ist, daß in diesem Falle die Beschlagnahme Dor Erlaß des Urteils gar nicht zulässig ist, weil es sich überhaupt um fein Strafverfahren, sondern lediglich um den sogenannten Bernichtungsanspruch auf Grund des Kunstschutzgesetzes handelt. Ferner hat der zuständige Richter uns, als wir zur Begründung der Beschwerde gegen den vorläufigen Beschlagnahmebeschluß die Atten einsehen wollten, die Akteneinsicht verweigert, weil ein neuer Antrag des Prinzen Wilhelm vorliege, durch dessen Kenntnisnahme der Untersuchungszwed gefährdet werden könne. Gegen diese Verletzung des gesetzlich gewährten Rechts auf Atteneinsicht werden wir die Beschwerde bei dem übergeordneten Gericht wie aber auch die Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landgerichtspräsidenten einreichen. Staatliches Schauspielhaus. Infolge Erkrankung des Herrn Wäscher muß die Uraufführung von Joachimson's Komödie Fünf von der Jazzbandauf den 20. d. Mts. Derlegt werden. Mahlers Sinfonie der Tausend" in Magdeburg. Die von der Deutschen Theater Ausstellung in Magdeburg veranstaltete Aufführung der Mahlerschen Sinfonie der Tausend" in Originalbejebung, die unter der Leitung von Generalmusikdirektor Prof. Mitoren steht, findet Sonntag, den 25. September, nachmittags 5 Uhr, in der Magdeburger Stadthalle statt. Die Abrüstung stockt vollkommen. Kein Fortschritt in Genf. V. Lcli. Genf. 14. September.(Eigenbericht.) Die Fortsetzung der Debatte im Abriistungsousschutz Hot noch deutlicher als bisher die Sackgasse aufgezeigt, in der das Abrtistungs« Problem zurzeit steckt. Der französische Standpunkt'fordert — darin kann nach der gestrigen Red« Paul Boncours kein Zweifel sein— erst Sicherheit und dann, nur dann Abrüstung: die Sicherheit aber liegt nur in der allgemeinen Ratifizierung des Genfer P r o t o t o l l s von 1S24, das man eventuell mit Rücksicht auf das britische Reich etwas mildern könnte. Der britisch« Standpunkt ist: Abrüstung ja, aber auf keinen Fall Ratifizierung des Genfer Protokolls. Diesen Standpunkt hat mit brutaler Deutlichkeit in der heutigen Sitzung der zweite englische Delegierte, Unterstaatssekretär Onslow, Nachfolger Lord Cecils, vertreten. Die-Rede Onslows war geradezu herausfordernd negativ und übrigens ganz kurz. Sie bestand eben nur darin, innerhalb weniger Minuten dreimal zu betonen, datz Chamberlain schon alles gesagt hätte, was England über dies« Frage denk«, und dah daher jede Wiederholung überflüssig s«. Die Rede gipfelte in den Sätzen: Trohbritannien wird nichts den Garantien und Äbrpflichtungen hinzufügen, die es bereits übernommen hat. Eine neue Diskussion des Genfer Protokolls wäre zwecklos und sogar gefährlich, denn sie würde nur die unüberbrückbaren Gegen- sätze wieder einmal zeigen. Eine brutalere Antwort auf den gestrigen verzweifelten Der- such Boncours, dieses Problem unter möglichster Schonung des britischen Standpunktes wieder auszurollen, ist gar nicht denkbar. Was nun? B e i�n st o r f f. Deutschland hat am Schluß der Sitzung eine kurze und eindrucksvolle Red« gehalten, die natürlich keinen Ausweg weisen konnte, die aber sehr kräftig und mit starker Logik dagegen Einspruch erhob, daß man wegen des englisch-fran- zösischen Gegensatzes die Hände in den Schoß lege und die Lösung des Abrüstungsproblems auf unbestimmte Zeit vertage. Graf Bernstorff erklärte zunächst, daß er wegen der besonderen Lage Deutschlands(als eines bereits abgerüsteten Staates) nicht zu den verschiedenen Abrüstungsvorschlägen Stellung nehmen wolle:»Wir nehmen jede Art von Abrüstung an, wenn sie nur erfolgt/ Dann wandt« sich Bernstorff gegen die französische Theorie, daß die Sicherheit die Voraussetzung der Abrüstung sei:„Wir besitzen eine wirklich authentische Interpretation des Begriffs der Sicherheit, näm- lich einige Stellen aus dem von Clemenceau am 16. Juni 191S unterzeichneten Begleitschreiben zu den endgültigen Der- sailler Friedensbedingungen.- Änd nun lieft Bernstorff zur allgemeinen Verblüffung die Sätze des Schreiben» Elemenceau» vor. in denen es ausdrücklich heißt. daß Deutschland zuerst abrüsten müsse, und daß dann die übrigen Mächte„in voller Sicherheit" werden abrüsten können. 1926 sei der Stand der Sicherheit als genügend erachtet worden, um die Abrüstungskonserenz ins Auge zu fassen.„Deshalb vermögen wir nicht zu begreifen, wie man heute erNären kann, die Sicher- heit sei noch nicht genügend gewährleistet. Wir erklären, daß die Schiedsgerichtsbarkeit und die Sicherheit nur durch die Abrüstung., erzielt werden kany/ Also genau die gleiche For- mel, die Gengfle L6on Blum«uf dem Internationalen Kongreß von Marseille"prägte. Graf Bernstorfs fährt fort, er müsie ein« ernste Warnung aussprechen. Immer lauter werden die Stim- men unter den Völkern, die den Verdacht äußern, man gebrauche den Begriff der„Sicherheit" nur als Ausrede, um nicht abzurüsten. Bernstorff begrüßt die gestrige Anregung Bon- cours, alles aus dem Statut selbst herauszuholen, was darin entHallen ist und was bisher nicht verwirflicht wurde. Er verspricht ferner, Sokal die wärmste Unterstützung Deutschlands zum polnischen Autrag. Er wendet sich entschieden gegen den Gedanken einer Vertagung der für November wieder einberufenen vorbereitenden Abrüstung«- konferenz und fordert zum Schluß auf, endlich schnell und energisch zu handeln. Diese Rede, in sicherem und gutem Französisch vorge- tragen, hat starken Eindruck hinterlasien. Schon zu Beginn der Sitzung hatte ein Ungar das Argument der Sicherheit vom Stand- punkt eines anderen besiegten und bereit» einfettig zwangsabge- rüsteten Landes widerlegt:„Wer garanttert Ungarn Sicherheit? Man verweist uns auf den Artikel 19 des Völterbundsstatuts. Gut. Aber wenn dieser Arttkel für uns genügen soll, dann muß er auch die Sicherheit der anderen Staaten ausreichend gewährleisten!" Doch was nützt das alles, wenn der englisch« und französisch« Stand- punkt einander so schroff gegenüberstehen und keiner dem anderen entgegenkommen will? Was nützt der in der heutigen Sitzung von Nansen- Norwegen eingebracht« Antrag auf Erweiterung der Schiedsgerichtsbarkeit und auf Ratifizierung der sakultatioen Klausel des Haager Schiedsgerichtshofes durch all« Länder, ähnlich dem deut- schen Beispiel? Auch dieser Antrag ist bloß ein« Geste und wird in den Orkus wandern, nachdem England so deutlich er- klärt hat, daß es auf dem Gebiete der Schiedsgerichtsbarkeit keinen Schritt weiter als bisher gehen will. Gewiß trifft England ein ge- rütteltss Maß an Schuld, wenn das Problem der Abrüstung gegen- wärtig so vollkommen stockt. Aber auch Frankreich ist nicht frei von Verantwortung, wenn es diese britische Obstruktion zum Anlaß nimmt, zu erklären, es könne nicht abrüsten, solange England seinen Standpunkt nicht ausgegeben hat. tzeute Wahl ües Rates. Am Vorabend noch alles unklar. V. Leb. Genf, 14. September mitternachts.(Eigenbericht) Am Vorabend der Ratswahl ist die Lage noch völlig u n- geklärt. Die erhofften Zurückziehungen von Kandidaturen find nicht«rso�t. Es bewerben sich nach wie vor sechs Länder um drei Sitze. Verhältnismäßig am sichersten erscheint die Wahl Belgiens und Kuba». Die deutsche Delegation hat heute abend endgültig beschlossen, für Belgien, ungeachtet des jüngsten Zwischenfalls, zu stimmen: die übrigen Beschlüsi« werden erst morgen vormittag kurz vor der Wahl gefaßt werden. Auch Kubas Wahl dürfte gesichert sein, zumal die letzte Dollver- sammlung ausdrücklich versprochen hat, Lateinamerika stets drei Sitze zu gewähren. Derfuche, das Versprechen dahin auszulegen, daß es zugunsten von amerikanischen Ländern schlechthin abgegeben sei, und daß man daher den sreiwerdenden Sitz von San Salvador Kanada geben sollt«, stoßen aus energischen Widerstand. Kanada scheint die ollerwenigsten Aussichten zu haben, insbesondere wegen de» Argument», daß das britische Reich nicht zwei Sitze im Rat haben dürfe. Dabei würde ein« weitsichtige Politik«her dafür sprechen, daß man Kanada unterstütze, denn seine Wahl würde einen weiteren Schritt auf dem Wege zur Selbständigkeit der Dominien, d. h. der Auflösung des britischen Reichs bedeuten. Das weih England am allerbesten und deshalb unterstützt es Kanadas Kandidatur nur zum Schein; Chamberlain erklärt„im vertrauen" jedem, der es hören will, daß ihm dies« Kandidatur äußerst unbequem ist. Bleiben für einen einzigen freiwerdenden Sitz, nämlich den der Tschechoslowakei, nicht weniger als drei Bewerber: Finnland, Portugal und Griechenland(und wenn man Kanada hin- zurechnet, sogar oierl). Griechenland hat sich durch das Austreten von Politis, der fein eigenes Wert, das Genfer Protokoll, ver- leugnete, um seine Aussichten gebracht. Außerdem wird dort zu» viel geputscht und man weiß nie, wer nach drei Monaten t» Genf die Athener Regierung vertreten würde. Dasselbe gilt aller- dings auch für Portugal, doch treten verschiedene Staaten dafür ein, daß man durch eine Wahl Portugals eine freudige Geste für Brasilien und Spanien mache und damit deren etwaige Rückkehr erleichtere. Bleibt Finnland, das die meisten Aussichten haben soll. Merkwürdigerweise machen sich aber bei Deutschland Widerstände gegen Finnland bemerkbar. Einmal, weil Finnlättii. Medeicholt' Anträge gegen jede Abschwächung des Artikels 16 eingebracht hat, die als eine bewußte Unfreundlichkeit gegen den Standpunkt der Reichsregierung empfun- den wurden, andererseits, weil man vermeiden möchte, daß Ruß- l a n d dadurch verstimmt werde, daß drei seiner Nachbarstaaten im Völkerbundrat sitzen(Rumänien, Polen und Finnland). Wenn es zutrifft, daß Rußland(allerdings nicht in offizieller Form) bereits in diesem Sinne Vorstellungen erhoben hat, so wäre ein solcher Schritt um so lächerlicher, als zurzeit in Finnland eine sozialdemokratische Regierung am Ruder ist— mit Unter- stützung der Kommunisten! Deutschland sollte sich auf keinen Fall durch solche allzu weitgehenden Rücksichten auf Sowjetrußland be- einflussen lassen, zumal es damit nur die standinavische« und baltischen Länder verstimmen würde, die zurzeit ohne Vertretung im Rat sind und die Finnlands Kandidatur bereits im Vorjahre ohne Erfolg unterstützt haben. Verschleppung der Beschwerden des Memellnndes. Genf, 14. September. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras ist noch Rom abgereist. Er wird seine Verhandlungen mit Dr. Strescman» über die allgemeinen zwischen Deutschland und LItaum schwebenden Fragen bei seiner Rückreise Ende des Monats in Berlin fortsetzen. Die letzten memelliindischen Beschwerden werden im Ein- vernehmen mit den Memelländern vorläufig nicht zur Erörterung vor den Völkerbundsrat gebracht, sondern ebenfalls diesen direkten Verhandlungen vorbehalten. Deutschnationale Kandidaten. Ein Musterprogranrm. zius Hamburg wird berichtet, daß unter den deutschnationalen Kandidaten zur Bürgerschaftswahl sich auch der Unioersltätsprofessor P a s s a r g e befindet. Dieser Mann muß auf die Deutschnationalen eine besondere Anziehungskraft ausgeübt haben. Denn fein p o l i- tische? Programm, das er in einer Schrift entwickelt hat, ist so seltsam, daß es nur bei den Deutschnationalen Anklang finden kann. Er verlangt unter anderem, daß in Deutschland alle Industriezweige aufgegeben werden, deren Rohstoffs von auswärts«ingeführt würden. Zweitens müßte die Einfuhr von Lebensmitteln untersagt werden, damit der Ueberschuß der Bevölkerung durch Hungersnot b e f e i- t i g t würde. Weiter fordert er ein Verbot aller Maß- nahmen gegen Seuchen, Verbot aller Impfungen und freies Walten aller die Großstädte„reinigenden" Epidemien. Natürlich tritt er auch für die Abschaffung der sozialen Fürsorge und aller sonstigen den„Kampf ums Dasein schwächenden Gesetze" ein. Endlich müßte der Schulzwang und die allgemeine Schulbildung abgeschafft werden. Besonders die Abneigung Pasiarges gegen die soziale Fürsorge wird die Freude an seiner Kandidatur bei den Deutschnationalen gestärkt haben. Denn in der Feindschaft gegen die Sozialpolitik sind sie mit ihm gleichen Sinnes. Ob auch in seinen anderen„Fordenin- gen", das möchten wir einstweilen noch leise bezweifeln. yochverratsprozeß gegen KPD.-Zentrale. Monstrcprozeff gegen acht Reichstagsabgeordnete. Leipzig, 14. September.(Eigenbericht.) Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Niedner will nach den Sommerferien und zwar ab 4. Oktober den Monstreprozeß gegen die KPD.» Z e n- trale durchführen. Angesetzt ist die Verhandlung, die mehrere Wochen dauern soll, gegen die kommunistischen Reichstagsabgeordneten Froehlich, H eckert, Koenen, Remmele, Lin- bau, Kaiser, Schmidt, Stoecker und den früheren Reichstagsabgeordneten Schumann. Es ist jedoch sehr Zweifel- Haft, ob d« Verhandlung.wirklich zustande kommt. Milüe Richter im �uchthausftaat�. Wenn Konservative ihn beschimpfe«. Man schreibt uns: �__ Dieser Tage hatten sich vor dem Schöffengericht in Stade lUnterelbe) der Referendar Budde aus Homburg und der 39jährige Schriftleiter de«„Nordhannoverschen Landboten" in Zeven, Ernst August Meyer, wegen Vergehen« gegen das Repa» blikschutzges«tz zu verantworten. Budde hatte in einem Artikel von Preußen als von einem„Zuchthausstaat" gesprochen, der vor einer bestialischen Marterung des hannoverschen Volkes nicht zurück- ichrecke. Er hatte dabei auch in der niederträchtigsten Weise die preußischen Landesfarben herabgesetzt. Der Schriftleiter Meyer war für die Aufnahm« des Artikel» preßgesetzlich verantwortlich und stand infolgedessep ebenfalls unter Anklage. Der Staatsanwalt beantragte gegen Budde eine Gefängnis- ft-rof* von drei Monaten und gegen Meyer eine Geldstrafe �.„Höhe von 600 M. Das Urteil lautete gegen Budde an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen auf eine Geld» strafe in Höhe von 600 M., und gegen Meyer, der wegen Beleidi- gunq schon vorbestraft ist, auf zwei Wochen Gefängnis bzw. 300 M. Geldstrafe. Die Angeklagten nahmen da« Urteil an, während sich der Oberstaatsanwalt die Entscheidung vorbehielt. Budde steht in den Diensten des Hamburger Senats. Das Genfer Protokoll. Macdonald eröffnet eine Wiederbelebungsaktion. London, 14. September.(Eigenbericht.) Ramfay Macdonald hat im„Daily Herald" und im „Manchester Guardian" folgende Dorschläge veröffentlicht: 1. ein Völkcrbundsausschuß soll das Genfer Protokoll von 1924 prüfen und eventuell ergänzen: 2. Befragung der Dominien. eventuell einer Reichskonferenz über die Verpflichtungen des britischen Reiche» im Falle einer Annahm« des Protokolls. In einem Interview darüber stellt Lord Parmour, der britischer Völkerbundsoertreter der Arbeiterregierung war, fest, Chamberlains jüngste Rede in Genf sei auf eine„aggressive Weise unglücklich ge- wesen". Es sei nunmehr an der Zeit, einen energischen Feldzug für das Protokoll zu entfalten. Lord Parmour protestiert aufs nachdrücklichste gegen die Auffassung Chamberlains, daß der Zerfall des britischen Reiches zu befürchten wäre, wenn die im Protokoll vorgeschriebene Friedenspolitik verwirklicht würde. In ähnlicher Weise spricht sich der Vorsitzende der sozialistischen Arbeiterinter- nationale H e n d« r s o n, der bei der Fasiung des Protokolls ent- scheidend mitgewirkt hat, aus. Er betont, daß die Vorschläge des Protokolls gewiß nicht das letzte Wort darstellten, aber seinerzeit das gebührende Interesse und die Aufmerksamkeit Großbritanniens gefunden hätten. Die Verfasier des Protokolls hätten versucht, den Nationen klarzumachen, daß eine umfassendere Anwendung des Prinzips der Schiedsgerichtsbarkeit eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit der Nationen sei. Ohne diese Sicherheit stelle die Forderung nach Entwaffnung keinen praktischen Vorschlag dar. Deutscher Ratschlag in Moskau. Zum Rakowski-Konflikt. Paris, 14. September.(Eigenbericht.) Der Kopenhagener Korrespondent des„Intransigöant" will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß am 1. September nach heftigen Debatten im Kreml beschlossen worden fei. den Pariser Botschafter Rakowski zu desavouieren, ihn aber keinesfalls abzu- berufen. Tschitscherin habe, um die D-savouierung durchzusetzen, dringend auf das Zureden des deutschen Botschafters Lrockdorff- Rantzau hingewiesen, der erklärt habe, daß ein Bruch zwischen Frankreich und Sowjetrußland schwer« außenpolitische Gefahren für Deutschland bringe. Tschitscherin habe betont, er habe seiner- zeit Rakowski dringend geraten, das bewußte Manifest der 3. Inter- nationale nicht zu unterzeichnen. Dieser habe aber auf Drängen Trotzkis das Manifest doch unterzeichnet. Zuletzt habe Tschitscherin mit seinem Rücktritt gedroht, falls der Pariser Bot- schcrster nicht desavouiert werde. Tagung öer Sozialpolitiker. Sejpels Zukunftsmusik. Wien, 14. September.(Eigenbericht.) Am Mittwoch trat hier die Generalversammlung der Der- einigung für sozialen Fortschritt in Wien zusammen. Aus Deutschland waren für das Reichsarbeitsministerium anwesend Ministerialdirektor Dr. Grieser und Ministerialrat Dr. Feig, für das bayerische Ministerium für soziale Verwaltung Professor Dr. Kahn, außerdem Vertreter der deutschen Wissenschaft sowie der Gewerkschaften. Die Tagung wurde von dem Vorsitzenden Dr. Renner mit einem Rückblick auf die Geschichte der Verein!» gung eröffnet. Dann sprach Bundeskanzler S e i p e l, der im Gegen- satz zu seiner wirklichen Politik erklärt«, der Zweck des Staates sei die soziale Wohlfahrt, und es werde einmal alle Politik Sozialpolitik fein. Schließlich überbrachte Bürgermeister S« i tz die Grüße der Stadt Wien und lud die Delegierten zu einer Besichtigung der prakttsch-sozialen Einrichtungen der Gemeinde Wien ein. Für das Internationale Arbeitsamt sprach in Bertretung des verhinderten Direktors Albert Thomas der Abteilungsdirektor für soziale Verwaltung. Fuß. Für den Internationalen Gewerkschafts- bund begrüßte Bundesrat Schorfch die Versammlung. Di« Vor- mittagssitzung war mit weiteren Begrüßungsansprachen ausgefüllt. Nachmittags hielt Professor Hey de ein Referat über die Be- rotungen des Arbeitsausschusses zur Untersuchung der Z u s a m- menhänge von Arbeitszeit und Arbeitsleistung. Dieser Arbeitsausschuß ist ein Unterausschuß der von der deutschen Reichsregierung eingesetzten Enquetetommission. putschkönig und parteigrünöer. Faschistengarde auch in Persien. Die Gründung einer Faschistenpartei in Persien ist unter dem Vorsitz des Schahs Riza Khan und im Beisein sämtlicher Minister im königlichen Palast vollzogen worden. Die Partei ist vollkommen nach italienischem Muster organisiert, ihre Mitglieder sind in der Hauptsache jüngere Beamte, Studenten und Offiziere. Sie werden in Kürze«ine Uniform erhalten, die«in« Uebertragung des italienischen Schwarz- Hemds ins Orientalische darstellen soll. Diese Organisation soll die Haltung der Bevölkerung der an Sowjetruh- l a n d grenzenden Provinzen kontrollieren, deren Sympathien mit dem gegenwärtigen persischen Regime noch immer nicht sehr groß sind. Die Militärkommisiion in Tauroggen will festgestellt hoben, daß die Aufständischen unter der Leitung der sozialistischen Partei gestanden hätten. Der Kriegsminister hat bei der Regierung angeregt, über das ganz« Land den Belagerungs- zustand zu verhängen. Der verschwundene polnische General Zagorskl ist jetzt in Paris. Er hat durch einen Danziger Bekannten seine Septemberbetträg« für den Unterstützungsfonds der Hinterbliebenen der polnischen Flieger nach Warschau überwiesen. Die Beschlagnahme von Sp'engstossen aus dem deutschen Dampfer„Bertram Rickmers", wogegen der deutsche Generalkonsul Einspruch erhoben hatte, ist von der Nankingregierung wieder auf- gehoben worden. Bundeskongreß des ADB. Dr. Köhler brüskiert die Gewerkschaften. Nach der sehr ausgiebigen Debatte, die sich dem Referat des Genoffen Dr. Bölter anschloß, wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, in der insbesondere die in der neuen Be soldungsreform vorgesehene Vermehrung der Zahl der Besoldungsgruppen scharf abgelehnt wird, sowie die scharfe Trennung der einzelnen Laufbahnen, die Einführung von Stellenzulagen, die Berlängerung der Aufrüdungsfristen innerhalb der Gruppen, die Befeitigung der sogenannten Verzahnung und die Trennung zusammen gehörender Besoldungsgruppen, die beabsichtigte teilweise Verschlechterung des Besoldungsdienstalters, die Verkürzung der Bezüge der ledigen Beamten, die Beibehaltung des Systems des Wohnungsgeld zuschusses, die geplante Verkürzung der örtlichen Sonderzuschläge, die geringere Aufbesserung der Diätare und die Herabsehung der Prozentfäge der Diätarvergütungen und die Absicht, die Ruhegehalt- und Wartegeldempfänger nicht in die neue Besoldungsordnung zu überführen. Entsprechend dem Vorschlag der zur Vorbereitung der Bor standswahl eingesetzten Kommission wurden einstimmig zu befoldeten Vorstandsmitgliedern die Genossen Faltenberg, Kozur, Dr. Bölter und Händeler wiedergewählt. Als Tagungsort des nächsten Bundeskongresses wurde einstimmig Mün chen festgesetzt. Nach der Erledigung der äußerst reichhaltigen Tagesordnung ergriff Genosse Falkenberg das Schlußwort. Auf diesem Kongreß, so führte er aus, hat die Besoldungsfrage nicht nur im Vordergrunde gestanden, sondern alle Verhandlungen überschattet. Lohnkonflikt in den Konditoreien. Die Unternehmer wollen nicht zahlen. Von Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverband wird uns geschrieben: Sonderbare Heilige find die Konditoreibefizer. Nachdem der Deutsche Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverband, Sektion Konditoren, den bestehenden Tarifvertrag nebst Lohnabkommen gekündigt hat, lehnt die Konditoreninnung Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Vertrags ab, mit der Begründung, daß der Gemertverein mit demselben Tarif zufrieden sei und nicht gekündigt hätte. Der Gewerkverein ist innerhalb des Konditoreipersonals ein ganz unbedeutendes Grüppchen. Wir haben uns stets geweigert, gemeinsame Tarifverhandlungen mit ihm zu führen. Die Innung versuchte bei den letzten Verhandlungen mit allen Mitteln, den Gewerkverein mit heranzuziehen, sie wußte schon warum; aber selbst ein Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses fonnte uns nicht dazu veranlassen. Die Innung hat einfach dem Gewerkverein den mit uns abgeschlossenen Vertrag vorgelegt und der Gewerkverein hat Ja gesagt. M. Nach der Erledigung einiger zur Frage der Besoldung vorliegender Anträge wurde u. a. auch eine von der Gewerkschaft DeutAlso weil in solch sonderbarer Tarifkontrahent zufrieden ist, scher Volkslehrer eingebrachte Entschließung zum Reichsschulgesetz glaubt die Innung, Verhandlungen aus dem Wege zu gehen. Bereinstimmig angenommen, die wir an anderer Stelle veröffent- handlungen über Löhne lehnt sie ebenfalls ab, da nach ihrer Meilichen. nung die jetzigen Tariflöhne die allgemeinen Handwerkerlöhne überragen. Dabei beträgt für Konditoren, also gelernte Handwerker, der tariflich festgesetzte Lohn im Durchschnitt noch nicht 98 Pf. pro Stunde da, wo er gezahlt wird. In vielen Fällen haben wir bedeutend niedrigere Löhne festgestellt. Erst vor einigen Wochen mußten wir gegen einen Betrieb vorgehen, in welchem die Verfäuferinnen für 30 Monatslohn wöchentlich 119 Stunden arbeiten mußten. Dabei bezahlen die Konditoreibesizer einem großen Teil des Personals überhaupt feine Löhne. Das Publikum muß durch den Bedienungsaufschlag das Personal selbst entlohnen, wovon noch einzelne Konditoreibefizer von den Prozenten ihren Anteil verlangen. Daß dabei die meisten Konditoreien noch besonders sich durch Lehrlingsaus- bildung und Einstellung von sogenannten„ Volontären" hervortun, nur nebenbei. Wir werden selbstverständlich mit allen Mitteln auch die Meister der süßen Zunft zu Verhandlungen veranlassen. Das Personal muß aber immer mehr darauf bedacht sein, daß seine Interessen nur durch den Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiterverband, Sektion Konditoren, vertreten werden. Der Reichsfinanzminister ist nicht erschienen, entgegen seinem ursprünglichen Versprechen. Wir haben Berständnis für die Arbeitslast eines Ministers, insbesondere eines Reichsfinanzministers während einer Besoldungsreform. Wenn der Herr Minister seine Abwesenheit mit leberlastung begründet hätte, wäre das noch zu verstehen gewesen. Wir leben befanntlich in der Zeit des parlamentarischen Systems. Heißt das etwa, daß der Teil des deutschen Volkes politisch trocken gelegt wird, dem eine am Ruder befindliche Koalition nicht paßt? Heißt diese Art zu regieren, daß die Schichten der Arbeitnehmer, die nicht übereinstimmen mit der Grundmeinung einer bestimmten Regierungsfoalition, zu gewerkschaftlicher Abstinenz gezwungen werden sollen? Drud erzeugt Gegendrud. Es geht vorwärts! Boraussetzung ist Solidarität und Organisation. Im Hüttenwert Ginsberg in Oberschöne meide hatte Diese Methode wird die Opposition mehr feftigen als irgendeine sach- der Deutsche Metallarbeiterverband keinerlei Verbindung. Seit liche Unfreundlichkeit auf dem Gebiete der Besoldungsreform, und einigen Wochen stand die Belegschaft mit der Firma in Lohnverzwar um so mehr, wenn erst die Auswirkungen dieser Behandlungen. Die Zulage, die die Firma bei einzelnen Gruppen geben wollte, lehnte die Belegschaft ab. foldungsreform dem heute noch in einer Art Zulagenpinchose be= fangenen Beamtenschichten klar geworden sein wird, daß ihr Optimismus ein grundlegender Irrtum war.( Sehr richtig.) Wir können bei dieser Methode nichts verlieren. Dennoch bedauern wir diesen Zustand, weil er die Interessen der vorwärtsstrebenden Beamtenschaft gröblichst verlegt. Auch auf diesem Kongreß ift, wie auf dem ersten Bundeskongreß, von der Notwendigkeit der Festigung der Republik gesprochen worden. Heißt das etwa Festigung der Republik, wenn man die elementarsten Grundfäße des Rechtes der Mitwirkung der Beamten unterbindet? Wir gebrauchen eine Pragis, die allen zeigt, daß wir nicht nur denken, sondern auch handeln können! Eine unserer Hauptaufgaben der nächsten Zeit wird es sein, die Fähigkeit aller in der Handhabung der geistigen Waffen auf den höchsten Punkt zu entwickeln. Darum nur fein Schwanken und bängliches Zaudern und vor allem feine Konjunktursuggestion. Wer in der Politik steht, weiß, daß es auch in ihr heißt: heute rot, morgen tot.( Sehr gut!) Wir mollen weder Weltverbesserer in Wolfenfuckucksheim sein, noch uns abschließen von Andersdenkenden. Wir rufen im Gegenteil alle, die gleich uns denken, auf, auch mit uns zu handeln. Konflikt im rheinischen Braunkohlenbergbau Um den Achtstundentag. Die Verhandlungen, die von den Gewerkschaften mit den Unternehmern im rheinischen Braunkohlenbergbau auf Grund der Kündigung des Arbeitszeitablommens für das lints= rheinische Braunfohlenrevier geführt wurden, find infolge der Unnad giebigkeit der Unternehmer gescheitert. Die Erbitterung in den Kreisen der Bergarbeiter ist außerordentlich start. Es ist damit zu rechnen, daß die Hartnäckigkeit der Unternehmer einen schweren Rampf- heraufbeschwört. Wenn es nicht gelingt, bis zum 1. Oftober ein annehmbares Berhandlungsergebnis zu erzielen, dann werden auch im rheinischen Braunkohlenbergbau Arbeitsniederlegungen im größten Maßstabe unvermeidlich. Verhandlungen in der Herrenkonfektion. Die Unternehmer auf hohem Roß. Im Reichsarbeitsministerium haben am Mittwoch Schlichtungsverhandlungen zur Neuregelung der Löhne der Herrentonfettion begonnen. Die vorausgegangenen Verhandlungen der Parteien waren nur rein formaler Natur, da die Unternehmer von vornherein erklärten, fich mit den Arbeitern nicht einigen zu können. Irgendein Angebot wurde von den Unternehmern bei den Parteiverhandlungen nicht gemacht. A Geister- Beschwörung. ,, Bin erschienen, euch zu sagen, wenn euch Hühneraugen plagen, nehmet ,, Lebewohl"*!" *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Hühneraugen Lebewohl und Lebewohl. Ballenscheiben, Blechdose( 8 Pflaster) 75 Pfg, Lebewohl Fußbad gegen empf ndliche Füße und Fußschweiß, Schachtel ( 2 Bäder) 50 Pig.. er ältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echte Lebewohl in Blechdosen d weisen audere, angeblich ebenso gute" Mittel zurück. Der Deutsche Metallarbeiterverband wurde darauf hin angerufen. Er hat eine Verhandlung herbeigeführt, wo folgendes Ergebnis erzielt wurde. Vier Prozent auf die bestehende Afforde, 6 Pf. auf den bestehenden Lohn für In Betracht kommen 250 alle in Lohn stehenden Arbeiter. Kollegen. Dieses wurde in einer Versammlung angenommen. Die Kollegen verpflichteten sich, allesamt dem Deutschen Metallarbeiterverband beizutreten. Verschärfung in Solingen. Ausdehnung des Streifs. Solingen, 14. September.( WTB.) Die von dem Arbeitgeberverband der Solinger Metallindustrie angebotene Lohnerhöhung ist vom Deutschen Metallarbeiterverband und den streifenden Belegschaften abgelehnt worden. GleichEEEEEE* 9999* Unserem Genoffen Felix Hildebrandt Cauerftr. 29, zum 60. Geburtstage und gleichzeitig zu seiner 30 jährig. Parteizugehörigkeit die herzlichften Glückwünsche Die Genossinnen und Genossen der 54. Abt. 999** EEEEEE Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Werkzeugmacher Heinrich Löther am 11. September gestorben ift. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 16. September, 161, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ferner verstarb unser Kollege, der Former Heinrich Niedting am 12. September. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 16. September, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Wo speist man Achtung! Feilenarbeiter Achtung! gut n.billig? Nur Donnerstag, 15. September, nachGroß- Berlin mittags 5 Uhr, im Sigungsfaal bes Alexanderplatz. Berbandshauses, Linienfte. 83/85 Krause- Pianos zur Miete W: 0, Ansbacherstr.1 Branchenversammlung Tagesordnung: Der Erfolg unserer Lohnforderungen. Das Erscheinen aller Kollegen ist bringend notwendig. Achtung! Berwaltungsmitglieder! Am Freitag, dem 16. Geptember, leine Sigung der Mittleren Orts verwaltung. Die Ortsverwaltung. ÖFEN Gegen zeitig wurden die Berhandlungen afs gefettert bezeichnet. Die Streifenden wollen für die 20prozentige Lohnerhöhung meiter tämpfen. Die Belegschaften einiger meiterer Betriebe find inzwischen in den Ausstand getreten. Nochmals„ Hilfsaktion für die Beamten". In Nr. 400 des Vorwärts" gaben wir einer Beschwerde darüber Raum, daß im Preußischen Statistischen Landesamt die Zahlung von Unterstügungen abgelehnt worden sei. Hierzu erhalten wir jetzt vom Betriebsrat in diesem Amte( gez. Ernst Sieber) folgende Berichtigung: ,, Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der Vizepräsident öpfer die Auszahlung der Unterstützungen abgelehnt hat. Wahr ist, daß der Vizepräsident, der von sich aus ohne weiteres weder Unterstützungen gewährt noch ablehnt, beim MdI., der einzig und allein dafür zuständigen Stelle, vor Monaten um Erhöhung des erschöpften Unterstützungsfonds bat. Wahr ist, daß darauf das Ministerium im August in einem Erlaß die Amtsleitung anwies, sich bei der Befürwortung von Unterstügungsgesuchen äußerste Zurückhaltung aufzuerlegen, da die da= für vorhandenen Mittel trotz der Erhöhung von 25 Proz. verausgabt seien. Es entspricht auch nicht den Tatsachen, daß der Vizepräsident es rundweg abgelehnt hat, alle Unterstügungsgesuche weiterzugeben. Wahr ist, daß der Bizepräsident mit Rücksicht auf den Erlaß des Herrn Ministers mitgeteilt hat, daß er zu seinem Bedauern nunmehr den größten Teil der Gesuche nicht weitergeben kann. Wobei zu berücksichtigen ist, daß mehrere 100 Gesuche eingegangen waren. Es interessiert vielleicht, wenn wir Ihnen nachstehend die ip Haushaltsetat bewilligten Unterstützungen für Angestellte und amte ohne jeden Kommentar gegenüberstellen: für Angestellte: M. 2064, erhöht um 25 Proz. M. 2580, für Beamte: M. 2800, erhöht um 50 Proz. M. 4200, für ca. 1100 Angestellte für ca. 110 Beamte. Die Erregung der Angestellten gegen den Herrn Minister zu Tenten fann unmöglich beabsichtigt worden sein, eine solche besteht auch bei den Angestellten gar nicht. Wir sind der Meinung, daß die in der Notiz angezogenen, dem preußischen Innenminister nicht holden Kreise selbstverständlich außerhalb des Statistischen Landesamts zu suchen sind." Diese Meinung des Betriebsrats im Preußischen Statistischen Landesamts fönnen wir nach allen Erfahrungen leider nicht teilen. Deutscher Textilarbeiterverband. Heute 19 Uhr in den Musiker- Festsälen, Raiser- Wilhelm- Str. 31( Börsenjaal), öffentliche Versammlung der Fertil heimarbeiterinnen. Vortrag der Kollegin Elf Niewiera, Gewerbeinspektorin a. D.:„ Das Heimarbeiterschuhgeseh." Heimarbeiterinnen der Textilindustrie, Jugendgruppe des ZDA. Heute, Donnerstag, 19% Uhr, findet folgende wahrt eure Rechte, erscheint zur Versammlung! Die Arbeiterinnen kommission. Beranstaltung statt: Bezirk Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15, Hofgebäude, 1 Tr., Thüringenzimmer. Bunter Abend. Ab 19 Uhr Spielen auf der Spielwiese im Schillerpart. Rasenspiele, Boltstänze, Ballspiele. Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Heute 19% Uhr tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Nordstr. 11( Fabrikgebäude). Legter Uebungsabend vor dem Elternabend. Röpenid: Gruppenheim Jugendheim Grünauer Str. 5. Lichtenberg: Gruppen. Diskussionsabend:„ Warum freie Gewerkschaftsjugend?" heim Jugendheim Parkaue 10. Bolkstanzabend. Tempelhof: Gruppenheim Lyzeum Germaniaftr. 4-6. Vortrag: Berufsschule und Gewerkschaften." Südosten: Gruppenheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Bortrag: Die Gesundbrunnen: Gruppenheim Rote Schule, Gotenburger Straße. Ein schnurriger Abend. Zeppelinplag: Jugendheim Bedeutung der Ozeanflüge. Turiner, Ede Geestraße. Wir üben neue Tänze. Humboldt: Gruppenheim Jugendheim Graun, Ede Lorgingstraße. Literarischer Abend. Baumschulen. weg: Spielen auf dem DMB.- Sportplag. Die Bibliothek ist morgen, Freitag, Don 16-19 Uhr geöffnet. Sprechchor: Die zum Mittwoch, 21. September, angefegte Probe muß umständehalber ausfallen. Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: G. Alingelhäfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich) in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger U Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen, Unterhaltung und Wiffen" und Frauenstimme". Die kleine Schallplatte Marke Regia Marke Truso 15cm Durchmesser Kinder Sprechapparat 275 für 15- und 18- cm- Platten, mit auswechselbarer Feder, solide Ausführung.. Kinder Sprechapparat 750 mit einer ,, Hertie"- Schallplatte, 25 cm ,, Hertie"-Spezial- Platten 90 Pt. 225 30 cm 18 cm Pf. 25 cm Grosse Auswahl 325 Steter Eingang von Neuheiten 50 Modernes reichhaltiges Programm 12 HERMANN TIETZ Monatsraten Raddatz Berlin, Leipziger Str. 122-123 Leipziger Strasse* Alexanderplatz+ Frankfurter Allee Bells- Alliance- Strasse* Brunnenstrasse Kottbuser Damm+ Wilmersdorfer Strasse* Andreasstrasse* Chausseestrasse !tr. 436 ♦ 44.?o{)r0öö0"1 ♦ öö9 do«nsrsta0, 15. September 7427 Automaten Zum wochenmöe! '(fityyipdC'h){ßyüct Nach Ladenschluß gibt es in Dänemark Automaten für alles. Wieder einmal spielt sich der traditionelle Kampf zwischen volkswirtschaftlicher und sozialer Kurzsichtigkeit und dem technischen Fortschritt ab: Der Einzelhandel macht gegen die Absicht, in den Eisenbahnwagen S ch o k o l a de n- A u t o m a t e n aufzu- stellen, mobil, und hat in der Berliner Industrie, und Handels- kammer einen Verfechter seiner rückständigen Anschauung gefunden. Ganz abgesehen von dem Einzelsall der Versorgung des reisenden Publikums mit Schokolade(was, nebenbei gesagt, in der 4. Klasse oft durch Hausierer geschieht), ist die Frage der stärkeren Heran- Ziehung des Automaten zur Befriedigung notwendiger Bedürfnisse so, dah sie einer Erörterung im weitesten Kreise unterliegen sollte. Denn sie ist vor allem dazu bestimmt, die Möglichkeit eines wirk- lichen„Wochenendes* zu bieten. Wenn der Kleinhandel sich überzeugt, daß der Automat der„stumme Diener* seines Geschäftes ist— was in anderen Ländern, wie z. B. in Dänemark, bereits der Fall ist—, so fällt da» letzte Motiv für seinen Widerstand gegen den Schluß des Ladens am Sonnabend mittag fort, nämlich die Sorge um die arme Hausfrau, die plötzlich am Sonnabend nachmittag entdeckt, daß ihr das Salz ausgegangen ist. Was der freie Sonnabendnachmittag bedeutet, weih jeder, der sein Wochenende in freier Luft verleben will. Die volle Ausnutzung des Sonntags für die körperliche Erholung wird erst dann gewährleistet, wenn man der Notwendigkeit enthoben ist, kostbare Sonntagsstunden für die Fahrt zu opfern. Die von der Ufa auf der Wochenend-Ausstellung gezeigte Tabelle gibt nun an, daß bei weitem nicht die Hälfte der Arbeitnehmer einen freien Sonnabendnachmittag hat. und daß die Verhältnisse im Handel ge- rede am ungünstigsten liegen. Es wird daher Aufgabe aller ein- schlägigen Verbände sein, für den freien Sonnabendnachmittag Propaganda zu machen und die beliebten Einwände der Geschäfts- schädigung durch den Hinweis auf die Verwendung der Automaten als Geschäftsfortsetzung zu entkräften. Natürlich müßten auch alle einschränkenden Gesetzesbestimmungen fallen. Die Berliner Kammer täte daher gut, ihr Votum für die Schokoladenverkäufer, die sich durch Automaten in Eisenbahnwagen geschädigt fühlen, zu revidieren. Sie sollte vielmehr Aufklärung darüber verbrei- ten, daß der moderne Automat berufen ist, der Mi tarbester des Kaufmanns zu sein, und zugleich der Anschauung ihre Zu- stimmung geben, daß der Angestellte durch den freien Sonnabend- nachmittag ein Plus an Arbeitskraft und vor allem an Arbeits- freudigkeit gewinnt, was dem Geschäft zugute kommt. Mitglieder einer modernen Handelskammer sollten doch zu erfahren sein, um sich in der Roll« jener Frachtwagenkutscher wohl zu füh- len, die seinerzeit gegen die Anlage von Eisenbahnen protestierten. Der freie Sonnabendnachmittag wird kommen, wird sich durch- setzen, und der Automat wird sein Helfer sein. Einen Mann für 15 Mark. Hinter den Kuliffen eines HeiratsbnreanS. Hinter die Kulissen eines Heiratsbursaus ließ gestern eine Ber- Handlung vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Schöneberg blicken. Die wegen Betruges angeklagte Jnizaberin Mila P r a t s ch hatte während des Aufenthalts in England Gelegenheit, den Betrieb von Heiratsvermittlungen kennen zu lernen, und machte sich daraufhin, als sie nach Deutschland zurückgekchrt wär, auf diesem Gebiete selb- ständig. Um Kunden zu bekommen, gab sie dann in Zeitungen Inserate auf, deren Erörterung im Gerichtssaal lehrreichen Ausschluß darüber gab, wie es in manchen Heiratsbureaus gemacht wird. Der eine Teil von ihnen hatte den nicht ganz unbekannten Text:„Für eine Freundin mit 200 000 Mark Mitgift suche ich einen entsprechenden Mann.* In dem anderen Teil der Inserate suchte bald ein Pro- fessor, bald ein Apotheker oder akademisch gebildeter Kaufmann eine einsprechende Frau. Dieser Piofessor, Apotheker oder Kaufmann mit der akademischen Bildung war aber gar nicht vorhanden, nicht einmal der Gattung nach, wie der Vorsitzende bemerkte. Deshalb bekamen die Domen, die gern„Frau Professor* oder„Frau Apotheker* werden wollten, und sich in großer Zahl meldeten, eine Adresse von den Herren zugewiesen, die laut ihrer Mitteilung gern die Freundin mit den 200 000 Mark heiraten wollten. Auf dieff Weise bekamen dann die männlichen Heiratskandidaten, wenn auch nicht die reiche Freundin darunter war, wenigstens eine reiche Auswahl von Adressen zukünftiger Bräute zu- geschickt, denn diese hatten sich i n weit g r ö ß e r e r Z a h l als sie gemeldet. Natürlich geschah dieser Adressenaustausch nicht umsonst. Wer die Dienste der Eheschnnede in Anspruch nehmen wollt«, mußte 15 M.„Cinschreibegebühr* zahlen, was die Cheschmiede zu einem einträglichen Geschäftsbetrieb madtfe. Vor dem Gerichtshof erschienen als Zeugen die Besuchsdamen, die aus der eigenartigen Praxis dieses Heiratsvermittlungsbureaus berichteten und eins Anzahl hei- rctslustige Damen, die sich geschädigt fühlten, weil sie für 15 bis 30 Mark keinen Mann bekommen hätten. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Das Gericht beurteilte den Fall aber milde und verhängte eine Strafe von S00 M. Der Vorsitzende führte in seiner Urteilsverkündung aus, daß die Damen und Herren, die glauben, durch ein solches Hciratsvermittlungsbureau zu einer Ehe zu kommen, sich selbst in die Gefahr begeben, betrogen zu werden. Die Angeklagte habe wohl die Dummheit ausgenutzt, aber großen Schaden mit ihrem Bureau nicht angerichtet, so daß eine Geldstrafe ausreichend sei. verschleppt oüe?...: Wieder ein Hotelvaae verschwunden. An das Schicksal des Pagen Gerhard Schnäpel, der bei Potsdam als Leiche wiedergefunden wurde, nachdem er mehrere Wochen vermißt worden war, erinnert das Verschwinden eines 15 Jahre alten Pagen Kurt Wahlich aus der Scharnweber- straße 124 zu Reinickendorf-West. Kurt Wahlich, der Sohn eines Laboranten, war Page in einem Hotel in der Dorotheen- straße. Hier wurde er vor kurzem entlassen. Wie festgestellt ist, sprach er am nächsten Tage im Seiteneingang eines anderen Hotels in der Dorotheenstraße vor und erkundigte sich, ob dort vielleicht eine Stelle frei wäre. Das war nicht der Fall. Am Nach- mittag soll er, nachdem er um 10 Uhr vormittags die elterliche Woh- nung verlassen hatte, noch in einem Restaurant in der Belle- Alliance-Straße gewesen sein und angefragt haben, ob er als Kellnerlehrling eintreten könne. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Die Kriminalpolizei hat nun festgestellt, daß der Knabe, während er in dem Hotel in der Dorotheenstraße beschäftigt war, bei Schluß seiner Dienstzeit wiederholt von einem unbekannten Mann« erwartet und abgeholt worden ist. Dieser Unbekannte ist etwa 30 bis 40 Jahre alt und 1,75 Meter groß und hat ein schmales Gesicht mit schiefer Nase. Er soll Artist gewesen und früher vom Seil gestürzt sein. Der Mann trug, wenn er den Pagen ab- holte,«inen braunen Anzug. Man befürchtet, daß dieser Unbe- kannte den Pagen verschleppt hat. Alle Nachforschungen der Kriminalpolizei haben bisher noch keinen Erfolg gehabt. Mitteilungen zur Aufklärung über das Auftauchen des Page» allein oder in Begleitung usw. erbittet Kriminalkommissar Streck« nach Zimmer 330 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 452. lluf« Wahlich ist 1,56 Meter groß und schlank, hat dunkelblondes, linä» gescheiteltes Haar und ein volles rundes, aber bleiches Gesicht mtt hoher Stirn. Er trug eine graue Klappmütze, eine grünliche Wind- jacke,«in schwarzes Jackett, gestreifte Weste und Hose, ein grün- gestreiftes Oberhemd mit weißem steifen Kragen und schwarze Schnürstiefel. Er spricht Deutsch und etwas Englisch. Sein Gang ist aufrecht. Aus der linken Schulter hat er ein walnußgroßes Mutter- mal. Sein Taschentuch ist K.W. gezeichnet. Teure VergeßllchkeU. Der Inhaber dex Briefmarkenhandlung Fritz Sachs, Chqrlottenburg, Kantstr. 13/14, Hot in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag in einem Kleinauto(Brennabor), das er mit seiner Frau in der Urbanstraße bestteg und bis zu seiner in der Kantstr. 14 gelegenen Wohnung benutzte, eine braune Akten- tasche liegen gelassen, in der sich eine Briefmarkensammlung« in einem roten vordrucklosen sogenannten Ka.. Le.-Album befand. Außerdem waren in der Tasche einige Bücher von Balzac und Bonsel. Die Sammlung enthält u. a. der: Satz Dänemark 1. Zone, alle Oesterreich Feldpostsätze, Serbien schräg, Serbien gerade, 1830—1910 komplette Geburtstagsausgabe. Eine große Zahl der Marken trägt auf der Rückseite das Signum G. F. Vor Ankauf wird gewarnt! Die SilbersGrvärrne 57] Voll Re? B-ach IN-chlm-ck»«beten Ststotiftert« 15ebersetzaag an» btm Englischen vn« I»lin Slapptl Clyde sprach in einem kläglichen Ton, als er fortfuhr: „Ich ärgere mich, daß ich mich auf dieses Unternehmen ein- gelassen habe." „Du wußtest, worauf du dich einließest. Ich habe dir in Chikago nichts verheimlicht. Laß jetzt das Jammern und trage das Mißgeschick wie ein Mann." „Du glaubst also wirklich, daß wir alles verlieren," fragte Clyde mit ängstlicher Stimme.„Ich glaubte, du habest noch einen Ausweg." Gleich darauf begann er wieder:„Cherry hat uns ja schon einmal gerettet, warum veranlaßt du sie nicht, daß sie ihren Einfluß-auf Marsh geltend macht." Boyd warf ihm einen scharfen und prüfenden Blick zu. „Ich meine, daß sie Marsh ebenso wie Hilliard gewinnen kann." „Ich verbiete dir solche Reden." „Warum? Habe ich nicht auch das Recht, in dieser Sache ein Wörtchen mitzureden. Habe ich nicht zehntausend Dollar von meinem eigenen Vermögen und fünfundzwanzig- tausend außerdem in das Geschäft gesteckt?" „Das gibt dir kein Recht, eine Frau zu beleidigen." „Was hat es für einen Zweck, Komödie zu spielen! Du weißt ja ebenso gut wie ich, daß sie Hilliard bearbeitet, und gut bearbeitet hat. Sie würde es auch bei Marsh tun. wenn du sie darum bätest. Denn für dich geht sie ja durchs Feuer." Boyd unterbrach ihn kurz:„Roch einmal, ich will davon nichts hören. Und wer Cherry Malotte beleidigt, beleidigt auch mich." Clyde sprang auf und seine Stimme zitterte vor Er- regung als er stammelte:„Du bist schuld, Boyd, wenn ich mein Geld verliere. Entweder mußt du uns aus der Patsche helfen oder meine Aktien kaufen." „Du weißt ja, daß ich sie nicht kaufen kann." '�Dann verkaufe ich sie an den ersten besten Liebhaber, ich will mein Geld nicht verlieren. Aber vergiß nicht, daß ich sie dir zuerst angeboten habe." „Sie können einen großartigen Coup machen," sagte Fräser,„wenn Sie Ihre Aktien Marsh anbieten." „Das will ich auch." erklärte Alton. „Du würdest dich wirklich solcher schmutzigen Handlung schuldig macheu?" fragte Emerson schnell. „Warum nicht? Wenn du nicht meinen Rat befolgen willst. Du arbeitest mit dem Geld anderer Leute und dir ist es einerlei, ob das Unternehmen glückt oder nicht. Wenn es mißglückt, wirst du wahrscheinlich mit etwas anderem be- ginnen." „Geh!" befahl Boyd in einem Ton, daß der andere mit komischer Hast gehorchte. Fräser unterbrach die Stille, die auf den Abgang des jungen Mannes gefolgt war.„Eine feine Nummer! Er hat achtzehn feine Westen und trägt das Taschentuch in der Manschette. Das hat mich von vornherein gegen ihn ein- genommen." „Hast du Cherry gekannt, bevor sie nach Kalvik kam?" fragte Boyd, indem er seinen Blick fest auf Fräser richtete. „Nur ganz flüchtig." „Wo hast du sie getroffen?" „In Nome, in dem Jahr, als das Gold dort entdeckt wurde." „Was trieb sie dort?" „Sie betrieb ihr Geschäft." Fräsers Augen waren jetzt so ausdruckslos wie gewöhnlich. „Was weißt du von ihr?" „Ich weiß, daß eine Menge Männer für sie durchs Feuer gehen würden." „Was sonst?" „Sonst? Daß sie eine sehr schöne Frau ist—" „Ja, ja. Aber, was weißt du von ihr selbst. Wer ist sie? Und was hat sie für eine Vergangenheit?" „Hör mal, lieber Freund, ich bin ein sehr schlechter Detek- tiv," gestand Fräser.„Wenn ich Talent hätte, in anderer Leute Slngelegenheiten zu schnüffeln und auf Klatsch zu hören, dann würde ich es weit gebracht haben." Trotz dieses indirekten Vorwurses würde Boyd ihn viel- leicht noch weiter ausgefragt haben, wenn Balis schwere Schritte nicht in diesem Augenblick draußen zu hören ge- wesen wären. Gleich darauf trat der große Fischer ins Zimmer. „Was hast du in den Fallen gefunden," fragte Emerson eifrig. „Nichts," sagte George barsch,„unsere Falle ist ver- stopft." Mit heftigen Gebärden zog er seine Gummistiesel aus und schleuderte sie unter die Bank. „Wie geht es den Fischern in den Booten?" „Nicht sonderlich. Marshs Leute versuchen, unsere Fischer, die die Netze auswerfen, zu umringen, und wir haben nicht genug Boote, um uns selbst zu beschützen. Ich frage dich, Boyd, wie lange wollen wir uns diese Behandlung noch gefallen lasten?" Da sah Emerson, der am Fenster stand, etwas, das ihn stutzig machte. Draußen auf dem ruhigen Wasser näherte sich die Barkasse, mit der Cherry einige Stunden unterwegs gewesen war— und sie war voll von Männern-, und nicht nur die Barkasse selbst war vollbesetzt, sondern hinterher kam eine lange Reihe Kanus, wie der Schwanz eines Drachen, und auch diese waren mit Männern besetzt. „Seht nur!" rief Boyd.„Cherry hat Mannschaft ver- schafft!" Die Stimme versagte ihm und er stürzte zur Tür, während George ans Fenster lief. „Bei Goot, es sind Indianer," brüllte der Riefe, und ohne sich Zeit zu lassen, seine Stiefel anzuziehen, stürzte er barfüßig hinter Boyd und Fräser her: die drei Männer erreichten das Dock noch rechtzeitig, um Cherry die Treppe hinaufzuhelfen. „Was bedeutet das," fragte Boyd sie atemlos.„Wollen diese Leute für uns arbeiten? � „Dazu find sie gekommen," sagte Cherry strahlend. Hinter ihr schwärmte eine Schar schrägäugiger, kupfer- farbiger Aleuten an Land. Die, die achtern in den Kanus gesessen hatten, lösten die Taue und ruderten an Land. „Ich habe fünfzig Männer mitgebracht, die besten, die zu haben waren." Fräser schlug sich auf die Schenkel, daß es knallte, und fluchte fürchterlich. Boyd ergriff Cherrys Hände und drückte sie fest. „Cherry, Sie sind ein Engel!" Seine Stimme bebte vor Dankbarkeit. „Danken Sie mir nicht." sagte Cherry,„es ist Constan- tines Verdienst." „Aber ich begreife nicht— es sind doch Marshs Leute." „Das wohl, aber weil ich vorigen Winter, als sie Hunger- ten, gut gegen sie war, sind sie meiner Aufforderung gefolgt. Sie arbeiten nicht so gut wie Weiße, aber es ist das beste, was ich schaffen konnte." Sie lachte vergnügt, reichlich bc- lohnt von dem Ausdruck in Boyds Gesicht. ,)Aber gebt mir jetzt etwas zu essen, ich habe einen Wolfshunger." Als George erst die Lage erfaßt hatte, wurde er sofort Anführer der Indianer; verteilte die Mannschaft an ihre Posten und gab ihnen Werkzeug. Das Unmögliche war ein- getroffen, und es hatte den Anschein, als ob sie dennoch siegen würden. Während der kühlen, dämmernden Nachtstunden flenften und schnitten die Indianer, während das große Gebäude von dem Rasseln der Maschinen und dem zischenden Geräusch der Lötfeuer widerhallte. (Fortsetzung folgt.) Er suchte Kautionen. Gefängnis für einen Schwindler. Mit den umfangreichen Betrügereien des angeblichen Fabrifanten Karl Möricke hatte sich das erweiterte Schöffengericht Lichtenberg zu beschäftigen. Der Angeklagte hatte es verstanden, sich an den sauer ersparten Groschen arbeitsloser Leute, die eine Stellung suchten und Raution stellen mußten, zu vergreifen. Der Angeklagte betrieb in Weißensee eine Fruchtsaftpresserei, die in einem kleinen, unscheinbaren Raum untergebracht war, in dem auch gleichzeitig eine Bäckerei betrieben wurde. Möride rief Filialen ins Leben, für die er Filialleiter und Filial leiterinnen suchte, die eine hohe Kaution stellen mußten. Go engagierte er furz hintereinander vier Frauen, denen er insgefamt 2700 m. abnahm. Er gab sich stets den Anschein eines wohlhabenden Mannes und behauptete, eine Großbäckerei mit 18 Filialen zu besigen; das war aber nicht der Fall. Ferner stellte er für seinen zweifelhaften Betrieb nach und nach zwei Kassierer, einen Boten und einen Meister ein, denen er Kautionen in Höhe von 600, 800, 1000 und 1500 M. abnahm. Jedem ficherte er ein Gehalt zu. Hatten die Leute tatsächlich bei ihm gearbeitet, so erhielten sie feinen Lohn, noch befamen sie, wenn fie ausscheiden mußten, ihre Kautionen zurüd. Ein Kassierer, der 600 M. Kaution stellen mußte, hatte während seiner Tätigfeit bei dem Angeklagten ganze 2,50 m. einfaffiert. Die Filialen, die eröffnet wurden, gingen nach ganz furzer Zeit wieder ein, denn M. dachte gar nicht daran, sie so mit Ware zu beliefern, wie er sich verpflichtet hatte. M. hatte neun Personen um insgesamt 7600 M. gebracht, die er mit zweifelhaften Mädchen verjubelte, trotzdem er seit 14 Jahren verlobt und Bater von vier unehelichen Kindern ist. Erst im Februar dieses Jahres wegen der gleichen Tat mit 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt, erkannte diesmal das Gericht nach neunstündiger Berhandlung wegen Betruges in acht Fällen gegen ihn auf 1 Jahr und 9 Monate Gefängnis. M. wurde sofort verhaftet. Opfer der Großstadt. Einen tragischen Tod fand gestern nachmittag der 9jährige Schüler Hermann Michaelis aus der Müggelstraße 19 zu Lichtenberg. Der Junge fletterte mit mehreren Spieltameraden auf dem Geländer der Treptower Eisenbahnbrücke herum. Er verlor plöglich den Halt und stürzte topfüber in die Spree. Auf die Hilferufe der Kinder machten sich vorbeifahrende Schiffer an das Rettungsmert, doch leider ohne Erfolg. Der alarmierten Feuerwehr gelang es, den Ertrunkenen nach einiger Zeit zu bergen. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. In der Gleimstraße ereignete sich gestern um 15 Uhr ein tödlicher Straßenunfall. Beim Ueberschreiten des Fahr dammes unter der Gleim- Brücke wurde der 54jährige Arbeiter Jakob Appel aus der Finnländischen Straße 11 von einem Geschäftsauto angefahren und zu Boden geschleudert. Der Berunglückte trug einen doppelten Schädelbruch davon und verstarb an der Unfallstelle, noch bevor ein Arzt zur Stelle war. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schau. haus gebracht. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. In der Emfer Str. 19 zu Neukölln wurden gestern nach mittag Hausbewohner auf einen verdächtigen Gasgeruch aufmertfam, der aus der Wohnung der 43jährigen Lehrerin Else Gölze brang. Man verschaffte sich gewaltsam Einlaß in die Wohnung und fand in dem völlig mit Gas angefüllten Schlaf zimmer die Wohnungsinhaberin bewußtlos auf. Biederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. Das Motiv zu dem Berzweiflungsschritt fonnte noch nicht ermittelt werden. Ein schweres Brandunglüd trug sich in der gestrigen Nachmittagsstunden in der Graeßstraße 12 in Treptow zu. Die 64jährige Witwe Berta Schulte verbrannte in dem Zimmerofen cine alte Matraße. Plöblich schlugen mehrere Stichflammen her us und erfaßten die Kleider der Frau. Durch die Hilferufe wurden Nachbarn alarmiert, die herbeieilten. Frau Sch. hatte jedoch bereits so schwere Brandwunden davongetragen, daß sie bewußtlos zu Boden fant. Die Feuerwehr sorgte führ ihre Ueberführung in das Urban- Krankenhaus, wo sie sehr bebent. lich dantederliegt. Das Feuer, das sich weiter auszudehnen drohte, tonnte sehr schnell gelöscht werden. Der Prozeß gegen den Potsdamer Justizobersekretär Am 6. Oktober beginnt vor dem erweiterten Potsdamer Schöffengericht der Prozeß gegen den Justizobersekretär Erich Riesner vom Potsdamer Amtsgericht, der beschuldigt ist, in den Jahren 1925/26 fortgesezt als Beamter Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen hatte, unterschlagen zu haben, und zwar indem er in Beziehung auf die Unterschlagung die zur Eintreibung oder Kontrolle der Einnahmen bestimmten Register und Bücher unrichtig führte, unrichtige Auszüge aus diesen Registern und Büchern machte und unrichtige Belege vorlegte. Weiter wird Riesner vorgeworfen, die ihm amtlich anvertrauten Bücher und Register gefälscht zu haben, und zwar, um sich einen Bermögensvorteil zu verschaffen und fortgesezt handelnd als Beamter Urkunden, die ihm amtlich anvertraut und zugänglich waren, vorfäßlich beiseite geschafft zu haben, und zwar, um sich einen Bermögensvorteil zu verschaffen. Die Berteidigung des seit Jahren in Untersuchungshaft ſizenden Justizoberfekretärs hat Rechtsanwalt Giesen- Potsdam übernommen. Verhafteter Unterstütungsschwindler. Ein Unterſtüßungsschwindler, der geraume Zeit in Berlin sein Unwesen trieb, ist jetzt in Hamburg festgenommen worden. Ein 29 Jahre alter Freiherr Wolfgang- Dietrich von Landenberg, der in der Nordstraße 98 wohnte, schrieb an verschiedene Leute, daß es ihm schlecht gehe, daß er aber Aussicht habe, sich eine Existenz zu schaffen. Er habe sich als Kraftwagen führer ausgebildet und die Prüfung bestanden. Um Chauffeur werden zu können, fehle ihm nur noch die passende Kleidung. Bu ihrer Beschaffung erbat er sich eine Unterstügung, die ihm in vielen Fällen auch in Beträgen von 30-50 Mart gewährt wurde. Er dachte aber gar nicht daran, Chauffeur zu werden, sondern lebte von den Spenden einen guten Tag. Als er mun merkte, daß sich jemand, der mißtrautsch geworben war, nach ihm in der Nordstraße erfundigt hatte, verschwand er aus Berlin nach Hamburg und setzte dort seine Schwindeleien fort. Hier wurde er aber gefaßt und hinter Schloß und Riegel gesetzt. Weitere Betrogene, die dem sehr gewandten manne in Berlin ins Garn gegangen sind, werden ersucht, sich bei der Dienststelle D. 2 im Polizeipräsidium zu melden. Der Streit um das WC. Auch eine Folge der Wohnungsnot. Der Hauseigentümer D., der in Barmen ein Haus mit mehreren Stockwerken besitzt, war durch Vertrag vom Mietseinigungsamt gezwungen worden, einem Mieter zwei Mansardenstuben und ein Klosett einzuräumen. Da sich im Dachgeschoß ein stuben und ein Klosett einzuräumen. Da sich im Dachgeschoß ein Klosett nicht befindet, benutzte der Mieter das Klosett in der zweiten Etage, welche D. bewohnte. Als D. das Klosett verschloß und durch ein Vorlege schloß die Benutzung des fraglichen Klosetts durch den Mieter zu verhindern suchte, wurde D. auf Grund der für Barmen erlaffenen Wohnungsmangelverordnung mit Strafe belegt. Sein Einspruch wurde vom Amtsgericht verworfen, ba D. verpflichtet gewesen sei, dem ihm zugewiesenen Mieter ein Klosett zur Verfügung zu stellen, denn nach dem vom Mietseinigungsamt festgelegten Vertrage habe der Mieter Anspruch auf zwei Wohnräume und ein Klosett. Diese Entscheidung focht D. durch Revision beim Kammergericht an und hob hervor, das Mietseinigungsamt habe in dem Zwangsmietvertrag nicht bestimmt, welches Klosett der Mieter benutzen solle. In seinem Hause befinden sich verschiedene Klosetts; da das Mietseinigungsamt nicht ein bestimmtes Klosett für den Mieter der Mansardenwohnung bestimmt habe, so fühle sich der Angeklagte nicht verpflichtet, dem Mieter sein Klosett zur Verfügung zu stellen; der Mieter hätte das Klosett der ersten Etage benuten fönnen. Der 3. Straffenat des Rammergerichts wies aber die Revision des Angeklagten als unbegründet zurück und führte u. a. aus, nach dem Zwangsmietvertrage fei eine Wohnung für den Mieter im Mansardengeschoß, hergerichtet und ihm u. a. zwei Wohnräume und ein Klosett zugesprochen worden; sei nicht gesagt worden, welches Klosett der Mieter zu benutzen habe, so hätte der Besizer des Hauses dem betreffenden Mieter ein Klosett zur Mitbenutzung zuweisen müssen. Da der Angeklagte dies nicht getan, sondern sein Klosett versperrt habe, sei die Verurteilung des Angeklagten ohne Rechtsirrtum erfolgt. Eine Altersheim- Siedlung. Die japanische Katastrophe. Der Umfang der Schäden. Tofio, 14. September. Dem Polizeibericht zufolge werden die Berluste infolge des Taifuns und der Flutwelle in der Präfeftur Kumamoto auf 719 Tote, Berlehte oder Bermißte geschätzt. 1850 Häuser sind zerstört. Ungeheure Flächen Land sind überschwemmt und 37 Fisch dampfer verloren. Der Schaden wird auf 20 Millionen Yen geschätzt. Aus Tokio werden weitere Einzelheiten über die Sturmflut< tatastrophe gemeldet. Auf der Insel kiushiu werden bis jetzt 300 Tote gezählt. 1000 Personen werden vermißt. In der Gegend von Yokohama und Totio fällt gegenwärtig fint flut= artiger Regen. In Tokio stehen mehrere Stadtviertel unter Wasser. In Kioto zählt man 270 Tote, in Nakamura und Nahaimi je 1000 Tote. Die amerikanischen Weltflieger in Tokio. Wie„ Exchange" aus Tofio berichtet, sind die beiden ameritanischen Weltflieger Brod und Schlee mit ihrem Flugzeug " Stolz von Detroit" gestern nachmittag in Tokio eingetroffen. Obwohl die Bevölkerung durch die Taifunverwüstungen stark in Mitleidenschaft gezogen ist, wurden die Flieger begeistert empfangen, Wo ist der Herr„ Mayor"? Ein luftiges Stückchen leistete sich die Post in dem Kurort Karlsbad. Von einer New Yorker Banffirma ging der dortigen Post ein Schreiben zu mit der Anschrift: To the Mayor, City of Carlsbad, Czechoslovakia." Die Postbeamten studierten nun fleißig die Kurlifte und fanden in derselben einen Herrn Mayor aus Beuthern bei Baden eingetragen. Da der Herr aber schon abgereist war, sandte man ihm den Brief nach, doch kam derselbe nach einiger Zeit an die New Yorker Banffirma zurück. Die Firma sandte nun den Brief an ihren Prager Vertreter, und dieser fand, daß mit dem Herrn ,, Mayor" der Bürgermeister der Stadt Karlsbad gemeint sei und schickte nun das Schreiben an die richtige Adresse. Fund alter Münzen. In Stabnih, nahe der nordböhmischen Rohlenstadt Brüg, wurde dieser Tage ein intereffanter Fund gemacht. In einem besonders alten, durch seine dicken Steinmauern auffälligen Gebäudeteil der Wirtschaft des Gemeindevorstardes, wo man vor etlichen Jahrzehnten einmal in einem Hohlraum altes Getreide gefunden hatte, schlug ein Arbeiter bei den Niederreißungsarbeiten mit der hervorkollerten. Der Topf, den man leider zerschlug, enthielt über 200 Münzen. Des Wertes unbewußt, wurde der Fund sofert unter die Arbeiter und die Besitzerin verteilt. Es handelt sich um 3 weidrittel und Eindritteltaler aus dem Jahre 1660 bis 1680. Eine Münze ist aus dem Jahre 1572. Alle Stücke sind prächtig erhalten. In der Schönholzer Heide, auf einem 14% Morgen großen Gelände, zwischen Podbielski, Cotta- und Dandelmann ftraße, will der Magistrat aus Stiftungsmitteln eine Gruppe von Stiftshäusern bauen. Jedes Haus soll höchstens 30 Einzel- Hade ein Gefäß entzwei, aus dem zahlreiche Münzen immer mit fleinen Küchen und Zubehör erhalten. Die ganze Anlage ist für 200 Personen geplant, doch soll zunächst nur für 100 Personen gebaut werden. Der Wald" wird dort in einen Bart umgewandelt, wobei die im Bebauungsplan vorgesehene Reußstraße wegfällt. Das für die Stiftshäuser in Aussicht genommene Grundstüd ist noch Eigentum des Forstfistus und gehört zu den Flächen, über deren Austausch gegen städtisches Forstland Berhand- Großfener in einem Gefängnis. lungen mit dem Fiskus schweben. Der Fistus ist jetzt bereit, dieses Grundstück an die Stadt zu verkaufen. Offfeewochenendzug auch am 17. September. Die ReichsbahnDirektion Berlin teilt mit, daß der seit Juli regelmäßig verkehrende Wochenendsonderzug zweiter bis vierter Klasse zu ermäßigten Fahr preisen nach Swinemünde- Carlshagen auch noch am tommenden Sonnabend/ Sonntag. dem 17 bis 18. September, ver tehren wird. Der Bug fährt ab Berlin, Stettiner Bahnhof, 14.30 Uhr, an Swinemünde 18.23 Uhr, an Ahlbed 18.32 Uhr, an Heringsdorf 18.37, an Carlshagen 19.49 Uhr. Die Rüdfahrt erfolgt am Sonn tag fo, daß der Bug gegen Mitternacht wieder in Berlin ist. Fahr tarten bei der Fahrkartenausgabe des Stettiner Bahnhofs sowie bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebureaus, Bots. damer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58. Eine unzeitgemäße Tafel. Aus Lesertreisen wird uns mitge teilt: An der Ede der Rudower Chauffee steht zur Warnung für Wagenlenter eine Tafel, deren Tert lautet: Raiserlicher Automobilflub von Deutschland", quer über die Tafel ein S( Rurve) und unten links: Gestiftet von Hoffentlich genügt dieser Hinweis, um die Reklametafel der verflossenen Monarchie durch eine andere zeitgemäße zu ersetzen. Funkwinkel.Z " Die Sehnsucht nach einem eigenen Heim führte den wie Pilze aus der Erde schießenden Heintstättenspartassen ihr Publikum zu. Dr. Paul Kaßner warnte in seinem Vortrag davor, leichtgläubig und ohne genaue Prüfung der Grundlagen in solche Kassen Geld einzuzahlen. Sonst fönne es geschehen, daß der Sparer nicht nur in seiner Hoffnung auf ein eigenes Heim betrogen werde, sondern daß er auch noch feinen Geldeinlagen nachtrauern müsse. Den Beamten ist eine sichere Möglichkeit zur Schaffung von Eigenheimen durch das Beamtenheimstättengesetz geboten. Durch regelmäßige Gehaltsabzüge wird hiernach ein Sparguthaben zur Errichtung eines Eigenheimes aufgesammelt. Ueber Vermeidbare Hautfrankheiten" sprach Dr. Theodor Mayer. Viele hautreizenden Substanzen, Pflanzenteile, fabritneue Stoffe, scharfe Seifen und Salben vermögen mehr oder weniger hartnäckige Hautkrankheiten hervorzurufen, die bei einiger Vorsicht sich vermeiden ließen. Auch Diätfehler oder Infektionen rächen sich bisweilen durch Hautleiden.Der Abend brachte Negerlieder und Gedichte. Utica Jubilee- Singer boten Negerboltslieder in den Urformen. Neben Gesängen, die sich durch den eigentümlichen, und erst durch die Jazzmusit vertraut gewordenen Rhythmus auszeichneten, standen andere, die deutlich die Verwandtschaft der Völker aller Länder und Rassen in ihren Volksliedern zeigten. Meinhard Maur bot mit Rezitationen, vor allem mit von Claire Collm ausgezeichnet übersetzten Negerdichtungen, eine wertvolle Ergänzung des Abends. Tef. Barmen, 14. September. Im Zentralgefängnis Luettringhausen brach in der vergangenen Nacht in einem Flügel, in dem eine Schreinerei untergebracht ist, aus Das Feuer fand an den noch unbekannter Ursache ein Brand aus. großen Holzvorräten und Möbeln reiche Nahrung. Die Feuerwehr fonnte nur mit Mühe ein Uebergreifen des Feuers auf die mit Gefangenen belegten Gebäude verhüten. Fünf bis sechs Waggons Holz tamen nicht zu Schaden. und sämtliche Maschinen wurden ein Raub der Flammen. Personen Neun Arbeiter verleht. Im Hamburger Hafen explodierte auf dem Dampfer Grenade" eine Rifte, die Zündhölzchen enthielt. Ein Arbeiter wurde schwer, acht andere leicht verlegt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin E14, Gebaftianstr. 37/38, Hot 2 r. Donnerstag, 15. September. Friedrichshain: 18 Uhr Sandball. Spieler auf dem Sportplag. Ablershof( Kameradschaft): Bei Lehn gut, Gedanstr. 3, Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Kameraden Pflicht. Freitag, 16. September. Friedrichshain: 19 Uhr fämtliche Sportler in der Turnhalle Memeler Straße. Uebungen für den republikanischen Tag. Friedrichsfelde: 20 Uhr Monatsversammlung bei Schwarz, Capriviallee. Erscheinen aller Rameraden notwendig. Röpenid: Connabend, 17. Geptember, Stiftungsfeft des Musikvereins Echo" im Restaurant Uhlenhorst. Die Rameraben werden aufgefordert, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Bund der Freibenkerjugend, Ortsgruppe Groß- Berlin. Gruppe Dften: Donnerstag, 15. September, 20 Uhr, im Jugendheim Litauer Etr. 18, Unfere Gegner". Gruppe Norden: Freitag, 16. September, 20 Uhr, im Ledigenheim Pappelallee 15, Liederabend. Verband für Freidenfertum und Fererbestattung. 20. Bezirk( Wittenau): Donnerstag, 15. September, 20 Uhr, im Wittenauer Vereinshaus, Oranien burger Straße, öffentliche Versammlung gegen Reichsschulgesetz und Kontorbat". 20. Bezirk( Glienice a. d. Norbbahn): Sonnabend, 17. September, 20 Uhr, öffentliche Versammlung gegen Reichsschulgeset und Ronkordat" im Lokal Bath, Wilhelmstraße. 12. ezirk: Freitag, 16. Geptember, 19% Uhr, Mitglieder versammlung im Albrechtshof, Steglit, Albrechtstr. 1b. Bericht von der Bezirkskonferenz. Mitgliedsbuch legitimiert. Arbeiter- Abstinenten- Bund, Gruppe Norben. Zusammenkunft Donnerstag, 15. Geptember, 20 Uhr, im Lebigenheim Schönstedtstr. 1. Bortrag des Ge noffen Rudat:„ Rationalisierung." Verband sozialistischer Abstinenten. Zusammenkunft Sonnabend, 17. Geptember, 19 Uhr, im Jugendheim Dordstr. 11, 2. Hof, Fabrikgebäude, Georg lieft Ortsverein Berlin im Verband Boltsgesundheit. Donnerstag, 15. Septem ber, 19% Uhr, Ifflandstr. 9, Mitgliederversammlung. Jugendgruppe Often: Freitag, 16. September 19½ Uhr, Gozlerstr. 61, Diskussionsabend über„ Was uns die Natur erzählt". Jugendgruppe Süben: Freitag, 16. Geptember, 19% Uhr, Neukölln, Schierkeftr. 44, Jugendmitgliederversammlung. Normungsbestrebungen in der Glühlampentechnik haben zu einer Einheitsreihe der Osram- Lampe geführt. Die neuen Dsram- Lampen diefer Reihe ( 15, 25, 40, 60, 75, 100 Watt) für alle normalen Beleuchtungszwede bedeuten einen wichtigen Fortschritt. Es wird in ihnen ein formbeständiger Wendel braht verwendet, der die Wirtschaftlichkeit der Lampe erhöht, b. h. es wird bei gleichem Stromverbrauch ein größerer Lichtstrom erzeugt als mit Lampen früherer Ausführung. Auch die Lichtverteilung ist durch die Verwendung des Wendeldrahtes und feine gefchidte Anordnung günstiger für Beleuchtungsawede. Vorteilhaft ist auch die gefällige Birnenform der Lampe, die sich jedem Beleuchtungskörper gut anpakt, fowie die zweckmäßige Einheitspackung zur cigt fich alfo bie neue Osram- Lampe, weshalb fie berufen ist, alle anderen erleichterten Aufbewahrung. Fortschrittlich vervollkommnet in jeder Beziehung Ausführungsarten zu verdrängen. 1.9 Jahrzehntelange Erfahrungen OSRAM OSRAM Osram- Lampe verkörpert. OSRAM OSRAM OSRAM Vonnerstag 15. September 1927 Unterhaltung unö Seilage öes vorwärts (fagebuiAnotizeii eines Meizevs. lieber die Veranlassung zur Festsetzung der Offiziere und der panikartigen Vorgänge hierbei erfahren wir am nächsten Tage folgendes: Als die Nachricht von der beabsichtigten Sprengung kam, eilten die Leute von der Versammlung an Bord und alarmierten die Be» satzung, soweit diese auf dem Schiffe war. Einige Leute eilten nach achtern zu den Offizieren und gaben ihnen zu oerstehen, daß sie verhaftet seien. Einem Feuerwerksmaaten wurde von einem Offi- zier eine Pistole vor den Kopf gefetzt. Auf einen anderen Käme- raden wurden in einer Offizierskammer gleich zwei Pistolen ange- schlagen. Nachdrängende Leute schlugen die Pistolen zurück. Di« Offiziere wurden entwaffnet und an Land geführt. Die Offiziere hatten— entgegen ihrem abgegebenen Ehrenwort— noch Waffen gehabt. Ein Leutnant bat den ihn verhaftenden Heizer, ihn noch- mals auf die Kammer zu lassen, da er noch einige Familienbilder mitnehmen wolle. Gleich darauf hört der Heizer aus der Kammer einen Schuß, stürzt hinzu und findet den Offizier in feinem Blute. Cr hatte sich selbst eine Kugel in den Kopf gejagt. Dieser Fall war der einzige mit blutigem Ausgange. Der Schuß wurde sowohl an Bord, als auch an Land gehört. Während die an Bord befindlichen Leute glaubten, die Offiziere hätten von Land aus nach uns geschossen, wurde von den Leuten an Land angenommen, es wäre aus der Offizierskammer heraus geschossen worden. Beide Seiten machten sich deshalb klar zum Feuern. Ich bin der Ueberzeugung, daß es zu einem Blutbade ge- kommen wäre, wenn von irgendeiner Seite in der allgemeinen Verwirrung noch ein Schuß abgegeben worden wäre. Am nächsten Morgen wurde dann die rote Flagge gefetzt. Der Kommandant war nicht mit von Bord gegangen, sondern hatte er« klärt, er verlasse das Schiff nicht. Im Laufe des Tages hatte er zu-verschiedenen Malen Weinkrämpfe bekommen und wurde des» halb auf das ebenfalls im Kanal liegende Schulschiff„Hessen" ge- bracht. Nachmittags wurde die Steuerbordseite(wir lagen mit der Steuerbordseite dem Lande zu) gefechtsklar gemacht, da Rends- burger Husaren gegen uns im Anzüge fein sollten. Gegen Abend hieß es:„Alle Mann achteraus!" Unser Führer, der oben erwähnte Feuerwerksmaat, sagte uns, daß der Vertreter von„Nassau" in der Versammlung die Erregung bei uns wegen der Flagge geschildert habe und ihm erklärt worden sei, wir sollten die Handelsflagge fetzen. Diese Maßnahme sollte gleichzeitig bezwecken, daß die Offiziere und der Kommandant wieder an Bord geholt wer- den tonntezj, da sie sonst von uns an Land verpflegt werden mußten. Nachdem der Feuerwerksmaat geendet, ergriff unser Bootsmann, ein alter Soldat mit schon ergrautem Haar, da? Wart und führte aus:„Obgleich Deckoffizier, bin ich nicht gegen euch. Wir Deck- offiziere haben selbst genug unter dem alten System zu leiden gehabt. Oft genug ist es vorgekommen, daß wir in der Stadt, bei einem Aus- gang mit der Familie, das Trottoir verlassen mußten, sobald sich ein Offizier näherte. Vielmals hätte man der Vater eines solchen Offiziers fein können. Das erstaunte und verwunderte Aufblicken der Kinder, das unangenehme Gefühl, die Familie sich selbst über- lassen zu müssen, war nicht erhebend. Solche Fälle, abgesehen von den übrigen unwürdigen Notwendigkeiten des bisherigen Systems, sollen euch sagen, daß wir selbst eine Aenderung wünschen und nicht gegen euch sind. Ich bitte euch, mir Glauben zu schenken. Ich bin heute beim Kommandanten auf der Kammer gewesen(auf„Hessen"). Der Mann ist tatsächlich gebrochen. Ihr habt durch eure Meinung selbst bewiesen, daß die Flagge es allein nicht tut. Wie kann über- Haupt eine andere Formation, die sich an Land befindet, wissen, was uns Seeleuten die Flagge ist. Ich bitte euch, nach dem Setzen der Handelsflagge sofort unseren Kommandanten benachrichtigen zu dürfen, damit er auch eine Freude hat." Die Erlaubnis wurde ihm gegeben und die Handelsflagge ge- fetzt. Der Kommandant jedoch lieh sagen, er würde nicht eher an Bord kommen, bis die Kriegsflagge wieder gesetzt sei. Abends wurde wieder gepfiffen:„Alle Mann achterausl" Beim Schein einer Taschenlampe verlas ein Mann der von uns nach Kiel geschickten und eben wieder zurückgekehrten Kommission das Pro« gramm der Kieler Besatzung, das sich im wesentlichen mit dem unseren deckte Sodann gab er bekannt, daß der Abgeordnete Noske, der in Kiel die Sache leitete, ihm vollständige Freiheit in bezug der Flagge gelassen habe. Wir könnten seinetwegen die rote oder die weiße oder die Kriegs« oder die Handelsflagge, oder wenn es uns Spaß mache, auch alle zusammen setzen. Da die Flaggenfrage bei uns schon brennend geworden war, wurde beschlossen, am nächsten Morgen die Kriegsflogge wieder zu setzen und so den Offizieren jeden Grund zu nehmen, gegen uns zu arbeiten. Der nächste Tag brachte denn auch in aller Frühe die Flaggen- parade wie vorgesehen, sowie eine Ansprache des zurückgekehrten Kommandanten. Seine Rede war so gehalten, daß man einen ver- steckten Angriff gegen uns heraushören konnte. Für diesen Tag war ich als FreiwSchter beurlaubt. Als wir abends 11 Uhr wieder an Bord wollten, konnten wir aus der� Entfernung sehen, daß bei uns die Scheinwerfer klar, und später, daß alle Mann achteraus waren. Ehe wir jedoch an Bord kamen waren die Leute schon wieder weggetreten. An Bord angekommen, erfuhren wir, daß die Ruhe, die vormittags geherrscht, schon wieder weg war. Der Kommandant hotte in einer Ansprache erklärt, der Soldatenrat habe ihm nichts zu sagen, jondern ihn höchstens zu bitten, so, wie sich das ihm gegenüber gezieme. Etwas Näheres konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Da eine große Anzahl Leute an Land gewesen war, sollten auf Veranlassung des Kommandanten am nächsten Morgen noch mal„olle Mann achteraus", jedenfalls zu dem Zwecke, um den alten Zustand vor der Umwälzung wieder herzustellen. Am nächsten Morgen, gleich nach„Backen und Banken" wurde die Red« des Kommandanten nochmals besprochen. Wir kamen jji folgendem Ergebnis: Alle, die zum Kommandanten stehen, gehen achteraus: alle, die mit dem Soidatenrate sind, gehen auf die Backt Nicht lange darauf wurde gepfiffen:„Alle Mann achteraus!" Wie oerabredet, versammelten sich jedoch Mannschaft und Unter- offiziere sowie einige Deckosfiziere auf der Back. Hier wurde jeder nochmals aufgefordert, dahin zu gehen, wohin sein freier Entschluß ihn wiese, mit der Bemerkung, daß alle, die nicht mit uns seien, binnen drei Stunden von Bord zu gehen hätten. Gleich zu Beginn erschien der erste Offizier und fragte, ob er als Vertreter des Kommandanten einige Worte an die Leute richten könne. Unser Vorsitzender fragte daraus:.Lameraden, wollt ihr ihn hören?" Einstimmig erscholl der Ruf:„Nein, wir wollen aichts mehr hören!" Nach dieser Kundgebung entfernte sich der erste Offizier wieder. Es wurde sodann beschlossen, an die Offiziere folgendes Ultimatum zu stellen:„Die Offiziere sollen sich entweder uns anschließen oder binnen drei Stunden ohne Ausweis und Papiere von Bord gehen" Der Kommandant sowie der erste Offizier fuhren zur Beratung zum Geschwaderchef nach„Ostfriesland", kamen jedoch nicht wieder zurück. Die Offiziere, die ohne Mitwirkung des Kommandanten keine Erklärung abgeben wollten, erhielten die Erlaubnis, während der Fahrt nach W. Häven, die nachmittags stattfinden sollte, an Bord zu bleiben, durften sich jedoch nicht mehr frei bewegen. Die Deck- offiziere hatten sich uns angeschlossen und taten Offiziersdienste. Nachmittags fuhr das Geschwader aus in die Nordsee.„Nassau" als drittes, da man uns offenbar nicht traute. Wir hätten sonst in der üblichen Reihenfolge als letztes Schiff fahren müssen. Während der Fahrt waren, wie gesagt, unsere Offiziere achtern internierl, im Gegensatz zu den übrigen Schiffen, deren Kommandant auk der Brücke war. Die Führung unseres Schiffes hatte der Steuermann und ein Lotse. Ich kann wohl sagen, daß sämtliche Manöver, teil- weise mit Musik ausgeführt, ebenso klappten wie früher. Schon vor dem Auslaufen aus dem Kanal einigten wir uns, die rote Flagge zu setzen. Die Besatzungen der in Cuxhaven liegenden Schiffe begrüßten uns begeistert, so daß fast jede Minute ein drei- faches„Hurra" erscholl. Die Nacht verlief ruhig. Morgens, Sonntag, lagen wir auf Wilhelmshavener Reede. Frühzeitig liefen wir ein, begrüßt von den hier liegenden Schiffen. Für Sonntag nachmittag war ein Umzug der gesamten Marine und Bevölkerung nach dem großen Platz der Matrosendivision angesetzt. Em nicht übersehbarer Zug bewegle sich zur festgesetzten Zeit nach dem Platze. Jede Abteilung mil Musik. Flugzeuge begleiteten uns und warfen Flugblätter ab. Die auf dem Platze versammelten Personen wurden auf etwa IVOlllM) geschätzt. Die Dächer der umliegenden Gebäude, die Bäume, jeder höher ge- legene Platz war besetzt. Verschiedene Redner unterrichteten die Anwesenden von den Ereignissen. Nach den Ansprachen wurde unter Kanonenschüssen— die letzten. die ich vernommen— die letzte Kriegsflagge auf dem Kommandantur- gebäude niedergeholt. Ein allgemeiner Taumel hatte die Leute erfaßt. Die Freude über das nunmehrige Kriegsende kam abends noch ein- mal zum Ausdruck, als gegen 7 Uhr die Flotte ein Feuerwerk ver- anstaltete, das kein Ende nehmen wollte. Die Sirenen und Heuler der Schiffe gaben dazu eine gewaltige, wenn auch keineswegs melodische Begleitung. Ich habe das Feuerwerk später in einer Nummer der Berliner„Illustrirten" im Bilde gesehen. Es sind, dieses ungefähr die Vorgänge beim ersten Geschwader. Heute sind die Aussichten auf eine gute Zukunft— wir schreiben den 8 Dezember 1318— keineswegs gute. Mögen unsere Kriegsgegner unseren guten Willen anerkennen und uns eine Lebensmöglichkeit lassen! 0a<>0<>00CH>C>0<>00r><>rK>0<>»<>i><>0<>CK>