MbeaSaosgabe Nr. 437 ♦ 44. Iahrgaug Ausgabe B Nr. 216 Dtzugsbedinzunge» ttttb«njetfltsptrfh lind in der Morgenausaob« angeaede» «edaMo»: Zw. S«. eindenstrabr* Zernsprecher: VSnhosf 292— 292 I-I-Udresse: Sojialdraoftal Setiin Verltner Volkcslklakk (lO Pfenpiig) Donnerstag 15. September 1927 Verlag und Anzeigenabteilung! Deschäftszeit»ib bis b Uhr Verleger: Voreuärls-Verlog GmbH. verlin sw. SS, cinbenslrode s Zernsprecher! DSnhost 292— 297 �entrslorgsn der Sozialdcmokratircbcn partci Deutrchlands Vanüervelöe ftheiöet aus öem Rat aus. Belgiens Wiederwahl abgelehnt. V. Sek. Senf. 15. September.(Eigenbericht.) Belgien ist durchgefallen! Das ist das sensationelle Ergebnis der halbstündigen Vormittagssitzung, die sich ausschließlich mit der bel. gischen Wiederwählbarkeit besnhte. Die Abstimmung ergab solgendes Resultat: Abgegeb. Stimmen(sömtl. gültig, d. h. keine unbeschriebenen) 48 init Ja(für die Wiederwählbarkeit)........ 29 mit Rein(gegen die Wiederwählbarkeit). « . 19 die notwendige Zweidrittelmehrheit betrug 32. Es f e h l t e n also Velgien drei Stimmen, um das Recht zu erhalten, heute nach- mittag für die eigentliche Wahl zu kandidieren. Die Verkündung des Resultats rief im ganzen Saal ungeheure Bewegung hervor. Schon unmittelbar nach der Zählung mochte sich am Tisch der Präsidiums«ine deutliche Unruh« und Verlogenheit bemerkbar. Der aufmerksame Zuschauer konnte sodann ein diskretes negatives Kopfnicken des offiziellen Uebersetzers, der neben dem Prä- sideuten(Biloni sitzt, bemerken, das der belgischen Delegation als Zeichen ihrer Niederlage galt. Vandervelde meldete sich sogleich zum Wort und richtete an die Versammlung unter lautloser Stille eine kurze Ansprache: „Eine Anzahl von Ländern Hatte geglaubt, daß es nützlich sein könnte, namentlich in bezug auf die Durchführung der Verträge von L o c a r n o, daß Belgien ausweiteredreiIahreim Rat des Völkerbundes verbleibe. Die Mehrheit dieser Versammlung hat diese Ansicht zum Ausdruck gebracht, aber die erforderliche quali. fizierle Mehrheit ist nicht erreicht worden. Unter diesen Umständen habe ich.zweierlei zu erklären: Elstens, daß die belgische Delegation tief davon überzeugt ist. daß die abgegebenen Nein- Stimmen durchaus achtbaren p r i n- z'ipiellen Gründen entsprungen sind, die nichts mit J)ein Gefühl der Versammlung gegenüber Belgien zu tun haben."(Stür- Mischer Beifall aus allen Bänken, mit Ausnahme der italienischen Delegation). „Zweitens, und das brauchte eigentlich kaum gesagt zu werden, daß die soeben erfolgte Abstimmung Belgien nicht daran hindern wird, auch künftig seine aktivste, treueste und wärmste Mit- Wirkung dem großen Friedenswert des Völkerbundes zu leihen."(Diesmal steigerte sich der Beifall zu wahren Ovationen, an denen sich nur die italienische Delegation nicht beteiligte.) Diese Erklärung des Genossen Vandervelde war in ihrer lapi- Haren Kürze ebenso geschickt wie eindrucksvoll. Was die erste Bc- hauptung betrifft, so traf sie in der Tat den Nagel auf dem Kopf. Es hatte sich in den letzten Stunden eine Koalition der kleinen Mächte gebildet, die gegen«in« abermalig« Durchbrechung des Turnus- Prinzips(im vorigen Jahre schon zugunsten Polens) rebellierte und denen die Befürwortung der belgischen Wiederwählbarkeit durch die große Dreifaltigkeit Frankreich-Deutschland-England ein Grund mehr zur Opposition war. Daneben gab es auch einige f a- s ch i st i s ch e und h a l b f a s ch i st i f ch e Delegationen, die den Sozialisten aus dem Rot verdrängen wollten. Aber unter den grundsätzlichen Gegnern gab es auch andererseits gewisse nordische Delegationen, in denen Sozialdemokraten sitzen, denen jedoch das .Prinzig höher ging als die Person. Es wäre an sich nur zu begrüßen, daß die kleinen Nationen zum erstenmal seit langem Mut zur Unabhängigkeit bewiesen haben. Aber in diesem Falle haben sie diesen Drang am ungeeigneten Objekt betätigt, nämlich gegen einen ihrer bisherigen treuesten Fürsprecher im Rat. Es ist bedauerlich, daß sie diesen Mut erst gefunden haben, als es um die Futterkrippe ging. Unter den 19 Neinsagern befanden sich natürlich die fünf anderen Bewerber um die sreiwerdenden Ratssitze, die ihre eigenen Chancen vergrößern wollten. Als Kuriosum, das für die Versammlung etwas beschämend ist, sei festgestellt, daß nicht weniger als 3 8 Staaten der belgischen Delegation vor der Wahl ausdrücklich versichert hatten, sie würden für die Wiederwählbarkeit stimmen! Von der deutschen Delegation kann jedenfalls mit absoluter Gewißheit gesogt werden, daß sie ihr Versprechen gehalten hat. Die westerplatte bleibt vorläufig besetzt. Nach der Dollsitzung eilte alles nach dem Völkerbundssekretoriat am anderen Ende von Genf, wo eine wichtige Sitzung des Rates stattfand, um die vier noch schwebenden Danziger Fragen zu erledigen. Di« wichtigste betraf den Antrag Danzigs auf Auf- Hebung der Entscheidung des Völkcrbundsrates bezüglich des Rechtes Polens auf ein M u n i t i o n s d e p o t auf �Hr Westerplatte. Das vom Rat am 1. September eingesetzt« Juristenkomite«, an dem die Rechtsberater von zehn ratsvertretenen Nationen teilnahmen, hat nach vier langen Sitzungen ein sehr ausführliches Rechtsgutachten von großer völkerrechtlicher Bedeutung gefällt. Dieses Gutachten verneint die Möglichkeit, ein« frühere Entscheidung des Rates zu revidieren, falls neue Tatsachen«in- treten; in diesem speziellen Falle stellt es sich aber auf den Stand- punkt, daß die frühere Entscheidung über die Westerplatte eine schiedsrichterliche Entscheidung darstellt, die im Einverständ- niz zwischen den beiden Parteien aufgehoben werden kann, besonders wenn neue Tatsachen vorliegen(deren Vorhandensein e� übrigens einstweilen verneint). Es bleibe immerhin Danzig die Mög- lichkeit übrig, diesen Punkt in einem neuen Verfahren auf- zuwerfen, allerdings erscheinen die Aussichten Danzigs vorläufig nicht gerade günstig. Die Frage des Klagerechts der Eisenbahner wurde auf einen späteren Termin vertagt, ebenso die Frage der Ex- terrilorialitöt der Westerplatte. Nur der ein« Punkt, der eine Aenderung in der Verwendung eines Teiles der Danziger Anleihe betrifft, wurde im Sinne des Gutachtens des Finanzkomitees cnt- sprechend den Wünschen Danzigs erledigt. verfahren gegen einen nationalifiifihen Hetzer. Paris, 15. September. Wie der„Avenir" mitteilt, ist gegen den.Herausgeber der Pariser Zeitung.Llux Ecoutes", Paul L e v y, in der der Geheim- bericht des Generals Guillaumat veröffentlicht wurde,«in Verfahren wegen Spionage eingeleitet worden. Levy erklärte, er habe dem Untersuchungsrichter gegenüber betont, die Veröffentlichung des Berichtes sei nur zu dem Zweck erfolgt, eine übermäßige V e r- Minderung der Besatzungstruppen und die Räumung des Rheinlandes zu verhindern und dieser Zweck sei wenigstens teilweise erreicht worden. e' Reichstag frühestens am 17. Oktober. Sozialdemokratie für sofortigen Zusammentritt. Der Aeltestenrat des Reichstags beschloß am Donnerstag, den Beginn der S o n d e r t a g u n g des Reichs- tagss auf den 17. Oktober festzusetzen. Die Tagung soll nur der Beratung des Schulgesetzes, der Beamtenbesoldung und des Liquidationsschädengesetzes dienen. Fraglich tst, ob das Liquidationsschädengesetz bis dahin dem Reichstag bereits vorliegen wird. Die Tagung soll nur eine Woche dauern. Der Beginn der eigentlichen Wintersession des Reichstages, der von der Regierung für den 21. November verlangt wurde, soll später festgesetzt werden, wobei von den Regierungsparteien der 22. November in Aussicht genommen wird. Die Sozialdemokraten sprachen sich für eine Tagung noch im September zur Beratung der Mietenerhöhung, der Krtsenfürsorge und der Amnestiefrage aus, ebenso die Kam- munisten und Demokraten, während die Regierungsparteien einschließlich der Wirtschaftspartei sich ablehnend ver- hielten. Auch die Beratung des Rentneroersorgungsgesetzes in der Zwischentagung wurde von den Regierungsparteien abgelehnt. � Zu Beginn der Sitzung hatte Präsident Lobe unter Zustimmung sämtlicher Parteien festgestellt, daß die Zeitungs- Nachrichten falsch seien, wonach der Reichsinnenminister Keudell der preußischen Regierung den Vorwurf der Verzögerung des Reichsschulgesetzes gemacht habe. Minister Keudell habe ausdrücklich erklärt, daß die preußische Regierung ihm bereits im Juni mitgeteilt Habe,-daß ihr eine frühere endgültige Stellungnahme als Mitte September nicht möglich fei. Sefolüungsreform unü Stäüte. Beratungen im Deutschen Stüdtetag. Der Finanzausschuß des Deutschen und Preußischen Städtetages verhandelte gestern, Mittwoch, über wichtige Fragen der kommunalen Finanzpolitik, u. a. über den preu- Hischen Finanzausgleich, die kommunale Anleihepolitik und die Frage der Besoldungsreform. Dabei trat die einmütige Auffassung zutage, daß der jetzt geltende Finanzausgleich in Preußen, insbeson- der« die gegenwärtig« Einkommen- und Körperschaftssteuerverteilung als unzulänglich empfunden werde. Die vom Stödtetag vor- bereiteten Reformvorschläge sollen den verschieden gelagerten Ver- Hältnissen der einzelnen Städte mehr gerecht werden. Scharfe Kritik wurde an der Politik der Beratungsstelle für Auslandsanleihen im Reichsfinanzministerium geübt. Der berechtigte Kreditbedarf der Städte für werbende Zwecke und für Wohnungsbau müsse mindestens im gleichen Maße Berllcksichti- gung finden wie der Kreditbedarf der privaten Wirtschaft. Die Notwendigkeit einer durchgreifenden Besoldung?. r« f o r m wurde allgemein anerkannt. Doch wurden ernste Besorg- nisse laut, wie die durch die Erhöhung der Beamtengehälter not- wendig werdenden Mehrausgaben ohne eine Aenderung des Finanzausgleichs aufgebracht werden sollen. Während sich das Reich in der glücklichen Lage befinde, die Besoldungsrcform aus laufenden Einnahmen bestreiten zu können, sollten die Einnahmen der Gemeinden durch die in Aussicht genommenen neuen Steuergesetze weiterhin abgebaut werden. Falls diese Tendenzen verwirk- licht würden, und insbesondere etwa die zurzeit im Gange befindliche Agitation der Filminteressenten für Aufhebung der K i n o st e u e r Erfolg haben sollte, würde eine große Anzahl deutscher Gemeinden ohne jede Schuld in ernste finanzielle Bedrängnis geraten. * Der bayerische Städtebund hat in einer Eingab« an den Reichs- finanzminister zuni Ausdruck gebracht, daß ihm die Durch- sührung der Besoldungs reform ohne entsprechend« Aenderung des Finanzausgleichsgesetzes unmöglich erscheint. DerStanö»er Strafrechtsreform Reform für das Volk— aber abseits vom Volke? O. G. Karlsruhe, 14. September. Die Internationale Kriminalistische Vereinigung, begrün- det von Franz v. Liszt, war einst ein Pionier der Strafrechts- reform. Sie hat große Verdienste um die Entwicklung der Strafrechtslehren und des Strafrechts, sie ist die Vor- kämpferin der Grundgedanken des modernen Strafrechts und des modernen Strafvollzugs gewesen. Ihr Weg ging von der Forderung zur Reformforderung. Jetzt, wo die große Strafrechtsreform in Deutschland dem Abschluß entgegengeht, läßt sie deutlich eine Schwächung ihres Reform- willens erkennen. Die Tagung der JKV. in Karlsruhe war dafür symptomatisch. Diese Schwächung des Reformwillens bei einem Stoßtrupp der Strafrechtsreform hat den Gegenkräften Luft gegeben. Ihr Rückstoß hat dazu geführt, daß der vom Reichsrat verabschiedete und dem Reichstag vorgelegte Ent- wurf eines neuen Strafgesetzbuches erhebliche V e r s ch l e ch- terungen gegenüber dem Entwurf von 1925 enthält. Die retardierenden und reaktionären Gegenkräfte find zum Teil sehr seltsamer Art: fiskalische Motive der Länder haben dazu geführt, daß in das neue Strafgesetzbuch Rückschritte gegen- über dem Entwurf hineingearbeitet worden sind. Ebenso in der Frage des Strafvollzugs. Schlechteres Recht und schlech- terer Strafvollzug aus Gründen, die mit dem Recht aber auch gar nichts zu tun haben. Die intensiven und interessanten Auseinandersetzungen auf der Tagung der JKV. in Karlsruhe zeigen sehr scharf, an welchem Punkte die Strafrechtsreform heute steht. Diese Auseinandersetzungen zwischen Reformkräften und Gegen- kräften im Schöße des Stoßtrupps der Reform und die Tat- fache, daß die Reformkräfte sehr lebendig, sehr beredt, die Gegenkräfte als Schwergewicht in der Abstimmung aber sehr wirksam waren, bezeichnete den H a l t e p u n k t, ja die rückläufige Linie der Strafrechtsreform. Es ist eine Reformmüdigkeit eingetreten, eine Resignierung gegenüber dem vorliegenden Entwurf. Es klang aus den Reden der Regierungsvertreter, aber auch aus dem Munde manches Mitglieds der JKV.: die Reform soll jetzt gemacht werden, sie soll sehr schnell gemacht werden, und sie soll vor allem s o gemacht werden, wie der Reichsrat sie fertig- gestellt hat. Eine deutliche Ablehnung des Gedankens, daß im Reichstag die rückläufige Bewegung aufgehalten und der Reichsratsentwurf verbessert werden könnte. Man erkennt dahinter eine Mißachtung der Mitarbeit der Volksvertretung. Es hat nicht an mehr oder weniger lauten Untertönen gefehlt, die deutlich erkennen ließen, daß das Fachjuristentum am Beruf des Reichstags zum Gesetz- geber auf dem Gebiet der Strafrechtsreform zweifelt. Auch das ist symptomatisch für die Lage. Es treten hier Fehler der Vergangenheit in der BeHand- lung des Strafrechtsreform hervor. Das Volk, und namcnt- lich die Arbeiterschaft, blickt mit leidenschaftlichem Interesse auf die Rechtspflege und ihre Schwächen. Aber das, was es sieht, was Erregung, ja Etnpörung hervorruft, das find ihre Auswüchse im sozialen' und politischen Kampfe, ihr Mißbrauch zu Kampfzwecken— nicht die Tatsache, daß ihre rechtlichen Grundlagen gegenüber dem Kullurwandel veraltet sind, daß sie in vielem ein böses Ueberbleibsel von geradezu mittelalterlichen Anschauungen darstellen. Der Ka�ipfwille gegenüber politischer Justiz und Klassenjustiz ist etwas anderes als der brennende Reformwille. der auf eine Erneuerung des Strafrechts, auf die Verwirk- lichung moderner Grundgedanken abzielt, die die Wissenschaft bisher kannte, das Gesetz aber nicht. Das leidenschaftliche Interesse gegenüber dem Mißbrauch der Justiz hat den Blick und das Interesse für die allgemeine Strafrechtsreform im Volke verdunkelt. So kommt es, daß das Reformwerk einem gewissen Abschluß entgegengeht— für das Volk, aber aberabseits vomVolke! Ein kleiner Stoßtrupp von Wissenschaftlern und Praktikern des Strafrechts hat die Re- formbewegung getragen— nicht eine breite und in die Tiefe gehende Volksbewegung. Die Erkenntnis der UnHaltbarkeit, ja in manchem die Ungeheuerlichkeit hat die Leidenschaft weniger Wissender hervorgerufen— sie soll erst noch in drei- tem Strome ins Bewußtsein des Volkes dringen. Es mußte erschütternd wirken, daß Genosse R a d b r u ch in Karlsruhe feststellte, daß in entscheidenden Jahren ange- ficht? der Schwächung des Reformwillens der JKV. die Re- form auf den zwei Augen des Ministerialdirektors Bumke gestanden habe, daß er mit der Fahne des Fortschritts voran- gestürmt fei, so weit, daß er sich manchmal bänglich nach der Gefolgschaft habe umsehen müssen! Die Ursachen des Fehlens einer tiefen Verankerung der Strafrechtsreform im Willen und Bewußtsein des Volkes sind mannigfaltig. Es wirkt die Tatsache, daß jeder, der nicht mit dem Strafrecht in Berührung kommt, sich nicht um seine Pro- blematik kümmert, sondern es hinnimmt, als müsse es fein und so sein. Es wirkt die Staatsferne eines großen Teils des Volkes im vorrevolutionären Regime, das Gefühl, daß das Strafrecht ein Kampfinstrument des herrschenden Regimes und der herrschenden Klasse sei, ein Gefühl, das durch klaffen- mäßige Anwendung des Rechts vertieft wurde. Es wirkt vor allem eine sehr tiefliegende Ursache: Der Kampf der Reformfreunde, der radikalen Krimina- listen, der treibenden und lebendigen Kräfte in der JKV. gilt dem Vergeltungsgedanken, dem instinktiven Sühneverlangen, der aus'religiösen Gedankengängen geborenen Aufeinanderfolge von Schuld und Strafe, gilt einem Strafrecht, das sich hinter sittliches Werturteil und göttliches Gebot versteckt. Der Vergeltungsgedanke, das instinktive Sühneverlangen, das die Wissenschaft, die moderne Strafrechtslehre für überwunden ansieht, lebt jedoch traditionell und instinktiv im Volk als Masse, es lebt im ein- zelnen. der von anderen verletzt wird, es lebt instinktiv selbst in der Brust des radikalsten Kriminalisten, der es mit dem Intellekt korrigieren muß. Es ist eine große Lehre, die die moderne Straf- rechtslehre formuliert, und die, wenn auch nicht rein, in die Strafrechtsreform eindringt. Die Thesen, die der Kongreß von Karlsruhe angenommen hat, führen logisch r a d i- kalen Konsequenzen. Wenn die Strafbemessung von der Erwägung abhängig gemacht wird, welche Mittel nötig sind, um den Täter wieder zu einem gesetzmäßigen und geordneten Leben zu führen, so liegt darin die radikale Ab- wendung vom Vergeltungsgedanken und vom sittlichen Wert- urteil in der Strafe und die Einwendung zum Gedanken des Schutzes der Gesellschaft durch das Strafrecht. Es ist damit ein Weg betreten, der in weiterer Zukunft zur Ausmerzung oller jetzt strafbaren Tatbestände aus dem Strafgesetz führen muß, die nur mit dem Sühneprinzip zu rechtfertigen sind— man denke nur an die Bestrafung eines Lokomotivführers, dem das Unglück zustößt, daß momentanes- Versagen seiner Aufmerksamkeit zur Katastrophe und zur Vernichtung von Menschenleben führt. Die radikale Konsequenz leitet zu dem unendlichen Ziele hin, daß die Strafe aufhört. Strafe zu sein, daß an die Stelle des Begriffs„Schuld" der Begriff„Gefähr- lichkeit für die Gesellschaft" tritt, an die Stelle des Begriffs „Strafe" der Begriff„Sanktion", Sicherungsmaßnahme. Eine große Lehre und groß? Zukunftsperspektiven, getragen vom Ideal wahrer Humanität! Aber dem Laien, der dem Meinungskampf auf der Ta- gung der IKV. in Karlsruhe folgte, mußte notwendig der Gedanke kommen, ob nicht diese Gedankengänge dem Emp- finden des Volkes von heute fremd sind wie eine Geheim- lehre, und nicht nur dem Empfinden des Volkes! Lebt doch instinktives Sühneverlangen heute nicht nur noch im Volke, sondern auch im Richtergeschlecht von heute. Ist es doch be- sonders stark bei allen politischen Komplexen! Deshalb ist es eins Gefahr, daß die Reform dem Volke gegeben werden soll, als Geschenk eines Stoßtrupps der Reform, ohne Appell an feine Mitarbeit, unter Mißachtung seiner Vertretung. ohne daß die großen Grundgedanken wie mit Fanfarenstößen den breitesten Massen verkündet werden. Hier liegt ein großer Fehler der Vergangenheit— aber er darf nicht ein Fehler der Gegenwart und Zukunft bleiben, um der wahren Reform des Strafrechts willen nicht. Denn die Wirksamkeit des neuen Geistes erfordert tiefes Eindringen in Verständnis und Rechtsgefühl des Volkes, erfordert eine tiefgehende Umwälzung überkommener verstockter Anschauungen. Sie erfordert, daß das Volk selbst darüber reden kann, daß nicht das neue Gesetz vom alten Richtergeist verfälscht wird. Mit der gesetzgeberischen Aktion von heute ist die Reform des Strafrechts deshalb nicht zu Ende. Es beginnt das Problem der Wandlung der Anschauungen, es erhebt sich das Problem der Heranziehung eines neuen, von neuem Geiste erfüllten Richtergeschlechts, das Problem der Umgestaltung der Erziehung der Richter. Die retardierenden Kräfte auf der Karlsruher Tagung wollten endlich die Strafrechtsreform los werden— aber die Tagung konnte trotzdem nicht an diesen brennenden Problemen vorübergehen und an der Tatsache, daß die eigentliche Problematik erst beginnt. Hinter dem Strafrecht aber steht das große Kapitel des Strafvollzugs. Auch hier ist ein Reformgesetz vor- bereitet— und auch hier liegt die wahre Reform erst in der Zukunft. Ohne die Reform des Strafvollzugs schwebt die Strafrechtsreform in der Luft. Hier lautet das Problem, das in Karlsruhe scharf herausgearbeitet wurde: Ersetzung des Prinzips der Leidzufügung gegenüber dem Gefangenen durch das SrztehvngsprinLip. Aber auch hier zeigten fich die hemmenden Kräfte. Eine starke und eindrucksvolle Be- tonung des Reformwillens durch Professor L i e p m a n n und Iustizrat G e n tz, durch Professor R a d b r u ch und durch Vorkämpfer des modernen Strafvollzugs wie Ministerialrat Stacke vom sächsischen Justizministerium und Regierungsrat Krebs, den Direktor der Strafanstalt Unter-Maßfeld— auf der anderen Seite Reformunwilligkeit einer Reihe von Ge- fängnisdirektorcn, die mit sich selbst sehr zufrieden sind. Auch hier Reformarbeit im stillen— und Notwendigkeit, das Massenverständnis dafür zu wecken. Es ist leider so, daß für große Teile des Volkes die Strafjustiz am Tore des Ge- fängnisfes aufhört und dahinter eine unbekannte außergesell- schaftliche Welt beginnt. Es ist noch schlimmer! Gegen Schluß der Debatte, in der Theoretiker und Praktiker des neuen Strafvollzugs sich auseinandergesetzt hatten, erhob sich ein hoher Richter, dankte für das, was er gehört chatte und sprach: „Un Richtern ist das Schicksal der Menschen in die Hand gegeben. Wir geben ihn hinaus— und mir wußten bisher doch recht wenig, wohin. Endlich eröffnet sich uns eine weitere Aussicht. Wir müssen lernen aus der Praxis. Es muß sich ein Geschlecht von Richtern entwickeln, das mit dem Strafvollzug verbunden ist und verbunden sein soll." Ein Geständnis, das stärker als alles andere zeigt, daß mit der gesetzgeberischen Aktion von heute und morgen erst ein Anfang der Reform gemacht sein wird, daß demnach die Reform von Strafrecht und Strafvollzug an Haupt und Gliedern brennende Notwendigkeit der Zukunft ist. Diese wahre Reform, ein echter Faktor des Kulturfort- schritts, ist eine Bewegung von säkularer Bedeutung. Mehr noch als bisher muß die Sozialdemokratie als Kulturbewegung lebendiges Verständnis des Volkes dafür wecken. Die sozialistischen Juristen in der JKV. stehen als radikale Kriminalisten an führender Stelle der Reformbewe- gung, eine treibende Kraft, ein mahnendes Gewissen. Das Strafrecht ist im tiefsten Grunde verbunden mit den gesell- schaftlichen Zuständen und der Lage der gesellschaftlichen Kräfte— und die großen Kämpfe dieser Kräfte wirken auf das geistige Ringen um wahre Strafrechtsreform zurück. Zieht man die Bilanz der Tagung von Karlsruhe, so wird diese Rückwirkung sichtbar: lebendiger Reformwille, eindrucksvoll verkündet, in die Zukunft weisend, weit über die gesetzgeberischen Pläne von heute hinaus— aber Beschlüsse, die zu einem guten Teil von der Kraft der reaktiv- nären Mächte zeugen, politisch, ja antisozial gefärbt: Ableh- nung der Beseitigung der Zuchthausstrafe, Ablehnung der Ausscheidung von-Bettelei und Landstreicherei aus der Zahl der strafbaren Handlungen, Ablehnung der Streichung der Kautschukbestimmungen aus dem Hochverratsparagraphen, Ausweichen gegenüber einer klaren Stellungnahme zum Landesverratsunfug, Ausweichen vor einer Entscheidung über die Todesstrafe, Ablehnung der Forderung, daß ohne Ver- schulden nicht beitreibbare Geldstrafen nicht in Freiheits- strafen verwandelt werden dürfen— was direkt antisozial gegen Arbeiter und Nichtbesitzende gerichtet ist, Ablehnung der Zuziehung des Laienelements zum Strafvollzug. So gewinnt man nicht das Interesse, die Sympathie, die lebendige Teilnahme des Volkes am Strafrecht und an der Strafrechtsreform! Bei aller Anerkennung der Leistung der JKV. in der Vergangenheit muß deshalb ihre Schwäche von heute betont werden, die zugleich die Schwächen der Straf- rechtsreform von heute kennzeichnet— uns selbst aber auf die Notwendigkeit verstärkter Aktivität in die Zukunft hin- weist. Gegen Ausfuhr deutschen vrotgetreide,. Die an der Vrotver- sorgung i» Bayern beteiligten Organisationen haben an den Reichs. ernährungsminister ein Telegramm gerichtet, in dem sie um so- sortigc Maßnahmen gegen eine weitere Ausfuhr ein- heimischen Brotgetreides nach dem Ausland« ersuchen. Es wird darauf hingewiesen, daß die diesjährige Ernte Deutschlands durch schlechtes Wetter oerzögert sei und stark gelitten habe. Wahrheit über Rußlanö! Eine Erklärung des Genossen Tr. Ffriedlaudcr. Zu Veröffentlichungen der„Roten Fahne" bittet uns Genosse Dr. Otto Friedender folgender Erklärung Raum zu geben: In meinem vor den Berliner Jungsozialisten gehaltenen Referat habe ich mich ebenso wie bei den verschiedenilichen Borträgen vor anderen Parteikreifen und bei meinen ausführlichen Berichten in der „Textil-Zeitung" als deren Berichterstalter ich Sowjetrußland bereist habe, bemüht, die Dinge nach bestem Wissen und Gewissen so dar- zustellen, wie sie sich mir gezeigt haben. Sind auch in der Berichterstattung über meinen Vortrag vor den Iungsozialisten nicht alle von mir entwickelten Gesichtspunkte mit aller Deutlichkeit zur Sprache gekommen, so wundere ich mich doch, daß dieselbe„Rote F a h v. die es gestern noch für gut befand, mich zum„ausgehaltenen Doktor" und.Lügner" zu stempeln, nun aus mir einen Kronzeugen für ihre Auffassungen von Sowjetrußland machen möchte. Gewiß, ich habe in dem Streben nach vollendeter Objektivität das Gute und das Schlecht« in gleicher Weise hervorgehoben. Ich wollte damit gerade dortun, daß Sozialdemokraten, wenn sie nur die Möglichkeit haben, sich frei in Rußland zu bewegen, ungeachtet oller parteipolitischen Gegensätze bereit sind» zu loben, wo es zu loben, freilich auch zu tadeln, wo es zu tadeln gilt. Im übrigen ist dafür, welchen Schluß ich aus meinen Eindrücken zu ziehen für gut befand, der beste Beweis der. daß ich durchaus als überzeugter Sozialdemokrat aus Sowjetrußland zurückgekehrt bin. Wir haben dieser Erklärung nur hinzuzufügen, daß sie vollständig unseren eigenen Auffassungen entspricht. Wie un- sinnig die Behauptung des kommunistischen Blattes ist, wir wollten die Darlegungen des Genossen Fricdländer ver- fälschen, geht schon aus dem Umstand hervor, daß wir bereits am 18. August einen Artikel Friedländers über seine Ruh- landreise unverkürzt und unverändert zum Abdruck brachten. Ein weiterer wird folgen._ €R beglückwünscht. Michaelis Verdienste, wie JEH sie auffasse. Unser Ehemaliger tdnn bekanntlich von seinen alten Liebhabe- reien nicht lassen. So hat er an den Drei-Monate-Reichskanzler Michaelis zu dessen 70. Geburtstag folgendes Handschreiben ge- richtet: Mein lieber Dr. Michaelis! Zu Ihrem Geburtstage gedenke Ich Ihrer mit den herzlichsten Wünschen in dankbarer Erinnc- rung Ihrer Verdienste um Mich und das Reich in schwerer Zeit. Möchten Sie noch lange segensreich sür das da- niederliegende Vaterland wirken können, insbesondere für die so notwendige religiöse und geistig« Erneuerung unseres Volkes. An- bei sende Ich Ihnen M« i n B i l d. gez.: Wilhelm I. R. Daß sür Wilhelm, der trotz Thronverzichtes noch als Impe- rator Rex zeichnet, sein Ich vor dem Reich steht, verwundert uns nicht. Bor mehr als hundert Iahren hat schon der Philosoph I. G. Fichte diesen monarchistischen Größenwahn mit den beißenden Worten getadelt:„Der Monarch ist vor dos Volk gesetzr, gleich als ob er nicht dazu gehöre." Im vorliegenden Falle trifft Fichte? Wort durchaus zu. Michaelis„Verdienste" um das Reich bestanden bekanntlich darin, daß er den vom Papst unternommenen Friedens- versuch sabotierte und damit die Vorbedingungen des Zusammen- brucl-s von 1S18 schuf. WUhelm hat ja immer ein scharfes Auge für Verdienste ge- habt. So dekorierte er, wie bekannt, nach der Uebergabe Port Arthurs den russisckzen Kommandeur der Festung, General Stoesscl, mit dem Orden Pour le Merite, was auch für„Verdienst" heißt. Die Russen selber schätzten Stoessels Verdienste so hoch, daß sie ihn vor ein Kriegsgericht stellten und zum Tode verurteilten. Auch Michaelis Verdienste um das deutsche Volk könnten nur von einem Staatsgerichtshof voll gewürdigt werden. Der Sowjetgesandle In Wien, Jen Bersin, ist zum Vertreter der Sowjetunion bei der Ukrainischen Sowjetregierung ernannt worden; nach Wien kommt I u r j e n j e w. Isaöora vuncan. Di« einst weltbekannte„Barfußtitnzerin-- Isadora Diman würbe, wie wir an anderer Steile unseres Blatt»« melden, das tragische Opler eines eigenartigen Unglückssalles Ein Vierteljahrhundert ist es her, daß die amerikanische Tänzerin Jsadora Duncan ihre erste Rundreise durch Europa antrat, um für eine neue Art des Tanzes Propaganda zu machen. Es waren nicht durchaus eigene Ideen, die sie uns brachte. Der französische Schauspieler und Tanzlehrer Delsarte hatte eine Lzhre> von der neuen Körperkultur geschaffen, und mit ihr namentlich in Amerika Beifall und Anhänger gefunden. Don dieser Lehre gwg die Duncan aus, als sie den ersten Anstoß zur Reform des Kunsttanzes gab. Der Tanz— lehrte sie— müsse natürlicher und müsse ernster werden. Um die Natürlichkeit zu fördern, legte die Dunccan das Gazcröckchen, die Trikots und Tanzschuhe ab und tanzte nacktbeinig in Gewändern, die an antike Formen erinnerten. Um dem Tanz ein ernsteres Gepräge zu geben, lehnte sie die übliche Begleitung leichter Tanzmusik ab. Sie tanzte nicht mehr Strauß und Couperin, sondern Beethoven, Bach und Chopin. Di« Tanzleistungen der Duncan waren kaum mittelmäßig. Die Amerikanerin hatte keinen Tropsen echten tänzerischen Blutes. Aber durch ihre Theorie, durch die Vorträge, mit denen sie bei ihrem ersten Auftreten ihre Vorsllhrungen einzuleiten pflegte, hat sie auf- klärend und reformatorisch gewirkt. Freilich war auch Ihre Theorie keineswegs einwandfrei. Die Duncan ging von der Kunst der alten Griechen aus, bei denen sie ihr Ideal einer schönheitlich stilisierten Natur zu finden meinte. Sie gab Gesten und Stellungen wieder, die sie auf antiken Vasenbildern, an Reliefs und Statuen gesehen hatte, und ihre Kunst bestand im wesentlichen darin, durch tänzerisch? Bewegungsreihen eine dieser Stellungen mit einer anderen zu ver- binden, gewissermaßen von einem lebenden Bild zu einem anderen hinüberzutanzcn. Sie gestaltete also ihre Tänze nicht schöpferisch aus ihrem Inneren heraus, sondern sie ahmte äußere, gegebene Formen nach. Sie bot nicht eigene Kunst, sondern Kunst aus zweiter Hand. Und sie ließ die Tanzbewegungen nicht organisch eine aus der anderen herauswachsen, sondern sie fügte äußerlich, Verstandes- mäßig eine Bewegung an die andere, um zu künstlerischen Be- wegungsreihen zu gelangen, die die Höhepunkte ihres Tanzes, die gegebenen antikisierenden Attitüden, miteinander verknüpften. Das Verfahren der Dunccan war von Grund aus unfrei, un- künstlerisch, unfruchtbar. Einen Fortschritt gegenüber dem alten, dem Ballettanz, bedeutet« es aber insofern, als es den ganzen Körper m den Dienst des tänzerischen Ausdruckswillens stellte. Die Tänze der Duncan beruhten nicht, wie der Ballettanz, auf einseitiger Bein- atrobatik, sondern es wirkt in ihnen, und zwar als vornehmstes Ausdrucksmittel, die Spräche der Arme und sogar das Mienenspiel mit. Dadurch erhielten ihre Tänze wenigstens äußerlich den Schein des Durchgeistigten. Bcscellcn. Aber wenn auch die Duncan nichts weniger als eine gute Tänzerin war, wenn auch ihre Theorie von falschen Voraus- setzungen ausging, und wenn auch von ihren Reformideen heute nichts lebendig geblieben ist, als etwa die Gewohnheit, nacktbeinig zu tanzen, so muß ihr gerechterweise doch das historische Verdienst zugestanden werden, daß sie als erste den Bann gebrochen hat, der die Entwicklung des Kunsttanzes lähmte. Sie hat nicht den Weg gezeigt, der aus der Sackgasse herausführte, aber sie hat die Welt darauf aufmerilam gemacht, daß es noch eine andere Art von Kunst- tanz geben könne, als das Balleth John Schikowsti. Marke hat gestohlen. Vor 21 Jahren erblickte sie das Licht einer Stearinkerze auf der als Nachttisch dienenden Apfelsinenkiste. Die markantesten Eindrücke ihrer ersten Jugend rrägt sie noch als dick« Srriemen auf allen Körperteilen. Früh starb die Mutter, und man erzählte dem kleinen Mädchen, der Tod der Mutler fei darauf zurückzuführen, daß diese vielzuoiel Lysol getrunken habe, teueres Lyjol. das die Der- blichene unterschlagen habe, denn es gehörte einem Fabrikdirektor und sollte zum Reinigen von Aborten verwandt werden. Die feinere Psycholog!« führt hierauf die kriminell» erbliche Belastuno. zurück. Weitere belastende Momente findet man in ihren Jugcndennnerun» gen. Sie erinnert sich, von ihren Pflegeeltern abwechselnd Marie und„Stück Aas" benannt worden zu fein. Der Hang zum leichten Leben und die Putzsucht dokumentieren sich in der Tatsache, daß die Person«inen Bubikopf trägt, oerdächlig ist gleichfalls die sauber- Kleidung. Ihre Angaben, das kurze Haar sei ein« Folg« einer ärztlichen Maßnahm« nach einem gewaltsam verursachten Sturz von einer Treppe und nachfolgender Gehirnerschütterung, erscheint sehr unglaubwürdig, wenn nicht mehr. Di« Fürsorgeerziehung soll nicht � die erwarteten guten Frücht« gezeitigt haben, denn es ist erwiesen. daß Marie, kaum einige Monate in der vermittelten Dienststellung als Kuhmagd, von dem guten Arbeitgeber einen freien Nacymittag beanspruchte, was natürlich im Hinblick auf ihre kriminelle Veron- lagung verweigert wurde. Eines Tages bemerkt« der Bauer, die Morgenmilch der von Marie zu melkenden Kühe differiere um drei Liter nach unten. Da Marie mit fremden Leuten keinen Umgang pflegte, log es auf der Hand, daß sie in verbrecherischem Vernichtungswillen die Milch selbst ausgetrunken habe. Jetzt warf die ganze Familie des Dauern je ein scharfes Auge auf Marie. Als zwei Sack Korn aus der Scheune verschwanden und Marie in ihrer Verlogenheit behauptete, sie hätte gesehen, wie der junge Herr Ludwig, achtbarer Sohn de? Hauses, die Säcke eines Abends, fortgefahren habe, da wußte man sofort, diese saute Ausrede soll die'Täterschaft von ihrer Person ablenken. I Aber restlos voll wurde das Maß, als der achtbare Sohn Lud- wig aus seiner Brieftasche einen größeren Geldbetrag vermißte. Die sofort vorgenommene Inoenturaufnahme des gesamten Hofes bestätigte denn auch endlich den gehabten Verdacht: es fehlten zwei Wassereimer, eine Wagenrunge, zwei Teelöffel, ein Hemd der Haus- frau und eine versiegelte Flasche Kognak. Jeder wird verstehen, daß man eine notorische Diebin nicht in einem achtbaren Haushalt dulden darf, ihre Stehlsucht vermag eine reiche Familie in kurzer Zeit an den Bettelstab zu bringen. Luch im Interesse der Gesellschaftsordnung muß reiner Tisch gemacht werden: Marie flog aus die Straße, Mit List und Tücke, dank angeborener Schlauheit, gelang es ihr, eine Stellung bei einer lieben guten Dame in der Stadt zu finden. Obwohl diese durch Er- kundigungen von dem finsteren Aorleben der Marie wußte, wollte die Dame es mit ihr bei entsprechend verkürztem Lohn versuchen. Das Schicksal wollte es, daß die gute Dame in der Stadt in eine Beleidigungsklage verwickelt wurde, und Marie muhte als Be- lastungszeugin vor'Gericht gegen ihre eigene Herrin austreten. Liegt hierin schon die ganze Verworfenheit der Mari«, wieviel erst in dem Umstand, daß sie Positives aussagt«. Zwar wurde man den Eindruck nicht los, Marie glaube in ihrer geistigen Beschränktheit Ihrer guten Drotgeberin einen Dienst erwiesen zu haben, aber jeden- falls wurde die gute Dame oerurteilt. Die gute Dame geriet in ein« maßlos« Wut, versprach Marie � die prompte Kündigung und bis dahin die Hölle auf Erden. Auf dem Korridor des Gerichts aber gab sie einem gelangweilten und interessiert aufborchendcn Publikum Maries Lebenslauf zum besten. Marie weint« still in einer Ecke vor sich hin. Die gute Dame sucht «in neues Dienstmädchen, Lohn monatlich 20 Mark, Arbeitszeit von früh 6 Uhr bis abends 11 Uhr, warmes Essen und gutes Bett in gesunder Bodenlust. Bitte nicht drängen. B a r t o l u s. Slücher gegen LuSenöorff. Ludendorff, der— weil crfolßlos— Mit dem Schicksal ganz oerzürnt, Hat geschästig«ine Dolchstoß- Neuerklärung sich enthirnt: Nur der Freimaurer Intrigen, Die geheime Herr'n der Welt, Hätten ihm beim schönsten Siegen Hinterrücks ein Bein gestellt. Gegen feine Stirn getupfet Hat ein jeder, der dies las Doch die Maurer, arg verschnuvfet, Sagten: Das geht über'n Spaß, Und sie setzten dem Strategen. Der so falsche Töne bläst. Eines Feldherrn Wort entgegen, Der selbst Freimaurer gewest: Blücher hat mit derbem Fluche Einst energisch Front gemackzt Gegen„elende versuche der Berleumdermiedertrocht". Ludendorff, das hat gesessen. Aber— daß sie just dein Blech Mit des Siegers Wort gemessen— Das ist dein besond'res Pech! Mich, von Lindenhecken. Za der Volksbühne. Theater am Bülowplatz, findet eine Neileiiistudierung von Schillers..Kabalc und Liebe" unter der Regie von Fritz Holl statt Lühnenbilder: Edward Suhr. Der Müller von Glienicke ermoröet. Mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Zur Aufklärung eines kapikalverbrechens wurde heule morgen die Mordkommission der Berliner Kriminalpolizei nach dem großen Dorfe Glienicke im Kreise Beestow-Slorkow gerufen. Etwa ZVO Meter von diesem Dorfe entfernt liegt das Gehöft des Mühlenbesitzers Emil M ä r k e r, eines Mannes von 44 Jahren. Ebenso weit von dem Gehöft mit der Wohnung ab steht die Windmühl«, die der Besitzer allein betrieb. G« st e r n abend verabschiedete sich Märker von seiner Frau und seinen vier Kindern, um sich zur Nachtarbeit nach der Mühle zu begeben. Die Familie ging gleich darauf zu Bett. Heute morgen vermißte Frau Märker, als sie erwachte, ihren Mann, der schon hätte zurückgekehrt fein müssen. Sie ging nach der Mühle zu, fand dies« zu ihrem Erstaunen offen stehen und noch beleuchtet. Da sie nichts Gutes ahnte, so holte sie einige Leute herbei, mit denen sie dann nachsah. Jetzt fand man vor der Mühl« eine große Blutlach«. Märker wurde vergeblich in der ganzen Mühle gesucht. Als man näher zusah, fand man, daß von der Blutlache eine Spur den Abhang hinunterfllhrte. Man ging ihr nach und entdeckte jetzt in einer Erdvertiesung, etwa zehn Schritte von der Blutlache entfernt, die Leiche Märkers. die mit einem Bund Stroh zugedeckt war. Dem Manne war die Kehle durch- schnitten. Wahrscheinlich ist er auch angeschossen worden. Der Amtsvorsteher Wuls von Glienicke, der sofort von dem Ber- brechen in Kenntnis gesetzt wurde, alarmierte die Landjägerei und die Staatsanwaltschaft von Frankfurt a. d. O, Der Oberstaats- anwalt wandte sich alsbald an die Berliner Kriminalpolizei um Entsendung der Mordkommission nach dem Tatort. Der Chef der Kriminalpolizei, Regierungsdirektor Dr. Hagemann, entsandte die Kommissare Werneburg und Ouoß mit ihren Beamten und Beamten des Erkennungsdienstes. Die gemeinsamen Feststellungen ergaben, daß Märker in der Nachtzeit auf seiner Mühle noch tätig gewesen und irgendwie von der Arbeit weggelockt worden ist. Mehrere Bewohner von Alt-Glienicke be- künden, daß sie dort gestern abend fremde Leute beobachtet hätten. Sie wollen auch in der Nacht mehrere Schüsse ge hört haben. Es ist möglich, daß diese Schüsse Märker veranlaßt haben, aus der Mühle herauszutreten, um zu sehen, was es gäbe. Er kann aber auch auf eine andere Weife herausgelockt worden sein. Wahrscheinlich ist er gleich beim Heraustreten aus der Mühle angeschossen worden. Die Verbrecher, vielleicht auch nur einer, haben ihm dann sofort die Kehle durchschnitten und die Leiche den Abhang hinuntergeschleift und in der Vertiefung hingelegt. Ob sie dem Ermordeten etwas geraubt haben, ließ sich noch nicht feststellen. Die Mordkommission und die Landjägerei haben die Ermitt- lungen nach allen Richtungen sofort in die Wege geleitet. Eine Spur der Verbrecher ist aber bisher nicht gefunden. Der Mord erregte in der Gegend ungeheures Aufsehen. Am Tatort erschien persönlich auch der Oberstaatsanwalt von Frankfurt a. d. O. Das Urtek! über Tueatis tzelfer. Haft und Gefängsnisstrafen. S a v o n a. 15. September. 3m Turati-Prozeß wurde in der vergangenen Nacht das Urteil gefällt. Die beiden Flüchtlinge Philippo Turati und der Advokat D e r d I n i. die Professoren R o s e l l i und P a r r i, der Vcrmiltler des Motorbootes da L o o e und der Benzinlieferant B o y a u c e wurden zu zehn Monaten Haft verurteilt. Der Kapitän 0 x i l i a. der das Boot nach Korsika gesteuert hatte, wurde wegen erschwerender Umstände zu 1 3ahr, 1 Monat und 2 0 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Reeder Spirito, der Journalist Aldini und zwei andere Angeklagte wurden freigesprochen. Das Urteil von Savona ist an Infamie immerhin hinter dem Antrag des Staatsanwalts zurückgeblieben. Trotzdem bleibt dieser Prozeß und sein Ergebnis eine ungeheure Schmach für das faschistische Italien. Die beiden politischen HaNptangeklagten R o s e l l i und P a r r i haben sich durch ihre tapsere Befreiungstat an Turati den Dank aller anständigen Menschen oerdient, sie sind dadurch selbst zu Märtyrern der italienischen Freiheitsbewegung ge- worden. Professor Carlo R o s e l l i ist erst 29 Jahre alt. Er ist der sozialistischen Bewegung im Jahre 1923 nach dem„Marsch auf Rom" beigetreten, als man das Gefängnis und selbst den Tod ris- lierte, wenn man sich zum Sozialismus bekannte. Er lehrte Ratio- » a l ö k o n o m i e an der Hochschule für Wirtschaftslehre in Genua. Im Jahre 1926 gab er dies« bequeme Stellung aus, um ein k u l t u r- sozialistisches Wochenblatt zu gründen, das wenige Monate später oerboten wurde. Sein Haus in Florenz wurde am IS. Juli 1925 von den Faschisten z« r st ö rt, die«inen Schaden von 150 006 Lire anrichteten. Professar Ferruccio Porri ist«in Liberaler. Vor dem Kriege unterrichtete er in Mittelschulen. Nach dem Kriege trat er in die Redaktion des„Corriere dessa Sera" ein, wo«r bis zum No- vember 1925 blieb, als der Senator Albertini gezwungen wurde, die Leitung des Blattes nlederzulegen und den Faschisten abzutreten____ Als Mitschuldige von Turati verhaftet, der auf irregulärem Wege ins Ausland gegangen war. hotten Rosselli und Parri ein Anrecht, entsprechend dem italienischen Gerichtsverfahren, inFreiheitge- lassen zu werden. Der Richter verordnet« aber ihre Verhaftung. Deshalb wurden sie wie Verbrecher gefesselt und auf der Insel Ustica interniert, von wo sie zu dem Prozeß nach Savona übergeführt wurden. Zu der Tat, für die sie verurteilt worden sind, hatten sie sich mit aufrechtem Stolz bekannt. Parlament unter Zensur. So regiert man in Spanien. Madrid, 15. September. Der Erlaß über die Einberufung der Nationalversammlung ent- hält folgende Bestimmungen: Der König hat das Recht, die grundsätz- lich auf d r e i I a h r e festgesetzte Dauer der Nationalversammlung zu verlängern und zu kürzen. Die Nationaloersammlung wird aus mindestens 325 und höchstens 375 Mitgliedern bestehen. Frauen dürfen Mitglieder werden. Mitglieder werden u. a. sein: Der Oberbefehlshaber der See streitkräfte, der Chef des A d m i r a l stabes, die Generalkapitäne der Armee, die Präsi- denten des Staatsrates, der obersten Gerichte, sowohl der Zivil- wie der Militär- und Marincgerichtsbarkeit, die E r z b i s ch ö f«, die Staatsanwälte am Staatsgerichtshof, die Gouverneure der Bank von Spanien, der Hypothekenbank und der Bank für Kredit, außerdem als Vertreter von Madrid und Barcelona die kommandierenden Generäle dieser militärischen Befehlsbereiche, ihre beiden Zivilgouverneure, Bischöfe, Bürgermeister und die Rektoren ihrer Universi- täten. Der Präsident der Nationalversammlung wird 25 000 Pesetas Repräsentationsgelder erhalten, der Vizepräsident 10 000 Pesetas, die vier Schriftführer 5000 Pesetas; außerdem die Anwesenheitsgclder von 25 Pesetas für jede Sitzung und 50 Pesetas für jede Dundesrats- sitzung. Der Nationaloersammlung werden ferner angehören die früheren Minister und Generale, die Mitglieder des D i r e k- � o r i u m s und die Präsidenten der amtlichen Kommissionen. Die freien Berufe werden ebenfalls vertreten sein. Die Veröffentlichung der Verhandlungen der National- Versammlung soll der Zensur unterstehen! Keine Vorlage darf mehr als drei Stunden diskutiert werden! Jeder Redner wird nur 20 Minuten zum gleichen Thema sprechen dürfen. Der Sejm vor öem Kampfe. Wird Pilsudsti die Session wieder schlieft«;»? Marschau, 15. September(Eigenbericht.) Dienstag fand eine Konferenz der Partei führer mit Sejm- und Senatsmarschall statt, in der als Termin für die erste Sitzung des S e j n> der Montag festgesetzt wurde. Als Tages- ordnung der Sitzung wurde die Tagesordnung der letzten Sitzung der vorigen Session bestimmt, die zur Schließung des Sejms geführt hatte. Unter anderem handelt es sich um die Ablehnung de» Pressedekret«, der Verleihung des Selbstauslösunge- rechtes an Sejm und Senat u. m. Es bleibt abzuwarten, ob die Regierung diese Frage durch das Parlament erledigen lassen wird oder ob sie auch diesmal die Tätigkeit des Parlaments durch eine plötzliche, nicht dem Geiste der Verfassung entsprechende Schließung des Sejm» unterbrechen wird. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die bevorstehende Session den Höhe- punkt des feit Mai vorigen Jahres andauernden Konfliktes zwischen Sejm und Regierung bilden wird. Die Internationale öer Hausbesitzer. Ter Völkerbund soll ihnen hohe Mieten garantieren! Haag. 15. September. Auf dem hier tagenden Kongreß des internationalen Verbandes der Haus- und Grundbesitzervereine wurden von feiten der österreichischen Haus- und Grundbesitzervereine lebhafte Klage über die Behandlung der Hausbesitzer in Oestsrreich geäußert. Das Verbandsbureau wurde vom Kongreß ermächtigt, in dieser Ange- legenheft einen Protest beim Völkerbund einzureichen, der damit begründet werden soll, daß in Oesterreich die Grundsätze des internationalen Rechts über die Unverletzlichkett des Privateigentums verletzt worden seien. Der Kongreß nahm eine Entschließung gn, die sich gegen die Zwangswirtschaft im Wohnungswesen richtet und in ollen Ländern die Rückkehr zur freien Wirtschaft im Haus- und Grundbesitz als der normalen Wirtschaftsform fordert. Der Daron sucht Dumme. Ein adliger Heiratsschwindler verhaftet. Der Titelsucht und der stummen und dummen Verehrung des Aristokratentums sind wieder einige von denen, die nicht alle werden, zum Opfer gefallen. Ein 27 Jahre alter Baron Eberhard von Schoeller war früher wegen kleinerer Schwindeleien zu einer Strafe oerurteilt worden, die er noch verbüßen sollte. Um sich ihr zu entziehen, begab er sich nach Schweden. Der schwedischen Sprache mächtig, fand er leicht Anschluß. So lernte er auch eine nicht mehr ganz junge Dame kennen, die sich in ihn verliebte. Obwohl sie verheiratet und noch nicht geschieden ist, reiste sie ihm nach Berlin nach, weil ihr der Baron, der in Schweden seinen richtigen Namen führte, versprochen hatte, sie sofort nach der Scheidung zu heiraten. Beide wohnten in einem Pensionat in der Augsburger Straße. Von Schoeller erzählte der Dame, daß er ein Autofuhr- wefen gründen wolle. Zu diesem Zwecke suche er Mittel. Die Dame war gern bereit, ihn zu unterstützen und verkaufte Hypotheken und Aktien, die sie besaß. Vor einigen Tagen erhielt sie 14 000 Mark ausgezahlt. Der Baron nahm das Geld in Empfang und fuhr angeblich ab, um außerhalb Berlins Autodrofchken anzukaufen. Bald darauf entdeckte die Schwedin, daß er auch ihre Perlen- kette im Werte von 10 000 Mark, einige andere Schmuck- fachen und zwei Damenuhrcn im Werte von 500 Mark mit- genommen hatte. Jetzt wandte sie sich an die Kriminalpolizei, die auch ermittelte, daß der Schwindler einmal geäußert hatte, nach Chemnitz fahren zu wollen, um dort ein Motorrad zu kaufen. Die Chemnitzer Kriminalpolizei konnte den Schwindler fest- nehmen, als er in einem Geschäft erschien, um ein Rad zu kaufen. Der Verhaftete war in einem Hotel unter falschem Namen abgestiegen und hatte die Absicht gehabt, mit dem Motorrad das Weite zu suchen. Ein Teil des Geldes und die Perlenkette wurde bei ihm noch gefunden. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung feines Treibens in Berlin nimmt die Dienststelle D. 5 der Kriminal- polizei entgegen._ Oer republikfeinüliche Staötarzt. Das Spandauer Bezirksparlament erlebte am Mittwochabend ein« große Flaggendebatte. Den Anlaß da- zu gab ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der forderte, daß der Bürgermeister disziplinarisch gegen den Stadtarzt Dr. v. Vage des vorgehen solle, weil dieser in einer Sitzung der Gesundheitskommission in verächtlicher Weise von den Rcichsfarben gesprochen hatte. Als er in einer Sitzung gefragt wurde, ob er zum Derfassungstage eine Reichsflagge für das Genesungsheim Wons- darf beschafft habe, erklärte der Stadtarzt:„Ich habe ein schwarz- rolgelbes Tuch hlnausschassen lassen!" In dieser Aeußerung er- blickten die Republikaner eine Schmähung der Reichsfarben. Daß v. Vagedes diese Aeußerung mit Vorbedacht getan hatte, geht dar- aus hervor, daß er sie ein zweites Mal wiederholte. Zu dem Antrage erklärte Bürgernieister S t r i t t e r, daß«r der Auffassung sei, die Reichsflagg« müsse wohl gegen Schmähungen geschützt werden: in der Aeußerung des Herrn v. Vagedes erblicke er jedoch keine so schwere Verfehlung, daß er deswegen disziplinarisch gegen ihn vorgehen müsse. Der deutschnationale Be- zicksoerordnete Dr. K r u m r e y. ein noch im Amt befindlicher Landgerichtsrat. vertrat die Meinung, daß o. Vagedes einwandfrei gehandelt habe. Der Kommunist Sellheim benutzre die Ge- jegenheit, in gehässigster Weise gegen die Sozialdemokratie und die Rcichsfarben zu wettern und vor allem seine Bundesbrüder- schaft mit den Deutsch nationalen im Kampfe gegen die Republik wieder einmal dars>utun. Der Vertreter des Zentrums, Rettor Galle, ging scharf mit den Deutschnationalen ins Gericht und legt««in offenes Bekenntnis für die Republik ab. Ein gleiches tat Dr. H l r s ch f e l d von den Demokraten. Schließlich wurde der lozlaldemokratisch» Antrag mit den Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrum« und der Demokraten angenommen. Od jedoch der Bürgermeister gegen v. Vagedes vorgehen wird, scheint mehr als zweiielhast: erklärte er doch, daß er trotz Annahme des fozialdemo- kratischen Antrages keinen Grund zum dlsziplinari- scheu Einschreiten gegen den Stadtarzt sehe. Elsenbahners Tod. Auf dem Güterbahnhof in Königswusterhausen ereignete sich heute früh gegen?L8 Uhr ein tödlicher Unfall. Der 22jährige Schlosser Walter Jen- jen aus der M i r b a ch st r. 24 vom Eisenbahnbetriebswerk Grünau wollte die Gleise überschretten und übersah einen heranrollenden Rangierzug. Er wurde von der Lokomotive erfaßt und schwer ver- letzt. Em sofort hinzugerufener Arzt vermochte dem Verunglückten keine Hilf« mehr zu bringen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in die Königswusterhausener Friedhofshalle gebracht. wer hifl? Die Berliner Arbeitsgemeinschaft der Kinder-' freunde hat in Birkenwerder ein Stück Land gekauft, um den Berliner Kindern Gelegenheit zum mehrtägigen Aufenthalt in freier Natur zu jeder Zeit zu geben. Auf diesem Grundstück steht eine Scheune, die unbedingt abgerissen werden muh. weil sie eine Gefahrenquelle für die Kinder ist und weil der Platz für die Aufstellung einer Baracke gebraucht wird. Die Berliner Helfer, die ehrenamtlich schon alle Sonnabende und Sonntage dort arbeiten können allein den Abbruch vor Beginn der Herbstferien nicht mehr schaffen. Bis zu den Ferien soll aber die neu« Barocke aufgestellt werden, um mehreren Kindergruppen Gelegenheit zum Ferienausenthall dort zu geben. Deshalb bitten die Kinder- freunde Parteigenossen, die bereit sind, ihnen bei der Abbrucharbeit zu helfen, sich bis zum Freitag bei der Ge- nossin Friedet Warmuthzu melden oder am Freitag, von 13 bis 16 Uhr, zu ihr in die Geschäftsstelle, Lindsnstraße 3, 2. Hof, 2 Tr., zur näheren Besprechung zu kommen. Wir erwarten, daß sich Ge- nossen finden werden, die bereit sind, einige Sonnabend- oder Sonntagstunden für diese Hilssarbeit für unsere Kinder zu opfern, damit in den Herbstferien die Kinder in Birkenwerder sich tummeln können. Jubiläum üer staatlichen Impfanstalt. Vor 125 Jahren, im Jahre 1802, wurde in Berlin die staatliche Jmpfanstalt eröffnet In Preußen war die Schutzpockenimpfung eingeführt worden, und die Jmpfanstalt hatte bei der Durchführung dieser Maßregel mitzuwirken. Die für die Impfung erforderliche Lymphe in einwandfreier Beschaffenheit zu liefern und stets in ausreichenden Mengen bereitzuhalten, ist Aufgabe der Jmpfanstalt. An der Jubiläumsfeier, die gestern im Kaiser-Friedrich- Haus am Luisenplatz stattfand, beteiligten sich Vertreter der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden und der Äerzteschast. Auch ein Vertreter des englischen Gesundheitsministeriums war anwesend. Für das Berliner Polizeipräsidium, dem die Jmpfanstalt unter- stellt ist. begrüßte Polizeipräsident Z ö r g i e b e l die Festteilnehmer. Er wies darauf hin, wie sehr nach Einführung der Schutzpockcn- impfung die Pockenseuchen eingedämmt worden seien. Im Jahre 1796, wo der englische Arzt Jenner iür die Impfung zu werben begann, habe Preußen 25 000 durch Pocken verursachte Todesfälle gehabt. In Berlin sei damals ein Zwölftel der Gesamtsterblichkeit auf diese mörderische Seuche entfallen. Pros. Gins, der jetzige Leiter der Jmpfanstalt, gab in seiner Festrede einen Ueberblick über die Arbeit der Anstalt unter ihren früheren Leitern. Vertreter von Behörden, Anstalten und Vereinen, u. a. von der Medizinalverwal- tung Preußens, vom Innenministerium des Reiches, von der Stadt Berlin, vom Institut Robert Koch, überbrachten Glückwünsche. öO-Pfennig-NIckelslücke werden von der Raechsbank soeben dem Verkehr übergeben. Sie sind im Format etwas kleiner als dl« Zehnpfennigstücke, jedoch weiß in der Farbe. Die Ausgab« hat gestern begonnen._ Tragischer Toü üer duncan. Ans Unachtsamkeit vom Halsschal erdrosselt. Paris, 15. September. Die berühmte Tänzerin I s a d o r a Duncan, die im Jahre 1878 in San Franzisco geboren wurde, wurde gestern in Nizza das Opfer eines eigenartigen Autounfalles. Als der Rennwagen. in dem die Duncan Platz genommen halle, anfuhr, rollte sich der Zipfel ihres Halsschales um eines der Hinterräder, so daß die Tänzeria erdrosselt und ihr Körper aus dem wagen herausgezogen wurde. Bekanntlich wurden auch die beiden Kinder der Duncan das Opfer eines Autounfalles, da der Wagen über die Böschung des Pariser Seineufers in den Fluß stürzte. Ueber den tragischen Tod der Tänzerin Jsadora Duncan werden noch folgende Einzelheiten bekannt. Die Tänzerin, die im Vorjahr eine Tanzschule errichtet hatte, war vor einem Monat von Paris dorthin zurückgekehrt. In der Absicht, ein schnellfahrendes Automobil zu kaufen, hatte sie mit einem Kraftwagenhändler eine Probefahrt vereinbart. Als dieser zur festgesetzten Stunde vorfuhr, spielte sich eine ergreifende Szene ab. Eine- intime Freundin der Tänzerin, die mit ihr zusammen wohnt, beschwor sie, nicht den Wagen zu besteigen, und ries ihr zu:„Wenn Sie nicht auf mich hören, wird Ihnen ein Unglück Zustoßen. Ich habe die Vorahnung einer Katastrophel Jsadora Duncan scherzte jedoch und bestieg trotz aller Bitten der Freundin den Wagen. Sie trug einen um den Hals geschlungenen veneziani- f ch» n Schal, dessen eines Ende aus dem Wagen hing. Im Augen- blick, als der Wagen anfuhr, gerieten die Fransen zwischen Kot- flügel und Karosserie und rollten sich um die Speichen des sinken Rades. Jsadora Duncan wurde aus dem Wagen gezogen und stürzte zu Boden, wo sie mit gebrochener Wirbelsäule liegen blieb. Die Weltflieger geben auf. New Park. 15. September. Di« amerikanischen Flieger S ch l« e und Brock haben nun- mehr endgültig den Plan eines neuen Rekords im Flug um die Welt aufgegeben. Wie sie selbst erklärten, haben sie Hunderte von Telegrammen erhalten, in denen sie dringend gebeten werden, den Flug über den Stillen Ozean zu unter- lassen, da er einem selbstmörderischen Versuch gleichkäme. Die Flieger haben nun 12 235 Meilen im Flugzeug zurückgelegt, wobei die gefährlichste Etappe nach ihren Angaben die Strecke Omura— Tokio gewesen ist. Hitzewelle in Chicago. Aus Ehikago werden bereits 12 Todesopfer der völlig unerwarteten Hitzewelle gemeldet. Zum erstenmal in der Geschichte Chikagos sind die Schulen wegen Hitze geschlossen worden. Bon den unfreiwilligen Ferien sind etwa 24 000 Kinder betroffen. Meteorologische Sachverständie« erwarten für Freitag ein Nachlassen der Hitze. Die erschöpfte Bevölkerung klammert sich an die Hoffnung, nur noch einen Tag die Sonnenglut ertragen zu müssen. In Ehikago zeigt das Barometer noch 95 Grad, während die Temperatur iu New Park zwischen 64 und 72 Grad Fcchrenhett schwankt. > Die„Nordöstliche" im �ahre 1�26. Bon der Unfallversicherung im Bangewerbe. Die Nordöstlich«' Baugewerks- Berufsge- n o f) c n f ch a f f Hot vor kurzem ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 1326 herausgegeben. Einleitend wird gesagt, das) das Berichtsjahr der Berussgenossenschaft«ine„sehr erheb- l i ch e Mehrbelastung" gebracht hat, indem sich die durch das zweite Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung vom 14. 3u(i 1925 eingetretenen Leistungserhöhungen voll auswirkten. Letztere kommen in der Steigerung der Unsallentschädigungen zum Shisbriirf; diese betrugen im Jahre 1926 insgesamt 3 361 232,9 0 Mark, gegen 2460975,90 M. im Jahre 1925, und 1 497589,73 Riark im Jahre 1924. Die..Befürchtung", so heißt es in dem Berich». „daß die Entschadigungslast mit Rücksicht auf die Bestimmungen über die Ausdehnung der Versicherung aus die Gewährung von Pflege- und Krankenbehandlung usw. der Summe, die im Jahre 19 13 an Entschädigungen gezahlt wurde, nah« kommen würde, ist eingetreten." Der Vergleich mit dem Jahre 1913 ist nicht an- gängig. In der Borkrieeszeit rechneten wir mit Goldmark. jetzt dagegen mit Reichsmark. Für heilanstalkspslege und Heilverfahren wurden im Jahr« 1926 insgesamt 338 606,46 M. gegen 181401,12 M. im Jahre 1925 aufgewendet. Mit Betrübnis' stellt der Berichterstatter fest, daß die Ausdehnung der Ver- sicherung auf die Wege nach und von der Arbeit sieb sehr bemerkbar macht, denn 3,26 Proz. aller gemeldeten Un- fälle siud aus Ilnfölle zurückzuführen, die sich außerhalb des Be- lricbes ereigneten. Der Berichterstatter klagt mit kcn Scharfmachern über die„schwere Belastung der Wirtschaft durch soziale Maßnahmen"? „Die Belastung der Wirtschaft mit sozialen Ausgaben ist auf dem Gebiet der Krankenversicherung, Erwerbslosen-, Invaliden- und Angestelltenversicherung noch schwerer. Es muß daher immer wieder von der Rcichsregierung und dem Reichstag niit Nachdruck gefordert werden, daß sie bei Prüfung dkr immer wiederkehrenden 'Anträge auf weiteren Ausbau der Sozialversicherung und sonstige» sozialen Ausgaben deren T r a g b a r k e i t für die Wirtschaft genau erwägen." Di? Lohnsumme und der Jahrcsarbeitsverdienst der Selbst- Versicherer betrug im Jahre 1926 insgesamt 334 453 942 M. gegen 310 880145 M. im Jahre 1925. Das ist ein Mehr von 2.3 5 7 3 7 9 4 M. An diesem Mehr war die Sektion I(Groß- Berlin) mit 21-329 708 M., die Sektion II(Provinz Brandenburg) mit 2 876 446 M. und die Sektion III(Pommern) mit 10 362 M. beteiligt: die Sektion IV(Ost- und Westprcußen) dagegen hatte ein Minus von 582 722 M. gegen 1925. Insgesamt waren bei der Nordöstlichen Baugewerks-Berufs- genossenschast im Zahre 1926 22 980 Betriebe versichert. Die Zahl der S e l b st v e r s i ch e r e r betrug 1 6 7 3 6. Gegen 1925 hat die Zahl der Betriebe um 1 4 5 4 und die der Selbst- Versicherer um 1 63 7 zugenommen. Die Zahl der verslchcr- tcn Personen einschließlich der Selbstversicherer betrug im Berichtsjahr 21 0 0 9 0 gegen 207 585 im Jahre 1925. Die Zahl der Beschäftigten hat denmanch im Berichtsjahr um 2 50 5 zuge- nommen. Die Zahl der gemeldeten II n s ä l l e im Jahre 1926 betrug 15 3 4 2 einschließlich der gewerblichen Erkrankun- gen gegen 10 622 im Jahre 1925 und gegen 9864 im Jahre 1913: eine Steigerung um 4 7 20 gegen 1925 und um 5 4 78 gegen 1913. Die Zahl der« r st m a l i g entschädigten Unfälle— das sind solche, dei"ach Abschluß des Heilverfahrens bzw. nach Ablauf der Karenz- zeit(8 Wochen) noch eine Erwerbseinbuß« von mindestens 10 Proz. hinterlassen haben— betrug 1025 gegen 936 im Jahre 1925. Aus 1000 versicherte Personen entfielen im Hahr? 1926 73 gemeldete Unfälle(gegen 51,17 im Jahre 1925) und 4,68 entschädigte Unfälle(4,49 im Jahre 1925 und 6,63 im Jahre 1913). Hierzu bemerk, der Bericht:„Diese Steigerung(angemeldete Unfälle) kann nicht als Beweis für«ine Steigerung der Unfall- gefahren im Baugewerbe gewertet werden. Es wirkt sich hierin vielmehr in erster Linie das zweite Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung aus." Dann heißt es weiter:„Während also die Steigerung bei den gemeldeten Unfällen 42,66 Proz. be- trägt, beläuft sie sich bei den erstmalig entschädigten Unfällen nur auf 8,68 Proz." Das ist ein sehr schwacher Trost. Auch die„ge- meldeten Unfälle" stellen einen Beweis für die Unfallgefahren dar. Wenn der Arbeiter infolge eines Unfalles auch nur wenige Wochen aus seiner Erwerbssähigkeit herausgerissen wird, erleidet er einen recht erheblichen Verlust an seinem Lohneinkommen. Dieser Der- lust wird ihm von niemandem ersetzt. Auffällig berührt im Be- richt, daß die tödlichen Unfälle auch nicht mit einem Dort erwähnt werden. Sind die genauen Zifsern nicht bekannt? In 1 2 6 Fällen wurden gegen die Unternehmer wegen Ver- st aß es gegen die Unsallverhütungsvorschriften, in 5 2 Fällen wegen unrichtiger Lohnangaben� in 1 1 9 Fällen wegen Nichteinreichung des Jahreslohnnachweises Strafen festgesetzt. In 34 Fällen wurden die Strafen ermäßigt oder aufgehoben. Außerordentlich hoch sind die Verwaltungskosten. worunter allerdings die Kosten des Rechtsganges und der Unfallverhütung enthalten sind: sie betragen für die Ge- nossenschaft 424 380,90 M., für die Sektionen 563 568,33 M. Die Kosten des Rechtsganges und der Unfallverhütung sind um 25,3 Proz. gestiegen. Unseres Erachtens sind die Kosten der Der- w a l t u n g von denen der Unfallverhütung gesondert auf- zuführen. Warum geschieht es nicht? Ebenso unklar ist die U eberwach u ng der Betriebe. Nach den Bestimmungen des Reichsversicherungsamts sind von den 22 980 Betrieben„n u r" 11143(einschließlich der Eigenbauarbeiten) revisionsbedürftig. Nach dem Bericht fanden 18 336 Besichtigungen statt. Nun kann im Baugewerbe nicht von Betrieben gesprochen werden, wo es sich um Bauarbeiisstellen handelt, deren oft zehn und mehr zu einem Betriebe gehören. Hunderte von Bauarbeits- stellen sind im Jahre 1926 auch nicht ein einziges Mal von den technisch?» Aufsichtsbeamten bezüglich der Durchführung der Unfallverkütungsvorschriften revidiert worden. Die 16 Auf- sichtsbeamtcn haben sehr viel mit den Lohnbuchprüfungen zu tun� und im Berichtsjahr allein 7 794 002 M. von den Unternehmern zu' wenig angegebene Löhne— Fchllähne— ermittelt. Die Kontrolle der Bauarbeitsstellen ist unzureichend und verschuldet mit die stetios Steigerung der Unfälle. Unfall- Verhütung durch intensivere Ueberwachung der A r b e i t s st e l l e n ist deshalb wichtiger als die Unfallent- schädigung. Ein Flugblatt anstatt Lohnerhöhung. Nntcrnchmertaktit im mitteldeutsche» Kohlenbergbau. Halle a. d. 15. September. Der A r b e i t 946 eroerband für den Braunkohlenbergbau hat heute den AelHschaftsimtgliedern der dem Verbände ange- schlössen«« Braunkohlengruben Flugblätter ausgehändigt, in denen erklärt wird, daß die Arbeitgeber bei den Lohn- Verhandlungen im Hinblick aus die Lohnentwicklung in den anderen Industrien eine Lohnerhöhung als wünschenswert be- zeichnet hätten. Solange jedoch jede Kohlen Preiserhöhung grundsätzlich abgelehnt werde, seien die Arbeitgeber nicht in der Lage, Lohnerhöhungen zuzugestehen. * Bereits in unserer gestrigen Abendausgabe haben wir diese Taktik gekennzeichnet. Die Erregung der Braunkohlenbcrgleute über ihre elenden Löhne soll abgelenkt werden. Dafür, daß die Berg- arbeiter in Mitteldeutschland so jänimerlich bezahlt werden, daß sogar die Unternehmer selber eine Lohnerhöhung als„wünschens- wert" erklären, sollen sie vor die Kohlcnpreiserhöhungskarre der Unternehmer gesperrt lwerden, denen die Kohlenpreis- erhöh u ng natürlich weit wünschenswerter ist als eine Lohn- zulage für ihre Arbeiter. Die Arbeiter werden sich auch durch das Flugblatt nicht irre machen lassen, sondern sich eine Lohnerhöhung auch ohne Kohlen Preiswucher erkämpfen. machen ted«,«mit, Iprechend und Ichdn. Oft schon durch einmalig«, Putzen ml» de, herrlich Weiße Zähne erfrischend schmeckenden e'hIoroeltmt-Zuynpaft« erzielen Sie«wen wundervoll«« Slfendeinglanz der zahn«, auch an den Seilen fischen, dei gieichzeliizer Benutzung der dafür«igen« konslruierlen rhlorodont- ZulmbUrste mit gezahntem Borsienschnilt. Aauiende Speisereste in den ZahnzwilchenrSumen al» Ursache de» lldlen Mund. gcnich, werden restlo» damit beseitigt,»ersuchen Sie e, zunächst mit einer tieinen Zlibe zu eu Psg.. Chl<,P«il»iit-Zahnbflrste füiftinbet703!(g.,füttiomtn Mi. I SS l weiche Borsten!, für Herren Mi. l.Zä iharte Borfi-Ni. Nur echt in blau-grüner Originalpackung mi, der Aufschrift„ChJ'-i-otloiii". überall zu baben. Unbegründete Ungebührstrafe. Bor dem Arbeitsgericht stand der Vertreter des Metall- arbeitervcrbandes als Bevollmächtigter des Klägers dem Prozeßvertreter einer großen Firma gegenüber. Letzterer schien über die Prozeßloge schlecht informiert zu sein, denn er wußte nicht anzugeben, über welche Tatsachen ein von ihm benannter Zeuge ver- liommen werden sollte. Namentlich handelt« es sich um gewisse, für den Prozeß wesentliche Daten. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Dr. Tecklenburg, ersuchte den Vertreter der Firma, seinen aus dem Korridor weilenden Zeugen nach diesen Daten zu fragen. Da- gegen erhob der Vertreter des Metollarbeiterverbandcs Einspruch. Trotzdem wiederholte sich derselbe Vorgang noch einmal. Wieder protestierte der Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes dagegen, daß dem Beklagten Gelegen- heit gegeben werde, sich notwendige Unterlogen für die Prozeßführung durch Befragen eines Zeugen zu beschassen. Bei dieser Gelegenheit sagte der Vertreter des Metallarbeiterverbandes:„W enn die Prozeß- führnng so gehandhabt werden soll, dann wird das Arbeitsgericht nicht an Ansehen gewinnen." Wegen dieser Bemerkung wurde derBerbandsvertreter in eine Ungebühr st ras« von 20 M. genommen, weil er eine össentliche Behörde, das Arbeitsgericht, beleidigt habe. Wir können in der Bemerkung des Berbandsvertreters keine Beleidigung des Gerichts erblicken. Sie stellt lediglich einenProtest gegen dos Berhalten des Borsitzenden dar. Hierzu batte der Berbandsvertreter guten Grund, denn wenn sich ein« Prozehpartei auf Zeuge n berust, muß sie angeben, was diese Zeugen bekunden sollen. Unzulässig ist es, durch einen Zeugen Tat- fachen und Daten zu erfahren, von denen die Prozeßpartei selbst keine Kenntnis hat. Der Protest des Berbandsvertreters war also in der Sache berechtigt ünd in der Form nicht beleidigend. Drohender Streik in der französischen Rheinschiffahrt Der Deutsche Berkehrsbund ist im Reichsarbeitsmini- sterium vorstellig geworden, damit die Reichsregierung endlich ein- mal etwas zur Durchsllhrung des zwischen Deutschland und Frank- reich abgeschlossenen Staatsoertrags zur Regelung der Arbeits- und LshiweichRwkffe des fran,»fischen ynfelnf'dSI-ffefrt** Personals tut. Das Reichsorbeitsministeriuin hat m Aussicht -gestellt, sich mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung setzen zu wollen, damit in Paris die entsprechenden Schritte unternommen werden. Wenn die französische Regierung die sranzösischen Rhein- schiffahrtsgesellschaften zum Einlenken bringt, dann können sofort in Duisburg mit dem Deutschen Verkehrsbund Verhandlungen zur Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen des Personals der französischen Rheinschissahrtsbetriebe aufeenommcn werden, da die in Frage kommenden französischen und Schweizer Transporlarbeiler- organisationen durch internationale Vereinigung ihre Berhandlungs- rechte dem Deutschen Berkehrsbund übertragen haben. Sicherung zur Durchführung des Staatsvertrags ist dringend notwendig. Kommt sie nicht, dann ist bei den schlechten Arbeits- und Lohnverhältnissen des Personals ein Streik in den französi- sehen Rheinschiffahrtsbetrieben unvermeidlich. Eisenbahnerprotest in Elsast-Lothringen. Metz. 15. September. Das Aktionskomitee der vereinigten Eisenbahncroerbände von Elsaß-Lothringen Hot Versammlungen einberusen, um gegen di? Nichtauszahlunp der vor etwa zwei Monaten bewilligten Sonderzulage zu protestieren. Es ist möglich, daß die fran- zösische Eisenbahnverrvaltung den Protest berücksichtigen wird, um «ine Arbeitsniederlegung zu vermeiden. Di« elsaß-lothringischen T a b a k a r b e i i e r beschlossen einen einstündigen Streik, um die Regierung an die Einhaltung ihres Bersprechens zu erinnern._ Lohnerhöhung in der polnischen Hüttenindustrie. Kattowih, 14. September.(OE.) In der Frag« der Erhöhung der Arbeitslöhne in der polnischen Hüttenindustrie ist durch eine Verordnung des Arbeitsmimsters di? Entscheidung der Schiedskommission in Kattowitz vom 1. August 1927 für verbindlich erklärt worden. Aus Grund dieses Beschlusses werden die bisherigen Lohnsätze für vollbeschäftigte Arbeiter und Fachkräfte in den Zink- und Bleihüttcn(mit Ausnahme für Akkcrd- arbeiter) um 45 Groschen(100 Groschen gleich 1 Zloty gleich 80 Ps. pari) pro Tag erhöht. Das Lohnabkommen ist rückwirkend ab 1. August bis zum 31. Oktober d. I. für verbindlich erklärt und kann automatisch verlängert werden, sosern keine Kündigung erfolgt. Ter amerikanische Bergarbeiterstreik vor dem Ende. Wie das Staatsdepartement mitteilt, steht der Abschluß eines Abkommens unmittelbar bevor, durch das der seit einem halben Jahr andauernde Streik von etwa 200 000 Berg- arbeitern in Illinois, Indiana, Ohio und West-Pennsylvanien beendet wird._ Erfolgreicher Streik der türkischen Eisenbahner. Der Streit auf den anatolischen Bahnlinien, die sich im Besitz einer sranzössichen Gesellschaft befinden, ist nach mehr- wöchiger Dauer erfolgreich beendet worden. Der Streik war reich an dramatischen Effekten durch das aktive Eingreifen der Frauen in die Bewegung, die sich zu wiederholten Malen scharen- weise auf die Züge warfen,"um ihr Auslaufen zu verhindern. Der Kampf ging um ein Programm von 20 Punkten, deren wichtigster die Gleichstellung der Löhne- mit den Ar- beitern der Großen anatolischen Bahn war. Das Programm wurde trotz des hartnäckigen Widerstrebens der Gefell- fchaft rc st losdurchgedrückt. An dem Streit waren über 2000 Arbeiter beteiligt. Seine Leitung lag in den Händen der jungen Eijenbahnergcwerk- lchaft, die von der allgemeinen türkischen Arbcitervereinigung tot- kräftig durch Sammlungen und durch Abhaltung von Kursen zur gewerkschaftlichen Erziehung der Streikenden unterstützt wurde. Die türkische Gewerkschaftsbewegung hat durch die Aktion, die der erste große systematisch organisierte Ausstand in der Türkei war, einen starten Antrieb erhallen. Richt nur die Gewerkschaft der Eisenbahner, sondern auch verschieden« andere gewerkschaftliche Fachoerbände haben unter dem Eindruck der Ereignisse in den letzten Wochen eine erhebliche Steigerung ihrer Mitgliederzahl aufzuweisen._ Veraniwortiich für Poliiit: Richard Bernstein! Wirtschaft: 9.»liagclhöser: „-,..,. � i_!_._.___? tY..x..._ zBt#4«« 9.%.\ i T„ Verlag:»octDatts-Vctiog v?. m. o y., vernn.-atuc: iMJcaiaci&-cunjucuuci.tz:i und Berlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 68, Lindenftrake 3. Fasan bat eine neue Verkaufsstelle Koflftnsscr Damm 76 erftnnel! / Fasan-Schuhe gellen unter Kevnein a's die preiswürdtgsten Erzeugnisse der gesamten Schuhindustrie EINHEITSPREISE: Plarke rasan....... n. 12.30 n«r*e suaeriasss...... 16.50 nerse eoisiasnn... n. 19.50 VERKAUFSSTELLEN: Berlin O, Warschauer Straße 31(Ecke n«»irr strace) Berlin-Schöneberg, Hauptstraße 20 Berlin S, Kottbusser Damm 76 '■...•v.a:.r "-'bsti-vilw TOTAL-AUSVERKAUF Wegen vollstAndiger Aufgabe des Herrengerderoben-SpeziaigeschaNes QertraudtanstraBe 24. Das gesamte vorrätige Lager und die noch im Auftrag befindlichen Waren müssen in ganz kurzer Zeit vollständig ausverkauft werden. Es gelangen zum Verkauf mehrere Tausende feinste modernste fertige Herren-Anzüge, Mäntel, Hosen i»w. Die Preise sind rücksichtslos herabgesetzt, zum Teil weit unter Einkaufspreis! Blaua und farMge Herren-Jacketl-AnsQge, Tanz-, Smoking-, Frack-AnzOgc, Harren-Herbst- und Wlnler-MSnlel, Herren-Veden- und Oummi-Mäntel, gestreifte Herren-Kammgarnhosen, Konfirmanden-Anzilga, Jünglings- und Knaben-Anzüge und MSntel Benutzen Sie diese beispiellos günstige Gelegenheit zum Einkauf Ihre� Herbst- und Winterbedarfs.— Kommen Sie möglichst vormittags.— Riasan- Aus wähl. Herrenbekleidung Gertraudtenstr. 24 OeOenfiber der Pedlldrdie