Nr. 440 ♦ 44. Iahrgasg Ausgabe tk Nr. 224 Morgenausgabe Grosz-Berlin 1.0 Pfg. Auswärts IS Pfg. Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pscnnia, monatlich 6.— Reichsmorl voraus»ahlbor. Unter Streifbant im In- und Ausland ö.SO Reichsmarl pro Monat. Der.Vorwörts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage.Voll und Zeit' fowie den Beilagen»Unterhaltung und Wissen",»Aus der Filmwelt", »Frauenstimme",»Der Kinder- freund"..Iugend-Borwärts",»Blick in die Biicherwelt" und.Kultur- arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Derliner VolKsbl�tt Anzeigenpreise: Die« l n s v a l t i a e Ronpareiste. »eile M Dlennia. Reklametcile S,— Reichsmark.»Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2Z Bkennia lzulälssa»wei fettgedruckte Wortes. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Etcstenacsuche das erst« Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte Uber 15 Buch- Naben»ählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile 60 Pfennig. iramilicnanteigcn sllr Abonnenten steile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgcfchoit, Lindenstrahe S, wochcntäglick? von 8'b bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozsaldemokrati fchen parte» Deutfchlands Neöaktion und Verlag: öerlin SW. öS, �inöenftraße 2 F-ernsprecher: Dönhoff SSÄ— SS7. Sonnabend, den 17* September 19�7 vorwärts-verlag G.m.b.H., Gerlin SV). öS, Linüenstr.Z Vostfcheekkaat»: Berlin S7 S3t- Bankkonto: Baak der Arbeiter,«ugeflellten and Beamten,«alstr.«5; Diskonto. S-IcSlchaft. Denojitenkass««indenstr.». Werbewoche: 6.-13. November! Sitzung des Parteiausschufses. Der Parteiausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung einen ausführlichen Bericht über die BrüsselerTagung der Sozialistischen Arbeiterinternationale entgegengenom- men, woran sich eine längere Diskussion anschloß. Die Anregung des Parteivorstandes, vom K. bis 13. No- vember eine Reichswerbewoche für die Gewinnung von neuen Parteimitgliedern und Lesern der Parteipresse zu veranstalten, fand allgemeine Zustimmung. Der Parteiausschuß beschäftigte sich außerdem mit dem Kampf gegen den Reichsschulgesetzentwurf. Der Partetausschuß war sich ferner darüber einig, daß rechtzeitig umfassende Wahlvorbereitungen getroffen werden müssen. Die Agitation müsse in groß- zügiger Weise geführt und ein. Kampffonds geschaffen werden. Dcr neuesten von der Kommunistischen Partei propa- gierten Rußlanddelegation wurde in der Debatte kurz Er- wähnung getan und einmütig erklärt, daß es 5einSozial- d e ni o k r a t mit seiner Gesinnung vereinbaren könne, Gast einer Regierung zu sein, die, wie die Sowjetregierung, in rücksichtslosester Weise die Anhänger der Sozialdemokratischen Partei in Rußland oerfolgt. Die Besprechung organisatorischer Fragen füllte den Rest der Tagung aus. Li'ebesfpiele sm Sürgerblock. Das Zentrum gegen die Deutschnationalen. Auf Beschwerden des Zentrumsführers v. Gu�rard über die Haltung der deutschnationalen Presse hat bekannt- lich die„Kreuz-Zeitung" eine Antwort gegeben, die dem Sinne nach ziemlich vollständig dem berühmten Ausspruch des Götz von Berlichingen entspricht. In etwas leiserer Tonart hat ihr die agararische„Deutsche Tageszeitung" sekundiert. Dar- über ist man in„führenden Kreisen der Reichstagsfraktion des Zentrums" stark beunruhigt. Denn es ist nicht an- genehm, angesichts der näher kommenden Wahlen auf solche Weise durch seine Bundesgenossen kompromittiert zu werden. So stellt jetzt eine Zuschrift, die der„Germania" aus jenen „führenden Kreisen" erhalten hat, öffentlich fest, daß das Gelöbnis der Deutschnationalen auf die berühmten Richt- linien nicht lange angehalten hat: Das in der.Kreuzzeitung* veröffentlichte Manifest der deutschkonservatioen Partei gab das Signal. Seit- dem hat man stch wieder auf den Ton besonnen, in dem kaum mehr eine Verpflichtung, nicht einmal mehr eine Rücksicht, geschweige denn Achtung gegenüber dem anerkannten unbedingten Schutz der Ver- fassung und der verfassungsmäßigen Reichsfarben erkennbar ist. Die Verfassung:„Meineid und Treubruch*, die Farben: „Schwarzrotgelb",„Parteifahne* und wie diese ossenen und versteckten Verunglimpfungen olle heißen mögen. Soweit sich diese Beschwerde auf den Ausdruck„Partei- fahne" bezieht, trifft sie nicht so sehr die deutschnationale Presse wie den Reichsminister Koch, der sich bekanntlich in Stettin dieses herabsetzenden Ausdrucks bedient hat— unmittelbar nachdem ein Vorredner die Forderung nach Wiederher st ellung der Monarchie verkündet hatte. Die Zuschrift sagt dann weiter: Die Tatsache ist unleugbar, daß die deutschnationale Presse eine Schwenkung vorgenommen hat. Mißtrauische Leute wollen darin eine verfrühte Stimmungsmache im Hinblick auf die nächst- jährigen Wahlen erkennen, ganz Bösartige dagegen den Ver- such, diejenigen Parteien, die heute im Kampf um das Reichs- f ch u l g e f e tz an der Seite der Deutfchnakionalen stehen, durch antirepublikanische Provokationen im Angesicht deren Wählermassen zu diskreditieren. Wie dem auch sein mag, dos eine sei der deütschnationalen Presse gesagt: die Massen der Zentrumswähler im Lande reagieren auf diese neue Tonart mit steigendem Unmut und wachsendem Miß- trauen. Sie rufen und mahnen sehr deutlich zur Ordnung und stehen unter allen Umständen hinter der Führung der Reichstags- sraktion, wenn diese ein solches Treiben nicht mehr stillschweigend mit ansehen will. Wir sind zwar nicht berufen, im Namen der Zentrums- Wähler zu' sprechen, meinen aber doch, daß diese vielleicht etwas geradliniger denken als die Führung.„Warum,* so dürften sie fragen,„sollen denn die Deutschnationalen nicht ihr wahres Gesicht zeigen? So erfährt man doch wenigstens, mit was für Leuten man es zu tun hat!" Der „steigende Unmut" und das„wachsende Mißtrauen" können sich ja auch nicht so sehr gegen die Deutschnationalen richten. als vielmehr gegen jene Politik, die die republikanisch gesinnten Wählermassen in eine Linie mit den antirepubli- kanischen Provokateuren gebracht hat. Die Zentrumsführung beschwört darum die Deutsch- nationalen, sie sollten doch um Gotteswillen stille sein und sie nicht weiter diskreditieren. Die Deutschnationalen aber lachen sich eins, denn sie wissen genau, daß sich das Zentrum mit ihnen nicht ernstlich überwerfen wird, so lange nicht der Versuch, das Schulgesetz in die Scheune zu bringen, ge- lungen oder gescheitert ist. Ist aber diese Entscheidung ge- fallen, dann wird man sowieso auseinandergehen, denn keiner der beiden Teile trägt ein besonderes Verlangen, sich den Wählern als Bürgerblockpartei zu präsentieren. So ist die Situation, in die sich die Zentrumsführung hineinmanövriert hat, alles andere als heiter. Trotz alledem(dzeanflüge! iWcder ein Flugzeug über dem Atlantik. Dublin. 16. Sepiember. Hauptmann AI a c i n k o s h von der„Imperial Airways Gesellschaft*. ist heute um 13,34 Uhr mit dem Flugzeug„princeß Teaio* vom Flughosen Baldonnel in Richtung Rem Dort abgeflogen. Cr wird von Major Fihmaurice vom Fliegerkorps des irischen Freistaates begleite«. Sein Apparat ist ein Fokkerein- decker, der 3260 Liter Benzin mit sich führt. Mehrere Irische Staatsslugzeuge gaben Ihm beim Abslug das Geleit. Es regnete. doch hatten die meteorologischen Stationen günstiges Wetter über dem Ozean gemeldet., London. 16. September. Das Ozeanflugzeug„Prinzeß Zenia", das heute um 13,34 Uhr auf dem Flugplatz Baldonnel gestartet Ist, überflog um 15,30 Uhr die Westküste Irlands bei Gatway. Schlechtes Wetter über dem Ozean. London, 16. September. Vierzehn Tage lang hotten sich die beiden Ozeonflieger Mac Sntosh und Fitzmauricc zum Ozeanflugstart bereitgehalten. Als heute morgen günstigere Wetternachrichten kamen, entschlossen sich die Piloten zum Abflug. Dabei waren die Wetteraussichten noch nicht einmal ermutigend zu nennen. Ihr Flug geht über eine Strecke von 3ZM Meilen(5300 Kilometer), davon fast zwei Drittel der Strecke über das offene Meer. Das Flugzeug ist mit einem Bristot-Jupüer-Motor von 550 LS ausgerüstet. Di« mitgeführten 701 Galonen Brennstoff reichen etwa 40 Stunden aus, jedoch hoffen die Flieger in 26 bis 30 Stunden in Rem Bort landen zu können An Bord des Flugzeuges sind eine Signalpistole und kleines Ret- tungsboot, dagegen keine Funteinrichtungen. Ja englischen und irischen Luftfahrkreisen hegt man auch für diesen Ozeanflug große Besorgnis, da die amerikanischen Wetterstationen bereits gemeldet haben, daß die Ozeanflieger int Atlantik ungünstige Wetter- bedingungen vorfinden werden. Vor Neufundland werden sie auf starke Nebel stoßen. Der französische Maroktoflug. Di« französischen Flieger V i t r o l l e s und L e f c v r o, die einen Gcschwindigkeitsflug nach Tunis, Algier, Marokko und zurstck unternommen hatten, erlitten nach einer Meldung aus Madrid in der Röhe von Valencia einen Unfall. Ihr Flugzeug wurde beim Absturz vollständig zertrümmert, doch blieben die beiden Insassen unverletzt. Aagorski-Potze auf öer Westerplatte. Hie Danzigcr Polizei— hie polnischer Kommandant. Danzig, 16. September.(MTB.) Veranlaßt durch polnische Pressenachrichten beson- ders der„Rzeczpospolita* die unter Anführung von Einzelheiten mitteilte, daß der verschwände polnische General Z a g o r s k i auf der Westerplatte wider seinen Willen zurückgehalten werde, waren die Danziger Behörden g e z w u n g e n, zu der Feststellung zu schreiten, ob eine Freiheitsberaubung, die nach Danziger Recht strafbar ist, vorliegt. Die pvlaische diplomatische Vertretung wurde verständigt, daß Polizei sich nach der Westerplatte begeben hätte. Der Komman- dant der Westerplatte ließ den Danziger Beamten durch einen Feld- rvebel bestellen, daß die Westerplette polnisches Gebiet sei und eine Amtshandlung Danziger Bea-ntii ohne Genehmigung der polnischen diplomatischen Vertretung nicht zugelassen werden könne. Die vesoldungsoorlage vom Reichskablnett verabschiedet. Das Reichskabinett hat in seiner gestrigen Beratung den Entwurf zum Besoldungsgesetz endgültig verabschiedet. Die franko-russtsche Spannung. Von der Anerkennung zum Bruch? Von Elias Hurwicz. Als Herriots Regierung vor drei Iahren, dem Beispiele Macdonalds folgend, die Sowjetregierung im Namen Frank- reichs anerkannte, hatte sie mit einem noch stärker wurzeln- den Widerstand als der britische Sozialistenführer zu kämpfen. Hatte doch Lloyd George bereits im Februar 1920 den ersten Versuch gemacht, die den Sowjetstaat umgebende Blockade zu durchbrechen, während Clemenceau und Mille- rand noch weiter starr am Blockadegedanken festhielten, ja fünf Monate nach jenem Versuch Englands die Regierung W r a n g e l s anerkannten. In der Folge lehnten die Machthaber Frankreichs es nicht weniger beharrlich ab. offizielle Beziehungen zu Sowjetrußland aufzunehmen. Wenn nun Herriot mit dieser langjährigen Tradition des offiziellen Frankreich brach, so war für ihn ebenso wie für Macdonald der Beweggrund maßgebend: durch die Anerkennung der Sowjetregierung Rußland wieder in den Kreis der zivilisier- ten Staaten einzubeziehen, durch die Lockerung der Fesseln, die es von Westeuropa fernhielt, im Innern die ruhige Entwicklung zu fördern. Doch Herriot mußte der französischen Tradition Rechnung tragen: wurde die Sowjetregierung als die Nachfolgerin der Zarenregierung anerkannt, so mußte sie auch deren Schul- den gegenüber Frankreich übernehmen. Nachdem nun die Verhandlungen über die Schuldenrückzahlung ursprünglich in- offiziell und resultatlos zwischen D a l b i e z auf französischer und K r a s s i n auf russischer Seite geführt worden waren, schienen sie in ein neues und günstigeres Stadium einzu- treten, als eine offizielle franko-ruffische Schuldenkom- Mission gebildet wurde, an deren Spitze de Monzie trat, während an die Stelle Krassins, der> als Sowjetbot- schafter nach London ging, Rakowski einrückte. Die Be- rufung de Monzies an die Leitung der Verhandlungen war deswegen bedeutungsvoll, weil er ja neben Herriot einer der ersten und eifrigsten Vertreter der Sowjetanerkennung in Frankreich war und seine hohe amtliche Stellung als da- maliger Vizepräsident der Kammer dieser Propaganda ein erhöhtes Gewicht verlieh. Die ursprünglich von Krassin auf- gestellte Gegenrechnung der russischen Schäden infolge der französischen Intervention im russischen Bürgerkriege wurde später fallengelassen: die Privaffchulden von den Staats- schulden abgetrennt: letztere sollten den Russen— das war der zuletzt nach vielem Hin- und Herschwanken gefundene Modus— auf 62 Jahre verteilt werden, beginnend mit jähr- lichen Zahlungen von 15 Millionen Goldfrank. Und dennoch verliefen all diese immer wieder abgebrochenen und wieder begonnenen Verhandlungen schließlich im Sande. In den Juni- und Juli-Heften der französischen Monatsschrift„Revue des Vivants" erklärt nun de Monzie diesen Mißerfolg folgen- dermaßen: Eine der Grundbedingungen der Sowjets war bei allen Verhandlungen die Gewährung eines Kre- d i t s. Allein,„es kann keine Rede sein von einer Kredit- aktion für die Regierung der Sowjetunion oder auch für die industriellen Organisationen der Union, die ja auch keine genügende Autonomie besitzen, um ihren Kredit sicherzustellen. Es konnte von einer Kredit- gewährung auch deshalb keine Rede sein, weil eine Verstän- digung über die Privatschulden nicht erzielt wurde". Die Sowjetrussen erklärten sich beispielsweise wohl bereit, franzö- fischen Untertanen ihr Eigentum in Rußland zurückzuer- statten, nicht aber sie darauf wohnen und wirtschaften zu lassen... Diese Enttäuschung des französischen Verhandlungs- leiters nach drei Jahren mühevoller Arbeit gewinnt um so mehr Bedeutung, als ihr zweifellos auch politische Motive zugrunde liegen. Sagt doch Monzie ausdrücklich: „Die französische Delegation suchte vor dem Abschluß der chinesischen Ereignisse oder den Moskauer Hinrichtungen zu einem Ergebnis zu kommen, um eine wirtschaftliche Unterstützung nicht in eine p o l i t i s ch e zu verwandeln, die je nach den Umständen sinnlos oder verbrecherisch wäre. Frankreich, das berufen ist, ein Damm gegen den Bolschewismus zu sein, kann diesen nicht durch Nach- lässigkeit oder Leichtsinn fördern... Wir wollen keine vor- zeitige wirtschaftliche Zusammenarbeit ohne die Sicherheit, daß eine solche Zusammenarbeit nicht die Interessen unserer Industrie und das Prestige unseres Namens kompromittiert." Sonderbare Worte im Munde des einstigen Vorkämpfers der franko-russischen Annäherung! Gerade in dem Munde dieses Mannes aber sind sie besonders kennzeichnend für die heutige Stellungnahme eines großen Teils der französischen öffentlichen Meinung, wie für den„Erfolg" der Sowjetarbeit nach drei Iahren. Dieser Erfolg resümiert sich darin, daß Rakowski seinen Posten vielleicht verlassen muß und daß selbst ein Teil des französischen Ministerrats wieder dort steht, wo man vor sieben Jahren stand, nämlich bei dem Gedanken eines völligen Bruches mit Rußland, den abzuwehren der friedliebende Briand schwere Mühe hat. Bor feiner Berufung nach Paris gast Rakowski in Sowjetkreisen als„geschickter Diplomat". Diesen Ruf hat er jetzt gründlich verloren. Welche Naivität gehört in der Tat dazu, Sowjetbotschafter in einem westeuropäischen Land zu sein und gleichzeitig eine Kundgebung zu unterzeichnen, die die Bürger der mit Rußland im Kriege befindlichen Länder auffordert,„aktiv an der Niederlage ihrer Regierungen zu arbeiten" und ihre Soldaten, zur Roten Armee überzugehen. Rakowski bestreitet seine Unterschrift nicht, beruft slch aber darauf, daß Frankreich gar nicht im Kriege mit Rußland sich befinde und jene Kundgebung nur für die Zukunft gemeint sei. Tschitscherin blieb nur übrig, seinen Botschafter zu des- avouieren. Vor allem aber: die kommunistische Arbeit in der französischen Armee geschieht schon jetzt, wie gar manche Fälle von Dienstverweigerung seitens Rekruten und Reservisten beweisen. Und mag auch die„Humanitö", die es offen zugibt, beteuern:„Wir müssen durch unsere Arbeit gegen den Krieg zeigen, daß die Kommunisten den wahren Völkerfrieden anstreben. Eben daher erheben wir die Ar- beiter und Bauern gegen die Reservistenpflicht, schaffen wir drohende revolutionäre Organisationen in der Armee und Marine und organisieren wir eine Gemeinschaft mit der USSA."— die öffentliche Meinung Frankreichs erblickt in der Dritten Internationale nicht ein Instrument des Friedens, sondern des Krieges. Und benso weiß sie, daß diese Internationale mit der Sowjetregierung viel- fach identisch ist, daß Rykow, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, zugleich Mitglied des Exekutivkomitees der Dritten Internationale ist, und daß das gleiche vom Kriegskommissar Voroschilow und vielen Mitgliedern des „Politbüros" gilt. Das„Journal des D4bats" weist aus- drücklich darauf hin. Diese Aktion des Kommunismus benutzt aber die fran- zösische Rechtspresse, um gegen den Sozialismus überhaupt und in Frankreich insbesondere scharfzumachen. Gerade die- jenigen, die wie Herriot, Blum u. a. durch die Anerkennung der Sowjetregierung diese und Rußland auf den Weg der Gesundung zu bringen suchten, macht sie jetzt triumphierend verantwortlich für das Scheitern der Sowjetpolitik in Frankreich: sie übersieht, willkürlich oder absichtlich, den gerade im Falle Frankreichs sich zeigenden Unterschied zwischen den beiden Lagern und wirft Kommunismus und Sozialismus in einen Topf zusammen. So ist das Ergebnis der kommunistischen Arbeit in Frankreich, wie überall, nicht nur die eigene Blamage, son- dern auch die Schädigung Rußlands und die Stärkung der Gegner des Sozialismus. Traiüetitsthe Antwort an �uüenüorff. Die Freimaurer wehren sich. Ludendorffs Narrenbroschüre„Vernichtung der Frei- maurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" ist allent- halben mit Gelächter begrüßt worden. Der einzige ernste Gesichtspunkt, der sich bei der Betrachtung dieser komischen Angelegenheit aufdrängte, war der, daß ein Mann von solcher geistigen Beschaffenheit in der letzten Zeit des Kaisertums Deutschlands eigentlicher Regent sein konnte. Nur die sehr harmlosen und spießbürgerlichen Herrschaften, die in Deutsch- land Freimaurer spielen, fühlen sich bemüßigt, Ludendorffs Schrift auch einer sachlichen Entgegnung zu würvigen. Sie tun es in der folgenden Erklärung, die vom MTB. verbreitet Unrd: M«WH*:*p;»3»s?r a-m Die Unterzeichneten, als gesetzliche Vertreter von zirka 80000 treudeutschen, vaterländisch gesinnten Frei- maurern, geben in deren Namen ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß Herr Erich Ludendorsf in seiner Schrift„Vernichtung der Freimaurerei" sie in verleumderischer Weise beleidigt und in .den Augen des deutschen Volkes herabzusetzen versucht hat. Sie be- wmern gleichzeitig, daß ein Mann von der ein st igen Größe und Bedeutung(I) de» Generals der Infanterie Ludendorff sich zur Verhetzung des deutschen Voltes und zur Irreführung breiter Massen herabgewürdigt hat. Obwohl das Pamphlet einer Entgegnung kaum wert ist, weil es der deutschen Freimaurerei geradezu wahnsinnige Ziele unter- stellt und sich dabei auf dunkelste und trübste Quellen stützt oder sich bewußt der unglaublichsten Verdrehungen und Entstellungen bedient, so behalten wir uns doch zur Aufklärung der öffentlichen Meinung eine eingehende sachliche Stellungnahme vor. Berlin, den IS September 1927. Die Großmeister der Deutschen Großloge«. Habicht, Gr. Nat. Mutt. Loge z. d. 3 Weltk., Müllendorfs, Gr. Landesloge d. Frmr. v. Dtschld., Zimmer, Groß« Loge von Preußen, gen z. Freundschaft, Bröse, Gr. Loge o. Hamburg, Anders, Gr. Landesloge v. Sachsen, Ries, Gr. Mutt. Loge d. Eklekt. Freimaurerverbandes, B l ü m e l, Großloge z. Sonne Bayreuth, K a h l e r t, Gr. Frmrloge z. Eintracht, Darmstadt, M e n s d o r f, Gr. Loge Dtsch« Bruderkett«. Ludendorff, die einstige Größe, wird sich nicht beirren lassen. Die„Treudeutscben" sind eben dumm, wird er sagen, sie merken nicht, was mit ihnen gespielt wird, die Juden sind gescheit, denn sie führen die.Treudeutschen" an der Nase, aber noch viel gescheiter als die Juden ist er, Ludendorff, selbst, denn er durchschaut alles! Ludendorffs letzter Krieg—«ine treudeutsche Posse. Kommunisten unü Reichstag. Ein agitatorischer Antra« der KPD. Die kommunistisch« R e i ch» ta g» f ra kti o a hat d!« sozialdemokratisch« Fraktion des Reichstages aufgefordert, auf Grund des Artikel 24 der' Reichsoerfassung gemeinsam den sofortigen Z u- sammentritt des Reichstages zu fordern, und zwar zur Beratung der Mietpreiserhöhung am 1. Oktober, der Amnestie und der Krisenunterstützung der Erwerbslosen. Die sozialdemokratische Fraktion wird diesem Antrag keine Folge leisten, da er nicht aus sachlichen Gründen hervorgeht und seine Durchführung unmöglich ist. Im Aeltesteprat des Reichstages ist die Sozialdemokratie für eine sofortige Einberufung des Reichstages eingetreten, um die drei oben erwähnten Fragen schnellstens zu beraten. Die Mehrheit des Reichstages aber hat diese Forderung abgelehnt, und es besteht, wie die Kommunisten anerkennen, keinerlei Möglichkeit, eine Aenderung Ihrer Halbing zu erzwingen. Alle bürgerlichen Par- teien, mit Ausnahme der Demokraten, sind in dem Bestreben einig, den Reichstag erst am 17. Oktober zusammentreten zu lassen, diese Sondertagung in einer Woche abzuschließen und nur Schulgesetz, Be- amtenbesoldung und Liguidationsschädengesetz zu beraten. Die Kommunisten berufen sich nun auf Artikel 24 der Reichsverfassung. Er bestimmt: „Der Reichstag tritt in jedem Jahre am ersten Mittwoch des November am Sitze der Reichsregierung zusammen. Der Präsident des Reichstages muß ihn stüher berufen, wenn es der Reichs- Präsident oder mindestens ein Drittel der Reichstagsmitglieder»er- langt. Der Reichstag bestimmt den Schluß der Tagung und den Tag des Wiederzufammentritts." Nach einhelliger Auslegung dieser Bestimmung durch alle Reichstagsporteien gilt sie nur für eine Vertagung des Reichstages nachSchluß einerSitzungsperiode(sogenannte Session). Solche Sitzungsperlohen wäre« tot Äftctt Reichstag üblich. Bei der Schaffung der-Verfassüng nahm man an, daß sie sich auch im neuen Reichstag einführen würden. Dasüst aber wegen der mit ihnen verbundenen Nachtelle, z. B. Unterbrechung der Immunität der Lbge- ordneten, nicht geschehen, so daß die Bestimmung niemal» wirksam geworden ist, wonach ein Drittel des Reichstages feinen sofortigen Zusammentritt verlangen kann. Bei einem mit Mehrheit vertagten Reichetag, wie das jetzt der Fall ist, kann also auch nurmitMehr- heit und nicht durch eine Minderheit die Wiederein» b« rufung beschossen werden. Würde trotzdem der Präsident de» Reichstages dem Verlangen einer Minderheit nach Einberufung des Reichstages nachgeben, so könnte die Mehrheit durch Nichter- scheinen das Stattfinden der Sitzungen jederzeit verhindern. Auch der kommunistischen Reichstagsfraktion ist diese Rechtslage durchaus bekannt, da früher bereits eingehend darüber diskutiert wor. den ist. Wenn sie trotzdem die Ausforderung an die Sozialdemokratie gerichtet hat, mit ihr gemeinsam die Einberufung des Reichstages zu verlangen» so geschah das nur aus rein agitatorischen Gründen. Die ablehnend« Haltung der Sozialdemokratie berührt natürlich nicht im geringsten ihren Kampf gegen die Mietenerhöhung, für«ine Amnestie und für ein« ausreichende Gestaltung der Knsenfürsorze für Erwerbslose. War bisher die Sozialdemokratie in all diesen Fragen die best« Schützerin proletarischer Interessen, so wird sie es auch in der Folg« bleiben. Pom tzans Luther(dvp.). .Fachminister" zum Volksparteiler. Reichskanzler a. D. Dr. Hans Luther hat seinen Beitritt zur Deutschen Lolkepartei erklärt. Damit dokumentiert er jetzt auch öffentlich seine besondere Freundschaft für das Großkapital, um das er sich— man denke an die 700 Ruhrmillionen, an die Auf- wertung, an die Steuer- und Zollpolllik usw.— in feiner Amtszeit die größten Verdien st e erworben hat. In seiner an Ersolgea reichen Karriere hat er es immer streng vermieden, eine bestimmte Stellung zur Politik der Parteien«inzunehmen. Verwaltungs- routinier, der er war und ist, hat er es als Oberbürgermeister immer verstanden, mit wechselnden Mehrheiten zu arbeiten. So avancierte der„Fachmann" ohne Parteimitgliedsbuch vom Ober- bürgennesster zum Minister, vom Minister zum Kanzler, vom Kanzler zum Vertrauensmann des Rechtsblocks in der Reichsbahn. Nun, wo feine Karriere beendet ist, findet er, der als Unpolitischer vielen Stürmen von allen Seiten standgehalten hat, den Mut zu sagen, wer seine politischen Freunde sind. Spät fand er ihn. Aber er wird wenigstens nicht mehr, wie viele aus seiner Gejolgschaft, gegen die„Parteipolitik' wettern können. Denn nun kann auch dieser Luther nicht mehr anders, nachdem alle Welt weiß, w o er eigentlich steht._ Saperische Iuftizwilltür. Gefängnisurteile für kommunistische Gesinnung. München, 16. September.(Eigenbericht.) Die bayerische Justiz hat sich seit Jahressrist die Methode zu- rechtgelegt, die Teilnehmer einer nichtöffentlichen kommunistischen Versammlung durch Polizeibeamte sistieren zu lassen, die Leute dann als Mitglieder einer staatsfeindlichen Verbindung in den An- klagezustand zu setzen und den einzelnen jeweils zu drei Monaten Gefängnis zu verurteilen. Begründet wird diese Methode mit der Rechtsprechung des Reichsgerichts' Obwohl nun aber vor kurzem Staatssekretär Joel vom Reichsjustizministerium erklärt hat, daß die bayerischen Gerichte die Rechtsprechung des Reichsgerichts völlig mißverstanden hätten, wurden am Donnerstag wiederum 18 Kommunisten vor das Strafgericht in Regensburg gezerrt, weil sie im Sommer vorigen Jahres an einer Bezirks- konferenz der KPD. teilgenommen hatten. Di« Anklage behauptete, die Kommunistische Partei verfolge den gewaltsamen U m- stürz der republikanischen Verfassung und deshalb fei sie, besonders aber ihr Funktionärkürper, eine staatsfeindliche Verbindung. Das UMN laut eke' für �'AßgeÄügt'e aüf Fresspt�echuNg, für die übrigen 11, auf eine G efänguisstrase von je drei Monate». Der neue Regierungspräsident von Lünebarg. Der sozioldemo- kratisch« Landtagsabgeordnete Lüdemann wird in den nächsten Tagen zum Regierungspräsidenten von Lüneburg er- nannt werden. Der Provinzialausschuß der Provinz Hannooer hat sich dem entsprechenden Vorschlag des preußischen Innenministers mit 7 gegen 6 Stimmen angeschlossen. Der Hafen öer verlorenen. von Heinz Llepmann. ' Am Quai du Port in Marseille münden achtzehn Gassen. Links fft das schwarze Wasser des„alten Hafens", das plötzlich, fast ohne llebergang, draußen am Chateau d'Jf, dem Gefängnis des Grafen Monte Christo, Mittelmeer wird und blau, hellblau, voll Sonne von ollen Seiten, bunten Farben und Feiertagsstimmuna. Aber hier,' im„alten Hasen" ist das Wasser schwarz und dick wie geronnenes Blut und es vergeht kein Tag. da man nicht wenigstens einen da herauszieht, der angetrieben kam--. Dies ist das furchtbarste Viertel der Welt. Am Quai du Port münden achtzehn Gaffen. Linke ist das schwarze Wasser und rechts sind vorkommen«, wracke, müde Häuser ineinandergebaut, verbunden miteinander durch den furchtbaren Geruch und diesen gierigen Hunger nach Liebe. Diese Gassen, deren Wege plötzlich in den morschen Balten enden, welche die Arabesken der unterirdischen Keller und Kaschemmen kaum noch stützen,— diese -engen, plötzlichen Kanäle zwischen ihnen, zugestopft mit Fischresten, Knochen und faulenden Früchten,— diese armen Menschen, die in diesen Gassen wohnen müssen und nicht mehr hinaus können--, die Pest ist hier daheim und über allen eingeborenen Häusern grinst Pie Malaria. Und hier irgendwo ist eine lang« hohe Halle, ein richtiges Haus, ein Gebäude aus Stein—, und'zwischni den Gossen durch ziehen in. Reihen zu zweit die Verlorenen der Welt, die Fremdenlegion in ihr Gefängnis vor der Abreise nach Asrika. Zwischen den zerrissenen Gestalten der Frauen, den gelben Gesichtern der kleinen Kinder, den unheimlichen Männern ziehen die Fremdenlegionäre: Typen aller Rassen, Gesichter voll aller Missetaten und hier und da ein gutes Antlitz, das nun hilflos ist und verzweifelt, denn es gibt ja kein« Rettung mehr. Einer spricht deutsche Worte vor sich hin, ich schrei« in die verquollene Luft zwischen schrägen Fetzen einer Kaschemme: „Deutscher!"—, er dreht sich um, ein Hüne, blond, ein gutes Gesicht, — ich reiße aus meiner Tasche Geld und was mir in die Finger kommt, Zeitungen, Zigaretten, will alles ihm geben, da hat mich ein Offizier bemerkt, der Deutsche wird angeschnauzt, weiter gedrängt, und da ist er schon weit weg im Zug, er dreht sich noch einmal um, will wohl etwas sagen, etwas rufen,— er streckt auch noch die Haüd aus,— aber er sagt nichts und er ruft nichts und dann ist alles vorbei. Ganz fern hört man noch Trommelklang, ich stehe unter einer grauen Wolke vor einer Kaschemme, in der irre verhungert« Kindor unter den Bänken hocken. Aber gegenüber ist in einer Scheune ein Kino und zwanzig Frauen stehen und warten auf Einlaß. Matrosen fluchen vorüber und dazwischen laufen dann immer wieder diese gelben, halb ver- hungerten, kleinen Mädchen, die keine Mutter haben, denn die Mutter muß selber leben und hat keine Zeit für sie. Aus dunklen Kellern lächeln dicke Chinesen herauf, Malaien hocken schlafend an den Rändern des Weges, nur die Neger sind hier, wie in Paris, die Götter der Verlorenen. Die letzten Mädchen heben noch die müden Augen aus, wenn ein Neger kommt und langsam und bedächtigt die schrägen Gassen besucht. Denn langsam geht der Weg bergan. In Stufen folgen die Gossen. Wasser, Schalen von Eiern und Früchten fließen zum Quai und Katzen und Hunde und Ratten springen am Abfluß vorbei und oerschwinden wie Schatten. Ein blasser Neiner Jung« heult vor mir aus. Hände hat er kein« mehr, aber er hat dl« Augen eines uralten Tieres, er liegt In den Abwässern, er streckt mir die Stumpfe seiner Arm« entgegen, keucht mich an:„Essen!"— ich wende mich— fassungslos entsetzt—, werfe Geld hin. will fliehen vor allem diesen, was man doch nicht ertragen kann zu sehen,— da blick« ich zurück: ein Matrose, ein italienischer Mottos«— ich sehe noch heut« in Träumen sein Gesicht — schlägt den Kleinen nieder und reißt ihm das Geld fort. Mein Gott, was kann man wn?! „Man hat bereit» begonnen, dos Viertel abzureißen und dafür «in sauberes, hygienisch eimvandsreies Wohnviertel zu schaffen,"— sagte mir der Matve..Man bat bereits begonnen--. lieber all dem ruht auf dem einhundertsechzig Meter hohen weihen Kalkfelsen die schön« still« Kirche Rotte Dame de la Garde mit einem goldenen Kreuz und einer goldenen Madonna. Mehr habe ich von Marseille niiht sehen können. die»heilige" Therese unü üie Wissenschaft. Prof. I. H. Schultz bespricht in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrist" den Fall Therese Neumann in Konnersreuth. Er weist auf die vielen Berichte über Blutstigmatisserung hin, die Prof. W. Jacobi in einem vor vier Jahren erschienenen Werke über die Stigmatisierten als Beiträge zur Psychologie der Mystik behandell hat. Sie betrasen außerhalb der Sekte der Iansenisten fast ausnahmslos katholische Menschen, über- wiegend weiblichen Geschlechts, doch betrifft ja der erste historisch wesenttiche Fall dieser Art den heiligen Franz von Assisi selbst. Das Lebensalter ist ohne entscheidenden Einfluß, so daß z. B. nach historischer Ueberlieferung die heilige Angela della Pace schon im 9. Lebensjahre nach dem Anblick de» heiligen Franz Stigmatiste- rungen produzierte. Fast alle Stigmatisierten zeigen in der Vor- geschichie zahlreiche schwere Erkrankungen, die sich z. T. auch bei nachträglicher kritischer Sichtung im Sinne eigentlicher hysterischer Reaktionen deuten lassen. Völlig Gesunde haben nie Stigmen empfangen. Hinsichtlich der örtlichen Eigenheiten der Stigmen werden Blutschweiß-. Dornenkronen-, Wundenbluten-, Seitenwunden- amd Ragelstigmen-Produktion berichtet. Prof. Schultz nimmt nahe Beziehungen der Stigmatisierung und der Frage der„Organneurose" an. Als sicherster Prüfstein erscheint auf diesem Gebiete das Suggestio-Experiment. Eine Anzahl Forscher haben in Versuchen nachgewiesen, daß bei geeigneten Versuchs- Personen brandblasenähnliche, oft mit oberflächlichen Narben abheilende Erscheinungen dargestellt werden können. Im selben Sinne sprechen zahlreiche klinische Beobachtungen über die suggestive Be- einslussung geeigneter Fälle von nervösen Hauterscheinungen und Hauterkrankungen klinisch verschiedener Form. In geeigneten Fällen kann eben ekstatisch gesteigertes Innenleben zu den seltsamsten organneurotischen Erscheinungen führen. Die Stigmattsierung dürste vielfach ähnlich aufzufassen sein wie die der krankhaften Operations- sucht, für die Schultz ausgesprochen masochistische Antriebe und weit- gehende Gleichsetzung mit der Christusgestalt nachgewiesen hat. So ordnet sich diesem Forscher die Erscheinung der Stigmatiste- rung dem jetzigen medizinischen Mssen durchaus organisch ein._ Ein Studio der wiener Radiobühne. Der Wiener Rundfunk hat für die Uebenrnttelung von dramatischen Werken im Radio für die diesjährig« Saison ein Studio eingerichtet. Beabsichtigt ist ein Goethe-Zyklus, sowie die Königsdramen von Shakespeare zur Aus- führung zu bringen. Ferner ist eine Radiobearbeitung von Georg Kaisers„Papiermühle" und Galsworthys„Flüchtling vorgesehen. Weiter werden Stücke von Hauptmann, Sudermaim, Wedekind und Strindberg, sowie von Thaddeus Rittner, Hermann Bahr, Hoff- mannsthal, Schönherr und Franz Molnar zur Verbreitung gelangen. Belgische Ralionalkassen für tileralur und die Schönen Künste. Dem belgischen Abgeordnetenhaus sind zwei Gesetzentwürfe zuge- gangen, die die Errichtung von Nationalkassen für die Literatur und für die Schönen Künste vorsehen. Beide Kassen sind als getrennte Unternehmungen vorgesehen. Aus den GesetzeMwürsen ist zu entnehmen, daß dem Literaturfonds ein« Kommission von elf Mit- gliedern, die aus Schriftstellern sich zusammensetzen, unter dem Vor- sitz des Ministers für Kunst und Wissenschaft vorstehen soll. Der Fonds wttd gespeist durch Subvention des Staates und öffentlicher Institute, aus Geschenken und Zuwendungen. Von jedem in Belgien verkauften Exemplar eines belgischen Schriftstellers, dessen Er- icheinungsjahr nach 1830 fällt, soll überdies eine Taxe von 1 Proz. des Nettopreises erhoben werden. Im Gesetzentwurs ist vorgc- sehen, daß Schriftsteller in französischer und wallonischer Sprache mit den Französisch schreibenden gleichberechtigt sind.— Das Gesetz über die Schaffung einer Nationalkasse für die Schönen Künste sieht vor, daß aus den Verkäufen der Kunstwerke und Antiquitäten eine Steuer von 2 Proz. von 1000 bis 10 000 Franken, von 3 Proz. über 10 000 bis 20 000 Fronken, von 4 Proz. über 20 000 bis 50 000 Franken und von 6 Proz. über 60 000 Franken erhoben werden soll. Die Unterstützung der Schriftsteller und Künstler au» der Kasse ist dem Muster des Vorschlages Herriots nachgebildet. Obst in..Gummimilch". Ein neues Verfahren zur Konservierung des Obstes ist in Amerika mit bestem Erfolg erprobt worden. Da» Verfahren besteht nach einer Mitteilung in„Reclams Universum" darin, daß man die Früchte in eine sogenannte„Gummimilch" taucht, durch die sie mit einem schnell ttocknenden luftdichten Ueberzug versehen werden. Dieser Ueberzug, der sich wie eine' Schale leicht abziehen läßt, ermöglicht es, Obst jeder Art ohne Kühlwagen und kostspielige Verpackungen auf weite Strecken hin zu befördern, w.obei es sein Aroma in einer bisher nie erzielten Weise behält. So konnte man mit diesem Gummillberzug versehene Erdbeeren, die sonst be- kanntlich auf Transporten sehr schnell verderben, 14 Tage lang ohne jeden Schaden auf der Eisenbahn befördern. Volksbühne. In der Reucinstudierunz don Schiller».Kabale und Liebe" ttiit Karl Acha, als.Ferdinand' sein Enaaqement an der Volk«. bübn« an. Für die Rolle der.Luise" wurde Erika Metngast, für den .Wurm" Paul Henckel» verpflichtet. „ver Tanz Im Wandel der Zellen." Im Rabmen der AiiZNellimq .DaS junge Deutschland- veraniiallen die kalholiichen Juqendbünde Grok- Berlin« am 22., 20 Uhr. Im D l ü t h n c r. S a a I eine«oriübrung von Tänzen aus verschiedenen Iahrhuilderten in zeit- gemäßen Kostümen. Eintritt l M. und 0 50 M. Gedenlseiee» für Oeinrich». Kleist la den mecklenburgischea Schulen Di» m--klenburaiiche Regierung hat für den 18. Oktober, dem ISO. GeburtS. tag Heinrich v. Kleists, für alle Schulen de» Lande« Sedeutjeier» angeordnet. Ostlanösnot. Eindrücke von einer parlamentarischen Besichtigungsfahrt durch Ostpreutzen. Der Ostausschuß des Preußischen Land- tags machte eine längere Besichtigungsfahrt durch die Provinz Ostpreußen, über die uns aus der Fraktion fol- gendes geschrieben wird: Abgetrennt vom Mutterland durch den polnischen Korridor, von Grenzen dreier fremder Staaten umgeben, so liegt heute Ost- preußen da. In dieser isolierten Stellung leibet es doppell unter den Sünden der Vergangenheit. Technische Rückständig- keitinderIndustrie, wirtschaftliche Schwierigkeiten, außer- ordentlich niedrige Löhne gab es da schon immer Entscheidender Einfluß des Großgrundbesitzes und alt« konser- vative Tradition haben sich wohl in keinem Landesteil über die Staatsumwälzung hinaus so erhalten können wie in Ostpreußen. Die niedrige Entlohnung drückt die Arbeiterschaft in Zndustrie und Landwirtschaft auf eine tiefe soziale Stufe herab. Das Wohnungselend ist besonders groß, wenn auch zugegeben werden soll, daß die Städte versuchen, durch Aufführung von Reu» bauten Besserung zu schaffen. Die Wohnungsnot auf dem Lande jedoch schreit geradezu zum Himmel. Eine groß« Anzahl von Land- arbciterwohnungen haben nur einen Raum. Hier wohnt, kocht, wäscht und schläft die ganze Familie mit schulpflichtigen und bereits erwachsenen Kindern. Außerdem sind diese Häuser sehr oft in einem baufälligen Zustand, so daß Regen und Kälte freien Zutritt haben. Bezeichneick» für den Stand der Landarbeiterwohnungssrage ist es, daß selbst auf einem M u st e r g u t eine Anzahl Lairdarbeiterwoh- nungen rnzr mit einem Raum ausgestattet ist. Di« Landes- tultur liegt sehr im argen. In Ostpreußen sind S00 000 Hektar drainagefähige Aecker und 200 000 Hektar große Landflächen vor- handen, die der Entwässerung bedürfen. Die Neinbäuerlichen Betriebe leiden besonder» unter der Sreditnot. Im masurischen Teil der Provinz vor allem herrschen traurige Ver- hältnisie. Die Wohnungen bestehen aus alten Holzhäusern, die zum größten Teil baufällig sind. Die Erträgnisse des leichten, sondigen Bodens sind sehr dürftig. So ist der Kleinbauer Masurens auf Nebenerwerb als Waldarbeiter in den Staatsforsten ange- wiesen, wenn er nicht mit seiner Familie elend verhungern will. In den masurischen Dörfern trifft man noch oft auf Wohnungen, die nicht einmal O« f e n aufzuweisen haben. Di« Bewohner sind daher bei der scharfen Kälte des masurischen Winters oft gezwungen, im Bett zu verbleiben. Zu erklären sind diese Zustände nur durch die außerordentstche Anspruchslosigkeit der masurischen Be- völkerung. Dabei verfügt Ostpreußen über eine alte Kultur, die noch auf die Zell der deutschen Ritterorden zurückgeht. Die arbeUeude Bevölkerung ist freilich von dieser Kultur stets ausgeschlossen geblieben. Wohl such die Städte um den kulturellen Ausstieg der Jugend bemüht. Di« Dolksschulen auf dem Lande jedoch können bis auf wenige Ausnahmen ihre Ausgaben nicht erfüllen. Meist erfolgt dar Volksschulenunterricht in üsters üllt s-n K lns�e n, in ungenügenden und baufälligen Räumen. Welle und während der kalten Iahreszell oft unpassierbare Schulwege erschweren den Unter- richt und machen ihn zum Teil unmöglich. Die Klassenscheidung der Bevölkerung tritt in kulturellen Fragen fast noch mehr in Er- scheinung als auf dem sozialen Gebiet. Was ist nun zur Behebung der Notlage Ostpreußens zu tun? Dabei muß man die wirtschaftliche Notlage als Folge des Krieges und die Mißstände, die andere Ursachen haben, aus- einanderhallen. Der polnische Korridor wirkt zweifellos als Er- schwerung des Berkehrs, die das Wirtschaftsleben der Provinz hemmt und erschwert. Die Weichselsrage spielt dabei ein« besondere Rolle. Formell ist Deuljchland der Zu- gang zur Weichsel gesichert. Indirekt ist er jedoch von Polen durch Drahtoerhaue gesperrt. Eine große Tafel kündigt in polnischer Schrift demjenigen schwere Strafe an, der von dem garantier- ten Rechte Gebrauch machen sollte. Unter diesen Umständen kann der Weichselstrom für den Warentransport nicht ausgenutzt werden. Die vor dem Kriege blühende Schiffahrt auf der Weichsel ist ein- gestellt. Tot liegt das breite Bett des mächtigen Stromes und schickt seine Wassermasien ungeschwächt und ungenutzt durch die fruchtbaren Niederungen in das Meer. Den Schaden hat dis deutsche Bolkswirtschaft und in erster Linie die Provinz Ostpreußen. Aehnlich liegen die Berhältnisse an der M e m e l. Auch hier hat die willkürliche Grenzziehung auf wirtschaftliche Notwendigkeiten keinerlei Rücksicht genommen. Ein starker Rückgang der Schiffahrt auf der Memel ist die Folge. Diese Erschwerung des Verkehrs mutz natürlich hemmend auf das wirtschaftliche Leben der Provinz wirken. Die deutsche Außenpolitik wird immer auf diese Schäden aufmerksam machen und auf eine andere günstigere Regelung drängen müssen. Ebenso wichtig aber ist die Selbsthilfe im Kampfe gegen Ostpreußens Rot. Die Entwässerung der riesengroßen Flächen Acker- und Grün. landes muß sofort in Angriff genommen werden. Di« bis jetzt nur zum Teil oder gering genutzten Flächen werden nach Durch- führung dieser Arbeiten hohe Erträge liefern. Der Derbrauch an landwirtschaftlichen Maschinen wird zunehmen und wiederum zur Belebung der Industrie beitragen können. Dann wird die Land- Wirtschaft auch mehr Arbeitskräfte einstellen und wesentlich höhere Löhne zu zahlen imstande sein als jetzt. Mit allem Nach- druck wird die Aufforstung der landwirtschaftlich nicht nutzbaren Fläche in dem masurischen Gebiet der Kreise Iohannisburg und Ortelsburg betrieben werden müssen. Dort sind große Gebiet«, die nur durch Ausforstung überhaupt Ertrag bringen können. Die Forstwirtschaft bietet den schwer um ihr Dasein ringen» den Bewohnern dieser Gegenden auch Arbeitsmöglichkeit. In be- sonderen Ausnahmefällen dürfte man auch vor einer Um sied- l u n g im Interesse der gefährdeten Bewohner nicht zurückschrecken. Staatshilfe ist erforderlich. Die entsetzliche Notlage und Armut eines Teiles der Bevölkerung der Kreise Iohannisburg und Ortelsburg zwingt zu Maß. nahmen, die Kreise und Provinz selbst nicht erfüllen können. Not und Elend ist hier so groß, daß der Staat seine Hilfe nicht versagen darf. In gemeinsamer Arbeit müssen Reichs- und Staatsregierung versuchen, die hier nur kurz umrissenen Aufgaben in der Provinz Ostpreußen zu lösen. Die Sozialdemokratie wird sich positiver Mitarbeit nicht entziehen, Ostpreußen selbst aber muß die- jenigen Mißstände beseitigen, die der Bevölkerung ihre drückende soziale Lage unnötig schwer fühlbar mach:n. Die alte konservative Tradition von Herr und Knecht muß beseitigt, der Arbeiter als gleichberechtigter.Faktor im Wirtschaftsleben aner. k a n N t werd'en. Der Gedanke, daß der Gesunde und Starte dem Kranken und Schrvachen mehr als bisher beistehen und helfen müsse, muß auch in den Kreisen der Arbeitgeber Ostpreußens Gel- hing bekommen. Die Arbeiterschaft Ostpreußens schläft noch zu einem großen Teil. Sie zur Wahrung ihrer Rechte wachzurufen, ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. Unter ihrer Führung werden die ostpreußischen Arbeiter und von ihnen vor allem die Land- arbeiter sich die Rechte erkämpfen müssen, die man ihnen noch heute vorenthält. „/Non eher ami Stresemann." Der„liebe Freund" der De«tschnatio«ale». Die„Politische Wochenschrift" ist ein deutschnationales Organ. Von Franz Behrens angefangen über den Minister K o ch bis zu Max W a l l r a f zählt sie fast alle Prominenten der deutschnationalen Partei zu ihren Mit- arbeitern. Nur die wilden Männer um Freytagh-Loring- Hoven fehlen. Da ist es desto auffälliger, daß gerade dieses Organ bei Besprechung der letzten Ausführungen S t r e f e- manns in Genf die Rede und den Redner folgendermaßen charakterisiert: Immerhin: bei dieser neuesten Rednerleistung unseres Reprä- sentanten wandest den deutschen Zuhörer beinahe«ine leise Sehnsucht nach den Zeiten des immerhin ehrlichen Pazifisten W irth an, der ja in einer solchen Lage wie der gegenwärtigen ganz bestimmt nicht bloß darauf Wert gelegt hätte, den frenetischen und verdächtigen Beifall Frankreichs zu ernten, sondern auch ein klein wenig an die Sorgen Deutschlands gedacht hätte... Ach, wir wisicn zu genau Bescheid! Der Redner, Nichts-als-Redner braucht Beifall, und wenn er vor einem internationalen Forum spricht, redet er diesem nach dem Munde, gleichgüllig, was man daheim dazu sagt— d a- heim wird man den Getreuen und Braven schon wieder etwas anderes sagen. Ein Jahr Völkerbund. Und das Ergebnis? Daß keine der deutschen Nöte irgendwie gelindert worden ist. Daß Saargebiet, Danzig, Memel, das Rheinland nichts erhalten haben. Daß die Ge- fahr eines Ostlocarno nur scheinbar zurückgewiesen, drohender vor uns steht als von einem Jahre. Aber Vriand sagte: Man eher ami Stresemann... „Mein lieber Freund Stresemann", sagt Briand. Für die größte Regierungspartei aber scheint der deutsche Außen- minister alles andere zu fein als„man eher ami". Werden doch die vier deutschnationalen Minister mit folgenden Worten gegen ihn zur Hilfe gerufen: Zum wieoiellen Male muß im schroffsten Ton die Frage erhoben werden: Gab dieses Kabinett diesem Minister denn keine Aufträge? War es denn beschlosien, daß wir wieder nur geben und uns wieder mit leeren Redensarten ver- trösten lasten sollten? Und was gedenkt man, falls etwa ge- gebene Aufträge wieder um nicht ausgeführt werden, zu hm? Es sind also, wenn die„Politische Wochenschrift" gut unterrichtet ist— und wer kann daran zweifeln, daß sie gut unterrichtet ist. wenn sie Herrn Minister Koch zu ihren Mit- arbeitern zählt?— Herrn Stresemann für Genf mindestens schon einmal Aufträge gegeben worden, die er nicht aus- geführt hat! Wird wieder mit telegraphierten Tempcramentsaus- brächen regiert wie unter Wilhelm II.? Sicherheit und Abrüstung. Resolution Paul Boncour. V. seh. Genf, 16. September.(Eigenbericht.) Am Donnerstag abend hatte Genoste Paul Boncour zu der krittschen Stellungnahme des„Vorwärts" gegen sein« R«de im MrüstüNgsäusschuß mir versichert, daß ich ihn in wesentlichen Punkten mißverstand«» hätte: ich würde das selbst einsehen, wenn er in der Ausschuhsitzung am Freitag vormittag seinen neuen Antrag begründen und unterbreiten werde. Es sei ohne weiteres zugegeben, daß diese neue Rede manche Wendung enthält, die unserem Standpunkt wesentlich Rechnung trägt. Wenn Boncour an- erkannte, daß die Sicherheit Frankreichs durch die abgeschwste- nen Verträge in weitem Umsange gewährleistet sei, so ist dies« Feststellung des französischen Wortführers im Abrüstungsausschuß von besonderem Wert. Boncour hat heute weiter ausgeführt, daß er in seinem Kampf für di« Schaffung eine-„internationalen Sicherheitsorgans" weniger an Frankreich selbst denke, als an die im Völkerbund vertretenen Länder überhaupt und namentlich an die kleinen Staaten. Es ist natürlich nicht möglich, vor einem solchen Diplomaten- forum wie dem Völkerbundausschutz so deutlich zu sprechen wie in einer Parteioersammlung oder auf einem internationalen Sozialisten- kongreß. Deshalb konnte Boncour nicht deutlicher werden. Wir glauben aber in der Lag« zu sein, seine wirklichen Gedanken richtig zu deuten, wenn wir sagen: Frankreich fühlt sich heute in seiner Sicherheit nicht mehr von Deutschland bedroht, sondern von ganz anderen Seiten. Die politische und besonders militärische Entwicklung in Italien gerade in den letzten Monaten erfüllt die Franzosen mit wachsender Sorge. Das ist eins der wichtigsten und gefährlichsten Kapitel der europäischen Politik. Im faschistischen Imperialismus liegt die größte, vielleicht die einzige Kriegsgefahr der nächsten Zukunft. Boncour denkt wohl außerdem noch an die Besorgnisie der R a n d st a a t e n gegenüber einem Sowjetrußland, das als einzige der Großmächte des alten Kontinents dem Völkerbund nicht angehären will, und dessen Antlitz nicht immer gerade friedlich ist. Wenn dem so ist— und wir glauben versichern zu können, daß die französischen Delegierten in Genf die Frag« der Sicherheit und der Abrüstung nicht mehr unter dem Gesichtspunkt„Deutsch- land" betrachten—, dann erklären wir doppelt:„Sagt endlich offen heraus, was ihr auf dem Herzen habt und macht auch«in Ende mit der Besetzung des Rheinlandes!" Denn solange die - weitere Besatzung am Rhein mit d«m Argument der Sicherheit be- gründet wird— nicht von Boncour, aber von anderen Franzosen—, dann wird man ganz naturgemäß in Deutschland übzrzeugt sein, daß der Kampf Frankreichs für das Sicherheitsprotokoll vor allem der Angst vor Deutschland entspringt, und daß das Argument der „Sicherheit" mehr ein Vorwand sei, um nicht abzurüsten, und zwar um gegen das entwaffnete Deutschland stark zu bleiben. Sobald aber Frankreich verkündet: „Nicht Deutschland, sondern Mussolini ist die Gefahr!" und sobald es die Konsequenzen dieser Parole im Rheinland zieht. erhält das gesamte Problem der Sicherheit und Abrüstung auch in deutschen Augen«in ganz anderes Gesicht. Einstweilen stehen wir allerdings vor der nicht genügend er- läuterten und daher für die deutsch-französifchen Beziehungen auf die Dauer gefährlichen Tatsache, daß Frankreich und Belgien einen Standpunkt einnehmen, der praktisch die Unmöglichkeit positiver Fortschritte in der Abrüstungsfrage bedeutet. Durch wessen Schuld, ist eine andere Frage. Wir haben hier während der Genfer Debatte oft und deutlich genug auf die Verantwortung der englischen konservativen Regierung hinge- wiesen, die durch ihre Obstruktion gegen das Genfer Sicherheits- Protokoll von 1924 das größte Hindernis für eine sofortige allgemeine Abrüstung bildet. Aber man kann doch nicht, wie es Frank- reich bisher getan hat. sich damit begnügen, die Obstruktion festzustellen, um die Abrüstung zu verschieben auf«inen Zeitpunkt, der ebenso gut In«Inem Jahre wie in zehn Jahren eintreten kann, nämlich bis zum Sturz der englischen Tory- regierung. Freilich ist die Beseitigung der Regierung Baldwin und die Rückkehr der Labour Party zur Macht eine der wichtigsten Interessen der europäischen Demokratie, nicht nur wegen des Sicher- heitsprotokolls und der Abrüstung, sondern auch weil alle reaktio- nären und faschistischen Regierungen ihre moralische Stütze in den britischen Torries finden. Und doch kann sich jene positive Ab- rüstungspolitik, di« die sozialistische Arbeiterinternational« fordert und besonders die besiegten und bereits abgerüsteten Staaten von den anderen auf Grund der Friedensbesttmmungen und des Völker- bundstatuts verlangen, unmöglich mit der bloßen Feststellung der britischen Obstruktion und mit dem Abwarten eines Äurswechs-'ts in England abfinden. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich mit den übrigen sozialistischen Parteien der Welt zu den Grundsätzen des Genfer Sicherheiteprotokolls bekannt. Dabei wird sie auch bleiben, aber sie vermag nicht in der allgemeinen Ratifizierung dieses Protokolls die unerläßliche Voraussetzung der Abrüstung zu erblicken. presseempfang bei Stresemann. V. seh. Genf, 16. September.(Eigenbericht.) Außenminister Stresemann Hat für Heute nachmittag die inter- nationale Presie zu einem Tee eingeladen. Die Absicht war gut, denn warum soll der Außenminister nicht auch das Mittel der persönlichen Fühlungnahme anwenden, um Sympathien für Deutschland zu ge- Winnen? Indessen war die Ausführung dieser Absicht wenig glück- lich. Herr Stresemann hatte anscheinend sich kurz vorher über einen Hetzartikel des bekannten deutschlandfeindlichen Abg. Franklin- Bouillon im Pariser„Journal" fürchterlich geärgert, in dem u. a. di« Zeitschrift„Die Menschheit" als Kronzeug«» der deutschen Geistesverfassung hingestellt wird. Und nun legte Stresemann nach einigen ruhigen und vernünftigen Sätzen plötzlich los, redete sich in ein« wahre Wut hinein, sein an und für sich befehlshaberisches Organ steigerte sich zu wahren Trompetenstößen— und wozu das alles? Um minutenlang nur gegen Professor Förster und Karl M er- t«ns vor ISO Journalisten in maßlosen Ausdrücken zu polemisieren. Anstatt diese Fanatiker zu ignorieren, die neuerdings die Grenze der Gutgläubigkeit offenkundig überschritten haben, verlieh er ihnen plötzlich internationale Berühmtheit, als hätte er zu keinem anderen Zweck die Presse aller Länder zusammengetrommelt. General pershing und viele andere nordamerikanische Kriegs- teilnehmer(arnencan legion) sind in Cherburg eingetrosfen. Die Sozialisten blieben d«r Empfangsfeier fem, Henkerherrschast in Litauen. Protest der Jugend-Jntcrnationale. Dem Sekretariat der Sozialistischen Iugend-Internationale ging heute ein Tetegramm des Arbeiterjugendverbandes Lettlands zu, in dem es heißt: .Maffenlerror gegen sozialdemokratisch« Jugend Litauens. Es find fünf Zugendliche zum Tode verurteilt. Wir beantragen eine internationale sozialistische Jugendkampagne gegen diese Blut- tätigkeiten." Das Sekretariat der Sozialistischen Iugend-Internationale in Berlin hat von dem Inhast des Telegramms sofort dem Sekretariat de« Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale Kenntnis gegeben und dieses ersucht, Maßnahmen für eine Protestbewegung der internatio- nalen sozialistischen Arbeiter- und Jugendbewegung gegen diesen bluttgen Massenterror einzuleiten. Die Rachejustiz. Das Feldgericht in Tauroggen verurteilt« den angeb- lich am Putschversuch beteiligten Richard Wiesenberg zum Tode. Das Urteil wurde sofort vollstreckt. Von sechs anderen Angeklagten wurde einer freigesprochen, die übrigen zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Kuomintang gegen Kommunisten. Tagungsbeginn zu Nanking. Nanking, 16. September.(Chines. Nachr--Ag.) Die Tagung des Zentralexekutios und des Zentralkontroll- komitces der Kuomintang ist gestern hier eröffnet worden. Es wurde ein besonderer Ausschuß gebildet, der über die Frage der Regierungsbildung und der Parteiorganisierung entscheidende Beschlüsse fassen soll. Wangtsingwei, Vorsitzen- der der früheren H a n k a u regierung, drückte sein Bedauern darüber aus, daß erdieAusschließungderKommunisten verzögert habe und legte sein Mandat als Mitglied des Zentral- komitees nieder. weil Frankfurt a. d. 0. sich Haupt- und Handelsstadt aeunl, haben die Deutschnationalen in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, zu Hindenburgs Geburtstag die schwarzweißrote H a n- delsflagge neben den Reichsfarben zu hissen. Das Stadtparla- ment zeigte nicht das gleiche Bedürfnis, sich lächerlich zu machen und lehnte den Antrag ab. Die ZNilitärdlenstzeit in Estland soll um sechs Monate auf ein Jahr verkürzt und der Heeresbestand um ein Drittel verringert werden. In der estnischen Regierung sitzen nämlich Sozialdemo- traten.__________________________________ Die Schwerindustrie auf dem Kriegspfad hatten die Stuffateure, Gipfer und Buger in manchem Drt schon vor dem Krieg erkämpft. drand Kriegskasse gegen Arbeitszeitgeſetz. iniuftellen. Das bringt im Kampf um die Löhne mange Schwierig Der, Deutsche" veröffentlicht auszugsweise ein Rundschreiben „ eines Arbeitgeberverbandes", dessen Echtheit nach dem Blatt nicht bestreitbar ist". Der Deutsche" gibt folgendermaßen den Inhalt des Rundschreibens wieder: ,, Das Rundschreiben, das der Einrichtung einer Streittasse der Arbeitgeber das Wort redet, weist darauf hin, daß über kurz oder lang cin großer Kampf zwischen der Arbeitgeberschaft und der Arbeiterschaft suchen sie, die gesamten Industriellen vor allem des west. lichen Industriegebiets vor ihren Wagen zu spannen. Auch die Industriellen der Fertigindustrie sollen nicht nur für die Schwerindustrie zahlen, sie sollen vor allem als Sturm truppen den Schwerindustriellen den Weg bahnen. Zum Teil ist die Arbeitszeit schon unter 48 Stunden wöchentlich verkürzt. Zwischen Puzern und Stuffateuren ist heute vielfach Berufsarbeit festfeiten mit sich. Verständigung ist notwendig, damit die eine Gruppe nicht die besseren Arbeitsbedingungen der anderen unterbietet. Im Ausbau der Organisation herrscht überall reges Leben. Aus allen Teilen des Bundesbereichs wird über Steigen der Mitgliederzahlen berichtet. Stellenweise ist trotz des Rückgangs der Berufsarbeit eine wüste Lehrlingszüchterei zu beobachten. Die Haltung der Delegierten gegenüber dem Entwurf eines Reichstarifvertrags für studgewerbliche Arbeiten war sehr geteilt. Namentlich die Abgeordneten der Berliner Fachgruppe weigerten sich ganz entschieden, ihre in sehr wichtigen Punkten bedeutend besseren und unter schweren Opfern erkämpften Arbeitsbedingungen zugunsten der durch den vorliegenden Bertragsentwurf geplanten zentralen Bertragsregelung aufzugeben. Auch die Abgeordneten aus Hamburg, Ostsachen, Bayern widersprachen der AnHier wird einem erst flar, woher der hartnäckige Widerstand der Krefelder Seidenfabrikanten gegen eine Lohn erhöhung fommt, woher die Aussperrungsgelüfte der Solinger Kleineisenfabrikanten kommen. über gewisse Brinzipien bzw. Lebensnotwendigkeiten der deutschen Man braucht kein Gedankenleser zu sein, um den Kriegsplan Wirtschaft entbrennen werde. Für die Kenner der Verhältnisse der Schwerindustriellen zu durchschauen. Wir verlassen uns bei dem unterliege es heute feinem Zweifel mehr, daß an diesem Kampi bevorstehenden Kampf auch nicht auf die staatlichen Organe. nicht vorbeizukommen sei. Die zurzeit im Gang befindlichen Streits und Aussperrungen seien zum Teil von grundsäß- Gewiß würde ein Versagen des Staates, ein Zurückweichen licher Bedeutung, zumal neben lohnpolitischen allgemeinpolitische Beweggründe eine ausschlaggebende Rolle spielen. Das Rundschrei hen wendet sich dann sehr scharf gegen ben Reichsarbeitsminister Brauns, der den Beteuerungen der Wirtschaft über die Untrag barkeit von Schiedssprüchen zu wenig Glauben schenke. Solange Brauns Arbeitsminister sei, fönne für die Wirtschaft nichts erwartet Daraus müßten endlich einmal die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. merden. Der Vorstand der nordwestlichen Gruppe habe in flarer Erkenntnis dieses Gedankens beschlossen, dem Reichsarbeitsminister bei der ersten Gelegenheit endlich einmal die Stirn zu bieten und einen möglicherweise daraus entstehenden Kampf rest Ios und mit allen Mitteln durchzuführen. Aller Voraussicht nach werde es also zu einem Kampf Ende dieses bzw. Anfang des kommenden Jahres an läßlich der Berkürzung der Arbeitszeit für die Schwerindustrie fommen. Daher habe die nordwestliche Gruppe beschlossen, ab Monat August von jedem Werf zur Gründung einer Streit. taffe monatlich einen Betrag von 5 M. pro Arbeit nehmer zu erheben. Die großen Werke, namentlich die Hüttenmerte, hätten von vornherein erklärt, daß sie auf eine Unterstützung aus diesem Fonds im Falle eines Streifs oder einer Aussperrung nerzichten, so daß der Gesamtbetrag der mittleren und kleineren Industrie zugute fommen würde, damit Sicherheit gegeben sei, daß namentlich die fleineren und mittleren Werke beim Kampf nicht ab bröckeln. Aus dem Rundschreiben geht weiter hervor, daß die nordwestliche Gruppe ein gleiches Borgehen den Nachbarverbänden dringend ans Herz gelegt habe. Grundfäßlich hätten alle Verbände der Anregung der nord westlichen Gruppe zugestimmt, so auch die der weitervers arbeitenden Industrie der selbständigen Randbezirke von Nordwest, wie beispielsweise Sagen, Remscheid, Elberfeld usm. Die Besorgnis, daß der für die Streiftasse vorgeschlagene Betrag von 5 M. pro Arbeitnehmer zu hoch sei, habe in der betreffenden Sigung Herr Dr. Pönsgen mit der Begründung widerlegt, daß diese Ausgabe nur einer 2½ prozentigen Lohnerhöhung gleichkomme." Zu diesem Rundschreiben kann man wohl sagen, daß es mehr als wahr, daß es wahrscheinlich ist. Der Arbeitgeberverband, der zwar nicht ausdrücklich genannt wird, ist, wie aus der Inhaltsangabe des Rundschreibens ohne weiteres hervorgeht, die Unternehmerorganisation der Schwerindustrie des Ruhrgebiets, der sogenannten nordwestlichen Gruppe". Hier tritt entsprechend einer Verordnung des Reichsarbeitsministers auf Grund des§ 7 des Arbeitszeitgefeßes nach dem einstimmigen Gutachten des Reichswirtschaftsrats am 1. Januar 1928 das Dreischichtensystem wieder allgemein in Kraft, das die Schwerindustriellen unter dem Schuße der militärischen Befegung beseitigt hatte. Der Deutsche" erinnert in diesem Rusammenhang daran, daß der Rheinisch- Westfälische Wirtschaftsdienst" unter Hinweis auf diese bevorstehende Arbeitszeitverkürzung drohend geschrieben hatte: nahme des Vertrages. vor den Schwerindustriellen eine moralische und politische Katastrophe von unübersehbaren Folgen bedeuten! Darüber dürfte fich niemand, der in Deutschland eine Verantwortung trägt, im 3weifel sein. Wir zählen aber vor allem auf die Kraft und den Widerstand der Arbeiterklasse. Die Schwerindustriellen sammeln Geld zu einer Kriegskasse. Die Arbeiterschaft wird sich selber sam meln zum Widerstand, sie wird sich rüsten zum Kampf. Der Geldfack der eisenstirnigen Schlotbarone muß durch die Solidarität der eisenschaffenden Menschen besiegt werden! 0 3 Die Aussprache über die Anträge zum Bundestag ergab. im allgemeinen Einverständnis mit den Vorschlägen des Bundes vorstands. Besonderer Wert wurde auf die Pflege des Bean gruppenwesens gelegt. An Stelle in den Ruhestand tretenden Reichsfachgruppenobmanns Christian Odenthal wurde Heinrich open in Düsseldorf mit 17 Stimmen gegen 16, die auf Gustav Kleiner Stuttgart entfielen, zum nachfolger gewählt. Hopen wird somit dem Bundestag als Reichsfachgruppenobmann der Gruppe Stuftateure, Gipser und Buzer im Deutschen Baugewerksbund vorgeschlagen. Damit hatte der Verbandstag feine Arbeit beendet. Nach einem Abschiedswort des Vorfizenden des Deutschen Baugewerksbundes, Fris Paeplow, der ebenfalls in den Ruhest and treten wird, schloß der Verbandstag. sofizenden Der Konflikt bei der Straßenbahn. Eingreifen des Schlichters. Wie zu erwarten war, hat nunmehr der Schlichter in dem Konfliff zwischen der Direktion der Straßenbahn und den Berkehrsangestellten eingegriffen. Am geffrigen Freitag mittag lud der Schlichter, Reichsminister a. D. Wissell beide Parteien zu einer Aussprache ein, die am Nachmittag stattfand. Bei dieser Zusammenkunft wurden die Hauptstreitpunkte vom Schlichter festgelegt, die in erster Linie die Frage des Urlaubs, die Zahlung des Krankenlohnes und Sondertarife für ständige Nachtarbeiter betreffen. Am fommenden Montag werden Vertreter der Straßenbahndirektion und des Deutschen Verkehrsbundes sich nochmals an den Berhandlungstisch sehen. Wie auch die Besprechung ausfallen wird, werden beide Parteien am Montag abend oder am Dienstag fich wieder zum Schlichter begeben. Die Straßenbahner werden in zwei Berfammlungen am Mittwoch vormittag und abends zu dem Ergebnis dieser Besprechungen Stellung nehmen und weitere Maßnahmen beschließen. Die Arbeitszeit der Straßenbahner. D Aufruf der polnischen Gewerkschaften. Gegen die Diktatur der Regierung. Die Warschau, 16. September.( Eigenbericht.) 3entraltommission der freien Gemerf schaften hat eine äußerst scharfe Resolution gefaßt, in der es heißt: „ Die Lebenshaltung der Arbeiter hat sich im Laufe der lezzien Zeit ganz erheblich verschlechtert, trotzdem die Konjunktur bedeutend besser und die Produktion gesteigert worden ist. Die Arbeiterlöhne stehen in keinem Verhältnis zu der fortschreitenden Teuerung. Die Staatsbeamten haben trotz wiederholter zusagen keinerlei Gehaltsaufbefferung erhalten. Eine einmalige Zulage, die sich lediglich auf die höher gestellten Beamten bezieht, hat die Erbitterung in den unteren Beamtenfreifen ganz bedeutend erhöht. Die Arbeislofenunterstützungen find so gering, wie fie unter teiner anDie gesamte Wirtschaftspolitik deren Regierung bisher waren. zeigt deutlich, daß die Regierung lediglich die Interessen der Großindustrie gegen die Intereffen der Arbeiter wahrnimmt. ... Die Regierung strebt danach, das demokratisch- parlamentarische System, das heute noch der Form nach besteht, durch eine faschi= stische Diftatur zu ersetzen. Die gesamte Arbeiterschaft wird aufgefordert, sich angesichts der Gefahr, die ihr von der Regierung droht, zu organisieren und die demokratischen Einrichtungen çegenes zu einer Diftatur fommen soll, so wird die Arbeiterschaft mit allen Kräften für die Dittatur der Arbeiterklasse eintreten." Nach acht Stunden beginnen die Ueberstunden. Die Straßenbahndirektion Stuttgart ist vom Arbeitsgericht auf Grund einer Klage des Deutschen Verkehrsbundes zur Bezahlung der über acht Stunden täglich hinüber die Diktatur einer Person oder einer Clique zu schüßen. Wenn ausgehenden Arbeitszeit, rückwirkend ab 1. Juli, verurteilt worden. Die Straßenbahner, die bisher keinen Achtstundentag hatten, können jezt die Bezahlung der geleisteten Ueberstunden mit 25 Broz. Zuschlag fordern. In Betracht kommen 2500 Straßenbahner. Die Grundsätze der Unternehmer. Aller Uebergewinn ihnen allein! T Dresden, 16. Eeptember.( Eigenbericht.) In der sächsischen Textilindustrie sind schwere Kämpfe im Anzug. Am Freitag scheiterten die Berhand lungen über die Neuregelung der Löhne in Ost sa chsen, nachdem die Verhandlungen über den Abschluß neuer Lohntarife für West fachsen bereits gescheitert waren. In Ostsachsen wurde von den Ein- fachsen Unternehmern jede Verhandlung über die Forderungen der Arbeiterschaft grundsäglich abgelehnt. Verschärft wurde die Ablehnung noch dadurch, daß die Unternehmer von vornherein grundsäglich erklärten, auf keinen Fall eine Erhöhung der Akkordstücklöhne erfolgen zu lassen. Also dieselben Grundsäße" wie in Krefeld! Aller Uebergewinn der Produktionssteigerung soll ihnen allein bleiben. uta „ Es ist nicht anzunehmen, daß die Eisenindustrie diese Eingriffe widerspruchslos auf sich nimmt. Ueber kurz oder lang ist daher mit sozialpolitischen Streitigkeiten ernsthafter Natur zu rechnen..." Wir hatten diese Drohung damals gleich entsprechend unterstrichen. Die Schlotbarone haben also eine Kriegskasse gegründet, in die die verarbeitende kleine und mittlere Industrie 5 M. pro Be schäftigten monatlich zahlen muß, damit die Schwerindustrie gegen den Staat und das Gefeß Krieg führen kann. Während der Ruhrbesetzung liefen die Herren zum General De= goutte und baten um dessen Hilfe gegen das deutsche Gefeß. Da es feine Ruhrbefegung mehr gibt, müssen die Herr schaften, da zum Kriegführen bekanntlich erstens Geld, zweitens Geld und drittens wieder Geld gehört, in den Beutel greifen. 5 M. pro Kopf und Monat! Herr Pönsgen meint zwar, das fäme ja„ nur“ einer Lohnerhöhung von 2½ Proz. gleich. Wenn man aber einen Durchschnittslohn von 150 m. monatlich zugrunde legt, dann sind 5 M. 3% Proz. vom Lohn. Nun wissen wir, wann und wozu die Schwerindustriellen Geld wie Heu haben. Es gilt Krieg zu führen gegen den Staat, gegen das Gesetz, gegen die Arbeiterschaft, Krieg gegen den Achtstundentag. Da scheuen die Unternehmer kein Risiko, da fürchten sie nicht die Verluste, die ein solcher Kampf unvermeidlich mit sich führt. Sie haben Geld, um einen solchen Krieg zu finanzieren, Geld wie Heu, das ihnen sonst fehlt, wenn die Arbeiterschaft verlangt, daß die riesenhaft gesteigerte Produktion auch ihr zugute kommen, daß sie in die Lage versetzt werden soll, die Produkte zurüdzutaufen. Da die Schwerindustriellen aber ganz genau wissen, daß sie troz ihrer eisernen Stirn nur ein fleines häuflein find, verHab in Verbandstag der Stukkateure. voraus. Im bund feinen zweiten ordentlichen Bundestag nach Dresden ein3um 24. September hat der Deutsche Baugewerks berufen. Dieser Tagung gehen die Verbandstage der im Baugewerksbund vereinigten Berufsfettionen Rahmen der Bundestagungen hielt bereits der Berufsverband der Stuftateure, Gipser und Puzzer in den letzten Tagen in Leipzig feinen zweiten Verbandstag ab. 33 Delegierten beschickt. Aus dem vom Reichsfachgruppenobmann Odenthal erstatteten Bericht geht hervor, daß nach der Betriebsund Berufszählung vom Jahre 1927 im Studgewerbe 3967 Betriebe mit 20 783 Beschäftigten vorhanden waren. Ein Viertel dieser Beschäftigten darf als nicht organisierbar bezeichnet werden. Es verblieben somit rund 15 000 Berufsangehörige, die als Mitglieder der Stuffateur, Gipfer- und Bußerorganisation in Frage famen. Im ersten Viertel 1927 wiejen die Mitgliederlisten im Deutschen Baugewerksbund 10 160 und im zweiten Viertel 10 548 Mitglieder aus. Rund 1000 Berufsangehörige mögen in den Baugewerkschaften nicht unter ihrer richtigen Berufsbezeichnung gezählt sein. Vorsichtig gerechnet dürfte es gegenwärtig 8000 bis 9000 organisierte Stuffateure und Gipser geben. Der Verbandstag der Stuffateure, Gipser und Buzzer war von Die vereinfachte Bauausführung hat dem Beruf einen starten Rüdgang gebracht. Den 2 chtstundentag daß du leider krank gewesen. Deinem Brief gelesenz Lieber Max und nähr dich richtig, Aber jetzt erhol dich tüchtig, Iß feſt Rasi, alter depp dies wünscht. Dein getreuer au Und auf's Brot Herrn Man Resifehlt Vermittlung faufmännischer Lehrstellen. Die Stellenvermittlung der Ortsgruppe Groß- Berlin des 3entralverbandes der Angestellten vermittelt zum 1. Oftober 1927 wiederum Lehr- und Anfängerstellen für solche Schulentlassene, die die Absicht haben, einen taufmännischen Beruf zu erlernen. Es liegt im Irteresse der in Frage kommenden Eltern und Jugendlichen, sich vor der Annahme einer Lehrstelle an den 3dA. zu wenden und seine Berufsberatung und Stellenvermittlung in Anspruch zu nehmen. Die Beratung wird ausgeübt an jedem Wochentage von 10 bis 1 Uhr, außerdem Montags und Freitags in der Zeit von 5 bis 7 Uhr nachmittags in der Geschäftsstelle, Berlin SW. 61, Belle Alliance Straße 7/10. Schularbeiten jeder Art find zu der Beratung mitzubringen. = SPD.- Buchdruder! Im September finden folgende Bezirksfraktionsversammlungen statt: 1. Bezirk: Montag, 19., 18 Uhr, in den Arminius Festfälen, Bremer Str. 72-73; 3. Bezirk: Conntag, 18., 9% Uhr, bei Kluge, Danziger Str. 71; 4. Bezirk: Montag, 19., 18 Uhr, im Restau rant der Prachtfäle des Ostens; 5. Bezirk: Sonntag, 18., 9 Uhr, Reichenberger Str. 154; 6. Bezirk: Conntag, 18., 9% Uhr, bei Sing, Wilmsstr. 1; 8. Bezirk: Gonnabend, 17., 20 Uhr, bei Ruzli, Hermann. straße 75; 9. Bezirk: Sonnabend, 17., 20% Uhr, bei Reimer, Wilmers. dorfer Str. 21; 10. Bezirk: Montag, 19., 18 Uhr, im Bezirkslokal, Niederschöneweide, Brückenstr. 15. Wegen der wichtigen Tagesordnung wird vollzähliges Erscheinen erwartet. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Spinnstoff- Fabrit und Armit- Zehlendorf! Am Montag, 19. Geptember, 16 Uhr, bei Meurer, Seehof, Waldschlößchen, Bersammlung aller SPD.- Genossen. Wichtige Tagesordnung. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Eisenbahner! Am Montag, 19. September, 19% Uhr, findet im Lotal Südost" von Brasser, Berlin, Wusterhausener, Ede Michaeltirchstraße, unmittelbar Köpenicker Straße und Jannowigbrüde, eine Gigung sämtlicher im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands organisierten Parteigenossen statt. Tagesordnung: Stellung nahme zu der legten Gewertschaftskonferenz der KPD. sowie zu den neuesten Richtlinien der KPD. über ihre Tätigkeit in den Gewerk. schaften. In Anbetracht der Tatsache, daß die KPD. erneut versucht, die Gewerkschaften als Agitationsboden für ihre Partei zu benutzen, ist es Pflicht eines jeden Genossen, zu erscheinen. Der Werbeausschuß. Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Seute, Sonnabend, folgende Ber. anstaltung: Güden- Südwesten: Elternabend, Belle- Alliance- Plaz 1. Morgen, Sonntag, veranstaltet der Nordkreis eine Schnizeljagd. Treffen der Mädchen 64 Uhr, der Burschen 6% Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen, Eing. Badstraße. Jugendgruppe bes 8d. Südost- Treptow: Heute, Connabend, morgen, Sonntag: Nachtfahrt nach Chorinchen. Morgen, Sonntag: Besichtigung des Botanischen Gartens in Dahlem. Treffpunkt 9% Uhr vor dem Eingang zum Botanischen Garten, Straße Unter den Eichen. Berantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Constiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret Sierau 2 Beilagen und..Unterhaltung und Wiffen". die frische Refi Denn diese banerische Sternmargarine aus den WMWnürnberg vereinigt sum erften Mal höch fte fährkraft und höchsten Wohlgeschmac: Ditamine und Alpenmilch. Ra Zu jedem Pfund der Tafelmargarine„ Frische Resi" verlange man gratis den neuesten Band der Resi- Hausbücherei! Vertreter der V.M. W. Nürnberg: Resi- Agentur, Berlin NO 43, Neue Königstr. 37. Tel.: Königstadt 1865, 1866, 1867. Kr. 440 ♦ 44. Jahrgang 7. Seilage öes vorwärts SoNnabenS, 17. September 1427 polizei-poesie. Die frühere Kaserne in der Prin z-Friedrich-Ka rl-Straß e Die Abkürzung„P. P." ist uns fast geläufig geworden. Sie bedeutet: Polizei-Präsidium. Im allgemeinen aber sind Polizei und Poesie Parallelen, die sich erft in der Unendlichkeit treffen, soweit man den Mathematikern trauen darf. So freut man sich, wenn man in der Wüste, mitten in Berlin Oasen antrifft. Im Verwaltungsbezirk Mitte liegt die Prinz-Friedrich-Karl-Strahe, die Ner- längerung der Unioersitätsstraße. Zwei Gebäude von den sieben Ge- bäuden, die diese prinzliche Herrlichkeit umfaßt, geben ihr das Ge- präge, es ist dies Nr. 1 hüben, Nr. 2 drüben. Mit ihren langen und hohen Graufandsteinsronten, ihren aufeinandergetürmten Stock- werken, ihren unzähligen Fenstern und breiten Portalen find sie wie Riesen gegenüber den anderen fünf Zwergen. Was mögen diese beiden Gebäude mit„Polizei-Poesie� zu tun haben, wenn etwas Prosaischeres kaum erdacht werden kann, als ihre Zweckbestimmung:„Polizei-Unterkunft"?! Zumal, wenn zu allem Uebersluß noch auf dem einen Schilde„Polizei- Wache" zu lesen ist und auf einem zweiten gar„Ueberfall- tommando", diese traute Einrichtung, die besser ist als ihr Name, denn man hat noch nie gehört, daß uns dieses Kommando überfällt, sondern zur Hilfe eilt, wenn unliebsame Gäste uns überfallen. Und doch ist ein Stückchen Poesie mit diesen Prosadingen verbunden: man stell« sich nur in die Prinz-Friedrich-Karl-Straße und schaue von Norden nach Süden oder in umgekehrter Richtung. Da hat die „Polizei-Untertunft" sämtliche Fenster mit grünen Blumenbrettern gespickt und auf jedem dieser ungezählten bescheidenen Ersatzgärtchen prangt es in weiß und rot, in lila und rosa, in blau und gelb, und was die Augustpalette sonst noch an Farben beut. Wir wollen uns diese sinnige Blumensprache gern gefallen lasten, die doch eine mildere Regung der„Grünen" oerrät und beweist, daß unsere Schutzpolizei in ihren Privatgefühlen nicht farbenblind ist. Ehe wir Abschied und die Eigenart dieses Bildchens mit nach Hause nehmen, wo uns vermutlich wieder allerlei Prosa zwickt, er- innern wir uns: Am 28. März 1901 führte Wilhelm II. einen Teil des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 höchstselbst aus der alten Kaserne in der Alexanderstraße in die neue am Kupfer- graben, die durch ihre Schießscharten zur Stadt hin den Berlinern gar nicht gefiel. An jenem Tage hielt Wilhelm II. eine Ansprach« an seine Soldaten folgenden Wortlauts: „.... Wie eine fest« Burg ragt eure neue Kaserne in der nächsten Nähe des Schlosses auf, das ihr in erster Linie zu schützen stets bereit sein werdet. Das Kaiser-Alcxander. Regiment ist berufen, gewissermaßen als Leibwache Tag und Nacht bereit zu sein, um für den König und sein Haus, wenns gilt, Leben und Blut in die Schanze zu schlagen. Und wenn jemals wieder in dieser Stadt eine Zeit wie im Jahre 1848 kommen sollt«, eine Zeit der Zluslehnung gegen den König, dann— davon bin ich überzeugt— wird das Regiment Alexander alle Unbotmäßig- k e i t und Ungehörigkeit wider seinen königlichen Herrn nach- drücklich in die Schranken zurückweisen, und sollte ich selbst befehlen, auf Vater und Mutter zu schießen..." Ach, da ist nun alle Poesie wieder verflogen. Wir wollen uns begnügen, daß aus dieser Burg des Byzantismus nun eine— Polizeiunterkunst geworden ist. Und eine sogar mit einem Stückchen Poesie._ Gefährliche Gasarbeiten. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern gegen 16 Uhr vor dem Grundstück Skalitzer Straß« 12. Ein« Arbeiterkolonne der Städtischen Gaswerke war dort mit dem Derlegen von Gas- röhren beschäftigt. Plötzlich sanken zwei Arbeiter, Gustav Schmidt, Am Osthafen 14 wohnhaft, und Georg P r i k o w s k i, aus der Löwestraße, in dem etwa drei Biertel Meter tiefen Schacht b e- wußtlos zu Boden. Arbeitskollegen bemerkten zum Glück den Unfall nach kurzer Zeit und alarmierten die Feuerwehr, der es nach langwierigen Bemühungen gelang, die Bewußtlosen ins Leben zurückzurufen. Ihr Zustand war jedöch so b e- d e n k l i ch, daß sie in das Urban-Krankenhaus über- geführt werden mußten. Nach den angestellten Ermittlungen w»ren einem schadhaften Rohr größere Gasmengen entströmt, die das Unglück herbeiführten. * Die Selbstmordchronik verzeichnet gestern wieder ein« große Zahl von Lebensmüden. Während es in einigen Fällen nur bei einem Versuch blieb, wurden allein am Nachmittag drei Per- sonen mit Gas vergiftet tot aufgefunden.— In der Wohnung ihrer Herrfchaft, in d«r Brückenallee, vergiftete sich gestern nachmittag die 26jährige Hausangestellte Martha E i s n e r mit Leuchtgas. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Liebes- k u m m e r war das Motiv zu dem Verzweiflungsschritt.— Um IS Uhr wurde der Kaufmann Willi Schneider in dem völlig mit Gas angefüllten Schlafzimmer seiner in der D o r f st r a ß e 3 6 zu T e m p e l h o s gelegenen Wohnung tot aufgefunden. Sch. fürchtete in einer bevorstehenden Gerichtsverhandlung eine Strafe zu gewärtigen und beschloß deshalb freiwillig aus dem Leben zu scheiden.— Wegen Gemütskrankheit vergiftete sich gestern nachmittag in ihrer Wohnung Kirch st raße26 zu Friedrichs- Hagen die 26jährige Frau Frieda Stirka mit Gas. Di« olar- miert« Feuerwehr war ohne Erfolg mit Sauerstoff tätig. Die Leiche wurde beschlagnahmt und in die Köpenicker Halle übergeführt. Serlitis Bevölkerung 1�10-1�25. Des Krieges unauslöschliche Spuren. Die„Berliner Wirtschaftsberichte", herausgegeben vom Sta- tistischen Amt der Stadt Berlin, veröffentlichen jetzt eine Uebersicht über die Ergebnisse der natürlichen und der ört- lichen Bevölkerungsbewegung im Gebiet des heu- t i g e n Berlin für die Zeit zwischen den Zählungen vom 1. De- zember 1910 und vom 16. Juni 192 S. Dieser Zeitraum ist, weil er die Jahre des Krieges und der durch ihn herbeigeführten Geldentwertung umschließt, von besonderer Bedeutung für die Be- völkerungsbewegung, für die Zunahme oder Abnahme der Bevölke- rung aus Geburten und Sterbesällen und aus Zu- und Abwände- rungen. Die Bevölkerung im Gebiet des heutigen Berlin war 1910: 1 777 962 männliche. 1 956 297 weibliche, zusammen 3 734 258 Per- sonen, 1925: 1 848 859 männliche, 2 175 306 weiblich«, zusanmien 4 024 165 Personen(in 1910 die ortsanwesende Bevölkerung, in 1925 die Wohnbevölkerung). Die Zunahme für diese rund 15 Jahr« stellt sich aus nur 70 897 männliche, aber 219 010 weib- liche, zusammen 289 907 Personen. Der hier hervortretende starke Unterschied in der Zunahme der männlichen und der weiblichen Bevölkerung erklärt sich, wie ohne weiteres klar ist, größtenteils aus den Verlusten, die der Krieg ge- b r a ch t h a t. In den 15 Iahren starben 481 034 männliche, 392 820 weibliche, zusammen 873 854 Personen. An den Sterbefällen der männlichen Personen waren die Krieger st erbesälle mit 102 248 Berlinern beteiligt, das sind über 10 Proß. der 18- bis 45jährigen Männer, die zu Beginn de» Krieges in der Bevölkerung Berlins waren. Da aus den 15 Iahren als Lebendgeborene nur 414 315 männliche und 389 037 weibliche, zusammen 803 352 Kinder gemeldet wurden(so arg hatten die G e- burtenausfälle der Kriegszeit die Gesamtzahl beein- trächtigt), so ergab sich kein Geburtenüberschuß, sondern ein Sterbeüberschuß von 66 719 für die männliche Bevölke- rung und von 3783 für die weibliche Bevölkerung, von 70 502 für die Gesamtbevölkerung. Ausgeglichen wurde für Berlin diese infolge des Krieges durch Geburtenabnahme und Sterblichkeitszunahme enlftandcno Bevölke- rungsminderung durch einen hauptsächlich aus den Jahren nach Kriegsschluß herrührenden Ueberjchuß der Zu gezogenen über die Fortgezogenen. An Hand der Meldungen be- rechnete ihn das Statistische Amt für die rund 15 Jahre im Gebiet des heutigen Berlin auf 137 616 männliche, 222 793 weibliche, zu- sammen 360 409 Personen. Aus diesen Zuzugsübcrschüssen und den sie schmälernden Sterbeüberschüssen ergeben sich dann die oben mit- geteilten Zahlen für die Zunahme der Gesamtbevölkerung. Daß an der Zunahme nur die Außenbezirke beteiligt sind, oer- steht sich von selbst. Die EntoölkerungderInnenbezirke ist ein« Erscheinung, die schon lange vor dem Kriege immer stärker Äie OilScrfdjtDärme 59] Von SRczt Beach lR-chdru-k-rriwtm ÄnfettfNrti lUfccrfrfenas an» htm Engttsche» oatt I»lU» Slepfl „Sie können diese armen Menschen nicht tadeln," sagte Cherry,„sie haben es gelernt, die Gesellschaften zu fürchten und wissen, daß sie im Winter ganz und gar von dem Pro- viant der Gesellschaften abhängig sind. Aber es ist zum Ver- rücktwerden!" Sie stampfte zornig mit ihrem Fuß auf die Erde.„Und ich war so stolz auf meinen Erfolg. Ich glaubte wirtlich, daß auch ich mich einmal nützlich gemacht hätte. Jetzt aber weiß ich nicht mehr ein noch aus." „Ich auch nicht," gestand Emerson.„Wenn wir mit diesen Aleuten die Fabrik auch nur mit halber Kraft betreiben konnten, so machte es doch wenigstens den Eindruck, als ob wir arbeiteten. Aber jetzt!" Er hob seine Arme mit einer ver- zweifelten Gebärde.„Marshs Leute haben unsere Netze beschädigt, George hat die größte Mühe, die Fischerei im Gang zu halten, und dabei kann die Dacht jeden Augenblick eintreffen." „Die Dacht! Welche Dacht?" „Herrn Waylands Dacht. Er macht eine Fahrt längs der Küste mit den Offizieren des Trusts und— mit Mildred." „Mildred kommt hierher?" fragte Cherry. „Ja." „Warum haben Sie mir davon nichts gesagt?" „Ich weiß nicht. Ich glaubte nicht, daß es Sie inter- effieren würde." „Dann werden Sie meine Hilfe nicht mehr nötig haben," ihre Augenlider senkten sich und verbargen ihre Augen, der Ausdruck ihres Gesichtes war hart. „Natürlich gebrauche ich Ihre Hilfe. Mildreds Kommen wird an der Lage nichts ändern." „Sie haben mich lange genug zum Narren gehalten," sagte Cherry zornig.„Ich habe mir die Seele aus dem Leibe gerissen, um Ihnen bei Ihrem Unternehmen zu helfen, und Sie haben die ganze Zeit gewußt, daß Ihnen bald eine viel bessere Hilfe kommen würde. Sie haben mich nur gebraucht — und George und alle anderen—" Sie lachte höhnisch. „Sie verstehen die Sache ganz falsch," sagte Boyd,„Fräu- lein Wayland—" „Ich verstehe die Sache sehr gut und nehme an, daß es Fräulein Wayland ein Vergnügen sein wird, Ihre Angelegen- heit in Ordnung zu bringen. Ein Wort von ihren Lippen und Ihre Mißhelligkeiten werden wie Tau vor der Sonne verschwinden. Wir wollen offen zugeben, daß wir verloren haben und sie bitten, uns aus der Patsche zu ziehen." Boyd schüttelte den Kopf, sie aber ließ ihn nicht zu Worte kommen. „Sie wollten sich als Held vor ihr austpielen und ge- brauchten uns anderen dazu, damit wir Ihnen zu einem Triumph verhelfen tonnten. Es freut mich, daß wir keinen Erfolg gehabt haben, es freut mich, daß Willis Marsh Ihnen gezeigt hat, wie hilflos wir find. Mag Fräulein Wayland Ihnen jetzt helfen. Ich habe es satt!" Emerson starrte sie verwundert an. „Fräulein Wayland wird sich nicht in meine Angelegen- heiten mischen. Ich bezweifle, ob sie überhaupt verstehen würde, was hier auf dem Spiel steht," sagte er steif. „Und warum nicht?" fragte Cherry.„Liebt sie Sie nicht?" „Dies ist mein Kampf," sagte Boyd stolz,„ich muh ihn ohne ihre Hilfe gewinnen. Sie gehört nicht zu den Frauen, die einen Mann heiraten, der unterlegen ist. Ich muß Wayne Waylands Tochter beweisen, daß ich aus demselben Holz geschnitzt bin wie sie, denn sie haßt Schwäche." „Und Sie glauben, daß diese Frau Sie liebt. Oh, sie ist ja gar keine Frau. Sie weiß ja gar nicht, was Liebe ist. Glauben Sie, eine Frau, die liebt, fragt nach Geld, Ruhm oder gar Heldentum? Wahrlich, wenn ich einen Mann liebte, ich würde ihn nicht durch eine Hölle schicken, um mich zu überzeugen, ob er etwas taugt!" Sie lachte auf.„Ich würde für ihn kämpfen, ich würde alles, was ich besäße, hingeben, Geld, Stellung, Freunde, Einfluß, ich würde alles verlassen und ihm folgen! Wenn eine Frau einen Mann liebt, er mag ein Schwächling oder etwas noch Schlimmeres sein, dann folgt sie ihm durch Dick und Dünn." Sie hatte überstürzt gesprochen, jetzt hielt sie inne, um Luft zu schöpfen. „Sie können eine Frau wie Mildred nicht verstehen," sagte Boyd.„Sie haben immer in frischer Lust gelebt und sind ein freier Mensch gewesen: sie aber ist im Konservativismus aufgewachsen und kann ihre Natur nicht verändern. Auch ich konnte sie anfangs schwer verstehen, als ich aber gesehen hatte, wie sie lebte und wie sie von Kindheit auf erzogen worden war, da verstand ich sie. Und ich möchte sie auch gar nicht anders haben als sie ist. Mir genügt es, daß sie mich auf ihre Weise liebt." Cherry machte eine spöttische Bewegung. „Ich liebe rotes Blut mehr als Saft, und wenn ich liebe, dann will ich es bis in jeden Nerv spüren— ich lege keinen Wert darauf, daß man mir eine Liebe wie eine geometrische Aufgabe erklärt. Ich will lieben und hassen und unüberlegt handeln, jeder Vernunft zum Trotz." „Haben Sie jemals so geliebt?" „Ja. antwortete sie ohne Zögern und sah ihm fest ins Auge.„Und ich danke Gott, daß ich nicht zu jenen unnatür- lichen Frauen gehöre! Ich bin ein freier Mensch, wie Sie sagen. Ich habe gelebt!" Ihre Lippen kräuselten sich spöttisch. „Ich wußte, daß Sie sie nicht verstehen würden," sagte er,„aber sie liebt mich. Und ich— ich bete sie an. Ein Mann muß einen Gott haben, er kann nicht sein eigenes Bild an- beten." Cherry Malotte wandte sich langsam ab, ging zur Lan- dungsstelle und stieg in die Barkasse. Während des Rück- weges sprach sie kein Wort, und Boyd, der über ihren Angriff auf seinen Abgott verwirrt und bis ins Innerste verwundet war, machte keinen Versuch, das Schweigen zu brechen. Fräser erwartete sie am Strande. „Zum Teufel, wo bist du gewesen?" rief er atemlos. „Im Indianerdorf, um Hilfe zu holen. Was ist denn los?" „George hat schon vor zwei Stunden um Hilfskräfte gebeten. Unsere und Marshs Fischer kämpfen miteinander. Sechs von unseren Leuten sind schwer verwundet." „Ich werde sofort alle Leute, deren ich habhaft werden kann, zusammenrufen. Sieh du dich nach Aston um und bringe ihn mit. Wir werden jeden Mann nötig haben." „Mit dem Burschen ist nichts anzufangen, er hat sich davongemacht wie eine Hauskatze." Boyd hastete durch die Fabrik, die jetzt stillstand und suchte eine geeignete Mannschaft zusammen, indem er es den Orientalen und Aufsehern überließ, die Fabrik zu bewachen: darauf schiffte er sich mit den Leuten ein und steuerte auf die Sandbank zu. Die ganze Nacht stürzten die Lachsschwärme durch schlaffe, zerfetzte Netze und wimmelten unter den Kielen der schwankenden Boote, in denen Männer kämpften, die für die kostbaren Fischzüge weder Auge noch Ohr hatten. (Fortsetzung folgt.) hervorgetreten war. Für die Sltesten Teile Berlins läßt sich di�e fortschreitende Leerung schon hundert und mehr Jahre zurückver- folgen. In den rund 18 Jahren vom 1. Dezember 1310 bislä. Juni 1328 hatten in dem Berlin heutigen Umfanges die sechs Jnnenbezirte eine Bevölkerungsabnahme von 108 054, während aus demselben Zeitraum für die(seit 1321 eingemeindeten) vierzehn Außenbezirke eine Bevölkerungszunahme von 334 301 gebucht werden konnte. Die Abnahme im älteren Berlin und die Zunahme in den eingemeindeten Vororten ergeben zusammen für das heutige Berlin wieder den oben mitgeteilten Zuwachs um 283 307. Mn üer Mühle von Sanssouci. Berbrccherjaad in der Laubenkolonie. Zu einem nächtlichen Feuerkampf kam es, wie wir seinerzeit berichteten, am 10. dieses Monats an der„historischen Mühle" bei Sanssouci zwischen einem Potsdamer Schupobeamten und zwei Berliner Einbrechern. Nach längerer Verfolgung war es damals dem Beamten gelungen, den« i n e n B e rb r« ch e r zu ergrei- f e n, während der andere entkommen zu sein schien. Als der Beamte aber mit seinem Häftling den Weg zur Wache antreten wollt«, schlich sich der zweite Einbrecher heimlich von rückwärts heran und gab nicht weniger als sieben Schüsse auf den Beamten ab. Zum Glück gingen aber alle fehl. Der Festgenommene wollte zwar seinen Komplicen nicht kennen, die Kriminalpolizei stellte aber bald fest, daß es sich nur um einen 26 Jahre alten gewerbsmäßigen Einbrecher Erwin Böhm handeln konnte, der in Berlin wohnte. Die Kriminal- polizci richtete nun ihr Augenmerk auf Böhms Bekanntenkreis und stellte fest, daß seine Braut seit einiger Zeit als Patientin im Reinickendorfer Kronkenhaus lag. Es war anzunehmen, daß Böhm sie gelegentlich einmal besuchen würde. Die Beamten hielten daher schon seit mehreren Tagen die Zugangsstraßen zu dem Krankenhaus unter ständiger Beobachtung. Gestern nachmittag gegen 16 Uhr sahen sie Böhm auf seinem Fahrrad daherkommen. Als sie ihm entgegentraten, wich er mit dem Rade aus und fuhr in eiliger Fahrt nach der anderen Seite der Straße, wo ein ausgedehntes Lauben- gelände liegt. Hier war aber ebenfalls kein Durchkommen, da dort andere Beamte postiert waren. Böhm sprang nun vom Rade und rannte kreuz und quer durch das Gelände, ständig von den Beamten verfolgt. Erst nach viertelstündiger Jagd über mancherlei Hinder- nisse hinweg gelang es, den Verbrecher festzunehmen. Bei der Ber- solgung wurden die Beamten von den Kolonisten erfolgreich unter- stützt. Die Pistole, die Böhm sonst stets bei sich zu tragen pslegt, muß er auf der Flucht entweder fortgeworfen oder verloren haben. Man fand aber in seinen Taschen noch eine ganze Anzahl scharfer Patronen. Zu der Schießerei bei der„historischen Mühle" behauptet der Berhaftete, daß er nicht geschosten habe, das müsse ein Unbekannter gewesen sein. Er gibt aber zu.�einen Ein- bruch geplant zu haben. Böhm hat nachweislich allein oder mit Helfershelfern besonders die nördlichen und östlichen Vororte und Laubenkolonien unsicher gemacht. Ihm fallen auch verschieden« Ein- bräche in Reinickendorf und Wittenau zur Last. Weitere Mittei- lungen zur Aufklärung seines Treibens erbittet Kriminalkommissar Dr. A n u s ch a t, Dienststelle B 2, im Polizeipräsidium. Erholung kommt nicht mehr in Irage..." Man schreibt uns: Es gibt sogenannt« ungeschriebene Gesetze. Das sind solche, die keiner offiziellen Niederlegunq bedürfen, weil sie eigentlich em jeder selbst in sich formulieren müßte. Fern von allen Sentiment» gibt es aber doch gewiss« Dinge, an denen man einfach nicht rütteln darf. Der Bucklige weiß scheinbar nichts vom Höcker, der Todeskandidat nichts vom Sterben. Dieses tieftraurige Nichtwissenwollsn muß man respektieren, wenn man aus Kultur Anspruch erhebt. Und einen� Arzt müßte man doch eigenttich in die Klasse der Kulturträger einreihen dürfen; dennoch gibt es Vertreter dieses noch dazu edelsten der Berufe überhaupt, die dieses Prädikat nicht oerdienen. Im vor- liegenden Falle handelt es sich sogar um einen Arzt der städtischen Fürsorge, einer Institution, geschaffen für die Aermsten der Armen, für diejenigen, die infolge Krankheit außerstande sind, ihrem Erwerb nachzugehen, deren Krankheit sich noch dazu aber meist in einem schon recht bedenklichen Stadium befindet, wo Krankenkasi« und Medikamente nicht mehr helfen können und wo man den Aermsten fast nur noch formell kleine Liebesdienste an ihrem schwer bedrohten Organismus erweist. Es handelt sich hier um eine schwer lungen- krank« Frau, die sich im Stadium der UnHeilbarkeit befindet. Di« Krankentasse hatte ihre Schuldigkeit restlos erfüllt und die Frau nunmehr der Fürsorge überwiesen. An einem Tag, an dem sie sich besonders schlecht fühlte, ging sie, so schwer ihrem ermatteten Körper auch der Weg wurde, wieder einmal zur Fürsorge, um wegen Verschickung in ein Erholungsheim zu bitten. Der sie untersuchende Arzt fertigte sie mit folgenden Worten ab: „Erholungsheim kommt für Sie überhaupt nicht mehr in Frage, dazu ist Ihre Krankheit schon viel zu weit vorgeschritten." Mit diesem trästtichen Bescheid versehen wankte die Frau mehr tot als lebendig nach Hause und lag daraufhin drei Tage in hohem Fieber. Darf ein Arzt so zu einer Kranken sprechen? Ist es bloß der Geldbeutel, der ihm im anderen Falle zarte Rücksichtnahme diktieren würde, die er sich hier aufzuerlegen nicht bemüßigt fühlt? Und sollte nicht gerade der Armenarzt doppeltes Menschlichkeitsempfinden besitzen?__ Spielfeft der Gemeindcschulen. Die Turnvereinigung Berliner Lehrer hielt vor kurzem auf der Treptower Spielwiese das lt. S p i e l f e st für die Berliner Gemeindeschulen ab. Es lagen Meldungen von 72 Knabenschulen vor. Neben den Wettspielen im Schlagball, Bar- lauf und der Staffel um den Ehrenwanderpreis der Stadt Berlin wurden die Endkämpfe im Schlagballweitwurf und in der Pendelstaffel aus der Turn- und Sportwoche ausgetragen. Im Verlauf des Festes erschienen Oberbürgermeister B ö ß und einige Vertreter des Magistrats mit ihren Damen. Bei dem Herr- liehen Sommerwetter entwickelte sich bald ein lebhaftes Bild juqend- kräftigen Lebens auf der grünen Riesenwiese. Der Oberbürgermeister spendete den jungen Wettkämpfern selbst einen kühlen Trunk frischer Milch. Di« Wettspiele, zu denen noch eine 10x70-Metsr- Staffel kam, wurden als Mannschaftswettkämpfe ge- wertet. Die Ergebnisse sind: 1. Sieger 31. Schule, Charlotten- bürg. 832 Punkte; 2. Sieger 42. Schule, Berlin. 828 Punkte; 3. Sieger 80. Schule, Berlin, 521 Punkte; 4. Sieger 361. Schule, Berlin, 517 Punkt«; 5. Sieger 304. Schule, Berlin, 516 Punkte; 6. Sieger 17 Schul«, Neukölln, 515 Punkte. Die Endkämpfe aus der Turn- und Sportwoche, die im Rahmen der Veranstaltung ausgefochten wurden, sahen im Schlagballweitwurf die 300. Gemeindeschule und in der 12X75-Met«r-Pendelstaffel die 231. Gemeinde- schule als Sieger. Der von Ribbeck auf Ribbeck... Am 6. September trafen sich in Ribbeck bei Nauen mehrere Schulen der Umgegend, um hier auf einem brachliegenden Feldstücke dicht bei Ribbcck Vorübungen zu den Reichsjugendwettkämpfen ab- zuHallen. Da es an diesem Tage sehr heiß war, baten einige Kinder um die Erlaubnis, ins Dorf nach Wasser zu laufen. Dabei soll ein Knabe aus Berge einen Apfel ausgenommen haben. Plötzlich kam der Rittergutsbesitzer von Ribbeck reitpeitschenschwingend angeritten und trieb vor seinem Pferde den Knaben im Trabe immer vor sich her. Da sich das Kind in seiner Angst unter die anderen Kinder verbarg, ritt er rücksichtslos immer durch die Kinder, bis er den Knaben gestellt hatte. In diesem Augenblicke schlug er sofort mir der schweren Lederpeitsche auf den unglücklichen Knaben los. Nur durch das Dazwischenspringen eines Lehrers konnte weitere« Unheil verhütet werden. Da nun auch die anderen Lehrer entrüstet gegen solche Einmischung in ihre Amtsbesugnisse und erregt durch solche Roheit dem Junker entgegentraten, mußten sich die Schulen natürlich vom Platze scheren. Als der Abmarsch dem Herrn zu lange dauerte, ritt er in provozierender Weise an den Kindern entlang, den Lehrern zurufend, sie sollen dafür sorgen, daß der Junge seine gestohlenen Aepsel aufesse. Niemand beachtete ihn. Trotzdem blieb er so lange auf dem Platze, bis der letzte Schüler ihn verlassen hatte. Dann trabte er befrieoigt heim. Er hatte wieder einmal gezeigt, daß der preußische Junker noch nicht ausgestorben ist. In der Tat ein würdiger Nachkomme jenes Herren von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, zu dessem Lobe Fontane sein bekanntes Gedicht ge- schrieben hatte... Jener Ribbeck hatte ein so fühlendes Herz für die Kinder, daß er ihnen sogar über sein Grab hinaus die Be- Nutzung eines Birnenbaumes erlaubte. Sonnkag, IS. Sept., vorm. 11 Ahr. im Groben Schauspielhaus JugsiictwsiKs der Groß-Berliner Arbeiterschaft Mitwirkende: Der junge Chor. Leitung Heinz Tiessen; Cello- Trio: Armin Liebermann, Fritz Hoppe, Karl Lenzewski; Weiherede: Dr Richard Lohmann; An der Orgel: Willi Jaeger; Der Sprechchor der proletarischen Feierstunde, Leitung Albert Floraih und Einzelsprecher Heinrich Witte.— Gastkarten nicht mehr zu haben. Neue vergnügungssteuerorünung in Serlin. Diesmal hoffentlich die richtige! Was wir vor wenigen Wochen prophezeiten, ist eingetroffen: die Unmöglichkeit der sog.„Mustersteuerordnung" für Ber- liner Derhältnisie hat sich bereits in den ersten beiden Monaten erwiesen. Sie läßt die spezifisch großstädtischen Betriebe, wie etwa den„Lunapark", nahezu steuerfrei und belastet wieder andere, die in Berlin mit lebhafter Konkurrenz zu kämpfen haben, weit über das Maß des Erträglichen hinaus. So blieb der städtischen Finanzdeputation nichts anderes übrig, als sich zu einer neuen Berliner Steuerordnung zu entschließen. Um den Kon- flikt mit den Aufsschtsbehörden nicht wieder heraufzubeschwören, läßt diese Ordnung für die Theater und Konzerte die Sätze der„Mustersteuerordnung" bestehen. Sämtliche Theater wer- den dabei als„künstlerisch hochstehend" angesehen und also gleich- mäßig mit dem niedrigsten Satz« von 5 Proz. besteuert. Da dieser Satz den Reichsratsbestimmungen entspricht, so werden die Aus- sichtsinswnzen hiergegen keine Einwendungen erheben können, obgleich der eigentliche Ausgangspunkt des Konflikts da- durch sicherlich nicht im Sinne des Oberpräsidiums und des Kultus- Ministeriums entschieden ist. Es wird bei dieser Gelegenheit endlich auch Klarheit darüber geschaffen werden müsien, ob die Rein- Hardt- Bühnen auf Grund ihrer geschickten geschäftlichen Trans- aktion weiterhin als„gemeinnützige" Theaterunternehmungen an- gesehen werden dürfen oder nicht. Im übrigen verfolgt die neue Steuerordnung den zweifellos richtigen Grundsatz, daß Steuern dazu da sind, um Geld zu bringen, und daß also dort, wo Wirtschastsbetriebe durch eine zu hohe Steuer erdrosselt werden würden, Ermäßigungen eintreten müssen. Gerade die sozialdemokratischen Vertreter in der Deputation haben immer wieder betont, daß es eine Illusion ist, wenn man meint, unliebsame Erscheinungen im Dergnügungsbetriebe durch ein« hohe Steuer unmöglich machen zu können, Leider scheinen neuerdings dia,-Kom m uiri ile�r im Gegensatz zu ihrer sonstigen radikalen Einstellung� sich dieser Illusion hinzugeben. Die neue Steuerordnung ermäßigt aus kulturellen Gründen den Steuersatz für Vorträge und Vorlesungen auf 12 Proz. (früher 15 Proz.), sie setzt au» wirtschaftlichen Gründen den Satz für Ausstellungen auf 15 Proz.(früher 20 Proz.) herab, sie streicht bei Konzerten in Bierlokalen 5 Proz. gegenüber den früheren Sätzen und ermäßigt endlich die sagenannten spart» liehen Schaukämpfe, die ja in Wirtlichkeit mit dem Sport in unserem Sinne nichts gemeinsam haben, auf 20 bzw. 15 Proz. (statt bisher 30 und 28 Proz.). Maßgebend für diese Ermäßigung war die Tatsache, daß solche Veranstaltungen im letzten Jahr« immer mehr in andere Städte(Dortmund, Hamburg, Breslau) abgewandert sind, weil sie dort nur eine zehnprozentige Steuer zu tragen haben. Es ist zu erwarten, daß die neue Steuerordnung die G e- nehmigung der Aufsichtsbehörden finden wird und daß damit der Konflikt, unter dem die Stadt wie das beteiligt« Ge- werbe durch das ewige Hin und Her gleichermaßen gelitten haben, endgültig beigelegt ist. Die sozialdemokratischen Vertreter in der Deputation haben der Neuregelung zugestimmt — unbeschadet ihrer grundsätzlichen Ablehnung jeglicher Ver- gnügungssteuer—, da die Stadt bei der jetzigen Rechtslage nicht auf die erheblichen Einkünfte aus dieser Steuer verzichten kann, und da die neu« Ordnung den berechtigten Interesien der Stadt wie der bettoffenen Gewerbetreibenden gleichermaßen gerecht wird. Für die Zugendweihe im Großen Schauspielhaus am Sonntag, dem 18. dieses Monats, sind Eintrittskarten nicht mehr zu haben. Die Ordner der proletarischen Feierstunden treffen sich zur Jugendweihe im Großen Schauspielhaus am 18. dieses Monats, vor- mittags 3 Uhr, an bekannter Stelle. Volkswochenschau. In den Monopol-Lichtspielen, PeterZ- burger Sttatze 20, läuft zurzeit die neueste Ausgabe der Dolkswochenschau mit Aufbahmen des neuen Präsidenten b«S Völkerbundes. Bildern vom Krotzflugtag in Berlin, von der letzten Regatta der Arbeiter-Wasterlport- Vereine aus der Oberspree, vom Motorradrennen aus der Avu». sterner zeigt die Woche in bunter Folge die erneute Feuettätigkeit de< Besuv, Ipannende Drcssui versuche mexikanischer Cowboys, Vorführungen neuer Löschvorrichtungen der Feuerwehr und anderes. Schweres Straßenbahnunglück in dresüen. Drei Fahrgaste schwer— elf leicht verletzt. Aus Dresden wird ein folgenschweres Straßenbahnunglück ge- meldet, bei dem drei Personen schwer, elf weitere l«icht verletzt wurden. Das Unglück trug sich in der Hauptverkehrszeit gegen 16 30 Uhr, als die Wagen dicht gefüllt waren, in der Königsbrücker Straße zu. Ein vom Arsenal kommender Straßenbahnwagen der Linie 7 fuhr mit großer Wucht einem die Straß« kreuzenden Straßenbahnwagen der Linie 3 in die Flanke.� Durch den heftigen Zusammenprall wurden beide Wagen schwer veschädigl und sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Drei Personen wurden schwer verletzt und mußten in das Friedrichstädter Krankenhaus gebracht werden. Elf Fahr- gäste, die durch herumfliegend« Glassplitter verletzt wurden, konnten nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden. Die Feuerwehr nahm die Aufräumungsarbeiten vor. Nach den bisherigen Feststellungen soll der Unglücksfall auf«in Versagen der Bremse des Wagens der Linie 7 zurückzuführen fein. Freidenker-Herbftfttgendweihe«. Zahlreiche Anfragen beim Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung E. B. veranlassen zu folgender Mitteilung: Der Name„Freidenker-Iugend weihen" wird von kommu- nistischen und syndikalistischen Organisationen benutzt, um den Eltern vorzutäuschen, als handele es sich um solche. Wirkliche Freidenker- Jucendweihcn sind jedoch nur solche, welche vom Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung oder von der Freireligiösen Gemeinde veranstaltet werden, die den Namen ihrer Spitzenorganisation„Reichsarbeitsgemeinschaft frei- geistiger Verbände" tragen. Vorbereitungsunterrichte finden in sol- genden Schulen statt: Verband für Freidenkertum und �«uerbestat. t u n g(stets von 4 bis 6 Uhr): Dienstag: N. 65, Lütttcher Str. 4; Mittwoch: 0. 34, Petersburger Str. 4; Mittwoch: Lichtenberg. Rat- hausstraße; Donnerstag: SW. 23, Bergmannstr. 60/65; Donners- tag: N. 20, Gotenburger Str. 2; Donnerstag: N. 58, Kastanien- alle« 81/82; Donnerstag: Neukölln, Voddinstraße; Freitag: SO. 26, Waldemarstr. 77; Freitag: N.33. Pankstr. 20/22. Freireligiöse Gemeinde: Montag: SO. 36, Reichen. berger Str 45. 3�—514 Uhr; Montag: N.20, Wiesenstr. 66, 314—5% Uhr; Mitwoch: Tempelhof, Friedrich-Wilhelm-Strah«. 3—5 Uhr; Donnerstag: SdO. 55, Weißenburger Str. 4s, 3% bis 5% Uhr; Freitag: 0. 17. Koppenstr. 84. 3-5 Uhr. Die Jugendweihen finden statt am Sonntag, dem 2o. Sep- tember d. I.. im Stern-Lichtspielhaus. Neukölln. Hermannstr. 43; Sonntag, den 25. September d. I., in der Stadthalle. Berlin. Klosterstrahe; Sonntag, den 2. Oktober d. I., in der Volksbuhne. Theater am Bülowplatz.. Auskünfte erteilen: Geschäftsstelle Verband für Frei- denkerwm und Feuerbestattung E. V., Berlin NO. 18, Frieden. straße 60; Geschäftsstelle Freireligiös« Gemeinde. Berlin N.ö8. Pappelallee 16. Keine Zwangsvollstreckungsvorschüsse. Man schreibt uns von unterrichteter Seite: Nach Inkrafttreten des A r be i t s g e r i cht s g e s e tz e s am 1. Juli 1327 sind Zwangsvollstreckungen aus diesen Urteilen v o r s ch u ß f r e i nach§ 12 des Arbeitsgerichtsgesetzes. Es hat sich herausgestellt, daß von einigen Vollstreckungsbeamten Vor- fchüsfe abgefordert wurden. Es wird ausdrücklich darauf aufmerk- fam gemacht, daß die Vollstreckungsbeamten Vorschüsse nicht anfordern dürfen. Die Behandlung des Zwangsoollstreckungs- verfahren? aus Arbeitsgerichtsschuldtiteln hat ebenso schnell zu er- folgen, wie die Zwangsvollstreckung aus Schuldtiteln anderer Gerichte. Verlin— Paris— Madrid. Die seit einiger Jett zwischen Frank- reich und Deutschland schwebenden Verhandlungen zwecks Schaffung einer Luftverbindung zwischen den beiden Ländern haben mit dem Abschluß eines Abkommens ihr Ende gefunden. Danach wird als neue Lustverbindung eine Fluglinie B e r l i n— P a r i s—. Madrid eingerichtet werden. Schwerer Deckeneinsturz in Köln. Plötzlich brach der Fußboden durch... Zn einem im Umbau befindlichen Haus der Kreuzgasfe in Köln ereignete sich in den frühen Morgenstunden des Freitags ein schwerer Unfall. Erdgeschoß und erstes Stockwerk waren wegen des Umbaues nicht bewohnt. Die im drillen Stockwerk wohnende Familie Vür erwachte gegen sünf Uhr morgens durch ein knarrendes Geräusch. Zu ihrem Entsetzen stellte sie fest, daß sich der Fußboden des Schlafzimmers senkte. Der Mann holte noch rasch das im Nebenzimmer schlasende Kind aus dem Vell und rettete sich, ehe der Fußboden völlig einbrach, zusammen mit der Frau auf da» Fensterbrett. Die im zweiten Stockwerk wohnende Familie des Hausbesitzers Lüdcmann wurde jedoch von dem Unglück im Schlaf überrascht. Die mitsamt der Zimmereinrichtung herab- stürzend« Decke durchschlug den Fußboden des zweiten Stockwerks und riß den Ehemann mit in die Tiefe. während sich die Frau durch einen Sprung ans Fenster retten konnte. Auch die Hausangestellte stürzte mit der durch- brechenden Decke iu das darunterliegende Stockwerk. Der im Neben-. zlmmer schlasende Bruder des Ehemanns gelangte noch rechtzeitig ins Treppenhaus und konnte die Feuerwehr herbeirufen. Don ihr wurden zunächst die unter den Trümmern begrabeneu hausbewoh- uer gerettet. Die Hausangestellte hat beide Beine gebrochen. Die Derlehungen des Mannes sind nicht allzu schwer. Eine im Dachgeschoß wohnende, dreiköpfige Familie mußte von der Feuer- wehr über Leitern in Sicherheit gebracht werden. Merkwürdigerweise hat die Außenfront des Hauses keinerlei Schaden erlitten. selbst die Fensterscheiben sind heil geblieben. Zu dem Deckeneinsturz in den Häusern der Kreuzgass« 1— 11 wird noch mitgeteilt, daß vor etwa zwei Jahren in diesen Häusern bauliche Veränderungen vorgenommen wurden. Da die Häuser be- reits ein ziemliches Alter aufweisen, sollen schon damals Bedenken aufgetaucht sein, ob die alten Mauern die vorgenommene Auf- st o ck u n g aushalten würden. Auch der Baupolizei sollen diese Bedenken zur Kenntnis gebracht worden sein. Es wird daher als Ursache des jetzigen Unglücks angenommen, daß befon- ders die Wand zwischen den beiden Grundstücken 7 und S die Be- lastuag nicht mehr aushielt und«instürzt«. Vor einigen Togen sollen sich bei dem Durchbruch einer Tür bereits verdächtige An- zeichen bemerkbar gemacht haben. Man vermutet, daß dieser Tür- durchbruch die Veranlassung zu dem Einsturz gegeben hat. Für S0 000 M. Zuwelen gestohlen. Aus einer Villa in der Friedrichstraße in Frankfurt a. M. wurden auf bis jetzt noch unauf- geklärte Weis« Juwelen, Perlen und Goldwaren im Gesamtwette von 80 000 M. gestohlen, darunter ein« Perlenkette, die aus 228 Perlen besteht und allein einen Wett von 66 000 M. hat. Arbeitersport. Fußballspiele am IS. September: Weiter setzt der Kampf um die Punkte. Für viele Bereine ist e« der letzte Epielsvnntag der Herbstrunde, und sitr manchen Bcrein bedeutet er auch die Sewißtzeit des Abstleges bzw. des Aufftieges. Aber auch die Krage des voransstchtlichen Meisters wird schon geklärt werden. Im Norde» find folgende Spiele«orgefehen: Rathenow gegen Teutonia in Rathenow. Minerva gegen Adler M in Borsigwalde, Reue Ernst., Ecke stonradstratze. Belten gegen Adler 12 in Belten. Nauen gegen Tegel 24 in Nauen. Vorwärts gegen Alemannia in Hennigsdorf. Wacker 20 gegen Sicmensstadt auf dem Ererzier- Platz, Schönhauser Allee. Arbeitcr-Eportvereln 24 gegen Bernau in der Ehrlstianiaftraße. Spandau 25 gegen Sowjet in Spandau, Stadion vaken- felde.— Bezirk vften: Friedrichztzagcn gegen Lichtenberg IN in Friedrichs- Hagen. Woltersdorf gegen Alt-GIienicke in Woltersdorf bei Erkner. Adlers- Hof gegen Britannia in Adlcrshof, stöpeuicker Lhauffee. Brandenburg gegen Weißcnfee in Lichtenberg, Eitelstrasie. Askania gegen Rudow in Köpenick, (Brllne Trift. Stralau gegen Komet In Lichtenberg, ffifcherstrafje. Sparta gegen Fichte.Elldost in Lichtenberg, Hauffstrasie. Ketschendorf gegen Oberspree in Ketschendorf.— Bezirk Südwesten: Woltersdorf gegen Luckenwalde I in Woltersdorf bei Luckenwalde. Tcmpclhof gegen Teltow in Tempelhof, ner- liingerte Kaiferin-Augusta-Stratze. Brandenburg gegen Nowawes in Branden. dnrg an der Havel. Berolina gegen Neukölln auf dem Tempelhofer Felde. Lichtenrade gegen Wilmersdorf in Lichtenrade.— Spiel« der 2. Klaff«: Briefe- lang gegen Ketzin. Fichte-Gefundbrunnen gegen Eltstal. Wacker 24 gegen Schönholz. Buch gegen Rosenthal. Bla»»WcIß gegen Union. Sochfenhausen gegen Nord. Birkenwcrdcr gegen Hasifa. Bavoria gegen Eifenspalterei. Merkur gegen Borwäxts 20. Johannisthal gegen Waltersdorf. Zeuthen gegen Wildau. Senzig gegen Berliner Sportverein 22. Zeesen gegen Niederlehme. Richterswalde gegen Teutonia 2S. Strausberg gegen Eggersdorf. Tasdorf gegen Adler. Mllnchebcrg gegen Eadowa. Reuenhagen gegen Tasmania. Fichte 22 gegen Lichtenberg II. Berliner Sportverein lö gegen Erkner. Rllftig. Borwärt» gegen Wannfee. Titonia gegen Kirchmöser. Schmargendorf gegen Lindenhof.— Beginn der Spiele ISZh Uhr. Borher untere Mannschaften. wekkerberichl der öffenfllchen Wetterdienststelle sstr Derstn und Umgegend lNachdr. Oer 6.) Wolfig ohne starke Regensälle, noch mäßig warm. Wind- dretzung von Südost auf Südwest.— Fllr veulschland: Im Westen Ab. kützlung mit Regenfällen, im südlichen Reiche noch mäßig warm und größten- teils trocken. Im Osten ziemlich heiter. Nr. 440 44. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Monopol und Korruption. Wie die Ferngaspläne der Ruhr zum Marschieren gebracht werden. | stehender öffentlicher Werke verringern und den Finanzbedarf der Kommunen gefährden, bloß zu dem 3wed, der privaten Ruhrindustrie auf Kosten der öffentlichen Hand einen Sonder. profit zuzuführen. Dazu darf weder eine Stadt noch eine staatliche Stelle die Hand bieten. Soweit öffentliche Stellen aber das Vorgehen der Ruhrindustrie direkt oder indirekt begünstigen, handeln sie im Widerspruch nicht nur mit dem öffentlichen Interesse, sondern auch mit Beschlüssen des Preußischen Landtags, die die Wahrung dieser Intereffen der Regierung zur Pflicht machen. Wir haben fürzlich in unserem Artikel„ Neue Wege der Ferngasversorgung?" auf die von der A.-G. für Kohleverwertung in Essen geübten Methoden hingewiesen, die, wie es scheint, unter Mithilfe staatlicher Stellen auf unterirdischen und un ntrollierbaren Wegen, den Ruhrherren einseitig die Vorteile der Fernversorgung zuführen sollen. Was den Druck der Ruhr herren gegenüber der Stadt Köln anbelangt, so halten wir es an der Zeit, das Dunkel etwas zu erhellen. Nach den uns zugegangenen Mitteilungen verhandelt Direktor Seipel von der A.-G. für Kohleverwertung mit Köln auf folgenden Grundlagen: Das Angebot gegenüber Köln zur Frage der Kohlenfelder ist in Die Stadt Köln verpflichtet sich, feinen weiteren Aus- hohem Maße unmoralisch. Es fucht mit finanziellen Geschenken an bau seines Gaswerts mehr vorzunehmen, ferner einem Gas die Stadt Köln dasselbe gegenüber der Stadt Frankfurt zu erlieferungsvertrag mit Thyffen bzw. der A.-G. für Kohleverwertung reichen, was die A.-G. für Rohleverwertung früher mit dem Ver3uzustimmen. Sie verpflichtet sich ferner, bei den Berhand- pflichtungsschein der Ruhrzehen erreichen wollte, lungen über die gemeinsam mit Frankfurt getauften kohlen- nämlich der kommunalen Ferngastonkurrenz den Bezug der erfelder keinem Abbau derselben zuzustimmen und, forderlichen Brennstoffe zu sperren. Die Existenz dieses Reverses falls Frankfurt Anträge stellt, Schächte anzulegen und den Ausbau fonnte nie bestritten werden. Die Mitglieder der 2. G. für zu bewerkstelligen, feine Zustimmung zu diesen Plänen von Frankfurt zu verweigern. Kohleverwertung( nicht das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat) verpflichteten sich gegenseitig darin unter Punkt 2 und 3: 2. Keine Werke zu betreiben, die brennbare Gase an Dritte abgeben, noch derartige Werte ohne Zustimmung einer Dreiviertelmajorität ihrer Generalver= sammlung mit Brennstoffen zu beliefern, noch uns daran in irgendeiner Form zu beteiligen. Als Gegenleistung übernimmt die A.-G. für Kohleverwertung alle petuniären Verpflich. tungen und 3inslaften, die Köln aus seinem Bertrage mit Frankfurt über den Kohlenfelder. tauf entstehen, so daß auf diese Weise, da Frankfurt an Köln gebunden ist. Frankfurt der Abbau der Kohlenfelder unmöglich wird. Darüber hinaus foll die 2.-G. für Kohleverwertung in die Lage verfeht werden, und zwar ohne die Mitwirkung der Stadt Köln, industriellen Betrieben direft Gas zu liefern. Mehr mitzuteilen, halten wir im gegenwärtigen Augenblick noch nicht für zweckmäßig. Wir sind aber schon jetzt zu folgenden Feststellungen genötigt: Es ist eine Tatsache, daß gerade die Belieferung industrieller Großabnehmer die Kommunen in die Lage versetzt, die Ortsneße möglichst weitgehend auszunuzen, die Kosten der Gasperteilung dadurch tief zu halten und mit der Industrie die breiten Massen der Konsumenten wohlfeiler zu beliefern. Die Industrie aus der Belieferung durch die Kommunen herauszunehmen und diesen nur den Kleinverbrauch überlassen, heißt die Lebenshaltung verteuern, die Wirtschaftlichkeit beZwei Seelen in einer Brust. Politisches und Unpolitisches von der Deutschen Großhandelstagung. | = 3. Keine Fernheizungsanlagen zu betreiben, oder uns daran in irgendeiner Form zu beteiligen, oder ohne Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit ihrer Generalver. fammlung Dritte mit Brennstoffen oder mit Wärme aus unferen Betrieben für solche 3wede zu beliefern. Bestritten ist nur, daß sich der Revers mit diesem Wortlaut heute noch in Geltung befinde. Das Borgehen gegenüber Köln beweist, daß der Revers mit der ausdrücklichen Kohlensperre zwar nicht mehr zu bestehen braucht, daß aber Geist und Bereits schaft zum rüdsichtslosen Monopol willen nach wie vor bei der Ruhr vorhanden sind. Endlich ist festzustellen, daß mit finanziellen Geschentangeboten, wie sie gegenüber der Stadt Köln bestehen und wir sagen schon jetzt, sie sind nicht zu dementieren, der Korruption in lebenswichtigen Fragen der Gesamtwirtschaft Tor und Tür geöffnet wird. einschränkende Bedingung, daß die Zollsenkungsaktion bei ben übrigen Bölkern Nachahmung findet. Obwohl zweifellos die Masse der Großhändler auch zu den Kleingeschädigten bei den ausländischen Liquidationsschäden gehören, stellt die Resolution Sonnabend, 17. September 1927 Auch das Referat von Reinath umschloß widerspruchsvolle Ausführungen, die auf der einen Seite die fleinliche Interessenpolitik der Großhandelsorganisation unterstreichen und auf der anderen Seite verraten, wie man bei den großen Herren anzustoßen fürchtet. Der genossenschaftlichen Selbst= hilfe beim Großeinkauf wurde neue Feindschaft ge= schworen. Dagegen stimmte Keinath den Frankfurter Forderungen des Herrn Kastl zu, den Kartellen die volle Beweglichfeit zu geben, obwohl gerade der Großhandel von den Kartellen nur Schaden haben kann. Das Steuerprivileg der Landwirtschaft. Bauern klagen an! Unser Artikel„ Das Steuerprivileg der Landwirt. schaft"( Borwärts" Nr. 380) hat auch in Ostpreußen eine lebhafte Diskussion hervorgerufen. Die Syndizi des Landbundes und der Landwirtschaftskammer nahmen dazu Stellung; neben anderen auch Herr Heinrich von der ostpreußischen Landwirtschaftsnatürlich die Wirkung unserer Feststellungen abzuschwächen. fammer in deren Amtsblatt, der Georgine". Beide versuchten eines Briefwechsels in der„ Georgine" Nr. 72 vom 13. September Daß ihnen das nicht gelungen ist, beweist die Veröffentlichung 1927. Der Landwirt Wittfomiti aus Abbau Goldap in Ostpreußen, der sich selbst als wirklich nationaldentenden nicht erst den Versuch zu unternehmen, die von uns getroffenen FestMann bezeichnet, rät dem Syndikus Heinrich in einem Schreiben, stellungen zu entkräften, da es vergebens sein würde. Herr Wittkowski schreibt: „ Es würde feinen 3wed haben, den„ Borwärts" eines Befferen belehren zu wollen, denn er hat recht... Ich führe zwei Tatsachen als Beweis an: 1. Im Kreise Köslin zahlt ein Landmirt mit 18 200 Morgen Grundbesig feine Einfom= mensteuer, mogegen sechs Bauern mit je 54 Morgen je 108 M. Einkommensteuer zahlen. 2. Im Kreise Goldap zahlt ein Befizer von 40 Morgen monatlich 7,49 m. Grundvermögenssteuer, dagegen der Nachbar mit 400 Morgen Land derselben Bodenklasse nur 34,65 Mt., also entsprechend der Größe nur die Hälfte dessen, was der Kleinbesitzer zahlt." Zum Schluß seines Briefes erkennt Wittkowski an, daß die von uns empfohlene Flächensteuer sehr gut geeignet ist, die Lasten gleichmäßig auf alle Landwirte zu verteilen und die Abwälzung der Steuerlast auf eine Gruppe des Volkes zu verhindern. Er schließt dann mit folgender Mahnung an Syndifus Heinrich: Wehe aber denen, die Böses gut und Gutes bös heißen, die Wahres für unwahr und unwahres für wahr erflären." Herr Heinrich antwortet auf den Brief von Wittkowski mit langen Ausführungen, die wenig überzeugend wirken und seine Verlegenheit hinter ein paar Phrasen recht unzulänglich verbirgt. Er verteidigt den Grundsatz des Einkommensteuergeseßes, Steuern nur vom nachgewiesenen Einkommen der Landwirte zu erheben, obgleich dieser Grundsatz wie eine Faulheitsprämie wirkt und der Steuerdrückebergerei durch eine verständnisvolle Buchführung Tür und Tor offen läßt. Auch die Steuer differenz zwischen Groß und Kleinlandwirten bei der Grundvermögenssteuer ficht ihn Das Erfreulichste am Berlauf der Tagung des Reichsverbandes offenbar die Interessen der Großfirmen in den Vordergrund, nicht an. Er behauptet frank und frei, daß der kleine Betrieb eben des Deutschen Groß- und Ueberseehandels in Hannover war bisher Stärkung mitgliederversammlung wurde eine Reihe muß Herrn Heinrich zugute halten, daß er im Auftrage der Landdie Schärfe, mit der die Rationalisierung des Staatswesens im Sinne einer Verfassungsform gefordert wurde. Darüber berichteten wir gestern. Der weitere Berlauf der Tagung verriet zwar manchmal die Lust zu starken Entschlüssen, die aber doch immer wieder durch vieles Wenn und Aber eingeschränkt wurde. So konnte Oberpräsident Genosse Noste- Hannover vom deutschen Großhandel verlangen, daß gerade er doch allen Anlaß habe, mit noch größerer Energie, als dies vom Zentralausschuß bisher geschehen sei, der Verwaltungsvereinfachung in Deutschland das Wort zu reden. Im Auftrage des Reichswirtschaftsministeriums erklärte Ministerialdirektor Dr. Schäffer, daß die Wirtschaftspolitik der Reichsregierung eine einheitliche, größere, flare Linie auf lange Sicht zeigen und die deutsche Wirtschaft in den Grad der Leistungsfähigkeit versehen müsse, der zur Erhaltung und Festigung des Lebensstan= dards der deutschen Bevölkerung und zur Erfüllung der Verpflichtungen nötig sei, die auf dem Reiche lasten. Der Weg dazu müsse der sein, die deutsche Wirtschaft in der Weise in die weltwirtschaftlichen Verflechtungen einzuordnen, daß wir in jedem Augenblick unsere Wettbewerbsfähigkeit nach außen und innen nachweisen können. Die vom Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels angenommene Entschließung fordert nun zwar ein zielflares Weiterschreiten in der allgemeinen Wirtschaftspolitik der Reichsregierung und in der tatsächlichen Wirtschaftsannäherung der Bölker untereinander. Sie fordert auch tatkräftige, nicht in Worten, sondern starker Aktivität bestehende Unterstüßung der in Genf und Stockholm gefaßten Beschlüsse. Aber für die 3ollsenkungsattion der Reichsregierung macht dieselbe Resolution, obwohl das Präsidialmitglied Reinath bei entsprechender Zollfenkung eine Steigerung des Weltverkehrs um 10 bis 20 Prozent voraussagt, die sie die des Liquidationsschädengefeßzes für die des Exporte unterstreicht. Auf der behauptet hatte, es handele sich um dieselben Bodenklassen. Man wirtschaftskammer Ostpreußen die Belange der Großgrundbesitzer zu vertreten hat und ihm in der Wahl seiner Mittel enge Grenzen gezogen find. Es ist aber erfreulich, festzustellen, daß die Klein und Mittelbesiger auch in Ostpreußen nach und nach merken, wie man ihnen steuerlich das Fell über die Ohren zieht, während die Herren Großagrarier die geringen Steuerbeträge noch gestundet erhalten. Auch im Osten nah: die Zeit, wo die arbeitenden Bauern erkennen, daß sie im politischen Kampf auf die Seite der Arbeitnehmer gehören und sich von den von der Arbeit anderer lebenden Großagrariern trennen müssen. von Vorträgen gehalten, aus denen wir die Hauptthesen hervorheben wollen: Nach Dr. Ravené wird die von amtlichen Stellen aufgestellte Behauptung einer Hochspannung der Konjunktur in den Kreisen des Großhandels als eine Uebertreibung empfunden. Der Abschluß des deutsch- französischen Handelsvertrages wird begrüßt und die Notwendigkeit des Abschlusses mit Polen, der Tschechoslowakei, Kanada, Südafrika und Australien unterstrichen. Der ehemalige holländische Ministerpräsident a. D. Colijn, der als Vorsitzender die am 17. Ottober in Genf zusammentretende Diplomatenkonferenz zur Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote leiten wird, umriß die Bedeutung der Genfer Weltwirtschaftskonferenz. Die Veränderung in der Organisation der europäischen Wirtschaftsvölker werde nicht ausbleiben, und vielleicht Preußische 30- Millionen- Dollar- Anleihe. werde man schon im Jahre 1932 die Konferenz von 1927 als den Wendepunkt in der Handelspolitit der Völker Die Preußische Staatsbank( Seehandlung) steht mit einem Europas und außerhalb Europas anschauen. Der Direktor Reinschluß einer 30- Millionen- Dollar- Anleihe, die zu 6 Proz. verzinslich amerikanischen Bankenkonsortium in Verhandlungen über den Abhard von der Mitteldeutschen Creditbank fam in seinem reichlich sein soll. Die anleihemäßige Beschaffung der 126 Millionen Mark verworrenen Referat zu dem Schluß, daß der Kreditumfang erfolgt im Rahmen der der preußischen Regierung vom Landtag in der gegenwärtig gegebenen Höhe für den Betrieb einer inten- bereits bewilligten Anleihekredite. Genaueres über die Anleihe ist fiven Wirtschaft in Deutschland ausreichend sei. Er landete aber in noch nicht bekannt. Jedenfalls soll sie produktiven 3weden, vollem Widerspruch mit den programmatischen Erklärungen der insbesondere dem Ausbau der preußischen Unternehmungen dienen. Tagung bei dem Schieleschen Argument, das mur eine Ver- Interessant wäre die Frage, ob die neue große Anleihe Preußens größerung seiner landwirtschaftlichen Produktion, die uns in der auch schon in einem gewissen Zusammenhang mit der Sanierung des Einfuhr von Lebensmitteln unabhängig mache, helfen könne. Der niederschlesischen Industriegebietes steht, bei der die ehemalige Reichsverkehrsminister Dr. Krohne fritisierte die in der Preußische Staatsbant bekanntlich mit großen Krediten einspringen letzten Zeit erfolgten Ozeanflüge und fam zu dem Schluß, foll, für die Preußen die Garantie übernimmt. daß diese Flüge der Vorbereitung eines wirklichen Nugverkehrs über den Ozean praktisch taum gedient haben. Ueberdies haben die Dzeanflüge die deutsche Seeschiffahrt beunruhigt und ihr den Transozean flugverkehr neben der Schiffahrt zu betreiben nahegelegt. Auch kleine Unternehmungen verstehen Gewinne zu häufen. Der flotte Geschäftsgang für Präzisionsapparate, Rechen- und Schreibmaschinen, die die A strawerte A.-G. Chemnitz herstellt, hat den Reingewinn in dem am 31. März abgelaufenen adom PROBLEM- QUALITÄTEN werben ohne Überredung für sich selbst. PROBLEM Moslem 3$ Moslem extra 4ch Flanke gold 4 s Arena 58 Box 99 68 ZIGARETTEN FABRIK PROBLEM" BERLIN Berichtsjahr mit 112000 m. verboppelt. Die Dividenden zahlung wird mit 6 Pro 3. auf das Kapital von 340 000 m. wieder aufgenommen. Die Dividende ist angesichts des im Verhältnis zum Aktienkapital hohen Reingewinns sehr niedrig. Dafür wird der Reservefonds von 50 000 auf 85 000 m. erhöht, so daß die Reserven einschließlich 46 000 m. Rückstellungen fast 40 Proz. des Attienkapitals erreichen. Rund 40 000 m., die einer 11prozentigen Dividende entsprechen würden, werden dazu noch auf das neue Ge schäftsjahr vorgetragen. In der Bilanz find außer Grundstücken, Maschinen und Werkzeugen, die mit 160 000 m. erscheinen, sämtliche Anlagen, Inventare und Patente auf 1 M. abgeschrieben. Zur Durchführung eines Fabrikneubaues und weiterer Ausdehnung der Produktion beabsichtigt die Gesellschaft das Kapital auf 850 000 m. zu erhöhen. Die in den Verkehr gebrachten neuen Modelle haben fich im In- und Ausland durchgefeßt, wodurch eine beträchtliche Umfagsteigerung erzielt werden konnte. Eine Reichsgemeinschaft deutscher 3igareffenfabrifeu e. B., die drei Viertel der deutschen Zigaretten produzierenden Betriebe und die Hälfte der deutschen Produktion umfaßt, hat sich zur Wahrung ihrer Interessen zusammengeschlossen. Von den größeren Firmen seien Abdulla, Haus Bergmann, Enver Ben, Garbaty, Jasmaki, Kyriazi, Mal- Kah, Massary, Nestor Gionaclis und Berufa genannt. Wichtig aus dem Programm ist die Absicht, eine zuverlässige Sicherung des Steuerauffommens in der deutschen Grosses Theater, Lichtspiele usw. Schauspielhaus Sonnab., 17.9.27 Staats- Oper Am Pl. d.Republ. Anf. 7 Uhr Sonnab., 17. 9. 27 Städtische Oper Bismarckstr. Turn.III, Anf. 71/2 Aida Fidelio Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarki 8 Uhr: Ein besserer Herr Charlottenburg 8 Uhr Herodes und Mariamne Volksbühne Theater am Billowplatz| Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Ein Sommernachtstraum. 8 Uhr: George Dandin Deutsches Theater Neues Theater Norden 10334-37 8 Uhr, Ende 11 Uhr am Zoo Dir.: Richard Gorter Tägi. 8 U 11 DER Ende 11U. MIKADO Die neus CHARELLInszenierung mit Max Pallenberg Rita Georg Bendow Jankuhn Szöke Szakall Werkmeister Westermeier Jackson Boys Sunshine Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst. zu halben Preisen Vorverkauf 10-6 Uhr Trianon- Theater 8 Täglich 84 Täglich 8 Uhr: Troilus u. Cressida Sturmische Heiterkeit! Erika Glässner Schauspiel von Shakespeare Drel lustige Kammerspiele Komödien Norden 10334-37 8, U. Ende 10% U. Ihr Mann Lustspiel von Paul Geraldy von Thoma Saltenburg- Bühnen Dts. Künstler- Th. 8 Uhr Die Komödie ,, Die Dame Bismarck 2414/7516 Von Maxim" 8 Uhr, Ende 10% Zinsen Komödie Lessing- Theater & Uhr von Bernard Shaw König Heinrich IV" Piscatorbühne in einer ihrer Paraderollen Kopf oder Schrift Lustspiel v.Verneuil Eugen Jensen, Willi Endtresser, Vogt. Hildebrandt, Arnim Sonntag, nchm.4U.: Zum 276. Male: So ein Mädel Th. im Admiralspalast Täglich 84 Uhr Die neue Theat. a. Nollendorfplatz Theater des Westens HALLERKurfürst 2091/93 8 Uhr: Hoppla. wir leben! von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator Bah1. Stobrawa, Wellhoener, Busch, Graetz, Granach. Hannemann, Hollmann, Sima, Steckel. Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Hasenh. 2110. 8 U. Der dreimal tote Peter Komödienhaus Norden 6304. 8 U. Gastspiel des Moskauer künstlerischen Theaters ,, Habima" Jakobs Traum. Berliner Theater Léonie Dönhoff 170. 8 U Rose- Theater 84 Uhr: Täglich 8, Uhr: Die Tugendprinzessin Hella Kürty, Arthur Hell, Marliese Ludwig, Martin Kettner, Edith Karin, Beyler, H. Lüpschütz Preise 1, 2, 3 M. usw. Walhalla- Theat. Täglich 814 Uhr: Am Rudesheimer Schloß steht eine Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tanz. REVUE Wann und wo!" 2 vorstellung. Sonntag 3 Uhru.8% Uhr Machm, die ganze Vorstellung zu halb. Preis. 10 PF SPARKASSE OSMABRICK | Sigarettenindustrie zu gewährleisten. Vorschläge dazu sollen den zuständigen Ministerien und den gesetzgebenden Körperschaften gemacht werden. Die amerikanische Industrie fordert Maßnahmen gegen das deutsche Dumping. Die Stahlerzeuger der Vereinigten Staaten haben vom amerikanischen Schazsekretär Mellon verlangt, daß gegen die deutsche Stahleinfuhr eine spezielle Erhöhung der Einfuhrzölle durchgeführt werden soll. Die vor Jahresfrist schon einmal geforderten Antidumpingzölle für deutschen Stahl, die vorübergehend zur Anordnung einer Einfuhrsperre geführt hatten, werden also von neuem verlangt. Gleichzeitig hat eine Anzahl amerikanischer Elettrospezialfabriten von der Regierung eine Untersuchung deshalb verlangt, weil nach ihrer Ansicht bei der deutſchen Einfuhr von elektriſchen Sunping porläge. Man wird es technischen Artikeln ebenfalls ein Dumping vorläge. Man wird es der amerikanischen Regierung und den betroffenen deutschen Induftriezweigen überlassen tönnen, der Schwierigkeiten Herr zu werden. Für die deutsche Deffentlichkeit besteht aber wieder einmal Anlaß zum Nachdenken über die Frage, warum das deutsche Preisniveau in verschwenderischer Weise hochgehalten werden muß, bloß damit auf Kosten des Inlandes ins Ausland billiger exportiert werden kann. Zweifellos könnte ein größerer Absatz bei billigeren Preisen im Inland die Konkurrenz fähigkeit der deutschen Industrie so hochhalten, daß im Ausland VIM Große Leistung100 V121 MARK Quittungs-, RabattParkett stått 4 Mk. u.Reklamemarken tägl. auch Sonntags nur 60 PL. gegen Nachahmung gesetzl. gesch. Sonntagnachm. 3 U. fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Lustspielhaus 8 Uhr: kleine Mühe. Mit VIM schaffen Sie Ihre tägliche Putzarbeit in der halben Zeit, und Ihr Geschirr wird im Nu blank und rein. VIM ist säurefrei; es schmiert nicht, riecht nicht und ist das appetitlichste und handlichste Putzmittel für Koch- und Eßgeschirr. Wer VIM kennt, will's nimmer missen. ,, Sunlicht" Mannheim CASINO- THEATER Uhr Nur noch wenige Aufführungen! Ihr dunkler Fleck Thalia- Theater 8 Uhr Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers. Der rote Hahn Hänsel and Gretel Conrad Muller Filmromantik" Fauteuil nur 1,10 M., Sessel nur 1,00 M. Parkett nur 30 Pf. 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C.3 Gewinnauszug unterboten werden kann, ohne daß der ständige Vorwurf des Dumpings nötig ist. Praktische Völkerbundsarbeit. Im Namen der deutschen Regierung wird der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Trendelenburg, an einer diplomatischen Konferenz teilnehmen, die vom 17. Oftober ab in Genf stattfinden soll. Auf der Konferenz soll der Entwurf eines internationalen Abkommens durchberaten werden, dessen Zweck die endgültige Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote durch einen Vertrag zwischen den Staaten ist. Der Entwurf wurde vor zwei Jahren bereits vom Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes aufgestellt, war aber bisher in der Bersenkung des Bölferbundes verschwunden. Weiterhin leicht ansteigende Roheisenerzeugung. Im Monat Auguſt find in Deutschland insgesamt 1115000. Damit erreicht gegen 1108 000 Tonnen im Juli erzeugt worden. Damit erreicht die Gesamtproduktion in den ersten acht Monaten 1927 rund 8,6 Millionen Tonnen. Dieses Ergebnis übertrifft die Produktionsdiffern in der entsprechenden Zeit des Vorjahres um fast 50 ProzDas Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat wird seiner Mitgliederversammlung am 22. September mit Rücksicht auf die veränderte Marktlage eine Berringerung der Vorkaufsbeteiligungen vorschlagen. Die Einschränkung der Berkaufsbeteiligung für Kohle joll von 40 auf 46, für Brifetts von 62% auf 66 Broz. erhöht werden. Voller Betrieb Luna Park HEUTE FEUERWERK. Nur Rehfeld, Badstraße 34, Tiefert reelle Tischlerarbeit, teine Auktionsmöbel, auch unter Zahlungserleichterung frei Haus. Beim Kauf von 100,- g werden 5, Autogeld vergütet. Achfe Gie auf Hausnummer 34. Nur Rehfeld, Badstraße 34( Laben), Tiefert Schlafzimmer, echt Eiche, großer Autleideschrank mit Spiegel, zwei Bettstellen mit Auflage, zwei Nachttische mit Marmor, eine Waschtoilette mit Theater am Kottbusser Tor Spiegel file 245, 425, 475,- ufw. Kottbusser Straße 6. Hausnummer achten. 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September 1927 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 Mt. gezogen 2 Gewinne zu 50000 m. 259640 4 Gewinne zu 10000 m. 104058 228220 6 Gewinne zu 5000 m. 85134 140267 230986 12 Gewinne zu 3000 m. 12633 216777 259576 270424 338910 349536 10 Gewinne zu 2000 m. 76983 124143 148328 168236 268424 20 Gewinne ut 1000 9. 35241 47679 91445 117999 123425 133483 209697 249839 257187 316393 62 Gewinne zu 500 2. 10056 19434 53105 68089 79858 108793 113481 124223 144827 193142 214365 219166 236031 242661 242810 243753 244719 250490 287031 297094 299755 312045 317695 320654 331474 337459 340780 341947 343901 344664 348784 154 Gewinne au 300 R. 1063 3932 5759 10521 11003 11552 12523 12743 13003 17104 25844 28504 28740 43011 55698 64094 65772 69609 73320 74586 82294 82826 84856 88052 90481 95562 105266 105822 119137 120141 124278 126302 134110 146593 150799 153266 157086 159994 162114 171924 183091 183269 188498 194835 199498 214735 218107 223695 226282 232513 237340 243698 246449 249648 254664 261463 261870 262449 269300 272998 273799 281481 286798 290378 295301 296173 306654 309516 311197 312203 326602 327803 330936 334757 335011 339805 347867 27. Ziehungstag 16. September 1927 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne zu 1000 m. und 2 Brämien zu 500000. fielen auf Mr. 39793 2 Gewinne zu 10000 m. 300377 2 Gewinne zu 3000 m. 348252 6 Gewinne zu 2000 . 156424 167008 240143 18 Gewinne au 1000 m. 1891 24712 58520 115615 187668195954 197514 231819 279139 38 Gewinne su 500 m. 22848 54735 72473 89161 104445 134165 176925 179574 187382 190715 275881 280320 303459 306408 3201 76 326104 328111 343172 346922 100 Gewinne au 300 m. 14023 24118 27446 33776 33834 36012 40314 47497 55719 75655 77832 92095 99045 100678 105320 108481 125746 129938 141077 157991 163912 166658 173535 188176 190819 191205 195415 195731 209566 221565 225134 227567 244255 248550 255961 262053 264352 274546 275524 282708 296918 302003 308162 309463 311632 312090 312956 326754 340016 346485 In der heutigen Schlußziehung wurden die beiden Prämien von 500000 m. der mit einem Gewinn von 1000 Mt. gezogenen Losnummer 39793 zugeschlagen. Sie fielen in Abteilung I und II nach Berlin. Norden 6393. Bertrauensvolle Untersuchung. Heb. Günstiger Belzwarenverkauf, Große amme Krieften, Neue Rönigstraße 57. Baffage, Laden Nr. 9, Friedrichstraße. Alexanderplat. Ueberbringer dieses erhält 20 Prozent. Benig getragene Ravaliergarderobe Vermietungen Don Millionären Aeraten, Anwälten. Fabelhaft billige Breife. Empfehle Taillenmäntel, Baletots, Frads, Smotings, Gehrodanzüge, Hofen. Gelegen. Zimmer heitstäufe in neuer Garderobe. Weite Leerzimmer, Rochstuben, Portierstellen, fter Weg lohnend. Lothringerstraße 56, mit evtl. ohne Tausch, vermietet Schä1 Treppe. Rofenthaler Blag. fers, Buchholzerstraße 4. Wenig getragene Jadettanzüge, teils Mietgesuche Bortierstellen, mit und ohne Tausch. auf Geibe, 18,-, Gmotinganzüge, Bauchanglige, Taillenmäntel, Paletots, ftaunerd billig. Gelegenheitstäufe in neuer Herrengarderobe. 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Gegen 10 Uhr kamen die ersten Holzstämme den Strom heruntergeschossen und legten sich krachend vor das Gerüst. Die Brück« bebte, aber sie stand. Und nun kamen immer neue Stämme heran. Hundert bei hundert. Tausend bei tausend, und jeder legte sich krachend vor die schon angeschwemmten Stämme. Untätig stand Kliakhammer auf dem Gerüst. Mennigtopf reichte ihm ein Stück Wurst, das er sich aus der Kantine geholt. Er rührte es nicht an. „Wenn Gustav jetzt nicht kommt, sind wir verloren. Ist unsere Arbeit für die Katze." Da knarrte ein Wagen heran. Zwei Pferd« kamen aus dem Holz. Gustav hielt sie am Kopf und schrie schon von weitem: „Schrauben, Monteur! Schrauben und Dorne!" „Jungens holt her! Holt auf!" Der Wagen kam näher. Der Fuhrmann und Gustav begannen die schweren Körbe zur Erde zu zerren. „Laßt stehen, wie's steht, Das machen die Jungen." „Ich muß vor Tag zurück sein," brummte der Fuhrmann, doch sein Brummen ging unter im lauter und lauter werdenden Krachen der Stämme. Man sah sie nicht kommen, man sah nicht mehr, daß sie sich bewegten. Träge und tot lag die drohende Masse vor dem Gerüst. Hundert Meter oder schon mehr von der Brück« prallte Stamm auf Stamm. Man hörte das dumpfe Donnern. Zwischen- durch die anfeuernden Rufe Klinkhammers, der den zurückgehaltenen Fuhrmann anschrie:„Stell dich nicht so dämlich an, Kerl, als ob du noch nie in deinem Leben einen Schraubenschlüssel in Händen gehabt hättest. Da, setz an, zeig, was du in den Mauken hast. Los, Leute, los!" Keiner nahm dem Alten seinen Ton übel, jeder fühlt«, daß dos dumpfe Donnern der Stämme, deren letzter immer noch nicht gekommen war, den Zusammenbruch oll dessen bedeutet«, was sie in langen Wochen sich abgerungen. Und jeder setzte seine Ehre darein, mit dem Letzten seiner Kräfte das drohende Unheil auf- zuhalten. Gegen Morgen kam Nebel auf und hüllt« alles in eine dichte Decke. Aber die Männer ließen nicht nach. Die Hämmer knallten auf das Eisen. Die Schraubenschlüssel ächzten und die immer noch ankommenden Stämme donnerten gegen das angeschwemmte Holz. Die Wucht ihres Aufpralls ging weiter bis zum Gerüst und teilt« sich der Brücke mit. Ein unheimliches Rieseln ging jedem der sechzig Mann, die da erschöpft auf den Gerüsten standen, durch Blut und Nerven, aber keiner verließ seinen Platz. Der Lärm der sich aneinanderreibenden Stämme nahm zu. Unter der Brücke rauschte das Wasser wie ein Wasserfall. Dann brach die Sonne durch. Der Nebel zerriß und gab den Blick frei auf einen unübersehbaren, schwimmenden Wald. Das Wasser war in der Nacht um fünf Fuß gestiegen und zwängt« sich schäumend und quirlend durch das von knirschenden Stämmen be» lagerte Gerüst. Das Wasser stieg den ganzen Tag. Stromaufwärts war vom Flusse nichts mehr zu sehen. Hunderttausend Stämme bedeckten die Flut. Stiegen auf- und übereinander, sackten zusammen unter dem Schlag der Wellen. Als der Abend kam, wurde Klinkhammer un- ruhig. Am Himmel zeigten sich Wolken.„Iungens," sagte er ein übers andere Mal,„die Nacht überstehen wir nicht. Wenn wir Regen kriegen, saufen wir ab mit unserer ganzen Maloche. Wieweit seid ihr?" rief er denen zu, die auf dem Obergurt saßen.„Und wie weit ihr?" zum anderen Brückenkopf herüber. „Wir müssen es schaffen." gaben die Gefragten zur Antwort. „Und wir werden es schaffen." „Dann man feste!" Schneller noch flogen die Hämmer, lauter wurde das Knirschen der Schraubenschlüssel. Der Wind pfiff durch die Streben und heulte im Gerüstholz. Die Spannung machte die Windverbände klingen. Die sitzen gut, dachte Klinkhammer, als er das hörte. Das Wasser brodelte unter der Brücke. Die Nacht stand dunkel im Raum. Klinkhammer ließ auf Brückenmitte ein großes Feuer anzünden und in Gang halten. Das gab den Schaffenden Licht und Wärme. Manchmal flog«ine ganze Saat Heller Funken auf und legte sich verlöschend auf die unheimlich drängende Flut. Es begann zu regnen. Bon oben rief einer:„Meine Schrauben sind alle." „Steck deine Finger hinein, aber mach mir die Löcher zu," schrie Klinkhammer heiser. „Hier sind noch Dorne!" rief einer. „Raufschaffen. Und reingewichst. Die Schrauben verteilen. Fertig?" „Gleich," antwortete einer von oben. Ein dunkler Schatten glitt an der Vertikale herunter.„Bin fertig," stand Mennigtopfs Stimme vor Klinkhammer. „Ich auch!" schrie ein anderer.„Ich auch," rief Krähenfuß. „Fertig!" riefen die anderen. Fertig, fertig!" kam es von allen Seiten. Der Regen strömte. Das verlöschende Feuer warf gespenstische Schatten auf den dunklen Strom. Klinkhammer ging über die Brücke.„Lompc halten," fuhr er Mennigtopf an. Er besah sich jeden Knotenpunkt, jeden Stoß.„Hier, diese Schraube versetzen." ordnete er an. So sitzt sie besser. Und hier. Und hier." Fieberhaft verbesserten die Männer ihre Arbeit. Di« Nacht wich schon dem Grau des Morgens. Allright!" sagte Klinkhammer. Und dann, nach einer Pause zu den Zimmerleuten: „Habt ihr Stricke und Sägen zur Hand?" „Des." „So bindet euch an. Zwölf Böcke stehen im Strom. An jeden Bock zwei Mann." „Es geht um die Wurst. Wer nicht mitmachen will, muß es sagen." Keiner sagte ein Wort. „Dann los!" Vi-rundzwanzig Mann liehen sich unter die Brücke binden. „Und ihr." fuhr Klinkhammer die Schlosser an,„bindet die Richtwinden fest. Sind zu schade zum Absaufen." Alles war fertig. Je zwei Zimmerleute hingen fest in dicken Stricken unter der Brücke. Die Sägen klirrten. Die Richtwinden pzaren angebunden. „Allright!" rief Klinkhammer»och einmal üb« die Brücke, „Allright," kam es zurück aus sechzig Hälsen. „Dann los, sägt die Holm« durch!" Die Sägen fraßen sich knirschend ins Holz. „Alles runter jetzt von der Brücke! Und du, mach, daß du in deinen Saftladen kommst und brau«inen Grog für meine Jungen," fuhr er Gustav an.„Oder willst du warten, bis der Strom dir deinen Schnaps wegsäuft?" Der Dicke eilte zur Kantine, die schon vom Wasser umspült war, das immer noch stieg. Schäumend brach die Flut durch das bebende Gerüst. Am Ufer standen diF Männer und blickten auf zu den Zimmerleuten, die Zug um Zug die Sägen durch die Holme rissen. Zwölf Böcke standen im Strom. Zwölf Holme trugen die Last der überhöhten Brücke. Zwölf Sägen fraßen sich den dicken Balken ins Herz. Vierundzwanzig Menschen hingen in der Luft und wußten nicht, sägten sie den Boden durch, auf dem sie standen, oder hielt sie schon die Kraft der sie tragenden Brücke. Hoch oben aber, über allen anderen, als einziger Mann auf der zitternden Brücke, stand Klinkhammer. Weit beugte er sich über den unteren Gurt, daß er auch jeden der Sägenden sah. Und hielt den Fluh fest im Auge. Mehr als zehn Fuß, war der schon ge- stiegen. Heulend und krachend legte sich immer noch Stamm auf Stamm vor den schwimmenden Wald. Dann, ein Bersten im Holz. „Laßt die Sägen los. Haltet euch fest!" schrie Klinkhammer laut, da spürt« er schon«inen Ruck. Die Brücke sackte zusammen, aber sie fing sich im gleichen Augenblick noch. Unter der Wucht von mehr als hunderttausend Stämmen brachen die angesägten Böcke zu- sammen. Die Flut sprang auf und warf ihren Schaum bis zu den Männern herauf, die hilflos in den Seilen hingen. Dann brach sie durch. Das Wasser wälzte sich weiter mit unheimlichem Heulen. Die Slämme rieben sich aneinander und rasten mit lauten» Donnern zu Tal. Ein ganzer Wald war in Bewegung, ein Meer aus Holz schäumte vorüber. Hunderttausend Stämme, deren jeder in der nächsten Minute die Brücke mitgerissen hätte. Aber die Brücke stand. Wollüstig spürte Klinkhammer wie sie in ihren Lagern federt«, wie sie sich streckte und hob in der ersten Sekunde, da das Holz unter ihr weg ging. Er schloß seine Augen, doch, dann schrie er seine Freude heraus: „Iungens, sie steht! Iungens, sie steht!" Aber die kamen schon herauf und befreiten die Zimmerleute aus ihren Seilen. Di« waren steif wie die Stöcke. Sie traten sich aus, schlugen die Arme. Jeder sprang einmal hoch, als wolle er probieren, ob die Brücke auch nicht unter der Wucht seines Aussprungs zusammen- sacke, und dann marschierte die ganze Korona mit Klinkhammer an der Spitze in die Kantin«, wo Gustav einen Grog stehen hatte, steif wie ein Stockfisch. Und kam drei Tage keiner nach draußen. Am vierten Tage aber zischten die Nietfeuer auf und die Hämmer sprangen und dröhnten und der Strom rollte friedlich und harmlos unter den Schaffenden fort. Hrenzlanö- Schicksalslanö. In märchenhafter Schönheit liegt der Wörth er See voc dem überraschten Auge des Wanderers, der auf dem Weg zu den Karawanken seine schimmernde Fläche zun» erstenmal erblickt. Ein blauer Himmel wölbt sich über seinen Fluten, von unendlicher Mildheit die Luft, die dieser wärmste Alpensee ausstrahlt. Im Hintergrund grüßen hochragend« Bergesgipfel, schroff empor- strebend und scheinbar unzugänglich, zu ihren Füßen aber schallt die Luft von Fröhlichkeit und Jubel. Hier liegt Strandbad an Strandbad, Badeort an Badeort, in denen viele Tausende von Menschen aus allen Ländern Europas, aus der ganzen Welt Ge- sundung und Erholung suchen. Hier leuchten unzählig« strahlende Kinderaugen, und die müden, bleichen Großstadtgesichtchen sind längst rosig und frisch geworden. Stundenlang können die Kinder sich abwechselnd am Strand und im Wasser aufhalten; denn die Temperatur des Sees beträgt von Mai bis Oktober durchschnittlich nicht weniger als 25 Grad. Zahllose Hotels und Erholungsheime, luxuriöse„Etoblisse- ments" und bescheidene Unterkunstshäuser sind im Lauf der beiden letzten Jahrzehnte hier errichtet worden. Da ist das malerisch ge- legene Bad Beiden am Westufer des Wörther Sees, da ist� das herrliche Pörtschach mit dem von Rosen und Efeu über- wachsenen alten Schlößchen, in dem einst Johannes Brahms geroeilt hat, Tegenüb« liegt auf ein« Halbinsel das eatzückende Dörfchen Maria-Wörth mit ssiner sehr interessanten alten Kirche. Von der Höhe ihres Turmes hat man einen unvergleichlichen� Blick über grüne Matten und dunkle Laubwälder, über blaue Fluten, in denen Segelboote und Kähne, große Dampfer und feierliche Paddelboote sich spiegeln. Rings um die Kirche liegt ein alter Friedhof, ein Ort von seltsamem, schwermütigem Zauber. Die Wege sind unkenntlich geworden, die Namen aus den windschiefen Holz- kreuzen und den eseuüberwachsenen Grabsteinen sind längst ver- blichen. Und doch, mögen dl? Spuren noch so verwischt fein, hier wird unwillkürlich die Vergangenheit lebendig, und Jahrhundert um Jahrhundert der leidvollen Geschichte Kärntens zieht vorüber. Hier an diesen Usern wohnten vor drei Jahrtausenden die Veneter, jenes hochbegabte Volk aus dem Stamm der Illyrier. dessen künstlerische Erzeugnisse das Museum in Klagensurlh, der Hauptstadt Kärntens, gesammelt hat. Es sind Bleifiguren, Reiter zu Pferde, kleine Räder, Menschen und Tiere, oft kindlich und naiv. aber mit großer Ausdruckskraft verfertigt. Welcher Künstler der Vorzeit mag sie gebildet, welchem Zweck mögen sie gedient haben? Die Nachwelt hat nichts davon erfahren, denn über diese Kultur brauste um 500 vor Christus der Ansturm der Kelten oder Gallier, jenes wanderlustigen Kriegervolkes, das die besiegten Einwohner zu härtesten Sklavenarbeiten verwendete. Die Worte Donau und Alpen, Tauern, Inn und manche andere sind Reste aus jener Zeit der Keltenherrschaft. Und wieder war«in Jahrtausend vergangen, als eine andere Kultur Einzug hielt. Das Weltreich Rom hatte seinen Siegeszug angetreten, und mit dem römischen Händler und Kolonisator, mit dem Kapitalisten und Industriellen kam auch der christliche Missionar nach Kärnten. Aber schon zogen aus dem hohen Norden die jungen Völker der Germanen heran. Jahrhundertelang ging ihr Zug durch Kärnten nach Italien. Es folgten die Einfälle der Slowenen und der Bajuvaren, die endlich nach Kämpfen aller Art friedlich nebeneinander wohnen blieben. Aber damit war die von wschselvollen Schicksalen erfüllte Geschichte des Landes nicht beendet. Ueberschwemmungen, Erdbeben, Ausbruch der Pest, die Schreckenszeit des Türkeneinfalls, die Raubzüge der Ungarn, der gewaltige Bauernaufstand zur Abfchüttelung der Leibeigenschaft— das alles fegt« dahin über Landschaft und Menschen. Reformation und Gegenreformation, die Napoleonischen Kriege, der Befreiungs- kämpf von 1813, die furchtbare Ueberschwemmung von 187L und endlich die Kämpfe des Weltkrieges, die in Kärnten bis in den September 1919 hinein dauerten, so häufte sich Verwüstung, Blut- vergießen und Verarmung in dem heute so friedlich, so märchenhaft schön daliegenden Land«. Dem allerdings, der tiefer in die Verhältnisse Kärntens hinein- blickt, bleiben die Wunden, aus denen das Land auch jetzt noch blutet, nicht verborgen. Noch ist die Armut, der ein großer Teil des Volkes ausgesetzt ist. erschreckend, noch sind die Wohnungs- Verhältnisse in vielen Gegenden vollkommen unzulänglich. Nicht umsonst weist Kärnten die Höchstzifser der unehelichen Geburten Oesterreichs auf. Die Heiratsmöglichkeit ist durch die schlimmen wirtschaftlichen Verhältnisse in unendlich vielen Fällen außer- ordentlich erschwert. Um so anerkennenswerter ist die Tatsache, daß der Fremde, der Sommerfrischler, der Wanderer in keiner Weise ausgebeutet wird. Wer nicht allzu hohe Ansprüche stellt, kann im Gegenteil am Wörther See wie in ganz Kärnten preiswert, manchmal sogar billiger leben als zu Hause. Das Gefickt der Landschaft aber weiß nichts von den Wechsel- vollen Ereignissen der Geschichte, nichts von politischen und wirt- schaftlichen Kämpfen. In wundervoller Schönheit thronen die Schneegipsel der Hochalpen, leuchten die grünen Almen und Matten, auf denen das Vieh weidet. Zwischen ihnen eingebettet aber schimmert der See im zartesten Hellgrün bis zum tiefsten Dunkel- blau, am Tag im Glanz einer milden, südlichen Sonne, in den Frühlings- und Sommernächten im zauberhaften Strahlenschimmer farbiger Lichter und bunter Lampions. Der Wanderer, der hier einmal geweilt hat, versteht die unbezwingliche Anziehungskraft, die der Süden von jeher auf die nordischen Völker ausübte, und immer wieder wird ihn die Sehnsucht ergreifen nach dem Märchen- see des Südens._ Elke. Wodurch entstehi der Blitz? Seit der Erkenntnis des Blitzes als einer elektrischen Erscheinung durch Franklin, hat man die ver- schiedensten Erklärungen für die Entladung gegeben. In jüngster Zeit ließ die Beobachtung, daß Wasser, wenn es auf einen festen Körper oder auf eine andere Wassermasse aufschlägt, elektrisch wird, es wahrscheinlich erscheinen, daß dies die gewöhnliche Ursache der Gewitterbildung ist. Der hauptsächlichste Vertreter dieser Theorie, der Direktor der meteorologischen Station in London, Professor G. E. Simpson, bewies, daß die ausfallenden Tropfen positiv elek- irisch sind, während die entsprechende negative Elektrizität durch die Luft gegeben ist. Aus mehr als 400 photographischen Aus- nahmen vermochte man wichtige Folgerungen zu ziehen, die unter anderem ergaben, daß die Entladung stets in der Richtung nach dem Sitz der negativen Elektrizität hm erfolgt. Aus der Partei. Ein Lassalledenkmal in Wien errichtet der 20. Gemeindebezir? ( Brigittenau) vor dem Gemeindewohnbau Winarsky- Hof. Das Denkmal, ein Werk des Bildhauers Petrucci, toftet 25 000 Schilling, wozu die Stadtzentralverwaltung 5000 Schilling beisteuert. Eine Lassalle straße hat Wien schon seit dem Umsturz. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB 68, Lindenstraße 3, B leistungen, nach 49 minuten flottem, temperamentvollem Ringen entledigte sich der Schweizer seines Gegners mit Schulterfallgriff. Der Westfale Naber mußte die Ueberlegenheit des Deutsch- Polen Binetti anerkennen und sich schon nach 4 Minuten einem Doppelnelson beugen. Kopp Jugoslawien zwang den Bayern Bogt mann mit Untergriff von der Seite auf den Rücken. Ringzeit 5 Minuten. Den Abschluß des Abends bildeten außer Konkurrenz ein Jiu= a Letter Start des Schriffmachers Werner Krüger! Am Sonntag wirb fich der bekannte Werner Krüger im Goldpokalvon Berlin, meinde verabschieden. Strüger der als Rennbahndirettor das neue klassische Danerrennen über 100 stilometer, von seiner Sportge weiter im Sport tätig bleibt, führt in seinem lehten Rennen auf der Olympiabahn den Hannoveraner Erich Möller. mura gegen den Hamburger& chu 13. Ragenartig gewandt grili Vorträge, Vereine und Versammlungen. Jitsu Herausforderungstampf des Japaners Kawadieser ständig an und machte den Hamburger bereits nach 2 Minuten für Groß- Berlin durch Beinschere fampfunfähig. ftets an das Bezirkssetretariat Rennen zu Hoppegarten am Freitag, dem 16. September. 1. Rennen. 1. Farinelli( D. Schmidt), 2. Silo( Williams), 3. Honoria ( Haynes). Toto: 13: 10. Plat: 12, 23: 10. Ferner liefen: Ingraban, Pastrana. 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. 7. Kreis Charlottenburg und Spandan. Juristische Sprechstunde heute, Sonnabend, 17. September, von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim Rosinenftr. 4. 13. Kreis Tempelhof, Meriendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Morgen, Sonntag, 18. Geptember, Fahrt nach Nauen und Besichtigung der Großfunt. station( 60 Bf.). Abfahrt 9.20 Uhr vom Lehrter Bahnhof( 70 Pf.) Treff punkt 9 Uhr Eingang Borortbahnhof. Anschließend Bartie nach Falken hagen- Seegefeld über Weinberg- Nauener Stadtheide- Knüppelberge, von da Försterei durch den Brieselang über Finkenkrug und die Bauernheide nach Faltenhagen. Proviant mitbringen. Heute, Sonnabend, 17. September: 9. Abt. 20 Uhr bei Hufenbach, Perleberger Str. 64, außerordentliche Funt. tionärsgung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 21. Abt. Kreisverein Seute große Rundgebung des Reichsbanners vom Bedding. Die Mitglieder werden ersucht, sich geschlossen daran zu beteiligen. Treffpunkt 19 Uhr Zeppelinplag. Conntag, 18. Geptember, Besichtigung der Feuerwache im Schillerpart. Treffpunkt 9½ Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21. Petershagen. 20 Uhr Monatsversammlung im Alten Dessauer. Bortrag des Genoffen Lellow: Religion und Kirche." Diskussion. Berschiedenes. Anhänger als Gäste willkommen, Jungsozialisten: Gruppe Lichtenberg: Genossen, die zur Gaukonferenz nach der Jugend. herberge Boblig fahren, fahren möglichst frühzeitig am Sonnabend dorthin, um auch an der Begrüßungsfeier teilzunehmen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Reinickendorf- Ost: Aelterengruppe Sonnabend- Sonntag Fahrt nach Uegborf. Fahrgeld 40 Pf. Treffpunkt heute, Connabend, 16 Uhr, Bahnhof Ge sundbrunnen, Zugang zum Vorortbahnhof. Jüngerengruppe Sonntag 15 bis 18 Uhr Spiel und Tanz im Heim. Kreis Kreuzberg, Gruppe Südoft: Conntag, 18. Geptember, gemeinsame Fahrt mit der Arbeiterjugend nach Ertner. Treffen 6% Uhr Görlizer Bahnhof. 50 Pf. und Effen für den ganzen Tag ist mitzubringen. Mitte: Sonntag, 18. September, Kreiswimpelwettspiel in Birkenwerder. Rinderland. Fahrgeld 40 Pf. Treffpunkt sämtlicher Gruppen 8% Uhr Stetti ner Vorortbahnhof. Reukölln, Gruppe Birke: Wir treffen uns heute, Sonnabend, 14 Uhr, am Herrfurthplay zum Besuch der Treptower Sternwarte. Genossen und deren Rinder sind eingeladen. 30 Bf. mitbringen. Gruppe Bergstraße: Heute, Sonnabend, Treffpunkt 16 Uhr Ringbahnhof Neukölln zur Fahrt nach Bernau. Unkosten 80 Pf. 2. Rennen. 1. Mulatte( Böhlfe), 2. Elea( Steffen), 3. Vineta( Lippa). Zoto: 17: 10. Plaz: 11, 11, 13: 10. Ferner liefen: Kronprinz, Mondnacht, Herbert, Schwälbchen, Mohn. 3. Rennen. 1. Lahned( Tarras), 2. Pistole( Barga), 3. Grafentrone ( D. Schmidt). Toto: 123: 10. Blag: 23, 17, 15:10. Ferner liefen: Alida, Rosenwange, Drgel, Bellona, Banna. 1. Gute Sitte( Hahnes), 2. Rheinwein( Tarras), 3. Clampas( D. Schmidt). Toto: 32: 10. Plag: 11, 12: 10. Ferner liefen: Bonheur, Portland. 4. Renne It. 5. Rennen. 1. Conteffa Maddalena( Williams), 2. Aditja( Sanet), 3. Bofimeister( Haynes). Toto: 12:10. Plat: 11, 15: 10. Ferner lies: Pelopea. 6. Rennett. 1. Sebastiano( Goebl), 2. Siegeszug( D. Schmidt), 3. Ruwenzori( Grabsch). Toto: 91: 10. Plat: 35, 23, 27: 10. Ferner liefen: Primula, Arfis, Ottogebe, Praredis, Taunus, Silberfage, Agraria, Alsterluft, Golondrina, Gunthrada, Die Afrikanerin. 7. Rennen. 1. Drdensschwester( D. Schmidt), 2. Maskerade( Barga), 3. Lorbeerkranz( Haynes). Toto: 16: 10. Blag: 11, 17, 16: 10. Ferner liefen: Rotenstein, Minnelied. Marabou, Pallasch, Karwendel. Funkwinkel. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. ftanden an Größe nicht weit hinter Rom zurück. Auch in ihnen war Genossinnen und Genossen, die zur Jugendweihe am 18. Geptember im Schauspielhaus tätig sein wollen, treffen sich morgen, Sonntag, 9 Uhr, am Schauspielhaus, Bühneneingang. Die Mitglieder des Jugendherbergsverbandes im Bezirk Kreuzberg besuchen vollzählig die Ortsgruppengründungsversammlung am Montag, 19. September, 18 Uhr, im Gizungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Yordstr. 11. Probe für die Aufführung des Sommernachtstraum" heute, Sonnabend, 17. September, pünktlich 19 Uhr, im Gesangssaal der Schule Rochftr. 13. Heute, Sonnabend: Schönhauser Borstadt: Beteiligung am Jugendtreffen in Petershagen. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Musikinstrumente find mitzubringen. Werbebezirk Webbing: Wochenendkursus in Bossen. Treffpunkt 18 Uhr Wedding und Wedding- Nord, 17 Uhr Brunnenplay, am Bhf. Bedding. Werbebezirk Often: Wochenendkursus in Tiefensee. Treffpunkt 18 Uhr Wriezener Bahnhof. Werbebezirk Schöneberg: Treffen zum Wochenendkursus 18 Uhr Botsdamer Fernbahnhof( Fahnen mitbringen). In Nowawes Sigung des Werbebezirksvorstandes nach Ankunft. Nachzügler treffen sich am Sonntag 6 Uhr Bots. damer Fernbahnhof. Werbebezirk Neukölln: Fahrt nach Klein- Röris. Treffpunkt 17½ Uhr und 19 Uhr Görl. Bhf. Musikinstrumente und Bälle mitbringen. 300/3 Werbebezirk Zeltowlanal: Wochenendkursus in Alein- Röris. Treffen 17% Uhr Bhf. Güdende und 20% Uhr Görliger Bahnhof. Morgen, Sonntag: Sumannplay: Besuch der Ausstellung„ Das junge Deutschland". Treffpunkt 81 Uhr Normaluhr, Pappelallee, Ede Schönhauser Allee. Reichenberger Biertel: Besuch der Ausstellung Das junge Deutschland". Treffpunkt 9 Uhr por dem Heim. Sport. Wohltätigkeits- Radrennen. Anna Kappstein betonte in ihrem Vortrag Erziehung zur Natur", daß es höchst wünschenswert sei, die heranwachsende Jugend der Natur auch innerlich geistig näherzubringen. Gewiß wird ihr jeder Hörer da zustimmen. Aber das hätte sich alles in sehr einfachen, unfentimentalen Sägen jagen lassen. Hermann Tombers zeigte, daß die Völker unserer Zeit recht wenig Ursache haben, auf ihre Großstädte stolz zu sein. Auch das alte Rom war eine Millionenstadt und eine Millionenstadt mit wesentlich mehr Volksbildung, als sie etwa unser heutiges Berlin aufweist. Alexandria, Karthago wie heute Wohnungsnot und Teuerung, so daß schon im alten Rom Sechs- bis zehnstödige Wolkenkrager erbaut wurden. Auch die Assyrier und Babylonier hatten Großstädte" im heutigen Sinne; nur bei den hellenischen Böltern fehlten sie. Hermann Kasad führte feine Vortragsreihe Köpfe der Dichterakademie" weiter und sprach diesmal über die Bertreter der alten Generation. Man weiß nicht, was man bei Rasad mehr bewundern soll: die Bielseitigkeit seines Berständnisses, die ihn jeden der Dichter gewissermaßen als scharfumrissene einmalige Persönlichkeit einprägſam zeichnen läßt oder die ungezwungene Objektivität, die er auch solchen gegenüber aufbringt, die ihm ihrer literarischen Prägung nach eigentlich recht fern stehen Der Abend brachte ein sehr schönes Orchesterkonzert, müffen. Seidler Wintler entwidelt sich immer mehr zum Funfdirigent Don Format. Edward Weiß, Solist im Klaviertonzert D- Moll von Rubenstein, ist mit weichem ausgeglichenem Anschlag wirkungsvoller Spieler auch vor dem klavierfremden Mikrophon. 3weimal mußten die Wohltätigkeits- Radrennen auf der RüttArena wegen der ungünstigen Witterung verschoben werden, und als beim drittenmal der Wettergott ein wenig Einsehen hatte, ging es mit der Besucherzahl knapp her. Auch von den Rennfahrern fehlten einige wegen anderer Startverpflichtung. Mit dem Sport flappte es nicht recht. Die beiden Dauerrennen über je 15 Kilometer verliefen eintönig. Im ersten Lauf trafen sich Saldow, Dove und Lewanow. Als Sieger ging Saldom hervor, der, nachdem er einmal die Spize hatte, das Rennen beherrschte! Er fuhr die 15 Kilometer 14 Minuten 25 Sekunden. Lewanow lag 250 und Dove 700 Meter zurück. Sawall gewann den zweiten Lauf, der ebenfalls über 15 Kilometer ging. Er traf hier auf Koch und Bauer. Koch lag im Resultat weit zurück, während Bauer 100 Meter hinter Sawall( 14 min. 35 Sef.) durchs Ziel ging. In den Flieger. rennen behauptete sich zunächst Frankenstein im Er. öffnungsrennen über 1000 meter vor Hahn und Buchenhagen, um später gemeinsam mit To nani auch das Stunden- Mannschaftsfahren 41,750 Kilometer und 35 Punkte zu gewinnen. 2. Dorn- Nickel 31; 3. Ehmer- Kroschel 16; 4. Kroll- Miethe 15; 5. Petermann- Martin 13; 6. Spears- Dewolf 12; 7. Weyer- Kantorowicz 12; 8. Tietz- Wette 10; 9. Redziersti- Schwemmler 4; 10. Longardt- Bassenheim 2; 11. Mühlbach- Maczynsti 2; 12. Behrend- Krüger 1 Bunft. Im Preis der Ausländer" fchlug Spears im 1000- meterlauf Dewolf und Jenssen. De wolf hielt sich dann mit Buschenhagen und Tiez schadlos im Verfolgungsrennen. Sie holten nach 10 Runden Jenssen- Lorenz- Häusler. Hahn, Dewolf, H. Mayer und Frankenstein gingen gegenüber Pohl, Kolles, Spears, Betermann und Münzner im talienischen Jagdrennen" als die stärkeren hervor. Ein Ausscheidungs. fahren über 1000 Meter mit Chap als Sieger und ein für die Helfer und Pfleger bestimmtes Punttefahren über 6 Runden, das sich Ehlert holte, beschloß diesen Renntag, der trotz aller Mühen feinen eigentlichen Zweck, die Unterstügungsfaffen der Deutschen on Rennfahrer- Vereinigung zu füllen, verfehlt hat! Ringkämpfe im Sportpalast. = Der zwölfte Kampfabend brachte zuerst den Entscheidungskampf des Hamburgers Schulz gegen Favre- Paris, der lange Zeit völlig offen war; in der 47. Minute trug dann die routierende Kampfart des Franzosen den Sieg durch Schulterfallgriff davon. Kopp Jugoslawien zwang den starken Berliner Godfch mit Untergriff und folgender Mühle auf die Schultern. Ringzeit 19 Minuten. Die Begegnung F. Kawan Bien mit dem Westpreußen Kochansti brachte sehr schöne Kampfmomente, der Wiener vermochte nach 17% Minuten mit einem gut durchgeführten Hüftschwung zu fiegen. Sztetter Warschau errang sehr schnell seinen sechsten Sieg über den Dortmunder Mayerhans, dieser mußte schon nach 2 Minuten mit Kopfgriff und Ueberwurf auf die Bretter. Schachschneider, Berlin trug über den Memelländer Bierholz bereits nach 6 Minuten den Sieg durch Hüftschwung heim. R. Grüneifen und Pinezfi trennten sich mit Unentschieden. Das Donnerstag- Programm wartete mit zwei Entscheidungstämpfen auf. Im ersten er. rang die massige und robuste Kampfart des Tschechen Prochaska über den arg mitgenommenen Stolzenwald nach 56 Minuten mit dem gefürchteten Doppelnelson den Sieg. Und im zweiten zeigten Pereles Wien und G. Grüneisen technische Höchst= id in? cong tes. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 St. Gauvorstand: Sonntag, 25. September, findet in Prenzlau( U..M.) das Udermärkische Treffen statt. Kameraden, die sich daran be. oder bis 21. Geptember bei ihren Kameradschaftsführern. Der Fahrpreis für abend, 24. Geptember, 17.35 Uhr und Sonntag, 25. September, 7.30 Uhr ab Gesellschaftsfahrt beträgt hin und zurück 5,40 M. Abfahrt der Züge Sonn Stett. Bhf. Zahlreiche Beteiligung ist dringend erwünscht. Sonntag, 18. September. Friedrichshain: Von 13 bis 14 Uhr Plazkonzert auf dem Andreas plaz. Die Kameraden der Kameradschaften Büsching und Andreas 12% Uhr dort Ordnerdienst in Uniform. Krenzberg: Bon 9 bis 12 Uhr Schügenhaus Neukölln, Naumburger Straße. Charlottenburg: Pflichtveranstaltung des Orts vereins nach Jüterbog. Abfahrt mit Auto vom Stuttgarter Plaz. Fahrpreis etwa 1,50 M. Abfahrt 8 Uhr. Vom Anh. Bhf. 8.29 Uhr. Fahrpreis 2,80 m. Lichtenberg nebst Untergruppen: Um 9 Uhr macht der 6. Zug eine Motor. bootfahrt nach Grünheide, Restaurant Seeblid. Abfahrt bei Schonert, Rummels burger Gee. Rameraden anderer Züge find herzlich willkommen. Hermsdorf ( Kameradschaft): 8% Uhr Abmarsch von Eggebrecht zum Uebungsmarsch nach Tegel.( Nur bei gutem Wetter.) Adlershof( Kameradschaft): 9 Uhr auf dem Blaz gegenüber dem MTB.- Plaz an der Birkenallee Handballtraining. Montag, 19. September. Neukölln- Briz: 1. Kameradschaft, 2. Zug: 20 Uhr Bugveriammlung bei Wilfe, Reuterstr. 47. 1. Kameradschaft, 4. Bug: 20 Uhr Bugversammlung bei König, Weserstr. 58. 2. Kameradschaft, 1. 3ug: 20 Uhr Rugversammlung bei Schabeiko, Weichselstr. 5. Vortrag des Kameraden Rich. Meier- 3widau. 2. Kameradschaft, 2. 8ug: 20 Uhr Zugversammlung bei Tho. mälen, Herzbergstr. 22. Kreuzberg: Jungmannsdraft 1: 20 Uhr Versammlung im Jugendheim. Jungmannschaft II: 20 Uhr Versammlung bei Krepp, Plan. ufer 76. Vortrag des Ram. Peris. Jungmannschaft III: Versammlung bet Lichten Siedentopf, Mustauer Str. 35. Vortrag des Ram. Rektor Radolle. berg nebst Untergruppen: 19% Uhr wichtige Sigung des Radfahrerzuges bei Bimmermann, Friedrichsfelde, Walderfeestr. 78. Betrifft Stiftungsfest des Radfahrerzuges. Erscheinen Pflicht. Friedrichshain: Sonntag, 18. Septem ber, 7 Uhr, Antreten zum Ausmarsch Barschauer Straße, Ede Frankfurtes Allee. Fahrgeld 60 Pf. Rüdtehr 12 Uhr. Bankow: Sonntag, 18. Geptem ber, fämtliche Radfahrer, außer den Spielleuten, 6 Uhr Marktplag Bankow. Rüdkehr gegen 12 Uhr. teiligen wollen, melden sich spätestens Freitag, 23. September, im Gaubureau Jüdisch- sozialdemokratische Arbeiterorganisation Boale 8ion, Ortsgruppe Berlin. Connabend, 17. September, 20% Uhr, öffentliche Bersammlung, Sophien- Säle, Sophienstr. 17-18. Der neue Kurs im Bionismus"( nach bem 15. Zionistenkongreß). Referenten: Alfred Berger, Berl foder, M. Neustadt( Palästina), D. Remes( Palästina). Gäfte herzlichst willkommen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter bliebenen, Ortsverein Steglik, veranstaltet am 21. September, 20 Uhr, im Albrechtshof, Steglig, eine Mitgliederversammlung. Briefkasten der Redaktion. Sammer.' 1. und 2. Nein. 3. Ja.. D. 1. Benden Sie fich an bas Wohnungsamt. Sie können auch den klageweg beschreiten. Schließlich können Sie auch die Mängel felbst beseitigen und Erfaz der erforderlichen Aufwendungen verlangen. Aufrechnung gegen den Mietzins ift nur aufäffig, wenn der Mietvertrag sie nicht verbietet. 2. Ja. Meyer 9. Rein. G. St. 84. Nein. Der Fürsorgeverband aber kann später Serausgabe des Nachlaffes verlangen.- G. G. 56. Die Wohnung tann Ihre Tochter nur übernehmen, der Großmutter gehört. wenn fie volljährig oder für volljährig erklärt worden ist und zu ben Erben Q. B. 1. Ja. Richten Sie einen Antrag an das Polizeipräsidium Berlin auf Gewährung eines Gelbgeschents. 2. Der Fürsorgeverband kann Befriedigung aus dem Nachlaß fuchen. An sich steht dem Wohnungsamt die Verfügung über Ihre Wohnung zu. Gie tönnen aber dem Wohnungsamt einen Mieter vorschlagen, der bereit ist, für die Ueberlassung der Wohnung etwas an Sie zu zahlen. 6. 28. 140 Bestimmtes läßt sich nicht fagen. Es muß die Bildung der Teilungsmaffe abgewartet werden. taffe( beibe beim Bezirksamt). 2. Darüber läßt sich noch nights Beftimmtes 6. M. 4. 1. An die Kleinrentnerfürsorge und Steuer fagen. 3. Jft uns nicht bekannt. Parie, Rottbuffer Ufer. Nur int Gnadenwege. Da Bewährungsfrist bewilligt ist, liegt kein Grund vor, die Umwandlung zu beantragen. D. G. 28. A. B. 5. 1. Ja, aber nur, soweit Bedürftigkeit der Chefrau vorliegt. 2. und 3. Maßgebend find die Einkommensverhältnisse. W- A Eine kurze Ausspannung wird erst durch CH OBERST Cat 5S zum zum wirklichen Genuß. Ein Heft der Waldorf Bücherei liegt jeder OBERST- Packung bei! WALDORF- ASTORIA ZIGARETTE AKUSCHE o end kids