Nr. 442 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe& Nr. 225 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pknnia. monatlich k.— ReichemorZ vorou»»ahlbar. Unter Etreifbanb im In- und Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Borwört�«it der illustrier. tcn Eonntagsbeilage.Boll und Seit* sowie den«eilagen.Unterhaltung und Wissen*..Au» der Filmwelt*. »llraucnstimme*,.Der Kinder- sreund*..Jugend-Borwärts*..Blick in die Dllcherwelt" und.Kultur. arbeit* erscheint wochen täglich zwei- Mal, Sonntag, und Montagz einmal. Telegramm-Adresse:!Z »Sozialdemokrat Berlin- Sonntagsansgabe Vevlinev Volksvlakt Zcntralorgnn der Sozialdemokrati rehen parte» Deutfcblands Grosz-Berliu 15 Pfg. Auswärts 20 Pfg. mit„Volk und i�eit" '-----v Anzeigenpreise: Sit e i n l p a l t t o e Nonrareille. »eile 80 Bsenuia. Rcklamereil« 5.— Reichsmark..Kleine Anzeigen* das lettaedruckte Wort 25 Biennia (»ulässta»wei lettaedruckte Worte), ledes roeiiere Wort 12 Plennio. Etellenacluche das erst« Wort 15 Bsenni«. iedes weitere Wort 1» Dfennia. Worte Uber 15 Buch» stoben»ählen iär»wei Worte. «rbcitsmarkt Keile SO Pseunia. gamilienan»eiaen sllr Abonnenten Keile«0 Pkennia. Anzeigenannahme im Saupigeschält. Lindcnstrahe Z. wochcntäglich von BVt bis 17 Uhr. Redaktion und Verlag: Serlin EW. H8, Lindenftraße Z Fernsprecher: Dönhoff 202—207. Langsamkeit üer Sowjetjustiz. Ungeheuerliche Dauer der Untersuchungshaft. Moskau, 1k. September. Das Iustiztommissariat hat einen Entwurf zur Vereinfachung und Beschleunigung des Gerichtsverfahrens ausgearbeitet. In den Dvltsgerichten sollen die eingelaufenen Sachen nicht spater al» 4K Stunden nach Empfang bearbeitet werden, auch ist eine Er< Weiterung der Kompetenzen der Volksgerichte als notwendig er- könnt worden. Bei den Dorfsowjets find Schiedsgerichte einzurichten, die bei geringfügigen Geldsorderungen entscheiden sollen, um die G e r i ch t e zu entlasten. Ferner ist in Aussicht genommen, Verbannungsorte in den entlegensten Gegende», der Sowjetunion für Schwerverbrecher einzurichten. Zu der geplanten Reform schreiben die offiziösen„Jfwestifa": .Es handelt sich besonders darum, die Langsamkeit des Ge- richtsversahrens zu befestigen. In den Volksgerichten werden Kriminalfälle durchschnittlich etwa zwei bis fünf Monate hindurch untersucht und verhandelt. Wenn man nun in Betracht zieht, dast gegen 70 Proz. dieser Fälle zuletzt entweder mit Freispruch endigen oder mit der Einstellung des Verfahrens, so folgt daraus, daß ein« ungeheuer große Zahl von Personen etwa ein Vierteljahr lang ohne jeden Grund unter ge. richtlicher Untersuchung steht.* Wohnungsnot— wie bei uns! Der»Trud*(9. September 1927 Nr. 295) bringt folgenden Arbeiterbrief aus Moskau: „Die 18 großen vier Stockwerke hohen Arbeiterhäuser der Zindel- schen Fabrik waren ehedem in gutem Stande, weil alle drei bis fünf Jahre Ausbesferungsarbeiten vorgenommen wurden. Jetzt find aber bereits 15 Jahre verflossen, ohne daß Jnstandsetzungsarbeiten erfolgt wären. Die Dächer sind nicht gestrichen worden, das Blech verrostet, es bilden sich Löcher. Die Fensterrahmen find derart ver- fault, daß die Fenster herauszufallen beginnen. Die Küchenröume sind so verrußt, daß vom weißen Anstrich keine Spur mehr zu sehen ist. Von der Deck« fällt der Ruß in die Kochgeschirre. In den Wohnräumen tropft es von der Decke und der Kalk bröckelt ab, so daß allenthalben die Bretter und Nägel hervortreten. Dabei kann man nicht behaupten, daß die Fabrik arm sei. Wir führen doch Rationalisierung durch und«höhen die Arbeits- ergiebigkeit. Alles das bringt dem Trust große Gewinne. Sollte er tatsächlich keine Mittel hoben, um die Häuser instand zu setzen, statt zu warten, bis die Wohngebäude der Arbeiter sich in Ruinen verwandeln?* Warum neue Wohnungen so teuer find. „Trub* vom 8. September 1927, Nr. 204: „Eine unlängst durchgeführte Untersuchung der»autätigkett in der Union während der letzten Jahre hat eine Reihe von Umständen erkennen lassen, durch die die Kosten des Wohnungsbaues unge- »«in gesteigert werde», was zur Folge hat, daß die woh» Sonntag, den 18. September 1927 nungen in den neuerbaulen Häusern für geringer besoldete Arbeiter- gruppen unerschwinglich sind. Ungeachtet eines Ueberschusses an Behörden, deren Aufgabe darin besteht, die Planmäßigkeit im Wohnungsbau durchzuführen, werden etwa SO Proz. aller Auf- Wendungen für den Wohnungsbau außerplanmäßig bewilligt. Außer- dem sind die K o st e n v o r o n s ch l ä g e für den Wohnungsbau nicht in Uebereinstimmung gebrocht worden mit der Erzeugung der Baumaterialien, und der verspätete Beginn der Vausaison oeranlaßt eine Verteuerung dieser Materialien und zeitigt Schwierigkeiten hinsichtlich der Arbeitskräfte. Die Qualität der Baumatemlien ist nach wie vor eine sehr gering«. Das holz wird in feuchtem Zustande verarbeitet, und der Bruch von Ziegeln und Glas ist sehr groß. Außerdem führen die hohen Zinssätze für Darlehen zu einer weiteren Verteuerung des Wohnungsbaues, und Arbeiter, die bereits Wohnungen in den neuen Häusern bezogen haben, sehen sich vielfach genötigt, wieder auszuziehen, weil sie nicht in der Lage sind, die Wohnungsmieten zu bezahlen.* Rockefeller-Stiftung in Genf. Einweihung eines Instituts für internationale Politik. Gens, 17. September. Der schweizerische Bundesrat nstd die Kantonal- und städtischen Behörden von Genf hatten die in Genf anwesenden Vertreter der fremden Mächte, die Presse und einen Kreis ausgewählter Personen zu einer Festlichkeit in die Räume des Theaters geladen. Es galt der Einweihung des in Genf neugegründeten Universitäts- institutsfürinternationalePolitik.das unter Leitung des bisherigen Direktors der politischen Abteilung beim Völkerbund, Mantoux, mit Mitteln der Rockeseller�Stiftung ins Leben tritt. Bei der Veranstaltung sprachen u. a. der schweizerische Bundespräsident M o t t a, der französische D-legierte Lo u ch e u r, der englische Sir Cecil hurst, der belgische de Brouckere und Reichstags- abgeordneter Dr. B r e i t s ch e i d, der mit seinen in deutscher Sprache vorgetragenen Ausführungen über Grundgedanken und Aufgaben einer solchen internationalen polittschen Hochschule besonders reichen Beifall erntete. lthina soll nicht Vorsitz führen. London. 17. September. Der diplomotische Korrespondent des„Daily Telegraph* wendet sich dagegen, daß auf der Dölkerbundratstagung im kommenden D«- zemberChinaden Vorsitz führt. Es sei zu hoffen, daß angesichts des Fehlens einer China repräsentierenden Regierung und des Rückstandes der Finanzbeiträge zum Völkerbund der chinesische Delegierte die Bescheidenheit besitzen würde, das ihm nomi- nell zustehend« Recht auf die Präsidentschaft aufzugeben. Diefe Uebernahm« würde einen Skandal und eine Sinnwidrigkeit bedeuten. Es wäre wünschenswert, etwas über die Tätigkeit des Komitees zu hären, das sich mit der Stellung von nichtzahlendeu Mit- g lieber» beschäftigt. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV. 68, Linöenfir.Z Voftschecklo»»,! Berlin»7 5Z»- B-»No»t»! Bank der»rdeiter.«»aeftelte» und Beameei». WullHr. 55: Bi»k»nt»-S«leIIchast. SepsBirntad« eiiidenftr. 8. Tannenberg. Randbemerkungen z« einer Dcnkmalsweihe. In Genf stockt die Arbeit für den Frieden, rund herum in der Welt ergeht man sich in Erinnerungen an den Krieg. In Belgien enthüllt man Denkmäler zum Gedächtnis der Greuel vom August 1914, in Paris empfängt man mit Pomp die amerikanischen Legionäre, und in Tannenberg wird heute das Denkmal eingeweiht zur Erinnerung an die große Schlacht, die dem russischen Vorstoß nach Ostpreußen ein Ende bereitete. In allen Ländern benützen die Nationalisten die Gelegenheit, den Geist zu feiern, in dem die verschiede- nen Befreiungstaten des großen Krieges vollbracht und feine Schlachten geschlagen worden sind. Da und dort klingen � dabei Töne an, als ob sich der eine oder der andere nach jener schönen Zeit zurücksehnte.... Nun kann gar kein Zwesfel daran sein, daß die Gefühle,, mit denen die Völker die damaligen Ereignisse begleiteten, tief und echt waren. Auch der letzte belgische und franzö- fische Arbeiter hat den Rückzug der Deutschen begrüßt, und ebenso war im herbst 1914 in Deutschland der Jubel über das Mißlingen der russischen Invasion allgemein. Die Zeiten, in denen die Bölker einrückende feindliche Heere mit angenehmen Erwartungen aufnahmen und die Herren Bürgermeister mit denselben Untertänigkeitsaefühlen vor dem Stadttor standen, gleichviel welcher Eroberer es gerade passierte, sind ein für allemal vorbei. Die zunehmende Demokratisierung des öffentlichen Lebens hat es mit sich gebracht, daß sich jede Beoölkerungsschicht, mag auch ein noch so starker sozialer Druck auf ihr lasten, nach außen hin doch mit dem Staatsganzen verbunden fühlt. In diesem Sinn ist für unsere Zeit das Wort wahr geworden, daß sich das Nationale— nicht das Nationalistische— von selbst versteht. Unsere Nationalisten haben aber von solchen Zusammen-' hängen keine Ahnung. Sie begreifen nicht, daß die Siege, die im Weltkrieg mit wechselndem Glück bald dem einen, bald dem anderen zufielen, mit bloßer Untertanengesinnung nie zu erstreiten waren. Sie sehen daher auch nicht den Grund ein, warum auf den Schlachtfeldern des Weltkriegs als erste Macht diejenige zusammenbrach, die sich auf die bloße Untertanengesinnung am meisten verlassen hatte— das zaristische Rußland. Der Zusammenbruch des zaristischen Rußlands hat bei Tannenberg eingesetzt. Er war, noch lange ehe die Kanonen auf den übrigen Schlachtfeldern der Welt schwiegen, voll- endet. Bedauern über diese Tätsache hat es damals kauni in Deutschland gegeben— bei den arbeitenden Massen ganz gewiß nicht. Denn von allen unerträglichen Borstel- lungen war die, daß der Zarismus als Sieger hervorgehen und Teile des Deutschen Reiches unter seine barbarische Knutenherrschaft bringen könnte, die allerunerträglichste. Es bedurste wahrlich nicht der Geschichten über Kosakengreuel, die damals so eifrig kolportiert wurden, um den Massen des deutschen Volkes gegen einen möglichen Besuch der zarischen Heere in Königsberg und Berlin die allerentschiedenste Ab- neigung einzuflößen. Die deutsche Generalität gab sich übrigens damals sehr liberal und— soweit die Revolution Exportartikel war— sehr revolutionär. Schon zu Beginn des Krieges wurde z. B. an Sozialdemokraten die etwas naive Frage gerichtet, ob sie nicht ein paar„zuverlässige russische Anarchi- st e n" zur besonderen Verwendung im Kaukasus nachweisen könnten. Von da bis zu dem berühmten plombierten Zug, in dem die russischen Bolschewiki aus der Schweiz in ihr Vater- land zurückgebracht wurden, geht eine gerade Linie. * Gerade die vielzitierte„Auguststimmung", der so oft her- aufbeschworene„Geist von Tannenberg" sind Kronzeugen gegen die blödsinnige Dolchstoßlüge. In jedem Bolke, das sich von einer militärischen Invasion bedroht sieht, ist der Ab- w e h r i n st i n k t elementar, und er war im deutschen Volke sicherlich nicht geringer als im belgischen und im fran- zösischen. Wenn also die herrschenden Mächte Deutschlands den Krieg als einen Berteidigungskrieg mit dem Ziel eines Friedens der Selbsterhaltung führen wollten— und das war das einzige Ziel, das sie sich vernünftigerweise stecken konnten— dann fehlte es ganz gewiß nicht an Kräften zur Ausführung dieses Rettungsplans. heute aber kann kein rauschendes Fest über die Tatsache hinwegtäuschen, daß es nicht das Volk, sondern die Führung war, die versagte. Der Sieg von Tannenberg befreite Ost- preußen und gab dem Zarismus den ersten furchtbaren Stoß — aber er wurde erkauft durch die Vernachlässigung der Westfront und die Niederlage an der Marne, die den Ausgang des Krieges schon vier Jahre vor seinem Ende ent- schied. Eine schrankenlose Verherrlichung der militärischen Führung Deutschlands im Kriege muß man daher im Inter- esse der geschichtlichen Wahrheit ablehnen auch wenn man Ratowsti muß gehen. Kein Bruch mit den Sowjets.— Ein Nichtangriffspakt? Paris, 17. September.(Eigenbericht.) Der am Sonnabend in Gegenwart Lriands vom Ministerrat gesahte Beschluß, die Beziehungen zu Rußland nicht ab zu- brechen, wird von der gesamten Linkspresse lebhast begrüß». Der Beschluß ist. wie wir erfahren, uichl ahne heftige Debatte zustande gekommen. Die Minister der Rechten, besonder» Marin. widersetzten sich lebhaft der von Briand vertretenen Aussassung. Aber die Mehrzahl der Minister, auch poiucare. schloß sich zuletzt Briand an. der ausdrücklich betonte, daß Frankreich im Aalle Rakowski durch die Desavouierung des Lotschafters durch Tfchitsche- rin ausreichend Genugtuung erhalten Hab«. Mir jedoch der„Matin* mitzuteilen weiß, hat der Minislerrat zugleich beschlossen, in der höflichsten diplomatischen Jotm der Sowjetregierung bekannt zu geben, daß der rusiische Botschasler in Paris, Rakowski. nicht mehr willkommen sei. und daß es daher der sranzäsischen Regierung angenehm wäre, wenn er so schnell al» möglich durch eine andere Persönlichkeil ersetz l werden würde. Diese Meldung des.Matin" widerspricht nur scheinbar dem Kommunique, das heute nach dem Ministerrat verössenlllchl wurde. Denn die Regierung in dem heule verössenflichlen Kommunique diesem Wunsch nach dem Rücktritt Rakowskys nicht Ausdruck ver. liehen hat. so ist dies anscheinend in der Absicht geschehen, der russi. schen Regierung die Abberufung Rakowski» zn erleichtern und jede überflüssige Krä.'.lu- der russischen Regierung zu ver. meiden. Die amtliche Mitteilung, daß Briand beauftragt wurde, die Berhandlungen über ein von Rußland vorgeschlagenes Abkam- wen eines gegen seitigen Richtangriffes fortzusetzen, hat hier überrascht, denn man wußte bisher nicht, daß ein solcher Vorschlag erfolgt war. Briand hat den Ministerrot davon durch die Mitteilung unterrichtet, daß in der Tat Tschitscherin in der jüngsten Note, in der er die Handlungsweise Rakowskis desavouierte, die Erklärung abgab, daß Rußland zum Beweis seines guten Willens, mit Frankreich freundschostliche Beziehungen zu pflegen, bereit sei, über ein Richtangrisssabkommen zu verhandeln, das auch die westlichen Nachbarn Rußlands umfassen könnte. Es hondell sich dabei um Polen und Rumänien, die aber in der Note nicht namentlich ausgeführt sind. Sofort noch der Rückkehr Prionds aus Genf, wohin er inzwischen zurückgekehrt ist, wird dos französische Auswärtige Amt Verhandlungen mit Warschau und Bukarest über diese Frage ausnehmen. Wenn in der amtlichen Mitteilung über den Ministerrat ausdrücklich betont wird, doß Briand sich vorher vergewissern müsse, ob die zum Abschluß eines solchen Abkommens„notwendigen Vorbedingungen erfüllt seien", so scheint dos darauf hinzudeuten, daß man sich in Paris über die praktischen Aussichten dieser Verhandlungen keinen zu großen Illusionen hingibt. Wleüeranknüpfung mit Gnglanö! London, 17. September. Der diplomatische Korrespondent der„W e st m i n st e r G o- z e t t e* berichtet, er hob« Grund zu der Annahme, daß in aller- nächster Zeit die Sowjetregierung einen Versuch machen würde, Verhandlungen zur Wiederherstellung normaler Beziehungen mit' England zu eröffnen. Die Basis der Verhandlungen würde die Regelung der Ansprüche britischer Gläubiger sein, wogegen die Sowjotregierung britische Kredit« zu normalen Zins- fätzen für die Entwicklung de'r russischen Industrie zu erhalten hoffe. Die Frage einer eventuellen Ausnahme diplomatischer Be- Ziehungen könne mit diesem Projekt in Zusammenhang gebracht werden. Im Augenblick würden halboffiziell« Fühler aus- gestreckt. Sobald die Revolutionsseiern in Ruhland�porüber seien, würde im Oktober die Angelegenheit mit großer Energie verfolgt werden. ganz von dem häßlichen Streit absieht, der später zwischen den Generälen über ihren Anteil an dem Sieg von Tannen- berg entstand. „Man sieht in m i r Tannenbcrg"— sagte der General Ludendorff in dem Münchener Prozeß, in dem er sich wegen seiner Teilnahme am Hitler-Putsch zu verteidigen hatte. Der General H o f f m a n n hat ihm aber dieses Ver- dienst energisch bestritten, sehr zum Vorteil Tannenbergs, das durch eine allzuenge Verbindung mit dem Namen Luden- dorff nicht gewinnen kann. In der Tat, wenn ein Ludendorff das deutsche Genie im Weltkrieg verkörpern soll, dann ver- steht man manches... * Heute soll nun in Tannenberg Hindenburg sprechen. Die Rechtspresse kündigt an, daß er eine„Rede an die Welt" halten wird, und, findig wie sie ist, verrät sie auch schon einiges von dem, was der Reichspräsident- Fekdmarschall angeblich sagen wird. Ob Kriegsdenkmäler die geeignete Tribüne sind, um„Reden an die Welt" zu halten, mag man dahingestellt sein lassen, die Denkmalsreden des Herrn P o i n c a r 6 sprechen eigentlich nicht sehr für diese Annahme. Erstaunt aber muß man sein, wenn man in Hugenbergs„Nachtausgabe" lieft, die Worte Hindenburgs würden„einen größeren Wert haben, als eine immer wieder angekündigte und immer wieder verschobene diplo- m a t i s ch e Aktion der Reichsregierung in diesen Fragen haben würde." Wenn die gegenwärtige Vüraerblockregierung eine „diplomatische Aktion"— gemeint ist offenbar die Dekla- ration der deutschen Unschuld am Kriegsausbruch— immer wieder hinausschiebt, so muß sie dafür schon ihre Gründe haben. Darum berührt die Ankündigung, der Reichs- Präsident wolle von sich aus eine Aktion unternehmen, die die verantwortliche Regierung aus diplomatischen Grün- den nicht vornehmen will, höchst sonderbar. Man möchte den Reichspräsidenten als Sturmbock gegen die Bürgerblock- regierung vorschieben, weil diese den Uebernationalen noch immer noch nicht„national" genug ist. Und jedermann erwartet sich ein Fest, einen Tannen- bergsieg— über Stresemann! q- Vom Völkerbund in Genf darf man nicht zuviel ver- langen. Man darf nicht von ihm verlangen, daß er die Siegesfeiern und Kriegsgedächtnisfeste kontingentiert und rationalisiert. Heutzutage feiert man in allen Ländern seine Siege und in allen mit Recht, weil im Weltkriege alle Völker Europas in Wirklichkeit die G e- schlagenen waren. Es ist sehr schön, wenn man befreit wird, aber es ist noch tausendmal schöner, wenn die B e- freiung gar nichter st notwendig wird, wenn sie nicht erst mit Millionenelend, Millionentod und grauenhafter Verrohung der Gemüter bezahlt werden muß. Der„Geist von Tannenberg" war nicht der Geist derer, die ihn zitieren. Es war der Geist eines friedliebenden Volkes, das sich von einer barbarischen Invasion bedroht sah und sich gegen sie verteidigte. Es war nicht der Geist der annexionistischen sechs Verbände, es war nicht der Geist des Vernichters der Freimaurerei Ludendorffs, und es war nicht der Geist des„Lokal-Anzeigers", Der Jubel über den Sieg in Ostpreußen war nicht zum mindesten deshalb'so groß,' weil man sich durch ihn dem Frieden nahe glaubte. Diese Hoffnung ist zerronnen, zerronnert'sin Strömen von Blut. Man fand kein Ende. Vis eines Tages die Heeres- leitung uni Waffenstillstand bitten mußte, weil sie sonst keine Möglichkeit mehr sah, einer entscheidenden Nieder- läge zu entgehen. Das ist die geschichtliche Wahrheit, die so klar geworden ist, daß keine Dolchstoßlegende gegen sie auf- kommt. Es gibt keinen Menschen in Deutschland, der der Schlacht von Tannenberg ein anderes Ergebnis gewünscht hätte. Es gibt aber gewiß sehr wenige Menschen, die Tannenberg und Krieg unö Rasientüchtigkeit. Probleme der höherzüchkung auf dem Kongreß für ver- erbungswifsenschaft. Am Sonnabend wurde der Internationale Kongreß I." rerbungs Wissenschaft geschlossen. Ueberblickt man die Reihe der Dorträae, die sowohl in allgemeinen Sitzungen des Vormittags als in sechs Abteilungen des Nachmittags gehalten wurden, so muß man anerkennen, daß lehr ernste wissenschaftlich« Arbeit geleistet worden ist. Von wissenschaftlichen Ergebnissen kann man trotzdem kaum sprechen, die kann auch ein solcher Kongreß im allgemeinen nicht zeltigen,«r hat ja in erster Reihe die Aufgab«, die Forscher aus den verschiedensten Kulturländern in nahe persönliche Beziehungen zu bringen, was ihrer Forscherarbeit sehr zugute kommen wird, und darüber hinaus will er die allgemeine öffentliche Aufmerksamkeit aus die Forschungsergebnisse und mehr noch auf die Forscherarbeit und ihre große praktische Bedeutung lenken. Gewiß wird Forscherarbeit aus reinem Erkenntnisdrang und ohne Rücksicht auf etwaige praktisch bedeutungsvolle Folgen ausgeübt, aber die weiteren Kreise nehmen doch hauptsächlich Interesse an den möglichen prak- tischen Auswirkungen, und ganz besonders gilt dies von den mannig- fachen Fragen, mit denen sich dieser Kongreß beschäftigt hat. Mit in erster Reihe stehen die volkswirtschaftlich bedeutungs- vollen Fragen der Pflanzen- und Tierzüchtung, die von hervorragender Wichtigkeit für die gesamte landwirtschaftliche Produktion sind, die in noch gar nicht abzusehender Weise gesteigert werden kann. Aber erfolgreiche Bemühungen auf diesem Gebiete werden heute durch den Mangel eines gesetzlichen Schutzes für Neu- Züchtungen, wie Prof. Erwin Baur-Berlin in einem Vortrag hervorhob, stark gehindert, wenn nicht völlig unmöglich gemacht. Zum Schutz des geistigen Eigentums auf den Gebieten der Literatur, der Kunst, Technik usw. bestehen in allen Kulturstaaten schon seit langem gesetzliche Bestimmungen: aber nirgends bestcht heute die Möglichkeit, sich ein Eigentumsrecht an Neuzüchtungen zu sichern. Man muß ohne weiteres zugeben, daß ein Bedürfnis hiernach früher auch nicht bestanden hat. Das ist heute aber anders geworden. Jetzt können Ertrag versprechende Neuzüchtungen nur durch jahrelang fortgesetzte mühevolle Kombinationszüchtung gewonnen werden, die dem erstmaligen Züchter Kosten verursachen, die sich leicht auf 50 000 bis 100 000 Mark belaufen, und die materielle Frucht seiner Mühe und aufgewendeten Kosten kann jeder beliebige«inheimsen, der sich für wenig Geld etwas Saatgut der neuen Sorte verschafft. Hier scheint es dringend erforderlich, dem ersten Züchter wenigstens für eine gewisse Zeit einen Schutz zu gewähren. Es werden ja auch tatsächlich die Züchter abgeschreckt, solche Versuche in irgend größerem Maße zu unternehmen. Vorbesprechungen über eine internationale .Regelung dieser Frage haben bereits in mehreren Kulturstaaten statt- gefunden, und auf Antrag Baurs wählte der Kongreß eine inter- nationale Kommission zur weiteren Beratung dieser Frage, Von allgemeinem Interesse sind auch die Ausführungen, die Prof, A, P l o e tz- München„Ueber private und staat- liche Förderung der R a f s e n h y gi e n e und Eugenik (Höher jöchUng)" machte. Er fordert tatkräftige Unterstützung alles, was danach kam, selber noch einmal erleben oder ihren Kindern als Erlebnis wünschen wollten. Hingegen gibt es Millionen und aber Millionen, die lieber zu jeder Verzweiflungstat bereit wären, als daß sie das damals Er- lebte noch einmal über sich ergehen ließen. Für sie gibt es nur noch einen Sieg, dessen Erringung jedes Opfers wert erscheint, das ist der Sieg über den Krieg!_ der Stanüal der Ruhrentschaöigungen. Objektive Verletzung des Etatsrcchts.— Große Ueberzahlungen.— Entschädigungen für Arbeiter gefordert. Der ausführliche schriftliche Bericht des Reichstags- Untersuchungsausschusses für die Ruhrentschädigungen liegt jetzt vor. Die Feststellungen sind für die Beteiligten ver- nichtend. Sie sprechen für sich. Darum geben wir nur den Wortlaut des Votums wieder. Er lautet: 1. Die Entschädigungszahlungen des Reiches an den Bergbau des besetzten Gebietes beruhen auf dem Schriftwechsel zwischen dem Reichskanzler Dr. Stresemann und Herrn Hugo S t i n n e s vom 20. Oktober bis 13. November 1923. Dieser Brief- Wechsel stellt Abmachungen dar, deren rechtliche Verpflichtung für das Reich im Ausschuß verschieden beurteilt wurde. Der Wille der Be- teiligten ging nach den Zeugenaussagen der Herren Dr. Stresemann und Dr. Luther dahin, daß durch den Briefwechsel rechtlich bindende, eintlagbare Verpflichtungen des Reiches entstehen sollten. Unbe- stritten bleibt der moralische Anspruch, der allen durch den Ruhr- kämpf Geschädigten zugesprochen werden muß, 2. Da Ausgaben des Reiches nur auf Grund von Reichsgesctzen oder des Etats geleistet werden dürfen, liegt unabhängig davon, ob ' eine privatrechtliche Bindung vorliegt, in der ohne Wissen des Reichs- tages vorgenommenen Zahlung auch eine objektive Verletzung des Etalsrechts des Reichstages vor, 3. Doppelzahlungen an den Ruhrkohlenbergbau sind nicht erfolgt. Dagegen find Ueberzahlungen in erheblichem Umfange aus der' Abgeltung der Kohlenlieferungen, aus der Kohlensteuer, aus Zinsen usw. erfolgt. Diesen Ueberzahlungen stehen nach den Er- klärungen der Regierung und nach den Gutachten der Sachver- ständigen Mindereinnahmen des Ruhrbergbaues bei anderen Post- tionen gegenüber, die angeblich«inen Ausgleich der Ueber- Zahlungen darstellen. Der Ausschuß kann sich dieser Auffassung nicht in vollem Umfange anschließen, hält vielmehr daran fest, daß Ueberzahlungen stattgefunden haben, deren Höhe heute mangels genauer Unterlagen nicht mehr festgestellt werden kann. 4. Es ist festgestellt worden, daß die Ansprüche derjenigen Ge- schädigten, mit denen ein Sonderabkommen getroffen war, auf Grund dieses Abkommens wesentlich günstiger behandelt wurden als die An- sprüche der übrigen durch die Ruhrbesetzung Geschädigten. Gegen- über den Geschädigten, die nach dem Sonderoerfahren be- handelt wurden, liegt neben der beschleunigten Erledigung ein« Besserstellung vor. Erstens durch die Entschädigung von Zins- leistungen, und zweitens durch die Entschädigung von Verlusten bei der Einläsung von E-Schatzanweisungen. Beide Ansprüche sind im Sonderverfahren nicht anerkannt worden. 5. Unbestritten ist, daß eine ausreichende Abgeltung des der Arbeiter- und Angeslelllenschast s o w i e de m« r w erb s tätigen Mittel stände des Ruhrgebietes durch den passiven Widerstand und seine Auswirkung zugefügten Schadens bis heute zum Teil noch nicht erfolgt ist. Der Ausschuß stellt fest, daß es erwünscht ist, die der Großindustrie des besetzten Gebietes gewährte Begünstigung durch ausreichende Entschädigung der geschädigten Arbeiter und Angestellten und des Mittelstandes auszugleichen. Diese FeMtellungen des Ausschusses sollten den Reichs- t a g verpflichten, die„ausreichende Entschädigung der geschädigten Arbeiter und Angestellten" baldig st nach» z u h o l e n. Aber dazu wird die Schwerindustrie, nachdem sie ihr Schäfchen ins Trockene gebracht hat, schwerlich ihre Zustimmung geben. aller Maßnahmen zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und des Alkoholismus, In der Beschränkung der Kinderzahl gerade bei den begabten Schichten der Bevölkerung— er meinte damit wähl- scheinlich die besitzenden Klassen— erblickt er eine große Gefahr. Aber die fürchterlichsten Einbrüche in die Rassentüchtigkeit geschehen durch die großen modernen Kriege. Allein Deutschland hat im letzten großen Krieg den Verlust von 1% Millionen Männern zu verzeichnen, die durchschnittlich zu den tüchtigsten, mutigsten und hingebendsten gehörten. Di« Ausmerzung dieser tüchtigen Erbmasse kann nur in Jahrhunderten, vielleicht erst in 1000 Jahren wieder gut gemacht werden. Ploetz tritt dafür«in, die Kriege, diese Rassen- verschlechterer, durch Zusammenschluß der großen Völker unmöglich zu machen; am ehesten scheint»hm der Zusammenschluß der germani- schen Völker möglich, wozu er das Britische Reich, die Vereinigten Staaten, Skandinavien, Holland und die deutsch sprechenden Staaten rechnet, die nach ihm außer wenigen anderen Völkern auch die höchst stehenden Rassenelemente enthalten. Mit der letzteren Behauptung scheint er uns bereits den Boden vorurteilsloser wissenschaftlicher Sachlichkeit zu verlassen, wie sehr man auch seinen allgemeinen Aus- führungen über den Krieg und vielen seiner sonstigen Ausführungen zustimmen muß. Der nächste Internationale Kongreß soll im Jahre 1932 in den Bereinigten Staaten, wahrscheinlich in Itaka, stattfinden. _ Dr. B. Borchardt. Mirakel, Mirakel! Die Rest von Konnersreuth tut unentwegt weiter Wunder und Hugenbergs Sensationspresse widmet ihr allabendlich fünf bis sechs Spalten. Allerdings so, daß sich der intelligent« Leser, auf den Hugenberg freilich nicht spekuliert, selber seinen Vers zu der Wunder. täterei machen kann. Neuerdings spricht die Res! in ihren Verzückungen statt boarisch ein unverfälschtes Aramäisch. Man denke: eine bayerisches Bauernmädchen, das nie aus seinem Dorf herausgekommen ist, redet eine Sprache, die seit 2000 Iahren kein Mensch mehr spricht. Nur schade— die Resl erlebt aramäische Visionen nur dann, wenn ein Mann, der diese Sprache aus dem ff beherrscht, nämlich der Orientalist Professor Wutz, neben ihr steht.... Der natür- lich an dem Wunder gänzlich schuldlos ist. Ein anderes: Resl gibt neuerdings ganz eigenartige Schilderun- gen der von ihr visionär erlebten Passion, die mit der biblischen Tradition gar nicht übereinstimmen: danach wird Christus an ein Kreuz aus drei Balken in Form eines Y geschlagen, vor der Kreuzi. gung in eine Grube gestoßen, nach der Geißelung schleudert ein Gassenjung« sein Gewand fort, daß Christus sich bücken muß, um es aufzuheben, usw. Leider: genau die gleichen Visionen hatte bereits vor hundert Jahren eine sichere Katharina Emmerich, auch eine stigmatisierte Ekstatikcriii, und der Dichter Brentano hat damals Schilderungen der Emmerich aufgezeichnet unö gedruckt ver- ö f f e n t l i ch t. Natürlich kennt die Resl diese vor hundert Iahren geknickten Schilderungen nicht, sagt der Hugenberg-Reporter, der es wissen muß, da er offenbar gleich der Resl visionär veranlagt ist. Warum aber— fragen wir— joll von de« viele« janjend Besucher» Nietenstesgerung unö Wohnungsnot. Die 10 Prozent für Wohnungsbau? Der Landesverband Preußen im Bunde Deutscher Mietern o e r e i n e e. V. hat sich wegen der geplanten Mietzinserhöhung irr einer besonderen Denkschrift an die preußische Staatsregierung und» den Landtag gewandt. In der Denkschrift wird festgestellt, dasi der auf Grund des amtlichen Ergebnisses der Wohnungszählung ermittelt« Wohnungsbedarf weit über den der Oefseutlichkeit bekanntgewordenen Zahlen liegt. Die amtlich« Zählung konnte sich nur auf bereits gegründete Haushaltungen und Familien erstrecken, während die große Zahl derer unberücksichtigt bleiben mußte, die die Gründung einer Haushaltung infolge der Wohnungsnot bisher unterlassen haben. Von einer wirklichen Behebung der Wohnungsnot könne weiterhin erst dann gesprochen werden, wenn— wie in der Vorkriegszeit— ein Bestand an Leerwohnungen irr Höhe von mindestens 4 Proz. des Gesamtwohnungsbestandes vor- Händen sei. Bei Zugrundelegung des amtlichen Zählerergebnisses ergebe sich somit allein für Preußen ein dringender Fehlbedarf von einer Million Wohnungen. Die zukünftige Wohnungspolitik könne sich nicht nur darauf beschränken, die Raumnot zu beseitigen» sondern müsse auch die Bekämpfung des Wohnung? c l e n d s. d. h. der Unterbringung großer Bevölkerungskreise in unzulänglichen. menschenunwürdigen Behausungen, zum Ziel haben. In der Eingabe wird u. a. gefordert, daß die für den 1. Oktober 1927 geplante Mietzinserhöhung um weitere 10 Proz. der Friedens- miete nicht dem Hausbesitzer als weiter« Rente zufließen dürfe, sondern in vollem Umfange für die Behebung der Wohnungsnot Verwendung finden müsse. Nur insoweit einzeln« Hauseigentümer ab 1. Januar 1928 infolge der Erhöhung des Zinssatzes für die Aufwertung?- Hypotheken tassächlich höhere Zinsen an Aufwertung-gläubigxr zu entrichten haben, soll dieser Mehrbetrag Berücksichtigung slnden. wenn die sonstigen Ueberschüss« zu seiner Deckung nicht ausreichen. Die gegenüber 1924— je nach der Art des Grundstücks— um das Fünf- bis Zehnfache gestiegenen Häuserpreise seien der beste Maßstab für die überaus gute Lage des Hausbesitzes. Die Zahl der noch vorhandenen Aufwertungshnpotheken sei außerordentlich gering. Angesichts der furchtbaren Wohnungsnot hätten alle Sonder- interessen gegenüber dem Interesse des Staates und der Bevölkerung an der Behebung der Wohnungsnot zurückzutreten. Litauer besuchen Deutschland« Offiziere der Putscharmee. Noch bevor die litauischen Machthaber in dem autonomen Memelland die neue Serie von Terrortaten begonnen, hatte ihr Außenministerium in Berlin darum angesucht, daß man einer Anzahl litauischer Offiziere den Besuch und die Besichtigung technischer Werke in Deutschland gestatte. Diese Erlaubnis hat man etteilt, und 21 dieser Leute kommen demnächst in Zivil und nur zu dem angegebenen Zweck nach Berlin. Es wird ausdrücklich betont, daß sie nicht zu irgendwelchen militärischen Studien hierher reisen. Natürlich könnte ein Anschauungsunterricht deutscher Technik an Ausländer nur erwünscht sein, zumal sich daraus neuer Absatz deutscher Erzeugnisse ergeben kann: vorausgesetzt freilich, daß der neue Käufer auch zahlen will und kann. Aber diese Besucher sind doch Angehörige eines Offizierskorps. das vor wenigen Monaten seinen Eid auf die demokratisch- pärrame-n tatische Verfassung der Republik'Litauen schmählich gebrochen und in schurkischer Auflehnung die Waffen, die sie zum Schutz der Verfassung erhalten, gegen diese und das Oberhaupt der Republik, den freigewählten Präsidenten Dr. Gri- nius, und das Parlament gekehrt haben. Derartige Besucher sind der deutschen Demokratie höchst unsympathisch, und wir sähen sie viel lieber nicht in unserer Republik! Als deutscher Spion verhastet wurde aus dem Thorner Haupt» bahnhof knapp vor der Abfahrt nach Deutschland der polnisch« Artillerieleutnant K o p a l a. nicht irgendwer der Resl die Geschichte der verewigten Kollegin mitgebracht haben, worauf dies« es für gut befand, ihre Visionen entsprechend umzustellen? Damit man uns aber nicht für gar zu hartnäckige Zweifler hält, wollen wir ein wirkliches Wunder der Resl berichten. Letzten Sonn- tag geschah es. daß just, als sie an einer hohen Scheune vorbeiging. unter dieser«in Mensch stand, der sich eine abfällige Bemerkung erlaubte. Die Resl wünschte in ihrem Zorn, daß gleich die Scheune über dem Spötter zusammenstürzen möchte. Im Weiterschreiten wurde ihr jedoch das Unchristliche dieses Wunsches klar und sie betete inbrünstig zu Gott und allen Heiligen, doch die Scheune stehen zu lassen. Und es geschah ein großes Wunder— die Scheune blieb stehen!_ Aloysius. Der Leiter des preußischen staatlichen Bauwesen». Der Posten des Ministerialdirektors im preußischen Finanzministerium, dem die Leitung der staallichen Bauverwaltung obliegt, ist seit ändert- halb Jahren nicht mehr besetzt. Jetzt heißt es, daß an die Stelle ein Jurist berufen werden soll. Ein solcher Beschluß würde, daran ist kein Zweifel, das staatliche Bauwesen in Preußen immer mehr versanden lassen. Dabei könnte von dieser Stelle angesichts des Umfanges und der Bedeutung der staatlichen Bauaufgaben— der Haushält für 1927/192» wirft dafür Beträge von mehr als 100 Mil- lionen Mark aus— der stärkste Einfluß ausgehen, wenn man eine überlegen« Persönlichkeit von künstlerischen Format, vielleicht neben einem Direktor für die reinen Verwaltungeaufgaben, dorthin stellen würde. Der Deutsche Werkbund hat schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, wie verfehlt es ist, künstlerische Produktion und Verwaltungsarbeit von demselben Menschen zu verlangen: die starke Begabung für das eine schließt naturgemäß eine starke Be- gabung für das andere aus, und die Mischung bedeutet Halbheit und Schwäche. Fordert man beide Aufgaben von den staatlichen Baubeamten, so bleibt man auf unschöpferische Halbnaturen ange- wiesen. Diesen Gedanken stimmt jetzt Genosse Hermann Lüdemann in einem Aufsatze der„Bauwelt" zu und besllr- wartet u. a. stärkere Zusammenfassung der vielen örtlichen Vau- ämter in größere Bezirks-Baudirektionen und Ueberführung der Hochbauverwaltung aus dem Finanzministerium in ein anderes Ministerium, dasjenige für Volkswohlfahrt, das heute bereits außer dem Wohnungswesen die zahlreichen baupolizeilichen Aufgaben des Staates verwaltet. Die„Kugelbühne". Das Piscator-Theater bereitet für die nächste Aufführung ein neues Bühnenexperiment vor. Wie wir hören, wird Alexej Tolstois„Rasputin" ausgeführt, doch wird der Titel eine Aenderung erfahren, insofern das Stück auf Aus- schnitte der Weltgeschichte aus den Jahren 1910/1917 umgearbeitet ist. Die Bühne wird die Form einer Weltkugel haben, worin etwa zehn Spielflächen eingebaut sind, die drehbar sind und sich vor dem Zuschauer leweils aufblättern. Dos»Theater der Slaucn Blusen», eine aus der mlsüchen Ribeiter- ichast hervoraeganaene Küiisllertruppc wird demnächst in Berlin und anderen deuischen Städten ein mehrwöchiges Gaitfpiel absoloieren. Die wiener Tänzerin Trübe Knall tritt am 21., 20 Uhr, im Sturm- Potsdam« Str. 34a, zu««st« Mai« tu Berk««ch Kommunalpolitifthe Woche. Städte, Gemeinden, Kreise und ihre Nöte. Die heute beginnende Woche steht politisch im Zeichen der Tagungen der großen Gemeindeverbände des Reiches und Preußens. So findet am Mittwoch der Preußische Landkreistag in Verlin statt. Daran schließen sich in Magdeburg die Jahresversammlungen des Deutschen und des Preußischen Städtetages. Auch der R e i ch s st ä d t e b u n d, die Organisation der kleineren deutschen Städte, wird— Anfang nächster Woche— in Berlin tagen. Die Beratungen dieser Organisationen sind gerade im gegenwärtigen Augen- blick und im besonderen für die Sozialdemokratische Partei von größter Bedeutung. Denn die Arbeiterschaft hat ein hohes Interesse daran, daß die kleinen und am feinsten organisierten Zellen staat- licher Selbstverwaltung reibungslos arbeiten können. Es i 75« 790 13«! Damast Halbseide f. Jacken- und Mantelfutter, ca. 85 cm Cr6pe de Chine gute Kleidcrware, schwz.» weiß u. farbig, ca. 100 cm Brokat f. Taschen u. Besätze mit u. ohne Metall, ca. 60 cm Cräpe Georgette neueste Farben, ca. 100cm 21? 49« Z«? 6i? Kleidertaft reine Seide, neue Farben, für Stilkleider, ca. 85 cm Cröpe de Chine moderne bun tfarbige n*'*' Druckmuster, ca. 100 cm H Gröpe Satin elegante Qualität, viele Farben, ca. 100 cm br. 66» 10*? »A n kx k lki nr iv» Velours Chiffon. rxen schwarz und aparte| Farben, doppeltbreit JI*■—— Kleid relnwoll. Rips m. bestickter, OO AA farbiger Weste t/.UU Kleid vonllgllcherVeloutlne.„ (Wolle mit Seide) mit Cripe ,10 AA Georgette-Weste hlrO.UU Morgenrock 6.75 guter Flausclistoff In vielen Farben, reich bestickt Mantel reinwoll. 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Er war ein geschickler Roller und er fand auch in flauen Zeiten immer noch Arbeit: aber das Stillsitzen hinter dem Rollbrctt behagte ihm ganz und gar nicht, und nach dem Sonntag fand er immer nur schwer wieder in den Tabakdunst und den Staub der Fabrik zurück, Er konnte stundenlang von seinen Abenteuern auf der Walze er- zählen, an jedem Haar zerrte es ihn fort vom Rollbrett und Arbeits- schemel. Aber er wußte auch, mit wieviel Hungertaaen diese Hand- ivcrksburschensreizeit erkauft werden mußte, und so blieb er, wider- willig genug, seinem Berufe vorläufig treu. Bis er eines Tages seine Chance fand! Dies war auf einem Erntefest in der Umgegend Berlins. Da hatte er mit„drei Ringen für einen Groschen- zwei. mal hintereinander den Hauptgewinn, den Taler, geholt. Und be- vor er nochmal antreten konnte, hol« ihn der Uniernehmer hinter die Bude und schlug ihm eine gndere Beschäftigung vor: Fritze Kar- mesinverjniechr sollte, solange das Erntefest dauert«, für„fufszehn Jroschen und freie Kost" als„Attraktion" arbeiten, d. h. er sollte an jedem Tage mindestens zehnmal sich den Taler gewinnen—„falle- halber-, damit die Gewinnsucht der anderen Besucher angeregt würde,.chenn wenn du hier nochmal ehrlich antreten willst, mache ick lieber die Bude zu!"— So wurde Fritz« Karmesinverjniecht„be- rufsmäßiger Gewinner". Zuerst beim Ringewerfen, dann fand er einen ebenso unbedenklichen Prinzipal, der ein„Glücksrad" hatte— freilich konnte Fritze hier nicht so oft gewinnen, und so trug ihm sein „Berus" nur gerade das Biergeld zum Sonntag ein. Er war aber Der Mann, der immer gewinnt. unter den Besitzern der„Gsllcksbuden" bald bekannt und wurde weiterempfohlen, denn er verstand es, seinen Gewinn in gehöriger Weise zur Schau zu tragen und für die von ihin gerade„bediente" Glücksbude den„Anreißer" zu spielen, und bald gab es kein Ernte- fest in der Mark, in dem Fritz« nicht„gewann". Aber immer schwerer fand er zum Rollbrett zurück, und eines Tages sattelte er ganz um: er wurde Auscuser vor einer größeren Bude und war wegen seiner schnoddrigen Schlagsertigkeit bald eine geschätzte Kraft. Dann kam der Krieg, und Fritze, der zum Glück DU. war, begrijs die Konjunktur. Er machte sich selbständig und kaufte einen großen Posten Ersatzseife, mit der er auf den Märkten hausierte. Sem Stand war klein,«in Holztisch und eine Schüssel mit Wasser ge- nügien: sein Umsatz war fabelhast, trotzdem er nur immer den ersten Tag der Märkte wahrnehmen konnte, denn das Geheimnis des wundervoll schäumenden und reinigenden Seisenersatzes lag im ab- wärts gebogenen Rand der Waschschüssel: der war mit echter, guter Schnnerscife gefüllt, und Fritze griff bei der Demonstration seines „hervorragenden" Seisenersatzes immer mal unter dem Rand. Da mußte er freilich sorgen, den Käufern am nächsten Tage möglichst unerreichbar zu sein. Aber das Geschäft hat sich gelohnt, und jetzt zieht Fritze mit einem eigenen Unternehmen herum: mlk einem Glücksrod, bei dem„einer der verehrten Zuschauer mit der Pistole die Glücksnummer herausschießt, damit Sie sehen, meine Herr- schaften, daß hier alles reell und ohne Schiebung zugeht".... Ver Aeitungsfresser. Der alte Herr mit dem peinlich sauber gebürsteten, aber schon so blank getragenen Eehrock erzählt:„Ich bin froh, wenn ich mal einen halben Tag lang keine Zeitung sehe! Ich lese täglich mehr als genug, ich bin berufsmäßiger Zeihrngssresser!"— Berufsmäßiger Zcitungsfresser? Was ist denn das? Er arbeitet in einem Nach- richtenbureau! Da sind die Leute auf irgendwelche Zeitungsaus- schnitte, die sie interessieren, abonniert, auf„Alles über den Balkan" oder auf„Brände in Deutschland" oder auf„Neue Erfindungen". Zwei Dutzend arme Teufel arbeiten da und haben sich täglich durch einen ganzen Berg von Zeitungen durchzusressen und die Nach- richten zu sortieren. Sechzig bis achtzig Zeitungen kommen aus jeden! Man kann sich denken, wie einem Menschen zumute� ist, der täglich sechzig bis achtzig Zeitungen lesen muß. Jede Nachricht muß ihre Nummer kriegen, und dann sind noch die Abonnenten zu bedienen, das heißt, die fertigen Ausschnitte zu kuvertieren... und eventuell muß man noch Zeitschriften mit nach Hause nehmen, weil er in der glatten Arbeitszeit unmöglich genug verdienen kann, um mehr als trocken Brot heranzuschasfen! Es sind Leute von einer umfassenden allgemeinen Bildung, alle und junge Akademiker oder Lehrer, und keiner verdient mehr als dreißig Mark in der Woche! Die meisten sind noch froh über die; fürstliche Einkommen. Was soll man sonst anfangen als alter Philologe, der zum Privatlehrer längst zu alt ist. dem die Inflation den Notgroschen fraß? Sie lesen, lesen: Tageszeitungen im Bureau und Zeitschriften abends, bis die Augen versagen. Wehe dem, der sich auch durch den blendendsten Leitartikel fesseln läßt: er wird nie die vorschristsmäßige Anzahl Zeitungen schassen! Wie mancher, der da glaubt, nach einem halben Jahr diesen Notberuf verlassen zu können, ist froh, wieder an sein Pult zurückkehren zu dürfen. ver Weg zum Unternehmer. Er war wirklich unter die Unternehmer gegangen, er vertrieb jetzt seine Radierungen und, wie er auseinandersetzte, aus eine recht originelle Weise. Acht„Kolporteure" beschästigte er. Straßenweise wurde Berlin bearbeitet: am ersten Tage wurde in jeder Wohnung ein Kuvert mit zwei Radierungen und einem handschriftlichen Be- gleitschreiben abgegeben, das immer den gleichen Wortlaut hatte: „Die Not der Zeit zwingt mich, auf diese ungewöhnlich« Weise an Sie heranzutreten. Ich bin Maler und habe seit langem keins meiner größeren Werke oerkaufen können. Wenn Sie eine dieser handschriftlich signierten Originalradierungen zum Preise von nur einer Mark bezahlen würden, so wäre das für mich«in« wirkliche Hilfe. Ich oder meine Frau werden morgen nochmals vorsprechen. Sollten Sie für die Kunstblätter keine Verwendung haben, so bitte ich um unbeschädigte Rückgabe— ich wäre Ihnen aber für jede Unterstützung dankbar. Ergebenst Otto H.— Verzeihen Sie bitte die Störung."— Und wirklich! Trotzdem die Blätter tollster Kitsch waren, erzielte die Bitte des bescheidenen, armen Künstlers oft den gewünschten Erfolg. Di« Kolporteure wurden natürlich so aus- gesucht, daß sie selbst bei etwaiger Unterhaltung die Rolle des armen Künstlers resp. seiner Frau spielen konnten, und sie verdienten auch, da sie mit 50 Proz. am Gewinn beteiligt waren, bis zu X- Mark am Tag! Er hatte ein müheloses Einkommen. Das Unternehmen florierte, und als Berlin abgegrast war, entlassene Angestellt«„Kon- kurrenzgeschäfte" aufmachten und sich auch in seiner Pension die Nachfragen nach dem„notleidenden Künstler" häuften, verlegte er dap Feld seiner Tätigkeit in andere deutsche Städte. Freilich: von all dem schönen Geld behielt er nichts in seinen Taschen, und als eines Tages die Polizei in einer Stadt im Westen Deutschlands zugrisf und ihn— disqualifizierte, da war nicht einmal so viel da, um Frau und Kind auch nur ein paar Monate über Wasser zu halten! i ~ � Q n[�� r S /MA) Der Zeltungsfresser. Das sind drei Außenseiter des Lebens: keiner hat freilich die ganz große Quote aus dem Rennen um den Lebensunterhalt her- ausholen können! tzochbahnhof tzaUesches Tor. Gcsamtumbau zurückgestellt.— Neue Ausgänge nach der Königgrätzer Stratze. Von der Direktion der Hoch- und Untergrundbahngesellschast ist bekanntlich seit langem ein Umbau des Bahnhofs Hallesches Tor projektiert worden, der nach der Belle-Alliance-Vrücke zu verlegt werden sollte. Dieser Gesamtumbau ist allerdings vorläufig zu- rückgestellt worden, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Bauarbeiten für dieses Projekt gemeinschaftlich mit der von den städtischen Behörden beabsichtigten Verbreilerung und Neuanlage der Belle-Alliance-Brückc und der sonstigen Umgestaltung des Hallefchen Tores zusammen vorgenommen werden sollen. Die Stadt hat aber gegenwärtig noch keine Mittel flüssig, um dies komplizierte Ver- kehrsproblem lösen zu können. Da aber infolge des anwachsenden Ver�hrs der Hochbahnhof Hallesches Tor den Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird, und besonders der Ausgang nach der Königgrätzer Straße nach der Anlage des Gemeinschaftsbahnhofs für die Rordsüd- und Hochbahnstrccke nur aus Umwegen zu erreichen ist, hat man jetzt beschlossen, durch die Schassung eines Provisoriums den neuen Verhältnissen Rechnung zu trogen. Bor kurzem haben die Bau- arbeiten begonnen, um neue Ein- und Ausgänge zur Königgrätzer ÄLe Silberscbjlvärme ßQj Von ZReg Beack) lNachdruck verbotm Rniortflttit Ttebersetzvng an» der» Englischen von Julia-Koppel 24. Als die Sonne zwischen den südlichen lrzöhen und dem Sommerdunst, der wie ein leichter Schleier über dem Nebel lag, emporstieg, kam die schneeweiße Jacht. Das Wasser unter ihrem Vordersteven glich blitzendem Nickel, das sie wie ein Messer durchschnitt. Die schlanke Take- lung hob sich von dem grauen Himmel ab, als ob sie mit einem spitzen Instrument geritzt sei: ihre Seiten waren ebenso weiß wie die schimmernden Brüste der Möwen, die sich in der Nähe der Küste tummelten. Als sie stolz durch die Fischerbootflottille segelte, voll- endet in der Form und mit stattlicher Würde durch den Wasserspiegel gleitend, zogen die kleinen schmutzigen Fahr-' zeuge sich erschrocken zurück, während Männer mit müden Augen sie schweigend anstarrten, als ob sie eine Offenbarung 'ei. Boyd erschien sie wie ein Engel der Barmherzigkeit, er tand auf Deck seiner Barkasse, eifrig nach einer Frauengestalt uchend. Als er die Jachr zuerst um eine Landzunge biegen ah, hatte er einen Freudenruf ausgestoßen und sie darauf chweigend näherkomen sehen, ohne seiner Umgebung zu achten. Das Herz klopfte ihm bis an den Hals hinaus. Ihm war, als müsse er Mildreds Namen laut herausschreien und die Arme nach ihr ausstrecken. Er fühlte, wie das Boot unter ihm im Kielwasser der Jacht schaukelte. Als er an Land steuerte, preite George Bali ihn an und fragte:„Was ist das für ein Fahrzeug?" „Das ist die Jacht der VNKG." Der große Fischer blickte dem Schiff neugierig nach. „Einige unserer Leute sind schwer verwundet," bemerkte er,„ich habe ihnen gesagt, daß sie die Netze einziehen und sich in die Fabrik begeben sollen." „Wir sind alle hungrig und müssen erst mal etwas essen." „Ich nicht, ich will mich nach unserer Falle umsehen," sagte Bali. Emerson zuckte gle,chgültig die Achseln, er war sehr müde. „Was willst du bei der Falle? Es lohnt sich nicht, sie zu heben „Ich habe diese Gewässer seit fünf Jahren beobachtet, und, noch nie hat der Fisch sich so benommen," brummte Balt eigensinnig.„Wenn die Schwärme heute nicht den er- warteten Weg einschlagest, können wir unseren Laden schließen. Marshs Leute haben heute nach die Hälfte unserer Netze beschädigt und mehr als die Hälfte unserer Leute un- tauglich gemacht." Er fluchte fürchterlich. „Wayne Wayland ist an Bord der Jacht. Er ist ein harter Mann, aber er ist gerecht. Er wird sicher nicht wissen, was Marsh uns getan hat. Ich will zu ihm gehen und ihm alles berichten." Boyd kehrte zur Fabrik zurück. Von neuem hatte die alte Bitterkeit und Mutlosigkeit von seinem Gemüt Besitz ergriffen. In der Fabrik traf er Alton Clyde, der sehr aufgeregt war über die Ankunft der Jacht, und gar nicht erwarten konnte, seine Freunde wiederzusehen. Boyd schickte ihn zur Barkasse hin- unter, und nachdem er hastig etwas gegessen hatte, folgte er ihm.' Auf der Ueberfahrt zur Jacht wurde Boyd von demselben bangen Ahntingen überfallen, wie seinerzeit bei seinem Besuch bei Mildred in Chikago. Zum zweitenmal mußte er ihr von fehlgeschlagenen Hoffnungen, statt vonuna« Deutschland". Treffpunkt «sh Uhr Normaluhr, Pappelallee, Täc Schönhauser Allee.— Reicheuberger «iertrl! Besuch der Au»steÜung„Dos junge Deutschland". Trefspunkt 9 Uhr »or dem Heim. Morgen, Montag. 19. September. Singlrei»: Letzte Probe für den„Sommernachtstraum" pünktlich 1911 Uhr Im Lindenheim. Alle müssen erscheinen. slraße 1«. zur Herb' abend._____________________ in der Arbeiterjugendbcwegung." Wetterbericht der«ffeuwchen Weklrrdlenskstelle für Verl«,,-ad Umgegend sRachdr. verb.) Wechlemd. meist ziemlich stark icwöltt bei mätzigen bis Irische» Winden au« westlicher Richtung. Etwa» kubier.— Für Deutsch- laad: Uebrrall ziemlich kühl mit von West nach Ost sortschreitende» Nieder» schlagen. Billige Zheaterkarten. Theaterbesuch gehört heutzutage zu den kastspicligen Dingen,- dtshald ist es zu b-grützcn, daß die Gesellschaft für Kunst und Unter. das aufgelegte Abonnement, da» besonders vorteilhaft ist dadurch, datz der Tag der Vorstellung gewählt werden kann. Wir verweisen auf da» Inserat in vorliegender Nummer. in unerreicmek'/ZttZBkanI neuer harben. musferungen fTltr T&-16.-H'.- 19 M Koch CrlMiancfrT� Gertraudtcnitn 20/21 Mnkinhe Zwe�.-99? geschoren, Crftpe de Chlne-Futter Nachmittagskleid,« 36 m Nachmittagskleid deCÄ, 00 M Faltenrock, Crtpc-Georgette-Wcste, 42�0 � iV* relnc Wo"e' rupSKieia neuartige Rockform.** mit Crftpe-Qeorgclte-Einsa�, Gr. 42-80 RollH�rl a. Crlpe Georgette, Stil- UailKICia formen, reich. Stutenrode v* mod. Abendfarben, Größe 42 bis 46 Frail#»nlrl�ir? Veloufine, Crftpe- rrauenKieia aeorgeiie-Gam.. 4�** mit Söumchensteppere!, Gr. 42-80 iVl PlllloVCr mit Kunstseide, mit n Kragen und langen Aermeln i 2\j Jumper aus OSpe de Chine 1375 Kinderkleid™. Lg. 45 6 75 (Jede weitere Größe 50 Pf. mehr, Mädchenkleid 12 50 (Jede weitere Größe 1.25 mehr, •Motle-(üorfuhrun£ in allen 4 Geschäften, ätn 21., 22. u. 23. September 1927, nachm. Neueste Pariser u. eigene Modelle\ Popiefklcider nach Lyon-Schnitten Leipziger Sirafie r Künstlerische Leitung Professor Haas-Heye, Paris. Musikalische Begleitung Friedrich Hollaender mit Wetntraubs Syncopaiors, Eintrittskarten in den Konfektions- Abteilungen, Rips-Maniel mit Seal-electric- SchaI,Aermelbesaix, Kunsiseidenfurter Größe 42 bis 43 65m Diese Angebote sind ein Spiegel meiner LeislflnPslähiPheit. Sie sollen Ihr Interesse erwecken und Sie zu einem Besuch meines Hauses anregen. Wenn Sie bei mir waren, werden Sie wissen: Die Auswahl ist riesengrokl Die Qualitfiten sind durchweg gut! 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Trotz. dem zeigte sich die Verschiedenart der Ideenwelt von Industriellen und Arbeitern auch in Einzelheiten, die weit über das zufällig ge- fprochene Wort hinausreichen. In der entscheidenden Frage, wie Privatwirtschaft und Volkswirtschaft zueinander stehen, konnte man sogar den Widerstreit der Klassen- inter essen mit aller wünschenwerten Deutlichkeit heraushören. Eine Erinnerung drängt sich hier auf. Organisierte fozialisiische Virtsihast. Auf dem diesjährigen Parteitag der Sozialdemokratischen Partei in Kiel kennzeichnete Genosse Dr. H i l s e r d i n g den gegenwärtigen Zustand des Kapitalismus als den Ueberaang von der Wirtschaft des freien Spiels der Kräfte zur o r g a n I st e r t e n W i r t s ch a f t. Ausführlich legte er dar, wie all« technischen und ökonomischen Vor- aussetzungen die Entwicklung zu einer international organisierten Zusammenfassung der Unternehmungen drängen. Im Kampf für den Sozialismus ist durch diese Umschichtung innerhalb des Äapi- talismus eine gänzlich neu« Situation entstanden. So tonnte Hilferding den Aufgabenkreis der Sozialdemokratischen Partei aus dieser Kritik der neuen kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Stellung zuni Staate«ingehend begründen. Er konnte dabei zeigen, wie ins- besonder« diese organisierte Wirtschaft auf die Gestaltung des Staates zurückwirkt und wie umgekehrt die staatliche Beeinflussung der Wirtschaft zum letzten entscheidenden Inhalt sozialisti- scher Politik überhaupt wird. Organisierte profitwirtsihast. Das war im Mai 1927. Im September tagte der Reichsverband der deutschen Industrie. Seine Führer hatten bislang mit hart- nackiger Zähigkeit an der falschen Vorstellung festgehalten, als ob noch die heutige Wirtschaftsweise sich auf dem Spiel der freien Kräfte gründe. Da erklärte Geheimrot Bücher, daß höhere Ge- samtleistungen eines Betriebes und der gesamten Volkswirtschaft nur in einer durchorganisierten Wirtschaft vollbracht werden können. Dadurch sei die Frage der Organisation der Wirt- schaft von größter Bedeutung geworden. Ein Gleichklang der Worte, deren Inhalte wie zwei Welten voneinander verschieden sind! Die Generaldirektoren ver- stehen unter ihrer organisierten Wirtschast nichts anderes als die Zusammenfassung sämtlicher Betriebe zu großen Gruppen im Dienste des Gewinnprinzips. Dieses Prinzip widerstreitet, das zeigt die Geschichte der Wirtschaft seit Beginn des Kapitalismus, dem Ziele, das der Sozialismus sich steckt: der bestmöglichen Besriedi- gung des Bedarfes aller Bolksgenossen. Wohl vermag die durch- organisierte kapitalistische Wirtschaft manche Fehlerquellen zu beseiti- gen, auch mancherlei Kapitalverluste zu oerhindern, die bei freier Konsurrenz unvermeidlich sind. Sie vermag die Produktwnskräste stärker miteinander zu verknüpfen und so einen höheren Grad in der Produktionsleistung sowohl der Menge wie der Qualität nach zu«rzieten. Keinesfalls ober kann sie, solange der Profit im Vor- dergrund steht, jene Hemmungen ausschalten, die zwangsläufig mit dem der Bedarfsdeckung fremden Profitstreben verbunden sind. Oer Jüeenkonfiikt öer Direktoren. Die Syndizi und Direktoren der Unternehmer spüren diesen Widerspruch. In dem Streben, ihre„kapitalfreundliche" Haltung geistig zu überbauen, verrennen sie sich in eine Sackgasse. Aber sie suchen den Ausweg aus dem Wirrwarr. Und so hat man jetzt auf der Generalversammlung des R-ichsverbandes der deutschen Industrien in Frankfurt eine Art neue Unternehmer ideologie zu schaffen versucht. Man hat gesagt: alle Großbetriebe— das sind die Mehrzahl der heutigen Produktionsstätten— müssen von vornherein«✓voll s"w irt j ch a f tl i ch arbeiten. Es sei gar nicht mehr 0«nlbor. daß diese Unternehmungen allein von privatem Ge- winnstreben beherrscht bleiben. Direktoren und Generaldirektoren seien ja selbst nur gehobene Angestellte, die nur für die Rechnung der Aktienbesitzer oder für das Unternehmen als solches arbeiten. Ein freies Spiel der Kräfte könne es für Großbetriebe gar nicht mehr geben. Das Ziel müsse vielmehr die Steigerung der Warenerzeugung zur Deckung des Konsums und der Verbilligung und Erweiterung des Absatzes fein. » Das sind schöne Worte. Wie aber, wenn der Rentenanspruch des Aktionärs oder die Aufrechterhaltung des Betriebes dazu zwingt, auf Ko st ender Konsumenten höhere und bessere Pro- duktionsmethoden zu vernachlässigen? Man braucht nicht in der Theorie der Krisen zu wühlen, um den Beweis dafür zu suchen, daß das in der kapitalistischen Wirtschaft immerfort geschieht. Roch ist uns allen die Inflation in Er- innerunc', wo das Volk bei vollen Scheuern hungerte, wo die W o h. nungs losen nach Obdach suchten, während die Industrie Pa- löste ausführte, um einen großen Teil von ihnen in der Stabil!- sicrung wieder st i l l z u l e g e n. Damals baute man mit dem Geld verarmender Sparer und enteigneter Arbeiter Riesenkon- zerne, die der kühl« Wind des Alltags in der Stabilisierung umblies wie Kartenhäuser. Die Inflation hat keine neuen Gesetze der Wirtschast enthüllt. Sie hat nur die B e w e g u n g s s o r m e n des Kapitalismus in karitaturenartiger Ueber. treibung aufgezeigt. Jede Hausse ist Ane Inflation im kleinen mit ihren Preissteigerungen, mit ihrer Kreditsülle, mit ihrem Äktienkurstaumel. Jede Baisse in der Wirtschaft ist„nur" ein« Rationalisicrungskrise mit ihrem Kapitalüberfluß, mit Massen- arbeitslosigkeit, mit Konkursen und Zusammenbrüchen. Aber auch in ganz ruhigen Zeiten besteht der Konflikt zwischen bestmöglicher Wirsschaftsweise für den Bedarf und profitabelste Pro- duktion. Man weiß doch z. B., daß in den Aktenschränken unserer großen Konzern« zahlreiche Patente ungenutzt ruhen, weil der zufällige Inhaber sie nicht für lohnend hält, aber doch verhindern möchte, daß die Konkurrenz sich ihrer bedient. Profitund Fort- schritt stehen sich hier wie Wasser und Feuer gegenüber. Ein Junckers, wollte er über den Ozean fliegen, mußt« Millionen von Steuergeldern oerbrauchen,«he er überhaupt seine'Flugzeuge bauen konnte! Der Profst allein tat es nicht. Tausendfach sirtb schon heute die Beispiel«, wie das Allgemeininteresse«in» springen muß, wenn der Profst als Motor der Wirtschast versagt! Sozialisiischee wirtsihasiswille. Daher muß im Gegensatz zu dem privat- und profitwirtschast- lichen Wirtschastsglauben das sozialistische Ideal stehen, das die gesamte Wirtschaft in den Dien st des Menschen, des arbeitenden und verbrauchenden Menschen stellt. Es strebt danach, die Produktion und Warenverteilung dem Ziele unterzuordnen, daß in erster Linie der Bedarf der breiten Massen an Lebensmitteln und Gebrauchsgütern ausreichend befriedigt wird. Aufsammlung von Produktionsmitteln, Vermehrung und Tilgung des angelegten Kapitals haben in ihr nur insoweit Raum, als sie eben der besseren Bedarfsdeckung dienen. So arbeiten heute schon die Genossenschaften, so arbeitet auch gleichzeitig die organisierte Selbschilfe der Per- braucher in den Gemeinden, in anderen Einrichtungen gemein- nütziger Art, die die Arbeiterschaft führt, so arbeitet sie zum Teil auch wenngleich nicht überall gleichmäßig, in den Betrieben der öfsent- lichen Hand, des Staates und des Reiches. Vedarssinieresse gehl hier vor Profitinleresse. Volkes Wirtschaft vor privater Wirtschaft. Die staatliche Beeinflussung der Wirtschast ist dabei mit die wichtigste Voraussetzung für die Wahrung des Allgemein- i n t e r e s s e g gegenüber dem Profitstandpunkt der Unternehmer. Diese haben ihre Konzerne international ausgebaut, ihre Kartelle funktionieren heute ebenfalls ohne Rücksicht auf die Landesgrenzen. In Voraussicht dieser Entwicklung hat die Arbeiterschaft ihre Abwehr von vornherein international organisiert. Dennoch bleibt die Mög lichkeit, auch die gesamten zusammenzufassen gegenüber dem Privatinteresse ferne Zukunft. Weder Völkerbund, noch Internationales Arbeitsamt, noch Weltwirtschastskonserenz können die Staaten zu bestimmten gleichartigen Gesetzen zwingen. Sie können wohl Richtlinien aus arbeiten, Abkommen vorbereiten, mittelbar die staatliche Wirtschafts iniernarionm organineri..ucnnoa) oieioi oie unog- gesamten gesellschaftlichen Kräfte international so n, daß sich der Gedanke der Bedarfsversorgung Privatinteresse durchsetzen kann, ein Wechsel aus Äitik auf langeSicht beeinflussen— aber weit, sehr weit ist der Leg vom Willen zu gemeinsamer Tat der Völker. Hingegen paßt st' die Gesetzgebung der einzelnen Staaten sehr rasi dem Wechsel der Lage in der Wirtschaft an. Es ist daher selbswer ständlich, daß im einzelnen Staate, innerhalb seiner natiw nalen Grenzen der Kampf um die wirlschaflsprinztpien ausgetragen Zreiheit und Staat. Das Unternehmertum stellt sich— das ist eigentlich selbstoer ständlich— seine organisierte Wirtschaft anders vor, als wir die unsere ansehen. Das Unternehmertum will für seine Wirtschaft die F r e i h e i t v o m S t a a t e. Es erkennt seine Form, die Republik, nicht aber sein« soziale Pflicht an. Der Kampf gegen Steuern, gegen Sozialabgaben, gegen Kartellaufsicht, bis zu einem gewissen Grade selbst gegen das Parlament, steht im Zeichen dieser „Freiheit"— der Freiheit von den Ansprüchen des Volkes, von den Forderungen des Verbrauches—, im Zeichen der Frei- heit des Verdienens für die Großen und des Hungers für die Kleinen. Umgekehrt: Der Sozialismus sieht in der Wirtschaft das Wert von Menschen für Menschen. Der Verbrauch, das Wohl der Arbeitenden, nicht die Dividend« de» Aktionärs oder ein un getümer Werksbau mit seinen Maschinen sind sein letztes Ziel. Man wird sich in der Zeit des Kampfes um das neue Prinzip wohl damit abfinden müssen, daß nicht alle Teile der Wirtschaft von vornherein gleichmäßig gemeinwirtschaftlich organisiert werden können. Man wird um diese Gemeinwirtschaft kämpfen müssen und daher auch(ohne in kommunistisch« Hysterie zu verfallen) es oft dabei bewenden lassen müssen, daß das Gewinnprinzip nicht überall und nicht mit einem Male beseitigt werden kann. An der Erkenntnis. daß der Profit als Lenker der Wirtschaft oersagt, ändert das nichts. Nachdem aber die Freiheit des einzelnen Großbetriebes auch im Bewußtsein der Direktoren nicht mehr besteht, nachdem dieser„volks wirtschaftlich"— im Unternehmersinne— geleitet sein muß. nachdem die Bande der Organisationen, Untemehmungen der ganzen Welt aneinanderketten, was liegt da noch näher als zu fordern: stellt diese organisierte Wirtschaft in den Dienst des Staates, ordnet ihr st« ein, laßt das Volk zum Herrscher neuer Wirtschaftskrast werden. Das verlan gt die Sozialdemokratie. Das Unternehmer tum will die Freiheit der Wirtschaft vom Staate— der Sozialismus will ihre Unterordnung unter den Gemeinschaftswillen. Das Unter nehmertum will den Profit frei von staatlichen Hemmungen, der Sozialismus den Menschen frei von der Willkür des Profits machen. « Hier liegt der für Unternehmer unlösbare Widerspruch. Man versteht, wenn ihre Funktionär« im heutigen Stadium neue Methoden anwenden wollen, um von der sozialistischen Gedanken- welt abzulenken, um ihre Arbeiterschaft mit allen möglichen Mitteln an der Profitwirtschast zu interessieren. Es ist die alte Politik tn neuerMaste. Mag man sie Werksgemcinschaft nennen oder nicht— letzten Endes läuft sie darauf hinaus, dem Klassenintereffe des Besitzes die arbeitenden und verbrauchenden Schichten dienstbar zu machen. Dies« Politik wird scheitern, wenn ihr die Ar- beiterschost mit offenen Augen entgegensieht und sich durch zufällig gleichklingende Schlagworte, wie das von der organisierten Wirt- schaft, nicht über ihre Stellung zum Kapital hinwegtäuschen läßt. Senkung öer Eisenpreise. Mit Rückstcht auf die Konrurrenz. Durch ihre Verkaufsorganisationen und die Zölle hat die deutsche Eisenindustrie in Deutschland bekanntlich ein sehr wirksames Monopol. Die Wirksamkeit des Monopols wird verstärkt durch die internationale Rohstahlgemeinschast, die die französische und belgische Konkurrenz, abgesehen von beschränkten Kontingenten, vom deutschen Inland ausschließt. Trotz der riesigen Quotenüberschrei- tungen, die große Strafzahlungen Deutschlands an die übrigen Mit- glieder der Rohstahlgemeinschaft zur Folge hat, ist bei günstiger Inlandskonjunktur das deutsche Eisen- und Stahlgeschäst für die Schwerindustrie eine Quelle glänzender Gewinne. Emil Mayrisch, der Präsident des Rohstahlkartells, stellt selbst fest,. daß die deutschen Produzenten infolge der„straffen und beneidens- werten Organisation" des innerdeutschen Marktes» der dazu zoll- politisch gesichert ist, ihre Strafzohlungen auf die deutschen Eisen- und Stahlkonsumenten abwälzen kann. Abgesehen von den natür- lichen Rückwirkungen einer Erhöhung der Eisenpreise auf die Kon- junktur war es daher nur recht und billig, wenn der Druck der Regierung und der Ocffentlichkeit, die von der Schwerindustrie in diesem Frühjahr und Sommer versuchten Preiserhöhungen unter- Kunden haben. Was die eigene Einsicht der Herren der Schwerindustrie aber nicht zuwege brachte, das erzwingt jetzt die Konkurrenz. In der letzten Sitzung des Roheisenverbandes wurde beschlossen, die Preise für Haematit-Roheisen, Stahl- und Spiegeleisen um 3 bis 6 Mark pro Tonne je nach Sorte und Verkaufs- gebiet zu ermäßigen. Der Grund dafür ist insbesondere der englische Wettbewerb. Die englische Eisen- und Stahlindustrie hat zur Stärkung ihres eigenen Inlandsabsatzes und zur Forcierung der englischen Eisen- und Stahlausfuhr bekanntlich sehr erhebliche Rabatte festgesetzt, nachdem die englische Eisenbilanz gegenüber dem' Weltmarkt sich in den letzten Monaten schon ziemlich erheblich ge- bessert hatte. Hinzu kommt, daß auch im deutschen Inland eine gewisse, wenn auch nicht sehr mächtige Außenseiterkonkurrenz vor- handen ist. Es ist natürlich sehr wahrscheinlich, daß die eingetretenen Preis- ermäßigungen nur für bestimmte Gebiete des Exports und in nur geringem Umfang für das Inland gelten. Insbesondere ist es kaum zu erwarten, daß von der Senkung der Eisenpreise eine größere Rückwirkung auf die Preise für Stahlprodukte eintreten wird. Jedenfalls ist es erfreulich, daß die Außenseiterkonkurrenz des Weltmarktes die Herren der Schwerindustrie aus ihrer Sicherheit o-fgescheucht hat. Es wird natürlich darüber zu wachen fein, daß eine Abwälzung der Preisermäßigun- gen für Eisen auf die Preise der Stahlprodukte unterbleibt. Neue lliebesgaben für Kartoffelbrenner. Spritpreise und Breunrecht erhöht. Vor einigen Monaten hat die Reichsmonopolverwaltung die Ver- kaufspreife für Trinkbranntwein und Parfümeriesprit erhöht. An diese Maßnahmen knüpfte man allgemein die Hoffnung, daß jetzt «ine stärkere Betonung des allgemeinwh»'' Etlichen Prinzips in der Spritindustrie erfolgen werde. Man n an, daß das Monopol durch die neue Preispolitik darauf ausgebe, höhere Ueberfchü,«' zu erzielen und an dos Reich abzuliefern. Diese Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt. Am Freitag hat nämlich der Beirat der Monopolverwaltung, in dem die Interessenten in der Majorität sind, für das neue, am 1. Oktober beginnende Bren- nereijahr eine Erhöhung d«r Uebernahm« p r e i j e um rund 10 Prvz. und ein« Erhöhung der Uebernahme m« n g e n von 60 auf 100 Proz. gutgeheißen. Das heißt, die Monopolverwaltung wird in Zukunft an die Produzenten einen um 10 Proz. höheren Preis zahlen und sie wird fast die doppelte Menge an Sprit übernehmen als im letzten Brennereijahr. Nach Lage der Dinge profitieren da- von in erster Linie die großagrarischen Brennereien. Dies« Maß- nähme wird ausdrücklich mit den hohen Kartostelpreisen begründet: man sagt nämlich, daß der Großagrarier, falls er nicht höhere Spritpreis« erhält, fein« Kartosfeln sonst anders und mit besserem Nutzen verwerten könnte. Es handelt sich bei der vom Branntweinmonopol vorgenom- menen Preiserhöhung um eine durchaus ungerechtfertigte Maßnahme. Wenn die Kartoffelbrenner ihre Kartoffeln wo anders mit mehr Nutzen verwerten können, so sollen sie das ruhig tun. Anstatt also das staatliche Monopol im staatlichen und Volkswirt- schaftlichen Sinn« zu führen und bei höchster Einschränkung der Verlustgeschäste die Uebernahme des teueren Kartoffelfprits so weit als nur irgend möglich einzuschränken, wird jetzt den Großagrariern (der kleine bäuerliche Betrieb kommt dafür gar nicht in Frage) ein� Mehrerlös von schätzungsweise 10 bis 12 Millio. n e n Mark zugeschanzt. Nur nebenbei sei darauf hingewiesen, daß durch eine solch« Preispolitik natürlich der Kartoffelpreis in die Höhe getrieben wird. Die Kartoffel wandert in die Brennerei, anstatt zu billigen Preisen der Volksernährung zu dienen. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 14. September berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 139,8 gegenüber der Vorwoche(139,6) etwas gestiegen. Zur Beßdittgung meiner Gardinen- Ausflelluno bleiben Ihnen nur noch fünf Tage. Wann kommen Sie? Cirunfelcl BERLIN u<>ite.r Str-i-wr! Landeshutar Lalnan- und Oebildwebcrel Or6b(e* Soodarhans Iflr Lclaaa und Wasche "Mach es wie üieSonaenulir: mafratull.B ITTliflarette Cid nie i er namt G 5ut Mrlschafislage machl der Monatsbericht der Diskonto- gesellschasl einige beachtliche Bemerkungen. Die erschwerte Lage auf dem Kapitalmarkt wird auf die Formel gebracht, daß die inländischen Emissionsmärkte gegenüber dem durch die Kriegs- und Inflationszeit hervorgerufenen, neuerdings durch die Erweiterung der Produktion und durch die Rationalisierung verstärkten Kapitalhunger versagen. Die Vervollkommnung des industriellen Apparates und der land- wirtschaftlichen Produktionskräfte, sowie der Wohnungsbau seien dabei die Leidtragenden. Während die ersten vier Monate dieses Jahres Inlandsanleihen von 955 Millionen Mark gebracht hätten, seien in den folgenden vier Monaten nur 3 Millionen Mark emitiert worden. Der Rationalisierungsprozeß hätte nicht nur neues Kapital in größtem Umfang erfordert und fordere sie noch. sondern es müßten auch die Kapitalverluste durch die Stillegung von Betrieben bei Zusammenschlüssen ersetzt werden. Der dadurch verstärkte Rückgriff auf Auslandskapital mache die Frage wichtig, wie weit das fremde Kapital rationell verwertet werde, d. h. richtig im privatwirtschaftlichen Sinne und für die Steigerung der Produktionskraft und des Exports. Volkswirtschaft- lich sei es bedauerlich, daß die Börse gerade im gegenwärtigen Augen- blick des stärksten Kapitalbedarfs die Fähigkeit der Kapitalsammlung vermissen lasse.— An diesem Urteil ist interessant, daß nach der Ansicht der Diskontogesellschaft auch die durch Stillegungen eintretenden Kapitalverluste ersetzt werden müssen. Wir erblicken in diesem Wunsch, dem zweifllos die Praxis entspricht, eine volkswirtschaftlich durchaus ungerechtfertigte Belastung der Gesamtwirtschaft. Anlagen, die durch die Produktionsverhältnisse eines Landes überflüssig werden, dürfen die übrige Wirtschaft nicht belasten. In einem solchen Vorgehen wäre allerdings ein Moment sehr unrationeller Verwertung ausländischer Kredite zu erblicken, wo aus diesen vorschußweise volle Abschreibun- gen auf stilliegende Werke finanziert werden. Sparkassenaufwerlung in Verlin. Die vierte Verordnung zur Durchführung der Aufwertung von Sparguthaben hat für alle preußi- schen Sparkassen den Satz von 15 Proz. des Goldmarkbetrages fest- gesetzt. Ein großer Teil der Aufwertungsbeträge ist nach den früheren Bestimmungen mit 12� Proz. entweder ausgezahlt oder angerechnet worden. Für diese bestehen die Sparguthaben mit den fehlenden 1% Proz. fort. Die Sparkasse der Stadt Berlin wird ihren Sparern, soweit sie dafür in Frage kommen, die Differenz von 2 Proz. durch die Post zusenden, um den Sparern _ Mt---- Zeitverlust und Wege zu erlassen. begonnen worden. der Versendung ist bereits Die Steuerlasten der Industrie 1913 und 1925 werden im Auftrag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie im Heft 36 seiner Ver- öffentlichungen untersucht. Es handelt sich bei dieser Arbeit um jenes Material, das das Präsidialmitglied des Reichsverbandes Kastl aufderFrankfurterTagungzur Grundlage für die Forde- rung nach Verwaltungs- und Bersassungsreform gemacht hat. 291 Unternehmungen lieferten danach im Jahre 1925 63 Proz. ihres ge- samten besteuerungsfähigen Einkommens, bzw. 5,5 Proz. des in ihnen arbeitenden Gewerbekapitals ab. Mit Umsatzsteuer sei das das 11,34fache, ohne Umsatzsteuer das 8,76fache des im Jahre 1913 von denselben Unternehmungen der an Steuern geleisteten Beträge. Auf das Reich seien 37,29, aus Länder und Gemeinden 62,17 Proz. der Steuerlasten entfallen. Die Richtigkeit dieser Feststellungen nachzu- prüfen, ist nur durch die Einsicht in das Urmaterial möglich. Soweit die Steuerhöhe durch die Aufblähung der Verwaltung oder durch die unvernünftige Verfassung Deutschlands veranlaßt ist, handelt es sich zweifellos um volkswirtschaftliche Ver- schwendung. Wenn die Zahlen richtig sind, hätte der Reichsoerband der Deutschen Industrie deshalb seine Forderung nach der Reform der Verfassung noch nachdrücklicher vertreten können. Rein steuerwirtschaftlich wäre es allerdings notwendig, daß die Statistik für das Jahr 1927 wiederholt wird. Denn für die Steuerbelastung der Industrie besagen die Ziffern von 1925, eines Aufbau- und Krisenjahres, heute natürlich nichts. parteinachrlchten ijgm für Groß-Serlin litt« an da, Bejtrfsfefrttariat. Z. Hol, 2 Step, recht»,|n richte», Einsendungen für diese Rubrik sind Verls» SW 68, Liudtustrabe 3. 1. Äwis Mitte. Montag, 19. September, 19 Uhr, Sitzung sämtlicher Stadt- und Dezirksverordneten im Zimmer dez Bczirksporsteycrs, Klostcrstr. 68. Erscheinen unbedingt erforderlich. Z. greis Wedding. Dienstag. 20. September, 19 Uhr, im Restaurant ofer Ausschank, Chaussecstr. 61,«reisfunktionäroersammlung. Vortrag:„ÄZie wirbt man für die Parteiprcsse? Sämtliche Funktionäre des Kreises miissen wegen ordnung unbedingt erscheinen. Referent Paul Fe der wichtigen Sa ellcr. ges- 11 13 JtrcU Aremberg. Die vom Bildungsausschutz entnommenen und nicht ver- brauchten Karten zur Treptower Sternwarte sind umgehend zwecks Ab- rechnung zurückzugeben. Kreis Eharlottcnburg. Die Jugendweihe für Eharlottcnburg findet am Sonntag, 25. September, 11 Uhr, im Staatlichen Schillertheater, Grolman-, Ecke Bismarckstratze, statt. Weiheredc: Artur Crispien, M. d. R. Künstlet- trio, Frauen- und Männerchor �Liedertafel", Mitgl. d. DASB. Prolog: Marie Borchardt und Opernsänger Nansen, karten t 75 Pf. für Er. wachsene und Kinder ii 10 Pf. sind in den bekannten Stellen zu haben. Kreis Wilmersdorf. Montag. 19. September, 20 Uhr, Zusammenkunft der Veamtengenossen des 9. Kreges bei Andreas, Pfalzburger Str. 55. Wich. tinc Tagesordnung. Sämtliche Beamteugenossen müssen erscheinen. Be- teiligung des Kreisvorstandcs sowie der Abteilungsleitungen wird erwartet. Kreis Schöneberg-Friedenau. Verband für Frcidenkertum und Feuer. bestattung: Mittwoch, 21. September, 19>b Uhr, im Lokal Lindenpark, Schäneberg, Hauptstr. 13. Mitgliederversammlung. Es ist Pflicht eines jede» Senosse», der dem Freidenkerverband angehört, die Persammlung zu besuchen. «reis Tempelhof. Montag, 19. September, 20 Uhr, Fraktionssttzung, Dorfstr. 12, pari. 11. Kreis Reukölln. Die Jugendweihe findet am Sonntag, 25. September, um 9 und lila Uhr im Orpheum, Hasenheide, Eingang Gräfestratze, statt. Eintrittskarten zum Preise von 1 M. für Erwachsene und 50 Pf. für Kinder, cinschließtich Garderobe und Programm, find im Parteibureau, Neckarstr. 3, von I? bis 1» Uhr zu haben. Die Abteilungsleiter werden ersticht, Karten im Parteibureau zum Bcrtrieb unter den Genossen ab- zuholen. 17. Kreis Lichtenberg. Montag, 19. September, 19 Uhr, Sitzung de» er- weitertc» Krcisvorstandes mit der Fraktion und den Bürgerdeputierten im Nathans, Sitzungszimmer 25. Bortrag:„Berlin und der Wohnungsbau" Neierent Stadtverordneter Arndt. Die Stadtverordneten müssen bestimmt erscheinen. Morgen, Montag, 19. September. 21. Abt. Die Bezirksführer werdeck ersucht, bis Montag, 19. September, bei ihren Gruppenführern bestimmt abzurechnen. 12. Abt. 19 Uhr bei Wiersdorfs, Urbanstr. 6, Borstandsfitzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 56. Abt. Ehaelottenburg. 20 Uhr bei Liersch, Kantstr. 62, Funktionärfitzung. Die Bezirksführer müssen pünktlich erscheinen und ihr- Bezirksbüchcr mit. bringe«.» 81. Abt. Lankwitz. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich an der Beerdigung unseres verstorbenen Karl Ouaa» am Montag, 161tz Uhr, auf dem Lankwitzer Friedhos, Lnthcrstratze, recht zahlreich zu beteiligen. » 27. Abt. Die Mitgliederversammlung findet wegen Saalschwierigkeiten am Mittwoch, ZI. September,>91- Uhr, i» den Schönhauser ffestsälen. Schön- bauser Allee 129, statt. Portrag:„Der Reichsschulgesetzcntwurf." Referent Bürgermeister Ostrowski.„Vorwärts"-Lcser find herzlichst eingeladen. Die Bezirksführcr laden ein. Jungsozialisien. Gruppe Reinickendorf. Montag, 19, September, 20 Uhr, im Jugendheim See. lad, Rcfidenzstr. 19, Bortrag:„Die sittliche Idee im Klassenkampf." Rest- rent Felix Fechcnbach. Abt. Voranzeige! Sonntag, 25. September, Besichtigung der gesamten Konsumgenossenschaftsanlagen in Lichtenberg. Treffpunkt 8 Uhr am Bahn- Hof Prenzlauer Allee. " J Bezirksausschuß füv Arbeiterwohlfahri und Kinderschuh. 2. Krqi« Tiergarten. Echulungskursus am Dienstag, 20. September, 19', 4 Uhr, im Bezirksamt, Klopstockstr. 21, Zimmer 1, Portrag:„Gesundheitliche Gesichtspunkte in der Eesährdetensllisorge." Rcferentin Dr. Käthe Franken. thal. Alle Genossinnen und Genossen sind eingeladen. 2. Krei, Tiergarten und 15. Krei, Treptow. Besichtigung der Ausstellung „Das junge Deutschland" Montag, 19. September. Treffpunkt 15 Uhr (sehr pünktlich) Bahnhof Bcllevue. Eintrittspreis 30 Pf. pro Person. 17. Krei» Lichtenberg. Dienstag, 29. September, 19 Uhr, Obleuickonferenz im Rathaus, Möllenborsstratze. 20. Krei» Reinickendorf. Dienstag. 20. September, IW, Uhr, im Sitzung?. zimmer des Rathauses, Funktionärinnensttzung der Arbeiterwohlfahrt und sämtlicher WohlfabrtspNeger. Vortrag:„Die Aufgaben der Wohlfahrts» Linter— unsere Arbeit in der Arbeiierwohlfahrt. Referentin Genossin Kaasch. 102. Abt. Baumschnlenweg. Montag, 19. September, treffen sich die Genossen am Bahnhof Baumschulenweg 14 Uhr zur Besichtigung der Ausstellung „Das junge Deutschldnd." Frauenveransialkungen. ZNonkag, 19. September. 7. Krei» Eharlottenburg. Kreissrauenabend Mittwoch, 21. September, 19V4 Uhr, im Jugendheim Rofinenstr, 1(nicht wie zuerst angegeben Bor. liner Str. 137). Max Barthel liest aus eigenen Werken. 8. Krei, Spandan. Kreissrauenpersammlung Iglz Uhr im Turmzimmer des neuen Rathauses. Spandau. Potsdamer Strotze. Bortrag der Genossin Ellen Beidler über„Die letzten Bcrhandlungcn von Genf— Bölkcrbunds» fragen," 3. Abt. 19 lg Uhr im Konferenzzimmer des Gewerkschastshausez, Engklufer, Bortrag des Genossen Rektor Rachow über„Der Streit um unsere Schule." 28. Abt. 1914 Uhr bei Altmann, Rykestr. 2, Vortrag des Genossen Kamm über„Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." 31. Abt. lOltz Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Bortrag der Genossin Luise Kähler über„Der internationale Arbeiterinnenkongretz in Paris." 37. Abt. 19(4 Uhr bei Raschke, Matternstr. 11. Bortragender Heinz Barthel. 39. Abt. 19-4 Ubr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Bortrag des Genossen Dr. Friedebcrger über„Das Gesetz zur Bekämpfung der Ge- schsechtskrankheiten." 57. Abt. Eharlottenburg. 20 Uhr bei Tbunack, Eharlottenburg, Wieland. straße 3, Vortrag der Genossin Irma Fechenbach über„Die Stellung der Frau in Palästina." 71. Abt. 19-4 Uhr bei Schnorre, Potsdamer Str. 3, Leseabend. Besprechung für die kommende Winterarbeit, Beteiligung aller Genossinnen erwünscht 108. Abt. Köpenick. 19-4 Uhr bei Schulz, Bahnhofstratze, Bericht vom Wochen. endkuri'us in Gohrisch. 119. Abt. Lichtenberg. 19(4 Uhr bei Mauer, Möllendorf., Ecke Ritterqutstratze. Genosse Hanz Willigen und Erich Schmidt werden aus den„Maschinen. stllrmern" rezitieren. 121. Abt. Karlshorft. 19-4 Ubr im Deutschen Haus, Treskowallee. Genossin Michaelis spricht über„Sozialistische Sesinnungspflege in der Familie." Frauenveransialkungen. Dienstag, 20. September. 16. Abt. 19(4 Uhr bei Krüger. Hussitenstr. 35, Ecke Echeringstratze, Bortrag des Genossen Kamm über„Der Kampf um unsere Schule." 2». Abt. 19-4 Ubr Frauenabenb bei Pose, Aoloniestr. 15. 23. Abt. 19-4 Uhr bei König, Otawistr. 37, Vortrag der'Gcnosfin Scheiben. hubcr über„Die Frau im Eherecht." 166. Abt. Johannisthal. 19(4 Uhr bei Botha, Swbenrauchstr. 12—13, Portrag des Genossen Lewin-Dorsch über„Die Sozialdemokratie und die Abschaffung der Todesstrafe." l28./130. Abt. Pankow. 19(4 Uhr bei Meetz, Berliner Strotze. Ecke Linden. Promenade, Vortrag des Genossen Fraenkel über„Die Frau in der Politik." Frauenveranstallungen. Mittwoch. 21. September. 77. Abt. Schönebera. 20 Uhr bei Jürgens, Barbarossostr. 5», Bortrag der Genosstn Dr, Bieber über„Das Wesen der Geschlechtskrankheiten." 7». Abt. Schönebcrg. 19(4 Uhr bei Grotz, Sedanstr. 17, Bortrag der Genossin Minna Todenhagen über„Dir Gedankenwelt des Sozialismus." Basselabend 17 bis 19 Uhr Im Jugendheim Ebertpstr. 12. Gartenhaus. Gruppe Robert Blum: Montags Sing, und Spielabend: Mittwochs Basteln; Freitags Unterhaltung», und Leseabend 17 bi» 19 Uhr im Jugendheim Litauer Stratzc 18.— Gruppe Frankfurter Viertel: Dienstags Spielabend: Donners- tags Basteladend 1? bis 19 Uhr im Jugendheim Ebertpstr. l2, Gartenhaus.— Gruppe Stralaner Viertel: Monlags Heimabend für 11—11 Jahre: Mittwoch» Basteln: Freitags Heimabend 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Gotzierstr. 61. 82. Abt. Steglitz: Jeden Dienstag 16 bis 18 Uhr Spielen im Heim Albrecht» sttahe 47. 136. Abt. Reinickendorf-Ost: Aelierengruppe: Dienstag 17(4 bis 19(4 Uhr Seimzusammenkunft. Illngcrengruppe: Mittwoch um dieselbe Zeit. Für dir Aelterengruppe Mittwoch, 21. September, Ausstellungsbeluch„Das junge eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Kreuzberg: Mittwoch, 21. September, 20 Uhr, Kreishelferversammlung bei Kreisleiterin Gcnosfin Meto Faustmonn, Koitdusser Ufer 37, 4 Tr. Das Er. scheinen aller Helfer ist Pflicht...... Krci» Friedtichshain: Helfcrsitzung am Montag, 19. September, 19(4 Uhr, ... Jugendheim Tilsiter Str. i—5. Tagesordnung: UMere Winterarbeit. Parteigenossen und-genosstnnen, welche als Helfer in den Gruppen mitarbeiten wollen, sind herzlichst eingeladen, besonders Genossen der 32. und 38. Abt. Das Spielen im Friedrichshain und in Treptow fällt fort, dafür wieder Heim- adendc.— Gruppe»alienplatz: Montags Sing, und Spielabend; Mittwochs Krci» Deutschland." 20 Pf. Fahrgeld mitbringen. Treffpunkt 15(4 Uhr Ecke Ufer. und Exerzierstratze(Normaluhr). Donnerstag ron 17(4 bis 19(4 Uhr Turnen für beide Gruppen._ vortrage, vereine und Versammlungen» Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 11. Eebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Adlershof. Kameradschaft Sportgruppe: Sonntag, 18. September, 9 Uhr, auf dem Platz gegenüber dem MTB.»Platz, an der Birken» astec, Landballtraining.— Montag, l9. September. Neniölln-Pritz, 1. Käme. radschaft: Pünktlich 20 Uhr Kameradschastsversammlung im Lindenpark, Britz, Chausseestr. 18. Pankow, Kameradschaft Pankow.Nord: 20 Uhr im Türkischen Zelt, Breite Etr. 11, Kameradschaftsvcrsammlung. Wahl des Samerai-schakls» führers, Adlershof, Kameradschaft Sportgruppe: 19 Uhr Zufammeniunft im Jugendheim Roonstratze.— Neulölln. Britz, Radfahrerabt.: Dienstag, 20. Sep. tember, 20 Uhr, Berfammlung bei König, Wildenbruch», Ecke Weferstratze.— Friedrickishain, Kameradschaft Warschau: Mittwoch, 21. September, 20 Uhr, Koperniknsstr. 23,„Zur kleinen Hütte". Aeutzerst wichtige Tagesordnung. Kameraden, die gewillt sind, an dem republikanischen Tag in Prenzlau am 25. September teilzunehme», haben bis zum 21. September das Fahrgeld von 5,10 M. beim Kam. Löwenberg zu zahlen. Krenzberg: Kameraden, die gewillt sind, die Fahrt nach Prenzlau am Sonntag, 24. September, mitzumachen, melden sich umgehend beim Kam. Robinion oder im Saubureau.(Fahrgeld 5,10 M.) wpätesier Termin der Meldung Mittwoch, 21. September.— Vilmers. dorf: Kameraden, die zum republikanischen Tag nach Prenzlau am 21. und 25. September fahren wollen, melden sich sofort bei den Kameradschaftsführern. — Neukölln. Britz: Das Reichsbanner.Musikkorps übt unter Leitung des Kam. W. Schellach jeden Donnerstag. Musiker verschiedener Instrumente werden noch aufgenommen. Anfragen beim Schriftführer, Kam. Paul Hahn, Hermann. strotze 155, oder beim Borsitzenden, E. Barsanti, Hertzbergstr, 29.— Ritte: Kameraben, welche sich am Sonntag, 25. September, an der Fahnenweihe in Prenzlau beteiligen wollen, melden sich umgebend bei ihren Kameradschafts» führern. Fahrpreis 5.10 M.— Prenzlauer Berg: Sonntag, 18. September, 12-4 Uhr Sportplatz Einsame Pappel Handballspiel Prenzlauer Berg gegen Wedding. Sämtliche Sportler und Sportfreunde sind zur Beteiligung ver. pflichtet. Mittwoch, 21. September, 20 Uhr, Turnen in der Turnhalle Greifen» Hagener Str. 58. Kameraden, die sich an dem republikanischen Tag in Prenz. lau beteiligen wollen, melden sich umgehend bei ihren Kameradschaktsführern. Fahrgeld 5,10 M. Abfahrt am 25. September, 7(4 Uhr. Kameradschaft Wörther Platz: Mittwoch, 21. September, 20 Uhr, Kameradschaftsversammlung bei Treuer, Kastanienollee.— Krenzberg: Unser seit Gründung des Reichsbanners tätige Kamerad Martin Flietz, Belle-Alliance-Str. 31, ist plötzliich verstorben. D,e Beerdigung findet am Montag, 19. September, 12 Uhr, auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, neue Halle, statt. Wir bitten um reg« Beteiligung.— Fricdrichshain: Achtungl Das für Sonntag, 18. September, von 13—11 Uhr angegebene Platzkonzert auf dem Andreasplatz fällt aus.— Wedding, Nadfahrer. abt.: Dienstag, 20. September, 20 Uhr, Sitzung bei Bondtke, Schulstr. 71. „Wo steht der Haus- nnd Grundbesitzer?" Uebcr dieses Thema spricht der Schriftsteller Joseph Ernst in einer Versammlung der auf republikanischem Boden stehenden Haus, und Grundbesitzer, Verwalter Berliner Häuser und Eigenheim» besitzer am Montag, 19. September, 19-4 Uhr, im Saal I des Lehrerpereins. Hanfes(Alexanderplatz). Alle auf dem Boden der Republik stehenden Inter- csscntcn sind eingeladen. Volkstümlicher Dorabend. Der zweite Bundesmeister im Mannfchaftsboxen des Arbeiter-Athleten.Bundes, der Sport-Elub Lurich 02, veranstaltet Montag, 19. September, 20 Uhr, Turnhalle Bromberger Str. 11, wiederum einen voll». tümlichen Vorkampfabend. Eintritt 30 Pf. Freireligiöse Gemeinde. Bezirk Osten: Dienstag 19(4 Uhr bei Rott, Strotz. mannstr. 29, Mitgliederversammlung. Bottrag L. Schulz:„Die geschichtliche Bedeutung der modernen Revolution."— Bezirk Mitte und Norden U: Mens- tag 19(4 Uhr Versammlung bei Thiele, Rückerstr. 7. Bortraa Dr. A. Rosen. berg:„Die kulturelle Reaktion."— Bezirk Norden I: Mittwoch, 21. September, 19-4 Uhr, Pappelallee 15, Versammlung. Vortrag R. Zimmer:„Kulturauf. gaben des Freidcnkertums." Gäste willkommen. WOLI.WARB N BILLICE ANGEBOTE FÜR DEN HERBST! Blusenschoner 095 reine Wolle, weiss und farbig mm Damen-Pullover reine Wolle u. reine Wolle mit künsfl. Seide Damen-Weste reine Wolle mll färb. Besaiz...... RM Kinder-Pullover 650 reine Wolle, moderne Muster Herren-Pullover reine Wolle, moderne Musler.....RM Herren-Pullover«75 relneWollem. Kragen, eleg.Jocquard-MusL Herren- Weste reine Wolle, grau-, grün d. braunmellert 1395 Herren- Weste 15" reine Wolle kamelhaarfbg� gerauhl Bunte y/äschesföcke niemals reihen,! Wenn Sie ftrsi! nehmen-und das' ist das beste in jedem Salle- brauchen Sie ohnehin nicht zu reiben! QUe schöne»eiche lersillauge lös! den Schmutz von selbst. Jarbige Sachen wäscht man kurze Zeit in kalter Ikrsil/auge durch leichtes Stauchen und'Drücken. Dem Spütvas- ser gibt man zum Beleben der Sarben etwas Xüchenessig bei! 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Nach der Eröffnung nahm der Vertreter der ö ft c r r e i ch i- schen Bankbeamten und Sparkassenangestellten, A u f r i ch t, das Wort, der den Delegierten in grohen Ziigen die Verhältnisse im österreichischen Bankgewerbe, wie sie sich ssü Beendigung der In- flotion entwickelt haben, darstellte und einen llebrrblick über den Stand der dortigen sreigcwcrkschaftlichen Lankangestelltenbcwegung gab. Er konnte berichten, daß in Oesterreich, dank der Geschlossenheit der Bankangestellten und trotz der wirtschastlich schwierigen Verhält- nisse Erfolge auf Erfolge errungen werden konnten. Es ist vor kurzer Zeit gelungen, die seit Jahren erstrebte Pensionsreform durch- zusetzen. Der Direktor der Bank der Arbeiter, Ang« st eilten und Beamten A.-G. Dr. Bachem sprach dem Verband seinen Dank aus für die hingebungsvolle Mitarbeit zur Schassung und Ver- größerung dieses Institutes der Gewerkschaften. Der Vertreter des Verbandes der Bankangestellten in der Tschechoslowakei gab ebenfalls einen kurzen Ueberblick über die dortigen Verhältnisse und betonte ebenso wie der österreichische Vertreter die Notwendigkeir des nationalen und internationalen Zusammenschlusses und Zu- sammenarbeitens der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Nach der Wahl der Berhandlunqsleitung und der einzelnen Kam- Missionen erstattete der Geschäftsführer des Verbandes, Genosse Marx, den Geschäftsbericht für das Jahr 1926. Gr unterzog zunächst die Steuer-, Zoll- und Sozialpolitik der Rechts- regierung einer scharfen Kritik. Wenn in der Sozialpolitik einige Fortschritte erzielt werden konnten, so nur deshalb, weil die Gcwerk- schaften wieder an Einfluß und Stärke gewonnen haben. Auch der Allgemein« Verband der deutschen Bankangestellten kann auf Er- folge in der Berichtsperiode zurückblicken. Die internationalen Beziehungen stnd bedeutend inniger geworden und dürsten auf der Internationalen Fachgruppenkonferenz der Bankangestellten im nächsten Jahre noch fester geknüpft werden. Diese Konserenz wird sich auch mit der Umfrage des Internationalen Bundes der Privat- angestellten über den Umfang der M e ch a n i s i e r u n g i in B a n k- g e w e r b e und den Stand der Pcnsionsverhältnisse in den ein- zelnen Ländern beschästigen. Einer der größten Erfolge war es. daß durch die Gründung des Allgeineinen Verbandes eine Umfonnung des Geistes der früher durch und durch gelb verseuchten Bankbeamten erreicht wurde. Leider ist heute die organisatorische Zer- splitterung der Bankangestellten größer als je zuvor. Wöbrend vor deni Kno�e nur zwei Verbände bestanden, sind es heute sieben Verbände. Diese Zersplitterung kommt leider de» Bankgewaltigen als ein Plus in ihrer Macht zugute. Trotz des noch im Zahrc 19ZS fortgesetzten Personalabbaues ist der Mitgliederbestand ziem- lich konstant geblieben. Am Schluß des Berichtsjahres zählte der Verband rund 12 000 ZNilglieder gegen 11 586 Ende 1925. Wie grundlegend sich die Ideologie der Bankbeamten seit der Vorkriegszeit geändert hat, geht allein schon daraus hervor, daß der Allgemeine Verband der Bankangestellten gegen das Jahr 1913 seine Mitglicderzahl vervierfacht liat. Der Berband hat im Berichtsjahr insgesamt 74870 Mark für Unter st ützungszwecke verausgabt, wovon allein auf Unterstützung erwerbsloser Mitglieder 47 219 M. entfielen. Alle? in allem kann festgestellt werden, daß sich der Verband zwar langsam, aber stetig aufwärts entwickelt. In der ausgedehnten sachlich gesührtcn Diskussion wurde an der Tätigkeit des Vorstandes keine Kritik geübt, jedoch Anregungen ge- geben, wie in Zukunft noch intensiver als bisher für die Organisation geworben werden kann. Ganz besonders wurde eine schärfere Agi- tation gegen die auch im Bankgewerbe auskommenden Werksvereine gewünscht und die Einrichtung von Iugendgruppa«, sowi« ein schärferes Borgehen gegen die überhandnehmende Lehrlingszüchterei. Der Geschäfts- und Kassenbericht wurde ein st Immig geneh- migt und ebenso einstimmig zwei Entschließungen ange- nemmen, in der die unzureichende Sozialgesetzgebung der Regierung kritisiert wird, sowie die Praxis der Schlichter, die gesetzlichen Bestim. münzen über die Arbeitszeit und Ueberarbeit im Sinne der Unter- nehmer auszulegen._ dem Sereich der Deutschen Lusthansa. Ein unmöglicher Arbeitsvertrag. Die Sicherheit des Lustverkehrs beruht neben einer exakten Boden- und Wetterorganisation vor allem auf der unbedingten Zu- verlässtgkeit und Arbeitssreudigkeit des technischen Personals. Die Deutsche Lufthansa A.-G. sollte aus diesen Gründen ein ganz be- sonderes Augenmerk darauf haben, die Arbeitsfreudigkeit und den guten Willen ihrer technischen Arbeiterschaft dauernd ausrecht zu er- halten und nach Möglichkeit zu steigern. Klagen nicht nur von den deutschen Flughäfen, sondern schlimmere noch aus dem Aus- lande beweisen, daß es hier sehr fehlt. Ein besonders krasser Fall soll das illustrieren. Für den Lufwerkehr in verschiedenen südamerikanischen Staaten — zum Beispiel in Kolumbien und Brasilien— hat die Lufthansa Tochtergesellschaften geschaffen, welche unter dem Namen„C on d 0 r- Syndikat" bzw.„S k a d t a" in Personen- und Bureaugemeinschaft mit der Lufthvnsa arbeiten und die aus den bewährten Spezial- orbeitern der Lufthansa Angestellte für den Flugdienst in Süd- amerika anzuwerben suchen. So sind in diesem Jahre zum Mit- fliegen und zum technischen Flugplatzdienst Leute hinübergesandt worden unter Zugrundelegung eines Arbeitsvertrages, der im aller- höchsten Maße als unsozial zu bezeichnen ist. Die Bezahlung der Bordmonteure ist infolge wesentlicher Reduzierung ihrer in Deutschland üblichen Kilometer- gelder nicht besser, sondern schlechter als die ihrer in der Heimat ««jtigen Kollegen. Dabei wird das Geld teilweise noch als „Kaution"«inbehalten, um bei Vertragsstreitigkeiten evtl. der Gesellschaft zu verfallen. Trotz erhöhter Unfallgefahr und trotz des fehlenden deutschen Krankenkassenschutzes ist die in Deutsch- land eingeführte, übrigens international vereinbarte V c r s i ch e- rung dem nach Amerika versetzten Bordpersonal verweigert worden— entgegen den mündlich gegebenen Zusagen! Während für den Arbeitnehmer jede vorzeitige Kündigung des mehrjährig abgeschlossenen Vertrages Kontraktbruch bedeutet und Streichung der.Kaution" sowie Entziehung des Fohrgeldes in die Heimat zur Folge hat, behält sich die Gesellschaft ein« Reihe vieldeutig auslegbarer Gründe zu fristloser Entlassung— ohne Rückfahrgeld— vor. Hierzu gehört selb st ver- schuldete Krankheit(!) sowie„wenn der Arbeit- nehmer durch sein Verholten in oder außer Dien st das Ansehen des Deutschtums schädigt". Der Höhepunkt sind die Bestimmungen über unverschuldete Krankheit und Unfälle. Wir zitieren wörtlich aus dem uns vor- liegenden Vertrag: „Sollte die Wiederherstellung— des unverschuldet Erkrankten oder Verunglückten— längere Zeit als vier Wochen beanspruchen oder nach Ansicht der durch das Syndikat bestellten Aerzte am Aufenthaltsort der Gesellschaft nicht möglich sein, so ist dies ein Kündigungsgrund für das Syndikat Als Kündigung?- tag gilt der Tag der Erkrankung, von diesem Tage an gerechnet erfolgt der Austritt nach einem Vierteljahr. Bis zum Tage des Austritts wird das Grundgehalt weitergezahlt, die A r z t k 0 st e n aber nur auf vier Wochen. Eine Verpflichtung zur freien Rückbeförderung des Erkrankten nach Europa be steht in diesem Fall« für das Syndikot nich t." Man denke: ein deutscher Fachmann der Flugmotorentechnik wird auf Grund besonderer Bewährung ins Ausland versetzt und zerschlägt sich dort als Pionier des deutschen Namens die Knochen oder bekommt das Tropenfieber: unversichert, ohne den Schutz der heimatlichen Fürsorgeeinrichtungen, ohne Kenntnis der Landes- spräche wird er in den Tropen sich selbst überlassen, nachdem man ihm ganze vier Wochen den Arzt bezahlt und ihm für drei Monate je 245 Mark überläßt! Eine Verpflichtung zur Beförderung in die Heimat besteht nicht! Jeder Kommentar ist hier tatsächlich überflüssig. Es ist kein Wunder, daß die Arbeitsverträge als«streng geheim" behandelt werden, daß man sogar bei einer Gerichtsoerhandlung den Aus- schluß der Oefsentlichkeit beantragt hat wegen angeblicher Gefährdung vaterländischer Interessen. Wir geben diesen Fall so ausführlich wieder, weil er typisch sein dürfte für eine Auffassung, die in einem öffentlichen Unternehmen wie der Lufthansa A.-G. bzw. ihren Tochtergesellschaften keinen Platz haben darf. Di« zunehmende Unzufriedenheit bei den Arbeit- nehmern der Deutschen Lusthansa, Klagen über Gesinnungsschnüffelei, Maßregelungen sowie über fortgesetzte methodische Verkürzung wohl- verdienter Rechte— alles paßt leider in das hier enthüllte Bild. Da die Leitung der Deutschen Lufthansa A.-G. kürzlich in ihrer Zuschrift an den„Vorwärts" ihren guten Willen zu sozialer und ausschließlich den Nutzen des Luftfahrtwesens betonender Auffassung erklärt hat, hoffen wir, daß ihr unsere Kritik willkommen sein wird. KommunPifthe Methode. Der schlaue Engelmeier. Der Brondenburgijche Maschinensetzerverein hielt am Sonntag, dem 11. September, eine Versammlung ab, in der H e ck e r t von der KPD. übgr den Pariser Kongreß des JGB. redete. Am Mittwoch brachte die„Rote Fahne" einen Bericht über diese Versammlung, während der„Vorwärts"-Redartion an diesem Tage vom Schriftführer des Vereins die in der Versamm- lung gefaßte Entschließung zur Veröffentlichung zuging. In dieser Entschließung wird u. a. die Einberufung eines internationalen Gewerkschaftskongresses gesordert,„aus dem alle Länder, ohne Unterschied der Rasjen, gleichberechtigt vertreten sind", weil weder der JGB. noch der Pariser Kongreß den Beifall Moskaus findet. Ganz abgesehen von der rein kommunistischen Ten- dcnz der Entschließung, lehnten wir deren Abdruck deshalb ab, weil er bereits in der„Roten Fahne" erfolgt war, bevor uns das Manuskript zugegangen war. Vorsitzender des Vereins ist der KPD.-Monn Engclmeicr. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender sucht er aus unserer Ab- lchnung einer Verössentlichung der Entschließung für die KPD. Kapital zu schlagen. Er behauptet, die Resolution enthalte in ihrem letzten Satz— der in der„Roten Fahne" nicht steht— die Aufforderung, dieselbe der Arbeiterpresse zur Verössent- lichung zu übermitteln. Diesem Verlangen sei der Schriftsllhrer nach- gekommen. „Selbstverständlich"— schreibt Herr Engelmeier weiter— s „werde ich in der nächsten Versammlung Ihre ablehnende Begrün- dung bekanntgeben. Die Bersammlung kann dann beurteilen, o b der„Vorwärts" noch als Arbeiterpresse anzu- sehen ist oder nicht." Uns scheint denn doch, daß die nächste ZZersommluiig sich zuvor einmal mit der Frage befassen sollte, ob der Vorsitzende Engel. meier sein Amt nicht allzusehr zur Agitation für die KPD. ausnützt.__ Verhandlungen in der sächsischen Textilindustrie. Dresden. 17. September.(Eigenbericht.) In dem Tarifftreit der sächsischen Textilindustrie hat dos Reichs- arbcitsministcrium eingegriffen und zum Schlichter Dr. Opitz vom sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium bestimmt. Die Ver- Handlungen finden am Mittwoch in Dresd.rn statt. �odienprogrrstnm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 18. September: 9: Morgenfeier. 11.30: Ucbcrtraguns: der Einweihungsfeierlichkeiten des Tanncnberg-National-Dcnkmals bei Hohenstein in Ostpreußen. 13.30: Fcld- gottesdienst. 14.30: Posaunenchor des Sängergaus Tanncnbcrg. 15.30: Märchen. 16.15: Jugendphilatelie. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Das deutsche Bibliothekswesen. 19.30: Paraguay. 19.55: Deutsches Jugendleben im Ausland. 20.30: Joseph Plaut. Musikvorträge und Rezitationen. 22.30; Tanzmusik. Montag, 19. September: 15.30: Mütter berühmter Männer. 17: Novellen. 10.05: Technische Wochenplauderei. 19.30: Das Zeitalter des Barock und Rokoko. 20: Erziehuns zum volkswirtschaftlichen Denken. 20.30: Vortrag. 21: Kammermusik. Dienstag, 20. September: 12.30; Die Viertelstunde für den Landwirt. 16: Malorca, die Hauptinsel der Balcareneruppe. 16.30: Stunde mit Büchern. 17: Unterhaltungsmusik. 18.55: Tierdichtungen. 19.55: Humor in der Weltliteratur. 20.39:„Herbst"» Rezitationen. 21: Lieder. 21.30: A-capella-ChBre. Mittwoch, 21. September: 13.45: Glockenspiel der Parochialkirche. 15.30: Entwicklung der Erauen- bewegung. 16: Das Schach bei den Menschenfressern. 16.30: Jugendbühne. 17: Unterhaltungsmusik. 18.45: Grundsätze der Stimmausbildung. 19.30: Ueber- tragung Städtische Oper..Diamileh". Romantische Oper. Musik von Bizet. Cavalleria rusticana. Musik von Mascagni. Danach Unterhaltungsmusik. Donnerstag. 22. September: 12.30: Dfc Viertelstunde für den Landwirt. 16.15: Geographische Merkwürdigkeiten. 17; Dr. P. Attenberg aus seinen Gedichten. 17.30: Moderne Aus dem abendfüllenden Bühnenwerk Bicror Hahns„W a r- b e ck", frei bearbeitet nach dem Schillerschen Fragment, wurden einige Szenen, zum Hörspiel zusammengefaßt, geboten. Aber den Hörern wurde on Stelle von scharf gezeichneten Persönlichkeiten nur das Pathos sünfsüßiger Jamben geboten, für das sich wertvolle Kräfte, Maria Fein. Alfred Braun. Meinhard Maur und andere einsetzten. Die äußere Form des Hörspiels aber war geschickt und wirkimgsvoll herausgearbeitet, nicht zuletzt dank der musikalischen Untermalung von Becce.— Dr. Hellmuth F a l k e n s e l d warf die Frage aus:„Was bedeutet uns Wilhelm Rabe?", die er in drei Vorträgen behandeln will. An diesem Abend sprach er über „Raabe als Arzt der Seele". Sich auf sich selbst besinnen, nicht immer dem„Morgen" nachjagen, sondern für das„Heute" Zeit haben, Zeit sogar, auf das„Gestern" zurückzujchouen,.ist sein« Lehre. Der Vortragende empfahl sie unserer gehetzten Zeit, ohne zu ver- kennen, daß das Tempo Raab«? ihr bisweilen allzu beschaulich sein dürfte. Aber wenn er durch seine Vorträg« zu dem unbekannten Raabe hinführt, von dessen wertvollsten Werken das große Publi- kum kaum die Namen kennt, so soll er bedankt sein.— Einen Vortrag über„Orthopädie und Schule" hielt Dr. Gustav Muskat. Er behandelte eingehend die Möglichkeiten der Schule, durch ortho- pädische Maßnahmen und Uebungen dahin zu wirken, daß ein« gx- sunde Körperentwicklung des Kindes gewährleistet wird.— Ueber das Frauenhandwerk in den verschiedenen Jahrhunderten, mit besonderer Berücksichtigung des Bekleidungshandwerks� sprach Hedwig Ruthaidt-Ucko. Tes. russische Musik. 19.95: Unsere(üeti-änke rin6 Ich mU d, il« m»». I» I»» j>»nomm»n dod«. k.nn Ich n», nl»«ini o.rDorroo.rt ,>,» Srbalhino»n ®»iuiiöb«ll»h» Ueh«ntHra|!.>»r(zrdb- bunQ b«s CebenaotHibl«« urb ber Fr n» bultunp oon 91ir.r»he|6n»[btn ballen. Heidjel» Wacholber-Sstraw Marke„Mw dleo" bal mit klebet iebi wablpel.n»»» ich nebme Ihn ht.helb»ilnbig weilet. Naaern>< b. 27. Gartenftt. Ftnv Miele. W'rbee ein neue* Seugni* leiten««im. s' b«:tjäbrifler über ble Wirbunqsbtvft Jf diele» Otbenselitier». ba> ble AnnBlhi.(J lionekraP Bäthl, lebbafleten Stoffwechlel beroirkl, bl» tlhlixiläl ber vebenshrnk. Manen st eisen und Atanhbeilen durch »ul- SlillbtlcboRrnbeU oerbinbent bilfL Sn Deep, und At>«>d etbälliich. aber echl nur in Otiainollüllunnen mö filark...OleW«" und Firma Olle Reichet. 3er Un 60.«lenbobnür. 4. 6o bleib! man lekenaltlltb und kann abne in tllern. all werden durch Reichels Wacholdereitrakt ♦sast ♦ ♦aBHKchanl Soeben ermchieii: ein neues Buch von Adolph Hoffmann m Adolph Hofrinann y ! Amorefleii I I Giftpflanzen aus dem lrr(Pf..geschi.g0Pf.. - Rupf 175. Halbbaune 2.75,4, weiß vollbaunige ö. 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Berlin N 20, Wiesenftr. 18 Die Einäscherung findet am Montag. dem 10 Sept. nachm. b1/, Uhr, im Krematorium Gerichtftr. statt. lleMei MI!M!ei'VMiilI Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher Otto Decker Wiesenstr. 18, am 16. September an Herzlähmung gestorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Man- tag. dem 18. September. 17-/, Uhr, von ber Leichenhalle b Krematoriums Gerichtstraße aus stall. Rege Beteiliaung erwartet , Die Ortooerwaltuckg. Am 15. September, abends 8 Uhr, emschiies sanst nach langem Leiden unser lieber Vater, Echwieger» und Großvater, Bruder, Schwager und Onkei, ber Mechaniker Franz Mutti im 64. Lebensjahre. Im Namen ber Hinlerbliebenen Frida Schulze, geb. Huth Reukölln, Kopfstr. 83. Die Einäscherung stnbti gm Diens» lag, dem 20. September, abend» 6 Uhr, Im Krematorium Baum- schnlcnweg statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beendigung meine» lieben Mannes DmÜ Syrlng sage ich allen Freunden und Bekannten. den Bereinen und Mitbewohnern des Hause» meinen herzlichsten Dank. Gertrud 8>r!ng geb. Tödler. Danksagung. Für die bei der Beisetzung unseres lieben-- Hans erwielene Teilnahme sage ich hier- mit allen, insbesondere den Funklio- nören ber SPD, 20. Abt., und den Mietern des Hause», herzlichen Dank. Berlin. 15. September 1927. Kolonicstraße 7. Emil Priemer l von gjoK-isee, ________ dm Wohls je#; bcsadiaikdieSuEMi? emes jeden Mcnbd!0l«n M xuiw dutopi Ulliqtd. 0 uu) abhdnci. Jeäadi «Oi�chd-Spezinl« yvdM|»m.Msis-c� bäiHhiradia geseett IVSXZLN.. DRIHA iiaktoia daiallsilo- toiSuslial/tefwiSaißi «ichh üietgiLiGmttieaiöh äanc ot.ssupuüil cn. isoi SCHLAF-SPEISE« HEßaENZIMMEPN,• sowie ftüdm u. wdiifecL'n.rocIimüiib eidm.dtobCDcnii dee KRiEOl-H dmesjetnaiftundaitoax. 24 MONATEN /W(H(Z Gesuch •MÖBEL Mesched-Teppiche Persermuerer aus bestem reinoo Wollgarn mit Handfranse Ia Tournay- veiour-Teppicrie Perisrän-TeppicJie& reine Wolle mir Handfranse, getreue Kopien von Orient- Teppicnen s36Mä$KB?9KsI01- s57 s85 sM-M-«45. sft. MZM-aWM-«W-.sW ■IX | 360 Sonntag IS. September 1927 Unterhaltung unö AAjssen Seilage öes vorwärts Krieg. Von Arkadij Awerkschenko. Noch zwanzig Jahrs wsnden vergehen. Wir alle— die den Krieg sahen— werden alt sein. Der Weltkrieg wird weiter nichts sein, als eine geschichtliche Tatsache, und man wird von ihm sprechen wie von etivas längst Vergangenem, Legendärem. Und dann, wenn die Enkel uns vor dem flammenden Kamin um- knien und üb« unsere Weltkriegserlebnisse aussragen werden, dann stell« ich mir vor, wie wir Alten lügen werden! Das heißt, lügen werden natürlich andere alte Herren— ich bin nicht so.... Und da ich nicht lügen kann, wird meine Lage äußerst un- angenehm sein. Was soll ich meinen Enkeln erzählen? Womit kann ich ihre heiße Wißbegier stillen? Habe ich den Krieg mitgemacht? Jawohl, das habe Ich. Was war ich— Soldat, Offizier, General? Gar nichts war ich! Der Satan hat mich in den Krieg geschleppt, ob» gleich niemand mich dazu aufgefordert hatte. Als ich mich bei der Mobilmachung freiwillig meldete, untersuchte man mich und sagte: .Sie sind untauglich!' Ich war sehr beleidigt:„Wieso denn eigentlich, wenn ich bitten darf?'—„Sie sehen schlecht!'—„Erlauben Sie. Was verlangen Sie denn eigentlich im Kriege? Daß man den Feind tötet, nicht wahr Nun, das ist doch eine höchst einfache Sache. Man bringe den Feind nur so nahe an mich hcran, daß ich ihn sehe, und er wird mir schon nicht entwischen!'— ..Ja, aber bevor Sie einen Fremden töten, werden Sie erst ein Dutzend von den unseren ins Jenseits befördern.' Aeußerft gekränkt oerließ ich dieses bureaukratische Unternehmen. Ich wußte, was ich zu tun hatte, und begab mich als Kriegs- berichterftatter an die Front. * In den Stellungen vor Dwinsk gewöhnte man sich an mich wie an ein unvermeidliches Uebel. Infolge meines sanften und fröhlichen Charakters gewonnen mich einig« sogar lieb.' Einst setzte ich mich zu den Soldaten in den Schützengräben. So saßen wir, unterhielten uns friedlich, und ich bewirtete sie mit Zigaretten. Plötzlich wurde das Schießen stärker, man hörte irgendein Geschrei, Kommandorufe: aber ich war so vertieft ins Gespräch, daß ich gar nicht darauf achtete, was kommandiert wurde. Da schrien schon alle„Hurra!', sprangen aus den Laufgräben, liefen vorwärts. Aus Gemeinschaftsgefühl machte ich es ebenso. Irgend- wer haute und stach auf irgendwen ein. Ich drehte mich dazwischen herum wie ein Eichhörnchen im Käfig und begriff dank der mir angeborenen Bescheidenheit sehr wohl, daß Ich beide Parteien störte. Dann lies irgendwer vor irgendwem davon. Wir vor den Deutschen oder die Deutschen vor uns— das weiß ich nicht. Ueberhaupt bin ich der Meinung, daß man während der Schlacht nie so ganz genau weiß, wer wen verhauen hat und wer vor wem davonläuft. Darüber entscheiden am nächsten Morgen die klugen Männer im Generalstab. Lange Zeit lief ich— vor dem Feind« oder ihm nach— ich weiß es bis heute nicht. Bielleicht halte' ich für Unerhört« Tapser- kcit einen Orden verdient, vielleicht hätte man mich als Feigling erschießen sollen. Ich lies und lief, und als ich mich umwandte, war niemand mehr zu sehen, außer einem Deutschen(von äugen- scheinlich ebenso unklarem Charakter wie ich), der mit kleinen Schritten fast unmittelbar neben mir herlief. „Reingefallen?!" rief ich triumphierend. Statt jeder Antwort fällt« er das Bajonett und stürzt« auf mich zu. Mit erhobenen Händen schrie ich ärgerlich:„Bist du verrückt?! Du wirst mich ja umbringen!' Cr war über meinen Zuruf so erstaunt, daß er das Gewehr sinken ließ.„Ich will dich ja auch umbringen!'—„Warum denn? i>abe ich dir deine Frau abspenstig gemacht oder dich bcstohlen? Dummkopf!' Ein vernünftiger Ton wirkt auch auf die dumpfesten Hirn« erfrischend.„Schon recht." sagte er oerwirrt, indem er mit dem Bajonett in der Erde herumstocherte,„aber jetzt ist doch Krieg.'— «Ich weiß, daß Krieg ist, aber das ist doch noch lange kein Grund, um einem oberflächlich Bekannten ohne weiteres mit dem Bajonett den Bauch aufzuschlitzen!' Wir schwiegen.„Jedenfalls,' dachte ich,„ist er mein Ge- sangener, und ich werde ihn lebendig zu den Unseren bringen. Ich kann mir vorstellen, wie erstauitt all« sein werhen! Da haben sic's.— Sie sehen schlecht! Vielleicht bekomme ich einen Orden...' „Jedenfalls bist du mein Gefangener,' unterbrach der Deutsche Meine rosigen Träume,„und ich...' Das war der Gipfel der Unverschämtheit!—„Waas?! Ich dein Gefangener?! Nein, mein Lieber, du bist mein Gefangener und entkommst mir nicht!'—„Waas?! Ich bin dir nachgelaufen und soll jetzt dein Gefangener sein?!"—„Ich bin absichtlich vor dir davongelaufen, um dich möglichst weit wegzulocken und dann zu fangen.' widersprach ich, indem ich von einer sogenannten .Kriegslist' Gebrauch machte. „Aber du hast mich ja gar nicht gefangen!'—„Das sind Einzelheiten. Komm, gehen wir!'—„Gehen wir,' erklärte sich mein Feind noch kurzem Nachdenken einverstanden,„aber du ent- wischt mir nicht! Ich führe dich als meinen Gefangenen!'— „Schöne Geschichten das! Das gefällt mir! Er führt mich! Ich führe dich und nicht du mich!' Wir nahmen einander bei der Hand und gingen streitend vor- wärts. Nachdem wir eine Stund« lang ergebnislos über einsame Felder gewandert waren, kamen wir zum Schluß, daß wir un» verirrt hatten. Der'Hunger machte sich bereits in unangenehmster Weise bemerkbar, und ich war sehr erfreut, daß der Deutsch« Brot und Fleischkonserven bei sich hatte. „Da, nimm,' sagte er und gab mir die Hälfte,„da du mein Gefangener bist, bin ich verpflichtet, dich zu verpflegen.'—.Nein,' sagte ich,„da du mein Gefangener bist, ist alles, was dein ist,— mein! Ich habe sozusagen deinen Train erobert.' Wir frühstückten umer einem Baum und tranken dazu Kognak aus meiner Feldflasche.—„Schlafen will ich,' sagte ich gähnend. „müde bin ich von diesem Schlachtengetümmel...'—„Schlaf',' sagte der Deutsche seufzend,„ich darf nicht.'—„Warum?'— „Ich muß dich bewachen, damit du mir nicht davonläufst.' Vorher hatte ich selbst nicht geglaubt, zu schlafen, da ich fürchtete, der Deutsche würde die Gelegenheit benutzen, um davon- zulaufen. Aber jetzt war ich beruhigt,.. Eigensinnig war er wie ein Esel, und sein Mangel an Einsicht kam mir zugute... Ich streckte mich unter dem Baum aus. Erwachte, als es schon Abend p>urde. „Du sitz, immer noch da?' fragte ich.„Jawohl,' erwidert« Per Deutsche schläfrig.„Ng. jetzt kannst, du schlafen, ich werd« dich j Kurze Wochenchronik. Im Kampfe gegen einige Maurer schnitt General Ludendorff schlecht ab. Als in Genf Vriand den Stimmzellelzählern Chamberlain und Strefemann feine Karte überreichte, hörte man den Slofefeufzer:„wie viel schöner wäre ein Dreimännerskal!' In Amerika wurden auf Anordnung der Regierung zahlreiche Ozeanflüge abgesagt und die Zlug- zeuge in d i e Halle gebracht, dagegen... in Halle wird munter weiter geflogen, nämlich aus der KPD.! bewachen.'—„Und wenn du davonläufst?'—„Quatsch! Wer wird denn vor einem Gefangenen ausreißen?!?— Der Deutsche zuckte die Achseln und schlief«in. Sanft verglomm der Abendschein am fernen leeren Horizont und übergoß das Gesicht meines Freundes mit weichem, rosigem Licht... „Wie wäre es, wenn ich ginge?' dacht« ich.„Es ist mir schon langweilig geworden, mich mit ihm herumzuschleppen. Und außer- dem— die Lage ist geradezu unerträglich. Er glaubt, ich sei sein «Gefangener, und ich glaube, er sei meiner. Wenn wir nun beide einander loswerden, ist das gewissermaßen ein Auslausch von Kriegsgefangenen. Ich stand möglichst leise auf. schob vorsichtig mein« Kognak- flasche in seine zusammengeballten Finger, um ihn für den Verlust seines Gefangenen zu entschädigen, und ging in westlicher Richtung davon. Und er schlief— wie ein großes Kind, dem man eine Saug- flasche in die Hand gedrückt hat und das beim Erwachen weinen wird, weil seine Wärterin fort ist... ♦ Das sind alle meine Abenteuer auf dyn Kriegsschauplatz. Aber wie soll ich es meinen Enkeln erzählen, wenn alle» so unaufgeklärt ist: Haben wir gesiegt oder der Feind? Sind wir vor dem Feinde davormelaufen oder der Feind vor uns? Habe ich den Deutschen gefangengenommen oder er mich?... Jetzt, solange ich jung bin, habe ich die volle Wahrheit erzählt. Bin ich alt, werde ich meinen Enkeln doch vorlügen müssen... (Aus dem Russischen von Olcg Dertinz.) örief aus Lugano. Von Richard huelfeabeck. Augenblicklich ist keine Saison in Lugano täglich klettert da« Thermometer im Schallen aus sünfunddreißig Grad Celsius. Ueber dem See und den Bergen liegt«in grauer Hitzedunst, der sich langsam zu drohenden Wolken zusammenballt. Im Caft Riviera sitzen sächsische Ehepaare und lassen die Köpfe hängen. Gestern sah ich ein« holländische Reisegesellschaft vor dem Gewitter flüchten, der Manager trieb in merkwürdigen Zisch- und Gurgellauten zur Eil« an und die Frauen nahmen die Röcke zusammen, als ob sie über heimatliche Felder, nicht über die Promenade von Lugano liefen. Fast alle Holländerinnen sind groß, sommersprossig und haben rote lhände, die auf bäuerliche Herkunft hinweisen. Die Lupaneser Frauen geben zu diesen Riesinnen ein zierliches Geqenbild, sie sind schlank, schwarzhaarig oder von dunklem Kastanienblond. Sie neigen zu unsolider Eleganz, bunten Schuhen, grellen Farben und falschem Schmuck, während den Holländerinnen der dauerhaste und haltbare Sinn aus allen Knopflöchern schaut. Di- Sächsinnen, die>ch im Cafö Riviera beobachtete, hatten einen großen blonden Haarknoten am Hinterkopf, weiße Hängerchen mit Ehrenjungfrauschleif« und Sandalen, wie sie die Mönche vom Kloster Bigorio tragen. Es gibt auch Amerikanerinnen hier, aber zu dieser Jahreszeit gehören sie nicht zu der reichen Klasse, die uns durch den Film ver- traut geworden ist. Sie sind weniger mager als die Luxusgirls der Saison, aber ebenso unannahbckr und blasiert. Man sieht sie in den Reisebureaus von Cook und der American Expreß-Compagnie, bewaffnet mit illustrierten Führern und Traoeller-Scheckbüchern. „Have You any Como views?" Der Angestellte beeilt sich, eine Serie bunter Postkarten vor ihnen auszubreiten. Gegen fünf Uhr versammeln sich die Fremden, mit Ausnahme der Angelsachsen, vor dem Cafö Jacquini. wo die italienische Kapelle spielt. Di« Engländer und Amerikaner sitzen zu dieser Zeit in den Five o'clock Teas der großen Hotels. Alle Fremden suchen kramphaft nach südlicher Romantik. Wenn sie acht Tage' hier sind, haben sie eine leichte Neigung zum Vegetarismus und wollen sich«ins der verfallenen Bauernhäuser mieten, aus denen sich die Tessiner Dörfer zusammensetzen. Nach weiteren acht Tagen, wenn Flöhe, Moskitos und die ungewohnte Olivenölkost ihr« Arbeit getan haben, kehren sie reuemütig zur Speisekarte und zur Badeeinrichtunq zurück. Die Romantik, dce die italienische Kapelle bei Jacquini bietet, ist ungefährlich, weil man sie nur anzusehen braucht, um von süßer Dolce-Napoli-Stimmung erfüllt zu werden. Die Männer tragen ein weißes Hemd und eine rote Schärpe w'e die Freischärler Gari- baldis, ihr« Geigen zwitschern dünn und schlecht. Eine unheimlich dicke Frau mit weißem fettigen Teint und einem schwarzen Haardutt klopft auf das Tamburin. Der Besitzer vom Cafö Jacquini weiß, was die Fremden brauchen. Man muß ihnen ihre Vorstellungen von südlicher Land- schaft und südlichem Temperament in bequemer Form servieren. Wenn man wirklich in das Land hineinsieht, wird einem klar, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Man sollte glauben, daß es kein Land in der Welt gäbe, wo man leichter und fröhlicher leben könnte als im Tessin, und so stellen es sich auch die Rohköstlerkolonien vor, die meinen, daß man Gott näher sei, wenn man von roten Rüben leb«. In Wahrheit ist die traditionelle Romantik des Tefsins in schnellem Schwinden begriffen, und das Leben ist für den Ein- geborenen sauerer als irgendwo anders. Wirklich gut geht es nur den Fremden, die sich im Auslande Millionen erworben haben und ihr« Villen auf die sanften Hügel bauen, die den See umgeben. Für sie allein'st dieses'Land ein Garten Gottes, sie nehmen den Wein, die Früchte und die Sonn« wie ein tägliches Geschenk und vergessen, daß das alles Zinsen sind, die ibnen ihr Bankkonto verschafft. Der Ticineser Bauer ist so arm. daß er nur selten Fleisch essen kann. Wenn man durch die malerischen kleinen Dörfchen wandert, die erschassen zu sein scheinen, um das Auge des künstlerischen Menschen zu erfreuen, fällt einem die Aengstlichkeit der Katzen auf. Die armen Tiere sind so verschüchtert, daß keine Lockung sie herbeiholen kann, sie' fürchten, gefressen zu werden. r Wenn mnn durch die herrlichen Kastanienwälder bei Tessins ficht, hört man nicht einen Vofiellaut, inan ist von einer tödlichen Stille umgeben. Aber auf Feldern und Wiesen, in der Gegend «erstreut, stehen Steintürme, die Roecolos, von deuen man in früheren Zeiten die Aögel in Massen mit Leimruten fing. Heute, wo man sich ausgezeichneter Gewehre bedient, braucht man nicht mehr in verfallenes Gemäuer zu kriechen. Vögel find in dieser Gegend Nahrungsmittel, was lebt, wird ausgerüttet, um in den Mägen zu verschwinden. Kein Haase, ge- schweige denn ein Reh, springen in diesen Wäldern. Die Dörflek leben in schrecklichen Baracken, die kaum Schutz gegen starken Regen bieten, die Lebenshaltung ist im allgemeinen so einfach, datz ein deutscher Arbeiter damit nicht zufrieden sein würde. Die Landwirtschaft liegt brach, man findet ans den Feldern nur Wein und Mais, selten Salat und Kartoffeln. Eine Viehzucht, wie sie in der Deutschschweiz oder Oesterreich besteht, gibt es hier nicht. Selten sieht man«ine ungepflegte Kuh, das Pferd, dessen kräftiger Geruch früher aus den Ställe» drang, ist fast ausgestorben. Auffällig ist die lleberzahl der Frauen, von Männern gibt es tmr alte, kaum arbeitsfähige Exemplare. Fast alle Arbeit in den Dörfern wird von den Frauen getan, man sieht sie auf Feldern hacken, sie tragen schwere Graslasten und sinden dabei noch Zeit, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Dieser Zustand erklärt sich dadurch, daß viele junge Männer nach Amerika ausgewandert find, dessen Dollar an magischem Glänze hier nichts verloren hat. Hin und wieder trifft eine Milstonenerbfchaft ein altes Weiblein, das durch plötzlichen Reichtum mm wüster Polenta-Atmofphäre herausgehoben wird. Wer Geld hat, separiert sich sogleich' von den Bauern, lägt sich Wasserleitung und elektrisches Licht legen und baut sich aus dem Friedhof eine pompöse Gruft, auf der mit leuchtenden Gold- duchstaben der Name des Besitzers zu lesen sein mutz. Vielleicht mit Ausnahme der Franzosen haben alle romanischen Völker eine Nervenmüdigkeit, die zum istaisseT aller, zur Kirche, zu Frauenarbeit und zur Österia oerführt. Ich erinnere mich, dah mir jemand aus meiner Afrikareise erzählte, daß ein Portugiese in den Kolonien keine hundert Schritt geht, er läßt sich von Negern in der Maschilla, einer Hängematte, tragen. Das Sichgehenlasie» äußert sich hier Sonntags iin Bocciaspiel, wo aus allen Grottos, den Weingärten, wüstes Geschrei schallt. Die vergnügliche Seite einer neuen Welt- und Lebens- nuffassung macht allein Eindruck auf dies« Bauern, die sich eine Rationalisierung ihrer Tätigkeit mit dem Hinweis auf Gottes Wort verbitten würden. In die entferntesten Dörfer beginnt die Konfektion und der Gharlcston seinen Einzug zu halten und auf den beste campestre, die heute das Interesse der Reisegesellschaften erregen, sieht man Tänzer in Oxfordhosen. Es ist hier wie überall: der moderne Verkehr, der jeden Weiler durch große gelbe Postautos �erschließt", der die Isoliertheit land- schastlich herrlicher Gegenden auslöst, ist kein Gnadenbringer für de» menschlichen Charakter. Die großen Konsektionshäuser von Genf und Zürich jagen ihre Vertreter durch die verkapselten Gebirgsdörfer, man sieht achtzig- jährige Frauen Prospekte von Milliet und Werner zitternd glätten. Für mich fft es immer wieder merkwürdig zu sehen, wie die Nähe der Natur(mit der man durch Sonne, Gewitter und Berge hier mehr verbunden ist als anderswo), den Menschen von der � Natur abstößt. Die Leute lieben die Natur nicht, sie bebauen sie nicht, Blumen und Tiere sind ihnen nicht verwandt, sie fliehen bis nach Amerika, weil sie glauben, daß ihnen der Boden keine Existenz geben könne. Genau wie die Neger einer Glasperle erliegen, ist die Sehn- sucht dieser Bauern in den zivilisatorischen Fortschritt gebannt. Während die Felder vor jungfräulicher Ueppigkeit quellen, beten sie die Fremden an, die mit Auto und Motorrad die Gebirgs- stroßen verpesten. Wenn der rote Wein nicht wäre und die Osteria und das Bocciaspiel, würden sie alle solange arbeiten bis sie es zu einem Motorrad gebracht hätten. Kinder und Erwachsen« würden jeder- zeit den steinernen Dom des Landes, die unbegreifliche Erhaben- heit der verschlungenen Schönheit von Wasser und Berg, einer guten Autostraße opfern. Es ist kein Zufall, wenn ein Arbeiter, den man nach der Richtung fragt, in der Wahl zwischen zwei Wegen aus den gepflasterten oerweist, weil er.„piu bello" sei. Di« Natur ist für den Tessiner das Feindselige, Schönheit ist das Geordnete, der Verstand, die Straßenwalze, die Auslage des Konfektionsladens und(das Bild letzter nie erreichter Sehnsucht) das Parkhotel mit dem Fünf-Uhr-Tee. Das Mißverhältnis zwischen Fremdenkult und der Lässigkeit gegenüber der Produktionsmöglichkeit des eigenen Landes hat die Tessiner ökonomisch und seelisch in ein« schwierige Lage gebracht. Niemand will mehr ein einfacher Bauer sein, Vornehmheit ist wachsender Trumpf. Es geschieht hier, was uns alle brennend und tragisch angeht, die Ablösung des Menschen vom nährenden Boden zugunsten illusionärer Werte. Karlchen segelt. Von Karl Ettlinger, München. „Karlchen," sagte mein Freund Maxl, der in Starnberg wohnt und ein Segelboot besitzt, zu mir,„Karlchen, morgen trainiere ich auf die Starnberger-See-Regatta. Machst du mit?" Selbstverständlich machte ich mit. Mich kann man einladen, zu was man will, ich nehm's an! „Du kannst doch segeln. Karlchen?" „Knorke!" gab ich stolz zurück. Mich kann man fragen, was man will, ich kann alles. Weil ich mich auf meine Unfallversicherung oerlasse. In Wahrheit habe ich noch nie in einem Segelboot gesesien. Ich halt« eine Badewanne für zuverläsiiger. Aber wozu das dem Maxl sagen? Es hätte ihn vielleicht beunruhigt. Also ich zog mein Bua-Gewand an, setzte mein Hütt mit Gams- bart auf, nahm den Regenschirm unter den Arm und fuhr nach Starnberg. „Auf welchen Maskenball gehst du?" fragte mich der Maxl entsetzt, sperrte mich mit einem weißen Flanellanzug ein und lieh mich erst wieder heraus, als ich„seemännisch" umgekleidet war. Jetzt hatte ich eigentlich schon genug von der ganzen Segelei! Aber weil ich ihm den Spaß nicht verderben wollte, stieg ich doch in sein Boot. „Setz' dich im Cokpit auf die Luvseite!" rief mir der Maxl zu, und ich dachte, er redet chinesisch mit mir. Ich setzte mich also aus meinen Cokpit, der Maxl hantierte an dem Geäst des Bootes herum, und plötzlich sauste der verslixte Seaelkarren wie damisch los, und mir schlägt der Großbaum an den Schädel, daß die sämtlichen Ufer des Starnberger Sees Polka zu tanzen ansingen. „Der Wind räumt," hat der Marl gesagt.' „Jawohl, er räumt mit uns auf!" dachte ich. denn das Boot legte sich auf die ein« Seite, daß ich meinte, jetzt kippen wir um. Ich sagte schnell ein Vaterunser und die Versicherungspolice vor mich hin, griff in meiner Angst nach einem von den Bändeln, die auf so einer Segclkutsche herumhängen, und im selben Augenblick saust mir auch schon wieder der Großbaum gegen meinen Kürbis, daß die ganze Geographie ringsum auf dem Kopfe steht. „Alle neun!" rief der Maxl ironisch und schimpfte:„Hans- wurscht, damischer, wer hat dir denn gesagt, daß du wenden sollst? Bei dem herrlichen Nordwind!" „Ich pfeif' auf den Wind!" erklärte ich.„Ich segle zu meinem Vergnügen! Und wenn mir dieser irrsinnigt Querbalken noch ein einziges Mal gegen meine Gedankenkommode paukt, reiß« ich die ganzen Segel herunter, danüt's Ruhe gibt!" Jetzt schwieg der Maxl und schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich hatten ihm meine sochmännischen Ausführungen imponiert. Die nächste halbe Stunde wurde kein Wort gesprochen.� Wir- turnten aus dem See herum, der Marl drehte bald das eine tsegel. bald das andere, ohne daß ich wußte, warum. � „Ein schrecklich nervöser Mensch!" dachte ich.„Nicht«lnmat beim Segeln kann er ruhig dasitzenl Den nehme ich nie mehr mit. Und der Marl dacht« dasselbe. Schließlich dacht« ich mir: Du mußt einmal einen kleinen Rund- gang aus der Segeldroschke mache», damit der Maxl sieht, daß du seefest bist. Ich stehe also auf. tänzle recht elastisch einen Schritt vorwärts, fliege gegen den Mastbaum, halte mich an einem««gel fest, reiß« ein Stück heraus, falle hin, greise nach irgend etwas, ziehe daran, und im selben Augenblick haut mir auch schon wieder der Großbaum wider meinen Kohlrabi, daß ich denke, er ist mir zur Gemüsesuppe zermalmt...... � „Hurra!" haben die Leute geschrien. Wir waren nämlich wieder in der Näh« von Starnberg angelangt. Am Ufer standen die Ur- einwohner und Sommergäste und beobachteten mit Feldstechern oder auch mit bloßem Auge meine aerodynamischen Kunststücke. Sie wollten etwas lernen. Einige hiesten sich den Bauch, so begeistert waren sie. Nun weiß ich als gebildeter Mensch, daß man ein« Verbeugung macht, wenn man applaudiert kriegt. Ich trete all� aus den Rand des Bootes, werfe den Damen eine Kuhhand zu/ und schon liege ich im Wasier und fange an, den Starnberger See auszutrinken. Der Maxl, der gemeine Mensch, schmeißt mir einen Gegenstand nach—, später Hab« ich erfahren, daß es ein Rettungsring war. Wie mich die Starnberger so viel Wasser schlucken sahen, be- kamen sie doch Angst um ihre Naturschönheit, zogen mich heraus und legten mich ins Sonnenbad zum Trocknen. Einige Herren photographierten mich, und die Domen erkundigten sich, bei welcher Filmgesellschaft ich sei und wie das Lustspiel hieße? Den Maxl grüße ich natürlich nicht mehr, den Pfuscher, und in so einen Segelomnibuz bringen mich keine zehn Gäule mehr, hoch- stens in einen, der keinen Großbaum hat, denn wenn ich das will, kann ich meinen Kopf gleich unter«inen Dampfhammer legen. Biegsame Gesteine. In Brasilien findet sich ein Gestein, Itako- lumit, auch Gelenkquarz oder elastischer Sandstein genannt, der die Eigenschaft besitzt, daß er sich nach Belieben biegen läßt, ohne daß er dabei zerbricht. Der Jtakolumit, der als Muttcg.stein des brasilianischen Diamanten gilt, und zum größten Teil aus Tand besteht, außerdem aber auch Einschlüsse anderer Gesteine enthält, ist indes mir in gewissen Schichten biegsam. Zerteilt man solche Schichten in Platten, und stellt diese ausrecht hin, so schwanken sie wie Leder hin und her, ebenso, wie sie auch in wagerechter, nur in der Mitte unterstützter Lage, sich an beiden Enden zu Boden senken. Dünne Platten lassen sich wie Handschuhleder biegen. Als Grund dieser starken Biegsamkeit nimmt man eine besondere Lage- lung der mikroskopischen" Ouarzteilchen innerhalb des Jtakolumit- gesteins an, da diese nicht sest miteinander verwachsen, sonder» nur eng aneinander gedrückt und daher bei entsprechender Bewegung in- und auseinandergeschoben werden können. Sind Ohrenkriecher nützlich? Die meisten Gartenbesitzer wissen den Ohrwürmern nur Schlechtes nachzusagen, denn gern mache» die wegen ihrer Zangen recht gefährlich aussehenden Insekten sich an jungen Keimpflanzen zu schassen, durchsressen die Blüte» von aller- Hand Nutz- und Zierpflanzen und tun sich auch an den unreifen Körnern des Getreides gütlich. Und wo sie auch nicht gerade schädlich werden, sind sie doch immerhin lästig, besonders für empfindsame Mensche», die noch immer gern das alte Märchen glauben, der Ohrwurm krieche in die Ohren. Unter Umständen können jedoch auch die Ohrenkriecher recht, nützlich werden. So berichtet neuerdings E. Baudys, daß eine erhebliche Blattlausplage auf Stachelbcer- und Himbeersträuchern durch Ohrenkriecher fast zum Verschwinden ge- bracht wurde, und auch früher wurde festgestellt, daß sie auf Rüben und aus Holunderbäumen die Blattläuse vernichten. Unter gewissen Bedingungen kann also auch ein allgemein als schädlich angesehenes Insekt einmal beträchtlichen Nutzen sttsten. 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Und mit ihm sich zu beschäftigen, ist schon der Mühe wert, zumal viele Menschen nur ihn zu sehen bekommen. Zlber gerade mit dem Unterhaltungsfilm ist es von jeher wirklich schlimm bestellt. Zur Zeit der Inflation, als sich in Deutschland das Ausgehen billiger stellte als das Zuhausebleiben, denn Licht und Heizung waren damals nahezu unerschwinglich« Kostbarkeiten ge- worden, waren die Lichtspieltheater dichtgedrängt gefüllt. Anstatt jedoch den Besuchern etwas Wertvolles zu bieten, ließ man durchweg amerikanische Ausschußware abrollen. Geringschätzig wurde an maß» gebender Stelle gesagt:„Was wollen die Besucher? Der Film ist nun mal eben eine technisch« Angelegenheit.� Im günstigsten Falle erklärte man ihn für eine„optische Angelegenheit", und zwar tat man dos regelmäßig, wenn dem Film ein unmögliches Manuskript zugrunde lag, er selbst vollgepfropft war mit Boxkampf, Pferde- rennen und Revueszenen. Man sagte leichthin:„Ach, der schlechte Amerikaner ist der Wegbereiter für den guten deutschen Film." Diese Ansicht war aber eine falsche Spekulation, man hat es nämlich fertig- gebracht, sich das Publikum aus den Lichtspieltheatern rouszugraulen. Run es jedoch soweit ist, sagt man achselzuckend:„Die kleinen Mädchen sind das einzige Filmpubliknm", und man ist prompt bei der Backfijchproduktion angelangt. Die Manuskripte wimmeln von Leutnants und Prinzen und Grafen und deren Geliebten. Di« letzteren spielen überhaupt die denkbar bedeutsamste Rolle, und die Allgewaltigen der Deutschen Filmindustrie propagieren nachgerade die Kokotte als Jungmädchenideal. Das Grafenliebchen ist der Lichtblick im grauen Alltagsleben nicht nur der höheren Tochter, sondern auch des kleinen Mädchens, das sich selbst sehr arbeitsam durchs Leben schlägt und womöglich noch Mutter und Geschwister unter» stützt. Und komnit im Fllni nicht gerade ein Liebchen vor, so ist man immerhin im Durchschnittsfilm doch möglichst auskleidsam. Selbst bei Heimatfilmen genießt man den weiblichen Filmstar in der Badewanne, und wenn das Vaterland von unglücklichen Film- Prinzessinnen Liebesentsogung oerlangt, dann zieht sich die Prin- zessin dabxi aus. Ra hgerade haben wir deine Filmschauspielerinnen mehr, sondern nur noch photographierte weibliche Schönheiten. Die Kameraleute könnten talsächlich auf ihre Art und Weise in der Heu- tigcn Zeit der Rekorde einander den Rang ablaufen, da hätte bei- spielsweisc der eine den IVO. Filmstar im Paradebett und der andere den 15st. Filmstar in der Badewanne photographicrt. Und trotzdem angeblich der Kitsch so gefallen soll, sommert man allgemein über ein schlechtes Geschäft. Darum überstürzen sich die Vorschläge zur G-'sundung des Films. Der eine meint, der Film- architekr sei überflüssig, man müsse die Natur als Werkstatt und Atelier benutzen, der andere möchte die teuersten Filmkräfte von Amerika zurückengagieren, und einem dritten sind die Statisten ein Dorn im Auge. Doch führen alle diese Streitereien nicht aus dem Wirrwarr, weil man für den Durchschnittsfilm immer nur das Klischee beleben will und nicht den Mut zu neuen Wegen hat. Man schisse nur endlich einmal im Filmmanuskript die unerträgliche Scnti- »Mentalität als Ballast aus und betrachte die Allüren der Lebewelt nicht mehr für allem maßgeblich. Vielleicht wächst dann der Film in seine Gegenwartsausgabe hinein und findet sein Publikum. Die Ziime öec Woche. ,öett und Sofa.' (Emelkapalast.) Sie sind andere geworden, die Menschen unterm Sowjetstern, sie haben nicht nur neu« Gesetze, sie haben auch neue Begriffe, namentlich in dem Bereiche der Moral. Und in das Rußland von heute führt dieser neue Russcnfilm. In einem elenden Kellerloch Hausen der Bauführer Nikolai und seine Frau Vera. Der Raum ist Küche. Schlafzimmer. Wohnraum. Eigentlich leben die beiden Menschen ganz zufrieden in ihm. Da bringt der Mann eines Tages feinen früheren Kriegskameraden mit, den«r auf der Straße ge» troffen hat. Fedor, der Druckereiarbeiter, fand wohl Arbeit, abe» kein Unterkommen in Moskau. Folglich bleibt«r bei dem jungen Ehepaar, er schläft auf dem Sofa und ein Wandschirm sorgt für eine neue Einteilung des Raumes. Eines Tages muß der Mann beruflich verreisen. Fedor geht mit Vera ins Kino, Nikolai tat das nie, Fedor macht mit Vera für billiges Geld einen Rundflug über Moskau, Fedor bringt«inen Radioapparat mit. Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber besteht das Leben dieser Frau nicht aus lauter Kleinigkeiten? Schließlich nimmt Fedor die Stelle des Gatten ein. Als d«r heimkehrt, wird ihm frei und offen die Wahrheit gesagt. Er rast davon, schläft im Baubureau auf dem Schreibtisch. Als Nikolai sein« Sachen holen will, regnet es in Strömen. Da erwacht in Vera die frauliche Fürsorglichkeit, Nikolai kann bleiben, er sthläft fortan aus dem Sofa. Weiterhin leben die drei Menschen im Kellerloch, jedoch erkämpft sich Nikolai langsam wieder sein« alten Rechte. Da fühlt sich Vera Mutter. Wer ist der Vater des Kindes? Keiner von den Dreien weiß es. Die Männer sind sich einig, das Kind darf nicht zur Welt kommen. In Sowjetrußland ist der Frau das Recht auf ihren Körper zuerkannt, sie selbst hat zu entscheiden, ob sie Mutter werden will oder nicht. Vera ist bereits in der Klinik, da erwacht übermächtig in ihr die Sehnsucht nach der Mutterschaft. Sie verläßt die beiden Männer, sie verläßt Moskau, sie wird arbeiten für ihr Kind und sich. Alexander Room führte die Regie mit ungeheurem Mut zur Schilderung von Tatsachen. Er ist derb, ja, nahezu brutal, jedoch fern von jeder Lüsternheit. Sein Werk ist von tiefem Ernst erfüllt, man verspürt deutlich das Ringen mit großen Problemen. Die Schauspieler dürfen bei ihm echte Menschen sein. Doch oersteht er sich auch auf das Gesicht der Stadt, man erlebt Moskau, diese Stadt, die reizt, in deren Bann der großstadtsüchtige Mensch gezogen wird. Nikolai Batalofs ist der Bauführer, ganz körperliche Kraft und herzliche Aufrichtigkeit Waldemar F o g e l ist der Freund, ein sein charakterisierender Darsteller und Ludmilla Seme- nowa erweist sich in der Rolle der Vera als. Schauspielerin aller- größten Formats. Der Regisseur und diese drei Darsteller haben wirklich eine Tat vollbracht, denn sie schufen ein Zeitdokument von unauslöschlichem Wert._— e. b. Plüsch und plümowfki. (Tauentzienpalast.) Film nach dem Roman von Norbert Jacques. Inhalt: die sensationelle Spießbürgerromantik des Mädchenhandels. Plümowski führt ein Doppelleben: in der Großstadt als Junggeselle und Mädchenhändler Plümowski, in der Vorortoilla als strenger Eamilienvater und ehrsamer Kaufmann Schröder. Plüsch ist sein elfershelser, der von ihm ausgenutzt wird, und der� sich endlich dadurch rächt, daß er die einzige Tochter Plümowski-Schröders an das„Etablissement" Plümowskis in Rio de Janeiro verschachert. Aber alle Schuld rächt sich im Film: Plüsch muß sterben, Plümowski wahnsinnig werden, und die Teilhaberin an seinem Menschenhandel sich sogar eigenhändig entleiben. Ein holdselig lächelndes Liebes- paar geht natürlich aus dem Graus hervor: die durchaus unschuldig gebliebene und auch keineswegs erblich belastete Tochter Plümowski- Schröders und ein.ebensalls überaus unschuldiger Jüngling. So schön, moralisch und ergreiscpd ist dieser Film. Ernst Deutsch und Albert Steinrück, retten, was noch zu retten ist. Steinrück meistert die schwierige Doppelrolle des Plümowski. Deutsch macht aus dem Plüsch glaubhaft einen lang- sam ins Verbrechen abgleitenden, selbst ewig vom Leben betrogenen «««rem: Für die Kinder ist Kaffee Hag wie geschah fen.Sie haben sicher Jhre guten Grunde dafür, 3hre Kinder vorn Genuss Coffein--- halilger Getränke zurückzuhalten. Geben Sie ihnen Kaffee Hacj. Das ist der gesunde coffelnfrele Bohnen= kaffee, den auch Kinder unbedenklich trinken dürfen. Das Paket kostet ß'M. �1,90, NUR KAFFEE NN Betrüger. V iv i a n Gibson als Teilhoberin an den Geschäften Plümowskis und Kurt Lenon als Typ eines argentinischen Raffke verdienen Erwähnung. Vor diesem Film wurde eine Landschaftsaufnahme„D a s heutige Korsika" gezeigt— interessant durch den Stoff, aber beinahe ungenießbar durch schauderhaft kolorierte Bilder. Tes. ,öie selige Exzellenz.' (Ufapalast am Zoo.) Für dieses Lustspiel zeichnet«ine Schriftsteller-Doppelfirma P r e s b e r und Stein und jür den Film eine Regisseur-Doppel- firma E. A. Licho und Wilhelm Thiede verantwortlich. Ein gutes Filmlustspiel zu schaffen ist eine der schwierigsten Ausgaben. au ermäQigten Preisen das ganze Programm. Sonntag, 18. September nachmittags 2 Uhr «»«»»««« ZOOLOGISCHER GARTEN ab 4 Uhr nadbmltia�s: GROSSES KONZERTl JitiVMarium tWIlh. Kuhnen). Geöffnet von 7 bin 9 Uhr. ••♦♦♦•€»••»»»»»»••••* I Ein Thealer-Abonncmenf Saison 1927/28 der Oes für Kunst u. Unterhaltung. O. 34, Tllsifer Str. 11. Kgst. 3883 u. 1109 Ist ein Gebot der Stunde! Unser Abonnement umtabt 8 Vorstellungen(Abendvorstellungen), und zwar; 3 Operetten, 1 Oper, 2 Schauspiele. 2 Lustspiele Unsere Abschlüsse bürgen den Abonnenten für nur gute Vorstellungen mit erstklassiger Besetiung. All« 4 Woche« eine Vorslellung.— Keine Vorausbazahlung. Gattung 1(Parkeft oder I.Rang)... �■ Ib�ka pro Karte Gattung 2(Park. Paut oder I. Rang-Kalk.) 2» �dk» pro Karte Gattung 3 Orebester.FauteuIll.... 3« IMlka pro Karte Als nüchste Abonnementsvorsiellung kommt In Frage: Die geschiedene Frau Operette von Leo Fall mit Lorl Leux in der Hauptrolle. Die Origlnalkarten werden 14 Tage vor feder Vorstellung durch eigene Boten(kostenlos) zugestellt und kassiert. Jede Vorstellung wird extra kassiert, also Jedesmal ist nur eine Vorstellung zu bezahlen- Unsere Abonnenten erhallen auf Wunsdi Jeden Monat Gastkarten für verschied-ne Theater, weldie auher dem Abonnement besucht werden können. Weiterhin ist unsern Abonnenten die Gelegenheit gegeben, unsere seit Jahren bekannten und beliebten Opern- und Helteren Abende(die voraussichtlich in der Philharmonie und Lebrervereinshaot stattfinden) zu besuchen. In der Auswahl der Originalkarten werden unsere Abonnenten dem Kassenkäufer gleichgestellt, daher Immer gute Piitze. Tage der Vorstellungen werden auf Wunsch berüdcsiditigt. Wir erheben einmal 50 Pf. Einschrefbefiebflhr, die beim ersten Kassieren mit eingezogen werden. In der Saison 26/27 haben unsere Interessenten alle namhatfesien Theater und Vorstellungen erhallen, z. B. Theater des Westens, Metropollheater, Lustspielhaus, Berliner Theater, Residenztheater, Kleines Theater. Zentraltheaier, Thealer am Kurfürstendamm. Neue* Theater am Zoo. Komische Oper u. a. m. Hier abtrennen! Austollen(recht deutlich) in ein Kuvert stecken, an uns senden!(8- Pf. Marke) AbonnemcntsanTraC an die Geselisdialt für Hnnsl und DnlerhaL'naR Benin 0 34, TU stier siraac ti. Hiermit abonniere ich für 8 Vorstellungen zu obigen Bedingungen V Vor- und Zuname:-..----------------------------------------------...........______ Wohnung: Ort und Strafie.......—------------------------------- bei-------------------- Wieviel Plätze—............................... Gattung--------------------------- Besondere Wünsche-----------------------------------------------------------:-------------------- RINGKÄMPFE Beut« abend 8.80 ringen nm die(18) Entscheidung Scbadxchoelder- Stolzenwald lernet ringen: Plnetskl— Budma feocleaeh— PereleH F. Kawan— Sachs AnBer Konkurrenz; lln-Iitsn-HeraDsfordBrnnü Prochanka�J. Kawamnra Eintritt 1»— vis 5.— Mk. SPORTPALAST WesMr Norden 10334— 37 S Uhr, Ende 11 Uhr MaMa Mmrplti res flategwi Kammerspiele Norden 10334—37 Ende 10'/, U Ihr Mann lasfepiel von PabI Gwaldy Die Komödie Bismarck 2414/7515 t'/. Uhr, Ende 10>/. Zinsen Komödie von Bernard Shan- Plscatorbflhne fheat, a. Isllcndoifplali Kurfürst 2091/93 8 Uhr Soupla. wir leben von Emst Toller Inz. Erwin Plscator likc Stobrawa. WelllHasv. Basth. Crath. Cranadi. dasnamaon, Hillman. Siaa. SUnL Neues Theater am Zoo Dir.: Richard Gorler S'/g Täglich 8»/g StOrmistfiß Heiterkeit! Drei lustige Komödien von Thoma ürosm Sdiaiispielbaoj. Till. 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Ml Kttiar. E4itti Karis. Birltr, H. Lindiltz Preise 1,2,3M. usw. Bwirtwitr-Eclimr Th.Könlggratz. St. Hasenh. 2110. 8U. Der dreimal tot« Peter Komödienhaas Morden 5304. 8U. Gasheisl de Mnkiwr kinifkrisdin Tfuln „Habima" Jakobs Traom. Ab Montg. Pyhnk Berliner Thealer Dönhoff 170 8U. Leonie frlgnon-tlieiter Täglich 8'/, Uhr: Srika Glässtier in einer Ihrer pAradcrollcn KopfoteSdnltt Lustspiel v.Vemeuil Eagn Jtnn. WiDi Eadtmicr. tigt. Hildtbrandt, Arnim Sonntag, nehm. 4 U.; znm 216. nale: So ein Mäde Lustspielhaus S'lt Uhr: SeuisdiiilleialUiter-llüiDasil Oienstag, ben 20. September, nachm. 5 Uhr. im Saal 1 bes Gemertschafts- Hanfes. Engeinser 24,26 Branchen Versammlung der Melalldrficker und Polierer. Tageaorbnung: 1. Arbiilalosin- oermittelunz und ArbeitaloienuerRcheruna. 2«ranchinangelegenheklen und Sic- schieden«?. Wegen der Wichtigkeit der Tugeaorbnmtg erwarten wir. daß olle Kollegen restlos ericheinen Die Vertrauenaleuli sind verpflichtet. für einen guten Bestich Sorge zu tragen. Witnnz! Bfluonfdiöget 20. September, Uerbanbshar fftafje 83/86 Oienstag. 7 Ahr, im Oerbanbshans, Ülhinng! abends Cinien' Planetarinm an Zoe tvllao. indiiailbilu Slrati Noll. 1578 Oer Stemenhimiiiel sut dar Ralaa van Berlin nach dam Aequator Vorführungen: 4'/,. 5, 7'/,. 9 Uhr. Eintritt 1 M. Hindi; int. 15 Jahnn O.SOg. SalleglnrrSOaa Ots, Künttler-Th. 8 Uhr „Dia Dame von Maxim" Lessinj-Theaier 8 Uhr .KSnig Heinridi IV" EAUiNlZIEN PAl.A \lüeM'*3KlCPf£A iW fUUftMU!** | SUS/ VE R Norf I \V/WW6!BS0N 1 AR, NA[ I£*HST PfUKCH| lAtstJrsrTJNfiiX** \HANS 5rÖV*/E. r UogKJUHRj Reichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Ubr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt in der MüllerstraBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff- Brett'l: Varieti, Konzert, Tanz Montag, 19. September > 2 nur Branchenversammlung der Sauanschläger. Tagesorbnung: 1. Ablauf unseres Lohnablommens. 2. Verbands» und Brancheuangelegenheifen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. In Andeirach! der wichtigen Tages- ordnung werden die Kollegen ersucht, restlos diese Versammlung zu besuchen. MeraödifMe&rlitige! Tttilfmofh. ben 21. September, nadi- millags 5 Ahr, im Lotai von Schnize, Stallschreiberstr. 4 r Versammlung aller Graveur- u-Ziseleurlehrllnge. Tagesordnung: 1. Vortrag Uder: .Bürgerlund«'. 2 DIskusflon. 8. Aus- iprache iider Arbeits» und Bitrieds- Verhältnisse. Iltf- Alle Iugendkollegen, die noch in diesem Jahr auslernen, müssen in dieser Versammlung unbedingt anwesend sein. Spielplan . unserer ftaUarablciluag: Zn bet«»che vom 1«, bis 25. September: 1. Das Paradies der Südsee. « Buich Ootit 3. Zzichenicherze von Paul Simmel. Zn der Woche vom M.Septbr. bis 2. Oktbr.: L V-rloretl- Weit. 2. Kabinelt 12. 3. Achtung. Ettasmandat. Zu der Woche vom 3, bis 8. Oktober: l. Wild und Mensch im Sebirgsschnee. 2. Tierwelt in der Skordsee. 3. Fördermittel einst und jetzt. 4. Fünf Tage Hast. In der Woche vom 10. bis 18. Oktober: 1. Etifahrt ins®!ü.|uv_y der Abteilung sind telephonisch oder schrtst- " Kuituradteilun�, Auszahlung von Nnlerftühung. Bom 1. Ottoder 1927 ab dort durch Bestimmung des Vorstande« die Auszahlung aller Unterstützungen nur gegen eigenhändige Unterschrrft erfolgen, nur mit der einen Ausnahme, daß dar Krantenunier- angehörige abgeholt werden tann, jedoch ist auch hier die Bestimmung, daß die letzte Auszahlung(bei Beendigung der Kranl- heil) eigenhändig zu unterschreiben ist. Um unseren Mitgliedern die Gelegenheit zu geben, auch nach Arbeitsschluß die ihnen noch sind jeden_____..._____ aeoflnel. In Frage kommt für Streik Maßregelung«- und Ilanzugaunlerstützun i der Schalter 1 im Parterresaal und für alle anderen Unierstütpirizen der Schalter 16 im Parterrejaal. vi» Ordsvermqlenng. Ohne Anzahlung £flnöpflrj8n8D qm 030—1,00 90?., monatlich 20,— Adzahl. oertaust Hein, verlin.«ötzowstr. 38. ftae-ftemer 8'/. Uhr: Etil Fran ohnn KiB. Itialia-Iiieater 8 Uhr Der rote Halm th. im lliliiralsiialast Täglich 8'/, Uhr 2m Haute Sonntag Vorstellung. 3 Uhru.S'/jUhr "itm. da)«.•« tu stiilaai 11 mld. Irrt vi» HAUER HEVÜR laoDjdwor PtillharmoRie PI, Uhr: KONZERT 8es Philharm. Orch. Prof. J. Prflwcr SlnmeDspenden Iider Art iatert vreiswert fmml vorm.»«,» MarlannenstraBe 3, Ecke Raunnnstraße lAmt MorttzpLIOZ 03 TKAV VLSvcNT vlk� ATI88T�l.T.T>I>IC Die FUNKHAUSeKAlSEBDAMM It SEFTEH BEB- iOlOKTOBER ra«s*,«aa o t w_ o—— u«ja CAFt.SAMT UND SEIDE" SonaWKn: SAMT UND SEIDE ScidcnsiofTe/ Binder K refelder Seidensamt ALSSTLLLUNCSREVUt:«BERLIN IST.MODE- • Uhreeit�UW