flbenAausgabe Nr. 443 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 214 e«itug»%«blneungcn und An�!z«n»r«!s, lind in dir Morgrnausgab« ana«««b«» Nedattlo»»: Zw. KS. Ciatcnfftoftc> Fernsprecher: VS-hoss 292— 207 r»l..«dresse: Sojlaltemotrat Sctlin Verliner Volksblakk (lO Pfennig) Montag 14. September 1427 verleg und«nziiginadtilluns. Deschäftszci! dt» S Uhr Verleger: vorinllrl». Verlag GmbH. verli» SM. OS, Lindenslrab« 3 Zernsprecher i VOnhoft 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemokrat« feben parte« Deutfcblands Das Knegsmal in Masuren. Der Reichspräsident redet von Einigkeit.— Eine Gegenstimme aus Tuntenhausen« Die angekündigte Denkmalsenthüllung aus dem E6)lochtfeld von Tannenberg in Ostpreußen hat am Sonntag programmäßig stattgesui�en. Reichspräsident Hindenburg war in der Uniform des kaiserlichen Generalseldmarschalls erschienen, neben ihm Reichskanzler Marx und die Minister K e u d e l l und Gehler. Auch die völkischen Generale Ludendorff uno Morgen dursten teilnehmen. Die preußische Regierung ließ sich nur durch den Oberpräsidenten von Ostpreußen vertreten. Di« Feier gestaltete sich zu einer gewaltigen und ausgeprägt nationalistischen Kundgebung. Der Vorsitzende des Denkmalsausschusses, General Kahns, begrüßte Hindenburg offiziell indem er ihn— nach dem unverdächtigen Wolff-Bericht— stets nur als Generalfeldmarschall anredete. Der Reichspräsident antwortete daraus mit Worten des Dankes und fuhr dann, politisch werdend, mit erhobener Stimme fort: '„Das Tannenbergnationaldenkmal gilt in erster Linie dem Ge- dächtnis dereer, die für die Befreiung der Heimat gefallen sind. Ihr Andenken, ober auch die Ehre meiner noch lebenden Kameraden verpflichten mich dazu, in dieser Stunde und an dieser Stätte feierlichzu erklären: Die Anklage, daß Deutschland schuld sei an diesem größten aller Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück! Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Wasfe.i in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit den schwersten Opfern des ganzen Volkes verbundene Mittel der Selbstbehaup- tung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen, und mit reinen Händen hat das deutsche Heer das Schwert gesührt. Deutschland ist jederzeit bereit, dies vor unparteiischen Richtern nachzuweisen! In den zahllosen Gräbern, welch: Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied Männer aller Parteifärbungen. Sie waren damals einig in der Liebe und Treue zum g«- metnsamen Vaterland. Darum möge an diesem Crinne- rungsmale stets innerer Hader zerschellen: es sei«ine Stätte, an der sich all« die Hand reichen, welch« die Liebe zum Vaterlande beseelt und denen die deutsche Ehre über olles geht. Mit diesem Wunsche öffne ich die Pforte zum Tannenbergnational- dcnkmall" Im Anschluß an dies« Hindenburg-Rede fand dann noch ein „Feldgottesdienst"' statt, wobei ein evangelischer und«in katholischer Geistlicher— der jüdisch« Feldgeistliche war vorher abbestellt worden— Kricgsredcn hielten. Zur Einweihung des Denk' mals wurde dann ein G« b e t gesprochen, das mit folgenden Sätzen schloß: Segne unser deutsches Volk. Um der gefallenen Brüder willen schenke uns Einigkeit und Friede und Freiheit. Schütz« und schirme unsere Heimat und unser deutsches Vaterland. Wir halten treu zu dem Alten, wenn es sich al» gut erweist, wir alle stehen treu zu ihm bi» in den Tod. Jetzt bricht die Rot das Eisen, einst bricht das Eisen die Rot. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Dos alles im Beisein des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers, der die„Richtlinien der Politik der Rs- gierung� zu bestimmen hat! die Neichsregierung üeckt Hinöenburg. An zuständiger Stelle wird erklärt, daß die„konstitutionelle Ge- sinnung" des Reichspräsidenten selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben sei- und an den A« u ß« r u n g e n de» Reichspräsidenten alle in Frage kommend«» Instanzen beteiligt gewesen seien. Tuntenhausen. Ter bayerische Bauernverein tagt.— Bauern-Heim hetzt gegen das Reich. Wünchen, 19. September.(Eigenbericht.) Die Jahresversammlung des bayerischen Bauernver« e i n s in T u n t« n h a u s e n, aus der schon oft die Stichwörter sür die klerikale Politik in Bayern gegeben worden sind, spiegelte dieses Jahr die kritisch« Situation der Bayerischen Volks- parte! wider, die einem schweren Wohlkampf mit dem vordringen- den Bauernbund entgegengeht und gleichzeitig dos Zentrum durch einen Druck zum Entgegenkommen in den Finanzsragen zu veran- lassen sucht. Der Generalsekretär des Vereins gab zu, daß der Radikalismus in der Bauernschaft immer stärker um sich greise und daß der Bauernbund der Bayerischen Voltspartei dos Wasser ab- grabe, nicht zuletzt deshalb, weil die Bayerisch« Volkspartei als«ine vorwiegende Beamtenpartei von der Bauern- schaft angesehen werde. D«r Redner fand es deshalb für gut, sich selbst in rechtsradikalen Sprüchen zu ergehen: ohne sich darum zu kümmern, daß in der Reichsregierung und zumal im Ernährung»- Ministerium zurzeit die Deutschnationalen sitzen, erklärte er, die Bauernschost müsse ihre Stimme erschallen lassen, bis in Berlin die Klubsessel mit samt den roten Gewerkschastssekretären umfielen. Der Reichstagsobgeordnete Dr. Horlacher forderte das Zu- fammengehen in einer W«ltanschauungspartei und verlangte in einer heftigen Polemik gegen die„fanatischen republikanischen Verirrungen Dr. Wirths den Ausschluß von Leuten, die nicht mehr in die katholischen Reihen gehörten. Man könne von h-n bayerischen Katholiken nicht erwarten, daß sie einen Staat sicherten, der von dem Juden KurtEisner geschaffen worden sei, wenn sie auch diesem Staat pflichtgemäß dienten. Zur Wirtschafts- und Sozialpolitik er- Nörde Horlacher. im christlichen Sinne gäbe es gar kein Proletariat. Es sei die Ausgabe der deutschen Landwirtschaft, die heute bestehenden Handelsverträge— wie den mit der Schweiz— umzustoßen und dann höhereZölle zu fordern. In einer kurzen Ansprach« feuerte der bayerische Ministerpräsi- dent Held seine Zuhörer an, katholische Politik aus dem Glauben zu treiben gegenüber Mächten, die Widerstand gegen Religion und Gott leisteten. Wenn es in der Frage des Steuervereinheitlichungs- gesetzes zum Kampf komme, solle die bayerische Bauernschast sich nicht irre machen lassen:„gut katholisch, gut christlich, gut bayerisch, gut deutsch!" Dr. H e i m, der seit längerer Zeit wieder einmal in der Oefsent- lichkeit erschi«», behandelte das gleiche Thema. Bei der Vertretung landwirtschastlichcr Interessen sagt« er, dürfe man nicht vergessen, daß zum Reichstag leider auch große Arbeitermassen mitwählten. vielleicht bekäme man nächsten» in Bayern statt des Ministerpräsidenten einen preußischen Mandarinen mit einem langen Zops. Das Vereiuheitlichungsgesetz stehe im schroffen Widerspruch zur Reichs- Verfassung, aber gegen eine solche Nerfassnngsverletzung habe die bayerische Landesregierung„och Mittelen der Hand. Trotzdem werde bei Durchfuhrung des Gesetzes die Selbständigkeit dcr Länder nur noch auf dem Papier stehen. Wie könne die Reichsregierung überhaupt hoffen, bei einer solchen Politik die Unter- stützung der Bayerischen Volkspartei zu erholten? Es sei nicht mehr zu ertragen, daß bayerische Minister jede» Zahr in Verlin bettet» müßten, daß Bayern, obwohl die Verfassung lhm die Existenz garan- tier«, wie ein« außereuropäisch« Kolonie behandelt werde: das sei hundsföttisch, das sei Heuchelei! Es sei gerade so, als ob man zu einer Sau im Stalle sage:„du darsst so dick werden, wie du willst, aber zu fressen kriegst du nichts!" Zum Schluß mahnte ein Geistlicher zur vorsichtigen Be- Handlung der bayerischen Königssrage. Die Aufgabe könne es nicht sein, morgen schon eine Monarchie zu errichten. Leider bestehe nicht bei allen maßgebenden Fühl ein de» bayerischen Heimat- und Königsbundes Verständnis hierfür. das Echo der hinüenburg-Neüe. Widerspruch in Paris.— P6taiu redet in Berduu. pari». 19. September.(Eigenbericht.) Die Rede, die der Reichspräsident v. Hindenburg gestern in Tannenberg gehalten hat, findet in der hiesigen Presse s ch a r s e n Widerhall. Die Presse sieht in der Wiederaufrollung der Kri«g»schuldsrage eine Herausforderung der öffentlichen Meinung der Alliierten und besonders Frankreichs. Die Blätter weisen darauf hin, daß aller Voraussicht nach Stresemann die Rede gekannt habe und sie desto mehr Beachtung verdiene. „Petit Parisien" schreibt, daß die reaktionären Kreise in Deutsch- land seit längerer Zeit Stresemann ausfordern, offiziell die An- schuldigungen über die deutsche Kriegsschuldfrage zurückzuweisen. Da Stresemann es nicht für opportun gehalten habe, selbst diese Manifestation in Berlin oder Gens zu machen, habe er es in Tannenberg durch den Reichspräsidenten Hindenburg machen lassen, um Deutschland von der Anschuldigung des Artikels 231 des Ver- sailler Friedensvertrages reinzuwaschen. Das Blatt glaubt nicht, daß solche Manifestationen zu der Auswirkung der Locarnopolitik beitragen werden. Auch der„Oeuvre" verurteilt die Rede Hindenburgs scharf. Hindenburg, schreibt das Blatt, hat es für nötig gehalten, von neuem von der Kriegsschuldfrage zu sprechen und die Schuld auf die anderen Nationen zu schieben. Der sozialistische„P o p u l a i r e" weist darauf hin, daß, während Hindenburg in Tannenberg sprach, Marschall Pötain in B e r d u n eine ähnliche Rede über den Defensivkrieg in Frankreich geführt habe. Das Blatt weist daraus hin, daß es in Frankreich wie in Deutschland andere Dinge zu sagen und zu tun gäbe als diese politisch-militärische Manifestation. Das Spiel von Verdun und Tannenberg könne nicht ohne Gefahr in beiden Ländern weiter geführt werden. Es wäre besser, den Völkerbund zu fördern. Die Tagung in Genf. Teutschland beantragt Abriistungskonserenz. G«nf, 19. September. Im Abrüstungsausschuh wurde heute vormittag der polnische Antrag zur Diffamierung des Angriffskrieges nach kurzer Aussprache auf Vorschlag des Graf«n Bernstorff sowie der Vertreter Frankreichs, Italiens, Finnlands und anderer Staaten durch Akklamat-.on ein- stimmig und unverändert angenommen. Im weiteren Verlauf hielt Graf Bernstorff eine längere Rede, in der er den von Paul Boncour am letzten Freitag eingebrachten Entschließungsentwurf be- handelte und die genaue Trennung zwischen d«n technischen Vor- bereitungsarbeiten für die Abrüstungskonferenz und der Prüfung der Sicherheitsfrag« verlangte. Schließlich brachte Graf Bernstorff«ine Entschließung«in, in der unter Berufung auf «ine Entschließung d«r vorjährigen Völkerbundsversammlung in bezug auf Einberufung einer Abrüstungskonferenz ge- fordert wird, daß der vorbereitende Abrüstungsausschuß die technischen Arbeiten derart beschleunigt, daß die Abrüstungskonferenz noch v o r der nächstjährigen Dölkerbundsversammlung einberufen werden kann. 4- Der Völkerbundsrot verhandelte heute vormittag wieder über den rumänisch-ungarischen Streitfall. Woraczewski. der polnische Minister sür öffentliche Arbeiten, der Mitglied der Polnischen Sozialistischen Partei ist und b«i Eintritt in die gegenwärtige Regierung seine Parteifunktionen aufgegeben Hot, wird in den nächsten Tagen von der obersten Parteiinstonz vor die Alternativ« gestellt werden, entweder aus der Partei odec aus der Regierung auszutreten. Dieser Entschluß der PPS ist auf die scharfe Resolution der polnischen Gewerkschaften gegen di« Regierung zurückzuführen. hindenburg über Kriegsschuld. Eine politische Aktion des Reichspräsidenten.» Entsprechend den Ankündigungen der deutschnationalen Presse hat der Reichspräsident v. Hindenburg bei der gestrigen Tannenbergfeier in Ostpreußen eine Erklärung über die Unschuld Deutschlands am Ausbruch des Weltkrieges ab- gegeben. Die Erklärung hat in der Pariser Presse scharfe Entgegnungen hervorgerufen. Der Reichskanzler Marx soll die Erklärung gekannt und mit ihr einverstanden gewesen sein. Ob der in Genf weilende Außenminister Stresemann um seinen Rat gefragt wurde, steht nicht fest. Nach den Aeußerungen der deutschnationalen Presse scheint dies nicht der Fall gewesen zu sein: nach ihnen müßte man eher annehmen, die Tannen- bergrede des Reichspräsidenten habe den Zweck verfolgt, die Haltung des Außenministers in Genf zu korrigieren. Wäre diese Annahme richtig, dann läge hier einer jener Fälle des Gegeneinanderregierens vor, das im Kaiserreich üblich war und dort zu den bekannten Erfolgen gesührt hat. In der Vergangenheit sind wiederholt von deutschen Regierungen Erklärungen abgegeben worden, in denen das sogenannte„Kriegsschuldbekenntnis" des Artikels 231 des Friedenvertrags als erpreßt feierlich wiederrufen wurde. Den Deutschnationalen genügte das jedoch nicht, sie ver- langten eine Aktion, durch die auch die Entente zu einem Widerruf des Artikels 231 genötigt werden sollte. Dieser Widerruf sollte dann die Revision des ganzen Friedensver- trags, seiner territorialen wie seiner finanziellen Bestim- mungen zur Folge haben. Dieser Plan war, wenn er ernst gemeint war, das Muster einer„pazifistischen Utopie". Er geht von der An- nähme aus, daß es möglich sei, durch eine Korrektur mora- lischer Urteile die Weltgeschichte zu korrigieren. Roch in der letzten Sonntagsnummer der„Deutschen Zeitung" setzt ein Professor H e n n i g auseinander, daß die Dawes-Gesetze fallen, die Rhein- und Saarbesetzung aufgegeben, die ver- lorenen Ostgebiete und Kolonien Deutschland zurückgegeben werden müßten, wenn es gelinge, die„Rechtsbasis" des Artikels 231 zu erschüttern. Eine solche Beweisführung macht sich im Munde von Leuten, die sich sonst als Machtpolitiker herausspielen, einen besonders merkwürdigen Eindruck. Sie ist aber natür- lich auch nicht ernst gemeint, sondern dient hauptsächlich agitatorischen Zwecken. Vor etwa zwei Iahren zwangen die Deutschnationalen die Regierung, eine Aktion nach dieser Richtung zu unter- nehmen. Sie wollten, daß eine Erklärung, die den Gegnern den Widerruf des Artikels 231 notifiziere, in feierlichster Form abgegeben werden. Im Auswärtigen Amt begriff man aber, daß dabei nichts anderes herauskommen würde als ein ganz überflüssiger Zank um vergangene Dinge, man beschränkte sich also darauf, durch die diplomatischen Ver- treter beiläufige mündliche Erklärungen abgeben zu lassen. Die andere Seite reagierte entweder überhaupt nicht darauf, oder sie antwortete, wie die belgische Regierung, mit einem Hinweis auf die RedeBethmanns vom 4. August 1914, in der Deutschlands Schuld Belgien gegenüber offen zugegeben war. Solche Erfahrungen konnten kaum zu einer Wieder- holung ermutigen. Die Regierung hat denn auch später— trotz der vier deutschnationalen Minister, die wir jetzt haben — von weiteren Schritten in der gleichen Richtung abgesehen. Run aber kommt die Erklärung des Reichspräsidenten, des früheren kaiserlichen Generalfeldmarschalls, abgegeben im Kreise der Ludendorff, Mackensen usw.. im Rahmen einer Feier zum Ruhm der alten kaiserlichen Gene- ralität. Daß dieser Rahmen für eine solche Erklärung be- sonders glücklich gewählt war, wird man nicht behaupten können. Aber ganz abgesehen davon— welchen Zweck hatte es, den Reichspräsidenten in eine Aktion hineinzutreiben, der, wie jedermann weiß, ein Mißerfolg von vornherein sicher ist? Der Reichspräsident hat in seiner Rede die Versicherung abgegeben, daß Deutschland mit reinem Herzen und reinen Händen in den Krieg gezogen sei, und er hat die Bereit- Willigkeit erklärt,„dies vor unparteiischen Richtern nachzu- weisen". Unparteiische Richter können aber nicht Herzen und Hände untersuchen, sondern höchstens geschichtliche Tatsachen. Eine solche Untersuchung über ein Spezialthema, die Frank- tireurfrage, war zwischen der deutschen und der belgischen Regierung in Aussicht genommen, die belgische Regierung trat jedoch von diesem Vorhaben wieder zurück, und die deutsche gab sich damit zufrieden. Es ist daher nicht anzu- nehmen, daß dem feierlichen Appell des deutschen Reichs- oberhaupts an das Ausland irgendein praktischer Erfolg be- schieden sein wird. Abgesehen davon ist die Behauptung, irgendein Heer habe im Kriege„das Schwert mit r e i n e n Händen geführt". zwar stehender Bestandteil aller militärischen Festreden, aber mit den Tatsachen des Krieges nicht vereinbar. Denn der Krieg führt nicht nur zu einer unbeschreiblichen Verdreckung des äußeren Menschen, sondern auch zu einer entsetzlichen Verrohung der Gemüter. Kein Heer wird imstande sein, den Nachweis zu führen, daß ihm bei all seinen Hand- lungen christliche Nächstenliebe und edle Ritterlichkeit Leit- sterne gewesen seien. Schließlich, daß der Weltkrieg nicht von den damaligen Machthaber« Deutschlands bewußt und absichtlich herbei- geführt worden ist, weiß heute alle Welt. Sie weiß, daß der brave Bethmann mit kummervoller Sorgfalt, aber mit wenig Geschick über dem Frieden wachte; sie weiß auch, daß sein Brotherr ein redseliger Neurostheniker war, der zwar die rasselnden Redensarte» liebte, aber sofort das Knieschlottern bekam, wenn die Sache irgendwie ernst wurde. Die Welt weiß aber auch, daß damals an allen Höfen und politischen Zentren Europas— von Wien angefangen— frivol und kopflos mit dem Schicksal der Völker gespielt wurde, bis man, wie Herr v. Tirpitz ausnahmsweise einmal richtig sagte, in den Krieg„hineinschlitterte". Eine unparteiische Untersuchung der Kriegsursachen würde sicher keinen„Alleinfchuldigen" am Kriege feststellen können, wohl aber würde sie zeigen, wie unverantwort- lich und gewissenlos in Deutschland und in ganz Europa vor dem Kriege regiert worden ist. An dem Vertrag von Versailles würde sie nichts ändern. Die unparteiische Untersuchung wird aber nicht kommen. Die Welt wird auf den Appell des Reichsoberhaupte« mit einem Achselzucken antworten. Ob mit einem solchen Erfolg dem Ansehen Deutschlands gedient ist? Auf diese Frage mögen diejenigen antworten, die einstweilen dabei find, die Reda des Generalfeldmarschalls als eine große Tat zu feiern. . Reichslanöbunö und Sauernbunö. Wie der Bauernbund gesprengt wurde. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte begann heute morgen unter dein Vorsitz des Amtsgerichtsrats Büchert die Verhandlung gegen den Aeschüstssührer des Bauernbundes Jerks. Die Vorstandsmitglieder des Reichslandbundes Graf Ewald v. K a l.— und sei es auch nur, daß er vor Angst und Grauen ge- stoibe«! war. Er wird es sicher nicht gewußt haben, um was e» bei seinem T«d« ging. Er hatte gewiß gedacht» daß es nur daraus an» schaft sich für verpflichtet gehalten habe, als Präfidialmitglied des Bouernbunde» den Uebertritt dessen Mitglieder nach links zu verhindern. Die Derhandümg dauert an. Um die Septembertagung des Reichstags. Blinder LSr» der Kommunisten. Die Sozialdemokraten sind im Aeltestenrat des Reichstags da- für eingetreten, daß der Reichstag noch im September zusommentvitt, um gegen die Mieterhöhung am 1. Ottober sowie für die Beibehaltung der Krisenfürforge über den 1. Ottober hinaus und für eine umfassende Amnestie Beschlüsse zu fassen. Die Mehr- heit entschied jedoch, daß der Reichstag erst am 17. Oktober zu- jammentritt, um das Schulgesetz, das Liquidationsgeschädigtengesetz und die Beamtenbesoldungsresorm zu beraten. So ist der einfache klare Sachverhalt. Nun behaupten die Kommunisten, wenn die Sozialdemokraten mit ihnen gemeinsam unter Berufung auf Artikel 24 der Reichz- verfassung nochmals die Septembertagung verlangen würden, daß dann der Reichstagspräsident dem Antrag nachkommen müßte. Aber der Artikel 24 ist hier nicht anwendbar, selbst wenn man ihn so auslegt, daß er nicht nur bei Beginn einer neuen Session, sondern auch nach einer einfachen Vertagung des Reichstags, wi« sie im Sommer erfolgt ist, andewendet werden kann. Er besagt nämlich, daß der Reichstag, der alljährlich am ersten Mittwoch im November zusammentreten soll, früher einzuberufen ist, wenn e, mindestens ein Drittel der Reichstags in itglie- der verlangt. Da der Reichstag 493 Mitglieder zählt, müßten also ISS Abgeordnete den Antrag stellen. Di« 131 Sozialdemo- kraten und die 30 Parteikommunisten zählen ober zusammen nur 161 Abgeordnete, es fehlen 4 an der vorgeschriebenen Zahl. Hätten die Parteikommunisten nicht 15 ihrer früheren Fraktionskollegen ausgeschlossen, so würde das vom Artikel 24 geforderte Drittel da sein. Die Kommuni st«n haben also selber die erste Voraussetzung für die Anwendung des Artikels 24 z e r st ö r t. Wollen sie bei Urbahns und Ruth Fischer, die in ihren Augen Konterrevolutionär« sind, um die sehlenden Stimmen betteln? Aber selbst wenn sich die 165 Abgeordneten finden, die die Ver- sassung für den Antrag fordert, so können sie doch nicht die S e p- tembertagung des Reichstags erzwingen. Sie können ja nur fordern, daß der Reichstag„früher" als„am e r st e n M i t t- wochdesNoocmber" zusammentritt. Dies« Forderung ist aber bereits ersüllt, da der Reichstag nach dem Willen der Mehrheit des Aeltestenrats doch„schon" am 17. Oktober zusamnrentreten soll. Der Präsident muß diesen klaren Willen der Mehrheit des Aeltestenrats nach der Geschäftsordnung des Reichstags respektieren. Wi« wür- den gerade die Kommunisten lamentieren, wenn in einem anderen Falle, in dem sie selber der Mehrheit des Aeltestenrats angehören würden, der Präsident sich selbstherrlich über den Mehrheitswillen hinwegsetzen wollte. Es gibt also weder eine geschäftsordnungs- mäßige noch ein« persostungsrechtliche Möglichkeit, die auch von uns geforderte Ssptembertogüng doch noch zu erzwingen. Das könnten endlich auch die Kommunisten begreifen, wenn sie nur wollten. Nürnberger Nationaliftenradau. Mistlungeue Aktion gegen den Beamtentongrest. Nürnberg. 19. September.(Eigenbericht.) Bei Beginn des Bsamtenkongresses versuchte am Sonnabend ein Stoßtrupp Nationalsozialisten unter Führung des berüchtigten Stadtrats Holz die Kundgebung zu stören. Als sich diese versuch« wiederholten, und die Haken- kreuzler Miene machten, die Besucher anzugrei- f e n, wurden sie von den versammelten Beamten kurzerhand an die Lust gesetzt. In der sich daraufhin entspinnenden Schlägerei wurden den Hakenkrcuzlern verschie- den« Totschläger und Hundepeitschen obgenom- m e n. Di« P o l i z e i mußt« eingreifen; sie trieb die National- sozialisten zum Hause hinaus und die Straße entlang. komm«, sein arm«, Leben zu zerstören, aber«, ging um mehr. Es ging darum, den Beweis zu erbringen, wer denn nun eigentlich die hoch- und wer die minderrangigen Motoren herstellt und es fing darum, zu erforschen, wer denn nun etwas zu lachen haben werde: die von der Wcllingtonhouse oder die von der Edison Eompanie. Er ist für die Wirtschaft gestorben, der erste arm« Teufel, den sie auf den elektrischen Stuhl gebracht haben. Zeit seines Lebens wird sie vermutlich nicht viel von ihm haben wissen wollen, aber er war ihr nicht zu gering, zu Reklamezwecken einige Minuten long seine Eingeweide rösten zu lasten. Und das ist doch leutselig von der Wirtschast. Es läßt sich allgemein sagen, daß der Tod eine Einrichtung von fragwürdiger Qualität ist, indessen sollte doch auch nicht verkannt werden, daß er nicht zuletzt auch im Völkerleben als Vorwärts- treiber von Geschäftsinteressen sich des öfteren schon bewährt hat. �nhaltijche Gemäldegalerie. Am 17. September ist Anhalt endlich zu einer Gemälde- g a l e r i e gekommen. Ein bißrf�n reichlich spät, muß man schon sagen. So ungekähr hundert Jahr«, nachdem man anderswo in deutschen Kulturländern darangegangen ist, die Kunsischätzr zum AUgemelnbesttz zu machen. Und dabei handelt es sich um ein zwar kleines, aber keineswegs armes Land und um Objekt« von recht beträchtlichem Wert. Es sind da im ehemaligen Palais Reina, einem jener Stadtpaläste, wie sie zur Unterbringung der unehelichen Fürstensprößlinge in jeder besteren deutschen Residenz erbaut worden sind, der sachverständigen Obhut des Konservators Dr. Grote einige 200 Bilder und Handzeichnungen der niederländischen und deutschen Schule» de« 15. bis 20. Jahrhunderts übergeben worden. Ein flämischer Primitiver ist darunter, Petrus Christus, ein heiliger Christoph von Dürer, Handzeichnungen von dem älteren und dem jüngeren H o l b e i n, Altäre von C r a n a ch und 5) a n s B a l d u n g, Schweizer und Nürnberger Kleinmeistcr des 16. Jahr- Hunderts. Aus dem 17. Jahrhundert Niederländer wie Frans Pourbus, Adrtaen van Ost ade, und, die Perle der Sammlung, ein Bildnis Heinrich Xllk. von Frankreich von der Hand des Rubens. Das 18. Jahrhundert vertreten Frankfurter Künstler der Gosthe-Zeit. Für das 19. und 20. Jahrhundert haben einheimisch« Maler den Vorrang: die Brüder O l i o.i e r, der Radierer Kolbe, der in Berlin hervorragend vertretene Franz Krüger. Dann die Künstler des Staatlichen Bauhauses: Klee, Feininger, Kandinsky. Ein Fcuerbach und zwei frühe Pferdestudien des Hans von Marees wären noch zu nennen. Handzeichnungen sind vernünftigerweise aus den Mappen genommen und gerahmt worden. Der anholtifch« Staat und die Stadt D e.s s o u haben diese Kunststätt« nur dem«nergischen Eintreten unserer Genossen im Landtage zu danken. Mit schweren Opfern mußte das nachgeholt werden, was die von den bürgerlichen Ideologen so gepriesene Dynastie der A» k a n i e r jahrhundertelang versäumt hat. Eine Prinzessin au» dem Hause Oranien, Henriette Katharina, ein halbes Jahrhundert später die Tochter des„Alten Dessauers" und schließ- lich um die Wende des 18. zum 19. Jahrhunderts der Begründer des Wörlitzer Partes, Friedrich Franz, habe» dies« Gemälde und Dabei wurde einem Pollzeibeamten die goldene Uhr gestohlen. Daß es sich bei. der Attacke der Hakenkreuzler um einen p l a n m ä h i- gen Ueberfall gehandelt hat, beweist die Tatsache, daß die Vorgänge in einer Bersammlung des deutschvölkischen Abgeordneten Streicher am Tage vorher bereits angekündigt wurden. völkische Ausschreitungen auch in Sera. Gera, 18. September.(Eigenbericht.)' NationolsozialistischeRowdys haben am Sonnabend im Kaufhaus Bütow zwei und im Warenhaus Tietz eine groß« Fensterscheibe mit Steinen zertrümmert. Als Haupttäter und Anstifter wurde der Handlungsgehilfe P., der Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes„Die Sturmglocke", neben drei Mittätern, die alle der Tat geständig-sind, festgestellt. Die Tot ist nicht ver- wunderlich, da die nationalsozialistischen Zeitungen Thüringens, so das Dintersche Schimpfblatt„Der Nationalsozialist", seit Wochen ausschließlich den Kamps gegen die Waren- und Kaufhäuser predigen, um bei kleinen Geschäftsleuten dann auf Jnseratenfang zu gehen. P. wollte scheinbar diesem Geschäft durch die Zertrümmerung der Scheiben eine größere Resonanz verleihen._ vandervelde über die Genfer Tagung. Bcüffel, 19. September.(Eigenbericht.) Der belgische Außenminister Banveroelde ist am Sonntag von Gens nach hier zurückgekehrt. In einem Presseenipfang äußerte er sich über die Abstimmung der Völkerbundvolloerjamm- lung über die Ratswahlen. Er betonte, daß gerade Belgien und ihm persönlich besonders freundlich gesinnte Sänder aus prinzipiellen Gründen gegen eine weitere Mitgliedschaft im Rot stimmten. Uebrigens hätten ihm Briand und Stresemann versichert, daß eine angeniessei« Form gefunden werben müsse, um die Zuziehung der belgischen Regierung zu Ratssitzungen in ollen Fragen zu sichern, wobei belgische Interessen berührt werden. Zusammenfastend äußerte sich Vandervelde dahin, daß die gegenwärtige Tagung in Genf bisher besser verlausen sei, als erwartet werden könne. Gewiß feien augenblicklich weder die Friedensplän« noch die Fragen der Rheinlandbesatzung erheblich vorwärts zu bringen, dazu mühten die nächstjährigen Wahlen in den großen Staaten abgewartet lverden, aber inzwischen gedeihe die Sache des Friedens doch weiter. Wenn auch vorläufig keine weittragenden Beschlüste möglich seien, so könne doch für die Zukunft ein Programm zur Sicherung des Friedens ausgearbeitet werden. Das geschehe zurzeit unter maßgebender Be» tciligung sozialistischer Delegierter der Abrüstungstom» Mission und wie er hoffe— mit viel Erfolg. Vandervelde betonte die Totsache, daß die deutsche Dele- gation die Kandidatur Belgiens unterstützt habe, obgleich ihre Lag« sehr schwierig war, besonders im Hinblick auf die letzte deutsch- belgisch« Polemik. Die deutsche Delegation sei von anderen Delegationen bestürmt worden, gegen Belgien zu stimmen, habe aber sich nicht beeinslussen lasten. Mit Befriedigung stellte Vandervelde in diesem Zusammenhang fest, daß auch Oesterreich, Ungarn und Bulgarien, die ehemaligen Verbündeten Deutschlands, für Belgien gestimmt härten. Lander- velde verneinte ausdrücklich, daß zwischen Belgien und Deutsch- land ein« Abmachung getroffen worden sei, nach der die Pro- stimme Deutschlands abhängig gewesen sei von der Zustimmung Belgiens zur Ueberlassung eines Kolonial Mandats an Deutschland. Vandervelde versicherte, daß Belgien die Zulassung Deutschlands in die Mandatskommission nicht ablehne. Ferner betonte der Außenministr, daß Belgien seine Kandidatur auf ausdrückliche Bitte Deutschlands, Frankreichs und Eng- lands aufgestellt habe. Ueber seine Zusammenkunft mit Stresemann und im speziellen über die Franktireurangelegen hert befragt, erklärt« Vandervelde, in diesem Augenblick sich darüber nicht äußern zu wollen. Plastiken und nach manch« mehr geerbt und angekauft und ihre zahlreichen Schlosser damit geschmückt. Kunstgelehrl« von Ruf haben dem Fürstenhaus immer wieder nahegelegt, diese Schätze in Staats- besitz zu überführen und der Allgemeinheit zugänglich zu machen; aber nichts dergleichen geschah. Alles blieb verstreut und vernach- lästigt: weder zur Katalogisierung, noch zu einer anständigen Pflege waren die Herrschaften zu bewegen. Man ließ den Kunstbesitz lang- som verkommen— ähnlich wie die Wcttiner ihre wundervolle Hauebibliothek. Niemond außer wenigen Eingeweihten ahnte auch nur etwas von den Kunstwerken, die in den alten Schlössern moderten. Ein paar besonders wertvoll« Stücke sind, allem Recht und Gesetz zum Trog, nach der Staatsumwäl.zung von den Askaniern verkauft morden. Gleichzeitig verschwand das herrliche Mobilar aus dem Zerbster Schlosse und wurde aus Auktionen ver- schleudert. Die Republik mußte dem herzoglichen Hause das Goleriegebäude abkaufen, mußte die Kunstwerke instand setzen und retten, was noch zu retten war. Sie hatte auch das Vergnügen, das verlotterte Schloß Oronienbaum wieder instand zu setzen. Angesichts so skandalöser Zustände— die Rechtsparteien haben sich wie üblich gegen oll« Kulturforderungen gestemmt— ist es recht pikant, die anhaltischen„Patrioten" vom Nutzen der Klein- staaterei und von der Notwendigkeit der Erhaltung vorsintflutlicher Staatsverhältniste deklamieven zu höre». Nur ja kein Ausgehen in Preußen oder Deutschland: sie machen das alles viel besser und das „angestammt« Herrscherhaus" ist ihnen bisher noch immer mit leuchtendem Beispiel vorangegangen. Den Leuten ist nicht zu Helsen..._ Dr. Hermann H i e b e r. Thealer in der Kloflerstraße:„Apoflelspicl" und..Zedermann". Das Apostelspiel Mar M« l l s kann noch auf dem Theater einige Wirkung erzielen durch die Form, in der es mittelalterliches, naiv- religiöses Erleben gegen modernen Zeitgeist ausspielt.„Jeder- mann" aber oerlangt durchaus nach Laienspielern, die gläubig sich selber darstellen. Unsere Zeit des Hochkapitalismus, mit ihrem ge- waltigen Ringen um die geistig« und körperliche Freiheit des Men- Ichen, weiß mit diesem Kirchenkult im Theater nichts mehr anzu- sangen. So konnte trotz des Fleißes, der an die Aufführung ge- wandt worden war, das alte Kölner Mysterienspiel.Ledermann" nicht packen. Tod und Teufel, Maria und Engel— sie wirken auf einer Theaterbühne heute immer ein wenig grotesk. Sich hier zur rein kulturhistorischen Wertung umzustellen, dürfte nur wenigen Theaterbesuchern liegen. Zur Ausührung: Florinn Kienzl gab im Apostelspiel einprägsamen den Großvater. Auch B r i n- g o l s was überzeugend als Johannes, ebenso Kaiser als Land- streicher Petrus. Eine rührende kleine Magdalene gab Ruth Puls, die nur manchmal etwas zu leise sprach.— Geschickt war die Regie FranzSondingers zu„Jedermann". Mit Hilfe der beiden Seitenbühnen wußte er in dem kleinen Theater eine gut« Raumwirkung zu erzielen. Besonders zu nennen wären hier der Jedermann Kaisers, der Klausner Florian Kienzls und die Dirne Hedwig Schlichter». Leb— k. c-vteuabend Dr. Peter Vach. Zu dem Lautenabend, bei dem Tr. Peter Bach auf Einladung der PoltZdühne eigene Gesinge vortragen wird, sind Karten zum Pieiie von 7V Ps. noch in belchränkter Anzahl in den Berkaute- stellen der LollSbahnr E. B. erhältlich. Der Abend findet am Mittwoch. dem LI. September, um 8 Uhr in der Aula des Gymnasium» zum Grauen Kloster. Klostustr. 74, statt. Ein /lusflüglerzug verunglückt. Entgleist auf dem Bahnhof Caputh-Geltow.— Bier Personen schwer 19 leicht verletzt. und Auf dem Buhnhos Capukh-Gelkow ereignete sich gestern um l9,ZK Uhr ein Eisenbahnunglück, das glücklicherweise nicht allzu schwer verlief. Bei der Einfahrt in den Bahnhof e n l g l e i st e n in der weiche die Lokomotive, ein Packwagen und ein mit Reisenden besetzter Wagen dritter Klasse des Personen- zuges 624. v i er Fahrgäste. Berliner Ausslügler. erlitten schwere Verletzungen und muhten in das Potsdamer Krankenhaus übergeführt werden. Neunzehn Personen, die Verstauchungen, Hautabschürfungen oder ähnliche Kontusionen davongetragen hatten, er- hielten von dem aus Potsdam an die Unfallstelle herangeführten Sanitälszug die erste Hilfe, folgende Einzelheiten werden hierzu noch mitgeteilt. Fahrplanmäßig näherte sich gestern um 13,26 Uhr, aus Beelitz kommend, der Personenzug 624 dem Bahnhof Caputh- Geltow. Beim Uebersahren der Weiche entgleiste plötzlich die Lokomotive und bohrte sich tief in das Erdreich ein. Der Packwagen und der hinterfolgende- Wagen dritter Klasse wurden dabei u m g e st ü r z t. Die übrigen Wagen blieben glücklicherweise unbeschädigt. Einige Fahrgäste hatten mehr oder minder schwere Verletzungen erlitten. Während sich die leichter Verletzten selbst aus dem entgleisten Wagen herausarbeiten konnten, mußten vier schwerer Verletze von Bahnbeamten und Mit- reisenden geborgen werden. Von Potsdam wurde sofort ein längerer Sanitätszug nach Caputh entsandt. 19 Leicht- verletzte wurden an Ort und Stelle von dem Bahnarzt und vom Sanitätspersonal behandelt. Sie tonnten noch Anlegung von Notverbänden wieder entlasten werden. Vier Personen mit ernste- ren Verletzungen wurden mit Kraftwagen in das Potsdamer Krankenhau» übergeführt. Zum Glück besteht bei keinem der Verletzten Lebensgesahr. Die Namen See verletzten: Bruno Steinke, Große Frankfurter Straße IS: Klara Leitner. Münchener Straße 18: Frau E. Jauert, Potsdamer Straße Z4: Frau Emma Kieper. Spandauer Straße 6 zu Charlottenburg. Die Unfallsteve wurde einig« Zeit später in weitem Umkreise nach Bekanntwerden des Unglücks begaben sich abgesperrt. Gleich der Präsident der Reichsbahndirektion Berlin, Dr. Stapf, und Vizepräsident Wall- bäum an die Unglücksstätte, um persönlich den Ermittlungen über die Ursache des Unglücks beizuwohnen. Es konnte bisher noch nicht einwandfrei festgestellt werden, ob ein Fehler In der Weiche oder zu schnelles Fahren den Unfall herbeigeführt hat. Ein klares Bild wird erst die Zeugenvernehmung, die im Laufe des heutigen Vor- mittags stattfand, ergeben. Um einige Widersprüche in den Aus- sagen zu klären, begaben sich heute vormittag Oberbaurat Brandt und Direktor Zander von der Reichsbahndirektion nochmals an die Unfallstelle. Der Betrieb auf der Strecke Beelitz-Nauen konnte durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Eine große Arbeiterkolonne aus Berlin wurde mit einem Hilfszug nach Caputh entsandt, um die A u s r ä u m u n g s a r b e i t e n, die bis in die heutigen Vor- Mittagsstunden währten, vorzunehmen. Zugentgleisung bei Jrankfurt a. M. Frankfurt a. IJL, 18. September. Nach Mitteilung der Eisenbohndirektion ist der Schnellzug D. 304 Mainz— Frankfurt a. M. 20.46 Uhr aus der Durch- fahrt durch den Bahnhof Goldstein entgleist. Nach den bisherigen Feststellungen wurden neun Personen verletzt. Zwei Wagen des Zuges stürzten um, drei weitere entgleisten. Der Unfall ist aus einen Achsenschenkelbruch an einem der Wagen zurückzu- führen. Der Hilsszug traf um 21.17 Uhr an der Unfallstelle ein. Der vordere Teil des O-Zuges konnte die Fahrt noch Frankfurt a. M. fortsetzen, nachdem er einen Teil der Passagiere der letzten Wagen Der Rest der Passagiere wurde mit dem nach Frankfurt befördert. Pom Zug ersaht. Nach Mitteilungen der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. wurde nachmittags 6 Uhr auf einem nicht mit Schranken versehenen Uebergang der Strecke Fried- berg— Hungen bei dem Bahnhof Woelfersheim-Soedel ein Pferdefuhrwerk von einem Personenzug ersaßt und zertrümmert. Der Eigentümer des Wagens, die Ehefrau und sein Enkelkind wurden schwer verletzt. Nach Angabe des Lokomotivführers scheute das Pferd und llef direkt in den Zug. aufgenommen hatte. folgenden Schnellzuge Die Tragödie auf dem Dorf. Das Geständnis der furchtbaren Bluttat in Caputh. Durch das Geständnis des 23 Jahre alten Schlächters Albert Schwarze aus Caputh, der bekanntlich nach längerem Leugnen zugegeben hat, die feit September v. I. vermißte Hausangestellte Martha John ermordet zu haben, ist eine erschütternde Dorftragödie aufgerollt worden. Die weiteren Ermitllungen der Inspektion A. der Berliner Kriminalpolizei haben ergeben, daß Schwarze die Beziehungen zu dem Mädchen schon anknüpfte, als es noch in Caputh in Stellung war. Später übersiedelte die John nach Großbeeren, blieb aber im Briefwechsel mit dem Liebhaber. Als sich Folgen des Beihältnisses bemerkbar machten, verlangte das Mädchen, daß der Schlochier sie heiraten sollte. Er lehnte das ab, da er inzwischen eine andere Geliebt« gefunden hatte. Als die John am 18. Septem- oer v. I.— also genau vor einem Jahre— ihr« Stellung in Groß- beeren aufgab und nichts mehr von sich hören lieh, legte ina» dem Verschwinden zunächst keine große Bedeutung bei. Unter den Hab- seligkeiten des Mädchens wurde ein Brief gefunden, in dem Schwarze sie aufforderte, sich zu einer endgültigen Aussprache mit ihm auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin zu treffen. Als man dem inzwischen sestzenommcnen Albert Schwarze diesen Brief vor- legte, bestritt er zunächst, ihn geschrieben zu haben, widerries diese Behauptung ober doch, als ihm die Unwahrheit nachgewiesen werden konnte. Am Sonnabend beguemte er sich denn endlich zu einem umfassenden Geständnis. Mit voller Absicht hatte er die frühere Geliebte, deren er längst überdrüssig war, aus Großbeeren noch Berlin gelockt. Vom Potsdamer Bahnhof aus war er mit ihr nach Potsdam gefahren, hatte aber wohlweislich vermieden, hier den Autobus nach Caputh zu benutzen, da er nicht gesehen werden wollte. Er beweg das Mädchen vielmehr, den Weg nach dem Dorfe zu Fuß zurückzulegen. Auf dem Grundstück der Mutter setzte er sich mit ihr auf ein Spargelbect und gab sich den Anschein, als ob er auf ihre Heiratswünsche eingehen wollte. Wie er erzählt, hat er die Ahnungslose während des Gesprächs erwürgt. Nachdem da» Mädchen tot war, grub er an einem Stallgeböude, das an die Spargclbeete anstieß, ein etwa 1,20 Meter tiefes Loch, zwängt« die Leiche hinein und ebnete den Boden sorgfältig wieder ein, damit nichts Auffällige» zu sehen war. Bald nach der Tat verübte er einen Einbruch. Das führte zu einem Bruch mit seinen Auge- hörigen, die sich nunmehr ganz von ihm lossagten. Am Sonnabend begab sich nun Kriminalkommissar Dräger von der Berliner Mord- inspektion mit dem Verhasteten nach Caputh und dort wurde an der von Schwarze bezeichneten Stelle die Leiche des Mädchen tatsächlich ausgegraben. Die von der Oberstaatsanwaltschaft Potsdam sofort angeordnete Obduktion ergab nun aber, daß das Aiadchen nicht nur erwürgt, sondern in unglaublich roher Weise erschlagen worden war. Allem Anscheine nach hat Schwarze dem Mädchen mit einem Spaten noch den Schädel vollständig zer- trümmert. Der Mörder wird im Laufe des heutigen Tages dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. 15 Damenarmbanduhrsn, die in Reparatur gegeben waren. 20 gol- dene und silberne Herrenuhren und etwa 100 Stück Schmucksachen verschiedener Art, nach den bisherigen Feststellungen im ganzen für etwa 60 000 M. Trotz des regen Verkehrs in der Gegend hat niemand von dem Einbruch etwas gemerkt. Erst abends wurde er entdeckt._ wohnungsbranü in Berlin tt. Ein Mann erstickt. Mieter des QuergebSudes im Hause Prinzenall««»0 wurden gestern auf einen verdächtigen Brandgeruch auf- merksam. Auf der Treppe zeigten sich dichte Rauchschwaden, die au» der Wohnung des Arbeiters Friedrich Lüdtke drangen, der im zweiten Stockwerk eine kleine Wohnung Innehat. Als auf Klopf- zeichen niemand.öffnet«, wurde die Feuerwehr alarmiert, die sich gewaltsam Einlaß verschaffte. In dem völlig v« r- qualmten Schlafzimmer wurde L. bewußtlos auf- gefunden. Er wurde durch die Feuerwehr zur Rettungsstelle 10 gebracht, wo der Arzt jedoch nur noch den Toddurch Ersticken feststellen� konnte. Das Feuer wurde von der Feuerwehr nach kurzer Zeit gelöscht. Nach den bisherigen Feststellungen scheint B. das Opfer eigener Unvorsichtigkeit geworden zu sein. Sein« Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schouhaus gebracht. e-« Mit der Bekämpfung eines gefährlichen Dachstuhlbrandes waren gestern um 21% Uhr vier L ö s ch z ü g e der Feuerwehr in der »Merseburger Straße 3 zu Schöneberg stundenlang be- schäftigt. Das Feuer dehnte sich mit großer Schnelligkeit auf den ganzen Dachstuhl aus und drohte auf die Hachbardöcher überzu- greifen. Durch starkes Wassergeben aus fünf Schlauchleitun- gen gelang es jedoch den Brandherd einzukreisen. Die Ausräumungsarbeiten dauerten bis in die Morgenstunden hinein. Die Entstehungsursache konnte noch nicht ermittelt werden. Einbruch im �uwelenluüen. 3für 60 000 Mark Uhren, Schmucksachen und Edel- steine gestohlen. Das Geschäft des Juweliers Lünser in der Friedrich- st roß« 89 wurde am Sonntag nachmittag von Einbrechern heim- gesucht. Der kleine Laden liegt neben dem Lotteriegeschäft von Silbermann, dessen Raum früher ein Hauseingang von der Friedrichstrahe her war. Am Hose haben beide Geschäfte gemeinsam einen Vorraum mit einem Hotel. Von einem Holzverschlag aus versuchten die Verbrecher in das Juwclengeschäjt einzudringen. Sie durchbrachen eine Wand, stießen aber auf«in Kleider- spirch und kamen durch dieses in einen Vorraum des Ladens. Von hier aus hätten fi« nun durch eine Tür in den Juwelenladen selbst vordringen können. Sie müssen aber die Uebersicht über die Lage verloren haben, gingen zurück nach der anderen«eite, verschafften sich Eingang in das Lotteriegeschäft und brachen von hier aus durch eine Wand unmittelbar in den Juwelenladen ein. Durch eine ge- schlössen« eiserne Schutzplatte vor dem Schaufenster gegen Sicht von außen her gedeckt, konnten sie sich ungestört in dem Laden aufhalten. Trotzdem räumten sie nur einen Teil des Schaufensters aus. Die Verbrecher erbeuteten u. a. 95 neue goldene Uhren. darunter 15 H«rrenuhr«n mit Sprungdeckel. 50 silberne Herren- uhren mit und ohne Sprungdeckel,«inen großen Posten Nickelherren- uhren mit Chronograph, 3 0 golden« Kettchen mit Änhän- gern, 20 goldene Füllfederhalter, ebenso viele goldene Bleististbalter, 20 bis 30 goldene Armbänder. 15 Krawattennadeln mit großen Perlen oder Brillanten, 20 Brochettes mit Brillanten, Ueberfall auf eine Blinde. Von einem Wüstling wurde gestern abend gegen 19% Uhr eine blinde Frau Emma B. aus der Waldsiedlung bei Spandau überfallen. Die Frau befand sich auf dem Wege noch Spandau und wurd« von ihrem sechsjährigen Sohne geführt. Bei Amalien- h o f in der Gegend der Sandstraße schlug si««inen Landweg«in. Hier kam plötzlich«in unbekannter Mann heran und bedrohte den Knaben, daß er in seiner Angst davonlief, siel über die Frau her und tat ihr Gewalt an. Die Blinde, deren Hilferufe ver- hallten, weil niemand in der Nähe war, tastet« sich weiter, nachdem der Unhold davongegangen war. Eine ander« Frau, die sie dann traf, bracht« sie nach einem Restaurant In der Seeburgstraß«. Der Junge war unterdessen auch auf Leute gestoßen und hatte ihnen mitgeteilt, was seiner Mutter begegnet war. Dies« benachrichtigten die Polizei und das Revier entsandte sofort das Ueberfalltommando, das aber von dem Uebelläter keine Spur mehr fand. Der Knabe kann nur sagen, daß er«ine Mütze und einen Leibriemen trug. Mitteilungen zur Aufklärung an die Kriminalpolizei und da» Revier 144 in Spandau. Ein Festabend der Lehrer. Anläßlich des von dem„Verein für Leibesübungen der Berliner Lehrerschaft E. V." am gestrigen Sonntag auf dem Tiergarten-Sportplatz veranstaltete 1. Lehrer- Städte. tamvfes Dresden— Hamburg— Berlin— der unter dem Protektorat des Stadtschulrates Genossen Nydahl stand—, fand im Festsaal des Hotels„Nordischer Hos" am Stettiner Bahnhof ein Begrüßungsabend statt. Dieser Abend sollte vor allem der persönlichen Fühlungnahme der zum Teil einander fremden Teilnehmer— es waren vorwiegend Junglehrer— dienen, was auch in den zwanglosesten und sympathischsten Formen geschah. Im Namen der Stadt Berlin begrüßt« Direktor H ä u ß l e r von Stadt- amt für Leibesübungen die Gäste. Er unterstrich in seiner mit herz- lichem Beifall aufgenommenen Ansprache die hohe Aufgabe der Lehrerschaft auf dem Gebiete des Sports, der als eine Angelegenheit des ganzen Volkes im besonderen der Jugend zu erschließen sei, wobei die Beteiligung der Lehrer nicht wie früher ein« passive, sondern>«ine aktive sein soC Die Stadt Berlin hat für die Kämpfe einen Wanderpreis gestiftet. Aus der Ansprache des Vorsitzenden des Hamburger Vereins ist die Mitteilung er- wähnenswert, daß der Hamburger Senat die Reis« seiner Lehrer durch einen finanziellen Zuschuß unterstützt hat. Die Sachsen, die sich durch humorvolle Vorträge alle Herzen im Sturm erobert hatten, ließen ihren Berliner Kollegen durch zwei Damen große Blumensträuße überreichen. Gäste und Veranstalter zeigtet sich in jeder Hinsicht von der angenehmsten Seite(man ver� 60 Br1ll.aitlri.nge. 20 Merae und gpldeae Herren»«nfr ztchtete j. B. auf diesem Pommers" bewußt auf größer« Bcieb«. Alkohol und brach, um für die Kämpfe frisch zu sein, schon«in« Stunde vor Mitternacht auf), so daß man von diesem Begrüßungs- abend den Eindruck mitnahm, daß wirtlicher Sportgeist in der jungen Generatton der Erzieher unserer Jugend seinen Einzug ge- halten hat— was ja auch nur zu begrüßen is Ins Heben hinaus! Jugendweihe der Grost-Berliner Arbeiterschaft. Die diesjährigen Herbst-Iugendweihen begannen am Sonntag mit einer von der Sozialdemokratischen Partei veranstalteten Jugendweih« der Arbeiterschaft Groß-Berlins. Im Großen Schauspielhaus, das für solche Veranstaltungen ganz besonders geeignet ist, versammelten sich 350 jetzt vor der Schuient- lassung stehende 5knaben und Mädchen und mit ihnen die Schar ihrer Eltern, Angehörigen, Verwandten und Freund«. Der weite Raum war bis in die obersten Reihen hinauf dicht besetzt. Einem Abschluß und einem Ansang galt diese weihevolle Feier- stunde, dem Austritt aus der Schule und dem Eintritt in das Berufs- und Erwerbsleben. Was an solchem Zeitpunkt, der vielleicht wichtiger als irgendein anderer auf dem Lebensweg eines Menschen ist, wir unseren Jungen und Mädeln zum Geleit zu sagen haben, das sprach Genosse Dr. Lohmann in seiner Weih« red« aus. Kein Gelübde verlangen wir von ihnen, wie die Kirch« es von ihren Konfirmanden verlangt. Auf di« große Geist es- und Kampfgemeinschaft wies Lohmann hin, ln die unser Nachwuchs eintreten soll. Das Werk, das die jetzt Alten begonnen haben, sollen die Jungen einmal vollenden. Menschen haben di« Erde zur Hölle gemocht, Menschen ollein können di« Zu- stände wieder bessern. Aber das vermag nicht der einzeln«, sondern nur durch ein Zusammenwirken all er ist das zu erreichen. Solidarität fordern wir im Kampf um die Befreiung der schaffenden Arbeit aud den Fesseln des Kapitals. Die Weihevede wurde umrahmt von künstlerischen Dar- b i e� u n g e n, von Orqelspiel, Vorträgen des Liebermonnschen Cello- Trios, Gesängen des„Jungen Chors". Franz Rothenfelders Dichtung„Der Herbst geht über die Heide", vom Sprechchor vor- getragen, wies hin auf die Jugendweihe und klang au» in der Mah- nungi Werdet aufrecht schreitend« Kämpfer! Für«ine zweite Gruppe von nochmals 360 Knaben und Mädchen findet die von der Sozialdemokratischen Partei veranstaltete Jugend- weihe im Großen Schauspielhaus am nächsten Sonntag um 11 Uhr statt. Si« wird durch den Rundfunk übertragen werden. Bei einem ButounfaU erürofselt. Die verhängnisvolle Uhrkette. Breslau. 10. September.(Eigenbericht.) Der Bürgermeister von Ratibor, Ellendt, verunglückt« in der Nacht vom Eonnabend zum Sonntag tödlich. Ellendt fuhr in seinem Kraftwagen von Beuthen die Streck« nach Ratibor. Im Begriff, eine Fliege, die ihm ins Gesicht ge- flogen war, abzuwehren, verlor er die Gewalt über den persönlich von ihm gesteuerten Wagen. Das Automobil stürzte um und begrub di« Insassen unter sich. Ihre Verletzungen waren nur leichter Natur. Ellendt wurde ein Opfer seiner langen Uhrkette, die sich ihm um den Hals schlang und ihn erdrosselte, bevor Hilfe kam.— Ein Unfall, der an das tragische Ende der Isadora Duncan erinnert._ Schwerer Zlugzeugabsturz in Amerika. Sieben Personen getötet. New Jork. 17. September. In der Nähe von Hadley im Staate New Jersey stürzte ein Passagierflugzeug ab und wurde vollständig zertrümmert. D«r Pilot und seih» Znsasien fanden den Tod. plainsield(New Jersey), 19. September. Da« gestern verunglückte Flugzeug ist eine Fokker-Ma- s ch i n e. die eine Reihe kurzer Flüge mit je acht Passagieren machte. Beim fünften Fluge befanden sich zehn Passagiere an Bord. Das Flugzeug erhob sich zwar vom Boden, aber der Motor setzte aus, und der Apparat stürzte ab und wurde zertrüm- m e r t. Man hofft, daß vier der verletzten Passagiere mit dem Leben davonkommen werden. Auch ln Dänemark. Kopenhagen, 19. September. Eine Fokter-Maschine der dänischen Lustsahrts- g e s e l l s ch a s t ist, kurz nachdem sie vom Castruper Lufthafen nach Hamburg aufgestiegen war, in unmittelbarer Nähe des Flughasens abgestürzt. Das Flugzeug, dos mit Passagieren voll besetzt war, geriet in Brand. Soweit bisher bekannt ge- worden ist, gelang es alle« Pasiogieren, sich aus dem Flugzeug zu retten. Der Pilot wurd« mit schweren Brandwunden ins Kranken- hau» gebracht. Sport. Die Ringkämpfe im Sportpalast. Am Sonnabend warf der Jugoslawe Kopp im Entscheidung»- kämpf den Hamburger Schulz nach 58 Min. durch Untergriff von vorn. F. K a w o n triumphierte nach 20 Minuten über den Ungarn B a r o t h y durch Hüftschwung. Der Elberfeld«? K u n st bezwang den Bayern V o g t m a n n durch Untergriff von vorn nach 9 Minu- ten. P r o ch a s k a und Leskinowicz konnten in ihrer vor- geschriebenen Zeit zu keinem Resultat gelangen. Durch Hüftschwung warf in der 6. Minute van R i e l den Hamburger Stange. Der Sonntag paarte im Entscheidungstamps den Berliner S<6 a ch- s ch n« i d e r und Stolzenwald- Saargebiet, der sich als der stärker««rwies und seinen Gegner mit blitzschnellem Untergriff von vorn aus die Bretter zog. Auch der Ostpreuße B u d r u s mußte die Macht eines Doppelnelsons des Deutschpolen Pinetztl nach 8 Minuten anerkennen. Im Kamos P e r« l e s- Wien gegen G o ck s ch- Berlin standen zwei ausgezeichnete Ringer auf der Matte, die zu keiner Entscheidung gelangen konnten. Sachs- Bayern ver- mochte sich gegen den kräftigeren und schweren Wiener F. K a w a n nicht durchzusetzen und erlag in der 13. Minute einem schnellen Ueberwurf. In dem Jiu-Iitsu-Kampf gegen Kawamuro mußte am Sonnabend der Kölner D e b i e schon nach 4 Minuten die Waffen strecken. Am Sonntag stand der massige Tscheche P r o ch a» k a dem Japaner Kawamura drei Runden lang und gewann damit die von diesem ausgesetzt« Prämie. Rennen zu Grunewald am Sonnlag. dem IS. September. 1. Rennen. 1. Leichte Ilabell(ü. Schmidt), 2. Zigeunerin, S. Roten- fiein. Toto: 31: 10. Platz: 10, 10, 11: 10. Ferner liefen: Vwcula(4). Rottländer, Armbruster, Latona. L.Rennen. 1. Dalamedetz spiegelt sich im ganzen Statutenentwurf wieder, der der neu zu schaffenden Industrieorganisation den Charakter einer reinen Unter st ützungsorganisation verleihen soll." Zwei weiteren Sätzen folgt dieser dritte:„Die Unter- stützungseinrichtungen für Streiks, Aussperrungen und Maßregelungen kommen im Untcrstützungsreglement erst in letzter Linie." Macht nichts,„die reformistischen Führer" müssen in-der KPD.- Press« verungeniert werden. Weil nur dann das Licht der„revolu- tionären" Wortführer leuchtet._ Ein öetri'ebsratsmitglieö gemaßregelt. Beim Streik bei Bergmann. Als der Streit der Schlosser und Dreher bei Bergmann in Rosenthol ausgebrochen war, glaubte die Firma durch„Still- legung" des Betriebes einen Druck auf die Streikenden ausüben zu können. Da, ist freilich nicht gelungen. Die Streiken- den haben sich nicht einschüchtern lasten, der„stillgelegte" Betrieb ist nach kurzer Zeit weitergeführt und die ausgesperrten Ar- bciter sind wieder eingestellt worden. Aber ein Betriebs- rats Mitglied, der Bohrer V., ist auf der Strecke g e- blieben. Das ist der einzige, aber durchaus nicht rühmenswerte Erfolg, den die Firma mit ihrer Aktion erreicht hat. Bor dem Arbeitsgericht, wo V. wegen seiner Entlastung klagte, kam die Angelegenheit zur Sprache. Die Firma hatte bekannt ge- geben, sie könne wegen des Streiks der Dreher den Betrieb nicht weiterführen, die übrigen Arbeiter müßten aussetzen und wer mit dem Aussetzen nicht einverstanden sei, der müste entlassen werden. V. erklärte nach einigen Tagen, daß er mit dem Aussetzen nicht einverstanden sei. Er rechnete auf seine Weiterbeschäftigunq, denn als Mitglied des Betriebsrats durfte er ja nicht'ohne dessen Zustimmung entlasten werden. Aber V. wurde ohne weiteres entlassen. Der Vertreter der Firma glaubte die Entlassung damit recht- fertigen zu können, daß er erklärte, der Betrieb sei ja still- gelegt worden, in diesem Falle sei nach 8 96 BRG die Zustimmung zur Entlassung von Betriebsratsmitgliedern nicht erforderlich. Der Vertreter des Metallarbeiterverbandes hielt dem entgegen: Von einer ernst gemeinten Stillegung könne keine Rede sein. Die Firma Hab« doch nur durch eine S ch e i n st i l l- l e g u n g einen Druck aus die Streikenden ausüben wollen. 8 96 BRG. komme hier also gar nicht in Frage. Hier handle es sich lediglich um die Maßregelung eines Betriebsratsmitgliedes. Sämtliche Bohrer seien nach einigen Tagen weit erb e- schäftigt worden, darunter zwei, die ebenso wie der Kläger, erklärt hatten, nicht aussetzen zu wollen. Diese Beiden hatten sogar ihre Papiere gefordert, sind aber trotzdem wieder eingestellt worden. Nur der Kläger muhte draußen bleiben. Dafür gibt es keine andere Erklärung als die: Er ist Mitglied des Be- triebsrats. �,.. Diese tatsächlichen Angaben des Verbandsvertreters konnte der Vertreter der Firma nicht widerlegen. Er klammerte sich an die Behauptung, der Betrieb sei stillgelegt worden, also habe der Kläger ohne Zustimmung entlosten werden dürfen., � Aus diesen Standpunkt stellte sich auch das Gericht(Bor- sitzender Amtsgerichtsrat Dr. Tecklenburg), indem es den Kläger abwies mit der Begründung, die Stillegung l>abe zwar nur kurze Zeit gedauert, aber sie s e i e r n st g e m e> n t g« w e i e n, also sei die Entlastung aus Grund 8 DRG. gerechtfertigt. Hier hat also juristischer Formalismus über dl« tat- sächlichen Verhältnisse sowie über den Geist und den Sinn des Betriebsrätegesetzes gesiegt. Wenn man Arbeiter einige Tage aussetzen läßt, um die Streikenden niederzuzwingen so ist das doch keine Stillegung des Betriebes, wie sie das Betriebsrätegesetz meint._ Keine Einigung in der Solinger Metallindustrie. Die am Freitag auf Einladung des staatlichen Schlichters im Tarifstreit der Solinger Metallindustrie geführten Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis. Der Arbettgeberoerband wird zur Lage Stellung nehmen. Die Streiklage hat sich nicht wesentlich geändert. Von den Belegschaften dreier weiterer Firmen sind die Kündigungen eingereicht worden. Streik der Warschauer Bankangestellte«. Warschau, 19. September.(Eigenbericht.) Die Angestellten der Warschauer Diskontobant, deren Gehälter seit dem Jahre 1924 nicht erhöht wurden, haben beschlossen, am inorgigen Dienstag in den Streik zu treten, falls die Direktion bis dahin ihre Forderungen nicht berücksichsigen wird. Einwanderungseinschränkungen in Mexiko. (IGB.) Zum erstenmal in der Geschichte Mexikos hat der Prä- sident der Republik ein Dekret unterzeichnet, durch welches die Ein- Wanderung gewisser Elemente für eine bestimmte Periode unter- Kunden wird, d. h. vom 1. September 1927 bis Dezember 1929. In dieser Zeit wird die Einwanderung sür Syrier, Araber, Türken und Armenier strikte verboten sein, d. h. soweit die Emigranten nicht iiN Besitze eines Kapitals von mindestens 19 999 Pesos sind. Die Einwanderer obengenannter Nationalität bilden das wichtigste Kontingent der Einwanderung nach Mexiko. Die Sparkaste der Bank der Arbelker. Angestellken und veamken A.-G„ Berlin, wallstr. S5. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. Verantwortlich titr Politik: Richard Brrnstei»; Wirtschast: ch.»liagelhiser: Sewerlschaftsbewegunä: Z. Steiaer; Feuilleton: Dr. Zoh» Schikowoki: Lokales und Sonstiges: Feig»arstädt: Än je igen: Dtz. chlokie! sämtlich in«erlin. Verlaa: Vorwärts-Verlag S. m. b. H.,«erlin. Druck: Vorwärts-Buchtruckeret und VerlagsanstaU Paul Singer u Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 6. Volksbühne tlnatr in Btltwpliti Tt. in SdriffiiagtriiiiiBi 8 Uhr Grouei Dl« neu« CHARELL- Inraenleruiiff mit Hax Pallenberg RH« Otors Bendow Jankuhn SxBkeSxakalt Werkmeister Westermeler jadtson Boys tatiine Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst zu halben Preisen VorverKanf 10-« mar Inserieren bringt ERFOLQI 81�x333 Nollendorf 7360 Die September- Varietö-Revue Sonnabends u. Sonntag* t Vorttoll. S80 u. 8 Uhr— Xj0 zu ormbfiigton Praitan da* ganze Programm. VlinteF Garten Rällchen tastet I lasma Seiim and Dr. Ralph Benmixky i Reichshallen-Theater Anlang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit In der MüllcratraB* Nachmittags; Halb« Preise, volles Programm. Dönhoff-Brett'la Variete, Konzert, Tanz SillnbanrSibon Dts. Künstler-Tb 8 Uhr „Die Dam« von Maxim" Lesting-Theater 8 Uhr „SiDig Heinridi IV' Planetarini an Zoo litlla). kediailtulir link Noll. 1578 Dar Starnanhlmmal aal dar Rai** van Barila nach dam Aagaatar Vorlflhrungen: 4'/» 6, 7>/fc 9 Uhr. Eintritt I M. linder Mi. IS Jihrn 0.11 M. Theater am Kottbasser Tor Kottbusscr Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnchm. 3 U- .Elite-Sänger 1 In ihrem Scfalager-Programa I Volkspreise von SO Ps. bis 2JS0 M. Sonntagnachmittag: firofte Familien■TonteanBü Volles Progr. Kl. Preise v. 40 PI. b. 1,75 M. OröBter Lacherfolgl LJUERGENS ALEXANDER. PLATZ V ssssüP' Hubertusbader Quellsalz das rein natürliche Calciumsalz .Oueii&aii, r»«m»-> a»«-'"*.« Älclumsö1* � v 7u• toiijJöS wXfrie,rmS2* Hervorragend bewahrt bei Grippe, Ais ttima,t1u|ten. Schnupfen. fleufchnupfen. Zu haben In allen Apotheken und orogerlen- Original packung_M.JJ._~._ Tutaway-Anzilg» ZaMcnmSntel,«tr jede Figur passend. Spezialität: Bauch. anzllge, spattdillia. Halpern. Ziosen. :.iaicrsi-os- 4. erste iktage." Norderney in Sommer und Winter das Iflhrendc denlsdic Nordseebad Aosknntt Bedeverwalfung and Reisebureaus Verkäufe Bcklrmuiigssliicli«, Wasche us* «erleid tchaftsanzvaen. Sorben 6393. docheleganten(BefeU. 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