ftr. 444 ♦ 44. �ahrgakg Ausgabe A Nr. 226 Bezugspreis: RSSchenilich 70 Pfenni«, lluinatNch 8,— Rlich-mnr! voraus»abliat. Unter Streifband im In. und Slusland 5.50 Reichsmark pro Monat. 9er»Borwilrts� mit der illuflrier. ton Sonntagsbeilage.Boll und Zeit" sowie den Beilagen.llnterbaltung und Wissen".»Au- der Filmwelt". »Frauenstimme"..Der«inder- freund"..Zugend-Borwärts",.Blick in die Biicherwelt" und.stultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. Mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat verlin" Morgenausgabe Verlinev VolKsvl�kt Groh-Berlin 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: vir«iuspaltig« Nonpareille. »eil« SO Pfennig. ReNamezeile 8,— Reichsmark..Kleine«n, eigen" k«« fettgedruckte Wort 28 Pfennig kzuläfst» zwei fettgedruckte Worke), iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche dos erste Wort 18 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 18 Buch. stoben»Shlett fttt zwei Worte. «rbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. 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Di« noch während des Krieges von der rumänischen Regierung ols Vorbeugungsmittel gegen eine bolschewistische Revolution vcr> kündete Agrarreform hat die entschüdigungslose Enteignung von Großgrundbesitzern(angeblich auch von mittleren und kleineren Bauern) ungarischer Nationalität, insbesondere von etwa 300 un- garischen Optanten zur Folge gehabt. Ungarn brachte deren Klagen vor das ungarisch-rumänische Schiedsgericht, das sich mit Stimmenmehrheit für zuständig erklärte. Darauf zog Rumänien seinen Beisitzer aus dem Gericht zurück und legte dessen Tätigkeit lahm. Ungarn beantragte zwangsweise Einsetzung eines Ersatz- richters durch den Völkerbundrot, Rumäniens Gegenstoß ging dahin, den Rat zu ersuchen. Die Unzuständigkeit des Schiedsgerichtes in dieser rein innerpolitischen rumänischen Angelegenheit prokla- Mieren zu lassen. Vier- oder fünfmal hat sich der Rat mit diesen: äußerst schwie- rigen Problem befaßt, zuletzt im März dieses Jahres, immer erfolg- los. Ein eingesetztes Unterkomitee(Chamberlain-Villejas-Sato) verhandelte wochenlang seit Beginn der Septembertagung mit den beiden Parteien, die ihrerseits alles taten, um die einzelnen Rar?. Mitglieder für ihren Standpunkt zu gewinnen. Endlich kam jetzt die Angelegenheit vor den Rat. Das Umer- komite« hatte eine Kompromißformel ausgearbeitet, nach der die Zuständigkeit des Schiedsgerichtes grundsätzlich, anerkannt wird, aber andererseits die Souveränität Rumäniens in der Durchführung der Agrarreform gewahrt werden soll: das Schiedsgericht müsse seine Tätigkeit auf solche Fälle beschränken, wo ungarisch« Staatsangchörrg« »in ihrer Eigenschaft als solche" enteignet worden seien. Rumänien erklärte sich, wenn auch wider Willen und unter grundsätzlichem Protest, mit dieser Lösung einverstanden. Um so hartnäckiger lehnte sie Ungarn ob. A p p o n y i- Ungarn und Titulescu- Rumänien hielten lange und leidenschastlichc Reden. Etresemann verteidigte insofern den ungarischen Standpunkt, als er in der Lahmlegung des Schiedsgerichtes durch Rumänien eine Gefährdung des gesamten Prinzips der Schiedsgerichtsbarkeit er- blickte. Nach einer bewegten Schlußsitzung, in der C h a m b e r l a i n seinem Unwillen über die ungarische Hartnäckigkeit energisch Ausdruck verlieh und sogar sein Amt als Mitglied des Unterkomitees nieder- legen wollt«, wurde endlich eine provisorische Einigung erzielt, indem der erste Teil des Vorschlages angenommen wurde, während die Gesamtabstimmung auf die Dezembertagung oerschoben wurde, damit sich die beiden Regierungen bis dahin zu dem Vorschlag äußern und.sich vielleicht auf dieser Grundlage bis dahin einigen. Letzteres ist allerdings wenig wahrscheinlich, da die Erbitterung auf beiden Seiten außerordentlich groß ist. Rumänien bezeichnet es als eine Lebensfrage in politischer und finanzieller Hinsicht, daß ihm bei der Durchführung seiner Agrarreform nicht von außen da- zwischengeredet wird, Ungarn appelliert an die Solidarität der kapitalistischen Staaten zugunsten seiner enteigneten Großgrund- besitzer, die einer„bolschewistischen" Agrarreform zum Opfer sielen. So wird sich wohl der Rat im Dezember und vielleicht auch noch später mit diesem Konflikt befassen müssen. Außerdem hat Strese- mann vorgeschlagen, daß im Nichteinigungsfalle der H a a g e r Schiedsgerichtshos sich über die rechtliche Seite der Kompro- mißformel äußere. Eine endgültige Beilegung ist also nicht so schnell zu erwarten, obwohl der Konflikt schon seit mehr als fünf Jahren schwebt! Völkerbund und Veltwirtfihastskonferenz. Genf, 19. September.(Eigener Drahtbericht.). Die zweite Kommission der Völkerbundsoersammlung Hot am Montag die Aussprache über die Ergebnisse der Wirt- schastskonferenz abgeschlossen. Die Vertreter von rund 80 Ländern sprachen dabei die volle Zustimmung zu den Eni- schließungen der Wirtschaftskonferenz aus. Als einer der ersten Redner führte Dr. B r e i t s ch e i d aus, die drei großen positiven Erfolge der Wirtschaftskonserenz seien: 1. daß keine Zoll- erhöhungen mehr vorgenommen werden. 2. die Meist- pcgünstigungsklausel eine allgemeine Anwendung finden und 3. die Erschwerungen und Hindernisse im internationalen Handel beseitigt werden sollen. Mit besonderer Genugtuung wurde seine Mitteilung ausgenommen, daß der deutsche Reichs- wirtschaftsrat beauftragt sei, diejenigen Zollpositionen zu überprüfen, die«ine weitere Herabsetzung erfahren können, neben der bedeutenden allgemeinen Herabsetzung ,des Zolltarifs durch das Zustandekommen des deutsch-französischen Handelsver- träges. Breitscheid sprach die Hoffnung aus, daß andere Länder bald dem deutsch-französischen Beispiele folgen werden. Er wie« nachdrücklich daraus hin, daß«s sich bei der Ausführung der Ent- Schließung der Wirtschaftskonserenz nicht nur um Ziffern und Roh- stoffe, sondern auch um die Wahrung der Interessen der Konsumenten und der Arbeiter handeln müsse. Er schloß mit der Erklärung, daß die Wirtschaftskonserenz ein vielversprechcn- der Ansang sei, um für die Gestaltung der Nachkriegswirtschaft neue Wege zu finden, die sie notwendig brauche. Sehr eindringlich sprachen für die baldige Verwirklichung der Beschlüsse der Wirtschaftskonserenz die Vertreter Englands, Hollands, Dänemarks und Finnlands. Der Vertreter Schwedens bracht« eine Entschließung ein, in der die Völker- bundsversammlung die möglichst rasche Durchführung der Entschließung der Wirtschaftskonserenz über die Zolltarife und die Handelspolitik empsiehlt, und zwar nicht nur für jeden einzelnen Staat, sondern vor ollem auch durch Abschluß von Handelsver- trägen unter allgemeiner Anwendung der Meistbegünstigung. Hinsichtlick) der Schaffung eines ständigen Organs für die weitere Verfolgung der Ausgaben der Wirtschaftskonferenz machte L o u ch e u r den Vorschlag, neben dem Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes, der unverändert bestehen bleiben solle, eine besondere beratende Wirtschaftskommission von etwa 40 Mit- gliedern zu bilden. Ihre Zusammensetzung soll ähnlich sein wie die des ehemaligen Sachverständigenausschusses zur Vorbereitung der Wirtschaftskonferenz. Dr. Breitscheid erklärte sich für Deutsch- land mit diesem Vorschlag einverstanden, unter dem Vor- behalt, daß das Internationale Arbeitsamt in der neuen Kommission unbedingt wieder vertreten sein müsse, vor allem durch Arbeiter Vertreter, da die Arbeiter- schäft viel zu wenig berücksichtigt sei. Neben den Kon- sumenten müßte auch das Institut für wissensthaftliche Arbeits- Methoden eine Vertrewng erhalten. Ein Sozialdemokrat im neuen Bölkerbundsrat. Finnland, das am Sonnabend zum ersten Male im Völker- bundrat seinen Sitz eingenommen hat, war dort durch den inzwischen in Gens eingetroffenen Außenminister der s o z i a l d e m o k r a- tischen Regierung, Genossen Voianna, vertreten. Wie wir hören, hat die finnische Regierung beschlossen, auch künftig ihren Außenminister zu jeder Ratssitzung nach Genf persönlich zu entsenden. Belgiens Ministerrat billigt Vanderveldes Tätigkeit. Brüssel, 19. September.(WTB.) Im Kabinettsrat erstattete heute der Minister des Aeußeren Vandervelde Bericht über die Umstände, die bei der Abstimmung in der Völkerbundsoersammlung zu der Ableh- nung des Antrages auf Wiederwählbarkeit Belgiens geführt hatten. Der Minister äußerte sich serner über verschiedene Verhandlungen. die er in Genf mit den Außenministern anderer Länder geführt hatte. Der Kabinettsrat nahm Kenntnis von seinen Erklärungen und billigt« seine Maßnahmen und die über die Abstim- mung abgegebenen Erklärungen. Wahlerfolg in Nieüerofterreich. Nutzlose Hetze der Reaktion. Wien. 19. September.(Eigenbericht.) Am Sonnlag wurden in fünfzehn niederöslerreichischen Ge- meinden die Gemeinderäte neu gewählt. Es waren die ersten politischen Wahlen nach den blutigen Wiener Ereignissen vom 15. 3uli. Die bürgerlichen Parteien halten den Wahltamps mit den ärgsten Verleumdungen der Sozialdemokratie geführt, in der Hoffnung, ihr eine Niederlage beibringen zu können. Es hat sich aber gezeigt, daß die Sozialdemokraten mit Ausnahme einiger ganz kleiner Orte ihren Besitzsland ungeschmälert behauptet haben: in manchen Gemeinden. haben sie sogar recht beträchtlichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. pilsuüfkis pressezwang aufgehoben. Vom Sejm zum zweitenmal. W a r s ch a u. 19. September.(Eigenbericht.) Der Sejm ist am Montag nach einer längeren Pause wieder zusammengetreten und befaßte sich u. a. mit dem P r e s s e d e k r e l. das nach einer längeren scharfen Debatte mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. In seiner nächsten Sitzung wird der Sejm über ein Miß- trauensvotum gegen die Regierung abstimmen, das vom Ukrai- Nischen Klub und der Unabhängigen Bauernpartei eingebracht worden ist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Regierung die Stellungnahm« des Sejm gegen sie mit einem plötzlichen Schluß der Session oder mit Auflösung der Parlaments beantwortet. Ministerpräsident Pilfudski ist nach Warschau zurück- gekehrt, was man nicht erwartet hatte, und woran allerhand Sensationsgerüchte geknüpft werden. Ungleichung... Ueblc Entwicklung der österreichischen Justiz. Von Kurt Rosenfeld. In der heutigen Zeit der Vorbereitung einer deutsche österreichischen Rechtsangleichung ist es besonders interessant zu beobachten, in welcher Weise die österreichische Justiz die Wiener Unruhen vom 15. und 16. Juli„rechtlich" erledigt. Deshalb verlohnt es sich schon, auf Grund der Ergebnisse der am 3. September in Wien begonnenen Justizaktion einen Blick aus diese Verhandlungen und Entscheidungen zu werfen, zumal die jenseits der deutschen Grenze mit größter Spannung verfolgten Vorgänge im Gerichtssaal in Deutschland fast un- bemerkt vorübergegangen sind. Bei den bisher juristisch erledigten Fällen handelte es sich um die Aburteilung von meist jungen Leuten, die teils aus Neugier, teils aus politischem Interesse sich unter die auf den Straßen versammelten Menschenmassen gemischt hatten und dabei das Strafgesetz verletzt haben sollten, jenes alte noch geltende Gesetz, das formell erst aus dem Jahre 1852 stammr, tatsächlich aber nur wiederholt, was bereits im Jahre 1803(!) gesetzlich festgelegt wurde. Gegen die kleinen„Verbrecher" hagelte es wegen Verletzung der öffentlichen Ordnung Polizei- strafen von einem Tag bis zwei Wochen Arrest. Gegen die- jenigen, die sich schwerer vergangen haben sollen, denen Be- leidigung oder Bedrohung der Wache, Körperverletzung, Aus- lauf, öffentliche Gewalttätigkeit und vor allem Erpressung(!) zur Last gelegt wird, finden die Verhandlungen in diesen Wochen vor den Schöffengerichten(zwei Richtern und zwei Laien) statt. Die schwersten Delikte(Brandstiftung, Aufruhr, Aufwiegelung) sollen erst im Oktober von den Schwurge- richten abgeurteilt werden. Auf Grund, meiner Beobachtungen in den Wiener G e r i ch t s s ä l e n kann ich sagen, daß die deutsch- österreichische Rechtsangleichung in politischen Prozessen gegen die Arbeiter bereits in hohem Maße durchgeführt ist. Die Klassenjustiz zeigt sich in Oesterreich nicht weniger kraß und brutal als bei uns. Sie vollzieht sich auch dort in For- men, die vielfach an Vorgänge in deutschen Gerichtssälen er- innern. In zweifacher Beziehung fand ich im österreichischen Per- fahren— äußerlich allerdings— erfreuliche Abweichungen vom deutschen Strafprozeß: die Schöffen(Frauen und Männer) tragen drüben Robe und Barett wie die gelehrten Richter, und die Verteidiger sitzen ebenso wie die Staatsanwälte aus erhöhten Sitzen wie die Richter. In beiden Tatsachen kommt eine Gleichstellung der Beteiligten zum Ausdruck: der Laienrichter mit den gelehrten, der Rechts- anwälte mit den Gerichtspersonen. Ohne die Bedeutung der Formen zu überschätzen, muß man doch sagen, daß diese äußerliche Gleichstellung erfreulich ist. Gewiß sind die Roben überhaupt überflüssig. Wenn sie aber getragen werden, ist es nur richtig, daß Schöffen und Juristen gleich behandelt werden. Vielleicht hilft diese formelle Gleichstellung mehr als alle theoretischen Belehrungen, den Laienrichtern die Minder- wertigkeitsaefühle zu nehmen, die sie häufig gegenüber den gelehrten Richtern haben. Der Platz im Gerichtssaal ist ge- wiß nicht entscheidend. Und doch ist die Beseitigung der in Deutschland üblichen„Rangordnung" erfreulich, da die Gleichstellung der Anwälte mit den Staatsanwälten und Richtern auch äußerlich zum Ausdruck bringt, daß der Verteidiger ein den anderen Prozeßbeteiligten g l e i ch b e- r e ch t i g t e r Faktor bei der Rechtssindung ist. Mir schien, daß die Verteidiger in Oesterreich einen viel größeren Spiel- räum haben als in Deutschland. Oesterreichische Richter sind ebensowenig wie die deutschen über einen Kamm zu scheren. Ich erlebte einen wohlwollenden, von sozialem Geist und politischem Verständnis erfüllten Richter. Ich sah aber auch einen Richter, der sich dem schlimmsten deutschen Klassenrichter ebenbürtig erwies, den angeklagten Arbeiter nicht verstand, ihn aus seiner arbeiter- feindlichen Grundstimmung heraus auch gar nicht verstehen konnte und wollte. Dieser Richter kannte die Akten sehr gut, aber er verfiel infolgedessen der Auffassung, daß alles, wasdenAktennichtentsprach, nicht wahr sein konnte. Der ihm überantwortete Angeklagte, ein fünf- zehnjährigerHilfsarbeiter, sollte sich dadurch straf- bar gemacht haben, daß er nach den furchtbaren Schießereien der Polizeibeamten, als Verwundete hilflos am Boden lagen, ein Auto angehalten hatte. Im polizeilichen und gerich�hen Vorverfahren hatte er über die Absichten, die er mit dem An- halten des Autos verfolgte, keine Angaben gemacht. Als er in der mündlichen Verhandlung als Grund an- gab, daß ein Verwundeter mit dem Wagen fortgefahren wer- den sollte, brauste der Richter auf:„Jetzt plötzlich sagen Sie das! Das haben Sie doch erst gestern in der Zeitung ge- lesenl" Der Richter schrie:„Wie konnten Sie verschweigen, was an Ihrer Handlung gut warl" Angeklagter:„Ich war niedergeschlagen, weil ich verhaftet war." Der Richter: „Wenn man niedergeschlagen ist, sagt man um so eher aus, was einen entlasten kann!" Nichts wußte dieser Richter offenbar von den Wirkungen der Verhaftung auf einen Menschen, der noch niemals mit den Gerichten in Konflikt geraten war.... Unter den bisherigen Verhandlungen spielten gerade die Anklagen wegen des AnHaltens von Kraftwagen eine große Rolle. Und besonders diese Prozesse haben zu ganz eigen- tümlichen juristischen Konstruktionen geführt. Zunächst sah die Polizei in dem von Drohungen begleiteten An- halten von Autos nur eine Uebertretung der öffent- lichen Ordnung. Dann aber bemächtigten sich die Juristen dieser Fälle und konstruierten, vielleicht um den furchtbaren Worten des Bundeskanzlers Dr. Seipel gerecht zu werden: „Verlangen Sie von mir keine Milde", den Tatbestand der --- Erpressung! In Oesterreich setzt nämlich der Erpressungsparagraph nicht eine Bereicherungsabsicht voraus, sondern lediglich eine gefährliche Drohung gegen Körper, Freiheit, Ehre oder Eigentum, die zu dem Zweck begangen wird, einen anderen zu einer Leistung, Duldung oder Unter- lassung zu zwingen. Die UnHaltbarkeit dieses Erpressungsbegriffs ist heute auch in Oesterreich allgemein anerkannt. Der österreichische Strafgesetzentwurf verlangt wie das in Deutschland bereits geltende Strafgesetz als Voraussetzung für eine Bev strafung wegen Erpressung die Absicht der u n r e ch t m ä ß i- gen Bereicherung. Man hat eben eingesehen, daß der alte Erpressungsbegriff nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Die Anklagen wegen Erpressung, begangen durch das von Drohungen begleitete Anhalten eines Autos, widersprechen also der auch heute schon in Oesterreich herrschenden Rechtsauffassung. Im Kampf gegen die Arbeiter, die wegen der Beteiligung an den Juliunruhen angeklagt sind, verschlägt das aber nichts: auch veraltete Gesetze werden aus der Rumpelkammer hervorgeholt, um der Klassenjustiz mit den Buchstaben eines Paragraphen den Schein des Rechts zu geben. Die gewaltsame Auslegung und unberechtigte Anwen» dung des Erpressungsparagraphen muß naturnotwendig neue Empörung in die durch die Justiz ohnehin bereits auf- gepeitschte Arbeiterschaft tragen, muß das Rechtsgefühl des Volkes von neuem verletzen. Der österreichische Erpressungsparagraph droht für die leichteren Fälle schweren Kerker von 6 Monaten bis zu 5 Iahren an! Das Schöffengericht verurteilte auf Grund dieser Gesetzesbestimmung zu 2 und 3 Monaten schweren Kerkers, in einem Falle auf Grund des Strafmilderungs- gesetzes von 1S18 zu einem Monat strengen Arrest. Die Ge- richte gaben auch teilweise bedingten Strafaufschub. Aber die Angeklagten haben wochenlange Untersuchungshaft er- litten, und— vor allem— sie sind wegen des infamierenden Deliks der Erpressung in ihren Strafregistern für immer ge- kennzeichnet. Daß man sich in Oesterreich nicht begnügt hat, bei solchen Delikten wegen Störung der öffentlichen Ordnung, wegen groben Unfugs zu bestrafen, zeigt, daß in diesen Fällen die Justiz die besondere Ausgabe erfüllen sollte und erfüllt hat, die Arbeiterschaft besonders hart zu treffen. Die österreichische Justiz hat sich bereits in diesen Tagen der deutschen ebenbürtig erwiesen, schon vor Durchführung der geplanten Strafrechtsangleichung, und es besteht die größte Gefahr, daß bei den noch bevorstehenden,'wegen schwererer Delikte anhängigen Prozessen sicy noch s ch l i m- mere Iustizexzesse ereignen werden. denkschrifienkampf um üen Wohnungsbau. Wann wird nun gebaut? Das Baukonsortium für die Errichtung der 8000 Wohnungen in Berlin macht den Inholt semer Denkschrift bekannt, in der die schrlst- liche Kritik des Stadtbaurats Genossen Dr. Wagner im Haushalts- ausschuß beantwortet wird. Stadtbaurat Dr. Wagner hatte die Baukosten als be- trächtlich zu hoch bezeichnet. Der Kubikmeter umbaute Raum loste einschließlich Grundstück und Anliegerbei- trage über 40 M. Das Projekt sei um 3,50 M. pro Kubikmeter herbststück. von Salamon Dembitzer. In schwerer gedrückter Stimmung irrte ich seit einigen Tagen m einer mittleren Provinzstadt umher. Es war Ende Herbst. Der Himmel war ewig bewölkt und zu jeder Stunde fing es an zu reg- nen, hörte auf und sing wieder an. Früh am Nachmittag wurde es dunkel, und in den Schaufenstern der Geschöste blitzten die ßich. ter auf. Bon Zeit zu Zeit ratterte«ine mcnschenbepackte Elektrische durch die Straße, ächzend und kreischend. Ich ging in einem fort von einer Gasse zur anderen, ließ mir das Gesicht einregnen, betrachtete die Vorübergehenden und steQte bei mir zum hundertsten Male fest, daß es nichts Furchtbareres gibt als Langeweile, und daß da kluge und dumme Gesichter vorhanden waren, hauptsächlich aber dumme. Gut, daß sie so schnell vonibergingen, sie hätten einen sonst manchmal zur Verzweiflung bringen können. Von Zeit zu Zeit stellte ich mich bei irgendeiner Haltestelle auf. Ich fühlte eine gewisse Schwäche, vielleicht deshalb, weil ich allzuwenig Geld hatte und in den letzte» Tagen mit dem Essen sparen mußte... Und ich dachte bei mir: Wäre es nicht möglich, daß irgend jemand Geld verlöre und ich hundert oder gar tausend Mark finden würde? Warum sollte das nicht möglich sein? Hatte nicht vor einem Jahre «in Kassenbote achtzigtausend Mark verloren?... Ob ich es ihm zurückgeben werde? Ich denke nicht daran. Natürlich, ethisch wäre das nicht. Aber in einer solchen Lage pfeift man auf Ethik, wahr- haftig, das tut man.... Dann bin ich weiter gegangen, bis ich mich in eine sehr stille, lange, vornehm aussehende Straße verlor. Die Häuser waren in Gärten abgesondert, und vor jedem Haus« standen Bäume, durch welche das Fensterlicht schimmerte. Die Straße selbst lag finster und still. Ab und zu sah man jemand vorübergehen und dann schnell in ein Haus verschwinden. Und wieder dachte ich: Wenn ich doch wenigstens das Vermögen hätte, das die Einrichtung eines dieser Häuser kostet Ganz zu schweigen vom Gold und Silber, welches sich dort befindet. Wenn man Hunoer hat, es kalt ist, der Regen ins Gesicht klatscht und man keine Heimat hat, kann man da etwas anderes denken?... Plötzlich öffnet sich mir gegenüber ein Tor und zwei Damen traten heraus. Man konnte sie noch nicht genau sehen, aber die eine schien, ihrem Gange und ihren Bewegungen nach, in den vierziger Iahren zu sein, während die ander« wohl halb so alt war. In dem Moment, als sie vorbeigingen, nahmen mich zwei große, schwarz glänzende Augen gefangen und ein Profil, so edel geformt und von so eigenartiger Schönheit, daß ich mich gleich umdrehte und instinktmäßig nachging, langsam und schüchtern, in großer Eni- fernung, von Straße zu Straße, während sie beide in ein leises Ge- sprach vertieft waren, von dem ich nur unverständliche Worte auf- schnappte. Das ging so eine halbe Stunde. Plötzlich blieben sie stehen und ich konnte zu meiner Genugtuung ieststellen, daß die Aeltere sich verabschiedete und irgendwo verschwand, während die Jüngere mit eiligen Schritten in eine andere Richtung einbog. Ich nahm meine ganze Energie zusammen und holte sie ein. Zuerst drehte sie sich einige Male um und musterte mich kalt und schweigend von oben bis unten, si> daß ich deutlich die Unnahbarkeit zu teuer. Demgegenüber weist das Baukonsortium darauf hin, daß sich nur ein Betrag von 37 M. ergebe, der von Stadtbaurat Dr. Wagner selbst als angemessen bezeichnet werde. Die bekannten Bauten in Britz seien zu einem Preise von 37,50 M. errichtet worden. Da inzwischen aber die Baupreise wesentlich gestiegen seien. ergebe sich in Wirklichkeit, daß das Bauangebot für Berlin billiger sei als die in Britz errichteten Bauten. Die reinen Baukosten berechnete Dr. Wagner auf 31,50 Mark, während sie mit 28 M. gut ausgeführt werden könnten. Dem- gegenüber behauptet die Denkschrift der Baugruppe, daß nur 28,70 Mark reine Baukosten bei ihrein Angebot zu errechnen seien und auf 26 Jahre hinaus eine Gefahr für die Stadt Verlin und die Berliner Mieterschaft bedeuten. Die Denkschrift der Baugruppe aber meint, daß die Mieten in den neuen Häusern nur unwesentlich höher seien als in den alten, wobei die Qualität der Wohnungen durch/die reine Randbebauung eine höhere fei als früher. Gegenüber der Kritik der städtischen Mietzuschüsse wird vom Baukonsortium festgestellt, daß als reiner M i e t z u s ch u ß der Stadt die Summ« von 1,67 Millionen genüge, die nur aus Zweck- mäßigkeitsgründen zur Verbilligung für besonders bedürftige Mieter auf zwei Millionen erhöht werden sollten. In der Tat sind in dem von der Stadt vorgesehenen Mitzuschuß Amortisationsquoten, Ber- waltungskosten und ein erhebliches Risiko für Mietenausfall ein- gerechnet. Der Haushalt»ausschuß hat bekanntlich bis zum kom- Menden Montag über die Projekte und auch über diesen Denk- schriftenstreit zu entscheiden. Er wird bei seiner Arbeit auch die B e rechnungsmethoden zu prüfen haben, die in den beiden Denk- schriften sehr verschieden sind. Wir fürchten allerdings, daß bei diesem Kampf um Denkschriften die Wohnungsinteressenten den kürzeren ziehen werden. Es ist dringend notwendig, daß«ine fach- verständige Entscheidung nun bald zu der Errichtung der Wohnungen führen wird. Die wetterschäüen in Pommern. Hilfsmaßnahmen Preußens. Auf eine Kleine Anfrage im Preußischen Landtag über die infolge der anhaltenden Regengüsse in der Provinz Pom- mern entstandene Notlag« gibt, wie der Amtliche Preußische Presse- dienst mitteilt, der Landwirtschastsmimster die folgende Antwort: Auf die Berichts über die in letzter Zeit eingetretenen Unwetter- schaden in der Provinz Pommern hat die preußisch« Staatsregierung jofl�t die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um den Geschädigten die erste notwendige Hilfe zuteil werden zu lassen. Hierzu erschien einmal die Schaffung von Erleichterungen bei der Einziehung der Steuern angetan. Der Finanzminister hat die in Betracht kommenden Regierungspräsidenten erneut darauf hingewiesen, daß nach der bereits früher von ihm getroffenen Anordnung bei Un- wettern, die sich über große Gebietsteile erstreckt haben, von Amts wegen Steuererleichterungen zu bewilligen sind. Der Reichs- minister der Finanzen ist gebeten worden, für die ihm unterstellten Behörden entsprechendeAnordnung zu treffen. Um den Landwirten die zur Fortführung ihrer Be- trieb« notwendigen Mittel zu verschaffen, werden die landwirt- fchaftlichen Kreditinstitute, insbesondere die P r e u h e n k a s s e, be- müht sein, der Landwirtschast der Provinz Pommern durch Zu- fühnmg von Krediten nach Möglichkeit Erleichterung zu gewähren.' Auch sind sofort mit den in Betracht kommenden Kreditinstituten Verhandlungen aufgenommen worden, um sie zur größten S ch o- ,nung bei Eintreibung der fälligen. Verpflichtungen der Land- Wirtschaft Pommerns zu veräulassen. Mit der Reichsarbeitsverwaltung sind Vereinbarungen ge- troffen, um die für die Erntearbeiten erforderliche Zahl von Landarbeitern sicherzustellen und die Arbeitszeit der in der Landwirtschast vorübergehend beschäftigten Schnitter zu verlängern. Das Kontingent an ausländischen Arbeitern ist um 3200 Mann zur sicheren Bergung der Ernte erhöht worden. Mit Rücksicht auf die schwierige Wirtschaftslage Pommerns ist von der Abhaltung der diesjährigen Manöver in den Schadensgebieten Abstand genommen und für die Bereitstellung militärischer Kommandos zur Hilfeleistung bei den Erntearbeiten dieser sicherlich vornehmen Tochter eines Bankiers oder Fabrik- besitzers herausfühlte, die jetzt wohl vom Besuch einer befreundeten Familie kam. Wahrscheinlich wurde sie zu Haus von einer zärt- lichen Mutter, einem aufmerksamen Vater und untertänigen Dienst- mädchen erwartet, vielleicht auch von einem jungen, eleganten Bräutigam. Später würden sie sich dann zurückziehen in ein Musik- zimmer, sie würde ihm Chopin vorspielen..., oder vielleicht wür- den sie sich still und aufgeregt küssen und sich Geheimnisse zuflüstern, während ich weiter in dieser fremden, kalten Gasse, ohne Freund, ohne Geld, verbittert und gedrückt herumirren werde. Aber dann fiel mir ein: Mein Gott,"was verlier« ich denn, wenn ich dieses hübsche Geschöpf anspreche? Mehr als ablehnen kann sie doch nicht.... Uebrigens— vielleicht hat sie romantisches Blut.... Vielleicht wird sie diese Begegnung mit einem Wildfremden in- teressant finden, wer weiß? „Gnädiges Fräulein", ich wagte näher an sie heranzugehen und mit zitternder Stimme zu stammeln,»ich weiß, Sie werden es als unangenehm und widerwärtig empfinden, von einem Ihnen Unbekannten auf diese Weise angesprochen zu werden. Ich weiß.., aber gibt es ein« andere Möglichkeit, sich einer achtbaren, jungen Dame zu nähern? Besonders...." Die Worte blieben mir im Halse stecken, denn zu meinem Er- staunen sah sie mich an und begann freundlich zu lächeln. Mein Mut wuchs und ich begann von neuem:„Wenn ich wüßte, daß Sie mir eine halbe Stunde widmen könnten, wäre ich glücklich. Ich weiß, zu Hause erwarten Sie Ihre Anverwandten, aber ich denk«, sie werden sich wegen einer halben Stunde nicht beunruhigen.... Gnädiges Fräulein, für dieses Opfer werde ich mich revanchieren, indem ich Ihnen morgen einige Bücher schicken werde." Und, weil sie die ganze Zeit lächelte und schwieg, wandte ich mich direkt an sie:„Und welchen Schriftsteller ziehen Sie vor: Strindberg oder Oskar'Wilde? Gewiß, der erster« wird zu hart und schwer auf Sie wirken. Sie sind ja noch jung und die Leiden, wie überhaupt die kompliziert« Persönlichkeit dieses Märtyrers legen sich einem qualvoll auf die Seele, nicht wahr? Dagegen ist Wilde elegant und lebensfroh..., allerdings nicht in der Ballade." Plötzlich unterbrach mich ein lautes, merkwürdiges Gelächter, das ich am wenigsten erwartet hatte. Und ganz betroffen und be- stürzt hörte ich, wie sie langsam und lachend zu sprechen anfing, einfach im Berliner Dialekt: „Mensch, mach' doch bloß keenen Schmuß.... Wenn du mit mir nach Hause gehen willst, meinetwegen. Kostenpunkt: 30 Emmchen, verstehste?... Sag' schnell. Willst« oder willst« nicht? Ich Hab' nicht viel Zeit." * Stärker goß der Regen. Der Himmel wurde ganz schwarz und die Erde finster. Und ich ging weiter, ziellos und erschlagen. Nur das ein« wußte ich: Hätte ich irgendwo ein Heim— ich hätte es jetzt nicht finden können.... Und wäre irgendwo ein Gott— er hätte sich meiner erbarmen müssen. vle Galerie Neumoan-Iiiereadorf, Lühowstr. 32, eröffnet am St., 17 Uhr. eine Ausstellung neuer italienischer Kunst. Es bandelt sich um die unter der Bezeichnung..Noveosnto Italiano" bekannte Zusammenstellung, die einen Neberblick über die inlcrcssantesten italienischen Maler der Gegen- wart gibt und zuerst in Mailand gezeigi wurde. Sorge getragen worden. Die Erhebung von Ermittlungen über Umfang und Höhe der Schäden ist in die Wege geleitet, um eine Prüfung zu ermöglichen, ob und in welchem Maße die Einleitung weiterer Notstandsmaßnahmen erforderlich ist. Reichslanöbunü unü Hauernbunö. Ueberraschender Vergleich auf Kosten Hackbarths. Die Privatklage der Herren von Kalckreuth und Kriegsheim gegen den Redakteur und Geschäftsführer des Bauernbundes, Herrn I e r k s, über die wir in dem gestrigen Abendblatt berichteten, nahm einen ganz unerwarteten Verlauf: die Herren o e r g l i ch e n sich. Doch bevor es zum Vergleich kam, wurde u. a. noch der General- sckretär des Bauernbundes, Herr Müller, vernommen: und da er- strahlte Herr Hackbarth in seinem ganzen Glänze. Es ergab sich, daß Herr Hackbarth als Mitglied des Präsidiums eine Zeitlang beauftragt war, gewissermaßen als B e o b a ch t u n g s- p o st e n zu fungieren, da der Geschäftsführer des Bauernbundss Herr Boehme, sich schwere Uebergrisfe hatte zuschulden kom- men lassen. Im Sommer 1926 erklärte Herr Hackbarth, daß an ihn ein Herr Hölze! mit dem Vorschlag herangetreten sei, eine Aus- spräche über die Art der gegenseitigen Bekämpfung zwischen dem Bauernbund und Landbund zu vermitteln. Da man im Borstand jedoch Bedenken hatte, sich der Vermittlung eines unbekannten Herrn zu bedienen, so wurde der Hackbarth veranlaßt, dem Herrn Holzel eine Absage zu schreiben. Im Dezember 1926 war bei einzelnen Mitgliedern des Prösi- diums gegen Hackbarth ein M i ß t r a u e n aufgekommen. Man ver- niutete, daß er innerhalb des Bauernbundes gegen den Vorstand schüre. Obgleich laut Statuten des Bauernbundes nur der Hauptvor- stand vertretungsberechtigt war, griff Herr Hackbarth mehrmals in die Verwaltung ein, gab auf eigene Faust hin Anordnungen und trieb es so weit, daß der Vorstand sich gezwungen sah, in einer speziell einberufenen Sitzung ein Protokoll aufzunehmen, nach dem in Zukunft den einzelnen Herren des Präsidiums verboten sein sollte, eigenmächtig zu handeln. Hackbarth erklärte anfangs, er müsse sich die Sache überlegen und würde unter Umständen ausscheiden. Als man ihm darauf die kühle Schulter zeigte und meinte, er könne es sich ja überlegen, da erklärte er, daß er fein Unrecht einsehe und in Zukunft seine eigenmächtige Handlungsweise einstellen wolle. Trotz- dem Hackbarth nicht allein Präsidialmitglied war, sondern auch eine bezahlte Stellung im Bauernbunde einnahm, hatte er aber, wie der Zeuge bekundete, gegtn das von ihm unterschriebene Protokoll gehandelt und zwecks Sprengung des Bauern- bundes seine berühmte„U e b e r l e i t u n g t s st e l l e" beim Reichs- landbund geschaffen. So sieht also Herr Hackbarth aus. Im Oktober findet übrigens die Verhandlung in der Privatklage statt, die er gegen Herrn Ierks angestrengt hat, bei dieser Gelegenheit dürfte man noch Näheres über seine Persönlichkeit und Tätigkeit erfahren. In der gestrigen Verhandlung schien auch der Reichsland- bund von diesem Herrn abzurücken: wenigstens erweckt der Tert des geschlossenen Vergleiches diesen Eindruck. Der Beklagte sagte darin: den offenen Brief an den Reichslandbund und die gleich- lautenden Flugblätter habe ich In der Absicht geschrieben, den Reichs- landbund aus die persönlichkeit des Herrn hackbarth hinzuweisen. dessen verhalten ich selbst für verwerslich hielt. Diese Stellungnahme hielt ich für meine Berufspflicht. Ich habe mich durch die gericht- lichen Verhandlungen davon überzeugt, daß weder gegen die Privat- klüger persönlich, noch gegen andere leitende Persönlichkeiten des Reichslandbundes der Vorwurf erhoben werden kann, daß sie wissentlich, verräterische Handlungen begünstigt oder Angehörige des Bauernbundes durch Bestechung zum Uebertritt zum Reichslandbund haben bestimmen, wollen. Soweit etwa in den fraglichen Druck- schriften Beleidigungen irgendwelcher Art gegen die Privatkläger enthalten sein sollten, nehme ich diese zurück. Die Privatkläger haben sich also mit einer Erklärung des Be- klagten zufriedengegeben, in dem das Verhalten des Herrn Hackbarth als verwerflich bezeichnet und von seinen ver- räterischen Handlungen gesprochen wird. Herr Hackbarth fährt aber heute noch im Lande herum und hält für den Reichsland- bund, wenn auch auf Kosten derjenigen, die ihn zu den Verfomm- lungen auffordern, Agitationsreden. Der sozialistische Dichter Hermann Gorter, der zu den großen Reformatoren der niederländischen Literatur in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gehörte und sich bereits 1898 gleichzeitig mit der Schriftstellerin Henriette Roland-Holst den Sozialdemokraten anschloß, ist in Brüssel im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Verfasser des wunderbaren Maigedichtes hatte sich in den letzten Jahren allerdings der Bewegung entfremdet und war mehr und mehr ins kommunistische Fahrwasser geraten, wo der groß« Kämpfer und Idealist jedoch nicht das zu finden vermochte, was er suchte. Er war Dichter durch und durch, und dies erklärt die großen Leistungen wie auch die großen Enttäuschungen seines Lebens. Dxr Sozialis- mus war ihm ein schöner Traum, ein unantastbares Ideal. Aber er war auch Individualist, und sein Individualismus brachle ihn wieder in Gegensatz zu der gleichen Masse, für die er doch so glühend zu streiten begehrte. Max Reinhardt über die deutschen Autoren. Reinhardt hat in Salzburg in einem Interview, das jetzt im„Observer" verösfentlicht wird, sich recht abfällig über die deutschen Autoren ausgesprochen. Er behauptet, daß die meisten deutschen dramatischen Autoren der Gegenwart sich mehr oder weniger unfähig erwiesen hätten, für die Schauspieler und die Bühne zu schreiben, so daß der Regisseur jetzt immer mehr gezwungen sei, das Werk den praktischen Ersordcr- nissen der Aufführung anzupassen. Im allgemeinen sei zu be- grüßen, daß sich immer mehr das Bestreben zeige, daß der Autor zugleich sein eigener Regisseur sei. Vielleicht, sagt Reinhardt, würde an dieser praktischen Arbeit der deutsche Autor dasjenige lernen, was ihm bisher fehlt. Graphische Werbekunsl. Am Sonntag wurde in der Mann- heimer Kun st halle die Ausstellung„Graphische Werbe- k u n st" eröffnet. Es handelt sich dabei um eine international: Schau zeitgemäßer Reklame, die Plakate und Werbeschriften vor dem Kriege bis auf die heutige Zeit enthält. Besondere Beachtung ver- dient in dieser Ausstellung die französische Abteilung, die die bunten, ausfälligen Plakate der neunziger Jahre enthält, von denen aus die europäische Werbekunst beeinflußt wurde. Der Weg der Plakat- und Rcklamekunst geht von dem dekorativen Stil zu dem der heutigen sachlichen, einfachen Linie. Außerdem sind die einzelnen Plakate, die aus ganz Europa mit vieler Mühe zusammengesucht wurden, kulturgeschichtlich aufschlußreich.— Ausfallend ist in der Schau auch die Abteilung Sowjetrußland, deren bilderreiche, stark prinntive Versinnbildlichungen einen Schluß aus die van europäischer Werbe- tunst weitabliegende östliche Psyche ziehen lassen. 3m Lessingmuseum spricht am 22., 20 Uhr, Dr. Georg Dröscher filier „Ritter Gluck und seine Obern". Arien anS„Nlceste-,„Armide" und „Iphigenie" singen Charlotte Stäche und Ludwig Frankel. Am Flügel: August Pilz. Eintritt sret. Eine Eisenbahn durch die Sahara. Die Handelskammer in Algier bat ein Projekt durchberaicii. das die Anlegung einer Eisenbahn durch die Sa- hara voriicbt. Der Ausgangspunkt der Bahn soll Algier sein. Sie soll der sranzösijchen Militärilrapc nach dem Innern solgen und an einem noch näher zu bezeichnenden Ort sich in zwei Linien gabcin, von denen die eine zur Sudangrcnze und die andere nach der Goldküste gehen soll. Die Handelskammer hat beschlossen, das Projekt der französisch«t Regierung dringend zu empfehlen. Das Echo öer Hinöenburg-Reöe. Frankreich und Belgien verstimmt. Paris, 13. September.(Eigenbericht.) Der„Temps" zieht aus der Rede Hindenburgs bei Tannsnberg den Schluß, daß die moralische Abrüstung Deutschlands noch längst nicht erreicht sei. Die Rede sei eine neue Illustration sür den Widerstand der Nationalisten Deutschlands gegen die Politik von Locarno und Genf, ähnlich der jüngsten Kundgebungen von Nationalisten wie Westarp und Mudras. Di« Rede Hindenburgs enthülle nicht gerade die Existenz eines neuen Geistes in Deutschland, nichtsdestoweniger sei die Locarnopolitik gegenwärtig die einzig mögliche. Aber man sehe immer mehr, daß sie ohne groß« Vorsichtsmaßregeln nicht fortgeführt werden könne. Zahlreiche Leute in Deutschland sähen in ihr nur ein Mittel, sich vom Versailler Frieden freizumachen. Es gebe eben zwei Deutschland, ein monarchistisch-militaristisches und ein republi- kanisch-demokratisches. Niemand könne zur Stunde mit Gewißheit sagen, welches der beiden das stärkere sei. Frankreich müsse also mehr als jemuf der Hut sein.(Dem republikanisch-demokratischen Deutschland hat man Versailles angetan und dadurch das nationa- listisch-militaristische überhaupt erst wieder zum Leben erweckt. An- merkung der Red.) Brüssel, 19. September.(Eigenbericht.) Der sozialistische„P e u p l e" sagt, Hindenburg habe in der Kriegsschuldfrage«inen Ton angeschlagen, den man zwar während des Krieges oft von deutscher amtlicher Stelle zu hören bekommen habe, aber seit dem Krieg hätten verantwortlich« Vertreter des Reiches nicht mehr in diesem Ton« vom Verteidigungskrieg Deutschlands gegen eine Welt von Feinden gesprochen. Hindenburg scheine seit dem Kriege nichts gelernt und nichts ver- g e s s e n zu haben. Die Erklärung Hindenburgs, Deutschland sei bereit, seine Kriegsführung dem Urteil unparteiischer Richter zu unterbreiten, gebe seiner Rede eine gewiss« Aktualität. Sie scheine eine Antwort zu sein auf die Weigerung B e lg i e n s, die Franktireursrage einer Untersuchung zu unterbreiten.' Die belgische Regierung habe loyal erklärt, daß sie diese Untersuchung für unzeitgemäß halte, weil die Gefahr bestehe, daß sie den Haß neu entfache, statt ihn zu lindern. Man dürste annehmen, daß auch Stresemann schließlich diese Erwägung würdigen werde. Der „Peuple* fragt schließlich, ob die Rede von Tannenberq nicht etwa das Ergebnis eines deutschnationalen Manövers sei, um Stresemann eine bestimmte Politik gegenüber Belgien auf- zuzwingen. Sämtliche Zeitungen veröffentlichen unter fetten Ueberschristen die Hindenburg-Rede. Di« nationalistische„Nation b e l g e" schreibt, die Erklärung über die Kriegsschuldfrage sei eine ernst zu nehmende und offizielle Protestaktion Deutschlands. Hindenburg sei das konstitutionelle Staatsoberhaupt, daher engagiere diese Rede die gesamte Regierung. Die Rede sei ein so scharfer Angriff gegen den Friedensvertrag von Versailles, daß die alliierten Regierungen unbedingt darauf antworten müßten. öeifall nur in Moskau. Kowno, 19. September.(TU.) Nach Meldungen aus Moskau hat die Rede Hindenburgs in Moskau größten Eindruck hervorgerufen. Es wird hervor- gehoben, daß Hindenburg die populärste Person in Deutsch- land sei. Die Aeußerungen dieser überragenden Persönlich- keit über die Kriegsschuldfrage seien nicht nur der Sache der Ge- rechtigkeit, sondern der nationalen Ehre gewidmet. Eine größere Autorität, als diejenige Hindenburgs in jener Frag«, sei wohl kaum denkbar. Golöene ketten öes Surgerblocks Gemeinden und Wohnungsbau Opfer der Steuer- Politik. Um den Kern der gegenwärtigen Regierungskoalition, die aus Zentrum, Deutschnationaler und Deutscher Volks- Partei besteht, drehen sich als Trabanten die Bayerische Volkspartei und die Wirtschaftspartei. Beide fühlen sich nicht recht als Regierungsparteien. Sie betrachten ihre Unter st ützung des Reichskabinetts nur als gelegentlich. Beide fordern eine Entschädigung für ihre Hilfs- stellung. Sie sind beide realistisch genug, die Entschädigung in bar zu fordern. Der Reichsfinanzmini st er hat die Rechnung zu bezahlen. Er hat sie den Bayern anläßlich der vorläufigen Rege- lung des Finanzausgleichs in klingender Münze be- zahlt— auf Kosten des Reichs, auf Kosten der anderen Länder, unter schwerer Schädigung des Ansehens der Reichs- finanzolitik: denn dem ganzen Ausland war der unsachliche Hintergrund dieser Politik klar. Diese reichliche Bezahlung der Bayerischen Volkspartei — immerhin über eine Million jährlich für die Stimme jedes einzelnen ihrer Abgeordneten— hat nicht ausgereicht, um sie und die bayerische Regierung den Wünschen des Reichs gefügig zu machen. Sie wollen das famose Steuerverein- heitlichungsgesetz nicht schlucken: die bayerische Souveränität erscheint ihnen bedroht, und der Preis, den man im Früh- jähr bezahlte, noch nicht hoch genug. Damit aber wandte sich der eine Trabant der Koalition gegen den anderen, die Wirt- schaftspartei. Ihr sollte das Steueroereinheitlichungsgesetz die„Veredelung der Hauszins st euer" bringen, eine Veredelung, die den Steuerertrag zunächst um 300 Mil- lionen und innerhalb der nächsten sechs Jahre um zweimal mindestens je 1S0 Millionen, insgesamt um 600 Millionen senken soll. Diese Veredelung soft dem H a u s b e s i tz zu- nächst also die Kleinigkeit von etwa 8 Milliarden schenken. Es ist begreiflich, daß die Wirtschaftspartei als Partei des Hausbesitzes für das Steuervereinheitlichungs- gesetz eintritt. Nachdem die Bayern für ihre Koalitionstreue Bezahlung bekommen haben, erschien es notwendig, die W i r t f ch a f t s- Partei nicht leer aus gehen zu lassen. Ein Kon- flikt im Regierungslager mußte aber vermieden werden. Was tut der Reichsfinanzminister, dessen Aufgabe es ist, die Regierungskoalition mit goldenen Ketten zusammenzuhalten? Er läßt das Steueroereinheitlichungsgesetz im Hintergrund verschwinden und— bringt ein besonderes Gesetz zur Neu- regelung der Hauszinssteuer ein, das dem Abschnitt des Steuervereinheitlichungsgesetzes, der sich mit ihr befaßte, gleicht wie ein Ei dem andern. Der Konflikt im Regierung?- lager wird vermieden, die Wirtschaftspartei mit klingender Mün/se bezahlt. Was bedeutet dieses neue Gesetz zugunsten des toali- tionslreuen Hausbefitzcs in unserer Wirtschafts- und Finanz- Politik? Länder und Gemeinden verlieren 150 Millionen Steuereinnahmen ab 1. April 1928, die für den W o h n u n g s b a u zur Verfügung stehenden Mittel werden vom nächsten Jahr ab um mindestens 150 Millionen gekürzt. Das wird zunächst eine Verringerung des Wohnungsbaues um 20 Proz. mit sich bringen. Die Zahl der jährlich neu zu errichtenden Wohnungen wird auf das unzureichende Niveau von 1925 herabsinken. Taufende von Bauarbeiter werden 1928 keine Ar- best finden können. Aber der Hausbesitz wird mit einer Rente von 300 Millionen jährlich beschenkt. Die andern 150 Millionen werden Ländern und Gemein- den fortgenommen. Der Finanzausgleich vom Frühjahr dieses Jahres wird als Fetzen Papier behandelt. Treu und Glauben werden außer Kurs gesetzt. Wer trägt die Kosten? Die Kosten werden vor allem die Gemeinden zu tragen haben: denn die Länder werden auf dem Wege ihrer von keiner Autorität wirksam überwachten Gesetz- gsbunz auf Kosten der Gemeinden das Loch stopfen, das das liberale Steuergeschenk des Reichsfinanzministers an den Hausbesi.tz in ihre Etats reiht. Die Gemeinden werden dann ihre Steuern erhöhen müssen. Vor allem die G e- w e r b s st e u e r, die Handel und Industrie trifft, wird von den Gemeinden in höherem Maße angespannt werden müssen. Vor allem die G e w e r b e st e u e r, die Handel und Industrie trifft, wird von den Gemeinden in höherem Maße angespannt werden müssen. Die Masse der städtischen Bevöl- kerung wird aber weiterhin auf die Senkung der vielfach überhohen städtischen Tarife für Gas, Wasser, Elek- trizität und die Verkehrsbetriebe vergeblich warten müssen. Die Massen der städtischen Bevölkerung und die produktive Wirtschaft werden letzten Endes die Kosten für dies Steuergeschenk tragen. Die gegenwärtige Regierungskoalition ist teuer für das deutsche Volk. Die Geldgeschenke, die sie ihren Freunden machen muß, sind steuer-, finanz- und wirtschaftspolitisch unsinnig. Aber Geschäft bleibt Geschäft, und schamloser ist das Regierungsgeschäft wohl noch nie als ein Geldgeschäft bloßgestellt worden, als durch die Hauszins- fteuerpläns des Reichsfinanzministers. Wichtiger als Woh- nungsnot und Steuerdruck ist ihm das Milliardengeschcnk an den Hausbesitz, das dessen Stimmen für das Reichs- fchulgefetz kaufen soll. Köhler über Sie Steuervereinheitiichung. Reichsfinanzminister Dr. Köhler machte quf der Jahres- »ersommlunc, der Kommunolpolitischen Vereinigung des Zentrums in Köln Ausführungen über das Steuervereinheitlichungs- gefetz. Er sagte, daß die Steuer eigentlich aus vier Gesetzen bestehe, die in einem Mantelgesetz zusammengefaßt werden. Grund st euer und Gewerbe st euer müßten den Ländern überlassen bleiben Der Minister gab dann eine Uebersicht über die wesentlichsten Bestimmungen der einzelnen Gesetzentwürfe. Die dringenden Vorschläge verschiedener Wirtschaftsgruppen, die Realsteuern einfach als Zuschläge zur Einkommensteuer zu erheben, lehnte der Minister unter allen Umständen ab. Das Wesentlich« aus dem Entwurf über die Gewerbesteuer seien die Bestimmung einer einheitlichen Meßzahl für die Steuerbemessung und der Grundsatz, daß vor allem d« Gewerbeertrag maßgebend sein soll. Länder und Gemeinden könnten dann auf dieser einheitlichen Meß- zahl ihre verschiedenen Hundertsätze erheben. Von einer so- fortigen allgemeinen Senkung der Realsteuern u m 2« Proz. könne niemals die Red« lein. Da« Ziel der Reichsregierung sei jedoch, in absehbarer Zeit eine allmähliche und beträchtliche Senkung zu erreichen, und dieses Ziel könne tatsächlich erreicht werden. Angesichts der Ueberlastung durch Steuern müsse größte Sparsamkeit das Ziel sein. Diese Mahnung gelte nicht nur für die Gemeinden, sondern auch für das Reich und d>e Länder Die ganze so erstrebte Verwaltungsreform müsse vorwärts g«- trieben werden. Durch die Steuervereinheitlichung werde ein weiterer Schritt auf diesem Wege gemacht werden. Die Besoldungsresorm des Reichs solle auch den Ländern und Gemeinden im Rahmen der Anpassung an die Verhältnisse maßgebend sein. Die Beamtenbesoldungsreform, die nach langjährigen Beratungen im Reichskabinett nunmehr einstimmig ange- n o m m e n wurde, sei ein« notwendig« und soziale Reform. Be- sonders verwahrte sich der Minister gegen die Bestrebungen, die Besserung, die die Beamtenqehaltserhöhung bringt, durch Preis- erhöhungen auf dem Bedarfsmarkt wieder wettzumachen. Die Reichsregiecung werde dies unter keinen Umständen zu- lassen. Der Minister verwahrte sich gegen den ihm gegenüber erhobenen Vorwurf des Unitarismus und die ihm anläßlich des Steuervereinheitlichungsgesetzes zugeschriebene Absicht, die Selbst- Verwaltung der Gemeinden zu zerschlagen. Dbfthieü des Generals Reinhardt. unruhigung der Mieterschaft führen und viele Familien schutzlos der Willkür des Hausbesitzes und der O b d a ch l o s i g- t e i t ausliefern. Der Gcsanitvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter richtet an die deutsche Mieterschaft die dringende Auffordc- rung, sich an den bevorstehenden Protestmaßnahmcn gegen die Ab- sichten der Reichsregierung zu beteiligen, um die drohenden ernsten Gefahren abzuwenden. Die Mieterschast fordert die uneingeschränkte Aufrechterhaltung des Mieterschutzes und die Verabschiedung eines Rcichsgesetzes über ein soziales Miet- und Wohnrecht. Ferner erhebt der Rcichsbund erneut und verschärft Protest gegen die Mietzinspolitik der Reichsregierung. Unbekümmert um die wirtschaftliche Notlag« des weitaus größten Teiles der deutschen Mieterschaft und unbekümmert um die Nöte unserer Wirtschost wird fortgesetzt das arbeitslose Renteneinkommen des Hausbcsitzes erhöht, obwohl dieser seine Werte durch Kriegs- und Jnslationszeii hindurch gerettet hat. Die Mieterschast wehrt sich mit aller Entschiedenheit dagegen, das Opfer einer voltswirtschaftlich ver- fehlten Mietzinspolitik zu werden. Es kommt heute darauf an, die Neubaumieten durch rücksichtslose und energische Bekämpfung des Barlstoffwuchers und durch Er- leichterung der Finanzierung zu senken, nicht aber die Altbaumieten ohne wirtschaftliche Notwendigkeit immer weiter zu steigern. Die Rentabilität des Hausbesitzes hat längst die Höhe der Vorkriegsrentc überschritten. Jede weitere Mieterhöhung geht a u f K o st e n der ohnehin schwer bedrohten Lebenshaltung derbreiten Massen und ist deshalb unerträglich. Endlich protestiert der Reichsbund gegen die Zlbsicht der Reichs. rogierung, dem Hausbesitz die Inflationsverluste der Hypothckengläubiger im Gesamtbetrage von 5 0 bis 00 Milliarden Goldmark durch allmählichen Abbau der H a u s z i n s st e u c r in die Hände zu spielen. Die ungeheure Wohnungsnot und das unsägliche Wohnungs elend des deutschen Volkes erfordern die Erfassung diescrRicsen- , f u in m e für d i e Allgemeinheit zu Zwecken des Woh- ! nungsneubaucs und zur Sanierung schlechter Wohnviertel. Sollte die Reichsregierung auf ihrem Standpunkt verharren, so wird der Reichsbund Deutscher Mieter zu verschärften Kampfmaßnahmen aus- rufen._ Wie es beim§ilm zugeht! Eine äußerst dunkle Flimmergeschichte. Im Filmbetrieb ist manches nicht ganz klar! So beschäftigte gestern eine mysteriöse F i l m a f f ä r e in einer Privatklage das Amtsgericht Mitte. Wegen Beleidigung klagte Ludwig B r a d e r gegen den ver- antwortlichen Leiter der Lichtbildbühne Mendel. Er fühlte sich dadurch beleidigt, daß über ihn geschrieben worden war, er habe als K o m p e n s a t i o n s f i l m für die Einfuhr eines französischen Films der Prüfungsstelle einen aus zwei alten Filmen zusammen- gefügten Film vorgeführt, und dem Abnehmer des Films hätte er unter Berufung auf seine Beziehungen zu der Außenhandels- stelle als langjähriges Mitglied der Filmprüfungsstelle und im Außenhandelsausschuß für die Filmindustrie versichert, daß er auch einen derartig zusammengesetzten alten Film durch- drücken und daß er dann eine etwaige Strafandrohung abwenden könne. Der Kläger Brader bestritt die Richtigkeit dieser Behaup- tungen. Er will selbst nicht gewußt haben, daß der in Frage kommende Film„Owe Olafs Söhne" aus zwei alten Filmen zusammengeschnitten worden sei. Der seinerzeit bei der Firma Lorenz G. m. b. H. angestellte Dr. Lange hatte in einer kom- missarischen Aussage im allgemeinen die Angaben des Ange- klagten b e st ä t i g t. Dem Gericht schien aber diese Aussage u n- vollkommen. Es beschloß, den Zeugen persönlich zu laden. Nach einem von Direktor Landwehr vom Reichswirtschasts- Ministerium vorgelegten Aktenstück hat seinerzeit Regierungsrat Lippe in den Akten vermerkt, daß Brader trotz des Hinweises darauf, daß es sich um einen zusammengeklebten alten Film handle, diesen an Lorenz unter der Zusicherung, es handle sich um einen neuen Film, verkauft habe. Zur Klärung all dieser Fragen kam das Gericht zu einer Ver- t a g u n g, da überdies auch der ebenfalls als Zeuge geladene Film- regisieur Richard Oswald nicht erschienen ivar. Zu der neuen Verhandlung sollen sämtliche Zeugen und auch Regieningsrat Lippe geladen werden. Die Unterschlagungen beim Polizeiamt Wedding. Wegen Unterschlagung' und Urkundenfälschung hatte sich vor dem Erweiterten Schöffengericht Mitte der Polizeiobersekretär Distel Horst zu verantworten. Der Angeklagte hatte die Leitung der Geschästsstellen der Unterkunst, Bekleidung und Besoldung und auch dos Kraftfahrwesen übertragen erhalten. Innerhalb von vier Monaten hatte er im Laufe des Jahres 1925 1 3 0 0 0 Mark unterschlagen. Nebenher hatte er aber auch in derselben Zeit noch das Vermögen seiner Frau in Höhe von ebenfalls 13 000 M. bis auf«inen Rest von 29 M. durchgebracht. Den Betrieb auf dem Polizeiamt unter der Leitung des Angeklagten bezeichnete de: Vorsitzende mehrmals als Lotterwirtschaft. Der Verteidige! machte für den Angeklagten ein« Reih« von Milderungsgründen geltend. Das Urteil lautete auf zehn Monat« Gefängnis, welche Strafe der Angeklagte inzwischen durch seine Untersuchungs- Haft verbüßt hat. Die Berufsmufiker demonstrieren. Der„Deutsche Musikerverband" versammelte gestern mittag seine Mitglieder auf dem Winterfeldtplatz zu einer Demon- stration gegen die Konkurrenz der Militär- und Beamten- musiker. Mit großen Transparenten, auf denen gefordert wurde, daß der Staat seinen Beamten verbietet, anderen Erwerbstätigen die Arbeft wegzunehmen, erschienen die einzelnen Gruppen des Musiker- Verbandes auf dem Platz. Um VAi Uhr formierte sich ein Demon- strationszug. Unter den Klängen von drei Musikkapellen durchzogen die Berufsmusiker die Straßen des Westens. An den Seiten des Zuges verteilten Ordner Flugzettel, in denen dazu aufgefordert wurde, die Kapellen der Berussmusiker zu engagieren. Auch in den Kaffees und Restaurants wurden die Zettel verteilt. Nach dem Um- zuge versnimnelten sich die Demonstranten auf dem Wittenberg- platz. Nach einigen Musikvorträgen sprach Genosse Gallas zu den Versammelten. Er führte aus: Die Weimarer Verfassung be- stimmt ausdrücklich, daß jeder durch wirtschaftliche Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen kaim. Arbeit ist auch für die Berufsmusiker genügend vorhanden. Aber Leute, die schon in einer anderen Stellung bezahlt werden, nehmen den Musikern ihr Brot. Beamte, die schon von, Staat besoldet werden, spielen, Militär- lopellen spielen, und Bcrussmusiker müssen mit der vom Staat gc- zahlten Unterstützung ihre Familie„ernähren". Die Demssmusiker Die 0 i(& e r) rf) iv ä r ra e 61] Von SKeg: Bea�> IN ach druck verboten Ttebersrtznug au» btm Englische« vo» Julia Goppel „Du bist noch immer derselbe," lächelte sie,„du verstehst es, mich aus aber Alltäglichkeit herauszuheben. Keiner ist wie du. Aber hier sind ringsherum Leute und auch Vater muß irgendwo in der Nähe sein." „Das kümmert mich nicht—" „Aber mich." „Meine Barkasse liegt dort unten. Komm mit mir an Land, damit ich dir zeigen kann, was ich ausgerichtet habe." „Ich kann nicht. Ich habe versprochen, mit Berrys und Herrn Marsh an Land zu gehen." „Marsh!" „Sei nicht so hitzig! Und nimm nicht gleich alles tragisch. Wir sollen seine Fabrik besiäisigen und dort essen— sie warten auf mich. Ach!" rief sie klagend,„ich habe auf der ganzen Reise von nichts anderem als von Lachskonserven- fabriken gehört. Die Herren sprechen von nichts anderem als von Fischschwärmen und Geldmacht und Dividenden. Wie ist das alles langweilig. Und wie habe ich es satt! Vater ist natürlich der Schlimmste." Emerson zeigte auf seine eigene Fabrik. „Du hast meine— unsere noch nicht gesehen," sagte er. „Doch, Herr Marsh hat sie Vater und mir gezeigt, sie sieht nicht anders aus als die anderen." Es entstand eine Pause, dann fuhr sie fort:„Weißt du, daß einzige, was mich inter- essiert, ist die Art, wie die Chinesen rauchen. Diese gebogenen Pfeifen und die kleinen Prisen Tabak sind doch zu komisch." Der leichte Ton, in dem sie sprach, dämpfte seine Begeisterung, der Haufen formloser Gebäude, den sie am Ufer liegen sahen, erschien ihm plötzlich prosaisch. „Interessiert dich auch nicht, was ich erreicht habe?" fragte er. „Herr Marsh hat uns schon alles erzählt, bevor du an Bord kamst. Boyd, mir hat dieses Unternehmen nie recht gefallen, obgleich ich nichts dagegen gesagt habe. Du warst ja so begeistert dafür, ich aber finde, du solltest lieber etwas wirklich„Großes" beginnen. Ich bin überzeugt, daß es dir nicht an Tüchtigkeit fehlt, die Leute, die Erfolg gehabt haben, find sicher nicht intelligenter als du, und sind nicht halb so stark. Und ich finde, du kannst bei deiner Begabung etwas Großzügigeres leisten als Fische fangen." „Großzügiger!" rief er,„die Lachsindustrie ist eine der größten Industrien an der ganzen Küste. Sie beschäftigt allein zehntausend Leute in Alaska und es werden jährlich zehn Millionen Dollar dabei verdient." „Ach verschone mich bitte mit Statistik," sagte Mildred. „Ich meine nur, ein Fischer ist nichts im Vergleich zu einem Juristen oder einem Architekten, zum Beispiel. Ein Fischer ist nicht mehr als ein Goldgräber. Verzeih mir, Boyd, aber sieh nur einmal deine Kleidung an." Sie fing an zu lachen. „Du siehst aus wie ein gewöhnlicher Arbeiter." Zum erstenmal wurde es ihm klar, daß er hier eine klägliche Figur spielte. Alles um ihn her sprach von Luxus und Reichtum, sogar der Matrose, der gerade vorbeiging, war besser gekleidet als er. Er fühlte plötzlich, daß er hier nicht her gehörte „Ich hätte mich etwas hübsch machen können, das ist wahr," sagte er nachgiebig,„aber als du kamst, habe ich alles andere vergessen." „Offen gestanden, ich genierte mich furchtbar, als ich dich vorhin Berrys und den Anderen vorstellte. Sie glaubten gewiß, du seiest Herrn Marshs Werkführer." Noch nie hatte Boyd in Mildreds Gesellschaft Verlegen- heit empfunden, jetzt aber spürte er hinter ihrem gleichgültigen Wesen eine Zurechtsetzung, und sie verwundete ihn tief. Er sagte nichts: nach einer Weile aber begann sie wieder, indem sie plötzlich das Thema wechselte. „Die geheimnisvolle Frau wohnt also in dem komischen kleinen Haus dort drüben?" „Wer?" .„Cherry Malotte." „Ja. Woher weißt du das?" „Herr Marsh hat es uns gezeigt. Er sagte, sie sei mit dir zusammen hergekommen." „Das ist wahr." „Warum hast du mir nichts davon erzählt. Warum schriebst du mir nicht, daß du sie in Seattle getroffen hast?" „Ich weiß nicht, ich habe gar nicht daran gedacht." Sie betrachtete ihn kühl.„Hast du erfahren, wer sie eigentlich ist?" „Warum interessierst du dich so sehr für sie?" Mildred zuckte die Achseln. „Dein Gespräch an jenem letzten Abend mit Willis Marsh interessierte mich. Ich werde Herrn Marsh bitten, sie uns zu bringen, wenn wir an Land gehen. Das würde mir Spaß machen. Sie wird meinen Besuch doch nicht erwidern und an Bord kommen, nicht wahr?" Boyd mußte über ihre offenkundige Besorgnis lächeln. „Du hast dir einen ganz falschen Begriff von ihr gemacht," sagte er.„Und ich glaube nicht, daß du sie auf die Weise, die du ihr ausgedacht hast, kennen lernen kannst." „Warum nicht?" Mildred zog die Augenbrauen hoch. „Sie läßt sich von niemandem bringen, am wenigsten von Herrn Marsh." An ihrem erstaunten Ausdruck sah er, daß er sich auf gefährlichem Gebiet befand und beeilte sich von etwas ande- rem zu sprechen. Er wollte Mildred gern erklären, daß er, wenn er auch keinen vollen Erfolg verzeichnen konnte, doch auch nicht vollständig Schiffbruch gelitten hatte; sie aber hörte ihm nur gleichgültig zu, mit einer Miene, als ob sie einem eigensinnigen Kind den Willen tat. „Ich wünschte, du würdest das Ganze aufgeben und etwas anderes anfangen," sagte sie schließlich.„Dies ist kein Aufenthalt für dich. Du setzl hier deine ganze Lebensfreude zu. Du bist ja geradezu ernst geworden, und ernste Leute mag ich nicht." Da kamen Alton Clyde und einige andere, darunter Willis Marsh aus der Kajüte, schwatzend und lachend. Mildred erhob sich und sagte:„Da kommen Berrys, um an Land zu gehen." „Wann kann ich dich wiederseben," fragte er hastig. „Komm heute abend an Bord. Als die anderen heran- gekommen waren, sagte sie:„Herr Emerson kann uns nicht begleiten, er will noch mit meinem Vater sprechen." „Wir haben ihn eben in der Kajüte verlassen," ant» wartete Marsh. Er half den Damen die Schiffstreppe hin» unter, und kurz darauf winkte Emerson der Gesellschaft und wandte sich der Kajüte zu, um Wayne Wayland im Salon aufzusuchen. (Fortsetzung folgt.) 1 verkmgen, daß jetzt endlich, nachdem eine wenn auch geringe Auf» besserung der unteren Beamtengehälter erfolgte, die Regierung den Beamten verbietet, nebenberuflich zu spielen. Die Ausführun- gen, die Genosse Kalles mit Zahlenmaterial unterstrich, fanden den Beifall der Versammlung._ Der verschwunüene Page. Das Opfer eines Homosexuellen? Die Nachforschungen nach dem verschwundenen Hotelpagen Kurt W a h l i ch haben nunmehr zur Feststellung der Personalien des geheimnisvollen Begleiters geführt. Der Mann, der den Jungen wiederholt erwartet« und abholt«, ist jetzt als ein 32 Jahre alter, aus Jffelsdorf gebürtiger früherer Artist Josef Wenzel festgestellt. Wenzel mietet« sich am 20. August d. I. in einer Herberge in der Bergstraße unter seinem richtigen Namen ein. Dort besuchte ihn Wahlich des öfteren und wurde von Wenzel für seinen Sohn aus- gegeben. Am 12. September, also mehrere Tage, nachdem der Junge aus seinem Elternhaus verschwunden war, erschien Wahlich wieder in der Bergstraß« und wartete stundenlang auf seinen angeblichen Bater. Wenzel beschenkt« den Knaben dann mit einem neuen Anzug, einer Bluse und einem Paar Stiefeln und das Paar ver- ließ gemeinsam die Herberge. Wohin sich der Mann mit dem Jungen gewandt hat, konnte noch nicht ermittelt werden. Es haben sich aber bei der Kriminalpolizei zwei andere junge Leute gemeldet, denen sich Wenzel auch einmal genähert hat. Am Sonntag, dem 28. August, d. I. verfolgte Wenzel, der durch seine schief stehende Nase leicht kenntlich war, die beiden jungen Leute von Unter den Linden nach dem Tiergarten, setzte sich auf dieselbe Bank, auf der sie Platz ge- nommen hatten und machte ihnen Anträge. Sie wiesen ihn mit«in paar derben Scherzen ab, er ließ sich aber nicht einschüchtern und gab ihnen für den Fall, daß ste sich anders besinnen sollten, seine Adresse. Den beiden jungen Leuten fiel das schäbig« unsaubere Aus- sehen des Mannes und feine bayerische Mundart auf. Neue Aboa.q-Linie 7 ab 15, Oktober. Die Vorarbeiten für die Einrichtung der neuen Autobus- linie 7, die bekanntlich von Halensee durch die Kolonie Brune- wald, Schmargendorf nach Zehlendors Krankenhaus geleitet wird, find soweit vorgeschritten, daß am 15. Oktober unter Voraus- jetzung, daß bis dahin die polizeiliche Genehmigung für die In- betriebnohme der Linie erteilt wird, der Betrieb aufgenommen werden kann. Dies« neue Linie hat auch den Einheitspreis von 20 Pf. und ist dem Umsteigeverkehr angeschlossen. Am 1. Oktober wird die Linie Bahnhof Steglitz-Lankwitz Gemcindefriedhof verlängert und bis Marienfelde, Dorfstraße, durchgeführt. Auch hierfür steht noch die polizeilich« Genehmigung aus. Republikanischer Tag in Jüterbog. Am vergangenen Sonntag bekam die Stadt Jüterbog die schwarz- rotgoldene Fahne zu sehen. Etwa 1000 Reichsbannerleute waren herbeigeeilt, um in dieses reaktionäre Städtchen die Reichsfahnen zu tragen. Die Veranstaltung wurde zu einem vollen Erfolg für die Republik. Am Sonnabend abend bild:te«in Fackelzug den Auftakt. Der Sonntag brachte ein gut besuchtes Platzkonzert und den Festakt auf dem Marktplatz. Polizeioberst Länge-Berlin nahm in einer längeren Festrede zur Flaggenfrage und zu den kommenden Wahlen Stellung.„Zu den Toten des Weltkrieges geHort auch die schwarz- weißrote Fahne." Diese Worte Otto Brauns wiederholte der Redner unter stünnischem Beifall. Er erwähnte das energische Vorgehen der preußischen Regierung und des Berliner Oberbürgermeisters. Mit einem Gelöbnis zur Republik schlössen seine Ausführungen. Landrat Dr. Usinger und Bürgermeister Vorwcrg waren bei der Kundgebung anwesend. Unfall aus dem Temprlhofer Flughafen. Wie die Deutsch« Luft- Hansa mitteilt, mußte Sonntag nachmittag ein P a s sa g i e r s l u g- zeug, nach einem Rundflug über Berlin, am Eingang des Tempelhofer Flughafens landen. Ein älterer in der Nähe stehender halbblinder Zuschauer wurde durch die plötzlich« Landung überrascht, umgeworfen und beim Fallen leicht verletzt. Besatzung und Passagiere blieben unversehrt. Auf dem Gülerbahnhos tödlich verunglückt. Einen furcht- baren Tod fand gestern gegen 15 Uhr der 22jährig« Arbeiter Hans K u r r aus der L i e b e n w a l d e r Straße 39 auf dem Hamburg-Lehrter Güterbahnhof, wo er mit Verlade- arbeiten beschäftigt war. K. wurde von einem Krangreifer so unglücklich gegen die Wand eines Lastkraftwagens gedrückt, daß er schwerverletzt zusammenbrach. Der Verunglückte wurde in bewußtlosen Zustande in das Moabiter Krankenhaus übergeführt. Der Arzt konnte jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Die Schuld- frage ist noch ungeklärt. Gestern 20 Uhr wurde auf dem Schlesischen Per- sonenbahnhof der Rangiermeister Schmidt, Vater von vier Kindern, überfahren und lebensgefährlich verletzt. Einen vlnmenkorfo der Kleingärtner. In diesen Tagen ver- anstaltet der Kleingartenbezirksverband Neukölln- Treptow in Jrmers Festsälen, Treptow, sein« 6. Gartenbau- und Kleintierausstellung. Die Eröffnungsfeier am Sonntag brachte ge- sangliche Darbietungen der„Sangesfreunde der Kleingärtner", «inen Blumenkorso, bestehend aus 75 Gespannen und Autos und über 200 Radfahrern, alles reich dekoriert mit Blumen und den kleingärtnerischen Geräten. Genau so reichhaltig und abwechslungs- voll wie der Auftakt erwies sich die Ausstellung selbst. Der Bezirks- verband Ncukölln-Treptow steht mit seinen 214 Vereinen mit rund 10 000 Mitgliedern an Größe wohl mit an erster Stelle. An der Ausstellung haben sich 66 Vereine mit 4500 Mitgliedern beteiligt und man kann sich wohl vorstellen, daß die reiche Beschickung und die Fülle des Gebotenen nichts zu wünschen übrig ließen. In der Blumcnschau bewundert man prächtige Dahlien, Astern und die anderen Herbstblumen in den verschiedenartigsten Gestalten und Farbtönen. Die Pracht der Gemüse- und Obstabteilung ließ wohl jeder Hausfrau das Herz höher schlagen. Die Kleintierschau zeigte Kaninchen in zehn verschiedenen Rassen, vor allem die Belgischen Riesen, Blaue Wiener, Hermelin usw.: in der Hühnerzucht haben die Kleingärtner von Nentölln-Trcptow ganz besondere Erfolge zu ver- zeichnen und man sieht schöne Exemplare der gelben Orpington, ge- streifte Plymouth-Rodehänder, als besonders schwieriges Züchtung«- Produkt die gesäumte Wyandotte u. a. m.: die ausgestellten Tauben- rossen sind Schwingelschwänze, weiße Berliner und die verschiedenen Brieftauben. Zahlreich« Ehrenpreise der Landwirtschaftskammer, des Wohlfahrtsministeriums und der einzelnen Verein« waren für die besten Leistungen gespendet worden. Ein Zugendlreffen in Detershagen. Durch Petcrshaaen erklangen Sonnabend und Sonntag die Lieder der freiheitlichen Jugend. Die Ortegruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend hatte zu einem Jugendtreffen eingeladen, das von den Berliner Jugendfreunden zahlreichen Zuspruch fand. In einer kurzen An- spräche hieß der Vorsitzende der Gruppe Petershagen, Genosse Schuhmacher, die Jugendlichen willkommen. Rasch waren unsere Burschen und Mädels in Privatquartieren untergebracht. Durch das schlechte Wetter wurde Sonntag morgen Spiel und Sport des öfteren unterbrochen. Am Nachmittag herrschte fröhliches Zugendtreiben in den Räumen des„Alten Dessauer". Eine impro- visierte Kapelle spielte zum Volkstanz auf. Gegen 21 Uhr bewegte sich ein schöner Fackelzug unter roten Fahnen zun, Bahnhof. Natürlich mußten auch die unvermeidlichen Kommunisten prompt erscheinen: sie versuchten, ein wirres Flugblatt los- zuwerden. Daß sich die Jugendgenossen eine solche Provokation nicht gefallen ließen, ist selbstverständlich. Ein Sechzigjähriger. Dieser Tage beging Genosse Karl R a u a n, langjähriger Parteifunktionär im Bezirk Kreuzberp und Mitglied der Verwaltung im Meiallarbeiterverband, seinen 60. Geburtstag Ein �luto vom d-Zug überfahren. Drei Personen getötet. 0 Hannover, 19. September. Die Reichsbahndirektion Hannover teilt mit: Gegen 14,30 Uhr überfuhr der V-Zug der Strecke Bremen— Wunstorf kurz vor Wunstorf einen Personenkraftwagen, von dessen Jnsasien drei getötet. zwei schwer verletzt wurden. Alle Getöteten und Verletzten stammen aus Hannover-Linden. Ein deutscher Dampfer im Oercsund gestrandet. Nach einer Meldung aus Kopenhagen strandete am Sonntag nachmittag � im Oeresund der Hamburger Dampfer„H e r m i a", der mit einer Heringsladung von Schottland nach Danzig unterwegs war. Das Schiff blieb zum Glück ohne Leck. Ein Bergungsdampfer ist sofort zur Hilfeleistung entsandt worden. Alsechin schlägt Eapablanca. Die erste Partie im Kampf um die Schachweltmeisterschast in Buenos Aires wurde von AI- j e ch i n gegen Eapablanca gewonnen. Die zweit« Partie begann gestern._ Sport. Rennen zu Mariendorf am Rlonlag, dem 19. September. 1. R« n n e n. 1. Lucretia(Cb. Mill«), 2. Friesin ltzt. Mill«), 8. Galeere lHeckert). Toto: 31: 10. Platz: 22. 17. 17: 10. sserner liefen: Cardinal. Arnim. Herzog, Graf Brilex. Nipviache. Olan, Mariella. Leuchte, Nellh Arnoid, Roicmaric, Ladhship, Nachricht, Piachipeier, Fahrenheit, Champagner, Baronen E. 2. N e n n e n. 1. Erasmus lC8. Mills). 2. Dewevpbtne(Ed. MillS), 3. Ouille B. sF. Schmidt». Toto: 15; 10. Platz: 14, 27. 133: 10. Ferner liefen: Antenne. Kopeke. Baron Silvester. Invasion, Prinzessin Etawah, Katzdach. MrS. BoSworid. Olley B., Gerhard, Ebrcnbera. 3. N e n n e n. i. Heidchlume lHuih). 2. Gondel(Heckert), 8. Einsicht kSemzer). Toto: 57:10. Platz: 40. 21, 51: 10. Ferner liesen: Lombardei, Ostgrenze. Tasso, Heider. Deiil chcr. Lcuchlsackcl, Ostmark, Frank, LachmuSkel, Kasimir, Dancing Eirt, Sir Caid. Diana Magowan. ».Rennen. 1. Karl Heinz lCb. Mills). 2. Daleur tTamberi), 3. Fregoll(Raymcr). Toto: 40:10. Platz: IS, 21. IS: 10. Ferner liefen: Nora Beiwin. Monor, AlhoS, Peinijchka, Königsadler, löolza II, IohanniSIäser. 5. R e irn e n. 1. Abteilung. 1. Holstein(Besitzer), 2. Theodora kv. Solol). 3. Goudstcr jun.(NctzkO. Toto: 53: 10. Platz: IS, 26. 3Z:10. Ferner liefen: Pclroneva A.,(Zugelinde. Propeller. Gelbstern, Modern. Edelsteins Sohn, Lu, Maikönigin l, Selamllt.— 2. Abt eilung. 1. Mlnni Halle(Tichauev), 2. Wagner i Elias). 3. Dewetz Rose(Besitzer). Toto: 35; 10. Platz! 18, 25, 58: 10. Ferner tiefen: GvudsterS Gloria. Ingrid Halle. Brilon P>Inz, FredcgundiS, Monostatos, Hatma, O'Captain Lccrbcrg, Natal. Erl ja. � 6. Nennen. 1. Karnevaln Indien. Referent Genosse Schräder. Die Nachbarabteilungen stnd freundlichst ein- Arauenveranstattungen: III.«w.«shusdors. Dienstag, 20. September, X9V4 Uhr, Frauen abend bei Helmann, Waller-dorfer Slr. 100 1. Vortrag de, � N°fbert Marx über:.Da» Gesetz zur Bekampsung der» Kinbeeseeunde Shorlottenbreg. Mittwoch.» September,.�beitsgemein. schalt der Helfer 20 Uhr bei?r:-del Warmuth, Am Bahnhof Westend 2. Thema:„Dir Sportbewegung und wir."_ { Sterbetafel öer Groß-S-rliner Partei-Grganisation � 06.«bt. Reukölln. Am 16. September verstarb unser Genosse K r an, Suth, Kopkstr. 33. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung heute. Dienstag, 20. September, 18 Uhr, im Krematorium Daum. schulenweg. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Sozialistische Mrbeiterjugenö Grost-Serliti. «chtttng,«bteiln-gsleitrrt Rechnet die«arten für Morgenfeier und Iugendtag ab. Holt das Werbematirial umgehend ab. heute. Dienstag, 20. September. 19� Ahr: «enn-enpl-tz: Schule Wiesen- Ecke Pankstratze.„Naturschutzgebiete."-- Gesundbrunnen! Schule Soienburger Sie. 2.„Tagespolitische ssragen.— wedding-Rord! Heim See. Ecke Tnriner Ctratze.„Demokratie— Diktatur? � «ordost l- Heim Landsberger Sir. 60.„Zweckmätziges Wandern.— Schönhauser Borstadt: Lichtbildervortrag im Leim in Weitzensee, Paelstr. 30.„Thu- ringen." Treffpunkt>9 Uhr Schönhauser Allee.— Seneselder.Biertel: Schul- Danziger Str. 23.„6213. und Gewerkschaft."— Rosentbaler Borstadt: Treff. pnnkt zur Eröffnungs-eier der Gruppe.Fivllnischcr Park" um 19 Uhr Rosen- ihaler Platz, Normaluhr,— Halensee: Schule Ioachim-Friedrich�ir. 3b, 3«. Weebeabend mit besonderem Programm,— Mariendarf: Alte Schul-, Dorf. stratze 7. Ausspräche über Jack London:„Abenteuer des Maschinenfiranges."— Reukelln I: Leim Sander- Ecke Hobrechlstratze. Tage-politischer Abznd.— Renlölln Ii! Keim Bergstr. 29,„Parteien no« links nach rechts."— Reu- köll» Uli Heim Eteinmetzstr. 15.„Kieler Parleitag."— Renkällu Vi Heim Richardplatz 13, Eingang Nebenhau,.„Justiz und politischer Mord.— Neu. ktzlln VI: Schule Hertzbergplatz.„Jack London"— Hermsdoef! Schule Roon- stratze. 3ehn-Minuten»Neterate.— R-inickendors-Ost: Seebad, Nestd-nzstraze. „Erste Hilfe bei Unglücksfällen."-»uchhol,! Schule Berliner Stratze. Olatz- brenner-Abend.— Pankow-Nord: Heim Gärfchstr. 14.„Erziehung der M:t. glieder zur Akti-it-t."— Reuköll» IV: Helm Nogaistr. 53.„Soziale Für- soege", 2. Teil. � «erdebezirk Reiuickiiidors: Die karten zum W-ldf-st find umgehend beim Genossen Dolling abzurechnen.._„ »erbebe, irl Peenzlauee Berg: Sitzung de» Festausschusses am Donnerstag, 22. September, 19Z4 Uhr, bei der Genossin Kläre Echirner, Elbinger Str. 62. Sriefkasten der Redaktion. P. Grotzmann. 1. Dezember 1912. 2. 1911.— K. St. 32. Deutscher UnioiM klub, Berlin NW 7, Echadowstratze. wellerberichl der öffentlichen wellerdienstsielle für Berlin und Umhegend (Nachdr. verb.l Etwas wärmer, aber grögteiitellS trübe und zeitweise regnerisch. Frische Sind« aus südwestlichen Richtungen.— Für Deutsch- lau». Im Osten noch regnerisch und kühl, sonst wärmer aber meist wolkig, ohne erhebliche Niederschläge. Nur Chlorodont die Qualitäts-Zahnpaste von mehr als SMUlfonen Menschen allein In Deutschland als bestes Zahn- und Mundpflegemittel im Gebrauch. Besondere Vorzüge: l. macht die Zähne blendend weiß, 2. entfernt häßlich gefärbten Zahnbelag, 3. beseitigt unangenehmen Mundgeruch, überzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf.— große Tube 1 Mk.— Chlorodont-Zahnbürsten 1.25 Mark, für Kinder 70 Pfg. Chlorodönt- Mundwasser Flasche 1.25 Mark. Man verlange nur Chlorodont o 7 Unterhaltung unö AAissen Sei öer heiligen Therese von Konnersreuth. Seht, Ihr Leute, feit zwei fahren nimmt öle Nefl kein Essen mehr zu sich. Veröet's auch fo fromm, Sann gewöhnt Ihr Euch auch üas pressen ab und könnt mit Eurem Lohn auskommen! Schorsth Steiner. Von Max Dortu. Der Himmel war grau, grau und silbern: als Untergrund. Ueber den grausilbernen Untergrund des Himmels trieb der frische Westwind schwarzblaue Wolkenfetzen hinweg, wie zerflattertes Fahnentuch waren dies« Wolkenfetzen. Und schön war neb«n der Sportwiese das Geräusche des Windes im Gebiet der Pappelbäume, Espenbäume, oben das Blatt grün, unten das Blatt silbern. Hei, drei weiß« Tauben.— Und auf der Sportwiese flogen die Bälle, rote Fußballmannschaft war am Ueben. Der frischeste unter den jungen springenden Burschen war der Schorsch Steiner, der Kupfer- fchmied. Flink wie ein Wiesel sprang er hierhin— und dorthin, sein Auge blitzte, seine Wangen waren so wie die Wangen reifer Septembaräpfel. Lustig, Schorsch Steinerl, frei-Ball, frei-Schwung! Auf einmal aber blieb der Schorsch mitten im Sturmlaus wie angenagelt stehen, wie vom Blitz getroffen— er hob die linke Hand an die Brust, preßt« seine Brust, er war im Antlitze ganz gelb geworden, und nun stürzte er um! Seine Kameraden sind bei ihm. Sie beugen sich über ihn, sie reißen ihm die rote Sportsbluse und das graue Wollhemd auf— sie überprüfen mit Freundeshand die Brustgcgend über seinem Herzen— und sie fanden heraus: der Fehler steckt im Herzen drin, das Herz des Schorsch hat'n Knacks gekriegt— er muß gleich ins Krankenhaus. Lauft ans Telephon. bestellt das Sanitätsauto. Schorsch— wie geht's? Der Schorsch röchelte, er verdrehte die Augen. Das Krankenhaus. Es riecht nach Jod und es riecht noch Schmerzen. Der Oberarzt beim Schorsch Steiner. Der alte graue Oberarzt sagt: I bewahr«, das Sportspiel hat keine Schuld, die Krankheit wäre bei diesem Patienten früher oder später doch aus- gebrochen, er ist von Hause aus herzleidend, ein Erbfehler, wir wollen sehen, daß wir ihn wieder gesund kriegen.— Und die Mutter war ein wenig getröstet, sie trocknete ihre Tränen und sie küßte ihren Schorschi, mitten auf den blahroten Mund. Mit der Mutter war auch die Lina, die war die Braut des Kupferschmiedes Schorsch Steiner.— Dunnerteill, was für'n schönes Mädchen, ich möchte der kranke Schorsch sein, nur um die Lina küssen zu dürfen.— Lina?, weinst du nicht?— Och was, weinen?, mein Schorsch wird wieder gesund, dazu habe ich die Näherin Lina, meinen Schatz viel zu gerne— gellet, Maust?— Und die Lina warf sich über da, Bett ihres Freundes, sie umarmte und herzt« ihn.— Da ist nichts Heiligeres auf der Welt, als die echte reine Liebe! Leider wollte es mit dem Patienten im Bett Nr. 27, mit Freund Schorsch, gar nicht recht vorwärts gehn, sein Zustand blieb stationär, ja, verschlechterte sich. Der Oberarzt meinte: Nun probieren wir es mal mit der Pille 71. H. 44. Ein neue» Produkt vom Anilinkonzern, soll geradezu Wunder tun, soll Sterbenden noch Heilung bringen. Ist dreimal patentiert.— Leider aber bracht« die Pille H. H. 44 dem Schorsch Steiner auch keine Besserung. Es ging ihm schlecht und schlechter. Und als abends ein Dutzend Freunde zu ihm wollten, auf Besuch, da sagte der Oberarzt: Nä, nix zu maxen, ihr kommt nicht vor, der Patient Nr. 27 braucht Ruhe....... y'' Das war für Schorsch Steiner«in« schlimme Nacht. Er hatte Fieber über vierzig. Di« treue Schwester saß die ganze Nacht an seinem Bette, die alternd« tveuäugig« Krankenschwester, sie kühlt« mit Eiswasser dem Schorsch die Stirne und die Puls« an den Hand- gelenken. Schorsch fieberte, er phantasiert«, die alte Krankenschwester konnte seinen Worten nicht recht folgen— dies hörte sie: Hoi, wic's fo rot weht— Freiheit— nun haben wir sie unter— das Hakenkreuz liegt zerschmettert— auch China ward frei— rote Sportler, nochmals zum Sturm— der Ludendorff rückt aus— Sozialismus in Wirtschaft und Staat— Bebel— der dort ist der Jaures— den Kindern schenken wir das Beste--. Das waren so Sprach- fetzen aus den Fieberphantasien des todeskronken Kupferschmiedes Schorsch Steiner. Dann schlief er ruhig ein, Besserung schien zu kommen. Morgens früh. Die Sonn« ging auf. Di« Sonne sitzt vorm Fenster des Krankenzimnrers, sie spielt auf einer ganz kleinen, feinen goldenen Flöte. Der krank« Schorsch hörte die sonnige Melodie, sein Herz hofft: Ich werde leben! Und den ganzen Tag über ging es dem kranken Schorsch ein wenig besser. Mutter brachte einen gekochten Hühnerslügel— und Lina, die Braut, die bracht« Blumen: herbstbunte, wunderhübsche Dahlien. Ein« Glocke läutet laut durchs Krankenhaus, schrill und hart: rrrööö!, rrrööö!, rrrüüüi, Besuchszeit ist um. Mutter und Braut weinten, sie wußten nicht, warum?, sie küßten den kränken Schorsch innner nochmal, und auch dem standen Tränen in den Augzwickeln, auch der wußte nicht warum. Es war ihm sehr wehmütig um die Seele. Und er hört« immer ein dumpfes Rauschen und Brausen, als ob aus den Himmeln schwarze Wasser- fluten wildbrausend herabstürzten! Nacht. Mondschein. Schorch? wie— geht's-- dir? Ruhig. Nicht so laut. Er atmet sehr schwach. Die wachende Schwester geht neues Eis holen. Das benutzt« draußen der Mond, er stellte sich groß und gelb vors Fenster des Kronkenzimmers, Schorsch schaut mit Schrecken auf das gelbe Antlitz des Mondes— und auf einmal schmolz der Mond durch die Glasscheibe des Fensters hindurch, er kam auf den Schorsch zu, mit langen Spinnenbeinen— und der gelbe Mund des Mondes verzog sich zu einem spöttischen Grinsen, er höhnte: Menschlein, deine Zeit ist um— und dabei warf der Mond ein gelbes Seidentuch über das Antlitz des kranken Schorsch — der konnte nicht mehr atmen— er biß wütend in das gelbseidene Mondtuch— und dann— und dann-- als die Krankenschwester mit leisem Katzenschritie ans Bett des Patienten Nr. 27 zurückkam _ da war der arme Schorsch Steiner— tot'� Di« Schwester weinte. Denn sie hatte den Kranken gern gehobt.— Aber Schorschens Mutter schrie daheim im Traum« zu dieser selben Sekunde hart auf. sie hatte geträumt: Jetzt stirbt er, mein Sohn!— Die Braut Lina jedoch, die träumte Hochzeit! Der letzte Herzschlag des Schorsch war ein Kuß aus die Stirne der Braut. Bom Begräbnis ist nicht viel zu sagen, nur dieses, daß es kein Begräbnis war, sondern ein Berflammen, der Körper des Schorsch Steiner ward verbrannt. Die Flamm« fraß, was irdisch war, Geist und Seele waren längst zurückgekehrt in die großen Urreservoire alles Lebens, die wir wohl mit Verlegenheitsworten heißen: Welten- geist, Weltkrast, Kosmos, Universum— oder noch unklarer und noch verlegener— Gott?? Nim ist alles au». Di« roten Fußballer hatten natürlich ihren Kameraden und Sportsgenosten auf dem letzten Wege zum Krema- torium begleitet. Statt des Pfaffen sprach ein alter Parteigenosse. er sprach treffende Abschiedsworte— und die Musik der„Natur- freunde" spielt- dem toten Schorsch einen Chopinschen Trauermarsch — und jetzt ist eben alle, vorbei. Der Freund ist im Körper pttslammt, sein Unsterbliches lebt im Erinnern der Kameraden und in der Liebe der Mutter und Braut ebenso weiter, wie im Flimmern der mitternächtlichen Sternenaugen. Nichts stirbt— olles ist nur Umwandlung. Mutter Steiner und die Trauerbraut Lina sind mit dem Auto heimgefahren. Di« Kameraden des Schorsch marschieren nun auch vom Friedhof ab— aber!— keine Trauermusik mehr, sondern die roten Fußballer marschieren unter Freudcklängen.—„Das Loben geht weiter!" Lustige Musikmärsch«. Nicht die Köpfe hängen lassen. Ein Freund ist tot— und nicht tot, mögen die Frauen weinen, wir Burschen und Männer marschieren weiter— unterm Klang der Kampfsansaren— aller roter Sport ist Training zur großen Abrechnung— die ist der Endkampf mit der internationalen Bourgeoisie. Acht Tage darauf. Ein rotes Sportfest. Sind auch die Fußballer dabei, mit ihrer roten Vereinsfahne. Daran hängt eine schmale schwarz« Schleife— darauf steht in ganz kleinen goldenen Buch- staben:„Schorsch Steiner." So haben die Kamrraden vom roten Ballsport ihren toten Kameraden geehrt, denn: es soll nicht vergessen sein, der Schorsch war von der roten Sportsgruppe der allerbeste Spieler gewesen! Und nun kämpfen wir weiter— frei-Spicl, srei-Vall! Wir erkämpfen eine bessere Welt. Mit uns der Sturm! Die Entstehung öer Kontinente. Von W i l! y'L e y- Wir wisten, unserem Erdzeitalter, in welchem wir uns des Daseins mehr oder minder erfreuen, ging die große Eiszeit voraus. In ihr reichten die Gletscher Skandinauiens bis nach Mitteldemsch- lond. Nach endlofen Fachstreitigiciten hat man sich jetzt auf die ziemlich einfache Theorie Arrhenins' einigermaßen geeinigt, nach der die geringfügige Klimaänderung(nur ein Sinken der Durch- jchnittstempcraiur um 6 Grad Celsius, wie Ncumayr nochoewicfcn hat, allerdings auf lang« Zeitabschnitte) einfach auf ein Schwanken des Kohlenfäurcgehalts der Atmosphäre zurückzuführen ist. Bevor man aber daraus kam, dachte inan mit Vorliebe an Poljchwan- kungen. Dies« Theorie der Polverlagerung ging darauf zurück, daß eine- Tages der leitende Astronom einer deutschen Sternwarte, die sich so recht als ruhend«'' Pol in der Erscheinungen Flucht vorkam, unangenehm an das Wort des alten Hero.klit„Alles sießt" erinnert wurde— denn die Polhöhe schwankte! Ander« Warten bestätigten diese Entdeckung und in der Folgezeit wurde dann festgestellt, daß tatsächlich die Pole nicht festliegen, sondern um geringe Meterzahlen (etwa 20) hin und her pendeln. Da schien es nun einsach, aus der Zwanzigmctcrpendelung eine Zwanzigbreitengradpendelung in der Urwelt zu machen Ein halbes Dutzend Leute stürzte sich auf Hypothesenkonstruktion. Nicht nur die Erde raste uin die Sonne usw.— nicht nur der Mensch war entstanden und würde vielleicht etwas anderes werden—, sondern aus der im ganzen fließenden Erde mit ihrer fließenden Lebewelt floh auch noch die Erdrinde. Die Theorien lauteten verschieden, der eine ließ die schiefe Erdachse noch schiefer werden, der nächste wohl die Achse dem gestirnten Himmel gegenüber die gleiche Lage behalten, ober die Erde selbst- sich über diese Pole verschieben, der dritte die Erde als Ganzes auch fest bleiben und nur die Erdrind« rutschen. Der eine(Reiblsch und Simroth) dachte an ein Hin. und Herpendeln mit Sumatra als den: einen„Schwingpol" und Südamerika als den anderen; der andere (ein Pater Damian Kreichgauer) ließ die Erdrind« in tollen Zick- zackzügen hin und her wandern, bis zum guten Schluß der Nordpol über Landgebiete herrschen sollte, die zu Beginn der Wanderung Südpolarkontinent gewesen waren. Aber wie die Erdrinde in diesen Theorien, so floß auch die Forschung und die herrschenden Ansichten und die Polwandcrungslchren wurden fast restlos wieder begraben. Damit hat aber das Fließen der Erdrinde nicht auf- gehört. Aber sie ist in ein neues„harmloseres" und dafür richtig scheinendes Stadium eingetreten. In das Stadium der Lehre von der„Derfchiebung d«r Konlinente", die Lehre Alfred Weaeners. W«gener stellt, wenn er recht hat, und es ist Tatsache, daß er immer mehr an Bpd«n gewinnt, die ganze Geologie und die Ur. weltforschung auf eine völlig neue und verblüfsende Grundlag«. Man sehe sich«inmal den Globus an. Es sieht doch tatsächlich lo aus, als sei die Ostküste Südamerikas mit der Schere aus der West- küste Afrikas herausgelchnitten worden. Wenn man einmal das Experiment macht, auf einem Globus(nicht einer Erdkarte, da stimmt es nicht durch die durch die Mercatorprojektioii hervorgerufen« Verzerrung der Küstenlinien) Amerika um Alaska zu drehen, so pasten dl« Küstenlinien genau, wobei man allerdings die Flachse«(Schelf) als Land rechnen muß. Auch Australien und das Sundainfelgestöber läßt sich so zusammenschieben, so daß man einen gewaltigen Urerdteil bekommt. Wegener sagt nun, daß es diesen Urerdteil tetsächlich einmal gegeben habe, und daß die heutigen Erdteile auf dem umgekehrten Wege unseres eben vorgenommenen Experiments entstanden seien. Das wirkt zunächst fast unglaublich, ist aber ganz gut zu beweisen. Man teilt jetzt ziemlich ollgemein die Erde in drei Schichten, der Kern.(„Nife", nach seiner Zusammensetzung: Nickel und Eisen, lot. kerrum), ein« Zwischenschicht, die plastisch ist(„Sima", aus Silizium und Magnesium) und die Kon- tinentalrinde(„Sial". ous Silizium und Aluminium). Die Sial- schollen„schwimmen" nun laut Wegener aus der plastischen Sima- schicht wie Eisschollen auf dem Meere Und trennen sich wie diese. Nur ist das„Eis" des Beispiels oboekühitcs Sialmaterial, das „Wasser" heißfiüssiges, starr anzuschauendes, aber doch geringfügig plastisches Tiefensima. Wie weit die Trennungen der Kontinentalsialschollcn zurück- liegen, darüber besteht noch Unklarheit, Tatsache ist jedoch, daß man einerseits eine ganze Anzahl Urwelträtsel, wie z. B. die sonderbare Verteilung der Eisspurcn der anderen großen Eiszeit aus dem Perm des versunkenen Erdieils Gonwanaland, nur mit Hilfe solcher Kontinentaldriit erklären kann, und daß andererseits eine Verschie- bung Grönlands um 980 Meter in der Zeit von 1873 und 192? so gut wie nachgewiesen ist. Dabei ist besonders hervorzuheben, daß es sich auch hier hauptsächlich um ein- Drehung der grönländischen Siallcholle handelt, genau wie um«ine Drehung des ganzen amen- kanisciien Festlandes, wie wir sie oben angenommen hatten. Nach der Rechnuna hat Grönland noch vor 100 000 Jahren mit seinem Ostrand an Norwegen gegrenzt, was glatt erklärt, wie der Mensch, dciien Wiege man in Europa oder Asien sucht, dann nach Amerika gekommen ist. Der Mensch ohne Technik und Turbinendampser öder Segelichifi«, wohlverstanden. Die Kontinentolverschiebungen sind wesentlich Westwanderun- qen, dazu kommt noch«ine„Polslucht". Beides legt den Gedanken nahe, daß man die treibend« Kraft der ganzen Verschiebung wohl bauotsäll lich in der Erdrotation und in der Reibung der Gezeiten- welle(Mandflntkrasi) zu suchen hat. Andere Kräste mögen im ein- zelnen mitspielen., Also auch hier wieder:„Alles fließt. Sogar die Kontinente, die doch„Festland" fein sollen. Was wohl der alte Heraklit selbst• dazu sagen würde?______ Telegrapbie im Alkerkum. Dos Nachrichtenwesen und in Sonder- h-it die Trle-iraphie war im Altertum verhältnismäßig hoch eni- wickelt und wurde den Bedürfnissen ihrer Zeit durchaus gerecht, obwohl natürlich ihr technischer Charakter völlig anders geartet war wie der des modernen Telegraphen. Schon der gr.-chilch- Dichter Aeichnlos berichtet in seinem„Agamemnon" von einem im persischen Reich verbreiteten Feuerielegraphcn, der de» Fall von Troja von Insel zu Insel bis nach Slrgos meldete. Ein großer Fortichritt war dann der um 4.?0 v. Elp:, von Kl-oxenos und Dem.oklitos. zwei griechischen Technikern, erfundene optische Buchstabentelegraph. dessen sich die gesamte antik« Kutturwelt Jahrhunderte hindurch bedient« und der im römischen Kriegswesen seinen größten Triumph sc'.ert«. Dieses System war so ausgebaut, daß das Alphabet auf fünf Tafeln aufgeschrieben wurde, so daß sed« Tafel fünf Buchstaben entbielt. Durch Fackelzeiger wurde zuerst die Tafel und dann der Buchstabe gekennzeichnet. Einen anderen, einen optisch-hydraulischen Tele» graphen beschreibt um 350 v Chr. Aeneos, der Taktiker. Hier wurden an den beiden zu verbindenden Stationen gleich große, mit Abloh- Hähnen versehene Wastergesäße ausgestellt. Nach den Signalen einer Fackel öffnete und schloß man die Hähne, wobei der Wasserspiegel bis zu einer bestimmten Marke gesenkt wurde. Aus dieser Marke konnte man eine bestimmte Nachricht, die übermittelt werden sollte, et- kennen. Doch dürfte diese Art Telegraphie niemals eine allzu große Bedeutung gehabt haben, da hier nur ein« stereotyp« Nachrichten- Übermittlung möglich war und außerdem weite Entfernungen infolge des viel zu empfindlichen Rohrfyftems schwer zu überbrücken waren. Die Tierwelk im Weinkeller. Der Leiter der Zoologischen Station der Weinbauoersucheanstalt in Neustadt a. d. H., Professor Fritz Stellwaag, hat Untersuchungen angestellt über die zahlen- mäßig wie in ihrer Manniafoltigkeit überraschend große.zauna, der «in Weinkeller Lebensmöglichkeit bietet. Die in Weinkellern Herr- schend« Temperatur. Wasser- und Kohlendioxidgehalt der Lust und Lichtmangel ergeben ähnlich« Lebensbedingungen, wie wir sie m Höhlen vorfinden, und die Tierwelt des Weinkellers erinnert denn auch durchaus an die Hdhlensauna. Während 23 Sammelstunden ergab sich eine Ausbeute von 2338 Tieren, und zwar 930 Schmetter» linae, davon 630 Kortmotten. 520 Fliegen, 502 Käier. 163 Spinnen. und weiter noch Asseln, Tausendfüßer und Schnecken. Die meisten dieser Tiere sind Kort- und Holzsresser: anderen geben Wein- und Estiareste oder sonstig« Abfälle, die sich in den Kellern vorfinde E-niohrungsmöglichkeit. Kommunisten in den Kulturvereinen. Fraktionsbildung um jeden Preis! Die kommunistische Parteileitung des Bezirks Nieder- r h e i n hat unter dem 4. Juli 1927 an die kommunistischen Mitglieder von Arbeitergesangvereinen ein Rundschreiben verschickt, in dem es heißt: „Die Ortslcitung der Partei in..... teilt uns mit, daß Du die Fraktionsbildung im Arbeiter gesangverein ..... übernommen hast. Die vorläufigen Richtlinien für die Arbeit unserer Genossen in der Arbeitersängerbewcgung sind Dir zuge- gangen. Du wirst daraus ersehen, daß diese Arbeit außerordentlich wichtig ist. Das erste muß sein, daß Du feststellst, welche Partei- genossen außer Dir noch Mitglied des Vereins sind. Diese müssen zu einer Fraktion zusammengefaßt werden. Es muß m i n d e st e n s vor jeder Mitgliederversammlung eine Fraktion ssitzung stattfinden. Das Bestreben der Fraktion muß sein, den Kampf um die Funkkionärposten im Verein zu organisieren. Wir müssen in kürzester Zeit die Leitungen in den Vereinen durch Mehrheit mit unseren Genossen besetzen. Wesentlich ist, daß wir baldigst zu einer guten Zusammenfassung der Fraktionsarbeit im Gau maßstabe kommen. Eine Ga ufraktionsleitung ist bereits gebildet. Die Adresse der Eaufrattionsleitung ist: Theo Neubauer, M. d. R., Düsseldorf, Wehrhahn 32. Die Gaukonferenz des Arbeitersängerbundes ist wahr- scheinlich Ende August. Bis dahin müssen alle Vorbereitungen ge- troffen sein. Damit wir einen genauen Ueberblick über die Verhält- nisse im Gau bekommen, bitten wir Dich, beiliegenden Fragebogen genau ausgefüllt baldigst an uns zurückzuschicken. Wir brauchen diese Unterlagen dringend. Sollte wider Crmarten in Euerm Ver- ein schon in den nächsten Tagen Stellung genommen und Delegierte bestimmt werden, so müßt Ihr alles daransetzen, damit z u o e r- lässige Parteigenossen delegiert werden. Es muh dann zur Vorbereitung in der Versammlung unbedingt eine Frak- tionssttzung einberufen werden, in der das Vorgehen unserer Ge- nassen eingehend besprochen und festgelegt wird. Mit komm. Gruß! Dezirksleitung." In dem Fragebogen wird u. a. Auskunft verlangt über die Parteizugehörigkeit des V e r e i n s v o r s i tz e n d e n � über die Zahl der Mitglieder des Vereins und wie viele davon Kam- muniften sind, serner über die Zusaminensetzung des Vorstandes und wie viele davon der KPD. bzw. SPD. angehören oder mit ihr sym- pathisieren, und schließlich wieviel parteipolitisch Indifferente der Verein zählt. Es folgen ichließlich in dem Schreiben noch umfang- reiche Richtlinien für die Arbeitersängerbewegung, die vom Zentralkomitee der Kulturpolitikabteilung der KPD. herausgegeben werden. Wenn die Kommunisten in den Gesangvereinen nur die Absicht hätten, sich gemeinsam russische Kehlköpfe einsetzen zu lassen, so lönnte man ihrem fraktionellen Zusammenschluß mit einigem Humor zusehen. So aber werden sie, wie überall, auch in der Sänger. bewegung ihren Parteizimt anbringen, und davor müssen unsere Parteigenossen aus der Hut sein. Negatta öer„Freien Schwimmer Charlottenburg�. Die Taufe des Kanuvierers. Xtfe Kanuabteilung der„Freien Schwimmer Char- ?vttenburg" veranstaltete vorgestern ihre erste bundesoffene Kanuregatte auf der alten Havel in Spandau. Um 2 Uhr versammelten' sich die Vereinsmitglieder und zahlreich erschienene Vertreter anderer Arbeitersportoereine vor dem Bootshaus am Tief- werderweg zur Bootstaufe des ersten Vereinskanuvierers. Auf dem reich mit Fahnen und Girlanden geschmückten Boots- hausplag begrüßte H e r r m a n n die Festteilnchmer und wies auf die Schwierigkeiten hin, mit der die Kanunbteilung der Freien Schwimmer zu kämpfen hatte. Erst in der letzten Zeit sei es ge- lungen, das Bootshaus so auszubauen, daß die Boote sachgemäß untergebracht werden können. Der Spartenoorsitzende Genosse Schreck nahm die Bootstaufe vor. Das Boot wurde auf den Namen„Mach dich frei" getauft. Viele Arbeitersportvereine hatte» zu der Feier ihre Vertreter entsandt, die als Freundfchaftsgruh ihren Lercinswimpel überreichten. Für den Bezirk Charlottenburg über- brachte Genosse Stadtrat K a r r e r die besten Glückwünsche zur Lootstaufe. Dann machte mit einer Frauenmannschaft der Vierer seine erste Fahrt. Zur Feier dieser Bootstause und der Regatta hatten alle Arbeitersportoereine an der alten Havel reichen Flaggen- schmuck gesetzt. Etwas verspätet begann die Regatta, an der sich Vereine aus Rathenow, Nauen und der weiteren Umgebung Berlins beteiligten. Der einsetzende Regen und organisatorische Mängel hinderten den Verlauf der Veranstaltung. In den einzelnen Rennen wurden folgende Resultat« erzielt: Fr-n-cnstilvaddcli, Im 5tan»,i««r. z«a Steter! I. Eiche. Köpenick. löVs Punkte. Pnppeltajak siir itnsänger, Kl.!»: I Charlottenburg tSchiman, Schulz) Z! tl. S>appel!-i»k, pemtschte Mannschaft: I. Tharlottcnbiircl< Hausmann, Schäme!) 3: 47. Toppelkajak siir Junioren Sa: I. zeathcnom(Schnarr, Paetz) 3: 14,S. Topvclkajak für Junioren 2«: 1. Saatwinkel(Juck. Kurt) 3:33.2. Doppel- latak iiir Senioren Sa: l. Sharlottcnburg tSchiimel, Ebel) 3: 30,8. Toppcl- kaiak für grauen, Frauen 2«: l. Nauen 4: 12. Toppelkajak siir Inuioren Za: l. Elzarlottenburp(Siebelist, Adrian) 3:34. Kanuniercr mit Steuermann: l. Freie Kanusahrcr Berlin 3:04,2; 2. Charlottenburg 3:05,4.— Rennstrecke 700 Meter.__ FranzLsische Arbeiker-Aihleken in Deukschkand. Eine Ländermannschaft französischer Arbeiter- Ringer befindet sich gegenwärtig auf einer Reise durch Deutschland, um gegen elf deutsche Auswahlmannschaften im friedlichen inter- nationalen Wettkampf die Kraft« zu messen. Das erste Treffen fand m Halb«rstadt statt. Die Veranstaltung, die zu einer muster- gültigen Wcrbekundgebuna für den völkervereinenden Arbeitersport wurde, sah den größten Saal Halberstadts überfüllt. Nachdem der Vundeswart des deutschen Arbeiter-Athleten-Bundes. Genosse Strumpf- Magdeburg, der die französischen Sportgenossen be< gleitet, und«in Vertreter des Magistrats die Gäste willkommen geheißen und auf die Bedeutung des Sports als Mittel zur Völker- Versöhnung hingewiesen hatte, zeigten eine Hallesche und die Halber- städter Boxmannschaft ein« Reihe ausgeglichener Kämpi«. Dann stellten sich die Halberstädter Ringer, oerstärkt durch je einen Sport- genossen aus Passau und Magdeburg, den mit jubelnden Beifall begrüßten französischen Genossen. Den kernigen Gestalten sah man an, daß Frankreich seine besten Ringer aller Klassen entsandt hatte. Die erste Reihe der Kämpfe sah die französischen Genossen infolg« ihrer besonderen Technik mit 9:S als Sieger. Der Rück- kämpf zeigte, daß auch die Halberstädter Ringer in Ehren bestehen können, ergab er doch eine Punktgleichheit von 7:7, so daß die französischen Sportgenossen mit 16: 12 Punkten das Feld behaupteten. In R ü st r i n g e n, wo die französischen Athleten am Sonnabend antraten, errangen st« mit 20: 8 Punkten einen überlegenen Sieg. vom Wassersport rniS seinen„Gefahren Der Wassersport hat sich in allen Kreisen der Bevölkerung einen außergewöhnlichen großen Kreis von Freunden erworben. Ganz besonders betrifft dies den Paddel- und Segelsport, der hinausführt in frische reine Luft, der die Körper stählt und das Herz sich freuen läßt an der Natur, deren Schönheit aus erster Hand genossen werden kann. Unser Sport bringt auch noch mehr Gutes, als da sind die Festigung der Kameradschaft. Nörgler und Kleinigkeitskrämer werden wohl nie rechten Fuß fassen: denn ein jeder, der die Pflicht einer Jacht oder sei es auch des kleinsten Paddelbootes betritt, wird sich wohl oder übel dem Wesen seiner Genossen anpassen müssen. In den Wettfahrten lernen loir einen schnellen Entschluß fassen, auf der Tour uns einschränken: beides bringt uns Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen. Eine stete Hilfsbereitschaft wird überall zu finden sein. Die unserem Sport Fernstehenden halten fast durchweg die Unglücksfälle eines jeden Sommers für ein zutreffendes Abbild der Gefahren des Wassersportes. In Wirklichkeit trifft dies aber selten zu. Durch die vielen Berichte in den Zeitungen und die leeren Reden darüber bleiben dem Wasiersport sehr viel« fern. Doch der Erfahrene weiß, daß das nicht immer zutrifft. Wenn auch die hostende Zeit schnell genug die traurige Post vergißt, so bleibt doch ein leiser Erinnerungsvest davon bei so manchem Fernstehenden zurück und verdichtet sich zu einem Urteil, einem Vorurteil, freilich nur über die Gefährlichkeit dieses Sportes. Wie oft veift dann bei den Frauen, Müttern und Erziehern die Absicht, ihre Lieben und die ihnen Anvertrauten sorgsam vor der Gefahr zu schützen, indem sie die Aengstlichen überhaupt van jeder sportlichen Betätigung fern- halten, ohne freilich in den meisten Fällen die Frage nach der Größe und Wirklichkeit zu erheben und zum Gegenstand ernsten Nach- denken? zu machen. Wie groß der Schaden ist, der gerade dem Wassersport daraus erwächst, wird niemals zu messen, nie zu schätzen sein. Jeder einzelne, den eine nur oberflächliche Vorstellung von dem Vorhandensein der Gefahren von der wassersporrlichen Betätigung zurückhält, bedeutet einen Verlust, und«inen Verlust von ungleick höherem Wert erleidet oft genug auch derjenige, dem natürlicher Sinn und ausgeprägte Liebe zum blauen Wasser zu solcher sportlichen Betätigung drängen, und der ihr entsagen muß aus kleinen oberflächlichen Bedenken über die angeblich damit verbundenen Gefahren. Einer gewissen Summe von Gefahren wohnt zweifellos jeder sportlichen Betätigung inne. Die Gefahren, die der Wassersport im allgemei- nen mit sich bringt, hängen viel von jedem einzel- n e n ab. Wer natürlich von alfedem nichts aufzuweisen hat, als da find: Fähigkeit, Urteilsvermögen, Entschlußfähigkeit und anderes mehr, der sollte lieber erst sehen, daß er sich anderen Wassersportlern anschließt. Auch durch einschlägig« Literatur kann man sich eine Fülle geistiger Fähigkeiten aneignen. Ohne Theorie ist eben diese Praktik nicht ganz ausführbar: ist es doch nicht sehr ratsam, ohne jedes Wissen belebte Reviere aufzusuchen Wie oft sieht man, daß Paddler, Ruderer, Segler, ia sogar Motorbootler, ihre Fahrzeuge nicht in der Gewalt haben. Wie kann man da noch verlangen, daß sie die Ausweichregsln oder Dampfer- signale kennen. Dabei ist es doch wirklich kein Kunststück, diese zu beherrschen: denn wenn«in jeder weiß, wann und wie er seinen Kurs zu ändern hat, dann ist den Wasserfahrern allen schon geholfen. StraßenmeiNerschasten„Soliüaritat". Ein Saalsporlfest in Charlotienburg. Am letzten Sonntag wurden aus der Strecke Buckow— Groß- Zietben— Gladow— Dahlewitz— Groß-Machnow— Zossen und zurück die G a u m e i st e r s ch a f t c n der Arbeitcr-Radfahrer lGau 9) aus- getragen. 31 Einzelfahrer und fünf Mannschaften beteiligten sich an den Konkurrenzen. Es ging um die Meisterschaften über 10, 20 und 50 Kilometer für die Hauvt- und die Altersklasse, sowie über die Strecke von 2 Kilometer für Jugendliche. Besonders im Sy-Kilometer- Mannschaftsfahren, bei dem sechs Fahrer eine Mannschaft bildeten, von denen der viert«, der das Ziel passierte, gewertet wurde, gab es auf der ganzen Strecke heiße Kämpfe. Guben, der bisherige Gau- meister, verteidigte hartnäckig seinen Titel»nd es gelang der Mann- schaft auch diesesmal wieder, in der von Zeit von 1: 26: 32 gegen Berlin(8. Zlbteilung), die 1: 30: 21 benötigte, überlegen zu siegen. Bei den Einzelfahrern in der Hauptklasse über 50 Kilometer ging Christoph- Sckiöncberg in 1:41:31 knapp vor Krupka- Berlin durchs Ziel. Auch die anderen Rennen nahmen einen spannenden Verlauf, und es wurden trotz des schlechten Wetters ganz annehmbare Zeiten herausgeholt. Resultate: 50- Kilomete?- Mannschaftsfahren: 1. Guben(Gaumeister), 1: 26: 32: 2. Berlin, 8. Abteilung, 1: 30: 21. Einzelfahrer- Hauptklasse: 1. Ehristoph-Schöneberg (Gaumcister), 1:41:31: 2. Krupka-Berlin, 1. Abteilung, 1:41:35. A l t« r s f a h r e r: I. Troppa, 5. Bezirk(Gaumcister). 1:40:31. 2 0- K i l o m e te r- E i n z e l f a h r e r- Hauptklasse: 1. Patzack, 10. Zlbteilung(Gaumeistcr), 37: 21: 2. A l t e r s f a h r e r: 1. Lubasch- Berlin(Gaumcister), 40-18. 1 0- K i l o m e t e r- E i n z e l- f a h r e r- Hauptklasse: 1. Wegencr-Berlin, 6. Abteilung, 18:35. Altersfahrer: 1. Eichler-Berlin, 6. Abteilung, 20: 36. 2-Kllometer-Iugendklasse: 1. Karge-Guben, 3,01 Min. Die auf der R ü t t> A r e n a am gleichen Tage um 14 Uhr in Aussicht genommenen Rennen um die Bahnmeisterschasten sielen dem schlechten Wetter abermals zum Opfer. Es ist noch kein neuer Termin angesetzt worden. * Di« Ortsgruppe Charlottcnburq von„Solidarität" hielt kürzlich auf dem Spandauer Bock ihr diesjähriges Saalsportfest ab. Die Sensation des Abends waren die„Vier roten Teufel" aus Hall« a. d. S. Der kleine Manfred der Familie Engesberger, neun Jahre alt, eröffnete das Programm. Seine Kunst im Steuerrohr-, Einräder- und Eiselradsahren war geradezu staunenswert. Ihm folgte seine Schwester Lisberh in einem Einräderakt, der durch akrobatische Kunststücke erschwert war. Der kleine Ivjährige Martin führte verblüffende Tricks im Steiger vor- und rückwärts aus, und tanzte auf dem Cinrad Foxtrott. Max Enges- bergers Vorführungen auf Hochrädern waren geradezu fabelhaft. Viel Anklang fand eine Quadrille, gefahren auf Einrödern. Ein Radballspiel der ersten gegen die zweite Mannschaft endete nach heißem Kampfe mit dem Resultat 4:2 für die erste Mannschaft. Di« Veranstaltung kann als sehr gelungen für den Arbeiterradsport bezeichnet werden._ Zugendlagung In Leipzig. Mitte September fand in der Bunde-- schule eine Tagung des Bundesjugendausschusses und der Kreisjugendleiter statt. Auch in Zukunft soll mit der Jugend des ADGB. ein engeres Arbeitsverhältnis aufrechterhalten werden. Die Mitgliedschaft im Jugendherbergsoerband soll beide- halten werden. Im Jahre 1928 werden in den Kreisen Jugend- treffen stattfinden. Beim zweiten Bundessest 1929 in Nürnberg wird der Jugend Gelegenheit gegeben werden, die Jugendarbeit des Bundes vorzuführen. „Lerolina"-Poxkampfabend. Am Freitag, 23. d. M., 20 Uhr, veranstaltet der SC. Berolina Boxkämpfe in der Turnhalle Neukölln, Thomasstraße. Eingeladen sind gute Gegner aus„Nord- Ost" und„Lichtenberg-Friedrichsfelde". Gewähr für guten Sport ist gegeben. Eintritt 30 Pf. Erwerbslose und Schüler 15 Pf. Turnsplele am Sonnkag. Die Ländermannschaft gewann in Magdeburg mit 14: 3. Der Sturm der Länderels war glänzend, der Torwart zeigte ein hervorragendes Können. Die Magdeburger waren dem tech- nifchen Können der Länderels nicht gewachsen und konnten ein Halbzeitresultat von 10: 1 nicht verhindern. Erst nach dem 13. Tor machte Magdeburg den beiden Berliner Verteidigern Arbeit und holte zwei Tore aus. Freie Turnerschaft Groß.Berlin hatte in Karow einen Werbetag, der aber dem Regen zum Opfer fiel. Die Frauen Silben und Rofcnthal mußten 10 Minuten uor Schluß beim Stande von 2:0(1:0) da» Spiel abbrechen. Sllden ist überlegen, aber der nasse Boden ließ keine Entfaltung zu. Da» Männerspiel Wcdding I gegen Süden I konnte nicht ausgetragen werben. Di- kürzlich gegründet- Spielabteilung des ASV. Fichte veranstaltet- einen Werbespieltag im Treptower Park. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Auswärtige Vereine wie Leipzig, Nathenow und Luckenwalde waren neben den anderen Berliner Vereinen vertreten. Von den am Vormittag ftattgefundenen Spielen sei hier das sehr gut geleitete Handballspiel der Männermannschaft Rathenow gegen Fichtc-Epielabteiluna I erwähnt. Räch anfangs ausgeglichc. nem Spiel sendet Fi6)te nad) 20 Minuten zum ersten Male ein, dem kurz darauf Rathenow den Ausgleich folgen läßt. Trotz des guten Zusammensprels der Rathenower ist es ihnen nicht möglich, ein Resultat von 4: 1(2: 1) zu verhindern. Beim Iugendhandballspiel mußte sich Wcdding der Mannschaft von Fichte 7 I beugen. Das Endresultat lautete 4: 1(2: 0) für Fichte. Im Frauenspiel Fichte 9a gegen Luckenwalde ist Fichte technisch überlegen und kann daher ein Resultat von 5:0(2:0) erreichen. Rathenow gegen Fichte 2 Männer 1: 2. Fichte 8 gegen Fichte.Eüd 4: 1(1: 0). Friedenau gegen Spielabteilung Ii 4:1(2:0). Jugend Adlershof gegen Fichte 3 0:5. Frauen: Spielabteilung I gegen Luckenwalde II 1: 3(0: 2)..... Das mit Spannung erwartete Raffballspiel Leipzia-Altrahnftädt gegen Fichte Spielabteilung I stand auf technisch hoher Stufe. Hier mußte Fichte die an- fangs innegehabte Führung alsbald an Leipzig abgeben. Auf Grund der technischen und körperlichen Ueberlegenheit endete das Spiel 10: 4 für Leipzig. Das Schlagballspiel konnte Friedenau gegen Spielabteilung mit 71: 26 ge- Winnen. Fanstball: Frauen Friedenau gegen Fichte Spielabteilung I 104: 52. Männer Rathenow I gegen Fichte Spielabteilung I 48: 48. Trommelball: Luckenwalde 3 gegen Wilmersdorf 96: 98., Sonstige Spielergebnisse: Handball Männer: Fichte-Nord I gegen Fichte 8 I 7:3(3:1). Neukölln 2 I gegen Nowawes I 6: 3(2: 3). Osten I geaen Klaus- dorf II 5:0(2:0). Frauen Fichte,Nord gegen Nowawes 1:0(0:0). Jugend Fichte 7 I gegen Fichte 3 I 1: 3(1: 1). Berliner Arbeiter-Schachklub, Werbebezirk West. Dienstaa, 20. September, 20 Uhr: Abt. Charlottcnburg Bismarckstr. 57; freier Schachverkehr. Abt. Nord- weft Brcmerftr. 72/73; Vortrag:„Endspiele." Abt. Westen in Schöneberg, Sedan- straße 17; freier Schachvcrkehr. In allen Abteilungen kostenloser Schachlebr- kursus für Anfänger. Ä � Freie Schwimmer Treptow 1V26. Uebungsstunden Dienstags 12-— 20% Uhr Stadtbad Friedrichshain(Schillingsbrücke). Nächste Sitzung bei Beyer, Loh- mühlenstr. 51, am 6. Oktober, 20 Uhr. ADV. Lichtenberg, Leichtathleten. Hallentraining: Mittwochs 19%— 21% Uhr Frauen und Männer Halle an der Parkaue. Freitags 19%— 21,40 Uhr Jugend. liche und Männer obere Halle in der Marktstraßc. Montags 20—22 Uhr Frauen und Jugendliche untere Halle Holteistraße, Eingang Böcklinstraße. Das Hallen. training beginnt Mittwoch, 21. September. Berliner Rudervcrcin Freiheit e. V. Ordentliche Generalversammlung 15. Oktober in der Geschäftsstelle des Arbeiter-Sport- und Kulturkartells, Berlin C 25. Landsberger Str. 52. Anträge müssen bis zum 1. Oktober 19�7 schriftlich beim Vorstand eingereicht werden. Abrudern Sonntag, 16. Oktober, nach Grünau(Restaurant Eportdenkmal). ssahrtansetzung zum Abrudern in der Generalversammlung Mitglieder werden noch in der Frauen, und Männerabteilung aufgenommen. Anmeldungen Dienstags oder Donnerstags im Bootshaus oder durch Geschäftsstelle: Erich Cewckow, Berlin R 58, Schlie» mannstr. 14; Telephon Humboldt 5394. Sportverein Moabit. Leichtathletiktraining auf dem Sportplatz beendet. Waldlauftraining jetzt Mittwochs ab 18 Uhr und Sonntags 9% Uhr See- Ecke Afrikanische Straße. Restaurant IungfcrnheidesäUößchen. Gnmnastikabend regelmäßig jeden Mittwoch 20-22 Uhr Turnhalle Quitzowstr. 115. Iugendturnen jeden Dannerstag 20— 22 Uhr Turnhalle Siemensstr. 20. Gehsportler des Kreises I ATDB. Sonntag, 25. September, vollzählige Be. teiligung an der Werbc-Ctraßenveranstaltung in Eichwalde. 3000.Meter.Gehcn für Männer und Jugend. Meldungen an H. Liskow, Eichwalde, Kaiser- Friedrich.Str. 37. Ä Freie Tnrnerschaft Lichtenberg-Friedrichsfelde. 1. Bezirk. Donnerstag, 22. September, 19% Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung bei Niekusch, Hauptstr. 53._ Vorträge, verein« und Versammlungen Reichsbanner„ S chwarz Rok-Gold". KeschSttrstelle: Berlin£ 14. Sebsstianstr. S7i38. Hol 2 Tr. Neukölln-Briß: Prenzlau.ssaßrcr lieben de» ssabrgeld rsn 5,40 M. bis Mittwoch, 21. Seplember, beim Hauptkafsicrcr Echmidl, Reuter» straße 80, zu zahlen. Sprachunterricht stir Sprachleidende. Der Berein für Sprachpflege.Demo. sthcncs" erteilt an sprochleidnide Damen und Herren(Stotterer) Unterricht zur Heilung ihres Leidens. Näheres Donnerstag, 22. September, 20 Uhr, Ge» mcindefchulc Niederwaststr. 7(Spittelmarkt). Reichsbund der Kriegsbelchäd'gten, Kriegsteilnehmer»nd Kriegerhintrr. bliebencn, Orlsgrup?« Renkölln. Mitgliederversommsung Dienstag, 20. September, 19' 2 Uhr, Aula des Kaiscr.Zricdrich.Rcalgumnastums, Kaiscr-Friedrich» Straße 209 210. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zum Saulag. 2. Br. sprechung des Bundcstagsprolokolls. 8. Mitteilung und Berfchiedenes. Eine Schnßdnndprüfung für dcutiche Schöfeehundc veranstaltet Sonntag, 25. September, während des ganzen Tages, die Bereinigung der Schäferhund» freunde im Stadion Berlin-Lichtenberg, Herzbergstraße. Wahrend der Pausen werden Gruppenvorführungen und Hmide in praktischer Arbeit als Schußhund gezeigt. Hennigsdorf— Esperanto! Sin neuer Lehrgang in der Weltsprache Espe. ranto beglnnt Mittwoch, 21. September, 19)4 Uhr, in der Alten Schul« in Hennigsdorf. Reichsbund de« Kriensbefchödigten, Kriegsteilnehmcr«nd Krieaerhinter. bliebeneu, Ortsgruppe Norden>4. Mittwoch, 21. September, 20 Uhr. Mit» gliederoerfammlung im Ledigenheim Pappclallee 15. Referent Kamerad Schwarz: „Reichstag und Kriegsopfer." Wahl der Delegierten für den Dantag im Oktober. Berliner Arbeiter-Schachllub. Dienstag, 20. September, 20 Uhr, Portrag des Berliner Meisters Genossen Czach über..Moderne Eröffnungen, Neukölln, Reuter» Ecke Boddinstraße� bei Benthin. Eintritt für jedermann frei. Arbeiter-Schachnercinignag Südost. Abt. Köpenick. Dienstag. 20. Sep» tcmber, beginnt die Abteilung Köpenick ihr Winterturnier. 19'4 Uhr Bortrog des Schachgenossen A. Nahne über Endspiele. Gäste haben freien gutritt. Frennde und Anhänger herzlich eingeladen. Allen Arbeiterparteien, Ecwcrkschaften, Bereinen sowie Besuchern unterer Brranstaltnngen teilen wir bicrdurch mit, daß wir unsere Beziebungen zu Pro» fessor Noiebern d-Arguto gelöst haben. Alle Zuschriften oder Abmachungen bei Beranstaltungen(lud ,u richten an den Borsißenden der„Ses->ngsgcmc!nfchaft Neukölln vormal» Rosedery d-Arguto" Wilhelm Kühne, Neukölln, Herßberg» straße 12. Micteroerein de» Graß-Berliner Westen». Mittwoch, 21, Eevtember,?0 Uhr, im Biktoriagarten, Berlin-Wiimersdorf. Wilhelmsaus 114/115, öffentlich« Mieterversammlung. Rechtsanwalt Dr. Goetzsl spricht über den bcabstchtigten Abbau des Mleterschußes nach den Borlagcn der Reichsregierung und die da- gegen-zu treffenden Abwchrmaßnahmen. Freie Aussprache. bonglello»- Lngllsb.llebaiine-Llud, Bülowllr. 104. Mittwoch S Uhr Mr Baege:„Enzlisb Prononciation". geben, nur in kochendem Wasser aufgelöst, vorzügliche Fleisch brühe, die als Frühstücksgetränk, für Fleischbrühsuppen und Soßen Verwendung findet* Nr. 444 ♦ 44. Jahrgang 2. Heilage des vorwärts Dienstag, 20. September 1427 Demokratisierung des Konsums. Eine Rede gegen die Politik des Konsnmentenmords. Auf der Münchener Tagung des Reichsverüandes des kredit- gebenden Einzelhandels hat Universitätsprofessor Bonn-Bsrlin über richtig« Absatzpolitik und Demokratisierung des Konsums eine er- frischend offenherzige Rede gehalten, die verdient festgehalten zu werden. Er sagte etwa: Demokratisierung des Konsums bedeutet die Tatsach«, daß Mil- lionen von Menschen die gleichen Waren erwerben können und von den Produzenten in der gleichen Art zur Verfügung gestellt erhalten. Möglich ist dies nur dadurch, daß die Lohn- cmpfänger durch entsprechende höhe des Reallohns in der Lage find, eine derartige breite Käuferschicht zu stellen, die sür dies« Waren in Frage kommt. Das Programm der Steigerung des Reallohns kann jedoch nur dadurch gelöst werden, daß eine Berbilligung jeder einzelnen Ware in ihrer realen Auswirkung ein- tritt. Für Deutschland ist die Erreichung dieses Zieles von bc- sonderer Bedeutung, da es gleichzeitig das Problem der gesamten deutschen Wirtschaftsnot zu lösen imstande ist. Die deutsche Wirtschaftspolitik sei in den letzten 20 Jahren b e- wußter Konsumentenmord gewesen. Man habe sich um den Konsumenten nicht gekümmert. Gegenüber Deutschland, dessen Wirtschost in Gruppen, Stände und Klassen eingeteilt sei, von denen jede verschiedene Bedürfnisse zeige, sei in Amerika der Konsum nicht klassenmäßig geschichtet. Aus der Gleichheit der Lebenslage kam die Gleichheit der Bedürsnisse und in der G l e i ch- m a ch u n g der Bedürfnisse bestehe die wirtschaftliche und gesell- schastliche Demokratie. Dies führe dazu, daß die Produktion typisiert und modernisiert werde, und daß jeder alles das haben will, was der andere hat. Der amerikanische Arbeiter will als Ar- beiter so leben wie der andere. Für die Produktion bedeute das, daß für einen viel größeren Kreis produziert werden könne, und daß die Produktion immer mehr angespannt werde, um die Bedürfnisse zu befriedigen. Dadurch entstehe eine Verbreite- rung des Massenabsatzes. Eine Förderung der Demo- tratisierung der Bedürfnisse lasse sich nur auf dem Wege einer immer weitergehenden Berbilligung erreichen. Daraus er- gebe sich ein Doppeltes: Alan könne nur erfolgreich demokratisieren, wenn man ver- billige, und man könne nur erfolgreich verbilligen, wenn man demokratisiere. Durch Drücken der Löhne lasse sich«ine Verbilli- gung der Ware nicht erreichen. Rur durch Schaffung einer kaufkräftigen Konsumentenschaft kann der große Absatz und damit die Herabsetzung der Kosten, nicht zuletzt jedoch die Ver- billigung der Produktion erfolgen. Auch zur Irage des Abzahlungskredils machte Prof. Bonn einige beachtliche Bemerkungen. Der ideale Zustand, daß jeder Mensch seine Bedürfnisse nur gegen Bar- zahlung deckt, Kredite daher nach keiner Richtung hin not- wendig seien, dürste wohl nie erreicht werden. Aus diesem Grunde ist es notwendig, sich mit dem Problem der Kreditgewährung zu befassen. Die Kreditgewährung wird im allgemeinen geteilt in Kredite, die der Erzeuger an den Händler gewährt und serner in Kredite, die der Händler dem Konsumenten zur Verfügung stellt. Der Kampf um diese zweite Form des Kredites geht gegen- wärtig in der deutschen Wirtschaft vor sich, der im besonderen darin gipfelt, daß einmal die Industrie unter Ausschaltung des Großhandels direkt an die Abnehmerschaft heranzubekommen sucht und andererseits mehr und mehr Waren gegen Kredit dein Konsumenten angeboten werden. Dieser Kredit, der von verschiedenen Seiten angegriffen wird, obwohl er eigentlich nichts Neues bedeutet, sondern immer Da- gewesenes in verstärktem Maße bestätigt, kann nicht als schädlich oder gefahrbringend für eine Wirtschast betrachtet werden, sofern seine Ausdehnung nicht eine ü b e r m ä ß i g«. ist. Man kann ferner nicht davon sprechen, daß dieser Kredit zur Anschaffung von Luxusgegenständen verleitet, denn mit dem gleichen Recht könnte man die Ausgaben für Alkohol und Tabakwaren als nicht notwendig, j a als unbedingt überflüssig bezeichnen. Wenn der einzelne zu leichtsinnig einen solchen Kredit in Anspruch nimmt, dann ist nur er allein für die Folgen verantwortlich. Di« Erfahrungen-haben bereits gelehrt, daß von dieser Seite der Wirtschaft keine Gefahr droht. Di« Befürchtungen, die man wegen des Konsumentenkredits bei einer eventuell eintretenden Krise ausspricht, sind ebenfalls nicht richtig. Es ist grundsätzlich gleichgültig, ob Forderungen der Händler durch ein« Wirtschafts- krise»nbeitreibbar werden und diese nicht in der Lage sind, ein- gegangene Verpflichtungen abzudecken, oder ob große Industrie- Unternehmungen Ware erzeugt haben, die sie nicht absetzen können und hierdurch nicht imstande sind, Schulden zu begleichen. Daher muß man die Frage des Konsumentenkredits als einen immerhin wichtigen Faktor der deutschen Wirtschaft betrachten. Natürlich hat Prof. Bonn hier den Käuferkredit für größer« Anschaffungen, die' für die breiten Massen fast regelmäßig auf Abzahlung erfolgen, nicht die sogenannte Konsumfinanzierung im Auge, die auch auf der Münchener Tagung als vorübergegangen bezeichnet wurde. jetzt 1$6 Millionen Kapital. Starker Ausbau.— Hochkonjunktur in allen Abteilungen. Wir haben früher schon gemeldet, daß die AEG. ihr Kapital erhöhen will. Die gestrige Generalversammlung hat die Erhöhung des Kapitals um 30 Millionen Mark genehmigt. Damit erreicht das Kapital dieses Konzerns einschließlich der Vorzugsaktien 186 Millio- nen Mark. Der im Verlauf der allgemeinen Konjunktur aufgetretene K a- xitalhunger der Industrie— wir erinnern an die kürzlich vorgenommenen Kapitalerhöhungen in der Kunstseidenindnstrie und bei den Stahlkonzernen Mannesmann und hoesch— tritt bei den Elektrogrohunternehmen jetzt besonders in Erscheinung. So hat erst im vergangenen Monat die Rheinisch-Westfälische Elek- t r izit ä t s w e r k e A.- G. zur Finanzierung eines umsangreichen Neubauprogramms eine Anleihe von 60 Millionen Mark in Amerika aufgenommen, die Bergmann Elektrizitätswerke A.-G. Berlin hat ihr Kapital um 11 Millionen auf 44 Millionen Mark erhöht und der Siemens- Schuckert-Konzern hat fein Kapital bei der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft von 90 Mil- lionen auf 120 Millionen festgesetzt. Der Bedarf nach größeren eigenen Mitteln ist also in der gesamten Elektrogroßindustrie vor- Händen. Die Gründe bierfür liegen auf der chand. Die Möglich- leiten einer Verbrauchssteigerung an Elektrizität sind in Deutschland noch sehr groß, wird doch der deutsche Stromverbrauch pro Kopf der Bevölkerung sogar von einer Anzahl südamerikanischer Staaten übertroffen. Dazu kommt eine fortschreitende Konzentration der cnergicerzeugenden Werke zu Großkraftwerken und die Stromüber- trogung auf weite Strecken. Außer dem ständig steigenden Strom- bedarf des Inlandes zwingen auch die Fortschritte in der Wärme- tcchnik die Elektrizitätsindustrie zu laufsnden Umstellungen und Neu- investionen. In diesem Zusammenhang gab Generaldirektor Deutsch über die Entwicklung des AEG.- Konzerns nähere Erklärungen ab. So wurde zur Deckung des starken Bedarfs an Installations- inaterial, den die drei im Erzgebirge arbeitenden Werke nicht bewäl- tigen konnten, eine neueFabrik inFreiburg errichtet. Auch die in Treptow arbeitenden Betriebe können den Bedarf an Schaltgeräten und Meßapparaten nicht mehr decken ünd machen weitere Werksausbauten erforderlich. Der Transformatorenfabrik wurde ein neues Kraftmerk mit Kohlenstaubfeuerung angegliedert und die Umstellung in der T u r b i n e n s a b r i k aus neue dampf- sparende Typen durchgeführt. Di« für diese Wertstatt vorliegenden Aufträge stellen einen Rekord der bisher von der AEG. oder anderen europäischen Turbinensabriken erlangten Aufträge dar. Der starke Ausschwung des Kabelgeschäfts hat zu dem Bau eines neuen Kupferwalzwerks geführt, das die leistumsssähigste Walzanlag« dieser Art aus dem europäischen Kontinent darstellt. Die Elektrifizierung der Berliner Stadtbahn und bedeutende Erweiterungen sür das Großkraftwerk Klingenberg in Rummelsburg sichern den betreffenden Ab- teilungen, die mit auswärtigen Austrägen stark eingedeckt sind, Be- schäfligung auf lange Sicht. Auch bei der erst im vorigen cherbst gc- gründeten Kohleverwertungs-A.-G. herrscht Hoch- betrieb. Es sind bereits 23 Schwelöfen im Betrieb oder im Bau, während eine große Anzahl neuer Projekte in Bearbeitung sind. Der zurzeit vorliegende Auftragsbestand des AEG.- Konzerns übertrifft den des Vorjahres um 70 Proz. Es bedarf also keines besonderen Beweises, daß es dem Unternehmen glänzend geht. Sehr viel weniger glänzend geht es den 66 000 Ar- beitern und Angestellten der AEG., die erst im Sommer während des Lohnkonflikts feststellen konnten, daß die Direktion die S t ä r- kung des Binnenmarktes theoretisch zwar sehr hoch schätzt, ihr bei erforderlichen Lohnerhöhungen aber doch lieber aus dem Wege geht. öer klöcknerkonzern erhöht. Die Kapitalerhöhungswelle setzt sich auch in der Schwerindustrie fort. Nachdem kürzlich erst der Doppelkonzern Hoeschwerkc- Köln-Neuessener Bergwerksverein sein Kapital um 32 Millionen zu vermehren beschlossen hat, erhöht jetzt der Klöckner- Konzern um 16 bis 18 Millionen. Die neuen Gelder sollen zum Ausbau der Montanwerke und zur Errichtung neuer Stickstoffanlagen dienen. Auch die H a r p e n e r Bergbau A.- G. soll eine erheb- liche Kapitalerhöhung beabsichtigen. Die erste Großmühle öer Konsumvereine. In Magdeburg hat die Großeinkaufsgesellschast des Zentral- Verbandes Deutscher Konsumvereine, nachdem durch den Krieg und die Inflation die Errichtung eigener Grohmühlen immer wieder auf- geschoben werden mußte, jetzt die erste G E G.- M ü h l e in Betrieb genommen. Der mächtige, am Wasser und für große Getreideschiffe erreichbare Bau, wird von Michlenfachleuten nicht nur als eine der modernsten, sondern auch als eine der schönsten Mühlenbetriebe Deutschlands bezeichnet. Der Betonsjlo nach dem neuesten �genannten Suka-System faßt etwa 7500 Tonnen. Die pneumatische Sauganlage kann stündlich 50 Tonnen aufnehmen, so daß eine Kahnladung von hundert Tonnen in zwei Stunden gelöscht wird. Eventuell feucht gewordenes Getreide wird durch eine Heiß- lufttrockeyanlage in einwandfreien Zustand gebracht. Sechs Schäl- Maschinen mit Entlüftung sür Weizen, vier für Roggen und drei für Hartweizen, sorgen sür die Reinigung. Im Mühlengebäude sind 55 Walzen st ühle eingebaut. Die 24stündige Leistung betrügt 75 Tonnen Roggen, 100 Tonnen Weizen, 25 Tonnen Hartweizen zur Hartgrießfabrikation, 12 Tonnen Hafer zur Haferflockensabrikation und neun Tonnen Gerste zur Herstellung von Graupen. Die her- gestellten Mehle werden in der modern eingerichteten Versuchs, b ä ck e r e i vor der Verladung auf Backfähigkeit und Ergiebigkeit geprüft. Die Arbeiterschaft und die Mitglieder der Konsumvereine werden dieses neue Zeugnis für die Aktivität der Großeinkaufsgesellschast mit Freuden begrüßen. Mit der ersten Großmühle ist ein neuer und sehr wichtiger Schritt getan, um den Produktionsring in der Eigenerzeugung des wichtigsten Nahrungsmittels, des Brotes, zu schließen. Hoffentlich wird es bald gelingen, durch die Errichtung weiterer Mühlen sich nicht nur in der Erzeugung von Brot, sondern auch m der Beschaffung von Mehl und anderen Mühlenprodukten von der Privatwirtschaft unabhängig zu machen Stärkere Entlastung der R-ichsbank. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. September hat die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Efsekten um 171,2 Millionen auf 2446,9 Millionen Mark abgenommen; und zwar hat sich der Bestand an W echs« ln und Schecks um 208,1 Millionen auf 2290,4 Millionen Mark vermindert, während der Lombard- bestand um 36,8 Millionen auf 64,2 Millionen Mark angewachseir ist. Die Anlage in Effekten ist mit 92,3 Millionen Mark weiterhin unverändert geblieben. An R e i ch s b a n k n o t e n und Rentenbank- scheinen zusammen sind 174,6 Millionen Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen: im einzelnen hat sich der Umlauf an Reichsbank- Noten um 158,0 Millionen auf 3642,0 Millionen Mark und der an Rentenbantscheinen um 16.6 Millionen auf 951,0 Millionen Mark verringert. Dementsprechend hab«n sich die Bestände der Reichs- dank an Rentenbantscheinen auf 91,2 Millionen Mark erhöht. Die fremden. Gelder zeigen mit 668,0 Millionen Mark ein« Ab- nahm« um 17,6 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen insgesamt haben um 5,6 Millionen auf 2004,2 Millionen Mark abgenommen; im einzelnen haben sich ver- ringert die Bestände an Gold um 214 000 Mark auf 1852,4 Millionen Mark und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 5,4 Millionen auf 151,8 Millionen Mark. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 48,8 Proz. in der Vorwoche aus 50,9 Prozent, di«jenige durch Gold und deckungsfähigen Devisen von 52,9 Prozent auf 55 Proz. Wie Gelder verschleudert werden! Die jetzige Verwaltung der Reihe r st ieg-Deutsche Werft A.-G. dementiert in bürger. lichen Blättern unser« vor einigen Tagen gebrachte Mitteilung über die an ihre früheren Direktionsmitglieder Freytag und Schlüter gezahlten riesigen Abfindungssummen. In dem Dementi wird bc- hauptet, daß die genannteii Summen die wirklich gezahlten Beträge um ein Vielfaches übersteigen. Wir möchten der Verwaltung zunächst die mit ihrem Direktor Schlüter geführten Verhandlungen ins Gedächtnis zurückrufen und die nachstehenden Fragen stellen: Haben� sich di«se Verhandlungen nicht ans Summen von 200 000 M. und 250 000 M. bezogen? Unser Gewährsmann behauptet, hierfür notfalls mit vollgütig«n Zeugen aufwarten zu können. Liegen über diese Verhandlungen nicht auch schriftliche Dokument« oör, die mit dem Dementi— oder wenigstens mit dem, was heraus- gelesen werden soll— nur schlecht, mit unseren Mitteilungen aber um so befstr in Einklang zu bringen sind? Hat nicht ferner Direktor Freytag, der Hauptchef der früheren Reiherstieg» Wetzet u. Freytag KaA., der Werft ein« Forderung von 600 000 M. zur Zlbgeltung seiner Rechte unterbreitet, nachdem er sich bis zum allerletzt«,, Augenblick g«gen feine Absetzung zur Wehr gesetzt hatte? Ist, um einer von ihm eventuell beabsichtigten' Presse- Polemik über Interna unter der Aera Rciherstieg-Deutsche Werft Aktiengesellschaft vorzubeugen, von dieser Summe mehr oder weniger alz, 200 000 M. gestrichen worden? Vielleicht gibt uns die Verwaltung der Werst auf dies« Fragen positive Antworten. Wir sind gespannt darauf, welch« bestimmte Zahlen sie den von uns genannten Summen gegenüberstellen wird. Abstempelung der neuen Reichsanleihe. Der heraufgesetzt« Zins- fuß der fechsprozentigen Reichsanleihe von 1927 soll auf den Schuld- verschreibungen und den Zinsscheinen kenntlich gemacht werden. Die Reichsschuldenverwaltung fordert aus diesem-Grund« die Inhaber d«r Schuldverschreibungen der Deutschen Reichsanleihe von 1927 auf, die Stücke mit den Zinsscheinbogen und einem von dem Einliesercr unterzeichneten Nummernverzeichnis in der Z«it vom 2 0. September bis zum 20. Oktober 192? bei der Kon- trolle der Reichspapiere in Berlin SW. 68, Oranienstr. 106 und außer- halb Berlins bei der nächsten Reichsbankanstalt zur Abstempelung einzureichen. Die Inhaber der Stücke erhalten dieselben Stücke wieder zurück, die sie zur Abstempelung eingereich: haben. Sie müssen damit rechnen, daß die Wertpapiere nach Ablauf der Frist an den Börsen nur noch im abgestempelten Zustand lieferbar sein werden. Kosten oder andere Gebühren werden von den In- habern der Schuldverschreibungen nicht erhoben. Englische Textilmaschinen in Deutschland. Das englische Fach- blatt„Textile Mercury" veröffentlicht Ziffern über den Umfang der englischen Textilmaschinenausfuhr nach Deutschland in den ersten acht Monaten dieses Jahres, die in, Zusammenhang mit den Verhandlungen über den Plan der englischen Textilmaschinen- industrie, der deutschen Textilindustrie zur Erneuerung ihres Ma- schinenparks umfangreiche langfristige Kredite zur Verfügung zu stellen, von besonderer Bedeutung sind. Danach wurden von Deutsch- land' aus England in den ersten acht Monaten dieses Jahres Textil- Maschinen im Werte von 506 858 Pfund Sterling eingeführt gegen 329 984 Pfund in der gleichen Zeit 1926 und 494 559 Pfund in 1925. Für die letzten Monate läßt sich eine starke Zunahme in der deutschen Tcxtilmoschineneinsuhr aus England feststellen, die sich von 585 Tonnen im Mai auf 664 Tonnen im Juni auf 815 Tonnen iin Juli und weiter auf 1051 Tonnen im August erhöht hat. Allein im August stellte sich der Wert der von Deutschland bezogenen eng- lischen Textilmaschinen aus 103 758 Pfund Sterling oder weit über 2 Millionen Mark. Die Zuleindusirie senkt auch einmal die Preise. Nachdem die Herren der Iuteindustrie fast ein halbes Dutzend mal die Basispreis« heraufgesetzt hatten, jedesmal um 2 Pfennig, gehen sie jetzt mit 2 Pfennig pro Kilo wieder einen Schritt zurück. Man muß sagen zur rechten Zeit, um Eindruck zu machen. Die Iutespinnerei und Weberei A.-G. Kassel hat nämlich Vombengewinne zu verzeichnen, nachdem die Iuteherren bisher nicht genug klagen konnten. Das Kasseler Wert verdoppelt nämlich seine Dividende, und zwar von 10 auf 20 Prozent!, , M HF«im Kamewöm- ffitw Wiste find td) nicht' V: maßary rddfr © Ayareitv Me! wie Aee Harne l besonders empfohlen flli Herz- u. nsagoßKrü., nervöse frei v. all. gesundheitsschädlich. Bestdt. ei« Deutscher Tee a. St. d. cblnesiach. Teea, Pak. 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