n*. 446 4 44?ah?ga»g Ausgabe Bk Nr. 227 vezwgspreis: Mch-ntUch 7» Pf-nnt». e.— Zi-ichrmark«mm»»ablbar. Unter Streifiand im In- ani Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der»BorwSrts' mit der vlastrier. tcn Sonntagsbeilage»Bolk and Feit* sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen*..Aus der Filmwelt", .Frauenstimme",.Der Kinder» sreund".»Iugend-Vorwärts"..Blick in die Biicherwelt" und»Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei- mal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresset »Sozialderuokrot Berlin- Morgenansgabe Derlinev Volksblakt Groß-BerNn Lv Pfg. Auswärts RS Pfg. S Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nenvareive. »eil« 80 SSfennin. Reklame, eile 5/— Reichsmark,»Kleine Anzeigen" das fettgedruckt« Wort 25 Pfennig szulSslig»wei kettgedruckte Wortes. ied«s weitere Wort 12 Bkennia. Stellengesuch« das erst« Wort 15 Pfennig, iedes weitere Wort 10 Pkenni«. Worte über 15 Buch- stabcn»üblen für»wei Worte. Arbeitsmarkt Keile 00 Pfennig. Familtenanzeigen für Abonnenten Keile«0 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft, Lindenstraße Z, wochentäglich von 8% bi, 17 Uhr. Zcntralorgan der Sozialdcmokratlfcben parte! Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Serlin SV). 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Mittwoch, den September 1927 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin SW. 68, Linöenstr.Z PoMiheckkonto! Berlin»7 504— Banktont»! Baut der Arbeite«. Angestelltea und Beamten. Walltr. 45: Diskouto-Sefelllchaft. Dc»»sttentast« Linden Ilr. 0. Hintergründe von Tannenberg. Sie starben„für den Kaiser"!— Der Außenminister wußte von nichts. Heute beginnt der Deutschnationale Partei- t a g in Königsberg. Man wird auf ihm einen Erfolg feiern können. Denn mit der Tannenbergfeier und der Rede Hindenburgs ist seit längerer Zeit wieder ein bißchen deutschnationale Außenpolitik gemacht worden. Bei Tannenberg gab es Generalsuniformen, schwarz- weißrote Fahnen und ein Denkmal mit der Inschrift:„Seinen für Kaiser und Reich gefallenen Kameraden". Das ist für Deutschnationale die richtige Luft. Für andere freilich, die nach Millionen zählen, ist es eine Lüge und eine Be- leidigung der Toten, wenn man behauptet, sie hätten für Wilhelm IL ihr Leben geopfert. Der war es wirklich wert! Bei Tannenberg gab es auch eine Rede Hindenburgs. Man wird in Königsberg Hindenburg für diese Rede feiern. Brachte sie doch die Erfüllung einer alten deutschnationalen Forderung. Die Deutschnationalen brauchen die Verherrlichung des Krieges und den Streit um die Schuld am Kriege, weil sie für ihre Parteizwecks Unruhe in der Außenpolitik brauchen. Hat die internationale Verständigung sichtbare Erfolge, dann nimmt von den nationalistischen Hetzern bald kein Hund ein Stück Brot mehr. Herrscht aber in der Außen- Politik dicke Luft, dann blüht das fchwarzweißrote Partei- gefchäft. Kriegsfurcht und Völkerhaß waren noch immer die besten reaktionären Wahlmacher. Darum der Jubel über die Hindenburg-Rede hier, darum ihre freudige Ausschlachtung durch die Nationalisten in Frankreich. Für sie ist diese Rede, aus der sie herauslesen, Deutschland wolle den Frieden von Versailles bei der nächsten Gelegenheit anullieren, ein wahres Gottesgeschenk. Gewonnen ist mit dieser Rede für Deutschland nichts. Eher ist Schaden angerichtet worden. Die Deutschnationalen aber jubeln— von ihrem Standpunkt aus mit Recht. Denn sie leben ja nur von den Schäden, die die deutsche Außen- Politik erleidet. Ist das Auswärtige Amt, ist sein verantwortlicher Leiter, Herr S t r e s e m a n n, zur Beratung herangezogen worden, bevor diese außenpolitische Aktion des Reichsoberhauptes von- statten ging? Halboffiziös ist diese Frage bejaht worden. dreiviertelosfiziös wird sie verneint. Denn die volkspartei- liche„Kölnische Zeitung", die sehr oft das Sprachorgan Strefemanns ist, schreibt: Die amtliche deutsche Außenpolitik hat mit Erörterungen über die Kriegsschuldsrage nichts zu tun. Nur in den Kreisen der Illusionspolitiker mag man noch glauben, daß durch Er- klärungen über die Kriegsschuldlüge der Versailler Vertrag ins Wanken gebracht werden könne. Nicht einmal der Spruch eines un- parteiischen Gremiums, das Deutschland völlig von der Schuld am Kriege freispricht, würde uns aus den Fesseln des Versailler Ver- träges lösen. Die Grundfragen der Außenpolitik sind Machtsragen und können nur in stetem Ringen um die Verbesserung der deutschen Stellung unter den Völkern gelöst werden. Die„Kreuz-Zeitung" wünscht gegenüber diesem Artikel der„Kölnischen Zeitung" amtliche Aufklärung. Wir schließen uns dem Wunsche an. Denn uns ist zwar bekannt, daß Stresemann den Inhalt der Rede nicht gekannt hat, doch ist auch uns eine amtliche Bestätigung dieser Tatsache er- wünscht. Wenn eine außenpolitische Aktion unternommen wird, bei der der Außenminister nicht um seinen Rat gefragt wird, dann ist es nur korrekt zu erklären, die amtliche Außen- Politik habe mit dieser Aktion nichts zu tun. Das ist dann aber das, was wir neulich als das Gegeneinander- und Durcheinanderregieren bezeichneten. Also, wir bitten— mit der.Kreuz-Zeitung"— um amtliche Aufklärung. In Königsberg wird nun ein großes Entrüstungsschießen gegen diejenigen beginnen, die den Mut haben zu sagen, daß sie von der außenpolitischen Aktion des Reichspräsidenten und ihren Begleitumständen alles eher als entzückt sind. Solche sogenannt„nationale" Entrüstung macht sich immer gut und wird von den Dummen sogar ernst genommen. Die anderen werden begreifen, daß zum Heil von Volk und Vaterland nichts dringender notwendig ist als die Bekämpfung des deutschnationalen Phrasen- und Geschäftspatriotismus. Der Sejm wieder geschlossen. Die Flucht vor der Verantwortung. Warschau, 20. September.(Eigenbericht.) Die Regierung hat der versassnngsmaßigen Tätigkeit des Parlaments ein plötzliches Ende bereitet, um die Annahme eines Mißtrauensvotums zu verhindern, vizepremier Vartel verlas sotort nach der Eröffnung des Sejms eine Verfügung des Staatspräsidenten. wonach die außerordentliche Session um 30 Tage verschoben wird. Die Abgeordneten reagierten aus diesen antidemokratischen Akt durch Zurufe wie„Feiglinge" und„wo bleibt die Verfassung?" Die nächste Sitzung dürste infolgedessen erst am 25. Oktober sein. Man nimmt an. daß die Regierung dann die Hanshaltsvorlage unterbreiten wird. Die Wahlperiode, die eigentlich im Herbst abläuft. wird dadurch automatisch bis zum herbst 1923 verlängert. zumal die Regierung Reuwahlen n i ch l w ü n s ch t. Diese Handlungsweise der Regierung hat gewaltige Entrüstung bei denjenigen hervorgerufen, die bisher trotz der antidemokratischen Tendenz der Regierung zu Pilsudski noch ein gewisses Vertrauen be- wahrt hatten, hat es sich doch jetzt mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Regierung sich über die in der Verfassung festgelegte Tren- nung von Exekutive und Legislative hinwegsetzt. Damit vereint die Regierung beide Gewalten in ihrer Hand, übt tatsächlich diktatorische Gewalt aus und unterdrückt jeden Versuch des Parlaments, ihre Hand- langen zu kritisieren oder gar eigene Gesetze zu beschsjeßcir Da Pilsudski der stets wachsenden Unzufriedenheit der breiten Massen, wie sie eben erst der Aufruf der freien Ge- werkschaften mit der Ankündigung schließen ließ, einer bourgeoisen Diktatur die Diktatur der Arbeiterklasse entgegenzustellen, kein Ventil durch Neuwahlen gewähren will, so muß mit der Möglichkeit innerpolitischcr Komplikationen gerechnet werden. Im„Robotnik" kennzeichnet Genosse Niedzialkowski das Ereignis des heutigen Tages als eine Flucht der Regierung vor der Abrechnung, der sie aber schließlich doch nicht entgehe« wird. Das Gebot des Augenblicks sei für die polnischen Sozialisten, die breiten Masten zu organisieren. Die Minister schienen vergesten zu haben, daß das parlamentarische System die Grundlage der polnischen Verfassung bilde; wenn jetzt Minister den gegen- wärtigen Sejm belächelten, so träfen sie damit in gleicher Weise den Parlamentarismus und die Regierung selbst. Es dürfe nicht ver- gesten werden, daß Polen erst seit acht Jahren besteht und zu schwach für derartige Experimente sei. Erst vor we- nigen Tagen, so schließt Niedzialkowski, habe ihm gegenüber ein hervorragender sozialistischer Theoretiker seiner Verwunderung über den grenzenlosen Leichtsinn der augenblicklichen polnischen Regierung und der polnischen Oeffentlichkeit Ausdruck gegeben. 1 Völkischer Mann über Bord. Warschau, 20. September. Wegen schwerer Korruption bei Gasmaskenlieferungen ist letzthin ein General zu jahrelanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Jetzt hat wegen Beteiligung an dieser faulen Sache der Abg. P o p j e l, Führer der„Nationalen Arbeiterpartei", sein Mandat niedergelegt. Die litauische Rachejuftiz. Immerhin werden nicht mehr alle Todesurteile vollstreckt. Riga, 20. September. von 20 Angenagten, die der Veleiliguag an der Tanroggener Revolle überführt wurden, sind acht zum Tode, neun zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und die übrigen zu Gesängnisstrafcn verurteilt worden. Sieben Todesurteile wurden in lebenslängliche Zwangsarbeil umgewandelt, der achte Verurteilte sofort nach Urteilsverkündung Hingerichte». Stresemann will Energie zeigen. Auf ein Telegramm aus Königsberg hat Außenminister Stresemann aus Genf mit dem Hinweis auf die bevorstehenden Berliner Verhandlungen mit Woldemaras geantwortet; er schließt: „Ich werde mich auch weiterhin auf das Nachdrücklichste dafür einsetzen, daß durch diese Verhandlungen den Memelländern die ihnen durch das Memelstahit gewährleisteten Rechte in vollem Umfange gewährleistet werden". Schämt sich der Innenminister? Der litauische Innenminister, Oberstleutnant Musteikis, ist zurückgetreten und wieder in die Armee eingestellt worden. Reichspolitik und Städte. Zum Städtetag in Magdeburg. Von Paul Hertz. Unter den kommunalpolitischen Tagungen dieser Woche darf die Hauptoersammlung des Deutschen Städte- tages in Magdeburg die größte Bedeutung bean- spruchen. Als Vertretung aller deutschen Städte mit über 10 000 Einwohnern ist sie eine politische Macht, deren Ent- scheidungen sowohl von der Oeffentlichkeit als auch von den politischen Instanzen ernsteste Beachtung geschenkt werden muß. Das einzige Thema: Reichspolitik und Städte ist dazu angetan, dieses Interesse zu steigern, zumal es Gelegenheit gibt, sowohl die Klagen als auch die Forderungen der Städte zu erheben und ihre Beziehungen zum Reich, zu den Ländern und zur Wirtschaft zu klären. Die Aufgaben der Gemeinden sind in den letzten Jahr- zehnten ungeheuer gewachsen. Sie waren niemals größer als während des Krieges und nachher. Das gilt nicht nur von ihren freiwilligen Aufgaben. Die ihnen zwangsweise auferlegten Aufgaben wachsen ebenfalls von Jahr zu Jahr. Nicht im gleichen Maße liebevoll ist die Fürsorge von Reich und Ländern für die F i n a n z b e d ü r f n i s s e der Ge- meinden. Oftmals wurden ihnen Aufgaben übertragen, ohne ihnen die Mittel zu liefern, die ihre Erfüllung erheischt. Heftig umstritten ist auch die zentrale Regelung wich- tiger Arbeitsgebiete durch das Reich. Sie hat oftmals zu dem Vorwurf geführt, es mangele an Verständnis für die Tätigkeit der Gemeinden, man wolle sie bevormunden und ihre Selbstverwastung einschränken. Alles das ist kürzlich von einem hervorragenden Kommunalpolitiker in die Worte gekleidet worden: Der Herzschlag des Parlaments für kommu- nale Dinge sei sehr schwach.' Der objektive Beobachter der Auseinandersetzungen zwischen Reich und Gemeinden kann nicht bestreiten, daß ein Teil der Klagen und Vorwürfe berech- t i g t ist, obwohl manche Maßnahme des Reiches mehr durch seine eigene Zwangslage als durch bösen Willen oder mangelndes Verständnis verursacht ist. Man muß deshalb wünschen, daß die Erörterungen auf dem Städtetag dem Rechnung tragen und sich durch Sachlichkeit und Verständnis für die berechtigten Gründe der anderen öffentlichen Körper» schaften vor anderen Tagungen auszeichnen. Nur wenn das geschieht, kann auch die Diskussion über die Selbstverwaltung fruchtbar sein. In der bisherigen Diskussion darüber haben mannigfache Irrtümer vorgeherrscht. Auf vielen Gebieten ist die zentrale Regelung durch das Reich eine unerläßliche Folge der Einheit unseres Wirtschaftsgebiets und eine ebenso wichtige Voraussetzung für eine wirkliche, den örtlichen Ver- Hältnissen angepaßte Selbstverwaltung. Zentrale Re- gelung auf gewissen Gebieten und Selb st- Verwaltung sind ebensowenig Gegensätze wie Einheitsstaat und Selbstverwaltung. Beides kann und muß sich ergänzen und wird nur dann einen wirklichen Fortschritt darstellen. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, die Selbstverwaltung sei gefährdet, weil durch die zentrale Regelung durch das Reich der Bewegungsraum der Gemeinden eingeengt werde. Selbstverwaltung kann nie sein völlige Freiheit, sondern immer nur Freiheit in einem gewissen Rahmen, Freiheit dort, wo das Interesse der Gesamtheit nicht im Wege steht. Wenn heute die Selbstverwaltung in wachsendem Maße bedroht wird, so geschieht das aus einem ganz anderen Grunde. Unter dem Dreiklasfenwahlrecht, das bis 1918 für die Gemelndeparlamente fast aller Bundesstaaten galt, herrschten in ihnen nicht die Volksmassen, son- dern eine kleine Schicht Privilegierter. Durch das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu den Gemeindeparlamenten hat das Volk sein örtliches Schicksal allein zu bestimmen. Die Selbst- Verwaltung hat dadurch ihren Charakter völlig verändert. Früher eine Selbstverwaltung des Bürgertums, ist sie jetzt eine Selbstverwaltung des Volkes geworden. Das ist die wahre Ursache für den Kampf gegen die Selbstver- waltung, der besonders von den Schichten geführt wird, denen der Gedanke unerträglich ist, daß sie dauernd auf frühere Vorrechte verzichten sollen. Der Kampf um die Selbstverwaltung ist also nicht ein staatspolitischer, sondern ein sozialer Kampf. Die beste Bestätigung dafür ist der K a m p f, d e n d a s Unternehmertum gegen die Gemeinden führt. Er ist in den letzten Iahren mit einer Heftigkeit und Unsachlichkeit geführt worden, die die Gemeinden oft- mals zur Gegenwehr veranlaßt haben. Das gilt sowohl von den Klagen über die finanzielle Mißwirtschaft der Gemein- den, als auch von dem Kampf gegen die Gspieindeunter- nehmungen. Auch ist für das Verlangen nach Mitwirkung der Berufsvertrstungen der Unternehmer bei Festsetzung der Einnahmen und Ausgaben der Gemeinden kein anderer Grund anzuführen, als die Sehnsucht der Unternehmer nach einer Kontrolle der aus allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgegangenen Vertreter des Volkes. Diese Kräfte sind daher für die Selbstverwallung der Gemeinden ungleich gefährlicher als diejenigen, die der Reichsgewalt eine Vorvangftellung einräumen wollen. Die Stärkung der Reichsgewalt ist ohnedies eine Ent- Wicklung, die aus der nzirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands zwangsweise herauswächst und, wie von auto- ritatwsr kommunalpolitischer Seite anerkannt worden ist, unaufhaltsam ihren Fortschritt nimmt. Bereits vor Jahresfrist hat der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, in einem Aufsatz der„Frankfurter Zeitung": „Staatspolitische Wandlungen" auf die inneren Gründe auf- merksam gemacht, die zu der Ausdehnung der Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches führen. Er anerkannte, daß die daraus entstehenden Schwierigkeiten nicht mit kleinen Mitteln überwunden werden können,„sondern daß eine grundlegende Reform den gesamten Zuständigteits- bereich des Reichs, der Länder und Gemeinden erfassen muß". In der Tat ist die Neuregelung der Beziehungen zwischen dem Reich und den Gemeinden und den Ländern und den Gemeinden das entscheidende. Wenn das Reich materiell für die Gemeinden wesent- lichste Fragen mehr und mehr selbst regelt, und zwar sowohl bei den Ausgaben, als auch bei den Einnahmen, dann ist der bisherige staatsrechtliche Zustand nicht mehr aufrechtzuerhalten. Gemsindeangelegenheiten sind dann eben nicht mehr Länder- angelegenheiten, sondern sie sind Reichs angelegenheiten. Der bisherige Zustand, der die Gemeinden in völlige Ab- hängigkeit von den Ländern bringt, wird unhaltbar. Schon bisher hat er dazu geführt, daß die Lasten immer weiter abgewälzt wurden und von den Gemeinden getragen werden müssen. Der letzte Finanzausgleich hat das besonders beut- lich gezeigt. Und wenn auch nicht in allen Ländern die Ge- m.eindeimeressen ebenso brutal mißachtet wurden wie in Bayern, so ist doch die Tendenz überall die gleiche: Ein- schränkungen, die das Reich Ländern und Gemeinden auferlegt, werden von den Län- der n den Gemeinden allein aufgebürdet. Im Interesse der städtischen Bevölkerung, deren Lebens- schicksal und Daseinsmöglichkeit in weitestem Umfang von blühenden örtlichen Gemeinwesen abhängt, darf der Städte- tag an dieser Entwicklung nicht vorbeigehen. Er kann von den Reichs gemalten, verlangen, daß den Gemeinden der notwendige Spielraum für die Erfüllung ihrer umfang- reichen und bedeutsamen Aufgaben gewährt wird. Er muß aber auch erkennen, daß in der heutigen Lage Deutschlands die Abhängigkeit der Gemeinden von den Ländern zu einem Hemmnis der Selbstverwaltung geworden ist und die viel- fachen sozialen Aufgaben der Gemeinden erschwert. Mit Recht hat der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Land- mann auf der Tagung des Reichsverbandes der Industrie gesagt:„Das Letzte und Bedeutsamste im wirtschaftlichen Broduktionsprozeß sind nicht die Maschinen, sondern die Mensche n." Deutschlands Wiederausbau vertrügt deshalb kein? nur durch antisoziale Interessen verursachte Beschränkung der Selbstverwaltung. Die Gemeinden brauchen Freiheit für wirtschaftliche, tul- turelle und soziale Arbeit. Preußen unü öos Scbulgesetz. Abänderungsanträgc mit ansfiihrlicher Begründung beschlossen. Das preußische Kabinett hat am Dienstag die seit Wochen gehegten Grörterungen über den Reichsschulgesetzcntwurf der Reichs- regierung abschließend beraten und einstimmig einer ganzen Reihe von Abänderungsanträgen zugestimmt. Es wurde gleichzeitig beschlossen, die Stellungnahme des preußischen Kabinetts zu dem Reichsschulgesetzentwurf In einer ausführlichen Bs- gründung niederzulegen. Die ßlaggenfrage am �inüenburgtag. Halber Rückzug der Hoteliers. Ein Vertretertag der Hotelbesitzer hat in Magde- bürg beschlossen, am 2. Oktober, dem 80. Geburtstag des Reichspräsidenten Hindenburg,„keinem zu Liebe und keinem zu Leide die rühm- und ehrenvolle Vergangenheit und die arbeits- und schicksalsschwere Gegenwart des deutschen Reiches zu ehren. Das heißt, ins Konkrete übertragen, die Hoteliers werden fchwarzrotgold und schwarz- w e i ß r o t flaggen. Im Vergleich zum bisherigen Zustand bedeutet der Be- schluß einen Fortschritt. Der Boykott der Reichsflagge, der die preußische Regierung und die Bertreter der Stadt Berlin zu Gegenmaßnahmen nötigte, ist fallen gelassen worden. Das Nachgeben der Hoteliers fällt um so mehr ins Gewicht, als man am 1k. August ursprünglich beabsichtigt hatte, nur die schwarzweißrote Fahne zu zeigen. Die d e u tsch n a t i o n a l e Regierungs- und Richt- l i n i e n p a r t e i, die am Verfassungstag Schulter an Schulter mit den Hoteliers gestanden hatte, bemüht sich auch jetzt wieder, den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten zu einer antirepublikanischen Demonstration zu mißbrauchen. Sie fordert dazu auf. die Reichsflagge wie am Verfassungstage zu boykottieren und fchwarzweißrot zu flaggen. Die Hoteliers werden ihr diesmal keine Gefolgschaft leisten. Der E r- ziehungsunterricht der preußischen Regierung und der Stadt Berlin hat seine Wirkung nicht verfehlt. Allerdings, den Mut zur Klarheit läßt der Entschluß vermissen. Man wird den Präsidenten der Re- publik nicht eindeutig durch die Fahne der Re- publik ehren, sondern zu gleicher Zeit die Farben des Kaiserreichs zeigen, indem man sich auf den ehemaligen kaiserlichen General beruft. Die letzte Entscheidung wird damit aufgeschoben. Umgehen läßt sie sich auf die Dauer nicht. Ehrt man die Persönlichkeit Hindenburgs durch fchwarzrotgold und fchwarzweißrot, fo wird man die Re- publik fortan logisch durch das schwarzrotgoldene Reichsbanner allein ehren müssen! �Schwarz-Not-Helb/ Ein Meisterstück journalistischer Lausbüberei. Die republikanische Presse einschließlich der Zentrumspress« hat schon sehr oft gegen die Bezeichnung d«r Rsichgfarben als „Schwarzrotgelb" durch die Schwarzweihroten Verwahrung ein« gelegt. Warum, das wissen die Schwarzweißroten selber am besten. In der Zeit nationalistischen kleberschwangs— so um den Rathenaumord und den Hitlerputsch herum— sagten die Schwarz- weißroten statt„Schwarzrotgold"—„Schwarzrotsch... Als wegen diesen Ausdrucks Bestrafungen erfolgten, zog man sich aus dem Klosett ins Speisezimmer zurück und sagte„Schwarzrot- mostrtch". Und erst als auch dies gefährlich wunde, kam man auf die dritte Formel:„Schwarzrot g e l b". Diese Formel ist jetzt allgemein geworden, sie dient der bestimmten Absicht, ohne eigene Gefahr Andersdenkende herauszufordern und zu verletzen. Nun hat die„DAZ" den gutgemeinten, wenn auch unpolitischen Borschlag gemacht, zu Ehren Hindenburgs im Flaggenstreit einen Waffenstillstand«intreten zu lasten. Darauf antwortete die„Kreuz- Zeitung" mit einem Artikel, dessen erster Satz eigentlich schon alles sagt: In der„Deutschen Allaemeinen Zeitung" wird der Vorschlag gemacbt, anläßlich des 80. Geburtstages des Gsnerolfeldmarfchalls von Hindenburg einen Waffenstillstand zwischen den Flaggen Scbwarzweißrot und Schwarzrot gelb zu schließen. Man muß zugeben, in prägnanterer Form konnte der„Waffen- stillstand" nicht abgelehnt werden. Wir stehen nicht an, diesen Satz der„Kreuz-Zeitung" als ein wahres Meist er st ück journa- listischer Lausbüberei zu bezeichnen. Die Geschichte ües Dentmalfahrftuhls. Oder: Was ist nationale Gesinnung? Das„Berliner T a g e b l a t l" hat von einem Industriellen- verband eipe Zuschrift erhalten, die sür die wahrhajt nationale Einstellung der Erbpächter deutscher Belange bezeichnend ist. Es handelt sich nämlich um den Fahrstuhl im Tannen der g'. d e n k m a l, mit dem die Besucher auf die Zinnen getragen werden, um die umliegenden Schlachtfelder zu überschauen. Dieser Aufzug ist ein G e j ch e n k an den Tannenberg-Rationaldenkmalverein. Die spendend« Aufzugssirma aber gehört einem Lande an, das im Kriege gegen das deutsche Heer gesochten hat. Das„B. T. meldet: „Das Berhaltm der Firma(Zweigfabrik in Deutschland, aber völlig in ausländischem Besitz) gibt keine Rätsel aus: denn sie war sich bei Angebot des Geschenkes klar, daß ihr eine solche Spende für das deutsche Rationaldenkmal sehr gut dazu dienen könute, über ihren ausländischen Charakier hinwegzutäuschen. Wohl aber muß es aufs stärtste befremden, daß der Tannen- berg-Nationaldenkmaloerein diese Spende angenom- men hat. obwohl ihm die Verhältnisse bekannt waren. Selbst wenn im Falle der Ablehnung die Besucher das Denkmal zu Fug hätten ersteigen müssen, wäre eine höflich« Zurückweisung der ausländischen Stistung«in Gebot nationaler Wurde geweien. Ganz unbegreiflich aber muß die Annahme der Spende erscheinen, wenn man hört, daß deutsche Auszugs sirmen eben- falls die geschenkweise Lieferung des Aufzuges aiir geboten hatten." Nach den Informationen des demokratischen Blattes hat di* ausländische Firma, um die es sich handelt, ihren Hauptsitz in N e«. York. Der Denkmalsausschuh soll zunächst mir ihr über einen Ankauf verhandelt haben, und als er darauf aufmerksam ge- macht wurde, daß es doch auch de u t s ch e Aufzugssirmen gebe, soll die Rew-Porker Firma erklärt haben, daß sie den Fahrstuhl für das Tannenbergdenkmal als Geschenk stifte. Darauf ist dem Ausschuß von den deutschen Firmen mitgeteilt worden, daß er auf Wunsch auch einen Aufzug, deutscher Erzeugung erhalten könne, aber er gab dem ausländischen Angebot den Vorzug.... Man sieht also aus dieser Geschichte wieder einmal, wie schwer es ist, festzustellen, was wirklich national ist! Nach der Aus- fassung der Herren von, Tannenberg-Nationaldenkmalverein mutz man, um hasenrein national zu sein, Nationaldenkmäler errichten, bei denen man sich das Material vom„feindlichen Aus- land" schenken läßt........ Der Mensch lernt eben niemals aus! Aber dennoch drangt sich die Frage auf: Wie würden„Deutsche Leitung,„Kreuz-Zeitung und ihre Kumpane um Hugenberg über„infamen Jnternationalis- mus" schimpfen und zetern, wenn beispielsweise das Reichs- banner S ch w a r z- R o t- G° l d sich das Material für ein Ebert-, Rathenau, oder Erzberger-Denkmal im„feindlichen Ausland" schnorren würde? Aber so etwas kommt natürlich bei den„antinationalen Parteien absolut nicht in Betracht! Die Mietfteigerung im(Dttober. Schwerin, 20. September.(WTB.) Die Regierung teilte im Hauptausschuß des Landtages mit, daß sie beabsichtige, von den zehnprozentigen Miet- erhöhungen ab 1. Oktober den Hausbesitzern sechs Prozent, für den Hausbau zwei und für den allgemeinen Finanzbedarf des Staates ebenfalls zwei Prozent zur Verfügung zu stellen. Die zwei Prozent für den allgemeinen Finanzbedarf des Staates bedeuten S00 000 M.. somit für das gegenwärtige Rechnungsjahr noch 2S0 000 Mark. Diese Summe müsse der Etat sür sich in Anspruch nehmen, weil vermehrte Ausgaben in Aussicht ständen. Zu diesem Ler� teilungsvorschlag wurden von den verschiedenen Parteien Anträge gestellt und Wünsche geäußert. Der Mietervertreter stellte mit den Sozialdemokraten den Antrag, dem Hausbesitz nicht mehr als vierProzent zuzugestehen. Dieser Antrag gelangte durch die Mehrheit der Regierungsparteien und der Kommuniftew zur Annahme. Zwei öerliner Silöer. Von Serdland. Lutfchkc. Da ist in der großen Stadt irgendwo, ganz abseits, ganz per- koren, ein Rummelplatz. Und da tummeln sich die Menschen, die Arbeit wollen und keine haben und jene, die ihren Leib sür dreckige Groschen hergeben und doch Mensch sind. Doch nicht Tier sind, wie diyerse Krakeel«? es wollen. Mensch wie du. Da ist nun eine Rocht voll erdrückender Schwüle, mit vorbeisahrcnder Stadtdahn, sauren Kurken, Leierkasten und Geschrei. Die kleinen unkeuschen Mägdelein harren der Kerle, die da Moos haben, die Anreißer fauchen: Soeben ist Ansang und Beginn, irgendwo aber kauert Lutschte. Armer, miserabler Lutschke. Alle stoßen ihn, treten ihn, denn sie verstehen es hier nicht besser und wer bringt ihnen Mitleid entgegen... Di« Mägdelein, die mit den entheiligten Leibern, fliehen ihn, die Männer hänseln ihn, und„Ick liebe Dia" piepst Lutschte auf dem Kehrichthaufen, mit dem alten Strohhut auf dem Kopf, dem Regen- ichirm in der Hand. Lutschke ist dreißig Jahr« alt, Lutschke ist gelernter Koch. Da kam denn.,. Nein nicht doch... Einmal wird Lutschke nicht mehr hier sein. Dann wird er im Asyl all derer sein, die hinauszogen mit den Hoffnungen und den Süchten wie auch ihr. Sie aber sind gestrandet am Leben, an unserer Ar» zu ver- »rteilen, an vermaledeiter Seuche und der Liebe. O. Liebe. O Lutschke, armer, kleiner Lutschke, der du auf dem Kehrichthausen sitzest, auf dem Kehrichthausen am Rummelplatz irgendeiner beliebigen großen Stadt, irgendwo, ganz abseits, ganz verloren... Die Nacht am Bülowbogen. Wenn der Morgen graut, ist alles vergessen, ist der Spuk vorbei, rattern die Bahnen, hupen die Autos... Doch nachts. Dann erwachen hier die Süchte, regt sich der ani- malische Trieb, torkelt Ede. stelzt der Bourgeois, lockt Li, die rote, die Kaiserin der Dirnen, sind die Lokale geöffnet den Gästen, reichen, perversen Güsten. Sommernächtlich, wenn der Mond hcinieder blakt, und die miserablen Knäblcin den Lüsten sich opfern, wenn die ganz armseligen Eckensteherinnen, Leidensläuferinnen harren, dann bahnt Satanas sich seinen Weg zu diesen Miserablen. Fünf Minuten ent- fernt ist der große Boulevard mit leuchtenden Spiegelscheiben, mit Cocktail und Jazzbanden, mit Seide und Perlen und blinkender Madchenhaut. Zwei Minuten entfernt ist die große Straß« zur City. lind hier ist Tierhcit, Lust unv Fron, Elend und Vergessen, Tollheit, Stumpfheit und Instinkt. Hier, ach hier, sind die Caföhäuser nicht wie am Boulevard, die der Heuchelei, nicht wie in der Mulackstraße, die der realen Drastik. hier sind es die Casehäuser, Lokale, Kaschemmen der Tünche. Schminke, der wüsten aber verborgenen Gemeinheit. Ach, wenn die Laternen ihr funzelndes Licht verbreiten, dann stehen tzie Leiber und doch Menschen, Nurweiber und doch hungrige Seelen, stehen sie nicht wie am Boulevard die lüstezauhern- den Damen, nicht wie an der Mulackstraße die ofsenkundigen Dirnen, dann stehen sie am Bülowbogen, mit Tünche aus den nackten Seelen. und grauenvoll zwiespältig., Nachts, wenn Li, die roie,� lockt und die Hochbahn über den Bülowbogen rattert, bahnt sich Satonas seinen Weg. doch wenn der Morgen graut, ist � alles vergessen, ist der Spuk vorbei,,,_____ Musikanten. Es war spät geworden. Zu lange hatten wir mit Landeleuten in Santa Margherita beim perlenden Chianti gesessen, als daß wir noch die letzte Bahn nach Rapallo erreicht, hätten. Es tat uns nicht leid. Die Straße von Santa Margherita nach Rapallo führt dem Meer entlang und durch Orangenhaine Der Mond stand am stahl- blanken Himmel. Und die Nacht war schön. Wir wanderten. Hohl klangen unsere Schritte auf dem Straßen- Pflaster. Irgendwo brannte ein einsames Licht. Alles schlief, niht«, l-imete Frieden. Steil wölbte sich die Straße über dein Meer, das leise und vertraulich gegen das Ufer plätschert« und das Mondlicht aufsog. Schlank« Pinien erzählten sich flüsternd seltsame Geheimnisse. Aus der Dunkelheit ertönten Schritte. Sie kamen näher und näher. Und jetzt standen sie vor uns, die vier Musikanten, der ein« aus Napoli, der andere aus Bologna, der dritte aus Tarent und der vierte ein versprengter Oesterreicher aus Fiume, Schon früher einmal hatten wir sie getrossen, als sie in einem Rapalleser Grand- Hotel blasierten Gents um einen Hundclohn zum Tanz ausspielten. Und damals hatten wir sie bedauert, wcil wir den Zwang fühlten, mit dem sie ihre acht Stunden absolvierten. Der Geiger nahm die Geige und legte seinen Geigenkasten in den Straßengraben, so sorgsam wie eine Mutter in die Wiege ihr Wiegenkind. Der Harser entfernt« das Wachstuch von ssiner Harfe und setzte sich bereit an öen Straßenrand. Der Cellospieler rieb seinen Bogen geschmeidig und der Sänger reckt« den Kops hoch und sah stolz wie«in König hinweg über das seuerglitzernde Meer. Und während die Brandung ihr ewiges Li«d rauschte und!n den Zitronenhainen Myriaden von kleinen Leuchttierchcn schwärmten, rang sich eine Melodie durch die Weit, klagend und einsam, rührend und zitternd, eindringlich und klar. Dann wechselte der Rhythmus. Heftig und ungestüm führte die Geige. Drohend und dumpf wie ein fernes Gewitter rollte das Cello. Hart klang die Harfe wie brechendes Glas. Und dann tobte er los, der'todwunde Heimwehschrei des Sängers, der durch die Welt irren muh und nirgends zu Hause ist, dessen Nachtlager die Gosse bedeutet, auf den von den Mitmenschen der Hund gehetzt wird, und der zu seinem Dater im Himmel fleht: Warum hast du mir das getan? Doch durch die Nacht spannt sich Sternentlarheit und aus tausend Blüten duftet Sommer und Lust. Die jagenden Disso- nanzen erlösen sich in Harmonien und die gärend« Vielheit wird zu einer alles umfastenden Einheit. In einem jähen Jubel zerslieht die Musik. Lauiloz packten die vier Musikanten ihre Instrumente ein. Auf den Zehenspitzen tappten sie davon, um den Frieden nicht zu stören, der von oben gekommen ist. Der Mond tritt hinter eine Wolkenwand. Und in der Fern« kündet«in lichter Streifen das Nohen eines neuen Tages.____ Gideon Gössel«. Ihoma« Mann über Harry vomcla. Thomas Mann hat an den Malik-Verlag, der das Domela-Buch herausgibt, solgende Zellen gerichtet:„Für"die freundliche Ueberlendung der Memoiren von Domela dank« Ich bestens. Es leitet« Sie ein ganz richtiger Instinkt, als Sie glaubten, mich besonders auf das Buch hinweisen zu müssen, Ich hatte es längst gekauft und mit außerordentlichem Interesse und Vergnügen gelesen. Die Figur dieses trügerischen Harry überragt an Geist und Witz, an bewußt satirischer Kraft diejenige de» Haupt- manns von Köpenick bei weitem. Seine Spielleistung, als solche höchst respektabel, besonders wenn man die Bescheidenheit des Appa- rotes in Betracht zieht, gewinnt soziale Würde, jedoch das un- geheure Maß von Albernheit, das ihm zu enthüllen gelang und seine oft überraschende literarische Ausdrucksfähigkeit sichert ihm einige Unsterblichkeit. Die milde und anmutige Rache, die hier ein Vernachlässigter, Ausgestoßener, durch jedes Elend Gegangener an einer grausamen und knechtischen Gesellschaft nimmt, ist«in er- sreuliches Schauspiel und man muß den Richtern Dank wissen, die den Jungen glimpslich behandelten und seine Gefangenschaft kaum über die Frist hinausdchnten, die ihm erlaubte, diese Erinnerungen zu schreiben. Sollte ihr« Milde einer unbewußten Nachwirkung seiner Prinzenrolle in ihren Mannesherzen zuzuschreiben sein?" Die moderne Regie alz Lehrzweig der philosophischen Mssen- schast. Die philosophische Fakultät der Kölner Universität wird im koiiimenden Semester das ihr angegliederte Institut für Theaterwissenschaft bedeutend erweitern. Im Institut werden Vor- träge über moderne Regie gehalten werden und praktische Arbeiten in der Behandlung dieser Regieprobleme durchgeführt werden. Da- bei wird besonderes Gewicht auf die geschichtliche Entwicklung der Theaterregie gelegt werden. Als Lehrmittel ist das von dem künst- lerischcn Beirat der Dresdener Staatstheater, Adolf Mahnke, hergestellte Modell einer Spiralbühne, die die bisherige Kastenform des Buhnenraumes auflöst, erworben worden. Zu Gaftvorträgen werden bekanntere neuere Bühnentechniker und Bllhnenregisseure herangezogen werden, Das Fatsimile-Iel-gromm. Der frühere englische Generalpost- meiste? und jetzige Direktor der Marconi-Gescllschaft erklärte in einen. Bortrag in Ehelmsford. nach seiner Ueberzeugung sei die heutig« Methode des Telegraphierens veraltet und im Prinzip die Zeit des Faksimilc-Telegramms gekommen. Die Technik der droht- losen Bildübermittelung werde binnen kurzem so ausgebildet sein, daß alle Telegramme, bei denen es aus rechtlichen oder kauf- männischen Gründen aus die Feststellung der Identität ankommt, bald in der Originalniederschrist des Absenders drahtlos übermittelt werden würde. Sründ'ung eines russischen Pantheon». Zur Zehnjahrfeler der Oktoberrevolution soll in Leningrad ein Museum und Pantl>eon eröffnet werden, in dem die Gehirne hervorragender Persönlichkeiten der Wissenschaft, Kunst und des öffentlichen Lebens aufbewahrt wer- den sollen. Einer Acußerung des Mitgliedes der Akademie der Mislenschaften. Prof. Bcchterow, zufolge, wird das neue Museum ein doppeltes Ziel anstreben: die Verewigung des Andenkens hervor- raqender Persönlichkeiten und die Erforschung ihres Gehirns. In erster Reihe wird dem Museum das Gehirn des Chemikers Mende- lejew, des Komponisten RubinsteiN. des Schriftstellers Saltykow- Schtschedrin übergeben werden, pr«f. Zranz venzoldk, der lansjähriqe Leiter der Medizinischen Klinik in Eclangcn, ist, 78 Jahre alt, gestorben. ver Maler Michael Ancher ist in seinem Skagener Heim verstorben. Ancher erreichte ein Alter von 76 Jahren. Einigung über öie �brüftungsformel! Boneour bei Strrseman». Genf, 20. September,(Eigenbericht,) Am Dienstag ist es hinsichtlich der A b r u st u n g s f r a g e ge- lungcn, in der von der 3. Kommission ernannten Unterkommission zur Annahme eines Textes zu gelangen, der a l l e in der General- debatte gemachten Anregungen enthält. Ende der letzten Woche konnte es scheinen, als ob zwischen der These, wie sie der französische Delegierte B o n c o u r oertreten hat: „Durch Sicherheit zur Abrüstung!" und der These des deutschen Delegierten Gras Bernstorsf:„Durch Abrüstung zur Sicherheit!" ein unüberbrückbarer Gegensatz bestände. Die Aussprache in der Unterkommission hat nun ergeben, daß die An- schauungen über die kommende Entwicklung der Abrüstung weniger scharf sind, als es zuerst scheinen konnte. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß man sich einstimmig auf eine Arbeilsmethode geeinigt hat, die eine Lösung sowohl des Sicherheitsproblems als des Ab- rüstungsproblems bezweckt. Die Resolution, die in der Unterkommission am Dienstag nach langer Debatte in vertraulicher Sitzung angenommen wurde und die noch der Bestätigung durch die 3. Kommission bzw. die Voll- Versammlung bedarf, enthält einleitend den ersten Teil der am letzten Sonnabend von Paul Boncour eingebrachten Tages- ordnung. An Stelle der ersten im Boncourschen Entwurf etwas all- gemein gehaltenen Empfehlung, Schiedsgerichtsvertrage abzuschließen, ist ein präziser Text, angenommen worden, der lautet: „Die Versammlung empfiehlt die progressive Aus- dehnung des Schiedsgerichtswesens durch den Ab- schlug einzelner oder kollektiver Verträge, Verträge zwischen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und Nicht Mitglieds- staaten mit einbegrissen, um auf diese Weise zwischen allen Staaten ein gesteigertes gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, das unerläßlich ist für das Gelingen der Abrüstungs- konferenz," Diesem Absatz folgt der Text der vom Grafen Bernstorsf am Montag eingebrachten Resolution, und zwar mit einer gering- fügigen Aenderung zum Schluß dieses Textes, in dem gesagt wird, daß die Abrüstungskonferenz„innerhalb der kürzesten Frist" einberufen werden soll, anstatt„vor der 9. Volloersammlung des Völkerbundes". Ats dritte praktische Maßnahme, der allerdings die deutsche und die schwedische Delegation nur vorbehaltlich einer späteren er.ogültigen Stellungnahme zugestimmt haben, ist ein Vorschlag des belgischen Delegierten de Vrouckäre angenommen worden, der den Rat auffordert die Vorbereitende Kommission zu bitten, ein Sonderkomitee zu bilden, für das alle in der Kommission vertretenen Staaten einen Delegierten stellen, und das die Aufgabe hat, die Sicherheitsfrage und die Garantien zu prüfen, die allen Staaten erlauben, ihr« Rüstungen auf Grund eines internationalen Abrüstungovertrages auf das niedrigste Niveau herab- zusetzen, Am Schluß der Resolution wird der Völkerbund aufgefordert, selbst die Initiative zu ergreifen zum Abschluß und zur Ver- allgemcinerung von kollektiven oder Einzelschiedsgerichtsverträgen. Endlich wurde der letzte Paragraph der Resolution auf Zlntrag des «englischen Delegierten dahin formuliert, daß die Staaten, die stch mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Machtmitteln dem Wölkerbundsrat zur Verfügung stellen, im Falle eines drohenden oder ausgebrochenm Krieges ermächtigt sein sollen,„unabhängig von den im Pakt enthaltenen allgemeinen Verpflichtungen ihre Leistungen der mehr oder weniger großen geographischen Solidarität anzupassen, die sie mit den anderen Staaten verbindet". „Wenn es auch pur langsam vorwärts geht, so geht es doch vorwärts, und das ist das Wichtigste!" erklärte am Dienstag abend ein führendes Mitglied der Unterkommission dem Genfer Sonderberichterstatter des„S o z. Pressedienst". Das ist der allgemeine Eindruck,'nachdem man gestern noch die Empfindung hatte, daß die Abrüstungsfrage in eine Sackgasse geraten sei. Trotz der Annahme der Resolution durch die Unterkommission darf man sich jedoch keine rl ei Illusionen hingeben über die großen ch i n d e r n i s s e, die es noch zu überwinden gilt, ehe das Werk ge- lingen kann. »• • Reichsaußefnninister Dr. Stresemann hatte am Dienstag mittag eine längere Besprechung mit dem zweite» französischen De- legierten Paul Boncour über das Abrüstungsproblem. Sxianö und üie Tannenberg-Neöe. Genf, 29. September.(Eigenbericht.) Die Rede des Reichspräsidenten von chindenburg hat in hiesigen englischen und französischen Kreisen sehr l e b h a s t e K o in- men.tare hervorgerufen. Der französische Außenminister soll sich ziemlich bitter über derartige Störunge» de r allge- meinen Friedenspolitik geäußert haben. Sie rollten plötzlich wieder Fragen auf, die nur zu unfruchtbaren Pole- ni i k e n führen könnten._ Deutschnationale Vertragstreue. Wie in der Politik, so im Geschäft. Leipzig, 29. September.(Eigenbericht.) Der zweite Zivilsenat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Dienstag als Berufungsinstanz mit einem von der Papierfabrik Salinger u. Leppmann- Berlin gegen die Bezirksleitung der Deutschnationalen Partei in Berlin angestrengten Prozeß. Diese deutschnationole Bezirksleitung gab unter den küm- merlichsten Verhältnissen mehrere Monate lang ein eigenes Berliner Organ heraus, für das ein V o r st a n d s m i t g l i e d der Deutsch- nationalen Bolkspnrtei es handelt sich um den Anti- semiten Rentsch— bei der genannten Firma Druckpapier in einem Gesamtwert von 11 999 Mark bestellte Die Zah- lunaen blieben aber aus, und selbst als das Blatt infolge Abonnenten- schwund Pleite gemacht hatle, kümmerte sich von der deutschnatio- nalen Parteileitung kein Mensch darum, wie die Schulden an Sa- priger u Leppmann geregelt werden sollten. Es kam hinzu, daß ein Teil des Druckpapiers von der Reichspost für rückständige Zeitungs- zustellungsgcbühren in Psand genommen wurde. Die Firma Salinper u. Leppmann ging also leer aus und sah sicb infolgedessen gezwungen, gegen die deutschnationalen Austrag. geber aus Zahlung von 11 999 Mark für geliefertes Druck- pap>-r zu klagen. Was machte die Deutschnationale Volkspartci? Sie ertlärre einfach, das Papier nicht in Austrag gegeben zu haben, obwohl ihr bankrottes Organ, die„N a o n a l p o st, ihr offizielles Organ in Berlin war und das Druckpapier von einem Vorstandsmitgliod der Deutschntionalen Volkspartei bestellt worden war. Das Kammergericht in Berlin entschied sich trotzdem zugunsten Das gemeinsame Strasgeseh. Beratuugsbegmn im Nationalrat. Wien, 29. September. Der Nationalrat hat die erste Lesung des Strafgesetzentwurfes begonnen, der die Rechtsangleichung des Strafrechts in Deutschland und Deutschösterreich bringen soll. In der Präsidialloge wohnte Reichsjustizminister Dr. H e r g t der Beratung bei. Den Entwurf begründete Justizminister Dr. D i n g h o f e r(Dnat.) in längeren Darlegungen, worauf Genosse Dr. Eisler in etwa zweistündiger Rede den Standpunkt der Sozialdemokratie oertrat. Abg. Dr. Eisler(Soz.) führte aus: Die Rechtsangleichung ist noch lange nicht der Anschluß. Aber bei dieser Rcchtsangleichung besteht die Gefahr, daß sie den Feinden des Anschlusses Argumente gibt. Das ist der Grund, warum die Sozialdemokratie es tief bedauert, daß die Rechtsangleichung gerade auf dem Gebiet des Strasrechtes ihren Anfang nehmen muß. Wir bedauern das, weil es nicht nur eine Reihe von Rechtsgebieten gibt, auf denen der Anschlußgedanke viel sieghafter wirksam werden kann, wie zum Beispiel auf dem Ge- biete des Eherechtes.(In Deutschösterreich besteht immer noch der Rechtszustand, daß katholisch verheiratete Eheleute im Falle der Ehetrennung bei Lebzeiten des anderen Gatten nicht wieder hei- rajen dürfen: der Umsturz hat nur die Erteilung d« Dispenses er- leichtert, indem er sie dem Landeshauptmann, also für Wien dem Bürgermeister übertragen hat. Solche mit Dispens geschlossene Ehen werden aber immer noch von der Kirche und manchmal selbst von Gerichten als eine Art Bigamie hingestellt! Anm. d. Red.) Der Justizminister ist zu fragen, wie er es sich vorstellt, daß ein wirk- lich gleichartiges Strafgesetz in beiden Staaten geschaffen wird. Es wäre am besten, ein geordnetes Zusammenwirken der beiden Volksvertretungen oder wenigstens derjenigen Sörperschasten, welchen die vor- beralung in den beiden Parlamenten obliegt, zu schaffen. Das kann nicht irgendeine Empfindlichkeit bei anderen Staaten wecken: sollte dieses Zusammenwirken aber nicht möglich sein, so wäre das mindeste die Schaffung einer freien Ver- b i n d u n g von Angehörigen der beiden Parla- mente, die ununterbrochen die Beratung des Gesetzes hüben und drüben begleiten und für Anfrechterhaltung der Gemeinsamkeit zu sorgen hätte, denn wenn jeder Staat seinen eigenen Weg geht, kann das Schicksal dieser Rechtsangleichung als gesiegelt gelten! Der neue Strafgesetzentwurs führt vielfach hinter den jetzigen deutschösterreichischen Rechtszustand zurück, um so mehr, da die Praxis in Deutschösterreich das veraltete Strafgesetz gemildert hat, und weil durch die Neuerungen, namentlich durch die b e- dingte Verurteilung eine Besserung i>erbcigesührt worden ist. Der Entwurf würde diesen Zustand wieder verschlechtern. Di« Regie- rung ist für die Rechtsangleichung nur bis zu d e m Augenblick, wo die besonderen Wünsch« der reaktionären Mehrheit des National- rats beginnen. Das gilt besonders für die R e l i g i o n s v e r- gehen, wofür die Mehrheitsparteien bereits Verschlechterungen angekündigt haben. Der Entwurf will den Umfang des richlerlichsn Ermessens gewaltig ausdehnen. In einer Zeit wie der jetzigen, wo die Gesell- Schaft so zerrissen ist und die Klassen einander so jchrosf gegenüber- lehen, ist es keine Beleidigung der Richter, wenn man annimmt, daß auch sie auf irgendeinem Klassenstandpunkt stehen. Di« Zeit scheint noch nicht gekommen zu sein, wo man den Richtern eine so viel größere Macht in die Hand geben könnte. Die Arbeiterbewegung ist der geschichtliche Beweis da- für, daß man durch Strafgesetze nicht eine große geistige Bewegung aufhallen kann. Diese Erkenntnis müßte schon längst Gemeingut sein! Wir sind bereit, dahin zu arbeiten, daß das neue Strafgesetz «in humanes, ein menschliches Gesetzwerk wird, und ei» Gesetzwerk, das nicht den Aufstieg der Arbeiterklasse hindern will, daß es ein besseres Strafgesetz, ein Strafgesetz der kommenden Wirt- schasts- und Gesellschaftsordnung vorbereite! Für die Christlichsozialen erklärt« Dr. R i n t e l e n, man sei durch gegenseitige Zuge st an bisse in dem Entwurf zu Folgerungen gekommen, die in beiden Ländern sehr nahe liegen. Am Mittwoch wird als erster Redner Genosse Dr. Renner sprechen. öeratungsbeginn auch in öerlin. Der Sonderausschuh des Reichstags, dem der Entwurf des Reichs-Strafgesetzbuchs zur Vorberatung überwissen ist und als 32. Ausschuß im Reichstag geführt wird, nimmt seine Ar- bciten in Angriff. Dem Ausschuß gehören 28 Mitglieder an, und zwar acht von der Sozialdemokratischen Partei, sechs von der Deutschnationalen Volkspartei, vier vom Zentrum, drei von der Deutschen Volkspartei, je zwei von der Kommunistischen Partei. der Demokratischen Partei und der Wirtschaftlichen Vereinigung so- wie ein Mitglied der Bayerischen Volkspartei. Der Ausschuh tagt unter dem Borsitz des Abg. Dr. Kahl(D. Vp.), dessen Stellvertreter der Abg. Dr. Bell(Z.) ist. Zu Schriftführern sind die Llbgg. Frau Pfülf(Soz.) und Dr. Schaeffer(Dnat.) berufen. Die Referate über den Allgemeinen Teil des 7. Buches, das von Verbrechen und Vergeben handelt, sind bereits in folgender Weise verteilt worden: ßß 1 bis 19 Geltungsbereich der Strafgesetze Dr. Kahl(D. Vp.): Korreferat: Dr. Bell(Z.). Z§ 11 bis 25 Straf- bare Handlung Lohmann-Altona(Dnat.) und Dr. Hanemann(Dnat.): Korreferat: Sa eng er(Soz.). ßZ 26 bis 27: Versuch, Hampe (Wirtschnftl. Vg.): Emminger(Bayer. Vp.).§8 28 bis 32 Teil- nähme, Brodauf(Dem.): Korreferat: Dr. Schaeffer(Dnat.). AZ 33 bis 39 Strafen, Landsberg(Soz.)i Korreferat Dr. Zaps(D. Vp.). §§ 49 bis 45 Bedingter Straferlaß, Stöcker(Komm.): Korreferat: Hampe(Wirtschaftl. Vg.). ZZ 46 bis 54 Nebenstrasen und Nebcn- folgen. Emminger(Bayer. Vp.): Korreferat Koenen(Komm.).§§ 55 bis 64 Maßregeln der Besserung und Sicherung, Wegmann(Z.): Korreferat Dr. Wunderlich(D. Vp.). ZH 65 bis 68 Zusammentreffen mehrerer Gesetzesverletzungen. Dr. Hanemann(Dnat.): Korreferat: Dr. Haas(Dem.). ZZ 69 bis 72 Strafbemessung, Dr. R o s e n f e l d (Soz.): Korreferat: Schulte-Breslau(Z.). ßß 73 bis 78 Milderung, Schärfung, Dr. Wunderlich(D, Vp.): Korreferat: Dr. Lev i(Soz.). 79 bis 85 Verjährung, Dr. Scheiter(Z.): Korreferat Dr. Schneider-Dresden(D. Vp.). Der Ausschuß beabsichtigt, in der Regel wöchentlich vier Sitzun- gen abzuhalten, und zwar vom Dienstag bis Freitag. Mit einer schnellen Erledigung der Arbeiten ist bei dem Umfang des Stoffes nicht zu rechnen. Es ist zweifelhaft, ob bis Weihnachten der Allgemeine Teil im Ausschuß bewältigt werden kann. der Deutschnationalen Volkspartei. Die Firma Salinger u. Lepp- mann legte daraufhin mit Erfolg Berufung«in. Der zweite Zivilsenat des Reichsgerichts erklärte das Urteil der Vorinstanz für unhaltbar, hob es auf und verwies die Sache zur nochma- ligen Entscheidung an die Vorinstanz. Die Geschichte von dem Antisemiten Rentsch, der für sein deutschnationales Blättchen zwar bei einem Juden Papier bestellte, es aber nicht bezahlen will, wird die Gerichte also ein drittes Mal in Anspruch nehmen. Die Neichsbahner forüern! Höhere Löhne, 48-Stunden°Woche. In der Sonntagausgabe des„Vorwärts" wurde bereits auf die wachsende Erregung der Reichsbahnarbeller Groß- Berlins hin- gewiesen. Daß diese Erregung im Steigen begriffen ist, beweisen die Aussprachen in den Versammlungen und die gefaßten Beschlüsse. Nun treten auch die Kreise, Abteilungen und Gruppen des Ein» heitsoerbandes der Eisenbahner Deutschlands auf den Plan. Die Ortsverwaltung Berlin wird mit Anträgen und Reso- lutionen zwecks möglichst baldiger Lohnerhöhungen überhäuft, wie auch mit telephonischen Anfragen aus den Betrieben. So fordert u. a. die am 17. September überfüllte Versammlung der Güterbodennrbeiter Hamburg-Lehrter Bahnhof die mög- lichst baldige Erhöhung der Grundlöhne uin 15 Pf. pro Stund« und die Wiederausnahmeverhaudlungen zur Einführung des reinen Acht- ftundentages. Die Versamnilung billigt das Vorgehen des Einheit»- verbände? und gelobt, den Hauptvorstand mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zu unterstützen, damit die Verhandlungen zu einem guten A b s ch l u ß gebracht werden. Am gestrigen Dienstag war der erste Perhandlungstag. Bon einem Verhandlungsergebnis kann noch nicht gesprochen werden, Der breiten Oeffentlichkeit sei jedoch gezeigt, wie unterschiedlich die Entlohnung zwischen Privatarbeltern und Reichsbahnarbeitern ist. Nach der vom ADGB. herausgegebenen Statistik der Tariflöhne für männliche Vollarbeiter im Monat April 192? wurden in Berlin folgende Löhne gezahlt: Stunden- Beruf lohn gel Siten- Beruf lohn —— Ml. .. 9.94 Maurer... Bauhilfsarbeiter Zimmerer.,, Slulkateure.. Maler-.... Steinmetzen.. Metallindustrie: Handwerköbetr. Tischler Stunden» lohn Mt. 1.33 1.93 1.34 1.44 1,32 1.45 Mehr o d. 8el Tiien- ahn. Mt. + 9,48 + 0,13 + 0 44 + 0,54 + 0,42 + 0,55 1.35 1.11 1,20 0.76,5 0,45 --0,21 -- 0,80 Mehra d. g«l.E Isen» in Ml. + 0,04 --0,25 0,17 0,17 Gerber. Tapezierer.. 1,15 Buchbinder.. 1.97 Buchdrucker., 1.97 Textilindustrie. 9,99 Schneider... 1,95 � Brauer.... 1.96 Bäcker..... 4.98 Gemeindearbeit., »elernte.. Eisenbahner.gel. erhebliche Unterschiede, daß eine gehört, sie wegzuleugnen. Der 9,94 0.90 + 0,15 + 0,16 + 0,18 + 0,04 Böttcher... Ehem. Industrie Di« Aufstellung zeigt doch so sonderbare Geistesverfassung dazu M..IM �„ Eisenbahnerlohn liegt in Berlin ganz erheblich unter dem Lohn, her in der Privatinduslrie gezahlt wird. Die Reichsbahn konnte schon im verflossenen Jahr« höhere Löhne und. wenn mir aus die jetzige Besoldungsresorm Bezug nehmen, höhere Gehälter zahlen. Sie kann es in weit stärkerem Maße in diesem Jahre, das sich in den ersten acht Monaten so über- aus günstig gestaltet hat und das einen Betriebsüberschuß von 1999 Millionen Mark verspricht. Im Geschäftsjahre 1926 betrug der Reingewinn rund 298 Millionen. Wenn in Betracht ge- zogen wird, daß die Rationalisierung auch in den Reichs- bahnbetrieben mit aller Rücksichtslosigkeit durchgeführt, das Arbeits- tempo fortlaufend gesteigert wird, dann haben dj« Eisenbahner das Recht, an dem Reingewinn in weitestgehendem Maß eteilzu nehmen. Diese Aufgabe zu lösen, ist Pflicht der Gewerkschaften, um zu verhinoern, daß der Eisenbahner nicht wie ein Paria in der arbeitenden Gesellschaft vegetiert, sondern ein menschenwürdiges Dasein führen kann. Wie liegen die Verhältnisse bei den unteren Besoldungsgruppsn? Nach wie vor übt der Reichsfinanzminister Dr. Köhler eine Geheimniskrämerei mit der Besoldungsvortag!:, die ihresgleichen sucht. Die Beamtengewerkschaften verlangen niit Recht, möglichst bald Ein- blick in die Absichten des Reichsfinanzministers zu bekommen, indem sie zu Verhandlungen geladen werden. Mehr noch als wie bei den Reichsbeamlen, denen das Parlament immer noch einen Weg bietet, einen gewissen Einfluß auf die Gestaltung der Besoldungsreform auszuüben, muß bei den Reichsbahnbeamtcn die Mitwirkung der Beamtenorganisationen gefordert werden. Es mutz naturnotwendig zu Unzuträglichkette» führen, wenn die Reichsbahngesellschaft selbstherrlich über das Wohl von Hunderttausenden Beamten verfügen kann, Pflicht eines jeden Eisenbahners ist es, der seine wirtschaftliche Lage und die seiner Familie bessern will, sich der sührend-'n Organisation, dem Etnheitsverband der Eisenbahner Deutschlands anzuschließen. Morgen, Donnerstag, 19 Uhr findet in Anbetracht dcr ernsten Lage in Schmidts Gesellschaftshaus, Berlin, Fruchtstraße 36a, eine große Funktionärtonferenz der Ortsgruppe Berlin des Einheitsverbandes statt. � Deutsch-üänifche Kundgebung. Stauning und Löbe als Redner. Graasle»(Südjütland), 20. September.(Eigenbericht.) Eine deutsch-dänisch« sozialdemokratisch« Kundgebung fand am letzten Sonntag in Graasten in Südjütland bei Sonderburg statt. Aus dem ganzen, früher deutschen nordschleswiger Gebiet und aus den nördlich davon gelegenen dänischen Bezirken waren die Partei- vereine mit ihren Fahnen herbeigeeilt, um dstrch eine eindrucksvolle Kundgebung die brüderliche Gesinnung der Proletarier diesseits und jenseits der neue» Grenze zu bekunden. Nach einem sehr imposan- ten Festzuge sprachen die Genossen Stauning- Kopenhagen. Nielsen- Kopenhagen, Frau Schröder- Altona und. Paul Löbe- Berlin über die gemeinsamen Kämpfe der Arbeiterklasse, wobei Genosse Stauning sein Programm als Führer der Opposi- tum in der jetzt wieder beginnenden Tagung des dänischen Reichs- tage« austwandersetzte, während die übrigen Redner den Friedens- willen der Versammlung betonten. Der Kundgebung rrar eine Kon- serenz sozialdemokratischer Gemcindeoertreter aus etwa 59 Gemein- den vorangegangen, in der Maßnahmen gegen die augenblicklich sehr stark« Arbeitslosigkeit in Dänemark erörtert wurden. Beide Beranstaltungen zeigten den ungebrochenen Kampfeswillen der Ge- nassen diesseits und jenseits der Grenzet Neuordnung in Südchino. Aufbau der Regierung. Ranking. 29. September.(EHRA.) Das neue Spezialtomitee für die Reorganisation der Kuomintan arbeitet ebenso wi« das Zentralexekutiv und da« Zentralkontroll- komitee. Die Parteiämter bereiten die dritte Relchsdelegiertenkorsie- renz vor. Die Regierung wird in sieben Ministerien organisiert, und zwar Finanz, Inneres, Verkehr, Justiz, Handel, Bauern- und Arbeiterfragen, Aeußeres. außerdem werden noch militärisch« und politische Räte und Behörden für Hochschulwesen geschaffen. i r Die verbanöstage in Leipzig. Das Verschmelzungsproblem im Vordergrund. \ Leipzig, 20. September.(Eigenbericht.) Am zweiten Derhandlungstag des Verbandstag«« der Lebensmittel- und lgetränkearbeiter wurden m der Diskussion über den Vorstandsbericht an chand örtlicher vorkommnifle Anregungen gegeben über die Ausbildung de» Nach- Wuchses, die Lehrlingsfrage und Bekämpfung der Sonntags- und Nachtarbeit. Der Einstellung des Ver- dandsoorstandes zur chochhaltung der Disziplin wurde allgemein zu- gestimmt. Ausstellungen an der Tätigkeit des Derbandsvorstondes wurden nicht gemacht. R o e s e l e r wies auf die(Eingabe der Reichs- mülleroerbände an das Neichsarbeitsministerium zur Frag« der Arbeitszeit hin, die einfach unerhört sei und energisch zurückgewiesen werden müsse. Vorsitzender Bockert wies die falsche Auffassung zurück, als ob ohne besonder« Beiträge die Jnvalidenunterstützung weiter ausgebaut werden könne. Die Entlastung des Verbands- vorstände? wurde einstimmig ausgesprochen. Zum Zusammenschluß der Verbände sprach einleitend Vorsitzender Bockert. Die Organisationen sind auf den Beruf aufgebaut. Der Verband der Lebensmittel» und Getränkearbeitcr, ursprünglich auch Berufsorganisation, hat sich bald für die Betriebsorganisation entschieden. Er hat eine bessere Interessenvertretung in der Zusammenfassung der Arbeiter des Betriebes gesehen. Die Zusammenschlußbestrebun- gen in den Verbänden der Nahrungsmittel- und Genußmittel- industrie bestehen seit Anfang der SOer Jahre. Bon unserer Seite wurden sie immer abgelehnt, bis der Gewerk- schaftstongreh in Leipzig 1922 zur Schaffung größerer Verbände die Resolution Dißmann annahm, die den Zu- sammenschluß auf der Grundlage der Betriebsorganisation forderte: für diese Resolution hat auch die Vertretung unseres Berbandes gestimmt. Bockert schildert dann« die historische Entwicklung der Verhandlungen bis zu dem Zeitpunkt, wo die Verbände der Lebensmittel, und Ge- tränkearbeiter, der Nahrungs- und Genußmittelarbeiter, der Fleischer, Böttcher und Meinküfer in ihren Verbandstagen zur Berschmelzungs- frage Stellung nahmen. Der Satzungsentwurf, das Ergebnis dieser Verhandlungen, schlug die Erfassung aller Arbeiter der Lebens- mittel- und Genußmittelbetriebe vor, die auch der Augsburgsr Ver- bandstag beschloß. Dagegen ist nun von verschiedenen Verbänden Einspruch erhoben worden, wobei die Einsprüche der Fabrik- arbeiter und des Verkehrsbundes nicht zu bereinigen waren. Auch der ADGB. nahm Stellung gegen den Organifations- bereich, den der Satzungsentwurs vorsieht. Bockert erinnert zum Schluß noch an den K a r t e l l o e r t r a g des Nahrungs- und Genuß- mittelarbeiteroerbandes mit dem Verkehrsbund, der auch dem Satzungsentwurf widerspricht und behandelt dann die wichtigsten Bestimmungen des Satzungsentwurfs und die hierzu gestellten An- träge.— Als zweiter Referent beschäftigte sich Tröger besonders mit den Einsprüchen der Fabrikarbeiter und des Verkehrsbundes, worauf die Aussprache einsetzte. Gegen die vom Arbeitsgericht in Dresden anläßlich eines Streiks in der Firma C. D. Hermann-Drcsden ergangene einst- weilige Verfügung protestierten die Delegierten des 23. Außerordentlichen Vcrbandstages der Lebensmittel- und Ge- tränkearbeiter in einer scharfen Entschließung. Die Delegierten sehen in der Verfügung einen Eingriff in das Streikrechi der Arbeitnehmer zugunsten der Arbeitgeber. Da» Vorgehen des Gerichts erweckt den Anschein, als ob der§ 153 der Gewerbeordnung auf Umwegen wieder Geltung erhalten soll. Die Delegierten er- warten von dem Arbeitsgericht, daß einstweilig« Verfügungen bei wirffchaftlichen Kämpfen kein« Anwendung finden. * Leipzig, 20. September.(Eigenbericht.) Die nach dem Geschäftsbericht einsetzende Diskussion auf dem Verbandstag der Nahrungsmittel- und Genußmittel- arbeiter zeigte, daß die Delegierten mit den Maßnahmen des Verbandsvorstandes einverstanden waren. Einstimmig wurde- dem Vorstand Entlastung erteilt. Das Verhalten des Reichsoer- sicherungsamtcs gegen die Nahrungs- und Genußmittel- industrie-Berufsgenossenfchaft wurde scharf kritisiert. Allen Instanzen der Arbeiterbewegung, die für die Beibehaltung des gesetzlichen Verbots der Nacht- und Sonntagsarbeit in den Bäckereien eintreten, sprach der Derbandstag seinen Dank aus. Die Bäckerei- und Konditoreiarbeiter werden weiterhin verpflichtet, jedes'u»gesetzliche Ansinnnen der Unternehmer ab- zulehnen. Im übrigen wird der Verbandsvorstand beauftragt, bei den Länderregierungen sich für die Anstellung besoldeter oder ehren- amtlicher Bäckereikontrolleure einzusetzen. Schließlich wird in einer Entschließ u n g gegen den Entwurf zu einem Berufs- beratungsgefetz Stellung genommen und von der Gesetzgebung das paritätische Mitbestimmungsrecht der Gewerk- schaffen, die Anerkennung der Gewerkschaften als wirtschaftliche Interessenvertretung der Lehrlinge sowie die tarif- liche Vereinbarung der Entschädigung und Arbeitsbedingungen für die Lehrlinge gefordert. Zum Izauptpunkt: Errichtung eines llndustriever bände» für die gesamte Nahrungs- und Genußmittelindustrie sprach Ver- bandsvorsitzender Diermeier, der sich mit großer Wärme für denZusammenfchluß einsetzte. Die kapitalistische Konzentration zwinge die Gewerkschaften, neue und bessere Organi- sationsformen zu suchen.— An das Referat schloß sich eine längere ausgiebio« Debatte an. * Leipzig, 20. September.(Eigenbericht.) Der Verband der Böttcher, Weinküfer und chilfs- arbeiter ist, wie der Zentralvorsitzende F ü r ch t n i ch t auf der Leipziger Tagung des Verbandes hervorhob, von der Krise in einer nie geahnten Weise mitgenommen worden. Die Zahl der be- s ch ä f t i g t en Böttcher ist, von den Brauereiarbeitern abgesehen, überall zurückgegangen. Die älteren Bötlcher in den Großstädten konnten bis heute nicht wieder in Arbeit gebracht werden. Dies ist der Hauptgrund zum Anstoß für die Verschmelzung des Verbandes in der Gründung eines Nahrungsmittel- und Ge- tränkearbeiterverbandes. Bei einer Mitglied«rzahl von 8500 sind 1926 allein 184 000 Mark Arbeitslosen- unter st ützung ausgezahlt worden. Der Kassenbestand wurde vollständig erschöpft. 1927 gelang es wieder, ein Kassen lmm?g«K von über 100 000 Mark anzuschaffen. Der Anstoß zur Miteinbeziehung der Böttcher in den»«»?«-> gründenden Jndustrieverband gab der Bundesausschuß in Berlin. Er machte den Weg frei. �, Die Verdrehungen de» Berichterstatters der kommunistischen! „Sächsischen Arbeiterzeitung' gaben dem Derbandstag, Veranlassung, den Vertreter der Zeitung nicht mehr zum Derbandstag zuzulassen. Selbst der Kommunist Schröder mußt« zugeben, daß der Bericht in der„Sächsischen Arbeiterzeitung" mit den Tatsachen nicht übereinstimmt._ Ergebnislose verhanülungen mit öer Reichsbahn. L. 8. Am gestrigen Dienstag fanden bei der Hauptverwalwng der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft Verhandlungen der Vertreter der Eisenbahnergewerkschaften wegen einer allgemeinen Erhöhung: der Bezüge für diese Arbeiterkategorien statt. Generaldirektor D o r p-- müller nahm an diesen Verhandlungen nicht teil, sondem wurde durch den stellvertretenden Generaldirektor Dr. Weihrauch vertreten. Die Gewerkschaftsvertreter wiesen darauf hin, daß in An- betracht der steigenden Lebenshaltungskosten und der am 1. Oktober in Kraft tretenden Erhöhung der Mieten um weitere 10 Proz. eine allgemeine Aufbesserung der Löhne erfolgen müsse, da der am 7. April dieses Jahres für verbindlich erklärte- Schiedsspruch, der nur ab 1. Oktober eine Aufbesserung der Löhne um 1 Pf. pro Stunde vorsehe, der Teuerung keineswegs gerecht werde. Bon der Hauptverwaltung wurde demgegenüber betont, daß weder die Rechtslage noch die allgemeine Wirtschaftslage sowie die Löhne in der übrigen deutschen Industrie eine allgemeine Aufbesserung der Bezüge rechtfer« tigcn könne. In Fällen, wo die Löhne der Arbeiter der ver- gleichbaren Industrien höher seien, könnte eventuell durch Ortslohnzulagen ein Ausgleich geschaffen werden. Die Gewerkschaftsvertreter baten dann, dem Generaldirektor ihre For- derungen selbst unterbreiten zu dürfen, um dessen Stellungnahme kennenzulernen. Darüber soll den Gewerkschaften im Lause dieser Woche Bescheid zugehen._ Die Sparkasse der Bank der Arbeiker. Angestellten und Beamte» A.-G„ Berlin, wallstr. KS. ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Ingendgruppe de» gdA. Heute, Mittwoch, ISVi Uhr, finden folgende See. anstoltungen statt! Osten: Jugendheim Eckule Litauer Str. 18. Stegreifspiele (unter Leitung von Hcilbrunn).— Rcutiilln: Jugendheim Rogatstr. S3. Die» russionsabend über„Wandern und Schauen"(Werner Decker).— Nordwest: Rcaignmnasium Schleswigcr Ufer 14. Vortrag:.Die sexuelle Frage."-- Wcdding-Sciuadbruanen: Jugendheim CchiSnstcdtstr. 1(Ledigenheim 5 Tr). Vortrag:„Das Verufeausbildungsgesetz"(Bunzel).— Spandau: Jugendheim Lindenuscr 1. Spiel» und Tanzabend. Freie«hewerllchaftojngend Groh-Berli». Heute, Mittwoch, 19 Vö Uhr, tagen die Gruppen: Neukölln: Gruppenhcim Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Lieder» abend.— Südwesten: Gruppenheim Städtisches Jugendheim Dorckstr. 11 (ffabrikgebSude). Volkstanzabcnd.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Liederabend.— Nordring: Gruppenhcim Jugendheim Gberswalder Str. 19. Vortrag:„Proletarische Jugend und Nacktkultur."— Banmschnlenwcg: Jugend» heim Baumschulenweg, Ernststr. 1K. Vortrag:»Die Gemeinschaftsarbeit in der FGJ."— Weihensee: Jugendheim Parkstr. 36. Unierhaltungsabend.— ?,entruu>: Jugendheim Jehdenickcr Str 24/25. Vortrag:„Jugend und Sexual» fragen."— Nulturaiteilung de» DMB.: 19 Uhr: Das Paradies der SUdsee. Vusä'. Optik. Jeichensckicrze von Paul Eimmcl.— Volksbühne(Mitglieder der 21. Vbteilnng): Vorstellung im Theater am Nollendorfplatz. Tapezierer. Vertrauen smännersibung am Donnerstag, 22. September. 17 Uhr, im Saal 5 des Gewerkschaftshaufcs. Alle Vertrauensleute müsse» anwesend sein._ Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein; Wirtschast: S.«liagrlhöser; und öerlagsanstalt Paul Singer v Go. Berlin CW L8. Lindenstrahe 2. Hierzu 1»eilage nud»Unterhaltung»ad Wisse»". MeitolMwln„Berlin Compots....... staok ton 25pr.bis135 Kompotteller............. �25» Kuchenteiler..... 8«�™.!" m.145 Käseslocke..................... stnck l25 SCldtS"•"■Äomll�e.U80 JarülnIerßn'ÄcIiS?5 75 c%. 19 cm«f 24 cm Rumflflsciien«>°ll>ei,i»g,>/, lk« Safthannen 16°° 50 26 oml 7 19°° 675 2b cm B Liter' P50 «kivSMattsarttte» Zink-'tMthmnen oä.X-o, MinaaMur„KöiMbera Rotweingläser geschliffen........... stock SOp: PortweinglHser geschliffen.......... Stack 4Sfi.. Weissweingläser geschliffen....... Stack 95ri Lilcörgläser geschUOen................ Bttok 40Pi. Bier- od. Toebecher geschliffen..stock SSPt Bierbecher.Flora"................... Stack ISPf. Römer.Josef", Mattb'and............... Stack 4SP<. - ÄwusbaliavMel- Prima Kernseiken zutgeib, 2uo g i'riscbgewioht Lieget 16 Pf. 400 g Frischgewicht Blockstack 30P1. Prima reine Kristall-Schmierseife Ffun:imiiiiiiniiiia«iaiitiiiiiinmiiiui,iiuuiiiiun!miniii:n«niii!iiiiiiiinuiiiiiinuiiiiuiiiiigiiimuiuiiiuiiniiuiimniiiimmiiiiiuimiu:iiiiiiiiiniuuiiiimiiiiiii 1„" ht unserem Harne LEIPZIGER STRASSE unierhahenwir eine = grosse Auswahl schöner und/ arbenprSchiiger i � ORIENTTEPPICHE VT I die wir durch günstigen Einkauf und durch die eingeireiene Zo 11- = erm&ssigung tu erstaunlich billigen Preisen tum Verkauf bringen HERMAM Stablwaren gemustert M A Stack PL Alpaka-Esslöffel Alpaka-Kaffeelöffel% 20 h Alpaka-Ess-oOesiertbesteckepaarl45 Alpaka-Fitchbeitecke paar 95 Tischbertecke?."£,€5 itsnholi AB Pf., Pur 99 Pt t g., IQr 2 Fers, mit Qoldrand.. 1 Raf{eeicryice9tlg, für 6 Personen...... 590 Kfickawonäturen««g, Porzeuan...,1750 Festoaform mitGolbrand VoweMm Lp9i»«tailsr tief oder flach........... Stück 581*1. Terrine................................. Biook 5,50 KartoftelsehUssol.................. Steck 3,95 äaucieren..................... Stack 2,85, 2,75 Bratenplatten....... Stock von 95 PL bis 3,95 Salatieren............. Stack von 58 PL bis 2,40 Tassen 9»ldrsn4,SUd:38Pf., bunt, Stock 32, 38 PL —_ Seheuertiichenut« MarkcQu»i.,Ktci;. so, 40, SOpl Pa.SimIich-rennerleder 95?, 1.40 1,90b>87,50 Peiaastohnarwaclu we s6u.geib,2-Pftt..Dose 1,35 de. I-Pfd.-Dose 70 Pf.............'(.-Pfd.-DoseSSPL StahlspünaV.-Pfd.-PaketSO Pf., drei Pakete«SP, Der£ ute„Heriii-Mop" gebrauchsfertig, m Dose u. Stiel, Gr. I 3.00 Gr. 113.75 „Hertle-Mopjol" zum Tranken.. 45. 90Pf 2,25 ..Her1le-Poliertll'nmte kennt seinen Be- zirk auf das genaueste, er kennt auch alle Mädchen. Der Weg zur Kontrolle.» Fällt dem erfahrenen Beamten ein neues Gesicht auf, so geht er unbemerkt an den Neuling heran: notiert sich dessen Namen und verwarnr ihn. Stößt er aber ein zweites Mal auf dasselbe Mädchen, *) Siehe Dr. Geyer und Dr. Moses: Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Vertag Dietz, Berlin. 63 S. so nimmt er es zur Wache mit, verlangt Ausweispapiere von ihr, stellt fest, womit es sich sonst beschäftigt, und entläßt es, nachdem er es mit einer Vorladung versehen hat. Oft wird aber das Mädchen in Polizeigewahrsam gebracht. Das gleiche geschieht auch mit den Mädchen, die eventuell in Absteigequartieren ausgehoben werden. Im Polizeigewahrsam werden sie am nächsten Morgen zunächst von dem Gefängnisbeamten vernommen, darauf von der Acrztin untersucht. Wird eine Geschlechtskrankheit festgestellt, so kommt das Mädchen entweder ins Krankenhaus, doch darf sie sich unter Um- ständen auch ambulatorisch behandeln lassen. Der Ausenthalt im Krankenhause würde znm Beispiel für eine ftausaiigestsllt« dem Verlust der Stellung gleichkommen. Ehe das Mädchen in das Krankenhaus eingelieferi wird, kommt es aber in die Frauenhilfsstelle, die sich neuerdings in der nächsten Nähe der Sittenpolizei befindet Hier wird sie von der sozialen Fürsorgerin auf Herz und Nieren geprüft und ausführlich über ihre häuslichen und sonstigen Verhältnisse be- fragt: man versucht, ihre moralische Physiognomie und die Ursachen ihrer sittlichen Verwahrlosung festzustellen, Diagnose und Therapie festzulegen. Die Frauenhilssslelle nimmt dann' die üblichen Nach- forschungen vor und gibt ihr Gutachten ab, auf Grund dessen der Kommissar seine Entscheidung trifft. In der Regel muß dann das Mädchen erst nach der Entlassung aus dem Krankenhause vor dem Richter erscheincn, der im Beisein der sozialen Fürsorgerin das Mädchen wegen gewerbsmäßiger Unzucht zu einigen Wochen Gesang- nis unter Verleihung von Bewährungsfrist verurteilt. Hier beginnt die helfende und stützende Schutzaufsicht der Fürsorgerin der Frauen- hilse. Oft handelt es sich um Fürsorgezöalinge, die dann der Polizei übergeben werden. Vicht selten aber sind alle Bemühungen der Frauenhilssstelle vergeblich. Die sozialen Verhältnisse, die persönliche Eigenart des Mädchens find so, daß sie immer wieder dem ungesunden Leben der Prostitution verfällt. Der Beamte trifft sie bei dem nächsten Rundgang aufs neue, und dann kommt das Mädchen unter die Kontrolle. Die Kontrolle. Sie wird oft erst nach wiederholten Versuchen, das Mädchen auf eine andere Bahn zu bringen, auserlegt. Der Beamre beantragt sie nach eryeuler Ei�lixjerqng beiin, Kom�zisiar. der prüft die Akteur, ruft das Mädchen vor und legt dann seine Entscheidung dem Polizeipräsidenten vor. In der Regel ist dies natürlich nur eine Formali- tät: nachts ist das Mädchen eingeliefert worden: um 2 Uhr mittags ist alles erledigt, dem Mädchen wird erklärt, daß es von nun an unter Kontrolle steht, ihren Beruf der Unzucht gewerbsmäßig aus- führen dürfe, doch gewisse Verpflichtungen mit in den Kauf nehmen müsse. Die Sittenvvrschriftcn werden ihr an Ort und Stelle ein- gehändiat. Sie lauten u. a., daß diejenigen, die nach nicht das 24. Lebensjahr erreicht haben, sich zweimal in der Woche stelle» müssen, die das Alter von 24 Jahnen hinter sich haben, nur einmal, und die älter als?.4 Jahre sind, einmal in zwei Wochen erscheinen müssen: es wird ihnen auch bekanntgegeben, auf welchen Straßen sie ihren Körper seilbieten dürfen, wie sie sich zu benehmen haben usw. Uebertreten sie die Vorselwiften, so kommen sie vor den Richter. Täglich werden 40 bis 60 Mädchen, und zwar nach einer feststebenden Taxe, verurteilt. Doch erscheint das zwecklos. Manche von diesen Mädchen weisen ein endloses Strafvegister auf. Melden sie sich hartnäckig nicht zur Kontrolle, so werden sie unter Umständen| vom Beamten abgeholt. Jedes Mädchen hat nicht allein ihren be- stimmten Tag, sondern auch ihre bestimmte Stunde: die Morgen- stunden sind natürlich verpönt. Täglick) müssen etwa 350 Mädchen erscheinen. In der Dücksenstraße sieht man sie kommen und gehen, sie verschwinden im Torweg, gehen einige Stufen hinauf, dann durch die Sperre, an der sie eine Nummer erhalten, holen sich im Bureau ihr Kvntrollbüchtein und gehen eine Treppe höher hinauf zur Rntersuchu ig. Jin Untersuchungszimmer kleiden sie sich in be- stimmter Anzahl aus und werden dann von den Aerzten hinter einem Schirm untersucht. Es find da neun Aerzte und neun Aerztinnen tätig. Di« Marke haben sie unterdessen abgegeben. Der Beamte eriährt von dem Arzt das Ergebnis. Ist das Mädchen krank, so komnic es nicht mehr fort, sondern wird in der Regel dem Krankenhaus zugeführt. Nur selten wird Außenbehandlung an- geordnet. Die Erfahrung lehrt, daß jedes Mädchen einmal in vier Wochen erkrankt. Die Kontrolle kann auf Antrag aufgehoben werden. Das Mädchen muß dann gewissermaßen eine Bewährungs- frist durchmachen, sie fällt fori, wenn das Mädchen heiratet. Hier kommt es nicht selten zur Vorspiegelung falscher Tatsachen. So hei- ratet das Mädchen zum Beispiel den Zuhälter. Da tritt dann wieder die Frauenhits« in Tätigkeit. Doch die einmal von der Kontrolle Befreiten werd«n nur selten rückfällig, es gibt aber Kontroll- „Mädchen", die 60 Jahre und älter sind. Das neue Gesetz. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes werden die Prosti- tuierten nur noch unter eine gesundheitliche Kontrolle gestellt: das neue Gesetz macht jedein gcschlechtskranken Bürger zur m o r a- lisch«» Pflicht, sich der ärztlichen Behandlung zu unterziehen. Der§ 4 gibt aber den Gesundheitsbehörden das Recht, von Per- fönen, die dringend verdächtig find, geschlechtskrank zu fein und die Geschlechtskrankheit weiter zu verbreiten, einmalige oder periodische Vorlegung von Gesundheitszeugnisse» zu fordern und sie gegebenen- falls auch zwangsweise der ärztlichen Behandlung zuzuführen. Der § 3 bestimmt, daß die Beamten der Ordnung?- oder Wohlfahrts- polhzei die Durchführung der gesundheilspolizeilichen und sozial- fürsorglichen Polizeianordnung zu unterstützen haben. Richtet sich auch das Gesetz im gleichen Maße gegen alle Bürger ohne Unter- schied des Geschlechts und der sozialen Stellung, so hat der 8 4 in erster.Linie die Prostitution als Hauptverbreiterin der Geschlechtskrankheiten im Auge. Die Zentren der Prostitution werden nach wie vor beobachtet werden müssen; es soll dies aber nicht durch den alten Beamten der Sittenpolizei bewerkstelligt werden, sondern durch eine neuzuschasfende Gesundheitspolizei, nach Möglichkeit durch Frauen. Die Aussührungsbeskimmungen werden von einzelnen Ländern herausgegeben werden. Daß die Sistierung der Mädchen und ihre Behandlung dabei auch in diesem Falle schika- nös sein kann, soll nicht bestritten werden. Es ist aber doch ein himmelweiter Unterschied, ob das Mädchen, wie jetzt, zu befürchten hat, unter Kontrolle gestellt zu werden oder ob sie in Zukunft willen wird, daß man sie nur einer Behandlung unierziehen will. Aller- dings bietet der 8 6 des Gesetzes gegen die Prostituierten und ihre Klienten auch insofern eine Handhabe, als hier Geschlechtskranken, die, obgleich sie eine Gefahr für ihre Uingebung vorstellen, den Beischlaf ausüben, Gefängnisstrafe angedroht wird. * Die Auflösung der Sittenpolizei dürfte in wenigen Monaten erfolgen. Die in kürzester Zeit zu rwartenden Aus- fübrungsbestimmimgen werden zeigen, in welcher Weife die neu- zuschaffenden Kontrollorgan« der Gesundheitsbebördo ihre verant- wortunasvolle Tätigkeit auszuüben haben werden. Wie immer, so wird auch hier das Ausschlaggebende der Geist sein, der diese Organe erfüllen wird— es sollte dies ein Geist der Menscizlichkeit sein. Re'chsffericht nnd Wosznttnqswncher. Wenn man sich auf den Standpunkt des Reichsgerichts stellt, so gibt es eigentlich kaum noch Wohnungswucher. In drei Entscheidungen hintereinander hat das Reichsgericht erklärt, daß unter Umstanden Abstandssummen von Hauswirten genommen werden dürfen. Dem- gemäß find auch die von den Gerichten ausgesprochenen Ver- urteilunaen als nicht zu Recht erkannt worden. Das Reichsgericht hat erklärt, daß der Vermieter berechtigt fei. von dem Mieter sich nicht allein die Auswendungen, die ihm aus den öffentlichen Lasten, aus der Instandsetzung des Hauses und aus der Verzinsung des Anlagekapitals entstehen, vergüten zu lassen, sondern auch in Berück- sichtigung irgendwelcher Ausfälle einmal zu zahlende Summen in Empfang zu nehmen. Gestern hatte die Berufungsinstanz Charlotten- ÄieSilbers�rvernne 62] Von IXci BeaG lN-chdru-l verboten Avtorlflerte Tl-bersetzung an» den» Engllschev von Quito Slopptl Herrn Waylands steifer Gruß ließ nicht ahnen, daß die beiden Männer je auf freundschaftlichem Fuß miteinander gestanden hatten. Emerson aber war auf Kälte vorbereitet und setzte sich, ohne eine Aufforderung abzuwarten. Er konnte nicht umhin, diesen prachtvollen Wohnraum mit dem kahlen Schuppen zu vergleichen, den er selbst bewohnte. Der große geschnitzte Schreibtisch, die schweren Ledersessel, das reiche Büffet machten einen unerhört prachtvollen Eindruck auf ihn. Seine Augen glitten über die Wände mit den Bücherregalen und kostbaren Malereien, und durch die Samtvorhänge iah er ein Schlafzimmer, mit kühlen weißlackierten Möbeln. Seine Füße traten mit Behagen auf den weichen Samt des Teppichs und voller Neid sah er hinter den Portieren das luxuriöse Bett mit den weißen Linnen. Die schwere Zeit der Entbehrungen und Widrig- leiten hatten eine wilde Sehnsucht nach all diesem in ihm wachgerufen. Herr Wayland hatte seine Brille abgenommen und wartete mit einem barschen Ausdruck auf seinem Gesicht. „Ich habe Ihnen viel zu sagen, Herr Wayland," begann Emerson,»und ich möchte Sie bitten, mich bis zu Ende an- zuhören." »Fangen Sie an." „Ich möchte Ihnen Dings von Herrn Marsh erzählen, die Sie vielleicht nicht glauben werden, aber ich kann von anderen bezeugen lassen, daß alles wahr ist, was ich sage. Ich halte Sie für einen gerechten Mann, und ich glaube nicht, daß Sie die Methoden, die er mir gegenüber verwandt hat, gutheißen werden." „Wenn dies eine Anklage gegen Herrn Marsh sein soll., möchte ich Sie bitten, zu warten, bis er selbst zugegen ist. Er ist mit den Damen an Land gegangen." „Ich möchte zuerst mit Ihnen allein sprechen. Später können wir ihn hinzuziehen, wenn Sie es wünschen." „Bevor wir anfangen, möchte ich Sie fragen, was er- warten Sie von mir?" „Ich möchte Sie um Ihren Beistand bitten." „Erinnern Sie sich nicht unserer Uebereinkur�ft?" „Ich bitte Sie nicht um Unterstützung, sondern um Ihren moralischen Beistand." „Welchen Unterschied Sie auch zwischen diesen Worten machen, so verstehe ich nur das eine, daß Sie mich um eine Gunst bitten?" „Ich betrachte es nicht als eine solche." „Gut. Fahren Sie fort." „Als Sie mich vor drei Iahren fortsandten, damit ich ein Vermögen für Mildred verdienen konnte, war die Voraus- setzung ehrliches Spiel auf beiden Seiten—." „Haben Sie ehrlich gespielt?" unterbrach Wayland ihn scharf. „Ja. Als ich nach Chikago kam, hatte ich keine Ahnung, daß Sie an den Alaskafischereien interessiert waren. Ich hatte mir Geld verschafft, bevor ich überhaupt ahnte, daß Sie Willis Marsh kannten. Und da war es zu spät, um mich zurückzuziehen. Als ich nach Seattle kam, stieß ich auf alle möglichen unerwarteten Hindernisse. Ein Schiff, daß ich ge- chartert hatte, ließ mich im Stich, Maschinenfabriken wollten mir keine Maschinen verkaufen, Frachten gingen verloren; schließlich verweigerte mir die Bank das Darlehen, das sie mir versprochen hatte, und keine andere Bank wollte mich stützen. Ich wurde auf alle mögliche Weise gequält und ge- peinigt. Und es war kein Zufall, sondern Willis Marsh steckte dahinter. Er schickte Spione hinter mir her, er setzte einen Streit in Gang—." „Woher wissen Sie, daß er dahintersteckt?" „Ich habe keine gesetzmäßigen Beweise, aber ich weiß es dennoch." Herr Wayland lächelte.„Das ist eine ziemlich unsichere Beschuldigung. Wollen Sie ihn vielleicht, auch für den Tod des streikenden Arbeiters verantwortlich machen?" „Ja, und auch dafür, daß die Polizei das Verbrechen auf mich wälzen wollte. Als Herr Marsh dann nach Kalvik kam, versuchte er zuerst meine Dampfkessel in den Grund zu bohren: als ihm dies mißglückte, machte er meine Eisen- reiniger untauglich, und darauf verstopfte er den Zugang zu meinen Fischreusen, nicht, weil er mehr Fische gebrauchte, sondern weil er meinen Fang schädigen wollte. Als die Fischschwärme kamen, bestach er meine Fischer, den Kontrakt zu brechen, so daß mir zu wenig Arbeitskräfte blieben. Er hatte nicht für mehr Arbeiter Verwendung, sondern tat es nur, um mich zu vernichten. Als es mir gelang, statt der Weißen Indianer zu gewinnen, überredete er sie durch einen kläglichen Kniff und durch Drohungen mich zu verlassen. Und heute nacht haben seine Fischer meine Fischer mit Ge- walt daran verhindert, die Netze auszuwerfen. Alles, was ich wünsche, ist Arbeitsfrieden. Es gibt genügend Fische in Kalvik für uns alle, Marsh aber hat die Uebermacht Ihrer Organisation dazu verwandt, um mich zugrunde zu richten — nicht aus Geschäftsrücksichten, sondern aus persönlichem Haß." „Ich sehe nicht ein, warum Marsh, selbst indirekt, für den Zusammenstoß der Prahme, für die Beschädigung Ihrer Ma- schinen oder für die Schlägereien zwischen den Fischern ver- antwortlich ist. Ich weiß im Gegenteil, daß er alles tut, was er kann, um Gewalttätigkeiten zu verhindern, weil der Fisch- fang darunter leidet. Er heuerte Ihre Leute, weil er sie nötig hatte. Niemand kann sagen, wer ihre Maschinen zer- störte. Mit Bezug auf Ihre Falle, so können Sie eine oder mehrere legen, wo immer Sie wollen. Willis Marsh hat mir alles, was Sie mir soeben erzählten, schon selbst berichtet, und ich erkenne daraus nur, daß Sie Ihre Kräfte mit einem Mann gemessen haben, der tüchtiger ist als Sie. Ihre Beschuldigun- gen machen keinen Eindruck auf mich, um so mehr, als ich weiß, daß Sie auf sehr nachdrückliche Weise versucht haben, sich selbst zu helfen." „Auf welche Weise?" „Herr Marsh trägt noch eine Bandage nach dem Messer- stich, den sie ihm zugefügt haben." Emerson sprang auf. ,Er weiß, daß ich ihn nicht verwundet habe, jeder weiß es!" rief er.„Er hat Ihnen etwas vorgelogen." „Sprechen wir nicht davon," sagte Wayne Wayland kurz. „Was wünschen Sie von mir?" „Ich wünsche, daß Sie der Verfolgung, deren Opfer ich bin, Einhalt tun." „Mit anderen Worten: Sie wünschen, daß ich Sie aus der Patsche ziehen soll." Emerson schluckte das Wort hinunter.„Ich will, daß man mich in Frieden arbeiten läßt." „Und das will ich nicht." Wayne Waylands Stimme klang plötzlich hart. Er biß seine gesunden weißen Zähne fest auf- einander. „Es ist Ihnen nach Verdienst ergangen. Sie verrieten mich, indem Sie mich ausspionierten, als Sie in meinem Hause Gast waren. Ich finde an Herrn Marshs Benehmen nichts auszusetzen, und wenn ich es auch täte, würde ich ihn nicht kritisieren, denn alle Mittel sind erlaubt— einem Ver- räter gegenüber."(Fortsetzung folgt.) bürg sich mit einem ähnlichen Fall beschäftigen. Die erste In- ftan,; hatte den Angeklagten wegen Preistreiberei und Wohnungswucher zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Die Dinge lagen hier folgendermaßen: ein Herr Z. begdfichtigte bei dem Angeklagten eine Funfzkmmerwohnung zu mieten, an Stelle seiner Achtzimmerwohnung, die er seinerseits einem andere» zur Verfügung gestellt halte. Der Angeklagte verlangte noch eine Abstandssumme in Höhe von 1000 M. Herr Z., dem für seine Wohnung eine Abstandssumme von 3500 M. versprochen war, ging darauf ei». Er erhielt jedoch nur 1o0ö M., stellte aber selbst zwei Monate, nachdem er die Wohnung bezogen hatte, die Zahlung der Miete ein. Er war gezwungen, die Wohnung zu verlassen, erstattete aber nun Anzeige gegen den Hauswirt wegen Wohnungswuchcrs. Die Verufungsinstanz sprach den Angeklagten angesichts der Neichsgerichtsentscheidungen frei. Der Streit um öen Drostbkentarif. Bildung einer Tarifkommisfion. Der Polizeipräsident teilt solgendes mit: „Am gestrigen Dienstag mittag fand unter Versitz des Polizei- Präsidenten im Polizeipräsidium die angekündigte Sigung init oen Vertretern der Arbeitsgemeinschaft des Droschkengewerbes statt, in der über die Frage des neuen Autodroschkentarlss bc- raten werden sollte. Bekanntlich hatten die Vertreter der Arbeitsgcmein- schaft unter sich in der Frage des neuen Tarifs keine Einigung erzielen können und dem Polizeipräsidenten infolgedessen zwei erheblich voneinander abweichende Vorschläge unter- breitet. 9luch in der gestrigen Sitzung, zu der Vertreter des gesam- ten Droschkengewerbes, der Automobitindustri« und des Automobil- Handels erschienen waren, konnte trotz mehrstündiger Aus- spräche keine Einigung erzielt werden, da ein Teil der Arbeitsgemeinschaft nach wie vor an dem Einheitstarif festhielt, der andere Teil aber die Schaffung zweier Tarife für notwendig hielt. Einmütigkeit bestand nur darüber, daß auf die Dauer der zurzeit bestehend« Kleintaris nicht aufrechterhalten werden könne. Als Er- gebnis der Sitzung wurde die Bildung einer Tarifkom- Mission beschlossen, die die Frage prüfen soll, inwieweit sich ein- mal die Betriebs- und Gestehungskosten im Drofchkengewerbe ge- ändert haben und inwieweit andererseits infolgedessen eine Er- höhung der Tarife noiwendig ist. Ueber die Zuiamniensctzung der Kommission im einzelne» wird noch besonderer Beschluß gesaßt werden." Wie wir dazu noch erfahren, schlugen die Innung Vereinigter Droschkenbesitzer und die übrigen Organisationen, die bisher zum Mittel- oder Großtarif gefahren waren, vor, dem neuen Tarif eine Grundgebühr von 20 Pf. unterzulegen, die aber nicht als sogenannte Borfracht, sondern gleichzeitig als ein« Bezahlung für«ine Strecke von �00 Metern gelten soll. Der Tarameter soll dann bei jeden weiteren 200 Metern um 10 Pf. vorspringen. Im übrigen zielt der Borschlog dieses Teil» der Arbeitsgemeinschaft daraus hin, die Kurzfahrten zu verbilligen. Nach der aufgestelllen Statistik betrage die Durchschnittsläng« einer Kraftdroschkenfahrt in Berlin Kilometer. Bei Fahrten bis zu 3 Kilometer liegt der Tarifoorschlag unter dem bisherigen Mitteltarif, während bei Fahr- ten über 3 Kilometer sich die Preise dem Mittcltaris angleichen und etwas darüber hinausgehen. Die Innung begründet ihren Vorschlag damit, daß sie bei größeren Fahrtest, die meistens nach den Vor- orten gingen, viel größere Strecken Leerlauf hätten, als bei den kleinen stiahrten innerhalb der Stadt. Die weiteren Verhandlungen der Tariskommisfion werden ergeben, inwieweit der künstige Taris diesem Vorschlag folgen wird.__ Verschleppt und mißbraucht. Ein fünfjähriges Mädchen aus der Gar�enstraße wurde gestern verschleppt und mißbraucht Der Kleinen, die aus der Straße spielt«, näherte sich ein unbekannter Mann. Er lockte sie mit Bonbon an sich, bestieg mir ihr einen Straßenbahnwagen und fuhr nach Buch hinaus. Auf einer Wiese dort verging er sich an ihr. Dann ließ er sie stehen und entfernte sich. Das Kind irrte weinend umber, big zwei Frauen es antrafen und sich seiner annahmen. Das Mädchen konnte seinen Nanren und die Wohnung angeben. Die Frauen brachten es zn den Eltern zurück, und die Mutter führte es einem Arzte zu, der die Verfehlungen feststellte. Die Nachforschungen in der Gegend von Buch harten bisher keinen Erfolg. Angaben zu seiner Ergreifung werden on die Dienststelle E. 4 im Polizeipräsidium erbeten. Koennecke zum Gstasienflug gestartet. Köln. 20. September. Der Flieget fioennecfc, dessen Caspar Doppeldecker„Germania" schon seit Freitag zu dem geplanten Langslreckenslug nach Ostasien und eventuell darüber hinaus nach San Fcanzisko bereitstand, ist nunmehr am gestrigen Dienstag nachmittag 14,24 Uhr auf dem Flugplatz Buhweilerhos gestartet. Koennecke h-utte, nachdem die noch immer ungeklärte Versiche, rungsfrage schließlich zu seiner Zufriedenheit erledigt war, gestern vormittag die Wettermeldungen aus Süddeutschlund und Südost- europa abgewartet, und als sich ergab, daß die Aussichten günstig waren, gab er nach 12 Uhr mittaas de» Befehl, die„Germania" st a r t s e r t i g zu machen. Die Tatsache des bevorstehendoiv Abslugs war nur wenig in Köln bekannt geworden, so daß nur eine kleine Schar von Zuschauern auf dem Flugplatz anwesend war. Dagegen bereitete die Stadt Köln den Fliegern, dem Piloten K o e n- necke, seinam Begleiter Gras Solms und dem Funker Her- mann aus Dessau, einen offiziell:» Abschied. Oberbürgermeister Dr. Adenauer hatte sich mit Miigliedern des Magistrats zum Fluahafen begeben und entbot der„Germania" die besten Wunsche für sie Durchführung des Unternehmens. Nach 2 Uhr bestieg Koen- necke mir seinen Begleitern die Maschine, der Junkers-D-Motor wurde einer kurzen Laufprobe unterzogen. Dann hob Koennecke die Hand, und unter dem Abschicdswinkcn der Zuschauer rollte die „Germania" über das Feld, um sich dann um 14,24 Uhr nach verhält- nismäßig kurzem Anlauf glatt und sicher in die Lust zu erheben. In kurzer Zeit war der Doppeldecker in südlicher Richtung den Blicken entschwunden. Das EinsturZunglück in Charlottenburg Zwei Tote, drei Verletzte.— Spiel mit Menschenleben!— Warum wurde der Schacht nicht rechtzeitig geräumt? Kurz vor Nedaktionsschluß unserer gestrigen Abendausgabe ging die Nachricht ein, daß aus der Strecke Charlottenburg«in Eisen- bahntunnel eingestürzt sei und daß mehrere Albeiter durch Sand- inassen verschüttet seien.— Etwa 1000 Meter hinter dem Bahnhos Eharlottcnblirg, im Schnittpunkt der Rönne, und Suarezstraße, wird zurzeit ein Umbau der Eisenbahnlinien vorgenommen. Die Gleis- anlagen in der Richtung Eharlottenburg— Grunewald werden untertunnelt. Durch den Tunnel wird ein Gleis von Charlottenburg nach Halensee geführt. Die Ausschachlungsarbciten waren äußerst schwierig. Sie mußten unmittelbar neben den Gleisen der vtadt- bahn vorgenommen werden. Eine etwa k'/ü- Meter breite und 9 Meter tiefe Baugrube war ausgehoben. Die Grube war nach oeiden Seiten durch eiserne Träger und Bohlen abgesteift. Gestern vormittag um 9 Uhr vernahmen die bei den Ausschachtungsarbeitcn beschäftigten Arbeiter ein Krachen in den Berstcifungsstützen. Sie setzten den Bauführer von ihren Wahrnehmungen in Kenntnis. Dieser beauftragte Zimmerlentc, die Versteifungen nachzukontrollieren und auszubessern. Um 1ll4 Uhr vernahmen die Arbeiter stärkeres krachen im Gebälk. Einer der Stützpfeiler gab nach. Wieder wurden Zimmerleute an die Arbeit geschickt. Aber gegen 1311 Uhr brachen unter lautein Getöse alle Versteifungen in einer Breite von 12 Meter». Arbeiter wurden von den niederstürzenden Sandmassen begraben. Die unverletzten Arbeiter gingen mit großer Aufopferung ans Werk, um ihren verschütteten Kameraden zu helfen. Unermüdlich werden die nassen, schweren Sandmassen abgetragen. Die Stützen werden von der inzwischen herbeigeeilten Feuerwehr niit langen Stricken an Gleise und sonstige Stützpunkte angebunden. Die Unglücksstätte. Der erste Anblick der Unglücksstelle ist erschütternd. 2ln de» Rändern des Schachtes hängen Eisenbahngleise in der Lust, die Unterbettung ist in den Schacht gestürzt. Lang« Eisenträger liegen wild durcheinander. Eisenbahnloren, die zum Abtransport der Sandmosien dienen, liegen ebenfalls im Schacht. Zwischen Brettern und Bohlen, umgekippten Loren graben die Arbeiter noch ihren Kameraden. An der Straßenfront hatten die Absperrungen zahl- lose Neugierige angelockt. Die Arbeiter sind verbiitert. Nach ihrer Darstellung hätte unter allen Umständen nach dem zweiten Krachen in der Versteifung der Schacht geräumt werden müssen. Zu diesem Unglücksfall erfahren wir noch foioende Einzelheiten: wie öas Unglück geschah. In dem etwa 9 Meter tiefen osfencn Tunnelschaft, der erst zu einem Teil fertiggestellt ist, waren gegen 13 Uhr eine größere Anzahl Arbeiter der Tiefbaufirma Polensky u. Zöllner beschäftigt. Aus bisher noch ungeklärter Ursache gab die Tunnelwand, die durch große T-Träger versteist und mit Bohlen verkleidet war, plötzlich nach. Im nächsten Augenblick stürzte die Spundwand in einer Länge von 10 bis 12 Metern ein. Unaufhaltsam strömten die Sandmassen in die Gnchl> und verschütteten eine Anzahl der an dieser Stelle tätigen Arbeiter. Aus die Schreckensrufe eilte von allen Seiten sofort Hilse herbei. Drei Arbeiter hatten sich nicht mehr in Sicherheit bringen rönnen und waren verschüttet worden; zwei andere Arbeiter, denen es gelang, dem Hauptgesahrcnherd zu entrinnen, wurden leichter oer- letzt. Zunächst war es den unverletzt gebliebenen Arbeitern wegen der weiteren Einsturzgefahr kaum möglich, an Rettunosarbeiten zu denken. Unter eigener Lebensgefahr gelang es dennoch, einen der Verschütteten in schwer verletztem Zustande aus den Sandmassen zu befreien. Bon den beiden anderen Verschütteten fehlte zunächst jede Spur. Schwierige Sergungsarbeiten. Kurze Zeit nach Bekanntwerden des Unglücks traf die Feuer- wehr aus den Alarm„Elnslurzungtück— Menschenlebcn in Gefahr" unter Leitung des Baurats Scheele an der Unsallstelle ein. Auch da» Städtische R e t t u n g k a m t war mit mehreren Rettungs- wagen und Acrzten herbeigeeilt. Bis zum Erscheinen der Wehren war es Arbeitskollegen gelungen, den Arbeiter Peter van Run ans der Schloßstraße 35 zu Charlottenburg noch lebend zu bergen. Er wurde in das St.-Hildegard-Krankenhaus ubevgcsührt. Zwei weitere Verunglückte, der 22jährjge Zimmermann Karl kohler aus der Kulm- straße 9 und der 51 Äahrc alte Heinrich Schäfer ans der Riickertstr. 9 zu Eharlottenburg, die sich kopsverlehungen und Quetschungen zuge- zogen hatten, konnten nach Behandlung auf der Rettungsstelle 32 und Anlegung von Natoerbönden in ihre Wohnungen gebracht werden. Leider mußte festgestellt werden, daß noch zwei Arbeiter fehlten, die nur unter den Sandmassen begraben sein konnten. Die Bergungsarbeiten, die mit Aufbietung aller Kräfte gefördert wurden, gestalteten sich äußerst schwierig. Wiederholt stürzten Sandmassen nach und brachten die Rcltungsmannschaslen in Lebensgesahr. In aller Eile mußten deshalb Absteifungen angebracht werden, um ein weiteres Nachrutlchen des Sandes zu oerhüten. Erst nach über ein- stündtger Tätigkeit, gegen 14,30 Uhr, stieß man auf die Leiche des 27jährigen Zimmermanns Bruno Lindner aus der Emser Straße 72 in Neukölln; wenige Minuten später wurde auch die Leiche des zweiten Vermißten geborgen. Der Name des zweiten Toten konnte nicht festgestellt werden, weil der Polier, der anscheinend die Neroon verloren hatte, in der Aufregung über das Unglück fortgelaufen war. Zudem war gerade nach dem Einsturz Schichtwechsel eingetreten und ein Teil der Arbeiter der ersten Schicht hatte sich bereits von der Unfallstelle nach Hause begeben. Kurz nach 15 Uhr waren die Arbeiten für die Feuerwehr beendet. Starke Versteifungen waren angebracht worden, so daß vorläufig keine weitere Einsturzgefahr mehr bestand. Eine Untersuchungskommission der Reichsbahn und Peamle der Vau- polizri weilten längere Zeit a» der Unfallstelle, um die Ursachen des folgenschweren Einsturzunglücks festzustellen. Eine Erklärung öer Tiefbaufirma. Bon der Firma Polensky u. Zöllner G.m.b.H., Tief« und Eisenbetonbau, der von der Reichsbahn die Ausführungen der Ar- betten übertragen wurden, wird versichert, daß alle Sicherungsmah- nahmen getroffen worden sind, um einem Unglücksfall, der so über- raschend gekommen ist, vorzubeugen. Starke T-Träger wurden in das Erdreich gerammt. Die aus Bohlen, Rundhölzern und Brettern bestehenden Spundwände sollen durchaus der Belastung entsprochen haben. Es besteht die Möglichkeit, daß die Regenmengen, die in der vorletzten Nacht und während des gestrigen Tages niedergingen, das Erdreich derart beschwert haben, daß die Versteifungen dem ungeheuren Druck nicht länger standhielten und einstürzten. Im Gegensatz zur Erklärung der Firma stehen aber die Wahrnehmungen der an der Unglücksstelle beschäftigten Arbeiter, und es wird Ausgabe der Untersuchungsbehörden sein, festzustellen, ob nicht doch eine Fahr, lassigkeit der Bauleitung vorliegt. * Die Gleise der Stadtbahn, die unmittelbar an der Unglücksstätte vorbeiführen, waren längere Zeit für den Verkehr in beiden Rich- tungen gesperrt: später konnte der Betrieb in Richtung Halensee und Grimewald wieder eingleisig ausgenommen werden, wobei die Züge an der Unfallstelle nur sehr langsam fahren mußten. Einzelne Züge hatten Verspätungen bis zu 30 Minutcn. *« * Aus dem hochbohnhos hallcsches Tor. wo gegenwärtig Umbau- arbeiten zur Verbreiterung der Bahnsteig« vorgenommen werden."-' ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unfall. Der j 30jährige Schlosser Theophil G a w l ow s k i aus der D i e f f c n b a ch- straße 7 5, verlor aus dem Gerüst plötzlich den Halt und stürzte aus beträchtlicher Höhe auf die Straße hinab. G. zog sich innere Verletzungen und mehrere Bein- b r ii ch c zu. Er mußte durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in die Universitätsklinik in der Ziegelstraße über- geführt werden. Die Fahrt soll nach Osiasicn über Angora, Persisn, Indien. China führe». Als erste Etappe ist die Strecke Köln— Angora vorgesehen. Die Wetterausfichtcn für diesen Flug sind im allgemeinen gut. In Deutschland hat Koenneckc ziemlich starken Rückenwind von etwa 40 bis 50 Kilonieter in der Stunde, nllerdings auch erhebliche Regenschauer und teilweise tiefhängende Wolkeit. Die zu überquerenden Gebirge wie Böhmerwald bzw. Erzgebirge sind zum Teil src! und bieten kaum größere Schwierigkeiten. In Oesterrcich war gestern der Wind schwächer und besseres Wetter als in Deutschland. Der Balkan meldete bei bedecktem Him nel gutes Flugwetter, so daß in nieteorologijcher Hinsicht alle Voraussetzungen für ein Erreichen des ersten Etappenortes Angora gegeben waren. Köln. 20. September. Nach hier eingegangenen Meldungen wurde die„Germania" heute nachmittag um 3,45 Uhr über Franlsurt und um 4,50 Uhr über Nürnberg gesichtet. Funkoerbindung mit Wie,» ist bereit» auf- genommen. VIen. 20. September. Um 19,15 Uhr wurde das Flugzeug Koenneckes über Wien ge- lichtet. Die sofort verständigte Leitung des Flugplatzes Aspern setzte daraufliin sämtliche verfügbaren Scheinwerfer in Tätigkeit, um Köennecke, falls er zu landen bcabsichtigen sollte, die Landung zu er- leichtern. Koenneckc setzte seinen Flug fort. Budapest. 20. September. Der Flieger Köennecke wurde heute um 20.37 Uhr gesichtet. Paratyphus i» Osnabrück. In Osnabrück haben sich eine Anzahl von Paratyphusfällen ereignet. Dazu gibt der Stadtar�t solgende amtliche Darstellung: Ja der Zivilbevölkerung sowohl wie in der Garnison ist eine Anzahl Paratyphuserkrankungssälle aufgetreten, die aus den Genuß von Wurst, die von einem Schlächter bezogen wurde, zurückgeführt werden. Es handelt sich in, ganzen um 30 Fälle, die durchwegs leichteren Charakters sind. Durch die Maßnahmen des Arztes und der Polizeiinspektion ist die Anstcckungsquelle ermittelt und verstopft, so d�ß ein Grund zur Beunruhigung für die Beoölke- rung nicht vorliegt. AehnUch lautet die Darstellung des Stand- ortskommandos der Reichswehr, das mitteilt, daß Lebensgefahr bei keinem der Erkrankten besteht. Die spinale Kinderlähmung in Leipzig. Leipzig. 20. September. Die Zahl der an spinaler Kinderlähmung erkrankten und g e- storbencn Personen hat sich neuerdings erheblich oer- mehrt. Während bis zum 13. September 73 Erkrankungen und 12 Todesfälle gemeldet wurden, ist die Zahl der G e- samierkrankungen bis zum Montag aus 32 g e st i« g e». Die Zahl der Todesfälle auf 15. DerRat der Stadt wird über«ine sosortige Schließung der Schulen beraten. wirbelfturm bei Hamburg. Ein heftiger W i r b e l st u r m, in Verbindung mit schweren Regenfällen, ging gestern vor- mittag kurz nach 10 Uhr über Uetersen nieder. Verschiedene Dächer wurden erheblich beschädigt und teistveiie abgedeckt. An zahlreichen Bäumen wurden starke Aeste glatt abgebrochen. Auf der Zugspitze eingeschneit. Dreißig Teilnehmer eines Sonderzuges aus II l m sind auf der Zugspitze eingeschneit, da die Zugspitzbahn wegen starken Schneefall» den Betrieb einstellen mußte.__ weNerdericht der öffentlichen wellerdienstffelle tür vertln und ltmzegend lNachdr. ncrb.i Meist welkt-, mit einzelnen Negentällen. Temperaturen wenig geändert.— Für veulschtnnd. Im Osten noch wechselnd wolkig mit Neaenschauern, im übrme» Deutschland neue Einttiibunz mit Landregen. Temperaturen wenig geändert. ■S ichtjulle vndguiG �tch iverieilung Sport. Rennen zu Hoppegarken am Dienstag, dem 20. September. l. Ncniicii. 1. Nikotin>adnel)ii Menschen. Stalte veskhung des Drei-Swndcn-Rennens ans der Kütt-Areno. Neben der imcirffanuii Mannschast Tonani— Heyne— der Bertiner verabschiedete sich am Sonnlag mit einem überlegenen Siege in der Meisterschaft von Biandeiibuig vom Zlmatcurismus— hat Rütt noch für das Drei-Stunden- Z.cnucn am kommenden Sonntagnachmittag die beiden ausgezeichneten vuslnndifchen Mannschaften Lctourncur— Ronher und die bekannten Belmer Peisyn— Verscheiden verpflichtet, die Favoriten des kommenden Brüsseler Sechs-Tage-RcnnenS. Auch der lange Lorenz wird feit langer Zeit zum eisten Mole wieder tn einem Mannschaslsrenncii zu leben fein, da er nunmehr rrnillich daran deuten musj, sich aus fein Spezialgebiet, die Sechs- Tagc-3Icnncn, vorzubereiten, tzlls Parincr hat er den populären Oskar Tietz erhallt!', der in de. letzten Zeit eifrig aus der Bahn trainiert hat, um bei Beginn der WiiUoiselljon ebenfalls zu fein. einicntningen für dl-I« Rubrik sind vcrliu SW SU, Lindeustraße 3, parteinachrichten für Groß-öerlin stet»>>» da» Bezirt-seketarlal. Kit, 2 Trep. recht», zu richten Achtung. Parteigenossen und Vorwärtsleser der„Gehag". Siedlung Zehlendorft Ende September(wahrlchrinlich am 28.) findet eine l»»ftit»i«rende Sitzung im Valdrestaurant statt. Meldet euch noch in dieser Woche beim Senosien Walter Eabath, Stratze 827 A, Kau» 53. Arbeiterwohlsahrt. Eintritt-Iartc» für Besichtigung de« Ausstellung.Sa» juage Deutschland" sind im Selectariat zu haben._ «. Kreis. Frattion-vorsinndssitzung am Mtttwoch. dem 21 September, 18'/, Uhr, tei Krevp, Planuser 75-76. 11. Krel» Rcutolln. Die Rblcilungen werden ersucht, die Karten zur Jugend- weihe aus dem Parteibureou Neckarstr. 8 abzuholen.— stur Jugendweihe am Sonntag, 25. Ecplcmbcr, stellt jede Abteilung< Ordner, welche sich pünktlich 7;h Uhr im Orpheum, Eingang Eräfcstraße, einfinden. heute, ZNittwoch, 2t. September: 58. Abi.«lhaelottenburg. Die DezirksfUhrer, welche n»ch nicht abgerechnet baden, rechnen bestimmt heute nach 18 Uhr beim Abteilnngskassierer ob. 188. Abt. UäPcai«. Krcikbild>lna,an»Ich«ß: 20 Uhr im Etadttheatcr, grosier Eaa!, Friedilchsir. 8, Llchtbildcrvortrag:„Kammer, Sichel und Miiae. .1 eis.eindrilric ans d m neiicn Sowletrufiland." Borlragender: Dr. Oilo Frlcdülnder. Spinpalhisicrendc können zu diesem Dorlrag durch chenossen ringestlhr! werde», stur Deckung der Unkosten werden am Saalcingang 38 Ps. erhoben. Morgen, Donnerstag. 22. September: 22. Abt. Die Bezirksfllhrer rechnen bestimmt bei Burg, Prenzlauer Allee 18g, ab I» Uhr ab. 73. e'ibt. Schi iargendors. 19 Uhr im Polkshau» Warnemünder Strohe Funk- tionärützung. Niemand darf fehlen....... III. Abt R-scitthal und Riederschönhaufen-West. Igs4 Uhr bei Kolm Mit. glirdervcrsammluna der Freidenker. Alle Genossinnen und Genossen, die Mitglieder der greidenler sind, haben die Pflicht, bestimmt ,u erscheinen. Areitag, 23. September: 13. Abt. Achtung! Abrechnung sämtlicher Bezirksführcr ab 17 Uhr. 118. Abt. Griiaäu. KreisbckdurgaausichuK: 20 Uhr im Lokal Werner, Köpe. nickcr Etr. ISS, Lichtbildervortraa:„Das neue Wien." Vorlragender Franz von Puttkamcr. Enmpathinerende können eingeführt werden. Zur Deckung der Unkosten werden 38 Pf. erhoben. III. Abt. Bohnsdorf. Der Kreisbildungsausschust veranstaltet am Freitag In Grllpan, Lokal Werner, Köpenicker Slr. 125, einen Lichtbildervortrag mit dem Thema:„Da» neue Wien." Vortragender Franz von Puttkamcr. Die Pahnsdorscr Genofsinnen und Kcnosten sind hierzu freundlichst eingeladen. 51. Abt. ckharlottenbura. Sonnabend. 24. September, Parteiweihe unserer neuen iugendlichen Mitglieder in der Aula der Sindrndurgschule, Gucricke» strotze 82, 2» Uhr. Redner: Philipp Lcheideniann. Anschließend Licht. bilhervorlrag:„Sic wieder Krieg!" Achtung, Lcmbenkolonisient A» Sonntag, 25. September, 9>4 Uhr, findet im Lokal Bretschartder, 1 T 1e e» er ke- m 7!., am» CYI• a aK �« Yd»Im»» �» v.»*eC£»u�rI» tY\_ e...»___ liiaberufer: 53. Abteilung vharlottcuburg der SPD.'' Frauenveranstaltungen. 4 Krel» Prenzlauer Berg. Agitation und Arbeiterwohlsahrt: Freitag, 38. September, Besichtigung de» Ambulatoriums Sderswalder Straße stir tuberkulöfc Kinder und Mütter und des Kinderheims Schönhauser Allee. Treffpunkt 0% Uhr vor dcr Anstalt Eberswaldcr Straße. Die Genossinnen werden gebeten, dazu einzuladen. Interessierte Genossinnen anderer Kreise können stck anschließen. 7. Kiels ckharlottcnburg. Heute, Mittwoch, 2t. September, 1944 Uhr, im Pugeiihheim Nvstncnftr. 4 Kreisfrauenabend. Mar Borthel lieft aus eigenen Werken. 11. Kreis Rculssia. Donnerstag, 22. September. 1244 Uhr, bei Stahmann. MUnchrner Str. 12, Sitzung sämtlicher Funttionärinnen, 1. Bericht vom Wochencndkursu» in Gohrisch. Berichterstalterin Genossin Garbe. 2. Unsere Winterarbeit. 2. Abt. Donnerstag, 22. September, 1244 Uhr, bei Lllbner, Wilsnacker Straße 31, Bericht der Genossin Jordan vom Bochenendkurius In Gohrisch. 138. Abt. Hermedors. Heute, Mittwoch, 21. September, 29 Uhr, Fraucnabend in der Konditorei Dewald, Giirnicker Ecke Schloßstraße. Vortrag:„Sozia. listisch» Eesinnungspflege in dcr Familie." Rcferentin Kenn, Reinald. Zungsozialisten. Gruppe Südwest: Donnerstag, 22. September, 20 Uhr, im Jugendheim Steglitz, Albrechtstraße, Aussprache über Windthorst und Hendrik de Man. Sterbetafel üer Groß-Serliner Partet-Grgantsation"| 14. Abt. Am Freitag, 18. September, verstarb nach langem Leiden unser Genosse Hermann Krämer. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung Donnerstag, 22. September, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße, Genossen, die sich daran beteiligen, treffen sich 1744 Uhr hei Goltschalk, Puthusscr Etr. 24. Um rege Beteiligung wird gebeten. 29. Abt. Sonntag, 18. September, verstarb unser lanqiähriger Genosse Richard Zadeck, Hochmeisterftr. 18, plötzlich am Herzschlag. Ehre feinem Andenken. Einäscherung heute, Mittwoch. 21. September, 1744 Uhr, lm Krema- torium Gerichtftraße. Wir bitten um rege Beteiligung. 98. Abt. Reutöln. Am Sonntag, 18, September, verstarb unsere Genossin Hedwig Andres, Kranoldstr, Zl, nach kurzem schweren Krankenlager. Sie war«ine jener Genossinnen, die stiill in ihren Kreisen für die Ideen und Ziele unserer Partei warb und wirkte. Wir werden ihr«in ehrende» A». denken bewahren._ Sozialistische �rbeitersugenü Groß-Serlin. Die wanderleiler-konferenz findet»mständehalber erst am Mittwoch, 28. September, I» Ltndenhelm statt. » Abtcilnngsleiter, gebt sofort die Monatsprvgramm« für Oktobsr abt— Rechnet umgehend die Karten vom Ingendiag und von der Morgenfeier abl— Das Werbematcrial kann abgeholt werden! Unter dem Titel.5)eibst" sprach Aribert Wüscher Dich- tungen von Hölderlin, Flaubcrt. Nitzsche, Rilke, Trakl und Klabund. In allen spiegelte sich dl« sterbende Natur, da» sterbende Jahr. Nitzsche, Trakl und Klabund formt« Wäscher eindrucksvoll nach. Für die riingende Sprache Hölderlins, Flauberts und Rilkes erscheint dagegen sein Organ nicht geeignet. Lieder von Walter S ch ü t t, zu Texten von Löns und Slorm, sang Franz B a u m a n n mit nicht eben umfangreichem, aber kultiviertem Tenor. Schütt. der in seinen put sangbaren L>ed«rn oft besonders glücklich in Volkslied- basteni Ton trifft, begleitete selbst am Flügel.— Als Abschluß der Tagesdarbietungen hörte man vom trefslich geschulten Berliner F u n k ch o r, unter Pros. Hugo Rädels Leitung. Kompositionen von Brahms und Schumann. Besser als der reine Frauen- chor, dem das Mikrophon wohl nie sonderlich günstig ist, kam aller- dings der gemischte Chor heraus. Tes. Eesamiprob« Mr die Peranssaktung am Sonnabend, 21. September, Inf Rahmen der Ansstellnng„Das junge Dcuischlnnd", Freitag 18 Uhr im Heim Lindenstr. 3. Alle Beteiligten müssen pünktlich erichernen. Heule, ZNittwoch, 21. September, 19>4 Ahr: Wcddwg! Heiin See- Ecke Turincr Straße.„Dir soziale Republik."— Rafcnthalcr Borstadt: Schule Gipsflr. 2Za. Gemeinsamer llebungsabcnd mit den Kindersreunden.— Petersburger Viertel: Heim Ebertysir. 12. Arbeits» gepieinschaft:„Unsere Arbeit."— Westen II: Heim Büiowstr. 88.„Der Sturm IN Wien."— Faltenberg: Heim 21m Failcnberg 117,„Die Entstehung des Handels."— Zriedrichshagcn: Heim Frlebrichstr. 87.„Geschichte dcr Arbeiter- jugcndbewegung."— Kaulsdors: Schule Adolsstraße.„Was ist Gcnossenschqfts» Wesen?"— Rcu-Lichtrnbcrg: Seim Prinz-Albert-Stratzc.„Proletarischer Humor."— Lichtende rg-Rrrd: Heim Parkauc 18.„Unsere Ausgaben in der Fortbildnngsschulc."—«ichtenberg-West: Heim Eäiarnwederftr. 29. Außer- ordentliche Mitglicderpcrsaininiung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.- Britz: Ucbcn des Sprcchchors in dcr Schule Chaussee. stratze. Vollzähliges Erscheinen erwünscht.— Pantow-Rord und Süd: Heim Eörichstr. 14. Uebungsadcnd dcr Mädchcnszene.— Pankow-Süd: Funltionär. sitzung beim Genossen Woltersdorf, Taistr. 14. Wcrbcbezirk Osten: girr Morgenseier am 2. Oktober darf keine Eintritts- karte in den Kruppen liegen bleiben, deshalb sorgt für restlosen Verkauf. vortrage, vereine unö Versammlungen, ?teichsbanner»SSiwarz-Bot-Gokd-. Sefchäftsstell»: Berlin S II. Sebastianstr. 87/38. Hot 2 Tr. Mittwoch, 2t. September. Prenzlauer Bceg: Kameradschaft Wöriher ™• Platz 20 Uhr Versammlung bei Treuer, Kastanieuallce 23. Reu» kölln-Pritz: Prenzlau-Fahrcr haben das Fahrgeld von 5,48 M. bis Mi., d. 21., 18 Uhr. bei den: Hanplkassirrer Schmidt, Reutcrstr. SB, zu zahlen. Lichten. bceg nebst Untergruppen: 29 Uhr Ortsgruppen», ssug- und Gruppensithrer- sitzung bei Kamerad Rrllgcr.— Donnerstag, 22. September. Prenzlauer Berg! Kameradschaft Ztordkap 2» Uhr Versammlung bei Sachetzki, Gchtvelbeiner Straße 18. Steglitz-Lichterseldc-Laniwitz!'28 Uhr Turn- und Ucbungsabend Tnrnhalle Ringstrage. Kameraden, die an dcr Fahrt nach Prenziau teil- nehmen wollen, melden sich am Turnabrnd. Fahrpreis 5,18 M.— Tempelhof itlanttrad�bafl): Fr„ d. 23., 28 Uhr, Mitgl.-Pers. bei Pommcrcning. Berliner Arteitcr-Sawariterkolonne Reinickendorf. Donnerstag, 22. September, lS>« Uhr, Mitgliederversamlniung im Volkshaus Reinickendorf-West, Schorn- wcborstr. 114. Tagesordnung: Wahl der Delegierten zur Berschmeizungs- Versammlung in Perlin.— Abteilung Webdlng: Mitgliederversammlung 22. September, 2V Uhr, bei Dellin, Schulstr. 12. „So» junge Deutschland." Sondern cranstallung am 21. September, 29 Uhr, in der Festhalle der Ausstellung„Das junge Deutschland", Schloß Bellevne: Alte und neue Spielmusik, ausgeführt vom Echuiorchestcr des Deutschen Landcserzichungsheimes Schloß Bieberstein in der Rhön unter Leitung von Hilmar Höckncr. Eintritt: Erwachsene 1,59 M., Jugendliche 1 SS. Ehren» und ssrcitartcn ungültig. Dcr auf den gleichen Abend an» gesetzte Ausfpracheabcr.d„Jugendbewegung und Frauenbewegung" findet im mgendheim Charlotten bürg. Goetheftr. 22, statt. Bollslurfe i« Enaiiseb. Zranzöjifch, Spanisch.„ in der Tprachschulr für Proletarier dir neuen Abendkurse In Englisch, ssran Spanisch. Anfang Oktober beginnen zösisch. Spanisch sowohl üir Anfänger ohne Porkcnntntsse als auch siir Teil» nehmet mit Vorkenntnissen. Der Unterricht soll wieder in verschiedenen Stadtteilen abgehalten werden. Anmeldungen siir alle Kurse: mündlich Mittwoch, 21. September, Donnersiag, 22. September, und Freitag, 23. Scp- tcmbcr, 18—29 Uhr, in der Gemeindeschule(Sipesir, 23a, Stimmet 18(nahe Bahnhof Börse und Alceanderplatz): schriftlich an die gleiche Adresse. Deutsche« Monisteilbund». V. Donnerstag, 22. September,'29 Uhr, Dr. Max Der! Uber:„Kunst und Technik" im Werner.Siemens»ReaIqvmnassum, Schöneberg, Hohenstaufenftr. 47/18. Msntag, 28. September, 29 Uhr, San.. Rat Dr. Georg Flatau über:„Das„Wunder" von Konncrsrcuth", rbenfalls im Wcrner.Sicmcns.Acalllnmnasiiim. Berliner Arbeiter Schachklub, Werbe teziel West. Mittwoch. 21. September, 29 Uhr, Abteilung Moabit, Sicmensstr. 12. Bortrag:„Humor im Schach." Kostenloser Schachlehrknrsu» für Anfänger. Donnerstag. 22. September, 29 Uhr, Abteilung Westend, Eophlc-Charlotte-EIr, 88. Vortrag:„Geheimnisse dcr Kombinationen." Kostenloser Schachlehrkursus sür Anfänger. Montag, 28. September, 29 Uhr, Werbebezlrkssstzung Sophit-Eharlottr-Str. 88. Spiel» plan für Oktober und für die Merbewochcn(1.— 19. Zlovember) mitbringen. Biochemischer Verein Groß-Berlia. 28. September: Wilmersdorf, Restaurant stur Lauendnrg, Lauenbnrgcr Sir. 21. Chorlottenburg, Sdcnpalast, Kaiser. Fricdrich.Str. 24. Rcinickendorf.Oft,»lastanienwäldchen, Reiidenzstr. 109.— 21. Septembe«: Wildau, Ncstanrant Staditheater, Freiheit, Wilhelmolatz. Friebrichsfeldc, Restaurant Tempel, Gudrun- Ecke Wagncrstr. 7. Lanlwitz, Lehmanns Frstsälr,«aiser-Wilhelm-Str.'29/31.—'22. Septeinver! Krenzberg, Dockbrauerci, Fidieinsteabc. Tegel, Restaurant Hamuheck, Hauptslr. 9. Reinickcndorf-Wcst, Hartmanns'Brauerei, Echarnwcberstr. 191/194. Gesund- brunnen, Restaurant Schmidt, Prinzenallcc 83.— 23. September: Hohcnneucn. dors, Lindcmanns Gescllsäiaftshaus, Berliner Straße. Mieterbund de» Bcrwaltungsbcziet» Steglitz E. B. Freitag, 23. September, 29 Uhr, im„Atbrechtshos", Steglitz, Albrechtstr. 1a, öffentlich« Brrsammiung. Tagesordnung:„Die Auswiekung dcr Mieterhöhunaen auf Löhne, Gehälter, L»den»haltui>g und das gesaniie Wirtschajtsiedcn." Beantwortung von An» fragen durch den Syndiku». Im Berliner Konzerthaus, im Volksmund der„Clou", Mauerstr.«2, wird während der Wiittersaiscn Traubenmost, gepreßt ans frischen Trauben, zu billigen Preisen dargereicht. Wer an harnsanrer Diathefe leibet und dagegen„Staats. Fachingcn" gc- braucht, wird mit dem erzielten Resultat zufrieden sein. Aus Anlaß des 85jährigcn Bestehens der Firma Wilhelm Joseph, Schöne- »crg, veranstaltet dieselbe einen Iubilllumsverians. Während dieser umiang» reichen Verkaufsoeranstaltung erlstilt jeder Käufer ei» Iubiläumsgeschrnk. Diese Firma hat im Iahrv 1892 vor de» Toren Zicelins ein Kaufhans für Mode und Qualität eröffnet. Mit dem Aufstreben des vvx 35 Jahren kleinen Ortes Schöneberg zur heutigen Millionenstadt hat die Firma Wilhelm Joseph in dcr Entwicklung gleichen Schritt gehalten, so daß es wie damals auch noch deute das snhrcnde Kaufhaus Schöncbergs geblieben ist. Im Laufe dcr letzten Jahre erwiesen stch die Vcrkaussräume als zu klein, und umfangreiche um- bauten mußten vorgenommen werden, durch die das Kaufen und dcr Aulen t- halt in den Sefchästsräumen als ein sehr angenehmer zu bezeichnen ist. U LWtmWirell bs! LM teraalons. Zocker-. Nieren-, � Biaien-, Barnieiden(BarasfiEre), Arlerien- � MMWüKnneÄeiüzn.��enieiiienimk. Man befrage den Hausarzt! Brunncnsdiriften diirda das Facliinger Zcntralbfiro, Berlin W 8} Wilbelxnatraaac 55. Erhältlich In Mineralwnsserhandlungon, Apothokcn und Drogerien sowie In Berlin bei der Vcreandstelle der Staatsquellen l'aditngcn und Niedcr- Selters, Berlin SW U, SAßnebcrger Strasse 16a. TeL: LützowSaCü.SlU. �1 4*» iNdOrtiA« Knea« Butsihwcni Theafer, Lichtspiele usw. I Mittw... 2t. 9. 27 Staats-Cpsr [ Am Wid.Kepubl, Anf.SL'hr Stell. SiiSUGikllt- 1» 3rod:riimii»i«l 8 Uhr MüMI Uen Mittw, 21. 9. 27 Städi.sdic Opsr Bisrnarckstr, Turn. IV. Anl.71, Vwmüev Cavelleria rus-icana Staat!. SdiiltErtti. Charlottenburg 8 Uhr kMÄMil SiW« CASINO-THEATER 3 Uh' Nur noch wenige Aufiührungc»! r ü r dur.Bler Ftcch Aossdineiden! Gutschein 1-� k'ers. Fauteuil nur 1,10 M», Sessel nur 1,60 M- OeutsdiesTiieatei Norden 10334—�7 S Uhr, Ende 11 Uhr IroilQSQ.[isssiiia Sdiuiiitl na hakesoein Katntnersplele Norden 10331— 37 31/. U. Endo 10'/, IJ. Ihr Mann LiihDiil im"aal Oirlich Die Komödie Bismarck 2414/7616 ilU Uhr, Ende 10»/« Zinsen Komödie von Bcinord Shaw ÜejiDi, Saikin Ciüiljrtf, Filkeniiii. Bnouwthir TUUla-Tneaier 8 Uhr Der rote Habn Plscatorbülme (heat. l liolltnilotlplali Kurfürst 2091/93 8 Uhr. iiWil. wir leben von Ernst Toller in». Erwin Piseator Iii. Sloinw». WiUhwu. Basdi, Omtt. liipudi. luKnina, Kgllniu. Um. am._ m öroMJ Sdtäiitpiel&aDi. Nene* Thealer am Zoo Dir.: Ridiirl Girl« SV. Täglich 8'/, Starrnisdia Htiterkeitl Drei lustige Komödien von Thoma Di« neue CHARELL- Inszoiilerangr mit Mai Paterg Rita Qeora Bendow 3ankuhn SzölceSzakall Werkmeister Westermeier jadtion Boys Mine Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungeKUnte Vorst. zu halben Preisen VorverKani 10-« Ohr Volksbühne Iiiigte am Bülowplati Th. am Sdiiffbauaniamiii 8 Uhr 8 Uhr! Kabalen, üeorgc Uetze Dandin Trianon-Th Täglich 8V, Uhr: Srika ülässtter in einer ihrer Paraderollen KoploMiift Lustspiel v.Verneuil Preise: 1.- 2,-. 3,- M. usw. Tbeater des Westens Gastspiel Frltit Massary 7 Uhr: Premiere Eine Fran venjonnat. Bose-Theater 8V, Uhr: Die Masdtinen Ibaaerv. Berlin Berliner llUi-TrlO Neukölln. Labnxlr. 74/111 Bituwtlr-Itiiwi Th. Königcrät«. St. Hasenh. 2110. 8 U. Der dreimal tote Peter Komödlenhana Morden 6304. 8 U GuhpM In RgskiHi kgnsllcriidn Timtin „Habima" Dybuk Berliner Theater Dönhostim 8 U. Leonie Residenz-The»ter Täglich SV, Uhr: Die Tugendprinzessin Ndli Kürst,»rthar Kdl. Hartm Keftner.Boeklin. Suroff, Graf. H. Löpsdiütz Preise 1.2. 3 M. usw. taeucH aiisvEBitaiin! Vorverkauf in ai:sn The»lerki»«en A. Worvhsi» und wn 12 bis 2 Uhr Ufa- Pavillon WoohaiatagBi 7, 9 Sonnabd. u. Sonntag S, 7, 9 Presse-, Ehren- B.!;re karten unjütlij Jugendliche haben Zutritt «as Firma achten! Gegr. 1891. , ttlnjelacrfonl direkt an Private tepur und Daunen-Decken lauie» leernhard e4tr«hn>an>1>-l.»erlia 414, «llaUstraste 74 i Uni-rgr.VaHn Inselbtttd t i Melau- Bettstellen,«nflegematrallev, ferl.«ettsm,«et, ledern». Bettmäsche ftvanev» billig. Filialen I»piltsimarkt.«lag. nur«dke«e,delftr. «llallstratze 21—22. ,wlsch«n>totz->». Jnlsiftiratze «,»litelaburger Pia» 2. Ecke Trautengustratzh »Nd Maaßenstratze so, am Rollendorfplay en Revarat. led. Art.— Olluftr. Preiskatalog aratiS. eeem, waiiuuio-TUea! Täglich 8V, Uhr: Am ümleslimr SdiloS steht eine Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tani. Parkett statt 4 Mk- tägl.auch Sonntags nnr 00 PI. Saltnliarrliihiu Dls. Künstler-Tb. 8 Uhr „Die Dame von Maxim" Lesslng-Theater 8 Uhr ..König Heinridi II" Planstaiiam am Im Virling. JoadiiniHnitf Slnb Noll 1578 Der Hfmmel der Heimat Halbe Kassenpreise Eintritt 0�0 M. Kiidirint. t51ahnni),25 M !>. im Admiralspalast Täglich 8Vi Uhr Die neue HAUER REVUE Wann Mm!' Verband der Lithographen-Steindrucher und verwandten Berufe. Am 17. September verstarb plötzlich Infolge Herzschlages unser lqng- jährige» Mitglied, der Chemigraph Lmil Marquardt Im Aller von 92 Jahren. Ein ehrende» Andenken ist ihm gesichert. Die Einäscherung findet am Zdonnrr«. lag. dem 22 September, nachm. l Uhr, im Krematorium Üflllmeteborf, Berliner Straße 103, statt. Rege Peleiligung erwartet Der Orlovoesland. Relchshallen-Iheater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schlu»; Eine Hochxelt In der MulleratmlSc Nachmittags: Halbe Preise, volle» Programm. Dönhoff•BreUM: Variete, Konzert, Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbussqr Straße 6« Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger in threm a am m I Volkspreise von SO»f. bis 2,50 M. Sonnlagnachmittaz; Groftd Eamiliea• Vorsiclion« Volles Progr. Kl. Preise v. 40 PL b. 1,75 M. Größter Lacherfolg! Nollendort 7300 Die September. Varlctö-Revae Erfinder— Vorwöris strebende, Verdienstmöglichkeit? Aufkl Broschüre„Ein neuer Geist" gratis d Erdmann& Co., Birlii, Königgrätzer Str.71 DeilidietllelBlIailielMM Oonnecelag. den 22. Sepiemder. nachm. L>,z Ahr. im Sthungsfonl de» Aarbandshaujes, cinienstratze SZ. SS Branchenversammlung der Zigarettenmafchinensührer und Belriebshondwerter. Die Tagesordnung wird tn der Versammlung delannigegeoen. Es ist Pflicht eine» jeden Kollegen, pllnltlich zu erscheinen. Die Oclsnetmaltana. innungskrankenkasse der Jawelisre, Gold- d. Silbersthisiede(Zwangsinnung) zu Berlin. Setannlmadiung. Die vom Ausschuß beschlossene 20. Satz» ungsänderung ist vom Oberverstdiernng»- amt genehmigt warben und UM am 1. yl» tobet 1927 in Krajt. Desgleichen ist die geänderte Wähl» ordnung der Kasse vom Oderverstcherungs- amt genehmigt worden. vor Vorstand: Mar Rost, Vorsttzender. Hugo Hertz, Echrijliiihrer. Iber- 1987 Bekanntmachung. Der 28 Nachtrag zu unserer Satzung vom 11. Mai 1913/88. Ottoher 1913. beschlossen in der Sitzung des AusiV vom 19 August 1927, ist seitens de« versicherungaamts am SV. August �"Derittbe�enttMt u. die Seraufsetzung der Versicherun gsgrenzc aus Mark 3099— und sie Ipr.ftifltn B-Ilinunungen des 3 Gesetzes über Aenderungen de» 2. Buches dcr SiVO. vom 15. Juli IVstL BI».ZeHIcndors, den 19. Sept. 1927. Der Vorstand der Allgemeinen. Ortskrankenkasie für gehlendorf u. Umg. Emil Stein. J Konjunktur und Lohnbewegung. Scherzhafte Bemerkungen zu einem ernsten Thema. „Morgens will st e nich und abends kannst« nich mit mir spazieren gehn." An diesen Reftain eines Berliner Schlagers erinnern manche im Tone väterlicher Fürsorge ausgesprochene Ratschläge, doch von den bösen Lohnbewegungen abzusehen. Nach der Theorie von Konjunktur und Löhnen, die diesen Ratschlägen zugrunde liegt, ist es so, daß man abends, das heißt bei schlechter Konjunktur, natürlich keine Lohnbewegung führen k a nn, sie bliebe erfolglos, aber morgens wenn die Hoch- konjunktur dämmert, dann soll man die Lohnbewegung nicht führen, um die Hochkonjunktur nicht zu gefährden. Also überhaupt keine Lohnbewegung, hübsch ruhig sein, das berühmt« freie Spiel der Kräfte wird für Harmonie sorgen. Die Arbeiter werden mit diesem Rezept so wenig zufrieden sein, wie das Mädchen mit dem Freund, der morgens nicht spazieren gehen will und abends nicht spazieren gehen kann. * Der Klient eines Verteidigers war wegen Diebstahl zu(Se- fängnis verurteilt worden, wobei ihm als strafverschärfend an- gerechnet wurde, daß er mit großer Dreistigkeit am heller- lichten Tage gestohlen hatte. In einem zweiten Diebstahls- prozeß plädiert der Staatsanwalt für eine Strafverschärfung, weil der Diebstahl heimtückisch in tiefer Nacht ausgeführt wurde. In seiner Verteidigungsrede stellt der Anwalt diese beiden staats- anwaltlichen Auffassungen gegenüber und ruft mit erhobener Stimme:„Ich frage nun den hohen Gerichtshof, wann soll der Angeklagte eigentlich stehlen?" Analogie: Bei hoher Arbeitslosigkeit darf man keine Lohn- bewegungen machen, sie würden die Arbeitslosigkeit ver- mehren, bei gesunkener Arbeitslosigkeit darf man keine Lohn- bewegungen machen, sie würden die Konjunktur gefährden. Wir fragen die hohen Ratgeber:„Wann sollen die Arbeiter eigent- lich Lohnbewegungen machen?" Sie werden uns wie der hohe Gerichtshof und jeder brave Bürger dem Verteidiger wohl mit einem„überhaupt nicht" antworten. Ruhe ist die erste Arbeiterpslicht, lautet die moderne Parole! « Das Kanzlcrwort„Wie ich ste auffasse" hat im Kriege bei der Sabotierung der Friedensresolution eine verhängnisvolle Rolle ge- spielt. In der gegenwärtigen Wirtschatfsdiskussion wird viel von dem Ziel der Stabilisierung gesprochen. Die Stabilisierung, „wie sie sie auffassen", soll nicht nur das Preisniveau der Waren, sondern auch das Lohniveau betreffen. Gesetzt, sie gelänge in dieser Duplizität, so würde das sozial den Stillstand bedeuten. Unveränderte Preise, unveränderte Löhne, nur durch Erhöhung des Leistungsgrades steigende Gewinne, das wäre doch eine zu schöne Stabilisierung für diejenigen, die die Gewinne angeben. Nur böse Menschen und schlechte Volkswirte können diese Harmonie stören wollen und bei auch von ihnen erstrebter Stabilisierung der Preise, den Kampf um höher« Löhne, um höheren Anteil der Arbeiterschaft am Sozialprodukt für einen notwendigen Bestandteil des Fortschritts ansehen. Wie man das Ideal der Stabilisierung auffaßt, hängt halt ein wenig von dem Grad der Zufriedenheit mit dem bestehenden Zustand ab. * Nach der Weltwirtschaftskonferenz drückte der Hamburger Bankier Max Warburg seine Skepsis über die Praxis der europäischen Zollpolitik mit den Worten aus:„Schutzzoll per Koste, Freihandel per Termin". Gegenüber dem Stabilisierungsprogramm der Regierung am Vorabend einer neuen Lebenshaltungs- Verteuerung durch die von dieser Regierung beschlossenen zweiten Mietenerhöhung in diesem Jahr« haben wir einigen Anlaß zu der skeptischen Frage, ob hier nicht Lohnstabilisierung per Kasse gegen Preis st abilisierung per Termin ge- handelt werden soll. Für solche Uesancen aber ist die Arbeiterschaft nicht zu haben. * Ernsthafte Schlußfolgerung: Die Arbeiterschaft soll m ihren Lohnkämpfen das Bibelwort beherzigen:„Seid klug wie die Schlange." Das heißt in jedem Einzelfalle sorgfältig die Erfolgs- chance abwägen, keine leichtsinnige Unterschätzung der Gegenkräfte, keine Hasardeurkämpfe ä la Ludendorff, aber auch kein Defaitis- mus, kein Verzicht auf Lohnkämpfe in der Hochkonjunktur auf Grund neu frisierter, aber darum nicht weniger verstaubter Harmonietheorien, die den Zufriedenen, aber nicht den um ihren Aufstieg Kämpfenden dienen. F. N. Kartelle und ihre Außenseiter. Zu den Skandalen in der Kugellagerindustrie. Der„Vorwärts" hat an anderer Stelle mehrfach über die gegen die Riebe-Werke A.-G., Berlin- W e i ß e n see, eingeleitete Polizeiaktion ausführlich berichtet. Die Sache hat auch eine wirtschaftliche Seite. Wir wollen deshalb an dieser Stelle die in der Dunkelkammer der Deutschen Kugellagerkonven- tion betriebene Kartellpolitik, die auch mit dieser Polizeiaktion wohl in engem Zusammenhang steht, wieder näher beleuchten. Di« Anklage der Betriebsräte der Kugel- lagerfabrik August Riebe in Berlin-Wittenau, die wir in Nr. 420 unseres Blattes veröffentlichten, gab schon ein deutliches Bild besonders von den Maßnahmen, die von der Kugellagerkonvention gegen Außenseiter angewendet werden. Die uns jetzt von der Verwaltung der Riebe A.-G., Berlin-Weißensee, abgegebenen Erklärungen sind deshalb bedeutungsvoll, weil sie die Anklagen des Wittenauer Betriebsrats über die dort befolgte Kartellpolitik in vollem Umfange bestätigen. In der deutschen Kugellagerkonvention übt die S. K. F. Normo A.-G., Berlin und Stuttgart, einen maßgebenden Einfluß aus. Diese Firma, in der größtenteils schwedisches Kapital arbeitet, ist eine Tochtergesellschaft der Schwedischen Kugellagerfabrit in Göteborg, die durch ein ausgedehntes Netz von Tochtergesellschaften in Europa und Amerika ähnlich« Ziele zur Erreichung eines internationalen Monopols verfolgt, wie der schwedische Zündholztrust. Bereits im vorigen Jahre versuchte die Riebe A.-G. noch als Mitglied der Konvention, eine Reform der Kugellagerkonvention durchzusetzen, um durch«ine Teilung des technischen Programms und andere fabri katarische Rationalisierung-maßnahmen eine Verbilligung der Produk- tion und entsprechende Preissenkungen herbeizuführen. Da sie mit diesen Vorschlägen bei der Mehrheit der Mitglieder auf Widerstand stieß, erklärte die Riebe A.-G/ mit den ihr gehörigen Niles-Wcrken ihren Austritt aus dem Syndikat. Durch rationell« Ausnutzung der Produktionsmittel war es Riebe möglich, die Abnehmer aus der Automobil- und Motorrad- Industrie- um 20 bis 30 P r o z. billiger zu beliefern, als die in der Konvention zusammengeschlossenen Werke mit ihren hohen Syndikatspreisen. Da sich die Kugellagerkonvention mit ihrer Preispolitik bei den Abnehmern ohnehin sehr unbeliebt gemacht hatte, nahmen die Aufträge bei den jetzt als Außenseiter auf- tretenden Riebe-Werken beträchtlich zu. Sie mußten ihre Beleg- schaften und ihre technischen Apparate fast verdoppeln. Also ganz dieselbe Entwicklung wie bei der Wittenauer Kugellagerfabrik. Natürlich paßte dieses Aufblühen der Außenseiterwerke den Herren der Konvention ganz und gar nicht. Das Schicksal des Wittenauer Werkes ist bekannt: es wurde aufgekauft und soll stillgelegt werden Ein anderer Außenseiter, die Hollmann A.-G., Wetzlar, wurde von dem gleichfalls sehr einflußreichen Syndikatsmitglied, der Schweinfurter Präzisions- und Kugellager- werk« Fichtst u. Sachs A.-G. aufgekauft. Gegen die Riebe A.-G. Weißensee, versuchte erst vor acht Ta�en ihr erbittertster Konkurrent, die S. K. F. Normo, einen entscheidenden Schlag zu führen. Auf einer Syndikatssitzung in Frankfun beantragte diese Gesell- schaft, daß die«pezialkugelfabriken, deren Lieferungen für die Kugellagerindustrie unentbehrlich sind, die Riebe- Aktiengesellschaft mit einem Lieferboykott belegen sollen. Da den anderen Mitgliedern bekannt war, daß das Riebe-Werk auf längere Zeit mit Material oersorgt war, sich dieser nach außen hin sehr gefährliche Beschluß also als ein Schlqg ins Wasser erweisen würde, einigte man sich immerhin darauf, daß künftig die Kugel- lieferanten Riebe statt der üblichen 30 Proz. nurnochlSProz. Rabatt gewähren sollten. Wir wollen dieser Darstellung, die wohl ein« einseitige ist, nicht viel hinzufügen. Was sie an Tatfachen behauptet, ist für jeden in der Kartellgeschichte etwas Erfahrenen einfach plausibel. So wird es eben gemacht. Es ist auch gut, daß es nach dem Riebe-Krach in Wittenau, nun zu einem Riebe-Krach in Weißensee gekommen ist. Es ist gut, daß sich die Gerichte auch mit der Kugel- lagerkonoention befasten und die Methoden, hoffentlich in breitester Oeffentlichkeit, aufdecken müssen, mit denen gearbeitet wurde und wird. Bedauerlich ist nur. daß wir eine Kartellaufsicht haben, die auch die Volkswirtschaft gegen den Mißbrauch der Kartellgewalt zu schützen hätte, und einen Reichswirtschaftsmimster, der ent- sprechende Vollmachten hat,— daß es aber mit dem einen Riebe- Skandal noch nicht genug war und daß die Rugellagerkonvention noch einen zweiten produzieren konnte. Wir wiederholen deshalb unsere Frage von vor 14 Tagen: Was gedenken Sie jetzt zu tun, Herr Reichswirtschaftsminister? Der Zerngaskampf um Köln. Wieder ein sogenanntes Dementi der A.-G. für Kohleverwcrtung. Unsere Mitteilungen über die Methoden der A.-G. für Kohle- Verwertung in Essen zur Durchsetzung ihrer Ferngasplän« insbeson- dere gegenüber der Stadt Köln haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Der„Deutschen Bergwerkszeitung", dem Organ der Ruhrindustrie, haben sie zunächst die Sprache verschlagen. Sie ist still geworden mit ihren Fanfarentönen, und ganz oersteckt bringt sie jetzt auch die Mitteilung, daß die Provinz und die Stadt Kassel gar nicht daran denken, ihren bisherigen ablehnenden Standpunkt gegen- über den Ruhrplänen aufzugeben. Sie muß auch eine Mitteilung abdrucken, nach welcher die im Kasseler Bezirk ansässige Braun- kohlenindustrie sehr energisch an der Vorbereitung ihrer eigenen Ferngasabsichten arbeitet. Die A.-G. für Kohleverwertung aber hat sich in der Kölner Frage zu einem Dementi jener Art aufgeschwungen, wie wir sie von früher her schon gewohnt sind. Geyen die sehr schweren Vorwürfe, die wir erheben mußten, findet sie nur einen Satz: die Meldung entspreche nicht den Tatsachen, ebenso gingen die übrigen Mit- teilungen an den Tatsachen vorbei. Erklärungen, was ver- handelt wurde, wagt sie nicht abzugeben. Nachdem sie wieder vor- sichtig darauf hinweist, daß ihre Aktionäre nicht auf die Kohlen- sperre verpflichtet gewesen wären(was nichts gegen die von uns behauptete E x i st e n z eines Verpflichtungsscheines bedeutet, denn zur juristisch verbindlichen Verpflichtung braucht es nicht ge- kommen zu sein, es genügt die nicht zu bestreitende Absicht), sagt sie: „Phantastische Behauptungen dieser Art kennzeichnen sich offensichtlich als Versuchsballons, können aber trotz ihres zum Teil de- leidigenden Inhalts die A.-G. für Kohieverwertung nicht bewegen, aus der im Interesse schwebender Verhandlungen erforderlichen Zurückhaltung herauszutreten. Es genügt, derartige Meldungen als der Wahrheit nicht entsprechend zurückzuweisen!" Wir stellen demgegenüber fest, daß wir nicht nötig haben, mit Versuchsballons zu arbeiten. Herr Seipel weiß, welches sein« Absichten und Vorschläge waven. Der Oeffentlichkeit und den de- teiligten Stellen wird es genügen, daß die A.-G. für Kohleverwertung Erklärungen zu unseren Mittellungen nicht abgeben will. Sie hat ihre guten Gründe dafür. Sutter wird teurer und teurer! Margarine muh herhatten. In den Sommermonaten ist es gewöhnlich so, daß die Butter- preise etwas anziehen. So unerhört wie in diesem Jahr« waren jedoch die Preissteigerungen noch nie. Bis zum 19. Juli kosteten 50 Kilogramm erste Qualität ab Station des Erzeugers noch 1 S 3 Mark. Am 26 Juli sprang der Preis auf 156, am 30. Juli auf 160, am 6. August auf 168 M., am 9. August auf 174 M., am 30. August auf 178 M., am 3. September auf 183 M. und a m 8. September auf 188 Mark. Das ist in noch nicht zwei Monaten eine Steigerung um 36 Mark pro Zentner oder um fast 25 Prozent. Die Einzelhandelspreise sind den Erzeugerpreisen sehr viel langsamer gefolgt. Immerhin ist die Teuerung schon sehr fühlbar. Nachdem nach den Feststellungen der Berliner Wirtschaftsbericht« der Preis pro Kilo inländischer Molkereibutter vom 2. Juni bis 3. August von 3,80 auf 3,70 zurückgegangen war, ist seit dem 3. August eine Steigerung auf 4 Mark pro Kilo ein- getreten, wobei in den meisten Geschäften nicht unerheblich höhere Preise verlangt werden. Die Butter, die ohnehin im Haushalt der arbeitenden Massen wegen ihres hohen Preises nur noch an Fest- tagen eine Rolle spielen kann, ist damit überhaupt unerschwinglich geworden. Da man das Nachhinken der Kleinhandelspreise hinter den Erzeugerpreisen kennt, ist mit Sicherheit noch eine weitere Teuerung zu erwarten. Bereits ist«in Nachlassen des Konsums deutlich fest- zustellen Der Handel, der natürlich die Zurückhaltung der Käufer merkt, hält in der Eindcckung mit neuer Ware zurück und auf der anderen Seite geht die Käuferschaft sehr viel stärker zum Verbrauch von Margarine über. Wenn auch zu hoffen ist, daß mst dem Einfetzen der kälteren Jahreszeit die Produktion wieder ansteigt vnd daß auch die Zurückhaltung der Käufer preisdrückend wirken wird, so bleibt die Talsache, daß die Preissteigerung besonders der Erzeuger- preise unerträglich ist. Man muß wirklich die Frage stellen, ob die zahlreichen wohlmeinenden Herrschasten auf der bürgerlichen Seite, auch in der Regierung, die der Arbeiterschaft von Lohn- bewegungen abraten, schon über die Mittel zur Verhinderung dieser Preissteigerung nachgedacht haben. Hohe Jorstgewinne— miserable �ohne 1 Im Braunschweiger„Volksfreund" Nr. 202 wird über die finanziellen Erträgnisse der braunschweigischen Staats forsten berichtet. Sie brachten der Staatskasse im Jahre 1924 2,49, im Jahre 1925 3,03, im Jahre 1926 2,84 Mil- lionen Mark Reinertrag, zusammen 8 363 516.80 M. Der Staats- Haushaltsplan für 1927 sieht einen Ueberschuß von 2 075 300 M. vor. Die größten Ueberjchüsse werfen die Fichtenwaldungen av, Die Laubwaldungen folgen erst in sehr großem Abstand Ein Hektar Fichtenwald erbringt in 100 Iahren unter Zugrundelegung der jetzt geltenden Holzpreise 11250 M während ein Buchenwald von gleicher Größe in 120 Jahren nur 6400 M. erbringt Der Berichterstatter meint von den Einnahmen der braunschweigiichen Staatsforsten, daß sie in den letzten Jahren sast immer groger ge- wesen sind, als beispielsweise die Erträgnisse der gesamten Landes- grundsteuer und daß sie das Rückgrat der Staatsfinan» � C"olach' diesen Angaben stellt ein Forstbetrieb heutzutage ein sehr einträgliches Geschäft dar. Er bringt Reinertrage, die m anderen Betriebsunternehmungen erst gesucht werden wollen. In hohrm Maß befremdend wirkt angesichts dieser Tatsache die schlechte Bezahlung der menschlichen Arbeits kraft im F o r st b e t r i e b. Sie ist so gering, daß die Waldarbeiter neben den Landarbeitern als die am! ch l e ch t e st e n b e z a h l t e B e- r u f s q r u p p e anzusehen sind. Soweit Braunschwelg in Frage kommt, reichte die soziale Einsicht der braunschweigischen Regierung nicht einmal soweit, daß sie den Waldarbeitern so w.« m melen anderen Freistaaten beim letzten Weihnach sfest eine kleine Weih- nachtsbeihilfe auszahlte. Bei zukünftigen Unterhaltungen �r dw Rechnungsabschlüsse der Staatssorsten werden die Volksvertreter an die Bezahlung der Waldarbeiter besonders zu denken haben. Anaff vor der dänischen Vieheinsuhr. Dänemark hat vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen daß die scharfen Betennar- Vorschriften bei de. Einfuhr von dänischem Vieh an der deutschen Grenze gemildert und daß die Durchfuhr von lebendem Schläfst. vieh durch Deutschland gestattet werden soll. Ein sehr verstandlicher Wunsch, denn daß das dänische Vieh, abgesehen von akuten Seuchen- ausbrächen, mindestens so gut gehalten wird wie deutsches Vieh, darüber ist kein Wort zu verlieren. Aber schon die Meldungen darüber, daß eine deutsche Regierungskommission die Frage in Dänemark an Ort und Stelle untersucht, hat sofort m mter- essierten Kreisen die sehr lebendige Angst vor einer verstärkten Einfuhr von dänischem Vieh ausgelöst. Die n> o h l l n f o r m l e r t e Stelle, die durch die Telegraphenunion die interessierten land- wirtschaftlichen Kreis- sofort zu beruhigen suchte— man wird» wohl Schieles Ministerium hinter ihr suchen müssen—. hat sich nun auch gleich gefunden. Es wird sorglich versichert, daß nur die däniscken Einrichtungen geprüft werden sollen und daß die Reichs- regierung erst nach der Rückkehr der Kommission sich damit be- fassen wird, ob und in welcher Weise den dänischen Wünschen Rechnung getragen werden kann. Jedenfalls zeigt der Vorgang, wie sehr man sich bei den Interessenten der Tatsache bewußt ist, daß die scheinbar so harmlosen veterinärpolizeilichen Bestimmungen ein sehr wirksames Mittel zur Verhinderung der Dieheinfuhr an allen Grenzen ist. Vreiserhöhungen— um dm vinnenmarkk zu schonen! Die deutschen Kartellherren haben auch Humor. Die letzten Berlinew Besprechungen der Verbände der deutschen Emailleindustrie brachten� von verschiedenen Seiten, wie es ja jetzt an der Tagesordnung ist, Preiserhöhungsanträg« von 10 bis 12 Proz. Dieser wirklich be- trächtlich« Auffchlag wurde nun nicht beschlossen. Dagegen wurde den Werken eine Preiserhöhung von 5 Proz.„zugestanden", um einerseits das Mißverhältnis zwischen Produktionskosten und Verkaufserlös zu mildern(von Konjunkturausnutzung ist natürlich keine Rede) und andererseits, wie es so schön heißt, den„Binnen- markt zu schonen". Eine wirklich gnädige Kartellverwaltung! Sie gesteht den Werken, von denen sie in ihrer Existenz als Syndikats- Verwaltung vollständig abhängig ist, statt 12 Proz. nur 5 Proz. zu. Dies« Blüte gewählter Kartellsprach« oerdient wirklich sest- gehalten zu werden. Aus dem AEG.-Konzern. Hochbetrieb bei der Elsengießerei Härtung A.-G. Lichtenberg. Wir hatten schon mehrfach auf die jetzige Hochkonjunktur in den Berliner Eisengießereien hingewiesen, nachdem es sehr lange um die Eisengießereien Berlins nicht besonders günstig stand. So konnte auch auf der Generalversammlung der Eisen- gießerei und Gußstahlfabrik Härtung in Berlin- Lichtenberg, die dem AEG.-Konzern gehört, für das feit dem 1. April laufende neu« Geschäftsjahr eine glänzende Beschäftigung mitgeteilt werden. Sämtliche Betriebe sind bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Auch die bisherigen Gewinne lassen für das neue Jahr einen weit besseren Abschluß als im ver- gangenen erwarten. Dabei ist auch der Abschluß für 1926 trotz der Herabsetzung der Dividend« von 6 auf 4 Proz. recht günstig. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings die Fusion mit der Landmaschinenfabrik Eyth-Lesser in Brandenburg. Die Betriebs- gewinne übertreffen mit 1 Million d�e des Vorjayrcs um 300 000 M., und der Reingewinn von 166 000 M. bleibt nur unwesentlich hinter dem Abschluß von 1925/26 zurück. Die Bilanz l)at sich durch die Verschmelzung mit der Eyth-Lesser Maschinenfabrik in Brandenburg sehr verändert Die neu hinzugekommenen Anlagen haben den Gesamtwert der Grundstücke, Werke und Maschinen von IL auf 2,9 Millionen Ma-k erhöht. Außerdem sind die Veteili- gungen durch den Erwerb der Aktienmehrheit bei der Maschinenfabrik Otto Jachmann A.-G., Berlin, mit 345 000 M. fast verdoppelt. Die aus der Fusion, dem größeren Ge- schüft und den Aktienkäufen neu entstandenen Verpflichtungen kommen in einer starken Erhöhung der Schu'den, wahrscheinlich gegenüber der AEG., zum Ausdruck. Sie haben sich von 400 000 M. auf über drei Millionen erhöht. Erfolglose Preiserhöhnngswünsche der Vrcmnkohlenindustrie. Wie gemeldet wird, hat die mitteldeutsche Braunkohlen» i n d u st r i« erneut versucht, den Reichswirtschaftsminister dazu zu bewegen, einer Erhöhung der Preise für Hausbrandbriketts und der Preise für Rohbraunkohle zuzustimmen. Der Reicbswirtschafts- minister hat auch diesen Wünschen aus wittschaftspolitischen Gründen keine Förderung zusagen können. Allgemeine Skeigerung der Kohlenförderung lm August. Der Monat August hat für sämtlich« Kohlenbezirke in Deutschland, auch für die Braunkohle, eine ziemlich beträchtliche Erhöhung der Förderung gebracht. Im Ruhrbezirk von 9,68 auf 9.93, im Aachener Bezirk von 0,41 auf 0,43, im westoberschlesischen Bezirk von 1.66 auf 1,74 und im niederschlesischen Bezirk auf 0,48 Millionen Tonnen. Der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau hat seine Kohlen- förderung von 8,25 auf 8,62 Millionen Tonnen erhöht. Die Beleg. schaften betragen im Ruhrgebiet 404 066 und in Oberfchlesien 51 000 Mann. Wenn auch im Fördertag mehr zu rechnen ist, ist die Entwicklung nach wie vor günstig. 14 000 Mann Belegschasl bei Daimler-Venz. Die Daimler- B e n z- A- G. Mannheim, die sich noch im vergangenen Herbst in großen Schwierigkeiten befand, ist nach übereinstimmenden Mel- düngen zurzeit in sämtlichen Abteilungen voll beschäftigt. Der II m sa tz betrug im Juli 15 und im August 14 Millionen Mark. Der Rückgang im August sei nicht auf Konjunktureinflllsse, sondern auf Umstellungsarbeiten zurückzuführen. Die Arb«terzahl ist von 9000 Mann im April aus 14000 gestiegen. Unterhaltung unö AAissen Drei Tage im gleichen Trott. Von ZNax Barkhel. Karl Hammer war Reporter in einer sächsischen Provinzstadt und vollkommen unbekannt, bis ihn ein Verbrechen in das Licht der Oeffentlichkeit stellte. Ihm gelang es nämlich, einen dunklen Mord- fall in vier Tagen aufzuklären. Das machte ihn berühmter, als wenn er ein gutes Buch geschrieben hätte. Eine Berliner Zeitung sicherte sich den kleinen Reporter aus der Provinz. Er kam nach Berlin, und da gelang ihm der zweite Schlag: die Aufdeckung einer sensationellen Schiebung, in die auch einige Finanzgrößen und Beamte oerwickelt waren. Man suchte die Bekanntschast des findigen Reporters, und auf einer zufälligen Gesellschaft befragte ihn der Hausherr, wo er feine kriminalistische Begabung entdeckt hätte. „Im Kriege, Herr Doktor," antwortete Hammer.„3m Kriege. Ich war vierzig Monate an der Front und immer ganz unten als gemeiner Soldat. Da lernt man die Augen und die Ohren auf- reißen." „Was hat der Krieg mit Mord und Diebstahl zu tun?" fragte ein junger Mensch dazwischen, der das Abzeichen seiner Gesinnung nicht nur am Rock trug.„Der Krieg fft das große Wunder, in dem sich das Volk einigt und reinigt. Nur der Krieg..." „Sehr gut, Wilhelm, sehr gut!" plapperte«in altes Männlcin und oersuchte sich in die Brust zu werfen.„Der Krieg ist das Stahlbad für die Nation." „Lieber junger Freund," wandte sich Hammer an den Jüngling und gleichzeitig an den alten Herrn..Lieber junger Freund, was wissen Sie vom Krieg, he? Ich war im Feuer und in der Sturm- reserve, gestatten Sie, daß ich aus der Reserve heraustrete und nur drei Tage schildere, drei langweilige, ode, blöd« Tage, um die Fragen zu beantworten: erstens, was ist der Krieg und die Doppelfrage: was hat er mit Mord und Verbrechen zu tun. Ich will mein Material ganz ungeordnet geben, wie es mir in den Sinn kommt. Sie werden es selbst ordnen, lieber, junger Freund!" „Der schreckliche Krieg!" seufzte die junge Frau des Gastgebers. „Ich möchte nicht immer von solchen gräßlichen Dingen hören. Bitte, Herr Hammer, erzählen Sie uns lieber, wie Sie auf die Spuren des Mörders kamen." „Entschuldige bitte Laura," entgegnete ihr Mann.„Vielleicht interessiert uns doch der Zusammenhang zwischen Krieg und Ver- brechen. Bitte, Herr Hammer." Die Gäste rückten näher heran und versanken in liefe Klub- sesiel, die Damen verzogen sich lächelnd und hätten lieber weinen mögen über die Brutalität der Männer, der Jüngling und der alte Herr, die für den Krieg schwärmten, setzten ein hochmütiges Gesicht auf und Hammer begann: „Um zwölf Uhr bricht der Frieden aus!" war eine unserer stän- digen Redensarten im zweiten Jahr. Das mag jetzt vielleicht dumm klingen, aber stellen Sie sich das bitte mal bildhaft vor: Krieg brach aus wie Weltuntergangxgetöfe— wie bricht der Frieden aus? Wenn wir daran dachten, hörten wir Choräle, Jubelfchreic und Gelächter. Wir lagen damals in einem kleinen Tal der Argonnen in Reserve und hatten Arbeitsdienst. Es war im Herbst und es regnete fast jeden Tag. Der erste Tag. den ich beschreiben will, kleiner Kriegsschwärmer, der erste Tag im gleichen Trott war so: um �7 Uhr morgens kam der Posten und weckte. Er erzählte, daß gestern in der alten Stellung, in der wir früher lagen, zwölf Mann durch Granatfeuer gefallen waren. Das war eine ausgezeichnete Nachricht und wir haßten die ekelhaften Ratten unseres Lagers nicht mehr so leiden- schaftlich. Lieber leben und sich mit Ratten rumquälen als tot sein und von den Biestern angefressen werden. Hinaus in den dunklen Morgen, das Schanzzeug über, zwanzig Mann los in das Meurrisontal, in dem gestern ein Minenwerfer zer- schössen wurde..Zuerst kamen wir durch zierlich ausgeslochtene, ver- lassen« französische Gräben und dann in das Lager der Elsässer. Die Sammelkommandos waren schon wach und suchten alte Lumpen, Stiefel und Metallstücke zusammen für den Rücktransport nach Deutschland. In der Front darf nichts umkommen, lieber, junger Freund, kein Stiebel und kein Spaten, und wenn ein Kamerad siel, dem haben sie auch noch den Rock ausgezogen. Ohne Rock kommt ein richtiger Soldat auch i» den Himmel, was sollten sonst die armen Muschkoten tun, die keine Beine oder keine Köpfe mehr haben? Wir waren bald naß bis auf die Knochen, und der Unteroffizier Meyer, der in unsere Kompagnie strafversetzt war, weil er früher ein linkes Arbeiterblatt, die Berner„Tagwacht" gelesen hatte. Herr Meyer begriff den Zug der Zeit und war stolz auf den Orden, den er gestern bekam, auf die Verdienstmedaille war er stolz und wurde deshalb eine Dienftkanaille. Er gönnte uns keine Minute Rast bei der scheußlichen Arbeit, aus dem Trümmerhaufen die zerfetzten Leichname dreier Minenwerferfoldaten auszugraben. Nur die Franz- männer gönnten uns ab und zu Ruhe, sie schössen nämlich Minen, junger Herr, und da warfen wir uns in den blutigen Dreck und warteten, bis alles vorüber war. Ich will mit der Beschreibung unserer Gefühle nicht länger aufhalten, mittags um 1 Uhr rückten wir in das Lager ab. Wir krochen in die Unterstände, aßen, tranken, verdauten, spielten Karten, lausten uns, jagten nach Ratten und schössen sie über den Haufen, haßten uns, weil wir zu enge wohnten, und warteten auf den nächsten Tag. Vom nächsten Tag ist nicht viel zu berichten. In der Nacht hatte es geschneit. Zwanzig Mann stark marschierten wir zum Bahn- hos„Barrikade". Beim Antreten begann der Franzmann unser Lager zu suchen, schoß sich gut«in und ein Granatsplitter traf chen Unteroffizier Müller in den Rücken und fetzte dos Herz dem Mann an der Brustseite heraus. Er war sofort tot. Wir gingen zur Arbeit und schleppten vier Stunden schwere Zentnerminen, kamen an dem Werferstand von gestern vorbei, der neuausmontiert war und schon wieder Minen zum Franzmann über die Berge hustete. Dem Werfer gegenüber lag ein alter Franzosenfriedhos unter schwerstem Feuer. Alle Gräber waren schon zerschossen, aber ein blinker, unversehrter Grabstein leuchtete in der Sonne. Di« Franz- männer dachten wahrscheinlich, dort habe sich ein Beobachter von uns eingebaut und funkten nun auf Teufel komm raus in die eigenen Grüber. Unsere Werfer gaben krachende Antwort, und wir liefen, auf dem Buckel hochqualifizierten Sprengstoff, keuchend durch das absolut nicht lieblich« Konzert. Ein Mann unserer Kolonne stürzte auf dem Knllppelweg und verstauchte sich den rechten Fuß. er durste ins Lager zurückhumpeln und bekam fünf Tage Schonung. Wir hatten keine Schonung, wir mußten unsere Minen schleppen. Als wir in das Lager kamen, schneite es nicht mehr. Der Unter- offizier Müller, der Mann ohne Herz im wahrsten Sinne des Wortes, log steif und starr in einer Zeltbahn und wartete auf das Grab. Kurz vor dem Begräbnis stahl ihm ein unbekannter Soldat die fast neuen Schnürschuhe. Er tonnte sie, da er lebendig war, noch lebendig, viel besser gebrauchen als der Tote. Der dritte Tag, der letzte Tag für Sie, junger Kriegsschwärmer. lieber, alter Herr von wegen Stahlbadl Wir treten mittags um 12 Uhr an. Der Herr Hauptmann der Nachbarkompagnie ist. weil die Franzmänner unser Lager gefunden haben, plötzlich krank ge- worden und nach der Etappe abgehauen. Der Herr Hauptmann! öei hugenbergs. iNew Bork kühl.--- na also, überschreiben wir: Bcgeisterkes Wellecho der hindenburg-Rede." Dieser Herr Hauptmann! Wir kannten ihn gut. Einmal wurde fünf Kilometer links von uns gesprengt, er ließ seinen Graben besetzen und hielt vorher folgende Rede:„Tag, Kompagnie. Rührt euch. Es geht jetzt los. Ihr müßt euch bereit halten. Ihr seid junge Kerle, und für einen jungen Kerl von 20 Jahren muß es ein Vergnügen sein, in die Luft zu fliegen. Stillgestandenl Wegtreten!" Und als dann nach der blödsinnigen Besetzung ein Mann fiel und begraben wurde, lieh er seine Leute nochmal antreten und verzapfte folgenden Mist: „Tag, Kompagnie. Stehen heute ergriffen am Grab von Kamerad Metzger. Er fiel und starb ehrenvollsten Tod. Wie es heißt im alten Lied: Heute rot, morgen tot. Stillgestanden! Wegtreten!" Er trat auch weg, lieber, junger Kriegsschwärmer, aber er trat weg, ehe er tot war. Er trat weg, als er noch rot war... Vier Stunden hatten wir gearbeitet, vorn in der ersten Linie, da setzten die großen Sprengungen ein. Ich hatte das Gefühl, als taumelten die Hügel, es war, als fielen die Berge in die verschlammten Täler. Wir verkrochen uns in alt« Laufgräben. Die Sanitäter kamen mit schwankenden Bahren und ersten Verwundeten. Ein junger Soldat, ein halbes Kind noch, ein Kriegsfreiwilliger, rannte mit irrsinnigen Augen an uns vorbei. Er war barhäuptig, und das helle Blut rieselte aus seinem Mund. Dann kam der Kampf um die Sprengtrichter. Wie im Spiel wirbelten die Handgranaten von beiden Seiten, explodierten, krepierten dunkel und dumpf, Maschinengewehr- feuer hämmerte wahnsinng dem rauchenden Krater zu und dann nahmen die brüllenden Haubitzen und Langrohrgeschlltzc das Wort. An Arbeit war nicht mehr zu denken, wir liefen nach dem Lager und wurden am Abend angepfiffen, weil wir ohne Befehl die Stellung verlassen hatten. Der Tag war regnerisch. Der Abend war mond- hell, ausgeregnet und schön. Das, meine Herren, sind nur drei Tage in zarten Umrisien aus dem Blutgemälde von vier Iahren. Rohmaterial, das ich ausbreite und das mit dem Mord und dem Derbrechen auf du und du steht. Da sprangen mir Augen und Ohren auf, Herr Doktor, und da ent- deckte ich auch meine kriminalistische Begabung. Damals mußte ich sie unterdrücken, denn Mord war staatlich anerkannt und Verbrechen erwünschte Tugend... Ich hätte auch eine Schlacht schildern können, junger Herr," wandte sich Hammer an den Jüngling,„aber vielleicht hätten Sie habei an heroisch« Dinge gedacht und nicht an die zer- fetzten Minenwerser, an die ekelhaften Ratten, an die trostlose Ge- meinheit mancher Offiziere und Feldwebel, an die schwere Arbeit, an den Hunger und an die Läuse. Was wissen wir überhaupt noch vom Kriege?" schloß, an alle gewandt, der Reporter sein« Erzählung. „Wir haben alles vergessen und nichts dazu gelernt. Kleiner Bauch- schuß gefällig im nächsten Kriege, 5)err Ctudienrat? Netten, hübschen Typhus, Herr Baumeister? Was meinen Sie zu einer Gasvergiftung, Herr Doktor?" Keiner der Herren antwortete. Das drückende Schweigen zer- stieß der Reporter, indem er schnell aufstand und sich verabschiedete. Als er gegangen war, erschien auch Frau Laura mit ihren Freun- binnen wieder. Bald plätscherte das Gespräch in wohlgeordneten Bahnen. Pon Karl Hammer wurde, wie auf geheime Verabredung hin, kein Wort gesprochen. Nur der junge Mensch namens Wilhelm dachte an ihn und nahm zögernd das silberne Abzeichen seines Wehr- bundes von der Brust. Rauhe StuSentensitten. Zum Jubiläum der Universität Upsala. In Schweden feiert man das 450jährig« Jubiläum, der Unioer- sität Upsala: aus diesem Anlaß sind viele lustige und merkwürdige Dinge aus der Geschichte der Universität bekannt geworden. Der wißbegierige Jüngling, der im 17. Jahrhundert aus seiner fernen Heimal die weite Reise nach Upsala anzutreten hatte, zitterte weniger vor den Räubern, die damals die Wege unsicher machten, oder vor dem Eintrittsexamen in die.Alma mater, als vor den Prüfungen, die er zu bestehen hatte, um in den Kreis der Studenten aufgenommen zu werden. Dazu gehörte zu allererst die sogenannte „Deposition" oder das„Ablegen derHörn« r". Dieses Narren- spiel wurde als festlicher Akt in einem der akademischen Säle in An- Wesenheit der Profesioren, der Ehrenbürger der Stadt und der ehr- würdigen Frauen abgehalten. Die jungen Leute wurden von dem Depositor, der die Zeremonie leitete, in Lumpen gehüllt. Ihr Gesicht wurde geschwärzt, an ihre Kappe wurden Eselsohren und Hörner angebracht und in den Mund Schweinszähne gesteckt. Dann wurden die angehenden Studenten von dem Depositor in den Saal geführt, wo die Zuschauer schon ungeduldig warteten. Mit närrischen Grimassen schimpfte der Depositor die zukünftigen Studenten aus, ging aber allmählich in einen ernsteren Ton über und sprach von den Fehlern der Jugend. Dann stellte er viele Fragen, die schwer zu beantworten waren, da die Schweinszähne am Sprechen hinderten. Die jungen Leute grunzten wie Schweine und bekamen dafür Back- pfeifen. Schließlich wurden die Schweinszähne mit einem Hieb entfernt, um anzudeuten, daß„das Tierische den angehenden Studen- ten verlassen habe". Ebenso grob befreite man die jungen Burschen von den Eselsohren und den Hörnern, dann durften sie sich waschen und anständige Kleidung anlegen. Erst nach dieser„spaßigen" Zerc- monie, für die den älteren Kollegen noch„Waschungsgelder" gezahlt werden mußten, gehörte man zu den akademischen Bürgern der Universität. Wurde das Geld nicht bezahlt, so wurde der Neuauf- genommene von den Kameraden so lange mit Ausrufen gehänselt, bis er sein« Schuld beglichen hatte. Nach der Deposition wurde ein großes Trinkgelage abgehalten, bei dem der Neuling unaufhörlich in den Keller laufen mußte, um Bier für die Gesellschaft zu holen. Damit alles„ordentlich" verlief, wurde über jede Zeremonie ein genaues Protokoll angefertigt. Mit diesen beiden Prüfungen hatten die Leiden der Neulinge aber noch nicht ihr Ende erreicht; sie mußten nämlich in den nächsten neun Monaten noch verschiedene Dienste verrichten und vor allen Dingen den älteren Kollegen aufwarten, um„dabei Höflichkeit zu lernen". Nur adlige Studenten genossen einige Erleichterungen. Erst gegen das Ende des 17. Jahrhunderts wurden diese Bräuche all- mählich gemildert, und die Studenten widmeten ihre freie Zeit würdigeren Dingen._ Die sauerste Seere. Bonbons und Tinke aus denselben Arüchken. Die hochroten Beeren, die in zierlichen Träubchen jetzt die Berbe» ritzcnsträucher oder den Sauerdorn bedecken, können sich tatsächlich „rühmen", die sauersten unter den Beerenfrüchtcn der deutschen Flora zu sein. Sie führen daher den Namen„Essigbeeren" mit vollem Recht, denn sie enthalten soviel Apfel- und Zitronensäure, daß man mit einem halben Liter Berberitzensast die zweihundertsache Menge Trauben- oder Obstweins in Essig verwandeln kann; aus keiner anderen Frucht vermag man auch nur annähernd soviel Säure zu gewinnen. Gleicht man die allzustarke Säure in den Beeren, die übrigens nach einem leichten Frost wesentlich süßer werden, durch reichlichen Zuckerzusatz aus, so liesern sie sehr schmackhafte Marme- laden: die Berberitzen können auch süßen Fruchtmusarten beigemischt oder zur Herstellung erfrischender, süßsäuerlicher Fruchtbonbons ver- wendet werden. In Schweden verwendet man den Berberitzensaft besonders gern zum Würzen des Punsches, ein Rezept, das von dem berühmten Botaniker Linnä stammen soll, der als erster auf die Ver- wendbarkeit der Berberitzenbeeren aufmerksam gemacht hat. Für den Chemiker besitzen die Berberitzen insofern Bedeutung, als er ihnen die sehr wertvolle Apselsäure entzieht. Wird der Saft der Berberitzen mit Alaun verkocht, so erhält man eine gute Tinte. Der Berberitzcnstrauch ist auch in seinen übrigen Teilen gut zu verwcn- den: man gebraucht die Blätter, den Bast von Ast und Stamm, das Holz und sogar die Wurzeln. Aus den jungen Blättern kann man ein Gemüse bereiten, dos im Geschmack au Sauerampfer erinnert, der Bast des Stammes und der Aeste dient zum Gelbfärben, das Holz liefert ein ganz vorzügliches Material für Drechslerarbeitcn, und aus der Wurzelrinde werden Medikamente hergestellt. Ihren Namen ver- dankt die Berberitze ihrer Heimat: sie stanimt nämlich aus der Ber- berei, dem nordwestlichen Teil von Afrika und ist über die Mittel- mceriänder nach Deutschland gelangt. Trotz seiner vielen guten Eigenschaften ist der Berberitzenstrauch aber auch em recht gefürchtetes Gewächs, weil er die Nährpsianze des gefährlichen Getreiderostes ist und daher vor allem aus der Nähe von Getreideseldcrn entfernt werden muß. Schon bevor die Wissen- schaft festgestellt hatte, daß die gelben Flecke auf der Unterseite der Berberitzenblätter Rostsporen sind, die durch den Wind auf Getreide- Halme übertragen werden, hatte das Volk die Schädlichkeit des Berbe- ritzenstrauches für die Getreidefelder erkannt. Im 17. Jahrhundert wurden in Frankreich, später auch in Amerika und in Deutschland, Gesetze erlassen, um den Berberitzcnstrauch überhaupt auszurotten. Eine völlige Ausrottung des Strauches ist aber überflüssig: nur in der Nähe von Getreideseldcrn sollte der Strauch in einein Umkreise von etwa dreihundert Metern entfernt werden. Vögel als Bauchredner. Einer der Vögel, über besten Lebens- weife wir wegen übergroßer Seltenheit nur lückenhaft unterrichtet sind, ist der Leierschwanz Australiens. Das Männchen ist bei diesen sasanenähnlichen Vögeln durch vier leicrförmige nach außen gebogene, etwa drei Viertel Meter lange Schwanzfedern gekennzeichnet. Dem kräftig entwickelten Smgmuskelapparat entsprechen auch die Lcistun- gen dieses Singvogels. Der gewöhnliche Lockruf ist außerordentlich durchdringend schrilf und weitschallend. Der eigentliche Gesang dagegen ist merkwürdig leise. Di« lebhaften, verworrenen Strophen lassen sich nur dann hören, wenn man dem Vogel ganz nahe ge- kommen ist. was bei seiner großen Menschenscheu allerdings recht schwierig ist. Man hat diesen Gesang geradezu als„Bauchreden" bezeichnet, da er aus großer Tiefe zu kommen scheint. Ueberraschender ist jedoch eine andere Fähigkeit der Leierschwänze: sie können alle denkbaren Töne und Geräusche nachahmen und stellen, nach über- «instimmenden Berichten der Australienreisenden, die geschicktesten Tierstimmenimitatoren dar. Ein Papagei oder ein Star können sich mit ihnen überhaupt nicht vergleichen! Leiervögel, die nicht allzu- weit von menschlichen Siedlungen leben, also Gelegenheit haben, allerhand.Lulturlärm" zu vernehmen, hört man wie Hunde bellen, sie lassen menschliches Lachen oder Kindergefchrei ertönen, das schon manchen Neuling in diesen Gebieten in Verlegenheit versetzte: selbst Motorengeknatter und Kreischen von Sägen ahmen diese„Ton- künstler" auss trefstichste nach! Zur Brutzeit wird dieser Nach- ahmungstrieb noch stärker: die brütenden Vögel vollführen dann den denkbar größten Lärm, so daß man riesige Scharen singender Vögel in den Wäldern vermuten könnte; dieses Massenkonzert wird jedoch nur von wenigen Leierfchwänzen vollführt. Wß A«. r ÄN. c- MM /�/'/ c/6/77 Aufstreben des vor 35 Jahren kleinen Ortes Schöneberg zur heutigen Millionenstadt hat mein Kaufhaus in der Entwicklung gleichen Schritt gehalten. Meine durchgreifenden Einkaufsmethoden Im Zusammengehen mit ersten großen Firmen bei nur allerersten Fabrikanten verbürgen un vergieichlicheLeistungsfähigkeit Aus den gewaltigen Warenmengen nur guter Qualitätswaren einige Beispiele; Seidenstoffe I Kleiderstoffe\ Mantelstoffe> ..... fkQK= Oiil In i/o p-c fn§9 KS O= nisrh&scn. mint* Gairln f%ac S KSpSmFaCOnne eleginte Klelderwart Sjg in modernen Farben................ Mtr. D Taffet-Chiffon relneserde, SOcmbr., S Compos/e einfarb. und moderne kleine Karos.•. Mtr._ 1 Veloutine sei*» wen».*<» gros, ßso| Rips-Popeline Z Mode. ca. 100 cm breit............... Mtr.= Wolle In neuen Herbstfarben.. iiiiiiiiiiiiiiiitniiiuiiitiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii MimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiHiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiimiiiiiiiiiiu = PuHOV&r für Damen, schwere K2BS5 i ?! Jacquard- QuaHtä t mit Kragen u. Gürte!" iiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiuuii Ass| Pulloverstoff S8Pf. 1 Duchesse, reine Seide Aso Z S Strickstoff-Imitation Mtr.' D fOr Futterzwedse besond, geeignet, 70 cm breit.. Mtr. 5 so| Popeline rem» won». m'gas i Linden.- Chi ff on-Velvst O9o| ~ vielen Farben................... Mtr. W elegante Kleiderware, florfest........... Mtr. 040| Velour de laine — reine Wolle, der bewährte Winterman 130'.cm breit, reine i. Mtr, ' ca. 140 cm breit, = reine Wolle, der bewährte Wintermantel..... Mtr. Darmn- Ko .............................................................................. I Morgonroch aus gutem bäum- O.SO 1 E wollen. Flausch mit ebf arbiger Blende*** riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiuiiT Taffet-Stll-KleicS Form, relch'm. Ruschen u. seid. RSschen-Gam. flotte Jugend!. Stil-Kleid Taflet, fesche, hochmod. n fso Form, reich mit Gold-Metall-Elnsatz u. Spitze»» Nachmittags-Kleid aus hochmod. Veloutine, Rock mit eingelegten O Falten, Bluse schmale Biesen........ dm V Q75 i Jumper-Blusen MÄ ms &~ etoffen, teils ganz z. KnSpfen, teils Schlupf form 4Ce | Jumper-Blusen ÄS gss = gut» Qualität auch für starke Damen..... HF | Jumper-Blusen rein» won», qsq S neueste Wickelform m. neuart. Bubikragen, � in praktischen gedeckten Streifen,••«••• S MQirbStfTB&mtOJ aus reinwollen. == Phaniasiestoffen mit seitlicher Faltengarnitur MachmHtaas-Kleld*% jiso i Backfisch-Paletot______ aus gutem Crepe de En», mit langem Arm 24| IS™ 1 C1UO» OIUCJI■->,>a V�uaf..»//. tsyai s. is.u,.. i t'..jj v.•. Manschetten- u. Vordergarn. i. neuest. Modelarb. Ottomane-Mante! EE ä6/5 im it. Pelzbesatz, reich. Hohitressengarnit | Tuchmantel beliebt» Frauen- EE- /o/vn, in großen Weiten........... i Jumper-Blusen aus relnse,d. Ö OSO— Crtpe de Chine mit Fältchen-Garnitur, langem 4 07S «&= Arm, In modernen Farben........... f pniuniiiiiiiiiniiiiiiiimiiiiiiimiiiiiiiiiiiinnniiiiiiiiiii�iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiiiifiiiiyijiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiininiiiiiiiiiiiifi� I Damen-Hüte I£©/d- und Hauswäsche 1 Gardinen = Jugend!. Fllzhut, gesteppt = in modernen Farben....... D Kleidsam» Kappe aus =■ Samt sehr mit neuartig. Federgarn. = Frauenhut aus Filz, große = Kopfweite, In allen Farben... ü Samtkappe fesche Jugend- 3 Uche Fasson, zweifarbig..... H Samtkappe flott gesteckt, = mit seidenem Bandrand u. Agraffe 3 Hochmod. Hut neue Kom-. r. Kr, D bination von Filz und Samt,,. 13 = Taghemd Wäschetuch, so- in— 3 Ude Qualität, mit Stickerei... SO Pf. = Hemdhose moderne Form, 3 in vielen Ausführungen...... 1 = Komplett künst/.Seldem. breit, f. jr- 3 Spitze garniert. In vielen Farben O = FroWer-Tuch Grüße«/so,__ 3 weiß mit roter Kante...... tS5 Pf. = Frottler-Tuch Grüße somo, tt7S U schwere Qualität, mit Buchstaben M 3 Frottler-Tuch Grüße sonoo, = bes. schwere Qual, m. färb. Bord.# ujltlir Wäschetuch SO cm breit,__ mlttelfädig........ Meter 40 Pf Linon für Deckbetten, 130 cm— breit........... Meter 95 Pf. Bett-Bezüge ca.? m lang,___ zum Knüpfen.... Stück 4,60 3 Garnitur Deckbett m. 2 Kissen r,QK Bettsatin, gute Qualität, 13,50 O Bett-Laken ca. 2 m u. 2.10 m lang......... Stück 8.75 lcu Handtücher vollgebleicht 0_ besonders gute Qualität, Stück 85 Pf, 3 Etamine f. Scheibengardln.,__= 3 apart» Streifen..... Meter 35 Pf,= = EtamlOO ISO cm breit, ka-—— S 3 riert........... Meter Ov/V. 3 3 Spannstoff doppelt breit,__ 3 3 aparte Muster...... Meter 95 Pf.'=■ = Halbstore arab.- fe/A. Ton 3 5 m/t langer Franse........£> 5 = Künstler-Garnitur F/ügei 3 3 und Behang mit hohem Volant. 9~ 3 Madras-Garnitur cfunkei- 3 3 grundig, Behang mit Perlfransen H-O= Jeder Käufer erhält ein Geschenk! Beginn: Montag, den 19. September SC •.hGneb netHCani arg, Hauptstraße 16 Verkäufe Beachtenswert! Deutsches Tevuichhaus Emil Lesivre seit I8SZ nur Oranien strake 158. Zlcinerlci Be,iehungcn zur lsirma alcichen Namens Potsdamer- ttroke' Wachhund(Schäfer) verkauft Stein, Wilhelmshavenorstrage Z2.> Se>>eiä'tNZ55lül'Ke�ii!cMu5F Wenia»elragene ssrackannilg«. Smo» kinaan�iiae. Gcheockautiiiae, Iachettan» zllge. Eavardinomantel, Gummimäntel. Eulawav-Anziige Taillenmäntel, silr sede Kigur paisend. Spezialität: Bauch. anzllge, ipottbillla Halpern. Rosen» thalerslraße 4, erste Etage._• Lerlcih von hocheleganten Gesell» schastsanzugen. Rolcnrdalerstraste 4, Norden KZgZ. Günstiger Pclzwarenvorlaus, Große Passage, Lade» Nr. g, Friedrichstraße. Ueberbringer dieses erhält 2g Prozent. Belle-Alliance. Möbelhaus, ssriedrich. straße 248, nur Etage, Seltenes An- cbot. ein großer Posten gediegener iimmereinrichtungen zu labelhast bil- igen Preisen. U. a.: elegantes Speise, immer. Bllfctt l,80 breit mit großer Mahagoni-Kristalloitrine. herrliche In- tarstenarbeit nur ZW,—. Chippendale- Speisezimmer, KUustlcrentwurs, BUfett 2, lg breit, 450,—: dasselde Zimmer mit 2�g breitem Büfett 875,—. Scrren- zimmer von 295,— an Darunter ein schweres Serrenzimmer mit Bibliothet, 2,10 breit., nur 85g,—. Schlafzimmer in sauberster Verarbeitung, Eiche und Mahagoni, von 490,— an. Trotz des billigen Angebotes bequeme Zahlungs- erleichterung. Langjährige Garantie.* Patentmatratzen,„Primisflma".Mctall. betten, Auklegematratzen, Chaiselongues. Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spezialgeschäft.__• Fünsundsechzia Schlafzimmer, Ruhe- betten, Schlasseh'el, herabgesetzte Preise, Zahlungserlcichterung. Kamerling. Ka. stanienallee 58> Rur Rehfeld, Badstraße ZI, liefert reelle Tischlerarbeit, keine Auktions- Möbel, auch unter Zahlungserleichterung frei Haus. Beim Kauf von 100,— an werden 5,— Autogeld vergütet. Achten Sie auf Hausnummer 34,• Rur Rchfeld, Badstraße»4(Lade»), liefert Schlafzimmer, echt Eiche, großer Ankleidcschrank mit Spiegel, zwei Bett- stellen mit Auslage, zwei Nachttische mit Marmor, eine Waschloilctte mit Spiegel für 245,-, 425,-, 475,- usw. Hausnummer achten._• Rur Rehseid, Dadstraße Z4, lieferl Ankleidcschränke. sourniert, dreiteilig, 79,—, mit Spiegel 98.—. 125,— usw. Englische Bettstellen mit Patent- Matratzen, dreiteilige Auflagen, 49,50. Große Waschtoilctten mit Spiegel 79,—, Nachttische 14,50, Apotheken 11,50, Hausnummer achten Nur Rehfcld, Badstraße 34. liesert Ruhebetten, nagelneu. 27.—. Plllsch. sofas, Garanticarbeit, 98,—. 120,—. Auilcgematratzen 9,75, 12,—, 18,—. Patentmatratzen 11,—. 14,—, Auszieh. tische 29,—, 38,—, Rohrstühle 5.95. 8.75 Sausnummer achten,» Rur Rchfeld, Badstraße 34(Laden), liefert Speisezimmer mit BitrinenbUlett, Kredenz, großen Ausziehtisch, echte Lederstllhle. alles mit säiwere» Schnitze- reien in bester Ausführung. 388,—. 475,— usw, Herrenzimmer: Bücher- schrank, Diplomat, runder Tisch, echte Lederstühle, Ledersessel, 275,—. 395,— usw. Hausnummer achten.» Rur Rehfeld, Badstraß, 34, gutlackierte Küchen 89,—. mit Anrichte 108,—, 125,— usw, Kordmöbel sehr billig, Kleider. schränke 49,—, 88,—, Standuhren 98,—, 420,— Metallbettstcllen, ezirastark, mit Messing 29,50,_ Hausnummer achten.' Rsssicn, Möbeltischlerei, Kastanienallee 57. Noch diese Woche zu alten Preisen die ungewöhnlichen Cxtraan- geböte in Schlafzimmern. Kommen Sie bitic sofort zu uns. Die Riefen- auswghl und billigen Preise werden Sie in Erstaunen setzen. Aus Wunsch Zah- lungserleichtcrung. Achten Sie genau auf Firma Nofsten und Hausnummer, Kastanienallee 57.» Rofssen, StSbeltischlcrei, Kastanien- allce 57. Große Gelegenhcitsposten zu fabelhaft billigen Preisen. Englische Bettstellen mit Auflagen und Patent. boden 80,—, Standuhren mit Rund- topf 75,—, Ruhebetten 30,—, Klubsessel 82,—, weißer Ankleideschrank 78,— nur bei Rossscn, Möbeltischlerei, Kastanien, allee 57,» f Schlaszimmer, Ankleideschrank 188 breit, dreiturig, schwere Ausführung, voll verarbeitet, komplett 425,—, Speise- zimmer, echt Eiche, 285,—, Serrenzim- liier, komplett, echt Eiche, 285,—. An- richtekllchen, ssebenteilig, mit Linoleum, lasser! und lackiert, 88,—, Möbel-Magazin, Invalidenstraße 131, Haltestelle Stettiner Bahnhof._* Ausnahmc-Angcboic! tatsächlich allnstigen Preisen nur Möbel-Magazin. Invalidenstraße 131, Haltestelle StcUincr Bahnhof. Stammhaus Riigenerstraßo 13. Polierte Schlafzimmer in Nußbaum, Eoldbirke. Mahagoni 830,—. birkene Eß. zimmer, Möbel-Magazin, Invaliden- straße 131. Haltestelle Stettiner Bahnhof. Ankleidelchränke, sournierte, 150 breit, dreitllrig, mit Wäscheabtcilung und Spiegel 98,—. Englische Bettstellen, komplett, 55,—, Waschkommoden mit Marmor und Spiegel 78,—. Nachttische mit Apotheken 27,— Moketlesofa 65,—. Chaiselongue 18,— Standuhren 68,—. Diplomaten 52,—. Dierzuatischc 78,—. Riesenauswahl in Einzelmöbel, kom- plette Einrichtungen, Rcnaissanccmöbel, Zahlungscrleichterung. Möbel-Magazin, Invalidenstraßs 131. Laltestelle Stetti, ner Bahnhof.' Gelegenheit. Bllfett 75,—. Umbauten 38,—, Nußbaum-Schreibtifche mit Aut- fgtz 35.—. Kleiderschrank 18,—, Bertiko 15,—. Kiichrn 24,—. Bettstellen 15,— Waschtoilettcn mit Marmor 14,—. Möbel-Magazin, Invalidenstraße 131, Saltestelle Stettiner Bahnhoss_* Fiinfur.dfünfzig Serrenzimmer, Leder- sofas. Ledersossel, Klubtische, herabgesetzte Preise. Zahluugserleichterung. Kamer- ling. Kaflanienallec 58.' Mictpsanos, teilweise Kausanrechnun» T«:!z«h!una. Bahrt. Sauplstraße 1. Eck« Grunewaldstraß!.__• Pianos. Flügel, neu und aeoße Auswehl, langiöhrige..... 50,— monatlich, verkauft Augenblick, Königaiääerstroße 81. gebraucht Garantie. Lintpianos, überaus vreiswert. Piano, kabrik Link, Brunnenstraße 35,' Zahngebisse, Silbersachen, Zinn. Blei Ducckiilber Doldschmelze Ehristionat Kövenickerstraße 39 lAdald�rtstraße),' Fahrräder, erstklassige Markenräder, Teilzahlung, Fahrrodhaus Centrum, Linicnstraße neunzehn. 2,58 wöchentliche Teilzahlung Erst, klassige Fahrräder. Fahrradhaus Elch, Ehausseestraße 91.» Unterricht Richter» kaufmännische Privatschulen, Lichtenberg, Reue Bahnhofstraße 7a, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg, An» drcas 2898, und Steglitz, Albrecht» straße 123, Fernruf 138, Jahres-, Halb- iphres- und Bierteljahreslurse. Beginn Oktober, Schnellfördcrnde Einzelfach. und Prxvatkurfe monatlich und täglich beginnend. Anmeldung jederzeit.' Rackoa'» kaufmännische Privatschulen W, und vr. A, Rackow, Wilhelmftr, 49. nahe Leipzigerftraße, Tauentzienstraße l, Alexanderplatz 50.— Am 8. und 10. Ok- tober beginnen besondere Vierteljahres., Salbjahrcs- und Iahreslehrgänge zur taufmännischen Ausbildung für junge Damen und Herren mit einfacher oder des Ostens, Frankfurter Allee 48, Säle frei 250 bis 800 Per- fönen. Anruf Andreas 4208. Vermietungen Mielgesuche 2— Z-Zimmcr-Woh-ung, Norden oder Osten Berlins, bzw. Pankow, Nieder- jchönhaufen oder Buchholz, per sofort oder 1. Oktober 1927 beziehbar, gegen Baukostenzuschuß gesucht. Angceote unter T. 1 an die Erpedition dieses Blattes. Arbeitsmarkt Sroßschlosscrci sucht energischen Werk- Meister mit etwas Kenntnis im Zeich. ncn. Es kommen nur Herren in Frage, die ähnliche Stellungen in gleichen Bc- trieben- innehatten. Offerten erbeten an Otto Lubitz, Neue Königstraße 85. rung sllr leben Betrieb, Rechnen, zror. respondenz, Wechsellehre, Stenographic, Maschinenschreiben, Schönschnellschreiben, Deutsch, Fremdsprachen, fremdsprachliche Stenographie.» Verschiedenes vertrauensvolle Auskunft, Unter- suchung(ärztlich). Frau Erdmann, Köpe- nickerstroße 151. rechter Bordcraufgang I Treppe. Nähe Schlessscher. Görlitz-r Bahnhof.» Saalbau Alpe» dars. Invaüdcnsti� 63! Lehrter Bahnhof. Jeden Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Großer Ball. Treffpunkt der Strohwitwer. Erstklassige Etimmuiigskapellc. Tüclitjgs im stellt zur Beschäftigung in Ost- und Westpreußen ein David Grove A.-G. Alienstein, Moltestrasse 8