!Tr. 448 ♦ 44. �ahrgattg Ausgabe tk Nr. 22S Morgenausgabe Groß-Berlin 10 Pfg. Auswärts RS Pfg. Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig mowatlich S- Zieichsmor! voraus jofeHwi. Unter Ctreifbant im In. und Ausland SLti Reichsmart vro Monat. ?er„Vorwärts' mit der illustrier. ten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit' sowie den Beilagen„llnterhalwng und Wissen',„Aus der Mlmwelt". .Iraucnstimm«',„Der Kinder. freund".„Iugend-Vorwärts",„Blick in die Biicherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei. mal, Sonntags und Montags einmal. Telsgvamm-Adresset .Sozialdemokrat SetHa** Revlinev Volksvlakt Anzeigenpreise: »ie eiusvaltt«« Nonvareille. »eil« M Pfennia. ReName, eile 6/— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" dos fettaedruckte Wort 25 Pfennia kzulällia zwei fettaedruckte Worte). ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennia. Worte über 15 Buch. stoben»äblen für zwei Worte. Arbeitsmarkt steile K0 Pfennig. lsamilienanzeigcn Mr Abonnenten geile iO Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft. Lindenstraß« S. wochentäglich von S'.b bis 17 Uhr. �entralorgan der Sozialdcmohratirchen parte» Deutfcblands Neüaktion und Verlag: Serlin EW. SS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297, vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SW. öS, Linden str.Z Postfchecktouto:«erlia S7 55«- BanNonto! Bant der Arbeiter. Angestelte» und Beamten, vaststr. Kt»istonto.Sesellchaft. Depssttenkasse Liudenftr. 3. Wilhelm telegraphiert wieder. Allerhöchste Auerkeuuuug für Hiudeuburg.- Alles in SEINEM Auftrag. Der deutschen Republik fft Heil widerfahren. S. M.. Wilhelm, Imperator Rex, hat an ihren Präsidenten ein überaus gnädiges Allerhöchstes Telegramm zu senden geruht. Dies geschah am Tage der Tannenbergfeier, Sonntag, den 18. September. Die offizielle Festbericht- crstattung hat von diesem Telegramm nichts gewußt. Die ».Kreuz-Zeitung" erwirbt sich das Verdienst, das unschätzbare Dokument für die Weltgeschichte zu retten. Wir geben es in der Orthographie des genannten Blattes wieder: Bei der heutigen Weihe des Denkmals für die Schlacht von Tannenberg bin 3 ch in tiefer, unauslöschlicher Dankbarkeit bei allen denen, die zu diesem gewalkigen Eannae beigetragen haben. Bon Mir mit dem Austrage entsandt. Ostpreußen, koste es. was es wolle, vom Feiud zu befreien, gelang es Ihrer und des Generals Ludendorff überlegener Führung, unter- flüht durch die hingebende Mitwirkung Ihrer Unterführer und Ge- Hilfen, die meist der Schale Meines alten Generalstabschefs. des Grafen Schlleffeu, entstammten, mit unseren unvergleichliche«, von Opsersreudigkeit und Tapferkeit beseelten Truppe» diesen Herr- lichen Sieg zu erkämpfen. Tannenberg zeigte der Welt von neuem. wozu deutsche Kraft unter starker zielbewußter Führung fähig ist. Möchte der Heldengeist von Tannenberg unser zerrissenes Volk durchdringen und einigen! Dann wird er wiederum Wunder wirken, und die Tapseren. denen heute das Denk- mal ersteht, werdeu nicht umsonst gefallen sein! Dann wird es m i l Gottes Hilfe wieder auswärts gehen. gez. Wilhelm, I. R. Das hat gerade noch gefehlt! Der hat gerade noch gefehlt! Zur Siegesfeier der geschlagenen Generäle meldet sich auch noch der davongelaufene Monarch. In der Republik ist ein Denkmal errichtet worden den „für Kaiser und Reich gefallenen Kameraden". Der Mann, für den sie gefallen sind, stellt sich in die Sonne des Ruhmes. Alles geschah in SEINEM Auftrag. ER hat befohlen und man hat gesiegt. ER hat befohlen, und man ist gestor- den. ER aber lebt— und nicht schlecht— und telegraphiert. Der kaiserliche Generalfeldmarschall, Präsident der Re- publik, hat von deutscher Unschuld am Weltkrieg ge- sprachen. Der kaiserliche Unschuldsengel stellt sich in diesem Augenblick breit vor ihn. Es ist wahr: er hat den Weltkrieg nicht„gewollt". Denn was bei gesunden Menschen der Wille ist, das hat diesem von krankhaften Wallungen getriebenen Schwächling stets gefehlt. Stets schwankte er zwischen frevlem Uebermut und seelischen Depressionen. Und so hat er auch erstzumKriegOester- reichs gegen Serbien gehetzt. Dann als er sah, was er angerichtet hatte, da verließ ihn für eine Weile seine takt- lose Großmäuligkeit, da bekam er es mit der Angst. „Deutsche Kraft unter zielbewußter Führung"— diese Worte wagt ein Mann in den Mund zu nehmen, dessen ziel- lose Führung zur größten Katastrophe der Weltgeschichte geführt hat. „Jetzt oder nie!" lautet die Parole dieses Mannes, wie er vom Attentat von Sarajewo erfährt. Der deutsche Botschafter in Wien warnt vor übereilten Schritten. Der Kaiser faucht ihn an: Wer Hai ihn dazu ermächtigt? Tschirschky soll den Unsinn gefälligst lassen! Mit den Serben muß aufgeräumt wer- den, und zwar bald. Der Konflikt spitzt sich zu, die kaiserlichen Randbemerkun- gen in den Akten steigern sich: Immer feste dem Gesindel auf die Füße getreten! Und es bleibt nicht bei allgemeinen Redewendungen, es folgen auch„praktische Anweisungen", wie man einen Krieg am schnellsten fertigbringt: Den Sandschak räumen, dann ist der Krakeel fertig! Oesterreich kann ihm gar nicht geschwind genug mar- schieren. Graf B e r ch t o l d, der österreichische Außen- minister, hat— am 24. Juli— den russischen Geschäftsträger zu sich gerufen, um ihm seine„guten Dispositionen" zu zeigen. Dazu bemerkt Wilhelm II.: Gänzlich überflüssig. Wird den Eindruck der Schwäche erwecken. Am 26. Juli versucht B e t h m a n n den Tobsüchtigen zu beruhigen. Deutschlands Haltung müsse auf Lokalisie' r u n g des Krieges gerichtet sein und ruhig bleiben. Der General v. M o l t k e teile diese Ansicht. Dazu bemerkt Wilhelm II. sarkastisch: Ruhe ist die erste Bürgerpslichtl Rur Ruhe, immer nur Ruhe! Eine rvhige Mobilmachung ist auch was Reucs! Die ausländischen Staatsmänner beehrt er mit schmückenden Beiworten: Ochsi Eseli Schwein! Gegen seinen Vetter, den Zaren, aber wendet er sich mit dem ironischen Ausspruch: Es scheint. Seine Majestät haben sich gedrückt! Bier Jahre und vier Monate später drückte er sich selbst — nach Holland! Drei Wochen darauf, am 29. November 1918, schrieb der jetzige deutschnationale Reichs- tagsabgeordnete Dr. Steiniger in Hugenbergs „Tag: Kein Wort der Kritik ist für diesen Abgang des Kaisers zu herb«. Sein Vorgehen war tmkömglich. unsoldatisch, unmännlich und geeignet, der Dynastie und dem monarchischen Gedanken den Todes st oß zu versetzen. Kein Monarch hat das Recht so zu handeln, keiner darf wie ein Schulbube aus seinem Amte davonlaufen, keiner seine Soldaten und Beamten ohne Leitstern der schärfsten Seelen- und Gewissenspein aussetzen, keiner das Staatsschiff führerlos in eine wilde Bran- dung hinausstoßen— am wenigsten in den schwersten Stun- den eines Weltkrieges. Wer eine fünfhundertjährige Vergangen- heit, reich an stolzen Erfolgen und Erinnerungen, zu vertreten hat, wie der letzte Hohenzoller, begeht mit derartigem Verhalten ein un- sühnbares Verbrechen gegen seine Dynastie und sein Volt. Glaubte er, sich selbst unter seinen Truppen nicht mehr halten zu können. so bot die Front genügend Gelegenheit, durch ein würdiges könig- liches Ende der Dynastie und dem monarchischen Gedanken neuen Glanz und neuen Halt zu verleihen. Ihm fällt auch zur Last, daß sein Vorgehen für andere Monarchen ein verhängnisvolles Beispiel bilden mußte. Dieser Mann telegraphiert jetzt an seinen Gsneral- feldmarschall, den Präsidenten der deutschen Republik! Das führende Organ der größten Regierungspartei, die„Kreuz- Zeitung", gibt sein Telegramm in Fettdruck wieder. Auf einer anderen Seite derselben Nummer der„Kreuz- Zeitung" findet sich auch ein Bericht über die Rede, die G r a f W e st a r p gestern auf dem deutschnationalen Parteitag in Königsberg gehalten hat. Die markanteste Stelle sieht so aus: Kein Verzicht auf monarchische Betätigung. Sind so die Richtlinien und die Regierungserklärungen für uns maßgebend, so haben wir uns entschieden zur Wehr zu setzen, wenn ihnen ein Inhalt beigelegt wird, den sie nicht haben. Sie enthalten kein Gefinnungsbckenntnis: insbesondere auch unsere man- archische Gesinnung und das Recht für sie einzu- treten, haben wir uns ausdrücklich vorbehalten und lassen wir un» nicht nehmen. Die Deutschnationalen wollen den kommenden W a h l k a m p f im Zeichen der wilhelminischen Farben Schwarzweißrot gegen Schwarzrotgold führen. Für mon- archische Betätigung gegen die Republik! Für Schlacht- musik und rednerisches Kriegsgedröhn gegen die Politik der Völkerverständigung! Im Geist von Tannenberg und im Stil von Kaisertelegrammen! Sie mit dem Kaiser, wir mit der Republik! Wir nehmen den Kampf auf; das Volk soll entscheiden! Der völkerbunö für Abrüstung. Die Entschliehnng Bernstorff-Boneonr angenommen. Gens, 21. September.(Eigenbericht.) Der 3. Ausschuß hat am Mittwoch die vom Unterausschuß vor- gelegte Entschließung über Abrüstung und Sicherheit einstimmig gutgeheißen. Damit ist ihre Annahme in der Vollversammlung ge- sichert. Was das bedeutet, hat Genosse de Brouckere in folgen- den Worten dargelegt: „Diese Resolution ist vor allem der Ausdruck der Kontinuität unserer Arbeit. Die Gefahr konnte drohen, daß die technischen Schwierigkeiten zu einer volligen Stockung des Abrüstungswerkes führten. Diese Gefahr ist abgewendet. Wir wissen, daß die techni- scheu Vorarbeiten beendet sein mußten, bevor die Abrüstungskonfe- renz zusammentritt, damit ihr Erfolg gesichert sei. Deshalb haben wir den größten Wert darauf gelegt, daß die mit der Sicherheit der einzelnen Völker zusammenhängenden Fragen zu gleicher Zeit in parallelen Beratungen einer Lösung entgegengesührt werden. Um die Gesamtarbeit zu erleichtern, halten wir es für notwendig, daß zwischen dem Sonderausschuß, der beaustragt wird, die Sicherheits- Probleme zu prüfen, und der Vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz der allerengste organische Kontakt geschaffen wird. Was wir jetzt zu tun im Begriff sind, das ist die Schaffung einer Prozedur, die dem Völkerbund erlauben wird, sich die nötigen Organe zur Friedensaktion zu geben. Der Völkerbunds- pakt hat eine große Idee, eine große Hoffnung zum Ausdruck ge- bracht. Im selben Maße, in dem der Völkerbund tätig ist, ist der Pakt zum lebendigen Wirken bestimmt. Für den Völkerbund ist damit insofern eine neue Aera angebrochen, als seine Verant- wortlichkeit noch größer und die Hoffnungen, die man auf ihn setzt, noch höher werden. Die Resolution, deren Annahme der Volloersammlung empfohlen wird, enthält einen allgemein um- schriebenen Arbeitsplan. Dieser Plan, der uns eine positive Politik ermöglichen soll, ist der Ausdruck unseres Willens, systematisch und unermüdlich am Werk der Abrüstung zu arbeiten, wobei wir uns Rechenschaft darüber ablegen, welche Rolle dafür die Sicherheitsfrage spielt. Wir wissen, daß wir nur langsam vor- wärts gehen können, Schritt um Schritt. Aber daß es vorwärts geht, ist dabei für uns das Entscheidende." Die einstimmige Ernennung de Brouckeres zum Berichterstatter für die Vollversammlung darf als Zeichen dafür angesehen werden, wie sehr sich alle Mitglieder des Ausschusses der unschätzbaren Ver- dienste bewußt sind, die der sozialistische Vertreter Belgiens durch die Klarheit seines Denkens der Sache der Abrüstung geleistet hat. Der Genfer Sonderberichterstatter des„S o z. Pressedienst" hat den französischen Delegierten Paul Boncour befragt, wie er über den Ausgang der Diskussion denkt:„Er bedeutet," erwiderte Boncour,„einen wichtigen Schritt vorwärts. Daß Deutschland. England und Frankreich gemeinsam mit den anderen Staaten an der Ausarbeitung der Entschließung mitgewirkt haben, ist von größter Bedeutung für die kommenden Verhandlungen. Was zwischen der französischen und belgischen These bisher dunkel ge- blieben war und deshalb auch auf beiden Seiten sogar Mißtrauen erzeugen konnte, hat nach der gründlichen Aussprache eine Klärung gefunden. Gerade das halte ich für außerordentlich wichtig für die Zukunft. Damit ist nun eine Grundlage geschaffen für die Fortführung der begonnenen Arbeiten und alle diejenigen, welche die Abrüstung ernsthaft wollen, haben Grund, darüber zufrieden zu sein." In demselben Sinne äußerte sich auch der Vorsitzende des 3. Ausschusses, der tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch. Der Inhalt See Entschließung. Die oben erwähnte Entschließung empfiehlt drei Maßnahmen: die fortschreitende Entwicklung der Schiedsge- richtsbarkeit durch den Abschluß von Sonderverträgen oder Kollektivabkommen, einschließlich solcher zwischen Mitgliedsstaaten und NichtMitgliedsstaaten des Völkerbundes, um das gegenseitige Vertrauen zu schaffen und zu erweitern, das für den vollen Erfolg der Abrüstungskonferenz unentbehrlich ist, zweitens, beschleunigten Abschluß der technischen Vorarbeiten des Vorbereitenden Abrüstungsaus- f ch u s s e s, damit der Rat die Abrüstungskonferenz nach Abschluß dieser Arbeiten unverzüglich einberufen kann, drittens Erteilung von besonderen Instruktionen des Rates an den Vor- bereitenden Abrüstungsausschuß, dessen Aufgabe sich nicht aus die Vorbereitung einer ersten Abrüstungskonferenz beschränken soll, dessen Arbeiten vielmehr bis zur Verwirklichung des Endziels fort- gesetzt werden sollen, zur alsbaldigen Schaffung eines be- sonderen Komitees der Vertreter aller Völkerbundstaaten, ♦ die dem Vorbereitenden Abrüstungsausschuß angehören. Dieses Soiiderkamitee, das dem Vorbereitungsousschuß zur Verfügung stehen soll, hätte die Aufgabe, gemäß den Angaben des Vor- bereitenden Ausschusses die Prüfung jener Maßnahmen fortzusetzen, die geeignet wären, allen Staaten die notwendigen Garantien durch Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit zu geben, um das Niveau ihrer Rüstungen beim Abschluß eines inter- nationalen Abrüstungsvertrages aus die niedrigsten Ziffern fest- zusetzen. Diese Maßnahmen sollen gleichzeitig auf drei Wegen gesucht werden: a) In einer Aktion des Völkerbundes zur Herbeiführung, Verallgemeinerung und Koordinierung der So« derverträge ober Kollektivabkommen für Schieds- xerichtsbarkeit und S?ck)erheit. b) In der systematischen Vorbereitung der Mittel, die die Mit- gliebsstaaten des Völkerbundes in die Lage setzen, ihre aus dem Dölkerbundspakt sich ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen. c) In Vereinbarungen, die die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes unbeschadet der Verpflichtungen aus dem Pakt abschließen können mit dem Ziel, ihre Verpflichtungen in ein Ver- hältnis zu bringen zu ihrer aus geographischen oder a n- deren Gründen mehr oder weniger großen Solidarität mit anderen Staaten, und andererseits in einer Aufforderung des Rates an die verschiedenen Staaten, ihn von den Maßnahmen zu benach- richtigen, zu denen sie, unbeschadet der Verpflichtungen des Paktes, bereit wären, um die Beschlüsse des Rates in einem Konfliktsfall« zu unterstützen, der in einem bestimmten Gebiet entstehen sollte, wobei jeder Staat angeben würde, daß er in diesem oder jenem bestimmten Falle entweder die Gesamtheit oder einen Teil seiner Land-, See- und Luftstreitkräfte sofort in den Konflikt eingreifen lassen könnte, um die Beschlüsse des Rats zu verwirklichen. Sozialüemokratische Reichstagsfraktion. Sitzung an» 7. Oktober. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion, der am Mittwoch in Berlin tagt«, beschloß, für Freitag, den 7. Ok- t o b e r, eine Sitzung der Reichstagsfraktion in Aussicht zu nehmen. In dieser Sitzung soll der Reichsschulgesetz entwurf behandelt werden. Ferner soll die Fraktion einen Bericht über die bisherigen Bx- ratungen des Strafrechtsausschusses über den Entwurf des Straf- gesetzbuches entgegennehmen. Es handelt sich dabei um vorläufige Disposition«»� da noch keineswegs sicher ist, ob der Reichstag am 17. Oktober«»irtlich zusammentreten wird. Verhinderte Tapferkeit. Die doutschnationalen Minister wollten gern» konnten aber nicht... Keudell hat beim deutschnationalen Parteitag der Welt verraten, wie der Flaggenerlaß Geßler» trotz der vier deutschnationalen Minister zustande kam: Der Reichswehrminister Geßler hat mir in«ingehender ve- sprechung mitgeteilt, daß er die A b si cht gehabt habe, den Flaggen- erlaß für die Reichswehr im Kabinett zur Sprache zu bringen und beraten zu lassen. Durch politische Indiskretionen unserer Gegner wurde verhindert, daß der Reichswehr- minister den Flaggenerlaß dem Kabinett vorlegen konnte, und daß insbesondere auch die deutschnationalen Mitglieder des Reichskabinetts v o r der Deröstenllichung zu den Anordnungen des Reichswehrministers Stellung nehmen konnten. Zur materiellen Frage des Flaggenerlasses kann ich. als akttve» Mitglied des Reichskabinetts, mich hier nicht äußern. Auch zu de« an» der« n Flaggenfragen kann ich heute nicht Stellung nehmen. Aber seien Sie versichert, es wird auch die Zeit kommen, wo»vir reden. Wir denken des großen Schlieffenschen Worte«.Mehr sein als scheinen" und wir ringen darum, daß e» von un, einmal in unserer Geschichte heißen möge:.Sie waren mehr, als sie schienen." Es ist furchtbar, zu denken, daß die vier deutschnatio- nalen Minister gegen die Reichsfarben bei der Reichswehr Stellung nehmen wollten, aber nicht konnten, weil die bösen Oppositionswellen den Erlaß Geßlers schon vorher veröffentlicht hatten... Die Geschichte wird einst von Herrn Keudell ujtd den Seinen feststellen, daß sie an— verhinderterTapfer- feit gestorben seien!_ Auch der polnische Senat ist aus de» 20. Oktober vertagt worden, und zwar durch«in Dekret des Staatspräsidenten, das «in Offizier überbrachte. Der Aeltestenrat beauftragte den Sejmpräsidenten Trompczynski mtt einem Protest. Westarps parteitagsreöe. Ter Thef der größten Regierungspartei spricht: Gras Westarp gab auf dem Königsberger Parteitag der Deutschnationalen das Referat über die Stellung der Deutschnatio- nalen zur Politik. Unzufriedenheit mit der Außenpolitik verbunden mit dem Einsehen, daß auch ein deutschnationaler Außenminister an dem Ablauf der Außenpolitik nichts ändern könnte, ein Rückpfiff des deutschnationalen Ministers Koch und der deutschnationalen Partei- presse in der Flaggenfrage. Festhalten am Bekenntnis zur Monarchie und an den Farben des Kaiserreichs kenn- zeichnen die Stationen feiner Rede. Westarp führte u. a. aus: Kritik an der Außenpolitik. von Deutschland müssen greifbar« Erfolg« der Völker- bundsarbeit gefordert werden. Die Gleichberechtigung hat auch diese Genfer Tagung nicht gebracht. Die berechtigt« schwere Eni- t ä u s ch u n g de, gesamten deutschen Volkes hätte nach unserem Wunsch vor der Völkerbundsversammlung in Genf offen und unzweideutig ausgesprochen werden müssen. Das würde den erforderlichen Widerhall in der Welt ge- funden haben. Di« Ueberfülle von Bedingungen und Vorbehalten, von denen Frankreich jedes Entgegenkommen abhängig macht, sind nur Vorwänd«, um am Rhein bleiben zu können. Das eigene Interesse des Rheinlande, verbietet, auf seden voeiteren Gedanken einer Kompensation für die Räumung«inzu- gehen.(Zustimmung.).Mir scheint auch die Stunde gekommen, noch einmal amstlch festzustellen, daß Deukschland aus Grund des Artikel» 431 rechlllch und vor allen Dingen im Sinu« der Locarno. und VSlkerbundspolltik moralisch und politisch den bedlngungslosen Anspruch auf sosortigz Räumung hat. Bleibt jedoch Frankreich bei seiner feindlichen Ablehnung, so bleibt uns, wie auch die„Germania" feststellt, nur die Politik, den Fristen ihren Lauszu lassen. Damit sind wir dann aber am End« des diplomatischen Latein. Drohung an Polen. Ein Ost-Loearno als Kompensation für di« Rheinland- räumung würde zwecklos sein, wir lehnen es, in»velcher Form auch immer, ab Es wird Polen und Litauen zu Gemüt« geführt werden müssen, daß sie auf Verträge irgendwelche r Lrt mit Deutschland nicht rechnen können, solange sie innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen den Vernichtungskampf gegen das Deutsch- tum führen und rücksichtslos Völkerbund, Völkerrecht und Recht« Delttschlands mißachten. Ein Büffel für die deutschnationale Presse. Der einseitige Streit um Verfassungsfragen dreht sich zunächst um die R i ch t l i n i e n der Regierungsbildung. Wir halten uns an die Richtlinien gebunden und erfüllen sie loyal. In ihnen ist der Schutz der Verfassung und der Reichsfarben nicht nur gegen rechts- widrige Angriste, sondern auch gegen herabsetzende Verunglimpfungen zugesagt. Mir haben diese Verpflichtungen dem Geiste nach zu er- füllen, also uns auch selbst jeder Gehässigkeil zu enthalte»». Ich richte diesen Wunsch an die uns nahestehende, nienn auch nnabdängigc Presse. Es geht nicht an. daß sie jede Bindung an die Richtlinien für sich ablehnt. Die Oppofitio« soll durch die Bürgerblockrichtlinien gebunden sein! Der Gras führte zur Floggenfrag« weiter aus: Der Kampf um Flaggen und Farben werde von der Linken, besonder» von der preußischen Regierung, in geradezu grotesken Formen gesührt. Da» Festhalten an de» alten ruhmbedeckten schwarzweißroten Farbenemblemen sei keine herabsetzende Berunglimpfuyg der neuen Farben im Sinne der Richtlinien, im Gegenteil,»va» die Linke gegen Schwarz weißrot unternimmt, da, steht Im Widerspruch zu der in der Regierungserklärung festgelegten Vereinbarung, daß auch der großen deutschen Vergangenheit und ihren Symbolen Achtung und Ehrfurcht gezollt werden soll. Der Kampf um diese Symbol« ist durch ein äußeres Kompromiß nicht beizulegen. Ihm liegt der Grundsech der Anschauungen zugrunde. Aber der Graf bleibt trotz Richtlinie»» und Schwur Monarchist... Der offizielle Bericht fährt fort: Der Redner schloß mit einer Zusammenfassui�g der Grundsätze der Partei, unter denen er be» sonders die Politik der Befreiung deutschen Bodens von der Fremd» Herrfchaft hervorhob, ferner den monarchistischen Gedanken und die Farben Schlvarzweißrot. Die Rede fand an zahlreichen Stellen spontanen Beifall._ Um die Sesolöungsorönung. Heute Regelung der Vorschußzahlung. Heute tritt zur Regelung der Vorschußzahlung an d i e B e a m t e n der Hausholtsausschuß des Reichstages zusammen. Am Mittiiwch tagt« der interfraktionelle Ausschuß der Regierungs- Parteien, um sich für die Beratungen des Haushaltsausschusses zu verständigen. Ferner hatten die S p i tz e n v e r b ä n d« der Be- amten ein« Besprechung im Retchsfinanzministe» rium. In der Besprechuirg des Reichsfinanzministers mtt den Spitzen- verbänden hat die Regierung den Vorschlag gemacht, die Vor- schüss« je nach den Besoldungsgruppen zu staffeln. Der Deutsche Beamtenbund und der Reichsbund der höheren Be- amten machten Vorschläge, die sich den Absichten de? Regierung stark näherten. Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund fordert», daß jedem Beamten ohne Rücksicht auf Gehaltsgruppe «in Vorschuß von 4l> Mark gegeben ivevde. Bei einer solchen Regelung werde es vermieden, der endgültigen Besoldungsordnung vorzugreifen. Den unteren Beamten müsse aber mindestens ein Vorschuß von 4» Mark gegeben werde»». Dem Vorschlag des All- gemeinen Deutschen Beamtenbundes schloß sich schließlich auch der Deustche Beamtenbund an. Ueber di« Neuregelung der örtlichen Sonderzuschläge für das besetzte Gebiet hatte bereits am Mittwoch vormittag eiire Besprechung zwischen den Beamtenoertretern und dem Reichs- finanznnnisterium stattgefunden. Das Ministerium beabsichtigt, diese Sonderzuschläge herabzusetzen. Entgegen der Darstellung verschiedaier Blätter, daß die Besol- dungsvorlag« im Kabinett noch incht endgültig verabschiedet sei, wird vom Reichsfimmzministertum betont, daß ihm von einer besonderen Kabinettssitzung zur nochi»»aligen Beratung der Vorloge nichts re- kannt sei. Von neuen Aenderungen an der Vorlage könne keine Rede sein, was natürlich»»icht ausschließe, daß man im Kabinett nochmals über die eine oder andere Frage der Besoldungsordnung spreche. Diese Erklärung von NKißgebender Stell« klingt reichlich dunkel und unklar. Wozu nochmals darüber sprechen, wenn die Würfel gefallen sind? Wie die Diirg« Im Augenblick liegen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach di« Veröffentlichung der Besoldungsoorlage am Frettag erfolgen. Das Reichsfinanzministe- rium»vill so lange uxirten, bis Preußen mit seiner Besoldungs- Ordnung fertig ist. Di« neue Besoldungsordnung der Reichswehr wird, wie verlautet,»vahrfcheinlich gleichzeittg mit der allgemeinen Beamtenbesoldungsordnung vorgelegt werden. Deutsthenmorü eines Chinesen. Der britisch« Geschäftsträger in Berlin hat im Auftrage seiner Regierung der Reichsregierung mitgeteilt, daß am 9. September in Merui Insued-Birma ein Deutscher namens Kummer von einem Chinesen ermordet worden sei. Nach einem Drahtbericht der indischen Regieruirg scheint der Ermordete einer verhängnisvollen Verwechslung zum Opfer gefallen zu sein. Weitere Einzel» heiten, insb«foi»dere auch über die Persönlichkeit des Ermordeten, stehen noch au«. Der Stahlhelm hat in Bayern Zuzug von Wittel»- bacher Monarchisten erhalten. Di« kleine Gruppe des Bayerischen Treubundes unter Führung eines Dr. Wetzet, der seit 2 Jahren der Leitartikler des„Miesbacher Anzeigers" ist, ist ostiziell dem Stahlhelm beigetreten. Der Treubund ist eine Absplitterung des„Bayerischen Königsbundes" und besteht aus jenen aktivistischen Elementen, denen die monarchistische Politik der Bayerischen Bolks- partei nicht radikal genug ist. Au» dem Organ dieser Gruppe, dem„Bayerischen Herald", ist schon seit längerer Zeit die f a s ch i st i s ch e Einstellung dieser Leute zu erkennen. Dreizehn portugiesische Ausslandsführer und eimge Kommunisten sind nach Afrika deportiert worden. Weltkatastrophe! Wie sich da» Antlitz der Erde verändert. v Die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre, die sich in Erd- beben und in Bildung neuer Erdrtss« äußerten, haben zu den Be- fürchtungen Anlaß gegeben, daß«ine Weltkatastrophe bevorstehe. Mindestens teien neu« katastrophale Erdbeben zu erwarten, durch die ein großer Teil unserer Erde zerstört»Verden würde. Der englische Gelehrte Sir Richard Georg» ist der Urheber dieser Anschauung. di« von wissenschaftlichen Feststellungen des Mostauer Professors Muskytow gestützt wird. Muskytow hat zo»ei gewaltige Riss«, di« von Afrika und Australien in der Richtuno»»ach Europa und Asien gehen, in dem Leib der Erde festgestellt. Derartig« Erdriss« sind im allgemeinen die Kernpunkte, um die sich die großen Erdbeben grup- Pieren. So ist z. B. da« gewaltige Erdbeben von San Franziska im Jahre 1906 auf einen Erdriß zurückzuführen, der durch den San Andreas geht. Außerdem sind in Kalifornien, einem Herd zahlreicher Erdbeben, von der Seismoloaischen Gesellschaft mehrer« Erdriste festgestellt worden. Auch in Japan gibt es einen großen Erdriß. Die Ursachen für die Bildung solcher Erdriss« find iricht einwandfrei festgestellt. Die Erde wandelt ihr Antlitz ständig. Die Sebivgs- bildung ist ebenso wenig heut bemdet wie die Gestaltung der Erde überhaupt in ihrem Umfang und in chrer Masse. Wenn wir auch selbst die ErM für«inen starren Körper hatten, so liegt das daran. daß die Bildung der Erdoberfläche nur ganz langsam und in Jahr-' lausenden vor sich geht. Wenn wir unsere Landkarte nur bi« zur Kreidezeit zurückverfolgen. also für die Erdbildung einen sehr ge- ringen Zeitraum überblicken, dann sehen»vir dort,«o heut Italien und Südeuropa ist, noch kein Land, sondern nur da» offen« Meer, und zur Diluvialzeit hatte wiederum unsere Erde ein ganz anderes Gesicht, denn damals waren Afrika und Europa ein gemeinsamer, fest zusammenhängender Erdteil. Man erkennt aus diesen Angaben. daß sich im Verlaufe von verhältnismäßig kurzer Zeit— allerdings nicht nach Auffassung menschlicher Geschichte berechnet— ungeheure Umwälzungen auf unserem Erdkörper bemerkbar gemacht haben. Es ist also, da die Erde doch ständig m Bewegung ist. durchaus mög- lich, ja sogar höchst vxihrscheinlich, daß sogar in Zeiträumen, di« von Menschengeist kontrolliert»Verden können, sich Inseln um viele Kilo- meter verschoben haben und daß ganze Erdteile sich voneinander weg bewegt haben. Aber im allgemeinen sind diese Umnxindlungen der Erdober- fläche niemals so vor sich gegangen, daß man von einem Tag aus den anderen oder selbst von einem Jahr auf das andere von einer Welt- katastrophe sprechen könnte, und es ist durchaus anzunehmen, daß die Erde ihren bisherigen Entwicklungsgang wettergehen wird, lang- sam, für den Augenblick und für Jahrzehnte unmerkbar, aber mit unwiderstehlicher Gewalt, sicher und unentrinnbar. Den gewaltigen Kläften der Wettbildung können sich menschliche Kräfte nicht ent- gegenstemmcn. Ganze Gebirge wandern noch heute, und in vielen tausend Jahren werden große Städte Deutschlands von ihnen oer- schüttet werden. Auch hier wiederum besteht die Möglichkeit einer Wandlung unserer Erdoberfläche, ober nicht heute, nicht in 10 und in 50 Iahren, vor allem nicht in Zeiträumen, die prophezeit»Verden köm� Di« Qnbe wtrd zwar in tetztzer Zeit etwa» reichlich Erdbeben heimgesucht, aber derartig« Perioden gab es zu alle«» Zeit«». Die größten Beben der Weltgeschichte übertreffen die Erd- beben unserer Tage bei lveitem. Insbesondere»var die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts bis zum Jahre 1860 so reich an Erdbeben, daß diese Zeit im Vergleich mit der unserigen in bezug auf Häufig- keit der Erbbeben durchaus gleich reich ist. Vulkane»Verden von vielen Gelehrten als Sicherheitsventile der Erde betrachtet. So teitt z. B. Humboldt mit, daß der Vulkan Pasto im Jahr« 1797 plötzlich zu speien aufhörte, als 400 Kilometer davon entfernt das furchtbare Erdbeben von Ecuador den Tod von 30000 Indianern verursachte. Zwischen Erdbeben und Vulkanen besteht bekanntlich ein Zusammenhang, wenn auch dieser nicht stets fest- gestellt werden kann. Die tektonischen Erdbeben z. B. werden durch die immer noch vorhandene Gebirgsbildung der Erde hervorgerufen, und sie wirken auf lange Flächen. Die vulkanischen Erdbeben haben ihren Mittelpunkt in einem Vulkan, und wenn der Herd sich im Magma, dem»»eichen Innern, der Erde befindet, so nennt man diese Beben n»ag>»«tische Erdbeben, die eine Art Bindeglied zwischen tektonischen u»»d vulkanischen sind. Di« Erdbeben der letzten Jahre waren sehr mannigfaltiger Art >md gehörten zu allen drei Spezies. Aber nur die tektonischen Erd- beben sind n»it der Umwandlung des Antlitzes der Erde verbunden, so daß auch die Zahl der Erdbeben an sich kein Beweis für die Nähe einer Erdkawstrophe ist. Wenn Prof. Muskytow die großen neuen Risse als Ursache der Katastrophengefahr ansieht, so kann man darauf erwidern, daß nicht immer die Erdbebenherde den Erdrissen folgen. Es ist also auch in dieser Hinsicht die Befürchtung einer Weltkata- strophe unbegründet. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß Deutschland in n»anchen Gegenden, zum Beispiel im Schivarz- wald und im Vogtland»wch Erdbebengebiet besitzt, das ziem- lich häufig von tektonischen Beben heimgesucht wird. Hier ist aber die Bildung der Erdoberfläche bereits so rveit vorgeschritten. daß eine neue furchtbare Umwälzung, die an eine Katastrophe heranreicht, völlig ausgeschlossen erscheint. Zusammenfassend ich zu sagen, daß die neuen Erdrisse nicht unter allen Umständen die Ursach« katastrophaler Beben sein müssen und daß selbst große Erdbeben tektonischen Charakters niemals einen solchen Umfang annehmen, »me man bei einer völligen Umwandlung des Erdballs erwarten müßte._ Um die Zukunft der städtischen Kunstpolitik Berlins. In Ber- liner Sammlerkreisen ist in der letzten Zeit vielfach aufgefallen, daß die Tätigkeit der städtischen Organe Berlins auf dem Gebiet der bildenden Kunst eine sehr gering« Aktivität erkennen läßt und daß insbesondere bei der Auflösung wertvoller Privatsammlunaen nichts geschehen ist, um wichtige Stück« aus der Berliner Kunstgeschichte liir den städtischen Besitz zu sichern. Wie wir hierzu erfahren, leidet die Kunstpotittk der Reichshauptstadt auf diesem wie auf anderen Gebieten unter Schwierigkeiten, die nur zum Teil auf Rechnung der Sladtoerrvallung selbst gesetzt werden können. Störend wirkt vor allem auch das ungeklärte Verhältnis zwischen Stadt und Prornnz: die Tatsache, daß von der Verwaltung der Provinz Bran- denburg z. V. für die Arbeiten des Märkischen Museums keine Unterstützung zu erreichen ist, obwohl dieses Institut bestimmungs- der Rasur der Sache«chprecheich fem« Tätigkeit nteht ausschließlich auf die Kunst-»md Gewerbegeschicht« der Stadt Berlin beschränken kann, wirkt sich seit längerer Zeit als Fessel für die Sarnmel- und Ausstellungsarbeit des Museums aus. Dagegen liegen die Schwierigkeiten, die bisher die Schaffung der Stelle eines Stadt- kunsttvarts verhindert haben, aus anderem Gebiet. Hier scheinen die Meinungsverschiodenheiten über di« Personenfrage und insbesondere der im stillen geführte Kampf um den früheren Stadtbaurat Hoff» mann, der von einer Seite für diese Aufgabe in Aussicht genommen worden rvar, dazu geführt zu haben, daß man vorzog, den Ge- danken selbst vorläufig zurückzustellen. Das letzte Goethe-Haus in Sefenhelm zusammengebrochen. In Sesenheim schwindet eine Goethe-Erinnerung nach der anderen dahin. Nunmehr sst auch das letzte Haus dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen, das ssch noch aus der Zeit Goethes erholten hatte. Das alte Pfarrhaus, das Goethe in Sesenheim bei seinen Be- suchen angetroffen hatte, kennen wir nur durch Zeichnungen, die von Künstlern jener Zeit ongejertigt wurden. Dieses Pfarrhaus selbst sst durch einen Neubau ersetzt worden Hinter dem Pfarr- haus stand eine alte Scheune, die den letzten Ueberrest der Goethe- Zeit bildete, denn si« war das einzige Gebäude, das seine ur- sprüngliche Gestalt bewahrt hatte. Nun ist auch vor wenigen Tagen dieses letzte Häuschen der Goethe-Zeit zusammengebrochen. Di« dünnen Wände und das morsch« Holz vermochten nicht länger Stand zu halten. Mit liebevoller Pietät wacht aber der Wirt im „Gasthau- zum Ochsen" in Sesenheim über einen großen Schatz von Goethe-Erinnerungen. Hier sieht man Autogramme von Goethe, Friederike und von dem alten Brian. Hier wird der alte Wetterhahn aufbev>ahrt. der in Goethes Zeit die Kirchturmspitze ziert« unj> dessen Drehungen Goethe einmal scherzhaft mit den Launen seiner Geliebten vergleicht. Ergreifend sst ein« Album- «intragung für eine Freundin von Friederikes eigener Hand, die einen Pfeil zeigt, der eine Rose durchbohrt, und darunter die Worte:„Es treffe sie keiner, er gleiche denn diesem!" Die Kunstausstellung aus der Straße. In Paris hat sich eine „Gruppe der Zehn" gebildet, die aus namhaften Parisern Künstlern bestcht und die sich von den anderen Ltunstorganisationen dadurch unterscheidet, als sie beabsichtigt, ihre Ausstellungen künftig auf der Straße zu veranstalten. Die Gruppe hat sich an den Polizeipräfekten gewandt, an einigen Stellen der belebtesten Boulevards ihre Aus- stellungen während der Hauptverkehrszeit veranstalten zu dürfen. Die ersten Ausstellungen werden bei Saint-Philippe auf der Avenue Vietor-Ernanuel III. stattfinden, um später nach dem Place de la Madeleine überzusiedeln. • Kirchenfcfln-roeHbnoerb In Berlin. Die evangelische Kiribengemelnde in?enlN-.>(ieoerschoiieweide lchrcibl einen Wettbewerb um Varentwürse »um Bau einer Kirche mit(Kemeinderäumen und Ptarrbaus unter den in Kroii-Berlln oniässtqen Architelten ans Feilt bis zum 1. Dezember Preise 3350, 2250 und 1150»mt Fin Prelsgenckt sind MinillecKlmt Hielte, Prosessor Albert Gehner und Oberbaurat Bientz in Berliii-Treptow. ZaternaXanaler Geologen'ongreh In Pretoria Fm Sommer 1920 soll der 15. Fiilernalionaie Geologenlongreh in Pretoria abgehalten werde». Die Vorträge sind zum Teil ichon bestimmt und werden unter anderen die Ettzette» sowie die S otdv orrät« der Srde behandeln. der Streit um üie Krisenfürsorge. Zur kommenden Neuregelung. Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeits. Vermittlung und Arbeitslosenversicherung hat sich in seiner letzten Sitzung auch mit der neuen Krisenfurforge beschäftigt. Di« Frage, ob die Voraussetzungen für ihre Einführung bestehen, ist durch die Vorlage des Reichsarbeitsministers grundsätz- lich bejaht. Wir haben den Nachweis für die Notwendigkeit ihrer Beibehaltung bereits geführt. Damit ist jedoch erst die grundsätzliche Seite der Frage in dem von uns vertretenen Sinne entschieden, nicht jedoch der materielle Inhalt der neuen Krisenfürsorge. Es muß die Aufgabe des Reichsarbeitsministers sein, dafür zu sorgen, daß die neue Krisenfürsorge die notwendigen sozialpolitischen Ergänzungen zu den Versicherungsleistungen bringt. Für die gegenwärtigen Unterstützungsempfänger in der Erwerbs- losenfürsorge und Krisenfürsorge ist durch die Uebcrgangebestim- mungen sichergestellt, daß bis zum 31. März 1928 keine Verschlechterung sowohl hinsichtlich der Dauer wie der Höhe der Unterstützung eintreten darf. Damit ist innerhalb dieser Zeit den gegenwärtigen Unterstützungsempfängern in der Erwerbslosen- fürsorg« auch der Uebergang zur Krisenfürsorge nach dem alten Recht gewährleistet. Di« neue Krisensürsorge darf ihrem materiellen Inhalt nach für die neuen Empfänger von Krisenunterstützung keine Verschlechterung bringen, weil das weder mit Sinn und Zweck der Krisenfürsorge vereinbar wäre, noch der Abficht des Gesetzgebers entspräche. Zwei Gruppen von Arbeitslosen soll durch die neue Krisen- 'fürsorge die Unterstützung gewährleistet werden: denjenigen Arbeits- losen, deren Beschäftigungsdauer nicht lang genug war, um den Anspruch auf Versicherungsleistungen zu erwerben, und solchen Arbeitslosen, deren Anspruch auf Versicherungsleistungen erschöpft ist. Die erste Gruppe wird zunächst die wichtigste sein, aber auch diese Arbeitslosen müssen nach dem Gesetz ein« oersicherungs- Pflichtige Beschäftigung von wenigsten» 13 Wochen nachweifen. Beide Gruppen erhalten nach dem Gesetz die Krisenunterstützung nur dann, wenn eine Bedürftigkeit vorliegt. Was darunter zu ver- stehen ist, ist nicht näher bestimmt. Eine Neuregelung der Bedürftig- keitsprüfung darf aus den bereits erwähnten Gründen kein« Ver- schlechterung des gegenwärtigen Rechtszustandes bringen. Bejaht man die Notwendigkeit der Einführung einer Krisen- sürsorg«, dann geht es nicht an, die Höhe der Unterstützung und die Dauer ihrer Gewährung zu beschränken. Solange der Krisenzustand anhält, muß der Fortbezug der Unterstützung gewährleistet sein. Ts darf für die Einstellung der Unter st ützung nur einen Grund geben: Nachweis angemessener Arbeits- gelegenhelt. Eine Begrenzung in der Höhe der Unterstützung sollte schon deshalb nicht in Frage kommen, well nur solche Arbetts- losen unterstützt werden, die bedürftig sind. Bei der Unzulänglichkeit der Unterstützungssätze kann man doch unmöglich die bedürftigen Arbeitslosen schlechter stellen, auch wenn das Gesetz«in« solche Mäg- lichkeit vorsieht. Es muß verlangt werden, daß die kommende Ver- ordnung des Reichsarbeitsministeriums diesen sozialen Erforder- nissen Rechnung trägt._____ Fluchtversuchs war Schwindel! Ein bemerkenswertes Geständnis Rostbachs. Eine für unser« Justiz typische Entscheidung fällte dieser Tage das Schwurgericht Bielefeld. Angeklagt war der ehemalige Leutnant L i n>« n m e i e r, der im Frühjahr 1929 als„Gerichts- offizier" de« Freikorps Rohbach ohne jeden rechtlichen Grund zwei eingelieferte Arbeiter, weil er sie für Rotgardisten hielt, durch den Feldwebel Bleck hatte erschießen lassen. Bleck ist wegen dieser Sache schon einmal freigesprochen worden, weil er angab, auf Be- fehl seines Vorgesetzten Linscnmeier gehandelt zu haben. Dieser mutige Offizier aber bestritt jetzt, einen solchen Befehl an Bleck erteilt zu haben, und er redete sich auf das bekannte„Mißver- ständnis" heraus. Das Gericht machte sich aber die Sache noch ein- jacher und stellte da» Verfahren auf Grund des Am- nestiegesetzes von 1920 ein. obwohl dieses Verbrechen gegen das Leben ausdrücklich von der Amnestie ausnimmt. WiederalsobleibteinglatterMordungesühnt. 2(bir das interessanteste Ergebnis der Verhandlung ist folgendes: In dem Bericht des Freikorps Rohbach war die bekannte Darstellung enthalten, daß die beiden Getöteten„auf der Flucht' erschossen worden seien. Die Verhandlung ergab das G e g e n t e i l: die beiden waren uuf dem Rathaus Hof an die Wand gestellt und auf ein Kommando Blecks von einer Gruppe Soldaten standrechtlich erschosser. werden. Auf die Frage des Vorsitzenden über den Ur- sprung des gefälschten Berichts erklärte der als Zeuge vernommene Oberleutnant Roßbach unumwunden, daß er als Kommandeur der Truppe sich verpflichtet gefühlt habe,„alle entlastenden Momente hervorzuheben' und sein« Leute auch dann zu decken, wenn sie„etwas Unüberlegte» oder U« b e r e i l t e s getan hätten, was wider die gesetzmäßigen An- schauungen des alltäglichen Leben» ging'. Aus deutsch: Roßbach gestand zu, daß die Lüge von dem angeblichen Fluchtversuch der Ermordeten systematisch und wider besseres Wissen in den Bericht hineingeschrieben wurde. Da» hat freilich auch so jeder Mensch in Deutschland gewußt— mit Ausnahme der deutschen Gerichte, die diese offensichtliche Lüge trotz aller inneren und äußeren Widersprüche i n a l l e n F ä l- l e n geglaubt und zur Grundlage zahlloser Freisprllche gemacht haben. Roßbach» Geständnis stellt die bodenlose Leichtgläubigkeit der d rutschen Justiz zugunsten rechts- gerichteter Mörder an den Pranger, wie das kaum je zuvor ge- jchehen ist._ Oer Aollkonflikt Irankrelch-US�. Drohender Zollkrieg. Pari». 4. September.(Eigenbericht.) Die amerikanische Antwort auf den französischen Borschlag einer HerabsetzungderfranzösischenZollsätzeumSO Proz. zugunsten der Vereinigten Staaten besteht auf der Forderung nach Meistbegünstigung ohne Gegenleistung. Sie beruft sich daraus, daß sie durch ihre Zollgesetzgebung gebunden sei. die für niemand eine Meistbegünstigung vorseh«. Wenn, wie der Ver- treter von Hovas meldet, die Vereinigten Staaten sich in ihrer Ani- wort auf den§ 317 de» amerikanischen Zollgesetzes berufen, der Etraizuschläge aus die Artikel derjenigen Länder vorsieht, die durch ihre Zollsätze die amerikanischen Waren benachteiligen, so gibt das in Paris zu der Befürchtung Anlaß, daß Amerika auch vor einem Zollkrieg mit Frankreich nicht zurückschrecken wird, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden. Ein Zollkrieg würde angesichts der großen Ausdehnung, welch« die Handelsbeziehungen der beiden Länder angenommen haben. dem Wirtschaftsleben auf beiden Seiten schweren Schoden zuiügen. Die Ausfuhr Frankreichs nach den Vereinigten Staaten belies sich 1926 auf 3 Milliarden 900 Millionen, die Einfuhr aus Amerika auf 7 Milliarden 913 Millionen, darunter über zwei Drittel Rohstosfe. Das Strafgesetz vor üem Iussthutz. Sozialdemokraten für gemeinsame Beratung mit Oesterreich. In der fortgesetzten Beratung nahm der Strafrcchtsaueschuß des Reichstages das Referat des Abg. Kahl und da» Korreferat de» Abg. Bell(Z.) zu den ersten Paragraphen des Strafgefetzent- wurfes entgegen. 8 1 bestimmt, daß eine Tat nur dann mit einer Strafe belegt werden kann, wenn die Strasbarkeit gesetzlich be- stimmt war, bevor die Tat begangen würbe.§ 2 spricht aus, daß pch die Strafe nach dem Gesetz bestimmt, das zur Zeit der Tat gilt, während F 4 vorsieht, daß über Maßregeln der Besserung und Sicherung nach dem Gesetz zu entscheiden ist, das zur Zeit der Entscheidung gilt. Die beiden Referenten traten zunächst für die unverändert« An- nähme der Regierungsvorlage ein. Mehrere sozialdemo, kratische Anträge verlangten dagegen, daß auch für Reben st rasen und Maßregeln der Besserung und Sicherung das zur Zeit der Tat geltende Gesetz anzuwenden sei. Die Ver- treter der sozialdemokratischen Fraktion wiesen darauf hin, daß die Gerichte nur solche Besserungsmahregeln verhängen dürften, die schon zur Zeil der Tat im Gesetz vorgesehen waren, besonders die Unterbringung im Arbeitshaus und die Sichoerwahrung können noch nicht angeordnet werden, wenn der Täter mit solchen Mahregeln nicht schon zur Zeit der Tal habe rechnen müssen. Der Ver- treter der bürgerlichen Parteien und auch die der Regie- rung konnten nicht umhin, dem sozialdemokratischen Vorschlag ein« gewiss« Berechtigung zuzuerkennen. Das Zentrum stellte einen entsprechenden Antrag, der dann auch, nachdem der weitergehende sozialdemokratische Antrag gegen Sozialdemokraten, Kommunisten und den Abg. Haas(Dem.) von allen anderen bürgerlichen Ab- geordneten einschließlich der Frau Lüders(Dem.) abgelehnt war, lediglich gegen die Stimmen der Deutschnationalen und des Volks- parteilers Wunderlich angenommen wurde. Bemerkenswert war in dieser Debatte, daß der preußische Megierungsoertreter die von unseren Genossen vertreten« und von Ministerialdivektor B u m k e(O unrichtig bekämpfte Auffassung für durchaus zutreffend erklärte. Infolge des sozialdemo- kratischen Antrages ist wenigstens für Arbeitshaus und Sicherungsoerwahrung bestimmt worden, daß auf diese Maßregel nur erkannt werden darf, wenn sie schon durch das zur Zeit der Tat geltende Gesetz vorgesehen war. Bei 8 1 machten übrigens die Deutschnationalen einen Vorstoß gegen das ganze Gesetz, der aber schnell zu- sammenbrach. Abg. Barth(Dnat.) sucht« den Eindruck zu er- wecken, als ob 8 1, der doch nur der Reichsverfassung entnommen ist, plötzlich ein unbestimmtes Strafurteil einführen solle. Die Deutschnationalen seien ganz entschieden« Gegner der unbestimmten Verurteilung.(Abg. Landsberg: Wir auch!) Barth behaupte: sogar, 8 1 sei nur ein Schrittmacher auf dem Wege zur Einführung der unbestimmten Verurteilung. Ministerialdirektor B u m k« und auch die sozialdemokratischen Vertreter wiesen dagegen nach, daß die Auffassung der Deutschnationalen ganz unbegründet sei, und darauf ließ Herr Barth seinen Einspruch wieder fallen. 8 3 betrifft Gesetzesänderungen und sieht vor, daß bei gewissen Gesetzesänderungen zwischen Tat und Aburteilung das für den Täter günstigste Gesetz anzuwenden sei. D!« Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion beantragten, dah eine Bollstreckung einer Infolge Gesehesänderung nicht mehr zulässigen Strafe überhaupt nicht stattfinden dürfe. Auch diesem Wunsche gegenüber verhielten sich die Regierungsvertreter und die bürgerlichen Abgeordneten nicht völlig ablehnend. Nach längerer Beratung wurde die E n t l ch e i- d u n g über den Antrag unserer Genossen zurückgestellt und die Sitzung alsdann auf heute oertagt. Heute soll auch über den von unseren Genossen angekündigten Antrag entschieden werden, der inzwischen dahin sormuliert worden ist: Einen der fraktionellen Zusammensetzung des 32. Ausschusses entsprechenden Unlerausschuh einzusehen, der die Ausgabe haben soll, mit einem entsprechenden Ausschuh des österreichischen Ilational- rat» über den Strasgesehentwurs zu sortlausenden. gemeinsamen Beratungen zusammenzutreten. Die öeratung in Wien. Wien, 21. September.(Eigenbericht.) Im Nationalrat wurde die erste Lesung des Straf- gesetzentwurfs beendet. Adelheid Popp(Soz.) oerwies bei Besprechung der Frage der Schwangerschaftsuntcr- b r e ch u n g daraufhin, daß in Deutschland schon Erleichterungen in den gesetzlichen Bestimmungen getroffen sind, aber die österreichische Regierung sogar den gemeinsamen Entwurf noch oerschlechtert�jkabe, indem sie die Bestimmung über die ärztliche Jn/tation gestrichen hat.~ Dr. Renner(Soz.) bezeichnete es als außerordentlich be- trübend, daß die deutsche Nation sich selbst so barbarisch einschätze, dah sie die Todesstrafe noch nicht ausheben will. Der gegenwärtige Entwurf zeige in sehr vielen Bestimmungen, daß er in einer Periode der Gegenrevolution entstanden ist. Der Redner verwies ferner darauf, daß der Entwurf viel- fach nach den klerikalen Wünschen verschlechtert wurde. Man werde den österreichischen Klerikalen klarmachen müssen, daß das, was für das deutsche Zentrum erträglich ist, es auch für sie sein muß. Der Entwurf trage der Entwicklung der Gesellschaft nach 1918 nicht genügend Rechnung. So sage die Ver- fassung von Weimar, daß die Arbeitskraft unter dem Schutz des Staates stehe, In dem Entwurf fei davon aber kein« Spur zu finden: im Gegenteil, er enthalte zahlreiche Bestimmungen, die den Befreiungskampf der Angestellten und Arbeiter erschweren. Wir wollen die Rechteeinheit, schloß Renner, aber dieser Entwurf ist nur geeignet, die Vertrauenskrise zu- verschärfen. Wir werden in die Beratung eintreten, in der Erwartung, daß das Gesetz über den alpenländischen Separatismus triumphieren wird. Nachdem noch Dr. R a m e k(christl.-joz.) die Bestimmungen über die Geburtenbeschränkung zu verteidigen versucht l)atte, wurde beschlossen, einen Sonderausschuß aus 26 Mitgliedern einzusetzen. Wer ist flnaftasia! Dcntschnationnle Prrsscfchde um eine Zarentochter. Die„Nachtausgabe" des deutschnationalen Reichstags- abgeordneten Geheimrat Hugenberg und die streng national» 60prozentige deutschnationale„Tägliche Rundschau' liegen sich in den Haaren.. In der„Täglichen Rundschau" stellt eine Frau Harriet von Rathlef-Keilmann die Behauptung auf, Hilgenbergs „Nachtausgabe" habe sür eine höchst dunkle Affäre eine B e- stechungssumm? von 25 000 Mark erhalten. Das Organ des Herrn Hugenberg bezeichnet das als«ine Berleumdung und als unglaublich und kündigt an, daß sie gegen die„Tägliche Rundschau' bereits die notwendigen Schritte eingeleitet habe. Also nicht nur Feindschaft, sondern auch ein Kamps auf Leben und Tod. Der Grund? Im bayerischen Ort Seeon lebt bei einer Herzogin von Leuch- tenberg eine gewisse grau von T s ch a i k o w s k i, die von Leuten, die sich sür derartiges interessieren, für die Zarentochter Groß- sür st in Anastasia gehalten wird. Die„Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg kündigte schon im März mit einem großen Aufwand augenfälligster Reklame eine Artikelserie:„Die Entlarvung der falschen Anastasia' an, in der der Nachweis erbracht werden sollte, daß besagte Frau von Tschaikowski weder Frau Tschaikowski noch Großfürstin Anastasia, sondern mit einer polnischen Landarbeiterin Franziska Schanskowski identisch ist. Es erschien dann auch eine lange Artikelserie mit Nachforschungen, Dokumenten, Photo- graphien, Unterredlingen, Reisen in die Geburtsstadt der Schans- kowski und ihrer Gegenüberstellung in Seeon, die an kinodramatischer Spannung keinen Wunsch eines sensationshungrigen Publikums un- befriedigt ließ. Frau Harriet von Rathlef-Keilmann stellt nun in der„Täglichen Rundschau' die Behauptung auf, daß Hugenberge Nachtausgabe die„Entlarvung" nicht von sich aus betrieben habe, sondern daß sie zu diesem Zweck vom Erzgroßherzog Ernst Ludwig von Hessen, bekanntlich einem nahen Verwandten der Zarenfamilie, f ü r 25 000 Mark gekauft worden sei. Be- weis: die Aeußerung eines Redakteurs der„Nachtausgabe' in Ge- genwart zweier Zeugen. Das fei kurz vor der Anerkennung der Frau von Tschaikowski geschehen. Man habe weiter geplant, die unglückliche Frau, die weder geisteskrank noch irre sei, aus Seeon nach Berlin zu schassen und hier in einer Irrenan statt zu internieren, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Die„Nacht- ausgab«' habe mit ihrer Beröffentlichung also den„bedentli- ch e n Wunsch eines angesehenen Vertreters einer Dynastie' erfüllt. Es ist begreiflich, wenn die„Nachtausgabe" dies« schweren Vor- würfe nicht auf sich sitzen lassen will. Sie ist um so aufgebrachter, al» sie den Chefredakteur der„Täglichen Rundschau' vor der Ver- ösfentlichung der Anklagen in einem Schreiben gewarnt hatte, tn dem es heißt: „Alles, was die Frau o. Rathlef in der Angelegenheit Anasta- sia erzählt, ist Unsinn, Lüge und Verleumdung. Di« Entlarvungsaktion in Sachen Anastasia ist von uns, und zwar lediglich vom Scherlverlag, durchgeführt worden. Irgendwelche Gelder und dergleichen sind von anderer Seite an uns n i ch t g e z a h l t worden." Die„Tägliche Rundschau" hat sich dadurch nicht abhalten lassen. Man darf neugierig sein, was bei dem Streit der beiden Mon- archsstenblätter um die echte oder falsche Anastasia herauskommt. Man sieht: die Monarchisten haben nicht nur ihre Sorgen, sondern bei ihnen liegt auch jederzeit die Lunte neben dem Königsthron. Lanökeeis unü Kommune. Grzeflnski über die Revision der Kreisgrenzen. Auf dem Preußischen Landkreistag hielt der preußische Innenminister eine Rede, in der er sagte, eine allgemeine Revision der Kreisgrenzen sei zurzeit nicht möglich. Wo aber Um- gemeindungen als Folge der wirtschaftlichen Entwicklung notwendig geworden seien, dürfe man sie nicht nach engstem Nachbarrccht be- urteilen. Man müsse die Verwaltung so rationalisieren, daß die Stadt zu ihrem Rechte komm«. 2luf der anderen Seite müßten die Landkreise leistungsfähig bleiben. Das werde zu einer Verringerung ihrer Zahl führen. Die Möglichkeit einer planmäßigen Siedlung müsse dabei berücksichtigt werden, was bisher nur in unvollkom- menem Maße der Fall gewesen sei. Zum Schluß wies der Mi- nister die versammelten Landräte auf ihre Stellung als politische Beamte hin und sagte: Ich freue mich, feststellen zu können, dah sich die Herren Land- räte je länger je mehr auch als Vertreter des Heuligen Staates fühlen und nach ouhen hin entsprechend auftreten. Ich bitte. In diesem Ihrem Verhalten zu verharren, damit sich allüberall im Volke die Ueberzeugung durchsetzt, dah die ge- samt« preußische Staatsverwaltung, insbesondere in ihrer leitenden B e a m t e n s ch a s t. zu der Sie ja ge- hören, unbeschadet der persönlichen und politischen Ueberzeugung jede» einzelnen, sich als treue Vertreter des heutigen Staates, seiner Verfassung und seiner Gesehe fühlt. Die Bevölkerung, so schloß der Minister seine Ermahnung, werde das nötige Vertrauen zu der Staatsverwaltung haben, wenn ihre Vertreter im übrigen ihre Amtshandlungen und ihr sonstiges Tun in einem sozialen und ausgleichenden Geiste führen. Der Zoll Ratowski. Ein offiziöser Schritt und ein offiziöses Dementi. Paris, 4. September.(Eigenbericht.) Das Außenministerium teilt amtlich mit, daß die Meldung des „Matin" über einen bei der russischen Regierung wegen des Bot- schafters R a k o w s k i erfolgten Schritt nicht der Wahrheit ent- spreche. Wie der Vertreter des„S o z. P r« s s e d i« n st' erfährt, i st aber in der Tat«in Schritt des französischen Botschafters bei der Sowjet- regierung erfolgt. Dabei hat der Botschafter darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt besser durch eine andere Persönlichkeit als Rakowski geführt werde. Die Knechtung Süötirois. Lehrer Riedel abermals verhaftet. Man erinnert sich gewiß noch der grundlosen Verhaftung des deutschen Lehrers Riedel in Südtirol durch die fnschistisch-italienische Fremdherrschaft. Zluf den Proteststurm in den Nachbarländern hat inan schließlich diese Verhaftung, die zur Verschickung aus eine der Strafinseln sühren sollte, aufgehoben. Jetzt ist der verdiente alte Schulmann wieder eingesperrt worden, obwohl er inzwischen deutsch- österreichischer Bürger geworden ist. Er besaß im Augenblick der Verhaftung einen Heimatschein der Stadt Innsbruck, ein Zeug- nis über den Besitz der österreichischen Bundesbürgerschaft und einen Paß, den das österreichische Generalkonsulat in Mailand ordnungs- gemäß ausgestellt hatte. Mit Rücksicht auf diese Bundesbürgerschast haben die österreichischen Behörden wegen der Verhaftung bereits interveniert. Die versthmehung ist besthlossen! Der neue Nahrungsmittel- und Getränkearbeiterverband. Leipzig. 21. September.(Eigenbericht.) Am Mittwoch ist es nach wochenlangen Vorarbeiten gelungen. vier Gewerkschaflsverbände zu einer einheitlichen Organisation zu verschmelzen. Stundenlange Debatten wurden in den lehten Togen sür und wider die Verschmelzung geführt, und mit Spannung sahen olle der A b st i m m u n g entgegen. Die B ö t t- ch e r und 5 l e i s ch e r erklärten sich einstimmig für die Verschmelzung, der Lebensmittel- und Getränkearbeiterverband stimmte mit b> gegen S Stimmen dafür, die Vahrungsund Genuhmittetorbcitec mit 57 gegen 6 S t i m- wen. Somit ist die Verschmelzung der vier Verbände zu einem einzigen Verbände, dem Nahrungsmittel, und Getränke- arbeilerverband. erfolgt. Die weiteren Tagungen werden unter dem Zusammenschluß erfolgen. Die letzten Kämpfe. Leipzig. 21. September.(Eigenbericht.) Auf dem Verbandstag des Deutschen Nahrnngs- und G e- »uhmittelarbeiterverbandes wurde die Diskussion über den Zusammenschluß zu einer Einhcitsorganisation mit großer Leidenschaft, aber in sachlichster Weise geführt. Redakteur Laakes erklärte sich als Gegner des Zusammen- s ch l u s s e s. Der ganze Verlauf der Aussprache zeigte jedoch, daß die überwiegende Mehrheit sür den Anschluß war. In namentlicher A b st i m m u n g wurde mit 57 gegen 6 Stimmen der Zusammenschluß zu einer Einheits- Organisation beschlossen, ferner wurde die Nichtanerkennung des mit dem Verkehrsbund abgeschlossenen Kartcllvertragcs beschlossen und der Verbaudsoorstand beauftragt, in neue Verhandlungen ein- zutreten. In der Beratung zum Stakutenentwurf der Einhcitsorganisation. wozu viele Anträge vorliegen, wurde gemäß den Vorschlägen der antragstellenden Kommission verfahren. Der Verbandsooiftand erklärte sich damit einverstanden, daß die Einheitsarganisation den Namen„Nahrungs- und Genußmitkclverband" führt. In skrupellosester und verlogenster Weise hatte die k o m m u- n. i st i s ch e„Sächsische Arbeiterzeitung" über die Tagungen des Verbandes berichtet. Vor allen Dingen waren Aus- führungen von dem Vorsitzenden Diermcicr wiedergegeben war- den, die er gar nicht gemacht hatte. Die Tagung beschloß, den kommunistischen Berichterstatter von allen Tagungen auszuschließen. Der kominunistischc Delegierte K l ö ck n e r- Dresden, von dem ver- mutet wird, daß er das Material dem kommunistischen Bericht- erstakter übergeben Hot, wurde befragt, ob dies zutreffe: er wich trotz dringenden Befragens einer Antwort aus. Der kommunistische Delegierte aus Stuttgart konnte sich ebenfalls mit der Schreib- weise des kommunistischen Berichterstatters nicht einverstanden er- klären und fand mit seiner korrekten Einstellung die Zustimmung des Berbandstages. Leipzig. 2l. September.(Eigenbericht.) In der Aussprache über den Zusammenschluß auf dem Der- bandstag der Lebensmittel- und Getränkearbeirer wurden besonders der Kartellvertrag der Denag niit dem Verkehrsbund und der Satzungsentwurf kritisiert. Der Kampf für und gegen die Verschmelzung wurde immer schärfer, und gegen Mittag stieg die Spannung aufs höchste, als Graßmann vom A D G B. auf Anfrage eines Diskllsfionsredners die Entstehung des Kartcllvertrages nach den Alten der Denag den Delegierten zur Kenntnis brachte und mitteilte, daß der Denag bereit fei, den Kartellocrtrag nach Rücksprache mit den anderen Verbänden, die über de» Zusanunenschlutz berate», zu kündigen. Man be- schloß, den Vorsitzenden der Denag, Kollegen D i e r m e i e r, zu einer Erklärung darüber zu veranlassen, wie seine Organisation sich zu dem Kartellvertrag stellt. Dier meier gab die Erklärung ab, daß dem Kartell soeben vom Verbandstag der Denag die Zu- stiminung, die zu seiner Wirksamkeit erforderlich sei, versagt wurde, daß also der kortellverlrag nicht mehr bestehe. In der Nachmittogssitzung beantragten die Gegner der Verschmelzung mit Rücksicht auf die neue Situation die Vertagung des Berbandstages um 1 A Stunden, um sich über die Sachlage auszusprechen. Nach Wiedereröffnung des Verbandstages gab Kollege Brückl im Auftrage der 26 Gegner der Verschmelzung folgende Erklärung ab: „Diejenigen Delegierten des Vcrbandstaaes der Lebensmittel- und Getränkecrbeiter, die sich aus organisatorischen Gründen gegen den Zusammenschluß zu einem großen Verbände wandten, sehen nach wie vor im Zusammenschluß zu einem solchen Verband nicht die Vor- teile, die ein Teil der Verbandstagsdelegierten vom Zusammenschluß erhofft. Nachdem jedoch der Verbandstag der Bäcker dem Kartell- vertrag mit dem Berkehrsbund sein? Zustimmung nicht gab, glauben diese Delegierten, daß die bisherige bewährte Orgcmisationsform unseres Verbandes auch im neuen Verbände gesichert ist. Im Jnter- esse des großen Gedankens gewerksck)öftlich?r Konzentration und im Interesse der gesamten Arbeiterschaft geben aber auch diese Dele- gierten in ihrer Mehrzahl ihre Zustimmung zum Zusammenschluß." In, Schlußwort erklärte Berbandsvor sitzender Bockert: Nachdem der Verbandstag der Denag dem Kartzlloertrag seine Zustimmung nicht gegeben hat, derselbe also beseitigt ist, ersuche ich die Delegierten, einstimmig der Verschmelzung zuzustimmen. Im neuen Verbände werden wir unsere ganze Kraft einsetzen, um nicht nur die Interessen unserer Berufsgruppen zu wahren, sondern auch die Gesamtorganisation mit allen Kräften vorwärts zu bringen.(Starker anhaltender Beifall.) Die dann vorgenommene namentliche A b st i m m u n g über die Verschmelzung ergab: 61 Stimmen Ja, 5 Nein und 1 Stimmenthaltung. Die Versammlungen öer Straßenbahner. Die am gestrigen Abend abgehaltenen Betriebsversammlungen der Straßenbahner waren überaus stark besucht. Die Kommunisten und die christlichen Gewerkschaften suchten die Straßenbahner bei den Eingängen durch Flugblätter vergeblich für sich einzufangen. Auch in diesen Versammlungen wurde der Vcrgleichsoorschlag wie in den Vormittagsversammlungen mit großer Mehrheit ab- gelehnt, so daß nunmehr die U r a b st i m m u n g in den B e- trieben über Wciterarbcit oder Streik vorgenommen werden wird. die Lohnbewegung öer örauereiarbeiter. Noch keine Verftändigung. Am Dienstag vormittag wurde zwischen den Tariforganisationen und den Berliner Brauereien über die in der letzten Funktionär- Versammlung aufgestellten Forderungen oerhandelt, aber noch keine Verständigung erzielt. Die Verhandlungskomniission der Brauunternehmer war nur bereit, eine Lohnzulage von 6 M. pro Woche zu gewähren und er- klärte, nach der Ablehnung dieses. Angebotes durch die Arbeiter- Vertreter zu weiteren Zugeständnissen keine Vollmacht zu haben. Die Ilsiternchmcrverireter schlugen vor, die Verhandlungen bis zum nächsten Dienstag auszusetzen, damit sie von der Plenarversammlung der Unternehmer weitergehende Vollmachten einholen könnten. Die Arbeitervertreter erklärten sich mit der Vertagung der Ver- Handlung einverstanden und berichteten über den Stand der Lohnbewegung in einer ebenfalls zu Dienstag abend nach dem Rosen- thaler Hof einberufenen Funktionäroersaininlung, die sich nach der Entgegennahme des Berichtes ohne Debatte gleichfalls bis zum end- gültigen Abschluß der Verhandlungen wieder vertagte. Die Jirma Kahlbaum und das öetriebsrätegeseh. Die Firma K a h l b a n m ist einer der größtetz Likör-, Spiri- tuosen-, Kognak-»nd Weinfabritationsbetriebe Deutschlands. Be- sonders ihre Liköre und Spirituosen werde» in Zlrbcitcr- kreisen viel verbraucht. Früher ging dieser Firma ein gewisser Ruf der Arbeiter- fr eu ndli cht eit vorauf. Heute nicht mehr! Besonders seitdem das Unternehme» eine Unterabteilung des Konzerns der Schultheiß-Brauerei geworden ist. Seit dieser Zeit werden die Arbeiter ganz willkürlich behandelt. Den unteren Vorgesetzten ist das Recht der Entlassungen eingeräumt worden, was sonst in den Betrieben der Schulthciß-Patzenhofer-Brauerei nicht üblich ist. Eine besondere Antipathie ziehen sich diejenigen Arbeiter zu, die einmal krank werde». Nach dem Tarifvertrag muß die Firma einen lleincn Zuschuß an die Erkrankten zahlen. Alle Erkrank- t e n, fünf an der Zahl, mit einer Dienstdauer von drei bis sieben Iahren, sind gekündigt und entlassen worden. Der Be- t r i e b s r a t wurde�dabei glatt übergangen. Der Firma wie dem Betriebsleiter Fritz scheint der Betriebsrat recht unbequem zu sein. Außer den Erkrankten wurden noch weitere acht Mann ge- kündigt und entlasten. Noch 46 Mann sollen folgen. Die Eni- lassungen sollen sich durch die Zusammenlegung mit der Firma Kantorowicz ergeben. Dabei unterläßt es die Firma nicht nur, von sich aus eine Sitzung mit der Betriebsvertretnng anzuberaumen, nm der Bestimmung des§ 74 ARG. zu genügen, sie lehnte sogar das Verlangen des Betriebsrats auf E i n b e r u- s u n q einer Sitzung a b. Dr. t e P e e r d t erklärte, dazu sei jetzt keine Zeit. Zur Entlassung der Arbeiter ist ojsenbar Zeit. Die Organisation der Arbeiterschast der Firma erhob gegen dieses Verhalten Einspruch, wurde aber mit derselben Antwort von den Herren abgefertigt. Nicht einmal das Dienstalter wird bei den Eni- lassungen berücksichtigt. Während die Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei den Arbeitern, die bei Uebernahme von anderen Brauereien entlassen wurden, wenigstens eine angemessene Entschädigung zahlte, ist bei Kahlbaum davon keine Rede. Arbcilsmangel besteht nicht,«s ist Arbeit genug da. Man sucht eben irgendwie unbequeme Arbeiter loszuwerden. Wie weit die Willkür geht, geht daraus hervor, daß man F l a s ch e n b r u ch, der beim Beliefern der Kuudschast mit Ware entsteht, den im Fuhrpark Beschäftigten v o m Lohn abzieht, ohne auch hier den Betriebsrat gehört zu haben. Wenn die Firma glaubt, den Betriebsrat dauernd mißachten zu können, dann mag zunächst die Oefsentlichkeit ihr Verhalten beurteilen. Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutschlands, Ortsvercin Berlin. Die öraunkohlenherren an üer Arbeit. Tarifwidrige Ueberschichten. Halle. 21. September.(Eigenbericht.) Die Grubenoerwaltungen haben am vergangenen Sonntag für eine Reihe von Betrieben S o n nt a g s a r b c i t für die Belegschaft angeordnet. Dasselbe ist ohne Mitwirkung der B e- ,t r ie b s r ä t e geschehen. Der Zweck der Sonntagsarbeit war, die Arbeiter von den Versammlungen der Organisa- tionen fernzuhalten. Nach Z 78 des Betriebsrätegesetzes in Verbindung mit 8 4 des Tarifvertrages dürfen Ueber- und Sonntagsschichten nur unter Mitwirkung des Be- triebsrates verfahren werden. Wo dieses nicht geschehen ist, müssen die Betriebsräte Beschwerde bei der Werksleitung bzw. dem Schlichtungsausschuß erheben. Die Arbeiter des Braunkohlen- bergbaus werden von den Gewerkschaften aufgefordert, jegliche Ueberarbeit, die ohne Mitwirkung des Betriebsrates angeordnet ist, abzulehnen. Der Konflikt in Gflfachsen. Ter Schlichter soll helfen. Dresden. 21. September.(Eigenbericht.)' Die ostsächsischen Tcxtilunternehmer haben zur Regelung des Tarifstreites d?n zuständigen Schlichtungsausschutz angerufen. Weiter wird gemeldet, daß das R e i ch s a r b e i t s m i ni st e r i u m eingegriffen, und als Schlichter den Oberregierungsrat Dr. Opitz vom sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium bestimmt hat. Die Schlichtungsoerhandlungen finden heute in Dresden statt. Es ist verständlich, wenn Unternehmer und Reichsarbcits- (1 Ministerium jetzt mit Hilfe der behördlichen Schiedsinstanzen ver- suchen, den Konflikt beizulegen, könnte doch ein Lohnkampf, etwa ein Streik, den Unternehmern und der gesamten Bolkswirtschaft schweren Schaden zufügen. Den Unternehmern scheint ihre Siel- lung unangenehm zu werden, sonst wäre es gar nicht verständlich, daß der Schlichtungsausschutz angerufen wird, und daß sie folgende Notiz verbreiten lassen:, „Die Gewerkschaften hielten an ihrer Grundforderung(Er- höhung der Löhne und Verschiebung des Verhältnisses in der Eni- lohnung der verschiedene Arbeitsgruppen) fest, während der Arbeit- geberoerband es ablehnen muhte, Verhältnisse zu ändern, die früher in sorgfältiger Erwägung des Wertes der einzelnen Arbeitsleistung gefunden worden waren und seit Jahren bestanden haben." Deutlicher kann nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß die Unternehmer den Karren gründlich verfahren haben. Der Schlichter wird keine leichte Aufgabe haben, einen Kampf von ungeheuren Dimensionen und unübersehbarer Beeinträchtigung des Wirtschafts- lebens zu oerhüten. Zum Streikabschluß in Krefeld. Die Funktionäre des Deutschen Textilarbeiterverbandes und die Betriebsräte in der Krefelder Seidenindustrie haben der Vereinbarung zur Beilegung des Streiks einstimmig zu- gestimmt. Diese Stellungnahme der Funktionäre ist die best« Antwort auf das Gerede der kommunistischen Presse, die von einem „Verrat an den Seidenarbeitern" spricht. Bei der Lohnbewegung in der Kreselder Seidenindustrie hatte sich der Hauptwiderstand der Unternehmer gegen die im Schieds- spruch vorgesehene generelle Erhöhung der Akkord- löhne von 5 bzw. 3 Proz. gerichtet. Die Parteien fanden schließ- lich in neuen Verhandlungen einen Weg zur Lösung der Streit- frage. Durch die weitere Erhöhung der Zeitlöhne und der Akkordbasis über den Schiedsspruch hinaus wurde erreicht, daß die große Mehrzahl der Akkordarbeiter nicht nur direkt von der Lohnerhöhung erfaßt wird, sondern auch eine Besser st ellung erfährt, wenn sie im Zeitlohn arbeiten muß.(Im Durchschnitt arbeiten die Stosfweber zum Beispiel wöchentlich drei bis vier Stunden im Zeitlohn.) Wichtig ist ferner, daß die Akkord Zuschläge von 16 auf 15 Proz. erhöht wurden. Die Akkordbasis des Zweistuhlwebcrs stieg von 61,1 auf 72,5 Pf. Die Zeitlöhne der F r a u c n wurden denen der Männer gleichgestellt, was eine Erhöhung bis zu 46,8 Proz. bedeutet. kommunistischer Gewerkschaftskongreß in Frankreich. Generalftreiksiasko. Paris, 21. September. Der Kongreß des kommunistischen Gewcrkjchaftsbundes ist am Montag in Bordeaux in Gegenwart von 866 Delegierten eröfsnet worden. Die Aussprache über den Rechenschaftsbericht wurde durch eine lehr pessimistische Rede des Sekretärs Monmousseau eingeleitet. Er vertrat zum allgemeinen Erstaunen der Mehrheit der Versammlung den Standvunkt, daß die Methode und die Taktik des kommunistischen Gewerkschastsoerdandes starker Reformen bedürften. Der Gewerkschaftsbund habe einen großen Fehler begangen, indem er die Lösung der Probleme, die vor allein, die Arbeiter berühren, zu sehr von theoretischen, statt von praktischen Gesichtspunkten aus anfasse. So sei der Cewerkschasts- bund von Enttäuschung zu Enttäuschung geschritten. Das hätte begonnen mit dem Fiasko des Generalstreiks gegen den Marokko-Krieq und geendet mit demselben Fiasko bei der Organi- sation eines Generalstreiks für Sacco und Banzetti. Deutscher Laugewerksbund. Laugewerkschasl Berlin, Fach- grnppe der Slaker. Laut 8 16 des Tarifvertrages für das Staker- gewcrbe müssen alle Arbeitskräfte durch den Arbeits- Nachweis Gormannstraße bezogen werden. Es ist deshalb not- wendig, daß sich alle arbeitslosen Staker und Schütter im Nachweis für das Baugewerbe eintragen lassen. Das Um- schauen hört also mit dem 1. Oktober 1927 auf. Die Vermittlung findet täglich durch den Nachweis der Maurer von 12 bis 13 Uhr statt.__ Di« Fachgruppenleitung. Einheitsverband der Eisenbahner. Die heutige Fuuitionärlonscrenz ist nicht in Schmidt» Selclllchaftshan», Frnchtstrnkr, sondern in den a-nlordi-.Festsälcn, Andreoostraße. Freie Sewerlschaftojngcnd Sroh-Berlin. Heute, Donnerstag, WA Uhr, tagen die Gruppen: SUdmcsten: Jugendheim Jorckstr. 11(Fabrikgedäude). flursus:„Bom Werden und Wollen der Jugendbewegung."— Köpenick: Sruppe»- heim Jugendheim Grünauer Str. S. Lolksianzabend.— Lichtenberg! Gruppen- heim Lyzeum, Sermaniasir. I-S. Zack-Londan-Äbend.— Südosten: Gruppen. heim Rcichenbcrger Str. Sß cFeuerwehrhausj. Bortrogsfortsehung:„Jugend und sexuelle Frage."— Gesundbrunnen: Grupvcnheim Rote Schule, Goten» burger Strohe. Diskussiansabcnd: �Frcigcwcrtschafiliche Jugendarbeit."— Baumschulenmeg: Spielen auf dem?MB..>rpartplatz.— Morgen, Freitag, ist die Iugcndzentrale von IS— 19 Uhr geössnct.— Holt die Karten sür da» Epieltresfeii„Lommerausklang" am Sonntag ab. Iugendgruppc des ZdA. Heute, Donnerstag, I9ZH Uhr, folgende Veranstaltungen: Tchöneberg: Jugendheim Haupistr. 1Z i Hofgebäude 1 Tr., Dhllringen- zimmer). Lichtbildervortrag:„Die Liincburgcr Heide" iVrcdow).— Charlotten» bürg: Jugendheim Nasinenstr.«. Ucbuna in kurzen Referaten.— Ab ig Uhr Spielen auf der Spielwiese im Schillcrpark. Rasenspielc, Volkstänze, Ballspiele. Achtung, AEG. Kolanicstrahc und Treptow! Am Freitag, 2Z. September, 19 Uhr, Versammlung aller SPD..Gcnossen bei Carus, Volta- jg Wichtige Tagesordnung. Der groltionsoorstand. Verantwortlich illr Volitil: Richard Bernstein; Wirtschaft: E. Klingelhöser; und Lerlagsanstal» Paul Singer u Co. Berlin CW 98. Lindenstrahe 8. Hierzu 1 Beilage und„Unterhaltung und Wiffrn". Zu jedem Pfund der Tafelmargarlnc„Frische Real**»erlange man gratis den neuesten Baad der Reti-UaufbOcfaerel! Vertreter der T.M.W. NQrnberg; Resi-Agentor, Berkin NO 43. Neu» Küolgstr.ffl. Tel» Ktalgatadt 1861, 1866, iwi. !?r. 44$ ❖ 44. Jahrgang 1. Seilage ües Vorwärts Vonnerstag, 22. September 1927 Die Laufbahn öes Jassaöenkletterers. Zwölf Jahre Zuchthans für Wald. Nach längerer Beratung verurteilte gestern abend das Er- weiterte Schöfsengericht Charlottenburg Jrih Wald wegen schweren Rücksalldiebstahls in 13 Aalten' unter Einbeziehung der Münchener und Dresdener Urteile zu einer Gesamtstrafe von 12 Zähren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Polizeiaussicht, den Kaufmann Traugott L o h r e r wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu Z Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und polizeiausticht. Arau Strunck und Arau Zllbrecht wurden aus Kosten der Staatskasse mangels Beweises freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Bode aus: Das Gericht hat unbedenklich verneint, daß dem 2ln- peklagten Wald mildernde Umstände zuzubilligen seien. Der Angeklagte hat selbst zugegeben, daß er etwa 50 bis 55 gleichliegende Einbruchsdiebstähle durch Aassadenkletlerei verübt hat. Anderer- seils Ist nicht zu verkenneen. daß die ganze Persönlichkeit des 2!ngek!agten nicht den Typ eines Verbrechers darstellt, der mit Gewalttätigkeit und rücksichtslos aus sein Ziel losging. Die Verhandlung hat nicht unsympathische Züge des Angeklagten gezeigt, aber bei der Fülle seiner Straftaten konnte das Gericht nicht er- heblich unter die höchststrose(15 Jahre Zuchthaus) herunter- gehen. Wald nahm die Strafe sofort an. Im weiteren Verlauf des Prozesses gegen den Fassaden- kletterer Wald kam der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Vöde, auf das Etrasregister des Angeklagten zu sprechen. Wald ist zuerst wegen versuchten schweren Diebstahls in Berlin mit einem Monat Gefängnis, dann in Osnabrück zu vier Monaten Gefängnis, wiederum in Berlin zu sechs Monaten Gefängnis und 1919 in Frankfurt a. d. O. zu 1 Jahr 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Dann hat Wald erst im Jahre 1925 vom Schöffengericht in München wegen Einbruchsdiebstahls im Rückfalle 3 Jahre Zuchthaus und im Anschluß daran wegen seiner gleichartigen Straftaten in Dresden weitere 5 Jahr« Zuchthaus erhalten. Dies« 9 Jahre Zucht- Haus»erbüßt er gegenwärtig. Jetzt fragt der Vorsitzende: Nach dem Strafregisterauszug sind Sie von 1919 bis 1924 unbestraft. In Homburg haben sich die meisten Fälle abgespielt. Nach den polizeilichen Ermittlungen sind dort 1324 und 1325 63 Einbrüche ausqesührl, die sämtlich in derselben Art durch Fassaden- kleiiern. also nach Ihrer Methode begangen sind. Der Angeklagte erklärt: Es können noch drei oder vier Fälle mehr in Hamburg gewesen sein, als ich eingestanden habe. Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, ob er die Berliner Fälle offen zugebe, erklärte der Angeklagte ohne Besinnen: Jawohl. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Walds Grundsatz war, nie Gewalt anzuwenden, sondern sich immer nur aus seine Geschicklich- keit zu verlassen, sagt der Angeklagte: Das stimmt. Ich habe mir immer nur solche Opfer ausgesucht, die in den Ruf standen, erhebliche Reichtümer zu besitzen. Er rechnete damit, in den Schlaf- zimmern immer Schmucksachen zu finden.— Es wurden dann init dem Angeklagten die vier Berliner Einbrüche durch- gesprochen. Zu dem ersten Falle, einem Einbruch in der Bleibtreu- straße, machte der Angeklagte das Geständnis, daß er erfahren batte, daß in einer Wohnung im- ersten Stockwerk immer viele Schmucksachen, Gold und Devisen zu finden seien. Unter der Beute befanden sich große Perlenketten, Brillanten und Silber- gerät im Werte von 50 090 bis 100 000 M. In ähnlicher Weise hat sich der zweite Einbruch am Kurfür st endamm abgespielt. Auf einem Spaziergang beobachtete W., daß bei der Wohnung auch Bureauräume waren. Da sagte er sich, daß dann auch Bar- g e l d da sein werde. Wald machte dabei«inen halsbrecherischen Sprung mehrere Meter durch die Luft. Es war ein Lustsprung von 1� Meter und ein« sehr schwierig« Kletterpartie. In einem Zimmer entdeckte er den Geldschrank und sagte sich, daß er die Schlüssel wohl im Schlafzimmer finden würde. So war es auch. Sie befanden sich in einer Tasche in der Hose. Im Geldschrank fand er 3000 M. Zu dem dritten Fall, einem Einbruch bei einem Generaldirektor am Kurfür st endamm, meinte der Angeklagte: Zufällig entdeckte ich in der ersten Etage ein offen- stehendes Fenster und bin« i n ge st i e g e n. Auch hier gelangte ich ins Schlafzimmer. Ich habe im Vorderzimmer mehrer« Schränke erbrochen und suchte nun das Schlafzimmer der Ehefrau, da ich nicht wußte, daß es sich um einen Junggesellen handelte. Als ich eine Tür aufklinken wollte, erwachte die Wirt- schafterin und schlug Lärm. Es war mir nicht anders möglich zu flüchten, als mir einen Kobardinmontel anzuziehen und den Herrschaftsausgang zu benutzen. Di« Verhandlung bot, als die Hamburger Fälle von ihm zur Erörterung gelangten, auch einig« heitere Momente. Unter all- gemeiner Heiterkeit erzählte Wald ein Erlebnis bei einem Ein- bruch, bei dem er nichts weiter als Silbersachen im Werte von 3 5 0 00 Mark ergattert hatte. Als er die Wertstücke zusammen- gepackt hatte, ließ er das schwere Paket an einem Strick herunter und kletterte hinterher. Unten angelangt, stand er zu seinem Schrecken plötzlich vor dem Wächter des Hauses, aber sein Schrecken legte sich bald, als er wahrnahm, daß dieser den Schlaf des Gerechten schlief und laut schnarchte. Auf die Frage, wie er Frau Strunck, die aus sehr guten Hamburger Gesellschaftskreisen stammt, und deren Bruder, der ehemaliger Offizier ist, kennengelernt hat, erklärte der Angeklagte, daß er in Hamburg als Juwelenhändler im Hotel Atlantik ge- wohnt habe. Eines Abends habe er in der„Fledermaus" Frau Strunck kennengelernt. Schon nach zwei Tagen habe sie ihm zu seinem Erstaunen das Anerbieten gemacht, bei ihr zu wohnen. Da er sich von seinem Hehler Lohrer verraten glaubte, habe er sich dort vor der Polizei sicherer gefühlt und das Angebot a n- genommen. Gelegentlich habe er ihr gegenüber etwas von seiner Tätigkeit durchblicken lassen, es sei aber möglich, daß sie das für«inen Scherz gehalten habe. Der Angeklagte gab auch zu, seiner Freundin Geschenke gemacht zu haben. Er sei überhaupt immer mehr der Gebend« gewesen. Manchmal war ich ja etwas knapp bei Kasse, aber 400 bis 500 Mark hatte ich immer bei mir. Weiterhin belastete der Angeklagt« besonders schwer Lohrer, von dem er behauptete, daß er ihn um seinen Anteil an der Beute immer wieder betrogen habe. In der ersten Zeit habe er keine Kenntnis von Perlen und Juwelen gehabt und sich von Lohrer vorreden lassen, daß die Sachen unecht seien. Der Angeklagte L o h r e r, der schon wegen Hehlerei mit 6 bis 7 Iahren Gefängnis und Zuchthaus vorbestraft ist, be- stritt jede Verbindung mit Wald und bezeichnete dessen Angaben als falsch. Auch Frau Strunck und Frau Albrecht be- stritten ihre Schuld. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Horn rechnete Wald zugute, daß er ein freiwilliges Geständnis abgelegt und n i e Gewalt angewendet habe. Deshalb wolle er gegen ihm die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus nicht beantragen. Anderer- seits aber habe Wald eine außergewöhnliche verbrecherische Energie gezeigt, wie man selten bei jemand finde. Er habe auch großen Schaden verursacht, da er hohe Werte erbeutet und verschleudert habe. Der Staatsanwalt beantragte gegen Wald einschließlich der bereits in München und Dresden gegen ihn erkannten 3 und 6 Jahre Zuchthaus eine Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthaus. 10 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Den AngeNagten Lohrer hielt er für überführt. Es entspreche nicht den Charakter- eigenschasten Walds, einen Unschuldigen zu belasten. Gegen ihn wurden 3 Jahre Zuchthaus und 5Jahr«Ehrverlust beantragt. Wenn Frau Strunck anfänglich ihre Auskünfte gut- gläubig gemacht haben sollte, so müsse sie später doch, als sich die Meldungen über die Einbrüche häuften, zumal, da unter den Be- stohlenen teilweise Leute waren, zu denen sie in persönlichen Be- Ziehungen stand, gewußt haben, was vorgehe. Außerdem mußte ihr ausfallen, daß der„Iuwelenhändlcr" mit den Schmuckstücken so verschwenderisch herumwarf. Auffällig sei auch, daß sie einen getragenen Fuchspelz und gebrauchtes Silbergeschirr sich schenken ließ. In der gleichen Weise sei auch Frau Alb recht der Hehlerei überführt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Frau Strunck wegen Beihilfe zum schweren Diebstahl und Hehlerei 2 Jahre Gefängnis, gegen Frau Albrecht wegen Hehlerei 9 Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Herz bat für Wald um eine geringere Strafe. Rechtsanwalt Dr. Alsberg bestritt jede Schuld von Frau Strunck, und dasselbe taten die Rechtsanwälte Dr. Hilde- b r a n d t und Auerbach für Frau Albrecht. Die gesetzliche Miete ab 1. Oktober. 120 Proz. der reinen Fricdensmicte.— Keine Cr- höhung der Hauszinssteuer. Nach reichsgesehlicher Dorschrist und laut preußischer Verordnung vom 26. März d. I. beträgt die gesetzliche Miete ab 1. Oktober d. Z. 120 Proz. der reinen Friedcnsmiete. hat der Mieter die sogenannten Schönheitsreparaturen übernommen, so beträgt die gesetzliche Miete 116 proz. der reinen Ariedensmiete. Zur Behebung von Zweifeln wird vom Amtlichen Preußischen Pressedienst darauf hingewiesen, daß im übrigen die preußischen Vorschriften über die Mietzinsbildung auch in Zu- kunft unverändert in Kraft bleiben. Dies ist zunächst für die Feststellung der reinen Friedensmiete, nach der sich die gesetzliche Miete errechnet, von Bedeutung. Ebenso sind auch weiterhin neben dem genannten allgemein gültigen Satz von 120(116) Proz. in be- sonderen Fällen Umlagen entsprechend dem bisherigen Versahren zulässig. U. a. können daher, wie bisher, die Kosten der Heizstosse für Sammelheizung und Warmwasserversorgung sowie die Betriebs- und Instandhaltungskosten der Fahrstuhlanlage auf die Mieter um- gelegt werden. Der Vermieter ist weiterhin berechtigt, in denjenigen Gemeinden, in denen der gemeindliche Zuschlag zur Grundoer- mögenssteuer mehr als 100 Proz. der staatlichen Grundvermögens- steuer beträgt, den 100 Proz. übersteigenden Betrag auf die Mieter umzulegen. Diese Umlage darf lediglich in der tatsäch- lichen Höhe des Steuerb« träges erfolgen, nicht aber in festen Hundertsätzen der Friedensmiete. Im übrigen wird darauf aufmerksam gemacht, daß bei Fest- setzung der gesetzlichen Miete bereits der dem Vermieter reichsgesetzlich zustehende Betrag für die am 1. Januar 1928 von 3 Proz/ auf 5 Proz. sich erhöhenden Zinsen ausgewerteier Hypo- t h e k e n Berücksichtigung gesunden hat.(Vgl. Z 2 Abs. 3 letzter Satz des Gesetzes über den Geldentwertungsausgleich bei bebouten Grundstücken vom 1. Juni 1926 und lj 28 des Auswertungsgesetzes vom 16. Juli 1925.) Diese Zinserhöhung entspricht durchschnittlich etwa 8 Proz. der Friedensmiete. Eine Erhöhung des Hauszins steueranteils tritt nicht ein. Der Detrug in üer Staatslotterie. Nachziehung der Gewinne. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird von der Preu- ßischen Generallotteriedirektion mitgeteilt: j Die Ausspielung der den Spielern in der 5. Klasse der 28. Preußisch-Süddeutschen(254. Preußischen) Klassenlotteric durch Betrug entzogenen Gewinne von 100 000 M. und 25 000 Hl. er- folgt durch eine Nachziehung, an der alle Losnummern der 28. Klassenlotterie teilnehmen, auf die in der Hauptziehung kein Gewinn oder nur ein Betrag unwr 100 000 M. entfallen ist. Fällt in der Nachziehung der Gewinn von 100 000 M. oder 25 000 M. auf eine Losnummer, die bereits in der Hauptziehung mit einem niedrigeren Gewinn gezogen ist, so wird der niedrigere Ge» winnbetrag weit er ausgespielt und dies Verfahren f»> lange fortgesetzt, bis der Gewinn auf eine Nummer fällt, die in dos Hauptziehung als Niete im Rade geblieben war, wobei Nummern mit einem höheren oder gleich hohen Gewinn in der Hauptziehung unberücksichtigt bleiben. Die Einschüttung der Nummern- röllchen und der beiden Gewinrrröllchen erfolgt am Montag, dem 2 6. September d. I., vormittags 8 Uhr. Die Ziehung be- ginnt«rm Dienstag, dem 27. September, vormittags 8 Uhr, im Ziehungssaal der Preußischen Generallotteriedirektion, Berlin, Jägerstr. 56._ Neberfall auf einen Bureauboten. Ein frecher Ueberfall wurde gestern gegen 14 Uhr auf einen jugendlichen Boten eines technischen Bureaus in der Hauptstraße zu Schöneberg verübt. Der sechzehn Jahre alte Erwin I a u r i s ch, der für die Firma sonst öfter Geld von der Bank zu holen und einzukassieren hat, war gestern ausnahmsweise auf einen anderen Besorgungsgang ausgesandt worden. Er trug, als er zurückkehrte, in seiner Aktentasche nur Werkzeuge bei sich. Im Hausflur. fiel plötzlich ein Mann über ihn her, schlug ihn zu Boden. entriß ihm die Aktentasche und rannte damit aus die Straße. Am Rebeichause hatte er sein Fahrrad bereitgestellt, um schneller flüchten zu können. Iaurisch, der inzwischen zu sich gekommen war, rief laut um Hilfe, und so konnte durch die Beteiligung von Passanten der Äie Silbersclhivärme 63s Von£ReX Vearf)(Nachdruck verböte» Ratorlflert« Tleberfetzvng au« de« Euglischeu vou Julia Moppet Emersons Gesicht war unter der sonnenverbrannten Haut grau geworden und seine Stimme drohte ihm zu versagen, als er antwortete:„Ich bin kein Verräter, und Sie wissen es. Ich glaubte, Sie seien ein Mann von Ehre, und ich kam zu Ihnen nicht um Hilfe, sondern um Gerechtigkeit von Ihnen zu fordern. Ich erkenne aber, daß ich mich geirrt habe, und fast scheint es mir, daß Marsh nach Ihren Instruktionen ge- handelt hat." „Glauben Sie was Sie wollen." „Sie meinen, daß Sie mich vernichtet haben, noch aber ist es nicht so weit. Ich werde Sie noch überwinden." „Sie können mich in keiner Beziehung überwinden." Herrn Waylands Kiefer waren eisenhart geschlossen. „Vielleicht nicht in diesem Jahr, aber im nächsten. Sie und Marsh werden mich vielleicht diesmal schlagen: der Lachs aber kommt wieder, und ich werde meine Fabrik allen Teufeln zum Trotz weiterführen..." Wayne Wayland machte den Versuch, ihn zu unter- brechen, Boyd aber ließ ihn nicht zu Worte kommen. Mit drohender Haltung und bebender Stimme fuhr er fort: „Ihnen aber rate ich, Ihre Hände davon zu lassen. Versuchen Sie nicht Ihre finanziellen Kniffe gegen mich anzuwenden, sonst— Wayne Wayland sprang von seinem Stuhl auf, sein Ge- ficht war purpurrot und seine Augen flammten. „Verlassen Sie diese Jacht," donnerte er.„ich lasse mich nicht beleidigen und Ihre Drohungen schrecken mich nicht." Er streckte seine große viereckige Hand aus und schloß sie so heftig, daß es in den Fingern knackte.„Sie werden meine Macht noch zu fühlen bekommen!" Boyd wandte sich und verließ die Kajüte. Halb blind vor Zorn taumelte er in seine Barkasse hin- unter. „Zurück zur Fabrik," befahl er und bliitte mit trotzigen Augen zu der„Grande Dame" zurück, die ruhevoll wie ein Schwan dalag. Der Zorn, den er gegen Mildreds Vater jichlte, übertäubte im Augenblick die Enttäuschung, die er über Mildreds Mangel an Verständnis und kühle Art empfunden hatte. Er hatte versucht, ehrlich gegen einen Feind zu kämpfen, der keine Skrupel kannte. Jetzt aber fühlte er sich vollkommen geschlagen und gedemütigt, er war ja nichts an- deres als ein Abenteurer, ohne Freunde und ohne Hilfs- quellen. Sein langer, verzweifelter Kampf hatte ihn zu einem Manne gemacht, der vor keinem Mittel mehr zurück- schreckte. Warum sollte er edler handeln als Wayne Way- land und Marsh es von ihm erwarteten? Als er die Fabrik erreichte, hatte er seinen Entschluß gefaßt... Das Unerwartete aber war eingetroffen! Und Boyds schwarze Verzweiflung verwandelte sich in Staunen über den Anblick, der sich seinen Augen bot! Neben dem Dock lag ein Prahm, und der Prahm war bis an den Rand mit einer Ladung gefüllt, daß er glaubte, er habe den Verstand ver- loren. Bei Sonnenaufgang hatte er gesehen, wie seine spar- liche Mannschaft von Netzfischern mit leeren Händen zurück- gekommen war, erschöpft und mutlos, und jetzt sah er vor sich Tausende und Abertausende von Lachsen, auf dem Dock und in den Schuppen, während aus dem Prahm von den Hand- langern ganze Haufen heraufgeworfen wurden: durch die offenen Türen sah er die Rücken der Flenser, die eifrig über ihre Fische gebeugt standen, und hörte den Lärm seiner Fabrik, die zum erstenmal mit voller Kraft arbeitete. Bevor die Barkasse noch angelegt hatte, sprang er die Treppe hinauf und lief oben auf dem Dock geradenwegs in die Arme des großen George. „Wo— wo kommen diese Fische her," rief er atmelos. „Aus der Falle." George lächelte, wie er seit vielen Wochen nicht gelächelt hatte.„Ich wußte ja, daß sie kommen würden, und jetzt kommen sie zu Tausenden angeschwärmt. Seit vielen Iahren habe ich in diesen Fahrwassern gefischt, solche Unzahl von Lachsen aber habe ich noch nie gesehen, sie sind drauf und dran, unsere Falle zu sprengen: sie sind drauf und dran, sich in den Reusen selbst zu ersticken. Es ist ein Anblick, wie du ihn nicht noch einmal in deinem Leben zu sehen bekommen wirst." „Das bedeutet, daß wir die Fabrik in Gang halten, daß wir alle unsere Leute zum Verarbeiten der Fische verwenden können?" „Wir werden so viele Fische haben, daß wir zwei Fa- briken in Gang halten könnten. Wir brauchen keine Netz- fischer mehr, wir brauchen nur Schlachter und Flenser und Handlanger, damit wir den ungeheuren Fang verarbeiten können. Es gibt keinen besseren Platz im ganzen Norden für eine Falle, das habe ich Willis Marsh schon vor Iahren ge- sagt." Er schwang seinen langen, behaarten Arm, der bjs an die Schultern entblößt war, triumphierend.„Wir haben unsere Fabrik gebaut, um vierzigtauscnd Lachse am Tage ein- zukochen, ich aber werde dir dreitausend Fische jede Stunde bringen, und du mußt sie einkochen." „So konnten sie uns unseren Fang also doch nicht nehmen!" Emerson lehnte sich schwankend gegen eine Kiste, es wurde ihm schwarz vor Augen. „Nein. Wir werden der Bande zeigen, was eine Lachs- konservenfabrik taugt. � Marchs Fallen können verfaulen!" Der große George schüttelte seine Faust.„Wir haben gesiezt, mein Junge! Wir haben gesiegt!" „Was stehen wir hier und verlieren die Zeit durch Reden!" rief Emerson heftig.„Vorwärts, vorwärts!" Er eilte über das Dock zur Fabrik. Am Eingang des pulsierenden, lärmenden Gebäudes blieb er einen Augenblick stehen und blickte lächelnd zur Jacht hinaus, die in einiger Entfernung sich träge auf dem Wasser wiegte. Dann ging er hinein. Seine Knie waren so müde, daß sie unter ihm zusammenzubrechen drohten. 25. „Ich habe die Neuigkeit erfahren!" rief Cherry später am Nachmittag, indem sie ihre Stimme erhob, um sich durch den Lärm der Maschinen verständlich zu machen. „Ja," sagte Boyd,„es scheint dennoch eine Vorsehung zu geben." „Ich freue mich für Sie und ich möchte um Entschuldi- gung bitten, weil ich vorhin so heftig wurde. Kommen Sie an einem Ort, wo man sein eigenes Wort verstehen kann. Ich habe mit Ihnen zu sprechen." „Für meine Ohren ist es die schönste Musik," antwortete er, indem er sie an den Reihen der Chinesen vorbeiführte. die sich vor ihren qualmenden Fackeln beugten, als ob sie einen heidnischen Gottesdienst verrichteten.„Aber es wird mir gut tun, einen Augenblick zu sitzen. Seit sechsunddreißig Stunden bin ich auf den Beinen gewesen." „Armer Mann! Warum haben Sie gar nicht ge» schlafen?" „Keine Zeit. George kommt mit noch einer Ladung Fische, und die Fabrik ist so neu, daß ich sie auch nicht eine einzige Stunde zu verlassen wage." (Fortsetzung solgt.sj J RSub«r v«rfofgt mib ergriffe« Huf b« Wach» wurde er festgestelll eis ein zwanzig Iahe» alter Schlosser Karl B r ö ch e r. Er gibt den Ucberfall zu und erklärt, daß er in der Tasche des Boten Lohngelder oermutet habe. Bracher wurde der Kriminalpolizei zugeführt._ Die Werkspionage-Affäre. Warum Direktor Ithlich verhaftet wurde. Wir wir bereits kurz mitteilten, ist vorgestern nachmittag Direktor U h l i ch von den Riede-Werken in Bad Elster, wo er zur Kur weilte, verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis Adorf eingeliefert worden. Der Stuttgarter Kriminaloberinspektor Herold wird das gesamte beschlagnahmte Material nach der Sichtung nach Adorf mitnehmen, um es dort dem Untersuchungsrichter zu unterbreiten. Uhlich soll verdächtig sein, Fabrikgeheimnisse der SKF.- Norma-Werke durch Bestechung an sich gebracht und für die ihm verratenen Geheimnisse Geld gezahlt zuhaben. Die Untersuchung wird aber wahrscheinlich noch weitere Kreis« ziehen. Sie erstreckt stch nicht bloß aus die Schweiz, sondern auch aufgroßedeutscheJndustriestädte nach der Richtung, daß sich Uhlich auch aus anderen Fabriken auf unlauteren Wegen Material für seinen Betrieb verschafft hat. Ob em Verdacht in dieser Beziehung begründet ist, läßt sich aber jetzt noch nicht sagen. Auf- klärung wird erst der Abschluß der ganzen Nachforschungen durch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bringen können. An diese geht auch das ganze Material, das die drei in den Riebe-Werken verhafteten Ange st eilten betrifft. Zwei von diesen werden voraussichtlich in Haft behalten bleiben. Anders liegt die Sache bei dem dritten. Bei ihm liegen keine direkten Beweise dafür vor, daß er Zeichnungen oder Berechnungen aus den Norma-Werken entwendet hat. Er behauptet, daß er das, was er dem Riebe-Wcrk nach seinem Ausscheiden aus dem Normo- Betrieb zugeführt hat, lediglich aus seinem Gedächtnis hergestellt habe. Eine direkte Beteiligung an Entwendungen ist ihm nicht nach- zuweisen. Uhlichs Vernehmung wird in Adorf erfolgen. Zu der Art der polizeilichen Untersuchungen bei der Firma Riebe, bei der als Sachverständige leitende Persönlichkeiten des Stuttgarter Konkurrenz-Unternehmens zugegen gewesen sein sollen, wird vom Berliner Polizeipräsidium erklärt, daß die Unter- suchung auf Anweisung der Stuttgarter Staats- anwaltschaft völlig in der Hand eines Stuttgarter Polizei- inspettors gelegen habe. Wie das üblich sei, haben Berliner � Polizeibeamte lediglich als Hilfsorgane, und zwar völlig nach den Weisungen des Stuttgarter Polizeiinspektors, mitgewirkt. « Die Direktion der SKF. Norm« erteilt jetzt in einem öffentlichen Rundschreiben«ine Antwort auf die Erklärungen des Herrn Richard Kahn an die Press«, der wir folgendes entnehmen: Die Norma hatte nach den ersten bemerkten Fabrikdiebstählen ein Berliner Detektivbureau mit der Verfolgung der Angelegenheit beauftragt, das am 1. September derart belastendes Material zu- sammengebracht hatte, daß die Stuttgarter Staatsanwaltschaft sich zum Zugreifen entschloß. �Zuerst sei der bis 1319 auf den Norma-Werken tätig gewesene Ingenieur Kohl verhaftet worden, der im Verdacht stand, sich durch Bestechung in den Besitz wert- voller Zeichnungen gesetzt zu haben. Bei der Berhaftung seien ISO Zeichnungen von SpezialMaschinen der Norma in seinem Besitz vorgefunden worden. Weitere Spuren führten nach der Schweiz und nach Berlin. In der Schweiz war der gleichfalls früher bei den Norma-Werken angestellte Oberingenieur Karrer in die Dienste der Schweizer Kugellagerfabrit A r b o n eingetreten und soll in ständigem Verkehr mit Angehörigen der Norma-Werke gestanden haben. Er wurde auf deutschem Boden verhaftet und in seiner Schweizer Wohnung soll von der dortigen Kriminalpolizei schwer belastendes Material gegen die Riebe- A.-G. und Deutschen Nieles-Werke gefunden worden sein. Soweit die Erklärungen der Norma-Werke. Zu dem oben er- wähnten„Fall Kohl" erklärt Herr Kahn als Vertreter der Riebe- Werke der Presse, daß ihm und seinen Direktoren von der Existenz des Herrn Kohl nicht das geringste bekannt sei. Um üas Schicksal der»Urania". Zu gestern abend hatte der Verein der„Freund« der Urania" eine Versammlung in den Saal des Spatenbräus ein- berufen. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Arn heim, wandte sich in scharfen Worten gegen den geplanten Verkauf der Urania. Sicher wären namhafte Männer noch heute bereit, die Urania wieder aufzubauen. Auch Staat und Stadt wären eventuell zu interessieren, ein volkswissenschaftliches Unternehmen würde niemals große Gelder abwerfen. Heruntergewirtschaftet sei das Unternehmen durch die Schuld der Leitung. Die Ge- neralversammlung am 26. September dürfe den Verkauf unter keinen Umständen genehmigen. Ein Verkauf sei nicht wieder gut- zumachen. Eine kurzfristige Verpachtung aber wohl er- träglich. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an. Alle Redner aber waren der Ansicht, daß aus Gründen der Volksbildung heraus die Urania unter allen Umständen erhalten werden müsse. Zum Schluß wurde eine von Rechtsanwalt Dr. Arnheim eingebrachte Entschließung einmütig angenommen, die besagt, daß die Anhänger und Freunde der Urania Stellung nehmen gegen den geplanten und vorgeschlagenen Verkauf der Urania und ihres"Grund- stllcks. Die Versammlung sieht in dem Verkauf nicht die geeignete Lösung, die Urania wieder zu sanieren. Sie ist vielmehr der Ansicht, daß der Verkauf auch nur des Gebäudes das Eni« der Urania bedeutet, und daß aus einem etwa erzielten Kaufpreis nie- mals wieder ausreichende Mittel zu einem Wiederaufbau bereit- gestellt werden können. Aus diesem Grunde lehnt die Versammlung auch die Verlegung der Uranin ab. Sie ist schließlich der Ansicht, daß bei geeigneter Leitung Mittel und Wege gefunden werden können, die Urania wieder aufzubauen und bei dem Berliner Publi- kum wieder populär zu machen. Eine kurzfristige Verpachtung, so heißt es zum Schluß, ist einem Verkauf vorzuziehen. Der verschlossene Schulgarte«. Wie wir in unserem Artikel über den„Schulgarten Berlins" mitteilten, ist der Garten von 7— Uhr geöffnet, aber— nur an den Wochentagen. Sonntags steht vor dem Garten ein Wächter, der niemand in das verschlossene Paradies l äßt, er fei denn schriftlich oder telephonisch angemeldet. Begründet wird diese Maßnahme mit dem Mangel an Aufsichtspersonal. Zugegeben, daß der Etat des Gartens vielleicht keine sofortige Ein- stellung von Parkwächtern zuläßt— aber ist eigentlich bei„schrift- licher oder telephonischer Anmeldung" eine bessere Garantie für das Wohlverhalten der Besucher gegeben, als wenn sich diese, wie an den Wochentagen üblich, in das„Besucherbuch" eintragen. Diese Anmeldungsbedingung an den Sonntagen erschwert den Besuch des Gartens gerade den arbeitenden Volkskreisen, für die der Schulgarten eine wertvolle Stätte der Erholung sein könnte. Hoffentlich wird diese Einschränkung noch in diesem Jahr aufge- hoben und werden im nächsten Etat die nicht allzu großen Mittel für einige Hilfskräfte zur Beaufsichtigung des Gartens an Sonntagen und nach Schluß der Arbeitszeit«ingestellt. Leinen ist das Kennzeichen für den gediegenen Hanshalt.— Grünfeld-Leinen hat Weltruf t iTffmrarffi vier Personen wohnen km Hausflur. Was sagt das Gesundheitsamt dazu? Gibt es wohl etwas Bunteres, als den sogenannten.ein- tönig grauen" Alltag? Gestern am Kaiserdamm in einem Saal voll schillernder Seide, duftenden Spitzen, kostbaren Pelzen, prächtigen Salons, die all diese Herrlichkeiten würdig be- Herbergen, und heute? Im düsteren, durch eine Petroleumfunzel notdürftig erhellten Hauseingang einer Mietkaserne im Norden, die zwei Erwachsene und zwei K i n d e r seit acht Tagen als Wohnung dient. Die traurige, ewig gleiche Vorgeschichte ist bald erzählt. Der Mann krank, ein Unheilbarer sogar, der sich seit Januar in Wttenau befindet, longer Mietrückstand, ewiger Strest mit dem der 6ro0'BerIlner Arbeilersdiall. Sonntag. 25. Sept., Ii Dhr Berlin, Gr. Schauspielhaus, Karlstr. ✓ Eharlotkeuburg, Schiller-Theater, Grolmanflr.> Cöpenick, Aula der Körner- Realschule. Lindeustr. /Pankow, Aula des Lyzeums, Görschstr. Mitwirkende: Berliner Volkschor, Leitung Dr. Zander/ Charlottenburger Liedertafel, Leitung Wider«/ Thor der Zungen, Seit. Paul HSnick/ Säugerchor „Zukunft", Pankow- ZilederfchSuhaufc»/ Orgelfplel/ Musik/ Sesang/ Sprechchor Weihereduer: Erich Olleuhauer, Sekretär ZUl./ Artur Erispien, M. d. R. Otto Brinkmann, Lehrer/ Klara Bohm-Schnch, M. d. R. Housgestrengen, und schließlich die Exmittierung! Aber da- mit ist die Leidensstala noch lange nicht erschöpft. Die Frau, eine überaus schwächlich« Person, verlor vor 4 Iahren ein Kind durch Verbrühen, wurde wegen fahrlässiger Tötung oerurteilt, und ist seither schwer nervenkrank. Das ältere der beiden Kinder, ein Mädchen von 8 Iahren, ist hochgradig tuberkulös und soll demnächst in die Lungenheilstätte kommen. Das Kleine, fünf Monat« alt, leidet seit Togen an heftigem Erbrechen, schläft außer. dem mit der schwerleidenden Schwester im selben Raum bei mit- leidigen Hausbewohnern und schafft vielleicht unterdes den Nähr- boden für eine schwere Infektion. Das Lumpensammeln ist kein so glänzendes Metier, mm vier Köpfe ernähren zu können, und so landeten die vier schließlich auf der vorletzten Stufe der Straße! All die Bemühungen nach einer Bleibe sind bisher ergebnislos verlaufen. Erste Frage des Wirtes: Was ist Ihr Mann? Ant- wort: In der Anstaltl Schon Nappt die Tür zu. Sogar eine schriftliche Erklärung des Wohlfahrtsamts, die Mietzahlung zu übernehmen, genügt den ängstlichen Herren nicht, denn sie meinen:.Ach, die zahlen mal und denn wieder nich". Alles schüttelt bedauernd, aber verneinend den Kopf. Die armen Menschen, deren Mobiliar teils im Keller, teils im Hof. das Allernotwendigste davon aber im Flureingang aufgebaut ist, sitzen nun hier zur allgemeinen Ansicht der Borüber- gehenden. Von einer Nachtruhe kann natürlich kein« Rede sein, da die Lampe die ganze Nacht für die Heimkommenden brennen muh, deren letzter gewöhnlich so gegen 3 Uhr morgens landet, und um 5 Uhr tritt bereits der Zeiwngsbote an. Was sagt das Gesundheitsamt zu diesem Fall? Schauplatz dieser tieftraurigen Begebenheit: Berlin N. Wiesenstr. 49. Mein kleiner Jranzose. Ein alter Parteigenoss« schreibt uns: Mein kleiner Franzose kam. Durch den Schüleraustausch. Mein eigener Junge war fünf Wochen in Frankreich in Eugenes Familie gewesen. Mein Junge sagt nur: Vater, schön war's! Nette, liebe Menschen, dies« Franzosen! Am 4. August abends trafen beide Iungens ein. Am 4. A u g u st. Vor 13 Jahren! Heiße, wehe Gedanken. Nach genau 13 Iahren, zwei Iungens der Völker, die sich so bitter bekämpft haben, als innige Freund« am deutschen Familientisch! Eugen« sieht die Bebel-Plakett« über meinem Schreibtisch..Ah Auguste Beb— bei, kennen wir in Frankreich mein Haus auch, Sozialiste," sagt Eugene in seinem gebrochenen Deutsch. Eugene trällert, mein Jung« auch. Plötzlich aus dem Summen die hellen Stimmen beider Iungens,—.Allons enlants de la patrie*. Mein« Mädchen fallen ein. Dann die deutsche Marseillais«. Da brummt sogar meine Frau mit. Ich muht« mal raus, mir war was ins Auge geflogen... Die verschiedenen Museen habe ich mit Eugen« besucht. Wie hat er gestaunt! Im Museum für Naturkunde, Völkerkunde, Meereskunde. Sein Staunen gipfelte in den Worten:.Berlin— Deutschland großartig. Kann viel lernen." Im Museum für Meereskunde standen wir auf der Kommando- brücke eines Kriegsschiffes. Don der Decke hängen die zerschossenen Fahnen. Eugene sagt:„Krieg nicht gut für Völker. Krieg ist unnütz— sich. Hermann deutscher Junge, ich französischer Junge, wir sind doch Brüder." Da freue ich mich still. Die fünf Wochen Ferien gehen zu Ende. Der Morgen des Abschieds ist da. Beide Iungens drücken sich stumm, lange die Hände. Sehen sich fest und immer wieder in die Augen. Sagen kann keiner was. Auf der Türschwelle dreht Eugene nochmals um. Der Blick fun W IndaahuiCT fetnen- m.OhlMwebe«L Dr. Ilse Reick« sprach über die„Entwicklung der Frauenbewegung", ging aber bei der Betrachtung der neueren Zeit eigentlich nur auf die bürgerliche Frauenbewegung ein. Diese wird heute durch all« möglichen Frauenverein« und-verbände ver- treten, ist im Grund« aber nur«in beschaulicher, das Alte konser- vierender Stillstand, die den Namen„Bew-gung" zu Unrecht trägt. Beachtenswert aber war der erste Teil des Vortrags, der in die Frühzeit der Frauenbewegung führte. Frau Dr. Reicks zeigte, wie der geistige Ursprung der deutschen Frauenbewegung bis in den Ausgang des 18. Jahrhunderts zurückreicht, der wirtschaftliche Ursprung dagegen in den wirtschaftlichen Verschiebungen um die Mitte des 19. Jahrhunderts zu suchen ist. Fast unglaublich erscheint es uns heute, wie um die einfachsten Dinge, um Lehr- und Lern- freiheit für die Frau, damals erbitterte Kämpfe geführt werden mußten— öffneten sich doch die Tore aller deutschen Universitäten doch erst im-oahr« 1908 den Frauen. Zur scharfen Trennung der sozialistischen von der bürgerlichen Frauenbewegung kam es im Jahre 1894. In ihren„Memoiren einer Sozialisfin" gab Lily Braun aus jener Zeit ein anschauliches Bild.— I. Nebermann macht« in seinem Vortrag„Das Schach bei den Menschenfressern" mit einer interessanten Form des Schachs bekannt, die auf Sumatra von den Baiaken gespielt wird, jener Menschenrasse, bei der es als tuttischen Gebrauch zum Teil noch Menschenfresserei gibt. Schach ist dort ein« Art Nationalspiel, das von fast allen Männern aut und leidenschaftlich gespielt wird.— Professor Dr. med. Ernst Barth sprach über „Grundsätze der Stimmausbildung". Er betonte, daß die Basis jeder Gesangsausbildung ein« gesunde, ästhetisch schön« Tonbildung sein müsse. Nur dann wird der Unterricht ein« wirtlich einwandfrei« und leistungsfähige Sttmme entwickeln können.— Der Tag schloß mtt der Uebertragung von„D j a m i l e h" und„E a v a l le r i a R u sti- cana" aus der Städtischen Oper Eharlottenburg. Tea, g» der«edel-Plakette. Grüßend hebt«e dt- Hände■* „Salut August Beb— bel." Ein prächtiger lieber Kerl, mein kleiner Fvanzos«! Er kommt Wiederl Und unsere Gedanken? Egasitö, libertd, fraternite! Die Gefahren öes tzackfleifchgenuffes. Eine interessante Aussprache. In der Tagung, die der Bezirksverein Berlin des Deutschen Fleischeroerbandes am Montag abhielt, kam es zu einer interessanten Aussprache über die Gefahren des Hackfleischgenusses. Es lag nämlich ein Antrag vor, zu beschließen,' daß der Bezirks- verein beim Berliner Polizeipräsidenten zwecks Verlängerung der Vorratszeit für den Verkauf von Hackfleisch bis 13 Uhr vor- stellig werde. Jeder Schlächter, so wurde ausgeführt, habe wohl von selbst ein Interesse daran, frisches Fleisch zu verkaufen. Daher könne sehr wohl eine Milderung der Verkaufsregelung eintreten, die das Fleischergewerbe behindere. Dielfach seien die Verbraucher selbst schuld an Erkrankungen, weil sie es an der notwendigen sorg- fältigen Behandlung des Fleisches fehlen ließen. Zu diesem Thema er- griff Oberveterinärrat Dr. W u n d r a m vom Polizeipräsidium Berlin das Wort zu interessanten Arsführungen. Di« Bedeutung des Hack- fleisches bei der Verbreitung von Fleischvergistungserregern, so sagte er, sei sehr groß. Zu der Festsetzung der jetzt geltenden Verkaufs- stunden sei das Polizeipräsidium im Einvernehmen mit den Ver- tretern des Fleischergewerbes gelangt, vor allem mit Rücksicht aus die achtstündige Arbeitszeit der Angestellten, die g e s ch ü h t werden müsse. Hackfleisch sei deshalb besonders gesundheitsgefährlich, weil es, um fachtechnisch zu sprechen, eine einzige Fleischwunde darstelle. Bei dem Durchdrehen des Fleisches durch den Wolf würden die Sehnen zerrissen, wodurch ein besonders günstiger Nährboden sür die Verbreitung von Bazillen entstände. Wenn freilich bei einem Fleischer etwas passiere und er die Kundsd)ast verlöre, so sei dies für ihn eine Gefährdung der Existenz, obwohl ihn persönlich in den w e n i g st e n Fällen eine SckMld träfe. Die Tatsache, daß Fleisch- Vergiftungen heute gegenüber der Vorkriegszeit häufiger festgestellt würden, hänge mit den Fortschritten der Wissenschaft und dem Aus- bau der Fleischbeschau zusammen. Wenn es vorkomme, daß Fleisch- stücke von demselben Tiere teils Erkrankungen hervorgerufen hätten und teils nicht, so könne das daran liegen, daß vielleicht bei dem Fleisch, das gekocht wurde, die Krankheitserreger getötet wären, wäh- rend anderes Fleisch roh gegessen wurde. Hauptsächlich fände diese Erscheinung ihre Erklärung darin, daß die Bazillen er st nach der Schlachtung auf das Fleisch übertragen wurden und daß an sich das Tier gesund war. Dr. Wundram endete mit der Versicherung, das Polizeipräsidium fti bereit, eventuell eine andere Festsetzung der Verkaufszeiten vorzunehmen. Weiterhin kam zur Sprach«, beim Polizeipräsidenten zu bean- tragen, daß den Lebensmittelgeschäften der Berkaus von Fleisch- und Wurstwaren untersagt wird, in deren Berkaufsräumen andere Waren feilgehallen werden, die durch Geruch oder sonstige Beschaffenheit zersetzend auf Fleisch- und Wurstwaren einwirken. Hierzu äußerte Dr. Wundram, daß in Kürze auf Grund des neuen Lebensmittelgesetzes eine Verordnung für Berlin erscheinen würde, ds« diesen Antrag zum Teil verwirkliche. So soll z. B. v e r- boten werden, frisches Fleisch in Räumen feilzuhalten, in denen erdhaltige Gemüse aufbewahrt werden. Rose-Theater: Die Maschinenbauer von Berlin. Geht hin ihr Possenschreiber und seht euch dies blutvolle Werkchen an. Bor mehr als 70 Iahren von dem Komiker August W e i r a u ch geschrieben, gehörte es zu den Glanzstückcn des alten Rose-Theaters und heute, nach bald einem Jahrhundert, hat es nichts an Lebenssrische und Humor eingebüßt. Hier wird eigentlich zum erstenmal das Problem des Arbeiters aufgerollt, der Kampf des Menschen mit der Maschine, In dem er kraft seiner Intelligenz zum Schluß Sieger bleibt. Um diesen tiefen, zeitlosen Lebcnzernst ranken sich gleich bunten, leuchtenden Blüten all die köstlichen Typen des Alt-Lerliner Milieus. Meister Lohmanns Maschinenfabrik beschäftigt verschieden- geartete Menschenkinder. Da ist der tüchtige, aber arg leichtsinnige Monteur Heinzius, ein genialer Brausekopf, dem es zu eng wird in der ewigen Tretmühle des Alltagstrotts und der, durch allerlei Fährnisse sich wacker hindurchkämpfend, schließlich auch an seinen richtigen Platz gelangt. Sein Berusskollege Knobbe, der ewige Süffel mit dem goldigweinseligen Humor und all seiner heiteren Philosophie, der gestrenge Hauswirt Naake, dem allerlei Schaber- nack, aber keine Mietezahlung widerfährt, der spleenige Engländer mit dem großen, hilfsbereiten Portemonnaie und all die lustige Gefolgschast von Kollegen und Nachbarschaft. Ein Stück Alltag mit seinen Freuden und Leiden. Ein paar sehr nette, neu hinzu- geschriebene Gesangstext« von Leo Heller, vertont von Martin Knopf, besonders das Eouplet vom Dusel, eine flotte liebevolle Darstellung, kurzum ein glücklicher Griff in die alle Truhe der Theaterstück«. SPD.- Sportler 17. Bezirk. Freitag. 23. September, findet im Lokal des Genossen Siewert, Kant. Ecke Schillerstraße, eine Sitzung statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen müssen alle Genossen erscheinen. Parteiausweis legittmiert. Die Kinüerlähmungsepiöemie in Leipzig. Die Schulen schließen sofort. Leipzig. 21. September. Der Rat der Stadt Leipzig hat in seiner heutigen außerordent- lichen Plenarsitzung beschlossen, mit Rücksicht auf das Auftreten der spinalen Kinderlähmung die Herbstferien sür sämtliche Schulen bereits morgen beginnen zu lassen. Die Zahl der erkrankten Personen ist nach den bis heute mittag eingegangenen Meldungen auf 84 gestiegen(gestern 82); darunter befinden sich 22 Schulkinder. Die Zahl der Todesfälle hat sich nicht verändert. Koennecke in Bngora gelandet. Aus seinem Fluge nach Ostosien ist K o e n n i ck e, wie die Lust- Hansa mitteilt, gestern in Angara gelandet. Nähere Einzel- Heileu fehlen noch._ Vier Kinder erstickt. In Bittingen(Saargebiet) sind nachts vier Kinder, die von ihren Eltern unter der Obhut eines 16jährigen Mädchens allein zu Hause gelassen waren, in ihrem Bett erstickt. Das Mädchen halte sich aus dem Hause entfernt und die Kerze brennen lassen. Wahrscheinlich hat eines der Kinder diese umgestoßen, wodurch Kleidungsstücke in Brand gerieten. wlnterruhe des Scedienstes nach Ostpreußen. Der Seedienst Swinemünde— Pillau wird am 10. Oktober vorläufig eingestellt. Am 8. Oktober findet die letzte Fahrt ab Swinemünde noch Pillau, am 10. Oktober die letzte Fahrt in der Gegenrichtung statt. Voraussichtlich wird der Seedienst Anfang April nächsten Jahres wieder aufgenommen. to Mark der moderne Damen Hanhliioft �. Kothu. Seeland* 0eriraudtento.2O/2l oe&rübJkfrUrdsa, NdNcher Mokorradunfall In SIemensfkadk. Gestern gegen 15 Uhr ereignete sich an der Ecke Rohrdainm und Diehlmann- strafte in Siemens st adt ein schwerer Zusammen st oft zwischen einem Oeschciftsauto und einem Motorradfahrer. Das Kraftrad wurde völlig zertrümmert und der 3öjährige Fahrer Wladislaus P e r z aus der Danziger Strafte 9 so schwer verletzt, daft der Tod eintrat, noch bevor ein Arzt zur Stelle war. Die alarmierte Feuerwehr nahm die Aufräumungsarbeiten vor und schaffte die Leiche des Verunglückten in das Spandauer Krankenhaus. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwandfrei geklärt werden. Sozialdemokraken werden nicht gewünscht. Im gewerkschaftlichen Teil des„Vorwärts" muftte schon wiederholt aus die eigenartige®c- pflogenheit hingewiesen werden, die die Direktion des„M e r c e d e s- P a l a st e s", Neukölln, bezüglich der Einstellung und Eni- lohnung von Arbeitern beliebt. Bald wurden die Arbeitsnachweise umgangen, bald wurden die Tariflöhne nicht gezahlt, am liebsten wurde unorganisiertes Personal beschäftigt. Unsere Neuköllner Ge- nossen wollten ihre Jugendweihe im Mercedes-Palast abhalten. Wiederholte Verhandlungen mit dem zuständigen Direktor, führten zu keinem Erfolg. Schlieftlich erklärte die Direktion, für irgend- welche Veranstaltungen aufter ihren Kinovorsührungen das Theater ««cht zur Verfügung stellen zu können. Trotzdem hat nachträglich Äse Direktion das Theater zur Jugendweihe den Kommuni st en vermietet. Ossenbar legt die Direktion des Mercedes-Palastes keinen Wert auf den Besuch von Anhängern der Sozialdemokratischen Partei. Es ist anzunehmen, daft Sozialdemokraten ihr Geld auch nicht zu Kinovorstellungen in den Mercedes-Palast tragen werden. Amerikanische Friseure in Deutschland. In den Vereinigten Staaten sind tausende deutscher Friseure selbständig. Eine grofte Anzahl dieser amerikanischen Friseurgeschästsinhaber bereist gegenwärtig Deutschland und trifft in den nächsten Tagen in Berlin ein. Aus diesem Anlaft hat der chaarsormer-Jnnungs- bund, der hier seinen Sitz hat, einen Festabend veranstaltet, dem am kommenden F r e i t g 20 Uhr in der Philharmonie«in großer sachlicher Wettbewerb folgen wird. Zu der Veranstaltung sind auch aus den Nachbarländern Abordnungen angemeldet. Für die Herstellung einer tragbar modernen Gesellschaftsfrisur mit Phan- lasieschmuck sind mehrere Geld- und Ehrenpreise ausgesetzt. Auch ein Haararbeitenwettbewerb und eine Ausstellung von Haararbeiten sind vorgesehen. Die„Prominenten des Berufs" stellen bei dem Fest- abend ein Bild„Frau Venus und ihr Geiolge", wobei Zukunfts- Phantasien der Mode dargestellt werden. In den Fachkreisen be- deutet die Veranstaltung ein groftes Ereignis. Spielgemelnfchaft der Arbellerjugend und ZuugsoziaNsten. Freitag, 23. September, 19V4 Uhr. spricht der«enosse Löwenburg im Jugendheim Schöneberg, Hauptstr. töW> 1. W Turnhalle Uebungen filr den 30. Oktober. Tempclhos sKameradschaft): 20 Uhr Mitgl. Bers. bei Pammerening, Berliner Str. 100. Vortrag de» Kameraden Polizei. oberst a. D. Lange. Weitzensee: 20 Uhr Borstandssitzung. Sämtliche Funktio- näre mllsien anwesend sein. Spielleute pollzählig erscheinen.— Sonnabend, 24. September. Tiergarten: Ausflug nach Bernau und Schönow. Antreten ISU Uhr Borhalle Stettiner Borortbahnhof. Abfahrt 19,08 Uhr. Petershaacn- Fredersdorf: 20 Uhr im„Alten Dessauer Versammlung. Sonntag, 2S. September, für Herzfelde freihalten.— Fricdrichshain: Die seit 2 Iahren bestehende Reichsbannerkapelle(fein Musikverein) stellt noch Bläser sämtl:cher Instrumente ein. Meldungen in den Uebungsstunden jeden Freitag 20 Uhr beim Kameraden Haense in den Eomeniuosälen, Memeler Straße.— Mitte: So., d. 24., Stif. tungsfest des Tamdourkorps in Cornis Festsälen, Gartenstr. 8. Eintritt 70 Pf. einschl. Tanz. Alle Kameraden sind herzlichst eingeladen.— Kreuzberg: Do, d. 22., erster Badeabcnd im Etadtbad Kreuzberg, Bärwaldstraße, von 20 bis 21 Uhr. Ausgabe der Bercchtigungskartcn daselbst. Ardeiter-Abstinentenbund, Gruppe Norden. 19 Uhr, Jugendheim Wiesenstr. 02(auf dem Donnerstag, 22. September, . �..... m Sportplatz, Eingang am Bahn- „Gärungslose Friichteperwertung" mit praktischen Vorführungen. Septemher, Gäste will- Sport. Ringkämpfe im Sportpalast. Sawaa wirst auch Prochasla. Ter Montagabend brachte wieder, vor gut besuchtem Haus, zwei Entscheidungskämpfe. Im Schwergewicht stand der Berliner Schachschneider dem Kölner D e b i e gegenüber; die größere Gewandtheit und bessere Technik des Berliners siegte nach 47 Min. durch Armzug aus dem Stand. Schönes Tempo brachten die Mittel- gewichtler Steinte- Stettin und der Ungar Barothy in chrem Kampf. Der kräftigere Stettiner konnte den flinken Gegner nach 46 Minuten mir Ausheber aus dem Stand auf beide Schultern landen lassen. G o ck s ch- Berlin riß den Westprsuften K o cha n» ki schon in der 11. Minute mit Arnizug aus dem Stand zu Boden. Den interessantesten Kampf des Abends lieferten Prochaska und der gewandle Pole Sztekker, der meistens im Angriff lag, doch bei dem massigen Tschechen auf robusten Widerstand stieß. Beide trennten sich ohne Resultat. Dienstag: Die erneute Begegnung der beiden Schwergewichtler H. AaZza n. gÜL depi Tschechen Prochaska beanspruchte-ein besonderes AntzrM. � beide, zwxi - hart« Kompfesnaturen, sich an Kraft und Gewicht zicinlich eben� bürtig waren. Der Kampf verkief sehr abwechselungsreich und spannend. Den wuchtigen Angriffen des Tschechen stand hier die überlegene ruhig« Kampfart des Wieners gegenüber. Als in der 58 Minute Prochaska allzu ungestüm seinen Gegner angriff, nutzte dieser den Augenblick und warf durch Armzug den Tschechen unter spontanen Beifall des Hauses auf die Schultern. S ch u l z- Hamburg bezwang den schnellen Ungarn Barothy in der 42. Minute mit Doppelarmzug. R. G r ü n e i s e n erledigte den Dortmunder Mayerhanz schon nach 10 Minuten mit verkehrtem Armzug. Steinte- Stettin und der Berliner G o ck s ch schieden ohne Resultat. Der Dortmunder Mayerhanz stand am Montag dem Japaner Kawamura im Jiu-Iitsu-Kampf gegenüber und muß schon nach 3 Minuten durch Armschlüssel den Kampf abklovfen. Dienstag war F. K a w a n- Wien der Partner des Japaners, schon nach 3 Minuten machte ihn dieser auch, durch Beinschere, kämpf- unfähig. partemachrkchten für Groß-öerlin Gäste willkommen. Dentschee Espeeootobund, Ortsqrnpp«»«rli». Freitag, 2Z 20 Uhr, Konditorei Dobrin, Hackescher Markt, Uebungsabcnd. kommen. Beginn eines neuen Efperanto-Anfängerkurfus, Arbeiter. Schützenbnnd, Ortsgruppe Berlin. Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin RO 18, Friedenstr. 61, bei Bochan. Geöffnet Donnerstags 20—22 Uhr. Zeitungsausgabe Dannerstag, 22. September, 20—22 Uhr.-■ Abt. Friedrichs- Hai»: Sonnabend, 24. September, 20 Uhr, in den Restdenzfestfälen, Lands- Gintritt Rännfpieß, Wassertorssr. 71.— Freitag, 23. September: Äbi. Westen(2»):� Sport 20 Uhr bei Menne. Steinmetzstr. 4d. Abt. Wilmersbors: Sport 20 Uhr bei Picke, Hildegard- Ecke Schrammstraße. Abt. Reukölln: Sport 19>� Uhr bei Wolff, Prinz-Handjerq-Str. 67.— Sonnabend. 24. September: Abt. Pankow: Sport 20 Uhr bei Hubert, Damerow. Ecke Mendesiraße. Verein gegen da« Bestechungswefe» e. V. Am 26. September sinket die 18. ordentliche Hauptversammlung 18 Uhr im Saal 13 der Industrie, und Handelskammer zu Berlin, Dorotheenstr. 8, statt. Die Teilnahme an der Hauptverfammluilg ist auch NichtMitgliedern gestattet. Bund Berli» für Ginheitskurzichrift. Uebungsgelegenheiten in allen Ge- fchwindigkeiten jeden Freitag, 20—22 Uhr, im Französischen Gnmnastum, Reichstagsufer 6, am Reichstagsgebäude. Reu« Kurie zur Erlernung der Ein. hcitskurzfchrift von Anfang Olivber an. Auskunft erteilt Fritz Plaufchinn, Berlin-Zehlendorf, Bergmannstr. 4 Vereinigung de« Freunde»an Religio» und Böllers rieben. Genosse Pfarrer Lic. Dr. Piechowski, Neukölln, hält Freitag, 23. September, 191h Uhr, in der Aula der Kaiser-Friedrich-Echule, Charlottenburg, Knesebeckstraß« lam Sovianv» platz) einen Lichtbildervortrag über da, Thema:„Reifeeindrücke au» dem faschistischen Itallen." Unkastenbeitrag 30 Pf. De« Reichsbund de« Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krleqerhinter- denen, Sau Berlin, veranstaltet am 26. September, Igzh Uhr, in Kliem, Fcstfälen. Halenheide 13/18, eine Kundgebung. Es spricht der Präsident der französischen Gesellschaft zur Bekämpfung des Verbrechen» Krieg, Henri Demant. Mitglieder des Reichsbunde» haben gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte Ein. tritt. Gäste können eingeführt werden. Alle befteundeten Organisationen sind eingeladen. Eintrittskarten sind im Gaudureau An der Ettalauer Brücke 6 I zu erhalten. IVeNerberlcht der iffenMchen Wetterdienststelle fit Berlin nnd Umgegend iRachdr.»erb.) Weiterhin lehr mild, meist wolkig, aber nur geringe Regensäll«. Ziemlich Irische Wind« auZ West biS Südwest.— Für veuii ch. land. Im Süden trocken, heiter und warm, im übrigen nördlichen Deulich- land sehr mild und meist wolkig. Regensälle besonders an der Küste, aber meist nur leichte. Gardlnenausstellung bei Israel. Die Firma Israel zeigt in einer reichhaltigen Ausstellung hübsche, neuartige Fensterdekorationen, die sich dem alten wj« dem neuen Baustil vorteilhaft anpassen. Die neue Mode bringt unter der farbigen Umrahmung von Madras oder Kunstseide die Tüllgardine, für Halbstores werden hauptsächlich Grobfilet oder Florentiner Tüll zur Verwendung gebracht. Langstores sind aufter Mode. Die Musterung ist ganz auf geometrisch« Formgebung«in- gestellt, und auch die wiedererweckte Baumwolltüllgardine schlieftt sich diesem Dessin an. Während für Wohn- und Herrenzimmer etwas schwerere Gewebe zur Verarbeitung gelangen, wählt man für Schlafräume und sommerliche Behausungen helle Boile mit bunten Bordüren. Das gesamte Material ist luft-, licht- und waschecht und zeichnet sich sowohl durch Haltbarkeit wie durch Preiswertigkeit au». An Stell« der Gardinenstongen aus Messing sind solche aus silber- artiger Färbung getreten, die neutraler und dezenter wirken. »inlendungen für diese Rubrik find Berlin SW 6«, Llndenftraße 3, Net» an das Bezirksfettetartat. 2. Hof. 2 Step, recht», in richte» 8. Krel» Wilmersdorf. Achtung, Abteilungsleiter! Die P-stkarttn, Handzettel und Plakate für den Republikanischen Sttaße 60, abzuholen. 67. bi» 73. Abt. Wilmersdors-Schwargeudorf. 47. Abt. Die Bezirke werben..... abzurechnen. Die_ 78. Abt. Schineberg. Sie nächsten Tagen ersucht. heule, Donnerstag. 22. September: Nöntg«ntal-Zepernick.Schwa»ebeck.Alpenberge� 20 Uhr int' Lokal von Werner. end sind von Kroiß, Holsteinische .Schmargendorf. Sieh« Kreisnachrichien. n gebeten, sämtliche Restanten zu kassieren und lgssammellisten müssen auch abgerechnet werden. ezirksfllhrer werden um Abrechnung in den vntgenhöhe, gohlabend. Wichtiger Vortrng. Referent Landgerichtsrot Dr. Seligsohn. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen ist Pflicht. Gäste willkommen. Morgen. Areitag, 23. September: 14.«bt. 1914 Uhr im Vereinszimmer der Eomeniusfäl«, Memeler Stt. 67, wichtige Funktionärsstzung mit den Bettiebsoerttauensleuten. Erscheinen sämtlicher Funktionäre wegen wichtiger Tagesordnung unbedingt er» torderlich. die Bezirksantt_________. J»», M.. sstzungssaal Danziger Str. 64. Eympaihisserende ssnd freundlickst ein. geladen. Vortrag:„Kaufkraft und Konjunktur." Reserent Kurt Hcinig, M. d. R. Berschiedents. Um rege Beteiligung bittet Der Fraktiousvorstand. 23. Abt. Die Bezirksstlhrer müssen spätesten, bi» Montag, 26. September, 20 Uhr, beim Kassierer Lück sämtlich« Marken abrechnen. 63. Abt. Lichterfelde. Alle Bezirkssührer rechnen bestimmt mit dem Abteilung». kastierer am Eonnabend, 24. September, 18 Uhr, beim Genossen Retnhold Schmidt, Hindenburgdamm Ecke Roonftraße. das 3. Quartal ab. 109 Abt Friedrichshag«»,»reisbildungsaussckiuß: Sonnabend, 24. September, ' 20 Uhr, im Lokal Schaltz. Fricdrichstr. 81, Lichtbildervortrag:..Das er. wachende China." Vortragender Dr. Gregor Bienftock. Zur Deckung der Unkosten werden 30 Pf. erhoben. Anschließend veranstaltct die Abteilung «in gemütliche, Beisammensein, wozu der Abteilungsvorftand alle Ge- nossinnen und Genossen herzlichst einladet. 123. Abt Biesbors- Eonnabend, 24. September, im Lokal Dietz, Köpenicker Straße um 20 Uhr Mitgliederversammlung. Vortrag:„Das Agrarpra. gramm" Referent Willy Roage. Alle Genossinnen und Genossen sowie .BorwSrt«".Leser und Eympathtsierendi werden um ihr Erscheinen gebeten. Bezirksausschuß für Arbciterwohlsahrl und Sinderschuh: 8. Kreis Wilmersdorf. Heute, Donnerstag. 22. September, 20 Uhr, bei Kroiß. Holsteinisch, Str. 60, wichtig« Sitzung aller in ber Arbeiterwohlsahrt tätigen Genossinnen und Genossen. Zungsozialisten. Gruppe Pnuzlauer Berg: Heute, Donnerstag, 22. Septenlier,>0 Uhr. im Jugendheim Danziger Stt 82 Vortrag: �konzenttationsform-n." Referentin Käthe Kern. Was fagt Ser Bär KON UftlON /n ihrem ewigen Wechsel isi Dien si än der Schönheii. Unveränderliches Behärren auf hochsier Werisiufe isi Diensi am Raucher für jene Cigareiie, von der es h eißd JosettiJuno Berlins ineislgera uchte 43 Cigareite Wohnungsbau und Wohnungskultur. Kommunalpolitifche Reichskonferenz. A. S. Magdeburg, 21. September. �.er öffentliche Teil der Kommunalpolitifchen Reichskonferenz oer Sozialdemokratischen Partei begann am Dienstag mit einem Empfang der Delegierten durch den Oberbürgermeister B e i m s im Kloftcrbergegarten. Der Magdeburger Stadtbaurat(B ö d e r i tz entwickelte bei dieser Gelegenheit die Entstehungsgeschichte und die künstlerischen Grundgedanken, die der prächtigen, binnen weniger Monate fertiggestellten neuen Stadthalle zugrundeliegen. Am Mittwoch vormittag wurden in öffentlicher Sitzung, der auch zahlreiche Ehrengäste und Vertreter der kommunalen Spitzen- organisationen beiwohnten, die gerade heute so wichtigen Fragen des Wohnungsbaues behandelt. Der Besuch dieser Tagung war so stark— es waren über 400 Teilnehmer anwesend— daß der in Aussicht genommene kleine Saal der Stadthalle nicht mehr ausreichte, so daß die Sitzung in den Klosterbergegarten oer- legt werden mußte. In seiner Einleitungsrede betonte cher Vor- sitzende, Genosse Stelling, die groß« soziale und politische Be- deutung der Konferenz, mit der die kommunalpolitische Woche ein- geleitet wird, und betonte den Willen der Sozialdemokratie, an der Gestallung der Gemcindepolitik vorwärtstreibcnd mitzuwirken, aber auch an der Bildung des Einheitsstaates, die mit den Fragen der Finanzpolitik auf das engste verknüpft ist. Nach Begrüßungsansprachen von Führern kommunaler Spitzenverbänd« sprach Genosse P ö l z l- Tschechosloirakei von den Sorgen der sozialdemokratischen Gemeindepolitik in der T s ch e ch o. s l o w a k e i. Das Gemsindefinanzgesetz, das kürzlich dort ange- nommen wurde, beschneidet die Selbstverwaltung der Kommunen außerordentlich und verhindert jede gemeindliche Sozial- und Schul- Politik. Die Demokratie ist in den Verwaltungskörperschaften so gut wie ausgeschaltet. Das Referat über kommunale Wohnungswirtjchast hielt Genosse Emil W u tz k i- Berlin: In Deutschland sehlen noch heute weit über eine Million Wohnungen, rund vier Millionen deutscher Staatsbürger haben kein Dach über dem Kopf. Schon vor dem Kriege, feit Jahrzehnten, betrachtete die Sozialdemokratie die Wohnungsfrage als eines der wichtigsten sozialen Probleme. Die Wohnungssllrsorge, der beste Faktor vorbeugender Sozialpolitik, hch zunächst so gut wie keine Beachtung gesunden, und noch heute fehlen die notwendigen durchcreisenden Maßnahmen in Gesetz- gebung und Verwaltung auf diesem Gebiete. Eine planmäßige Wohnungspolitik ist das wichtigste Glied der So- zial Politik. Für die Anerkennung dieses Grundsatzes sind in der deutschen Republik noch immer keine nennenswerten Ansätze vorhanden. Notwendig ist nicht nur die Anpassung des verfüg- baren Wohnraumes an den Bedarf, sondern vorbeugendes Wirken gegen die sozialen Nöte, die das Wohnungselend im Ge- folge hat. Die Sozialdemokratie hat die Zurückdrängung der privat- kapitalistischen Willkür und eine den hygienischen Bedürfnissen der Volksmassen gerecht werdende Planwirtschaft mit entschei- dendem Einfluß der Wohnungsbchörden seit jeher gefordert. In anschaulicher Weise schildert« Wutzki den Werdegang der Groß- städte mit den namenlosen Elendsquartieren in den Mietkasernen. Bei der bisherigen Art der Bodenerschließung muß die Volksgesundheil in die Binsen gehen. Redner begründet dann die bereits in Kiel vorgelegten Leitsätze zur modernen Wohnungswirtschaft, die den modernen Städtebau i» den Dienst des Gedankens stellen wollen, die menschliche Wohnstätte zum Hort der Ruhe und der Erholung nach der Tagesarbeit zu machen. Hierzu ist die Aufstellung weitblickender Siedlungs- pläne erforderlich. Eine Verständigung der Gemeinden unter- einander wird hierzu oft nötig sein. Man wird dabei die Selbst- Verwaltung der Gemeinden wahren, jedoch auch Maßnahmen treffen müssen, uin widerstrebende Glieder dem Interesse der Gesamtlzeit unterzuordnen. Die Bebauungspläne und Bauordnungen, die bisher vom antisozialen Geist beherrscht waren, sollen möglichst so aus- gestaltet werden, daß dem Kleinhausbau die Wege bereitet werden. Die idealste Wohnform ist zweisellos das Einfamilienhaus, Nur wenn unüberwindliche Hindermsse dem im Wege stehen, sind Hochhausbauten mit h ö ch st e n s fünf Stockwerken zu bauen. Um der Mietkaserne den Garaus zu machen, darf grundsätzlich nur Randbebauung unter Ausschluß aller Hoswohngebäude und mit solchen Abmessungen der Blockgrößen zugelassen werden, daß im Blockinnern Spielplätze und Grünflächen Platz finden können. Die städtebaulichen Forderungen stoßen auf große Widerstände, weil sich fast der ganze Grund und Boden im P r i v a t besitz befindet. Um in den Spekulationsbesitz Bresche zu legen, wird man mit der Steuergesetzgebung und mit der Ueberführung des Grundbesitzes auf die öffentliche Hand vorgehen müssen. Di« Woh- nungsämter müssen die Möglichkeit erhalten, die Wohnungsinspektton und die Wohnungspflege mit größerer Energie vorzunehmen. In die Hand der Wohnungsbehörde gehört auch die Regulierung des W o h- nungs Marktes durch kommunale Vermittlungsstellen. Durch ein Reichswohnungsgesetz müssen die Voraussetzungen für die Erfüllung der Zusagen der Reichsorrfassung geschaffen werden. Nicht Abbau der Zwangswirtschaft, sondern Aufbau der durch Krieg und Hunger zerstörten Arbeitskraft ist notwendig. Es geht um die Heimstätte des Volkes Der Präsident des Deutschen Städtstages, Dr. M u lert, der in- zwischen erschienen ist, begrüßt, daß heut« die Gemeindefragen stärker beachtet werden als früher. Wir müssen in absehbarer Zeit zu einer finanziellen Regelung im Reiche kommen, die die Finanzierung des Wohnungsbaues ermöglicht. Ohne öffentliche Mittel wäre bereits der Wohnungsbau gänzlich zusammengebrochen. Die Mieterhöhung darf nicht einer kleinen Kruppe, sondern der Allgemeinheit zugute kommen. Der Redner wünscht der Tagung vollen Erfolg. Sodann sprach Gen. Hermann Meyer- Solingen über Wohnungskultur. Die Erkenntnis von der Wichtigkeit der Wohnungsfrage macht immer größere Fortschritte. Volksgesundheit und Volkskultur sind mit ihrer Lösung auf das engst« verbunden. Schon vor dem Kriege konnten kinderreich« Familien schwer Wohnungen finden. Die Ueberfüllung der Wohnungen war gleichfalls schon vor dem Kriege allgemein. Hinzu kommt' im Gegensatz zum Ausland das Vor- herrschen von Mieiskosernen. Auch in Großstädten brauchen nicht so viel Köpfe auf eine Wohnung zu entfallen wie bei uns. Nach dem Kriege haben sich die Verhältnisie verschlechtert, wie die neueste Wohnungszählung beweist. Die Hauszinssteuer kommt heute zu sehr dem flachen Lande zugute, das am wenigsten dazu beiträgt und nach dem Steueroereinheitlichungsgesetz ganz von der Steuer freigelassen werden soll. Der Städtebau muß in sozialem Sinn« beeinflußt werden. Kulturell und gesundheitlich müssen einwandfreie Verhältnisse geschaffen, die Gelder dahin geleitet werden, wo.die größte Wohnungsnot herrscht. Die Geldknappheit hat die Hoffnung auf ein besseres Ergebnis des Wohnungsbaus in diesem Jahr wesent- sich geschwächt. Ein Abbau der Zwangswirtschaft können wir uns nur verbunden denken mit dem llebergang zu einem sozialen Wohnrecht. Wir müssen dafür eintreten, daß die Wohnungsneubauten quasi- tativ in bester Weise ausgeführt und zweckmäßig eingerichtet werden. Der Mietpreisbildung wird vielerorts nicht genügend Auf- merksamkeit geschenkt. Wir müssen darauf dringen, daß die Mieten der mit öffentlichen Mitteln erbauten Wohnungen sich nach den Kosten richten. Die Kontrolle der Mietsätze und der Zu- Zahlungen muß oerschärst werden, da die Mieten vielfach übersetzt sind. Daher werden Neubauten auch meist nicht von Minderbemittel- ten bewohnt. Diesen Zustand müssen wir bekämpfen. Aus die gute Ausstattung von Wohnungen müssen wir Gewicht legen. Besonders sollen möglichst alle Woh- nungen ein Bad erhalten. Grünanlagen und Gärten sind den Wohnungen beizugeben. Es ist gut, daß die Frauen sich um die B a u k u n st mehr als bisher bemühen. Sie können so wesentlich zur Hebung der Volkskultur beitragen. Der Einbau von Möbeln und die Beschassung zweckmäßigen, guten Hausrats bedars der För- derung der Gemeinden. Die zentrale Belzeizung, Warm Wasserversorgung, Dampfwäschereien, Kindergärten und Räume zur Pflege des Gemeinschaftsgeistes müssen nach dem Wiener Vorbild möglichst weit in Neusiedlungen eingeführt werden. Besonders die Dampfwäschereien könne» die stark beschäf- tigte Arbeilerhaussra» entlasten: ihr« Kosten kommen zu einem wesentlichen Teil durch die Ersparnis von Wasch- und Trocken- räumen in den einzelnen Häusern wieder herein. Gute Pionier- arbeit haben dabei die Baugenossenschaften geleistet. Der Kampf geht für das Wohl des Volkes und für Volkskultur. Darin wird die Sozialdemokratie Bannerträgerin sein und bleiben. An die beiden Referate schloß sich eine längere, sachlich wert- volle Aussprache, in der u. a. die Genossen P e u s- Dessau und L e u t e r i tz- Hamburg aus ihren Erfahrungen«in der Kommunal- arbeit heraus wichtige Fingerzeig« gaben. Starke Cinfuhrsenkung im fiuguft. ' Die Passivität der Handelsbilanz von 431 auf 292 Millionen verringert. Die deutsche Handelsbilanz mit dem Ausland hat im Monat August eine sehr erhebliche Verringerung der Waren- einfuhr und eine leichte Erhöhung der Warenaussuhr er- fahren. Im reinen Warenverkehr sank die Einfuhr von 1278,4 Millionen im Juli auf 1160,8 Millionen im August, also um 117,6 Millionen: die Ausfuhr stieg von 847,0 auf 868,6, also um 21,6 Mil- lionen. Insgesamt ergibt sich eine„Verbesserung" von 139,2 Mil- lionen Mark. Die Iulipassivität ist von 431,1 auf 292,2 Millionen zurückgegangen. Berücksichtigt man die um rund 4ö Millionen ge- stiegene Gold- und Silberausfuhr, so bleibt die Passivität etwa um den gleichen Betrag höher. Sieht man zurück, so ergibt sich seit Juni ein erheblicher Rückgang der Passivität: von 449 auf 430 und aus 292 Millionen. Mit 244 Millionen hatte für 1927 der März die niedrigste Passivität. Die Augustpassioität entspricht dem Einfuhrüberschuß etwa des Monats Januar mit 292'Millionen. Die starke Senkung der Einfuhr erklärt sich mit rund 101 Millionen aus dem Rückgang der Lebensmitteleinsuhr: eine all- jährliche Erscheinung bei Lebensmitteln, die aber selten so zahlen- mäßig stark wurde wie in diesem Jahre(Einfuhrrückgang bei Weizen um 23,7, Kaffee 20,4, Kartoffeln 14,1 Millionen Mark). Roh- stoffe und Halbwaren wurden für 13,6 Millionen weniger eingeführt(Einfuhrrückgang bei Textilrohstossen um 29,2, davon Wolle 14,1 und Baumwolle 10,S Millionen). Bei Lebensmitteln er- klärt wohl die Ernte, bei Textilrohstossen die Preissteigerung und die vorherige billige Eindeckung den Rückgang. Die Einsuhr von Fertigwaren j a n k um 2A Millionen, darunter besonders jür Wasser- und Kraftsahrzeuge. Bemerkenswert ist die Einfuhrsteige- rung bei Walzwerkserzeugnissen(5,5 Millionen), Stab- und Form- eisen, Maschinen(1,6 Millionen), Textilfertigwaren(1,4 Millionen). Schwer- und Textilindustrie scheinen auch im August bei voller Be- schäftigung zusätzliche Einsuhren zur Befriedigung der Nachfrage nötig gehabt zu haben. Die Ausfuhr st eigerung kommt in der Hauptsache auf Rohstoffe und Halbwaren, die um fast 20 Millionen mehr exportiert wurden und mit 207,1 Millionen einen Rekord für 1927 auf- stellen(niedrigste Ziffer Juni mit rund 162 Millionen). Jedoch ist die Montanindustrie an diesem Mehrexport wenig beteiligt. Die Ausfuhr von Fertigwaren ging im ganzen um S,1 Millionen auf 628,7 Millionen zurück. Die Ziffer bleibt als zweithöchste dieses Jahres relativ günstig. G e st i e g e n ist die Textilwaren- ausfuhr um 17,8(Wollgewcbe um 7,0, Kleidung und Wäsche um 4,7) Millionen. Auf der anderen Seite steht ein erheblicher Aus- fuhrrückgang für Maschinen(12,5 Millionen). Im einzelnen haben Kupfer- und Eisenerze im August seit Mai dieses Jahres Rekordeinfuhren bei ununterbrochenem An- steigen. Wolle, Baumwolle, Flachs, Hanf, Jute und Rohseide haben seit Mai ununterbrochene Einfuhrrückgänge zu verzeichnen, während die Ausfuhr der entgegenstehenden Fertigprodukte in dieser Zeit eher anstieg als sank. Gute Konjunktur und Preisveränderungen der Rohstoffe haben hier mit- und gegeneinander gewirkt. Für die Konjunkturentwicklung aus den Verände- rungen der Augustbilanz etwas zu schließen, ist nicht angezeigt. Saisongründe und Preisverschiebungen bei wichtigen Rohstoffen des Auslands dürften das meiste erklärlich machen. Im übrigen sagt die Außen Handelsbilanz ja erst dann etwas für die Konjunktur, wenn man die Innen Handelsbilanz kennt. Man kennt sie leider nicht: sie dürfte aber durch starken Mehrbedarf an Konsumgütern und an Investitionsgütern gekennzeichnet sein, so daß der Rückgang im Umfang des Außenhandels durch eine Zunahme im Umfang des Innenhandels ausgeglichen sein kann. Gute Ruhrkonjunklur bis zum Sommer nächsten Jahres? Der WTB.-Handelsdienst berichtet, daß die Lage der Dortmunder Groß- industrie nach wie vor günstig ist. Sowohl die Dortmunder Werke als auch der Härder Verein sind auf Monate hinaus mit lohnenden Aufträgen�versehen. Besonders günstig ist die Betriebs- läge des Eisen- und Stahlwerks Hoesch. Bon besonderer Seite wird erklärt, daß die augenblickliche günstige Konjunktur winde st ens bis zum Sommer des nächsten Jahres anchalt-e», b-VTfH, Preußens Amerika-Anleihe abgeschloßen. Amtlich wird gemeldet: Der Preußische Staat hat an das Bankhaus Harris, Fordes u. Co. in New Jork, als Führer eines Konsortiums, eine mit 6 Prozent verzinsliche, 25 Jahre laufende Anleihe im Gesamtbetrags von 30 Millionen Dollar begeben. Die Anleihe, die unter der Bezeichnung„6prozentige amortisable Goldschuldverschreibung des Freistaates Preußen, Ausländsanleihe von 1927" zur Ausgabe kommt, wird am Montag, dem 26. September, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu veraus- sichtlich 96)4 Prozent— ein Teilbetrag auch in Holland— zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Der Erlös der Anleihe wird f ü r Zwecke der Landeskultur und zum Ausbau von Häfen Verwendung finden. Noch leichte Sefferung ües �rbeitsmarktes. Zahlenmäßig trat die weitere Besserung des Arbeitsmarktes in der dritten Sepl'emberwoche nicht mehr in so hohem Maße in Erscheinung� wie in den vorangegangenen Wochen. Die allmäh- liche Beendigung der Ernte und der Eintritt regnerischen Wetters hat in einigen Bezirken ein wenn auch nur geringes Ansteigen der Zahl der Arbeitsuchenden bedingt. Gleichzeitig gehen die Arbeiten im Baugewerbe allmählich zu Ende, ohne daß neue in Angrifs ge- nommen werden. Noch führte der Bedarf der Landwirtschaft zur Hacksruchternte zu erhöhtem Abruf. Die Hauptträger der jetzigen Besserung sind wieder die Metallverarbeitung, die Elektrotechnik, die chemische Industrie, das Spinnstosfgewcrbe und teilweise auch der Verkehr._ Oer Güterverkehr öer Keichsbahn. Die Steigerung im Güterverkehr der Reichsbahn hat jetzt auch in der vierten Woche weiter angehalten. Di« arbeitstägliche Wagengestellung in der Woche zum 10. September ist wieder erheblich, von 153100 auf 154 700, gestiegen. Tabellarische Uebersicht seit Juli(in 1000 Stück): Woche wöchentlich 1927 1926 1927 1926 26. 6.— 2. 7. 886,1 74Z.1 147.7 123,8 3. 7.— 9. 7. 894,6. 758,5 149,1 126,4 10. 7.— 16. 7. 902,4 774,8 150,4 129,1 17. 7.-23. 7. 901,7 780,7 150,3 130,1 24. 7.-30. 7. 911,4 789.3 151,9 131,6 31. 7.— 6. 8. 897,3 775,5 149,6 129,3 7. 8.— 13. 8. 896,0 785.1 149,3 130.9 14. 8.-20. 8. 894,6 800,4 149,1 133,4 21. 8— 27. 8. 912,0 828,3 152,0 138,1 29. 8.— 3. 9. 918,4 824,6 153,1 137.4 " 4. 9.-10. 9. 928,0 824,3 154,7 137,4 Auch bei dieser Steigerung spielen zweifellos Erntegründe mit. Im Zusammenhang mit der Außenhandelsbilanz(siehe oben) ist aber das ständige Anwachsen des Reichsbahnverkehrs von Mitte August bis September doch beachtlich. llmlauschfrist für die Reubesihanleihen der Länder- und Gemeindeanleihen. Die Regierungen der Länder haben überein- stimmende Verordnungen erlassen, durch die die Frist für den Um- tausch der Markanleihen neuen Besitzes der Länder, Gemeinden und Gemcindeoerbände und der diesen gleichgestellten ösfentlichrechtlichen Körperschaften aufdieZeitvoml. Oktober1927biszum 14. Januar 1928 festgesetzt wird. Die Anleihen sind bei einer Vermittlungsstelle(Bank, Sparkasse, Genossenschast) zum Um- tausch einzureichen. Markanleihen, die innerhalb der Umtauschfrist nicht zum Umtausch angemeldet werden, werden wertlos. Gefährdung des Handelsvertrages mit der Tschechoslowakei. Bei unserer ernsten Mahnung an die Regierung, mit dem p o l n i- schen Zollkrieg endlich Schluß zu machen, wiesen wir auf die sonst bedrohten Verhandlungen mit der Tschechoslowakei hin. Diese Gefahr scheint sich noch schneller zu verwirklichen, als es zu erwarten war. Weil die Tschechoslowakei auch Vorteile für ihren Agrarexport nach Deutschland aushandeln will, sind die deutschen großagrarischen Interessen wieder der Bremsklotz. Mit den polnischen will man auch die tschechischen Verhandlungen hintertreiben. Wieder steht sür Industrie und Arbeiterschaft das meiste auf dem Spiel: denn schließt man nicht ab, so baut die Tschechoslowakei ihre Industrieumstellung gegen den tschechisch- deutschen Warenaustausch aus. Ein« famose Rcichsregie- rung, die der Welt Versprechungen macht, durch Verträge die Zollmauern abzubauen und die den Abschluß der Verträge bewußt sabotiert. Am 26. September sollten endlich die Verhandlungen wieder beginnen. Schon jetzt aber heißt es, daß es in diesem Jahr nicht mehr zum Abschluß kommen soll! Die Märkische vauernschast hat an alle zuständigen Regicrungs- stellen eine Entschließung gesandt, die sich mit de» Hilfsmaßnahmen für die W i t t e r u n g s j chzi den in der Mark Brairdenburg besaßt. Sie verlangt zu diesem Zweck von den Finanzbehörden g e n a u e st e Prüfung aller steuerlichen Stundungs- und Erlaßonträgc sowie Stundung der Rer.lsteuern in den besonders heimgesuchten Gebieten. Gegenüber den Pächtern müsse bezüglich der Pachtzahlung weitestes Entgegenkommen erwartet werden. Insbesondere wird vom Reich die Gewährung von Saatgutkrediten notwendig sein. Ganz besonders müsse Unterstützung der Betriebe eingeleitet werden, deren Viehbestand durch Seuchen vermindert worden ist. Ein« einheitliche und planmäßige Wasserwirtschast ist zur Ver- meidung weiterer Katastrophen im größten Umsange einzuleiten. Rußland als Weltaußenseiler sür Erdöl. Der Komps mit den Trusts. In einer Unterredung mit Pressevertretern erklärte Goldin, Vertreter des Handelskommissariats, daß die Aufforderungen Detcr- dings, russisches Naphcha zu boykottieren, in den Verbraucherschichten und in den öffentlichen Kreisen Europas keinen Widerhall ge- funden hätten. Die Bedeutung des russischen N ophtha- exports für die europäischen Verbraucher gipfele weniger darin, daß Rußland seine Naphthaprodukte billiger ver- kaufe, sondern darin, daß Rußland 10 bis 20 Proz., die es zum Gesamtimport der verschiedenen Länder beisteuere, unabhängig von den anderen monopolisierten Lieseranten liefere und diese da- durch Zwinge, auch ihre Ware billiger zu verkaufen. Hierdurch spare Europa jährlich viele Millionen. Goldin äußerte weiterhin:„Eni- gegen der vermutlich aus Kreisen Deterdings verbreiteten phon- tastischen Nachricht, daß Stalin angeblich bereit sei, mit ihm über die nationalisierten Naphtlzaqucllen ein Abkommen zu treffen, wissen wir nichts auch nur von der geringsten Absicht der Sowjetregierung. Bei allen Verhandlungen mit der S h e l l- G r u p p e und der S t a n d a rd- O i l- C o m p a n y erwies sich stets als Haupt- Hindernis gegen ein Abkommen unser ständiges Bestreben, unsere Teilnahme an der Versorgung der europäischen Mächte zu be- wahren. Dank unserer Zusammenarbeit mit den Nationalen Naphtha-Handelsorganisationcn bei den Einkäufen der europäischen Regierungen lag bisher kein Grund vor zu bedauern, daß eine Verständigung mit den Monopolisten nicht erzielt wurde." Reue Vroduktion des Ruhrtrusts. Die Vereinigten Stahlwerke haben die Herstellung von rostwiderstandsfähigem Stahl nach englischen Patenten aufgenommen. Es handelt sich um Chrom- legierungen nach einem Verfahren, das die Stainleß Iran u. Alloys u. Co. Ltd., London, ausgebildet hat. In England hat man mit dem neuen Versahren eine ganz bedeutende Preisermäßigung erzielt. Abgewartet muß werden, ob dergleichen angenehme Bsgleiterschei- nungen auch in Deutschland eintreten. Außer den englischen Pa- tenten für die Erzeugung von rostwiderstandsfähigem Stahl hat der Ruhrtrust im Anfang dieses Jahres ähnliche amerikanische Pateuto erwarben. Vonnerstag 22. September 1927 Unterhaltung unö ÄAiffen Tagebuch einer fünfzehnjährigen von Elf« Aeldmann. 3. März 192 0. Ms ich vor einem Jahre als Geschenk von meiner lieben, guten, alten, französischen Lehrerin diese» schöne Tagebuch mit silberner Schließe erhielt, da dachte ich nicht daran(obwohl wir arm sind), unglücklich zu werden. Früher, als ich noch kein Tagebuch hatte. in dem ich meine geheimsten Gedanken für mich allein aufschreiben konnte, da kam es vor, daß ich manchmal das Datum von Unglücks- tagen irgendwohin ausschrieb— auf die Rückseite des Tisches oder in die Wand ritzte— oder auf die Außenseite eines Bildes in unserer Schule. Auf dem Bilde„Ernte", das der Schule Wittels- bachgasse gehört, schrieb ich in eine Ecke, ganz klein: 19. August 191S war mein großer Unglückstag— da verlor ich meinen Vater.. Böse Zahlen— vor sechs Monaten schrieb ich ein: Heute, 6. Oktober, wurde mein Bruder, zwölf Jahre alt, Schüler der zweiten Realschulklasse, in einem Krankenhause abgegeben. Er hatte eine Erkrankung an der Schulter und litt sehr. Hoffentlich wird er gesund: es ist mein Gebet bei Tag und Nacht. 8. März. Meine Schwester ist Gärtnerin, ich will es auch werden. Noch lieber möchte ich zeichnen: noch am liebsten möchte ich arbeiten, was immer, um meiner Mutter zu helfen. Es ist noch immer nicht entschieden, was ich lernen soll. Der Arzt sagte, daß wir, auch mein Bruder, der Kaufmannslehrling, gefährdet wären, erblich vom Bater, sagt er, und die größte Aussicht, gesund zu werden, hätte meine Schwester, weil sie auf dem Lande ist und gute Kost be- kommt. Wir alle vier Kinder sind tuberkulös.— Das sind schlimme Gedanken für mich. Wenn wir alle sterben sollten und Mutter ganz allein bleibt! Wohl mühte sie dann nicht so viel arbeiten, e i n Mensch hat bald genug— aber was würde sie ohne uns an- sangen, ganz allein, wenn sie auch schönere Kleider hätte.— 14. März. Heute fahre ich auf vierzehn Tage zu unserer Tante nach Schwarzau. Bielleicht wird das Fieber auf dem Lande gut. Ich bin jung und will nicht, ich will nicht krank sein— ich will nicht sehen, wie Mutter weint. 18. März. Hier in Schwarzau ist es sehr schön. Der Frühling beginnt. Mir tut nichts weh, als der rechte Fuß, die große Zehe. Ich trage darum meine weißen Leinenschuhe, die ich mir vorsichtig mitge- nommen habe— wenn sie auch groß und häßlich sind, aber in de» Lederschuhen ist es, als wäre es nicht die große Zehe, sondern alle Zehen und mir wird dann voll Angst... Die Hauptsache ist, daß die Tante nichts merkt, ich gehe darum wenig vor ihren Augen, da- mit sie dos Hinken nicht sieht— denn, ich will nicht krank werden und im Krankenhause liegen.--- Die Tante fragt, ob ich länger bleiben möchte, ich sagte neitt. Abends ist immer Gesang und Hörnerschall in der Allee— ich weiß nicht, ob es Hörnerschall heißt— es find wohl ein oder mehrere Waldhörner— aber ich habe es lieber, wenn es ganz still ist, die Hörncr sind so laut und er- schrecken mich--- 2 0. März. Gestern hatte ich kein Fieber und keine Fußschmcrzen und ich jubelte den ganzen Tag und wollte schon an Mutter schreiben— ein Wunder, ein Wunder, sagte ich abends leise, das liebe Wunder und schlief ein— und heute ist wieder alles wie es war, die Schmerzen und alles--- 24. März. Ich bin zum Fluß hinuntergegangen und habe de» Mädchen zugeschaut, die die Wäsche wuschen— sie prügelten sie und unter- hielten sich und sangen„Loreley"... Ich weiß nicht, wie es jetzt zu Hause ist, ob sie etwas zu essen haben. Ich habe lange nicht mehr Mutter? goldenes Medaillon gesehen mit Vaters Bild, ich glaube— ich will es nicht aufschreiben — alles, was sie tut, ist wohlgetan. Mein Fuß tut heute so arg weh, daß ich schon zwei oder drei Tränen darüber vergossen habe, man sieht nichts, nur ganz wenig angeschwollen. IS. April. Morgen fahre ich nach Hause. Wien. II. Bezirk. Am Schüttel... Mein Bruder ist mit seinen sechzehn Jahren viel zu still für einen Burschen: das finde ich jetzt, wo ich andere Burschen in seinem Alter kennen lernte. Wenn er abends nach Hause kommt und seine Kappe, seine dunkelgestreiste Kappe mit Schild aufhängt und sich ruhig und still an den Tisch setzt, ist es so traurig, daß ich weinen möchte. Was hat es für einen Sinn, wenn der arme Junge in einem Kontor Briefe registriert und kopiert-- unser Leben ist freudlos. 2 5. April. Muß dies alles in dich einschreiben, liebes Tagebuch, kann dir keine fröhlichen Gedanken geben... Jemand sagte: die Stadt geht zugrunde: ich dachte lange darüber nach, dann fragte ich die erste Person, die ich auf der Treppe traf: Was bedeutet das: die Stadt geht zugrunde?— Ich hatte ja die Pfeiler an der Sophien- brücke angesehen, ich prüfte das Pflaster— die Häuser stehen fest — wie kann da eine Stadt zugrunde gehen? Das ist mir rätselhast. Ich erhielt die Antwort, die Menschen wären es. die zugrunde gingen. Und das verstand ich: ich hatte ja gesehen meinen Vater zugrunde gehen, Schriftsetzer der Staatsdruckerei. 45 Jahre alt, 22 Dienst- jähre, mein jüngerer Bruder lag in einem fürchterlichen Spitab Gassergasse, die meisten Kinder dort hatten amputierte Glieder, und rs wurde davon gesprochen, auch ihm— ich will das nicht' auf- schreiben, ich kann es nicht denken— und mein Bruder der Kauf- mannslehrling— er muß für alle Angestellten Wege machen, deni einen ein Glas Bier holen, dem anderen Theaterkarten, den ganzen Tag wird er herumgeschickt, dafür bekommt er gerade so viel Lohn. als es ein Beitrag für Schuhsohlen ist— drei Jahre Lehrzeit heißt es— er ist ein blasses, trauriges Kind, und ich würde gerne dafür leiden, könnte ich es machen, daß er rote Backen kriegt.-- O, o, nur meine Schwester wird gerettet werden, von den vielen. die zugrunde gehen müssen.-- In zehn, in zwanzig Jahren wird sie noch auf dieser Welt sein vielleicht zusammen mit Mutter— übrig geblieben von uns allen. 27. April. Morgen gehen wir in die Klinik wegen meines Fußes, ich konnte es der Mutter nicht länger verschweigen— sie war leichenblaß. trennte ein Band, das sie eben an ihren Sommerhut angenäht hatte, wieder ab— heute trug sie ihn ohne Band und er sieht alt und staubig aus— sie hat jür morgen einen halben Tag frei von ihrem Geschäft bekommen. Nachts hatte sie für mich Wäsche und Kleider gewaschen— ich glaube, sie hat das neue Hutband ver- kauft, weil sie mir eine Apfelsine brachte. Mutter ist eigentümlich, nie ist sie schmeichlerisch, zärtlich, sie ist so verstockt und kann uns ihre Liebe nicht zeigen: ihre große Liebe zu uns beweist sie nur in ihrer Aufopferung. 28. April. Heute bin ich fast nicht zum Aufschreiben gekommen, so viel hatte ich zu tun. In der Klinik mußten wir warten von 9 bis 1 Uhr. Dafür hat der Professor selbst den Fuß angeschaut. Ich kann es ruhig aussprechen— ich habe mich schon daran gewöhnt— so gewöhnt man sich Schritt für Schritt.—-— Es ist Knochentuberkulose— aber es kann nach vielen Monaten Bestrahlung gut werden. Meine Mutter weinte und sagte: Herr Professor, so ein Der amerikanische Aufzug. Das.nationale" Komitee de» Tannenderg- Ventmal» lieh sich den Fahrstuhl von einer ameritaoischen Firma scheuten. � i Wen wunöerts! Unsere nationale Wirtschast voll- zieht üoch schon längst im Vollaraufzug ihren Ausstieg. großes hübsches Mädel und wie brav und gut sie ist— soll sie mir denn zugrunde gehen--- Da gab er uns einen Zettel und schickte uns zu einem anderen Arzt: der sagte, ja, Sie haben Glück, es ist zufällig ein Platz frei geworden, sonst hätten Sie ein halbes Jahr lang warten müssen... Aber wer mir in Wirklichkeit den Platz verschafft hat, das weiß ich: das waren die Tränen meiner Mutter, denn ihnen kann niemand widerstehen. Ich werde in einem Jahr gesund sein! Der Prosessor hat es gesagt. Es waren heute 300 Kinder mit ihren Müttern da— Neue. Sie wurden erst eingetragen. lieberall stand Befund: Knochentbc. -- Am 4. Juni ist mein Bett bereit. 1. Mai. Heute abend saß ich mit meiner Mutter zusammen, sie hielt meinen kranken Fuß in ihrem Schoß— es war dunkel, ich sagte: Mutter, zeig' mir dein Gesicht. Sie weinte. Warum weinst du? Ich weine nicht. Ich tröste sie, denn ich konnte es ja: ich werde ja gesund und dann werde ich etwas lernen und für dich arbeiten und wir werden glücklich sein. Mucki, der Tanzbär. Von Erna Büsing. Mit seiner Mutter war er im Walde. Sie war nicht nur eine gute, sie war auch eine kluge Mutter und so führte sie ihn an allerhand Fruchtsträucher, stieß ihn mit der Nase an bic tfrüchte und sorgte dafür, daß er fraß, fraß und nochmals fraß. � Sie beide hatten sich an einer gar zu guten Mahlzeit eigentlich Überstessen, es lag viel Schwerauflösliches in ihren Mägen, nun sollten die Früchte für die so notwendige Verdauung sorgen. Der junge Bär skaß. wie ihm geheißen, denn er war gegen seine Mutter gehorsam aus Instinkt heraus, er wußte, was sie tat, war gut. Er brauchte keine Denk- tätigkeit zu entfalten, seine Mutter brachte ihn noch durch's Leben, das heißt, sie führte ihn von Mahlzeit zu Mahlzeit, spielte mit ihm und überwachte seinen Schlaf. Es war so schön im Walde. Die beiden Bären konnten niäst darüber reden, aber sie fühlten sich wie ein Stück Natur. Langsam ging die Mutter, denn das Jungtier war noch gar nicht in seine Maße hineingewachsen, es war in der Haupt- fache Knochen und Fell. Die aufgenommene Nahrung schleppte es fast sichtbar mit sich und der Bauch des kleinen Bären war so ausgeblasen wie ein Kinderlustballon. Auf einmal wurden die Augen der Bärin groß: sie witterte das gefährlichste und größte aller Raubtiere, sie verspürte den allge. SeUage öes vorwärts waltigen Feind aller Tiecc und Pslanzen, ihre Nase verkündete ihr den Menschen. Die Bärin richtete sich auf, der Kleine setzte sich auf die Hinterhand. Nichts war zu hören, kein Ast knackte, kein Zweig schwankte, aber die Nase, die Nase, die trog die Bärin nicht Ihre Aufmerksamkeit ließ nicht nach: sie entspannte keinen ihrer Sinne. Sie zog das Jungtier zu sich, deckte es mit ihrem Leibe. Und der kleine Bär war so neugierig geworden, daß ihm der Speichel aus dem Maule tropfte. Da vernahm er ein Pfeifen und verspürte zugleich eine eigenartige Lufterschütterung. Dann tat seine Mutter einen Fall, schwer und plump. Sie erstickte ihn fast und doch wagte er es nicht, unter ihr hervorzukriechen, es fehlte ihm an Kraft und es mangelte ihm auch an Mut. Warm tropfte es aus dem Fell der Mutter Dann war viel Brechen und Knacken im Buschwerk und es kamen Menschen. Man lud die Bärin auf starke Trägerschultecn und war froh ob der Beute und das Jungtier kam in«inen seltsamen Kasten und wanderte so in die Gefangenschast. Nun strömten gar sonderbare Eindrücke aus den kleinen Bären «in. Er sah Menschen, gefangene Tiere, Zelte und große Karren. Aber alles ging an ihm vorüber schnell, schnell, er konnte es nicht fassen, seine Augen sahen es wohl, doch konnte er das Gesehene in seinem Gehirn nicht verarbeiten. Er beschnüffelte sein Fell Tief eingesunken in sein Fell war das Blut seiner sterbenden Mutter, er schnüffelte und leckte daran, das war Mutter. Dann kamen rauhe Hände, taten ihm Gutes und gaben ihm Futter und er leckte und schnüffelte an diesen Händen und seiner Nase waren sie bald vertraut und auf sie übertrug sich das Gefühl, das er einst für fein« Mutter hatte, so wurden sie für ihn Mutter. Diese Hände blieben stets in seiner Umgebung und bald wußte es der junge Bär, sie gehörten zu einem Menschen. Der Mensch war gut zu ihm, er nannte ihn„Mucki", er fütterte ihn, er spielte mit ihm und ohne daß er es wußte, lernt« der Bär allerlei. Schließlich war er ein Künstler, ein Prominenter sogar. Er arbeitete, eigentlich als Clown, in einer gemischten Raubtiergruppe, denn die Lippen, die er ganz lang ziehen konnte, sahen gar zu drollig aus, wenn„Mucki" sich aufrichtete.„Mucki" hatte keine Furcht, stand er sich doch gut mit dem Stärksten ins Käfig, mit dem Menschen. Der Bär wurde viel betrachtet im Stall und in der Manege. Nach- gerade war er an alles gewöhnt, doch blieb ihm eins furchtbar: viele Menschen überschmierten ihre natürliche Witterung. Und wenn gar zu viel« parfümierte Dämchen den„goldigen",„zuckerigen", „wonnigen"„Mucki" angeschaut hatten und ihm der gekaufte Duft „Weiße Rose",„Reseda" und„Heliotrop" in die Nase gestiegen war, dann bekam er nachgerade Furcht vor all' diesen verwitterten Raub- tieren und als praktische Auswirkung hatte er Angst vor her Freiheit. Eines Tages wuchs„Mucki" über den Tierartistcn hinaus, er wurde zum Helden. In der Manege nämlich zeigte sich urplötzlich ein Löwe eifersüchtig auf seinen Herrn. Der Löwe war ganz Angriffslust, er war gestraffte Kraft, er wurde unheimlich groß und seine Mähne umwallte ihn als der natürliche Schutz seiner Hals- schlagader. Der Löwe verwechselte Manege mit Wildnis, der Löwe kämpfe unsinnig um sein Weibchen. Es kam Unruhe in die ganze Gruppe. In de» anderen Löwen wachte die Kampflust aus Die Tiger fauchten. Aber es war nicht das brrr, brrr der erfreuten Katze, sie holten den Ton tief aus dem Magen heraus, es war ein unheil- volles, dumpfes Fauchen Wie«ine züngelnde Flamme schlich ein Tiger vom Postament.„Mucki" aber tanzte und tanzte und tanzte. Aus einmal iah er den Löwen, der den Dompteur angreifen wollte. „Mucki" sah dieses Leuchlende, dieses Blitzende, dieses Böse in den Augen des Löwen. Und da war„Mucki" der Lippen-Bär.(fr nahm den Löwen an und grub fein« Krallen dem Löwen in die Augen. Er riß dem Löwen das Augenlicht aus. Obwohl„Mucki" feine Mutter so früh verloren hotte und sie ihn nicht mehr erziehen konnte für glückhaftes Bestehen einer Gefahr, hatte sie ihm doch die ganze Eigenart des Lippen-Bären vererbt, den blitzschnell auf- flammenden Zorn, zugleich gepaarr mit der überlegten Angriffskunst auf die Augen des Gegners. So wurde„Mucki", indem er seine Rauslust austobte, zum Lebensretter seines Herrn. Nachher war er, obwohl sein Bild in zahlreichen Zeitungen erschien und viel be- wunderndes Geschrei um ihn war, ruhig wie immer. Doch eines Tages ereignete sich etwas Seltsames. Schwere Gewitter wüteten, der Regen schlug durch die Zellleinwand, der Sturm trug Stücke von ihr davon. Jäh fühlte sich„Mucki" als ein Stück der Natur. Es war Herbst. Herb roch die Erde, Zugvögel hatten schon den ganzen Tag über geschrien.„Mucki" hatte jedes Geräusch,„Mucki" hatte jeden Geruch in sich aufgenommen. Er fieberte fast in Erregung. Di« Elefanten des Zirkus wurden auf den Platz beordert, um die Raubticrwagen rauszuholen— die infolge der Wolkenbrüche aus dem weichen Boden tief eingesunken waren— und sie nach der gepflasterten Straße zu schieben Ein junger spielerischer Elefant mußte, Miickis" Wagen transportieren, bei dem er, bevor er sich mit dem Kopf gegen ihn stemmt«, mit dem Rüssel einen Schieber öffnete. Außer„Mucki" hatte diesen Vorfall niemand bemerkt. Als alles ruhig war, sog„Mucki" noch einmal tief den Duft der Erde ein und dann schlüpfte er in die Freiheit. Er trottete durch die Straßen. Angst und Schrecken fegten ihm freie Bahn. Betrunkene wurden munter und selbst alte Leute liefen schnell Haustreppen bis zum höchsten Stockwerk hinaus. Plötzlich erzittert« die Luft so, wie„Mucki" es in seiner frühesten Jugend einmal gehört batte und er tat einen dumpfen Fall. Dann folgte der wütende und vorwurfsvolle Schrei eines Mannes und „Muckis" Blut lief auf die Hände des Menschen, zu dem der Bär sich hingezogen gefühlt hatte. Und dieser Mensch weinre, um seinen Tanzbären, um seinen Freund, um das ermordete Tier Der tote „Mucki" aber sah aus, wie er im Leben ausgesehen hatte. War Erstaunen in seinem Blick? Trauer? Freude? Wer erfaßt's? Ewig unverständlich sllr den Menschen bleibt das Gesicht de? Bären. Dqs„singende Tal" im hunsrück. Ein seltsames Naiurphänomen beschäftigt seit längerer Zeit die Physiker und Geographen, ohne daß man bisher zu einer ausreichenden Erklärung desselben gelangt wäre. Das Tal von Threnecken im westlichen Hunsrück heißt im Volks- mund„Das singende Tal" und wie Rouleaux nachgewiesen hat, trägt es diese Bezeichnung auch zu Recht. Man hört dort ein seltsames Klingen wie fernes Glockengeläute. Die Klänge werden dann stärker, indem sich die Tonwellen von dem unteren engen Tal- ausgange fächerförmig ausbreiten und langsam vorüberziehen. Es ist den Bemühungen der Gelehrten nicht gelungen, dies Problem der fortschreitenden tönenden Lustwellen aufzuklären. Neuerdings hat man eine Erklärung für die eigenartige Erscheinung zu geben versucht, die vielleicht der Wahrheit am nächsten kommt. Man hat die singenden Töne des Tals von Threnecken mit den sogenannten ..Wasserfalltönen" oerglichen und gefunden, daß sie sich sehr nahe- stehen. Nun findet man allerdings in dem Tal keine Wasserfälle, wohl aber wird es von einem Bach durchströmt, der über mehrere hohe Wehre herabstürzt, was natürlich ein starkes Brausen hervor- ruft. Rein an sich sind solche Geräusche musikalischen Klängen nicht vergleichbar, aber die Erfahrung hat gelehrt, daß sie in weiterer Entfernung musikalische Klangfarbe annehmen. So liegt die Ver- mutung nicht fern, daß das„Singen" im 1)unsrücktal an dem Ort, an welchem es in Erscheinung tritt, auch entsteht und daß die mit einer Bewegung in Verbindung gebrachte Schwellung und Abnahme der Töne als rein örtliche Pulsation anzusehen ist. Dieses Natur- Phänomen steht übrigens nicht vereinzelt da. auch sonst findet sich in der Natur und der Welt der Physik ähnliches. So steht es heute feb daß man durch wechselnde Wärmezusuhr«ine Gasmasse zum Töm bringen kann. Sozialistische flrbeitersugenö Groß-Serlin. G«samtprobe für die Veranstaltung am Eonnabend, 24. September, im Rahmen der Ausstellung„Das junge Deutschland", Freitag 18 Uhr im Heim Lindenstr. z. Alle Beteiligten mllffen pünktlich erscheinen. heule, Donnerstag, 22. September, Uhr: Fallplat>: Schule Sberswalder Str. 10.„§ 218."— Schönhauser Vorstadt: Schule Driescner Str. 22.„Reichstagssihung."— Lichterselde: Heim Lichter- sclde-West, Albrechtstr. 14o.«Der Eoltdaritätsgedanlo in Jugend- und Gc- «erkf chaftsb eweguug."-«ittenau: Helm R-s-nthaler Ttr. IS,„Bit lese Ich eine Wanderkarte?"— Aelterengruppe Osten: Tilsiter Etr. 4. Zusammenkunft. „Unsere Werbearbeit." Erscheinen aller ist Pflicht.— Pankow-Zcord und-Süd: Beim Genossen Hahn Ucbcn des Sprechchors für den Werbeabend in Nieder- schönhauscn. Treffpunkt 19% Uhr Pankebrllcke(Schönholzer Straße). Jeder Genosse muß erscheinen. Der Heimabend der Gruppe Pankow-SUd fällt aus.— Lichtenberg-Ritte,-Nord»ad-West: Uebuna der„Maschinenstürmer", Heim Dossestraße. Eine Anzahl Genossen wird noch dringend benötigt. Werbebczirk Prenzlauer Berg: Bei der Genossin Schirmer, Elbinger Str.»2, Eißuna des Festausschusses. Sämtlich« Festausschußmitgliedcr müssen bestimmt und punktlich erscheinen.— Montag, 2». September, Schule Greifenhagcner Straße Z8, wichtige Funktionärkonserenz. Tagesordnung:„Der Reichsausfchuß htt#3*. unh dl««tutWInag»Da« fang« Druifchland". SZmtNche ffunHte« när« müssen erscheinen. Lerbc bezirk«renzberg: Lintenheim, Borstandssitzung. * Die«lZ. i».«», junge Deutschland". Die SAI. Droß-Bcrli» führt am Sonnabend, 24. September, UM 18 und A Uhr, in der Festholl« der Bus. stellung„Das junge Deutschland" im Park des Schlosses Bellevue(Charlotten. bürg, Tiergarten, Großer Stern) eine Veranstaltung durch. Neben dem Sing- kreis der EBI.«erden durch die Spielschar einige Szenen am dem„Sommer- nachtstraum" von Shakespeare dargeboten. Eintrlttsprei» für Erwachsene 50 Pf., Jugendliche SO Pf._ Die Geian�ne im Shanghai mit Carmen Bonl/ Agna Petersen/ 3ack Trevor Bernhard Götzke/ Curt Vespermann/ Nien Sön Uns Morgen Uraufführung EMELKA-PALASTy KurfQrttendammGS 700 SCHAUBURG am Potsdamer Platz Donnst.Zi 9.27 Staats-Oper | Am Pl.d.Republ. Anf.V'/a Uhr Hotlmaons Stutl. Sdnospielli. 1» Gndinnnfflirkl 7 Uhr Füoi von der JazM Donnst., 22. 9. 27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turn. IV, Anf.7 Aida ■ Staat). Sdiillertb. Charlottenburg 8 Uhr HenM Volksbühne tklalei am BMovplati 8 Uhr Habale u. Liebe Tb. am SthHfbioetdamm 8 Uhr Georöe Dandin 8s Nollendon 730u Die September- Variefe-Revue Norden 10334—37 3 Uhr, Ende 11 Uhr TroilDSD-Cressida Sduojpi«! no Shaknptare Kammerspiele Norden 10334—37 8>/« U. Ende lO'/a U. Ihr Hann Inhoiil im Pool Dtnldj Die Konrödie Bismarck 2414,7310 3'/. Uhr, Ende 10-,- Zinsen Komödie von Bernard Shaw stiinid. Huhns. Cäkhrtl, Falktntno. Braoustller Piscatorbübne Tbeat. a. Hollendorfplat! Kurfflrsf 2091/93 8 Uhr: Hoppla, wir leben von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator iibo. SMriva, Wetlhomr. Bndi. Grntz. Giuadi. Haooemaoo, UoIIoum, Sima, SltiM. Theater des Westeos 8 Uhr: Gastspiel Frltzl Massary Berliner Illk-TriO{Eine Frau Neukölln. W Lahnstr. 74/75 1, VOD FOD Format 9egen£2 Monatsruten �ß�addatb Benhn.Leipziga'Str. 122J2i Orosses Sdiaaspielbaos. rägi, 8 0. Di« neu* CHARELL- Inaaenlerniin mit MaxPalleoberg Rita Georg Bendow 3ankuhn SzökeSzakall Werkmeister Westermeler ine Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst. zu halben Preisen Tarverkanl 10-« Dbr Besidenz-Thealer Täglich 8-/. Uhr: Die Tugend- prinzessin Belli Bich. Arthur Hill Mirtio littaer.Gaeklii.Smfl, Graf. H. iüuäSU Preise 1,2, 3 M. usw. Sillnhorg-Bibui Ots. Künstler-Tb. 8 Uhr „Die Dame von Maxim" Lessing-Theater 8 Uhr „Kinig Heioridi IV" Planetarium an Zoo Vnliag. Jtuhinfhzler streik Noll. 1578 Der Sternenhimmelan, dar Rais« van Barlin nach dem Aequatar Vorführungen: A'/fc 6, 7>,» 9 Uhr. Eintritt 1 M. Kmdir int. 15 Jihrta 0.508 Neues Theater am Zoo Dir.: Ridtard Gurter SV. Täglich 8V. StOrinisdie Heiterkeit! Drei lustige Komödien von Thoma Trianon-Th. Täglich 8V. Uhr: Srika ßlässner in einer ihrer ParaderolleB RaploiierSdirilt Lustspiel v.Verneuil Preise l,2,3M. nsw. Lustspielhaus 8-/. UhR „FilmroniaDtlk" wauiaim- Tneai. Täglich 8V. Uhr: Am Rodesheiraer SdiloO steht eioo linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tanz. Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur 60 PL IThalia-Thealer 8 Uhr Der rote Hahn CAS1NO-THEATER» Uhr Nur noch wenige Aufkührungen 1 Ihr annkler riech Aasschneidcn I Gutschein 1— I Pers. Fauteuil nur 1,10 M„ Sessel nur 1,60 M. Ilaima Seilm und Dr. Ralph Benatzky ReichshaMen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzelt in der MQUerstraße Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. Dönhoff-Brett'ii Variatä, Konzert, Tanz Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger In Ihrem Sdilager-Programm I Volkspreise von 50 Pf. bis 2,50 M. Sonntagnachmittag: Grobe Familien•VorsiellDnü Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M. 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Ehrlich Vorsitzender. Echristführer. Binumlst-Bihfln Th.Kdniggrälz. 51. Hasenh. 2110. 8U Der dreimal tote Peter Komhdicnhaus Norden 6304. 8 U Gnlspitl des luskiour küDillertsdiu Thiatm „Habima" Dybuk Berliner Theater Dönhoff 170. 8U. L6onie b. in Adniralspalas Täglich SV« Uhr Die neue flALLER- RFVI1F „Wann und wo!" 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhru.8V«Uhr Kadnn. dh taui Vor- stellpnp>« halb. Preis Rose-Theater 8"/« Uhr: Die Nasdilnen- Dauer v.Berlln zur Miete WGO.Ansbacberstr.l • WospeistmuB am n. iitiiur I Nur GroB-Borlin Alexanderplatz| das Vielfache sparen- Einige Handvoll Henko Bleich- Soda(die den Gegenwert von etwa 5 Pfg. ausmachen) ver ß& tdlung der Waschlauge im Kessel verrührt, bringt Jhnen das Viel fache ein durch bessere lusnuhune des Wasch miHe Ix und Peroilliaung des Waschens/ Henko macht das Uhsser weich sne Regenafasser. weicher Wasser aber ist unbedingt notwendig zu jedem Waschen/ Henko Hentkefa Wasch." xjod ßleich�/bda weit ergiebiger* o/s /ose Soda!----- Serie:„ Das sparsame Waschen" BHd 2,. Am 20. d. M., mittags gegen 1 Uhr, starb an den Folgen einer Operation ganz unerwartet unser lieber Kollege und Freund, der Maschinensetzer Hermann Peters Wir stehen erschüttert an der Bahre dieses aufrechten, yortrefflichen Menschen, der in seiner Eigenschaft als Betriebsratsmitglied seine ganze Person für die Verbesserung der Lebenshaltung seiner Arbeitsgenossen einsetzte. Ein dauerndesehrendesAndenken bewahrt ihm Das Personal der Preo�lsch. Druckerei- o. Verlags- A�CL Berlin, 21. September 1927. Die Einäscherungfindet am Sonnabend, dem 24, d.M., nachmittags 2V- Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, KiefholzstraSe, statt IlMiMilbMtl-Wzjlt WUl vermllWSllWlM! Am Freitag, dem 23. September, leine Stgnog der Rittleren Ort»- oerwaltnng. Sie Octaaccmaltung. Statt besonderer Anzeige. Am Montag, dem 19. September 1927, verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel, der Steindrucker Ernst Röhlich Im 71. Lebensjahre. Dies zeigen, um stille Teilnahme bittend, tiefbetrflbt an Die trauernden Hinterbliebenen Bln.-Baumschulenweg, d. 21. 9. 27, Wohlgemuthstraße 4. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 24. 9. 1927 um 16 Uhr nachmittags im Krematorium Baumschulenweg statt Kranzspenden dankend verbeten. züge. Gadardinemäntel, Gummimäntel, Eulawati-Anzüge. Tailleumänlel. für jede Figur passend. Speztalttäti Bauch. anzüge, spottbillig. Haiperu, Rosen. Ihalerstraß« 4. erste Etage.» �IgeuielueDN8lti-suIieuIi«88e kfli- BerUn-LIdilerfelde. Der 22. Nachtrag zur Satzung, enthaltend Aenderungen der§§ I bis 8, 10 bis 16, 19 bis 20, 24 bis 25, 28, 33, S8b, 34, 8«, 38a, 36, 41 bis*ö. 49 bis 51, 55 bis 64. 67, 70 bis 71a, 72a, 74, 78 bl» 79, 86 bis 87, 90 bis 91, 93, 08 bis 100 ist vom Oberversicherungsamt genehmigt und mit dem 8. 9. 1927 tn Kraft getreten. Genehmigt ist ferner der 23. Nachtrag Satzung, enthaltend Aenderungen der" 6, 12. 19, 90 und 108. Dieser Nachtraa soweit er die KS L 6. 12 und 19 betrifft mit dem 1. 10. 1927, im übrigen mit dem 8. 9. 1927 in Kraft Die Wahlordnung ist gleichfalls vom Ober» oerstcherungsamt unter dem 8. 9. 1927 ge- nehmigt worden und tritt mit diesem Tage in Kraft. Dnitfflütfe der Satzungsnachträae und der Wahlordnung sind nach einiger gelt im Kassenlokal erhältlich. Orr Dorflnnb: Brandenburger, Borsttzender. Während derWechseljahre f 3*tL t»»nun dt, Frau rnetB vom 40. Leben». labTt a» so« Gefahren bedroht wirb«nd»ster lrt> wer unter den wohlbekannten Beschwerben und den wnMgeu sich einstellenden, die«ehmddett tldrenden»nd tchwächeuden Grsch», nungen ,u leid« ft, tut m lebet grau not. leben Monat eine NtUang den blutntntgenden,»bleitend a. aus. gleichend wirkenden«eicheTs Wacholder-Srtradt „Marke Medtro" zu nehmen,»ei krte WechseUaHr» leichter».»du« Schaden zu überstehen besten dann. Ader wo dl«erstanden, nur den ärztlich empiohleu»» » Apotheken und Drogerlen erhäMiche» echten Reichels Wacholderexlrast KLEINE ANZEIGEN »Ml!». FrttjBlredtn Wirt 25 PI. (nlbiig 2 fefstetraifi Wirte).— SltllniBodK tn 1. Wert Krfliitndrtl 15 W., jite wiüniWirt IG Pf. Wirte nit rnrtr ist 15 lidKtiba lAka flr i»« Worte .. ide lir tii itduti d immer bestimmt 4V} Dbr inbmittiis Ii der Hiept-EipediTion des tmirts. Uidastrü« Z. ibimliu nrda.DItstll» istwoduntiii nn morgens IV} Dbr bis udm. 5 Uhr ■loitubredm gUffut. n, Besen. ..... Tabfl-fctzle Preise. Kahlungserleichterung.(tarnet. ling, Kastanienall r« 56.* gwriundfstnfzlg Anri schränke, Adwaschlisch«. Verhäufe Ddrkopp. Nähmaschinen gegen st-Rark. Wochenraten. Wlosik, Brunnenstraße 185, zwischen Rosenthalerplatz und gnvalt- denstraße. Norden 118._ Abestluierpsrus»»», Ersatzteile. Spritz. pumpen, allerbilligst. Aus Wunsch auch Aufstellung. Pumpen fadrii«arten straß« 78.' LckI?idurti)55lückF. 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Für den in unserem Verlag erscheinenden„ToUu- IreuHl", sozialdemokratische Tageszeitung für Mittelbaden, suchen wir zu möglichst baldigem Antritt einen Redakleur zur Mltbearbcltung des polltischen und volkswirtschaftlichen Teils. Praktische Erfahrung in der Redaktionstätigkeit erforderlich. Bewerbungen sind zu richten an die SMdllJUtt- lettw* Sir Verla»sdrn öt erel Vom ««.h a. Hnrlsrnne, WaUstrake 28.