MbenSausgabe Nr. 449 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 222 B«i>usib«dlnzunsen und?ntti«»»nr«Is, find in der Morgenausgob« anze�eben «edattto«: Zw. S». Cinbenftrobe 3 ?ernlpr«cher; VSnhosf 282— 281 X«L-Sibt*ff c: Sojlaldcmetrol Berlin Derliner Volkslklakt Zcntralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Dcutfcblands (lO Pfennig) Donnerstag 22. September 1$27 Verlag und Vnzeigenadteilung! Geschäftszeit«tj bis s Uhr Verleger: vorwärts-verlag«mbH. Berlin Sw. ö», vindenftroba 3 Zernsprecher t BSnhoft 282— 28? hat hmöenburg geantwortet? Wilhelms Brief eine private" Angelegenheit?— Verlegenes Schweigen der amtlichen Stellen. Das Telegramm des abgedankten Kaisers an den Prä- sidenten der deutschen Republik hat die amtlichen Stellen des Reiches in eine furchtbare Verlegenheit gebracht. Denn die Vermutung liegt auf der Hand, daß die Tannen- bergkundgebung Wilhelms von ihrem Adressaten nicht u n'b e a n t w o r t e t geblieben ist. Das deutsche Volk hat ein Recht zu erfahren, ob diese Vermutung zutrifft. Hat aber der Reichspräsident v. Hindenburg dem abgedankten Kaiser geantwortet, dann ist die öffentliche Meinung berech- tigt, den Wortlaut dieser Erwiderung kennenzulernen. Aber die Regierungsstellen lehnen die Beantwortung dieser Frage ab. Sie verschanzen sich dahinter, daß die Kundgebung Wilhelms an Hindenburg eine„private" Angelegenheit sei! Zur Begründung dieses seltsamen Standpunktes wird darauf hingewiesen, daß die Veröffentlichung nicht durch offizielle Stellen, sondern durch eine„Indiskretion" erfolgt sei. Ein sehr schwaches Argument! Durch die Veröffentlichung, die überdies in zwei Blättern erfolgt ist, die der stärksten Regierungspartei nahe- stehen, hat die Angelegenheit jedenfalls ihren angeblichen „privaten" Charakter verloren und sie ist zu einer ö f f e n t- lichen Angelegenheit ersten Ranges geworden. Das einzige, was die zuständigen Stellen zu erklären sich berbeilasien, ist, daß das Telegramm in Wirklichkeit kein Telegramm sei, sondern ein Brief. Die„Kreuz- Zeitung" sprach zwar von einer„Drahtung" und der von ihr veröffentlichte Wortlaut ließ in der Tat darauf schließen, daß es sich um ein Telegramm handelte, denn es beginnt mit den Worten„Bei der heutigen Weihe" und enthalt keine Anrede. Aber, ob Brief oder Telegramm» ist nebensächlich. Die Echtheit des veröffentlichten Wortlautes wird jedenfalls Stellen n i........ von den zuständigen ch t b c st r i t t e n. Es wird auch nicht bestritten, daß eine Antwort erfolgt ist, es wird aber auch nicht bejaht, man versteckt sich hinter das Argument des„privaten" Briefvertehrs des Herrn Reichspräsidenten. Eine solche Haltung ist weder tapfer noch würdig. Sie ist außerdem sehr kurzsichtig, denn die Ver- mutung liegt nahe, daß die Antwort, falls sie erfolgt ist, über kur� oder lang ebenso„inoffiziell" veröffentlicht werden wird, wie der Wortlaut der Kundgebung Wilhelms, und dann ist die Blamage um so größer. Die öffentliche Meinung muß den Eindruck gewinnen, daß sich die zuständigen Stellen genieren, die Antwort Hindenburgs bekanntzugeben. Sollte sie etwa ebenso be- ginnen und schließen wie jenes Schreiben, das der General- feldmarschall v. Hindenburg, allerdings damals noch nicht Reichspräsident, am 28. Juli 1922 nach Doorn richtete: „Allerdurchlauchtigster, großmächtig st er Kaiser! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!... In tiefster Ehrfurcht und größter Dankbarkeit verharre ich a l l e z e i t als Eurer Kaiserlicher und Königlicher Majestät alleruntertänigster v. Hindenburg, Generalseldmarscholl." Nur daß diesmal noch hinzugefügt werden müßte: .... Alleruntertänigster v. Hindenburg,.Reichs- Präsident." Selbst wenn sich die gegenseitigen Gefühle Wilhelms und Hindenburgs inzwischen etwas abgekühlt haben sollten, wie oft behauptet wird, so ist doch kaum anzunehmen, daß der greise Feldmarschall seinem früheren Kriegsherrn den Affront angetan haben sollte, seinen neuen Tannenbergbrief unbeantwortet gelassen zu habe». Heraus also mit dieserAntwort.so unbequem sie auch für die amtliche» Stellen und für den Reichspräsidenten selbst sein mag! Das gemeinsame Recht. Für Deutschland und Oesterreich. In der heutigen Sitzung de» Strafrechtsausschusses des Reichstags berichtete Reichsjustizminister hergt über die Be- obachtungen, die er bei seinem Besuch in Oesterreich über die Aus- sichlen sür die Annahme des genieinsamen Strafgesetzes für beide Länder gemacht Hai. Er wies daraufhin, daß im österreichischen Par- lament alle Parteien sich über den Strasgesetzentwurf geäußert haben. Der sozialdemokratische Vertreter Dr. E i s l e r habe erklärt, daß er dem Entwurf mit»einer freundlichen Voreingenommenheit" gegenüberstünde. Die österreichischen Sozialdemokraten verlangten Vorsorge, daß nicht aus dem Ncbeneinanderarbeiten der Ausschüsse beider Parlamente mangels einer Fühlungnahme beider Körperschaften Unheil entstehe. Man werde in Oesterreich alle poli- tischen und Weltanschauungssragen zurückstellen und die Entscheidung des deutschen Parlaments über diese Fragen abwarten. Nach Ab- schluß der ersten Lesung wünscht der Minister eine Fühlung- nähme mit den österreichischen Organen der Gesetzgebung. Herren seines Ministeriums würden dauernd zur Orientierung für Oesterreich zur Bersllgung stehen. Auch die Gelehrten wie die deutschösterreichisch« Arbeitsgemeinschaft werden an der Berständi- gung beider Länder mitarbeiten. Die österreichische Sozialdemokratie hätte ein engeres Zusammenarbeiten beider Parlamente verlangt, der Minister habe sich vorläufig nur dahin ausgesprochen, daß bei den Vorarbeiten s o intensive Maßnahmen nicht in Aussicht ge- nommcn seien. Genosse Dr. Rosenfeld wies darauf hin, daß die vom Reichsjuftiz- minister in Aussicht genommene»Fühlungnahme" nicht ausreicht, daß vielmehr eine engere Verbindung zwischen beiden Ländern und zwar durch die parlamentarischen Vertretungen geschassen werden müsse. Die Verhandlungen der Regierungsoer- treter seien gewiß wichtig, aber nicht ausreichend, es genüge auch nicht, daß man erst nach der ersten Lesung zusammenkommen wolle. Oesterreich würde dann vor bereits gesaßt« Beschlüsse gestellt sein und jeder Beeinflussung der Stellungnahme beraubt sein. Nur der sozialdemokratische Antrag, der Verhandlungen durch Unteraus- schüsse beider Parlamente wolle, die entsprechend der Partei- mäßigen Zusammensetzung der Ausschüsse gebildet seien, sei in der Loge, die deutschösterreichische Strasrechtsangleichung zur Durch- führung zu bringen. Abg wunderlich(D. Dp.) machte auf außenpolitische Bedenken ausmerlsam und wünschte zunächst eine Auskunft der Reichsregierung darüber ob sie etwa Schwierigkeiten von der Entente fürchte, wenn der sozialdemokratische Antrag angenommen werde. Die Oester- reicher würden mehr Rücksicht aus uns nehmen müssen als wir auf sie, denn das deutsche üZ-Millionen-Volk müsse ent- schiedeneren Einfluß haben als das österreichische tz-Millionen-Volk. Von einer vollständigen Gleichberechtigung könne nicht die * Äichsjustizminister hergt erklär« zur völkerrechtlichen und staats- rechtlichen Seite der Frage, daß das Kabinett die Frag« eingehend prüfen müsse. Abg. Emminger(Bayer. Vp.) teilt die außenpolitischen Bedenken nicht, erklärt sich vielmehr mst dem sozialdemokratischen Antrag ein- verstanden, jedoch mit dem Wunsche, einen Zusatz hinzuzufügen, durch den die deutsche Regierung aufgefordert wird, mit der österreichischen Regierung zur Durchführung dieses Beschlusses des Reichstags in Verbindung zu treten. Ein entsprechender Antrag Rosenfeld-Emminger lag den weiteren Erörterungen zugrunde. Nach weiterer ausführlicher Debatte erklärt der Dorsitzend« Abg. kahl, daß er ursprünglich mehr für Privatbesprcchungen deutscher und österreichischer Abgeordneter gewesen sei. Nach dem Verlauf der Diskussion müsse die Sache aber anders geregelt werden. Völkerrechtlich und staatsrechtlich habe er keine Bedenken. Er schlägt vor, daß zunächst drei deutsche Reichstagsabgeordnete mit drei österreichischen über die Herbeiführung einer Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und dem österreichischen Parlament verhandelten. Genosse Rofenseld erklärt sich sür die sozialdemokratische Frak- tion mit diesem Vorschlag einverstanden. Der Ausschuß beschließt einstimmig, die Beschlußfassung über den sozialdemokratischen Antrag einstweilen auszusetzen und zunächst einige Vertrauensmänner zu bestimmen, die mit Ver- trauensmännern des österreichischen Parlament» in Verbindung treten sollen. Nunmehr entbrennt eine große Debatte über die Frage, ob die Zahl dieser Vertrauensleute 3, 4 oder 5 sein solle und welche Fraktionen bei 3, 4 und 5 vertreten sein sollen. Zunächst scheint man schon einig zu sein, außer dem Vorsitzenden einen Sozialdemo- kraten und einen Zentrumsmann zu schicken: dann verlangen die Deutschnationale» eine Vertretung, woraus auch die Kommunisten den gleichen Anspruch erheben. Auch die Bayerische Volkspartci meldet ihre Ansprüche an. Nach langem Hin und Her geht ein An- Hag Zapf(D. Vp.) ein, drei Vertrauensleute zu bestimmen, den Vorsitzenden des Ausschusses, einen Vertreter der Regierungsparteien und einen Vertreter der Oppositionsparteien. Di« Deutschnationalen erbitten sich Bedenkzeit, weil sie offenbareinem Zentrums- mann nicht das genügende Vertrauen entgegenbringen. Sie setzten auch bei den Regierungsparteien durch, daß ein Vertreter der Bayerischen Volkspartei gewählt wurde. Die Oppositionspar- teien(Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten) einigten sich auf einen Sozialdemokraten. Es wurden dann zu Vertrauens- leuten bestimmt: Emminger für die Regierungsparteien, Dr. R o I e n f e l d für die Oppositionsparteien. Der Ausschuß trat dann in die Beratung der Frage ein, ob Pressevertreter zu den Beratungen zugelassen werden dürften. Reichstagspräsident töbe legte dar, daß aus Grund des§ 31 der Geschäftsordnung die Zulassung von Pressevertretern nicht möglich sei. Die Geschästsordnung wolle offenbar die Beratung der Aus- schüsse auf die Abgeordneten beschränken. Wenn ein Herr, ohne Abgeordneter zu sein, an den Beratungen teilnehme, der für die Presse Berichte macht, so nehme er daran als Vertreter der Regierung und nicht als Vertreter der einzelnen Zeetmigen teil, Amnestie tut not! Unabhängig von der Hindenburgfeier. Die zum 80. Geburtstag des Reichspräsidenten in Aus- ficht genommene„Amnestie" ist im eigentlichen Sinne keine. Nach der Reichsverfassung bedürfen Amnestien eines G e- s e tz e s, der Reichspräsident übt das Begnadigungsrecht. Das bedeutet: nur auf gesetzlichem Wege können ganze Kategorien von Verurteilten nach allgemeinen Gesichts- punkten begnadigt und ebenso schwebende Verfahren nieder- geschlagen werden. Der Reichspräsident kann nur in be- stimmten Einzelfällen, in denen bereits rechtskräf- t i g e Strafurteile vorliegen, die Strafe ganz oder teilweise erlassen. Da nun weder das Reich noch die Länder Amnestie- gesetze geschaffen haben, so handelt es sich bei der sogenannten Hindenburg-Amnestie nur um eine vermehrte Zahl von Einzelbegnadigungen. Dabei sollen allerdings bestimmte allgemeine Ge- s i ch t s p u n k t e maßgebend sein. Soweit„gemeine" Ver- brechen in Frage kommen, sind das, soweit verlautet, aber die gleichen Gesichtspunkte, wie sie auch in der übrigen Gnadenpraxis, z. B. bei den sehr zahlreichen Begnadigungen, wie sie Tag für Tag das preußische Iustizminsiste- rium vornimmt, eine ausschlaggebende Rolle spielen: Bis- herige Unbestraftheit, gute Führung, Wiedergutmachung des angerichteten Schadens durch den Verurteilten usw. Wesent- lich wird also nur die vermehrte Begnadigung solcher Delikte sein, die aus politifchest Motiven begangen wurden. Der Reichspräsident wird hierbei über die Fälle zu ent- scheiden haben, die durch das Reichsgericht zur Ab- urteilung gelangt sind. Im übrigen wird das Gnadenrecht durch die Landesregierungen ausgeübt. Zwar ist über den Umfang der beabsichtigten Gnadenerweise nur erst gerücht- weise einiges in die Oeffentlichkeit gelangt, doch wird man, ohne ihn zu kennen, bereits jetzt sagen können, daß das Prinzip der Einzelbegnadigungen sich nicht als ausreichend erweisen dürfte. Das trifft namentlich auf die politischen Verbrechen und Vergehen zu, die in der erregten Zeit des Jahres 1923 verübt worden sind. Allerdings: die Rechtsputschisten dieses Jahres sind ja so milde bestraft worden, daß sür sie eine Amnestie im jetzigen Zeitpunkt kaum nach praktischen Wert haben dürfte. Major Buchrucker dürfte der einzige von ihnen sein, der zurzeit noch eine Festungsstrafe verbüßt. (Die Fememorde der schwarzen Reichswehr können als politische Vergehen kaum angesprochen werden.) Da- gegen werden noch jetzt fortwährend vom Reichsgericht Kom- munisten wegen angeblicher— nunmehr vier Jahre zurück- liegender— Hochverratstaten zu langjährigen Zuchthaus- strafen verurteilt, eine Anzahl Prozesse stehen noch bevor, zahlreiche Personen werden auch noch steckbrieflich verfolgt. Es ist endlich an der Zeit, nachdem seit 1923 eine voll- ständige Aenderung der Verhältnisse und eine allgemeine Beruhigung eingetreten ist, unter die Ereignisse dieses Jahres einen Schlußstrich zu ziehen. Von denen, die damals auf Geh«iß der kommunistischen Zentrale sich in törichte Zer- störungs- und Sprengstoffaktionen eingelassen haben, dürften neun Zehntel inzwischen ohnehin die Sinnlosigkeit ihres da- maligen Unterfangens eingesehen haben. Hat doch die Kommunistische Partei selber seitdem eine sichtbare Schwei,- kung vorgenommen, die den Verzicht auf gewaltsame Ak- tionen zwar nicht klar ausspricht, aber zur o f f e n s i ch t- lichen Tatsache macht. Die moralische Schuld an den damaligen Wahnsinnstaten beschränkt sich auf einen k l e i- nen Kreis von Führern der Zentrale, während die große Masse der Verführten es längst bereut, durch falsch verstandene Parteidisziplin und durch blinden Gehorsam gegen verantwortungslose Führer sich ins Unglück gestürzt zu haben. Will der Reichstag schon nicht die Gesamtheit der damaligen Vorgänge amnestieren, so sollte er nach dem Vor- bild der Kapp-Amnestie die Verantwortung wenigstens auf die Zentralführung beschränken. Ein besonderes Kapitel für sich bildet ferner der Fall M a x H o e l z. Es ist unverständlich, wieso das Wiederaus- nahmeverfahren noch nicht längst stattgefunden hat, nachdem der einzige Belastungszeuge für den Totschlag, den Mar Hoelz begangen haben soll, seine Aussage widerrufen und der wirkliche Täter sich freiwillig gestellt hat. Bei diesem Schneckengang der Justiz wird man zu der Annahme ge- nötigt, daß hier irgendwelche unsachlichen Verschlep- pungsmanöver vorliegen. Fällt aber der angebliche Totschlag bei Max Hoelz weg, so bleibt nur ein vor sechs Jahren begangenes politisches Delikt, das durch die seitdem verbüßte Zuchthausstrafe stärker gesühnt ist, als die Hochverratstaten aller Rechtsradikalen zusammen. Mag nun auch im Falle Hoelz durch Einzelbegnadigung Abhilfe zu schaffen sein, so sind doch Gcsamtamnestien für die Ereignisse des Jahres 1923 und auch für die letzten noch immer in Haft sitzenden Opfer der bayerischen Rätezeit— diese liegt nun über acht Jahre zurück— unbedingt notwendig. Wir legen dabei gar keinen Wert darauf, daß diese Amnestien durchaus im Zusammenhang mit dem Geburtstag Hindenburgs erlassen werden. Das von den Kommunisten gebotene würdelose Schauspiel, zum 2. Oktober Straßen- demonstrationen gegen Hindenburg anzukündigen, gleichzeitig aber den Reichspräsidenten um Amnestie anzuwinseln, kann einen anständigen Republikaner wahrhaftig nicht reizen. Es ist mehr als grotesk, wenn es im kommunistischen Aufruf entrüstet heißt:„Hindenburg soll gefeiert werden, wie einst- mals Kaiser Wilhelm II.'— und wenn dann die Kommunisten durch eine pompöse Hindenburg-Amnestie den populären Hintergrund zu dieser Feier schaffen wollen!— Für unsere Forderung ist nicht der Geburtstag des Reichspräsidenten, sondern die sachliche Notwendigkeit entscheidend, mit den Hochverratsprozesscn aus einer geschichtlich überwundenen Putschperiodc endlich Schluß zu machen. Ein Srief der Kpd. Und was darauf zu antworten ist. Die„Rote Fahne" brüllt seit einigen Tagen nach der Antwort nuf einen Brief, den die Berliner kommunistische Bezirksleitung an den sozialdemokratischen Bezirksoerband geschrieben hat. In diesem Brief, der die Ueberschrift trägt„Werte Genossen" und der „nüt proletarischem Gruß" schließt, wird zu einer gemeinsamen Gegendemonstration an Hindenburgs 80. Geburtstag aufgejordert. Die„Rote Fahne" weih natürlich ganz genau, daß dieser Brief, ebenso wie andere dieser Art, ohne Antwort bleiben wird. Man kennt die„Genossen"-Gesinnung der Kommunisten gegenüber der Sozialdemokratie und die Bedeutung ihrer„proletarischen Grüße" zu genau, als daß man für derartige Briefe einen anderen Platz hätte als den Papierkorb. Hindenburg wäre ja auch nicht Reichspräsident, wenn nicht die Kommunisten durch ihre lächerliche Thälmann-Kandidatur seine Wahl absichtlich und bewußt herbeigeführt hätten. Die„Rote Fahne" veröffentlicht täglich in spaltenlongen Artikeln die blödsinnigsten Lügen über die Sozialdemokratisch« Partei und ganz besonders über den„Vorwärts". Der Kampf gegen die Sozialdemokratie und sein Zentralorgan füllt sie vollständig aus. Daß auf diese Weise kein Raum bleibt für den Kampf gegen den Bürgerblock, gegen Kapitalismus und Reaktion hat selbst T h ä l m a n n auf einer kommunistischen Parteikonferenz bemerkt. Wir haben den Kamps für die vielfältigen Interessen der Arbeiterklasse und gegen ihre Gegner zu führen. Der Kläffer hinter uns mag sich noch so wütend gebärden, mehr als einen gelegent- lichen Fußtritt wird es für ihn nicht geben. Wenn die KPD. meint, daß man ihr auf all ihre albernen Entlarvungsmanöoer und lügnerischen Schwatzereien antworten müsse, dann überschätzt sie ihre Bedeutung. Die buchenen' ausgeschloffen. Das et« gegen die Ultralinken. Die Gruppe Maslow-Ruth-Fischer— in kommunistischen Kreisen als die„Ruthenen" bezeichnet— hat vor einiger Zeit an die Moskauer Leitung der kommunistischen Internationole den Antrag gerichtet, sie wieder als Mitglieder aufzu- nehmen. Darauf hat das„Ekki" unter dem 17. September beschlossen, die Wiederausnahme abzulehnen. Selbstredend geht das nicht ohne Beschimpfungen der Ulträlinken ob, sie als„ruinierte Kleinoourgeoisie" bezeichnet und beschuldigt wird,„den direkten Ber- rat der internationalen Arbeiterklasse" vorzubereiten. Wo das Ekki spricht, darf die deutsche„Zentrale" nicht schweigen. Ueberflüssig zu sagen, daß sie den Bannstrahl der Moskauer Patri- archen noch einmal miederholt. Im Rainen der Einheitsfront! �inüenburg an Westarp. Ein Slntworttclegrqmm. Der Reichspräsident hat aus das„Huldigungstelegramm" des deutschnationalen Parteitags folgendes Antworttelegramm geschickt: „Haben Sie aufrichtigen Dank für dos freundliche Mein- gedenken und Ihre Glückwünsche zu meinem bevorstehenden Ge- burtstag. Die Beratungen Ihres Reichsparteitoges begleite ich mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Ihre Arbeit dem deut- s ch e n Volke zum Nutzen gereichen und seine Einigkeit fördern möge. von Hindenburg, Reichspräsident." Höflich, aber kaum im Sinne der Regisseure von Königsberg! Denn„Einigkeit" und„Nutzen für das Bolk"— wovon sollen da die Deutschnationalen leben? Stinkendes Gel. „Matin"gege«Briand.—„Humanit6"behauptet,„Matin" sei von Petrolenmisttereffenten bestochen. Paris, 22. September.(Eigenbericht.) Entgegen dem gestrigen Dementi des französischen Außen- Ministers hält der„Matin" seine Information, daß der Schritt de» französischen Botschafters in Moskau zur Abberufung von Ra- kowski stattgefunden habe, voll und ganz ausrecht. Das Blatt fügt hinzu, daß Briand gut täte, einfach die Instruk- tionen zu veröffentlichen, die er seinem Botschafter noch Moskau telegraphierte und der Bericht, den dieser über seine Schritte bei dem russischen Außenminister nach Paris mitgeteilt habe, seien von großer Bedeutung, die die öffentliche Meinung kennen müsse. Paris. 22. September.(EP.) „Matin" hat„Humonite" um Schadenersatz von 100 000 Fronken oerklagt, weil sie ziemlich durchsichtig erNärt hatte, der Feldzug des „Matin" gegen Ruhland sei von englischen Petroleum- i n t e r e s s e n finanziert. Der Zriede in vorderasten. Türkischer Generalkonsul, dann Gesandter in Bagdad. Konstankinopel, 22. September. Nachdem nunmehr die Festsetzung der türkisch- nieso- potamischen Grenze fast abgeschlossen ist und andere zwischen den beiden Regierungen ausstehenden Fragen aus dem Wege der Regelung sind, hat die türkische Regierung bcschlosien, sich im Irak durch einen Generalkonsul vertreten zu lassen. Der dazu auserwählte Beamte begibt sich, unverzüglich dorthin. Die türkische Regierung beabsichtigt, später eine Ge s a n d t s ch a s t in Bagdad zu errichten._ Ungarisch-rufst scher Polizeiroman. Di« angebliche Zarentochter als Sowjetagentin. Bor einigen Tagen las man, daß in Ungarn eine Tochter des letzten Zaren unter den ehemaligen russischen Kriegsgefangenen, die in Ungarn geblieben sind, aufgetaucht sei. Die ungarische Polizei hat die Frau verhaftet. Nun behauptet die Budapester Polizei, daß die falsche Alexandra Nomanowa eine mehrsast vorbestrafte Diebin, Spionin und Agentin der Sowjetregierung sei. Die Frau führt verschiedene Namen und beherrscht neun Sprachen, darunter deutsch, russisch und italienisch. Die Polizei sogt, daß sie eigentlich Kletschewitsch heiße und die Witwe eines russischen Arztes sei. Sie besuchte 1912 in Agrain eme Handelsschule, später wurde sie Journalistin. Nach dcm Tode ihres Mannes, von dem sie zwei Kinder hatte, machte sie die Vekanntschost eines Schriftleiters des„Agramer Togblattes", trieb während des Weltkrieges Spionage und wurde hierfür zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt— da kann die Spionage wahrlich nicht schlimm gewesen sein!— Sodann begab sie sich nach Wien, wo sie wegen Diebstahls einmal zu zwei und später zu vier Monaten verurteilt wurde. Während der ungarischen Rätediktatur habe sie als angebliche Pflegerin bei einer Terrorgruppe in Budapest die Aufgabe gehabt, sich an Gegenreoolutionäre heranzumachen und deren Geheimnisse auszukundschaften. Nach dem Sturz der Rätediktatur wurde sie verhastei und oer- brachte mehrere Monate im Jntern-ercenlager Zalacgerszeg, wo ein Gendarm ihretwegen entlassen wurde Nach ihrer EntHaftung fuhr sie wieder nach Wien und machte hier die Bek.'.ncu schall-ines Russen B a l m o w s k i, der sie, so erzählt die Budapester Polizei, ver- anlaßte, um viel Geld einen Auftrag der Sowjetregierung zu über- nehmen. Sie fuhren beide nach Moskau, von wo sie dann, sagt die Polizei, nach Ungarn entsandt wurde, um hier russische Kriegs- gefangene zu photographieren und:n einer Weise zu organisieren, daß sie jeden Augenblick der Sacvietregierung zur Verfügung stehen. Neuseelands 20 Millionen für Singapore. Tie Arbeiterpartei gegen den Flottenstützpunkt. Wellington(Neuseeland), 22. September. D-e Kammer nahm mit 51 gegen 10 Stimmen die Regierung»- vorläge über die Verteidigung zur See an. Sie sieht auch einen Beitrag Neuseelands zum Bau des Flottenstützpunktes in Singapore vor. Dieser Beitrag ist auf eine Million Pfund veranschlagt und soll auf sieben bis acht Jahre verteilt werden, die nach den bisherigen Schätzungen zur Fertigstellung der Marinebasis notwendig sein werden. Premierminister Coates führte aus, der Plan, eine Marinebasis in Singapore zu schaffen, dürfe in keiner Weis« als gegen Japan gerichtet aufgefaßt werden. Der Premierminister zollte der Aklion Japans während des Weltkrieges seine Anerkennung. Es herrsche in Neuseeland eine starke Strömung zugunsten der Teil- nahine an dem Plan des britischen Weltreiches, Verteidigungsmaß- nahmen gegen etwaige Angrisse vorzubereiten. Holland, der Führer der Opposition, erklärte, die Ar- beiterschaft im gesamten britischen Weltreiche lehne das Projekt einer Marinebasis in Singapore ab. Zrantreichs Justiz unterstützt Amerikas. Lecoi« als Legionür verkleidet— wird verhaftet. Paris, 22. September. Dem Vorsitzenden des Sacw-Danzetti-Komitees, Louis Le c o i n, war es gelungen, in der Verkleidung eines Legionärs am Kongreß der amerikanischen Legion teilzunehmen. Er wurde darauf infolge seiner Zwischenrufe wegen„Verherrlichung des Mordes" verhaftet und unter Anklage gesetzt. Er ist ins Sante-Gefängnis in der Abteilung für gemeine Verbrecher eingekerkert. Die Links- blätter fordern feine sofortige Freilassung und erklären, daß er nur verhastet worden sei, um den Amerikanern einen Gefallen zu erweisen._ Vatikans Dank an Faschismus. Papst lobt Muflolini— ist aber«och immer««zufrieden. Rom, 22. September. Der„Osservatore Romano" veröffentlicht eine vielbeachtete ossiziöse Note über die römische Frage. Er betont, daß die Stellung des Vatikans in Italien grundsätzlich aus internationalen Gründen fortbestehe, um zu verhindern, daß man im Auslande eine Zusammenarbeit der Politik des Vatikans mit der Italiens vermuten könnte. Mit dem Hinweis auf die gute Ab- Wicklung des Eucharistischen Kongresses von Bologna erkennt das vatikanische Organ an, daß die früher in Italien übliche Rück- sichtslosigkeit und Härte gegen die Kirche gemäßigt wurde, was ein unbestreitbares B e r d i e n st der faschistischen Regierung sei. Die römische Frage bleibe jedoch unverändert, wenn auch die vermiedenen Härten viele Glauben machten, diese Frage sei beseitigt und gelöst. In Wirklichkeit ändere keine Verbesserung der Beziehungen in nebensächlichen und praktischen Fragen den juristischen Grundsatz des Programms. Es sei unbestreitbare Notwendigkeit für die katholische Doktrin, daß die Freiheit und Unabhängigkeit des Kirchenvaters nicht nur tatsächlich und vollkommen sei, sondern auch als das erscheine, damit er als Voter aller Gläubigen und aller Rationen frei auftreten könne. Anita Augspurg, die bekannte Borkämpserin des Frauenrechts. vollendet heute ihr 70. Lebensjahr. Ihr literarischer und rednerischer Kampf gegen die Engbrüstigkeit des wilhelminischen „Männer"-Zeitalters war lang und schwer. Sie sieht an ihrem Lebensabend einen großen Teil der politischen und rechtlichen Frauenforderungen erfüllt. Sozialdemokratie und Revolution haben geschafft, was unter der„zielbewußten Führung" des Kasserreichs unerreichbar war. Das endgültige irische Wahlergebnis sind 79 Mandate für den Regierungsblock und 73 für die Opposition, darunter 13 A r b e i t e r- p a r t e i l e r und 1 Kommunist. Weltgeschehen. Von Alfred Arno. Wieder einmal rauschen Adlerflügel über die Menschheit. Amerika liegt im hochprozentigen Fieber. Unerhörte Prei� werden gezahlt? Wofür? Ist eine neue Menschenbeglückungstheorie ent- deckt? Singt ein auserstandener Caruso? Zeigt ein Irgendjemand einen sensationellen Weg, um ohne Anstrengung Dollarmillionär zu werden? Oder soll eine Neuauflage des Falles Sacco-Vanzetti vor- genommen werden? Nichts dergleichen. Das sind nur Bagatellen, um derenwillen kein Finger gerührt, kein Dollar gezahlt werden würde. Ein Weltgeschehen im Großformat geht in Amerika in Szene. Man denke, Dempsey wird mit Tunney bopen. Gibt es Wichtigeres auf der Welt? Bestimmt nicht. Politik, Gclreidebaisse und Baumwollenhausse sind vergessen. Man jetzt in Leitartikeln kaum noch die bevorstehende Präsidenten- wohl auseinander, man diskutiert nicht mehr, was eigentlich Coolidge mit dem geheimnisvollen to choose gemeint hat, man schreibt nur »och über die Herreu Dempsey und Tunney, wie sie in Forin sind. wie sie trainiert haiien, und ganz sorlschrittliche Zeitungen, die schon den Geist kommender Zeiten im Fingerspitzengefühl haben, um- reißen die Seelen der beiden Boxer, entwerfen ein Monuinentalge- inälde von ihren psychischen Eigenschaften und oersuchen aus diesen die Technik abzuleiten. Wie fein wird die Persönlichkeit Dempfeys erfaßt, wenn der schwere Kinnhaken mit der Jugend des Meisters auf einer einsamen Farm in einer weltvergessenen Gegend in Be- Ziehung gebracht wird, oder wenn man den wuchtigen Schlag der Linken oder es mag auch der Rechten sein, aus der psychischen Ein- siellung der Kriegszeit erklärt. Und dann sagen noch zurückge- bliebene Europäer, Amerika hätte keinen Geist. Nein, Europa ist veraltet, morsch, zurückgeblieben, dekadent. Amerika gibt das moderne Beispiel. Was macht man in Europa? Man erklärt das Wert eines Goeihe oder Leonardo aus den geistigen Eigenschaften des Meister» oder man sucht von dem Wert aus die Psyche zu ergründen. Wie miftelalterlich wirkt das Ganze. Kein Kind gibt dafür auch nur einen Cent. Doch Amerika hat es erfaßt, weiß, was der moderne Geist verlangt. Ist man nicht„up to äate", wenn man die kunst- wissenschaftlichen Forschungsmethoden Europas auf die Boxheroen Amerikas überträgt. Was einem Goethe recht ist, ist einem Dempsey billig Während diese Zeilen geschrieben werden, schließt man drüben die letzten Wetten ab, zahlt märchenhafte Preise, um nur noch einen Stehplatz zu bekommen. Ja, man fühlt den Zug der Ewigkeit. Wcügeschehen vollzieht sich. Gibt es Wichtigeres als Dempsey gegen Tunney? Nein und abermals nein! Mögen unschuldige Opfer auf dem elektrischen Stuhl verenden, mögen Boumwollspekuianten tausend« Existenzen ins Unglück stürzen, mag man sich um Wettod- rüstungen und ähnliche Dinge bemühen, alles ist vergessen, denn Dempsey kämpft mit Tunney! Bestimmt haben die Amerikaner schwere Sorxen. ,die Zrau von Format.' Dieses Massary-Gastspiel im Theater des Westenz zeigt eine Frau von großem Format, sicher. Die Massary spielt eine Diplo- niatin, die einen ungarischen Grasen vor Dummheiten sogar dcmn bewahrt, wenn sie sich selbst einen Augenblick kompromittteren muß Sie wechselt in diesem Schauspiel die Gestalt, der Bursche wird mon- daine Frau, die Frau Brnsche. Die Massary ist eine begnadete Künstlerin, voller Phantasie und Einfälle, geschmeidig, sinnbegabt, Tänzerin und Kabarettistin, Kammermusikerin und Solistin zugleich. Das wissen wir seit 20 Jahren und erleben es neu. Ihr Couplet „Nebenbei" singt ihr keine Frau der Erde so nobel, witzig, graziös, delikat nach. Aber auch die Massary braucht Nummern. Die hat ihr der Komponist Michael Krauß nur ganz spärlich gebracht. Wenn selbst eine Massary die Begeisterung für ein Werk nicht in Siedehitze bringen kann, dann ist es schlecht bestellt um die Musik. Krauß zehrt von anderen Wienern, aiideren Ungarn und vom ein- fachen Volkslied. Seine Melodien haben keine Schlagkraft, ihr Rhythmus ist verbraucht, und es bleibt eigentlich kein einziger Schlager hasten. Das Handwerk ist sehr gut, es stört leine Aus- dringlichkeit und keine Unwahrhaftigkeit, der moderne Tanz hat be- scheidenen Anteil an der flüssigen Musik, die kaum über das Niveau der Hochanftändigkeit hinausreicht. So kommt— bei einem gar zu dürftigen Text von S ch a n z e r und W e l i s ch— keine Operette von Format zustande. Sehr lustig gebürdeten sich S i k l a und Hansen, sehr schön sang der gar z» seriöse Hans Heinz B o l l m a n n. In kleineren Rollen gefielen die aristokratische Her- mine Sterler und die robustere Edith Schollwer. Laotenabend Dr. Peter Bach. Dr. Peter Bach sst den Ber- liner Freunden des Lauiengesanges kein Fremder. Der Abend, den er auf Einladung der Volksbühne in der Aula des G y m- nafiums zum Grauen Kloster gab, war außerordentlich gut besucht- Peter Bach gehört zu den wenigen, die den klassischen Stil der Lautenkunst fortsetzen. Wer von ihm„Gesang" zur Laute verlangt, wird freilich enttäuscht werden. Bachs Stimme ist weder umfangreich noch gesanglich einwandfrei durchgebildet. Aber wenn wir heute an Lautenabenden den alten Sven Scholander umjubeln, so meinen wir mit unserem Beifall ganz gewiß auch nicht seinen Gesang, sondern eben seinen Lautenvortrag, diese untrennbare Ein- Heft von singendem Vortrag und Lautenbegieitung. Diese Einheit bietet uns auch Peter Bach. Er ist der deutsche, der norddeutsche Bänkelsänger zur Laute. Damit ist sein Wirkungskreis beschrieben und umschrieben. Geht er über ihn hinaus, versucht er sich an Texten, die nichts anderes als„Bild" sein wollen, so muß er ver- sogen. Aber überall, wo Deklamation im Gesang möglich ist, zeigt sich Bach als Meister, ob er sich nun an ernsten Versen Georges oder an Grotesken von Morgenstern und Ringelnatz erprobt. Wirk- liche„Lieder" gelingen ihm nur, wenn es sich um ganz stille, leise Text« handelt, di« überhaupt nur ein unaufhörliches Instrument und eine unaufdringliche Stimme verlangen. Beer-Hoffmanns „Schlaftied für Miriam" gehörte zu den schönsten Darbietungen des Abends. Tef. Zur weltei sichre. Oesters bereits sind wissenschaftliche Theorien, die einen bis dahin problematischen Fragenkomplex gelöst haben, von Laien aufgestellt worden, und später erst hat die Wissenschaft den neuen Erkenntnissen zugestimmt. In dieser Lage befindet sich äugen- blicklich, allerdings noch viel umstritten, die Welteislehre Hans Hörbigers, der durch feine Theorie viele meteorologische Erscheinungen, die bis jetzt keine befriedigende Erklärung gefunden haben, deuten will. Hörbigers Lehre gewinnt besonders in dieser Zeit der Ueberschwemmungen und anderer Naturkatastrophen aktuelle Bedeutung, und der„Verein für kosmotechnische F o r s ch u n g" hat es sich zur Aufgabe gefetzt, das Interesse für die Welteislehre in die Mass? zu pflanzen. Im Rahmen dieses Vereins hielt gestern abend im A r ch i t e k t e n h a u s Dr. ing. Voigt aus Kassel einen instruktiven Vortrag über„Unwetter und Wirbel stürme im Lichte der Welteislehre", de? in großen Zügen Hörbigers Theorie einem Laienpublikum darlegte. Es gibt Eiskörper im Sonnensystem. Dies ist wissenschaftlich nach- gewiesen. Die Eiskörper werden von der Sonne angezogen und stürzen in die glühende Masse. Diese Einsturzstellen sehen wir als Sonneuflecke. Gleichzeitig gelangen aber auch Eiskörper in die Atmosphäre der Erde, die bei der Berührung mit den dichteren Lust- schichten zerstäuben. Das Resultat ist Hagel. Seit langer Zeit bringt das Volk Sternschnuppen— das find nach Hörbigers Theorie Eis- körper— und Sonnenflecks in Zusammenhang mit Unwetterkata- strophen, und nach Hörbigers Theorie hätte mon hier instinktiv das Richtige getroffen. Trotz der ungeheuren Hitze von 6000 Grad auf der Sonne schmilzt ein Eiskörper von genügender Größe nicht sofort. Im Gegenteil, er entzieht hier seiner Umgebung so viel Wärme, daß sich um ihn Schlacken bilden. Allmählich erst schmilzt und verdampft der Körper. Der Dampf gelangt, im Weltenraum bei einer Tem- pcratur von minus 240 Grad zum Gefrieren gebracht, durch die Strahlungsenergie der Sonne auf die Erde und ruft starke Niederschläge hervor. Es besteht demnach ein inniger Konnex zwischen Sonnenflecken und Niederschlägen auf der Erde. An Hand'von reichhaltigem statistischen Material suchte Dr. Voigt diese Theorie zu stützen.— t. Ein Shakespeare ZyNus in Kairo. Im Opernhaus zu Kairo wird eine englische Gesellschaft 24 Auftührungen Shakespearescher Werke veranstalten und damit zum erstenmal einem ägyptischen Publikum die Kunst des größten Dramatikers vorführen. Die Ver- anftaltung ist durch den ägyptischen Unterrichtsminister Ali Paicha Schamsi veranlaßt worden und genießt die besondere Unterstützung der ägyptischen Regierung, die die Garantie sür die Kosten über- nimmt. An diese Shakespeare-Saison soll sich die alljährliche Auf- sührung italienischer Opern schließen. Eine ansfterbende Spreche. In der Variier Akademie der Wissenschaften wurde in der letzte» Sitzung ein Schutz für die Man- Sdrachc, eine der ältesten gälischen Dialekte, gefordert. 1091 wurde diese Sprache aus der Insel Man nach der vorgelegten Ätatlslik noch von 4fl57 Einwossnern gesprochen. Ihre Zahl ging zurück zehn Jahre später aus 2ZS3, und 1SS1 zählte man noch SIS Einwohner» die den Dialekt verstandeu. Kulturarbeit in öen Gemeinden. Kommunalpolitische Reichskonferenz. A. S. Magdeburg, 22. September.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Reichskonferenz für Kommu- n a l p o l i t i k faßte nach Abschluß der Aussprache über Wohnungs- Politik und Wohnungskultur ein« Entschließung zum Woh- nungsbauprogramm, in der es heißt: Die rechtzeitige Durchführung eines Wohnungsbauprogramms, dos die Bereitstellung von Neubauwohnungen auch nur in diesem Umfang unter Berücksichtigung des vordringlichsten Bedarfs an Kleinwohnungen zu für die Arbeiterschaft erschwinglichen Mieten sichern soll, ersordert erstens die Bereitstellung der Hauszinssteuer- ertröge zur Gewährung von verbilligten Hypotheken aus öffent- lichen Mitteln. Darüber hinaus aber find Erleichterungen der zur Ergänzung der öffentlichen Mittel unentbehrlichen privaten Baufinanzierung dringend notwendig. Neben Hauszinssteuerhypotheken, Hypo- theken der öffentlichen Sparkassen, Sozialversicherungsanstalten u. a. wird zur Durchführung des Mindestprogramms die Auf- bringung von rund 1 Milliarde Mark an Bau- g e l d e r n für 1928 notwendig sein. Bei der gegenwärtigen Lag« d.-s deutschen Kapitalmarkte« ist mit einer Aufbringung dieser ? Uttel zu erträglichen Bedingungen im Inland nicht zu rechnen. .s ohne Zweifel auf die 1499 M. abgesehen, die seine Begleiterin , us Berlin mitgenommen hatte. Di« Mordinspektion der Berliner k.kriminalpolizei ging auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Aurich den Spuren des Flüchtigen nach. Sie ermittelte, daß er am 9. September in Münster aufgetaucht und dort ein« Fahr- karte nach Köln gelöst, den nächsten Zug ober nicht benutzt lzatte. Die Spuren wurden weiter nach Brüssel und Pari» verfolgt. Mayr-Lori hatte aber alle Orte immer schm wieder verlassen, bevor man ihn fassen konnte. Von der Mordinspektion waren u.a. auch olle deutschen Konsulats im Auslande benachrichtigt worden, und so wurde der Verfolgte gestern in San Sebastian, wo er sich mit seinen österreichischen Papieren auswies, festgenommen. Die Mitteilung, daß der Abenteurer, der schon wiederholt mit Behörden in Konflikt geraten und geistig nicht ganz normal ist. auch wegen eines zweiten nicht geklärten Mädchenmordes gesucht werde, trifft nicht zu. Der Irrtum ist ohne Zweifel daraus entstanden, daß die bei Iuist gefundene Tote zunächst für eine andere gehalten und erst nachträglich al, Margaret« Stephan festgestellt wurde. Generalversammlung der Konsumgenossenschast. Die kürzlich abgeholten« Generaloersammlung der Konsumgenossenschaft Berlin beschäftigte sich zunächst mit einigen Anträgen auf Abänderung der Satzungen; es wurde gefordert, die Amtsdauer der Generalversammlungsvertretcr auf drei Jahre zu bemessen und die Zahl der zu wählenden Ersatz- personen von drei auf sechs zu erhöhen. Di« dreijährige Amtsdauer der Vertreter ist bereits vor mehreren Jahren beschlossen worden; von den Kommunisten wurde indes� Einspruch erhoben, der bisher im Rechtsverfahren noch kein« endgültig« Erledigung gesunden hat. Um klar« Verhältnisse zu schaffen, machte sich«ine erneute Stellung- nähme der Generaloersammlung notwendig. Mit 353 Stimmen aegen 79 Stimmen der kommunistischen Fraktion, also mit Fünf- sechstelmehrheit, gelangten die Anträge zur Annahme. Di« Ab- stimmung zeigt, daß die t o in m u n i st i j ch e Fraktion nur noch eine einflußlos« Minderheit darstellt. Anschließend erstattete das Auffichtsratsmitglied Genosse Buchholz einen ausführlichen Bericht über die diesjährigen T a g u n° gen der deutschen Genossen jchastsoerbände und über den 12. Internationalen Genossenfchaftskongreß, der von der Versammlung beifällig zur Kenntnis genommen wurde, nachdem einige kommunistische Redner ihren Verdruß über die Stockholmer Beschlüsse, in denen nach ihrer Meinung den Sowjetgenossenschaften zu wenig Entgegenkommen gezeigt wurde, zum Ausdruck gebracht hatten. Das Vorstandsmitglied Genosse Mirus referierte sodann über die Bauvorhaben der Konsumgenossenschaft. Nach einem Rückblick auf die Entrvicklung der Eigenbetriebe seit 1919, wobei besonders die Neuerrichtungen der letzten Jahre her- vorgehoben wurden, erläuterte der Redner die sich infolge des ftei- oenden Umsatzes notwendig machenden Erweiterungen und Neu- bauten Die'moderne, mit den besten technischen Hilfsmitteln aus- gestattete W u r st f a b r i k erweist sich bereits nach halbjährigem Betriebe in einigen Abteilungen als ausbaubedürjtig. Die Bäck«- r e i e n in Lichtenberg und Tempelhof beginnen in kurzem mit der Herstellung von Pfannkuchen; diese neue Abteilung der Backwaren- erzeugung wird in der Lage sein, eine Tagesproduktion bis zu 399999 Stück des Kleingebäcks zu bewältigen. Für die Brotfabri- kation ist in der Tempelhoser Bäckerei der Bau eines Mammut- ofens im Gange, dessen Leistung aus 1599 Brote die Stunde bemessen ist- Von weitestgehender Bedeutung ist das Projekt, im nächsten Jahre auf dem 62 999 Quadratmeter umfasicn- den genossenschaftlichen Gelände in Spandau(Siemensstadt) eine vierte Bäckerei zu errichten, von der aus die Versorgung der westlichen Bezirke Berlins mit Backwaren vor sich gehen wird. Der Bau von Lagergebäuden, Auto gara gen und eines Wohnhaufe» wirb folgen, wie auch der Gedanke erwogen I werden muß, der neuen Bäckerei, die an einer Wasserstraße gelegen sein wird, einen Mühlenbetrieb anzugliedern. Alle diese Baupläne werden Aufwendungen in Höhe von fünfMillionen Mark erforderlich machen. Die Finanzierung der Bauvorhäben stößt auf keinerlei Schwierigkeiten; die Inanspruchnahme fremden Kapitals ist nicht notwendig, da die Mitglieder der Genossenschaft in ihrer bewährten Treue zum eigenen Unternehmen durch Benutzung der genossenschaftlichen Sparkasse die erforderlichen Summen bereit- gestellt haben. Der Lotteriebetrug vor Gericht. Starker Andrang im Znhörerranm. Vor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin-Mitte, unter Vorsitz von Landgerichtsdirettor Fielitz, gelangt heute die Lotterie betrugsaffäre, deren Aufdeckung bekanntlich zu einer ungemein großen Beunruhigung der Oeffentlichkeit geführt hat, zur Aburteilung. Wie groß das Interesse der Oeffentlichkeit ist, beweist der Umstand, daß sich schon in der frühen Morgenstunde vor dem Sitzungssaale des Schwurgerichts II des Neuen Kriminalgerichts Hunderte von Zuhörern eingefunden hatten, und daß immer neue Scharen an- strömten. Di« Massen fanden jedoch noch verschlossen« Türen, denn der Beginn der Verhandlung war erst um 11)4 Uhr angesetzt. Inzwischen verhandelte die Schöffengcrichtsabteilung in ihrem eigenen kleinen Sitzungsraume im alten Gebäude in aller Ruhe und Gründlichkeit über einen kleinen Diebstahlsfall. Erst noch Erledigung dieses Termines siedelte das Gericht in den großen Sitzungssaal auf der anderen Seit« des Gebäudekomplexes über. Di« Anklage in dem Lotterieprozeß richtet sich gegen den Lotterieoberinfpektor Rudolf Böhm und den Lotterieobersekretär Walter Schleinstein. Sie werden beschuldigt, in der Zeit vom November 1926 bis Juni 1927 gemeinschaftlich durch drei selbständige Handlungen als Beamte ihnen amtlich anvertraut« oder zugängliche Urkunden, nämlich Nummernröllchen und Gewinnröllchen der Preußisch-Süddeutschen Klasfenlotterie vorsätzlich und in gewinnsüchtiger Absicht beiseite- geschafft zu haben. Bon den drei Handlungen sind ober nur zwei Betrugsmanöver durchgeführt worden, und die beiden An- geklagten haben sich daher auch noch wegen Betruges zu verantworten. Außerdem stellt ihre Handlungsweise auch eine Falschbeurkun- d u n g der amtlichen Ziehungsprotokoll« und der amtlichen Gewinn- liste dar. Die beiden Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Dr. Max Alsberg und Artur Schulz verteidigt. Nach der An- klage haben sie sich des schweren Beamtenoerbrechens schuldig ge- macht, auf das nur allein mit Zuchthausstrafe erkannt werden kann. Zur Verhandlung sind als sachverständige Zeugen geladen: der Prä- sident der Generallolteriedirektion, Geheimer Finanzrat Dr. Huth, der Direktor der Generaldirektion, Dr. Pons, und der technische Leiter der Generaldirektion, Richter. 75 3ahre alt wird heute Genosse Albert Müller, Oppelner Straße 42. Mitglied der 46. Abteilung. Seit 1885 ist Genosse Müller politisch organisiert. Stets war er ein arbeitsfreudix.es, opferbereites Parteimitglied, das für feine Ueberzeugung viel ge- litten hat. In den letzten Jahren ist unser Aller durch Krankheit verhindert, sich noch aktiv zu betätigen. Desto eifriger verfolgt er die Kämpfe des Proletariats mit großer Aufmerksamkeit und regem Interesse. Eine Ausstellung aller Artikel für Wochen-, Säuglings- und Kinderpflege findet anläßlich der Tagung des Allgemeinen Deutschen Hebamwenverdandes in den Kammersälen, Teltower Str. 1/4, statt. Es gelangen auch nicht frei verkäufliche Präparate und solche, für die kurpfusche rische Reklame betrieben wird, zur Ausstellung.— Darum ist der Besuch dieser Veranstaltung besonders Frauen sehr zu empfehlen. SozlaNsiische Arbellerjagead. DieSAI. Groh-Berlht führt am Lonnabend, dem 24. Sept.. um 18 und 29 Uhr, ht der Festhall« der Ausstellung.Da» junge Deutschland" im Part des Schlosses Bellevue(Tiergarten, Großer Stern), eine Deranftollung durch. Neben dem'SingkrelS der SAJ. werden durch die Spielschar einige Szenen aus dem.SommernachtStraum" von Sbalespeare dargeboten. Eintrittspreis für Erwachsene 59 Psg., Jugendliche 39 Psg. Orgelkonzerte im vom. Das nächst« Orgelkonzert von Professor Walter Fischer sindet Donnexstag, 22. September, im Dom ilatt. Es Wirten mit: Maria Peschken, Alt, und Auni Delp, Violine. Programm(69 Pf.) berechtigt zm» Eintritt. Verkehrsflugzeug abgestürzt. Zwei Tote, zwei Schwerverletzte. Heute vormittag gegen 11 Uhr geriet ein Verkehrsflug- zeug der Nordbayerischen Derkehrshansa, das mit drei Damen und dem Piloten besetzt war, auf dem Wege nach Leipzig über dem Flugplatz Saale(Schwarzatal) beim Durch- fliegen einer Kurve in eine Fallbö, wodurch der Apparat absackte. Da er sich in geringer Höhe befand, schlug der Apparat aus, wobei der Propeller zersplitterte und die sticke Tragfläche brach. Der Führer de» Flugzeuge», der Pilot Schnabel, war sofort tot, ebenso eine der mitfahrenden Damen. Die beiden anderen Damen wurden so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Deutflhe(dzeanflüge in nächster Zeit! Schwimmflngzeuge startbereit. Die beiden deutschen Ozeanflüge, deren Bevorstehen bereits angekündigt wurde, find in aller Stille der Durchfüh- rung entgegengereift. Der eine dieser beiden Flüge wird von einer Gesellschaft unternommen, die vorläufig noch nicht ge- nannt werden will. Es kann im Augenblick nur angedeutet werden, daß deutsch« Schifsahrtskreise dem Unternehmen tätiges Interesse entgegenbringen. Die Gesellschaft hat zwei Schwimm- slugzeuge gekauft, eine dreimolorige Junker» G.24 und einen ein-' motorigen Heinkel-Doppeldecker. Der Junters-Apparat ist in Schweden in zahlreichen Flügen mit hoher Belastung ausprobiert worden und hat sich gut bewährt. Gegenwärtig Negl er startbereit vor Norderney, und es wird nur noch ouf gutes Ozeanwelter gewartet. Ueber das Heinkel-Flugzeug und feine Bereitfchaft für den Flug verlautet einstweilen pichts. Der Flug soll über die Azoren führen, wo für die vorgesehen« Zwischenlandung Betriebsstoff- und Materiallager eingerichtet worden sind. D«n zweiten Flug unter. nimmt die Firma Rohrbach. Bon den beiden Flugbooten, die ebenfalls die Rout« über die Azoren nehmen sollen, absolviert das eine g«genwärtig in Kopenhagen fein« Probeflüg«, während dos andere gestern von Berlin nach Dänemark abgegangen ist. Dieser Flug soll die Eröffnung eine» regulären Transatlantikverkehrs darstellen. Um den Beweis zu erbringen, daß das Unternehmen durch- aus sicher ist, wird dieser Flug dreimal in beiden Richtungen, also dreimal nach Amerika und zurück, durchgeführt werden. Die Piloten, die diese beiden Flugboote führen werden, sind U d e und Stein- dorff. Die Durchführung beider Flüge steht in allernächster Kell bevor.' Der öoxkampf Dempsep-Tunnep. Für 2'/z Millionen Dollar Karten verkauft. New Park, 22. September. Im Hinblick auf den Boxmatch Dempsey-Tunney, der heute abend g?L Uhr Ortszeit(Freitag morgen?L4 Uhr mitteleuropäischer Zeit) beginnen wird, sind in C h i k a g o bereits 59 999 Per- fönen aus den verschiedensten Teilen der Vereinigten Staaten ein- getroffen, auch aus Kalifornien. Es find bereits mehrere Mil- lionen Dollar für oder gegen die beiden Boxer gewettet worden. Während in der letzten Zeit die Wetten meist zugunsten von Tunney ausfielen, find die Wettbeträg« für die beiden Boxer jetzt so ziemlich gleich geworden. Beide sind ihres Sieges gewiß. Man befürchtet, daß es vor Beginn des Kampfes zwischen rechtmäßigen und unrechtmäßigen Inhabern von Plätzen zu heftigen Szenen kommen wird. Bis jetzt sind Karten für 2% Millionen Dollar verkauft worden. Der Winter naht! Der T»talan»verki>-s de, Herr«»g»rd«r«d«»'Sp«»I»Igrschiste» Sertraudtenstr. 24 ,a. d ipett fltdie) ist für Tie die richiicie Teiegenhe», Idren Bedarf�u decken. Da in ganz wrzer tzeit die gejamlen vorhandenen Lagerdeftiinde von mchtereir- taufend modernsten feinsten Herrenanzügen, Mänteln, Hofen llsw ausverianft werden müssen, find dir Preise rückstchtsl»,, zum Teil«eit unier Twianfoprei«, herabgesetzt. Mpaffung an die Konzentration. �ju den Leipziger Beschlüssen. Dic Beschlüsse der vier Organisationen, die übereinstimmend die Öchaffiing eines Einheitsverbandes der Nahrungs- mittel- und Getränkearbeiter zum Ziel haben, setzen mit starkem Schwünge die Bewegung der Gewerkschaften fort, sich der Konzen tration des Kapitals anzupassen. Diese Konzentration hat seit dem Kriege nicht nur außerordentlich große und schnelle Fortschritte ge macht, sondern ist gleichzeitig, durch die Inflation begünstigt, von der sogenannten horizontalen zur vertikalen Form übergegangen. Auch früher gab es in Großbetrieben betriebsfremde Handwerker. Auch vor dem Kriege waren einzeln« Unternehmungen bestrebt, sich von den Halb- und Rohstofflieferanten möglichst unabhängig zu machen. Aber während dieser Konzentrationsprozeß früher in der Hauptsache sich auf dem Wege der Einrichtung oder des Ankaufes von betriebsfremden Werken vollzog, geschieht dies heute durch eine immer verzweigtere Verbindung des anonymen Aktienkapitals, dessen verschlungene Pfade zwar nicht immer leicht erkenntlich sind, aber desto sicherer zum Ziel des Kapitalismus führen. Wenn die Gewerkschaften gegenüber dieser Entwicklung auf ihrem Berufs- oder Betriebsstandpunkt verharren würden, dann wäre ihr« Niederlage in absehbarer Zeit besiegelt. Wenn die Gewerkschaften dagegen sich dieser Entwicklung schnell genug anpassen und ihre Organisationen entsprechend umstellen, dann bedeutet die Konzen- tration des Kapitals praktisch eine außerordentliche Stärkung der Position der Gewerkschaften. Denn mit der Ausdehnung der Unternehmungen erhöhen sich auch ihre Angriffsflächen. Es ist für jeden Ge- merkfchaftler heut« ein Gemeinplatz, daß es keineswegs einer aus- gedehnten Streikbewegung bedarf, um. selbst das größte Unter- nehmen schachmatt zu setzen. Es genügt vollkommen, wenn ein bestimmter Teil von Facharbeitern eines Werkes die Arbeit niederlegt, um weit entfernt liegende Riesenbetriebe, die scheinbar in keinem direkten Zusammenhang mit jenem Werk« stehen, zum Leerlauf zu verurteilen und einen kapitalistischen Riesenkonzern den schwersten Erschütterungen auszusetzen. Dagegen hilft keine Streitversicherung und kein« noch so scharfmacherische Unternehmer- organisation. Dic Kommunisten mit ihrer vorsintflutlichen General- streikidee ahnen gar nicht, wie sehr sie hinter der Entwicklung zurück- geblieben sind. Gewiß, eine solche Taktik erfordert auf gewerkschaftlicher Seite große, fe st gefügte, finanziell leistungsfähige Organisationen und nicht Berufsorganisationen, die einander die Mitglieder streitig machen. Daß kleinere Berufsorganisationen außerstande sind, zum Beispiel ein« ollgemeine Lohnerhöhung dadurch einzuleiten, daß ein Teil der Belegschaft eines bestimmten Unter- nehmen? als Sturmtrupp vorangeschickt wird, liegt auf der Hand. Deshalb ist es selbstverständlich, daß auch die Leipziger Be- schlüsse nicht das letzte Wort gerade>m Nahrungsmittel- gewerbe sind. Es handelt sich um ein« Etappe. Man braucht nur die schwarzweißroten Hoteltrusts mit ihren„Neben'betrieben sehen, um sich darüber klar zu sein, daß die Gewerkschaften wohl auf dem rechten Wege, aber noch nicht am Ziele sind. Die Setriebsrätewahlen bei der Reichsbahn TaS örtliche Wahlergebnis. Bei.der Reichsbahn werden alljährlich in einem Wahlgange ge- wählt: Die örtliche Betriebsvertretung, die Bezirksvcrtretung und der Hauptbetriebsrat. lieber das Ergebnis der Wahl zu de» Be- zii ksbetriebsräten und zum Hauptbetriebsrat haben wir bereits be-. richtet: nun liegt auch das örtliche Wahlergebnis vor. Nach den Feststellungen des Einheitsverbändes der Eisenbahner Deutschlands sind in 50(57 Dienstst.'llen 16 868 Betriebsrat s- Mitglieder einschließlich der Betriebsobmänner gewählt. Bon der Gesamtzahl der Mandate entfielen auf den freigewcrk- schaftlichcn Einheitsverband 18 218(78,38 Proz.), auf die christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner(GdE.) 2172 (12,89 Proz.), auf den Hirsch-Dunckerfchen Allgemeinen Elsenbahner- verbond(AEB.) 713(4,23 Proz.) Mandate. Der Rest verteilt sich aus verschiedene sonstige Organisationen(231 Sitze) und die Un- organisierten, die 534 Sitze erhielten. Der Gewinn des Einheitsverbandes beträgt 1548 Mandate. Der GdE. gewinnt 381 Sitze, während der AEB. gegen das Bor- jähr 20 Mandat« verliert. Das für den Einheitsverband günstige � Wahlergebnis zum Houptbetriebsrat und zu den Bezirksbetriebs- röten tritt bei dem örtlichen Wahlergebnis noch stärker in Erscheinung. Sein Stimmcnanteil betrug bei der Wahl zum Hauptbetriebsrot 7 3,08 Proz.: sein Anteil an den örtlichen Mandaten beträgt dagegen 7 8, 3 8 P r o z., die Steigerung demnach 3,3 Proz. Der Anteil der beiden übrigen Or- gnnisationen an dem örtlichen Ergebnis tritt gegenüber der Wohl zum Houptbetriebsrat stark zurück. Der Anteil der GdE am ört- lichen Ergebnis ist um 6,52 Proz., der des-AEG. um 3,08 Proz. geringer als beim Hauptbetriebsrat. Dies« Gegenüberstellung zeigt, daß die Gegner des Einheitsoerbandes ihr Haupt- gewicht auf die zentrale Vertretung im Hauptbe- t r i e b s r a t legen. Sie wollen anscheinend von der oft sehr schwie- rigcn und mühevollen Arbeit in den örtlichen Vertretungen nichts wissen und überlassen gerne die Verantwortung dem Einheitsverband. Erfreulicherweise ist die Zahl der unorganisierten Be- triebsratsmitglieder von 1042 im Vorjahre auf 534. also um die Hälfte, zurückgegangen. Es wird Aufgabe der Funktionäre und Mitglieder des Einheitsverbändes sein, diesen Zu- stand restlos zu beseitigen, da unorganisierte Betriebs- räte eine Gefahr für die Belegschaft bedeuten und ein Spielball in der Hand der Verwaltung sind.. Das äußerst günstige Wahlergebnis muß für die freigewerk- schoftlichen Eisenbahner ein neuer Ansporn sein, für die Aus- breitung des Einheitsverbändes zu werben und feine Kampfkraft zu erhöhen, um die Reichsbahn-Gesellschast zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu zwingen. �ohnvereinbarung in üer Herrenkonfektion. Bon den Arbeitern angenommen. In der gut besuchten Bersammlung der Berliner Herrenkonsek- tionsschneider am Mittwoch abend in den Residenz-Festsälen hielt der Berliner Bevollmächtigte des Krankenunter st ützungs- bundes der Schneider, Genosse Ed er, einen Vortrag über die Bedeutung der Gründung einer Innungskran kenkasse. Dies« Kasse wurde durch Beschluß der Berliner Schneiderinnung zum 1. Oktober ins Leben gerufen, lediglich zu dem Zweck, erkrankte Arbeiter besser zu kontrollieren und dadurch E r- I p o r n i s s e machen zu können. Gegen diese Gründung müssen sich die Schneider schon vom rein gewerkschaftlichen Standpunkt aus wenden, auch weil nicht eine weitere Zersplitterung im Krankenkassenwesen, sondern eine möglichste V e r« i n h e i t- lichung erstrebt werden müsse. Diese Zwergtassen haben kein« Lebensfähigkeit. Der Referent forderte die Versammelten auf, durch den Eintritt in den seit 53 Jahren bestehenden Kranken- unterstützungsbund der Schneider diese Jnnungskrankenkasse gar nicht erst lebensfähig werden zu lassen. Sodann gab Genosse P l o o g vom Hauptoorstand des Deut- schen Bekleidungsarbeiteroerbandes den Bericht von den Lohn- Verhandlungen. Da die Unternehmer in den freien Verhand- lungen olle Forderungen der Arbeiter abgelehnt hatten, mußten die Verhandlungen vor dem Schlichter des Reichsorbeitsministeriums, Dr. Königsbcrger, fortgesetzt werden. Nach langwierigen Zlerhandlungen kam es endlich zu einer Vereinbarung, wonach ab 1. Oktober bis 30. April 1928 sämtliche Löhne um !>) Proz. erhöht werden sollen. Der Schlichter hatte mit un- v:rhüllter Deutlichkeit durchblicken lassen, daß er, wenn keine freie ? ereinbarung zustande kommen sollte,«inen Schiedsspruch sellen würde, der nur die seit dem letzten Tarisabschluß eingetretene Teuerung berücksichtigt, wie sie der Reichsinde! ausweist. Aus dtesen Aeußerunge» des Schlichters kann man wohl schließen, daß d e Schlichter Anweisungen bekommen haben, über ein bestimmtes M iß von Lohnerhöhungen nicht hinauszugehen. Genosse Ploog empfahl der Versammlung die Annahme dieser Vereinbarung. da kaum damit zu rechnen sei, daß selbst durch einen längeren K c m p f eine wesentlich größere Lohnerhöhung erreicht werden könnte. Durch diese Vereinbarung ist es auch gelungen, für Stettin und Mainz eine völlige Angleichung an die Löhn« der Maß- s ch i. e i d e r und in den übrigen Bezirken eine bedeutende An- Näherung an diese Löhne zu erreichen. Nach einer längeren Diskussion, in der das Für und Wider reichüch erwogen wurde, stimmten die Versammelten mit großer Mehrheit der Vereinbarung zu. ver Tarifkonflikt üer Putzer. Die Unternehmer provozieren den Streik. In der zu Dienstagabend nach den Residenz-Festsälen cinbe- rufcnen überfüllten Versammlung der im Baugewcrksbund organisierten Putzer berichtet« der Fachgruppenleiter Genosse L e h n i g über das Ergebnis der bisherigen Tarifverhaud- lungen. Der Baugewerksbund hatte den Tarisoertrag der Putzer zum 30. September gekündigt, um endlich den veralteten üblen Brauch zu beseitigen, daß der größte Teil der Arbeiten der„freien Vereinbarung" zwischen Arbeitern und Unternehmern unter- liegt. Die Fachgrüppenleitung hatte den Unternehmern einen Ver- trngsentwurf unterbreitet, der für alle vorkommenden Arbeiten fest« Preise vorsah. Die ersten Verhandlungen am 29. August mußten vertagt wer- den, weil die Unternehmer erst ihre Gegenvorschläge ausarbeiten wollten. Die Verhandlungen am 14. und 19. September führten zu keiner Bcrstöndigung. Die Unternehmcrvertreter hatten auf die Forderungen der Perhandlungskommission der Putzer nur immer die eine Antwort„u n a n n e h m b a r". Sie besahen sogar die Strin, der Vcrhandlungskommission einen Tarisentwurf vorzu- legen, der gegen den jetzigen Zustand noch bedeutende V e r s ch l e ch- t e r u n g e n vorsieht. Genosse Lehnig verlas diesen„Tarisent- wurs", der von den Versammelten mit schallendem Gelächter quittiert wurde. Die Unternehmeroorschläge bedeuteten einmal einen Abbau des Abschlagslohnes um 4 Pf. pro Stunde, zum anderen aber auch eine Kürzung der bisherigen Akkordverdienste um 13 bis 24 Prozent. Daraufhin erklärten die Arbeitervertreter, daß jedenfalls am 30. Sep- tember der alte Tarif abläuft und sie für die dann eintretenden Folgen jede Verantwortung ablehnen. In längerer sachlicher Diskussion wurde die Haltung der Ver- Handlungskommission gebilligt und das geradezu provokatorische Verhalten der Unternehmer gegeißelt. Einmütig vertraten alle Redner die Auffassung, daß an den Forderungen unbedingt fest- gehalten werden muß, um dem gegenwärtigen unhaltbaren Zustand in der Akkordpreissestsetzung ein Ende zu machen. Wenn es nicht anders geht, müsse am 1. Oktober die Arbeit nieder- gelegt werden. Die Fachgruppenleitung wurde beaustragt, alle Vorberei- tungen für den Streik zu treffen und am 29. September in einer neuen Fachgruppenversammlung die Strcikabstimmung vor- zunehmen. Zweifellos werden die Putzer am 1. Oktober die Arbeit geschlossen niederlegen, wenn die Unternehmer ihren Standpunkt nicht noch gründlich revidieren sollten. Tarifbewegung in der Kunst- und Handelsgärtnerei. Die Berliner Kunst- und Handelsgärtner stehen in einem schweren Kampf um den Abschluß eines Mantel- und Lohntarifvertrags. Trotz weitestgehendem Entgegentom- men der Arbeiter scheiterten die Verhandlungen mit dem Reichs- verband des deutschen Gartenbaues e. V. Nach Ansicht dieser Ver- treter des deutschen Gartenbaues kann nur dann ein Tarifvertrag abgeschlossen werden, wenn die Arbeiter sich als zur Landwirt- schaft zugehörig betrachten und dann Bedingungen unterordnen, die man nicht wagt, selbst der Landarbeiterschaft anzubieten. Als nach dem Scheitern der Verhandlungen der schlich- tungsausschuß angerufen wurde, erklärt« die Ortsgruppe Berlin des Reichsoerbandes, sie fei t a r i f u n f ä h i g, weil laut ihrer Satzungen auch Arb«itnehn>er in leitende» Stellungen als Mitgiie- der ausgenommen werden können. Obwohl die Absicht der g e- wollten Tarifunfähigkeit klar zu erkennen war. trat der Schlich- tungsausschußvorsitzende Gewerberat Körner der Auffassung des Reichsoerbandes bei. Der stellvertretende Schlichter, dem dieser Fall zur Beutteilung unterbreitet wurde, gab die Erklärung ab, daß er der Auffassung des Schlichtungsausschusies Berlin n i ch t bei- treten könne, lehnte aber ein Verfahren, von Amts wegen einzu- «reifen, ab. Mithin ist nun das Schlichtungsverfahren gegen 160 Firmen der Berliner Kunst, und Handelsgärtnerei eingeleitet. In der demnächst stattfindenden Verhandlung wird mit oller Gründlichkeit das Elend der Gärtncreiarbeiter der Berliner Kunst- und Handelsgärtnerei den Schlichtungsbehörden vor Augen geführt werden. Verantwortlich kür Politik: Richard«rrasteia; Wirtschaft:«8. Rliagelhöser! Gcwcrtschaftobcwegung: 3. Steiaer; ffeuilletom. Dr. John Schikot»»«; Lokale, unkt Eonstiges: Fritz»arstädt: dnzeigen: Sh.«loche; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckere« und VcrlaasanNaU Daul Singer u Co., Berlin EW 68, Lindcnltratz» 3 Mißfarbene Zähne entstellen da» schönste Antlitz, übler Mundgeruch wirkt obslotzend. Beide Schön- heitrsehler werden gründlich beseitig» oft schon durch einmalige» Blitzen mit der tzerrlich erfrechend schmeckenden Ckileri-ereiaat» Zahnpaste. 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