Nr. S41. Erscheint täglich außer Montagz. Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich j,io 9J!f., wöchentlich 28 häfg. frei in'L Haus. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Posl-Abonneinent: 3,30 Ml, pro Quartal, Unter Kreuz- band: Deutschland u, Oesterreich- Ungarn 2 M,, für das übrige Ausland 3 Ml, pr. Monat. Eingelr. in der Post-Zeitung?- Preis liste für 1835 unter Nr. 7lM. II. Jahrg. Ziiserlions-Bebühr beträgt für die füiifgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Berlanittilungs- Anzeigen 2» Pfg. Inserate für die nächüe Rummer müssen bis 4 Uhr»achmiitags in der Expedilion abgegeben melden. Die Erpcbilion ist an Wochen- tage» b'.s 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis» Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher! Amt i, Ztr. löiiS. Trlegrninm-Adrels«: „Ke'ialdemokrat F erlin", Verllner VokKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: SW. 19, Weuty-Straße 2. Dienstag, den 15. Oktober 1895. Spedition: SW. 19, Wenty-Straße 3. ÄMerdsgÄsksv. Pnris, den II. Oktober. Madagastar I O die furchtbare Geißel, Ivelche auf die französische Nation niedergefallen ist— sie, die von leichten Triumphen und unermeßlichen Schätzen geträuint hatte! Vor kaum 10 Monaten gaben i» Paris, in Lyon, i» Marseille be- geisterte Menschenfchaaren den Soldaten, welche sich für diesen neuen Argonautenzug nach dem Goldenen Vließ einschiffen wollten, unter jauchzenden Zurufen das Ge- leite; man trug ihnen die Flinte», überhäufte sie mit stürmischen Freundschaftsbezeugungen, füllte ihnen die Taschen mit Leckerbissen. Tiefe Manifestationen wurden schließlich so stürmisch und so ordnungswidrig, daß die kom- mandirenden Offiziere Tagesbefehle erließen, in denen das Publikum gebeten wurde, seinen Zärtlichkeiten etwas die Zügel anzulegen, damit die Soldaten nicht ermüdet und die Disziplin nicht gelockert würde. Die gedankenlose Menge lief 1870 durch die Straßen mit dem Ruf: Nach Berlin! Nach Berlin! Die gedankenlose Menge von 1894 lief den abziehenden Soldaten nach mit dem Ruf: Nach Madagaskar! Nach Madagaskar! Die Lebel- Gewehre, die Kartätscheukugeln und Melinit- bomben sollten diese elenden, unorganisirten, schlecht bewaffneten Malgaschen niedermähe», zusammenschießen, vernichten. Gegen die Howas sollten die Amazonen-Schtächtereien von Dahomeh wiederholt werden, die den großen General Dodds. die Hoffnung der Revanche, berühmt gemacht hatten. Dieser neue Sieg ohne Gefahr und ohne Ruhm berauschte die gedankenlose Menge, die nicht wußte, daß nach dem Wort einer Howa-Königin diese arm- seligen Wilden zwei unbesiegbarere Generale als Dodds und Gallifct besaßen 7 den Urwald und das Fieber. Jetzt, da die gedankenlose Menge nierkt, daß das Fieber unter unseren Truppen wüthet, wendet sie sich um und klagt die Regierenden an, welche die Expedition organisirt haben. Durch diese Entrüstung kann sie aber sich selbst nicht von der Schuld reinwaschen. Die Verantwortlichkeit für diese entsetzliche Massenvergiftnng von Arbeitern und Soldaten lastet ebenso sehr aus der gedankenlosen Menge, wie auf den Regierenden. Wenn die Casimir Perier, die Felix Fanre, die Ribot die Expedition von Madagaskar vorbereitet und beschlossen haben, so hat diese gedankenlose Menge, die nach einem General Boulanger dem Admiral Avellan und seinen Ofsiziere» zujubelte, die sich gestern dem Lord Mayor von London und seiner lächerlichen Staalskarosse in den Weg warf, und die sich morgen wie toll um einen weißen Elephant drängen und ihm den Rüssel streicheln und küssen würde— so hat diese ge- dankenlose Menge ohne Vernunft, ohne Gewissen, in wahnsinniger Ausregung durch ihren blöde» Enthusiasmus dem verbrecherischen Werk der Negierenden die Sanktion verliehen. Die Felix Faure und Ribot banden ihren Frevelthaten doch wenigstens Masken vor; die gedankenlose Menge aber gab sich rückhaltlos und ausgelassen ihrer unvernünftigen Leidenschaft hin. Die regierenden Politiker stürzten Frankreich in dieses neue Tonki», nur„um das nationale Erbtheil zu erhalten und zu vermehren"; nur„um die Ehre der Trikolore zu wahren, die vor den Drohungen der Malgaschen nicht zurückweichen konnte"; nur— und hauptsächlich—„um die Handelsinteresse» Vier Tage. Aus dem Russischen von Wssewolod Garschi n. (Fortsetzung.) Gott! gieb, daß sie nicht die ganze Wahrheit erfahren! Laß sie denken, ich sei auf der Stelle todtgeschossen. Wie sollten sie das ertragen, wenn sie hörten, daß ich nnch drei, vier Tage gequält habe! Mir schwindelt der Kopf; meine Reise zum Nachbar hat mich völlig erschöpft. Nun kommt auch noch dieser entsetzliche Geruch dazu. Wie gräßlich er aussieht... wie wird er erst morgen und übermorgen sein! Und ich liege hier nur, weil ich nicht die Kraft habe, mich fortzuschleppen. Ich will ausruhen und dann an die frühere Stelle zurnckkriechcn; der Wind kommt von dorther und wird den Gestank von mir weg- tragen. Ich liege völlig ermattet da. Die Sonne brennt mir Gesicht und Hände— nichts, ivomit ich niich bedecken könnte. Wenn doch erst wieder Nacht wäre! Das wird dann die zweite sein, scheint mir. Meine Gedanken verwirren sich; ich verliere das Be- wnßtsein. ** Ich habe lange geschlafen; denn als ich erwachte, war bereits Nacht. Alles ist wie vorher, die Wunden schmerzen, der Nachbar liegt ebenso unbeweglich in seiner ganzen Niesenhastigkeit da.— Ich muß immer an ihn denken. Ist es denn möglich, daß ich alles, was mir theuer ist, verließ, die tausende von Wersten hierhermarschirte, Hunger und Kälte ertrug und von der Gluthhitze mich quälen ließ, daß ich schließlich in diesen Qualen hier liege, nur darum daß dieser Unglückliche zu leben aufhörte? Habe ich denn für die militärischen Zwecke irgend etwas Nützliches gethan, außer daß ich diesen Mord verübte? unserer Industrie Allein wie immer Phrasen schmutzige des Landes zu schützen und um einen Markt ersten Ranges zu öffnen". verbargen sich hinter diesen patriotelnden Finanzgeschäfte. Iii» die Entschädigung für den Krieg von 1883— 80 bezahlen zu können, halte die Howa-Regierung, wie ich bereits früher er- wähnte, zehn Millionen von dem Pariser Diskonto- Komptoir entliehen, das ihr fünf Millionen mehr borgte, jedoch so psisfig war, diese fünf Millionen für die Zahlung der Zinsen im Geld- schrank zu behalten. So lange die fünf Millionen dauerten, war jedermann zufrieden; das Diskonto-Komptoir bezog die Wucher- zinsen für feine zehn Millionen, und die Howas bezahlten, ohne es zu wissen! Als aber die fünf Millionen zu Ende waren, da bekam die Sache ein anderes Gesicht. Die Howas, welche be- züglich des Geldleihens auf Zinsen dieselbe Meinung haben, wie Jehovah, so lauge er über Judäa herrschte und wie die Päpste und die Feudalkönige des Mittelalters— die Howas weigerten sich, die Zinsen für eine Geldsumme, die sie schon vor vielen Jahren ausgegeben hatten, zu bezahlen. Und um die Wucherzinsen für dieses wucherische Anleihen einzutreiben, sind die französischen Soldaten nach der Pestinsel geschickt worden! Die Schuld des Diskonto- Komptoirs ist die kleine Spekulation. Die große und durch und durch schmutzige Spekulation ist die G 0 l d m i n e n- G e s e l l s ch a f t von Suberbieville. Ein Individuum namens Suberbie bekam vor Jahren, man weiß nicht wofür und wie, von der Howa- Regierung ungeheure Ländcrstrecken, die seinen Versicherungen nach goldreich sind wie Peru. Der Abenteurer errichtete dort einige Baracken von Brettern, Lehm und Stroh und nannte sie LuberbisviUo(d. h. Stadt Snber- bie's). Er gründete, um dieses Peru auszubeuten, eine Attien- gesellschaft mit märchenhaften Millionen. Um aber diese Aktien unter das Publikum und an den Mann zu bringen, war es noth- wendig, daß man Suberbieville und seine wunderbaren Gold- lager sehen ließ und die französische Regierung veranlaßte, die Existenz dieser Goldlager durch eine Expedition zu beweisen, die Dutzende von Millionen und Tausende von Soldaten ver- schlungen hat. Seit Jahren ftudirt man in den Ministerien des Kriegs und der Marine den Krieg von Madagaskar. Unter der Präsidentschaft Casimir Perier's und unter dem Mnrine-Ministcriums Felix Faure's ist das Verbrechen beschlossen und ausgeführt worden. Nach einer so langen Beutezeit hätte alles für die Expedition reiflich vorbereitet sein sollen. Doch siehe da! Als es galt, das Kriegsmaterial zu transportiren, hatte der Staat keine Schiffe. Man mußte die englische Handelsflotte zu Hilfe nehmen. Die gemietheten Transportschiffe erlitten Aufenthalt und Havarie und dadurch wurde der Zeitpunkt des Angriffes hinausschoben. Noch schlimmer war es, als man in Madagaskar landete. Seit mehr als einem Jahre hatte der Kommandant Bienaime in der Bai von Maschuuga Messungen über Messungen vor- genonimen zum Zweck der Errichtung einer Werft, welche den durch die Eeichtigkeit des Wassers am Erreichen des Festlandes gehinderten Schiffen das Ausladen ermöglichen sollte. Wohlan, als die Schiffe in der Bai von Maschuuga anlangten, fanden sie die Werft zu kurz; sie reichte nur bis 80 Meter vom User; in dieser Entfernung war man auf ein Korallenriff gestoßen, in das man keine Pfähle und Stütze» eintreiben konnte. Die Korallen- Mord, Mörder?— wer?— ich! Als es mir einfiel, in den Krieg zu ziehen, haben Mutter und Mascha mir nicht abgeredet, obgleich sie über mich weinten. In meiner Verblendung sah ich ihre Thräuen nicht; ich begriff nicht(jetzt begreife ich es wohl), welches Leid ich den mir lieben Wesen zufügte. Doch wozu daran denken? Geschehene Dinge lassen sich nicht ändern! Und wie seltsam viele Bekannte meinen Schritt beur- theiltcn!„Ein Idiot ist er! Kriecht und weiß selbst nicht wozu!" Wie konnten sie nur so sprechen? Wie lassen sich diese Worte in Einklang bringen mit ihren Vorstellungen von Heldenthnm, Vaterlandsliebe und ähnlichen Dingen? — In ihren Augen verkörperte ich doch diese Herrlich- keiten— und dennoch war ich— ein„Idiot". Ich fuhr nach Kischineff. Man gab mir einen Tornister und allerlei Kriegsgcräth. Ich marschire mit taufenden anderer, unter denen sich vielleicht ein paar befinden, die, wie ich, freiwillig gehen. Die übrigen wären gern zu Hause geblieben, wenn sie gedurft hätten. Dennoch marschiren sie, ebenso wie wir Freiwilligen tanseude Werst und schlagen sich ebenso gut wie wir, oder noch besser. Sie er- füllen ihre Pflichten, trotzdem sie gern jeden Augenblick alles hingeworfen hätten und davongegangen wären, wenn man es ihnen nur erlaubt hätte. Die scharfe Morgenluft begann zu wehen, die Sträucher bewegten sich, ein halbschläfriges Vögelchen flog auf. Die Sterne erloschen. Der dunkelblaue Himmel überzog sich nnt grauem Gewölk; zarte Federwölkcheu zogen vor- über, das graue Halbdunkel wich von der Erde. . ä brach der dritte Tag an... meines... ja, wie soll ich es nennen? meines Lebens, meines Todeskampfes? Ter dritte... wie viele bleiben mir noch?— jedenfalls nicht viele. Ich bin sehr geschwächt und werde mich wohl nicht von der Leiche fortbewegen können. Bald wer- den wir gleich sein, nicht mehr Feinde. bank ist zur Ebbezeit für jedes gewöhnliche Auge sichtbar— was ohne Zweifel den Kommandanten Bienaims gehindert hat, sie zu sehen. Um ihn für seine außerordentliche Scharf- sichtigkeit zu belohnen, hat man ihn beiläufig um einen Grad befördert und ihn zun» Vizeadnüral ernannt. Die größte Unordnung herrschte bei der Ausschiffung. Kisten, die tausend Kilogramm Chinin enthielte», wurden mit Kisten, die mit eisernen Geräthen gefüllt waren, verwechselt, schutzlos aufs Gestade geworfen und von der steigenden Flulh durchweicht und verdorben. Und so war die ganze Wirthschaft. Von Maschuuga nach Tananarivo. dem angeblichen Ziele der Expedition, giebt es zwei Wege; beide gleich fieberreich. aber der eine dreimal so lang als der andere. Und d i e s e r'wurde gewählt, weil er Suberbieville be» rührt, das wirkliche Ziel der Expedition. Es gab einen Howa-Pfad, den man benutzen konnte, indem man den Proviant und die Munition von Ochsen und Kulis transportiren ließ. Man entschied sich dafür, eine fahrbare Straße durch europäische Soldaten bauen zu lassen, die dem mörderischen Klima nicht widerstehen konnten. Sibcr was hätte man nicht gethan, um Herrn Suberbie zu gefallen, der eine gute Fahrstraße von Maschuuga nach Suberbieville brauchte, welche ihn keinen Centime kostete? Auf diesem Schmerzens- und Leidensweg sollten die eisernen Wagen Lefövre's fahren, die 250 Kilogramm wiegen und mir 200 Kilogramm tragen. Die Wagen konnten nicht fahren, sie blieben beim geringsten Hindernis stecken; es fehltej an Maulthiercn, um sie zu ziehen; die Soldaten mußten sich vorspannen uud die stecken gebliebenen Wagen wurden durch Tragbahren ersetzt, die an Ort' und Stelle hastig hergestellt wurden und von den Soldaten geschleppt werden mußten. Ans diesem Boden, dessen tödtliche Miasmen mau aufwühlen mußte, um die Straße zu bauen, starben die Maulthiere und die Menschen wie Mücken. Der Staat chatte 1000 Maulthiere für 1000 Franks das Stück von einem Auskäufer gekaust, der an dieser Operation allein 300000 Franks verdiente. Die 15 000 Soldaten der Expedition haben noch keinem Feind ins Gesicht gesehen— höchstens hier und da einigen auf den Rücken; und doch sind von diesen 15 000 Mann blos 4500 noch auf den Beinen! Das Fieber hat 10 000 Soldaten ins Hospital oder ins Grab gebracht. Un» die Zahl der Todten zu verbergen, beeilt die Regierung sich, die Kranken nach Frankreich zu schaffen, damit das Fieber sie im„Vaterland" tödte. So zählen sie nicht als Opfer der Expedition. Das Ministerium hat den Zusammentritt der Kammer bis zur äußersten Grenze hinausgeschoben, um die Einnahme von Tananarivo anzukündigen. Das„Journal offiziel"(das franzö- fische Amtsblatt) von gestern meldet zu gleicher Zeil den Ein- marsch der Truppen in Tananarivo und die Unterzeichnung des Friedens, den man in aller Eile hatte schließen müssen,»in nicht die Stadt in Flammen zu sehen und um nicht einen Rückzug von Moskau anzutreten. Die Soldaten haben ihre Thätigkeit beendet, die der Geld- leute beginnt. Die Anleihe des Diskonto-Komptoirs an die Hovas, die bis- her niemals den Nennwerth überschritten hatte, steigt. Aus die mit Leichen bedeckten Schlachtfelder stürzen sich die Raben und Diebe, um die Todten aufzufressen und auszuplündern. Gallus. Ich muß meinen Durst stillen. Ich werde dreimal am Tage trinken: morgens, mittags und abends. Die Sonne geht auf; ihre riesige Scheibe, die durch das Ast- und Blattwerk des Gebüsches ganz karrirt uud gefleckt erscheint, ist roth wie Blut. Heut wird es wohl heiß werden. Nachbar! was wird dann aus dir werden? schon jetzt bist du schrecklich! Ja, er war schrecklich! Die Haare singen schon an auszufallen. Seine von Natur dunkle Haut war fahl und graugelb geworden. Das aufgedunsene Gesicht hatte sie so straff gezogen, daß sie an den Ohren geplatzt war. Würmer krochen ans diesen Rissen hervor. Die Füße, welche in Schnürstiefeln steckten, waren so angeschwollen, daß es zwischen den Haken wie Blasen hervorquoll, und der ganze Körper war ein Berg geworden. Was die Sonne wohl heute aus ihm machen wird? So nahe bei ihm zu liegen, ist unerträglich; ich ninß fortkriechen um jeden Preis, aber werde ich es vermögen? Ich kann noch die Hand heben, die Flasche öffnen, trinken, aber den schweren, unbeweglichen Körper vorwärts bringen?— aber ich werde mich dennoch bewegen, sei's auch noch so wenig, selbst wenn ich zu einem halben Schritt eine Stunde brauchen sollte. Der ganze Morgen vergeht mir bei diesem Umzüge. Ter Schmerz ist heftig, doch was frage ich jetzt danach? Ich kann mich nicht mehr erinnern, mir nicht vorstellen, wie ein gesunder Mensch empfindet. Ich habe mich gewissermaßen an den Schmerz gewöhnt. Während des Vormittages kroch ich übrigens wirklich ein paar Meter weit fort und kam an meine frühere Stelle zurück. Aber nicht lange erfreute ich mich der frischen Lnft, wenn man von solcher überhaupt reden kann, sechs Schritte von einem faulenden Leichnam entfernt. Ter Wind dreht sich und weht mir von liciiem den ganzen Gestank zu, der so stark wird, daß sich bei mir Ucbel- kcit einstellt. Der leere Magen krampst sich schmerzhast RoNkifrhe Mel»ce)rrs;k. Berlin, 14. Oltvbcr. Der Kaiser hat am Sonntag. 13. Oktober, aus �invertttsstock folgendes Telegramm an den Statthalter von �tsaß-Lothringen gerichtet, das von dem Wolff'schen Bureau durch ein Telegramm aus Straßdurg weiter verbreite�wi „Erfahre soeben aus Zeitungen die Kunde des absch�ichüfc Mordes an dem F a b r i k h e r r n Sch w»r tz".in Äiülh�bsen Ich bitte daher Ew. Durchlaucht in meinem Hr,d• fcct! KaiWin Namen, unser innigstes Beileid der unglücklich� sÜHWe aus sprechen. Wieder ein Opfer mehr der von imn Sozialiste angefachten Nevolntions- Bcwegnng. Wenir nnser Volk sich doch ermannte. Wilhelm." Angesichts der Thatsache, daß über die Motive des Vlülhanser Mörders bisher nur Vermuthungen vorliegen und es bis jetzt sogar noch au jedweder gerichtlichen Feststellung der Zusammenhänge der That fehlt, können wir über den letzten Theil des kaiserlichen Erlasses nur unser Erstaunen aussprechen.— Eine Unterredung mit Fürst Lovanow. Der „Frankfurter Zeitung" wird aus London depeschirt: „Der Pariser Vertreter der„Times" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung, die er mit dem Fürsten Lobanow gehabt hat. Derselbe äußerte sich über französische Angelegenheiten folgendermaßen:„Ich war betroffen durch den Eindruck fried- Ucher Kraft und Selbstvertrauens, den Frankreich bietet. Ich halte Gelegenheit die militärische Organisation zu beobachten und zu bewundern, aber ich glaube nicht zu irren, ivenn ich sage, die hauptsächlichste und beständigste Sorge der jenigen, deren Meinung etwas gilt, ist die nächste Welt- ausstellung, wo sie gegen den Weitbeiverb der ganzen Welt lrimnphiren wollen. Frankreich ist der Arbeit ergeben; Friedens- lverke sind seine Freude. Paris und die Provinz denken darüber allerdings ganz verschieden. In der Provinz ist man sehr gleich- giltig gegenüber den Ministerwechseiii, solange die Regierung Gelegenheit zur Arbeit>i»d zum Sparen giebt. Die Provinzen würden heule Paris nicht solgeu, wenn es sich erheben würde; hätte die Kommune bestand gehabt, so würden einige große Städte wie Lyon und Marseille sie unterstützt haben; der Rest Frankreichs wäre nicht gefolgt." Fürst Lobanow sprach sodann von deutschen Angelegen- Helten und nannte Bismarck's Sturz eines der bedeutsamste» Er- eignisse unserer Zeit, das aber nicht unerwartet kam, da man wußte, daß der Kaiser und Bisniarck nicht zusmiiiiiengehen könnten.„Ich kenne den Kaiser nicht," fuhr Fürst Lobanow fort,„aber ich kannte seinen Vater und ich weiß, daß der Kaiser diesem so unähnlich ist, wie nur zwei Männer sein können. Nun fliegt der Kaiser mit eigenen Schwingen; er liebt es, sich mit dem Fürsten Hohenlohe zu berathe», dessen Weisheit und versöhnliches Temperament ein großer Vortheil ist. Ich habe kürzlich den Fürsten Hohenlohe sein Amt mit patriotischer Resignation übe» sehen; er wird nicht von Ehrgeiz geplagt, aber es giebt Momente, wo der Mann dem Appell an seine Ergebenheit nicht ausweichen kann. Der Krieg von 1870 war ei» Unglück für die Welt, weil er Empfindlich- keilen zurückließ, die Europa nicht zur Ruhe kommen lassen. Schlimm ist auch das allgemeine Stimmrecht, das den Sozialdemokraten den Eintritt in den Reichstag er- nwglichte, was nun für den Kaiser begreiflicherweise eine Quelle von Vesorgniß ist. Es ist schwer verauszusehen, wie er sich vor dieser Gefahr schützen wird. Griffen die Sozial- d e m o k r a t e n zur Gewalt, so könnten sie durch Gewalt gemeistert werden, aber n>an kann nicht Gewalt anwenden gegen Leute, die sich nicht zu Geivaltthaten hinreißen lassen, sonder» mit gesetzlichen Mitteln ihr Ziel erreichen wollen. Es ist ein Beweis von Klugheit, daß dies des Kaifers Haupt- fcesorg«ft> i st." Suche Bismavck-Bötticher-Bevg äußert sich das|jDisniarck-Orga>i, die„Hamburger Nachrichten", in einer llMathmigen Erklärung. Zunächst wird das Bedauern �gesprochen, daß das Staatsnlinisterium es dem Minister k. Bötticher nicht überlassen habe, ans gerichtlichem Wege die Sache zum Austrag zu bringen. Das ist allerdings eine so echt bismärckische Ansicht, daß es genügt sie, zn registriren. Dann aber wendet sich das Blatt mit plölp lichcm Frontwechsel gegen unsere Ausführungen: „Wir sehen schon jetzt, wie die Gegner der Regierung, z. B. der sozialdemokratische„Vorwärts", die Dinge ausfaßt. Er zeigt, daß der Haß gegen den Fürsten Bismarck die Tendenz, die jetzige Regierung zu schädigen, noch überwiegt; der Artikel be> trachtet als die oberste Sünde in dem besprochenen Falle, ge meinschaftlich mit der„Germania" und anderen klerikalen Blättern, die angebliche Verwendung von Mitteln des Welfenfonds behufs Deckung der dramals vorhandenen Defekte. Wir ziehen zunächst dfc Frage in betracht, o b eventuell der Welfenfonds für dergleichen Zwecke rechtlich verwendbar war. Dkr sozialdemokratische und die klerikale Presse scheint anz» nehme», daß die Fonds nur zur Ueber wachung der Welsen beweg» ng in ihrer lokalen Begrenzung bestimmt gewesen sei; sie berücksichtigt dabei nicht, daß die Welsen bewegung praktische Konsequenzen nur durch Zerstörung und Schwächung der jetzigen Reichsverfaffung und der preußischen Macht erreichen konnte. Die Wiederherstellung des Königreichs Hannover ist bisher nur möglich infolge des Verfalls der preußischen Macht und Monarchie, und die Ausgaben, die für den Schutz und die Konsolidirnng derselben gemacht worden sind, und die, wie wir vermuthen, bei weitem den größten Theil allerSlus- gaben gebildet haben, cnlsprachen logisch der gesetz'- lichen Bestimmung deZ Fonds, den Bestand des preußi- schen Staats gegen welstsche Aspiration zn schützen und zu kräftigen. Es würde deshalb kein Pudendum(etwas, dessen man sich zu schämen hat) für die damalige Regierung bilden, wenn sie ans dem Welfenfonds Verwendungen gemacht hätte, >t�velche den Zweck hatten, die preußische Regierung »TKihrer Stärke und Unanfechtbarkeit zu decken, und wenn die Verlegenheiten, denen ans dem Welfenfonds ab geholfen sein soll, rein finanzieller Natur gewesen wären, so würde auch König Wilhelm nicht geneigt gewesen sei», einer Afr Hilfe zuzustimmen!" Wir entnehmen zunächst ans dieser sonderbaren Deduktion das Einverständiiiß, daß die Gelder des Welfenfonds zum grosHcn Theil nicht„zur Ueberwachung der Welsenbewegung in ihder lokalen Begrenzung", sondern zu Ausgaben verwandt wilrden> die„die preußische Re- gierung in ihrer Stärke und Unanfechtbarkeit decken" sollten. Wenn dieser„größte Theil" der Ausgaben seinem Charakter nach wesentlich der Verwendung der 300000 Mark zur Deckung des Kassenmankos bei einem bankrott gewordenen Finanzmailn entspricht, dann müßte allerdings die Stärke der preußischen Regierung nach Ansicht des Fürsten Bismarck ungewöhnlich leicht ruinirbar gewesen sein. Wir glauben indeß kaum, daß außerhalb der Tafelrunde von Friedrichs- ruh es viele Leute giebt, die einen solchen fadenscheinigen Rechtfertigungsversuch für die Verwendung der Welfenfonds- gelber billigen werden. Auffälliger Weise gelangt dann aber das Bismarckblatt im Verlauf seiner Verlegenheitskunststücke zu einer Deduktion, die im völligen Widerspruch zu der obigen Beweis- führung steht. Das läßt sich nur dadurch erklären, daß der Haß blind macht. Um den Minister v. Bötticher eins aus- znivischen schreibt das Bismarckblatt nämlich weiter; „Wenn wir sagen, daß wir den Fall als nicht wichtig genug für das Mittel der ministerielle» Erklärung ansehen, so haben wir dabei nicht die Geringfügigkeit der Preßangriffe in der„Zukunft" und in der„Deutschen Tageszeitung" im Sinne, sondern wir finden, daß selbst der vermuthete Thatbestand überhaupt nicht mit der Schwere ins Gewicht fallen würde, welche ihm die ministerielle Empfindlichkeit beilegt. Daß letztere bei Herrn von Bötticher besonders feinfühlig ist, habe» wir schon zur Zeit der Kieler Kanalfcier ersehen können, als dieser Minister freiwillig in eine Schußlinie trat, welche garnicht aus ihn zielte und dadurch allerdings werthvolle äußere Genugthuung erhielt. Ein Mi- n i st e r kann an und für sich doch nicht für die Zu- verlässigkeit und die Moralität seiner angeborenen oder angeheiratheten Verwandten verant- w o r t l i ch gemacht werden. Es konnte ja manchen Mit- fliedern des Staatsministerin'.ns passiren, daß sie in der Wahl hrer nächsten Verwandten oder Schwiegereltern nicht vorsichtig ;enug gewesen sind. Wenn also der Schwiegervater eines Ministers in finanzielle oder selbst weitergehende Gefahr geräth, o wird dadurch unserer Ansicht»ach die Integrität d Schwiegersohnes noch nicht angesochlen und bcemträchti! Niemand kann d e in Minister v. B ö t t i ch e r e überwachende Thätigkeit eines Stralsun lankdirektors zumuthen, auch wenn dersß be e i n S ch w i e g e r v a t e r i st. Es ist ja edel, daß Her Bötticher die Sache des Vaters seiner Frau sofort als die«lgene behandelt und für dieselbe sein eigenes Vermögen und ein«, er heblichen Tbeil des Vermögens seiner männlichen Verwandte» aeopfert hat und daß das Opfer von der Größe, wie es das Aesannntbedürsniß erforderte, seine Kräfte überstieg, war nicht eine Schuld und keine Schädigung für die eigene Ehren- haftigkeit. Daß er die Art, wie dieses Opfer von könig- licher Seite vervollständigt wurde, halte stolz zurückweisen ollen, ist eine Zumuthuna, deren Annehmbarkeit man nach dem Maße des persönlichen Gefühles des Betheiliaten allein zu be- messen hat; aber die Entscheidung darüber kann höchstens das Maß des Stolzes des Belheiligten, nicht das seiner Ehrenhastig- zusanimen, alle Eingeweide scheinen sich umdrehen zu wollen und der verpestete Lnftstrom dringt immer stärker auf mich ein. Völlig zerschlagen, betäubt liege ich halb bewußtlos da. Plötzlich... ist es nicht eine Täuschung, ein Spiel meiner verwirrten Phantasie?— Ich glaube nicht. — Ja, das ist nlenschliche Rede, auch Pferde- gctrappel höre ich. Ich wollte schon rufen, aber ich hielt an mich.— Wenn es nun Türken wären, was dann?— Zu den jetzigen Qualen känien dann noch neue, schrecklichere, solche, bei denen uns die Haare zu Berge stehen, ivenn wir nur in der Zeitung davon lesen. Sie ziehen die Haut ab, sie brennen die ver- mundeten Glieder... Und wenn es dabei nur noch bliebe; doch sie sind erfinderisch... Wär's denn besser, unter ihren Händen zu sterben, als hier zu verschmachten?— Wenn's aber die Unsrigen sind? (Schluß folgt.) Tiunsk und Henrik Jbsen'S„Volksfeind" wurde am Sonntag unter der Regie des Herrn Julius Türk im Belle-Alliance- T h e al e r aufgeführt. Wie zu der„Größten Sünde", so hatte sich auch zu dieser Nachmittagsvorstellung ein Publikum ein- gefunden, das zuiy größeren Theil aus der Anhänglichkeit beraus, die der geköllerlen„Freien Volksbühne" gezollt wird, das Theater fast bis auf den letzten Platz füllte. Die Darstellung des un- zweifelhast populärsten Dramas, welches Ibsen geschrieben, erreichte zwar nicht die Höhe, welche das Publikum in den im National- Theater arrangirt gewesenen Vorstellungen gewohnt worden war; doch ist in, allgemeinen das ehrliche Bestreben der Künstler zu loben, aus einem ihnen wohl zum großen Theil unbekannten Ge- biete sich mit Eifer zurechtzufinden. Ganz tüchtige Leistungen bot Herr Rufs als Bürgermeister Stockmann; der Künstler wußte den Vertreter der satten und von keinerlei Gewissens- skrupeln behelligten bürgerlichen Wohlanständigkeit mit Würde und Takt darzustelle». Lobenswerlh war auch Herr C» ß m a n n als pfiffiger und mit spießbürgerlicher Steifnackig- keit behafteter Niels Worse; einzig die Nase, die der Künstler sich aufgeklebt hatte, hätten wir uns von etwas weniger komischer Ausdehnung gewünscht. Gar zu»achlässig abgetönt er- schieneu uns die beiden Nedaklcure, die von den Herren Hock und S ch u b a r t dargestellt waren; namentlich der junge Billing des letztgenannten Künstlers erinnerte etwas stark an die Re- nommirburschen, die sich in Berliner Studentenkneipen breit zn machen pflegen. Vollends traurig aber war der Kasperle, den Herr P e t e r s o n aus der vom Dichter so prächtig gezelchneten Charakterfigur des Buchdruckerei- besitzers Thomson machte. Wir nehmen an, daß die Regie diesen ;>errn zur zweiten Vorstellung auf das Ungehörige der viele» Mätzchen aufmerksam macht, i» denen er leider zur nicht geringe» Freude eines Theils des Publikums zu brilliren suchte. In be- 'cheidenein und wohlthuend wirkendem Maße zeigte Herr Wiek ein Können als alter Schiffskapitän. Recht brav waren auch die beiden Frauenrollen von den Damen Margot und M o s l e r gegeben. Namentlich Fräulein Mosler war als Tochter Petra geradezu von herzerfrischender Anmuth und Natürlichkeit. Die Hauptrolle, den Doktor Slockmann. hatte Herr Türk fich vorbehalten. Es braucht wohl kann» gesagt zu werden, daß es hier dem Schauspieler bei Wiedergabe des Helden, der allen Anfechtungen und üblen Erfahrungen zum rotz das idealistische Kind bleibt, weit weniger auf das Glänzen mit Routine und Bühnengewandtheit, als ans eine Er- assung des Philosophen, der aus dem Arzte spricht, ankam. Auch in den wildbewegten Szenen des vierten Alles gab Herr Türk den angefeindeten und gehetzten Küuder der Wahrheit nicht in der vulgären Auffassung als den aiifbralisenden Stürmer, fondern als den Arzt, der über der pießbürgerlichen Menge steht, und sie selbst da, wo fie ihre Zöbelnarnr schlagend bekunden möchte, mit festem aber mild gesprochenem Wort des guten Wegs zu verweisen sucht. Fast will uns scheinen, als ob der Stockmann des Herrn Türk gar zu sebr der niilde Philosoph war: indessen läßt sich, die Richtigkeit dieser Auffassung von der Rolle ein- mal vorausgesetzt, schwer entscheiden, wo das Zuviel und das Zuwenig anfängt. Weniger statthaft als die Auffassung der Rolle erschien uns die Maske, in der Herr Türk den Stockniann gab. Sind wir recht unterrichtet, so soll vom Norden her die Mär gekommen sein, daß>. an den Badearzt nur als den leibhaftigen Ibsen mit aufgestülpter Haarfrisur und starken Koteletten geben dürfe. Als solch' ein ausreifender Naturalist erschien denn auch Herr Türk auf der Bühne— fast zum Schrecken derer, die i>n im privaten Leben kennen. Uns will dünken, daß die alte Maske, die selbst ein Mann wie Sonnenthal nicht verschmähte, dem tapferen Stockmann entschieden Keffer steht. Die Regie wußte mit beschränkten Mitteln'gut zn wirth- chaften. Namentlich die Volksversammlung war ganz vortrefflich arrangirt. keit abgeben. Endlich ist es durchaus wahrscheinlich, daß Herr v. Bötticher die fehlenden Gelder nicht direkt erhalten hat, sondern daß sie da zur Einzahlung gelangt sind. wo sie fehlten: bei der Reichsbank. Wir wissen also, wie gesagt, nicht, warum man auf ministerieller Seite die gerichtliche Verhandlung gescheut hat, welche durch Vernehmung der Ministerialbeamten, des Chefs der Reichsbank und der betheiligten Bankhäuser ein unanfechtbares Ergebniß zu tage gefördert haben würde, da? für Herrn v. Bötticher nach unserer Schätzung der Verhältnisse klarer und günstiger ausgefallen sein würde, als alle Aermuthungen und Folgerungen, welche sich an die vorsichtig redigirte Erklärung im„Reichs« Anzeiger" anknüpfen und schließlich den weiteren Forschungen und Angriffen in der Presse nur Vorspann leisten werden." Ja, wenn niemand einen Minister für die Moralität oder das finanzielle Mißgeschick eines Verwandten, und sei es auch sein Schwiegervater, verantwortlich machen kann, wie in aller Welt vereint sich dann mit dieser sehr berechtigten Auffassung die Verwendung von Staatsgeldern im Interesse des Herrn Berg? Dann bleibt doch auch nicht die entfernteste Möglichkeit übrig, daß durch jenes Geld die Stärke der preußischen Regierung vor Anfechtungen hätte geschützt werden müssen. Während nun die„Hamburger Nachrichten" sich nur gegen unsere Kritik der Welfenfonds-Verwendung kehren, aber die von unserem Korrespondenten mitgetheilten That- fachen unangefochten lassen, meint der„Hannoversche Kourier" sie theilweise widerlegen zu können durch solgends Ausführungen: „Es ist durchaus unrichtig, wenn der„Vorwärts" schreibt, daß die von Freunden und Verwandten aufgebrachten Beträge bei weitem nicht ausreichten zur Deckung der Berg'sche» Ver- bindlichkeiten, und daß da Bismarck helfend eingriff, in- dem er das erforderliche Geld ans dem Welfenfonds entnahm. Im„Vorwärts" werden da zwei zeitlich durchaus getrennte Vor- gänge durcheinander geworfen. Die„B e r g s ch e n Verbind- l i ch k e i t e n" waren bereits vollständig erledigt, als Fürst Bismarck durch Herrn von Bötticher mit der Angelegenbeit amtlich bekannt gemacht wurde. Es handelte sich da nur um den Ersatz der Gelder, d i e F r e unde und Verwandte des Hauses vorge- schössen. Es ist deshalb auch nicht richtig, wenn es in an- deren Blättern hieß, Herr v. Bötticher habe sich für seinen Schwiegervater„fiuqnziell engagirt", und die Erklärung des Staalsministeriums bezweckte gerade, außer Zweifel zu stelle», daß er keinerlei Verpflichtungen in der Sache eingegangen sei. Mit dem Arrangement, durch das der„Fall Berg" erledigt wurde, hatte, wie in unterrichteten Kreisen längst bekannt ist, Herr v. Bötticher nur stnsusern etwaZ zu thun, als er dabei sein Vermögen verlor. Die obige Richtigstellung trifft nur einen neben- sächlichen Punkt. Ob die Welfeiifonds-Gelder direkt in die Berg'sche Konkursmasse geworfen wurden, oder anderen Leuten ihre Beihilfsgelder ersetzten, bleibt sich zur Beurthei« lung dieser eigenthümlichen Art von Beschützung des preußischen Staats vor Anfechtungen vollkommen gleich. Zur Beurtheilung dieser Beschützungsmanier haben aber die„Hamburger Nachrichten" durch ihren mißglückten Recht- 'ertigungsversuch wieder sehr schätzbares Material geliefert. Zur Nmiieminng der Sache Pfund und Genossen wird uns gemeldet, daß die erste Strafkammer das Ver- ahren eröffnet und vor die Brausewetterkammer ver- iviesen hat. Die Beschwerde der Vertheidignng wurde abgelehnt mit dem Bedeuten, daß es der Staats- anwaltschaft bei Zusanimenzichung mehrerer Anklagesachen rei steht, nach welchem Angeklagten sie dieselbe be- nennen will. Auf den Einwand, daß die Sache bisher nd und Genossen geheißen habe und kein Grund für mnennnng vorliege, wurde überhaupt nicht eingegangen.— Woher die Hammerstein-Briefe stammen? Diese frage interessirt noch immer aufs lebhafteste die Presse. eute finden sich wieder zwei verschiedene Darlegungen in den Zeitungen. Liberale Blätter bringen die folgende Darstellung: „.... Die Briefe, deren Zahl mit Abschristen amtlicher Aktenstücke zusammen genau I2i2 beträgt, sind, nach den ver- 'chiedenen Materien in 14 Mappen von Herrn v. Hammer- tein selbst chronologisch geordnet, von einem bekannten özialdemokratischen Schriftsteller gekauft worden. Derselbe hat, nachdem er zunächst einige hundert der interessantesten Schrift- stücke für eine Hammerstein-Btographie kopirt, bekanntlich am Sedantage unter dem Pseudonym Lucifer mit der Veröffent- lichung der ersten Briessragmente begonnen lind zugleich die Originale seiner Partei überantwortet. Die Nachncht, daß NeueS Theater. Gustav v. Moser hat nun die deutsche Bühne glücklich mit dem hundertsten Werk seiner Schwanklaune be- schenkt. In der jüngsten seiner Possen„Im Militärstaat", die er gemeinsam mit Thrlo v. Trotha verfaßte, war weder Moser's Frohnatur noch sein Fabuliren sonderlich ergiebig. Die Komödie wurde am Sonnabend im Neuen Theater zum ersten Male aufgeführt. Selbstverständlich hütet sich der biedere Moser, der Schöpfer der Lieutenantskomödie, wie sie nach 1370 entstand, vor allem Jronisiren. Im„Militärstaat" geht es frisch, fromm und fröhlich zu. Hier herrscht ideal-demo- kratische Gerechtigkeit in Moser's Sinne. Der schwerste Millionär inuß sich von seinem Hausknecht anschnauzen lassen, wenn dieser Hausknecht während der Manöver zugleich Unterossizier und der Millionär Infanterist ist. Während die Autoren mehrfach solche Zivilverhältnisse im„lustigen Soldaten- und Manöverleben" auf den Kopf stellen, gewinnen sie den Spaß im Stücke und im Manöver fischt der Reservelieutenant Starke, wiewohl er im Zivil nur ein simpler Fabrikvirektor ist, seinem Ches und„Brotgeber", dem klobig reichen Fabrikanten Vogel das schöne Bräutchen weg. Dem Publikum bereitete der Manöverulk, wenngleich er nur ein dünner Nachguß aus dem Schwank„Krieg in» Frieden" ist, kindische Frelide und so war das ganze Stück gerettet. Unter den Darstellern hielten sich die Herren diesnial ivackerer als die Damen. Sie traten für ihre schablonenhaften Rollen wenigsteirs mit einer gewissen Freude ei». Von den Damen nahm Fräulein Wagen das Spiel zu schläfrig. Fräulein Lux,«ine geivand� Schauspielerin, zu laut und überderb. Theaterchrouik. Ans dem Bureau des Herrn Direktor Samst wird uns berichtet: Jin National-Theater gastirt heute und inorgen Fräulein Georgine Sobjeska voin königlichen National-Theater zu Agram als„Medea" in Grillparzer's gleichnamigem Trauerspiel.— Da die neue Direktion des Alexander- platz-Theaters>mt ihren Vorbereitungen für die Premiöre noch nicht zu Ende ist, finden bis inklusive Sonntag, den 20. Oktober, noch Vorstellungen unter meiner Direktion statt. Neue Forschungsreise. Der„Magdeb. Ztg." wird ans Berlin gemeldet: Ein Bruder des in Afrika auf einer Forschnngs- reise vor»nehreren Jahren verstorbenen Lieutenants Tappenbeck wird im Dezeinber eine selbständige Forschungsreise in das Innere von Nen-Guinea unternehmen. Herr Tappenbeck unternimmt diese Reise nicht unvorbereitet, da er bekanntlich längere Zeit im Dienste der Neu-Gninea-Kompagnie thätig gewesen ist. Zu Ve- glcitern hat er den Botaniker Dr. Lauterbach und den Privat- mann Zernig ans Finstenvaide, Herr v. Hämmerst ein noch die besondere Lieben?wiirdig!eit' gehabt haben soll, gegen 200 Briefe für die„Nation" abzu- splittern, verdient keinen Glauben. DaS dem„Vorwärts" über- lieserte Material enthält auch Briefe freisinniger Führer an Herrn v. Hammerstein und Genossen.— EZ handelt sich dabei, wie wir weiter erfahren, nur um drei Briefe von zwei freisinnigen Abgeordneten. Die Briefe haben jedoch keinerlei Bedeutung, sind vollkommen gleichgiltigen Inhalts und von der geschäftlichen Art, wie sie im parlamentarischen Leben zwischen Abgeordneten ge- legentlich ausgetauscht werden." Die antisemitische„Staatsbürger Zeitung" schreibt da- gegen: „Wie wir aus guter Quelle hören, ist es allerdings That- fache, daß sich in den Händen der Gegner eine kleine Zahl von Briefen befindet, die seinerzeit dem Herrn von Hammer- stein gestohlen sind, und zwar von einer sogenannten Gouvernante, mit der er ebenso wie mit einer anderen Dame, jüdischer Abstammung, unlautere Beziehungen unter- halten hat. Diese Gouvernante wurde von den politischen Gegnern v. Hammerstein's bestochen, stahl ihm die Briefe und verkaufte sie an ihre Auftraggeber um eine erhebliche Summe. Wie die„Leipziger Neueste Nachrichten" wissen wollen, reiste Hammerstein selbst der Diebin in die Alpen nach und suchte um jeden Preis wieder in den Besitz der Dokumente zu gelangen. Es war zu spät und hiermit war auch sein Schicksal besiegelt. Erst jetzt schritt er zu den bekannten Wechsel- fälschungen, durch die er sich die Mittel zu einer weiteren ehr- losen Existenz verschaffte. Die Artikel der„Nation" lassen darauf schließen, daß Herr Barth im Besitz jener gestohlenen Briefe ist.. In diesen Darstellungen ist Wahrheit und Dichtung einig gemengt, sie ergänzen sich gegenseitig, in dem die eine die Korrespondenz Hnmmcrsteins mit Männern, die andere seine weiblichen Beziehungen berührt. Wir haben keine Veranlassung, auf die Frage der Herkunft der in unseren Besitz gelangten bedeutungsvollen Briefe näher ein- zugehen, da wir schon bemerkt haben, daß sie in nach jeder Richtung einwandsfreien Weise erfolgt ist. Was die Briefe anlangt, die die„Nation" erwähnt hat und über die näheres festgestellt werden wird, wenn die Widerklage der Frank- fnrter„Kleinen Presse" gegen den Freiherrn v. Hammer- stein zur Verhandlung kommen wird, so haben wir schon in einer Polemik mit der„Frankfurter Zeitung' angedeutet, wo man sich hierüber Informationell zu holen hat. Merk- würdig ist freilich, daß die Wochenausgabe der„Frank- surter Zeitung" auch noch die Spuren zu verwischen sucht, an welchem Kniffe wir durch unser Dazwischenfahren ihre Tagesausgabe gehindert haben.— <» Deutsches Reich. — Wettere Ergebnisse der Berufs» und Gewerbezählung veröffentlicht die„Statistische Korrespon- deuz". Wir kommen auf dieselben zurück. — An der preußisch-russi scheu Grenze haben russische Grenzsoldaten eine neue Grenzverletzung schlimmster Art begangen. Aus Bromberg, 14. Oktober, wird der „Berliner Abendpost" darüber berichtet: „Am Freitag Abend kamen drei russische Grenz- o l d a t e n in die Schänke der Gastwirthin W a w r) y n» i e w i c z in dem preußischen Grenzdorie P o l a n o w a m>d verlangten Getränke. Als später die Gastwirthin Feier- abend bot und Bezahlung verlangte, wurde sie und auch die herbeieilende Dienstmagd von de» Trunkenen erschossen. Auch die jüngste Tochter der Gastwirthin wurde durch eine Kugel in die Schuller und eine zweite in den Unterleib tödtlich verwundet und die 10jnhrige, bereits schlafende Enkelin gewürgt. Hierauf erbrachen die Mörder Schränke und Kästen, raubten Geld, zerbrachen viele Sache» und gössen das Petroleum auf den Erdboden. Die drei Mörder sind bereits von der russischen Behörde verhaftet und ins Gefängniß einge- liefert worden." Aehnliche Dinge sind nun wiederholt schon vorgekommen. Da sollte die Reichsregierung einmal ihr diplomatisches Geschick zur Verwendung bringen, um zu erreichen, daß der„Erbfreund" im Osten nicht mehr durch Anstellung solchen Gesindels an der Grenze die deutsche Grenzbevölkerung beständig beunruhigt. — AuS der bayerischen Kammer. Auf die Interpellation des Genossen Grillenberger, Epidemien in den Kasernen betreffend, erwiderte der Kriegsminister, die Typhus-, Scharlach- und Durchfall-Epidemien in den Kasernen Passaus, Münchens, Erlangens, Bambergs und Neu- Ulms seien aus die Bodenverhältnisse bezw. eine Ansteckung von außen zurückzuführen; die Verpflegung trage keine Schuld. Wimmer (Bauernbund), Pichler(Zentrum), Sartorius(freifinnig) und Mauderer(Zentrum) kritisiren die Mannfchastskoft als mangelhaft und tadeln die Ueberanstrengung und die Unreinlichkeit.— Aub stellt sich als Nalionalliberaler natürlich auf seile des Kriegs- niinistcriums.— Der Kriegsminister erklärt, er werde alles zur Beseitigung der Klagen über die Verpflegung und für da? Hin- hallen von Epidemlen aufbieten. Eine Ueberanstrengung sei möglich; daß sie zu Epidemien führe, bezweifle er. Die Kammer verweigerte dem Antrag Grillen- b e r g e r betr. Wahlgesctz-Reform die Unterstützung; der Antrag kommt also nicht zur Berathung.— Die Kammer will also keine Wahlgesetz-Reform, die, wie Sigl's„Vaterland" bemerkt, fast ebenso nolhwendig wie das tägliche Brot wärt.— Stuttgart, 13. Oktober.(Eig. Bericht.) Die Steuer- Kommission der württeinbergischen Abgeordnetenkammer schloß am Sonnabend nach zehntägiger Tagung ihre Berathungen und geht ihr Antrag dahin:„Die Kammer der Abgeordnelen wolle in die E i n z e l b e r a t h u n g der säinmtlichen Gesetzentwürfe eintreten. Die Kommission spricht ferner die Erwartung aus, daß den Ständen ein Gesetzentwurf über die R e f o r m der G e m e i n d e st e u e r n so zeitig vor- gelegt wird, daß die Verabschiedung der Gesetze über die Staats- und Gemeindestener-Reform gleichzeitig erfolgen kann. Tie Gilligkeit der Gesetze über die Kapital-, Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer soll nur auf eine in denselben zu bestimmende kurze Reihe von Jahren beschränkt werden." Der schriftliche Bericht wird der Kammer Ende November oder Anfang Dezember vorgelegt werden, woran sich eine Generaldiskussion knüpfen wird, während die Einzel- berathung erst im nächsten Frühjahr in Angriff genommen werden soll.— Karlsruhe, 14. Oktober. L a n d t a g s w a h l e n. Die Nationalliberalen haben 15 Bezirke behauptet, 1 verloren und 2 gewonnen. Das Zentrum hat bisher 8 Wahlkreise behauptet, 1 verloren. Aus 2 Bezirken stehen die endgiltigen Resultate noch aus. Freisinn und Demokraten haben 3 Wahlkreise behauptet, 1 verloren. Die Konservativen haben nur 1 Mandat behauptet. Die Sozialdemokraten halten sich auf ehren 2 Sitzen. Die Anti- semiten bringen keinen Abgeordneten durch.— Ungarn. — Die Korruption. Aus Arad wird telegraphirt: Eine gerichtliche Untersuchung ergab, daß die hier seit Jahren verübten Steuerdefraudationen mehr als 140 000 Gulden be- tragen. Zwei hochangesehene Persönlichkeiten sollen in den nächsten Tagen verhaftet werden.— Auch beim Großwardeiner Domkapitel wurden Unregelmäßigkeiten entdeckt. Der Güter- oirektor Szabo ist seines Amtes sofort entsetzt ivorden.— — Kroaten gegen Serben. Heute Vormittag gegen II Uhr rottete sich in Agrnm eine Menschenmenge vor der serbischen Kirch« und dem der serbischen Gemeinde gehörenden Hause zusammen, verlangte die Entfernung der gehißten serbischen Fahnen und schlug die Fenster ein. Die Polizei zerstreute die Demonstranten mit der blanken Waffe.— Frankreich. PariS, 14. Oktober. Die Budgetkommission der Depntirten- kammer nahm nach Hanotaux' Erklärungen eine Erhöhung des Budgets des Auswärtigen von 200 000 Frs. zur Errichtung neuer Konsulate in Süd- China und auf Formosa an. Hanotaux kündigte an, daß er beim Zusammentritt der Deputirtenkammer einen Kredit zur unverzüglichen Errichtung dieser Konsulate be- antragen und gleichzeitig dem Parlament den neuen französisch- chinesischen Vertrag zur Genehmigung vorlegen werde. — Rückgang der Handelsmarine. Die Pariser Blätter äußern ihre Entrüstung über die Feststellung des Bureau Veritas in der Jahresstatistik, nach welcher die französische Handelsmarine an Bedeutung gesunken ist, sodaß sie jetzt nur noch den Platz zwischen Schweden und Griechenland einnimmt.— — Opfer der madagassischen Expedition. Auf dem Transportdampfer„Canton", welcher 541 Soldaten von Madagaskar nach Frankreich bringt, sind 50 Mann aus der Fahrt bis Port Said(Egypten) gestorben.— Holland. Amsterdam.(Eigener Bericht.) Der Wahlzwang. Je näher die Zeit rückt, an der die Bourgeoisie gezwungen ist, dem arbeitenden Volke endlich einmal wenigstens ein Stückchen des ihm zukommenden Rechts abzutreten, um so mehr graut ihr vor den Folgen dieser Thal: der Ausdehnung des Wahlrechts. Von verschiedenen Seiten wird daher der Wunsch laut, zugleich mit einer Ausdehnung des Wahlrechtes die Wahlpflicht einzuführen. Dieser verflucht gescheidte Gedanke ist auch schon einmal von den deutschen Konservativen ausgeheckt worden. Man hofft damit die üblen Folgen, die ein ausgedehnteres Wahlrecht für den Geldsack haben könnte, zu paralisiren. Es ist namentlich der katholische Klerus, der, auf die Folgsamkeit seiner trägen gläubigen Heerde rechnend, die Einführung der Wahlpflicht be- sürwortet. Ein Blick auf Belgien, wo auch die Wahlpflicht be- steht, beweist nur. daß wir auch vom Wahlzwang nichts zu fürchten haben.— Norwegen. — Die Lösung derMinisterkrisis, bievor mehr als Jahresfrist ausgebrochen ist, scheint nun ihrer Lösung ent- gegen zu gehen. Wie nämlich das Blatt der Linken„Verdens Gang" meldet, wäre ein neues Ministerium, dessen Mitglieder aus allen Parteien genommen seien, gebildet. Zum Slaatsminister sei der bisherige Staatsrath bei der Staatsraths- Abtheilung in Stockholm Dr. Hagerup ernannt.— Italien. — Die Kammer ist zum 15. November einberufen.— Spanien. — Antiklerikale Manifestationen werden in den letzten Wochen auffallend häufig geineldct; so wurde am Sonntag aus Cadix telegraphirt: Anläßlich einer Prozession kam es zu Ruhestörungen, indem ein Volkshaufe die Prozession zu verhindern suchte. Die Gen- darmerie zerstreute die Menge, wobei einige Personen verwundet wurden. Die Ruhe wurde wiederhergestellt. Ferner wird aus Madrid depeschirt: Die Regierung hat gegen die in Barcelona angekündigten Studentenunruheu Maßregeln ergriffen. Der hier anwesende Generalkapitän von Catalonia erhielt vom Ministerpräsidenten die Weisung, nach Barcelona zu reisen und jede Ruhestörung sofort zu unterdrücken. Wenn die Zivilbehörden ihre Entlassung einreichen sollten, dann solle cr den Belagerungszustaud erklären. Die in Madrid anwesenden republikanische» Abgeordneten haben den Studenten ein Glückwunsch- Telegramm übersandt. Hierzu wixd noch aus Barcelona telegraphirt: Die Studenten erneuerten ihre Kundgebungen, so daß die Gendarmerie mit der Waffe einschreiten mußte. Die Ordnung wurde wiederhergestellt und zwei Studenten verhaftet. Die Be- Hörden entschieden sich für strenge Durchführung ihrer Maß- »ahmen. — Kuba scheint für Spanien immer gefährlicher zu werden. Ein Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten scheint aus Anlaß des kubanischen Aufstandes in naher Aussicht zu stehen. Aus New-Iork liegt folgende telegraphische Meldung vor: Der Staatssekretär Olney benachrichtigte, wie die„New- Aork World" meldet, die spanische Regierung davon, daß Spanien iür die etwaigen Folgen der Weigerung der Behörden in Havannah, den Generalkonsul Williams als diplomatischen Vertreter anzu- erkennen, verantwortlich gemacht werden würde. Olney begründe sein Vorgehen auf den Vertrag vom Jahre 1739, welcher den Konsuln der Vereinigten Staaten auf grund der Meistbegünstigung gestatte, als diplomatische Agenten zu fnngiren. Aus Washington melde» die„Central News of Germany": „Der General-Anwalt der Vereinigten Staate» hat als Erwiderung auf zahlreiche Anfrage» seitens verschiedener Munizipal-Ver- waltungen bezüglich des Rechtes amerikanischer Bürger, in öffent- lichen Versammlungen Sympathie und Unterstützung für die kubanischen Insurgenten kundzugeben, eine offizielle Bekannt- machung erlassen, in welcher es heißt: Die Organisation einer militärischen Macht zur Unterstützung des kubanische» Aufstandes ist ungesetzlich und muß auf jede Weise seitens der Sie- gierung verhindert und unterdrückt werden; aber es giebt kein Gesetz, welches amerikanische Bürger verhindern könnte, ihren Ansichten über diese Frage Ausdruck zu geben oder eine moralische Unierfiützung irgend einer derartigen Bewegung angedeihen zu lassen. Trotzdem würden derartige Kundgebungen gegen eine uns freundschaftlich gesinnte Macht wie Spanien der Regierung der Vereinigten Staaten ihren Entschluß, vertragsmäßige Ver- pflichtnngen der Neutralität getreulich ausrecht zu erhallen, sehr erschiveren." Sehr befriedigt wird die spanische Regierung über diese zwei- deutige Erklärung nicht sein. Dabei werden, wie die folgende Depesche aus Havannah zeigt, die Erfolge der Aufständischen immer bedentnngsvoller. Es wird nämlich gemeldet: Die Aufständischen nahmen in der Bai von Santiago ein Kauffahrteischiff, welches von der spanischen Regierung als Kriegsschiff ausgerüstet war. Mitrailleusen an Bord hatte und mit 12 Marinesoldalen und einem Offizier bemannt war. Die Mannschaft wurde entwaffnet und in Freiheit gesetzt. Danach scheinen die Ausständischen auch auf dem Meer schon mit Erfolg gegen die Spanier zu operiren.— Serbien. — Der Export Serbiens, der bekanntlich hauptsächlich aus Schweinen besteht, leidet stets unter dem Wechsel der serbischen Politik. Paßt der österreichischen Regierung die Politik Serbiens nicht, so übt sie dadurch einen Druck auf die halsstarrischen Ralhgeber Kleiu-Alexanders aus, daß sie dem serbischen Borsten- vieh die österreichifche Grenze sperrt unter dem Vorivande, daß in Serbien Schweincfeuchcn ausgebrochen sind. Ilm diesen Krisen auszuweichen, wird künstighin das hochpolitische Schwein in geschlachtetem und nicht in lebendem Zustande aus Serbien ans- geführt werden. Zu diesem Zwecke wurde in Belgrad eine Aktiengefellschaft sür Schlachthäuser gegründet.— Bulgarien. — Die Sobranje(das Parlament) wird am 27. Oktober zusammentreten.— Türkei. — Die Ruhe im Reiche ist noch nicht hergestellt, dies beweist die folgende Meldung aus Konstantinopel: In den letzten Tagen fanden an verschiedenen Punkten des Distriktes Jsmid Unruhen statt, bei welchen, wie verlautet, eine Anzahl Personen getödtet und mehrere Personen verwundet wurden. Nach den letzten Nachrichten ist die Ordnung wieder hergestellt. Die Angst des Sultans scheint groß zu sein, denn zetzt, nachdem in Konstantinopel die Ruhe äußerlich wieder hergestellt ist, ist die Wache im Uildizpalast durch eine Eskadron Dragoner und durch eine Batterie Artillerie verstärkt worden. Die Flugblätter, welche in der Moschee des SultanS Mo- hammed des Eroberers aufgefunden wurden, lauten:„Unsere Vorsahren haben das armenische Reich gegründet und glorreich vergrößert. Die Regierung steht im Begriff, das Reich in den Abgrund zu stürzen, was nicht geduldet werden darf." Die Flug- schriften enthalten nichts von einer Konstitution.— Einige am Sonnabend vorgenommene Verhaftungen unter An- klage stehender oder verbrecherischer Handlungen verdächtiger Personen, unter denen sich auch mehrere von den aus den Kirchen Befreiten befanden, rief unter der armenischen Bevölkerung neuer- dings Beunruhigungen hervor. Ruhestörungen sind bisher nicht vorgekommen.— Griechenland. — Die Kriegsdrohungen ivaren recht ivenig ernst. Da kein Geld in den Kassen war, wurden die einberufenen Mannschaften bis auf 150 Mann entlassen.— Ostasien. — K o r e.a, das im vorigen Jahre zum Zankapfel zwischen China und Japan wurde, scheint nun Reibungen zwischen Japan und Rußland veranlassen zu sollen. Die Petersburger Zeitung„Nowoje Wremja" meldet hierzu aus Wladiwostock: Der frühere japanische Gesandte in Korea, Jnuye, nahm bei seiner Abreise von Söul nach Japan den Ober- rentmeister des Königs von Korea, Lttaiyun, mit sich, der den Kaiser von Japan bitten sollte, Korea's Unabhängigkeit gegen fremde Eingnffe zu schützen. Nach der Ankunft in Japan weigerte sich Litaiyun diesen Auftrag auszuführen und begab sich heimlich »ach Wladiwostock, um Rußland im Namen des Königs zu bitte», Korea in Schutz zu nehmen. Gegenwärtig hält sich Litaiyun in Chabarowsk auf.— — Die aufständischeBewegung inChina scheint im Wachsen begriffen zusein. Die„Times" melden aus Shanghai: Einem Gerüchte zufolge sollen mohammedanische Aufständische Lanlschou erobert haben.— Der britische Kreuzer„Edgar" wurde nach Tschemulpo gesandt, wo derselbe Marinesoldaten landen soll.— Achtung, Arbeiterinnen und Genosfinne« in Berlin! Wie bekannt, rüsten sich die Männer zu den Koni munal- wählen. Nicht alle Arbeiterinnen wissen aber, wie überaus wichtig gerade die Kommunalwahlen für die proletarilchen Frauen sind. Es wird deshalb zu Don„er st ag, den 17. Oktober, eine Versammlung einberufen, wo Stadt- verordneter Z u b e i l über das Thema sprechen wird:„Welches Interesse haben die proletarischen Frauen an den Stadt- verordneten-Wahle»? Arbeiterinnen und Genossinnen, agitirt fleißig für guten Besuch dieser Versammlung! Dr. Riidt hat an seine Getreuen ein Flugblatt gerichtet. worin er unter anderem sagt, daß er den Ausschluß aus der Partei mit„innerer Befriediguiig" hinnehme. Da in den Kreisen der Sozialdemokratie Rüdt's Ausschluß keine andere Empfindung erwecken wird, so ist die Befriedigung nur gegenseitig. Polizeiliches, Gerichtliche««. — Dr. Gradnaner, Redakteur der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung", hat am Sonntag das Zwickauer Gefängniß nach fünf- monatlichem Aufenthalt verlassen. Gestern bekam auch der Vor- sitzende des ehemaligen sächsischen Bergarbeiter- Verbandes, Genosse Hermann S a ck s e, die grünweiß« Sorte der deutschen Freiheit wieder. Er hat wegen Privat- beleidigung eines BergwerksdirektorS ein ganzes Jahr im Zwickauer Gefängniß verweilen müssen. Wir wollen hoffen, daß die Kerkerluft der Gesundheit unserer beiden Parteigenossen keinen irreparablen Schaden verursacht hat, so daß sie bald wieder mit der alten Thatkrafl und der alten Begeisterung für die Ziele der Sozialdemokratie aus den Kampsplatz treten können. Soziale Mebevllchk. Die Ermordung des Fabrikanten Schwartz in Mit Hausen i. E. brachten verschiedene„ordiiungS"parteiliche Blätter mit dem Streik der Textilarbeiter Mülhausens in Zusammenhang, um der Sozialdemokratie elwas auszuwischen.„Wir wissen," sagte eines dieser Blätter,„zur Zeit noch nicht, ob der entlassene Arbeiter Meyer, der seinen Arbeitgeber hinterrücks ermordete, in diesen Streik mit verwickelt war, aber das wissen wir, daß in Mülhausen der Boden gedüngt war, auf dem solche Schand- lhaten gedeihen, und das ist wieder ein nener Strich in dem dunklen Schattenbilde der sozialdemokratischen Verhetzung." Das edle„ord»ungs"parteiliche Zeitungsgeschwifter gestand also ein, daß es über die Persönlichkeit des Mörders noch gar nichts wußte, trotzdem machte es unsere Partei für die Mordthat verantwortlich. Das schon genügt, um zu zeigen, in welch' ge- wissenloser Weise der Kampf gegen die Sozialdemokratie im Lager d e r Zeitungen geführt wird, die für Ordnung, Recht und Wahrheit zu kämpfen vorgeben. Zur Sache selbst theilen wir einiges auS dem Bericht mit. worin dem Offenburger„Volksfreund" von einem Mülhauser Korrespondenten der Fabrikant Schwartz sowohl wie der Attentäter Meyer geschildert weiden.„Der Fabrikant Schwartz". heißt es in dem Bericht,„war einer von jenen Unternedmcrn. die der eigenen Thatkrast und Befähigung einen großen Theil ihrer Erfolge verdanken. Er machte gute Geschäfte, während seine Mitkonkiirrenten sich kaum über dem Wasser hielten; er halte immer ein seltenes Glück in den Einkäufen." Nachdem dann das persönliche Austreten des Fabrikanten Schwartz im Verhältniß zu seinen Arbeitern als ein solches ge- schildert worden, wie es nur in Mülhausen vorkommen könne, heißt es in dem Bericht weiter: „Es kam ihm nicht darauf an, mit GoUverdammern und irnbeciles(Dummköpfe) unter seine Meister und Arbeiter zu wettern, und es kam auch vor, daß er sich thäilich an einem Angestellten oder Arbeiter vergriff, was i» der Welt des Kapitalismus trotz aller entgegeustcheiide» Gesetzesbestiunuunge» einem Unternehmer eben- sowohl möglich ist, als einem Sklavenhalter in früheren Tagen. Aber er wußte auch bei der Arbeit anzugreisen, wenn es noth that, er kannte jede Maschine in seinem Geschäft und wenn ihn ein Arbeiter im Elend um Unterstützung bat. da ver» stand er oft zu helfen. Die Ausbeulung der Arbeitsklaft jedoch war in seiner Fabrik ungeheuer und wenn das Geschäft seinen flotten Forlgang nahm, so bezahlten es die Arbeiter mit ihren Knochen. Der Attentäter Andreas Meyer, 1865 zn tindisheim im Kreise Erstei» geboren, arbeitete vor einigen ahren als Ansctzer in der Fabrik Schwartz und seither in ver- schiedenen anderen Mülhauser Fabriken. Im Jahre 1393 trat er dem hiesigen Textilarbeiter-Fachverein bei, bezahlte aber seine Beiträge nicht und ging daher seiner Vereins- angehörigkeit verlustig; dem Arbeiter-Wahl- verein hat er niemals angehört. Unter seinen Arbeitskameraden galt er allgemein als überspannt, verwirrt durch anarchistische oder Roman- Phrasen, die er oft in der ungereimtesten Weise anwendete und— als unsicherer Kantonist, dem nicht zu trauen sei. Zur Zeit des Boulan giften- {Hümmels war er begeisterter Boulangi st. Vom Sozialismus verstand er gar nicht s." Die Angaben des Berichterstatters unseres Offenburger B, uderorgans machen sicherlich den Eindruck, daß der Schreiber sich bemühte, dem Fabrikanten Schwartz Gerechtigkeit widerfahren zu lasse». Es kann daher auch für die Gegner kein vernünftiger Anlaß vorliegen, seine Angaben in Beziehung auf die Person des Attentäters zu bezweifeln, zumal sich ja leicht feststellen ließe, ob sie stimmen oder nicht. Da nun weder der Fabrikant Schwartz noch der Arbeiter Meyer vor ihrem T o d e A u s s a g e n mache» konnten, ließe sich die Ursache des Attentats höchstens ermittel», wenn man Einblick in die persönlichen Ver- Hältnisse der beiden hätte. Tagegen steht fest, daß Meyer weder mit dem Textilarbeiter-Verein noch mit der sozial- demokratischen Partei etwas zu thun hatte. Wenn also in der„ordnungs"parteilichen Presse angegeben wurde, in Mülhausen sei der Boden für Attentate vorhanden, so kann das nicht auf die dortige Arbeiterbewegung, sonder» nur aus die elenden Ver- Hältnisse zutreffen, unter denen in Mülhausen das arbeitende Volk leben muß. Daß solche Verhältnisse in Köpfen, die nicht durch die sozialistischen Ideen erhellt wurden, verbrecherische Pläne er- zeugen können, ist eine alle Geschichte; das läßt sich aber mit Erfolg verhüten, indem man der politischen und gewerkschast- lichen Arbeiterorganisation freien Stailm läßt. Gerade hierin steht Elsaß�Lolhringen am weitesten zurück. Demnach könnten wir das Attentat mit viel größerem Recht der in Elsaß- Lothringen herrschenden politische» Rückständigkeit auss Konto setzen, wenn wir, der Praxis der„Ordnnngs"-Presse folgend, verschweigen wollten, daß es sich allem Anschein nach garnicht um ein politisches Attentat, sondern nur um einen Akt gewöhnlicher Privatrache handeln kann. Gemevlifchk»ftliilzes. Cänimlllch« Mitthetlungen von Organtsattoncn, vor allem solche üder ütuZslünde oder Aussperrungen, müsse» stets de» Stempel der betreffende» Organisation tragen. Achtung, Metallarbeiter und Tischler! Der Streik der gesainmten Arbeiter und Arbeiterinnen der Telephonfabrik von Melles, Engelufer 1» dauert unverändert fort. Der Vorstand des lZerbandes aller in der Metallindustrie beschästigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Otto Rät her, ,!!?., Anklamerstr. 44. Sin die Arbeiter nnd Arbeiterinnen der Schuhindnstrie!� Nachdem es nun gelungen ist, der Zersplitterung in unserer Agitation ein Ende zu machen, richtet die unterzeichnete Kom- Mission an alle Arbeiter und Arbeiterinne» unserer Branche die Ermahnung, sich endlich aus dem Sumpfe des Jndifferenlismuö emporzuarbeiten. Mehr als zehntausend Personen sind in der Schuh-, Schäfte-, und Filzschuh-Branche in Berlin beschäftigt und einige hundert sind es blos, die durch Anschluß an die bestehende Or- ganisatio» den Willen gezeigt haben, an der Befreiung der Arbeiterklasse mitzuwirken. Wenn dieses kleine Häuflein auch schon manchen Schlag abgeivehrt hat, der von feite» unserer auf ihren Geldsack pochenden Fabrikanten gegen uns geführt wurde, so sind wir doch nicht im stände, die so traurigen Verhältnisse in unserem Gewerbe dauernd bessern zu können, wenn nicht die stumpfsinnige Masse endlich ausgerüttelt wird, wenn nicht die- jenigen, welche uns heut kalt und gefühllos gegenüberstehen, angefacht werden zum Kampfe für ein menschenwürdiges Dasein. Was sich ein Fabrikant alles erlauben kann, das hat Herr Rosenthal in voriger Woche bewiesen. Fünf Arbeiter, die eine Fabrikkonserenz einberufen wollten, wurden plötzlich entlassen; und was haben die übrigen Arbeiter gethan? Anstatt für ihre gemaßregelten Kollegen einzutreten, haben sie nicht gemuckst, sondern die ganze Gesellschaft hat ängsilich weiter gearbeitet. Das Sprichwort sagt: Ein getroffener Hund bellt! Aber die Arbeiter, die sich doch bis ins Herz getroffen sühle» mußte», haben sichj nicht gerührt. Das sind die Muster- ardeiter unserer Herren Fabrikanten. Diese eine Thatsache genügt, um zu beweisen, daß es die höchste Zeit ist, mit aller Energie in den Kampf gegen den Jndifferenlismus, der sich besonders in unserer Branche zeigt, einzutreten. Wir richten an alle in Fabriken und größeren Werkstellen beschäftigten Arbeiter die dringende Bitte, da, wo es irgend möglich ist, Vertrauenspersone» zu wähle», welche ihre Adresse dem unterzeichneten Obmann der Kommission mitzutheile» haben, damit wir überall Fühlung bekomnien. Vielleicht ist es aus diese Weise möglich, die Verhältnisse, die in unserem Gewerbe so tiestraurig liegen, einigerniaßen zu bessern. Ii» Auftrage der Agitations-itouimission für die Schuh- Industrie Berlins: Karl Willner, Schillingstr. 24(im Restaurant). 'Achtung, Schuhmacher! Der Streik bei der Firma Hirsch u. D a l l a ch, Berlin, Stralauerstr. öS, ist zu g u n st e n der Arbeiter beendet. Die Arbeit wurde gestern wieder aufgenommen. Die Agitalions- Kommission der'Schuhmacher. I. A.: Karl Willner, Schillingstr. 24. Liste Nr. Mt) für die streikenden Steinbild- Hauer Berlins ist verloren gegangen. Es wird gebeten, sie bei der Kommission der Bildhauer, Aiinenstr. 16, abzugeben. Ter Leipziger Steinsctierstreik hat zu Ungunsten der Ar- beiter geendet. Lohubetvegung in der Schweiz. Der Glaserstreik in Zürich dauert fort. Bei 16 Meistern wird gearbeitet, bei Ig Meistern streiken noch 88 Gehilfen. Am Züricher Hafnerstreik sind von öll Gehilsen 47 betheiligt; 2 Unter« nehmer mit 6 Arbeitern haben bereits die Forderungen dewilligt. Diese sind: Neunstundentag(jetzt 10 Stunden), 6 Fr. Durch- schniltslohn(jetzt 5 Fr.), für tüchtige Setzer 6 Fr. Minimallohn. bei Akkord 7,S0 Fr. per Meter(jetzt 6,S0 Fr.).— In den ver- schiedenen Druckorten am Z ü r i ch s e e stehen die Buchdrucker in der Lohnbewegung. Sie verlangen ein wöchentliches Lohn- Minimum von 30 Fr.(jetzt 26 Fr.), Sslündige Arbeitszeit(jetzt 10 Stunde») und Freigabe von Kost und Logis; bei Einführung von Setzmaschinen sollen nnr gelernte Setzer beschäftigt werden. Der Verein schweizerischer Eisenbahn- und Dampf- schiff-Augestellter zählte Ende 1894 in S6 Kreisen(Seklions- bezirken) 6193 Mitglieder, das Vermögen betrug 15 224 Fr. GcvirTzto Teilung. Eine interessante Verhandlung über die Auslegung des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 beschäftigte ain 14. Oktober er. den Strafsenat des Kammergerichts. Ter Arbeiter Harf in Breslau erließ in der„Volksmacht" in Breslau einen Aufruf, worin er zum Besuch einer Versanimlung am l. März 1395 aufforderte, in der über die Bildung eines Arbeiler-Turuvereins be- rathen werden sollte. In dieser Versammlung hatte Harf das Pro- gramm des deutschen Turnerbundes, welches die Nichtbelheiligung sozialdemokratischer Turner nach sich zieht, verlesen, als ein Beamter der Polizeibehörde erschien nnd die Versammlung, weil sie nicht angemeldet gewesen, auflöste. Eine zweite auf den 24. März cr. anberaumte Versammlung verfiel demselben Schicksal, ohne daß Harf überhaupt gesprochen hatte.— I» späteren Versammlungen, die angemeldet wurden, hat Harf die Stellung des deutschen Turnerbundes und seiner Betheiligung an der Sedaufeier einer schars krilisirenden Besprechung unterzogen. Wegen Nichtanmeldung der Versammlungen vom 1. und 24. März 1895 erging gegen Harf ein Strasbesehl, hinsichtlich dessen er durch den Rechtsanivalt M a r e u s e in Breslau gerichtliche Entscheidung beantragte. Sowohl Schöffengericht als Landgericht zu Breslan verurtheilten ihn indeß, letzteres zu einer Geldstrafe von 25 Mark, indem folgendes an- genommen wurde. Die Gründung eines Turnvereins sei nur ein Deckmantel gewesen. In Wahrheit habe Harf keinen Verein zum Turnen allein, sondern gleichzeitig zur Befestigung und Verbreitung sozialdemokratischerJdeen bilden wollen. Deren Erörterung sei auch von ihm als Bereinsthätigkeit ins Auge gefaßt worden. Dies ergebe sich aus den Reden, die der Angeklagte in den späteren angemeldeten Versammlungen ge- halten, aus der am 1. März unstreitig erfolgten Verlesung des Programms des deutschen Turnerbnndes, aus der Annonce in der sozialdemokratischen' Zeitung„Volksmacht" und aus der Gesinnung des Harf als Sozialdemokrat. Die Versammlungen hätten mithin öffentliche Angelegenheiten betreffen sollen und seien deshalb anmeldepflichtig gewesen. Die hiergegen eingelegte Revision, die in der mündlichen Verhandlung vor dem Kammergericht von dem Rechtsanwalt Gerhard vertreten wurde, war an die Feststellung des zweiten Richters über den Charakter des zu bildenden Turnvereins ge- Kunden. Sie wies indessen darauf hin, daß die Befestigung und Verbreitung sozialdemokratischer Ideen in einem Verein sich ledig- lich auf die Gesinnung der einzelnen Mitglieder erstreckte; keineswegs aber sei damit dargelegt, daß der Verein als solcher Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Ueberdies sei der Verein doch als Turnverein in Aussicht ge- nommen und in der Annonce bezeichnet gewesen. Der Charakter des Vereins, wie er vom Gericht zweiter Instanz als beabsichtigt angenommen werde, hätte jedenfalls in den erst zur Bildung des Vereins bestimmten berathenden Versammlungen erst zum Ausdruck kommen können. Die beiden in Rede stehen- den Versammlungen seien deshalb nur als solche auf- zufassen, in denen die Bildung eines Turnvereins er- örtert werden sollte; dies gelte umsomehr, als in der Ver- sammlung vom 24. März überhaupt nichts gesprochen und in der Versammlung vom 1. März nur das Programm des deutschen Turnerbundes verlesen worden sein. Letzterer werde unter Be- rücksichtigung seines Programms aber nirgends als ein Verein angesehen, der eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Das Kammergericht erkannte auf Zurückweisung der Revision. Nach den Feststellungen der zweiten Instanz habe der Verein die Bestärkung und Verbreitung sozialdemokratischer I d e e n b e z w e ck t. Zu dieser gehöre auch u. a. die Bestrebung auf 11 m st u r z oder Aeudernng der Verfassung, also ein un- zweiselhast politischer Gegenstand. Der Verein sei mithin ein politischer. Versammlungenjaber, in denen über die Gründung eines politischen Vereins gesprochen werde» solle, gehörten zu denen, in welchen es sich um Erörterung öffentlicher Angelegen- heit handle. Die schwere Anklage wegen versuchter Tödtung und Diebstahls führte gestern die I9jährige Martha Helene Gruner vor das Schwurgericht des Landgerichts I. Ihr wird vorgeworfen, daß sie bei Begehung eines Diebstahl einen elf- jährige» Knaben zu tödten versucht habe, der sich allein in der Wohnung, in die sie sich eingeschlichen hatte, aufhielt. Auf An- trag des Vertheidigers wurde die Angeklagte zwecks Beobachtung ihres Geisteszustandes der Charitee überwiesen. Landgerichts- Direktor Reuckhoff hat an gestrigen Tage nach sechsmonatlicher schwerer Krankheit seine Amtsgeschäfte und damit den Vorsitz der zweite» Strafkammer am Landgericht ll wieder übernommen. Der Räuber Richard Erpel wurde gestern zum erste» Male nach seiner Wiedereinlieserung aus dein Untersuchungs- gesängniß vorgeführt und zwar zunächst vor den ersuchten Richter am Amtsgericht II und auf grund der Requisition auswärtiger Gerichte, die de» Gefangenen wegen der Verbrechen verfolgen, ivelche derselbe auf seinen Irrfahrten»ach der Flucht begangen hat. Die weitere Untersuchung in den ansivärtigen Sachen ist dem Untersuchungsrichter am Landgericht II, Landgerichtsralh Friedberg übertragen worden, welchem Erpel ebenfalls vorgeführt wurde. Ein für die großen Berliner Ladengeschäfte höchst ge- fährliches Ehepaar wurde gestern der vierten Strafkammer des Landgerichts l aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Ter aus Ungar» stammende Kausinann Edmund Kloß, sowie seine Ehe- fra» Elsa Kloß geb. Michaelis, aus Wien gebürtig, waren be- schuldigt, in nicht weniger als 54 Fällen Ladendiebstähle be- gangen zu habe». Das Ehepaar hatte im Hause Koininandante»- straße 16 im erste» Stockwerk eine herrschaftliche, aus 4 Stuben bestehende Wohnung inne und hielt zu seiner Bedienung ein Mädchen. Tie anständig auftretenden Leute sollen sich in den letzten Jahren nur von» Diebstahl ernährt habe». Sie unter- »ahmen sörniliche Raubzüge durch die lebhaftesten Stadt- viertel, von den großen Läden in der Leipzigerstraße und Potsdamerstraße blieben ivenige verschont. Das Ehe- paar ging in der Weise vor, daß die Frau sich allerlei Waare» vorlegen ließ. Während sie die Aufmerksamkeit der Verkäuserin in Anspruch»ahm. wußte ihr Ehemann Gegenstände, welche in seineni Bereich lagen, unter seinem weite» Mantel verschwinden zu lassen. Am Abende des 14. August wurde Kloß ertappt, als er in den, Mandowsty'schen Laden in der Rosenthalerfiraße ein Stück Seidenzeug im Werthe von 60 Mark gestohlen hatte, während seine Ehefrau sich von der Verkäuferin Gardinen vor- lege» ließ. Die in der Wohnung der Angellagten vorgenominene Nachsuchung ergab ein überraschendes Resultat. Es wurden über 100 Pfandscheine über die verschiedensten Gegenstände gefunden. Zumeist lauteten die Scheine über Seiden- und Kleiderstoffe, es befanden sich aber auch viele Schmnckgegenstände, gegen zehn Regenschirme und noch mehr Operngläser darunter. Jnsgesammt lauteten die Pfandscheine auf über 2200 Mark. Ii» Termine wollten die Angellagten nur vier Fälle zugeben. Sie seien früher vermögend gewesen, hätten ihr Geld verloren und seien dann genöthigt gewesen, ihre Werlhsachen zu versetzen. Kriniinal-Wachtmeister Dierbach bekundete, daß dem Angeklagten Kloß während seines mehrjährigen Aufeulhalts in Berlin ei» Erwerb nicht nachzuiveisen sei, obgleich er wegen seines noblen Auftretens und seines Aussehens wegen den Spitznamen„Graf" gehabt habe. Ter wirkliche Werth der versetzten Sachen müsse zedenfalls das dreifache des Versatzwerthes betragen.— Der Staatsanwalt hielt es für zweifellos, daß man Ladendiebe von der größten Gemeingefährlichkeit vor sich habe. Er beantragte Segen den Ehemann Kloß drei, gegen die Ehefrau Kloß/ ein ahr Gefängniß. Ter Gerichtshof verurlheilte den Ehemann zu zwei Jahren, die Ehefrau zu sechs Monaten G e- s ä n g n i ß. Aus deutschen GerichtSstuben. Vom Schöffengericht in Marburg war vor etwa vier Wochen der Premierlieutenant a.D. Grimm. Sohn des konservativen Abgeordneten, wegen Sach- beschädigung zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Ter Herr Premierlieutenant a. D. hatte einen fremden Hund, der auf sein Grundstück gelausen war, erschossen. Dieser Tage stand der Premierlieutenant a. D. abermals vor demselben Gericht. Er halte einen Teckel so zwischen Thür und Angel geklemmt, daß dem Thier der M a st d a r m mehrere Zentimeter herausdrang. Ter Herr Preinierlieutenant a. D. hielt das Thier in dieser Lage einige Zeit fest, um ihm „das Wiederkoiume» zu verleiden". Auch in diesem Falle ging die Anklage nur auf Sachbeschädigung; erst als die Einzelheiten immer deutlicher hervortraten, beantragte schließlich der Amtsanwalt 15 M. Geldstrafe wegen Thierquälerei. Tas Gericht erkannte wegen„roher Mißhandlung eines Thieres in Aergerniß erregender Weise" aus— f ü n s M a r k G e l d- strafe! Dem Herr» Premierlieutenant a. D. wurde seine hoch- gradige Erregung strafmildernd angerechnet.— In derselben Schöffengerichts- Sitzung aber wurde ein Töpfergeselle, der ivege» eines Lohnabzuges ebenfalls in hochgradige Erregung gerathe» war und im Zorn einen Ofen zerschlagen hatte, zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. VerpÄMtnlungvn. Neber die„Gewiffensfreiheit" in Preußen sprach Dr. V ö l k e I aus Braunschweig in einer vom demokratischen Berliner Arbeiterverein veranstalteten Protestversammlung am Sonnabend Abend. Die Freireligiösen aus dem bürgerlichen Lager, für welche der Vortrag besonders zugeschnitten war, glänzten durch ihre Abwesenheit. In der Debatte wurde hervor- gehoben, daß manche Lehrer die Dissidentenkinder öffentlich in der Schule bloßstellen. In einem Vororte von Berlin soll der Lehrer einer Gemeindeschule zwei Knaben veranlaßt haben, aus der Bank herauszutreten und sie den übrigen Kindern als warnen- des Beispiel mit den Worten vorgestellt haben:„Seht Euch mal die Jungen an. deren Eltern haben keine Religion". Der Vorstand des Vereins wurde schließlich beauftragt, beim preußischen Ab- geordnetenhause dahin vorstellig zu werden, damit die im Allgemeinen Landrecht und in der Verfassung gewährleistete Gewissensfreiheit der preußischen Staatsbürger vor behördlichen Uebergriffen geschützt wird. Ter Streik der Bürsten- und Pinselmacher wurde in einer öffentlichen Bürsten- und Pinselmacher-Versammlung am 13. Oktober für beendet erklärt. Kollege Bauer, Mitglied der s. Z. zur Regelung aller Streikangelegenheiten eingesetzten Werkstall- Kontrollkommission, erklärte hierzu, daß der Kampf nach drei- wöchentlicher Dauer zum fast vollständigen Siege geführt habe. tnsgesanimt wurden 30 Unternehmern die Forderungen der ollegen in Gestalt eines festen Lohntanfs unterbreitet. Der Lohntarif schließt eine Lohnaufbesserung in sich; außer- dem wurde zehnstündige Arbeitszeit verlangt. Am ersten Tage bewilligten sofort 10 Unternehmer. In 14 Werkstätten legten zusammen 30 Kollegen die Arbeit nieder, hiervon bewilligten nach einander eine Reihe weiterer Unternehmer, so daß am Ende der zweiten Woche noch nur 5 Unternehmer nicht bewilligt halten. Von diesen hat einer kurz vor Eröffnung der gegenwärtigen Versammlung seine schriftliche Zusage gesandt, so daß noch 4 nicht bewilligte Werkstätten bleiben. In anbetrachl des günstigen Resultats dieses kurzen Verzweiflungskampfes wurde von'der Werkstatt-Kontrollkommission beantragt, den Streik mit Ausnahme von vier Werkstätten, wo die Forderungen noch nicht bewilligt sind, für beendet zu erklären. Die Versammlung stimmte einmüthig diesem Antrage zu und nahm folgende Resolution an: „Tie heutige Versammlung spricht ihre Zufriedenheit über de» für die Arbeiter so günstig verlaufenen Streik aus, erkennt die Organisation als einziges Mittel zur Erzielung besserer Arbeits- bedingungen an und verpflichtet die Anwesenden, der Organisation treu zu bleibe» bezw. ihr beizutreten, um bei event. Abzügen den Unternehmer» stets gewappnet gegenüberzutreten." Die Frage der Unterstützung zweier besuchsweise verreist gewesener Kollegen wurde der Ortsverwaltung zur Regelung überwiesen. Weiter wurde über zwei anwesende Streikbrecher verhandelt. Beide er- klärten sich schließlich solidarisch, einer bedingungsweise; die Regelung dieser Angelegenheit ist der Werkstatt-Kontrollkommission übertragen. Diese erhielt noch den Auftrag, den errungenen Tarif zur Orientirung der Zureifenden, mit dem Verzeichniß der Werkstätten die ihn bewilligt haben, drucken zu lassen. Kildlmner-pereli�orrsammtiing heute Abend Annenftr. l«. Tages- Ordnung: SeschäftlicheS, Wahl des Verwalters, Streil und verschiedenes. prntl-he Vls-IlMjast für rthische Kultur. Dienstag, den IS. Oktober. abentS 8$ Uhr. im Lesesaal, Ziegelstrabs 10/il, Vortrag Uber:„Sport und Ethik". DiSIusston. Safte willkommen. tgroh« öffriitllch« prrsamuilung der Kolf. und«retterträger Berlins und Umgegend am Dienstag, den l5. Oktober/ abenoS Uhr, bei Henke, Naunynstr 27. ziationule liausuiänuisihe Kranke», und Sterbe-Kalr»./s Jahre als Arbeiter aus dem Lehrter Bahnhose beschäftigt. Seine Frau dagegen, mit der er 20 Jahre verheirathet war, steht in einem schlechten Rufe, ebenso die er- wachsenen Kinder. In Rixdorf ist kürzlich ein Arbeiter- Turnverein gebildet worden, nachdem in dem ältesten am Orte bestehenden Turn- verein„Jahn" anläßlich der Sedanfeier eine Spaltung eingetreten ift. Tüchtige turnerische Kräfte haben dem alte» Verein den Rücken gewendet, um den» neuen Verein, der vorläufig i» Wier- sing's Lokal, Knesebeckstraße, tagt, beizutreten. Der Seuior der Berliner UniversitSt, Herr Professor Dr. Ctemmeyer, stürzte(wie der„Reichsbote" nielder) am Freitag im Thiergarten bewußtlos zusammen und blieb längere Zeit hilflos liegen, ohne von irgend jemand gekannt zu sein. Schutzleute, ivelche ihn in solch hilfsbedürftigem Zustande gefunden, haben den Greis in einen Wagen gehoben und auf der Polizei er- mittelt, wer der Verunglückte sei. Nachdem er in seine Wohnung gebracht und stundenlang im Bette gelegen, ist er allmälig zu sich gekommen, kann sich indessen des ganzen traurigen Falles gar nicht erinnern. Die beiden hinzugezogenen Aerzte erklären diesen für einen Schlag oder für Kongestionen nach dem Ge- Hirn. Zlllmälig kehren nun die Kräfte wieder, aber an ein Lesen auf der Universität während des komnienden Winters wird nicht zu denken sein. Durch Sturz anS dem Ffenster hat sich Sonntag Vor- nnttag eine Danie in der Göbenstraße 30 getödtet. Es war die 40jährige Pauline Rathmann, die mit einem Bruder, einem Eiscnbahnsekretür. und einer Schwester im vierten Stock wohnte. Gegen Mittag verschied die Verletzte. Der uutrr dem Verdachte deS LandesverräthS hier in der Karlstroße verhaftete Ingenieur Ludwig Pfeiffer, der in die Kölner Landesverrathssache verwickelt sein soll, ist heute in aller Morgenfrühe nach Leipzig gebracht worden. Von dort waren gestern auf Zlnweisung des Untersnchnngsrichters am Reichs- gericht zwei Beamte hier eingetroffen, die den Gefangenen heute früh aus dem Uutersuchungsgefnngniß in Moabit abholten und mit ihm in einer geschlossenen Droschke nach dem Bahnhose fuhren. Polizeibericht. Am 12. d. M. nachmittags rannte in der Münzstraße ein sehe» gewordenes, vor einem Möbelwage» I gespanntes Pferd derartig gegen einen Pferdebahnwagen, daß ' es auf dem Vordertheile desselben zusammenbrach und zwei dort siehende Männer verletzte, einen schwer an der Hüfte und am rechten Oberschenkel, den anderen leicht am Fuße. Auch der Kutscher des durchgegangenen Pferdes wurde vom Wagen geschleudert und dabei leicht am Kopfe verletzt. WitternngSiiberficht vom 14. Oktober 1893. Wetter-Prognose fiir Dienstag, den 13. Oktober 1893. Ziemlich trübes, mildes Wetter mit leichten Regcnsällen und mäßigen bis frischen westlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a n. Briefkasten der Redaktion. C. R., Rathenow. Das von der Generalkommission her- ausgegebene Adressenverzeichniß enthält keinen Nachweis hier- über. Wenden Sie sich selbst an diese.(Adresse: C. Legten, Hamburg, Zollvcreins-Niederlage, Wilhelmstr. 8, I. H. N. G. Der Schläger.— Zt. B. 100. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Ehemann wohnte. Die Kosten- höhe richtet sich nach der Höhe des Objekts.— R. S. Nein. Briefkasten der Expedition. Für die Familien der im Essener MeineidSProzesi Vernrtheilten gingen bei uns ferner ein: Verein der„Malergeselligkeit", Berlin 5,—. Fassadenputzer, Frankestraße 9 4,10. Dekateure bei E. Mahr Nächst, Alte Jakobstraße 73 3,—: Gesammelt auf einer Hochzeit, Marianneu« Platz 9, durch Frau Röhling 4,—. Vom Spandauer Töpfer- Kränzchen 3,ö0. Von 5 Angehörigen der rothen Gesellschaft aus dem schwarzen Würzburg 23,—. Geburtslagsfeier Naunyn« straße 10 1,50. Bei einer Partei Dame bei Bennewitz, Greuadierstraße—,00. Personal der Buchdruckerei Otto Elsuer 10.—. Gesammelt in der Metallwaarcn- Fabrik Tade, Adalbertstraße Nr. 92 durch Roth 0,45. Gesammelt bei einer Kindlaufe Möckernstraße 75 2,51. Gesammelt bei einer Junggesellenfeier Nostizslraße 9 3,15. Gleiches Recht für Alle 5,30. Pollähn'sche Werkstatt 2. Rate 4,—. Von den Arbeitern der Fräserei Ritterslr. II gesammelt 4,75. Gesammelt am Biertisch Prinzessinnenstraße 5 1,80. Summa 32,00 M. Bereits qnittirt 12 559,41 M.; in Summa 12 642,07 M. Für denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 15. Oktober. vprrnhan«.(Kroll's Theater.) Margarethe. Kchanspielhans. Die Welt, in der man sich langweilt. Zletttstchrs Theater. Der Minister von Palmyra. zZcrlinev Theater. Die Grille. Lesst.ng- Tdeater. Gräfin Frihi. Frirlmch-IMUhelmstiidt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Uenes Theater. Der Militärstaat. Schiller- Theater. Götz von Berlichingen. Uestdenz-Theatcr. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph tßrnst- Theater. Paradebummler. Central-Theater. Eine tolle Nacht. Alerande» plah-Theater. Ein Kind der Liebe. Vorher: Ein kleines Mißvers.iändniß. National- Khrater.„Medea". Theater Alnter den Linde». Der goldene Kamerad. Ameriran- Theater. Bulgarien in Berlin. Die Millionenerbin von Rixdorf. Beich»hall«»»»TH«ater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Speztalitäten-Bov stellung. Schiller-Theater. (Wallner-Theater.) Dienstag: Götz von Kerlichingen. Mittwoch: Die Mater. Friedrills-Wilhelmitüiit. Theckr SS/SO. Chansseestr. SS/ÄS. Jeden Abend 7>/s Uhr: Gastlpirt der I.Uipiitaner. Tie Reise nch hem Mars. Mittwoch, nachm. 3 Uhr: Vrvfmg KindeiTorstellnng. Kneewittchen und die sieben Zwerge. Linder nachmittags lulds Prelae. Central-Theater. Alt« Jakobstr. 30. Emil Thomas a. G. Novität! Zum 41. Male: Novität! Eine tolle UM Große Ausstatlungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Villi. Mannstädt und Julias Freund. Musik von Julias Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Eicbard Sodalts. Anfang 7V- Uhr. Morgen: Zum 42. Male: Eine tolle Nacht. Bi)!mii8di68 Brauhaus Landsberger Allee. Honte, sowie jeden Dienstag: Stettiner Sänger (Meyeel, Pietro, Britton, Steldl, Krone, Röhl und Schräder) Anfang 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. bei Neumann, Landsberger Platz. Grossartiges neues Programm I Zum Schluß: Bureau Bammelmez�er. Urkomisches Ensemble von Noysel. Donnerstag: Concerthans, Kott- gnserstr. 4a, Adolph Ernst-Theater. Zum 43. Male: Uarndetniminler. Besetzung der Hauptrollen* Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang 71/2 Uhr. IM- Kein Aufgeld.-«2 Morgen: Dieselbe Vorstellung. National-Theater. Große Frankfnrterstraße 138. Direktion; Max Samst. Volksvoratellnng zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Frl. Georgine Lobjesda vom kgl. National-Theater zu Agram: WeilSS. Trauerspiel in 5 Alten von Franz Grillparzer. Regie: Max Samst. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Die Braut von Messina. � ABcazar. � Varidtd- u. Spezialitäten-Theater, Dresdeuerstr. 52/68, Annenstr. 42/43 (City-Passage). Vornehmster Familienaufenthalt! Ganz neues SxezinlikÄken� Kvogeumm. Wer ist der Vater? Posse von Anno. Musik von Grimm. Regie: E. Stempel. Ans. Wochent. 8, Sonntags 6 Uhr. Entree„ 10 Pf.,, 80 Pf. Morgen: Dieselbe Vorstellung. »m Direktion; R.Winkler.BBE Walhalla-Theater. Oranienstr. 52. Moritzpl. neb. Weriheim. Vetblieks Maikaksr. Operette. Inr Vlonnt Mlni. Licderspiel. Mfred Bender, sowie siimmtliche Spezialitäten. Ans. 8, Sonnt. 7 Uhr. Entree 50 Pf. bis 2 Mark. vurek grosse eoavurreHZ! stnd wir gezwungen, stet« Lvnsstionellos zu bringen! Eine erceptioneU« Novität ist? ???? Das Mannweib!!! Das schöne Modell!!! Mlle. MaryArniotisü! jeden Abend 10 Uhr Kaufmann's Variete- Theater Königstrasse, Kolonnaden. Ferner: Das neue Programm. Urania Anstalt für volksthümliclie Naturkunde. Am Landes-Aussteliungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5— CO Uhr. Täglich Vorstellnng im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. PassagB-Panoptlcmn. 43 Mädchen vo« andern Ende der Welt (Kamoa). Iekn-Ulilast Burgstraße Nr. 22, Schreien hilft nichts! Thntsachen beweise»! Stephan& Olivier non plus uhra aller Gymnastiker. „Die Matador« der Luft!" Thränen werden nicht gelacht, aber geschluchzt über W. Fröbel's Glanznummer Paradebummler! J Dazu das Uiefenprogramm ohne | jede Konkurrenz in Berlin dastehend? Kommcii! Selten! Staunen! Anfang: Wochentags 7>/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 39 Pf. — mmmamaBamaamman Kaiser-Panorama (Passage). Diese Woche: Erste Reise durch das interessante Irland. Fünfte Reise durch das malerische Tirol vo» R e u t t e bis Eozen. Eine Reise nur 20 Pf. Vercinsbillets. In Kürze: Das Ideal Edisons. Castan's Fanopticum. Friedrichstr. 165. iSalambo? !! Teppiche!! Eine große Partie Teppiche mit kleinen Farbenfehler» in Germania, Eriissel und Plüsch zu spottbilligen Preisen. 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M.. abends 11 Uhr, ent- schlief sanft nach kurzem Krankenlager unsere liebe Tante, die Rentiere Wittwe Heidcr. Die Beerdigung findet am 15. d. M. von der Leichenhalle des Alten Louisen- kirchhofes(Hasenhaide) aus statt. Stall besonderer Meldung. 939b W. Röbel und Familie. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme, sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden, Verwandten und Bekannten, sowie dem Gesangverein„Sängerchor der Maler" meinen innigsten Dank. 9g5b Julinö Schulz, Britzerstr. 42. Kranze, Schleifen, Guirlanden, Blumen, empfiehlt den Parteigenossen I. S p r i n g w a l d, Gärtner, Berlin O., Blumenstr. 68. Kranzvinderei und Blumenhandlung BnksHfc RfleyePi Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau ans meine Adresse zu achten.__ Blumenhandlung P. Abromeit, Sliicherstraß« 69, Berlin SW. 5S47L' Kränze, Bonqnets, Topfgewächse, Guirlanden n. s. w. 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Saal), Wilmersdorferstr. 39: Okffk«Il.KoMlNlill-MöljIkrvkrsiiMWlNg Tages-Ordnung: 1. Vortrag de� Genossen Dr. Zadok(Berlin) über: Kommunale Miß- stände und wodurch ist dem abzuhelfen. 2. Ausstellung der Kandidaten. 3. Verschiedenes. 203/6 _ Dn» Mahlkomitee._ Kreit Berckigung der tofleuit Sonntag, den 20. Oktober, abends 6 Uhr, findet in der BeHiner Ressource, Kommandantenstrasse 57, Generalversammlung l KWkell-MrMNzS- unii BegrlibnWeij.Ltdttzllrichter Berlills am Sonntag, d. 20. Oktober 1895, vormittags lO'/e Uhr, bei Feind, Weinstraste 11. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom 3. Quartal 1895. 2. Revisorenwnhl. 3. Geschäftliche Mittheilungen. 105/2 Der Vorstand; G. Busse. Soeben erschienen: Antig. Anzeiger III. Aus d. Jahren d. Revolution n. Reaction. Friedrichstr. 66. Hermann Lazarns. 6 yfnnh Albrecht'8 so�'Ä, Bäckerei, liefert Wränge!-Strasse 8 Langestr. 26, Falkensteinstr. 28 die Feier des 6. Stiftungsfestes unserer Vereinigung statt, bestehend in Tanz, Vortragen, Theater- Norstellung, unter Mitwirkung des Gesangvereins„Eneie Liedertafel". Billets ä 60 Pf. find in allen Zahlstellen der Freien Notksbiihne zu haben. 90/36 Um zahlreichen Besuch bittet_ Daa Komitee. chw« g: GnMer! Acht««»: Mittwoch, den RS. Oktober, abends 8'/2 Nhr: Oeffentl. Kersammwng im Lokale von neuke, Nauiiynstraße 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Otto Rüther über: Kind die Gürtler im stände, die gegenwärtige günstige Geschäftslage zur Erreichung besserer Arbeits- nnd Lshnbedingnngrn ansxnnutzen? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Besonders sind die Kollegen aus den Werkstätten Kramme, Frister, futtitz, Joseph, Kpinn& Sohn, Rakenius, Jakobn& Co., Schässer « Kanschner, Schnitze, Stobwasser und Ende& Devos hiermit eingeladen und ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 115/20_ Der Uertranensmann: giichard Heinrich, Wienerstr. 61. Uerband aller in der Mckkilldlistrie besUftigteil Arbeikr Kerlins«nd Umgegend. Mittwoch, den 16. Oktober, abends 3l/z Uhr: Bezirks-VersWlillllng für Chlirslittl'llbllrg uni! loliöit in der KronenKranerei, Alt-Moabit Nr. 47—49. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. P i n n über:„Klassen- justiz und Moral." 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. MM- Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. __ Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Dorstated. Sattler! Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, bei Krochnow» Sebastianstraße Nr. 39: Große öffentliche Uersommlnug. Tages-Ordnung: 1. Der gegenwärtige Stand des Streiks bei Scholz Nachf. in Schöneberg. 2. Gehen wir betreffs der Privatarbeit vor? 3. Verschiedenes. 157/5 Die Agitations-Kotnmifston. _ I. A.: Bruno Pörsch, Rixdorf, Steinmetzstraße 24. Achtung, Vergolder!' Dienstag, den 15. Oktober 1895, abends 8 Uhr, im Lokal Englischer Garten, Alexanderstraße 27o: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Situation des Streiks. 2. Verschiedenes. 227/12 _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Die Lohn Kommission. Tapezirer! Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8'/s Uhr, im Uenen Kinbtzanse, Kommandantenstraße 72: 180/3 Große öffentliche Versammlung aller im Tapeziergewerbe beschäftigten Personen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner über:„Die Nothstände der Arbeiterschaft, speziell im Tapezier�ewerbe." 2. Diskusston. 3. Gewerkschaftliches. Es ist Pflicht jedes Tapezwers, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Merkstatt-KontroNkommisston. I. A.: H. Klatt. Slhlllllrze StrililüfeSer«, weiße echte lange, besondere Spezialität, sowie koul. Köpfe, Reiher, Phantastes, Stutze, Blumen, Perlen:c. die Hälfte billiger als überall. Putzfedern-Fabrik B. L e u t g e, Neu-Cölln 23, 1, bei der Waisen brücke. Eben daselbst Wasch- federn inkl. Krausen 25 Pf., nur Krausen 16 Pf. 3385L" Möbel-Kaufgelegenhelt. 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VUm Stiftungsfest am Sonnabend, 26. Oktober, in den Gesammträumen von Cohn's Festsälen, Beuthstr. 20 I. Konzert» Gesang» Festrede und Tanz. !3W Konzert und Tanzmusik wird von einer starkbesetzten Kapelle der Zivil-Berufsmusiker ausgeführt, Gesang vom Gesangvereine„Gerechtigkeit W." (Mitglied des A.-S.-B.), Festrede gehalten vom Gen. W a l d e ck M a n a s s e. Während der Kaffeepauso: Vorträge. Anfang 8'/2 Uhr. ntllets für Herrn 50 Pf., Damen 30 Pf., inkl. Tanz, sind bei solgeiiden Mitgliedern zu haben: C. Bit tu er, Charlottenstr. 82; A. Heidt ke, Borsigstr. 32, Hof Querz. I; M. Jäschke, Wrangelstr. 6 III; W. G ü h l, Hornslr. 16, Hof IV; Tiedt, Weißeuburgerstr. 57, Keller; H. Gärtner. Molkenstr. 12 und im Lokale des Herrn Cohn, Beuthstr. 20. 55' l6 Die Kenei'sZ''VenssmmIung fiudet am Mittwoch, den 16. Oktober, abends 8V2 Uhr, im kleinen Saale des Englischen Gartens, Alexanderstr. 27o, statt. Um zahlreiches Er- scheinen ersucht Der Vorstand. 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