Mbenöausgabe Nr. 455 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe B Nr. 225 efsuasbtiinsuitfl«« und«njfigrnrwtf« find in t>«r Morgenou�ab, enttqtitu Reboffion: SV. 68, Cinbenftcab« 3 Zernsprecher; VSnhoft 292- 292 leL-MÖcefie: Sojialdemotcai Setlin Derlinev Volkslrlerkk (lO Pfennig) Alontag 26. September 1 �27 verlas und Rnjeigen-btetlnasi ®e fdjäftsjeit S'/i bi« 5 Uhr Verleger: vorn>Srts. Verlag GmbH. Verl!« sw. 66, vinbenstrahe 3 Fernsprecher: vönhoss 292— 29» Zentralorgan der Sozialdemokrat» fd�en parte» Deutfcblands Wahlsieg an der Unterelbe. Die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Altona, Wandsbek und Harburg- Wilhelmsburg.— Antwort aus Tannenberg. Altona. 26. September.(Eigenberichk.) Am Sonntag wurde in Altona. Harburg und w a n d«- b e k zu den Stadtverordnetenversammlungen neugewählt. Das Ergebnis zeigt überall einen erfreulichen Aufstieg der sozial- demokratischen Stimmen, während sämtliche bürgerlichen Parteien, und zwar insbesondere die Nationalsozialisten. Verhältnis- mäßig starke Rückgänge zu verzeichnen haben. Auch die Kommunisten haben überall verloren. Das hindert sie natürlich nicht. sn ihrer presse da, Gegenteil zu behaupten. Man lüg« eben gewohnheilsmäßig. In Altona wurden bei einer Wohlbeteiligung von 71 Proz� der Wahlberechtigte» insgesamt 113 Zill gültige Stimmen gegen rund 106 500 Stimmen gm 4. Mai 1924 abgegeben. Davon entfielen auf die Sozialdemo- kratie 43 036 gegen 33 387 Stimmen oder 2S Mandate gegen 18 in Hein früheren Stadtparlament. Die Kommunisten erhielten 18 537 (19 211) Stimmen mit 11 Mandaten(10). Die Demokraten gingen von 11637 bei den Wahlen im Mai 1924(7) auf 6423(3) zurück. Am stärksten verloren die N a t i o n a l s o z i a l i st e n, die von ihren 9363 Stimmen bei der legten Wahl nur noch ganze 1980 reiten tonnten und statt bisher 3 jetzt nur noch mit einem einzigen Vertreter in das Stadtparloment einziehen. Die Verluste der Rechtsparteien sind insofern nicht ganz klar festzustellen, als sie bei den letzten Wahlen gemeinsam marschierten, wahrend sie für den gestrigen Sonntag getrennte Listen ausgestellt hatten. Dabei erhielt die Volkspartei 9918 Stimmen oder 5 M a n d a t e, die gleiche Mandatszifser entsiel bei 8530 Stimmen auf die Deutschnationale Partei. Die Bürgervereins- liste vereinigte 16834 Stimmen gegen 28174 Stimmen bei der letzten Wohl auf sich. Ihre Mandatszohl betrögt 10 gegen früher 12. Die W i r t s ch o f t s p a r t e i. die zum erstenmal austrat, erhielt 1851 Stimmen oder 1 Mandat, während der bereits bei den früheren Wahlen aufmarschiert« Wirtfchaftsblock von 3464 Stimmen auf 1272 Stimmen zurückging und infolgedessen kein Mandat erhält. Leer gehen auch die Auswertungspartei, Zentrum und ebenso di« linken Kommunisten �(llrbahnsgruppe) aus. Die Aufwertungsgruppe erhielt 1141 Stimmen, dos Zentrum 1100, die linken Kommunisten vereinigten nur 364 Stimmen auf ihre Listen. Bei einem Vergleich mit dem früheren Stand ist zu berück- sichtigen, daß durch die Eingemeindung von Teilen des Kreises Pinneberg die Zahl der Mandate etwas größer als früher ist. Lediglich die Sozialdemokratie hat die Zahl ihrer Stimmen und ihrer Sitz« im Stadtparloment nicht nur dement- sprechend vermehrt, sondern noch darüber hinaus einen wesentlichen Machtzuwachs erzielt. In Wandsbek konnte die Sozialdemokratie ähnlich wie in Altona ihre Stimmen und damit ihre Mandatsziffern steigern. Statt bisher 12 Sitze erhielt sie jetzt 15 Mandate bei 8241 Stimmen. D>e KPD. verlor an Stimmen, konnte jedoch ihre Mandatsziffer halten. Di« vereinigten bürgerlichen Parteien, zu denen di« Demokraten— sie erhielten 2 Mandate— nicht zählen, gingen von 18 auf 14 Eitze zurück. Die Sparer erhielten 1 Mandat. In Harburg-Wilhelmsburg erhielt die Sozialdemokratie mit 24 131 Stimmen 23 Mandate, auf die KPD. entfielen mit 9312 Stimmen 9 Mandate und auf die Demokraten mit 2524 Stimmen 2 Mandate. Auch das Zentrum konte mit 1127 Stimmen 1 Mandat erzielen. Auf die bürger- liche Einheitsliste entfielen 7764 Stimmen oder 7 Mandate, di« Haus- und Grundbesitzer erhielten 3577 Stimmen oder 3 Mandate, und die h a n d w« r k er 3305 Stimmen mit ebenfalls 3 Mandaten. Die Mieter holten sich nur ein Mandat. Ein Vergleich mit den früheren Wahlergebnissen ist insofern nicht ohne weiteres möglich, als Harburg und Wilhelmsburg bisher getrennt gewählt hoben. Die bisher vorhairdene absolute Mehrheit der SPD. in Harburg ist infolge der Eingemeindung verloren- gegangen, obwohl die Sozialdemokratie ihre Stimmen um 22 Proz. vermehren konnte. Ein« ausgesprochene Linksmehrheit ist trotzdem gesichert. Die Sozialdemokratie zählt auch jetzt in Harburg allein wesentlich mehr Mandat« als sämtlich« bürgerlichen Parteien zusammen. Das Echo von Tannenberg. Scharfe Ministerreden in Frankreich und Belgien. Paris, 26. September.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurden wieder in Frankreich eine ganze Reihe von Kriegerdenkmälern eingeweiht, durch P o i n c a r ä allein drei. Sn seinen Reden besaht er sich jedoch mehr mit lokalen Ereignissen. Dagegen ging Justizminister B a r t h o u auf die Kriegsschuldfrage «ja Er führte dabei nach den amtlichen Berichten wörtlich aus: „Es gibt Dementis, die die Geschichte nicht annimmt, und die a u s w e l ch e m Munde sie auch kommen mögen, nicht gegen die Wahrheit der Tatsachen, der Dokumente und der Daten aufkommen können. Die Verantwortlichkeiten, die wir noch so gut im Gedächtnis haben, sprechen zu laut aus unserem v c r- 'wüsteten Boden, als daß eine A b l e u g n u n g. die ebenso feierlich wie ungeschickt ist, ihre unleugbare Zeugenschast erschüttern könnte. Wenn das Deutschland von 1914 wirklich ein reines herz gehabt hätte, hätte es mit einem Wort oder einer Geste durch An- nähme des angebotenen Ausgleichsversuches jede Kriegsgefahr bannen können, die im Gegenteil durch seine auf Grund falscher Nochrichten befohlene Mobilmachung pro- klamiert. verschärst und beschleunigt wurde. Wir wollen den Frieden, wir wollen ihn mit einem Willen, besten weitherzige Aufrichtigkeit unsere bereits bewilligten Opfer bestätigen. Aber wir können nicht ohne schändliche Gewissenlosig- keit auch noch die Wahrheit opfern. Diese Wahrheit ist unsere Kraft, denn sie ist unsere Ehre. Sie wird niemals dementiert oder entstellt werden können. Die notwendige Annäherung, die der Friede der Welt verlangt, fordert als Vorbedingung das Stillschweigen, das wir ohne Schwierigkeiten innehalten werden. Aber nur für diesen preis de» Stillschweigens— ist er denn so hoch und schwer?— können wir versuchen zu vergessen, Unkluge Rehabilitierungsversuche lausen Gefahr, in der öffentlichen Meinung nur allzu leicht die Form von Herausforde- r u n g e n anzunehmen. In der Nähe von Metz hielt General h i r s ch a u e r eine Denkmalrede, in deren Verlauf er das Strefemann-Interview im �Natin* als außerordentlich schamlos bezeichnete. Vrüstel, 26. September.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Jasper sagte bei der Einweihung eines Denkmals für den katholischen Staotsma an Bernaert in Ostende u. a.: „Bernaert. der sich sehr um die Festigung des Frieden« in Europa bemüht hat und von so tiefem Glauben daran erfüllt war, ist der beispiellose Schmerz erspart geblieben. da» verbrechen, da»«reinen Herzens" begangen wurde die Neutralität verletzt hoben, mitzuerleben. Er Hot nicht die furchtbaren Tage erlebt, in denen die Invasion derer„mit den reinen Händen" unser unschuldiges Vater- lond der Brandstiftung, dem Mord und der V e r- wüstung ausgeliefert hat. Er hat die unentschuldbaren F ü s i- l i e r u n g c n von Frauen, von Greisen und selbst von Kindern in der Wiege nicht kennengelernt. Sein herz krampfte sich nicht zusammen angesichts des stistematischen Raubes unserer industriellen Ausrüstung. Er erlebte weder Löwen noch Visee, noch Tanines, noch Aerschot, noch D i n a n r. Er hat nicht mehr mit Augen, die vor Entsetzen brannten, den langen� Zug unserer Mitbürger davonziehen sehen müssen, die wie Sklaven zu Tausenden deportiert wurden. Auch die letzte Prüfung blieb ihm erspart, sein geliebtes Vaterland gegen den haß und die Verleumdung verteidigen zu müssen, die hartnäckig und unermüdlich bemüht sind, mit den üblen Dünsten der Lüge und des Uebelwollens Heroismus und Leiden zu trüben.—" Infolge dieser Rede Jaspers soll die Genfer Besprechung Strese- mann-de Brouckere, die für heute vormittag geplant war, abgesagt worden sein. In dieser Besprechung sollte die gemeinsame deutsch- belgische Erklärung fertiggestellt werden, worin man auf die un- parteiische Untersuchung des sogenannten Franktireurkriegcs von 1914 für jetzt verzichtet. Taifuntatastrophe in China. Opfer. London. 26. September. Jladj Zeitungsmeldungen ist die Gegend von I u n g- k o n g. 150 Weilen südwestlich von Honkong, von einem mit einer Springflut verbundenen Taifun heimgesucht worden. 5000 Personen sind ums Leben gekommen. 20 000 Häuser und hunderte von Dschunken wurden zerstört. Unwetter auch in üer Schweiz. Basel. 26. September. Hochwasser, und Unwetterkatastrophen haben während der bei- den letzten Tage.» in der östlichen und südlichen Schweiz schwere Schäden angerichtet. Zn Tavanasa ertranken acht Personen. Im See von Lugano ging ein Dampfer unter, der vom Sturm an den Quai geschleudert wurde. Mehrere Brücken wurden sortgerissen. Der Verkehr aus großen Lahnlinien mußte eingestellt werden. Das Hochwasser ist im Abslaueu.(weitere Meldungen in der Beilage.) Schöner Husklang von Genf! Der unvermeidliche Widerhall der Hindenburg-Rede. Das also ist der A u s k l a n g einer vierwöchigen Völker- bundstagung, auf der die Außenminister aller Locarno-Mächte in engster Verbindung miteinander standen! Man müßte an- nehmen, daß das Ergebnis einer solchen mehrwöchigen Fühlungnahme eine weitere Annäherung zwischen dsn Völkern sein würde. Weit gefehlt! Es werden statt dessen scharfe Reden gehalten, in der alte Beschuldigungen abermals er- hoben werden, worauf natürlich von deutscher Seite nicht minder scharfe Antworten erfolgen. Die natnoalistische Presse beider Länder ist wieder gottlob in ihrem Element, wie in den schlimmsten Kriegs- und Nachkriegsjahren. Und warum das alles? Weil der Reichsaußenminister Dr. Strefemann, der verantwortliche Leiter unserer aus- wärtigen Politik, nicht den Mut hatte, gegen eine im höchsten Grade überflüssige und schädliche Stelle in der Tannenberg-Rede des Reichspräsidenten v. hindenburg Ein- spruch zu erheben. Ihm hat dieser Mut gefehlt, weil er sich deutschnotionalen Angriffen nicht aussetzen wollte, weil er be- fürchtete, daß seine deutschnationalen Ministerkollegen die Tat- fache seines Einspruches gegen ein« Kriegsschuldkundgebung an die große Glocke hängen würden. Sein Verhalten verdient um so schärferen Tadel, als er genau wußte, welches Echo diese Kundgebung erwecken würde. Daß diese Er- klärungen Hinderiburgs nicht nur schädlich, sondern auch über- flüssig seien, das wußte Strefemann am allerbesten. Denn er selber hatte sich bereits auf den durchaus richtigen Standpunkt gestellt, daß jede Antikriegsschuldaktion überflüssig geworden sei, weil die ehemals feindlichen Regierungen innerlich die einseitige Beschuldigung des Art. 231 längst preisgegeben hätten. E r ist es ge- wesen, der mit vollem Recht im September 1926 in Genf das Wort prägte, daß nach der begeistertem, Auf- nähme Deutschlands im Völkerbund durch die Delegationen aller ehemals feindlichen Staaten die unwohre Behauptung der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands faktisch fallengelassen worden sei. Er wußte aber andererseits sehr wohl, daß jeder Versuch Deutschlands, eine förmliche Zurücknahme des Ar- tikels 231 zu erzwingen, nur seine Bekräftigung zur Folge haben würde. Das war der Standpunkt Stresemanus zu einer Zeit, als er eine vernünftige Reichsregierung vertrat, die wirklich die Völkerverständigung erstrebte. Jetzt, als Außenminister der Rechts regierung, macht er wider bessere Ueber- zeugung gefährliche Konzessionen an jene Propaganda, die unter dem Porwand, das deutsche Volk reinzuwaschen, in Wirklichkeit die Rehabilitierung der hohenzollernschen Politik betreibt. Deshalb lehnen wir es ab. im einzelnen zu den Reden Barthous, Poincares und Iaspars Stellung zu nehmen, und mögen sie zum Teil noch so scharfe Erwiderung verdienen, zumal namentlich die beiden stanzösischen Minister wahrhastig nicht als Unschuldsengel vor der Geschichte dastehen. Aber in diesem speziellen Fall liegt die Schuldfrage klar vor allen Augen: Hier ist es unzweifelhaft Deutschland gewesen, das angefangen hat, das diese Debatte entfesselt, ja provoziert hat. Es ist deshalb ein starkes Stück, wenn das Auswärtige Amt durch WTB.— ganz wie in Kriegs- zeiten— der Rede Barthous eine„Anmerkung" folgen läßt. in der dem französischen Iustizminister ironisch vorgeworfen wird, er hätte seine Mahnung vom silbernen Reden und vom goldenen Schweigen nicht selber befolgt. Diese Mahnung hätte Etresemann mit ollem nötigen Respekt, aber mit eben solcher Entschiedenheit in jener Kabinettssitzung aussprechen müssen, in der der Wortlaut der Rede Hindenburgs gebilligt wurde. Und wenn WTB. in jener„Anmerkung" dem französi- schon Justizminister Barthou vorhält, er habe sich gerade zu dem „entscheidenden Punkt" nicht geäußert, nämlich zu dem deut- scheu Angebot einer unparteiischen Untersuchung der Kriegsschuld und der Kriegführung, so weiß jeder emsich- tige Politiker, daß eine solche Untersuchung, auch wenn sie relativ noch so günstig für Deutschland ausgehen würde, so viel Kriegsleidenschasten aufwirbeln, so viele alte Wunden aufreißen würde, daß damit der Satize des Friedens in keiner Weise gedient wäre. Wenn schließlich aus Genf gemeldet wird, die deutsche Delegation stehe jetzt auf dem Standpunkt, daß nach der Rede Iaspars die bevorstehende deutsch-belgische Einigung über einen einstweiligen Verzicht auf eine unparteiische Untersuchung wieder hin-, fällig geworden sei, weil die Beschuldigungen Iaspars eine neue Situation geschaffen hätten, lo ist auch das eine ebenso unkluge wie kurzsichtige Stellungnahm.?: dcun wenn es e i n Land gibt, auf das die Tannenberg-Rede von der Unschuld und von den reinen Herzen und Schwertern Deutsch- londs schon ganz und gar nicht paßte, so war es Belgien. Daß von beigischer Seite eine scharfe Antwort auf die Tannen- bergrede erfolgen würde, war unvermeidlich. Und wenn Deutschland jetzt Belgien gegenüber so tut, als nähme es „übel" und als wolle es— dreizehn Jahre nach dem aufrich- richtigen Schuldgeständnis Bethmann-Holwegs— seine U n- schuld gegenüber Belgien vor einem unparteiischen Ausschuß nachweisen, so ist dos glatter Wahnsinn. Das alles kommt oben davon, wenn man auswärtige Politik mit den Deutschnationalen zusammen wichen«nilsl Kronprinz contra Kaiser. Wie(9 während des irieges„ e n und erst recht während«ine? solchen in Litauen war bekanntlich die Haltung der Kommunisten sehr un- sicher. Der Haß gegen die Demokratie ist eben in den kom- munisttschen Parteien so stark, daß sie sich nie rechtzeitig orientieren können, sobald ein entscheidender Kampf zwischen der Demokratie und der faschistischen Diktatur ausbricht. Und diese Desorientierung nimmt einfach widerwärtig« Formen an. wo die Moskauer Kommu- nisten— wie tm Falle des litauischen..Putsche»"— sich on die faschistische Diktatur direkt anzubiedern suchen, um die nationalistische litauisch« Regierung gegen Polen au»spiel«n zu können. Helüfacköämme gegen Mrbeiterforüerungen. Die rheinisch-westfälischen Industriellen rüsten! Das Unternehmertum nimmt als unverbrüchliches Recht für sich in Anspruch, möglichst hohe Prosite zu machen und deshalb die Lohn- und Arbeitsbedingungen seiner Arbeiter möglichst niedrig zu holten. Je niedriger diese, desto höher jene. Das kapitalistische System sucht sich seit der. Nachkriegszeit hinter der Wirtschaft zu verschanzen, so daß die Unternehmer es nicht mehr sind, die die Lohnforderungen der Arbeiter ablehnen, sondern„die Wirtschast" ist es, die höhere Löhne nicht zuläßt, sei es, weil die„Wirtschaft" be> flauer Konjunktur sich erst erholen muß oder aber weil bei flotter Konjunktur die Wirtschaft gefährdet würde, wenn sie durch Lohn- erhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen belastet würde. Wenn die Unternehmerverbände und die Unternehmerpress« über hohe soziale Lasten schreien, so nicht nur deshalb, weil sie in den Soziolbeiträgen entgangenen Profit erblicken, sondern mit zu dem Zweck, ihr schlechtes soziales Gewissen zu beschwichtigen Auch die- rheinisch-westfälischen Industriellen wissen sehr wohl, daß ihre Arbeiterschasr sich das Z w e i s ch i ch t e n- s y st e m aus die Dauer nicht aufhalsen lassen kann, daß die Löhne auch zur kümmerlichen Fristung der Existenz der Arbeiterfamilien nicht mehr ausreichen, weil die Lebensmittelteuerung— zu der«Ine Steigerung der Wohnungsmiete hinzukommt— die Löhne in ihrer Kauftlrast vermindert hat. Sie wissen das, die Herren, sie wissen, daß die Arbeiter einfach gezwun- gen sind, einen Ausgleich zu fordern und sie bereiten sich auf ihre Weise darauf vor durch Zusammenschluß zu„Gefahren- gemeinschaften" und zur Ansammlung von K a m p f s o n d s. Die Gefahr, daß die Arbeiterfchast auf ein niedrigeres Existenz- Niveau herabgedrückt wird, die gilt dem Unternehmertum nichts. Um so mehr aber die„Gefahr", daß durch die notwendigen Lohnerhö- Hungen die Höhe des Profits bedroht ist. Die„G e fa h r e n g e m e i n s cha s't" der rheinisch-weslfä- tischen Industriellen umfaßt, wie der„Frankfurter Zeitung" aus Essen berichtet wurde, alle Industrien, deren Arbeitgeber- verbände in der sogenannten AustauschsteUe in Düsseldorf zusammen- arbeiten.„Neben der Eisenindustrie, Erzeugern wie Ver- arbeitcrn, sind auch beteiligt der Bergbau, die Textilindu- strie, das Baugewerbe, die chemische Industrie und andere. Die Beteiligung ist nicht fachlich, sondern bezirklich be- grenzt." In Betracht kommt dabei der engere r h« i n i s ch- w e st- fälisch« Industriebezirk. Zweifellos aber würde im kon- treten Falle mit den Arbeitgeberverbändcn der anderen Bezirke zu- fammengearbeitet werden. Die besondere Gefahrengemeinschoft der Textilindustrie erstrecke sich ja bereits auf fast alle deutschen Textilzentren. „Die großen Konzerne haben sich bereiterklärt, auf«ine Unterstützung aus dem Gefahrenfonds zu verzichten, so daß die von allen Gruppen auszubringenden Mittel lediglich zur Unter st lltzung der kleineren und mittleren Be- triebe verwandt werden könnten. Die in dex genannten Aus- tauschstelle zusammenarbeitenden Verbände dürsten zirka 1 Million Arbeitnehmer umfassen, so daß bei 5 Mark monatlicher Umlage pro Kops des angelegten Arbeiters bis zum Jahresende eine erhebliche Summe zusammenkommt." Und weshalb diese besondere Rüstung? Es geht in erster Linie um die Durchführung des Dreischichtwechsels. Den Unternehmern wäre es ja am liebsten, wenn sie die Arbeiter so weit drücken könnten, daß diese sich selber gegen die Berkürzung der Ar- beitszeit wenden müßten, weil sonst ihre Löhne nicht mehr aus- reichen. Da man zu diesem Manöver kaum«in Dutzend Gelbe finden würde, werden die rheinisch-westfälischen Industriellen, wenn ex durchaus nicht anders geht, sich mit der Berkürzung der Arbeits- zeit vertraut machen, da diese ja nach ihrem Willen auf Kosten der Arbeiter geht Die Herren rechnen damit, daß die Metall- arbciterverbände aller drei Richtungen zum Jahresende eine Lohnerhöhung fordern zum Ersatz des Ausfalls durch die Mbeitszeitverkürzung. Solche Forderungen seien schon bei den letzten Arbeitszeitverhandlungen gestellt, von den Unternehmer?! jedoch abgelehnt worden. Diese scheuen nun die„Gefahr", daß schließlich wenigstens«in Teil der Ausgleichslohnforderungen be- willigt würde. Doch dann— so argumentieren die Gefahren- gemeinschaftler— würden auch die Bcrgarbeiteroer- bände mit Lohnforderungen kommen. Um diese„Gefahr" zu ver- hüten, sollen die Metallarbeiter samt den Berg- arbeitcrn nichts bekommen. Eine glänzende profitliche Lösung! „Man ist hier im Bezirk sest entschlossen, eine solch« neue Der- schiebung der Selbstkostenlagc nicht hinzunehmen, auch wenn bei der Abwehr Verluste aus einem längeren Produktionsausfall in Kauf zu nehmen wären." Di« Unternehmer gehen also aufs Ganze. Wenn die unor- ganisierten Arbeiter noch immer nicht wissen, was sie zu tun haben, wäre es höchste Zeit, es ihnen an diesem Beispiel recht deutlich zu sagen, damit sie es endlich begreisen. Zur Urabstimmung bei üer Straßenbahn. Morgen fallen die Würfel. Die Berliner Straßenbahner stehen heute am Borabend einer Entscheidung, an der die gesamte Oeffcntlichkeit Berlins interessiert ist. Morgen fallen die Wü r s e l darüber, ob infolge der kurzsichtigen und selbstherrlichen Taktik einzelner Direktoren der Berliner Straßenbahn dieser Betrieb durch einen Streik st i l l g e l e g t werden wird oder nicht. ...Die Gewerkschaften höben sich bemüht, die Direktion, der Straßenbahn zur Einsicht zu bewegen, um. den ojfenen'Könslkkt zu permeiden. Alle Mühe war vergeblich. Wenn man die ein- zelnen Phasen der bisherigen Berhondlungcn aufmerksam verfolgt hat, muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß die Direktion den Konflikt absichtlich aus die Spitze getrieben hat. Der tonangebende Direktor B a n t e hat den Gewerkschaftsvertretern schon bei mehr als einer Gelegenheit erklärt, daß die Straßenbahner von der Gewerkschost gar nichts wissen wollen und die Gewcrkschafts- Vertreter höhnisch herausgefordert, doch einen Streik zu proklamieren. Die ewig Unzufriedenen seien nicht die Straßenbahner, sondern nur die Gewerkschaftsvertreter. Er Hot den Organisationsvertretern wiederholt selbstherrlich erklärt, daß die Belegschaft der Straßenbahn mit.den bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnissen sehr zu- frieden sei. Jedenfalls fühlt sich dieser Direktor Bante als unbeschränkter Herr der Straßenbahn und der Straßenbahner. Wenn man sieht, haß Magistrat und Aussichtsrat der Straßenbahn diesen Direktor schalten und walten lassen, wie er will, muh man annehmen, daß diese Körperschaften mit der Tätigkeit d-md-�s. Sroßfeuer in ött MG. tuisenjlraße. Das Bureau- und Lagerhaus ausgebrannt.— Ein schwerer Sonntag für Feuerwehr und Polizei. Ein Grohseuer. wie es die Berliner?euerchronik seit vielen Iahren nicht mehr zu verzeichnen Halle, wütete Sonntag nachmittag stundenlang aus dem Grundstück L u i s e n st r. Z S. Das Gebäude gehört der AEG. und in seinen Mauern waren die Leleuchfungs. körper G. m. b. die Bureauräume mit der verkaussabteilung sür Ruszlond, sowie größere Lager untergebracht. Aus den Groß- seueralarm eilten zehn Löschzüge unter Leitung des Oberbrand. direktors Gempp an die Brandstätte. In stundenlanger, angestreng. ter Arbeit gelang es. uner den schwierigsten Verhältnissen und unter größler Gefahr für die Mannschaften, den Riesenbrand a b z u r i e- gel» und ein weitergreisen aus die anschließenden Gebäude, die eine Zeitlang außerordentlich gefährdet waren, zu verhindern. Das Gebäude ist vollständig ausgebrannt. Gegen 13,30 Uhr stockte gestern plötzlich in der Luisen- bis hin- auf in die Jnvalidenstraße der Straßenbahnoerkehr. Von ollen Seiten rasselte die Feuerwehr heran. Brandgeruch umlagert die ganze Gegend, die Straßen sind mit Rauchschwaden erfüllt. Eine große Menschenmenge umlagert bereits die Zugangsstraßen an der Brandstätte. Eine große Rauch- und Feuerjäul« steigt aus dem Grundstück Luifenstr. 3S empor. Schilder an der Hausfront zeigen, daß sich in den oberen Stockwerken die Verkaufs- und Lagerräume der AEG. befinden. Aus den Parterreräumen schlagen meterhohe Flammen hervor. In wenigen Augenblicken hat die Feuerwehr alles zur Versllgung stehend« Schlauchmaterial an die Hydranten geschlosien, und die Mannschaften, mit Rauchfchug. Gasmasken oersehen, dringen in dos brennende Gebäude vor. Aus der Straße werden mehrere mechanische Leitern in die Höhe ge- wunden und die Dächer der Nachbarhäuser besetzt. 20 Schlauchleitungen großen Kalibers befinden sich in Tätigkeit, und gewaltig« Waffermengen werden in das Flammenmeer, das sich von den Parterreröumen bis hinauf zum Dachstuhl erstreckt, geschleudert. Nach sast eii«inhalbstündiger Löschtätigkeit muß Oberbranddirektor Gempp den Befehl zum Räumen des Hauses geben. In den ob:- ren Stockwerken waren mehrere Decken eingestürzt. Auch die Doch- tonstruktion drohte brennend zusammenzustürzen. Die Mannschafren wurden etwa 10 Minuten lang zurückgezogen. Da sich aber die Vorsichtsmaßnahmen, wie sich zeigt«, als nicht notwendig erwiesen, konnten die Arbeiten unter Beachtung größter Vorsicht wieder auf- »genommen werden. Gegen IS Uhr war die hauptgesahr beseitigt. Drei Ablösungszüge rückten an, um die völlig«rschöpsten Mannschaften abzulösen. Immer wieder zeigten sich neue Brandherde und meterhohe Flammen züngelten auf. Erst gegen 22» Uhr konnte ein Teil der Züge abrücken, nachdem drei weitere Ablösungszüge an der Brandstätte eingetroffen waren. Noch spät abends umlagert« eine große Schar Schaulustiger, die von der Brandkatastrophe er- fahren hatten, die Feuerstelle. Wie uns von fachmännischer Seite mitgeteilt wird, konnte das Feuer nur durch den sehr späten Alarm eine derartige Aus- dchnung annehmen. In dem Grundstück befindet sich ein großer Lichthof, der bis hinauf zum Dachgeschoß reicht In diesem Lichthof, in Höhe des Erdgeschosses, lagerten große Vorräte von Kisten und Packmateriai, die vermutlich durch Kurzschluß von einer elektrischen Leitung in Brand gesetzt wurden. In kurzer Zeit bildet« das Erdgeschoß«in einziges Feuermeer und die Flow- men schlugen durch den Lichtschacht bis zum Dach hinaus. Die Bureauräume, die unmittelbar an den Schacht grenzen, wur- den zuerst vom Feuer ersaßt, dos sich strahlenartie. nach allen Seiten mit großer Schnelligkeit ausdehnte. Als der ersie Löschzug an der Brandstelle eintraf, hatte das Feuer bereits eine solche Ausdehnung angenommen, daß wenige Minuten später Verstärkung angefordert werden mußte, worauf zehn Löschzüge aus allen Stadtteilen an- rückten. Es gelang schließlich, das Umformerwerk der Bewag, dos an das Hintere Grundstück anschließt, vor der Vernichtung zu be- wahren. Di« gewaltigen Wassermengen ließen jedoch die Gefahr austauchen, daß die maschinellen und Kabel-Anlagen— das Waffer hatte sich etwa bis zu einer Höhe von einem halben Meter ange- sammelt—„ersaufen" würden. Es wurden rechtzeitig zwei Saug pumpen angesetzt, so daß das Umformerwerk keinen nennenswerten Schaden erlitten hat. Einige Hauptkabel, die durch den Brandherd führten, wurden vernichtet, was«ine Stromunterbrechung im R e g i e r u n g s o i e r t e l und in Moabit zur Folge hatte. Durch Umschaltungen konnte später der Schaden wieder behoben werden. Di« Brandstätte bietet den Anblick größter Verwüstung. Die Räume sind zum großen Teil völlig ausgebrannt, mehrere Decken zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk eingestürzt. Eiserne Schränke ragen aus den verkohlten Holzteilen hervor. Der weniger vom Feuer mitgenommene Teil des Hauses kann nur unter größter Vorsicht betreten werden, da überall Einsturzgefahr be- steht. Es wird lange Zeit dauern, bis das, was das Feuer in wenigen Stunden vernichtet hat, wieder aufgebaut ist. Der Brandschaden betrifft die Abteilung Veleuchtungs- körper G. m. b. H., die mit ihren Ausstellungsräumen, Lägern und Bureaus«in Opfer der Flammen geworden ist. Die in feuer- festen Schränken verwahrten Akten konnten sichergestellt werden. Der Schaden, der sich auf einig« 100000 M. beläuft, ist durch Versicherung gedeckt. Abgesehen von den Ausstellungsräumen geht der Geschäftsbetrieb ununterbrochen weiter. Polizeipräsident Z ö r g i e b e l. Oberbürgermeister Dr. B ö ß, der Chef der Berliner Kriminalpolizei, Dr. H a g« m a n n, und der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei weilten längere Zeit an der Brandstelle. Das Martyrium ües Dreijährigen. Tie Mutter, die ihr Kind zu Tode prügelt, vor(Sericht. Die Kindermißhandlungsprozesse häufen sich— vor kurzem war es das Martyrium eines Säuglings, das die O-ffentlichkeit beschäftigt«. Diesmal soll ein dreijähriges Kind von der eigenen Mutter buchstäblich zu Tode geprügelt worden sein. Wird etwa jetzt grausamer und maßloser gezüchtigt als früher? Oder sind endlich die Ohren der Nachbarn empfindlicher gs- worden gegen die Schreie gefolterter Kinder? Lange genug hat es ober auch diesmal gewährt, bis die Nachbarn den Weg zum Jugend- omt gefunden hatten und bis das Jugendamt eingeschritten ist. Dieses verspätete'Eingreisen hat der dreijährige Günther, wie die Anklage behauptet, mit dem Tode bezahlt! Die 2Sjährige Elsa Kupsch hat es wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg auf die Anklagebank gebracht. Sie hat sich heute vor dem Landgericht II gemeinsam mit ihrem Mann, der wegen Beihilfe angeklagt ist, zu verantworten. Frau Kupsch, mit einem vollkommen blutleeren Gesicht, dessen gelbe Färbung auf ihr G a l l e n st e i n l ei de n weist, mit eckigen Zügen und hartem Munde, eibt auf die Fragen des Vorsitzenden s ch a rfe Antworten. Sie schildert ausführlich ihre Kindheit. Als uneheliches Kind geboren, wurde sie von den Eltern ihres Vaters erzogen. Kaum f ü n s j ä h r i g, nahm ihre Mutter sie zu sich, damit sie deren eheliche Kinder pflege. Die Schul« konnte sie nicht regelmäßig besuchen, da sie zu Hause neun Kmder ihrer IHulfet mit beaufsichtigen mußte. Als sie 14 Jahre alt war, kam sie als Hausmädchen in Stellung, van ihrem 16. Lebensjahre an war sie am Büfett beschäftigt. Im Jahre 1023 lernt« sie ihren jetzigen Mann kennen, drei Monate nach ihrer Heirat, im Februar 1024, kam der klein« Günther zur Welt. Im Juli des- selben Jahres war der Mann gezwungen. Essen, w-o sie lebten. zu verlassen. Di« Angeklagte ging nach Berlin, der kleine Günther kam in ein Säuglingsheim und kehrte zur Mutter erst im Alter von IS Monaten zurück. Dom angeklagten Ehemann erfährt man, daß er mit seiner Frau schon kurz nach der Heirot in D i f s e r e n- zen geriet und sich deshalb nach dem Derlaffen Essens von ihr trennte. Auf ihr Drängen hin kehrt« er wohl zu ihr zurück, trennte sich aber ein zweites Mol von ihr, um erst im Jahre 102S endgültig mit ihr zusammenzuziehen. Der angeNagte Kupsch behauptet daß es auch in späterer Zeit wegen des kleinen Günther mit der Frau öfter Differenzen gab. Die Angeklagte gibt wohl zu, den Kleinen hin und wieder auf das Gesäß und auf die Hände geschlagen und ihm Back- ps e i f e n gegeben zu haben, weil er unartig war, wie sie sagte, und sich beschmutzte, bchtreitet jedoch, ihn mit irgendwelchen Werk- zeugen gehauen zu haben. Sie b e st r e i t e t vor allem, hie Schuld am Tode des Kindes zu haben, muß jedoch auf Vorhalten des Vorsitzenden zugeben, daß sie bei Einlteserung des Günther im Krankenhaus« den Arzt auf die Striemen aufmerksam gemacht habe, die er am Rücken hatte, damit man nicht glaub«, daß diese etwa von unmäßigen Züchtigungen hemihren Zur Gerichtsverhandlung sind etwa 20 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Wie erinnerlich, wurde der An- geklagten«in« unmenschlich grausame Behandlung des kleinen Günthers von den Nachborn nochgesagt. Die Angeklaete behauptet, daß. diese Aussagen unwahr und von 5)aß gegen sie diktiert seien. Das Urteil wird erst in späten Abend st unden zu erwarten sein._ Eine Taktlosigkeit. Drei Angestellte der Lufthansa sind bei dem furchtboren Flugzeugunglück von Schleiz ums Leben gekommen: der Prokurist Volkmar von Arnim- Nechlin, der Flugzeug- fllhrer Willi C h a r l e t t und der Vordmonteur Joses Feiler. Der Vorstand der Deutschen Lusthansa A.-G. hat nun in mehreren Blättern«inen Nachruf verösfentlicht, in dem sie einzig und allein des Prokuristen von Arnim- M e ch l i n, der zu den„höheren" Angestellten zählte, gedenkt Den wackeren Flugzeugführer C h a r l e t t, der sich in Hunderten von Fahrten bewährt' hott«, und den jugendlichen Bordmonteur Feiler aber erwähnt der Vorstand mit keiner Silbe. Diese unglaubliche, angesichts der ausgleichenden Majestät des Todes doppelt und dreifach unbegreifliche Taktlosigkeit haben die Angestellten und Arbeiter der Lufthansa nach besten Kräften wieder gut gemacht. Sie widmen den Toten Arnim, Charlett und Feiler«inen gemeinsamen Nachruf und schreiben:„Wir stehen in tiefem Schmerz an der Bahre dieser so plötzlich Dahingeschiedenen, die wir stets als liebe Kollegen und Mitarbeiter kennengelernt und hoch geschätzt haben. Ihr Slndenkcn, das sich für uns mit dem Vorbild musterhafter Pflicht- e r f ü l l u n g verbindet, werden wir stets in Ehren halten." Steigt wegen ihres eigenen Verhaltens den leitenden Herren der Lufthansa nicht die S ch a m r ö t e ins Gesicht? Wieder Arthur Keil. Ein Ermittlungsversohren wegen Betruges ist gegen den Inhaber der„Standard-.Hondelsgeselljchaft". A r t u r Keil, der seine Bureauräum« vor kurzem von der Köthener Straße 31 noch der Neuen Ansbacher Straße 7» verlegt hat, eröffnet worden. Keil sucht Personen, die Geschästseinlagen machen sollen und verspricht ihnen hohe Dividenden bis zu 50 Proz. monatlich zu zahlen. Der ganze Geschäftsbetrieb wird einer«ingehenden Kontrolle unterzogen, vor allem wird geprüft werden, in welchem Umfange Keil bereits Dividenden gezahlt hat und ob diese aus dem erzielten Geschäslsgewinn tatsächlich entnommen oder ob dazu neu eingegangene Geschäfts- e i n l a g e n benutzt worden sind. Personen, die glauben, von Keil betrügerisch geschädigt zu sein, werden gebeten, sich im Polizeipräsidium bei der Dienststelle v. 5 im Zimmer 447 A zu melden. Ein seltsamer Unfall. Vor dem Hause Müller st raße ISO» zeigten sich gestern nachmittag starte elektrische Lichtbvgenerscheinungen an einem Strahenbahnmast: offenbar war irgendein Defekt in der Starkstromleitung die Ursache Die Anwohner einiger naheliegender Häuser sagen längere Zeit der grellen Lichtentwicklung zu. Noch im Laufe der Nacht zeigten sich bei den meisten E r- krankungen der Augen, die mit starken K o p s s ch m e r z e n verbunden waren. Ein Teil von den Anwohnern mußten sogar ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die gesundheitsschädi- gende Wirkung ist unseres Erachtens nach besonders auf den Ein- fluß des grellen Lichtes auf die Netzhaut des Auges und damit auf die Sehnerven zurückzuführen. Daraus ergibt sich von selbst die Warnung davor, in solche vieltausendkerzigen Lichtentwicklungen zu blicken. Die Schweißer am elektrischen Lichtbogen, die man oft des Nachts an den Straßenbahnschienen hantieren sieht, tragen deshalb auch stets tiefschwarz gefärbte Augengläser. Ei» trauriges Ende. Tot aufgefunden wurde heute morgen um 5% Uhr in einem Gebüsch auf dem FalkplatzeinunbekannterMann. Man stellte ihn bald fest als einen früheren Schuhmacher K., der sich seit langer Zeit obdachlos in jener Gegend aufhielt. K. hatte dort früher ein eigenes Geschäft, kam jedoch immer mehr herunter. Er ergab sich dem Trunk und nächtigte bald im Asyl, bald aus Bodentreppen oder auch unter freiem Himmel. Meistens sah man ihn in Gesellschaft einer O b d a chl o s e n, die im Bezirk des 63. Re. viers schon lange bekannt war. In ihren Kreisen führte sie den Spitznamen„F i st e l j u st e". Sie sprach dem verdünnten Brenn- spiritus ebenso st a r k zu wie ihr Gefährte K. Am Sonnabend mußte sie ins Kronkenhaus gerächt werden. K. stand jetzt ganz verlassen da und hat sich wahrscheinlich wieder mir deni A l t o- hol zu trösten versucht. Vermutlich hat er sich zu auter Letzt im Gebüsch schlafen gelegt. Heute früh fanden ihn Passanten mit der leeren Flasche im Arm tot daliegen. Unter der Einwir- kung des übermäßigen Alkoholgenuffes war er an Herzschwäche gestorben. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- hause gebracht. Der verlorene Page gesunden! Der Page Kurt W a h l i ch und sein angeblicher Vater, der Artist Wenzel, wurden auf Grund der Ausschreibungen der hiesigen Kriminalpolizei in Düsseldorf er- mittelt und festgenommen. Sie hatten, wie wir mitteilten, in der letzten Zeit die Jahrmärkte im Mansseldischen ausgesucht. Wen- zel trat auf Märkten und Rummelplätzen als A rt i st auf, und Wah- lich stand ihm dabei zur Seite. Der Junge wird von seiner Mutter aus Düsseldorf abgeholt. Unwetterkatastrophen. Schweiz und Tirol heimgesucht.— Menschenopfer. Basel, 26. September.' Die Ost- und Südschweiz wurde Infolge starker Regenfäll« der beiden letzten Tage von einer hochwafferkatastrophe heimgesucht, die auch Opfer an Menschenleben forderten. Der Lustkurort Schiers in präligau ist gefährdet. Der verkehr auf der rhätifchen Bahn ist unterbrochen. Mehrere Brücken wurden f o r t g e- rissen. Aehnliche Rachrichten kommen auch aus der Ostschweiz. Die Rheintallinieder Bundesbahnen ist an zwei Stellen unter- brachen, und zwar bei Trübbach und zwischen Rüti und Salez. Die Rheinbrücke zwischen Buchs an der österreichischen Grenze und Schaan ist eingestürzt. Auch der verkehr der österreichischen Staalsbahn von Feldkirch nach Buchs ist unterbrochen. Auch im unteren Teffin hat der starke Regen der letzten beiden Tage große Ueberschwemmungen hervorgerufen. Am See von Lugano richtete ein Sirokko in der Rächt zum Sonntag großen Schaden an. Der Dampfer„Ticino" wurde gegen den Ouai geschleudert ußd ging unter. Der Ouai selbst wurde an einer Stelle durch die Masftrmassen stark beschädig«, so daß er abgesperrt werden mußte. Auch einige Barken gingen aus dem See unter. Aehnliche Rachrichten kommen aus Italien. So ging j» Toscana ein Gewitter mit sintflutartigem Regen nieder. In Florenz richtete ein Platzregen Ueberschwemmungen an. In der Provinz Casenlino wurde ein Dorf überschwemmt, wodurch großer Sachschaden entstand. Chur, 26. September. Die Verbindungen mit dem Oberland und I l a n z sind immer noch unterbrochen. In Tavanasa wurde ein große» Doppelwohnhaus und«in Bahnwärterhäuschen von den Fluten mitgerissen. Acht Einwohner sind ertrunken. In Bergell sind die Verbindungen mit dem Engadin unterbrochen. Der Wildbach in Casaccia hat das Dorf überschwemmt, so daß die Ein- wohner sich nur mit knopper Not retten konnten. Am Zlbend be- gönn in der Höhe Schnee zu fallen. Der Rhein ging um etwa einen Meter zurück, so daß man hoffen kann, daß die größte Gefahr überstanden ist. Aaido, 26. September. Das Unwetter richtete im oberen Latent in an der Gott'» h a r d l i n i e großen Schaden an. In Faido brach der Wildhoch durch die Dämme und überschivemmte die Staatsstraße auf 100 Meter Länge. Ein Teil des Dorfes beim Bahnhos ist stark gefährdet. Borsicht beim elektrischen Bügeln. In Wien hat gestern abend eine junge Frau dadurch den Tod gefunden, daß sie beim Bügeln mit einem elektrischen Eisen in den Stromkreis geraten ist. Sie sank plötzlich während der Arbeit mit einem Schrn leblos zu Boden. Wiederbelebungs- versuche blieben erfolglos. Die Frau hat am rechten Arm eine etwa Handteller große Verbrennung erlitten. In der Magengegend waten Eintrittsstellen des Stromes, an den'Fußsohlen Austrittsstellen ficht- bar. Die Verunglückte hatte, knapp ehe sie zu bügeln anfing, den Fußboden ihrer Küche ausgewischt, die Stelle, auf der sie stand, war noch feucht. Infolge einer schlechten oder schadhaft gewordenen Isolierung des Bügeleisens war so die Frau in den Stromkreis geraten und hatte den Tod gesunden. Bo» einem wütenben Bullen getötet. Das Opfer eines wütenden Bullen wurde der 68jährige Guts- besitzer Wilhelm S t i e b« tz in D i e h m e n. Bei dem Versuch des Besitzers, das Tier, das sich losgerissen hatte, wieder anzu- koppeln, ging es auf den Besitzer los. Der bedauernswerte Mann wurde zu Boden geworfen und von dem wütenden Stier mit den Hörnern bearbeitet. Der Schwerverletzte ist im Bautzener Kranken- haus seinen Verletzungen erlegen. fRero'mann färbt wäscht reinigt j" � Ä Ö** ihre Herbst- u. Wintergarderobe 1 über 70 Filialen in Grofeberlin sdion jetzt erbeten Jeiern öer �ugenö. �in Veihetag. Die zur bevorstehenden Schulentlassung von der Sozialdemokra- tischen Partei veranstalteten Jugendweihen der Arbeiterschaft Erosj- Berlins wurden am Sonntag mit vier Weihefeiern in Alt-Berlin(iin Großen Schauspielhaus), in Charlottcnburg, in Pankow und in Köpenick fortgesetzt. Bei der Jugendweihe in Charlottenburg(im Schillertheatcr) gab Reichstag-abgeordneter Genosse Crispien in seiner Weiherede unseren Kindern, die jetzt in das Berufs- und Er- werbslcben hinausgehen, eindringliche Geleitworte mit auf den Lebensweg. Sinn und Zweck dieser Jugendweihen ist, die Jugend darauf hinzuweise», daß s i e sich der G e»i e i n s ch a s t weihen muß, in die sie nun hineinwächst. Teilnehmen soll sie, führte der Redner aus, an dem Ringen um diemeuc und bessere Zeit, die wir herbeiführen wollen. Auf leinen Erlöser soll sie warten, denn nur der Mensch selber, der lämpsende, kann Erlöser aus dem Elend sein. Die Jugendgenossen, die Gewerkschaften und dann die Partei— das sind die Kämpferscharen, denen unser Nachwuchs sich anzu- schließen hat. Unsere Jungen und Mädel sollen erfüllt sein von dem Gefühl der Verbundenheit mit de in arbeitenden Volk, dos kämpfend aus der Tiefe zur Höhe aufsteigt. Die gedankenreiche Weihcredc wurde von Musikbeigaben um- rahmt. Dabei wirkten mit die Charlottenburger Liedertafel(Mitglied des Arbcitersängerbundes), der Opernsänger Alfr. Sigurd Nansen und ein Trio aus Geige, Cello und Klavier(Fritz Tvrman, Oscar Manczyk, Cläre Manczyk). Die Feier endete mit dem von allen Teilnehmern gesungenen Schlußlied:„Brüder, zur Sonne, zur Frei- heit, Brüder, zum Licht empor!" Willkommen in üer Partei. Dem EintrlttiungerGenossenundGcnossinncn in die sozialdemokratische Parteiorganisation galt eine Feier, die in Charlottenburg von der 54. Abteilung am Sonnabend veran- staltet wurde. Es ist kein übler Gedanke, den Anschluß an die Kämpserschar unserer Partei mit einer solchen Feier zu betonen. Einer von den Alten, unser Genosse Philipp S ch e i d« m a n n, hatte es übernommen, die jungen Genossen und Genossinnen zu be- willtommnen. Unter dem Sozialistengesetz nxirs, wo er,«in Junger damals, zur Partei kam. Den Blick ließ der Redner zurück- schweifen in die Jugendzeit der Sozialdemokratie, die trotz Sozialistengesetz groß wurde und bei den Reichstagswahle» ihre Stimmenzahl von nur 124 000 in 1871 auf 4)4 Millionen in 1912 zu steigern vermochte. Die Aufgabe, in den Betrieben den Nachwuchs der Arbeiterklasse für die Sozialdemokratie zu gewinnen und durch die Aufklärungsarbeit der Partei die jungen Mitkämpfer -zu erziehen, wurde zeitig in ihrer ganzen Bedeutung erkannt. Daß der Krieg diese Bemühungen unterbrach, hat nachher den Koni- muntsten ihre Werbungen erleichtert. Unter allgemeiner Zustini- niung der Versammelten hob Genosse Schcidcmnnn hervor, daß die Uneinigkeit der Arbeiterklasse zu der Erstarkung her Reaktion in Deutschland geführt hat. Nicht gegen s i e kämpfen die Kommunisten, sondern gegen uns, gegen die Sozialdemokratie. Aber der Sozialdemokratie ist zu danken, was die Revo- lution uns an Volksrechten gebracht hat. Die Früchte der zähen Arbeit find es, die Jahrzehnte hindurch von der S o z i a l d e m o- k r a t i c getan werden mußte. In jener Zeit war es wahrlich nicht leicht, für die Sozialdemokratie zu agitieren. Genosse Scheidsmann gedachte der Alten, die einst unsere Vorkämpfer waren.„Seid pflichtbewußt!" pflegte der alte Wilhelm Liebknecht z» sagen. Dieses Mahnwort richtete auch Scheidemann an die neuen Genossen und Genossinnen, die er in der Partei willkommen hieß. Pflicht- bewußt müssen wir sein, auch wenn uns mal etwas an der Partei nicht recht gefällt. In packenden Worten wies Genosse Scheidemann auf das Ziel hin, das wir niemals aus dem Auge ver- lieren dürfen. Nach dieser mit lebhaftem Beifall auigenomme.nen Vegrüßungs- rede folgte eine Verteilung guter und für die Partei grundlegender Bücher, die den in die Partei eingetretenen Genossen und Genossinnen zur dauernden Erinnerung an die Feier überreicht wurden. Der Abteilungsvorsitzende Genosse Henkel schloß mit der Mahnung: „Werdet Mitkämpfer!" Gesangsvorträge der Charlotten- burger Liedertafel(Mitglied des Arbcitersängerbundes) verschönten die Feier. Sie klang aus nnt dem gemeinsamen Gesang der Jnter- nationale. Die Arbeiterjugend im„Zungen Deutschland". Auf der am vergangenen Sonnabend veranstalteten Jugend- f e i e r waren dem Frohsinn und der Heiterkeit, die ausschließlich �um Wort kamen, keine Grenzen gesteckt. Die jungen Kämpfer offen- borten in Spiel und Gesang die unbeschwerte Fröhlichkeit ihres Her. zens. Die Festhalle im Park des Schlosses Bellevue konnte nicht alle fassen. Und darum hatte man eine Teilung vorgenommen, so daß die einen um 6 Uhr und die anderen um 8 Uhr kamen. Kopf an Kopf sahen die festlich gekleideten Burschen und Mädchen in dem Raum, durch dessen offene Fenster— wie zum Gruß— sich das grüne Geäst der Bäume schob. Der„Sing kreis der SAJ." sang alte Volkslieder. Genosse Schulten dirigierte die jung« Schar, die noch nicht lange beisammen ist und noch mancherlei zu lernen hat. Aber man war ihr ebenso herzlich dankbar wie den Musikanten, die zu den Wald- und Rüpelszenen aus Shakespeares„S o m m e r n a ch t s t r a u m" nach den Noten von August Halm(Wickersdorf) die Fiedel strichen und das Fagott bliesen. Das Spiel auf der Bühne war großartig, wenn es auch manchmal ein wenig zu derb getrieben wurde. Die Leistungen der namenlosen Laienspieler, die selbst zur Arbeiterjugend gehören, waren sehenswert und von zündender Wirkung. Sie gaben den jungen Genossen im Parkett die Lebensfreude mit, die stark und tapser macht. Und darin liegt der unbestrittene Erfolg des Abends. Schlußkundgebung in der Ausstellung. Nachdem am Sonntag die Besucherzahl das hundertste Tausend "ibend im Park des Schlosses überschritten hatte, fand am Abend Bellevue eine � r e i z e i t t u n d g e v u n g statt, in der� der Vorsitzende des Reichsausschusses der deutschen Jugcndverbändc, Genosse Ollen Hauer, über den Erfolg und die Ziele der Aus- stellung sprach. Er gab zum Schluß dem Wunsche Ausdruck, daß das Schloß Bellevue als Haus der Jugend den deutschen Jugendverbänden auch weiterhin zur Verfügung gestellt bleiben möge. Mißglückte Sanüitenftreiche. Tic Bedrohten schlugen zu! Als in der Nacht zu Sonntag der 48 Jahre alte Kaufmann Emil Jury aus der Gartenstraße durch den Ahornsteg im Tier- garten ging, fielen unversehens etwa fünf bis sechs junge Burschen über ihn her und oersuchten, ihn zu Boden zu reißen und zu berauben. Jury setzte sich aber kräftig zur Wehr und hieb mit seinem S p a z i e r st o ck e so wacker um sich, daß die Bande eilig flüchtete. Aus die Hilfcruse des Angefallenen kam eine Schupo st reife herbei, und ihr gelang es, wenigstens einen der Wegelagerer noch zu fassen. Auf der Wache wurde der Er- griffen«, der einen gehörigen Denkzettel abbekommen hatte, fest- gestellt als ein wohnungsloser 17 Jahre alter Herbert I c ck e, der seine Spießgesellen nicht kennen will.— Nicht minder energisch setzte sich eine 24 Jahre alte Arbeiterin Hedwig Bachert aus der Reinickendorfer Straße zur Wehr. Sie wurde gegen 1 Uhr in der Nähe des Bahnhofes Stralau-Rummelsbu'rg von einem jugendlichen Strolche angefallen, der sie sogar mit E r- schießen bedrohte. Als er versuchte, das Mädchen in die An- lagen zu verschleppen, zerkratzte sie ihm das Gesicht so tlüchtig, daß er endlich von ihr ablieh und entfloh. Schupobeamte, die in den Anlagen nach dem Wegelagerer suchten, konnten ihn nicht mehr finden. Aeberfall auf zwei Schuhpolizisten. Einen heftigen Zusammenstoß mi: einer Rotte junger Burschen hatten in der vergangenen Nacht zwei Schupobeamte des 49. Reviers. Gegen 3 Uhr befanden sich der Hauptwacht- meister B. und der Oberwachtmeister K. auf einem Streifgang« durch die P r i n z e n a l l e e, als ihnen eine Rotte junger Burschen durch lautes Johlen und Randalieren auffiel. Als die Beamten die Ruhestörer zurechtwiesen, sielen diese sofort über sie her, rissen B. zu Boden, schlugen ihm den Tschako vom Kopse und bearbeiteten ihn mit den Stiefelabsätze n.. K.. der seinem Kameraden zu Hilfe kommen wollte, und die Dienstpistole gezogen hatte, wurde ebenfalls von der Ueberzahl niedergerungen. Während des Sturzes entlud sich seine Waffe und traf ihn in den rechten Fuß. In seiner Bedrängnis faßte er die Pistole wieder und feuerte vom Boden aus auf die Angreiser. Dabei wurde der 26 Jahre alte Arbeiter Karl Lange aus der B u t i m a n n- st r a ß e 18 durch zwei Schüsse im Rücken verletzt. Als andere Beamte herbeieilten, ergriff die ganze Geselljchast die Flucht. Nur Lange blieb auf dem Platze und wurde als Polizeigefangener in das Virchowkrantenhaus gebracht. Die beiden Überfallenen Beamten, die nicht unerheblich verletzt waren, wurden später mit einem Sanitätswagen nach dem. Staatslrankenhause über- geführt. Mitteilungen zur Feststellung der entkommenen Rowdies nimmt die Kriminalpolizei des 49. Reviers entgegen. Einheitliche Verkehrskarte für Berlin. Die drei Berliner Verkehrsgesellschaften, die den Einheitsfahr- schein besitzen, haben bisher getrennte Verkehrskarten mit Fahr- Plänen herausgegeben. Nach der Tarifgemeinschaft hat man nun- mehr beschlossen, auch eine Einheitskarte herzustellen. A n- fang Ottober wird diese neue Karte, in der sämtliche Verbin- dungssinien der Straßenbahn, Hoch- und Untergrundbahn und Aboag eineezeichnet sind, erscheinen. Ebenso werden die Fahrpläne der Gesellschaften mit veröffentlicht werden. Mit Hilfe dieser Karte kann das Publikum noch besser als bisher die bequemsten und schnell- sten Verbindungsmöglichkeite« zusammenstellen. Der Preis für die Karte wird voraussichtlich nur 10 Pf. betragen. Die Slodkverordneienversammlung hat ihre nächste Sitzung am Donnerstag um 1S?4 Uhr. Auf der Tagesordnung steht an. erster Stelle die Fortsetzung der Beratung der Wohnungsbau- vorläge des Magistrats. Anschlag auf französischen Schnellzug. Er galt dem Sonderzug der amerikanischen Legion. Pari», 26. September. Wie Havas aus Nizza berichtet, wurde in der vergangenen Nacht gegen die Eisenbahnstrecke. 30 Kilometer vom Bahnhof Juan les Pins entfernt, ein B o m b e n a t t e n t a t verübt. Die Explosion erfolgte fünf Minuten bevor der aus Nizza kommende Schnellzug. der 20 Minuten Verspätung hatte, die Stelle passierte. Die Unter- suchung hat ergeben, daß durch die Explosion die Schienen in einer Länge von 60 Zentimetern aufgerissen und der Bahndamm in einer Länge von einem Meter und etwa 20 Zentimetern Tiefe aufgewühlt war. Die Schienenteil wurden in etwa 10 Meter Entfernung von der Explosionsstelle gefunden. Alle Telephon- und Telegraphen- drähte, im ganzen 37, wurden durch die bei der Explosion einpo.- geschleuderten Steine zerrissen. Die Strecke ist inzwischen wieder- hergestellt worden. Von dem Täter hat man bisher noch keine Spur finden können. Wie zu dem gestrigen Bombenattentat auf die Eisenbahnanla.ien zwischen Cannes und Monaco weiter gemeldet wird, haben die ersten Nachforschungen ergeben, daß der Anschlag zum P r o t e st g e g e n die Hinrichtung Saccos und Banzeitis gegen oen Sonderzug der amerikanische» Legion, die sich nach Nizza begab.' gerichtet war. Das Hauptziel der Attentater, eine kleine Brücke in die Lust zu sprengen und dadurch den Zug zur Eni- glcisung zu bringen, wurde nicht erreicht. Im Laufe des gestrigen Tages wurden in kommunistischen und anarchistischen Kreisen und besonders in den von italienischen Antifaschisten besuchten Orten Haussuchungen vorgenommen. Groß-berliner Parteinachrichten. IS. Abt. DIin->tag. den 27. S«pt«nber. IS'/, Uhr. Im Lokal Rrüflfr, tzusfllenllr., Eck, ScherinaNr.. Milaliederversammwng. Dortrag:„Der Reichssckiulgeseg. rnlwurs'. Referent: Richard SckrSter.— Alle Denossinnen und Senosscn mUffen erscheinen,»äsle willkommen. Zrauenveranstalkungen. »7.»bt. Neukölln. Achtung Genoisinnen! Unser Frauenabend findet erst morgen' Dienstag. 27 Eeptemder. IS'/, Udr, bei Rcllger. Emser Str. 81 87, Ecke N-igeltr.. statt. Vortrag der«enossl» Rgneck Uber»Der Kampf der Frau in der heutigen Wirischasi".___» Sport. Spalla verliert seinen Meistertitel. Mailand, 26. September. Bor einer riesigen Zusckiauermenge wurde gestern der Kampf um die italienische Schwergcwichtsmeisterschast im Boxen zwischen dem bisherigen Titelhalter Erminio Spalls und Bertazzolo ausgetragen. Die Ueberlegenheit Bertazzolos bekundete sich schon in der ersten Runde. In der zweiten Runde ging Spalla für 7 Sekunden zu Boden und wurde, als er sich erhoben hatte, k.o. geschlagen. Bertazzalo hat sich damit den Titel des italienischen Meisters der Schwergewichtsklasse gesichert, den Spalla seit vielen Jahren inne hatte. Rennen zu Grunewald am Sonnlag. dem 25. September. 1. Rennen. 1. Licdeckranz(TairaS), 2. TenkroZ. 3. Fcivida. Toto: SS: 10. Platz: 13, 12, 11:10. Ferner liefen: Silo(4), Claus«. witz. Pumpernickel, Geselle, Kermak. Die Linde. 2. Rennen. 1. Wachholder(Barga), 2. Impressionist. 3. Leib- kiirassier. Tolo: ZS: 10. Platz: 21, 25:10. Ferner liejen: Moloch(4), Williger, Ausbund. 3. Rennen. 1. PrünaZ kGrablch), 2. Signora, 3. Maskerade. Toto: 3t: 10. Platz: 15, 2S, 15: 10. Ferner liejen: Rosenherzog, Patron, Marconi. Smaragd, Beluga. Partisane. 4. R e n n e n. 1. Hödur(Vinzenz), 2. LampoS, 3. Gladbeck. Toto: 68: 10. 5. R e n n e n. 1. Orgel(Jentzsch), 2. Waldprinzessin, 3. Goldalme. Toto: 41:10. Platz: 16, 14. 27:10. Ferner Uesen: Marchesa(4), Pagode, DaS Lied, Silberkatze, Laetilia. 6. R e n n e n. 1. Audax(O. Schmidt), 2. Gondwana, 3. Gawan. Toto: 14: 10. 7. R e n n e n. 1. Ad hoc(Grabsch), 2. Bubi, 3. Casanova. Toto: 40: 10. Platz: 20. 70. 30:10. Ferner Uesen: Poliklet s4>, MeneS, Sans Alout, Herzog Christoph, Trianon, AdoniS, Probefahrt, Trier, Orla, Rase, Msterlust. Volksbühne Iii. HD ZÄsflUMilZIM 8 UHn Geow Dandin. Da/u; Der gexnüüidie Kommissär theatsr an Bilavplati 8 Uhr Habale u, Liebe 8s Kollendorf 7360 Die September» Variett- Revue Sonnabends u. Sonntags 2 Vorstell. I 330 u. 8 Uhr— S** au ermäßigten Preisen das ganzs Programm. Theater am Kottbusser Tor Kottbuaser Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. .Elite-Sänger ' In ihrem Schlagrr-Prograrnm I Volkspreise von SO Pf. bis 2.50 M. SonntagnachmlttaK•• 'tiroft« Familien'Vorstellunö Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1,75 M. QröBter Lacherfolgl Reichahallaai•Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzell In der Müllerstralie Nachmittags: Halbe Preise, rolle» Programm. Dönhoff-Brelt'i: Varietf, Konzert, Tanz Vfinte* A Variete acitattet Iiasma genm # and Dr. Ralph Benaizky I Grouei Sdiaospielliafls. Tägl. 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L6onie Lustspielhaus 8V, Uhn „Filmromantik" Trianon-Th. Täglich 8'/, Uhr; Srilta Qlässaer In einer ihrer PAraderollei» KopfoiMrifl Lustspiel v.Verneuil Preise 1,2,3M. usw. Residenz-Thealer Täglich 8'/, Uhr Die Tugend- Prinzessin H«Ila Kürtr. Mir Dill Sirtin lettner, üdaini, Siretf. Cnf, H. Linaih Preise 1,2. 3 M. usw. Kose-7heater 8»/» Uhr: DieMasdiinen- baoerv. Berlin ■ Wo speist man■ Out u.DUUöT Nur GroB-Berlin Alcxanderplatz. Planetarium am Zon Virling. Jcadiimithihr Sinlt Noll. 1578 Der Sternenhimmel aut der Reise ven Berlin nach dem Aequator Vorführungen: 4>/5 6, 7V,, 9 Uhr. Eintritt 1 M. lioitiriiil. ISJahmiQ.SOII. LJUERGENS ALEXANDER PLATZ Der gute Kapiian- Kaulabah��rsr C. ROcker, Berlin Llehtenberger Straße 22, Kgst.3861 MeiaUbettcn 1050 Schlafchaiselonjues24.- Plüschsofas 30 M., Ratenzahlung £1AHb* Berlin, Pappelallee 12 UUlli Pankow, Schmidtstr.l frei jeder Bahnstation. Verkäufe Uckleidunqsslücke. Wasche usw. Wenig getragene Frackanzllge. Smo- kingansiige. 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