Sir. 456 ♦ 44. Iahrgaag Musgabe A Nr. 232 Bezugspreis: WZchtirilich 70 Pfennia, ImnuriNch k.— Reich. mark vorxui» Xlblbai. Unter Streifband im In. und Busland!i.5g Zieichsmarl pro Monat. T'er„Vorwärts' mit der illustrier- ten Sonntagsbeilage.Boll und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen',.Aus der Filmwelt", „Frauenstimme",.Der Rinder» ireund",„Iugcnd-VorwSrts",.Blick in die Biicherwclt" und Kultur. arbeit" erlcheint wochcntäglich gwci» «al, Sonntags und Montags einmal. Delegramm-Tldresse: .Sozialdemokrat Berlin» Morgenausgabe Berliner VolKsdlÄtt Grotz-Berlin 10 Pfg. Auswärts 15 Pfg. Anzeigenpreise: Sie einspalttee Nonpareille. «eile 80 Bkennla. Rellamezeile S,— Reichsmark.»Kleine Anzeige»" das fettgedruckte Wart 2Z VIcnnia tiuläfsta»wci fcttaedruckte Nortel, iedes wcircre Wort 12 Viennia. Sleltcnaeinche das erste Wo't IZ Vicnniq. iedes weitere Wer! lll Bfennia. Worte Uber 12 Buch- itaben gädlen fitr»wei Worte. 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Ganz so weit ist es diesmal'freilich noch nicht, aber die unselige Tannenbergrede, die Herr Strcsemann aus Mangel an Zivilkourage passieren ließ, hat in Belgien und Frankreich in den Reden Jas pars und Bartbous, leidenschaftliche Entgegnungen gefunden. Der alte Kriegs- haß lodert wieder auf— und die nationalistische Presse wälzt sich in Wonne. Die„Kreuz-Zeitung" ist ganz in ihrem Element. Sie überschreibt ihren Bericht über die Rede Iaspars mit den Worten:„Der belgische Ministerpräsident wird frech." Für das publizistische Hauptorgan der größten Regicrungs- Partei ist das ein hübscher Ton zur Führung internationaler Diskussionen. Wie froh ist doch die Edle, endlich wieder ein- mal tüchtig hetzen zu können: Dir können es olles andere als bedauern, daß die Dinge sich schließlich so entwickelt haben. Im Gegenteil, wir begrüßen cä. daß durch die energische Zurückweisung der Kriegsschuldsrage durch den Reichspräsidenten und ihre Bestätigung durch den Reichs- oußeuminister die ganze Kriegsschuldsrage erneut aufgerollt und in den Bordergrund genickt ist. Jetzt ist es an der deutschen Regierung, gegenüber den Versuchen unserer Gegner, uns ins Unrecht zu setzen, selbst zur Generaloffensive zu schreiten... kierau» mit den Greuelgegenlisten, die in den deutschen Archiven vermodern. , Immer wieder aber muß dem Bedauern Ausdruck gegeben oxrdep, daß alle sich bietenden Gelegenheiten von der Reichs- regierung verpaßt worpen sind, die Kriegsschuldfrogc endgültig zu bereinigen. Bei dem Abschluß der Locorno-Verträge und bei dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund war die Gelegenheit gegeben. Damals brauchte man uns dringend, und Deutschland hätte vielleicht etwas erreichen können. Jetzt nach allen deutschen Vorleistungen geht man über Deutsch- land hinweg. Ueberraschenderweise unterstützt die„Kreuz-Zeitung" in ihren Schlußsätzen die Kritik, die an der Tannenbergrede geübt wird, in einem ihrer Hauptpunkte. Gleichgültig, ob es wahr ist, daß Gelegenheiten zur Bereinigung der Kriegsschuldsrage verpaßt worden sind oder nicht— auf olle Fälle wird durch diese Theorie der verpaßten Gelegenheiten zu- gegeben, daß jetzt für eine Rede wie die von Tannenberg nicht die Gelegenheit war. Trotzdem verlangt die„Kreuz- Zeitung" von der Regierung, daß sie„zur General- offensive schreiten" soll. Diese„Eeneraloffensive" wird zwar Deutschland nicht gut bekommen, aber die Deutsch- nationalen können vielleicht dabei mit ihrer nationalisti- sehen Agitation Dumme sangen. Die„Deutsche Zeitung" ist gleichfalls sesir erfreut über die„erwünschte Klärung der Lage". Im übrigen hat sie wie immer die Patentlösung in der Tasche: Und was die Kriegsschuldsrage betrifft, so erwarten wir, daß die leitenden Männer, Herr Dr. Marx und Herr Dr. S t r e s e- mann, ösfentlich und amtlich, kurz und klar erklären, daß alle Ableugnungsversuche der Gegenseite nichts ändern an der Tatsache, daß Deutschland nicht schuld am Weltkriege ist. Diese Erklärungen sind den sämtlichen Staaten der Welt, nicht nur der Entente, durch die deutschen Auslandsvertreter schriftlich zu- z u st e l l e n. Doneben würde dann an Belgien und Frank- reich die Forderung zu richten sein, ihr Bedauern über die Entgleisungen ihrer Minister Jaspor und Barthou auszusprechen. Und wenn sämtliche Staaten die von der„Deutschen Zeitung" gewünschte schriftliche Erklärung als Gebrauchs- papier behandeln und wenn die belgische und französische Regierung den im Sinne der„Deutschen Zeitung" instruierten Gesandten ins Gesicht lachen— was dann? Wird dann wieder marschiert? * Der dem Zentrum nahestehende„Reichsdienst der Deutschen Presse" schreibt: „Das politische Berlin scheint auf die ersten Meldungen aus Paris und Brüssel die Sprache verloren zu haben. Das ist verständlich. Erfolgte doch die Erklärung des Reichspräsidenten von Hindenimrg zur Kriegsschuldsrage ungleich mehr aus inner- politischen Gründen, wie aus außcrpolitischen Erwögungen. Sie war ein Zugeständnis an die Deutsch nationalen im Reichskabinett, an das Agitattonsbedürfnis der Rechtspar- teien und an den deutschnationalen Parteitag in Königsberg, der unmittelbar auf die Enthüllung des Tannenbergdenkmals folgte. Das war gründlich mißgetan. Dir haben schon einmal bedauert, daß der Reichskanzler und der Reichsaußenmimster dem Herrn Reichspräsidenten zu einer Zeit ein« feierlich« Erklärung über die Kriegsschuldsrage abgeben ließen. die sie selber nicht abgegeben hätten. Reichskanzler Marx trägt politisch»»d xa.x lamentarisch die Lerant- Wartung für die unheilvollen Auswirkungen der Tonnenberg- rede. Reichsaußenminister Dr. Stresemonn mußte die außen- politischen Folgen übersehen und dem Unheil steuern. Er hat es nicht getan. Sein Versuch, dem drohenden Unheil die Spitze ab- zubiegen, scheiterte. Die Träger der Locarnopolitik hoben durch eigene Schuld ihr internationales Ansehen untergraben." poincars vor seinen Wählern. Antwortrcdc auf Tanncnbcrg.— Srharsc Sprache des Gcncralgouvcrneurs von Algier gegen Mussolini. Paris, 26. September.(Eigenbericht.) Die Tagung der Gcnerolräte in Frankreich(Parlamente der Departements) ist am Montag, wie üblich, in mehreren Fällen durch hochpolitische Reden«ingeleitet werden. So Hot P a i n e a r e bei der Eröffnung des Gencralrats dikb Departements Maas, dessen Vorsitzender er ist, eine große Rede gehalten, die eine weitere Auslassung zur Frage der Kriegsschuld darstellt und als Antwort auf die Rede von Tannenberg angesehen werden kann. Poincore knüpfte an die historische Rolle Lothringens an, das stets am ersten einem Angrijf Deutschlands ausgesetzt gewesen sei. Es gebe desHall» kein Land in Frankreich, das leidenschaftlicher den Frieden wünsch«. Aus diesem Grunde habe man ober in Lothringen ebenfalls stets verlangt, daß Frankreichs Grenzen so gesichert sind, daß es in der Lage ist, sich zu verteidigen, wenn es angegriffen wird. Dann fuhr Poincore wörtlich fort:„Niemand von uns hat «in« andere Politik vor 1914 betrieben, niemand von uns hätte den traurigen Mut gehabt, den Krieg zu erklären oder ihn zu provo- zieren. Als er uns aufgezwungen wurde, wollten wir mit ganzer Seele einen Krieg, der nicht nur den Feind aus dem Lande wirft, sondern die territoriale Einheit Frankreichs wieder herstellt und uns außer der Wiedergutmachung der Schäden v o l l c S i ch e r- h e i t bietet. Hier ist am wenigsten der Platz, wo man die Legende nochmals ernst nehmen könnt«, die man jetzt zu verbreiten sucht, daß eine.chüflichc" Invasion in Frankreich stattgefunden hätte, die die Zivilbevölkerung, achtete und beinahe harmlos war. Zu viele Greife, zu viele Frauen und Kinder sind gelölsl wurden in unseren besetzten Gebieten, zu viele Häuser verbrannt worden, als daß unsere Londslcute nicht die Pflicht hätten,-dagegen zu protestieren, wenn man die Wahrheit leugnen will. Sie find damit«inoerftonden, daß Vergessenheit darüber gebreitet werden soll, sie wollen aber nickst, daß Lüge Platz greift. Im zweiten Teil seiner Rede ging Poincarä besonders auf die Innenpolitik ein und verteidigte seine Finanzpolitik, die seiner An- sieht nach die Innen- und Außenpolitik bedinge. Zum Schlüsse pro- testierte er gegen gewisse Prcsiemeldungen, er habe die Absicht, von seinem Amte zurückzutreten. Das Gegenteil fei der Fall, erst wenn er seine Aufgabe voll erfüllt hob«, werde er und das Ministerium der nationalen Einheit von der politischen Bühne abtreten. Im Departement Eure-et-Loir hat der Generalgouoer- »cur von Algier, Diolelle, ebenfalls eine bedeutsame Rede gehalten, in der er u. a. sagte: Di« kluge Politik Briands schützt uns vor ollen Unternehmungen der Leute, die Abenteuer suchen. Man kann nickst gerode sogen, daß es keine solchen gebe. So gibt es ein Land— es ist nicht Deutschland—. in dem man von„Pulver trocken halten" spricht, und wo man sich einredet. daß Frankreich das Hindernis gegen eine„des Altertums würdige, majestätische Expansion" sei. Es ist die Ehre Frankreichs, daß es sich über solches Maul- Heldentum nicht aufregt, das steril bleiben wird, solange nicht andere Unterstützung die Forderungen dieser Leute, die sämtlich vom Fieber des„heiligen Egoismus"" ersaßt sind, ermutigt. Es liegt also an uns, weitsichtig zu sein und uns Rechenschaft davon ab- zulegen, daß neu« schwere Mißverständnisse, die sich zwischen Deutsch- land und Frankreich erheben könnten, eine furchtbare Gefahr für den Weltsrieden bedeuten würden." Tanncnbcrg als Argtmcnt der Abrüstungsgcgncr. Paris, 26. September.(WTB.) Der frühere Kricgsminister Maginot hat gestern bei der Einweihung einer Erinnerungstafel für die an den Kämpfen von Verdiin und Bar le Duc beteiligt gewesenen Regimenter eine Rede geholten, in der er u. a. erklärte: Angesichts eines Deutschland, das vor acht Tagen gezeigt hat, daß es dem Geist von Tannen» b e r g treu bleibt, besteht keine Gewähr für die Sicherheit Frank- reich». Abrüstung einem derartigen Deutschland gegenüber wäre unter den gegenwärttgen Umständen ein W a h n s i n n. Sie wäre ein Verb re-chen, desien Folgen für Frankreich verheerend sein könnten, Städte und Sinheitsstaat. Magdeburger Ergebnisse. La» Paul Hertz. Der Städtetag in Magdeburg mar eine große Volksoer- fammlung. Etwa zweitausend Teilnehmer füllten den prächtigen Saal der Reuen Stadthallc. Außer den führenden Kommunalpolitikern waren auch viele Politiker des Reiches und der Länder erschienen. Alles in allem ein stattlicher Aufmarsch, wohl geeignet, die Bedeutung der deutschen Städte im öffentlittjen Leben tundzutun. Aber das äußerlich Imoo- nierendc hat auch seine Schattenseiten. Für eine wirkliche Klärung der zur Diskussion stehenden sachlichen Probleme war die Tagung zu groß, ihre Dauer zu kurz und das Ganze sachlich mangelhaft vorbereitet. Bei Vermeidung dieser Fehler hätte der praktische Nutzen der Tagung sich erheblich steigern lassen. Tagungen der deutschen Städte waren ehemals Tagun- gen ihrer Oberbürgermeister und der städtischen Btireaukrcnic. Die städtische Bevölkerung war auf ihnen sehr schwach ver- treten und ausschließlich' durch Angehörige des besitzenden Bürgertums. Mit der Demokratisierung der Gemeindever- maltungen und der Gemeindevertretungen seit dem Jahre 1S19 ist dies anders geworden. Wenn das Uebergewicht der hohen Verwaltungsbureaukratie auch immer noch vorhanden ist, so sind gegenwärtig doch alle Vevölkerungsschichten ver- treten. Das aber hat den Charakter des Städte- t a g e s grundlegend geändert. Er ist in seiner Stellungnahme nicht mehr so einheitlich wie ehedem. Die sozialen und politischen Gegensätze, die in jeder Ge- meindevertretung vorhanden sind, spiegeln sich auf dem Städtetag wider. Durch die Bildung von Gruppen und Fraktionen ist nicht nur das äußere Bild des Städtetages verändert worden, es zeigt sich in ihr auch die zwangsweise Politisierung dieser Körperschaft. Dieser Poli- tisierung aber hat man bisher weder in der Zusammensetzung des Vorstandes des Städtetages voll Rechnung getragen, noch wurde sie bei der Vorbereitung der Tagung ausreichend berücksichtigt. Auch das Referat des Präsidenten M u l e r t wies diesen Mangel auf. Es war zwar eine im einzelnen vielfach ge- schickte Widerlegung der Angriffe der Unternehmer gegen die Tätigkeit der Gemeinden. Aber es fehlte in ihm eine Dar- legung der Ursachen und Ziele dieser Angriffe. Wie fast alle führenden Kommunalpolitiker, so geht auch Mulert von der Annahme aus, die Angriffe gegen die Gemeinden beruhten auf Mißverständnissen, Unkenntnis und Abneigung gegen die Selbstverwaltung. Das mag zum Teil richtig fein. Ente bessere Unterrichtung der Oeffentlichkeit kann infolgedessen den Gemeinden viel nützen. Aber man sollte die Hoffnung hierauf nicht zu hoch spannen. Denn in Wirklichkeit gehen die allermeisten Angriffe auf die Tatsache zurück, daß die T ä t i g- keit der Gemeinden dem Schutze der Schwachen und der Förderung der allgemeinen Wohlfahrt dient. Diese Cr- kenntnis aber wurde auf dem Städtetag nicht ausqesvrochen. Infolgedessen konnte auch'dem Kampf gegen die Bestrebun- gen der Unternehmer nicht die richtige Kraft gegeben werden. Für die Bedeutung des Städtetages ist dieser Mangel nicht entscheidend. Sowohl das Referat von Mulert als auch die Diskussion ließen den Willen erkennen, der Zukunfts- arbeit der Gemeinden ein neues Ziel zu weilen. Allseitig erkennt man. daß die staatspolitischen Verhältnisse Deutsch- lands im Flusse sind, und daß ihre gesetzliche Neuordnung bevorsteht. Man hat eingesehen, daß die Stärkung der Reichsgewalt eine im Zuge der Entwicklung liegende Tatsache ist. der man sich nicht mehr erfolgreich entgegenzustellen ver- mag. Die Länder werden dadurch allmählich aiisgcfchaltet. so daß der staatsrechtliche 2lufbau Deutschlands sich künftig nur noch aus das Reich und auf die Gemeinden stützt. Das haben die Gemeinden erkannt. Mulert und die meisten Diskussionsredtier legten ein offenes Bekenntnis zum E i n h e i t s st a a t ab. der ihnen nicht nur als die für Deutschland zweckmäßigere Staatsforni, sondern auch als die beste Grundlage für die gemeindliche Selbstverwaltung er- scheint. Im Einheitsstaat hat in der Tat die Gemeinde eine ganz andere Stellung als im Bundesstaat. Bisher ist der Kampf zwischen Ländern und Reich meistens auf dem Rücken der Gemeinden ausgetragen worden und hat zur Schwächung ihrer Befugnisse und der Selbstverwaltung geführt. Entfällt das Hindernis der Länder und tritt das Reich in direkte Beziehungen zu den Gemeinden, so müssen sich dadurch ganz neue Möalichkeiten der Selbstverwaltung ergeben. Es ist kein Vorwurf gegen Herrn Mulert oder den Städtetag, wcny man feststellt, daß man sich über diese Mög- lichkeitcn im Augenblick noch nicht völlig klar ist. Die stärkere Heranziehung der kommunalen Spitzenoerbände zur Mit- arbeit an Reichsaufgaben, die Errichtung einer Kommunal- abteilung im Reichsministerium des Innern, die ausreichende Beteiligung der Gemeinden im Reichswirtschaftsrat werden allseitig als zweckmäßige Maßnahmen anerkannt, um die unmittelbaren Beziehungen zwischen Reich und Gemeinden zu fördern. Umstritten war jedoch die ursprüngliche Forde- rung von Mulert,«ine unmittelbare staatsrechtliche �Zer- bindung der Gemeinden zum Reich zu schaffen und insbeson- dere sein Verlangen nach einer Vertretung der Gemeinden im Reichsrat. Beide Forderungen wurden infolge des Widerstandes der sozialdemokratischen Gruppe des Städte- tages fallen gelassen. Maßgebend war dafür die Erwägung, daß die Stellung 'der Gemeinden und die Entwicklung der Selbstverwaltung nicht in erster Linie auf staatsrechtlichem Wege gefördert werden kann, und daß die Beteiligung der Gemeinden am Reichsrat die Entwicklung zum Einheitsstaat hemmen und dem Reichsrat die Stellung eines Oberhauses oder eines Ständeparlaments verschaffen würde. Was wir für den Aufbau der Selbstverwaltung brauchen, ist die Erkenntnis, daß der Einheitsstaat nur möglich ist, wenn durch eine weitgehende Dezentralisation der Verwal- t u n g die Ausführung einer zentralen Gesetzgebung möglich wird. Auf diese weitgehende Dezentralisation hinzuwirken, der Selbstverwaltung freie Bahn zu verschaffen, das sind erreichbare und zweckmäßige Ziele, während die Mitwirkung der Städte im Reichsrat eine utopische Forderung ist, an den wirklichen Problemen vorbeiführt und den Städten nichts nützxn wird. Das Verlangen des Städtetages nach besserer Z u s a m- menarbeit mit dem Reichstag soll nach der Zusage des Reichspräsidenten L ö b e durch die Schaffung eines interfraktionellen Ausschusses erfüllt werden. Dieser Aus- schuß kann nützliche Arbeit leisten und die Hoffnungen seiner Urheber erfüllen. Ob das aber der Fall sein wird, läßt sich mit Sicherheit kaum sagen. Die Haltung des Reichstags geht eben nicht, wie die Befürworter des neuen Ausschusses glauben, auf Unkenntnis oder ähnliche Motive zurück. Den Gemcindeforderungen und-interessen ist immer von der Deutschen Bolkspartei der schärfste Widerstand ent- gegengesetzt worden. Das aber ist die Partei, in der die Oberbürgermeister am zahlreichsten sind und die größte Rolle spielen. Sie steht sogar unter der Führung des früheren Oberbürgermeisters Dr. Scholz! Unkenntnis ist hier also kaum vorhanden. Es ist vielmehr der Gegensatz, der zwischen der Tätigkeit der Gemeinden und dem Interesse der kapita- listischen Wirtschaft besteht, und der dazu führt, daß die Deutsche Volkspartei und ähnliche kapitalistische Parteien sich gegen die Gemeinden wenden. Das wird natürlich auch durch einen interfraktionellen Ausschuß in keiner Weise geändert werden. Alles in allem ist der Verlauf des Städtetagss ein be- deutsames Zeichen für die siegreiche Kraft, mit der die Idee des Einheitsstaates vordringt. Offen hat sich auf dieser Tagung nur die Bayerische Bolkspartei gegen den Gedanken des Einheitsstaates gewehrt, die Deutschnationalen enthielten sich jeder Stellungnahme, während alle übrigen Gruppen einig waren, daß der Einheit? st aat die unerläß- liche Voraussetzung für den Wiederaufbau der beut- scheu Wirtschaft und die Wiederaufrichtung der deutschen Selbstverwaltung sei. Zum erstenmal haben die deutschen Städte ihren Gegensatz zu den Ländern betont, und der ge- meinsamen Arbeit von Reich und Gemeinden Anerkennung gezollt. Damit ist die Grundlage des Kampfes um den Ein- heitsstaat erweitert und sind die Aussichten auf einen Erfolg vergrößert worden. Die mexikanisch« Regierung bat ihrem Rechtsbeistand in New Jork den Auftrag erteilt, die im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag gegen das Iustizgebäude in Boston kürzlich ver- hafteten vier Mexikaner im Namen der mexikanischen Regierung zu v e r t e i d i g e n. Die Regierung hat sich zu dieser Maßnahme veranlaßt gesehen, um nach den Worten ihres Rechts» Vertreters„eine Wiederholung des Sacco-Banzetti» Falles zu oerhindern'. JJilsudskis Vressezwang bleibt bestehen. Weil der Sejm in seiner einzigen Sitzung das Pressedekret zwar durch Beschluß, aber nicht durch Gesetz aufgehoben hat, erklärt Pilsudski, daß das Dekret bestehen bleibt. Der Lanöbunö befiehlt! Die Tchulvorstände haben für Kendcll zu stimmen! Der Landbund des Kreises M e i ß e n hat an eine Reihe deutschnationaler Bürgermeister folgen- des Rundschreiben— man muh schon sagen— erlassen: Rundschreiben Nr. 33/27. Meißen, 9. September 1927. Zur Bekanntgabe besonder» an die herreu Schnlvorsiände! Schule: Der Landbund M. hat heute von einem Rundschreiben Kenntnis bekommen, welches der Bezirtslehreroerein Nossen seinen Schulvorständen zusandte. In ihm wird verlangt, gegen das neue Reichsschulgesetz, welches im Entwurf vorliegt, in einer Eingab« Stellung zu nehmen. Wir geben bekannt, daß der Ent- wurf im wesentlichen vom deutschnationalen Minister v. Keudell stammt. wir behaupten, die Lehrer täten besser, fi« unterrichteten, al» daß sie politisch sich, noch dazu so einseitig. Andersdenkenden auf- drängen. Wir haben eine Beschwerde mit der Bitte um Ab- stellung solchen Treibens an die aussichtsführende Schulbehörde, die Amtshauptmannschaft, geschickt. Run die Frage aber ausgerollt ist. würden wir es begrüßen. wenn die SchulvorfiSnde. nehmen sie überhaupt Stellung, die bei- folgende Eingabe zur ihrigen machten und unterschriebeu der Amts- hauptmannschast zuschickten. Di« wirtschaftliche lbürgerlich«) Stadtverordnetenfraktion zu Meißen hat, wie die Eingabe besagt, zum Reichsschulgesetzentwurf Stellung genommen. Wir glauben, mit dieser Erklärung eher dem Empfinden unserer bürgerlichen Schulvorstände zu entsprechen. Mit Landbundgruß gez. Werner. Also: der Landbund befiehlt Stellungnahme der Lehrer- schaft zum Reichsschulgesetz im Sinne der Deutschnationalen, und um diesem Befehl Nachdruck zu verleihen, wird den Lehrern aufgetragen,«ine ihnen aufgezwungene Eingabe an die Amtshauptmannschaft als aufsichtsführende Schulbehörde zu richten, nachdem man sie vorher auf die Lehrerschaft gehetzt hat! Man kann sich denken, was dem passiert, der dem Be- fehl nicht nachkommt. Läßt sich eine schamlosere Unterdrückung der Gesinnungs- und Meinungsfreiheit, ein schamloserer Mißbrauch der gesellschaftlichen Machtposition denken? Aber das sind dieselben Kreise, die auch sonst mit der Staatsverfassung und den Symbolen des Staates Schindluder treiben und sich obendrein über Mangel an Freiheit beklagen, wenn sich der Staat gegen ihr verfassungswidriges Treiben zur Wehr setzt! Landbundidealismus! Deutschnationaler Idealismus von Westarps Gnaden! Die Eingabe selbst ist eine Sache für sich. Sie lautet: » Eingabe.� Erklärung zum Entwurf des Reichsschulgefehe». Wir erblicken in dem neuen Entwurf zum Reichsschulgesetz ein« willkommene Grundlag« zu Verhandlungen, damit die evangelische Elteruschaft endlich das bekommt, was sie auf Grund der Reichs- Verfassung zu fordern berechtigt ist: Für evangelische Kinder möglichst auch evangelisch« Schulen mit evangelischen Lehrern. Diese Stellungnahme schließt nicht aus, daß wir auch noch besondere Wünsche haben. So erwarten wir, daß Zwerg- schulen ausgeschlossen sein müssen. Sie sind vom päda- gogischen Standpunkt aus ein Rückschritt, und vom finanziellen sind sie bei der heutigen Finanznot für viel«' Gemeinden untragbar. Ferner wünschen wir, daß bei Stoffauswahl und Anordnung auch im Religionsunterricht nicht allein kirch- liche Gesichtspunkt«, sondern auch pädagogische und psycho- logische maßgebend sein müssen. Zu Z 16 wünschen wir, daß die Aufsicht auch über den Religionsunterricht nicht nur von Geistlichen, sondern auch von Pädagogen und Eltern ausgeübt wird. den Der Schulvorstand zu Die in der Eingabe niedergelegten Wünsche richten sich gegen die Teile des Entwurfs, auf die das Zentrum be- sonderen Wert legt. Während die Deutschnationale Parter offiziell mit dem Zentrum zusammengeht, läßt sie insgeheim gegen den mit dem Zentrum vereinbarten Entwurf Hetzen. Deutschnationale Vertragstreue in der Praxis! Nationalifienkrach. Ei« völkischer Rechtsanwalt vor Gericht'. Kassel. 26. September.(Eigenbericht.) Im Juli des vergangenen Jahres gaben sich die National- fozialisten in Weimar ein Stelldichein. In Thüringen fühlten sie sich wie zu Hause und betrugen sich auch dementsprechend. Vom ersten Augenblick an, als die Hakenkreuzler in Weimar weilten, gab es Krach und Zusammenstöße. Bor allem fiel ein führender National- sozialist aus Kassel, der Rechtsanwalt Dr. Roland F r e i s l e r. auf. Er hatte es für angebracht geHallen, seinen Horden, die von der Polizei zur Ruhe verwiesen wurden, zuzurufen: Wieder mit der Polizei, es lebe die nationalsozialistische Revolution'.' Nach der Aus- sage durchaus zuverlässiger Zeugen soll er die Polizei ferner als ..Ebertpolizei" bezeichnet haben,„auf die kein verlaß sei". Wegen dieser Vorgänge hatte sich der Rechtsanwalt und Volks- führer letzt vor dem Zivilsenat des Oberlandesgerichts zu Kassel in einer Ehrensache zu rechtfertigen. Freister, der vor drei Iahren in einer Ehrensache bereits mit einer Ver- warnung bestraft wurde, erhiell einen Verweis, wobei das Gericht feststellte, daß sich ein Rechtsanwalt genau so gesittet zu benehmen habe, wie jeder andere Staatsbürger auch. Nach diesem Urteil des Zivilsenats wird nunmehr, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, sich der Staatsanwalt der Angelegenheit annehmen und gegen den völkischen Schreihals strafrechtlich vorgehen. �uüenüorff& Co. Frau L u de n d o rf s, geb. von Kemnitz, hat, wie erst jetzt bekannt wird, in Rastenburg nicht nur festgestellt, daß die Tannen- bergweihe an einem jüdischen Feiertag gestiegen, sondern daß auch das Tannenbergdentmal in jüdischem Stil erbaut worden ist. besonders die zehn goldenen Schwerter über dem Eingangstor haben jüdische Vorbilder. So stellt das Denkmal eine Verherrlichung des jüdischen Welt- b a u e s dar! Nach derartigen Eröffnungen kann man die Angst der Ludcndorff u. Co. vor dem Psychiater verstehen. Zielens über Cnglanü unü Nußlanü. Er glaubt an baldige Wiederannäherung. Der„Reichcdienst der Deutschen Presse' meldet aus Riga: Der sozialdemokratische Außenminister Lettlands Zielens gab bei einem Presscempfang verschiedene Auskünfte über die Genfer Be- sprechungev, von denen er vor wenigen Tagen zurückgekehrt sst. Zur Frage des Konfliktes zwischen England und Ruhland erklärte der Außenminister:„In der russtschen Presse sst oftmals geschrieben wov- den, daß England sich zu einem Angriff auf Rußland vorbereite oder ein« wirtschaftliche Blockade gegen Rußland organisier«, oder aber eine völlige Isolierung Rußlands anstrebe. Meine Beobachtungea und autoritative, in Genf erhaltene Informationen haben in mir die Ueberzeugung gefestigt, daß England nicht nur keinen Krieg gegen Rußland vorbereitet, sondern auch nicht an eine wirtschaftliche Blockade Ruhlands denkt. Ja, ich habe sogar den Eindruck, daß es nicht ausgeschlossen scheint, daß zwischen beiden Staaten sogar in nicht allzusevner Zu-- kunft Verhandlungen über die Wiederausnahm« offizieller politischer Beziehungen gepflegt werden können. Der erste stibenö. von Gerdland. Ach nun ist es Nacht. Und der Abend ist gegangen. Ich hocke in der großen ungemütlichen Stube der Familie Kalleblut irgendwo im Zentrum der Stadt. Oh, ich bin so fremd hier. Ich heiße Minna, zu Hause nennt man mich Minchen. Zu Hause, wo die kleinen Häuser sind und der Brunnen und die Klatsch. weiber und der Herr Bürgermeister und die Frau Apotheker. Achse, achje. Was soll ich bloß hier anfangen? Kaltebluts sind ja recht nett zu mir und die Kinder auch, aber ich fürchte, das wird nicht so bleiben... Und die gnä' Frau— gnä' Frau soll ich jetzt immer sagen— hat mir schon gesagt, daß st« keinen Schatz in der Küche dulden werde. Aber wie werd' ich denn, mich sieht ja doch keiner an. Hu, hu. Als ich in Berlin ankam, war es sieben Uhr abends. Und dann stand ich so mutterseelenallein auf dem Bahnsteig. Da kam ein junger Mann zu mir und sagte:„Na Frollein, nu werd' ick Ihnen mal den Koffer runter tragen.'—„Ach,' sagte ich,„das ist aber wirNich sehr nett von Ihnen.'—„Na, det macht nischt.' Und unten sagte er:„So, eins fünfzich. bitte." Erst habe ich ihn nicht verstanden, aber da hat er so große Augen gemacht und ist ganz dicht an mich herangetreten und hat gesagt:„Das kostet eine Mark und fünfzich.' Und die Hab' ich ihm gegeben. Und als er sie hatte, hat er gesagt:„Dumme Gans.' Da Hütt' ich beinahe losgeheult. Da unten aber rasten so viele Automobile. Dann nahm ich meinen Koffer und ging über den Damm. Dos hat eine gute halbe Stunde gedauert. Und als ich dann drüben war. da bekam ich so schrecklichen Durst. Da war ein Hotel, da stand ein Portier davor. Der hat mich immer angeglotzt und auf einmal sagte er:„Hier ist's schon richtig, Frollein.' Und als ich dann am Tisch saß, begann auf einmal ein großer Radau und dann merkte ich, daß das Gequäke, Gewimmere, Ge- stöhne Musik sein sollte, denn ein paar Menschen tanzten danach. dlott, war das komisch. Die wackelten mit dem.... na und so. Sann kam ein junger Mann, der wollte mit mir tanzen, aber vor- sichtshalber— wegen des unverschämten jungen Mannes auf dem Bahnhof— fragte ich ihn:.Lost' das was?' Da lachte er laut auf und ging weg. Dann kam der Kellner und sagte„Bitte?!" Er reichte mir die Getränkekarte.„Ich möchte bitte ein« Tasse Kaffee haben."—„Tassen geben wir nicht ab, nur Kännchen.'—„Bitte, geben Sie mir ein Kännchen.'—„Und was dazu?"—„Muß man d�nn?"—„Nein, Sie müssen nicht, aber nehmen Sie doch ein Gedeck!" Das brachte er mir. Ohje. Bald war ich wieder draußen aus der düsteren Straße mit den blitzenden Schausenstern. Da kam ein Autobus. An dem stand der Name der Straße angeschrieben, in der ich jetzt wohne. Ich stieg ein und fragte: „Fahren Sie zur TI-Straße?"—„Nee, da müssen Se anders lang fahren." Da stieg ich aus. Da wartete ich furchtbar lange auf den anderen Autobus. Und die Menschen stelzten vorüber, alle so geputzt, mit so— lüsternen Blicken und alle lächelten höhnisch. Als dann der richtige kam, mußte ich mit dem Koffer oben rauf. Die Treppen rauf. Und die Männer unten, huuuch. Oben saßen drei angemalte Mädels. Die eine zog sich ihren Strumpf glatt und sagte, indem sie auf mich zeigte:„Die will woll ooch hier ackern, die wird sich schwer jeschnitten haben, ham alleen« nischt zu essen."(Seh' ich denn so aus?) Dann bemalte sie sich ihren Mund mit einem roten Stift. Und dann mußte ich wieder runter. Und dann mußte ich noch eine Weile immer an den gleichen, hohen, grauen Häusern vorbei. Und nun bin ich da und hocke in der großen Stube der Familie Kalteblut. Und der Abend ist. gegangen. Ach nun ist es Nacht...... Das Vorwort zu Troelstras„Slurm und Drang'(Wording), dem ersten Teil der Erinnerungen des langjährigen Führers der niederländischen Sozialdemokratie, wurde dem Sozialdemokratischen Pressedienst durch die Verlagsanstatt zur Verfügung gestellt. Wir geben es nachstehend in wörtlicher Uebersetzung wieder: „In den späteren lebhasten Iahren meines politsschen Auf- tretens empfand ich manchmal den Drang nach Selbstbesinnung und Untersuchung meines inneren Werdeganges. Di« Stellung des poli- tischen Führers bringt eine gewisse geistige Absonderung mit sich. Einmal steht ein« Ueberschätzung seiner Person häusig bei manchem einer ruhigen Betrachtung seiner»anschlichen Triebfedern im Weg«, sodann stützt sich diese häufig auf die Herabsetzung und den Fanatis- mus, denen er seitens der politischen Gegner preisgegeben ist. Er tut am besten, sich weder um das«ii»e noch um das andere viel zu kümmern, in der Hoffnung, an seinem Lebensabend seinen Mit- bürgern die Gelegenheit verschaffen zu können, sich näher über den Entwicklungsgang und die menschlichen Triebfedern zu unterrichten. die ihn im allgemeinen zu seiner Arbeit trieben und bei seinein Kampf beseelten. Diese Arbeit ist für den Betreffenden selbst ein interessanter Versuch, sein Leben vom Standpunkte seiner Erfahrung aus zu überschauen, sein geistiges Wachstum begreifen und verstehen zu lernen, den Mangel an Selbstkritik, zu der er in den bewegten Tagen seiner Lebensarbeit nicht kommen konnte, zu ergänzen. Dieser erste Teil meiner Memoiren ist diesem Selbststudiuin gewidwet. Für diejenigen, die mich arbeiten und ringen sahen,«nthäll er den Schlüssel zum menschlichen Verstehen meiner Taten als Agitator und Politiker. Ich habe selbst viel davon gelernt. Mein Streben ist auf ungeschminkte Wahrheit gerichtet, was die Be- irühuna und größtmögliche Einfachheit des Ausdruckes zur Folg« hat. Ein„literarisches Werk" kann man dies kaum nennen. Es trachtet vor allem nach der psychologischen Erklärung meines Lebens, solange dieses sich noch in der Periode von Sturm und Drang be- fand, der Entwicklung zu der Persönlichkeit, die ich im polttsschen und geistigen Leben unseres Volkes geworden bin. Dieses Buch wird sicher am meisten von denen gelesen werden, deren Klasse von mrr gegen die niederdrückenden Tendenzen, denen sie durch den Kapitalls- mus unterworfen ist. verteidigt wurde. Indem ich mit ihr und für sie kämpfte, sie zu einer politischen Partei gestaltete, ist die Zeit, die von mir ihrem Dienst gewidmet wurde, mein Glück und mein Ruhm geworden. Ihr ein Dokument meiner persönlichen und pol:- tischen Entwicklung zu verschaffen, ist das große, allgemeinere Ziel dieses Buches. Scheoeningen. September 1927. Troelstra.' Gertrud kraus aus Wien eröffnete die Tanzabende im „Stur m". Vor drei, vier Iahren wäre ifn Auftreten vielleicht ein Ereignis gewesen. Man hätte vor allem die sichere Beherrschung der Technik gepriesen. Heut ist technische Virtuosität selbstverständliche Voraussetzung für jede Debütantin. Der deutsch« Kunsttanz hat in dieser Hinsicht riesenhafte Fortschritt« gemacht. Die man nicht unter- schätzen soll. Wer auch nicht überschätzen. Denn die Sache hat ihre Schattenseiten. Ich sehe die Zeit kommen, wo kleine Mädchen mit Palucca-Technik dutzendweise auftreten, ohne daß unter ihnen auch nur«ine einzig« Tänzerin wäre. Technische Beherrschung der Aus- drucksformen macht noch nicht den Künstler. Dazu gehört mehr. Und dazu gehört vieles, was der jungen Wienerin mangelt. Sie läßt sich von der Technik tragen. Sie wirkt mebr gymnasttsch als tänzerisch. Ihre Bewegungen sind stark, aber fast immer unbeseelt. Namentlich die Aktion der Hände hat«ine leere, aufgeregte Zapplig. keit. Die Kompositionen bestehen aus wenigen, stereotyp wieder- kehrenden Formen. Ob's bei ihr je zur schaffenden Tänzerin langen wird, ließ dieser Abend nicht erkennen. I. S. pariser Stadterweiterungspläne. In der Diskussion über die notwendige Regelung des künftigen Anbaues von Paris ist jetzt ein neues intercisantes Projekt aufgetaucht. Nach einem Vorschlag des Pariser Pros. Chardon soll die Erweiterung des jetzigen Stadt- gebiete» nach zwei Richtungen planmäßig zusammengesaßt werden, und zwar derart, daß Unternehmeroerbände und Gewerkschaften gemeinsam ein ausgedehntes Dorortviertel für Arbeiterwoh- n u n g e n schaffen, während an anderer Stelle ein neuer Villen- vorort entstehen soll. Eine neue Messung der Lichlgeschwindigkeit. A. A. Michelson. • mtle hat kürzlich auf der Sternwarte des Mount Wilson in Amerika eine neue Bestimmung der Geschwindigkeit des Lichtes erzielt, indem er die modernsten Hilfsmittel anwandte. Michelson bediente sich dafür eines komplizierten Verfahrens. Von einem rotierenden Spiegel, der die'Form eines Achteck» besitzt, wird ein Lichsstrahl nach der 36 Kilometer entfernten Station San Antonio geworfen, dort an einem festen Spiegel reflektiert und auf demselben Wege zurückgesandt. Macht der Spiegel nun 828 Umdrehungen in der Sekunde, so wird er sich gerade um ein Achtel weitergedreht haben, wenn der Lichtstrahl ungefähr 70 Kilometer langen Weg zurückgelegt hat, unter nahezu demselben Winkel wieder aufgefangen und in das Okular des Beobachters geworfen wird. Aus der Differenz zwischen Einsolls- und Austrittswinkel, Umdrehungsgeschwindigkeit und Entfernung der beiden Stationen läßt sich dann ohne weiteres die Geschwindigkeit des Lichtes in der Lust ableiten. Preußen für Steuervereinheitlichung. Zustimmung im Hauptausschutz des Landtags. Der Hauptausschuß des Landtags trat am Montag zusammen, um sich mit dem Entwurf des Reichsgesetzes über die Steuervereinheitlichung zu beschästigen. Der Entwurf behandelt bekantlich die Grundsteuer, die Gewerbesteuer und die Ge- bäudeentschuldungssteuer(frühere Hauszinssteuer). Abg. Jalk(Dem.) verneinte in der Hauptsache die Zuständigkeit des Reiches. Das Gesetz gehe über den Charakter eines Rahmen- aefetzss hinaus Der Entwurf fei verfassungsändernd. Maß- gebend für die Vorlage feien außenpolitische(Durchsichtigkeit der Realsteuerbelastung den Reparationsgläubigern gegenüber) und innenpolitische Gründe. Zugleich sei ein Weg zur Steuersenkung gesucht worden. Der Berichterstatter ging auf die Gesetze im ein- zelnen ein und kritisiert daran/ daß die von der Wirtschaft geforderte Reform im wesentlichen auf Kosten der Gemeinden gehe, die ohne Schuld durch die Entwicklung(Reichsfinanzausgleich) auf den Weg überspannter Realsteuern gedrängt wurden. Zudem sei die Abbürdung innerer Kriegslasten auf die Gemeinden abgeschoben worden. Erst das Steuerrahmengejetz und dann erst die Reform des Finanzausgleichs zu erledigen, fei falsch. Diese überspannte Zentralisierung schade dem Gedanken des Einheitsstaats. Auch wenn man sich den starken Eingriff in die Finanzhoheit der Länder gefallen lasse, müsse man die Einengungen dieses Entwurfs doch be- dauern. Das weitläufige Genehmigungsverfahren ver- zögere die Steuerfestsetzung und gefährde sowohl die Steuerzahler als auch die Etats der Gemeinden. Das Steuerfestsetzungsverfahren trage eine gefährliche Beunruhigung in sich. Der Gesichtspunkt der Werterhaltung sei bei der Gebäudeentschuldungssteuer nicht mehr zeitgemäß und sei deshalb zu beseitigen, wenngleich damit ein Fünftel der Gebäudeentschuldungssteuer ausfalle. Es fei die Berwal- t u n g aller dieser Steuern durch die Finanzämter vorgesehen; dagegen spreche die Entwicklung. Auch bedeute es«ine erhebliche Belastung, wenn die Gemeindebeamten nicht übernommen würden, wie es beabsichtigt sei. Den Gemeinden müsse für ihr« Steuern das Recht der Boreinschätzung gegeben werden. Das Wort nahm hierauf Jinanzminister Dr. hopker-/lschoff. Cr bezeichnete als Gegenstand der Besprechung in erster Linie die Art der Verteilung der Gesetzgebünaskompetenz auf dem Gebiete der Steuern zwischen Reich und Ländern. In den Rahmengesetzentwürsen sei fast die gesamte Rechtsmaterie durch das Reich geregelt worden; für die Länder bliebe lediglich die Eni- scheidung darüber, inwieweit die Steuern für das Land und in- wieweit sie für die Gemeinden in Anspruch genommen werden sollen, ferner die Möglichkeit, weiter Steuerbefreiungen zu ve- schließen und endlich die Bestimmung über die Höhe des Umlage- fatzes. Unter diesen Umständen könnten das Gewerbesteuerrahmen- und das Gemeindcsteuerrahmengesetz nickst mehr als eigentliche Rahmengesetze bezeichnet werden und mühten daher als ver- fasfungsändernd angesehen werden. Damit sei aber nichts gegen die Grundgedanken der Gesehe gesagt. Seien diese richtig, so müßten die Gesetze eben mit den erforderlichen Mehrheiten be- schlosien werden. Gegen die grundsähliche Tendenz der vereinheit- lichunq des Sleuerrechts in den Rahmengesehen und in dem Ge- bäudeentschuldungssteuergeseh habe er keine Bedenken, nachdem der ursprüngliche Entirurf stark verbessert worden sei. Unerträg- lich sei' jedoch die Bestimmung, daß erst nach Inkrafttreten der Gesetz« geprüft werden solle, ob und inwieweit die Gebäude- entschüldungssteuer ausrecht zu erhalten sei. Wenn, wie es tatsächlich der Fall sei, olle Regierungsstellen von der inneren Berechtigung und der völligen Unentbehrlichkeit der Gebäudeentschul- dungssteuer überzeugt feien, so sei die Aufnahm« einer solchen Be- stimmung ein« Unehrlichkeit und nur geeignet, falsche Hoffnuncyn zu erwegen. Was die im Steueranpassungsgesetz geregelte Neuorgani- sation der Berwal tu ng anlange, so sehe er auch hierin. eine Verfassungsänderung. Der Grundgedanke des Steueraupassungsgesehes fei gut; die gegenwärtige Zersplitterung der Steuerverwaltung sei unerträglich. Wo Reichs- und Landessteuern auf denselben Grundlagen ausbauten, müsse die Veranlagung durch eine einzig« Behörde erfolgen. Die Verwaltung der Gebäudeentschuldungssteuer müsse vorläufig der Katasterverwaltung verbleiben. Die Frage der Steuersenkung sei heute anders ZlL beurteilen als vor einem Jahre. Unmöglich sei es, zu gleicher Zeit eine Senkung der Steuern durchzuführen. Die Besoldungs- reform sei heute«ine staatspolitische Notwendigkeit. Eine allgemeine Senkung der Realsteucm sei unmöglich, auch wenn— wie er es beabsichtige— an dem Haushalt für 1928 drakonische Abstriche bei den Ausgaben vorgenommen würden. �lbg. Dr. Vaentig(€03.) hält die Gesetze gleichfalls für verfassungsändernd, was allerdings an sich kein Grund sein könne, sie abzulehnen. Letz- ten Endes handle es sich bei der Vorlage um eine zwangsläu- fige Fortbildung der Erzbe'rgerschen Finanzreform. Die Sozialdemokratische Partei sei mit der Tendenz der Ge. sehentwürse einverstanden. Bedenklich erscheine ihr allerdings die Verkoppelung der Frage der formellen Vereinheitlichung des Steuer- rechts mit der materiellen, der Frage des Finanzausgleichs. Man dürfe nicht Teile des kommenden Finanzausgleichs vorwegnehmen. Bedenklich erscheine auch die in Artikel 3 des Steueranpossungsgesetzes in Aussicht genommene Anhörung von amtlichen Vertretern der Landwirtschaft, des Ge- werbes, des Handels und des Handwerks. Diese würden sich immer gegen jede Erhöhung aussprechen. Der Redner gab dem Minister mit der Ablehnung einer Steuersenkung im gegenwärtigen Augen- blick recht, lehnte aber darüber hinaus überhaupt jede Senkung der Realsteuern und der Hauszinssteuer ab. Tluch Volkspartei und Deutschnationale stimmen zu. Abg. hecken(Dnatl.) erklärte, in staatspolitischer Hinsicht könn- ten die"deutschnationalen Ausschußmitglieder dem Entwurf zu- st i m m e n. Es würden von ihnen auch alle Maßnahmen rückhaltlos unterstützt, die aus eine Senkung der Realsteuern hinzielen. In dieser Hinsicht versage der Entwurf stark. Steuervereinheit. l i ch u n g könne vielleicht besser durch einen Staatsvertrag erreicht werden. Der Reichssinanzverwaltung müßten in den Kon- trollinstanzen Sitz und Stimme gewährt werden. Das obligatorische Anhöriingsrecht sei zu fordern. In Sachsen seien die Etats mancher Gsnieinden um etwa 30 Proz. ermäßigt worden durch die Mitarbeit der Berufsvertrewngen. Auch die Kreise müßten dem Anhörungs- recht unterliegen. Abg. Dr. Reumann(DVp.) billigte die Tendenz des Entwurfs. Die von seinen Parteifreunden im Reiche und in Preußen stets ver- tretene Forderung der Senkung der Realsteuern sei allerdings an- gesichts der bevorstehenden Beomtenxchaltserhöhung schwer durch- zuführen. Darauf vertagte sich der Ausschuß aus Dienstag vormittag. Voraussichtlich wird die Aussprache über die Steuervereinheitlichungs- vorlag« an diesem Tage beendet werden. Tannenbergfolgen. Brüsseler Nachklänge der Rede JasparS. Brüssel, 26. September.(Eigenbericht.) Die Aufregung, die eine Stelle der Rede des belgischen Ministerpräsidenten I a s p a r in Ostende bei der deutschen Dele- gation in Genf hervorgerufen zu haben scheint, hat— wie der Korrespondent des„Soz. Pressedienst" meldet— in Brüssel einiger» inaßen überrascht, weil dieser Pasius der Rede Iaspars in Belgien selbst völlig unbemerkt geblieben war. Erst der nach Brüsiel zurücktelegraphierte Bericht des Wolfs- Bureaus hat die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt. In den politischen Kreisen Belgiens würde es lebhaft be- dauert werden, wenn'die aus deutscher Quelle aus Genf stam- wende Meldung zutreffen würde, daß Stresemann unter dem Ein- diuck der Rede Iaspars seinen Zustimmung zu dem geineinsamen deutsch-belgischen Kommunique über die Franktireurfrage v e r w e i- gern wolle. Stresemann sollte doch als erster begreifen, daß er damit nur denjenigen politischen Kreisen in Belgien in die Hände arbeiten würde, die die Verständigungspolitik Vanderveldes s a b o» t i e r e n wollen und die gar kein Interesse haben, daß die Frage in gütlichem Einoernehmen zwischen Belgien und Deutschland geregelt wird. Im übrigen wird dem Vertreter des„Soz. P r e s s e d i e n st" von sehr beachtlicher belgischer Seite erklärt, daß die betreffenden Redefloskeln Iaspars durchaus bedauerlich sind. Es braucht aber nicht angenommen zu werden, daß Iaspar die deutsch-belgijchen Beziehungen absichtlich verhetzen wolle, er hat verschiedentlich die entgegengesetzte Gesinnung bewiesen. Aber sein Geist ist in eng nationalen Grenzen befangen, er hat keinerlei Berührungspunkte mit dem internationalen Leben, er ist auch nie in Genf gewesen, und die Atmosphäre des Völkerbundes ist ihm persönlich fremd. Er ist sich deshalb auch gar nicht bewußt, daß er mit derlei rhetorischen Hebungen empfindlichen Schaden auf dem Gebiete der internationalen Politik anrichten kann. Diese Rede Iaspars, so wurde versichert, ist ebenso bedauerlich wie die gesamte internationale Kriegsdenkmal- Rhetorik, welche die europäische Atmosphäre zu verpesten droht. Allerdings wurde hinzugefügt, daß diejenigen am allerwenigsten das Recht haben, sich über Iaspars Rede zu entrüsten, die d i e Rede Hindenburgs in Tannenberg billigen. Diese Rede hat in Belgien den denkbar schlechtesten Eindruck gemacht. Auch der„Peuple" befaßt sich am Montag mit ihr in seiner außenpolitischen Wochenschau. Das sozialistische Organ sieht in der Rede Hindenburgs sowie in dem von Stresemann dazu gelieferten Kommentar den Anfang eines offiziellen deutschen Kriegsunschulds- feldzuges und warnt die deutsche Regierung davor, diesen Weg zu beschreiten. Deutschland würde dabei mehr ver- lieren als gewinnen. Die Unschuldsbewegung gehe nicht von den deutschen Volksmasien aus, sondern sei künstlich von den deutschnationalen Kreisen erzeugt worden mit dem doppelten Ziele, die für die Kriegskatastrophe hauptverantwortlichen Mili- tansten und Imperialisten vor dem deutschen Volke selbst reinzu- waschen und andererseits einen moralischen und juristischen Anspruch auf die Revision des Friedensvertrages zu finden. Aber weder mora- lisch noch politisch habe Peutschlond dabei etwas zu gewinnen. Nie- mand behaupte, daß Deutschland oder gar das deutsche Volk allein schuldig am Kriege sei. Andererseits anerkennen auch breite Massen des deutschen Volkes selber die schwere Verantwortung der Militär- taste. Keine Untersuchung und kein Schiedsspruch könnten die Ueber- zeugung der angegriffenen Völker erschüttern, wohl aber werde durch die fortgesetzte Beteuerung der Unschuld gerade durch die Vertreter der Militärkaste und ihrer Anhänger das Mißtrauen gegen die Ab- sichten der deutschen Politik genährt und gestärkt. Es sei auch falsch, daß die im Friedensvertrag ausgesprochene Schuld Deutsch- lands die deutsche Außenpolitik b e l a st e. Sie habe deren große Er- folge im Laufe der letzten Jahre nicht verhindert und verhindere auch nicht den weiteren Fortschritt zur europäischen Völkergemeinschaft auf der Grundlage völliger Gleichheit. Schaurige Moritat an �uöenöorff. Ein Bänkelsang. Schreckensbleich erschlottern mir die Knie. So was, Publikum, sahst du noch nie! Unser großer Freimaurervernichter Ludendorff ward nmgebrungen fast von dem Gelichter. Weil er ihr Geheimnis hat enthüllt, Fühlt er sich im Geiste schon gekillt. Und er träumt bereits, daß als Walküre Die geborene von Kemnitz ihn nach Walhall führe. Offiziere, einen Rechtsanwalt, Sieht er mordbereit im Hinterhalt. Und zu ihnen— gräßliches Theater'.— Tritt ein irrenärztlich approbierter Psychiater. Freitag abend, also just am Schabbe»— Merkst du nichts, du deutsches Volt, du schlappes?!— Während Frau Mathilde Reden hält. Wird als Todesopfer Ludendorff bereitgestellt. Ha, die Polizei tritt auf den Plan! Feiges Zittern kommt die Schurken an. Und durch maurerische Zauberkünste Lösen sie sich höhnisch auf in Hirngespinste! Woraus klar Alljudas Hinterlist Wieder einmal zu ersehen ist, Daß sie den geängstigten Strategen Einfach so um nichts und wieder nichts erregen. Einzig, nur der Psychiater steht Da als greifbare Realität. Bei der zornesvioletten Glatze Ludendorffs scheint jener mir durchaus am Platz-. Als Moral der Moritat ersieht Jeder, der nicht Maurer und Semit: Ein Gehirn, von Brettern ganz umbauert. Wird durch keine Macht der Erde wieder freigemauert. Kreuz wendedich Rückwärts, Kriegsbeschädigter Inhaber einer Drehorgel und des E.K.II. EraekNn« Allluchheim liest im Rahmen ihre« literariswen Zyklus heute 20 Uhr in der Galerie Iah. Hinrichten, Bellevuetlrahe S, auS dem neusten' Werk Walters von Wolo:.Di« Legend- vom Herren'(Die neue Gestaltung deS Lebens Jrsul. Einzelkarten M. 3—, ZykluSkarten M. 13.50 täglich an der Kasie der Galerie. da der Piscalorbühn« im Theater am Nollendorfplatz wird die MoSkau-r Kleinkunstbuhnc Die blauen Bluten' im Oktober in drei Nachtvorstellungen gastieren. Es isl'das erste Gastspiel einer sowjetrussischen Kleinkunstbühne in Deutschland. Schulruadsuak in vSaewark. Da» Unterrichtsministerium beabsichtigt, sämtliche dänische Schulen mit Rundsunkempsangsgerät auszurüsten. Der Unterricht durch Rundfunk soll in den Lehrplan mit eingegliedert werden. Noch kein Enüe in Genf. Die Abrüstungsrcsolutionen einstimmig angenommen Gens. 26. September.(Eigenbericht.) Di« Bollversammlung hat nach weiterer Debatte über die Ab- rüstung alle fünf Entschließungen des Abrüstungsaus- schusses einstimmig angenommen. Die Tagung konnte jedoch entgegen der ursprünglichen Dispositionen Montag nachmittag noch nicht zu Ende geführt werden, weil eine längere und uner- wartete Debatte über einen holländischen und einen schwedischen An- trag entstand. Der holländische Antrag lautet«, daß der eingesetzte Fünfer- ausschuß die Auswahl eines Entwurfes zum Bau eines neuen Völkerbundshauses aus allen 27 mit Preisen bedachten Projekten und nicht nur aus den neun mit ersten Preisen bedachten vorzunehmen habe. Der Antrag wurde mit allen gegen drei Stim- men abgelehnt. Der schwedische Antrag bezweckte die Cr- höhung des Kredits für die Vorbereitung der Vereinheitlichung des internationalen Rechts von 85 000 aus 125 000 Frank. Er wurde mit 20 gegen 17 Stimmen angenommen. Der Antrag muß aber gemäß einer Bestimmung des Reglements der Völker- bundsversammlung'nochmals den Finanzausschuß passieren.— Die Schlußsitzung der Völkerbundsoersammlung findet am Dienstag vormittag um 10 Uhr statt. Förster und Stresemann. Gens, 26. September.(Eigenbericht.) Der im In- wie Auslande stark umstrittene deutsche Professor F ö r st e r veröffentlicht im„Journal de G e n e v e" am Montag eine länger« Antwort an Dr. Stresemann auf die Angriffe, die der Außenminister gegen ihn vor der internationalen Presse ge- richtet hatte. Förster führt darin u. a. aus, die Tatsache, daß Generäle wie Mackensen und von M u d r a sich nunmehr auch zur Locarnopolitik bekennen, sei der beste Beweis dafür, daß die preußischen Militaristen sich eben dieses Locarnokurses bedienen wollen, um ihre militaristisch-monarchistischen Ziele besser erreichen zu können. An Außenminister Stresemann richtet Professor Förster die Aufforderung, seine Energie gegen die preußischen Militaristen zu wenden. Die Redaktion des„Journal de G o n e o e" leitet den Artikel mit einer Bemerkung ein, in der ausgeführt wird, sie sei dafür, daß einem Mann wie Professor Hörster Gelegenheit zur Ant- wort gegeben werden müsse. Dagegen aber halte sie die Auffassung von Professor Förster für falsch, daß die militaristischen Kreise in Deutschland eine so große Bedeutung haben, wie er sie darstelle. Diese Uebertreibung führe leider dazu, daß die n a t i o- nalistischen Kreise anderer Länder dadurch bestärkt werden. Richter Gzernp. Noch ein Rcchtsbruch in Wie«. Vor etwa einem Jahre hatte der sozialistische„A b e n d" in Wien die Sanierung verkrachter christlich-sozialer Partei- danken mit Staatsgeldern ohne parlamentarische Be- willigung enthüllt, welcher Skandal zwar zunächst beslritren. aber bald unwiderleglich bewiesen wurde und schließlich von der Regierung selbst zugegeben werden mußt«. Zunächst aber konfiszierte der Staatsanwalt die Cnthüllungsnummer des„Abend". Das Presiegesetz der Republik Deutschösterrcich bestimmt, daß jeder Kon- fiskation die Anklage vor dem zuständigen Gericht, d. h. vor den Geschworenen folgen muß, und wenn dann Freisprechung erfolgt, der Staat zum Schadenersatz verpflichtet ist. In dem erwähnten Fall ließ sich der Staatsanwalt fast dreiviertelJahr lang Zeit, um dann nicht etwa die Anklage zu erheben, sondern von ihr zurückzutreten. Darauf verlangte die Zeitung Schaden- ersatz. Ein Senat desselben Richters Czerny, der jetzt eben mit einem gesetzwidrig besetzten Senat Schreckensurteile gegen die Juli- demonstrantcn fällt, wies die Klage rundweg ab, weil eine Frei- sprechung nicht erfolgt sei! Dabei ist es doch sonnenklar, daß die Nichterhebung der vom Gesetz vorgeschriebenen Anklage der Frei- sprechung mindestens gleichkommt, ja sogar mehr bedeutet; denn die Freisprechung setzt doch voraus, daß der Staatsanwalt über- Haupt Anklage erhoben hat, also glaubt, eine Verurtcilung herbei- führen zu können. Wenn diese Czerny-Praxis geltendes Recht werden sollte, so würde ganz einfach die altösterreichische Konfiskationsprarls ohne nachfolgende Anklage wieder hergestellt werden * Gegen die Urteile des gesetzwidrig besetzten Czerny-Senats haben die Verteidiger der Verurteilten die Nichtigkeitsbeschwerde erhoben bzw. soweit die Frist inzwischen verstrichen ist, die General- Prokura aufgefordert, ihr Recht der Ergreifung der Nichtigkeit?- beschwerde„zur Wahrung des Gesetzes" auszuüben. Der Toü ües Zreiheitskampfers. Wie Genosse Mikulski starb. Kowno, 26. September.(OE.) Ueber das Ende des Führers des mißlungenen Tauroggcner Aufstandes, des sozialdemokratischen Kownoer Stadtverordneten Mikulski, berichten die litauischen Blätter ergänzend noch folgen- des: Zwei Schwadronen Husaren, die auf der Suche nach dem Rebellenfllhrer das Land durchstreiften, erhielten die Nachricht, daß er sich im Dorf Monkischky bei einem Bauern verborgen halte. Die Offizier« ließen darauf das Dorf von allen Seiten u in- z i n g e l n und unternahmen darauf eine Durchsuchung der als ver- dächtig bezeichneten Hütte. Es wurde jedoch niemand gesunden. Als einige Husaren sich darauf einer Heuscheune näherten, fielen von dort mehrere Schüsse. Der führende Offizier lies, seine Mannschaft Deckung suchen und forderte Mikulski, der als der Schütze leicht erraten wurde, auf, sich zu ergeben. Mikulski antwortete dar- aus mit mehreren weiteren Schüssen. Nunmehr gaben die Soldaten zwei Salven auf die Scheune ab und erbrachen diese. Man fand Mikulski tot. sein Körper war von zehn Kugeln durchbohrt. Die Soldaten sollen darauf ihrer Genugtuung über die Erschießung des Rebellen durch Abfingen der litauischen Nationalhymne Ausdruck gegeben haben. Zilchner auf üem Rückweg? London, 26. September. Aus Simla ist die Nachricht eingetroffen, d�ß drei europäisch« Reisende in Nagchuka nördlich von Lhasa angekom- wen seien. Man nimmt an, daß es sich um den d s u t s ch e n F o r- scher Filchner und seine Begleiter handelt, deren Ermordung durch Tibetaner kürzlich gemeldet wurde. Der Saugewertsbunö. Sein Bundestag in Dresden. Der VaUgewerksbund ist als«ine Industrieorganisation g«- schassen worden, die alle im Baugewerbe Beschastigten in ihre Reihen aufnehmen will. Trotz des allgemeinen Strcbcns der Arbeiters chaft, entsprechend der zunehmenden Konzentration und Vertrustung des Unternehmertums auch groß« schlagkräftige Industriearganisationen zu schassen, hat drestr Gedanke bei der Bauarbeitcrschast noch nicht ganz in die Tat umgesetzt werde» können. In dem Gcschästsbericht wird die Hoffnung ausgesprochen, daß es im Laufe der Zeit doch noch gelingen wird, alle Bauarbeiter für den Baugcwcrksbund zu gewinnen. Die Mitgliederbewegung seit dem letzten Bundestag im .herbst 1924 zeigt ein sehr wechselvollcs Bild. Am Schluß des vierten Quartals 1924 zählte der Baiigewerksbnnd, der im Jahre 1922 schon einmal 569 678 Mitglieder hatte, nur»och 319 376 Mitglieder. Am Ende des zweiten Quartals 1925 musterte die Organisation schon wieder 378 976 Mitglieder, wurde aber durch die dann einsetzende nerhccrende Wirtsthostskrise bis zum Beginn des zweiten Quartals 1926 wieder zurückgeworfen. Trotz der großen Arbeitslosigkeit im Winterhalbjahr 1926/27 setzte im ersten und zweiten Quartal 1927 ein kräftiger Auftrieb ein, so daß der Verband am Schluß des zweiten Quartals d. I. bereits wieder 381 724 Mitglieder zählte und damrl die Mitgliederhöchstzahl des Jahres 1925 um einige Tausend über- schritten hatte. Die Erwartung des Bundesvorstandes, daß noch in diesem Jahre der Mitgliederbestand auf über 490 000 gebracht wird. dürft« nicht zu hoch gespannt sein. Obwohl der Winter 1925/26 sehr gelinde und fiir die Bautätigkeit äußerst günstig war, ivaren im November 1925 rund 30 P roz. der Mitglieder und im Iamiar 1926 sogar über 5 2 P r o z. arbeitslos. Auch in der Zeit, wo sonst im Baugewerbe Hochkonjunktur herrscht, im September 1926, waren immer noch 16 Proz. der Mitglieder arbeitslos. Ein sehr günstiges Bild zeigt die finanzielle Entwich- lung des Baugewerksbundes. Er hatte nach der Beendigung der Inflation nur noch ein Vermögen von 280 211 Goldmark. Trotzdem für die großen Oohnkömpse im Jahre 1925 rund 7 267 555 ZNar? nerausgabt wurden, und dos Jahr 1926 ein Jahr der Dauerarbeits- lasigkeit war, konnte der Verband ein Gcsamtoemiügen von rund 12,2 Millionen Mark ansammeln. Die Anstürme des Bau- Unternehmertums auf den Achtstundentag sind noch in frischer Erinnerung. Es ist ein besonderes Verdienst des Baugewerksbundes, den Achtstundentag gegen all« llnternehmcrongrisf« mit vollem Erfolg verteidigt zu haben. Wenn auch nicht überall die An- griffe aus die Löhne abgewehrt werden konnten, und auch der Reichstarifocrtrag sür das Baiigewerbe keine ideelle Lösung darstellt, so hat sich doch der Baugewcrksbund in der verflossenen Berichtsperiode als ein wirksamer Dormn gegen die Flut der Unter- nehrnerangrisfe gewehrt. Aus dem Bundestag sind trotz Einladung die Z i m m e r c r als Gäste nichtonwesend, die Steinarbeiter haben zu erscheinen abgelehnt, die Poliere halien gor nicht geantwortet. Nachdem Graß- mann vom ADGB. und W i e s n« r im Namen des Ortsausschusses Dresden den Bundestag begrüßt haben, wird festgestellt, daß die Maurer mit 75 Abgeordneten vertreten find, die Bctonarbeiter nnt 22, die Bauhilssnrbeitcr mit 60, Erdorbeiter mit 27, Bauwerksmeister mit 2l, Gipser, Stukkateure und Putzer mit 34, Töpfer mit 23, Fliesenleger mit 10, Gloser mit 13, Feucrungs- und Schornsteinmaurer mit 10, Isolierer mit 10, Steinholzlegcr mit 5 und Asphal- ticrcr mit 10 Delegierten. Bundesvorsitzcnder P aeplo w wandte sich in seinem Geschästsbeoicht zunächst gegen die kommunistischen Ouerlreibercien. Er betont«, zum Sturmangriff sei es noch nicht Zeit. Auf der anderen Seit« sei es ein Skandal, daß bei den Wahlen noch so viele Arbeiter den rechtsstehenden Parteien ihre Stimme geben. Paeplow ging dann auf die Frage der Grenzstreitigkeiten mit Nachbaroer- bänden näher ein. Mit der Stellung des ADGB. in dieser Ange- legenheii ist er nicht einverstanden, insbesondere lehnt er den vorgc- schlogenen Kortellvertrag grundsätzlich ab. Hauptkassierer K o b e r erläuterte den Kassenbericht und A. S ch m i d t berichtete über die vom Bund herausgegebenen Zeil- s ch r i f t« n. TVr Bund wird in der nächsten Reichstagswahl für die Wohl vvn Sozialdemokraten eintreten, da sie die einzige» sind, die rückhaltlos für die wahren Interessen der Arbeiter kämpfen. Der VSM?. lehnte jeüeGehaltserhöhung ab. Die Verhandlungen sind daher gescheitert. Die gestern zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und den Angestelltenorganisaiionen geiührten Gehaltsverhandlungen sind nach mehrstündiger Dauer völlig ergebnislos abge- brachen worden. Unter Hinweis auf die trotz guter Beschäftigung „geringe Rentabilität der VMBI.-Betriebe", insbesondere der Klein- betriebe, wurde jede Erhöhung der Gehälter abge- lehnt. Heute nachmittag um 3 Uhr tritt ein Schiedsgericht unter Vorsitz des Herrn Gewcrberats Körner zusammen, um den Ge- Haltsstreit durch einen Schiedsspruch beizulegen. Heute abend 5�8 Uhr nehmen die AsA-Funktionäve in einer Versamm- limg im„Nordischen Hos" zu diesem Schiedsspruch Stellung. AsA-Melallkarlell: Günther, Lange, Rothe Lohnstreit im öerliner Gastw.rtsgeverbe. Verwirrung im Arbeilgeberlager. Das Lohnabkommen für das Berliner Gastwirtsgewerbe auf Grund eines lm Juli gefällten Schiedsspruches des Schlichtungsaus- schusses läuft am 30. September ab. Bei den gestrigen Verhavdlun- Pen mit dem Arbeitgeberverband im Gastwirtsgewerbe wurde kein Ergebnis erzielt. Die Arbeitgeber wollten lediglich eine Lohnerhöhung in Höhe der zehnprozentigen Mieterhöhung ab l. Oktober, d. h. wöchcnt- lich 1 M., bewilligen. Ein Teil der Arbeitgeber lehnt überhaupt jede Zulage ob. Dazu gehören in erster Linie die Cafehaus» b e s i tz e r..Während die übrigen Unternehmer zu einem E n t- gegenkommen bereit sind, will es das Berliner Cafä- Hausgewerbe anscheinend absolut auf einen Streik an» kommen lassen. Die Besitzer der Saal- und Garten- g e s ch ä f t e oerlangen«in besondere? Entgegenkommen der Ar- beitnehmer unter Hinweis auf die Belastung durch die Lustbarkeils- steuer. Die gostwirtschastlichen Arbeitnehmer sind jedenfalls entschlossen, auch das letzte Mittel, den offenen Kampf, anzuwenden, um ihre bescheidene Forderung einer Lohnerhöhung von 15 bis 20 Proz. durchzusetzen. Zunächst ist der S cht i cht u n g s a u s- schuh angerufen worden, der am Sonnabend dieser Woche den Konflikt zu entscheiden haben wird. Bon dem Schiedsspruch des Schlichtungsousschufses wird es abhängen, ob es am 2. Oltober zu einem Streik im Gastwirtsgewerbe kommt. Inzwischen werden die Arbeitnehmer in drei öffentlichen Versammlungen morgen, Mittwoch, in den Germania- sälen, Chausseestraße 110, zu der Situation Stellung nehmen. Die Märkischen Elektrizitätswerke als Arbeitgeber! Aus Angestelltenkreisen wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" brachte in seiner Sonntapsausgabe vom 18. September eine Pressenotiz unter der Ueberschrist:„Ein Elendsgebiet in der Mark", worin sehr starkes Befremden zum Ausdruck gebracht wurde über die un- soziale Einstellung der Märkischen Elektrizität s- werke. Es wurde mit Recht darauf hingewiesen, daß diese Ein- stellung bei dem Charakter der Viärkischen Elektrizitätswerke als gemischtwirtschaftliches Unternehmen(die 26 Kreise der Provinz Brandenburg sind die Hauptbesitzer des Unter- nehmens) sonderbar anmutet und eine Anfrage an den Landes- direktor der Provinz Brandenburg, Herrn von Winterfeld, als Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Märkischen Elektrizitätswerke, gestellt, was er zu diesen unglaublichen Zuständen sage. Da bis heute keine Antwort eingegangen ist und auch nicht erfolgen wird, wollen wir versuchen, den wahren arbeitnehmerfeindlichen Charakter der Märkischen Elektrizitätswerk« aufzuzeigen, die sich über alle gesetzlichen Schutzbestimmungen orbeitsrechtlicher Art, Tarifvertrag usw., hinwegsetzen. Auch sür die A n g e st e l l t e n der Märkischen Elektrizitäts- werke, die in Berlin und in der Provinz Brandenburg die Zahl von fast 1 000 erreichen, wurde im Jahre 1919 ein Tarifvertrag abgeschlossen. Träger des Tarisoertrages auf Arbeitgeberseite war der bereits erwäbnt«„Arbeitgeberverband der privaten Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke der Provinz Brandenburg". Wer über die Verhältnisie dieses Arbeitgeberverbandes auch nur einigermaßen unterrichtet ist, wird zugeben müssen, daß mehr als 90 Proz. des Einflusses bei den Märkischen Elek- trizitätswerken liegen, d. h. in den Händen des aus seiner völkischen E i n st e l l u n g kein Hehl machenden Syndizi Herrn Dr. Gries. Nach berühmtem Muster war auch diesem Herrn der ?lngestelltentarisoertrog schon längst ein Dorn im Auge, und er be- nützte die von den Angestelltenverbändcn im Jahre 1925 ausge- sprachen« Kündlgültg deS Mantestarifvertrages dazu, den so- ver- haßten Tarifner trag w1 t allen Mitteln zu beseiti- gen. Dieser Herr, der sich bei Verhandlungen usw. sehr abfällig über die Angestellten und deren Leistungsfähigkeit aussprach, ent- deckte plötzlich sein soziales Herz, das soweit ging, daß er selbst in den einzelnen Werken der Märkischen Elektrizitätswerke Ange- stelltenbetriebsversammlungen abhielt. In diesen Der- sammlungen schilderte er die Vorteile der„ßeistungsbezah- lung"(!) in den rosigsten Farben, gab die schönsten Persprechun- gen, redete von Vertrauen gegen Vertrauen, mit dem Erfolg, daß unter sanftem Druck ein nicht unerheblicher Teil der Ange- stellten sich da.zu verleiten ließ, Reverse zu unterzeichnen, daß sie auf ein« tarifliche Regelung ihrer Gehälter und Arbeitsbedingungen durch die Organisation verzichten. Bei der bekannten Einsiellung gewisser staatlicher Schtichiungsinstanzen mußten die damaligen Verhandlungen ergebnislos verlausen, da das„L e i st u n g s p r i n z i p" im weitestgehenden Sinne der Arbeit- gebersordenmgen im Schiedsspruch verankert war. Die Angestellten der einzelnen Werke haben natürlich in der Zwischenzeit des tarislosen Zustandes erfahren müssen, daß die seinerzeit gegebenen Versprechungen keinerlei Bedeutung haben und versuchen jetzt, in den einzelnen Betrieben Gehaltsausbesjerungen mit mehr oder weniger Erfolg durchzusetzen Der Zweck dieser Zeilen kann natürlich in allererster Linie nur der sein, einmal die Angestellten selbst auf die Notwendigkeit des freigewerkschaftlichen Zusammenschlusses aus Grund der Erfahrungen hinzuweisen, andererseits aber die Frage aufzu- werfen, wie lang« die Arbeitnehmervertreter in den Parlamenten der einzelnen Kreise, die ja gleichzeitig die Vertreter in den Aussichtsrai der Märkischen Elektrizitäts- werke wählen, es dulden wollen, daß«in Unternehmen, das zum überwiegende» Teil im Besitz der Allgemeinheit sich befindet, eine derartige, arbeitnehmerfeindlichc Politik treibt. vie Kampfkaste üer Unternehmer. Verleidigungsfroni vom Tagelöhner bis zum Oberingenieur. Die Errichtung einer Kampfkasse der Unternehmer im westdeutschen Industriegebiet hat im Ruhrgebiet unter der Arbeiterschaft und ihrer Gewerkschaften naturgemäß dos größte Aufsehen hervorgerufen. In Gewerkschoftskreisen wird dem Vorgehen der Unternehmer um so größere Beachtung entgegengebracht, als i n d e n Wintermonaten neue Lohnoerhandluugen bevor- stehen und auch der B e r g b a u Ansang nächsten Jahres neue Tarif- Verhandlungen zu führen haben wird. Da die Unternehmer die Not- wendigkeit ihrer Kampfkasse ausdrücklich mit bevorstehenden Lohn- kämpfen begründen und die Summe der Beiträge, die in der Metallindustrie einer 2�prozentigen Lohner- höhung gleichkommen, den kleineren und mittleren Betrieben zur Perfügung stehen soll, rechnet man mit der Möglichkeit eine? Einflußnahme auf das Reichswirtschafisminifterium, damit dieses einem Streik bzw. einer Aussperrung keinerlei Schwierigkeiten mache. Nicht nur die Arbeiter, auch die A n g e st e l 1 t e n und Industrie- bearnten sind aufmerksam geworden und fühlen mit Recht den Schritt der Unternehmer auch gegen sich gerichtet. Die Folge der Rüstung der Unternehmer ist eine sichtbare Erregung und Radikalisierung der Angestellten, die sich den Arbeitern und ihren Gewerkschaften erfreu- licherweise immer mehr nähern. Es entspricht durchaus der Sachlage, wenn die„Deutsche Techniker-Zeitung" in ihrer letzte» Nummer zur Bildung einer geschlassenen Berteid igungs front vom Tagelöhner bis zum Oberingenicur auffordert, die dem geplanten Slngriff der Schwcrindustricllcn entgegengestellt werden soll. Gegen Sie Kündigung der öraunkohlenarbeiter. Die Kündigungen der Braunkohlenarbeiter sind den Gruben� besitzern offenbar nicht angenehm. Um die Kündigungsoktion zu erschweren, hat das Braunkohlenwerk Frielendorf mif folgender Bekanntmachung operiert: „Betr.: 21 r b e i t s v e r h 8 l t ni s s e. „In der gestrigen B e le g s cha s t s ve r s a m m l u n g sind von den Gewerkschaften den Arbeitern Kündigungszettel zur Unterschrift vorgelegt worden, die auch von einem Teil der Belegschaft unterschrieben worden sind. Es wird vor- aussichtlich auch wciterlsin versucht werden, diejenigen Arbeiter, die an der Belegschaftsversammlung nicht teilgenommen haben, zur Unterschrist derartiger Kündigungszettel einzeln zu veranlassen. Wir warnen hiermit dringend vor der Unter- schrist der Kündigungsz eitel. Dies« Zettel werden von den Gewerkschasten eingesammelt, und es kann niemand wissen, wie diese Zettel nochmals verwandt werden. Jedenfalls begibt sich jeder, der einen derartigen Äündsttzmgszettel unter» schreibt, seiner persönlichen Freiheit. Sollten Beleg- schostsmitqlieder derartige Zettel unter einem gewissen Zwang unterschrieben Hoden, so stellen wir diesen anHeim, die Unterschrist des Kündigungszeltels schriftlich bei uns zu wider- rufen. Wir werden derartige Widerrufe natürlich vertraulich behandeln. Die Widerrufe können auch mündlich bei den Betriebsführern vorgebracht werden. Frielendorf, 16. September 1927. gez. Clor. gez. H i l 1 e r." Diese rassinicrte Spekulation auf etwaige Uneinigkeit unter der Arbeitcrschost und allzu groß??lengstlichk«it zeigt einmal, was die Herren den Arbeitern bieten zu können glauben, aber auch die Ber- legenheit, in die sich die Unternehmer gebracht haben. Sie haben solange Schindluder mit den Braunkohstnarbeiteni getrieben, daß die Arbeiter es endlich sott geworden sind, sich noch länger die schlechte Bezahlung gefallen zu lassen. Michael dirfcherl 60 �ahre alt! Michael D i r s ch e r 1, Gauleiter des früheren Glasorbeiter- verband«?, jetzt im Keramischen Bund, Abteilung des Fabrik- arbeiteroerbandes, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Als Sohn eines armen Glasschleifers in der Oberpjalz, ergriss auch Dirfcherl diesen Beruf. Das rücksichtslose Vorgehen des Unternehmers trieb ihn sehr bald aus der Oberpfloz. Er fand Arbeit in Fürth und wurde bald der Vertrauensmann der Glasarbeiter. Nach dem großen Streit im Jahre 1899 wurde Dirfcherl dauernd ausge- sperrt. Hohe Konventionalstrafen hatten die Industriellen von Nürnberg und Fürth ausgesetzt, salls er von irgendeinem Unter- nehmer eingestellt werben sollte. Dirfcherl fand später Stellung bei unserem Parteiorgan in Fürth. Im Jahre 1905 konnte er als Gauleiter seines Verbandes angestellt werden, und in dieser Tätigkeit nahm er lebhaften und großen Anteil an dem Aufstieg des Glasarbeiterverbandes. Recht lebhaft arbeitete Dirfcherl auch für die Sozialdemo- k r a t i s ch e P a r t« i. Er wurde im Jahre 1900 in der Oberpfalz als Reichsragskandidot aufgestellt, in einem Wahlkreis, der eine Domäne der Zentrumsportei bildet. Seit zwei Jahrzehnten wirkt Dirfcherl in Fürth als Stadtrat. Hier hat er lebhasten Anteil an einer besseren Gestaltung der Stadt Fürth. Möge es dem Jubilar noch lange Jahre vergönnt sein, seine Tätigkeit im Dienste der Arbeiterschaft auszuüben._ Die Vokstaadsarbeiler der Firma Helf und Winkel, Baustelle Alexonderplatz, die keine Zuschläge bekamen, sollen sich nicht Jnvalitenstraße 47 melden, jondern Inoalidenstroße 147, v. III, bei Wolfs(bei Reimonn), zwischen 5 und 8 Uhr abends. Der Streit der Küfer in den Stuttgarter Weinhandlungen. Branntweinbrennereien und Essigsabriken ist erfolgreich b e- endet worden. Es wurde eine Lohnerhöhung von 4,30 M. pro Woche erreicht. Ein neuer Tarisoertrag mit Wirkung vom 1. Oktober wurde abgeschlossen. Maßregelungen finden nicht statt, das Arbeits- Verhältnis gilt nicht als unterbrochen. Die Arbeit wird heute Diens- tag wieder oufgeuommen. g»i«»c>»»rllch«f«,iucicnd Heute,»i-nstcg. Uhe.«ogen die Ibruppen: Zranfjueter Altee: Geuppenhetm Gladt. guxcntheim Lilaüer Ltraße IS, Zimmer Z. Literarischer Adcntii„Ändert?» Nexo."— Landabc»ger yiag: chruppendeim Dicftelmenerslr. 5. Lichlbildervorlra!,:„Die Litnedurzer Seide."— Ltchtenber»! Srnnpentieim Ingrndheim Ibosscstr.«.?or«l»«iuny: Aus der«beschichte der frrien GeVerkschaften."— Trrptom: Gruppenlieinr «Schule Wildenbruchstr. 53— M sHortsiinmer). Aortrag:„tbic gelben«bemerk- f«basten."— Britz: Grupyenheim Chaussee,, Ccle Honnemnnnnratze. Veran- siaitungen werden in der«Srupp« brlannlaegeben.— Humboldt: Zugendheim Lortzing,. Ecke Geaunstrahe. Vortrag:.Zwei» und Ziele der FSZ."— Sud- Westen: Ab 18 Uhr Evielen auf dem Svortplatz am Urban.— SchSucweide: Ab 18 Uhr Spielen auf dem Metallarbeiter-Sportplotz. Zugeadgruppe des gbA. He«ite, Dienstag. AI Uhr, Turnabend in der Turn- hall«! der Schule Baruther Str. 20. sLeitung: S>hran.) Turnsachen mitbringen. Verantwortlich silr Politik:»ichard»ernstcin: WirtschasI: S«lingelhötcr: Sewertschoftsbewegung: I. Steinte; Reuilltton: Tt. Zoh» Schilowsli: Lokale, und Sonstiges: Frctz»arstäd»: Anzeigen: Tb. Stocke; sämlüch in Berlin. Berlag: Vorwarls-Verl-g s. m. d H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckere« und B«rl-gsansl-lt Paul Singer u Do. Berlin SM 88. Lindcnstrage S. Hierin 2 Veilaarn nnb„Unterbaltuna neb Tillen". BERLIN! Lcfpzlger, Strafic 29 27 Leinene Tischzeuge Verden nadtjederWäiche 3ö*,on-- IrodttMi Brot ,..1 fe,•�ddufsBrof/�h tA hr I biejs � VW veveiui&t mm zvfiszt Klrtl' � n«frs*kroß». höchstem Wc�lqc}dymaa�l Uttaramc und Ülpcumildv 1* Jedes Ptaod der Tefelmergerine»Frlscbe Resl" urluge man gratis dta Mus« Baad der Retl-BansbOtbercC Vertreter der V.U. W. Kümberg; Resl-Agemur, Berlin NO 43, Neue Ktaigstr. 33. Tel: 1865, ist«, tsaz, Nr. 456 ♦ 44. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts dienstag, 27. September 1627 Das Unwetter in öen /Upen. Cin Hilfszug in die Eisack gestürzt.— Zahlreiche Todesopfer. Die schwere Unwetierkolaskrophe, die besonders grohc Teile der Schwei; und des südlichen Tirols heimgesucht hol, stellt sich nach den letzten Meldungen als weit schwerer heran»,-wie es zuerst den Au- schein hatte. Durch die hochgehenden Fluten, vor allem des oberen Rheins, ist ungeheurer Schaden angerichtet worden. Zahlreiche Todesopfer sind zu beklagen. Am Sonntagabend ereignete sich un Eisacktal in Südtirol als Folge des Unwetters eine schwere Eisenbahnkalostrophe. Ein Hilfszug aus Trient. der in das Unglücksgebiet vorzudringen versuchte, stürzte in die hochgehenden Fluten der Eisack. Das Zugpersonal sowie ein Bahningenieur und eine gröhere Ar- beilerkolonne fanden den Ertrinkungstod. Die Katastrophe an üer Eisack. Innsbruck, 26. September. Zu dem l�turz des Hilfszuges in die Eisack werden folgende zelheiten berichtet: Im Laufe des Sonntags trat auch im Eisacktal starker Regen ein, der zu Verheerungen der Brennerstreck« führte. Insbesondere nördlich von Franzensfeste wurde die Strecke in einer Ausdehnung von tOO Metern vollständig durch einen Erdsturz ver- schüttet. Zur Freilegung der Strecke wurden von Franzensfeste Ar-* beiter angefordert. Noch in der Nacht ging ein Hilfszug ab, der aus einer Lokomotive und einein mit Arbeitern vollbesetzten Waggon bestand. Zwei Kilometer hinter Franzensseste führt die knapp neben dem Bett der Eisack verlaufende Strecke über eine Brücke, unter der ein Scitenbach mündet. Durch dos Hochwasser waren anscheinend die Fundamente der Brücke unterwaschen. Als der Hilfszug über die Brücke fuhr, stürzte diese ein. Dem Moschinenführer gelang es. sich durch Abspringen zu retten, dagegen versanken alle Arbeiter, die sich in dem Waggon befanden, mit dem Zuge in die Tiefe der Eisack, kein einziger von ihnen konnte sich retten. Kurz vor Sem Münchener V-Zug! Znnpbruck, 26. September. Nach neueren Meldungen über die Zugkatostrophe im Eisacktal belauft sich die Zahl der Toten ans etwa 20: andere Meldungen sprechen sogar von 27 Opfern. Der Hilfszug, der kurz hinter Franzensseste dicht neben dem Eisacksluß entlang fuhr, mußte eine Brücke überqueren, unter der ein Nebenfluß in die Eisack fließt. Die Fundamente dieser Brücke waren durch dos Hochwasser an- scheinend unterwaschen, und als der Hilfszug über sie hinweg fuhr, stürzt« die Brücke ein und mit ihr der Zug hinein in den Fluß. Unmittelbar neben der Brücke stand ein Wärterhaus, das ebenfalls bnit in die Tiefe gerissen wurde. Während der Bahnwärter und seine Frau sich retten konnten, kamen ihre Kinder um. Durch den Absturz des Hilfszuges wurde ein möglicherweis« weit größeres Unglück oerhütet, denn bald nach dem hilfszug kam der Rlünchener T).Zug an die Unglücksstelle, der sicherlich in die Tiefe gestürzt wäre, wenn nicht die Brücke schon vorher mit dem hilfszug eingestürzt wäre. Vregenz. 26. September. Bei Eamprin hat der Rhein in einer Breite von 3l> Metern eine Lücke>n den Damm gerissen. Die Bewohner flüchten auf die Dächer. Die Borailberger Regierung hat eine Abteilung Alpen- jäger aufgeboten, oic aus Automobilen in'das Ueberschwcmmungs- gebiet nach Liechtenstein abgingen. Rom, 26. September. Der Eisenbahnverkehr zwischen Franzensfeste und dem Brenner ist vorläufig unterbrochen. Der Verkehr zwischen dem Trcntino einer. lcits und Oesterreich-Deutschland andererseits erfolgt über die Linie Franzensseste— Jnnichen—Spittal. Ehur, 26. September. Das Sinken der Temperatur und der Schneefall in der Nacht zum Montag hoben trotz des weiier andauernden erheblichen Regens eine Ausdehnung der Katastrophe verhindert. Die Verbindungen inil Sofien und dem Bergell sind noch unterbrochen. In Travonasa sind sieben Berlontn ums Leben gekommen. 3m Bergell wurden {afl alle Brücken abgerissen. 2ln den Gebäuden und auf den Feldern iit erheblicher Schaden angerichtet worden. Am Montag früh ist eine Kompagnie Pionier« mit einem Extrazuge noch dem Bergell obge- gangen. Im oberen Engadin befindet sich ein See von Samaden bis Celerina. Der Bahnverkehr St. Moritz und dem Bergell konnte wieder aufgenommen werden. Hochwasser auch in Sapern. ZNünchen. 26. September. In Bayern führen die Flüsse seit gestern Hochwasser. Die schwä- bischen Gcbirgsflüsse haben fast durchweg die mittlere Hochwasser- linie überschritten. Katastrophenhochwasser ist an der Paar bei Mehring(Schwaben) eingetreten. Dort wurde gestern abend ein hochwosserstand erreicht, wie er seit den 80cr Iahren nicht mehr beobachtet wurde. In Mehring mußten tiefer liegende Häuser geräumt werden. Die Ortschaft Kissing steht unter Wasier. Hochwasser führen weiter Inn, Isar und Lech, der Obermain, die obere und untere Altmühl, die Nab und die Rednitz. Das Martprium öes Dreijährigen. Eine vertagte Gerichtsverhandlung. Die Gerichtsverhandlung gegen dos Ehepaar K u b s ch. über die wir in unserem gestrigen Abendblatt berichteten, nahm«inen ganz unerwarteten Verlauf. Von den medizinischen Sachverständigen, die seinerzeit die Obduktion des kleinen Günther ausgeführt haben, war nur Prof. Dr. S t e i n b i ß erschienen, Prof. Dr. F r ä n k e l befindet sich augenblicklich in Urlaub. Beide Sachverständigen hatten un- mittelbar nach dem Tode des Kindes den Eindruck, daß der Tod durch die Mißlzandlungen verursacht sei. Die chemische Untersuchung, die Prof. Steinbiß jedoch hinterher unternommen hatte, ließ bei ihm Zweifel auskommen, ob der Tod als Folge der Verletzungen durch die Etockschläge. anzusprechen sei: sowohl die Beule an der Stirn des Kindes wie die Gehirnerschütte- rung konnten durch einen Fall entstanden sein. Deshalb erklärte Prof. Stcinbiß in der gestrigen Gerichtsverhandlung, daß er den ursächlichen Zusammenhang zwischen den Stock- schlügen und dem Tode nicht feststellen könne, daß es wohl möglich fei, daß der epileptische Klein« sich Gehirnerschütte- rung durch einen Fall zugezogen haben könne. Dieses Gutachten ver- anlaßt« den Staatsanwalt, die Vertagung der Gerichtsverhand- lung zu beantragen, damit in der nächsten Sitzung auch Prof. Fränkel gehört werde. Die Verteidiger der Angsklagten, die R.-A. Dr. Loewenthal und Dr. Mendel widersprachen diesem An- trage und beriefen sich auf die wissenschaftliche Bedeutung des Sach- verständigen. Das Gericht beschloß jedoch die Gerichtsverhandlung zu vertagen. Somit ist die völlige Aufklärung dieses unerhört traurigen Falles von Kindennißhandl'.ngen auf einige Wochen ver- schoben. Soviel stand jedoch bereits nach der gestrigen Gerichts- Verhandlung fest: das Kind war in einer ganz unmenschlichen Weise zugerichtet worden. Prof. Steinbitz stellt« nicht ollein unzählige fingerbreite blutunterlaufene Strie- m e n aus dem Rücken und dem Gesäß des kleinen Günther fest, sondern auch Striemen auf seinem Gesicht und klein« Wunden hinter den Ohren, die von den Nägeln der Angeklagten herrührten und nur dadurch entstanden sein konnten, daß sie dos Kind an den Ohren gezogen haben muhte. Der kleine Günther war, wie dies der Sach- verständige aus der Kopfbildung und der Gehirnmass« des Kindes feststellte.' e i n Idiot und deshalb äußerst schwierig zu behandeln. es gehörte in eine entsprechende Airstalt. Und dieses Kind, gewisser- nahen das Schmerzenskind der Mutter, wurde von ihr so unglaub- lich gewartet. Allerdings wurde es sauber gehalten'.'.nd auch gut genährt; der Angeklagte behauptete sogar, daß er immer wieder von der Frau verlangt habe, sie möge seine Kost schmälern, um nur dem Kinde soviel als möglich zukommen zu lassen. Er will auch der Frau verboten haben, das Kind zu züchtigen, weil sie unfähig gewesen sei, sich zu beherrschen. Welche Bedeutung konnte aber dieses Verbot haben, wenn der A n g c k l a g I c s e l b st n i ch t d a- vor zurückschreckte, das dreijährige epileptisch« » n d rachitische Kind mit dem Stock und mit dem Pantoffel zu schlagen oder es zu ohrfeigen. Es mag schon seine Richtigkeit haben, daß die Angeklagte eine schwer hysterische Frau ist, mit der nicht leicht auszukommen war und die sich nicht zu beherrschen verstand. Daß sie sich ober dessen bewußt war, wie unrecht sie an ihrem Kleinen handelte, geht aus der Aussage des Dr.S t e n g c l hervor, der zu dem bereits bewußt- losen Kinde gerufen wurde. Die Eltern erzählten ihm, das Kind sei gefallen und habe sich eine Beule an der Stirn geschlagen. Am nächsten Morgen habe es dann die Nahrung nicht bei sich behalten können und sei bald bewußtlos geworden. Als er der Mutter die Ueberführung ins Krankenhaus angeordnet habe, sei die Frau in Tränen ausgebrochen und habe gemeint, nun würde man sagen, daß die Schläge an dem schlimmen Zustande schuld seien. Dabei zeigte sie die Striemen an dem Körper des Kindes. Erst die nächste Gerichtsverhandlung wird endgültige Klärung bringen. Eine Frage dürfte aber als Mahnung schon letzt gestellt werden: 1)4 Jahr vor dem Tode des Kindes hatte sich das Jugendamt bereits mit dem Kinde beschäftigt. Wie konnte es da geschehen, daß dieses kranke Kind, das in eine Anstalt gehörte, bei der Mutter verbleiben durste und hier das unglaublich: Martyrium erdulden mußt«? Auch diese Frage wird die nächste Gerichtsoerhandlung hoffentlich nicht unbeantwortet lassen. Ein Rabenvater. 156 Mark Geldstrafe statt N Monate Gefängnis. Noch an einer zweiten Stelle beschäftigte man sich gestern in Moabit mit einem Falle schwerer Mißhandlung eines Kindes, und zwar ebenfalls eines schwachsinnigen Kindes. Diesmal war der Vater angeklagt. Das Schöffengericht Köpenick hatte den Kaufmann Z e t t l e r zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil war vom Angeklagten und von der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden. Gestern beschäftigte sich nunmehr die Groß« Strafkammer des Landgerichts II erneut mit dem Fall. Zettler hatte am Ii. Januar seinem IWHrioen Sohne sechs bis acht Schläge mit einer mehrere Zentimeter dicken Holzlatte über das Schulterblatt und den Obcrar« versetzt. Da die Hausbewohner schon wiederholt die Behandlung des Kindes beanstandet halten und an jenem Tage wiederuni durch das Geschrei auf die Vorgänge aufmerksam gemacht worden waren, wurde Anzeige erstattet. Bei der Untersuchung des Kindes zeig- ten sich noch nach acht Tagen blutige und blau und schwarz unterlaufene Stellen an den getroffenen Köiperteilen. Diese Mißhandlung gab der Angeklagte auch zu. Er behauptete, daß er durch Stellungslosigkeit überreizt gewesen sei und daß ihn die Denkfaulheit des Knaben, als er mit ihm Rechenaufgaben niachte, in Wut versetzt habe. Wie Hausbewohner bekundeten, hatten sie drei Stunden lang, von 17 bis 26 Uhr, das Schreien und Weinen des Kindes gehört. Dazwischen ertönte die Stimme des Vaters, der dem Jungen Rechenaufgaben stellt«. Wie sich weiter aus der Beweisaufnahme ergab, hatte der Bater zu dem schweren Lattenstück gegriffen, als der Junge auf die Frage, wieviel dreimal drei ist,„S7" antwortete. Das Kind ist stark schwachsinnig und war deshalb auch in die Hilfsschule für Schwachsinnige gekommen. An jenem Tage war er nach Hause gekommen und hatte gesagt, daß er eine Klasse herunterkommen solle. Der Vater behauptete nun,„nicht gewußt" zu haben, daß das Kind geistig zurückgeblieben sei und er habe ihm nachhelfen wollen. Bon den Zeugen wurde behauptet, daß schon in einer früheren Wohnung ähnliche schwere Mißhandlungen vor- gekommen seien. Der Verteidiger führte den Beweis, daß das Kind im allgemeinen vom Vater gut behandelt worden sei. Der Ver- teidiger hielt auch hier nur eine im Affekt begangene Ueberschrcitung des Züchtigungsrcchts für vorliegend und vertrat den Standpunkt, daß die meisten Zeugen voreingenommen feien. Der S'aatsan- walt vertrat den entgegengefetzten Standpunkt. Seiner Meinung nach habe der erste Richter mit Recht bei dem Angeklagten einen sadistischen Zug festgestellt. Der Angeklagte bitte die Richter um Mitteid, habe aber nicht eine Spur von Mitleid für sein geistesschwaches Kind gehabt. Es liege nicht eine systema- tische Quälerei vor. Das Kind sei meist gut behandelt worden, nur wenn dem Angeklagten die Lust zum Quälen angekommen sei, halt« er es inißhandelt. Für diesen entmenschten Vater sei eine Strafe von drei Monate» zu gering und er beantragte die Erhöhung auf neun Monate. Die Strafkammer schloß sich dem Standpunkt des Verteidigers an, daß nur eine einmalige Ueberschreitung des elterlichen Züchtigungsrcchts erwiesen sei. Allerdings Hab« der An- geklagte da blind mit dem Lattenftück zugeschlagen. Eine grausame oder' boshafte Mißhandlung hat das Gericht nicht angenommen. Da dem Angeklagten sein nervöser Zustand zugute gerechnet wurde, erkannte dos Gericht unter Aufhebung des ersten Urteils auf löll M. Geldstrafe. ÄLe Silberfc�roärrne C7J Von Bcarh lN-chdruck oerbotn- T5»b-rsetzung aas dem Englische» von Julia Goppel Als er Mildred aber von seinem Entschluß Mitteilung machte, wurde sie sehr böse. „Mit welchem Recht hast du meine Verlobung mit Herrn Marsh veröffentlicht?" fragte sie zornig.„Das ganze Schiff spricht davon." „Ich tat es deinetwegen," sagte Wayland.«Dieser ''merson hat dich lange genug zum Narren gehalten. Die �«schichte muß endlich mal ein Ende nehmen.". „Aber ich liebe Willis Marsh nicht!" rief sie. „Mit der Zeit wirst du einsehen, daß ich dir gut geraten habe. Marsh ist ein tüchtiger und solider Mann, dem ich mein Kind anvertrauen kann. Boyd Emerson aber hat mich verraten und macht sich züm Anwalt einer Frau, deren Ruf der allerschlechteste ist." Er erzählte ihr von seinem heftigen Zusammenstoß mit Boyd und schloß:„Ich habe dich nicht dein ganzes Leben lang behütet, Mildred, um dich einem solchen Burschen in die Arme zu werfen!" „Sagtest du, daß Boyd damit gedroht hat, daß er heute abend an Bord kommen will?" „Ja, aber ich habe geschworen, daß es ihm nicht glücken soll." „Und dennoch hat er seine Drohung wiederholt?" Mil- dreds Augen leuchteten. Es war, als ob sie vor sich hin- lächelie. Es war schon dunkel, als Willis Marsh sich zur Jacht hinausrudern ließ. Herr Wayland und Mildred saßen allein auf Deck. Marsh erklärte ihnen, daß er seine Gäste verlassen habe, um dort zu sein, wo seine Gefühle ihn hinzogen. Er schob einen Stuhl dicht an Mildreds heran und freute sich, daß niemand ihm diesen Platz mehr streitig machen konnte. Der wahre Grund aber, daß er an Bord der„Grande Dame" gekommen war, war, daß er Emerson fürchtete. Er war Mildreds noch nicht sicher und würde ihres Besitzes erst froh werden, wenn Kalviks Küste und sein Rivale am Horizont verschwunden waren. Wenn ihm die Vernichtung seines. Leindes auch teilweise mißlungen war. so war er doch ander- J seits mit dem Resultat, das er erreicht hatte, sehr zufrieden. Die Last des Kampfes hatte er auf Waylands stärkere Schultern gelegt und hatte die Frau, die er begehrte, erobert. Er wurde in seinen angenehmen Träumereien dadurch unterbrochen, daß der zweite Steuermann kam und meldete, eine Dame wünsche Herrn Wayland zu sprechen. „Eine Dame?" fragte Wayland erstaunt. „Ja, sie hat soeben in einem kleinen Boot angelegt, mit einigen Eingeborenen. Ich wollte sie bei der Treppe zurück- halten, sie aber sagt, sie müsse Herrn Wayland gleich sprechen." „Es wird wohl diese Person sein." Herr Wayland preßte seine Lippen fest aufeinander.„Sagen Sie ihr, daß ich sie nicht empfangen kann." Der Steuermann schickte sich zum Gehen an, als Mildred ihn plötzlich zurief:„Halt! Führen Sie sie hierher, ich will mit ihr sprechen." „Mildred, ich erlaube nicht, daß du mit dieser Frau sprichst!" rief ihr Vater. „Es wäre sehr unklug," stimmte auch Marsh ängstlich bei. Fräulein Wayland sandte ihm einen eiskalten Blick und gab dem Steuermann ein Zeichen, daß er ihren Befehl aus- führen sollte. „Ich habe bereits mit ihr gesprochen, und ich versichere euch, daß sie nicht gefährlich ist, sagte sie spöttisch. Als Willis Marsh die Gruppe sah, die an der Steuerbord- reeling wartete, kam plötzlich ein gespannter Ausdruck in seine Züge. Seine Finger umklammerten die Stuhllehne. Darauf sprang er auf und lief hastig auf die Gruppe zu. Neben Cherry Malotte stand ein Jndianermädchen mit Schal und Mokassins, ein schlankes, verlegenes Wesen, das ein Kind in ihren Armen hielt. Hinter ihnen überragte ein kupferfarbener Riese die Matrosen, die sie umringten. Herr Wayland und Mildred sahen, daß Marsh zu ihnen sprach, seine Worte konnten sie nicht verstehen. Sie sahen, daß das junge Mädchen sich erschrocken zurückzog, heftig den Kopf schüttelte und auf Cherry Malotte zeigte. Darauf klang Cherrys Stimme laut und klar zu den Lauschenden herüber:„Es ist zu spät, Herr Marsh, jetzt müssen Sie der Sache ins Auge sehen." Von den Blicken der Matrosen gefolgt, kam Cherry Malotte auf Wayland und seine Tochter zu. Das Indianer- mädchen klammerte sich an ihren Arm, der große Mischling fylgte ihnen auf lautlosen Sohlen. �Was hat das zu dedeuten?" fragte Wayland. „Ich erfuhr," sagte Cherry.„daß Sie mit der Flut auf- brechen wollen, und darum bin ich hergekommen."' Marsh unterbrach sie heiser:„Diese Person will nur Geld erpressen!" „Wir erfuhren auch," fuhr Cherry ruhig fort,„daß Herr Marsh Sie begleiten wird, und darum wollte ich ihn auf- fordern, vorher für den Unterhalt seines Kindes zu sargen." „Sein Kind!" Wayland drehte sich erstaunt zu dem Ver- lobten seiner Tochter um. Cherry aber wandte sich jetzt direkt an Fräulein Way- land.„Seit einem Jahr habe ich den Kleinen und seine Mutter unterhalten." Sie zeigte auf den rothaarigen Knaben in Chakawanas Armen. „Als Sie erwartet wurden, hatte Herr Marsh Chakawana überredet, sich mit dem Kind in das Jndianerdorf zu begeben und dort zu bleiben, bis Sie Kalvik wieder verlassen hatten. Als Constantine aber erfuhr, daß er die Absicht habe, Sie zu heiraten und noch heute abend mit der Jacht Kalvik zu verlassen, brachte er seine Schwester zurück, in der Hoffnung, daß Marsh seine Verpflichtung gegen seine Schwester erfüllen würde. Er hat nämlich Chakawana ein Heiratsoersprechen gegeben, lange, bevor er Sie kannte." „Mein Gott! Welcher Skandal, wenn es wahr ist!" Wayne Wayland trocknete sich die Stirn. „Es ist wahr," sagte Cherry. Die Mannschaft der Jacht hatte ihre Posten verlassen und betrachtete die Szene mit so großem Interesse, daß nie- mand darauf achtete, wie ein Boot neben der„Grande Dame" anlegte. Unbemerkt stieg ein Mann schnell die Treppe herauf. Zum erstenmal in seinem Leben war Wayne Wayland so verwirrt, daß er nicht sprechen konnte. Willis Marsh stand hilflos da. „Was geht hier vor?" sagte da eine Stimme hinter ihnen, und Emerson bahnte sich einen Weg durch die neu- gierige Gruppe. Mildred Wayland preßte eine Hand gegen ihre Brust. „Ich wußte, daß er kommen würde," sagte sie leise. Wayne Wayland wandte sich an Marsh. „Was sagen Sie dazu?" „Ich sage, daß es sich um eine Gelderpressung handelt." „Du heiraten meine Schwester?" fragte Constantine. (Fortsetzung folgt.) Kamps den Hesthlechtstrankheiten! Keine Vertuschung mehr— sondern Aufklärttng. Beim Inkrafttreten des neuen Reichsgesetzes zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten wenden sich Reich, Staat. Stadt Berlin, Gewerkschasten, Versicherungsträger und Aerzte an die Bevölkerung Berlins mit einer Veranstaltung, die über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten belehren will. Eine ..Zlufklärungswoche". die vom 26. bis zum 3l>. September dauert, wird SV öffentliche Vorträge mit anschließenden Filmvorführungen bringen. Am gestrigen Abend fand im Berliner Rathaus eine E r- öffnungsfeier statt, an der eine große Zahl von Vertretern des Reiches, des Staates, der Stadt, der Gewerkschaften, der Kran- kenkassen und der Aerzteschafi teilnahm. Nach einleitenden Worten des Stadtmetizinalrats Prof. Dr. v. Drigalfki, der für den Magistrat und zugleich für die Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsträger die Versammelten be- grüßte, sprach Dr. ch a m e l, Präsident des Reichsgesundheitsamtes, über die Bedeutung des oni 1. Oktober in Kraft tretenden Reichs- gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die frühere Ansicht, daß man von Geschlechtskrankheiten am besten nicht reden soll«, ist verdrängt worden durch die Einsicht, daß Belehrung ein wertvolles und unentbehrliches Mittel im' Kampf gegen diese gefährliche Volksseuche ist. Der Redner gedachte der Aerzte Alb. R« i ß e r- Breslau und Alfr. B l a f ch k o- Berlin, die um die Herbeiführung dieses Umschwunges und um die Beseitigung verhängnisvoller Borurleile sich unablässig bemüht haben. Er erwähnte auch, daß wenige Wochen nach der Revolution von 1318 die Volks beauftrag- t e n sofort mit einer Notverordnuno den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten unterstützten. Das jetzt zustand« gekommene Gesetz will den schweren Schäden, mit denen die Geschlechtskrank- beiten nicht nur die Kranken selber, sondern auch die Familien, die Nachkommenschaft und das Volksgan-e bedrohen, durch fürsor- gerisch« Maßnahmen und nötigenfalls auch durch Zwang entgegenwirken. Wer die selbstverständliche Pflicht erfüllt, bei Erkrankung ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen, bleibt unbehelligt. Nur geaenüber dem unverantwortlich Nachlässigen, der nichts gegen seine Krankheit tun will und leichtfertig andere ge- fährdct, soll Zwang das letzte Mittel sein. Gesundheitsbehörden, Kronkenkassen, Fürsorgevereine und Aerzteschast sollen bei der Durchführung des Gesetzes zusammenwirken, aber mitwirken muß auch«ine aufgeklärte und ihrer Pflicht bewußte Bevölkerung. Ministerialdirektor Dr. Krahne von, preußischen Ministerium für Volkswohlfahrl erinnerte daran, daß schon um die Jahrhundert- wende die Absicht bestand, gesetzliche Bestimmungen über die Ge- schlcchtekrenlheiten zu treffen, aber sie scheiterte an dem Vorurteil jener Zeit. Das Gesetz, da? wir jetzt haben, bringt den Fortschritt, daß die Prostitution durch Fürsorge bekämpft wird, und Unbemittelten kostenlose Behandlung gesichert ist. Von ihm ist aber auch die Wirkung zu erwarten, daß es das verankworlungsgefühl in weiten Kreisen des Volkes stärken wird. Als Vertreter des Berliner Hauptgesundheitsamtes, das cm dest Veranstaltung der Aufklärungswoche hervorragend beteiligt ist. sprach Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Drigalfki. Das Haupt- gefundhsitsamt hat dafür gesorgt, daß die nötigsten Beratungs-. Untersuchung«, und Ueberwachungsstellen geschaffen werden. Aber auch die grenzenlose Unwissenheit, die noch überall in dieser Frage herrscht, muß bekämpft werden. Ganz ahnungslos sind besonders die meisten Frauen, und gerade für sie ist die Uebertragung von Geschlechtskrankheiten in der Eh« am Verhängnis- vollsten. Der Redner nannte A. Hoffmanns Buch„Amoretten" als einen beachtenswerten Aufklärungsversuch. Keine Seuche gebe es, bei der nicht die B e l e h r u n g sich als ein wichtiges Mittel zur Eindämmung bewährt habe. Das Gesetz macht es jetzt jedem Kranken zur Pflicht, zu feinem und seiner Famlli« Schutz und zum Schutz der Gesellschaft das Erforderliche zu tun. Direktor Karl Bauer von der Allgemeinen Ortskrankenkasie Berlin begrüßte im Namen der Krankenkassen das Gesetz mit besonderer Freude. Er wies darauf hin, daß die Krankenkassen schon seil vielen Jahren s den Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten geführt haben mit Ver- breitung von Schriften, mit Vorträgen und Filmen. Für sie fei es eine Selbstverständlichkeit, daß sie sich zur Mitarbeit bei der Durchführung des Gesetzes zur Verfügung fallen. Die Krankenkassen wissen, daß Krankheiten oerhüten ebenso wichtig ist, wie Krankheiten heilen. Hindernisse bereitet das Wohtiungselend, das gerade bei Geschlechtskrankheiten von einer Bedxütung ist, die nicht unterschätzt werden darf. Vielfach wird der Geschlechtskranke auch durch Furcht, feine Stellung zu verlieren. davon abgehalten, sich zu offenbaren. Darum sollte man belehrend auch auf Arbeitgeber einwirken. Direktor Bauer berührte auch de» Streit zwischen Krankenkassen und Kassen- ärzten. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung sagte er. zu seiner aufrichtigen Freude kön'tje er mitteilen, daß sehr wahrschein- lich dieser nun seit Jahren geführte Kampf in allernächster Zeit sein Ende finden werdc. Hofsentlich werde der Friede ein dauernder sein, denn Kassen und Aerzte gehörcu immer zusammen zur Heilung der Volksgesundheit, wie sie jetzt in dem Kampf gegen die furcht- barste Seuche sich als zufammeiigehörlg fühlen. Konrad Bruns vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes war verhindert, few Referat zu halten, so daß es vorgelesen wuide. Er hob darin hervor, daß die Gewerk. s ch a s t« n das größte Jntcresie an der G c f u n d h« i t s f ü r« sorge haben, weil Gesundheit eine Voraussetzung der Arbelkskrafi i ist. Die Gewerkschaften selber haben schon seit langem Gesundhekls� sürsorge getrieben und in Wort und Schrift sich bemüht, hyg,enisthe Belehrung unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. Für die Berliner Aerzteschast begrüßte Prof. Dr. L« n n- hoff das neue Gefetz. Er betonte die Wichtigkeit der ärztlichen Behandlung der Geschlechtskrankheiten, die durch dos Gesetz zur Pflicht gemacht wird. Auch er� äußerte Befriedigung über die in Aussicht stehende Beilegung des Streites zwischen Kasten und Aerzten. Prof. Dr. v. Drigalfki sprach im«Schlußwort ine Hoffnung aus, daß es mit Hilfe des endlich zustande gekommenen Gesetze» g«. lingen werde, die gefährliche Polksseuche der Geschle-istskrankheiten einzudämmen. Der MSrüer von Julst. Wie man Mayr-Lori auf die Spur kam. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Mörder Kurt Mayr-Lori eine der seltsamsten Erscheinuingen der modernen Kriminalgeschichte darstellt. Sein Herkommen deutet nicht darauf, daß er dereinst zum Mörder würde Er ist der Sohn eines Diplomaten der f. u. f. Monarchie, als junger Bengel zog er ins Feld und wurde dort, wie leider so viele, in den Wirrnissen des Krieges verdorben. Nach dem Friedensschluß kam er, wie zahlreiche junge Männer seines Standes, zu den B a l t i k u m e r n, später war er bei der S ch w a r- zen Reichswehr, und die Mörder Rachenaus waren ihm wohl- bekannt. Damals wurde er verhastet, aber wieder freigelassen. Diajer Romantiker unter den Mördern baute sich jetzt ein Boot, mit dem er von Spanien bis Tunis fahren wollte. Das Unternehmen glückt« ihm. Darauf kam er wieder nach Wien, knüpfte, von Hakenkreuz- lmschem Idiotismus bereinigt, Beziehungen mit Hugo Bett au er an, der später von einem früheren Gesinnungsgenossen Mayr-Loris ermordet wurde. Er reiste nach Berlin, bemühte sich, beim Film oder beim Radio unterzukommen, und endete damit, daß er ein unglückseliges Mädchen ermordete. Die Einzelheiten der Tat bei der Insel Ju-ist sind bekannt. Der Mann, der jetzt zum Mädchenmörder Mayr-Lori geworden war, tauchte nachdem in Köln auf. Bor zehn Tagen hat man ihn dort zuletzt gesehen. Bald darauf ist er in Aachen erschienen: dort ver- schaffte er sich auf dem belgischen Konsulat ein« Einreiseerlaubnis nach Brüssel. Der Beauftragte der Berliner Polizei, Kriminal- koinmissar Johannes Müller, erfuhr von einem Manne, daß er mit Mayr-Lori zusammen von Aachen nach Brüssel gefahren sei, ohne daß er eine Ahnung davon hatte, daß sein Rebfegefährte wegen Mordes gesucht würde. Bon Brüssel führte die Spur nach Antwerpen. Dort trieb sich Mayr-Lori in den Hafenkneipen herum und versuchte dann, als Arbeiter auf einem Afnkadampfer unterzukommen. Dies gelang ihm nicht. In feiner Not setzte er sich aus die Bahn und fuhr nach Paris. In einem kleinen Hotel im Osten der Stadt stieg er ab, und, gänzlich ausgemistet, schrieb er an seine geschiedene Frau, die in Haarlem in Holland lebte, um Geld. Dies fiel der Polizei auf. Zlber, als der Kommissar in dem kleinen Hotel erschien, um den Mörder zu verhasten, war Mayr-Lori just eine halbe Stunde vorher verschwunden. Auf dem deutschen Konsulat in San S e b a st i a n ereilte Mayr-Lori sein Geschick. Im Arrfaug hatte man angenommen, daß er nach England gefahren sei. Denn ein Oesterreicher, der einen ähnlich klingenden Namen trug, hatte in einem Faltboot den Kanal überquert. Daß Mayr-Lori ähnliche abenteuerliche Wasser- fahrten schon vorher gemacht hatte, war ja bekannt! Es ergab sich aber, daß es sich um einen l>armlosen Herrn Klaus Mayer handelte.' Kriminalkommissar Müller ist von den belgischen und den französtschen Behörden in gleich bereitwilliger Weise unterstützt morden. Er ist inzwischen nach Berlin zurückgekehrt, denn das Auslieferungsverfahren, das im Fall Mayr-Lori in die Wege geleitet ist und auf diplomatischem Wege betrieben wird, be- snsprucht längere Zeit. Bei einem Einbruch erschossen. In der Nacht zum Sonntag, gegen i Uhr, versuchten zwei junge Burschen die Auslagen her Schaukästen eines Wäschegeschäftes an der Ecke Kant- und Windjchsid- straße in Charlotienburg auszuräumen. Sie hatten bereits die Schutzvorrichtungen abgerissen, als sich plötzlich eine Schupottreis« näherte. Als die Einbrecher der Beamten ansichtig wurden, er- griffen sie die Flucht und blieben trotz her Haltrufs und m e h- rerer Schreckschüsse nicht stehen. Jetzt schössen die Beamten hinter dey Flüchtlingen her. Einer von ihnen, der Zbjährige Arbeiter Willi Klix ans der Hutten straße z» Moabit, sank, von einer Kugel in den Bauch getroffen, schwerverletzt zu Baden. Dem Komplizen gelang es, in der Dunkelheit unerkannt zu entkommen. Die Beamten sorgten für die Uebersührung des Schwerverletzten in das Staatskrankenhaus, wo er als Polizei- gefangener Aufnahme fand. Die Schlißverletzung war jedoch so schwer, daß K l i x im Laufe des gestrigen Tages seinen Verletzun- gen erlag. Die Leicho wurde beschlagnahmt und in das Schau- Haus gebracht. Der gefährliche Fahrdamm. Ein tödlicher Straßenunsall ereignete sich an der Ecke Lessing- und Flensburger Straße in Moabit. Beim Ueber- schreiten der Straßenkreuzung wurde der lkjöhrigc Kurt Botos- g e r aus der Klopstockstraße 26 von einem Kraftwagen der Straßenbahn überfahren und schwer verletzt. Der Schüler mußte mit inneren Verletzungen in das naheliegende Moobiter Krankenhaus übergeiührt werden, wo er einige Zeit nach seiner Einlieferung st a r b. Die Schuld soll den Verunglückten selbst treffen. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt.— An der Ecke Laubacher und Schwatbocher Straße zu Friedenau stieß gestern nachmittag ein jugendlicher Radfahrer mit einem Motorradfahrer zusammen. Der Knabe,«in zwölsjähriger Richard Antelmann aus der Illstraße, wurde von feinem Rode geschleudert und blieb mit einem schweren Schädel- bruch bewußtlos auf dem Fahldamm liegen. A. wurde zur nächsten Rettungsstelle und von dort in dos Schöne- berger Krankenbmis gebracht, wo er sehr bedenklich daniederliegt.— Glimpflicher kam die achtjährige Charlotte Dittrich au« der Gaillardstraße zu Pankow davon, die vor dem House Flora- straße 23 von einem Privatauto überfahren wurde. Nach BeHand- lung und Anlegung von Notoerbänden aus der Rettungsstelle konnte das Mädchen In die elterliche Wohnung gebracht werden. « Belm Spielen ertrunken. Einem bedauerlichen Unglücksfnll fiel gestern nachmiltag der IVHährige Erwin Ganz aus der Neuen Bahnbofstrnß« 3 in Lichtenberg zum Opfer. Das Kind spielte auf dem Grundstück des Onkel« in der Kolonie Wenden Heide bei Köpenick und stürzte in einem unbeobachteten Augenblick in ein mit Wasser gefülltes Bassin. Als das Unglück entdeckt wurde, war es bereits zu spät. Der hinzugerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Di« kleine Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in die Köpenicker Friedhofshalle geschafft. Fahrftuhlunglück in Berlin C. Auf dem Grundstück Neue König straße 18 ereignele sich gestern ein folgenschweres Fahrstuhlunglück, bei dem zwei Personen erhebliche Verletzungen davontrugen. Der Fahrstuhl der Firma Müller u. Beaun sollt« gestern durch zwei Monteure einer Berliner Aufzugsfirma auf seine Beiriebssicherheit überprüft werden. Bei einer Fangprobe riß in Höhe des ersten Stockwerkes plötzlich das Drahtseil, und der Fahrstuhl stürzte etwa sechs Meter in die Tiefe. Der 40jählige Fahrstuhlführer Rudolf Barrel aus der Wolfgangstraße 6 zu Lichtenberg und der 16jährige Arbeitsbursche Gerhard T r v ß k a aus der Paul-Singer-Strahe 33 zogen sich bei dem Absturz inner« Verletzungen zu. Von Angestellten der Firma wurden die beiden mit Kraftwagen in das Krankenhaus am Friedrichhain gebracht. Ihr Zustand ist zwar schwer, doch besteht keine Lebensgefahr. Die polizeiliche Untersuchung über die Ur- fachen des Drahtseilrifses ist inzwischen eingeleitet worden. furchtbarer Tod eines Kindes. Der Konditor B. aus Friedenau besuchte am Sonntag mit seinem anderthalbjährigen Söhnchen Horst Verwandte in Potsdam. Im Laufe des Nachmittags ging die Frau mit dem Kinde in das Schlafzimmer. In einem u n b e- wachten Augenblick trank der Kleine eineFlafche Lysoform aus. Der Tod trat sofort ein. engllid) und französisch. Anfang Oktober beginnen neue Nachmittag«- und Abendkurse für Ansänger und Fortgeschrittene bei Genossin Heg, W hO, Tpichernstr. 16, Grth. 3 Tr. r.(Untergrund bahnhos Nürnberger Pl.) Anmeldungen von Donnerstag, den ZS. September, bis Montag, den 3. Oktober, vo« b bis S Uhr. Der Vortrag Hugo Spitzers über„Das Erwachen der Welt- ftadt" bietet den meisten Hörern wenig Neues, denn sie gehören selbst zu denjenigen, die srüh zur'Arbeit gehen müssen. Immerhin ist es ganz verdienstvoll, daß Spitzer die vom Glück bester Bedachten auf die Mühen der anderen hinweist. Rein formal ist der Vortrag nicht geglückt. Langatmig beschreibt Spitzer die Morgenarbeit auf der Post, auf der Äboag und aus der Straßenbahn. Kurze Inipressionen, knappe Momentbilder wären eindringlicher, anschaulicher und würden eine Ahnung von dem Nhytbmiis dieser Morgenstunden vermitteln. lieber„Die neue Herbstmode" plauscht Elsa Herzog im Stil ver- alteter Familienjournale. Sie spricht im Fnmilicnblattstil, der schon vor dem Kriege veraltet war. Die Funkstunde müßte aber Rücksicht auf ihre Hörer nehmen, die nicht mir in gut bürgerlichen Wohn- zimmern logieren. Verfehlt ist auch diesmal die Märchenstunde. Fried Engels„Röslein und das Sonnenland" ist durchaus nicht naiv empfunden. Das Märchen bemüht sich um volkstümliche Haltung, gerät aber entschieden ins Sentimentale und Verkitschte. Margarete S l a d e k vermeidet rührsame Töne, entgeht auch der Gefahr, dramatisch zu werden, sie spricht einfach, herzlich und findet die Naivität, die leidex das Märchen nicht hat. Eine prinzipielle Bemer- kiliig über das Abendprogramm. Sicherlich hört der Berliner olles gern, was zu Berlin in irgendeiner Beziehung steht, also wird er auch an den„Berliner Liedern" großen Gefallen gesunden haben. Aber für den Sonntagabend eignet sich ani besten populäre Orchestermusik, denn sie interessiert jeden. Sie erfordert keine ge- spannte Ausmerksamkeit, im Gegenteil sie entspannt. Und»och eins. Warum zu diesen Liedern eine unendlich lange und langweilige Ein- sührung? Die Lieder brauchen keilte Interpretation, sie erklären sich selbst. Gut ist der Baritor. Robert Koppel, gut ist die Sopra- nistin Charlotte Freyer, die die Moritaten in komisch-parodisti- schein Stil singt, gut ist auch Emil Kühne in seinen Rezitationen. Am Vormittag wird aus dem Großen Schauspielhaus die Jugend- weihe der Arbeiterschaft Groß-Berlins übertragen. F. E. Am Montag setzt die Funtstunde ihren Operettenzyklns mit „Dolly" von Hugo Hirsch fort. An sich ist die Wahl unglücklich, wie überhaupt der ganze Zyklus verfehlt. Die moderne Operette, ganz abgesehen von ihren küvstlerischen Qualitäten, ist zu sehr auf Hand- lung gestellt, als daß sie durch eine rein akustische Uebertragung wirken könnte. Andererseits aber sind ihre musikalischen Eigenschasten nicht derart überragend, um sür das fehlende Bühnenbild einen befriedigenden Ersatz zu bieten. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa Kaimans und Kuenneckes Operetten, die auch in der Uebertragung wirkten. Will die Berliner Funkstunde durchaus einen Operetten- Zyklus geben, dann sollte sie auf die alten Werke zurückgreifen, auf Komponisten wie O f f e n b a ch, Strauß, Dellinger oder Ziehrer, denn hier ist blühende Melodik, hier sind Lieder, Walzer und Polka, deren Melodien Mängel der Uebertragung vergessen lassen. Im vorigen Jahr illustrierte die Funtstunde m einer Reihe von Orchester- konzerten die Entwicklung der Operette von Offenbach bis Lähar. Könnte fie nicht diese Entwicklung bei Ucbertragungen der Operetten viel eindringlicher zeigen? In Giroslä-Girofla oder in Don Cäsar, nur um Namen zu nennen, stecken musikalische Werte, die es ver- lohnt, zu heben. Die Funkstunde sollte diesen Vorschlag einmal in Erwägung ziehen. Uebrigens hat die Uebertragung der„Dolly" unter Max Roths sprühender Leitung Niveau. In der Novellen- stunde liest Franz Weber zwei Novellen von Gustav M e y r i n k. Es ist nicht der grotesk-phantastische Dichter der„Fledermäuse" oder des„Grünen Gesichts", der hier zu Worte kommt.„Alles Sein ist flammend Leid" ist eine Dichtung mit lyrischem Einschlag, in Pastell- färben gemalt, die Schilderung eines zerbrochenen Lebens und in „Bologneser Tränen" findet sich das Verschwimmen der Linien, das Schwanken zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, das für Meyrink charakteristisch ist, nur angedeutet. Franz Webers Organ eignet sich nicht unbedingt für den Rundfunk, trotzdem es für unheimliche Ge- schichten prädestiniert erscheint. F. S. Die veruntreuten Gewinne. Heute Ziehung der Gewinne von IVO OOO m»i> 25 000 Mark. In den Räumen der Staatlich-Preußtschen Lottert« in des Jäger straße wurde gestern vormittag zwischen 8 und 11 Uhr die Einschüttung der Lose vorgenommen, aus denen— wie bereits- vor einiger Zeit mitgeteilt wurde— bei der heute stattfindenden Nach Ziehung zur S. Klasse der 28. Lotterie die beiden. Hauptgewinn« gelost werden sollen. Bei dieser Ersatzziehung handelt es sich bekanntlich um einen Gewinn in Höhe von 1 0 0 0 0 0 u n d 2 5 00 0 M.. den bei der ersten Ziehung die inzwischen abgeurteilten betrügerischen Lotteriebeamten Boehm und Schleinstein auf raffinierte Weise an sich gebracht hatten. Die Ein. schüttung der Nummern erfolgte in Gegenwart einer großen Zu« schauerschar. Nach der jetzigen Ziehungsmethode— es wurden mehrere Stichproben gemacht— scheint seder Betrugsversuch aus« geschlossen. U. a. sind bereits gestern Beamte der Bau- und Finanz- Verwaltung, die keinerlei Beziehung zur Lotterie haben, zur Kon- trolle hinzugezogen worden. In der L o s t r o m m e l befinden sich noch 31 3 9 9 5 Röllchen. Insgesamt betrug die Zahl 350 000� wovon die in der 1. bis 4. Klasse ausgespielten 36 000 Nummern in Abzug kommen, sowie die fünf Häuptgewinne der 5. Klasie. die bereits gezogen sind. In der Gewinntrommel sind nur die beiden Röllchen, die über 100 000 und 25 000 M. lauten. Es ist möglich, daß einer der Gewinner auf eine bereits mit einem kleinen Ge- winn herausgekommene Nummer«ntsällt. In diesem Falle ist der letzte große Gewinn rechtgültig, und das bereits gezahlte Geld muß an die Lotterie— was in diesem Falle der glückliche Ge- winner wohl gerne tun wird— zurückerstattet werden. Die Los- und Gcwinntrommel wurden nach Schluß der Ein- schüttung versiegelt, und heute früh um 8 Uhr beginnt die Ziehung. Internationaler Kongreß der Fachpresse. Der von der„Fäderation Internationale de la Presie technique* veranstaltete. Dritte Internationale Kongreß der Fachpresse ist gestern in den Gesellschaftsräume» des Hauses der Presseabteilung der Reichsregierung feierlich eröffnet worden. Im Namen der Reichsregierung begrüßte der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg den Kongreß mit einer Ansprache. In seiner Begrüßungsansprache bei der Eröffnung des Kongresses dankte der Präsident des Internationalen Verbandes der Fachpresse E. Greiffenhagen, Verleger des„Konfektionär", für das dem Kongreß durch die Reichsrcgicrung und die preußische Regierung bekundete Interesse und verzeichnete mit besonderer Ge- nugtuung die Anwesenheit Laincls, des stellvertretenden Kabinetts- chefs des französischen Handelsministers Bokanowski. H. M o u n i e r, der Gründerpräsidcnt des Internationalen Verbandes der Fachpresie, dankte zunächst für die freundschaftliche Ausnahme der Delegationen in Berlin und bezeichnete als Ziel des Kongresses die Festigung der Bande, die die Weltfachpresse wie Glieder einer Familie vereinigen. Außerdem gedachte er des großen Einflusses, den die Fachpresse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Völker ausübe, und betonte die Notwendigkeit, die Forderungen zu verwirklichen, die sich auf eine Verbesserung der Lage der Fachpresse und ihrer Verbreitung in der Welt beziehen. Die Tarifkommifsion für Kraftdroschken. Der Polizeipräsident teilt folgendes mit: „Da die Zlrbeitsgemeinschost sür da» Droschkengewerbe unter sich keine Einigung j» der Tariffrage erzielen konnte, hat der Polizei- Präsident eine besondere Tariskommission eingerichtet. Dieser Kommission werden angehören: Auf Porschlag der Industrie- und Handelskammer Kommerzicnrat Michalsti' und Kommerzienrat Dr. M a m r o t h, als Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzen- der je ein Vertreter des Zentralverbandcs für das Droschkengewerbe, der Innung Vereinigter Droschkenbesitzee Groß-Berlins, der Vereint- gung der Droschkengroßbetriebe, des Verbandes der Kleinkrast- droschkenbesitzer, des Deutschen Verkehrsbundes, des Reichsverbandes der Automobilindustri« und des Deutschen Automobilhändtover» fconiws. Dies« Kommission tritt am 28. September, nachmittags 5 Uhr, zum ersten Male im Polizeipräsidium zusammen. Der Polizeipräsident hat die Kommission gebeten, unter besonderer Be- rücksichtiguna der verschiedenen eingereichten Dorschläge die künftig« Gestaltung der Berliner Droschkcntarise zu beraten und sich insbesondere über folgende Fragen gutachtlich zu äußern: 1. Ist durch die Entwicklung der Betriebs- und Gestehungskosten eine Aenderung der geltenden Droschkentarife in Berlin erforderlich ge- worden? 2. Empfiehlt sich bei Bejahung der Frage 1 die Ein- sührung eines Einheitstarifes oder eines differenzierten Tarifes? 3 Welche Gestaltung des Tarifes oder der Tarife wird gegebenen- falls im einzelnen vorgeschlagen?— An der Sitzung der Kom- Mission werden Vertreter des Polizeipräsidiums sowie voraussichtlich auch des Berliner Magistrats teilnehmen." Die Zlugzeugkataftrophe von Schleiz. Nachruf der Lufthansa für die verunglückten Flieger Die Verwaltung der Deutschen Lufthansa teilt mit: „Die Untersuchung der Sachverständigen über den Flugunfall bei Schleiz am 23. September hat ergeben, daß ein menschliches möglichste getan haben. Es ist der Verwaltung der Deutschen Lust- Hansa ein Herzensbedürfnis, dieses vorbildlich« Verhalten beider Flieger bekanntzugeben. Flugzeugführer Willy C h a r l e t t, bereits seit 1912 m der Fliegerei tätig, war einer der erfolgreichsten deutschen Piloten und hat im regelmäßigen Lustverkehr fast 239 000 Kilometer geflogen. Dsr Bordmonteur Joseph Feiler hat sich stets durch gewissenhaftes und sachverständiges Arbeiten in seinen: Dienst hervorgetan und ist gleichfalls seit vielen Iahren in der deutschen Lustfahrt tätig. Charlett und Feiler haben allein tn der Zeit von Mai bis September dieses Jahres etwa 00 000 Kilometer auf demselben Flugzeug zurückgelegt, mit dem sie jetzt gemeinsam den Tod fanden. Die Deutsche Lusthansa ist stolz, dies« beiden Pioniere der Lustfahrt zu den ihrigen gezählt zu haben und wird ihnen stet» ein ehrendes Gedenken bewahren." Wir hatten in der gestrigen Abendausgab« das Verhalten der Lufthansa kritisiert, weil sie in ihrem bis gestern veröfsentlichten Nachruf nur den Tod des Herrn v. Arnim erwähnt hatte. Die Lusthansa hat erst das Ergebnis der Untersuchung abwarten wollen, bevor sie dem Piloten und Bordmonteur einen ehrenden Nachruf widmete. Di« Lufthansa braucht sich nach dem Bekanntwerden dieser Mitteilung nicht zu wundern, wenn ihr Verhalten in der Oesfentlichkeit zum mindesten als kleinlich empfunden wird. Selbst dann, wenn der Pilot das Unglück oerschuldet hätte, würde der Tod diese Schuld ausgelöscht haben. Trotzdem aber blieben die Ver- dienst«, die er sich bis dahin erwarb, bestehen!— Es mußte unbedingt der peinliche Eindruck entstehen, als ob die Verwaltung der Lufthansa die beiden verunglückten Flieger als Angestellt« für zu gering hielt, in dem Nachruf besonders erwähnt zu werden. Die vereinigten verbände heimattreuer Dberschlesier luden an- läßlich ihrer Generalversammlung Landsleute und Gönner zu einem Degrüßungsabend nach dem Hotel„Nordischer Hos". Der Vorsitzende der Landesgruppe Norddsutschland, Watz- lawezyk, begrüßte die zahlreich«rschienenen Gäste, darunter Ver- treter der Staats- und Kommunalbehörden, sowie der Reichsregie- rung. Die Not der bedrängten Brüder und Schwestern, denen man die Heimat genommen, bedrückt jedes Heimattreuen Schlesier« Herz, und so richten sie gemeinsam immer wieder die Bitte an die maß- gebenden Stellen, sich des in wirtschaftlicher und menschlicher Be- ziehung so schwer geschädigten deutschen Ostens anzunehmen. In diesem Sinne ergriff auch der Oberbürgermeister von Ratibor, K a s ck n y, das Wort und erinnerte daran, daß 40 Millionen Deutscher, die um ihre Heimat kämpfen, der Unterstützung dringendst OeHtttflktae Kundgebung morgen, Aliklwoch, den 28. September. 13'/, Uhr in den Arm in ius hallen. Bremer Straße 73 Vortrag: Gegen den Reichsschulgesetzentwurf Referent: Stadtverordneter Adolph Hoffmann. Erscheint in Massen! SPD.. 2. kreis Tiergarten. bedürfen. Vertreter der Reichsregierung und des preußischen Innen- Ministers sprachen der Bersammlung vollstes Verständnis für die Bedrängnis der vom Mutterlande Abgetrennten und das Interesse der Regierung an baldiger Klärung dieser Frag« aus. Musik- und Gesangsvorträge, ausgesührt von Mitgliedern des Vereins, schlugen dann dem Frohsinn die Brücke. Der Selbftmorü ües Kriegsbeschädigten. Das gestrenge Versorgungsgericht. Einer von Bielen! Sein Fall dringt in die Oesfentlichkeit, weil sich mit ihm das Dersorgungsgericht beschäftigen mußte. Er halt« im Krieg«inen Kopfschuß erhalten. Die Folgen waren Schwindelanfälle, Verlust des rechten Auges, Gefühlstörung der rechten Kopfseite, Mundsperre usw. Trotzdem arbeitete er, so gut er konnte, als Kutscher. Mit der Zeit schien sein Leiden sich aber verschlimmert zu haben,«r konnte seiner Arbeit nicht mehr gut nachkommen. Man kündigte ihm, nahm aber die Kündigung zurück, da Schwerkriegsbeschädigte nicht ohne weiteres entlassen werden dürf«n. Die Kündigung schien trotzdem auf E. einen st arten Eindruck gemacht zu haben. Auch sonst war«r in der letzten Zeit schwermütig. Einem seiner Freunde sagte er: Es wird eines Tage» in der Zeitung stehen, daß sich Hans C. mit Gas vergiftet hat, denn ich bin nicht nur innerlich ein kranker Mann, sondern mein Kopfschuß macht mir solche Schmerzen." Am 5. Juni vorigen Jahres kam E. nach Hause und sagte, die Firma habe k«ine Arbeit mehr sür ihn. Er schien sehr nieder- geschlagen, legte sich in» Bett, lehnt« es ab, zu einer Geburtstags- seier zu g«hen. zu der er mit der Frau geladen war, und ver- giftete sich in deren Abwesenheit mit Gas. Seine Frau klagte auf Witwenrente. Das Versorgungsamt lehnt« ihre Klage ab. Die Untersuchung, hieß es in der ärztlichen Be- scheinigung, habe weder Gehirnbeschädigung noch irgendein« Geistes- störung beim Verstorbenen seststellen können. Der Selbstmord sei nicht als Folge des Krieges, die Kündigung nicht als Folge der Kriegsbeschädigung anzusehen. Demgegenüber besagte aber die Bescheinigung des Arztes, der den Berstorbenen behandelt hatte, daß er an nervösen Sch Windelanfällen gelitten Hab«, die wahrscheinlich in Verbindung mit dem Kopsschuh stünd«n. Der Vertreter des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten war der Ansicht, daß der Selbstmord nicht die Folge der Kündi- gung gewesen fein könne, da diese ja zurückgenommen worden war. Die heftigen Kopsschmerzen, die mit dem Kopfschuß in Ver- bindung standen, hätten die Widerstandskraft des E. zermürbt, und deshalb Hab er den Freitod gesucht. Das Versorgungsgericht beschied die Witwe abschlägig. Gegen das Urteil ist Berufung möglich. Der Gemischte Chor Groß-verlin. Mitglied des Deutschen Ar- beiter-Sängerbiindes, der im Frühjahr d. I. unter dem bisherigen Dirigenten Iascha Horenstein für die Berliner Arbeiterschaft die »Neunte Symphonie" mit Erfolg aufgeführt hat, übt jetzt unter seinem neuen Dirigenten Emil Vohnke die„F a u st v e r d a m � m u n g" von Berlioz ein. Dieses Werk soll im nächsten Frühjahr in Berlin und in Hannover zum ersten Bundessest des Deutschen Ar- beiter-Sängerbundes ausgesührt werden.— Für die kommende Konzertsaison ist auch die Wiederholung der„Neunten Symphonie" vorgesehen. Hand- und Kopfarbeiter— Männer, Mädchen und Frauen— werde» gebeten, sich dem Gemischten Chor Groß-Berlin, welcher der werktätigen Bevölkerung auch durch feine Mitwirkung zu proletarischen Veranstaltungen bestens bekannt ift, zur Verfügung zu ftellem— Ausnahmen finden in den Uebungsstunden jeden Freitag 20--22 Uhr statt. Aula zum grauen Kloster, Klosterstr. 74/73. Verhaftung von Falschmünzern. Das Versteck im Bratofen. Bei der Verausgabung von falschen Zweimarkstücken wurden in Jüterbog ein 23 Jahre alter Mechaniker Otto Rolle und sein« Braut, eine 30 Jahre alte Grete B a l l e r, sestgenommen. Das Paar hielt sich in der kleinen Stadt feit einigen Tagen aus, wohnte in einem Fremdenlogis und besuchte Geschäfte, in denen es die geringen Einkäufe mit falschen Münzen bezahlte. Es besaß noch 47 falsche Zweimarkstücke, nachdem es einige Zwei- und Ein- Markstücke bereits ausgegeben hatte. Die Berliner Kriminalpolizei, die von der Verhaftung benach- richtigt wurde, forscht« weiter nach und stellte bald fest, daß das Pärchen in Jüterbog Märchen erzählt hatte. Es hatte dort ange- geben, nicht zu wissen, wie es zu den falschen Münzen gekommen sei. E» könne sich, wie es sagte,„nicht besinnen", von wem es sie erhalten hätte Die Wohnungsangaben erwiesen sich als falsch. Di« Behausungen wurden aber ermittelt in der Prenzlauer Straße und in der W e i n st r a ß e. In der Prenzlauer Straße, wo Rolle wohnte, erfuhr man zunächst, daß dieser fast nie zu Hause gewesen sei. Er hatte sich immer bei seiner Braut in der Weinstraße 27 aufgehalten. Hier fanden die Beamten die Wohnung fest verschlossen. Die Sperrschlösser wurden geöffnet, alle Räume, zwei Stuben und Küche, die sehr ordentlich eingerichtet waren, gründlich durchsucht. Im Bratofen fand man endlich eine Kiste mit 37 Gipsformen sür Ein- und Zwei- Markstück«, Gußlöffel, Holzrahmen, Klammern, kurz alles, was zur Herstellung der Münzen erforderlich war und auch das nötige Metall. Die Verhasteten sagen jetzt, daß sie z u n ä ch st n u r S p i e- l e r e i getrieben hätten, daraus hätten sie dann Ernst gemacht, weil sie im Begriff gestanden hätten, sich zu verheiraten und noch einiges anschaffen wollten. Der Stand der Kinderlähmung in Leipzig. Die Z a h l der an spinaler Kinderlähmung erkrankten Personen hat vom 23. zum 24. September um dreizehn Fälle zuge- n o m m e n. Fünf der neu Erkrankten wurden ins Krankenhaus ge- bracht. Reue Todesfälle sind nicht zu verzeichnen. Der Eesamtbestand beträgt an Erkrankungsfällen 124, von denen 82 im Krankenhause behandelt werden, und achtzehn Todesfälle. Von den 124 Er- krankungsfällen wurden drei nicht bestätigt, so daß die Gesamtzahl der daniederliegenden Personen 121 beträgt, von denen sich 79 im Krankenhause befinden, und siebzehn Todesfälle, da eine d'- tot gemeldeten Personen nicht an spinaler Kinderlähmung gestorben ist. Bon dem 121 Personen betragenden Gesamtbestand betreffen 74 Fälle Kleinkinder, 39 Schulkinder und 8 Erwachsene. Irauenmord in Esten. Gestern entdeckte ein Holzsammler an der Kruppschen Aschenkippe in Essen in einem Wastertümpel eine Fraucnleiche, die mit Holzwolle, Strauchwerk und Pappe bedeckt war. Nach den polizeilichen Ermittlungen liegt ein Verbrecher por, da sich am Hals Würgespuren besinden. 'Wms die Alien sunge» A.uek die Kleinen«teilen keute bereit» Anepruclie an iLre Kleidung, von denen ■aar«elßst, ele wir Kinder waren, keine A.knung ketten. Aker unsere Aktcdung für Kinder* Kleidung iet suf der Hoke! Entzückende Formen in einer ungleuk* iieken Vielseitigkeit, mit alles typisckeu Modeneukeiten. genau wie für die Großen, vereinen«ick mit Stoffen und einer Verarkeitung. die dem Zweck angepaßt ist. strapaziert werden zu können. Und natürlick— alle* zu den kerükmien niedrigen C fick A- Preisen, denn auek für Ikr Kind gilt s wie für Sie»elkst• gekleidet für weniger Oeld?" CO« FUujcW»!-« mit PlüscUtn*«- Gr. 45 (Ander««at»preck«nd) Baby- Kleidcbc« •ob gutem Popelin; Bckone Farben, Gr. 45 ( Ander« cotapreebend) M 4" )«by- Mantel eben: pr Velours. Reicbcr Pclsbeant». Gr. 45 (Andere cotapreebend) 11*4*50 linder- Mintelebe» «na V elours. Scboner Pluacbbcsat*. Gr. 60 (Andere entapreebend) M00 Oranienstr.40 Am Oranlenplait Ciiausieeftr.11 3 Könisstraße 33 Selm Stettin er Bahnhol Am Bahnhof Alexanderplatt i.'Ti�TTTaiTTga.'rngTif Die obigen Angebote stehen Ihnen ab 0ion«ta» zur Verfügung!- Schrittiiche Besteliunaen können nicht berücksichtigt werden! Sportfest Zreie Turnersthast Groß-Serlin Arbeitersportler in Friedenau. Als Alischluß der sommerlichen Veranstaltungen rief die Freie Turnerschaft Groß-Berlin zu einem S p o r t f e st nach Friedenau. Gerade der Westen unserer Stadt, der den Stempel des friedlichen, wohlbestallten Normalbürgertums trägt, zeigt sich der modernen Arbeiterbewegung gegenüber wenig zugänglich. Be- grüßenswert war es darum ganz besonders, daß der Bezirk Friede- nau der FTGB. dieses Fest arrangierte. Die Meldungen waren derart zahlreich eingegangen, daß bereits um g Uhr mit den Vor- und Ausschei�dungskämpfen begonnen werden mußte. Der Sportplatz der Schule in der Ossen- bacher Straße war imolge der feuchten Witterung der letzten Tage in wenig geeigneter Verfassung, und Sportlerinnen und Sportler mußten sich tüchtig ins Zeug legen. Trotzdem waren die Kämpfe hart und ließen erkennen, daß während des Sommers fleißig und tüchtig gearbeitet wurde. Nach der Mittagspause sammelten sich alle Teilnehmer zu einem stattlichen F e st z u g e. Die Musik der Turnerkapellen und die Ge- sänge von Turn- und Kampfliedern hallten wider in den Straßen. Wo sonst nur schwarzweißrote Fahnen vorherrschen, zogen die Ar- beiterturnerinnen und-turner in ihrer Sportkleidung mit klingendem Spiel und roten Bannern und Transparenten durch Friedenau und Steglitz, begleitet von Hunderten von Anhängern und Freunden des Arbeitersportes. Diese nicht zu erwartende Teilnahme, dieser Geist, der all« beseelte, gestaltete den Umzug zu einer i m p o- santen Kundgebung. Die W e t t k a m p f e wurden leidenschaftlich aber fair ausge- tragen. Hier gibt es kein« Kanonenzüchterei, hier kommt es darauf an, Körper und Geist zu stählen: Wer im heutigen Berufsleben be- stehen will, muß seinen gesamten Organismus frisch und elastisch er- halten. Es war eine Freude, wie selbst die Kleinsten sich eifrig bemühten und durch Aufmerksamkeit und Eifer beweisen wollten, daß sie es auch können und es auch schössen! . So war dieser Tag ein voller Erfolg für den Bezirk Friedenau der Freien Turnerschnit Groß-Berlin! R-Inltate. Frauen 4X10« Meter: 1. Wcddi»« r Sa.a Sek.: 2. CiU>en 60,3 Sei.— Männer 4X100 Meter: 1. W-ddinq 47,3 Sei.; 2. Silben 49,2 Sek. — Zuaend Di-lu«: 1. Noack, Webding, 26,45 Meter; 2. Keul, Webbing, 25,56 Meter.— Männer 400 Meter: 1. Blanlenburg, Silben, 57 Stf.; 2 Leinicke, Friedenau, 2 Meter zurück.— Jugend ttugelstaßen: I. Heul, Webbing, 11,58 Meter; 2. Neumann. Webbing. 10,92 Meter.— Frauen HoS» suruua: 1. Berg, Süden, 1,15 Meter; 2. zabel, Webbing. 1,15 Meter.— Jugend Weitsprung; 1. 91. Hornfelb. Webbing, 5,40 Meter; 2. Trenner, Norde» I, 5,36 Meter.— Männer Weitsprung: 1. R. Sonnemann, Webbing. 5,55 Meter; 2. Herrmann. Osten, 5,55 Meter.— Frauen Ballmersen: 1. Hilde Herme. Webbing. 46.10 Meter; 2. Gertrud Franzel, 38,92 Meter.— Männer Hugelftoben: 1. E. Sonnemann, 9,60 Meter; 2. Sperling, Süden, 9,57 Meter. - Jugend 101 Meter; 1. Böse, Osten, 13.1 Sei.-- Frauen 100 Meter: X. Däh. nelt, Osten, 15 Sei.; 2. Verz, Süden, 15 Sei.— Männer 100 Meter: 1. Reichert. »WMMMWWWWWWIWMWWWWIWMWWW��M��MMW�W Meter: 1. Webbing t 48,9 Sek.; 2. Friedenau 51,4 Sek.— Jugend Schweden Osten— Friedenau 46: 58.— Schlagdall: ffTGB.-Bereinsmannschaft— Friedenau. Sieger Friedenau 32: 21 bei 40 Minuten Spielzeit. Nr Der Bezirk Friedenau der Fielen Turnerschasl Groß-Berlin» turnl: Männer- und Jugendobteiluiig: Montag und Donnerstag von K bis lll Uhr, Osfenbacher Straß« kin; Knabenabteilung: Montag und Donnerstag von 6 bis S Uhr, Olsenbacher Straße Su; Iung- mädchenabteilung: Dienstag und Freilag von 8 bis 10 Uhr, Rhein- paustraße(Eingang Goßlerstraße): Mädchenabteilung: Dienstag und Freitag von 0 bis 8 Uhr, Rhcingaustraße(Eingang Goßlerstraße): Sportplatz: Osfenbacher Straße Sa, Schulhof.(Alle Abteilungen turnen in den unteren Turnhallen.) Hauptausschußsitzung See Naturfreunde. Aufstieg auf der ganzen Linie. Zu einer Besprechung oller wichtigen Fragen i n t e r n a t i o- nalen Eharakters im Touristeno«rcin.Die Natur- freunde"(Zentrale Wien) trat Anfang September der Haupt- a u s s ch u ß der Arbeiternatursreundebewegung in Salzburg zu- sammcn. Vertreten waren außer dem Zentralausschuß des Gesanilvereins Oesterreich, Deutschland, die Schweiz vnd die Tschechoslowakel. Nur Holland sehlte. Es galt vor allem, den Tätigkeitsbericht von 1926 entgegenzunehmen. Trotz mancher Rückschläge nach den Jnflationswirrcn hat sich die Bewegung gut«rholt: sie zählte schon im Dezember 1926 wieder weit über 130 000 Mit- glieder. Das Jahr 1927 hat inzwischen einen weiteren Ausstieg gebracht. Auch in Deutschland ist der Tiefstand überwunden. Oester- reich marschiert mit rund 75 000 Mitgliedern an der Spitz«, dann folgen Deutschland mit 60 000, die Tschechoslowakei mit 7500, die Schweiz mit 5000, Holland init 4000 usw. Innerlich ist die Be- wegung überall stark gefestigt. Die Kulturaufgaben der Naturfreunde konnte gute Förderung erfahren.— Wechselvolls Stellungnahme löste die Frage der Jahresbeiträge aus. Bon Frank- Dresden und Steinberger- Nürnberg wurde dringend die Einführunq von Monatsbeiträgen gefordert. Schließlich wurde der bisherig« Jahresbeitrag in der alten Höhe auch für 1926 be- schlössen. Vom Zentralausschuß wurde dabei zugestanden, daß b e i der Erhebung Deutschland sreie Hand behalten solle. Die Einberufung der nächsten Hauptversammlung für den Gesamt- verein wurde für den 12. bis 19. August 1928 nach Zürich be- schlössen. Cscher-Zllrich verwies daraus, daß diese Tagung zu einem großen internationalen Natursreundetresfen ausgebaut werden soll. Kundgebungen, Veranstaltungen, Rund- fahrten und Bergfahrten werden von den Schweizer Genossen schon jetzt vorbereitet. Zur Frage des Baues von Naturfreunde. Heimen betonte E m m e r l i n g- Wien die Notwendigkeit der Schaffung alpiner Stützpunkte. Es muß der rechtspolitischen Aktivität des Deutsch-Oestcrreichischen Alpenoereiiis entgegengewirkt werden. Das Besitzrecht an den Heimen wird von den einzelnen Ländern nach den dort bestehenden Rechtsverhältnissen geregelt.— Die inhaltsreiche Tagung schuf gute Grundlagen für die fernere Arbeit der internationalen Naturfreundebewegung. kullursroktion. Durch den Beschluß der Kommunistischen Partei, der die Mitglieder verpflichtet, in allen Arbeitervereinen Fraktions- und Zellenarbeit zu leisten, sind diese Organisationen Tummelplätze für parteipolitische Arbeit geworden. Darunter leiden auch die Kulturocrbände. In den Sportvereinen sind unsere Parteigenossen jetzt in energischer Zlbwehr, sie lassen sich nicht alles mehr so ohne weiteres bieten. Nur in den Berbänden, die kulturelle Arbeit leisten, hat man bis jetzt olle? hingenainmen. Der gemeine Ton gegen unsere Partei, gegen den..Vorwärts" und gegen unsere Führer ist nicht zu vereinen mit den Verpflichtungen, die gerode die Mitglieder von Kultur, und Bildungsvereinen übernommen haben. E- wird Zeit, daß den Leuten eine geschlossene Front«nfgegengesetzt wird, damit wieder praktische Arbeit geleistet wird. Alle Parteigenossinnen und-genossen, die Mitglieder einer proletarischen Kulturorga- n i s a t i o n(Schach-, Theater-, Mandolinen-, Radin-, SIenngraphie-, Esperanto-, Jdo-, Abstinenten-, biochemische, Phoiogravhen-. freie Menschen u. a. Kulturoercine) werden gebeten, sosort ihre Adresse und eventuell Vereins- und Parteifunktion an die„Kultur- fraktion", Berlin-Lichtenberg, Augustastroße 8, vorn III links, einzusenden. Nähere Mitteilung erfolgt dann. »Boxen bei S. C. Berolina. In der Turnhalle Thomasstraß« gab der bekannte Sportklub „Berolina" in der vergangenen Woche einen Boxkampf- abend, der dem sportlichen Betrieb im Klub all« Ehre machte. Gute Paarungen sorgten für slotte Kämpfe, immer wurde mit Begeisterung und Elan gekämpft. Lehmann II(Nord-Ost) siegte im Halbschwergewichtskampf über das Klubmitglied Otto bereits in der ersten Runde: er mußte aufgeben. Im Welter- gewicht zwang Seifert(Nord-Ost) Bolkmar(Allzeit-Dereit) zur Aufgab«. Der F l i e g e n g c w i ch t l e r Weiß von Berolina konnte über Becker(Siegfried) nach Punkten siegen. Im Bant am- gewicht zwang Hitzack(Berolina) bereits in der ersten Runde Giefe(Lichtenberg) zur Ausgabe. Die nächsten Kämpfe in dieser Klasse sahen Bahl(Berolina) und Aren?(Berolina) als Sieger. Unentschieden endete der Leichtgewichtskampf Beutzer (Berolina) gegen Herdegcn(Rord-Ost), während Benthin(Berolina) Punktsieger über Wachsernagel(Nord-Ost) wurde. Nuftlanüfahrt gefällig! Oder die abgeholte Erklärung! Die Kommunisten leisten sich jetzt das vergnügen, Rußland- delegationen aus Arbeitersportlern zusammenzu. stellen, nachdem die Delegationen in den Gewerkschaften und in poli- tischen Kreisen längst als das erkannt sind, was sie sind, nämlich als bezahlter Propagandaschwindel moskowitischer Politik. Es ist nicht gerade schmeichelhaft für die Arbeitersportler, von den Kommunisten als etwas schwerfällig angesehen zu werden. Tat- sächlich hat sich auch eine Anzahl Sportler auf einer kostenlosen Spritztour nach Rußland dort allerhand Potemkinsche Dörfer ange- sehen. Damit diese Leutchen in Deutschland auch nach den Wünschen ihrer russischen Gastgeber berichten können, hat man ihnen in Mos- kau ein Zettcllben in die Hand gedrückt, auf dem in Form einer „Erklärung" festgehalten ist. was die Drahtzieher berichtet haben wollen. Moskau läßt erklären, daß olles nett und schön be- funden wurde, um dann zum Schluß mit der Hauptsache heraus- zurücken: ..Je mehr sich in der USSR. der Ausbau zum Sozialismus im Ausstieg befindet, desto mehr wird Rußland von feiten der kapitalistischen Länder bedroht. Wer sich in solchem Augenblick nicht als offener Freund Rußlands erklärt, kann nichts anderes als ein Verbündeter der Bourgeoisie sein....* Für eine solche Erklärung haben die Leutchen in Moskau die Kosten einer Delegation von 15 Mann getragen. Im o l l g e- meinen bringt die„Rote Fahne" so etwas jeden Tag! Bleibt' nur übrig, festzustellen, daß der„Arbeiterturn- und Sport- fiurtd" die Zustimmung zu dieser„Delegation" oersagt hatte. Noch eine Moskauer pleile. Daß es der sogenannten„Roten Spvrtinternationalc" in Moskau nicht sonderlich gut geht, war schon lange kein Geheimnis. Man glaubt« ober doch, daß Moskau sich die Sache etwas losten ließe, zumal ihm sonst sür die Bckämpiung der Sozialdemokratie nichts zu teuer ist. Deshalb muß es auffallen, daß das berüchtigte Sport- Hetzblatt„Der Proletnriersport" jetzt seine Rechnung mit den Himmel gemacht und sanft entschlafen t st. Der Drucker soll der einzige sein, der dem Blatt aufrichtig nachtrauert. Damit hat dieser Mißbrauch von Papier und Druckerschwärze ein u n r ü h m- liches Ende gefunden, und dos in einem Augenblick, wo Moskau sich stark machen wollte, um durch den bekannten„Druck der Masien" die Luzerner Sportinternationale endgültig zu er- ledigen. Das Hetzblatt hatte als Verbreitungsgebiet nicht nur das Deutsche Reich, sondern auch die Tschechoslowakei. Oesterreich, die Schweiz, Deutschpolen und Elsaß-Lothringen. Es Hot unter einer Hundertmillioncnbcvölkerung nicht ein- mal soviel Abnehmer gesunden, um sein elendes Dasein fristen zu können— trotz der Zuschüsse, die Moskau geleistet hat. herbsiwaldlauf der Arbeitersporkler. Die Leichtathletiksparte des Kreises I des Arbeiter-Turn- und -Sportbundcs hat die Austragung des diesjährigen Herbstwald- l a ii f e s dem„Sportverein Moabit" übertragen. Die seit Jahren durch Massenbeteiligung der Arbeitersportlcr wirksame Ab- schlußveranstaltung gelangt am Sonnlag. dem 30. Oktober, 15 Uhr, in der Zungsernheide, mit Start und Ziel am Wassersportplatz Plötzensee, zur Durchsllhrung. Vorgesehen sind wieder Einzel- und Mannschastsläufe für alle Klassen und Sparten: Männer über 5060 Meter und 10 000 Meter offen für alle und für Aniänger, Turnsvieler und andere Sparten(Turner, Wassersportler usw.) über 3000 Meter, ältere Sportler in drei Jahreeklassen über 3000 Meter, Sportlerinnen Jahrgang 1909 und älter über 2000 Meter, Jungmüdchen Jahrgang 1911/13 über 1000 Meter, Jugend Jahrgang 1909/10 über 3000 Meter, Jahrgang 1911/13 über 2000 Meter, Schüler Jahrgang 1914/15 über 1000 Meter. Gleichzeitig findet ein Propagandalaus in geschlossenen Vereins- und Abteilungsgruppcn statt. Nähere Ausschreibung folgt demnächst.__ Schwimmersparle 1. kreis. Laut Mitteilung des Bundes- schwimmwarts ist das Startverbot für solgende Bereine auf- gehoben: Freie Schwimmer Neukölln: Vorwärts Oberschön«- weide: Freiheit Berlin: Frei« Schwimmer Norden: Freie Schwimmer Siemensstadt: Brandenburg: Charlottenburg: Union Berlin: Treuen- brietzen: Potsdam: Petershagen: Borwörts Berlin 97. „warum Touristenoerein„Die Ikatursreunde" lautet das Thema, über da? der Genosse Willi B» l a u heute, Dienstag, 27. September, 20 Uhr, im Jugendheim, N, Turiner- Ecke See- straße, sprechen wird. Freunde und Gönner der Naturfreunde- bewegung sind herzlich willkommen. Frankreich— Berlin. Ani Freitag, 30. September, veranstaltet der Sportklub Lurich 02 die zweite internationale Veranstaltung dieses Jahres. Nach dem Länderboxkamps Schweiz— Lurich will der Verein versuchen, den daniederliegenden Ringkampssport zu heben. Er hat aus Anlaß feines 25jährigeii Bestehens eine französische Bezirksringcr Mannschaft noch hier verpflichtet. Er will mit dieser der Berliner Arbeiterschast harten, ehrlichen Kampf zeigen. Der Kampf findet in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21, statt. Eintritt 1 Mark. Französisches vundessesl 1928. Der Bundestag des franzäsischen Arbeiter-Turn, und Sportbundes beschloß, das Bundessest 1928 in dem neuerbauten Stadion der oiadi Lille abzuhalten. Zum Vorsitzenden des Bundes wurde der Bürgermeister von Paris-Pantin, Genosse A u r a y, gewählt. Irockenkurse der Arbeiler-Winlersparl-Jnleresiengemeinschast Groß-Berlin. Die AWJ. wurde vor sechs Jahren ins Leben gcriisen. um den Wintersport unter der Arbeiterschaft zu verbreiten. Es war nicht immer leicht, mit diesem Gedanken festen Fuß zu fassen- da die allgemeine Aussassung dahin ging, dieser Sport sei ein Pri- vileg der sogenannten besseren Kreise. Heute kann die AWJ. von sich sagen, daß sie in rastloser Arbeit dazu beigetragen hat, diese Ansicht zu zerstören. Jedes Jahr wurden immer mehr neue Inter- csientcn für den prächtigen, gesunden Wintersport ausgebildet und dieser auf Wandeningen, Wintersportfesten und Gebirgssahrten praktisch ausgeübt. Aber nicht nur der Schneeschuhsport, sondern auch der Eislauf wird bei der AWJ. rege gepflegt. Kurse, Eis- Wanderungen und Eishockey gehören dazu. Die U n k o st e n werde� durch den Zusammenschluß in der Interessengemeinschaft auf ein Mindestmaß beschränkt. Am Donnerstag, 6. Oktober, beginnt auf dem Fichtesportplatz in Treptow der Einführungs- und Einteilungsabend für alle Kursisten. Jugendliche werden kostenlos ausgebildet und erhalten auch für den Schnee Schneeschuhe zur Verfügung gestellt. Für die Eisläufer wird ein besonderer Kursus durchgeführt. Alle Auskünfte erteilt Walter Noack, Berlin SW. 61, Belle-Alliance-Str. 77, Oucrg. IV; für den Eislauf: Walter Höcker, Berlin O. 17, Beymestr. 4. Ein neuer Fluh- und Zeltsührer. Märkische Fließsahrten, 1. Teil. bearbeitet von Franz Schill. 11 Karten in durchsichtigem Um- schlag. Preis 2 M. Bergoerlag Rudolf Rother, München. Inhalt: Ruthe, Stobberow, Finvwslicß, Stintgraben, Teschendorfer Graben. Die Schönheiten einer märkischen Fließfahrt sind Falt- bootsahrern bekannt. Der Führer wurde von sachkundiger Hand auf Grund eigener Erfahrungen zusammengestellt. Was denselben be- sonders vorteilhaft macht, ist außer den, billigen Preise die einsackze, praktische und übersichtliche Anordnung in Form einzelner Karten- blötter, die es möglich macht, im gleichen Augenblick den Text und die Karte selbst zu benutzen. Dabei verlangt der Führer aber nur soviel Plag wie ein« Postkarte. Der durchsichtige Umschlag wird den Ein- fluß des Wassers auf ein Mindestmaß beschränken. Weitere Fluh- beschreibungen sind bereits erschienen bzw. erscheinen noch. Der billige Preis wird besonders dazu beitragen, daß sich die Führer im Kreise der Flußwanderer rasch verbreiten. handball-Länöerspiel veutschlanü-Gefterreich. Deutschland verliert mit 8: 6(5: 0). In Salle fand am Sonntag das LSndertreffen Deutschland gegen Oesterreich stall. Die deutsche Mannschaft verlor, hat sich aber tapser geschlagen. Zum Empfang am Bahnhof waren mit dem gesamten Bestrlstambourtorps nahezu 351)0 Anhänger erschienen. Diese geleiteten die Mannschaften in einem imposanten Umzüge zur Begrügungsseier. Beim Spiel hatte Oesterreich Anwurf, brach gut vor, aber der Ball landete in» Aus. Oesterreich übernahm in der ersten Biertelstunde die Führung. Der Mittelstürmer warf ans unbehindcicr Stellung, aber der Tor» Wächter lenlte den Boll über das Tor. Die darauffolgende Ecke wurde nicht verwandelt. In der id. Minute war die Latte der Retter, was gleich danach beim österreichischen Tore ebenfalls der Fall war. Der österreichische Mittelstürmer lonnle nach gutem Alleingang in der 20. Minute da» erste Tor erzielen, dem eine Minute später durch einen schönen Rückhandwurf desselben Spielers dos zweite folgte. Das dritte Tor erhielt Oesterreich durch Ausrutschen de» Torwächter«. Halblinl» konnte in der 28. Minute durch wenige Abwehr» arbeit de» Torwächters da» vierte Tor buchen, dem Minute vor der Paus- noch Tor 5 folgte. Oesterreich war im Stellungsspiel gut und leistete rege Störungsardei». Die deutsche Mannschaft zeigte nicht die gute Technil und den Eifer vom Brobespiet und ließen die gute Zusammenarbeit im Sturm vermisirn. Die Ocstcrreichcr waren sehr slint an den Ball, so daß sie fast jeden Ball wegiingcn. Räch der Pause hatte sich die deutsch« Mannschaft etwa» vorgenommen. Gleich in der ersten Minute gibt Rechtsaußen zum Mittelstürmer ad, der zum ersten Tor einsendet. In der fünften Minute folgte durch Linl»außen da» zweite Tor. Oesterreich« Halbrechter hatte jetzt einen guten Hernwurf, schoß aber daneben, in die Zuschauer hinein. In der siebenten Minute gibt der Halbrechte zur Mitte ab und dieser erzielt da» dritte Tor, dem eine Minuta später Nr. 4 folgte. In der 17. Minute erhielt Oesterreich da» sechste Tor. Der deutsche Rechtsaußen gibt drei Minuten später den Ball an Halbrechts ab. der das fünfte Tor erzielt. Oesterreichs Mittelstürmer spielte sich bald daraus solang« frei, di, er zum siebeuten Tor einsenden lonnte. Deutschland» Recht». außen ging mit dem Boll gut durch, verlor ihn aber vor dem Torraum. Oesterreichs Halblinler brachte jetzt einen langen Wurf mit guter Wucht an, aber der deutsche Torwächter wehrte ihn noch ab. Aus beiden Seilen fielen noch je ein Tor. Der österreichische Mittelftürmer ging mit dem Ball vom anderen Abseitsraum durch das ganze Spielfeld, hatte aber solche Wucht, daß er mit dem Ball in den Torraum fiel. Die österreichische Mannschaft konnte in allen Teilen gut gefallen und zeigte gute Leistungen. Da» kann man von der deutschen Mannschaft nicht sagen. Halbrechts zeigte nicht die Leistungen vom Sonntag vorher und der Mittelläuser versagte vollständig. Hätte der Sturm in der ersten Halbzeit genau so gespielt wie in der zweiten, wör« ein andere« Resultat zustande gesommen. Bon unseren Berliner Spielern Nibrie sich der rechte Läufer gut ein, mährend die beiden Verteidiger in ihren alten Fehler verfielcn und immer zu weit aufrückten. Fuhballresultake vom Sonntag. War vom letzten Sonntag Ukberraschungcn erwartet hatte, sah sich ge- täuscht. Lediglich die Niederlage, die Lichtenberg l von Hertha 22 erlitt, kommt einigermaßen unerwartet. Glaubte doch alle», in Lichtenberg t schon den zu- Illnstigen Abteilungsmeister bzw. Bezirlsmeister zu sehen. Hertha 22 gelang der Wurf, seinen stärlsten Rivalen um die Führung zu schlagen. Daduroi stehen sich beide Bereine punltgleich. Nach anfänglicher ueberlegenheit Hcrthas, die zu zwei Toren führte, kann Lichtenberg da» Spiel oerteilt gestalten. In der zweiten Spielhölste kommt Lichtenberg mehr auf, ober rrst ein Elfmeter gibt Lichtenberg Gelegenheit, da» Ehrentor zu erzielen. Nordiska glaubte gegen Bernau im Spaziergang gewinnen zu können. Dir Provinzler leisteten aber hartnäckigen Wibcrstond. Bi» zur Pause führte Bernau noch mit 1: 0, Toch�dann grisscn die Ezerleut» mächtig an und stellten das Resultat bi» zum Schluß aus 3: 2. Eine hohe Niederlage erlitt Wackcr 20 von Alemannia. Das Resultat lautete om Schluß des Spiel» 9:2 für Alemannia. Nur Inavo mit 4:3 konnte Wittenau gegen Birtenwerder siegreich bleiben. Der Neuköllner Ballspiel-EIub mußte sich auch diesmal im Wirderholung»sviel vom Moriendorser Svort-Elub al» geschlagen bekennen. Wie schon beim ersten Spiel, lautete da» Resultat auch hier wieder 1:0. In Schönerlindc standen sich zwei Neulinge in der Ardeiter Fußballbewegung gegenüber. Die Turner. schalt Schönerlinde hatte Bavaria zu Gast und mußte sich ein« 0; lll-Rieder- läge gefallen lasten. Brandenburg 02 hatte sich zu seinem Jubiläum Apolda zu Gast geladen. Räch interessant verlaufenem Spiel lonnte der Jubilar mit 5-2 als Sieger den Plötz oerlasscn. Eine Fichte- Berrin»manns»ast weil'« am Sonnabend und Sonntag in Leipzig. Beide Spiele oerlicsen unent. Arn connadcnd war Leipzig-Slid der Gegner. Mit 1:1 trennten sich die Mailnschaften. Am Soniltag spielten die Fichtc-Leute gegen Amateure- Leipzig 2: 2.___ Athletik-Sport. Elab. e 99. Trainingstage während des Winterhalbjahr?» ab sofort: Männer: Montags Turnhalle des Gymnasiums am Treptower RcU Haus, Neue Hrugallee 9. von 20-22 Uhr. Frauen: Hiefholzftr. 46, Donner». tags von 20-22 Uhr Schüler: Donnerstags 18-20 Uhr Hiefholzstr. 4«. Irden Donnerstag ab 19 Uhr und Sonntag ob 22 Uhr Waldlauf vom Fichte-Sport. st: e�Ecke' Äromn?/ b ri; de Jahreshauptversammlung bei Lehnigk, Mühlen. «r�iter-SchStzrabund. Die Berliner Ablcilungen tagen: Westen<2»): fi2!ta.ä. �71?.?dr bei Menne, Steinmetzsir. 45.- Sedding: Jeden Montag 20-22 Uhr de: Iablonski. Holoniestr. 115.— Friedrichshain: Jeden Dienstag und Mittwoch 20-22 Uhr bei Menschel. Rüdersdorfer Str 51— Jeden Dienstag und Freitag 19', Uhr bei Wolfs. Pri, iz.Handjery.Str. 67. Panks«: ffnnunhous Op-L oo Utz.« u.z et... l.._ z___ f__•. Iebru Sonnabend 20-22 Uhr bei Hubert, Tamerow-, Ecke Wende. tchelsberger Rnder-Sescllschaft 1914, r. B. Dienstag. 4. Oktober, 20 Uhr, bei Bohne, Eharlottenburg, o,-....,!.»-----.-.—-3:----''' straft« Bohne, ilhliilottenburg, Schloßstraße, Bierteljahresrersammlung. Touriftenverem D« Ratursreunde", Irntrolc Wien. Ortsgruppe Berlin: 10.-iMPUtäl ftlT. Vi t—oni r tr> K rt»>"1(11'' 7«V5___« er/..---—- fttute, Dlenstag, 27 ccptcmbcr, 19'- Uhr, beginnt in Reukölln, Iugenbhe'm Schierlestr. 44, e:n Mabelkursue;„Die Frau und der Sozialismus.� Ilm reg- .mC 5fl1BUIi9k? Lebeten.— Abt. Znedrichshain: Dienstag. 27. September, ümh,/' �ilhrft T Stiebcnon: Dienstag. 27. Sep. !„4 �r' Osfenbacher etc. 5a, Reur Lieber.— Abt. Norden: Dien». tag, 27. September, 20 Uhr, Heim Soniienburger Str. 20, Bortrag— Abt D'knstag, 27. September, 20 Uhr, Turiner, Ecke Seestraße,„Warum � ä i«rf/ctn LIbt. Treptow: Dienstag, 71. September,>0 Uhr. Öl?iik 3' Heimabend,— Abt. Pankow: Dienstag. 27 September, trJSr' 4 1i8r« Liedersibung-abend.-»ew»u»g-chor: Mittwoch, 28 S'p. lember, At Uhr, Schule Tempelhofer Weg lechönebcrg).— Adr. Steglitz: Mittwoch, 28. September, 20 Uhr, im Heim Aldrechtstr. 43,— Abt Südcst, Jnn.ndgrnpp.: Mittwoch. 28. September. 20 Uhr. Reichenberger Str 66 Lichts 29" V"?bt. Prenzlauer«eig; Donnerstag, mf?. ftt', Altersheim Danziger Str. 62, Baracke 7, Werbeab-Nd. Freunhc und Käste unserer Bewegung herzlichst eingeladen,—«dt. R-inlcken. --dnnerstag 29. September. 20 Uhr. Seebad. Jugendheim. Diskussion». Leb?,e'r G.e ,8 ic.'"8" Donnerstag. JB. September. 20 Uhr. im Heim lettrlcr Ltr. 18-19. Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 29. September. 20 Uhr. Unalücksfällen."_ Abt. Neukella: Donnerstag, 29. September. 20 Uhr. Stmnmetzstr. 114, Bortrag.— Abt. Südwest: Donners- >1- Lichtbilderoortrog;.Sä-b tische Schweiz.-' w ,h£***.:. Donn£r»tafl�29. September. 20 Uhr. Stralouee Straße 55,„Plankton.— Faltboot. Abt; Donnerstag. 29. September. 20 Ubr, bonbsbergcr Str. 50. Gründung einer Selbftbauqemeinschaft»— Abt. Mahl». «s«' September. 20 Uhr. im Heim Houlsdorf. Adolfstr. 25.- Bbotoaemeinlchast.»rbc>t,gr-ppe Reukölln: Dienstag, 27. September, 20 Uhr, Scyleriestt. 44. J _ 8«,ne Tnrnerschast Schmargendorf. Hockey. Abt. Jeden Dienstag Trainina Turnhalle Granzer Str. 8-10. Freitags 20 Uhr Sitzung dei Metzner, Schmargendorf. Breite Str. tz. vi*** Wassersport»« rein„Helios, t. 99. Donnerstag, 29, September, 20 Uhr, Mit. glieberversammlung bei Reimer. Funktionäre 1714 Ubr. Achtung! Alle aktiv-n Spartgenossen Sonnabend, 1. Oktober, im Bootshautr,«eil?ie Book zu den Rachbarvcrrlncn gebracht werden müssen. Nr. 456 ch44.�ahrgaag 2. Seilage des vorwärts Krise im europäischen Stahlkartell. Schlechte Ergebnisse— Unsichere Zukunft— Deutschland bezahlt alles! Ohne Zweifel ist auf dem Gebiete der internationalen Kartelle schon eine gewisse Müdigkeit und Verdrossenheit zu bemerken. Am stärksten tritt das im europäischen Stahlkartell in Erscheinung. In den nächsten Tagen feiert die europäische Rohstahlgemeinschaft ihren ersten Geburtstag. Es ist auch aus diesem Grunde angebracht,«in- mal Rückschau zu halten, ob jene Voraussetzungen, die man seinerzeit beim Zustandekommen dieses Kartells hegte, sich erfüllt haben. Das Ziel des Eisenpakls. Als das europäische Stahlkartell gegründet wurde, hatte man zweierlei vor Augen: Erstens«in Kontingentierungs- k a r t e l l zu schaffen, das die Erzeugungs- und Absatzverhältnisse in geordnete Bahnen lenken sollte. Die durch den Krieg überfetzte und durch die politische Entwicklung zerrissene westeuropäische Eisen- und Stahlindustrie sollte für Produktion und Absatz in ein festes Der- hältnis zueinander gebracht werden. Als Mittel hierfür hatte man die Anpassung der Produktion an den Absatz, nach Quoten geregelt, ins Aug« gesaßt. Als weiteres Ziel schwebte den Gründern die Bildung von Verkaufsverbänden vor. Dies« Verkaufsverbände sollten sich noch dem Muster der deutschen Eisen- kartelle wie ein Kranz um die Rohstahlgemeinschaft legen und sowohl den Absatz wie die Preise regeln. Was wurde nun erreicht?— Die Außenseiter. Die Bildung von Berkaufsverbänden ist nur für zwei Produkte vollständig zur Tatsache geworden, und zwar bei R ö h r en und bei Schienen. Das europäische Schienenkartell, die Erma, ist auf zwei Jahre fest zusammengefügt und der Röhren- verband ist bis zum 31. März 1930 gesichert. Der internationale Walzdrahtverband befindet sich noch in der Schwebe und alle übrigen Versuche sind in Ansängen stecken geblieben. Erreicht ist nur die quotenmäßige Austeilung der Produktion. Auch bezüglich der Ausdehnung und festeren Be- gründung der europäischen Rohstahlgemeinschast ist man nicht weiter gekommen. Außer den vier Ländern: Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg einschließlich des Saargebiets ist es bisher nur zum Anschluß der Eisenindustrien der Tschechoslowakei, Oesterreichs und Ungarns gekommen. Mit Polen verhandelt man seit Monaten, ohne daß ein greisbares Resultat sichtbar ist. Die Eng- länder haben ebenfalls ihre Geneigtheit erklärt, den Anschluß in Erwägung zu ziehen. Dabei ist es bisher geblieben. Beide Länder haben außerhalb des Stahlkartells ihre Interessen weit besser zu wahren oerstanden. Sie profitieren an den durch das Kartell herbeigeführten hohen Preisen und sind andererseits den Einschrän- kungen und Belastungen nicht unterworfen, die sie als Kartellmit- glieder zu tragen hätten. Zu Kampfhandlungen g e g e n die Außen- seiter ist es bisher nicht gekommen, wohl mit Rücksicht darauf, weil man immer noch hosst, ihre Einbeziehung in dos Kartell bewerk- stelligen zu können. In dem ersten Jahre seit Bestehen der Rohstahl- gemeinschaft sind mikhin die Resultate, besonders für feine Erweite- rung, sehr gering. handelspolitische Schwierigkeilen.— Das Ueberschreitea der Quoten. Bei der Beurteilung der internationalen Eisenkartellierung muß man sich die Verschiedenheiten der einzelnen Länder vor Augen führen. Einen breiten Inlandsmarkt hat eigentlich nur Deutschland. Frankreich, Luxemburg, das Saargebiet und Belgien sind gezwungen, erhebliche Mengen ihrer Produkte auf dem Welt- markt absetzen zu müssen. Ein großer Jnlandskonsum bei dem einen Mitglied und ein großer Exportbedarf bei den andern Mitgliedern find Dinge, die sich solange nicht reibungslos in ein System ein- schalten lassen, solange Zollmauern und Handelserschwernisse zwischen den beteiligten Ländern bestehen. Die Produktion sregelnng der europäischen Rohstahlgemeinschaft konnte aus diesem Grunde nicht wirksam in Erscheinung treten. Deutschland hotte ohne Zweifel schon bei der Quotenbemessung schlecht abgeschnitten. Die deutsche Stahlindustrie hat jetzt eine glänzende Inlandskonjunktur, deren Ausnutzung durch das Stahlkartell aber nicht gefördert, sondern eher gehemmt wird. Die deutschen Partner waren gezwungen, die festgesetzten Quoten wesent- lich zu überschreiten und für diese Ueberschreitung nichi geringe Strafen zu bezahlen. Bekanntlich sollte jede Mehrproduktion über die festgesetzte Quote hinaus mit einer Strafe von 4 Dollar pro Tonne belegt werden. In der Iunisitzung erhielt Deutschland das Zugeständnis, nur für 28 Proz. der Mehrerzeugung eine Strafe von 4 Dollar bezahlen zu müssen, während für 72 Proz., die als Inlandsbeteiligung gedacht war. nur eine Strafe von 2 Dollar in Frage kommt. Die deutsche Mehrproduktion betrug im ersten Halbjahr seit Bestehen der Rohstahlgemeinschaft 1 Sil 9lX) Tonnen und im dritten Vierteljahr(April/Juni) wurde die Quote im Der- hältnis noch stärker, nämlich mit 833 000 Tonnen überschritten. Für die letzte Ueberschreitung mußte eine Strafe von 1,66 Mill. Dollar an die Ausgleichskasse gezahlt werden. Insgesamt hatte Deutschland in den neun Monaten vom Oktober 1926 bis Juni 1927 die nicht geringe Summe von 7 700 000 Dollar oder 32,34 Mill. Mark als Strai« für Mehrerzeugung zjn die Ausgleichskasse zu zahlen. Frankreich hingegen nutzte sein« Quote nicht aus und bekam ins- gesamt als Rückvergütung für Mindererzeugung in den neun Monaten die Summe von 698 000 Dollar. Allerdings kommt ein Teil der Strafe durch die Aufteilung des Bestandes der Ausgleichskasse an Deutschland zurück. Dennoch ist die Belastung erheblich. was der Präfidenk Mayrisch dazu sagt! In einem Artikel des Präsidenten der europäischen Rohstahl- gemeinschaft, Dr. Emil Mayrisch, in der»Kölnischen Zeitung" lesen wir folgendes:»Deutschland ist in der Lage, infolge der straffen und beneidenswerten Organisation seines inneren Marktes, die ihm zollpolitisch gesichert ist, eine Pönalität(Strafe) von 4 Dollar je Tonne für Quotenüberschreitung auf die gesamte deutsche Produktion abzuwälzen, die beispielsweise im zweiten Quartal d. I. dadurch nur mit 1 M. pro Tonne belastet wurde.(Im letzten Quartal 1926 waren es 1,22 M., im ersten Quartal 1927 waren es 2,12 M.) Es soll nicht verkannt werden, daß seine Belastung und daß die absolute Summe sehr erheblich ist.(1 200 000 Dollar im vierten Quartal 1926, 2 200 000 Dollar im ersten Quartal 1927, und 1 Mill. Dollar im zweiten Quartal 1927): aber die Belaswng Ist tragbar." Herr Emil Mayrisch gibt die Belastung des deutschen Inlands- Marktes zu, erklärt sie als tragbar und beneidet die deutsche Eisenindustrie um den hohen Schutzzoll. Für die deutschen Eisen- konsumenten aber ist es sehr unangenehm, daß die europäische Rohstahlgemeinschast das Monopol der deutschen Eisen- industrie auf dem Inlandmarkt noch verstärkt hat. Aus diesem Grunde muß das deutsch« Volk nicht nur den hohen Zoll ertragen, sondern auch noch die Kosten auf sich nehmen, die die europäische Rohstahlgemeinschast der deutschen Eisenindustrie auf- erlegt. Alz Resultat der Entwicklung des Stahlkartells ist festzu- holten, daß die gedacht« internationale Zusammenarbeit nur genng in Erscheinung trat, dafür aber die Tendenz zum monopo- listischen Protektionismus neue Nahrung erhielt und sichallein als lebensfähigerwiesen hat! Das Resultat. Versucht man die Situation in der europäischen Stahlindustrie zusammenfasiend zu beurteilen, so ergibt sich folgendes: Durch den Abschluß des deut s ch- f ra n z ö s i s che n Handelsver- träges ist das europäische Stahlkartell bis zum 1. Juli 1929, von wo ab die Kündigung erstmalig erfolgen kann, gesichert. Die Dil- dung von Verkaufsverbänden ist nur in einigen Pro- dukten gelungen, bei allen übrigen ist sie fraglich. Infolge der mit Hilf« des Stahlkartells eingetretenen Preiserhöhungen wurden die Außenseiter gekräftigt und die Möglichkeiten, Konkurrenzbetriebe in den einzelnen Ländern zu errichten, gestärkt. Di« Errichtung der Stahlwerke Niederrhein A.-G. seitens einer deutfch-holländischen Gruppe ist hierfür ein bezeichnen- des Beispiel. Das in Aussicht genommene Roheisenkartell ist über die sranzösisch-belgisch-luxemburgische Roheisenentente nicht hinausgekommen. Der Anschluß Deutschlands wird voraussichtlich nicht in Frage kommen. Die den Eisenindustriellen gegebenen Vollmachtei, außerhalb der staatlichen Handelsvertragspolitik«in befriedigendes Verhältnis zwischen den Staaten zu schassen, haben nicht das ge wollte Resultat gezeitigt. Den deutschm Unterhändlern fehlt« bei den Handelsvertragsverhandlungen das wertvolle Objekt der Eisen- zölle und der Eisenkontingente, wodurch ihre Stellung erheblich ge° schwächt wurde. Daraus ergibt sich«ine w i ch t i g e L e h r e! Die privatwirtschaftliche Regelung solcher Fragen, wie sie auch in anderen Fällen durchgeführt wurde, muß in Zukunft unterbleiben. Die Aushöhlung der staatlichen Handelspolitik durch Private nützt weder dem Staat noch der Gesamtheit. Was nun? Bleibt der Eisenpakt bis zum Jahre 1929 bestehen, so wird er nachdem eine bedeutende Veränderung erfahren, lieber die Zukunstsaussichten äußert sich Dr. Mayrisch folgender- maßen:„Ob man freilich die späteren Verständigungen in der gegen- wärtigen Form von festen Verbänden wird aufbauen können, er- scheint mir fraglich und nicht erstrebenswert. Sie ist nicht, das zeigt uns Amerika, und darauf deuten manche Anzeichen auch in Europa, die alleinige Form wirtschaftlicher Verständigung weder aus natio- nalem noch auf internationalem Gebiete, besonders dann nicht, wenn die sich ausdrängende Konzentration mit daraus folgender Rationali- sierung auch außerhalb Deutschlands sich entwickelt." Das ist unNar. Wahrscheinlich wird daraus hingedeutet, daß ein Zusammen- schluß in Form von gegenseitigen Beteiligungen der Werke untereinander, d. h. nach den Grundlinien eines Konzerns oder Trusts, erfolgen soll. Das ist eine Entwick- lung, die Arnold R e ch b e r a und ander« ebenfalls für notwendig halten. Doch braucht man sich hierüber vorläufig nicht den Kopf zu zerbrechen. Tatsache ist, daß auch internatisnal bereits eine Kartell- dämmerung hereingebrochen ist, die die fernere Existenz der bis- her geschaffenen Gebilde in Frage stellt. Für den Kenner der Ver- Hältnisse war dies schon länger klar. Eine Industrie in der Art der europäischen Schwerindustrie, die sich bis dahin auf das Heftigste gegenseitig bekämpfte, wird niemals in schnurgerader Lim« über all die Schwierigkeiten hinweg zu einer internationalen Verständigung kommen, die Differenzen schwerer Art ausschließt. Es scheint, daß dazu erst noch heftige Kämpfe notwendig sind. Aber eine Zusammen- arbeit der Stahlindustrie über die Grenzen hinaus wird man für alle Zukunft als sicher annehmen können. Paul Ufermann. Europäisches Kunftfeiüemonopol. Der letzte europäische Außenseiter auch kartelliert. Die europäische Kunstscideindustrie ist jetzt vollständig und sehr scharf kartelliert. Sie hat aus den europäischen Märkten«in Monopol. Das ist das Ergebnis der Meldung, daß jetzt auchdiefranzösi- schen Kunstseidegruppen, die in dem„Lomptoir des Tcxtiles artilicielles" zusammengefaßt sind, sich der im Januar dieses Jahres entstandenen„Arbeitsgemeinschaft" zwischen der eng- tischen Courtauld-, der deutschen Glanzstoss- Bembcrg- und der italienischen Luia-Viscosa-Gesellschast angeschlossen hat. Da die vier großen Ländergruppen auch den größten Teil der holländischen, belgischen, schweizerischen Industrie beherrschen, da insbesondere die deutsche Glanzstoff-Bemberg und die englische courtauld-Gesellschaft durch ihr« großen Interessen in Amerika das Vorgehen des amerika- Nischen Außenseiters kontrollieren, wird der ganze europäische Markt von dem Kunstseide-Lierbund beherrscht werden. Die Tragweite dieser Tatsache ist nicht obzu- sehen. Das Kunstseidekartell ist dos umsossendste, aktionssähigste und zukunftsreichste der internationalen Kartelle. Das Kapital ist in sehr wenig Händ«n: es handelt sich um nur wenige, große Unter- nehmungen. Es wird keine Rede davon sein, wie ein Direktor der Suia- Vjscosa kürzlich erzählte, daß die Hauptausgabe der Arbeitsgemeinschaft der ständige Austausch von Patenten und technischen Verfahren sein wird. Tatsächlich will das Kartell vollständig die Konturrenz aus- schalten und durch Abreden über Absatz- und Produttionsregelung die Preise für Kwnßjeid« dittiereu, Mit Erfolgen des Kartells im privatkapitalistischen Sinne wird um so sicherer zu rechnen sein, als die europäische In- dustrie, trotz gewaltiger Ausdehnung, bisher den Bedarf noch nicht besriedigen tonnte und gerade der Ueberproduktion entgegen- gewirkt werden soll, falls der Bedarf einmal befriedigt werden kann. Von besonderer Bedeutung aber ist, daß sich dieses Monopol letztlich im Haushalt und im Verbrauch der Massen festsetzen wird, die für Kunstseide je länger desto mehr„der" Verbraucher sein werden. Das Problem der internationalen Monopo l?on- trolle ist damit auf dem Gebiet der Kunstseide von neuem gestellt. Es ist in besonders interessanter und dringlicher Weis« gestellt. Die O«ffentlichkeit wird gut tun, sich rechtzeitig darüber Gedanken zu machen. Die Frage der öffentlichen Kontrolle der Schlüsselindustrien, und die Erzeugung von Kunstseide ist eine neue Schlüssel- industrie. ist akuter als je. Riesentrust für Margarine. Fühlbarer noch, wichtiger noch für die Konjumentenmassen als der bevorstehende internationale Kunstseidetrust ist das wohrscheinllchc Zustandekommen eines holländisch-englischen Margarinetrust», das aus Amsterdam gemeldet wird. Ein internationales Margarinesyndikat ist zunächst der äußere Ausdruck des zwischen den bisher im Kampf miteinander liegenden van den Bergh- und Jürgens-Konzernen geschlossenen Friedens. Der dritte Im SqnWfat soll der englisch« Großkonzern Lever Brothers in Londou sein. �. dleastag, 27. September 1927 Ueber 300 Margarinefobriken, über 300 Millionen Gulden Kapital, 1,2 Milliarden Pfund Margarine Jahresproduktion, allein bei den beiden holländischen Konzernen charakterisieren die Stärke der neuen Kombination. An Stelle des bisherigen Konkurrenz- kampfes wird die gemeinsame Ausbeutung des weitgehend be- herrschten Marktes treten. Rührend dabei, daß große Preis- senkungen versprochen werden. Es ist Mode geworden, daß Grohkapitalisten ihre schwersten Schläge gegen den Konsumenten mit Preissenkungsversprechen einführen zu müssen glauben. Neues großes Warenhaus üer K.G.S. wie wir erfahren, hak die Berliner Sonsumgenossen- schaff da» große Berliner Konscklionshaus Maaßen, Oronien- ftraße, ausgekauft. Die Firma Blaaßen Hai einen Jahresumsatz von mehreren Millionen. Die Berliner Konsumgenossenschaft wird das Haus in Zukunft als Warenhaus weiterführen und vermehrt dadurch die Zahl ihrer Warenhäuser von vier aus fünf. Nu ihren Zrüchten sollt ihr sie erkennen. Tie Herren und die Knechte. Ein charakteristisches Gegenstück zu unserem kürzlich ge- brachten Artikel über die enormen Absindungsjummen, die von der Reiher st ieg-Deutsche Werft an zwei«ntlassene Direk- toren gezahlt worden sind, ist folgender Fall: Im August vorigen Jahres feierte die Firma Wetzel u. Freytag, K.-G. a. A., ihr Svjähriges Geschäftsjubiläum. Di« beiden Inhaber des Werkes gründeten damals, nachdem sie ihren leitenden An- gestellten im Uhlenhorster Fährhaus— einem der vornehmsten Hamburger Restaurants— ein Festessen gegeben hatten, für das Gros der Angestellten und Arbeiter eine Unterstützung»- lasse mit einem Fonds von 5000 M. Ueber dieses Geschenk erließen sie«ine Bekanntmachung in allen Hamburger Tageszeitungen. Da der Arbeiter- und Angestelltenschaft außer diesen S000 M. keinerlei andere Zuwendungen, wie sie sonst im ollgemeinen bei Jubiläen üblich sind, gemacht wurden, glaubte' sie, und das wohl mit gutem Grund,«in dauerndes Anrecht auf das Festgeschenk zu haben. Die inzwischen zur Rechtsnachfolgerin der Reiherstieg-Wetzel u. Freytag-Eesellschaft gewordene Deutsche Werft A.-G. ist hierin anderer Meinung. Sie will die Kasse auflösen und erklärte auf eine Anfrag« des Angestelltenrats, daß die Werft di« 5000 M. für sich beanspruche. Der Wunsch des Angestelltenrats, das Geld, auf das die Deutsche Werft doch rechtlich absolut keinen Anspruä) habe, möge zur Unterstützung d«r Ang« st eilten, ins- besondere der von der Deutschen Werft gekündigten Kollegen, ver- wendet werden, verfiel der Ablehnung. Die Angestellten werden dadurch gezwungen, um dieses ihnen von den' früheren Chess der Firma gemachte Geschenk einen Prozeß anzustrengen. Das ist die höchst sonderbare Geschichte einer als Jubiläums- gäbe den Reiherstieg-Wetzel u. Freytag-Angestellten und-Arbeitern gestifteten und laut verkündeten Unterstützungskasie: sie wäre sicher ein ausgezeichneter Stoff zu einer Anekdote in einem Witzblatt Sie beweist aber auch grell den gewaltigen Unterschied in der Behandlung der Arbeiter und unteren Angestellten gegenüber den ehemaligen Kollegen vom Direktorium. Den letzteren wird das Geld mit Scheffeln in den Hals qeworfen, den elfteren verweigert man«inen verhältnismäßig geringen Betrag, den die' früheren Chefs als Schenkung für die in Not befindlichen Arbeitnehmer gestiftet hatte», und der nie besser als jetzt seinem gedachten Verweiidungs- öweck hatte zugeführt werden können, da«ine ganze Reihe alter Leute entlassen worden ist. Fürwahr. Vornehmheit gegen ihresgleichen, Schäbigkeit gegen die übrige Ar- beitnehmerschaft, das scheint das Leitmotiv der führenden Herren der Werft zu sein.___ Großes Geschäft und neuer Sapilalbedars in der Druckerei- masch, neninduslrie. Die Dresden-Leipziger Schnell- Pressenfabrik A.-G. Naundorf in Sachsen steht in der deutschen Druttereimaschinenindustri« mit an erster Stell«. Von sämtlichen in Deutschland fabrizierten Offsetdruckmaschinen entfielen schon 1926 etwa 60 Proz. aus di« Produktion dieser Gesellschaft. So läßt der Abschluß dieses führenden Unternehmens immerhin einen gewissen Rückschluß aus di« Lage des ganzen Industriezweiges zu. Der kräftige Aufschwung hat bis in den laufenden Monat hinein angehalten. Obwohl erst im' Oktober 1926 dos Kapital zur ausschließlichen Stärkung der Betriebsmittel um 600 000 auf 3 Millionen Mark erhöht wurde, hat die Verwaltung wegen des steigenden Umsatzes eine weitere Erhöhung des Kapitals um ein« auf 4 Millionen beschlossen. Auch der Erlös dieser Million neuer Aktien wird ausschließlich in den Betrieben Ver- wendung finden und kommt nach dem Scheitern der Fusions- Verhandlungen mit der Schnellpressenfabrik Faber und Schleicher A.-G., O s f e n b u r g, für Angliederungszwecke nicht in Betracht. Die im vorigen Jahre fortgesetzten Rational,- sierungsarbeiten hab«n mit weiter durchgeführter Typisie- rung der Maschinen die G e st« h u n g s k o st« n erheblich herabgedrückt. Die allgemeinen Unkosten, die vor zwei Iahren noch über eine Million betrugen, 1925/26 auf 880 000 M. zurück-> gingen, machten im letzten Geschäftsjahr nur noch 700 000 M. aus! So konnte trotz gesunkener Betriebsgewinne und bei gleich hohen Abschreibungen ein um 80 000 M. erhöhter Rein- gewinn von 483 000 M. ausgewiesen werden, von dem die hohe Dividende von 10 Proz. wie im Vorjahr gezahlt wird. Das Unternehmen, das zurzeit etwa 1250 Mann Belegschaft hat, ist mit der Erledigung der vorliegenden Aufträge noch für längere Zeit voll beschäftigt. Für die Wellergeschädiglen sind vom preußischen Staats- Ministerium weitere Erleichterungen angeordnet worden. Der Ober- Präsident der Provinz Niederschlesien wurde ermächtigt, in den in diesem Jahre wiederum durch Unwetterschäden stark heim- gesuchten Kreisen die RückZahlungstermine für die' im vorigen Jahre gegebenen Notstandsdarlehen um«in Jahr zu verschieben und darüber hinaus bei besonders großer Notlage der Darlehnsnehmer die 1926 gewährten Darlehen(auch Zinsen) ganz oder teilweise nieder- zuschlagen. Der preußische Minister des Innern teilt auf eine Anfrage mit, daß auch die Oder-, Warthe- und Netze- Niederungen in die Maßnahmen einbezogen worden sind, di« für die ganze Provinz Brandenburg wegen der Wetterschäden veranlaßt wurden. Bilanz im Himmeisbach-Konkurs. Der Konkursoerwalter der zusammengebrochenen Gebrüder Himmelsbach A.-G. in Freiburq gibt eine Bilanz zum 29. Juli d. I. bekannt, aus der die Liquidations- schätzungen und die zu erwartende Gläubigermasse zu ersehen ist. All« Aktiven, insbesondere die Liegenschaften und die Betriebe, sind zum Versilberungswert eingesetzt. Pon den insgesamt 9,38 Millionen Aktiven bleiben nach Aussonderung der gesicherten Bantsorderungen, der bevorrechtigten Gläubiger und der Reserven für Prozesse und Konkurskosten voraussichtlich' insgesamt 8,39 Millionen Mark als Gläubigermasse. Dem stehen Forderungen der Konkursgläubiger mit 14,27 Millionen Mark gegenüber, so daß mit einer Befriedigung von etwa 25 Proz. zu rechnen wäre. Sollte Bayern mit seiner 3l4-Mjllionen-Forderunq durchdringen, so werden die Gläubiger- sorderungen entsprechend höher. Aus der anderen«eite sind aus dem Berkauf der Werke und aus der Mologa-Liquidation unter Um- ständen noch mehrere Millionen zu erwarten, Mus der Partei. �ungsozialisten-konferenz. In Boblitz bei Lübbenau fand die 3. Gaukonferenz des Gaues Berlin-Brandenburg der Jungsozialistsn statt. Als Vertreter des Partei, und Bezirksvorstandes war der Genosse W e g n e r er. schienen, der in seiner Begrüßungsansprache die Belebung der Partei durch die Iungsozialisten wünschte. Im Mittelpunkt der Tagung stand das Referat des Genossen Lepinski über„Partei- und Iungsozialisten". Das Verhältnis zwischen Iungsozialisten und Partei sei seit Kiel geklärt. Notwendig aber ist, oo» Zeit zu Zeit die Stellung von Jungsozialisten und Partei in der Gesellschaft zu klären. Die Jungsozialisten sind ent- standen im Schnittpunkt der Jugendbewegung und der Arbeiterbe- wegung. Während aber die bürgerliche Jugend in ihrem Kampfe gegen die eigene Klasse sich in Weltträumerei verlor, faßte der Gedanke der Selbständigmachung der Jugend festen Fuß in der sozialistischen Jugendbewegung. Die sozialistische Jugend ist fest verwurzelt in der Bewegung der erwachsenen Arbeiterschaft, deren Ziel, die Erkämpfung der klassenlosen Gcsellschast mit den Mitteln des Klaffenkanipfes, auch Inhalt unserer Bewegung ist. Die uns im Rahmen der Partei gestellte Ausgabe erstreckt sich u. a. auf die Erziehung und Heranbildung von politischen Menschen, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung durch die sozialistische ersetzen wollen. Hierbei bedarf es der Erkenntnis der Zusammenhänge des gesellschaftlichen Lebens. Es wird die besondere Ausgabe der ar- beitenden Jugend sein, in dem Kampf um die Staatsmacht, um die Gewinnung der Seele des Proletariers in vorderster Reihe zu stehen. Es gilr, unser Studium des Marxismus in den Willen zur Tat, in politisches Handeln umzusetzen. Die Notwendigkeit einer Jugend- bewegung erklärt sich aus der Tatsache, daß der Sozialismus nicht Aufgab« einer Generation sein kann. Jeder Generation sind be- stimmte Ausgaben gestellt im Kampfe für den Sozialismus. Aus der Umgrenzung dieser Aufgaben erklären sich manche Spannungen zu Teilen der Partei. Das heißt nicht Opposition um jeden Preis, heißt nicht Wortradikalismus. In unserem Kampf um die politische und wirtschaftliche Macht wünschen wir unsere Partei zu einem möglichst guten Instrument des proletarischen Klassentämpfes aus- gestaltet zu wissen. Es gilt, die indifserentev Massen für den Sozialis' muß zu aktivieren. In diesem Kampfe ist uns die Demokratie ein günstiger Boden, über deren Grenzen im Klassenstaat wir uns aber im klaren sind. Den Geschäftsbericht erstattet« der Gauleitor Genosse L a m n. Sein Bericht wie auch die lebhafte Diskussion waren ein« lebendige Unterstreichung des Referates. Unter Berücksichtigung der sehr verschiedenen sozialen Struktur unseres Gaues heißt es auch hier noch viel Arbeit zu leisten in der Gewinnung der arbeitenden Jugend für die Partei. Die Wahl der Gauleitung ergab: Als Gau- leitcr Genosse Waldmann, Nls Berliner Gauleitungsmitglieder die Genossen Bartz, Holz, Liljebcrg. Jede Brandenburger Gruppe entsendet«inen Vertreter in die Gauleitung. Als Reichsaus- jchußmitglied wurde gewählt Genosse Schulze- Luckenwalde. Mit einer Fahrt in den Spreewald sand die Konserenz ihr Ende. Groß- berliner parteinachrichten. Achtung! ZNitglieder und„vonoärts-.Lejer der Gehag- Siedelung im Aischlalgrund Zehlendorft Am Mittwoch, dem A. Stpttmbn, 20% Uhr, findet die tonftitnierende Versammln»,, im Waldhan», Spandaner Straß«, statt.—»ringt Arennd« nnlerer Vcwcgung mit! 5. llrei» Frtedrichahain. Sonntag, drn 2. Oktober, gehen die kenosfinnen und Genossen nicht für Hindcnburgseicr, sondern für Morgenfeier im Germania.Palast, ffranksurter Allee 314. Alles Nähere durch die Bezirks. führer. lt. ltrci» Schäneberg.Friedenan. Mittwoch, 28. September, 17% Uhr. Frak» tionssitzung mit den BUrgerdeputierte» im neuen Rathaus, Rudolf-Wildc. Platz, Zimmer 144. Freitag, 30. September, 20 Uhr, bei König, Feurig. Ectc Prinz»Gcorg.Stratzc, Sitzung des ltreisvorstandcs mit den Abteilungs» leitern und.dem Obmann des Bildungsausschusses. lZ. Kreis Tempelhos. Heute, Dienstag. 27. September, 20 Uhr, wichtige Fraktionssstznng in Tcmpelhof, Dorsstr. 42, parterre.— Mittwoch, 28. Sep. tcmber, 1S% Uhr, bei Niendorf, Mariendorf, Ghausseestr. IS. Sitzung de» Kreisbildungsausschusses. Berichtigung: Der Vortrag des Genossen Dr. Kurt Löwenstein Uber Bürgerliche und' sozialistische Kultur findet nicht am 8., sondern am Dienstag, 4. Oktober, im Festsaal des Symnastums, Tcmpelhof, Kaiserin-Augustastraßc, statt. 10. Krei« Köpenick. 28. September, 19% Uhr, Stadtthcater, kleiner Saal, Köpenick, Friedrichstr. 0, Kreisfunktionärversammlung. Vortrag de» Ge. Nossen Landgerichtsrat Rüben:„Der Kampf um ein soziales Wohn, und Mictrecht." Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. 17. Krei» Lichtenberg. Mittckoch, 28. September, 20 Uhr, in der 37. Schule, Marktstr. 12 Bcrsammlung der sozialdemokratischen Lehrer, Elternbeiräte und Ersatzleute. Erscheinen aller sozialdemokratischen Lehrer, Elternbeiräte und Ersatzleute ist Pflicht.— Jede Schule und Abteilung muß unbedingt perlretcn sei». 14. Krei» Neukölln. Heute, Dienstag, 27. September, IS Uhr,'im Parteibureau, Neckarstr. 3, Sitzung des engeren Kreisvorstandes. heute. Dienstag 27. September: 10. Abt. lg% Uhr im Lokal Krüger, Hussitcnftr. 35 Ecke Echeringstraße, Mitglied« rocrsammlung. Vortrag:„Der Reichsschulgesetzeniwurf." Referent Dr. Schulz. Alle Genosstnnen und Genossen werden um ihr Erscheinen gebeten. Gäste willkommen. 92. Ab». Renlölln. 20 Uhr pünktlich bei Wolfs. Kaiser-Friedrich-Str. 173. Sitzung des Abteilungsvorstandes mit sämtlichen Bezirksführcrn und Zahl- abcndleitern. Mitgliederversammlungen und Zohlabende am Mittwoch. 28. September: 3. Abt. 19% Uhr im Eaol l des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, Vor- trag mir Lichtbildern:„Moderne Wohnkultur und Hauswirtschaft."„Vor. wärts".Leler und Sympathisierende sind willkommen. Die Bezirksführcr laden ein. 0. Abt. 19% Uhr Zahl-b-nde. Bezirke 488, 487, 491 bis 495, 503: Blas, ins«, Kaftanienollee 54: Bezirke 496 bis 500, 505 bis 508 bei Dobrohlaw, Swine» . niünderstr. 11: Bezirke 501 bis 502 bei Dehlitz, Schwedter Str. 227: Be. Bortrag:„Gegen die ..»8 Schütte: Doms, Schlegelstr. 9, Vortrag: „Das Arbcitsgcrichtsgcsetz." Referent Willi Klllsener: Beirau, Schwartz- kopsftr. 1; Neuser, Bcyenstr. 19; Kube, Etrehlitzer Str. 55. 11. Ab». Sämtltäie Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der Kreis- Mitgliederversammlung. 14. Abt. 19% Uhr in der Schule, Putbusser Str. 3, Vortrag:„Der Reichs- schulgesctzcntwurf." Referent Gerhard Pufch. 15. Abt. 19% Uhr bei Schmsedl, Pinetaplatz 7, Vortrag:„Arbeiterschaft und Polizei." Referent Ernst Hildcbrandt. Gäste und„Vorwärts".Leser sind willkommen. 17. Abt. 19% Uhr bei Schreiber, Triftstr. 83, Vortrag:„Der Reichsschul- gesrtzcntwurf." Referent Richard Schröter. 18. Abt. 19% Uhr bei Müller, Uferstr. 12, Vortrag:„Der Reichsschulgesetz- entwurf". Referent: Dr. Sturm. 19. Abt. 19% Uhr in der Grauen Schule, Gothenburger Str. 2, Vortrag: „Das neue Arbeitslosenversicherungsgesetz." Referent Stadtamtmann Georg Reich. Alle Genossen müssen erscheine». Freunde und Sympathisierende sind herzlichst eingeladen. 20. Abt. 20 Uhr be« Wende, Koloniestr. 147, Vortrag:„Die Sozialdemokratie im heutigen Staat. Referent Felix Fechenbach. 21. Abt. 19% Uhr im Schradcrhaus, Malplaguetstr. 14/16, Vortrag de» Ge- nassen Erich«uttncr, M. d. L.:„Politische Tagcsfragen." 22. Abt. Die Bezirksführer rechnen bestimmt am Mittwoch und Donnerstag beim Genossen Schmidt ab. 24. Abt. 19% Uhr im Altersheim, Danziger Str. 82, Vortrag:„Der Reichs. fchulgefetzentwurf." Referent Wilhelm Miethke. 25. Abt. 19% Uhr im kleinen Saal des Saalbau Friedrichshain, Am Frie- drichshain, Vortrag:„Der Reichsfchulgesetzcntwurf." Referent Bürger- meiftcr Dr. Ostrowski.„VvrwLrts"-Lcser und Sympathisierende sind will- kommen. Die Bezirksführer laden ei». 28. Abt. 19% Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Vortrag:„Der Reichsschul- gcsetzentwurf." Referent Stadtverordneter Gustav Hädicke. 29. Abt. 19% Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. 30. Abt. 19% Uhr in den Casino-Festsälcn, Papeplallee 15, Vortrag:„Der Reichsschulgefctzentwurs." Referent Dr. Siegfried Kawcrau. Säfte sind eingeladen. zirt 504 bei üsedmann, Rheinsberaer Str. 48. 7. Abt. 19% Uhr Zahlabende bei Döll, Beraftr. 71, Todesstrafe." Reserent Dr. Max Schütte: Doms, b lt. Abt. k»% Vtre te Schmidt, Gesellschaft� an«, Feuchtste. 91», Vortragt „Sozialdemokratie und Freidenkerbewegung." Referent wird»ach beiannt. gegeben. Vollzählige» Erscheinen aller Genossinnen und»«Nossen wird erwartet. 33. Abt. 19% Uhr in der Aul-, Hohenlohestr. 3, Vortrag:„Da« neue Ar- beitslosenvcrsicherungsgesetz." Referent Rudolf Karsten. 35. Abt. 19% Uhr pünktlich in der Schulaula, Samoriterstr, 20, Vortrag: „Gehurtenrückgang und Geburtenregelung in Verbindung mit dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." Referent Dr. Norbert Marx. Wegen des intercssantc» Themas ist vollzähliges Erscheinen oller Mitglieder notwendig. Gäste, insbesondere Frauen, können eingeführt werden, 30. Abt. lg% Uhr in der Schnlaula, Etraßmannstr. 8, Vortrog:„Die Be. dcutung der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten." Referent Dr. Fritz Schönhcrr. 37. Abt. 19% Ubr in der Patzenhofer-Brauerci, Landsberger Allee. Vortrag: „Die letzte Völkcrbundsversammlung." Referent Viktor Schiff. Gäste will- kommen. 38. Abt. 19% Uhr pünktlich bei Schmidt, Fruchtstr. 38-, Vortrag:„Das Ar, beitsloscnversicherungsgesctz." Referent Stadtverordneter Hermann Lempert. Kundgebung gegen das Bllrgerblock-Echulgesetz. Alle Genossen müssen wegen der wichtigen Tagesordnung erscheinen. Eingeführte Gäste will- kommen. 39. Abt., 40. Abt., 41. Abt. 19 Uhr gemeinsam« Mitgliederversammlung im Bezirksamt Krcuzberg, Porckftr. 11, Lichtbildervortrag:„Aus der Waffen. schmiede des Sozialismus," Ansprache des Genossen Richard Barth. Ouartettgesang. 42. Abt. 19% Uhr Zahlabende: Braun, Planuser 39: Wiersdorfs, Urbanstr. 8: Buhr, Blücherstr. 38: Vogeler, Mittenwalder Str. 18: Sechaak, Willibald- Alexis- Str. 5; Höhlke, Bergmannstr. 69. 43. Abt. 19% Uhr bei Rabe. Fichtestr, 29, Vortrag:„Der Reichsschulgrsctz. entwurf." Referent Dr. Kurt Löwenstein. 45. Abt. 19 Uhr in der Schulaula, Forster Eckr Reichenberger Straße. Film. Vorführung:„Aus der Waffenschmied- des Sozialismus." Einlaß 18 Uhr. „VorwLrts",Lcser und Eympathistercnde sind eingeladen. 47. Abt. 19% Uhr bei Rowack, Manteuffelstr. 9, Bortrag:„Bartei und Rcichsbanncr." Referent Johannes Stelling. M.'d. R. Diskussion. Eharlottenbueg. 53. Abt. 19% Uhr bei Braun, Kaiserin-Auausta-Allee Ecke Reuchlinstraße, Vortrag:„Konsumgenossenschaft und Volksfürsorge." Rcfe- rent Bruno Gropplcr,— 55. Abt, 20 Ubr Iahlabend. 8. Gruppe: Groth, Wallstr. 90, Vortrag und Mitteilungen, 10. Gruppe: Bohne, Schloßftr. 45, Vortrag:„Wirtschattskonzentration und Geiftesfrciheit." Referent Genosse Ziege.— 58. Abt. 20 Uhr bei Ioskowiak, Soltzcndorffstr. 20, Vortrag: „Moskau 1927— Reifceindrücke," Referent Dr. Otto Fricdländer. Gäste willkommen.— 57. Abt. 19% Uhr bei Thunack, Wielandstr, 4, Vortrag: �Frauenarbeit keine Episode, sondern Dauerzustand?" Referent Dr. Adolf Braun. Gäste willkommen. 07. bi» 73. Abt. Wilmersdorf. Achtung, Abteilungskassierer! Wegen einer wichtigen Besprechung müssen olle Abteilungskassierer pünktlich um 20 Uhr zur Stelle sein. e 74. Abt. Zehlendorf. Die Mitglieder werben gebeten, die um 20 Uhr be. ginnende öffentliche Persammlung des Mietcrvereins(Dr. Eoetzel) im Lindenpark destimmt zu besuchen. Schäneberg. 77. Abt. 30 Uhr bei Will. Martin-Luther-Etr. 89, Mitgliederver- sammlung.— 78. Abt. 20 Uhr bei Rosenthal. Ebcrsstr, 88, Bortrag:„Da- Agrorvrogromm der Partei." Reserent Studienrat Erwin Marauardt. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr im Ratskeller des Friedcnaucr Rathauses, Gesell- schaftszimmer. Am Lauterplatz, Vortrag:„Wohnungsbau." Referent Archl- tckt Linnecke. Gäste willkommen. � 83. Abt. Lichterfeld-. 20 Uhr im Lokal«attum, B-Iestr. 7, Vortrag:„Da, neue Arbeitslosenverstcherungsaesetz." Referent Paul Iudrian. 84.«dt. Lankwitz. Pünktlich 20 Uhr bei Quaas, Kaiser-Wilhelm-Str. 29/31, außerordentliche Funktionärsttzunq. �_., 98. Abt. Neukölln. 19% Uhr bei Teich,»n-s-beckstr. 135, Vortrag:„Der Reich«. schulgcsetzentwurf." Referent Rektor Max Kreuziger._. 127. Abt. Hohenfchönhanse». Kolonie der Kinderreichen, weiß« Taub«. Mit. gliederversammlung um 19% Ubr im Lokal Rutzkn, Bortrag:„Probleme der inneren Politik." Referent Adolf Wuschick. Gäste willkommen. Donnerstag. 29. September: 0. Abt. 20 Uhr bei Hübner. Wilsnacker Eir. 34, wichtig« Funktionärsitzung. Jeder Funktionär muß unbedingt erscheinen. 38. Abt. 19 Uhr bei Bartusch. ffriedenstr. 88, Sitzung der Bezirksführer und Revisoren, Abrechnung sämtlicher Beitragsmarken. Mitgliederverzeichnisse sKarten) mitbringen. Jeder Bezirk muß unbedingt vertreten sein. W 88. Abt. Lichtenrade. 19% Uhr öffentlich« Kundgebung im Lokal Stiller, Am Dorfteich, Vortrag:„Der Rcichoschulgesetzentwurf." Res«. rent Artur Rachow. Di« Genossinnen und Genossen müssen für einen guten Besuch der Persammlung Sorge tragen. Erscheint in Massenl 101. Abt. Treptow. 10% Uhr Extrazahlobend des 5. Bezirk» bei Meier, Am Treptower Park 38. Alle Genossen des Parkviertels müssen erscheinen. 41.«bt. Voranzeige: Freitag, 30. September, Konferenz aller ehrenamtlich tätigen Parteimitglieder bei Bader, Jüterbog«! Str. 7. Die Srupven. leitet laden ein. Vezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh: 2. ftrei« Tiergarten Heute Dienstag, den 27. Heptemder. Uhr, ITT.«urfusabend im Bezir?samt Tiergarten,«lanstorfstr. 24, Zimmer 4, Vortrag:„�itrsorgeerziehirng." Referentin Genossin John vom Landes» jugendamt. Interessierte Genossinnen und Genossen sind eingeladen. Arauenveranstaltungen: 1. Krei» Ritte. Donnerstag, 29. September, 19% Uhr, bei Zschiesing, Acker. straße 1, Funktionärinnenkonferrnz. Wichtige Tagesordnung. Bericht vom Wpchenendkursus in Gohrisch. 5. Krei» Friedrichshain. Voranzeige: Es muß in allen Frauenabenden be. Senosstn Grötzinger. Bericht vom Wochenendkursus in Gohrisch. Rekerentin: Genossin Schröter. 7. Krei» Eharlottenbnrg. Donnerstag. 29. September, 19 Uhr, im Jugend- heim Rosinenstr. 4, Funktionärinnenkonferrnz. 68. Abt. Halensee. Donnerstag, 29. September, 20 Uhr, bei Sandmann, Westfälische Str. 42. Bericht vom Wochenendkursus in Gohrisch. Neukölln. 93. Abt. Mittwoch, 28. September, 19% Uhr, im Jugendheim Böhmische Straße, Lichtbildervortrag:„Weltenentstehung und Bibel- geschichtc." Referent Dr. Piechowfki.— 97. Abt. Heute, Dienstag, tag, 27. September, 19% Uhr, bei Krllger, Emfer Str, 88—87, Ecke Neiße- straße. Dortrag:„Der Kamvf der Frau in der heutigen Wirtschaft." Rc- ferentin Elfriede Ryneck. Um zahlreichen Besuw wird gebeten, 141. Abt. Rosenthal. Donnerstag, 20, September, 20 Uhr, bei Schmehsing, Waldcrseestr. 5, Heiterer Abend, Vortragender Robert Ktller. Jungsozialisten: Groß-Berlin: Der Arbeitsausschuß tritt am Donnerstag, 29, September, im ZdA.. Belle-Allianee-Str, 7—10, um 19V, Uhr zusammen.— Gruppe Lichten. be«: Heute, Dienstag, letzter Heimabend im Zugendbeim Parkaue 7—10. Arbeitsgemeinschaft:„Moderner Kapitalismus." Referent Mark Mitnißki. Achtet auf die Nächste Ankündigung im„Dorwärts", wo wir unseren Keim. abend abhalten.— Gruppe Wilmersdorf: Heute, Dienstag, 20 Uhr, bei Schäfer, Augustastr. 3l, Bericht von der Gaukonserenz. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreuade. Di« Fortsetzung der Aussprach« über da» Zeltlager findet heute 19% Uhr in der Baracke Sanghoferstraße statt. Sozialistische �trbeiterfugenü Groß-öerlin. Die W«rbebe,irk»leiter müssen unbedingt die Vorschläge für da» Winter. Programm einreichen, soweit da» noch nicht geschehen ist. Abteilnngoleiter, rechnet umgehend die Karten für die Morgenfeier und den Iiigcndtag ab! heute. Dienstag. 27. September. 19� Ahr: Brunnrnplatz: Zugendheim Wellliche Schule, Wiesen�. Ecke Pankstroße. „Das Rcichsschulgesetz."— Norden: Jugendheim beim Genossen K. Sudey, Put. busser Str. 38. Wichtige Funktionärsitzung.— Gesundbrunnen: Jugendheim. Grnossc Poltersdorf'spricht.— Wedding-Rorb: Jugendheim See-, Ecke Turiner Straße. Vortrag:„Koalitionspolitik."— Falkplatz: Jugendheim Eberswalter Straße 10. Vortrog:„Der Volkstanz."— Zentrum: Jugendheim Landsberger Straße 50. Vortrag:„Zweck und Ziele der Gewerkschaften."— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim Driesener Str. 22. Probe zur Wcrbefeier.— Seneselder- Vicrtel: Jugendheim Danziger Str. 82. Wilhelm-Bus-b-Abend.— Lasenheid«! Jugendheim Porckstr. XX. Zehn. Minuten. Referate.— Neukölln I: Jugendheim Sonder-, Ecke Hobrechtsiraße. Vortrag:„Bedeutung de» Völkerbundes für die trag:„20 Jahre Sozialistische Jugendinternationale."— Neukölln VI: Jugendheim Hcrtzbergplatz 4. Vortrag:„Alkohol, Nikotin und Arbeiterjugend."— Neukölln I, II, III: Jugendheim Vergstr. 29. Uebung zur Schulentlassung». frier.— Hermsdors: Jugendheim Schule Roonstraße. Glaßbrenner-Abend.— Reinickendors.Oft: Jugendheim Seebad, Residcnzstraße. Bortrag:„Nacktkultur." Berbebeziri Osten: Die Gruppen werden gebeten, die Karten zur Morgen. frier abzurechnen.(Heimsciterzimmcr, Tilsiter Str. 4,) * Wander- und Spielleiterkonseren, am Mittwoch, 28, September, im Jugend- heim Lindenstr. 3, 2. Hof, 3 Tr. Sämtliche Abteilungen mllssen vertreten sein. Am Sonnabend/Sonntag, 1./2. Oktober, findet ein« Mustcrwanderfahrt nach Nauen statt. Der Treffpunkt wird noch bekanntgegeben. Sport. Ringerwettstreit im Sportpalast. Sztekker wirft Prochaska. D« Warschauer Sztekker setzt« am Sonnabend seinen Siesieszug fort und warf den starken Tschechen Prochaska im Entscheidungskamps bereits nach 5 Minuten durch Untergriss von vorn; Gesamtzeit 30 Minuten. Der Schweizer Grün eisen be- wältigte durch seine ausgezeichnete Technik den Hamburger Schulz. Leskinowicz und van Riet vermochten in ihren beiden ersten Gängen keine Entscheidung zu erzielen. Di« größere Routine des Elberfelders Kunst errang den Sieg über den Wiener Pereles. Der Sonntagabend brachte den Sieg des Deutschpolen Pinetzki über den Holländer van R i« l, der nach 54 Minuten heftigen Widerstandes dem berüchtigten Doppelnelson des Deutschpolen erlag. G 0 ck s ch- Berlin vermochte den tüchtigen Wiener F. K a w a n durch einen Ueberwurf zu bezwingen: S ch u l z- Hamburg warf den Schlesier P o g r z e b a durch Ärmzug aus die Bretter. Den schönsten Kampf des Abends lieferten Sztekker und R. G r ü n e i s e n. Trotz wuchtiger Kraft und Anstrengung bis zum letzten gelang es nicht,«in Resultat zu erzielen. Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 26. September. 1. R e n n e n. 1. Pyramide(Besitzer), 2. Friefin(CK. MillZ), Z. Avila Worthy(Kauvper). Toto: 23:10, Platz: 11. 12. 14:10. Ferner liefen: Modcna. Alpspitze, Ladyship, Nora Halle, Primel. Lila Princeton. 2. R e n n e n. Ib. Antenne(Elias!. If. Friese(P. Finn), 3. Louisiana (Ch, MillZ). Toto: 172(Antenne), 22(Friese): 10. Platz: 35, 17, 14: 10. Ferner lieien: Amanius. Turiddu, Linscotl jr., Cirano, Pelronclla, Rot- käppchen, Niederländer, Katharina. 3. R e n n e n. 1. Jram(Frömming), 2. Johannisfeuer(Lautenberger), 3. Casanova(I. MillS) Toto: 83:10. Platz: 34. 21, 35:10. Ferner lieien: Radiola. Potsdam, Mailönigin l. Harsenmädchen, Malmö, Propeller, ij'Caplain Lcerberg. Meister 33, Friedrich Rex, Erster Woisersomer, Ludwig Ocean(Siel, Eisenbraut. 4. Rennen, 1. Moralprediger(Besitzer), 2. Cardinal(Grubel, 3. Brilton(I. MillS), Toto: 33:10. Platz: ll, tl. 11:10. Ferner liefen: Satan, Thcokrat. Agitator, Prachtveter, Irrwisch. 5. Rennen. 1. Höhensonne(v. Solol). 2. Erster Wolsersomer(Be- sitzcr), 3. Susi Levburn(Besitzer). Toto: 53:10. Platz: 17,29.22:10. Ferner liefen: Arnfricd, Barometer, Prinzeß Fortuna, Lu. Kasimir, Draga WattS, Brilon Prinz, Ingrid Halle, Ilona W., Weinbrand, Fenelon, Heide- Prinz I. 6. Rennen. 1. Karl Heinz(Großmann), 2. Johanniskäfer(I. MillS), 3. Nora Belioin B.(Mensinga jr.). Toto: 77: 10. Platz: 21, 18, 19: 10. Ferner tiefen: Karneval, Colone! BoSworth, Aberglaube, Ftorian, Paleur. 7. R e n n e n. 1. Franlel(A. Flnn), 2. AihoS(P. Finn). 3. Margot I (Schleulener). Toto: 49: 10, Platz: 30, 34, 65: 10. Ferner liefen: ClematiS blau, Trotleur, Satin Noir, Fels, Begrana, Pechfackel, Frettchen, Invasion, Prinz Adbell, Dawson WattS, Nachtsalter, Axworthy I,, Allgold, Sir Pilo. Palronesse, Norlhern Polo. 8. R e n n e n. 1. Tasso(I. MillS), 2. Gondel(Heckert), 3. Armenier (Knöpnadel jun.>. Toto: 62(Gondel): 10. Platz: 20, 22(Armenier), 29(Ostgrenze); 10. Ferner liefen: Ostgrcnze, Diana Magowan, Campanula, Leuchtsackel, Kreuzritter, FriedrichSdor, Erster Seeboser, Wichtclmaim. Dolman, Dancing Girl, Einsicht, Sllarich, Karlenspieler, Jngelinde, Dewey Rose. König Robert, Turandot. Parademarsch, Joachim. 9. Rennen. 1. Eckstein(Lemzer), 2. DeweyphinesJ. MillS), 3. Terrazzo (Weiß), Toto: 42: 10. Platz: 14, 13, 15: 10. Ferner liefen: Quitte B., Dolerit, Doltna, Katzbach, Llley B,, Baron Siloester, Denkmünze, Möglich, Freund Edelstein, Monarch I. Vorträge, vereine und Versammlungen» Reichsbanner.Schwarz Roi-Gold". Gefchältsstelle: Berlin S 14. SebafUanstr. 37/38, Hof i Tr. Ritte: Die Abrechnung der Karten für das Stiftungsfest des Tain. bourkorps erfolgt spätestens Dienstag,'27. weptember, in der Uebungsfwnde bei Eorins, Sartenftr. 8. Später abgerechnete Karten müssen voll bezahlt werden.___ Biochemischer Verein Groß, Berlin. 27. Seolember: Stralau: Restaurant Schonert, Kienaststraße. Oranienburg: Schüßcnhaus, Königsallr«(an der Bahn). Schönhauser Vorstadt: Ledigenheim, Pappelallee 15. Strausberg-Stad!: Hotel„Zum Schwan". Vereinigung der Frauen und Mutter non Groß-Berlin. Der Beratung». abend für die Frauen und Mütter von Groß-Berlin findet Donnerstag, 29. Sep» tember, in der Aula de« Köllnische» Gymnasiums, jnfelstr. 2—5, statt. Dr. Konrad Mendelfohn spricht über da» Thema„Mann und Frau in zcr- rütteten Ehen," Anfang 8 Uhr. Eintritt frei, Arbeiter-Rndio-Bund Deutschland«, e. V, Die Fortsetzung der Mitglieder. Versammlung findet am 29. September, bei Wollschläger, Adalbertstr. 21, um 30 Ubr statt, Berliner Ardeiter, Schachtlub, Werbebezirl West. Dienstag, 27. September, 20 Ubr: Abt. Charlottrnburg: Bismarckstr. 57. Freier Schachverkehr. Abt. Nordwest: Bremer Str. 72—73, Vortrag Uber Probleme. Abt. Westen: Schöne. berg: Sedanftr. 17. Freier Schachverkebr. jn allen Abteilungen kostenloser Echachlehrkursus für Anfänger.— Mittwoch. 28, September, 20 Uhr: Abt. Moabit: Siemensstr. 12. Nachspielen von Partien, Kostenloser Schachlrhr. kursus.— Donnerstag, 29. September, 20 Ubr: Abt. Westend: Sophie-Ehar- lotte-Str, 88, Eröffnungslehre, Pierteljahresperfammlung, Longfello« Enzlieh vevsrinz Club, Vülowstr, 104,-Mittwoch abend 8 Uhr Mr. Colenuff;„Shakespeares Tragedies". Wellerb erichl der SffeaMchen Wetterdienststelle für Berlin und Umgegend (Nachdr, verb,) Am Tage etwas wärmer, wechselnd bewölkt, zeitweise heiler, vereinzelte leichte«chauer, mäßige Winde auS südwestlicher Richtung,— Aür venlschland. Nirgends erhebliche Regensälle, in der südöstlichen Hälfte ziem- lich heiter, überall am Tage etwas höhere Temperaturen, nachlS stellenweise sehr kühl, Kfärnfrancß. ish mchh nur ein wohlschmeckendes, Sondern auch ein bekömmliches u. der GesundheiH durchaus zuhräg» liches Getränk.- Wie sollte es auch anders sein? Sorgfältige Herstellung, Verwendung bester u. geeignerer Rohsforfe sind mjeder Beziehung gewährlei= steh Dabei isf er sehr billig- -100 Tassen aus d�PFund pur 30 Pftj.-und wl«<&«£ J Mob Beachten Sie die Zubereifung; 1 EsslofFel voll mif-iLir Wasser überbrühen, nichf kochen. Nur Chlorodonf die Qualjtäts-Zahnpasfe von mehr als 5 Millionen Mensdien allein in Deutschland als bestes Zahn- und Mundpflegemittel im Gebrauch. Besondere Vorzüge; 1. macht die Zähne blendend weiß, 2. entfernt häßlich gefärbten Zahnbelag, 3. beseitigt unangenehmen Mundgeruch, überzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf.— große Tube 1 Mk,— Chlorodont-Zahnbürsten 1.25 Mark, für Kinder 70 Pfg. Chlorodcmt- Mundwasser Flasche 1.25 Mark. Man verlange nur Chlorodont cr„, Unterhaltung unö �Vissen Hat man es nicht gewußt! wie es in üen walö hineinschallt- so schallt es wieüer heraus! Der Taugenichls. Don Alfred panzini. „Theodor Ravelli. oder vielmehr: Ravelli Theodor, erhebe dich! Ich weiß nicht und ich frage mich, was aus dir im Leben noch einmal werden soll! Es ist dir nicht bekannt, wer die Atriden gewesen sind. Du verwechselst den Nominativ mit dem Akkusativ. Es wird nie in deinen Kopf gehen, daß die transitiven Verben jene Zeitwörter sind, die einen Kasus regieren, während die intransitiven keinen regieren. O, Ravelli! Und auf den anderen Gebieten bist du der gleiche Dummkopf wie auf dem meinigen. Das Fräulein Profesior des Französischen möchte sich am liebsten die j)aare raufen(wenn sie welche hätte), der Geographie-Professor bekommt Anfälle, wenn er nur deinen Namen hört(und fuchtelt so wild in der Luft herum, daß er einem Witzblatt als Karikatur dienen könnte). Wie ist es denn überhaupt möglich, daß du leben, daß du so alt geworden sein tonnst, so groß und stark wie ein richtiger Dickkopf, ohne ein transi- tioes Zeitwort von einem intransitiven unterscheiden zu können? Ravelli, und wann hättest du jemals gearbeitet? Den ganzen Tag liegst du im Lasterpfuhl der Faulheit. Das ist das Grauenhafte an dir. O, ich kenne dich! Kannst du mir sagen, wozu du eigentlich im Leben tauglich sein sollst? Zu nichts. Ravelli, zu gar nichts!" Theodor Ravelli, der Frechdachs und Dummkopf, gestikulierte, um den Professor nachzumachen, gleichfalls ein wenig mit den fänden und verschob die Lippen, als wollte er wiederholen:„Zu nichts! Wozu soll ich im Leben eigentlich tauglich sein? Zu gar nichts." Welch unerhörte Frechheit in diesen Bewegungen wieder lag! Aber es ist besser, das gar nicht näher zu erläutern. Der Profesior »ahm seinen Weg zwischen den Bänken zum Katheder zurück. Aber da: schwupp! klatschte es hinter seinen Schultern. Was war wieder geschehen? Dieser Taugenichts von Ravelli hatte seinem Nachbarn schallend ein« alapa gegeben, um es zuerst schonend lateinisch zu sagen: auf gut deutsch: eine Maulschelle: kurz: eine Ohrfeige, daß es nur so knallte. „Ravelli, Ravelli, ich habe dich gesehen: du bist es gewesen!" „3a, ich bin es gewesen. Ich habe dem da ein« hinter die Ohren gehauen, aber ich war im Recht. Sollte ich ihm vielleicht keine Watsche herunterhauen, wenn er mich Krautkopf nennt, weil mein Vater Gemüsehändler ist?" „Recht, was heißt hier Recht?! Wollte ich immer von meinem Recht Gebrauch machen, so müßte ich jetzt das Profesiorentollegium gegen dich zusammenrufen." Bei den Worten„Ärautkopf" und„Watsche" lachte die ganze Klasse brüllend. Man hörte, als wieder Ruhe eingetreten war, Ravelli zornig zu seinem Nachbarn sagen:> „Das ist für mich ganz das gleiche, Watsch'n oder Ohrfeig'n. Die Hauptsache ist, daß du eine kriegt hast!" „Er hat und er hat keine Ahnung, dieser Lausejung«, was eine Schule ist!" rief der Profesior verzweifelt.„Es geht eben nicht in seinen. Dickkopf hinein," schloß er in herzliche�, Mitleid........ ♦">'------- Da kam es nun vor, daß Ravelli dann und wann beim Namensaufruf zu Beginn der Klasse fehlte. Gelobt sei der Himmel! Zuweilen erschien er wieder. Dann blieb er ganz aus. Ah, welche Wohltat! „Wißt ihr, was mit dem Unglücklichen los ist?" fragte der Professor. � „Man sagt, sein Datcr sei gestorben, da kann er nicht mehr' weiterstudieren, er soll in die Schweiz gegangen sein." „Arme Jungens," dachte der Professor der transitiven und in- transitiven Zeitwörter,„sie lachen und scherzen, aber auch in ihrem Rücken lauert der Tod mit unheimlichen Krallen. O, unbarmherziger illscrimsbile Pluto!" * Aber sie lebten alle weiter, und so sah sich der gute Professor, als der Herbst kam, in die Notwendigkeit oersetzt, auf den großen Traubenmarkt zu gehen: eine ganz und gar neue Sache für ihn. Das kam so: die Frau Professor litt an Magenbrennen, und schuld daran waren nach ihrer Ansicht diese verfälschten Weine, die man von den Weinhändlern zu kaufen bekam. Und ohne ein Tröpflcin Wein konnte man doch von einem richtigen Essen kaum sprechen. Flaschenweine, ja, das stimmt, die sind reiner: aber sie haben zwei Fehler: erstens sind sie zu flüssig und zweitens reichen sie, wenn die Flasche einmal entkorkt ist, keine drei Tage, wie sie es müßten, sondern kaum für ein einziges Mahl, weil der Herr Professor— jetzt noch ein Tropfen und jetzt noch ein Tröpflein— jeder Sache bis auf den Grund geht und dann immer jammert:„Ja. jagt mir nur, wer trinkt denn immer den ganzen Wein aus?" „Ach, hätten sie doch." seufzte die Frau Professor,„so leichte Weine, so Halbweine, wie sie bei uns zu Hause chergestcllt werden, mit diesem herrlichen Prickeln und diesem angenehmen Duft nach Trauben! So etwas wäre auch für dich besser als dies« groben Weine, die dir ja die Flecken im Gesicht heraustreiben. Und die Arterienverkalkung? Denkst du nie daran?" Eines Morgens also, es war, in den ersten Oktobertagen, sagte der Herr Profesior: „Teure Gattin, mir ist ein« Idee gekommen! Sie wird dir zwar seltsam erscheinen, aber sie ist ausgezeichnet: machen wir uns selbst einen eigenen Hauswein! Die Trauben, die man hier verkauft, werden nicht gefälscht sein, scheint mir. Und ich(dachte er) werde dann reinen Wein trinken, vimim mcrum, während du Halbwein oder sozusagen: einen leichten Wein bekommst." Ein glänzender Einsall! Als er aber galt, ihn in die Wirklichkeit umzusetzen, stellten sich zahlreiche Schwierigkeiten ein. Wein macht man mit Trauben, soweit war sich der Herr Professor im Klaren. Eine Kufe,«inen Kübel und einen Holztrichter aufzutreiben, war gleichfalls kein Kunststück. Auch ein Traubenpresser fand sich in der Person des Hauswarts, der einen heiligen Schwur tat, daß er seine unteren Extremitäten aufs pein- üchste säubern wolle. Aber die Trauben selbst? Wo tauft man Trauben im großen? Wer ist der ehrlichste Verkäufer? Was kosten sie? Wieviel braucht man? Wie steht es mit der Tara? Und mit dem Transport? Dem Professor schien der Verkehr mit den Atriden leichter zu sein als der Umgang mit all diesen Dingen. Die Obsthändler, an die er sich in dieser Angelegenheit wandte, sahen ihn scheel an und gaben entweder keine oder ausweichende Antworten, als wollte er sie mit einem kleinen Trauben-Engroseinkauf schädigen od« ihnen gar das Gewerbe entziehen. „Sie wollen Wein mit Trauben machen?" fragten sie. Er ging auch zu einem Minhändler, den er gut kannte. Ja, was ihm denn eigentlich einfalle, selbst Wein machen zu wollen!? Er wäre wohl nicht ganz gescheit? Und die Weinhändler, wozu sind denn die Weinhändlcr da?! Kurzum, der Mann empfing ihn, wie er selbst den Weinhändlcr empfangen hätte, wäre der zu ihm gekommen und hätte gesagt:„Ich möchte jetzt Unterricht geben und die Ge- schichte der Atriden erzählen und das Wesen der transitiven Zeit- Wörter erklären." Der Professor war sehr betrübt, daß seinen ehrenhaften Bitten jedermanns Gehör verschlossen blieb. Die Verzögerung kümmerte ihn nicht so sehr; sein Wein war ja beschlossen« Sache, und wenn er die Trauben von den Obstverkäufern kaufen mußte, Pfund für Pfund, jedes um 30 Centesimi. Der Wein und der Most also waren bc- schlosiene Sache. Ab« daß« die Welt so v«riegelt fand, schmerzt« ihn sehr.„Leben wir nicht in einem demokratischen Zeitalter? Wir alle sind Brüder, wir olle gehören zusammen. Und siehe da, nun sind wir doch in Kasten geschieden. Die Obsthändler verraten nur Obsthändlern die Geheimnisse ihres Geschäftszweiges. Der Wurst- fabritant weiht nur Wurstfabrikanien in die Mysterien seiner kauf- männischen Gebarung ein. Der Arzt ist nur dem Kollegen gegenüber offen und ehrlich in bczug auf die eigene Dummheit, der Professor spricht nür zum Professor von.der Zwecklosigkeit seiner Arbeit. O, schmachvolle Welt, Welt der Grausamkeit und der finsteren Kasten!" 4- Ein« neue leuchtende Idee blitzte in seinem Kopf auf.„Wozu gibt es eine Traubcnpreistafel? J� werde den Marktzettel genau studieren, dann bin ich sicher auf dem Laufenden." „Beeilen Sie sich aber!" sagte ihm«in weniger räuberisch ver- anlagter Händler, dem er sein« hygienischen und önologischen Pläne anvertraut hatte.„Die Trauben steigen im Preis." Da ging der Professor also auf den Markt, Es war ein herrlicher Oktobermorgen._(Schluß folgt.) Der Dichter öer Dekadenz. Von Dr. Else M ö b u s. Tiefe Müdigkeit und Resignation, Pessimismus und Skepsis— dos waren die Mächte, die das Frankreich der letzten Jahrhundert- wende durchzogen. Der verlorene Krieg wurde nicht nur als mili- tärijch« Niederlage empsunden, sondern er schien Tieferes, Umfassenderes anzudeuten: den Untergang Frankreichs als Kulturvolk, den Untergang der lateinischen Rasse überhaupt. Das sterbende, das dekadente Frankreich, dies war das Schlagwort der Zeit zwischen lKSl) und 1900, dies war zugleich die Perspektive, unter der nicht nur die Franzose», sondern auch das Ausland, das Volk links des Rheines sahen und sehen muhten. Das Dekadenzproblem war Mittelpunkt aller Philosophie, alles Denkens und Handelns in Frankreich geworden.„Der Trübsinn gähnt über der Welt, die die Gelehrten ihrer Farbe beraubt haben. Eine tiefe Gleichgültigkeit befällt uns. Das Leiden stumpft sich ab. Jeder geht hoffnungslos feinen Weg, Ekel auf den Lippen..." Mit diesen Worten charakteri- sierte der junge Barräs die müde Stimmung des Verzichts und des Verfalls, die seine Ration ergrissen hatte. Charles Baudelaire ist als Mensch wie als geistiges Phänomen das Kind dieser haltlosen, skeptischen Zeit. Der ganze von Melancholie, von Trübsinn, von krankhafter Empfindsamkeit, von ziellosem, in die Irre schweifendem Suchen durchzogene Stim- mungsgehalt dieser Jahre spiegelte sich in seiner Seele, alle Gegen- sätze von haltlosester Passivität bis zum krampfhaft gesteigerten Lebenswillen fanden in ihm Widerhall. Seine im Jahne 1857 er- schienenen„Pleurx du mal", die ein« zum höchsten Raffinement ge- steigerte Genußsucht, nach Selbstoernichtung, nach Vergessen aus- strömten und als Herrschaftsbereich die untersten Regionen der Vor- kommenheit, des Elends und der Fäulnis wählten, waren gleichsam der Brennpunkt, in dem die Strahlen der Zeit zusammenliefen. Ein Mensch, in dem Kräfte widerspruchsvollster Art gebunden waren, der von den extremsten Empfindungen hin- und hergeworfen wurde, konnte nicht anders als tief unglücklich sein. Vaudelaires Briefe und Tagebücher sind ein einziger Schrei nach Erlösung, nach Harmonie, ein stets sich wiederholendes Bekenntnis innerer Un> freiheit und Zerrissenheit,«eine Seele war ein« Hölle, in der sich alle nur möglichen Gegensätze austobten. Schon seine früheste Jugend stand unter dem Zeichen des' Kon- trastes, der Zerrissenheit. Der Vater Baudelaire?, ein hochbegabter, künstlerisch interessierter Mensch, begeistert für die Ausklärung des 18. Jahrhunderts und die Ziele der französischen Revolution von 1792, starb als das Kind kaum sechs Jahre alt war. Die um fast 40 Jahre jüngere Mutter heiratete bereits im nächsten Jahr zum zweitenmal und entfachte dadurch in dein zart und reizbar organl- sierten Knaben einen Sturm des Hasses, der Verachtung und der Widersetzlichkeit, der noch lange Jahre in der Seele des Dichters nach- wirkte. Mit der Mutter verband ihn kein seelischer Kontakt, mit dem Stiefvater noch weniger. So ging der junge Baudelaire schon frühzeitig seine eigenen Wege. Die Boheme nahm ihn auf, er fand Fühlung init der literarischen Welt, der er sich zugehörig fühlt«. Nach der Rückkehr von einer Jndicnreise, die ihm seine Familie aus- gezwungen hatte, wurde er großjährig und erhielt ein Erbteil von 75 000 Franken ausbezahlt. Es ist charakteristisch für ihn, daß er sich in einem einsamen Winkel einmietet und eine Zeitlang sich auf das Notwendigste des Lebensunterhaltes beschränkt. Aber unmittel- bar darauf arwachen die Dämonen seines Inneren und drängen nad) Betätigung. Er umgibt sich mit höchstem Luxus, mit kostbaren Möbel» und Stoffen. Der Trubel der Vergnügungen nimnit ihn aus. Haschisch- und Opiumrausch vermitteln ihm Inspirationen, die er unaufhörlich zu steigern sucht. Seine Vorliebe für alles Fremdartige, Exotische wirkt sich auf eine verhängnisvolle Weise in einem durch Jahre hindurch sich weiterschleppenden Verhältnis zu der „Schwarzen Venus" eines elenden Pariser Cafes aus, das ihn immer tiefer herunterzieht und entnervt. Dazwischen wirst er sich auf Studium und Arbeit, aber sein Leben ist viel zu zerrissen, um zuin Ausgleich und zur Reife gelangen zu können. Er, der jede Schranke als etwas Bürgerliches, Spießiges verwirft, in dein ein ewiges Per- langen nach Freiheit tobt, ist innerlich selbst unfrei und beschränkt. Sein Urteil über den großen Freigeist Poltaire, über die Vor- kämpferin der Frauensreiheit George Sand, über Molicre, gehört zu dem Subjektivsten, Beschränktesten, was es überhaupt gibt. Es war eine Notwendigkeit seiner Natur, seines Lebens und des aus ihm immer wieder entspringenden Erlösungsbedürfnisses, daß Baudelaire ein geradezu fanatischer Katholik war und alle Aeußarungen des geistigen Lebens unter reaktionär-klerikalem Gesichtspunkte sehen mußte. Auf allen Gebieten des Lebens wirkten sich diese Gegen- sätze in der Seele des Dichters aus. Er, der Aesthet, der feinsinnige, geschmackvolle Kenner alles Schönen, war gleichzeitig ein Sklave primitivster Sinnlichkeit. Er, der in der Februarrevolution 1848 begeisterter Republikaner und Demokrat gewesen war, verachtete die auskommende Industrie, den ausblühenden Handel, die er als etwas Satanisches empfand. Baudelaire stand dem Leben viel zu romantisch gegenüber, um nicht Schiffbruck) erleiden zu müssen. Sein Vennögen war bald zcr- rönnen, er war mit Schulden belastet, die er vergeblich zu hezahle» sich bemühte. Eine Vortragsreisc nach Belgien mißlang, und über den tief entmutigten Dichter breiteten sich alle Schatten der Ver- zweiflung und des Elends. Aber nicht nur seine Seele, audv sein Körper hatte jede Widerstandskraft eingebüßt. Ein Schlagansall lähmte die ganze rechte Körperhälste, bald kamen schwere Gedächtnis- trübungen dazu, die ihn in Verbindung mit einer Zungenlähmung der Sprache beraubten. Tragisch, wie sein ganzes Dasein gewesen war, klang sein Leben am 31. August 1887 aus. Der Dichter war völlig eins mit dem Menschen. Seine„Gedichte in Prosa", sein« Paradiesvisionen, sind nur eine Fortsetzung und Ergänzung seiner Briese und Tagebücher. Echte, zartest und tiefst empfundene Stimmungslyrik, menschlich Ergreifendstes, wechseln ab mit Abstoßendem, krankhast Verzerrtem. Seine ausgezeichnete Ueber- setzung der phantastischen Erzählungen Edgar Allan Poes beruht auf der geistigen Verwandtschaft der beiden Dichter, ihrer gemein- samen Vorliebe für das Düstere, das Ausregende, das Bizarre. Baudelaire ging unter, Frankreich aber überwand die Todes- zuckungen und lebte weiter. Eine neue Jugend kam, und mit ihr strömten neue Lebenskräfte, neue Stimmungen, neue Tatkraft. Das Alte zerfiel in Staub, aus der Asche aber«hob sich das neue geistige Frankreich, das in Romain Rolland, Peguy, Gide und anderen seine Führer gefunden hat.__ Die höhle öes Zyklopen entöeckt! Die Frag« nach den geschichtlichen Stätten der Dichtungen Homers beschäftigt in immer größerem Umfange die Gelehrten, nach- dem es sich durch Ausgrabungen bei Troja ergeben hat, daß die Epen Homers eine tatsächliche Unterlage haben, nicht reines Phan- tasieprodukt eines Dichters sind, wie man früher annehmen zu müssen glaubte. Besonders die Erzählung Homers von dem Auf- enthalt des Odysseus bei dem einäugigen Zyklopen Polyphem, aus dessen Höhle er sich nur mit Mühe und List rettete, reizte die Ge- lehrten, nach der Oertlichkeit zu forschen, wo Polyphem gelebt haben könnte, da man annahm, daß die Beschreibung Polyphems durch Homer, der dem menschenfressenden Riesen nur ein Auge in der Mitte der Stirn zuspricht, vielleicht ein« tatsächliche Unterlage in der Geschichte der Menschheit habe. Auf diesem Gebiet sind schon die phantastischsten Erklärungen gewogt worden. Einige glaubten, daß Homer einen Gorilla gemeint habe, da damals die Natur dieser Riesenaffen noch nicht erforscht war, und die Möglichkeit besteht, daß die damaligen Menschen, denen vielleicht ein Gorilla begegnete, in diesem ungefügen menschenähnlichen Riesen einen Menschenfresser erblickt haben. Andere Forscher wiederum waren der Anschauung, daß die Sage von Polyphem durch ausgesundene Skelette von Zwergelefanten hervorgerufen worden sei, in deren Stirn sich ein großes Loch befindet, das der Schädelhöhlung eines Auges ähnlid) ist. Der bekannte Forscher Doque ist der Anschauung, daß es sich, wie bei den meisten Sagen und Märchen, um eine Erinnerung an die Urgeschichte der Menschheit handle, also an eine Zeit, in der die auf der Erde wandelnden Wesen. ein Scheitelorgan besaßen. Auch die Oertlichkeit, wo Polyphem wohnte, ist heiß umstritten. Jetzt hat«in junger Privatdozent der Berliner Universität festgestellt, daß die Höhle des Zyklopen Polyphem offenbar in Nordafrika ge- legen war, wo sich ganz ähnliche Höhlenbildungen befänden, wie sie Homer beschrieben hat. In dieser Gegend ist auch nach seiner Aus- fassuna die Insel der Phäaken gewesen, so daß Odysseus«ine sehr weit« Reise bis nach der Nordküste Afrikas gemacht haben muß um nach vielen Jahren in seine Heimat zurückzukehren. Unter diesen Umständen kann man die Taten des Odysseus tatsächlich Irrfahrten nennen. « Die Alme öer Woche. ,rier»t-Expreß.* (ZNarmorhaus.) Die Schnellzüge rasen an dem Neinen Dorf vorüder. Am Stell- rverkhaus fleht der Stationsvorsteher Peter Karg und blickt ihm wehmutsvoll nach. Ihn lockt die große Well da draußen, die eleganten Menschen, die ganze raffinierte Kultur, die er nur aus Zeitungen kennt, und eines Nachts Härder Expreßzug in dem gottverlassenen Pausim Man transportiert eine Dame in das windschiefe chäus- chen. Sie hat sich aus Weltschmerz mit Veronal vergiftet. Und nun entspinnt sich eine romantische Liebe zwischen dem Stationsvorsteher und der allmählich gesundenden Weltdame. Aber bald reist die Dame ab, und Peter Karg findet erst sein seelisches Gleichgewicht nach langen Irrfahrten wieder, nachdem er gemerkt hat, daß die große Welt nichts für ihn ist, daß er dorthin gehört, wo die Schnellzüge nicht halten. Das ist ein gutes Filmsujet. Jeder Mensch hat eine Sehnsucht. Der«ine möchte gern in der Metropale, der andere in der Abgeschiedenheit des Dorfes leben. Nirgends herrscht Zu- friedenheit, und vielleicht möchte dies der Manuskripwerfasier Wil- Helm Thiele betonen. Er kontrastiert die Weltstadt mit dem Dorf und findet, daß überall die Menschen kriecherisch, streberhaft, ver- brecherisch und verlogen sind, gleichgültig, welche Allüren sie an- nehmen: doch Thiele verbreitert sich zu sehr bei der Schilderung der Weltstadt, die er nach gewohntem Filmschema konstruiert. Er setzt die Tragödie des nach Großem strebenden Dörflers mit den Schiebergeschäften des Städters gleich. Und so klar und fest um- rissen er die Schicksale Peter Kargs herausmeißelt» so verschwom- men gibt er die Weltstadt. Ist Beate von Morton— übrigens ein Name aus irgendeinem Kolportageroman übernommen— eine Weltdame oder ein auf Eleganz stilisiertes Flittchen? Wie ist es möglich, daß diese Frau, die ihre Revenuen von einem als Hochstapler ver- schrienen F'eund bezieht, eine Rolle in der besten Gesellschaft spielt? Das alles t leibt unklar und unglaubwürdig. Auch hier zeigt sich die Katastrophe des deutschen Films. Es find keine Manuskripte vor- Händen, oder ein gutes Manuskript wird so lange für einen ver- titschten Publikumsgeschmack zurechtgestutzt, daß es schließlich nicht mehr zu diskutieren ist. Allein die Schicksale Peter Kprgs hätten gestaltet werden müssen, für die bekannten Großstadtangelegenheiten wäre ein Nebensatz ausreichend gewesen. Ein großer Aufwand ist wieder einmal umsonst vertan. Der„Orieni-Exprsß" ist ein trauriger Zwitter geblieben. Wo sind in Deutschland die Regisseur«, die end- lich die Konsequenz aufbringen, um ein wirkliches' Kunstwerk aus- zuarbeiten? Wilhelm Thiele kann es nicht. Er versteht es nicht, eine Handlung zu straffen und das Wesentliche zu betonen: er verliert sich in Bagatellen. Hinzu kommt, daß die Schauspieler teilweis« versagen. Lil D a g o v e r ist zu betont kapriztös, sie stellt zu bewußt gute Posen, sie macht-aus jeder Kleinigkeit ein Bonmot. Ferrari begnügt sich mit dem Aussehen eines Filmintriganten und auch Walter Rilla ist diesmal zu unbeweglich. Heinrich George allein bleibt unter Larven die einzig fühlend« Brust. Sein Peter Karg ist erdverbunden, tapsig wie ein junger Bern- hardiner, rauh, ungeschlacht, und doch verbirgt sich hinter dieser Larve die Seele eines Kindes— t. »VanSerzlrkus." (Ufa-Palast am Zoo.) Der Titel ist falsch, denn es handelt sich im Film nicht um einen Wanderzirkus, sondern um eine Schaubude. Die Schaubuden- akteure, durchweg klägliche Gestalten, arbeiten mit fabelhaften Tricks. Wird doch u. a. der Salome zuliebe in jeder Vorstellung Johannes der Täufer enthauptet. Und man brauchte nicht nur diese Tricks, man könnte auch das Leben dieser Leute nett schildern. Man dürfte dabei getrost kraß sein und einem menschenunwürdigen Milieu alles vernichtende Leidenschaften aufflammen lassen. Aber man dürfte nie und nimmer ein solches Filmmanuskript schreiben. In ihm ereignen sich ein Mord, ein tödlicher Unglücksfall durch den Biß eines Tieres, ein plötzlicher Todesfall vor Freude, eine Hin- richtung, eine Prügelei mit tödlichem Ausgang, ein Mordversuch, ein Diebstahl und zwei Verhaftungen. Zum Schluß triumphiert ein Liebespaar. TodBrowning führte die Regie. Er protzt förmlich mit den paar wirklich guten Schaubudentricks. Sonst ist er echt amerikanisch, stets filmsicher, erfüllt von eingebildeter Unfehlbarkeit und dem Ge- schmack an Hintertreppenromantik. JohnGilbert war die mann- liche Hauptrolle zugeteilt. Er war schön, fesch und keß. Er wird sich, namentlich in Amerika, viele Verehrerinnen erspielt haben. In Verlin pfiff man bei der Uraufführung.— g. ££€€«€««««»»SSSSSSA .fc Unserem lieben Genosse» Y und unserer lieben Genossin s» * Emil und Aosuste Ziege � die herzlichsten Mlii-kwünsche zur Silberhschzei«." «si Verstand d ftntgliedird.lS.lH.üdilirhlili(j OrtlIiiankGükassef.dJaDrergewelliez.BErliR Wir bringen hiermit zur Kenntnis. daß die ZU. Acnderung der Satzung vom Obcrversicherung-ami Berlin genehmigt morden iit. Geändert ist der§ IS. Der Grundlohn ist festgesetzt: 2) nach Mitgliedertiassen, wenn für die Klasse ein Tariflohn vereinbart ist, d) nach Lohnsiufen, unter Berücksich- ttgung des Arbeitsverdienstes, wenn siir die betreffenden vcrstcherungs- Pflichtigen Personen kein Tariflohn vereinbart ist. Weiter wird darauf hingewiesen, daß die Persicherungsgrenze iür Angestellte von 2 700 RM aui ZKUU RM erhöht worden ist. Danach unterliegen Angestellte mit einem monatlichen Einkommen bis zu £00 RM der Krankenvers.cherungspflicht, und zwar vom I. Oltobcr 1927 an. Di- Aenderung des ff IS der Satzung tritt ebenfall» von diesem Tage an In Kraft. Aus da« den Herren Ardeitgebern zu- gehende Rundschreiben wird ausdrücklich hingewiesen. Druckstllcke der 30. Satzung»- änderung können vom I. Oktober 1927 an im Kasseniokai. Hankestraße 4, unentgeltlich in Empfang genommen werden. Der Vorstand: H. Krüger, R Freund, Vorsitzender. Schriftführer. Von der Reffe zurückl N. med. ffliiiMWle hoiaSopath. Arzt, Charlottenburg, Blsmarckstratze 3(Knie). Ml H «W_'- B M ■ r 1 1/ f BIX U M "..... B i ?v.:. I WM MM Norden 10334—37 3 Uhr, Ende II Uhr TrolMD.MIa Sduoitiel nn thadnpeu« Kammerspiele Norden 10334—37 SV.U. Ende 10'/» U. Ihr Mann Inhaiil von Paul Ceraldy Dienst., 27. 9. 27 Staats-Oper AmPl.d.Republ. Anf.7VaUhr MMM Braut Dienst, 27.9.27 Städtisdie Oper Bismarckstr. Turn. I, Anf.71/, Tosca staatl. Sdiauspielh. Am GindinniDmarkl 8 Uhr itatm in Staat!. Sdiillerth. Charlottenburg 8 Uhr Volks blih ne IMer am Bülovplah 8 UhR Kabale n. Liebe Tb. im Sdiiffbiiieiilainiii 8 UhR Da/u: Der gemflüldie KommissSr U I Ss.sxajta Nollendort 7360 Die September« Varielfi-Revue B 1 C ASIN O-THE ATER s Uhr Ihr UHiiKler FiecK & 5. öktob.: Die Paula vom Metropol. Ausschneiden I Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1,60 M. Beichshallen-Theater Anfang 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der MQIlerstraBe Nachmittags: Halbe Preise, volle» Programm* Dönhoff-Brett'l: Variete, Konzert, Tanz Die Komödie Bismarck 2414/7516 i'l, Uhr, Ende UP/, Zum 25. Male; Zinsen Komödie von Bernard Shaw Sonnabend, 1. Okt nachts 11 Uhr UraottühranS der lieliou-tladitrevue Premiere ausverk. Piscatorbühne Ibeat. a. Nollendortplati Kurfürst 2091/93 8 UhR i. wir von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator did». Stodrawa, Wtllhoner. Bordi. Driati, Cranadi, dnusaia. Hoümanc. Simi Stedul. Dienstag, 27. Sept 25. Aulttilirnnä Grosses idtauspielliaos. Tigl. SU. Die neue CHARBLL- Inszenlernng mir IMIIeolierg Rita Georg Dendow 3ankuhn Szöke Szakall Werkmeister Westermeler SuDsdioe Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst. zu halben Preisen VorverHanf io-6 Uüir Berliner yik-TriO MeukSlla. V Ulms tr. 74,711 1). in idnirahpalast ' Täglich SV, Uhr" Die neue Mim REVUE Jannnudwor Tneater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 U. u. Sonntagnehm. 3 U. .Elite-Sänger ' In Ihrem Sdalager-Progremm! Volkspreise von 50 Pf. bis 2,50 M. Sonntagnachmiltag.- 'arofte Familien•VorsteUunD Volles Progr. Kl. Preise v. 40 PI. b. 1,75 M. Größter Lacherfolg! ZU Dienstag, 27. September nachmittags 2 Uhr je Ztr. bei Abnahme von wenigstens 1 tztr. 30 Str. 80 Str. 1.80 M. 1 70 M. I 65 M. 1.78, 1 68„ 1.63„ 173. 1.63. 1.58 Theater des Westens 8 Uhr; Gastspiel Frltzl Massary Eine Frau von Format Neues Theater am Zoo 8 Täglich 8 Sensation v.Galswortby Banunkr-Sidni» Th.Kitniggräiz. St. Hasenh. 2110. 8 U. Der dreimal lote Peler Donnerstag: Zum 1. Male; Die Schwester Komödienhaus Norden 6304. 8 U Weiße Fradit Freitag z. I.Male Hokuspokus Berliner Theater Dönhoff 170 8 U. Leonie Trianon-Th. Täglich 8'/« Uhr: Srika ßlässner in einer ihrer Paraderollcii KoploMi Lustspiel v.Verneuil Preise 1,2, 3 M. usw. SilMirg-Sihngn Dts. Kllnstler-Th. 8 Uhr „Die Dame von Maxim" Lessing-Theater 8 Uhr „König fieinrith III" Planetariuni am Zoo Virting. Jcathimsthaler StnBi Noll. 1578 Oer Sternenhimmel auf der Reise von Berlin nach dem Aequator Vorführungen: 4'/«, 6, 7'/h 9 Uhr. Eintritt 1 M. Kmdtt ml. 15 Jiim DJOIL Residenz-Theater Täglich 8»/, Uhr: Die Tugend- prmzessin Hella KSrh. Arthur Hell. Sache Kettner, Boeklln.Suraff. Graf. H. Ueudülr Preise 1,2, 3 M. usw. Hose-7beater 8'/, Uhr: Die Masdtinen- bauer v.Berlin Lustspielhaus 8l/( UhR „FilmromaDtik" (vainaiia-Tneai- Täglich 8'/. Uhr: Km Rfldesheimer SdtloB steht eine Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u. Tanz. Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur 60 PI. Philharmonie VI, Uhr KONZERT des Philharm. Orch. Dirla. Prof. J. Prflwer TbaUa-Tbeaier 8 Uhr Der rote Hahn Unserate im dl vorwärts sichern Erfolg! Bekanntmachung. Auf Grund unserer Bekanntmachung vom 6. April 1927 stellen sich die vettaussvreise für brikekls ab 1. 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Jndustrieformat 1.48„ 1.63, 1.56„ Bei Lieferung frei Hof des Verbraucher» kann auf den frei Keller, Erdgefchog festgefetzten Preis ein Abschlag von 7 Pfg. je Zentner gewährt werden. wlegegedsthren: Für Verwiegung auf einer öffeni- lichen stgaage sind die entstandenen Wiegegedühren zu- zügiich zwei Pfg. für den Zentner zu berechnen. Arbeitsgemeinschaft de» Verliner Dritetthanbels G. m. b. H. r' Wenn Sie den guten -Kautabak einkaufen, fordern Sie nicht einfach nur Dänischen Kautabak, Sönnern fiasdrüdflidi Kapitäns Kopenhagener Dieser wird nur in Papier verpackt geliefert; unverpackte Ware ist gefälscht, meist wertlos. Verkaufsstellen durch C. RBcker, Berlin NO., Lichtenberger Str. 22.— Telephon; Königstadt 3861 Ans Firma achten!«egr. 1801. Ginzelverkau! direkt an ffgrivat« tevv- und Dauuen-Decken rr'.-u» qr Bernhard Wtratiroaiieinen._ DV Die zuDonnerstag, 22. September, festgesetzte Branchenversammlung der Graveure und Ziseleure findet erst am Donnerstag, den 2g. September, nachm. 5 Uhr, in Ernalds Vereinshaus, Staliher Skraste 126, statt. Tagesordnung: Vortrag des Koll Ziska über:»Die wirtichaftlichen und fozialen Aufgaben der Gewerkichaiten". Zahlreicher Besuch wird erwarteL »»tun,,: zelliebsröte �»�»0! Auktionspfäuder, spottbillig, nagelneu, wie Pelzmäntel, Pelzjacken, Plüsch. Mäntel, Skunkskragen, Silberfüchse, Armbanduhren, Schmucksachen. Nur Polzdamcrstratze 86b. Altbekanntes Psaudleihhaus.* Höbe! Rutzbaum-MSbel, englische und mo, derne Spiegelschränke, Bettstellen, Waschkommode», Nachtspinden, Apothe. kcn, Stühle, Ausziehtische, Umbausofa, Ruhebetten, Küchenmäbel. Niedrigste Preise, auch bei Teilzahlung. Moebel- Bocbel, Moritzplatz, Fabrikgebäude._• Patentmatratzen,»Primiss!ina".Metall- bettcn, Auflegematratzen. Ehaifelongue,. Waller, süargarderstratze Spezialgeschäft. achtzehn. 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