Abendausgabe Nr. 457 ♦ 44. Jahrgang Ausgabe 3 Nr. 225 B-zugsdedlnsunse« und AnzeigenyKls« sind in d«r Morzenausgab« angegeben Nedaklion: SV», v«, cindeastrnbe t Setnfptediet: Dönhoff 292— 291 *»C-M6tefle: Sojial&CBtottaf Serlla Derliner VolKsltlakt Zentralorgan der Sozialdemokrat! feben parte» Deutfchlands (lO Pfennig) Dienstag 27. September 1 �27 BccUg und ffR|ttgtniibt(-:luna: Sefd) öf tsjet t 8 Vi dt» b Uhr v«r>«g»r: vorroört»- Verlag«n>dy. Der»» SV». 99, cindenstrade 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 292 wiöer öen litamsthen Zasthismus. Aufruf der Sozialiftifchen Arbeiter-Internationale. Das Bureau der SAI. hat folgenden Aufruf an die A r b e i t e r- fchaft Litauens gerichtet: An die Arbeiterschaft Litauens! Seit dreiviertel Jahren ist Euer Land der Diktatur von ein paar ftrupellofen Offizieren ausgeliefert. Seit Euch der frevelhafte chand- streich vom 17. Dezember 1926 Eure politischen Rechte geraubt hat. sind sich die organisierten Arbeiter aller Länder klar bewußt, daß die Herrschaft des„G e n e r a l st a b s ch e f s P l e ch a v i c i u s", der der wahre Gebieter über die sogenannte„Regierung" Woldemaras ist, Litauen zu jenem Land in Europa gemacht hat, in dem die fafchi- stifche Reaktion neben Italien die grausam st en Exzesse begeht. Die Sozialdemokraten Litauens haben bei den letzten Wahlen im Mai 1926 einen gewalligen Stimmenzuwachs erzielt, sie waren zur z w e i t st ä r k st« n Partei vorgerückt und sie nahmen an der Regierung des Landes teil. Die Gewerkschaften und die Partei entwickellen sich immer besser. Da kam der Staats- streich, der die kleine nationalistische Partei, die im alten Pcimas nur drei Vertreter befaß, ans Ruder brachte, die Partei des jetzigen„Präsidenten" Smetona und des„Ministerpräsidenten" Woldemaras. Alle demokratischen Rechte wurden beseitigt. Der Kriexsszustand ist permanent, seit diese Diktatur besteht. Jede Form von Preß- f r e i h e i t und Versammlungsfreiheit ist vernichtet. Ein Dutzend Gewertschaftsverbände wurden aufgelöst, unter ihnen die größten, die Gewerkschaften der Eisenbahner, der Metallarbeiter und der Lederarbeiter. Die Zeitung der Gewerkschaften wurde verboten, die Vertrauensmänner der Gewerkschaften in Konzentrationslager ge- steckt oder aus dem Lande verbannt. Die Diktatur stellt sich auf den Standpunkt, daß die Gewerkschaften überhaupt über- flüssige Institutionen seien. All« parlamentarischen amd- demokra- tischen Mittel, um dem Willen des Volkes Ausdruck zu geben, sind unterbunden. Nicht nur. die Arbeiter, sondern auch die großen Schichten des Bürgertums und der Bauern find von Haß gegen die militärische Willkürherrschast erfüllt. Unter diesen Umständen ist es nur selbstverständlich, daß es immer wieder zu Vetsuchen kommen muß, die Usurpatoren der Macht mit jenen Mitteln zu stürzen, die sie selbst angewendet haben. Der Versuch, den Arbeiter und Bürger in Tauroggen unter- nommen haben, um die Demokratie wieder herzustellen, ist gescheitert. Die Militärdiktatur nimmt nun Rache am Volke; vor allem glaubt sie, den günstigen Zeitpunkt zu haben-, um das Ausrottungs- werk an den Arbeiterorganisationen weiterzuführen. Wieder ist Blut in Litauen geflossen. Alle Toten fallen zu Lasten der Diktatoren. Ohne ordentliche Ger ich tsverfahren nehmen sie Hin- richtungen vor, ja, sie nehmen sich nicht einmal Mühe, die Namen der zu Erschießenden richtig festzustellen. Und so konnte das Unge- hsuerliche geschehen, daß das Regierungsblatt von den ersten sechs Hingerichteten sükkf Namen falsch angegeben hol und ge- nötigt war, sie später richtigzustellen. Die Namen dieser ersten sechs Hingerichteten find: Gudionis, Odovas, Lecavicius, Paulikas, Burneckis, Kaslauskas. Später wurden acht weitere Todesurteile verhängt. Eines von ihnen wurde vollzogen. Der Name des Hingerichteten lautet Jonas M i l k e r a i t i s. Die anderen wurden in lebenslang- lichen Kerker umgewandelt. Bisher sind insgesamt sechzehn Aufständische zu lebenslänglichem Kerker, einer zu zwanzig Jahren, einer zu fünfzehn Jahren, einer zu zehn Jahren' und einer zu drei Iahren Kerker verurteilt worden. Mit diesen Opsern ist die Blutgier der litauischen Diktatoren leider noch nicht erschöpft. Meldungen von weiteren Vcr- s o l g u n g e n treffen ein, die wir im Augenblick noch nicht zu über- prüsen vermochten. Aber das, was bereits sicher feststeht, genügt, um die Arbeiter aller Länder zu schärfstem Protest gegen die Ge- waltherrschaft in Litauen aufzurufen. Arbeiter Litauens! Wlx wissen, daß Euch jede Möglichkeit des Verkehrs mit dem Ausland abgeschnitten wird. Wir wissen, daß man den Versuch macht, das Hinausdringen der Wahrheit aus Eurem Lande mit allen Mitteln zu unterbinden. Ihr sollt aber wisien, daß trotz alledem die Sozialistische Arbeiter-Jntetnationale Euch nach besten Kräften zu unterstützen trachten wird, daß sie das wahre Gesicht der Verbrecher, deren Opfer gegenwärtig Litauen ist, der europäischen Oeffentlichkeit zum Bewußtsein bringen wird und daß sie von Euch erwartet, daß Ihr auch in diesen schweren Tagen den Mut und die Entschlossenheit bewahrt, um Eure große Aufgabe zu erfüllen: die Wiederherstellung der Demokratle in Litauen! »Warten, hoffen, yanüeln/' Kehraus in Genf. Genf, 27. September.(Eigenbericht.) Nach der Beratung und Genehmigung der zwei letzten Berichte und Entschließungen über die Vereinheitlichung des internationalen Rechts und der Annahme der von Schweden beantragten Budget- crhöhung um 70 000 Franken für den gleichen Zweck, ist soeben die 8. Völkcrbundsoersammlung mit der üblichen Schlußrede des Präsi- deuten zu Ende gegangen. Herr Guoni lospries darin zu- nächst die Arbeitsmethode des Völkerbundes, um dann die besondere Bedeutung der diesjährigen allgemeinen Aussprache her- vorzuheben und die wichtigsten Ergebnisie der Beratungen Revue passieren zu lassen. Dabei legt« er das Hauptgewicht auf die erzielte Einigung in den großen Fragen der Sicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung und bezeichnete die dazu g-Oßten Resolutionen als mehr als ein Programm, als eine Tat. Er schloß mit der Zu- sammenfasiung dreier im Laufe der Versammlung wiederholt ge- hörter Losungsworte: Warten, hoffen, handeln. Alle drei hätten sich nunmehr bewährt. «.Konferenz" zwisthen Tür vnü Dingel. Genf, 27. September.(Eigenbericht.) Die für Montag in Aussicht genommenen Besprechungen zwischen dem Außenminister Dr. Stresemann und B r i a n d sowie zwischen Dr. Stresemann und de Brouckere haben nachmittags im Foyer des Völkerbundsversantmlungssaales statt- gesunden. Die Besprechung Strescmann-Briand dauerte etwa% Stunde und bot den Zuhörern das Bild einer recht deutlichen Unterhaltung. Die Besprechung, die Stprsemann mit dem belgischen Delegierten hotte, dauerte nur wenige Minuten. Ueber den Jnhall der beiden Unterredungen wird amtlich nichts mit- geteilt. Es verlautet, Stresemann und Briand hätten sich dahin verständigt, daß ihre Außenpolitik die gleiche wie bisher bleiben soll und im Augenblick keinerlei weitere VerHand- l u n g e n zu führen seien. Mit dem belgischen Delegierten ist eine ähnliche Verständigung getroffen worden. Die deutsch. belgischen Erörterungen über die Franktireurfrage sollen— wie es heißt— auf diplomatischem Wege abgeschlossen werden. Somben gegen alliierte Irontkämpfer. Zugattentate»vcgcn Sacco-Vanzctti. Paris. 27. September.(Eigenbeucht.) Die Attentatsversuche gegen die Züge der omeri- konischen Legionäre mehren sich in den letzten Tagen. So ist im Laufe der heutigen Nacht nüeder ein« Bombe auf der Eisen- bahnlinie von Paris nach Marseill«, in der Nahe von Lyon, auf- gefunden worden. Sie konnte noch rechtzeitig entfernt werden, eh« per Schnellzug, der die amerikanischen Legionäre von der Azurküste nach Paris zurücktransportierte, die Stelle passierte,» Es sind in der Nähe und in der Umgegend von Paris Maßnahmen gegen Aus- landskommunisten ergriffen worden. Der Wahlerfolg an üer Unterelbe. Bürgerliche Befürchtungen für Hamburg.— Ein absoluter Berlusttag des Bürgertums. Hamburg, 27. September.(Eigenbericht.) Die vorläufig« endgültige Feststellung des Altoiiaer Wahlergebnisses hat noch ein« Verschiebung in der Mandatsvertcilung zugunsten der Sozialdemokratie gebracht. Die Sozial- demokralen erhalte» einen Sitz mehr, die Bürgervercinigung einen weniger. Die Sozialdemokralen haben 26, die Bllrgervereinigung 9 Sitze, die Kommunisten 11 Sitze, sämtliche bürgerlichen Parteien von den Demokraten bis zu den Nationalsozialisten 21 Sitze. In der bürgerlichen Presse hat das Wahlergebnis großes Eni- setzen ausgelöst. Am deullichsten spricht das„Hamburger Fremden- blatt": Es stellt fest, daß dieses Wahlergebnis als politisches Stim- mungsbarometer für die Hamburger Bürgerschaftswahlen angesehen werden muß. Aus der Tatsache, daß die Sozialdemokraten ihre Stimmenzahl nicht nur relativ, sondern auch absolut stark in die Höh? getrieben habe, ergebe sich für die bürgerlichen Kreise die ernste Mahnung, alle Kräfte anzuspannen, um mit sanftem Nachdruck, freundlichster Belehning und gütlicher Ueberredung die Bürger an die Wahlurne zu bringen. Der volksparteiliche„Hamburgische Korre- spondent" erklärt:„Die Wahl bedeutet«in:n sehr starken Ruck nach links. Die Herren Braun und Severing werden heute einen zu- sriedenen Vormittag in Berlin verlebt haben, als ihre Getreuen von der Unterelbe ihnen den Wahlersolg ihrer Partei melden konnten. Alles in ollem gehört der 25. September zu den Tagen, die als absolut« Verlusttage des Bürgertums zu buchen sind. Der 9 Oktober(der Tag der Bürgerschoftswahlen) muß und kann den 25. September wettmachen." Das Blatt schließt mit dem Ruf: „Bürger Hamburgs, auf die Schanzen! Der Feind steht vor den Toren der Vaterstadt!" Eisenbahnunglück bei tzalle. Trci Reisende schtver verletzt. Halle, 27. September. Räch einer amtlichen Meldung der- Pressestelle der Reichs- bahndiceklion Halle stiejj heute morgen eine Lokomotive auf den Schluß desPersonenzugesS74halle— Rord- Hausen auf. Dabei wurden drei Reisende schwer. der Lokomotivsührer und 1Z Reisende leicht verletzt. Lebensgefahr besteht bei niemand. Die Untersuchung ist ein- geleitet. x v wir stnö Sie Republik! Ein Beitrag zur Kriegsschuldfrage. Von Hermann Wendel. Jedem Anhänger der Völkerverständigung wird es um die Töpfe leid tun, die Hindenburgs und S t r e s e- manns Kriegsschuldreden in der auswärtigen Politik zer- schlagen haben; dank diesen Deklarationen ballt sich wieder so viel Feindseligkeit gegen Deutschland in der Luft zusammen wie seit Abschluß der Locarno-Verträge nicht mehr. Solche Trübung der europäischen Atmosphäre mag zu dem außen- politischen Programm der deutschnationalen Regierungs- partner gehören, aber wenn Westarps Mannen mit besonderer Wonne aus dem abgetriebenen Gaul der.Kriegs- schuldlüge" herumtraben, handelt es sich weit mehr um ein i n n c r p o l i t i s ch e s P a r a d e st ü ck. Es ist ein Versuch der monarchistischen Bankerotteure, nachträglich die Bilanz zu fälschen und einer gelöschten Firma neuen Kredit zu vcr- schaffen. Freilich herrscht diese Einsicht nicht allgemein vor, denn sonst könnten nicht auch gutgläubige Demokraten mit am Trog stehen, in dem das Regime von 1014 krampfhaft reingewaschen werden soll. Gewiß ist es nicht nur historisch, sondern auch politisch aufschlußreich, zu prüsen, wie sich im Sommer jenes Unheilsjahres die Verantwortung auf die verschiedenen Re- gierungen verteilte. Doch im Grunde hat die Republik wirklich Besseres zu tun als die Monarchie weißzubrennen, deren materielle Konkursmasse sie notgedrungen übernehmen mußte, für deren moralische Konkursmasse sie sich ober höflich bedankt. Bei der Behanptung, daß„Deutschland" ein sehr wesentlicher Teil der Schuld am Kriegsausbruch zufalle, lenken auch in Frankreich und England nur ein paar beson- t ers engstirnige Fanatiker an das deutsche Volt. Das deutsche Volk lebte im Zustand des kaum verschleierten Absolutismus und hatte sich die Geschäftsführer der in seinem Namen ge- j nachten Politik so wenig gewijtzit, wie es auf diese Politik 'kinfluß hatte. Die Familie Hohenzollern war„von 'Sattes Gnaden", also an sich da, unvermeidlich, und die Re-' nierung des Deutschen Reichs hing einzig vom Chef dieses Hauses, von IHM und nur von IHM ab. Genoß der Reichskanzler das Vertrauen Wilhelms II., so durste er unbekümmert auf das Mißtrauen des ganzen Volkes pfeifen, und gerade dem Kanzler des Kriegsausbruchs war dieses Mißtrauen ja zweimal, bei der Polenenteignung und im Fall Zobern, durch die Mehrheit des Reichstags in aller Form bestätigt worden. Was dieser Monarch, diese Minister, diese Generale taten, inwiefern kann das deutsche Volk dafür haften, als dessen nicht Beauftragte, sondern Herren sich jene hochmütig betrachteten! Wenn der Feldzug gegen die sogenannte Kriegsschuldlüge der Rechtfertigung dieser Gewalthaber gilt, ist sein Zweck nur zu durchsichtig. Nicht umsonst wird wieder und' wieder be- tont, daß„Deutschland" auch kein Titelchen Verantwortung für die Welttatastrophe treffe: es war das Lamm, das kein Wässerchen zu trüben wußte und von reißenden Wölfen tückisch überfallen wurde. So bekannte noch unlängst aus der Goslarer Tagung des„Arbeitsausschusses Deutscher Verbände" der Leiter des Berliner Gymnasiums vom Grauen Kloster, Oberstudiendirektor R e i m a n n:„Wir hämmern der Jugend ein, daß wir absolut unschuldig sind!", und im gleichen Gleise fährt die Zeitschrift„Die K r i e g s s ch u l d f r a g e", deren Inhalt weniger interessant ist als die Herkunft der für ihre Herausgabe nötigen Gelder. Die Voraussetzung ober, haß „wir", nämlich Wilhelm II., Bethmann 5? o l l w c g, I a g o w, M o l t k e, T i r p i tz,„absolut unschuldig" sind, schafft glatte Rechnung. Denn begann der Weltkrieg mit einem frevlen Ueberfall der anderen auf das friedlich grasende Deutschland, dann, so folgert kindliche Einfalt, steht auch der Kaiser, die Hohenzollernfamilie, das ostelbische Junkertum, der preußische Kasernenhof und das ganze alte System sonder Makel da, und der November 1918 ist genau so über Un- schuldige hereingebrochen wie der August 1914— nieder mit der Republik und hoch die Monarchie! Kein Zufall ist es denn, daß die lautesten Schreier gegen die„verfluchte Lüge" von„Deutschlands" Verantwortung auch die eifrigsten Verbreiter der Dolchstoßlegende sind, und der Berliner Abend des„Arbeitsausschusses" vor einem Jahr, auf dem der ahnungslose amerikanische Professor Barnes mit der Lobpreisung des„Friedenskaisers" Wilhelm II. frenetischsten Jubel erntete, wirft gleichfalls scharfes Licht auf die Hintergründe der ganzen Bewegung. Auch hat nicht nur der erledigte Mann in Doorn unlängst in seinem Größenwahn verkündet, daß die Zurücknahme der„Kriegsschuldlüge" durch die Entente mit seiner feierlichen Zurückführung auf den Thron enden müsse, sondern früher schon hat K n i l l i n g, Bayerns reaktionärer Ministerpräsident, den Kern all der Unschuldsbeteuerungen herausgeschält: Wenn das Lügengewebe von Deutschlands Kriegsschuld einmal endgültig zerrissen ist, entschwindet vor den Augen der Welt damit auch der letzte Schein einer Rechtfertigung für das ungeheure Verbrechen, das im November 1918 von Volksgenossen mit Frevlerhand verübt wurde. Natürlich stapfte der offenherzige Bajuware auf einem Holzweg daher. Weder braucht die Novemberrevolution durch die Schuld der Monarchie am Ausbruch des Weltkrieges„ge- rechtfertigt" zu werden noch würde sich an der historischen �Legitimität" der Republik etwas ändern, wenn die deutschen Gewalthaber von 1914 weniger belastet daständen, als sie es tun. Aber da die Anhänger der Farben Schwarz-Weiß-Rot in mannigfachen Selbsttäuschungen befangen find, ist die Kriegsschuldsrage für sie einer der Sturmböcke, mit denen sie gegen die Mauern der Republik anrennen. Das kann auf die Haltung der Republikaner zu dem Problem nicht ohne Einfluß fein. Zwar oerbietet uns schon die sozialistische Weltanschauung, auf einer Seite alle Ver- antwortung für ein solches Weltgeschehnis zu suchen und Deutschlands Führer allein des höllischen Feuers schuldig zu sprechen: auch in Petersburg und Paris mischten dunkle Burschen verhängnisvolle Karten. Aber vermag niemand und nichts den Berliner Machthabern von 1914 die Last ab- zunehmen, deren Größe allein durch die deutschen und öfter- reichischen Aktenveröfsentlichungen schauerlich deutlich wird, so muß unsere erste Losung ihnen gegenüber lauten: Desolidarisierung! Wir sind die Republik, sie sind die Monarchie, dazwischen liegt der 9. November! Der französischen Republik fiel es nach 1879 nicht im Traum ein, in den Anklagen deutscher Geschichtsschreiber gegen den davon- gejagten Bonaparte und seine Mamelucken eine„mo- ralische Belastung" des französischen Volks zu sehen, sondern sie handelte folgerichtig nach dem Wort des großen National- dichters Viktor Hugo:„Stammt dieser Krieg von uns? Das Kaiserreich hat ihn gewollt, das Kaiserreich hat ihn ge- macht. Das Kaiserreich ist tot. Gut so! Wir haben mit diesem Kadaver nichts zu schaffen." Wann kommt der deutsche Minister, der auf Anschuldi- gungen gegen das Kaiserreich die stolze Antwort gibt: „Wir haben mit diesem Leichnam nichts zu schaffen. W i r sind die Republik!" vorwärts im Jnüuftriegebiet! JmposanteKundgebungder vcstischen Sozialdemokratie.— Severin«, vor dem Ruhrproletariat. Recklinghausen. 27. September.(Eigenbericht.) Der vergangene Sonntag wurde dem Proletariat des oestischcn Landes, dem Industriegebiet zwischen Emscher und Lippe, zu einem unauslöschlichen Erlebnis. Tausende von Parteigenossen strömten aus allen Städten und Geineinden des Destes der alten Metropol« Recklinghousen zu, um dort, zu ein«r gewaltigen Mass« zusammen- geballt, unter der überragenden Führung Karl S«vcrings den Sturmmarsch in das Wahljahr 192«, das Schicksalsjahr der Republik. zu eröffnen. Um die Massen zu befördern, mußten mehrere Sonder- züge eingelegt werden. Der prächtige, geräumige städtische Saolbau tonnt« die Massen unmöglich aufnehmen. In allen Räumen, auf allen Galerien brechende Fülle von Menschen, die atemlos dem Red- ner Karl Severing lauschten. Die Kundgebung gestaltete sich zu einer wichtigen Demonstrgtion, die den ersten Höhepunkt in der glänzenden Rede Seoerings, den zweiten in einem riesigen Demonstrationszug fand. Sln der Spitze des Zuges, hinter sich die unübersehbaren Massen von Parteigenossen und Reichsbannerkomeraden, unzählige rote und schwarzrotgoldene Fahnen, marschierte Karl Severing. Neuer Wille beseelt wieder das Industrievolk. Mit der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse erlosch hier der kommunistische Spuk: die Arbeiterschaft findet zurück zur alten, bewährten Partei. W i r marschieren im Industriegebiet! Dafür war dieser Sonntag überzeugender Beweis. Oer angesäuselte Lanügerichtsrat. Ein Beitrag zur richterlichen Objektivität. In Breslau ereignete sich dieser Tage folgender Borfall: In der elften Abendstunde betrat ein dortiges Lokal ein elegant gekleideter Herr, der sofort in lautem Tone mit antisemitischen A e u ß e- r u n g e n um sich warf. Er schimpfte in allen Tonarten auf die ..Judenpresse", rief über das ganze Lokal, daß alle Juden Betrüger seien und gebrauchte abfällige Redewendungen über republikanische Politiker und Regierungsmitglieder. Plötzlich erhob sich einer der Gäste, stellte sich als der demokratische Landtagsabge- Die elektrischen Hasen. von Haus Dauer. In Berlin haben die ersten Windhundrennen stattgefunden— ein neuer Sport dies, der aus Amerika und England zu uns her- übergekommen ist. Es wäre wohl nicht ganz leicht, die Tiere durch Wortd und Gesten zu bestimmen, zur rechten Zeit loszurennen und in einer gewissen Richtung sich zu bewegen. Deshalb macht man sich ihren Iagdinstinkt zunutz«. Den Hunden werden Hasen voraus- geschickt— aber ach, es ist ein ungleicher Kampf, den die Verfolger zu bestehen haben. Mit ihren vier flinken Beinen stürmen sie nicht gegen andere vier Beine an. Kreatur steht nicht gegen Kreatur, die Hasen sind kein« leibhaftigen Flüchtlinge mit in Todesnot klopfendem Herzen, sondern, auf oorgezeichneter Bahn sich bewegende, kalte Moschinen, denen der elektrische Strom genügend Kraft gibt, jede erdenkliche Geschwindigkeit lebender Wesen mit einer schnelleren zu beantworten. Die Hunde werden genarrt. Sie verschwenden ihren tierischen Ehrgeiz an ein unerreichbares Ziel. Sie fegen mit ange- spanntesten Muskeln einem Irrlicht hinterher. Sie pressen die letzte Kraft aus sich heraus, aber nie winkt ihnen eine Siegeschance. Der Mensch hat einen unheimlichen Automatismu» erfunden, der alle Leidenschaft ihrer Beine und alle Inbrunst ihre» Willens verhöhnt. Sie sind die Bekenner des Tempos. Wildheit der Hetz und Urinstinkt des Laufens singt durch ihre Glieder. Aber in diesem stieren Modell de» Hasen wirkt die kaltschnäuzige Ueberlegenheit angewandter Mechanik, an der jede Hingabe zerbricht. Es ist der ewige Widerstreit zwischen heißblütiger Entflammt- heit und Präzision der Apparatur, der im hoffnungslosen Kampf lebendiger Beine gegen die tote Materie eines seiner viel tausend Ge- sichter zeigt, und gerade hier seiner brutalsten eines, wo die Unver- nunst des leidtragenden Partner» dos Verständnis der Zusammen- hinge ausschließt. Da brausen sie nun daher, die Hunde, fast schwebend im Raum. mit pendelnder Zunge, mit fliegenden Ohrlappen. Es ist Energie und Wille in ihnen, aber der eitle, der zu nichts führt. Vom ersten Sprung an sind sie geprellte Opfer eines undurchschaubaren Mecha- nismus, der gegen die in Schmerzen geborene Leistung die Gewall seiner physikalischen Formel austrumpft. Der unbelebte Stoff be- siegt die lebendige Krast, der imponierendste Lauf edler Rassehunde sinkt zur grotesken Unzulänglichkeit zusammen. ?lbcr wer möchte guten Gewissens den ohnmächtigen Ehrgeiz dieser Tiere belächeln? Sind sie nicht, wie sie in rasender l�ast und mit besessenem Ernst an eine Unerfüllbarkeit sich verschwenden, Sinnbild unsires geistigen Lebens, das der Erkenntnis seiner letzten Ursachen mit komischer Wichtigkeit nachsetzt und sie nicht zu fassen vermag, wie e» sich auch darum müht! ordnete Hermann vor und ersuchte den Schimpfbokd um seinen Namen. Mutig lehnte der nationale Mann das ab, beschimpfte aber dafür den Landtagsabgeordneten, der notabene Inhaber der Goldenen Rettungsmedaille ist. Hermann blieb nichts weiter übrig, als den Ruhestörer polizeilich sistieren zu lassen und— siehe da— nun entpuppte sich dieser als der L a n d g e r i ch t s r a t G a l l i n, tätig am Breslauer Landgericht! Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, ist wegen der Vorgänge ein staatsanwaltliches Ermittlungsver- fahren eingeleitet. * Nach der Schilderung darf man wohl annehmen, daß Herr Landgerichtsrat Gallin sich in angetrunkenem Zustand befunden hat. Infolgedessen ist ihm die Selbstbeherrschung abhanden gekommen, die er im Amte sicherlich zu wahren pflegte. Aber gerade das inter- essierc uns: wie solch ein„objektiver Richter" sich in unverstelltem Zustande gibt. Vielleicht würde manches in politischen Prozessen gefällte Urteil begreiflicher, wenn man seine Verfasser am Abend nach der zweiten Flasche Wein kennen lernte. die öeratungen ües Strafgesetzausschusses. Ter Ausländerparagraph mit 9 gegen 8 Stimmen bei 19 Enthaltungen angenommen. Der Strafgesetzausschuß des Reichstages setzte heut« seine Beratungen des§ 7 des Gesetzentwurfes fort. Genosse Lands- berg kritisierte, daß nach dem Entwurf ein Ausländer in Deutschland abgeurteilt werden könne, wenn er im Aus- lande eine Straftot begangen hat und in Deutschland betroffen und nicht ausgewiesen wird. Wenn das Ausland nicht bestrafe, brauche auch Deutschland nicht«inzugreifen. Wir sollten doch nicht ausländischer sein als das Zlusland. Es würde sich auch ergeben, daß Taten, die»ach dem ausländischen Recht, zum Bei- spiel wegen Verjährung, nicht verfolgt werden können oder weil ein Strafantrag notwendig sei, aber nicht gestellt werde, in Deutsch- land, wo die Verjährungsfrist vielleicht länger oder ein Strafan- trog nicht notwendig fei, verfolgt würden. Ministerialdirektor vumke erwiderte, daß Lex Gesetzesvorschlog auf österreichischen Wunsch zurückzuführen sei. Die Be- denken des Abg. Landsberg, die nicht von der Hand zu weifen feien, sollten in der Strafprozeßordnung berücksichtigt werden. Die auf Einschränkung des§ 7 gerichteten Anträge der Sozialdemokraten wurden ob g e l e h n t, es wird jedoch mit Hilfe der Sozialdemokraten und Demokraten ein dcutschnationaler An- trag angenommen, der eine Einschränkung wenigstens insofern bringt, als deutsches Recht nur angewendet werden solle, wenn die Tat sich gegen das Rechtsgut eines Deutschen richtet. 8 7 Absatz 2 des Entwurfes bestimmt, daß wenn der Ort der Tat keiner Staatsgewalt unterworfen fei, deutsches Recht an- gewendet werden könne, wenn nur die Gesetze des Reilhes die Tat mit Strafe bedrohen. Genosse Dr. Rosenfeld wandt« sich gegen diese, über das gel- tend«' Recht hinausgehende Auslegung. Nach dem Gesetzentwurf würde man in Deutschland zum Beispiel einschreiten können, wenn jemand eine Gotteslästerung in der Wüste Sahara begehe. Das Mindeste sei doch, daß nur wegen gewisser ganz schwerer Verbreihcn in Deutschland eingeschritten werden dürfe, wenn sie in Orten begangen seien, die keiner Staatsgewalt unter- warfen wären. Abg. Kahl meint, daß man hoffentlich immer so vernünftig sein werde, in solchen Fällen ein Einschreit«« zu unterlassen. Auch zu diesen Paragraphen wurden die sozialdemokratischen auf Einschränkung gerichteten Anträge abgelehnt, und nur mit Hilfe der Sozialdemokraten und Demokraten der deutschnationale Antrag angenommen, nach welchen auch Taten, die in Orten ohne Staatsgewalt begangen feien, nach deutschein Recht nur dann ver- solgbar wären, wenn sie sich gegen das Rechtsgut eines Deutschen richteten oder von eindm Deutschen verübt seien. Bei der Abstimmung über den ganzen 8 7 ergab sich das«igen- �Sinfonie öer Taufend in Magüeburg. Ein lange gehegter Wunsch ist endlich in Erfüllung gegongen: seit Jahr und Tag möchte man in Magdeburg die Achte von Gustav M a h l e r aufführen. Aber woher in einer Provinzstadt die ungeheuren Mittel nehmen, die dazu benötigt werden? Im Stadt- theater, wo bisher die Sinfoniekonzerte veranstaltet worden sind. wäre der ganze verfügbare Raum von den Ausführenden in Anspruch genommen worden. Jetzt aber, wo die Konzertsaalfrag« durch die Erbauung der neuen Stadthalle in so glücklicher Weise gelöst worden ist, und die Deutsch« Theaterausstellung ohnehin zu außergewöhnlichen Leistungen verpflichtet, tonnte man da» alte Projekt in die Tat umsetzen. Freilich reichten die Magdeburger Kräfte nicht aus. Man mußt« den größten Teil der Chormitglieder au» Braunschweig kommen lassen. Nahezu 700 Sänger, darunter der Knabenchor, und vier von den sieben Solisten waren Braunschweiger, und sogar den Dirigenten, Generalmusikdirektor M i k o r e y, stellte Braunschweig. Das Magde- burger Städtische Orchester war durch D e s s a u e r Kräfte fast auf die doppelt« Normalstärke, nämlich aus 120 Mann, verstärkt worden. Es war also beinahe ein Braunschweiger Gastspiel. Natürlich gab es ein paar Unzulänglichkeiten. Die Vorbereitung konnte nicht so sorgfältig sein, als wenn man alle Mitwirkenden zu- sammengehabt hätte. Von den Solisten versagten der»rste Tenor, die zweite Altistin und der Bassist. Außerdem hotte man sich nicht auf die doch gewiß abendfüllende Sinfonie beschränkt, sondern „wattierte", und zwar mit dem kis-Dur-Konzert von Beethoven, dos der bedauernswert« P e m b a u r auf einem abgespielten Flügel aus- führen mußte, und— weit schlimmer— mit einem„Deutschen feier- lichen Marsch" von dem Festdirigenten, der, ein wertloser S8 Uhr war der Eingang zum Zuschauerraum dicht umsäumt von Spielern, die mit ihren Losen in der Hand„dabei" sein wollten. Kurz vor 8 Uhr wurde die Tür zum Zuschauer-vaum geöffnet und sofort wieder wegen Ueberfüllung geschlossen. Der Ziehungsvorgang ist der gleiche, wie bei der fünften Klosse der letzten Ziehung. Hinter jedem Ziehungskommissar steht ein Kontrollposten. Zuerst wird der 25 000-Mark-Gcwinn aus die Nummer 273 234 gezogen. Diese Nummer war bei der Ziehung mit einem 150-Mark.Gewinn herausgekommen. Dieser Gewinn wu-rde neu gezogen. Er fiel auf die Nummer 72 526. Der 100 OSO-Akark- Gewinn wurde aus die Nummer 149�86 gezogen. Auch diese Nummer war mit einem 150-Mark-Kewinn herausgekommen. Dieser ISO-Mark-Gewinn fiel aus die Nummer 178 025. Ein erheblicher Teil der Gewinne ist nach Berlin ge> fallen. Der 100 OOO-Mark-Gewinn fiel in der ersten Klosse nach B e r l i n in die Einnehmerstelle Chausseestraße 17. und in der zuzeiten Abteilung nach Breslau. Der 25 OOO-Mark-Gewinn fiel in der ersten Abteilung nach Koblenz, und in der zweiten Abteilung nach Lerlin-Neukölln. Bei den Berliner Einnehmern sind fast ausschließlich einfache 2 e u t e die g l ü ck l i ch e n G e w i n n e r. In der Einnehmerstelle in der Chausieestraße haben je«in Viertel ein Eisenbahnbeamter und ein Bahnhosswirt gespiell. In der Untereinnehmerstell« in der Müllerftraße sind auch arme Familien vom Glück überrascht worden. In dem einen Falle hat ein siebzigjähriger Arbeiter, der heute noch seinem Tischlerberuf nachgeht, ein Viertellos gespielt. Auch das vierte Viertellos, das in Berlin am großen Gewinn be> teiligt ist, wurde von einem Arbeiter, einem Echletjer, gespielt. Die Wäfferwüfte in Tirol. Verheerungen im ganzen Alpengebict. Innsbruck, 27. September. Ueber die Ueberschwemmungen>n Tirol liegen folgende Meldungen vor: In Sterzing wurde nahezu die ganze Ortschaft am Sgnnlag nachmittag überschwemmt. Die Wasscrmasse» drangen in zahlreiche Anwesen ein und richteten große Vermüstungen an. Sämtliche männliche Einwohner würden zur Hilfeleistung Aufgeboten, doch erwiesen sich die Notstandsmaßnahmen längere Zeit für unzu- länglich. In Nord-Tirol sind die Ueberschwemmungen im Gschnitz-Tal am ärgsten. Sämtliche Brücken sind weggerissen. Nur bei S t e i n a ch ist noch eine Brücke vorhanden. An vielen Stellen haben die angeschwollenen Bäche sich«in neues Bett geschaffen. Pioniere und Alpenjäger arbeite» an der Behebung der Schäden. Die Felder zwischen Triers und©schnitz bilden einen einzig.» See von Schlamm, Sand und Schalter. In Steinach stehen viele Häuser bis zu zwei Metern im Wasser und mußten geräumt werden. Die gesamte Ernte ist vernichtet. Bedeutend sind auch die Vor- heerungen im Zillertal. Im Gebiet von Wayerhos. wo die Bäche zusammenfließen, stauten sich am Sonntag früh die Wasser und die Ziller trat über die User. Durch Sturmläuten wurde die Bevölkerung zur. Rettungsaktion ausgerufen. Die an der Ziller aufgerichtete Ufermal-er wurde an vielen Stellen ausgerissen. Stark verschlammt wurde auch die Brenner Straße und auch die all« Salzstraße, die von Igls nach Matrei führt. In Innsbruck wurden gleichfalls vom Hochwasser zwei Brücken wegg-rissc». Die Ueberschwcmmung hat drei Todesopser gefordert. Alle«leklnscheii Lokalbahnen in Tirol mutzten den Verkehr einstellen. ZUailand, 27. Scptember. Da besseres Weiter eingetreten ist, beginnt das Hochwasser im Vcltlin abzunehmen. Die Gefahr einer Ueber- schwemmung Sondrios ist jedoch noch nicht behoben. Das Hochwasser des Mallero hat weitere Häuser zum Einsturz gebracht. Alle Häuser Sondrios, die gefährdet scheinen, sind geräumt worden. Das Wasser beginnt in den Hof der Präfektur einzudringen. Die Stadt ist immer noch ohne elektrisches Licht. Die Eisenbahminie und die Landstraßen im Vsltlin sind noch an verschiedenen Stellen unter- brachen. Man hofst aber heute, den Verkehr mindestens bis Ardenno wieder aufnehmen zu können. Große Verheerungen werden auch aus dem Malenzotal gemeldet, das infolge der Untermofchung der Straßen und des Einsturzes mehrerer Brücken von jedem Verkehr abgeschnitten ist. In V a l a s i n i sind sieben Häuser ein- g e st ü r z t. Die Gesamtzahl der Opfer im Veltlin ist auf 10 gestiegen. Zur Hilseleistuiig sind aus ganz Oberitnlien Truppen abgegangen. Die Zahl der Opfer des versunkenen Hilsszugev bei Franzensfesie beträgt IL. Als einziger des verunglückteii Zuges konnte sich der Lokomotivführer retten, dem es gelang, sich an einem über den Fluß hängenden Baum festzuklammern. Er meldete das Unglück sofort nach dem Bahnhof Franzensseste, von wo eine neue Hilfsabteilung abging. Weder die oersunkene Lokomotive noch der Gepäckwagen konnten bis jetzt gehoben werden. Der städtische Verkehrskiosk. Das Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamt der Stadt Berlin hat, nachdem die zentrale Auskunftsstelle in seinem Haupt- gebäude, Charlottenburg 9, Königin-Elisabeth-Str. 22, mit Eröfs- nung der Funkausstellung dem Verkehr übergeben worden war, sein« erste Auskunstsstelle in ver City eröffnet.' Der Kiosk befindet sich an der Kreuzung Friedrich st raße/Unter den Linden. Dieser Platz im Reiscbureaubezirk wurde gewählt, um das Bureau von Dingen zu entlasten, die nicht zum eigentlichen Reisebureaubetrieb gehören, insbesondere der Aiiskunft über Berlin und sein« Umgebung. Aus dem gleichen Grunde wurde die G e- schäftezeit von 8 bis 20 Uhr, auch Sonntags, fest- gesetzt, um außerhalb der üblichen Reisebureaudienststunden dem Fremden die Möglichkeit der Beantwortung aller Fragen und Wünsche zu geben. Die bauliche Gestaltung des Kioskes war be- dingt durch den vorhandenen Raum und die Notwendigkeiten des Betriebes. Die künstlerische Lösung der Aufgabe wurde dem bekannten Architekten Dr. Paul Mahlberg übertragen, der den Versuch gemacht hat, trotz aller räumlichen Schwierigkeiten eine neue Note in diesen Mittelpunkt des Berliner Verkehrs zu bringen. Verbanöstag öer Schernsteinfeger. Zu ihrer 11. Generalversammlung traten in Leipzig die Delegierten des Zentralverbandes der Schornsteinfegergesellen Deutschlands im„Volkshaus" zusammen. Die Prooinzial- und Landesverbände sowie der Zentralvorstand hatten vorher in ihren 'Besprechungen den Beratungsstofs in längeren Verhandlungen ge- sichtet. Der Vorsitzende F a h l a n d- Berlin hieß die Delegierten will- kommen und erstattete dann den Geschäftsbericht. Fahland gab einen Uebcrblick über die Entwicklung der Organisation seit der General- Versammlung in Kassel. Die Mitgliederzahl ist stabil geblieben, doch gibt es immerhin noch unorganisiert« Kollegen in Stadt und Land, die es dem Zentralverbande zuzuführen gilt. In den Ortsgruppen müsse das Augenmerk besonders auf die Agitation gerichtel werden. Die Erfassung der Schvrnsteinfegergesellen in ländlichen Bezirken begegnet großen Schwierigkeiten. Die Kehrbezirk« auf dem Lande liegen weit verstreut, und die bei den Meistern in Arbeit stehenden Kollegen sind deshalb schwer für die freigewerkschaftliche Idee zu interessieren, weil hier doch vielfach das„patriarchalische" Verhältnis zwischen Meister und Gesellen besteht. Ueber die S t a t i st i k referierte der zweite Vorsitzende Vogt, der es verstand, die trockenen aber schwerwiegenden Zahlen so zusammenzustellen, daß die Angaben iminer mehr praktische Bedeu- tung gewinne» und schon in nächster Zukunft voll ztzr Anwendung gebracht werden können. Der Verbandskassierer Beiersdorf entwarf ein lückenloses Bild über das Kassenwesen des Verbandes. Allzu rosig liegen die Dinge nicht, doch hat die Kasse allen Ansprüchen vollauf genügt. Die Reserven müßten jedoch für Eventualfälle noch wesentlich verstärkt werden, damit etwaig« Ueberraschungen auch fernerhin ausgeschlossen bleiben Der Bericht der Pressekommission sowie des V e r- bandsau sschusses erstatteten L i e b e r t und Rascher. Dem Lerbandskassierer wurde einstimmige Entlastung erteilt. Ueber den Vachwuchs im Beruf. Das für den Verbandstag wichtigste Thema behandelte der Bor- sitzende F a h l a n d- Berlin, der seine Ausführungen in einer längeren Entschließung zusammenfaßte, die geeignete Maß- nahmen gegen die Lehrlingszüchterei fordert. Auch das Schornsteinfegergewerbe ist init Arbeitslosen übersetzt, »ia»che Gesellen müssen dem Beruf wieder den Rücken kehren. Die Fortschritte auf dem Gebiet der Wärmewirtschast drängen das Ge- werbe zurück. Die Ausbildung von Lehrlingen über das zur Auf- rechterhaltung des Berufes notwendige Maß oerbiete sich deshalb besonders, wozu eine wirksame Einschränkung der Lehr- lings Haltung nach Z 128 GO. gefordert wird. Die Beratung der Anträge nahm einen besonders breiten Rahmen der Tagung ein. Abänderungen des Ministerialerlasses über die Anstellungen und Pflichten der Bezirksschornsteinfeger betraf ein großer Teil der Anträge, die, soweit sie Annahme fanden, dem Minister für Handel und Gewerbe in Preußen eingereicht werden sollen. Der Aenderung der Verbands st atuten gasten mehrere Anträge, und der Reichsarbeitsgemeinschaft galten diverse Borschläge, die eine umfangreiche Aussprache in der Ber- sammlung hervorriefen. Fragen, die sich mit dem inneren Ausbau des Zentralverbandes beschäftigten, bildeten weiterhin den Gegen- stand zahlreicher Anträge, die nach zweitägiger intensiver Beratung ihre Erledigung fanden. Mit besonderer Freude wurde die mit den Berufsverbände» Skandinaviens eingegangene internationale Verbindung begrüßt. Es erfolgte darauf die Wahl des Vorstandes und Redakteurs. Eine Aenderung wurde nicht getroffen. Die Ueberftunüen üer Dresüner Sank. Gerichtlicher Freibrief für unbeschränkte Mehrarbeit. Am Montag wurde vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ein Prozeß gegen die Dresdner Bank verhandelt, der auf die Personal- Politik dieses Unternehmens ein sonderbares Licht warf. Wegen Verstoß gegen die Arbeilszctwerordnung vom 21. Dezember 1g2Z waren angeklagt: zwei Abteilungsdirettoren, der Personalchef, ein Prokurist, ein Abteilungsleiter und ein stellvertretender Abteilungsleiter. Die Gewerbe! n fpektion hatte in der Nacht vom 3 1. Mai zum 1. Juni 1926 gefunden, daß in der Effekten- abteilung acht bis zwölf Angestellte gearbeitet hatten. Einige spätere Revisionen des Betriebes hatten ergeben, daß ebenfalls bis spät in die Nacht hinein Ueberstunden gemacht werden. Der Gewerbeaussichtsbcamte hatte festgestellt, daß Angestellte mit ganz geringen Pausen bis zu 19% Stunden hintereinander beschäftigt worden waren. Zu der Verhandlung war ein großes Aufgebot von Zeugen, Gewerbeaufsichtsbeamten, Angestellten der Dresdner Bank sowie mehrere Bankdirektoren als Sachoer st ändige erschienen. Die angeklagten Direktoren erklärten, daß es ihnen infolge des plötzlichen auberordenUich»belcbten Börsengeschäftes nicht möglich gewesen sei. ohne Ueberarbeit die Geschäfte ordnungsgemäß zu er- ledigen. Sie behaupteten weiter, der Personalleitung sei es nicht möglich gewesen, ihnen aushilfsweise geeignetes Personal zur Ber- fllgung zu stellen. Die A n g e st e l l t e n, die diese polizeiwidrige Ueberarbeit ge- leistet hatten, waren sichtlich bemüht, ihre Direktoren zu schonen. Sie stellten alle in den Vordergrund, die Ueberarbeit freiwillig geleistet zu haben. Ein Liebediener betonte, daß er nicht des Geldes wegen, sondern aus Liebe zur Arbeit die U e b e r st u n d e n gemacht habe. Merkwürdigerweise tonnten sich die betreffenden Angestellten nicht mehr daraus besinnen, wieviel Ueberstunden sie an den in Frage kommenden Tagen gemacht haben. Uebereinstimmend er- klärten alle, daß sie mit der p a u s.ch a l e n Vergütung für die Ueberarbeit sehr zufrieden gewesen seien. Auf die Frage des Vor- sitzenden, ob denn die pauschale Bezahlung höher gewesen sei als die tariflich vorgesehene Ueberstundenbezahlung, erklärten sie, daß dies der Fall gewesen sei, betonten aber im gleichen Zusammenhang, daß ihnen die Tarifsätze nicht bekannt seien. Mit Einverständnis des Staatsanwalts kam das Gericht überein die neue Verordnung über die Arbeitszeit vom Jahre 1927 für die Beurteilung der Fälle anzuwenden, weil dieses Gesetz eine Verbesse- rung des alten bedeutet. Nach dem§ 10 der neuen Arbeitszeitver- ordnung ist alle zehn Stunden übersteigende Mehr- arbeit st ras frei, wenn außerordentliche oder Not- fälle vorliegen. Staatsanwaltschaftsrat L a t t ö bezeichnet« die Arbeitszeitüberschreitung als so u n s o z i a l, daß sie mit der heutigen Gesetzgebung nicht zu vereinbaren sei. Er beantragte gegen den Per- sonalchef 2000 M. und den die übrigen Angeklagten je 600 M. Geld- strafe. Das Gericht erkannte jedoch auf Freispruch aus kosten der Staatskasse, da es sich bei diesen Arbeitszeilüberschreitungen um „Notfälle" im Sinne des 8 10 der Arbeitszeitverordnung handele. Die Gewerbeaufsicht sowohl wie die S t a a t a n w a l t- s ch a f t werden gegen dieses unhaltbare Urteil, das den Banken «inen Freibrief für unbeschränkte Ueberarbeit ausstellt, Berufung einlegen. Die Berufung wird sich vor allem darauf stützen, daß nur die Entlastungszeugen vom Gericht vernommen wurden und als Sachver st ändige nur Bankdirektoren, aber keine Vertreter der Bankangestellten. Wie wir noch erfahren, kommt anfangs November ein ähnlicher Prozeß gegen die Disconto- gesellfchast zur Verhandlung._ Neichstarifabschluß im öaugewerbe. Wie uns vom Zentralverbortd der Angestellten mitgeteilt wird. nahm am Montag im Reichsarbeitsministerium das eingeleitete Schlichtungsverfahren unter Vorsitz des Regierungsrats Fried- länder, Stettin, seinen Fortgang. In den späten Nachmittags- stunden wiz�de ein Schiedsspruch gefällt, der mit einigen Aen- derungen den Rcichstarisvertrag für die Angestellten vom 10. Juli 1923 wiöder in Kraft setzt, und zwar mit der Maßgabe, daß die Gehalts- und Urlaubsregelung der bezirklichen Vereinbarung unterliegt. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 16. Oktober. Oer EinheitsverbanS öer Eisenbahner. Der erste Geschäftsbericht des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, der am 27. Juni 1926 aus der Verschmelzung des Deutschen Eisen bahnerverband es und der Reichs- gewerkschast Deutscher Eisenbahnbeamten hervor- gegangen ist, umfaßt im wesentlichen die Zeit vom 1. Juli 1926 bis zum 31. Dezember 1926. Er greift teilweise aber auch bis zum 1. Januar 1926 zurück, weil bis zum vierten Quartal 1926 die Mit- gliederlisten und Kassengeschäfte beider Organisationen noch getrennt geführt werden mußten. Für die Beurteilung der Entwicklung des Einheitsvcrbandes haben jedoch erst die Angaben größere Bedeu- tung, die für das Geschäftsjahr 1926 gemacht sind. Gleich vorweg sei bemerkt, daß sich der Einheitsverband der Eisenbahner im Jahre 1926 erfreulicherweise sehr gut entwickelt hat. Trotzdem auch er unter den Auswirkungen der verheerenden Wirtschaftskrise des Vorjahres schwer zu leiden hatte. Der Einheitsoerband zählte am Schluß des Jahres 1925 ins- gesamt 197 990 Mitglieder, Ende 1926 dagegen 210 56$ Mitglieder. hatte also einen Mitgliedergewinn von 12 678 oder 6,36 Proz. Don diesen 210 668 Mitgliedern waren 200 540 männliche, 115 9 weibliche, 681 Lehrlinge und Jugendliche, 734 Wartegeld- empfänger und 7480 Ruheständler und Arbeiterpensionäre. Vcm den Ende 1926 bei der deutschen Reichsbahn be- schäftigten 700 399 Personen waren im Einheit?- verband 197 721 oder 28,23 Proz. organisiert, woran zu ersehen ist, daß noch ein großes Agitationsseld zu beackern ist. Der Verband hat sich da- Ziel gesetzt, in diesem Jahre 40 Proz. des Reichsbahnpersonals für seine Organisation zu gewinnen, da bei den Betriebs- und Beamtenrätewahlen im Vorjahre rund 40 Proz. der Gesamtbelegschaft für die Listen des Einheitsverbandes g«'stimmt haben. Die Aufwärtsentwicklung der Mitgliederbewegung ist ein um so größerer Erfolg, als auch im Jahre 1926 der Personalabbau nicht zum Still st and kam. Der Personalbestand der Reichs- bahn ging seit Dezember 1925 bis Dezember 1926 von 711381 aus 700 399, also um 10982 Personen zurück, und soll in diesem Jahre noch bis auf 692 600 Personen herabgesetzt werden. Dieser Personalabbau kann natürlich auf die Mitglieder- bewegung nicht ohne Einfluß bleiben. Ein ebenso günstiges Bild wie die Mitgliederbewegung zeigt auch die finanzielle Entwicklung des Verbandes im Vorjahre. Während im Jahre 1926 einer Hauptkasseneinnahm« von 4 001 229 M. eine Ausgabe von 4 311 638 M., also eine Mehrausgabe von 310 409 M. gegenüberstand, hatte die Hauptkass« 1926 eine Einnahm« von 4 989 686 M. und eine Ausgabe von 4 314 467 M. Der Kassenbestand konnte von 615 623 M. auf 1 290 602 M. erhöht werden. Von der Gesamtausgabe entfielen allein auf die Unter- stützungen 1 097 744 M. oder rund ein Viertel der Gesamt- einnahmen. Diese kurzen Angaben aus dem 342 Seiten umfassenden Ge- schäftsbericht des Einheitsverbandes der Eisenbahner lassen er- kennen, daß die Verschmelzung im Jahr« 1926 ein« Tat war, die der freigewerkschastlichen Eisenbahnerbewegung einen kräftigen Auf- trieb gegeben hat. Die organisatorische Zersplitterung unter den Eisen- bohnern, besonders aber unter den Beamten, ist leider immer noch sehr groß. Sie bietet der Reichsbahngesellschast tarispolitische Vor- teile, den Eisenbahnern jedoch große Nachteile. Die zwar langsame, aber stetige Vorwärtsentwicklung des Einheitsoerbandes läßt er- hoffen, daß auch die noch abseits stehenden Eisenbahner einsehen, wie schädlich dies« Zersplitterung für ihre Interessen ist und wie notwendig deshalb der Anschluß an den Einheitsverband ist. Die junge Organisation hat sich in der Sturm- und Drangperiode der Gewerkschaften nicht nur gut gehalten, sondern rüstig weiter entwickelt._ Wie Sie Sraunkohlenherren rechnen. Lohnerhöhung nur, wenn sie dabei profitieren. „Der Braunkohlenbergbau", d. h. seine Nutznießer, lassen durch MTB. nochmals ihr Bedauern darüber aussprechen, daß ihr Antrag auf Erhöhung der Preise für Hausbrandbriketts um 2 M. je Tonne vom Reichswirtschaftsminister abgelehnt wurde. Eine derartige Preiserhöhung betrage nach der Berechnung des„Braunkohlen- bergbaues" für eine Durchfchnitlshaushalhmg in einer Großstadt nur eine Mehrbelastung von etwa 3,50 M. jährlich. Nur dann, wenn jeder deutsche Arbeiter, Angestellte und Beamte den Braunkohlenherren in Mitteldeutschland einen Extra- tribut von 3,50 bis 5 M. entrichtet, dann werden die mitteldeutschen Braunkohlenherren, also der Braunkohlenbergbau, vielleicht eine Lohnerhöhung von 80 Pf. pro Schicht, soviel ist gefordert, vornehmen. Die Herren stimmen ein steinerweichendes Klagelied darüber an, wie schwer sie es haben.„Seit 1. April 1926 keine Kohlenpreiserhöhung mehr!" Verkürzungen der Arbeits- zeit,'- Erhöhung der Knappschaftslasten, Ueberstunden sollen jetzt sogar mit 16 Proz. Ausschlag bezahlt werden und der stärkste Trumpf ist natürlich„die Belastung durch die S o z i a l v e r- s i ch e r u n g". Kurzum, der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau hält eine weitere Erhöhung der Selbstkosten, mit anderen Worten jedwede Lohnerhöhung, für untragbar. Jeder Brikettverbraucher muß dem Braunkohlenbergbau, im Interesse der Wirtschaft»atürlich, mir etwa 3.50 M— bis zur nächsten Preiserhöhung— unter die Arme greisen. Die Arbeiter in den mitteldeutschen Braunkohlcngruben werden über die Tragbarkeit des Braunkohlenbergbaues, auch ohne Verteuerung der Briketts eine Lohnerhöhung vor- zunehmen, ja noch ein Wort mitreden. Eine grundsätzliche Tariffrage. Aesksehung streitiger Akkordpreise. Der Tarif für die M e t a l l i n d u st r i e bestimmt, daß bei Streitigkeiten über die Festsetzung der Akkordpreise die E n t s ch e>- dung der Werkstatttommission anzurusen ist. Wird hierdurch eine Verständigung über den Akkordpreis nicht erzielt, dann soll er bestimmt werden nach dem Durchschnittsver- d i e n st der Arbeiter der betreffenden Gruppe. Ueber die H a n d h a b u r g dieser Tarifbestimmung ist nun ein Streit entstanden, zu dessen Entscheidung das Arbeits- geeicht angerufen wurde.— Bei einer Streitigkeit über den Akkord- preis einer bestimmten Arbeit im Betriebe der AEG., B r u n n e n- st r a ß e, hat die Werkstottkommission sestgestellt, wieviel Zeit zur Anfertigung der betreffenden Arbeit erforderlich ist. Als die� Kam- Mission— wie es bisher üblich war— ruf Grund dieser Feststel- lung und aus Grund des durchschnittlichen Akkordverdienstes der betreffenden Arbeitergruppe den Preis fest setzen wollte, sägte die Firma, das sei unzulässig. Der Preis der Arbeit werde nicht nach dem tatsächlichen Akkordverdienst der Enippc be- stimmt, sondern nach der sogenannten Akkordbasis. Das ist der vom V B M I. festgesetzte M i n d e st l o h n der betreffenden Arbeitergruppe, der wesentlich n i e d r i g e r ist als der tatsächliche Akkordoerdienst. Die in Frage kommenden Arbeiter, vertreten durch den Vor-- sitzenden des Arbeiterrats, brachten den Fall vor das Arbeitsgericht. Hier erhob der Vertreter der Firma den Ei»wand der Unzuständigkeit des Arbeitsgerichts. Er berief sich auf eine Bestimmung des Tarifs, wonach der Hauptausschuß des B V M I. in allen grundsätzlichen Tarifstreitigkeiten als Schieds- geticht Jn Tätigkeit zu treten Hai. Hier handele es sich mit die gruW sätzlich« Frage, ob die Werkstattkommis- s i o n nur die erforderliche Arbeitszcitoder auch den Preis je st zu setzen habe, oder ob für diesen die sogenannte Akkordbasis maßgebend sei. Diese Frage sei auf Grund der gc- nannten Tarifbestimmung vom Hauptausschuß zu enl- scheiden. Der Vertreter der Kläger berief sich dagegen auf die Tarif- b e st i m m u n g, welche ausdrücklich sagt, daß die Werkstatt- kommission auch den A k k o r d p r e i s fe st zusetzen Habe. Das Arbeitsgericht erklärte sich als zurzeit unzuständig und wies die Klage ab, weil laut Tarif der Hauptausschuß des V B M I. angerufen werden müsse. Wenn der Hauptausschuß entschieden habe, dann könne erneut Klage beim Arbeitsgericht erhoben werden._ Sparsamkeit oder falsche Organisation? Man schreibt uns: Bei den Finanzämtern in Groß-Berlin sind seit Ansang dieses Jahres mehrere Hundert Zeitangc stellte tätig, um die vorliegende Mehrarbeit zu erledigen. Trotzdem auf Monate hinaus noch Beschäftigung für die Angestellten vorhanden ist, sollen alle diese Zeitangestellten am 30. September dieses Jahres entlassen werden. Die Arbeit bleibt unerledigt, die Angestellten sind auf die Erwerbslosenfürsorge angewiesen. Schnelles Eingreisen des Reichssinanzministcrinins ist erforderlich, um diese falsche Sparsamkeit zu verhüten. aa Lesdau's Jwbmöliel Jolhirt F-ra»« Aparte Muster Mäßige Preise »uUUttr««.»irF"- Neukölln G» Bettfedern IV— anerkannt dillig und reeU. tVL-. J Psd-,rauS0Ps..peschi.«>Pf, Riips I 75 Haiddaune 2.7ö, 4, weih aolldaunige d, Daune 4. 7, weiß 0—>0, ö-dieihdaune 3.50-5, Oder den la dich, es "■ i-dw. Ii. w. Killen 3 P,d. z 50. .PreisI.Irei. tick. vSdm. N& Stadler, Str 43, ; gratis Sport. Ringerwettstreit im Sportpalast. Sztekker wirft Sanden-Mandel. Der Sportpalast hatte gestern seinen großen Tag. Der stärkste Mann des„Deutschen Ringer-Verbandes". Sanden-Ma«d«l, hatte den Polen Sztekker zu einem Komps herausgefordert. Diese beiden völlig ungleichen Gegner— der Pole hotte 80 Pfund plus— kreuzten nun gestern die Hände. Das Treffen ging sofort bis zur Entscheidung. Sztekker griff seinen hühnenhaften Gegner von der ersten Minute derart an, daß er sich ganz auf die Ver- teidigung beschränken niußtei bald stellte sich auch noch Atemnot ein. Nach einer erneuten stürmischen Attacke landete Mandel außer- halb des Rings und bald darauf vermochte schon Sztekker den Riesen mit einem blitzschnellen Untergriff von vorn auf die Schultern zu legen. Auf den Einspruch des Richters der Gegenpartei erbot sich der Sieger, sofort weiter zu ringen. Allein Mandel verließ(schnell) den Ring und gab den Kampf damit nach sechs Minuten auf. Mandel behielt sich aber eine Revanche vor— durch den Sturz aus dem Ring fühlte er sich gehandicapt— aber auch ohne diesen Sturz hätte er wohl nur als Besiegter den Ring verlassen, denn der Pole bewies fein« Uebcrlegenheit von der ersten Parade an. Kunst vermochte den gewandten Schulz nach 47% Minuten auf die Schultern zu bringen. H. K a w a n und o a n R i e l sowie G. Grüneisen und Steint« kamen zu keiner Eni- scheidung. Lerantwortlich für Politik:»ickaed«etuftein; fflirtFtfofl: ß,«lingelhöte-: --------------Betlog(S. m. b H.°........_________________ uni SerlagsonltaU Paul Singet u Co. Berlin SM 68. 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