Nr. 460 ♦ 44. �ahrgasg Musgobe H Nr. 2Z4 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pknniq, monatlich ki�— Reichsmark voraus»ablbar. Unter Streifband im In. und Ausland S.S0 Reichsmark vro Monat. Der.Vormärts* mit der illultrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" fowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen�,„Aus der gilinivelt", .Frauenstimme",.Der Rinder, freund".„Iugend-Dorwärts".„Blick in die Biicherwelt" und„Kultur. arbeit" erscheint wochentäglich zwei, mal, Sonntags und Montags einmal. Telsgramm-Adreffe: »Sozialdamokro« Berlin» Morgenansgabe ♦> Devlinev VolksdlÄkt Groß-Berlin 10 Pfg. Auswärts RS Pfg. Anzeigenpreise: Die«insvaltig« Nonvareille. »eile 80 Vfennig,. Rcklamezeile S.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig fzulSllia zwei fettgedruckte Wortes, sedes weiiere Wort 12 Pfenuia. Stellengesuche dos erste Wort IS Pfennig, iedes weitere Wort lg Pfennig. Worte über IS Buch- stoben, üblen silr zwei Worte. Arbcitsmarkt Keile 60 Pfennig. 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Es liegt in der Eigenart unserer Verfassung begründet, daß der Reichspräsident nach heftigen Parteikampfen und als Kandidat bestimmter Parteien in sein Amt tritt, das er dann ohne Ansehen der Partei zu führen hat. So ist auch Herr v. Hindenburg nach schweren Kämpfen als K a n d i- datderRechtsparteien in sein Amt gekommen. Als gewählter Präsident hat er wiederholt erklärt, daß er sein Amt keineswegs im Sinne einer bestimmten Partei führen wolle. Es liegt jedoch nicht im Interesse der Deutschnationalen Partei, vergessen zu lassen, daß der gegenwärtige Reichs- Präsident als i h r Kandidat in sein hohes Amt gelangt ist. Darum haben sie seine Tannenbergrede bejubelt, die ihn unmittelbar vor seinem 80. Geburtstag in den Mittelpunkt eines internationalen Konflikts und innerdeutsche Streitig- leiten gestellt hat. Auf einer deutschnationalen Führertagung hat sich Graf Westarp der Rolle gerühmt, die er beim Zustandekommen dieser Rede gespielt hat. Dem Reichspräsidenten ist allerdings mit dem Zustandekommen dieser Rede kein Gefallen geschehen: zunächst hat er darauf nur vom französischen und vom belgischen Ministerpräsidenten facksiedegrobe Antworten erhalten, auf die hin von deutscher Seite nichts weiter erfolgt ist und auch weiter, nichts erfolgen kann. Gedient aber war damit dem deutschnationalen Partei- tnteresse. Die Deutschnationalen brauchten einen schönen Lärm, um über die Schwierigkeiten ihres Königsberger Parteitags hinwegzukommen. Die Kosten darf ruhig die deutsche Außenpolitik und— der deutsche Reichspräsident bezahlen. Für die deutschnationale Regie war die Tannenbergfeier der erste Akt einer großzügigen Propaganda. Der Königs- berger Parteitag war der zweite, und die H i n d e n b u r g- Geburtstagsfeier soll der dritte sein. Berlin und Deutschland sollen an diesem Tage womöglich in einem Meer von schwarzweißroten Flaggen schwim- men. Man rechnet dabei— ganz wie seinerzeit bei der Präsidentenwahl— nicht so sehr mit der engeren Partei- anhängerschaft, wie mit den unpolitischen Massen und ihren sentimentalen Empfindungen. Nachher aber will man— wie Graf Westarp gleichfalls auf der schon erwähnten Führer- tagung erklärte— zu all denen, die schwarzweiß- rot geflaggt haben, Werber schicken, um sie zur Mitgliedschaft für die deutschnationale Partei zu gewinnen. Wir stehen also vor dieser merkwürdigen und nur aus dem merkwürdigen Gang der Entwicklung begreiflichen Er- scheinung: Der 80. Geburtstag des Präsidenten der deutschen Republik wird als Propaganda- und Werbetag der Monarchisten gefeiert werden. Man wird an diesem Tage wohl auch schwarzrotgoldene Fahnen sehen auf öffent- lichen Gebäuden und an den Fenstern mancher R e p u b l i- k a n e r— die Demokratische Partei hat ja einen dement- sprechenden Beschluß veröffentlicht. Es wird aber schwer zu unterscheiden sein, ob diese privaten schwarzrotgoldenen Fahnen mehr eine Ehrung für Hindenburg oder mehr einen Protest gegen den Mißbrauch des Tages zu monarchistischen Zwecken bedeuten sollen. So wird der 80. Geburtstag Hindenburgs für das Aus- land ein seltsames Schauspiel und für das Inland keineswegs ein Tag sein, der die Parteien friedlich vereint. Die Mon- archisten werden vielmehr alles tun, um ihm einen für die republikanisch gesinnten Massen möglichst aufreizenden Cha- rakter zu verleihen. Von der Reichsregierung mit ihren vier deutschnationalen Ministern ist natürlich nicht zu erwarten, daß sie versucht, diesen Charakter zu mildern. Was die republikiniiest"rivwiegend sozialdemokratisch gesinnten Massi., große Mehrheit der Berliner Bevölkerung betrifft, so hat sie bei der Reichs- Präsidentenwahl ihrer politischen Ueberzeugung Ausdruck verliehen, sie wird am 2. Oktober sich nicht zur Staffage für deutschnationale Veranstaltungen hergeben und bei den nächsten Reichstagswahlen wieder zur Stelle sein. * Die oben wiedergegebenen Aeußerungen des Grafen Westarp über feine„Rolle" beim Zustandekommen der Tan- nenbergrede und über die Ausnutzung des 80. Geburtstags Hindenburgs zu Propagandazwecken werden von deutsch- nationaler Seite bestritten. Demgegenüber erklärt das„Ber- liner Tageblatt" sich auf einen Gewährsmann zu stützen, der diese Aeußerungen mit eigenen Ohren gehört hat. Schluß öer Ratstagung. Auch die ,.Salamis"»Feage vertagt. Genf, 28. September. Der Völkerbundrat beschäftigt« sich mit dem Rechtsstreit zwischen der Vulkanwerft und der griechischen Regierung wegen Abnahme des von Griechenland noch vor den, Krie?« bestellten Kreuzers.Salamis". Die griechische Regierung bittet um Auslegung der Versailler Artikel 190 und 192 über da» Verbot von Herstellung und Ausfuhr von Kriegsmaterial. Ein Dreierausschuß des Rats schlägt Einholung eines Gutachtens des Haager Gerichts- Hofes über die Z u st ä n d i g k e i t des Rates zu dieser Aus- legung vor. In der Aussprache äußerte sich Dr. Stresemann gegen die Einholung eines solchen Gutachtens und Loudon- Holland erklärte, daß der Rat überhaupt nicht zuständig fei zur Jnterpretierung von Versailler Artikeln. Reichsaußenminister Dr. Slrefenuma wies darauf hin, daß das Deutsche Reich auf keinen Fall Partei in dieser Frage sei. Es handle sich um eine kaufmännische und Geldfrage von verhältnismäßig geringer Bedeutung. Er warnte davor, die Frage der Zuständigkeit des Rats zur Begut- achtung an den Internationalen Gerichtshof zu verweisen, da damit der Eindruck erweckt würde, daß innerhalb der Ratsmit- glieder die größte Unsicherheit über dessen Kompetenz herrschte. Der Rat solle zunächst selbst zur Frage seiner Zuständig. keit Stellung nehmen. Wenn der Rat in ein schwebendes Verfahren eingreife, so würde ein gefährlicher Präzendenzsall ge- schaffen, durch den eine Unmenge gleichartiger Streitfälle aus dem Bereich der Gemischten Schieb-gerichte über ihn hereinbrechen könne. Nachdem Politis- Griechenland nochmals um maßgebende Auslegung der beiden Artikel durch den Rat gebeten hatte und einigen weiteren Reden vertagte der Rat die Entscheidung auf Dezember. Bis dahin soll die juristische Seite dieser Affäre ein- gehend geprüft werden.— Die deutsche Delegation ist zum großen Teil abend« 6 Uhr nach Berlin abgereist. Polenprozeß in Danzig. Versuch Politischer Polizistenbcstechung. Danzig, 28. September. Wegen Beamtenbestechung und Spionage hatte sich der polnische Staatsangehörige P a w l o w s k i vor Gericht zu verant- Worten. Er hatte versucht, von zwei Danziger Polizeibeamten Dokumente zu kaufen. Pawlowski stand seit 192S als Agent im polnischen Nachrichtendienst. Während eines Aufenthalts in Deutsch- land hat er auch den Versuch gemacht, Nachrichten über die R e i ch s- wehr zu erhalten. Obgleich die beiden Polizeibeamten die Be- ftechungszumutungen Pawlowstis zurückgewiesen hatten, sah dos Gericht den Tatbestand der aktiven Beamtenbestechung doch als gegeben an und oerurteilte Pawlowski zu einem Jahr Ge- f ä n g n i s.(Nach diesem Strafsotz scheint er nicht mich der Aus. spähung schuldig gesprochen zu sein. Er hat Glück, daß für Danzig dos Reichsgericht in Leipzig nicht mehr zuständig ist. Red.) die Tötung in ser Sowjetbotschast. Kein polnischer Strafprozeß. Warschau, 28. September. Zu der Affäre in der Warschauer Sowjetgesandtschaft teilt das Ministerium des Auswärtigen mit, daß die Untersuchung folgendes ergeben habe: Di« beiden Sowjetangestellten S ch l e j j e r und G n ssj e w, die den russischen Emigranten T a i k o w,t sch er- schössen, seien nicht in den Anklagezustand versetzt worden, weil die Untersuchungskommission in den ermittelten Tat- fachen keinen Grund für ein solches Vorgehen gefunden hat. Infolgedessen wurden auch der Ausreise der beiden Sowjet- gesandten nach Moskau keine Hindernisse in den Weg gelegt. Wegen Soldatenaufwiegelung verurleilk wurden die sranzösi- schen kommunistischen Abgg. M a r t y und D u c l o s zu S bzw. S Iahren Gefängnis und Geldstrafen, ebenso drei Leute von der »Humanite", von denen aber zwei rechtzeitig geflüchtet sind. Stresemann in Gens. Selbstverschuldete Hemmungen verdeutschen Austenpolitik „Fünf Stresemann für ei-n'en A p p o n y i!" rief auf der Pressetribüne des Genfer Reformationssaales ein deutschnationaler Journalist in heller Begeisterung aus, als der 83jährige Vertreter Ungarns seine Rede beendet hatte. Die Ekstase des schwarzweißroten Zeitungsmannes war begreiflich. Denn der ungarische Magnat hatte nicht nur eine rhetorische Glanzleistung vollbracht, sondern auch kühne Forderungen unverblümt erhoben, insbesondere die Auf- rüstung der besiegten Völker. Apponyis Schlußsätze waren ein kaum mehr zweideutiges Bekenntnis zur Revanche ge- wesen. Stresemann ist— glücklicherweise— kein Apponyi. Denn hätte er am nächsten Tage so gesprochen, dann wäre wohl der ganze Völkerbund aufgeflogen und eine achtjährige mühsame und erfolgreiche Arbeit um den politischen und wirt- schaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands wäre mit einem Schlage vernichtet worden. Statt dessen hielt der deutsche Außenminister in der Generaldebatte eine kluge, auffallend gemäßigte Rede, in der er nicht als Fordernder, sondern als Gebender auftrat: Damals begrüßte er mit fast übertriebener Wärme die polnische Initiative einer abermaligen Verurtei- lung aller Angriffskriege und kündigte er die Ratifizierung der fakultativen Schiedsgerichtsklausel durch Deutschland an. Aber sein Appell an die siegreichen Völker, endlich abzurüsten, blieb an Eindringlichkeit' weit hinter der gleichen Mah- nung zurück, die vor ihm die Redner verschiedener Länder (Hambro-Rorwegen, Zielens-Lettland, Vandervelde-Belgien und Löfgren-Schweden) an die Versammlung gerichtet hatten. Auch die zweite Rede Stresemanns im Plenum hat jede Schärfe vermieden, obwohl sie ausschließlich der Abrüstnng galt und es für den Vertreter Deutschlands, rechtlich und moralisch, ein Leichtes gewesen wäre, bei diesem Kapitel aufzu- trumpfen. Er war viel zurückhaltender, viel weniger kühn in seiner Ausdrucksweise und in seinen Argumenten, als z. B. der demokratische Reichstagsabgeordnete Graf B e r n st o r f f in der Abrüstungskommission. Und das ist kein Zufall. Denn ein linksstehender Reichsaußenminister, der im Namen einer republikanischen Reichsregierung zum Auslande sprechen würde, brauchte nicht so vorsichtig aufzutreten wie Dr. Strese- mann auf der letzten Genfer Tagung. Seitdem er.eine Rechtsregierung vertritt, muß Stresemann in Genf ganz leise treten, jedes Wort seiner Reden abwägen und schriftlich fixieren, weil er sich dessen bewußt ist, daß die jetzige Reichs- regierung mit ihrem starken deutschnationalen Einschlag kein Vertrauen im Auslande besitzt und infolgedessen jede schärfere Wendung, die er heute gebraucht, bedenkliche Folgen nach sich ziehen kann. Dos weiß Stresemann, wenn er es auch öffentlich um so entschiedener leugnen wird, da er ja selbst einer der Väter der Bürgerblockregierung ist. Ein entschiedenes Wort von ihm, dem verantwortlichen Leiter der Außenpolitik, gegen- über dem Reichspräsidenten, dem Zentrum und seiner eige- nen Fraktion im Dezember 1926 hätte genügt, um den Bürgerblock zu verhindern. Statt dessen hat er damals die außenpolitischen Gefahren der Rechtsschwenkung im Innern ausdrücklich verneint. Der Umschwung trat bereits auf der Märztagung des Völkerbundrates sichtbar in die Erscheinung. Er aber leugnete noch immer jeglichen Zusammenhang zwischen dem außenpolitischen Rückschlag und dem innerpoli- tischen Kurswechsel. Menschlich durchaus begreiflich: denn würde er diese Wechselwirkung zugeben, dann würde er damit seine eigene Schuld anerkennen. Wird er aber heute immer noch bestreiten wollen, daß sich die Prophezeiung des„Vorwärts" erfüllt hat, der am 31. De- zember vorigen Jahres vor der Bürgerblockbildung mit dem prononziert scharfen Ausdruck warnte, daß die Hinzuziehung der Deutschnationalen„objektiver Landesverrat" sei, weil sie den Tag der Räumung hinausschiebe? Ein weiteres Leugnen wäre zwecklos, weil die Tatsachen sprechen. Schon das eigene Verhalten Stresemanns in Genf war ein fortwähren- des Eingeständnis dieser inneren Erkenntnis. Als er die internationale Presse zu einem Tee einlud und dabei eine— nicht immer sehr glückliche— Rede hielt, da empfand er das Bedürfnis, mindestens zweimal zu betonen, daß alle beut- schen Parteien in der deutschen Delegation vertreten seien, und daß auch die Vertreter der oppositionellen Linken fein Verhalten billigten. Er wußte nur zu gut, daß, wenn er sich auf die deutschnationale Unterstützung berufen hätte—- was er wohlweislich unterließ—, dies für ihn in den Augen des Auslandes alles eher denn eine Empfehlung wäre. Aber um so eindringlicher wollte er auf die Mitarbeit Breitscheids und Bernstorffs hinweisen. Er handelte eben nach dem famosen Rezept, das in einer naiv-dreisten Instruktion des Auswär- tigen Amtes an die deutschen Völkerbundsdelegierten im Jahre 1926 zu lesen war: „Es wird sich empfehlen, in Genf fortschrittliche Ansichten zu bekunden."— Die republikanischen Oppositionsparteien benötigte Stresemann in Genf als S ch u tz s ch i l d. die stärkste Regie- rungspartei empfand er als B a l l a st. Nur der Außenminister einer Rechtsregierung konnte im zweiten Jahre unserer Zugehörigkeit zum Völkerbund, im dritten Jahre nach der Konferenz von Locarno auf eine Aus- spräche zwischen den Außenministern der Rheinpaktmächte über die Räumung des besetzten Gebietes verzichten— und mußte darauf verzichten. Denn Stresemann wußte im voraus, daß er sich einer glatten Ablehnung ausgesetzt hätte. Man würde ihn mit einem Hinweis auf die Truppenredu- zierung um 10 lKM) Mann abgespeist und ihn im übrigen auf die Notwendigkeit verwiesen haben, das Ergebnis der näch- sten Wahlen in Frankreich, England und Deutschland abzuwarten, wobei das Schwergewicht auf die deutschen Wahlen gelegt wird. Wir glauben sogar versichern zu können, daß man ihm diese Argumente noch vor Genf so deutlich zu Gemüte geführt hat. daß er die Abhaltung einer neuen Aussprache der Locarno-Mächte während seines Genfer Aufenthaltes gar nicht mehr ernsthaft erstrebt hat. Natürlich ist das den deutschnationalen Ministern in Berlin aufgefallen. In deutschnationalen Kreisen wird ver- sichert, daß einer ihrer prominentesten Minister, der die Nach- richt von einer solchen Konferenz der Locarno-Minister zappelnd erwartete, seiner Verwunderung sehr deutlich — und zwar telegraphisch— Ausdruck verliehen hat. Daraufhin wurde folgendes inszeniert: Als der Ratspräsident Villegas seinen sämtlichen Kollegen ein Abschiedsessen gab, da richtete man nach dem Frühstück die Dinge so ein. daß sich die Minister der Rheinpaktmächte bei einer Tasse Mokka, einem Likör und einer Zigarre in eine Ecke des Salons zurückzogen. Dabei sollen„alle Deutschland interessierenden Fragen besprochen" worden fein... Die Schätzungen über die Dauer dieser„Konferenz" schwanken zwischen 25 und 45 Minuten. Gefällige deutsche Presse- berichterstatter ließen sich daraufhin bewegen, ihren Blättern zu melden, daß eine Art Locarno-Konferenz mit dem Thema „Räumung des Rheinlandes" doch zustandegekommen fei— über ihr Ergebnis wußten sie jedoch aus guten Gründen nichts zu melden. Wenn Stresemann nach seiner Rückkehr nach Berlin von seinen Kollegen zur Rede gestellt wird, dann könnte er ihnen erwidern, daß er durch seine Zustimmung zur Tannenberg- Rede des Reichspräsidenten und durch deren nachträgliche Rechtfertigung im„Matin"-Interview den deutschnationalen Wünschen wohl Opfer genug auf Kosten der deutschen Außen- Politik gebracht habe. Er könnte ihnen erklären, daß es schon ein sehr gewagtes Spiel gewesen sei, mit Briand vertrauliche Gespräche zu führen und dabei drei Wochen lang in seinem Busen das Geheimnis zu bewahren, daß er vor der Abreise nach Genf seine Zustimmung zu einer Unschuldskundgebung gegeben hatte, die auf das Ausland um so peinlicher wirken mußte, als sie so ganz verschieden war von den Tönen, die er in Genf anschlug. Herr Stresemann könnte sogar weitergehen und dem Kabinett erklären, daß er jetzt Beweise dafür habe, daß die Rechtsregierung ein Hindernis für eine vorzeitige Räu- mung des besetzten Gebietes sei. Er könnte dem Reichspräsi- deuten und dem Reichskanzler versichern, daß er aus b e st e r Quelle wisse, wie sehr die innerpolitische Entwicklung Deutsch- lands unseren außenpolitischen Interessen geschadet habe. Er könnte, ja er müßte ihnen mitteilen, daß die schleunige Beendigung der Rechtskoalition ein dringendes nationales Gebot fei und daß das größte Hindernis für die politische Befreiung Deutschlands und für eine restlose Wiedererlangung der Stellung Deutschlands in der Welt ein Erfolg der Rechten bei den nächsten Reichstagswahlcn wäre. Stresemann, der sich selbst noch im März gegen diese Erkenntnis sträubte, könnte diese Behauptungen mit präzifen Aeußerungen belegen, die wohl das wertvollste Ergebnis seines ganzen Genfer Auf- entHaltes bilden. Wird er es tun? Reichstag unü Reichsgericht. Zum Beginn des Prozesses gegen die KPD.-Zentrale 2lm 4. Oktober soll vor dem Reichsgericht in Leipzig die Hauptoerhandlung in dem Hochverratsoerfahren gegen die k o m m u- n i st i s ch c Zentrale aus dem Jahre 1923 beginnen, in das auch sechs kommunistische Reichstagsabgeordnete ver- strickt sind. Es wird mit einer Prozeßdauer von drei bis vier Mo- naten gerechnet. Der kommunistische Reichstagsabgeordncte R o e- del hat sich deshalb an den Genossen Dittmann als den Nor- sitzenden des Geschäftsordnungsausschusses des Reichstags gewandt, um die Stellungnahme des Rei chstags zu dem Beschluß des Reichsgerichts zu klären, durch den eine Reihe von Abgeordneten an der Ausübung ihrer Mandate gehindert werden. In seiner Antwort weist Genosse Dittmann darauf hin, daß der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags bereits am 13. Juni 1926 einen Haftontrag des Oberreichsanwalts mit der Begründung abgelehnt hat, daß eine Durchführung des Prozesses ohne eine Be- Hinderung ihrer parlamentarischen Pflichten in der sitzungs- freien Zeit durchaus möglich sei. Das Plenum des Reichstags billigte diesen Beschluß. Das Reichsgericht kümmerte sich um den Wunsch des Reichstags nicht. Deshalb beschloß das Plenum im November 1926 noch einmal ausdrücklich, daß das Berfahren bis zu den Sommerferien im Jahre 1927 einzustellen sei. Zur Begrün- dung führte damals Genosse Dr. Lands berg als Bericht- erstatter aus: ,�Der Geschäftsordnungsausschuß hat sich zum letzten Male im Juni dieses Jahres mit einem kommunistischen Zlntrag auf Ein- stellung des gleichen Verfahrens zu befassen gehabt. Er hat den Antrag am 30. Juni abgelehnt. Dem Beschluß des Geschäfts- ordnungsausschuß'es ist der Reichstag am 2. Juli beigetreten. Das Reichsgericht würde also die Rlöglichkeit gehebt haben, den Prozeß gegen die sechs Abgeordneten während der Sommerserien durchzuführen. Als Gründe für die R i ch t d u r ch f ü h r u n g des Prozesses wurden von der Reichsregierung drei Umstände ange- führt, van denen der Ausschuß zwei als nicht stichhaltig angesehen hat. Der dritte Grund, der aus Rücksicht auf den Geschäftsplan des Reichsgerichts und namentlich auf die G« r i ch t s s e r i e n abgeleitet war, wurde von der Mehrheit des Ausschusses als gerechtfertigt anerkannt. Die Rlehrheit hat sich aber aus den Standpunkt gestellt, daß ebenso wie die Geschäftslage des Reichsgerichts auch die Geschäftslage des Reichstags Berücksichtigung erheischt. und sie hat es nicht verantworten zu können geglaubt, in einem Zeitpunkt, in dem es bei wichtigen Abstimmungen im Reichstag auf jede Stimme ankommen kann, zuzulassen, daß eine erheblich« Zahl von Abgeordnelen, nämlich seckis, der Teilnahme an der Abstimmung entzogen wird. Die Mehrheit des Geschäfts» ordnungsausschusses hat befürchtet, daß durch die erzwungene Ab- Wesenheit der sechs Abgeordneten der Wille des Reichs- tages verfälscht werden könne. Da sie dies nicht will, hat sie den Beschluß gefaßt, dem Haus« vorzuschlagen, das Verfahren gegen die fecks Abgeordneten bis zum Beginn der Sommerpause einzustellen. Namens des Ausschusses ersuche ich das Haus, diesem Beschluß seine Zustimmung zu geben." Di« Darstellung des Genossen Dittmann zeigt, daß der Geschäfts- ordnungsausfchuß und das Plenum des Reichstags sowohl im Jahre 1926 als auch im Jahre 1927 die Durchführung des Prozesses in den sitzungsfreicn Sommermonaten gewünscht hat. Das Reichs- gericht handelt also gegen den Willen des Reichstags, rvenn es den Prozeß in eine Zeit rerlegt, in der das Parlament tagt. Unzurechnungsfähigkeit im Strafgesetz. Die Beratungen im Strafgesetzausschust. I» der Weiterberatung des Strafgesetze ntwurfes wendet sich der Ausschuß der Besprechung der über die Z u r e ch- nungsunfähigkeit und verminderten Zurechnungsfähigkeit vorgeschlagenen Bestimmungen zu. Nach§ 12 soll nicht strafbar sein, wer zur Zeit der Tat nicht ztlrechnungsfähig ist. Nach Z 13 ist nicht zurechnungssähig, wer zur Zeit der Tat wegen Bewußtseins- slörung, wegen krankbaftcr Störung der Geistestätigkeit und wegen Geistesschwäche unfähig ist, das Unrechtmäßige der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. War die Zurechnungsfähigkeit zur Zeit der Tat aus einem dieser Gründe wesentlich oermindert, so kann die Strafe gemildert werden. Genosse Saenger erstattete zu diesem Antrag« ein eingehendes Referat, in dem er die vom Gesetzentwurf aufgestellten Begriffe der Zurechnungsunfähigkeit und der verminderten Zurechnungsfähigkeit einer genauen Untersuchung unterwirst. Die bisherige Rechtsprechung hat gelehrt, daß auch der Unzurechnungsfähige bzw. der vermindert Zurechnungsfähige zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wird. Im Gegensatz zum bisherigen Recht wirke die Unzurechnungsfähig- keit und Bewußtlosigkeit nur als ein persönlicher Schuldaus- schließungsgrund, so daß künftig Teilnehmer an der Tat eines Unzurechnungsfähigen zur Rechenschast zu ziehen seien. Unser Vertreter begrüßt die Erweiterung des geltenden Rechts durch die Einführung des seit Jahrzehnten von Juristen und Medizinern verlangten Rechtsbegriffes der verminderten Zurechnung s- s ä h i g k e i t. Die Einwände, die jetzt in letzter Stunde merk- würdigerweise von einigen Aerzten erhoben würden, seien nicht zu berücksichtigen. Schon im italienischen Strafrecht von 1889 sei die verminderte Zurechnungsfähigkeit eingefügt worden. Es sei aber zu oerlangen, daß der Begriff der krankhaften Störung der Geistes- tätigkeit erweitert werde durch die Ausnahme der Störung des T r i c b l e b e n s als einer geistigen Erkrankung, damit der Be- griff der Geistestätigkeit nicht zu eng als reine Verstandestätigkeit aufgefaßt werde und damit auch den seelisch Kranken in höherem Maße als jetzt Rechnung getragen werden könne. Genosse Saenger befürwortet e'inen entsprechenden sozialdemokratischen A n- trag, und er begründet auch den weiteren sozialdemokratischen An- trag,' daß im Gegensatz' zur Regierungsvorlage bei Verminderung der Zurechnungsfähigkeit die Strafe gemildert werden müsse, und daß für die Sirafmilderung auch schon eine gering« Verminde- rung der Zurechnungsfähigkeit genüge. Schließlich wünscht er die sofortige Zuziehung mcdizinifcher Sachverständiger zu den weiteren Beratungen. Abg. kahl begrüßt die Einführung der verminderten Zurech- nungsfähigkeit, wendet sich aber gegen den Antrag des Genossen Saenger auf Zuziehung ärztlicher Sachverständiger. Dieser Antrag wird alsdann, nachdem Ministerialdirektor Vümke mitgeteilt hat, daß er bei der Vorberatung des Gesetzes sich in ständiger Fühlung mit Heroorragenden Psychiatern gehalten habe, gegen die sozial- demokratischen und kommunistischen Stimmen abgelehnt. Die Wciterberatung wird auf Donnerstag vertagt. Kpd.-Lügeti. Eine erfundene Polizeikonferenz. Der Polizeipräsident hat der„Roten Fahne" folgende Berichtigung gesandt: In der Nummer 228 der.Roten Fahne" vom Mittwoch, den 28. September d. I., wird behauptet, in einer Konssrenz der Berliner Journalisten, die vom Polizeipräsidenten Zörgiebek einberufen worden ist, wurde den Herren mitgeteilt, daß ein B e r- bot der kommunistischen Demonstration sicher sei, daß die bürgerliche Journaille unter diesen Umständen am besten täte, die Aufforderung der KPD. wie überhaupt die kommunistische Agitation gegen den 2. Oktober zu verschweigen. Das Verbot werde jedenfalls so spät kommen, daß eine Gegenaktion der Kommunistischen Partei erschwert würde. Unter Bezugnahme auf§ 11 des Reichspressegesetzes vom 7. Mai 1874 ersuche ich um Aufnahme nachstehender Berichtigung in der nächstfolgenden Nummer Ihres Blattes: 1. Es ist nicht wahr, daß ich ein« Konferenz der Berlwec Journalisten einberufen habe und daß den Herren mitgeteilt worden ist, ein Verbot der kommunistischen Demonstrationen sei sicher, die bürgerliche Presse täte unter diesen Umständen am besten, die Auf- forderung der KPD. und die kommunistische Agitation gegen den 2. Oktober zu verschweigen und das Verbot werde jedenfalls so spät kommen, daß eine Gegenaktion der Kommunistischen Partei erschwert! würde. 2. Wahr ist, daß ein« derartige Konferenz nicht statt- gefunden hat und daß ich derartige oder ähnliche Aeuherunge» nicht getan habe. haslinde geht in den preußischen Staatsdienst. Der prems hifche Minister des Innern wurde in der Staats- ministerialsigung vom Mittwoch u. a. ermächtigt, den früheren Reichsminister a. D. Dr. H a s l i n d« zunächst vertretungsweise und später kommissarisch mit der Verwaltung des Landratee amtes Arnsberg zu betrauen. drückten gegen dm Unterdrücker. Wie dieser Kampf gestallet sei, hänge von dar Epoche ab, in der er geführt wurde. Denn in jedem Kunstwerk spiegelt sich die Weltanschauung seiner Zeit. Was der Mensch im Theaterspiel sucht, ist Erlösung seiner selbst, Befreiung von der Beengung seines Blickfeldes, Selbsterkenntnis, Selbstver- stehen. Verstehen auch der großen Zusammenhänge, die sein Schick- sal mit der Well verknüpfen. Heute fehlt unserer Weltanschauung—, und unserer Weltgestaltung— noch die feste Form. Aus dem Chaos aber erwächst kein abgeschlossenes Drama. Erst das lebendig ge- wordene Gemeinschaftsgefühl der Menschen kann das neue Theater, das Theater unserer Zeit, ins Leben rufen.— Die nachfolgende Diskussion ging weniger auf die Llussührungen Wegeners ein, son- dern behandelte unmittelbar die Aufführung von„Hoppla, wir leben" in der Piscatorbühne. Es zeigte sich bei dieser sehr lebhaften Aus- einandersetzung, wie wichtig und notwendig die Gründung dieser Sondergnipp« der Volksbühnenmiiglieder war. Die sehr lebeirbigen, zum Teil allerdings noch sehr jugendlichen Kräfte, die sich in der stattlichen Zahl von 13 000 hier zusammengefunden haben, können befruchtend und aufbauend wirken, wenn sie zum Schassen und Färbern von Neuem genutzt werden. Allerdings wird es nötig fein, daß, stärker als es an diesem Abend geschah, Selbstkritik einsetzt. Erst was man wirklich versteht, kann man mit Recht bejahen oder ver- neinen. Neben vielen Ausführunoen, die trotz Ueberfchroanges Hand und Fuß hatten, stand kindliches Hin- und Hergerede. Der Bühnen- wert von Tollers Werk wurde gar nicht diskutiert: die Piscator-Zluf- fühning fand einstimmige Begeisterung. Aber daß Toller feine Ee- sinnung gegen den Vorwurf intellektueller Vsrbüroerlicbung ver- teidigcn mußte, zeugte gewiß von einem völligen Mißversteben des Menschen Ernst Toller. T e s. Ein« faschistische Hymne der Arbelt. Zu der von den italienischen Dichtern Libero Bovio und Edmondo Rossini verfaßten Hymne der Arbeit hat jetzt Mascaani die Musik geschrieben. Die Hymne wird von sämtlichen faschistischen Arbeitergewerkichasten als Bundes- lied übernommen werden. Anfang nächsten Monats wird unter der persönlichen Leitung von Mascagni die Hymne zum erstenmal bei einer großen Arbeiterseier in Rom gesungen werden, zu der auch Mussolini fein Erscheinen zugesagt hat. VI« Wartbutg-Xrppiihe, deren bcabliStigter Verkauf vor zwei Iabren viel von sich reden mochte und neulich zur Berurleitang eine» Berliner KunstbändlerS wegen unerlaubten Transportes ins Ausland fühlte, sind ,ur. zeit im Erdgeschoß deS Kaifer-Friedrich-MufeumS ausgestellt. ver bvnderljährlge Todestag von wilbelm Müller. In Dessau wird am 30. dcr bundertjäbrtge Todestag d-S Dichters ZZilhelm Müller felUich begangen. Prof. Hapfield-Ehicago. der beute als der-rite ssorschcr für Wilhelm Müllers Leben und Werke gilt, ist zu diesem Anlaß nach Deutsch. land gekommen und wird die Festrede halten. Zum 2i Todestag Emil Zo o» laßt dcr Zkurt-Wolfi-Vcrlag. zusammen mit feiner Schweverfirma, dem Hhperionuerlag. eine neue TalchenauSgabe der„Rougon-Macquart, Geschichte einer Familie unier dem zweiten Kaiserreich' erscheinen. Der Maler Meer:» ist im«Iter von 80 Habren in B-riS gestorben. Er bat sich durch seine FreScomalercicn in der Sorbonne und in der französischen Münzstätte, sowie durch zahlreiche Porträts von Berühmt- heilen bekannt gemacht. l Winterliche Konzertwünsche. Don Kurt Singer. Das weit geöffnete Tor dcr neuen Saison speit seine Konzert« aus. Es wird einen noch nie dagewesenen Kampf bis aufs Messer geben. In der Konkurrenz der Arrivierten entlarvt sich oft das Außergewöhnliche als eine Alltäglichkeit. Bezeichnend für das Niveau einer Kunststadt find die großen Orchester- und Chorkonzerte. Auch die vorsichtigste Berechnung kommt hier auf die Zahl hundert, das heißt, in jedem Monat der fiebenmonatigen Spieldauer fast fünfzehn Jeden zweiten Abend ein Fest? Auch am Klavier soll man sich übersättigen können. Die Auswahl der Tüchtigsten zu treffen, be- deutet kritischen Heldenmut. Er wird notwendig werden, weil die slebersichi schon quantitativ erschwert ist, und weil überdies auch noch die Konkurrenz der Radiomusik zu bewerten bleibt, die Volks- musikpropaganda gestützt werden muß. Ruhender Pol. gewichtigstes Fundament für diese höhere Aufgabe der Massenerziehung, die mehr sein lind werden muß, als Unterhaltung, find die sogenannten „populären" Mittwochskonzerte der Philharmoniker, die Sonntags- konzerte des Sinfonieorchesters. Prüwer und Bohnke werden sich, eingedenk ihrer wirklich großen Mission in Berlin, zu halten wissen. An Prüwers Adresse folgenden Rat: Es war zu, Nikifchs Zeiten üblich, die Werke, die der unvergessene Meister im Gesell- schaftskon,zert des Montags vorführte, am nächsten oder übernächsten Abend im Volkskonzert zu wiederholen. Das war für die vielen, die von Novitäten ganz abgesperrt sind, eine Labung. Sie be- kamen— immer noch selten genug— auch einmal Neuland zu sehen, neues zu hören. Bei der souveränen Eingespieltheit des Orchesters der Philharmonie wäre dieser Wunsch gewiß nicht un- erfüllbar. Auch Bohnke könnte, soweit das ein Sonntagspubli- tum wünscht und velträgt, manches neue Werk seiner Abonnements- konzerte in einen Sonntag hinüberretten. Unser früher so oft qe- hegter Wunsch, weniger Solisten in den Sinfoniekonzerten zu qe- nießen, muß angesichts des entsetzlichen Kampfes, den selbst groß- oaUge Virtuosen mit der Not des öffentlichen Auftretens zu be- stchen haben, zurllckgedämmt werden. Gutes erwarten wir auch be- sonders nach dem durch G u t t M a n n s und Z a n d c r s Initiative erreichten Wiener Sensationserfolg, vom„Berliner Volks- ch o r", manches schon van dem zweiten geinischten Chor der Ar- beiterschaft. Und nachdem das herrliche Sammelcharwerk der Ar- beiterfchaft ins Volk gedrungen ist, werden die Dirigenten der Männerchöre nicht Zeit und Mühe scheuen, um— weniger öffentliche Konzerte, dafür aber nur solche mit ausgesuchtem, wechfelvollem Programm zu geben. An die Konzer: a g e n t u r e n die Bitte, wichtige Konzerte nicht oie zur gleichen Minute beginnen zu lassen Es liegt im Interesse der Künstler, daß die Presse die Möglichkeit hat. von einem Saal zum anderen gehen zu können, ohne wichiigftes zu versäumen. Das Vorgepläntel fetzte schüchtern ein. In Erinnerung blieb das wundervoll ausgeglichene Orgelspiel Wilhelm Kempffs, diese Orgel, Musterexsmpiar Walckerscher Kunstfertigkeit selber. Im Vlüthner-Saal, der jetzt Bach-Saal heißen soll, ist Licht in Fülle. Das Auge bewundert einen vornehmen, glanzvollen Saal, das Ohr bemerkt ein besseres Verfchinelzen der Instrumente, eine weniger nachhallende, freiere Akustik. Bohnke in bester Verfassung(„Karne- val" von Glazounow), der Cellist Alfred S ch a t t f ch n e i d e r, noch entfernt von dem letzten Schliff einer Possagentechnik, aber ein musikalischer, singender. Zartes zart nachfühlender Lyriker der Knie- geige(Dvorak-Konzert). Von den Versuchen des Russen T h e r e- min, aus der Luft Musik zu zaubern, von diesen neuen Wegen radio-musikalifcher Schöpfung, die zuerst in Deutschland Jörg Mager beschritt, soll besonders gesprochen werden(nach dem Kon- zert am 1. Oktober). B a t t i st i n i gab wiederum seine winterliche Visitenkarte ab. Vor drei Iahren stand darauf, daß er zum letzten Male sänge. Nun wir ihn wieder gehört haben, bedauern wir ketzerisch, daß er nicht dem Podium Valet gesagt hat damals, als er im Zenith des Könnens, auf der Höhe des Weltruhms und im Vollbesitz aller körperlichen Kräfte war. Der die 70 Jahre über- schritt, begann, seine Grenzen zu zeigen. Ein Mann, dessen künst- lerische Zukunft nur noch von der Erinnerung und der Sensation seiner Vergangenheit lebt, sollte diese Vergangenheit, der er ja zu Dank verpflichtet ist, wie wir, nicht in Frage stellen. Wagner, Beethoven, Donizetti, Bambera— ein Gemisch von Stilen, deren keiner persönlich erfaßt und gestaltet wird. Ueberall ein herrliches. vielleicht unvergleichliches Verweilen auf gesponnenen Tönen dcr Mittellage, ein sauberes, weiches, schönes Singen. Aber die Tiefe verblaßt, die Höhe wird krampshast genommen, Anstrengung in jedem Muskel fühlbar. Der vollendete Kavalier auf dem Podium gibt einem Pubsskum: das kavaliermäßig applaudiert, gern die gewünschten Dacapo«. Ein Bild wie dos andere, keines ganz erfüllt von Leben, keines, das eine intellektuelle Größe, ein vertieftes Dasein verrät. Noch freut man sich der Stimme. Wie lange aber? Wir wollen den alten Battiftini in Ohr und Herz dankbar bewahren. das heißt, den Battistini. wie er einst war. Der„alte" Battistini aber vollende seinen Wunsch, in Ruhe sein Leben zu vollenden, ungezählte Jahre. Er hat es an uns, an dcr Kunst reichlich verdient. Kein Zlgent fahre ihm mit Schecks dazwischen. Herrlicher Battistini, maestro öel bei eanto— addio! Hoch willkommen ober fei wiederum Carl S ch u r i ch t, der am 3. Oktober die„Messe des Lebens' von Delius aufführt. Dieses nach Zaraihustra-Worten komponierte Werk des englischen Meisters ist in Berlin noch ganz unbekannt. Eins der interessantesten, schwersten, erregendsten Chor- stücke wird in Schuricht seinen Verkünder finden. 40 Chorproben hat er bereits hinter sich. Die Aufführunq verspricht, eine sener seltenen Sensationen zu werden, die uns im Gleichtlang des Be- triebes so notwendig sind und so wohltun. Gehet hin und höret! piscalor-Tollers„hoppla, wir leben" im Publikumsechv. Die Sonderabteilung der Volksbühne, die den Mit- gliedern neben dm Aufführungen der Volksbühnentheater auch solche an der neuen Piscator-Bühne bietet, hatte zu einem Aussprache- abend in der Aula der Schule Wein meist er st raße eingeladen. Zu Werk und Aufführung von„Hoppla, wir leben" sollt« Stellung genommen werden. Arnim T. Wegener sprach in einem Vortrag über„Dos soziale Drama der Gegen- war t". Er betonte, daß jedes Drama soziale Probleme behandle, denn immer sei es Kampf eines Unterdrückten oder einiger Unter- öazilles Erzählungen. Der ungenaue württcmbcrgische Staatspräfiöcnt und die Aufwertung. Aus Stuttgart wird ims geschrieben: Der württembergische Staatspräsident B a z i l l e hat am 13. Juli in einer Spareroersammlung behauptet, die Reichsregierung babc versucht, mit den Länderregierungen eine Vereinbarung darüber herbeizuführen, datz den Gemeinden bei der Ablösung ihrer An- leihen auf dem Verwaltungswege das Recht zu einer höheren Aufwertung genommen werden sollt«. Diesem Plan, so behauptete Bazille damals, hätten die Regierungen, an denen d i e Sozialdemokratie beteiligt ist, zugestimmt; er sei aber an dem Widerspruch der würtiembergischen Rogierung gescheitert, die trotz vielfacher Einwirkungen von ihrem Standpunkt nicht abge- gangen sei. Diese Behauptung mochte einen so unwahrscheinlichen Eindruck, daß sich Reichstagsabgeordncter Keil veranlaßt sah, eine Anfrage an den Reichsfinanzminister zu richten, in der er um Auskunft über die Vorgänge ersuchte. Die Antwort Dr. K ö h l e r s ist jetzt ein- getroffen und gibt von den Vorgängen«in wesentlich anderes Bild, als Bazille es dargestellt hatte. Wäre Bazilles Behauptung richtig gewesen, so hätte sein Parteifreund, der damalige Reichs- sinanzminister v. S ch l i e b e n, sich eines groben Verstoßes gegen § 43 Abs. 2 des Anleiheablösungsgesetzes schuldig gemacht, da hier- nach die Gemeinden zu höherer Aufwertung nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit geradezu verpflichtet find. Es war also kaum denkbar, daß sich ein Reichsfinanzminister dazu hergegeben hatte, sie an der Durchführung einer reichsgesetzlichen Bestimmung zu hindern. Nach dem Schreiben Dr. Köhlers haben im Gegensatz zu Bazilles Darstellung„einzelne Länder", die Herr Dr. Köhler leider nicht namhaft macht, bei der preußischen Negierung angeregt. eine Sitzung einzuberufen, in der die den Ändern gesetzlich vorbc- ha'tene Aufstellung von gemeinsamen Grundsätzen für die Anleiheablösung durchgesprochen und vereinbart werden sollte. Diese Sitzungen haben nach Mitteilung Dr. Köhlers im September 1923 in Anwesenheit sämtlicher Ländervertreter und einer Der- tretung der Reichsregierung stattgefunden.„Die große Mehr- heit der Länderregierungen", also nicht, wie Bazille behauptet, nur die Länder mit sozialdemokratischer Regierungs- bcteiligung,„kam zu der Auifassung, daß auf die Gemeinden im Wege der Kommunalaufsicht einzuwirken sei, bei der Ablösung ihrer Anleihen freiwillig im allgemeinen von den Vorschriften des An- leiheablösungsgesetzes nicht abzuweichen," um eine neue stcuer- liche Belastung der Bevölkerung zu vermeiden. Dies« Auffasiung sollte in den auszustellenden Richtlinien zum Ausdruck kommen. Mehrere Regierungen, darunter auch Württemberg, haben, wie Dr. Köhler berichtet, gegen die Aufstellung von Richtlinien über die 5)andhabung der Kommunalaufsicht Bedenken erhoben. Das scheint ober mehr mit Rücksicht auf ihre grundsätzlich föderalistische Einstellung geschehen zu sein, als mit Rücksicht auf die Festsetzung der bei der Aufwertung einzuhaltenden Prozensätze. Dann hat das Reichsfinanzministerium die Sache in die chand genommen und die endgültigen Richtlinien aufgestellt, denen nach dem Schreiben Dr. Köhlers schließlich alle deutschen Länderregierungen mit Ausnahme von Württem- berg und Lippe zugestimmt haben. Also auch Bayern, Braunschweig, Mecklenburg, deren Regierungen von den Rechts- Parteien beherrscht wurden! Dagegen hat neben Württemberg auch das sozialdemokratisch regierte Lippe hen Grundsätzen nicht zu- gestimmt. Wenn auch das Schreiben Dr. Köhlers sich aus gewissen Rück- sichten einer formellen Zurückhaltung befleißigt, so ergibt sich aus ihm dennoch zweifelsfrei, daß der württembergische Staatspräsident es in seinem öffentlichen Auftreten mit den Tatsachen nicht sehr genau nimmt und daß er auch vor einer direkt falsch zu nennenden Darstellung nicht zurückschreckt, wenn er glaubt, auf diese Weise die Sozialdemokratie treffen und der Welt feine eigenen Ruhmestaten dadurch wirkungsvoller verkünden zu können. öombe unö Jürgens. Fünf Monate Gefängnis wegen Beleidigung! Ein Nachspiel zum Jürgens-Prozeß vor dem Schössen- gcricht Berlin-Mitte. Ein außerordentlich hartes Urteil; der Prozeß selbst hat die wünschenswerte Klarheit über den Tatbestand gebracht. Man erinnert sich gut der verschiedenen Gerüchte, die während des Iürgens-Prozesfes immer wieder durch den Gerichtssaal schwirrten. Sie veranlaßten sogar den Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Bombe zu einer Erklärung: es sei nicht wahr, daß er den Angeklagten Jürgens früher gekannt habe. „Zur Sache: Die kommunistische„Welt am Abend", ein sensationell aufgeputzter Ableger der„Roten Fahne", brachte am 12. März einen Artikel mit der Ueberschrift„Das Geheimnis im Jürgen s-Prozeß.— Der Gcrichtsvorsitzcnde ein Freund des Angeklagten." Es hieß da u. a., daß acht bis zehn Richter es abgelehnt hätten, im Jürgens-Prozeh zu fungieren, weil sie sich für befangen hielten. Landgerichtsdirektor Bombe und seine Bei- fitzsr, die Landgerichtsräte Frombaum und Fricke hätten aber keine Bedenken getragen, den Prozeß durchzuführen. Die„Welt am Abend" wolle auch sagen, weshalb. Bombe habe im Kriege g e- in c i n s a m mit Jürgens in der Nachrichtenabteilung des General- siabcs gearbeitet: er habe nach dem Kriege im Jahre 1919 gemeinsam mit Jürgens in der Kavallerie-Gardeschützendioision dunkle Angelegenheiten bearbeitet. Wegen dieses Artikels hatte sich nun der verantwortliche Redakteur Hurtig zu verantworten: Die Anklage lautete auf öffentliche Beleidigung. Der Beklagte äußerte dazu, er könne augenblicklich keinen Beweis antreten, er müsse sich zu seiner Verteidigung auf die Kleine Anfrage im Landtage berufen. Landgerichtsdirektor Bombe, der als Zeuge erschienen war, erklärte, daß er Jürgens erst während seine Richtertätigkeit als Vorsitzender kennengelernt und früher nie mit ihm zusammen- gearbeitet habe. Während des Krieges sei er mit Ausnahme von drei Wochen die ganze Zeit über an der Front tätig gewesen, während Jürgens nur sechs Wochen aktiv gewesen sei. Aus die Frage des Verteidigers des Angeklagten Rechtsanwalt Dr. L e o i, deö dem Zeugen vorhält, daß der Artikel nach dem Gerichtsbeschluß über die Außerhastsetzung Jürgens' erschienen sei, erwidert Landgerichtsdirektor Bombe, daß er gern die Gelegenheit ergreife, auch diesen Punkt klarzustellen. Nachdem der Staats- anwalt die Außerhastsetzung der Angeklagten Frau Jürgens be- antragt hatte, sei dem Gericht nichts anderes übriggeblieben, als auch den.Angeklagten Jürgens, gegen den viel weniger vorlag als gegen dessen Frau, auf freien Fuß zu setzen. Dies sei im Rahmen des Haftüberprüfungsverfahrens geschehen. Der Zeuge Landgerichtsrat Frombaum erklärte, daß er an der Gerichtsverhandlung überhaupt nicht teilgenommen und. daß im übrigen auch er Jürgens erst in Berlin kennengelernt habe. Indiens Selbjtzersteifthung. Der Vernichtungskrieg der Bekenntnisse. Kalkutta, Ende September.(Eigenbericht.) Indien war bisher stets von dem Gegensatz zwischen Hindus und Mohammedanern beherrscht. Trotzdem ist es in der jüngsten Geschichte des Landes niemals zu so wütenden Aus- b r ü ch e n des religiösen Hasses gekommen wie in den letzten fünf Jahren. Streitigkeiten, die in den althergebrachten Sticheleien zwischen beiden Bekenntnissen ihren Ursprung haben, wie Musi- zieren der Hindus vor Moscheen und öffentliche Tötung von Kühen durch Mohammedaner hat es zwar immer gegeben. Trotzdem haben mohammedanifche Minori- täten unter Hindus und umgekehrt friedlich leben können. Seit 1922 hat sich die Spannung zwischen den beiden Parteien derart ver- schärst, daß Indien nach dein Ausspruch eines mohammedanischen Führers vom Bürgerkrieg bedroht ist, wenn die Streitigkeiten noch einige Monate währen. Die systematisch betriebenen Versuche, die beiden wichtigsten Be- völkerungselemente des Landes in unversöhnliche Feindschaft zu drängen, fallen zeitlich mit dem Zusammenbruch des Vorstoßes der indischen Notionalbewegung zur Durchsührung der indischen Selbst- Verwaltung zusammen. Seitdem ist die Glut des Religionshasses von unterirdisch arbeitenden Mächten dauernd geschürt worden. Religiöse Pogrome gehören jetzt zum Inventar der«mglo- indischen Regierungskunst wie einst die Iudenmetzeleien de- russischen Zarismus. Aus den Berichten des englischen Nachrichtendienstes über die religiösen Ausschreitungen muß man in Europa den Eindruck ge- Winnen, daß sich irgendwo hinten in Asien einige Fanatiker, Derwisch« und Fakire mit ihren Anhängern die Köpfe über Lächerlichkeiten blutig schlagen. In Wirklichkeit rüsten zwei Heerlager gegen- einander. In dem einen sind fast 229 Millionen Hindus, in dem anderen fast 79 Millionen Mohammedaner, die aber so über das ganze Land durcheinandergemischt sind, daß ihre Kämpfe ganz Indten jahrelang dauernd in Aufruhr halten können. Dadurch muß die politische Entwicklung Indiens entscheidend gehemmt werden, weil diese Zwistigkeiten die wichtigste Voraussetzung für seine Selbst- Verwaltung, die reibungslose Zusammenarbeit des indischen Volkes, einfach unmöglich machen. Das gesamte öffentliche Leben ist zurzeit von der Religionshetze völlig vergiftet. Diesen Kämpen folgt nämlich individueller Terror gegen die führenden Persönlichkeiten aus beiden Lagern; es vergeht kaum«in Tag, an dem nicht irgendein solcher Mord verübt wird. Auch der wirtschaftliche Boy- k o t t wird mit einer Schärfe und einem System angewandt, wie nie bisher. Hindus und Sikhs der nordwestlichen Provinzen sind letzt- hin unter Todesdrohungen aus ihren Wohnsitzen ver- trieben worden, die sie über drei Jahrhunderte inne hatten. Na- türlich vergelten Hindus den Mohammedanern gleiches mit gleichem. Nicht nur, daß der Minderheit die wirtschaftliche Existenz untergraben wird, sie werden in des Wortes buchstäblicher Bedeutung dadurch ausgehungert, daß ihnen ihre andersgläubigen Nachbarn selbst Wasser und Brot verweigern. Derartige Vorgänge haben sich im letzten Jahr bereits in Städten abgespielt, die sett langem kein« religiösen Differenzen gekannt haben. Wenn die Behörden«inschreiten, so geschieht es meist zu spät und dann häufig in Formen, von denen es sich schwer sogen läßt, ob Fahr- lässigkeit oder die Freude an der Selb st zerfleischung der Inder den stärksten Antrieb für dies« sonst unbegreifliche Passivität bilden. Di« verantwortlichen politischen Führer sowohl der Hindus wie der Mohammedaner kämpfen seit fünf Jahren einen ehrlichen aber leider vergeblichen Kamps gegen diese Ausbrüche der Bolkslcidenschasten. Bereits vor einigen Monaten hat sich ein Komitee zur Vor- bereitung eines Einigungskongresses für Hindus 1 und Mohammedaner gebildet; es sst unter dem Eindruck der letzten Ereignisse in Simla zu einer Konferenz zusammengetreten. Das Komitee hat einen Aufruf an das Land gerichtet, in dem die de- deutendsten Führer beider Lager die Bavölkerung dringend b e- schwören, dem religiösen Hader ein Ende zu machen. Vor allen Dingen wird die schleunige Einstellung des persönlichen Terrors und des wirtschaftlichen Boykotts gefordert, die die Gegensätze zwischen. den beiden Gemeinschaften unüberbrückbar machen müssen. Das Gericht ging in seinem Urteil selbst über den Antrag des Staatsanwalts hinaus, der nur drei Monate Gc- fängnis beantragt hatte. Es verurteilte den Angeklagten Hurtig zu fünf Monaten Gefängnis und sprach dem Landgerichtsdirektor Bombe, wie den Landgerichtsräten Frombaum und Fricke Publikationsbefugnis in der„Welt am Abend", im „Vorwärts", in der„Morgenpost", im„Berliner Tageblatt" und im„Lokal-Anzeiger" zu. In der Urteilsbegründung hieß es u. o., daß durch den Artikel der R i ch t e r st a n d schlecht gemacht und das Vertrauen zur Justiz noch mehr untergraben worden fei. Pflicht des Gerichts sei es, die Beamten, die sich in einer derart exponierten Stellung befanden, zu schützen. Es soll zugegeben werden: durch derartige unbegründete An- griffe schadet man nur dem Kampfe gegen die Mißstände in der Justiz. Trotzdem erscheint das Urteil ungerechtfertigt hoch und läßt sich nicht mit den messten Urteilen oergleichen, die in ähnlichen Fällen von Beleidigung öffentlicher Persönlichkeiten durch die Presse gefällt worden sind. Heiträge zur Arbeitslosenversicherung. Acndcrungcn im Einzugsvcrfahren. Mit dein Inkrafttreten des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung am 1. Oktober treten auch die hier vor- gesehenen Aenderungen im Einzugsversahren der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, soweit die Ersatzkranken- lassen in Frage kommen, in Wirksamkeit. Der Präsident der Reichs- anstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat in einem Schreiben an sämtliche Orts-, Land-, Betriebs- und Jnnungs- Krankenkassen ausdrücklich darauf hingewiesen. In dem Rund- schreiben heißt es darüber: Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ist bis auf weiteres für das Reichsgebiet einheitlich auf 3 Proz. des Grundlohns fest- gesetzt. Für diejenigen Versicherten, die wegen der Höhe ihres Arbeits- Verdienstes nicht krankenversicherungspflichtig, aber angestelltenver- sicherungspflichtig sind(Einkommen über 3699 bis einschließlich 6999 M. jährlich), beträgt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung (3699 X 3: 199- 19S: 12)=- 9 M. monatlich. Die Beiträge für diese Versicherten sind an diejenige Kranken- kasse abzuliefern, bei der sie für den Fall der Krankheit versichert sind, also, sofern die Versicherten bei einer Ersatzkasse der Reichs- Versicherungsordnung oersichert sind, entgegen dem bisherigen Ver- fahren an die Ersatzkasse: soweit sie nicht für den Fall der Krankheit oersichert sind, an die Krankenkasse, bei der sie für den Fall der Krankheit pflichtversichert wären, wenn ihr regelmäßiger Jahres- arbeitsverdienst nicht die Grenze der Krankenversicherungspflicht -überstiege, für knappschaftlich Versicherte jedoch an die Reichsknapp- schaft. (Quertreibereien gegen Kahr-Untersuchung. Dcutschnationalc Wünsche und Bayerische .Volkspartci. München. 28. September.(Eigenbericht.) Der Untersuchungsausschuß des Bayerischen Landtages über d i e Vorgänge des Jahres 1923 bildet gegenwärtig die größte Sorge der bayerischen Regierungsparteien. Aus Furcht vor der Wahrheit, die eine Reihe von hochgestellten Persönlichkeiten der Rechtsparteien aufs schwerste bloßstellen könnte, suchen die Draht- zieher der Regierung Held krampfhaft nach allen Mitteln und Wegen, um die praktische Untersuchungsarbeit des Ausschusses unmöglich zu machen. Zu diesem Zweck wurde eine Sitzung der Koalitions- Parteien einberufen, die über den deutschnationalen Vorschlag dis- kutiert«, die Ocffentlichkeit von den Ausschußverhandlungen völlig auszuschließen und vor allem, ob es nicht möglich wäre, die Bericht- erftattung überhaupt zu verhindern. Die Angst der Schuldbewußten vor der Objektivität der Berichterstatter ist zweifellos nicht ganz un- berechtigt, denn diese sind zwei Abgeordnete, die nicht nur in ihrer Eigenschaft als Politiker, sondern als tüchtige Journalisten durch- aus in der Lage sind, an Hand des ungeheuren Aktenmaterials die verbrecherischen Taten Kahr- Bayer ns und ihr« Zu- sammenhänge, die von der deutschnationalen Justiz unter die Fittiche genommen wurden, bis in alle Einzelheiten zu erkennen und auf- zuklären, bei dem Versuch, jede Aufklärung abzuwürgen, wollen die Deutschnationalen sogar so weit gehen, die Bayerische Volks- parte! für einen Mehrheitsbeschluß zu gewinnen, der einfach fest- stellen soll, daß der Untersuchungsausschuß seine Tätigkeit sür be- endet erklärt, da«S nichts zu untersuchen gäbe. Trotz der Blutsverwandtschaft dieser beiden Parteien, die ihre gemeinsame reaktionäre Politik der letzten sechs Jahr« hervor- gerufen hat, ist es ober nicht wahrscheinlich, daß sich die Bayerische Volkspartei so knapp vor schwierigen Wahlkämpfcn der deutsch- nationalen Forderung fügen wird, da sie mit einer zunehmenden Opposition in den eigenen Reihen mehr und mehr zu rechnen hat. Noch nicht genug blamiert. Ludendorff„enthüllt" weiter. Erich Ludendorff beehrt die Telegraphenbureaus mit folgender Erklärung: „Nach neuerlichen freimaurerischen Erklärungen der Großlogen und des Vereins deutscher Freimaurer werde ich nunmehr in der „Deutschen Wochenschau" vom 9. Oktober das R i t u a l g e h e i m n i s der Freimaurerei schonungslos beim richtigen Namen nennen, damit das deutsche Volk nicht weiter bewußten frcimaurc- rischen Täuschungen ausgefetzt ist und kein Zweifel über die voll- ständige Verjudung der deutschen Freimaurerei niehr be-, stehen kann." Zrantreich und Ungarn. Was Ungarn für Polenhilfc erhalten sollte. Das vom„Magyarsag" veröffentlichte, in unserem gestrigen Abendblatt bereits kurz wiedergegeben« französische Angebot vom IS. April 1929, wurde an die ungarische Regierung gerichtet, al« die Friedensbedingungen von Trianon der ungarischen Dele- gation bereits bekanntgegeben waren. In der Note wird die Korrektur der Bedingungen in Aussicht gestellt, und zwar in der Weis«, daß die an das Mutterland angrenzenden Gebiete ausgesprochen magiarischen Charakters (Südslowatei, Karpathorußland, seither tschechoslowakisches Gebiet, Teil-Siebenbürgen, seiher rumänisch und Teil-Banat, seither süd- slawisch) weiterhin bei Ungarn verbleiben. Kein Wunder, daß man in Ungarn auch heute noch mit der Wiedererlangung dieser Gebiete rechnet. Dies geht auch aus sol- gender späteren Budapester Meldung hervor: Die Verzögerung des Angebots durch die damalige Regierung soll auf englischen Einfluß erfolgt und darauf zurückzuführen sein, daß der damalige Premierminister Lloyd George den Ungarn die Zusicherung gegeben habe, daß harte Friedensbedingungen ohnehin innerhalb eines Jahres revidiert werden würden. Man fordert nunmehr, daß der Minister- Präsident und der Außenminister vom Jahre 1929 wegen dieser Angelegenheit zur Verantwortung gezogen, mindestens zu einer Aeußerung bewogen worden. Allgemein wird darauf hinge- wiesen, daß Frankreich, wie aus dieser Note hervorgehe. 1929 eine ebensolche Grenzziehung für gerecht befunden habe, wie sie Lord Rothermere fordert, woraus man ein neues Argument für dl« Möglichkeit der Rothermereschen Aktion ableitet. Immer noch Drusenverfolgung. Amnestieversprechen gebrochen! Beirut, 28. September. 73 Drusen aus Ruchaja, die auf Grund des Amnestie- Versprechens aus Palästina und Transjordonien in ihre Heimat zurückgekehrt, sind von den französischen Militärbehörden unter der Beschuldigung verhaftet worden, daß sie während des letzten Aufstandes gemeine, nicht unter die Amnestie fallende Verbrechen verübt hätten! Unter ihnen sind Angehörige an- gesehener drusischer Familien, die großen Anhang im Lande besitzen. Die Verhafteten sind unter starler m.litärischer Eskorte nach Nordsyrien gebracht worden, um dort kriegsgerichtlich abgeurteilt zu werden. V wirtfihastliche Umgestaltung. Zur Reform der Landesarbeitsämter. Gestern tagte der Verwaltmigsausschuß des Landesarbeitsamtes Brandenburg. Er befaßte sich mit dem Vorschlag der Reichs- onstolt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Abgrenzung der Landesarbeitsamtsbczirke. Lei- der war es nicht möglich, den brandenburgischen Ausschuß dahin zu bringen, ebenso wie in Berlin, einstimmig den Beschluß zu fassen, die Vereinigung beider Landesarbeitsämter, Berlin und Brandenburg, durchzubringen. Von den 18 Verwaltungsausschuß- Mitgliedern stimmten 7 Vertreter für die Vereinigung, während 1 1 Vertreter dagegen stimmten. Unter den Vertretern, die für die Vereinigung stimmten, befanden sich die der Arbeiter und ein Vertreter der amtlichen Körperschaften. Die Unternehmer haben gegen die wirtschaftlich not- wendige Zusammenlegung der beiden Landesarbeitsämter gestimmt, weil sie die ganz unbegründete Befürchtung haben, daß bei einer derartigen Zusammenlegung auch die niedrigen Löhne in den Londorten den Löhnen in Berlin angeglichen würden. Nun müssen die Unternehmer ganz genau wissen, daß die Löhn« nicht in den Landesarbeitsämtern, sondern von ganz anderen Faktoren bestimmt werden. Wenn man sich von solchen Gesichtspunkten leiten lassen wollte, dann müßte man überhaupt gegen jede interkommu- nal« Arbeitsvermittlung sein. Die Vertreter der öffentlichen Körperschaften haben sich wiederum in ihrer Haltung leiten lassen von kirchturmpolitischen Interessen. Es ist wirklich zum Staunen, wie rückständig und wirt- schastsfeindlich gewisse amtlich« Vertreter auftreten, wenn sie b«> fürchten, daß bei einer Neuerung ihre Sonderinteressen irgendwie gefährdet werden könnten. Auch die Innungskrauter in Oberschlesien, die in Oppeln versammelt waren, haben„im Namen von 18 0<10 oberschlessschen Handwerksmeistern" Protest erhoben gegen die Zu- sammenlegung des oberschlesischen Landesarbeitsamtes mit dem niederschlessschen. Dieser Protest wird mit dem Hinweis auf ethno- graphische Unterschied«, sogar auf den polnischen Insurgentenauf- stand„begründet". Mit solchen Argumenten kann man natürlich alles verteidigen und die Rückkehr zu den seligen Zeiten der Post- kutsche und des Maut- und Brückengeldes von einigen hundert Feudalherren verlangen. Daß es aber ausgerechnet in der Provinz Brandenburg und in Oberschlesien Leute gibt, die sich einer vernünftigen Umgestaltung der Arbeitsvermittlung widersetzen, die nirgends notwendiger ist als in diesen beiden Gebieten, zeigt, daß der Vorstand der Reichsanstalt sich auf keinen Fall auf irgendwelche Abänderungen einlassen darf. Gegen den Bau von Eisenbahnen haben auch die Kärrner protestiert. Es gibt keinen Fortschritt, der nicht irgendwelche Interessen ver- letzt. Jede Konzession an solche Zopfinteressen würde aber die Ge- fährdung des gesamten Reformwerks bedeuten. Urabstimmung in üen Brauereien. Entscheidung über Streik oder Arbeit. In den letzten Verhandlungen mit den Berliner Brauereien über eine Lohnerhöhung von 10 M. pro Woche hatten sich die Unternehmer bereit erklärt, ab 1. Oktober bis 31. März nächsten Jahres 2 M. Zulage pro Woche und vom 1. April bis 30. September 1928 ein« weiter« Mark pro Woche zu gewähren. Dieses Angebot wurde von der Verhandlungskonrmission der Brauer abgelehnt, einmal deswegen, weil es eine zu geringe Lohnerhöhung, zum anderen aber auch eine viel zu lange Geltungsdauer des Lohnabkommens vorsah. Da die Unterhändler der Unternehmer keine Vollmachten zu weiteren Zugeständnissen hatten, wurden die Verhandlungen vertagt und am Dienstag wieder fortgesetzt. In diesen Verhandlungen machten die Unternehmer nach mehr- ftündigen Beratungen das Angebot, sämtliche Löhne der männlichen Arbeiter ab 1. Oktober um 3 M. pro Woche gleich 61� Pf. pro Stund« und die Arbeiterinnen entsprechend der im Manteltarif- vertrag festgelegten Schlüsselung zu erhöhen. Sie erklärten sich weiter bereit,«ine Erhöhung dex Bezüge nach§ 616 BGB. vorzunehmen. Die Forderung nach Erhöhung der Zehrgelder für das Fahr- personal wurde von den Unternehmern abgelehnt, ebenso auch der sür die Aushilfsarbeiter geforderte Zuschlag von 5 Proz. zum Lohn« des ständigen Arbeiters. Sollte während der Dauer des Lohnabkommens eine Steigerung der Mieten eintreten, so wollten die Unternehmer für je zehn Proz. Mieterhöhung eine automastsch eintretend« Erhöhung des Wochenlohnes von zwei Proz., d. i. etwa 1 M. pro Woche vornehmen. Das Lohnabkommen sollt« bis zum 15. Februar 1928 gelten. Di« Lohnkommission kam nach eingehender Beratung zu dem Beschluß, über dieses Angebot die Brauereiarbeiter in einer Ur- abstimmung entscheiden zu lassen. Die zu gestern abend nach den Residenzfestsälen einberufene und überfüllte Funkttonärver- sammlung beschloß nach einer ausgiebigen Debatte«in stimm ig, den Arbeitern in den Betrieben die Ablehnung des Angebots der Unternehmer zu empfehlen und die Urabstimmung am Donners- tag und Freitag dieser Woche in den Betrieben vorzunehmen. In dieser Abstimmung ist nur über die Frage S t r e' k oder Arbeit zu entscheiden. Es dürfen sich an ihr nur die f r e i g e w e r k f ch a f t- lich organisierten Brauereiarbeiter und die Mit- glieder des Bunde» der Brauergesellen beteiligen. Die Abstimmungsergebnisse der einzelnen Betriebe müssen bis Freitag abend 5 Uhr im Bureau des Verbandes der Lebensmittel- Und Getränkearbeiter abgeliefert werden, damit die zum gleichen Abend um 8 Uhr nach dem Rosenthatcr Hof einberufene Funktionäversamm- lung entsprechend dem Abstimmungsergebnis die weiteren Beschlüsse fassen kann. Kunügebong üer Eisenbahner. Für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Konferenz der Betriebs, und Beamtenröte der Ortsgruppe Berlin des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands nahm am 26. September noch einem instruktiven und mit Beifall aufge- nommemn Vortrag des Kollegen Pichtsmcyer von der Haupträt«- Verwaltung über das Verfahren vor dem Arbeitsgericht u. a. auch Stellung zu der jetzigen Lohn- und Gehaltsbewegung bei d«r Reichs- bahn. Allenthalben kam durch die Betriebs- und Beamtenräte der Unwillen der Belegschaft über die ablehnende Haltung der im U«b«rfluß schwimmenden Reichsbahnoerwaltung zum Ausbruch. Folgende Entschließung wurde der Konserenz unterbreitet und auch angenommen: .Di« am 26. September 1927 tagende Betriebs- und Beamten- rätekonferenz, einberufen vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, erhebt einstimmig den schärfsten Protest gegen die Verschleppung der Lohnverhandlung durch die Hauptverwaltung. Di« Betriebs- und Beamtenrätevolloersammlung betrachtet die schroffe Ablehnung der gerechten Lohnforderung als eine glatte Ver- höhnung der sich in großer Rot und Verelendung befindlichen Reichs- bahnbediensteten. Ferner wird von den Versammelten der unbedingte Achtstundentag gefordert. Die Betriebs- und Beamtenräte machen die Hauptverwaltung darauf aufmerksam, daß es nicht möglich ist, die Erregung der Ersenbahner zu meistern. Die Folgen hat die Reichsbahn zu tragen. Die Konferenz der Betriebs- und Beamtenräte fordert deshalb all« Essenbahner auf, die am Donnerstag, dem 29. September 1927, abends 7 Uhr, in Kkiems FeststUen, Hasenheide 18— 15, stattfindende Kundgebung der Eisenbahner für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu einer machtvollen zu gestalten. Sie geloben auch fernerhin alles daransetzen zu wollen, um bessere Verhältnisse bei der Reichsbahn zu schaffen." » Die Meldungen von Protestkundgebungen der Eisenbahner mehren sich. Für heut« liegen uns eingehende Entschließungen von Protestkundgebungen in den Bezirken Magdeburg und Trier vor. In der Kundgebung in Magdeburg wird eine oergleichende L o h n t a f e l angeführt, aus der hervorgeht, daß die Löhne in der Privatindustrie um 28 bis 63 Pf. die Stunde höher sind als die der Eisenbahnarbeiter. Das sind Zrsstände, deren Abstellung keine Frist duldet. öunüestag üer Sauarbeiter. Dresden, 28. September lEigenbericht.) Auf dem Bundestag des Deutschen Baugewerks- b u n d e s sind, wie aus dem am Dienstag nachmittag erstatteten Bericht der Mandatskommission hervorgeht, 262 Abgeordnete, 17 Be> zirksleiter, 14 Bundesoorstandsmitglieder, 2 Ausschußmitglieder, 2 Verbandsobmänner, 15 Bezirkssekretär« und der Redakteur des „Grundstein" anwesend. Die Mandatskommission hat beantragt, alle Mandate für gültig zu erklaren. Die Anträge der Beschwerde- kommission wurden sämtlich angenommen. Hierauf begann die Bc- ratung der Satzungsänderungen. Unter diesen ist besonders bc- merkenswert, daß die Teilnahme an den Bezirks-, Bundes- und Verbandstagungen von einer fünfjährigen ununterbrochenen Mitgliedschaft abhängig gemacht wird. In der M i t t w o ch s i tz u n g hielt zunächst M i n i st e r i a l- rat Dr. Tschucke- Dresden«inen Vortrag über das Gesetz für Arbeitsvermittlung und Arbeitslofenversiche. r u n g. Der Vortrag soll im Druck erscheinen. In der Ausspräche befaßte sich der Bundestag besonders mit den Anträgen, die die Abschaffung der sogenannten Pflicht, und'Not- standsarbeiten fordern. Otto vom Bundesvorstand oe> leuchtete die Nachteile der Notstandsarbeiten für die Bundesmit- glieder und die großen Profite, die diese Arbeiten den Ti-fbauunter- nehmern einbringen. Da gute Notstandstarise nicht zu erzielen seien, müsse die sogenannte Notstandsarbeit verschwinden. Ueb«r die Ver- Hältnisse der Lehrlinge sprachen P u r f ü r st- Berlin, Jörg» Kaiserslautern und Fuchs- Gleiwitz sowie der Vorsstzcnde Bernhardt. ver 5afihismus schafft es nicht. Wirtschaftskrise in Mussolinien. Paris, 28. September.(Eigenbericht.) Die Blätter melden aus Mailand, daß die Arbeitslosig- keit in der Stadt und in der Lombardei außer- ordentlich um sich gegriffen habe. Die Zahl der Arbeitslosen betrage in Mailand und Umgebung rund 600 000. Besonders betroffen sei die M e t a l l i n d u tt r i e. Achnlich sehe es in den anderen Städten Norditaliens aus. Die Automobilfabrik Fiat in Turin, die nor- malerweise 15 000 bis 20 000 Personen beschäfitgt, habe mehr alz die Hälfte ihrer Arbeiter entlassen müssen. Bcranlwortlich kür Politik: Richard Bernstein! Wirtschaft: G.«lingclhöscr: Geweikschoftsbcn'cgin'.g: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikoweki: Lokale» und Sonstiges: Fritz Ztarstädt: Anzeigen: Tl>. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b H.. Berlin. Druck: Bormärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer v Co Berlin SW kll. Lindenstrake 8. sierzn 2 Beilaaen.„llnterbaltnna»»d Wiste»- und..granenftimme». 12, __ Mark„ der neue Damen rianfd S fcff ZibelineEtkmo Kot.hu. Seeland Cerfraudtentfr. 20/21 qegenübPetnkMe WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Kbnigstr. Roaenthaler Str. Moritzplatz Sxtra-(Preise (Donnerstag his Sonnabend Herrenhuf Rauhwollt, modern* Fladirandjorm, aparte Farben 5 40 Oberhemd weiß, mit Satin-Falten-Einsatz und klappmansdietten 5 50 Sakko-Anzug ein- u. zweireihig* dunkel gemustert yf gute Paßform t' m il Winler-Palcfot solide Morengo- Qualitdt 64 Win f er- Ulster M mit Rückengurt grtn, braun, mtlierl s m rn»». kar. Innenseite 49 fit.««« ♦«».?<>hrg»»g 1 ♦ �00 l�ortDorüs do»»»««»?, s«. s-p»-«»-- 1927 was in Berlin nicht auffällt. Die unbenutzten Freitreppen am Schauspielhaus— Eine nüchterne Stadt, eine selten arbeitsame Stadt, der kaum ein Mensch etwas zutraut, was nicht im Sinne des Zweckmäßigen liegt, des äußerst Zweckmäßigen, das Geld erfordert und Geld wieder einbringt. Aber es gibt Dinge in Berlin, die sich mit diesen tüchtigen Grundsätzen nicht vereinbaren lassen. So entdeckt uns zum Beispiel Dr. Franz Lederer in seinen ausgezeichneten„Berliner Merk- Würdigkeiten"(Germania-Verlag), daß es in Berlin zwei Theater gibt, die außerordentlich pompöse Eingänge und Freitreppen auf- weisen,' die niemals benutzt werden. Das schönste Werk Schinkels ist das Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt, das, obwohl einer anderen Zeit angehörend, sich zwischen krtln beiden Kirchen mit ihren prächtigen Kuppelbauten charaktervoll behauptet:„Prophete links, Prophete rechts: das Weltkind in der Mitte." Ein« imposante Frei- treppe führt zu dem stolzen Bau empor, ein Aufgang von so edlen Berhälinissen. daß er in dem Beschauer unwillkürlich eine weihevolle Stimmung auslöst. Aber nun kommt das Merkwürdige. Dieser Aufgang wird niemals benutzt. Man betritt das Schauspielhaus durch einen Tunnel, als wall« man scheu wie«in Verbrecher im Heiligtum des Apollo Schutz suchen. So wird der prächtige Aufgang zu einer bloßen Kulisse, einer leeren Dekoration. Und das lag doch sicher nicht im Sinne des Architekten. Seltsam ist, daß man bei dem Knobelsdorffschen Opernhaus Unter den Linden etwas Aehnliches beobachten kann. Auch hier benutzt man nicht die doppelt« Freitreppe, die zu dem Tempel der Musen hinaufführt, sondern man betritt das Haus unter einem Glasdach, wie etwa eine Station der Eisenbahn. Di« beiden Kuppeltürme auf dem Gendarmen- markt, die am abendlichen Himmel ein« Silhouette von uner- härter Wucht abgeben, haben beim Berliner Volke von jeher die größte Aufmerksamkeit gefunden, allerdings weniger wegen ihres dekorativen Schmuckes, alz wegen einer interessanten Merkwürdig- keit, über di« die Sage folgendes zu berichten weiß: Der deutsche und der französische Dom wurden unter gleichen Vorbedingungen um di« W«tte von deutschen und französischen Unternehmern und Handwerkern gebaut. Bei diesem Wettkampf siegten die Deutschen. Beide Dome wurden zwar zur gleichen Zeit fertig: doch fanden die Franzosen nicht mehr die Zeit, an der Turmuhr die Zeiger anzubringen. Da vorher aus- gemocht worden war, daß mit Fertigstellung des einen Domes auch die Arbeiten an dem anderen Dome aufhören sollten, ist«s wohl erklärlich, daß man an der Turmuhr des französischen Domes noch niemals einen Zeiger gesehen hat. Turmspitzen auf Kirchtürmen kann man überall sehen. Aber «ine Kirchturmspitze im Keller kann man nur in Berlin, der Stadt der Merkwürdigkeiten, sehen. Das ist die Spitze der S)ie SilberflHroärrne ggj Von Die? Beach v°rb»ta> R«tsr!fiert» an» de« EnKlischeu von QnÜa Slopptl (Schluß.) Emerson fühlte sich erleichtert, während er auf das Land zuruderte. Sein Herz klopfte froh im Takt mit dem Plätschern der Wellen gegen die Bootsplanken: zum erstenmal seit vielen Monaten fühlte er sich jung und frei. Heute nachmittag hatte er angefangen, sich selbst zu verstehen, usid als er sich erst gesehen hatte, wie er wirtlich war, war die Umwandlung schnell gekommen. Noch als er zur Jacht hinausruderte, war er im Zweifel gewesen. Was sich aber dort ereignete, hatte die letzte Spur von Unentschiedenheit hinweggefegt. Am schwersten fiel es ihm, Cherrys Verhalten Hilliard gegenüber zu entschuldigen. War es notwendig, daß Sie ihm solch großes Entgegenkommen zeigen mußte? Die anderen Beschuldigungen waren nur schattenhaft, von dieser Sache aber kannte er alle Einzelheiten, und sie quälten ihn. Doch war er jetzt nur von dem einen Wunsch beseelt, sie wiederzusehen. Er vertäute das Boot am Ufer und begab sich sofort zu ihrem Haus. Schon von weitem hörte er ihr Klaoierspiel, und als er näherkam, erkannte er auch die Melodie. Es war dieselbe, mit der sie an jenem ersten Abend seine düstere Stimmung vertrieben hatte. Er blieb vor dem offenen Fenster stehen und sah sie in dem gedämpften Licht am Flügel sitzen: ihre Finger glitten leicht über die Tasten. Dann begann sie mit ihrer tiefen Altstimme zu singen: Heute nacht, Geliebter, träumte mir von dir, Mir träumte— Cherry hielt plötzlich inne. Sie senkte den Kopf und schluchzte. Dieser Tag war der traurigste ihres ganzen Lebens, diese Stunde, die einsamste, und die Tränen, die sie vorhin so tapfer unterdrückt hatte, ließen sich jetzt nicht mehr zurück- halten. Nur ihre Liebe zu Doyd hatte ihr die Kraft gegeben, zur Jacht hinauszufahren und mit diesen Menschen zu sprechen. Ihre ganze Natur hatte sich dagegen gewehrt, und doch wußte Petrikirche, deren Geschichte reich an Unglücksfällen ist. Die älteste Petrikirche wurde 1730 vom Blitz getroffen und brannte ob. Man errichtete«in« neue Kirche, die am 28. Juni 1733 neu geweiht wurde. Ihr mangelhaft erbauter Turm stürzte am 28. August 1734 ein. Die reich verzierte Kirchturmspitze durchschlug das Dach des Eckhauses Brüder- und Scharrenstraße und blieb, etwas beschädigt, Die Uhr ohne Zeiger. i m Keller liegen. Dort sieh man sie, vielleicht, um sie bei einem Neubau wieder zu verwenden. Aber sie fiel der Vergessenheit anHeim, und so liegt die Kirchturmspitze noch heute im Keller, eine Merkwürdigkeit, die sicherlich in der Welt einzig dasteht. Das Rokoko brachte die Kunst des hohlen Scheines zur höchsten Entfaltung. Eine Derinnerlichung erstrebt dieser Göschmack nicht. In Berlin zeigt sich das nirgends bester, als in dem malerstch hinge- Die Damen ohne Rücken. sie, daß es das einzige Mittel war, womit sie ihn noch retten konnte. Von Constantine und Chakawana hatte sie erst am selben Nachmittage den Zusammenhang erfahren, und sie erkannte, daß ihr dadurch eine Waffe gegen Marsh in die Hand gegeben war. Auf einen so vollkommenen Erfolg hatte sie allerdings nicht zu hoffen gewagt, ebensowenig wie sie den tragischen Schluß voraussehen konnte. Sie hatte einfach aus einem Instinkt heraus gehandelt. Jetzt, wo die Arbeit voll- bracht war, fiel sie vollständig zusammen und weinte wie ein Kind. Er war lautlos ins Zimmer getreten und schlang die Arme um sie. Geliebte!" murmelte er. Sie aber erhob sich mit einem Schrei, riß sich los und starrte in sein lächelndes Gesicht, als ob er ein Gespenst sei. „Sie! Warum sind Sie— hier? Gehen Sie, gehen Sie, bevor ich entdecke, daß es nur ein Traum ist." „Unsere Träume sind in Erfüllung gegangen," sagte er sanft und versuchte, ihre Hände zu nehmen. „Nein, nein!" rief sie wild.„Sie sind nicht gekommen, um zu bleiben." „Ich bin gekommen, um zu bleiben, wenn du mich haben willst." Sie aber zog sich noch weiter von ihm zurück.„Sie scherzen mit mir. Sie lieben ja Fräulein Moyland." „Nein, Mildred reist heute abend ab, und ich werde sie nie wiedersehen." „Nein, Boyd! Ich will Ihre Liebe nicht,— ich will nichts, was die andere fortgeworfen hat." „Es hat lange gedauert, bis ich mich selbst gefunden habe, Cherry, denn ein Traum hatte mich blind gemacht," ant- wartete er.„Erst heute abend bin ich sehend geworden. Ich habe Mildrcd aus freiem Willen verlassen und bin zu dir gekommen." „Sie vergessen, wer— wer ich gewesen bin. Es kann nicht Ihr Ernst sein, daß— daß Sie mich heiraten wollen." Er breitete ihr seine Arme entgegen:„Ich liebe dich!" Sie warf sich an seine Brust, schluchzend und zitternd. Er drückte sein Gesicht in ihr Haar und flüsterte ihr zärtliche Worte zu, bis ihr Gemüt sich beruhigte. Schließlich blickte sie scheu zu ihm auf und sagte mit einem zweifelnden und doch strahlendem Gesicht: worfenen Prachtbau der Alten Bibliothek, dessen Architek- tur ohne Zusammenhang mit dem Innern nur auf äußere Wirkung berechnet ist. Die K o m m od e nennt der Berliner diesen Bau, dessen Aeußeres tatsächlich einer riesigen Rokokokommods gleicht. Selffame Gestalten schmücken das Dach des Hauses, Figuren, die nur halb ausgeführt sind, Frauen, die keinen Rücken haben. Aber der Berliner nimmt an den halben Figuren auf dem Dache keinen Anstoß, weil er die Gebäude doch nur von vorne ansieht. Desto lieber macht er sich über Friedrichs des Großen feit- same Inschrift„Nutrirnenturn spiritus" lustig.„Spiritus is ooch Nahrung." Manch interessantes Denkmal schmückt die alten Berliner Kirch- Höf«, die sich unmittelbar neben der Kirche befinden. Eines der merkwürdigsten ist gewiß jenes an der Mauer der Kloster- k i r ch e: ein freistehendes Grabmal mit einer Gestalt ohne Kopf. Nach der Inschrift zu urteilen, stellt die Figur die Frau eines Zuckersiedermeisters aus der zweiten Hälfte des 18. Jahr- Hunderts dar. Wer in Berlin eine Frau ohne Kopf!„Das i st die einzige Berlinerin, die ihren Kopf ver- l o r e n hat." Der GattenmorS am Planufer. Auch eine„glückliche" Ehe. Das blutige Drama am 12. Oktober o. I. im Hause Planuser 1— das Ende einer 21jährigen Ehe. über das im gestrigen Abendblatt berichtet wurde— ragt durch das Milieu, in dem es sich abspielte, sowie durch die Kompliziertheit der Beweggründe weit über die Ehe- trogädien hinaus, die in der letzten Zeit in den Moabiter Sälen ihren gerichtlichen Abschluß gefunden haben. Die Tochter eines wohlhabenden Landwirts, von Gouvernanten erzogen und in der höheren Töchterschule„gebildet", erhält ihren abschließenden gesellschaftlichen Schliff in einem Mädchenpensionat am Genfer See und lernt, noch nicht achtzehnjährig, auf ihrem e r st e n B a l l ihren zukünftigen Mann, einen Arzt, kennen. Nach zweijähriger Ehe mußte die noch nicht Zwanzigjährige sich scheiden lassen: der Gatte war dem Trünke ergeben. Zwei Jahre später fängt an der hübschen zwanzigjährigen geschiedenen Frau im Bad Misdröy der drei Jahre ältsre Kaufmann G. Feuer: sie war ihm beim Tennis- spiel aufgefallen. Erst vor kurzem war er aus Mexiko zurückgekehrt, wo er acht Jahre oerbracht hatte. Mit Hilfe des Schwiegervaters gründet er sich nun eine Existenz. Das Holzkohlengeschäft in Tempel- Hof, in das allmählich etwa 70 000 M. hineingesteckt werden, floriert. Eine Villa in Wannsee und das Gut Iärserich krönen den Wohlstand der jungen Ehe. Nach außen scheint sie glücklich: im Innern ist sie krank. Die Frau war aus dem Regen in die Traufe geraten: war der erste Mann trunksüchtig, so entpuppte sich der zweite als maß- los jähzorniger und brutaler Mensch. Das Leben wurde aber ganz unerträglich, als sich eines Tages herausstellte, daß der Mann nicht mehr im Vollbesitz seiner physischen Kräfte war: die Angeklagte war damals 30 Jahre alt. Soviel steht fest: der damals sechs- bis siebenjährig« Sohn Bado, der im Zimmer neben den Eltern schlief, wurde nicht selten nachts von der lamen Stimme des Vaters und dem Weinen der Mutter aus dem Schlafe gescheucht und eilte angstvoll seiner Mutter zu Hilfe. In diesen nächtlichen Szenen wurde der Grundstein gelegt sowohl zu der Haßeinstellung des Vaters zum Sohne und umgekehrt die zur Zusammengehörigkeit von Mutter und Sohn. Das Dazwischentreten des Sohnes wiederholte sich in späteren Iahren. Wenn der Vater die Mutter wegen irgendeiner Kleinigkeit schüttelte, spielte der Sohn den Beschützer. Er zählte kaum 15 Jahre, als er dem Vater den Revolver aus der.Hand schlug, den dieser der Mutter auf die Brust gesetzt hatte.„Ich erschieße mich", drohte er,„Ich erschieße euch" hieß es«in anderesmal. Sahn und Mutter wußten, daß der Bater einmal in Mexiko im Jähzorn wirk- lich einen Menschen getötet hatte.„Gut, daß du etwas von der Mutter geerbt, und nicht so jähzornig bist wie ich" hatte er seinem Jungen gelegentlich dieser Erzählung gesagt. Den wahren Grund der ehelichen Zerwürsnisse ahnte der Sohn aber nicht. Diesen Grund vertraute Frau G. niemanden an. Wohl be- merkte ihre Schulsreundin, wie nervös Frau G. wurde, wenn abends der Mann nach Hause kam: wohl kam Frau G. eines Tages zu ihr und klagte, daß sie den Mann mit dem Revolver bedroht habe und daß er wieder mal nach einer Szene nachts nicht nach Hause gekominen sei. Beide Freundinnen setzten einen Brief auf, in dem sie ihn baten, wiederzukommen und doch wieder gut zu sein. Ein anderesmal sagte Frau G. zu ihrer Freundin: Er arbeitet, das genügt mir, ich muß zufrieden sein. Ueber das andere will ich schweigen. Und sie schwieg. Die Inflation brachte aber di« Familie um ihren Wohlstand, „Noch ist es Zeit, ich gebe dir Bedenkzeit." Er schüttelte den Kopf. „Und du bereust es wirklich nicht?" „Ich bereue nur, daß ich dir nichts anderes als meine Liebe geben kann, denn wenn Wayne Wayland seine Drohung ausführt, bin ich der Aermste unter den Armen und muß wieder von vorn anfangen!" „Und ich werde Gelegenheit haben, dir in schweren Zeiten beizustehen und dir meine Liebe zu beweisen. Denn dann bin ich ebenso arm wie du." „Du hast doch deine Kupfermine!" sagte er scherzend. „Ich habe keine Kupfermine mehr." „Das verstehe ich nicht." Sie schlug die Augen nieder.„Mit Herrn Hilliard ist schlecht Kirschen essen. Ich mußte ihm auch meinen Anteil an der Mine verpfänden." „Du meinst, du hast ihm die ganze Mine verkauft?" „Nein. Als ich einsah, daß du auf andere Weise das Geld nicht schaffen konntest, habe ich ihm an jenem Abend meinen Teil überlassen, damit er dafür dir das Geld lieh. Du bist mir doch nicht böse?" „Böses" Du weißt nicht, wieviel Unrecht ich dir abzu- bitten habe!" „Hör!" unterbrach sie ihn und legte einen Finger auf seine Lippen. Durch den stillen Abend tönte das ferne Rasseln einer Ankerkette. Die„Grande Dame" lichtet den Anker!" rief sie. Sie standen zusammen in der offenen Tür des kleinen Hauses und blickten zu den Laternen der Jacht hinaus, die einen großen Bogen durch die Dunkelheit beschrieben und darauf langsam draußen in der Bucht verschwanden. Cherry schmiegte sich fester an Boyd:„Das junge Mädchen dort draußen hatte alles, was der Mensch begehren kann, und ich war arm und allein. Jetzt aber fühle ich mich so reich, daß ich nie und nimmer mit ihr tauschen möchte." Draußen auf der weißen Jacht aber stand Mildred und blickte zu der Küste hinüber, die mehr und mehr am Horizont verschwand. Dann wandte sie sich und ging in die Kajüte hinunter, niedergedrückt von dem Bewußtsein, daß sie etwas Kostbares verloren hatte, was nie wiederkehren würde. lind die Ehe UIN den letzten Rest ihres äußeren Glückschcines. Gegen d u Wiilen der Frau hatte G. das Holzkohlengeschäsl oerkauft, ohne ihr Wissen verschleuderte er zu einem„kläglichen Preis", wie er spater selbst sagte, die Villa mit allen Möbeln, dem Flügel und dem Silber, die der Frau gehörten und schließlich auch das Gut Järserich. Damit ivae der Ehefrieden endgültig zerstört. Die Frau war nun ohne Haushalt und obdachlos. Der Sohn, der nur angesichts des Gulsbcsiß.-s Landwirt geworden war, sah sich um alle seine Hoff- nnngen und Lebensaussichten betrogen. Die Frau sorderte zu ihrer Existenz einen Teil der Vcrkaufssumme für die Villa und das Gut. Man einigte sich aus 30 000 M., die Frau erhielt aber nur 10 000 M. Der. Mann hatte sich soft entschlossen, nach Amerika zu gehen, um so seincin Ehcleben und wirtschaftlichen Mißgeschick aus dem Wege zu urd«n ähnliche Stoffe einmal recht unterhaltend im Stil einer Plauderei den Hörern nahegebracht. Tes. vortrage, vereine unü Versammlungen» Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" Delchittelirll»: Berlin® 14, Lebastinnstr. 87/38. fiot l St. Freitag, 30. Septembet. Tiergarte», Kameradschaft Hansa: 20 llbe kiameradschaftsvcrsammlung bei Tritmper, Flensburaer Str. 3. Wicktige Tagesordnung. Deddiag: 13 Uhr erweiterte Vorftandssitzuna bei Müller, Ufersir. 12. Sic Badeabende finden(eben Eonnabend von 19Vi Uhr bis 21 Uhr in der Etiidi. Badeanstalt Gerichtstraße statt. Kreuzberg, Abt. 0, 10 und 11: Aktive Kameraden in Bundeskleidung zum Eaalfchug bei der DDP. um ISZH Uhr Schultheiß. Ausschank. Hasenheide(Blauer Saal). Tharlotten» bürg: 20 Uhr Borstandsfißung m't Kameradfchaftssllhrern im Wilhelmshof.— Eonnabend. 1. Oktober. Prenzlauer Berg, Kameradschaft Balkan: 20 Uhr Straße 120.— Bernau. Börnicke: Donnerstag, 29. September, 201£ Uhr, Ber» fammlung bei Modisch. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. Verband Ballsgesundheit, Ortsverei» Berlin. Donnerstag, 29. September, tOZH, Uhr. Ifslandstr. 9, Portraa mit Diskussion:„Jung und alt in ihrem Gegensatz." Referent Genosse H Hoppe.— Zngenbgruppe Osten: Freitag, Z0. September, 20 Uhr, Eoßlerstr. 61, Besprechung:„Unsere Winterarbeit."— Iugendgrupp« Süden: Freitag, 30. September, 10l4 Uhr, Neukölln, Schierke. straße 44, Borlrag mit Diskussion:„Harmonische Körper und Geisteskultur." Referent Genosse H. Hauptmann. Esperantoknrsn» für Ansängcr beginnt am Freitag, 30. September, 20 Uhr, im Dorothecn.Lpzeum, NW. 21, Wilhelmshavener Str. 2. Kursusleiter Direktor Julius Glück. Bund Berlin für Ginbeit«kurz schritt. Uedung in allen Geschwindigkeiten sehen Freitag von 20—22 Uhr im Französischen Gomnasium, Reichstagsufer 6, am Reichstagsgcbiludc. Ein Eords-Kaialog. Im großen Wettlauf um die Gunst der Käufer steht die Firma C o r d s mit an erster Stelle. Und wie das Schouienster heute keine wahllose Anhäusung der Erzeugnisie zu einer starren, leblosen Masse mehr ist, sondern wie man all diesen Dingen durch die Kraft künstlerischer Gestaltung gleichsam den warmen Lebensodem«inge- blasen hat, so ist auch die bildhafte Darstellung der verschiedenen Artikel von der nüchtern-geschäftsmäßigen Drucksache zum launigen Modebrevier geworden. Eords neuer Herbst- und Winter- katalog bringt„Porträts" statt Abbildungen, in denen die rer- schiedenariigsten Stosfsorten und ihre Dessins lebenswahr zur Dar- stellung gelangen. Witzige Apergus auf modisch. satirischem Gebiet versuchen, die modische Speisekart« besonders schmackhaft zu ge- stalten und sie vor einem allzu raschen Abrutsch in den alles ver- schlingenden Papierkorb zu bewahren. Das Kaufhaus„Debewa"(Deutsche Beamten-Waren-Dersor- gung) lud im Rahmen einer H e r b st m o d« n s cha u zur gleich- zeitigen Besichtigung des Kaufhauses Zimmerstraße 16/18 und der Spezialmöbelabteilung im Friedrichzhof(Friedrich. Ecke Kochstraßc) ein. In 5 Stockwerken verteilt, bietet das Kaufhaus in der Zimmer- straße ein reichhaltiges Lager aller vorkommenden Bedarssarlikel zu annehmbaren Preisen; die Warenabgabe erfolgt gegen Raten ohne Zinsenaufschlag an Beamte und fest Angestellte(nur Mit- glieder). Durch Schaffung einer Großeinkausszentrale ist die „Debewa" in der Lage, den Wünschen ihrer Mitglieder nach jeder Richtung hin Rechnung zu tragen. Außer der Berliner Dertauss- Niederlassung befinden sich noch in Hamburg. Frankfurt a. M.. Dresden, Chemnitz, Breslau, Bremen und Kiel Verkaufsstellen. Die Verkaufsräume in der Zimmerstraße bestehen seit März 1926, die Möbelniederlage seit April d. I. Im Fröbel-Oberlin. Institut, Inhaber H. Pollak, beginnen die Kurse fllr Haushaltung und Kinderpflege schon am 4. Oktober. IMfiUtr Strabe 2$-33 Leinene Tischzeuge werden nach Jeder WS s die ediöner— aber.... nehmen Sie Gränfeld-Tisdixeuge/ Cirfinfeld Lsndcshutcr Leinen- n. Geblid veberei. GrOOte« Sonderhau: /Qr Leinen u. Wladu 'o Unserm a. rehrt. Parteioeteean « X»?! vuckmann jv Dresdner Str., am Tage der Voll- K endung seine« 75. Lebensjahres � dt« herzlich stau GHflrfioüafdje Sgl Die 5. Abteilung« ■S仫s SB-eet Am 25. September verstarb nach Illrzem schweren Le ben meine liebe Frau, unser« gute Mutler Wilhelinine Knuth Im 40. Lebenaiahre. In tieser Trauer sirinr Knuth und Kinder. Pin.-Lichtenberg. Neue Bahnhosftr. 25. Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 1. Oktober, 15 Uhr, auf dem Kentralfriedhos Lichtenberg-Frie- «seid« statt drichssi vMMcilZWM-fMl! Um! Mrleser m öelser! Pom 28. September 1327 ab treten noch ß 5» de, Tarttvcrtrages folgende Löhne ,n Krall: Der tartfliche Stundenlohn betrögt für: 1. Rohrleger und Schweißer.... 1,47 M 2. Rohrleger im ersten Jahr nach der Ausbildung(srllhere Heiser) 1�7, 8. Rohrleger wahrend der Au«- dlidung(frühere Heiser).... 1,38, 4. Junggesellen im»rllen Jahr nach beendeter Lehrzeit..... 130„ b. Iungaeiellen im zweiten Jahr � nach beendeter Lehrzeit..... 13r„ 6. Heller 7. Lag Ol« 1,20 1.14. . «OS zur Miete W60,An«bacherstr.l Wogpeisiüuini LNt u.DUiiD? Nur GroB-Osrlin Alexunde rplatz. WMekiM gerarbeiler. die früher Helfer gearbeitet haben..... a Land,ulage fllr den Tag.... Altordardeil: Tarif vom: Z.Iuni 1313 mit Zuschlag auf Gesamt- Akkvedsumme von......... ft7Proz. Bestehende Leistungszulagen dürfen bei her tarislichen Lohnerhöhung nicht aus gerechnet werden. Ad I. Otiader flud die Firmen nach§ t2e n-rpstnhtel für die Baubude einen Osen liebst Rauchrohr und Heizmaterial zu liefern, wenn nicht die Röume auf andere Weis« genügend erwörm» werden 3»2lfag�3a.S«p(*mbnt, abends 2 Ahr ©■r Twung im der Mittleren Orlsverwaltnng. Sonnabend, den 1. OUober, abends e Ahr. Colal oan Schatz, •ilbalberlslc. 21 Branchenvessammlnng der Vrahkarbelter. TaaeSordnung: Bortrag de« Kollegen«och. Zah reiche» Erscheinen wird erwartet. im Otf»»7ca»aUong. BUlMnok in Eldif Mk. 39.00 132 m hoch. 0.70 de, it. n hell, braun od«, chwarz. Auch größer: am Lager. Beriant nach außerhald. B. Meebelbiirt, Vorwärts-Speditlor »erlin. Treptow. Graetzitiaße 50. Tel. Moritzplatz 804b Geöffnet oon 7-7 Uhr M'wv aNZElGEN In der Gesamrauflafe de«.Vorwärts' sind besonders wirks und trotzdem schrbllUül 'tamraarim mit Sem größten SBdtumfalj,! _ �'estjalb bat Blaudanü in rvenigen fahren i/rr—' rie/iges ÜÜjfafyQtbUt ecobectl SBcstjalb faufea Millionen. 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Nach einer Meldung der United Preß aus Amerika betonen amerikanische Finanzkreise, die der amerikanischen Re- gierung nahestehen, daß die abwartende Haltung der Regierung gegenüber der Prcußenanleihe durch- aus der Ansicht führender deutscher Wirtschafts- Politiker entspräche. Diese, wie z. B. der Reichsbankpräsident seien der Ansicht, daß die ausländischen Kredite am zweck- mäßigsten der Privat Wirtschaft, insbesondere der Industrie, zu- geführt werden sollten, und daß bei der Aufnahme von Staats-, Provinzial- und Gcmeindcanleihen vielfach schon zu weitherzig vor- gegangen worden sei. Die hier gewonnenen Mittel seien in manchen Fällen direkt oder indirekt nicht produktiven Zwecken zugeführt worden. Diese Meldung deckt sich in der Tat mit Mitteilungen, die noch dem letzten amerikanischen Aufenkhalt Dr. Schachts von drüben kamen. Anscheinend ist es Schacht gelungen, dort für seine bekannte Auffassung über die Aufnahme von Auslands- anleihen durch deutsche öffentliche Körperschaften Anhänger zu finden. Als diese Meldungen kamen, betonten wir bereits, daß damit die Schachtsche Propaganda gegen öffentliche Auslands- anleihen zu einer Kreditschädigung der deutschen Länder und Ge- meinden zu werden drohe. Unsere Voraussage scheint sich jetzt im Falle der preußischen Anleihe zu bestätigen. Wie die angeführte Meldung zeigt, hat besonders die Aufsassung Dr. Schachts von der mangelnden Produktivität der Auslandsanleihen öffentlicher Körperschaften in Amerika Eindruck gemacht. Wie steht es damit? Was ist produktiv? Nach der üblichen Auffassung der Volkswirtschaftslehre ist produktiv, was andere dadurch als produktiv anerkennen, daß sie dafür zu bezahlen bereit sind. Dr. Schacht meint aber, pro- duktiv sei nur, was zur Vcrbestcrung der Handelsbilanz beiträgt. Das könne man aber nur von solchen Anleihen sagen, deren Verwendung entweder zu einer Export st eigerung oder zu einer Importersparnis sühre. Unproduktiv erscheint ihm die Anleihe für den Bau einer Badeanstalt, obwohl durch ihre Benutzung evtl. Arbeitskrast gesund erhalten werden kann, die zur Herstellung von Erportwaren verwendet werden kann: produktiv erscheint ihm dagegen eine Anleihe für landwirtschaftliche Zwecke, obwohl die aus ihr stammenden Betröge möglicherweise nur dazu dienen, unfähigen Landwirten das Durchhalten zu ermöglichen. Solche Gesichtspunkte sind oberflächlich. Dennoch hat man es über zwei Jahre lang geduldet, daß nach solchen Unterscheidungsmcrk- malen eine prakkische Diktatur der Reichsbank über die Ausnahme von Auslandsanleihen durch Deutschlands östentliche Körperschaften ausgeübt wurde. Darüber hinaus hat man es zugelassen, daß Dr. Schacht selbst»och im In- und Auslände insbesondere die kommunale Finanzpolitik durch un- begründete Anschuldigungen in Mißkredit gebracht hat, während ursprünglich das Ausland mit Recht gerade- den deutschen Gemein- den das größte Vertrauen entgegenbrachte und sie allgemein als besonders kreditwürdig ansah. Den deutschen Kommunen hat die Redetätigkeit des Reichsbankpröstdenten bisher noch nicht sehr geschadet; aber Preußen scheint jetzt ihre Folgen spüren zu sollen. Konsequenzen für die Beratungsstelle. Wahrscheinlich wird Preußen schließlich seine Anleihe doch er- halten. Aber die grundsätzliche Frage bleibt offen, ob erstens die unsinnige Kontrolle der Auslandsanleihen öffentlicher Körperschaften in der heutigen Form noch weiter bestehen bleiben soll und ob zweitens es weiterhin erlaubt werden darf, grundlos die Anleihe- gebarung öffentlicher Körperschaften im In- und Auslande zu diskreditieren. Die erste Frage ist von der Sozialdemokratie längst dahin beantwortet worden, daß die Kontrolle der össentlichcn Aus- landsanleihen unzweckmäßig und schädlich ist. Auch namhafte Vertreter der deutschen Industrie haben sich diesem Standpunkt inzwischen angeschlossen. Der Augenblick scheint uns gekommen zu fein, wo mit dieser Einrichtung endgültig zu brechen ist, und wir hassen, daß auch der preußische F i n a n z m i n i st c r sich nunmehr energisch für die Erfüllung der alten sozialdemokratischen Forderung auf Beseitigung der sogenannten Beratungsstelle des Reichsfinanzministeriums und ihrer gesetzlichen Grundlage an- schließen wird. Die zweite Frage, die den Reichsbankpröstdenten angeht, ist schwieriger; denn grundsätzlich ist der Reichsbankpräsident in seinen Meinungsäußerungen frei. Dennoch würden selbstverständlich Schritte der in Frage kommenden amtlichen Stellen auch bei ihm ihren Eindruck nicht verfehlen. Anlaß dazu besteht übergenug und Gelegenheiten sind dazu um so mehr gegeben, als das Amt des Reichsbankpräsidenten kein Amt auf Lebenszeit sein mutz. veffentlicher Kredit und Steuerpolitik. Außerdem aber zeigt sich von neuem, daß die Ordnung unserer Finanzpolitik überlebt ist. Das Reich kann nicht gut den anderen öffentlichen Körperschaften ausschließlich in der A n l e i h e Politik Vorschriften machen, die tief in ihre gesamte Finanzpolitik eingreifen, wenn es nicht gewillt ist, auch s o n st die Verantwortung für ihre Finanzpolitik weitgehend mitzutragen. Das hat das Reich abgelehnt, und die Ansätze, die das Steuervereinheitlichungsgesetz in dieser Richtung zunächst enthielt, sind auf Veranlassung Bayerns wieder beseitigt worden. Sperrt man Ländern und Gemeinden den ausländischen Kapitalmarkt, so werden sie entweder im Inlande teurere Anleihen aufnehmen müssen mit der Folge erhöhter Lasten für ihre Steuerzahler, oder sie werden aus anderen Ein- nahmen ihre Ausgaben bestreiten müssen, also die Steuer- schraube anziehen. Beides liegt nicht im Interesse der deutschen Wirtschaft und führt nur zu einer weiteren Verschärfung der finanzpolitischen Situation. Auch diese Konsequenzen der bisherigen Anleihe- Politik müssen bedacht werden. Ob man diese selbst dann noch als produktiv ansehen will, ist nicht mehr Geschmacksache, sondern Sache des gesunden Menschenverstandes. Sie ist teuer und unproduktiv. Ueberflüssige Verwaltungsarbeit und Schädigung des deutschen Kredits, Erhöhung des Steuerdrucks für Gegenwart und Zukunft, das sind die Folgen der Auslandsanleihepolitik. die wir bisher betrieben haben. Die Schwierigkeiten der Preußen- anleihe an einem Anleihemarkt, der schlechteren Schuldnern bereit- willig offen steht, zeigen, wohin wir treiben, wenn wir nicht schleunigst auf diesem Gebiet einen Kurswechsel vornehmer Aktive Haspolitik üer Hemeinüen. GrlrpPcnversorgunK in Mitteldeutschland und Württemberg.— Mißerfolge der Ruhr. Die Initiative der Kommunen und Länder in der Frage der Ferngasversorgung ist erfreulich lebhast geworden. Als Grundlace für die mitteldeutsche Ferngasversorgung ist vor kurzer Zeit die Groß gas werk Erfurt A.-G. gegründet worden. Jetzt er- folgte unter Führung der Stadt Erfurt, des Provinzialoerbandes der Provinz Sachse» sowie unter Mitwirkung der staatliche» A.-G Thüringische Werke Weimar und der privaten Thüringer Gasge- sellschast, Leipzig, die Gründung einer G a? f c r n v e r s o r. gung A.-G. Erfurt mit einem Kapital von vorläufig HOO 000 M. Die neue Gesellschaft soll die Versorgung der Bevölkerung und d e r I n d u st r i e mit Gas sowie die Errichtung und den Betrieb der dazu erforderlichen Anlagen durchführen. Den ersten Vorstand bil- den ein Erfurter Stadtbaurat und ein Vertreter der Thüringer Kasgesellschaft Leipzig. Die Thüringer Gasgescllschaft ist bekanntlich eine der größten privaten Gasgcsellschaften Deutsch. lands, die mit 12 Gaswerken, darunter drei Ferngaswcrken, und ihren Kraftwerken Ende vorigen Jahres 1704 Stadt- und Landge- meinden mit Wärme und Kraft belieferte. Sic hat ein Kapital von 30,82 Millionen M und unter den Aktiven sehr zahlreiche Beteili- gungen mit 14,74 Millionen M. Die A.-G. Thüringische Werke in Weimar ist eine staatliche Holdine-Gesellschast der thürin- zischen Kraftwerke mit einem Kapital von 8 Millionen M. In Stuttgart wurde am 27. September in einer stark besuchten Versammlung der württembergischen Gemeinden mit eigenen Gas- werken der Landesverband württembergischer Gas- werke gegründet, zu dessen Vorsitzendem der Leiter des Stuttgarter Gaswerkes Dr Nübling gewählt wurde, ein führender Gassach. mann, der bekanntlich energisch die kommunale Gruppenferngasversorgung fördert. Dasselbe gilt für den Geschäftsführer Dr. Ströling- Stuttgart. Die gemeinnützige Gasversorgung Württembergs und die gegenseitige Beratung der Mitglieder beim Betrieb ihrer Gaswerke ist der Zweck der Gründung. Durch wirtschaftlichste Ausnutzung der Erzeugungsmäglichkcüen des eigenen Landes und durch enge Zusammenarbeit mit den Gaswerken benachbarter Länder soll auch ein einheitliches Vorgehen gegenüber den Fern- versorgungspläncn von Kohlengebieten aus sichergestellt werden. Ein besonderer Ausschuß wurde mit der Aufstellung und Durch- führung eines einheitlichen Planes für die Gasjernoersor- gung Württembergs beauftragt, dessen besonderer Zweck die Ver» hütung unnötiger Kapitalaufwendungen einzelner Gemeinden ist. Der Verband umfaßt So Proz. der gesamten Gaserzeugung Württembergs. Auf der anderen Seit« lassen Mitteilungen aus Jessen und aus Westfalen deutlich erkennen, daß die Erfolge der Ruhrindu. strie noch geringer sind als es bisher schien. In der„Kaste. [er Post" wird von berufener Seite bestätigt, daß man trotz des von der Ruhrindustrie ausgeübten Druckes nickst daran denke, sich die Entscheidungen vorschreiben zu lassen. Ob die Städte Hessens sich für selbständige Gruppengasversorgung oder den Anschluß an die Ruhrsernversorgung entschließen werden, darüber bedürfe man keinerlei Belehrung, selbst wenn sie von versteckten Drohungen begleitet sein sollte. Di« frühere Meldung aus Westfalen, daß die Provinz sämtliche Weg« der A.-G. sür Kohleverwertung in Essen zur Durchführung der Ferngasversorgung zur Verfügung gestellt habe, erweist sich als falsch. Tatsächlich wurde nur jener Teil der Wege, der in erster Linie für«ine Leitung nach Plettenberg zur Versorgung der Vereinigten Stahl- wertes!) erforderlich ist, der A.-G. für Kohleverwertung freigegeben. Dolgen der Ueberproöuktion. Preisrückgänge an den Metallmärktcn. Obwohl die Metallindustrie in England und besonders in Deutschland seit Monaten schon recht gut beschäftigt ist und doheb größere Mengen Kupfer, Blei, Zink und Zinn aufnehmen kann, hat sich das Metollgeschäft, das bis zum Ende des vergangenen Monats noch ziemlich lebhaft war, wieder verschlechtert. Die Preise sind, wie man aus nachstehender Gegenüberstellung ersehen tonn, teil- weis«, besonders bei Zinn, erheblich gefallen. 100 Kilo kosteten am N.Aug. 22. Aug. 2. Sept. 23. Sept. 27 Elektrolytkupser... 127-/. 127'/, 126'/, 126 M. Hüttenweichblei... 48 46'/, 45-/. 43'/,„ Zink....... 58 57 55'-. 55 Zinn....... 605 595 689. 555„ Die Preisentwicklung von Kupfer, Blei und Zink ist verstand- lich, wenn man sich vor Auge» führt, daß die Welthüttencrzeugung nach den jetzt veröfsentlichten Zusammenstellungen der Metallgesell- schast in Frankfurt n.M. sür Blei um 39 Proz., sür Kupfer um 55 Proz. und für Zink um 38 Proz. seit dem Jahre 1913 ge- stiege» ist. Im vergangenen Jahre war bereits bei Zink und auch bei Blei die Erzeugung großer als der Verbrauch, so daß infolge dieses Mißverhältnisses schon an und sür sich eine Herabsetzung der Preise erfolgen mußte. Die Vorkriegspreise sind aber bei Blei und Zink noch nicht unterjchritten, während Kupjer im Preise unter dem Fricdensdurchjcknitl liegt. Hierbei ist wefestt- lich, daß die Kupierhersteller durch Verbilligung der Produktions- Methoden den Elektrolytkupferpreis, der im Jahre 1918 ungefähr 14,50 Cents je amerikanisches Pfund mit 454 Gramm betrug, bis zum 1. Juli 1927 etwa auf 7,50 Cents odei 70 M. je 100 Kilo senken konnten. Die geringe» Verkäufe, die an den Hauptbörsen in London und in New Port in den letzten Wochen zu beobachlcn waren, sind auf den Konjunkturrückgang in den Vereinigten Staaten zurückzuführen. Der Anteil Amerikas am Verbrauch von Kupfer, Blei, Zink und Zinn stt so bedeutend, daß eine Konjunkkur- Veränderung, wie sie zweifellos im letzten Vierteljahr eingetreten stt, sich auch aus die Metallmärkte auswirken muß Die stark gesteigerte Einfuhr Deutschlands kann bei der herrschenden Uebererzeugung einen Ausgleich nicht schaffen. Aus der anderen Seite ist sür die deutsche Wirtschaft die Preisentwicklung, soweit die Hüttenerzeugung in Frage kommt, von unter- geordneter Bedeutung, da die Industrie wesentlich mehr oerbraucht als in Deutschland hergestellt wird. So wurden im Inlande im Jahre 1926 etwa 168 000 Tonnen Rohkupfer verbraucht, während sich die Hültenerzeugung aus ungefähr 46 000 Tonnen stellt. Der Blei- und Zmkvcrbrouch ist ebenfalls größer als die eigene Erzeugung. In diesem Jahre kommt das noch viel mehr zum Ausdruck, da die deutsche Einsuhr in den ersten 7 Monaten dieses Jahres eine außerordentliche Steigerung gegenüber derselben Zeit des vergangenen Jahres erfahren hat. Es kamen an Kuvser 124 132 Tonnen statt 74 265 Tonnen, an Blei 82136 statt 44 030 Tonnen, an Zink 81 970 statt 47 335 Tonnen und an Zinn 8618 statt 4879 Tonnen zur Einsuhr. Aus der Entwicklung des deutschen Verbrauchs ergibt sich deutlich, daß ein großer Teil der metallverarbeitenden Industrie, insbesondere die Kabel- und Elektroindustrie, ausgezeichnet beschäftigt sind. Deutschlaird steht wieder an der Spitze der Kupfer einführenden Länder und gehört überhaupt zu den bedeu- tcndstcn Metallverbrauchern der Welt. Auch dies« Steigerung des si liliale« «»4 viele Meaekisgen si Zadre 1876- 1427 Sie erdsNen ad freitag, den so, September bis Montag, den s Oktober 1427 ant Kaffee und Kakao bei Einkäufen von V« Pfd. aufwärts Zucker gratis und xwar ebensoviel Zucker als Sie Kaffee und Kakao kaufen. Tir|e ico Gramm Cee wird V« Pfd. Zucker abgegeben. Wer als Erster von ieweils 100 Kunden 1 Pfd. Kaffee oder Kakao bzw. V, Pfd. Cee kauft, erbäit s Pfd. Zucker gratis. ♦ Metallverbrauchs beweist, wie gut es mit der Konjunktur in den metallverarbeitenden Betrieben steht. Unsere Belegschasten werden den Unternehmern, die es nicht wahr haben wollen, zur rechten Zeit die Metallverbrauchskurve vor Augen zu führen haben. Tolle Profitwirtschast in üer Juteinöustrie. Lohndrückcrci bei 20 Proz. Dividende. Die Stillegungsattionen des Iutesyndikats in Verbindung mit hemmungsloser Ueberstundenwirtschaft in den arbei. tcnden Betrieben haben der Textilarbeiterschaft den reakionären Geist der Jutefabrikanten zur Genüge enthüllt. Um diese Politik vor der Oefsentlichkeit und der Regierung zu rechtfertigen, scheute sich das Syndikat nicht, falsche Ziffern über den Bestand und die Zahl der arbeitenden Spindeln zu veröffentlichen, die vom Textil- arbciterverband sofort widerlegt werden konnten. Damit sollte nach außen hin die„ungemein schwierige" Lag« der Iuteindustrie de- wiesen und die entsprechende Stimmung für künftige Preisdiktate und Zollwünsch« geschaffen werden. Wie es mit der Juteindustrie in Wirklichkeit steht, zeigen erst die Abschlüsse der einzelnen Unternehmen. So haben wir kürzlich den glänzenden Jahresabschluß der Braunschweiger Jute- s p i n n e r e i besprochen, die ihr« Gewinne verdreifachen konnte. Er wird aber von den jetzt vorliegenden Ergebnissen der Jutespinnerei und Weberei Kassel noch bei weitem übertroffen. Dieses Unternehmen steigerte seine Betriebsge- winne von 573 000 auf rund 862 000 M., soft soviel wie das Aktienkapital. In dem mit 219 000 M.„nur verdoppelten" Rein- gewinn kommen die tatsächlichen Gewinne aber nicht entfernt zum Ausdruck. Die aus das Dreifache erhöhten Abschreibungen ent. hallen Gewinn«, die mit dem Reingewinn bei Verteilung an die Aktionäre eine fast bOprozentige Dividende erlauben würden. Der sehr vorsichtigen Verwaltung erschien es aber ratsamer,«inen Teil der Gewinne zu verstecken und„nur" 20 Proz. Dividende gegen 10 Proz. im Vorjahre zu verteilen. Der Geschäftsbericht, der trotz dieser tollen Gewinne eine einzig« Klag.« über die Nöte und Belastungen(!!) der Juteindustrie ist, muß als eine Herausforderung der Belegschaften bezeichnet werden, die von der unerhörten Lohndrllckcrei der Direktion ein Liedchen sinren können. Die Verwaltung versucht, die wegen der niedrigen Löhne da- vonlaufenden Arbeiter durch neue Kräfte aus s ch l e s i- s ch e n Arbeitsnochweisen zu ersetzen. Aber selbst die in Deutschland am schlechtesten bezahlten schlefischen Textilarbeiter lehnen eine Einstellung bei dieser Firma ab. da sogar ihre Löhne noch über den in Kassel gezahlten liegen. Daß sich unter diesen Um- ständen noch Schlichter finden, die nicht bereit sind, einen erlassenen Schiedsspruch, wie bei dem kllrzlichen �Lohnkonflikt in Kassel, ver- bindlich zu erklären, ist geradezu ein Skandal. Allerdings trogen die Jutearbeitcr in Kassel selbst ein Teil Schuld an den schlechten Verhältnissen. Wenn von über 1000 Be- schäftigten n ur 270 organisiert sind, kann die Arbeiterschaft sich nicht wundern, wenn die Unternehmer so mit ihnen umgehen. Weiteres Anwachsen öes Güterverkehrs. Die Wagengcstellung der Reichsbahn hat in der Woche zum 17. September gegenüber den Vorwochen weiter sehr erheblich zu- genommen. Arbeitstäglich ist die Wogengestellunq von 154 700 auf 158 000 gestiegen. Tabellarische llcbersichl seit August in 1000 Stück. Woche wöchentlich MÄ 1927 1926 1927 1926 81. 7.— 6. 8. 897,3 775,5 149,6 129,3 7. 8.— 13. 8. 896,0 785,1 149,3 130,9 14. 8.— 20. 8. 894,6 800,4 149,1 183,4 21. 8—27. 8. 912,0 828,3 152,0 138,1 28. 8.— 3. 9. 918,4 824.6 153,1 137,4 4. 9.-10. 9. 928.0 824,3 154,7 137,4 11. 0.— 17. 9. 047,8 842,2 168,0 140,4 Zweifellos sind bei dieser Steigerung S a i s o n m o m e n t e sehr wirksam. Mit aller Deutlichkeit ergibt sich aber aus dem ununterbrochenen vierwöchentlichen starten Ausstieg der Güterver- kehrskurve der Beweis, daß bis in die zweite September- Hälfte von einem Rückgang der Konjunktur noch unter keinen Umständen gesprochen werden kann. Die Zukunft der europäischen Rohstahlgemeinschaft. Deutschland behält seine Quoten und vorzugsbehanolung. In der letzten Sitzung der Internationalen Rohstahlgemeinschaft in Luxemburg wurde gegen den Widerstand insbesondere Frank- r e i ch s hart darum gekämpft, ob die deutsche Eisenindustrie für das letzte Vierteljahr 1927 die bisherige Vierteljahresquote von 3,16 Mil- lionen Tonnen weiter erhalten und ob die Erleichterung der Straf- säße für die deutsche Ueberproduktion weiter gestattet werden soll. Frankreich hatte sich für eine Herabsetzung der Quoten für das vierte Vierteljahr und für die Ablehnung der speziellen Be- Handlung Deutschlands in der Frage der Strafen eingesetzt. Schließ- lich wurde durch die Unterstützung Belgiens und Luxemburgs zu- gunsten Deutschlands beschlossen. Sowohl das jährliche Produttions- Programm von 29,28 Millionen Tonnen als auch die Sondsrbe- haitdlung Deutschlands, die die Ueberschreitung der 72prozentigen Jnlandsguote nur mit einer Strafe von zwei Dollar belastet, wurden beibehalten. Auch über die Bildung von Verkaufsver- bänden wurde oerhandelt. Es sollen vorbereitende Maßnahmen für die nächste Sitzung getroffen werden, um für die eventuelle Er- richtung von Verkaufsoerbänden die Verteilung der Quoten zu prüfen. Selbstverständlich ist von diesen Vorbereitungen bis zur Bildung der Berkaufsverbände noch ein weiter Weg. Die Teuerung der Lebensmittel. Herr Schiele möchte beruhigen. In den letzten Wochen hat die Teuerung enorme Fortschritte ge- macht. Man würde sich aber sehr täuschen in der Annahme, daß die hohe Reichsregierung dazu etwas zu tun gedenkt. So ist Herr Schiele, der Ernährungsininister der Landwirtschaft, der Mei- nung, daß die untragbare Erhöhung der Vutterpreise eine vorüber- gehende Erscheinung ist. Gemütlich läßt er verkünden, daß die Reichsregierung sich mit Ausnahme des alten Wuchcrparagraphen aller zwangswirtschaftlichen� Maßnahmen be- geben habe. Fast hört man Herrn Schiele? erfreutes und be- freites Lachen hinter solchen Worten. Immerhin werden sich die geprellten Verbrauchermassen freuen, daß die Reichsregierung darüber nachdenken will, ob sie wegen der Preissteige- rung eine beruhigende Erklärung veröffentlichen soll!!! 850 ZNann montieren General-Rlolor-Autos in Berlin, lieber. raschend wirken die Zahlen, die über die starke Beschäftigung der erst vor kurzer Zeit gegründeten Montagewerkstatt der amerikanischen General Motors Company in Berlin bekanntgegeben werden. Da- nach arbeitet das Tegel-Borsigwalder Werk unter voller Ausnutzung der Leistungsfähigkeit mit einer Belegschaft von 850 Arbeitern und m o n t i« r t t ä g l i ch 75 W a g e n. De Nachfrage soll bei weitem die Produktion übertreffen, weshalb die General Motors G. m. b. H., die in der Nähe gelegenen Fabrikanlagen der Beftin-Karlsruher-Jndustriewerke A.-G. gepachtet hat. Die Pro- dukttonsfähigkeit wird dadurch verdoppelt Normung der Sartosfeln. lieber 10C0 Sartofselsorten. Bei den Beratungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Magdeburg über die Berbesserung der Saatkartosseln wurden Mitteilungen über die notwendige und beabsichtigte Normung der Kartoffelsorten ge- inadW. Mrl Sch-a-berg: Jugendheim Lauvtstr. IS, Hofgedäudc. 1 Tr.(Thllrlngcnzimmer). Vortrog:.Körperkultur"(Lehrer Reiche). || MSaahä- VoIIklcicfer- ScidenJkleielLejr•| Käufer-werden, dir seriJ2 preiswerter M«-"?■"»r-Z» Gelß�enheil watirpehmea KLe Idurigs St M B«inia«iaar,looMai_______•_____» zu. Dlarec Verfüguxug. u srr Damtn 103C hlli g ScharrenstrS -—————/ ECKE WILMCnj DÖRFER t TN: Vonnerstag 29. September 1927 Unterhaltung unö �Nissen Seiloge des vorwärts Leichtsinn. Don Else Aeldmann. Bei uns in der jtüche ist es sehr heiß. Dann geht die Tür nach dem Hof aus, Zugluft trifft einen bis an die Knochen wie Schläge und in kurzer Zeit hat man Rheumatismus. Der Kassenarzt sagt beinahe flüsternd, als wäre es nur eine Formel, die für den Patienten keine Gültigkeit hat: «Na ja, Kur machen— vorbeugen; das können Sie wohl nicht?" »Nein. Muh verdienen." Können sich nicht von der Kronkenkasie ins Heilbad schicken lassen— für kurze Zeit?" .Nein, muß verdienen." .Sie sind?" .Kaffeeköchin." .Wären Sie ja versorgt für Wochen." .Könnt die Stelle verlieren. Muß fürs Kind zahlen." „3a so. Dann also Aspirin bis zu drei Stück bei argen Schmerzen." „Vielleicht einreiben?" „Kann nicht schaden. Guten Tag." Na also, etwas Gefährliches ist es nicht. Schmerzen hält man aus. Milli, die mit Gebäck und Kuchen herumgeht, und ein weißes Häubchen aufhat, sagt jeden Tag: „Nein, von den Gästen schaut einen keiner an, denen ist man Luft: ich schäme mich, wenn ich einmal von einem Trinkgeld nehmen soll, der mich mit netten Augen ansieht: zum Weinen ist es mir." „3ch sage Ihnen, bleiben Sie solid, lassen Sie sich in keine Aben- teuer ein," rät ihr die alte„Gorderobefrau", die zwei ungeratene Söhne hat, sonst aber ollein ist:„nehmen Sie«inen Kellner." „Kellner?" Milli zieht ein Mäulchcn. .3a, das schlägt in ihr Fach, nur mit einem solchen kann man sich verstehen, der vom gleichen Geschäft ist: oielleicht macht man sich einmal selbständig." „Ach die Kellner, lauter kränklich? Menschen, nur äußerlich auf- gepulvert— der Dienst ruiniert— Halbinvaliden." „Schauen Sie Luis« an, die ist schon fast außer Kurs. Der Kellner 3gnatz will sie noch, den will sie nicht: sie schielt nach Hans, dem jungen." So unterhält man sich über mich, Luise bin nämlich ich. 3a, ich schwanke zwischen 3gnaz und Hans. Aber wie es schon so geht: die Alten brauchen Pflege, die 3ungen sind untreu. 3ffnaz hat feit 3ahren ein« kranke Frau im Spital liegen. .3etzt dauert es nicht mehr lang mit dar Armen, vielleicht noch ein halbes 3ahr," und 3gnaz macht mir Hoffnung. Aber mir ist nichts mehr neu an ihm. 3ch kenne die Tage, wenn seine Gallensteine sich rühren, dann ist er mißlaunig und grob: sagt sogar zur hübschen Milli: blöde Gans— nichts wirkt auf ihn.— Wenn man im Saal„Zahlen" ruft, torkelt er hinaus, sonst lehnt er in der Nähe des Herdes. Mir sogt er nie ein schlimmes Wort, in mir achtet er die künftige Gattin. 3ch werde es mir noch gut überlegen. Er ist durch und durch marode. Manchmal, wenn er schwitzt, tropft ihm vom gefärbren Haar braunes Wasser hinunter. 3ch mach ihm deshalb keinen Vor- wurf, e>r tut's nicht aus Eitelkeit— grauköpfig« Kellner entläßt man. Aber man steht alles so deutlich, wenn man täglich nah bei- sammen ist— und verliert den Geschmack.— Seit ich weiß, daß er am rechten Fuß nur vier Zehen hat— seit seiner Fuhverletzung, da wir ihm Tonerdeumschläge machten... Gut, auch«in Mann mit vier Zehen ist noch immer ein Mann. Aber es ist«in bißchen schauerlich, daran zu denken: und wenn er auch niemals ausfällig gegen mich wird, wie gegen Milli oder die alte Frau Mali, so hat er eben nicht übertrieben viel Freundlichkeit für mich— danach aber verlangt mein Herz.— Das Liebenswürdigste, das er mir zu sagen weiß, ist: „Na also, es geht bald zu Ende, gestern war ich dort; die Arme wird bald ausgelitten haben." Und sieht mich mit seinen entzündeten Augen an, in denen nur Gram und kein Zukunftslicht zu selben ist. Und dann schweig« ich und denke nur: ach, das heißt nicht viel. Und er muh meine Gedanken erraten, gebeugt schleicht er davon, als hätte ich ihn bestraft. Daß zwischen Hans und mir etwas ist, ahnt er nicht, so sehr ist er eingesponnen in olle seine Leiden. 3a, Hans, der ist freilich intakt und verursacht mir öfter am Tag Herzklopfen. Aber ich komme nicht von der Stelle mit ihm. Unsere Zusammenkünste sind immer voll Hindernisse. Er hat noch keinen Groschen für mich ausgegeben. 3ch für ihn hingegen... Da kam sein Nomenstag, entschloß ich mich, ihm den Ring, den ich meinem toten Bräutigam von, Finger gezogen, zu geben. Der Ring ist Gold, und wenn ich ohne Stelle und in Not war, könnt' ich ihn immer zu Geld machen und«in paar Tage davon leben. Da kam plötzlich der Gedanke über mich: schenkst ihm den Ring. Und er?— Was tat er? Hat ihn lachend genommen und sich kaum bedankt. Wie aber mein Namenstag war und sie mir in der Küche gratulierten, da hat er nichts für mich gehabt, weder ein Wort, noch ein Geschenk?— im Gegenteil: ein Stammgast, den ich seit langem kenn«, hat mir bei einer Frau ein paar Blumen gekaust, billige Blumen, aber ganz schön. Als Hans sie im Glas erblickte, kam er mit der Frage: Wem gehören sie? „Mir." „Könntest mir einige schenken?" „Bitte, nimm dir alle." 3ch schämte mich nicht— Liebe und Leidenschaft können den Menschen verändern— das weiß jeder. Als er ging, schlich ich ihm nach, sah, daß er meine Blumen einen, Mädel gab, dos ihn in einem Gasthaus erwartete. Was nun? sagte ich mir. Aufhören? Schluß machen mit dieser Sache? 3hn ignorieren? Dann aber muß ich täglich seinen blonden Scheitel sehen, seine lächelnden Augen und den schlanken Rücken im schwarzen Rock und mir wird schwach. „Wir könnten einen Ausflug machen," sagte er.„Samstag ist mein freier Tag." „3ch habe bis 3 Uhr nachmittag Dienst" „Gut, dann kommst du mir nach, löst«ine Schiffskarte, nimmst dir Proviant mit." „3ch kann nicht: diesen Monat muß ich sparen, muß fürs Kind zahlen: meine Schuhe besohlen lassen. Wenn schlechtes Wetter ist, Hab' ich die Füße naß— dos ist bös bei meinem Rheinnatismus." Er schwieg. 9er Maulkorb öer üeutsthnationalen presse. hergt:»Nichts mehr erwidern zur kriegsschulöfrage! der Worte sinö genug gewechselt, jetzt lassen wir— keine Taten sehn!' Aber an, Samstag kam ich doch. Um 3 Uhr fuhr ich ihm nach. die zerrissenen Sohlen sieht man noch nicht— und solange das Wetter schön bleibt— höchstens riskier ich einen Schnupfen. Wie lange dauert noch die 3ugend? Ein bißchen Leichtsinn schadet nichts. Ohnehin heißt's nicht viel. Und w«nn die alte Frau Mali mich nächstens wieder fragt:„Also wie steht's? Der 3g, mz oder der Hans?" Kriegt sie meinen alten Erfahrungssatz zur Antwort: daß die Alten nur Pfleg« brauchen, di« 3ungen aber untreu sind. Sonst gibt es nichts? O ja. Daß sie sowohl Pfl«ge brauchen, als auch untreu sind. Darum lieber Leichtsinn, als gar nichts haben... Zola öer Sozialist. Zu seinem 25. Todeslage. Von Kurt Offenburg. Man muß mir die Titel der Romane nennen—„Geld", „Der Bauch von Paris".„Germinal",.Zusammenbruch" usw.— um zu erkennen, daß Zola, und er als erster Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, als er diese Romane schrieb, ein neues Stück Leben für die Literatur erschlossen hat: die Masse. Die Gesetze der Klassenschichtung waren, als Zola seine Werke entwarf, noch kaum bekannt: der Kapitalismus war noch in den Ansängen seiner Entwicklung. Balzac hat in seiner„Menschlichen Komödie" den Einzel- menschen im Kampf für und gegen die Gesellschaft gemalt. Zola erst hat die Seele der Masse gestaltet, die Gemeinschaft gefühlt, die die Enteigneten und Enterbten, das Proletariat, zusammen- schmiedet gegen den Würgengel Kapital. Es war kein Zufall, daß dieser Dichter den Weg zum Volt gefunden hat. Die psychologische Feinmalerei Stenbhals, die skeptische Sezierkunst Flauberts war der starken Natur Zolas fremd. Er selbst, der Mensch Zola, empfand nach einfachen Gesetzen: er glaubte an die Zukunst, an den Sieg der Wahrheit und der Gerechtigkeit, und er erkannte in dem einfachen Menschen der Masse den Bruder. Er wollte nichts anderes gestalten als das Schicksal, das allen Gliedern einer Gesamt- heit gemeinsam ist. Sein Held ist nicht mehr der besonders geartete Einzelmensch, dessen Schicksal so oder so verläuft: Sein Held i st d i e M a s s c. Es sind die Bergarbeiter in„Germinal", ihr Elend und ihre Empörung, ihr heroischer Kamps und ihre verzweifelte Niederlage: in„Zusammenbruch" ist der Mittelpunkt das Kaiser- reich: und selbst da, wo die Einzelgestalt Trägerin des Geschehens ist, ist sie nur Typus: Symbol einer Lebensgemeinschaft. 3n „Mutter Erde" ist das nie endende Ringen des Bauern ums arme Brot, das Leben und Vergehen des primitiven Menschen im Ur> schlämm der nährenden Mutter Erde: in„Schnapsbruder"(„Tot- schläger") ist das hoffnungslose Ende geschildert, des von der tätigen Schicht der Arbeit ausgeschiedenen und für den Kamps und das Werk verlorenen Lumpenproletariats gestaltet. 3n„Bauch von Paris" sieht man einen Querschnitt durch die oerschwindende Welt des Kleinbürgertums von Paris, die üppigen Farben und Gerüche des Fraßes, der der Großstadt von den kleinen Leuten— Metzgern, Bäckern, Gärtnern, Geflügelhändlern, Fischern und ihrem Anhang— geliefert wird. Nirgends sucht und findet der Dichter das individuelle Einzel- erlebnis. Der allgemeine Gott steht groß und tragisch notwendig hinter Freude und Leid der Menschen. Die Natur, die Familie, der Beruf, der Staat, das Geld, der Glaubcnswahn stitd die Motoren, aus denen man dos Einzelschicksal gespeist sieht. Dieser Dichter erkannte so intuitiv die ökonomische Entwicklung der Zeit, daß seine Gestaltungen etwas von Prophetie haben. Er wußte nichts von den Gesetzen des historischen Materialismus, als er im„Paradies der Damen" die Umgruppierung des Waren- Handels voraussagte. Dieser Roman wirkte auf das Publikum der achtziger 3ahre wie eine kühne Phantasterei: aber der Autor selbst hat noch erlebt, daß die 3dee seines Romans— die Aufzehrung des Einzelhandels durch das Warenhaus, die Erdrosselung der Einzelexistenz durch das Großkapital— sich in der Wirklichkeit in einem gigantischeren Maßstab erfüllte, als sich die Phantasie dieses Sehers ausgemalt hatte. Alle diese düsteren Gesichte, die in Zolas Gestaltung lebendig wurden, haben nicht seinen Glauben gemindert. Er fühlte, wie er die Ungesetzlichkeit und Unmoralität seiner Zeit fühlte, daß das Recht und die Notwendigkeit der 3dee siegen müssen. Er hätte im Dreyfus-Prozeß, der ganz Frankreich in zwei Lager teilte, nicht für die schwache Partei der Wahrheit gezeugt, wenn er nicht geglaubt hatte, daß er dadurch für die Ewigkeit zeuge. Er glaubte an das Gute, an das Glück, glaubte an die Möglichkeit einer sozialen und gerechten Verwaltung aller Güter dieser Erde. Man kann zehn Romane von Zola nacheinander lesen: zehn Bände, die voll ausschweifender Beschreibung, überhäuft von pathetischen Steigerungen, von Vcrgröberungen sind, und man wird nicht ubersättigt. Bild reiht sich an Bild, Ereignifle überstürzen sich, eine ganze Welt von Menschen, niedrig und stürmisch, gut- mütig und boshaft, lebensträchtig und sentimental, streberisch und ursprünglich, naiv und lüstern, tanzen den Ringelreihen des sozialen Lebens. Zolas Menschen stehen, wie der Meister, der sie schuf, in einem sehr einfachen Dasein mit heftigen Effekten von Licht und Schatten, von Gut und Böse. Soweit der Roman Zolas Forin hat— und er hat Form im Vergleich zum tausendmal literarischer gearbeiteten deutschen Roman— entspringt sie der natürlichen Anlage des Romanen sür Abrundung und Gleichgewicht. Die Entwicklung, die Zola in der Rougon-Macquart-Rcihe, dieser endlosen Geschichte einer Familie unter dem zweiten Kaiser- reich, zugrunde legt, ist keineswegs von innerer Notwendigkeit und auch keineswegs zwingend in ihrer Folgerung. Es mag sein, daß die damals aktuellen Vererbungstheorien für Zolas enthusiastischen, leicht entzündbaren Bildungstrieb so etwas wie eine höhere Weihe für sein Werk zu versprechen schienen. Der Entwicklungsgedankc fiat Zola vielleicht nur gedient, um in dem brandenden Chaos einer Eindrücke und Einfälle einen Weg zu haben, um sich nicht in der Maßlosigkeit der Stoffe zu verlieren(denn, wo gibt es einen Stoff, j>er diesen Giganten nicht gereizt hätte?). Die Einzelromane aus der Rougon-lDWquart-Reihe sind, wie alle Werke Zolas, dramatische Darstellungen des sozialen Menschen in seiner gesellschaftlichen Lagerung: sind Beute. die sein stürmischer Blick aus der interessanten Bühne des Lebens einfing, um seine Gestalten wie Spielzeug zu packen und zu be- wegen; sind kaleidoskopische Bilder, zusammengeschüttelt zu starten Kontrasten von Gut und Böse. * Die unversiegbare jugendliche Schöpfungslust dieser 3ünglings- kraft, der himmelblaue fortschrittgläubige 3dealisnnis, der nie die Spannungen der Pubertätsjahre verlor, gibt Zolas grandiosem Werk die blendende Färbung: zeigt sich in seinem Leben aber als drollige Mischung von Heroismus und Spießbürgerei. Zola hat in der Dreyfus-Affäre die fast hoffnungslose Partei der Gerechtigkeit ergriffen: er hat seinen Ruhm, seine schwer er- rungene Popularität, sein Vermögen, sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: als Vollard, ein Freund C�zannes, den Dichter um die Briefe des großen Malers bat, hatte Zola nur seine eigenen Briefe(Briefe voll schulmeisterlicher Belehrungen) als die allein wertvollen dieser ganzen Korrespondenz ausgehoben: ESzannes Briefe jedoch vernichtet, obgleich alles, was der Maler schrieb, über- raschend und ursprünglich war, aber„um keinen Preis der Welt hätte ich(Zola) gewollt, daß sie von anderen gelesen werden: wegen dieser etwas nachlässigen Form".— Beides: opferfreudiger Heroismus und selbstgefällige Eitelkeit stammt aus einer Quelle, aus der Natur eines mächtigen, ewig kindlichen Temperaments, das in seiner Größe und seinem bezwingenden Reichtum jedes Werturteil sprengt— und über alle Kritik erhaben ist. Die hinreißend« Güte, mit der sich Zola auf die Seite der Armen stellte, diese instinktive Beredsamkeit sür die Schwachen, ent- sprang aps seiner natürlichen Hilfsbereitschast und wirkte mit jener bezwingenden Suggestion, die nur das echte Gefühl auszugeben hat. Zola, der Zeitgenosse von Karl Marx, kannte noch nicht dessen Theorien des historischen Materialismus: aber wie die Lehre von Marx nicht ohne das instinktive Gefühl der Empörung gegen die Unnatur der bestehenden Gesellschaftsordnung gefunden worden wäre— so sind Zolas Voltsschilderungen nicht zu denken ohne sein gefühlsmäßiges Wissen von der Schönheit und Macht und dem Reichtum des Volkes. Man braucht nicht zu beweisen, wie unzählig viele Proselyten diese Werke gemacht haben, in wie vielen Seelen sie das schlum- mernde Empfinden für das soziale Elend geweckt haben. Wind und Lungentuberkulose. Die Frage nach der Bedeutung des Klimas für Entstehung und Verlauf der Lungentuberkulose ist neuerdings in Frankreich Gegenstand eingehender Beobachtungen gewesen. Es stellte sich dabei heraus, daß derjenige Teil d«r Be- völterung, der„starken regenbringenden und vorherrschenden Winb«n" ausgesetzt ist, wesentlich mehr unter Lungentuberkulose zu leiden hat als die anderen, die in windstilleren Gegenden leben. Bei der erstgenannten Gruppe ist die Häufigkeit der Erkrankungen an Lungentuberkulose weit höher, die Sterblichkeit ungleich bedeutender, dagegen ist die Zahl der Heilungen viel geringer als bei der zweiten klimatisch günstiger gestellten Kategorie. Vor ollem scheint die Statistik dafür zu sprechen, daß weniger die Feuchtigkeit als die Wirkung des Windes ausschlaggebend ist. Starke und häufige Winde lösen schädigende Abkühlung und Ermüdung des Organismus aus und setzen auf diesem Wege die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen die Tuberkulose herab. t. Cinfnibungco fflt triefe SHnbtil sind Cctlin«»«S. Ltndeafteahe Z. G Partemachrichten für Hroß-Serlin riete an da»®ejlrte(cftttoriat. 2. Hof, z Step, recht»,>a richten. Heute. Donnerstag. 29. September: N. Abi. UVj Uhr im kleinen Pharussaal, MUllerstr. 142, Mitgliederver. sammlung. Referent Bürgermeister Karl Leid, M, b. L. Die De» nosstnncn und Genossen werden um recht rege Beteiligung gebeten, 21, Abt. 1S>4 Uhr im kleinen Pharussaal, MUllerstr, 142, Mitgliedern er- sgmmlung. Bortrag des Genohen Bürgermeister Karl Leid, M. d. L. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht, Morgen. Freitag, 30. September. 9. Abt. 18'/; Uhr beim Genossen Herrichen, Wilsnacker Str. 40, norn 4 Tr., Kasscnrcviswn, Die»eugewählten Revisoren müssen unbedingt erscheinen. ZI. Abt. 1!i i e Uhr in der Echulaula Schbnsließcr Str. 7 Mitgliederversamm» lung, Vortrag;„Der Aeichoschulgefetzentwurf." Referent Rektor Max 4l. Abt. Iii'; Uhr Kommunale Konferenz aller parteigendssischen Wohlfahrt!-. kommissionsmitgliedcr, Bezirksvorstehcr usw, bei Bader, Iüterdoger Ctrahe 7, Aussprache über„Praxis in der Wohlfahrtspflege," Die Wohl» fahrtsvor sicher werden besonders eingeladen. 42..Abt. Achtung, Bezirksfllhrer! Bei Höhlkc bestimmt abrechnen. Rem- soren am Montag, Z. Oktober, beim Kassierer. 91. Abt. Neukölln. Genossinnen und Genossen! Schickt eure schulentlassenen Kinder zur Echulentiassungsfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend um 19'., Uhr in der Walther-Rothenau-Schulc, Boddinstrasie, 92, bis 99. Abt, Reukölln-Briss. Schulentlassungsfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend in der Aula des Albrecht-Dürer-Realgumnasnims. Emscr .—;.._ r._.v— Jü-V,. tnc cn„:..•« ml/ IIVii»»»»♦♦«»r fftiöf etrofie. Eintritt 30 Pf- Beginn 19Vi Uhr. Parteigenossen, unterstügt die Juaendqcnosscn! Erscheint zahlreich.~ 108. Abt. Köpenick. 19'/, Uhr Vorstandssitzung mit den Bez>rkssllhrcrn an bekannter Stelle. Vornan. Erste Beranflaltung des Bildungsausschusse« um Zll Uhr fm Lokal Bellevue lInhaber Löwel, Lichtbildernorrrag:„Die Bolkskrankhciten." Referent Stadtarzt Dr, Drucker. Gäste sind freundlichst eingeladen. F rauenveran stalt ungen: 4. K»i» Prenzlaner Berg. Freitag, 30, September, lgsh Uhr, bei Klug, Danziger Str. 75, wichtige Kreisfunktionärinnenfitzung lAgitation). Tages» ordnung: 1. Bericht vom Wochenendkursus in Gohrisch. Bcrichtcrstatlerin Genossin Epdow, 2, Besprechung der Winterarbeit. 3. Verschiedenes. 191. Abt, Treptow. Die Sknossinnen treffen sich zur Besichtigung der Aus» stevung„Dos jung« Deutschland" morgen, Freitag, 30, September, 14 Uhr, vor dem Schloß Bellevue, Karten zum ermäßigten Preise von 30 Ps, sind noch erhältlich. Die Genossinnen werden gebeten, recht zahlreich an der Besichtigung teilzunehmen, 109. Abt. ssriedrichshagrn. Heute, Donnerstag, 29, September, 19'/ Uhr, im Lokal Otto, Türkstr, 28, Bericht vom Wochenendkursus in Gohrisch. Jungsozialisien, heuke. Donnerslag. 29. September. Gruppe Südwest: 20 Uhr im Jugendheim Steglitz. Albrechtstraße, Vortrag: „Partei der Jugend und Klasscnkampsgedanke."— Gruppe Prenzlauer Berg: 20 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 82 Bortrag:„Konzentrationasormen." Referentin Kätc Kern. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. Gruppe Kallefche» To«: Eonnabend, 1. Oktober, findet im Heim Belle» Allianee.Platz eine Veranstaltung der Gruppe statt. Beginn 20 Uhr, Alle Eltern find freundlichst eingeladen. Bezirk Kreuzberg: Die für Sonnabend, 1, Oktober, angekündigte Eltern- Versammlung des Bezirks muß leider aus technischen Gründen bis nächste Woche ausgeschoben werden. Genaueres über die Veranstaltung in der Sonntags» ausgäbe. Krei» Frledrichshai»: Wir beteiligen uns am Sonntag, 2, Oktober, 11 Uhr, im Germania-Polast, Frankfurter Allee 314, an der Morgenfeier anläßlich des fünfjährigen Bestehens seit der Wiedervereinigung der beiden Parteien, Aus dem Programm: Orgel, Aufmarsch der Fahnen, Jugendchor der SAI„ Eprech- chor für proletarische Feierstunden, Festrede: Genosse A. Erispien, M. d. R. Eintritt für Kinder 20 Pf. Sterbetafel Oer Groß-ösrlmer partei-Grganifation"] 47. Abt. Am 25. September verstarb im 35. Lebensjahre unsere Genossin Else Otto, Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Ein» äscheruna am Freitag, 30, September, 18>� Uhr, im Krematorium Baumschulen» weg. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Sozialistische �lrbeiterjugenö Groß-9erlitu Heute. Donnerslag. 19� Uhr: Norden: Schule Putbusser Str. 3, Mitgliederversammlung,— Schönhauser Vorstadt: Schule Driesener Str. 22, Probe zur Werbefeier.— Südwest: Heim Lindcnstr, 3>20 Uhr).„Arbeiterjugend und Kirche."— Friedenau: Heim Osfenbacher Str. 5o, kleiner Saal, Elternabend,— Schäneberg III: Heim Hauptstr, 15.„Die Bedeutung des Volkstanzes,"— Lankwitz: Gemeindeschule. Echulstraße.„Fahrtcncrlebnisse."— Neukölln l, II und III: Heim Schierke. straßc 44, Generalprobe zur Wcrbefeicr,— Neukölln IV, V und Vl: Genera!» probe zur Schulcntloffungsscier im Jugendheim Konner, Ecke Böhmische Straße, Alle Genossen müssen erscheinen.— Lichterselde: Heim Albrechtstr. 14»,, Ueben zum Elternabend.— Wittenau: Heim Rosentholcr Str. 15,„Arbeitcrdichter," Werdebezirk Ostrn: Die Gruppen rechneu heute, spätestens morgen, die Morgcnfcierkarten im Heim Litauer Str. 18(Heimleiterzimmer), ab, Werbebezirk Teltowtanal: 20 Uhr im Heim Albrechtstr. 47 Mitgliederver» saMmlung. Tagesordnung:„Dos Reichsschulgesetz." Alle Mitglieder müssen erscheinen, Gruppenabende fallen aus, Werbcbezirl Rciuickendors: Heim in Tegel, Bahnhosstr, 15, Wichtige Werdebezirksvorstandssstzung pünktlich 20 Uhr. Alle Abteilungsleiter müssen unbedingt erscheinen._ IBellerbericht der öffenklicbci» llMlerdiensls'elle für Berlin und Umgegend sNachdr. veib.) ElwaZ Bewölkungszunahme, sonst Fortbestand der derr- jchendcn Witterung,— Jür Deutschland, Nur im äugerften Westen geringe Niederschläge, sonst Bewölkungszunahme, Temperaturen wenig veiändcr�. üdb&ixkäMQjba Wmnj von. onbshtf ßaiyihmti.'iytiidas Utitl1 befmden a. che ema jeden Kemdiavm xim('* unq i" cm�obeL-SpadaU gaftöß tum totm r** M-Wl5ckXli qededil wecaen. »WWW chp IMbdluiD.ttkiciEita dvoeoiülilMÄiMchs. totVpf haijjmf vonäm im übeumjaiv/adn Sane atSmmliiii liwd. SCHLAF-SPEISE* HEPQEKZIMMEQN, 59\üi£ Jüchen, u. PiscatorbDhne rheat. a. Hillendoifsila'i Kurtllrst 2091/93 8 Uhr üoppia. wir leben von Ernst Toller Inz. Erwin Plscator kih«. Slotoin. WelUMmr. Bnsdi. 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Gleichzeitig weifen wir darauf hin. daß ! ist. Wir bitten, auch diese Ummeldungen umgehend an un« einzureichen, Bemcrten möchten wir noch, daß die» s jentgen Angestellten, die der Angestellten» oersicherungspflicht unterliegen, deren Ber» dienst jedoch 300.— M, monatlich überschreitet, BeitritaezurErwerdslosenssirsorge zu zahlen haben und zwar monatlich s 9,— M. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Personen bei der Kasse anzumelden iesp. abzumelden. Berlln.KSpenick. den 27. September 1927. Oer vorstand. Otto Nickel Friede. Mnrcken Borsitzender. Schristjührer. Rgklamepreiftaqe Bc�fnn; �"s�1 Sdllüfl: S", Aus eigener Fabrikation, daher Ca» rantie fOr la Stoffe, fesche Formen Grob Answahl für schlaniie und starhts Fliarei) Flotte Stoffmanlei mit und ohne Pelzbesätze 175.- 125.-?».. 52.- 30- 2A- Wundervolle Pelzmantel la Felle Persianer 1200.-, Pidianlckl 075.- Seal Elektric 275.- Veshnann'« bekannte Plüschmaniei echt englisch 155�. Seal la 85� Imprägniert 69-. 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