tte. 4öS ♦ 44.?ahrgaag Ausgabe H Nr. 235 Morgenausgabe Groß-Berlin 10 Pfg. Auswärts IS Pfg. � v# Auz-igenpreise: 8,— Zieich«m«rZ vorau«»aftlbct. ▲ A. A V MM/ vi« einfualti«« Zlonvareklle» linier Etreisband im Zn. und iBBSHaM�vl I BM I A. A.V Av Hfl leite 80 Pfennia. Rekl-m-ieile Auzl-ni» S.A Reichzurail pro Monat. HB ml S�- Reichsmark..»Icinc«wciflen* _ BH I| H88l EH Hl H B«/ �SbrnANN�HL,. da» fettoetmnfte Wort 25 Pfeniii, ®et.Sotmöris* mä bet tHuftriet. Hl II Hl H H H /.< W W H W Mi BST��nf� klulZMa»wei f-tto�nickte Worte,. ,7~To.tZ JBSf:■ M H UkN gg H Hl n HI B // B lebe» weitere Wort 12 Biennia. s°m� Ken N�o?n[j~H Hb B � H H H H m HwtH Hr~�/ Etellenoeku-be das erste Wort HhI rrH HH H HDH HH B�H B AL IS�Fenma. iede-«eitere Wort �,?n?.!wwe- D» awl.�' VJW H HHH H W H H H H H lOPiennia. Worte Uber 15 Buch. trenn� ��en'>,.N°r»»rt»- Äs?� �H! H H B JB V. In. H W HB�Bf/ stoben liiblen für Iwei Worte. !n M.' H H BL HV HBV B �W/w£\ Arbeil-markt Reite SO Pfenni». S'ÄÄaSSS J�yP- � � il Zl �Ässtsw. Derlinrr ssag��s« Zentralorgan der Sozialdemohratifchen Partei Deutfdilanda Neöaktton und Verlag: S erlin EW. öS, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff ÄSÄ— SS7. Freitag, den 30. September 19Ä7 Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Lindenstr.? vosticheSout»! Berlin»7 524— BanNonto: Bank der«rdeiier.»naestelten nnb Beamten, vallftr.<5: visk» nto-Seiellichaft. Deaaßtenlaste Sindenftr. I. Gesterreichifche Reaktion. Agrarischer und industrieller Hochschutzzoll.— Der sozialdemokratische Abwehrkampf. Als nach den letzten Wahlen die Regierung Seipel neu- gewählt wurde— die alte Regierung vermehrt um einen Landbündler—, da legte Dr. Seipel als sein Regierung-- Programm ein Programm der wirtschaftlichen Reaktion vor. Ein Programm des wirtschaftlichen Aufbaus nannte er es, aber schon die einzelnen Punkte dieses Programms zeigten, daß es sich nur um den Aufbau der wirtschaftlichen Reaktion handle. Und in der Tat: es war ein Programm, das den großkapitalistischen und großagrarischen Kreisen den Dank für ihre Wahlhilfe abstatten sollte. War an die Spitze dieses Programms der von den Kapitalisten so sehnsüchtig gewünschte Abbau des Mieterschutzes—„Schaffung eines modernen Mieter- rechtes" nannte das Dr. Seipel— gestellt, so mußte, da über die Art des neuen Mieterrechtes wohl selbst unter den Re- gierungsparteien keine Klarheit besteht, praktisch die Hoch- s ch u tz z o l l p o l i t i k in die erste Reihe treten. Schon des- halb, weil die Landbündler— die Vertreter der Groß- agrarier— nur unter dieser Bedingung in die Rcgierungs- Mehrheit eingetreten waren. So wurde denn auch gleich in den ersten Tagen die alte schon im Februar eingebrachte, aber damals nicht einmal beratene Zolltarifnovelle neuerlich vorgelegt. Dieser Zoll- tarif, der ein Kompromiß zwischen Großindustriellen und Großagrariern darstellt, welchen beiden er hohe Zölle aus Kosten der breiten Massen zuschanzen will, wurde auch bald mit Hochdruck in Arbeit genommen und wenn es auch infolge des Widerstandes der Sozialdemokratie nicht so schnell, als die Herren wünschten, Gesetz wurde, ist er immer- hin bereits im Unterausschuß des Zollausschusses durch- beraten und steht nun im Zollausschuß selbst zur Beratung. Vorläufig geht der Kampf erst um die landwirtschast- lichen Zölle» aber gerade hier zeigt sich der reaktionäre Charakter der Wirtschaftspolitik der Regierung mit aller Klarheit. Die Vorlage will zunächst das System der gleitenden Zölle abschaffen, und durch das der starren Getreidezölle ersetzen, so daß der Zoll nicht mehr von der Preislage abhängig ist. Sie will die Zölle auch ganz gewaltig erhöhen. Bisher betrug der Getreidezoll— wenigstens bei dem jetzigen stabilen Preisniveau— für hundert Kilo 25 G o l d h e l l e r. Er soll auf nicht weniger als auf 4 Goldkronen bei Weizen und Roggen und auf 3 Goldkronen bei Gerste und Hafer erhöht werden. Ist schon eine gewaltige Erhöhung auf das Sechzehnfache unerträglich, so würde die auf dem erhöhten Getreidezoll aufgebaute Erhöhung des Mehlzolls katastrophal wirken müssen. Der Mehlzoll beträgt heute 1,45 Goldkronen über dem Getreidezoll. Er soll nach dem neuen Zolltarif auf 8 Goldkronen über den Getreidezoll erhöht werden. Nun soll allerdings der Zoll in dieser Höhe nur ein Kampfzoll sein, wenn mit einem Lande kein Handelsvertrag zustande kommt. Praktisch käme der Vertragszoll— wie er in dem Handelsvertrag mit Ungarn vereinbart ist— in Betracht. Mit Ungarn hat die Regierung nämlich einen Getreidezoll von 2 Goldkronen(statt der bisherigen 25 Gold- heller und der 4 Goldkronen des neuen Tarifs) und einen Mehlzoll von 5 Goldkronen(statt der tarifmäßigen 8 Gold- krönen) vereinbart. Es würde also auf IVO Kilo Mehl statt der bisherigen 1,10 Goldkronen(25 Heller Getreidezoll + 1,45 Kronen Mehlzollzuschlag) ein Zoll von 24- 5, also sieben Goldkronen oder um 5,30 Goldkronen(— 7,63 Schilling oder 4,58 Mark) mehr gelegt werden, was einer Verteuerung des Kllogramms Kochmehl um 8 Groschen oder 4,8 Pf. bedeuten würde. Aber Ungarn hat die Zustimmung zu der Erhöhung des Mehlzolls nur unter der Bedingung gegeben, daß ein Kar» tell zwischen den österreichischen und unga- rischen Mühlen geschlossen wird, und die Regierung hat auch tatsächlich die Unterstützung dieses Kartells in der Weise auf sich genommen, daß sie den ungarischen Mühlen 60 Proz. der Erhöhung des Mehlzolls zurückerstatten soll— was natürlich die Folge hätte, daß die österreichischen Kon- sumenten den erhöhten Zoll t r a g e n, der Staat aber keinen Ertrag davon haben würde. Da überdies auch die anderen Staaten einer Erhöhung des Zolls Widerstand leisten würden, müßte die österreichische Regierung dieselbe Begünstigung auch ihnen gewähren, und es würden also in das Kartell mindestens auch die südslawischen und rumänischen Mühlen einbezogen werden müssen, so daß auf K o st e n d e r ö st c r- reichischen Steuerträger ein i nt e rn a t i o n a- les Mühlenkartell geschaffen würde— wobei wahrscheinlich auch auf Grund der Meistbegünstigung alle Sieger- staaten den Beitritt erzwingen würden. Als die Sozialdemokraten diesen schändlichen Handel enthüllten, mußte die Regierung davon sofort zurücktreten. Sie tat das in der Form, daß sie erklärte, die Verhandlungen über das Kartell hätten sich infolge vcr- schiedener Schwierigkeiten zerschlagen; es würde aber mit Schiedsspruch im Straßenbahnkonflikt Sonnabend nene Urabstimmung. Die Verhandlunge« zwischen der Direktion der Straßenbahn und dem Deutschen Verkehrsbond, die auf Veranlassung des Schlichters gestern nachmittag vor einem Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Schlichlers stattfandeu. gestalteten sich äußerst langwierig. Vach sechsstündige« Verhandlungen wurde schließlich ein Schiedsspruch gesällt, der im weseutlicheu folgendes besagt: Die tägllche Arbeitszeit beträgt acht Stunden oder 205 Stunden in einem ZStägigen Turnus. Außerdem kann zur Erledi- gung von Vebenarbeiten. wie Rangieren, Ablöse«, vor- bereitungs- und Abschlußdienst, Sasseudienst usw., sowie für die Pausen- und Wartezeit im Tagesdurchschnitt eine weitere Arbeits st unde verlangt werden. Zn diesem Falle sind Z0 Mi- nuten mit einem Zuschlag»o« 2 0 ptoz. zu vergüten. Als Abgeltung für die Vebeuarbellen werden den Fahrern 2S proz., den Schaffnern ZZ proz. der Fahrzelt als Arbeitszeit in Anrechnung gebracht. Der Zuschlag für Vachtarbeiter wird aus 45 pf. erhöht, lleberstunden werden dem Fahrpersonal mit Z5 Proz., dem übrigen Personal für die ersten zwei lleberstunden in der Woche mit 15, für die weiteren lleberstunden gleichfalls mit 25 proz. Zuschlag vergütet, weiter ist gegenüber dem letzten vor- schlag des SchUchters eine Verbesserung insofern eingetreten, daß das Personal für die Dienstkleidung nur noch ein Viertel statt wie bisher die Hälfte zu zahlen hat. Eine weitere Verbesserung ist, daß das Werkzeug geliefert werdcu muß und daß die Abgabe sowie die Wegräumung der Werkzeuge innerhalb der Arbeitszeit erfolgt. Zu diesem Schiedsspruch nahm gestern abend eine Funktionär- konferenz Stellung. Die Debatte war äußerst stürmisch wegen des ungenügenden Verhandlungsergebnisses. Der Schiedsspruch wurde schließlich mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. Zn der Diskussion wiesen die Gewerkschaslsoertreter darauf hin. daß entsprechend den Statuten des Verbandes«ine neue llrabstimmung über den Schiedsspruch vorgenommen werden müsse. Die Urabstimmung erfolgt am Sonnabend in den Betrieben. Reaktionäre in Moskau willkommen. Aber sozialdemokratische Berichterstatter werden nicht zugelassen. Seit Jahren bemüht sich die sozialdemokratische Preffe um einwandfreie Informationen aus Sowjetrußland. Fast alle Versuche von Sozialdemokraten, die fähig sind, sich über russische Verhältnisse ein einwandfreies Urteil zu bilden und objektive Berichte in der Parteipresse veröffentlichen wollten, eine Einreiseerlaubnis nach Sowjetrußland zu erhasten, sind gescheitert. Der Fall Heinig ist noch in frischer Erinnerung. Wenn die Russen hier und da eine Ausnahme machen, so glauben sie, dafür chre guten Gründe zu haben. Einen st ä n d i g e n Berichterstatter nach Rußland zu entsenden, war jedenfalls der sozialdemokratischen Presse bisher nicht ge- stattet worden. Nur wer ständig in einem Lande lebt, kann sich mst dessen Verhältnissen wirklich vertraut machen, während selbst der begabteste Beobachter auf Grund eines Aufenthalls von nur wenigen Wochen kein abschließendes Urtell fällen kann. Der„Sozialdemokratische Pressedienst", die größte jour- nalistische Organisation der internationalen Arbeiterbewe- gung, dessen Auslandskorrespondenten auch für den„Vor- wärts" und zugleich für die gesamte Parteipresse im Reiche berichten, hatte sich nun vor Jahren an die russische Botschaft gewandt, um die Zulassung eines Korrespondenten in Moskau zu erwirken. Es«rfolaten zunächst nur ausweichende und dilatorische Antworten, später hörte der„Sozialdemokratische Pressedienst" trotz mehrfacher Mahnungen überhaupt nichts mehr. Schließlich wurde vor mehreren Wochen eine neue Anfrage an die russische Botschaft mit beigefügtem Rückantwortumschlag gerichtet. Wieder keine Ant- wort. Vor einigen Tagen stellte der«Pressedienst" diesen Tatbestand öffentlich fest. Das scheint gewirkt zu haben, denn endlich traf am Donnerstag nochstehendes Schreiben ein: Botschaft der Ultimi Sowjetrepublik«« der Sozialistischen m Deutschland. Berlin, den 28. September 1927. In Beantwortung der Anfrage vom 19. d. M. über Erteilung eines Einreisevisums für einen Korrespondenten des Sozialdemo. kratischen Pressedienstes tellt Ihnen die Pressestelle der Botschaft der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Deutschland mit, daß das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten der Union der SSR. es abgelehnt hat, einem Korrespondenten des dor- tigen Pressedienstes eine Einreiseerlaubnis zu erteilen. I. A.: Unterschrift. An de« Sozialdemokratischen Pressedienst, Berlin SW. 61, Belle-Alliance-Platz 8. Es scheint, daß dieser Bescheid den Bolschewiki nicht gerade leicht gefallen ist. Sonst hätten sie nicht jahrelang ge- wartet, ehe sie sich dazu entschlossen, mit der Sprache heraus- zurücken. Sie hatten die Wahl zwischen zwei Uebeln: ent- weder sie mußten durch Zulassung eines Korrespondenten die Gefahr einer objektiven Berichterstattung über russische Verhältnisse in der sozialdemokratischen Presse laufen oder durch eine Ablehnung das Geständnis ab- legen, daß sie eine solche objektive Berichterstattung scheuen. Die Moskauer Regierung hat zwischen den zwei Uebeln jenes gewählt, das ihr als das kleinere erschien: sie er- kennt an, daß eine objektive Berichterstattung durch einen ständigen Korrespondenten für sie die größere Gefahr darstellt. Sie hat damit zugleich die Blamage auf sich genommen, daß vor aller West nunmehr feststeht: bürgerliche, ja reaktionäre Zeitungen können Berichterstatter na� Rußland entsenden— sozialdemokratischeBlät'er nicht. Hugenberg ist in Moskau willkommen, die Zei- tungen, die auf dem Boden der Sozialdemokratischen Arb«ter- Internationale oder des Internationalen Gewerkschafts- bundes stehen, werden abgewiesen! Deutschnationale Reichstagsabgeordnete und Reichswehroffi- ziere werden in Moskau mit offenen Armen empfangen, sozialdemokratischen Redakteurendroht die T s ch e t a. Und es ist ein reines Entgegenkommen, ja ein Beweis von Hochherzigkeit, daß man ihnen dieses Schicksal erspart, indem man ihnen das Einreisevisum gar nicht erst erteist.— Matteottis Zamilie zwangsisoliert! Abgesperrt und bedroht. Brüssel, 29. September.(Eigenbericht.) Der Dichter Romain Rolland hat dem Brüsseler„peuple" folgendes geschrieben: „Die arme junge Frau Malteolti ist in Rom mit ihren kleinen Kindern van der Oeffentlichkeit abgeschlossen. niemand kann an sie herankommen, und sie weiß nicht, was draußen in der weit vorgeht. Roch vor zwei oder drei Monaten hatte sie keine Ahnung von der Ehrung, die dem Andenken ihres Manne» außerhalb Zlaliens zuteil wird, wie glücklich wäre sie, hätte sie Kenntnis von der großen Matleotti-Feier der Sozialistischen Arbeiler-Znlernationale vor kurzem in Brüssel. Aber wem wird es gelingen, ihr die Nachricht zu bringen? Zhre wenigen treuen Freunde find deportiert worden, sie selbst Ist bedroht und die Drohung könnte zur wirtlichkeil werden, wenn man«führe, daß sie mit Antifaschisten im Ausland in ver- bindung steht." Kämpfe in Süüchma. Twatau hält sich. Schanghai. 29. September.(TU.) S w a t a n wurde durch ein Kriegsschiff der Kantontruppen be- schössen, dos später hundert Matrosen landete. Es kam zu einem Gefecht mit den Besatzungstruppen. Der Angriff de? Kantonleute wurde zurückgeschlagen. Das Landungskontingent ist bis auf wenige Mann niedergemacht worden. Zwei englische Zerstörer wurden von Geschossen getroffen. Ein englisches Truppenkontingent, dos zum Schutz der Mission gelandet worden war, ist kurz daraus wieder abgezogen. de.' ungarischen Regierung über den Modus der Erhöhung des Mehlzolls weiter verhandelt. Nun verhandelt der Zollausschuß über die Vieh- und Fleischzölle und er will auch diese entsprechend den Wünschen der Großagrarier erhöhen. Die S o z i a l d e m o- traten haben demgegenüber vorgeschlagen, den Klein- dauern statt des Zolls Prämien für die Aufzucht und die Mast von Vieh zu zahlen, womit der Not- lege der Bauern weit sicherer abgeholfen würde. Aber es handelt sich bei der Regierung und ihren Parteien ja nicht um die Landwirtschaft und ihre Hebung, sondern um die Profite der Großagrarier und deshalb lehnen sie diese Forderung ab. Als Entgelt für die Unterstützung der Profitgelüste der Großagrarier erhalten auch die Großindustriellen, namentlich die von der Schwerindustrie ihre Zölle. Aber bis diese bewilligt werden, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Deshalb kündigt die Regierung jetzt an, daß sie im Herbst endlich eine Vorlage über die Reform des Mieten- rechtes einbringen werde. Es ist zwar klar, daß die Auf- Hebung oder auch nur wesentliche Verschlechterung des Mieterschutzes mit der sprunghaften Erhöhung der Mieten der Arbeiter und Angestellten zu Lohnforderungen veranlassen müßte, so daß also der Staat und die Industrie die Leidtragenden wären. Aber die Scharfmacher der Industrie sind gewissenlos genug, trotzdem die Forderung nach Abbau des Mieterschutzes zu unterstützen, weil sie sich einbilden, der Sozialdemokratie damit eine Niederlage bei- bringen zu können! Sie scheuen selbst vor der Gefahr schwerster politischer und wirtschaftlicher Kämpfe nicht zurück, wenn ihnen die Hoffnung winkt, wieder ein Stück„revolutionären Schuttes", wie es Dr. Seipel genannt hat, wegräumen zu können. Aber hinter dem Mieterschutz stehen nicht nur die gesamte Arbeiter- schaft und Angestelltenschaft, sondern auch alle nicht- kapitalistischen Schichten des Bürgertums, vor allem alle kleinen Gewerbetreibenden und kleinen Geschäftsleute, ebenso ober auch die ganze Beamtenschaft, die alle auch durch den reaktionären Zolltarif auf das schwerste gefährdet sind, so daß, wenn es die Reaktion auf einen Kampf ankommen lassen sollte, sie und mit ihr die ganze reaktionäre Wirtschafts- Politik sich an der festen Front der arbeitenden Masse eine entscheidende Niederlage holen dürften. Scharfer Angriff auf Strefemann. „Nur er kann sich derartige Mißerfolge leisten!" Der„Reichsdienst der deutschen Presse", der bekanntlich dem demokratischen Flügel des Zentrums nahesteht, ver- öffentlicht einen Artikel„von einem alten Demokraten", der geeignet ist, einiges Aufsehen zu erregen. Dieser„Götzen- dämmerung" überschriebene Aufsatz richtet sich in überaus scharfer Weise gegen die zweideutige Haltung S t r e s e m a n n s, wie sie gerade in den letzten Tagen in die Erscheinung getreten ist. Ausgehend von der Tannenbera-Aktion und dem ersten Stresemtmn-Interview im„Matin', wirst der Verfasier dem Außenminister vor, er habe den entstandenen üblen Ein- druck durch ein zweites Interview verwischen wollen — gemeint sind seine Aeußerungen gegenüber dem„Petst Pattsien"—,„das rein pazifistischer Natur ist und«ine offensichtliche Liebedienerei an Briand dar- stellt".. Sodann wird angefühtt, die Genfer Tagung habe eine Kette von Mißerfolgen für die deutsche Außen- xolitik gebracht, und zum Schluß heißt es: -Es gibt keinen Außenminister in Deulschland, der sich ohne nationalen Skandal derartige Mißerfolge leisten könnte, außer Dr. Strefemann in der gegenwärtigen Regierungskoalllioa de» Reichs. Das weiß man in Paris sehr gut. Deshalb hat auch P o i n c a r e vor drei Tagen den Kampf der Pariser Presse gegen den Reichsaußenmimster abgeblasen und verkünden lassen, daß „Mn Brunnen vor dem Tore../ Zu Wilhelm Müllers l00. Todestag. „Am Brunnen vor dem Tore.. dies Lied aus Wilhelm Müllers Liederzystus„Die Winterreis«" ist in Schubert, Melodie unter allen Gedichten de« reimfreudigen Dichter, am bekanntesten geworden und lebt als»in Volkslied unter uns fort. Rur wenigen Poeten ist es beschieden, wirklich ins Volk zu dringen: aber Wilhelm Müller gehört zu ihnen. So manches seiner Gedichte ist in all« Liederbücher übergegangen, und seine Strophen leben auf Flügeln des Gesanges fort, ohne daß man noch viel von dem Verfasser weiß. Da sind seine prächtigen TrinMeder, unter denen ,Am Krug zum grünen Kranze"»der„Meine Mus« ist gegangen in de» Schenken sein Haus" unsterblich find: da find die hellen Wanderlleder, wie „Das Wandern ist de« Müller« Lust" oder„Wenn wir durch die Straßen ziehen". Müller hat da. Glück gehobt, daß fem« Vers« von großen Meistern vertont wurden, so die beiden Zyklen der„Schönen Müllerin" und„Winterreis«" von Schubert, andere Gedichte von Carl Maria von Weder, dem Müller als dem„Meister de» deutsche» Gesanges" die zweite Sammlung seiner„Gedichte aus den hinter- lassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten" widmet«. Aber die großen Liddermeister bevorzugten dies« Gedichte nur, weil fl« so sangbar waren, weil ihr leichter Volkston und die Frische des Empfindens zur Vertonung aufforderten. Wilhelm Müller war einer jener glücklichen Geister, die von den Strömungen ihrer Zett leicht hingetragen werden und das Best« aus ihnen gewinnen. Wenn man sagt, daß die Götter ihre Liebling« jung zu sich nehmen, so war er auch darin ein Bevorzugter, daß er mit»3 Jahren nasch und schmerzlos aus einem von Erfolgen gekrönten, überaus friicht- baren Leben schied. Als der Sohn des Desiauer Schuhmachermeisters IM als ISjähriger die Berliner Universität bezog, stand die Romantik in voller Blüte. Müller machte als Freiwilliger die Befreiungskriege mit. Als er dann an die Hochschule wiederkehrt«, widmet« er sich dem Studium des klassischen Altertums und der altdeutschen Der- gangenheit. Ein Lieblingsschüler des Philologen F. A Wolf trat er später in seiner„Homerischen Vorschule" für die Idee« seine» Lehrers ein. Von den alten Griechen kam er zu den neuen, deren Sprache und Volksliteratur er kennenlernt« und für die er in seinen berühmten„G r i e ch e n l i e d e r n" dann begeistert«intrat. Auch die Germanistik, von den Brüdern Grimm und von der Hagen gelchrl, zog ihn an, und als Frucht altdeutscher Studien erschien 181S seine„Blumenlese aus den Minnesängern später hat er damals vergessen« Dichter des 16. und 17. Jahrhunderts herausgegeben. In dem Berliner Romantikerkreise erwuchs sein« erst« Dichtung, und die poetische Kraft wurde vertieft durch sein« Jtalienfahrt, auf der er italienische Volkslieder sammelte und selbst Ritornelle und Epi- gramm« schrieb. Sein Wert„Rem, Römer und Römerinnen" ist «ins der lebendigsten Zeugnisse romantischer Iwlienbegeisterung. Dann lief der junze, rasch bekannt gewordene Dichter in den Hafen de» Berufes und der Ehe ein, wurde Gymnasiallehrer und Biblivthe- kar in Dessa». kein französischer Minister in nächster Zeit da» Kriegsschuldproblem in seinen Reden berühren wird." Herr Stresemann ist mit der deutschen Delegation gestern nachmittag wieder in Berlin eingetroffen. Man kann nicht gerade behaupten, daß die Begrüßungsartikel, mit denen er empfangen wurde, sehr begeistert sind. Weder rechts noch links. Aber schließlich hat er es sich selbst zuzuschreiben, wenn so ziemlich alle Parteien Deutschlands immer unzufriedener mit ihm werden._ Konferenz um Mrch. Vertrauliche ZentrumSzusammenkunft in Heidelberg Heidelberg. 2S. September, l Eigenbericht.) Am Donnerstag nachmittag fand hier im Grand-Hotel die von dem Reichskanzler a. D. Dr. Wirth angekündigte Besprechung über die Schulfrage im Kreise seiner engeren Freund« statt. An- wesend waren u. a. der Reichstogsaibgeordnete Ivos, die Reich»- tagsabgeordnet« Teusch.KSln und ein« ganze Reche führender Persönlichkeiten des Zentrums aus Rheinland-Westfalen. Die Kon- ferenz hatte vertraulichen Charakter. Alle Teilnehmer und ganz besonders der Abg. Joo« so wird un, versichert— mochten dem Reichskanzler a. D. Dr. Wirth gegenüber keinen Hehl daraus, daß sie seinen Verzicht, der Einladung de, badischen Zentrums zu der am letzten Sonntag in Freiburg stattgefundenen Konferenz zu folgen, keineswegs billigen könnten. Voltsfeier? Die Ehrenfront für den Präsidenten der Republik. Am Sonntag wird auf der Strecke von der Wilhelmstraße bis zum Stadion zur Geburtstagsfeier für Hindenburg von Bereinen und Verbänden Spalier gebildet. Hier ist die Reihenfolge der Verbände: .Zuerst der Verein der Inhaber der Rettungsmedaille am Bande, landsmannschaftliche Vereine in Trachten, Stahlhelm, Deutscher Ostbund, Allgemeiner Deutscher Automobilklub.— Dann folgt der zweit« Abschnitt: Bund heimattteuer Ostpreußen. Kyffhäuserbund. Allgemeiner Deutscher Automobilklub, Deutscher Motorradfahrerbund, weitere Gruppen des Kyffhäuserbund«», Deutsche Volkspartei, Technische Rothllse, Reichslandbund, Demo- kraien, Kyffhäuserbund. Stahlhelm, Deutschnationale Dolkspartei, Luise-Bund, Deutsche Volkspartei, Deutschnattonaler Handlungs- gehtlfenoerband, Gau Kurmart der Deutschen Adelsgenossenschast, Verein zur Unterstützung Deutscher Kriegsbeschädigter, Deutscher Osfiziersbund, Verein der bulgarischen Offiziere, Verein der Kraft» fahrzeuge, Kaiser-Wilhelm-Loge. Koloniolkriegcrbund, Männer- turnverein Friedenau. Deutsche Büraerjugend, Bund der Wander- vögel, Deutscher Pfadfindergau, Jugendbund Pallas, Vater» ländische Kraftradstoffel, Bund deutscher Radfahrer, Reichsturz- schriftverein Moabit, Fortbildungsschule Seeberg. Staatliches Gymnasium Demmin, Derein ehemaliger Schüler des Lelbniz- Gymnasiums, Verein ehemaliger Steglitzer Gymnasiasten, Verein ehemaliger Hohenzollern-Gymnasiasten, Burschenschaften, Jung- deutscher Orden, Vereinigte Vaterländisch« Verbände. Eine vollständige Sammlung aller schwarzweißroten und monarchistischen Organisationen im Zeichen von Schwarz- w e i ß r o t— trotz der Demokraten. Höhnend schreibt die „Deutsche Zeitung" gegen sie: „Das Reichsbanner beteiligt sich bekanntlich glücklicherweise nicht: nur die Demokraten ließen es sich nicht nehmen, auch eine Gruppe zu stellen." Ein« schwarzweißrot- monarchistische Front zu Ehren des Präsidenten der Republik! Der§!aggenftre!t. „Kaiferhof" will a«s Schwarzweißrot nicht verzichte« Das Berliner Hotel„Der Kaiserhof" hatte gelegentlich eines Essens des Kongresses der Fachpresse am Donnerstag Flaggenschmuck angelegt und an der Flaggenstange in der Mitte de» Hause« die preußisch« Flagge gesetzt. An der rechten In Wilhelm Müllers„Gedichten", dl« sein Sohn, der berühmte Sprachenforscher Max Müller, herausgegeben und mit einer er- greifenden Einleitung»«riehen hat, ist der ganze Kreis de? deutschen Romantik umschrieben: die Poesie de» Wandern? und Gcbwärtnen«, der Jtalienfehnsucht und der Lieb« zur nordischen Heimat, vi« in dem „Frühlingskranz au» dem Plauenschen Grunde" und den„Muscheln von der Insel Rügen" zum Ausdruck kommt, und die historisch« Balladenkunst, deren betonntest« Probe sein„Glockenguß zu Breslau" ist. Mitten aus frohem Leben und Schaffen riß ihn ein Herzschlag in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober de» Jahres 1827. Konzert des Mäimerchors Fichte-Georglnia. Im S a a l b a u Friedrichshain veranstaltete der Männerchor Ficht«. G e o r g i n i a sein erstes diesjähriges Konzert. Zu erinnern ist daran, daß Fichte-Georginia im Rohmen der Arbeiterfangerwach« auf der internationalen Ausstellung„Musik im Leben der Völker", Frankfurt a. M., ein« beachtensivert« Erfolg errang und sich gegenüber der Prager„Typographia" durchaus behaupten konnte. Das Konzert im Saalbau Friedrichshain brachte in den Chören D-e» selben Lieder, die in Frankfurt gesungen worden waren, natürlich war hier in Berlin der Rahmen weiter gespannt. Das Programm beherrschten vor allem Chorkompositionen des Dirigent« Wilhelm Knöchel. Reben einfachen, liedhaften Chören wie„Lieb Seelchen am Abend" stehen groß angelegte und ausgeführte Kompositionen wie der Chor au, Richard Dehmels„Lebensn�sse" mit außsrordent- lich komplizierter Stimmführung und in einem beinahe sakralen Stil gehalten. Knöchel beherrscht die Technik des Ausbaus und»erfügt darüber hinaus über reiche, melodiös« Einfälle. In jedem Fall« de» deuten seine Kompositionen eine wertvolle Bereicherung der Thor- literattrr. Und neben der k«mpvsitorischen Begabung besitzt Knöchel die Fähigkeit, den Chorgesang bi» zu letzten Feinheiten zu nüancieren. Dabei ist er ein sicherer Chordirigent. Auch da» E b« r t- Monz-Ouartett hält gute« Niveau. Die Mitglieder sind auf- einander eingesungen und versügen über schöne Stimmen. Der Bei- fall war groß. t Der dritte Znternatlonale Kongreß für psychologische Unter- suchungen, der am Montag in Parts begonnen hat, hat bereits«ine Reih« von interessante» Sitzrmgen geboten. In einem Hörsaal der Sorbonne versammelt« sich jeden Vormittag und Rachmtttag ein buntes Publikum, das den Vorträgen, die teils in deutscher, teils in französischer Sprache gehalten worden, mit außerordentlicher Auf- merksamkeit folgen. Unter den zahlreichen Gelehrten bemerkt man die verschiedensten Medien, indisch« Fakire, die elegant« Pariser Ge- sellschaft und junge Studenten. Auf dem Auditorium lastet ein« nervöse und sensationelle lüstern« Neugier, die diesem Kongreß,«n dem ernste Gelehrt«, Okkultisten, Spiritisten und ümen teilnehmen, ein seltsames Aussehen gibt. Den Höhepunkt der bisherigen H«r- träge bildeten ohne Zwelfel die Ausführungen des Münchener Pro» feflors Freiherrn v. Schrenck-Rotzing, der den Zuhörern das seltsame Phänomen eines Oberlehrers schilderte, den er unter dem Pseudonym Karl Weber einführte. Dieses Medium, so erklärte der Vortragend«, bewegt nicht nur die Gegenstände vom Platz, sondern auch sich selbst im Raum. Mitglieder der Munchener Philosophischen Fakultät hat»« festgestellt, daß Weber sich vom»od«««uk Höh« ooa Ecke des Gebäudes war eine große schwarzweißrot« Flagge angebracht, an der linken eine schwarzrotgoldene. Die preußische Regierung hat unter diesen Umständen geglaubt, von einer Teilnahme an dem Essen im Hotel Kaiserhof A b- st a n d nehmen zu müssen. Von preußischer Seite war angeregt worden, statt der schwarzweißroten Flagge die in der Verfassung vorgesehene Handelsflagge, d. h. die schwarzweißrot« Flagge mit den Reichsforben in der oberen inneren Ecke zu setzen. Nachdem von der Hotelleitung dieser Vorschlag abgelehnt worden war, hat das preußische Staatsmlnisterium von einer Teilnahme an den Veranstaltungen im Hotel Kaiserhof abgesehen. die pariser Wahnflnnsurteile. Brutale Verfolgung der antimilitaristischen Agitation. Wir berichteten am Mittwoch bereits über die unglaublich harten Urteile, die eine Pariser Strafkammer gegen sechs Kommunisten, darunter die beiden Abgeordneten D u c l o s und Marty, wegen Veröffentlichung von Artikeln gefällt hat, in denen eine Aufforderung an die französischen Soldaten zur Meuterei erblickt wurde. Di« Verurteilung erfolgte auf Grund längst ver- alteter Bestimmungen eines Ausnahmegesetzes, das in den neunziger Jahren in der Panikstimmung, die durch die damaligen anarchistischen Bombenattentate erzeugt worden war, erlassen wurde. Dieses Gesetz, das die anarchistische Propaganda treffen sollte. wird jetzt gegen die Kommunisten angewandt, obwohl die kommu- n istisch« von der anarchistischen grundverschieden ist. E» sind über die sechs Angeklagten insgesamt 38 Jahre Ge- f ä n g n i s verhängt worden, davon allein 36 Jahre(für 6 Zeitungs- artikel je ö Jahrel) über Duclos. 10 Jahre über Warty(wegen 2 Artikel) und über die sechs anderen je 3 Jahre. Wenn die öffentliche Meinung in Frankreich sich über diese Strafen weniger aufregt, als man es erwarten könnte, so liegt es daran, daß man in Frankreich dieses Urteil mehr als eine D e m o n- st ratio» empfindet und an seine Verbüßung nicht glaubt. Ins- besondere die beiden am härtesten verurteilten Abgeordneten werden nach ihrer Wiederwahl im Jahre 1928— die durch solche Uttell« am stärksten gefördert wird— wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Bi» dahin genießen sie im Sante-Gefängnis das „politische Regime", da» al» überaus liberal ollgemein bekannt ist. Trotzdem bleiben diese Urteil«, auch wenn sie, wie wir bestimmt erwarten, nur zum geringen Teil verbüßt worden, ein Skandal, der eines zwilisierten Landes unwürdig ist. Wegen bloßer Zeitungeartikel politischen Inhalt» werden Urteile gefällt, die un- gleich höher sind als die Sühne, mit der die schwersten gemeinen Vorbrechen in Frankreich geahndet werden. Das übliche Argument der voaktionären Klassenjustiz, daß Leute, die sich in Sowjetrußland«uch nur annähernd das gleiche an anti- militaristischer und Desertionspropagonda leisten würden wie die Kommunisten in Frankreich, dort kurzerhand zum Tod« ver- urteilt und erschossen werden würden, ist nur eine schwache polemische Retourkutsche und leine Rechtfertigung. Denn gerade die Barbarei der russischen Sowjetjustiz ist es, wogegen sich die zivilisierte Welt mit Recht empört, greift man aber zu fast ähnlichen Reprcssions- Mitteln, dann begibt man sich des moralischen Rechtes, gegen die bolschewistischen Methoden Protest zu erheben. Auch wir werden niemals die Niedner-Urteil« des Reichsgerichts deshalb entschuldbar finden, weil sie relativ milder sind als die Urteil« der russischen Revo- lutionstribunale. Klassenjustiz ist überall verwerflich, ob weiß oder rot._ Ver Reichsrat wählte am Donnerstag nachmittag zum parla- mentarifchen Beirat der Reichszentrale für Heimaldienst den preußi- schen Ministerialdirektor Dr. Brecht. Dann nahm er die Gesetz- entwürfe über das Luftverkehrsabkommen mit Italien und jZrofz- britannien an. Angenommen wurde ferner»ine Verordnung über die äußer« Kennzeichnung von Lebensmitteln, die am 1. Oktober in Kraft treten soll. Ferner erklärte sich der Reichsrat einverstanden mit einer Verordnung zur Ausführung de» Gesetzes über Arbeltsvermittlung und Arbeitslosenversicherung und billigte die Verordnung, durch die die Bestimmungen über öffentliche Not- standsarbelten noch über den 1. Oktober hinaus in Geltung bleiben. 1,50 Meter erheben könne, wobei sein Körper ein« horizontale Lage einnehme. Im August 1S24 hätte Weber nach einer Erhebung vom Boden sich etwa einen Meter in der Luft fortbewegt. Dieses Phö- nornen hätte 25 Sekunden gedauert. Dienstag vormittag führte die bekannte Wiener Okkultist'm Gräfin Wafsiliko einen interessanten Film über die Phänome der Eleonore Zuguen vor, die in der Lage ist, ge- wisse Zeichen hervorzubringen, die in Biß- oder Kratzwunden de- stehen. Der Film brachte diese Phänomen« sehr deutlich zum Aus- druck, obgleich er ihre langsame Entstehung nicht wiedergeben konnte, da die heutige Filmtechnik derartigen Ausnahmen noch nicht gewachsen ist. Mit besonderem Interesse erwartet man den Bericht des Dr. Böhm über Therese Neumann von Konnersreuth und die Be> richte über die denkenden Tiere, der Pferd« von Elberfeld und den Hund Rolf. Ein Generalkonservalor der kunsldenkmäler sür Preußen. Mit der Uebernahme der Verwaltung der ehemals königlichen Schlösser und Gärten hat da» preußisch« Kultusministerium«inen neuen großen Ausgabentreis erhallen. Die profane Denkmalsvsleg« war bisher nicht Sack)« des Ministerium,. Um den neuen Pslichten zu genügen, wäre, wie Dr. Alfred Kuhn in der Zeitschrist„Der Cicerone" vorschlägt,«ine Organisation unter einem Generalkon. servator der Kunstdenkmale in Preußen der beste Weg. Auch das Denkmalschutzgesetz, das jetzt dem Staatsrat vorliegt, muß dazu führen, einer oberen Instanz größer« Einslußmöglichteit zu geben als bisher. Ist dies« durch Personalunion mit dem Posten vereinigt, bei dem die Wahrnehmung der Interessen des gesamten großen neuen staatlichen Kunstbesitzes liegt, so kann das nur im Sinne einer Vereinheitlichung der Vcnvallung sein. Weitere wichtige Slufgaben ergeben sich dann von selbst. So die Inventarisierung der ösfent- liehen Kunstdenkmäler, wie sie für einzeln« Provinzen schon durchgeführt ist. systematisch geleitet von einer Zentralstelle. Damit geht d!« Schafsung eines Denkmälerarchiv«« Hand in Hand, d. h. die methodische Bereitstellung photographischen Materials der ösfent- lichen und, wenn möglich, auch der privaten Kunstdenkmale in Preußen. Reiseziel der„großen Welt". In einem Berliner Mtttagsblatt findet sich folgende Anzeige:„Nach Konnersreuth am 5. Oktober ameritanljche Limousine. 3 Plätze frei. Anfragen unter.....* vi« erste Tanzm atlnee der volksbghne E. V. im Iimlknden Svleljalir wird Eolo-Darbielunaen bceier Tänzerinnen drinnen,»SbmUch von Elinooc Tordt«. Wien. Helga Normann imv Jsa Tiibell. Berlin, Die Matinee ist jür Sonntag, den L3, Olloder. vormtllagS 1>>/, Uhr anberaumt und findet wie üblich im Thealer am Bülowplnh statt, Sinlahiarlen zum Preis« von t.30 M, gelangen schon jetzt durch die BerkausSslellen der Polttbühne zur Ausgab«. BSckstn- Aussteklona l« der IkastwwMvcckerle, Zur Feier de? 100. Sie- SurtStage» Arnold BöcklmS am 16. Oktober b-adjlchtigt die Nallonal-Galert« ein« rroße Söcklin-AuSstellung zu veraultallen. Pros, prcvant. der bekannte Parlier Histologe, Mitglied der m-dlzini- schen Akademie, ist im Alter oon 67 Iahren an den Folgen einer Operation gestorben. Prenant war in den letzten Jahren als alliver Pazifist hervorgetreten, weshalb seine Lehrturie In der medizinischen Fakultät von Pari« wiederholt Gegenstand»an feinblichen«undgrbilngcn der royaliftl- nwirtnu walther Rathenau zum Geöächtnis. Die Feier der Rathe»»an-Stiftung. Gestern hätte Walther Rathenau sein sechzigstes Lebensjahr vollendet. Das Kuratorium der Walther» Rathenau-Stiftung hat diesen Tag in würdiger Feier be- gangen. Sie galt einem Toten— einem großen Toten der deutschen Republik. Vor fünf Iahren haben die Kugeln fanatischer Meuchel- Mörder, die sich„national" nannten, Rathenau dahingerafft. Er wurde ermordet, weil er harte Notwendigkeiten im Dienste der staatlichen Zukunft Deutschlands vollziehen wollte. Von denen, die die Liebe zur Nation im Munde führten und ihre wahren Diener mit Haß und Mord ver- folgten. Die maßlose Hetze gegen jene Politik, die Walther Rathenau vertrat und für die er starb, ist verstummt. Die Deutschnationalen, die Träger dieser Hetze, die Schöpfer jener Atmosphäre des Hasses, die den Mord gebar, billigen heute in der Regierung der Republik die geradlinige Fortsetzung der Politik Walther Rathenaus. Keine laute Feier, kein Schwenken von Parteifahnen am Geburtstag des Märtyrers der deutschen Republik! Sein Blick war fest in die Zukunft gerichtet. Er sah die idealen Linien der Zukunft des neuen Deutschland, seine Geistigkeit erschöpfte sich nicht in steriler Verherrlichung des unter- gegangenen Reiches. Er sah, daß um der Freiheit und der Zukunft Deutschlands willen auf den Wegen der Republik vorwärtsgeschritten werden muhte, durch die Tat und im Geists. Ein Mann der deutschen Zukunft— nicht eine Gestalt der deutschen Vergangenheit. Sein Andenken lebt tief im Herzen aller Revublikaner. Wenn die letzten Schatten der Vergangenheit längst ver- funken sein werden, wird das Volk ihn noch nennen als einen der Männer, die den Dienst an der Zukunft des deutschen Volkes mit dem Opfer des Lebens besiegelten. Ihn lohnt nicht lärmende Feier, sondern die Festigung und Ausweitung des Werkes, an dem er mitgearbeitet hat. Der Toten der Republik zu gedenken— das ist würdigste Repräsentation in der Republik für die Republik. « Im Plenarsaal« be« Reichawirtschaftsrates fand gestern eine Feier der Walther-Rathenau-Stistung statt, zu der zahlreiche Vertreter der Reichs, und Staatsbehörden, des Diplomatischen Korps, der Länder. der Parlament« sowie der Kunst, der Wissenschaft und der Wirtschast erschienen waren. Besonders bemerkte man die Schwester Rothe naus und Frau Ebert. Nach einem einleitenden musikalischen Vor spiel begrüßte der Vorsitzende der Walther-Rathenau-Stistung Ministerialdirektor Dr. Brecht die Anwesenden, wobei er in kurzen Wor. ten ein Bild der Persönlichkeit Walther Rathenau» gab und schließ lich auf die Walther-Rothenau-Stiftung als Hüterin de» Erbes Wab ther Rathenaus hinweisend, mitteilte, daß der Reichspräsident einer Erweiterung des Kuratorium» zugestimmt habe und daß nunmehr noch Gerhart Hauptmann, Bernhard Dernburg, Joseph WIrth»nd Reichstagspräsident Lö b e dem Kuratorium beitreten würden. Reichskunstwart Dr. Rodslob berichtete sodann über die Stiftung im einzelnen und all« die Arbeiten, die in Vorbei reitung sind, um die Werke Walther Rathenau» zu erhalten und in seinem Sinn« fortzusetzen. Hierauf ergriff Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu folgender Rede: Mit tiefer Bewegung gedenken wir de» großen Manne», der heute seinen(W. Geburtstag gefeiert hätte, und dessen Leben«in so jähes Ende fand. Mehr al, 5 Jahr« trennen uns schon von seinem Tode. Das ist mehr als die Zeit, die seinen Tod vom Ende de» Krieges trennte. Bon seiner Wirksamkeit im Reichskabinett an rech- nen wir einen entscheidenden Abschnitt in der deutschen Geschichte. Rathenau hatte sich vor dieser Zeit niemals beruflich der Politik g« widmet. Aber wenn wir sein Leben nachträglich ansehen, so erscheint alles, was er getan hat, wie eine große innere»nd äußere Vor- bereitung darauf, seinem Vaterlande in entscheidenden Stunden als Staatsmann große Dienste tun zu können. Alle seine Eigenschaften zusammen waren in der Stunde, wo Wirth den großen Griff tat, ihn in die siiegierung zu ziehen, für Deutschland von ungeheurem Wert. Die Welt perstand Deutschland nicht mehr. Sie sah ein Zerr- bild. Da wurde Rothenau, indem er all« sein« Eigenjchaften und Kenntnisse zugleich in den Dienst de» Lande« stellte. Deutsch« lands großer Interpret. Aber noch mehr: zu gleicher Zeit ergriff er mit Erfolg die Ivi, ilative, mit der Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiet einen praktischen Anfang zu machen. Sein ganzes Streben war, den guten Glauben im Verkehr zwischen Völkern und Einzelper- (orten wiederherzustellen. Eine seiner letzten öffentlichen Handlungen war es, daß er die ersten 6 Bände der Sammlung der diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes der Welt übergab, dieses Werk, da» ganz in seinem Sinne bestimmt ist, durch die ehrliche Offenlegung aller Dokumente den guten Glauben wiederherzustellen. Cr wußte, daß dazu Zeit gehört, aber auch, daß hierin die Zeit für uns läuft. In all dieser Arbeit für den Frieden und die Verinnerlichung der Welt traf ihn die Kugel, wie ein Jahr vorher den Mann, der vor ihm mit seinen großen, wenn auch andersartigen Gaben die gleiche Bahn gegangen war. Wir wollen heute nicht über seinen Tod klagen. Wir wollen danken, daß er gelebt hat und ihm, wie einem Lebenden, die Huldigungen zu seinem SO. Geburtstag bringen. Sein Tod hat, wie wir jetzt all« fühlen, sein Wir» ten nicht beendet. Wenn ich da» sage, so spreche ich nicht nur von der Fortsetzung seiner Politik, von dem Fortleben seiner schriftstellerischen Werte, ich spreche vor allem davon, daß sein Tod wie die anderen gewaltsamen Ereignisse der Nachkriegsjahre dem deutschen Volk die Augen ge- öffnet hat über den furchtbaren Fluch der Blindheit und der Gewalt. So hat er es selbst im voraus gefühlt, als er am 3. Juni 1921 beim Amtsantritt seines Amtes schrieb: .Nun stehe ich vor unübersehbaren Problemen und Fragen. Der einzelne vermag in diesem großen Getriebe so gut wie nichts. E» werden Mann für Mann in den Graben springen müssen, bis er überstiegen werden kann. Gleichviel: er wird nie überstiegen werden, wenn nicht einer beginnt." Möge die heutig« schöne Erinnerungsfeier dazu beitragen, der Welt zuzurufen: Es sind der Blutopfer für«ine neu« Zeit genug. jetzt laßt die neu« Zeit anfangen. Als letzter der Redner sprach Gerhnrt Hauptmann, der in bered- ten Worten«in anschauliche, Bild Walther Rathenaus als Mensch, als Staatsmann sowie als Deutscher gab. Wallher Rathenau wor ein vollblütiger, wahrer und tiefer deutscher Patriot, wenn es s« einen gegeben hat. Lassen Sie mich allen Angriffen, die zum Ziel hatten, Walther Rathenau« Bater- landstreue zu verdächtigen, das feste, tiese und erzene Schweigen des Wissenden entgegensetzen. Wir sind hier nicht zusammengekommen, um Lobreden auf einen Toten zu hallen. Eine menschliche Empfindung erfüllt uns vielmehr, die über Lob und Tadel erhaben ist. Die großen Fragen der Menschheit werden trotz Walther Rathenau vielleicht ewig un- gelöst bleiben, wie sie trotz Kant, trotz Hegel, Schopenhauer und Nietzsche ungelöst geblieben sind. Unsere, Fehlbarieit erstreckt sich auf alle Gebiete: Religion, Wissenschast, Kunst und Politik. Unsere Fehlbarkeit also kann es nicht fein, was uns das Recht gibt, mit harten und vernichtenden Urteilen übereinander herzufallen. Die glanzvollen Eigenschaften aber, die Walther Rathenau auszeichneten und die ohne Reib zu sehen, nicht sedem leicht wurde, sind zu bekannt, al» daß es notwendig wäre, auf sie hier zurückzukommen. In Walther Rathenau waren zwei Dinge oereint, die sonst meist .getrennt vorzukommen pflegen: das praktisch organisa- torische Genie und der reine Idealist. Er beherrschte den Apparat unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens, und was er suchte und glorifizierte, das war die immaterielle Seele. Es ist keine Trauerfeier, die wir hier abholten. Man soll nicht zu lange trauern, das Leben verbietet es. Es ist w e i t m e h r der Lebendige als der Tote, dem wir hier huldigen. Möge das Gute und Große seiner Natur dem Deutschen immer verständlicher werden und in sein Wesen mehr und mehr eingehen. Zum Schluß las Arthur Krausneck aus Wallher Rathenaus Schriften vor. Klarheit über öle Preußenanleihe! Die Ncichsrcgicrung hat sofort Aufklärung zu schafien. Die Umstände, unter denen das Schicksal der preußischen Staats- anleihe auf dem amerikanischen Kapitalmarkt ungewiß bleibt, nehmen immer beunruhigendere Formen an. Die„Frankfurter Zeltung", der man ausreichende Dorsicht in der Weitergabe eventuell ungenügend verbürgter Meldungen zutrauen muß, veröffentlichte gestern einen Funkspruch, noch welchem die Preußenanleihe in Washington definitiv abgelehnt worden sei, weil sie für nichtproduktlv« Berwendungszwecke bestimmt sei. Da eine solche Stellungnahme Washingtons von jeder bisherigen Praxis abweiche. herrsche in New York der Eindruck, daß die Entscheidung durch von Berlin kommende Einflüsse hervorgerufen wurde. Diese Meldung ist dazu angetan, im höchsten Maße s e n- s a t i o n e l l zu wirken. Die Berliner Stellen sind auch offenbar bemüht, die sensationelle Wirkung der Meldung abzuschwächen. Der Amtlich« Preußisch« Pressedienst bezeichnet die Mittettung der „Frankfurter Zeitung" kategorisch als Falschmeldung und fügt hin- zu, daß nach den an zuständiger Stelle vorllegenden Informationen kein Anhalt für die endgültige Ablehnung der Preußenanleihc vor- Härchen sei. Zwischen diesen beiden einander diametral widersprechenden Feststellungen flutet eine Unzohl von Vermutungen und Kommen- taren, ohne baß irgendeine zuständige Stelle tn Deutschland dazu eine ausreichende Aufklärung geben könnte. Eine Meldung der Kon- junkturkorrespondenz spricht dunkel davon, daß in Verlin länger« Kabclmeldungen vorliegen, deren Entzifferung noch einige Stunden in Anspruch nehmen wird. Wieder heißt es darin über „gut unterrichteten Stellen" fast noch dunkler, daß man dort weder eine glatt« Ablehnung der Anleihe in Washington annehm«, noch daß die beruhigenden Nachrichten voll zutrefsen. Es ist selbstverständlich, daß die beteiligten Regierungsstellen in Deutschland sofort volle Klarheit aus Washington oder von den amerikanischen Bankiers haben könnten, wenn sie es wollten. Man muß deshalb annehmen, daß die preußische Anleih« und da- mit der preußische Staatskredit tatsächlich auf das ernsteste gefährdet sind. Es kann sich nur noch darum handeln, welche Gründe für diese Gefährdung entscheidend wa�en. In der Anleihe selbst können sie nicht liegen. Die 30 Mil- lionen Dollar sollen anerkannt produktiven Zwecken zu- geführt werden: drei Viertel de» Anleiheerlöses sollen für Zwecke der Landeskultur, Urbarmachung von Mooren, für Siedlungskredtt« und landwirtschaftliche Meliorationen verwendet werden. Das letzt« Viertel soll für Hofenbauten verwendet werden. Beide Berwendungs. zwecke sind produktiv im besten Sinne des Wortes; sie entsprechen voll den Grundsätzen, nach denen bisher die Produktivität von öffentlichen Ausländsanleihen beurteilt worden ist. Die Beratungs- stelle hat die Anleihe genehmigt. Di« Reichsbank gibt aus- drücklich bekannt, daß auch nach ihrer Ansicht die Anleihe produktiven Charakter im Sinne der Richtlinien der Beratungsstelle habe. Die Kvedltfähigkett des preußischen Staates steht außer Zweifel. Daß dennoch die amerikanische Regierung die Auflegung der Anleihe nicht genehmigt, macht auch dann den Fall zu einer Staatsangelegenheit erster Ordnung, wenn Preußen doch noch da» Geld erhielte. Denn nicht mehr um die 30 Millionen Dollar handelt es sich, sondern um die Gründe, die die amerikanische Regierung zum Zögern gebracht haben. Da die Produktivität der Anleihe nicht im Zweifel stehen kann, kann nur noch ein Ursachenkomplex in Frag« kommen, der mit dem Retchsbankpräsidenten persönlich, dem Reporationsagenten und dem R«ich»finanzministerium zusammenhängt. Di« Stellungnahme de» Reparationsagenten zur beut- schen Fimmzwirtschast ist bekannt. Er wünscht größere Sparsamkeit auf verschiedensten Wegen und könnte auch wegen der Darüber- tragung der deutschen Reparationszahlungen in» Ausland besorgt sein. C» ist nicht anzunehmen, daß er die Reparationsleistungen Deutschland« selbst durch die Belastung des preußischen Stoatsver- mögen» mit Anleihen bedroht steht, nachdem da» Vermögen der Länder neben dem des Reiches nach dem Versoiller Vertrag für die Reparationsverpflichtungen haftet. Hinsichtlich der Trarrsferfrag« trifft sich das Interesse des Reparationsagenten mit dem Interesse des Reichsbankpräsidenten, der in erster Linie Auslandsanleihen wünscht, die auch Devisen schaffen. Der Reichsbankpräsident kümmert sich von jeher in hohem Maße um die große Politik. Trotz aller Dementis ist es keineswegs ausgeschlossen, daß der Reichsbank- prässdent, der seine Antipathie gegenüber den Ländern und Gemein. den bei der Aufnahme von Auslandsanleihen deutlich genug bisher hat erkennen lassen, auf dem Wege über den Reparctionsogenten weniger durch amtliche als durch persönliche Fühlungnahme auch auf die allgemein« deutsche Finanzpolitik Einfluß zu nehmen sucht. Da das Reichsfinanzministerium ausdrücklich erklärt hat, daß es mit dem Reparationsagenten besonder« im Hinblick aus die Bestimmungen des Versoiller Vertrage» über die Preußenanleihe keine Verhandlungen geführt hat, bleibt kein« andere Vermutung. als daß die Schwierigkeiten in Washington über den Reichs- banckpräsidenten und Parker Gilbert gehen müssen. In dieser Frage muß Klarheit geschaffen werden, sofort und um jeden Preis. Sind es Berliner Stellen, gibt es Berliner Stellen, deren Wünsche in Washington gehört und beachtet worden sind? Es können viel zu große staatspolitische und volkswirtschaftliche Inter- essen hier in Mitleidenschast gezogen werden, als daß die Reiche- regierung auch nur einen Augenblick zögern durste, v o l l st e Auf. k l ä r u n g zu schaffen. Die Ausfichten gebefiert? Ein Funkspruch aus Washington sagt, daß die Aussichten für die Preußenanleihe sich innerhalb der letzten TA Stunden erheblich gebessert haben. Im State Department wurde erklärt, nach den inzwischen eingegangenen Informationen handele es sich nicht um eine solche Anleihe, gegen die die amerikanische Regierung Bedenken erheben könnte. Man wisse hier zwar nicht, wann die Anleih« aufgelegt werde, jedenfalls sei aber von amtlicher amerikanischer Seite nicht» beabsichtigt, was eine Auslegung verzögern oder vereiteln könnte. Wester ermächtigte das Bankhaus Harris Fordes u. Co. in seiner Eigenschaft als Führer des Emissionssyndikats der Preußenanleihe den Vertreter des MTB., die Gerüchte über den Abbruch der Anleiheverhandlungen zu dementieren. Genügt es nicht? In der„Deutschen Suristenzeitung" fordert Prof. Dr. Gerland-Je na ein besonderes Gesetz zum Schutze der Richter, die er dem Reichspräsidenten(!) oder einem Mitglied der Reichsregierung strafrechtlich gleich- gestellt zu wissen wünscht.— Wegen Beleidigung des Landgerichts- direktors Bombe wurden gestern 5 Monat« Gefängnis ver- hängt. Uns scheint, daß in ihrem eigenen Chrenschutz die Richter auch ohne Spezialgesetz nicht lässig sind. Demokratie- nicht Gewalt! Die Folgerung aus dem Wiener Julidrama. Ivleu. 29. September.(Eigenbericht.) Auf dem Verbandstag der Metallarbeiter sprach Genosse Dr. Otto Bauer Lbsr die politische Lage, wobei er sich namentlich mit dem IS. Juli und seinen Folgen beschäftigte. Er führt? aus, daß die Sozialdemokratie durch die langjährige Wirtschaftskrise politisch nicht schwächer, sondern stärker geworden sei. Das Bürgertum hatte aus Angst vor den Wahlen die Einheit?- liste beschlossen, die es sonst nirgends auf der Welt zustandegebrocht hatte. Die Folge war ein Sieg der Sozialdemokratie. Dann kam der IS. Juli Was lehren uns dies« Ereignisse? Während wir auf dem Boden der Demokratie selbst in der schwersten Krise Erfolge errungen haben, erlitten wir in dein Augenblick, wo auch nur ein kleiner Teil der Arbeiterschaft sich ver- leiten ließ, die demokratischen Machtmittel zu verlassen und an die Gewalt zu appellieren,«in« Niederlage. Nun werfen uns die Kommunisten vor. daß wir Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet haben, sie sagen, die Internationale hätte uns beigestanden, wie sie ja auch in der Affäre Sacco und Vanzetti einmütig protestiert lzat. Es wäre gewiß ein Kamps auf Leben und Tod geworden: die Inter- nationale hätte protestieren können, aber dos hätte un» nicht mehr geholfen. Wir sinddemKampfeausgewichen. Das hat gewiß die Gegner ermutigt, und namentlich auch die faschistischen Stimmungen in der Bourgeoisie. Wir sehen die wachsende Kühnheit der besitzenden Klasse, wir sehen, daß sie sich stärker fühlt: es gibt auf der Gegenseite Kräfte, die nicht» sehnlicher wünschen, als die Ar- beiter zu Unbesonnenheiten zu verleiten und die Entscheidung auf einem Kampfboden zu provozieren, der ihnen als der günstigste erscheint. Der 24. April war der Sieg der Arbeiter, der IS. Juli mrt seinem kleinen Abweichen zur Gewalt war ein Rückschlag für den Sozialismus. Es wäre traurig, wenn wir nicht die Kunst auf- brächten, den Arbeitern diese Situation klarzumachen, ihnen klarzu- machen, daß wir uns nicht dort hin locken lassen dürfen, wo uns die Gegner hin haben wollen. Wir müssen den Arbeltern an dem Bei- spiel des IS. Juli klar mackum. daß nicht eine kleine Grupve von ein paar Hundert oder Tausend Leuten die ganz« Arbeiterklasse in einen Kampf verwickeln kann, der zu einer Schlappe für die gesamte Arbeiterschaft führen könnte. Wir werden in Zukunft auf politisckzem wie auch auf gewerk- schaftlichem Gebiete mehr Einheitlrchteit des Kampfes brauchen al» bisber. Die bürgerlichen Elemente und die Arbeiter müssen erkennen, daß die Gewalt uns nicht weiter bringt. Vor allem aber die Arbeiter müssen erkennen, daß wir in den nächsten Iahren die Gewalt nicht brauchen, sondern daß wir an Herz und Hirn der Menschen appellieren müssen Wir sind in der Krise vorwärts marschiert. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir jetzt, wo es wieder aufwärts geht, nicht noch mehr vorwärts kommen sollten. Der lang anhaltende Beifall des Verbandstages der größten Ge- werkschafl nach diesen Ausführungen bewies, daß die organisierte Arbeiterschaft vollkommen mit der hier gezogenen Richtschnur ein- verstanden ist._ Der Papst segnet üie Legionäre. Weil ihr Eingreifen in den Krieg die Entscheidung gebracht habe! Rom. 29. September.(Agenzia Stefan!.) Die Ansprache des P a p st e s an die Vertreter der Ainerikanischen Legion wird von dem amtlichen Organ des Heiligen Stuhls, dem „Osservatore Romano", in folgender Fassung veröffentlicht: Der Papst sei g l ü ck l i ch. sie zu sehen»nd ihnen seinen Segen zu er- teilen. Ihre Anwesenheit erinnere a» zwei sehr bedeutende Tatsachen der Weltgeschichte, an den Weltkrieg und an die entscheidende Einmischung des ganz jungen Amerika in die Angelegenheiten der Alten Welt, nickst nur mit seinen u n- ermeßlichen Hilfsmitteln, sondern auch mit viel ver- flossenem Blut und zahlreichen geopferten Menschenleben. Chamberlain-primo in Barcelona. Die ungelöste Tangerfrage. Pari», 29. September.(Eigenbericht.) Chamberlain hat am Donnerstag in Barcelona, da» er auf seiner Mittelmeerfahrt berührt hat. eine Besprechung mit dem spanischen Diktator Primo de Rivera gehabt, die>n Paris großes Interesse auslöst. Es wird vermutet, daß sich die Aussprache auf die noch immer ungelöste Tangerfrage bezog. Der spa- nische Diktator hat angeblich den lebhaften Wunsch, daß diese Frage mindesten» im Prinzip vor der Reis« de» spanischen Königs- paares nach Marokko Im Monat Oktober geregelt wird. Die Ver- Handlungen wegen Tanger sollen Ende Oktober in Pari» fortgesetzt werden. In französischen Kreisen betont man, daß England sich jeder Abänderung des Statuts vvn Tanger, durch die das Prinzip de» internationalen Regimes bedroht werden konnte, widersetzt. Der Kampf in Mittelüeutsthlanü. Die Gelbe« als Preisfechter der Unternehmer. Man schreibt ans: Das Ende des Gelbsnspuks ist gekommen. Ie Veranlassung dazu ist die Lohnbewegung, deren Wellen id) die gelben Gemüter in Eregung gebracht hat. Bisher schienen iese Leute gegen Forderungen immun zu sein, doch jetzt, wo es um essere Bezahlung in großer Not geht, wagten auch sie, ihr • ünnes Etimmchen zu erheben. Am 25. September sind die Gelben ,im Verbände der Riebeckschen Montanwerke'" in Halle zusammen gewesen und haben beratschlagt, wie man am besten— ohne den Arbeitgebern wehe zu tun— der kläglichen Existenz mit ein paar Bettelpfennigen aufhelfen kann. Die Lakaien der Zechengewaltigen müssen mit ihrer Harmonieduselei recht schlimme Erfahrungen ge- macht haben, denn sie gebärden sich plötzlich unwillig. Merk- würdigerweise hat man in jenem Lager festgestellt, daß die Berg- arbeiter bei längster Arbeitszeit und schwerer Arbeit den schlechtesten Lohn erhakten und bedauert nun, daß die— von den Gewerkschaften geführten— Lohnverhandlungen bisher erfolglos geblieben seien. Man hat weiter„festgestellt", daß die heutigen Lohn- und Dretsverhaltnisse ein menschenwürdiges Dosein nicht gestatten. Das ist nun das ganze Ergebnis jahrelanger Anhimmlung der Arbeit- geber: enttäuschte Hoffnungen auf menschlich.soziales Verständnis der Zechenherren. Natürlich wollen diese Leute, die bisher auf Befehl ihrer Direktoren die Gewerkschaften bekämpften und herunter- rissen, sich etwaige Lohnersolge derselben nicht entgehen lassen. Nur fehlt ihnen trotz der anerkannt großen Notlage der Mut, ihre Lohnwünsche selbst an der richtigen Stelle anzubringen. Sie er- warten vielmehr Hilfe durch die zuständigen Reichsinstanzen. Die Gelben ließen sich auf ihrer Tagung folgendermaßen ver- nehmen: „Der Verband(der Gelben) bringt zum Ausdruck, daß eine Lohnerhöhung dringend notwendig und nicht mehr zu umgehen ist. Der Reichswirtschaftsminister hat„aus allgemein-politischen Gründen" eine mäßige Kohlenpreis- e r h ö h u n g für das engere Revier abgelehnt, die durchaus tragbar erschien, gleichzeitig aber die schwierige Lage des Berg- baues anerkannt. Die Bergarbeiterschaft muß erwarten und ver- langen, daß der Herr Minister andere Mittel und Wege weist, die dazu führen, daß dar Bergmann mit seiner Familie zu leben vermag." Man merkt diesem„Ausdruck" ohne weiteres die gefällige Mit- Wirkung der Arbeitgeber an. Noch deutlicher wird das aber, wenn man die salzenden wörtlichen Auslassungen genau ansieht: „Da die Unternehmer selbst für eine Lohn- «rhöhung eintreten, ein« Stillegung der Werk« durch die von gewerkschaftlicher Seite propagierte Kündigung aller Arbeits- kameraden mit dem Gesamtvolksinteresse unvereinbar ist, lehnt der Verband der Knappenoereine, der auf dem Boden der Werkstreue und eines verständnisvollen Ausgleiches mit den Unternehmern stcht, diese Maßnahme a b." Die„Werkstreuen" sollen der Schutzwall der Arbeitgeber gegen die berechtigten Forderungen der Gewerkschaften sein. Gerade jetzt, wo den Unternehmern das Messer an der Kehle sitzt, haben sie auf gute Berzinsung der Derdummungsgelder gehofft. Jetzt soll aber zu bitterer Not und Verdununung auch noch die Verhöhnung kom- men. Die Gelben sollen von den Unternehmern hintenherum zur Propaganda für die K o h l e n p r e i s e r h ö h u n g benutzt werden. Ja, die Leute, denen der Streitbruch„im wohl- verstandenen Bolkswirtschastsinteresse" von ihren Arbeitgeberführern als höchstes Prinzip, um den Profit vor Erschütterungen zu bewahren. anerzogen ist, dürfen zur Erzielung höherer kohlenpreise sogar streiken. Und die Gelben wollen streiten. Als der so- genannte Obergelbe des Oberröblinger Reviers gefragt wurde, was aus der Tagung in Halle beschlossen sei, erwiderte er verschmitzt: „Mer dürfen streiken." Wenn die Gewerkschaften zur Beseitigung elender Löhne zum Kamps rüsten, dann rufen die Arbeitgeber nach Polizei— Ausnahmezustand— Ausnahmegesetzen. Handett es sich aber u m d e n Profit, dann dürfen sogar die Gelben„revoltieren". Ihre währe Absicht ergibt sich ganz unzweideutig aus den Schlußsätzen des Aufrufs jener Gelbenkonferenz. Es heißt da weiter: „Der Verband der Knappenvereine ruft sein« Mitglieder auf, getreu seinen Grundsätzen für die Erhaltung und Sicherung der Arbeitsstätten und gleichberechtigten verständnisvollen Ausgleich ein- zutreten, die Arbeit fortzusetzen und gemeinsam mit der Wirtschaft und den Unternehmern den Weg für die Durchführung der berechtigten Lohnerhöhung zu gehen. Sollt« dieser Weg nicht zum Erfolg führen, dann würde der Verband der Knappenvereine es bedauern, wenn die Lohndifferenzen im mitteldeutschen Bergbau zum Streik führen sollten. Der Streik wird sich als das letzte Mittel nicht gegen die Unternehmer richten-, es verbleibt dem Bergarbeiter aber letzten Endes keine andere Hilfe. Der Verband lehnt in diesem Falle die Verantwortung für die damit verbundene Erschütterung weiter Wirt- schaftskreise ab. Reichswirtschastsministerium und Reichsarbeits- Ministerium haben das Wort und die Verantwortung für die Volks- gesamtheit." Hier ist also in aller Offenhett erklärt, daß die Gelben nicht für Erreichung besierer Löhn« die Unternehmer— wohl aber zur Er- zieluna höherer Kohlenpreise die Reichsbehörden bestreiken dürfen. Ein köstliches Bild: Arbeitgeber und Gelbe Arm in Arm im Streike gegen die Reichsregierung für die Arbeitgeber— gegen die Berg- arbeiter—. Aber die Bergarbeiter werden sich weder«infangen lassen von den Unternehmern, noch sich durch diese Komödie beirren lassen. De? Deutsche Bergarbeiterverbond hat deshalb bereits von seinen depo- nierten Kgssenbeständen 2K Millionen Mark gekündigt und gleich- zeitig die Verdoppelung der velträge beschlossen. Es Handell sich hier um keine Spiegelfechterei der Gelben. Die Bergarbeiter rüsten zum Kampf. Riefenkunögebong der Eisenbahner. Die Löhne müssen erhöht werde«. Die Berliner Eisenbahner protestierten gestern abend in Erbes Festsälen gegen das halsstarrige Verhallen der Reichsbahn in der Frage der Lohnverhandlungen. Bereits nach 7 Uhr war der große Saal derartig überfüllt, daß er polizeilich geschlossen werden mußt«. Aber auch der kleine Saal, der im Nu überfüllt wurde, mußt« gleichfalls polizeilich geschlossen werden. Di« immer noch herbeiströmenden Massen füllten den geräumigen Hof und die Durchfahrt und die Straßen der Hasenheid«. Eine solch gewollig« Kundgebung hat Berlin seit Jahren nicht gesehen. Die Referenten wiesen in ihren Reden nicht nur auf die Not und das Elend der Eisenbahnarbeiter hm, sondern fanden stürmische Zustimmung, als sie das Ausbeutungssystem der Gc- s e l l s ch a f t geißelten. Arbeitszeiten von zehn und zwölf Stunden pro Tag sind kein« Seltenhellen, sondern sind zur st ä n d i g e n E i nr i ch t u n g im Eisenbahnbetrieb geworden. Die Unfall- und Krankheitsziffern sind in der letzten Zeit katastrophal gestiegen. Daß dadurch die Betriebssicherheit nicht mehr voll gewährleistet ist, liegt aus der Hand. Stürmisch« Zustimmung fand Genosse Jahn vom Einhellsverband der Eisenbahner, al» er darauf hinwies, daß ihm einmal ein Eisenbahner vor ganz kurzer Zell sagte, wenn diese Arbeitsweise, wie sie jetzt bei der Deutschen Reichsbahn beliebt wird, noch einig« Jahr« anhält, dann darf man sich nicht wundern, wenn aus dem deutschen Reichsbahnbetrieb ein Irrenhaus wird. Di« Reichsbahndirektion und der Derwallungsrat werden doch selbst nicht glauben wollen, daß ein« Pfennig- Lohn zu läge, die im Frühjahr durch Schiedsspruch festgelegt worden war, heut« noch als ausreichend angesehen werden kann. Wenn sie nur die Ausgaben für die Teno und die zur Korruptton führenden Leistungszulagen beseitigen würde, wären schon einige Millionen pro Jahr für Lohnerhöhungen frei. In sellener Einmütigkeit bewegte sich die Diskussion im Sinn« der Referenten. Di« Reichsbahndirektton wird nicht umhin können. die berechttgten Forderungen der Arbeiter anzuerkennen, wenn sie nicht Gefahr laufen will, ihr Unternehmen einer schweren Er- schütter ung auszusetzen. Streikbeschluß der Putzer. Den Streik beginnt Sonnabend frnih. Die Berliner Putzer hatten bekanntlich zum.30. ihren Tarifvertrag gekündigt, um endlich mll den bisherigen Bs» stimmungen. wonach der größte Test der Putzarbeiter der freie« Vereinbarung untersiegt, zu brechen. Die Fachgruppen- leitung hatte den Unternehmern einen Tarifentwurf unter- brellet, der für alle vorkommenden Arbeiten feste Akkord- preise vorsah, der aber in den Verhandlungen von den Unter- nehmern als völlig undiskutabel abgelehnt worden war. Die Unternehmer hatten im Gegenteil einen eigenen Entwurf aus- gearbeitet, der in vielen Punkten sogar eine wesentliche Verschlechterung gegenüber der bisherigen Regelung enthielt. Da sämtliche Verhandlungen mit den Unternehmern ergebnis» los versiefen, hatte die letzt« Branchenversammlung der Putzer die Fachgruppenleitung beauftragt, alle Dorbereitungen für einen Streit zu treffen und, wenn inzwischen die Unternehmer nicht ihre Auffassung noch gründlich revidieren sollten, in einer neuen Ver- sammlung eine Streikabstimmung vorzunehmen. Die zu gestern abend nach den Residenzfestsälen einberufene und stark überfüllte Versammlung der im Baugewerksbund organi- sierten Putzer beschloß nach einer ausgiebigen Debatte in geheimer Absttmmung fast einstimmig, am Sonnabend früh überall dort die Arbeit niederzulegen, wo ihre Forderungen nicht restlos bewilligt werden. Der Fachgruppenleiter Genosse Lehnig teilt« zum Schluß der Versammlung noch mit, daß auch alle von Dachdeckern und Maurern auf Lellergerüsten ausgeführten Putzarbeiten am 1. Oktober eingestellt werden müssen, wenn die Forderungen nicht bewilligt werden. Streikabstimmuog in öer 5ahrstuhlinöustrie. Die Monteure und Helfer der Groß-Berliner Fahrstuhl- und Aufzugbstriebe hatten in einer ihrer letzten Branchenversammlungen beschlossen, in allen Betrieben die Erhöhung sämtlicher bestehender Löhne um lS Pf. pro Stunde zu fordern. In den betrieblichen Verhandlungen macht««in Teil der Firmen gar keine Zugeständnisse, andere dagegen waren nur zu einer ollgemeinen Lohnzulag« von S Pf. pro Stunde bereit. Obwohl in allen Betrieben zurzeit eine geradezu glänzende Konjunktur herrscht, wurde von den Firmen fast übereinstimmend erklärt, daß die augenblickliche Geschäftslage ein« größere Lohnerhöhung unmöglich mache. Bei den Firmen. die dem Verband Berliner Metallindustrieller angeschlossen sind, wurden die Verhandlungen noch einmal vor dem LBMI. aufge- nommen. Auch hier gingen die Unternehmer über ihr in den Bs- trieben gemachtes Angebot von 5 Pf. Lohnzulage pro Stunde nicht hinaus. Infolge dieses völlig unbegründeten ablehnenden Stand- Punktes beschloß die zu gestern abend nach den Sophiensälen ein- berufen« Versammlung der Monteure und Helfer der Fahrstuhl- und Aufzugbranche einstimmig dos Angebot abzulehnen und am Freitag und Sonnabend in den Betriehen ein« Urabstim- in u n g durchzufahren. Das Abstimmungsergebnis der einzelnen Betriebe muß bis Sonnabend nachmittag 2 Uhr im Bureau des Metallarbeiterverbandes abgeliefert sein. Wenn die Abstimmung den Streikbeschluß ergibt, woran nach der Stimmung der Ver- sammlung kaum noch zu zweifeln ist. wird in allen Berliner Fah» stuhl- und Aufzugsbetrieben, mit Ausnahme derjenigen Betriebe. die noch die Forderungen restlos anerkennen sollten, dl« Arbeit von den Monteuren und Helfern am Montag nicht mehr auf- genommen werden. Frei«»«w«rkschast,iugc»d St-ß.Berli». finrtt, Freitag, l&A Uhr, tagen die Gruppen: ittmannplak: Bruppenheim Jugendheim Sanderstr. ix. Ecke Hobrcchtltrabe. Ein litcrarischcr Äbend:.Au« Jack London« Leben und seinen Werken.-'—«chSalxeld«: Gruppcnheim Jugendheim Laufen« Sit, 2 fZioter SaaN. Vortrag:.Demerkschasten und Wirtschaft.-'— Sedding: Gruppe nheim Stattbad Wedding, S«lih!str. W— 69. Hosemonn winselt mit feine Laute.— Rordring: Gruppenheim Jugendheim Sberswaider Str. 10, Zimmer 12. Litera» rifcher Äbeitd:.Bruno Schönlank."— Zeppciinplotz: Gruppenheim Stödt. Zugendheim Turiner, Ecke Ecestraße. Vortrag:„Serualprobleme.-'— Aoablt: Spielen auf der Vogelmiese. Tressen 12 Uhr Bhf. Veusselstrahe. Zngradgrnppe de, ZdA. Heute, Freitag, ISH Uhr, finden folgende V«. anftalwngen statt: Lichtenberg: Gesangsraum des Realgpmnastum» Pariaue 12. Vortrag:.D« Lehrling im Beruf"(Hans graut).— Südwest: Jugendheim Belle-Ällianee-Str. 7—10. Vortrag: �karifverträge"(Wachate). Verantwortlich für Politik: Slichard Bernstein; Wirtschaft:».»lingelhöser: Gewerkschaftsbewegnng: 3. Stein«: Feuilleton: Dr. John Zchilawslii Laiale« und Sonstige»: Arist jiarstädt: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Velin. Verlag: Vorwärts-Verlag®. m, d H.. Berlin. Druck: Vorwä rt».Buchdrucke ret und Verlagoanftal» Paul Sing« n Ca. Berlin Sffl 68. Lindenstrahe 3. Hierzu 3 Beilagen..Stadtbeilage- und.Unterhaltung und Wissen". WERTHEIM preise soweit Vorrat; Fleisch, Fische, Obst u. Gemüse werden nicht zugesandt Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust.. n�d 83 rt Kalbsnierenbraten...Ph»d96pt Schweinebauch££DU1*'B>p£d 94 n Schweinekamm 98 n Hammelvorderfleisch n** von. Hammelrttcfcen....... rft»d t«« Querrippe............ rw-d 80 rt Schmorfleisch«—«>«•"»«»»j*» 1,« Kaßler, Speer u. Kamm iw 1„ Gehacktes rut 80 rt Liesen rd 60rt Fische Schellfische............««.d 12 rt Makrelen ruchert.P!d 45 Pf. .. Pfund 35 B. 45p/. Rotbarse ttrBudi. Pfd 45 Pf. Schellfische»«•„ Pfd. 45 Pf. Spickaale 2.45 f» 48 Pf. tU/ene MstenJ_ Suppenhühner____ j*.«* 90 p/. Tauben.... srack 75"f m Mastenten•«««. Pfd. 1.30»>> Gänse..... Pfund 1 M ,n Wildenten«ref«. s». 2.85«« Junge Hühner Pfd. 125«n Hirschblätter Pfund 80 Pt Gebrannt. Kaifee Konvam-nudi�pn. Haushalt-Misch. Pfund 2.60 Qlobus-Misch. Pwnd 3.80 Sonder-Misch. Pfund 3 m Residenz-Misch. Pfund 4.20 Olympia-Misch. Pfund 3.40 Elite-Mischung Pfund 4.50 Konserven � Pflaumen....... 66 pi. Stachelbeeren.... 94 Pt Birnen holbe Frucht.• 98 Pf. Ananas Nav-II. 5 Scheiden 1.30 Würstchen 5 Paar.. 95Pt Rindergulasch.... 1.60 Oelsardinen v..... KIuNIom 4oPf D 7örweisen, daß sie imstande sind, billiger zu bauen. Die Borlage wurde gcaen die Stimmen der kommunistischen Fraktion angenommen.— Bei einer Vorlage betr. Verbesserungen des Straßenverkehrs be- mangelte Genosse Dratwa, daß immernoch nicht mit der Durch- lequng der Bahn durch die Virnholn-er Straße begonnen ist. Gen. Stadtrat Weber bemerkt hierzu, daß dieser Bau im Vguprogramm für 1927 von der Straßenbahngesellschaft vorgesehen sei; vom Bezirksamt sei alles geschehen, um die Sache zu fördern. Einer Vor- läge, die dem Verein Kinderheim Prenzlauer Berg E. V. gehörenden Einrichtungen, das Heim für Mutter undKind, Schön- b a ll s c r A I l e 15 2, den F r e i l u f l k i n d e r g a r t« n. Danziger Straße 62, und de» Freiliittkinder Nörten im Anibulatorium Eberswaider Straße unentgsitlich in die Verwal- tung des Bezirks zu übernehmen, wurde zugestimmt. Hierzu ersuchte Genosse Kreutziger, planmäßig daran zu arbeiten, daß alle Kindergärten in städtisch« Verwaltung kommen: jede Doppelschule müsse mit einem Kindergarten versehen sein. 6. Bezirk— Sreuzderg. In.der ersten Sitzung noch den Ferien wurden die Genossen Bartelmann upt�Wilhelm"Schmidt als Bezirksverordnete eingeführt. Bei der Abstimmung über die Vorlage zur Einrichtung eines Kindergartens im Fabrikgebäude, Porckstraße, gaben die Deutschnationalen ihre in den vorangehenden Sitzungen durch- geführte Obstruktion auf, so daß ein st immige Annahme er- folgte. Um so mehr richtete sich das Interesse der Deutschnationalen auf den nächsten Punkt. Sie verlangten nämlich, daß das Bezirks- amt dem Kirchenrat der Christusgemeinde die Genehmigung zur Abhaltung von Gottesdiensten auf dem Äreuzberg wie in früheren Iahren erteilen solle. Bei dem dort zur Verfügung stehenden über- aus beschränkten Raum sind früher während der Andachten häusig Streitereien mit Andersdenkenden, die Erholung suchten, vor- gekommen. Mit großem Redeaufwand und nicht minder großem Zynismus spielte sich Herr Pfarrer Koch als Hüter der Ver- fassung auf und verlangte unter Berufung auf Artikel 133 die Aus- nahmestellung für die Christusgemeinde. Genosse Dr. Herz wies jedoch nach, daß die Bezirksverwaltung in keiner Weise die Ge- wissens- und Glaubensfreiheit antaste, aber Rücksichten aus das Gelände und die Absicht, alle Staatsbürger gleich zu behandeln, rechtfertigen die Maßnahmen des zuständigen Gartenamts. Sehr wirkungsvoll betonte Genossin Lisbeth Meyer, daß die Christus- gemeinde kein Recht habe, von Verletzung der Gewissensfreiheit zu reden, denn sie halten uneheliche Kinder vom Besuch ihrer Krippe fern. Man solle erst Menschenliebe üben, bevor man sich über andere beklage. Die Bezirksoersammlung entschied sich mit Mehrheit für den Standpunkt des Bezirksamts, die Abhaltung des Gottes- dienstes auf dem Kreuzberg nicht zu gestatten, worauf Deutsch- nationale und Volksparteiler den Saal verließen. Zur Behebung der Verkehrsnöte am Halleschen Tor und Blllcherplatz liefen— wie wir bereits Ende August d. I. ausführlich berichteten— mehrere Projekte der zentralen Tiefbaudeputation sowie des Be- zirksbauamtes vor. Diese Pläne gipfeln in der Hauptsache in einer bedeutenden Verbreiterung der Belle-Alliance- Brücke. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, daß der Borschlag der Zentrale die be-den Torgebäude entfernen, während die Bezirksverwaltung sie erhalten möchte. Die Bezirksoersammlung entschied sich im Prinzip für die Erhaltung der Torgebäude. Ein Dringlichkeitsantrag unserer Fraktion verlangt die Entfernung der Gleisanlagen in der Dieffenbach-, Grimm-, Schönlein- und Urban- straße. Die Ausschachtungsarbeiten für die Untergrundbahn in der Gegend des Hermannplatzes sind beendet und noch immer fahren die Kleinbahnzllge zum Leidwesen der Bewohner dieser Straßen. Eine Privatfirma fährt dort die Erdmassen aus dem Schacht des Warenhauses am Hermannplotz ab, ohne daß eine Genehmigung des Bezirksamtes eingeholt wurde. Der Antrag auf Beseitigung dieser Anlage fand einstimmige Annahme. 9. Bezirk— Wilmersdorf. Die letzte Zehlendorfer Bezirksversammlung am vergangenen! Mittwoch hatte sich mit einem deutschnotionalen und deurschoolls- parteilichen Antrag« zu beschäftigen, in dem die Bezirksoersammlung ersucht wurde, anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten das vor einiger Zeit eröffnete neue Zehlendorfer Krankenhaus ,�)indenburg-Krankenhaus" zu benennen. Zu diesem Antrag hatten unsere Genossen den Zusatzantrag gestellt, gleichzeitig zu beschließen, die in Vorbereitung befindliche neue Städtische Schule in Zehlendorf„F r i e d r i ch- E b e r t- S ch u l«" zu nennen. Dieser Antrag wurde mit zehn gegen fünf Stimmen abgelehnt, und der ursprüngliche Antrag mit zwölf Stimmen gegen die drei Stimmen unserer Genossen angenommen. Aus Achtung vor dem Amte und im Hinblick auf das ehrwürdige Alter des Reichspräsidenten versagten es sich unsere Genossen, eine unerquickliche Debatte herbeizuführen, obwohl hierzu vieles zu sagen gewesen wäre. Es ist aber be- zeichnend, daß die Rücksicht, die unsere Genosien jetzt dem Reichs- Präsidenten erwiesen, von dessen eigenen Anhängern außer acht ge- lassen wurde, denn Hindenburgs rechte Hand, Staatssekretär Dr. Meißner, hatte auf eine Anfrage des demokratischen Be- zirksverordneten Dr. Eckstein, um Stellungnahme des Heren Reichs- Präsidenten gebeten, brieflich wörtlich erklärt, daß seines Erachtens der Reichspräsident gegen ein« solche Ehrung seines ver- storbenen Amtsvorgängers nicht das Geringste einzuwenden haben würde. Der Demokrat Dr. E ck st e i n sagte treffend, daß die Deutschnationalen hier wieder einmal päpst- licher waren als der Papst. Sie haben zwar nichts für Ebert übrig. aber sie achten auch nicht die Ueberzeugung ihres Hindenburg, spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Unsere Fraktion hat beschlosien, in der nächsten Bezirksversawmlung den Antrag zu stellen, den im Zehlendorfer Südgelände gelegenen städtischen Schweizerpark den Namen„Friedrich-Ebert-Parl" zu geben. 13. Bezirk— Tempelhof. Die erste Be.zirksoersammlung nach den Ferien löste wegen der reichhaltigen Tagesordnung allgemeines Interesse aus. Ein Antrag der KPD über die Erweiterung des Tempelhoker Flughafens rief eine lebhafte Diskussion hervor. Der Redner der KPD. wies darauf hin, daß die geplante Erweiterung wiederum eine Menge Klein- gärtner verdrängen solle. Der Redner unserer Fraktion betonte nachdrücklich, daß die Kleingärtner ihre gan.zen Ersparnisse aufge- braucht hätten, um den vom Bezirksamt gemachten Ansprüchen gerecht zu werden. In der lioffnung, eine Dauerkolonie zu be- arbeiten, haben sie nicht Mühe und Geld gescheut, um etwas wirklich Gutes zu schaffen. Die bürgerlichen Fraktionen verlangten durch «inen Zusatzantrag die Einsetzung eines Ausschusses, der mit Sach- verständigen beraten solle, ob die geplante Erweiterung notwendig sei. Das wurde abgelehnt. Angenommen wurde gegen die Stim- men der Büraerlichen der Antrag der KPD. Einstimmig wurde ein Antrag der Mitte über die Vereinheitlichung des elektrischen Strom- Preises für Berlin angenommen. Sozialiftifcke flrbeiterf'ugenü Groß-9erlin. heule. Freitag. 30. September. Sillgirri, der TAI. Heute ISZ� Uhr Echufaula Boddinstraie. werbefeiern für die Schulentlassenen! Parteigenosse», unterstütt diese Feiern! SiStenberg-Roed,-Mitte nnd-Dest: Feier in der Aula de, Resorni. Gnmnasium-, Partaue. Eintritt zo Pf. Motto der Feier:„Wir wollen, daß die Arbeit Freude werde." NeulrNn I, u. III: Walther-Rathenau-Schul«, Boddin strafte,«in. tritt 30 Pf. Musik, Gesang, Rezitation, Sprechchor, Ansprach«. Mit. wirkende: Singkrei» der SAI. Neukölln IV, V, VI: Aula de» Albrecht-Dürer-Realgymnastums, «mser Straße. Eintritt 30 Pf. Musik, Gesang, Sprechchor, An- spra»-. Mitwirkende: Ehor der Jungen. Werbebczirt Wedding! Aula der SOl. Gemeindes-tml-, Llltticher Straße tö-tS. Eintritt 40 Pf. Gesang, Schattenspiele, Sprechchor, Ansprache. J-H-4-s i I I I fei ildenferstr. 21. Diskussion:„Tageovolitische Fragen."— Str. 13—19. Dortrag:„Da, junge Deutschland."— Frank. laer Str. IllZ— 103. Portraa:„Die Stellung de, Jugend. Moabit I: Waldenferstr. Moabit II: Lehrter Str. snrter«iertrl: Rigaer____..._________...._-» lichcn im Betriebe."— Stealaner Viertel: Goßlerstr. 31. Bortrag:„Sexuelle Fragen."— ssottbusser Tor: Reichenderger Str. 33. Portrgg:„Bursche und Mädel in der TAI."— Treptow: Elscnstr. 3.„Die Stellung der Frau in und»ur Gescllslbast."—«ohnedors: Besuch der Abt. Adlcrshof. Treffpunkt 19 Uhr Bhf. Grünau.— Brig: Beteiligung an der Werbcseier Emscr Straßk. Treffen 19 Uhr im Heim.— Weißensee: Parkstr. 33. Mitgliederoersamm- lung.— Sesnudbrunaen: Beteiligung an der Wcrbcfeier Lilttichcr Straß«. Wie Oyspeptiker wieder gesund werden können. Ein promptes, leichtes Verfahren. In neun von zehn Fällen können dyspeptische Personen, die an Verdauuncisbcschwerden, Säure, Sodbrennen oder Blähung leiden, soforiige Linderung finden, wenn sie einen halben Kaffeelöffel Biserirtes Matznesia Pulver oder zwei bis drei Tabletten in etwas Wasser nehmen, sowohl noch dem Essen als auch wenn sie Schmerzen verspüren. Dies neutralisiert prompt und schnell den Säureüberschuß. beseitigt übermäßig« Gärung und stellt schmerzlose normale Verdauunq wieder her. Kausen Sie noch heute ein« Packung Biserirte Magnesia zu M. 1.50 in Ihrer Apotheke. Befolgen Sie Gebrauchsanweisung, und Ihre Derdauungsbeschwerden werden bald behoben sein. Wichtig! hüten Sie sich vor Nachahmungen nnd bestehen Sie daraus, nur die echte Biserirte Magnesia zu erhalten, die den Namen Bismag Ltd. London trägt. 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September haben wir in Deutschland neue Zündholzsyndikats- preise und neue Syndikatsbedingungen. Beide sind selbstver- ständlich profitliche Angelegenheiten, denn Geschäft ist keine mora- tische Anstalt und kein Wohltätigkeitsinstitut. Da die neuen Syndikatsbedingungea bisher noch nicht öffentlich bekannt geworden sind, seien sie nach- folgend abgedruckt: 1. Der Verkauf von Zündhölzern durch unser« Derkaufsob- teilungen erfolgt nur an Großabnehmer, deren Bedarf im Laufe eines Jahres zirka 20 Kisten übersteigt. 2. Unsere Abnehmer dürfen unser« Erzeugnisse nur auf dem deutschen Inlandsmarkt verkaufen: jede Ausfuhr von Zündhölzern bedarf unserer besonderen Genehmigung. 3. Die von uns festgesetzten Preise dürfen beim Berkauf in »nferen Originalpaketen nicht überschritten werden: ebenso müssen unsere sonstigen allgemeinen Bedingungen genau innere- halten werden. 4. Abweichungen von unseren Bedingungen behalten wir uns in Sonderfällen ausdrücklich vor. 5. Unsere Großhändler dürfen an Firmen, die wir ihnen bezeichnet haben, und an solche, die wir ihnen etwa noch bezeichnen werden, so lange unsere Erzeugnisse nicht verkaufen oder ver- kaufen lassen, bis die Lieferung von uns wieder freigegeben wird. Der Ausschluß von der Belieferung ist vorgesehen für Firmen, deren Geschäftsgebaren den Gepflogenheiten eines ordent- lichen Kaufmannes nicht entspricht. 6. Wir sind jederzeit zur Abänderung unserer Derkaufsbe- dingunoen berechtigt. Diese Bedingungen machen die Abnehmer des Syndikats boykotlhörig. Wer es wagt, die Bedingungen nicht anzuerkennen, kann fein Ge- fchäft schließen, denn er bekommt vom Syndikat keine Zündhölzer geliefert! Dieser Fall ist praktisch schon eingetreten. Das sind die „Gepflogenheiten des ordentlichen Kaufmannes�, die vom Syndikat unter staatlichem Schutz heute gegenüber dem Handel angewandt werden! Das Zündholzsyudikat will aber auch mehr verdieaeu. Deswegen hat es mit Genehmigung des Kommissars des Reichs. wirtschostsministeriums beschlossen und verkündet, daß es nur noch zwei Sorten Zündhölzer herstelle und verkaufe. Die so- genannte Haushaltssorte ist den Detaillisten mit 220 M. für 1000 Pakete vom Großhandel zu verkaufen, die andere Sorte für 285 M. Die Großhändler bekamen bisher die Zündhölzer im günstigsten Fall« vom Syndikats ü.r.lv AM. Jetzt verlangt das Syndikat von ehnen 198 M. Das ist ein Ralianalisierungserfolg! Wenn das Syndikat in Zukunft die Hälfte feiner Produktion als sogenannte billige Hölzer verlaust, verdient es jährlich eine halbe Million Mark mehr als bisher. Dies« halbe Million war bisher Gewinn der Großhändler. Das Syndikat gestattet aber auch, daß die gewöhnlichen Zündhölzer in Zukunft vom Detoillisten zu einem niedrigeren Preise als 25 Pf. für das Paket verkauft werden. Das Geschäft des Syndikats liegt bei den billigen Hölzern also darin, daß es durch.eine Erhöhung seiner Preis« dem Groß- und Kleinhandel den Gewinn wegfteuert, diese zugleich gegenein- ander hetzt und sich gegenseitig aufsressen läßt. Das Syndikat hat aber noch weiterreichende Pläne: sie geben erst den Einblick in dos eigentliche Geschäft, das beabsichtigt ist. Wenn nämlich die Großhändler und die Zkleinhändler statt der sogenannten billigen Hölzer die ander« Sorte, die mindestens 35 Pfennig für das Paket kostet, und nicht unter, aber über diesen Preis verkauft werden dürfen, den Konsumenten aufdrängen, dann können sie auch in Zukunft noch verdienen. Dos Syndikat liefert die„beste- ren" Hölzer im günstigsten Falle für 244 M., der Großhandel hat sie an den Kleinhandel für 285 M.(immer für 1000 Pakete) zu ver- kaufen. Dieser muß mindestens für das Paket 35 Pfennig, also für die Kiste, mit 1000 Paketen gerechnet, 350 M. vom Konsumenten nehmen. Die Folge« für die Konsumenten. Wer glaubt nun daran, daß die Händler lieber dos billige statt des teueren Zündholzes verkaufen werden? Bei der billigen Quoli- tät nimmt das Syndikat dem Groß- und Kleinhandel durch einen höheren Preis den Reingewinn so gut wie völlig weg, beim anderen Zündholz wird der Handel rund 20 bis 40 M. an der Kiste verdienen. Das ist die P r e i s v e r b i l l i g u n g, das ist das moralisch« Geschäft, das jetzt vom Zllndholzfyndikat durchgeführt wird!. Dazu kommt, daß Fachleute und im übrigen auch die bürger- liche Handelspresse(z. B. das„Berliner Tageblatt") übereinstimmend annehmen, daß der Unterschied zwischen dem„Haushaltszündholz" und der.Sonderqualität" im wesentlichen nur im Etikett bestehe. Nach dem Zündholzgesetz(zweiter Absatz des§ 9) steht dem Reichswirtfchoftsminister das Recht und damit auch die Pflicht zu,.Zündholzpreis« zu beanstanden oder herabzusetzen, die in ooltswirtschaftlich nicht gerechtfertigter Weise gesteigert oder hoch- gehalten werden". Wir fragen: Hot der Vertreter des Reichs- w i r t s ch a f t s m i u i ft e r s in der entscheidenden Syndikatssitzung jener unmoralischen Preispolitik zugestimmt, obwohl er sie durchschaut«? Dos scheint uns undenkbar. Deswegen ist anzunehmen, daß der Reichswirtschaftsminister nunmehr die in jener Sitzung beschlossenen Bedingungen nachprüft. Das ist um so notwendiger, als das Syndikat bei seinen geschäftlichen Verhand- lungen opponierenden Händlern gegenüber ständig betont darauf hinweist, daß die neuen Preise„genehmigt" seien. Es ist un- bedingt notwendig, daß das Reichswirtschaftsministerium seine authentisch« Meinung über die neuen Zllndholzpreise der Oeffentlich- keit selbst mitteilt. Im übrigen ist damit zu rechnen, daß im Reichstag zu dieser Frage ebenfalls noch Stellung genommen wird, denn hier handelt es sich um ein staatlich geschütztes Privat- syndikat, das nur dann erträglich ist, wenn seine Preise unter öffentlich-wirtschaftlichen Gesichtspunkten gestaltet werden. Im übrigen nehmen wir an, daß die Mittelständler, die dem Zündholz- sperrgesetz im Reichstag zugestimmt haben, sich die Syndikatspolitik etwas anders vorgestellt haben, als sie jetzt aussieht. Kurt He i n i g. Polens fimerika-?lnleihe wieüer gescheitert. Grosie l?nttäuschung in Polen.— Die Unterhändler noch nicht abgereist. Die polnrsche Wirtschaft und der xolnjsche. Staat, die Auslands- anleihen fö notwendig haben wie das tägliche'Brot und für die eine Stabilisierungsanleihe für Budget und Währung die internationalen Kapitalmärkte erst öffnen kann, haben mit ihren Bemühungen wenig Glück. Die Verhandlungen über die Stäbilisierungs- anleihe, von deren Gelingen die Durchführung des polnischen Finanz- planes abhängt, mußten in diesem Frühjahr schon einmal abge- brachen werden. Der damals sehr beunruhigten polnischen Ocfsent- lichkeit wurde versprochen, daß die Anleihe mit aller Bestimmtheit in diesem Herbst zustandekommen würde. Aber auch die neuen Verhandlungen sind jetzt gescheitert. Als Grund wird angegeben, daß die amerikanischen Bankiers einen so niedrigen Begebungskurs und eine» so hohen Einlösungskurs ver- langt hätten, daß das Ansehen des polnischen Staates und der polnische Kredit dadurch leiden würden. Naturgemäß ist die polnische Regierung darüber in großer Verlegenheit. Vielleicht darf man an- nehmen, daß schon der Hinweis auf den Begebungskurs und das polnische Ansehen den Mißerfolg bemänteln sollen. Ilm die Oesfentlichkeit weiter zu beruhigen, versichert die Regierung, daß sie trotz des Scheiterns der Verhandlungen die bekanntgegebenen Grund- sätze ihres Stabilisierungsplanes durchführen will, soweit nur die vorhandenen Mittel dazu ausreichen. Der Wortlaut der Regierungserklärung läßt auf ein endgültiges Scheitern der Verhandlungen schließen. Im Widerspruch dazu steht die Meldung, daß die Vertreter der amerikanischen Banken Warschau nicht verlassen haben, sondern mit der polnischen Regierung noch einmal über die Anleihebedingungen verhandeln wollen. Für Polen erfreulich wäre es, wenn der polnische Minister- Präsident mit seiner Bemerkung gegenüber Slussragern recht hätte, daß sich„ein Mann mit seiner geschiedenen Frau auch wieder ver- einigen" könne. Angesichts der schlechthin entscheidenden Bedeutung des Anleiheabschlusses für Polen wäre es zu wünschen, daß es sich wirklich nur um eine Unterbrechung der Verhandlungen handele. Neue Sabotage der Handelsvertragsverhandlungen? Die Warschauer Presse hat in den letzten Tagen darauf hin- gewiesen, daß die deutsch-polnischen Handclsvcr- tragsverhandlungen abermals an einem toten Punkt angelangt sind, da der deutsche Gesandte in Warschau. Rauscher. ohne Informationen seiner Regierung ist. Wahrscheinlich hat die polnische Presse mit ihrer Behauptung, daß für die Stockungen der Verhandlungen Deutschland verantwortlich ist, recht. Nachdem der Niedcrlassungsvertrag zwischen Polen und Deutschland zustande- gekommen ist, war es Sache der deutschen Reichsregierung, die Verhandlungen über die Fragen des eigentlichen Handelsvertrages, insbesondere über die Tariffragen, einzuleiten. Das ist nicht geschehen. Die deutsche Regierung entschuldigt sich mit dem Hin- weis, daß die deutsch-polnischen Handelsfragen zwischen Strcsemann und dem polnischen Llußenminister Zaleski in Genf besprochen werden sollten. Da eine Zusammenkunst zwischen Stresemann und Zaleski in Genf aber nicht zustandcgekommen ist, hätten keine Informationen an Rauscher in Warschau gegeben werden können. Das ist«ine Ausrede, und zwar eine sehr schlechte. Wenn dos gegenwärtige Reichskabinett wirklich den Wunsch hat, die deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen einzuleiten, hätten sich Mittel und Wege dafür finden lassen. Das haben die d e u t s ch o n Gewerkschaften aller Richtungen dem Reichswirt- Ichostsminister, soweit wir informiert sind, schon vor gut 14 Tagen bescheinigt. Jedenfalls ist die Zurückhaltung der Berliner Regierung wieder auf den Druck des großagrarische» Reichs- landbundes zurückzuführen, der sich durch die deutschnationolcn Minister im Reichskabinett unheilvoll geltend macht. In erster Linie fühlte sich der Reichsernährungsminister Schiele dazu berufen, den Handelskrieg zwischen Polen und Deutschland zu- gunsten der deutschen Großagrarier zu verewigen. Das vorige Kabinett war bereit, den Polen hinsichtlich der Einfuhr von Kartoffeln und Schweinen Zugeständnisse zu machen. Mit diesen Konzessionen hätte man die Verhandlungen in Fluß gebracht. Dabei sahen die Zugeständnisse Einsuhrmengen vor, die unserem Kartofselbau und unserer Schweinezucht nicht geschadet hätten. Das jetzige Kabinett steht aber diesen Konzessionen o b- lehnend gegenüber. Das ist Schieles und der Rxichslandbund- führer Werk, die ohne Rücksicht aus die allgemeinen Interessen nur das P r oi y i n t e r e(s e b e r Großagrarier im Äkge haben. Die Deutschnationalen im gegenwärtigen Reichskabinett kommen dem deutschen Volke teuer zu stehenf Neue Anträge auf kohlenpreiserhöhun� Versuchsballon der Zechenherren oder Umfall des Reichswirlschaslsminisiers? Im Rheinisch-Westsälischen Kohlensyndikat fand eine Sitzung der Magerkohlenzechen statt, in der diese Zechen ihren Antrag aus Preisr«gul!erung einzelner Kohlcnsorten zurückgezogen haben. Die Zurückziehung erfolgte in der Erwartung, daß dem demnächstigxn Antrag auf ein«' allgemeine Kohle»Preiserhöhung von, Rcichswirtschaftsministcrium zugestimmt werden wird. Diese Meldung ist in doppelter Hinsicht interessant. Einmal wird bestätigt, daß ein neuer Antrag auf allgemeine Koh'enpreiserhöhung eingebracht werden wird, zum anderen muß es aufiallsn, daß die deutschen Bergherren jetzt die Zustimmung des Reichswirtfchasts- Ministeriums zur Erhöhung der Preise erwarten. Zu dieser Er- Wartung besteht nach der bisherigen Haltung des Reichswirtschafts- Ministers kein Anlaß. Es bleibt also nur die Möglichkeit, daß enl- Versand nnch aueaerhnlb gejen(iacl,- naiime sdarVorolaaendung dsi Cetragna fftsHÜberiroffcia. sind die Ueb erzeugen Sie sich selbst! 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Die Deutsche Verkehrskreditbank A.-O., deren Kapital sich in den Händen der Deutschen Reichsbahn befindet, dient dieser zur Durchführung ihres gesamten Geldvertehrs bei der Hauptverwaltung, dem Eisenbahnzentralamt und den Hauptkassen der Direktionen. Im Verhältnis zu der Steigerung des Tüterverkehrs im letzten Jahr weist das Frachtstundungssystem noch eine erheblich größere Aus- dchnung auf. Die K u n d« n z a h l ist von 17 100 auf 18 000 g e- stiegen und die Summe der abgerechneten Frachten von 1,19 Mil- liarden auf 1,51 Milliarden Mark. Daß der Reingewinn trotz dieser Verkehrsbelebung einen kleinen Rückgang ausweist, ist auf die zwei- malige Ermäßigung der Stundungsgebühr um ins- gesamt 37,5 Proz. zurückzuführen. Im Zusammenhang mit der Ver- leihung der bei der Bank angesammelten Reichsbahngelder ist das Abkommen zwischen der Reichsbahn und der Reichsbank von Interesse, das die Anlage eines Teils von Reichsbahngeldern bei der G o l d d i s k o n t b a n k zur Folge hotte. In der Bilanz ist die Einnahme aus Frachtstundungen von 1,36 Millionen aus 0,95 Millionen Mark durch die Ermäßigung der Gebühren zurück- gegangen, dagegen sind die Gewinn« aus Zinsen und Provisionen von 2,26 Millionen auf 2,7 Millionen Mark gestiegen. Von dem etwas verringerten Reingewinn von 1,39 Millionen Mark wird, wie im Vorjahr, ein« Dividende von 12 Proz. gezahlt. Die von 301 Millionen auf 418 Millionen Mark gestiegenen Gut- haben bei anderen Banken und auf der Passivseite die Erhöhung der Schulden(an die Reichsbahn) von 352 Millionen auf 457 Millionen Mark lassen einen erheblich vermehrten Zufluß von Reich sbahngeldern und entsprechend erhöhte Ausleihungen erkennen. Trotz des weiter ausgebauten Wechselstubennetzes auf den Bahnhöfen ist durch die fortgesetzte Rationalisierung ein neuer Ab- bau von Bankbeamten vorgenommen worden. Die Erfolge der deutschen Schwerindustrie in der europäifcheu Rohftahlgemeinschast auf der Luxemburger Sitzung sind noch größer als es nach den ersten Meldungen schien. Deutschland hat nicht nur durchgesetzt, wie wir schon mitteilten, daß die Produktionsquoten nicht herabgesetzt wurden und der ermäßigte Strafsatz für den 72 Proz. seiner Quote überschreitenden Inlandsabsatz beibehalten wurde. Es hat auch erreicht, daß der schon von 4auf 2 Dollar ermäßigte S t r a s s a tz für die Ueberschreitung der Inlands- quote weiter auf einen Dollar herabgesetzt wurde. Für die Bildung der Verkaufsverbände hat Deutschland eine b e s ch l e u- nigte Behandlung durchgesetzt. Bereits in der ersten Hälfte des Oktober soll in einer neuen Sitzung der europäischen Rohstahl- gemeinschaft darüber verhandelt werden. Derkaussgenossenschaflen für Gartenprodukle. Im Rahmen der Ausstellung„Blumen und Früchte* aus der Frankfurter Messe ver- handelte der Reichsverband des Deutschen Garten- b a u e s über die wichtigen Fragen der Standardisierung von Gartenerzeugnissen und der Gründung genossenschaftlicher Verkaufs- organisationen. Professor Beckmann, Bonn, bezeichnete die gleich- mäßige Lieferung gleichartiger Gartenfrüchte in gleichmäßiger Ver- Packung, das meint nämlich das Wort Standardisierung, als eine äußerst wichtige und notwendige Neuerung für den landwirtschast- lichen Gartenbau, der systematisch zum Erwerbsgartenbau fortent- wickelt werden müsse. Der Gärtnereibesitzer Schneider, Krefeld, forderte die Errichtung genossenschaftlicher Vertaufsorganisationen zur Zusammenfassung aller Kräste auf rein kaufmännischer Grund- läge. Insbesondere wurde das System der holländischen Versteige- rungen empsohlen, die für den Käufer wegen der einheitlichen Ver- Packung und Sortierung der Erzeugnisse besonders anziehend wirken. — Wir sind der Ueberzeugung, daß tatsächlich dem deutschen Garten- bau auf diesem Wege nachdrücklicher geholfen werden kann als durch irgendwelche Schutz- oder Kreditmaßnahmen. Die einfachste und billigste Belieferung der letzten Konsumenten ergäbe sich zweckmäßig durch die direkte Verbindung mit den Konsum- genossenfchaften. Dabei bleiben allerdings gute Qualität und große Billigkeit die Hauptvoraussetzung, um deutsches Obst zu einem wirklichen Voltsnahrungsmittel zu machen. Großer Maschinenbedars der Braunkohlenindustrie. Die Zeitzer Eisengießerei- und Maschinenbau- A.-G. ist Speziallieferant für die Ausrüstung von Braunkohlenwerken und Brikettsabriken. Der umfangreiche Mechanisierungsprozeß in dieser Industrie und die günstige Lage des Unternehmens an der Grenze des mitteldeutschen Brauntohlenreoiers ermöglich. ten der Gesellschaft, schon im vorigen Jahre die damals in der Ma- schinenindustrie seltene Dividende von 10 Proz. zu zahlen. Diese Dividende kann auch für das Jahr 1926/27, in dem das Unter- nehmen weiterhin voll beschäftigt war, gezahlt werden. Fabrika- tionsgewinn mit 1,6 und der Reingewinn mit 0,44 Millionen sind kaum oerändert. Auch die Abschreibungen halten sich mit 283 000 Mark auf der Höhe des Vorjahres. Die 220 000 M. Zugänge auf die Anlagen, davon fast 140 000 M. auf Maschinen, lassen auf weitere Rationalisierung schließen. Der Austragseingang weist in den letzten Monaten eine weitere Belebung auf, so daß die Betriebe, in denen über1000Mann beschäftigt sind, für die nächsten Monate vollauf Arbeit haben. Die hauplgemeinschast des deutschen Einzelhandels hält vom 10. bis 12. Oktober in Berlin ihre diesjährige Tagung ab. Unter anderen werden Dr. Cassau und Dr. Tiburtius über die Umsätze und die Unkosten im Einzelhandel, Schocken-Zwickau über die Lage des Textileinzelhandels, Dr. Hamburger-Berlin über die Kalkulation im Einzelhandel und Dr. Ädametz über Verwaltungsneform sprechen. Am 12. Oktober findet im Rheingoldsaal eine Kundgebung statt, bei der eine Ansprache des Reichswirtschafts Ministers Dr. C u r t l u s über die gegenwärtige Wirtschaftslage vorgesehen ist. Auch Belgien verlangt französische Zollzugeständniffe. In Bel- gien zeigt man sich, wie die Pariser Blätter melden, über die Rück- Wirkungen des deutsch-französischen Handelsvertrages ebenso besorgt wie in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Die belgische Einfuhr in Frankreich hat durch die Deutsch- land gewährte Meistbegünstigung stark gelitten, und die bel- gisch« Regierung verlangt eine Revision der Tarife zu ihren Gunsten. Der belgische Gesandte in Paris wird sofort nach der Rück- kehr P o i n c a r ö s bei der französischen Regierung vorstellig werden, um Verhandlungen einzuleiten. Die Presse betont, daß diese bestimmt zu einem Abkommen führen«erden, das den Forde- rungen des belgischen Handels gerecht wird. Denn mit Belgien habe Frankreich«inen regelrechten Handelsvertrag, was bei den Vereinigten Staaten nicht der Fall fei.— Der Ministerrat wird am Freitag die Antwort ausarbeiten, die an die Vereinigten Staaten auf ihre Forderung nach Herabsetzung der Zolltarife er- teilt werden soll. Diese Antwort wird aller Voraussicht nach ab- lehnend ausfallen. Frankreich wird sich weigern, ohne irgend- einen Ausgleich den amerikanischen Waren Zollvergünstigungen zu erteilen. Droht Amerika mit dem Zollkrieg gegen Frankreich? Der Han- delsstreit zwischen Frankreich und den Dereinigten Staaten scheint sich bedenklich zuzuspitzen. Wie aus Washington nach Paris gekabelt wird, hat die Zolltarifkommission der Vereinigten Staaten einen An- trag auf Erhöhung der amerikanischen Zölle auf französische Waren vorbereitet. Die Erhöhung der Zölle ist vorgesehen für den Fall, daß die gegenwärtigen franko-amerikanischen Verhandlungen scheitern sollten. Die Ankündigung von Kampfzöllen ist die schärfste Drohung, die Amerika gegenüber Frankreich aussprechen kann. Mus öer Partei. An Stelle des verstorbenen Genossen Dameß ist Bizebürger» meister Genosse Mehrt zum Bürgermeister der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz gewählt worden. linsesduxg«, für die!« RndrU sin» v»rli» S« 6«, L>»d«nstr»he 3. partemachrlchten für Hroß-Serlin stets an da»®ejirt»(efrettrciat. i. Hos, i Trep. recht», i« richten, Freitag, 30. Sep- Ebersstr. KS, um S. Oktober, 10 Uhr, Besichtigung des Oskar. Iltm. Die Senossmucn und Genoffen werden 11.«tri« SchSneberg.Friedenan. Die Bdrstandsffdung am tember, findet nicht bei König, sondern bei Siosenihal, 20 Uhr statt. IS. Kreis Pankow. Eonnta Helene-Kriippelheims in Daytern. unc raenor.inncn und«,->>»„>-» gebeten,(ich recht»ahlreich daran ,u beteiligen. Treffpunkt s Uhr vor der Pankower Kirche. heute, Freitag. 30. September. «.««. Bernau. Bellevue-----------------„— Referent Stadtarzt Dr. Drucker. Gaste sind freundlichst eingeladen. Morgen, Sonnabend, t. Oktober. 21. Abi. Sonnabend, 10 Uhr, und Sonntag, 9 Uhr, Flugblattverbreitung oon den bekannten Lokalen aus. Die Bejirksfllhrer können ab Freitag die FlugblStter in Empfang nehmen.„.. 131. Abt. Riederfchönhansen. 20 Uhr wichtige Funitwnitrsitzung bei«lindt, Am Friedensplatz. Kein Bezirisführer darf fehlen. Zungsozialisten, heule, Freitag. 30. September. Gruppe Schöneberg: Pünktlich 20 Uhr im Jugendheim Hanptstr. 15, Harz. ..;____ cr>__.____ t. �..»l � �..mK\ n.-n a t-;> oTt i irtno n att(Titrnriii an der Bezirkswerbefeier der SAI. Kaie Kern setzt ihren Vortrag der fort.-«ruppe Ritte: 20 Uhr in der Schule Gipsstr. 20a Ausiorache: „Raffefragen— Gruppe Süden: 20 Uhr in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. Z,„Dinto." Zrauenveranstallungen. 4. Abt. Sonntag, 2. Oktober, Konsumbeffchtigung. Die Genossinnen treffen sich 9*6 Uhr Straßenbahnhaltestelle Kaiser-, Ecke Schillingstraße. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Gruppe Südost: Am Sonnabend, 1 Oktober, Ausflug nach den Müggel- bergen. Treffen 8 Uhr Eörlitzer Bahnhof. Um 20 Uhr sind wir zurück. Jedes Kind hat nur Effen mitzubringen. Sonntag und Montag ebenfalls gemein- same Ausslüge. Treffen 8 Uhr Görlitzer Bahnhof. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Sinderschuh. 4. Krri» Prenzlauer Berg: Heute, Freitag,.30. September, 9% Uhr. Treff» punkt Zur Besichtigung Eberswalder Straße, vor dem Ambulatorium für knochen» und gelenkkranke Kinder. Alle Helferinnen und Helfer werden ge» beten, zu erscheinen. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grsanifotion � 12. Abt. Unser Genosse Johann Guth, Baldftr. 12, ist infolge eines Autounfalles verstorben. Wir werden ihm ein ehrende» Andenken bewahren! Einäscherung heute, Freitag, 80. September, 10>4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wtr bitten um recht rege Beteiligung. TOekterberichk der öffenklichen wetlerdienslffelle für Berlin und Ilmgegend (Nachdr. verb.s Meist�woltig mit einzelnen leichten Regensällen, später etwas Abkühlung mit Schauern und zeilweise ausklarend.— jZSe Deutsch- land. Im Osten noch heiter und trocken, im mittleren Reiche zuerst wolkig mit geringen Niederschlägen, sväter Ablühlung mit Regenschauern, zeitweise ausklarend, im Westen wechselnd bewölkt mit Regenschauern, überall tübl. , u» Metzger in Unterwäsche und Hand- An Anbeteacht der steigenden Rohmateelalpreise kann ein baldiger Für die kühlen Herbsttage bietet da» bekannte seinem heutigen Inserat warme Strümpfe, Sacken schuhe an. 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Landerrin??ampf Frankreich— Berlin Cutich 02. Die etcnaut Aufstellung für den am ssreitag, 30. September, stattfindenden Rompf ist folgende: Es starten im . W„.. M. l t e g e n g e w i ch l: Jean stöwenii (Frankreich) gegen Pötbke(Lurich), Bantamgewicht: Viktor gelmiack (F.)— Sternberg IL.), Federgewicht: Max stuska— Jakob(8.), Schwergewicht: Erwin Meier Uhr Treptow.— Bez. 21, Ortsgruppe Lichtenberg: Störitzlee. Start 7 Uhr Jung-, Ecke Oder- straße.— vrtsgrnpoe Rledcrschönhansen: Liepnltzsee. Start 8 Uhr Schönhauser, Ecke Bornbolmer Straße.— Vrtsarnvpe Stralau-Rummclsburg: Strausberg. Start 7 Ubr Türrschmidt-, Ecke Lcssinostaße.— Ortsgruppe Reinickendorf: 1. Abt. Scllfe«. Start 8 Uhr Kastanienwäldchen. 2. Adt. Katharinensee. Start 8 Uhr Antonicnstr. 31.— Ortsgruppe Weißens««: Rüdersdorf. Start 8 Uhr Berliner Allee 253._ herbskwaldlauf. Die Ausschreibung zum Lerbstwaldlaufen der Leichtathletikspart«, das am 30. Oktober, 15 Uhr, im Gelände der Iundfcrnheide mit Start und Kiel am Wassersvortplatz Plötzensee vom Sportverein Moabit durchgeführt wird, liegt jetzt gedruckt vor. Verein« können üe oon der Geschäftsstelle de» SV. Moabit, Fr. Blankenburg, NW. 87, Iagowstr. 22, anfordern. Allen Arbeiter-Sport- nnd Turnvereinen im Bereiche des 1. Kreises lRerlin und Propin, Branden- bürg).steht die Teilnahme offen. Eine rege Beteiligung auch der anderen Spavten(Turner, Rasenspieler. Wassersportler, Radtahrer, Schwerathleten usw.) wird erwartet. Neben dem Wettkampf der verschiedenen Klassen Im Einzel- und Mannschafislanfen ist auch für den B r o p a g a n d a l a n s. der als Stillauf in geschlossenen Vereins- und Abieilungsgruppen vorgeführt wird, eine Beieiligungswertimg ausgeschrieben. Di» Wertung erfolgt aesondert für Vereine der LG. und für Verein« anderer Evarten nach dem Verhältnis ihrer Mitgliederzahlen. Trainina»gelcaenheit auf der Laufstrecke an den Eonniagen: 9., 18. und 23. Oktober, ob 9V. Uhr. Umkleidelokal:„Waldhütte�. am Wasser- svortplatz Blötzenfee. Treffounki 9 Uhr Bdf. Beussetstraße. Meldefchluß für die Veranstaltung am 23. Oktober bei Wilh. Schuler, NW. 21, Alt-Moabit 93. Zlthlekik. BE. Berolina, Reitlölln. Lelchtathletikabteilunn. Kallentraining ob 1. Okto- bcr jeden Montag»nd Donnerstag von 20—22 Uhr Turnhalle Neukölln, Elbe- straße, an der Äcscrstraße. Waldlaiiftraining vom Sonntag, 2. Oktober, ab jeden Sonntagvormittag. Umklcidelokal und Abiaus um 10 Uhr vom Nestau- rant Marienlal, Baumschulenweg, Forsthausallee, Ecke Baumschulenstraße. Freie Turnerschaft LiGtenbera-Friedrichsseld«. Die beschlossene Namen. ändming ist bis zur nächsten außerordentlichen Gcneraloersammlung zurück- gestellt und die Ges-böfte werden vorläufig unicr dem bisherigen Namen weitergeführt. Sämtlicher Schriftverkehr mit den Behörden und Bereinen wird durch»nlere Geschäftsstelle, Fritz Krumm, Berlin O. 112, Scharnweber- straße 52, erledigt. Sportoercin Moabit. Handballspieler: Eonntaa 9—12 Ubr Lehrstunde und Uebungsspiele Spielplatz Bremer Straße. Waldläufer: Sonntag 944 Uhr Training See-, Ecke Afrikanische Straße. 15 Uhr Treffpunkt zur Strecken- Vermessung„Waldbütte", am Wassersrortvlatz. SD. Sparta. Berlin. Freitag, 30. September, in ber Elifabethstraß« um 18 Uhr dos erste Hallentraining. Nachdem Vollversammlung in der Kartell- geschäftsstelle um 20 Uhr, Landsberger Str. 82, Wassersport. Freie Schwimmer Eharlottenbnrg,». B. Beginn der reservierten Uebungsstunden im Hallenbad Krumme Str. 10 Mantaa, 3. Oktober, 19 Uhr. Uebungsabcnde leben Montag van 19— LOZH Uhr und jeden Donnerstag von 19V— 21 Uhr. ssreitag, 7. Oktober, 20 Uhr, Monatsvcrfommlung bei Grimm. Kaiser-Friedrich-Str. 13. Freier Kanuocrein Stralau. Mitgliederversammlung Dienstag, 4. Oktober, 20 Uhr, im Restaurant Bollenbach, Alt-Stralau Rr. 8 Nach dem am 9. Okto- ber stattfindenden Dauerrudern und-paddeln der Sparüe findet abends im genannten Lokal ein gemütliches Beisammensein statt. Gäste herzlich will- kommen. Jugendlichen, die Interesse am Kanumannschaftssport haben, ist, mit Oer„Vorwärts" ist das Vlatt der Kopf- und Handarbetier! Abonniert den„Vorwärts"! Ich abonniere den»Vorwärts- mit der illustrierten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen »Unterhaltung und Wissen',.Aus' der Filmwelt', »Frauenstimme',»Der Kinderfreund',»Jugend- Borwärt«',»Blick in die Bücherwelt' und, Kultur- arbeit' in Brob-Berlin täglich zweimal frei ins HauS. (Monatlich L Goldmark, wöchentlich 70 Goldpfennig). Name: Wohnung: Straße Nr. vorn Hof— Ouergebäude— Seitenflügel _ Treppen links— recht» bei. Ausgefüllt einzusenden an die Expedition des„Vorwärts', Berlin SW. öS, Lindenstraße 3. dem Kanuvierer Gelegenheit dazu geboten. Meldungen beim Vorstand. Ge- Nossen mit eigenen Booten werden ebenfalls noch aufgenommen. Der Vor. stand: A. Hermann, O. 112, Dossestr. 12. �erspertoerei» Reeomauia. Freitag, 30. September, 20% Uhr, Sitzung bei Hofsmann, Wismarplatz 2. Frei« Rudercrvcreiniguna 1913, e. V. Sitzung Freitag, 30. September, 20 Uhr, im Vereinslokal„Sirandschloß", Oberschöneweide, Epreestr. 4—5. In Kürze fängt das Bassinrudern an. Mitglieder für die Jugend- und Männer- abteilung werden noch ausgenommen. Anfragen erledigt Max Brandt, Lichten. berg, Wllhelmstr. 3._ Touristenverein„Die Naturfreunde-. Zentrale Wien. »bt. Eharlottenbnrg: Freitag, 29. September, 20 Uhr, im Helm Spreestraße 30, Vortrag,- Abt. Sefnadbriinnen: Freitag, 29. September, 20 Uhr, im Heim Lortzingstr. 19,.Geschichte des Wandern» � rlTaa, 29. S Freiiag, 29. September, 20 Uhr» Reichendergrr Str. 83,„Deutsche Richter."- Abt. Treptow: Freitag, 29. September, 20 Uhr, im Heim Elscnstr. 3,„Fahrt. erlrbnisse."— Abt. Lichtenrade: Freitag, 29. September, 20 Uhr, bei Lcntz, Kaifer-Wilhelm-Str. 73.—»bt. Neukölln, Iugcndgruppe: Freitag, 29. Ecp- —«bt. Südost: tember, 20 Uhr, im Heim Kopfstr. 55. tember, 20 Uhr, im Altersheim Danzigi_... tag, 8. Oktober, 20 Uhr, im Heim Eberiystr. 12.— Abt. Schöoebcrg: Mou Iuaenbgruppc:.. Gemischter Ehor: Freitag, 29. Eep- er Str. 32.— Photogcmcinschaft: Mon- tag, 3. Oktober, 20 Uhr, im Heim Hauptstr. 15. verschiedenes. «portkariell Pankow, 19. Kreis. Montag, 3. Oktober, 7% Uhr, im Jugendheim Pankow, Kisstngenstraßt, Kartelldclcgicrtcnsitzung. Die den Vereinen zugestellten Listen müssen dort abgeliefert wcrdcn. WS. Voran. Mittwoch, 5. Oktober, 7% Uhr, im Goldenen Adler, Nordend, außerordentliche Generalocrsammlung. Sonnabend, 1. Oktober, Funktionär- sttzulm im Vereinslokal. Aebeiter-Radlahrernerein Groß-Berlin. Sonntag, 2. Oktober. 7 Uhr, Rtldersdorscr Kalkberge, Restaurant„Kur Linde"; 13 Uhr Kaulck—s, früher Restaurant Hahmann. Start Ba.demarstraße, Ecke Mar!annenp.„tz. Gäste wtllkammen. 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Schweineschinken...... pfnnd 1,10 Pa. Schweinekamm a.-Schüfte.Big.Pid. 1,10 Pa. Schweinekotelett........ Pfnnd 1,18 Pa. Kassler Kamm u. Speer Pfund 1,15 Pa. Eisbein'.ganz., mltSpitzb., Pfund 68 Pf. Frisches Fleisch Berliner Schlachthansware Pa. RUCkenfett bratfertig...... Pfand 94P1. Pa.Schmorf lelsch Keale, o. Ks., Pfand 1 ,28 Pa. Rouladen................. Pfnnd 1,38 Pa. Hammeltielsch(Dicki ttppa), Pfd. 98.',. Pa. Kalbskamm.............. Pfand 88Pf. PS. Kalbskeule bis S Pfand... Pfand 1,14 Pa. Rinderleber.............. Pfand 98». Pa. Gehacktes................ Pfand SOpl Qefrferflfiisch Pa. Ochsensuppenfleisch.. Pfand 54Pf Pa.Ochsengulasch........... Pfund 78». Pa.Hammeifieisch(Dicke Rippe), Ptd. 86». Pa.Hammelrtlcken........... Pfand 92». Pa. Hammelkeule............. Pfand 96». Pa. Schwelnenleren......... Pfand 86». Pa. Kuheuter................. Pfund 28». Pa.Rlnderlunge.............. Pfand 28». Pa.SChwelnekfipfe mit Fat'.baclis, wie frisch.......... Pfand SOPf. MvMMWS 'Makrelen... Pfand 42� 'EAellM...Pfnnd 14PC 'SeelaAs o. K., Pfand 20 Pf. Sülzwurst........ Pfand 90pf. Speck Wurst..... Pfand 95». Landleberwurst Pfand95pf. Fleischwurst....Pinna 1,20 Jagdwurst........ Pfnndl.20......................... Pfund so». Hlrschraeke«..........................»and 1 ,30 MU Komerven fo&fa 33. Erbsen raittelfein... 95». Margarine. Pfund 52, 62». Gem.GemOsemiiteitein 1,15 Frühslüdcskäse.staok 12pf. Margarine i-Pfd.-Pak.55pf. � t', j?,! linm-0-1' Camembert 5««ifi«.sek. 35Pf. � Iii. Bredi- n. SctmittDolmen 77Pi. � Kokosfell i-pfand-Paket55Pt. Stachelbeeren....... 95». narzerkase..... Pf»nd 50Pt Reineclauden......... 1,35 Mirabellen............ 1.25 Ananas................ 1,30 Erdbeeren............. 1,55 Qriebenschmalz»d. 85». Qrasbulter...... Pfund 1,80 Dan. Tafelbutler Pfd. 2,22 Limburger Bayr, Pfund 75 Pf. Holländer..... Pfund 90pt Edamer......... 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Mmann Likörfabrik und V/eingroBhandlung Zenlrsle: 0 17, Fruditsir. 5 S. Berlin O, Kfinigtbcrger Str. 1, Edte BüCcrs- derfr Siran«« Berlin O, Frucblslratie 70, Ecke Lange Straffe Berlin O, Andreasstr. 4, LÄf« Breslaoer Str. Berlin SO, KOpenlcker Slr.9, BdeMlmoelkiraisL Berlin O, Frank». AUee 270,«■«Mngluauih. BerUn SO, Grilnaaer Str. 0, a. eOrUttcr BaiinlL Berlin N, Braam eatlr. lOd, F Sei»vi0 S0»lg Kirchenschule oder l Volksschule I Kanonlen 1 Mark Oer Leidensweg des Zkeichsschulgefetzee �attonler« 2.50 IRor» ! Bu be*ieöen durttj: '•,1.$.® Dietz Nachf G m. b. H., Lindenstr 3«nd allen Ausgabe- stellen de«..ätonDacta*. Www S Unserem lieben ffienossen | Fritz Brinkmann u.Frau| A die herzlichsten cSlückmüasche W zur SilberhochzelL Vorstand und Funktionäre der Lv 96. Abteilung Neukölln. ückr; MsM Hühner&ugcn Hornhaut, Schwielen und Warzen beseitigt schnell, sicher u. schmerzlos Kukirol Vielmillionenfech bewährt. Packung 7S Pfg, Nr. 462 ♦ 44.�ahrgaag 3. Seilage ües vorwärts 5reitag, 50. September 1427 Die Zöpfe wackeln. Zur Reform der Arbeitsvermittlung. Der Verwallungsausschuß des Oberschlesischen La n- desarbeitsamtes hat sich in seiner Mehrheit, und zwar gegen die Stimmen der Vertreter der freien Gewerkschaften, gegen die Zusammenlegung mit dem Niederschlesischen Landesorbeitsamt aus- gesprochen. Die Mehrheit des Verwaltungsausschusses hat diesen Beschluß folgendermaßen begründet: „Oberschlesien ist ein in sich geschlosiendes Wirtschastsgebilde. das insbesondere mit Niederschlesien kaum in irgendwie nennens- werten arbeitsmarktpolitischen Beziehungen steht. Dagegen fordern die besonderen arbeitsmarktpolitischen Verhältnisse der Provinz im Hinblick auf das Genfer Abkommen, und die dadurch bedingten Wechselbeziehungen zu Polnisch-Oberschlesien und die Grcnzlage, dazu die Dauererwerbslosigkeit in den Städten des Jndustriereviers und der gleichzeitige groß« Mangel an landwirt- schaftlichen Arbeitskräften Maßnahmen, die nur durch ein in der Provinz befindliches, voll ausgebautes Landesarbeitsamt gelöst werden können." Daß Oberschlesien ein„in sich geschlosienes Wirtschastsgebilde" ist. wird ja in dieser Begründung selbst widerlegt. Aber auch sonst liefert die Begründung die besten Argumente für die Zusammen- lcgung der beiden Landesarbeitsämter. Gerade weil in den S t ä d t e n Oberschlesiens eine Dauerarbeitslosigkeit herrscht, wäh- rend gleichzeitig ein großer Mangel an landwirtschast- l i ch e n Arbeitern besteht, muß der Ausgleich auf ein« breitere Grundlage gestellt werden. Der Abgeordnete U l i tz k a schreibt zu diesem Beschluß in der„Germania" u. a.: „Die freien Gewerkschaften haben eine abweichende Stellung eingenommen. Die Gründe dafür können aber nicht aus dem allein maßgebenden wirtschaftlichen und so- z i a l e n Gebiete gesucht werden. Es ist zu hoffen, daß sie sich auch in dieser Frage auf ihr von ihnen immer so nachdrücklich betontes Programm besinnen werden, demgemäß die Interessen der Arbeiter allen anderen ooranzusetzen sind." Der Abgeordnete Ulitzka, der ein hoher geistlicher Würdenträger der katholischen Kirche ist, sagt e« zwar nicht ausdrücklich, aber gerade deshalb um so deutlicher, daß sich die Vertreter der freien Gewerkschaften von politischen Motiven haben leiten lasien. Vermutlich sind diese Motive dieselben, die den Vorstand der Reichs- anstall, der in seiner Mehrheit weder aus Vertretern der freien Gewerkschaften zusammengesetzt ist, noch mit diesen politisch konform geht, oeranlaßt hat, die Zusammenlegung e i n st i m m i g zu beschließen. Was der Abgeordnete Ulitzka sonst noch gegen die Zusammen- legung vorbringt, ist wohl nicht ernsthaft gemeint. Die„Bureau- kratisierung", die man befürchtet, ist doch wohl in der Hauptsache eingegeben von der Bureaukratenfurcht, es könnte ein Zopf ab» geschnitten werden, wenn in der Arbeitsvermittlung etwas Luft geschaffen wird. Dunüestag üer öauarbeiter. Dresden. 29. September.(Eigenbericht.) Der Vortrag des Ministerialrat» Dr. Zschukke über das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung löste eine lebhafte Aussprache aus, wobei zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Bestimmungen des Gesetzes über Erwerbslosigkeit auch auf die Lehrlinge ausgedehnt werden müßt«. Die Miß- stände bei Notstandsarbeiten wurden lebhaft erörtert. Sie bilden für die Unternehmer vielfach eine besonders gute V e r- dien st quelle und schützen die Arbeiter nicht in der gebührenden Weise. In der Frage der Wartezeit für Saisonarbeiter müßten die Bauarbeiter protestieren. Die zahlen ihre Beiträge, dafür haben sie auch die gleich« Behandlung wie andere Arbeiter zu verlangen. Ein Antrag aus Berlin, daß nach Inkrafttreten der Arbeits- losenversicherung Notstandsarbeit für werbende Betriebe und Anlagen nicht zuzulassen ist, wurde«in st immig angenom- m e n. In einem anderen Antrag wurde verlangt, die Pflicht- und Notstandsarbeit überhaupt zu beseitigen und, falls dies nicht zu erreichen ist, der Arbeitervertretung die vollen Rechte nach Tarifvertrag und Detriebsrätegesetz zu gewähren. Dieser An- trag und ein weiterer aus Berlin, der verlangt, dahin zu wirken, daß das bestehende kkrisenfürsorgegesetz In Kraft bleibt, jedoch die darin enthaltenen Bestimmungen über Pslicht- und Notstandsarbeit für werbende Betriebe fallen, wurde einstimmig ange- nommen. In der Nachmittagssitzung wurde die Satzungsberatung fortgesetzt und in später Abendstunde zu Ende geführt. Es sei er- wähnt, daß die von einigen Delegierten gefordert« Herabsetzung der Beiträge, die für die Hauptkasse einen Stundenlohn und außerdem örtlich« Zuschläge vorsehen, gegen sechs Stimmen in der alten Fassung belassen wurden. Der Referent T ö n n i e s hatte eindringlich vor einer Beitragserniedrigung gewarnt. Ge- schätze die», so wurde dadurch den Mitgliedern im Lande«in Bären- dienst erwiesen, man würde die Mitglieder dannckien Machtgelüsten der Unternehmer ausliefern. Wer es gut mit der Zukunft der bau- gewerblichen Arbeiter meine, müsie jede Beitragserniedrigung ab- lehnen. Einen örtlichen Lerwaltungsbeitrag bei Arbeits- losigkeit allgemein im Bunde einzuführen, wurde mit der ge- ringen Mehrheit von vier Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende Bernhard bemerkte dazu, daß Baugewerkschaften, die bei großen örtlichen Ausgaben in N o t geraten würden und einen solchen Bei- trog nicht führten, auf Unterstützung aus der Hauptkasse nicht zu rechnen hätten. Beschlossen wurde, den Verwaltungsbeitrag dort, wo er einaeführt wird, in der Regel auf 10 oder 20 Pf. wöchenllich festzusetzen. Die Iugendbetträg« wurden etwas erhöht. »«lrkssiusamft für ArbeilerwoIUtalul M o a ka g, den 3. Oktober, 20 Uhr. im Berliner Rathaus. Zimmer 109, königstraße Wohlffahrttkonfferenz Thema: Die Mitarbeit der Jugend in der Wohlfahrtspflege und Jugendfürsorge Referent: Genosse Prof. Dr. honigsheim-köln. Alle beruflich oder ehrenamtlich in der Fürsorge tätigen sowie alle inter» esfierten Genossen und Genossinnen find herzlich eingeladen.— Um zahlreiche» Erscheinen wird gebeten., Der Konflikt im Gaflwirtsgewerbe. Eine Entschließung der Kaffeehansbefitzer. Der Verein der Kosseehausbesttz«? und verwandter Betriebe von Groß-Berlin und Provinz Brandenburg hielt am Donnerstag in der Bonbonniere eine außerordentliche Sitzung ab, die sich mit der Kündigung des Lohntarifs der Angestellten beschäftigte. Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der es heißt: „Der Verein der Kaffeehausbesitzsr, als Mitglied des Arbeit- geberoerbandes im Gastwirtsgewerbe Berlin, steht restlos zu den Beschlüssen des Arbeitgeberverbandes und hat keine Sonderstellung eingenommm. In Anbetracht der Wichtigkeit der augenblicklichen Lage hat nur der Vor st and die Alleinverantwortung abge- lehnt, und die Mitglieder zu der heutigen Sitzung einberufen, damit sie ihrer Meinung Ausdruck verleihen können. Di«.Mitglied«:- Versammlung hat einstimmig die Vorarbeiten de» Vorstande» gebilligt und beschlossen, an dem Schiedsgericht des Arbeitgeberoerbandes teilzunehmen, wobei aller- dings horoorgehoben wurde, daß Teilaktionen der Arbeit- nehmcrschaft als ein w i l d e r S t r e i k betrachtet werden würden, die auch die Hastung de» Kaffeehausgewerbe» in keiner Weis« beeinflusien würden" Der Beschluß der Gastwirtsgehilfen, den wir in uns«rem gestrigen Morgenblatt veröffentlichten, hat also gewirkt. Der Be- schluß der Kafsehausbesiger ist«in« kaum oerhüllt« Desavouie» rung ihre» Vorstandes. Mit der Beteiligung am Schied»- gericht erledigt sich auch vorläufig jede Kampfmaßnahm« gegen die Kaffeehausbesitzer. Ob eine solche Kampsmaßnahme als„wilder Streik" zu beurteilen ist, darüber entscheiden nicht die Unternehmer, das gehört zum Kompetenzgebiet der Gewerkschaft. Zum Lohnabkommen in öer Schuhinöustrie. Eine Funktionäroersammlung der Zahlstell« Berlin des Schuh- macherverbandes nahm am Dienstag Stellung zu dem am 13. Sep- tember getroffenen zentralen Lohnabkommen für die Schuhindustrie. Nach lebhafter Diskussion fand nachstehende Resolution e i n st i m m i g e Annahme: „Die am 27. September 1927 stattgefundene Funktionärver- sammlung der Zahlstelle Berlin des Zentraloerbonde» der Schuh- macher betrachtet das am 13. September abgeschlosiene Lohnabtom- men für die Schuhindustrie in jeder Beziehung als ungenügend. Durch die Lohnerhöhung von ö Pf. in der Spitz« ist die seil dem April eingetreten« Teuerung einschließlich der Mietserhöhung ab 1. Oktober 1927 nicht ausgeglichen. Durch die Beibehaltung der Wstufung der Lohnzulag« für die weiblichen und jugendlichen Arbest- nehmer nach den ZZ 6 und 7 des Tarifvertrages ist die bisherige Ungerechtigkeit in der Entlohnung dieser Kollegenschast in keiner Weis« beseitigt. Die Versammlung erblickt in dem Abschluß des Abkommens ohne vorherige Befragung der Mitglieder, obwohl die Möglichkeit einer Urabstimmung gegeben war, eine durch nichts ge- rechtfertigte Bevormundung der Mitgliedschaft. Die Versammlung vertritt die Auffasiung, daß die fest Jahren in der Schuhindusttie ge- übte Taktik, die Forderungen durch den Zenttalvorstand«inreichen und die Abkommen unterzeichnen zu lassen, ohne daß der Mitglied- schaft der ihnen gebührende tätige Anteil gewährt und die Möglich- keit der endgültigen Entschecdung gegeben wird, zu einer sich steigernden Mißstimmung führt, die in Gleichgültigtett ausortet und die notwendig« Stärkung der Organisation sowie die Akttoität der Mitgliedschaft unterbindet, wodurch auch die Erfolge bei den Lohn- bewegungen herabgemindert werden. Die Versammlung erhebt Protest gegen die NichtHinzuziehung des Beirates zu den Berhandlungen und' erblickt hierin ein« Ver- letzung der bezüglichen Verbandsbeschlüsse. Sie fordert erneut, daß vor dem Abschluß aller künftigen Tarif- oder Lohnabkommen eine Befragung der Mitgliedschaft stattfindet und fordert alle Zahlstellen auf, das gleiche Verlangen an den Zentralvorstond zu stellen." Sport. Die Riugkämpfe im Sportpalast. Der Ringerwettstreit nähert sich jetzt langsam seinem Ende. Von den 32 Bewerbern sind bi« heute 18 Ringer ausgeschieden. Bei den Mittelgewichtlern marschieren Kopp und S t e in k e mit je 8 Siegen an der Spitz«. G. Grüneifen und Favre folgen mit 7 und der Elberfelder Kunst mit' 6 Siegen. Bei den Schwerz«- Wichten sind Pinetzki, Kawan, Leskinowicz, Sztekker und Stolzenwald noch ohne Niederlage. Bei einem früheren Entfcheidungskampi zwischen Stolzen- wald und dem Tschechen Prochaska konnte.dieser den Deut- schen entscheidend schlagen. Diese Niederlage ist nun auf Protest hin annulliert worden, da Stolzenwald bei dem Kampf auf den Kopf fiel, schwer benommen weiterkämpfte, aber sofort erlag. Am Dienstagabend wurde erneut die Entscheidung ausgetragen.' Hier siegte nach kurzer Zeit Stolzenwald mit Armzug aus dem Stand in der 19. Minute. Im zweiten Entscheidungstampf standen sich der Schweizer R. G r ü n e i s e n und H. Kawan- Wien gegen- über, der nach S4 Minuten durch Doppelarmzug den Sieg an sich brachte. Der Franzose Favre betrat nach längerer Zeit wieder den Ring und warf den Berliner G o ck s ch durch Schusterfallgriff. Zum Schluß lieferten Kopp- Jugoslawien und F. Kawan. Wien einen interessanten Kampf. Nach 17 Minuten scheiterte der Wiener an der Kraft des Slawen, der durch Armzug am Boden siegte. Mittwoch abend traf Leskinowicz auf den Tschechen Pro- Sa s k a im Entscheidungekampf. Nach einem blitzschnell gezogenen eberwurffallschwung brachte der Lette nach einer Ge- samtzeit von 42 Minuten den Tschechen auf die Schultern. Pro- chaska erlitt hiermit die fünfte Niederlage und scheidet somit aus der Konkurrenz aus. Der Entscheidungskampf zwischen Pogrzeba und Steinte erlitt eine Unterbrechung, da Pogrzeba in der 2S Minute sehr heftig auf die linke Schulter siel und wegen zu großer Schmerzen den Kampf ausgeben mußte. K i- netzki gegen Stolzenwald und G. Grüneisen gegen Kopp- Jugoslawien trennten sich unentschieden. Heute abend am Kaiserdamm. Während der erste Arena-Nampfadend nur im Hauptereigni» Schwer- gewicht« in den Ring bracht», ist der Freitng.Nampsabend am Naiserdamm sali» Halle) mit einer Ausnahme den halbschwercn und schweren Gewichten schmack des Berliner Publikums, denn auch die Einleitung wird von zwei tlbschwergewichten betritten: Max Dieckmann(Deutschland) und N r e u ch i chweiz). Im vierten Kampf begegnen sich die Bantamgewicht» S« r a r d ngl(ind) und gi em d o r f(Deutschland). Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, dem 29. September. 1. Rennen, t. Abteilung, l. Mannestreue(Dippelt), S. Tibet (BiSmart). 3. LmZdent(fauler). Toto: 8t: lv. PlaH: 2t, 21, 21; 10. Ferner liefen: Mohn, Heldraslein, Georgitttter, Kriegsgewinnler, Staffelstein. VoltZrache, Solo.— 2. Abteilung. 1. Osando(Biltner), 2. Die KSnigin (Klotz), 3. Sonnenkönig(Leutn. v. Gätz). Toto: 30:10. Platz: 18. 23. 21: 10. Ferner liesen: Namen. Alexander der Grotz«, Anliope, Parsisal, Cherry Brandy, Frühlingsbote, Quo vadis. 2. Rennen. 1. Enzian(Üeutn. v. Götz), 2. Magier(Lenin, v. Horn), 3. Rache(v. Borcke). Toto: 34:10. Platz: 14, 22, 14: 10. Ferner liefen: Möros, Pommer, Allantle. AmerSsoort, Diamant. 3. R e n n e n. 1. Medina(Zachmann), 2. Made(Derlei), 3. Franzis (BiSmarl). Toto: 20: 10. Platz: 12, 11, 14: 10. Ferner liesen: Blitzlicht, Fairh, Fahnenwacht, Fr. H. Maune. 4. Rennen, 1. Maestoso lThiel), 2. Waisenknabe(H. Schmidt), 3. Traumliese(Hauser), Toto: 2b: 10. Platz: 13, lb, 17: 10. Ferner liefen: Naw-Nam, Abenteurer, Marc Anton. b. Renne n. 1. Rivalin(Derschug), 2. Golondrina(Moritz). 3. Greis (Kohoutek). Toto: 44: 10. Platz: 18, 16 j 10. Ferner liesen: Spala, Altpreufie, Burgbrohl. 6. Rennen, t. Felsenfest(Ackermann), 2. Erlkönig II(Häuser), 3. Karodame(Schüller). Toto: 25: 10. Platz: 16, 18, 25: 10. Ferner liesen: Dompfaff, Anctlla, Goldener Friede, Brünne. Maimorgen, Perseu», Frage, Treu und Glauben, Leonarda. Prüm. Norge, Malkasten. 7. R« n n e n. 1. Stattliche(Baumgärtner), 2. Prinzeß Frohsinn v. Jmhos), 3. Tanntönig(Walter). Toto: 66:10. Platz: 27. 32. 33: 10. Ferner liefen, Favorttln, Maid, Thrhsolith, San Marco, Ralibor, Ostgolin, Siegreich, Sonne. vee ausgezelchaele Belgier wouler» gibt sein vebul aus der«ütt-Arena. Beim Drei-slunden-Rennen aus der Rült-Arena am kommenden Tonmag- nachmittag wird man wieder einige neue Gesichter zu sehen bekommen. Jetzt hat Rült noch Wouter» verpsttchtet, einen Fahrer, den die deutschen Radiporifreund« dem Namen nach insolg« seiner vielen großen Erfolge aus Lahn und Straße in Frankreich und Belgien bereits kennen, der aber zum erstenmal in Deutichland am Start erscheint. Dkr junge und sehr k> ästig« Belgier, der auch am kommenden Brüsseler Sechstagerennen teilnimmt, erhält ebenfalls«inen Landsmann zum Partner, und zwar den kleinen C r a« t, der schon einmal aus der Rült-Arena mit gutem Erfolge startete. — Auch die Verpflichtung Frankenstein« ist inzwischen ersolgt, lern Partner Ist Earpu». Weller finden wir Tonani mll Koch, Lorenz— Tietz. Ehmer— Kroschcl, Dorn— Nickel, Weher— Kantorowlez. Kodzierkt— Schwemmler, Behrendt— Krüger und Longardt— Paffenheim. Alle« in allem ein Feld, da« da« letzte Maniischast«rennen der Rült-Arena lebhast gestalten wird. si Malen an« 9kie DieatrUgei ucker gratis! si Zadu »76- 1427 Sie erbalttfl»d freilag« de« 10. September bf$ Montag, de« Z- Oktober 1027 a«f Kaffee«ad Kakao bei€inki«rea vo« V« Pfd. aafmdrti Zvcker gratis und«mar ebmwiel Zucker all Sie Kaffee und Kakao kaufe«, f Ii ie Ivo Gramm Cee wird V« Pfd. Zucker abgegeben. Ofer ai$ Erster rou ieveili iss Kunden 1 Pfd. Kaffee oder Kakao bzw. Vi Pfd. de kauft, erbilt s Pfd. Zucker gratis. Vorträge, vereine unö Versammlungen, # Reichsbanner»Schwarz-Rol-Gold". Gelchästsltelle: Bcrlin E 14. Eebastianür. 3TI3S. Sof t Tr. Scnntoq, 2. Oitobct. Nevlöll-'Briß: 10 Uhr Steffen Echiitzenhaus. — Zttptoai Sämtliche«amctobfchoflcu 14 Uhr Antreten jnm Ar- feitebienft auf bem Sportpla«, Aarlshorst.—«reiz Nieberbatuim-Rerb-Äetnau: Pflichtueranstaltung in Blumberg. Eintreffen bbrt jwifchen 14 unb 15 Uhr. Abfahrt aus Bernau lO'e Uhr non 3Robifch mit AngehSr>i,en im Lastauto. ? ii-ttehr 11 Uhr.— Ablcrshof fKamerabfäzaft. En-rtgruppe): 9 Uhr auf bem Platz gegenüber bem MTV.-Platz, an ber Birfenallee. Hanbballtraining.— Scmpelbof: Sonnabcni. 1. Oktober, 17 Uhr, Ladfahrcr. Treffpunkt Berber-, Ecke Vikwriastraße. jinter- »eichabnnd der AriegebetchSbigten, Zfriegrteilnehmer rrnb Zkrfegrrhln btievenen. Bez. Zentrum. Wontag, 3. Oktober, im Pofenthater Hof, Rofen thaler Str. 12, Monatsversammlung. Referent Kam. Zeitz:„ikritik." Schloßstr kurzschrift erteilt Otto Abam, Eharlottenburg 5, Sophie-Eharlotte-Str. 78, Telephon: Westend 1550. Der Berliner Orcheftervereia Sreseeado 1875 Hot sich die Aufgabe gestellt, klafsifche unb moberne Musik z» pflegen, llebungeabenb feben Freitag 20 Uhr im Vereinslokal. Wichertftr. 84. Streicher unb Bläfer willkommen. Arbeitsgemeinschaft für Forftfchntz und Ratnrkunbe, e. V. Sonnabend, 1. Oktober, vogeliunbüche Wauderung am Müggelsee. Treffpunkt 18 Uhr Friebrichshageu, Städtischer Park, Tunneleingang. Führung: Herr Dr. Weg. ner, Vorsitzenber vom Zweigverein Perlin des Bundes für Pogelfchutz und des Vereins für Falkenvogetfchutz, Leiter des Planetariums. Verband der Lungen- und Tiiberlnlofe-Erkrantten Deutschland,(Sitz Berlin). Seschäktsstelle: N. 20, Schänstedtstr. 1, vorn I Tr., Zimmer 121. Sonnabend, 1. Oktober, 19 Uhr, allgemeine Funktionärkouferenz in der Sefchäftsstelle. Jüdischer«rbeiter-Kulturnereia, Rosenchaler Str. 39. Sonnabend, 1. Okto- berg, 20 Uhr, Vortrag Julian Borchardt:„Kapitalistische Kolonialpolitik/' übergibt man nur dem Nachweis de, Deutschen Musikerveedaubes, Berlin. Koni- manbantenstr. 83/64. Dönhoff 3277-78, Belchäftszeit 9—5, Sonntag, 10—2 Uhr. Auf Wunsch: Brrtreterbefuch. Theater LiMl�lele OfW. »»»>>«»» ß3UiSuiSS Tii621E Norden 10334— 37 R Uhr, Ende 11 Uhr MoaUli Schouspiei von öbakespeare Karamerspiele Norden 10334—37 8V,U. Ende 10'/, U. Zum 25. Male: Ihr Mann Lushpie! ron Panl Giraldy Die Komödie Bismarck 2414/7516 8'/, Uhr, Ende lOVj Zinsen Komödie von Bernard Shaw Ab l. Oktober allabendlich 11 Uhr IfeliöD-HadiMtem Die Liter von Berlin Sonntags 2 Vorstellungen 4>.z u.ll Uhr PiscatorbObne Ihsat. t. KoileDdorfpial! Kurfürst 2091/93 8 Uhr Hoppla, wir ieHen von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator Eabn. Stohrana. V/allhoeuer, ousti, Qiieti. Ctanadi. Hauaemaan, Uollmug, Siina, lwtrl. itiiaospisüiaBS. rägl. El Ende SU. trmam HU. 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So weit wäre olles in bester Ordnung, wenn nicht in diesen Cafes die Seuche gezüchtet würde, gegen die es eine von Staats wegen eingerichtete Institution gibt, wenn nicht in diesen Restaurants, Häusern, Wohnungen die Heuchelei ihr dreckiges Heim hätte, das sittenwidrige Spielen der Gents um nacktes Fleisch, das gemein« Buhlen vermaledeiter, be- dauernswerter, brillantenbehängter, kranker Nurweiber um die Gunst der Reicbsten, wenn nicht die Heuchelei, die Speichelleckerei, die verborgene Gemeinheit, die gemeine Verborgenheit m jenen Kreisen der Reichen und angeblich Vornehmen so erschreckend groß wäre. Di« Heuchelei ist ja bei arm und reich des deutschen Vaterlandes, auf dem Boulevard wie in der Mulackstraße, ein liebsamer Mittler zu Greueltaten. Gebiert die Tochter des Kommerzienrats T. ein unehe. liches Kind, so wird der„Fall" im günstigsten Falle mit dem Mantel der Liebe zugedeckt, die Mutter dann eben mit dem zwar armen, ober edlen Gerichtsassessor verheiratet. Fühlt das Dienstmädchen des Herrn Kommerzienrats sich schwanger werden, so hat sie im un- günstigsten Falle das Schicksal jener Frieda Ahrendt, deren linkes Decken in grauem Packpapier oerschnürt, verwesend im Schilf der P-anke vielleicht, vielleicht auch sich in einem stinkenden Kohlenkeller herumtrieb. Ich habe einen Kaffee in dem von Perversität parfümierten Bouleoordcafä getrunken und begebe mich in die niedere Mulack- straße in den Keller der Witwe Piperski Ihr, die ihr über sozialen .Kommunismus jebet, kennt ihr den Keller der achtmal vorbestraften Leonor« Piperski? Wir haben ein romantikarmes Berlin, in unseren Kaschemmen finden wir keine Nigger und Chinesen, die mit gesunkenen Hof- damen, mit gepcischten Haremsfrauen sich Stelldicheins geben. Wir sehen in unseren Kaschemmen der nackten Wahrheit in die erbärm- liehe Schnauze. Unser Berlin ist auch— dem trotz ollem göttlichen Paris nicht zu vergleichen. Dort in Paris machen die Menschen keinen Hehl daraus, daß irgendeine kleine Nebenstraße, eine sog» nannte„ruelle", vor Mist erstarrt, während der Boulevard mit seinen von Limousinen glattgefahrenen Dämmen sich widerspiegelt in Edelsteinen aller Sorten, Perlen, kristallenen Fensterscheiben. Es ist imposant, solche Offenheit, dieses Bekenntnis ist großartig. Nun, ich sitze jetzt aber in unserer Gegend der Armen, des Elends, der Baufälligkeit, der zur Prostitution prädisponierten Frauen. Im Lokal der schweren Lore ist noch nicht viel Treiben. Di« Gannooen sind heute im Winkel, denn sie haben Bammel vor den Versteckten. Die Spinnen sind noch in Schicht und Kruke.— Ihr kennt Kruke nicht?— Kruke also ist zu Beobachtung im Irrenhaus. Da sitzt nun solch ein Wesen in der Ecke mit nackten Armen, beflorten Waden, lüsternen Schenkeln, gedunsenem Gesicht und stiert, stiert. Am Klavier sitzt ein Individuum und hämmert auf ver- rosteten Saiten eine vulgare Parodie auf Dalencia. Das Wesen hat den wasserstoffblonden Kopf auf der Tischplatte liegen,' die Anne hängen schlaff herunter, die Beine streckt es weit von sich. Da gehe ich nun hin zu der Piperski, die hinter dem Schanktisch lehnt, und frage sie im Mulackjargon:„Wat is'n mit die da? Da schnäuzt sich die schwere Lore, gießt einen Kümmel durch die Kehle, schlägt mir derb auf die Schulter und sagt mit rauhem Baß:„Die da, Mensch, frag' ma doch nich so dämlich, det siehst« doch."„Sie ist wohl von besserer Herkunft?" erlaube ich meinem romantikbedürftigen Herz zu fragen.„Ach, wo denn, Mensch, de Mutta ooch schon." Da nun hebt das Wesen seinen Kopf. Und aus dem schwammt- gen Gesicht stieren mich zwei groß«, blöde, traurige, degenerierte Augen an. Ein lüsterner, lachend geschminkter Mund aber murmelt: „Elendes Hundeleben." Dann fällt der Kopf mit dem grauenvoll blonden Haar wieder auf den Tisch. Die Piperski ist still, aus der Eck« klingt ein schnarchender Ton:„Elendes Hundeleben." Das nun ist Vererbung, o, ihr Herren der Kultur! Vererbung der Prostitution, o, du gebenedeite Kultur! » Da ist am Boulevard ein Theater. Es ist ein ganz kleines Theater mit Sesseln aus Samt und es sieht aus wie eine große, köstliche Bonbonniere und die Menschen darin sind die Pralinen, nach außen hin mit buntem Stanniol überzogen, jedes hat«in anleres Muster, jedes ist auf einen anderen Geschmack zurechtgemacht, das eine schmeckt säuerlich, das andere intellektuell, das dritte alkoholisch. Und doch sind sie alle gleich, die menschlichen Boulevard- theaterpralinen, alle bestehen aus Zucker und Kakaobutter. Doch Kakaobutter wird oft ranzig, bösartig, und da muß denn die Nanzigteit verdeckt werden durch Intellekt, Säuerlichkeit ufw. Es ist eine Nachmittagsvorstellung für die Kinderlein jener reichen Leute... Es wird ein« Kinderrevue gespielt. Kinderfräulein, die sich von den Bätern der Kinderlein küssen lassen, well man sie sonst rausschmeißen würde, die Kinderfräulein also geben den Kindern ihr« Ansicht über das Schöne der Revue und streicheln die blonden Bubiköpfchen und achten darauf, daß auf die weihen, reinen Fingerchen kein Schmutzkörnchen gerät. Noch wenige Jahre, dann werden die Kinderlein junge Schnösel auf Barstühlen sein und freche, herausfordernde, arrogante, sogenannte Backfisch«. Nicht lange noch und sie werden lustig in die Nacht hinein leben, werden vielleicht arbeiten, vielleicht die Syphilis haben, flirten, intellektuelle Hornbrillen haben, klug über sozial« Gesinnung debattieren. Jetzt aber sind sie noch junge Kinderlein und lassen sich die Röckchen von der Zofe der Mama plissieren und von der Tante Ida Schoko- lade in die Mäuler stopfen. Und dann, während die Kinder, die bunten gepflegten Kinderlein aus dem�Theater gehen, sehe ich in Gedanken ein Haus im Norden unserer Stadt, weit entfernt von hier, in der Mulackgegend. Der Hof, jener typische Mulackhos, ist erfüllt von dem Gestank der Müllkästen, der Stuck ist von den Wänden gefallen und da blakt nun das nackte, rote Ziegelwerk in den dämmernden Abend. Die Katzen schreien, eine alte halbzerfallene Pumpe steht da, und die Kinder, o, diese armen, verwahrlosten Mulackkinder balgen sich. Da steht nun solch ein kleines Mädelchcn mit einem kecken Naschen und einem schillernden Etwas auf dem Leibe. Und die anderen Kindl«in beneiden das kecke Mädelchen um das schillernde Etwas. Da meint solch«ine etwa zehnjährige Rotznäse zu den kleinen Mädchen: „Laßt man. ihr kriecht valleicht eenen Mann, die da kriecht ober e«n janzet Schock." Und dann gießt die etwa zehnjährig« Rotznäse «in« halb« Flasche mit Pumpenwasser verdünnten Sprit in die Knabenkehle. * Wir sahen einig« große Filmwerke. Wir sahen einen Film von ungeheurer Wucht, das Werk eines genialen Mannes, der dann, als ungefähr ein Achtel des Volkes von ihm hingerissen, begeistert worden war, von der Zensur verboten wurde und erst nach Schnitten, die den Charakter des Filmes vollständig verschwinden ließen, freigegeben wurde. Wir sahen auch Filme einer begnadeten Künstlerin, die das Wagnis unternimmt, in Dirnenseelen zu kriechen, um uns unser« verlogene Kultur darzulegen. Wir haben diesen einen Film, die Tragödie einer alternden Dirne, gesehen und haben uns gebeugt vor der großen Kunst Asta Nielsens. Vor der großen Mensch- lichkeit, vor ihrem Lächeln im wehen Schmerz, vor ihrem Verzicht auf billigen Scharlatan. Da haben wir noch eine andere Darstellerin von Dirnengeschöpfen, sie ist blond, lieblich, katzenhast begehrend, wundervoll in der Nuance. Wir haben einen Schauspieler mit den Zügen eines Bettlers, verworfen und gemein in der Kraft seiner Gestaltung, schutzflehend und hilfesuchend. Wie wäre es, ihr Herren, einen Film zu schaffen, einen Film, der von der Zensur nicht verboten, sondern als künstlerisch hoch- wertig erklärt würde, wie der Nielsensilm(wir haben eine Zensur, jawohl). Wie wäre es, einen Film zu schaffen kraß und nuanciert, mit einem Zweck ihn zu schaffen. Mit dem Zweck, daß Proleten- mädchen nicht vom Leben mit der Prädisponierung zur Prostitution gestraft seien, wenn sie nicht mit dem Qualm der Fabriken vorlieb nehmen wollen. Mit dem Zweck, daß die Kindxrlein der Reichen nicht für Tanzbar und Hausball nur erzogen werden, daß sie, die Ganzjungen aber Vielwisseuden, daß sie die 85 Proz. aller Prostituierten, die heute durch Not, soziale Lage, Erziehung zur Polizeiaufsicht vorbestimmt sind, o, daß sie diese 85 Proz. verringern helfen. Steckt ihnen nicht zuviel Schokolade in die Münder, denkt an die Kinder, die Menschen werden könnten wie eure, denkt an sie, die kein Hemd besitzen, die auf Mulacksteinen ihren kümmerlichen Schlaf finden. Denkt an jene Mulackkinderlein. » Die kleinen Mädchen, denen man in der Großstadt so häusig begegnet, die kleinen Mädchen aus der Mulackstraße, die sich sehnen nach Glanz und Licht des Boulevard, die kleinen Mädchen, die in den Kientöppen scheu sich Weihrauchdünste und Gentlemans erträumen und die nach schwerer, pesnvoller Arbeit, nach ihrer vermaledeiten Groschenfron den Boulevard bevölkern, sie versinken, wenn ihnen die Assimilation nicht gelingt, in den tiefen Sumpf, sie stehen dann neben denen, deren Mütter schon wie sie standen, sie stehen dann tierisch und harren. Nur 15 Proz. aller in der Mulackgegend ge- borenen Prostituierten sind aus dem Hang zum Wohlleben und zur Lust zur Dirne geworden. Aber S5 Proz. aller Boulevardcafä- dämchen, die Assimilierten und die von oben herab Gesunkenen, tragen— wozu schweigen?— die Seuche in allen Phasen. Aber weiter wird geflirtet, getanzt, geliebt, bis eines Tages Mulack zum Boulevard kommt, Mulack mit Weibern, rachitischen Kindern, Gannooen der schweren Lore, Mulack mit elendem Hunde» leben, Brennspiritus und Dirnen. Bis einmal Mulack am Kurfürsten- dämm steht und, die verhungerten Knochen aneinanderklappend, den lüsternen, lachend geschminkten Mund bewegend brüllt: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! öeilage ües vorwärts Hermann Suöcrmann. Zu seinem heutigen siebzigsten Geburtstage. Von John Schikowski. Fast zu gleicher Zeit erschienen Hauptmann und Sudermonn mit ihren dramatisch«» Erstlingen aus der Bühne. Im Herbst 188ll wurde Hauptmanns soziales Drama„Vor Sonnenaufgang" und Sudermanns Schauspiel„Die Ehre" im Berliner Lessing-Theater ge- geben. Beide Premieren hatten Sensationserfolg«. Allerdings grund- verschiedener Art. Sudermonns Stück, vom L«ssing-Th«ater-Direktor Oskar Vlumcnthal schlankweg um den letzten Akt gekürzt und in dieser Gestalt inszeniert, riß das Publikum zu einhelliger Begeiste- rung hin.„Bor Sonnenausgang", im Nahmen des Vereins Freie Bühne gegeben, entsesseltc wilde Kämpfe, die schon während der Vorstellung im Zuschauerraum tatkrüfliq einsetzten und dann in cnd- losen Pressesehden sich austobten. Für Hauptmann begann zunächst der Leidensweg des ringenden Dichters: Sudermann beschritt sogleich die sicher« Triumphstraße eines Günstlings der bürgerlichen Menge. Hauptmann, durch Arno Holz angeregt und geleitet, bemühte sich, dos Wesen eines neuen dramatischen Kunststils zu erfassen: Sudermann, Schüler der Pariser Sensatidnsdramatik, studierte mit Nutzen die Bedingungen des Bühnenerfolges. Im Kulturleben Deutschlands waren damals fundamentale Um- wälzungen geschehen. Di« Aera Bismarck hatte den, Bürgertum das moralische Rückgrat gebrochen. Ihm nur ein Ideal gelassen: Geld erwerben. Technik und die ihr dienendcü Naturwissenschaften herrschten im Reich der Geister. Das Bolk der Dichter und Denker war realpolitisch geworden. Was keinen unmittelbar praktischen Nutzen bracht«, hatte keinen Marktwert. Das galt nicht nur für die Wissenschaften, sondern auch für die Künste. Diese hatten ausschließ- lich für die Unterhaltung und Zerstreuung des Bürgertums zu sorgen. Diesem Bürgertum erstand im Derfasser der„Ehre" der rechte Mann. Er war aus anderem Holz geschnitzt als die Lindau und Vlumenthal, deren Theaterkünste mit der Zeit denn doch als etwas schal befunden wurden. Er wußte sein Publikum ebenso gut und besser zu amüsieren als jene und er ermangelte daneben nicht einer gewissen majestätischen Würde. In feinen Dramen behandelte er ernste gesellschaftliche Probleme. Aber nicht in jener für bürgerliche Zuschauer meist peinlichen Form, wie etwa Ibsen es tat. Die Fragen, die er auswarf, wurden in einer Art beantwortet, die weder den Familienfrieden noch die Verdauung stören konnte. Auch politisch stand er Schultor an Schulter mit dem liberalen Bürgertum, das in den Theatern die besseren Plätze füllte. Dieses Bürgertum belächelte längst die Träume seiner liberalen Jugend- und Heldenzeit und Sudermann handelte ganz im Sinn und Geist dieser Kreise, wenn er im„Sturmgejellen Sokrates" die alten Achtundvierziger oerncht- lich zu machen suchte. Kein Wunder, daß man ihm zujubelte. Und kein Wunder, daß er auf dem einmal betretenen und als gewinn- bringend befundenen Weg« zielsicher fortschritt. Indessen begegnete ihm auf diesem Wege von Anfang an auch eine scharfe Opposition. Schon bei seinem ersten Erscheinen hotten sich kritische Stimmen vernehmen lassen, die darauf hinwiesen, daß dieser Liebling des Bürgertums zwar ein sehr geschickter Theater- mocher, aber mit Nichten ein Dichter sei. Es waren die Stimmen derer, die sich um Holz und Hauptmann scharten und eine Erneue- rung der Dichtkunst im Geiste naturalistischen Stilwillens erstreb- ten. Diese jungen Lilerawrrevolutionäre wollten natürlich eben- salls das Publikum für ihre Sache gewinnen. Aber nicht dadurch, daß ste zu ihm hinabstiegen und ihm schmeichelnd Konzessionen machte», sondern indem sie ihm das Verständnis erschlossen für den grausigen Verfall der Künste und für die neuen, reineren und höheren Ziele, zu denen sie in ehrlichem Bemühen die Cirtwicklung leiten wollten. Auf diesem Weg war Sudermann ihr stärkstes Hindernis. Klug und geschickt benutzte er einzeln« Errungenschasi«� der neuen naturalistischen Kunst, aber er vermengte sie in seinem Streben nach sicherer Bühnenwirkung so sehr mit Bestandteilen des alten, zu überwindenden Stils, daß der Geschmack des Publikums verwirrt und die Entwicklung gehemmt und geschädigt wurde. Die große Mehrheit der Theaterbesucher und der einflußreichen bürger- lichen Kritiker rechnete ihn zu den modernen Naturalisten und stellte ihn den jungen Neutönern, die noch keine Bühnenerfolge errungen hatten, als Borbild und Muster entgegen. So erntete er, wo die anderen geackert hatten. Der Lauf der Entwicklung führte dann zum unbestritteneir Siege des neuen Stils, deren Äeußerlichkeiten Sudermann benutzt hatte, der ihm letzten Endes aber immer wesensfremd geblieben war. Das deutsche Publikum lernte echte Kunst von Talmikünsten nnter- scheiden. Wirkliche dramatische Dichter, wie Hauptmann, Halbe, Hartleben, Wedekind hoben den geschickten Theaterroutinier aus dem Sattel. Seit zwei Jahrzehnten ist es still und stiller um ihn ge- worden. Und als gar, in unseren Tagen, eine neue Künstler- generation heranwuchs, die auch von den Idealen des Naturalismus nichts mehr wissen wollte, wurde Sudermann endgültig zum alten Eisen geworfen. Sein Name wird in der Theatergeschichte als der eines Schöpfers dankbarer Rollen weiterleben, die manchem großen Darsteller Gelegenheit gaben, wirksam« Bühnengestalten auf die Szene zu stellen. In der Geschichte der dramatischen Dichtung wird er keinen Platz finden.__ Ein Deckeneinsturz vor 4000 Zahren. Die vom Staate unter- nommenen Untersuchungen der Gipshöhle, der sogenannten „Diebeshöhle" bei U f t r u n g e n zwischen Kysfhäuser und dem Harz, die von dem Privatdozenten an der Universität Münster, Dr. Andres, geleitet wurden, sind jetzt zum Abschluß gekommen. Es wurde die außerordentlich bedeutsame Tatsache festgestellt, daß die Diebeshöhle eine menschliche Wohnstätte im Boginn der Bronzezeit, etwa um 2000— 1500 v. Chr., gewesen ist. Zerstreut hat man die menschlichen Skelette von 8 bis 10 Erwachsenen und 3 Kindern ge- funden. Es ist anzunehmen, daß diese bei einem gewaltigen Decken- einsturz der Höhle vor 4000 Jahren verschüttet und zugrunde gegangen sind. Neben den menschlichen Skeletten und Knochen wurden zahlreiche Tierknochen, Steinbeile aus Diabas, Gewand- nadeln und Pfrieme aus Knochen und dergleichen gefunden. Ein Explosions-Athlel. In Baden bei Wien hat sich ein junger Athlet auf wunderbare Weise trainiert. Er raucht lange Zigarren, in denen eine Ecrasitpatrone angebracht ist. Wenn er merkt, daß der Explosionsmoment nahe ist, nimmt er die Zigarre zwischen seine Zöhne und läßt die Explosion erfolgen. Er hat sich so in der Ge- walt, daß er den Kops vollkommen still hält und den Rückstoß durch Anspannen seiner Nackenmuskeln aufhebt. Wenn ein gewöhnlicher Mensch eine Ecnasttzigarre rauchen würde, so würde ihm der Stoß fast den Kopf abschlagen. Der junge Atblet hat seine Nackenmuskeln aber so trainiert Und gestärkt, daß er sich durch einen Freund die Spitze eines Messers während der Explosion hart hinten an den Hals halten läßt, ohne daß ihm dabei irgend etwas geschieht. Frauenjournale und Schristslellerinnen in Ruhland. In Ruß- land gibt es gegenwärtig 16 Zeitungen, die ausschließlich von Frauen geschrieben werden und eine Tagesauslage von 397 900 Exemplaren haben. Außerdem erscheinen noch sechs weitsrx Blätter mit einer Durchschnittsauflage von je 2000 Exemplaren, die sich ausschließlich an den weiblick�n Leserkreis der nationalen Minderheilen Rußlands wenden. Die Zahl der Frauen, die als Zeitungsbcrichterstatterinnen tötig sind, betrug im Jahre 1926 12 600 gegen 9000 im vergangenen Jahre. Teure Bufter-�j*�/ mmm Relchelts Dellkateft-Margarlne schmeckt wie Butter und Ist um die Hellte billiger. Unsere DeilkatelS-Margarine. hergestellt mit frischer Milch und gebuttert wie Naturbutter, wird täglich direkt In die 150 Relchelt-Ufiden geliefert. Die Qualltaten sind daher immer frisch und hervorragend In Geschmack und Aroma. Relcheits«.Oberalles** Pfund 1.20 Mk. Relchelts..Allerfelnste*«„ i.oOMk. Um Sie von den groben Vorzügen zu überzeugen, erhalten Sie bis zum 6. 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