�benSausgabe Nr. 465* 44. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 224 SeiussMiintungt* und Vnidgtssicitt find in der Mnrgenaneaab« aneeaebt* aedof Hob: STD. SS, Cladenff rag« t Zernspracher: VSnh-ff 292— 292 Xst-Udccffe: Sojlaldcntofcat Baclia NO Derlinev VolksltlÄkk pkeiznis) ßreitag 30. September 1 �27 »erlag und»n«eigenabt«ilNBgi S-kchSft»,ett»zb bi» S Uhr O erleget: OottoatlS'Octlog GmbH. SctllB SM. et, Cta&enf(ta(ie S ZerBsprecher i VtBhoy 292— 29? Zentralorgan der Sozialdcmokrattfchcn Partei Deutfchlands Gegen die Todesstrafe. Keine VoNstreckung von Todesurteilen in Hesten. Darmstadt, Z0. September. Der hessisch« Landtag erledigte in seiner gestrigen Sitzung eine große Anzahl von Anträgen, darunter einen sozialdemokra. tischenAntrag. wonach die Regierung sich s ü r Aushebung der Todes st rase bei der Reichsregierung einsehen solle. Der Antrag enthält außerdem die Forderung, dich die hessisch« Regierung keine Todesstrafe in Hessen mehr vollstrecken lasse. Der Antrag wurde angenommen. Verlängerung öer Krisenfürsorge. Verordnung des ReichSarbeitsministers. Der Reichsarbeitsmini st er hat die Krisenunter» st ü tz u n g auch für die Zeit nach dem 30. September 1927 bis zum Zl. März 1328 für die Berufe zugelassen, für die sie bisher zugäng- lich war. d. h. für die Gärtnerei, Metalloerarbeitung und Industrie der Maschinen. Lederindustrie, das holz, und Schnitzstosfgewerbe. Bekleidungsgewerbe und sämtliche Angcstelltcnberufe. Die Bestimmungen sind dabei in einer Reihe von Punkten geändert worden. Für Arbeitnehmer, die sich am 39. September bereits in der Krisenfürforge befinden, oder die am 30. September bereits Erwerbslos enunterstützung beziehen und später in die Krisen- fürsorge übergehen, gelten aber die bisherigen Best im- m u n g e n über höhe der Unterstützung und Prüfung der Bedürftig. keit weiter. die Preußenanleihe. Verschiebung der Auflegung auf längere Zeit? New Jork. Z0. September. Eine Meldung des dl« Wallstreet vertretenden»Z ouraal of Commerce" gibt zwar die Bedenken der amerikanischen Regierung gegen die Auslegung der Preußen-Anleihe wieder, drückt aber trotzdem die Erwartung aus, daß sich die Bedeuten be- seiligcn lassen würdeu, nachdem Schacht demcutiert Hab«. Da»„Zournal os Commerce" übt starke Kritik an der Anleihe» zensur der Regierung und erklärt, diese Zensur tönue viel- leicht die Ausmerksamkeil des Kongresse« aus sich zlehen. Das Blolt deutet an. daß die Auflegung der Preußen-Anleihe vielleicht noch längere Zeil auf sich warten lassen werde, da die Stellungnahme der Regierung zu der Anleihe zu starten Ein» druck gemacht habe. Diese Meldung deckt sich Im allgemeinen mit den anderen heule in Berlin vorliegenden Meldungen. I Herlin und öle Schulvorlage. Eine Tenkschrift. Stadtschulrat Rydahl begründet in einer Denkschrift die Einwände, die die Stadt Bert in gegen den ReichsschulgesetzenNourf zu erheben habe. Er schließt sich den Forderungen des Städtetages on und verlangt darüber hinaus eine Abänderung des Regierungs- enlwurfs noch folgenden Gesichtspunkten: 1. Dem S ch u l la ste n t r ä g« r ist in jedem Stadium des Verfahrens für die Errichtung neuer Schulen ein Mitwirkung?- recht einzuräumen, 2. Der Begriff des„geordneten Schulbetriebes" muß so um- grenzt werden, dolß die gleichmäßig« Entwicklung hochstehender Schulwesen nicht, durch Bildung von Zwergschulen gehemmt wird./ 3. Die Mitwirkung der Religionsgemeinschaften bei der Schulaufsicht muß: n Fortfall kommen. 4. Die aue, der Durchführung des Gesetzes sich ergebenden Mehrkosten sind vom Reich zu übernehmen. Für die Stadt Berlin berechnet Genosi« Rydahl die aus dem Gesetz entstehenden jährlichen laufenden Mehrausgaben aus min- d e st e n s 2� P! i l l i o n e n M a r i, die einmaligen Mehrausgaben auf etwa 10 Millionen Mark. D er Machtkampf öer Kirche. < Blutige Gefechte in Mexiko. Mexiko, 30. September. Zwischen iBundestruppen und Aufständischen unter Befehl des katholischen Priesters Senado bei Los Mezquites(im Staate Iaiisco) kam es zu einem vierstündigen Kampf-, 14 Auf. ständische würben getötet und zwei gefangengenonimen, darunter auch Pater Senado. der vor ein Kriegsgericht gestellt und kurzerhand Hingericht e,t wurde. Bei einem'zweiten Gefecht im Staate Lalisco. dos drei Stunden dauerte, ließen'die Aufständisch«, IL Tote und mehrere Verwundete auf dem Kampfplatz zurück. i ' Koennecke abgestürzt. Flugzeug beschädigt.— KHeger unverletzt. Bagdad, 30. September.(Realer.) koeanecke i..st heule morgen beim Wflug vom Flugplatz mU seiner Maschine� abgestürzt. Das Flugzeug ist beschädigt, die Flieger blieben unverletzt. St. Collis vom Wirbelsturm zerstört. Das Werk von fünf Minuten.— Ganze Stadtteile in Trümmern.— 1OO Tote. London, 30. September. Räch Meldungen aus Rem Jork ist die Stadt Sl. Louis gestern von einem schweren Wirbel stürm heimgesucht worden. Die Zahl der Toten wird auf SO b i« SO geschäht, da jedoch der Zustand einer großen Anzahl von Verwundelen hoffnungslos ist, muß mll melieren Todesopfern gerechnet werden. Der durch den Wirbelsturm angerichtete Schaden Ist außerordenl» lich groß: die Verbindungen find sämtlich unterbrochen, die Hospitäler überfüllt. Der Sturm, dem ein wolkenbrucharliger Regen folgte, war so heftig, daß die Fußgänger nicht gegen ihn ankämpfen konnten. Die Rationalgarde ist nach der Unglücksstälie entsandt worden. Reben St. Louis haben auch die Staaten Arkansas und Oklahoma schwer unter dem Wirbelsturm gelitten. Die Verbindungen mit ver» schieden«, Bezirken im Staate Arkansas find unterbrochen. es ist da» her nicht bekannt, ob auch dort Verluste an Menschenleben zu verzeichnen sind. Der Tornado wird als der schwerste seil 1836 be» zeichnet, wo 140 Personen ums Leben kamen. 166 Tote, 466 Millionen Mark Schaden. Rem Park, 30. September. Die neue schwere WirbelsturmkatastropHe in Amerika, die dies- mal die Stadt St. Louis und mehrere kleinere Mississtppi-Ort- schaften heimsuchte, ereignete sich gerade in den frühen Nach- Mittagsstunden des gestrigen Tages, wo naturgemäß der lebhafteste Straßenverkehr herrschte. Innerhalb fünf Minuten raste der Sturm mit 90 Meilen Geschwindigkeit über St. Louis hin- weg. Ganze Stadtteile waren mit einem Schlage ein Trümmer- feld geworden. Umgeworfene Autos und niedergeworfene, geknickte Laternenpfähle bedeckten die Straßen. Ueberall sah man Menschen, die unter den Häusertrümmern begrabene Angehörige suchten, um- herirren. In dem Ort Rudy(Arkansas) hat der Sturm nur den Bahnhof stehen lassen. Der ganze Ork Ist sonst zerstört. Kurze Zeit nach der Katastrophe erstrahlte Heller Sonnenschein, der das Zerftörungs- werk in seinen ganzen Ausmaßen sehen ließ. Man vermutet, daß die Zahl der Toten sich aus 100«höhen wird. Die Zahl der Ver- mundeten wird bereits auf 2000 geschätzt, der angerichtete Material- schaden auf 100 Millionen Dollar. Naturkatastrophen und Wirtschaftskrise in Mexiko. London, 30. Septemb«. Räch Meldungen au» Mexiko berichtet dle Zeitung„Excelsior", daß In den P a n u c o- O e l f e l d e r n im Staate D«ocrux schwere lleberschwemmung en zu verzeichnen sind. Der Fluß Panuco ist über die Iis« gelreken, ungefähr 5000 Personen sind obdachlos. Der ln den Pelroleumanlogen angerichtete Schaden wird auf 60 Millionen Peso» geschätz«. Es wird befürchlek. daß die Pekroleumkompagaien im Tampico- Distrikt drei viertel ihrer Angestellten während der nächsten 14 Tage zu entlasten haben werden. Die fajchiftisthe Deportiertenhölle. Wie es auf der fizilianischen Verbannteninsel Uftica zugeht. Einem der politischen Deportierten auf der Insel Ustica bei Sizilien ist es gelungen, nähere Nachrichten über die dortigen Zu- stände und Dorkommnisse herausgelanpen zu lassen. Er schreibt: „Die Derhältnist«, in denen wir leben, sind so, daß man sich nicht wundern dürfte, wenn sich eines Tages die traurige Nachncht verbreitete, daß die faschistische Miliz die politischen Deportierten unter irgendeinem Dorwande nieder- metzelt. Die Ueberwachung, der wir unterstehen, ist unerträglich. Um 400„Verbannte" zu überwachen, braucht man 250 ausgesucht brutale faschistische Milizsoldaten, 100 Karabinieri und außerdem Agenten in Zivil(Spitzel). Es ist der faschistischen Miliz ge- lungen, sich der Verwaltung d« Kolonie zu bemächtigen. Der Vor- steher der Kolonie, d« beschuldigt wurde, zu nachsichtig in po. litischer Hinsicht zu sein(dabei ist das gar nicht wahr, ganz das Gegenteil), wurde soeben abberufen. Die faschistische Miliz übt widerrechtlich die Postzensur aus; sie ist sehr streng, sowohl für ankommende als für abgehende Post. Die hygienischen und sani- tären Zustände auf der Insel sind durch den Wassermangel sehr schlecht. Die Zisternen mit Regenwass« sind ausgetrocknet. Der Ernährungsdienst ist außerordentlich schlecht. Er geschieht durch Boote von Palermo aus, das 60 Kilometer entfernt ist. Seit einem Monat hat man nicht mehr als 200 Tonnen Wasier für ein« Be- völterung von mehr als 2000 Menschen gebracht. Es gibt viel Krank«. Das Lazarett ist schmutzig und es fehlt darin am Nö- tigsten. Die Kranken schlafen am Boden auf Strohs äcken. Die politischen Deportinten sahen sich gezwungen, auf ihre Kosten im Lazarett eine Wollmatratz« für einen schwer tranken Depor- tierten zu kaufen. Der Arzt hat den Befehl, keinen Kranken nach Palermo zu schicken; wenn es doch vorkommt, daß er «inen hinschickt, so bringt man ihn statt in das Spital in das Ge- fängnis, in die gewöhnlichen Zellen, und die Gefängnisse von Pa- lermo gehören zu den ärgsten in Italien. Während des Trans- partes erhalten die Deportierten weder Nahrung noch Kostgeld. Die Ermordung des Anarchisten Stagnetti. Bekanntlich wurde der Anarchist Spartaco Stagnetti am 15. August ermordet. Der Bericht, den die faschistischen Zeitungen darüber gaben, ist niederträchtig: er versucht, den Toten zu oer- leumden. E» ist nicht wahr, daß Stagnetti während eines Streites getötet wurde; er wurde von einem Zuchtchaussträfling, den Stagnetti dabei überraschte, wie er ihm seine Brieftasche stehlen wollte, durch«inen Dolchstich getötet. Der„Lavoro d'Italia", das faschistisch« Blatt in Rom. schrieb, daß Stagnetti wegen gemeiner Verbrechen verurteilt war und daß er seine Familie vernachlässigte. Stagnetti war«in Anarchist von sehr ruhigem Temperament, ein träumerischer Idealist: er hatte in der Gewerkschaftsbewegung als Sekretär der nationalen Gewerkschaft der unlere« Eisenbahn- und Tramwaybediensteten gearbeitet. Aus die Nachricht von dem Mord kamen die Depcriierten zusam» rnen, ober die faschistischen Milizsoldaten zwangen sie sofort, in ihre Gesängnisse und Wohnungen zurückzugehen. Die Genossen hielten abwechselnd Wache bei der Leiche. Als wir uns um%S Uhr am Dorfplatz versammelten, um am Begräbnis, das um 6 Uhr statt- finden sollte, teilzunehmen, ließ der Kommandant die Deportierten B o r d i g a(Kommunist), A n g e l o n i(Republikaner), S o r g o n i (Unitarier) und R o m i t a(Maximalist)— die am Morgen«in Tele» gramm zur Absenkung an das Ministerium eingereicht hatten, um es von dem Vorfall und unserem Protest zu benachrichtigen— zu sich rufen und sagt« ihnen, daß das Telegramm an die Polizei in Pa- lcimo, die allein das Recht habe, zu entscheiden, ob es befördert werden könne oder nicht, weitergeleitet worden sei. Zugleich ersuchte er sie, den Deportierten zu sagen, daß er sich aus Gründen, die er augenblicklich nicht angeben könne, gezwungen sehe, ihnen zu ver- bieten, den Sarg Stagnettis zum Friedhof zu beglei- t e n. Er könne es höchstens 50 von ihm selbst ausgewählten Deppr- tierten erlauben, da alle anderen«Kanaillen" wären. Aus die Proteste unserer Freunde erwiderie der Kommandant, daß 30 Proz. der Deportierten gemeine Verbrecher seien. Bei einer solchen Haltung beschlossen wir einen 2 4 st ü n d i- gen freiwilligen Stubenarre st. Diese Demonstration, von allen durchgeführt, war würdig und ernst und erregte den Zorn des Kommandanten und der Miliz. Gewisse Anzeichen bei den Zuchthäuslern— alle Klagen und Proteste gegen das erniedrigende Zusammensperren von Verbrechern und politischen Deportierten waren vergeblich— bestätigen die umlaufenden Gerüchte: daß die Miliz sie s y st e m a t i s ch gegen uns aufhetzt, ihnen sogar Waffen verspricht, wenn sie sie brauchen. Wir schließen, indem wir wiederholen, daß unsere Lage tragisch ist, daß wir ärger als Tiere behandelt werden, ärger als die gemeinen Verbrecher, viel ärger als Kriegs- gefangene. Wir verlangen, daß die zivilisierte Welt energisch z»gen die Behandlung, die wir erleiden, protestiert. Haussuchung bei Muffolini-Zeinöen. Die franzöfische Polizei in der Redaktion des»Corrisre degli Jtaliani". Paris, 30. September.(Eigenbericht.) In der Redaktion des Anlisaschistenblalles„E o r r i e r e degli Jtaliani" in Sl. Elienne sind am Donnerstag haus- s u ch u n g e n vorgenommen worden, da der Mörder des italie- nischen vizckonsuls in Paris an der Zeitung gearbeitet halte. Die gesamte Korrespondenz und zahlreiche Akten wurden b eschlag- nahmt. Die Redaktion hol sich bcschwerdesührend an die Abgeord- nelen des Departements Loire gewandt, dle von der Regierung in einer Interpellation Auskunft über ihr vorgehen verlangen werden. Neuer öaikankonflikt. Gricchc«la«d sperrt die Grenze. Aiheu, 29. September. Di« ariechische Grenze gegen Bulgarien ist geschlossen worden. Di« Rexierung Hai im Anschluß an die Verhaftung dreier bulgarischer Komitatschis, die das südslawische Kon- sulat in Saloniki in die Lust sprengen wollten, eine scharfe Note an die bulgarisch« Regierung gesandt, worin sie Maßnahmen fordert, um zu verhindern, daß in Zukunft bulgarische Komitotschis über die griechische Grenze gelangen. Ehrentag für tzinöenburg? sJiut eine deutschnationale Parteiangelegenheit. Als durch eine Indiskretion bekannt wurde, dag W e sta r p auf einer venraulichen Versammlung der Deutsch- nationalen dazu aufgefordert hat, den 8 0. Geburtstag H i n d e n b u r g s zu einem d e u i f ch n a t i o n a l e n Pro- p a g a n d a t a g zu mißbrauchen, folgte ein Dementi auf dem Fuß. Die Tatsachen reden eine andere Sprache. Abgesehen davon, daß die deutschnarionale Parteipresse einheitlich dazu auffordert, am 2. Oktober Schwarzweißrol zu flaggen, also die Stellung Hindenburgs als Reichspräsident zu übersehen, liegen Flugblätter vor, die den Beweis dafür erbringen, daß die Deutschilalioiialen sich für den 80. Geburtstag des Reichspräsidenten nur insofern interessieren, als er sich zu einer ebenso impertinenten wie skrupellosen Reklame für die Deutschnationale Partei aus- nutzen läßt. Wir lassen eins dieser Flugblätter im Wortlaut folgen: Lewohner des Tempelhoser Feldes! Gcbr auf die ungewöhn- liehen und iingeschiMen Beeintlusstmktsnersnche in der Flaggenfrage van feiten der Stadt und der Siedlungsgesellschait die rechte Am- wart, indem alle«>» 2. Oktober 1027 Schivarz-Weiß-Rol flaggen! Weg mit jeder ängstlichen Kedenkiichkelt! Sie ist den neuen Zlietternichen gegenüber Feigheit! Am 2. Okiober müssen in der Siedlung und aus der Berliner Straße hindenbnrgs Farben überwiegen! Flaggen ,zu haben bei(folgt Adresse. Auin. d. Red.) Ins ZY. September 1027. Wer treu zu den alten, ruhmreichen Farben bält, gegen die jetzt Sturm gelaufen ivird, besucht die unter Schwarz- Weih Rot stehende Werbe-Dersainrnlung am Freitag, dem 14. Oktober 1927, abends 8 Uhr, bei Veit, Berlin- Tempelhof, Dorssir. 21. Ecke Berliner Straße besser: sendet sofort an Dr. Mussehl, Schünburgstr, ä, oder Herrn E. Sprie, Friedrich-Wilhelm-Siraße 81, seine Bellritkvcrklärung. Devisüinationalc Volkspartei, Ortsgruppe Tempelhos. Die Deulschnationale Partei erklärt damit den. 2. Oktober zu einem Gr o ß k a m p f t a g in ihrem Kamps gegen die Reichs flagge und die Flagge des Präsidenten der Re- publik. Sie beschimpft diejenige», die dafür Sorge tragen wollen, daß der Reichspräsident au seinen, 80. Geburtstag durch die gesetzliche Flagge des Reiches geehrt wird, als neue Metternichs. Eine neue Hetze gegen Schwarz-Rot-Gold, das i-f das de ntschnationale Geburtstagsgeschenk für Hindenburg. die Vergessenen von IWQ. Ammer noch Räterepublikancr im(jnchthans. f)!! n r i ch M a n II hat an den Chefredakteur des„Berliner Tage- blaus" das folgende Schreiben ge- richtet: Wissen Sic, dag von den bayerischen Räterepubli- laue r u heule noch zehn Arbeiter in Haft sind? Mir rburdeii difse Dinge erst durch besondere Mitteilungen ins Gedächtnis chirlickgeriifen. Man hat chiwg damit zu tun, an die ganz schweren Fälle zu denken. Mar Hol; ist lebenslänglich verurteilt, diese Ar- heiter nur z u zwölf oder f ü u s z e h» Jahre u. Das ist nicht lebenslänglich für einen, der es übersteht.'Andererseits dürfen wir geiviß sein, daß die Richter jener Zeit sie lebenslänglich verurteilt hätten, weuu ihr« Vergehen von irgendeinem Belang gewesen wären. IL Jahre Zuchthaus ist nichts, die bekam man nach der Münchener Rätezeil fürs Zusehen und für ein beifälliges Lächeln. Wie alt find diese Dinge! Nach seiner traurigen Räterepublik hat Bayern, wie das übrige Deutschland, andere trifte liebungeu gesehen, die von der«nigegengesetzlen Seite kamen. Nebenbei sind die meisten Deutschen ihres Vermögens enteignet worden, wenn auch nicht gerade von den Münchener Räterepublikanern, die höchstens in guten Häusern einige Eier beschlagnahmten. Wir leben ohne andere als die gewohnten Wirlschaftssorgep in einer se>t 1919 völlig veränderten, politisch mehr oder weniger abgesiumpilen Welt. Die Zuchthäuser aber hallen künstlich Erinnerungen lebendig, die sonst glücklich abgetan wären'Alle sind anders geworden: nur noch aus dem Zuchthaus kann ein armer Mensch, den man für zwölf Jahre auf das Jahr 1919 ieftgelegt I>m, feiner Tochter schreiben, er bleibe seiner Gesinnung Ire». Rechtzeitig freigelassen, hätte er sich der Bienenzucht ergeben. Der Reichspräsident wird, wie es heißt, an feinem Geburtstag keine Amnestie erlassen, nur Begnadigungen gewähren. Die Vergesseiien von 1919 werden schwerlich dabei sein.'Aber die N n i i o n? Hat sie iws Recht, gleichgültig zu bleiben, wo sie nicht ohne Verantwortilng ist? Schicksale wie diese erschmit sie durch ihre eigenen Krisen erst selbst, mitverantwortlich ilt sie selbst. Nachher aber überläßi sie die, die es trifft, dein Zufall. Die Pompadour freilich setzte einen Menschen namens.Latude in die Bastille, dort wurde er Jahrzehnte später wieder omcsefi'nden. Was er tzetan hatie, mar niemals der Rede wert gewesen, überdies der neuen Zeit schon nicht mehr verständlich Dieselbe sinnlose Willkür lasten wir, wir selbst, sich heute, heute wiederholen. Ich erlaube mir die Anregung, daß der Reichstag einer Einzelperson, die nicht an alles denken kann, die Sache der Amnestie kurzweg aiis der Hand nimmt. Er kann es, glaube ich. wenn er ein Gesetz beschließt, daß politische Urleile, die Urteilssprüche in politischen Prozessen, nach einer gewissen Zeitdauer nachgeprüft werden müssen. Aufzuheben wären sie, wenn erstens der Verurteilte weder Blut vergossen noch sich anders als aus Gründen seiner Gesinnung strafbar gemacht hat: und wenn zweitens Lag« und Geisteszustand des Landes derart verändert sind, daß das Fortbestehen der alten Verurteilung sinnlos erscheint. Gefahren und Ilninöglichteiten, die in diesem Borschlag von Juristen zweifellos gefunden werden, sind überwindbar und müssen es sein. Demi aus keinen Fall ist irgend etwas unmöglicher oder gefährlicher, als ein Zustand, bei dun Menschen gepeinigt, bis zuin Eintreten des Todes gepeinigt werden für eine Schuld, die durch das Wirkcu der Zeit schon längst zur Unschuld aemorden ist. Wie Samern amnestiert. TNnnchen, 30. Septeinber.(Eigenbericht.) Aus zuverlässiger Quelle erführt der Korrespondent des„Soz. Pressedienst", daß sich unter den aus A n l a ß d e r H! n d e n b u r g- 2l m ii e st i e begnadigten Schwer Verbrechern in Bayern auch jener Profcstor Georg Fuchs beiindet. der im Juli 1923 wegen vorbereiteten Hochverrats vorn Münchener Bolksgericht zu zwölf Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden ist. Fuchs hatte mit drei weiteren'Angeklagten- in engster Zusammenarbeit mit dem Franzosen Richert, einem Vertrauens- mann Poincarüs, im Herbst 1922 die gewaltsame Slenderung der bayerischen Versassung, die L o s r e i ß u n g Bayerns vom Reich unter gleichzeitiger politischer und wirtschaftlicher'Annäherung au Frankreich und die Tschechoslowakei, betrieben. Der Pro- zeß, der drei Wochen lang dauerte und die bayerische Politik auf lauge Zeit hiuous bewegte, gab ein erschütterndes Bild van dem Sumpf jeuer„u a 1 i u u a l a k t i v e n" Kreise, die in München unter dem Deckmantel„Kampf gegen dcn Bolschewismus" mit französischem Geld und f r a u z ö s i s ch c m Militär die deutsche Republik auscinandcrreißen niid Bayern wieder zur Monarchie machen wollten. Zwei der'Angeklagten, Mach Haus und Kühles, entzogen sich kurz vor dem Prozeß dem Richter durch Selbstmord. Fuchs erhielt zwölf Jahre Zuchthaus, Munt ein- einhalb Jahr Znchthaus. Dj.e Bcgnndigiing des Fuchs nach Verbüßung von einem Drittel seiner Strafe läßt die Frage nach Ämnestieniiig der nach in bayerischen Znchlhäusern bciindlichcn sogenannten'Räte- republikaner akut werden. Es handelt sich um insgesamt 13 Leute, von denen neun wegen Beteiligung am Geiselmord, einer wegen eines Attentats im Landtag am Tage nach der Ermordung Eisners, drei wegen schwerer Plündereien zu Zuchthaus zwischen 12 und 15 Jahren verurteilt worden sind. „Die Schwester." Ausführung im Theater in der Königgräher Straße. 'Als H ans K a l l n« t e r im'Alter von 23 Jahren starb, hiiiterlteß er dieses Mysterium der lesbischen Liebe. Er wollte nicht die Zusnllsiragödie eines perversen Mädchens schreiben, sondern dcn einzelnen Fall in die psychologische'Allgemeingültigkeit hinausheben. Das in seinem Liebesleben abirrende Mädchen sollte Prototyp der vereinsamten Menschennatur sein, die sich in ihren gröberen und edleren Instinkten nicht mit dem gewöhnlichen'Alter zusammenfügen kann und deshalb untergeht. Dieses ernste Drama nannte Kaltneker selbst ein Werk des Expressionismus, durch welches Wort er die Inbrunst und Slusrichtigkeit seiner Ileberzeugung hinausschreieii wollte. Der junge Dichter war noch nichts, er hätte noch alles iverden können, es klangen aus ihm Riltejche Töne, es schlummerte in ihm aber auch ein Sudeniiaun. Welche Entwicklung diese Anlage ge- bracht hätte, ist schwer zu entscheiden. In den zehn Bildern vom Leben der lesbischen Ruth klingt am zärtlichsten die lyrische Musik. Der Ausbruch des Leidenschastlichen rührt nicht, weil eine reale Welt gepackt werden muß. Bo» dieser Welt ahnte Kaltneker manches, doch er traf nicht den Kern. Die lesbische Ruth wird aus dem Vaterhaus verjagt. Eine Zeit- laug hält sie sich noch als Bohümemalerin. Dann dient sie aus Neigung und Mitleid als Diakonissin im Spital der geschlechtskranken Dirnen. Sie wird selber angesteckt, nicht durch die Luft, sondern nur durch die Ausopferung. Nachdem sie entlass-cn ist, koimm sie schnell herunter. Sie möchte selber Dirne sein, um nicht zu ver- hungern. Sie ist körperlich schon verwüstet und wird selbst von dein dreckigsten Kerl zurückgestoßen. Als sie im Obdachlosenasyl verendet, wird sie von den Prostituierten, die ste emstmals behütete, erkannt und beinahe wiein Deutschland bekämpft. Warbeck hätte die englisch-schottische Rivalität zugunsten Schottlands cntschiedeii, und hätte Smerdis in Persieit» gesiegt, so brauchten die Gymnasiasten von heute sich wahrscheinliclx nicht mit den Jahres- zahlen der Persertriege zu plagen. Aber isür den Dreck von ein paar tausend Zeitungsabonnenten hat keiner- von uns das Schwert gezogen. Unsere Kriege wurden mit der blanken Masse geführt, und wir haben Schlachte» geschlagen, deren sich keffi legitimer Fürst zu schämen brauchte. Was wird um sie geführt? Ein schmutziger Prejseieldzug zwischen dem„Tag" und der„Täglichen Rundschau". mit Zeuguitien sentimentaler Weiber und polnischer Bauernknechte. Und die Eiilscheidungsschlacht soll nun stattfinden— wir alle schämen uns im Geiste— vor dem Einzelrichter eines Berliner Amtsgerichtes in Zimmer Nr. fünihundersotindsoviel des Moabiter Gerichts- gebäudes. Welcher'Absturz! Ein letztes: Ich habe meinen Schiller, meinem Friedrich Hebbel als Dichter gefunden, Warbeck genießt das hohe. Glück, daß sein Schillersches Fragment von dem noch größeren Vittor Hahn voll- endet wurde, Waldemar lebt durch Willibald'Alexis. Wir alle sind eiserner Bestandteil der klasiiscken Literatur geworden und können kaum noch anders als in tünffüßigen Jamben redckn. Aber Sie? Wozu hoben Sic es literarisch gebracht? Zu zwei Eisithüllungsserien eines Hugenbergschreibers und einer Erwiderungsserie bei der Konkurrenz. Wenn es so weiter geht, enden Sie als Zievue„Hoppla, Anastasia lebt" mit Piscator-Jnszenierung tind Balli-tt. Bedenken Sie, teuerste Kusine: Wenn schon es? mit der Mon- archie unaushaltiom abwärts geht,— wir Pröteinbentcn haben wenigstens die Pflicht, Niveau zu wahren. Aon Leuten wie Wilhelm und Konsorte"«»-märtet das sowieso kein Menlch' mehr.— Ihr ergebener falscher DeiViekrius, der Ihretwegen besonders falsch ist. Deutsche Schriftsteller im Ausland. In Englawd gewinnt das deuiiche Buch weiter Boden. Es ist heute populärev als dos französische. trotz des starken Voriprungs. den es nach Hein Krieg"in-- zuholen galt, und trotz der psychologischen Hemmungen, die bis in das Jahr 1928 hinein zu überwinden waren B'el tragen die wirklich begabten Uebersetzer bei, die für deutsche Bücher»in England zur Verfügung steten. In nächster Zeit werden Schnitz lers„Protessor Bernbardi" und Bruno Franks„Zwöl-tausend" enc, lisch erscheinen, das Franksche Drama im Laufe des Winters auch'.aus einer Lon- dvner Bübne zur Ausführung gelangen.— In Spanren rechnet man mit wachsendem Interesse für deutsch geichricbenv Bücher. Am 1. Oktober ist es ein Jahr, daß an den spanischen Gymnasien der Unterricht der deutschen Sprache eingesührt wurde, tn-id daraus düffte eine Rachiraae nach guten, billigen, nicht zu schn'er zu lesenden deutschen Büchern erstehen. Prot Einthoven geslorben. Prof Elnltzoven einer de r atöfiten Pthllo. logen, iit beule im Aller von 67 Jahren in Leb den qeiiorben. 1-ros. tkimboben ist der Eriittder des ciiteii SaileiiaalvamlatorE' mr Untersuchiinz der»de: zniuskulatnr. Im Jnfue«924 winde Pro'. Sinl booen der Nobel. prel-Z erteilt. Viele ausl.mdi'che Ukärr.n Ilten einiuir.tm* Pros. Einthove» zum Ehrenmitglied., fluch örowerteuerung? Zunächst soll die Schrippe teurer werden. Eine Versammlung der Berliner Zwangsinnung siir das vackgewerbe hat gestern abend beschlossen, den Preis für Kleinbackwaren von ZZH auf Z Pfennig und das Gewicht von 29 aus 37 Gramm z u erhöhen. Zu diesem Pcschluh isi die Bäckerinnung gekommen, weil angeblich der Lvasjer- r, ehalt des vlehls von 13 aus IS— 19 pro;, gestiegen ist. Die her. steilung zu kleii�r Backwaren soll für die Bäcker mit Schwierigkeiten verknüpft sein. Mit diesem Leschlug Ist die Berliner Bäckerinnung den Anregungen der Zwang-innungcn in anderen Grotzllädten, wie München und Leipzig, gefolgt, die schon seit langem das Gewicht der Kicinbcckwacen erhöht haben, wie uns von der Bäckerinnung noch mitgeteilt wird, soll diese Veränderung des Preises und des Ge- wichtss der kUeinbackwaren am 17. Ottober in Kraft treten. 3n den nächsten Tagen wird durch Aushang in den Bäckereien diese Umänderung bekanntgegeben. Clnc verschärfte Kontrolle der Bäckerinnung soll dafür Sorge tragen, daß nicht nur der preis, sondern wirklich auch das Gswlckzt erhöht wird. Wie uns die K o>, s u m g e n o ss e ir s ch a s t auf unsere Anfrage mitteilt, bleiben die Preise bei der Konsumgenossenschast u n o e r- ändert. Die Konsumbäckerei liefert eine Schrippe im Gewicht von .".a Gramm für 2 Pfennig. Pergleicht man diese Preise mit denen, die von der Bäckerinnung festgesetzt worden sind, so muß man eine Preiserhöhung um fast 5(1 Proz. feststellen. Es bleibt fraglich, ob die geringe Erhöhung des Gewichtes nur befchloffen worden ist, um die Preiserhöhung zu verschleiern. Die tzinöenburg-Ehrung der Schulen. Gewissenskonflikt für republikanische Eltern. Bekanntlich ist von den zuständigen Aussichtebehörden den Berliner Schulkindern nahegelegt worden, sich möglichst zahlreich an der Feier zu beteiligen, die für den 8 0. Geburtstag des R e i ch sp r ä s i d e n t e n v. hindcnburg vorgesehen ist. Au sich ist gewiß nichts dagegen einzuwenden, daß dem ersten Repräsentanten der deutschen Republik an seinem Ehrentage ge- huldigt wird, und hindenburg selbst wird sicher wünschen, daß die Beranstallungen der nächsten Tage«inen möglickch überparteilichen Charakter tragen, heute morgen vcrösfenllichlen wir nun die Reihenfolge der Berbände, die sür den Präsidenten der Republik auf der Strecke von der Wtlhelmstraße bis zum Stadion Spalier bilden. Es ist, wie wir sagten,„eine vollständige vamm- birg aller schwor zwcißroten und monarchistischen Organisationen im Zeichen von Schwarzweißrot"'. Da erhebt sich nun sür republikanische Eltern die schwere Frage, ob sie es z u- lassen können, daß ihre Kinder, die sie im Geist des neuen Staates erziehen, an diesem A« f m a r s ch der R ü ck s ch r i t t l e r aller Schattierungen teilnehmen. Di« Feier im Stadion selbst wird aller Voraussicht noch einen würdigen und Überpartei- lichen Verlauf nehmen. Ihr künstlerisches Arrangement liegt in den Händen von Prosessor hitz berger. die Halle des Stadions soll in einen Blumengarten verwandelt werden, und bei der Schul- stier selbst wird bosientlich schon vom Ministerium sür Kunst, Msienschait und Bnlksbildunq aus dafür gesorgt werden, daß sich die Monarchisten nicht allzu sehe in de» Vordergrund drangen können. Die Anmarschstraßen aber werden angefüllt sein nrit den Emblemen der monarchistischen Bcrgangenheit, mit schwarzweißroten F-ibnen, mit Unisormen, mit Ordenschnollen usw. Licllcicht werden iv?halb manche Eltern, ahne jede Boreingenommenheit gegen die Person hindenburgs selbst, zu dem Schluß kommen, ihre Kinder zu Hause zu lasse n. Es euibehrr übrigens nicht eines gewissen Humors, daß die Lieder, die dein Rcichsprösidcnteu vorgetragen werden, in der Mehr- .-/-hl durch Anhänger von w ch w o r z r o t g o l d versaßt sind. Man sindet Uhland, Maßmonn, Hosmann v. Fallersleben NN?» andere. Fast ist nian versucht, zu sagen: Diese Namen von Kämpfern für ein demokratilches Eroßdeiitschland bürgen vielleicht schon an sich dafür, daß— mit oder ohne Absicht, sei dahingestellt— der republikanische Charakter der Feier'gewahrt wird. Nlanüat und Geschäft. lieber die Bcrquickung van Mandat und Geschäft macht die , B. Z. ain Mittag" allerlei dunkle Andeutungen. Sie pole- mrsiert dagegen, daß Berliner Stadtverordnete, die ein persönliches Fnlerrsie am Banmarkt haben, an den Beratungen über die her- ücllung von Wohnungen in der Wohnungsiürsorgegescllschast und iin haushalisausschnß der Stadtverordnetenversammlung teil- nehmen. Das Blatt nennt eine fanze Reihe von Stadtverordneten(ohne Angabe von Ramen) nach ihrer Parteizugehörigkeit und erwähnt dabei auch einen Sozial- demokraten.— Damit ist osfenbar der Leiter der Gemein- nützigen heim statten- Aktien gesell schast gemeint. Es ist natürlich auch der„B. Z." bekannt, daß dieser Leiter in der Gescllschast, die bekanntlich mit Gewerkschaitsgeld arbeitet, keine privaten Interessen vertritt. Inwieweit das auf die Stadtverordneten der anderen Parteien zutrisst, entzieht sich unserer Kenntnis. Immerhin nnrß nach de» Andeutungen der„B. Z." aber angsnornmen werden, daß bei den letztgenannten ivirklich privat« Kapilalsinteressen— mindestens der von ihnen vertretenen Gesell- schasten— in Frage kommen. Es ist von der„B. Z." nicht zuviel verlangt, wenn>nan erwartet, daß auch st« diese Unterlchied« aus- ciiranderhält. Wenn am Schluß des Artikels gesagt ist, daß bei allen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung das Bedürf- v besteht, in der Angelegenheit grundlegend Wandel zu schassen. >"«*. in Zukunft jede Korruption nach Möglichkeit ausschließen zu können, so können wir uns um so eher diesem Wunsch? anschließen, als er bei der sozialdemokratischen Fraktion stets Grundsatz war. Alles um zeh» Pfennig. Mit welchen Bagatellen sich Gerichte beschästigen oder beschöstigen müsse», ging aus einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Lichten- berg hervor. Dort hatte sich der Arbeiter E. wegen Betruges und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu verantworten. E. hatte am 13. Juni dieses Jahres seinen gesamten Lohn, den er an diesem Tage bekommen hatte, verloren und befand sich daher, was durchaus begreiflich ist. auch in einer nicht gerade rosigen«tim- muna. Ilm nach Hause zu sahren. löste er ein Billett dritter Klasse für die Stadtbahn, bestieg aber— ein unerhörtes Verbrechen— einen Wagen zweiter Klasse. Aus dem Bahnhos Treptow angekommen, fiel er durch seine schlichte Kleidung einem Bahnbeamten aus, der ihn feststellen lassen wollte. E., der eine Straf« befürchtete, verschwand in einein gegenüberstehenden Zug und fuhr nach Stralau- Rummelsburg zurück. Nm seiner habhast z» werden, wurde ein T ü r j ch>> e ß e r z n seiner Verfolgung entsandt, der ihn schlietzl'ch aus dein nächste» Bahnhof stellte. E. riß sich jedoch los und konnte wieder verschwinden. Der Verfolger gad sich nicht zu- frieden und nahm einen Schutzpolizisten zu Hilfe. Die Jagd nahm ihren tvortgang, und auf dem Bahnhof Frankfurter Allee konnte der„Sünder" endlich gefaßt werden. Enderfolg: eine An- klage wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Betruges. Dis Gericht verurteilte ihn trotz seiner bisherigen r! n k» e st ra f t h« i t zu 25 Mark Geldstrafe. Der Amtsanwrlt. ein Reser-ndar, ci.i offenbar mit desouderew Verstand- »is für die Situation de-„Angeklagten" begabter Herr, hatte sogar HO Mars Geldslrajg beantragt,.Auf der Reichsbahn aber Tragödie einer zwanzigjährigen Mutter. Ein Freisprnch des Tchwurgerichts. Ein tief erschütterndes soziales Bild entrollte heute vormittag eine Verhandlung vor dem Schwurgericht. Unter der Anklage der vorsätzlichen Tötung ihres unehelich geborenen Kindes halte sich die jetzt ZOjährig« Wally S. vor dem Schwurgericht III, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bombe zu verantworten. Die Tal lag bereits zwei Jahr« zurück und ist erst zur Kenntnis der Straf- behörden gekommen, als die schuldige Mutter sich, von Seclenqualcn gepeinigt, der Polizei freiwillig stellte und ein Geständnis ablegte. In Tränen gebadet und unter allen Zeichen der Zerknirschung gestand die Angeklagte auch vor den Geschworenen ihre Tat ein. Wally S. hat eine sehr traurige Jugend durchgemacht. Di« Mutter hat sie nie gekannt, denn diese ist bald nach ihrer Geburt im Irrenhaus gestorben. Der Vater i st ein Trinker. Sie wurde von Jugend aus hcrumgestoßen. Trotz dieser lraurigen sozialen Verhältnisse hat die Angeklagte sich brav durch- geschlagen. Bald nach der Schulentlassung verdiente sie sich als Hausangestellte ihr Brot selbst. Uebcrall wurden ihr die b e st e n Zeugnisse ausgestellt. Mit 17 Iahren lernte sie durch«ine Freundin einen Schlosser kennen, der ihr verschwieg, daß er bereits verheiratet und Familienvater sei. Zum ersten Male in ihrem Leben glaubte sie einen Menschen gefunden zu haben, der sie liebte. So gelang es dem gewissenlosen Mann, die Jugendlich« zu verführen. Als die Folgen eintraten, ließ er sie schnöde im Stich. Ihr eigener Vater schlug der Angeklagten, als sie mit ihrem Neugeborenen um Unterkunft flehte, die Türe vor der Nase zu und jagte sie auf die Straße. Durch die Wohliahrtspslege wurde das Kind untergebracht. Als aber der Vater der Angeklagten nun für die Kosten aufkommen sollte, zog er es vor, Mutter und Kind doch lieber bei sich auszu- nehmen. Vier Wochen lang machte die Angeklagte ein wahres Martyrium im Vaterhauje durch. Da sie es nicht länger aushalten konnte, sucht« und fand sie eine neue Stellung. Nun mußte sie aber das Kind versorgen. Von morgens bis in die Nacht lies sie überall vergebens herum. Im Waisenhaus, im Lindenheün, im Krankenhaus — überall wurde sie abgewiesen. 12 Stunden irrt die junge Mutier mit dem Kind auf den Armen in den Slroßen herum. Das Kind schrie vor Hunger und Erschöpfung. Da warf sie aus der Rückkehr nach Spandau in ihrer Vcrzmcislung ihr Kind, nachdem sie es ent« kleidet hatte, in die 5?av«l. Zu Hause jagte sie. daß das Kind von einer Dame ausgenommen worden sei Die Gcwissensbisic ließen ihr aber die ganzen Jahre kein« Ruhe, und sie stellte sich schließlich im März d. I. San.-Rat Dr. Leppmann bezeichnete die Angeklagt- als erblich belastet. Zweifellos Hab« sie sich in einem st a r k« n Er- regu n gs- und Verzweiflungszustand befunden und die Tat im Zustand körperlicher und seelischer Erschöpfung begangen. Vom ärztlichen Standpunkt lasse sich aber mcht begründen, ob bei der Tat eine Bewußtseinsstörung vorgelegen Hab«. Staats- anwaltschastsrat Steiner zog daraus, daß die Angeklagte sich der Einzelheiten erinnere, den Schluß, daß sie nicht in ei»er Verwirrung gehandelt habe. Es lägen zwar die weitesten Milderungsgründe vor, aber da hier eine Mutter ihr eigenes Kind getötet habe, müsse er über die Mindeststrase hinaus- gehen und 9 Monate Gefängnis beantragen. Juftizrat Dr. David- söhn glaubte, daß kaum ein zweiter Fall zu finden sei, bei dem. wenn überhaupt Verurteilung ersolgcn müßte, die Mindeststrase, und dazu noch mit Bewährungsfrist, am Platze wäre. Die An- geklagt« müsse aber qus§ 51 freigesprochen werde n. Wenn sie sich auch nachher der Einzelheiten erinnert habe, so lasse sich nicht beurteilen, ob sie nicht in dem Augenblick der Tat im Zustand der Bewußtseinsstörung gewesen sei. Man müsse doch berücksichtigen, daß das junge Mädchen in hoch st er Vcrzwcik- l u n g gewesen sei.— Nach kurzer Beratung verkündete Land- gerichtsdirektor Bombe, daß dos Schwurgericht die Angeklagte a u j Kosten der Staatskasse freigesprochen lzobe. Es bc- ständen Zweifel, ob die Angeklagte bei der Tat ihren freien Willen gehabt habe. scheint man sehr viel Zeit zu haben, daß man wegen lumpiger 10 Pfennig eine Jagd inszeniert und es um diese 10 Pfennig zu einem Prozeß kommen läßt. Eine einfache Verwarnung des „Schuldigen" hätte zweifellos genügt. Verkehrsunglück in Zrieörichshagen. Ein Auto«berfährt fünf Fußgänger. Zn Friedrichshagen, in unmittelbarer Nähe des vahnhoses. ereignete sich heule früh ein schweres Berkchrsungtück. Eine Kraft. droschke geriet aus den Bürgersleig und überfuhr s ü n s per- s o n e n, wovon eine getötet und vier andere schwer verletzt wurden. Wie erfahren zu dem Unglück sotgende Einzelheiten: Kurz nach 7 Uhr herrschte vor dem Bahnhos in Friedrichshagen «in starker Verkehr. Arbeiter und Angestellte strömten wie an jedem Morgen dem Bahnhof zu. Um 7,10 Uhr näherte sich dem dem Bahnhofsvorplatz, von Rahnsdorf koinmennd, eine Kraftdroschke. Als der Führer eine Wendung machen wollte, verlor er die Herr- schast über den Wagen und fuhr auf den westlichen Bürgersteig. Der Vorsall spielte sich so schnell ab, daß füns Verlanen, die in diesem Augenblick die Ilnsallstelle passierten, nicht mehr zurückspringen konnten und von der Kraftdroschke überfahren wurden. Die Folgen waren entsetzlich. Mehrere Verunglückte lagen in ihrem Blute bewußtlos am Boden. Die 41 jährige Witwe Wartha hobeck ans der Scharnwcbcrstroße 50 trug so schwere Verletzungen davon, das; sie wenige Minuten später starb. Ihr lOjähriger Sohn Ludwig, der neben der Mutter hergegangen war. trug meftrcr? ftarkblutende Kopfwunden davon. Weiterhin wurde der 29jährige Kaufmann Erwin Linden- berg ans der Scharnweberstraße 81, die 35jährige Stenotypistin Wartha Pohl aus der Scharnweberstraße 07 und der 44jährige Maurer Ernst Spieß aus der Scharnweberstraße 0, sämtlich zu Fricdrichshagen, erheblich verletzt. Sie erlitten Kops-, Arm- und Bcinwunden und mußten zur nächsten Rettiingsstelle gebracht werden, wo sie nach Anlegung von Notverbänden, bis ouf den Kaufmann L., in ihre Wohnungen entlassen werden konnten. L. fand im dortigen Krankenbaus Ausnahme. Zum Glück besteht keine Lebensgefahr. Die Unfallstelle wurde polizeilich abgesperrt und die Krastdroschke beschlagnahmt. Die Untersuchung wird ergeben, ob das Unglück tntsächlich, wie der Chauifeur bei seiner Vernehmung auf der Revierwache angab, auf ein V e r- sagen der Stenerling und der Bremse oder auf andere Ursache» zurückzuführen ist. Schwerer Zusammeiisloß in Tempelhof. heute nachmittag stießen, an der Ecke der M a n t e u f f e l- und Albrecht st raße zu Tcmpelhos zwei Kraftfahrzeugs zusammen. Drei Personen wurden schwer verletzt und durch die Feuerwehr in das Krankenhaus überführt. Müller sucht Damen! Für eine Afrikaexpcdition. Es lohnt sich immer noch, heiratslustige Damen zu suchen. Nach dem Muster von Mayr-Lori ging ein bisher noch unbekannter Mann vor, der sich„Müller" nannte und angab, am helgoländer User zu wohnen. Auch er suchte durch Anzeigen Begleiterinnen für ein« Afrikoexpedition. Den Damen, die sich meldeten, erzählte er, daß das Unternehmen etwa 20 000 bis 2 5 000 M. losten würde. Für die erste Ausrüstung erbat er sich 2000 bis 3000 M., den Rest wollte er selbst ausbringen. In einige» Fällen machte er auch daraus ausmerksam, daß noch eine Nachzahlung werde erfolgen müssen. Als nun die Nachrichten über das traurige Geschick der Stütze Margarete Stephan durch die Zeitungen gingen, wandten sich die Damen an die Kriminalpolizei, weil sie glanbien, daß auch sie mit Mayr-Lori zu tun gehabt hätten. Die Ermittlungen ergaben jedoch, daß der angebliche Müller ein anderer Mann ist- Erbeutet hat er nach den bisherigen Feststellungen noch nichts. Am helgoländer Ufer war der„Afrikareisende" von der Kriminal- Polizei nicht zu finden. Seine Wobnimqsangabe erwies sich als falsch. Mitteilungen an die Dienststelle IX 5 im Polizeipräsidium. Pcrsthmcl;«NF bei den'Arbeitersamariieru. � Der Vorstoich des Kreises I(Brandenburg) des Arbeiter- Samariter-Bundes hat;« zu seiner außerordentlichen Hauptversammlung die Delegierten der in Betracht kom- wenden Kolonnen eingeladen. Zweck der Einberufung war der Zusammenschluß der ASB.-Kolonnen Köpenick, Adlers- Hof. Friedrichs Hagen, Bohnsdorf. Spandau und Reinickendorf mit der Kolonne Berlin zu einer zentralsn Organisation. Vom Vnadesvorstand war der Vorsitzende, Genosse K r c l s ch mar- Chemnitz, erschienen. Die Rich.linicn des Bundes- ausschujses gaben bei ihrer Durchberatung zu erregten Debatten An- laß, die besonders von der Opposition geführt würden. Die Wahl des neuen Vo»standes ging nickt ganz glatt vonstatten: erst als der Bundesvorsitzende Kretlchmar den Vorsitz übernahm, glätteten sich die Wogen und der�Wablakt konnte in Ruhe und Sachlichkeit durch- ! aeiühct werden. Die Oppastlinn bit eine An'-Hl einilußreicher s Funklionörsitze er haben, so daß die üleraroße Acngstlichkcit der i Opxouci.ten übssMig war. Es isi zu hassen, daß durch die Zen- I traliation eine erhöhte Aktivität und Schlagkraft der Arbeiter- l Camarster-Kolonne erreicht werde» wirk». der Pächter eines ftäötischen Wirtschoftsbetriebes. Er hofft den parilälischen Arbeitsnachweis. Der Gastwirt August Heckelberg, SO 33. Schicklerstraße 34. hat das der Stadt Berlin gehörende Markthollenrcstaurant in dieler Straße gepachtet. Der paritätische Arbeitsnachweis hat es dem Herrn Heckelberg angetan. Er ließ sich solgcndermaßcn darüber hören: „Der Magistrat"— gemeint ist der paritätische Arbeitsnachweis—„hat nur Lumpen, Strolche un.d Verbrecher. - Vor allem aber sind diese Elemente unter dem Hilfspersonal zu finden. Wenn es so wäre, wie früher, dann würde ich den Gummiknüppel n« h in e n und dieses Gesindel übers Kreuz hauen. Das Gesindel will nur Geld verdiemn, Leute betrügen und sich vom Arbeitgeber den Garantielohn zahlen lasten." hierzu ist zu bemerken, daß an eine ordnungsmäßige Geschäft?- sührung in be.zug aus Lohnbuch oder Markeukasse in dem Betriebe des genannten Herrn nicht zu denken ist, und als ihm nahegelegt wurde, daß es doch bester sei, schon iin Jntereste der Ste.icrberech- nung, die Kellner am Bufctl markieren zu lassen und nicht mit barem Kclde zu arbeiten, weil ja sonst die Steuerbehörde unter Umständen von sich aus eingreife» könnte, erklärte Herr Heckelberg: „Meinetwegen kann der Sozialdemokrat E b e r t soviel Gesetze be- schließen lassen, wie er will, ich werde doch machen, was ich will und mir von niemand in die Gcschäftssührung hineinreden lassen." Die Arbeitszeit der dort besckiöstigten Angestellten beträgt tag« l i ch 1 4 bis 16 Stunden, und es wird Ausgabe der Oemerbe- ansticht sein, dem Gastwirt hcckelbcrg den notwendigen Reipekt vor dem Gesetz zu verschaffen. Daß bei einer solchen Einstellung der Gastwirt Heckelberg ständiger Gast beim Arbeitsgericht in der Zimmerstraße ist, sei hier nur nebenbei bemerkt. Herr heck-'l- berg geht jedesmal als„Zahlmeister" voin Arbeitsgericht nach Hause. Die dort verkehrenden Arbeiter, Angestellten und Beamten sowie die Sangcsbrüder werden sich in dem Betriebe einmal umsehen müssen. Der Betrieb ist für organisierte Arbeitnehmer gesperrt. Blühender Flieder am 3«. September. Daß das Wasser, mit dem der Himmel Berlin und seine Vor- orte in diesem Sommer mehr als genügend versorgt hat, doch zu etwas gut sein kann, zeigten zwei aufgeblühte Flieder- stengel, die ein Freund unseres Blattes jetzt in seinem Vororts- garten gepflückt und uns heute zugesandt hatte'. Das sonnige Wetter der letzten Tage hatte die jungen Triebe zweier Slräucher so gereizt, daß sie sich zum Ausbrechen der Knospen entschlossen. Die An- nnhme, daß diese Zweige aus einem Treibhausc stammen könnten, ist nicht begründet, da im September Treibflieder zum Blühen zu bringen noch nicht geglückt ist. Daß diese späten Bluten dem Gärt- ner nicht willkommen sind, liegt auf der Hand— die so gereizten Sträucher geben einen großen Teil ihrer Kräfte frühzeitig fort. Tie VorauszahlnnFe»« auf die neue» Pensiouen. Di« Erhöhungen der Ruhegehälter, Wartegelder und hinterbliebencnbezüge ab 1. Oktober(Vorschußzahlungen auf die Besoldungsneuregelung des Reiches) werden, da die Zahlung mit den lausenden Bezügen für Oktober wegen Zeitmangels nicht mehr durchführbar ist, von den Bcsoldungsämtern I uis VI Berlin im Laufe de s Monats Ottober nachgezahlt. Dos Hauptversorgungsamt Berlin wird auf möglichste Beschleunigung der Zahlungsleistung hinwirken. Erleichterung des kirchenauslritts. Diesreigeistigen Verbände haben notariell« Sprechstunden eingerichtet, in denen gegen eine Gebühr von 2 M. der Kirchenaustrit? vollzogen werden kann, ohne daß ein Gang zum Amtsgericht notwendig ist. Solche Sprechstunden finde» statt: Berlin SW. 29. Gneisenaustraße 41(Hauptverwaltung), Montag und Donnerstag, abends 7 bis 8 Uhr: Berlin NO. 18, Friedenstraße 60(Bezirks- geschäftsstelle), Dienstag und Freitag, abends 7 bis 8 Uhr Das Typogrophischr Orchester übt heute. Freitag, abends 8 Uhr, im Neuköllner Vcreinshaus, hermannstraßc 11. Streicher und Bläser werden noch ausgeiiomnten „Volt und Zelt", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der Kindersreund" liegen der heutigen Postauslage bei. U»,terschl«gungeu bei der KöZner Sparkasse. Köln, 29. Seplember. Bei einer Zweigstelle der städtischen Sparkasse sind Unterschlagungen aufgedeckt worden, die sich aus einen längeren Zeit- räum erstrecken und in die hunderttausende gehen. Der ungetreue Beanit« wurde verhastet. (Schluß des redaktionellen Teils) Wir vcreWkn nirtit, untr-«»-rrhNen Steift Icfpnte-c tctiiir aiiitnorlftmt ju machen, das!«e g. ui a LI.& o, Mo, ei, Lei Ii» X IteintSeudorter Str. S 10, anläßlich der Einwichung ihres neuen Haute», wie das henliae Znserat betagt. «inen groben SröffnungSoertmif mit sehr billige« Preisen veranstaltet und jedem Kunde« aus diese« Anlaß beim üinkmts schöne praktstche Geschenke jugibt. Die Entfthesöung der Straßenbahner. Was bringt der Schiedsspruch? Dir haben in unserer heutigen Morgenausgabe bereit- den wesentlichsten Inhalt des Schiedsspruches wiedergegeben, ins- besondere aufgezeigt, inwiefern eine Veränderung bzw. Verbesserung gegenüber dem letzten Dorschlag des Schlichters eintreten würde. Wir haben noch der Vollständigkeit halber hinzuzufügen, daß die Heber st undenzuschläg« rückwirkend nom 1. August zu zahlen sind und das Abkommen, falls es von beiden Parteien angenommen wird, mit dem 1. Oktover in Kraft tritt. Es ist zweifellos, daß der Schiedsspruch gegenüber dem bis. hörigen Zustande eine Reihe von wesentlichen Verbesse» rungen bringt. Ebenso sicher ist aber auch, daß der Schiedsspruch nicht das bringt, was die Straßenbahner er- warten durften. Die Straßenbahner durften erwarten, daß in der Frage der A r b e i t s z e i t der Schiedsspruch eine w e s e n t- lich« Verbesserung dringen würde. Er hat aber darin nur eine ganz unwesentliche Erhöhung der prozentualen Berechnung als Arbeitszeit der Nebenarbeiten und Wartezeiten gebrocht. Im Grund« bleibt es bei Cinrechnung der Wartezeit bei der etwa neun- stündigen Arbeitszeit. Die Enttäuschung der Straßenbahner über den Schiedsspruch ist also durchaus begreiflich. Den Straßenbahnern ist aber zu sagen, daß ihre begreifliche Erbitterung sich am falschen Objekt aus- läuft, wenn sie jetzt über die verantwortlichen Organisationsoertrcter schimpfen. Diese Organisationsoertreter haben geradezu Ueber- menschliches geleistet. Sie haben versucht, die mangelnde Quantität der Organisationsmitglieder durch die Qualität ihrer Argumente zu ersetzen. Das hat feine Grenzen. D«r Einfluß der Organisationsoertreter hängt ab von der Masse der Mitglieder, aus die sie sich stützen. Es ist leider«in offenes Geheimnis, daß in bezug auf die Zugehörigkeit zur frsigewerkschaftlichen Organisation bei den Straßenbahnern noch vieles zu wünschen übrig bleibt. Die Gewerkschaft legt die Entscheidung über den Schiedsspruch in die chände der Straßenbahner. Die Straßenbahner sollen selbst«ntscheiden, ob sie diesen Schiedsspruch annehmen wollen. Stimmenthaltung gilt gleich Annahme. Die„Rote Fahne" versucht in ihrer heutig«« Nummer die Straßenbahner durcheinanderzuhetzen und gleichzeitig u n- wahre Behauptungen gegen die Derbandsangestellten aus- zustreuen. So behauptet sie u. a., daß über eine von der„Opposition eingebrachte Resolution nicht abgestimmt wurde wegen der angeb- lichen Drohung der Derbandsangestellten, einen Streik, der vor der Urabstimmung inszeniert würde, als wilden Streit zu betrachten. In Wirtlichkeit ist diese Resolution von dem tommu- nistischen Antragsteller zurückgezogen worden, was dem Antragsteller allerdings die üblichen Schimpfereien seiner Ge- sinnungsfreunde einbrachte. Auf keinen Fall dürfen die Straßenbahner sich irr« machen lasien durch die KPD., die sich den Teufel um das Wohlergehen der Straßenbahner kümmert, sondern nur ihre Parteiinteressen im Auge hat. Die Straßenbahner müssen selber entscheiden. Zu alt! Die Notlage der älteren Angestellten! Von einem Angestellten geht uns folgender Notschrei zu, der eines Kommentars nicht bcdarj: Leider gehöre ich auch schon zu den sogenannten„alten Ange- stellten", obwohl ich erst 47 Jahre alt bin und es in bezug auf Arbeitsleistung, qualitativ wie quantitativ mit jedem jüngeren Ange- stellten aufnehme. So oft ich mich auch schon vorstellen durfte, überall hätte Ich auf Grund meiner Kenntnisse und Zeugnisse anfangen können, wenn nicht dos„Alter" hindernd gewesen wäre. Leute über All Jahre werden nicht mehr eingestellt. Daß man auf Bewerbungsschreiben vielfach keine Antwort erhält und Zeugnisabschriften trotz beiliegenden Rückportos nicht zurück- gesandt werden, ist schon alt. Wie unglaublich die Verhältnisse liegen, beweist wohl folgender, nicht vereinzelter Fall. Ein Herr ging mit meinen Zeugnissen zu einer großen Firinä, um bei dem ihm bekannten Prokuristen ein gutes Wort für mich ein- zulegen. Nach Einsichtnahme der Zeugnisse sagte der Prokurist:„Das ist ja glänzend, so einen Menschen suchen wir ja! Wie alt ist er denn?" Vei Nennung des Alters gab er die Antwort:„Zu all. Wir brauchen noch mehrer« Herren, haben jedoch von der Direktion die ftrenoe Weisung, nur Herren im Alter von 25 bis 30 wahren einzustellen." Ich könnte noch sgallenlang schreiben, jedoch verbietet es der Raum. Nur noch ein« Frage: Wie ist es ab» angesichts der Notlage der älteren Angestellten möglich, daß in vielen großen und mittleren Betrieben ehcmalia« höhere Offiziere sitzen, bei denen das Alter absolut keine Rolle spiell und die außer der großen Penston auch noch große Gehälter beziehen, dafür aber auch keinen Schimmer von kausmännischen Kenntnissen haben und uns Angestellten, die wir doch schließlich ein Recht auf Arbeit haben, die Arbeit fortnehmen? Dies« Doppeloer« diener müßten unbedingt aus allen Betrieben .heraus. Es müßte ihnen die mehr als auskömmliche Pension entzogen werden, dann würden sie wohl von selbst ihre Tätigkeit als „Herrenarbeiter" aufgeben und viele stellungslose Kausleute, die mehr verstehen als der„Herr Oberst" usw., könnten dies« Posten sicherlich besser ausfüllen. Müßte da nicht endlich bTfc Regierung energisch einschreiten? Im Kriege waren die Leute in den vierziger Jahren nicht zu alt, da dursten sie sogar ganz vorn sein. Unter diesen Verhältniüen bleibt einem ja schließlich nichts weiter übrig, als eines Tages die Gashöhne zu öffnen, um mit der Familie die große Reise anzutreten. P. H. Tar�fstreit in üeröerlinertzanüelsgärtnerei Bor dem SchlichtungSausschust. Die Vertreter der ISO geladenen Firmen waren bei der Verhandlung am 27. September in den Räumen des Reichs- arbeitsministeriums fast vollzählig zur Stelle. Es war für den Lorsitzenden keine angenehme Aufgabe, die Verhandlung zu leiten. Durch Zwischenrufe, zum Teil unparlamentarijcher Art,, gaben die Unternehmer ihrem Unwillen Ausdruck, daß man es gewagt hatte, sie vor den Schlichtungsausschuh zu zitieren. Da- bei waren einige Herren überaus empfindlich, als die Mitglieder der Lohnkowmissioi� einige Bemerkungen fallen ließen. Nur durch die Androhungft>on Ordnungsstrafen durch den Vorsitzenden konnte eine geordnete Verhandlung ermöglicht werden. Die Objektivität des Vorsitzenden Dr. Ries« soll durchaus an- erkannt werden. Seine sachliche Stellungnahme fordert jedoch zur schärfsten Kritik heraus. Einig« Unternehmer protestierten gegen die Durchführung des Verfahrens. Nach ihrer Aufsassunp wären die antragstellenden Organisationen in jedem ein- zclncn Falle veros lichtet, den Nachweis zu erbringen, daß o r- gantjiert« Arbeiter beschäftigt würden. Sofern dieser Beweis nicht erbrocht würde, wäre das Verfahren unzulässig. Die Unternehmer drohten, den Derhandlungssaal zu verlassen, wenn nicht über diese Frage vorweg entschieden würde. Unverständlicherweise ließ sich der Schlichtungsausschuß ein» schüchtern. Entgegen den klaren gesetzlichen Bestimmungen wurde den anträgst eilenden Organisationen zugemutet, die Mitgliederlisten einzu reich en bzw. den Nachweis zu erbringen, daß in den Betrieben Organisierte be» sch ä s t i g: würden. Mit aller Entschiedenheit lehnten die O r. gonisationsvertreter diese Zumutung unter Bezugnahme auf den bekannten Kommentar von Dr. F l a t o w und Regierungs- rat Joachim über die Schlichtungsoerordnung als unbegrün. det ab. Was sich nun abspielle, lann nur als eine Komödie übelster Art bezeichnet werden. Jeder einzelne Unternehmer wurde gefragt, ob in seinem Betriebe organisierte Arbeiter be- schäftigt würden. Biese verneinten diese Frage, obwohl es für uns ein leichtes gewesen wäre, in einigen Fallen das Gegenteil zu beweisen. Ein großer Test gab die vernünftige Antwort, st« wüßten es nicht, da sie sich darum nicht kümmerten. Von dem Rest wurde die Frage bejaht. Darauf verkündete der Vorsitzende den Beschluß des Schlichtungsausschusses, daß nur diejenigen dableiben brauchen, welch« die vorherig« Frage bejaht haben. Wlt Urtaen könnten die Verhandlung oerlassen. Mit Hohnlachen zo? ze« die Unternehmer ab. Um bei dieser Komödie nicht weiter mitwirken zu brauc che», be- ontrogten die Organijationsvertreter nunmehr die Verteagung der Berhavdlung, mit dem Bemerken, sich alles weitere vor- zubehalten. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Diese Vorgänge wären nicht möglich gewesen, wenn der stell- oertretende Schlichter von vornherein darchgegrisscn hätte, nachdem er die Stellungnahme des Gewerbcrats Körner in d« n Tarifstreit gegen den Unternehmerverband für solfch hielt. Es wird sich nun herausstellen, ob der Schlichtungsausschuß Groß-Berl in seinen eigenen Weg gehen und dadurch das Schlichtungswesen in Mißkredit bringen darf._ Konsiitt m dercn Zutritt. Ottar K'tw ri. i. Uta WfrWtthssw GwwffwarW*. Auf Teilzahlung Herren-, Damen-Garderobe Anzüge, Qumml-Mintei, Kleider MiSBEL bis 18 ilonatsraten Schlaf-, Speise-, Herrenzlmmei Küchen, Einzelmöbel, Federbetten Mn*«! Gr. Frankfurter Str. 34 Strausberger PlatxV. tsodibslm-fieslmiranl Zorn Warschauer Platz Jakob Stock Am Warsdtaner Plafc. Boden 12,[137 Q ro 8 d a m p 1 wä s c h e re i „Urania" Monieurkittel/ Arneltsblusen Handttlcfaer 115 Seltinltnufer 8/*al:!fm»rstr, 27 Telephon: Moritzplarz 1 1 SiO. Großdestilialionen Herrn. Raband ■Isäiser StraBe 18, Bc'te Bar�straSe. BUBssar StraBa 11, Rcka AcieerstraSc, RÜnancr ItraSa 14, Eck« SwInemUndcrStr, ISO BaBcr-Wästhe Spezialgeschäft fm „Sch'klkröle" üroBe Frankfurtar Str. 83. WoUt, Strumpfe .SO.» Ortnim/h. 202, Chsrlottenbutg 3). 33.JC. 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