Nr. 464 4 44. Jahrgang Ausgabe tk Nr. 236 Morgenansgabe Grost-Berliu JO Pfg. Auswärts 15 Pfg. � v y. Anzeik-«p--ij-- Reichsm-Irk voraus»ab?bnv j&SsPaia/'.*»\mf Sie elnfpaltiac Nonvaroill-. i« Streifband im In- u. ▲.„4lv A BbI»eile 80 Pfenuio Ret'.omczei!- !lanb s�0 Reichsmark vro Mono� U Dz! Z,— Reichsmark,.ftietn« BnAcir'-n* __ I W iWS I Hrall das fettaedruckte Wort 2S Pfennia Im ff PI 1 1 1 1 Wwtä iP™i , wmr. H, wmmm-. GS ssW■■■ WWW■■■-'■ JBjL, SS» SS.«SSL nth"?i!orn'h äinrmH.t«« �Bf rf-�Wi I DJ W W«R. SB x HS 1 W W �WMWr? Naben»üblen für»wei Worte. die' M»°r«e'n° nnb»M r S W fflvJHl MPWW� W W«rbeitsmarkt Ieile m Pkennia. �t�"TZAX:ü W I M. � Äl Eamilien» wr Abonnenten I. Sonntags und Montags einmal. � � fle.le«Dt.nn.a. �%f>y-3B5fak_.. � �.__ �■f W__ Hs. HN_ 3C< � Anzeigenannahme im Hailptgeschiist. Derttttev VeuKsWÄii«..»« siüÄr»«. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Neüaktion und Verlag: ö erlin SA). 68, Linöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Paris, 30, September.((Eigenbericht.) Die spanische Diktatur nennt alle Nachrichten, dah bei der Begegnung Chamberloin— primo de Rivers von der Tanger» frage die Rede gewesen sei. unrillitig: primo de Rivera beabsichtige lediglich, dem englischen Außenminister bei dessen Landung in einen spanischen Hafen einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Da» gegen sind in der französischen presse zahlreiche, zum Teil beunruhigende Gerüchte verbreitet. Rkanche Blätter wollen wissen, daß in Barcelona der Plan für eine Mittelmeerallianz eesgearbeitet worden sei, die Griechenland, Ztalicn, Spanien und England umfassen und gegen Frankreich gerichtet sein soll. Der ßal! Rakowfki. Frankreich fordert seine Abberufung. Paris, 30. September. havos verbreitet folgende Auslassung: Man versichert heute abend in glaubwürdigen politischen Kreisen, daß der Minister- r o t in seiner heutigen Sitzung sich mit der Frage der Beziehungen zu Sowjekrußland beschristigt hat, obwohl das offizielle Kommumquä darüber nichts enthüll. Sricnb Hot feine Kollegen über die Unterredung unterrichtet, die der französische Botschafter in Moskau, her bette, mit den Vertretern Sowjetrußlonds hatte. Es soll sich daraus ergeben, daß ich die Sowjeijuhrer nichl klar ZU machen scheinen, daß die Bei» behaklvng Rakowskis in Paris angesichts der dimch seine Unter- äjich.nung Oes Mindcrheitsmanifestes hervorgerufenen Polemiken nichl geeignet ist. die Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Ländern zu erleichtern. Unter diesen Umstanden soll der Ministerrat den Außenminister beauftragt haben, h e r b e t t e anzuweisen, daß er Ischitscherin bekanntgebe, die französische Regierung verlange entsprechend den diplomatischen Gepflogenheiten die Abberusung Rakowskis. da dieser in Paris nicht mehr persona grata sei, doch solle herbette dabei auss neue bestätigen, daß die französische Regierung die Be- Ziehungen zu Moskau nicht abbrechen wolle. De? Sürgerblock trifft Vorsorge. Reaktionäre Perfonakpolttik. bor den Wahlen. Keudell, der Minister gegen die Berfafsnng. Das„Berliner Tageblatt" versichert, daß die Bürgerblock- reqierung die von den deutschnatfonalen Ministern eingeleitete reaktionäre Personalpolitik systematisch fortführen wolle. Es sollen zwei Republikaner von wichtigen leitenden Beamten- stellungen entfernt werden: der Ministerialrat Kaisen- b e r g vom Reichsinnenministerium und der Reichspressechef Z echl in sollen durch Bürgerblockleute ersetzt werden. Ueber den Fall Kaisenberg schreibt das„Berliner Tageblatt": „Ministerialrat Kaisenberg, der Referent für Flaggen- fragen und Wahlrechtsfragen, der vermutlich selbst noch nichts von dem ihm zugedachten Schicksal weiß, soll aus seinem Amt entfernt werden. Das Reichsinnenministerium hat das Glück, in Ministerialrat Kaisenberg einen besonderen Fachkenner aller in sein Gebiet fallenden Fragen zu besitzen, der als hervorragende Autorität auf diesen Gebieten sich aus ihnen auch vielfach wissen- schoftlich betätigt hat. Freilich steht auch er in'dem Verdacht un- bedingter republikanischer Verfassungstreue. Und von diesem Mann ist der heftigste Widerstand zu befürchten, wenn auf dem Gebiet der F l a g g e n f r a g e irgend etwas gegen die Ver- s a s s u n g unternommen werden soll. Keisenberg ist zwar ein eminent tüchtiger Beamter. Aber aus seinem jetzigen Posten ist er der deutschnationalen Parteileitung, ist er dem deutschnationalen Minister v. Keudell sehr unbequem. Er will den republikanischen Flaggenreferenten seines Ministeriums entfernen, und er will einen d e u t s ch n a t i 0 n a l e n Beamte», der die„wesens- fremde Staatsform" der Republik und ihre Farben ablehnt, zum „Hüter von Schwarzrotgold" bestellen. Der Fall Kaisen- berg ist nicht der letzte. Ein Einschreiten gegen weitere republikanische Beamte im Reichsinnenministerium ist bereits er- wogen oder eingeleitet." Das Reichskabinett soll sich bereits am Freitag mit dem Fall Kaisenberg befaßt haben. Herr v. Keudell, Berfas- sungsmlnister, Herr v. Kamele, Leiter der Berfasfungs- abteilung, und nun noch ein Deutschnationaler Ver- fassungsreferent— so wird die Republik geschützt. Herr v. Keudell hat. wie wir aus sicherer Quelle wissen, auf dem Höhepunkt das Flaggenstreits mst den Hotels den R e i 6) s k a n z l er davon abgehalten,'auf die Fronde gegen die Reichsfarben zum Schutze von Schwarzrotgold einzu- Sonnabend, den I. Oktober 19Ä7 Dem Ministerrat berichtete Vriand über die Pölkerbunds- tagung und Märinermnister Ley gues über die schweren Zwischenfälle im Militärgefängnis von Toulon; er erklärte, es feien Maßregeln ergriffen, um einer Wiederholung vorzubeugen. In der Frage der amerikanisch-französischen handelsbeziehun- gen— so behauptet der„Temps"— habe man die fran- zösische Antwort auf die letzte amerikanische Note ablehnend geholten: sie erkläre, daß Frankreich nur auf Grund der Gegenseitigkeit mit Amerika in Verhandlungen eintreten und unter allen Umständen die M e i st b e g ü n st i g u n g ohne amerikanische Kompensation verweigern werde. Endlich habe der Ministerrat die vom Kammerausschuß verlangte Freilassung des Kommunisten C a ch i n, Lex in Strafhaft sitzt, abgelehnt. Französische Sozialisten und Gewerkschasten für Amnestie Poris, 30. September.(WTB.) Die Delegierten verschiedener sozialistischer und gewerkschaftlicher Verbände, denen sich Vertreter der Liga für Menschenrechte angeschlossen hatten, haben sich in einer Entschließung gegen die in der letzten Zeit von den Behörden verfügte Beschränkung der persönlichen Freiheit ausge- sprocheu. Es wird in der Entschließung insbesondere gegen die fort- gesetzte U e b e r w 0 ch u n g zahlreicher revolutionärer führender Per- sönlichkeite» und gegen die ungeheuerlichen Verurtei- tun gen verschiedener Wiiorbeiiec der Presse Einspruch erhoben. Das Parlament wird ausgesardert, eine allgemeine Amnestie zu erlassen. Die Kommunistische Parte! war eigenartigerweise bei dieser Kundgebung nicht vertreten. Woher stammen die Bomben? Auf einem alten Friedhof in einem Pariser Arbeiterviertel wurden 300 Bomben gefunden, ähnlich den Sprengkörpern, die bei dem Attentat gegen den Schnellzug Marseille— Nizza verwendet wurden. Die Polizei vermutet, daß es sich um ein geheimes Waffenlager italienischer Anarchisten handelt(?). l wirken. Die Tätigkeit des Verfassungsministers v. K e u d e l l zielt darauf ab, Machtpositionen zum Kampf gegen die Ver- faffung und Schwarzrotgold zu schaffen. Sein Wirken steht im schroffsten Widerspruch zu den Pflichten eines Ministers der Republik— aber Herr Marx läßt ihn arbeiten. Die englische kommunistische Maffenpartei" Nur noch 737? Mann! London. 30. September.(III.) Die Stärke der kommunistischen Partei in England ist im tehlen Iahr um einganz csDrittel zurückgegangen. Nach den 0 s s i» zielten Berichten der kommunistischen Partei wird die Gesamtzahl sämtlicher eingeschriebenen Kommunisten Englands mit 73 7 7 angegeben, während im vorigen Jahre diese Iaht etwa 11000 betrug. * Wenn je äußere Umstände einen Zuwachs der kom- munistischen Zwergpartei Englands begünstigen konnten, so war das im vergangenen Jahr der Fall: die Scharfmachereien der konservativen Reaktion gegen die streikenden Berg- arbeiter, der kopflose Bruch mit Sowjetrußland, das Anti- gewerkfchaftsgesetz und viele andere Maßnahmen hätten eigentlich einen' kommunistischen Aufschwung hervorrufen können. Außerdem hatte die Agitation von Cook und seiner Gruppe einen so probolschewistischen Charakter, und es wurde so viel Reklame mit den russischen Millionenspenden für die streikenden Bergarbeiter gemacht, daß man annehmen mußte, die koinmunistischen Ideen hätten im Laufe des ver- gangenen Jahres starke Fortschritte in England gemacht. Wenn trotzdem die englische Kommunistenpartei so katastrophal— um ein volles Drittel— zurückgegangen ist, so beweist das unwiderleglich, daß der britische Arbeiter von der bolschewistischen Heilslehre nichts wissen will. Wann werden die deutschen Arbeiter, die noch immer hinter den Bankrotteuren der KPD. herlaufen, ebenso viel Verstand und Würde beweisen? Allein der Betrug, der an ihnen im letzten Jahre dadurch ständig verübt wurde, daß die„Rote Fahne" von einem„revolutionären Auf- schwung des� englischen Proletariats" unter kommunistischer Führung faselte, sollte ihnen die Augen öffnen: die Kom- munistische Partei Englands ist von insgesamt 11 000 Mann auf nicht einmal 7�00 zurückgegangen!'Diese beiden Ziffern besagen olles. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SA). 68, Hinüenskr.Z PoNlibeSkoat«! Berlin 87 SU— BonRanta; Banl der Arbeiter. Anaestriten und Btamicn. Bolftr. 65; Di»r>>ntn-SesrSichnft. BmnlUrntafle Liudenftr. 3. Saumwoll- und petroieumpoiiük Russisch-britischer Wetteifer in Vorderaffen. Don Dr. A. Abeghian. Der russisch-englische Wettbewerb um das asiatische Erbe ist wieder aufgenommen. Nicht zuletzt ist auch der Bruch Londons mit Moskau eine Folge dieses Wetteifers. Nach- dem nun die chinesische Politik Rußlands eine schwere Niederlage erlitten hat, ist der asiatische Kampfplatz in den nahen Orient verlegt worden. Auch 1921, vor der Wiederaufnahme diplomatischer und Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern, deren Initiator Lloyd George war, bildeten vorderasiatische Gebiete und vor allem P e r s i e n und die Türkei die Arena, wo die alten Rivalen zusammenstießen. Nun strebt England diese asiatischen Nachbarländer Rußlands von ihm loszu- lösen, ja sogar auf das K a u k a s u s g e b i e t Einfluß Ali gewinnen, während Moskau nicht nur dies alles zu durch- kreuzen, sondern auch mit arabischen Ländern, also Mandat- bzw. Einflußgebieten Englands, wirtschaftliche und politische Beziehungen anzuknüpfen sucht. Hauptobjekt des rufsisch-britifchen Wirtschaftskampfes ist das Orient Petroleum. Das Abkommen des russischen Naphthafyndikats(Asneft) und der amerikanischen Standard Oil ist eine der neuesten Phasen dieses Kampfes. Die russisch- amerikanische Zusammenarbeit soll nicht nur den englischen Markt, der 45 bis 50 Proz. der russischen Petroleumaus- fuhr aufnahm, durch andere ersetzen, sondern auch zum weite- ren Ausbau der kaukasischen Oelindustrie bei- tragen: diesen Zweck hat auch die Organisierung der kaukasi- schen Petroleumraffineri« in der Hafenstadt Batum am Schwarzen Meer und die Erweiterung der Daku-Batum- Röhronleitung vom Kaspisee zum Schwarzen Meer: dafür soll die Dollaranleihe dienen, die der amerikanische Konzern der kaukasischen Naphthaindustrie zur Verfügung gestellt hat. Längst schon besteht hier Zusammenarbeit'der Amerikaner und der Russen, und England wird aus der Kaukas-Naphtha- Industrie verdrängt. Die dortige Manganerz konzeffion gehört seit 1925 der amerikanischen Harriman-Gesellschaft. Die nordpersischen Oelfelder liegen am Kaspi- see, also fast in unmittelbarer Nachbarschaft des kaukasischen Oelgebietes, werden jedoch noch nicht ausgebeutet. Ihre Kon- zession gehörte früher Rußland. Dieses verzichtete im Ver- trage mit Persien darauf und auf noch andere Rechte der Zarenregierung, jedoch mit der Bedingung, daß die Tebera- ner Regierung sie nicht einer dritten Macht übertrage. Seit- dem haben Amerikaner und Engländer mehrfach versucht, die Konzession zu erhalten. Nun sollen die Sowjetleute wieder versucht und auch erreicht haben, daß ihnen das Recht auf Ausbeutung nordpersischer Oelfelder zugesprochen werde. Allerdings sind die Amerikaner dabei nicht unbeteiligt. Wenn auch auf Umwegen, erlangen sie also den Eintritt in das nordpersische Oelgebiet— wieder ein Sieg über England. Die Teheraner Zeitungen berichten nun, daß aus Rußland eine große Anzahl Maschinen und Werkzeuge eingetroffen ist, zur Eroberung der nordpersischen Oelfelder bestimmt. Das s ü d p e r f i s ch e Oel ist Eigentum der Anglo- Persian Company, deren Aktien dem britischen Staat ge- hören. Ferner zeigen verschiedene Interessengruppen, namentlich englische Unternehmungen für das o st a n a t o- l i s che Oel in Türkisch-Armenien rege Aufmerksamkeit. Kon- stantinopeler Blätter melden, daß zur Erforschung der dort be- sonders unweit von der Stadt W a n vorhandenen Oelfelder eine Untersuchungskommission entsandt worden ist, der französische und englische Fachleute angehören. Noch vor dem Kriege hatte die hauptsächlich von Engländern gegrün- dete Gesellschaft The Turkish Petroleum die Konzession der Naphthaquellen des M o s s u l gebietes und Türkisch-Ar- meniens erhalten. Sie wurde jedoch infolge der Ereignisse nicht ausgenutzt. Jetzt werden die ersten Schritte getan, um die ganze Angelegenheit wieder aufzunehmen. Aber das türkische Petroleum interessiert Amerika und Rußland nicht weniger als England, und ihre Ansprüche daran begründen sie sowohl historisch wie rechtlich. Die russisch-britischen Gegensätze treten auch im arabi- schen Orient hervor: im Irak, Aegypten und der Halb- insel Arabien. Es liegt im Rahmen des russisch-amerika- Nischen Nahthaabkommens, daß die Standard Oil die Jnter- essenvertretung des russischen Petroleums auf indischem und vorderasiatischen Märkten übernimmt. Aegypten war schon vor dem Kriege einer der besten orientalischen Ab- nehmer des russischen Petroleums. Gegenwärtig zeigen die Russen besonderes Interesse auch für die ägyptische Baum- wolle. Rußlands eigene Baumwolle deckt nämlich seinen Industriebedarf nicht, und es ist auf die Baumwolle orientalischer Länder angewiesen. Reben Persien und Türkei kommt jetzt in dieser Hinsicht Aegypten in Betracht. Die ägyptische Presse findet die Wiederaufnahme der Handelsbe- Ziehungen mit Rußland wünschenswert, jedoch mit der Be- dingung. daß sich die Sowjetvertreter nicht in die inneren Angelegenheiten Aegyptens einmischen. Das Auftreten Rußlands rn Aegypten' kann dessen„Protektor" England nicht Mttelmeerbunö gegen Frankreich. Fafchiftenalliauz unier Englands Führung? willkommen sein, es wird alles tun, um die russische Kon- kurrenz an den Nilufern zu beseitigen. Rußland macht Versuche, auch in die arabischen Mandat- und Einflußgebiete Englands Irak und Hedschas einzudringen. Noch vor drei Jahren, als Hussein auf dem Königsthrone saß, hatte Moskau Agenten nach der Hedschas- Küste geschickt, ebenso Hussein eine Sondergesandtschast nach Moskau und die Sowjetregierung in seinem Kampfe gegen Jbn Saud um Hilfe ersucht. Kaum waren jedoch diese in Moskau erschienen, als die Wahabiten Jbn Sauds Hussein stürzten und ihn verjagten. Nun haben die Sowjetrussen versucht, wieder ihre Vertreter, und zwar unter dem Namen von Handelsleuten, nach Hedschas zu schicken. Jbn Saud ist jedoch gezwungen worden, sie auszuweisen. Die Sowjetpresfe erörtert die arabische Frage lebhaft, und zwar unter dem Gesichtswinkel russisch-britischer Be- Ziehungen. Offenbar hegt Moskau für diese vorderasiatischen Gebiete nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Jnter- essen. In einem Artikel versucht zum Beispiel die„Jswestija", die smnarabifchen Bestrebungen Jbn Sauds mit denjenigen König Feisals bzw. Englands in Widerspruch zu bringen. Das russische Regierungsorgan nimmt dabei den Wahabiten- führer, wie seinerzeit dessen Vorgänger Hussein, unter seinen Schutz, und versucht auch, ihn antibritisch und russen- bzw. türkenfreundlich zu stimmen. Der nahe Orient wird Zweifels- ohne und nicht erst in ferner Zukunft die Schaubühne dar- stellen, wo die alten Rivalen am heftigsten zusammenstoßen werden. Titelunfug. Ein Plan des Herrn von Keudell. Der verdächtige Gesetzentwurf über die Regelung der Amtsbezeichnungen der Reichsbeamten ist jetzt dem Reichsrat vorgelegt worden. Der Entwurf sieht vor, daß die Amtsbezeichnungen künftig vom Reichspräsidenten geregelt wer- den. Man will also die Neuregelung der Amtsbezeichnungen dem Parlament nehmen und auf dem Verordnungswege vor- nehmen. Die faule Ausrede für dieses völlig überflüssige Beginnen lautet: es liegen zu viel einander widerstreitende Wünsche und For- derungen der Beamtenschaft zur Regelung der Amtsbezeichnun- gen vor. Merkwürdig! Es gab doch schon bisher Amtsbezeichnungen und auch Veamtenwünsche über die Regelung der Amtsbezeichnungen. Warum muß jetzt, wo im Zusammenhang mit der Besoldungsreform eine gewisse Vereinheitlichung der Beamtenbezeichnungen notwendig geworden ist, auf einmal die Regelung in die Hand des Reichs- Präsidenten gelegt werden? Dafür ist bei dem besten Willen kein halbwegs vernünftiger Grund zu entdecken— wenn nicht etwas anderes hinter dem vom deutschnationalen Reichsinnen- minister angezettelten Manöver steckt. Liegt erst einmal die Rege- lung der Amtsbezeichnungen in der Hand des Reichspräsidenten, dann ist. so rechnet Herr v. Keudell, bis zum Wiederaufleben des Titelunfugs nur ein kleiner Schritt. Man vereinheitlicht, man steigert die Amtsbezeichnungen in einzelnen Fällen solang«, bis der Titel wieder da ist. Gegen diesen faulen Zauber muß Front gemacht werden. Wirth und üas Schulgesetz. Die Heidelberger Besprechungen und ihr Ergebnis. Mannheim, A>. September. Heber die Konferenz Dr. Wirths mit seinen Freunden in Heidelberg hat das„Neue Mannheimer Bolksblatt* von einem Teilnehmer einen Bericht erhalten, der von dem Blatt selbst als unklar bezeichnet wird. In dem Bericht heißt es u. a.: „Die Konferenz entsprang freier persönlicher Initiative und ver- folgte keineswegs den Zweck, in die Beschlüsse der zuständigen In- stanzen durch Zwischenaktionen einzugreifen. Dabei ergab sich die erfreuliche Feststellung, daß derartige Erörterungen sehr wohl möglich und fruchtbar sind und in ihrer Westersührung geeignet, Spannungen zu lösen, die zu schweren Kon- flikten in diesen Tagen geführt haben. Die Konferenz war sich fernerhin darin einig, daß durch positive Mitarbeit an dem vorliegenden Reichsschulgesetzentwurf noch vorhandene Bedenken ausgeräumt und eine Lösung gefunden werden könne, die sowohl der religiösen Vertretung des katholischen Volksteiles wie seinen Aufgaben und der Verantwortlichkeit im Nahmen der Volks- gefamtheit gerecht wird." Das„Neue Mannheimer Dolksblatt" bezeichnet die Feststellung als wefenllich, daß Dr. Wirch und fein« Freunde sich nunmehr zu einer positiven Mitarbeit in der Schulstage bereit er- klärt haben. Es würde wohl bei Dr. Wirth selbst liegen, wieder den Weg zu den maßgebenden Stellen im Zentrum zurückzufinden. Di« sozialdemokratische„Mannheimer Volks st imme" äußert ihr besonderes Befremden über den Satz des erwähnten Be- richts, wonach die Konferenz lediglich den Zweck gehabt habe, die kritischen Stimmen— gemeint sind die von Wirth, Weißmantel und Michel— zu sichten und sie mit den grundsätzlichen politischen, pädagogischen und politisch-parlamentarischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen._ Schtchhiiler Schätzte. Umgehung der Portoverteuerung vereitelt. Seit der Portoverteuerung ist das Porto von Deutschösterreich nach dem Reich— mit dem vertragsmäßig Portogleichheit besteht— um rund zwei Fünftel billiger als umgekehrt: deshalb sind reichs- deutsche Reklamedrucksachen vielfach von Deutschösterreich aus nach dem Reich verschickt worden. Wie die Bundespostverwaltung in Wien mitteilt, hat nun das Reichspostministerium die reichs- deutschen Postanstalten beauftragt, Drucksachensendungen, die in Deutschland hergestellt und für Empfänger in Deutschland bestimmt, aber bei österreichischen Postanstalten eingeliefert worden sind, nicht weiter zu befördern, sondern an den Aufgabeort zu- rückzusenden. Damit mache das deutsche Reichspostministerium von der Bestimmung des Artikels 4 des Schlußprotvkolls zum Weltpostoertrag von Stockholm Gebrauch, die folgendermaßen lautet: „Jedes Land kann olle ihm notwendig erscheinenden Maß- nahmen treffen, um zu verhindern, daß die Briessendungen aus seinem Gebiet über die Grenze geschafft werden, um im Aus- land bei der Post aufgegeben zu werden. Es hat insbesondere das Recht, diejenigen Sendungen, die einheimische Personen oder Geschäftshäuser im Auslande an einheimische Personen oder Ge- schäftshäuser aufgeben oder aufgeben lassen, um die niedrigere Postgebühren aus dem Auslande gegenüber dem eigenen Land« auszunutzen, mit seinen inländischen Postgebühren zu be- legen, oder an den Aufgabeort zurückzusenden. Die Art der Er- Hebung der Gebühren bleibt seiner Wahl überlassen." Die österreichischen Annahmestellen sind beauftragt, die Ausgeber derartiger in Deutschland hergestellter Drucksachensendungen auf dieses vom deutschen Reichspostministerium verfügte Beförderungs- verbot in Deutschland aufmerksam zu machen. Es ist gewiß nicht uninteressant, daß man diese ganze Geschichte von treuhändiger Verteidigung des Mchrportogewiims durch Herrn Schätzt«— erst aus Wien erfahren muß. Justiz gegen Staat. Das bayerische Oberste Landesgericht erklärt das Äeichswappen für schutzlos. Eine Entscheidung des bayerischen Obersten Landesgerichts, die in der„Juristischen Wochenschrift" vom 24. September d. I.(Seite 2231) mitgeteilt wird, verdient die Aufmerksamkeit weiterer Kreise. Nach§ 360 Nr. 7 des Strafgesetzbuches wird bestraft, wer unbefugt die Abbildung des kaiserlichen Wappens oder von Wappen eines Bundesfürsten oder von Landeswappen gebraucht. Es ist hiernach das Reichs wappen zwar nicht ausdrücklich geschützt, dieses war aber in früherer Zeit mit dem kaiserlichen Wappen identisch, und es ist niemand auf den Gedanken verfallen, zwischen beiden Wappen einen Unterschied zu machen. Das bayerische Oberste Landesgericht hat nun herausgefunden, daß das kaiserliche Wappen kein Reichswappen gewesen sei, und daß daher das neue Reichswappen den strafrechtlichen Schutz des alten kaiserlichen Wappens nicht genieße. Zur Begründung seiner Ansicht macht es sehr lange und sehr gelehrte Ausführun- gen, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, daß man die gegenteilige Ansicht juristisch genau ebensogut begründen könnte, wie dies auch in mehreren Fällen, z. B. von Lucas in der„Juristischen Rundschau" von 1923 und ebenso in dem Kommentar von Frank zum Strafgesetzbuch geschehen ist. Liest man die Ausführungen des bayerischen Urteils, so muß man unwillkürlich an die un- bewußten inneren Tatfachen denken, die den wahren Grund derartiger Entscheidungen bilden und die in der innerlichen Einstellung der Richter zum neuen Staate liegen. Es fei nur an die auch an dieser Stelle besprochene Entscheidung des Oberverwai- tungsgerichts erinnert, die eine Verordnung des preußischen Innen- Ministeriums, die den Gemeinden die Anwendung der Reichsflagge aufgab, für ungültig erklärte. Man hat sich allerdings in diesem Falle anderweit zu Helsen gewußt. Man kann aber auch das Urteil des bayerischen Obersten Landesgerichts nicht ohne weiteres hinnehmen. Wenn wirklich ein? solche Auslegung des Strafgesetzes möglich ist, muß sofort Abhilfe geschaffen werden. Man kann nicht bis zum Erlaß des neuen Straf- gefetzbuches hiermit warten. Es würde sich empfehlen, die Regelung dieser Frage durch einen besonderen Initiativantrag im Reichstag herbeizuführen._ Dolus eventualis. Er soll im neuen Strafgesetz beibehalten werden. Der Strafgesctzausschuß des Reichstags beendete gestern die Beratungen der Bestimmungen, durch welche die Begriffe Vor- s a tz und Fahrlässigkeit sestgelegt und bestimmt werden soll. was unter Oolüs eventualis zu verstehen ist. Auch von den Ver- tretern der bürgerlichen Parteien wurde die Rechtsprechung über den Dolus eventualis preisgegeben. Abg. Bell bezeichnete sowohl Las Urteil gegen Wilhelm Liebknecht, als auch das Magdeburger Urteil für falsch. Oberreichsanwalt Ebcrinayer erklärte, daß man em falsches Urteil nicht werde verinciden können, auch wenn man den Dolus eventualis ganz streich«. Auch die Richter seien Menschen, nach der Auffassung mancher Leute sogar Unmenschen.(Heiterkeit.) Die sozialdemokratischen Anträge auf Stret- chung des Dolus eventualis wurden mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen Sozialdemokraten und Konnnu- nisten abgelehnt. Es wurde lediglich vorbehalten, eine klare und enger« Formulierung des Begrisfes Dolus eventualis später festzulegen. Die Wciterberatung wurde auf Dienstag vertagt. De? �entrale-Prozeß. Das Reichsgericht will am Dienstag anfangen. Leipzig. 30. September.(Eigenbericht.) Der Niedner-Senat des Reichsgerichts will trotz aller Einsprüche der kommunistischen Reichstagsabgeordneten am Dienstag mit dem Prozeß gegen die K P D.- Z e n t r a le beginnen. Er glaubt, daß die angeklagten Reichstagsabgeordneten sich freiwillig stellen werden, so daß die Verhandlung kein« Unterbrechung erleidet. Es sind angeklagt wegen Vergehens nach§8 7, 8 und 9 des Republik- schutzgesstzes, Vorbereitung zum Hochverrat. Teilnahme an einer staatsfeindlichen Verbindung, Unterstützung zum Sprengstofsver- brechen ufw. die Reichstagsabgeordneten Heckert, Koenen, Remmele, Stöcker, Hoernle, Hans Pfeiffer sowie der preußische Landtagsabgeordnete Hugo E b« r l e i n, der Redakteur Rudolf Lindau, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und' der Redakteur Georg Schumann aus Berlin. Sollte der Prozeß durchgeführt werden, so dürften wochenlang Broschüren verlesen werden, da ganze Stöße von Akten und Schriften vorliegen. Der preußische Innenminister in der Nordmark. Der preußische Innenminister Grzesinski ist auf einer Reise durch die Nordmark Donnerstag nachmittag von Schleswig kommend in Flensburg einge- troffen, wo er vom Oberbürgermeister Dr. Todfen empfangen wurde. Liechtenstein. von Hermann Schühinger. Das Liechtensteiner Ländchen hat ein tückischer Wettersturz mitten im Herbst— ganz außerhalb der„Saison"— zu einer mitteleuropäischen Sensation gemacht. Ausführliche Telegramme fixer Korrespondenten berichten an die Weltpresse von reißenden Strömen, die das sonst so geruhsame Tal durchfurchen, von Stein- riefen, die unter der Gewalt des Wassers bersten, von Häusern und Höfen, deren Bewohner zwangsweise„geräumt" werden müssen— und von einer schiedlich-friedlichen Pontonierkonkurrenz der öfter- reichischen und der schweizerischen Armee. Dieser Wettstreit schweize- rischer und österreichischer Pioniere auf„neutralem Boden" um kostbare Menschenleben und um wertvolles Gut ist sicherlich die freundlichste Seite der ganzen, so unheilvollen Katastrophe, die augenblicklich die Alpenländer in Atem hält. Dieses Liechtensteiner Ländchen mit seinen würdevollen, etwas verzopften Bauern, mit seinen breithüftigen und braunen Frauen ist nämlich immer noch ein oollsouveräner Staat und bildet trotz Weltkrieg und Zusammenbruch der Mittelmächte auf der europäischen Karte seinen blauen, bzw. roten Klecks! Vor dem schwäbisch- bayerischen Hochland und der Bodenseegegend baut es sich seit Jahr- Hunderten auf wie ein gigantischer Torturm, der mit dem drei- buckeligen..Dreischwesternberg" und den nach dem Rhein und der Jll herunterfallenden Schanzen den Aufstieg nach dem St. Gotthard und den Durchmarsch zum Mittelmeer verwehrt. Dieser Bergblock glüht, vom Bodensee aus betrachtet, in allen Farben, je nachdem ihn jener unbekannte Filmregisseur für seine höheren Zwecke„belichten" läßt— mal tiesblau, wenn der warme Föhn aus dem Süden über den Gotthard bläst— mal hellgrün, wenn der Oftwind von Bayern aus das Schlechtwetter zusammen- kehrt— mal kohlschwarz, wenn ein Unwetter über den See rast und weiße Kämme aus dem gischtenden Wasser schmeißt. Um diesen„Dreischwcsternberg" herum reckt sich nun breit und behäbig das Liechtensteiner Land. An den Bergen kleben einige recht hübsche aber ziemlich bescheidene Hotels und Sanatorien. zwischen den zerrissenen Hängen ducken sich die niederen Heustadel und Almen und unten im Grund im Tiefland pflanzt sich behäbig und selbstbewußt der Liechtensteiner Bauer seinen Hof in den fetten Ackergrund hinein. Die Liechtensteiner Bauern sind keine Stürmer und Dränger, keine wellpolitisch erfaßten Zeitgenossen wie ihre alemannischen Kollegen drüben in Luzern, Bern und Genf. Sie ackern und säen und ernten mst ihren harten Köpfen und breiten Nacken, ohne sich den Teufel um die Händel der Welt zu scheren, sprechen Recht über primitivste Bauernkonflikte, halten auf„Ruhe und Ordnung" mit ihren fünf Landgendarmen, schlafen behäbig mit ihren massigen Frauen, zeugen Kinder, vermehren ihr Lieh und ihr« Hof und trinken ihren Vaduzer Wein— unbeschwert von komplizierteren europäischen Problemen, als die zwischen Mittelalter und Neuzeit politisch eingeschlafenen Ackerbürger einer Bauernsiedlung, die man in dem versteckten Winkel zwischen Oesterreich und der Schweiz ein- fach vergessen hat! Elftousend Menschen leben so, ganz für sich allein, um den Dreischwesternberg herum und erkennen als ihr geistiges Oberhaupt, als den größten Bauern und souveränen Bürgermeister ihren Fürsten an, der alle Jahre im Sommer drei bis vier Wochen in Vaduz, dem größten Dorf des Landes, residiert. Der schlägt dort „seinen Hof" auf in dem Schloß, das wie ganz Liechtenstein nach Apfelmost, Wein und Käse riecht und„regiert" zwei Wochen mit dem dreiköpfigen„Rat" und dem sünfzehnköpfigen Parlament— ein 87jähriger, gutmütiger, aber reichlich verfallener Greis, gegen den unser Hindenburg noch ein junger Springer ist. Ist die Sitzung aus, dann schreitet der aufgelöste„Reichstag" zum Dämmerschoppen durchs Dorf und grüßt die„hauptstädtische" Bevölkerung, die eben das Vieh eintreibt mit einem freundlichen: „S' Goood!" und„Grüßßi— o!" Jeder, der einmal ein paar Wochen in dem freundlichen Land- chen zu Haufe war, denkt gern daran und wünscht, daß es sich recht bald von dem Wettersturz erholt. Jeder lächelt ein bissel, wenn er an das Liechtensteiner Ländchen denkt— an Vaduz mit seinem gelbroten Wein und an den„Dreischwesternberg". An die„drei Schwestern" am Berg! Warum soll man sich nicht drei mollige, erdentwachsene Liechtensteiner Schwestern da oben vorstellen können, mit breiten Hüften und schweren Brüsten, drei Mädels, die sich da eng hintereinander mit ihren warmen Polstern auf den Berggrat setzen! Drei Schwestern als Sinnbild eines Berges und einer großen souveränen Bauerngemeinde, das zeugt doch von Humor und Witz! Wie sie meckern da oben vor Vergnügen, wenn das Rheinwasser anstatt durch sein Bett, durch Ruggelb braust und den österreichischen Pionieren die Pontons wegreißt, daß ihnen das Maul heut noch vor Schreck offen steht! Tagung öes deutschen VerkbunÜes. Die vom 27. bis 29. September in Mannheim abgehallene Tagung des Deutschen Werkbundes wies eine große Anzahl von staatlichen und Behördenvertretern, sowie eine reiche Entsendung von Einzelpersönlichkeiten aus allen wirtschaftlichen und künstlerischen Kreisen auf. Am Mittwoch fand die Mitgliederversammlung statt, die außer den üblichen geschäftlichen Punkten«ine besonder« Bedeutung hatte durch die Beschlußfassung über die Ausstellungspläne des Deutschen Werkbundes. Danach soll im Jahre 1932 am Rhein, mit dem Mittel- punkt in Köln, eine große Ausstellung„Die neue Zeit" ge- schaffen werden, die durch Teilausstellungen in anderen rheinischen Gebieten erweitert wird. Außerdem wird eine ideelle Verbindung mit Ausstellungsplänen der Stadt Frankfurt a. M., die anläßlich des 100, Todestages Goethes verwirklicht werden sollen, augestrebt. Es wurde beschlossen, sich an der Berliner Ausstellung des Ver- eins Bauausstellung 1930 nicht offiziell, sondern durch einige ab- geschlossene Gruppen zu beteiligen. Die der Versammlung vorgelegten Anträge berührten die im Werkbund vorhandenen Gegensätze zwischen den Bestrebungen nach der reinen Kunstform und der nach der schönen Zweckform. Die Stuttgarter Ausstellung„Die Wohnung" wurde als ein gewagtes Experiment, das nicht zu den Ideen des Werkbundes gehöre, bezeich- net. Die Aussprache über diesen Gegenstand, die sehr sachlich geführt wurde, ergab die Annahme einer Resolution auf die Eingabe Stutt- garter Möbelfabrikanten, daß der Werkbund keine Kursänderung vorgenommen habe und daß unter den Aufgaben der gestaltenden Arbeit die des Bauens und der Wohnung die wichtigsten seien. Die öffentliche Versammlung am Dienstag behandelte das Thema„Handwerk und Werkbund". Der Generalsekretäl des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages Dr. Meufch- Hannover hielt ein Referat über die Wünsche des Handwerks an den Werkbund. Es war eine prinzipielle Fixierung der Lage des Hand- werks in dem augenblicklichen Stand unserer wirtschaftlichen Ent- Wicklung. Der Vertreter erklärte seine Bereitschaft zur Mitarbeit im Werkbund, wenn dieser die Cntwicklungsbedingungen des Handwerks berücksichtige. Das Korreferat durch Museumsdirektor Dr. R i e z- l e r ging im Prinzip auf die Wünsche des Handwerkervertreters ein, wenn er sich auch in bestimmten Einzelheiten mit den Forderungen des Handwerks nicht einverstanden erklären konnte. In der Aus- spräche gab Prof. G r o p i u s eine interessante Definition des Be- griffes Handwerk, während Dr. Meusch noch einmal auf die Möglich- keit und Notwendigkeit der praktischen Gemeinschaftsarbeit zwischen Handwerk und Werkbund hinwies. Der Vorsitzende der Tagung und des Werkbundes, Dr. Bruck- mann, konnte schließlich mit Genugtuung als Ergebnis der Be- ratungen die Aufzeigung von Grundlagen feststellen, auf denen schon im nächsten Jahre gemeinsam zusammengearbeitet werden könnte. In der Hoffnung, daß Werkbund und Handwerk in dieser Zusammen- arbeit sich gegenseitig befruchten, schloß der Vorsitzende die Tagung. Die Stadt Mannheim wurde dem Ereignis durch weitgehende gesellschaftliche Veranstaltungen, die die Teilnemher in das Mann- heimer und Schwetzinger Schloß führten, gerecht. Unser neuer Roman. Wir beginnen in der heutigen Nummer mit dem Abdruck eines Romans, der die Zustände in Rußland von 1918 bis 1922 schildert. Er stammt von einem jungen Schriftsteller, der wie Gorki unmittelbar aus dem Volke hervorgegangen ist und seine Jugend in der Unruhe, dem Elend und der Not des typischen russischen Proletariats verbracht hat. Er hat In einer kurzen Dar- stellung sein Leben selber geschildert(stehe die heutige Nummer von „Unterhallung und Wissen"). Der Roman ist von einem Anhänger und Parteigänger Sowjetruhlands geschrieben, aber da er nicht nur «in Kenner der Ding« und Menschen, sondern auch ein Dichter ist, so gibt er hier ein allseitiges Bild des Lebens, er führt uns mitten in die Kämpfe mit der Gegenrevolution, er zeigt uns die gewaltige Umschichtung, die in der' Seele des Russen, vor allem auch der russischen Frau eingetreten ist, jährt den ungeheuren Verfall vor Ein neuer Mitstreiter. *v»scr Weg"— die Monatsschrift der Berliner Organisation. Der Bezirksvorstand Berlin gibt ab 1. Oktober eine Monats- schrift„Unser Weg' heraus, die allen Parteimitgliedern zugestellt wird. Die Monatsichrist soll alle Genossinnen und Genosien zu aufrichtiger Kameradschaftlichkeit mahnen, als erste Voraussetzung für den Ausstieg unserer Partei. Sie soll durch regen politischen Gedankenaus- tausch dazu beitragen. Mißverständnisse und Unstimmigkeiten in der Partei beseitigen zu Helsen. Sie soll alle Mitglieder der Partei einander näher bringen. Die Partei muß alle Kräfte rechtzeitig mobilisieren, damit im kommenden Jahr bei der großen Auseinandersetzung zwischen Arbeiterschaft und Dürgevblock- Parteien der Sieg an die rote Fahne der Sozialdemokratie gehestet wird. Hierbei wird die neue Schrift schon wichtige Vorarbeiten zu leisten haben., Die Berliner Sozialdemokraten werden mit großer Freude die Monatsschrift willkommen heißen. Die Mitarbeit an deren Ausbau steht jedem Genossen offen und wird begrüßt. Die erste Nummer enthält eine Reihe von instruktiven Auf- sätzen über Agitation und Organisation der Partei. Milöe für Zememörüer. Die Revision im Gießencr Fememordprozeß verworfen. Leipzig, 30. September.(Eigenbericht.) Der 1. Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Freitag mit dem Fememörder S a l o m o n und zwei Ge- nassen, die vom Schwurgericht in Gießen am 31. März 19?7 wegen versuchten Totschlags an dem Oberleutnant zur See Wagner verurteilt worden waren. S a l o m o n erhielt eine Zusatz- strafe von 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus. 5 Jahre Zuchthaus waren gegen ihn schon wegen Beteiligung am Rathenau-Mord verhängt worden. Der Kaufmann Ernst Schwing erhielt 1 Jahr K Monate Gefängnis, der Schriftleiter Heinz, der als Drahtzieher in Frage kam, wurde freigesprochen. Alle drei Angeschuldigten hatten mit dem Rathenau-Mörder Kern am 4. März 1922 versucht, den Oberleutnant Wagner, der von mehreren Verbrechen der Angeklagten wußte, zu erledigen. Wagner wurde von Frankfurt mit einem Auto noch Nauheim gebracht, von Kern geschlagen und in «inen Teich geworfen. Auch die Angeklagten Solomon und Schwing beteiligten sich an den Mißhandlungen. Als Wagner bereits im Wasser lag, feuerte Schwing noch einen Schuß auf ihn ab. Die ganze Sache war erst später zur Anzeige gebracht worden. Gegen die milden Strafen der Angeklagten Solomon und Schwing und wegen des Freispruches Heinz' hatte der Staats- anwalt Revision eingelegt. Er begründete die Berufung damit, daß Heinz als Mitwisser und Drahtzieher in Frage komme. Das Reichs. gericht müsse das Urteil aufheben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung zurückverweisen. Nach längerer Beratung kam das Gericht zu folgendem Urteil: Die Revision des Staatsanwalts wird verworfen und das Urteil der Vorinstanz bestätigt. grauen al» Schulldlerinuen. Kultusminister Dr. Becker hat die Schulverwaltungsbehörden aufgefordert, die Berufung von Frauen in Schulleiterinnenstellen möglichst zu fördern und im Schrckaufsichtsdienlt geeignete Schulleiterinnen und Lehrerinnen mehr al» bisher zu berücksichtigen.------ � 3ra hessischen Landtag wurde am Freitag Kehraus gehalten. Die Beratungen standen schon stark unter dem Eindruck des beginnenden Wahlkampfes. Do» tschechoslowakische Wehrminifterium teilt mit, daß aktiv« Militärs durch die beschlagnahmten Putschplän« der Faschisten nicht belastet seien. Die Schwester Vanzetti» hat sich in New Dork nach Italien eingeschifft. Sie führt einen Teil der Asche Saccos und Vanzettis mit, das Uebrige bleibt in Massachusetts. Augen und verherrlicht dann die Kraft, die aus dem Volke selber aufsteigt, um neues Leben aus den Ruinen blühen zu lassen. Alle Schriften, die über das neue Rußland von Freunden und Gegnern erschienen sind, können kein so anschauliches Bild davon geben wie dieser Roman, der— wie immer man zu dem Problem des neuen Rußland stehen mag— ein außerordentliches Dokument, in dem es auch an Kritik nicht fehlt, und vor allem eine große dichterische Schöpfung ist. Egon Erwin Atsch spricht. Kisch nennt seinen Vortragsabend „Humor in der Reportage", aber er liest Humoresken, kleine Feuilletons und einen Sketch, der die Spionageaffäre Rädls behandelt, Reportagen großen Stils sind in dem Programm kaum vertreten. Prachtvoll ist der Sketch, knapp in der Komposition und in der Haupthandlung durchaus sachlich geführt. Der Humor liegt in den Nebenfiguren. Ein wunderlich vertrottelter Erzherzog tritt aus, der schon die Groteske streift, und Kiich schafft Situationen, um die ihn jeder Schwankocrsasser beneiden könnte. Dielleicht schildert er hier wirklich nur die tatsächlichen Vorgänge: dann ist das Leben eben humoristischer als das Lustspiel. Bei Kisch liegt der Humor in seinem Sketch wie auch in den Novelletten und Feuilletons allein in der Situation und in den Menschen. Er vermeidet es, durch Wortwitz« zu glänzen oder durch geistreiche Bemerkungen den Leser zum Lachen zu bringen. Er ist auch in seinem Humor durchaus sachlich— er schildert nur, er ist immer der große Reporter. Der Vortragsabend, der ursprünglich im Blüthncrsaal angekündigt war. wurde ohne vorherige Bekanntmachung in den F« u r i ch- S a a l, Lützowstrahe, verlegt. Dadurch entstand eine unangenehme Vor- zögerung.—*• Letzte Kunde von einer Polartragödie. Wie aus Moskau ge- meldet wird, ist der Dampfer„Holyma' nach einer Fahrt in den Gewässern des Polarkreises nach Wladiwostok zurückgekehrt und bc- richtet, daß er die Ueberreste des Dampfers„Zarya" aufgefunden hat, auf dem der estnische Forschungsreisende Varon Toll 1901 seine dritte Polarexpedition unternahm. Der Gelehrte ist von dieser Reise nie zurückgekehrt: sein« letzte Botschaft kam im November 1902 von der Bennetinsel. Durch die Auffindung des Wracks ist nun diese Polartragödie endgültig geklärt. Rosezger-Abead der v«lN>übae® B. Zu dieler Veranstaltung, die am Mittwoch, dem S. Oktober. 20 llbr, in der Aula de?(Ahmnaliil'vS zum Grauen Kloster, Kloltergr. 7-1. staltfindet und bei der Hermann Kienzl au» den Werken de? Dichter» vortragen wird, find Karten zum Preise von O.SO M. noch in beschränlter Anzahl m den Verkauflstellen der Volksbühne erhältlich. krflaussührung eine»(film»»Für den wellsrleden». An Pari» fand die Trstausillhrung eine» Kriegsfilm», betitelt:.Für den Weltfrieden r statt. Der Film ist im Auftrage der Frontkämpservereinigmig.Die verunstalteten Gesichter', hergestellt worden. Der Präsident der Vereinignna, Oberst Picot. »ersichert, dasi die Ausnahmen au» dem Kriegsarchiv stammten und authentische Ausnahmen vom Tchlachifcld darstelllen. Arwr Achleitner. bekannt durch seine Erzählungen au» den Alpen, ist w München gestorben. Er war 1858 geboren in Straubing, machte später längere Reisen an den Rhein und nach dem Orient, war dann redaktionell In der.Neuen Freien Presse', serncr in Prag, in der Pfalz, in Augsburg und München tätig. Die Schulreaktion auf öem Wege! Einflntz der kirchlichen Orthodoxie auf die Schulen. Landtagsabgeordneter Genosse Max Simon schreibt uns: Fall 1: In Schmiedeberg im Riesengebirge wirkt der politisch zur SPD gehörende Lehrer K o p p e n st a e d t an der evange- tischen Schule, die dem Namen nach ein« Konsessionsschule, durch den Besuch von Hunderten von Kindern, die vom Religionsunterricht av- gemeldet sind, in Wirklichkeit eine Gemeinschaftsschule ist. Koppen- staedt ist eifrig tätig für die Freie Schulgesellschast, ist auch aus der Kirche ausgetreten. Das führte zu einer Hetze der orthodox-evange- tischen Geistlichkeit und Elternschast gegen Koppenstaedt. Er wurde amtlich vernommen und gab wahrheitsgemäß an. daß er nur in fach- sicher Weise von seinen verfassungsmäßigen Rechten Gebrauch ge- macht Hobe. Der Erfolg war folgender, ihm von der Regierung in Liegnitz schriftlich zugestellte Entscheid: .Durch den Erlaß vom 3. August 1927— 17 Hl. C Nr. 5115— sind wir beauftragt worden, Ihnen im Namen des Ministers zu eröffnen, daß auch d i« Propaganda, die Sie in der Verhandlung vom 15. April 1927 zugeben, mit Ihrer Stellung als Lehrer cm einer konfessionellen Schule nicht vereinbar ist. Der Herr Minister erwartet deshalb, daß Sie sich die Zurückhaltung auferlegen werden, die die Rücksicht auf Ihr Amt gebietet. Im Auftrage gez.: Timpe." Di« Regierung in Liegnitz und ihre Schulabteilung unter Leitung des Regierungsdirektors Will«, der unserer Partei angehört, trifft für diesen Erlaß wohl ebenso wenig Schuld wie den die Zuschrift zeichnenden Oberregierungs- und Schulrat T i m p e, der dem Zentrum angehört. Der Erlaß ist unverständlich. Er unterbindet verfassungsmäßige Rechte der Lehrer. Bezeichnend ist, daß dieser Bescheid dem E v a n» gelischen Kirchenrat in Schmiedeberg vom Ministerium zu- gegangen ist, während die Freie Schulgesellschaft und unsere sozial» demokratischen Abgeordneten nur durch Zufall davon erfuhren. Isll 2: Auch die.evangelische' Schule in M o y s bei Görlitz ist in Praxis schon eine Gemeinschaftsschule, da auch sie von vielen vom Religionsunterricht abgemeldeten Kindern mitbesucht wird. Für den notwendigen Unterricht inLebenstunde war ein der SPD. angehörender pädagogisch außerordentlich befähigter Lehrer Schulze aus Landeshut in Aussicht genommen. Seine Bewerbung scheiterte an den Widerständen der Pfarrer und der evangelischen Orthodoxie, deren Einflüsse über das Konsistorium bis ins Ministerium reichen. Da Schulze aus der Landeskirche ausgetreten ist, wurde er für unfähig erklärt, an der Schule in Moys zu wirken. Im Interesse einer friedlichen Regelung wurde von der Regierung Liegnitz gegen den Widerstand der zurzeit bürgerlichen Mehrheit des Schulvorstandes ein Lehrer Genosse R i e p k e eingesetzt, der ohne Im geringsten politisch oder schulpolitisch in der Oesfentlich- keit hervorzutreten, in einem Landort nahe der polnischen Grenze erfolgreich gewirkt hotte, allerdings auch aus pädagogischen Gründen den Religionsunterricht niedergelegt hatte, aber noch der Landeskirche angehörte. Der evangelische Elternbund unter Führung des Pfarrers Langner in Moys setzte monatelang Himmel und Hölle in Bewegung, um die Versetzung des Genossen Riepk« nach Moys zu verhindern, obgleich dort für die Erteilung des lebenskundlichen Unterrichts eine solche Lehrkraft notwendig war. Die Liegnitzer Regierung blieb fest und stellte Riepke an. Er hat sich durch sein treues auf Schule und Erziehung beschränktes Arbeiten die Herzen von Kindern und Eltern erobert, selbst die Gegner beginnen sein segensreiches Wirken anzuerkennen. Die vom Pfarrer Langner geführten reaktionären Kreise forderten trotzdem immer wieder die sofortige Entfernung des Ge- Nossen Riepk« von Moys. Bezeichnend ist, daß ein letztes Schreibe« dieser Art seit vielen Wochen im Ministerium unerledigt ge- blieben ist. Eine deutliche Antwort wäre besser gewesen. Auch die evangelische Elternschaft steht durchaus nicht mehr auf der Seite des unduldsamen Geistlichen, der insbesondere gegen den sozialdemo- tratischen Leiter der Schulabteilung Liegnitz wütet. 5all Z: Unser Genosse Lehrer JohninHoyerswexda O.-L. war nach Dienstalter und auch imter Berücksichtigung seiner päda- gogischen Leistungen vom Magistrat zum Konrektor bessimmt. Da er kein Kirchenchrist ist— obgleich tief innerlich religiös— wettert« die Orthodoxie in Schuldeputation und Konsistorium hinauf bis ins- Ministerium dagegen. Interpellationen unserer Landtagsabgeord- neten waren vergeblich. Ohne die Regierung Liegnitz zu befragen. wurde John als Konrektor an die weltliche Schule in Görlitz ver- setzt, obgleich hier ein Kandidat für den Konrektor vorhanden war und ein jüngerer Lehrer an dieser Schule nun seine Wirkungsstätte ver» lassen muß. Auch hier beugt« sich das Ministerium den Forderungen der Kirche. Fall 4: An vielen Orten will man die Trennungder ver- «inigten Kirchen- und Schulämter schiedlich-friedlich durchführen. Der wiederholte einmütige Beschluß des Landtages. der die Vorlage eines Gesetzentwurfes forderte, ist noch nicht aus- geführt. Bei dieser Sachlage sollte man Bestrebungen einzelner Ge- meinden, die Trennung durchzuführen, unterstützen. In Kiers- d o r f im Riesengebirge sollte der bisherige zweite Lehrer U l b r i ch (SPD.), ein älterer tüchtiger Pädagoge, auf Wunsch des weitaus größten Teiles der Elternschaft Hauptlehrer werden. Die Schulvor- standsmehrheit. unter Führung des Ortsgeistiichcn und das Kon- sistorium Breslau verstanden es, die Trennung zu hintertreiben und die Ernennung eines Kandidaten der Geistlichkeit, der anscheinend im Hauptamt Stahlhelmmitglied ist. zum Haupilehrer und Ka n- t o r zu erwirken, obgleich gerade die Schule dieses Ortes unter dem inzwischen abgebouten früheren Inhaber der vereinigten Kantoren- und Hauptlehrerstelle zu einer pädagogischen Lotterwirtschaft ge- worden war, in die Genosse U l b r i ch mutig und freimütig hineingeleuchtet hatte, nachden, er an diesen Ort versetzt worden war. Diese für viele Bezirke Preußens typischen Fälle aus dein Regie- rungsbezirk Liegnitz zeigen den ungeheuren Einfluß der Geistlichkeit schon auf das heutige Schulwesen, das noch der vollen Staatshoheit untersteht! Wie soll das erst nach Annahme des Keudellschen Reichsschul« gesetzentwurfs werden? Arme Lehrer! Arme Kinder! völkischer Tagesbefehl gegen hinöenburg. Teilnahme verboten. Die Oberleitung des völkischen und mit Ludendorff eng verbundenen.Tannenbergbund«»' hat folgenden„Tages- befehl' herausgegeben: „iannenbergbund, Kreisleitung Groß-Berlni, Provinz Iran- denburg. Unter Bezugnahme auf die ungeheuerlichen Vorfälle bei der Enthüllung des Tannenbergdenkmals ver» biete ich sämtlichen Angehörigen des Tannenbergbundes, an den Feierlichkeiten aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichs- Präsidenten teilzunchme». Kreisleiter des Tannenbergbundes. (gez.) H o l tz in a n n, Major a. D.' Diej«„ungeheuerlichen Vorfälle' erblickt der Tannenbergbund darin, daß während der Einweihung des Tannenbergdenkmals auf der Tribüne neben Hindenburg und anderen hohen Offizieren der alten und neuen Armee auch der dem Zentrum ange- hörende Reichskanzler Dr. Marx und der demokratisch« Oberpräsident S i e h r standen. Der Tannenbergbund lehnte aus diesem Grunde den Vorbeimarsch an Hindenburg ab und leistete sich das Vergnügen, ausschließlich vor Ludendorsf zu defilieren. Die„Bossisch« Zeitung' bemerkt zu dem Befehl des Tannen- bcrgbundes:„Unter dessen Mitgliedern wird man wohl auch die Leute.ju suchen haben, die sich den Witz leisten, in den Lokalen aufliegenden illustrierten Blättern, die diese Woche Bilder vom Reichspräsidenten bringen, den Kops des Rdchspräsidenten in t einem gedruckten Zettel zu überkleben, auf dem ein« Karikatur Hinbenburgs in Zivil zu sehen ist, mit der Ueberschrist:„Der Sieger von Tannenberg' und mit sclgendem Bcrs darunter:„Es geht mein Ruhm niemals zuschanden.— Hab ich auch nicht ge- wüßt, wo die Armeekorps standen.' Wechsel im preußischen Justizministerium. Ttantssckrctär Fritze tritt in den Ruhestand. Der Staatssekretär im preußischen Justizministeiium, Wirkl. Geh. Oberjustizrat Dr. h. c. Fritze, tritt am 1. Oktober 1927 mit Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger ist der Vizepräsident des Juristischen Landesprüsungs- amtes Hölscher ernannt worden. Staatssekretär Hölscher hat am 12. Januar 1904 die große juristische Staatsprüfung abgelegt. Nachdem er bei verschiedenen Amts- und Landgerichten tätig war, wurde er am 15. April 1919 zum Kammergerichtsrat ernannt. Am 26. August 1921 wurde er hauptamtliches Mitglied des Juristischen Landesprüfungsamts. Auch nachdem er am 12. September 1923 Ministerialrat im preußischen Finanzministerium geworden war, blieb er in enger Fühlung mit der Justizverwaltung, deren Angelegenheiten er im Finanzministe- rium bearbeitete. Am 1. Oktober 1625 kehrte er als Bizeprästdent des Juristischen Landesprüfungsamts in den Justizdienst zurück. Staatssekretär Hölscher steht im Alter von 52 Jahren. Sulgarenpläne gegen Saloniki. Nach aricchischer Anaabc einacstandcn. Belgrad. 30. September. Der griechische Geschäftsträger B a l t i s teilte dem Chef des politischen Departements im Außgnministerium, Jowanowitsch, amtlich mit, daß die(griechische) Polizei in Saloniki drei Vul- garen verhaftete, von denen einer Höllenmaschinen nach Saloniki brachte, die laut Geständnis dazu bestimmt waren, das jugoslawische Konsulat, die Gebäude der jugoslawischen Freizone, die sranzösisch--s«rbische Bank und die griechisch-serbische Bank in die Lust zu sprengen. Begünstigt durch die Finsternis der letzten Nacht griffen Komitat- schis den Landjögerposten der Ortschaft Kratowo in der Nähe der serbisch-bulgarischen Grenze mit Handgranaten an. Der Posten antwortete mit Gewehrschüssen Die Angreifer zerstreuten sich. Starke Polizeiabteilungen nahmen sofort ihre Verfolgung auf. Vanaalos-Anhänaer verhaftet. Athen, 30. September. Nach Aufdeckung eines Komplotts gegen die Regierung find sieben Offiziere, Anhänger Pangalos, verhaftet worden. Auch gegen Frau Pangalos ist ein Haftbefehl erlassen. Unter den verhafteten Offizieren soll der Sohn Pangalos' sein. Der Kampf gegen das Memelüeutschtum. Unter dem faschistischen Terror. heydetrug, 30. September. Da auch nach der Ausweisung der reichsdeutschen Redakteure die deutschen Zeitungen weiter erscheinen, oersucht man sie auf andere Weise mundlot zu machen. So hat der Hauptschristleiter der„Memel- ländischen Rundschau', Schell, der Memelländer Bürger ist und deshalb nicht ausgewiesen werden kann und der nach Abzug seiner reichsdeutschen Kallegen allein die Redaktion besorgen muß, heute einen Strasbesehl des stellvertretenden„Kriegskominandanten' erhalten, wonach er wegen angeblicher Verstöße gegen die Kriegs- zensur mit 250 Lit Geldstrafe bzw. 7 Tagen Gefängnis be- straft wird. Gleichzeitig ist ihm amtlich mitgeteilt worden, daß er seine Strafe nicht wie bisher in einem memelländischen Gefängnis abbüßen dürfe, sondern nach dem Innern Litauens abtrans- portiert werden würde! Diese angeblichen Verstöße Hot man aus Zeitungsausgaben zu- sammengesucht, deren Erscheinen schon wochenlang zurück- liegt. Sie bestehen darin, daß trotz Verbot, aber aus kaum ver- meidbaren technischen Gründen, nach Zcnsurstreichungen doch noch kleine weiß« Flecke in der Zeitung sichtbar blieben. Bisher hatte man dieses Verfahren nicht beanstandet.(Wenn man jetzt immer terroristischer gegen da» Memeldeutschtum vorgeht, so soll das wohl den Boden für die angekündigte Berliner Besprechung Wolde- maras— Stresemann bereiten! Red. d. ,.V.'.) Nichter statutwiürig ausgew�ejea. Memel, 30. September. Zwei Richtern am Memeler Amtsgericht ist vom Direktorium de» Memelgebietes gekündigt worden, dem einen zum 1. November, dem anderen zu Ende November. Die Richter waren lange Jahre im Memeigebiet tätig, der ein« mehr als 20 Jahre. Der Gouverneur hat den beiden Richtern die Verlängerung der Aufent- Haltsgenehmigung oerweigert, und daraufhin ist die Kündigung erfolgt. Di« Erteilung, der Aufenthaltsgenehmigung ist gar nicht Sache des Gouverneurs, sondern nach dem Memelstatut Sache des Direktoriums, so daß diese Ausweisung und Kündigung eine neu« Verletzung des Memelstatuts darstellen. Kommunisten im Saargebiel verurleill. Wogen der Protest- aktion am 8. August vor dem Negierungsgebäude, bei der 35 Land- fäger verwundet wurden, bat die Saarbrücken«? Strafkammer die Landesratsabgg. Reinhard und Ullrich zv neun bzw. zwei Monaten und weitere zwölf Angeklagte zu sechs Monaten bis zu einer Woche Gefängnis verurteilt. heute Streik öer örauer. Htreikbeginn früh 6 Uhr. An der Urabstimmung am Donnerstag und Freitag in den Berliner Brauereien haben sich von 7200 Beschäftiglea 5854 beteiligt. Davon haben für Streik gestimmt 474S. gegen den Streik 1035, ungültig waren 73 Stimmen. Die siaiutarisch notwendige Zweidrittelmehrheit der sreigewerkschaftlich organiflerlen Arbeiter ist somit weit über- schriiten worden. 2a der zu gestern abend nach dem..Rosenthaler Hof" einberufenen und stark überfüllten Versammlung der Funk- tionäce der Brauereiarbeiter gab der Berliner Bevollmäch- tigte des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Gmosse hodapp zunächst das Abstimmungsergebnis be- könnt, das von den Versammelten mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Genosse Hodapp betonte, dah der hauptvorstand des Verbandes der Lebensmittel, und Ge- tränkearbeiker die Sanktion zum Streik gegeben hat, unter der voraussehung. dah die im Einzelarbeilsvertrag vor- gesehene achttägige Kündigungsfrist eingehalten wird. Die Funktionäre beschlossen jedoch ohne Debatte ein- stimmig, diese Kündigungsfrist nicht einzuhalten und abheulefrühöllhrin den Streik zu treten. Es wurde ferner beschlossen, dag die?kolstandsarbeiten. wozu die Pflege der Zugtiere und die Bewachung der Grundstücke gehören, ausgeführt werden. Sunüestag üer Sauarbeiter. Sitzverlegung nach Berlin. Dresden. 30. September.(Eigenbericht.) Auf dem Bundestag des Deutschen Baugewerks- b u nd e-> wurde am Freitag vormittag— am Donnerstag machten die Delegierten eine Dampferpartie durch die Sächsische Schweiz— zunächst die Verlegung der Bundesleitung nach Berlin beraten. Die Gründe für die Verlegung, die der zweite Vorsitzende Bernhard vortrug, sind:"Berlin liegt geographisch zeiUraler, serner ist Berlin der Sitz des 2IDGB. und Sitz der gesamten Reichrbehörden. Für die Verlegung nach Berlin setzten sich besonders Drügemüller- Berlin und Silber- l ch m i d t vom Bundesvorstand sowie h ü t t m a n n- Frankfurt ein: dagegen waren Bundeskassierer K o b e r sowie W e st p h a l- Mamburg und I k e n- Hamburg, und zwar aus finanziellen Gründen. Der A n t r a g auf Verlegung wird mit Majorität angenommen. Seins sofortige Verwirklichung ist freilich noch nicht möglich. Professor S i n Z he i m e r- Frankfurt sprach hierauf über ..Gewerkschaften und Arbeitsrechts In tief durch- dachter Weise behandelte er sein Thema, dem er den Satz des berühmten Rechtslehrers Jhering„Im Kampf sollst du dein Recht getv'iinen" voranstellte. Er schilderte den dreifach zu führenden Kamps: den Kampf um ein Arbeitsrecht überhaupt, den Kampf um Inhalt, Anwendung und Auslegung des Arbeitsrechts und den Kampf um seinen Inhalt in der Zukunft. Die Aufgabe der Arbeiterschaft ist erst dann gelost, wenn es eine von anderen Menschen geschiedene Arbeiterklasse nicht mehr gibt. Der Arbeiter darf nicht mehr als bloßer Lohnempfänger angesehen werden, sondern als Ausübender einer öffentlichen sozialen Funktion. Ohne Aussprache wird hierauf eine den Ausführungen des Vor- sitzenden entsprechende E ntschließ ung über die Forderungen der Bauarbeiter zum Arbeitsrecht und zur Sozial- Politik angenommen. Sachs- Verlin, Sekretär des ADGB-, hielt einen Vortrag über den Bauarbeiterschutz. Er forderte reichsgcsetzliche Regelung des Bauarbeiterschutzes. Eine entsprechende Entschließung bekräftigt zugleich nochmals ausdrücklich die vom ersten Bundestag für den Bauarbeiterschutz aufgestellten Forde- rungen. Eine weitere Entschließung fordert gesetzliche Schutzmaßregeln gegen die schweren Gesundheitsstörungen der mit Preßluft- Werkzeugen hantierenden Arbeiter. Von den 27 Delegierten des Bundes zum Gewerkschaftskongreß 1928 wurden 7 dem Bundesvorstand zuerkannt: die anderen wählte der Bundestag noch Borschlägen der Delegierten der einzelnen Bezirke. Für die Geschädigten der Wasferkatastrophe im Sächsischen Erzgebirge bewilligte der Bundsetag 25 000 Mark. Die Lohnbewegung im Gastwirtsgewerbe. Kein Streit vor den» Schiedsspruch. Die am Freitag im Gewerkschaftshaus tagende Generalverfamm- lung des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafäange- stellten nahm einen Bericht des Bevollmächtigten Genossen Saar über den Stand der Lohnbewegung zur Kenntnis und beschloß mit allen gegen acht Slimmen, die Verwaltung zu beauftragen, alle Maßnahmen zu ergreifen, di« geeignet erscheinen, die Forderungen der Arbeiterschaft durchzusetzen. Di« sogenannte Opposition hatte einen Antrag eingebracht, der verlangte, daß die Berhandlungen am Sonnabend um 14 Uhr abgebrochen werden sollen, und daß der Streik bereits am Sonnabend um 20 Uhr prokla- miert«erden soll«. Dieser Antrag wurde mit allen gegen 20 Stirn» men, also gegen«ine kleine Minderheit abgelehnt, weil die Mehrheit der Bersammlung die Verwaltung nicht von vornherein binden wollte. Nach dem gefaßten Beschluß der Generalversammlung soll die Verwaltung ihre Entscheidung von dem Spruch des ver» einbarten Schiedsgerichts abhängig machen. Die DerwaUung wird daher, um die weiter notwendigen Beschlüffe zu fassen, am Sonnabend noch Fällung des Schiedsspruchs zusammen- treten. Lohnbewegung öer Reichs- unö Staatsarbeiter. Am Dienstag beschäftigte sich ein« Versammlung der Funktio- näre aus den Reichs- und Staatsbetrieben u. a. auch mit der L o h n- frage. Die Neuregelung der Löhne, die im April d. I. erfolgte und gleichzeftig eine Aufbesserung des Stundenlohnes um 1 Pf. ab 1. Oktober vorsah, kann unmöglich ohne nochmalig« Nachprüfung Geltung behalten. Fast einmütig wurde mit Schärfe das Verhalten der Regierung verurteilt, da sie durch ihre Schutzzollpolitik zum größten Teil selbst die jetzige Teuerung herbeigeführt hat, ja selbst preissteigernd führend voranging durch die Erhöhung der Post- gebühren. In der weiteren Debatte wurden auch Stimmen laut, bei den kommenden Wahlen mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß diese Regierung durch eine den besitzlosen arbeitenden Massen mehr Verständnis entgegenbringende Regierung abgelöst wird. Die teilweise sehr heftige, wenn auch sachliche Diskussion fand ihren Niederschlag in nachfolgender Entschließung: „Die am 27. September d. I. im Derbandshause der Gemeinde- und Staatsarbeiter versammelten Funktionäre der Reichs- und Staatsbetriebe stellen mit besonderer Genugtuung fest, daß der Per- band die wirtschaftlich unbegründeten Preissteigerungen sofort zum Anlaß genommen und bei. dem Reichsfinanzministerium Berhand- lungen beantragt hat, um das Lohnniveau der Reichs- und Staats- orbeiter in entsprechender Weise den Lebensnotwendigkeiten wieder anzupassen. Da diese Preissteigerungen fast ausschließlich auf die oerfehlten Maßnahmen der Reichsregierung zurückzuführen sind, ist dieselbe Regierung auch moralisch verpflichtet, di« Auswirkung der Schutzzölle, Mieterhöhungen usw. �wieder auszugleichen durch ent- sprechende Erhöhung der Löhne. Sollte wider Erwarten die Regie- rung sich dieser selbstverständlichen Pflicht zu entzieben oersuchen, so wäre damit erneut die arbeiterfeindliche Tendenz dieser Regierung erwiesen. Eine derartige Handlungsweise müßte natürlich zur schärfsten Kampfansage führen. Die Funktionäre erwarten deshalb, daß bei den kommenden Verbandlungen vom Reichsfinanz- Ministerium das Verständnis ausgebracht wird, welches notwendig ist. um zu einein die Arbeiterschaft befriedigendem Ergebnis zu kommen." Die Lohnbewegungen öer Schuhmacher. Der Konflikt in den mechanischen Schuhreparakur-Iverkstätten. Bei den Verhandlungen am Mittwoch mit den Inhabern mechanischer Schuhreparaturwerkstätten konnte eine Verständigung nicht erzielt werden. Die Unternehmer boten nach langwierigen Auseinandersetzungen die Erhöhung des Mindestlohnes von 00 auf 98 Pf. und eine Lohnzulage für die M e h r v e r d i e n e r von 6 Pf. pro Stunde an, und ließen durchblicken, daß einer Erhöhung des Mindestlohnes auf 1 M. pro Stunde zugestimmt würde, wenn die Mehrrerdiener mit der Zulage von 3 Pf. einverstanden wären. Die Derhandlirngskommission der Arbeiter verlangte als letztes Angebot als Mindestlohn 1 M. und für die Mehroerdiener 8 Pf Zulage. Die Verhandlungen mußten in diesem Stadium abgebrochen werden. Am Montag, dem 3. Oktober, haben die Arbeiter der mechanischen Schuhreparaturwerkstätten in der in den Andreasfest- sälen, Andreasstraße 21, nachmittags 5Ms Uhr, ftattiindenden allgemeinen Schuhmacherversammlung für mechanische Betriebe das Wort. Sie werden darüber abstimmen, ob das An- gebot der Unternehmer angenommen werden soll oder nicht. Die Arbeiter aller mechanischen Reparaturwerkstätten werden ersucht, auch wenn sie noch nickst der Gewerkschaft angeschlossen sind, restlos zu erscheinen._ Ms Sem öereiche See Deutschen Lufthansa. Das Eondorsyndikal anlworkek. Wir brachten unter dieser Uebcrschrist am 18. September einen Arbeitsvertrag zum Teil im Ooiginalwortlaut zur öffentlichen Kenntnis, der von den Tochtergesellschaften der Deutschen Lufthansa mit nach Südamerika entsandten Facharbeitern abgeschlossen worden ist. Wir erhallen nunmehr eine längere Zuschrift des Condorfyndi- kates, das den authentischen Wortlaut mit seinen höchst unsozialen Bestimmungen leider nickst bestreiten tonn, dafür aber recht eigen- artige Begründungen ihres Verhallens gibt. Wir können aus räum- liehen Gründen nur auf das wesentlichste hier eingehen. Die van uns festgestellte Tatsache, daß Bord Monteure in Südamerika schlechter als vorher in der Heimat bezahlt werden, wird nicht bestritten, nur mit dem Hinweis auf spätere Zu- lagen und angeblich billigere Lebensbedingungen be- gründet. Wenn die K a u t i o n s t la u s e l des Bertrages, nach welcher ein Teil des Einkommens der Arbeitnehmer von der Firma als„Sicherheit"«inbehalten wird, damit begründet wird, daß Ä o n- traktbruch bald nach Arbeitsantritt drüben vorgekommen sei, so läßt gerade das darauf schließen, wie schlecht Arbeitsvertrag und Arbeitsverhältnisse bei der Firma sein müssen; denn ein des Landes unkundiger Flugzeug- und Bordmonteur, der am Flugdienst hängt und sich hier jahrelang bewährt hat— und nur solche werden ausgesucht!— wird nur dann eine andere Arbeitsstelle suchen, wenn er schwer enttäuscht worden sst und wo anders besser bezahlt und behandell wird. Zu der Tatsache, daß bei„selbstverschuldeter" Krank- Heft sofortige Entlassung, Kautionsverlust und Verlust des Hermreife- anspruchs im Dertrog vorgesehen sind, schreibt das Condorsyndikat: „In hygienisch so wenig disziplinierten Gebieten wie di«, für welche die Berträge bestimmt sind, muß das Personal durch be- stimmte Vorschriften zur Vorsicht erzogen werden." Welch rührende Erziehungssürsorge! Man hebt drohend den Finger:„Du darsst nicht, mein Sohn!... Solltest du aber trotz- dem.., dann haben wir mit dir nichts mehr zu schaffen. Dein Kau- ttonsgeld behalten wir, und du kannst sehen, wo du in Brasilien bleibst."— Wir hoffen, nur, daß die Lufthansa bzw. das Condo� syndikat die Gesundheitsfürsorge für ihre Direktorex> in„hygienisch wenig disziplinierten" Gegenden mit gleicher Streng»: betreibt! Mit Befriedigung entnehmen wir der Zuschrift der Firma, daß das gesamte fliegende Personal in Südamerika nunmehr in Deutsch- land oersichert wird. Das war im Frühjahr noch nicht der Fall; hier hat offenbar die öffentliche Kritik bereits gutes bewirkt. Leider aber ist der schlimmste Teil des anfechtbaren Vertrages offen- bar noch immer in Kraft, nach dem unverschuldet Erkrankte bzw. Verunglückt« nur vier Wochen Arztkoften erhalten und e.n t- lassen werden können ohne Heimreiseanstruch. Die FinTia schreibt hierzu:„Diese Klausel... bedeutet keinesfalls eine prinzst pielle Ablehnung seitens des Unternehmens sondern die Gesellschaft will sich lediglich gegen Versuche des Mißbrauchs(Simulation— wie leider schon vorgekommen) schützen." Das ist angenehm zu erfahren. Aber wenn man gar nicht so böse Absichten Hot, warum formuliert man dann so bösartige Drohungen? Gegen Simulation bietet eine äzrtlich« Untersuchung ausreichenden Schutz. Im übrigen ließe solche angeblich schon vor- gekommene Simulation erst recht ans unbefriedigende Arbeitsver- hälmisse schließen. Dieser Vertrag ist und bleibt für die deutsche Luftfahrt ein dunkler Flecken und kann durch ke�rn- Kommentare gerecktfertigt erscheinen. Bei guter Bezahlung und Gewährung mersschenwürdiger Rechte werden weder Simulation noch Davon- laufen zu befürchten sein. Wir hoffen im Interesse des guten Rufes der deutschen Luftfahrt, daß, wie bereits in der Bersicherungsfraac, so auch in den anderen Bestimmungen der Vertrag einer g r ü n d- lichen Revision unterzogen wird. Die Angestellten im Lust- verkehr aber sollten keinen Vertrag unterzeichnen, ohne ihn vorher von ihrer zuständigen Organisation, der Lufifahrtabteilung des Deutschen Verkehrsbundes, überprüfen zu lassen. Lohnbewegung in öer Cisenmöbelinöustrie. Der Metallarbeiteroerband Hot das Lohnabkommen mit dem Berliner Fabrikantenverband der Eisenmöbel- und Drahtnetz- matratzenindustrie zum 31. Oktober gekündigt, zugleich ober auch eine Verkürzung der Dauer des Lohnabkommens bis zum 30. September gewünscht, da die im Mai festgesetzten Löhne durch die Teuerung völlig unhallbar geworden sind. So ist der Spitzen- lohn eines Schlossers in der ersten Klasse 1 M., der durchschnittliche Akkordverdienst 1,12 M. Tie Unternehmer haben dem Metallarbeiterverband mitgeteilt, daß sie eine zwischentarifliche Lohnregelung nicht vornehmen könnten, da sie bereits Aufträge angenommen hätten, di« auf der Grundlage der jetzt gültigen Löhne kalluliert seien. Die in der Eisenmöbelbranche Beschäftigten vertraten in der letzten Bronchenversammlung die Ausfassung, daß dies nur ein an den Haaren herbeigezogenes Argument fei, womit die Unternehmer ihren rücksichtslos ablehnenden Standpunkt verhüllen wollen. Sic beauftragten die Organisation, da man die Unternehmer zu einer Verkürzung der Dauer des Lohnabkommens nicht zwingen könne, von ihnen aber zu fordern, daß die Verhandlungen über den Neuabschluß eines Lohnabkommens so rechtzeittg geführt werden, daß noch vor dem 31. Oktober klar zu erkennen sei, wieweit die Unternehmer zum Entgegenkommen bereit sind. Die Lersammellen erklärten einmütig, daß sie es ablehnen, auch nur einen Tag tariflos zu arbeiten, foudern daß sie gewillt sind, in den Streik zu treten, wenn die Unternehmer sich nicht zum Abschluß eines annehmbaren Tarif- Vertrags bereit erklären sollten. � Gehaltserhöhung im Serliner Speöitionsgewerbe. Nachdem seit geraumer Zeit im Berliner Speditionsgewerbe erfolglos über eine Erhöhung der Gehälter für die Angestellten verhandelt worden ist, hat sich der Schlichter gestern mit dem Konflikt beschäftigt. Es wurde ein Schiedsspruch gefällt, der ab 1. Oktober eine Erhöhung der Gehälter, die seit dem April in Kraft sind, um 1 Prozent vorsieht. Ueber»tunden. die nach der 48. Arbeitsstunde zu leisten sind, werden mit ein Zwei- Hundertstel des Monatsgeholtes plus 25 Prozent als Zuschlag vergütet. Achtung. Fachgruppe Stuck, und Gipsbau. Am Donnerstag, dem 29. September, haben die Kollegen Putzer den Streik be- schlössen, der mit dem 1. Oktober beginnt. Wir weisen darauf hin, daß die Kollegen unserer Fachgruppe jede Putz- arbeit abzulehnen haben. Wo die Kollegen Stukkateure oder Rabitzputzer Putzarbeit ausgeführt haben, außer Rabitzarbeit, hat dieses mit dem 1. Oktober zu unterbleiben, wenn sse sich nicht des Streikbruchs schuldig machen wollen. Kollsgen, übt Solidarität! Die Fachgruppenleitung. Fr«ie S«w«rlschaft»j»gk»l» Sr»H.Lcrli». Heute, Connabend, folgende Ver- anstaltuny: ttreis Oberlprce: ZtreismitgliedcrvcrsamNlung um Uhr im Jugendheim Baumfchulenweg, Ernststr. l«. Verantwortlich tllr Politik: Ztichard Bernstein; Wirtschott: v. tklingelhöse«: Gewerkschaftsbewegung: Z. Sieiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokale» und Sonstiges: Fritz starstädt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Berlag G m b H., Verlin. Druck: Vorwärts.Vuchdruckcrel und Berlagsanstal« Paul Singer n Co Berlin SW s«. Lindenstrahe S. Vieri» 2 Beilaaea und..Unterbaltuna und Willen- aMK-...«*«» MWW« M«■ Sur berliner Stt 61 Nr. 464 ♦ 44. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Sonnabenö, 1. Gktober 1427 Die Drücke über öie Straße. In der Neuen Friedrichstraße ist der Bau eines Schwibbogens I im Gonge, der das Kaufhaus Werlheim mit dem über der Straße gelegenen Einrichtung?- und Möbelhaus verbindet. Bei einer Länge von 20 und einer Breite von 3 Meter wird dieser Schwibbogen in zwei Geschossen ausgeführt. Als äußerlicher Schmuck ist eine reiche Bronzeverkleidung vorgesehen. Noch vor dem Winter soll der Bau fertiggestellt werden und wird dann sowohl dem Publikum als auch dem Personal den Verkehr zwischen den beiden Häusern erleichtern. Demselben Zweck soll auch ein Tunnel dienen, dessen Fertigstellung in der nächsten Zeit zu erwarten ist. Diese Art Ableitung des Fuß- gängerverkehrs von dem gefährlichen Auto- und Straßenbahnbetrieb in den verkehrsreichen Straßen der Innenstadt ist im Interesse der gefährdeten Fußgänger und der schnelleren Abwicklung des Der- kehrs sehr zu begrüßen. Der Schuß auf öen Ehemann. Zum gestrigen Urteil. Wir teilten heute das Urteil gegen Frau Gebauer mit, Zum Verständnis des Urteils nur noch eine kurze Betrachtung. Die Gerichtsverhandlung bot einen Querschnitt durch das Leben der sogenannten guten Gesellschaft. Der Verstorbene, der ungeraten« Sohn eines Kausmanns, hatte es nur bis zur Untertertia gebracht, und wurde als Achtzehnjähriger nach Mexiko abgeschoben. Hier lernte er Arbeit, aber auch Menschenschinden und brutale Lustbe- friedigung kennen. Als er in Berlin zu Geld gekommen war, be- schloß er, als Rentier das Leben zu genießen: er kaufte eine Villa und wurde Rittergutsbesitzer, später Wucherer. Für die M e n- talität dieses Mannes stnd zwei seiner Aussprüche be- sonders charakteristisch. Der eine:„Meine Familie hat während des Krieges nicht gedarbt: unser Tisch war stets voll besetzt. Dumm waren die Leute, die Blut und Leben fürs Vaterland gelassen haben.* Der andere-„In Mexiko, da oer- stand man es, die Leute mit Knuten und Revolver niederzuhalten* Gegen den Verstorbenen waren bei der Staats- anwaltschaft eine Reihe Sachen wegen Wuchers anhäneig gemacht. Ja, selbst die Mutter des Verstorbenen mutzte gegen ihn die Unter- Haltsklage führen und die Handelskammer hatte seine Berufung zum Sachverständigen unter der Begründung abbestellt, daß er moralisch wertlos und eines öffentlichen Amtes unwürdig sei. Die mexikanische Brutalität hatte G. in das eheliche Schlaf- gemach übernommen. Seine physische Schwäche war, nach feinem eigenen Geständnis, die Folg« feines mexikanischen Liebeslebens. Sie wurde für ihn zur Quell« unglaublicher Qualen, Demütigungen und Minderwertigkeitsgefühle. Die Ehescheidungsklage gegen feine Frau, die Enterbung von Frau und Sohn, die er zwei Tag« vor seinem Tode in einer schlaflosen Nacht vornahm, bedeuten nichts anderes als der letzte Versuch, sich doch als Mann zu zeigen. Und die Frau? Die Zeugen hielten mit der Sprache zurück. Sic war eine herrschsüchtige, eigensinnig«, unnachgiebige, hochmütige Frau. Sie wirkte auf ihren Mann nicht beruhigend, wenn er von seinen krankhaften Ausbrüchen des Jähzorns befallen wurde, sondern reizte ihn noch zu höherer Wut. Sinnlich und auch ein wenig leichtfertig, trotz ihrer guten Erziehung und ihres Versuchs, den «schein nach außen hin zu wahren, unterhielt sie, die einstmals höhere Tochter und nun Rittergutsbesitzerin, ungeniert ein Verhältnis mit dem geistig tief unter ihr stehenden Gutsinspektor. Ihr Mann war nun weder Gatte noch Ernährer. Er stand im Wege. Man spielte mit dem Gedanken, ihn zu beseitigen. Der Sohn sagte wieder- holt vom Vater„erschießen muß man ihn*. Vom Wort zur Tat war nicht weit. Als die Frau zur Versöhnung fuhr, lauerte in ihrem Hien der heimliche Gedanke: Versöhnung oder Tod. So gingen die Schüsse von selbst los und waren wirklich tödlich. Die Zwiespältigkeit der Einstellung der Frau sand ihren Ausdruck in der Zwiespältigkeit des Urteils: Notwehr plus versuchter Tot- schlag gleich eineinhalb Jahre Gefängnis. 25?ahre �vorwärts�-Suchöruckerei. Heute sind 25 Jahre vergangen seit dem Tage, an dem die „Vorwärts*-Buchdruckerei ins Leben gerufen wurde. Schon am 1. April 1884 erschien der Vorläufer unseres Blattes, das»Berliner Voltsblatt*. Singer und Babing waren es, die diese Zeitung unter persönlichen Opfern herausbrachten. Aber der Erfolg sprach für sie. Kaum 2l1lK) Abonnenten zählte man am Anfang, am 1. Oktober 18S0 aber hatte sich die Ziffer verzwölffachtl 25 000 Abonnenten, das war immerhin für damalige Vcr- hältnisie eine Zahl. Damals, 1890, wurde der»Vorwärts* geschaffen, aber noch. elf Jahre mußten vergehen, bis August Bebel und Paul Singer sich an die Berliner Parteifreunde mit einem Appell wandten, Geld- mittel für den Aufbau einer eigenen Druckerei zu be- schaffen. Und dieser Aufruf wurde von unseren Berliner Genossen mit Bereitwilligkeit aufgenommen und brachte einen imponierenden Erfolg. Es wurde begriffen, daß die Gewinne, die man bisher aus dem Druck der Zeitung erzielt hatte, die aber Privatuntcr- nehmern zugeleitet worden waren, jetzt durch eine eigene Druckerei unserer Bewegung, der Arbeiterbewegung, zur- Verfügung gestellt werden sollten. Gerade ein Jahr war vergangen,. als unsere Genossen aus der Zeit der Jahrhundertwende nicht weniger als 187 000 M. aufgebracht hatten. Durch weitere Sa.nm- lungen und durch die Mitarbeit auch der Gewerkschaften wurden- weiterbin rund 300 000 M. mobilisiert. Die Sozialdemokratie zeigte, daß sie marschierte: Dem Gründungskomitee waren im ganzen über 500 000 M. zur Verfügung gestellt worden. Di« Reaktion, das darf man sagen, bekam einen„kleinen Schreck"! Diese b.mbe Million war das Grundkapital für die„Vorwärts*- Buchdruckerei, die am 1. Oktober 1902 begründet wurde. Firmenträger waren zunächst August Bebel, Paul Singer und Eugen Ernst. In der Lindenstraße 09 cräsjnete man den Betrieb. Die Belegschaft zählte damals hundert Köpfe. Heute beträgt die Zahl 050. Unser vor einem Jahre verstorbener Genosse Richard Fischer wurde Geschäftsführer, und wir wissen, wie vorbildlich er seinen Posten ausfüllte. Der Aufstieg blieb nicht aus: Bald waren die Schulden bezahlt, immer neue, immer modernere Maschinen wurden aufgestellt. Vor nunmehr fünfzehn Jahren erwarb die Arbeiter- schaft für dreieinhalb Millionen Mark unser Grundstock in der L i n d e n st r a ß e 3. Damals wurde die Aktiengesellschast „L i n d e n h a u s* begründet. Die Presse der Rechten war außer sich vor Wut. Umsonst! Das Unternehmen setzte sich durch. Wenn auch durch Krieg und Inflation eine rückläufige Bewegung unvermeidlich war, so wurde doch auch diese schwere Krise überwunden. Heute ist die„Vorwärts*°Buchdruckerei ein Unternehmen, erfüllt von Lebensfähigkeit und geachtet in allen Fachkreisen. Die«instigen Firmenträger, Bebel, Jensch, Singer, Haasc und Ebert, sind tat, die Bewegung aber lebt! Ab 2. Oktober Mntersahrplan. Der am 2. Oktober in Kraft tretende Winterfahrplan 1927/28 enthält für die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen keine wesentlichen Acnderun- � �Zement. fKoman oon Fsodor Gladkow. Das verwüstete Werk. 1. An der Schwelle des Nestes. Ebenso wie vor drei Jahren spie das Meer, dort hinter den Dächern der Kaserne und den Bogengängen des Werkes, in dieser frühen Morgenstunde dampfende Gischt und Sonnen- splitter. Und die Luft zwischen den Bergen und dem Meere war wie Wein in diesem Flammenscheine. Die Locken des Märzes waren in den Hecken noch nicht sichtbar. Und die blauen Fabrikschlote und die Eisenbetongebäude des Werkes und die Arbeiterhütten der„Gemütlichen Kolonie" und die kupferglänzenden Rippen der Berge schmolzen in der Sonne und waren durchsichtig bläulich wie Eis. Drei Jahre— und alles so wie gestern: nichts hatte sich geändert. Diese dunstigen Berge mit ihren Ausbuchtungen, Klüften, Steinbrüchen und Felsen sind genau so, wie sie in seiner Kindheit waren. In der Ferne die altbekannten Brüche an den Abhäygen, die Bremsberge zwischen den Steinen und Hecken, die Brücken und Aufzüge in den engen Schluchten. Und das Werk unten ist dasselbe: eine ganze Stadt von Türmen, Kuppeln und zylindrischen Dächern, und die„Gemütliche Kolonie" am Bergabhang, über dem Werk, ist dieselbe, mit den verkümmerten Akazien und den kleinen, wenige Quadratmeter großen Höfen an jedem Haus. Wenn man durch das Loch in der Betonmauer geht, die das Fabrikgelände von der Vorstadt abgrenzt(früher war hier ein Pförtchen— jetzt ist ein Loch durchgebrochen), so ist in der zweiten Kaserne Gljebs Wohnung. Bald wird ihn seine Frau Dascha mit seinem Töchterchen Njurka sehen, wird aufschreien und an seiner Brust vor Freude erschüttert erstarren. Dascha erwartet ihn nicht, und er weiß nicht, wie sie sich in den drei Iahren seiner Abwesen- heit verändert hat. Es gibt in der Republik keinen Weg, keinen Steg, der nicht durch Menschenblut gedüngt wäre: ist hier der Tod nur auf der Straße vorübergegangen, an den Arbeiterhütten vorbei, oder ist seine Hütte im Feuer und Wirbel untergegangen? Gljeb schreitet im weingoldenen Glänze über den Pfad am Abhang des Berges durch das ihn umklammernde, noch winterliche Gestrüpp, durch die gelben Funken der Gänse- blümchen. und ihm ist, als singe die Luft und zwitschere und habe bunte Perlmutterflügel.__ Hinter der Mauer, auf dem unbebauten Platze, spielen schmutzige Kinder, und dickbäuchige Ziegen mit Schlangen- äugen steigen herum und zupfen an den Sträuchern und Akazien. Und die Hähne werfen erstaunt ihre roten Köpfe in die Höhe und schreien bös:„Wer ist denn dies?" Und in seinem Herzen— von Blut überströmt— hört Gljeb, daß die Berge mit den Steinbrüchen, die Schornsteine und die Arbeitersiedlungen vom tiefen, unterirdischen Donner erdröhnen.... Das Werk. Dieselmotors. Bremsberge. Zechen. Rotierende Zylinder der Oefen. Vom Berge aus sieht man, wie zwischen den aschgrauen Gebäuden des Werkes die Betonpfeiler einer Drahtseilbahn in Form von Triumphbogen, wie ein gigantisches II zum Meer heruntergleiten. Die Stahldrähte sind wie Saiten gespannt, an ihnen hängen die im Fluge stehengebliebenen kleinen Laufkörbe— unter ihnen, wie eine rostige Flut der eiserne Musselin eines Sicherheitsnetzes. Und dort, am Ende des Hafens, die entfalteten Flügel des elektrischen Krans. Herrlich. Wieder Maschinen und Arbeit. Eine neue Arbeit, eine freie, durch Kampf errungene, durch Feuer und Blut. Herrlich. Die Ziegen schreien und lachen wie junge Mädchen mit den Kindern um die Wette. Salmiakgeruch der Schweine- ställe. Gräser und Unkraut, von Hühnern beschmutzt. Was ist das?— Woher hier Ziegen, Hühner, Schweine? Das war früher streng verboten. Beton und Stein. Kohle und Zement. Schlacken und Ruß, Filigrantürme der elektrischen Förderbahn. Schlote, höher als die Berge. Drähte, wie Saiten gespannt. Und in nächster Nähe Bauernvieh, Stallungen? Teufelskerle! Am Schwanz haben sie das' Dorf hergezerrt, und wie Schimmel verbreitet es sich nun. Auf dem Wege kommen ihm drei Weiber entgegen, im Gänsemarsch, mit Bündeln unter dem Arm. Vorn eine Alte, mit dem Gesicht einer Hexe, hinten zwei junge, die wie Land- streicherinnen aussehen, eine dick, starkbrüstig, das Gesicht bebt unaufhörlich vom Lachen, die Lippen decken kaum die Zähne-, die andere— mit roten Augen, roten Augenlidern, aufgedunsen wie von Wassersucht, tief ins Gesicht ein Tuch geschoben. Weint sie oder ist sie krank? Sofort erkannte er: die Alte ist die Frau des Schlossers Lofchak— die andere, durch ihr Lachen blühende, die Frau des Schlossers Gromada, die dritte eine Fremde, die er nie gesehen hat. Er nähert sich ihnen, tritt ins Gras und grüßt sie mili- tärisch:„Guten Tag, Genossinnen!"« Die Weiber schauten ihn an, als wäre er ein unnützer Vagabund, und wichen ihm, durch das Gras gehend, aus. Und nur die Letzte, die Lachende— lachte auf wie eine erschrockene Henne:„Mach, daß du weiter kommst! Hier lungert schon genug Gesindel herum. Wenn man die alle grüßen müßte!" „Aber ihr Teufelsweiber! Erkennt ihr mich nicht? Die Glotzaugen der alten Lofchak leckten mürrisch an Gljebs Gestalt herunter(so schauen nur alte Hexen), dann sagte sie mit ihrer Baßstimme zu sich selbst:„Das ist ja Gljeb. Von den Toten auferstanden, der verflixte... Und ging gleichgültig und mürrisch ihres Weges. Und die Frau Gromadas lachte und sagte nichts. Nur von weitem, schon ganz neben der Mauer, schaute sie sich um, hlieb stehen und schrie wie eine kreischende Elster:„Lauf, Mann, lauf zu deiner Frau. Wenn du sie verloren hast— suche sie, und wenn du sie findest— heirate sie wieder..." Gljeb schaute den Weibern nach, und erkannte in ihnen nicht mehr die früheren freundlichen Nachbarinnen. Schön hatte sie, wie es schien, das Leben zerzaust! Derselbe Zaun um den wenige Quadratmeter großen Hof und derselbe Abort nach der Straße zu. Nur der Zaun ist etwas schief geworden, und die Zeit und die winterlichen Nordostwinde haben die Bretter mit grauer Kruste bedeckt. Und als er die Pforte öffnet, wackelt das ganze Zaungerippe. Jetzt— sofort wird Dascha herauslaufen. Wie wird sie ihn nach der dreijährigen Trennung empfangen, ihn, der aus Tod und Feuer kommt? Vielleicht glaubt sie, daß er umgekommen ist, daß er sie für immer vergessen hat— oder vielleicht erwartet sie ihn jeden Tag. seit jener Stunde, da er sie mit Njurka in dieser Kammer allein gelassen hatte und unbemerkt in die feindliche Nacht hinausgegangen war. Er warf seinen Mantel auf den Zaun, nahm den Tornister von den Schultern, warf ihn auf den Mantel und schmiß seinen Helm mit dem roten Stern auf die Erde. Blieb einen Augenblick stehen, reckte die Schultern bis zu den Ohren empor, warf einige Male die Hände im Kreise um sich(man muh sich beruhigen— die Glieder in Ordnung bringen) und wischte sich nach jedem Schwünge mit dem Aermel seiner Bluse den Schweiß vom Gesicht— doch sein Gesicht war wie ein Sieb— es wurde nicht trocken. Schaute auf den Haus- eingang, auf die Tür, die ihm durch die schwarze Spalte ein Rätsel vorknarrte. * Und gerade als er die Bluse von den Schultern riß und noch einmal die Hände in die Höhe warf, kreischte die Tür und... (Fortsetzung folgt.) 9 et gwenfifer bem Ssmtnerfafcplan. Wünsche» vcm Interessenten wegen einzeln« Zugverlegungen ist nach Möglichkeit Rechnung ge» tragen worden. Die Verstärkungszüge, die während des Sonnner« an Sonn- und Festtogen planmäßig verkehrten, sind— wie in früheren Jahren— im Winterfahrplan nur bei Bedarf vorgesehen. Fu? Neuregelung ües Kleingebäckpreises. Uebcrwachung der Gewichtserhöhung. Der mitgeteilte Beschluß der Groß-Derlmer Bäckerzwangs- t mming, vom 17. Oktober ab den Preis der Schrippe von 2V4 Pf. auf 3 Pf. und gleichzeitig das Gewicht des Gebäcks von 29 auf 37 Gramm zu erhöhen, wird, um Mißdeutungen zu vermeiden, aus /Bäckerkreisen folgendermaßen interpretiert und begründet: Infolge der qualitativ schlechten Ernte dieses Jahres fei eine i Verschlechterung des Mehles zu verzeichnen, das infolge feines hohen Wassergehaltes weniger Ausbeute gäbe, als i das Mehl der vorigen Ernte. Daher sei es den Bäckern fachtechnisch nicht möglich, weiterhin so kleines Gebäck wie bisher auf den Markt zu bringen, und es habe sich als notwendig erwiesen, das Gewicht .. der Schrippe und damit natürlich auch den Preis dafür zu er- s höhen. Der Preiserhöhung von einem halben Pfennig entspreche ganz genau der Gewichtser» höhung um 8 Gramm, so daß die Konsumenten tatsächlich über ! kein« Gebäckverteuerung sich beklagen könnten, um so weniger, al» f durch diese Maßnahme«ine bessere Qualität der Brötchen erzielt � wird. Zum Vergleich wird von den Böckern darauf hingewiesen, daß in München, Leipzig, Dresden, Nürnberg und anderen deutschen . Städten schon längst nur Brötchen für 4 Pf. bei einem Gewicht von b. 40 bis 42 Gramm vertauft werden. Die Durchführung des richtigen - Gewicht» von 37 Gramm werde vom Berliner Bäckergewerbe streng überwacht werden, um eine Benachteiligung der Be- völkerung ,zu vermeiden. Außerdem erhofft man von dieser Neu- regelung eine Steigerung des Mehlumsatzes, der in der letzten Zeit nur noch 38 000 bis 39 009 Sack in der Woche betragen hat, während s der normale Umsatz für 4,1 Millionen Einwohner etwa 51 000 Sack betragen würde. Wleüer falsches Norögerücht. Ter Selbstmord des Spandauer Amtsanwalt v. Lust. k Ein aussehenerregender Selbstmord gab gestern in Spandau s Veranlassung zu einem Mordgerücht. Es handelte sich um den Amtsanwalt chans von Lusi, gegen den, wie bekannt, ein i vor einiger Zeit vertagtes Strafverfahren wegen Ver- � letzung des Republikschutzgesetze, schwebt. Nach > einem Streit mit seiner Frau, sprang Lusi plötzlich vom Tisch auf, ' ging ins Nebenzimmer und schoß sich, wie bereits kurz mit- �geteilt, eine Kugel in die rechte Schläfe. Polizei und l Arzt wurden nach der Wohnung Plantage 15 gerusen: sie ließen den Schwerverletzten nach dem Krankenhaufe bringen, wo er »feiner Wunde erlag. Weil in seinem Munde gekaut« Speise sich t befand, so entstand der Verdacht, daß ein Verbrechen vorliegen könne, und di« Mordkommission de» Polizeipräsidium» wurde benachrichtigt. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes Dr. Weimann und den Ermittlungen der Mordkommission liegt Selbstmord vor. Für ein Verbrechen hat sich bisher kein Anhaltspunkt ergeben. Hilgenbergs gute öeziehungea. Die Leitung des Bismarck-Lyzeums in Berlin- t e g l i tz hatte im Sommer diese» Jahre» die SchAerinnen dieser tllnterrichtsanstalt zu dem vielumstrittenen nationalistischen Film.Land unter Kreuz" führen lassen. Nach Artikel 148 tder Weimarer Verfassung ist aber in allen Schulen„sittliche Bildung, ! staatsbürgerlich« Gesinnung, persönlich« und berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Bolistums und der Bölkerversähnung f zu erstreben". Von dem genannten Film kann man nun alles �Mögliche behaupten, nur nicht, daß er Lyzeumschülerinnen im Geiste i der Völkerversöhnung zu erziehen geeignet ist. Di« R« p u b l I t a- fNische Beschwerdestelle V. hatte deshalb mit Recht am 4 Juni 1927 beim Provinzialschulkollegium Berlin-Lichterfelde gegen rdiesen schulossiziellqn Kinobesuch Beschwerde erhoben. Die Be- s schwerd« wurde aber abschlägig beschieden, weil der Bild- sl reifen.Land unter Kreuz" von der Bildstelle jsdes Zentralinstituts genehmigt fei. Das war am 2 2. Juli 1927. Bereits vierzehn Tage vorher, am f8 Juli, konnte aber der Hugenbergsche„Tag* schon über di« An- gelegenheit berichten. Dabei wurde auch die dienstliche Der- »onlassung des Provinzialschulkollegiums eingehend geschildert. E, . liegt also offenbar ein Bruch der Amtsverschwiegenheit zugunsten des , chugenberg. Blattes vor. Auf eine erneute Beschwerde wegen dieser Veröffentlichung d i e n st l i ch e r Vorgänge, ist nunmehr der R e- publikanischen Beschwerdestell« vom Provinzialschul- kollegium folgender Bescheid zugegangen: � i„Auf das Schreiben vom 22. Juli 1927— J. Nr. 6552 g. ;i Fa/G.— erwidern wir«rgebenst. daß wir hinsichtlich der Frage j i der Veröffentlichung dienstlicher Vorgänge in dem uns vorgelegten t! Zeitungsartikel„Blamiert« vchnüsfler" das Erforderliche veran- h laßt hoben." (' Wir sind gespannt, zu.ersahren, was zu veranlassen das Schul- kollegium nun für„erforderlich" hält. Unter Erdmassen begraben.' , In der Kolonie Lindenhof ereignete sich gestern ein folgen- sfchweres B a u u n g l ü ck. Mehrere Arbeiter waren mit dem � Slusfrijachtcn einer Grube beschäftigt, ol» sich plötzlich»in großer ' Erdklcck löste und den 36jährigen Arbeiter Paul Pastewski aus s der Ebersstraß« 11 zu Schöneberg unter sich begrub. Arbeits- l kollegen befreiten den Verunglückten aus seiner qualvollen Lage. s Noch vor Eintreffen eines Arztes trat jedoch der Tod infolge Der. ( blutung«in. Die. Leiche wurde beschlagnahmt und nach der Fried- i Hofshalle in der Eythstraße gebracht. Eine polizeiliche Untersuchung s über die Schuldfrage ist eingeleitet worden. ; Eine Völkerbnndskommission in Wannsee. Das städtisch« Freibad Wannsee wurde dieser Tage von >'40 Herren der Hygiene komm i ss i o n des Völkerbunde» ' besichtigt. Die Delegierten, die sich auf einer Studienreise durch � Deutschland befinden, besichtigten den Badestrand, die Ankleideräume ' und alle sonstigen Einrichtungen des Bades und äußerten sich sehr befriedigt über die mustergültige Anlagen. Der Badebetrieb konnte Ihnen allerdings Infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit nicht i mehr in vollem Betriebe gezeigt werden. Immerhin finden sich jeden Tag doch noch eine ganze Anzahl Badelustiger ein, die«in kühle» Btionalen Kontrollkommission über den Aus» schluß von Wujowitsch aus der Zahl der Mitglieder und von T r o tz k i aus der Zahl der Kandidaten des Exekutivkomitees. In der Mitteilung heißt es: T r» tz ihrer in der Plenarsitzung des Zen- tralkomitees und der ZeMrolkontrolltommifsion im August über- nommenen Verpflichtungen fuhr die Opposition offen fort, eigene Organisationszentren zu bilden, was dem wahren Sachverhalt nach ein Versuch ist. Keim« einer zweiten. einer Trotzkipartei zu schaffen. Gleichzeitig arbeitete die Op- Position weiter an der Slufrechterhallung und dem Ausbau von Ver- bindungen mit verschiedenen aus der Kommunistischen Internatio- ncle ausgeschlossenen Gruppen in Deutschland und Frank- reich. In der Sitzung des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale am 27. September erklärt« Trotz?!, daß die Disziplin der Kommunistischen Partei für ihn nicht bindend sei. und trat für Serebrjakow, Preobraschenski und Scharow ein. die ihren eigenen Worten zufolge Organisatoren der in dies«» Tagen aufgedeckien parteifeindlichen Eeheimdruckerei waren. Die Mitteilung lveist ferner darauf hin. daß alle möglichen Arten von Verwarnungen de? Opposition gegenüber bereits erschöpft seien und ein weiterer Verzicht auf organisatorische Maßnahmen gefährlich und unzulässig wäre. Der Beschluß über den Ausschluß Trotzkis und Wujowitfchs wurde einstimmig an- genommen. Heraubt unü in Sie Spree geworfen. Nächtliche Unsicherheit in Treptow. Ein Raubübersall ungewöhnlicher Art ereignete sich in der ver- gangenen Nacht aus der Treptower Brücke. Ein 2ü Jahre alter Kaufmann Leopold Schneider aus der F a l ck e n- fteinftraße 48 kam gegen 1 Uhr auf dem Heimwege über die Treptower Brücke. Hier fielen in der Dunkelheit plötzlich vier junge Burschen über ihn her. Zwei packten ihn von hinten und die beiden anderen sprangen ihn von vorn an, drückten ihm Kehle und Mund zu und oerhinderten ihn so am Schreien. Die Wegelagerer schlugen ihn dann mit den Fäusten zu Boden, rissen ihm Mantel und Rock auf und raubtenihm die Brieftasche mit 180 Mark. Damit noch nicht zufrieden, zerrten sie ihn die Böschung hinunter, stießen ihn ins Wasser und liefen davon. Zum Glück war die Stelle seicht, so daß der Ueberfallene sich selbst wieder aus der Spree herausarbeiten konnte. Unterdessen waren di« Räuber verschwunden. Die Nachforschungen, die die Revier- pollzei nach der Anzeige des Ueberfallenen alsbald aufnahm, hatten bisher keinen Erfolg. Mitteilungen an das Raubdezernat im Polizeipräsidium. die Serliner Verkftoffschau. Die tiefsten Geheimniffe der Technik. Vom 22. Oktober bis 13. November findet in Verlw eine Werk- stofstagung statt, die vom Verein der deutschen Ingenieure, vom Verein der deutschen Eisenhüttenleute, der deutschen Gesellschaft für Metallkunde sowie dem Zentralverband der deutschen elektrotech- Nischen Industrie in engster Verbindung mit dem Berliner Messe- amt veranstaltet wird. Gleichzeitig findet eine Werk st offschau statt, die, ohne die aus st eilenden Firmen zu nennen, einen umfassenden Ueberblick über das ganze Gebiet der in der Technik zur Verwendung gelangenden Baustoffe anschaulich Aus- kunft geben wird. Schon jetzt ist mit den Vorarbeiten für dies« Ausstellung, die auch die Prüfgeräte, sowie einzelne sckiwere Konstruktionsteil« zeigen wird, begonnen worden. Schon jetzt sind die Fundamente für die schweren W er k st o ff p r ü f m a s chi n e n fertiggestellt. Der allgemeine Ausbau der Ausstellung ist bereits zu erkennen. Man beabsichtigt, jeden Teil der Ausstellung so zu gestalten, daß sich nicht nur der Fachmann, sondern vor allem auch der Laie, der Ver- braucher der Industrieerzeugnisse, sich eine klare Vorstellung von den Eigenschaften der Wellstoffe machen kann. Als Sensationen der Werkstoffausstellung kann man vielleicht eine Bronzeschale bezeichnen, die aus einem Srück gefertigt ist und einen Durchmesser von 5 Meter bei einer Höhe von 1% Meter und einem Gewicht von 3 Tonnen hat. Ferner wird ein Doppel- T-Träger, der aus einem Stück gearbeitet wurde und eine Länge von 31 Meter hat, zu sehen sein. Allgemeines Interesse dürste auch ein Stahlhaus erregen. Stahl wird seit einiger Zeit für den Bau von kleinen Einfamilienhäusern mit Erfolg ver- wandt, vor allem ist dieser Vaustoss zur Serienherstellung geeignet. Neben diesen massiven Ausstellungsstücken wird man Metall- f o l i e n, dünne Metollblättchen, die nur ein hunderttau- send st el Millimeter stark sind, sehen können. Diese dünnen Metallplatten find durchsichtig wie Glas. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht vielleicht di« Hochspannungsprüf- anlag« von einer Million Bolt. Man hofft, die ganze Ausstellung zu dem festgesetzten Termin restlos sertigzustellen, Den Besuchern wird hier eine Schau der Technik geboten, wie sie tat- sächlich in dieser Form noch niemals zu sehen war. Gestern fand eine Zusammenkunft der Ausstellungsleitung mit der Presse statt, in der über das geplante Werk sowie über die bisher geleisteten Arbeiten Bericht erstattet wurde. Dr. Schick. Direktor des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamtes, wies in seiner Begrüßungsansprache im besonderen darauf hin, daß diese Ausstellung als Gemeinschaftsarbeit austuisassen sei und in unpersönlicher Form wissenschaftlichen An- schauungsunterricht erteilen»verde. Potsdam erweitert sein Straßcvbahnnetz. Mit den Ausschachtungsarbeiten für den Straßenbahnbau Potsdam—Caputh ist bereits begonnen worden. Aber auch nach einer anderen Seite hin wird die Stadt Potsdam ihre Straßen- bahnlinicn ausdehnen, und zwar soll die Straßenbahn an der Pro- vinzial» und Landesanstalt für Epileptische vorbei durch den Wald bis zur Eisenbahnstatton der Wetzlarer Lohn Bahnhos Rehbrücke durchgeführt werden._____ Unehrliche Gäste. In der vergangenen Nacht wurden zwei Einbrecher, die es aus ein Restaurant in der Belle-SHTance-Straße 26 abgesehen hatten, aus frischer Tat ertappt und festgenommen. Als Gäste hatten sie die Oertlichkeit ausgekundschaftet. Nach Schluß des Geschäftes drangen sie durch die Hintertür ein, erbrachen die Kasse, in der sie aber nur 16 M. Wechselgeld fanden, und packten vor allem Zigarren und Zigaretten zum Mitnehmen zusammen. Durch ein Geräusch erwachte der Wirt. Er benachrichtigte die Polizei, und Beamte des 102. Reviers erschienen so rasch, daß die Ein- dringlinge nicht mehr aus dem Hause herauskommen tonnten. Beim Absuchen fand man den einen, deraufderBodeutreppelag und den Schläfer markierte, und den zweiten in der Wasch- küche, wo er sich hinter Waschgeräten versteckt hatte. Der eine nennt sich Franke, der andere Karg. Diese Namen sind aber wahr- scheinlich falsch. Die Ertappten wurden zur näheren Feststellung nach dem Polizeipräsidium geführt. Man vermutet, daß sie noch mehr Wirtschaftseinbrüche verübt haben. Kommunistisch heißt reaktionär. Eine heitere Bezirksversammlung in Köpenick. In der ersten Sitzung der Köpenicker Dezirtsoersammlung hatten die Kommunisten eine Anfrage über die Errichtung der weit. lichen Schule in Köpenick am 1. Oktober d. I. eingebracht. Sie zeigte wieder einmal die Kommunisten als willige Steig- bügelhalter der Schulreaktion, in deren Austrag sie augenscheinlich auch die Anfrage gestellt hatten. Di« Begründung durch ihren für diese Frage jeder Sachkenntnis entbehrenden Redner Rebe machte nach der Beantwortung des Dezernenten. ihres Parteigängers Goß, auf die Versammlung einen so„gewaltigen" Eindruck, daß sie allgemeine Heiterkeit erweckte. Bei der zweiten Anfrag«, die den Feuerschutz in den Siedlungsgebieten des Bezirks betraf, wurde der gleiche Redner nach einer sachlichen Beantwortung durch den Dezernenten des FeuerlöMvesens so provozierend, daß er vom Vorsitzenden Genossen W o i ck zur Orb- nung gerufen werden mußte. Den Clou des Abends sollte an- scheinend nach der Meinung der Kommunisten noch ein Antrag über „Maßnohmen des Bezirks anläßlich des Geburtstages des Reichs- präsidenien" bilden. Ihr Redner bracht« hie ganze Serie Phrasen und Entstellungen, die sich die„Rote Fahne" in dieser Angelegenheit seit den letzten Tagen und Wochen geleistet hatte, zum Vortrag, und als unser Fraktionsredner Genosse Roh de ihnen den Widersinn ihres Antrags klar gemacht hatte, erging sich der Dauerredner Rebe in derartig provozierenden Auslassungen gegen unsere Partei, daß ihm ganz gehörig entgegengetreten werden mußt«. Dies und der Eindruck der Lächerlichkeit, den sein« Ausführungen auf die Bersammlung gemacht hatten, sowie die Ablehnung des Antrags durch unsere Fraktion machten ihn so kopfscheu, daß er u n o o r- sichtig erklärte, daß damit„der Zweck des Antrags voll erreicht" sei. Dieser Ausspruch rief wiederum allgemeine Heiter- keit hervor. Kennzeichnete er doch wieder einmal, welche Aufiassung die Kommunisten von praktischer Kommunalpolitik haben. Lächer- lichkeit tötet, und man kann mit Recht feststellen, daß die Anträge und Anfragen der Kommunisten auf allen Seiten nicht mehr ernst genommen werden dürften. Nach zweistündiger Dauer fand damit die Sitzung ihr Ende. Tie Beflaggung der Hotels. Ein Spaziergang vom Potsdamer Platz bis zum Anhalter Bahnhof gibt interessanten Ausschluß. Die großen Hotels und Kaffeehäuser haben schon setzt aus Anlaß der Hindenburg-Fei>r Flaggenschinuck angelegt. Von den Hotels am Potsdamer Platz zeigt das Rheingold-Haus allein di« schwarzrot- goldene Reichssahne, während das Hotel„Fürstenhof" und das„Palast-Hotel" neben der schwarzrotgoldenen Fahne die preußische und die schwarzweißrote Fahne zeigen. Da? Case„Aa t e r l a n d", über dessen Eingang ein bekränztes und illuminiertes Hindenburg- Bild angebracht ist, hat aus den schwarzweißroten Schmuck verzichtet und zeigt neben der schivarzrotgoldenen die schwarzweiße Fahne Preußens. Das Hotel„Esplanade" hat neben der schwarzrotgoldenen die schwarzweißrote Fahne gehißt. Aschingers Filialen zeigen neben der blauweißen Aschinger. Fahne die schwarzrotgoldenen Fahnen. Vom Hotel „Exzelsior" am Anhalter Bahnhof wehen neben drei schwarzrot- goldenen Fahnen die schwarzweißrote und die schwarzweiße Fahne. Ebenso zeigt das Hotel„Moltke" drei Fahnen. Hotel„Habsburger Hos" hat mit der schwarzrotgoldenen und der schwarzweißen Fahne gehißt. Ein Leruss-Doppeljubiläum feiert am heutigen Tage der Schrift- setzer Genosse Eugen W i l l e r. Genosse Willer ist an diesem Tage 60 Jahre ununterbrochen in seinem Beruf tätig und gleichzeitig genau 25 Jahre im Betrieb der„Vor- wärts"-Drucker ei. Der Jubilar hat gewerkschaftlich und polttisch in seinen jungen Jahren immer in den vorderen Reihen der Bewegung gestanden. Wir gratulieren ihn auf das herzlichste und wünschen ihm einen glücklichen und zufriedenen Lebensabend. Tod eines deutschen Fliegers in Persien. Bei Akrobatikflügen mit einer Sportmaschine stürzte gestern nackmittag der Iunkerspilot Peler Wagner auf dem Flugplatz in Teheran tödlich ab. Der 30 Jahre alle Pilot Peter Wagner war während des Krieges bei der Jagdstaffel und betätigte sich' seit 1923 im deufichen Luftverkehr. Vornehmlich führte er Flugzeuge auf den Strecken von München nach Oesterreich und U n g arn und zeichnete sich hierbei stets durch größte Zuverlässigkeit und Pflichttreue aus. Auf Grund dieser Eigenschaften kam er 1925 im Dienste der Junkerewerke nach der Türkei, von wo er erst vor kurzem«in Flugzeug nach Teheran in zwölfstündigem Fluge ohne Zwischenlandung übersührte. Die Psychose von konnersrculh. Die freien Gewerkschaften der Oberpfalz haben an die Kreisrezierung eine Eingabe gerichtet. Therese Neu mann, die Stigmatisierte von Konnersreuth. in der psychiatrifchen Klinik in Erlangen und München untersuchen zu lassen, das Ergebnis der Untersuchung bekanntzugeben und die Kranke auf Kosten des Kreises in eine Klinik zu überführen. fwfmarstb in Mittelöeutsthlaaö. Ter Kampf ist vorbereitet. Marken treten in Halle die Delegierten der Torifparteien zu ..aer Konferenz zusanimen, um die weiteren Maßnahmen im Lohnstreit des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues zu beschließen. Es dürste nicht schwer zu erraten sein, wie die Vertreter der Beleg- schaften und Organisationen entscheiden werden. Die Braun- kohlenunternehmer haben die Frist, die ihnen während der Kündigungsaktion noch zur Verfügung stand, oerstreichen lassen, ohne auf die Forderungen der Arbeiter einzugehen. Sie haben da- durch den Konflikt aus die Spitze getrieben. Der Lohnkampf in der Braunkohlenindustrie ist von den Orga- n i s a l i o n e n mit der größten Sorgfalt vorbereitet worden. Es sind organlsatorische Maßnahmen durchgeführt worden, wie sie bei früheren Kämpfen nicht gelrosfen werden konnten. Wenn es den Unternehmern bislang möglich war, die Bergarbeiter zu einer ihnen genehmen Zeit zu provozieren und zum Ausstand zu treiben mit dem Ziel, sie um so schneller auf Jahre aktionsunsähig zu machen, so ist das durch die Erstarkung der Organisation nun- mehr anders geworden. Der bisherige Berlauf der Lohnbewegung und die Durchführung der organisatorischen Mahnahmen beweist, daß die Organisationen und Belegschaften die Han d e! n d e n sind und den Zeitpunkt für eine Lohnbewegung selbst wählten. Es ist auch das erstemal, daß die gesamte mittel deutsche Arbeiterschaft der Braunkohlenindustrie auf den Plan tritt, um sich durch ein eigenes Vorgehen bessere Löhne zu erkämpien. Die Durchführung der einheitlichen Organisation wird zwar dadurch erschwert, daß sich die Lohnbewegung auf Hunderte von Werken erstreckt. Trotzdem sind die organisatorischen Schwierigkeiten überwunden worden, nicht zuletzt durch die tätige Mithils« der gewerkschaftlichen Funktionäre. Wenn auch von gewissen kommu- nistischen Drahtziehern oersucbt wird, durch die bei solchen Situationen üblichen Angrisfc auf die Gewerkschaftsführer Verwirrung in die Reihen der kampfentschlossenen Arbeiterschaft hineinzutragen, werden die Delegierten morgen die Maßnahmen beschließen, die not- ' nxndig sind, um die Bewegung zu einem günstigen Abschluß für die Arbeiter zu bringen. Die schoarZweißroten Gelben. Hoffünug auf die Unternehmer am Grabe �sriderienS Rex. Der Reichsbund Deutscher Angestelltenberuss- verbände veranstaltete am Freitagabend in Berlin ein« Kund- gebung, deren Besuch eindeutiger als die langen Reden des deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. Eoerling und des Vorsitzenden des Verbandes Dr. Schmidt bewies, daß hinter diesem Gemisch von Arbeiter- und Unternehmerverband nur weitig Arbeiter stehen. Die beiden Reserenten des Abends versuchten, ein neues Programm der Kameradschaft zwischen Unternehmer und Arbeiter aufzustellen. Sie lehnten den Streit als gciverkschaftliches Kampfmittel a b und wollten sich ausschließlich darauf verlassen, daß eines Tages die deuticbe Unternehmerschaft zur Vernunft käme und von selbst anständige Löhne bewillige. H�rr Dr. Schmidt glaubte, regen die Gewerkschaften losziehen zu müssen und beschwerte sich über Beschimpfungen durch den marristisch verkleisterten„Vorwärts'. Er selbst aber wurde in seinen Ausfühürungen derart unsachlich, daß selbst seine Anhänger sein Wutgeheul nicht begriffen. Daß dieser Re'erent auch mit unwahrem Tatsachenmaterial arbeitete, beweist seine Schiiderung, nach der im Zentralvevband der Angestellten im vorigen Jahr zehn Angestellt? damit beschäftigt gewesen seien, die rmzähligen Austritt« van Mitgliedern zu registrieren. Selbst- verständlich trat Herr Dr. S ch m i d! für das ruhmreiche Banner Schwarz weißrot ein. �Er glaubte, daß nur dann die Arbeiter höhere Löhne und gute Sozialbeftimmungen erwarten könnten, wenn wir die außenpolitische Freiheit wiedergewinnen. In der für heute abend vorgesehenen Bonn-rweihe des Ber- lixsiides spricht der rühmlichst bekannt« Pfarrer Döhring. Am Sonn- tag wird die Bundesleitung dieses„Verbandes' am Grade Friedrichs des Großen einen Kranz niederlegen. Diese Heiden Tatsachen werden sicher jeden denkenden Angestellten davon überzeugen, was für eine famos« Berufsoertretung der RDA. ist. Die Löhne üer jugendlichen Landarbeiter. Die Ursache der Landfluchk. In fast allen B-trachtungen über die Abwanderung vom Lande wird ein und dieselbe Feststellung getrosfen: In besonders erheb- lichem Maße wirk« sich die Abwanderungslust bei den Jugendlichen beiderlei Geschlechts aus. Diese Feststellung läßt es zweckmäßig erscheinen, der Oeffentlichkeit einmal einen Einblick in die Lohn- Verhältnisse der jugendlichen Landarbeiter zu gewähren. Wir stützen uns dabei auf die behördlich anerkannten und in der wissen- schastlichcn Zeitschrift„Landarbeiter-Archiv' regelmäßig veröffentlichten Lohn über sichten des Deutschen Landarbeiter- Verbandes. Bei den jugendlichen Landarbeitern ist zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden: 1. Jugendlich« ohne Kost und Logis, 2. Jugend- liehe m i t Kost und Lvws. lieber dem Gesamt st undenverdien st der ersten Gruppe registrieren wir folgend: Angaben: männliche Jugendliche von 16 bis 18 Jahren: Ostpreußen, Kreis Königsberg, 12,83 Pf.: Pommern, Kreis Randow, 18,26 bis 22,76 Pf.- Freistaat Mecklenburg-Schwerin 17,33 bis 21.64 Pf.; Provinz Brandenburg, Kreis Teltow und Riederbarnim, 18,11 bis 23,11 Pf.: Provinz Ober- und Niederschlesien 14.0 bis 18,0 Pf.: Schlcswig-Holftein 14,0 bis 27,34 Pf. Die Löhne der weiblichen Jugendlichen liegen noch unter diesen Sätzen und zwar teilweise bis 6'/- Pf. darunter. Nach diesen Angaben beträgt der durchschnittliche Gesamt- st» n d e n v e r d i e n st des männlichen jugendlichen Landarbeiters ohne Kost und Logis 15,63 Pf. bis 22,57 Pf. und der des weib- lichen lugendlichen Landarbeiters ohne Kost und Logis auf 15,46 Pf. bis 18,87 Pf. Auf den zehnstündigen Arbeitstag umgerechnet ergibt das bei den männlichen Jugendlichen«inen Tagelohn von 1,58 M. bis 2,26 M., bei den weiblichen Jugendlichen einen olchen von 1,55 M. bis 1,89 M. Die folgenden Angaben zeigen den monatlichen Barver- dienst der zweiten Gruppe und zwar der Jugendlichen mit Kost mch Minslich« von M Jahren: omniern. Kreis Randow. en. 6.12 M.: Kreis Königsberg. 16,50 M.;. Freistaat Mecklenburg-Schwerin 16 M.: Prcvinz Brandenburg, Kreis Teltow und Niederbarnim, 16,80 M.: Provinz Ober» und Niederschlesien, 24 M.: Schleswig-Holstein 19,50 M. Der Barlohn der weiblichen Jugendlichen ist auch hier meist erheblich niedriger. Dieses Zahlenbild gestattet die Feststellung, daß sich sechzehnjährige männliche jugendliche Landarbeiter in Kost und Logis mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 19,82 M. und sechzehnjährige weibliche jugendlich« Landarbeiter mit einem durch- schnittlichen Monatseinkommen von 17,35 M. abfinden müssen. Nachdem wir so die Entlohnung der jugendlichen Landarbeiter gekennzeichnet haben, erscheint es zweckmäßig, einige Zahlen über die Entlohnung der Jugendlichen in der Industrie zu bringen. Die so schlecht entlohnten Jugendlichen in der Kartonnogen- i n d u st r i e erhalten beispielsweise: Hilfsarbeiter, Orts- klasie I: 16 bis 17 Jahre 37.5 Pf.. 17 bis 18 Jahre 41,5 Pf.: Hilfs- arbeiterinnen, Ortsklasse I: 16 bis 17 Jahre 27,5 Pf., 17 bis uofliScrenz flthtUB51 der SPD.-Betriebs- srnd Gewerüsdiafts- tanhüsnäre a. Beanüesiwerßeaussdifissc am Dienstag, dem 4. Oktober. 19 Uhr. in den Residenz- Festjäien, Landsberger Strafe ZI(Röhe Aiczanderplah) Tagesordnung: und SoTiaidemokrafie. Referent: Genosse?. Künstler, M d. R.— Aussprache— Verschiedenes— E» wird gebeten, vollzählig vnd pünktlich zu erscheinen. Als Ausweis gilt Parteibuch und Zunktionärkarte. Da» vetriebs- und v ea m te n j e kr e t a ri at. 18 Jahne 30,0 Ps. Die männlichen Jugendlichen in den mittel- deutschen Gemeindebetrieben, die man am ehesten zum Vergleich heranziehen kann, verdienen: Sechzehnjährig« 34 Pf., Siebzehnjährige 41 Ps., Achtzehnjährige 51 Pf. pro Stunde. Damit kann über die Entlohnung der jugendlichen Landarbeiter folgendes Gesamturteil gefällt werden: Die Entlohnung ist nicht nur jämmeilich niedrig und völlig unzureichend für die Bestreitung der einfachsten Lebensbedürfnisse, sie steht auch weit hinter der ge- wiß niedrigen Entlohnung der ungelernten jugendlichen Arbeiter in den Städten zurück. Man darf sich also nicht wundern, wenn die Jugendlichen es vorziehen, die Städte aufzusuchen. Die Jirma KahZbaum unü öas Setriebsrätegesetz. In der Nummer 448 des„Vorwärts' wurde vom Verband der Lebensmittel- und Geträvkcarbeitcr, Ortsnerei'i Berlin, Kritik an der Firma Kahlbaum geübt. Es wurde gegen sie der Vorwurf der un- sozialen Einstelluna gegenüber erkrankten Arbeitern erhoben, ebenso, daß der§ 74 des BRG. nicht beachtet werde. Auf Veranlassung der Diraktil n fand eine Verhandlung des Betriebsrates unter Hinzuziehung der Organisationsvertretung wegen der genannten Beschwerden statt. Die Direktion legt Wert darauf, zu erklären, daß es n i ch t in ihrem Willen gelegen hat, den Betriebsrat zu umgehen bzw. die Be- stimmungen des§ 74 des BRG. nicht einzuhalten. Bon der Firma Kahlbaum wird angeordnet, daß für die Zukunft alle sich eventuell votwendig machenden Entlastungen we?:n Arbeitsmangel mit dem Betriebsrat besprochen werden, um unbillige Härten zu oermeiden. Die Kündigung und Entlastung von erkrankten Arbeitern billigt die Direktion' auch nicht. Die Entlastung der Erkrankten wird bis auf zwei, welche mit einer Entschädigung einverstanden sind, zurückgenommen. An den Betriebsleiter ist die An- Weisung ergangen, so etwas nicht mehr zu machen. Der beim Beliefern der Kundschaft mit Ware entstehend« Flaschenbruch wird nach wie vor den Fahrern vom Lohn nicht abgezogen. Der im„Vorwärts' in diesem Fall erwähnte Abzug war etwas anders gelagert. Unter diesen Umständen kann von einer Willkür der Firma Kahlbaum nicht gesprochen werden. Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter, Ortsocrein Berlin. Streitbeschluh der Dombrowaer Metallarbeiter. Warschau. 1. Oktober.(TU.) Wie aus Sosnowice berichtet wird, sind die Lohnforde- r u n g e n der Arbeiter in der Dombrowaer Metallindustrie durch die Industriellen abgelehnt worden. Auf einer Ausschußsitzung der Metall- und Bergarbeiter wurde daraufhin beschlossen, bei Nichtberücksichtigung der Forderungen der Arbeiter am heutigen Sonnabend in den Streit zu treten. Aenderungen in der englischen Arbeitsloseunnterstützung. London, 1. Oktober.(TU.) Im System der englischen Arbeitslosenunterstützung tritt mit Wirkung vom 1. Juli nächsten Jahres insofern eine bemerkenswerte Aenderung ein. als Männer und Frauen im Alter von 18 bis 21 Jahren in Zukunft nur noch zehn bzw. acht Schilling pro Woche erhalten, anstatt der bisher gezahlten vollen Rate von 18 bzw. 15 Schilling für Erwachsene. Gleichzeitig werden die staatlichen Zu- schüsse reduziert._ Ausschluß Basels aus dem«chweizerGcwcrkschaftsbund. Znterlaten, 27. September. Der Kongreß des schweizerischen Gewerkschastsbundes hat mit 159 gegen 17 Stimmen bei zwei Enthaltungen dem Antrag des Bunbeskomitees auf Ausschluß des Gewerkschostskartell» Bafel statt- gegeben._ «cht»»«, Flietcnl«g«r! Montag,». Okiober, 19 Uhr, im Sewerkschaftohan«, aer Saat, geineiiiiame Perlammlung der Fliesenleger. Erscheinen aller ist cht. Deutscher L-ugrwerksbund. Fachgruppe der Fliesenleger. Sport. Nkngerwettstreit im Sportpalasi. huhlancn in der Konkurrenz. Der von dem Polen Sztekker herausgeforderte finnische Ringer H u h t a n e n hat sich entschlossen, der Heraussordcrung Folge zu leisten und auch mit allen in der Konkurrenz befindlichen Ringern zu kämpfen. Der Finne wurde bereits am Donnerslag vorgestellt und wird heute abend seinen ersten Kampf austragen, sein Gegner ist der routinierte Holländer van Niel. Der Hamburger Schulz mußte am Donnerstag im Enlicheldungskampf vor dem Stettiner Steinte bereits nach acht Minuten durch Ei»- drücken der Brücke die Waffen strecken. Gesamtzeit 33 Minuten. Im zweiten Entscheidungskamps konnte der Warschauer Sztekker einen weiteren Erfolg buchen. R. Grüneisen mußt« durch einen schnellen Ueberwurf in der 44. Minute für die Zeit auf die Schultern. H. Kawan und Stolzenwald trennten sich mit einem Unentschieden: ebenso Kunst und G. Grüneisen.— Am Freitag abend traf der Holländer van Riet auf den schweren Letten L e s k i n o w i c z. Der Holländer gintz sofort scharf ins Zeug, doch prallten die Angriffe an der großen Ruhe und Geisres- gcoenwart ab: ganz in die Defensive gedrängt, erlag der Holländer dann in der 55. Minute einem blitzschnellen Armzug am Boden. Der Entscheidungskamps zwischen G. Grüneisen und S t e i n k e brachte schöne technische Feinheiten. Der Stettiner blieb nach 57 Minuten durch Hiiftschwung aus dem Stand knapper Sieger. Die Begegnung des Polen Sztekker mit Stolzenwald fand bei der Gleichwertigkeit beider keine Entscheidung. Der Elberfeldcr Kunst zeigte sich dem Berliner Gocksch überlegen und siegte durch Armzug nach 9 Minuten. vomgörgea besteht die Vorprüfung. Punktsieg über Delarge am Kaiserdamm. Der Treptower Paul Schwarz hat mit seinen Boxabenden entschieden Glück. Nach der famosen ersten Veranstaltung in der neuen AutoHalle hatte er in der intimer wirkenden alten Halle gestern abend ein Programm zusammengestellt, in dem die Akteure dos hielten, was die Propaganda versprochen hatte. Domgörgen hat die Generalprobe zur Mittelgewichts- Meisterschaft bestanden. Leicht hat es ihm der Belgier Delarge zwar nicht gemocht Domgörgen beherrschte ober in jedem Augen- blick den Kampf und den Gegner. Der alte Desenstoboxer ging gestern mächtig aus sich heraus, stoppte den fixen Belgier ständig ab, so daß dieser sich sehr bald dem Stil Domgörgens anpassen mußte. Die ersten Runden brachten kein sichtliches Ergebnis, beide Kampfer gaben und nahmen hart. Ein Abtasten, dann ein schneller, beider- seitiger Schlagwechsel im Nahkampf— der Gong zeigte die Pause an. Die l e tz t e n R u n d e n waren dann aber für Domgör- gen. Wie er den Gegner stoppt«, seine harten Gesichtsschlöge gut anzubringen wußte, wie er die Paraden und Deckungen durchschlug, das war Meisterarbeit. Sein hoher Punktsieg war verdient und fand starken Beifall.— Haymann zeigt« sich wieder als der unentschlossen« Boxer ohne ausgesprochene Taktik. Er war dem Australier Cook gegenüber sehr vorsichtig, ließ fast alle Chancen unausgenutzt, ging nie nach und ließ den offenen Gegner stehen, ohne ihn entscheidend zu schlagen. Ein Kampf, den Cook besser überstand als Haymann und der unentschieden endete.— Ziemdorss Draufgängertum konnte wohl seinerzeit den phlcg- matischen Rogers erschüttern, bei dem fast ebenso schnellen Garard ging fast alles vorbei. Z. gewann ohne eigenen Stil nach Punkten: der Engländer hatte viel Applaus.— Der Ein- leitungskampf D i ck m a n n gegen K r e u ch i- Schweiz verlief un- entschieden.__ Theater öer wocke. Vom 2. Oktober bis 10. Oktober 1927. DslI»bLH»«. Ibeater am»Ll»«pl»tz: Kabale und Liebe. Theater am SchtlkbauerdamM! George Tandin. Thaiia-Theater: Der rot« Hahn.— Oper »» Platz»er Repudli«! 2. Die Meistersinger. 3. Traviala. 4. Der Eavalleria Rusticana. 4. Die Entiilhruug au» dem Serail, b. Margarete. 6 Tiefland 7. Carmen. 8. Ionnu spielt auf. 10. Da» GlrckÄrn de» Eremiten. — et-»t»tde»ter: 2. Wallenstcin, Tod. 3.,«. Sünf von her Jauband. 4„ 5., 7. 10 Florian Geyer. 8. Peer Gynt. 9. Ein besserer Herr.— Schiller-Theater C t. Pr--'------ M------ 5., 9., 10 2., 8. Prinz von Homburg. 8. Herode» und Mar>amne. 4., 7., 8. Mustl. 5. 9, 10 Um weißen Siilfcl.— Deutsche» Thratc«! Troilu, und Eressida.— KammerfPiel«: Ihr Mann.— Die KomSdle: �lhr Nachtvorstellung: um B eW SSI«nn— 5o«ns5e Oper: Die Welt applaudiert.— Deutsches 'ttSnstler Theater: Vis 6. Die Dame von Ma?im. 9lb 7- Justiz.— Lustspiel. höii«' CtiTmconumtil_ Lefsing-Theater: Äbmg Heinrich 1\.— Triauon. Theate«�»°o«°drr Schrift.- Slesidenz-Tde-ter! Der Leibkutscher dc» Fride. rirus Rei— Thratee i. der Komm-ndontcostr-tze- Der Nemments-Papo. � Berliae« Theater: Lconir.— Rene» Thrater am 3»»- Ach, wie so trügerisch. — Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Renalslanr,. Theater: 4., 8., 8 Traum eine» Frllhlingomorgrn» und Tie Medaille � Die Kameliendame. 10. Die tote Stadt.— A>olhaIIa.The»t««.«m S!udr,he>mcr i=ch?oK n.f...!„. öinj),_«osc-Thrater: Die Maschinrnbauer von Berlin.— CafiainMt««-«i» 4 Ihr dunkler Fleck,«b 5. Di« Paula von. Meiropol. f.' wi«lollrrstraß.: 2., 3.. 8. Iohanni-feuer. 4., 5.. 7. Hedda iaM� V �fion effi 9.«i.b.-«toßjart-THrt« sAliß- 2 Anneliese von Dessau. 3. Schmuggler. 4. bt« 9. W�ener�Blut. Slcater in b« Liittomstrake:(Sclante Nacht.— 3H«n*ct im Admiralspalaft: Wann !.nd Wo!- Wng�trn. Variete.-«e-l.-Intrrnation-l.o Variete- «eichSb-lcn.Theater: Etrttiner Scinger.- Theater»« Kottbustcr Zor: Slitc.ESnger.„„ «ach»itt»-»»,r»»st»lt»»gr».««N.büha». Theater am «ilomola»: Z.. S. Sin Sommernacht-tranm. Thrater am Schis fb-uerdamm: 2., 9. George Dnndin. Tbalia-Theater: 2.. 9. Der mutig« oerfa�rtr._ Staat,. tdeatee: 2 Maß für Maß. S. Ein besserer Herr.— Die«»midie: 2., 9. Die Lichter von Berlin.— Große» S-baiiimelda»»: 2., 9 Der �ckad».— Stianoi- Theater: 8. Hiinsel und Grete!.- WalhaI».Theate«: 2 Schneewittchen und die lirden Iwerae— Role-Theater: 8., 9. Sänsel und Gretel.— Thrat-' de,«l-sterstraße: 2. Pension� Lchöller- Schl°ßo»rl.�e,te.«tegli»: 2. o.. Mari».— Theater Im«dmeral-valast: 2..«.Wann und Wo!- Seal»: ZNa 9. Internationale» Barieto.— Rcichehollr». Theater: 2., 9. Stettin er Sc - Thrater am K-tthusse« Tor: 2., 9. Slite.S-inger. gent| Zola, Germinal ungekürzte Original-Ausgabe, 600 Seiten, 3 B.gebunden... Mk. 1.50 Proben: p Hann! Lehmann, Die Frauen aus dem Alten Staden Nr. 17 gebunden. Mk. 0.60 PaMuchliandlung J.H. W.Dietz, Nachf. Berlin SW68, ündenstiaBe 2, neben dem„Vorwirls" Küchen nodi mm ollen Preis 1»(RlistlVl „W-Kldm...... 35». 70». -rriidti-IIIid!... ,0». 2,0». «iriditt-llädie..Snti" OS». 145». AnriiWe-RSöi:«..Siel' 123». 120». Sleidendrlrti. 90 u».. 38 H 45» lisitellgog fiim iHnimüliir Uitzis. HQdienmObei'Hans lasenlein, Loduner Straße 1 Ecke Oranlenstr. nahe Moritrplatz HsmDiif-Fali gibt bis auf weiteres Anafige, ÜUler, Paletot» zu Fabrikpreisen ab. Bitte, überzeugen Sie sich. Kaiser-WUbeim-StraDe 24, 1 Tr. W Garantieschein der Patent-Ketten- Stempel Original-. 1 Reh 1 ohn 1 Keil [■* Ruhehc icn m. verzinkt. Befema-Fed. ohne Bindfad. Für schwerste Beiast Kein Einllegcn. 2u Jahre Qaranilt L'eoerall erhältlich. Berliner Feder-Matratien-Fabrik Berlin 0.27, Krautstraüe 4-5 'ed. 1 ast I nie I d Nelalibeucn i«° SclilafcliaiSBlongiies24.- Plüschsofas 30 M., Ratenzahlung Berlin, Pappelallee 12 UUlll Pankow, Schmidtstr.l frei Jeder Bahnstation. 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An der getünchten Wand gegenüber lag schräg ver- zogen das Sonnenviereck des Fensters mit dem Schattenriß der Gitterstäbe. Dieses Viereck war sein« Sonnenuhr. Wenn es sich bis zu der unleserlichen Inschrift vorgeschoben haben würde, die sein Vorgänger mit einem Löffel eingeritzt hotte, dann würde der Wärter mit dem Esten kommen. Diesmal bedeutet« dos die Henkers- inahlzeit. Er schob den gestreisten Anzug höher an den Hals hinauf und zog sich die Deck« um die Beine. Ihn fröstelte im stickigen, wannen Dunst der Zelle.— War da» etwa Angst?! Bisher hatte er alles stumpf hingenommen— die Verurteilung— die Verwerfung der Revision— fast ohne innere Anteilnahme und Gemütsbewegung— wie er auch sein«$aten ausgeführt hotte. Ohne mit der Wimper zu zucken, hatte er den Kuffcher auf der Landstraße vom Bock geschossen— er sah den armen Kerl noch vor sich— beinahe freundlich hatte der im Tode ausgesehen— gar nicht schreckhaft. Gelohnt hatte es kaum: mehr unbezahlte Rechnungen als Geld in der schwarzen Ledertasche. Und dann der Motorrad- fahrer— dabei war auch nicht» herausgesprungen— die silbern« Taschenuhr und das Rad— und dieses verwünschte Ding hott« ihn verraten mit dem blödsinnig grünen Lackanstrich. Draußen im Gang klirrten Schlüssel. Wie zuverlässig seine Sonnenuhr arbeitete— drüben stoß jetzt der Lichtrand über die krakeligen Schrfftzüge. Wenn er immer weiter nach rechts glitt und schließlich bei der Tür anlangte— würden sie kommen ihn ab- zuholen. Er stand auf und nahm den dampfenden Topf durch die Klappe in Empfang. Eine Linsensuppe hatte er sich bestellt— das war von jeher sein Leibgericht gewesen. Die einzige biblische Gestalt, zu der er ein gewisses Verhältnis hatte, war Efau— die Sache mit dem Linsengericht hatte ihm immer gefallen. Gierig sog er den kräftigen Dust«in und schmeckte wie«in Weinkenner mit der Zungenspitze. Wie ihn das an seine Jugend erinnerte..! Solche gute Linsen- fupp« mit eillgeschnittenen Wurstscheiben hotte er seither nicht wieder zu«sten bekommen. Und wie er genießerffch löffelt« und schlurfte— iah«r die kleine verröucherte Küche vor sich, in der die Mutt«r hantierte. Die war immer vergrämt und abgearbeitet gewesen, solange er denken konnte, und hatte nie viel Zeit für ihn übrig gehabt. Don ihrem Gesicht hatte er nur noch«ine ganz verschwom- rnene Erinnerung: den Dater hatte er kaum gekannt. Hart klapperte etwa» gegen seine Zähne. Da war ja ein Stein zwischen den Linsen— sogar«in ziemlich großer. Vorsichtig legte er ihn neben sich auf die Tischplatte. Richtig, die Sache mit dem Stein— die fiel ihm jetzt auch wieder ein: Verflucht weh hatte das getan, als er sich damals als Junge bei seinem Leibgericht so einen Stein in den hohlen Zahn gebissen hatte. Noch heute tonnte er den Schmerz nachfühlen— unwillkürlich fuhr er mit der Zungenspitze in der Zahnlücke herum. Zum Doktor hatte er gehen sollen, um die ganze Geschichte herausreißen zu lasten. Aber als er an den hoch- geschraubten Marterstuhl, auf dem er schon einmal gesesten hatte, und an die Zange dachte— war ihm ein sonderbar widerlich-wehes aus der Magengrube heraufgestiegen, das fast noch pein- voller war, als das Zucken im Zahn. Hinters Haus in den Schup- Pen war er gegangen und hotte mit einer alten rostigen Zange selbst die Operation vorgenommen. Halb ohnmächtig vor Schmerz war er geworden— aber tausendmal bester sich selber weh tun, als von fremder Hand— auf diesem schauderhasten Stuhl. Wenn er jetzt in Amerika wäre, würde man ihn heute auf einen Stuhl setzen, von dem man nicht wieder aufftand.— Er li«b den Löffel fallen und stierte vor sich hin.— Was war denn das mit dem Bett— das fing ja auf einmal an zu schaukeln— eben stand das Fußende ganz hoch— jetzt da» Kopfende. Er wischte sich über die Augen und schluckte ein paarmal. Einen ganz faden Geschmack bekam er auf die Zunge— ordentlich übel wurde ihm— das Esten puderte ihn an. Hastig fuhr er herum und sah nach seiner Sonnenuhr— nur •in« Handbreit noch war der Lichtrand von der Tür entfernt, und die Gitterstäbe li«f«n nicht mehr schräg, sondern standen gerade und schwarz in der hellen Fläch«. � Er fühlte sein« Stirn feucht werden bis hoch über den kahlen Schädel hinauf— durch sein« Schenkel rann es wie Lähmung. Wieder starrte er nach dem Lichwiereck— kniff die Augen zu— ein dunkles Quadrat ml! hellen Strichen schwamm zitternd vor den geschlossenen Lidern hin und her. Er taumelte aus und schlotterte auf sein Loger zu. Die Hände gehorchten nur mühsam— aber mit den Zähnen half er nach— riß lange Streifen aus der Decke heraus — knotete sie fest an einander— lieber selber— so— wie damals. Als das grelle Sonnenviereck über der Tür flimmerte zog sich ein länglicher Schatten wie von einem Strang durch das Gitterwerk, der straff und schwer hin- und herpendelt«— und schließlich zur Ruhe kam. Aoöor Glaükow. Der L«rfast«r uns«re, nepen Roman,.Zement" schildert sein Leben selber: Bin 1683 in einer armen Bauernsamilie im Dorfe Tschernawka. Gouvernement Sjaratow. zur Welt gekomwep. 2m frühen Kindesalter verließen wir das Dorf. S bis 6 Jahre No- madenleben meiner Eltern. Fijchereigewerb« an der Wolga, am Kaspischen Meere. Arbeit in Fabriken und Werken im Kaukasu». Als ich 12 Jahre alt war, siedelten sie sich in Iekaterinodar an. wo mein Vater in«iner Dampfmühle arbeitet und Mutter al» Tage- löhnerin. Schreiben und Lesen hatte ich schon im Dorfe bei«inen, altgläubigen Kirchenvorbeter gelernt(unsere Familie war altgläu- big!, später in einer Elementarschul». In Iekaterinodar steckte man mich al» Lausburschen in eine Apotheke, laufe von dort weg. Komme als Lehrling in ein« Druckerei. Lss« viel und wahllos. Will lernen. Hatte die Frechheit, mich in«in Gymnasium anzumelden, man nahm mich aber nicht auf— unentgeltlich wollte man einen so zerlump- ten Jungen nicht unterrichten. Erwirkt« die Ausnahme in ein« Volksschule. Vater war ost arbeitslos. Wir hungerten. Aß«n in Volksküchen. Lebten ein Landstreicherleben. Don 14 bis 18 Iahren erlebte ich alle Schrecken eines Hungerdasein«. Für Vater endet« dieses Leben mit einer Katastrophe.— Zwangsarbeit. Don 1902 an in Tron-baikalien. Fahre nach Befreiung der Eltern von der Zwangsarbeit nach Moskau, träume davon, als frei- williger Zuhörer an die Universität zu kommen. Statt nach Mos- kau komme ich nach Tiflis. Beteilig« mich dort zum erstenmal aktiv an der revolutionären Bewegung. Von 1906 an aktiver Sozial- demokrot. Flüchte, um nicht verhaftet zu werden, nach Transbaika- lien. Werde im Herbst dort oerhaftet und nach Lena verbannt. Nach drei Iahren fahre ich wieder nach Südrußland. Siedle mich in No- Cin Gratulant! worossisk an. Befasse mich mit unbedeutender Zeitungsarbeit, gebe Unterricht. Gleich in den ersten Tage» des Aufstände« nehme ich aktiven Anteil an der Revolution. Bis 1921 bin ich verantwortlicher Parteiarbeiter. Im Herbst gehe ich nach Moskau, wo ich bis heute lebe. Wenn ich an meine früheste Jugend zurückdenke— sehe ich mich als Träumer. Die Mystik des altgläubigen Milieus, mit seinen Apokryphen, seiner religiösen Phantastik— hatte«inen großen Ein- fluß auf meine kindliche Seele. Singend« Frauen, altertümliche Lieder und Gedichte, Askese, Bibellesen— all da» erweckt« in mir Liebe zur Musik und zu künstlerischen Ideen. Schon mit acht, neun Jahren lese und singe ich in Kirchen. Das grausame, unmenschliche Leben des Fischereigewerbes, die Leiden und der Untergang von Menschen, die ständig« Anspannung und Hysterie der zerrissenen Seelen erschütterten mich. Ich bin einsam und weine oft an Mutter? Brust, die zusammen mit mir Tränen vergießt. Sehnte mich noch den Feldern und kleinen Wäldern. Und die menschlichen Leiden und die Schrecken der sozialen Ordnung zerrissen schmerzlich mein Herz und erfüllten es mit Mitleid. Ich hatte den Wunsch, etwas zu er- fahren, etwas aus den Büchern herauszulesen, etwas von den Menschen zu hören, dos mir das Rätsel dieses ungerechten Lebens läsen könnte. Ich war im Dienste— und las. Ich war Laufbursche in der Apotheke, in einer Druckerei, und las, war Tagelöhner— und las.... Ich kannte all« Klassiker— und erfuhr nichts. Ich weinte über den Büchern— wie über dem Leben. Niemand unter- wies mich: zum Suchen der Wahrheit regten mich niemand ander» als die unglücklichen Freund« meines Baters an. In Sibirien bekam ich meine weitere Bildung von den Sträflingen in Gorny Serentui, wo Dater sich befand. Später im Milieu fozialdemokratifcher Eisen- bahnarbeiter. Las damals zum erstenmal viel Marxistische� las Geschichte usw. Aber systematisch betrieb ich das Lesen nicht. Später waren illegal« Arbeit, Verbannung. Revolution, mein« wichtigsten Erzieher. Einen ganz besonderen Zauber übte der Name Maxim Gorki» aus mich aus. Meine erste Bekanntschaft mit ihm waren sein« Erzählungen, die damals erschienen waren(1901 zwei Bände). Sie machten«inen ungewöhnlichen Eindruck auf mich, sie nahmen mich ganz gefangen. Lange Zeit konnte ich nicht lesen. Das siel mit der Zeit zusammen, als ich(zusammen mit meiner Familie) in den schrecklichsten Spelunken hauste. In meiner'Seele war ein« Krise eingetreten. Die alten Götter habe ich verloren. Die Götter des Dorfes, die altgläubigen Götter waren durch die Stadt zer- schlagen. Und neu« waren noch nicht da. Der anorchistisch-rebellische Protest der nach unorganisierten, durch Alkohol und trunkene Schenkengelage vergifteten Stadtarmut— war der Protest gegen die existierende soziale Ordnung. Ich fühlte das, wenn auch ganz unklar. Dazu verhalfen mir auch die Bücher, die ich zur Hälft« nicht verstand. Und die Bücher las ich in ganz dummer Weise— las ste gierig, war durch sie vergiftet. Ich träumte von anderen märchenhaften Ländern, von anderen Menschen. Ich war Romantiker und Dichter. Fremde Lieder und fremde Tränen steckten mich leicht an. Ich sah im Leben nichts anderes als menschliches Leid, als nicht«nbenwollende» Golgatha. Der Marxismus war mir noch damals fremd. Und als «in Halblondftreicher. Hakbintellektueller, Halbarbeiter, oerwirrt und trunken, von Wut geschüttelt, mir ähnliche Idee» auseinandersetzt«. verstand ich nichts, begann ober selber bis zur Bewußtlosigkeit zu grübeln. 1916 schickte ich die Erzählung„Der lecbliche Sohn" („Abgrund") an Gorki. Er äußerte sich sehr gut über sie. 1917 besucht« ich ihn persönlich. Er empfing mich sehr freundlich Fragt« mich viel über mein Leben, meine Arbeit und miederholt« immer wieder:.Dich kenne Sie doch schon lang«... bemühen Sic sich, niemals langweilig zu schreiben." 1916 werden pt-in« Sachen in den großen Zeitschriften gedruckt. Zum erstenmal wurden die Kritiker auf mich aufmerksam nach dem Erscheinen meiner Novell«„Da, Feuerroß"; berühmt wurde ich mit Seitage des vorwärts dem Roman„Zement". Das ist der zweite Test einer Trilogi«... Der erst« wird dem Bürgerkrieg gewidmet sein, am dritten Teck— der die Gegenwart behandelt— die Periode der Industrialisierung des Landes— arbeite ich jetzt.,* j. Mein einziges Ziel ist, typisch, breit und wuchtig unsere Epoche mit ihren Kräften, ihrem Wiederaufbau, ihrem Streben in die Zukunft zu schildern._ Seltsame Zahlungsmittel. Wenn auch der größte Teil der Bevölkerung des Indischen Archipels beretts mit dem Gebrauch des Geldes hinlänglich vertraut ist, so sind doch immer noch primitive Stämme vorhanden, die das Geld als Tauschmittel nicht kennen und auf der Stufe des unmittel- baren Warenaustausches stehen geblieben sind. Dazu gehören die K u b u. die scheuen, primitiven Zwerostämme in den Urwäldern von Südsumatro, denen selbst der öffentliche Tauschhandel noch unbekannt ist und dt« sich auf den sogenannten unsichtbaren Handel beschränken. An bestimmten, sett undenklichen Zeiten bekannten Punkten am Saume der Urwälder legen sie ihren Stapel Wald- Produkte nieder und ziehen sich dann in das Dickicht zurück, um das Kommen der Malaien abzuwarten, die diesen Tauschhandel seit viele» Generationen betreiben und bereits wissen, was sie dafür dort nieder- zulegen haben. Bor allen Dingen sind Messer sowie weiße und rote Tuche bei den Kubu sehr beliebt. Sobald die Händler verschwunden sind, kommen die Kubu wieder zum Vorschein, um das Tauschgut in Empfang zu nehmen. Weder Produzent noch Aufkäuser kümmern sich um den Marktpreis. Man weiß, was beiderseits erwartet wird und Hütt sich daran: würde der Tauschhändler davon abweichen, fo würde er das nächste Mal keine Waldprodukte mehr an der bekannten Stelle vorfinden. Die meisten primitiven Stämme haben jedoch schon das eine oder ander« Tauschmittel übernommen und selbst ein eigenes Münz- s r st e m erfunden. So gelten die allen chinesischen Martavanen, große, schwere Wassertöpse aus Ton, bei den Dajaks als ein sehr hochwertiges Tauschintttel. Sie sind natürlich kein« Scheidemünze in unserem Sinne, aber sie werden gebraucht, um eine Frau oder ein Haus zu kaufen sowie Geldstrafen zu bezahlen. Je mehr Maria- oanen ein Dajak in feinem Besitz hat, um so reicher ist er. Es muß jedoch«in echtes antikes Stück fein: jedes besondere Kennzeichen daran und meistens auch jeder Besitzwechsel sind genau bekannt, so daß es vergebliche Mühe wäre, hier„falsches Geld" in Gestalt von modernen Imitationen in Umlauf zu bringen. Der Dajak erkennt jede Imitation sofort. Es schadet jedoch nichts, wenn dieses„echte Geld" bereit» etwa» schadhaft ist: selbst wenn«in solcher Topf mit Rohrflechtwerk zuisammengehalten werden muß, behält er doch feinen Wert, der in unserer Münze etwa 3000 Mark gleichkommt. Selbst eine einzelne Scherbe von einem echten Aahltops hat noch einen hohen Varwert. Dies erklärt sich daraus, daß die grobe Matene hier nur als der Träger der Seele des Topfe? gilt, die früher bei Totenfesten und rituellen Feiern gebraucht wurde und mit unschätzbarer geistiger Kraft gefüllt ist. Auch die Häupter ge- tötet«? Feind« waren vordem ein Zahlungsmittel der Dajaks. Ein« bunte Verschiedenheit der Zahlungsmittel bestand auf Neuguinea. Leroux. der Ethnograph der vorjährigen Expedition ins Noffaugebirge, stellte bei den Pygmoiden des Linnenlandes Salzklumpen als Scheidemünze fest, wobei dos Salz auf sehr primitiv« Weise gewonnen und in unscheinbaren schwarzen Klumpen weitergegeben wurde. Ferner diente eine kleine Muschelsorte als Zahlungsmittel, die im östlichen Neuguinea gewonnen und ge- schlissen wird und im ganzen Küstengeländ« in Umlauf ist. Im Küstengebiet ist der Kurs dieses Geldes durch die Ueberströmung da- mit erschwert, gleichsam eine primitive Inflation. Außerdem tritt dort das Eisen in Konkurrenz damit, woraus der Papua besonderen Wert legt. Auch Hunde« und Schweinezähne gellen hier als Geld: namentlich die schön gebogenen Hauzähne des wilden Schweines stehen hoch im Preis«. Ein Eindringen des niederländi- scheu Geldes in diese Gebiete würde einer wirtschaftlichen Revolution gleichkommen._ Zolas einziges Geöicht. Emil« Zola, deffen Produktivität, ähnlich der seine» Lands- mannes Balzae, ans Unheimlich« grenzte, der in einem zweiund- sechzigjährigen Leben weit über dreißig Romane, an zehn Dramen, an fünfzig' kleine Erzählungen und mehrere Bände Essayistik gab, hat ein einziges, kleines Gedicht geschrieben. Diese paar vereinsamten Verse stellen den großen Erzähler gewiß nicht in die Reihe unserer großen Lyriker: aber sie sagen in aller Einfachheit ihrer Enipfindung doch viel aus von dem Menschen Zola. Der konseyuente Naturalist, dessen Prosa vor keiner Kraßheit zurückschreckt, deffen sanatisch zu- packend« Faust die letzten Schlelersegen von der häßlichen Nacktheit des Wahren reißt, wird weich— und träumt von Enge, von Be- icheidung. von ewigem Sonntag, von Weltslucht, träumt und sehnt sich: wird Ramantiker. Der Epiker, der wachsam das Diele schildert. dos ist, träumt und reimt von dem Wenigen, das er sich erwünscht: ter Problemctiker, der folgerichtig und erlennend fordert, was für die Menschheit sein sollte,' ersehnt und dichtet, was für ihn sein könnte. Dreißig strenge, wirklichkeitsbtsessene, problematische, allgemeingültige Roman« dort— ein zartes, trc.umloscs, traumsüchtiges. problemloses, individuelles Gedicht hier. Dieser seiner Wesentlich- leiten wegen ist auch Zolas einziges Lied doch ein Stück echtester und reinster Lyrik. Es zieht seinen Empfindungskreis schon mit dem anspruchs- losen Titel. Di« Strophen, die in freier deutscher Uebersegung hiir folgen, sind überschrieben: Was ich in> r wünsche. Ich will ein Haus— die Straße länne fern, Darauf die wirren Stunden keuchend traben: Es braucht nicht groß zu sein, mein Haus— doch gern Will ich es doppell haben: Einmal für meinen Tag, einmal Im Raum, Al» müdgehetztcn Leibes Heim und Hürde: Doch einmal auch im Bild, für meinen Traum, Einmal auch so, wie ich es dichten würde: Einmal im Weiher noch, der ringsum sei, In dessen Flut es weich gespiegelt zittre— lind sonst?— Nur noch, daß eiliger Spatzenschrei, Daß bunte Beete auch sein Zaun umgittr«: lind daß zwei weiche Füße drinnen zehn. Die nicht einmal dos Moos der Wege knicken— Und daß die Klugen, die am Zaune stehn, Rur wie in eines Kindes Karten blicken... Gerhart Herrmann Mosta?. Di« k euren Eisenbahn«». Die gesamten Eisenbahnanlagen d«r Well repräsentieren«in Kopital von rund 183 Milliarden Goldmart. Die Hälft« davon entfällt allein aus Europa. Die Bahnen in Graß- britannien oerbrauchen jährlich 16 Millionen Tonnen Kohlen, 210 000 Tonnen Stahlschienen, 600 000 Kubikmeter Bauholz, 4 M'l- lionen Schwellen, 21 Millionen Backsteine, 9000 Tonnen Oelfarb« und Lack. 62000 Tonnen Oel. 4 Millionen Meter Stoff für Unifor- men und Kleidung der Angestellten. Die englischen Züge befördern jährlich 1,7 Milliarden Passagiere. /araoo Ju�endlicli. Mantel Ottomane« mit in�t. Pelz(Wclline-Plüech) S-900 UNSERE JETZT WÖCHENTLICH ERSCHEINENDEN ANGEBOTE BIETEN 3HNEN UNGEAHNTE VORTEILE■ Eleganter Mantel reinwollener Ottomane ganz auf Damassf�mod. 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Nr. 4S4» 44. �ahrgaag 2� Sonnabenö,?. Gktober 1927 /lltoholpolitit unö Steuerzahler. Schon wieder Dutzende von Millionen für die Großagrarier. Von Zeher war die deutsche Dranntweinwirtschaft ein Privileg von einigen tausend Großagrariern. Die schon lange vor dem Krieg sprichwörtlich gewordenen Liebesgaben" für diese sonst immer be- vorzugt« Klasse sind jedoch nur eine Bagatelle gegenüber den Subventionen, die die heutige Branntweinwirtschaft einigen Tausenden von Brennereibesitzern gibt. Während vor den, Krieg der Branntwein vor allem als Trink. Branntwein und erst m zweiter Linie zu technischen Zwecken ver- wendet wurde, hat sich dieses Verhältnis nach dem Kriege völlig umgekehrt. Im letzten Jahre wurden etwa drei Viertel des Gesamt- absatzes zu technischen Zwecken und zur Ausfuhr verwendet, mir ein Viertel als Triakbranntwein. Diese Verschiebung ist deshalb von so großer Bedeutung, weil nur der Absatz von Trinkbranntwein(ab- gesehen von geringen Mengen cheilmittelspiritus) gewinnbringend ist, während die Ausfuhr und der Verkauf zu technischen Zwecken weit unter dem Selbstkostenpreis der Reichsmonopoloerwaltung er- folgt. Ein chektoliter Weingeist kostet die Monopolverwaltung mit Reinigung etwa 89 M., und sie verkauft technischen Spiritus zu 30 M., Motorspiritus sogar zu nur 13 M. Auch die Ausfuhr er- folgt« im letzten Jahr zu einem Preis« von 27 bis 30 M. Es ist selbstverständlich, daß bei dieser Art von Derkaufspolitik riesige Verluste entstehen, die vom Genossen Baad« für das letzte Jahr auf 83 M i l- l i o n e n Mark berechnet wurden. Diese enormen Summen wurden aus den Gewinnen, die der Verkauf von Trinkbranntwein und Heilmittelspiriws bringt, gedeckt. Die Folg« hiervon war, daß die Einnahmen des Reiches aus dem Branntweinmonopol viel ge» ringer waren, als sie es bei der Unterlassung dieses unsinnigen Ge- schästsgebarens hätten sein können. Die Monopolverwaltung fühlle sich zu dieser Verschleuderung von Branntwein verpflichtet, u m d e n landwirtschaftlichen Kartoffelbau zu unter, st ü tz e n. Bekanntlich soll die Brennerei in Betrieben mit leichten Böden und schlechter Verkehrslage die Kartoffeln günstiger verwerten, als das sonst möglich wäre, und zugleich in Form der abfallenden Schlempe ein wertvolles Diehfutter liefern. Trotz dieses außerordentlich forcierten Branntweinverkaufs zu Verlustpreisen war es jedoch dem Monopol in den letzten Iahren, in denen noch große Bestände von Branntwein aus der Jnflations- >dt vorhanden waren, nicht möglich, die normale Branntwein- Produktion abzusetzen. So kam es, daß die einzelnen Brennereien nur 65 bis 70 Proz. der von ihnen normalerweise hergestellten Spiritusmenge brennen durften. Damit hat die landwirtschaftliche Brennerei ihren alten Wert für die Landwirtschaft völlig ver- loren. Bei ihrem kläglichen Versuch, die Branntweinwirtschost in oen alten, ausgefahrenen Gleisen weiterzuführen, zahlte die Monopolverwaltung bei jedem Hektoliter verkauften technischen oder - usgesührten Branntweins 30 bis 60 M. drauf, während die bei der Herstellung von einem Hektoliter Spiritus abfallende Schlempe, die dem Landwirt als Brennereigewinn kostenlos zufällt, nur einen Wert von etwa 9 M. hat. llebcr SO Millionen Mark wurden aus Steuermilleln verschenkt, um einigen tausend Lrenneceibesihera eine Subvention zu geben. In dem jetzt am 30. September ablaufenden Wirtschaftsjahre liegen die Verhältttisse sogar noch viel krasser. Einer Zunahme des Trinkbranntweinabsatzes um 130 000 Hektoliter steht eine Zunahme i es Spiritusabsatzes zu technischen Zwecken von nahezu 300 000 Hektoliter gegenüber. Prozentual am stärksten, nämlich um 60 Proz., dt jedoch' der Absatz des verlustbringendsten Absatzzweiges, des Motorbranntweins, gestiegen, an dem die Monopolverwaltung pro Hektoliter 60 M. zuscht Der Verlust am Branntweinabsatz zu tech- nischen und motorischen Zwecken hat sich in diesem Jahr um mehr als 10 Millionen Mark vergrößert. Subventionen der Maisbrennerei. Die Verfechter der bisherigen Branntwernwirtschast betonen immer ganz besonders, daß die Brennerei für den Kartoffel- bau des Ostens ganz unentbehrlich und daher auch zu unterstützen sei. Was sagen sie ober nun dazu, daß von der in diesem Jahr« etwas mehr als 1 100 000 Hektoliter betragenden Vranntweinproduktion der landwirtschaftlichen Brennereien mehr als ein Drittel nicht aus Kartoffeln, sondern aus abderen Stoffen, in der Hauptsache aus Mais, hergestellt ist? Durch die jetzige unsinnige Branntweingesetzgebung wurde also bewirkt, daß Mai- in großen Mengen eingeführt und zu Branntwein verarbeitet wurde. Er nahm dadurch an einer Subvention teil, die ausdrücklich für den Kartoffelbou gedacht war. Im vergangenen Wirtschaftsjahr, in dem die Kartosfelernte so klein war, daß die Kartosselpreis« eine noch nie dagewesene Höhe er- reichten, war schon eine Unterstützung der Karwsfelbrennerei mit wenigen Ausnahmen volkswirtschaftlich absolut ungerechtfertigt, ja sogar schädlich. Vollends unverständlich ist aber eine Subvention der Verbrennung von Mais. In absolut unwirtschaftlicher Weise wurde dieser Rohstoff, der etwa 9 M. pro Zentner kostet, in Alkohol init einem tatsächlichen Verkausswert von kaum 2 M. umgewandelt. Trotzdem hat der Maisbvenner, weil die Monopoloerwaltunz ihm den aus ein Zentner Mais hergestellten Spiritus mit mehr als H> M. bezahlte, ein gutes Geschäft gemacht. Damit ist es der Monopolverwaltung gelungen, auch unsere Handelsbilanz durch diese Maisluxuseinfuhr um viele Millionen zu schädigen, worüber Lies- mal Herr Schiele kein Wort verliert. Es ist geradezu grotesk, daß im letzten Betriebsjahr über ein« halbe Million Hektoliter Spiritus im Ausland mit großen Verlusten verschenkt und daß in diesem Jahr fürOOMillionenMark Spiritus aus ein- geführtem Mais hergestellt wurden, um dann wieder für 12 M i l> lionen verschleudert werden? In das neue Betriebsjohr, das am I. Oktober beginnt, wird ! ie Monopolverwaltung mit den verhältnismäßig geringen Bc< > änven von etwa 350 000 Hektoliter eintreten. Mit den großen Inflationsvorräten ist restlos aufgeräumt. Von dieser Seite her liegt also keinerlei Veranlassung vor, die verlustbringenden Absatz- zweige für Technik, Motortreibstoffe und Ausfuhr weiter ausrecht- zucrhalten oder gar noch auszudehnen. Auf jeden Fall wäre dieser bisher verlustbringende Absatz in Zukunft wtnschastlich nur dann tragbar, wenn es gelänge, den technischen Spiritus zu einem Preise von 25 bis 30 M. herzustellen, wozu die industriellen Brennereien, deren Rohstoffe bis jetzt größtenteils als Abwässer in die Flüsse ge- leitet werden, nach ihrer eigenen Erklärung durchaus in der Läge wären. Nur auf diesem Wege wäre es möglich gewesen, in Zu- kunft wenigstens ohne allzu große Verluste auszukommen. Was tut die Monopolverwaltung aber statt dessen? Sie setzt in der letzten Beiratssitzung am 16. d. M. das Brennrecht von 6öauf 100 Proz. heraus I Das bedeutet, wenn dieses Recht voll ausgenützt wird— was bei der bevorstehenden, quantitativ mittelmäßigen, aber leicht verderblichen Kartoffelernte durchaus wahrscheinlich ist—, daß im kommenden Jahr etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Hektoliter Branntwein mehr produziert werden als im vergangenen Jahre. Da der Trink- branntweinabsatz nur in mäßigen Umfange ausdehnbar ist, wird also im kommenden Jahre der Absatz für Motorbrennstoffe und sonstige technische Zwecke ganz enorm gesteigert werden müssen. Was das bedeutet, ist klar: Steigerung der Verluste um ungezählte Millionen. Das allein wird noch nicht genügen; die jetzt geringen Bestände der Monopolverwaltung werden um viele 100 000 Hektoliter an- wachsen, was dann wohl im nächsten Jahr, wie im Wirtschifts- jähr 1925/26, zum Vorwand benutzt werden wird, um große Mengen von Spirstus ins Ausland zu verschleudern, in der Sprache der Monopolverwaltung.übergroße Bestände" zu räumen. Insgesamt werden die Verlustgeschäft« im kommenden Jahr wohl die Summ« von 100 Millionen nahezu erreichen oder gar über- schreiten. Aber nicht genug damit. Es wäre eine wirtschaftliche Selbstver- ständlichkeit gewesen, wenn mit dieser Heraussetzung des Brennrechts die Einkaufspreise gesenkt worden wären. Dadurch hätten sich Ein- und Verkaufspreise wenigstens etwas angenähert, und es wäre ein, wenn auch nur sehr bescheidener Versuch der Monopol- Verwaltung zu konstatieren gewesen, die Verluste ein klein wenig zu verringern. Diejenigen landwirtschaftlichen Brennereien, die wirklich auf die Brennerei angewiesen sind, hätten auch dann noch Vorteile aus ihrer Brennerei gehabt, dagegen hätte eine große Zahl von Brennereien, die nur brennen, um die ihnen so freigebig gebotene Subvention auszunützen, ihre Produktion zum mindesten sehr eingeschränkt. Auch hier geschah genau das Gegenteil von dem, was vernünftigerweise hätte geschehen müssen: die Uebcrnahmepreise wurden nicht herabgesetzt, sondern von durchschnittlich 54 M. auf 61 M. erhöht! Den Vrennereibesitzern wird damit ein neues Geschenk von etwa 15 Millionen von der deutschen Gesamt- heit überreicht. Sind sie nun zufrieden? Nein, der Rechtspresse ist selbst dieser Preis, den sie einen.politischen Preis" nennt, zu niedrig! Wir sind mit ihr darin einig, daß dieser Preis ein poli- tischer ist, der wirtschaftliche Preis würde bei höchstens 25 bis 30 M. liegen. Die deutsche Alkoholwirtschaft schlägt seder wirtschaftlichen Vernunft ins Gesicht. Ist das ein Wunder, wenn man bedenkt, daß ein Beirat, in dem sich Groß- agrarier und andere Spritinteressenten die Hände reichen, darüber zu bestimmen hat. wieviel Branntwein erzeugt und was dafür gezahlt werden soll? Heißt das nicht den Bock zum Gärtner machen? So- lange hier nicht grundlegende Aenderungeir vorgenomnien werden, wird die deutsche Branntweinwirtschaft, die für die wirklich armen und verkehrsungünstig gelegenen Kartoffelwirffchaften des Ostens eine enorme produktionsfördernd« Bedeutung haben könnte, bleiben, was sie bisher war: ein Privileg einer kleinen Clique, für dessen Aufrechterhaltung Steuermittel in einem Ausmaße und mit einer Sinnlosigkeit ver. schleudert werden, wie es in der Geschichte der Altohol- und Finanzpolitik geradezu beispiel- los dasteht. Einlagenzuwachs in üen Sankbilanzen. Die Zwei monatsbilanzen der deutschen Aktienbanken vom 31. August zeigen im Unterschied zu den letzten Bilanzen vom 30. Juni wieder ein An st eigen der Einlagen. Sie erhöhten sich insgesamt um 287,5 Mill. M. Diese Zunahme ist fast genau so groß wie die im gleichen Zeitraum des Borjahres eingetretene. Dieser Steigerung der Einlagen entspricht«ine Ausdehnung der Kreditgewährung. Bemerkenswert ist die Steigerung der Wechselbestände um über 60 Mill. M. Man darf wohl an- nehmen, daß sie nicht ganz freiwillig erfolgte, sondern daß der Wunsch der Reichsbant, nicht durch verstärkt« Inanspruchnahme zu einer Diskonterhöhung gezwungen zu werden, die Banken veran- laßte, ihren Wechselbe st and zu vermehren und nicht durch Einreichung erhöhten Wechselmaterials Entlastung zu suchen. Inso- fern zeugen auch diese Zweimonatsbilanzen von der Spannung am deutschen Kreditmarkt. Die Börsenkredite zeigen nach dem starken Rückgang um über 30 Proz., den die Junibilanzen auswiesen, keine wesentliche Ber- änderung. Die Banken haben also im Einklang mit der Politik der Reichsbant davon Abstand genommen, durch neue Kredite dem stagnierenden Börsengeschäft Anregung zu geben. Man darf wohl auch annehmen, daß die Zunahme bei den sogenannten„gedeckten Debitoren"(Kredite gegen Sicherheit) nicht versteckte Börsenkredite enthält. Dagegen ist auffällig, daß die Entwicklung der Kreditgewährung bei den Berliner Großbanken und den Provinzinstituten ver- schiedene Wege gegangen ist. Während jene bei der Kreditgewährung anscheinend wieder Nachdruck auf die Sicherung der ge- währten Kredite durch besondere Sicherheiten legen und die Zunahme der.gedeckten Debitoren" wesentlich stärker war als die der ungedeckten, sind in der Provinz die ungedeckten Debitoren stärker gewachsen als die gedeckton. Leider fehlen der Veröffentlichung der Zweimonatsbilanzen noch immer die näheren Erläuterungen, die die Reichsbant neuerdings von den Banken einfordert. Daher ist es auch nicht mög- lich, zu beurteilen, ob der Einlagenzuwachs bei den privaten Banken auf der H e r e i n n a h m e ausländischer Kredite beruht oder durch Einlagen inländischer Kunden zustande gekommen ist. Die Tatsache, daß der Einlagenzuwachs durchweg langfristiger Natur ist (mit einer Kündigungsfrist von mehr als 7 Tagen), spricht für die erste Annahme. Insgesamt ist das Bild der neuen Bilanzen nicht ungünstig. Aber auch sie zeigen, daß entsprechend dem starken Kon- junkwraufschwung und der Jahreszeit die deutsche Kreditlage als ge- spannt angesehen werden muß. der Kampf öes rWsthen Naphthafpnöikats. Zur Senkung der Benzinpreise. In«iner Veröffentlichung der Generalvertretung des russischen Volkskommissariats der Finanzen über die russische Naphthaindustrie finden wir zum Konkurrenzkampf gegen das russische Oel folgend« Bemerkungen: „Dank dem Austreten des Naththasyndikats der UdSSR, auf dem europäischen Markt haben die Preise eine Senkung erfahren und sinken noch weiter trotz des erbitterten Kampfes der Erdöltrusts Englands, Hollands und teilweise der Bereinigten Staaten gegen das sowjetrussische Erdöl. Solange diese Trusts selbst vom Naphcha- syndikät kauften, fanden sie dies ganz in der Ordnung, ja sie tonnten sich mit diesen einträglichen Geschäften nicht genug brüsten, aber sobald das Syndikat anfing, durch die ihm nahestehenden Gesell- schasten selbständig aus dem Markt aufzutreten und die Bevölkerung mit billigem Benzin zu versorgen, da erhob sich in einem Teil der Presse ein Proteststurm gegen das sowjetrussische Erdöll Das Naphthasyndikat wünscht keinen Kampf; wird er ihm aber aufge- zwungen, so fühlt es sich stark genug, ihn aufzunehmen, denn erstens ist es wirklich Herr im eigenen Haus« und untersteht nicht der Kon- trolle irgendeines internationalen Trusts, zweitens findet es Unter- stützung bei den von diesen Trusts unabhängigen Firmen und«iner Reihe kleinerer Firmen, die gern bei ihm kaufen, und drittens ver- breitet sich in den Kreisen der Verbraucher von Naphthaprodukten in den europäischen Ländern mehr und mehr die Meinung über die günstige Entwicklung der sowjetrusstschen Erdölprodukte auf die Preisentwicklung gegen das Monopol der allmächtigen Trusts. Be< deutet doch billigeres Benzin und Oel eine Herabsetzung der Trans- port- und industriellen Betriebskosten für die ganze Volkswirtschaft." Es wird teurer und teurer. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten beträgt nach den Feststellungen des Sta- tistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats September 147,1 gegen 146,6 im Vormonat. Sie ist demnach um 0,3 Proz. gestiegen. An dieser Steigerung sind die Bedarfsgruppen Er- nährung, Heizung und Beleuchtung sowie Bekleidung beteiligt. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen 1913/14 gleich 100, für Ernährung 150,6, für Wohnung 115,1, sür Heizung und Be- leuchtung 144,5, für Bekleidung 159,6, für den sonstigen Bedarf einschließlich Verkehr 184,1. Besserung in der Möbelindustrie. Die Stuttgarter Tagung des Wirtschaftsverbandes der deutschen Holzindu- stri« brachte interessante Einzech eitcn über wirtschaftliche Tages- fragen der Möbelsabrikation und holzverarbeitenden Industrie. Im allgemeinen kann die Möbelindustrie trotz der noch bestehenden Kapi- talknappheit und der Uebersetzung des Produktionsapparates eine merklich« Besserung gegenüber dem Vorjahr feststellen. So hat sich neben der Belebung des Inlandsmarktes auch die Aussuhr im ersten Halbjahr 1927, deren Wert rund 11 Millionen Mark be- trug, gehoben und den Vorkriegsstand wieder erreicht. Die vom Deutschen Normenausschuß ausgehenden Arbeiten haben vielfach zu der irrtümlichen Auffassung geführt, daß eine Typisierung von Möbeln beabsichtigt sei. Allen diesen Be- strebungen, eine allgemeine Normung und Typisierung von Möbeln herbeizuführen, hat jedoch die Industrie im Interesse der Verbraucher schärfsten Wider st and entgegengesetzt. Die Zahl der zurzeit in der Möbelindustrie beschäftigten Personen beträgt an- nähernd 200 000. 75 Zahre Schworhkopfs. Am 3. Oktober blickt die Firma Schwartzkopff in Berlin-Wildau.die mit Borsig zu den bekanntesten Unternehmen der Berliner Großindustrie gehört, auf ihr 75jähriges Bestehen zurück. Acht Jahre nach der Gründung der kleinen Eisengießerei in der Chausseestraße wurde bereits der Bau von Kränen" und Bergwerksmaschinen in Angriff genommen. Mit der Ausnahme des Lokomotivbaus beginnt der große Auf- schwung des Unternehmens. Bereits 1869 wurde die 100. Lokomo- tive fertiggestellt und die erste Lokomotive nach Rußland ge- liefert, das in den folgenden Jahrzehnten ein Hauptabsatzgebiet für Schwartzkopff blieb. Der Torpedobau, der gleichfalls in großem Rqhmen betrieben wurde, mußte nach dem Kriege eingestellt uyd«ine entsprechende Reorganisation der Betriebe vorgenommen werden. Die Fabrikation an Druck- und Setzmaschinen sowie all- gemeiner Maschinenbau traten an seine Stelle. Heut« liegen die Hauptbetriebe in Wildau, während in der Chaussee, und Schering- straße sich nur noch kleiner« Fabrikationsstätten befinden. Die Be- legschaften des Unternehmens, das zurzeit mit 18 Millionen Kapital arbeitet, betragen etwa 4000 Mann. wiederum 10 Proz. Dividende bei der Dubiag. Die Braun. kohlen- und Brikettindustrie 2l.-G. Berlin(Bubiag). deren hartnäckige Kämpfe mit der Petjcheck-Gruppe um den Einfluß bei der Ilse-A.-G. noch in Erinnerung sind, wird für das Geschäfts- jähr 1926/27 wieder 10 Proz. Dividende, wie im Vorjahr, auf das Aktienkapital von 20 Millionen verteilen. Die 2,25 Millio- nen Abschreibungen des Vorjahres sind auf 2,75 Millionen her- aufgesetzt worden. OKSnosol wirkt ausgezeichnet gegen Schnupfen. Zu haben In allen Apotheken und Fachdrogerlen. mm um Ali! Z-undfunkhörer lauschen froh: öeppl spricht auf Welle bundertzwo- Liest das neuste Äesi-SauSbuch vor. Zeder ist gespannt und spitzt das Ohr. I Soch nach einer Weile unterbricht er- l. Achtung! Eine kleine pause!" spricht er. ..Sechs Ahr sönfzehn dann auf Wiederhören: ! Zch muß erst meia Refl-Srot verzehren." tu jedem Pfund der Tafelmargarine„FriseJie Rest" verlange man gratis den neuesten Band der Rcsl-HausbUdierell Vertreter der V.M.W. NOrabcrg:.Resl-Ageatur, Berlin kiOSS, Heue Königstr. 37. Tel.: Königs tadt 1865. 1864, lA7. Parteinachrichten für Groß-Serlin kiusendungeo ffii btif« SuSril sind Bttlio TD 08. Liodkvltratz« 3, sict» an da»®»i(W»f«fmarlat 2. Hol,> Sri», recht», ,» richte». 7. Serie aharlattentnrg»ud Evardau. Juristisch» Sprechstunde heute. Sonn, abend, von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. 24. Abt. Die Eruppeniithrer werden ersucht, sofort neues Marrenmatertal vom Kassierer in Empfang zu nehmen..... 47.«bt. Dir rrsticrenden Bezirke wollen bestimmt heute, Sonnabend, beim Abteilungskassiercr abrechnen... 3S. Abt. Sonntag. 2. Oktober, II Uhr, findet anläßlich der vor 5 Jahren Treffpunkt TW Uhr Ringbahnhof Neukölln. Wir fahren bi» Birkenwerder.— »ruppe Neukölln II: 7lni Sonntag, 2. Oktober, Fahrt nach Bernau— Liepnitz. sc»— Hellsce. Treffpunkt Ringbahnhof ReukWu. erfolgten Wieberocreiirigung eiiie Gedenkfeier im Germania.Balast, Frank. furtcr Alle- ZI», statt. Festrede: Arthur Erispi-n, M. d. R. Eintritt-. karten sind noch bei den Kezirksfllhrern zu haben.« ZK. Abt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich am Sonntag, 2. Okto- der, an der Morgenfeier im Germania-Palast, Frankfurter Allee 314. Di- für diesen Tag' angesetzt- Konsumbesichtigung wird auf den 30. Oktober verschoben. 5 rauskweranslalkuagen: 7. Abt. Sonntag, 2. Oktober, Besichtigung der Ausstellung„Das iunge Deutschland." Sr-ffpunkt 13 Uhr vor dem Schloß Bcllevue. All« Sc- nossinncn und Genossen sind eingeladen. »7. Abt. Neukölln. Die Genossinnen treffen sich am Montag, 3. Oktober, 7>4 Uhr, am Zahnhof Hcrmannstraße zur Fahrt nach Potsdam. Gaste sind herzlichst willkommen. Arbeiksgemeinschafk der Kinderfreunde. Gruppe S-rl Liebknecht.- Sonntag, 2. Oktober, Fahrt nach Heiligcnsec. Treffpunkt 8 Uhr Fannowitzbrllcke. 20 Pf. mitbringen. grci» Neukölln, Gruppe Birke: Wir fahren Sonntag, 2. Oktober, mit Dltcrn und Parteigenossen nach Zossen. Treffpunkt Uhr Bahnhof Hermannstraßc. Kinder wollen 00 Pf. mitbringen. Jungsozlallsten: Gruppe Neukölln I fOtt): Sonntag, 2. Oktober, Fahrt nach der Briese. Vorträge, vereine tmö Versammlungen» Reichsbanner.Schwarz Rok-Gold-. Geschösisstell«: Berlin S 14. Sebastianstr. 87/38, Hof 2 T« Sonntag, 2. Oktober. Mitte: Ausmarsch. Antreten 7>4 Uhr Schief. Bhf. ohne Cpiclleutc und Fahnen. Pankow: Sämtliche Radfahrer 7 Uhr Marktplab. Fahrt nach Grotz.Echönebcck.Liebeiiwalde.— Montag, 3. Oktober. Fricdrichshain, Kam. Petersburg: Ib'A Uhr Sitzung bei Busch, Tilsiter Str. 27. Eharlottenburg:?0 Uhr Pcrsammlung der Kameradschaft Zoo bei Arnat, Kantstraße. Pankow, Kameradschaft Niederschönhauscn: lg>h Uhr Versammlung bei Kltndt, Kais«r»WilhcIiii.Str. 84. �Wah.l dcs� Vor» ftandcs'~'''"''""" t-rj—sL- luna b dürfet:„Wahlrecht und Vorfa..... M M.. I schaft Sportgruppe: 19 Uhr Zusammenkunft im Jugendheim Roonstrage. Schöne. berg.Friedeuau: Achtung, Iungbannerl Sonntag, 2. Oktober, findet die Be» sichtigung der Ausstellung„Das junge Deutschland" statt. Treffpunkt«H Uhr Naiser.Wilhelm.PIatz. Eintritt 30 Pf. Lichtenberg nebst Untergruppen: Sonntag, 2. Oktober, 9Vi Uhr, treffen sich sämtliche Schutzfportler und die Handballinannschait zum Handballspiel auf dem�Städtsschen Sportplatz In� Fried» richsfelde,��MWM»M"" h| i|■ m kleidung dienst mit Werkzeug sind zur Stelle. Auch Rohrleger werden erwartet. Arbeiiemwm fu» Biochemie und Leiensreforu». Montag. 3. Oktober, bei Nllß, Marftr. 12, 20 Uhr, Bezirksoerfammlunz. Genosse Richter spricht über „Rheumatismus." Mittwoch, Z. Oktober, bei Walsleben, Sopenhazcner Str. 19. 20 Uhr. Bezirksoerfammlung. Thema: Lahnkrankbeitcn und Biochemie." Nichtmitalieder haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder sowie Beitrags« Zahlung kann erfalgeu. Arbeiter-Schiitzrabund. vrtagruppe Berlin. Montag, 3. Ollober: Wedding: Sport 20 Uhr bei Iadionfki, Koloniestr. Up. Friedrichshain: Alle Funktio» bei Wolff, Prinz. Ha ndserp-Ltr. 67.— Mittwoch,„ Sport 20 Uhr bei Menschel, Rvdersdorfer Etr. Sl, und Jufchkat, Soßlerstr. 1. Echöneberg: Sport 20 Uhr bei Potratz, Sedanstr. S3.— Donnerstag,(. Oktober: Ortsgruppe Berlin: Die Geschäftsstelle befindet sich Berlin NO. 18, Frieden» ftraße 61, bei Bochan. Geöffnet 20—22 Uhr. Krenzberg: Sport 20 Uhr bei Nonnspieß, Wassertorstr. 71.— Freitag, 7. Oktober: Westen(2a): Sport 20 Uhr bei Menne, Eteinmetzstr. 48. Wilmersdorf: Sport 20 Uhr bei Piche, Hilde» gard». Ecke Schrammftraße. Neukölln: Sport 26 Uhr bei Wo! ff. Prinz. Hand» Icm-Str. 67.— Sonnabend, 8. Oktober: Pankow: Sport 20 Uhr bei Hubert, Domerow», Ecke Mendestraße. Arbeitee-Samaeltcr, Kolonne Berlin, Geschäftsstelle: N. 4. Echröberstr. 9. Telephon: Norden 3340. Der stir Wilmersdorf angezeigte Kursus am Donners. tag. 13. Oktober, findet nicht wie angegeben Oberrealschule Hindenburgdamm, sondern Hindenburgstraße, 19)4 Uhr, statt. Schwimmerwaldlanf. Die Freien Schwimmer Norden veranstalten am 2. Oktober einen Hcrbstwaidlaus in Plötzensee. Start IS Uhr. A. Männer: 30C0 und 5000 Meter: B. Männliche Jugend: 1500 und 3000 Meter; 0. Frauen und weiblich« Jugend: 1000 Meter. Sämtliche Teilnehmer haben sich um UM Uhr einzufinden. Kampfrichtcrsitzung 13>4 Uhr in der„Waldhlltte" von Dreier, am Aasscrsportplatz. Im Zirkus Kapitä» schaeiber(104 Löwe»), Kaifcrallee, gegenüber Stadt. park— Pfalzburg 2950— gelten volkstümliche Preise, die sich zwischen 80 Pf. und 5 M. bewegen. Kinder jmhlen Mittwochs und Sonntag nachmittag,(An. fan�3 Uhr) halb« Preise. Die Abendvorstellungen beginnen stets pilnktlich um Die Wltkuag be* Togal. Unser Arzneischatz ist nicht arm an schmerz. stillende» Mitteln. Die stets wiederkehrende Klage der Aerzte ist aber, daß die gebräuchlichen Mittel unangenehme Nebenerscheinungen und Nachwirkungen haben. Dies konnte laut ärztlicher Berichte bei Togal nicht festgestellt werben, wenn es vorschriftsmäßig eingenommen wurde. Da es überdies promvt wirrt, dürfte es von allgemeinem Interesse sein, aus das Präparat hinzuweisen. Sonnad, 1. 10.2? tozlz-v?» Am PI d.Republ. Anf. 7'-Uhr »MW! Enöbinngeii Sonnab.,1. 10.27| Städtische Oper Bismarckstr. Turn. I. Anf. 71, I itnt!. Sdisaspidii. Am GemhrmtBmarki 8 ÜJir W(i der JanM tmmamm Staad. Sdiiilertli. Charlottenburg 8 Uhr MU 8 Uhr Moiks büh ne Ibsalei ii» eeiowplati Tb. an Sthiffbanardtran 8 Uhr li°W Dali. Da/u: Der �emfitlidie Kommissär KSÄSie EL lieüs GeoüdiesTheatEi ■Morden 10334-37 1 Uhr, Ende 11 Uhr TroilHiLtoiila taaginlil von Ibalnwin Kammersplele Norden 10334—37 V'4 U» EndelOVfU» Ihr Mann Usinid»in Ful Oeral J» Sie Komödie Bismarck 2414/7516 Ol, Uhr, Ende 10», Zinsen Komödie von Bernard Shaw Heute 11 Uhr nachts Zum 1. Male: »elMüM-üem Disliditer von Berlin Sonntags 2 Vorscellungen 4»/, u.II Uhr 82 Noüendori 7360 Me Premiere der Okfobcr- Metö-Revne Sonnabend« u. Senntags 2 VorttnM. 3 10 u. 8 Uhr— 3 M zu«rniSSigtsn Preisen das ganze Programm. CASINO-THEATER« Uhr ihr finnhier Fiee» Jläj.Oktoti.Jie Paola von Metrogol. Ausscboctden I Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel nur IAO M. 100 Löwen Circus Kapitän Allred$ mneider Ka.StraUee,5egeniib Scadip Plaldi.1950 Der„wirkliche" Circusl Tägl. 8 Uhr, Sonnt u. Mittw. auch nachm. 3 Uhr. Preise 0.80—5.00 M. Kinder nachm. halbe Preise. Theater am Kottbasser Tor Kottbanser Straße 6, Täglich 3 U. u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger in grober Form In ihrem Bombenprogramm I ' Volkspreise von 50 Pf. bis 2.50 M. Sonntagnachmittag.. ' Gr Ohe Familien»vorsleuinii Volles Progr. Kl. Preise v. 40 Pf. b. 1.75 M. Piscatorbühne best. a. KollendoifciGli Kurfürst 2091/93 8 Uhr: Soppla. wir IM von Ernst Toller Inz. Erwin Piscator !lhi. S'obrawa. WtHjWMf, Basdi. Grastz. Cran&di. laanetnano. Hollrasno, äima, Stttk?'. Freitag, 7. Okt 12 U» Nachtvorstellung „Blaue Blase' sowjetruss. Klein- kunstbühneMoskau zum 1. Male in Deutschland. Deutsche Begleitw. Cur» Boes. P.iisi f. Sit(lidumfitelliu:: 1, 2, 3. 4. 5 u. 6 Mk. darumtf-Bähm Th.Koniggrälz. St Hasenh. 2110. 81/. Komödlcnhsuf Morden 6304. 8 U Hokuspokus Berliner Theater Dönhoff 170. 8 U Läonia fifOJJSS Die neue CH ARELL> Inszcnfe:«ng lail MaiPallenlierg Rita Georg Bendow 3ankuhn SsükeS jakall V.'erkme!st:r Westermeier Mm Soys SiinstiiDS Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst zu halben Preisen vorverbaas 10-« OJ»r DAS >ELECTROLA< RATEN-SYSTEM! DAS BESTE MUSIKINSTRUMENT DIE GERINGSTE GARANZAHLUNG DIE KLEINSTEN MONATSRATEN Trianon-Th Täglich 8' 4 Uhr: Erika Glässner in eiyer ihrer ParatJerolSen WülslMll Lustspiel v.Verncuii Preise 1,2,3M. usw. Sonnabend 4 Uhr kleine Preise »MIM Greis! ili. in Adniralspalas Täglicli Sf-. Uhr Die neue BALLER REVUE 2 Sonntag Vorstellung. 3Uhru.S>/«Uhr liidm. die eure Vor- itilli«! n«alb. Preis. Rose-Tbeaier i[Ibr:EäESslB.M 8'/, Uhr: Die Masdünen- bauer v. Berlin Reichsha3fen•Theater Anfang S Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Zum Schluß: Eine Hochzeit in der M&llerstraBe Nachmittags: Halbe Preise, volles Programm. OöntiGff•BroCI: Varietä, Konzart, Tanz »ELECTROLA VORSPIEL OHNE KAUFZWANG! EÜECTROLAmbh BERLIN Wa LEiPZIGERSTR-23 FRANKFURTa.M.GOETHESTR.5 VETTERE AUTORISIERTE VERKÄUFSSTELLEN VERDEN BEREITV1L1165T NACKGEWIESEN. UOscmeine Otf»rtanfe«kcffe üt d Perwaitunasbezirk XI der Stadt Berlm Sch 5 nebarg. Frieden»». Der 19. Nachtrag zur Satzung mit Aenderung der zz 1, 2. 6, 12 u. 19 Hat oom Obcroersicherungsamt die Senedmi- gung bezw Zustimmung erhalten! er tri« am 1. Oitober 1927 in Kraft Druckexemplare sind bei der Hauptstell«, Grunewatdftr. 80. und bei der Geschäftsstelle für Berlin- Friedenau. Rheinnr. 9, erhältitch. Ueber die wesentlichen Denderungen geht den Ardeitgedern ein Rundschreiben zu. Blit-Schönederg, den 29. Eept 1927. Der B orstand. A. Echuldt, Bors. F Senß. Schriftf. AMMMSeMs' für SerUn-Skeglitz. Bekanntmachung. Di« Sinkommensgrenz« zur Kranken. oersichcrungsoflicht für Sandlungsgehil- fen, Angeftillt« in g-hod«n«r Stellung usw.. ist ab 1. Oktober d. Z. von 2700 Mark auf 3600 Mark fährliche» Ein» kommen erhöht worden. Es sind daher all» Beschäftigten innerhalb dieser Ein. kommensgrenz« umgehend von den Arbeltgebern zur Krankenkasse an» und zur Srwerbslosenfürsorge abzumelden. Diejenigen Handlungsgehilfen, Ange» stellten usw., die der Angestelltenver- sicherungspflicht unterliegen, deren Der. dienst jedoch monatlich 300 Mark Über» steigt iEinkommen Über 3600 bis ein» schließlich 6000 Marli haben nur Bei. träge zur Arbeitslosenoersicheruna zu zahlen, und zwar monatlich 9 Mark. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, auch diese Personen, soweit noch nicht ge- schehen, bei der Kasse mit dem Bcrmerk „nur zur Arbeitsloscnoersicherung" an» bzw. abzumelden. Gleichzeitig machen wir die Arbeit. eber von Hausgehilfen ganz resonder» darauf aufmerksam, daß die bisher aus Antrag bewilligt« Befreiung I von der Zahlung der Erwerbslosenbci. träge mit dem 30. September 1927 er ! lischt. Ad 1. Oktober er. sind auch für Hausgehilsen Beiträge zur Arbeitz. I losrnverficherung zu leisten. > Berlin. Sieglitz, den X. Oktober 1927. Der Borsiaitd: Finger, Borsitzender. K o g l i n, Schriftführer. mmmmmmmmmmmmammm Nene» Theater am Zoo Nur noch heute 8 U. Sensation v.Gaiswortby Täglich 8 Uhr; JAwiesolrägcrisdi— 3 lieft«! Aide von Uni Presber zu Sonnabend, 1. Oktober nachmittags I1/, Uhr Mein Herbst= Angebot Jinzatk* lung 10 Jtlonats- vaten gmnnnimuiiiiminiiiiiiuiiiiinuiiiiniiuiiiiuiimiuiiiiuinitiiniiiiiiniiMiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiininiiiiiiiniiiiiniiiiiiie | Der fesche Damenmantel 3S.- \HocheIeg. Damenmantel@2.- \Reizendes Damenkleid 1S.- | Pullover— Strickwesten | Gediegen. Herren* Anzug | Eleganter Herren* Anzug 90.~| l Herren* Ulster Schwedeoform 59.- l Schwerer Herren* Ulster 82.- (Riesige JtuswaMl liiiiiiniiiiiiiiiiiiitimiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiimtiiiiiiiiiiir.iiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiuiniiiiiHiüHmmiiiifä Sotfkringer W~Jk* frankfurter ftraße«T h\f*1 f* Allee 336 V-Babnbol Scbönb. Tor* j[ A,» Jg, Ecke Tilsiter Straße frankfurter Lustspielhau» 8V, Uhr sallnbarg-bilmn ü!s. Künstler-Tb 8 Uhr „vis Dams von Maxim" Lcssing-Theater 8 Uhr „Waifl Heinridi IV" Tlieater des Westens 8 Uhr: Gastspiel Frltzi Massary Eine Frau von Format TVauial'.a. Tttec: Täglich 8V, Uhr: Üsi üsdesiieimer SdiloS steht eise Linde Ein Spiel von Liebe, Lenz und Wein mit Gesang u.Tanz. Parkett statt 4 Mk. tägl. auch Sonntags nur 60 PL Sonntag 4 Uhr: SdmeewitUhen Parkett v. 30 Pf. an. KOMISCHE OPERI 1 7vsu. Premiere tv.u. HEUTE JAMES KLEINS | neuartiges Revne-SM! in 23 Bildern Die Weil >••• i | Verfaßt von Jame» Klein,! Paul Roaenhoyn, Karl Bretscbneldcr Texte von FrlU Retter. Musik von Egon. Ooelio usw. j Tänze V. Georges Blanvalet| Endlich dl; fom PgbllkDm langsiiibnte Tbeatcr-Sensitlcnl 1 200 Mitwirkende I Unter anderen Hans Alhers; Else Bcrna Johannes Müller t: Erich Poremskl:; Beate Roos-Rcuter 1 1 Vlckjr Werkmeister usw. usw.| Theaterkasse ab 10 Uhr [ ununterbrochen geilkfnet! I ksidm-Ikestet Täglich 8'/, Uhr: GeileiMlliLiile! VeusvvtMsMllvü. Oie d» der Zelt von» X. Okiob. bü 31. Dezember 1926 verseizlen Pfänder sind versteigert worden. UeberschQsse sind bis zum 1. Oktob.1928 abzuheben. Sfaaflldies leUsamL Preise 1 bis 10 Mk. Flanetarimn am Zoo ierlliz. ludi,icäl|ul:i Streit | Noll. 1578 Der Sternen tilmmsl auf der Reite»oo Berlin nach dem Aequater Vorführungen: 4'/,. 6. 7V:, 9 Uhr. Eintritt 1 M. »radn aal. IS lahm C.ÜR Titaua»niealer 8 Uhr Der rote Habn iesonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts" und trotzdem I n billig!! SIM QBittanqs-.Raliall- a.Reklamemarken /«gen Nachahmung gesetzt,"etch, fertigt seil4S Jahr. als Spexlalllät Conrad Müller Leipzig-Schkeuditz Parzellen] an Bahnst u. Dorf qm 30 PL rert. LiO. Wlns»'r.68. Inlerieren bringt ERFOLG 1 i wospeisi mani finl a.bllUä? Nur GroB-Berlin Xlcxendcrplatz }uergens Ate::: «SSTSSSSj Unfersm lieben Genossen WiI3y Bahr Naogarder Straße 14 amn 25 jäbrtzen Partrifubttänm die HerzlieHsten Glücktnünsch« VI» 24. Abteilang;. vif « V BSSSiSSS««SSSSSSSiZ. Unierer Parteigenossin dS Bertha Schliebitz 2 Berlin-Britz. Iahnftraße 85 M /» Z»m sSafunSzwonzigiShrig«» � /n ZZcrienubilklnnt qz ') die herzlichsten Glücktoilnscha«p iL 99. Abteilung, 6. Bezirk »»CEESSSS Ulli. von 9—»0 Uhr vormittags und 5— 6 Uhr nachmittags Dr. Hugo Jacobsohn Reinickendorf, ProvinzstraBe 83«. looiraosItraBltEnkasse der Jows'iiert, Cold- Bckannkmachung. Auf Grund dc, si 46 der Satzung find die Mitglieder des Ausschusses und deren Vertreter für die Wahlperiode bi» zum 81. Dcz/mbee 1932 neu zu wählen. Gewählt werden 15 Vertreter und 15 Ersatzmänner aus dem Rreif« der volljährigen Arbeitgeber, 36 Vertreter und 30 Ersatzmänner aus dem kreise der volljährigen Versicherten. Die Wahlen finden getrennt statt, und zwar in geheimer Adfl'.mmung nach dem Svitem der Verhältniswahl und den näheren Bestimmungen der Wahl. ordnuna. Sie Arbeitgeber wöbien am Montag, dem 14. Nooemder- 1627, im Kassenlokal, Sebastianstraße 17, von 1 bis 3 llhr. Die Versicherten wählen am Montag, dem 14. Rooemder 1927, im Kasscnlokal, Sebastianstraße 17, von 4 bi» 6 llhr. Die Wahlberechtigten werden hiermit aufgefordert, Wahirorschläge gesondert für die beteiligten Arbeitgeber und die Bersicherten auszustellen(st 7 der Wahl. ordnung) und dem»nterzcichueten Pol» stand b:Z«um 17. Oktober 1927 an die Adresse der Innungskrankenkasse der Juweliere unter dem Stichwort„Wahl- vorfchlog" einzureidicn. Die Siimmal/gabc ist an die Wahl» Vorschläge gebunden. Die zugelassenen Wahlvorfchläa« kön- nen ab 19. Oktober 192? im Kassenlokal in der Zeit von 10 bis 1 Uhr ringe- sehen werden. B- esondere Wählerlisten werdcn nicht aufgestellt. BI» foldie dienen die Arbeitgeber- und Mitgliederverzeichnissc. diese liegen zur Einsichtnahme in der Zeit von 9 bis 1 Uhr im Kassenlolal aus. Etwaige Einsprüche, die sich ans den Arbeitgeber» und Mitglicderver- «eichnissen ergeben, ssnd bis fvätesten, den 17. Oktober 1927 unter Beifügung von Beweismitteln bei dem Borstand einzureichen. Der Wahlausschuß ist berechtigt, die Wahl- und Stimmberechtigung jede, Wählers bei der Wahlhandlung zu pru. fet, und hat jeder Wähler sich mit einem Wah'auswei» zu versehen. Die Ver- sidierien haben einen Nachweis ihrer Mitgliedschaft vorzulegen. Derselbe wird ihnen eventuell am Wahltage im Kassenlokal ausgestellt. Arbeitgeber weisen sich durch die letzte Quittung»bee gezahlte Beiträge aus. Im Übrigen weisen wir auf die B». stimmungen der Wahlordnung sowie § 46 der Satzung hin. Der Vorstand. Mag Rost, Vorsitzen der. Hugo Herz, Echristführcr. Im Rahmen des OKlober'Spielplans und Eioest van Um mit ihren IS üozEriODüQ rniil Tänzeni sowie weitere 4 4% iniernattonaie 4 A S V ARraKlloueii I U Sonntag nachm. Z« ermäßigte Preise! Volle» Programm. Bei der Kartenlegerin. ... Und dann rate ich Ihnen, sich mit .Lebewohl"* einzudecken, denn ich sehe eine große Reise tür Sie!" *) Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Acrzten empfohlene Hühneraugen» Lebewohl und Ltbewohl« Ballensclieiben, Blechdose(8 Pflaster) 75 Pf g, Lebewolil- PuÄbad gegen empfindliche Füße und l uDschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pfg., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Wenn Sie keine Enttäuschungen erleben wollen, verlangen Sie ausdrücklich das echt© Lebewohl In Blechdosen und weisen andere, angeblich„ebenso gute- Mittel zurück. f