Nr. 46$ ♦ 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 23$ Morgenansgabe Groß-Berlin Pfg. Auswärts IS Pfg. Bezugspreis: BBchentliä) 70 Pferiota, monatlich 8,— Seitfumiri tmwua jailbct. Unter Streifband int In- und Ausland 5,50 Reichsmarl pro Monat. Der„Vorwärts' mit der Mustrier. ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit' sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wilsen',„Aus der ssilmwelt'. „Frauenstimme'.„Der Sinder. freund'.„Zugend-Borwärts',.Blick in die Bild, erweit' und„Sultur. arbeit' erscheint wochentäglich jpoei» mal. Sonntags und Montags einmal. Telegraunn.Adrelse: .SejiaUcmotcal Berlin" Derlinev VolKsvlaki Anzeigenpreise: Die einsvaltia« Ronpareill«. »eil« 80 Pfennla. ReNameteil« 5>— Reichsmarl.„Kleine Au, eigen' das f-ttaedruckte Wort 25 Bfcnnia ltuläfstg ,wei fettaedruckte Wortel, iedes weitere Gort l? Bfcnniq. Slellenaefuche da, erste Dort 15 Bfennig. Iedes weitere Wort tO Bfennig. Worte Uber 15 Buch» stoben»äblen fllr ,wci Worte. Arbeitsmarkt Zeil« 80 Bfcnniq. Familienan, eigen für Abonnenten Zeil»<0 Blenni». Anzeigenannahme im Hauotgefchäft. Lindcnstrahe 3, wochentäglich von 814 bis 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratifcben parte» Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin EW. öS, Linüenstraße 3 ifernsprecher: Dönhoff 292—�97. vorwärts-v erlag G.m.b.H., Serlin SV. öS, ÄnAenstr.Z Boftt checktont»! Berlin 87 5«-«»uN»ut»!«au» der Arbeit»,,«ugeftelte» und Beamte». Wallst,.«I«Iskonto.Selclllchast. Denasttenlast« Li-denftr. I. Kein Straßenbahnerftreik! Der Schiedsspruch für verbindlich erklärt. Gestern gegen 7 Uhr abends erging die amiliche ZIlikleilung. dah der Schiedsspruch vom Reichsarbeitsminister für v e r. blndlich erklärt worden sei. Die Funktionäre beschlossen mit knapper Mehrheil, n i ch l in den Streik zu treten. Di« Funktionäre der Berliner Straßenbahn tagten gestern abend im Gewerkschastshaus. Der Bevollmächtigte des Verkehrsbundes, Genosse O r t h m a n n, gab im Auftrage der Tariforganisationen «inen eingehenden Bericht von den Berhandlungen im Reichsarbcits- Ministerium. Die Parteien hatten zunächst, so berichtete Orthmann, dem Vertreter des Reichsarbeitsministeriums, Ministerialrat Dr. G a ß n e r, noch einmal die Entwicklung des ganzen Konfliktes geschildert. Da die Parteioerhandlungen zu keiner Annäherung führten, wurde auf den Borschlag des Schlichters hin eine kleine?« Kommission gebildet, deren Verhandlungen ebenfalls e r g e b n i s- los verliefen. Der Vertreter der Straßenbahn, Direktor Bande, zeigte in keinem Punkte Entgegenkommen, obwohl er weitgehend« Vollmachten hatte, was von ihm auch nicht bestritten wurde. Er sprach vielmehr sein Bedauern darüber aus, daß er sich von der Taktik der Gewerkschaften habe.bluffen" lassen und im Laufe des Konfliktes immer wieder Zugeständnisse gemacht habe, anstatt nach der Abgabe des ersten Schiedsspruches sofort die Verhindlichkeits- erklänmg zu beantragen. Die Organisationsvertreter erklärten in den Verhandlungen, daß eine Verbindlichkeitserklärung des Schieds. spMches nach ihrer Auffassung nicht in Frage kommen könnt«, da dies einem Raub des Koalitionsrechtes der Straßen. bahner gleichkommen und ihre Degradicrung zu Arbeitern zweiter Klasse bedeuten würde. Sie verlangten, daß man die Berliner Straßenbahner, wenn man sie schon nicht mit den übrigen städtischen Arbeitern gleichstellen wolle, wenigstens unter den R e i ch s t a r i f für die kommunalen Straßenbahnen fallen lassen müßte. Auch dies« Forderung wurde nicht berücksichtigt. Um yi4 Uhr nachmittags wurden die Verhandlungen geschloffen, weil sie über den toten Punkt nicht hinauskamen. Um 7 Uhr abends ging den Organisationen die Mitteilung zu, daß der Reichsarbeilsminister den Schiedsspruch siir ver- blndlich erklärt habe. Diese Mitteilung wurde von den Funktionären mit großer Entrüstung aufgenommen. 3n der ausgedehnten Debatte wurde hauptsächlich nur die Frage ernsthast erörtert, ob troh der Verbindlichkeitserklärung am Dienstag früh die Arbeit eingestellt werden soll oder nicht. Die Meinungen dar- über waren natürlich sehr geteilt. Zn der geheimen Abstim- mung beschlossen die Funktionäre mit 52 gegen 49 Stimmen bei zwei ungültigen Stimmen, nicht in den Streik zu treten. Zu diesem Abstimmungsergebnis hat ohne Zweifel die Aus- sassung beigetragen, daß ein Streik, hinter dem die Organisation nicht stehen kann, wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Genosse Orth- mann teilt« zum Schluß der Dersammlung noch mit, daß die Orga- nisationen nunmehr alles versuchen werden, den R e i ch s t a r i s- vertrag für die kommunalen Straßenbahner auch aus die B«r- liner Straßenbahn zu übertragen. Kampfansage öer Zähmt partp. Scharfe Abrechnung mit den Konservativen in Blackpool. London. 3. Oktober.(Eigenbericht.) Am Montag trat in B l a ck p a o l«in von mehr als tausend Delegierten beschickter Kongreß der Arbeiterpartei zu. sammen. Die Eröffnungssitzung stand im Zeichen der Vorbereitung zu den Neuwahlen im Jahre 1S28. Nachdem die Konferenz im Name» der Stadt Blackpool von deren Bürgermeister, einem Konseroativen, begrüßt worden mar, erhielt der Partei- Vorsitzende F. O. Roberts, der im Ministerium Macdonald den Pasten eines Ministers der Penstonen bekleidet hotte, dos Wort zu seiner programmatischen Eröffnungsrede. Der Redner wies eingehend darauf hin, dah die unmittelbare Aufgabe der Bewegung darin bestehe, alle Energien einzusetzen, um die Wiederkehr einer Arbeiterregicrnng bei den kommenden Neuwahlen vorzubereiten. Die gesamte Arbeiter- bewegung, nach der politischen, gewerkschaftlichen und genossenschast- lichen Seite hin, geeinigt, werde unermüdlich an dieser Aufgabe arbeiten. Roberts wandte sich hierauf der Tätigkeit der K o m m u- n i st e n in der Arbeiterbewegung zu und erklärte, die Gewerlschafts» bewegung hätte den zerrüttenden Einfluß der Minder- heitenbewegung zu spüren bekommen. Auch in den lokalen Orts- gruppcn der Arbeiterpartei hätten die Kommunisten den Versuch gemacht, ihren Einfluß einzusetzen und die Beschlüsse des vorjährigen Parteitages, welcher die Kommunisten aus der Arbeiterpartei aus- geschlossen habe, unwirksam zu machen. Di« Arbeiterpartei müsse Herrin im eigenen Hause sein und dürfe sich nicht von Feinden innerhalb oder außerhalb ihrer eigenen Reihen z e r- stören lasten. Sich der innerpolitischen Situation zuwendend er- klärte der Redner, daß die Nation nunmehr in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht den Preis dafür zahlen müsse, daß sie 1924 eine reaktionäre Regierung in den Sattel gehoben hätte. Die llahre der konservativen Regierung stellten eine Tragödie für Großbritannien dar. lieber der konservativen Herrschaft stünde in rieflgen Buchstaben da» Work Bankerott. Noch der sozialen Seite hin sei die Bilanz große Lohn- Herabsetzung. Verschlechterung des Lebensstandards der Ar- beiterklaste und Verringerung der inneren Kaufkraft. Dieser Un- fähigkcit der Regierung in der inneren Politik entspreche deren Unfähigkeit, ßurzsichligkeil und wangel an Wut in der äußeren Poflttk. Gegenüber Rußland habe die Regierung eine Politik einge- schlagen, die heuchlerisch und den britischen Interessen ab» t r ä g l i ch zu sein scheine. Die britische Politik gegenüber Rußland werde schon allein durch die Tatsache verdammt, daß andere Re> gierungen, die dieselben Beschwerden an die Adresse Moskaus hätten, abgelehnt haben, dem brUischen Beispiel zu folgen. Dem Völkerbund sich zuwendend stellte Roberts fest, die britische Bölkerbundspolttik sei völlig negativ geworden. Sir Austen Chamberlain und seine Kollegen hätten Großbritannien im Völkerbund auf«in« unrühmlich« Weise moralisch isoliert. Sie seien von der Idee besessen, doß sich der Völkerbund zu schnell entwickle, und ihre Politik hätte darin bestanden, den Wirkungskreis des Völkerbundes einzuengen. U e b e r a l l dort in Europa, wo die Reaktion ihr Haupt erhoben hätte, in Italien, Ungarn, Litauen und anderen Ländern, werde Chamberlain als Führer der internationalen Reaktion begrüßt. Roberts schloß den programmatischen Teil seiner Rede mit den Worten:„Wir müssen alles tun, zum ersten Male eine Arbeilerregierung mit einer parlamentarischen Mehrheit zu sichern, denn nur auf diesem Weg« können wir die Politik der Parter voll und ganz durchführen." Die Exetutioe teilte hierauf der Konferenz mit, daß der Vorstand neun Ortsgruppen der Arbeiterpariei wegen Nicht- befalgung des vorjährigen Liverpooler Beschlusses gegen die Kommunisten von der Partei korporativ ausgeschlossen hätte._ Große Verschwörung in Spanien. 290 Verhaftungen.— Bombenlager entdeckt. Paris, 3. Oktober.(Eigenbericht.) 3n einer amtlichen Meldung aus Madrid heißt es, daß eine große revolutionäre Verschwörung gegen den König und Primo de River« aufgedeckt worden ist. Roch der gleichen Meldung ist die Mehrzahl der Teilnehmer, über 200 Personen, ver- haftet worden. Bei Haussuchungen sind angeblich zahlreiche Bomben und Sprengstoffe gesunden worden. Die Unter- suchung geht noch weiter und soll auf zahlreiche spanische Städte ausgedehnt sein. Was 6ic Regierung glaubt. Madrid. 3. Oktober.(EP.) Das Ziel der Verschwörung sei noch nicht einwandfrei geklärt. doch glaubt die Regierung, daß eine Tragikomödie zu dem Zweck aufgeführt worden sei. die Verwendung gewister Gelder zu rechtferligen,(?) Die Untersuchung geht weiter. 3m ganzen Lande herrscht Ruhe. Nach anderen Meldungen verfolgt die Verschwörung da» Ziel, die für den 10. Oktober angekündigte Einberufung der „Nationalversammlung" zu verhindern. Die Polizei habe über 100 Bomben entdeckt. Mehrere Offizlere seien in die Affäre verwickelt. Bisher seien etwa 30 Verhaftungen vorgenommen worden. Die Zensur wurde verschärft. Man sachte! Berlins Eroberung durch die Kriegcrvereine. Der Präsident der deutschen Republik hat seinen 80. Geburtstag gefeiert. Es gab viel Fahnen, viel Musik, viel Tücherschwenken. Ein Fest der R e p u b l i k...? Die ausländischen Korrespondenten drahten dds Stich- wort:„Kaisergeburtstagsfeie r". Die schwarz- weihrote Presse liefert ihnen den Text dazu. Hugenbergs Hausdichter rasen. Sie machen der„Welt- stadt Berlin", die„ihrem Hindenburg huldigte", Liebeserklä- rungen. Sie fordern den Volksentscheid zwischen Schwarz- rotgold und Schwarzweißrot. Ja, sie finden— siehe die berühmte„Nachtausgabe"— daß eine„spontane Volksab- stimmung" schon stattgefunden hat. Natürlich im Sinne von Schwarzweihrot. „Zahlen beweisen!" kreischt die„Nachtausgabe". Um den Fehrbelliner Platz herum hat sie 204 schwarzrotgoldene Fahnen gezählt und 683 schwarzweißrote, auf dem Kurfürstendamm 162 schwarzrotgoldene und 409 schwarz- weißrote. Das Volk von Berlin W. hat gesprochen, die Sache ist entschieden! Ws ob man nicht schon längst wüßte, daß man die Zahlungsfähigkeit einer Stadtgegend nach den Farben beurteilen kann, in denen sie flaggt. Nebenbei gesagt: die Sozialdemokraten sind diesmal im Flaggenkampf„neutral" geblieben. Sie haben überhaupt nicht geflaggt. Aber, da sie meist in weniger bemerkten Stadtgegenden und fast alle hintenheraus wohnen, hat das wohl nicht viel zu bedeuten. „Ungeheure Menfchenmasien" haben sich beteiligt? Kein Zweifel. Diese Menschenmassen lassen sich sogar ziemlich genqu abschätzen. Am 26. April 1925 haben in Berlin gestimmt: für Hindenburg... 384 361, gegen Hindenburg.. 799 477. Nehmt diese 384 000, dazu ihre Kinder, dazu Zehntausend« Zugereister und abermals Zehntausende von den rund 280 000, die am 26. April überhaupt nicht stimmten, so habt ihr eine Menschenmenge von einer halben Million und weit darüber. Und dann braucht von den 800 000, die gegen Hindenburg stimmten, noch kein einziger als Zuschauer dabei- gewesen zu sein! Vor einem Jahr hatten wir den Volksentscheid über die Enteignung der Fürsten. Der Reichspräsident hatte einen offenen Brief erlassen, in dem er sich in der heftigsten Weise gegen die Enteignung aussprach. Die Berliner und Berlinerinnen antworteten darauf, indem sie sich mit er- drückender Mehrheit— 63,3 Proz.— für die Enteignung erklärten. 942 654 von insgesamt 1 489 145 Stimmberechtig- ten gingen am 20. Juni 1926 hin und stimmten mit I a. „Zahlen beweisen!" Soll seitdem Berlin schwarzweißrot, mon- archistisch und militaristisch geworden sein? Nur ein Narr könnte das glauben! Berlin ist noch immer Berlin, eine un- geheure Stadt, in der jede groß angelegte Kundgebung ge- waltige Ausmaße annimmt. Selbst Parteien und Vereine aller Art, die im Leben der Weltstadt eine bescheidene Rolle spielen, können unter günstigen Umständen Kundgebungen zustande bringen, die bei naiven Zuschauern den Anschein er- wecken, als stände„ganz Berlin" hinter ihnen. Aber Berlin bleibt doch Berlin! Als Oliver C r o m w e l l seinen triumphalen Einzug in die Stadt London hielt, fragte ihn einer seiner Begleiter, ob er nicht durch die Huldigung der Menge überwältigt sei. Der Diktator aber antwortete trocken:„Mein Lieber, wenn ich gehängt werden sollte, würden noch viel mehr da sein!" Diese alte Anekdote gilt für unfern Fall natürlich nur in übertragenem Sinn. Denn persönlich Uebles wünscht dem alten Herrn kein anständiger Mensch. Wohl aber hätte Hindenburg am Sonntag mit Recht sagen können:„Wenn es sich darum handelte, gegen mich zu stimmen, so würden dreimal soviel Menschen da sein!" Diese nüchternen Feststellungen angesichts der Geburts- tagsfeier eines Achtzigjährigen mögen manchem auf der an- deren Seite„gemütlos" erscheinen. Sie sind herausgefordert durch die lächerliche Großsprecherei der deutschnätionalen Presse, die so tut, als sei„ganz Berlin" von einem schwarz- weißroten-monarchistisch-militaristischen Koller befallen. Diese nüchternen Feststellungen sind aber auch notwendig angesichts des Verhaltens eines großen Teils der a u s l ä n- d i s ch e n Presse, der den Deutschnationalen auf ihren Schwindel hereingefallen ist. Daß es Schichten des deutschen Volkes gibt, in denen der alte Untertanengeist noch lebt, ist ja bekannt und nicht erst ein Entdeckung von vor- gestern. Und wann hätte es für den richtigen Untertanen- geist eine bessere Gelegenheit gegeben, sich auszutoben, als diesmal, da man den Marschall des Kaisers auch in der Re- publik als eine„Amtsperson" feiern, sich also gewisser- maßen einer republikanisch konzessionierten Begeisterung für die Monarchie hingeben tonnte! Der richtige Untertan be- geistert sich gerne, aber er riskiert nicht gerne. Hier konnte er sich begeistern, ohne zu riskieren. Laßt euch sagen, ihr Herren, ihr werdet die Sozial- demokratle nicht totfciern! Ihr habt auch trotz aller Mühen am Geburtstag des Präsidenten der Republik die Republik nicht totgefeiert. Ihr Kriegervereinler geht wieder nach Hause, nach Finsterwalde, Treuenbrietzen und Berlinchen in der Neumark. Berlin habt ihr nicht erobert. Hier gewinnt ihr keinen Blumentopf! Wenn man uns totfeiern könnte, wir wären schon längst tot! An Festen hat's im Kaiserreich wahrlich nicht gefehlt! Kaisergeburtstagsfeiern, Sedanfeste, Ordensfeste jagten ein- ander! Und was für Reden gab es dabei! Jedesmal brachte die Hugenberg-Preffe, die damals noch die Scherl-Presse hieß, begeisterte Fe tberichte. Aber jedesmal, wenn danach gewählt wurde, and sie die Zahl der Roten ver- mehrt und heulte sie voll Angst und Schrecken:„Der Feind vor den Toren!" Massendemonstrationen soll man nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Auch der schönste Begeisterungsrausch hilft nicht gegen die Lehren der Geschichte und die Zahlen der Statistik. Also, man sachte! Berlin bleibt Berlin! Der Reichspräjiüent Sankt. Ein Erlaß an daS dcntsche Bolk. Der Reichspräsident läßt einen Erlaß an da» deutsche Bolk bekannt geben, in dem er für dt« Glückwünsche und Ehrungen zu seinem 80. Geburtstag, vor allem für da» Ergebnis der Hindenburg- Spende dankt und zur Einigkeit des deutschen Volkes aufruft. wohin führt deutschlanös weg l Pariser Betrachtungen über den Sonntagsrummel. Paris, 3. Oktober.(Eigenbericht.) Der e m p s" widmet seinen Leitartikel vom Montag abend der Hindenburg-Feier und meint, man sei überrascht, daß die Mehr- zahl der Rechtsblätter in Deutschland bei dieser Gelegenheit den Geist des früheren Deutschlands, dessen stärkst« Verkörperung der Marschall Hindenburg darstelle, preisen. Dieser Seist habe, oh man es wolle oder nicht, die Welt zur Katastrophe von 1314 geführt. Angesichts dieser Tastache dürfe man sich mit Recht fragen, wohin Deutschlands Weg und der Weg der deui- schen Republik gehe. Man könne nicht mehr ernstlich den Stand- punkt vertreten, daß sich das republikanische Regime in den letzten beiden Jahren gefestigt habe. Es könne auch kaum ander» sein, da man sich in Deutschland darauf versteis«, eine republikanische und friedliche Politik mit der aktiven Zusammenarbeit der Deutschnationalen Partei durchführen zu wollen, die offen ihre Feindschaft gegen die Republik und die Wiederversöhnung der Völker zur Schau tragen. Die Nationalisten fühlten sich heute in Deutschland stark genug, um auf dem Gebiet der äußeren wie der inneren Polltik kühn aufzutreten. Ihr Einfluß sei gewochsen im Schatten d«s Marschalls Hinden- burg, er umhülle ihn gegenwärtig völlig, er beeinflusi« sein« Reden und sein« Taten, selbst bei den ernstesten Angelegenheiten. Durch ihn beschränk« und sälsche er die allgemeine Politik der Reichsregierung, deren Verantwortung Marx und Stresemann in Berlin und Genf übernommen hätten. Man könne sich deshalb nicht wundern, wenn die 80. Geburtstagsfeier des Marschalls Hin- denburg einen Eindruck hinterlasse, der den Republikanern und Demokraten Deutschlands ernste Sorge machen müsse, und wenn man nur mit einer gewissen Melancholie auf den Weg zurück- blicken könne, den Deutschland von Locarno bis Tannen- b« r g zurückgelegt habe. « Hätte dag sranzöstsch« Bürgertum, dessen Ansichten der„Temps" hier wiedergibt, in den Zeiten, wo in Deutschland die Republikaner regierten, mehr Verständnis für die Lage de» deutschsn Volke» ge- zeigt, dann wäre die Reaktion niemal» so stark geworden. Im übrigen sollte man die politssche Bedeutung de, vorgestrigen Rummels nicht übertreiben. Andererseits sollte der fast einmütige Widerhall der Hinden- burg-Fekern im Auslande der Reichsregierung zu denken geben. Es zeigt sich immer deutlicher: der Weg des Rechtsblocks mit allen seinen Begleiterscheinungen führt nicht zur Befreiung, son- dern zur abermaligen moralischen Isolierung Deutschlands. Die Geheimamneftie. Noch immer keine Veröffentlichung der Name«. Der deutschnationale Reichsjustizmini st er hütet die Liste der auf seinen Vorschlag vom Reichspräsidenten begnadigten Personen wie ein großes Geheimnis. Man weiß nur, daß der Putschist Buchrucker und die Blausäureattentäter O e h l- schläger und Hustert, also drei zur äußersten Rechten zählende Personen, inzwischen au» der Haft entlassen worden sind, während H ö l z noch im Zuchthau» sitzt. Nicht einmal über die Parteiangehörigkeit der Personen war bisher etwa» zu erfahren. Sollte die Amnestie so«inseitig rechts sein, daß selbst Herr Hergt sich scheut, die Namen zu veröffentlichen? �rensöorf. Man ließ sich die Rcichsflagge stehle«. Arensdorf, bekannt durch den Mordübersall auf Reichsbanner- leute, läßt anläßlich der Hindenburg-Geburtstagsfeier wieder von sich hören. Wie bekannt, hatten alle öffentlichen Gebäude die Pflicht, am Geburtstage des deutschen Reichspräsidenten die Reichssahne zu zeigen. Aus Staatsmitteln erhielt jeder Ort eine Fahne, so auch Arensdorf und Heinersdorfl Doch die Arens- dorfer hatten keine Lust, das ihnen so verhaßte Tuch zu zeigen: als am Sonntag der Landrot des Kreises Lebus, B r ä u e r, in seinem Wagen Arensdorf passierte, mußte er feststellen, daß am Schul- g e b ä u d e von schwarzrotgold beim besten Willen nicht da» g e- ring st e zu sehen war. Auf Nachfrage wird bekannt, daß die Fahne— gestohlen wurde! Die sofort eingeleitete Untersuchung dieser dunklen Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen. Interessant wäre es, dabei zu erfahren, wo der Schulvorstand von Arensdorf die Reichsfahn« aufbewahrt hatte. Lcmdrat Bräuer ließ sofort eine neue Flagg« beschaffen, die unter polizeilichem Schutz am Schulgebäude gehißt wurde. Auch in Heinersdorf, das zum selben Kreis gehört, stellte man sich bockbeinig. Auch hier mußte der Landrat das Fehlen der Fahne feststellen, weil sich der Schulvorstand geweigert hatte, die Jahne zu zeigen. Landrat Brauer wußte jedoch als nächste vorgesetzte Behörde, die Anweisung der preußischen Regierung energisch durchzusetzen, und i» den nächsten zehn Minuten wehte auch hier die Flagg« der Republik. Reich unS Länder. Länderkonfcrenz beim Reichskanzler.— Unzufriedenheit mit dem Finanzausgleich. Amtlich wird mitgeteill: Unter dem Vorsttz de» Reich»- kanzlers fand am Montag nachmittag in der Reichskanzlei ein« eingehende Aussprache der Mitglieder der Reich»regie» r u n g mit den in Berlin anwesenden Staats- und Minister. Präsidenten der deutschen Länder über eine Anzahl der bedeutendsten schwebenden politischen Probleme statt. Es herrschte Uebereinstimmung darüber, die eben beginnenden Beratungen des Reichsrats über das Schulgesetz, die Besoldungsreform und das Liquidationsschädengesetz allseitig so zu f ö r> dern, daß die entsprechenden Verhandlungen des Reichstages, wie beabsichtigt, am 17. Oktober beginnen können. Die weitere Beratung mit den Vertretern der Länder führte zu einer grundfählichen Erörterung de, staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen Reich und Ländern. Angesichts der großen und geradezu ausschlaggebenden Bedeutung dieses Problems Momentaufnahme. Von siofe. Man muhte den Eindruck gewinnen, als handle es sich um ein« Filmaufnahme. Die wenigen Passanten, die um diese Zelt noch über die Weidend ammerbrücke gingen, gewannen diesen Eindruck. Irgendwo mußte der Aufnahmeapparat stehen, mit dem Regisseur daneben. Es war so: Das Mädchen kam die Straße entlanggelaufen, schreiend, mit erhobenen Händen, mit weißgepudertcm Gesicht. Dort, wo am Brückengeländer der kaiserlich« Reichsadler mit der Kaiserkrone darüber sich befindet, stolperte das Mädchen, fiel schreiend hin, wurde im gleichen Augenblick von dem Burschen eingeholt, der ihm nachgelaufen kam. Er packt« die Kreischende ins Genick: hob sie hoch, schleudert« sie aus die Granitplatten, kniete sich auf die leise Wimmernd« mit der ganzen Wucht seines kräftigen Körpers und schrie'. „Das Geld her! Ich mach' dich kalt, du Aas!" In verkrampften Händen hielt da» Mädchen ein rotes Täschchen. Die Beiden rangen darum, bi» es der Bursche in der Hand hielt, aussprang und mit seiner Beut« in die Straße, aus der er gekommen war, zurückrannte. Gellend schrie das Mädchen aus. Dann brach es zusammen, blieb unten am Adler liegen. Blut rann ihm aus Nase und Mund, färbte den Granit dunkel. Das Licht der Bogenlampen spiegelte sich darin. Zwei Herren, die sich den Vorgang bis jetzt mit angesehen hatten, merkten, daß das wohl doch keine Filmaufnahme sein konnte. Sie liefen zu dem Mädchen hin, richteten es«uf. Die Blutende stöhnte, wischte mit den Händen und mit den Aermeln ihres Mantels das Blut von Nase und Mund und stand dann am Geländer, schwer atmend. Sie brauch« keine Hilfe. Sie danke für alles. Es fei ihr schon wieder ganz wohl. Sie könne ollein nach Hause gehen. Und das Geld habe er doch nicht bekommen. Das sei gar nicht in der Tasche gewesen. Sie knöpfte den Mantel aus, griff in den Ausschnitt ihre» Kleides und holte einige Banknoten hervor. Verständnislos sahen sich die Herren an Vom Bahnhof Friedrichstraße her kam eine Schupopatroutll«. Das Mädchen hörte den Gleichschritt der Polizisten. Es sah die Uniftirrnen. „Ich haue ab!" rief es und rannte davon. Um die Blulspuren herum stand«ine ganz« Zelt lang noch ein« Gruppe von Menschen, die das Ereignis besprachen. Di« Bogen- lichtlampen spiegelten sich in den Zylindern der Herren und in dem Blut quf dem Granit. ,Wie ist doch Sie Zeitung so interessant!� Zu Hindenburgs 80. Geburtstag bringt die»Vossische Zeitung" ein Faksimile ihrer Nummer vom 12. Oktober 1847, in der der Leutnant Bcneckendorsf v. Hindenburg in Posen»verspätet" die am 2. Oktober erfolgte Geburt eines„munteren und tröstigen Söhnchens" anzeigt. Die Ironie der Geschichte will es, daß in derselben Nummer unter»Mannheim, den 7. Oktober' folgende Mitteilung zu lesen ist: »Hosfmann aus Fallersleben, der sich seit zwei Tagen bei seinem Freunde v. Jtzstein hier aufhält, hat soeben von dem hiesigen Stadtamt« den Befehl erhalten, innerhalb 24 Stunden bei Zwangsvcrmeidung da» Großherzogtum Baden zu verlassen, mit dem Bedeuten, daß einem etwaigen Rekurse keine aufschiebende Wirkung erteilt werde." Dar aus Baden ausgewiesene Hoffmann o. Fallersleben war b«. kanntlich der Dichter des Liedes»Deutschland, Deutschland über alles", ein Kämpfer, der die Einigung Deutschlands erstrebte zu einer Zeit. wo solche Gesinnung noch als staatsgefährlich galt. Gegenwärtig ist man darüber anderer Ansicht und die Farben Schwarzrotgold, unter denen Hossmann stritt und litt, sind die offiziellen Farben des Deutschen Reiches geworden. Freilich gibt es Leute, denen diese Forben noch heute als staatsgefährlich gelten. Das sind die politischen Nachfahren und Gesinnungsgenossen jener Staatsweisen, die zur Zeit der Geburt Hindenburgs den Patrioten Hoffmann o. Fallersleben aus Baden auswiesen, innerhalb 24 Stunden, ohne aufschiebende Wirkung. Hätten jene geahnt, daß da» muntere und kräftige Söhnchen einst Präsident der deutschen Republik werden würde, sie hätten es, wie Herode» die israelitischen Kindlein, in der Wiege gemeuchelt. „Regimenlspapa." Theater l. d. stommandantenstraße. Die Handlung spielt in Frankreich, das noch über ein stehende» Heer verfügt. Man kann also unentwegt Soldaten vorführen, und ein großer Teil des Publikums ist bereits damit zufrieden gestellt. Aber darüber hinaus haben die Versasser Richard Keßler und Heinrich Ströbitz er, übrigens vorzügliche Techniker aus der Blumenthal- Schule,«wen guten Einfall gehabt. Der Bursche eines der kleinen Leutnant, soll plötzlich Schloßherr werden, weil die Besitzerin den Proletarier unter allen Umständen heiraten will. Die Rollen sind vertauscht, und in einer Szene muß der adelsstolze Herr vor dem Proleten herumkriechen, weil dieser die Hand auf die Briestasche hält. Ein verheißungsvoller Austakt, doch es handelt sich hier um einen Schwant und deshalb zieht man keine Konsequenzen, man läßt es bei dieser Andeutung und ordnet sihliehlich die Welt, wie es sich für«Inen Schwank ziemt. Die bürgerlich-adiige Ordnung bleibt unangetastet, und der Außenseiter bleibt Außenseiter, Die richtig zusammengestellten Paare bilden am Schluß die üblich« Gruppe. Trotzdem ist hier wenigstens ein Funk« von Originalität zu finden. Sprühend ist die Musik Viktor Holländers, der selbst dirigiert. Die Aufführung, nicht überwältigend hält sich auf anständigem Niveau- Man spielt nicht grobdrahtiger al» die Figuren entworfen sind. Heinz L u d wffg ist ein guter Grotcskdarsieller, und Margarete E b i n g e r gibt der heiratswütigen Dam««ine vornehme unauf- dringliche Haltung.— t. wurde eine Sondersitzung von Vertretern der Reichs» und der Landesregierungen in Aussicht genommen: die Beratung auf dieser Sondertagung soll durch Referat und Korreferat»inge- leitet werden. In der Einzclberatung standen schließlich die Besoldung?- r e f o r m und das Steuerrahmengesetz im Vordergrund der Erörterungen: die eingehende Aussprach« diente der gegenseitigen Orientierung über die verschiedenen Ausfassungen: Beschlüsse wurden nicht gefaßt. «- Das Verlangen der Länder nach einer eingehenden De- sprechung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern ist durch die letzten Reichsgesetze hervorgerufen worden, die die Länder finanziell belasten. Mehrere Länder fordern, daß das Reich die zur Durchführung der B e s o l d u n g s- erhöhungen in den Ländern nötigen Mittel zur Ver- fügung stelle. Finanzausgleich und kein Ende. Die Rot- wendigkeit, den Weg zum Einheitsstaat entschlossen zu betreten, tritt immer schärfer hervor— ob allerdings die an- gekündigte Sonderbesprechung das staatsrechtliche Verhältnis zwischen Reich und Ländern unter diesem Gesichtspunkt be- handeln wird, ist mehr als zweifelhaft. Oer Stäütetag wirkt für üen Einheitsstaat. Im Anschluß an die Kundgebung der führenden deutschen Ober- bürgermeister auf der Magdeburger Städtetagung für den Einheitsstaat hat jetzt, wie wir hören, der Deutsche Städtetag mehrere Staatsrechtslehrer beauftragt, positive Vorschläge zu machen, in welcher Weise die Verwaltung der öffentlichen Körperschaften im Sinne des Einheitsstaates umgestaltet werden kann. Sozialüemokratie unü Reichsfchulgefetz. Tie ReichStagsfraktion tritt zusammen. Di« sozialdemokratische R e i chs ta g s s r a kt i o n tritt am Freitag, dem 7. Oktober. 13 Uhr. zu einer Sitzung>m Reichstag zusammen, um zu dem Reichsschulgesetzentwurf Stellung zu nehmen._ KpÖ.-Zentrale vor dem Reichsgericht. Prozeßbeginn in Leipzig. Leipzig. 3. Oktober.(BDI.) Am Dienstag, dem 4. Oktober, beginnt vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts unter dem Borsitz des Präsidenten R i e d n e r der schon mehrfach vertagte Prozeß gegen neun Mitglieder der kommu- nistischen Zentrale, die der Vorbereitung zum Hochoerrat onge» schuldigt sind. C« handelt sich um die kommunistischen Reichstags- abgeordneten Koenen, Stöcker, Remmele, Hörnte. Hecker, Pfeiffer, den preußischen Landtagsabgeordneten Eberlei» und die Redakteure Lindau und Schumann. Die Anklage stützt sich auf Vorgänge aus dem Jahre 1923. Der Prozeß ist bisher schon zweimal aus Verlangen des Reichstages vertagt worden, um den angeklagten kommunistischen Abgeordneten die Möglichkeit zu geben, an den parlamentarischen Arbeiten teilzunehmen. Da mit einer Prozeßdouer von drei bis vier Monaten gerechnet wird, und der Reichstag in den nächsten Wochen seine Arbeiten wieder cvnffubmm. will, hat die kommunistische Reichstagssraktion bereit» jetzt schau »inen Antrag angekündigt, der dU Einstellung de» Versahrcns Mh-s rend der Tagung de» Reichstags fordert. Der Gemelndcrak der Stadt Ulm beschloß mit allen Stimmen gegen die der Deutjchnationalen, die Straße B'.aurlug in Hindenburgring und die Münchener Straße in Fried- rich-Ebert-Straß« umzubenennen. Die Deutschnalionaleu gaben zur Begründung ihrer Haltunq«Ine gehässig« Erklärung ab, aus der hervorging, daß sie In dem Beschluß keine' Ehrung Hinden- burgs erblicken können, weil man zu gleicher Zeit auch Friedrich Eberl genannt hätte. Eine schöne Illustration zu der Einigkeils- parole von Hindenburg! Ludwig Hardt im Schillersaal. Das große Verdienst Hardts. daß er wieder das Interesse auf«inen beinahe Dergessencn, auf Robert Walser lenkt. Er liest,«r verlebendigt ein paar dieser wundervoll geformten Skizzen, dieser Dichtungen, au» denen stärkste Lildhaftigkeit spricht und die eine zwingende Sprachgewatt besitzen. Ganz zart und verinnerlicht bringt Hardt die kleine Dichtung„Ich Hab nichts", die Geschichte des vergessenen Schlemihl», den die Tiere lieben und der zu arm ist, um ihnen auch nur das geringste geben zu können. Und im„Schwengemonn" zerflattert die Stimme, er- lischt wie dag Leben dieses Abseitigen, der niemals weih, wohin er gehört. Das Größte jedoch gibt Walser und mit ihm Hardt in der traumhaften Impression„Büchner» Flucht". Da» Genie stürzt in die Nacht hinaus, erfüllt von seiner Mission. Hier erlangt Walsers Sprache faszinierende Ausdruckslrast. Hier reckt sich Hardt empor, die Stimm« wächst ins Sleghaft-Strahlende, Ist von tiefer Musika- lität. Ein Großer erzählt von einem Großen. Es folgt dann eine Szene aus Kleists„M-choel Kohlhaas", und zwar die Begegnung des Rächers seiner Ehre mit Martin Luther. Hardt, beinahe da» Gefüge epischer Dichtung sprengend, zeichnet Luther al» den Pedan- ten, als den Diener der Fürsten, als den Dialektiker, der gegenüber Kol?lhaosens Rechtsempfinden versagt, vollendet wie immer spricht Hardt Franz Kafkas Dichtungen. F. S. „Seine Leute" über„2ha". Herr Oberstleutnant o. D. Nie- mann schreibt uns: In Nr. 420 des»Vorwärts" vom 23. Sep> tember 1927 morgens befindet sich ein Artikel, betitelt:»Seine Leute" über„Ihn. Im vorletzten Absatz dieses Artikels wiid mir unter dem Schlagwort:„Niemann über Seinen Abgang" eine Aeußerung zugeschrieben, die ich niemals getan habe.— Ich stell« seft: 1. daß der erste Satz des in Frage stehenden Absatzes von mir weder mündlich noch schriftlich geäußert worden ist: 2. daß die folgenden beiden Sätze nicht von mir bekundet worden sind: 3. daß ich die beiden Schlußsätze in dieser Folge und diesem Sinne nicht geschrieben habe. Meine Bekundung lautet:„3m Hofzuge finde ich den Kaiser im Kreise seines Gefolges bereits bei der Tafel. Ich habe gefürchtet, die Erregung der vorhergehenden Stunden würde bei ihm eine Lethargie auslösen. Das ist nicht d«r Fall. Aoller Lebensenergie blickt er mich an: ruhige Entschlossenheit liegt auf dem Antlitz. Man jagt mir, der Kaiser wolle zwar die Nacht im Zug« verbringen, habe aber das Ansinnen, nach Holland abzureisen, ganz entschieden zurückgewiesen." Durch die Fortlassung wesent- licher Sätze ist der S>nn meiner Bekundung entstellt worden. „Die Kriegerverelne." In dem Gedicht Mich, von Lindenheckens (gestrige Abendnummer) ist der zweite Der» verstümmelt wieder- gegeben. Er muß fotgendermaßen heißen: Auf allen Wegen und Promenaden, Aus Straßen, Plätzen, in den Parks, Erolitzerte ihr Klempnerladen, Und Erdgenich in vollen Schwaden Verriet die Kräfte deutschen Marks. Elve Ausstellung der.Freien verelnigung deutsch« MostUr t, v. ist int Rathaus Tharlottenburg rrössnet worden. Ostpreußen und das Reich. Oberpräsident Siehr gegen Schaffung einer neuen Rcichsstelle. Reichskanzler Dr. Marx versicherte in seiner Königs- berger Rede, daß das Reich besonderes Interesse für Ost- preußen habe. Er deutete in diesem Zusammenhang an, daß die Reichsregierung zu diesem Zweck unter Umständen eine eigene Stelle schaffen werde. Kurz darauf erschien die Nach- richt, der deutschnationale Reichsinnenminister v. K e u d e l l plane eine selbständige Reichs stelle für Ostpreußen einzurichten und den als rechtsradikal bekannten Dr. o. Gayl, dessen Animosität gegen die preußische Re- gierung bekannt ist, an die Spitze der Stelle zu berufen. Keudell und Gayl ließen die Nachricht zwar widerrufen, aber eine Rede des Oberpräsidenten von Ostpreußen Dr. Siehr auf dem Parteitag der ostpreußischen Demokraten läßt er- kennen, daß Ostpreußen durch dieses Dementi keineswegs be- ruhigt ist. Der Oberpräsident führte mU erfreulicher Offen- heit aus: Es ist zweifellos richtig, daß, wenn man Ostpreußen helfen will, es nicht so sehr darauf ankommt, neue Beamten- st e l l e n zu schaffen, die nach außen hin den Eindruck erwecken würden, als ob nun für Ostpreußen schon wirklich etwas ganz Be- sonderes geschehen sei, sondern es wird vor allein darauf ankommen, ob die Kabinette des Reiches und Preußens einschließlich ihrer beiden Finanzminister daran gehen w-ollen, die Mittel für das Ost preußen. Programm zur Verfügung zu stellen, die zur Abschwüchung de» verhängnisvollen wirtschaftlichen Auswirkungen des Korridors notwendig sind. Bei der Prüsunx> der Frage, ob eine Reichsstclle für Ostpreußen zweckmäßig oder schädlich ist, wird es sehr darauf ankommen, was man unter dieser Stelle versteht. Ganz verhängnisvoll wäre die Regelung, die von einer Seite vorgeschlagen ist, daß man einen Staatssekretär für Ostpreußen dem Reichsminister für die besetzten Gebiet« unter- stellen soll. Dadurch würde jede Aktion zugunsten Ostpreußens praktisch lahmgelegt, weil sie jedesmal Sonderforderungen des be- setzten Gebietes im Westen auslösen würde. Bei dem gleichfalls angeregten Gedanken, die Stelle im Reichsministerium des Innern, die schon jetzt die gesamten Ostfragen zusammenfassend behandelt, noch weiter auszubauen, darf nicht übersehen werden, daß. da eine solche Stelle die gesamten Ostfragen zusammenfassend behandeln würde, der Anspruch Ostpreußens aller Wahrscheinlichkeit nach er- heblich zu kurz kommen dürste. Eine solche Reichsstelle, wie man sie auch aufziehen mag, hat keinerlei Unterbau in der Provinz Ostpreußen selber, wie ihn die preußische Staats- regierung in ihren Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Land- räten und ihren Kommunen und Kommunalverbänden hat. An eine solche Reichsstelle kommen also, wenn sie sich nicht der preußi- sthen Vermittlung bedient, wohllo» Wünsche einzelner Interessenten oder Inleressentcngruppen heran, ohne daß sie die Möglichkeit eines veberbl-ckes oder oller einzelnen Notwendigkeilen der Provinz be. sitzen und die einzelnen Wünsch« gegeneinander abwägen könnte, wie die? der ordentliche preußische Verwaltungsapparat nach seiner ganzen Organisation vermag. Zielt der Dorschlag einer Reibsstelle für Ostpreußen auf eine gänzliche oder teilweise Ausschaltung der preußischen Verwaltungsstellen ob, dann ist er für die Provinz schädlich, weil die wichtigen Interessen der Politik dann zwischen die zwei großen Mühlsteine Reich und Preußen geraten und dabei zu kurz kommen würden. Das sind bittere Worte für die Reichsregierung. Aber der Oberpräsident weiß, weshalb er eine derart scharfe Ton- an anschlägt. Die Bürgerblockregierung und ihre deutsch nationalen Freunde im Reichstag find es gewesen, die der preußischen Regierung die Mittel für eine wirksame Unterstützung Ostpreußens aus der Hand geschlagen haben. Man kann es deshalb oerstehen, wenn Ost- preußen den Geschenken eines Herrn v. Keudell mißtrauisch gegenübersteht._ Das Sild des Prinzen. Der echte und der falsche Wilhelm vor Gericht. „Prinz Wilhelm", der älteste Sohn des Exkronprinzen, behauptete gestern vor dem Amtsgericht Eharlottenburg durch seinen Ver- treter. den Rechtsanwalt Dr. Alsberg, daß er k« i n e„Person aus der Zeitgeschichte" sei. Deshalb verlangte er vom Gericht, daß er die wei- tere Verbreitung seines Bildnisses auf dem Umschlage des D o m e l a- B u ch e s verbiete. Der Vertreter des Malik-Verlages, Rechtsanwalt Dr. Apfel, stellte demgegenüber fest, daß..Prinz" Wilhelm— dl« Sache wurde unter dem Rubrum„Prinz" Wilhelm gegen Malik- Verlag aufgerufen— als P e r s o n aus der Zeitgeschichte, nicht allein als Enkel des ehemaligen regierenden Fürsten, sondern auch als Kronprätendant eines gewissen Teiles des deutschen Volke» zu gelten habe: also nicht allein in bezug auf seine Vergangenheit, sondern auch in bezug auf die von manchen ersehnte Zukunft. Ja selbst hinsichtlich der Gegenwart. Haste er etwa nicht an oerschiede- neu Stahlhelmtogen teilgenommen? Und stand er nicht im Mistel- Punkt des politischen Interesses, als es bekannt wurde, daß er mit Einwilligung des Generals Seeckt kurzfristig als Freiwilliger der Reichswehr eingestellt worden sei? Das Gericht sprach die Vernichtung derUmschlägeund der Vorrichtungen zur Verbreitung der Umschläge au». In der Urteilsbegründung erklärte der Richter, im Gegensatz zum Oberstaats- anwclt, der seinerzeit die Strafanzeige mit der Motivierung abge- wiesen hatte, daß Prinz Wilhelm als Enkel des Exkaisers als Person aus der Zeitgeschichte anzusprechen sei, daß dies nicht der Fall sei. Ein junger Mann in diesem Alter könne heutzntage nicht mehr als Person aus der Zeitgeschichte betrachtet werden. Es seien ferner die berechtigten Interessen des Antragstellers verletzt worden. Deutstbland und Litauen. Gcntleman-Abkommcn zwischen Stresemann und Woldcmaras? Der auf der Durchreise in Berlin befindliche litauische Minister- Präsident Woldemara» hat in einem Interview verstchert, daß er seine im Juni vor dem Rat abgegebenen Versprechungen über die Behandlung des Memellandes halten werde. Bisher hat man davon nicht viel gemerkt. Des weiteren stellte er den Abschluß eines Gentlcman-Agrement»(„Verein irung zwischen Ehrenmännern") mit Stresemann in Aussicht. W. beneiden den Außenminister um seinen Optimismus. Ein Gentle, rn-Abkommen mit den gegen» wärtigen faschistischen Machthaber».'itouens erscheint uns als ein Versuch am untauglichen Objekt. W'dcmaras erklärte schließlich. das Direktorium werde nur auf Grn. d eines Vertrauens- votums des Landtags weiierregieren. Da es ausgeschlossen ist, daß das litauisch« Parlament diesen Abenteurern das Vertrauen aus- spricht und fast alle Parteien sich jetzt gegen die geplant« Volks- abstimmung erklärt haben, so darf man auf die weiter« Entwicklung gespannt sein. Jeftbericht. Oer Schluß öer HlnSenburgfeier wurüe leiüer öurch ein heruufziehenSes Unwetter gestört. Die neue Krisenfürsorge. Eine unzureichende Regelung. Nach§ IN des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist der Reichsarbeitsminister ver- pflichtet, in Zeiten andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage nach Anhörung des Lerwalwngsrats der Reichsanstalt die Gewährung der Arbeitslosenunterstützung als Krisenunter st ützung zuzulassen. Die Zu- lassung kann auf bestimmte Berufe oder Bezirke beschränkt werden. Auch die Höhe der Unterstützung und die Dauer ihrer Gewährung können beschränkt werden. Die Notwendigkeit, von diesem Recht Gebrauch zu machen, hat der Reichsarbeitsminister anerkannt. Seine Anordnung sieht vor, daß bei Bedürftigkeit diejenigen Arbeitslosen, die in der Zeit vom 1. Ottober 1927 bis 31. März 1928 arbeitslos werden �nd nur ein« oersicherungs» nachweisen können, � Außerdem ftigen Arbeitslosen, die aus den Be- rufen: Gärtnerei, Metallverarbeitung und Industrie der Maschinen, Lederindustrie, Holz- und Schnitzstoffgewerbe, und Angestellte stammen, den Anspruch auf Krisenunter- stützung geltend machen, wenn ihr� Anspruch auf die Ver sicherungsleistungen erschöpft ist. Da die Anordnung über Einführung der Krisenuntsrstützung nur bis zum 31. März 1928 gilt, bis zu diesen Zeitpunkt aber Bersicherungsleistun- gen zu zahlen sind, hat die Anordnung zunächst praktische Bedeutung nur für die erste Gruppe der Arbeitslosen, die aber bloß eine versicherungspflichtige Beschäftigung von 13 Wochen nachweisen können. Die Höhe der Krisenunterstützung richtet sich nach den Lohntlassen für die Versicherunasleistungen, jedoch mit der Einschränkung, daß für die Loynklassen VI und VII die Sätze der Lohnklasse VI, für die Lohnklassen VIII und IX die Sätze der Lohnklasie VII und für die Lohnklassen X und XI die Sätze der Lohnklasse VIII gelten. Es würde sich also folgendes Bild ergeben: Haupiuulerstüyung mit Familien- zuschlagen sür zwei Pers. M. für drei Pees. M. e.40 9— 10,40 11,97 18,60 16,50 18,63 20,25 6,40 9,60 11,20 13,02 14,85 18,15 20,48 22,50 für vier Pers. M. 6,40 9,60 12- 14,07 16,20 19,80 22,48 24,75 a» «.2 II Xr OS M 6,40 9,60 12.— 15,12 17,55 21,46 24,38 27,— Das ist eine unerträgliche Verkürzung der Unterstützung in den oberen Klassen. Nach dem Gesetz kann zwar die Höhe der Unterstützung beschränkt werden, es ist jedoch ein unhaltbarer Zustand» Arbeitslose und ihre Familienangehör r a t t o n e n zu setzen. Erst vorliegt, weil nur dann Unter gen auf solche Hunger- tellt man fest, ob Bedürftigkeit tlltzung gezahlt wird, und wenn Das Um- das der Fall ist, verkürzt man die Unterstützung. gekehrte wäre allein das sozial Richtige. Noch schlimmer wird die Sache dadurch, daß die Krisen- Unterstützung zusammen mit den Einnahmen des Ar- beitslosen und seiner Angehörigen die aus vor- stehender Aufstellung sich ergebenden Höchstsätze nicht über- steigen darf. Angehörige des Arbeitslosen im Sinne der Verordnung über Krisenunterstützung sind der Ehegatte, die Eltern, Voreltern und Abkömmlinge, alle, soweit sie mit dem Arbeitslosen im gleichen Haushalt leben. Die für die Errech- nung der Einnahmen des Arbeitslosen und seiner An- gehörigen vorgesehenen Milderungen reichen bei weitem nicht aus, die drückenden Härten erträglicher zu machen. Soweit die Bestimmungen für die Inanspruchnahme der neuen Krisenfürsorge. Für die gegenwärtig vorhandenen Krisenunterstützungsempfänger nach der allen Krisenfürsorge ist durch die Uebergangsbestimmungen des Te» setzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vorgesehen, daß bis zum 31. März 1928 keine Ber» echterungen im Bezug auf Höhe und Dauer der nterstützung eintreten dürfen. Das gilt auch für die jetzt vorhandenen Unterstützungsempfänger, die ihre Unterstützung auf Grund der alten Erwerbslosen fürsorgeverordnung beziehen und Anspruch auf eine Unterstügungsdauer von 52 Wochen haben. Diese müssen bis zum 31. März 1928 nach der alten Krisenfürsorge unterstützt werden: für die Bedürstigkeitsprüfung gelten ebenfalls die alten Borschristen. Sonderbare Kandidaten für Washington. Einer unmöglicher als der andere. Der„Reichsdienst der Deutschen Presse berichtet: Der Washington« Botschasterposten, der insolg« des plötzlichen Ablebens unseres Botschasters von Maltzan frei wurde, ist jetzt schon heiß umstritten. Nicht weniger als sechs Kandidaten sind bereits aufgetaucht, die sich um den freien Posten bewerben bzw. von Jnterejsentengruppen oorgejchoben wer- den. An erster Stelle zu nennen sind die früheren Reichskanzler Dr. C u n o und Dr. Luther. Von diesen beiden dürft« der zu- letzt genannte, seitdem er offen Mitglied der Deutschen Volkspartei geworden ist, die größeren Aussichten haben, zumal er auch dem Reichsauhenminister persönlich sehr nahe stehen soll. Ferner wird der frühere Geschäftsträger in Paris, Freiherr von Lersner» und der ehemalig« Gesandte von Kemnitz genannt, zwei Diplo- malen, die für den Washingtoner Botschafterposten indessen kaum ernstlich in Frage kommen dürsten. Ernster zu nehmen sind die Kandidaturen des Gesandten von Radowitz und des gegen- wärttgen Botschafter» in Madrid, de» Grasen von Welczek. Wer wird wohl da» Rennen machen? Man ist beinahe versucht, diese Meldung sür«inen boshaften Witz zu halten, der den Zweck verfolgt, die betreffenden Kandida- stiren lächerlich zu machen. Diese Vermutung wird besonder» durch die Bemerkung bekräftigt, daß Luthers Aussichten durch seinen Beitritt zur Deutschen Volkspartei gestiegen seien,„zumal er auch dem Reichsmißenminister sehr nahe stehen soll". Denn es ist kein Geheimnis, daß sich kaum zwei Politiker in Deutschland gegen- seitlg so erbittert bekämpfen, wie Luther und Stresemann. Seit kurzem sind sie nun Partei„freunde" geworden, da Luther der volksparteilichen Ortsgruppe in Essen beigetreten ist. Würde er jetzt zum Botjchaster ernannt werden, so müßte man daraus schließen, daß Stresemann, weil er diesen gefährlichen Konlurren» ten in der Parteiführung fürchtet, ihn möglichst weit von Berlin wissen will. Generaldlrektor T u n o hat zum Leidwesen des deutschen Volke» einmal die Leitung der Hapag gegen den Reichskanzlerposten ver- tauscht. Wenn er auch als Botschafter in Washington weniger Un> heil anrichten würde als im Ruhrkrieg, so ist diese einmalige Gast» rolle im Reichsdienst nicht gerade eine Empfehlung. Herr von Lersner hat sich durch seinen mit Unfähigkeit gepaarten extremen Rationalismus sogar in der Deutschen Dolks- parte! unmöglich gemacht, die ihn 1924 nicht wieder aufstellte, worauf er zusammen mit Maretzky einen eigenen„nationalliberalen" Laden aufmachte. Auch Herr von Kemnitz ist ein Abtrünniger der Deutschen Dolkspartei und als Botschafter des Bürgerblocks In Washington im höchsten Grad« geeignet: denn er ist der Vater des genialen Gedankens eines Bündnisangebotes an Mexiko gegen die Vereinigten Staaten während des Weltkrieges. Ein« weitere Zierde der kaiserlichen Diplomati« wird unter den anderen Kandidaten genanist: Herr von Radowitz, der Chef der Reichskanzlei unter— M i ch a e l i s I Das sagt alles. Wenn die Reichsregierung beweisen will, daß ihre Politik ebenso unaufrichtig ist wie unter diesem Iammerkanzler, dann soll sie ihn ruhig ernennen. Warum man den jetzigen Botschafter in Madrid Graf W e l c» z e k. über den man früher eigentlich nichts Nachteiliges vernommen hat. kompromittieren will, indem man ihn unter solchen Kandl- daten nennt, ist uns nicht recht klar. was geht in öer berliner Metallindustrie vsrl Eine uuglanbliche Verhöhnung der Arbeiter. Gestern wurde zwischen dem Metallkartell und dem Verband Berliner M«stillindustrieller über den Abschluß eines Lohntarises sür die VVMÄ-'Betriebe oerhandelt. Die Forderungen des Metall- kartells wurden in der Verhandlung von dessen Vorsitzenden Genossen Urich eingehend begründet. Gefordert ist: für die frühere Klosie l ein Einstellungslohn von 1.20 M.; Klasie II US M.: Klasie III 1,05 M und für die Akkordarbeiter der Klasie IV 0,35 M Für die Arbeiterinnen wird für die gleiche Arbeit der gleiche Lohn der mann- lichen Arbeiter oerlangt. Diese Einstellungslöhne sollen zugleich als Aktodbasis gelten. Von den Metallindustriellen wurde zunächst die grundsätzliche Frage des eohnlarifabschlusie» aufgeworfen. Die Unternehmer erklärten sich nicht prinzipiell gegen den Abschluß eines Lohntarifes. bezweifelten aber die Zweckmäßigkeit eines solchen. Nach längerer Beratung unterbreiteten die Unter- nehmer dem Metallkartell einen Vorschlag, nach dem sie gewillt sind, einen L.ohntarif abzuschließen nicht nach Klasien. sondern nach dem Muster der Tarifverträge der Metallindustrie im Reiche, die auf die drei Gruppen der Gelernten, Ange- lernten und Ungelernten aufgebaut sind. Ausgehend von den im Reich gezahlten Löhnen machten sie das Angebot, für gelernte Arbeiter einen Stundenlohn von»1 Pf. tariflich festzulegen, für angelernte von 76 Pf. und für die unge- lernten Arbeiter von 63 Pf. Zu dem Angebot wird das Metallkartell in den nächsten Tagen Stellung nehmen. Aus diesem Angebot der Unternehmer geht ziemlich deutsich hervor, daß sie n ich t gewillt sind, einen Lohnoertrag abzuschließen. Darüber täuscht auch die grundsätzliche Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Tarifes nicht hinweg. Diese„grundsätzliche Bereitwilligkeit� ist nur ein Mäntelchen, um die Tariffeindschafk des BBUIX vor der Oeffentlichkeit zu verhüllen. Daher das unglaubliche Lohn- angebot, von dem die Unternehmer selber wissen, daß es undisku- tabel ist. Denn so schlechte Löhne werden in den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller längst nicht mehr gezahlt. Ohne die Entscheidung des Metallkartells zu beeinflussen, kann schon jetzt gesagt werden, daß dem Metallkartell nichts anderes übrig bleibt als eine glatt« Ablehnung. Das Angebot ist eine direkte Verhöhnung der Berliner Metall- arbeiter. Es bedeutet für die ungelernten Arbeiter 2 Pf. weniger als der für sie bereits tariflich festgelegte Lohn von 71 Pf. Daß es zu solch einem Angebot überhaupt kommen konnte, ist nicht zuletzt daraus zurückzuführen, daß sich alle möglichen Kreise berufen fühlen, den Organisationen die Lohnpolitik und die Taktik vorzuschreiben. Dieser Zustand muh endlich aufhören. Wäre die Berliner Bietallarbeiterschaft von einem einheitlichen Geiste beseelt und würde sie sich nicht zum Teil der Werkgemeinschaftsidee verschreiben, würden die Unternehmer sich ein« solche Verhöhnung nicht erlauben. Es muß Aufgabe der Berliner Metallarbeiter sein, in ihrem eigenen wohl- verstandenen Interesie mit der Zwiespältigkeit in ihren eigenen Reihen zu brechen und dafür zu sorgen, daß die Reihen der Organisation gründlich gestärkt werden. vom örauerftreik. Lehrlinge, Streikbrecher und„Teno" solle» helfen. Trotzdem die Streikenden sich von vornherein ohne weiteres bereit erklärten, die wirklichen Notstandsarbeiten zu verrichten, werden alle Anstrengungen gemacht, um die aus solche Gelegenheiten wartende Technische Nothilfe einzusetzen. Sie soll die E i s- Maschinen bedienen. Wenn die Streikenden dies«»Notstands- arbeit* verrichten wollten, dann würden sie ihren Streik damit begraben. In der Bötzow-Brauerei haben sich Streitbrecher gefunden. Damit nicht genug, wurden dieLehrlingeam Sonn- tag zur Streikbrucharbeit gezwungen. Ein Döttcherlehrlwg. der die gesetzwidrige Sonntagsarbeit verweigerte, wurde nach Haufe ge- schickt. Solche Leute kann man nicht gebrauchen. 2luch in der Schul theiß-Brauerei, Abteilung II, Kreuzberg, wurden am Sonntag Lehrling« beschäftigt, während in der Genossenschastsbrauerei in Friedrichshagen sich An- gestellte der Brauerei dazu hergaben, Bier abzuziehen. Mit den Lehrlingen werden es die Brauereien nicht schaffen. Von den Angestellten müßte schon ein wenig mehr Rückgrat erwartet werden. Die Angestellten können leicht selber in die Lage kommen, daß sie die Unterstützung der Arbeiter gebrauchen. Mit den Streik- _, brechern wird später abgerechnet werden. Gegen einen Einsatz der »Teno* aber zu Arbeiten, die keine N o t st a n d sa r b eften. sondern Streikbrucharbeiten sind, muß entschieden Verwahrung eingelegt werden. Eine aus den Steusrgroschen der Arbeiterschaft hauptsächlich leider noch immer unterhaltene Ein- richtung darf nicht dazu mißbraucht werden, dem Brauereikapital, das in der Notlage ist, feine Ueberschüsfe unterzubringen, Beistand zu leisten gegen die um günstigere Arbeitsbedingungen streikenden Brauereiarbeiter. Lohnbewegung öer SerUner Holzarbeiter. Di« Lohntarif« im Berliner Holzgewerbe haben am 30. Sep- tember ihr Ende erreicht. Die Verhandlungen zwischen den Ver- tragsparteien sind noch nicht abgeschlossen. Die Unternehmer haben eine Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde angeboten, die jedoch von der Verwaltung des Holzarbeiterverbandes als undiskutabel abgelehnt wurden ist. Die Verhandlungstommission der Arbeitnehmer bestand auf die Erfüllung der aufgestellten F o r- derung von 15 Pf. pro Stund«, worauf die Unternehmer um Vertagung der Verhandlungen nachsuchten, um weitere Vollmachten von ihren Mitgliedern einzuholen. Am Mittwoch wird mit der „Dabeho* erneut verhandelt und das Ergebnis den Bezirks- vertrau onsmännerverfammlungen zur Kenntnis gebracht werden. Nach der bisherigen Einstellung der Unternehmer ist kaum mit einer Verständigung auf dem Verhandlungswege zu rechnen. Falls die Verhandlungen erneut scheitern sollten, werden die Funktionäre über weiter« Maßnahmen entscheiden. flossperrung im Serliner varmhaaöel. Die Inhaber der sogenannten„Saitlingssortieranstalien*, eine Spezialgruppe im Berliner Darmhandel, haben es fertig bekommen, auf die gerechtfertigten Lohnforderungen ihrer Beschäftigten mit einer Aussperrung zu antworten. Die Beschäftigten hatten durch chre Organisation, den Zentralverband der Fleischer, eine Erhöhung der Löhne als Ausgleich für die gesteigerten Lebens. Haltungskosten gefordert. Die Unternehmer lehnten nicht nur ab, irgendwie eine Zulage zu gewähren, sondern waren skrupellos genug, zu erklären, daß sie ab 1. Oktober einen Lohnabbau von 3 bis 5 M a r k pro Woche durchführen werden. Dieses provozierende Gebaren der Unternehmer löste in den Betrieben helle Empörung aus. Die Beschäftigten verweigerten die Weiter- arbeit. Statt einzulenken, forderten die Unternehmer die b«. dingung s lose Wiederaufnahme der Arbeit. Da die Arbeiter es jedoch ablehnten, ohne Garantie auf Lohnerhöhung in die Betriebe zu gehen, wurden in weiteren acht Betrieben die Beschäftigten ausgesperrt. Steine statt Brot, das war die zweit« Antwort dieser brutalen Unternehmer. . Folgende Firmen haben ausgesperrt: Hugo Steinke, G. m. b. H.. Fontanepromenade 17/18: Bänder Hoeoenu. Bicken- 8pv.-VerdeaW«l»ift üer Posf- and Teledraphenbeainlen and Anwärter Am Mittwoch, dem 5. Oktober 1927, 20 Uhr(8 Uhr abends), in Haverlands 3 estsälen. Neue Ariedrichstraße, Eingang Rochstraße , Grote Ollenflidie Posflieamlen- Versammlung Tagesordnung: 1. Sozialdemokratie und Leamlenbesoldung. Referent: Kollege Ferdinand Sender, M. d. R. 2. Freie Aussprache. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. b a ch, Barnimstraße 2: Falkenthal u. Lange, Siallschreiber- straßc 56: Croner. Rosenthaler u. Co., Greisswalder Straße 33»: A. I a k u b o w s ki, Lehrter Straße 40: Q. I o a ch i m s- t h a l. Große Frankfurter Straße 119. Carl Ro«der, Weißense«, Gustov-Adols-Stroße 142: Reinhold P r e n z l o w, Prinzenstr. 93: Fritz Fürle, Liebigstr. 26: Fritz Buchholz u. Co., Marsilius- straß« 23: L. Huth, Liegnitzer Straß« 22. Die Ausgesperrten erwarten von allen organisierten Flelschergesellei� daß sie es ablehnen, Saitlinge oder sonstige Därme von diesen Finnen zü verarbeiten. Fleischergesellen, übt die Soll- darität, die ihr euren ausgesperrten Berufsgenossen schuldet! Die Sergarbeiter rüsten! Zu dem Streik in Mikkeldeutschlaad. Der Borst and des Deutschen Vergarbeiterverbandes hat zu dem Streikbeschluß im mitteldeutsch en Braun. kohlenbergbau auf Grund des Verbandsstatuts beschlossen, daß jedes Mitglied, das nicht an dem Streik beteiligt ist, einen Extrabeitrag in Höhe von vier Wochenbei trägen zu leisten hat. Jedes Mitglied ist verpflichtet, diesen Extrabeitraz zu zahlen. Ausgenommen davon sind nur Erwerbslose. Invaliden und am Kampf beteiligt« Mitglieder. In einem Aufruf appelliert der Verbandsovrstand an das Solidaritätsgefühl aller Bergarbeiter. Von dem Ausgang des mitteldeutschen Lohnkampfes hänge es ab, ob die Bergarbeiterschaft auch in den übrigen Vergbaubezirken Deutsch- lands ihr« Loge verbessern werde. Jedenfalls: Lenken die Vraunkohlenbergherren nicht bald ein, dann können sie sich auf ein Tänzchen gefaßt machen. Die Berg- leute werden ihnen dazu aufspielen. Schiedsspruch für den niederschlefischen Bergbau. Waldenburg sSchlesien), 3, Oktober. Nach zehnstündigen Verhandlungen wurde gestern in dem vom Schlichter für den Bezirk Niederschlesien anberaumten Termin über die Lohnforderungen im niederschlefischen Bergbau eine Schieds- spruch gefällt, der die bisherigen Torifschichtlöhn« und die reinen G« d i n g e l ö h n e mit Wirkung vom 1. Oktober um sechs Prozent erhöht. Gedinge, und Leistungszulagen, die auf Schichtlöhnen ausgebaut sind, bleiben in gleicher absoluter Höhe erhalten. Diese Neuregelung der Löhne gilt bis zum 30. Juni 1928. Den Parteien ist eine Erklärlmgsfrist über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs bis zum 4. Oktober mittags gesetzt worden. Bletallarbeiter! Die Belegschaft der Firma Fritz Werner, Marienfelde, befindet sich seit Sonnabend im Streit. Das Streiklokal ist bei Knauer, Marienfelde, Telephon. Südring 120. Morgen, Mittwoch, vormittags 10 Uhr, im Lokal»Zum braunen Roß", Morienfelde, Versammlung aller streikenden Kollegen. Die Ortsverwaltung. Die krastdroschkenführer nehmen heute abend, 714 Uhr, (19,30 Uhr), im Dresdener Kasino, Dresdener Straße 96, Stellung zum Schiedsspruch vom 30. September 1927. Da über Annahme oder Ablehnung abgestimmt wird, ist das Erscheinen aller Kollegen notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung, Böttcher und Hilfsarbeiter! In der Faßfabrik Otto F r I ck G. m. b. H. in Rudow sind Differenzen ausgebrochen, die Belegschaft ist im Ausstand. Vor Zuzug wird gewarnt. Der Böttcherverband, Berlin. Konferenz üer flrbeitersekretäre. Die freigewerkschaftlichen Arbeitersekretäre im Reich« traten am 26. und 27. September im Volksbildungsheim in Frankfurt a. M. zu einer außerordentlich bedeutsamen Konserenz zusammen. Vom sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags waren die Abgeordneten Hoch und Karsten erschienen. Zunächst bebandelte Genosse Peterhansel von der Rechts- abteilung des ADGB. die Unfallversicherung nach dem jetzigen Stand. Er hob die wichtigsten Neuerungen aus dem Gebiet der Unfallversicherung hervor und erörterte insbesondere die Er- Weiterung des Versicherungsschutzes sowie die grundsätzliche Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts. Am Schluß betonte der Vortragend« an der Hand von Beispielen die Dringlichkeit einer Reform bezüglich des Wiederaufnohmeoerjahrens in der RDO., die unter allen Umständen und mit allen Kräften an- zustreben sei. Genosse Backhaus vom ADGB. erläuterte an zweiter Stelle die Invalidenversicherung unter besonderem Hinweis auf die Schwierigketten, die dem Erfolg des Rechtsmittels der Revision entgegenstehen. Er erörterte das umständliche Versahren an sich und ging gann auf die Wichtigkeit der ErhaUung der Anwartschaft ein. Schließlich wandte er sich gegen die Gesegesverschlechterung, die insbesondere in der Rentenkürzung nach Z 1311 der ZWO. zu erblicken sei. Das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung be- sprach Genosse Dr. Bröker von der sozialpolitischen Abteilung des ADGB. in einem sehr instruktiven Vortrag. In scharf um- rissenen Darlegungen unterrichtete er die Hörer über Recht und Rechtsmittel des neuen Gesetzes, wobei er auch die bestehenden Mängel kritisch beleuchtete. Än die Vorträge schloß sich eine überaus rege, aber durchaus sachliche Aussprache. Man war sich einig darüber, daß die Ver- tretung der vielen, durch die neuen Gesetze erheblich vermehrten Streitfälle den Arbeitersekretären eine starke Arbeits- b e l a st u n g bringen werden. Es müsse deshalb eine Konzentrie- rung und Schulung der Kräfte angestrebt werden. In der hierzu einstimmig angenommenen Entschliegung heißt es: »Zunächst ist durch planmäßige Schulung aller bei der Ver- waltung oder Rechtsprechung tätigen Ärbeuervertreter die Nor- aussegung für richtige Ausnutzung der gesetzlichen Möglichkeiten Weiter ist eine planmäßige Vertretung der Arbeitnehmer vor den Arbeits- und Landesarbsitsgelichten. den Spruchausschüsssn und Spruchkammern in Streitigkeiten aus der Arbeitslosenver- sicherung durch hierzu befähigt« Funktionäre sicherzustellen. Dies« Vertretungen werden zweckmäßigerweije durch besonders hierfür bestimmte Bezirksarbeitersekretariate besorgt. Die vielfach seither übliche Vertretung durch Beauf- tragte der einzelnen Organisationen ist nicht zweckmäßig und stellt nur eine überflüssige und daher schädliche Vergeudung von Kraft, Zeit und Mitteln dar. Di« Konferenz hält es daher für dringend notwendig, daß, sei es durch den Bundesvorstand oder durch die Bezirksausschüsse, Einrichtungen geschaffen oder unterstützt werden, die eine weit- gehende einheitliche Erfüllung vorstehender Aufgabe gewähr- leisten.* Der zweit« Verhandlunastog brachte ew wichtiges Referat des Genossen Nörpel vom ADGB., der das Arbeitsgerichts- cpe s e tz behandelt«. Unklarheiten und die daraus sich ergebenden Schwierigketten bei der Auslegung, des Gesetzes hemmen die günstige Auswirkung desselben nicht unwesentlich, zumal einzelne Gerichte die völlig neue Rechtsmaterie nicht beherrschen. An diesen Vortrag schloß sich das Referat des Genossen Dr. N e u m a n n in Frankfurt a. M., der als Jurist das Ziollprozeßrechtliche im Ver- fahren von den Arbeitsgerichten zum Ausdruck brachte. Zum letzten Punkt der Tagesordnung sprach Genosse Dr. Meyer- Brodnitz von der gewerbehygienischen Abteilung des ADGB. über die gewerblichen Berufskrankheiten. Der Redner fand mtt feinen Ausführungen lebhaften Beifall. Der Inholt des Vortrags ergab sich aus nachstehender Entschließung: »Die am 27. September 1927 in Frankfurt a. M. tagende Konferenz der Arbettersekretäre bebauen es, daß in der Verord- nung des Reichsarbettsministers vom 12. Mai 1325 in die Liste der entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten nur eine g e- ringe Anzahl derjenigen Krankheiten ausgenommen ist. welche mtt Sicherhett auf gesundheitliche Schäden infolge gewerb- sicher Arbett zurückzuführen sind. Sie steht senier auf dem Stand- punkt, daß an anerkannten Berufskrankheiten Erkrankte auch dann entschädigt werden müssen, wenn diese durch ein« Arbeit in Betrieben, die nicht in Spalte 3 der Anlage 1 der Ver- ordnung aufgeführt sind, erworben worden sind. Die Konferenz der Arbeitersekretäre erwartet daher vom Reichswirtschaftsrat und von der Reichsregierung, daß sie nach beiden Richtungen hin den Ausbau der genannten Verordnung vornehmen werden____* Damit war die arbettsreich« Konferenz beendet, die von dem Genossen Hermann Müller, Vorsitzend«? des ADGB., geleitet wurde. 3«ge»bflnPpc bc< Zd«. Heute, Dienstag, Turnabend von'20—2! Uhr i« der Turnhalle der Schule Baruther Str. 20(Leitung Lehrer Schran). Turn- fachen mitbringen. Freie zusammen unsere Buckel hier in dieser Hölle krumm gebogen! ... Was für ein toller Hund hat dich gebissen, Böttcher?.. Sawtschuk glotzte Gljeb wieder mit Stieraugen an, stampfte mit seinem schmutzigen Fuß auf den Boden und hob oie Arme. Die Fetzen schlotterten um ihn, wie um eine Vogelscheuche. Das war kein Hemd, das waren Lumpen, und die Muskeln zitterten unter der Haut wie straffgespannte Seile. «Ha. du Teufelsseele... Gljeb... Du mein Bruder Tschumalow!... Was für ein Satan hat dich aus der Hölle gerissen?... Kerl... Gljeb!... Schau mich nur an, meine gemeine Fratze!... Ja, schau und hau mich über meinen unflätigen Bauch...." Und er umarmte Gljeb, schweißtriefend und schmierig, wie er war. „Motjka, steh auf! Schüttele dich zurecht, ich bin jetzt in dieser Stunde schwach und friedlich. Laß das für ein andermal. Ich will mich zu ihm setzen, zu dieser Teufelsseele, zu Gljeb. Werde mich ausweinen, mich aufrsitteln in meinen Cingeweiden... steh auf, Motjka, komm her... Friede! Umarm Gljeb, unseren Freund— Genossen.... Alles andere nächstes Mal!..." Und Haar und Bart des Böttchers, wie Eichenholzspäne anzuschauen, standen in Büscheln zu Berge. Motja, zusammengekauert wie ein Igelchen, weinte, zupfte an ihrem Kleid und zog es verschämt über die Füße. Und auch ihr lachte Gljeb wie ein alter lustiger Freund zu.«Motja, Sawtschuk hat dich nicht besiegt. Schluß! Du bist eine freie Frau und kämpfst wie ein Tier für dein Weiberrecht. Schluß, und fang wieder von vorn an." Und es war, als ob er mit diesen Worten Motjas nacktes Herz getroffen hätte. Wie ein Eidechschen glitt sie auf den Knien zu Gljeb hin und ihre Augen bohrten sich wie Feuer- spirale in ihn. „Pack dich weg und misch dich nicht hinein. Aus dem Hals wachst ihr einem heraus, ihr verfluchten Mannsbilder, ihr Schinder!" Sie kroch bis zu den Sonnenflecken auf dem Boden und erglühte wie Feuer in den blauen Streifen des Lichtes, in dem regenbogenfarbenen Staube. Ihre Haare ringelten sich in Büscheln und fielen auf ihre nackten Schultern, die durch die zerrissene Jacke hcryorlugten. „Ich werde nicht weggehen, Motja: ich will euer Gast sein. Bewirte mich doch mit Kuchen. Braten, mit Tee und Zucker... hast doch alles, hamsterst doch." (Fortsetzung folgt.) > Der Subikopf im Gasthause. Der Bubitopf ist nachgerade übtrall in der Welt verbreitet, und wenn man ihm ohne Vorurteil gegenübertritt, so kann man wohl ohne weiteres zugeben, daß er gewisse Lorteile hat und die über- wiegende Mehrzahl seiner Trägerinnen, beileibe aber nicht alle, nicht übel kleidet. Leider aber hat er ein« Unsitte im Gefolge gehabt, gegen die, da sie nicht verschwinden will, endlich einmal in aller Deffentlichkeit zu Felde gezogen werden sollte, nämlich die Unsitte des Sichkämmens an allen möglichen öffentlichen Orten, so in der Straßenbahn, der Eisenbahn und vor allem im Gasthause. Ks ist nachgerade üblich geworden, daß Damen, die eine Restauration besuchen, sich erst einmal des Hutes entledigen, ihrer Handtasche Spiegel, Kamm oder Bürste entnehmen und dann, un- bekümmert darum, ob noch andere Leute am Tische sitzen, ihre Frisur mit einem Nachdruck«in Ordnung bringen", der schon mehr einer gründlichen Kopfreinigung gleicht. Es ist dabei gar nicht zu vermeiden, daß allerhand unerwünschte ausgekämmte Artikel in der Luft umhenvirbeln oder sich in die offenen Kaffeetassen, Wein- oder Biergläser usw. niederlassen. Wollten die Damen diese Prozedur daheim an ihrem Eßtische vornehmen, so würden sich das die Familienangehörigen höchstwahrscheinlich entschieden verbitten. Biel« von den Sünderinnen mögen wohl aus Oberflächlichkeit oder Ge- dankemosigket handeln: da' ein derartiges Benehmen aber nicht mir unschicklsch, sondern auch höchst unappetitlich und für andere Leute vielleicht sograx�gesundheitsgesährlich ist, so muß den betreffenden Damen dieser Standpunkt einmal klar gemacht werden. Diejenigen, die hierzu am nächsten berufen, sind die Gastwirte selber. Sie hätten sowohl in ihrem eigenen Interesse wie in dem ihrer Gäste alle Ursache, gegen die Unsitte einzuschreiten und den Damen zu be- deuten, daß ein Restaurant kein Toilettenzimmer ist und daß sie sich ihre Haare gefälligst in den dafür geschaffenen Räumlichkeitrn in Ordnung bringen mögen, in die überdies auch die Operationen mit dem Lippenstift gehören. Hier und da hat in Deutschland schon einmal ein Gastwirt einen entsprechenden Anlauf genommen. Im allgemeinen ist aber der Unsitte noch nicht mit der nötigen Entschiedenheit begegnet worden, so daß sie fast un- «ingeschränkt weiter wuchert. Ersreulicherweise scheinen die Gastwirte sich nun allmählich zu entschiedenerem Handeln aufraffen zu wollen. Der Anstoß dazu kommt aus der S ch w e i z. Die„Schweizerische Wirtezeitung" geißelt das gerügte Gebaren schärfstens. Deutsche Gastwirtezeitungen teilen den dort zum Ausdruck gebrachten Un- willen, treten für energisch« Abwehr dieser Unsitte ein und ersuchen auch die Tagespresic um ihre Unterstützung. Wenn dabei freilich der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß die Gäste selbst sich um die Ausrottung der Unsitte bemühen möchten, so ist das zwar gewiß ein recht beachtenswerter Vorschlag, am näcksten dürfte diese Sache aber doch wohl, wie bereits gesagt, den Gastwirt selbst angehen. Wenn es nicht anders geht, so möge der Gastwirt das Haar- kämmen in seinem Betriebe einfach verbieten, wie ja vor Jahrzehnten ein S p u ck v e r b o t im Restaurant erlassen wurde. Dieses Verbot erscheint um so dringlicher, als die Unsitte des Haar- kän'mens bereits auch auf die modernen jungen Herren abgefärbt hat, die ebenfalls beginnen, ihre Schmachtlocken im Restaurant zu kämmen. �_ Das Einfturzunqlnck in der frankfurter Allee. Das Bauunglück auf dem Gelände der Ll-Bahn in der Frankfurter Allee, worüber wir im gestrigen Abend- blatt bereits berichteten, hat sich glücklicherweise als nicht so schwer herausgestellt, wie es zuerst den Anschein hatte. Zwei der Vsr- schütteten, der 23jährige Arbeiter Josef B e n i s ch aus der Wolf- gangstraße zu Lichtenberg und der 28jährig« Ernst B ü ck r n g aus der Türrschmidtstraße 14 konnten schon nach kurzer Zeit von der Feuerwehr aus ihrer gefährlichen Lag« befreit werden. Noch ärzt- licher Behandlung wurden sie in ihre Wohnungengebracht. Weit schwieriger gestaltete'sich die Bergung des dritten Berunglückten, des 63jährigen Zlrbeiters I o s e.f.L.e i k a n ß aus der Kronprinzen- straße 47 zu Lichtenberg.� K. war stehend bis am Kopf verschüttet worden. Ueber eine Stunde mußt« der Unglückliche in seiner gefahrvollen Situation verbringen, bis ihn die Feuerwehrleute her- ausgegraben hatten. K., der schwere innere Verletzungen erlitten hatte, muhte in das Krankenhaus am Friedrichshain übergeführt werden. Es besteht glücklicherweise keine Lebensgefahr. Ein vierter Arbeiter, der 42jährige Kurt R. aus der Gürtelstraße 38 zu Lichtenberg, der in unmittelbarer Nähe des Einsturzherdes be- schäftigt war, erlitt einen schweren Nervenschock. Die Ursachen des Einsturzunglücks, das nur durch einen Zufall einen so glimpflichen Ausgang genommen hat. sind noch nicht einwandfrei geklärt. * (Ein schwerer Vauunsall mit tödlichem Ausgang ereignet« sich gestern auf dem Grundstück in der Steinmetzstraße 66. An der Hintersassade des Hauses werden gegenwärtig Putzarbeiten vorge- nommen, wozu ein Leitergerüst errichtet wurde. In der Höh« des vierten Stockwerkes waren mehrere Maurer beschäftigt. Plötzlich brach ein Verbindungsbrctt und der 24jährige Maurer Jgnaz Gollatz aus der Beusselstraße 56 zu Moabit stürzte auf den Hof hinab, wo er mit schweren Verletzungen bewußtlos liegen blieb. Der Verunglückte wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Elisabeth-Krankenhaus übergeführt, wo er nach der Einlieferung starb.__ Hätte er den Sekt nicht gestohlen...! Einiges Aufsehen erregte am Sonntag frühmorgens«in Mann, der. nurmitHemdündHosebekleidet. inderOranien- st r a ß e umhertorkelte. Man brachte ihn nach der Wache, zunächst in der Absicht, ihn seinen.Mordsrausch", den man feststellte, aus- schlafen zu lasien. Da man ihn aber später als«inen der Kriminal- polizei schon bekannten Kollidieb Emil Obst erkannt«, führte man ihn der Kriminalpolizei zu. die dann auch bald er- mittelte, wie er in seinen Zustand hineingekommen war. Obst, ein Mann von 42 Iahren, sah am Sonnabendabend in der Waldemar- straße einen Speditionswagen stehen, der unter anderen Stück- gütern auch drei Kisten Sekt geladen hatte. Kurz entschlossen stahl er sich von einem benachbarten Hof« einen Handwagen, machte sich mit ihm an den Speditionswagen heran, lud die drei Sekt- kisten über und fuhr unbehelligt davon. Sofort machte er sich nun daran, seine Beute zu verkaufen. Wenn er dabei ge- bsieben wäre, so wäre man ihm wohl nicht so leicht auf die Spur gekommen, denn niemand hatte von dem Diebst ihl etwas gesehen. Obst aber bekam Durst und beschloß, ihn mit Sekt zu löschen. Weil er ihm schmeckte, trank er soviel, daß er die Uebersicht über seinen dunklen Handel verlor. Er weiß durchaus nicht mehr, was zuletzt mit ihm vorgegangen ist und wo er den Wagen, den Sekt und seine Kleidungsstücke gelassen hat. Nach dielen Erfahrungen ist er, wie er versichert, fest entschlossen, nie wieder Sekt zu st e h l e n. Vorläufig aber wird er ohnehin nicht mehr dazu kommen. Lroßs Proteitvertammlung gegen den Reichsschulgesetz-Entwurf am Mittwoch, dem S.Oktober, 19 Uhr in der Aula der Schule Scharrenstraße 23 Tagesordnung; Der neue ReidissöiulKesefc-Enlwurl Ref.: Reicbslagsabgeordneter Dr. Löwensteln Freie Aussprache. Eltern und Erziehungsberechtigte sind zu dieser Versammlung herzlichst eingeladen. Der Xreisvorsland der SPD. Freie Schulgemeinde 5reiüen?er»�ugenSweihe. Die gestrige Jugendweihe der Berliner Ortsgruppe der Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Ver- b ä n de in der„V o l k s b ü h n e" am Blllowplaß war«ine ein- drucksvolle Kundgebung sozialistischen Kultur- und Kampfwillens. Hundert Knaben und Mädchen, deren Angehörige das Haus bis In die obersten Ränge küllten, erhielten die Weihe. An- dachtsooll« Stille herrschte, als das Orgelspiel ertönte und die Kinder über die mit Blumen und leuchtendem roten Tuch geschmückte Bühne zu ihren Plätzen geführt wurden. Dann rlnng Solveygs Lied aus „Peer Gnnt"(gespielt von dem Solotrio Paul Müller) durch den Raum. Und hierauf sang der große Chor des Gesangvereins „Typographia" Uthmanns„Ich warte Dein". Ergriffen lauschten Eltern und Kinder im halbdunklen Raum den Vorträgen. Erich Wcinert sprach einen Prolog. Kampfgeist zog in die jungen Herzen. Das folgende Musikstück— Wagners„Knrfreitagszauber" aus„Parsival"— machte die Sinne bereit für die Weiherede. Ge- nosse Dr. Krisch« sprach zu den jungen Menschen. Er rief ihnen mit eindringlichen Worten die Bedeutung der Stunde ins Bewußt- sein. Die Kinder ständen aus der Schwelle eines Tores, von dem der Weg in unbekannt« Fernen führt. Die proletarische Kindheit war nicht hoffnungslos dunkel. Der Freiheitskampf der Alten hat auch ihr das Licht gebracht. Aus der Weihestunde wachs« darum der unauslöschliche Wille, für Frecheit und Recht zu kämpfen bis zum letzten Atemzug. Als der Redner geendet halte, sang der Chor Uthmanns„Du fernes Land". Kampfgeist war es, der sich aus dieser Weihestunde erhob, die mit dem Lied„Brüder zur Sonne, zur Freiheit" ausklang. Die Kinder schritten hinaus in den hellen Tag, geweiht für ein Leben, das ein einziger Kampf um Freiheit sein wirb. Aus dem Alagistrat. Nachdem Stadtrat Wege aus seinem Amte ausgeschieden ist, tritt Stadtrat Beneck« als Mitglied in die Hochbaudeputation ein und übernimmt gleichzeitig den Vorsitz im Ausschuß für die städtischen Verwaltungsgebäude. Stadirat Dr. R i ch t e r ist zum Magistratskommissar für das Berliner Pfand- Der Funksonntag stand im Zeichen von Hindenburgs 86. Geburtstag. Die Jugendstunde unter dem Titel „H i nd e n b u rg" war in Inhalt und Form nicht im geringsten einem jugendlichen Publikum angepaßt. Hätte der Sprecher die Unbcteiligung bei seinen Ausführungen gesehen, so hätte er sie ver- mutlich noch kürzer gefaßt, als er es glücklicherweise(für den Rese- renten) so schon tot. Der Abend brachte— neben der in mancher Beziehung sehr beachtenswerten Rede von Generalleutnant Wilhelm G r o e n e r— ein sauber ausgeführtes Festkonzert des Funk- orchesters und des Funkchors. Die Solisten der Bach-Kan» tote Nr. 71, Hildegard G a j e w s k a und George M a e d e r hielten stimmlich anständigen Durchschnitt. Der Montagnachmittag bot Novellen, von Robert S t a e r k gesprochen. An seinem Vortrag störte ein Zuviel an Pathos. Die„Geschichte von den drei Ringen" aus Boccaccios „Dekamerone" verlor dabei ihre Prägnanz, die japanische Novelle vom„Mondfräulein" die Weichheit ihrer Silhouette. Virtuos und von musikalischem Geschmack zeigte sich das M ü n ch e n e r G i- tarre-Kommer-Trio in seinen Darbietungen. Ernstere Musikansprüche wurden befriedigt in der halben Stund«, in der sich der Cellist Otto U r a ck und die Pianistin Erna Klein gemeinsam hören ließen.— Ueber„Die Lektüre der Großstädterin" sprach Marie Lesse r. Eigentlich sprach sie, ohne dos Lese- Material des«inen Gesdzlechts sonderlich herauszuheben, von der Lektüre der Großstadt. Der InHall des Vortrages läßt sich dahin zusammenfassen, daß im Grunde ziemlick) wahllos gelesen wird. In der Unterhaltungslektüre nimmt in„gebildeten" wie„ungebil- deten" Kreisen der ausgesprochene Kitsch«in« breite Rolle ein. Dr. August Bock setzte seine zielbewußte Erziehung zum volks- wirtschaftlichen Denken fort jinb behandelte das Thema„Währung und Wirtschaft". Er' betonte die Bedeutung der Zahlungsmittel- stabilität für die Wohlfahrt des Volksgonzen. Der Vortragende wandte sich in diesem Zusammenhange energisch gegen die neuerdings gemachten Versuche einzelner interessierter Kreise, die Preise heraus. zusetzen auf Grund der erhöhten Beamtenaehälter. und appellierte an das volkswirtschaftliche Denken der Massen, die energisch gegen solch« Willkür protestieren müssen.— Der Abend brachte eine ton- schön« Uebertragung von„Ca Traoiata" aus der Staatsoper vom Platz der Republik. res. briefamt und für den BerNner Hypothekendankverew ernannt worden, und Frau Stadtrat K a u ß l e r übernimmt den Vorsitz im Kuratorium der Kaifer-Wilhelm- und Augusta-Stistung. Den Vorsitz in der Deputation für Forsten übernimmt zunächst Stadtrat Katz. tNorüanstblag auf einen Lanüsägee. Der Täter vermutlich Berliner. Am Sonntagvormittag tauchte in der Ortschaft A l t t i r ch e n, die etwa 46 Kilometer von der Stadt Bergen auf Rügen entfernt liegt, ein junger Mann auf, der u. a. auch bei dem praktischen Arzt Dr. Walther vorsprach und erzählte, daß er aus Berlin stamm« und gern in seine Vaterstadt zurückkehren möchte. Es fehle ihm aber an dem erforderlichen Reisegeld und er bitte deshalb, ihn mit einer Kleinigkeit zu unterstützen. Im Hause des Arztes bekam der Vitt» stcller etwas zu essen und ein Geschenk von 5 M a r k. Zeugen sahen ihn im Laufe des Nachmittags noch, wie er sich im Orte umher- trieb. Gegen 17 Uhr entwendete er aus einer Gastwirtschaft ein Fahrrad, wurde dabei aber beobachtet. Der Landjäger, den man sofort benachrichtigte, nahm die Verfolgung des Diebes auf und konnte ihn auch auf dem Wege nach Bergen stellen. Etwa eine Stunde später fanden Fußgänger, die die Chausiee entlangkamen, den Beamten schwerverletzt in einer großen Blut- lache besinnungslos daliegen. Im Krankenhaus« stellten die Aerzte zwei schwere Bauchschüsse fest. Der zwischen Leben und Tod Schwebende konnte nur angeben, daß der Fahrroddieb bei der Feswahme plötzlich einen Revolver gezogen, zweimal geschossen habe und dann entflohen sei. Der Dieb und Mörder, auf den auch die Berliner Kriminalpolizei fahndet, steht im Ansang der zwanziger Jahre. Der Arzt, der längere Zeit mit ihm gesprochen hat, bekundet. daß der Fremde sich.Kratzer" nannte und in Berlin in der Pariser Straße 9 wohnen wollte. Seine Mundart war u n v e r- kennbar die eines Berliners. Die Berliner Mord- inspektion hat bereits sestgestellt, daß in der Pariser Straße ein Mann namens Kratzer unbekannt ist. Mitteilungen zur Feststellung der Person und zur Ergreifung des gefährlichen Burschen erbittet in Berlin Kriminalrat Gennat im Zimmer 164 des Polizeipräsidiums. Oer hartherzige Staatsanwalt. Wie wenig sozial der Strafvollzug noch immer ist. beweist wieder einmal ein Schreiben an uns aus dem Zellengeiängnis Moabit. Ein Gefangener L..„ der für Straftaten, die in der un- seligen Inflationszeit begongen sind, seine erste Gefängnisstrafe ver- büßt, schreibt uns:„Ich befinde mich bereits feit zwei Iahren in Strafhaft. Meine Straitaten fallen in die Zeit der Inflation, durch die so mancher Mensch, der bis dahin unbescholten war, zu straf- baren Handlungen getrieben wurde. Ich habe ein Kind von neun Jahren und eine 68jShrige Mutter zu ernähren. Durch die Folgen der Inhaftierung ist meine Familie in eine derart katastrophale Notlage geraten, daß die schlimmsten Befürchtungen gehegt werden müssen. Meine Ehefrau ist durch meine Inhaftierung seelisch und körperlich völlig gebrochen. Sie hat einen Selbstmordversuch an sich und dem Kinde bereits begangen. Ich habe aus Anlaß der drohen- den Vernichtung an den maßgebenden Stellen mehrere ausreichend begründete dringliche Gesuche um einen Urlaub oder Bewährungs» frist gerichtet. Sie sind alle gdschlägig beschieden mit der Begrün- dung. daß„kein Anlaß vorhanden sei". Der Strafgefangene teilt uns in seinem Schreiben noch mit, daß seine Frau noch immer in ärztlicher Behandlung ist und immer wieder mit einem Selbstmord drohe. Wir haben in diesen Tagen sehr viel von Amnestie gelesen, vielleicht läßt sich die Staatsanwalt- schaft des Landgerichts I doch noch einmal herbei, die Gründe des Strafgefangenen nochmals zu untersuchen und ihm zu helfen. Ein siebenstöckiges Krankenhans in Potsdam. Der Neu- und Umbau des Potsdamer städtischen Krankenhauses, das den Nomen Hindenburg-Krankenhaus führen soll, ist in vollem Gange. Statt wie bisher 366 Betten, soll die Neuanlage 4 56 Betten enthalten. Der Haupteingang wird nach der Neuen Königstraße verlegt. Interessant wird der Der- bindungsbau. In ihm werden sich die Zimmer der Verwaltung. der Aerzte und Schwestern, die medizinischen Bäder usw. befinden. Dieser Gebäudeteil hat einen hohen turmartigen Aufbau, auf dessen Dach Sonnenbäder eingerichtet werden. Dieser Aufbau, der das östliche Stadtbild Potsdams beherrschen wird, wird sieben Stockwerke hoch werden. Rettung ans Seenot. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff» brüchiger versendet zurzeit ihren Bericht über das abgelaufen« Geschäftsjahr. Dieser Bericht verdient in mehr als einer Be- Ziehung, in der breiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Don den Rettungsstellen der Gesellschaft sind im vergangenen Jahre 56 Personen aus Seenot vor dem sicheren Tode des Ertrinkens gerettet worden. Die Gesamtzahl der seit Begründung der Gesellschaft geretteten Personen ist somit aus 5684 gestiegen. Das ist ein« sehr beachtenswerte Leistung im Dienste der Menschheit, die da im Laufe der 62 Jahre, seit die Gesellschaft besteht, vollbracht ist. Man liest gemeinhin leicht über die Nachrichten von Rettungstaten hinweg, ohne sich viel dabei zu denken, muß sich aber mal vorstellen, welcher Opfermut der see- männischen Bevölkerung dazu gehört, um solche Taten, die doch regelmäßig den Einsatz des Lebens erfordern, zu vollbringen, welche Einrichtungen geschaffen und unterhalten werden müssen, um die Rettungstaten möglich zu machen. 118 Rettungsstationen. davon 41 an der Nord- und 77 an der Ostsee, hat die Gesellschaft im Lause der Zeil errichtet. Die Stationen sind mit Rettungsboten, wo die Brandung es erfordert mit Motorboten. Rateten» apparaten und dem sonst zu den Rettungsarbeiten erforderlichen Hilfsgerät ausgeftgttct. 1266 Rettungsmannschaften stehen freiwillig für die gefährliche Rettungsarbeit zur Der-ügung. Und dies Werk ist geschaffen und wird unterhatten lediglich aus freiwilligen Beiträgen. Di« Zahl der Mitglieder, die vor dem Kriege über 55 666 betrug, war in den Kriegsjahren fast auf die Hälfte gesunken. Allmählich bat sich die Zahl wieder etwas ge- hoben und ist jetzt auf rund 37 666 gestüien. Dementsprechend man i2)> ausgedehnten Güsten wie Deutschland, so heißt es in dem Bericht, muh die Ein- nchlungen zur Rettung von Menschenleben aus Seenot aus der chohe halten. Dazu gehören Mittel. Mitglied kann jeder werden. Weitere Erklärungen und Zahlungen wolle man an den Bezirks- verein, Berlin W 8, Behrenstr. 8, schriftlich oder mündlich richten. Zehlendors flaggt in vier Farben. Das städtische Ber- waltungsgebäude in Niklassee, in dem auch der B e- zirtsbürgermeister Schuhmacher vom Ist. Bezirk Zehlendorf wohnt, hatte sich am Sonntag- einen merkwürdigen .rlaggenschmuck geleistet. An der Vorderfront wehte schwarz- weiß, an der' Kuppel die Stadtfarben und merkwürdiger- weise eine grünweiße Fahne. Die schwarzrotgoldene Reichsfahne aber wehte an der chinterfront des Gebäudes. Ist denn wirklich niemand ini Berliner Rathaus, der dem deutschnationalen Bezirksbürgermelster Dr. Schuhmacher klar macht, daß die Zeit für derartige deutschnational« Srammtijch- scherze vorbei ist? Grünweiß zeigt man wohl zu Ehren der sSä/sischen Stahlhelmer und Kriegervcreinler?— Eine ganz merkwürdige Fahne zeigte das Kaiser-Wilhelm-Institut für p h y I i- lolische Chemie in Dahlem. Bon der Kuppel des Instituts wehte ein« große gelbgrün ge st reift« Fahne, während die schwarzrotgoldene Fahne seitwärts hing. hundert Löwen im Zirkus Schneider. Kapitän Alfred Schneider hat sich mit feinen hundert Löwen auf dem großen freien Platz in der K a i s c r a l l e e am Stadtpart häuslich niedergelasien. Daß dieser Dompteur auf dem Gebiete der zahmen Raubtierdressur eine Spitzenlei st ung vollbringt, ist international anerkannt. Die Anhänger der zahmen Dressur oermeiden jede Effekthascherei, sie sagen, daß die Raubtiere wild sind, weiß ein jeder; sie anhänglich und zahm zu machen, das ist die Kunst. Infolgedessen gibt es kein« wüsten Schießereien und keine Scheinkämpsc im Rundkäfig, der aber trotzdem für den Herrn und Freund der Löwen tausendfältige Gefahren birgt. Genau wie die Borführung-der Löwen, so ist auch das ganze übrige Programm nicht auf Blendung, sondern auf Leistung eingestellt. Erwähnt seien nur die schönen Pserdedrcssuren, die von Bania vorgeführt werden; die anmutige M i n i t a mit ihren hervorragenden Leistungen aus dem Seil; Werner mit seinen dressierten Schweinen und die drei Brüder Reinsch, Stehendreiter von Rhythmus und akrobatischem Können, das sie aber nicht auf der Erde, sondern auf dem Pserderücken zur Geltung bringen. Eine große Nummer ist Billy I e n t i n s. ein Bull- peitschenkünstler, Lassowerser, Rauhreiter und Scharskunstschütze. Alles in allem, man sieht jetzt in der Kaiseralle« einen echten, rechten Zirkus. Schwerer Autounfall In Potsdam. In der Nauener Straße in Potsdam stießen am Montagvormittag gegen 11 Uhr ein Lost- kraftwagen und ein Personenauto der Reichspost zu- lammen. Das Postauto geriet dadurch ms Schleudern und rannte auf den Bürger st«ig. hier wurde die Frau eines Schneider- meisters zu Boden geworfen und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß sie bald nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus starb. Frecher Raubüberfall in Breslau. Breslau, 3. Oktober. Das Opfer eines frechen Raubüberfalls wurde heute mittag der städtische Kassenbote Aust, als er die städtische Steuerzahlstelle auf der Hohenzollernstraße mit einem Betrage von über 15000 Mark verlassen wollte. Im Windfang lauerten ihm zwei Männer auf, die ihn durch einen Schlag auf den Kopf betäubten und ihm die Tasche mit dem Geld entrissen. Es gelang ihnen, auf Rädern uner- lannt zu entkommen. �.* Kinder als Brandstifter. In Seifhennersdorf in Sachsen legten Kinder beim Spielen mit Streichhölzern an der Mauer eines Fabritmagazins, in dem sich Kisten mit Packmaterial, Maschinen- bcstandteilen und Gestellen für die Modelltischlerei befanden, Feuer an, das bald auf den Bau übergriff und ihn in kurzer Zeit ein- äscherte. Der Schaden beträgt gegen 30 000 Mark. parteinachrichten für Groß-öerlin Elnlenduagev fix diele Rubrik st»d verli» 6 0««. Linden Itruß« 3. Net» an dn» Rejitlafekretoriat K»l-* Trev- recht», zu richte» den Filmabend am 'td heute, Dienstag . Rosinenstr. 4, ab» »uholen, ». ftrei» Mlmersdorf. Mittwoch,.1. Oktober, 20 Uhr, Eihung de» er. weitsrten Nretsvorstandes bei Andreas, Pfalzburger Etr. 55. Erscheinen ist Pflicht. heute, Dienstag, 4. Oktober: 2». Abt. Die Pezirksfithrer werdrn gebrtrn, sich Marken und bi» neu« Monat». schrift„Unser Weg- umgehend vom«aflierer Walter, Meger Etr. St, abzuholen. M. Abt. Die Bezirkssllhrer holen umgehend die Monatsschrift„Unser Weg" um 19 Uhr von den Eomcniussilen. Memeler Str. 07, ab. ». Abt. Di« Monatsschrift„Unser Weg" Ist eingetroffen. Die Bezirkssllhrer holen Dich ihre Exemplar« heule von,«en. Si-rl-l, Echreinerstr, 85 II, ad. 81. Abt. Eharlvttenbnrg. 20 Uhr bei Lehmann, klönigsocg 8. Funktionär. fifcung. Die Mitglieder der geilungskommisston haben bestimmt zu er. schein»«. 8«. Abt. Echöneberg. 20 Uhr bei Sllrlich, Funkttonärfihung. Morgen, Mittwoch, 5. Oktober: 82. Abt.«iegsttz. Pünkilich 20 Uhr im Lokal Schulz, Bergstr. 92, Funktio. närsthung.. � >02. Abt. Banmschulenweg. 1914 Uhr bei Haß, Baumschulenstr. 72, wichtige 104. Abi��Aieder�hdneweide. 1944 Uhr bei Thiele, Berliner Etr. 88, Funktio. närstßung. >08. Abt. Eäpenick. Die Jungs«, lallsten veranstalten 1914 Uhr im Sitzung». , immer, Echloßstr. 27, 1 Tr.,«inen Bortragsabend. Thema:„Volts. gemeinschat: oder ttlassevtampl?" Resercnt Dr. Hennigsen. Alle mllstcn erscheine!«. Gäste herzlichst wiNommcn. 9. Abt. Laut Beschluß der Funktionäre Ist der Genosse Wilhelm L a« v e n. Wilsnocker Etr. 08, Etfl. 2 Tr. links,»um U liassicrer ge- wählt worden, nachdem Genosse Otto Herrichen seine Funstion niedergelegt hat. Bezirksausschuß für Slrbeiterwohlfahrt und Kinderschutz: 11.«tel»«chinebcrg. Friede i»»i. Donnerstag, 0. Okiober, 20 Uhr. im 8 immer 144 des Rathauses. Rudolf.Wilde.Platz. Echulungssursus. 1. Abend:»Das neue Arbeitslosenoerstcherungsgesetz". Referent Etadto. Hermann Lcmper». Alle interessierten Genossinnen und Genossen sind einoeladen. 18.«ret» ZempelhvI. Donnerstag, 0. Oktober, 20 Uhr, sehr panktlich. Im 93«. »irksamt Tempclhos, Dorsstr. 42, Sitzungszimmer 1, Schulungskursus. 2. Vortrag:«Das Recht de» unehelichen«indes und Bornnindschas:s. wesen". Reserent Berufsvormund Becker. Alls interessierten Genossinnen und Genossen stad eingeladen. Zrauenveranskattungen: Z.«rei» Weddivg. Agitation. Unser Frauenkursu» wer«Die Bersossung der deutschen Republik", Refrrentin Clara Bohm-Echuch, M. d. Zt., be. ginnt am Donnerstag, 0. Oktober, 1914 Uhr, und findet an bekannter Stelle statt Die Genossinnen werden um rege Beteiligung gebeten. 0.«rei»«reuzdcrg. Donnerstag, 0. Oktober, 1914 Uhr. Beginn des«ursus .-Einführung in die Gedankenwelt de» Soziallsmus". Referenlin Mari« stuncrt, M. d. L. Lokal: Krllger, Grimmste. 1. 7.«reis Charlottenburg. Mittwoch, 5. Oktober, 1914 Uhr, im Jugendheim, Rostnenstr. 4, Beginn des Kursus:„Einführung in die Wirtschaftspolitik-. Referent Genosse Iaduziinsii. Jugendheim, Rostnenstr. 4, 1 Tr.,«ursusabend. Mittwoch, den S. Okkober. IS'/, Uhr(abends 7'/, Uhr) Große Kundgebung gegen den Bürgerblock in den Pharussälen, Müllerstraße 142, großer Saal Referent: Hans Vogel, M.d.R. und de» Parteivorsiandes Arbeiter, Angestellte. Beamte. Republikaner, kommk alle und erhebt Protest gegen de« Sürgerblockl San»Klin-Branben Zungsozialisten. Achtung I Di» Berliner Mitglieder der Gaa. meisterstraße 17, ,n kommen. * Gruppe Lichtenberg. Heimabend heute, Dienstag, vorläufig in der viblio- thek, Weichselstr. 2». Bortrag:„Der moderne Kapitalismus-. RefeKSt Mark Mitnitzky. Sterbetafel öer Groß-öerliner partei»Grganisation"] 21. Abt. Unser langjähriger Genossi Friedrich Waschofski,«artago. straße 7, ist am 80. September verstorben. Wir werden ihm ein ehrende» An. denken bewahren. Einäscherung am Mittwoch, S. Oktober, 16 Uhr, im«rema. torium, Gerichtstraße. Wir erwarten rege Beteiligung. Di« Genossinnen und Genossen treffen sich 1S14 Uhr bei Hossmann, Prinz.Gugen.Straße 7. Sozialistische sirbeiterjugenü Groß-öerlin. Heule, Dienstag, 4. Oktober: DU« Mitglieder ber Sonderabteilunge» der Volksbühne besuchen heut«, 20 Uhr, die Mitgliederversammlung in der Aula des Eophien.Rcalgnmnasiums, Weinmeisterst roße. Mitgliederversammlungen: Brunnenplatz: weltlich« Schule, Wiesen., Ecke Pankstraße. Falkplatz: Jugendheim Eberswalder Str. 10, gimmer 11. Nordost: Dan, ig« Etr. 62, Baracke 3. Eenefelder Viertel: Jugendheim Danziger Elr. 02, Baracke 7. Zentrum: Jugendheim Landsberger Straße 80. Hasenheide: Zugendheim Bade. anstalt, Biirwaldstr. 64. Schöneberg I: Hauptstr. 15. Westen I: Jugendheim Blllowstr. 88. Neukölln 1: Heim Sander.,'Ecke Hobrechtstraße Neukölln III: Juaendbeim Wanzlickktr. 7, Hos. Neukölln 17: Heim Nogatstr. 88. Reulölln 7: Heim Böhmische, Ecke Eanner Straße. Reulölln VI: Schul« Hertzbcrgolatz. Zimmer 4. Reinickcndorf.Ost: Jugendheim Seebad, Residcnzstraße. Reinickcn. dorf-West: Jugcndheim Seidclstr. 1. Buchholz: Jugendheim Gcmeindeschule Berliner Str. 19. Pankow-Rord: Jugendheim Görschstr. 14. « Weddlng-Nord: Jugendheim See-, Ecke Turin« Straße. Weißensee: Zugend. heim Parlstr. 80, Rednerkursu«. Frankfurter Biertel: Funktionärversammluna. Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue, Vortrag:„Der Staat und seine Organi. sation-. Wintrrorbcit. 8. Verschiedenes. vortrage, vereine unö Versammlungen. Reicksbanner.Sckwan-Rol-Oold' Geschäft, stell«! Berlin E 14. Eebastianstr 87lZ8. Hol I Tr Dienstag, 4. Oktober. Ritte:«ameradsckaftsversamMlungen um 20 Ilhr. 1. und 6. Kameradschaft Gartenftr. 6. 4. Kameradschaft in der Neuen Friedrichstr. 16. 5. Kameradschaft Meoerbeerstr. 7. In samt. lichen Versammlungen Wahl der Delegierten zur Generalversammlung.— PKnzlaucr Barg: Kameradschaft Senefelderplatz 20 Uhr Kerb, Versammlung in den Gcsamträumen von Bllttner, Fcstsälcn, Echwedter Str. 28.— Kreuz» birg: 20 Uhr Abt. 2 bei Böttger, Hagelberger Str. 7. Vortrag Siadto. Kam. Eichberg. Abt. 4 20 Uhr im Restaurant„Zur Linde", Kallesche» User 14. Abt. 7 bei Guder, Eebastianstr. 1. Abt. 8 bei Fuhlbrllggc, Nostizstr. 29. Abt. 9 bei Krepp, Planufer 70. Vortrag Kam. Robinson.— Charlsttcnbura: 20 Uhr im Wilhelmshof Versammlung der Kameradschaft Natdau».— Schineberg.Fei«. dcnau: Kameradschaft Nollendorf 20 Uhr Komeradichaftsverlammlung bei Gründl, Mcininger Str. 8. Kam. Prof. Dr. Staehlin spricht über„Historisches aus dem vorreoolntionären Rußland." Im Anschluß daran„Reifeerlebnisst im Eowjetrußland" Kamerad Dr. Otto Fricdländer.— Hennigsdorf: 20 Uhr Monatsvcrsammlung Vereinsheim Veranstaltung 8. Oktober fällt au», da 9. Oktober Pflichtveranstaltung Potsdam.— Nenkötln-Britz: Radsahrerabtei» lung: 20 Uhr Versammlung der Radfahrer bei König, Weserstr. 58. 9>ad. fahrende Kameraden sind hierzu eingeladen.— Mittwoch, 8. Oktober. Mitte: 20 Uhr Kameradschaftsverfammlung 8. Kameradschaft Gewerkschoftshau» Eaal 8. Wabl der Deleg-erten zur Seneraloerfammlung.— Friedrichshai»: Kameradschaft Andreas 1914 Uhr Sitzung bei Heinrich, Lange. Ecke Krautstraß«. Kam«. rod schaff Frankfurt: 20 Uhr bei Vombe, Vo-gtstr. 28. Erscheinen Pflicht. Kam». radschaft Warschau: 19>4 Uhr bei Schmidt.„Zur kleinen Slltte", Kooernikus- straße 28. Wichtige Tagesordnung.— Kirnzberft: 20 Uhr Berfammlunqen. Abt. 3 bei Braunsdoet. Großbeerenstr. 28. Portrag des Kamerod-n Kllter. Abt. 11 bei Ewald. Skolitzer Str. 120. Abt. 12 bei Sied-ntopf. Mvskauer Str. 88. Vorteag Bezirk-o. Kam. Kossak. Abt. 18 bei Eichbolz, Euvrostr. 28. Vortrag Bezirksv. Kam. Klenz. Abt. 14 be! Wienezier», Reichenberger Str. 104. Vortrag Kam. Keck.— SRöneberg-F rieben»»: 20 Uhr Kameradschaft Fr'edenau Monatsverfammlung Restaurant Etegemann.— BKnzlane« Berg: 20 Ubr er. writerte �orftandslltzi-ng bei Burg. Vr--, lauer Alle». WaKerkpartabte'lung: 20 Uhr Mitgliedervrrtommlung im Berliner Kliibhan«. Obmstr. 2.— Winter- luortabteilnug: Anmeldung zum die»iähria-n Ski-frockenkurlu» fiir Anfänger ist unter Zahlung der Kurfu-qebllhr von 4.M., fllr Jugendlich» 2 M, zu richten an I. Breslaucr, EW 08, Markgrafenstr 22. Uebungsskier kostenlos. Berlloer Arbeiter-Schachklnb, Werbebezirk West. Dienstag, 4. Oktober, 20 Uhr: Abt. Eharlottenbura. Bismarckstr. 57, frtter Echachoerkebr. Abt. Nord- well, Bremer Str. 7278, Bierteljahresoersammluna. Abt. Wetten, Schöneberg, Sedanstr. 17, freier Echachoerkebr. Mittwoch, 5. Oktober,"0 Uhr: Abt. Moabit, Siemensstr. 12, S'multanrotftellitng. Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr: Abt. Westend, Sonh'e-Edarlotte.Str. 88. Bortrag Uber„Sviel- und Turnierregeln fllr die bevorstehenden Winterwetlkämpse." Gäste willkommen. Ueberall freier Echachimterricht. Da»«fperant,»nd sein, Berwertnna ans dKl Reif», an M««rlt. Recht». anwalt Christensen aus Ehieaqo. wird Dienstag, 20 Uhr, im Cafe Isfto Uber die Verwertung de« Efpeeanto auf seinen drei»eisen um die Welt foeechen. Rrichsbund de, Krieosbelchiid'gten, Bezirk 2 Msatit. Dienstag, 4. Oktober, 20 Uhr. Dezirk-versammliing Bandeistr. 85, Referent Kamerad Griedel über „Das Arbeitstofenverstchcrungsgeletz," Der Berliner Handwerkerneeein, Sophienstr. 18, beginnt mit seinen wäh. renb der Wintermonate reaelmäßig leben Mittwoch stattfindenden Borträgen am 5. Oktober mit der Sartmannseier. Der gedruckt oorliegende Bortragsplan wird aus Berlangen kostenfrei zugesandt. Verband SherechtsKsorm. Oeffentlich« Versammlung Donnerstag, b. Ol tober, X> Uhr, im„Greissenberger", Ierusalemcr Str. 8. U. a. Der vom ivvcb/ iui„wlci 1 1 ii uiliy 1 1, �zrcusUiruitL o. Berband vorgelegte Antrag. Beratung und Abstimyiung. Deutscher Gsperantobund, Ortsgruppe Berti». Freitag, 7. Konditorei Dobrin. Hackcfcher Markt: Uebungsobend. Gäste willkommen. Oktober, 20 Uhr. Freie Bctmiguna»o» Sterufreunden, Berlin. 8. Oktober, 20 Uhr, erste Winterversammlung Westfälische Etr. 27-> bei Freund. Der Porstand setzt vor. aus, daß sämtliche Mitglieder nach dieser langen Pauke vollzählig erscheinen werden, zumal dar Schatzmeister die Beiträge fllr die beiden letzten Vierteljahre einziehe» möchte. Als. Portragsthcmen sind vorerst in Aussicht genommen: 1. Die scheinbar« Bewegung der Sonne 2. Da» Milchstraßensystem in mo. derner Anschauung. 8. Der Merkuroorllberoang vor der Sonne. 4. Berichte au»»dem Weltall" fllr September und Oktober. 5. Eternnebel und ihre Bedeutung. Uin lelto» l.pxl Ist» lledtitln? Clud. Blllowstr. 104. Mittwoch, ab(nds 8 Uhr Mr.SchoIl:„Henry Ford*. Auszug aus einer historischen Statte. Berlin wind ärmer an Bailvemtmälern, die von vergangener Berliner Geschichte Zeugnis ablegen. Die Entwicklung der Riesen- stadt fordert diese Opfer. Am Älexanderplatz, allwo die Buddel« i in höchster Blüte steht, ist man jetzt dabei, das Haus„Goldener Hirsch", bekannt durch den„Schmuck", den einst Friedrich II. in Gestalt von 9 9 Schafsköpfen anbringen ließ, abzureißen! Es hat in seinem langen Leben verschiedenen Zwecken gedient. Zuerst beherbergte es eine Gastwirtschaft„Goldener Hirsch". Ob sich der am Giebel des Hauses befindende Hirsch schon immer dort befand, ist zweifelhaft, zumal ein alter Stahlstich an Stelle des Hirsches ein Pferd zeigt. Im Jahre 1783 ging dann der Neubau mit den 09 Schafsköpfen vor sich und diente wahrscheinlich als Prioathaus bis zum Jahre 1704. Da erwarb es wieder ein Gast- wirt. Nach 1813 wechselten die Besitzer mehrfach. Im Jahre 1879 kauft« es der Papierbändler Paul Jürgens, dessen Vater 1844 eine Papierhandlung begründete, die im Laufe der Jahr- zehnte sehr bekannt wurde. Aus. dem stillen Patrizierhaufe wurde ein Geschäftshaus im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt muß die Firma allerdings die Räume, die Geschichte haben— wurden doch in den stürmischen Märztagen des Jahres 1848 im Hausflur Per- wunldete gebettet, die auch hier starben— verlassen. Das Haus mit den 90 Schafsköpfen ist heut««in Verkehrshindernis und fällt der Spitzhacke zum Opfer. Bor kurzem lernt« man die neuen Räume der Firma, die sich in der Neuen K ö n i g ft r a ß e be- finden, kennen. Nach Entwürfen des Architekten Feisi-Breslau wurden die alten Räume neuzeitlich umgebaut. Ein Fahrstuhl übernimmt die Personenbeförderung in die oberen Räume. Eine Entlüfiungs. und Frifchluftanlage ist eingebaut, um die aus Kunden und Verkäufer ermüdend wirkende verbraucht« Luft abzuführen. �ischdekoralionen bei Grünfeld. Im Anschluß cm die von Bühnenlieblingen gezeigten Dekora- tionstalertte bei Tietz wartet die Firma Grünfeld. Leipziger Straße, jetzt ebenfalls mit einer reichhaltigen Auswahl der ver- schiedenarttgsten gedeckten Tische aus. Hier hat die Sache infofern größere Existenzberechttgung, als es der Firma ja weniger um eine Schau gesteigerten Luxusbedürsnisses zu tun ist, sondern in der Hauptsache darum, die vielen Neuheiten in Tischwäsche vor- zuführen. Neben den prächtigen, aber kaum bezahlbaren Filet- und Wickel-ä-jour-Decken sieht man sehr hübsche Tischwäsche aus Baum- wolle mit Kunstseide, dann aus mercerisiertcr, moirierter, reiner Baumwolle in zarten Paftelliänen in Grün, Beige, Bleu m it weißen Dessins. Tischdecke und Eßgeschirr geschmackvoll aufeinander abgestimmt. Recht eigenartig wirkt ein aus Privatbesitz zur Ber- füguug gestellter Russentisch im Oriainal mit echt russischen Kau- laischen und Iuchssi,«in englischer Frühstückstisch, ein chinesischer Tisch mit chinaseidenem Tischzeug und prächtigem Teeservice, ein lustiger Kinderttsch mit allerhand Buntheiten usw. Der Frühstücks- tisch einer Künstlerin, ganz in blinkendem Golde gehalten(es kann auch Messing sein) soll aber jedenfalls das erstere vortäuschen, läßt den Spruch von der brotlosen Kunst eigentlich recht unwahr« scheinlich erscheinen. Wflfl I_..... WM 40 Jahren das Vertrauen jeder Haussrvu, die aus eine gute Küche hält. Gleichgültigleit beim Eintaus ist nicht nur beim Kauf größerer Gegenstände «in Fehler, der sich oft bitter rächt. Auch beim Einkauf von Schuhcreme muß man daraus achten, daß man fllr sein(Seid— und sind es auch nur 25 Pf.— das Richtige erhält Gleichgültigkeit beim Einkauf von Schuhcreme kann den Schuhen Schaden dringen und zu einer Geldausgabe zwingen, die vermied»» wird, wenn man nichts andere» nimmt als Erda! mit dem roten Frosch. DI« Färberei Bergmann--- über 70 Filiale» in Graß, Berlin— erwartet jetzt Ihre Kleidung für Herbst und Winter, um sie sorgsamst chemisch zu reinigen oder vornehm aufzufärden. Kommen Sie bald, denn die kllhle Jahreszeit nahtl Auch Ihre Gesellschasiskleidung, Spitzen und Handschuhe be- dürfen nun der zuverlässigen Bergmann-Pflege, damit Sie in neuem Glänze strahlen können. Vergessen Sie auch nicht, Ihr Heim fllr den Winter vor. zubereiten! Bergmann wäscht Gardinen, Bergmann klopft und reinigt Tep» piche, Bergmann stopft auch. Und Hauswäsche, auch die seine Stärkewäschc de» Herrn, werden Sie zu Bergmann bringen! Bergmann liefert schnell und gutl *�1 vfun�eo --v'Wv!-, fof 3 vfl« S-Sli vu05,' UNSERE MODERNSTEN MASCHINELLEN EINRICHTUNGEN GEBEN UNS JETZT DIE MÖGLICHKEIT. FEINWÄSCHE AUF NEU ZU UEFERN ELASTISCHE STEIFHEIT. TADELLOSER SITZ SCHNEEWEISSES AUSSEHEN IN GLEICH GUTER AUSFÜHRUNG HAUSHALTUNGSWÄSCHE ALLER ART GEPLÄTTETE WÄSCHE. ROLLWÄSCHE LIEFERZEIT S TAGE ABHOLEN UNO ZUSTELLEN FREI HAUS �c&lnäier� W SPWDLEBSFELD BEI CÖPEMCK'BEBUN FÄRBT- REINIGT- WÄSCHT IST DIE VISITENKARTE DES HERRN / I I I I 1 I I I ein ausgesprochener Erfolg? Die Mütter, die mit ihren Kindern zu uns kamen, waren gleichermaßen überrascht von der ganz gewaltigen Auswahl, die sie hier hei uns vorfanden, als auch entzuckt darüber, daß unsere sprichwörtlich niedrigen Preise auch für Kinder- Kleidung in vollstem- Umfange Geltung haben. Wir sehen uns durch diesen Erfolg veranlaßt, unsere Kindertage zu einer regelmäßigen Einrichtung zu machen. Jede* wird Ihnen in Zukunft eine ganz einzigartige Gelegenheit bieten, Ihre Kinder(vom Kleinsten bis zum Backfisch) außerordentlich vorteilhaft bei uns einzukleiden. AXsci Dextltcxt St« dAVAit? 3° einfach macht SUMA das�äschen. Bei Suma gibt es keine umständlichen Waschvorschriften, von deren Beachtung der Erfolg abhängt. Suma wird Sie immer befriedigen, wie immer Sie es verwenden. Für die große Wäsche empfehlen wir folgenden einfachen Vorgang: Weichen Sie ein wie Sie es gewöhnt sind, vielleicht mit etwas Suma, so daß der Schmutz etwas gelockert wird. Zum Kochen verwenden Sie nur Suma, und zwar löse man 1 Paket in 40 Liter warmem Wasser— so ungemein ergiebig ist nur Suma. Kochen Sie eine Viertelstunde und spülen Sie nachher gründlich, erst gut warm, dann kalt bis das Wasser klar ist So erhalten Sie eine blüten- weißc und vor allem vollkommen geschonte Wäsche. ..«zK und scHo� Sa120 von Wort, uod Bild verboten L Das Beste ist Mi U gemg for Wiiie llMMl! Felniter herter Anfslveta. bo.i, Lir O.SO felnitsr sitter iptelvela, ist,. Ur.0,7S Feinst, sfit Dessm-Obstveiii.«l u% Ut. O OS l» er ifift.(oSmist-cerweln,<*. u'u Ut. 1.03 Für lemer: söß Spei-8bs(Teli, u.ir/,.Ur. 1.03 Erstkltuüer Mbüenretn, c 1.43 bnätlutiler Tcnnlvfln..... ur. 1.88 Etiler Toragoia,.ea...... Ut. 1.33 Etiler trledL Dessertwein,.«i. ut. 1.40 Edler feiner Neia(a,.an.... lu. 1.80 edler Jenale„Med nid irtUld"L«r. 1.00 Edler Insel Jenes,«m..... ur. 1.00 Edler Benre-Pertvete, rt»,., ur. 2.80 Edler Peeshnrein,«r Kruu>?, l«t. 1.30 Prlne JenL Enn Tersdn., m,. ut. 3.08 Pilne Iiffl-Ina-Tenctm,,«•/,,, Ltr. 4.48 le Ian.-Bnn-V.. T-roi.. Ltr. 3.20 Ii Imt-Ienttelil,«>,.., �. ur. 4.43 Liköre— Weinbrand- Jamaika-Rum Feinsler Talel-ännerlt........ Ltr. 2.03 Feinster Veinbnuui-Fendn.,— stem Ltr. 3.20 Feinsler edler Velsirad,—st,™. Ltr. 4.20 Edoltikfire. des Feinste, m.««,.... Ltr. 4.43 Hlmbacr., Kirsch«, Zitron> nnatt m. feiixter Raffioade emgekodit. 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Galt er bisher als der„fliegende Narr", so wurden ihm ganz urplöglrch Tugenden nachgerühmt, deren Zahl schier kein Ende nimmt. Als sehr eigentümlich berührte es, daß man seine Be- scheidenheit immer wieder rühmte, und vor ollem, daß er alle ver- lockenden Geldangebote abgewiesen und so gewissermaßen die Nationalehre gerettet hätte. Die Bescheidenheit als amerikanische Tugend ist jedenfalls keine kleine Ueberraschung in dieser an Uebcrraschungen so reichen Zeit. Bisher galt sie jedenfalls nicht gerade als National- tugend. Vielmehr entsprach der Draufgänger, der sich rücksichtslos durchsetzt und sich auf Kosten anderer behauptet, viel cher dem Nationalideal. Der„große Geschäftsmann", der Dickverdiener war der Abgott der Nation, nicht etwa der pflichttreue, bescheidene An- gestellte oder Beamte, der sein ganzes Leben in untergeordneter Stellung verschleißt. Daß die Amerikaner ein„sehr einnehmendes" Wesen besitzen, hat die ganze Welt während des Krieges und nach dem Friedensschluß einsehen müssen. Auch die größten Patrioten können nicht gerade behaupten, daß die Vereinigten Staaten durch den Krieg alle ärmer und einfacher geworden. Im Gegenteil hat sich das amerikanische Nationalvermögen zur größten Anhäufung materiellen Reichtums aller Zeiten und Zonen ausgewachsen, und diese Zu- nähme wird von Hundertprozentigen eben mit der höheren Jntelli- genz der Amerikaner begründet. Von jeher schwärmte Amerika für die Kunst— des Geld- machsns! Sichbercichern, Sichbereichern um jeden Preis— das ist in Wirklichkeit noch heute die Losung. Heute mehr denn je ist es die allgemeine Losung. Denn was gilt der großen Menge etwa geistige Bildung, Kunstverständnis, ethische Gesinnung? Sie können kein allzu großes Ansehen verschaffen. Das Geld aber kauft alles: Ehre und Ansehen, Freuden und Genüsse. Alles entschuldigt das Geld: Unwissenheit und Mangel an Bildung. Und alles deckt es zu: alle dunklen Punkte der Vergangenheit. Wie es jemand an sich ge- bracht, danach fragt niemand. Wenn es nur da ist— das ist die Hauptsache. Woher nun dieser plötzliche Idealismus, die Lobpreisung der so wenig materialistischen Tugenden Lindberghs? Woher dieser Plötz- liche Idealismus in einem Lande, dem der maßlos reichgewordene Kaufmann immer als Ideal gilt? Sollte die Welle des materialisti- Ichen Geistes im Zurückebben begriffen sein? Das wäre ein wahrer Segen für die Menschheit. Und schon lugte man aus nach den guten Beispielen führender Kreise, die diese, idealistische Volksbewegung einleiten würden. Man brauchte nicht lange zu warten. Leider war es ein Reif, der in der Frühlingsnacht dieses neuen amerikanischen Idealismus siel... Da keine Millionen in kurzer Zeit zu erraffen waren, überließ das amerikanische Kapital es zunächst dem Staat«, etwa zwanzig Luftpostlinien einzurichten. Und es geschah also aus Kosten des Staates. Da nun diese Linien aus dem Gröbsten heraus waren, wurden sie kürzlich dem Privatbetrieb übergeben, und dazu neue Linien ausgeschrieben. Zu dieser alltäglichen Sache gesellen sich nun die üblichen interessanten Einzelheiten. Im Mittelpunkte dieser neueste» Lorgänge zu Washington steht Paul Henderson, Leiter der„National Air Transport Co.". Als Schwiegersohn des republikanischen Kongreßmannes Martin Madden aus Chikago, Vorsitzender des mächtigen Repräsentanten- Haus-Budgetkomitees, besitzt Henderson natürlich einigen Einfluß. Vor vier Iahren wurde er zum Zwesten Hilfsgeneralpostmeister er- nannt und erhielt den staatlichen Flugdienst als Ressort. Unter seiner Leitung wendete der Staat sechzehn Millionen Dollar auf für die Errichtung von Luftpostlinien. Neunzig Notlandungsplätze und um- fangreiche Lichtsignalsysteme wurden angelegt. Vor einem Jahr nahm Henderson seinen Abschied und wurde Leiter der„National Air Transport Co.", der größten Gesellschaft dieser Art in den Vereinigten Staaten. Das war weiter nichts Un- gewöhnliches, denn es ist längst Brauch, daß hoheRegierungs- beamte ihre im Dienste der Regierung erworbenen Kenntnisse und Verbindungen zum Wohle von Privatgesellschaften oerwerten, sobald sich nur Gelegenheit dazu bietet— natürlich gegen noch höhere Bezahlung, die Bescheidenhest und Idealismus diesen Herren keineswegs verbieten. In diesem Falle zeigte sich jedoch so recht, wie blind das Schicksal zuweilen waltet und wie wohl es dem Portemonnaie tut, wenn das Glück den Menschen sucht und verfolgt. Kurz nach Hendersons Ab- schied ereignete es sich nämlich ganz zufällig, daß der Generalpost- meister New verkündete, die Regierung werde die Luftpost g ä n z- lich ausgeben und dem Privatbetrieb überlassen. Er forderte zu Angeboten auf, und es fanden sich auch zwei Bewerber. Der Mindestfordernde Charles L« o i n e, der mst Ehamberlin nach Berlin flog. Ein höher bemessenes Angebot kam— von Henderson. In Frage kam zunächst die Linie Chikago— Dallas, die einen ansehn- lichen Ueberschuh abwerfen soll. Levine hatte Pech. Wie im Glückwunschtelegramm des Präsidenten fiel er aus. New ließ diese Angebote nicht gelten und forderte zu neuen Bewerbungen auf. Das Ergebnis war— das gleiche. Da war guter Rot teuer und ein Salomo vonnöten. Zum Glück entdeckt« New noch rechtzeitig, daß Levines Gesellschaft„finanziell unzuverlässig" war. So fiel denn seine Bewerbung unter den Tisch, und Henderson, Direktor und Schwiegersohn, steckte den gewinnbringenden Vertrag in seine Tasche. Das Schicksal hat nun einnial seine Sonntagskinder, die es mst Glück überhäuft. Besonders im Lande der unbegrenzten— Geschäftsmöglichkeiten. Nachdem Herr New sich bereits entschlossen haste, die Lustpostlinien an Privatgesellschasten zu übertragen, kaufte er noch 29 Flugzeuge der Douglas-Type, die als die modernsten und besten Fahrzeuge dieser Art gellen. Natürlich fand sich dafür keine Verwendung mehr, und so wurden sie meistbietend versteigert. Und nun sieht man, welch schöne Gelegenheitskäufe sich dem bieten, den das Glück verfolgt: siebzehn dieser Flugzeuge gingen für je siebentausend Dollar— an Hendersons Gesellschaft. Nörgelnd« Sach- verständige wollen behaupten, diese Summe bedeute nur einen kleinen Bruchteil der Herstellungskosten dieser neuen, ungebrauchten Flugzeuge. Das ist ein Geschäft... Wie man sieht, hat das Glück besonders in Amerika ihre Lieb- linge unter den Flugsportbeflissenen. Der tugendhafte Lindbergh bekommt die Metaillen, Schwiegersohn Henderson die Dollar- Millionen. So will es der amerikanisch« Idealismus. H. Hess«, New Dort. �luch öie Zrankfurter Anleihe gefähröet. Der Reichstag mutz sich mit der Beratungsstelle beschäftigen. Di« Beratungsstelle für Auslandsanleihen be- schäftigt« sich am Montag mit der von der Stadt Frankfurt a. M. nachgesuchten Genehmigung für eine 14ch-Millionen-Dollaranleihe. Die Genehmigung wurde nicht erteilt, da sich Reichsregierung und Reichsbank über die neuen Richtlinien für kommunale Auslands- anleihen noch nicht schlüssig geworden sind. Die nicht erteilte Genehmigung verzögert vorerst die Frank- furter Anleihe. Das ist um so bedauerlicher, da die Gefahr besteht. daß die für den Auslondskredit in Frage kommenden Geldgeber das der Stadt Frankfurt gemachte g ü n st i g e Angebot zurückziehen werden. Es handelt sich dabei um eine sechsprozentige Verzinsung mit einem Auszahlungskurs von 93,34 Proz. Em so günstiges Angebot hat weder dem Reich, noch den Ländern und Gemeinden in Deutschland seit der Stabilisierung der Mark vor- gelegen. Es sei nur daran erinnert, daß eine große nordbayerische Stadt letzhin nur einen Auszahlungsturs von 91 Proz. erzielen konnte. Durch die Einstellung der Beratungsstelle wird aber möglicher- weise nicht nur die Stadt Frankfurt finanziell geschädigt, sondern sie ist auch durchaus geeignet, den Kredit der deutschen Ge- meinden im Ausland ganz allgemein zu schädigen. Deshalb erscheint es unbedingt notwendig, daß sich der Reichs- tag endlich mit der Beratungsstelle und ihren Richtlinien«ingehend und nachdrücklich beschäftigt. Zur Aufwertung von Reftkaufgelöern. Wann können die Höchstsätze beantragt werden? Das Gesetz über die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden sowie über Vorzugsrenten vom 9. Juli 1927 enthüll eine Bestimmung über die erhöhte Aufwertung von Rest kauf geldern. Zuschriften unserer Leser lassen erkennen, daß über diese Bestimmung keine genügend« Klarhell besteht. Es soll deshalb die Rechtslage hier näher erläutert werden. Das Auswerlungegesetz vom 1k. Juli 1923 bestimmt in Z 10 Absatz 1 Ziffer 5, daß eine höhere oder geringere Aufwertung der persönlichen Forderung unter Abweichung von dem Rormalsatz von 23 Proz. zulässig ist, wenn es sich um eine Kaufgeldforderung(Kaufgeld für den Erwerb des mtt der Hypothek belasteten Gnmdstücks) handelt, die nach dem 31. Dezember 1908 begründet worden ist. Absatz 3 desselben Paragraphen de- schränkt die Höheraufwertung aber, wenn die Forderung in der Zell vom 1. Januar 1912 bis S1. Dezember 1921 begründet worden ist. auf 100 Pro� des Goldmarkbetrags der Forderung. Run ist bekannt, daß man sich in den ersten Iahren der Inflation der Gelte ntwerwng«och nicht allgemein bewußt war. Roch im Jahre 1921 sind nicht selten Grundstücksverkäuse zu Preisen abgeschlossen worden, die nicht erheblich über den Friedenspreisen lagen, obgleich zu jener Zeit die Papiermark nur mehr einen kleinen Bruchteil der Goldmark wert war. Ist der Käuser in diesen Fällen einen Teil des Kaufpreises schuldig geblieben und wird dieser Teil der Forderung heute auf 100 Proz. des Goldnrarkwerts aufgewertet, so kann das Ergebnis sein, daß diese 100 Proz. doch nur wenige Prozent(2, 3, 4 oder 3 Proz.) des Friedcnswerts des betreffenden Grundstücks aus- machen. Die Gläubiger und Sparer haben daher von jeher die Beseitigung der Beschränkung auf 100 Proz. verlangt, die für die Aufwertung von Forderungen, die nach dem 31. Dezember 1921 begründet worden sind, auch nicht gilt. Die Forderungen der letzterwähnten Art unterliegen der unbeschränkten, völlig freien Auf- Wertung. Der Reichstag hat die Forderung der Sparer, die von der Sozialdemokratie unterstützt wurde, abgelehnt, dajür aber dem oben- erwähnten Gesetz vom 9. Juli 1927 als Z 15 eine Vorschrift eingefügt, wonach bei Kaufgeldforderungen, die im Jahre 1921 begrün- det wurden, die Auswertungsstelle auf Antrag den Auswertung?- betrag auf über 100 Proz. festsetzen kann, wenn dies zur Vermeidung einer groben Unbilligkeit erforder- lich i st. Der Auswerwngssatz darf jedoch, wenn die Forderung vor dem 30. September 1921 begründet wurde, 400 Proz., wenn sie nach diesem Zeitpunkt begründet wurde, 600 Proz. des Eoldmark- betrages nicht überschreiten. Zu beachten ist nun folgendes: Die Aufwertungshypothek, die zur Sicherung der Kaufgeldforderung auf das Grundstück eingetragen wird, beträgt immer nur 23 Proz. des Goldmarkbetrags der Ior- derung. Das wird in der Regel ein verhältnismäßig Neiner Betrag sein. Höher aufgewertet werden kann nur die mit der Hypothek verbundene persönliche Forderung. Eine höhere Auswertung wird nur auf Antrag des Gläubigers festgesetzt. Aber der Satz vrn 400 bzw. 600 Proz. für Forderungen aus dem Jahre 1921 ist ein Höchstsatz, der nicht überschristen, wohl aber unter- schritten werden kann. Ueber den Satz von 100 Proz. soll nur dann hinausgegangen werden,„wenn dies zur Vermeidung einer groben Unbilligkeit erforderlich ist". Auch wenn diese Voraussetzung zutrifst, wird nicht ohne wei- t e r e s bis zu den, Satz von 400 oder 600 Proz. gegangen werden, sondern die Aufwertungsstelle hat unter Abwägung aller Verhältnisse zu prüfen, ob nicht einunterhalbdesHöchstsatzes gelegener Satz anzuwenden ist. Dem SchuldnermußGelegenheitzurAeußerung gegeben werden. Liegt der Fall so, daß der Deräußerer des Grund- stücks verarmt ist und der Käufer dank der Geldentwertung einen großen Gewinn gemacht hat, so wird der Höchstsatz ohne weiteres gerechtfertigt sein. Liegt der Fall umgekehrt, ist der Verkäufer ein Großbauer oder«ine Terraingesellschaft, die auch bei Inflations- Verkäufen noch gut verdient haben, und ist der Käufer ein kleiner Mann, der selbst unter der Inflation gelitten, vielleicht auch sein« Spargroschen eingebüßt hat, so wird von einer groben Unbilligkeit, die durch Höheraufwertung vermieden werden müßte, nicht ge- sprachen werden können. Die Anwendung des Höchstsatzes wird auch dann nicht in Frage kommen, wenn bei dem vereinbarten Kaufpreis die Goldentwertung schon berücksichtigt, der Papiermarkpreis also ein hoher war. Wir hören, daß in Berliner Vororten reiche Terrain- gesellschaften, die im Jahre 1921 Grundstücke verkauft haben, ganz allgemein den Anspruch auf A u f w e r t u n g der Restkaufforde- rungen in Höhe von 400 bzw. 600 Proz. erhoben. Den Käufern dieser Grundstücke, die vielfach gering bemittelte Leute sind, ist zu raten, daß sie sich gegen derartig« Ansprüche unter Geltendmachung der vorstehend dargelegten Gesichtspunkte zur Wehr setzen und von der Aufwertungsst.'lle eine sorgfältige Prüfung der beiderseitigen Verhältnisse verlangen. Nach üen Hamburger Werstkonzentratwnen. Aufträge und Belegschafken.— Das Lohnclend. Mit der kürzlich erfolgten Auslösung der Reiherstieg-Werst und der völligen Uebernahme des Werkes durch die Deutsche Werft A.-G. Hot sich die Zahl der Hamburger Seeschiffswerften um eine ver- mindert. Es bestehen an der Elbmündung jetzt noch sechs See- s ch i f f s b a u a n st a l te n. Von ihnen sind die drei Werften Vlohm u. Voß, Deutsche Werft A.-G. und die zur Deschimag gehörende Hamburger Vulkanwerft als Großwerften, die restlichen drei Be- trieb« von H. C. Stlllcken Sohn, Schiffswerft und Maschinenfabrik (vormals Jansen u. Schmilinski) A.-G. und die Norderwcrjt A.-G. als Werften mittleren Formats anzusprechen. Der Umfang der Werke läßt sich am augenfälligsten an Hand der Arbeiterzahlen kennzeichnen. Die führende Werft von Vlohm u. Voß wird in Kürze ihren Arbeiterbestand auf 8000 Leute hinaufgeschraubt haben. Ihr folgen in weitem Abstand der Hamburger Vulkan mit annähernd 3000 und die Deutsche Werft A.-G. mit etwa der gleichen Arbeiterzahl(einschließlich der Leute der früheren Reiherstieg- Deutsche Werst A.-G.). Die Belegschaften der drei kleineren Betriebe ergeben folgende Ziffern: Je etwa 600 bei H. C. Stülcken Sohn und Jansen u. Schmilinsky und etwa 400 bei der Norderwerft A.-G. Gut beschäftigt— sowohl im Neubau(zirka 150 000 BRT.) als auch im Reparatur- gefchäft— ist die Firma Vlohm u. Voß. Die Deutsche Werst A.-G. hat zwar auch zurzeit für ihren Neubaubetrieb auf Finkenwärder noch voll zu tun(zirka 30 000..BRT.), jedoch muh sie darauf bedacht sein, für ihre Reparaturabteilung auf dem Kl. Grasbrook(früher Reiherstiegwerft) ebenfalls Neubauten hereinzubringen, wenn sie die bisherige Unrentabilität dieses Werkes beseitigen will Bei den Vulkan-Werken befinden sieb der vom Norddeutschen Lloyd bestellie 46 OOO-Tonnen-Dainpfer sowie zwei Umbauten in Arbeit. Das Re- paraturgefchäft läßt hier zeitweilig zu wünschen übrig, jedoch ver- spricht sich die Dsrwallung viel von der Ausnutzung ihrer verfchie- denen Potente. Nach dem gelegentlich der letzten Kapitaiszufammen- lcgung herausgegebenen Geschäftsbericht haben auch Jansen u. Schmilinsky jetzt Neubauten hereinbekommen. Zustnnmeniassend kann gesagt werden, daß in der Konjunk- tur der Schiffsbau industrie an der Elbe ein nennenswerter Auf- fchwung gegen die Vorjahr« unbedingt vorhanden ist. Ins Gewicht fällt zudem die fortschreitende Konzentration und Rationalisierung der Betriebe. Von weiteren Zusammenschlüssen auch der drei kleineren Werften, oder zwei derselben, wird viel gesprochen. Die durch diese Maßnahmen erzielten Erspanrisse sind nicht gering. Leider denken die Werftleitungen trotzdem und trotz der zunehmenden Teuerung nicht im Entferntesten daran, auch nur einen Teil der Ueberschüsse freiwillig zugunsten der Arbeit- nehmerschoft zu verwenden. Bei der Arbeiterfchast, die in Hamburg bisher den jämmerlichen Hoch st lohn von 64 bis 8 0 Pfennigen bezog, der ab 1. Oktober wegen der verkürzten Arbeitszeit um 2 bis 3 Pfennig erhöht wurde, öerufen sie sich auf den bis zum April 1928 laufenden Tarif, und bei der Angestellten- fchaft haben sie es noch leichter, da hier ein genereller Gehaltstarif zurzeit überhaupt nicht besteht. Es ist n u r z u hoffen, daß die feit längerem intensiv betriebenen Bemühungen der Gewerkschuften um Schafiung eine» solchen Angestellte ntarifes von Erfolg fein werden. Braunkohle gegen Steinkohle im Ferngaskamps. In der„B e r- l i n« r Börsen zeitung" wird, offenbar aus Kreisen der mitteldeutschen Braunkohlcnindustrie selbst, ein scharfer An- griff gegen die Ferngospläne der Ruhr gerichtet. D'e mitteldeutsche Braunkohleninduftrie sträubt sich mit allen Kräften da- gegen, daß die A.-G. für Kohleverwertung in Essen Kreis- und Stadtverwaltungen auf den Bezug von Kokereigas festlegen will. Es wird auf den erfolgreichen Wettbewerb hingewiesen, in dem in« Braunkohle in Mitteldeutfchlaiid mst der Steinkohle auch bei der Gasproduktion bereits steht. In Chemnitz und in Dresden wurde die Braunkohle bereits zur Gaserzeugung beigemischt. Jetzt baue die Stadt Kassel eine neue, 1928 betriebsfertige Anlage, die als erstes deutsches Gaswerk Braunkohlenvergafung vorsieht. Die mitteldeutsche Braunkohleninduftrie dreht sogar den Spieß gegen die Ruhr um. Der Kapitaldienst für die Zuleitung und für die Orts- netz« fei von so ausschlaggebender Bedeutung, daß ein ernster Weit- bewerb durch das Ruhrtokereigas gar nickst bestehe, und alles be- rechtigc zu der Hoffnung, daß man in Mitteldeutschland mit dem Ruhrgas erfolgreich konkurrieren könne. Kampf um den Salitrust. Die von Gerhard Körte geführte Burbach-Gruppe lzat sich bekanntlich mit dem Wintershall-Konzeni, der früher am stärksten die Kalitrustpläne förderte, verständigt. Auch das Kalisyndikat wird nach den van uns ausführlich besprochenen von Wintei-shall-Burbach durchgesetzten Satzungsänderungen jetzt von den Trustfreunden beherrscht. Offenbar ist die Vertrustungsaktion der Kaliindustrie bereits in Gang gekommen. Es wird davon ge- fprochen, daß die Trust freunde eine Dachgesellschaft mit einem Aktienkapital von 300 Millionen Mark für die gesamte Kaliindustrie bilden wollen. Gegen diese Absichten hat ein Denkfchristenkampf der Trustgegner eingesetzt, auf den später noch zurückzukommen sein wird. Sowohl der Kalikonzern Salzdethfurt-Aschersleben, als auch die Preußische Bergwerks- und Hütten-A.-G., die die Satzungsänderungen zugunsten der Trustfreunde scharf bekämpft hat, sind mit Kampfschristen hervor- getreten. Wintershall-Burbach bereitet ebenfalls die Veröffentlichung eines ausführlichen Memorandums für sein« Trustabsichten vor. Hamburg wertet Sparkasseneinlagen mit 23 Proz. auf. Der Hamburger Senat hat für die Sparkassen des Hamburger Stadt- und Landgebietes bei sämtlichen Sparkassenguthaben eine einhcit- liche Aufwertung von 2 3 st a t t 1 2 14 Proz. des Goldinarkwertes beschlossen. Die Teilungsmassen der Sparkassen werden zusammen- gelegt: je ein Drittel der aufgewerteten Beträge soll zum Jahre«- ansang 1928, 1929 und 1930 fällig fein. Für Bedürftige soll die frühere Auszahlung des Guthabens gefordert werden können. Znkernakionale Zollkonferenz. Die auf Initiative der franzö. sifcheu Sozialistischen Partei einberufene Konferenz der So» zialistischen Parteien Deutschlands. Belgiens, Frankreichs, Luxemburg» und der Schweiz, die feiner- zeit oerschoben werden mußte, wird nunmehr am 13. und 16. Ok- tober 1927 am Sitz des Sekretariats der Sozialistischen Partei Frankreichs in Paris tagen. Di« Konferenz wird sich mit den Problemen, die durch die Zollpolitik der vertretenen Staaten r geworfen werden, befassen. Das Turnfest üer jüngsten. Bei der Freien Turnerschaft Grotz-Berlin. Den Rekgen der Hallenveranstaltungen eröffnete die Freie Durnerschaft Groß-Berlin mit einem Kinder-Werbe- turnen in der Zentralturnhalle Prinzenstraße. Wer dieser Beranstaltung beiwohnte, und es waren deren recht viele, mußte zu der Ueberzeugung kommen: hier wird von den Turnwarten, den Helferinnen und Helfern wirklich hingebungsvolle Arbeit geleistet! Die Mädchen und die Jungen waren aber auch mit Eifer bei der Sache. Hell und frisch klang, von Hunderten Kinderstimmen gesungen, beim Einmarsch:„Wir sind mit Stolz die Turner der Freien Turnerschaft." Die Vorführungen selbst konnten in der knappen zur Verfügung stehenden Zeit nur kleine Ausschnitte aus den Uebungsgcbieten bringen. Schon die ersten Gemeinschafls- Übungen fanden allgemeinen Anklang. Das Schlußmotiv, gleichsam ein Streben und Drängen, ein Verlangen nach Licht und Sonne löste bei den Anwesenden besondere Anerkennung aus. Auch jede folgende Darbietung, ganz gleich, ob Volkstänze, Reigen, Schrittarten, Freiübungen, fand immer wieder großen Beifall. Fließend und elastisch wurden alle Figuren und alle be- sonderen Eruppcnvorführungen wiedergegeben. Den Anwesenden wurden sogar einige Stichproben aus dem Arbeitsgebiet unserer Kleinklnder-Zlbkeilungen vor Augen geführt. Selbst die Allerkleinsten, die noch nicht allein auf den Schwebebaum kommen, waren ebenfalls vertreten und wurden mit Hellem Jubel begrüßt. Hier werden zu Vorturnerinnen und Vorturner besonders gewissenhafte Genossen benötigt und in entsprechenden Lehrgängen ausgebildet. Daß auch der Humor zu seinem«Rechte kommt, bewiesen die Vorführungen am Bock, während die Gemeinschaftsübungen an Pferden und Barren zeigten, daß die größeren(und zum Teil auch die kleineren) Kinder schon schwierigere Aufgaben bewältigen können. Die Sonderoorführungen neu- zeitlicher Spiele belustigte nicht nur die Spieler selbst, son- dern stimmte auch alle Großen heiter. Ein besondere anmutiges Bild zeigten die g y m n a st i f ch e n und rhythmischen Hebungen der Mädchen und Knaben. Es war ein ästhetischer Anblick, die durch keine zermürbende Berusstätigkeit verunstalteten Körper federleicht und elastisch dahingleiten zu sehen. In diesen Mädels und Jungens steckt Material, das unter sorgsamer Leitung und gewistenhafter Ausbildung tüchtiger Turnwarte zu guten Hoff- nungen berechtigt. Bei dem Schiebeballspiel Süden gegen Norden war die Mannschaft Norden beweglicher und eifriger beim Spiel und konnte das Spiel mit 1:0 für sich entscheiden. Der Höhepunkt und da» lebendigste Bild bot sich allen, als sämtliche Kinder die verschiedensten Neck- und Fangspiele vorführten. Die Wände hallten wider vom Jauchzen und Kreischen, von der sorglosen und ungezwungenen Fröhlichkeit der Spielenden. Das war ein Herumwirbeln, ein Haschen, Entwischen, Sichüber- schlagen! Angesichts dieser herzerquickenden Lebendigkeit und Fröh- lichkeit wurden auch die Eltern warm. Die Alten wurden wieder jung und lachten und jubelten mit den Kindern!— Doch die Zeit drängte, die Spiele werden abgebrochen und die Adteilungen sammeln sich zu einer kurzen Ansprache, die in das Gelöbnis ausklingt: Körper und Geist stählen und kräftig gestalten für die spätere Berufsarbeit, Freundschaft und Kollegialität pflegen und fördern, und euch, ihr lieben jungen Freunde, zu ganzen Menschen, zu Mitkämpfern für die Ideen der modernen Ar- beiterbewegung zu erziehen! Mit dem Schlußlied: Spiele sind au»— ging eine Veranstaltung zu Ende, die wie keine andere Zeugnis ablegte von der ernsthaften Crziehungarbeit innerhalb der Kinderabteilungen der „Freien Turnerschaft Gr o.ß- Berlin". Die FTGB. unterhält folgende Kinderabteilungen, die von 13— 20 Uhr turnen: Bezirk Süden. Turndalle Doccklistr. 17. Knallen: Mittwoch und Freiwg. Mädchen: Montaa und Donnerstag. Unter s Jahre: Dienetag.— Bezirk Korden l. Turn.bnllc Graunstr. 12. Knabe»: Dienstag und Freitag. Mäd- chcn: Montag und Donnerstag.— Bezirk Slordring tRorden II). Turnhalle EchänfUcger Str. 7. Knaben: Dirnstag und Freitag. Mädchen: Montag und Donnerstag.— Dezirl Borden III. Turnhalle Pulbusser Str. 22. Knaben: Dienstag und Freitag. Mädchen: Montag und Donnnrrstag.— Bezirk Osten. Knaben: Dienstag und Freitag Turnhalle Strahmannstr.«: Dienstag und Donnerstag Turnhalle Frirdcnstr. ZI. Mädchen: Montag und Donnerstag Turnhalle Zügoer Etr. B.— Bezirk Zentrum. Montag Turnhall« Garten. steaß« 107»— Bezirk Wedding. Knaben: Dienstag und Freitag Turnhalle Mlllicr- Ecke Triftstraße. Mädchen: Montag und Donnerstag Turnhalle Pank. ftraße 13: Montag und Mittwoch Müller, Ecke Triftstraße.— Bezirk Südosten. Knaben: Dienstag und Donnerstag Forster Ecke Reichenberger Straße. Mäd- chen: Montag und Donnerstag Turnhalle Glogaucr Straße.— Bezirk Westen. Turnhalle Culmstr. 13. Knaben und Mädchen: Dtenstaq und Donnerstag.— Bezirk Ziosenthal. Turnhalle Kastanienallee. Knaben und Mädchen: Dienstag und Freitag.— Bezirk Karow. Durnlokal«Zum Dankqrafcn".— Bezirk Friedenau. Knaben: Montag und Donnerstag Turnhalle Osfcnhacher Str. 5». Mädchen: Dienstag und Freitag Turnhalle Goßlerstraße. Zranzösistbe flrbeiterringer in Serlin. Frankreich gegen Berlin 14: 14. De? Sportklub L u r i ch 0 2 veranstaltete anläßlich feine» 25jährig«n Bestehens in den Andreas-Festsälen einen deutsch- französischen Ringkampfabend. Hierzu hatte man die seit einiger Zeit In Deutschland verweilende Bezirksringer-Mann- schaft der„Athletik-Sportoereinigung Merlebach" verpflichtet. Der Ruf einer Meisterklasse eilte dieser Mannschaft voraus. In mehreren Städten Deutschlands oermochte sie gute Siege zu erlangen. Erfreulich ist es, daß auch französische Sport- genossen den Weg nach Berlin gesunden haben, nachdem es eine Zeitlang den Anschein hatte, daß sich die Jnternationalität des Ar- beitersportes nur auf Deutschland und Rußland beschränkt. Den Gästen wurde von Seiler, vom Vorstand des Kreises, in einer kurzen Ansprache ein herzliches Willkommen dargeboten! er gab mit schlichten Worten der Hoffnung Ausdruck, daß sich in Zukunft die Nationen nur in friedlichen Kämpfen gegenüberstehen mögen. Der einleitende Versuch des Lurich-Mannes I a w o r e k, den bestehenden Bundesrekord im einarmigen Stoßen zu verbessern, gelang. Er wurde von 10S Pfund auf 110 Pfund erholst. Noch ein Bundesrekord sollte gebrochen werden, Schulz (Lichtenbera-Friedrichsfelde) drückte beidarmig 185 Pfund: damit ist dieser Rekord ebenfalls mit 5 Pfund geschlagen. Die 2 i u--I i t s u- Demonstration der Sportgenojsin F. Lange und A. Lüdke als Partner fand allgemeinen Beifall. Bei den Ringkämpfen traf im Fliegengewicht K L w e n i g (Frontreich) aus Sternberg(Lurich). Der erste Gang endete unentschieden, im zweiten mußte der gewandte Lurich-Vertreter von dem kräftigeren Gegner die Niederlage durch Selbstfaller hinnehmen. Die ebenbürtigen Bantamgewichtler K u s k a(Frankreich) und S ch ä ch l e r(Lurich) schieden beidemal« unentschieden. Erkner �Lurich) als der bessere Federgewichtler konnte im ersten Tressen Z e l m i a ck(Frankreich) eine Niederlage beibringen, im zweiten reichte es nur für ein Unentschieden. Der Leichtgewichtler M i e tz n e r (Lurich) konnte Schaaf(Frankreich) in der ersten Runde durch Eindrücken der Brücke besiegen, der zweite, völlig offene Gang endete mit Unentschieden. Engel(Lurich) und N e u m a n n(Frankreich) standen sich im Leichtmittelgewicht gegenüber: der erst- Gang brachte kein Resultat, im zweiten blieb Engel nach der 2. Minute siegreich. Die Schwermittelgewichtler Fröhlich(Frankreich) und Jakob .j..'......■ v—, v;.. u ♦~ v*»-o u i u u (Lurich) waren sich ebenbürtig und trennten sich aus beiden Runden mit einem Unentschieden. Das Schwergewicht Meier(Frankreich) war Busch(Lurich) überlegen, der erste Gang brachte ihm schon nach zwe,, der zweit- bereits nach einer Minute die Punkte Mit einem Resultat 14: 14 trennte man sich: Halbzeit endete für Lurich 02 mit 8: 6. Die Kämpfe wurden recht flott aus- getragen: die Gaste hinterließen den besten Eindruck. Ein tüchtiger Sportlehrer könnte die Kämpfe der Lurich-Mannlchalt inhaltlich reicher gestalten: an Mut und Eifer fehlt es nicht. Die S p e z i a l- griffe, die dem Kampf den Ausschlag geben, fehlien völlig. Auch kann di« organisatorisch« Leitung des Abends kein Lob in An- spruch nehmen. Dem Schiedsgericht sei gesagt, daß nur Kämpfer und Kampsleiter auf die Matte gehören. Sonst war der Abend ein Ersalg für die Arbeiter-Schwerathletit. Tagung der Zentralkommisfiou. Im Bundeshaus des Arbeiter-Radfahrer-Bunde»„Solidarität" in Ossenbach hielt die Zentralkommission für Ar- beitersport und Körperpflege am Sonntag eine Sitzung ab. Die Tätigkeitsberichte der Vertreter der einzelnen Verbände legten Zeugnis ab von einem erfreulichen Fortschritt der Mitgliederzahl der Arbeitersportoerbände. Die abgehaltenen Kurse haben großen Anklang gefunden und sollen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Die Richtlinien der Kartelle sind fast restlos durchgeführt. Die Frage der Zusammenarbeit mit der Jugend des ADGB. und mit dem Reichsausschuh deutscher Jugend- verbände wird demnächst geklärt werden. Mit dem Verein Arbeiter- presse wird wegen gemeinsamer Beteiligung an der Presse- Ausstellung 1928 in Köln verhandelt. Der Bericht über den internationalen Kongreß in Helsingfors fand ungeteilte Z u st i m m u n g, die gefaßten Beschlüsse wurden gutgeheihen. Beim Reichsministerium des Innern soll ein Antrag auf baldige Ein- berufung des Reichsbeirat» für körperliche Erziehung gestellt werden. Die Tagung fand ihren Abschluß mit einem Rund- gang durch das Bundeshaus des Arbeiter-Radfahrer-Bundes. Eröffnung üer Vinterschwimmen. SV...Vorwärks- isoliert sich selbst! Die.Berliner Schwimm-Union eröffnete am Sonn- tag die Saison der Hallenschwimmfeste mit einem lokalen Fest im Stadtbad Friedrichshain. Mäßiger Besuch der Beranstaltung zeigt, daß dem Berein der nötige Impuls fehlt. Di« Wetttämpf« waren in der Hauptsache aus die Jugend und die B-Klasse zugeschnitten und wiesen annehmbare Besetzung auf. Aus dem Reich waren Chemnitz, Stettin und Plauen vertreten. Die Plauener zeigten gutes Können. Von den Berliner Vereinen waren es die Freien Schwimmer Neukölln, die in der Freistilstafette ein über» legenes Rennen schwammen. Einen wechselvollen Kampf gab di« Münner-Bruststafsette über 3 mal 200 Meter, die von der Berliner Schwimm-Union in guter Zeit gewonnen werden konnte,„Vor- wärt s", Berlin, zog kurz vor dem Start alle abgegebenen Meldungen zurück, da sie an Wettkämpfen, an denen die „Freien Schwimmer Neukölln" teilnehmen, nicht starten. Im Arbeitersport ist diese Art des Bruderkampfes immerhin neu.„Vorwärts" blieb es vorbehalten, damit begonnen zu haben: es wäre zu bedauern, wenn es ständige Uebung bleiben sollte. Resultate: Männcr-Freistilstafette Ixt» Meter: 1. Frei« Schwimmer Reu- källn 2: 37; 2. Freiheit 2: 46,3.— Knaben Bruftstafette 4x46 Reter: l. Welle- Verlin 2: 24,3: 2. Freiheit.— Männlich« Ingend-RSckenichwimmen IM Meter: -) 14—10 Jahre: 1. Rödel, Plauen, 1: 23.6- 2. Ticdlc, Berlin XII, 1:33. K) 16—18 Jahre: 1. Hensckike, Fr. Schw. Rcukölln, 1: 25,2; 2. Grundschock, Welle, 1:26,2.— Springen Männer B-BIagt: I. Eühring, Union, 22)4 Punkte: 2. M. Radzioch, Welle, 13?ü Punk!«.— Mädchea-Brustschwimme» 4» Meter: 1. Pap-, Fr. S-dw. Neukölln. 40 Sek.: 2. Heinrich. Union, 47 Sek.— Weihlich« Iugend-Lagcnstafctte: 3X56 Meter: 1. Weinensee 1: 56,8; 2. Frei« Schwimmer ReukLlln I: 58,1.— Männee-Bruststasette 3X266 Meter: 1. Berliner Schwimm. Union 9: 49,8; 2. Welle-Berlin 10: 00,6.— Kuaben-Freistil 40 Mete«: 1. Vro- scheit. Fr. Eckw. Neukölln, 31,8 Sek— Franen-Lagenstasette 3X50 Meter: I. Fr. SGw. Neukölln 1: 46.— FLuskamPs iüe Männer: 1. Schröter, Weißen- see.— Männliche Zuzend-Brnstschwimmen 206 Meter, 14—16 Jahre: I. Tiedke, Berlin XU, 3: 16,2.— Männer.Freistilichwimmen 100 Meter, Klaffe B; 1. Walter, Plauen, 1; 18.— Wafferballspielc: Schüler: Union gegen Neptun- Weißens, e 3: 2. Jugend: Stettin gegen Plauen 0: 0. Männer: Plauen gegen Union II 6: 5. Union I gegen Chemnitz 4: 2. v!e Photogruppen bei üen Naturfreunöen. Reichskonferenz in Frankfurt a. ZN. Die für den 17. und 18. September nach Frankfurt a. M. einberufene Photokonferenz der Naturfreunde hatte stärksten Zuspruch aus allen Teilen des Reiches zu verzeichnen. Damit wurde dem Beschluß der vorjährigen Reichsversammlung in Würzdurg Rechnung getragen, wonach schleunigst eine Z u- sammenfassung der Photoarbeit im Reichsmaß- st a b e zu vollziehen war. Insbesondere durften die mit der großen Äusstellung zur Frankfurter Olympiade 1925 gemachten Erfahrungen nicht resultatlos bleiben. Von großem Jntereste waren die Arbeltsberichte der Vertreter aus den verschiedenen Gauen. Arbeit in Verbindimg mit den Bildungsausschüssen der Arbeiterschaft und der Heimatschug- bewegung stand an erster Stelle. Viel Eigenbrötelei ist da noch zu überwinden. In einem Referat über„Das Wandern und die Lichtbildners i" wurden die grundsätzlichen Fragen guter Photoarbeit im Interesse eines weiteren Kreises der Arbeiterbewe- Sung geklärt. Die üble„Gruppenknipserei" hat danach unter allen .mständen zugunsten der Gemeinschaftsarbeit beiseite zu stehen. Schön« Landschaftsbilder, Städtebauliches, Kultur- und Rciwrdenk- mäler, geologische Charakterbilder und sonstige naturkundlich wert- volle Aufnahmen und vor allen Dingen Motive aus dem so- zialen Leben der Bevölkerung haben in erster Linie die Aufmerksamkeit der Naturfreunde-Photographen. Ihre Arbeit ist dann zur Ausgestaltung von guten Lichtbildervorträgen und all- gemeinen Ausstellungen zu verwerten. Desgleichen ist für die illu- strierten Blätter der Arbeiterschaft Material zu beschaffen. Ferner wurde die Aufgabe der Gaulichtbildstellen besonders herausgearbeitet, die zu Werbezwecken ausreichende? Bildmaterial vorrätig haben müssen. Di« Planmäßigkeit der Arbelt in den Photogruppen und Gaulichtbildstellen wird sodann durch die neu geschaffene Reichsarbeitsgemeinschaft zu fördern sein. In den vorläufig gewählten Reichsausschuh wurde neben dem Vertreter der Reichsleitung je ein Genosse aus den Gauen Baden. Nordmark, Rheinland und Südbayern delegiert. Zu dem von koin- munistischer Seite nach der dekannten Richtschnur gebildeten„Der- einigung d,er Arbeiter-Fotograsen wurde ab- lehnend Stellung genommen. Da gerade die Naturfreunde in reichem Maße seit Jahren ihre Arbeitsfähigkeit auf diesen Gebieten bewiesen haben, war jene Gründung vollends üderflüstig. E i n korporativer Anschluß von Naturfreunde- Photo- gruppen an diesen Verband ist daher unter allen Umständenuntersagt. Interessant waren die aus der Praxis gewonnenen Arbeits- ergeb n i ss e. die zum Teil den Anwesenden durch Lichtbilder- reihen vorgeführt werden konnten. Eine große Zahl von Neuheiten auf photographischem Gebiet kam dabei den Erschienenen zur Kennt- nis. Zum anderen aber zeigte auch eine gut aufgebaute Photo- äusstellung vorzügliches Material aus den verschiedensten Gauen und Arbeitsgebieten. In erster Linie verdienen bierbei die Arbeiten der Photogruppen Berlin. Dresden. Darmstadt. Halberstadt. Mainz, Nürnberg und vor allen Dingen Hamburg Erwähnung._ Absegeln ües Jrden Segler-verbanües. Saisonschluh in Ost und West. Mit dem vergangenen Sonntag beschloß der FSV. seine offizielle Segelsaison und hatte zu diesem Zweck das Absegeln aller ihm angeschlossenen Vereine auf einen Tag gelegt. Aus der Oberspree, aus dem Langen See, aus der Havel, auf dem Tegeler See. ebenso an der Wasserkante, entfaltete sich ein farbenprächtiges Bild, dessen Schönheit noch durch den frischen Wind erhöht wurde. Fast alle Boote, zum großen Teil mit roten und schwarzrotgoldenen Wimpeln geschmückt, waren dem Rufe des FSV. gefolgt, um noch einmal Heerschau zu halten über die Zahl und Güte de» vorhandenen Materials. Aus der O b e r s p r e e mögen sich etwa 2 5 0 B o o t e zu einem gewaltigen Geschwader vereinigt haben, während im Westen gegen 20 0 Boote sich in diesem Jahre zum letztenmal um den Stander des Freien Segler-Verbandes sammelten. Im ganzen ge- nommen war es eine wuchtige Werbekundgebung?ür den Gedanken des Arbeitersegelsports, die ihre Wirkung nicht verfehlt haben wird._ vie Serken Im Mngen und Heben beginnen« Mannschaftskämpfe bei den Arbeikeraihleten. Anfang Oktober beginnen wieder die Serienkämpf« des 4. Kreises im Arbeiter-Athletenbund, die wie alljährlich zur Feststellung des Kreismeisters im Mannschastsringen und-heben ausgetrogen werden. Der AABD. lehnt es als Arbeitersportorganisation ab, E i n zel Meisterschaften auszutragen und damit dem Kanonenkultus der bürgerlichen Äthletikverein« Vor- schub zu leisten, sondern will unter allen Umständen den Massen- spart pflegen, wozu die Mannschastskämpse am geeignetsten er- scheinen. Gerade sie erfordern ein« gute, gleichmäßige Durchbildung oller Mannschaftsteile. Daß diese Einstellung die richtige ist. beweist die Teilnahme des größten Teiles der Berliner Beveine an den alljährlichen Serienkämpfen. Die Kämpfe werden bei den Ringern in drei Männer- und einer Jugendklasse, bei den Hebern in einer Klasse ausgetragen. In der �-Klaste der Ringer starten nur die 12 besten Mann- schaften des Kreises, von denen nach Schluß der Serie die drei schlechtesten zur L-Klasse absteigen. Bei den diesjährigen Kämpfen gehören folgend« Vereine zur �c-Klasse: Köpenick, Luckenwalde, Lich- tenderg-Friedi'ichsfeld«, Berolina, Spandau, Liberias 96, Nordwest, Siegfried 09. Eiche 1900, Lurich 02, Norden 93 und Alt-Wedding. Eine Voraussage über den mutmaßlichen Sieger ist sehr schwer, da sich alle Mannschaften ziemlich gleichwertig sind. Aus Grund der bisher gezeigten Leistungen darf man wohl Berolina, Nordwest und Lurich 02 ein kleines Plus einräumen, jedoch kann auch jede der anderen Mannschaften den Sieger abgeben. Gespannt kann man wohl auf das Abschneiden des Sportklubs Alt-Wedding sein, der, im bürgerlichen Krvftsportverband zu den führenden Vereinen gehörend, in diesem Jahre zum AABD. übergetreten ist und sich erst- malia an den Serienkämpfen beteiligt. In der L-Klasse, die als Ausscheidungstlass« für die A-JUasse gilt, wird es ebenfalls zu scharfen Kämpfen um den Aus- stieg kommen, zumal hier mehrere Vereine mit vollständig neuer Besetzung antreten. Es find hier die Vereine Roter Stern Sandow, Hennigsdorf, Spandau II, Sturm, Concordia, Kraft-Heil, ASV. Neukölln, Tegel, Liberias 96 II, Armin, Einigkeit und Berolina II, die alle mit guten Mannschaften auswarlen, und von denen wohl Tegel, Roter Stern und Berolina II die meisten Aussichten auf Er- folg haben. In der C- Klasse, die den unteren Mannschaften vorbehalten ist, stellen sich folgende Mannschaften zum Kampf: Einigkeit II. Nord- west II, Nauen, Liberias III, Siegfried-Mariendorf und Bero- lina III. In der Ju g e nd kla ss e treffen sich: Köpenick: Tegel und Roter Stern Sandow, die mit je einer Mannschaft auswarten: der Ausgang ist vollständig offen. Bei den 5) e b e r/n werden sich Siegfried 09, Alt-Wedding. Lichtenberg-Friedrichsfblde, Lurich I und Lurich II das Leben recht schwer machen, hier dürste Lichlenberg- Fnedrichsfelde den Sieger stellen.— Die Kämpfe werden sich über den ganzen Winter hin- ziehen. Nachfolgend die K a m p f t e r m i n e der A-Zklaffe bis 22. Oktober. Die Kämpfe der anderen Klasten beginnen erst Ende Oktober. 7. Oktober: Norben gegen Nordwest: Turiihallc Pank» Eck« Wiel.nstrnße; Beginn 20 Uhr.— 8. Okwber: Liberi-« 96 geizen Eiche 1900; Bestaurnnt Linden- rark. Schöneverg, Hauptstraße: Beginn 21 Uhr.— 9. ONobrr: AIt.Wedd:ng gegen Luckenwalde: Turnhalle Utrcchter Ltraßc: Beginn 10 Uhr.— 14. Oltode«: •VJT I i Silin rn Iii detzSevp!» nessle Anmmti: kppi sümi bei,.Tod an« liebesismiper" Za jedem Pfund der Tafelmarguine„Frlscbc ResT t erlange man gratis den plößllld sieht er ans mll JBntfleMrdfc (Aas in feiner Holle aar nidit stand!) MeSsSanl ersareSt.wa« nur. wop! werde? Sold Sevpl donnert»olllent!>ralliU:„Ntldrend ich hier iieae manfetot, --- �Zdt der vdoioarad»-«ein»est-vrotil Baad der Rcal-Baasbacbertlt Vertreter dar V.M,W. NOrabcrg: I>£anttt4U$ ______ rnkstis erftm höchste uti6 hdchsteu Wohl- seschnuuk: MMaeunö� , Barlia HO 42. NMeKtelcatt.fi. TeL; Ktelgatadt 180», 1844, 18«. Serolina gegen Spandau: Turnhalle Neukölln, SHomasstraß«: Beginn 20 Uhr. — 20. Ol. ober: Köpenick gegen Lurich 02; Turnhalle Köpsnick, Brandenburger Vlatz: Beginn 20 Uhr.— 2l. Oktober: Nordwest gegen Liberias SS; Turnhalle Woaöit,(-wingNstr. 37; Beginn lSlh Uhr.— 2l. Oktober: Eiche ISM gegen Tlt-Wedding; Turnhalle Fritdenstr. IS: Beginn ISih�Uhr.— 22. Oktober: Luckenwalde gegen Norden SS in Luckenwalde.— Alle Kämpf« werden in V Klassen vom Fliegen, bis zum Schwergewicht ausgetragen und gehen llder 2 N unten zu je 10 Minuten._ Roke Hilfe mit preiskegeln. In der kommunistischen Düsseldorser„Freiheit" stand dieser Tage folgende Ankündigung: „An alle Ksgelbrüder Düsselsdorfs und Neuß'I Die KPD. Orts- gruppe Ctraberg-Nievenheim veranstaltet am 25. September und am 2., 9. und 16. Oktober in Nievenheim im Lokale Busch ein Preiskegeln zugunsten der Roten Hilfe. Da die biir- gerlichsn Kogelbrüder und Bereinigungen versuchen, unsere Der- anstaltungen zu sabotieren, so ergehl der Ruf an alle Kcgelsreunde, uns in unserem Vorhaben zu unterstützen. Bahnstation ist Nieoen- heim. Die Preise sind: ein neues Motorrad, 4 PS., ein Herrenfahrrad mit Fahrradrahmen und Beleuchtung usw. Anfang vormittags 16,56 Uhr." � „Trockne Tränen durch Tanzvergnügen", heißt es in der honetten bürgerlichen Gesellschaft.„Kegle' für die politischen Gefangenen", sagen die Kommunisten. Wo ist da der Unterschied? Ausschreibung zum Straßenrennen der Arbeiterradfahrer. Der Wettsahrausschuß des Bezirks Berlin schreibt für Sonntag, 2 3. Oktober, als Abschluß der Saison folgendes Straßen- Mannschaftsrennen aus: Mannschaftssahren, vier Fahrer bilden ein« Mannschaft, die geschlossen fahren muß, der dritte Fahrer wird gewertet. Meldungen hierzu mannschastsweise. Strecke: Kaulsdorf— Mahlsdorf— Dahlwitz— Bogelsdors— Tasdorf— Herzfelde bis Gasthof Heidekrug und wieder zurück nach Kaulsdorf, wo am Stein 14,6 Start und Ziel ist. Start 7 Uhr. Umkleidelokal Kaulsdorf, Frankfurter Straße 53 bei Escherich. Mannschaften um 6 Uhr zur Stelle. Startgold pro Mannschaft 3 Mark. Meldungen, denen das Startgeld beigefügt sein muß, sind bis 15. Oktober an R. M e i n e r t, Berlin SO. 16, Brückenstr. 5b, r. Stsl. 4 Tr. zu senden. Teilnahmeberechtigt sind all« Abteilungen und Ortsgruppen des Bundes. Die vereinsmeisterfchasten der Orksgruppe Charlollenburg von „Solidarität" wurden am Sonntag ausgefahren. Ergebnisse: -2 Kilometer Jugend: 1. Ernst Fulda 4,17 Min.: 2. Erich Leest 4,18 Min.— 56 Kilometer Einzelfahren: 1. Kurt Winkler 1 Stunde 31 Min 35 Sek.: 2. Kurt Motzte 1 Stunde 35 Min. 51 Sek. Die Zeiten sind als gut zu bezeichnen. Zusammenschluß in der Amakeurarkistik. Die beiden ältesten und bekanntesten Arbeiterartistenvereine des Südostens,„Kraft- turn verein Hoffnung 188 8" und„A r t i st e n v e r e i n S ü d- O st 18 9 4"(Mitglieder des MB.), haben sich zu einem großen Verein zusammengeschlossen unter dem Namen„Kraft- turnverein Hoffnung Südost 1888*. Uebungsstunden jeden Donnerstag von 8— 16 Uhr abends m der Turnhalle Reichen- bcrgcr Straße 45/46. Sitzungs- und Bereinslokale: Manteuffel- ftraße 47 bei Nagel uird Ratiborstr. 18 bei Lambrecht.— Gäste und neue Mitglieder stets willkommen. 1. Vorfigender: Fritz V o r ch a r d l, Berlin SO. 26, Reichenberger Straße 176: Tel.: Moritzplatz 14 993._ Länderkunstlurnen Schweiz— Deutschland. Im Mcrcedespalasttheater Neukölln, Hermannftr. 214/218,(iniet am 16. Ol- tobet, lu Übt, ein Landttwctckampt tü/mciz—'j;eut(ajlaiii im®tcötekmi(t- tu..icn statt. 3u tiefet BetanstaUung ist eine große Anzahl Gaste ans dem Ne:che zu erwarten, für die Quatiiete defchafft werden müssen. Es ergeht daher an die Atdeltetfpotller Gtoß-Betlins die Aufjorderung, für die Nacht tmm 15. zum Ib. Oklodtr Ouart.ere dereiizustellen. Genossen, die einen Ar» deuctiutner bei sich aufzunehmen gewillt sind, wollen ihre genaue Adresse um- gehend mitleiien au Alwin Nitzschke, BerUv-ReukÄln, Brusendorser Str. S. Fußball am 2. Oktober. Lichtenberg I schlägt Leipzig. Enititzich 2:1(1:1). Das Freundschaftsspiel »wischen den veiden weannschalien muß als w.rkuches Freundschaitssplel bezeichnet werden. Rur selten hatte der Schiedsrichter Gelegenheit, einzugreifen. HaupifitchUch war es der Torwart der Leipziger, der durch feine voroudüche binhe und Gntfchiossenheit Beitall erntete. Ein für Lichtenberg in den ersten zehn Minuten gegeocner Eifmeicr konnle nicht verwandeit werden. Gleich dar. au, Sirajstbß sur Leipzig, und, schar, geschossen, sitzt der Ball im Retz. Kurz vor der Pause gelingt Lichtenberg durch 2-0Mbcnichuß der Ausgleich. Nach dcr Pause versuchten beide Mannschasten die Führung zu erlangen. Beide Lnnierinannsehaiien arbeiieicn jedoch vorzüglich. Schon sieht es aus, als sollte das Spiet unentschieden enden. Eine Minute vor Schiuß hat Leipzigs Torwart das Pech, den schon gehaltenen Ball fallen zu lassen. Schnell ist L.chtenbcrgs Eiurmer zur Stelle, und der Siegestreffer ist erzielt.— Die Srriensplet« zeitigten einige sehr hohe Nrsuliaii. Aicmannia zeigte wieder e.»mal hervorragende Leistungen. Girnensstadt wurde giatt mit 12:2 ge- schlagen. Union gewann gegen Britz 11: 1. AcbeilerllspactpereiN 24 gegen Sowie! 0: Z. Lorussio gegen Nauen 8: 0. Fichie-Elldoft gegen Sir« lau 1: 1. Suaeia gegen Ali-GUenicke 6: 1. üharlottenburg gegen Berlin 12 1: b. Trep- iower Gallspicliiub gegen Amateure 8: 4. Adler 12 gegen Lankwitz i; 3. Adicrshos gegen Bernau 6: 2. Baoaria gegen Minerva 2: S. Hockeyspkele vom 2. Oktober. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin-Nordring traf sich mit allen drei Mar.irschaslcn zu den salllgest Berbairdsspieien gegen den Akhletik.Eportklud. Lm Spiel der 1. Mannschaiie» hatte man ein maßiges Abschneiden der ASE.er erwartet. Toch sie enttäuschten angenehm nach der hohen Niederlage gegen Cchonholz. US entwickeiie sich bald ein äußerst schnelles Spiel, in weichem bald nach Beginn zwei Tore von den ASE.ern errungen wurden, die aber bei etwas besserer Taktik zu halten gewesen wären. Jetzt fand sich der Sturm der Freren Turnerschast, und in seiner KomOinatron wurde der Ball immer wieder vor das Tor der AEC.er gebracht, gwer Tore wurden bis zur Halbzeit ausgeholl. 2; 2 ging es in die Pause. I» dcr zweiten Häisie brachte es bie Freie Turnerschast noch zu cinem unhalidareu Torerfolg und zum Sieg Z: 2. — Die Freie Turncrschaf! hatte die Illlsfigere Mannschaft und siegte verdient. ASS. spieiie mit großein Eifer, welche mit etwas Glück einer höheren Niederlage entgingen.—»Bon den unteren Mannschaften siegten ASS. 2; 1 mit der zwc.l.a und die Freie Turncrfchaft Groß-Berirn 3;2 mit der dritten Mannschaft._ Handball am 2. Oktober. Am Sonntag fanden die ersten Serienspiele statt. Da, wichtigste Splel der 1. Gruppe Adlershof I gegen Neukölln 2 I konnte Adlecshok mit 8: 1(4: 1) gewinne». Die sonst so zähen Neuköllner konnten dem starten Tempo nicht standhalten. Ein Alleingang ihres Miiielstllrmers brachte das Ehrentor. Flchie.Spiclableiiung tonnte von Brandenburg nur-inen Punki mitbringen; 4:2(8:1). In der 3. Gruppe waren Neukölln 1. Abi. gegen Luckenwaide. Sportler mit 8:0(1:0) und Fichte 3 I gegen Groß-Berl in-Friedc nau mit »- 2<4: 0) siegreich. Groß.Brriin/Slldcn hatte in der 5. Gruppe als ersten Gegner AEG. Das h,he Siesuliat von 12: 0(5: 0) ist zu verstehen. Un- erwartet hoch fallen in der 6. Gruppe die Resultate aus. Tegel 1 gegen Groß. .BerUn-Äeddlng 11:9(0:4). Nach der Pause wurde das Spiel etwa» hart. Gin« Minute vor Schluß konnte Tegel zum Ehrentor einsenden Spandau kcg�n Schönow: 2(7: 1). Spandeu war in Balltechnik und Zusammensptel gut, wichrrnd Schünow zerfahren und einseitig spielle. J5» ber 7. Gruppe Miißie sich Adlershof II. Männer anstrengen, um gegen Eroß-Betlm-Osten I c.n Nefultat oo» 6:5 herauszuholen. Osten fichtie bis zur Pause mit 4:1. Die Frauen fielen mit niedrigen L.esuliaie» au». Groß-Berlin-Äedding gegen Schönow 4:1 ,2:0). Spandau gegen Groß.Veriin.SUden 2: 0(0: 0). Adlers- Hof gegen Nenkolln 2 0: 1(0: 1). Eparta hotte sich zu einem Serbefpiel Bero- iina oerpsiichiei. Berolina ist eine neue Mannschaft, aber aus allen Landball- spielcrn gebildet, was auch die gezeigte Technik bewies. Svaria ist aber trotz- dem iiderlege», Verolinas Angriffe enden bei der Berteibigung. Die erste Blerielsti-nde nack' der Pause beherrschte Berolina das Feld und kann gleieh- z.eh.v, Spartas M.iielfMrmer stellte aber bald die Führung wieder her; da, Spie! endete mit 5: 2(2: 0) illr Sparta. Bei Berolina fehlt die Schutzfreudig- ieit. Spartas Stürmer und Läufer zeigten nicht die nötige Zusammenarbeit. Zonristenvereln.Die Raiurfrennde-, Zentral« Wie»,«bt. Friedrichshai»: Dlensiaa, 4 Oktober, 20 Ilhr, Sbertnstr. 12.„Warum Arbeiterorganisation?" —«bt. Trieben-»: Dienstag. 4. Okiober. 20 Uhr, im Heim Offenbacher Str. 5-, — Abi. Norden: Dienstag, 4. Okiober. 20 Uhr, IM Heim Sonnenburger Str. 20. — Abt. Wcdding: Diensiaa, 4. Oktober. 20 Uhr, Turiner Ecke Seestraße. „Märkische Sagen."— Abt. Treptow: Dienot-q, 4. Oktober, 20 Uhr, im Hcim Elsenslr. 3.—„bt Pankow: Dienstag, 4. Okiober, 20 Uhr, im Heim«ürfch- stroße 14..Tie schwarze Kunst."— Bewegnngschor: Mittwoch, 5. Oktober, 20 Uhr, Schule Tempe'hoser Weg. Echäuederg.— Abt. Steglitz: Mittwoch, 5. Ollober, 20 Uhr, im Heim Albrechtstr. 43.— Abt. Sitdoft, Zugenbaruppe: Mittwoch, 5. Oktober, 20 Uhr, im Heim Reichenberger Sir. 86.„Bblker am Bmazonenstrom."— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr, im Altersheim Danziger Str 62.— Abt. Reinickendorf: Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr Seibelstr. i Monatsoersammlung.—«bt. Tiergarten: Donnerstag. 6. Olllsber, 20 Uhr, im H-im Lehrter Str. 18a». i-»bt.«!«tÄ!eq»i Donners- tag, 6. Oktober, 20 Uhr, Parkaue 10. Sefchästliches.— Abt. Neukölln: Don. nerstag, 6. Okiober, 20 Uhr, Steinmetzstr. 114. Geschäftliches.— Abt. Südwest: Donnersiag, 6. Oktober. 20 Uhr, im Heim Porckstr. 11.— Naturwissenschaftliche Abt.: Donnerstag, 6. Oktober, 20 Uhr. im Heim Eiralauer Str. 55.— Abt. Rablsdoef: Donnerstag, 6. Okiober, 20 Uhr, im Heim«aulsdorf, Adolfstr. 25. — Photogemeinlckasi, Arbeitsgruppe Neukölln: Dienstag, 4. Oktober, im Heim Schierke- Ecke Ilsestraße. Aebeiter-Sport» und Kultnrkariell Schönebera-Friedenau, 11. Bezirk. Donnerstag. 6. Oktober, 20 Uhr, Kartellsitzung bei Lehmann, Fritz-Reuter- Ecke Marstraße. Trockenkurs« der Arbeiter-Wintersport-Intewissengemeinschaft. Für alle Teil- nehmer, auch noch nicht Gemeldete, beginnt der gemeinsame Einführung»- und Einleikungsabend Donnerstag, 6. Oktober, 19(4 Uhr, Fichtrfporiplatz in Treptow. Geräte stehen zur Verfügung. Jugendliche kostenfrei. Fahrverbindung: Straßen- bahn 87, 91, 187 bis Eichbusckallee, zweite Haltestelle hinter Rathaus Treptow. Stadtbahn bt« Baumschulenweg. Voranmeldung bei Fr. Zeitz, CO 36, Harzer Straße 65. Konfereiiz Achtunal der Spv.-keMeds- und GewerKsdiaffs- fanhdoiidre u. BeaznlenwerlseaussdiQsse teufe Dienskag, den 4. Okkober, 19 Uhr. in den Residenzestsälen. Landsberger Straße 31(Röhe Alexandcrplah) Tagesordnung: BGreerblockpolitik und Sozialdemokratie. Xeferenf: Genosse J. Künstler, 211. d. K.— Aussprache— verschiedenes.— Es wird gebeten, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Al» Ausweis gilt Parteibuch und FuntttonSrkarte. Das Betriebs- und Beamtensekrctarlat. Nuderverein Vorwärts E. V. Dienstag, 4. Oktober, 20 Uhr, Borstand»- sstzung. Donnerstag, 6. Okiober, ZOy, Uhr, beschließende Monatsoersammlung: daselbst Aufnahme neuer Mitglieder, die an dem demnächst stattfindenden Aus- dilbungskursu» teilnehmen können. Sitzung der Ringer» und Seberspatte de» 4. streife«. Dinnerstag, 6. Ol. tober, IStzs Uhr, bei Schulz, Elisabethstr. 30. Zi».Zitsu>» Weißcnsce. Einem lang gehegten Wunsche kommt bie Spart- -■•--..1(t jn 95jeijjtnfM t|ne Ortsgruppe 20-22 Uhr Turnhalle WWWWMWWWWWWWU. WW____.... llober. Anfragen und Auskunst erledigt die Geschäftsstelle, Restaurant Rademacher, Gustav-Adolf- Straße 156. Sportverein Moabit. Dienstag 20—22 Uhr Frauenturnen Rostocker Str. 32. Mittwoch 19 fh Uhr Frauensttznnn Schule Rostocker Straße 20—22 Uhr Dym- nastikabend Quitzowstr. 105. Mittwoch und Donnerstag 1SZH Uhr Waldlauf- abend ab Seestraße. Donnerstag 20—22 Uhr Iugendwerbeabend Turnhalle Ciemensstr. 20. Athletik-Spottklnb e.V. Freitag, 7. Ottober, 20 Uhr, Iahresbauptver- sammiung bei Lehnigi, Mllhlenstraße Ecke Bronunybrllcke. Sonnabeno, 6. Ok- tober, 16. Gründungsfeier des BSC. im Lichtenberger Bereinshau«, Lichten. berg, Rlischestraße Ecke Frankfurter Allee. 20 Uhr. Hallentraining der Jugend- abteilung froen Donnerstag 20—22 Uhr Turnhalle Niederwallstr. 12. Rudeeee und staanfahrer. Sonnabend, 8. Ottober, 18 Uhr, im Borwärt»- Dooishau« Besprechung der Tauerrudersunttionäre. Montag, 10. Oktober, 19 Uhr, bei Wolter, Rungesir. 17, Sitzung der Handballspielfllhrer. Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität. Achtung, Rennfahrer»nd wettfahr, anofchuß! Montag, 10. Ottober, 19ZH Uhr, im Bereinohau« Südost, Michael- lirchstr. 29», Sitzung aller Rennfahrer. Tagesordnung: u. a. Gründung einer Rcnnfahrerabteilnng. Gäste als neue Mitglieder willkommen. Ziu-Zitf» in Brandenburg. Die Sportliche Vereinigung Nordost weilt am Freitag, 7. Oktober, In Vrandenbnrg a. d. H., um anläßlich eine» Jiu-Jitsu- Großkampftages des dortigen SC. Eaxon eine Reihe von stämpfen auszutragen. Bon Nordost nehmen vom Bantam» bis Schwergewicht auswärts teil! Knoop, Appler, Flick, S-biitzeberg, Bado. Bartel und Steinke. Der dänische Jiu-Jitsu- stämpser Harald May wird Uber Wesen und Bedeutung de« Iin-Iitsu-Sports � Berliner Nuderverei« Freiheit e. V. Bootshaus Berlin-Sttalau, Tunnel- straße 28/29. Ordentliche Generalversammlung 15. Oktober, 19 Uhr, Lands- berger Str. 82. Dauerrudern 9 Oktober; Besprechung in der Sitzung am 6. Ottober Im Bootshan». Abrudern Sonntag, 16. Ottober; Fahrtansetzung in der Generalversammlung....._. Ii».Zitsn.Kurse. Montag, 10. Oktober, beginnt ein neuer Iiu-Iitsu-Kursus fllr Anfänger, wozu Anmeldungen schon jetzt entgegengenommen werden. Die «urse finden in der Turnhalle Köpenick«! Sit. 2 statt. Anmeldungen Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag 29—22 Uhr. Frauen. Kurs«». Mitte Oktober beginnt ein neuer Ilu-Iltfu-Kurfu» für Frauen und Mädchen. Mittwochs 20-22 Uhr in der Turnhall« Schlcsifche Straße 4(am schlesifchen Tor). Sport. Ninger-Vettsireit im Sportpalast. hulhanen gegen Pinehtt unentschieden. Der Sonnabend, der erste Storttag de« Finnen Huthanen, hatte ein sehr zahlreiches Publikum angelockt. In dem Kampf gegen den Holländer van Niel brauchte der Finne noch nicht die höchsten Register seines Könnens aufziehen, schon in der 14. Minute erlag der routinierte Holländer einem doppelten Armzug. Die Begegnung des Polen Sztetter gegen den schweren Wiener H. Kawan war, wesentlich interessanter,� diese beiden ausgezeichneten Techniker boten "'(■W/ C$ TR,§ PAXAO tlttt Firm» achte»! ölenr. tsol.— Eiazeloerka«! direkt o» Private tepv- und DanneN'Dccken lauten ett bellen« ab itabnt ».r»>t>»r suchen Sie, sich mit Ihrer Frau zu verständigen. 3. Odn, Urteil ist eine Pfändung nicht möglich. Aber Ihre Frau kann eine einstweilige Verfügung erwirken und dann die Lohnpfändung deantragen. Der Lohn ist unbeschränkt pfändbar._ Wetterbericht der äffenklichen Wettecdlenststelle Berlin und Umgegeud (Nach», derb.): Vorwiegend heiler bis wolkig, nachts stellenweise Baden- srost. Am Tage wieder mild. Abflauende Winde von Westen nach Osten drehend.— Für Deutschland: Osten noch heiter, teilweise Schauer, sonst heitere«, trockene? Wetter mit iühleu Nächten und milden Tagen. «rtelArcrt den Gebrauch. Spielend öiFnea Sie durch einfache Drehung des He» bela die ErdaI«Dose. Wie die unübertreffliche Güte der Creme, stellt Sie nun auch die Packung zufrieden. Marks Estfrösdi war nicht zu verbessern, deshalb achufen wir eine bessere Nantttt-Meiduns 1950 2250 2950 42«° 59°° 69°» 16" 15°° KleiCl un gutem knnttMldeMn Trikot, 2 teillg, mod. kleldoimo J amperform.. IC E e S In StrleklmlUt, mod. Fuben- zasammensteUang, Faltenrock b. 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Bisweilen zankt ein Fürst sich mit einem anderen, weil er fürchtet, der andere werde sich sonst mit ihm zu zanken beginnen... Ein sehr berechtigter Grund zum Kriege ist auch, wenn man, nachdem das Bolk eines Landes durch eine Hungersnot geschwächt oder durch eine Seuche vernichtet oder durch Parteispaltungcn zerrüttet ist, in eben dieses Land einfallen möchte... Blutsverwandtschaft oder Bündnis durch Ehen ist unter Fürsten eine häusige Kriegsursache: und je näher die Verwandtschaft ist, um so größer ist auch ihr hang.Jich zu zanken.. Aus d'esen Gründeil gilt das Gewerbe eines Soldaten als das ehrenhafteste von allen Gewerben; denn ein Soldat ist gedungen, kalten Blutes der Leute feiner eigenen Art, die ihn nie beleidigt haben, so viel zü-,-: töten, wie er nur irgend kann." Dann schildert Gulliver wieder die Furchtbarkeiten einer Schlacht und fährt fort:„Um die Tapferkeit meiner eigenen teuren Landslcute in« rechts Licht zu setzen, ver- sicherte ich ihm, ich hätte es selbst erlebt, wie man bei einer Belage- rung hundert Feinde auf einmal und gleichzeitig ebensoviel aus einem Schiff in die Luft gesprengt hättej und ich hätte gesehen, wie unter großer Spannung der Zuschauer die Leichen in Fetzen aus den Wolken herabgestürzt kamen." Und wieder heißt sein Zuhörer den Erzähler schweigen... So schrieb im Jahre 1727 Jonathan Swift. Seitdem hat sich nicht viel verändert: diese Schilderungen sind auch sür uns noch aktuell. Die Stimme der Bernunft erhebt sich nur. um überhört zu werden. Di« Stimme der Vernunft machten spätere Gene- rationell zu einem— Kinderbilderbuch. Gerhart Neumann. „Lauter sing'n, Saß wir auf öie Koten einen recht furchterweckenüen Eindruck machen!� Treppe erschien, brach die Frau ihr Lied ab. Sie rückte kaum zur Seite, um einen schmalen Paß für Bobbi freizugeben, so daß er ihre ausladende Hüfte streifen mußte. Sie sah ihm stracks ins Gesicht und hatte«ine Zurechtweisung auf der Zunge: man könne sich doch wenigstens entschuldigen, wenn man es schon nicht für nötig halte, Guten Morgen zu sagen und obendrein mtt den Elbkähnen mitten durchs Wasser latschte.... Aber der Frau blieb die Sprache weg. Denn sie sah, wie«in paar ergiebige Tränen durch die faltigen Furchen auf Bobbis ledernen Backen krochen. Und der Blick des Buckligen war so, als bemerke er die Frau gar nicht— eher, als sei er betrunken...,__(Schluß folgt.) Swift als paziftft. Zum 200. Geburtslage des„Gulliver". Vor 2 Jahren ging ein Buch in die Welt hinaus, dos die Zustände und Begebenheiten der Zeit in all ihrer Nichtigkeit und Vernunftwidrigkett in so scharfer Weise geißelte, daß die verschlafene Bürgerbehaglichkeit erschreckt sich aus den Kopfkisten aufrichtere und mit zurückgeschobener Nachtmütze ängstlich fragte: wer macht denn da solchen Lärm? Wer nur einen kurzen Augenblick währte dies Erwachen: dann zog man die Nachtmütze wieder über die Ohren... wozu auch hören, wieweit es mit der Entwicklung der Menschheit ist: wenn sie sich vollendet hat, dann wird man schon aufgeweckt werden.... Der irische Geistliche Jonathan Swift war sich klar dar- über, daß man ihm genau so wenig Gehör schenken würde wie anderen. Aber er war doch mutig genug, trotz ollem seine Stimme zu erheben, vielleicht aus einem Gewissenszwang heraus, und zwar ließ er einen Mann für sich sprechen, den heute sogar die Kinder kennen: Lemuel Gulliver.— Swift war ein Fanatiker der Wahrheit, er litt mit der Menschheit und empfand ihre Schmerzen als die seinigen. Allgemein wird er als ein Feind der Menschen geschildert, und mancherlei Anekdoten suchen das zu bekräftigen. Aber diese Anschauung ist irrig: er war der beste Freund der Menschen: doch er zog sich zurück, weil er sah, wie wenig die Mensch- heit ihre Freunde zu würdigen vermag. Was Grillparzer in seiner Grabrede auf Beethoven sagte:„Weil er von der Well sich abschloß, nannten sie ihn feindselig, und weil er der Empfindung aus dem Wege ging, gefühllos. Ach, wer sich hart weiß, der flieht nicht! Die feinsten Spitzen sind es. die am leichtesten sich abstumpfen und biegen oder brechen"— das gilt Wort für Wort für den einsamen irischen Dekan, der aus seiner kleinen cheimatinsel sehnsüchtig nach dem Fortschritt ausspähte, diesen Fortschritt nicht fand und darüber gebrochenen Herzens starb. „Gullivers R« U e n" sind für die Kinder geschrieben— aber für die erwachsenen Kinder, denen die Begriffe„Menschheit" und„Fortschritt" nicht verständlich werden wollen, für die politischen Kinder, die mit den Völkern Schach spielen, die die Nationen in Kriege treiben— ohne Gewissensbisse und ohne Rücksicht. Swift sieht das alles; und wie er es steht, darin ist er gewifler- maßen der Shaw des 18. Jahrhunderts. Mit schonungsloser Satire und beißendem Spott legt er die Wunden bloß. Die wenigsten wissen, voll wievieler Anklagen der wirkliche„Gulliver" steckt, wie hinter der Scherzmaske sich die Tragik jener Epoche verbirgt, wie der Mensch hier in seinen Leidenschaften und Schwächen gezeigt wird. Ein Beispiel möge dos erläutern: was sagt Swift über den Krieg? Der König der Riesen fragt Gulliver, der ihm über den Krieg als einer bei jenen Riesen unbekannten Sache berichtet, was die Menschen denn außerhalb ihrer eigenen Inseln zu suchen hätten, und„er hörte mit Verwunderung von einem stehenden Söldnerheer mitten im Frieden und. unter einem freien Volke reden". Mehr als erstaunt aber, entsetzt und von Grauen gepackt ist dieser König bei der Schilderung einer Schlacht: daß„die Kugeln ganze Reihen eines Heeres vernichtet und Schiff« in den Grund bahnen und alles verwüsteten", daß sie„Pflaster aufrissen, die Häuser in Stücke schlügen und jedem, der in die Nähe kam, das Gehirn aus dem Schädel verspritzten". Welche Tragik liegt darin, wenn Swift- Gulliver sagt:„er(der König) war erstaunt, daß ich bei all den blutigen und trostlosen Szenen, die ich ihm als das gewöhnliche Er- gebnis des Gebrauchs dieser Zerstörerischen Waffen geschildert hätte, völlig ungerührt geblieben sei: er sagte, dieser Erfinder müßte irgendein böser Geist gewesen sein,- ein Feind der Menschheit." Auch im Reiche der Pferde versteht man diese Angelegenheit „Krieg" nicht. Gulliver wird nach den Motiven eines Krieges ge- fragt.„Ich erwiderte, diese Motive seien zahllos... Bisweilen sei es der Ehrgeiz der Fürsten, die immer glauben, sie hätten noch nicht genug Land oder Volk zu regieren; bisweilen fei es die Ver- derbtheit der Minister, die ihren Herrn in einen Krieg oerwickeln, um das Geschrei der Untertanen wider ihre schlechte Amtsführung Staues Slut. Daß die Farbe des Blutes verschieden ist, haben schon dl« Aerzte der alten Zeit beobachtet. Vielleicht nannten sie wegen des Unterschiedes in der Farbe des arteriellen und venösen Blutes die Lungenarteri« Vene und die Lungenvenen Arterien. Aber es blieb den adelstolzen Spaniern des Mittelalters vorbehalten, als Zeichen ihrA: allen Abstammung sich„blaues Blut" zuzusprechen. In einem Aufsatz über die Farbe des Blutes in der Leipziger„Jllu- ftrierten Zeitung" bespricht Dr. Erich Ebstein dieses sog. blau« Blut de» Adels. Die alten Chirurgen, die ja viel mit Aderlässen arbeiteten, sahen in den oberen Schichten des Gerinsels, dos aus den beim Aderlaß hervortretenden Blut entsteht, die hellrot« Farbe des arteriellen, in den tieferen Schichten die schwärzliche Farbe des venösen Blutes Der Bologneser Arzt Fracassat! beob- achtete 1865. daß die hellrote Farbe der oberen Schicht durch die Einwirkung der Luft bedingt ist und daß man nur das Eerinsel umzudrehen braucht um zu veranlassen, daß die schwärzliche Schicht auch den hellroten Farbenton annimmt Bei krankhasten Zu- ständen kann man schon mit bloßem Auge Farbveränderungen wahrnehmen. So erscheint stark fetthaltiges Blu«, da» besonders bei der Zuckerkrankhett vorkommt, trüber und blasser als gewöhn- lich, und bei der sogenannten Lipämie sieht das Blutserum milch- ähnlich aus. Das„blaue Blut" aber beruht auf keinem„ganz de- sonderen Saft", sondern nur auf der Erscheinung, daß ein mit einem trüben Medium bedeckter dunkler Gegenstand blau erscheint. Der Ausdruck„blaues Blut", spanisch„Zavxre aeiü", findet sich zuerst in den mittelalterlichen Chroniken Kastiliens erwähnt. Man hatte dort bei den Angehörigen der Adelsgejchlechter beobachtet, daß die Hautoenen blau durch die zarte Haut schimmern, und die Ritter glaubten nutz, daß ihr Blut durch blaue Farbe ou-gezeichner sei. Die einfach« Erklärung sür diese Bläue des Blutes liegt aber in der Pigmentarmu» der nordischen Rasse, die pigmentreiche g«. bräunte Haut des Bauern, die schwielige zerarbeitete Haut de» Handwerkers läßt die Blutgesäße begreislicherweise nicht durch- schimmern._ i Scheidungsgründe In Amerika. Bon den vielen Tausenden geschiedener Eben in New Dork sind gelrennt worden: 41 Proz. wegen Untreue deS Manne», 10„. Untreue der Frau. 12,, stnanzieller Schwierigkeiten. 12,„ Berschwendttng«!ncht der Frau, 3„, Trunksucht de» Manne», 8,«zu großen Kindersegen» roimel, leiste'V Neuheit, ca. 130 cm br� Mir.• WatfiwfUyffit' Sa*m-Riche hochgiam. K T«S fließend. Gewebe, 9u cm.. 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Erika(»lässrer in einer ihrer Paraderollen WM!« Lustspiel v.Verneuil Preise 1,2,3M. usw. Lustspielhaus 8'/, Uhr .FilmioniaDtik" Nach schwerem Leiden verschied am 2. Ottober meine liehe Frau, unsere gute Schwester und Schwägerin Frau Aones Maire geb. Heidemann Dies»eigen betrübt an Max Maire, Müllerür. tk2 Max Heidemann als Bruder. Die Uittälcherungsiubet am Donners» tag, dem ü. Oktober, 13', Übt P/,2) im Krematorium tSerichistroße stall Innader eines Gernischtwarenge- schätts sucht auf seih neu erbautes Geschäfts» und Wohngrundstück im Bauwerte von Mark 25 000,— eine I. Hypothek in Höhe von Narh 10000.- Werte Zuschriften erbittet Heinrich Ranpacfa,Werncrsdort, Posl Merzdorf, Kreis Bolkcnhain in Schlesien. Betmen zo Kartshorst Dieostad, den 4 Oktober 19 nachm. l1/« Uhr Haupt-Hfirdeurennei!. herüber||IM-Trl6 Neukölln, w utiottr. 74/76 � Sentsdieiitallailieilei-Veiliagil Mitlrnoch, den 5. Oktober, nochn«. 1 Übt, Im„Kofentbnler tzos-, Hofcntbolct Siros,« 11/12 mr Versammlung'•a aller streikenden Monteure und heiser der Fahrfluhlbelrlebe. Tagesordnung: Bericht über ble gegenwärtige Lage des Streiks. Das Erscheinen aller Kollegen ist tinbe» dingt eriorderiich. Mlkkrnoch den 5. Olkober, normillag» 10 Ahr, im Co al von 31 e n 1 m i a. Linienstr. 195 tm- Versammlung"«a aller In den Brauereien beschöst. und im Deutschen Metallarbeiteroerband organisierten Kollegen. E« ist dringend notwenbig. d-b alle Kollegen erscheinen. vonnersta«. den S Oktober, noch. millogs S Ahr. Ii? verdonbshnnse, Linien, Tr. SZ SS Zv Versammlung"v® aller Kolleginnen und Kollegen Schuiiiarbeiler, Stan>er. Drester. Zuschneider und aller Kolleginnea und Kollegen der kurzwaren- Zndustrie. Tagesordnung t. Wie stellen sich dix Kolleginnen und Kollegen ,um weiieien Ausbau des Vertrages? 2. Vetbands» angeiegenheuen.?. Verschiedenes. Verbandsbuch legitimiert Zahlreicher Veinch wird envariet Oie Ortsnermnltnnq.