tlr. 47S ♦ 44. Jahrgang Ausgabe A Nr. 240 Morgenansgabe Groß-Berlin 10 Pfg Auswärts 15 Pfg. Bezugspreis: Wöchentlich 7V Pscnuia. monatlich S.- SeidiomirJ voraus Mbitar Unter Etreif&ani im In- und Ausland 5.50 Reichsmar? pro Monat. Der.Vorwärts" mit der illustrier- trn Eonntagsbeilage.Voll und ,�eit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen"..Aus der ffilmwelt", ..israuenstimme",.Der Kinde» freund"..Iugend-Vorwärts"..Blick in die Bllchcrwelt" und.Kultur- arbeit" erscheint wochentäglich Mm» mal.Eonntags und Montags einmal. Telegromm-Adresse: .Sozialdewolro» Berlin- Derliner Volksblakt Auzeigenpreije: Die« i n i v a l t i a« Nonvareill» »eil« 80 Bkennia. Rcklametiile 5.— Reichsmarl..Kleine Anzeige»" da» iettaedruckie Wort 25 Pfennig liiulöista zwei iettaedruckte Worte), iede» weitere Wort 1? Vkennia. Etellenaeluche das erste Wort 15 Pfennig. Icdes weitere Wort l» Pfennig.■ Worte über 15 Buchstaben zählen für»wei Worte. 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Der deutjchnotionole Fraktionssührer Dr. 5)ilpert machte noch eine letzte Anstrengung, wenigstens den Bericht der bei- den Nejerenten über ihr jahrelanges Aktcnstudium unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vonstatten gehen zu lassen. Aber auch dieser Wunsch wurde von der Ausschußmehrheit abgelehnt. die Machtprobe vom 1. Mai 1023. Dann begann der>ur Bayerischen Bolkspartei gehörende Ab- geordnete Graf Pestalozza die Berichterstattung über die Bor- gänge des 1. Mai 192.3. Er schilderte den Verlauf der Sitzung der vaterländischen Kampfverbändc vom 2b. April 1923, in der die Forderung ausgestellt wurde, den sozialistischen Maiumzuo zu verhindern und bei der damaligen Regierung Änil. 1 i n g entsprechend zu intervenieren. Der Maiumzug wurde dann auch verboten, weil bekannt geworden war, daß die Kommunisten an dem Waiumzug teilnehmen wollten. Es wurden lediglich sieben kleinere Umzüge gestaltet. Ein« zweite Sitzung der Arbeits- gemeinschaft her Kainpfverbände nahm zu diesem Resultat Stellung, erklärte sich unzufrieden damit und beschloß noch einmal bei der Regierung vorstellig zu werden, um ein endgültiges Verbot der Maifeier zu erzwingen. 2n einer dritten Sitzung am 30. April 1923 wurde beschlossen, den Reichswehrgeneral v. Lossow auszusordern, Waffen für die Rationalsozialisteu bereilzuslelleo. denn morgen sollen die Rote« wie die Hunde niedergeschossen werden". So stand im Protokoll der seinerzcstigen Sitzung zu lesen.»Es mar nicht zu verkennen," so bemerkte der Berichterstatter,»daß es sich nicht allein um ein M a ch t p r o b l e m der Kampfver- bände, sondern um einen Kampf um die Macht im Staat« handelte. Hitler sorderte aggressivstes Borgehen gegenüber den Sozialisten mit Waffengewalt. Der berüchtigte Hauptmann Göhring erklärte dem damaligen Kultusminister Matt rundweg, wenn der Umzug der Sozialisten nicht verhindert würde, dann werde geschossen. Aehnliche Drohungen wurden von dem Wortführer der Vaterlädischen auch gegenüber dem Münchener Poli- zeipräsidenteu gebraucht. So sagte der Oberstleutnant K r i e b c l, der militärisch« Leiter der gesamten Aktion, dem Polizeipräsidenten, daß am 1. Mai aufjcdenFall geschossen würde. 5) i t l c r äußert« bei einer Besprechung mit Lossow zu diesem, daß seine Leute am 1. Mai auf jeden Fall bewaffnet austreten würden." die Polizei greift ein. Der Berichterstatter zählte fortfahrend die verschiedenen er- folglosen Versuche der Kampsverbände auf. den bei ihnen äußerst unbeliebten damaligen bayerischen Jnnennünifter Schweyer zu beseitigen. Dann kam er auf den Tatbestand des 1. Mai zu sprechen: »Schon um 4 Uhr morgens erschienen die Sturmablcliungen vor der Dionierkasernc, um Gewehre und INaschinengewehre herouszu. holen. Die Rallonalsozialiflen halten zn dem wassenschuppea den Schlüssel. Es wurden 400 Gewehre und 12 Maschinengewehre her- ausgenommen. Außerdem kamen die Nationalsozialisten noch in den Besitz von 20 bis 2S Maschinengewehren und 15 Kisten Hand- granatcn. Um 10 Uhr vormittags erschien 5) i t l e r bei den zirka 8000 Nationalsozialisten in Oberwiesenfeld. Die Regierung hatte unterdessen Reichswehr und Landespolizei von auswärts angcfor- dert. Dos war um so notwendiger, als die Nationalsozialisten Flugblätter verteilt hatten, des Inhalts:»Frauen und Kinder, meidet die Straße!" Oberst Banzer von der Polizeidirektion ließ die Organisationen in Oberwiesenscld ein- schließen und befahl bei etwaigem Widerstand sofort zu schießen. Nun wurden die anfänglich so kriegerisch gestimmten Verbände klein Sic tclephonierten bei der Polizei an und ersuchten u m freien Abzug, nachdem sie ihre Waffen abgeben würden. Dies wurde ihnen zugesagt. Dabei ergab sich die bcnierkenswerte Tat- fache, daß viel mehr Waffen obgrlleserl wurden, als morgens aus dem Reichswehtdepoi eninommeu worden waren. �oftizminifter Gärtner interveniert. Eingehend referierte Gras Pestalozza sodann über die Auffassung des dainaligen Innenministers Dr. Schweyer. Dazu verlas er zunächst die bekannte Stelle aus dem Buch Schweilers vor, die«r im Nürnberger Strcichcr-Lnppe-Prozeß gemacht hotte, und schließlich gab er noch einen Brief ch w e y e r s an den Präsidenten des Landgerichts München bekannt, mit dem Schweyer seine Aussagen in dem Meineidsoerfahren erklärt wissen wollte. Dieser Brief knüpfte an einen Artikel des„Vorwärts" an, tn dem schwerst« An- klage gegen die Staatsanwaltschaft in München erhoben worden war in dem Glauben, daß diese jenes gerichtliche Verfahren gegen Hitler vom Versagen der Justiz in der Hltler-Angelegenheit die Rede war. hierzu stellte Gras Pestalozza aus den Akten fest, daß senes Verfahren gegen Hitler, veranlaßt durch den Poltzeiminister Schweyer. Im Mai 1923 bereit» in Gang gekowm«, ist ,,nd am 1. August 1023 die letzteAmtshandlung des Staats- a n w o l t s, nämlich die Vernehmung Dr. Roths, verzeichnet ist. Dann ist alles aus. Run ist in den Münchencr Gerichtsstuben be- könnt, daß der Zustizministcr Gürtucr lelephonisch durch INiniflerial. ral Dürr den Staatsanwalt Dresse angemicsen hat, das verfahren gegen Hitler einzustellen. Der Staatsanwalt hat aber das zunächst nicht getan, denn er hatte dazu keinen Grund. Ein Aktenstück vom 22. Mai 1924, also soft ein Jahr später und noch dem Urteil im Hitter-Piozeß, als es schon rechtskröstig war, verzeichnet jedoch dann einen Einstellungsbeschluß. Abschließend stellt deshalb Graf Pestalozza zur Ausklärung dieses Tatbestandes über die Einstellung des Verfahrens den Antrag. daß der Ikoterfuchungsausschuß den Zustizminister Gurtner. den ZNinifleriolrat Dürr und den Staatsanwalt Dresse eidlich vernehmen solle. Hieraus erstattete der sozialdemokratisch« Abgeordnete Dr. H o e g- n e r sein Referat als Mitberichterstatter. Dos weitaus wichtigste seiner Darlegungen war die aussehenerrcgcnde Zusammenstellung ans den Akten über Die JinanziLruog üer H'ttler-Sewegung. In den Polfzeiakten werden als Geldgeber genannt: Konsul Scharrer in Bcrnried am Starnberger See, der aber nach einer anderen Mitteilung persönlich al? Geldgeber nicht in Betracht kommt, Ahrenberg. Kapitänleutnant Mücke.�Dr. Grandel- Augsburg, der in den Anschlag aus General v. Seeckt verwickelt war, die Sorsigwerke-Berlin und die Firma Becker- Geislingen, die als wichtig st e Geldgeber der Nationalsozialisten bezeichnet wird. Ein be- sonders wichtiger Geldgeber ist auch der Pianoforte- iabrikant'Bechstcin- Berlin. Di« Eheleute Bechstein sind mit Hitler freundschaftlich verbunden. So oft Hiller in Berlin war, speiste er bei Bechstein, wobei Frau Bechstein Hitler als ihren Adoptivsohn ausgab. Ihr Mann gab Hitler jeweils Geld, wenn er mit seinem„Völkischen Beobachter" in Schwierigkesten war, während sie Hiller mit Knnstgegenständen uitterstütztc, mit dem Bemerken, er könne damit machen, was er wolle. Es handelt sich um Gegenstände von höherem Wert. Auch von Mitgliedern des „Bayerischen Indu st rielien Verbandes" hat Hitler nach einem Vortrage, den er vor Mitgliedern dieses Verbandes hielt, auf Grund einer Aussage des Geheimen Kommerzienrats A u st- München reichlich Gelder erhalten. das Auslonü bezahlt Hitler.— doUars von Jors! Ans den Akten ergibt sich serner, daß Geld vor allem auch aus der Schweiz geflossen ist. Hier war der Vermittler jener berüchtigte Dr. D o n s« r, der als Verleumder E b c r t s be- könnt geworden ist, und sein Untcragent Ingenieur Koller in Winterthür. In den Akten beiinden sich n. a. Zusammenstellungen der empfangenen Schweizer Franken während der Inflationszeit. Es ist u. o. davon die Rede, daß es sich um rund 33 000 Fran- k« n handelt, die Hitler erhallen hat. Es flössen ihm aber auch über das Konto Franz Honsstaengel andere Devisen zu, hol- ländische, englische und amerikanische, lieber die H a n s a- B a» k in München kam von einem Herrn Fried« mann ans Siidasrika ein Scheck: der INIlllardär Ford wird ebenfalls als Geldgeber ge- nannt.?lnch aus der Tschechoslowakei flössen Hitler nach den Akten erhebliche Mittel zu.'Dagegen ergibt sich aus ihnen nicht, ob Hitler auch sronzösisches Geld oder solches aus französischer Quelle erhalten hat. Dr. Hoegner kam schließlich noch auf Einzelheiten der Vorbereitungen für de» l. Mai zu sprechen und gab dabei aus den Akten eine Reihe interessanter Einzelheiten wieder, aus die im Berlauf der Untersuchung noch zurückzukommen sein wird. Der Ausschuß setzt seine Beratungen am Donnerstag vormittag fort. (pzeanfiieger Loose notgelanüet. 80 Kilometer von Lissabon entfernt. Roch einem Funkspruch aus Lissabon ist das O z e a n s l u g. zeug»v 1230" bei Torres vedras. etwa 80 Kilometer nördlich von Lissabon, notgelandet. Einzelheiten liegen bisher nicht vor. (Weiteres im Lokalen Teil.) Oer Militärputsch nieüergeschlagen. Meuternde Generale in Mexiko gefangen und erschossen. Mexiko. 5. Oktober. tat Burem des Präsidenten Eall«» gibt bekannt, daß drei weitere ausständische General? gesangengevommen und hingerichtet wurden. Wie Generalstabschef General Alvarez erklärte, stehen nur»wch zwei Gruppen von Aufständlschen unter Waffen. Velde«verde« von Vuodestevope»«erfolgt. Das Vorspiel zum Gnökampf. Trotzkis Aussehlieszung aus dem(«itki. Bon Peter Garwy. Es kam, wie es kommen mußte. T r o tz k i ist nebst seinem treuen Adjutanten W u j o w i t s ch am 27. September aus dem Exekutivkomitee der kominunistischen Internationale, dem.Ekki, feierlich ausgeschlossen worden. Nachdem das heilige Konzil der Komintern seinen vor kurzem noch unfehl- baren Papst Gregor S i n o w j e w wegen der trotzkischen Ketzerei abgesetzt hat, ist es nur folgerichtig, wenn ihm jetzt der Häresiarch, das Kegerhaupt selbst folgt... Die Ausschließung Trotzkis wird in einer wie üblich spaltenlangen Resolution des Ekki u. a. damit begründet, daß die Parteiopposition, mit Trotzki an der Spitze, trotz ihrer feierlichen Versprechungen und Verpflichtungen vom 8. August. die Spaltungsarbeit innerhalb der Sektionen der kommunistl- scheu Internationale im Auslände fortgesetzt hat. Sie habe ihre Beziehungen mit den„Rencgatengruppen" von Maslow-Ruth Fischer in Deutschland, S o u v a r i n in Frankreich usw. nicht abgebrochen. Sie drohe sogar mit der„Bildung einer neuen, vierten Internationale außer- halb und gegen die Komintern"!... Das"stimmt schon! Aber der Hauptgrund der Aus- schließung Trotzkis aus dem Ekki liegt nicht so sehr in der internationalen, als in der i n n c r p o l i t i s ch e n Tätigkeit der Opposition. Es ist freilich an sich schon höchst bemerkens- wert, init welcher Dienstwilligkeit das Ekki dem Befehl Stalins Folge geleistet hat. Damit wird die vernichtende Charakteristik des Ekki, die Trotzki in der Erkommnnikakions- sitzung selbst gegeben hat, bestätigt. Trotzki führte nämlich aus, daß das Ekki ein gefügiges Werkzeug in den Händen S t a- lins gervorden fei, das �.weder überlegt, noch entscheidet, son- dern nur Befehle ausführt". Damit hat er das offene Ge- heimnis verraten, daß das Ekki keine Arbeiter! nter- nationale, sondern bloß Werkzeug der nationalen bolschewistischen Außen- und Innenpolitik des Alleinherrfchers Rußlands, eben Stalins ist. Der„einstimmige" Aueschluß legt von neuem ein beredtes Zeugnis dafür ab. Die Ausschließung Trotzkis aus dem Ekki ist ein Auftakt zum kommenden entscheidenden Kampf, ein Borspiel zu dem im Dezember bevorstehenden Parteitag, der alle„orga- nisatorischen Folgen" zu ziehen und den endgültigen Sieg Stalins über die Opposition zu besiegeln hat. Nicht umsonst sucht Trotzki im voraus den bevorstehen- den Parteitag zu disqualifizieren, zu welchem Zweck er vor seinem Ausschluß der Sitzung des Ekki ausgeführt hat:„Der Parteiapparat(d. h. Stalin) bereitet einen Partei- tag aus seinen eigenen durch ihn ernannten Parteibeamten vor. die die Apparatspitze für die weitere Führung dieser Arbeit bevollmächtigen sollen." Wer hat aber diese bona- partisrische Praxis ins Leben gerufen, wenn nicht Sinowjem, und wer hat dieser Praxis eine quasi marxistische„Theorie" zugrunde gelegt, wenn nicht Trotzki? Der Waffenstillstand vom 8. August erwies sich ebenso als brüchig und vergänglich wie der erste vom 16. Oktober des vorigen Jahres. In der Wirklichkeit gab es überhaupt keinen Waffenstillstand. Stalin setzte die Ausrottung der Opposition gewaltsam fort. Haussuchungen, Per- Haftungen, Ausschließungen aus der Partei, Per- bannung, Durchspitzelung der Oppositionszellen dauerten fort. Die Opposition entwickelte ihrerseits eine fieberhafte unter- irdische Fraktionstätigkeit, um neue Kräfte zu sammeln für den entscheidenden Kampf— dem sie freilich vorläufig aus- weichen möchte. Aber gerade darum vrovoziertc die Partei- Mehrheit die Opposition und suchte sie aus allen legalen Stellungen zu verdrängen. Die Opposition bemühte sich um- sonst, diese legalen Positionen in der Partei, in den Komin- tern. im Staatsapparat, in der Roten Armee beizubehalten. Bon Tag zu Tag wurde sie immer mehr gezwungen, ent- weder den Kampf aufzugeben, oder ihn auf i l- legale Weise weiterzuführen. Aber die illegale Organi- sation, d. h. eine zweite, illegale Partei, hat ihre eigene Logik. Sie führt unvermeidlich zu illegalen, im Grunde revolutio- nären Kampfmethoden. Bei einer Parteiopposition, d i e vor einer demokratischen Volksbewegung Angst hat und ihr Ziel nur in der Machtergreifung durch geschickte Parteimanöoer sieht, führen die illegalen Kampf- Methoden unabwendbar zu einer abenteuerlichen Per- schwörertaktik, zu Palastrevolutionen, zu militärischen Putschen. Der Ausschließung Trotzkis ging bekanntlich eine sen- sationelle Entdeckung einer geheimen Druckerei vor- an, die durch die Opposition organisiert worden war. Diese Tatsache wird jetzt von der Stalinschen Mehrheit ausgenutzt, um die„gegenrevolutionäre" Tätigkeit der Parteiopposition zu brandmarken. Es ist indessen höchst beachtenswert, daß von den 20 Trotzkisten, die wegen dieses„Verbrechens" vor kurzem aus der Partei hinausgeworfen wurden(für das weitere sorgt die GPU., d. h. die frühere Tscheka!), fast die Hälfte aus jetzige� und früheren Rotarmisten besteht. Bekanntlich genießt Trotzki noch jetzt nach mehrmaligen„Rci- nigungen" große Sympathien in der durch ihn geschaffenen Roten Armee.... Man muß immer im Auge behalten, daß in Rußland nach 10 Jahren der terroristischen Diktatur kein öffentliches Leben, kein offener politischer Kampf, keine Selbstbetätigung des Volkes, keine unabhängige Arbeiterbewegung besteht, und daß dadurch die„Machtfaktoren", d. h. die Rote Armee, die Staatspolizei, die Sowjetbureaukratie eine entscheidende Rolle erhalten. Zum großen Teil ist daher der Fraktionskampf innerhalb der kommunistischen Partei ein Kampf um die Rote Armee.... Trotzkis Glück und Ende ist gewiß auch an sich inter- essant und belehrend. Aber seine Ausschließung aus dem Ekki bekommt eine große politische Bedeutung nur als Maßstab des Umwandlungsprozesses, den die bolschewistische Diktatur in der Richtung der„Selbstthermidorisierung", d. h. zu einem neuen Monarchismus, schon durchgemacht hat. Dem Außen» stehenden ist nicht leicht, zu begreifen, um was es sich eigent- lich handelt. Beide Seiten kämpfen mit Verzweiflung und mit vergifteten Waffen. Beide Seiten versuchen ihren Gegner als„Verräter am Sozialismus", als Werkzeug der neuen Bourgeoisie hinzustellen. So erfahren wir aus der Resolution des Ekki. die den Ausschluß Trotzkis begründet, daß die Oppo- sition„lügnerische Gerüchte" verbreitet, als ob das Zentral- komitee beabsichtige, das Monopol des Außenhandels aufzu- geben, die zaristischen Schulden anzuerkennen, den Groß- dauern� dem„Kulakentum" große Konzessionen zu machen und die Chinapolitit umzustellen. Die Parteimchrheit pariert diese Beschuldigungen mit dem Hinweis auf das„kleinbüraer- liche" Wesen des Trotzkismus, der trotz seiner roten Gebärde als Vortrupp der aegenrevolutionären bürgerlichen Kreise in Rußland wie im Auslande diene. Bei der gänzlichen Ausschaltung jeglicher unabhängiger Oeffentlichkeit ist es schwer, hinter dem verzweifelten Eliquen- kämpf um die Macht die tiefen wirtschaftlichen und sozialen Kräfte aufzudecken, die letzten Endes den Hintergrund des Kampfes bilden. Den Ausgangspunkt des Parteizwistes bildet ohne Zweifel das Scheitern der bolschewistischen Hoff- nungen auf die baldige„W eltrevolutio n. Die Stabi- lisierung des Kapitalismus hat die leninistische Theorie über die unmittelbare Umwandlung des Weltkrieges in einen Bürgerkrieg bald über den Haufen geworfen. Gleichzeitig stellte sich heraus, daß keine terroristische Macht imstande ist, der hundertmillionenköpfigen russischen Bauernschaft ein kom- munistisches Wirtschaftssystem aufzuzwingen. Seitdem be- kämpfen sich im Bolschewismus unaufhörlich zwei Tendenzen: eine, die sich nach dem Kriegskommunismus und der„Welt- revolution" sehnt, und die andere, die im Rahmen der R e p, der neuen ökonomischen Politik, den bürgerlichen Umwand- lungsprozcß langsam aber sicher durchmacht und die Politik der Anpassung an die„Realitäten", obgleich unter dem kom- munlstischen Deckmantel und unter Beibehaltung der terra- ristischen Regierungsmethoden, verfolgt. Die gegenwärtige Zuspitzung des Parteikampfes erklärt sich dadurch, daß sowohl die äußere wie die innere Lage Sowjetrußlands in der letzten Zeit sich sehr verschlechtert hat. Auch die Opposition kann keinen brauchbaren Ausweg aus der Sackgasse weisen. Im Gegenteil— ihr positives Programm ist rein utopistischer und gemeingefährlicher Natur. -Ihre Stärke liegt-jedoch in der Kritik, wenn sie auch be- schränkt und inkonsequent ist. So zum Beispiel hatte Trotzki tausendmal recht, wenn er in der Exkommunikationssitzung het Ekki wiederum betonte, daß„über allen Fragen die Frage der organisatorischen Selbsterhaltung der Kruppe Stalin- Bucharin steht". Aber das ist nur die Halbs Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist, daß die terroristische Diktatur a l s solche— ob sie in den Händen Stalins oder Trotzkis liegt — versagt und im Interesse der Arbeiterklasse, des ganzen russischen Volkes überwunden werden muß. Aber s o kann die Frage nur durch die Massenbewegung der Ar- beiterklasse und der demokratischen Schichten des Kleinbürger- tums in Stadt und Land gestellt werden. Das größte Der- Vera Skoronel. Bach- Saal. Gn diesem Frühjahr ist ihr Name weiteren Kreisen bekannt geworden. Der Magdeburger Tänzerkongreß hatte sie berühmt ge- macht. Es bestand kein Zweifel: diese junge Halbrussin ist nicht nur eine grandiose Tänzerin, sie ist— was mehr bedeutet— eine tänzerische Persönlichkeit von ganz eigenem Wuchs. Wir, die wir sie seit Jahren kannten, waren nicht erstaunt über dies« Entdeckung. Staunten aber doch über den fabelhast raschen Aufstieg ihrer künst- lerischen Entwicklung, die sich innerhalb des Trümpy-Kreises voll- zogen hat. Der Geist der zielsicheren und stilreinen abstrakten Kunst, der in diesem Kreise gepflegt wird, entfaltet in den Tänzen der Skoronel seine schönste und reichste Blüte. Der Abend im renovierten Blüthner-Saal, der sich jetzt Bach. Saal nennt, bestätigte und verstärkte die Magdeburger Eindrücke. Im Mittelpunkt des Programm» stand— neu durchgearbeitet— die grotze Tanzfinfonie„D i e F o r m e l". Beginnend mit kurzen, scharf abgesetzten Rhythmen, dann breiter und weicher werbend, leicht - hüpfend, wogend, schwellend, aussteigend zu stampfendem, wirbelndem Juror und abbrechend in jähem Sturz. Eine mächtige, packende, hinreißende Schöpfung, groß in der Vision, lichtklar in der Gestal- tung, meisterhaft in der Vorführung. Um dieses Hauptwert gruppierten sich ein„Heller Tanz", eindrucksvoll mit seinen kontrastierenden Schwüngen und Spannungen, mit seinen wechseln- den Tempi in zartem Duft und auftrumpfendem Elan. Die drei Säge einer anspruchslosen„Suite aus der Kindheit", huschend, schleichend, windend, schlängelnd. Der brillante„Sprung- tanz", der durch ein langes Musikvorspiel leider in der Wirkung geschwächt wurde. Eine nach meinem Gefühl zu sehr mit dem Ber- stände gearbeitete Komposition„Im Schwung" floß nicht ein- heitlich aus vollem Guß. während die stillen, sehnsüchtigen Rhythmen des„Fernen Liedes" in zarter Handaktion und feinen Relief- Wirkungen ganz Gefühl und Seele atmeten und das wuchtige „S ch w c r t l i e d" um so stärker wirkte, als es wegen seiner Kürze und geringen technischen Kompliziertheit keine zu hohen Ansprüche an die physischen Kräfte der Tänzerin stellte, die bei umfangreichen Nummern manchmal zu ermüden schien. Eine kraftvolle, in ihren Ausdruckssormen zuweilen ans Groteske grenzende, daneben aber Zartestes. Stillstes, Feinstes gestaltende Komposition„3 n großen Bögen zur R u h", die lustige, geschmackvolle, rein tänzerische „D r e i st u f i g e Parodie" und die schöne„S u i t e"(Flamme- Melodie— Wirbel) schlössen und rundeten das Progran, m. Dieser Abend hat der deutschen Tanzbühne einen neuen Stern erster Größe beschert..Vera Skoronel ist mit ihm in die vorderste Reihe der modernen Tänzerinnen oetriten. Sie wird diese,, Psatz behaupten können, wenn es ihr gelingt, den zuweilen noch mangeln- den Aplomb zu vervollkommnen, der Aktion der Füße beim nieder- brechen des Bolschewismus besteht gerade darin, daß er jegliche demokratische Bewegung mit den Mitteln des Terrors erdrückt und damit einer Palastrevojjgtion im Stile des 9. Thermidors oder des 18. Brumaire den Weg ebnet. Trotzkis Ausschluß aus dem Ekki, das Vorspiel seines Aus- schlusses aus der Partei— der nach Rykows Ausspruch den „politischen Tod" bedeutet— ist ein neuer Schritt auf diesem traurigen und verhängnisvollen Weg. Hing oüer gegangen? Ludendorffs Rückzug von Tannenberg. Die völkische Presse stellte bekanntlich die Behauptung auf, daß Ludendorff bei der Tannenbergfeier vor Beginn des Vorbeimarsches die Feldherrentribüne demonstrativ verlassen habe, als H i n d e n b u r g sie zusammen mit Marx, G r z e s i n s k i und Braun betrat. Dieser Darstellung ist mit Recht entgegengehalten worden, daß weder Grzesinski noch Braun an der Feier teilgenommen haben. Nunmehr aber bringt die„Germania" die Dar- stellung eines Augenzeugen, aus der zu schließen ist, daß hier ein Ludendorffsches„Kriegspresseamt" im Stile Nikolais falsche Siegssnachrichten für den großen Strategen fabriziert hat. Denn nach dieser Schilderung hat Ludendorff nicht die Tribüne freiwillig als Protest gegen Marx verlassen, sondern er ist gegen seinen Willen zum Verlassen des Podiums veranlaßt worden. Der Augen» zeuge der„Germania" schildert die Szene folgendermaßen: Ludendorff, der am 18. September 1927 genau so wie schon be» der Grundsteinlegung des Tannenbergdentmals im Sommer 1924 von den alten Generalen recht kühl bcho»»delt wurde, hatte sich schon lange vor Beginn des Vorbeimarsches der Kriegervereine und Wehrverbände von den anderen Generalen abgesondert und das Paradepodium an der Straße Hohenstein— Osterode geraume Zeit vor dem Eintreffen der übrigen prominenten Fest- teilnehmet betreten. Dort stand er mindestens zehn Minuten lang in einsamer Pose, hinter sich lediglich einen Offizier in Husaren-Friedensuniform. Dann kamen der Reichskanzler, die beiden anderen Reichsminister, der Oberpräsident Siehr und andere Zivilpersonen bei dem Paradepodium an. Ein dort weilender Ordner in Uniform trat an die Herren heran und wies mehrfach auf die Tribüne, augenscheinlich, um sie zu veranlassen, gleich hinauf- zugehen. Dastatensiejedoch nicht, sondern blieben am Fuß des Podiums stehen. Nach einer Weile traten die ersten Gruppen der allen Generale, darunter Mackensen,- aus dem Denkmal heraus und schritten dem Paradepodium zu. Da ging ein Ordner in Zivil an Ludendorff auf dem Podium heran und sprach auf ihn ein, anscheinend vergeblich. Der Ordner entfernte sich, um kurz darauf, als Hindenburg sich näherte, nochmals mit Luden- dorff zu verhandeln. Während Hindenburg mit den anderen Gene- ralen die Tribüne bestieg, kam der Ordner ein dritte« Mal zu Ludendorff, zog sich wieder zurück, wurde jedoch zurückgerufen. Während dieser letzten Unterredung mit dem Ordner machte Luden- dorfs mit der rechten Hand mehrere so stark kennzeichnende Gesten, daß man seine Wut über das ihm von dem Ordner Angetragene gar nicht verkennen konnte. Währenddessen betrat Hindenburg die Tri- büne, grüßte Ludendorff kurz durch Senken des Marschallstabes und kehrte Ihm den Rücke»». Das gleiche tat Mackensen. Wäh- rend dann die übrigen Generale auf die Tribüne kamen, trat Luden- dorff In mehreren Etappen den Rückzug von dem Podium an und nahm schließlich neben der Treppe Ansstellung. Die„Germania" zieht aus den Vorgängen den Schluß, daß die Festleitung von Tannenberg selber eingesehen hat» daß ein Nebeneinander Ludcndorffs und der Minister zu Un- zuträglichkeiten hätte führen müssen, daß man weder dem Reichspräsidenten Hindenburg, noch dem Reichskanzler Marx zumuten konnte, sich neben dem erklärtesten Gegner der deutschen Republik zu zeigen. Dementsprechend habe sie Ludendorff ge- opfert und ihn ersuchen lassen, die Tribüne zu verlassen. Ludendorff selber hätte so viel Takt haben sollen, von der gehenden Sprung eine größere Sicherheit zu geben. In allem, mos not tut, in genialer Begabung, in echt tänzerischem Geist und ernstem, redlichem Kunstwillen ist sie ohne Fehl und Tadel. Das sehr zahlreich erschienene Publikum nahm alle Darbietungen mit lebhaftem, oft begeistertem Beifall auf. John Schikowsti. Weltbund der fugend. Der„Weltbund der Jugend" hat die Anwesenheit Prof. Honiasheims in Derlin benutzt, den Freui»d und Führer der Jugeirdbeweaung zu einem Dortrag aufzufordern. Honigsheim leistete der Aufforderung gern Folge und sprach im großen Saal des Bezirksamts Kreuzberg über.Lugend und K u l t u r k r i s e". Di« Kulturkrise ist, so führt« der Bortragende aus, eine un- leugbare Tatsache. Die Kultilrpessimisten sähen die Roll«, die die Jugend in diesem Chaos zu spielen hat, lediglich in einem Aufschub des„Unterganges des Abendlandes"-, die Optimisten dagegen, die Kultur und Entwicklung bejahen, sagen umgekehrt: Jedesmal, wo etwas Neues entsteht, tritt Jugend auf den Plan, es zu vollbringen. Beide Auffassungen weist der Rortragende als irrig zurück. Die Jugend trete weder auf den Plan, wo eine Kultur abstirbt, noch sei sie bisher Wegbereiterin der großen Revolution gewesen. Wo liegt die»vahre Aufgabe der Jugendbewegung? Zunächst werden zwei gan.z verschieden« Arten der Jugendbewegung unterschieden, die nichts als den Namen und gewisse Aeußerlichteiten: Kniehosen und Schillerkragen miteinander gemein haben. Die uneigentliche Iugendbnvegung ist diejenige, in der die ältere Generation, dem uralten Antagonismus Pater-Sohn nach- gebend, sich selbst zum Vorspann der Velvegung macht. Man bestritt der Jugend nicht ihr Recht auf Zusammenschluß, beugte aber dem Entstehen einer neuen Geistigkeit vor, indem man Priester, Lehrer oder Oberste a. D. an die Spitze der Jugendorganisationen stellte. So wurden sie unschädlich,»ind diese Iugeiid wollte und konnte nichts an der Struktur der überkommenen bürgerlicb-bureaukrati- ichen Apparatur ändern. Demgegenüber steht die eigentliche Jugend- bewegung, die uns allein angeht. Statt Borgesetztsr und Bureau- traten hat dies« Jugend„Führer", denen sie»»ertraut und freiwillig Gefolgschaft leistet. Hier gibt es zum erstenmal eine Jugend, die nicht früh erwachsen, sondern bewußt jugendlich sein will, die von nnderer Stniktur ist als irgendeine Bewegung der Erwachsenen. Sie lehnt jede zweckhaft« V-rbindung ab. sie kennt nur die Vor- bundenheit von Mensch zu Mensch, die die Seele des andern vor die eigene Seele stellt. Auf dem Gebiet der Sozialpädaqogik revo- lutionierend gewirkt zu haben, war die erste große Aufgabe dieser Jugendbewegung. Dem Strauchelnden eine hilfreiche' Hand zu bieten, dem durch die ökonomischen Verhältnisse kriminell Gewordenen Helfer zu sein, sei seine zweite wichtige Aufgabe. Ihre eigentlicke Mission aber werde die Jugendbewegung erst erfüllen,»venn sie udllttiid wird. Der durch die Jiwendbemcguna Hindurchgegangene, der gelernt bat. den anderen Meickckien nicht nur zu crträaen, sondern auch zu bejah?:», der wird am ersten in der Lage sein, in dein Anderssprachigen, in den» Andersfarbigen den Bruder zu jehen. In diesem Sinn« war auch da» Weltjugendtrejsen Tribüne fernzubleiben. Aber Takt schien nicht seine starke Seite zu sein. Sonst hätte er nicht vor der Feier für sein Erscheinen die Bedingung gestellt, daß ein ganzes Dutzend verdienter Generale nicht einge- laden würde, um dann, als seine Bedingung unerfüllt blieb, doch zu kommen! Auf einer Berliner Bühne sah man jünjjst ein Theaterstück:„Das Ekel". Ludendorffs Drama müßte ähnlich be- titelt werden. Noch kein Mensch— selbst von der R e ch t e n keiner— hat es mit ihm zusammen auf die Dauer aushalten können: weder sein Feldherrnkollege Hindenburg,»roch sein Putschkollege Hitler. Mit Rupprecht von Bayern hätte er sich beinahe duelliert, und 27 bayerische Generäle haben ihn aus ihrer„Standesgemeinschaft" ausgeschlossen. Zurzeit liegt er infolge eines unsäglich kindischen Geschreibsels init den Freimaurern in Fehde. Außer der ihm geiltes- verwandten Mathilde von Kemnitz hat alles ihn verlassen. Der gestürzte Halbgott hadert mit der ganzen Welt, weil sie ihn nicht als Sieger des Weltkriegs anerkennentfcrill. Noch nie ist es in der Geschichte dem Träger eines berühmten Namens gelungen, diesen so schnell und gründlich unter Spott und Gelächter zu begraben! Länöerforüerungen zur öesolöungsreform. Bayern erhebt Einspruch. Der Reichsfinanzminister besprach am Mittwoch mit den Finanz- ministern der Länder die Durchführung der Besoldungs- r e f o r n». Die Länderoertreter erhoben abermals die Forderung, daß sich das Reich an der finanziellen Deckung der Besoldlingsvorlage beteilige. Preußen und Sachsen erklärten sich bereit, die durch die Bcsoldungsreform erforderlich»»erdenden Mehranfwendungen für eln halbes Jahr zu übernehmen. Die anderen Länder betonten, daß sie auch dazu nicht in der Lage seien. Mit der Besol- dungsresorm selbst erklärten sich, mit Ausnahme Bayerns. da» gegen die Besoldungsvorlage als solche Ein- spruch erhob, alle Länder einverstanden. Der Widerstand Bayerns gegen die durchaus notwendige Besol- dungsresorm erklärt sich aus seinem kostspieligen BeruKiliungs- apparat. Preußen, das 38 Millionen Eimvshner hat, schätzt die Kosten für die Lerwaltungsreform auf 18t) Millionen Mark. Dayeri» verfügt»»ur über 7 Millionen Einwohner. Es»vird aber wegen seines überspannten Perwattungsapparates durch die Mehr- auswendungen aus der Besoldungsvorlage mttrundsiOMillio- nen Mark belastet._ Zur üie weltliche Schule. Forderungen der Freien Schulgesellschaften. Dieser Tage fand in Magdeburg die Lertreterversammlung des Bundes der Freien Schulgesellschaften Deutsch» l a n d s statt. Nach Referaten von Professor Dr. B a e g Oberursel und Lehrer N e l l e s< Duisburg über dos Thema„Sozielcgie und Schule" wurde«ine Entschließung angenommen, die verlangt, daß die Soziologie nach Inhalt und Methode dkn Unterricht und das Leben der Schule durchdringen und daß die Lehrerschaft in ihr ausgebildet werden müsse. Zum Reichsschulzesetz und zur F'-ogc des Konkordats bringt eine weitere Entschließung zum Ausdruck, daß der Bund die Lereinheitlichung und Verweltlichung des gesamten Schulwesens erfirebt. Er lehnt die bisherige Regelung als Folge des Weimarer Schulkomprdmisses ab und verlangt ein Reichsschulgesetz, das der weltlichen Schul« die bisher fehlende Grundlage gibt und ihr dieselbe rechtliche Stellung biete» wie der Bekenntnisschule. Schließlich ruft er zum Kampf gegen hie Bestrebungen nach einem Konkordat auf. Reinhold ZNalhans Nachfolger? Dem„Demokratischen Zeitungs- dienst" zufolge hat sich Stresemann an den früheren demokratischen Reichssinanzminister Dr. Reinhold mit der Frage izewandt, ob er die Nachfolge Maktzans als Botschafter in Washington übernehmen wolle. An zuständiger Stelle wird die Richtigkeit dieser Meldung bestritten. auf der Freusburg verlaufen, an dessen Beschlüssen und Beratungen der Vortragende hervorragenden Anteil genommen hat. Dos Er- aebnis werde die Schassung eines großen internationalen„W e l t» bnndes der Jugend" sein, der im nächsten Jahr in Ommcn in Hollai»d gegründet werden soll. Ihm werde die welchistorisr definitive Abichlufi eines GastibielS Mozartichcr Openi unter Leilung Bi-u:io Walter» iür den?)?ai nächsten JabreS erfolgt. Für mchi ere dieler Lpciir bot Win; Reinbordt die Uebcrnohme der Regie ziigesagl. Weitere Äbschlüsse deuttcher tLoiisp iele stehen bevor. Avsstsche Tanzkunst in Berlin. Etmerirc Pari« und ihr Partner Opinst, treten iun1&,20UH««»Schi»echt»»|aal«nt. deutschnationale Werbearbeit. Im Zeiche» Hindenburgs und im Geiste Ahlwardts. Graf W e st a r p hatte, nach«inem Bericht des»Berliner Tageblattes'", in einer deutschnationalen Fiihrertonferenz an- gekündigt, daß die Partei Hindenburgs Geburtstag zur Mitgliederwerbung benutzen werde. Parteiamtlich versuchte man diese Aeußerung zu bestreiten, obwohl der Gewährsmann des demokratischen Blattes versichern konnte, er habe sie mit eigenen Ohren gehört. Inzwischen ist der Ankündigung die Tat gefolgt. Seit Sonntag werden in Charlottenburg und sicher auch anderwärts Flugblätter verbreitet, in denen man liest: hinein in die Deutschnationale Bolkspartei, die unseren Hlndenburg aus den Schild erhob und in Zähigkeit und Treue mit dem Valer de» Vaterlandes am Wiederaufbau arbeitet! Wie diese Wiederaufbauarbeit»mit dem Vater de? Vater- landcs" betrieben wird, zeigt der übrige Inhalt des Flugblatts. Es beginnt mit dieser blendenden Entdeckung: Wir leben im Zeitalter der Zahl! Unter dem neudeutschen Parlamentarismus von heute geht Macht vor Recht. Das ist ein unzweideutiger Angriff auf den Grundgedanken der Verfassung, auf die politische Gleichberechtigung aller Staats- l'ürger. Man sehnt sich nach der Zeit, wo das Dreiklassenwahl- recht herrschte und auf Kasernen, und Schulhöfen nach Herzenslust geprügelt wurde. Das ist das»Recht", das sie wieder haben möchten! Weil der Oberbürgermeister D ö tz Lotale meidet, die sich weigern, die Reichsflagge zu zeigen, wird er als»Vorkämpfer der Gesinnungsknechtung" bezeichnet, es wird Freude darüber aus- gesprochen, daß sich»der gesunde Sinn unserer Bevölkerung gegen alle Mußbsflaggungen wehrt". Den übrigen Inhalt bilden dl« üblichen Lügen gegen die Sozialdemokratie im Reichsverbondsstil und abgestandene antisemitische Witzeleien über.„Libanontiroler" und dergleichen. Dies alles»in Zähigkeit und Treue mit dem Dater des Vater- landes, unserem hindenburg". Beigegeben sind diesem Produkt Handzettel, in denen zu deutschnationalen Versammlungen«ingeladen wird. Redner sind sämtliche deutscknationale Reichsminister: Hergt, Keudell, Schiele und Koch. Unser Kampf gegen üen Sürgerblock. Eine Kundgebung in Berlin-Wcdding. Zu gestern 19,30 Uhr hatte die 21. Abteilung draußen im Wedding zu einer Kundgebung gegen den Bürgerblock in die Pharussäle gerufen, die schon vor Beginn der Veranstaltung überfüllt war. Di« 21. Abteilung hatte für den Abend ein wohl- redigiertes„Kampfblatt gegen den Bürgerblock" herausgegeben, das sich ,.A l a r m" nennt und mit Beiträgen der Genossin Klara B o h m- S ch u ch, Bürgermeister Leid und Paul G u r s t y versehen ist. Eine Rede de» Gen. Hans Vogel, die an der Polltik des Bürgerblocks schärfste Kritik übte und zu leidenschaftlichem Kampf für die Sache der Sozialdemokratie auffordert«, wurde mit stürmi- fcho■ Beifall ausgenommen. Mit einem hoch aus die Sozialdemokratie endete die wohl- gelungene Kundgebung. 9" »urj Die Beratung öes Strafrechts. Ein unbrauchbarer kommunistischer Antrag. Der Strofgefetzausschuß des Reichstages beschäftigte sich gestern noch mit 8 23 des Regierungoentwurfs, nach welchem eine sirafbare Handlung nicht vorliegt, wenn das öffentliche oder bürger- liche Recht die Rechtswidrigkeit der Tat ausschließt. Zu diesem Paragraph beantragten die Kommunisten auszusprechen: Nicht rechts- widrig handeln die berufenen Vertreter der Belegschaften von Be> trieben, der Gewerkschaften oder gleichartiger Berufsverbände, die in Alisübung ihres Auftrages die"Interessen der Vertretenen wahr- nehmen. Genosse Landsberg wies nach, daß auch die sozialdemo- kratische Fraktion bereit sei, die gesetzlichen Schranken, die der Aus- Übung der Grundrechte entgegenstehen, zu erweitern, diese Absicht tonne aber nur bei einzelnen Paragraphen des besonderen Teils des Strafgesetzbuches verwirklicht werden, vor allem bei den p o l i- tischen Delikten. Der jetzige kommunistische Antrag sei nicht durchdacht, er würde alle Vertreter der Gewerkschaften prioilegieren. Es sei doch aber nicht anzunehmen, daß die Kommunisten auch die christlichen und gelben Gewerkschaftler straffrei machen wollten. Wenn etwa eine gelbe Gewerkschaft den Zutritt sozialdemokratischer Ar- beiter zu ihren Versammlungen durch jedes Mittel, auch durch Körperverletzung verhindern wollten, so würde der Leiter emer der- artigen Gewerkschaft, der auf die Fassung und Ausführung eines solchen Beschlusses hingewirkt hatte, straflos fein. Genosse S a e n g e r schloß sich dieser Kritik an, Indem er daraus hinwies, daß der kommunistische Antrag geradezu auf eine Privilegierung von Mord und Totschlag hinauslaufe. Solch Privileg würde auch im russischen Strafgesetz- büch keinem Vertreter der Gewerkschaften gegeben. Bei den Bestim» mungen über die Wahrnehmung berechtigter Interessen und über den Schutz der Arbeitskraft würde auch die Sozialdemokratische Partei Schutzbestimmungen vorschlagen, wie sie den Kommunisten vor- schwebten, aber nicht in vernünftiger Weile vorgeschlagen wären. Bei der Abstimmung wurde Z 23 nach Ablehnung des tommu- nistischen Antrages angenommen und die Weiterberatung über Not- wehr und Notstand auf morgen oertagt. Kein Nittelmeerbünöm's. Ehamberlain erzählt Briand von Primos Wünschen. pari,. S. Oktober.(Eigenbericht.) Der Besprechung, die Chamberlain und Briand am Eonnabend bei einem Frühstück im Auswärtigen Amt haben werden, sieht man in politischen Kreisen mit viel Interesse entgegen. Die Blätter unterstreichen, daß der Begegnung keinerlei größere politische Bedeutung beizumessen sei. Chamberlain werde sich mit Briand nicht über die allgemeine polltische Lage, sondern nur über seine Begegnung mit Primo de Rivers unterhallen. Diese Besprechung Hobe nicht den umfassenden Charakter gehabt, den man in Frankreich befürchtete. Es fei keine Allianz Im Mittelmeer mit einer Spitze gegen Frankreich vereinbart worden. Chamberlain habe vor ollen Dingen versucht, Primo de Rivera zum Wiedereintritt Spaniens in den Völkerbund zu veranlassen. Der sogenannte lateinische Block in Genf sei gesprengt und die Totsache, daß Engländer und Franzosen zusammen nicht in der Lage waren, das Derbleiben Belgiens im Dölterbundsrat zu erreichen, beweise, wie stark die südamerikanischen Staaten in Genf seien. Chamberlain sei deshalb der Ansicht, man müsse Spanien veranlassen, wieder in den Völkerbund einzutreten und die französisch- englische Politik zu unterstützen. Primo de Rivera habe auf dieses Ansinnen mit neuen Forderungen in der Tanger- Frage geairtwonet. Labsur Partys Hergbauprogramm. Der Nationalisierungsplan einer künftigen Arbeiterregierung. London, S. Oktober.(Eigenbricht.) Im Mittelpunkt des drstten VerhanMungstages de- Kongresses der Arbeiterpartei in Blackpool stand die Er- örterung der krisenhaften Lage des britischen Bergbaues. Ramsay Macdonald legte der Konferenz hierzu eine Entschließung vor, deren Forderungen bemerkenswerterweise von der Exekutwe der Arbeiterpartei in Gemeinschaft mit den Vertretern des Bergarbeiter- Verbandes ausgearbeitet worden waren. Die Entschließung betont einleitend, daß die gegenwärtigen katastrophalen Berhältnisse im Bergbau auf die Kapitulation der konservativen Regierung vor den Bergbauunternehmern und den Mangel an einer konsttuk- tioen Politik zurückzuführen sei. Es wird dann die Forderung nach Nationalisierung des Bergbaues wiederholt und«ine Reorganisation der Verkeilung und des Absahes der britischen Kohl« gefordert. Als unmittelbare Forderungen nennt die Entschließung u. a.: Wiederabschaffung des Zlchtstundengesetzes im Bergbau, Regulierung der Arbsitsziffer durch Erhöhungdes schulpflichtigen Alters, Einstellung der Werbung von Arbeitern für den Bergbau unter der erwachsenen Arbeiterschaft anderer Industrien, Verpflanzung arbeitsloser Bergarbeiier noch Bergbaugebieten, in denen Nachfrage nach Arbeitskräften herrscht, zwangsweise Zusammenlegung von Bergwerken. Errichtung von Verkaufszentralen für jedes Kohlenfeld durch den Staat oder eine öffentlich-rechtliche gemeinnützige Körper- fchaft usw. Macdonald gab zur Begründung der Resolution eingangs das feierliche Versprechen ab, daß eine zukünftige Arbeiterregierung die Nationalisierung des Bergbaues vornehmen werde, in der Zwischenzett könne jedoch die Arbeiterbewegung nicht die chand in den Schoß legen und zusehen, wie die Bergbauindustri« vor die chunde geh«. Der britische Bergbau sei da» anschaulichste Beispiel für die llnfähigkeil der privatkapilalistischen Wirkschafi: sie sei jetzt organisiert, und in einer Art und Weise, welche das Leben der hier beschäftigten Arbeiter gefährdet. Macdonald wandte sich hierauf den Delegierten des Bergarbeiterverbande« im Saal« zu und rief ihnen zu, daß ihr Kampf im Bergbau noch keines- wegs beendet fei. Die ganze Partei stehe Schulter an Schulter zu den Bergarbeitern. Sie hätten vielleicht zwar Schlachten im Kampfe mit den Unternehmern verloren, aber sie würden den Krieg um den britischen Bergbau nicht verlieren Die Arbeiter- parte! werde alles tun, um Mittel und Wege zu finden, um den Bergarbeitern zu helfen.(Stürmischer Beifall.) Anschließend drückt« der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes. cherbert Smith, seine Befriedigung darüber aus, daß Mac» donald jedes Mißverständnis hinsichtlich der Nationalisierung des Bergbaues in einer kommenden Arbeiterregierung ausgeschlossen hätte. Smith malle hierauf ein überaus dü st eres Bild der gegenwärtigen Lag« im britischen Bergbau. Seine Red« klang in der Feststellung aus, daß die Bergarbeiter in der nächsten Zukunft ihre Hoffnungen wemger auf gewerkschaftliche Aktionen als auf Hisse durch politische Betätigung der Arbeiterpartei setzen könne Nach einer längeren Diskussion, in der eine gewiss«, jedoch äußerst zurück» haltende Kritik an der Resolution geübt wurde, wurde die Resolution Macdonalds einst immig angenommen. Die Konferenz wandte sich hierauf Erziehungsfragen zu. Es wurde eine Entschließung angenommen, welche die reaktionäre Erziehungspolitik der Regierung Boldwin verdammt und sich zum Prinzip der Einheitsschule bekennt. Die Resolution fordert u. a. freie Schulmahlzeiten für bedürftige Kinder und freie schulärztliche Behandlung. Die Nachmittagssitzung stand im Zeichen der Erörterung der Probleme der Arbeitslosigkeit. Die Konserenz nahm zunächst eine von Clynes eingebracht« Resolution an, welche die Errichtung eines Landesarbeitsamts, Erhöhung des schul- Pflichtigen Alters, Erhöhung der Altersrente sowie die Schaffung besonderer Schulungseinrichtungen für landwirtschaftliche Siedler fordert. Nachdem die Konferenz hierauf gegen die reaktionäre Klausel des neuen Gesetzentwurfes der Regierung über Arbeitslosenversicherung protestiert und ein« Reorganisation der gegenwärtigen veralteten und unwürdigen Armengesetzgebung ange- nommen hatte, kam es zu einer erregten Aussprache, als die Frage der sogenannten Geburtenkontrolle diskutiert wurde. In der folgenden Aussprache warnten ver. schieden« Redner davor, sich als Partei in irgendeiner Weise mit der Forderung nach einer Propaganda der Geburtenkontrolle zu identi- sizieren, da dies insbesondere für das Wachstum der Partei unter der römisch-katholischen Arbeiterschaft abtrünnig sei. Brailsford betonte, daß in dieser Forderung nichts gelegen sei, was das Gewissen irgendeines Arbeiters verletzen könne. Die Forderung nach einer Ermächtigung der Kassenärzte, über die Mittel der Geburtenverhinderung Auskunst zu geben, könne lediglich dazu dienen, eine Schrank« zwischen Reich und Arm niederzulegen. Die Ja-Sager. Lehren des Falles Buttler. Der Prozeß gegen den Kaufmann Mitrelstädt, der den trunk- süchtigen Molkereibesitzer Buttler als Schöffe vertrat(vgl. den Be- richt im gestrigen Abendblatt), verdient ein grundsätzliches Nochwort, weil er für die Mangelhaftigkeit unseres heutigen Schöfsenauswohl- systems typisch und kennzeichnend ist. Fast ohne jede Per- sonenkenntnis werden die Laienrichter einer Iiste entnonimen, wobei der kleine Mittelstand sich besonderer Beliebtheit erfreut. Denn auf der einen Celle will man nicht gar zu ojsensichtlich die Kapitalisten- klaffe durch einseitige Auewahl von Fabrikanten, Großkaufleuten usw. bevorzugen, auf der anderen Seite aber scheut man immer noch davor zurück, wirkliche Proletarier— Arbeiter und Ange- stellte— sn der ihrem Bsvölkerungsteil entsprechenden Anzahl heranzuziehen. Denn dann würden ja—- schrecklicher Gedanke!— in den Großstädten die Schöffengerichte und Geschworenenbänke überwiegend mit Arbeitern besetzt sein. So hält man sich denn mit Vorliebe an den Mittelstand, nimmt Handwerksmeister, kleine Ladcirbesitzer usw. und kommt sich dabei wer weiß wie demokratisch vor, weil es doch„kleine Leute" seien, die den überwiegenden Teil der Laienrichter ausmachen. In Wirk- lichkeit erhält man auf diese Weise ein Richtermoterial, dessen „Geistigkeit"— von rühmenswerten Ausnahmen abgesehen— seine Widerspiegelung in dem Krühwinkelwm der Ladendorfsschtn Wirtschaftspartei findet: Leute von engem Gesichtskreis» die — jedem öffentlichen Interesse fremd— vor eigenen Geschäftssorgen noch nie über das Allgemeinwohl, geschwelge denn über Fragen des Rechts nachgedacht haben. Der schöne Trost, den der gewesene Schöffe, Gqstwirt Maschke(nicht Kuschk«, wie es im gestrigen Abendblatt irrtümlich hieß), Im Falle Buttler dem zaghasten Ersatzmann mit» gab:„du brauchst ja nur zu allem Ja und Amen zu sagen"— er ist durchaus typisch für das Denken gewiß nicht aller, aber vieler Leute dieser Kreise. Sie übernehmen das Ehrenamt des Richters ohne inneres Interesse, ohne auch nur einen Begriff von seinem idealen Charakter und seiner Verantwortung zu haben, sie verlassen sich einfach auf den gelehrten Vorsitzenden und sinken so zu bloßen Statisten herab. Wie kann das geändert werden? Einzig und allein dadurch, daß die Schöffen nicht von oben her durch Auswahl, sondern von unten her durch allgemeine Wahl in ihr Amt gelangen. Die Organisationen, die entsprechende Listenvorschläge aufftellen- würden dann im eigenen Interesse dafür sorgen, daß unfähig« Trunkenbolde wie Buttler und stumpfsinnige Ia-Sager wie Maschke von der Liste verschwinden. Es würden Personen zur Wahl kam- men, die inneres Interesse an den Fragen des Rechts haben, was für den amtierenden Schöffenrichter vielleicht nicht immer bequem, aber für das Niveau unserer Rechtsprechung außerordentlich segensreich sein würde. ■ryetze*. Ter Fall Graf Luist. Nachdem der Spandouer Oberamtssnwalt Graf Lnsi durch Selbstmord geendet hat, bestand für uns kein Grund mehr, auf seine vielerörterte Angelegenheit einzugehen. Jetzt aber sehen wir uns dazu gezwungen durch die Art, wie die deutschnationale Presse den Tod dieses Herrn politisch gegen die preußische Regierung auszu- schlachten sucht. So schrieb kürzlich die„Deutsche Zeitung": „Seine Kraft hat versagt, seine Nerven sitzd zusammenac- brachen. Die Schuld daran trägt der gegen ihn anhängig gemachte Prozeß, der seine Existenz bedrohte: sodann aber auch— wie bereits betont— das Verfahren seiner vorgesetzten Behörde, die ihn seit Monaten auf halbe» Gehall gesetzt hat, lediglich, weil die Kommunisten im Bund« mit den Sozialdemokraten ihn von sttner Stelle mit aller Gewalt entfernen wollten. Diesem Druck der Straße hat seine Behörde nachgegeben, hat ihn so in schwere Geld- sorgen getrieben und ist mitschuldig an selncm Tode." Hierzu ist folgendes zu bemerken: Das Amtsgericht in Spandau. das den Grafen Lusi wegen Beleidigung seines Hauswarts zu hundert Mark Geldstrafe oerurteilte, dagegen wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz freisprach, hat diesen Freispruch lo motiviert, wie wir es dem Bericht— der„Deutschen Zeitung" vom S. Juli 1927 entnehmen: Das Gericht sprach den Amtsanwalt von dieser Anklage(Ber- letzung des Republiksthutzgesetzes. Red. d.„V.") frei. Es nahm zwar jür erwiesen an, daß die Redensart„Sie mit Ihrer Vlossrich- republik" auf dem Tceppenslur des Hause» von dem Angeklagten Grasen von Lusi gebraucht worden sei. ocrneinte jedoch, daß damit 1 schon das Taibestandsmerkmal der O e f s e n t l t ch k e i t im Sinne des Gesetzes gegeben worden sei. Es hätten nur wenige Zeugen über die Aeußerung Bekundungen machen können und nicht ein« unbestimmte größere Menge, wie sie das Reichsgericht für erforderlich halle. Damit hat das Amtsgericht— nach der von der„Deutschen Zeitung" selber gegebenen Darstellung— die Beschimpfung der Re- publik als solche tatsächlich sestgestellt. Es war selbsiver- ständlich, daß die Staatsregierung die disziplinaren Folgerungen hieraus ziehen mußte, denn für die d i I z i P l i n a r e Beurteilung eines Beamten kann es naturgemäß nicht ausschlaggebend sein, ob er die Republik in größerem oder nur in engerem Zirkel beschimpft. Das Disziplinarverfahren hatte Graf Lusi also lediglich seinem eigenen Verhalten zuzuschreiben. Wir müssen übrigens aus Grund unserer Informationen aus das entschiedenste bestresten, daß das Disziplinarverfahren die oigent- liche Ursache des Selbstmordes war. Diese liegt vielmehr in persön- lichen Berhällnissen, die wir lediglich mit Rücksicht auf den Tod des Mannes nicht öffentlich erörtern wollen. Scbulkinöer aufüie Straße gesetzt. Polen schließt massenweise litauische Schulen. Warschau, 5. Oktober.(Eigenbericht.) Das Verhältnis zwischen Polen und Litauen hat sich in den letzten Tagen wieder sehr b-.drohlich zugejplhl. Nachdem die Litauer plötzlich rücksichtslos gegen das Schulwesen der polnischen Minderheil in ihrem Staate vorgingen, zahlreichen Lehrern die Lehrerloubni» entzogen und etwa 30 von ihnen wegen Verweigerung des litauisch gesinnten Geschichtsunterrichts internierten, hat Polen jetzt mit scharfen Gegenmaßnahmen geantworte«. 4S l i t a u- ische Schulen im wilna. Gebiet sind sei, Mittwoch geschlossen: 20 litauische Persönlichkeiten in der Stadt wilna und ihrer Umgebung sind verhaftet worden, darunter 10 Priester. Angeblich standen sie alle im Solde der Kownoer Regierung und trieben Propaganda gegen Polen. Ein Teil der polnischen Presse verlangt noch schärferes vorgehen gegen die herausfordc- rung de» kleinen Nachbarstaates, doch bewahren die warschauer Regierungskreise solchen Aufforderungen gegenüber bisher Ruhe und Zurückhaltung. Zrankreich öffentlich gegen Ratowfki. Paris weist Moskau amtlich zurück. Paris, S. Oktober.(Eigenbericht.) In einer offiziellen Auslassung tritt das französische Außen- Ministerium der von der Agentur der Sowjekregierung verbreiteten Nachricht entgegen, daß die russische Regierung nicht die Absicht habe, Rakowsti abzuberufen, und Außenkommissar T s ch i t s ch e r i n überhaupt keine Besprechung mit dem französischen Botschafter in dieser Angelegenheit gehabt habe. In der amtlichen Meldung wird betont, daß Botschafter Herbette in der Tat keine Besprechung mit Tschitscherin selbst halle, weil dieser seit Anfang September krank sei: ober zweimal sei der Botschafter bei dem Vertreter Tschitscherin s, Litwinofs, um Abberufung Rakowskis vorstellig geworden. Wenn die Sowjetregierunz dies« Schritte zu leugnen suche, so spiele ste mtt Worten. Dompropst Dr. pichler- ist am 4. Oktober, seinem 75. Ge- burtstog, im städtischen Krankenhaus von Passau gestorben. Er war seinerzeit einer der führenden Politiker des bayerischen Zen- trums und langjähriges Mitglied des Landtags sowie des Reichstags, dem er von 1893 bis 1918 angehörte. Der Srauereiarbeiterstreit. Angestellte, verweigert die Streikarbeit! Die erweitert« Streikleitung der Berliner Brauereiarbeiter war gestern vormittag im Roseuthaler Hof zusammengekommen, um von der Streiklage in den einzelnen Betrieben ein genaues Bild zu bekommen. De? Berliner Bevollmächtigte des Berbandes der Lebensmittel- und Fetränkearbeiter, Genosse fj o d q p p, gab zunächst einen Bericht über die Besprechung im Berliner Polizeipräsidium. die mit den Organisationsvertretern, den Vertretern der Brauereien und dem Leiter der Technischen Nothilfe geführt worden sind. In diesen Besprechungen Hot sich herausgestellt, daß das Einsetzen der „Teno" nicht geboten ist, da die Brauereien keine lebenswichtigen Betriebe fmd und im übrigen auch die Nvtstandsarbelten van den Streiken- den selbst ausgeführt werden. Allerdings liegt die endgültige Entscheidung über dos Einsetzen der„Teno" nicht beim Berliner Poli- zeiprästdenten, sondern beim Reich sinnenmini st er. Die Aussprache in der Versammlung zeigte, daß die 7200 streikenden Branereiarbeitcr sich bisher gut gehalten haben und noch nicht ein einziger von ihnen zum Streikbrecher geworden ist. Nicht so ist es ober mit den tech- nischeu und kaufmännischen Angestellten der Braue- reien. Aus fast allen Betrieben wurde miigsieilt, daß sich die An- gestellten zu Streikbrecherarbeiten hergeben und ge. meinsam'mit den Brau. Und Kellermeistern und den zur Streik. arbeit gepreßten Lehrlingen versuchen. Bier abzufüllen und zum Versand fertigzumachen. Wenn diese Strcikarbeit nicht oerrichtet worden wäre, gäbe es kein Berliner Bier mehr. Es ist keineswegs der Zweck des Streik- befchlusses, dze Gastwirte zu schädigen. Es ist aber sehr bedauerlich, daß ein großer Teil der Berliner Gaftmirte nunmehr oersucht, mit allen möglichen Mitteln jetzt noch Bier aus den Berliner Brauereien sich zu verschaffen. Diese Maßnahmen der Gastwirte dürsten auch bei der Berliner Bevölkerung aus keine Sympathien stoßen. Es müßte jedem Berliner Gastwirt klar sein, daß dos Bier, das er jetzt noch aus den Berliner Brauereien bezieht, mir von Streik- brechern versandfertig gemocht worden ist. Die Versammelten sprachen vor allem die Erwartung aus, daß fortan alle organisierten Arbeiter des Berliner Fuhrge- werbes und auch die Kraftdroschkenfährer e? ab- lehnen werden, sich zu solchen Streikbrecherarbeiten mißbrauchen zu lasten. Gerade die Kraftdroschkenfahrer haben«in Recht, den Transport von Bier in Ihren Fahrzeugen zu verweigern. Die Versammelten erhoben auch schärf st en Protest dagegen, daß sogenannte Praktikanten der Technischen Hoch- schule zu Streikbrecherarbeiten herangezogen werden. Es tonn auf keinen Fall angehen, daß Schulen, die zu einem nicht un- erheblichen Teile vom Staat und somit indirekt vonden Steuer- » a h l e r n subventioniert werden, ihre Schüler zur Bekämpfung eines Teiles dieser Steuerzahler hergeben. Die Versammelten waren sich auch darüber klar, daß der Streik infolge der Hartnäckigkeit der Brauunternchme'r nicht so schnell bei- ver örohenöe Kampf im holzgewerbe. Die Berhandlungen über den Abschluß eines zeitgemäßen Lohnobkommens für die Berliner Holzindustrie stich gescheitert- Die van den Unternehmern gemachten Lohnzuschläge wurden van der Verhandlungskommisston als ungenügend abgelehnt. Da weiter« Aussichten auf eine Berständigung nicht mehr bestehen, wird eine Funktionärversammlung heute abeich um 7 UJtr im Saal 4 des Ge- werkschoftshalises die nötigen Maßnahmen beschließen. Der Streik bei der Gcncral-Motors G. m. b. H. Di« Direktion der Firma Generol-Motors versucht jetzt mü ollen Mitteln, durch Werbungen von Slreikbrechern ihre un- günstige Lage zu verbessern. Aus diesem Grunde hat sie Kräsi« mobilisiert, die auf diesem Gebiete Erfahrungen haben, um durch Täuschungen Streikbrecher on.zuwerbcn. Di« Streikbrecher werden per Auto von und zur Arbeitsstelle befördert. Jeder Arbeiter wird gewarnt, ans die Der- sprechungen der Direktion der Firma General-Motors G. m. b. H. hereinzufallen, keiner darf sich als Streikbrecher mißbrauchen lasten! Neue verhanülungen bei üer Hochbahn. Di« Direktion der Hochbabngesellschast regt sich über den Beschluß einer Belegschaftsversammlung auf, morgen abend zu dem Ergebnis der heutigen Verhandlungen Stellung zu nehmen>md am Freitag über Streit oder Weiterarbeit zu entscheiden. Der Stand der Verhandtungen gäbe dazu keinen Anlaß. Es stt aber doch selbst- verständlich, daß die Belegschaften zu dem Ergebnis der heutigen Verhandlungen Stellung nehmen, ic nach seinem Aussall. Die Di- rcktion erklärt: „Am Montag und Dienstag ist je fünf Stunden verhandelt, und die Verhandlungen sollen heute, Donnerstag, vormittag fortgesetzt werden. Bisher ist lediglich der Manteltarif des Ver- kchrspersonals durchgesprochen, wobei beide Parteien die Gründe für ihre Forderungen dargelegt und sich ihre endgültige Stellungnahme zu den einzelnen Punkten für die zweite Lesung vorbehalten haben. Heute soll in gleicher Weise der Tarif für dos technische Personal erstmalig durchgesprochen werden. Also ist für eine Urabstimmung eine Unterloge überhaupt nicht vorhanden." gelegt werden wild, und daß noch mit weiteren Komplikationen gerechnet werden muß. Festgestellt wurde, daß die Front der Streikenden durch die Maßnahmen der Brauereiunternehmer nicht ins Wanken gebracht werden konnte, und daß die Brauereiarbeiter schließlich noch andere Kampfmittel in Reserve haben. Genoste H o d a p p mochte die Streikenden darauf aufmerksam, noch vor Ablauf dieser Woche bei ihrer Krankenkasse die freiwillige Fortsetzung der Mit- gliedschaft zu beantragen, um nicht ihrer Rechte verlustig zu gehen. Gegen ftreikbrechenüe Angestellte. Die Toriforganifationen der Angestellten der Berliner Brauereien hatten zu gestern abend nach Haverlands Festfälen eine öffentliche Versammlung aller in den Brauereien be. schäftigten Angestellten«inberufen, die sich mit dem Streik der Brauereiorbeiter beschäftigte. H o d a p p schilderte den Versammelten kurz die Vorgeschichte des Konfliktes und auch die Vorgänge, wie sie im vorstehenden Bericht gekennzeichnet sind. Er erinnerte die Angestellten daran, daß auch sie sehr leicht in die Lag« kommen können, die Solidarität der gewerblichen Arbeiter zu benötigen. Wenn auch im letzten Brauereiarbeiterstreik sich die Angestellten schon zur Streikarbeit hergaben und zum Teil dafür einen Judaslohn bis zu ISO W. erhielten. werLen die Brauareiarbeiter bei einem eventuellen Kampf der Angestellten nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Genosse Smolinski vom Zentralvcrband der Angestellten sprach sein Bedauern darüber aus, daß sich ein großer Teil der Angc- stellten der Brauereien zun: Verrat an den gewerblichen Arbeitern hergibt. Dieses Verhallen sei besonders bedauerlich bei den Wert- meistern, die doch olle aus dem Arbeiterstand hervorgegangen sind und demzufolge doch mit mehr gewerkschaftlicher Disziplin aus- gerüstet sein müßten als die übrigen Angestellten. Der Zentrolverband der Angestellten verurteilt die Haltung dieser Streikbrecher aufs schärfste. Genoste Smolinski forderte die im Zeniraloerband der Angestellten Organisierten auf, gegen strcikbrcchsnde Mitglieder Ausschluß- anträge zu stellen. Der Zentralverband der Angestellten ver- zichtet darauf, solche Mitglieder, die den Interesten der Arbeiterschaft zuwiderhandeln, in seinen Reihen zu behallen. Auch der Vertreter des Deutfchnatipnalen Hand- lungsgehilfenverbandes verurteille aufs schärfst« die Streikbrecherarbeil und erklärte ebenfalls, daß feine Oc- ganisation gegen Mitglieder, die Streik bruch be- gangen haben, rücksichtslos vorgehen wird. Genosse Klose vom Nerkehrsbund brandmarkte auch die ichäirdliche Handlungsweise der streitbrechenden Angestellten und er- suchte die Versammellen, dahin zu wirken, daß die Streikarbeit schnellstens eingestellt wird. Es ist zu hoffen, daß die Versammlung ihre beabsichtigt« Wirkung nicht versehll hat und daß die Angestellten der Berliner Brauereien sich daraus besinnen, daß sie als Kops- arbeite? auch moralische Pflichten gegenüber den Handarbeitern haben. fw öie Gastwirte unü SieehävSler richtet die ZentralsireMeitvog erneut deu Appell, den streikende« Lraueretarbeiteru nicht in de« Rücken zu sollen t In dem Bericht, auf den die Direktion Bezug nimmt, ist aus- drücklich auf den Fall hingewiesen, daß die Hochbahndirektion cm ihrer Forderung auf Verlängerung der Arbeitszeit festhält. Es liegt also an der Direktion selber, den Kernpunkt des Konslikis zu beseitigen. Das Ergebnis der heutigen VerHand- hingen wird ja zeigen, ab für die morgige Urabstimmung eine Unter- läge vorhanden fft oder nichb „Strcifafatoüritunfl bei Priteg." Bekanntlich hat die..Rote Fahne" die schmerzliche Pslichi, bei jedem Streik, der so oder so beendet wird, über„Streik- abwürgung" Tränen zu vergießen. Wir können ihr nicht helfen, denn noch wie vor gelangt jeder Streik in das Stadium der Ab- würgung. Wir vcruhel» es diesem„einzigen" Arbeiterblott auch nicht weiter, wenn bei seiner Trauer um die Abwürgung elliche— um es recht zart auszudrücken— Unrichtigkeiten umerlaufen. Do dies auch bei dem jetzt abgewürgten Streik der Privallelephongesell- schast lPrite�f passiert ist. müssen wir an der folgenden Darstellung der ,f9lotcn(fahrte' eine kleine Richtigstellung vornehmen: „Die Direktion mochte den sozialdemokratischen Betriebsräten die Mitteilung, daß sich die Firma bei der VerHand- long am Mittwoch, dem 5. Oktober, beim VBMI. für ein An- gebot von 5, 4 und 3 Pfennigen, je noch der Berufsgruppc ein- fetzen würde. Die sozialdemokratischen Betriebsratsmit- glieder nahmen dieses nichtssagende(!) Angebot als Varwand, um den Streik abzuwürgen." Aon der Gesamtstreikleitung gehörten drei Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei an und vier Mitglieder der Oppositionsgruppe. Alle sieben Mitglieder der Streikleitung beschlossen einmütig, der Streitoersammlung den(nichtssagenden) Vorschlag der Firma zur Annohme zu empfehlen. Mit dieser Fest- siellung erledigt sich die ganze Abwürgungslitanei. Schlichtungsverhandlungen im Tcxtiltonflikt. Zur Beilegung des Lohnstreits in der w e st s. ä ch s t s ch e n Textilindustrie finden am Freitag im Reichsarbeits- Ministerium Schlichtungsverhandlungen statt. Der Schiedsspruch für die o st s ä ch s i s ch e Textilindustrie ist von der Funktionärkonferenz der Textilarbeiter in Neugersdors a b g e- lehnt worden. Die Neichsstattstik geürosselt. Oaadarbeilerlöhne dürfen nicht angegeben werden. Emem Artikel des christlichen Gewerkschaftsführers Friedrich Baltrusch im„Deutschen" entnehmen wir folgende Stelle, die von den„geradezu jämmerlichen Landarbeiterlöhnen" handelt: „Das Reichsstatistische Amt Hot es, anscheinend veranlaßt durch die starke Einwirkung einflußreicher Arbeitgeber der Land- Wirtschaft, nicht einmal gewagt, im soeben erschienenen S t o- tistischen Jahrbuch die bereits ausgerechneten Geld- und Deputotlöhn« inder Barendsumme für die einzelnen Agrargebiete zu veröffentlichen! Warum? Weil dar gesamte Lohn der Landarbeiter, objektiv in bar berechnet, be- sonders im Osten so niedrig ist, daß man sich aenieren muß, ihn klipp und klar zu veröffentlichen. Man muß sich nur wundern, daß die Landwirtschaft überhaupt noch deutschl> Arbeitskräfte in etwa ausreichender Zahl bekommt. Die Entvölkerung des deut- schen Ostens findet hier in der Hauptsache ihre Erklärung." Darüber müßie denn doch im Reichstag ein Wort geredet werden. Nicht über die üblen Löhne in der Loirdwirtschaft an sich, worüber schon genug gesprochen wurde, ohne daß wesentliche Ab- Hilfe erfolgte, sondern über die unglciublich« Methode der Land- bündler, das Reichsstatistische Amt zur Unterdrückung wesentlicher Feststellungen zu pressen, weil die Unternehmer in der Landwirt- schast die Veröffentlichung ihrer Löhne scheuen, die zu be- zahlen sie sich n i ch t schämen. Der amerikanische Gewerkschaftskongreß. Der 47 Iahreskongreß der amerikanischen Arbeiierföderation ist am Montag in Los Angelos in Gegenwart von 75 Delegierte� eröffnet worden. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes äußert sich dem„Temps" zufolge über den Kommunismus solgendermaßcn: „Wir sind der Ansicht, daß keinerlei Kompromiß mit dem Kommunismus möglich ist. weil sein Ziel die Zerstörung der Gewerkschaftsbewegung ist. Es ist uns im Laufe des vergangenen Jahres gelungen, alle Absichten der Kommunisten, die darauf hin- zielten, die Kontrolle über die Gewerkschaften in die Hand zu be- kommen, zu vereiteln,"_ �immens»Einheitsfront'-SteckenpferS. Illkimatum des Generalrats. Gegen den Sekretär der Tronsportarbeiter-Iniernaiionale, Edo F i ni m e n ,, nahm dieser Tage der Generalrat der I T F in scharfer Form Stellung, Fimmen war vorgeworfen worden, daß seine Aktion für die Einheitsfront in Eestott der von ihm ins Leben gerufenen Einheiisblättcr in Belgien und Holland die Interessen der sreigewerkschaftlichen Bewegung schädige. Hierzu nahm der Generalrat folgende Entschließung an: „Der Allgemeine Rot hält es für nnvereinbar mit den Grundsätzen der Tronsportorbetter-Jnternatianale als einer Föderation freier, den Landeszentralen angeschlossener Gewerkschaften, wenn die von der Internationale angestellten Sekretäre an Bewegungen oder Demonstrationen teilnehmen oder mitarbeiten, die damit in Wider- spruch stehen Um Schädigung der angeschlossenen Verbände zu verhindern und um einen Streit über die Richtlinien der Transportarbeiter- Internationale zu vermeiden, fordert der Allgemeine Rat von den Sekretären uneingeschränkte Anerkennung und bedingungslose Be- solgung dieser Grundsätze. Im vorliegenden Falle fordert der Allgemeine Rot von Fimmen dce Lösung seiner Beziehungen zu den Unternehmungen über die Beschwerden vorgebracht wurden, vor Ablauf des Jahres 1927." • Fimmen steh« jetzt vor einer filr seine Zukunft in der intcr- nati analen Gewerkschaftsbewegung sotgenschweren Entscheidung, Ein Arbeiterführer begnadigt— in Argentinien. Die argentinische Regierung hat den bekannten argentinischen Arbeiterführer Eusebio M a» e s c v, der wegen semer radikale» Betätigung zu 23 Iahren Gefängnis vernrteitt worden war. begnadigt. Diese Begnadigung ist besonders aus die Bemühun- gen der mexikanischen Gesandtschaft in Buenos Aires und auf die Vorstellungen des der Gesandtschast zugeteilten mexikani« schen Arbeiterattaches Carlos G racidas, zurückzuführen. Deutsch« Hulzarbeitenxntxuld. Heute IS«he FuiUtionzrvsrsanMlluus oller der tn-m SVTlinet Routeluertro»'üt!>le Kolftnlvistrie urleestehendeu Betriebe» Im ibewerrschostehaue, Eirgelufer, Eaal 4.— Die erweiterte Orts- Verwaltung tagt um 5 UJe rieubott im Taal 1. Iugendgruppe de, ZdA. Heute, Donnerstag, lgtz Uhr, findet solaendc Ber- anflaltung statt: Schöuebcrg: Jugendheim Hauptstr. r,(Sofgebitl-oe 1 St., Thuringenzimniert, Lichtdilderrattrag. ffrstketiung des Arbeitsptogtamm,, Freie M ta jtdnn Pfand der TalcbsurgvlM«Frlicli» Rai" TcUnge an gratb d*9 BdMtu Baad der KeeMUmMieberpt'. Vertreter der V. M. W. KSrnberg; Rptl-Agcator, Berlin N'O«, Neue tbnlcAr. 87. Tel.: KSnlgsudt lSEZ, kSS».>857. Nr. 472 ♦ 44.5ohrgang h Seilage öes Vorwärts Donnerstag, b. Oktober 1927 Sie Serlmer Milchversorgung. Jährlicher Verbrauch 374 Millionen Liter. In einigen Berliner Zeitungen ist ein Artikel erschienen, der eine falsche Darstellung über die Milchversorgung Berlins und die Fest- setzung des Milchpreises gibt. Die Berliner Milchliefe- rungsgesellschast stellt uns folgende Ausführung zur Ber- fügung: Di« Milchlieferungsgesellschaft m. b. ch. hat sich die Aufgabe ge- stellt, die Milchoersorgung Verlins so einwandfrei wie möglich zu gestalten. Sie ist keine E r w e r b s g es« l l s ch a s t im eigentlichen Sinne, sondern ist die Zusammenfassung aller an der Milch- Versorgung beteiligten Kräfte innerhalb Berlins. In den Jahren ZS2S bis 1925 hat sich die MAS. in den verschiedenen Teilen der Stadt Bctriobe geschaffen, die ausreißend und geeignet waren, alle Milch, die von ihren Gesellschaftern eingeführt wurde, meiereimästig zu bearbeiten. Die Mciereibetriebe liegen alle in der Nähe der Ein- g-angsbahnhöse. Die Lieferung einer in jeder Beziehung erstklassigen Öualitätsnnlch, die sauber gewonnen, schnellstens befördert und nach den neuesten Verfahren der Wissenschaft und Technik behandelt wird, ist selbstverständliche Voraussetzung für eine ausreichende Milch- Versorgung. Die Milchlieferungsgesellschaft ist heute Lieferantin für rund 3400 Milchhandelsgeschäste in Berlin. Der tägliche Umsah beträgt zurzeit 500 000 bis 700 000 Liter Milä). Zur Erzeugung dieser großen Milchmengen, die aus vielen tausend Einzelproduk- tionsstellen kommen, ist schätzungsweise ein Bestand von 100 000 TNilchkühen erforderlich. Die Milch wird, soweit sie aus den Land- meicreien stammt und von diesen bereits meiereimäßig bearbeitet ist, direkt vom Eingangsbahnhos aus verteilt. Der größte Teil aber, der unmittelbar von den Produzenten durch die Gesellschafter be- zogen wird, geht zur Bearbeitung in die MLG.-Betriebe und wird von dort aus den Kleinhandelsgeschäften zugeführt. Zur Prüfung und dauernden Ueb erwachung der gesamten Milch, ins- besondere des Fettgehalts, der Unverfälschtheit und der hygienischen Beschasfenheit unterhält die MLG. sehr gut eingerichtete eigene Laboratorien, zu denen dann noch das Laboratorium der„Ver- einigten Berliner Milchhändler" tritt. Außerdem läßt die MLG. alle für sie eingehende Milch aus den Eingangsbahnhöfen und in den einzelnen Betrieden durch das Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin überwachen. Der Derbrauch an Milch war während des Krieges und der Nachkriegszeit sehr gering. Seit dem Jahr« 1925— namentlich aber in diesem Jahre— hat der MUchverbrauch nicht nur die Vor- kriegshöhe erreicht, sondern dürfte diese Höhe noch überschreiten. Berlin standen im Jahre 1926 368 bis 374 ZNilllonen Liter Mlch zur Verfügung. Das sind über 1 Million Liter pro Tag. Der Berbrauch beträgt zurzeit etwa 9,25 bis 9,26 Liter pro Tag und Kopf der Bevölkerung. Wie See Milchpreis zustanSe kommt. Der Milchpreis Berlins kommt folgendermaßen zustande: Den Erzeugerpreis bestimmt allwöchentlich laut Milchlieferungs- vertrag und Uebereinkommen der beteiligten Kreise eine Kommission, die sich aus Landwirten und Berliner Milchhandel paritätisch zusam- mensetzt. Die Milch wird durch etwa 600 Milchpächler aus Milch. lieferungsveclrag gepachtet und nach dem Preise von obiger Milch- natierungskommission abgerechnet. Die Spanne zwischen dem so festgesetzten Preis und dem Verkaufspreis betrug im letzten Jahre 19,5 bis 11,5 Pf. Die Höhe derselben ergibt sich aus der Ent- schädigung für Leistungen der verschiedenen Interessenten, nämlich Milcheinführer(Großhändler). Milchfahrer, Milch- kleinhandel, m e i e r e i m ä ß i g e M i l ch b e a r b e i t u n g und nicht zuletzt durch das Mengenrisiko, welches dadurch er- heblich ist, weil die gewonnenen Milchmengen, die nach Berlin an- geliefert werden, großen Schwankungen unterworfen sind. Die Mengenschwankung'en im Verbrauch, die hauptsächlich von der Witte- rung und von den Feiertagen beeinflußt werden, sind ganz erheblich und betragen nicht selten 20 bis 30 Proz. der Gesamtmenge. Hier- durch ergibt sich nun die Notwendigkeit, daß neben molkereimähiger Behandlung der Milch auch die"durch diese Schwankungen ent- stehenden Ueberschüsse an Milch von den Meiereibetrieben zu Butter und Quark verarbeitet werden müssen. Alle durch die Berliner Milchhändlerschaft eingeführte Milch und die Meicreibetriebe der Milchlieferungsgesellschast unterstehen der Kontrolle des Hauptgesundheitsamtes der Stadt Berlin. Alle nicht verkaufsfähige Milch wird dadurch ausaeschaltet und nur ein- wandfreie Ware in den Verkehr gebracht. Die dadurch entstehenden Kosten, deren Bezahlung durch ein Uebereinkommen geregelt ist, werden zum großen Teil von der Milchhändlerschast und zum Teil von der Stadt Berlin getragen. Sie betragen für 199 Liter Milch etwa 4 Pfennig. Aus den angeführten Gründen wird sich, so teilt uns die Milch- lieferungsgesellschaft noch mit, der Milchpreis zurzeit nicht herabsetzen lassen. Ruppolt stellt sich selbst. C?r tonnte in Paris nichts verdienen. Der flüchtige Gerichtsverwalter und Nachlaßpfleger Paul R u p p o l t, der seit Ansang August im In. und Auslände von den Kriminalbehörden eifrig aber vergeblich gesucht wurde, ist in der Montagnacht plötzlich nach Berlin gekommen und hat sich Dienstag mittag selbst auf dem Polizeipräsidium der Kriminalpolizei zur Verfügung gestellt. Gesten, vormittag um 11'� Uhr erschien vor dem Dienstzimmer des Kriminalkommissar? K a n t h a ck im Polizeipräsidium, der die Sache bearbeitet, ein großer stattlicher gut gekleideter Mann mit srischem Gesicht und erklärt« einem Beamt'n:.Ich bin Ruppolt, melden Sie mich bitte dem Herrn Kommissar." Der Beamte ließ ihn ein und führte ihn dem Kommissar zu, der ihn sofort vorläufig kurz verhörte. Rupvolt war, als die Entdeckung bevorstand, mit seiner Familie nach Binz gefahren. Von dort reiste er mit seiner Frau unter Zurücklassung der Kinder nach Paris und sucht« für sich ein peeignetes Quartier. Das Ehepaar kehrt« dann nach Binz zurück. Als In Binz die Schreiben eintrafen, die ihn aufforderten, sofort nach Berlin zu kommen und über seine Tätigkeit Rechen- schast abzulegen, fuhr er wieder nach Paris und bezog sein Quartier. Di« Frau und die Kinder, mit denen er noch etwa 14 Tage in Binz verweilt hatte, kehrten nach Berlin zurück. Die Frau erklärte ständig, daß sie den Aufenthall ihres Mannes nicht wisse, obwohl sie sein Versteck in Paris kannte. Ruppolt selbst traute sich nicht nach Deutschland zurück. Er wußte, daß gegen ihn umfasiende Fahndungsmaßnahmen getroffen waren. In 399 deutschen Städten und Ortschaften wurde er, abgesehen von allen anderen Ausschreibungen, durch Kinosteckbrief verfolgt. Aber auch in Paris tonnte er sich auf die Dauer nicht holten. Er besaß kein Geld mehr und hatte keine Gelegenheit, zu verdienen. So entschloß er sich denn, sich selbst zu stellen. In der Nacht zum Dienstag kam er über Köln in Berlin an und stieg in einem Hotel ab. Gestern vormittag ging er zur Polizei. Die Fälle seiner Der- untreuungen aller A«t sind so zahlreich, daß sie noch nicht alle vollständig nachgeprüft werden konnten. Ueber die abgeschlossenen Sachen wird er von Kriminalkommissar Kanthack noch eingehend vernommen werden._ Der falsche Polizeimajor. Unter der Anklage der öffentlichen Beleidigung und unbefugter Anmaßung eines Titels stand am Mitt- moch der 43jährige Pensionär, früherer Prokurist der Dresdener Bank, v. Wintersheim, vor dem Schöffengericht Neukölln. Am 6. Juli hatte der Angeklagte das Feuerwerk„Treptow in Flammen" bestickst und war auf der Abtei gewesen. Da bei dem Andrang und dem verhältnismäßig schwachen Bau der Brücke nur 59 Personen mit einem Male den Uebergang passieren durften, muhte die Polizei Absperrungsmaßregeln treffen. Herrn v. W. gefiel das durchaus nicht. Mit den Worten:„Steht da solch Rindvieh von Schutzmann, solch Heuochse, solch Mistoieh von der Republik, der den Verkehr regeln will, und stoppt dabei ab, das sind alles Lausejungen und Flegell' gab er seinem Unwillen Ausdruck. Zufällig waren in seiner nächsten Nähe zwei Polizeiossizierc in Zivil, die sich ihm gegen- über auswiesen und zu seiner Feststellung schritten. Darauf stellte der Angeklagte sich als„Polizeimajor v. Wintersheim" vor und wollte gehen. Seine Titelanmaßung half ihm nichts, denn man stellte ihn fest. V. Wintersheim leugnete vor Gericht nicht, geschimpft zu haben, was er aber geschimpft habe, wolle er nicht mehr wissen. Er müsse in Erregung gewesen sein, da er zuviel Bowle und Likör getrunken habe. Das Gericht oerurteilte den Angeklagten wegen öffentlicher Beleidigung zu 199 Mark Geldstrafe und un'bc- fugter Titelanmaßung zu 29 Mark Geldstrafe. Der Staats- anwalt hatte gegen den noch nicht Vorbestraften 159 Mark bzw. 29 Mark Geldstrafe beantragt. die geraüe unö Sie ungeraöe Seite. Numerierung der Strassengrundstückc. In vielen Städten des In- und Auslandes besteht schon seit Iahren ein« Numerierung der Straßen, die aus Grün- den der Uebersicht die geraden und ungeraden Nummern g e- trennt hat. Auf der einen Seite befinden sich nur gerade, auf der anderen nur ungerade Nummern. Dieses Prinzip, das die Orientierung erleichtert, soll auch in Berlin bei Umbenennung oder bei Neuanlage von Straßen eingeführt werden. Der Polizeipräsi- dent hat den einzelnen Polizeiämtern bereits Anweisungen dieser Art erteilt. Die Nummernreihe hat an dem Endpunkt der Straße, der am weitesten nach Westen liegt, zu beginnen. Wo eine Straße genau in der Richtung von Norden nach Süden verläuft, beginnt sie im Norden. Die Häuser der linken Straßenseite erhalten sodan» in fortlausender Reihe die ungeraden Nummern, die Häuser der rechten Straßenseite in sortlaufender Reihe die geraden Nummern. Die einzelnen Rummern sind so zuzuteilen, daß eine ungerade Zahl und die ihr folgende gerade Zahl stets«inander gegenüberliegen. Ist es infolge des Vorhandenseins von öffentlichen Freiflächen, Straßeneinmündungen oder der verschiedenen Größe der Grund- stücke nicht möglich, in fortlaufender Reihenfolge der Zahlen die Numerierung in der Art durchzuführen, daß der ungeraden Nummer auf der rechten Straßenseite die nächsthöhere gerade Nummer auf der linken Straßenseite gegenüberliegt, so ist die fortlaufende Zahlen- reihe zu unterbrechen und mit der Zahl fortzusetzen, die der gegen. überliegenden Hausnummer entspricht. Die auf die Lücke entsallen- den Zahlen scheiden als Hausnummer dann völlig aus. Wintermaßnahmen im Serliner verkehr. Alle Wagen werden geheizt. Die drei Berliner Verkehrsunter nehmungen mit Einheitsfahrschein sind ständig bemüht, kleinere Re- formen durchzuführen, die dem Fahrgast den Aufenthalt in ihren Wagen möglichst bequem gestalten. Es werden daher die Wünsche des Publikums, soweit es irgendwie möglich ist, berücksichtigt. So werden in diesem Jahre sämtliche Wagen der Straßenbahn, Aboag, Hoch- und Untergrundbahn geheizt werden. Bei Eintritt der kalten Witterung wird automatisch damit begonnen. Die Berliner Straßenbahn hat eine besondere Kontrollstelle hierfür auf sämtlichen Bahnhöfen eingerichtet, die die Temperaturveränderungen während der Nacht zu beobachten hat. Die einzelnen Bahnhöfe setzen sich miteinander in Verbindung, so daß morgens früh, wen» die Wagen ausrücken, eine einheitliche Regelung erfolgen kann Es wird selbst- verständlich erst bei Einsetzen des Frostwetters geheizt werden. Auch während der Winterszeit wird die vordere Tür zum Aus- und Ein- steigen freigegeben. Man rechnet mit der Selbstdisziplin des Publi- kums, daß die Türen erst geöffnet werden, wenn der Wagen an der Haltestelle angelangt ist. Ebenso wird die Straßenbahn wieder im Winter nach und nach Scheibenvorhänge in ihren Wogen anbringen. Bei der Hoch- und Untergrundbahn ist die Polsterung der Einheitsklasse vollendet. Auch hier wird bei Einsetzen des kalten Wetters die elektrische Heizung in Betrieb genommen werden. Auch die Aboag hat dieses Jahr für Heizung gesorgt. Die neuen Mo- delle sind alle mit Luftheizung ausgerüstet, bei den anderen ist diese. soweit es möglich war, eingebaut worden. Die Seitenfenster der geschlossenen Oberdecks werden in zwei Wochen überall eingesetzt werden. Die Aboag wird an den Rückenlehnen bei jedem Sitz zwei kleine plüschbezogene Erhöhungen anbringen, die in den Kurven einen bequemeren Halt bieten. Ks �Zement. vornan von Fsodor Gladkow. 3. Maschinen. Don der„Gemütlichen Kolonie" zum Fabrikkomitee gibt es zwei Wege: über die Landstraße, an den Fabrikgebäuden vorbei, und über verschlungene Pfade, über Hügel, durch Sträucher hindurch und Steinbrüche. Von hier aus war das Werk in seinem komplizierten, übereinandergetllrmten Aufbau sichtbar. Türme, Bogen, Viadukte Stein- und Eisenbetongebäude, die bald durch- sichtig-leicht, wie riesengroße Blasen, bald quadratisch-streng in ihrer Einfachheit und architektonischen Schwere waren. Sie türmten sich— eng aneinander geschmiedet oder wuchsen plötzlich aus den Bergen in verschiedener Höhe heraus. Und zwischen den Schluchten— neben den zerstörten— von Steinen verschütteten Bremsbergen— zwischen den wie hin- geworfenen Laufkörben und vom Staube grauen Gesträuch — unter den Felsen, über den Felsen, hoben sich unerwartet aus dem blauen Zement kleine Häuschen. Die Steinbrüche stiegen in regenbogenfarbenen Terrassen die Schluchten herunter und verschwanden in dem wilden Gestrüpp des jungen Waldes. Und das Meer hinter dem Werk— im Nebeldunst der fernen Häfen gleicht einer vollen Schale, und der Horizont schneidet mit seiner spiegelglatten Bläue— über den Dächern und Türmen deutlich ins Gebirge hinein. Und oberhalb der Dächer— zwischen den Schloten(sie sind schlank und elastisch wie junge Halme), von der Stadt, von der anderen Seite des Meerbusens ziehen sich— straff gespannt wie Saiten, zwei Hafendämme mit Leuchttürmen an den Enden. Und man sieht— wie die Wellen in un- endlichen Halbkreisen bis zum Werk und dem Landungsplatz beranströmen und an den Ufern in schneeweißer Brandung zerschellen.., Alles, wie vor drei Iahren. Aber damals erschütterte Berge und Wert ein inneres Feuer. Und Wert und Schlote und Hafendämme erfüllte das tiefe Dröhnen der Maschinen und das elektrische Geheul der Berge mit brausendem Leben und der wilden Kraft vulkanischer Eruptionen. Gljeb ging den Pfad entlang—, sah auf das Werk hin- unter, hörte die stockende, am Boden klebende— durch das Zirpen des Baches unterbrochene Stille und fühlte— daß auch er schwer geworden— von Steinstaub bedeckt— am Boden klebt. Ist es dasselbe Werk, in dem er seine Kindheit verlebte, in dessen Feuer und Dröhnen er groß geworden ist. Sind es dieselben vertrauten, ständig bebenden Pfade und Wege, auf die er so oft seinen Fuß gesetzt? Und er selber, ist er wirklich Gljeb Tschumalow, der Schlosser und Blusenmann, der jetzt einsam über den alten, verwilderten Pfad geht?— Diese fremde Gestalt mit fremdem Schritt und der seltsamen, finsteren Frage und dem großen Erstaunen im Auge? Früher war er bärtig(mit gekräuseltem Schnurrbart), Ruß- und Eisenstaub bedeckten sein Gesicht(dadurch schien er dunkelhäutig), und jetzt ist er rasiert, die Haut blaß, die Backenknochen und die Nase sind grau, vom Winde der Felder gepeitscht, und schälen sich. Ist er denn Tschumalow, wenn er nicht nach Oel und Rauch riecht, wenn Arbeit nicht seinen Rücken krümmt? Ist er Tschumalow, der Schlosser — dieser stramme Soldat, mit dem roten Stern am grünen Helm und die Brust mit dem Orden der Roten Fahne geschmückt? Etwas Teuflisches ist hier geschehen. Einen seltsamen Ruck hat' es gegeben: der Berg ist von seinem Stützpunkt gerutscht, ist in einen Abgrund dröhnend versunken. Er ging, sah auf das Werk, auf die Brüche, in denen früher gearbeitet wurde, auf die Schlote, die verstummt waren, blieb stehen, dachte nach und brummte seufzend: Teufelskerle, verdammte!... Was sie angerichtet haben, die Verfluchten!... Erschießen wäre zu wenig für sie... diese Ungeheuer!... Was für ein wunderbares, berühmtes Werk sie hier begraben haben, wie sie es versaut haben, diese Niederträchtigen!..." Eines wußte er: hier war ein Grab, eine ungeheure Zerstörung, ein großes Grauen, und er befand sich plötzlich, losgelöst von seiner Armee, in diesem Grab, und das große Grauen war in seinem Herzen. Und dieses Grab hatte ihn erschreckt, und vor Grauen wußte er nicht ein noch aus. Er ging hinunter, zum Werk, auf den von Kohlen geschwärzten, leeren Platz, über den, wie Schimmel, arm- seliges Gras kroch. Lange ist es her, daß sich hohe Anthrazit- Pyramiden hier türmten und ihre Kristalle wie Pechdiaman- ten glitzerten! Ueber dem Platze, in gelben und braunen Schichtungen ein steiler Felsen. Schutt flutet von ihm her- unter und frißt die Ueberreste der menschlichen Arbeit. Am Rande im Halbkreis verzweigte Schienen. Geradeaus schwingt sich aus dem Abgrund, in einer Höhe von achtzig Metern der blaue Obelisk des Schlotes, und hinter ihm bäumt sich wie ein Berg das elektromechanische Werk auf. Wie eine erloschene Welt versinkt das Werk in die untätigen Tage. Die Nordostwinde haben die schneeigen Fensterscheiben durchnagt, die Bergströme haben die eisernen Rippen der Betonwände entblößt, und auf den Gesimsen hat sich Zementstaub wieder in Stein verwandelt. Der Wächter Kljopka ging vorbei. Er trägt ein langes Hemd, aus einem Sack genäht, bis zu den Knien, ohne Gürtel. Auf den nackten Füßen zerrissene Schuhe. Und die zerrisse- nen Schuhe schauen aus, als ob sie aus Zement wären, und die Füße sind voller Zement. Er wird nicht älter und ist so, als ob er schon immer hier gewesen wäre. Er blieb stehen, schaute Gljeb wie ein Geist an und ging weiter— ein ver- wlldertes Bruchstück der Vergangenheit. „Heh— du— abgenagter Knochen... was schleichst du wie ein verdammter Toter herum? So wachst du hier, alter Teufel!..." Erstaunen und Erschrecken zuckten durch die bärtige Breite. „Fremden ist der Eintritt streng verboten!" „Esel! Wo sind die Schlüssel des Werkes?" „Schlüssel, wozu? Es gibt keine Schlösser... sind weg ... Kannst dort mit dem Wind zusammen spazieren gehen ... Ziegen sind im Werk... Ratten... Nagetiere... aber keine Menschen... sind verloren gegangen...." „Bist selber eine alte Ratte... habt euch in die Spalten verkrochen wie Krebse und schleicht nun, Gott verdamm euch, wie Müßiggänger herum...." Kljopka sah ihn mit menschenscheuem, zerrissenem Blick an und bewegte seine Haarbüschel, die wie Zementflocken aus- sahen. „Helm mit dem Stern... Pfeife... Teufelshorn... Rettig... hier ist niemand hopp zu nehmen... der Mensch ist verloren gegangen." Und ging mit schlürfenden Schritten weiter. Em hoher Viadukt, auf steinernen Streben ruhend, führte von der Terrasse nach dem Hauptgebäude des Werkes. Die Betonwände sind durchbrochen. Löcher für Maschinen- gewehre. Das Werk war Festung der Weißgardisten. Aus dem Werk hatte man Pferdeställe und Baracken für Kriegs- gefangene gemacht. Und diese Baracken waren grauenhafte Graber in den Tagen der Intervention. In die Eingeweide des Wertes hineinschauen, um zu sehen, was dort vorgeht.(Fortsetzung folgt.) Eine Ungetreue. Das Rcvolverattentat eines Betrogenen. D«r Dreher Richard f)., der sich vor dem Schwurgericht II wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau zu verantworten hatte, ist das Opfer einer höchst unglücklichen Ehe. H. hatte sein« Frau Lisa mit chilse einer Kriegstranuizg ge» heiratet. Im Felde berichtete ihm bald eine Tante von den tiiebesab nteuern seiner jungen Frau. Als er auf einem Transport durch Berlin kam» war feine ganze Familie zur Be- gnißung auf dem Bahnhof, nur seine Ehefrau fehlte, denn sie hatte gerade«ine Berabredung. H., der seine Frau liebte, söhnte sich mit ihr aber wieder aus. Als tüchtiger und fleißiger Mann gelang es ihm, ein eigenes Geschäft hochzubringen. Dann mußte er wegen eines Widerstandsvergehens zwei Monate ins Gefängnis wandern. Nach der Freilassung wurde ihm übermittelt, daß seine Frau in einem Herrn R. wieder einen Liebhaber habe, der sich die ganze Zeit über täglichGeld aus dem Geschäft geholt hätte. Zur Rede gestellt, gab R. die Beziehungen auch zu und entschuldigte sich damit, daß Frau H. ihm erzählt hätte, ihr Mann habe sie oerlassen und lebe in Ruhlaird. Als H. den Nebenbuhler fragte, ob er die Frau heiraten wolle, wenn er sich scheiden lasse, lehnte dieser den Vorschlag dankend ab. H. verabreichte daraus seiner Frau«ine gehörige Tracht Prügel, so daß sie ins Kranken. Haus mußte. Er erfuhr dann in der Folgezeit, daß sie neben R. auch noch Verkehr mit einem Zigeuner aus einem Kaffee- Haus Hab« und auch diesem Galan Geld aus dem Geschäft des Ehe- mannes zustecke. Zum Schuß gegen Uebersälle durch den Anhang seiner Frau legte sich H. einen Revolver zu. Den Borwürsen ihres Mannes begegnete Frau H. damit, daß sie erklärte, sie wolle nach Mecklenburg fahren. In Wirklichkeit aber blieb sie heimlich in Berlin und war nachts mit ihrem Liebhaber wieder zusammen. Als der Mann davon erfuhr, wartete er eine ganze Nacht vor der Wohnung des R. bis seine Frau morgens herunterkam. Zu einer Aussprach« ging er mit ihr in die Wohnung seiner Schwester. H i e r p a ck t e ihn plötzlich die Wut, und er gab den oer- hängnisvollen Schuß ab, durch den die Frau ein Auge oerlor. Die Ehefrau macht« vor Gericht einen höchst ungün- st igen Eindruck. Es wurden ihr Zug um Zug Unwahrheiten nochgewiesen. Nach Med.-Rat Dr. Dyrensurth hat der Angeklagte eine Affekthandlung in höchster Erregung begangen. Das Schwur- gericht nahm nicht versuchten Mord, sondern Totschlagsversuch an, billigt« dem Angeklagten mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis. Ein Polizeihauptmann unter Anklage. lOO Mark Geldstrafe wegen Körperverletzung im Amte. f Der»Überfallene" flrmenvorfteher. Der Raubüberfall war doch erdichtet. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft beschäftigte sich gestern die 4. Große Strafkammer des Landgerichts I nochmals mit den Veruntreuungen des A r m en o o r st e h e r s Scheller. bei denen ein angeblicher Raubüberfall die Hauptrolle spielte. Scheller hatte behauptet, daß ihm, als er morgens um S Uhr Mit der Armenkasse in Höhe von 2U00 Mark in sein Bureau gehen wollte, in der Haustür ein unbekannter Mann ihm von hinten einen Schlag auf den Kopf gegeben und die Aktentasche mit dem Geld« geraubt habe. Eine Sücherrevision ergab, daß Scheller mehrere Veruntreuungen an den ihm anvertrauten Geldern begangen hatte. Es wurde ihn, daher auch derangeblicheRaubüber- ni cht geglaubt, und der Staatsanwalt hatte vor dem Schöffengericht wegen Amfsunterschlagung in vier Fällen und ge. winnsuchtiger Ilrkundenbefeitigung eine mehrjährige Zuchthausstrafe beantragt. Das Schöffengericht Mitte hatte jedoch den Bepeis dafür nicht ausreichend erachtet, daß der Raubüberfall erdichtet fei. Die klemeren Unterschlagungen und die Fälschung wurden von dem ersten Richter wesentlich milder beurteilt, und Schneller erhielt nur fünf Monate Gefängnis, auf welche Strafe ihm noch ein Monat Untersuchungshaft in Anrechnung kam. Der Angeklagte hatte sich mit dem Urteil beruhigt, nicht aber der Staatsanwatt. Es fand nun gestern eine sehr umfangreiche Beweisaufnahme statt, und dabei ergab sich, daß vor dem Haufe eine Frau mit einem Schäferhund gestanden hatte. Der sehr wachsame Himd wäre nicht ruhig geblieben. wenn vor seinen Augen der von Scheller geschilderte Ueberfall passiert wäre. Fernerhin ergab sich, daß Scheller nach der ongeb- ichen Beraubung erst leise um Hilfe gerufen hatte, als ein Haus- bewohner die Treppe herunterkam. Die Strafkammer gelangte auf Grund der Beweisaufnahme und nach Vernehmung eines medi- zinifchen Sachvcrftändigeii zu der lieber, zeugung. daß Schcller d« n R a u b u b e r f a l l« r d i ch t e t und auch die 2 0 0 9 M t. u n t e r. schlagen habe, zumal er sich damals in den schlechtesten Aer- inogensverhältnissen befunden hat. Die beiden Strafen wurden zu einer Gesamt straf« von einem Jahr Gefängnis zu- lammengezogen. Scheller erhielt noch drei Jahre Ehrverlust. Wenn feine Herren jagen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung mußte sich gestern der B e r l i n e r ll n i v e r s i t ä t s p r o i e s s o r Dr. Heinrich von Vardeleben vor dem Potsdamer Schöffengericht verantworten. Am 17. September vorigen Jahres befand sich der Professor auf dem Rittergut Marquard bei Potsdam zum Besuch seines Schwiegervaters, des Kommerzienrats Raven ö. S«en vier Uhr nachmittags nahm der Professor di« Flinte üb«r die Schulter, um an der Chaussee Marguavd— Fahrland auf Rebhühner zu sagen. In seiner Begleitung befand sich«in 14jähriger Guts- arbeiter, und unterwegs nahm der Prmesior noch den K am- Berlin, in dessen Klinik der Nebenkläger gelegen hat, gab sein Gutachten dahin ab. daß hier ein Prellschuß vorliegen muß. Es trat eine Augeneitening ein, die von direkten Körmrn. die immer aseptisch wirken, nicht eintritt. Diese Körner müssen beim Fliegen etwas b«ruhrt haben, fo daß eine Infektion der Wunde eintrat. Der Schieß. sachverständige Jng. Schnnuderer-Berlin nimmt an, daß di« Schrot- korner von einem geflügelten, d. h. angeschossenen Rebhuhn ab- geprallt sind und sich zu dem Nebenkläger verirrt haben. Prell- schüsie sind unberechenbar. Eine Debatte entspann sich darüber, ?? �"H�klagte als Jäger fahrläfsis gehandelt hat. als er über die Ehaustee hiirweg auf das Hühnervolk schoß. Di« Sachverstän- digen hielten eine Gefährdung der Wegepossanten dadurch nicht für vorliegend, da die Schüsse von einer hohen Böschung abgegeben worden ssnd. Die als Zeugen geladenen Freunde des Angeklagten darunter ein lettischer Baron, ein Potsdamer Landgerichtsrat usw., bezeichnen den Angeklagten al» äußerst vorsichtigen und gewandten Schützen, den man einen Kunstschützen nennen kann. Der Staats- omoalt beantragte 399 Mark Geld straf«. Das Gericht schloß sich dem Gutachten des Sachverständigen an und sprach den Ange- Bor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« fand eine Gerichtsver» Handlung statt, die in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert war. Einmal: Ein Polizeihauptmann stand wegen Körperverletzung im Amte in zwei Fällen und wegen B«lcidigung unter Anklage! Kein alltäglicher Fall. Neben ihm fein Untergebener, der Schupowacht- meister Riedlinq. Dann: die Ermahnung des Borsitzenden an die zahlreichen Polizeibeamten-Zeugen vor Einttitt in die Gerichtsver- bandlung, nur ja vorsichtig die Aussagen zu machen. Nicht in dem Sinne vorsichtig wie sie sie in der Doruntersuchunq selbst unter dem Eide gemacht haben: die Beamten mögen nicht etwa aus kameradschaftlichen Gefühlen und falsch verstandener Posizelbeomten- ebre ein Verbrechen decken: Schädling« müßten im Interesse der Allgemeinheit ausgemerzt werden. Drittens die Zeugenaussagen: Ein wirres Durcheinander von Bekundungen, in denen man sich nur mit Mühe zurechtzufinden vermochte, eidliche Aussagen, di« sich diametral gegenüberstehen. Und schließlich das Urteil. 199 Mark Geldstrafe weqen Körperverletzung in einem Falle für den Polizei- Hauptmann, Freispruch im übrigen, und Freispruch für den Schupo- Wachtmeister. Die Sache selbst verhält sich folgendermaßen: Der Leiter des Polizeirevier» Prenzlauer Berg. Hauptmann Kempe, ist ein Mann, der ficki vom einfachen Schutzmann zum Hauptmann emporgearbeitet hat. In der Nacht vom 18. zum 19. Januar nun hatte der Haupt- mann bis 4 Uhr morgens durchgearbeitet. Er beschloß, noch eine Nachtkontrolle vorzunehmen. An der Ecke Pappelallee und Schönhauser Allee ging es um den weiblichen Wurstmaxen herum ziemlich laut her. Der Hauptmann trat an die Leute heran und forderte sie auf, nach Hause zu gehen. Dann begab er sich auf den gegenüberliegenden Bürgersteig zurück. Als die Aussprach« immer lauter wurde, begab er sich erneut zu den Leuten und fordert« diesmal«ine Gruppe von drei Personen auf, nach Haus« zu gehen. „Weshalb?� lautete die Frage,„wir machen ja keinen Auslauf". Es waren dies drei Männer, die gerode im Begriff waren, sich vonein« ander zu verabschieden, um den Heimgang anzutreten. Der Haupt- mann wiederhoste seine Aufforderung: er«rhiell die gleiche Antwort wie dos erstemal. Der Wortwechsel wurde ziemlich laut, und im nächsten Augenblick lag einer der drei auf dem Boden: es war der jchwerkriegsbeschädigte, einbeinige Invalide und Bahnschaffner B. Der Kriegsinvalide schimpfte auf den Hauptmann und verlangte, daß er seinen Namen nenne. Der Hauvtmann mahnte mit lau!«r Stimme zur Ruhe. Die Stimmung der Masse wurde drohend. Di» Situation schien gefährlich, als zwei Polizeibeamte herbeigeeilt kamen. Einer von den beiden versucht«. den Hauptmann zur Seite zu sühren. In welcher Reihenfolge sich die Ereignisse weiter abspielten, war nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Jedenfalls wurde dem Hauptmann das Gesicht zer- kratzt und der Paletot zerrissen, dem Schupowachimeister der Tschako heruntergeschlagen. Der Kricgsinoalide B. erhielt vom an- geklagten Wachtmeister einen so heftigen Foustschlag ins Auge, daß es anschwoll. Mit Hilfe weiterer Poiizeibeamter gelang es, den B. ins Polizeirevier zu bringen. Was hier geschah, blieb in völliges Dunkel gehüllt. Soviel steht jedoch fest: B. lag plötzlich auf dem Boden, schrie und schlug wild um sich. Er behauptet, v o in Hauptmann K. mißhandelt und beschimpft worden zu sein. Die Aussagen der Polizeibeamtcn lauteten anders. Er fei irgendwie ausgerutscht und vom Stuhl gefallen. Der Staatsanwalt erblickte allein die Tatsach« als erwiesen, daß der Hauptmann den B. auf der Straße durch einen Stoß zum Slurz gebracht habe. Demgemäß b«- ontragte er eine Geldstrafe in Höhe von 199 Mark. Das Gericht entschied entsprechend diesem Antrage. Zum Schluß drei Fragen. War es wirstich notwendig, daß der Hauptmann an die harmlosen Bürger mit einer derart schroffen Aufforderung, nach Hause zu gehen, herantreten mußte? Brauchte er in eigener Person in dieser Weise di« Nachtkontroll« auszuüben? Und drittens: ist es wirklich fo, daß die Beamten selbst der Wahrheit zum Trotz die Bergehen und Berbrechen ihrer Kameraden decken? So wollte es fast aus der Ermahnung des Dorsitzenden herausklingen. klagten ans Staatskosten frei. Außer dem Hühnervolk ist nach diesem Borfall noch aufgeflogen: der Administrator des Ritterguts, Bruckner, ein Bruder des Nebenklägers, der Nebenkläger selbst, ein Kutscher usw. mit schlichtem Abschied vom Rittergut fort. Bis zum heutigen Tage hat der Berletzte außer der Krankenkostenbehandlung weder einen Pfennig für ein Kunstauge, noch Schadenersatz erhallen. Eine sechsköpfige Einbrecherbanöe verhastet. Auch vier Hehler festgenommen. Einen großen Erfolg hatte die Kriminalpolizei mit der Auf- klärung des Juweleneinbruchs bei Lünser In dex Friedrich st rahe. Die Ermittlungen und Beobachtungen ließen erkennen, daß hier eine Bande an der Arbeit gewesen war, die sich sonst auf dem Gebiete des Konfcttionseinbruchs betätigte und in der Friedrichstraße einmal eine Ausnahme gemacht hatte. Die gemeinsame Arbeit der Kriminalkommissare T r« t t i n und Braschwitz mit ihren Beamten der beiden Sonderdieuststellen bestätigt« dann auch diese Annahme und führte bald zur Festnahme der drei Berbrecyer Fritz B o r r t e s, Arthur Dirks und Paul Louis, genannt Scheibe. Ihnen wurd« alsbald auch nock ein Ein» bruch ün ein Hutgeschäft in der Neuen Kitnigstroße nachgewiesen. Noch Aufklärung des Juweleneinbruchs und des Einbruchs in dieses Hutgeschäfts setzte nun Kriminalkommissar Braschwitz mit seinen Bs- amten die Ermittlungen in der Richtung der Konfettionseinbrüche fort. Nach tagelangen Vernehmungen und Nachforschungen wurden jetzt noch vier große Konsektionseinbriiche aufgeklärt, an denen außer den drei Genannten noch ein Felix Gederr, ein Heinz Wegner und ein Willy Reppen beteiligt waren. Auch diese wurden ermittelt und festgenommen, zwei in ihren Wohnungen und einer in einem Lokal. Die ganze Bande wurde dieser Einbrüche so bündig überführt, daß schließlich alle ein G e st ä n d n i s ablegten. Am 22. Juli d. I. rissen die Berbrecher von der Tür eines Pelzgefchäftes in der Großen Präsidenten st raße das Scherengitter ab. schloffen die Tür mit einem Dietrich auf und erbeuteten zwei große Säcke voll Pelze, die Scheibe als„Fachmann" aus dem Borrat als di« wert- vollsten herausgesucht hatte. Die Beute wurde in einzelnen Stücken verkauft, zum Teil an Privatpersonen. In der Nacht zum 8. August brach die Bande durch die Kellerdecke in ein Geschäft in der K a i s e r- Wilhelm-Straße 39 ein und stahl 9)4 Ballen Tuch und mehrere hundert Meter Seide. In der Nacht zum 31. August hatte sie es auf ein Stoffgefchäft in der Seydelftraße 1 abgesehen. Weil sie«s aber zu gut gesichert fand, so wandte sie sich gleich einem Hut- geschäft zu, das sie bereits vorher ins Auge gefaßt hatte. Sie hatte hier vom Türschloß unbemerkt die Muttern abgeseilt, konnte jetzt das chloß einfach herausnehmen und erbeutete für 25 999 Mark Ute und Seide. Der vierte große Einbruch fiel in die Nacht zum 11. September. Hier drangen die Berbrecher auf dem Grund- stück Friedrich st raße 118 an der Ecke der Hannoverschen Straße, auf dem im Erdgeschoß ein Caft mit regem Verkehr be- trieben wird, durch«ine Rabitzwand im ersten Stock in ein« Herren- tonsektion«in, oerbauten, um nicht bemerkt zu werden, die Fenster mit Kisten und machten wieder große Beute. Das ist aber wahr- scheinlich noch nicht alles, was diese Bande aus dem Kerbholz hat. Die Ennittlungen werden noch sortgesetzt. Unterdessen wurden auch vier Abnehmer der Bande, als Haupthehler ein Emil Beer und ein gewisser Ludwig Joseph, die beide in der Neuen Königftraße wohnen, ermittelt und festgenommen. Auch sie sind geständig und wurdeu�nit den Einbrechern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Von dem Mann, der nichts zu sagen hat. Der Ehemann ist ein großer, kräftiger Mensch mit einem Gesicht, das nur Gutmütigkeit ausdrückt. Die kleinen, beweglichen Augen blicken listig in die Welt. Seins Bewegungen sind langsam, abgemessen, und er macht den Eindruck eines ruhigen und bejcheidc- neu Mannes. Oskar ist der Besitzer einer Gastwirtschaft. Sein« Frau ist dagegen das, was man eine resolute Person nennt. Knochig, der Blüte der Jahre bereits entrückt, ist ihr Auftreten ganz dazu angetan, Furcht zu erregen. Das Gesicht ist hager und verbissen. Das Wort führt sie, er ist nur derjenige, den man als das ausführende Organ bezeichnen kann. Eingeweihte wollen sogar wissen, daß Oskar oft genug die Schlagfertigkeit seines Weibes an einem eigenen Körver hat erfahren müssen. Nun besitzt Oskar ein :echt liebebedürftiges Herz, das er nicht nur seiner holden Gattin ühlen läßt. Auch jung«, wirklich r«izende Mädchen sind dann seine Auserwählten. Bis dahin merkte die Ehegattin nichts von den Seitensprüngen ihres Eheherrn. Oskar gehört nämlich zu den Männern, dt« Erlebnisse diskreter Natur für sich behalten und in ihrem Busen verschließen. Selbst der beste Freund bekommt nicht» zu erfahren. Aber das Verhängnis sollte doch eines Tage» seinen Lauf nehmen. Und dos kam so. An einem wunderschönen Mai- tage fuhr Oskar nach Berlin, fein geschniegeli und gebügelt, trat er die Fahrt an, angeblich, um geschäftlich« Ding« zu erledigen. Seine Frau blieb ahnungslos zurück. Aber, wie der Zufall nun einmal im Leben spielt, bekam die Frau ein Telegramm, wonach ihre am Alexanderplatz wohnende Schwester plötzlich schwer erkrankt sei. Vertretung besorgt« sie sofott, um sogleich loszusahren. Wer qber beschreibt ihr Erstaunen, als sie in einer benachbarten Straße«in Paar sah, von dem der Mann mit ihrem Ehegemahl ein« frappant« Aehnlichr«it hatte. Kaum hott« sie Birgleiche angestellt, als die Beiden in ein«m Hotel verschwanden. Sie hinterher: oben angekommen, sah sie gerade noch, wie er, der tatsächlich ihr Ehemann war, sich in das Buch eintrug, während seine Begleiterin itm mit Blicken musterte, die das Herz des betrogenen Eheweibes schneller und wütender schlagen ließ. Was nun kam, spielt« sich im Verlaus weniger Minuten ab. Der erste, der die Lage überblickte, war Oskar, der sofort die Flucht ergriff. Dem Mädchen erging es schlecht. so schlecht, wie es ihr im Leben vielleicht noch nicht ergangen war. denn sie erhielt von der resoluten Frau ein« Tracht Prügel mit dem Schirm, die nicht von schlechten Eltern war. Nun hatte dieser Norfall ein Nachspiel vor dem Amtsgericht, dos die Gastwirtin unter der Anklage der Beleidigung und Körper- Verletzung sah. Frau Z., die Gattin Oskars, mußte ihren Zu, sammenstoß mit insgesamt 89 Mark Geldstrafe büßen. „Such' Frauchen!" Die Hundediebe sind wieder aufgetaucht. Vor einem Jahr« wurde ein berüchtigter Spezialist aus diesem Gebiets festgenommen. Er befindet sich auch heute noch in Gewahrsam. Seit seiner Verhaftung hört« man lange nichts mehr von einem Hunde- dicbstqhl. Der löhnte sich auch kaum noch, well man die schönsten Tiere vom Tierschutzverein schon billig kaufen kann. Außerdem ist er mit einem erheblichen Risiko verbunden. Dennwfy wurde neuerdings die Spezialität wieder aufgenommen, und einer der Diebs ist bereits wieder unschädlich gemacht worden, ein 45 Jahre alter Pol« Franz Poschat, der früher Hundehändler war. Poschal. der ohne Zweifel, wie auch die anderen, mir einem alten Iäzermittcl arbeitet, war es, der vor etwa 14 Tagen zwei Tiere auf einmal erbeutete. Eine Dome, die den Wochenmarkt in Halensee be- suchte, band ihren Airedale-Terrier und ihren Schäferhund vor dem Markte an einem Zaun an. Poschak, der gerade in der Gegend war. lockte die wunderschönen Vierfüßler mit der fortgesetzten Aufsordc- rung.Such' Frauchen!" hinter sich her bis in seine Wohnung in der Pantstrahe. Nachdem er sie erst in eine vom Markt alPewandte verkehrte Richtung gebracht hatte, solaten sie ihm ohne weiteres. Er erhielt jedoch für den Schäferhund„Pascha" nur 29 M. und für den Airedale„Argus" gar nur 5 M. In der B e l l e v u s st r a ß e wurde ein fünfjähriger grauer Schäferhund im Werte von 899 M. gestohlen. in der Salzburger Straße eine hellgraue langhaarige Grisfonhündin mtt schwarzer Gesichtsmaske im Werte von 1599 M. und vor dem Schön«berger Rathause ein schwarzer Dober- niann„Prinz", der 599 M. wert ist Wahrscheinlich kommen auch diese noch auf Poschats Rechnung. Er bestreitet es allerdings. Was wird mit den„Schafsköpfen"? Der anwachsende Großstadtverkehr und der Zlusbau der Unter- grundbahn am Alexanderplatz erfordert die Verbreiterung der Straßen. Auch das hi st arisch« Haus„GoldenerH i r s ch", im Volk bekannt als das Haus mit den„9 9 Schafs- köpfen", muß zum größten Leidwesen der Freunde des alten Berlin verschwinden! Bald wird mit dem Abriß begonnen werden. Da wäre es nun interessant, zu erfahren, was mit den noch am Hause befindlichen Schafsköpfen, die bekanntlich der Alte Fritz anbringen ließ, geschieht. Mit diesen 99 Schafsköpfen hat es nämlich folgende Bewandtnis: Ein Bürger, der des öfteren größere wohltätige Stij- tungen gemacht und in einem Gesuch an Friedrich II. alle Schcn» kungen aufgezählt hatte, bat den König, ihm, wie seinem Nachbarn, ein mit Figuren reich geschmücktes Haus erbauen zu lassen. Das Haus wurde gebaut. Jedoch war der gute Bürger damit nicht zu- frieden. Es war nämlich nach seiner Meinung zu wenig„Schmuck" an der Front. Der König erfüllte auch diesen Wunsch und ließ— 99 Schafsköpfe anbringen. Als der König das nächstemal das Haus besichtigte, meinte er, der Bürger könne nun wohl zufrieden sein. Wenn er aber das Hundert vollmachen wolle, so brauche er nur den Kopf zum Fenster herauszustecken Heute befinden sich an dem Haus noch etwa 12 gut erhaltene Exemplare. Hosfentlich interessiert sich hierfür dos Märkische Museum, indem es einige der Köpfe und auch den am Giebel des Hauses befindlichen Hirsch, sowie die Tafel, die die Jahreszahl der Erbauung des Hauses mitteilt, ins Museum überführt!_ Berliner Fremdenverkehr im Seplember. Die Zahl der in Berliner Hotels, Gastbösen. Fremdenheimen usw. polizeilich ae- meldeten Fremden belief sich nach Mitteilungen des- Statistisch«» Amts der Stadt Berlin im Monat September auf 181 4 9 8, das sind pro Tag 338 3. Für den August lautete die Tages- durchfchnittsziffer 5198: es sst also eine Zunahme gegenüber dem Vormonat um 277 oder 5,4 Proz zu verzeichnen. Bo» den Gasthofssremden überhaupt waren 85,2 Proz. Deutsche und 11,7 Proz. europäische Ausländer, 3.1 Proz. waren in den fremden Erdteilen staatsangehörig, und zwar 2,5 Proz. in Amerika. Die Zahl der Gastholsfremden au» Amerika ist infolge der vielfach schon im August ongeiretcnsn Rückreise der Amerikaner au» Deutschland gegenüber dem Vormonat von 6499 auf 4110 gesunken. Dagegen haben von 34 europäischen Auslandsstoaten 16 eine Steige ning der Besuchszifser erfahren, aus drei Ländern war der Fremdenverkehr der gleiche und für 15 Staaten war«n geringfügige Abnahmen der Besucherzahlen zu verzeichnen. e/ta • Das ideale OCtlt Abführ-Konfek! D 1230 über dem Atlantischen Gzean. Keine Notlandung in Holland. Da» Flugzeug v l2Z0 wurde um ll.Z0 Uhr über dem Zlllmi fischen Ozean uaSet 46° 23" nördlicher B reife und S° SO' westlicher Länge gefichfeL Es flog in Richtung auf Kap Zinisterre. Zu dem Flug des deutschen Junkers-Flug, zeuges 13 1230 kann noch ergänzend mitgeteilt werden, dost es sich bei der Landung im Marineslughafen Schellinkwoude um keine Not- landung handelt. Die Flieger hallen vielmehr von vornherein geplant, in Holland«ine Zwischenlandung vorzunehmen. Ursprünglich hatten sie hierfür den Flughasen Waalhaven bei Rotterdam in Aussicht ge- nommen. Auf Anraten holländischer Luftfahrtsachoerständiger be- schlössen sie jedoch, im Marineslughasen Schellinkwoude zu landen. Di« 210 Kilpmeter lange Strecke Norderney— Amsterdam wurde in einer Stunde und 20 Minuten zurückgelegt. D»s Flugzeug, das mit einem Extrabenzintank versehen ist. kann Höchstens 2000 Liter Venzin mit sich führen. Auf eine Anfrage bei den Junters-Werken wird mitgeteilt, daß die Junkers-Werke nicht in Abrede stellen, den Flug beim Reichs- Verkehrsministerium angemeldet zu haben. Die Gründe näher anzugeben, die sie hierzu veranlaßt«», sind die Junkers-Werke nicht in der Lage. Dagegen wird versichert, daß die Junkers-Werke in keiner Weise hinter dem Unternehmen stehen. Sie haben dieses Unternehmen weder technisch, noch organisatorisch, noch finanziell in irgendeiner Beziehung vorbereitet, noch stehen sie irgendwie in Der- bindung mit ihm. Die Maschin«, mit der der Flug ausgeführt wird, ist in andere Hände llberaegangen und damit dem Einfluß der Junkers-Werke entzogen. Was das Nachrichtenwesen anbetrifft, so werden die Junkers-Werke über den Flug und seinen Verlauf nicht anders unterrichtet als ander« Stellen und als die Presse auch. Das Landwirtschaftsminifterium für Waldschutz. In einer Kleinen Anfrage eines sozialdemokrati, schen Landtagsabgeordneten wurde Bezug auf Zeitungs- Nachrichten genommen, wonach die Absicht bestehen sollte, den zwischen Strausberg und Petershagen gelegenen Wald abzuholzen. Unter Hinweis auf die durch Beseitigung dieses Waldes drohende bevölkerungspolitische und gesundheitliche Schädi- gung der Groß-Berliner Bevölkerung wurde das Staatsministerium acsragt, ob es bereit sei, der Bevölkerung den Wald zu erhallen. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst aus Grund der Antwort des Preußischen Landwirtschaftsministers mitteilt, ist das Gerücht von einer beabsichtigten AbHolzung zwischen Strausberg und Peters- bogen unbegründet und wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß unverbindltcheBerhandlungen über den B« r t a u f der staatlichen Försteres Eggersdorf zur Vergrößerung des Strausberg«? Stsdtwaldes schweben. Der genannte Waldjteht ebenso wi« die Stadtforst Strausberg unter dem Schuß des Baumerhaltungsgeseßes von 1922. Dan! von Stadträtin Wehl. Genossin Klara Weyl bittet uns um Berössentlichung dieser. Danksagimg:.Aus Anlaß meines 2Sjährigen Jubiläums im ehrenamtlichen Dienste bei der Stadt Berlin am 30. September 1927 sind mir von allen Seiten Glückwünsche in so großer Zahl zu- gegangen, daß ich mich außerstande sehe, jedem einzelnen zu er- widern, Ich bitte daher, aus dem Wege durch die Press« meinen 2 g n k entgegenzunehmen." 3« halbe Schweine gestohlen! Eine fclle Beut« machte«in unbekannter Fuhrwerksdieb, der «eftern vormittag vor der Markthalle in der Eisenbahn- st r g h« einen Wag«n stahl, der 50 halbe Schweine, 100 Stück H.arbonaden, mehrere Fässer Schmalz und vier Kannen Blut geladen batt«. Das Fuhrwerk sand man spater mit dem abgetriebenen Pserd« im Süden der Stadt wieder. Die ganze Ladung aber ist spurlos verschwunden. Der Dieb muh außerordentlich schnell Käufer gesunden haben. Wer den Wagen gesehen hat oder über verdächtige Angebote etwas weiß, wird gebeten, sich umgehend bei Kriminalkommissar Nauck, Dienststelle C. 8, im Polizeipräsidium zu melden. Nener Bebauungsplan für Zehlendorf. Nach mehrjährigen Berhandlungcn mll der Stadt Berlin ist der Bebauungsplan für das Land des Ahag-Sainmerfeld-Konfartiums, welches begrenzt ist im Norden von, Grunewald-Krumiiie Lank«, im Westen von der Billcnkolonie Zehtendorf-West, im Süden von dem Stadtteil Zehlendors.Mllte, im Osten von der Billenkolonie Dahlem, genehmigt worden. Hierdurch werdcn etp» 2000 im Grünen gelegen.', einzeln« Wohngrundstück« geschassen. An die Stadt Bertin werden hierbei zur Schaffung von Grünflächen, Frei- nläßen usw. rund Ö50 000 Quadratmeter, zum großen Teil mit Baun, bestandenen Landes, kostenlos übereignet. In diesem Zu- sammenhang wird erneut die Frage des Berkehre gtut. Ein««nd- gültige Entscheidung, ob die Untergrundbahn entsprechend der schon seinerzeit durch den Zweckverband festgelegten Linie in der Rich- tung nach Zehlendarf-West weitergeführt wird, oder ob ein Omnibus- ringverkehr eingestellt wird, schwebt noch. Gegen den Neichsschulgesehentwurf. Die Charlottenburger Genossen hatten zu gestern abend eine Protest Versammlung einberufen, in der Reichs- tagsabgeordneter Genosse Löwen st ein über den neuen Reichs- fchulgesetzentwurf referierte. An der Versammlung beteiligten sich überaus zahlreich die Lehrer aus den Schulen in Ehar- lottenburg. Genosse Löwenstein führte aus: Seit dreieinhalb Jahren kämpfen die politischen Parteien gm die Gestaltung des Reichsfchul- geseßentwurfes. In Schleswig-Holstein haben 98 Prozent der Lehrer.beschlossen, den Religionsunterricht nicht mehr zu erteilen, wenn dieser Entwurf Gesetz wird. Auch in den anderen Ländern haben die Verbände der Lehrer ein- mutig diesen Entwurf abgelehnt. Ebenso sind im Reichsrat starte Bestrebungen erkennbar, diesem Entwurf entgegenzutreten. Es gill deshalb, die Massen der Bevölkerung gegen diesen Entwurf zu mobilisieren. Ein Geseß. das als Ausführungsbestimmung zum Artikel 146 der Reichsoersassung gellen soll, dars nicht an die Grund- bedingungen der Reichsoersassung in der Schulsrage rütteln. Sehr bezeichnend ist schon an diesem Keudellschen Entwurf, daß er nicht die Zweckbestimmung der Schule, die Dölkerverständigung, enthält. Schon in der Reichsverfassung ist dieser Zweck der Schule festgelegt. In diesem neuen Geseßentwiirf sollen aus den bisherigen evangelischen, katholischen und jüdischen Schulen Bekenntnisschulen werden. Auch die Lehrerschaft hat alle Beranlassung, sich diesen Gesetzentwurf genau anzusehen. Er enthält eine Reihe Verordnungen, nach denen kirchlichen Einrichtungen die Kontrolle über die Schulen eingeräumt werden soll. Diese Macht der Kirche würde den Lehrer zwingen, ganz nach der Willkür de» Pfarrers zu unterrichten. In seinen Schlußausführungen betonte Genosse Löwen- stein, daß nur dann dieser Entwurf nicht Gesetz wird, wenn Eltern und Lehrerschaft oereint dagegen protestieren. Er forderte die Bersammlung auf. schon heute überall, wo es möglich ist, mit Arbeitskollegen und Nachbarn die Massen zu mabllisseren, die notwendig find,, um diesen neuen Vorstoß der Kulturreaktion im Keim zu ersticken. Die Versammlung dankte dem Referenten für die mit gutem statistischen Material belegten Ausführungen durch reichen Beifall. Eine ausgezeichnete Diskussion, in der auch einige Lehrer sprachen, schloß stch an das Referat an. Eine Greifin vom Auto totgefahren. Beim il eberschreiten des Fahrdammes in der Soeben st raße wurde gestern gegen 18.30 Uhr die 77iährlge Witwe Frieda Beutner aus der Goe. benstraße 10 von einem P r i v a t o u t p erlaßt und über- fahren. Die Greisin, die schwer» inner» Verletzungen davongetragen hatte, wurde in bewiihtko-sem Zustande In do» Elisabethkronkcnhaus übergeführt, wo sie bald noch der Einlieferung starb. Die Schuldfrage konnte noch nicht einwondstei geklärt werden. Tin neuer Erster Staatsanwalt in Potsdam. Al» Erster Staatsanwalt in Potsdam ist Erster Staotsanwall Dr. Fuhrmann aus L Y ck jn Ostpreußen noch Potsdam berufen worden. Der neue Erste Staatsanwalt tritt om 1. November sein Ami an. Beratungsstelle für Geschlechtskranke in Wilmersdorf. Infolg« Einführung de, neuen Relchsgejetzes für die Bekämpfung der G«' schlechlskrankhejten finden vom 1. Ottober d. I. ob die Sprech, stunden in der Beratungsstelle für Geschlechtgkrank« täglich. und zwar wie folgt, statt: Für Frauen: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 9—10 Uhr, Mittwochs von 18'?—-2014 Uhr; für Männer: Montags und Freitags von 1814— 2014 Uhr. Der Eingang zur Beratungsstelle ist Achenbachstraße 16. Republikanerlag in Potsdam. Sonntag, 9. Oktober, findet in Potsdam eine große republikanische Kundgebung statt, bei der Reichspressechef a. D. Dr. Spieker, Chefredakteur Nuschle und der Genosse Robert Schmidt sprechen werden. Am Vorabend findet eine Begrüßungsfeier für die auswärtigen Kameraden statt. Londonienkonzerl am Friedrichshain. Am Märchcnbrunnen, Friedrichshain, veranstaltete der Berliner Bezirk des Deut. schen Konzertina, und Bandonienbunde» unter Mitwirkung des SteglitzerBandonienklubs.des l. Berliner Chromatischen Bandonicnklubs, des Bandouienmusikvereins..Okiauia", des Berliner Vandonienvereins„Saxonia" 1902" und des Bandanicnvereins „Junge Kunst" ein Festkonzext für Soli und Orchester. Da» reichhaltige und sehr abwechslungsreiche Programm brachte flotte Märscl-e, Straußwalzer, da» Potpourri aus der„Fledermaus", di» Ouvertüre zu Osfenbach«„Orpheu, in der Unterwelt" u. a. m. Man konnte an dem überaus sauberen und rhythmischen Zusammenspiel wirklich feine Freude haben; Bezirksdirigent Pörschnwnn brillierte in einem Solo italienischer Opernsantasien durch seine blendende Technik: perlende Läufe, hüpfende Staktatas, süßlockmde Triller, ein ganzes wohlgeschulles Opernorchester en rnimatur«, tobender Beifall und ein prächtiger Lorbeerkranz entlockten ihm noch zaxi Dakapos. Im Anschluß an das Konzert fand ein Ball statt, dessen musikalische Kosten ebenfalls der Bandonienbund bestritt. Gegen- wörtig zahlt der Deutsche Konzertina, und Bandonienbund 320 Mit- glieder und die einzelnen Klubs bestehen bereits 20 bis 30 Jahre, einige auswärtige sogar schon über 50 Jahre. Vorträge und Uebnngen über Fürsorgearbeil-veranstaltet das Archiv für Wohlfahrtspflege(Berlin, Flottwellstr. 4). Eine Bor- tragsreihe„Gesundheitswirtschaft durch Sozialver- s i ch« r u n g und S a z i a l s ü r s o r g e", mit dem Dozenten Dr. Franz Goldmann vom Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin, findet statt vom 20. Oktober bis 15. Dezember jeden Dienstag 1714! bis 19 Uhr im Haupigefundheitsamt, Fischerstr. 38/42. Teilnehmer- gebühr 5 M.; Anmeldungen im Archiv für Wohlfahrtspflege möglichst bis 10. Oktober. Uebungen zur Erkenntnis psychologischer und soziologischer Zusammenhänge an Hand ein- zelner F ü r so rg e f S ll«, mit den Dozenten Dr. Ernst Joel, Fürsorgearzt in Berlin, Dr. Bruno Klopfer vom Berliner Zentral- institut für Erziehung und Unterricht und Frau S. Wronsky vom Archiv sür Wohlfahrtspflege, finden statt vam 19. Oktober bis 16. Dezember in den Rqumen des Archivs. Die Uebungen gliedern sich in«inen Teil für normale Fälle(Dr. Klopser. jeden Mittwoch 18— 1914 Uhr) und einen Teil für pathologische Fälle(Dr. Joel, jeden Freitag lA— 19'4 Uhr). Teilnehmergebühr für jeden Uebungs- teil 5 M.; Anmeldungen im Archiv möglichst bis 10. Oktober. Teil- nehmen können alle in der sozialpädagogischen oder soziologischen Arbeit stehenden Personen sowie alle an der sozialen Arbeit interessierten Kreise. Orgelkonzert« im Vom. Do« vöchslc Orgelkonzert von Professor Walter Fischer findet Donnerstag,«. Ott., 20 Ubr, Im Dom statt. Es wirken mit: Elisabeth Küdnletn. Sopran, EM Sendler, Alt. Programm 50 Psg. berechtigt zum Eintritt. vi« vibliolhet der Arbeilerbildungeschule ist von jetzt ab jeden DienS- t a g u n d Fr e i t a g von Uhr geöffnet. Donnerstags bleibt die Bibliothek geschlossen. Die von dem bekannien Gesang, Pädagogen Professor Roseberry d'Argnto gegründete Meiangsgemeinschast hat sich gespalten. Roseberrv d'Arguto lagt mit seiner Gruppe jeden Dienstag und Donnerstag in der schule im Tempelhoser Weg. Am Dienstag übt die stngschule und am Donnerstag die Gefanglchule. Schwere GasvergiftungbeiderJ.G.Farbcnindustrie Im Betriebe der I. G. Farbenindustri«, Abteilung Osfenbach, ereignete sich ein schwerer Unfall. Ein Ar- beiter, der mit der Ocffnuna einer Gasbombe, die tödlich wirtendes Phosgen enthielt, beschäftigt war, bemerkte, daß die Bombe undicht war und Gas ausströmte. Den im gleichen Raum beschöstigten Arbeitern rief er laut„Phosgen!" zu. Di« Arbeiter ergriffen die Flucht, während andere mit Gasmasken geschützte Arbester die Bombe darauf in den Hof brachten. Ein« im ersten Stock arbeitende Chemikerin und ein Chemiker öffneten das Fenster, um frisch« Lust einzulassen. Am Abend stellten sich be! ihnen Beschwerden ein; beide mußten ins Krankenhaus gebracht werden, wo inzwischen die Ehe- mikerin an Phosgeiwengiftung gestorben ist, während der Che- miker in bedenklichem Zustande daniederliegt. Drama auf hoher See. Auf dem französischen Frachtdampfer„Dean Soloii", der sich von L« Hypr« aus dem Wege stach Zentrolasriko befand, hat sich«in Drama abgespielt, da» einstweilen noch stark im Dunkeln liegt. An der ElsenboiiUüstx starb plötzlich der erste Maschinist im Verlaufe weniger Stunden, anscheinen» an einer geheimnisvollen Krankhest. Nachdem der Leichnam in da» Meer versenkt war, setzte das Schiff seine Reise fort. Einige Tag« später erschoß der erste Schis ssoffizier. vermutlich in einem Anfall von Geisteskrankheit, Pen K a p i t ö st� Der B o r d f u n k« r, der herbei. eilte, wurde von ihm durch zwei Schüsse schwer verletzt. Darauf stürzte stch der Schisfsofsizier über Deck und verschwand in den Fluten Das Schiff, das damit der Führung beraubt war, mußte die Fahrt unterbrechen und den nächsten Hafen anlaufen. Der danische Dampfer„Hermos" verschollen. Aller Wahrscheinlichkeit ist in den schweren Stürmen der letzten Tage der dänische Dampfer„Hermos" an der Westküste Jlltlands untergegangen. Bei Thorsmünde sind Planten und abgerissene Luken von dem Dampfer angetrieben worden. Da man nichts von Schiff oder Besatzung gesehen hat, seitdem das Schiff die letzten Mekdungsftatioiten passiert hat,«nutz man mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß sämtliche 2 2 Menschen, die aus dem Schstje waren, mit untergegangen sind. Vergiftung durch Gemüsekonserven. In Magdeburg ist«ine ojerköpsige Famils« nach dem Genuß von Konservenbohnen schwir erkrankt. An dem Aufkommen eines der Erkrankten wird gezweifelt. �)as Qesetto||| derjQmonte filt nicht nurfurdieMusik.Wie Unser Hinweis auf das Geseti der der Missklang eines einzigen In- Harmonie bei einer Zigaretten- strumentes das Ohr beleidigt, so Mischung wurde nicht so unge- gibt es auch Disharmonien für das wohnlich erschcinen,wenn bekannt Auge und für den Geschmack.Eine wäre,dass unsere Fachleute oft Be gute Zigaretten-Mischung soll griffe aus der Musik wählen.umfeh- auf den Raucher wirken wie ein» lende Geschmacksbezeichnungen reiner Akkord. Zwanzig und mehr zu ersetzen. Bald erscheint die verschiedene Tabaksorten müs- Begleitung'zu laut, bald tritt die sen in ihren IVozent-Satzen genau �elodiezu sehr hervor, so wird aufeinander abgestimmt sein,solI stets neu geprobt und abgetönt,bis er keinen Missklang empfinden. eine reine Harmonie erzielt ist-f lesen Vergleich möchten wir gern dem Raucher nahebringen. damit auch er auf die Feinheiten einer guten Zigaretten- Mischung achten lernt und die Leistung anerkennt,die wir ihm mit unseren Zigaretten bieten. Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfügung!— Schrift!» Bestellungen können nicht berücksichtigt werden! Dfttmar Höbet -FÜZ. Abgeklärt neuzeltliclie Möbel W m m veralten nie. nruekxaelieii and die kl. Schrift:„Bhythmas im Wohnranm" senden wir cern kostenfrei. 331'Ih Molkenmarkt 6 Tanentzienstraße lO | Donnerst 6.10.27 Staats-Opcr | AmPl.d.Republ. Anf. 7L'hr Rosen- kavaüer | Stull. Sdiauspiell An Genddrinennarkt 8 Uhr I fei n Set JsnM Donners t.5.10.27 Städtisdie Cp?r Bismarckstr. Turn. 11. Anf. 8 Staatl. Stbiilcrth. i Charlottenburg 8 Uhr i Voiks büh ne (htalei am Siiliiwplal? 8 Uhr ISfiäale v. Liebe TH. am Sdiüftautriianm 8 Uhr Dazu: Der gcmtuMdic Kommi*t£r zu ün Donnerstag, 6. Oktober nachmittags IVs Uhr Xomische Oper ! 8V« Uhr. Alladenlllich 8>/, Uhr i Zsmss klslns neosrtigez Revue-Siück| in 25 Bildern Die Welt applaudier!.. i 200 MITWIRKENDCU Theaterkasse ab 10 Uhr I ununterbrochen geöffnet!) Nollenaon 736U Die Oktober- VadcfMtevue ORCUS BUSCH Täglich 8 Uhr: ManegeMhau Vicki wettet um die Welt Sonnabend, den 8. Oktober 1927 nachm. 4 Uhr: BaFsM-WemisMii. Das grofie Circus- Programm mit Kinderbelustigungen u. Geschenk- vertcllung. Tin SdiluB: Das Mädchen a. Wild-West Amerik. Abenteuerstück in 4 Akten. sr?�nnÄ 4 Öhr 1)3118 PfEije Deotsdiesllieater Norden 10334—37 ? Uhr, Ende 11 Uhr idinsplti m ibakeptm Kamtnerspiele Norden 10334—37 »V.U. EndelOV.U. Ihr Mann Latasiil ih Pul Ctnltr Die Komödie Bismarck 2414/7516 VI, Uhr, Ende I0V, Zinsen Komödie von Bernard Shaw Allabendlich UV« U. lielssD-Hadit-lievoe Die Liditer von Berlin Sonntags 2 Vorstellungen 4V,u.n Uhr 1). im Admiralspalast Täglich 8V, Uhr" Die neue fgALLER BEVSE „Wann Dnd woi' 1 2 Sonntag Vorstellung. 3 Uhru.8l/,Uhr üa*». die tun Var- sfilliat n bilh. Pnlt Piscatorbfihne 'litat. a. Rolimiiorfplah Kurfürst 2091/93 8 Uhr von Ernst Toller Ine. Erwin Plscator Iaht, SM/asa. Wallhwnar. Sisft, Grtrt/, Craaarti. faistaang. Hoilnatra, Sinn, SMel. Freitag, 7. Okt 12 U. Nachtvorstellung „Blaue Bluse" sowjetruss. Klein- kunstbühneMoskau zum I.Male in Deutschland. Deutsche Begleitw. Curt Boäs. P.lhal. dit Haditvonleilanq: I, 2. 3, 4. 5 u. 6Mk. itlMiri-Bihnn Dts. Künstler-Tb 8 Uhr „Die Dame vonMaxim" Morgen 71/, Uhr Premlere Justiz Lessing-Theater 8 Uhr .BSnig Äeinridi IV" Hose-Theater 8V« Uhr Die Masdiinen- baoer v. Berlin Grones MWÜM. rftgl 8 U. Ende Die neue CHARELL- Knszrtileruiig: mit MaiPallenlierg Rita Georg Bendow Jankuhn SzBkeSzakall Werkmeister Westermeier iatksonBoys MM Girls Stg. nachm. 3 Uhr ungekürzte Vorst. zu halben Preisen Vorveruaut to-a Uhr Neues Theater am Zoo Täglich 8 Uhr „Ach wie so trügerisch— 3 haitaie Aita na Aid. Praabat Trianon-TH. Täglich 8V, Uhr: 8riha Glässner in lloptoderSifililt Preise I,2.3M. usw. Sonnab.iUhrkl. Pr. Häntel and Grefel Sonntag 4 Uhr; So ein MIdel Lustspielhaus 8V« Uhr Theater des Westens 8 Uhr: Gastspiel Prltzl Massary Eine Frau von Format tfaihaiia-rneai Täglich 8V, Uhr: Am Rüdesheimer SdiloB steht eine Linde Parkett statt« Mk lägt, auch Sonntags ■nr 60 PI. Sonntag 4 Uhr: Schnee witlchen Parkett von 30 Pf. an nuiia-nieuer 8 Uhr Der rote Hahn C ASIN O-THEATER» unr Die Pania vom Metropol. Anssdinciden.v Gutschein 1— ♦ Pers. Fauteuil nur 1,10 AU Sessel nur 1,60 AI Idealer am Hottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 U- u. 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Stg. aadiadtm. 3 Uhr in Circus Schneider KaUcrallee. gegenüber Stadtpark. _ Pfalzburg 2950._ BirMuikr-Bähur Th.Kbnleerätr Sf Hasenh. 2110. 8U DieSAwestn Komödienhani Norden 6304.«V« Berliner Theater Dönhoff 170. 8 U Löonie S lEilenaogeDoie finden Im tervirti Residenz-Thealet Täglich Uhr: OerUibiDtidieriles FrifleriCDsRei Sonntag ZV, Uhr zu halben Preisen. Planetarium am Zoo lullag. Judiinllial» Uralt Noll. 1578 OerSternenhtmmcliuf der Helle ven Berlle nach dem Aequator Vorführungen; 4V» 6, 7V» 9 Uhr. Eintritt I M. Hinte ml. IS lahmD.lOH. Neiaimeilen to50 Sclilafcliaiselonoues24.- Plüschsofas 30 M., Ratenzahlung £Aühr Berlin, Pappelallee 12 tävlSI Pankow, Schmidtstr.l frei jeder Kahnntation. » MONA MAR1ENSSON I�NsawnLM „ QUilAf MOLANDER f"-m MARMORHAUS W HEUTE S"& S" Nr.472»44. Jahrgang 2» doknerstag, 4. Gktober 1427 Die lanöwirtfthastliche verfthulüung. Gegen die Pump- und Snbventionswirtschaft der Großagrarier. Die von uns bereits kurz angezeigte jüngste Veröffentlichung de» Instituts für Konjunturforjchung über den Umfang und die Zu- sammensetzung der landwirtschaftlichen Verschuldung in Deutschland ist sür die Beurteilung der Lage in der Landwirtschaft wichtig. Sie läht mit aller Deutlichkeit erkennen, daß während der letzten Jahr«, in denen noch dauernd über Mangel an Krediten von der Landwirt- schaff geklagt wurde, eine sehr erhebliche Vermehrung des dort arbeitenden Kapitals eingetreten ist. Insgesamt beziffert das In- stitut die Zunahme der Verschuldung im Laufe des Jahres 1926 auf d-tö Millionen Mark, die Zunahme im ersten Kalenderhalbjahr 1927 sogar auf 917 Millionen Mark. Die gesamt« erfaßbare Schuldenlast wird zur Jahresmitte 1927 mit fast 5 Milliarden Mark angegeben — ohne die 3 bis 4 Milliarden Mark Aufwertungsschulden. Außerdem sollen noch schätzungsweise 1800 Millionen Mark Schulden an sogenannten„schwarzen" oder„schwimmenden" Kre- diten, deren Höhe nicht genau anzugeben ist(hauptsächlich Waren- schulden und Lieferantenschulden, rückständige Kaufgelder und Pachten usw.), vorhanden sein. Seit dem Ende der Jnslationszeit ist danach eine Ncuverschuldung der gesamten deutschen Landwirtjchast um 6 bis 7 Milliarden Mark eingetreten. Das ist eine recht hohe Summe auch dann, wenn man die besonderen Umstände der Nach- inslationszeit berücksichtigt. Die Zinsenlast. Leider hat es das Institut gar nicht erst versucht, Feststellungen darüber zu machen, wie groß die Zinsbelastung ist, die sich aus dieser Neuverschuldung ergibt. Es wird anzunehmen sein, daß die jährliche Verzinsung der genannten Kredit« der Vorkriegs- Belastung nahekommt. Einen ungefähren Anhaltspunkt bilden aber die interessanten Zlujstellungen der Statistischen Abteilung der Land- wirtschaftskammer für die Provinz Pommern. Es heißt dort, daß auf Grund von stichprobsnartigen Erhebungen die Verschuldung an Realkredit je Hektar mit nind 200 M., an Personalkredit je Hektar mit rund 100 M. zu beziffern ist. Di« Verzinsung der Personal- kredite erfolgt dabei zu rund 15% Proz. jährlich, natürlich heute ein zu hoher Satz, während für die Realkredite lediglich der Anhalt gegeben wird, daß zwischen TM und 12 Proz. Zinsen jährlich zu zahlen sind. Ein durchschnittlicher Zinssatz von 9 Proz. ist deshalb für die Realverjchuldung wohl nicht zu niedrig angenommen. Wenn die letzteren Zahlen als charakteristisch für das ganze Reichsgebiet angesehen werden, so ergibt sich, daß an Zinsen jährlich etwa 850 bis 900 Millionen Mark von der Landwirtschaft auszubringen wären. Nun ist zu berücksichtigen, daß die größeren Güter stärker ver- schuldet sind. Dies ergibt sich u. a. auch aus einer Uebersicht, die für die Provinz Ostpreußen bei Bauern betrieben(bis 100 Hektar) einer Geiamtzinsbelaftung von?7 M. je Hektar, für kleinere Guts, betriebe(bis 2S0 Hektar) eine Belastung von 26,20 M.. und für große Gutsbezirke über 250 Hektar eine solche von 34,20 M. feststellt. Wir stehen also folgenden Tatsachen gegenüber: 1. In den letzten Jahren, seit der Währungsstabilisierung. ist «ine starke Neuverschuldung der Landwirtschaft erfolgt. 2. Die Neuverschuldung ist besonders hoch bei den größeren Be- trieben, die aber vorzugsweise die niedriger verzinslichen Hypo- thekarkrsdite erhalten haben, sie ist relativ niedriger bei den Klein- und Mittelbetrieben, die dafür aber mit den höheren Zinsen für Persoualkredite belastet sind. 3. Der Prozeh der Verschuldung ist noch nicht abgeschlossen, denn außer den 1,8 Milliarden„Schwimmschulden", die noch kon- solidiert werden müssen, ist ständig ein großer Bedarf an Personal- wie an Realkrediten vorhanden. Staat und Volk sollen für groffagrarische Pumpwirtschast geradestehen? Diesen Tatsachen steht nun die Feststellung gegenüber, daß, wie das im Reichslandbund zusammengeschlossene Großagrarier- tum immer wieder betont und statistisch„nachweist", die landwirt- fckaftlichen Betriebe in Deutfchland im großen Durchschnitt ohne Rentabilität seien, d.h. mit jährlichen Verlusten arbeiten(während zahlreiche Betriebe, dank tüchtiger Leitung, unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr wohl rentabel arbeiten!) Und damit erhebt sich die Frage, ob es mit der bisherigen Derschuldungs- Wirtschaft weitergehen kann. Ist es vom Standpunkt einer vernünftigen Wirtjchasts- und Krediipolitik überhaupt ver- tretbar, daß wahllos immer mehr Kredite an Betriebe gegeben werden, die nach der Behauptung des Reichslandbunds dauernd mit Verlust arbeiten, und die ihre Schuldzinsen nur„aus der Substanz" decken, d. h. nur durch weitere Verschuldung ausbringen können? Die Landbündler draußen im Lande und ihr Minister in Berlin, Herr Schiele, machen sich die Beantwortung dieser Frage sehr leicht. Sie„fordern" weitere Kredite und sie„fordern" gleichzeitig, w>e es eben noch der deutschnationale Abgeordnete Schlange-Schön ingen mit größter Naivität ausgesprochen hat. vom Staat, daß er eingreift, um durch Zins- verbilligungen. durch Steuerermäßigungen und-Nachlässe, durch Hilfsaktionen und vor allem durch höher« Schutzzölle dazu zu helfen, daß die Verzinsung der Schuldenlast erleichtert wird. Durch die Schutzzölle sollen die Preise für alle Lebensmittel erhöht werden— die gesamte deutsche Volkswirtschaft soll also den Groß- agrariern die Mittel dafür aufbringen, um ihre unrentable Pump- Wirtschaft immer weiter fortzuführen. Prediger w der Düste. Eine solche Politik ist ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Glück- licherweise wird das auch in den einsichtigen Kreisen der Land- Wirtschaft seit langem klar erkannt, seit einiger Zeit auch klar ausgesprochen. Beispielsweise hat der L a n d w i r t s ch a s t s- Professor Beckmann-Bonn soeben erst auf der Magde- burger Tagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit aller Entschiedenheit erklärt, daß die Lösung der Kreditkrise nur möglich ist, wenn sich die Landwirte wieder auf das Prinzip der Rentabilität besinnen, und daß die Kreditgewährung an unrentable Betriebe volkswirtschaftlich eine Ver- schwendung des ohnedies knappen Kapitals, eine Ablenkung von wirklich produktiver Betätigung darstellt. Nicht minder entschieden hat sich vor einiger Zeit schon eines der erfolgreichsten landwirtschaftlichen Kreditinstitute, die Deutsche Domänen- dank(jetzt Deutsche Pächterkreditbank) in ihrem Jahresbericht ausgesprochen. Es wird dort gesagt, daß die Landwirtschast „falschen Parolen" gefolgt sei, als sie sich überstark ver- schuldete, und als sie dann, um die Zinsen aufzubringen, eine allgemeine Produktionssteigerung und eine allgemeine Intensivierung versuchte— mit dem(vom Landbund und den Landbundministern Könitz und Schiele) propagierten Ziel, die„ein- heimisch« Ernährung sicherzustellen" und„das Volk von der eigenen Scholl« zu ernähren". Die planlose Intensivierung unter dem Autarkieprogramm habe dann zu eiper immer weiteren Verschuldung geführt. Demgegenüber wird von der Domänen- dank folgendes Programm aufgestellt: Zurück- Haltung in der Kredithingabe und-aufnähme, Konsolidierung und S y st c m a t i s i e r u n g der Kredite, Rationalijicrung und Rentabilisierung der Betriebe. Schluß mit der systemlosen kapilalvergeudung. Diese Forderungen, die aus der Praxis einer(als Pächterkredit- Institut) besonders um ihre Liquidität besorgten Landwirtschafts- bank heraus entstanden sind, sind auch volkswirtschastlich in hohem Maße vernünftig. Es muß Schluß gemacht werden mit der system- losen Kreditgewährung an unrentable Betriebe, die das Volkswirt- schaftlich so dringend nötige Kapital doch nur zwecklos verpulvern, um dann um so lauter nach Zollerhöhungen und Sub- ventionen zu rufen! Die bisherige Praxis der land- wirtschaftlichen Kreditinstitute ist wegen ihrer wirtschaftspolitifchcn Konsequenzen und wegen der hier betriebenen Kapitaloerschwendung nachgerade zu einer wirtschaftlichen Gefahr geworden. Dabei haben die Bauern an der systemlosen Verschuldung am aller- wenigsten ein Intcresi«. Ausreichende Versorgung der bisher benachteiligten Klein- und Mittelbetriebe, soweit sie. rentabel arbeiten, mit Hypothekar- k r e d i t I Und dem Großgrundbesitz nur dort Kredit«, wo es modern und nach kaufmännischen Prinzipien arbeitet, seine ohnehin geringen Steuern bezahlt und die erforderliche Rentabilität nachweist! Gefährliche Methoöen öer Konjunkturforschung. Im übrigen hat sich das Institut für Konjunktur- forfchung auch bei seiner Publikation über die Agrarkredite wieder Extratänze geleistet. Die Summen, die bei der Vertei- lung der Rentenbank- und Golddistontbankkredite auf die einzelnen Größenklassen der Betriebe kamen, sind bekannt. Ihre Mitteilung ist absolut unentbehrlich zur Urteilsbildung über die landwirtschaftliche Verschuldung. Sie ist s« l b st v« r st ä n d l i ch für eine objektive Darstellung. Aber das Institut verschweigt die Zahlen. Es verschweigt sie nicht nur, sondern es macht direkt falsche Angaben, die die Tatsachen ins Gegenteil verkehren, so z. B. daß 34,1 Proz. der Rentenbankkredit«(der Summen, nicht der Zahl!) Kleintredit« waren. Wir haben allen Grund zu der Annahme, daß man den Kreisen um Herrn Schiele damu gefällig sein wollte. Schon mehrfach mußten solche Seitensprünge, die be- sonderen Interessentenkreisen nützlich sind, festgestellt werden. Man muß sich wirklich fragen, wie lange das noch so weitergehen soll bei einem Institut, das auch von der organisierten Arbeiterschaft finanziell unterstützt wird, zugleich aber die Politik gegen die Arbeiterinteressen fördert. Neuer Wucher öer Sanken. Nach der Diskonterhöhung der Reichsbank mußte ollgemein erwartet werden, daß die deutschen Banken nicht nur die Zinssätze sür die Kredit gewährung entsprechend erhöhen, sondern auch die Sätze für die vergüteten Zinsen. Jetzt aber ist schon klar, daß die privaten Banken das nicht tun werden. Die Berliner Großbanken haben zwar sofort die Kreditzinscn um ein volles Prozent erhöht. Aber schon jetzt steht fest, daß sie die Zinssponne vergrößern werden. Die zu vergütenden Zinsen sollen durchweg nur um ein halbes Prozent erhöht werde». Die Preußische Staatsbank hat eine Erhöhung vorgenommen zwischen 'A und 1 Proz. Sie ist also wenigstens etwas anständiger als die privaten Banken. Von den deutschen Sparkassen und den anderen öffentlichen Banken hoffen wir, daß sie dem schlechten Beispiel der Privatbanken nicht folgen werden. Die Vergrößerung der Zinsspanne ist ein Raubzug der Banken. Nichts anderes. Wenn sie 50 Milliarden im Jahre umsetzen würden, so bedeutet das halbe Prozent, um das Pe die Zinsspanne erweitern,«ine Mehreinnahme von 250 Millionen Mark. Um so viel werden die deutschen Kredite künstlich verteuert. Während alles krampfhaft in Deutschland an der Niedrighaltung des Preisniveaus arbeitet, was sich irgendwie für die Gesamtwirt- schaft verantwortlich fühlt, erhöhen die Banken den Preis für das Kapital. Die absolute Verteuerung£«r Kredite, die die Reichsbank durchgeführt hat, muß noch nicht sehr gefährlich sein. Die ganze Volkswirtschaft zahlt deshalb noch nicht mehr, wenn zugleich die Zinsspanne die gleiche bleibt. Das Vorgehen der Banken aber im gegenwärtigen Äugenblick ist un- vergleichlich viel schlimmer als die Diskonterhöhung der Reichsbank und muß öffentlich gebrcmdmarkt werden. Schacht unü Sie Preußenanleihe. Reichstag und Rcichsregierung müssen eingreifen. In den letzten Tagen wurde gemeldet, daß die Auflegung der Preußenanleihe nun gesichert sei. Das ist leider nicht der Fall. Aber es klären sich etwas die Umstände, unter denen das amerikanische Staatsdepartement zu seinem Einspruch gekom- men ist. Sie klären sich auf sensationeller Weise. Es geht dabei — und das kann nicht überraschen— um Dr. Schacht, den deutschen Reichsbankpräsidenten. Nicht mehr und nicht weniger als folgende Zusammenhänge werden vom„Journal of Commerce" als wahr be- hauptet. Das amerikanische Staatsdepartement fei durch den Präsidenten Strang der amerikanischen Bundesbanken zu seiner Stellungnahme gekommen. Schacht Hobe den Gouverneur Strang auf die Zweckmäßigkeit hingewiesen, den Verkauf weiterer Dollar- bonds für deutsche Anleihen in Ämerika hintanzuhalten, weil auf diese Weise die Ausführbarkeit des Dowes- Plans sofort festgestellt werden könne. Der Zeitpunkt brauche dann nicht verschoben zu werden, an dem Deutschlands Leistungen ein für allemal bestimmt würden. Die Emission von deutschen Anleihen in Amerika diene lediglich der Zahlung von Re- parationen: die deutschen Auslandsverpflichtungen würden vermehrt ohne gleichzeitigen Nutzen für Deutschland. Schacht habe weiter den Vorschlag gemacht, die Erträge aus den New Porker Verkäufen von Dollarbonds für deutsche Anleihen besonders zu kennzeichnen, damit sie sür den Rücktransfer an die Alliierten durch den Re- parationsagenten unbenutzbar würden. Damit würde verhindert. daß die Anleiheerlöse nicht durch Deutschland wie durch ein Sieb einfach hindurchglittcn und erreicht, daß Deutschland wirklich Be- triebskapital für den Wiederaufbau seiner Industrie erhalte So- weit die amerikanische Zeitung, die bisher als zuverlüsssize Jnfor- mationsquelle galt. Die Reichsbank teilt dazu mit, daß die Meldung des „Journal of Commerce" völlig unzutreffend sei. Es sei bei der Konferenz der Notenbankleiter zwar ganz allgemein das Problem der Auslandsanleihen erörtert worden, doch Hab« sich Schacht dazu nur mit größter Reserve geäußert und keinerlei Stel- lung in dem Sinne genommen, wie es die Meldung des„Journal of Commerce" will. Angesiechts dieser Erklärung ist es natürlich ausgeschlos- s e n, die Reichsbank und den Reichsbankpräsidenten Lügen zu strafen. Die bestimmte Art aber, in der das„Journal os Commerce" gesprochen hat, macht es den deutschen Reichsbehörden zur Pflicht, den Reichsbankpräsidenten amtlich über die Zusammenhänge zu vernehmen und der deutschen Oefscntlichkeit endlich jene Aufklärung zu geben, für die es schon seit dem ersten Tage der Gefährdung der Preußenanleihe an der Zeit war. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß, wenn nach der Behauptung der Reichsbank und ihres Präsidenten die 100 Tassen aus ■Vi Pfund für 30 Pfg. U-mmd üä$ikkeS/vt! Die ersten Bäckveisuche eines angehenden Hausmütterchens können durch keinen besseren Rat unterstützt werden, als den die Mutter gibt. Sie sagt stets:„Nimm Dr. Octker's Backpulver„Backin" wenn Dein Kuchen geraten soll." Mit freudigem Stolze würden Millionen von Hausfrauen dasselbe sagen, wenn sie an ihr erfolgreiches Backen mit„Backin" denken. Heute ist es kinderleicht, die schönsten Kuchen, Torten und Kleingebäcke aller Art selbst zu backen, weil Ihnen die sorgfältig ausprobierten Rezepte und die zahlreichen naturgetreuen farbigen Abbildungen in Dr. Oetkcr's ueuem Rezeptbuch, Ausgabe F eine reiche Auswahl und willkommenen Anhalt bieten. Sie lesen in dem Buch auch Näheres über den vorzuglichen Backapparat „Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocherflamme backen, braten und kochen können.— Dr. Oetker's Rezeptbuch F ist in allen einschlägigen Geschäften für 15 Pfennig erhältlich, wenn nicht vorrätig, gegen Einsendung von Marken von Im Berliner Kausfrauen-Verein kommt nur Dr. Oetker's Backpulver„Backin" zur Verwendung. Dr. August Oetker, Bielefeld. limerikanischen Mitteklungen völlig unzuireffei�, sind. oder, wie von einem Berliner Blatt noch der erholten Auskunft bei der Reichs- dank,„frei erfunden" find, die amerikamsche Meldung sich mit den vernünftigsten Kombinationen deckt, die man für die ausfallende Haltung des amerikanischen Staatsdepartements finden kann. Das ist um so wichtiger, als der Reichsbankpräsident zugibt, daß das Problem der deutschen Auslandsanleihe erörtert worden ist. Die öffentlichen und privaten Finanzinteressen, die jetzt aus dem New Yorker Kapitalmarkt auf dem Spiele stehen, sind ko- losfal. Es ist nicht nur die Preußenanleihe gefährdet, es sind fast zwei Dutzend andere öffentliche und private Großanlcihen gefährdet. Abgeschlossen, aber noch nicht genehmigt sind im ganzen etwa 52,30 Millionen Dollar für Preußen. Breslau, Hannover, die Sächsische Landespsandbriefanstalt. die Bestischen Kleinbahnen und die Stadt Frankfurt a. M. Verhandlungen lausen über Anleihen in. Betrage von rund 200 Millionen Dollar, und die Fühlung ist aufgenommen für Anleihen im Betrage von über 100 Millionen Dollar. Darunter sind sehr wichtige Anleihen, insbesondere für den Wohnungsbau und die Landwirtschaft. Für weit über eine Milliarde Mark, für die der amerikanische Markt geöffnet werden soll, sind durch das Zwischenspiel bei der Preuhcnanleihe die Genehmigungen fraglich geworden oder die Verhandlungen unterbrochen. Zu den Ausländsanleihen kann man stehen wie man will, Reichstag und Reichsregierung haben keine andere Wahl, als endlich voll st e Klärung über den Fall Schgcht zu schaffen. Das rhemisch-westfälische kohlenspnöikat klagt. Es kann nicht anders. Das rheinifch-westsälische ftvhlensyndikat hat seinen Geschästs- berichi für 1S26/27 vorgelegt. Es wird richtig festgestellt, daß der englische Bergarbeiter streik die Absatzmöglichkeit jür deutsche Kohle wesentlich verbessert und auch im übrigen«inen Anstoß für eine Wirtschastsbelebung in Deutschland gegeben habe. Das lieh sich schlecht leugnen. Im übrigen aber ist der Bericht des Syndikats, der ehrlicher- weise über die unerwartete Glanzkonjunktur des Jahres 1026/27 jubeln müßte, eine Disharmonie von lauten Klagen. Die von uns gemeldete Anregung der Direktion der Diskontogesellschast Berlin, daß aus den Konjunkturgewinnen auch die K a p i t a l v c r- luste aus stillgelegten Anlogen auszugleichen sind, hat prompt im Syndikat eingeschlagen. Das Syndikat benutzt den Bor- liner Wink mit dem Zaunpfahl zu der Feststellung, daß mancher Gewinnabschluß der Zechen in das Gegenteil verkehrt würde, wenn die Kapilalverlufte aus den aufgegebenen Betrieben berücksichtigt werden könnten. Die kühne Behauptung wird aufgestellt, daß die Modernisierung de? Werke nnt ausländischem Kapital erfolgt sei: die Finanzierung über Betrieb, die sehr stark war, zvird verschwiegen. Selbstverständlich kehrt die Behauptung wieder, daß die Erlöse hinter der Vergrößerung des Absatzes zurückgeblieben seien: von den Gewinnen aus den Nebenprodukten vek- lautet kein Wort. Das ösfcntliche Mitleid wird angerufen, weil trotz der maßvollen Preispolitik des Syndikats der böse Reichs- kohlenrat und der noch bösere Reichswirtschostsminister eine Harauf- setzung der Kohlenpreise vcrhindFrt haben. Aber dankenswerterweise wird die Katze aus dem Sack gelassen mit der Feststellung, daß durch die niedrigen Preise die weitere technisch« Bervollkomm- nung der Anlagen in bedenklicher Weis« beeinträchtigt werde. Preis- erhöhungen sollen also wirklich dazu dienen, Kapital, das man sonst ausnahmen müf-stx, zu ersetzen. Begreiflich, daß die Klage über den Widerspruch folgt, daß Lohn- c höhungcn und Arbeitszeitverkürzungen„aufgezwungen",„ent- svrcchdenc" Preiserhöhungen aber versagt werden. Immer- bin wird die Zukunft nur mit„gewisser" Besorgnis angesehen, da die Belebung der deutschen Industrie den Zlbsatz an Industrickohlc nur wenig gesteigert Hab.-. Wahrscheinlich ist hier auch die Konkurrenz wieder nicht berücksichtigt, die ausländische Kohle im deutschen In- land der Ruhrtohle immer erfolgreicher bereitet. Der Absah des Deutschen Kolisyndikols im September betrug 1>86 290 Doppelzentner Reinkali gegen 826 890 Doppelzentner Rein- kali im gleichen Monat des Lorjahres. Der Absatz in den ersten fünf Monaten(Mai bis September) des laufendcn Düngejahres beträgt 4 180 227 Doppelzentner Reinkali gegen 3 967 233 Doppelzentner Reinkali in den ersten fünf Monaten des Düngejahrcs 1926/27. Der Absatz in den ersten neun Monaten des laufenden Kalenderjahres beträgt>0 069 963 Doppelzentner Reinkali gegen 8 726 012 Doppel- zcntner Reinkali in den ersten neun Monaten des Kalenderjahres 1926.— Der Kalibergbau ist, wie gemeldet wird, überall stark beschäftigt, besonders in Hannover und Thüringen. Mehrfach wird sogar über Kräftcmangel geklagt. Gebesserter Arbeitsmarkt auch Ansang Oktober. Der gesamte Arbeitsmarkt im Reich steht nach den Berichten der Landesarbeits- amter für Ansang Oktober im Zeichen einer leichten Besse- r Ii n g. Noch geht die Entlastuirg von der Landwirtschaft aus, die jür die Rüben- und Kartoffelernte in starkem Maß Kräste bean- spracht. Die Bautätigkeit ist noch lebhaft, die Nebengewerbe l>iben daher gut zu tun. Anhaltend g ü n st i g ist die Lage in der Eisen- und Stahlverarbeitung, in der Metall- und Maschinen- industrie, in der chanuschen und in der Textilindustrie. Uneinheitlich bleibt die Lage im Vervielfältigungsgewerbe, in der Lederindustrie, im Gastwinsgewcrbe und teilweise auch nn Bekleidungsgewerbe. Krise und Subventionen in der spanischen Bleiinduslrie. Aus Spanien entfällt etwa ein Zlchtel der Welterzeugung an Blei. Aber der spanischen Bleihüttenindustrie geht es schlecht. Ihr« Lage hat sich in den letzten Monaten erheblich verschlechtert, so daß die Arbeits- losigkeit in den Industriebezirken Kartagena, Linares und Karolina so groß geworden ist. daß vor kurzer Zeit 20 000 Arbeiter feiern mußten.'Zur Rationalisierung der gefährdeten Bleiindustrie hat die spanische Regierung im Juli dieses Jahres die Zwangstartellierung angeordnet und gleichzeitig durch tönigliches Dekret eine staatliche Hilse in Höhe von 3 Millionen Pe- seien bewilligt. Bis zum Ende des vergangenen Monats war jedoch eine Besserung innerhalb der notleidenden Industrie Spaniens nicht zu erzielen, da infolge der allgemeinen Krise in der internationalen Bleihllttenerzeuyuiig und bei den großen Schmierigkeiten am Welt- warkt trotz staatlicher Subventionen der Bleierzbergbau und die Hüttenindustrie in Spanien nicht wieder lebensfähig gemacht werden kann. Die Verhältnisse liegen dort so, daß das Erz und da« ge- wonnene Blei viel teurer ist als in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo man wesentlich billiger arbeiten kann. Auch aus dem Beispiel Spaniens ist zu ersehen, daß st a o t- liche Subventionen keine Hilfe bedeuten. Im übrigen baben jetzt die spanischen Bleihüttenbesitzer mit der Regierung Ver- bandlungen ausgenommen zum Aufkauf der Bergwerke und der Hüttenbetriebc durch den Staat. Landwlrtschaskllche AZeltproduktionsstatlstik für 1936. Das internationale Landwirtschaftsinstitut in Rom bereitet für 1930 eine landwirtschaftliche Produktionsstottstik vor, die all? Länder der Erde umfassen soll. Von europäischen und nord- afrikanischen Ländern liegt bereits die Zustimmung zur Mitarbeit nach gemeinsamen Richtlinien vor. Di« Länder des nahen Ostens würden bei dieser Gelegenheit zum ersten Male mit genauen Zahlen ersaßt werden. Mit Indien, Siam und Japan sind Ver- Handlungen eingeleitet. An den schon im Gange befindlichen Vor- arbeiten sind Mitgliedes des amerikanische» Ernte- b u r e a u s maßgebend beteiligt. partemachrichten für Groß-Serlin t inlenbungt» tflr bitle Sabril finb ¥$7« stet, an bu «ttlia 6»«8. einbtnitrafct 3, l. S-k.» Tre». recht,,»u richten 3. ftrel, JBtbbtng. Freilag, 7. Oftnbet, 19 Uhr, Sitzung t-s erweiterten itreiscorstanhes an bekannter Stelle. 6.»rei, flreujbetg. Freitag, 7. Oktober, 1914 Uhr, bli»rllger, Trimmstr. 1, Sitzung des erweiterten«reisvorstandeo. heule, Donnerstag. L. Oktober: «.«bt. 20 Uhr bei Bellet, Ftlrstenstr. 1, Funktionärsitzung. S ßs 75.«bt. Wannsee. 19'/. Uhr öffentliche Bundgebung gegen den W W Reichaschulgesetzcntwurf in der Schulaula Charlottenstratze. Referent ö W Echulrat Dr. Hering. Männer und Frauen, erscheint in Masscnl 7».«bt. Schäneberg. 20 Uhr bei Graß, Scdanftr. 17, Funktionärsitzung. Bericht Uber Gohrisch. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre unbedingt erforderlich. 139.«bt. Tegel. 20 Uhr im Lokal Christensen, Schlieperstr.«9, Funktionär- sttzung. Morgen. Freitag. 7. Oktober: 3.«bt. l9'4 Uhr bei Briiger, Engelufer 23, wichtig- Funktionärsitzung. Alle Funktionäre miisscn unbedingt erscheinen. 9.«bt. 20 Uhr bri Husenba-h. P-rlebcrger Str. 61, ordentliche Funktionär. sttzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 30.«bt. 19 Uhr bei Pohst, Ln-dcncr Eck- Etargarber Strohe, Funktionär- sttzung. Jeder Funktionär mutz erscheinen. «l.«bt. Friedenan. 20 Uhr hei Schonefeld, Birchstr. 22, Funktionärsitzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. ReuILlln. 89.«bt. 1« Uhr bei Grommeck. Sanberstr. 10, Borstand», und Funktionärsitzung.— 93.«bt. 1914 Uhr bei Zimmermann. Stuttgarter Stratzc 41, Funktionärsttzung. Jeder Bezirk mutz vertreten sein.— 95.«bt. 20 Uhr de! Brusch. Iägcrstr. 10, Funktionärsttzung. Jeder Bezirk mutz vertreten sein.- 9«.«br. I9V, Uhr bei Lohann, Wipperstr. 18/19. Funk. tionärsttzung.— 97.«bt. 1914 Uhr bei Rohr, Siegfrieds«!. 28, Funktionär. 101.«bt." Treptow. 19 Uhr pünktlich in her Spedition Groetzstr. 50 Vorstands. sttzung mit sämtlichen Bezirksführern. 108.«bt. Köpenick. 1914 Uhr im Sitzungszimmer Sitzung sämtlicher Bezirk«. führer und der llntcrbezirkssllhrer. 118.«bt. Lichtenberg. 19 Uhr bei Mix, Margareten. Ecke Friedrichstratze, Funktionärsttzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. 123.«bt. Baulabors. 20 Uhr bei Hühner wichtige Funktionärsttzung. Er. scheinen ist Pflicht. 128.1130.«bt. Pankow. 30 Uhr bei Meeh», Berliner Stratze Ecke Linden. Promenade, Funktionärsitzung. Pünktlich erscheinen! » 07.«bt. Grunewald. Sonnabend. 8. Oktober. 20 Uhr, Bannerweihe der Ab» teilung im Bahnhafsrestaurant Grunewald. Es ist Parteipflicht, datz sich olle Senostinnen und Genossen beteilige». Die Genossen de» 9. Breises sind besonders eingeladen. F raueaveranstaltungea. 5. Brei, Friedrichahain. Mitgliedernersammlung Freitag, 7. Oktober. 1914 Uhr, in Schmidts Festsälen, Feuchtste. 38. 1, Bericht der Genossin Grötzinger über den Kursus in Bietzmühte. 2. Bericht der Genossin Schröter über den Kursus in Gohrisch. Die Mitglieder müssen eingeladen werden. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrt und Kinderschuh. 2. Beel, Tiergarten. Sonntag, 9. Oktober, Besichtigung de, Erziehungsheime» Waldfrieden bei Lichtenrade. Treffpunkt Potsdamer Bahnhos 914 Uhr pünktlich /Abfahrt 9.45 Uhr). Interessierte Genossinnen und Genossen find eingeladen. Jungsozialisten. Aus Einladung der Berliner Zungsozialisten spricht am Montag, 10. Oktober, im Prcntzischen L-udiag, Priaz.Alirecht.Str. 5, Saal 12, um 19', Uhr Genosse ®.«. Zwchl Lberi„Politische Kunst und Bunstpolitik."(Ein sehr wesentlicher Beitrag»um attucllcn Problem de» Sesinnung-theater» sPiseator.BLHnrl.) * Prenzlauer Berg! Heute, Donnerstag, 20 Uhr, im Altersheim Danziger Stratze 52 Dortrag:„Das Ardeitsgerichtswefen." Referent Willi Lilj-berg. » Achtung, Gau BerliniBrandenbnrg: Saulcitungsmitattederk«» Montag, 10. Oktober, sindct»or der Gesamtoeronstoltung im Landtag püuUlich n» 17'/, Uhr eine wichtige Besprechung mit dem Brandenburger«-zirtooorstnnd der Partei im Brandenburger Bureau. Lindenstr. 3, 1. Hos 3 Tr., statt. Zlrbeilsgemeiuschast der Kindersreuude. Brei, Neukölln: Freitag. 7. Oktober, 19'4 Uhr, Helscroersammlun» In der Baracke Ganghoferstraße. Tagesordnung:„Unsere Elternorganisation. Sterbetafel üer Groß-öerliner partei,", die dann zur Be- Zeichnung von Wirbelstürmen verwendet wurde. Aus dem Spani- scheu ist auch dos Wort„Orhan" zu uns gekommen, das aus dem spanischen„Imrricann" hergeleitet wurde. Die Spanier wieder übernahmen diese Bezeichnung aus der Sprache der karibischen Indianer, die die furchtbaren ostindischen Stürme„buratan" nannten. Dos Wort Taifun, dos hauptsächlich von den Stürmen im Fernen Osten gebraucht wird, gilt vielfach für chinesisch: tatsächlich aber kommt es von dem griechischen„Typhon" her, das soviel wie Wirbelwind bedeutet. Das Wort wurde im Arabischen in„Tukan" umgewandelt und von den arabischen Seefahrern im Fernen Osten benutzt Daher kommt die Annahme des chinesischen Ursprungs, die dadurch unterstützt wird, daß chinesisch„ta" groß und„fang" Sturm bedeutet. Ein Wolkenkratzergefängnis. Die Stadt New Park will nun auch ein Gefängnis im Wolksnkratzerftil dem Stadtbilde einver- leiben. Es soll ein Frauengefängnis werden und nach dem Plan eines modernen Hotels errichtet werden mit viel Luft und Licht für die Insassen. Parterre sind Räume für Leibesübungen vorgesehen, und die Zellen verteilen sich vom vierten bis zum zehnten Stock- werk. Im elften Stockwerk wird das Hofpilal Unterkunst finden. Mls Gefangener durch öapern. von Jtanz Rolhenfelder. Revolutionärer Ueberschwang gab den März- und Aprillagen des Jahres 1919 Gewalt des Sturmhaften und ließ das Land an der Nordgrenze der Alpen in Glut und Farbe südlicher Sonnen- gebiete erscheinen— in fast traumhaft fahles Licht des Erlebens warfen Tod und Kerkerverhängnis Ihre schatten voraus, aber die davon betroffen werden sollten, fragten nicht nach Zukunft. Sie wurden von einem Starken getragen und getrieben, das Tat hieß. Ruhiger, klarer, wenn auch nicht ohne Schmerz, blicken wir heute zurück. Empfinden war damals mächtiger und mehr ent- scheidend als überlegender und wägender Verstand— wie immer in Zeiten revolutionärer Hochspannung, in der Freiheit Handeln und nicht Verhandeln sein will. Wir schauen geeint in nebelhaftes Werden, da wir gegen Willen und Wisien uneinig wurden. Wer mochten wir damals getrennt erscheinen: heute haben wir wieder zusammengefunden und die Härte und Hast der Tage von einst, die viel an wirklichent und ehrlichem Freiheitswillen sahen. � sollen uns gemeinsamer Besitz sein. In diesem Sinn« darf Erinnern wieder ausleben— jedes Einzelschicksal war doch nur ein Schicksalsanteil am ganzen ringenden Volke der Arbeit und Freiheit. Es ist«in ziemlich ausgedehntes Land, das den Namen Bayern trägt: von den Alpen zu den mitteldeutschen Gebirgen, und was zwischen beiden liegt, ist ein schönes und reiches Land. Niemols aber hat es wohl ein geborener Bayer so rasch im Flug und so eigenartig in den Fahrtverhältnissen kennen gelernt wie einer der Kämpfer, der damals eben, am Mittwoch vor Ostern, Gefangener geworden war. Noch heute fliegt es wie Spuk und Gespenster- grauen und in solcher Gegensätzlichkeit des Erlebens vorüber, daß es menschlich wie künstlerisch eine» kurzen Festhaltens wert er- scheinen dürft«. Aber es ist keine Verbitterung mehr dabei und nur das Bewußtsein schmerzt, daß damals arme Menschen noch schwereres durchzumachen hatten und daß Gluthauch und Sturm des Rebellentums mit teurer, blutiger Münze bezahlt werden mußten. Viel Weg, viel Abwechslung an Haftverwohrung aus einmal— fast zu viel, um stärk mit gesunden Sinnen ertragen werden zu können, und über allem die Ungewißheit— nicht des eigenen Schicksals so sehr als dessen der Massen, über die sich mitten in der heiligen Woche vor dem Ostersest Grauen und Schrecken des Bürger- krieges zusammenzuballen drohen. Es ist Deutschlands schönster Profanbau, die Augsburger Wunderschöpfung des Elias-Holl-Rathauses. Deutschlands erster Wolkenkratzer, in dem ich nach Mitternacht festgenommen wurde, um in die Kaserne neben dem Ulrichmünster, einst eine mächtige Benediktinerabtei, verbrocht zu werden— und am Morgen des Gründonnerstags wieder frei zu sein und mich selbst aufs neue im Nothaus zu stellen. Aber nun wird Verzirftf auf die Freiheit Pflicht: das Nichteimnarschieren der Regierungstruppen wird verbürgt, wenn ich einwillige, in ehrenvoll« Schutzhaft genommen zu werden, die nur wenige Tage dauern sollte und in keinem Ge- sängnis verbracht zu werden brauchte. Meine Bedingung ist: Abschied von meinem allen, kranken Vater— den ich nach fast drei Jahren, kurz vor seinem Tode, erblindet und völlig gebrochen wiedersehen sollt«. Ich ziehe meine Uniform an und nehme den „Faust" zu mir. Dann fährt mich das Auto ins Ungewisse. Gründonnerstagsfahrt. Kirchgänger, die nicht wisien, was in der Welt vorgeht, und erschrocken dem rasenden?luto ausweichen. Dann das erste Ziel— an 90 Kilometer in lcharsem Wind— Ulm mit den ragenden Münstertürmen. Erste Haft in einem verschlossenen Hotelzimmer des bayerischen Neu-Ulm. Mitternacht Ueberredung zur Flucht durch einen Wachtposten, dessen Angebot mit wissendem Lächeln zurückgewiesen wird. Am anderen Morgen— dem des Karfreitag— bringt der Wirt selbst mit mitleidiger Freundlichkeit eine Fastenspeise. Dann geht es ini Auto weiter. Wohin? Zunächst unbekanntes Ziel. Es führt über die Donau— freundliche Städtchen fliegen vorbei, fast südlich-italienischer Charakter der Bauten über- rascht. Und Ablenkung tut bitter not. Endlich in Ditzingen, dem Städtchen der vielen Klöster und des Priesterseminars, neuer Aufenthalt: in einer völlig schwarzen Zelle— es muß wohl die gewesen sein, die vor der Hinrichtung benutzt wurde, als das Ge- fängnis noch im Betrieb war— den Rest an Tag und an Kar- sreitagstimmung. Sehr freundlich und menschlich der alte Amts- gerichtsrat, der wiederholt zu Besuch kommt. Karsamstag endlich keine Autofahrt mehr, jetzt geht es in Be- gleitung eines Gendarmen in Zivil mit der Bahn weiter Donau- wörtl)— Nürnberg— Bamberg. Dort ist Sitz der alten Regierung, aber auch ein Gefängnis st ov�t,»nd mir mit diösem habe ich zu tun. Aber immer noch nicht, trotz der neuen Reise von einigen hundert Kilometern war es das Ziel. Das Bitterste kam jetzt erst. Bamberg ist eine sehr fromme Stadt und hat viele und schöne Kirchen, danmter den berühmten alten Dom. Und von oll diesen Türmen läutete es wundersam melodisch zur Auferstehungsfeier, als ich gefesselt auf einem offenen Lastauto Platz zu nehmen habe, um zunächst durch die Stadt mit den frommen, festlichen Menschen gefahren zu werden, die mir nachdrohten— und fluchten. Nach zwei Stunden erbarmungsloser Windfahrt zwischen zwei Gendarmen werden mir im Zuchthaus von Ebrach die Fesseln abgenommen. Es ist dos schönste an ehemaligen Klaste'.gebäuden, was ich je sah, längst Zuchthaus geworden, wie ich d�nn überhaupt auf dieser Osteriahrt meine Heimat in ihrer Schönheit gründlicher kennen- gelentt hatte als je zuvor. Nur schien es mir zuviel des Genusses auf eimnal, und als ich endlich in einer der für uns ausgeräumten Zellen der Lebenelänglickzen untergebracht war, hatte ich nur noch Sinn für Ruh« und Rast. Die wurde mir auch in sechsmonatiger Einzelhaft, mehr als mir lieb war, zuteil— und als ich nach dieser Zeil zu ehrenvoller Festungshaft verurteilt wurde, war ich löm' einer der Müden geworden, die man Gefangene nennt. Mus der Partei. fteine Krise in der polnischen parket. Warschau, S. Oktober.(Eigenbericht.) Die Nachrichten sozialistcnseindlicher Blätter über Massenaustritte aus der Polnischen Sozialistischen Partei nach dein Ausschlufj von Moraczewski bestätigen sich nicht. Außer dem Ministerialdirektor H o l o w k o hat Moraczewski bisher keinen Weggenossen für das sich neu organisierende Piljudski-Lager gesunden. Die pol' nischen Sozialisten erhoffen von der deutlichen Betonung ihrer oppo- sitionellen Stelluirg oerstärkten Zuspruch aus der Arbeiter- schuft, wie er sich bei den l"tzten Gei ieindewahlen in verschiedenen Teilen Polens auch bereits bemerkbar machte. Sport. Rennen zu Mariendorf am Mikkwoch. dem 8. vklober. 1. R e n n e n. l. Nimmersatt rA. Fmn), 2. Parmenio(Th. MIllZ), S. Olan(Jacobi). Toto: 32: 10. Platz: ,5, 1t, 37: 10. 2. Nennen. 1. Nnter I(HntS), 2. Lux II. MillS), 3. Kroschel tLautcnbelger). Toto: kt: 10. Platz: 22, 27. 77: 10. ferner liefen: Meiilcrsänaer, Deutscher, Ostmark, Selamlik, Constanze. Mokante. Heider, Nusliaga Boy, Linsca Harvester. Sadana, Lord Polo, Doorn, Elsfranco. 3. Nennen, l. Nora Belwin(Mensinga fun.), 2. Volaa ll(Besttzer), 3. Mrs. Botworth(Ch. Mills). Toto: 21: 10. Platz: II. 12: 10. 4. Nennen. 1. Pctruschka sCY. Mills), 2. Ida P-los(Heckcrt), 8. Freund Edeltlein(P.Finn). Toto: 21: 10. Platz: 12. 11. 12: 10. 5. Renne n. 1. Maikönigin I(Besttzer), 2. Lord Volo kHerforth', 3. FriedrlchSdor(Besttzer). Toto: 108: 10. Platz: 41. 49, 29: 10. Ferner tiefen: Ingesinde, Minni Halle, Einsicht, Esst, Halma, Crifa, Tust Lcyburn, Radiola. Goudster jun., Langemann. «Nennen. 1. Trotteur(Reiter), 2. Billy Bunker(A. Finn), 3. FelS(I. Mills). Toto: 140: 10. Platz: 24. 29. 28: 10. Ferner liefen: Vegrana, Damson Watts, Altgold, Mary H., Kammersänger. 7. N e n n e n. 1. Letzte Liebe(Eberl), 2. Nebelkappe(Hcckert), 3. Lucretia(Ch. MtllS). Toto: 24: 10. Platz: 13, 21, 12: 10. 8. Nennen. 1. Mentor I(Grotznrann), 2. Rubin(Eberl), 3. Frida Magowan(Ch. Mills). Toto: 80: 10. Platz: 14, 20. 14:10. Wodurch werden Verdauungsstörungen verursacht? Nach jedem Esten werden größere Mengen säurehaltiger Säfte durch die Verdauung ausgeschieden. Bei mangelhafter Magenarbeit liegt die Speise zu lange als gärende, saure Masse im Magen und ruft dadurch allerlei Schmerzen und Beschwerden hervor. In solchen Fällen kann man sofortige Linderung dadurch erzielen, daß man einen halben Kaffeelöffel Bisertrtes Magnesio-Pnloer oder zwei bis drei Tabletten in etwas Wasser nimmt, sowohl nach dem Esten als auch wenn man Schmerzen verspürt. Dies neutralisiert die Säure, beseitigt übermäßige Gärung, lindert die Beschwerden und stellt schmerzlose Verdauung her. Kaufen Sie noch heute eine Flasche Biscrirte Magnesia. Gebrauchen Sie sie wie vorgeschrieben und Ihre Verdauungsbeschwerden werden bald behoben fem. Wichtig! hüten Sie sich vor Nachahmungen und bestehen Sie darauf, nur die echte Biserirke Magnesia zu erhalten, die den Namen Vis mag Ltd. London trägt. g. Rennen. 1. Dancing Girl(F. Echmlbt), 2. Armenier(Knip- nadel jun), 3. Lu(Weidner jun.). Toto: 137:10. Platz: 4S, öl, 331: 10. Ferner liefen: Diana Magowan. Carl Eugen, Hippologe, Propeller, Malmö, Monostatos, Erster Seeboser, Dichlung, tÄondet, Draga Watts, Kletterrose, Ostgrcnze, Lsarwelle, Baron Gabler, O'Captain Leeiberg, Campanula, Einsicht.__ kehi an« bei Rillt! Neben dem berühmten französischen Straßenfahrcr Achille S o u ch a r d und seinem Landsmann M o u t o n, die am Sonntag bei dem internationalen I00-KiiomeIcrch aller aktiven und passiven Kameraden de! Bacnfch, Wcderftr. auch Damen, willkommen. Laumschnlenweg: 19(4 Uhr Mitgliederversammlung bei Bvrgmann. Referent Kamerad Richard Meper.„Da, alte und das neue Deutschland." Mahlsdors: Im Lokal von Anders, Bahnhosstraße, Mitglieder- Versammlung. Portrag des Kameraden Franz Käming fen.:„Was ist und was will�das Reichsbanner?" Erscheinen aller Kameraden Pflicht.— Sonnabend, : Versammlung WnWWM?nWM>>WWW>W>W»W>WWWWWWW»W>1tz. Erscheinen Pflicht. Sportplatz Friebrichsselde: 20 Uhr Sitzung sämtlicher 8 Sesomt» vorstände im Vereinsheim auf unserem Sportplatz. Schöneweidc-Zohannisthal: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Schöps, Erünauer Cirasse. Vortrag Kamerad Franz von Puttkamcr. Vorstand und Gruppenführer eine Stunde früher. Zu der Veranstaltung einladen. Reinickendorf-West: 8. Stiftungsfest mit Fahnennagelung in Hartmanns Brauerei, Scharnwebersir. 101/100. Gäste willkommen. Anfang 20 Uhr.— Baumschulenweg: Sonntag, d. 9. Die Käme. radfchaft beteiligt flch an der Vaotstaufe in der Bassersportabteilung. An» gehörige mitbringen. Treffpunkt 18 Uhr Vhf. Baumschulenweg.— Friedrich». Hai»! Do., d. 0., Ig>4 Uhr, sämtliche Sportler in den Comeniussälen. Wich- 18)4 Uhr, : Abt. 1: .„-_--------------------.------- Neuwahl uta Abteilungsvorstandes._ «rbeiter Absiincntenbnnd, Gruppe Korden. Donnerstag, 0. Oktober, 20 Uhr, Ledigenheim Schönstedtstr. 1(Eingang Orthstraße), Vortrag:„Die neue Woh- nung." Gäste willkommen. Vnud der Freidrulerjugead. Mitgliederversammlungen. Gruppe Osten: Donnerstag, 0. Oktober, 20 Uhr, Jugendheim Litauer Str. 18. Gruppe Rorden: Freitag, 7. Oktober, 20 Uhr, Ledigenheim Pappelallee 1ö. Gäste willkommen. Deutscher verein sür den Schutz des gewerblichen Eigentums. Donnerstag, 18. Oktober, im Nicht, gkcitssaal des Reichspatentamtes, Berlin GW.«itschiner Straße 97, Verenisversammiung. 20 Uhr. Bartrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Earl Becher-Berlin:„Gewerblicher Rechtsschutz und Rrbebcrrccht in der Recht- sprcchung des Steuer- und Stempelrechts. Gäste stnd willkommen. Verband für Volksgefuudheit, Ortsuerein Berlin. Donnerstag, 0. Oktober, 20 Uhr, Ifflandstr. 9/11, außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Abend.— Zugendgruppe Süd: Freitag, 7. Oktober, 20 Uhr, Neukölln, Schierke- straße 44, Bunter Abend. wetkerberlchl der öffeaMchen Wellerdienststell« Pcrstn und Umgegend (Nachdr. veib.) Bewölkt bis heiter ohne erhebliche Niederschläge, mägige Nordwcsiwtnde, Temperaturen wenig verändert.— Jtir veutschland: Nur im Osten noch einzelne Schauer, sonst trocken, aber weiterhin lühl, stellen- weise Nachtsiöjtc. DergLfteKnrrnrigarn f® in unerreichter Auswahl neuer Farben- musterungen m �-16:14.- � fV? Gertraudtsn-sti? 20/21 febHird* Deutscher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Am 1. Oktober 1927 starb platjJioh(dwoh Unglücksfall) im Alter von 43 Jahren unser ehemaliger zweiter Kassierer und jetziger langjähriger Bureauangestallter Wilü Wagenführ Die Einfischerung findet am Freitag, dem 7. Oktober, 13'/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Am 3. Oktober 1927 starb ebenkalls plötzlich und unerwaitet im Alter von fast 58 Jahren unser langjähiiger Funktionär und Mitglied der engeren Verwaltung, der Stockarbeiter Oskar Tabcrt Die Einäscherung findet am Freitag, dem 7. Oktober, 18'/, Uhr, tm Krematorium Gerichtstraße statt Beide Kollegen waren pflichttreue Mitarbeiter unserer Verwaltung. Ihre Verdienste im Deutschen Holrarbeiter-Verband und ihre Tätigkeit für die gesamte Arbeiterbewegung werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. Die OrtsverwaUnng. zur Miete Wcfl.Antbaelierstr Am 2 Oktober 1927 enischlief fanft noch schwerem, geduldsam ertragenen Leiden unser langjährige», pflichter- jülltes Vorstandsmngllcd kruno Winistädt im 38. Lebenojahre Für ihn war der Tod ein Grlöfer, für un»«in ewiger Schmerz. DraoMtiid» Vuilostaig Säd-Dil IM. Einäscherung: Freitag, 7 Oktober. 2 Uhr nachm., Krem. Baumschulenweg ■> Soeben erschien:» H ein neues Buch von PS tz-j Adolph Hoffmann m I Amorette» I I «- i Glitpflanzen au» dem Irrgarlen der Liebe. 104 Seiten stark, mit 3 farbigem Titelbild von Willi Steinert Von Pädagogen. Aerrten, Juristen und Presse glänzend beurteilt iEin wichtiger Beitrag tu dem w. am 1. Oktober In Kraft tretenden üesett zur Bckäinpmo!'. der üe- scblechtsärankheiten. Preis I Ist. a Zu beliehen vom Ve r f as s e r, Berlin O 17, KoapenstraBe 6, allen Ausgabestellen Vorwjrts". ♦ ♦ BelUeäem Adolf Pohl Dresdener Straß« (Fahriagebaudei doli Pohl! raQe 13 Ida) pwospeuiman< 1 tini n.bilUL? 1 Nur |<3roB-Berlin |Alexandcr ploi». s In der Gesaxntaufldfe de».Vorwärts*»Ind besonders vlrkM» and trotzdem sctirblUitt! Slsnenspenden eder Art leiert o e e> s w«ei fnnlung. Tagesordnung: Vortrag de» Herrn Prof. Ermanstt über:„Rationollsieiung oder Ausbeutung". vte Oetoveemaltnna. 2S. S. 267.27 In der Privatklagesache l. de» Bezirlsleiter» Arthur Lorenz, 2 de» Gewertschaltsselretärs Heinrich Preuß. d«:de Bew«rtsch»-:»hau» Porder-Rotzgarte», Privallläger gegen den Redalteur Jsmar Hcildorn. hier, Hrniercoßgarten l4. An- aeklagiea, wegen Beleldigung hat da» Amtsgericht in Königsderg Pr, am S Sep:emder 1927 Mir Recht erkannt: Der Angellagt« Jsmar Heildorn wird we en Beleidigung in Tateinheit mil übler Nachrede der Prioat läger Arthur torenz und Heinrich Preuß zu«wer Geldstra'e von 200— zweihundert— Reichsmort. ersatzweise 20 Tagen Ge/ängni» und zu den Kosten de» Verjähren» o«r- urteilt. Die PrloatNSger haben die Befugnis die Verurteilung am Kosten de» An- qsllagjen je einmal in dem„Echo de» Ostens", der„Königsberger Voltszcitung" und dem„Vorwärte" innerhalb einer Frist von einem Monat nach Rechtslrasl des Urteil» detanntzumochen. «Snlgobeeg pe.. d 27 September 1927. VmUgeilcht, Abteilung Zi Zum Sehulanfang! ril MnABlilPnAnTifidSiP G** 0'6 l» Tielcn Fassons und lllKO&FKelCOIlZUlfv Qualitäten, außergcwJShnlich aa preiswert............ 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